BERLIN Dienstag 10. Mai 1932 Der Abend Erfcheint tåglich außer Sonntags. Bugleich Abendausgabe des Borwärts" Bezugspreis für beide Ausgaben 73 Bf. pro Woche, 3,25 M pro Monat ( davon 87 Vf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus sablbar. Bost bezug 3,97 m. einschließlich 60 Vf. Vostzeitungs und 72 Vf. Vostbestellgebühren Spätausgabe des„ Vorwärts " 10 Pf. Rr. 217 B 109 49. Jahrgang Anjetgenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile 30 Vf. Reklamezeile 2.-M. Ermäßigungen nach Tarif. Vostfcheckkonto: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Gernsprecher: Donboff( A 7) 292-297. Präsidentenwahl in Frankreich Die Nationalversammlung in Versailles zufammengetreten Bersailles, 10. Mai.( Eigenbericht.) Kammer und Senat find heute vormittag in Bersailles in der Nationalversammlung zusammengetreten, um den vierten Präsidenten der Republik zu wählen. Den Vorsitz führt der Senatspräsident Lebrun, der zugleich kandidat des Amts des Staatspräsidenten ist. Der Kongreß tagt in einem im Flügel des Versailler Schloffes gelegenen Saal, der nach Ausrufung der dritten Republik für die Sihungen der Abgeordnetenkammer eingerichtet worden war. Als die Regierung im Jahre 1879 von Bersailles nach Paris verlegt wurde, erhielt der Saal seine jetzige Bestimmung als Tagungsort für die Nationalversammlung. Das Schloß ist seit mittag in riesigem Umfange durch Polizei und Truppen abgesperrt. Auch die beiden Bahnstreden nach Versailles werden von Truppen überwacht. Gegen 11 Uhr vormittags trafen die ersten Parlamentarier in Versailles ein. In der sogenannten Büstengalerie, die der Nationalversammlung als Wandelgang dient, herrschte gegen mittag bereits ein lebhaftes Treiben. Auch zahlreiche neugewählte Abgeordnete find erschienen, obgleich fie an der Abstimmung nicht teilnehmen dürfen. Die Wahl Lebruns wird allgemein als gesichert angesehen. Die radikale Kammerfraffion, die erst eine halbe Stunde vor Beginn der Sihung zusammentritt, dürfte ihren Mitgliedern empfehlen, für Lebrun zu stimmen. Dieser Aufforderung werden die meisten Radikalen Folge leiften. Mit diesem Maffenvotum wollen die Radikalen nämlich erreichen, daß Lebrun, obgleich politisch rechtsstehend, nicht als kandidat der Rechten, fondern der Linken fiegt. Die Haltung der radikalen Fraktion des Senats, die die Zurudziehung der kandidatur Painlevés ausgerufen hat und die angesichts des Ergebnisses der Kammerwahlen als etwas zweideutig erscheinen könnte, ist vor allem durch zwei Gründe zu erklären: Der Senat spielt in der französischen Politik die Rolle eines Dämpfers und Mäßigers. Ebenso wie ihm jede zu rechts gerichtete Regierungspolifit verhaßt ist, was er durch den Sturz der Regierung Tardieus und Lavals bewiesen hat, wünscht er auch keinen zu scharfen Linkskurs, wie es nach den Kammerwahlen möglich wäre. Um nun den kommenden Linksregierungen gewiffermaßen ein Gegengewicht entgegen zu setzen, möchte der Senat einschließlich der radikalen Fraktion einen mehr rechts gerichteten Politiker an der Spitze des Staates wählen. Der zweite Grund ist mehr materieller Art. Durch die Wahl Lebruns wird der Poften des Senatspräsidenten frei, den nun der radikale Senator Jeannenen zu erhalten Aussicht hat. Jeannenen war bei der letzten Senatspräsidentenwahl nur mit acht Stimmen Lebrun unterlegen. Wenn Lebrun zum Staatspräsidenten gewählt wird, dürfte als Gegenleistung auch die Rechtsfraktion des Senats diesmal für Jeannenen stimmen. Die sozialistische parlamentarische Frattion ( Abgeordnete und Senatoren zusammen) hat furz vor der Kongreßfizung einstimmig beschloffen, für Paul Faure zu stimmen. Dieser Beschluß stellte eine Art Sympathiekundgebung für den allgemein beliebten Generalsekretär der Partei dar, der für seine Niederlage bei den Kammerwahlen entschädigt werden soll. Die Niederlage bei den Kammerwahlen entschädigt werden foll. Die Kommunisten werden gleichfalls für einen ihrer Abgeordneten sfimmen. Frankreich nach den Wahlen. Sozialistischer Parteitag in Frankreich bereits Mitte Mai. Paris, 10. Mai. Havas erklärt, daß der ursprünglich für den 29. Mai geplante außerordentliche sozialistische Parteitag, der sich mit der durch die Wahl geschaffenen Cage. insbesondere mit der Frage einer eventuellen Beteiligung der Sozialisten an der Regierung beschäftigen wird, bereits am 15. und 16. Mai tagen werde. Die Katastrophe von Lyon. Man rechnet mit 32 Toten. Paris, 10. Mai. Es bestätigt sich, daß bei der Erdrutschkatastrophe in Lyon 32 Menschen ums Leben gekommen find. Im Laufe der Verschütteten noch lebend zu bergen. Die Aufräumungsdes Montag mußte die Hoffnung aufgegeben werden, einen Teil Die Trümmer des eingestürzten Hauses. arbeiten wurden daher unterbrochen, um zunächst die bei dem Erdrutsch stehen gebliebenen Mauern und Teile des Hügelabhanges, die jeden Augenblick die Bergungsmannschaften unter sich zu begraben drohten, zum Einsturz zu bringen. Zu diesem Zwed wurden drei kleinkalibrige Geschuhe aufgestellt, die mehrere Stunden lang in die Trümmer hineinfchoffen. Die Granaten riefen einen Brand hervor, der von der Feuerwehr gelöscht werden mußte. Die Aufräumungsarbeiten wurden daher erst am späten Nachmittag wieder aufgenommen. Bis Mitternacht wurden sechs schrecklich verstümmelte Leichen aus den Schuftmassen hervorgezogen, darunter die Leichen mehrerer Frauen. 26 Mieter der eingestürzten Häuser werden noch vermißt. Sie liegen höchstwahrscheinlich unter den Trümmern begraben. Ein Dorf rutscht ins Tal. meldet, durch die sich ein ganzes Dorf in Gefahr be Aus Chambéry in Savonen werden große Erdrutsche ge findet, verschüttet zu werden. Etwa 2 millionen Kubikmeter Erde haben sich in Bewegung gesetzt und rutschen langsam abwärts ins Tal. Von zehn Häusern auf dieser wandernden Oberfläche wurden drei bereits vollkommen zerstört, da die Erdmassen während des Abrutschens wie bei Erdbeben plötzlich klaffende Risse bekommen, in denen Bäume und Häuser versinken. Die Bewohner der im Tal gelegenen Dörfer beeilen sich, ihre Wohnungen zu räumen und lebendes und totes Inventar in Sicherheit zu bringen. Luftschiff in höchster Gefahr. Riesenzeppelin Afron" in schwerem Sturm. Fortworth( Texas), 10. Mai. Das Riesenluftschiff Akron geriet bei einer Fahrt nach dem pazifischen Küstengebiet in einen schweren Sturm. Sämtliche Einwohner der Stadt San Angelo wurden alarmiert, um bei einem Landungsversuch des Luftschiffs Hilfe zu leisten. Alle Versuche, das Luftschiff landen zu lassen, schlugen jedoch wegen des heftigen Sturms fehl. Die Akron trieb in der Richtung auf Christobal ab. Man ist über ihr Schicksal in größter Unruhe. Die Frau Gorgulows in Paris. Was sie über den Mörder Doumers zu sagen weiß. Paris, 10. mai.( Eigenbericht.) Die Frau des Mörders Gorgulon ist am Sonntagnachmittag von zwei Polizeikommissaren begleitet in Paris eingetroffen und von der Gerichtspolizei sowie dem Unterfuchungsrichter verhört worden. Sie sagte aus, daß ihr Mann keinerlei Anzeichen von Geistess frankheit gezeigt hat. Er sei ihr gegenüber stets sehr höflich gewesen und habe nur, wie alle Menschen, ab und zu schlechte Laune gehabt. Er sei auch sehr gläubig gewesen und habe sie stets zur Messe begleitet. Ueber seine politische Gesinnung habe er sich nie geäußert. Die Zeugin ist gebeten worden, sich weiter zur Verfügung der Untersuchungsbehörde zu halten. Geldbriefträger überfallen Täter nach längerer Verfolgung festgenommen Fennstraße handelt. Aus verschiedenen Gründen wird angenommen, daß er noch mit einem Komplicen zusammengearbeitet hat. Die Nachforschungen der Polizei nach diesem zweiten Mann sind im Gange. Der überfallene Briefträger mußte nach dem Achenbach- Krankenhaus gebracht werden. Ein dreister Raubüberfall wurde heute gegen 29 Uhr| 23 Jahre alten Arbeiter Erich Kornblum aus der auf den 40 Jahre alten Geldbriefträger Karl Weichert verübt. Weichert befand sich auf seinem Bestellgang, als er plötzlich im Hause Stubenrauchstraße 71 in Friedenau von einem jungen Burschen, der ihn wahrscheinlich schon längere Zeit beobachtet hatte, auf der Treppe überfallen wurde. Der Bandit schlug mit einem in Kammgarnstoff gewickelten, etwa 5 Pfund schweren Stein auf den Geldbriefträger ein und brachte ihm eine klaffende Kopfwunde bei, so daß der Ueberfallene zu Boden stürzte. Er hatte jedoch noch die Kraft, laut um Hilfe zu rufen. Als auf seine Hilferufe nunmehr mehrere Hausbewohner herbeiliefen, ergriff der jugendliche Täter die Flucht. Nach kurzer Verfolgungsjagd konnte er schließlich an der Ecke Stuben rauch- und Odenwaldstraße gestellt werden. Im Polizeiverhör stellte sich heraus, daß es sich um einen Der Postschaffner Weichert, der gegenwärtig einen in Urlaub befindlichen Kollegen vertritt, machte in den heutigen Morgenstunden gegen 8 Uhr seine Tour. Um 8.30 Uhr tam er in das Haus Stubenrauchstr. 71 und suchte das erste Stockwert auf. Auf der Hälfte der Treppe wurde er plöglich von einem jungen Burschen eingeholt, der nach ihm das Haus betreten hatte. Der Bursche verKopfseite, so daß Weichert gegen die Wand taumelte und zusetzte dem Briefträger von hinten einen Schlag gegen die linke sammenbrach. Durch den Sturz schlug er wieder so unglücklich mit dem Kopf auf die Stufen, daß er besinnungslos liegen blieb. Als sich jetzt der Räuber an der Geldtasche des Postbeamten zu Auch heute ruhiger Reichstag Oer Wirtschastsdilettantismus der AaiionaZsozialOen Auch die heutige Sitzung des Reichstags nahm bis mittag einen durchaus ruhigen und ordnungsmäßigen Verlauf. Eine finanzpolitische Rede des Deutschnationalen Bang vermochte ebensowenig die Aufmerksamkeit des Hauses zu fesseln, wie die folgenden wirtschafts- und sozialpolitischen Ausführungen des christlichen Gewerkschafters B a l t r u s ch. Dann holte aber der Nationalsozialist Gregor S t r a ß e r zu einer Programmrede aus, über die noch einiges zu sagen sein wird. Einstweilen sei einer ausführ- licheren Kritik nur soviel vorausgeschickt, daß Herr Straßer eine Art von konfusem V u l g ä r s o z i a l i s m u s vertritt, wobei die Abkehr von der Goldwährung und die „produktive Kreditschöpfung" eine entscheidende Rolle spielt. Nebenbei forderte Herr Straßer auch Abkehr vom Klassenhaß, um die Nation zur Einheit zusammenzuführen, wobei er gänzlich vergaß, daß keine Partei soviel Haß in die Massen getragen, soviel zur wirklichen inneren Zerreißung des Volkes geleistet hat, wie die Nationalsozialistische Partei. Abgesehen davon stellt die Rede des Herrn Straßer einen Versuch dar, sich zum ersten Male mit wirklichen Problemen der Volkswirtschaft, wenn auch in sehr dilettanti- scher Weise, auseinanderzusetzen. Bei Schluß des Blattes spricht der nationalsozialistische Redner fort. * Den zweiten Tag der finanzpolitischen Reichstagsdebatte er- öffnete heute um 11 Uhr vormittags der vom Kapp-Putfch her be- kannte Abgeordnete Dr. Lang(Dnat.) mit einer Berdamnning des Regieren? mit Notverordnungen, das eine Selbstpreisgabe der parlamentarischen Demokratie sei, auch schon die Rechte der Länder beeinträchtige und einen Zustand der Verfassungslosigkeit herbei- geführt habe. Bang führte aus.- Di« dauernd« Entwöhnung eines Volkes von seinem Der- fassungsrecht muß Gesetzlosigkeit, Illoyalität und Illegalität erzeugen, was nicht ohne Folgen bleiben kann. Kreditaufnahme auf Grund von Nowerordnungen durch Selbstbewilligung der Regierung ist rechtswidrig. Selbst das preußische Königstum habe mehr Achtung vor dem Mitbestimmungsrecht des Parlaments gehabt und selbst die Revolutionsregierung, die sich auf Arbeiter- und Soldatenräte stützte, hat bei der Nationalversammlung Indemmität erbeten. Es scheint aber auch unordentlich gewirtschaftet zu werden— für die Wahlausgabe zur Präsidentenwahl fehlen Belege. Da ist man in Preußen aufrichtiger. Dort hat Herr Severing offen erklärt: „750 Stück" Abrechnungen vom Ministerium des Innern aus Etatsmitteln. Ein Ministerialdirektor des Reichsfinanz- Ministeriums schreibt eine Schrift gegen die von ihm bisher mitgemachte Wirtschaft. W a r m b o l d tritt zurück, weil er die bolschewistische Notverordnung vom 8. Dezember 1931 nicht ausführen will, Stegerwald macht heute mit, was er vor einigen Monaten als Blödsinn erklärt hat. Ueberall Auslösung! Und da verlangt die Regierung eine unbeschränkte Anleihe. ermächtigung! Unter der Heiterkeit seiner Parteifreunde vergleicht Dr. Bang die Reichsfinanzpolitik mit den Luftspiegelungen in Jahrmarkts- buden und wirft ihr vor, dem Grundsatz„nach uns die Sintflut" zu folgen, was besonders für den Zusammenbruch der Gemeinden gelte. Für Herabsetzung der Gehälter usw. geschieht zwar alles, was innerhalb des heutigen sozialistischen Systems möglich ist (Heiterkeit links) aber das Fürsorgewesen ist Kapitals- Zerstörung, unter der wir mehr leiden als unter Kapitalnot. Mit der sinnlosen Ueberdrehung der Steuerschraube werden Sie das Gegenteil dessen erreichen, was Sie wünschen. Die intellek- tuellen Urheber der Verzweiflung über die Steuerlasten sitzen auf deutschen Regierungs- b ä n k e n. Abg. Ballrufch(Volksnat.) erklärt die Zustimmung zur Kreditvorlage und zur Prämienanleihe für Ar- beitsbeschaffung. In Lausanne muß die Regierung das Nein gegen weitere Reparationen aufrechterhalten. Autarkie würde die Lage des Volkes nur verschlechtern und Millionen zur Auswanderung zwingen. Abg. SIraßer(Natsoz.): Die ganze Regierungspolitik ermangelt aller neuen rettenden Gedanken, ihre ganze Energie richtet sich auf die Niederknüppelung unserer Partei und der wirkenden Volkskräire. Aber unseren unaufhörlichen Aufstieg kann man nicht aufhaltem Die angeblich uns fördernde Unzufriedenheit kann doch nur die Folge von Fehlern der Regierungspolitik sein. Unser Aufstieg ist einfach der Volksprozeß gegen einen Staat, der das Recht aus Arbeit ver- neint und gegen ein Wirtschaftssystem, das Weizen verbrennt und Kaffee ins Meer schüttet, um die Preise zum Nutzen der Börse hoch- zuhalten. Die a n t i k a p i ta l i st i s ch e Sehnsucht hat nichts zu tun mit den destruktiven Tendenzen der Internationale, sondern will auskömmlichen Lohn für ehrliche Arbeit und Arbeit für alle. Nach siebzig Jahren Sozialdemokratie bei ihrer unerhörten Macht- stellung, und wo doch Millionen Arbeiter ihr noch folgen, wußte Herr Lobe im„Vorwärts" vom 1. Mal nichts anderes zu fordern, als Arbeitszeitverkürzung. Dabei treibt die SPD. durch den Klassenkampf Volkszerstörung, statt der allein wünschenswerten Harmonie aller. Arbeitszeitverkürzung bedeutet Lohuverlust ohne Arbeitsvermehrung. Früher haben sie Arbeitszeitverkürzung nur mit Lohnausgleich verlangt.(Gegenrufe der Sozialdemokraten.— Torgler(Komm.): Bei aller Bescheidenheit, das nehmen wir für uns in Anspruch!) Die Arbeitszeitverkürzung ist durch die Per- Hältnisse schon erzwungen. Ihr Rezept ist nur eine Chloroform- narkose. In der schriftlichen Zusammenfassung des Krie»enkongresses des ADGB. ist von der Arbeitszeitverkürzung nicht mehr die Rede. Offenbar ist diese Lüge ein Reservatrecht einer volksfrenchen, teilweise rassefremd intellektuell beeinflußten Führerschaft, während die aus der Arbeiterschaft hervorgegangenen Gewerkschaftsführer wissen, daß sie damit den Arbeitern nicht kommen dürfen. Woytinfki fordert ja nicht Anleihepolitik, sondern Kredit- s ch ö p f u n g, wie wir sie zuerst empfohlen haben. wir sind durchaus bereit, an der Arbeilsbeschasfung der(Bemerk. schasten mitzuarbeiten. Die Uebergabe der Sozialversicherung an die versicherten wäre ihr Ende. Stegerwald würde vernichten, was der reaktionäre Bisinarck ge- schaffen hat. Mit finanziellen Mitteln ist das Arbeitsproblem nicht zu lösen. Diese zwecklose Prämienanleihe lehnen wir ab. Als der Redner etwas von der Unabhängigkeit seiner Partei mit großen Gesten eredete, wünscht Torgler(Komm.) nähere Auskunft, was Straßer als saudumm bezeichnet.(Glocke des Präsi- denten.— Abg. Torgler: Aber das ist doch die völkische Umgangs» sprach«.) Dann zitiert Straßer den englischen Finanzgelehrten Eoffel für das Ausheben der Goldwährung, was noch kemeswegs Inflation bedeute, ebenso den Amerikaner Fisher, um dann als einzige ewige Werte Bodenschätz« und Arbeit zu erklären, nur Ar- beit schafft Kapital und was ähnliche Lesefrüchte aus marxistischen Schriften und Reden noch mehr sind. Der Vsrfassungsartikel 163 muß so geändert werden, daß jeder das Recht auf Arbeit haben muß. Für Arbeitsbeschaffung gibt es immer Geld, letztlich durch produktive Kreditschöpfung. Das ist viel schöner als Ihre Silberinflation und Ihre Bankensubvention. Da Versailles unseren Lebensraum eingeschränkt hat, müssen wie ihn gegen dos Ausland abschließen. Großzügige Wohnungs- und Bevölkenmgspolitit muß betrieben werden. Umfassender Bau von Eigenheimsiedlungen, näher an den Fabriken. An verschiedenen Stellen Beriias ist das alles schon restlos gelöst und an dem Tag unseres Sieges wird der erste Spaten» stich zu den übrigen getan.(Händeklatschen der Nfoz.) Es gibt keine Kapitalfehlleitung, denn jede Arbeit schafft Arbeiter und wir brauchen dazu nur die Ueberschüss« der Arbeitslosenver- sicherung.(Auf einige Zwischemufe der Kommunisten kündigt Straßer ihnen an, ihr Verhalten zu seiner Rede draußen als Verrat an den Arbeitslosen anzuprangern, dann nennt er sie Parterre- akrobaten der Tolerierungspolitik.) Abg. Torgler meldet sich darauf zum Wort. Bei Redaktionsschluß spricht Straßer weiter. schaffen machte, betrat ein Leierkastenmann den Hausflur, der laut um Hilfe rief, als er den Mann sah Der Räuber lief jetzt auf die Straße. Aus die lauten Hilferufe waren die Bäckergesellen der Bäckerei Hanekirsch im gleichen Hause auf den Vorfall aufmerksam geworden. Sie wußten von dem Raub noch nichts und glaubten, daß die Hilferufe einem Einbrecher galten. Der Räuber flüchtete jetzt die Stuben rauch st raße entlang und bog in die Oden- waldstraße ein. An der Bllssingstraße geriet der Flüchtende zwischen eine Taxe und einen Privatwagen. Beide Fahrer ver- sperrten ihm mit ihren Wagen den Fluchtweg und drohten, ihn umzufahren, wenn er nicht stehen bliebe. So holten die Verfolger ihn ein und brachten ihn zum nächsten Revier. Hier wurde er als ein 23 Jahre alter Erich K o r n b l u m aus der Fennstr. 9 festgestellt. Inzwischen waren Bewohner des Hauses Stubenrauchstr. 71 die Treppe heruntergekommen und hatten den immer noch bewußtlosen Geldbriefträgcr aufgefunden. Sie riefen sofort Hilfe herbei und schafften den Bewußtlosen in einem Auto zur Rettungsstelle in der Kaiserallee. Hier wurde eine K o p s w u n d e an der linken Seite festgestellt, desgleichen einige Verletzungen im Gesicht und an den Händen. Trotz des wuchtigen Schlages hat der Briefträger Weichert noch mit dem Räuber gekämpft. Erst durch den Sturz hat er das Bewußtsein verloren. Wie sich später herausstellte, hatte der Räuber einen Stein in ein Tuch eingenäht und als Waffe benutzt. Die Mütze des Postbeamten hatte den Schlag glück- licherweise etwas gemildert. Der Schwerverletzte wurde ins Achenbach- Krankenhaus gebracht. Der Räuber hat n i ch t s e r b e u t e t. Er versuchte, die Geld- tasche an sich zu reißen, als er von dem Leierkastenmann gestört wurde. Dieser hatte in der ersten Aufregung den Postbeamten gar nicht, sondern den Räuber in gebückter Stellung am Boden hantieren sehen. Auf dem Polizeirevier in der Rheingaustraße wurde der Bursche verhört. Er gibt zu, den Postschaffner längere Zeit beobachtet zu haben. Die Oanziger Fragen. Vier wichtige Fragen vom Dölkerbundsrat geregelt. Gens, 10. Mai.(Eigenbericht.) Für die Regelung der Danziger Fragen hatten die gestrigen Vorverhandlungen zwischen den Parteien D a n z i g und Polen mit dem Berichterstatter Eden-England ein Ueberein» kommen ergeben, das heule reibungslos über die Bühne der öffentlichen Ratstagung gehen sollte. Umso peinlicher war die Ueberraschung des Rates und des hohen Kommissars Graoina, als plötzlich Senatspräsident Dr. Ziem-Danzig die Zu- st i m m u n g zum Bericht Eden, der eine Bestätigung der Ent- scheidung Gravtnas über das Recht Polens als Zlussichtsbehörde in Eifenbahnfragen Danzigs enthielt, ablehnte wegen Ungeklärt- heit der Rechtslage. Sofort erklärte natürlich Zaleski-Polen, wenn die Verständigung durchbrochen werde, dann könnten s?mtliche Eifenbahnfragen, die eine Einheit darstellten, jetzt nicht weiter verhandelt werden. Eden verbarg seine Ueberraschung nicht, und es schien bereits, daß, trotz der Dringlichkeit der Entscheidung für Danzis Wirtschaftsleben, ein« Vertagung mit ungewissem Ausgang die Folge der Ziehmschen Ucberraschungstaktik sein sollte. Gegenüber dieser Gefahr und der berechtigten Verstinnnung des Rates trat Zichm ebenso plötzlich einen völligen Rückzug an mit der Erklärung, er habe dem Bericht des Rates nicht vorgreisen wollen. So konnten nacheinander vier wichtige Fragen geregelt werden unter Bestätigung sämtlicher Entscheidungen des Hohen Kommissars Graoina. Polen bleibt formell Aufsichtsbehörde im Sinne der Danziger Gesetze über die Eisenbahntransporte, was Danzig bestritten hatte. D a s ü r behält Danzig in den wesentlich bedeutungsvolle- ren Fragen recht. Die gemeinsame Eisenbahn dircktion für Danzig und Pommerellen muß getrennt werden. Polen ist verpflichtet, für Pomnierellen eine eigene Direktion neu zu errichten und Danzig die eigene Verwaltung zu überlassen. Endlich muß Polen den Danziger Direktor von ollen Entscheidungen unterrichten und darf keine Versetzungen von Danziger Personal an polnische Linien mehr vornehmen, außer bei Strafversetzungen. In der alten Streitfrage der vollen Ausnutzung des Dan- ziger Hafens durch Polen bestätigte der Rat die auf dem Gut- achten des Haager Gerichtshofs beruhend« Entscheidung des Hohen Kommissars, die ausdrücklich die Verpflichtung Polens zur vollen Ausnutzung ohne weitere Abkommen entsprechend der Entwick- lung des Danziger Hafens feststellt. Z a l e s k i suchte laut Verabredung diese Verpflichtung in ein Recht Polens zu drehen, was nach der Feststellung des Bericht- erstatters nichts an der Ratsentscheidung ändere. Die letzte Frage betreffend die Einfuhrverbote Polens für Danziger Waren wurde vertagt und der Bericht- erstatter ermächtigt, inzwischen ein Iuristenkomitee zu den Verhand- lungen hinzuzuziehen. Die einstweilige Entscheidung Gravinas bleibt bis zur völligen Lösung in Kraft. Der Rat nahm dann noch Kenntnis von der Unmöglichkeit der Weiterarbeit für die Arbeitsbeschaffung durch öffentliche Arbeiten, weil verschiedene Regierungen noch keine Pläne eingereicht haben. Man will die vom Internationalen Arbeitsamt eingeleitete weitere Aktion abwarten. Zum Schluß wurde einstimmig beschlossen, zum Zeichen der Dankbarkeit und besonderen Ehrung für A l v e r t T h o- m a s die Kosten für dessen Beisetzung in Chantinier vom Völker- bund aus zu übernehmen. Reichsbahn, schaff' Arbeit! Sozialdemokratischer Aniraa gegen unsoziales Verhalten der Reichsbahn. Die sozialdemokratis6)e Reichslagsfraktion hat heule folgenden Antrag eingebracht: Der Reichstag wolle beschließen, die Reichsregierung zu ersuchen, aus die deutsche Reichsbahngesellschast einzuwirken. daß die vorgesehenen Schließungen von Werkstätten und die Entlassungen von Arbeitern unterbleiben, ferner, daß die überlange Arbeitszeit im Betriebs- und Derkehrsdienst beseitigt wird, um Entlassungen zu ver- meiden und Reueinstellungen zu ermöglichen, daß außerdem die rückständigen Reparatur- und Dahnunterhaltungsarbeiten erledigt und der In- dustrie notwendige Aufträge beschleunigt erteilt werden. Zn Polen ist jetzt eine neue Körperschaft zur Beratung wichtiger Staatsangelegenheiten errichtet worden: die gewesenen Ministerpräsidenten, aber nur die seit Pilsudskis Putsch im Mai 1926. Sie haben eben wieder mit dem Staatspräsidenten beraten: man weih nicht, ob über Ministerwechjel oder Wirtschafts- dekrele. 5 232 000 Erwerbslose. Kräftigere Entlastung in der zweiten Aprilhälfte. Die Arühjahrsentlastung des Arbeitsmarktes, die seit Witte Mär; zunächst nur sehr schleppend eingesetzt hatte, ist in der zweiten Aprilhälste endlich stärker in Fluh gekommen. Räch dem Bericht der Reichsanstalt ist die Zahl der Arbeitslosen vom 16. bis Z0. April um 197 000 aus insgesamt 5 737 000 Personen gesunken. Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich im vergleich mit dem Früh- jähr vorigen Zahres wie folgt: 1931 193? 15. War,.... 4 980 000 6 129 000 31. Würz.... 4 743 000 6 031 000 15. April.... 4 628 000 5 934 000 30. April.... 4 389 000 5 737 000 Im vergangenen Monat konnten also rund 294 000 Erwerbslose wieder eingestellt werden, während im April 1931 rund 354 000 Arbeitsuchende Arbeit fanden. Die Gcsamtenlastung liegt in diesem Jahr mit 392 000 gegen 591 000 neueingestellte Erwerbslose noch erheblich unter den vorjahrszifsern. Um so kräftiger muß die Arbeitsbeschaffung angepackt werden, denn gelingt es, bis zum Zuli unter die 5-W>llionen-Grenze zu kommen, so sind neben den realen Belebungen durch kaufkraflzuwachs auch die psychologischen Wir- kungen aus dos ganze Volk von größter Bedeutung. Komiker. Oer neue Einheitsfrontschwindel der KpO. Die„Rote Fahne" veröffentlicht eine Reche von Anträgen, die die kommunistische Landtagsfraktion im Landtag einbringen will. Ueber der Liste dieser Anträge steht:„Die kommunistische Landtags- fraktion unterbreitet� ihre Anträge den Betrieben und Stempel- stellen"— unter der Liste liest man: „Nehmt Stellung in Betrieb und Stempelstelle, in Stadt und Land zu den Forderungen der Kommunistischen Partei! Disku- tiert sie mir sozialdemokratischen, christlichen und parlei- losen Arbeitern! Diskutiert iie mit den proletarischen Hausfrauen! Diskutiert si« mit irregeführten Naziproletenl Richtet an die Adresse der kommunistischen Fraktion des Preußischen Landtags weitere Vorschläge! Führt in roter Einheitsfront den außerparlamentarischen Massenkampf für die VerwirNichuna dieser Mindestforderungen der Werktätigen in Stadt und Land! Die Liste ist also die Grundlage für die sogenannte„Einheitsfront- kampagne" der KPD. Wenn man sie liest, so packt einem der Zorn über diese schamlose Demagogie, über die kenntnislosen und unver- ontwortlichen Burschen, die diese Liste fabriziert haben mit dem einzigen Bestreben, die Nazis an schwindelhaften Versprechungen zu übertreffen! Für wie dumm muß die KPD.-Zentrale ihre eigenen Wähler halten, wenn sie sozialdemokratischen Arbeitern solche Anträge vorzusetzen wagt! Der Sinn der Anträge ist: der Landtag beschließt, daß keine Wirtschaftskrise ist— dann ist keine Krise! Der Landtag beschlieht, daß keine Nazis existieren— dann sind keine vorhanden! Der Landtag beschließt, daß Deutschland vor Reichtum strotzt— dann ist es so! Für gewöhnlich nennt man so etwas parlamen- tarischen Kretinismus. Die Lehre daraus ist: die Kommunisten wollen sich nach wie vor als Komiker betätigen, statt vernünftige Folgerungen aus dem Anwachsen der faschistischen Kräfte zu ziehen! Brot! Brot! Warnung an den amerikenischen Kongreß. Wafhingkon. 19. Mai.(Eigenbericht.) Im Senat haben die Beratungen über die Arbeitslosen» Hilfsvorlage in Höhe von SOO Millionen Dollar begonnen. Der Vertreter des Gewerkschaftsbundes Mac Grady erklärte, die amisoziale Haltung des Bundeskongresses öffne die Tore zur Revolution. Angesichts der steigenden Not seien Massen- ausstände unvermeidlich. Die hungernden Arbeiter hätten die Geduld verloren. Die Behörden wollten die Hungevunruhen als kam- muniftische Exzesse abtun, die Demonstranten forderten jedoch nur Brot, und Brot sei notwendiger als eine Balancierung des Budgets. Die Arbeiterschaft werde sich Brot verschaffen, entweder durch Arbeit oder auf irgendeine andere Weise. Die Gesamtarbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten wird auf 12 Millionen geschätzt. „Murin im Betör Ltraufführung in der Gingakademie Es ist bestimmt nicht leichte alle Bedingungen der Gattung Lehrstück(um ein solches handelt es sich hier) zu erfüllen, die sich aus ihrem Wesen(wenn man will: ihrem Zwitterwesen) von selbst ergeben. Wagt sich so ein Lehrstück z. B. an komplizierte Probleme, dann müssen diese einerseits unerhört vereinfacht werden, um in knapper symbolischer Fassung stärkste Wirkung auf engstem Raum entfalten zu können� andererseits muh das verstandssmäßige Cle- ment immer noch so weit berücksichtigt bleiben, daß das von allen Lehrstückverfassern immer wieder als Zweck ihrer Arbeit hingestellte ..Mit- und Weiterdenken" widerspruchslos verlaufen kann Schon Bert Brecht, dem immer noch das Stärkste auf diesem Gebiet zu danken ist, von dem bisher noch jeder Lehrstückverfasser abhängig blieb— die Verfasser des„Mann im Beton" bleiben es auch—, hat in dieser Hinsicht manches gesündigt: R. A. Stemmte und Günther Weisenborn, die literarischen Väter des„Mann im Beton", brachten es erst recht zu keiner Ausgewogenheit der symbolischen und logischen Faktoren ihres Stücks für Chor, Orchester, 7 Sprecher und Film. Ein amerikanischer Pflanzer läßt zwecks besserer Aus- Nutzung seiner Plantagen über den Colorado eine Brücke bauen: wenige Stunden vor Sprengung des Staudamms wird ein Arbeiter im vierten Brückenpfeiler eingeschlossen, im Beton verschüttet. Der Kapitalist hat nun die Wahl: den Mann zu befreien, d h. den Staudamm nicht sprengen zu lassen(was ihm unübersehbar großen Ueberschwemmungsschaden brächte), oder ihn dem Untergang zu weihen. Der Arbeiter wird geopfert: hinterher machen sie dann einen„Helden der Arbeit" aus ihm, der für das Werk gestorben sei. Wir aber wissen(und hören es): es liegt am System, der Mann erstickt als gewissenlos hingemordetes Opfer der Kapitalistenklasse. Gewiß, der Arbeiter bedankt sich aufs beste dafür, ein hinterher gefeierter„Held der Arbeit" zu werden und für den Profit der andern elend zugrunde zu gehen— diese Lüge ist hier eindrucksvoll entlarvt. Der Sinn des Stückes sollte aber doch wohl sein: den Kapita- lismus zu entlarven, was uns nicht möglich erscheint, so lange— wie hier— mit den alten ethischen Kategorien gearbeitet, so lange der Gegensatz Kapitalismus— Proletariat dem Gegensatz von Gut und Böse gleichgesetzt und die alte Moral gepredigt wird,„der Mensch" sei wertvoller als alles andere. Dem Sozialismus— gerade ihm— ist die Idee, die Gerechtigkeitside«, heiliger als alles andere, höher selbst als das Leben des Einzelnen. Wäre jener Kapitalist«in guter Mensch gewesen, hätte er den„Menschen" im Beton gerettet, er bewiese so wenig für den Kapitalismus wie seine V/ Eine proletarische Bollade durch den Berliner Gchubert-C o: Schurkerei gegen ihn etwas beweist. Der Kamps der Proletarier aller Länder ist jenseits von dieser Art Gut und Böse. Auch im Künstlerischen ist nicht alles geglückt, neben manchem Einprägsamen gibt es viele Längen, vieles müßte knapper, konr- primierter gestaltet, filmartiger montiert werden, die Ausgewogen- heit zwischen Textlichem und Musikalischem ist durchaus nicht immer erreicht. Ist so das Literarische bei aller spürbaren Ucberzeugungs- kraft in der Problemstellung mißglückt, artistisch unvollkommen, dann ist des Rundfunkkomponisten Gronostay Musik das Gegen- teil davon: Sie ist artistisch vollkommen, ohne zu überzeugen Der Rhythmus, die Synkopen, die agressive Instrumentation, die über- aus geschickte Anwendung Hindemithscher, Weillscher. Eislerscher Mittel allein schaffen es nicht. Wenn die proletarische Musik etwas braucht, dann ist es: Ueberzeugung, wenn sie aus etwas verzichten kann und muß, dann ist es: Artistik und Routine. Trotz all dieser Einwendungen muh deutlich gesagt werden, daß der S ch u b e r t- C h o r zu der Aufführung nur beglückwünscht werden kann. So wenig hier ein Ziel erreicht ist, so richtig ist der Weg, der unbedingt weiter gegangen werden muh: so unerläßlich ist da alles Experimentieren. Grundlegend Neues ist ja nie mit einem Schlag da, es muß in langer und zäher Arbeit erkämpft werden. Auch mit der Chormontage kann es nicht anders fein. In ihr, in der Verquickung von Chor. Orchester, Einzelsprecheru, Film sehen wir das fruchtbarste und gegenwartsnächste Ausdruckgebiet neuen Arbeiterchorgesangs. Jeder Chor, der sich dieser mllheseligen, nicht immer dankbaren und nicht immer erfolgreichen Arbeit unter- zieht, leistet wertvollste Zukunftsarbeit für die ganze Bewegung. Der erste Teil des geschlossenen und einheitlichen Programms brachte— nach einem rhythmisch interessanten Instrumentalstück für Blechbläser und Schlagzeug„Auftakt 1332" von K. A. Deutsch — neuzeitliche Kampflieder: Pringsheims prachtvolles„Arbei- t e r l i e d", Eislers„S o l i d a r i t ä t s l i e d" aus dem Tonfilm „Kuhle Wampe"(das einschlug, hinriß, wiederholt werden mußte), und einige schwächere, wie Gerlachs„W i r kommen", W. Vogels „I u n g p i o n i e r e n s ch r i t t", eine matte Melodie mit fast ro- mantischen Wendungen. Die ganze Veranstaltung hatte ein charak- teristisches Gesicht, die Aufführung war prächtig, wenn auch die rühmenswerte Leistung des Chors durch das zu laute Blasorchester zeitweilig in den Schatten gestellt wurde. Helmut Koch, ein sehr begabter und für seine große Jugend erstaunlich sicherer und reifer Jünger Scherchens leitete alles mit Umsicht, Energie, Temperament und schönem Können. Die Regie der proletarischen Ballade war H e n s ch k e zu danken..�roolci Walthcr. Achtung, Diebe! stehlen Pseudonyme und fälschen Dichternamen' Unser satirischer Mitarbeiter schreibt uns: Ich bin bestohlen! Was Inflation, Deflation, Gehaltsabbau und Notoerordnung, was selbst Jvar Kreuger und die Raifseisen- dank mir nicht haben nehmen können, das hat mir ein national- sozialistisches Käseblatt über Nacht entwendet: mein altes, ehr- liches Pseudonym! Ein abgelegtes Pseudonym allerdings, aber beim heutigen Dalles ist man ja selbst auf abgelegte Sachen scharf. Aeltere Leser werden sich noch der Zeit erinnern, in der ich unter der Chisfre� Mich, von Lindenhecken für den„Vorwärts" schrieb.■onmitten einer lustigen, von der Schüttelreimeritis be- fallenen Literatenrunde wurde dieser Deckname als Einfall einer Sekunde geboren. Mich, von Lindenhecken hat jahrelang vielen Lesern als Pseudonym Spaß gemacht, und in der Rechtspresse eine große Gaswolke moralischer Entrüstung ausgelöst. So glaubte ich mich wenigstens von dieser Seite vor jeder widerrechtlichen Nach- ahmung geschützt, als ich meinen bisherigen nom de guerre mit dem harmloseren„Jonathan" vertauschte. Ich habe mich getäuscht: Um im Stil des Goethe-Jahres zu reden: Ein echter Nazimann mag keinen Sozi leiden, Doch seinen Geist kopiert er gern. Ungeachtet aller nationalen Entrllstungsphrasen über die„Un- sittlichkeit" meines Pseudonyms feiert dieses fröhliche Urständ als Unterschrift des Leitartiklers im—„S ch l e s i s ch e n N S.- B e- obachter", amtliches Organ der NSDAP, für den Gau Schlesien, Herausgeber Helmuth Brückner. M. d. R., den ich stark im Verdacht habe, persönlich an diesem literarischen Diebstalzl beteiligt zu sein. Er hätte mich vorher fragen sollen: der literarische Vagabund Ulrich Brendel in Ibsens„Ros- mersholm" bittet doch auch hübsch artig um ein paar abgelegte Anzüge und dann um— abgelegte Ideale!— Warum soll man nicht an den literarischen Banditismus der NSDAP, auch ein ab- gelegtes Pseudonym verschenken? Die ganze Gesellschaft lebt doch nur von abgelegten Ideen anderer. Joseph Goebbels hat seine literarischen Pointen dem jüdischen Wiener Literaten Karl Krauß entwendet(z. B. die„Iour- naille"), neulich wollte die Gesellschaft der Sozialdemokratie den I. Mai sozusagen unter der Hand wegstehlen. Um die Stellen zu bezeichnen, von denen das Programm der NSDAP, zusammenge- stöhlen ist. müßte man einen Katalog vom Umfang des Gothaer Kalenders herstellen. Also, warum nicht auch ein abgelegtes Pseu- donym? Aber, Herr Bruckner, man fragt doch erst um Erlaubnis, ehe man sich mit den abgelegten Federn eines Mar- x i st e n schmückt. jonatban. ♦ Wir können diese interessanten Mitteilungen Jonathans durch einen weiteren Beleg ergänzen. Seit kurzem erscheint in Düsseldorf eine nationalsozialistische Sonntagszeitung mit dem Titel„Braune Post". Dort findet sich auf der ersten Seite der Nr. 9 vom 8. Mai 1932 ein großes Bild und darunter diese Verse: „Ungezählte Hände sind bereit, stützen, heben, tragen uns're Zeit. Jeder Arm, der seinen Amboß schlägt, ist ein Atlas, der die Erde trägt, Karl Borger." Hier hat man nicht nur literarisches Gut gestohlen, sondern auch den ausge„borg"ten Verfassernamen zur Vernebelung des Diebstahls gröblich verfälscht. Denn diese Verse stammen von dem sozialdemokratischen Arbeiterdichter Karl Br ö g e r: sie sind in Aroeiterkreisen wohlbekannt unter dem Titel „Choral der Arbeit" von Lendvai oertont und im Verlag des A rb e iterjä ngerb undes erschienen. Was ist in der Hitler-Bewegung denn nun überhaupt noch eigenes Geistesprodukt? Aazi-Auslandspoliiik. „England will Gystemwechfel in Deutschland." Die Nazi-Parteikorrespondenz verbreitet einen Ar- tikel„England empor" in dem es u. a. wörtlich heißt: „Trotz des ungeheuren Kraftaufwandes zur Sanierung seiner inneren wirtschaftlichen Existenz, hat sich England allen sranzö- fischen Anbiederungen gegenüber stark gezeigt, hat in Abrüstungs- und Tributfragen oft sogar deutsche Interessen besser und präziser vertreten, als gewisse deutsche Be- vollmächtigte. Angesichts der gerade in diesen Fragen gleich- laufenden englischen und deutschen Interessen ist es begreiflich, wenn sich jetzt in der englischen Oeffentlichkeit immer stärker der Ruf nach einem Systemwcchscl in Deutschland bemerkbar macht." Hier wird die Reichsregierung wieder eimnal indirekt des Landesverrats bezichtigt und den Lesern vorgeschwindelt, England kenne keinen sehnlicheren Wunsch, als im Bunde mit Hitler,— Rosenberg und Goebbels siegreich Frankreich zu schlagen. Daß der Außenpolitiker des Dritten Reiches, Herr Rosenberg, als ihn sein Herr und Meister nach London schickte, von keinem einzigen englischen Politiker empfangen wurde und überall vor verschlossenen Türen stand, das wird allerdings den dummen Nazilesern im Lande wohl- weislich verschwiegen! Im übrigen: feine Nationalisten, die einen Systemwechsel wollen, weil das Ausland ihn angeblich empfiehlt! Ein Hnngerschiedsspruch. Jür das Baugewerbe im Rheinland. Köln. 10. Mai.(Eigenbericht.) Der vom Reichsarbeitsminister eingesetzte Schlichter Lichten- stein aus Hannover fällte für dos Baugewerbe im Rheinland einen wahren Hungerschiedsspruch. Danach beträgt der unge- heure Lohnabbau io der Spitze 23 Pf. bis herunter auf 17 Pf. Das bedeutet für Köln einen Stundenlohn für Maurer von 92 pf., für Hilfsarbeiter von 76 Pf. und für Tiefbauarbeiter von sage und schreibe 6 6 P f. Diese Lohnsähe liegen erheblich unter den Ariedenslöhnen. Der Schllchter bekam nach dem Zöllen des Schiedsspruches von deu empörten Arbeiteroertretern mancherlei Bemerkungen zu hören. Von der vierten Amerikafahrt zurück. Zriedrichshafen. 10. Mai. Das Luftschiff„Grat Zeppelin" ist auf der Rückfahrt von seiner vierten diesjährigen Amerikafahrt um 8.27 Uhr vormittags über dem Werftgelände erschienen und warf um 8.43 Uhr zwei Postsäcke mit zusammen 130 Kilogramm ab. Wegen starken Südweststurmes (10 Setundenmeter) mußte die Landung hinausgeschoben werden. 1 „Hasenklein kann nichts dafür." Atrium. Wie nett könnte es werden, wenn in Deutschland einmal es einer fertig brächte, eine richtige politische Satire oder auch nur einen politischen Ulk zu schreiben. Das Bühnenstück, nach dem dieser FUm gearbeitet ist, scheint so etwas beabsichtigt zu haben, aber im Film ist die übliche deutsche Posse daraus geworden. Der politische Einschlag ist so hanebüchen und jenseits aller Realitäten, daß man sich wundert, wie die Filmzensur diesen merkwürdigen Spaß als Verspottung des Parlamentarismus ernst nehmen und mit einem Verbot beehren konnte. Was hier verspottet wird, wäre nicht die parlamentarische Demokratie, wenn die Verfasser überhaupt solche Absichten hätten, sondern die merkwürdige Vorstellung, die sich die Spießer— und hier sind es überwiegend die rechtsgerichteten— davon machen. Wie witzig und geistvoll und mit welch' wahrhaft filmischen Mitteln hat Jacques Feyder in„den neuen Herren" An- läufe zu einer Satire auf den Parlamentarismus gemacht, und wie lächerlich wäre es, dieses fast vormärzliche deutsche Machwerk damit zu vergleichen. Man wollte die Leute unterhalten und griff zu einem Schneidermeister Titus Hasenklein als geeignetem Träger der Handlung. Er wird— er weiß nicht wie— Abgeordneter und Präsident des Abgeordnetenhauses und hätte es noch weiter gebracht, wenn nicht sein Impresario, der Parteisekretär, ihn wieder in der Ver- senkung hätte verschwinden lassen, damit Hasenkleins hübsch« Tochter endlich ihren adligen Verehrer kriegt. Max Neufeld bemüht sich. diesem Stoffe mit den alterprobten Mitteln der Posse das Mögliche abzugewinnen, und da er über vorzügliche Kräfte verfügt, kann er manches buchen. Jakob Tiedtke macht aus dem Hasenklein«in« prächtige Figur nicht bloß der Situationskomik, er entwickelt auch mancherlei Humore, und Ilka Grüning ist als seine Frau ein gutes Seitenstück dazu. Johannes R i e m a n n, der schneidig-ge- wandte Parteisekretär, in dessen Händen olle Fäden der Handlung liegen, ist die beste Figur im Stück, wie Lien D e y e r s das hübscheste Mädchen. Sonst sind zu nennen Ernst Stahl-Nachbaur, Senta Söneland(Parodie einer Frauenrechtlerin), Paul Otto und Hans Brausewetter. Die politische Unreife des Kleinbürgertums, die im National- sozialismus gipfelt, ist der Nährboden dieser Posse. r. Kolbes Heinedenkmal. Das Preisrichterkollegium zur Prüfung der Entwürfe zu einem Heinrich-Heine-Denkmal in Düsseldorf trat im Ausstellungs- palaft am Rhein zusammen. Es waren insgesamt 74 Entwürfe eingegangen. Nach gewissenhafter Prüfung wurde einstimmig be- schloffen, den ersten Preis und die Ausführung Professor Georg Kolbe-Berlin zuzuerkennen. Der zweite und vierte Preis entfiel auf zwei Entwürfe von Arno Breker, Düsseldorf. Den dritten Preis erhielt Bildhauer Johannes Knubel. Düfjeldorf. Die Stadt Düsseldorf bekommt damit endlich ein würdiges Denkmal chres großen Sohnes. Die Kämpfe, die darum geführt wurden, sind damit hoffentlich endlich zu Ende. Ltnzeiigemäße Improvisationen. Die Berliner Funkstunde übernahm aus München eine Auf- führung des Schauspiels„Improvisationen im Juni" von Max Mohr. Kolportagehafte Handlung, die Anspruch erhebt. ernst genommen zu werden, gewürzt mit Sentenzen, die chre Ober- flächlichkeit hinter dem tiefsinnig klingenden Pathos verbergen wollen, dazwischen winzige Spuren eines von Shakespeares grilliger Weltweisheit nicht ganz unberührten Humors— so zeigte sich das Stück als Mikrophonsendung. Doch nicht einmal der Kolportage- inhalt vermochte das geringste Interesse zu wecken: er produziert keine Spannung, er entwickelt sich nicht, sondern ist in Panoptikums- gruppen hingestellt. Die edle Gräsin flieht die Welt des schnöden Geldes und folgt ihrem Gallen freiwillig in den Tod. Der edle Bediente, der eigentlich gar kein Bedienter, sondern ein verfolgter Offizier ist, erschießt sie auf ihre Bitte. Die Millionen eines reichen Amerikaners flattern herab: aber nachdem sämtliche edle Menschen schon ziemlich unedel bereit waren, ihr Teil davon einzufangen, besinnen sie sich auf ihr Eigenschaftswort. Zwischen solchen Bildern rankt papierner Tiessinn seine Girlanden: an diesen Stellen wirkte die Sendung bösartig geschmacklos. Man muß das Bild des gegenwärtigen Hörerpublikums vor sich sehen, die vielen Menschen darunter, auf die bitterste Not lastet, um zu begreifen, wie die endlosen Salbadereien eines Millionärs- sohnes über sein von Geld verdorbenes Leben wirken müssen.— Iz. Blarlene Dietrich wieder in Hollywood. Aus Hollywood wird gekabelt: Marlene Dietrich und Joseph von Sternberg, die sich vor vierzehn Tagen mit der Paramount-Gesellschast während der Arbeit an einem neuen Film„Die blonde Venus" überwarfen hatten, sind zurückgekehrt und werden ihre Arbeit unverzüglich wieder aufneh- men. Die Bedingungen des„Friedensschlusses" find nicht bekannt- gegeben worden, aber man nimmt an, daß Sternberg und Marlene Dietrich gesiegt haben. Abschiedskonzert Aurlwänglers in Rom. Das Berliner Phil- ar manische Orchester und Furtwängler haben mit ihrem bschiedskonzert in Ron:, mit dem zugleich die dortige Konzertsaison abgeschlossen wurde, einen Erfolg erlebt, wie er in den Annale» des römischen Konzertlebens, aber auch der Berliner Philharmonie bei» spiellos dasteht. Das Augufteum, der größte Konzertsaal Roms, der ungefähr 2000 Menschen faßt, war trotz anderer Veranstaltungen fast bis auf den letzten Platz ausverkauft. Furtwängler wurde mit rauschendem Beifall gefeiert. Ein Hossmann-Rluscum in Zallcrsleben. Da der Besitzer des Hauses, in dem Hoffmann von Fallersleben geboren wurde, mcht mehr imstande ist, die Kosten für die Erhaltung zu tragen, hat sich in Fallersleben ein Verein gebildet, der diese Aufgabe übernehmen und zugleich in diesem Haus« ein Hoffinann-Museum einzurichten bereit ist. Das Haus soll zum Nationaldenkmal erNärt und unter Denkmalschutz gestellt werden. Deutsche Opernaussührungen in London. Am Montagabend wurde in der Londoner Cooent-Garden-Oper die Serie der deutschen Opernaufsührungen mit der Wiedergabe der Meistersinger eröffnet. Diese Vorstellungen bilden einen Höhepunkt in der Londoner Season. Vlldnisausstellung 7Nax Liebermanns im verein Berliner Künstler. Zlm Montagnachmittag wurde in den Räumen des Ver- eins Berliner Künstler eine Ausstellung von Bildnissen Max Lieber- manns eröffnet. Liebermann, der im Juli dieses Jahres seinen 83. Geburtstag feiert, ist fest drei Jahren Ehrenmitglied dieses Vereins, bei dem er vor über 60 Jahren— wie Professor Langhammer in seiner Eröffnungsansprache erwähnte— sein erstes Bildnis ausgestellt hatte. Die gegenwärtig« Ausstellung zeigt nur 33 ausgewählte Werke und umfaßt die Zeit von 1878 bis zur un- mittelbaren Gegenwart. Holländisch« Sänger als Gäste des DAS. Am 2. Pfingstfeiertage, 7� Uhr, gibt der Amsterdamer Sängerchor„De Stem des Volks als Gast des Deutschen Arbeiter-SängcrbundeS ein Konzert im Saalbau Friedrichshain. Er bringt außer Cborliedern das Chorwerk„Arbeits, Auferstehung" mit 800 Ausführenden. lieber die Krise am Wendepunkt?" spricht Dr. Arbid Harnack in der Versammlung des Bundes Geisttger Berufe am ll. Mai, Enckestr. 4. Die Lage der akademischen Berufe untersucht Dr. Felix Flatau und Dipl.- Ingenieur Franz Boening spricht über„Technik und Konjunktur". Der Negerbariton Aubrey Pankey tritt zum erstenmal in Berlin am 12. Mai im Bechsteinsaal aus mit deutschen Liedern, amerikanischen Ge- sängen und Negro Spirituals. Als nächste Premiere der Volksbühne geht das BolkSstück„D i e goldene Uhr" von Szep in Szene. Regie führt Arthur Maria'"abe- nalt. Die Dekorationen entwirft Nina Tokumbet. Wetterbericht. Zur Berlin: Weiterhin kühl und veränderlich mit einzelnen Schauern und nordwestlichen Winden.— Zur Deulsch- land: Im Nordosten noch unbeständig mit Schauern, in den übrigen Teilen weitere Besserung, in der nordwestlichen Hülste des Reiche» Nachtfrostgefahr. Der Lohnfonflikt an der Ruhr. Berhandlungen mit dem Zechenfapital ergebnislos. Bei den Parteiverhandlungen über den schwebenden Tariffonflit im Ruhrbergbau forderten die Unternehmer eine generelle Herabsehung der Tariflöhne um 12 Proz. Angeblich wollen sie damit cine größere Spanne zwischen dem Tariflohn und dem effektiven Verdienst schaffen. Die Vertreter der Gewerkschaften lehnten diese Forderung mit aller Entschiedenheit ab. Die von den Unternehmern geforderte Aufloderung des Lohntarifs laufe praktisch nur auf einen weitgehenden und unerträglichen Lohnabbau hinaus. Wenn im Bergbau, im Gegensatz zu anderen Berufen, die Spanne zwischen der tariflichen und tatsächlichen Entlohnung verhältnismäßig gering sei, so liege das daran, daß bisher die Grubenbesiger eine übertarifliche Bezah lung abgelehnt hatten. Die Tariflöhne seien nicht als Mindestlöhne, sondern als höchst grenze der Entlohnung zu betrachten. Die Bergarbeitervertreter forderten in Uebereinstimmung mit der allgemeinen gewerkschaftlichen Auffassung über die Notwendig feit der 40- Stunden- Woche die tarifliche 6½- Stunden- Schicht bzw. eine tarifliche Festlegung der 40 Stunden- Woche. Die Schichtzeit an nassen und heißen Arbeitspunkten dürfe nur 5% Stunden betragen. Das Verfahren von Ueberstunden und leberschichten im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen solle nur mit Zustimmung der Betriebsvertretung erfolgen. Außerdem forderten die Bergarbeitervertreter eine Erhöhung des tariflichen Mindefflchnes für Gedingearbeiter um 15 Proz. Der Abschluß des Gedingevertrages sei nicht mehr durch Ortsälteste, sondern durch einen von der Gedingekameradschaft gewählten Vertreter vorzunehmen. Der Preis für Deputatkohle, der jetzt 40 Pf. pro Zentner betrage, müffe auf 30 Pf. ermäßigt werden. Da die Parteiverhandlungen, wie vorauszusehen war, ergeb nislos blieben, gehen die Schlichtungsverhandlungen in der Woche nach Pfingsten vor sich. Vorstandssitzung des JGB. in Berlin. Der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes tritt am 12. und 13. Mai in Berlin zu einer Sigung zusammen, die sich mit den Ergebnissen der Ausschußsizung des JGB. in Bern befassen und bie weiteren Maßnahmen beraten wird, die sich aus der vom JGB. einberufenen Internationalen Gewerkschaftstonferenz in Genf ergeben. Lohndruck in der Fleischwaren- Industrie Verbandstag der Kupferschmiede. Kommt es zum Streif in Berlin? Der Verband der Berliner Fleischwarenfabriken, dem minmehr auch die Efha- Werte als Mitglied angehören, hat dem Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter und den übrigen Tarifgewerkschaften den Lohn- und Manteltarif zum 30. April 1932 gekündigt. Die Unternehmer der Fleischwaren industrie verlangen, daß ihnen die Löhne des Kleingewerbes, in diesem Falle also des fleinen Ladenfleischermeisters, zugestanden werden sollen. Das würde einen Lohndruck um 9 bis 21 Proz. bedeuten. Da die Löhne innerhalb des letzten halben Jahres schon um 19 und mehr Proz. gefürzt wurden und weitere Verschlechterungen des Manteltarifvertrages geplant werden, hat das Vorgehen der Unternehmer bei den Beschäftigten helle Empörung ausgelöst. Alle Belegschaften sind bereit, jeden weiteren Cohnabbau mit der Arbeitsniederlegung zu beantworten. Der Schlichtungsausschuß, der morgen, Mittwoch, tagen wird, findet also eine völlig geklärte Situation vor. Gelingt es in den Verhandlungen nicht, die Unternehmer von ihrem Standpunkt abzubringen, oder sollte der Schiedsspruch eine weitere Lohnfürzung bringen, so ist ein Konflikt nicht mehr zu vermeiden. Die Beschäf= tigten nehmen morgen abend um 19 Uhr in den Residenz- Festsälen zum Schiedsspruch Stellung. Fleischerstreif in Ludwigsluft. Die Beschäftigten der Fleischwarenfabrik Gebr. Schulze= Ludwigsluft haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit eingestellt. Die Firma verlangte eine Lohnfürzung von 16 Pro3. Der Spruch. des Schlichtungsausschusses sah einen Lohnabbau von 12 und 10 Proz. vor. In den Berliner Warenhäusern wird ein großer Teil der Waren abgesetzt. Zuzug ist fernzuhalten. Protest der Eisenbahner. Gegen Entlassungen in Schneidemühl. Im Reichsbahndirektionsbezirk Often drohen neue Entlassungen. Kommt es zum Anschluß an den DMB.? Magdeburg, 10. Mai.( Eigenbericht.) Der Verband der Kupferschmiede Deutschlands hält zur Zeit hier seinen 13. Verbandstag ab. Anwesend sind 30 Delegierte, die 6000 Mitglieder vertreten. Das Hauptthema der Verhandlungen ist die Frage der Verschmelzung der Organisation mit dem Deutschen Metallarbeiterverband. In der Tschechoslowakei ist die Arbeitslosenzahl von 633 907 Ende März auf 547 507 bis Ende April zurückgegangen. Berantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Verlag: Borwärts Verlag 6. m. b. H.. Berlin. Drud: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Baul Ginger& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3. Sierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. Staats Theater Dienstag, den 10. Mai Winter Garten 8.15 Uhr Flora 3434 fauchen erlaubt Die Varieté- Revue „ O schöner Mai“ 59 „ Baumblate" a.„ Von Lenz u. Liebe" Staatsoper Unter den Linden Unwiderruflich nur im Mai 20 Uhr Falstaff Staatl.Schauspielhaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr Geschichte Gottfrie dens von Berlichingen Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Nathan der Weise 900 Zeitarbeiter, 200 Beamte und 450 Arbeiter PLAZA Städi. Oper und Handwerker der Hauptwerkstätte Schneidemühl sollen abgehalftert werden. Darunter sind ältere Eisenbahner mit 20 und mehr Dienstjahren, in einigen Fällen über 35 Dienstjahren, die erhebliche Beiträge zur Sonderpensionskasse( B.) geleistet haben und durch die Entlassung jeden Anspruch auf eine spätere Rente verlieren. Freiwillige Weiterversicherung ist ausgeschlossen. Anträge auf Invalidenversicherung müssen innerhalb der 14tägigen Kündigungsfrist gestellt werden. Einen weiten Raum wird sodann insbesondere die Bespre chung des Reparationsproblems im Zusammenhang mit der Konferenz von Lausanne und dem diesbezüglichen Antrag Eine Konferenz der Ortsgruppenleiter des Einheitsverder Arbeitergruppe auf der letzten Internationalen Arbeitskonferenz bandes der Eisenbahner am 8. Mai in Frankfurt a. d. D. einnehmen. Außerdem steht die Besprechung des Entwurfs der erhob schärfsten Einspruch gegen die Entlassungen und forderte die Sozialpolitischen Richtlinien des 3GB. auf der Tages- allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit für das gesamte ordnung, ferner die Fragen des Bierländerkomitees, des Anti- Reichsbahnpersonal, um Entlassungen zu vermeiden und bereits abKriegs- Komitees und der gemeinsamen Abrüstungskonferenz mit der Sozialistischen Arbeiter- Internationale. An den Besprechungen werden alle Vorstandsmitglieder des JGB.: Citrine Großbritannien; Jacobsen Dänemark; Jouhaur Frankreich; Leipart Deutschland; Mertens Belgien; Tanerle Tiche doslowakei und der Generalsekretär Schevenels teilnehmen. gebaute Arbeiter wieder einzustellen. In einer Entschließung heißt es unter anderem:„ Der standalöse Zustand, unter dem der eine Teil des Personals regelmäßig lleberstunden machen muß, während ein anderer bei Feierschichten hungert und alte Arbeiter mit 30 und mehr Dienstjahren ihren Arbeitsplaß verlieren, muß endlich beseitigt werden." Hähe Schles. Shf. 5.815, Stgs. 2, 5,815. E7 Weichs. 4031 Die Dubarry Volksbühne Theater am Bülowplatz 8 Uhr Sturm im Wasserglas mit Hansi Niese Staatl. Schiller- Theater 8 Uhr Nathan der Weise Charlottenburg Bismarckstraße 34 Dienstag, 10. Mai Turnus II Friedemann Bach Salvatini, Schiradi. Friedrich Fidesser. Hüsch, Baumann. Anfang 20 Uhi Ende 22.30 Uhr Deutsches Theater täglich GROSSES 8 Uhr AUS SCHAUSPIELHAUS DIE SCHONE HELENA MAX REINHARDT INSZENIERUNG HAUS VATERLAND KURFURST 7460 Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Blumenspenden Jeder Art Rose- Theater 8 Uhr Letzte 2 Aufführung. Große Frankfurter Straße 132 Vor Sonnen- Tel. Weichsel E 7 3422 untergang v. Gerh.Hauptmann 8.15 Uhr Die Frau, liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Mariannenstr. 3 Regie: die jeder sucht F8, Oberbaum 1303 Max Reinhardt PROGRAMM für die Zeit vom 10. bis 12. Mai BTL Potsdamer Straße 38 3 Groß- Tonfilme: Sergeant X mit Ivan Mosjukin, Trude von Molo. Außerdem: Der tolle Bomberg mit Hans Ad. Schlettow W. ab 5 Uhr. KINO- TAFEL Moabit Artushof Wochent. ab 6 Uhr Zeli Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29. 2 gr. Tonfilme Schön ist die Manöverzeit Wo die Wolga fließt woche Charlottenburg TonGermania- Palast W. ab 5 U. S. ab 3 U Odeon, Potsdamer Str.75 Charlottenburg. Wilmersdorfer Str 53:54 Verlängert: Der Sieger mit Hans Albers, Käthe von Nagy W. 5, 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Zehlendorf- Mitte Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr Südosten Nordosten Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Deutsch- Amerik. Theater ,, Elysium" Prenzlauer Potsdamer Str. 50 Ben Hur in Tonfassung mit Ramon Novarro Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Steglitz Titania- Palast W.6.30, 9 U. Stg.4, 6.30, 9U. Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich, Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel Steglitz. Schloßstr 5. Ecke Gutsmuthsstr. mit Martha Eggerth. Gustav Fröhlich, Gretl Theimer, Tibor von Halmay, Fritz Grünbaum- Für Jugendliche freigegeben W. 5, 7, 9 Uhr Eine Nacht im Paradies mit Kant- Lichtspiele Anny Ondra. Herm. Thimig, Köpenicker Str. 68. Beg. 5, 7 9 Uhr Yvonne mit Greta Garbo Endkampf mit Hoot Gibson. Am Dienstag u. Mittwoch, 11.10 Uhr, Nachtvorstellung: Mann und Weib 56 Wocht, ab 5 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Wochent, ab 5.15 U. Sonnt. ab 3.15 U. Melodie der Liebe mit Rich. Tauber Bühne: Jackmann am Flügel Jugendliche haben Zutritt in Afrika, Farbenlichtbilder- Vor- Flora- Lichtspiele Landsberger trag von E. H. Schrenzel. Für Jugendliche verboten L. Steckel, Blandine Ebinger. Filmeck Tonfilm- Beipr..- Jgdl. Zutritt Mariendorf Tonlichtspiele So. ab 5 U. Chausseestr 305. Grete Natzler, R A. Roberts, Kantstr 54( aa der Wilmersdorfer Str.) Ma- Li Mariendorfer W. 7, 8.30, Marg. Kupfer, Oscar Sabo. Mädchen zum Heiraten mit Außerdem der lustige Sketsch: Fasse Dich kurz mit Kurt Lilien W. 5, 7, 9 Uhr Für Jugendliche freigegeben Renate Müller, Wolf AlbachRetty, Gustl Stark Gstettenbaur W. 5, 7, 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 Schlüter- Theater Beginn ( Passage) Der Sieger mit Hans Albers, Käthe von Nagy Den ganzen Tag geöffnet Westen Primus- Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Uraufführung! Ein süßes Geheimnis mit Hansi Nicse, Else Elster, Paul Heidemann, Hans Marr. W. 5.15, 7.15, 9.15 Unter den Linden Die Kamera Schlüterstr. 17. 5,6%, 9U. Sonntag 3 Uhr 2 Tonfilme: Der Geheimagent mit Harry Piel- Ein bißchen Liebe für dich mit Lee Parry, Magda Schneider, Thimig Es lebe die Freiheit mit René Clair heut' nacht Sei mein Eintänzer Kurfürst Atrium Wilmersdorf Wochent. 7, 914 U. Sonnt. 5, 7, 94 U. Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Tempelhof W. 7, 9 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr Sonntag 3 Uhr: Jugendvorstellung Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Die Fünf von der Jazzband mit Jenny Jugo Tonbeipr. Jugendliche haben Zutritt Uraufführung: Hasenklein kann Tivoli nichts dafür mit Lien Deyers, Joh. Riemann, Jakob Tiedtke, H. Brausewetter, Senta Söneland. J. Falkenstein. Regie: Max Neufeld Schöneberg Unter den Alhambra Linden 14 Täglich 3, 5, 7, 9 Uhr Monte Carlo mit Jeanette MacEin Staatskerl mit donald Raimond Griffith Friedrichstadt Franziskaner Tageskino ab 9 Uhr vorm Georgenstraße( Ecke Friedrichstraße) 9, 12. 3, 6, 9 Uhr: Zwei in einem Auto mit Magda Schneider, Karl Ludwig- Diehl, Rich. Romanowsky, E. Verebes 10.30. 1.30 4.30, 7.30 10.30 Uhr Liebe, ein Naturgesetz Film mit Vortrag Für Jugendliche verboten Täglich 5, 7, 9 Uhr Stgs 3 Uhr: Jugendvorstell Berliner Str. 97. Es war einmal ein Walzer mit Martha MitterEggerth nachtsliebe Neukölln Woch 5, 7, 9 Uhr Hauptstr. 30. Varieté. Tonfilm Madam Satan mit Reginald Denny Tonkabarett mit Senta Sõneland Sonni 3.59 hr Mercedes- Palast W... Titania Schöneberg Hauptstr 49 W 579 Uhr S 3, 5. 7. 9 Uhr Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich Tonbeiprogr. Jugendl. Zutritt Friedenau Kronen- Lichtspiele Rheinstraße 65 Wocht. 7, 9 Uhr. Sonnt 5, 7, 9 Uhr Meine Kusine aus Warschau mit Liane Haid. Schulz, Szakall Beiprogramm Hermannstr 212 Am Allee 40/41 Wocht. 5.45 U. Feiertage ca. 7, 8.45 U. Reichh. Tonbeipr. PROGRAMM für die Zeit vom 10. bis 12. Mai Friedrichsfelde Kino Busch Frt., Sbd., Stg. ab 5, sonst Beginn 6 Uhr Alt- Friedrichsfelde 3 Die nackte Jenny Jugo Tonwoche mit Wahrheit Trader Horn ( Aus afrikanischen Dschungeln) Norden Melodie der Liebe mit Rich. Alhambra Müllerstraße 136. Tauber W. 64.9 Stg. W. ab 6. Stgs, ab 3 Königstadt- Palast sg. ab 4% Bühnengastspiel der Pariser Revue: Für Euch I schöne Frauen 25 Mitwirkende Roda Roda i. d Tonfilmlustspiel: Der Feldherrnhügel Jugendliche haben Zutritt Luisen- Theater W. ab 6.30 Stgs. ab 3 Reichenberger Str. 34. Iwan Mosjukin in dem Tonfilm Sergeant X ferner das packende Tonfilm- Schauspiel Meine Kinder mein Glück Schönhauser Allee 10 Neue Direktion Peter Voß, der Millionendieb mit Willy Forst, Paul Hörbiger Tonwoche Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Woch. ab 6.30 Uhr Sonnt ab 3 Uhr Mädchen zum Heiraten mit Renate Müller, Hermann Thimig. Neuaufführung Lon Chanay: Der Glöckner v. Notre- Dame Voranzeige ab Freitag: Melodie der Liebe mit Richard Tauber Stella- Palast W. ab 6.30 Uhr Luna- Palast Sonnt. ab 3 Uhr Köpenicker Straße 12-14 Richard Tauber in dem erfolgreichen Tonfilm Melodie der Liebe Woch. 5 Uhr Sonnt ab 3 Uhr Gr Frankfurter Str. 121 Tonwoche Mädchen zum Heiraten mit Ecke Seestraße W. 5, 7, 9 Uhr. Sonnt, ab 2.30 Uhr Der Sieger mit Hans Albers, Käthe Gutes von Nagy Tonbeiprogramm Pharus- Lichtspiele Müllerstr. 142 Täglich 5, 7, 9 U. Großtonfilm: Ben Hur in Tonfassung mit Ramon Novarro Tonbeiprogr. Jugdl. Zutritt Reinickendorf- Ost Beba- Lichtspiele Residenzstr 124 W 6.45 u. 8.45 Uhr Stg. 5, 7, 9 Uhr 3 Uhr: Jugendvorst. Der Geheimagent mit Harry Piel Die Liebesfalle mit Laura la Plante Pankow Renate Müller, Herm. Thimig Palast- Theater Woch. 7, 8½. Hallo, hallo! Hier spricht Berlin Große Bühnenschau- Jugdl. Zutritt Schwarzer Adler Donnerstag, 12. Mai: Einmaliges Operettengastspiel Der Zigeunerbaron Beginn 8.15 Uhr S. ab 3 U. 60 Mitwirkende Treptow Mädchen zum Heiraten mit Renate Müller, Herm. Thimig Sergeant X mit Mosjukin, T. v. Molo Primus- Palast W630,9 Treptow- Sternwarte Sonnt ab 3 U Am Hermannplatz Urbanstr 72/76 Melodie der Liebe mit Rich. Tauber Bühne: Eugen Rex Jugendliche haben Zutritt Südwesten Mittw. 8 Uhr Donnerst. 8 Uhr: Silberkondor über Feuerland Gunther- Plüschow- Film Baumschulenweg Film- Palast Kammersäle Lichtspielhaus Sig. 2.30 J.-V. Teltower Str 1 W ab 5%. So ab 3½ U Es war einmal ein Walzer mit Martha Eggerth- Kriminalreporter Holm W 6 U., St. 4.30 Baumschulenstr 78. Tonwoche Die Försterchristel mit Irene Paul Richter Eisinger, Gutes Tonbeiprogramm Frankf Allee 99 W. 5, 7, ca. 9 Uhr. Stg 3, 5, 7, 9 Uhr 2 Tonfilme: Mann über Bord mit Georg Bancroft wider Keaton Casonova Buster mit Willen Tonbeiprogramm Breite Str. 21a. Stg. ab 5 U. Goethes Frühlingstraum mit Elga Brink als Friederike Hurra, ein Junge! mit I. Wüst, Schulz, Roberts Tegel Viktoria- Theater Woch, ab 5 Filmpalast Tegel Bahnhof Frankfurter Allee 48 Stg. ab 3 U. Zum goldenen Anker mit Alb. Bassermann, Lucie Höflich, Urs. Grabley, Mathias WieTonbeiprogramm mann Neu- Lichtenberg Kosmos- Lichtspiele Lückstr. 70. Tonwoche Wo. 5. ca. 7, 349 Uhr, Sig ab 3 Uhr Unter mit falscher Flagge Charlotte Susa. Gustav Fröhlich Tonbeiprogramm Wochent 6. Sonnt 4.15 U Sonntags 2 Uhr: Jugendvorstellung Ehe mit beschränkter Haftung mit Charl. Susa. H. Moser Großes Tonbeiprogramm Hennigsdorf Filmpalast Beg. W. 6. 8.30 Uhr Stgs 4. 6. 8% U. Berliner Str 59 Großtonfilm: Arm wie eine Kirchenmaus mit Grete Mosheim, Hörbiger Tonbeipr (ßeilage Dienstag, 10. Mai 1932 ZkrÄmZ $fu[Jaai.ja0o dei Auf Jagd nach Arbeit Bericht eines Arbeitslosen, der aus New York zurückkam Anmerkung: Abgesehen von den üblichen Angeboten in den Tageszeitungen werden offene Stellen durch Agenturen vermittelt: Kopfarbeit: In der Zeitung Angebot der Vennittlungs- stelle, hier Fragebogen ausfüllen. Falls geeignet, zur Vorstellung geschickt. Nach Erhalt der Stellung ein Wochengehalt in drei wöchentlichen Raten als Entgelt an Agentur. Handarbeit: Angebote auf bunten Zetteln an Haus- eingängen der Agenturen. Kosten der Vermittlung— 10 Proz. des monatlichen Gehaltes im voraus bezahlt. Falls Stellung nicht er- halten, Geld zurück binnen drei Tagen. Wenn der Wecker raffelt... Schon wieder dieser Wecker! lind es ist erst kurz nach t> Uhr. Ich schlafe ja erst ein paar Stunden. Aber— richtig! Ich muß mir ja Arbeit suchen. Das Hausieren hat doch keinen Zweck. Bringt kein Geld ein. Arbeit will ich haben. Richtige Arbeit. Also raus! Nur raus! Waschen, anziehen, Kaffee auf- setzen. Runter auf die Straße. Gerade verlöschen die Lampen. Die ersten Omnibusse torkeln schläfrig. Der Zeitungsoerkäufer wird abgelöst. Drei Zeitungen:„Times",„Herald",„World". Zurück aufs Zimmer. Kaffeetrinken. Inserate durchfliegen. Auf dem Broadway wird ein Delikatessenoerkäuser gesucht— um 8 Uhr. In der Bronx ein Kalkulator zwischen 12 und 1 Uhr. In Brooklyn ein Geschirrwäscher um 7 Uhr. Dafür ist's schon zu spät. Aber da: in der 72. Straße ein Verkäufer um 9 Uhr. Und da: in der 5. Avenue ein Maschinenschreiber— ach!— auch um 9 Uhr. Jetzt ist's sieben. Los also! Straß'auf, straß'ab... Zuerst zum Delikatessengeschäft. Die Stelle ist schon um 6 Uhr besetzt worden. Na, dann weiter. Zur 72. Straße. Kurz vor 149 Uhr bin ich da. 20 Leute warten schon auf der Straße. Alles amerikanische Gesichter. Hat also gar keinen Zweck. Schnell zur 5. Avenue. Untergrundbahn. Natürlich gerammelt voll. Kein Platz. 2lus den nächsten Expreß warten. Wenn er nur käme! Um 9 Uhr muß ich da sein. Endlich! Los, los! M a- s ch i n e n s ch r e i b e r. Ja. Aber es wird ein Boy gesucht. Das macht doch nichts. Ich kann doch viel mehr. Und koste das- selbe Geld.„Haben Sie nicht verstanden? Einen dov suchen wir. Einen lwy!" Natürlich einen boy. Entschuldigen Sie nur. Ich wollte ja bloß arbeiten. Na, dann eben zur Bronx. Aber das hat noch Zeit. Erst mal die 6. Avenue auf und ab jagen. Von der 2Z. bis zur 50. Straße. Agentur ap Agentur. Nur für Handarbeiter. Ist ia fo egal. Ich mache alles. Nur Arbeit! Arbeit! Stell« als Hausknecht. Treppe rauf.„Mensch, du trägst ja'ne Brille. So einen können wir nicht gebrauchen." Treppe runter. Weiter. Gelbe, grüne, blaue Zettel. Zlngebote, Angebote. Köche, Tischler, Maler, Haus- vermalter. Da! Ilusby man.(K r a f t b u l l e.) Rauf. Brust raus. Schultern hoch. Schwerer Gang. Ergebnis: Ein Blick. Ein Lächeln. Ein„no". Und wieder runter die Treppe. Blaue, grüne, gelbe Zettel. Hotelangestellter. Rauf.„New Zork Praxis?" Nein. Runter wieder. 34. Straße. Das größte Warenhaus. Personalbüro. Lange Schlange. Es dauert'ne halbe Stunde, bts ich dran bin. Und dann der ewige Vers:„Heute nichts. Vielleicht morgen. Sie wissen ja, die Zeiten sind schlecht." Jawohl, das weiß ich. Um das zu hören, habe ich nicht gewartet. Aber— was hilft's! Weiter. Weiter. Suchen. Suchen. Nochmal gelbe, grüne, blaue Zettel. Bäckerlehrling. Sicher. Warum nicht? Da habe ich wenigstens'was zu esten. Rauf. Brille wegstecken. Der Kerl schickt mich. Ich zahle 6 Dollars. Hochbahn. Bäckerei. Da bin ich. Aber ich sehe nicht aus wie ein Bäcker. Ich bekomme'ne Tasse Kaffee geschenkt. Das ist alles. Und zurück geht's zur Agentur. Ich will mein Geld wiederhaben. Soll später nochmal kommen.„Halt! Kannfte Geschirr waschen?" Jawohl. Also los. 33. Straße. Restaurant. 25 Eents pro Stunde. Und Essen. Rock ans. Schürze vor. Los! Teller. Schüsseln. Messer. Gabeln. Speisereste. Es stinkt nach heißen Bohnen. Fleischbrühe spritzt mir ins Gesscht. Ich drehe trockenes Brot durch. Maschine steckt fest. Brot ist noch feucht. Koch sagt:„Hast wohl auch noch nicht viel Erfahrung?" Ich we Fett in die Pfanne. Schneide Butter. Wasche. Spüle. Alles stinkt. Silber trocknen. Löffel. Große. Kleine. Vier aus einnzal. Sechs. Acht. Nur schnell. Schnell. Chef kommt. Natürlich— zu langsam.„Mach, daß du rauskommst!: Ja, aber-- „Raus! Raus!" Schürze ab. Rock an. Noch ein kurzer Kampf ums Geld. Dann bin ich draußen wieder. Auf der Straße. Da find sie alle: Acpfelverkäufer. Sckiokolade, zwei Takeln 5 Cents. Meine Kollegen. Wir Arbeitslose. Nur nicht denken. Nur nicht denken. Weiter. Weiter. Ich will arbeiten. Rchtig: Bronx. Etwas spät zwar. Schadet nichts. Wenigstens versuchen. Los.„Haben Sie schon kalkuliert?" Natürlich. Jawohl Ich kann alles. Alles kann ich. Ich will mir arbeiten. Bitte, wann kann ich anfangen?„Wir geben Ihnen morgen telephonisch Bescheid." Na, dann ist's schon nichts. Zurück wieder. Mal Wall Street Gegend. Uebersetzungsbüro. Ja! Zwei Briefe. Halbe Stunde 43 Cents. Weiter. Kaufmännische Agen- turen. Fahrstühle rauf. Fahrstühle runter..Hie und da Frage- bogen ausfüllen. Aber überall:„Die Zeiten sind schlecht. Vielleicht morgen--" Weiter. So, nun rasch'n Happen essen. Tasse Kakao und Brötchen im Automat. Und nun? Ach ja— meine Liste. Firmen, die mich vielleicht brauchen können. Treppauf, treppab... Broadway, pho.to enxros. Nur Amerikaner,„...tut uns sehr leid..." Spielwarengeschäft. Deutscher Chef. Spricht nur Englisch.„Mir hat auch keiner geholfen. Sehen Sie selber zu..." Weiter. Zeitungsverlag. Netter junger Deutscher. Schickt mich zum Deutschen Verband. Untergrund. Zeitung. Vielleicht habe ich etwas übersehen. Nein, eigentlich nicht. Aber das hier heute abend um sieben. Könnte ich doch versuchen, j Verbandsbüro.„Sind Sie Mitglied?" Ia, drüben.„Nein, hier?" Nein.„Dann können wir Ihnen nicht helfen." Zurück zur 6. Zlocnue. Neue Angebote lesen. Auto wasch er. „Zeig' mal deine 5)ände.— Ree! Mit den Händen! Nee!" Runter. Weiter. Weiter. Zwischen Handwerkern und Handwerkszeug. Zwischen Kindern und Greisen. Schiefen Ballonmützen und qualmenden Zigaretten. Es wird gedrängelt. Es wird geknufft. Arbeit! Arbeit! Da! Geschirrwäscher. 22 Dollar pro Woche. Meine Fresse! Rauf. Ich bin der erste. Aber— die Sache ist Bluff. Gar keine Stelle frei. Die wollen bloß unser Geld haben, damit wir dann von ihnen abhängig sind. Donnerwetter! Ich bekomme ja von der anderen Agentur noch Geld zurück. Hin.„Nein, das Geld kriegste erst morgen. Aber ein Plakat für'nen Koch kannfte mal unten am Brett festmachen." Runter. Gierig stürzen sich alle ans Brett. 40 Augen l�sen: Koch, fünf Jahre New Park Praxis. Hat keiner. Weiter. Weiler. Da! Diener beim Arzt. Nein, ich habe keinen Smoking. Kann auch keinen kaufen. Habe kein Geld. Aber'n schwarzen Anzug, den Hab' ich.„Nein. Nein." Eigentlich bin ich froh. Dienerfpielen ist nicht so einfach. Und doch—! Wieder keine Arbeit. Wieder ein Tag vorüber. Wieder kein Recht, ordentlich zu essen. Das ist so furchtbar. Wann wird das endlich vorbei sein?! Wann? Wann! Vielleicht versuche ich dies noch: Junger Mann mit Kamera. Los. Brooklyn. Also— photographieren— kleine Kinder— beim Spiel— Adressen merken— vergrößerte Photos später eventuell verkaufen. Eventuell! Hat gar keinen Sinn. Zeit- Vergeudung. ... aber niemals ein Treffer! Letzter Versuch. Hausieren. Wenigstens noch mal ver- suchen. Schüler finden für Musik- und Tanzkonversa- t o r i u m. Mietskaserne. Erdgeschoß und vier Stockwerke. Zu- sammen 40 Wohnungen. 40 Klingeln. Zwanzigmat geht die Tür auf. Fünfzehnmal wird sie zugehauen. Fünfmal bete ich: Haben Sie Kinder? Zwischen fünf und vierzehn. Knabe oder Mädchen. Talent für Musik oder Tanz. Klavier oder Geige. Akrobatik oder Purzel- bäum. Ist ja so wtirscht. Sagt bloß: Ja. Damit ich meine Kom- Mission bekomme. Aber nein, nein. Die Türen klappen zu. Ins nächste Haus. Ich klingle. Die Guckklappe wird geöffnet. Die Frau schüttelt schon den Kopf, bevor ich überhaupt etwas gesagt habe. Bums! Klappe zu. Nächste Klingel. Verzeihen Sie bitte... Krach! Tür zu! So, bei der nächsten sage ich gleich: Sie können mir sonstwo begegnen. Aber her mit dem Geld!— Aber nein, nein. Keiner hat Interesse. Allmählich werde ich den Rummel leid. Trotz- dem— es hilft ja alles nichts! Durch muß ich. Nur weiter. Weiter. Doch es geht schon auf sechs. Um sieben brauch ich erst in der 42. Straße sein. Bis dahin kann ich nichts tun. Wäre die „E u r o p a" oder die„B r e m e n" im Hafen, könnte ich solange an Bord gehen und versuchen, der Mannschaft Strümpfe zu verkaufen. Leider ist aber kein Schiff da. Bleibt nur Übrig, in den'Automaten zu gehen und zu esjen. Und wieder Zeitung lesen. Auf schriftliche Bewerbungen durchsehen. Eins— zwei— drei. BuchhaUer. � Reklamezeichner. Photograph. Nur gut, daß die Zeugnisse schon Über- setzt und vervielfältigt sind. 42. Straße. Wolkenkratzer. Expreßfahrstuhl zum 40. Stock. Ein Saal voll von Menschen. Hungrig. Gierig. Arbeit. Arbeit. Viertel- stunde warten. Halbestunde Einsührungsrede. Dann:„Meine Herren, es handelt sich um den Verkauf von Automaten zur An- bringung an öffentlichen Bedürfnisanstalten zwecks Einführung sogenannter Klosettdeckelservietten.. Ach du lieber Augustin! Nur schnell raus. Und nach Hause. Bewerbungen. Eins, zwei, drei. Noch rasch in'n Briefkasten. Viertel vor elf letzte Leerung. Und dann— endlich!— Ins Bett. Wieder ein Tag. Gearbeitst. Geschuftet. Gehetzt. Gebangt. Für nichts. Noch zittern die Beine, die Hände, der Körper. Nur nicht schlapp machen. Der siebe Gott wird schon helfen. Unser täglich Brot gib uns heute. Amen. iHausjürgen Weidlich. Bereit zum Stratosphärenflug? Das Geheimnis um Junkers Stratosphärenflugzeug Hie gemeldet, haben die Junkers-Werke das Flugzeit gmerk stillgelegt. Unser A. E.-Mit arbeit er hatte kurz zuvor den Junkersmerken in Dessau einen Besuch abgestattet, um sidi über Junkers' Stratosphärenflugzeug zu informieren. Dessau, im Mai. Das Auto rast Über die sandige Landstraße, der Frühlingswind zieht durch alle Glieder, man muß brüllen, damit überhaupt eine Unterhaltung mit dem Junkers-Jngenieur zustande kommt. Dessau liegt hinter uns, idyllische grüne Plätze, rosig gepinselte Rokoko- palais; längst vorbei... „Neuntausend Meter ist keine Höhe", schreit mein Nebenmann, „Dauerflug... Temperatur... 500 Kilometer Geschwindigkeit... Berlin— New Port in zwölf Stunden..." Gesprächs- fetzen schwirren durch die Luft. Rote Fabrikmauern, ein Eiscntor öffnet sich kreischend. Der Wagen hält. Ein Mann in beschmiertem Arbeitskittel führt den Besucher in ein phantastisches Büro: himmelblau die Wände, Tische, Stühle, die eingebauten Schränke des Raumes sind aus glänzendem Weißblech. Das Stratosphärenflugzeug. „Unter größter Geheimhaltung sind die ersten Flüge schon ge- macht worden. Die Tore wurden scharf bewacht; kein Fremder durste das Gelände betreten! Dann erst zogen wir den Vogel aus dem Schuppen. Allerdings ging der Flug noch nicht bis in die Stratosphäre, denn noch fehlt dem Flugzeug der wichtigste Teil, der eigentliche Kern— das Schleudergebläse. Wir müssen unser Werkgeheimnis wahren: in der Nähe von Paris, bei den F a r m a n- Werken, bauen sie ja auf Veranlassung des französischen Lust- fahrtministeriums ebenfalls ein Stratosphärenflugzeug; muh sich her- ausstellen, wer eher zum Ziele kommt..." Wieder geht es hinaus an die frische Luft, zwischen surrendem Motorgeräusch zu einer kleinen, ziemlich versteckten Halle. Hier liegt das Stratosphärenflugzeug, ängstlich bewacht, im Augen- blick wohl das größte Geheimnis der deutschen Technik! Ein kleines Flugzeug, kurz, gedrungen, mit dickem Rumpf und dicken Flügeln. Sicherlich macht das jüngste Kind der„Notgemein- schaft der deutschen Wissenschaft" einen höchst nüchternen Eindruck,— das ist das Schicksal aller Wunderdinge unserer Zeit. In 16 000 Meter Höhe Zeitung lesen... Sechstausend Meter Höhe... In einem normalen Flugzeug be- ginnt der Mensch, infolge veränderten Luftdrucks und Temperatur, höhenkrank zu werden. Zwölftaussnd Meter Höhe... Künstlicher Sauerstoff hilft nicht mehr... Noch zweitausend Meter höher, tritt Bewußtlosigkeit und Tod ein... Aber siehe da,— die Menschen, die in diesem unscheinbaren Vogel aufsteigen, bleiben in dieser Höhe völlig unberührt von der Außenwelt! Obwohl der Luftdruck nur noch ein Zehntel dessen be- trägt, was er auf der Erde ausmacht, obwohl in dieser Höhe 70 Grad Kälte herrschen, kann der Mensch in der Kabine, wenn er nicht gerade mit der Steuerung beschäftigt ist, ei» weiches Ei frühstücken und sich, die Morgenzeitung in der Hand, über die poli- tische Konstellation einer Welt ärgern, die er vor einer halben Stunde verlassen hat.(Denn ungefähr soviel Zeit nur braucht das Flugzeug für den Weg in die Stratosphäre.) Die Menschen können oben so sicher sein, weil sich in der» Stratosphärenflugzeug eine druckfeste Höhenkammer be- findet, in der man den Luftdruck und die Temperatur erzeugen kann. die man will. Der Junkers-Jngenieur schildert den Stratosphärenslug der Zu- kunft: Der Passagier des Stratosphärenflugzeugs blickt aus dem Fenster. Wie seltsam ist der Weltenraum jenseits der Erde: Sturm, Wolken, Nebel liegen viele tausend Meter unter uns, ein klarer Himmel wölbt sich, die Erdatmosphäre— im buchstäblichen Sinne des Wortes!— drückt nicht mehr. Dadurch wird aber auch die Streuung des Sonnenlichts geringer, dunkler ist der Himmel... Dieses Bild ist einprägsam, und auch der Ingenieur, ein nüchterner, wortkarger Mann, gerät in Schwung. Denn was hier mit Gedanken und Händen zu Wirklichkeit geformt wird,— ist ein uralter Traum der Menschheit... DasSchleudergebläse. Die Fabriksirene hat schon den Arbeitsschluß verkündet, aber die Männer stehen noch immer um mich herum. Sie sind mit Pronhe- zeiungen vorsichtig, zurückhaltend. Noch ist der wichtigste Teil,— das Schleudergebläse, nicht eingebaut. Was soll dieses Schleuder- gebläse? Ebenso wie der Mensch in solchen Höhen nicht leben kann, braucht auch der Motor zu seiner Arbeitsleistung vorverdichtete Lust von konstanter Spannung. Durch das Schleudergebläse wird ihm diese Luft zugepumpt. Der Energiebedarf des Gebläses wiederum kann durch eine Kraft geschaffen werden, die nur in der Stratosphäre entsteht. Die Auspuffgase verlassen den Motor mit einer Spannung von vier Atmosvhären. Da der Außendruck sich in dieser Höhe aus ein Zehntel verringert, so ergibt sich ein außerordentlich starkes Druckgefälle der Auspuffgase,— eine Energie, die zum Betrieb des Schleudergebläses verwandt werden kann. Theoretisch ist die Frage des Schleudergebläses gelöst,— praktisch wird noch daran gearbeitet. Und es wird noch eine Weile dauern, bevor dieses Schleudergebläse betriebsfertig gemacht ist. Aber das ist, trotz aller Vorsicht mit Prophezeiungen, die hier bei Junkers geübt wird, und trotz der momentanen finanziellen Schwierigkeiten nur noch eine technische Frage, die in absehbarer Zeit gelöst sein wird. Ozeanflug in der Stratosphäre. „Hat man nicht Angst bei Ihnen, daß in diesen gewaltigen Dimensionen das Menschenleben zu einem Nichts zerdrückt werden muß?" Der Ingenieur lacht:„Sie glauben, daß 16 000 Meter Höhe und die durch den geringeren Luftwiderstand auf 500 Kilometer erhöhte Geschwindigkeit des Flugzeugs zuviel für den Menschen wäre? Kein Gedanke! Nehmen Sie an, mitten in der Stratosphäre setzen die Motoren plötzlich aus. Ein Flugzeug in Erdennähe würde auf dem Erdboden zerschellen, wenn es dem Piloten nicht gelingt, die Maschine aufzufangen. Ein Flugzeug in der Stratosphäre hat im Gleitflug nach unten auch ohne Motor eine Reichweite von 200 Kilometern, und eine Zeit von einer Stunde zum Niedergehen! In dieser Zeit kann sogar auf dem Ozean das nächste Schiff angesteuert und funktelegraphisch um Hilfeleistung gebeten werden. Der Ozeanflug in der Stratosphäre ist also unvergleich- lich sicherer als der gewöhnliche Ozeanflug!" Das Flugzeug, auf das die ganze Welt mit Spannung blickt. liegt im Halbdunkel der 5)alle.— ein wenig belanglos im Verhältnis zu größeren Maschinen. Es ist eine Idee, eine Phantasie, ein mensch- licher Wille, der sich die Weite des Weltenraums erobern will! Wasserfahrer, zeigt Schwarzrotgold Ein Kapitel vom Kampf gegen die Reaktion Der Sport soll unpolitisch sein! Ist er es, kann er es sein? Nun, was den Wassersport betrifft, so kann man an den Flaggen, die die Bootsbefizer an ihren Fahrzeugen führen, durchaus auf ihre politische Gesinnung schließen. Das trifft nicht nur auf die Flaggen des alten Kaiserreichs zu, die auch heute noch, dreizehneinhalb Jahre, nachdem Wilhelm ehemalig wurde, von gewissen Leuten mit beneidenswerter Ausdauer gezeigt werden. Nein, das sieht man auch an den Organisationsflaggen der verschiedensten Wassersportverbände. Schwarzweißrot fommt da in dieser oder jener Zusammenstellung immer wieder vor und feine Verbands- Generalversammlung hat je diese Farben geändert. Wie wird man auch! Es liegt doch System, politisches System in dem Festhalten an der Tradition", in der Treue zur angestammten Fahne!" Zu diesen Leuten gesellen sich die ganz Unpolitischen, die fo un politisch sind, daß sie eine Fahne der Republik von einer alten Kriegsflagge nicht unterscheiden können. Und da an dem Flaggenstod ihres alten Rahnes eben so eine Kriegsflagge oder eine schwarzweißrote baumelte, so haben sie sie getreulich beibehalten. Das fährt nun munter mit den alten Dingern umher, denkt sich nichts dabei und ist, wie gesagt, völlig unpolitisch! So beteuern diesen Leutchen wenigstens stets auf Anfrage. Inzwischen aber gehen die anderen, nicht wasserfahrenden Zeitgenossen an den Ufern spazieren und sehen das Schwarzweißrot in den hundert Variationen auf den Luftkähnen und denten sich, der ganze Wassersport sei schwarzweißrot, wenn nicht gar hafentreuzlerisch. Was tun dagegen die Republikaner auf dem Waffer? Sie haben ihre Vereinigungen, die schwarz rotgold an den Fahr zeugen führen. Und zwar ganz bewußt gegen die andern. Es find vor allem die Wassersportabteilungen des Reichsbanners, die HavelAktionsgruppe in Potsdam, der Ruderverein Butab, die Motorbootabteilung des deutschen Reichsautoclubs und eine Anzahl Einzelbootbefizer. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund hat für seine Wasserfahrer einen eigenen Wimpel geschaffen, der auf weißem Grunde ein rotes F zeigt, der Freie Segler- Verband hat auf weißem Grunde die vier Eden feiner Flagge rot abgesetzt und in die Mitte einen roten Ball gesetzt. Diese Flaggen und Wimpel fennzeichnen die Wasserfahrer bei den Bootsbesigern der anderen Fakultät wohl als freie" Wasserfahrer, nicht aber bilden sie eine Demon stration gegen die Schwarzweißroten! Und doch wäre die so dringend nötig. Zu den schwarzweißroten tommen jegt die Hakenkreuzflaggen, die, entsprechend der ganzen Bewegung, in Dimensionen gesetzt werden, die im umgekehrten Verhältnis zur Größe des Bootes stehen. Es hat wenig Zweck, daß sich die freien Wasserfahrer, Segler, Ruderer, Paddler darauf berufen, daß sie nicht schwarzweißrot führen; wer ihre Flaggen nicht fennt, und das ist die Mehrheit der Bevölkerung, sieht eben nur die anderen und wenig schwarzrotDas Arbeiter- Schachturnier Nach langem Kampf beendet Nach sechs Monate langen spannenden Kämpfen konnten in der Freien Arbeiter- Schachvereinigung Groß- Berlin die Mann schaftswettkämpfe durchgeführt und das gut besezte Meisterturnier der Einzelspieler beendet werden. # Zweiundzwanzig Mannschaften zu je 10 Spielern kämpften um das Ziel. In der A Gruppe konnte sich der Berteidiger der Meisterschaft, die Abteilung Wedding, gegenüber dem unbeirrt seinem hohen Ziele zustrebenden zähen Gegner, Abteilung Charlottenburg, nicht behaupten. Obwohl es der Weddingmannschaft gelang, Charlottenburg mit 6: 4 zu schlagen, mußte sie noch die kleine Abteilung Weißensee, deren gut eingespielter Mannschaft es gleichfalls gelang, den neuen Mannschaftsmeister zu schlagen, den 2. Platz überlassen. Den niedrigsten Stand erreichte die Abteilung Westend, deren Abstieg zur B- Gruppe feststeht. Die zweite absteigende Mannschaft muß erst durch Stichkampf zwischen Friedrichshain, Humboldthain und Prenzlauer Berg festgestellt werden. In der B- Gruppe hat sich die Abteilung Neukölln in ganz eindrucksvoller Weise die Mannschaftsmeisterschaft erkämpft und steigt mit der Abteilung Grünau- Falken= berg zur A- Gruppe auf. Das übrige sagen die Tabellen. A- Gruppe 1. Charlottenburg 2. Weißensee 3 Wedding 4. Treptow 5. Lichtenberg . 7. Prenzlauer Berg 6. Kreuzberg 8. Friedrichshain 9. Humboldthain 10 Bestend 1 Neu ölln 2. Grünau/ Falkenberg 3. Friedrichsfeibe 4. Lichtenberg 2 31/2 Vereinsfiege Punkte Arithmet. Mittel 7 571/ 61 541 1/2 2 6 53 6 50% 5 41/2 44 21/2 39 3 39 71/2 31/ 1 37% 27 8 10 48 B- Gruppe Bereinsfiege Punkte Arithmet. Mittel 11 84 1/2 8 71 21/ 8/2 67 3 712 641/2 7 64 6 60 61 41 60 714 6 541 734 31 43% 9 1 38 1½ 1 221 11 5. Treptow 2 6. Humboldthain 7. Moabit 8. Wedding 2 9 Pantow 10. Mirte 11. Charlottenburg 12. Friedrichshain 29 10% 1114 Im Meisterturnier murde F. Vogt Charlottenburg mit 12 Punkten Meister der Freien Arbeiter- Schachvereinigung Groß- Berlin. Zweiter wurde Herbert Karl 9% Punkte, 3. Mag Pilaret 9 Punkte, 4. F. Nawothnig 7½ Bunfte. Arbeiterschach. Heute, Dienstag, 20 Uhr, findet im Lolal von Fulde in Pankom, Berliner Ede Lindenstraße, ein Wettkampf zwischen den Abteilungen Pantom und Prenzlauer Berg statt. Donnerstag, 12. Mai, 20 Uhr, beginnt in der Abteilung Brenzlauer Berg bei Pohit, Stargarder Str. 19, das Sommerturnier. Jeden Donnerstag werden Werbevorträge für Anfänger und Fortgeschrittene gehalten. Gäfte zu allen Veranstaltungen herzlich willkommen. Reit- und Spring- Turnier goldene. Was not tut, ist, daß die freien Wafferfahrer neben ihren Vereins- und Verbandsflaggen noch die Flagge der Republit zeigen. Und zwar als wirklich wirksame, für jeden erkennbare Demonstration gegen die kleinen und großen, bewußten und unbewußten Reaktionäre! Arbeiter- Wasserball- Serie Weißensee- Freiheit 7: 4/ Charlottenburg- Lichtenberg 11: 0 Das Sonnabendspiel nahm den erwarteten Verlauf. Beide Mannschaften befleißigten sich einer fairen Spielweise. Es gelang Weißensee, seinen Anwurf sofort zum ersten Tor zu verwandeln. Bald darauf saßen weitere groei Erfolge, die aus guten Kombinationen erzielt wurden. Flinke Gegenangriffe Freiheits scheiterten zunächst an der stabilen Hintermannschaft Weißenfees. Der Arbeiter- Turn- und Sportbund hindert seine Mitglieder Ein weiterer Erfolg Weißensees stellte das Ergebnis auf 4: 0 nicht daran; er hat ja auch die Reichsbanner- Wassersportvereine auf zur Bause. Nach Wiederbeginn ſpielte Freiheit stärker. Durch genommen. Nicht klar ist die Stellung des Freien Seglerverbandes. geschicktes Täuschen des Torwarts wurde ein Tor aufgeholt, dann Er hat auf seinem letzten Verbandstag im Januar die Sazung gemächtig und war schließlich auch im Feld durch überlegene Schnelligwar Weißensee wieder einmal erfolgreich. Freiheit drückte nun ändert und alle Fälle der Flaggenführung auf den Binnengewäffern mächtig und war schließlich auch im Feld durch überlegene Schnelligkeit tonangebend. Zwei Tore waren die Ausbeute dieses Spielund auf See geregelt. Da ist von allem die Rede, nur nicht von schwarzrotgold, das Dreiviertel der gesamten Flotte des FEV. führen abschnitts. Die letzten Minuten brachten ausgeglichene Leiſtungen fönnte, weil sie nur auf Binnengewässern fahren. Ja, es heißt in und je einen weiteren Torerfolg für jede Mannschaft. den Sagungen sogar, daß außer dem Vereinsstander nur die Ver= bandsflagge zu setzen sei! Es ist gleichgültig, wie dieser Beschluß zustande gekommen ist; notwendig ist, daß die Arbeitersportverbände, die der Eisernen Front angehören, auch die Farben der Republik zeigen, die sie verteidigen. Gerade die Wasserfahrer haben sehr gute und wirksame Gelegenheit dazu! Max Jaehner. Vierertaufe bei Fraternitas" Nachdem im vergangenen Jahr 26 Mitglieder dem kommunistischen Ruderverein Freiheit den Rücken gekehrt und den neuen Bundesverein Fraternitas" gegründet hatten, konnte der Verein am Sonntag seinen ersten vereinseigenen Vierer weihen. Trotz wirtschaftlicher Notlage haben die Mitglieder von ihrem geringen Einkommen beigesteuert, damit der langersehnte Wunsch in ErEinkommen beigesteuert, damit der langersehnte Wunsch in Er füllung gehen konnte. Zu dieser Feier waren eine große Anzahl Brudervereine, u. a. Vorwärts, Collegia, Reichsbanner, erschienen. Neuer Frauenruderverein Wie wir schon vor einigen Tagen mitteilen konnten, ist mit dem Siz im Bootshaus der Reichsbanner- Wassersportabteilung Tegel ein Frauen Wassersportverein Republit" gegründet worden, der sich eines sehr großen Zuspruchs erfreut. Die Saison hat begonnen und mit Begeisterung wurde die Sportarbeit aufgenommen. Die jungen Mädchen und Frauen werden bald den ersten Erfolg ihrer sportlichen Betätigung verzeichnen können, das, was dem Großstadtmenschen immer von Nugen ist: Gebräunt von Wasserluft und Frühlingssonne, gestählt an Körper und Geist. Schon jetzt ist der Anschluß an den Arbeiter- Turn- u. Sport- Bund beschlossen worden. Die Beiträge sind der heutigen Zeit entsprechend besonders niedrig bemessen, damit es jeder Werktätigen möglich ist, den Wassersport auszuüben. Aufnahmen werden in Tegel, Uferstraße 1( Reichsbannerbootshaus) vollzogen, und zwar im Monat Mai ohne Aufnahmegebühr. Auch Frauen mit eigenen Booten werden aufgenommen. essante Schaunummer( der Vorführung der Trakehner Hengste auf dem großen internationalen Turnier nachgearbeitet), bot die Reichswehr, die Zeugnis von der eraften Ausbildung von Pferd und Reiter gab. Der Sonntag wurde zum Erfolgstag der Schupa. Holte sich doch die Dressurprüfung für Reitpferde Polizeihauptmann Winkel auf Preußenstolz, während Bolizeihauptmann Weitinn, einer unserer bekannten Turnierreiter im Glücksjagdspringen mit Hansi 3 zu einem wohlverdienten Sieg fam. Der Preis des preußischen Ministeriums des Innern war in sehr volkstümlicher Fassung als Dreffurprüfung für Dienstpferde ausgeschrieben. Es starteten hier fechsjährige und ältere Dienstpferde( Offizierspferde ausgeschlossen), die von Unteroffizieren oder Mannschaften der Reichswehr und Be amten der Schußpolizei zu reiten waren. Von jeder Eskadron, Batterie und Hundertschaft durften höchstens vier Pferde genannt werden. Es wurde ganz vorzügliches Pferdematerial vorgeritten, das wie folgt plaziert ward: 1. Olive, Polizeihauptwachtmeister Basch; 2. Magnus, Polizeiwachtmeister Lurup; 3. Quote, Polizeihauptwacht meister Graunte. # Naturfreunde- Tagung. Rechnungslegung für drei Arbeitsjahre. Auf einer Tagung besprachen am Sonnabend und Sonntag die Vertreter der Naturfreundegruppen im Gau Brandenburg Pommern die Ergebnisse der Tätigkeit in den legten drei Jahren. Der Obmann des Gaues, Genosse Bulan, berichtete: Sechs Ortsgruppen fielen der Wirtschaftskrise zum Opfer, drei neue wurden gegründet. Trotzdem ist eine Zunahme von rund 300 Mitgliedern zu verzeichnen. Besondere Schwierigkeiten im inneren Organisationsleben- besonders solche politischer Natur traten nicht mehr in Erscheinung. Im Gegenteil find vielfach Mitglieder aus Fichte- Gruppen wieder zurückgekommen. Sehr begrüßt wurde der Ausbau der Naturfreundehäuser. Neu tamen in den drei Jahren hinzu das Magdeburger Haus bei Biederiz, das zu einem wichtigen Ausflugsort der Magdeburger Arbeiterschaft geworden ist, das Ferienheim am Uedersee und das Luckenwalder Heim am Hammerfließ. Wesentlich erweitert wurden das Kottbusser Heim bei Naundorf im Spreewald und die Luchhütte bei Kremmen, sowie die Grottewig- Hütten der Köpenicker. Wir haben über diese Arbeiten hier des öfteren ausführlich berichtet. Der Raffenbericht ergab ebenfalls ein durchaus günstiges Bild, obwohl rund 30 Broz. der Naturfreundemitglieder arbeitslos sind. Die Ausgestaltung der Feste und Feiern ließen sich besonders die Jugendgruppen angelegen sein. Zwei Jugendzeltlager und mehrere Treffen hatten starten Zuspruch. Auch die Photographen wurden zusammengeschlossen. Mehrere Ausstellungen der Berliner hatten guten Erfolg. Dasselbe darf von Köpenick und Forst berichtet werden. In allen Gruppen besteht engste Zusammenarbeit mit den Naturkundlern. Auch die Berliner Naturkundler und die Malgemeinschaft zeigten in diesem Jahre der Deffentlichkeit in Ausstellungen wertvolles Material. Naturkundetruppen arbeiten nur aber mit bestem Erfolg in Berlin, Köpenid und Forst. In leb. hafter Entwicklung begriffen ist die Arbeit der Faltbootfahrer und der Musikgruppen. Engeren Zusammenhalt schufen im legten Jahre die großen Treffen am Uedersee, in Guben, Luckenwalde und Groß Behnig mit insgesamt rund 8000 Teilnehmern. Das Reisebüro der Naturfreunde hat eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet. In drei Jahren wurden 74 Reisen und Wochenendfahrten mit zu fammen 2734 Teilnehmern arrangiert. Zur selben Zeit we deutsche Reiter und deutsche Pferde gegen Die Diskussion brachte einige beachtenswerte Vorschläge für den die schwerste internationale Ronkurrenz in Rom große Triumphe Ausbau der internen Gruppenarbeit und für die Werbearbeit. 3wei feiern, veranstaltete der Tiergarten- Reit- und Fahrverein auf dem einstimmig angenommene Entschließungen behandeln die GültigkeitsHippedrom am Bahnhof 300 sein traditionelles Frühjahrs erflärung für Naturfreundemitgliedsausweise beim Besuch der turnier. Obwohl es unter dem ungünstigen Wetter sehr zu leiden Jugendherbergen und die Fahrpreisermäßigung bei Fahrten auf der hatte, wurde ausgezeichneter Sport geboten, der zugleich zur über Reichsbahn. Es wurden Ferienrückfahrkarten mit 33% Proz. Erzeugenden Werbung für das inländische Pferd wurde. Eine intermäßigung und 30tägiger Geltungsdauer verlangt. Einen neuerlichen zweistelligen Erfolg erfochten die Char lottenburger im Spiel des Sonntags gegen Lichtenberg. Diese leiſteten in den ersten Spielminuten starken Widerstand und fehlte den einmal eingeleiteten Angriffe die nötige Verstärkung durch zeigten in Abwehr und Spielaufbau recht gute Leistungen. Leider die Stürmer, die sich in günstigster Position durch übertriebene Vorsicht im Zuspiel um flare Chancen brachten. Charlottenburg stellte fich nach ausgeglichenem Anfang schnell auf seinen Gegner ein und bewies besonders im Stellungsspiel vor dem Gegnertor technisch vollendetes Können. 8: 0 hieß es zur Pause. Lichtenberg spielte nach dem Seitenwechsel unentmutigt noch stärker auf Deckung, wodurch Carlottenburgs Aktionen bisweilen merklich eingeschränkt wurden. Die Feldüberlegenheit Charlottenburgs war jedoch auch hier unverkennbar und fand in drei weiteren Torerfolgen seinen Ausdrud. Lichtenberg ging trog eifriger Gegenwehr mangels entſchloſſener Leistungen der Stürmer leer aus. Bundestreue Vereine teilen mit: Touristenverein Die Naturfreunde". Dienstag, 10. Mai. Abt. Friedrichs. hain: Frankfurter Allee 307( Ebert- Saal). Das heutige Indien( Möller). Friedenau: Offenbacher Str. 5a. Unsere Pfingstfahrt. Humboldthain, Humboldthain, JugendStammabteilung: Willdenowftr. 5. Gruppenfragen. gruppe: Pant. Ecke Wiesenstraße. Gruppenfragen. Humboldthain, Rindergruppe: Pant- Ecke Wiesenstraße. Unsere Pfingstfahrten. Mitte: Johannis. straße 15. Herz, Kreislauf und Atmung beim Wandern( Dr. Kanowit). Wedding- Gesundbrunnen: Willdenowstr. 5. Geschäftliches. Liederbücher mit1 Photobringen. Norden: Sonnenburger Str. 20. Pfingstfahrt, Geschäftliches. Often, Stammabteilung: Ebertnstr. 12. Die Machtverlegung vom Atlantischen zum Pazifischen Ozean. Neukölln: Arbeitsgemeinschaft und Uebungsabende Flughafenstr. 68.- Oberschöneweide: Laufener Str. 2. Mittwoch, 11. Mai. Often, Jugendgruppe: Frankfurter Allee 307. Donnerstag, 12. Mai. Naturkundliche Abteilung: Johannisstr. 15. Naturkundliche Monatsübersicht. arbeitsgemeinschaft: Nowad, Johannisstr. 15. Rosenthaler Vorstadt: Weinmeiſterſtr. 16-17. Tagesfragen. Humboldthain: Böttgerstr. 17. Turnhalle 17% bis 19% Uhr. Humboldthain: Pant- Ecke Wiesenstraße. Gingefreis. Stergarten: Behrter Str. 18-19, Zimmer 1. Erfte Hilfe bei Unglücksfällen( W. Schulz). Prenzlauer Berg: Danziger Str. 62, Barade II. Mitgliederverfammlung. Südwest: Nordstr. 11. Unsere Lieder. Lichtenrade: Bei Lenz, Raiser- Wilhelm- Str. 73. Geschäftliches. Neukölln: Riethenstr. 58. Was bringt Die Zeitung. Lichtenberg: Gunterstr. 44. Politische Tagesfragen. Arbeitsgemeinschaft Lindenhof: Jugendheim Lindenhof. Schallplattenmufit. Kartellbezirk Kreuzberg. Donnerstag, 12. Mai, im Jugendheim Nordstr. 11, 20 Uhr, Kartelldelegiertensizung. Vorstand ½ Stunde früher ebenda. Freie Kanu- Union Groß- Berlin, Abt. Oberforee". Dienstag, 10. Mai, 18 Uhr Training für Anfänger im Bootshaus. Mittwoch. 11. Mai, 18% Uhr, Untersuchung der angemeldeten Genossen beim Sportarzt. Treffpunkt Neukölln, Ganghoferstraße, Stadtbad. Donnerstag, 12. Mai, 18 Uhr, Training der Regattamannschaften. Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, Sigung im Restaurant Bur Eiche", Neukölln, Raiser- Friedrich, Ecke Saalestraße. Sonnabend, 14. Mai, Pfingstfahrten: 1. Fahrt: Freienbrint. 2. Fahrt: Schmölde( Indianerwiese). Askö- Briz. Männerabteilung heute, Dienstag, 10. Mai, ab 18 Uhr, bei günstigem Wetter Idealplay, Rungius, Ede Franz- Körner- Straße, sonst Sufeifenhalle wie immer. Pfingstwanderer! Heute abend Meldeschluß. Ausgefüllten Bettel zurückgeben zur Fahrteinteilung( Verpflegung, Jugendfahrschein, evtl. Radfahrt usw.). Tennis Not Groß- Berlin. Heute, 18% Uhr, Vorstandssigung. 19% Uhr er weiterte Borstandssigung mit Abteilungsobleuten. Rundfunk am Abend Dienstag, 10. Mai 1932. Mohammedanische Kultstätten( Dr. H. Fuchs). 16.50 BücherBerlin: 16.05 Klaviermusik. 16.30 Jugendstunde: stunde: Religiöse Kräfte der Zeit.. Am Mikrophon: Dr. H. Kern. 17.20 Das Krisenbudget des Arbeiters und Angestellten( F. Fricke). 17.50 Tanz- Tee- Musik. 18.55„ Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag". 19.10 Eine halbe Stunde Hans May. 19.35 Bruno Nelissen Haken: eigene Erzählungen. 20.00 Rienzi", Oper von Richard Wagner. Dirigent: Generalmusikdirektor Prof. Dr. Max von Schillings. 23.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 66 Königswusterhausen: 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Die Psychologie C. G. Jungs( Dr. H. v. Müller). 18.00 Wir bauen Melodien( Arbeitsgemeinschaft Prof. Dr. H. Mersmann). 18.30 Englisch für Fortgeschrittene ( Marga v. Kuhlwein, Lektor W. Mann). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Hat sich der Laienrichter bewährt?( Oberstaatsanwalt B. Köhler, Prof. Dr. M. Alsberg). 19.30 Was die Wirtschaft der chemischen Forschung verdankt( Prof. Dr. A. Binz). 23.20 Aus Hamburg: Deutscher Tanzabend. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa- Programm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle ,, Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Das niele Bud Buch Carl Zuckmayer:„ Die Affenhochzeit" Im Propyläen- Verlag Berlin ist eine neue Novelle von Carl 3ud mayer erschienen:„ Die Affenhochzeit". Seit seinen Anfängen, einer Reihe von Erzählungen unter dem Titel„ Ein Bauer vom Taunus" fehrt der Autor zum ersten Male wieder zur Rovellistit zurück. In dem Band„ Ein Bauer vom Taunus" schwang tieferes Miterleben, größere Leidenschaftlichkeit und die Naturnähe einer unmittelbaren Schöpferkraft. In der„ Affenhochzeit" ist alles Distanz, Ironie und eine Minutiosität der Detailschilderung, die in sich selbst ihr Genüge findet und das Objekt fast gleichgültig erscheinen läßt. Sie erinnert insofern an Thomas Manns Art. Auch Zudmayers Proja nähert sich hier klassischer Vollendung und einer Endgültigkeit der Formulierung. Unter dieser Wandlung verliert 3udmaner nichts von seiner ursprünglichen und starten Persönlichkeit. An Hand einer Fabel, die nebensächlich bleibt( anläßlich eines Polterabends in einem vornehmen, aufgeflärten Hause des Berliner Westens schenkt ein Maler dem Brautpaar ein Aeffchen) wird mit heiter biffiger Ironie ein Bild dieser Kreise gezeigt. Die Art, wie sich hier eine um Bollendung ringende Prosedichtung mit einer höchst eraften sozialfriti schen Studie vereinigt, gibt der Novelle ihre Bedeutung über den Tag hinaus. Sie ist ihrem Gegenstand nach unpolitisch; aber gerade aus ihrer überlegenen Distanz heraus erzielt sie eine sehr politische Wirkung. Die Tapferkeit und der künstlerische Taft, mit denen der Autor von seinem Standort aus eine Gesellschaftsschicht durch leuchtet, ohne je ins Politisieren zu geraten, sind vorbildlich für unfere junge Generation. Lepère.