Morgenausgabe Nr. 222 A 112 49. Jahrgang KSchenMch 78 Ps, monoMch 3, SB 31 (baoon 87 Pf monatlich für Zustel- Imig ms Haus) im noraus zahliar. Postbezug 3.87 M. ewschließlich SV Pf. vsitzeiwngs- unb 72 Pf. Poitbeslellae- >»ühren.AusIanbsabonnement8.S8 M. pro Monat; für Länber mit ermäßig- tem Drucklachenporto 4.S8 M. Der„DormZrt,� erscheint wochentZg» lich zweimal, Sonntags unb Montag, einmal, bie Abenbausaabe für Berlin unb im Handel mit bem Titel„Der Bbenb", Illustrierte Sonntagsbeiloa» .Boll unb Zeit* VerUnev Vvttsvlatt Zreiiag 13 Mai 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 45 pf. Dl- e i n f p a I t. MtMmeterzetle S0 Pf, Si�llamezeile 2.— M„Kleine An» »eigen" da« settgebruckte Wort 20 Bf, izuläfsig zwei fettaebrucktcWorteUebe, weitere Won>0 Pf Rabatt lt. Tarif. Säurte über lS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarli Millimeter» zeile 2ö Pf. Familienanzeigen Milli» meterzeil- lk Pf. Anzeigenannabme im Hauptgeschäft Linbenstraße 3, wochentaglich von 8>/, bis l? Uhr. Der Verlag behält sich basRecht ber Ad- lehnung nicht genehmer Anzeigen vorl Jentralorgan der GozialdemotvaMOen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 sfernspr.: Dönhoff(A T) 292—297. Telesiramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Berlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BerlinZ? SZK.— BankiontotBankberArbeuer.Illngeitellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B.u.Diäc.-Gef., Deposttenk., Jeruialemer Str. KS/SS. Groener geht und bleibt. Nicht mehr Reichswehr- aber noch Michsinnenminisier. Wie WTB. von unterrichteter Teitc erfährt, wird Reichsminister Groener den Reichskanzler und den Reichspräsidenten bitten, ihm sein Amt alS Reichswehrminister abzunehmen und ihm ausschließlich das R e i ch S m i n i st e r i u m dcS Innern zu übertragen. Ucber die Grunde, die Minister Groener zu diesem Entschluß bewogen haben, erfährt WTB. folgendes: Er sehe die ihm im Oktober 1931 übertragene Aufgabe. die RcichSautorität durch Zusammcnfafsung aller Mittel des Reichs in der besonders schwierigen Zeit deS WintcrS zu sichern, als erfüllt an, die weitere Leitung beider Ministerien werde seine Kraft übermäßig in Anspruch nehmen. Außerdem sei die gleichzeitige Verwaltung cincS ausgesprochenen politischen �Ministeriums, wie die dcS ReichSministeriumS dcS Innern, durch den Reichswehrministcr mit dem unpolitischen und über- parteilichen Charakter der Reichswehr auf die Dauer nicht zu vereinbaren. Da er im ReichSinnenminifterium eine Reihe von Aufgaben in Angriff genommen habe, an deren Durchführung ihm besonders liege, wolle er in der Lage sein, in Zukunft seine ganze Arbeitskraft diesem Ministerium zu widmen. -l- In die tief erregte Stimmung des Reichstags platzte gestern nachmittag wie eine Bombe die Nachricht, daß Groener als Reichswehrminister seinen Abschied nehme. Viele sahen darin den Anfang vom Ende. Die volitische Weltuntergangsstimmung wurde verstärkt durch das Gerücht, daß Groeners Abschied von der Bendlerstraße auf ein„Ulti- matum der Generäle" zurückzuführen sei. Dieses Gerücht wurde von amtlicher Seite entschieden dementiert. Eben erst hatte der Reichstag durch Ablehnung eines Miß- trouensantrages das Kabinett Brüning in seinem Amte be- stätigt und ihm durch Annahme eines Kreditgesetzes— einschließlich einer Anleihe für Arbeitsbeschaffung— die Möglichkeit zum Weiterarbeiten geschaffen. Eben erst hatte sich die echte Verbrechergesinnung der Leute, die im Reich und in Preußen an die Macht wollen, in einem ab- stoßenden Roheitsakt enthüllt. Sollte der Rücktritt des Reichswehrministers nun doch einen Triumph der Heines- Partei bedeuten? Und hatten hohe Offiziere, statt ihrem Vorgesetzten die Treue zu halten, mit der Heines-Partei zu- lammen gegen jenen Vorgesetzten konspiriert? Wäre dem wirklich so und wären Groener, Brüning und zuletzt Hindenburg vor einer solchen Konspiration zurückgewichen, so wäre das in der Tat ein Zusammenbruch der Staatsautorität— und das in einer Zeit, die mehr als jede andere eine feste Führung verlangt. Der Sturz Groeners auch als Innenminister und das Verschwinden des ganzen Kabinetts Brüning wäre nur die natürliche Folge eines so schmählichen Rückzugs. Indes werden gegen eine so pessimistische Auffasiung triftige Gründe angeführt. Es wird versichert, daß das Reichswehrministerium eben darum entpolitisiert werden soll, weil man es vor der Gefahr schützen will, eine Einbruchsstelle für den Faschismus zu werden. Vor allem aber weist man darauf hin, daß Groener gerade in der Funktion bleibe, gegen die sich die Angriffe seiner Gegner richteten: als Reichsinncnminister habe er die SA. ausgelöst und der Forderung der Rechten, dann auch das Reichsbanner aufzulösen, Widerstand geleistet. Als Reichs- innenminister solle er nun gerade in seinem Amte bestätigt werden. Sei er bisher Reichswehrminister gewcsNl und nur als solcher mit der Führung der Geschäfte des Reichsinnen- Ministers beauftragt, so solle er jetzt erst zum Reichsinnen- minister ernannt werden, das aber fei alles andere als«ine Kapitulation vor feinen Gegnern. Welche von den beiden Auffassungen die richtige ist, läßt sich schwer entscheiden. Wahrscheinlich ist keine ganz richtig und keine ganz falsch: es ringen verschiedene Ten- d e n z e n miteinander, und es wird darauf ankommen, welch« von ihnen sich durchsetzt. Groener hat bei seinem letzten Auftreten im Reichstag nicht geistig, aber körperlich versagt. Jeder mußte ihm auf den ersten Blick anmerken, daß er im Kampfe gegen eine schwere Indisposition seine Pflicht zu erfüllen bestrebt war. Für Menschen mit normalem Empfinden ist in solchen Fällen eine gewisse Rücksicht Selbstverständlichkeit. Die National- sozialisten aber sahen in dem kranken Mann ein waidwundes Wild, und sie machten sich fröhlich daran, es zu Tode zu hetzen. Für sie war es ja auch ein Glücksfall, daß der Arm versagte, der eben zu einem moralisch vernichtenden Schlag gegen sie ausholte, daß die Anklage des dazu berufensten Mannes gegen ihr landesverräterisches Treiben mit stockender Stimme vorgetragen wurde und in Gebrüll und Gelächter erstickt werden konnte. Für die ganze Rechtspresse sah es denn am Tage danach so aus, als ob das eigentliche Ereignis des Tages nicht die Enthüllung des nationalsozialistischen Landesverrats gewesen wäre, sondern die Atemnot, von der der Ministe» beim Sprechen befallen worden war. Die Zusammenlegung mehrerer Ministerien in einer Hand— das sollte auch Brüning bedenken— stellt in dieser Zeit an den einzelnen Mann Anforderungen, denen keiner gewachsen ist. Man kann sich darum zufrieden geben, wenn Groener Reichsinnenminister bleibt— vorausgesetzt, daß er das in Zukunft ganz ist. Es kann uns— symbolisch ge- sprachen— recht sein, wenn wir einen Reichsinnenminister bekommen, der nicht zwischen der Bendlerstraße und dem Platz der Republik hin- und herpendelt, sondern dauernd auf dem Platz der Republik bleibt. Nur muß sich dieser Reichs- innenminister, dessen bewußt sein, daß es jetzt seine Aufgabe ist, in schwerster Notzeit die Republik gegen ihre verbreche rischen Feinde zu verteidigen. Es oersteht sich von selbst, daß der zukünftige Reichs- innenminister in dem neuen Reichswehrminister eine Stütze haben muß. Der Reichswehrminister soll sich nicht, wie es der Innenminister muß, in die Politik einmischen, aber seine Aufgabe muß sein, die Armee der Republik vor dem Verdacht zu schützen, daß sie mit den Feinden der Republik gemeinsame Sache machen könnte. Groeners Nachfolger— man nennt als solchen den Chef der Marineleitung Admirol Raeder — wird es verstehen müssen, daß er zunächst in der republi- konisch gesinnten Bevölkerung nicht allzuviel Vertrauen finden wird. Er muß aber auch Politiker genug sein, um zu verstehen, daß er dieses Vertrauens bedarf, wenn er feine Aufgabe erfüllen will. Die Regierung Brüning muß wissen, ob sie kapitulieren oder käntpfen will. Ein drittes gibt es nicht. Sie kann in die Geschicht eingehen als die Regierung, die vor den Frick, Göring, Straßer und Heines die weiße Fahne aufgezogen hat. Oder sie kann in die Geschichte ein- gehen als die Regierung, die Deutschland in allerschwerster Zeit und in allerhärtesten Kämpfen davor bewahrt hat, einer Verbrechergesellschaft als Beute zuzufallen. Zwischen diesen beiden historischen Rollen muß sie wählen. Will sie den Kampf gegen das politisch maskierte Verbrechertum der NSDAP, aufnehmen, so wird sie sich auf die Arbeiterschaft stützen können— vorausgesetzt, daß sie ihre Rechte achtet und für den notwendigen Lebensunterhalt sorgt. Das Problem der Versorgung dernotleiden- den Volksmassen ist brennend wie noch nie. Es muß gelöst werden. Bei dem gegenwärtigen Stand der landwirtschaftlichen Produktion. ist die Sicherstellung einer ausreichenden Ernährung des Volkes keine unlösbare Aufgabe. Die demokratisch und sozialistisch gesinnten Arbeitermasien sind bereit, jeder Regierung zu helfen, die ernstlich gegen das politisch maskierte Verbrechertum kämpfen will. Aber sie können sich nicht auf die Regierung, sondern nur auf sich selber verlassen. Sie müssen— unter entschiedener Ablehnung aller kommunistischen Zer» s e tzu n g s t e n d e n ze n, die in der lockenden Maske so- genannter„Einheitsfronten" auftreten— fester denn je zu- fammenstehen und zum Einsatz aller Kräfte bereit sein! Kein Schritt der Heeres- und Marineleiiung. Amtlich wird mitgeteilt: Zn der Presse wird behauptet, daß dem Gesuch des Reichsministers Groener um Enthebung von seinem Amte als Reichswehrminisler ein Schritt der Ehefs der Heeres» und Marineleitung vorausgegangen sei. hierzu wird er- klärt, daß diese Behauptung unwahr ist und nicht den Tal» suchen entspricht. Hindenburg nach Neudeck abgereist. Reichspräsident von hindenburg hat gestern abend mit dem Zug 7.31 Uhr. ab Bahnhof Ariedrichstraße, Berlin verlassen, um aus seinem Besitz R e u d e ck einen kurzen Psingslausenlhalt zu nehmen. Die Naufbolde in Hast. Polizei im Reichstagssaal. Tie vier Nazi-Reichstags-rvgeorvneten. die den Ueber- fall auf Dr. Klotz im Reichstag unternommen haben, sind gestern nachmittag nach der Aufhebung der Sitzung von der Polizei im Reichstag festgenommen und nach dem Polizeipräsidium gebracht worden. Drei von ihnen, die Schläger Heines,«tcgmann und Weitzel, werden heute vor dem Schnellrichter abgeurteilt. Dr. klotz ist als Nebenkläger zugelassen. In der gestrigen Neichstagssiyung waren gegen 1 Uhr die Miß- trauensanträge gegen die Relchsregierung in namentlicher Abstim- nnlng mit 287 gegen 257 Stimmen abgelehnt worden. Bevor weiter abgestimmt wurde erklärte Abg. Diltmann(Soz.): Wir beantragen, die Sitzung um ein« Stunde zu unterbrechen, damit wir Gelegenheit haben, die unerhörten Vorgänge, die sich vorhin abgespielt haben, durchzu- sprechen. Abg. Dr. Frick(Rsoz.) widerspricht diesem Antrag. Abg. Torgele?(Komm.) stimmt der Vertagung zu und wirst den Sozialdemokraten vor, daß sie von Gewalttaten gegen Kommunisten weniger Aufhebens machten. Jetzt sähen die Sogialdemokroten da wie geprügelte Hunde.(Erregte Gegenrufe der Sog.— Lärm.) Der Vertagungsantrog wird angenommen, die Sitzung unter- krochen. Während der Pause berät die sozialdemokratrschc Fraktion. Nach wicht als 1 i-stundigcr Pause eröffnet Präsident Lobe um?t'3 Uhr die Sitzung wieder und teilt mit: Ich habe der Polizei die mir zustehende Vefugnis zur Verfolgung der rm Hause verübten Straftaten übertragen und alle zur Verhütung einer Verdunkelung notwendigen Vorkeh- rungen getroffen.(Lebhafter Beifall.) Mir ist noch mit- geteilt worden, daß inzwischen der Frau des hier im Hause niedergeschlagenen Mannes telephoniert worden ist, ihr Mann habe sich hier ungebührlich betragen, sei dafür niedergeschlagen worden und sie solle herkomme» und sich fein« Knochen abholen.(Tosende Pfvi-Rufe.) Nach den bisherigen«Vrnnttltmgen wnren an den Straf- taten beteiligt die Abgg. Heines, KMrufc-Qstprenßen, Weitzel und Stegmann fsämtlich Nsoz. Der Ber.), die ich ivegen gröblicher Verletzung der Ordnung auf Grund des K vl der Geschäftsordnung für LO Tage von den Verhandlungen ausschließe. sStiirutischer Beifall.)?ch fordere diese Abgeordneten auf, den Sitzungssaal zu verlassen.(Abg. F r i ck(Nsoz.): Zur Geschäftsordnung!) Ich erteile das Wort zur Gc- ichäftsordnung erst, wenn die Ausgewiesenen den Saal verlassen haben. Nach kurzem Warten erklärt der Präsident: Diese Herren verlassen den Saal nicht! Die Sitzung ist dadurch unterbrochen. Ich werde den Herren und Damen mit- teilen, wann ich die nächste Sitzung deS Reichstages einberufe.(Lebh. Beifall links, große Erregung im ganzen Hause.) Noch vor 3 Uhr verläßt der Präsident seinen Platz, womit die Sitzung aufhört. Die Abgeordneten aller Parteien bleiben aber voll- zählig im Saal. Die Prügelhelden in Hast. Tie vier ausgeschlossenen Naziabgeordneten sind noch im RcichStagSgcbäude. dessen Tore polizeilich stark besetzt waren, verhaftet und vernommen worden. Sie mußten ihre AuSweiskarten abgeben, da sie mit der Aus» schließung auch das Recht ans freie Bahnfahrt verloren tzabcn, und wurden dann inS Polizeipräsidium gebracht, wo sie bis zur heutigen Verhandlung vor dem Schnell- richtcr wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung bleiben. Dr. Klotz, der übrigens(ebenso wie Wels in Köln) einen Hieb gegen den Kehlkopf erhalten hat, ist als Nebenkläger zugelassen. Polizei im Reichsiagssaal. Nach einiger Zeit erscheint der Berliner Polizeivizepräftdent Dr. Weiß auf der Regierungstribüne, wormrf die Nationaisozia- listen in großes Geschrei ausbrechen. Es vergeht wieder einige Zeit, während der die Zuhörertribünen germnnt werden. Dann erscheinen durch den Regrerungseingang 75 Schuhpolizislen in Uniform im Saal und rücken üder die beiden oberen Lang tische bis zu den Ministerplätzen vor. Eine Anzahl geht in den Saal hinunter zu den Plätzen der äußersten Rechten und kehrt mit zwei Hitler- Abgeordneten, die allein zugeben, Dr. Weiß beschimpft zu haben, zu den Ministerplätzen zurück. Unter großem Hallo der Pg.s setzen sich die beiden auf die Plätze des Reichskanzlers und des Vizekanzlers: lie zünden sich Zigaretten an. Dr. Frick sagt zu Dr. Weiß, daß die vier Ausgeschlossenen sich zur Vernehmung stellen. Darauf zieht sich die Polizei wieder zurück. Heines übergibt den Inhalt seiner Taschen den Pg.s und geht mit den anderen drei ab. Auch Vizepräsident Dr. Weih hat den Saal wieder verlassen. Noch längere Zeit bleibt der Saal dicht besetzt. Schließlich aber ziehen die Nazis aus Weisung Fricks ab und dann leert sich der Saal bald vollständig....... Warum die Polizei eindrang. Polizewizepräfident Dr. W« iß machte vor Dertrsteeir der Presse nähere Aussishrungen über die Vorgänge im Reichstag. Er ftchne u. a aus: Auf Veranlassung des R eichstagspräsÄenten ist die Polizei m den Reichstag gerufen worden, um diejenigen festzustellen, die de» Schriftsteller Dr. Klotz geschlagen haben. Die Polizei hat dann di, unter dem Verdacht der Körperverletzung stehenden vier Nationalsozialisten auffordern lasten, in ein bestimmtes Zimmer zur Vernehmung zu kommen. Es ist. da die Nationalsozialisten dieser Auffordevung nicht folgten, nichts anderes übrig ge- blieben, als die Zugänge zum Sitzungesaal besetzen zu lassen. Ich bin dann zunächst allein in den Sitzungssaal gegangen, wurde hier oder mit Rufen„Isidor" u. a. m. empfangen. Uni nun einmal die Namen der Rufer und dann auch die unter dem Verdacht der Körperverletzung stehenden nationalsozialistischen Abgeordneten fest- stellen zu lassen, ist mir nichts übrig geblieben, als nun die'Polizei- Mannschaften vorzuschicken. Oer Zwischenfall um unseren Genossen Graßmann ln der gestrigen Reichstogssitzung hat sich folgendermaßen zugetragen: Als während der Red« Dr. Brcitscheids die Nazis ihre Zwischenrufe machten, die nach dem llebeofall auf Dr. Klotz die ge- »altige Erregung der Sozialdemokraten noch mehr auspeitschen nrußten, rief Abg. Gcrlach(Soz.) einmal nach rechts hinüber: „Ihr Bluthunde!" Dafür erhielt er einen Ordnungsruf. Nun aber rief Dt. Arick. wie schon mehrmals in den letzten Togen und auch gestern, den Sozialdemokraten zu:„Ihr Verbrecher!" Abg. Graßmann, der ganz vorn beim Tisch des Hauses seinen Platz hat, kam durch diese gemeine Beschimpfung in große Empörung, machte den Präsidenten auf diese Zurufe Fricks aufmerksam, ging die paar Schritte zum Platz Dr. Fricks hinüber und sagte chm mit laucer Stinime:„Ihre Beschimpfungen lasse ich für meinen Teil mir nicht mehr gefallen'" Nun stürmten«ine Anzahl Pg.s auf Graßmann zu, der aber vom Abg. Künstler weg- gezogen wurde. Wie sich der Lleberfall abspielte. Bei dem Ueberfall auf Dr. Klotz im Restaurant des Reichstags saßen am nächsten Tisch einige unserer Gcnosten, der einarmige Schwerkriegsverletzte W e st p h a l vom Parteigorstand, der neue Parteikassiercr Crummcnerl und der 5zamburgcr Parteivor- sigende M e i t m a n n. Sic sprangen sofort hinzu, Weftphal, der Schwerkriegsbeschädigte, schleuderte mit. seinem einen Arm einen der Angreifer zurück. Die Raufbold« wurden abgedrängt und vor die Tür befördert. Dr. Klotz blutete ous der Nase und aus den Lippen. Es er- schienen sehr rasch zwei Beamte d e r H a u? i n s p e k t i o n, die Klotz ausforderten, zur Bezeichnung der Täter mit ihnen in den Wandelgang der Rechten zu gehen, wobei sie erklärten, Dr. Klotz stehe unter ihrem besonderen Schutz. Im Wandelgang der Rechten aber wurde Klotz sofort von einem Haufen Nazis umringt, die u. a. schrien:„Das ist der Hund, der unseren Heines überfallen(!) hat." (Klotz hatte sich durch einige kräftige Faustschläge verteidigt.) Klotz ging aber mit den beiden Beamten den Wandelgang weiter, bis er von einigen Dutzend Nazis überfallen wurde. Einer schlug ihn mit der broimenden Zigarette ins Gesich', auch anders droschen auf ihn los. Einer trat ihm von hinten in die Kniekehle. Klotz erhob sich aber sofort wieder und da er die Täter erkannt hatte, verließ er »uit den beiden Beamten den Wandelgang. Gericht im Aeltesten-Ausschuß. Giraßer bedauert, daß Kloß nicht getötet wurde! In Äl-. stündiger Sitzung beschäftigte sich der Aeltestenrat des Reichstags au» Donnerstag- nachmittag zum zweitenuräl mit den Vorgängen, die zum Ausschluß der vier nationalsozialistischen Abgeordneten und der Unterbrechung der Sitzung deS Reichstags geführt haben. Präsident Lobe legte eingehend die Gründe dar, die ihn zu seinem Verhalten bestimmten. Erst nach der ersten Sitzung des Aeltestenrots fei ihm eine genaue Schilderung der Vorgänge bei der zweiten Schlägerei in den Wandelgängen gegenüber dem Journalisten Dr. Klotz bekannt geworden. Klotz fei auf Aufforde- rung von zwei Re ich st a g sb e amtc n unter deren Schutz in den Wandelgang begleitet worden, um dort eine Fest- stellung der Persönlichkeiten der Täter beim ersten Ueberfall vor- zunehmen. Da diese Ermittlungen durch Reichstagsbeamte nicht möglich gewesen seien, sei ihm klar geworden daß die Polizei- g e w a l t des Reichstags allein zur Feststellung des Tatbestandes nicht ausgereicht habe und daß zur Vorbeugung einer Verdunke- lungsgefahr die Uebcrtragung der Ordnung im Hause aus die Polizei erfolgen mußte. Der Ausschluß der Abgeordneten auf 30 Tage wegen Verletzung der Ordnung des Hauses sei gemäß§ 91 der Geschäftsordnung unbedingt geboten gewesen. Es sei doch un- denkbar, daß, wenn etwa der Präsident des Reichstags außerhalb des Sitzungssaals von einem Abgeordneten eine Ohrfeige erhalte, er nachher im Sitzungssaal demselben Abgeordneten das Wort erteile. Die Ordnungsbefugnisse des Präsidenten erstrecken sich auf das gauze Haus und nicht nur auf den Sitzungssaal. Die Zorlsehung der Reichslagssihung fei ohne Klärung der heutigen Ztvischenfälle nicht möglich. Er beabsichtige, die nächste Sitzung im Einvernehmen mit dem Äeltestenrat und nach Fühlungnahme niit der Reichs- regicrung festzusetzen. Der Nazi-Abgeordnete Frick erklärte den Ausschluß für un- vereinbar mit dem Z 91 der Geschäftsordnung. Seine Freunde hätten sich mit vollem Recht der Ausweisung durch den Präsidenten nicht gefügt. Er verlange die Einberufung des Reichstags für Sonn- abend. Auch müsse entsprechend dein Urteil des Staatsgerichtshofes gegen den Preußischen Landtag entgegen der bisherigen Praxis des Reichstags anerkannt werden, daß ein Drittel des Reichstags seine Einberufung verlangen könne. Im Gegensatz zu Frick behauptete der Nazi-Abgeordnete Goering, daß es den ausgeschlossenen nationalsozialistischen Ab- geordneten gar nicht möglich gewesen wäre, den Sitzungssaal zu verlassen, weil sie nicht erkannt hätten, was sie tun sollten. Außerordentlich-scharf brandmarkte der Abg. Leicht (Bayr. Vp.) diesen merkwürdigen Widerspruch zwischen Frick und Goering, der nur erklärlich sei, wenn man wisse, daß die Ralionalsoziolislen immer leugnen, wenn ihnen gegenüber ekwas Unangenehmes wahrheilsgcmäs; sestgeslelll werde. Gegen eine Roheil, wie sie in den Tätlichkeiten gegen Klotz vorgekommen seien, müsse das Parlament sich mit allen UitHclu schützen. Vizepräsident Graf(Dnat.), der das Verholten der national- sozialistischen Abgeordneten bedauerte, machte ihnen zugleich den Vorwurf, sie hätten der Mehrheit den Vorwand geliefert, aus einer unbequemen politischen Situation herauszukommen. Der Z 91 aber sei nur während der Sitzung anwendbar und nicht für Vor- gänga außerhalb des Sitzungssaales, vor allein aber auch nicht rückwirkend. Die Vorwürfe gegen die Mehrheitsparteien, aus politischen Gründen die Situation verschärft zu haben, wurden vom Lizepräsi- denten Esser und dem Abgeordneten Dittmann(Soz.) auf das entschiedenste zurückgewiesen. Bei der Rede von Esser kam es zu Hefligen Zwischenfällen mit Herrn Gräf. die nur müh- sam beigelegt werden konnten. Allgemeine Empörung verursachte das Auftreten von Gregor Slrotzer, der selbst unter dem Verdacht steht, sich an den Tätlichkeiten gegen Klotz beteiligt zu haben. Straßer erklärte in der bei ihm gewohnten zynischen Art. er habe absolutes Verständnis dafür, daß Klotz, dieser Schweinehund, verprügelt wurde. Er habe das durchaus für richtig gehalten und lediglich seinen freunden gesagt, es dürste immer nur einer schlagen. Er bedaure aus- drücklich und wiederholte diese Aeußerung mehrfach, daß klotz überhaupt noch lebe:„Wir sind ganz zufrieden, daß ihm eine gclalschl wurde." Wenn er noch einmal durch ihren Wandelgang gehe, könne er für nichts garantieren. Er habe gelernt, was die Machtstellung des Reichspräsidenten be« deute. Wenn sie in den Besitz dieser Machtstellung kämen, und das würde ja nicht mehr allzu lange dauern, damr würden sie den Reichstag nicht auf drei Monate, sondern aus drei Jahre vertagen. Diese Aeußerungen veranlahten den Abgeordneten Dingel- dey(Vp.) zu einer sehr scharfen Verurteilung. Kein Wort sei scharf genug, um das Verhalten der nationalsozialistischen Ab- geordneten zu brandmarken. Er hätte gewünscht, die Fraktion?- führung wäre von diesen Handlungen abgerückt. Um so mehr bc- daure er, daß die Fraktionsführung durch Herrn Straßer diese Taten ausdrücklich gebilligt habe, statt eine andere Auffassung für die Zukunft in Aussicht zu stellen. Er habe zwar Zweifel, ob die Ausweisung gemäß der bisherigen Praxis bei der Handhabung des § 9t gerechtfertigt gewesen sei. Den Anordnungen des Präsidenten aber hätte man unbedingt Folge l e i st e n m ü s s e n. Die Vertagung des Reichstags bis zum ö. Juni halte er nicht für gerechtfertigt. Die Anträge der Nationalsozialisten und der Kommunisten, noch in dieser Woche oder am 19. Mai eine Sitzung des Reichstags anzuberaumen, wurden gegen die Stimmen der National- sozialisten, der Kommunisten und der Dculschnationalen ab.» gelehnt. Auf Antrag des Vizepräsidenten Esser wurde be- schlössen, dem Präsidenten zu überlassen, nach Benehmen mit der Reichsregierung und im Einoernehmen mit dem Äeltestenrat die nächste Sitzung des Reichstags festzusetzen. Präsident Lobe erkiärte. daß er den Reichstag wahrscheinlich zum(5. Juni einberufen werde. ayll „Wer gegen die Saztaldentokratie hetzt, sie hesshimpft und verleumdet, dar dient dem taschistischen Klassenfeind! Wer im Lager der Arbeiterklasse die Zwietracht schürt, der dient dem faschistischen Klassenfeind! Genossinnen und Genossen! Bietet Jedem die Hand, der ehrlich zu uns kommt, um mit uns zu kämpfen. Aber mißtraut denen, die sich an euch heranschleichen, um Streit in eure Reihen zu tragen!" Aue dem Aufruf des Parfeivorstandes vom 27. April. Der Mörder Heines. Zwei Schüsse aus nächster Nähe. Durch seinen hinterlistigen Ueberfall auf Dr. Helmuth Klotz hat Heines wieder die Erinnerung an seine feige Mordtat geweckt. Das gerichtliche Urteil bestätigt in vollem Umsange die B r n t a l i> tat dieses Menschen, dessen Hauptfähigkeit offensichtlich im Verüben von Gewalttaten besteht. In dem jüngst erschienenen Buche „Justizdämmerung" wird über die Mordtat des Heines qn Hand des Urteils folgendes berichtet: Heines gehörte dem ehemaligen Freikorps Roßbach an und war nach dessen Auflösung im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Liebenow als Gauleiter tätig. Zu der Arbeitsgemeinschaft gehörte auch der Arbeiter Willi Schmidt. Schmidt wurde auf den bloßen Verdacht hin, er wolle Wasfenvorräte der Arbeits- gemeinschaft an die preußische Schutzpolizei verraten, von Heines und seinem Genossen kurzerhand getötet. Der Oberstaatsan- walt hatte gegen Heines die Todesstrafe wegen MorSes beantragt. Das Stettiner Schwurgericht verurteilte am 13. März 1929 Heines nur wegen Totschlages zu fünf Jahren Gc- fängnis. Ueber die Ausführung der Tat sagte das rechts- kräftig gewordene Urteil folgendes: Inzwischen— es war sehr dunkel, es regnete und blitzte— war man auf eine Woldblöße gekommen, die mit hohem" Gras und Farn bestanden war. Während Ottow etwas entfernter, Fräbel und Boer noch ganz nahe bei Schmidt standen, trat Heines an Schmidt heran und gab aus seiner Pistole aus nächster Rühe zwei Schüsse auf Schmidt ab. Schmidt fiel nach dem ersten Schuß zu Boden und röchette. Auf einen Ruf des Heines sprang * Ottow hinzu und gab aus nächster Rühe mit seiner Pistole ebenfalls zwei S6)üsse auf dm liegenden Schmidt ab.... Als Schmidt sich nicht mehr rührte, kniete Ottow neben der Leiche, öfsuele den Alanlel und nahm die Lrieflasche mit den Papieren des Schmidt au sich. Dann gruben Ottow, Fräbel und Baer un- mittelbar neben dem Toten ein Grab mit der Schaufel, d i e Baer mitgebracht hatte. Das Grab war nicht sonderlich tief, es erwies sich auch als zu kurz.. Ottow knickte deslzalb die Beine des Toten an den knien ein. nachdem er vorher die Leder- gomafchen abgemacht halle. Diese wurden auf die Leiche gelegt, das Grab dann zugeschaufell und mit Gebüsch und Farnkraut bedeckt. Der Hut des Toten blieb im Grase liegen. Aus dieser Darstellung des Gericht? geht mit oller. Deutlichkeit hervor, daß es sich um einen genau vorbereiteten Mord. nicht um einen Totschlag im Affekt gehandelt hat. Die Armahme des Totschlags ist offensichtlich nicht durch rechtliche Er- wägungen, sondern durch politische Sympathien zu er- klären. Daß dieser Mann dem Reichstag angehört, ist eine öffentliche Schande. Daß Heines statt im Gefängnis im Reichstag fitzt, verdankt er der Hilfe der Kommunisten, die Schulter an Schulter mit den Nationalsozialisten und Deutschnationalen im Reichstag die A m> ne stierung der Fememörder erzwungen hoben. Infolge der kommunistischen Fürsorge brauchte Heines von seinen fünf I a h r e n nur anderthalb Jahr abzusitzen. Weitere Edelblüten. Der zweite Mittäter bei dem Ueberfall auf Dr. Klotz, Weitzel, paßt in die Gesellschaft des Heines. Er ist nicht nur viermal wegen Gewalttätigkeiten, unter anderem wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz und Widerstandes gegen die Staatsgewalt. vorbestraft, sondern weiter auch mit einem Monat Gefängnis— wegen Beihilfe zur Abtreibung!(Motto: Adolf Hitler rettet die deutsche Familie.) Für die Gesinnungslumperei, die bei den Nazis herrscht, ist es außerordentlich bezeichnend, daß sie zwar in einem Antrag für jede„Gefährdung der deutschen Fruchtbarkeit" lebenslängliche Zuchthausstrafe gefordert haben, gleichwohl aber einen Mann, der wegen dieses— in Naziaugen iodwürdigen— Deliktes vorbestraft ist, als Reichstagsabgeordneten in ihren Rechen aufnehmen. Der dritte Täter, Gutsbesitzer S t.e g m a n n- Schillingsfürst. hat sich, wie der Sozialdemokratische Pressedienst berichtet, bei der Verhinderung von Zwangsversteigerungen sowie bei einem Ueber- fall auf ein Reichsbannerlokal bereits als Terrorist betätigt. Ltnter Frick wird nicht getagt. Auswärtiger Ausschuß beschlußunfähig. Der Auswärtige Ausschuß sollle nach Schluß der gestrigen Rcichskagssitzung zusammenlreien, um die am Mittwoch vom Reichskanzler angekündigten Mitteilungen über die außenpolitische Loge entgegenzunehmen. Sozialdemokraten, Zentrum, Bayrische voikspartei und Staats- Partei erklärten jedoch, daß sie unter dem Vorsitz Fricks nicht tagen würden. Der Ausschuß blieb deshalb beschluß- unfähig und mußte vertagt werden. Klagen aus dem Braunhaus. Nun ist auch der letzte Pfeiler der seinerzeit so großspurig an- gekündigten R ö h m- A t t i o n gegen die„Münchener Post" zu- sammengebrochen. Laut Mitteilung des Amtsgerichts München hat Oberleutnant o. D. Paul Schulz unter dem 7. Mai die gegen den verantwortlichen Redakteur unseres Parteiblottes angestrengte Beleidigungsklage zu rückgezogen. Es bandelt sich dabei um die Beröfsentlichungen über die homosexuellen Exzesse des Hille- rischen Stabschefs. Die Röhmlinge hoben also das Feld auf der ganzen Linie geräumt. Nieder mit dem Marxismus! Strasse? ,3ü Befehl: sollen die Bücher auch verbrannt werden?" »Augenblick noch warten! Erst will ich mir ein paar Ideen daraus notieren!' Frankreich und. die Kanzlerrede. Wüste Nationalistenhetze.- Die Wahrheit links! Paris, 12. Mai.(Eigenbericht.) Die jüngste Reichsiagsrede Brünings wird von den meisten Pariser Blättern aufs schärfste angegriffen. Der nationalistische„T e m p s" schreibt: Man kann sagen, daß der Reichskanzler diesmal die Maske abgeworfen und sich mit brutaler Offenheit zugunsten der ultranationalistischen Thesen aus dem Gebiet' der Abrüstung und der Reparationen ausgesprochen hat.(!!) Daß alle Deutschen die Gleichberechtigung auf militärischem Gebiet und die einfache Streichung der Repa- rationen verlangen, war bekannt. Daß die Reichsrcgierung es wogen würde, durch die Stimme ihres verantwortlichen Führers offen diese radikalen Lösungen zu verlangen, bevor noch die Ver- Handlungen mit den interessierten Regierungen eingeleitet sind, daran konnte man zweifeln. Die Rede des Reichskanzlers?at hauptsächlich den Charakter einer inner politischen Operation. Aber dieses Argument ist bedeutungslos geworden. Brüning manövriert nach rechts. m>t7 einer Schärfe, die feine eigenen Anhänger überrascht. Ob die Nazis an der Regierung teilnehmen oder nicht, hat jetzt nur noch relative Bedeutung, nachdem der Reichskanzler entschlossen zu sein scheint, gegenüber den anderen Mächten ihre Politik in bezug auf die wahren Ziele Deutschlands zu erreichen." Das.schwerindustrielle„Journal des Debats" sagt: „Brüning hat mit seiner Rede seine Offensive gegen die Verträge noch verstärkt. Es gibt jetzt keinen Unterschied mehr zwischen seiner Politik und der der Nazis. Man kann nicht mehr von Verhano- lungen sprechen; in Berlin werden jetzt Ultimaten an die Welt und besonders an Frankreich gerichtet." Der entschieden linke„Paris S o i r" dagegen sührt aus, daß die Rede nichts Neues über die Stellung der Reichsregierung zu den großen internationalen Problemen gebracht habe, nur ihr Ton sei n e u. In krafwollen und unnachgiebigen Aus- drücken habe Brüning diesmal dem Willen des deutschen Volkes Ausdruck gegeben, sich von den Versaillcr Ketten zu befreien. Der Kanzler habe nämlich vor dem Reichstag gesprochen, wo er einen Teil der Rechten brauche, um eine Mehrheit zu erreichen, aber in den internationalen Verhandlungen der nächsten Monate werde er sicherlich seine ganze Diplomatie wiederfinden. Theologen oder Teufelsanbeter Evangelische Kirche und Nationalsozialisten. Die evangelische Theologenschaft der Universität G ö t t i n g en veranstaltete ihren ersten Vortragsabend im Sommer- femester mit dem Gegenstand:„Christentum und Ratio- nalsozialisüiu s", worüber der Heidelberger Privatdozent Dr. W e n d l a n d sprach. In der Aussprache über den Vortrag, der noch gewisse Bedenken und Borbehalte zum Ausdruck brachte, erklärte ein Pastor Mattiat unter dem jubelnden Bei- fall der jungen Theologen: „Wir sehen im Nationalsozialismus die deutsche Freiheits- bewegung, zu der wir uns bekennen würden, selbst wenn sie im Namen des Teufels geführt würde." Kein Anwesender, auch keiner der Theologie-Präses- foren widersprach diesem Bekenntnis! Die theologische Fakultät in Göttingen ist nicht die erste beste. Hat Köttingen immer«inen hohen Rang als Universität«inge- nommen, so war sie 1864 bis 1889, als dort Albrecht R i t s ch l Dogmatil lehrte, ein Mittelpunkt theologischen Denkens und Forschens. Die Ritschlsche Schule, der u. a. auch Adolf Harnack angehörte, nahm eine scharfe Trennung zwischen Glaubenslehre und Metaphysik(Welterkenntnts) vor und verzichtete bewußt auf den sonst von der Kirche vertretenen Anspru6> auf den Besitz der un- bedingten Wahrheit, auf die Unterordnung der Wissenschaft unter den Glauben. Eine Auffassung, an der die Kirche starken Anstoß nahm, wie denn auch die Berufung Harnacks von Marburg nach Berlin im Jahre 1888 den schärfsten Wider st and der Orthodoxie fand. Später war Göttingen einer der Mittelpunkte der Naumann- schen nationalsozialen Bewegung, die im Grunde liberal war und in guten Treuen den vergeblichen Versuch machte, Im- perialismus und Christentum. Hohenzollern-Monarchie und Arbeiter- klaffe zu versöhnen. Welch ein Weg vpn jenen Zeiten bis hinab in die Tiefen der Nazibewegung, die heute tatsächlich nirgends stärkeren Anhang findet als in weiten Kreisen der evangelischen Theologenschaft! Dabei kann niemand den unendlich tiefen Abgrund übersehe», der zwischen dieser Bewegung und dem Christ-en- tum klafft. Ist auch ein erheblicher Teil ihrer Anhänger, ohne weiter zu denken, der landläufigen Scheinreligiosttät ergeben, so sind die führenden Köpfe, mögen sie es auch aus politischer Taktik zu verdecken suchen, ausgesprochen antichristlich. Mögen sie sich aus Haß gegen die„Berjudung" des Christentums in unklarer Ro- mantik zum Wodan-Glauben der alten Germanen bekennen oder modernen mechanistischen Lehren anhängen— ihre ganze Rassenblutlehre ist ja, wenn auch durchaus unwissenschaftlich, so"doch ganz im Sinn einer grobmechanischen naturwissenschaftlichen Auffassung gedacht— jedenfalls hat das alles fo wenig mit dem alten gläubigen wie mit einem neuen, vergeistigten Christentum zu tun. Auch nicht, wenn sie in stumpfsinnig rationalistischer Weise dem Christentum das Brandmal feiner jüdischen Herkunft zu nehmen suchen. Trotz diesem schreienden Gegensatz hat ein immer größerer Teil der evangelisichen Geistlichkeit sich, manche mit Borbe- halt, viele in heller Begeisterung der Nazibewegung angeschlossen. Daß sie damit ihrer Kirche, der sie die entschwundene Volkstümlich- keit auf diesem Wege wiedergeben möchten, einen herzlich schlechten Dienst erweisen, braucht uns, die wir nicht Sachwalter der Kirche find, nicht zu kümmern. Jedenfalls- wird, wenn früher oder später die Nozibewegung in Staub und Gestank versinken wird, die mit ihr so eng auf Gedeih und Verderb verflochtene evangelische Kirche davon sehr stark berührt werden. Das ist auch einer der Gründe, die d'.e politisch so viel klügere katholische Kirche davon ab- hält, sich mit einem solchen Bündnis zu besudeln. Die evangelische Kirche, die seit Luthers Zeiten ihre Niederlagen gehäuft hat. teilt dieses Bedenken nicht. Wenn Pfarrer die Fahnen der Braunhemden in ihrer Kirche weihen oder jubelnd die Zeit begrüßen, in der der Hanf teurer werden wird, ja find dos Gedankengänge und Gefühlsabgründe, die sonst von den Frommen als teuflisch bezeichnet wurden. Die Furcht vor dem freien Gedanken, der sich vom Kirchcnglauben ab- gewandt hat. vor dem Verlust der Borrechte, die sie im Klassen- staat genießen, läßt also diese ehemaligen Gottcsstreiter die Hilfe suchen, wo sie sie zu finden hoffen, fei es auch die Hilfe des Teufels! So werden Verkünder der christlichen Sittenlehre zu politischen Freunden einer Kriegs- und Mordpartei, werden Theo- logen zu Teufelsverbündctcn! Freigesprochen! Die Wahrheit über Eutin!/ Reichsbannerkamerad nach fünf Monatenllntersuchungshastalevöttigschuwlos freigesprochen Die Sundespressestelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold keilt mik: Kamerad Ochs aus E u i i n ist am Donnerstag nach fünf Monaten Untersuchungshaft vom Großen Schwurgericht Lübeck von der Anklage der schweren Körperverletzung mit tödlichem Ausgang freigesprochen und aus der Unterfuchungshast entlassen worden. Ochs war beschuldigt worden, bei den femerzeitigen von den Nazis provozierten Zusammenstößen in Eulin einen Nalionolsoziolisten gelötet zu haben. Nachdem bereits vor vierzehn Tagen das Verfahren gegen sechs Reichsbannerleute in der Angelegenheit Eutin eingestellt worden ist, mußte � am Donnerstag der St a a t s a n w a l t in dem Verfahren gegen Ochs selbst den Freispruch beantragen. Der Vor- sitzende führte in der Urteilsegründung u. a. aus, daß sich bis auf einige Unklarheiten die volle Schuldlosigkeit des An- geklagten ergeben habe. Diese Unklarheiten ergeben sich eben daraus, daß er sich in der Masse der Demonstranten be- sundcn Hot. Daß sich das Reichsbanner gewehrt habe, sei ganz offensichtlich Nokwehr gewesen, denn das Reichsbanner Hobe ja einen ge- »ehmigien Umzug veranstaiiei. In der Verhandlung'wurde u. a. ein Standartenführer aus Malente vernommen, der unter seinem Eid aussagte, daß an jenem 9. November, an dein die Vorgonge in Eutin sich abspielten, seine Standarte in Malente zu einer Totengedenkfeier versammelt ge- wesen sei und auf seinen Befehl in Autos sofort nach Eutin gebracht worden je!. Natürlich, wie er betonte, unbewaffnet. Unhaltbare Lage der Laudgemciudea. Der engere Vorstand des Demfchen Landgemeindetaaes trat in Berlin zu einer Sitzung zusammen, auf der die völlig unhaltbar gewordene finanzielle Lage der Landgemeinden erörtert wurde. Der Vorstand stimmte einer Eingabe zu, die an die Reichsregierung gerichtet ist und in, der besonders«ine sofortige Zusammenlegung der einzelnen Arten der Erwerbslosensürsorge in eine allgemeine Reichsarbeitslosen- sürsorge gefordert wird, an der auch Reich und Länder in einem Umfange von 80 Proz. beteiligt werden. Sozialistische Politik in Frankreich Nenaudel über die Regierungsbildting Paris, 12. Mai..(Eigenbericht.) Der sozialistische Abgeordnete Renaudel-richtet in einem Artikel der von ibm herausgegebenen Wochenzeitschrift„Das fozia» ltstische Leben" an die Radikalen, die jetzt die stärkste Kammersraktion bildeten und die Initiative für die Regierungs» bildung übernehmen müßten, die Frage, ob sie sich schon für die Konzentration oder für ein Zusammengehen mit den Linksparteien entschieden hätten. Renaudel fährt dann fort: „Im Widerspruch zu den nicht genügend unterrichteten Pro- pheten kann man, ohne sich zu täuschen, sagen, daß die fozia- l i st i s ch e Partei bereit ist, alle Vorschläge anzu- hören und zu prüfen. Das Sckilimmfte würde auf jeden Fall darin bestehen, daß die beiden großen Linksparteien durch ein Zurückweichen vor jeder Initiative das Intrigenspiel der Be- siegten begünstigen und. nachdem sie die Zügel nicht zur rechten Zeit kräftig in die Hand genommen haben, von neuem das Ton- dem Tardien-Loval auferstehen fehen, um den Steg des republika- nischcn Frankreich zu vernichten. Wehe denjenigen, die das nicht verstanden haben! Wehe denjenigen, welche der Kombinations- geist oder affektierte Unnachgiebigkeit zu Komplicen einer Eni- täuschung machen würde, die'für sie ja noch schwerer als Furcht vor den zu überwindenden Schwierigkeiten wäre." Aus diesen Worten wie aus dem kürzlich erwähnten Artikel Lc'on Blums im„Populaire" geht hervor, daß die sozialistische Fraktion einer Beteiligung an einer Linksregierung nicht ablehnend gegenübersteht. Dieser Ansicht dürfte sich der sozialistische Kongreß mit großer Mehrheit anschließen. Die Frage ist nur, ob es zu einer Einigung mit den Radikalen und dann zur Bildung einer Links- regierung kommen wird. Oer Zustizskandal von Großenhain. Anträge der Sozialdemokratischen Landtagsfraktion. Dresden, 12. Mai.(Eigenbericht.) Die Sozialdemokratische Fraktion hat im Sächsischen Landtag zu dem Großenhain er Iustizskandal solgertden Antrag eingebracht: In Großenhain haben am 28. April Nationalsozialisten, die aus den Amtshauptmannschasten Großenhain und Meißen zusammen» gezogen waren, einen vorschriftsmäßig angemeldeten Reichsbannerzug Deutsches Theater. FreytagS:„Iournalisteit". Die Neubearbeitung, die mit Couplets und mit Modernisierung aufwartet, ist geschmackvoll und si« wird wobltuend empfunden. Macklebens Musik findet oiele Pointen. Hilperts Regie, wohl die legte, bevor er zur Volksbühne hinübergeht, brachte alles zur Wir- kung, was an Komik zu schaffen ist. Darum sehr starker Beifall. " Max Hochdort planmäßig uberfallen. Sie drangen in die hinteren Reihen des ReichSbonnerzuges ein, verletzten Teilnehmer des Zuges und stachen auf Unbeteiligte ein. Da die Polizei nicht sofort zur Stelle war, mußten sich die Reichsbannerleute selbst zur Wchr setzen, wobei drei angreifende Natlonaffazialiften verletzt worden sind. Die Polizei löste schließlich den Reichsbannerzug auf und durchsuchte das Großenhoiner Gewerkschaftshaus nach Waffen, anstatt sofort die an- greifenden Nationalsozialisten nach Waffen zu durchsuchen. Am 29. April wurden sieben Reichsbannerleute auf Grund nattonalsozia- listifcher Zeugenaussagen verhastet und nach einem Schnellverfahren, in dem die Rechte der Verteidigung in keiner Weise gewahrt worden stnd, zu jahrelangen Zuchthaus- und Gefängnis- strafen verurteilt. Dieses Urteil hat in der gesamten republika- nffchen Bevölkerung ungeheure Empörung ausgelöst. Das normale Rechtsempfinden bäumt sich dagegen auf, daß Republikaner, die in der Zlotwehr notorische Verbrecher abwehren mußten, für dieses selbstverständliche Recht mit so ungeheuren Strafen belegt werden. Das Urteil fft deswegen besonders aufreizend, weil zahlreiche Fälle von nationaffozialistifchen Provokationen in Großenhain bereits ge- richtskundtg find. Aus diesem Grunde beantragt die sozialdemokratische Fraktion: Der Landtag wolle daher beschließen: 1. die Regierung zu beaus- tragen, gegen die«inseitige Untersuchung und Prozeßführung im Großenhainer Zuchthausprozeß die schärfsten Maßnahmen durchzuführen; 2. alle gefctzlichen Maßnahmen zu treffen, die geeignet sind, das Großenhainer Tendenzurteil gegen die verurteilten Reichsbannerleute zu revidieren. HessenohneparlameniarischeVerireiung Etat wird durch Notverordnung verabschiedet. ' Darmsladk, 12. Mai.(Eigenbericht.) In einer Parteikonferenz kennzeichnete der Heffische Staatspräsident Adelung am Donnerstag den eigenartigen und seltenen staatsrechtlichen Zustand, daß das Land H« f f c n ohne parlamentarische Vertretung ist. Zwar sind die Beschlüsse des durch den Statsgerichtshof als ungültig erklärten Landtags rechts- kräftig, soweit sie nicht Reichsnotverordnungen und sonstigen Reichsgesetzen widersprechen. Aber die Mandate der im November gewählten Abgeordneten sind nicht wie sonst bis zur Neuwahl in Kraft, sondern erloschen. Da der Landtag die Verlängerung des Budgetgesetzes von 1931 abgelehnt hat, besteht ein b u d g e t- loser Zustand. Der neuzu wählende Landtag wird Voraussicht- lich nicht vor dem 20. Juli zusammentreten. Die Slaatsregierung ist deshalb entschlossen, aus Grund des Artikels SS der hessischen Lerfassiing den Etat durch Notgesctz zu verabfchie- den. Die von einer naiionalsoziolislisch-koimnumstischen Mehrheit angenommenen Amnestieanträge werden im Einvernehmen mit der Reichsregierung n i cht durchgeführt. Doumers grandiose Bestattung Krankreich nimmt von dem ermordeten Präsidenten Abschied Paris, 12. Mai.(Eigenberichi.) Frankreich Hai dem ermordeten präsideulen Doumer am Donnerstag vormittag ein grandioses und ergrei. fendes Begräbnis bereitet. Auf dem Wege, dem der Leichenzug vom Elysee zur Botre-Dome-Kathedrale und von dort nach dem Pantheon folgte, waren hunderttausende auf den Beinen. In der Umgebung des Pantheons war das Ge- dränge lebensgefährlich. Mehrmals wurde vor der Ankunft des Zuges die Absperrkette durchbrochen. An der letzten Ehrung für Doumer beteiligten sich sämtliche Staaten der Welt durch besonders beauftragte Vertreter. Aus Belgien war König Albert erschienen. Der König von England war durch den Prinzen von Wales, der König von Italien durch den Herzog von Aosta, der König von Südslawien durch seinen Vetter, den Prinzen Paul, vertreten. Reichspräsident von hindenbl�g hatte den Botschafter von hoesch mit seiner persönlichen Vertretung be- austragt, ebenso Präsident Hoover den Botschafter Edge. Acht mit unzähligen Kränzen bedeckte Wagen fuhren dem Leichenwagen vor. aus. Unter den Kränzen bemerkte man den des Reichspräsidenten mit einer weißen Schleife und den der Reichsregierung. Der Zug, dem Truppenabteilungen mit Kapellen voraus- marschierten, wurde durch eine große Abordnung des Verbandes der Schriftsteller, die ehemalige Kriegsteilnehmer sind und in deren Mitte der Präsident die tödlichen Kugeln erhalten hat, eröffnet. Fast alle Häuser der Straßen, die der Zug passiert«, trugen Flaggen- und Trauerschmuck. Die öffentlichen Gebäude, besonders das Rathaus, waren mit schwarzen Draperien behängt. In der Notre-Dame-Kathedrale fand die kirchliche Feier statt, die der Erzbischof von Paris leitete. Dann bewegte sich der Leichen- zug zum Pantheon, unter dessen Säulenhalle ein riesiger Baldachin angebracht war. Unter ihm stand der Katafalk, in den der Sarg hineingeschoben wurde. Zur Linken des Katafalks hatten die Fa- milienangehörigen, zur Rechten der Präsident der Republik, die Ver- treter der fremden Staatshäupter, das Präsidium des Senats und der Kammer sowie die Mitglieder der Regierung Platz genommen. Abordnungen der Kriegsteilnehmerverbönde mit ihren Fahnen rahmten den Vorplatz ein. Die Trauerrede wurde von Ministerpräsident Tardieu gehalten, der sich vorher vor der Witwe Doumers und dem Sarge verneigte. Tardieu schilderte den Verstorbenen als das lebendige Abbild dessen, was die Demokratie ist und kann. Doumer sei ein leidenschaftlicher Patriot gewesen, er hob« niemals die Popularität gesucht noch sich durch eine schreierische Reklome in den Bordergrund gedrängt. Den Abschluß der Feier bildete ein Vorbeimarsch sämtlicher Truppen der Pariser Garnison. Abends erfolgte dann im engsten Familienkreise die Beerdigung der Leiche in der Familiengruft an der Seite der im Kriege gefallenen Söhne Doumers. Schießerei vor Nazilokal. Ein Nationalsozialist getötet. Zu blutigen politischen Krawallen kam es heute abend gegen Uhr in der Gürtel- Ecke Tossestrasie. Dort wurde ein in dem Häuserblock liegendes national- sozialistisches Verkehrslokal von politischen Gegnern, an- scheinend Kommunisten, beschossen. Dabei wurde ein Nationalsozialist tödlich getroffen und vier weitere Nationalsozialisten schwer verletzt. Ter Tatbestand wurde von Beamten der Politischen Polizei aufgenommen. Aus dem Reichsrai. Umgruppierung der Vertretung Berlins. Der Reichsrat hielt am Donnerstagnachmittog eine kurze Boll- sitzung ab, auf deren Tagesordnung lediglich kleine Vorlagen standen. Der Entwurf des Reichshaushaltsplans für 1932 sowie einige onöere Vorlagen, darunter eine lltovelle zum Gesetz über die B«- kämpfung der Reblaus, wurden ohne Aussprache in die zuständigen Ausschüsse verwiesen. Im übrigen benannte der Reichsrot die Be- Hördenvertreter sür den umzubildenden Verwaltungsrat der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Die Umbildung war notwendig geworden durch die Verordnung über die Vereinfachung und Verbilligung der Reichsanstalt, worin die Zahl der Beisitzer herabgesetzt wurde, und zwar für die Arbeit- geber- und die Arbeitnehmergruppe von bisher je 16 auf je 13. Interessant war eine Umgruppierung der Vertreter der Reichs- Hauptstadt Berlin für den Reichsrat. Bürgermeister Elsas ist als Berliner Vertreter ausgeschieden. Oberbürgermeister Dr. che i n r i ch Sa hm tritt als bevollmächtigter Vertreter der Stadt Berlin in den Reichsrat ein; sein Stellvertreter ist Stadtrat Wutzky. Der Reichsrat hatte ferner über die Besetzung zweier Reichsgerichtsrats- stellen zu entscheiden, die hurch Beförderung bzw. Pensionierung frei geworden waren. Es wurden als neue Reichsgerichtsräte be- stimmt der preußische Oberlandesgerichtsrat Dr. k. c. F r o e l i ch und der bayerische Landgerichtsdirektor Eitles. Schließlich nahm der Reichsrat zur Kenntnis, daß der Reichstag in seiner heutigen Sitzung das Schuldentilgungsgesetz lediglich mit der einen Aenderung verabschiedet hat, daß die Zeit für die Aufnahmemöglichkeit einer Prämienanleche zur Arbeits- bescksdffung bis zum 1. Oktober 1933 begrenzt wurde, während die Höhe der Anleihe unbegrenzt blieb. Das vom Reichstag verab- schiedet« Gesetz über die Rechtsstellung der weiblichen Beamten überwies der Reichsrot in seine Ausschüsse. Die nächste Sitzung dürste am Mittwoch nach Pfingsten stattjinden. Ausgeschobene Reuwahl. Ln Oeuffchösterreich. Wien. 12. Mai. Der Notionalrat nahm gemäß dem Beschluß des Verfassungs- ousschufses das Gesetz über die Auflösung des Naiionalrats vor Ablauf der Gesetzgebungsperiode und die Festsetzung der Neuwahl zu Beginn der Herbsttagung mit 83 Stimmen der Christlichsozialen, des Landbundes und der Großdeutschen gegen 77 Stimmen der Sozialdemokraten an, die sofortige Auf- lösung und rasche Neuwahl fordern; gegen die Ausschußoorlage stimmte auch die Heimwehrsraktion. Unfall Präsident Miklas'. Wien, 12. Mai. Bundespräsident Miklas erlitt durch Ausgleiten auf der Treppe in seinem Hause eine Verletzung oberhalb des rechten Auges, die mit nicht unbeträchtlichem Blutverlust verbunden war, sowie eine Zerrung des linken Handgelenkes. Der Bundespräsi- dent wird einige Tage zu Hause zubringen müssen, führt ober seine Amtsgeschäste fort. Lindberghs Kind tot. In der Nähe des Hauses aufgefunden. Rem Aersey. 12. Mai. Gouverneur Moore erklärte, der Leiter der Staatspolizei von Zerfey habe ihm mitgeteilt, daß das geraubte Kind Lind- berghs in der Nähe von Lindberghs Haus hopemcll von Nachbarn tot anfgefundeu worden fei. Wo stehen wir? Die sozialistischen Zeitschriften stehen diesen Monat im Zeichen grundsätzlicher Selbstbesinnung. Dos Maiheft der„Gesell- f ch a f t" wird mit einer Betrachtung von Emil Lederer über die Kapitalverluste innerhalb der kapitalistischen Wirtschaft er- öffnet, an die eine Untersuchung über das Wirtschajtsprogranim des AfA-Bundes unter dem Titel:„Zwischen Kapitalismus und Sozialismus" von Decker eng anschließt. Ein Aufsatz von Alexander Gabriel setzt sich mit der heute so üppig blühen- den wirtschaftsbelletristischen Literatur auseinander; unter den übrigen Beiträgen des Heftes dürfen Karl Kautskys Mit- teilungen„Zur Geschichte des Marxschen Programmbriefes von 1873" unb ein instrukliver Auffatz von Eckart Kehr über „Klassenkämpfe und Rüstungspolitik im Kaiserlichen Deutschland" besonderes Interesse beanspruchen. Das Aprilheft des wissenschaftlichen Zentralorgons der Gc- werkschaften„D i e Arbeit" verösfenllicht u. a. den ersten Teil einer Betrachtung über„Planwirtschast" von Paul Hermberg. Walter Pähl untersucht die Problematik von„Sozialisierung und Eigenwm";«in Aufsatz v�n I. W e n s k e nimmt zu der aktuellen Frage„Siedlung und Osthilfe" Stellung. Dos Maiheft der„Reuen Blätter für Sozialis- mus" beschäftigt sich bereits mit dem Ausgang der drei großen Wahlkämpfe: während der Leitartikel die schwerwiegenden ver- fassungspolitischen Probleme, die sich mit einer.eventuellen geschästs- führenden Regierung Braun verbinden, offen läßt, ist der Aus- satz von G l e n l o w über„Geist und Technik des Prcußenwahl- kampfes" ebenso unterrichtend wie anregend. ver Drucker- Proteststreik in Danzig gegen das dreimonatig« Verbot der„Danziger Volksstimme" ist beendet. Der eintägige Streik war eine Sympathiekundgebung sür die Belegschast der ver» botenen Zeitung. Es wurden Verhandlungen aufgenommen, die das Ziel haben, das Verbot auf schnell st em Wege auf- z u h e b e n. Die Anklageschrift gegen die Lahusens. Wie die Iustizpresie- stelle Bremen mitteilt, hat die Siaatsonwaltschast in der Strafsache gegen die Gebrüder Lahusen am 12. Mai 1932 die Anklageschrift gegen G. Carl Lahusen und Heinrich Lahusen bei der Strafkammer eingereicht. Zugleich ist beantragt, den Angeklagten Friede! Lahusen außer Verfolgung zu setzen. Der Stuttgarter Polizeipräsident Kloiber dementiert die Mel- dung, daß er als Ministerpräsident und Innenminister einer „evangelischen Regierung" in Aussicht genommen fei. Mit ihm sei"von keiner Seite ein Wort über«ine solche Möglichkeit ge- wechselt worden. Neue Zusammenstöße in Madrid. In der spanischen Hauptstadt kam es wiederum zu ziemlich heftigen Zusammenstößen zwischen Gendarmen und Studenten, die gegen das katalanische Statut protestierten. Einem Leutnant würbe mit einem Stock die Schädeldecke eingeschlagen, worauf. die Gendarmen von der Schußwaffe Gebrauch mochten; zwei Studenten wurden schwer verletzt. tGcwcrkschaftliches siehe 2. Beilage.) Verantwortlich fitr Politik: Victor Schiss; Wirtlchult:». itlingelhöser; »bcwerlschaftsdewegung: I. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schikowoki: Lokale» und Sonstiges: Fr», Karstadt: Anzeigen: Th. Sloek«! sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts. Verlag lZ. m. b. H.. Verlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. KS, Lindenstratze 8. Hierzu 2 Beilagen. Fische rrisjher Bratzander rn| Kabeljau Ohne Kopf. gi. FUdie. Pfd. 0.12 Seelachs u. Dorsdi.. Phmd 0.12 Schelltisch........ Pfund 0.1 5 Kabeljauület...... Pfund 0.18 Rotbars ohne Kopf Pfd. 0.18 Bratschollen..... 5 Pfund 0.42 Grüne Heringe.... 5 Pfund 0.44 Lebende Schleie Pfand ron an 0,65 Lebende Aale.. Pfund.»n an 0,85 Lebende Krebse io smi<* tob an 0.48 Wurst E5 Kampf- u. Fists&wurst w. Landleberwurst Pfund«.»s 0.76 jagdwurst.....Pfand«.es 0.78 Mettwurst vraaneeh». Art. Pfand 0.85 Wiener Würstchen.. Pfand 0.88 Feine Leberwurst ru. t.is 0.95 Zervelatwurst... Pfd. i.ia 0.98 Schinkenpolnischen.Kapn»ben. 2 Stade 0.35 Petunien... 3 siack im ropi 0.45 Pezorgonien... topf an 0.45 Cobea xark......... topf 0.70 Pelargonien bsng-ad...topi 1.15 Efeu......... Topf 0.50 0.75 Wilder Wein..... siaude 0.55 Räucherwaren Stheilfisth, Seelachs, AO Dorschrogen.. Pfand AOn. Bücklinge........ Pfand 0.28 Flundern.. Bund 0.20 Pfand 0.45 Frische Krabben.... Pfand 0.38 Aale Pfd. ron an 2.00 Bund ron an 0,36 LadlS In StCckea.. Pfand ton an 1 ,20 Fettheringe lnOcIu.Tomat.. voee 0.39 Matjesheringe..... 3 stock 0.25 Konserven ApfeimUS extra«.62.«eli �*9 Pf. Pflaumen.. 0.58 Kürbis. 0.50 Erdbeeren......... 0.98 Pfirsiche kam.>/, rraew... 1.15 Williams.-Bimen'/�rucwi.zs 1.05 Hawai-Ananas........ 1.35 Gemischtes Gemüse..... 0.66 mlttelfeln 0.95 extra fein 1,60 Junge Erbsen mmeuein..... 0.74 Schnittbohnen I 0.52 fange 0.42 Jg. Wachsbohnen>/, v. 0.40, 0.65 Senfgurken 0.63 Sellerie 0.65 Aprikosen-Konfitüre>/, Eimerl.10 Erdbeer-Konfitüre>,,e>m«r 1.10 Wein Vi Fl- o. Glas 58» . 0.75 0.90 1.15 1931 Obermoseler. Maitrank(au» obttvcin) 1930 Nierstcincr...... 1929 Ereilaubersh. Platte 1928 Osancr Roscnbg. momiI.15 1928 Mandelcr Rosengart. 1.20 1930 Wchlencr Rosenberg 1.35 Fruchtsekt m Steuern. FL 0.98 1.25 Spezial-Cuvee (elnerTraubnuekt m. Steuer u. Flaeche 3.25 Weißwein Rhelnpt. Ur.0.55 5 Ltr 2.65 Rotwein Ffontagne, Ltr 1 ,1 0 5 Llr. 5.25 Tarragona.. uteri. 00 sor. 4.75 Nr. 222* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwaris 5reitag> 13. Mai 1932 Pfingstfahrt zum Odertal Zu den schönst«« märkischen Wander. gebieten gebärt der siMich« Teil der sich im psten bis zum Odertol erstreckenden Uckermark. Nc>m Ktet- trner Fernbahn hnf sahrcn mir bis Lihoriijchsn lSonntagskortc läsen, die zur Rückfahrt auch nan Riederfinom berechtigt. Wir woirdcrn durch das Dorf C h o r i n ch e n oder Koriniken, wie es in alter Schreibweise heißt, an der kleinen Kirch« vorüber noch Süden, zum Friedhof am Ende des Dorfes. Kurz vor diesem, an der Wegteilung„Sandkrug— Ragäser Mühle", führt ein Fußsteig nach links, bergan. Am Südhang des Bergzuges, der den Chociner Bogen der großen nckermärkifchen Endmoräne au» der Eiszeit bildet, geht es weiter. Wir kommen zum Nettelgraben, der tief in das Gelände eingeschnitten ist. Auf seinem Südufer wandern mir gen Osten. Bald haben wir Kloster Chorin erreicht, jetzt eine der schönsten Ruinen Norddeutschlands. Es wurde 1260 als Kloster Marieirsee auf einer Insel im Parsteiner See gegründet, jedoch schon 1270 hierher verlegt. Hochouf streben die alten Giebel und Pfeiler, mit Türmchen und Maßwerk kiinstlerisch verziert, von Efeu dicht berankt. Am Ehoriner Ämtssee säumen hochstämmig« Pappeln die Chaussee, auf denen sich zahlreich« Misteln angesiedelt hoben. Besonders gut heben sich ihre überwinternden, dunkelgrünen Blätter van den Wirtsbäumen ab, wenn deren Laub noch nicht voll cnt< faltet ist. plagefenn. Wir folgen dem gegenüber dem Kloster van der Chousfe« noch Eichen abzweigenden Weg«, der bergan in den Wold fuhrt und mit Zeichen versehen ist. Durch hügeliges Gelände, das von präch- tigern Laubwald bedeckt ist, führt der Weg durch dos End- moränengebiet. Noch etwa 3 Kilometer kommen mir zu einer Bruck« über einen kleinen Abzugsgroben. Jenseits der Brücke, beim Iogenstein 59/70, zweigt ein Weg nach Nordosten ab;«r bringt uns on die Grenz« des„Naturschutzgebietes am Plagefen n". Das Naturschutzgebiet ist ein mooriges, von einigen höheren Landstellen fWerdern) inselortig unterbrochen«? Gelände, das sich aus der Westfeit« de? ebenfalls unter Naturschutz gestellten Großen Plagefee» erstreckt. Der Nqme Plazefenn, Plazesee ist auf einen Ort Plage oder Plow« zurückzuführen, den«» frichec in dieser Gegend gab. der jedoch 1375 bereit» nicht wehr existierte. Am Rande des Naturschutzgebiete», aus dem.Weg am Plazefenn", wandern wir gen Norden bis zur Landstraße nach Brodowin, die uns östlich zum Wald hinausführt. Links vom Wege, am Nord- ende des Großen Plogefees, sängt der ch« rrsch e r b e rg aus. Ein schmaler Ackerram bringt uns auf die chöhe de» Berge»(7-1 Meter über dem Meeresspiegel oder 25 Meter über dem Großen Plazesee). Bon hier oben haben wir ein« gute Aussicht Noch Norden schauen wir über die kuppige Grundmoränenlandschast der Uckermark. Im Vordergrund liegt der Weiß« See, östlich davon da» Dorf Brodowin Im chintergrund schen wir den ausgedehnten Por- st einer See. an dessen Ostuser die Kirchtürme mehrerer Dörfer aufragen. Dies« Seen find Stausee«! sie liegen in dem Staubecken, in dem sich die Schmelzwasser de»' eiszeitlichen Inlandeises bei dessen Abschmelzen am Ende der.Eiszeit im chinterland der End- moräne sammelten. In der Ferne hebt sich der massige Bau der Marienkirche in Anger münde vom Gesichtskreis ob. Gen Westen und Süden gleitet der Blick über da» ausgedehnte Chorßier Waldgebiet mit dem Naturschutzgebiet. parsteiner See. Vom Herrscherberg geht«, zur Landstraß« hinab: wir folgen ihr östlich und biegen nach etwa 5 Minuten link» ob nach Brodo- min. Etwas südlich der Kirch« führt der Weg gen Osten zum Dorf hinaus. Am Wesensse und am Kleinen und Großen Rummelsberg vorbei wandern wir nach P« h l i tz. ursprünglich«in Dorf, jetzt «in Gut. Wir sind am Parsteiner See, einem d«r größten märkischen Seen. Aus dem nordöstlich vom Gut Pehlitz am Südrand« de» Parsteiner See» belegenen Werder,«hemot» ein« weit in den See hineinragend« Insel, heute durch Sumpsland mit dem Festland verbunden, log da» 1260 gegründete Kloster Marien- je», das noch einigen Iahren nach Ehorin verlegt wurde. Einig« Blick auf Oderherg Fundamentreste sind noch erhalten. Unser 7Aeg führt rechts bergan in den Wald. Am Alten Forsthous und am Forsthous Breite» fenn sowie an zwei präästigen märkischen Woldseen, dem Großen und dem Kleinen Lindse«, kämmen wir norüber. Träumerisch, in ungestörter Einsamkeit liegen diese Gewässer, ring« umrahmt non Birken, Buchen und Kiefern. In östlicher und nordöstlicher Rich- tung wandern wir zum Waldrand und durch hügeliges Acker- gelände— w>r sind in einer kuppigen Grundmoränenlandschast, die reich an Findlingssteinen und-blocken ist— nach Lüdersdorf (von Chorinchen 24 Kilometer). Dieses Dorf ist ein ausgeprägtes Angerdorf au» der deutschen Kolonisationszeit. Bemerkenswert find zwei Laubenhäustr.„Lowinghäuser". In dem einen befindet sich die gut eingerichtet« Jugendherberge. Neuenhagener Insel. Von Lüdersdorf ftchrt die Straße meist durch Aecker gen Süden nach Neuendorf. Hier wenden wir un» westlich zum Waldrand, zum„Großen Stein", einem wächtigen Findlingsblock, der jedoch leider nicht wehr in seiner ursprünglichen Große er- halten ist. Vom Stein genießen wir eine schone Aussicht. Im Vordergrund liegt Neuendors. weiter entjernt sehen wir nach Nord- vsten Lunow. nach Osten Sie Kirche van Hohen saathen. Etwas links davon, ganz in der Ferne, ragt der Kirchturm non Fehden auf, das schon jenseits der Oder liegt. Wir wandern nun aw .■\\..-M' MM-M. W IM■§ Am Plage fenn Woldrand gen Süden über Forsthaus Moienpfuhl nach Oder» b e r g. 5ster befand sich von oltersber ein lieberganz über die Oder, der besonders dadurch erleichtert wurde, daß ein breiter Hohlwez den Wall des hohen Oderufers durchbrach und einen na- türlichen Zugang zum Strom bildete. Die uckerrnärkische Endmoräne erreicht hier das Odertal. Wir durchwandern die olle Stadt, die bereit» 1255 genoknit wird, überschreiten die Oder und sind nun aus der Neuenhagener Insel, die bereits zur Neumark gehört. An dem„Bärenkasten", den Resten eines Schlosses, dos 1372 erbaut wurde, und dem Bahnhof Oberberg— Brolitz vorüber kommen wir nach Nouenhogen. In südöstlicher Richtung geht es weiter. Die Granitkoppe steigt 75 Meter empor. Prächtig ist die Aussicht: weit.schweift der Blick über die ausgedchnie Fläche des Oderbruchs und über die Höhen der Uckermark, der Neumark und des Barnim. Wir steigen von der Granttkoppe herab und find in Aabom, einem ausgesprochenen Runddorf. Am Rande de» Oderbruch» wandern wir durch Neu-Tornom nach Schissmühle, überschreiten die Oder und kommen auf der Chaussee, die aus dem bereits 1542 aufgeschütteten Weidendamm entlangführt, zum Bar- nim hinüber, nach Freienwalde, der Perle der Mark soo» Lüders- darf 24 Kilometer). Steht uns noch Zeit zur Verfüguiig, so durch- streifen wir die schöne Frcienmalder Umgebung(Baaste oder Alaunmerk Falkenberg). Bei' der Rückfahrt von Freienmalde oder Falkenberg Zusatzkarte bi» Niedersinow lösen. Für die Wanderung ist die Reichs- karte 1: 100 000, Blatt 245, Freicnwalde, erforderlich. Auio rast auf den Bürgersteig. Ehepaar überfahren und schwer verletzt. An der Ecke Westfälische und Nestorsiraße in Wilmersdorf kam gestern abend«in Privatauto infolge des schlüpfrigen Fahrdammes in» Schleudern und geriet aus den Bürger- steig. Ein älteres Ehepaar, dos in diesem Augenblick die UnfoU- sistl« passierte, wurde von dem Wagen ersaßt und überfahren. Die Verunglückten, der ß3jährige Artur Mrndelsohn aus der Paulsborner Str. 17 und seine gleichaltrig« Frau Hedwig wurden mit schweren inneren Verletzungen durch.die Feuerwehr ins Wil» mersdarfer Mortin-Luther-Aronlenhous gebracht. 12 Oeltanks brennen. Eine Stadt in Gefahr. T a m p> c o(Zstexiko). 12. Vka''. Au» bisher n>ä»l ermillrller Ursache brach in h u a st e c o ci? Bielenfeuer aus. dos bisher 1? gellanks ergrisstm hat. Die Brondstölte bllM ein einziges Flammenmeer. D'-e Stadl, die selber schwer gesöhrdrl ist. ist völlig in Rauchwolken gehüllt. Selbstmord in der Technischen Hochschule. Im Gebäude der Technischen Hochschule spielte sich gestern«rn ausregender Vorfall ab Gegen 15 Uhr stürzte sich au» ber Höhe de» zweiten Stockwerkes ein alterer Mann in den Lichischacht hinab, wo er m>t einem Schädelbruch und inneren Verletzungen be> wüßt las liegen blieb. Sterbend wurde der Lebensmüde ins Westendkrankenhau» eingeliefert. Es handelt sich um einen 50 Jahre alte« Max Beskow au» der Schleiermocherstraße 5. Das Motiv zur Tat ist noch unbekannt. Schüsse auf Flugblattvertejler. Der Arbeiter Karl Albert, der der KPD. angehörte, hatte nach seinem eigenen Geständnis am 27. Februar in der Münzstraß» ein« Pistole mit Munition erworben. Mit dieser Waffe feuerte er zwei Tage später vor seiner Haustür in der Raunynstraß« mehrere Schüsse auf eine Gruppe nationalsozialistischer Flugblottoerteiler ab, die dort Hanspropaganda für bis Reichspräsidentenwohl trieben. Als er versolgt wurde, schoß er nochmals, ohne jemanden z» trejien. Seine Behauptung, daß er nur Schreckschüsse in die Lust abgegeben habe, konnte vor Gericht nicht widerlegt werden. Dos Schöffen- gcricht Berlin- Mitte verurteilte den Angeklagten wegen Bergehen» gegen die Notverordnungen zuin Schutze des inneren Friedens und zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen zu l Jahr Gefängnis unter Zlnrechnung von 2 Monaten llntersuchungshoft. Schweizer Militärflieger abgestürzt, lieber dem Flugplatz Dabendorf bei Zürich stürzt« am Donnerstag ein Militärflugzeug ob. Di« beide« Piloten wurden- getötet. Jeder Mann wird über dieses Ansinnen lachen! Die heutige Männerwelt hdt ändere Sorgen; diese zu hämen dem gräuen AJlteg ein päör frohe Mimten abzuringen, dafür ist Juno die Rechte. Den überragenden Erfolg der ÄS schuf ihre Gute. W?z/ sie keine Stickereien, Wertmarken oder Gutscheins bringt, bleibt June die Clgapctte aller Kenner; sie ist gleiciimii�ig gut bis zum letzten Zug! Der ,,Autobummcl". Der Nazi-«Stabschcf" Gewehr vor Gericht. Arme sieht man nicht gern... Man müßte meinen, daß die 5)ausgcstrtngen iencr Miet- kaserncn, die gleich ein Haides Hundert Parteien beherbergen, ge- rade etwas Einsicht und Nachsicht mit all den zermürbten, vcr- zweifelten Menschen hätten, zumal der Hauswirt in den Prole- tarierwohnungen zumeist eine weit sicherere Garantie für seine Miete Hot, als in den„hochherrschaftlichcn" Behausungen. In einer Miet- kaserne des Berliner Nordens gibt es allmonatlich bei der Miete- Zahlung allerhand Krach. Da bewohnt eine arme Witwe Stube und Küche. Sie muhte, weil sie die Miete allein nicht aufbringen kann, die Stube abvermieten: nun läßt sich'dcr Hauswirt unter der Bc- Zeichnung„Wasser gelb" allmonatlich 2 Mk. von ihr bezahlen, das fällt der Frau sauer, der llntermieter will es naturgemäß erst recht nicht tragen und droht mit Auszug. Lille Bitten der Frau, ihr diesen Betrag zu erlassen, scheitern an des Hauswirts eisernem Willen.„Was können wir zwei alten Menschen(mein Mieter ist über die Siebzig, ich nicht weit davon entfernt), an Wasser groß ver- brauchen", meint die Frau.„Dieser Betrag kommt ja nicht mal auf eine Familie mit sechs kleinen Kindern". Die Bezeichnung Wasser- gcld ist hier natürlich nur eine Umschreibung sür einen Ausschlag, den der Hauswirt für das Untervermieten erhebt. An sich besteht eine Berechtigung des Hauswirtes für solch einen Aufschlag, es kommt aber selten oder nie vor, daß die Hauswirte bei Menschen, die in solch kümmerlichen Verhältnissen leben, davon Gebrauch machen, noch dazu, wenn ein Hauswirt wie jener, von dem hier die Rede ist, Besitzer sechs großer Miethäuser ist. Noch bitterer beklagt sich die alte Frau aus dem Scitenslügcl, eine Sozialrentnerin von 75 Jahren, deren Kanonenojen in ihrer Kochsmbc lebensgefährliche Alterserfchei- nungen aufwies und von der Baupolizei als total unbrauchbar be- zeichnet wurde: als sich die alte Frau an den Hauswirt wandte, sagte er ihr die Aufstellung eines Ersatzofens zu, jedoch auf ihre Kasten. Jl?r Einverständnis mußte sie schriftlich niederlegen und sich zu monat- licher Ratenzahlung verpflichten. Als sie bei der dritten Rate um Aufschub bat, wurde der Mann furchtbar grob und warf die alte Frau zur Wohnung hinaus. Ja, arme Leute ficht man nicht gern... Im Strudel des sinkenden Schiffes. Zwölf Toie bei den �etiungsarbeiien für die„Gausi". Lissabon, 12. Mai. Bei den Vergungsmanövcrn für den deutschen Fracht- dumpfer ,,Gnus,", der in der Siähe von Qporto ge- strandet ist, haben bisher 12 Menschen ihr Leben ein- p-büßt.<;wei der potugiesischen Rettungsboote kenterten, als sie sich dem Schiff näherten, infolge des hohen LLcllen- ganges. Rur einigen der Insassen gelang es, das Ufer schwimmend zu erreichen, die anderen ertranken. DoppelselbstmorS im Bahnabteil. Dyck. 12. Mai. In einem Abteil eines auf dem hiesigen Bahnhof abgestellten Juges fand man den 2ljährigcn Haus Schwarz und die 20jöHrige Erna T a b i e s, beide aus Landsbcrg in O st preußen, er- hängt auf. Das Paar hatte Selbstmord begnügen. Sühne für �aheiisnergehen. Die im Alter von 22 bis 21 Jahren stehenden Angeklagten Rudi Zander, Kurt Nicksch und Karl Michaelis gehörten zu einer Gruppe jugendlicher Raufbolde, die die Gegend am Görlitzer Bahnhof seit langem unsicher niachtcn. In der Nacht zum 15. Februar wurden ein Tischler- meister und ein Schuhmacher in der dortigen Gegend nacheinander überfallen, schwer mißhandelt und beraubt. Als Täter wurden die jetzigen Angeklagten festgestellt. Auf Grund der Beweisausnahme verurteilte das Schöffengericht Berlin-Mitte NiikschzuLJahren 8 Monaten Gefängnis und die beiden anderen Angeklagten zu je 1 Jahr 8 Monaten Gefängnis, und zwar wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Bei diesem Lobspruch glänzt das grämliche Gesicht des Esels wie das eines Heiligen, dem zur Feier des Namens- tngcs ein Schock voller großer gelber gutduftcnder Wachs- kerzen entzündet wird. � Beim Eintritt in den Saal kommt es zu einem kleinen 'Aufenthalt. Als der Esel die schwere eichene Tür aufgestoßen und sich wartend auf die Seite gestellt hat, um dem Ritter den Vortritt zu lassen, springt überrascht ein Pärlein hoch, das bisher versunken. Wange an Wange, im Fenster saß. Die jungen Leute sind im ersten Augenblick wie oersteint. Der Page saßt sich zuerst. Jan von Trocznow erkennend, macht er ihm eine tiefe, höfische Verbeugung, noch tiefer, noch chrsürchtiger, als�er sie selbst dem König gegenüber gemacht haben würde. Sie soll ihm Zeit geben, die aufgestiegene Verwirrung zu verdecken. Das Mädchen aber steht da, vom Blut Übergossen wie von scharlachener Farbe, hestig atmend, als wollten die un- gestüm sich hebenden Brüste das Hemd sprengen. Es weiß nicht, wo es die Augen lassen soll vor jungfräulicher Scham. Der Ritter ist selber verblüfft vor der unerwarteten Szene. Aber als er begriffen hat, lacht er, hebt der Wider- strebenden mit Daumen und Zeigesinger das Kinn hoch, sieht, daß ihr das Herz in dem Adernetz des Halses schlägt, wie ein ängstlicher Vogel, und freut sich der schönen Ver- wirrung. Aber er duldet nicht, daß sich ihr Auge noch länger versteckt hält, sondern zwingt ihren Blick in den seinen. Sekundenkurz nur dauert diese Augenvermischung, aber lang genug, um den Stahl, der ihn blank und blau ansticht, hin- schmelzen zu lassen in verdämmernden Samt. Noch einen Augenblick, und es stürzen die Tränen. Doch der Ritter läßt allen Zwang sein: er gibt srei das widerstrebende Kinn, macht dem Pageiz scherzhast einen Droh- finger und sagt:„Wie werden die Prager Fräulein die Märe aufnehmen, Korel, daß dn zu Konstanz im Hörselberg sitzest?" Der frühere Leiter der Nazi-„Stabswachc" in der 5)cdcmann> straßc, der Ingenieur Gewehr, ist von dem Helldorf-Prozcß her sattsam bekannt. Er hatte zusammen mit seinem Ehef Kzelldorf den Autobummcl über den Kurfiirstendamm gemocht und war von der ersten Instanz zu einem Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden: in der zweiten Instanz kam er allerdings viel billiger davon. Am Donnerstag sah mau ihn vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte erneut als Angeklagten. Zusammen mit zwei früheren SA.-Leutcn. Basti und Schäfer hatte er sich wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung zu verantworten. Es be- stätigte sich von neuem die Tatsache, daß die Nationalsozialisten auch dann zur Selbsthilfe greifen, wenn es ein leichtes wäre, die zuständige Behörde zu alarmieren. Am 15. August v. I. hatten Mitglieder des' Turn- verein? Fichte einen Kameraden zum Anhalter Bahnhof be- gleitet: sie befanden sich auf dem Wege zur Untergrundbahn, als es zwischen ihnen»nd etwa vier Nationalsozialisten zu einem Zu- sammcnstoß kam. Einer von den Fichtcleuten soll„Arbeitermörder" gerufen haben: die SA.-Leute bekamen ihn zu fassen, die übrigen Fichteleutc wollten ihrem Kameraden Hilfe bringen, ober schon er- hielt der eine eine Ohrfeige, der andere in roher Weise mit einem eisernen Koppelkarabiner einen Schlag auf den Kppf. Der erste Fichtcmann ergriff die Flucht, die SA.-Leute liefen hinter- her, feine Kameraden riefen den in der Nähe postierten Beamten herbei, mit Hilfe einer Taxe holte man die Nationalsozialisten ein und stellte sie fest. Der eine von ihnen war Gewehr. In seiner Tasche fand man die Koppel mit dem eisernen Karabiner. Bor Gericht erklärte er. er wisse nicht, ob er mit der Koppel ge- schlage» habe. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnisstrafen. Das Gericht verneinte gemeinschaftliche Körperverletzung, verurteilte Ge- wehr wegen gefährlicher Körperverletzung zu— 30 Mark Geldstrafe, stellte das Verfahren gegen Baski ein, da ein Strafantrag gegen ihn nicht vorlag und sprach „Stephan" und„Schöneberg". Neue Zernsprechvermittlungsstellen mit Selbstanschluß. Die Oberpastdirektion Berlin teilt mit, daß die Bermittlungs- stelle Stephan in Barlin-Schönebcrg, Hauptstraße 27, in der Nacht zum 29. Mai auf Sclbstanschlußbetrieb umge- st e l l t werden wird. Gleichzeitig wird die in demselben Gebäude untergebrachte Vermittlungsstelle init Selbstanschlußbetrieb S ch ö- n e b c r g in Betrieb genommen. Die neuen Vermittlungsstellen unterstehen dem Fernsprechamt Süd in Bcrlin-Schöncbcrg, Hauptstraße 27. Die Vermittlungsstelle Stephan sührt das Ruf- zeichen G 1, die Vermittlungsstelle Schöncbcrg das Rufzeichen G 7. Berliner postverkehr zu Pfingsten. In Groß-Berlin werden am 1. Psingstseiertag Brieffendungen. Zeitungen und Pakete zugestellt: am 2. Psingstiage ruht hie gesamte Zustellung. Die Paketannahnien sind an beiden Festtagen geschlosien, doch werden dringende Pakete(Sondergcbühr 1 M.) angenommen bei den Postämter» C. 2, SW. 77, R. 4, W. 9, SW. 11, O. 17. SO. 36, RW. 40(ununterbrochen). Berlin-Eharlottenbnrg 1(8 bis 20 Uhr)»nd in den übrigen früheren Vororten bei Postämtern, die an Sonntagen von 8 bis 9 Uhr geässnet find. Die Schalterdicnst- stunden an beiden Pfingfttagen find die gleichen wie an Sonntagen. Gedruckte einfache P f i n g st k a r t e n, die. in Größe, Form und Papierstärle den Bestimmungen für Postkarten entsprechen und ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer ermäßigten Gebühr. In diesen Karten dürfen außer den sogenannten Absendcrangaben(Llbscndungstag, Name, Stand und Wohnart nebst Wohnung des Absenders) noch weitere fünf Worte, die mit dein gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugesügt werden. Die Gebühr betrögt sowohl im Ortsbcreich des Der Page möchte gern eine Antwort geben. Doch er bringt die Lippen nicht aufeinander, so sehr er sich auch müht. Befangenheit verriegelt seinen sonst so Schlagfertigen Mund. Der Ritter maritet indessen eine Antwort gar nicht erst ab. Er schreitet weiter, dem Esel nach, der jede der nächsten Türen vorsichtig hinter sich verschließt. Erst als er im dunklen Gang unter der Straßc vorwärtstappt, fällt es ihm ein, zu fragen:„Wie heißt sie?" „Wer?" Das grämliche Gesicht— mitten im Zählen der Schritte unterbrochen— hat Mühe, sich tlaraus zu besinnen, wen der Ritter mit seiner Frage eigentlich meint. Schließlich be- greift er. „Luzia!" sagt er dann langsam. „Richtig, Luzia!" wiederholt Jan von Trocznow, und es ist ihm, als ob er beim Aussprechen dieses Namens in das Fruchtfleisch eines Pfirsichs bisse.„Luzia! Vor drei Monden, als ich nach Böhinen zurückritt, war sie doch noch ein Kind!" Der Eesel ist stehen geblieben:„Es geht oft seltsam schnell mit diesen deutschen Mädchen. Uebcr Nacht sprengt es sie auseinander, prall, wie im Frühjahr den Flieder?" Damit ist für ihn der Fall erledigt. Er tappt und tastet sich weiter. Der unterirdische Gang wird jetzt sa eng und schwierig, daß das grämliche Gesicht ganz vergißt, zu er- klären, daß es selber am erstaunlichen Aufblühen dieses mädchenfleischenen Flieders nicht ganz unbeteiligt ist. Denn auf des Esels Vorschlag bin ist jedesmal, wenn die böhmischen und mährischen Herren geheimerweise sich versammelten, Karel, der Page, dem Mädchen beigeordnet worden, als ihr Geselle sozusagen, der sie in dieser Zeit beschäftigen und so davon abhalten sollte, besondere Wabrnehinungen vder Eni- deckungen zu machen. Bisher Hot die unschuldige List auch immer verfangen. Luzia, die Beschließerin des Hauses, hat sie nie darum bekümmert, wer an solchen Tagen in der steinernen Arche ein- und ausging. • Jetzt aber, aufgeweckt durch die plötzliche und über- raschende Begegnung mit dem einäugigen Ritter, ist in dem Mädchen mit beinahe schmerzhaftem Drang die Neugier wachgeworden. Die Erstarrung der beiden löst sich. Karel greift nach Luzias Hand. Sie weicht aus und feuchtet ibit der Zungenspitze die trocken gewordenen Lippen. Karel breitet die Arme und will Luzia an sich ziehen. Schäfer frei..Soll es nun wirklich gestattet sein, unbestraft „Selbsthilfe" zu üben, die über eine erlaubte Selbsthilfe weit hin- ausgeht? Gerichtsvollzieher kassierte sür sich. Größere Unregelmäßigkeiten entdeckt. Die Angelegenheit des Obcrgerichtsvollzichcrs K. in Friedenau, der im Bezirk des Amtsgerichts'Schöneberg tätig ist, beschäftigt augenblicklich die zuständigen Justizbehörden. K. ist etnxi seit März mit der Abführung der vereinnahmten Gelder an seine Auftrag- gcber im Rückstand. Er hat in vielen Fällen Beträge, die er von Schuldnern zur Anwendung von Pfändungen in Empfang ge- nommen hat, und auch die Einnahmen aus erfolgten Versteigerungen nicht abgeführt. Seine Auftraggeber Hot der Gerichtsvollzieher dauernd ncr- tröstet und als Grund unter anderem angegeben, daß durch den inzwischen erfolgten IIiTizug von der Eisenacher Straße nach Friedenau eine Verzögerung in der Abwicklung der Geldongelegen- heit eingetreten sei. Seine Versprechungen, die Zohlungsverbind- lichkeiten in den nächsten Togen zu regeln, hat er aber nicht eingehalten. Nachdem eine Reihe von Beschwerden gegen den Ober- genchtsvollzieher beim Amtsgericht Schöneberg eingegangen waren: wurde K. vom aufsichtführenden Richter des Amtsgerichts, Amts- gerichtsrat Rein icke, zur Verantwortung gezogen. Er gab an. daß ihm ein größerer Geldbetrag gestohlen worden und daß er dadurch in Schwierigkeiten geraten sei. K. versprach aber, josort zu seinen Berwandtcn zu reisen, um sich den sehlendcn Betrag zu beschaffen. Seitdem ist K, nicht aufsindbar.'Nach den bisherigen Ernnttlungen handelt es sich um eine» Fehlbetrag von 5000 bis 6000 M., man vermutet aby, daß sich die Summe noch als bedeutend höher herausstellen wird. Nunmehr werden sich die zu» ständigen Stellen eingehend mit der Angelegenheit befassen. Ausgobeorts als mich im innerdeutschen Fernverkehr sowie im Ver» kehr nnt der Freien Stadt Danzig, Litauen und Mcmelgebiet, Luxemburg und Oesterreich sür cinsoche Karten(ohne Umschlag versandt) 3 Pf., sür Karten im offenen Umschlag bis 20 Gramm 4 Pf. Arbeiterchor„Oe Siem des Volks" in Verlin. Der holländische Arbeiterchor, Volkschor Amsterdam„D e S t e m des V oZ k s" besucht als Gast des Gaues Berlin des DAS. zu Pfingsten Berlin. Am 1. Feiertag treffen die Genossinnen und Genossen, ca. 370 Teilnehmer, auf Reiseantos in Berlin ein und werden nach dem Geiverlschaitshmis geleitet, wo eine kurze Begrüßung stattfindet. Bei der am Pfingstmontag stattfindenden Rundsahrt worden die Gäste in den Mittagsstunden die Ausstellung „Sonne, Luft und Haus für Alle" besuchen und werden dort aus Einladung der Direktion einige Lieder im Terrassengartcn singen. Besonders fei auf das am Abend stattfindende Konzert im Saal- b a u �F r i c d r i ch s h a i n hingewiesen, bei welchem u. a. auch das Chorwerk„Arbeitsauferstehuiig", sozialistische Kaiitätc für Soli und Ehor erstmalig in Berlin zur Aufführung gelangt. Anschließend Be- grü?>ing durch die Berliner Arbeitersänger unter Mitwirkung großer Ehöre des Bundes, wobei voraussichtlich auch Carl S e v c r i n g und Paul Lobe die Gäste begrüßen werden. Der Eintritt beträgt nur 60 Pfennig, wobei derselbe auch schon zum Nachmittag im. Garten berechtigt, wo Konzert und Ehorgesang Berliner Chöre vorgeseben ist. Karten in den mit Plakaten belegten Stellen, in der Gaugeschästs-. stelle Schneider, Hufelandstr. 31, und im Konzertlokal erhältlich. Ei»!<>ftc»l«s«r Wi»I>erh»lu»g«lnrs»» im Eystcm Ztoüc-Schreq(8 Abclide, einmal wöchentlich) beginnt Mittwoch. Ig. Mai. 18 Ubr, im Lnzeum Zeiilendorl. t»ab>chaf Zeblendorf. Mitte. Ramiseebah», Omnibus 7 und T.) Uebungen Mit!. wachs von 1S14 bis 2117 Ubr ebenda. Schriftliche?lnineldungen an den Gruppenleiter Hugo Geitner, Berlin-Zehlendarf, Albertinenstr. 2. „Laß!" wehrt sie ab und stellt einen der Lehnstühle als Bollwerk zwischen sich und ihres Freundes Ungeduld. Er verschlingt sie mit Blicken. Da schildet sie sich mit der Frage:„Sag mir lieber, wer das war!" Auch Karel stutzt und fragt:„Wer?!" Auch bei ihm dauert es eine Weile, bis er den Sinn der Worte begriffen hat. „Das war Herr Jan von Trocznow!" sagt er dann lang- sam zu Luzia, die sich mit einer Hand an der Stuhllehne fest» hält und mit der andern die wider�enstigen Haare zurück- streicht, die die klare Front ihrer Stirn bedrängen.„Jan von Trocznow, genannt Zizka, der Einäugige, der tapferste und berühmteste Ritter in meinem Heimatland Böhmen!" „Zizka!" wiederholt das Mädchen und zittert plötzlich in den runden Knien, und es ist ihm, als ob dieser Name Leib und Leben habe, starke gewaltige Glieder, Hände, die mutier- lind über sie hinstrichen, Arme, die sie fassen und schwenken und ausheben und irgendwo hintragen, so daß sie selig schwankt wie ein bekränzter Sommernachcn aus dem See. „Zizka!" sagt sie nochmals, und dieser Name wird tat- sächlich etwas Lebendiges, etwas auf sie Zustürzendes, das ihr mit einer bisher unbekannten lustgefülltcn Heftigkeit ans Herz greift, so daß sie erschauert, vom Wirbel bis in die innere Biegung der Fußsohle hinein. Ihre Arme fallen in jähem Niedersturz an ihr hinunter. Sicher wäre sie umgesunken und auf die blanken Dielen hin- geschlagen, wenn nicht Karel im letzten Augenblick sie auf- gefangen und in den Stuhl gesetzt hätte. Als er mit einem Becken Waffer und mit einem Hand» tuch wiederkommt, um ihr die Stirne zu kühlen, ist die vcr- räterische Ohnmacht bereits von ihr gewichen. Luzia ist wieder Luzia, nur einen Schimmer bleicher als sonst. Er findet nichts an ihr verändert, nicht ein Fältlein, trotzdem ihr ganzes Inneres umgestürzt ist> Die Gedanken find nicht zu erraten, die hinter der Kuppel ihrer steil vor- springenden Stirn durcheinanderjagen, wie Funken im an- gefachten Feuer. Wenn ihr Mund nicht lügt, so gibt es für ihre sechzehn Jahre niemanden auf der Welt, der in ihrem Herzen tiefer beschloffen ist als Karel. Aber diese Beteuerung bindert sie nicht, ans ihm alles herauszulocken, was er über Zizka weiß. Der Pag? will keinen Bescheid geben Er windet sich, er gebraucht Ausslüchte. Irgend etwas in ihm sträubt sich. Aber auf die Dauer kann cr ihrem Drängen nickst wider- stehen.. (Fortsetzung folgt.) Schloß Tetschen Staatsbesih. i2 Millionen 8'r. Eleuerschulden waren vorhanden. Sas oltehrwurdige Schloß Tetschen ist aus dem � Besitz des Dr. Jaros'av T h u n- H o h e n st e i n für 12 Millionen Kronen vom tlchechostottwtiichcn Staat erworben worden. Der Staat nahm, wie bestimmt verlautet, 12 Millionen Kronen Stcucrrück- st ä n d e in Streichung. Scholl in der Zeit der Völkerwanderung war an der Elbe eine Burg Tetschen. Auch der heutige Zugang zum Schlosse, dessen Vorgeschichte also bis zur Völkerwanderung reicht, geht durd) Felsen und ist außerdem durd) hohe Mauern geschützt. 1Z70 brannte das Schloß völlig nieder, wurde nur notdürstig hergestellt und 1-sil-l abermals durch die Hussiten zerstört. 200 Jahre später wurde es durch Maximilian von Thun gründlid) aufgebaut. Die. Bücherei zahlt 21 000 Bände. Man hofft, daß bei Uebcrnahme in sraotlidien Besitz das Schloß und der herrliche Park der All- gemeinhcit zugänglich gemacht werden. Oer Vertrauensmann der»Volksfürsorge�. Das Wort Versicherungsagent hat leider auch heut« noch einen zum Tcil� üblen Beigeschmack. Bei der„Volksfürsarge" nennt man den Vermittler von Versidierungen Vertrauens» m a n n. In diesem Wort soll die besonders verantwortungsvoll« Ausgabe des Vertreters zum Ausdruck kommen. Er soll das Binde- glied zwischen Leitung der Volkssürsorge und den Versicherten, der Berater der Versicherten und der Vertrauensmann der Gesellschaft sein. Damit er dieses hohe Amt erfüllen kann, muß er über eine Menge Wissen versügen. Deshalb wird ihm die skenntniz der Versicherungswatcrie vermittelt durch Handbuch, Monatszeitung, Film, Rundschreiben und Jnstruktionsversommlungen.?n letzteren, ' die von den jeweils zuständigen Rechnungsstellen arrangiert werden, stehen alle in der Praxis ßsr Werbe- und Inkossoiötigkcit auf- taudzcndcn Fragen zur Diskussion. So wurden z. B. in den letzten Schulungsabenden der Rechnungsstelle Berlin folgende Themata behandelt:„Wissenswertes von der Lebensversicherung", „Die Abonnentenversichcrung" und„Praktisdie Wcrbcmelhodcn". Auf diese Weise wird der Wunsch des Vorstandes der Volks- fürsarge, ans jedem Mitarbeiter einen wirklichen Vertraueiismann zu modien, mehr und mehr erfüllt. O schöner Mai? Der'W i n t c r g a r t e n Hot sein Maiprogramm unter die zug> kräftige Devise: 0 schöner Mai! gestellt. Im ersten Teil gibt es nach ein richtiges Variete, zusammengehalten, wie bcabsid)tigt, durd) eine nette Rahmenhandlung. Thema: Baumblüte in Werder. Man sieht einen Rummelplatz in der Baumblüte, und hier treten die einzelnen Varietenummern auf. Im zweiten Teil gibt es leider sehr wenig Variete und sehr viel Gesang. Herrlich ist im Varietötcil der groteske Humor der E l a i r e- E ck st e i n- T r u p p e, die das gezierte gcsellsdiastlichc Getue unserer Großeltern tönzerisd) veräppelt. Die Ju netros zeigen einen blendenden Stclzenakt mit Saltos Kops aus Kopf: außerdem tanzt Elsie Iunetro einen Spitzen- tanz auf einer Trommel. Die beiden Franks könnte nton an sieben Abenden hintereinander sehe» und sid) an ihnen gesund lad>cn. B i l und B i l sind urkomische Springer und Sturzkünstler, Die T u r m r a d s a h r c r Zehn D e b l a r s, der artistische Höhepunkt des Abends, bestechen durch ihre verwegene Sidzcrheit. Der eine fährt sozusagen in Kirchturmhöhe— er könnte den Leuten des zweiten Stockwerks bequem in die Fenster sehen. Sehr hübsch audz die sprechende Puppe Edgar. Im zweiten Teil singen Luclla P a i k i n und Mario S a l c tz k i, zwei seriöse Sänger von großem Können. Die Texte und Chansons der Rahmen- Handlung sind von Charlie Roellinghoff. Er hat sich wacker gequält, ober was kann er schon madicii. wenn jede politische Anipielung soft unmöglich ist. Bleibt die Sdiwicgermutter, die allgemeine Pleite und das bißdzcm Liebe. Immerhin hat er der keifen, feschen Trude Hesterberg, ein sehr zeitgemäßes, wirkungsvolles Chanson geschrieben: Meine szerrcn, wollen Sie mal sckiießen! lim Trude und ihre schönen Beine trudeln, belustigt und belustigend. Fischcr-Köppe. Arthur Hell und der Wintergartcnchor. Das neue Rcichskursbuckz. Das von der R c i d) s p o st und der Reichsbahn gemeinsam herausgegebene Reichskursbud, mit den am 22. Mai in Kraft tretenden Sommeriahrplänen ist soeben erschienen. Das Buch gibt zuverlässig ersdiöpfende Auskunst über die Verkehrsmöglichkeiten nicht nur in Deutschland, sondern auch über die bedeutenderen Ver- bindungen der übrigen Teile Europas und die Dampfschiff- Verbindungen mit den außereuropäischen Ländern. Der Preis des Reichskursbuches ist herabgesetzt: er beträgt für die Große Aus- gab« nur nod) 6 M., die Klein« Ausgabe, die den gleichen Inholt bat mit Ausnähme der Abteilung„Fremde Länder", nur noch 4 M. Sparkasse und Stadtbonk am Pfingstsannobend geschlossen. An- Pfingstsonnabend, dem�ld. Mai 1932, bleiben sämtliche Geschäftsstellen der Berliner Stadtbonk fiir den Verkehr mit dem Publikum gcsdilofscn, Kräuterwald im Apothekerfenster „Schlank und gesund durch Heiltee'4 Die Schaufenster der Apotheken und Drogisten sind jetzt reich. haltig dekoriert mit Schachteln und Päckchen, mit Glasfchüsseldien voll Körner, Wollblümchen und getrocknetem Blattwerk aller Art. Es ist unmöglid), sich all diese nielfach lateinisch benannten pflanz- lichen Gesundheitselixiere zu merken. Nur einige davon prägen sich einem nnwilltürlid) ein, weil man immer und immer wieder auf ihren Namen stößt, der einem nicht wir aus dem Verkoufsladen, sondern in Prosa und in Poesie von den Litfaßsäulen, von den Reklameflächen der össentlichcn Vcrkehrsfahrzeuge, aus der Kino- reklame»nd nod) von allen mäglidzen Ecken und Enden ins Gehirn gehämmert wird. Der ewige Schrei der Fron nad) Schlankheit und jugendlichem Aussehen, nach rosigen Wangen und leudztenden Augen hat nicht nur der kosmetischen Industrie, sondern oud) der Allopathie allerhand neue Wege gewiesen. Als die übersdzlanke Linie der Frau zum ehernen Gebot ward, wuchs erst einmal die Körpergpinnastik zu noller Blüte empor: dann wollte man jedoch radikalere, leichtere und sd)ncller erreichbare Ersolge des Fettschwundes erzielen, es kamen die Paraffinbädor in Mode, die jedoch ihrer Kostspieligkeit halber nur einem sehr kleinen Teil der schlanksei»wollenden Weib- lidzkeit zugute kamen, außerdem auch ein kräftiges, völlig gesundes Herz erforderten: nach Marienbod oder anderen settschwunderzeu- genden Bädern zu reisen, verbat ebenfalls der magere Geldbeutel, also wa? war zu tun? Man mixte und probierte in den chemischen Perfuchslaborotorien und siehe da. es erstand eine ganze Reihe non Tees, noch deren längerem Genuß man unbedingt— so heißt es wenigstens auf der Päckdienanfchrist— schlanke, jugendliche Formen erzielen würde. (Sesundheiistee wurde ein gutes Geschäft. Allzu billig ist die Sache allerdings nicht, denn so eine Tee- Packung kostet immerhin zwischen 1,-50 M. und 2,50 M. und da es mit dem einen Paket ja nickst sein Bewenden hat, kostet die ersehnte schlanke Linie allerhand Geld. Selbstverständlich besteht j eine recht gewaltige Preisspanne zwischen Herstellung?- und Ver- kanfspreis. Hinter dem ganzen, mit bombastischer Reklame auf- gezogenen Klimbim des Erfolges steckt nichts weiter als dos bs- scheid-ene Pslänzckzen Blasentanq, dos in riesenhaften, unterirdisdicn Wäldern an der spanischen Küste wächst und dnrck) seinen starken Iodgehalt eine settzehrendc Wirkung hat. Dieser Bkdsentang bildet den Hauptbestandteil all dieser„Iugcndtees" und wer nun auf billigem Wege dies erreichen will, der kause sid) in der Drogerie für«inen oder- Zwei Groschen Tang, vermenge diesen mit etwas Pfefferminz und Klebkrout, er wird dieselbe Wirkung erzielen. Auch die veri'dstedcncn Blutreinigung-tces. deren Hochkonsunktur besonders in das Frühjahr iällt, sind weit bejdieidener Struktur, als dies noch außen hin den Anschein hat und daher auch wiederum weit billiger herzustellen. Hier ist das geschnsttene R a i n s a r n k r a u t> der Hauptbestandteil, das infolge seines Salzgehaltes eine blutreinigende Wirkung erzielt, ihm beigemengt sind ätheriiche Oele, Gerbstoff und bittere Ertraktiostosic. Dieses Kräntlein ist auch wiederum für Pfennige in der Drogerie zu hoben. Allen Neuerscheinungen zum Trotz behaupten sich nach wie vor unsere.guten., ollen, von Urväter? Zeiten her erprobten Hausmittel: K a m.il.l.e. P ie.s f c rml nz uxid Balchrian. Sie sind in den verschiedensten Spielarten die Heilmittel für Husten und Heiserkeit, sie bringen, äußerlich angewandt, die dicke Backe oder sonstige Schwellung zum Abklingen, sie regulieren den Magen und beruhigen 'unser auigeregtes Gemüt. Zur näheren Illustration diene, daß Berlin allein jährlid, einen Verbrauch von etwa 100 000 Kilo Kamille, ebensoviel Psesscrmmz und Brusttee Hot. Wälder von Tang auf dem Meeresgrund. Dos Iugendelixier Blasentang ist. wie berestz oben erwähnt, eine Meerespflanze, die an der spanischen Küste in riesengroßen, unterirdischen Wäldern gedeiht. Der beste Knoblauch kommt aus dem Balkan und aus Italien, der allseits beliebt« und auch wirklich heilkräftige Mattec wird aus den Blättern großer, kräftiger Bäume in den Wäldern Australiens gewonnen. Der Beeren- traubenblättertce, für Blasenerkrankimgen verwandt, kommt aus Spanien und Rußland. Das herzstärkende D i g i- t a l i s wird aus der giftigen Fingerhutpslanzc gewonnen, die hier und in Rußland angebaut wird. Da gedeiht noch in Samoa die Kolanuß, die nerven- beruhigende Wirkung ausstrahlen soll, der Bockshornsamen lindert die dicke Backe, Klebkraut kennen wir unter dem Namen Salbei. Neuerdings soll in Krankenanstalten vielfach eine in Ungarn wachsende Fruckst(Secal cornuto) als geburtserleichterndes Mittel zur Verwendung gelangen. Der Stechapfel wird zu Asthma- Zigaretten verarbeitet, indem seine Blätter, in Tabatform geschnitten, mit Salpetersäure getränkt, in Zigarettcnpapier gefüllt werden. Diese Dämpfe erleichtern die Atnrungstätigkest des Kranken und geben ihm gleichzeitig die Illusion des Rauchens: die Asthma- zigarettenerzcugung ist beispielsweise hier in Berlin ein ganz» rentabler Industriezweig geworden. Bei den pfefferminzbaucrn. In der Gegend von Erfurt, dann bei Weißensels und Taucha ist die Heimat von Fenchel, Baldrian und P s e f f e r m i n z, Tausende von Morgen werden hier mit diesen Kräutern bepflanzt, die Feldern werden richtig abgemäht, die Frucht wie Getreide ge- droschen, dann getrocknet, geschnitten und pulverisiert. Vor dem Kriege gab es unter den P f c f f e r m i n z b a u c r n eine ganze Reihe von wohlhabenden Leuten, so gut ernährte dos Anbauen dieser Pflanze seinen Mann; das ist heute durd) die aus- ländische Konkurrenz anders geworden. Die thüringische Pfeffer- minz, früher Weltberühmtheit, wurde später in England veredelt und verdrängte durch ihren stärkeren Mcntholgchalt die deutsd?« Pslonzc. Heute kauft man vielfach Stecklinge aus England und baut sie hier an. Wie die Einwohner Südamerikas die großen Wälder mit Ouillajabäumen ihrer Baumrinde entblößen, die Brasilianer die Matteeblütter pflücken, die Syrier dem Oelbaum, die Afrikaner der Myrrhe dos Boummark entziehen, so haben die Bauern in Sachsen und Thüringen ihre Baldrian- und Fenckielfelder zu bestellen. I�iesenspeicher für iropische Kräuter« Alles was von drüben kommt, landet per Schiff im H a m- burger Hafen. Hier befinden sid) R i e s e n s p e i ch e r, welche die in Kisten und Bollen anlangende Ware oufnnehmen, in den Schneidewerken zurechtmackien und an die verschiedenen Zlbnehmer — chemische Fabriken und Grossisten— weiterleiten. Im Hamburg gibt es auch die sogenannte Drogcnbörse, denn die Pflanzen sind spekulative Artikel, deren Wert nid)t nur von Angebot und Nachfrage, sondern auch in der Hauptsache von klimatischen Ein- slüssen abhängig ist. Sa treibt beispiclsmeise eine Grippc-Epidemie die Preise sofort hoch, ebenfalls eine durd» Witterungsverhöltnifse hervorgerufene Mißernte: während beispielsweise Wallblumen, der Hauptbestandteil des Brusttee, ursprünglich mit 5 M. notierten, sprang diese Ziffer in einer Wockie aus 15 M., aus der anderen Seite ist der Großhandelspreis van 1000 M. für 100 Kilo Pfeffer- minz heute auf 250 M. gesunken. Liest man in Nachschlagewerken nach, so erfährt man, daß die Allopathie, die Wissenschast von der Heilwirkung der Pflanzen, bis ins 4. Jahrhundert v. Ehr. zurückreicht, wo der Athener Arzt D i o k l e s von Karystos die erste sdzristliche Darlegung, das erste eiiropaischc Kräuterbuch, verfaßt hat. Man liest von alten Sitten und Sagen, so von der Kräuterweih zu Fronleichnam und zur Zeit der Frnuendreißiger, wo man dem Weihen der Kräuter am.Kirchenaltar eine besondere Heilkraft, Sdyitz vor Feuer und Gewitter zusdirieb: die bekannte Alraunsage vom menschenähnlichen Wurzelstock lMandrsxora. officinalis) weiß von Krankenheilimg und Geburtserleichternng, von Sdyitz vor Viehbehexen und von Geldverdopplung zu beriditen. Die Araber benutzten das Alraun- männchen als Liebestrank: ober sckzon damals gab es Fälscher, die den wilden Alraun oder Allermannsharnisch, eine eigens zurecht- geschnitteizp Zaunrübe, unterschoben. Wir sind Heu!« rnichtemer geworden: aber so ein bißchen guter Glaube an die Heilkraft der Pflanze gehört sckion vielfach zum Erfolg dazu; das behaupten viele, nicht zuletzt die Apotheker. Wo leben die Menschen am längsten? Infolge' der außerordentlichen Fortschritte, die Medizin und Hygiene in den letzten Iahrzehitten erreidst haben, nimmt das durch- schnittliche(sog.„mittlere") Lebensalter der Menschen in den meisten Landern der Erde immer mehr zu. Während nod) zur Zeit der Reidisgründung in Deutschland die durchschnittliche Lebensdauer für Männer 35,38 Jahre, für Frauen 38,45 Jähre betrug, stieg sie bis zu den Jahren 1924/26 auf 55,96 bzw. 58,82 Jbhre! Nach einer italienischen Statistik' sind die Lebensaussichten in Europa am besten in Norwegen und.Schweden, am schlechtesten dagegen ist.Spanien und Oesterreich. Die ollerlängste mittlere Lebensdauer besitzt überraschenderweise zur Zeit Neuseeland mit 63(mann- lich) und 65(werblich) Jahren. And) in Australien ist sie nur um 2 bis 3 Jahre niedriger. In Indien hingsgen sind die Lebens- erwortungeu am allergeringsten aus der Erde. Deutßcke'roij ritten in Kopenhagen können 8 Stck. belegte Buttesbrote für 25 0re(3 0re per Stck.) an den Butterbrots-(Smörrebröds-) Wagen kaufen. Die Wagen stehen am Rathausplatz Königsneumarkt, Norreport, Panoptiken usw., überall bis 12 Uhr nachts. Kobenhavns Smorre- bredsfabrik, V. Farimagsgade 11. Telephon 10259—60. Bei Ablieferung dieser Annonce 5 0re Rabatt für 10 Personen kostet Sie nur 3-5 Mark. Wir empfehlen folgende Weine: 1930er Ensheimer........ 0.55 1931er Langsurer Herrenberg 0.60 1928er Koiserstühler...... 0.65 1930er Mesenicher Berg.... 0.70 1930er Laubenheimer Berg.. 0.80 1930er Nitteler Leiterchen.. 0.98 Fruchtsekt„Hermeyeo7'..... 0.90 Hausmarke-Sekt„Ratskeller". 1.90 •xkl. 51. o. Gl.«xkl. St. o. GL Erprobte Bowlen-Rezepte erhalten Sie in 6oo Meyer-Filialen Preußens Staatsbäder. Der Staat stellte sie in den Dienst der Allgemeinheit. Die dem preußischen Landwirtschaftsministe- rium unterstehende Verwaltung der acht im Stoatzhesiß besind» lichsn preußischen Bäder gab Pressevertretern einen lieber • blick über das abgelaufene Jahr. Man sah unter den Gästen unter anderem Reichsrnmister o. D. Dr. Krahne, den Senior der deutschen Bäderwissenschafter Ministerialdirektor a. D. Professor Dr. Dietrich und die Bäderwissenschastler Professoren Weihbein und Hirsch. Nach Degrüßungsworte* durch Ministerialdirektor Roeingh von der preußischen Domänenverwaltung, der die Bader unmittelbar unterstehen, sprach der Baderdezernent Ministerial- und Landes- kulturrat Dr. Kasper. Dem preußischen Staat gehören acht Bader: Cm», Schmal- bach, Schlangenbad, Bertrich, Wildungen, Nenn- darf, Nehburg und Norderney. Im letzten Jahr war auch die staatliche Badeoerwoltung zu äußerster Sparsamkeit gezwungen, aber sie konnte schließlich nicht umhin, Neu-, Crweiterungs- und Ausbauten, die etwa schon in den Jahren 1928 und 1929 in Angriff genommen waren, nun endlich zu vollenden. So mutzte in Wildungen die absolut unzulängliche Trink- und Wandelhalle ncugsbaut werden. Schlau genbad erhielt«in auf einem Berg gelegenes Freiluftwarmwasserschwimmbad. gespeist aus den natur- lichen Warmquellen. Der preußische Staat hat in ollen verflossenen Iahren den größten Wert darauf gelegt, diesen Bädern nicht nur den Charakter von Heilbädern zu geben, sondern sie auch in weitgehendem Maß« der Allgemeinheit nutzbar.zu machen. Vielen Tausenden von Sozialversichcrten, Kriegsbeschädigten und Kriegskranken ist die Wohltot dieser Herr- lichen wirkungsvollen Bäder zugute gekommen. Trotzdem ist es gelungen, die Wirtschaftlichkeit der Bäder.zu sichern. Im Jahre 1929 konnten sie 1 Million Mark, 1930 noch 600 000 M. Uebarschüsse an die Staatskasse abliefern. Landesversicherungen, Kronkenkassen-, Mittelstands« und Wohlfahrtsverbände hoben fast überall eigene Heime zur Unterbringung ihrer Kranken, d-e auf d'«s« Weise selbst in als teuer bekannten Bädern die Heilquellen benutzen können. Außerdem find Kurtaxen und Kurmittelpreise so stark ge- senkt, daß sie trotz der zahlreichen baulichen Erneuerungen in den Badeorten die Borkriegspreise erreicht haben. Billige Pauscholkuren, ebenso eine Senkung der Hotelpreise, erlauben heute auch den Wenigerbemittelten, die Bäder zu besuchen. Die Segnungen der Kur sind so den weitesten Beoolkerungskreisen zugänglich ge-inacht worden. Weiterhin aber legt der preuhsiche Staat den größten Wert darauf, daß die gesamte Bäderpraxis auch der Bader- Wissenschaft(Balneologie) zugute kommt: beide arbeiten immer stärker Hand in Hand, so zum Beispiel Schwalbach mit der Unioer- sität Frankfurt. Norderney mit der Universität Münster. Den Ruf der Autarkisten, Deutschs dürfen nur deutsche Bäder besuchen, lehnt der Redner ab. Gerade im Bäberwesen muß Freizügigkeit herrschen. Der internationale Austausch der Patienten und Kurgäste fördere schließlich auch das Verständnis der Völler untereinander. Wohl aber müssen die Staatsbäder und die deutschen Bader überhaupt erwarten, daß, wenn irgend möglich, die deutschen Kurreisenden die Bäder des eigenen Landes be- Vorzügen. Auch die deutschen Aerzte können dazu beitragen. Im Anschluß an den mit großem Beifall aufgenommenen, mit Licht» dildern erläuterten Bortrag hielt Professor Dr. Dietrich eine kurz« Ansprache., Voruntersuchung gegen Hauptmann cistcmann Gegen den b's- herigen Geschäftsführer des Flugverbandshause». Hauptmann a. D. Z rstemann. über dessen Lerhastung wir berichteten, ist bereit, vom Untersuchungsrichter beim Landgericht I die Voruntersuchung wegen Unterschlagung eröffnet worden. Das Büro der volkssursorge. Rttterstraß« 126, ist am Pfingst- sonnabend geschlossen. Den 70, Geburtstag feiert beut« Genosse Albert Laasch. Wilmersdorf. Genosse Laasch. der der Partei seit 1891 angehört, ist m der 70. Abteilung organisiert. Trotz seines hohen Alters hat er dem einmütigen Wunsche der Abteilung folgend) erst jetzt wieder die Funktion als 1. Kassierer übernommen, die er mit peinlicher Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt versieht. Iport. Karlbhorster Heeres-Zagdreune«. ________ 3. Cs» rinzesstn, Ssparseiie. Husareu-Jegdrenoe«: 1. Ceri(Bes.): 2. Amata; 8. Gnnpel. Tola: 14:10. Plajn 12, 21:10, Ferner lief: Die Räch«(g«s.'>. Mareellue.Hijrkenreitnev: 1. Marianus: Heuser): 2. RansicS; ram. Trttv 20:10. Blech: 14, ZI. 30:10. Ferner liefen:""' Priwlusa, Teutobod. Karlshorster HeereS-Iagdren»«»: 1. Lobland(Lt. Brieger): Z. Kennal: 3. Hetman. Tnto: 140:10. Platz: 89, 62:10. Ferner liefen: Meute, Dorn 2. Paffy-Hürde nrenneu: 1. Marizs(W. Murvv»); L. Donatello; 3. Araber. Toto: 46:10. Platz: 16, IS, 19:10. fiefttet liefen: Mannedtreue, Casior, Liberawr, Heidekönigin(gef.), Et. Rovert, FranceSro. Spala(gef.), Lanidn. gelsen-Iagdrenoeu-. I. Drumpsköniq(M. Hartwichl:?. Starosie: 3 Laren,. Toto: 41:10. Platz: 13, 17:10. Ferner liefen: Rechber-i, Rent- rneiiter(ges.l. Raiglockcheu-FIachreuve«: 1. Nultira(®. Streit); 2. Gakhenn«: 3. Margot. Tot«: 52:10. Platz: IS, 17, L3:10. Ferner liefen: Eiland, Kaiser- tag, Morgenrot, Flavia, Morgenwind. Kbulg-Lear-Jagdrennen: I. Letzter Versuch(Ahr):?. Doamatiker: Z. Unfug. Toto: 114:10. Platz: 31, 3b, 25:10. Ferner liefen: Fidus, Roxana, Äili, Sternkunde, Soldat, Heinfried. Toppelweite: Lohland— Mariza 667:10. einienOungeti fflt Stete Rubrik sind Berlin SB 88. Lindenstratz« 3. parieinachrichien j�Mfür Groß-Berlin stet»»n da» Sezt-kifekretartai 2. Hak, i Treppen recht», zu richten Krech. Da» Re>ch»bann»r Echwar.-Rot.Gold, Ortsvercin Friedrichshain, bar am 1. Ptingnteicriaa in der..All sirilh. und Nachmittag-konzert. konzert um lZ Iten Saucme", Alt-Etralau 26, grotzes �_ lbkonzert um 5H Uhr. Nachmittag». Hr. Eintritt Zg Pf. Kasfeekochen. Um rege Beteiligung de« Parieimitalieder wird gebeten. und 8. nreiz. juristische Sprechstunde findet am Pfingfisonnadend, dem lt. Mai. nicht staii. 52. Abt. Sonnabend, lt. Mai. 16 Uhr. glugblattverbreitung im Laubengelände. Treffpunkt bei Bolter, 3aiserin.Auguftä.A0ea 52. Tie Genolsen trerden aufgefordert, Fahnen und Transparente von der Wahl zurückzugeben. 15. Abt. Tie Versammlung am Sonnabend fallt au?. Naher?»' folgt. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Grosi-Lerlin. >ch gu. Tresipunkt zur Nestfalkenfahrt Sonnabend, Verichtobogeri stehen noch immer von einigen Kreisen au». Mr Berg. Treffpunkt zur Nestf ..__________ ot Adler 8'6 Uhr Talienecke. 9li walder Platz. bitten um fchnellfte Erledtgüng. Der neue Heiser ist da. Prenzlauer Berg. Treffpunkt zur Nestfalkenfahrt 14. Mai. Viktor Adler 8'b Uhr Falkenecke. Nordosten Slb Uhr Arn? jfe..;. Neukölln. Di- Nestfalken treffen sich zur Uederfee nom 14. Bis 18. Mas: Sonnabend, 11. . i nach dem at,?>- Uhr, am Nathau» Neukölln. Kosten?,5v M. und ffalirgeld. tür U-Bahn.— Di- Teil nebmer. am Pfingstloger(Keidesee) treffen stch morgen. Sonnabend. Ist Uhr, Bahnhof Neukölln. tSriefelang) 1314 Uhr Bahnhof Neukölln. Abi. Licht. kämpter. Die pungfakken müssen zum heutigen Heimabend den Fahrtenbeitrag mitbringen. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation Zl. Abt. Unser Kenost« Edmund Trebert, Marstr. 18. ist oerstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Sonnabend, 14. Mai, lg Uhr. Krematorium GerichtstraKe. �WSozialifitscheArbetterjugendGroß'Verlin Einiendungen für diese Rubrik nur an da, guzendfekretaiiai Berlin SW 68. Lindeiisttatz» 2, vorn 1 Stepp« recht». Heute. Freilag. 13. ZNai. IZiz Uhr: ____ j; Elifabethkirchstr. 10. Darum Freikörperkultur?— Ecwktk. fchastohauz: Köpenicker Str. 92. Freie Körperkultur.— Köllnischrr Park: Watse.nstr. 18. Lichtbiiderabenb.— Rosenihalcr Barstadt: Tieckstr. 18, Hof II. soziale» Wandern.— Aentruw: Waifenstr. 18. lst-Minuten-Neferate.— Hansa: Bochum-r Str. 88. Polttisch-r Schulungsabend.— Waabit l: Waldensernr. 20. National oder Lnterno'ional?— Moabit II: Lohtter Str. 18— lg. Die Klassiker arger Str.. � W>�W�WW�W�MW»W�W Platz I: Lchänlanker Str. 11. Kurzreferate.— Falfplatz It Schwimmen. 26 Uhr Rot« Ecke.— Faltplotz II: Sonnenburger Str. 20. Freikärpertultur.— Hol«. holz plag: Schule.Kastamenalle- 62 Berliner Humor.— Äohenlchaahanlcn: Fretenwalder Str. Di» diskutiere tch mit einem polittichen tbegner? Nordosten I: Danziaer Str. 62.. V. 3. Einführung m den Sozialismu«. 2. Teil. — Beiheniee. Vistoriusstraße. Märkische Jugendherbergen(Lichtbilder).— Andreasplag l: Brommpftr. 1. Wir und die??.— Baltenplatz'. Tilstt-.r Str. 5. Soztaliltifche und bürgerliche Kultur— Zraaklurter Bieriel: Frankfurter Allee 307. Kirche und Freidenker.— Warschauer Viertel: Litauer Stt 13. Der sozialistische Mensch.— Barsckauer Diertel lR..F.l: Litauer Str. 18. Staat und Kirche.— Luisenstadt: Waflertorstr. 4. Eefchichie der SPD.— Neichen berger Viertel: Netchenberger Str. 66. Arbeit»aeme>nichaft.— zrirdknau: Ds-enbacher Siratze Z«. Liederabend.— Kchöneberg Ilt Hauptstr. 15 Darum arbeit?lo?l— Schöneberg lR.F.l: Hauntstr. 15. Leseabend.— k dar sotten dura: Rolinenstr 4. 'Berufsschulwesen.— Spandau: Lindenufer l. Brettspiele und.Fahrtbesprechuna. — Siemensstadt: Krüger, Gaebelstr. 33, Warum hin ich in der SAll.?— Lars- witz: Schulstr. Ist— Ist. Die deutsche Arbeiterbewegung im ist.?ahibundert.— Lichterfeld«: Albrechisir. 14-. Tagespolttik.— Rariendnrf: Dorfftr. 7. Da» bringt die Zeitung?— Britz: Schule Parchime? Allee(Ist llbr). B-i schönem Detter Spielen-n der Königsheide.— Neukölln It Sander- Ecke Hobrechtstratze. Da» Kommuniftt!ck,e Manifest.— Neukölln Ilt Steinmetzstr. 24. Der Mensch. Eonnenallee.— Neukölln Vn« KD?. Vorbereitung zur Psingstfahrt.— Neu- kölln I?: Schute Mariendorfer Weg, 2. Stock, Zemmer 36—38.'Sexuelle Frag-N. 2. Teil.— Aentöll» S; Bergftr. 29. Sugendoraanifat tonen.— Neukölln Sit Flughafenftr. 68. Fahrtenbeforechung.— Bautufchutenmeg: Ernstftr. 16. Ar- deetslofenveisicheruna und Arbeittbofchaffunz.— Johann, sthol: Nathan». Po. litifch« Fragen.—'Schöneweide II: Schule Berliner Str. 8! Heimabend.— Trepio«: Elfenftr. 3 Arbeit»beschaf'ung»programw.— Batznedars: Wachtel. stratze 1. Kamnflieberabend.— FaUenbera: Autzenfpiel«.— Köpenick l: Grünauer Srrasie 5. Heimabend.— Köpenick Ii! DahIMitz-r. Str. Id. Fteikörperkultnr.— Freedrichafeld«! Lichtenberg GUNterftr. 44. Der l. Mai und seine E-schud:-.. Karladarst: Tre-komallee 44. Barum bin ich in der GAS?— Kaulodorf' Adolfftr. 25. Liederabend.— Lichtenberz-Mrtte: Sportplatz Normannenfkratze Sniel und Sport.— Aeu.Lichtenber.g! Gunterftr. 44 Da? hoben uns d'tz Wahlen gebracht?— kichtenberg-Raxlnpesit Dosteftr. 22. Fretkorperkultur.— Mahlsdarf! Brettsmeie.— Hermsdori: Rooniiraße. S:c Nadel haben da»' Wort.— Stetalckendarl-Vft: einbauet Str. l. Wtr lesen unseren..Fuhrer'.— Wittenau: Hauptstr. 13. Da» Sozialistengesetz.— Rtcderfchönhaulen. Linden. straße 47. Ergebnisse der Preußentpahlen.— Zleukillu 3'Mt Nut),. Schul- Ar. beitsqemeinichait Werbe bezirk Pankow: Die geplante P-ranstaltung fallt aus'. Morgen, Sonnabend. 14. Mai, Trcffpunkle für Aasirlen: Hvmbold�haiy: lifjr, Babnhzf Gesundbrunnen.— Ä?si«plstz: 30 Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Nabftratze. HuVonvplotz: 18� Ut,r. Bahnhos Prenzlai�er Allee, i-- Südwesten: Äroeitslose 10 Uhr Htettiner Bahnhos. sonst 30Vi Uhr ebtrtbort.— Steglitz I: 30 Uhr Bathau?.~ Pankow 17� Uhr Bahnhof Norbbobn.— Reutölln IV: 18 Uhr Bahnhof Reukölln.— Helmholtzplatz: 20 Uhr Bahnhof Schönhauser Ällee. Singana Grei�enhagener Straße-— Dedbing(N-.F.): Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schworz-Rol-Gold". Selchaftz» stelle: Berlin S. 14. Sebaltianstr. 37—33, Hoi« Tr. Lichieieberq(Sitsnerein). Kamerad August Duift ist verstorben. Einijlcheeung Freitag, 18. Ra>. 12 llbr, Krematorium Baumschulen- weg(nicht Gerichtftraße). Sämtliche dienstfreien Kameraden, Fahnen und Ta». bonrkorv» zur Stell».— Kameradschait Sustap Tempel. Tie Eißuna am 13. Rai fällt au?. Arbeiler-Samariter-Vund t. v., Kolonne Berlin. Geschäftsstelle: Nv. 43, Sofigstr. 4. Lelepho«: t 3 Köoigstadt 5440. ireitag, 13. Mai. Wilmersdorf: Lokal Mefeck, Gasteiner Str. 28.— Lichtenberg: Lokal Seipke. Krynpr'nzenstt. 47.— Donnerstag. IS. Mai. Reinickendorf: Lokal Matter, Eichbornftr. 94.— Freitag, 20. Mal. Adler»hof: Sanitätsbaracke Friedländerltraße.— Schöneweide: Sanitätsbaracke Friedländersiratze.— Montag, 23. Mai. Bohnsdorf: Lokal Heimattn, Walters- dorfer Str. 100.— Sugendabteiluna: Sefchäftsstelle.— Dienstag, 24. Mat. Hermsdorf: Schule Freiherr.p.-Stein.Straße. Freireligiös« Gemeiade. Sonntag, 11 Uhr, Poppelallee 15, Vortrag des Herrn Prof. Dr. A. Rofenberg: Evolution und Revolution. Eäste willkommen. Typographische» Orchester. Dkrfgent Ersch«uizeik. Uebunzsstunden f»eL Freitag von 20' j bis 22>6 Uhr. im Idealkasino. Neukölln, Deichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. Sozialistische Studentenschaft. Psingstfahrt»um Werbellinfee— Sichhorfs. Trefsvunkt Sonnabend, II. Mai. 13t� llbr. Stettiner Fernbahnbof«Borraum, Proviant für 2 Tag-, Decke. Schlaffalk. Fahrgeld 8,20. Leitung: Genosse Kühn. — Vochenendkursus: 4. und 5� Juni in der Jugendherberge Rüdersdmf. lln- Meldung schnellstens beim Genossen Ernst Braun. Polizeisportverei« Ilebunasabende an all, im Polizeifchulgebäude,__________________.W.... fanger., Fortbildung?- und Redeschriftkurse. Auch für Zivile. singlisd Lonre-zstionol illlud iyunüeä 1878. dlsetings svary Friäay 8 p. in, Cat« König, Leipriger Stra8e 117.118. 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Die müde Südwestkuft wird noch weitere Gebiete Deutschland« in ihren Ve. reich einbeziehen. Eine nennenswerte Aendervng der Großwetker- lag« ist zunächst nicht zu erwarten 6- IVrtlcraubiichten für Zerltn. Letiw'if« Aufhttierung mit wenec ansteigenden Toze?t«mperatur»n. keine nennen»merten Riederfchiage. südwestsiche Wind.— Für Deutschland. Im Nordosten meffr reg, n»risch, sonst wolkig M« Hefter mft Erwärmung. Ein große« Frühkonzert findet am Pfingstsonniag. morgens um 6 Mir, in der„Neuen Welt" in der Halenheide statt, dem von 8 bis 10 Uhr«in Parieteteil folgt.— Nachmittag» 4 Uhr beginnt(wie an allen Sommertagen bis zum 15. August) das Unterhaltunaslimzert. Um' 8 Uhr eröffnet dos Opern- und Operetten ense mbla der„Neuen Well" mit der Aufführung des„Zigeuner» baron" seine Vorstellungen, in den Hauptrollen: Mary Fuchs, Maria Malten, Inge von der Straoten, Hans Horsten, Erich Prager, Paul Rehkops. Theo Stolzenberg. Jetzt wieder Kossee-Hag Gntfchcin»! Den bekannten Haz.Pgckch'n Iiea-n fetzt w'-der Sutsch-in« bei, für dl« e, Kaffee.Haz.Porzellan(darunter«in» tatsächlich nichttropfend« Kann»!), Kafie», Wappenmarken, Sammclalhen oder Bargeld gibt. Der eoffeinfrei« und daher völlig unschädlich« Kaffee Hag ist heut« nicht teurer als addeeer guter Bohnenkaffee. Seil, 1930 ist Kaffee Hag 31 Pro», billiger! Die LualitSt ist unverändert: dt« beste. «et ss u-t« SUNLICHT SEIFE... DOPPELSTÜCK JETZT 27 PP. BLOCKSTÜCK JETZT 23 PF. 10 PPQ PACKUNG KARSTADT'5 WEINE SPIRITUOSEN WURSTWAREN DELIKATESSEN Apfelwein...io iir. im Ur. 0.30 8hein-e.Mes»lw.10 Ur. 5J0 Ur. 0.60 Niersteiner..10 Ur. tu Ur. 0.90 rarrag.e.W«rinuth.lOL.9�0UT. 1.00 Sanao» ock.Musk. 101. 10,60 Ur. 1.10 Malago...... 10 Ur. 10�1 Ur. 1.10 3ler Mesenicher....m. Ft. 0.53 30or Kestener Herranbg. rn. Fl. 0.75 29er Boekenheimer m. Fl. 0.95 Kornähre....««. I Ur. m. Fl. 3.20 Weinbrand-Speiial m. Fl. 4.40 Obsfsdiaamw. z. Bowle FI, 1.25 1.00 Himbersoft od.Kirsd», ge. 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Heringssalat Pfd. 0.60 Mayonnaiseo Remoulade„ 0,63 Senfgurken>(, ps 0.63 OBST UND GEMÜSE BiuNOrangen....... 3 Pfd 0.66 Zitronen........... an Dtz. 0.36 Tafel-Äpfel.......... 3 Pfd. 0.88 Blumenkohl........ Kopf an 0.25 Gurken............. an Sktz. 0 30 Kopfsalat....... an 3 Kopf 0.25 Rhabarber.......... 4 Pfd. 0.18 i rischer Spargel cn Pfd. 0.28 8» st«llung«n über 5 Mark unter F 6 Eaarwald 0012 worden prompt •riedigt Mongen- obgabo vorbo holten In den Dachhallen spielen aio Kapellen 5hm Söiadi- moistor Joon Llossos KONFITÜREN FETTE UND KÄSE KONSERVEN Maiblätter-Bonbon..Pfd. 0.50 Rohschmalr............ pfd. 0.33 Junger Kohlrabi d«. 0.36 Saure Drops.......... Pfd. 0,90 Margqr., Cocostett 3 Pfd. 0.95 Spinat................ st, ds. 0.42 Fröhlingsbonbon..... Pfd. 0.50 Tafelbutter............ Pfd. 1.34 Jg. Erbsen m.Kar.tstDv 0.72, 0.66 Erfrischungswaffeln., Pfd- 0.73 Markenbutter......... Pfd. 1.40 Erbsen..,. v, 05.0.95,0.74,0.63 Füllhippen rn. Schok. pfd. 1.00 Harzer-Käse ca. 1 Pfd.-Pok. 0,28 Brechspargel e. K____>,, v-. MO AI be rf, ß u ff« r, Hai bm.. Kek» Po k. 0.20 Brieköse, volifett....... Ptd. 0.S8 Gemüse....1.25. 0.95, 0.66 0.68 Burgm.«Sdiofcol Housm n OH I'LS'te/?' Rd: 20<'"...... Pfd' Apfelmus tafelfertig..st. Ds. 0.46 „Hochfein-' 100 gr Tcfel U-äö Dbn. Schweizer Z0«!«..Pfd. 0.53 Pflaumen nr Stein..t/, Ds 0.60 Holländer 40%voiifeft Pfd. 0.80 Pflaumen o. Stein ps. 0.68 Steinbuscher, voiifoff..Ffd. 0.88 Stachelbeeren...... st-Ds. 0.75 u � Camembert, volifett 2 Sdtf. 0,85 Reineclauden........ t/.Ds. 0.98 Hartweizengneß..... Pfd 0.28 Emmenth.o R.6iig.Sehocht. 0.64 Kirschen dunkel m.steinistD«. 0.90 W.en.Aüsz-Mehl 5 Pfd.'Btl. 1.31 Schweirertzayr.vollf an ffd. 0.95 Ung.Goulasch ra 1 Pfd.-De. 0.75 Sultaninen......... an Ltd. 0.33 btzolk.-Busfsr........... ptd. J.26 Hausmanns-Kost 2 Pfd Ds 0.68 VoniMe-u Mandelpudding Pfd. 0.33 Russische Eier..an 10 Stüde 0.64 Würstchen 5 Paar 250 qr. Di. 0.63 MlSCnCDSl,.,...... e.cn Pfd. P«.ff,,,,, 11� UMIIM I— in— I I mal■ihuti in_ Tafelöl.............. an litor 0.68 Wolgahühner...... an Pfd. 0.5S Rehkeule............ an Pfd. 1.10 Kaffee......... Pfd. llM, e.«o 100 Suppenhühner..... an Pfd. 0,68 Wildschweinkeule an Pfd. 0,95 Bruchreis.............. Pfd. 0.12 Jungs Puten....... an Pfd. 0.28 Russ, Gänse..... an Pfd. 0.44 KPLONIALWAREN U- BAH N HÖF H E R W A N N P L•:|>;R K A R%. T A D T» B A H N H O F Nr. 222. 49. Jahrgang 2. �00 ��OrtDdrf� Freiiag. 13. Mai 1932 Hibernia und Mecklinghausen. Die staatlichen BergSaubeipiebe haben weniger abgebaut. Der preußische Staat, der seit Jahrzehnten Steinkohlenbergbau betreibt. Hot seine westsälischcn Bergwerke in der Bcrgwcrksgescll- schaft H i b c r n i a und der � Bergwerksgesellschaft R e ck l i n g hausen vereinigt. Hibernia und Recklinghauscn legen jetzt ihren Abschluß sur dos Jahr 1Ä31 vor. Beide Unternehmen sehen von einer Dividendcnverteilung ab. Beim Hibernio-Konzern ist, wie im -Vorjahr, ein Verlust zu verzeichnen. Leide Gesellschasken haben sich als krisenfest erwiesen. lim dos zu erkennen, muß man sich die Lage im rheinisch-west- salischen Steinkohlenbergbau einmal klar machen. Die Geschäfts- berichte der Hibernia und der ReFlinghousen weisen daraus hin, daß man im Jahre 1932 mit der halben Absatzmenge des Jahres 1929 rechnen müsse. Demnach würde das Ruhrgebiet im Jahre 1932 etwa 69 Millionen bis 62 Millionen Tonnen Kohle absetzen. Das ist ein Tiesstand, den das Ruhrrevier seit 30 Jahren nicht erlebt hat. Die Hibernia weist ein Absinken der Erlöse je Tdnne Nutz- sörderung für das Jahr 1931 im Ausmaß von 11,96 Proz.' nach. Die Selbstkosten wurden um 8,31 Proz. vermindert. Diese Kosten- senkung ist auch hier hauptsächlich durch Lohnsenkungen er- reicht worden. Die Materialien haben sich, wie der Hibernia-Bericht bemerkt und was sicherlich ausfällt, nur wenig verbilligt. Man sah sich gezwungen, eine ungewöhnlich große Anzahl von Feier- schichten einzulegen. Recklinghausen gibt die Zahl der Feier- schichten je Schachtanlage für 1931 mit 67 an, Hibernia mit 50. Hibernia mußte seine Belegschaft im Jahre 1931 um. 2627 Arbeiter gleich 20,71 Proz., vermindern. Bei Recklinghausen stellt sich der Belegschaftsabbau auf 2920 Arbeiter gleich 21,07 Proz. der Beleg- schaft. Das find sehr ernste Zahlen, die einen Begriff von der Desorganisation des rheinisch-westfölischen Bergbaus' geben. Trotzdem haben die Bergbaugesellschaften des preußischen Staates den Abbau in dem Ausmaß, wie er bei den privaten Zechen Freiheit, die ich meine! Abraham Frowein erzählt Legenden als Privatmann, nicht als Reichsverbandspräsident. Nach einer Ehrung für den 60jährigen Präsidenten Alexander Flinsch nahm der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller auf seinem letzten Vortragsabend ein Referat über„Autarkie oder o f f e ii« r M a r k t" von Abraham Frowein entgegen. Frowein ist nicht dieser oder jener— er sitzt im Präsidium des Reichs- verbände- der Deutschen Industrie und ist Präsident der Jnternatio- nalen Handelskammer. Und so ist sein Vortrag, auch wenn er ihn ausdrücklich„als Privatmann" hielt, keineswegs eine private An- gelegenheit. Mit seinem Thema beschäftigte sich Frowein nur am Rande; es sei ein Teilproblem der Hauptfrage, ob das individualistische Wirtschaftssystem(das Wort„kapitalistisch" ist Herrn Frowein un- sympathisch) noch aufrechterhalten werden könne. Der Redner be- johte diese Frage; man müsse nur das internationale Vertrauen wiederherstellen und durch Beseitigung aller Kriegsschulden und durch Wrüstung den internationalen Austausch von Menschen, Gütern und Krediten wieder ermöglichen. Als der Redner auf innerdeutsche Wirtschaftsfragen zu sprechen kam, was für Unternehmerinteressen zd vertreten wären, begab er sich auf oulgär-ökonomische Pfade. Zunächst glaubte er, daran er- innern zu müssen, daß die Gewerkschaften selbst die Rationalisierung gefordert hätten. Sehr richtig, Herr Frowein! Aber die Gewerk- schaften haben auch den Ersparungen entsprechende Preissenkungen, weiter aber nichts von dem gefordert, was als Fehlrationalisierung zusammengefaßt wird— wir erinnern an die wüste Jnvestitions- Wirtschaft in der Zementindustrie: an den Bau von Kunstseide» fabriken, die nicht in Betrieb gesetzt wurden; an die Schachtbauten im Ruhrrevier aus dem Gesichtspunkt des Ouotenhandels usw. Gegen solche Mißwirtschaft der Unternehmer forderten die Gewerkschaften auch Kartell- und Kreditkontrolle. Als Anhänger der freien Wirtschast fordert Frowein Beseitigung der„staatlichen Lohnfeststellung". Die Deklamation, daß die Unter- nehmer„nicht skrupellos" die Löhne senken würden, sieht er hoffent- lich selbst als Phrase an; wenn nämlich nicht die Absicht zu neuen Lohnsenkungen bestände, wäre die Forderung der Freiheit in Lohn- fragen wohl nicht so dringlich. Auch die gestern von uns widerlegte Legende, daß die Wirtschaftskrise in der deutschen Zuspitzung von den hohen Lohnen herkomme, wurde einfach wiederholt. durchgeführt wurde, nicht mitgemacht, wie folgende Zahlen. zusammenstellung beweist. Entlassungen während des Zahres ZäZl im rheinifch-westsälischen Bergbau... 42.62 Proz. Hibernia........... 31,95 Proz. Recklinghausen......... 27,98 Proz. Absatzvermindcrung und Belegschastsabbau gehen ober sonst weiter. Beim Hibernia-Konzern wurde bis zum 3l. März 1932, trotz Einführung der Kurzarbeit. 980 Mann gekündigt. Reckling- hausen gibt die Kündigungen für denselben Termin mit 540 an. Wir müssen ganz allgemein zu einer Reor-gani- s a t i o n u-n seres Steinkohlenbergbaus kommen. Das wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Zukunft sein. Relativ gute finanzielle Ergebnisse. Bei der Hibernia stellt sich der Betriebsgewinn für 1931 auf 6,29 Millionen Mark gegenüber'5,51 Millionen Mark im Vor- jähre. Die Abschreibungen erfordern 6,42 Millionen Mark, also rund 200 000 Mark mehr als im Jahre 1930. Der Verlust- Vortrag, der bereits im Vorjahre rund 470 000 Mark ausmachte, erhöht sich mit der Ertragsrechnung für 1931 auf 608000 Mark. Recklinghauscn gibt seinen Bctriebsgewinn für 1931 mit 9,52 Millionen Mark an(im Vorjahre 11,13 Millionen Mark). Die Abschreibungen haben sich mit 6,95 Millionen gegenüber dem Vorjahre nicht verändert/ Dem Werkerhaltungsfonds sind wie im vorigen Jahre 200 000 Mark zugeführt worden. Von dem Rein'- gewinn von rund 900 000 Mark gehen 200 000 Mark in den Reserve- sonds und 699 000 Mark werden auf neue Rechnung vorgetragen. Die Liquidität hat sich bei beiden Gesell- schaften gebessert: Verpflichtungen sind zurückgegangen, die Bankguthaben erhöhtes sich. Für die Kartellpreise ist Herr Frowein kein Freund der freien Wirtschaft. Er brachte das Kunststück fertig, sie als Vereinbarungen zu bezeichnen, die eine angebrachte„Einschränkung des übertriebenen Individualismus" bedeuteten. Kein Wort darüber, wie sich dann diese„freie" Wirtschaft„selbst steuere", woher irgendeine Preis- regulicrung kommen solle, von der Frage der Kapitallenkung ganz zu schweigen. Rur eine Ware soll also der freien Konkurrenz unter- liegen— die Arbeit; bei mehreren Millionen Arbeitslosen freilich eine Vorstellung, für die sich die Unternehmer begeistern können! Reue Oiskonisenkung in London. Die Dank von England hak ihren Diskoulsah henke um% Proz. von 3 aus 254 Proz. herabgesetzt. Der Sah von 3 Proz. war seit dem 21. April 1932 in Kraft. Damit ist dm 5. englische Diskont- ermäßigung seit einem Vierteljahr durchgeführt. Geld genug ist in der Welt, wann wird der politische Frieden gesichert, damit das Geld auch Anlage findet?! Erhöhte Roheisenerzeugung im April. Die arbeilstägliche Roheisenerzeugung ist im würz auf 11 193 Tonnen gegen 10 129 Tonnen im März g e st i e g e n. Man wird abwarten müssen, wie weit darin ein Zeichen einer Konjunktur- besserung zu erblicken ist. Erhöhter Export in England. Äesserung der Handelsbilanz im April. Der englische Export hat im April erstmalig seit der Pfundabwertung einen fühlbaren Aufschwung genommen. Mit einem Ausfuhrwert von 34,7 gegen 31,1 Millionen Pfund hat sich der Export im Vergleich zum Vormonat um f a st 10 Proz. g e- hoben. Dieses Ergebnis ist um so bemerkenswerter, als die Schrumpfung des Welthandels sich in den vergangenen Monaten fortgesetzt hat. Andererseits kommen jetzt bei der Einfuhr di« Zölle voll zur Auswirkung. Noch im Februar betrug der Wert der nach Eng- land eingeführten Waren 70,1 Mill. Pfund, im März sank die Einfuhr bereits auf 61,1 Mill. Pfund und hat jetzt im April mit nur 53,2 Mill. Pfund einen bisher noch nicht erreichten Tief- stand zu verzeichnen. Allerdings waren die Jmportzahlen im Februar durch starke Deckungskäufe der englischen Importeure wegen der bevorstehenden Inkraftsetzung des neue» Gencroltarifes künstlich überhöht.— Der Einfuhrüberschuß Großbritanniens er- reicht in den ersten vier Monaten dieses Jahres 120,6 Mill. Pfund oder bei dem heutigen Kursstand von 15,45 Mark je Pfund rund 1,86 Milliarden Mark. Kreuzers Konio X. phantastische Vörsenschiebungen an Kreuzers Todestag. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen bei dem Kreuzer- Konzern ist man neuen Schiebungen auf die Spur gekommen, die jeder Phantasie spotten. So ist jetzt die Stockholmer Kriminalpolizei seit mehreren Tagen damit beschäftigt, den Hintergründen großer 2l k t i e» o e r k ä ii f e an der Stockholmer Börse nachzugehen, die an dem Tage von Kreuzers Selbstmord durchgeführt wurden. Es soll sich um etwa 12 000 Börsenabschlüssc(!) an diesem einen Tag handeln. Parallel mit diesen Untersuchungen in Stockholm laufen Nach- forschungen des New-Porker Börsenoorstandes, da an der dortigen Fondsbörse gleichfalls am Tage von Kreuzers Freitod der ungeheure Posten von 165 000 Kreuzer- und Toll- Papieren auf den Markt geworfen wurde. Das mit Kreugcr zusammenarbeichnde Bankhaus Lee, Higginson& Eo. soll bereits acht Stunden vor der offiziellen Pariser Meldung Nachricht von dem Tode Kreuzers gehabt und dementsprechend diese Massen- Verkäufe durchgeführt haben. welcher Zusammenhang zwischen diesen beispiellosen Börsen. schiebungen und der bekannten Tatsache besteht, daß der Tod des Zündholzkönigs acht Stunden in Paris verheimlicht und z. V. der persönlich mit krcuger eng befreundete schwedische Generalkonsul erst nach dieser Zeit Zutritt zu Kreuzers Pariser Wohnung erlangen konnte, ist ncch nicht geklärt. Die von der Irving Trust Comp, in New Dork angestellten Untersuchungen haben neue Beweise für die zielbewußten Betrügereien Jvar Kreuzers zutage gefördert. So ist jetzt festgestellt worden, daß Kreuzer bei seinem großen amerikanischen Unter- nehmen, der"International Match Corporation, G e h e i m k o n t e n, X, Y, Z, unterhielt, wobei Konto X Italien bedeutete und offenbar den Niederschlag für den Millionenbetrug mit den gefälschten italienischen Staatspapieren bildete. Belgische Arbeilerbank 1631. Der Bericht der belgischen Arbeiterbonk(Banque Belge du Travail) über das abgelaufene Geschäftsjahr 1931 zeigt, daß auch diese Bank der organisierten Arbeiterschast trotz Oer schweren Wirtschaftskrise erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Was dies in der gegenwärtigen Zeit der Zusammenbrüche und des Schwindens des Vertrauens in die privatkapitalistischen Banken bedeutet,.liegt auf der Hand. Der allgemeine Umsatz hat sich im vergangenen Jahre auf 14,5 Milliarden belgische Franken belaufen, gegenüber 8.4 Milliar- den im Vorjahre, also eine Zunahme um beinahe 75 Proz. erfahren. Ebenso können wir eine gewaltige Steigerung der Einlagen von 261 Millionen im Jahr« 1930 auf 426 Millionen im Dezember 1931 feststellen. Der erzielt« Reingewinn von 6,2 Millionen ist gegenüber dem Vorjahre nur ganz geringfügig gesunken und er- möglicht die Ausschüttung einer Dividende von 8 Proz. aus das Kapital von 50 Millionen belgische Franken. Einschließlich der Reserven von 58 Millionen verfügt die belgische Arbeiterban? über ein Eigenkapital von 108 Millionen belgische Franken(1 belgischer Franken~ knapp 12 Pfennig). Die Eröffnung zahlreicher Zweigstellen in allen Teilen des Landes zeigt, daß die Arbeiterbank im Begriff ist, zu einem immer bedeutenderen Faktor im wirtschaftlichen Leben Belgiens und in der Arbeiterbewegung dieses Landes zu werden. Aprilbericht des Berliner Konsums. Im Monat April betrug der Gesamtumsatz der Konsum- genossenschaft Berlin und Umgegend 4060 000 Mark; im März waren es 4 214 000 Mark. In den März fiel das Osterfest, Feiertage bringen immer einen erhöhten Bedarf; daher der Rückgang. Die konsumgenossenschastliche Sparkasse hatte im Laufe des Monats rund 360000 Mark neue Einzahlungen: 169 Sparbücher wurden neu ausgestellt. Hierin spiegelt sich das Vertrauen der Mitglieder zu ihrer Genossenschost wider. Im April hoben sich 699 Haushaltungen der Genossenschaft neu angeschlossen; der Mitgliederbestand am End« des Monats betrug 200 568. Das Warenhaus am Oranienplatz wird künftig in- folge seiner Erweiterung den Mitgliedern ein« noch erheblich reicher« Warenauswahl bieten als bisher. Neben diesem großen Warenhaus unterhält die Genossenschost jetzt noch das SpezialHaus für Herren- bekleidung in Berlin N., Brunnenstr. 189— 190, und ein Möbelhai"; in Berlin S., Gräfestr. 21. Reuer Präsident des Rorddeutschen Lloyd. Der frühere Reichs- schatzminister Dr. Albert ist zum Vorsitzenden des Vorstandes des Norddeutschen Lloyd ernannt worden. Albert war unter Cuno von 1922 bis 1923 Reichsschatzminister und Minister für den Wieder- aufbau. Der Absah an Ruhrkohle hat sich im Monat.April saison- niähig verschlechtert. Nach den vorläufigen Ergebnissen stellte sich der Gesamtabsatz für Rechnung des Syndikats im April auf arbcits- täglich 139 000 Tonnen gegen 152 000 Tonnen im März. Auch Slam geht von der Goldwährung ab. Die Regierung von Slam beschloß, von der Goldwährung abzugehen, weil das Sinken des Reisprcises die Reisproduzenten und die Reishändler in eine sehr schwierige Stellung gegenüber solchen Märkten� gebrocht habe, wo Reis in Pfund Sterling oder in einer vom Sterlingkurs ab- hängigen Währung notiert wird. kotine: Qualität jede Tasse; Senuh jeder Tropfen; Gesundheit — das ist Kaffee Hag« Bitte kein Lippenbekenntnis! Reichswirifchastsministerium und Zollpolitik. Staatssekretär Trendelenburg, der mit der Geschäfts- führung des Reichswirtschaftsministerimns beauftragt ist, hat auf der Tagung des Deutschen Industrie- und Handclstages den Autarkie- beftrebungen und den übersteigerten protektioniftijchen Forderungen mit erfreulicher Eindeutigkeit eine klare Abjage erteilt. Er wies darauf hin, daß das deutsche, seit 1925 wieder aufgebaute Ausfuhr- gefchäft„sich als ein sehr starker Rückhalbin der Krise er- wiesen hat. Trotz der beträchtlichen Exporteinbußcn ist. die- relaiive Bechen tun g der A u s f uh r für die industrielle Güterproduktion ,6 cht unbeträchtlich gestiegen. Der Anteil an der' Ausfuhr der ge- samten Güicrnettoproduktion der Jndustriewirtschoft, der für das große Exportjahr 1929 auf 31 Proz. geschätzt worden ist, wird für das Jahr 1931 mit 38 Proz. errechnet, während gleichzeitig als Folge der Krise ein ungemein starker Rückgang der deutschen Einsuhr Platz gegriffen hat.„Wir müsien uns stets vor Augen halten"— so meinte Herr Trendelenburg,„daß die deutsche industrielle Bevölkerung zu einem wesentlichen Teil von der Arbeit auf dem Weltmarkt lebt und auf absehbare Zeit nur von dieser Arbeit leben kann. Diese Loge legt die Verpflichtung auf, Fragen des Außenhandels nur mit nüch- terner Besonnenheit zu behandeln. Es muß für Deutschland in seinen Beziehungen der übrigen Welt die vornehmste Sorge sein, von seinen Außenhandelsbeziehungen soviel zu erhalten, als seine Kräfte irgend erlauben." Wir haben dieser vernünftigen Auffassung nur e i n s h i n z u z u s ü g e n. Zu der dringend notwendigen Erhaltung der Außenhandelsbeziehungen gehört allerdings eine Zoll- und Han- dclspolitik, die unsere Kundenländcr nicht unnötig brüskiert und die die Wettbewerbsfähigkeit der verarbeitenden Industrie erhält. Mit Zollerhöhungen kann man zwar vielleicht noch die eine oder die an- der« Einsuhr unmöglich machen, ober nicht die Ausfuhr erhalten; ihr werden vielmehr hierdurch erfahrungsgemäß ungleich größere Verluste zugefügt. Es werden auch jetzt wieder aufs intensivste von verschiedenen Gruppen Z o l l f o r d e r u n g e n». a. für wichtige industrielle Roh- stoffe, wie Zink und Holz, betrieben, nachdem schon Holzzölle eingeführt sind. Wir verkennen gewiß nicht die Schwierigkeiten des Metallbergbaues und der Forstwirtschaft. Die Bewilligung eines ge- steigerten Zollschutzes bzw. die Einführung von Metallzöllen würde ober— ganz abgesehen von handelspolitischen Rückwirkungen— die Wettbewerbsfähigkeit und das Ausfuhrgeschäft der Metall ver- arbeitenden wie der Holzwarenindustrie fühlbar beeinträchtigen und somit gesamtwirtschaftlich neuen Schaden zufügen. Wir hoffen, daß die Acußerungen von Staatssekretär Tran- delenburg nicht bloß ein Lippenbekenntnis sind, daß er entsprechend seiner dargelegten Aussossung auch in seinem amtlichen Wirken alle wirtschafts- und ausfuhrschädigeichen Forde- rungen der Interessenten auf weiter« Zolloufrüstung z u r ü ck w e i st. Oer Konflikt in den Gemeinden. Zentrale Verhandlungen gescheitert. Die Bezirkslohntarise der Gemeindearbeiter und» Straßenbahner laufen bekanntlich am 31. Mai ab. Um nun zentrale Richtlinien für die neuen bezirklichen Luhntansoerhandlungsn zu schaffen, fanden am Mittwach im Rathaussaal zu Eisenach Verhandlungen zwischen den Vertretern des kommunalen Rsichsarbeitgeberverbandes und denen des Gesamtverbandes und des christlichen Zentrawerbaiches statt. Namens der Gewerkschaften gab Polenske einen lieber» blick über den Verlauf der mehrmonatigen Verhandlungen, die durch die Nowcrordmmg vom 5. Juni 1931 erforderlich waren. Es hon- delt sich dabei in der Hauptsache um die bekannte Ungleichung an die Löhne der Reichsarbeiter, obwohl das Arbeitsfeld und die Arbeitstätigkeit in den Gemeinden und b�i den Straßenbahnen erheblich von denen der Reichsarbeiter abwichen und außerdem die seit 12 Iahren durchgeführten bezirklichen Lohntarif- vertrage(nebst Reichsmanteltaris) sich ausbauten auf die fast 30jährige Vorarbeit des ehemaligen Gemeindearbeiterverbandes sowie der ver- schiedenen Stadtgemeinden. In unerhörter Weise ist nun ein Eingriff in das Tarif» recht erfolgt, über dessen ungeheuerliche Auswirkung sich offenbar selbst die Ministerialbiirokratic kein klares Bild gemacht hat. Po- lcnsk« erhob schwere Anklagen sowohl gegen das Reichs- finanzmini st«rium als auch gegen die zwiespältige Haltung Stegerwnlds, der seine wiederholt gegebenen Zusagen bezüglich der Abgeltung und der Ungleichung nach§ 7, 4 der Notverordnung nicht aufrechterhalten hat. Um nun eine neue Basis für Verhandlungen in den 26 Lohn» bezirken zu schaffen, wurden von den Arbeiterverkretern Richt» linien unterbreitet, die einen weiteren Lohnabzug als untragbar erklärten und vorschlugen, u. a. wenigstens die L o h n- s ch u tz k l a u s e l(d. h. die Abgeltung durch den Lohnaüsfall infolge verkürzter Arbeitszeit) als Ausgleich anzusehen. Ein etwa ver- bleibender Differenzbetrag zwischen den Löhnen der Gemeindearbeiter (Straßenbahner) und Reichsarbeiter sollte als persönliche Zu» läge weitergezahlt werden. Die Vertreter der Gemeinden bedauerten zwar das starre Festhalten des Finanzministers an seiner Auslegung, sie selbst stellten aber Anträge zu diesen Richtlinien auf weitere Verschlechte- rung der Lohnsäße, obwohl bereits zur Zeit die Lohnsenkung der letzten Monate mit Arbeitszeitverkürzung bis zu 3 3>3 Prozent beträgt, also weit über das Maß dessen hinaus- geht, das anderen Arbeiterkategorien zugemutet worden ist. Illach niehrstündigen Verhandlungen tonnte«ine Verständigung über zentrale Richtlinien für die bezirklichen Lohntarifverhandlungen nicht erreicht werden. Die Tagung mußte daher abgebrochen werden. Da die Tarifverträg« für weit über 300 000 Gemeindcarbeiter und Straßenbahner am 31. Mai ablaufen, müssen nun in den nächsten Tagen in den Wirtschaftsbezirken die Verhandlungen un- verzüglich aufgenommen werden. Diese Verhandlungen dürften sich aller Voraussicht nach außer- ordentlich schwierig gestalten. Es sind daher größere Arbeits- konflikte zu befürchten. Der Gesamtverband ist auch heute unter keinen Umständen gewillt, weitere Lohnkürzungen kampflos auf sich zu nehmen. 1 fp r u ch gefällt, der die Mönnerköhne unverändert be« stehen läßt, für die Arbeiter! n n e n ober von der kommenden Lohnwoche an einen Lohnabbau von 10 Proz. vorsieht. Die vorwiegend aus Arbeiterinnen bestehende Belegschaft hat diesem Schiedsspruch trotz größter Bedenken zugestimmt. Das hinderte die Firmenleiiung aber nicht, bekanntzumachen, daß sie sich an den Schiedsspruch nicht kehre und auch in dieser Woche sowie weiterhin für sämtliche Beschäftigten um 20 Proz. gekürzte Löhne auszahlen werde. Diese Unverfrorenheit hat dem Faß den Boden ausgeschlagen. Nach den vergeblichen Bemühungen des Gesamtverbandes, die Firma zur Aufgabe chres Standpunktes und zur Anerkennung ihres Schiedsspruchs zu bewegen, faßte die etwa 100 Personen umfassende Belegschaft den Beschlutz, die Arbeit heute. Freitag, nicht mehr aufzunehmen und solange ruhen zu lassen, bis die Firma den Schiedsspruch anerkennt und die unrechtmäßig einbehaltenen Lohnsummen nachzahlt. Berichierstattung. Wahrheit und„Sensation". „Die„Welt am Abend" veröffentlichte gestern in' ihrem so« genannten Reichstagsbericht folgende Sätze: „Bisher wurde im Reichstag abgestimmt über die Entlassung der weiblichen Angestellten aus öffent, l i ch e n Diensten. Alle Parteien, mich die Sozialdemokratie, stimmten für die Entlassung, nur die Kommunisten stimmten da- gegen." Es handelt sich um das Gesetz über die rechtliche Stellung der weiblicheü Beamten. Von den A n- gestellten ist in dem Gesetz keine Rede. Das Gesetz sieht vor, daß eine Beamtin, wenn sie sich verheiratet, auf ihr Verlangen aus dem Dienst entlassen werden muß und daß sie auch ohne Antrag entlassen werden kann, wenn ihre Existenz dauernd gesichert ist.(Wenn z. B. der Mann sich in unkündbarer Beamtenstellung befindet.) Im Streitfall soll eine Schiedsstelle angerufen werden. Der entlassenen muß eine Abfindung bis zu 16 Monats» gehältern gezahlt werden. Von den 12 000 weiblichen Beamten dürften 800 bis 900 von dem Gesetz betroffen werden. Dies der ziemlich harmlose Tatbestand. Daß Zeitungen, die auf„Sensation" eingestellt sind, sich von der nüchternen Wahrheit mehr oder weniger entfernen, daran hat man sich nachgerade gewöhnt. Aber gegen die D o p p e l v e r- dien er schreien und"gleichzeitig behaupten, alle weiblichen An- gestellten in öffentlichen Diensten werden entlassen, während tatsäch- lich nicht eine einzige Angestellte, sondern höchstens 900 verheiratete weibliche Beamte, deren Existenz anderweitig gesichert ist, unter Zahlung einer Abfindung entlassen werden sollen, dies ist wohl etwas viel„Sensation". Und dann kann man wieder munter gegen die Doppelverdiener schreiben. Einheiisfront bei der BVG. Kommunisten geflüchtet. Zu den sechs Betriebsversammlungen der Belegschaft der Berliner Verkehrsgesellschaft hatte die„Rote Fahne" in ihrer Beilage „Wir erobern die Betriebe" gründlich aufgemuntert mit„Kampf- stimm ung" und„roter" Einheitsfront. Der Haupt- antra g der RGO.-Leute war in dem Blatte bereits abgedruckt, bevor er in den Versammlungen eingebracht wurde. Die Betriebsvertreter gaben in diesen Versammlungen einen Rechenschaftsbericht seit den letzten Betriebsratswahlen. Die Leute von der„Opposition" forderten und bekamen unbe- schränkteRedezeit. waren aber nach zehn Minuten mit ihrem Latein am Ende. Und nachdem sie sich ausgeredet hatten, rückten sie aus, um der notwendigen Kritik ihres Treibens im Schluß- wort des Berichterstatters zu entgehen. Dabei ließen sie ihre eigenen Anträge im Stich, allerdings in der Gewißheit. daß diese mit oder ohne sie der Ablehnung verfielen. Mit der spalterischen„roten Einheitsfront" ist in der BVG. nichts zu machen. Llnternehmer sabotieren Schlichtung. Ohne Lohnabbau spielen sie nicht mit. In der münsterländischen Textilindustrie, die rund 50 000 Arbeiter beschäftigt, sind die Schlichtungsoex- Handlungen zur Neuregelung des Lohn- und Rahmentarifs ausgeflogen. Kurz bevor der Schlichter über einen vor- geschlagenen Schiedsspruch zur Abstimmung schritt, erklärten die Arbcitgeber-Beisitzer der Schlichterkammer, sie hätten kein Inter- esse mehr an weiteren Verhandlungen. Die Arbeitgeber hatten einen Abbau von 12 Proz. und Ermäßigung der Familienzulage gefordert. Dos Vüro der Ortsgruppe des ZdA. ist am Dienstag, dem l7. lltai, geschlossen. Es wird vor allen Dingen mit Nachdruck daraus aufmerksam gemacht, daß solche arbeitsrechtlichen Streitigkeiten, für die der 17. Mai ein Stichtag ist. spätestens am Sonnabend, dem 14. Mai, bis 12 Uhr mittags er- ledigt sein müssen._ Di« Scschäfti stillen de, Lrt«raitclls Berlin und drs Bezirkslariells Brandcn- bura des Allgemeinen sreien Angestelltenbunde», Engeluser 24— 25, bleibe« an» löstlich der Feiertage vam Sonnabend, dem 14. Mai, mittag, 12 Uhr. bis.«in« schließlich Menstag, 17. Mai, geschloffen. f Freie Gewerkschafts-Lugenö Berlin Heule, Freitag, IS. Mai. Iduz Uhr, tagen die Gruppen: Süd«»: Zu- gendheim Waffertarstr.». Eignale aus Fahrt.(Au, den Erleburffen ein«, Lolamotiofllhrers.)— Eharlattenvurg: Jugendheim Eprcestr. 30. Die lustig- EchallplaUc, da, lustige Buch.— Rordrina: Jugendheim, Schul« Sonnenburger Str. 20. Politische oatire.— Treptow: Jugendheim Elscnstr. 3 kam Bahnhos Treptow).— Zieulölln: Jugendheim Treptower Str. 96. Politische Satire.— Hermannplatz: Jugendheim Sanderslr. II, Ecke Habrechtstratz«. Di« Stellung der Gewerkschasten zum beutigen Staat.— Osten: Jugendheim Frank» surter Allee 307aruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, finden folgend« Veranstaltungen statt: Südwest: In» gendheim Parckstr. 11. Bunter Abend.— Potsdam-Rawawes: Berufsschule Rawawes, Bichgrafftrage. Uebungsabend unserer Echeinfirma: Pols» dam.Nowaweser Vcrlaufszentrale. Von 20 bis 22 Uhr.— Unsere Photo grupp« tagt von ISsh bis 22 llbr im Verbandshaus, Zimmer 24. Lichtbildervortrag: Bau, Änipscr zum Phoiaaraphen.— Die Berliner Druckerei, und Verlags» E. m. b. H. tagt von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Ebertostr. 12.— Spiel« im Freien: Ab 18 Uhr eportplatz Rehbcrge. Sportplatz Schönhauser Allee(Ein» same Pappel, Platz 2i>) und Sportplatz Neukölln(An der Rodelbahn). Lleberwindung der Krise. Die Forderungen der Arbeiterschaft. Im Programm der Deutschen Welle sprach Genosse Eggert, stellvertretender Vorsitzender des ADGB., zu der Frage:„Wie sucht die Arbeiterschaft die Wirtschaftskrise zu überwinden?" Die organisierte Arbeiterschaft sieht in der Wirtschaftskrise einen unlöslichen Bestandteil des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Im Jahre 1894 z. B. war Deutschland in seinem gesamten Wirtschafts- volumen auf den Stand von vierzig Iahren zuvor, auf die Zeit von 1854 also, zurückgesunken. Diese Wellenbewegung beweist, wie irreführend die Behauptun- gen gewisser Wirtschaftsführer sind, daß„freie" Wirtschaft die Eni- stehung von Krisen ausschalte oder doch mindestens ihren'Ablauf wesentlich beschleunige. Sie zeigt auch, wie leichtfertig es ist, Lohn- und Sozialpolitik als Ursachen der gegenwartigen Wirtschaftskrise in Deutschland zu bezeichnen. Die Wirlschaflstrise hat lnkernationalen Charakter. Die ganze Welt ist von der Krise bedrückk. Der Völkerbund beschloß deshalb schon im September 1930, eine Erhebung über den Verlauf und die Ursachen der Krise an- zustellen. Er äußerte den Wunsch, hierbei die Unterstützung des Internationalen Arbeitsamts in Genf zu finden. Der Verwoltungs- rat des Internationalen Arbeitsamts hat damals schon auf die ver- schiedenartigen Ursachen hingewiesen, in die Weltwirtschaftskrise und die damit verbundene Weltarbeitslosigkeit wurzeln,- als wesentlich« Ursachen wurden u. a. genannt: Mangelndes Gleichgewicht zwischen Produktion und Absatz in der Landwirtschast, Mißverhältnis in der Erzeugung vieler In» dustriewaren und der Aufnahmefähigkeit des Markts, Mangel an Elastizität der Währungen und des Kredits gegenüber den Gold- rcserven, Sturz der Kaufkraft des Geldes in den Ländern mit Silberwährung, zu rasche Entwicklung der Maschine und gewisser Rationalierungsmethoden. Zu diesen Ursachen kommen noch das Zusammentreffen von Industrie- und Agrarkrise, die ungeheure weltpolitische Unruhe, vor allem auch das ungelöste Reparationsproblem. Mit dem Erkennen der Ursachen der Weltwirtschaftskrise sind für die Arbeiterschaft zugleich die Wege zu ihrer lleberwindung angedeutet. Dem Mangel an Vertrauen der Völker untereinander ist nur durch hingebungsvolle, unermüdliche Arbeit für die Ver- ständigung der Völker zu begegnen. Störungen des inter- nationalen Handels sind nur zu beheben durch Beseitigung des Protektionismus. Zu rasche Entwicklung der Maschine und gewisser Rationalisierungsmethodcn erfordern als Gegenmaßnahme Verkürzung der Arbeitszeit. Mangelhafte internationale Verteilung der Goldreserven sowie der verfügbaren Kredite kann nur ausgeglichen werden durch planmäßige Zusammenarbeit der Notenbanken. Erhallung und Steigerung der Saufkrasl, Zusainwenacbeil der Völker. Veseikigung der Handelshemmnisse in der Welt, Ver- kürzung der Arbeilszeik. sinnvolles Zusammenwirken der inlcr» nationalen Roienbanken, Ixis sind auch die Wege, für deren Beschreitung der Internatio- nale Gewerkschoftsbund gemeinsam mit der S o z i a l i» stifchen Internationale sich einsetzt. Zwei wichtige, richtung- gebende Ziele stehe» hier im Vordergrund: die vorhandene ge-' schrumpfte Arbeit sozialgerecht auf möglichst viel Arbeitskräfte zu o e r t e i l e n und neue zusätzliche Arbeit durch die öfsentliche Hand zu schassen. Bereits 1930 wies der Internationale Gewcrkschaftsbund auf seiner Tagung in Stockholm darauf hin. Er erhob die Forderung nach der 44-Stunden-Woche als Etappe zu einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit. Damals zählte man in Europa und den Vereinigten Staaten rund 12 Millionen Arbeitslose; heute sind es 25 Millionen. Seit 1931 erhebt deshalb die Arbeiterschaft allgemein die Forderung nach der„Fünftagewoche". Nirgends ist diesem Anspruch bisher durch die Gesetzgebung Ge- nüge geschehen, am wenigsten in Deutschland, das unter der Ar- beitslosigkeit am schwersten leidet, gleichzeitig ober einen der höchst- entwickelten Produktionsapparate der Welt besitzt. Der Inter- nationale Gcwerkschaftsbund auf seiner letzten Sitzung in Bern im März dieses Jahres und der Deutsche Gewerkschoftsbund im April haben die Dringlichkeit dieser Forderungen hervorgehoben und um ihre Erfüllung an die Welt und an die Reichsregierung appelliert. Eine große Anzahl Arbeitsloser könnte dadurch wieder geregelter Arbeit zugeführt werden. Auch dos Problem der Arbeitsbeschaffung muß gleichzeitig national und international in Angriff genommen werden. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamts, Albert Thomas, hat die Idee der iniernationalm Arbeilsbcschastung lebhast gefördert, und vor allem auf die Bedeutung eines Ausbaues der großen internationalen Verbindungsstraßen hingewiesen. Selbstverständlich ist sich die Arbeiterschaft bewußt, daß Grund- läge für all» solche Zusammenarbeit eine von gegenseitigem Miß- trauen gereinigte Atmosphäre sein muß. Die ruchlolen Kräfte der Völkeroechetzung müssen heute energischer als je bekämpft werden. Der Erfolg solcher internationalen Annäherung dürste allerdings doch weniger rasch eintreten, als die gegenwärtige Notlage es erfordert, deshalb ist es nötig, daß jedes Land für sich das mögliche zur Be- Hebung der Wirtschaftskrise tut. Darüber hinaus müssen in der deutschen Wirtschaft Reformen durchgeführt, muß ein Umbau vorgenommen werden. Die Ar- beiterschast will die schweren Opfer, die diese Krisenzeit von ihr forderte, nicht umsonst gebracht haben; sie will sie nicht wieder bringen müssen! Die staatliche Hand muß in Zukunft planvoll ordnend in den Wirtschaftsprozeß eingreifen, die Banken überwachen, den Äreditstrom richtig lenken, die Kartelle unter schärfere Kontrolle nehmen, die kapitalistische Profitwirtschaft in eine Wirtschaft zur Be- friedigung des Bedarfs wandeln. Die Verstaatlichung der Montanindustrie nach den von der SPD. im Reichstag eingebrachten An- trägen wäre hierfür das erste Erfordernis. Verbindlich erklärt. Schiedsspruch im Möbeliransportgewerbe. Wie mikgeleill wird, hat der Schlichter auf Antrag der Unier- nchmcc den Schiedsspruch im Wöbeltransporlgewerbe für ver- bindlich erklart. Die Arbeiter, die sich gegen den über den Schiedsspruch noch erheblich hinausgehenden dikkalorischen Lohnabbau der Unternehmer im A b w e h r ft r e i k befinden, werden heute vor- miltag zu der neuen Situation Stellung nehmen. Der Schiedsspruch war von den Arbeitern abgelehnt worden. Streik gegen Lohndiktaiur. Belegschaft der Fischmorinodenfabrik Morkenscn wehrt sich. Die Arbeiterschaft der größten Berliner Fischmarinaden- f o b r i k C. 33. M o r k e n s e n in der Stralsunder Straße hat gestern beschlossen, heute früh die Arbeit nicht mehr auf- zunehmen. Die Belegschaft ist zu diesem Schritt vom der Ge- schäftsleitung geradezu herausgefordert worden. Die Arbeitsverhältnisse waren bisher durch einen Haus- tarifoertrag mit dem Gesamtverband geregelt, der für die Arbeiterinnen einen Stundenlohn von 54 Pf. und für die Ar- beiter von 75 Pf. vorsah, gewiß sehr bescheidene Löhne. Zum 30. April folgte die Kündigung dieses Vertrages. Die Firma ver- langte einen Abbau sämtlicher Löhne um 20 Proz. Nachdem die mit dem Gesamtverband geführten Verhandlungen zum Neuabschluß eines Tarifs gescheitert waren, behielt die Firma diese 20 Proz. einfach ein, ohne die Einzelarbeitsverträge zu kündigen, ja selbst ohne vorherige Bekanntgabe dieser Absicht! Am Dienstag wurde dann vom Schlichtungsausschuß ein S ch i e d s- OPTIKER RUHNKE Tiurchweg zeiig emSß herabgeseizie Preise Größtes Spezialocschöfi für tJuqenqläser Klflaüenmörder �ropptnatm Sin QegenSiück stu fürten und Jlber ein Dieser Tage meldet« der Amtliche Preußisch« Pressedienst, daß die Deutsche Forschungsanstalt für Psychiatrie in München, die das Gehirn des im vorigen Juli hingerichteten Peter Kürten zur Untersuchung erhalten hatte, zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß der„Dampyr von Düsseldors" an keiner Geisteskrankheit gelitten habe, sondern„normal" gewesen sei. Gerade da diese Nachricht die Erinnerung an einen der schaurigsten Kriminalialle aller Jahr- hunderte wieder herausbeschmört, schildert«in zu Paris erschienenes Buch P. Bouchardons„Troppmann"(Verlag 211 bin Michel) an Hand der Akten und der Berichte aus der Zeit die Untaten eines Verbrechers, der nicht nur vor mehr als zwei Menschenaltern in Frankreich ähnliche Aufregung hervorrief wie in dem Deutschland unserer Tage die Massenmörder Kürten, Zlngerstein und Haarmonn, sondern auch noch heute als Urbild des entmenschten Würgers genannt und bekannt ist. Sein Name ist fast zum Gattungsbegriff geworden: Troppmanm Wenn heute Pantin ein belebter und bevölkerter Industrie- vorort von Paris ist, zu dem man durch die Avemue Jean Iaures und das Jean-Jaures-Tor kommt, so lag es vor zweiundsechzig Jahren als uirbeachletes kleines Nest in trostloser Einöd« mit dem Fort Auderoilliers als Hintergrund da. Dort stieß am Morgen des 20. September 1860 ein Bauer, der mit seinem Fuhrwerk zu seinem Acker zottelte, etwas abseits vom Wege auf Blutspuren und frisch gelockerte Erde. Hacke angesetzt, und gleich legte er ein menschliches Ohr und Haar bloß. Die rasch benachrichtigte Polizei erschien, Soldaten vom nahen Fort sperrten den Platz- gegen den Andrang der Neugierigen ab. und zum eisigen Entsetzen aller gruben eifrige Äpaten aus, was der Boden hier verbarg: erst die Leiche eines fünfjährigen Knaben, dann die eines zehnjährigen Knaben, danach die eines zweijährigen Mädchens, hierauf die einer etwa vierzig- jährigen Frau, endlich die eines achtjährigen Knaben, und als man das unheimliche Massengrab leer glaubte, noch die eines vierzehn- jährigen Knaben. Alle Körper wiesen grausige Verletzungen durch Messerstiche und Schaufelhiebe, einige auch Würgespuren auf. Ganz Paris schrie auf, ganz Frankreich schauderte: ein Ver- brechen, wie es die K r i m i n a l g e s ch i cht e seit Menschen- gedenken nicht verzeichnet hatte, war hier aufgedeckt worden! Die Ermittlungen der Poiizei ergaben sofort, daß am Abend vocher in einem bescheidenen Hotel in der Nahe des Nordbahnhofs eine Frau von Aussehen der ermordet Aufgefundenen, umringt von fünf sich ängstlich an ihre Röcke schmiegenden Kindern, nach ihrem Mann, Jean Kinck mit Namen, gefragt habe: auf die Zlnt- wort, daß er wohl hier abgestiegen, aber nicht anwesend sei, er- widerte sie, sie wolle auf den Bahnhof zurückkehren, wo er sie sicher zu einem späteren Zug erwarte. Im Leichenschauhaus erkannten die Hotelangestellten die Frau und die Kinder wieder, �und da sie als Herkunftsort Roübaix angegeben hatte, stellte sich heraus, daß es sich um die Familie eines dortigen Bürgers handelte, der ein« Mechanikerwerkstott betrieb. Aber wo war der Mann Jean Kinck? Wo der älteste sechzehnjährige Sohn Gustav? Schon brachte man beider Verschwinden mit dem Verbrechen in ursächlichen Zusammenhang, als am 24. September in Le Hapre ein junger Mensch, der sich dort seit vier Tagen in einem Gasthaus eingemietet hatte, einem Gendarmen ausfiel. Da er keine Papier« bei sich hatte, sollte er mit zur Wache, entwischte aber unterwegs und warf sich, verfolgt, in eines der inneren Hafenbecken, wohl in der Absicht, sich.zu ertränken. Ein Werftarbeiter sprang ihm nach und brachte ihn nach hartem Kampf ains Trockene. Bei dem fast Ertrunkenen fanden sich außer zwei Uhren, einer goldenen und einer silbernen, und 110 Franken in Münze, Wertpapiere, Quittungen und Rechnungen, die alle auf den Namen Zean Kinck ausgeftelli waren. Anscheinend war der Festgenommene also Gustav Kinck, der seine Mutter und Geschwister und wahrscheinlich auch seinen Vater umgebracht hatte, da er dessen Papiere bei sich trug. Aber nn Verhör gab der Verhaftete in geläufigem Französisch, doch mit stark deutschem Akzent als sein« Personalien an: Jean- Baptiste Troppmann, geboren am 3. Oktober 1849 in Brunstadt, Kreis Mülhausen, Mechaniker in Sennheim im Ober- elsaß. Ohne Umschweife räumte er auch ein, an dem Mord von Pantin beteiligt gewesen zu sein, aber die eigentlichen Täter seien Jean Kinck, der seine Frau aus Eifersucht und die Kinder als Mitwisser getötet habe, und sein ältester Sohn G u st a v. Die Familie Kinck habe er in Roubaix kennengelernt, Ivo er sich beruflich aufhielt, und mit ihrem Oberhaupt als einem e l s ä s s i- s ch e n Landsmann schnell Freundschaft geschlossen: die Papiere babe er vom Mörder zur Ausbewahrung und mit der Weifung erhalten, ihn in Le Havre zu erwarten. Auch nachdem Troppmann in Paris den Leichen der Ermordeten gegenübergestellt worden war, blieb er bei diesen wenig glaubhasten Behauptungen. In steigendem Maße beschäftigte der Mord von Pantin die öffentliche Meinung und, was Bouchardon nicht erwähnt, die Rcenemng Napoleons III., die, fast am Ende ihres Lateins, wachsende Schwierigkeiten mit der Opposition hatte, förderte diese Erregung, um derart das Interesse der Oessentlichkeit von den politischen Tagessragen abzuziehen. Die Blatter, namentlich des Regimes, traten ohne Unterlaß den traurigen Fall auf ganzen Seiten breit;„Figaro" verdoppelte mit dieser üblen Sensationshascherei seine Auslage,„Petit Journal" ging täglich in einer halben Million Exemplare ab. Jeden Tag ergossen sich auch Menschenmassen, Zehntausend« und Zehntausend?, auf das Feld von Pantin, um die Stätte des Verbrechens onzu- staunen: eüends aufgeschlagene Buden boten Lebkuchen, Lakritzen- wasser und Bratkartoffeln seil, und Moritatensänger beklagten zum Lelerkasten in vielen Strophen den Untergang der Familie Kinck: «in Trubel war wie auf einem Jahrmortt. Inmitten dieser Menschenmenge stieß man, unweit der anderen Grube, auf ein neues Grab, das die Leiche Gustav Kincks hergab. Mit' sieben M-sierstichen war der Junge gemeuchelt worden. Obwohl didser Fund das Lügengebäude T r o p p m a n n s er- schlittern mußte, erklärte der Angeschuldigte seelenruhig, dann habe Kinck Vater eben auch seinen ältesten Sohn auf dem Gewissen. Umfangreiche Nachgrabungen auf dem Felde von Pantin förderten nichts weiier zutage, und ähnliche Nachforjchuiigen in der ellässischeii Heimat Jean Kincks. wohin er sich von Roubaix Ende August begeben hatte und wo er in Sultz zuletzt gesehen worden war, blieben ergebnislos. Die Teich« wurden abgelassen, die Wälder von Militär durchsucht, die Weinberge durchstöbert, Hellseherinnen be° fragt— alles umsonst. Da ließ sich Troppmann am. 12. No- vcmber dem Staatsanwalt vorführen und legte ein volles Geständnis ab: jawohl, er allein und niemand anders sei der Mörder der gesamten Familie Krnck, JlngerHein Argument für die �odesfirafe? des Mannes, der Frau, der sechs Kinder. Er habe seinen Landsmann nach dem Elsaß gelockt, ihm dort in der Nähe der-Schloßruh: e Herrenflüh mit Blausäure versetzten Wein gereicht, den Leichnam an Ort und Stelle eingegraben. Dann sei er nach Poris gefahren und habe Gustav Kinck, der ihn am 17. September aussuchte, bei Pantin umgebracht und verscharrt, desgleichen den Rest der Fmyilie, der die Anwesenheit des Vaters auf jenem öden Felds vorgespiegelt worden sei. am 19. September. In der Tat entdeckte man an dem angegebenen Platz im Elsaß den schon stark verwesten Kadaver Jean Kincks. Troppmann, dessen Vater mit phantastischen Erfindungen viel Zeit und Geld verplempert hatte, erwies sich bei näherem Zu- sehen als einer jener asozialen Typen, die als Sumpfblüten der kapitalistischen Gesellschaftsordnung gelten können. Wie jedem„strebsamen jungen Maime" schwebte ihm das„Ideal" vor, zu Geld zu kommen; nur war er bei seiner an- geborenen Gefühlskälte und einem durch Schauerromane verderbten Gehirn in den Mitteln außergewöhnlich wahllos. Als Opfer suchte er sich seinen Landsmann Kinck aus, der es durch harte Arbeit zu einem Vermögen von rund 100000 Franken gebracht hatte. Nach- dem er ihn in den heimatlichen Bergen verscharrt halte, eignete er sich seine Papiere an und ließ sich auf Grund gefälschter Schecks von Roubaix zunächst einmal ööOO Franken nach Gebweiler über- weisen. Aber die Post verweigerte dem jungen Mann, der der genügenden Ausweise entbehrte, die Aushändigung des Geldes. Auch der Versuch, die Summe durch Gustav Kinck erheben zu lasten, den er, immer als Kinck Vater unterzeichnend, nach Geb- wsiler beorderte, scheiterte aus den, gleichen Grunde. Ob er dann die weiteren Morde nur beging, um die Spur seines ersten Ver- brechens zu verwischen, oder ob er die ganze Familie unbewegt ausrottete, um sich von Zlmerika aus als Jean Kinck nach Roubaix zu wenden und sich das Vermögen seines Opfers nachschicken zu lassen, blieb im Dunkel. Denn da es un, seinen Kopf ging, erfand Troppmann, freilich ohne sie näher bezeichnen zu können, Helfershelfer, die ihn angeblich zu seiner Schandtat fast gezwungen hatten; er gefiel sich sogar in der Phantasie, der Mord sei begangen worden,- weil Kinck einem Staatsgeheimnis, einem Kriegsplan Deutsch- lands gegen Frankreich, auf die Spur gekommen sei. Diese plumpen Ausslüchte machten wenig Eindruck auf Unter- suchungsrichter und Staatsanwalt und noch weniger auf die Ge- fchworenen, die vom 28. bis 30. Dezember über diesen Entarteten zu Gericht zu sitzen hatten. Die Verhandlung hatte wie«in seltenes Schauspiel alle„Größen" der ganzen und der halben Well an- gelockt; Dichter, Herzoginnen, Kokotten drängten sich in dem über- füllten Zuschauerraum. Als sich Troppmann dem gespannt gaffenden Saal vorstellte, konnte er als Mufterbeispiel des Satzes gelten, mit dem der Geheime Medizinolrat Kasper sein Buch über seine gerichtsärztliäzen Erfahrungen einleitete: „Meine Mörder sahen alle aus wie junge Mädchen." Klein, fast zart, bartlos, halb Kind, halb Jüngling, wirkte der Mastenschlächtsr von Pantin durchaus unscheinbar und harmlos, als er Richtertisch und Geschworenenbank mit zwei höflichen Ver- beugungen begrüßte. Wie bei seinen letzten Verhören wandte er die Taktik an. daß er die unbekannten Komplicen ins Treffen führte. Seine kühle Ruhe verlor er nur einmal, um dicke Tränen zu ver- gießen, als der Verteidiger, der berühmte Anwall L a ch a u d, die Mutter des Angeklagten erwähnte. Das unvern, eidliche Todesurteil nahm er äußerlich ungerührt hin und raffte sich erst an der Tür. als die Zuhörerschaft dem Spruch Beifall klatschte, zu einem wilden Zähnesletschen aus. Daß der Verurteilte immer wieder von einer Brie» laiche mit den Beweisen für die Existenz seiner Mitschuldigen gesproelzen Halle. die an einer genau bezeichneten Stelle bei der Straße von Senn- heim nach Thann verborgen sei, stimmte immerhin einig« Gemüter nachdenklich. Zwei Redakteure des„Gaul vis" reisten ins Elsaß und wühlten an Hand einer von Troppmann angefertigten Skizze tagelang im Schweiße ihres'Angesichts die Erde um und um, ohne das geringste zu finden. Wenige Tage später, am 18. Januar 1870, lehnte es der Kaiser ab, von seinem Be- gnadigungsrecht Gebrauch zu machen: am folgenden Morgen beim Hellwsrden wurde Troppmann im Beisein einer nach Zehn- taufenden zählenden, bestialisch brüllenden Menschenmenge aus dem Platz vor dem Gefängnis La. Roquette hingerichtet..' Wie der Mörder und fein erstes Opfer war der Scharfrichter Heiden- reich«in Elfäfser; ihn biß der Delinquent, sich mit seinen nicht geringen Kräften wild sträubend, noch als fein Kopf zwischen den Balken der Guillotine lag, in den Finger. Der Streit um die Abschaffung der Todesstrafe, in den Viktor Hugo schon vor Jahrzehnten mit seinem„Der legte Tag eines Verurteillcn" eingegriffen hatte, bewegte damals seit Jahr und Tag die Geister. Als jetzt durch Zufall wenige Tage nach dem Verbrechen von Pantin eine Schrift von Jules Simon in die gleiche Kerbe hieb wie Hugos Erzählung, wurde der republikanische Politiker von der Presse des Regimes rüde an- gepöbelt; wirklich schien die Forderung: Fort init dem Henker! unzeitgemäß, da die aufgcpciffcht« öffentliche Meinung nach dem Kops Troppmann? als der ge-lindesten Sühne schrie; es stimmte jchon, was«in bekannter Publizist, Maxime du E a»> p, feststellte:„Ein solches Verbrechen und ein solcher Verbrecher schieben die Abschaffung der Todesstrafe um fünfzig Jahre hinaus." Aber ein anderer Großer aus der Zunft Viktor Hugos, der ruffffche Dichter Iwan Turgenjew, der den Vorbereitungen zur Hinrichtung und der Exekution selber beiwohnte, zeichnete„alle schweren Eindrücke jener Nacht" auf; sein Bericht, der sich in deuffcher liebertragung im zehnten Bande der Propyläenausgabe seiner„Sämtlichen Werke" findet, ist gerade wegen seiner von Reflexionen kaum unterbrochenen Sachlichkeit ein erschütterndes Zeugnis gegen die Barbarei, daß ein Mensch, ein Mensch von Staats wegen unter Formeln und Zeremonien geschlachtet wird— und sei es auch ein Troppmann! Herinarm Wendel. Seefahrt achtem her... i Cuxhütener Reportage/ Ton S. Richards f Der Mündungsj chlauch der Elbe weitet sich ms Ungemessene. Das jenseitige Ufer ist ein diesiger, nebelgrauer Strich geworden. Leuchtbaken. Bojen und Landmarken tauchen weller zurück. Der Wind weht einen leichten Geruch von Teer, Sah und brackigem Wasser herüber. Die ersten Leuchtfeuer der Seeküste blitzen.ruf. Lichter— Cuxhaven— die letzte Station vor der Reise über den großen Teich...! Schenken und Seemannsstuben sind übervoll. Der große Passagierkosten draußen am Pier wird morgen in See gehen; heut« sind alle Hafenquartiere besetzt.' Trubel herrscht überall. Aus- wanderer, Globetrotter, Arbeiter und neugierige Bürger sitzen in den alten, verräucherten Schifferkneipen und betrachten interessiert die G-stallen, die immerwährend kommen und gehen: einheimische Fischer, die mll auffrischender Bris« die Flottillen in den Hasen ge- bracht haben. Vorn, auf seinem Stammplatz an der Theke des„Blauen Wal", sitzt Hein Klüsgat, ein ausgedienter Segelmacher. Der alte Rogcl- neiher, wie er in der Seemannssproche genannt wird, fuhr ein Leben lang auf Segelschiffen, bis er mit der letzten Brigg in Eux- Häven häiKjen blieb,„ganz dichte imbie", damit er den Genich des Salzwassers nicht aus der Nase verlor. Besinnlich reibt sich Hein Klüsgat die rheumatischen Knie. Wie ein Terrier schnüffelt er durch den warmen Dunst der Schenke. „Hev doch glüch seggt...'s givt Sturm, Bos'n...!" ruft er dem Wirt über die Theke hinüber. „Sturm...?— Gedanken wirbeln auf, Ideen verbinden sich, das Wort läßt aufhorchen. Spürbar ebbt der Lärm der Schenke ab! Fremde, Passagiere 2*5 morgen ausfahrenden Dampfers, um» drangen neugierig stumm den Tisch des Segelmachers. Die Basken- mützc über die Glatze gezogen, die struppige, eijengraue Fräse um das ausgetrocknete Gesicht, so sitzt Hein Klüsgat auf seinem Platze: schweigsam, gedankenverloren. Endlich wagt einer der Gäste, mit grünem Lodenanzug, gezwirbettem Bärtchen und nervösen Gesten, ein Wort an den Alten zu richten. Scheint ein Hoseubodentechniker zu sein...Käh... Herr Segelmacher... uniß herrlich sein, thr Beruf'? Abenteuer und die See,— die ganze Unendlichkeit der •Well liegt in solchen Dingen...1— Hein sieht scheel über den Rand seines Groagtases zum Schulmeister hinüber und setzt das Gsiiß hart auf die Tischplatte zurück. Es klirrt! „Döskopp du...! brummt er böse,„geh mal raus mit'n Appelkahn und arbeet. Wirft seh'», wie romantisch du kotzen kannst...!" Der Schulmeister, oder wer er auch sein mag, fühlt sich tief verletzt und hüllt sich fortan in verächtliches Schweigen. Die Schenke wendet sich anderen Themen zu. Unermüdlich knarrt die Tür des Lokals und saugt neue Gäste an. Ein Ianmaat schiebt sich unsicher herein und drängt zum Stammtisch hinüber.„Och... hallo... Smutje...!— Hein Klüsgat sieht erstaunt sein neues Gegenüber an.„Wat muß Ick seh'n... du hier? Denk',— bist drüben über'n Teich? Nami...? Hast keen Schipp...? Da— setz dich und verteil!"— Der Zln- gerufene schüttelt derbe Hände, zieht einen Schemel heran und hackt sich am Tische nieder. Der Wirt bring? Kümmel und Bier. „Hem... tja... Nagelneiher... mit der Seefahrt ist's aus", er krault sich bedenklich in seinem Schöpse,„das mit der „Titania" war auch Schiet. Hot'n angemustert, wilde Fahrt! Zu- letzt waren wir mit Koblen ums Kap unterwegs. Schlechter Trimm, hab'n- gearbeiteet wie die?lffcn. Sind kaum an Land gekommen. Auf so'n neumodischen Steamer gibt's allerhand zu tun, bist gar kein Matrose sehr, nur Deckarbeiter oder Kohlenschlepp. Tja.», und dann aus der Ruckreise hall' ich endlich 293 Mark be:m Quartier anstehen. Di« Heuer für siebe» Monate und Ueberstunden dazu. Hatten!>en Kanpl passiert und mit letztem Stückgut Rotterdam angelaufen. Dachten: in ein paar Tagen sind wir in Hamburg. daheim!— Essig war's! In Rotterdam kam ein Beamter an Bord: wir wurden abgemustert. Gab mächtigen Krach, wollten natürlich nicht runter vom Eimer. Sieben Monate hatten wir mit der „Titania" gelebt, wollten sie auch wieder anständig nach Hamburg zurückbringen, wie sich's gehört! War'» flottes Mädcl,cn, der Kasten, weiße Schornsteine und prima Logis...!"— Mit großer Ilm* ständlichkeit erzählt er von den Vorzügen des Schiffes, das ihm in ungezählten Wochen auf dem Meere ans Herz gewachsen war, dem «r alle Kraft geopfert hatte, und dos ihn in Rotterdam schmählich im Stiche ließ: gleichgültig, katt; wie die Frauen mit den wasser- hellen Augen im Hasen, wenn das Geld ausgegangen ist!-- „.Half nichts; mußten den Seefack packen und hin zum Konsul. Hat viel geredet von Seemannspslichten und so; Heuer bekamen wir nicht. Nur die Papiere und Fahrgeld für die Eisenbahn von Rotterdam nach Hamburg. Na... wir sind losgegondelt und in Hamburg dem Reeder gleich auf die Bude gerückt. Wollten unsere Heuer haben, vierzehn Mann, alle von der„Titania". Kamen aber schön an, du...! War pleite gegangen, der Bogel, vollständig plette. Geld kriegten wir nicht..!" Er schluckte gurgelnd in der Kehle. Sein bartloses Gesicht, mit der kurzen feinen Nase und dem gutmütigen Lächeln um den vollen Mund veränderte sich. Es wurde trüber, als zöge sich ein feiner Schleier über die gegerbte Haut. Mit zusantmengekniffenen Augenwinkeln sprach er, und die Worte rumpelten fortan aus seiner Brust wie aus einem Haufen rostigen, alten Eisens. „Sieben Monate schwere Arbeit aus dem Steamer waren in»- sonst. Gott verdamm mich,— alles futsch: das Schiff, die Arbeit, die Heuer. Der Reeder wollte Steuern sparen, das Schiff fuhr des- halb unter dänischer Flagge, und mm konnten wir beim Gericht die „ausländische Heuer" nicht erreichen.---" Der alte Segelmacher starrte Smutje mit großen wunderlichen Llugen ungläubig an, tastete über den Tisch nach der rauhen Faust: „Die... ganze... Heuer?... Du!"--—.Tja... Nagel- neiher, die Heuer und die Ueberstunden dazu--- 1 Nur Ar- beitslosemmterstützung gaben sie uns. Zehn Mark— damit sollten wir, wie die anderen sechstausend Seeleute im Hafen, auskommen und ivarten, bis mal wieder ein ordentliches Schiff und ehrliche Heuer zu haben sein würde. Hab' nickst mitgehalten. Für zehn Mark in der Woche gibt's in Hamburg zu wenig Speckerbfen und zuviel Kakerlaken...! Bin abgehauen. Werd' Wasserflöhe fischen oder in die Marsch zu de» Bauern gehen. Verdammt nochmal...!" Aufgeregt mit puterrotem Kopf, schweigt der Janmaat. Die fremden Gäste sind enttäuscht! Nur eine Alltagsgeschichte-- kein Abenteuer!?— Der alle Saget macher nickt bedächtig und murmelt kaum hörbar vor sich hin. Die langen, weißen Bartstoppeln um sein unfrucht- bares Kinn-erzittern. Zwischen den halbgejchlossoncn Lidern glitzern wässrig und farblos die Augen:„... Zu den Bauern willst du?— Nun, tja...'s ist gleich... bestellen den Acker, wir pflügen die See. Wer die Erde und die See... bah... sind grausam, wissen uns nie Dank. Die Arbeitsfrucht gehört andern!..« Das ist's eben... Seeleute sind keine Helden mehr heutzutage!... nee, nee... nur noch Bettler!"--— Er schweigt. Eine Harmonika schluchzt auf. Di« fremden Gäste zahlen urtd gehe».—=- Konserven J/iDote Kaisererbsen........... 1,25 Junge Erbsen sehr fein.. 1,1! Junge Erbsen fein...... 0,98 Junge Erbsen mittelfein 0,74 Junge Erbsen........... 0,65 Gem. Gemüse fein..... 1,25 Gem. Gemüse mittelfein 0,95 Leipziger Allerlei..... 0,82 Junge Karotten........ 0.58 Karotten gewürfelt..... 0,28 Junge Brechbohnen... 0,42 Span. Aprikosen'i. Fr. 0,68 Birnen'i, Frucht......... 0,75 Erdbeeren.............. 0,98 Kirschen rot. m. Stein____ 0,90 Sauerkirschen m. Stein.. 0,98 Kürbis in Essig und Zacker 0,68 Mirabellen.............. 1.05 Preisseibeeren......... 0,65 Stachelbeeren......... 0,70 Pflaumen mit Stein...... 0.58 Ananas 8 Scheihen...... 1.10 Kalif. Pfirsiche'/j Fracht 1.1 0 Käse und Fette ' 0,20 0,22 0,40 0,54 0,58 0,60 0.68 0.68 0,78 1.34 Camembert...Schachtel Romadour..Stück Alg. Stangenk. MVPll Blockkäse uisii.Art.OTio.PM. Briekäse vollfett....Pfd. Holländ.o, Edam.«"/„.fid. Steinbusch ervoilfett.Pfd. Tilsiter vollfett....... Pfd. Butterkäse.......... Pfd. Aüerfeinste Molkereibutter..... Pfd. Ailerfeinste Markenbutter...... Pfd. 1.40 Molkereibutter..... Pfd. 1,26 Margarine........... Pfd. 0,32 Amerikan. Schmalz Pfd. 0,38 für das Pfingstfest Preise nur Freitag und Sonnabend. Zusendung von Lebensmitteln bei Bestellung von 5,00 an. Merigenabgabe vorbehalten. Verkauf soweit Vorrat. Fleisch und leicht verderbliche Waren sind vom Versand ausgeschlossen. Schwemebaucho.Beiiage,pfd. 0,52 Schweineschinkenm.sein.pfd. 0,64 Schweinekamme schuftaj., ptd. 0,76 Schweinekotelett Pfd. von 0,80 Kassler miid.............. Pfd. von 0,78 Eisbein mit Lxltzhcin, gexSkclt, Pfd. 0,88 DEN FESTBRATEN Rüekenfett bratfertig....... Pfd. 0,44 Kalbskammo. Beilage, Pfd. von 0,42 Kalbske U leb.9Ffd.ich«er. g.o.get.. 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Pfd. 0,28 Schellfisch serflacbert.Pfd. 0,28 Seelachs geranebert, Pfd. 0,2£ Rotbars gerünchert...Pfd. 0,22 Sardinen......... 3 Dosen 0,88 Fettheringe in Tomaten.............. Dose 0,50 10 Stück von 0,58 Konfitüre Johannisbeer... Aprikosen....... Orangen........ Erdbeeren....... Himbeer........ Suppenfleisch........ Pfd. von 0,44 Schmorfleisch o-Knoch. pm-t. 0,70 Gehacktes.................. ptd. 0,50 Schabefleisch od.Hackepet. pm. 0,78 Schweineköpfe m. Backe, Pfd. 0,28 Hammelvorderfl.gefr.pfd.v. 0,44 ca. 2- Pfund- Eimer ....... i.io ....... 1.10 ........ 1.10 ....... 1.30 ....... 1.30 Pfinqstkonfitüren Jubiiäums-Schokoiade Bitter cd. Uokka-Sahne... Tafel 0,25 Feurich- Gebäckmischung......................... Pfd. 0,95 Srhokoladen-Creme-Waffeln.................>/, pfd. 0,45 Cremeschokolade............................... 4 Tafein 0,80 Maiblätter............................................... Pfd. 0,60 Geleeschnitte..............'........................ 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