Morgenausgabe Nr. 224 A 113 49. Jahrgang WSchklllltch 78 Ps., niDnattid) 3.25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Ruttel. lunz ins Haus> im voraus zadlbar. Postbezug 3.37 M. einschließlich so Pf. P«sizeitungs- und 72 Pf. Postbestellae-- iühren. Auslandsabonnement S.SS M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4,68 M. Der.Vorwärts' erscheint wochentäg» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Eonntagsbeilaa, »Voll und Zeit" NetiUne« Volksblatt Sonnabend 14. Mai 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Tie c 1 n f p a X t MiMmeterzeNe 30 Pf. R�klamejeile 2.— M.„Kleine An« »eigen" oas fettgedruckte Wort 20 Pf. (Kulässigzwei fettgedruckteWortetejedcg weitere Wort 10 Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter« zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli« meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptaefchäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8»/, bis 17 Uhr. Ter Verlag behält sich dasRecht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vor» Jentralovgan der GozialdemotvaMchen Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 �ernspr.: Dönhoff(A 7) 293—297. Telegratmn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postfcheckkonto: Berlin Z7SZK.— Bankkonto:BankdorArl>elter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.DiZc.-Gef., Destositenk., Jeruf alemer Str. 65i6S. und außerhalb des Gebäudes sorgt em starkes Polizeiaufgebot für Ordnung. Die Vernehmung zur Person ergibt folgendes: Heines, Leut- nant a. D., 34 Jahre alt, in Stettin wegen eines Fememordes zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt itnd wegen Beihilfe zu in Hochverrat im November 1923 zu 1 Jahr 3 Monate Festung. Die beiden Strafen sind zu einem Teile oerbüßt, der Rest wurde durch die Amnestie erledigt. Außerdem ist er wegen Fortführung einer verbotenen Organisation bestraft. Der Angeklagte. S t e g m o nn, 33 Jahre alt, von Perus Land- wirt, ist wegen kleiner politischer Bergehen, darunter auch wegen Körperverletzung, zu Geldstrafen verurteilt. Der Angeklagte Weitzel, 28 Jahre all, von Berus Schlosser, ist gleichfalls mit Geldstrafen vorbestraft wegen Beleidigung, Wider- stand und verbotenen Waffenbesitzes. Der Angeklagte GregorStraße r, 40 Jahre alt, hat mehrere Strafen wegen politischer Pressevergehen. Oberstaatsanwalt Dr. Köhler erhebt mündlich die An- klage. Es wird sämtlichen Angeklagten vorgeworfen, daß sie fort- gefetzt und gemeinschaftlich handelnd den Schriftsteller Dr. Klotz be- leidigt haben, und zwar, indem die Beleidigung mittels Tätlichkeiten begangen worden war. Es wird ihnen ferner vorgeworfen, den Schriftsteller Klotz vorsätzlich mißhandelt und an seiner Gesundheit geschädigt zu haben, indem die Körperverletzung von mehreren ge- meinschasttich und mittels gefährlicher Werkzeuge begangen worden ist. Die Ausreden der Angeklagten. Es folgt die Vernehinung zur Sache. Abg. Heines erklärt: Ich gebe ohne weiteres zu, daß ich eine unglaubliche Beleidigung des Herrn Klotz mit einer Ohrfeige quittiert habe. Es stimmt nicht, wenn er behauptet, stillschweigend dagesessen zu haben. Ich war in den Vorderroum des Rcichstagsrestauronts gegangen, um. mir eine Sozialistische Aktion! Bedeutsamer Beschluß des Berliner Bezirksvorstandes. Der Berliner Bezirksvorstand der Sozialdemokralischen Parle! Hai gestern unter Teilnahme der Berliner Reichstags- abgeordneten und Sreisleiter die folgende Entschließung einstimmig angenommen: Der Bezirksvorstand der Sozialdemokratischen Partei von Groß-Berlin sieht mit Stolz und GenugtuuP die große A k k i v i l ä t. mit der die deutsche Arbeiterklasse den schweren Abwehrkampf gegen Faschismus und Sozial- reaktion führt. Er ist sich aber auch bewußt, daß es zur Aeberwindung des Faschismus nicht genügt. Terror und Gewalt abzuwehren. Die der Sozialdemokratie gestellte geschichtliche Aufgabe kann nur gelöst werden, wenn die Abwehr saschtstischer Gewalt verbunden ist mit dem Angriff auf das völlig versagende kapitalistische WirtschastS- und Gesellschastsfystem. Der Kampf gegen wirlschaflskrife und Arbeilsnol wird auch nur dann Erfolg haben, wenn es gelingt, zugleich die Fehler zu beseitigen, die zu dieser Krise geführt haben. Es wäre sozial und politisch unerträglich, wenn durch die aus der Krise geborenen Nolmaßnahmeu die allen privat- kapitalistischen Kräfte erneut erstarken sollten. Partei und Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, den Umbau der heutigen Wirtschaftsordnung mit dem Ziele sozialistischer Gemeinwirlschaft in Angriff zu nehmen. Die sozialistischen Grundforderungen.sind zum ent- scheidenden Faktor der Gegenwartspolitik geworden. Der Staat darf nicht länger zögern, die ZNacht der privaten Ulonopole zu brechen, seinen Einfluß über Warenerzeugung. Warenverteilung. Bank- und Kreditwesen zu verstärken. Besitz- und Verfügungsgewalt der öffentlichen Hand sind zu erweitern, um die Grundlage für die Planmäßigkeit der Gesamtwirtschaft zu schaffen. Der Bezirksvorstand richtet an die zentralen Vorstände der in der Eisernen Front vereinigten Organisationen die Aufforderung. ein solches Wirtschastsprogramm aufzustellen, alle ZNaßnahmen zu ergreifen, um durch ein Aktions- Programm die gesamte Bewegung im ganzen Lande zu mobilisieren. Die Einstellung des politischen Tageskampfes aus das große Ziel des Sozialismus ist die voraussehung für einen Erfolg im Bingen gegen Faschismus und soziale Bot. Zigarre zu holen, da sah ich Klotz am Tisch sitzen. Ich kenne ihn vom Jahre 1923 her. als er noch Nationalsozialist heuchelte. Er rauchte eine Zigarre und ich horte, ivie er durch die Zähne hindurch sagte:„Auch... Schwein." Heber diese Beleidigung, wie auch ilder die P r ov of ation, als' die ich das Erscheinen des Verleumders Dr. Klotz im Reichstag erachtete, war ich derart empört, daß ich an ihn heranging, ihm zurief:„Du bist ja der Bursche, der die Broschüre geschrieben hat" und ihm- eine Ohrfeig« gab. Darin bestand meine ganze Tätigkeit. Ich bin darauf in den Plenarsaal gegangen und habe die Vorgänge im Wandelgang über- Haupt nicht bemerkt. Der Angeklagte Stegmann sekundiert dem Pg. Heines. Zluch er will ganz zufällig in das Restaurant gekommen sein, um die Abgeordneten zur Abstimmung zu holen: ebenso zufällig kam er dazu, wie Dr. Klotz angeblich das Wort„Schwein" gebrauchte, er sah, wie Heines dein Beleidiger eine Ohrfeig« oersetzte, und da«in einarmiger Kriegsbeschädigter daraufhin gegen Heines einen Stuhl schleuderte, versetzte auch er dem ersten besten eine Ohrscige und das war gerade Dr. Klotz. Natürlich war auch der Angeklagt« Weitzel ganz zusällig Zeuge der Szene zwischen Heines und Klotz. Von der Wandelhalle aug will«r beobachtet haben, wie sich an der Ausgangstür des Restaurants einige Personen zusammengerottet hatten:«r begab sich hinein, horte das Wort„Schwein" und erhielt mit dem Stuhl, der gegen Heines geworfen wurde, einen Schlag gegen das Schienbein. Als später im Wandelgang Dr. Klotz austmichte, sei ein wüstes Durcheinander entstanden, irrtd da er über die Verletzung seines Schienbeins höchst ärgerlich war, versetzte auch er Dr. Klotz drei bis vier kräftige Ohrfeigen. Auf diese Weise habe er sich„g e r e ch t» fertig t". Der Angeklagte Gregor Straß er hat von den Vorgängen im Restaurant nichts gemerkt. Er faß im nördlichen Umgang des Reichstages und empfand es als grobe Provokation, als plötzlich Dr. Klotz hier erschien. Der Umstand, daß sich dieser in Begleitung zweier Hausbeamten befand, war für ihn bedeutungslos. Gregor Straßer rief:„Das ist ja dieser Bursche, der die Schmähschriften geschrieben hat!" Seine Parteigenossen gerieten selbstverständlich in stärkste Empörung. Es sei zu einem Zusammenstoß zwischen Klotz und Weitzel gekommen. Er selbst habe Dr. Klotz nicht an- gerührt. Straß er �deutet dann an, daß das Verfahren gegen ihn nur in Gang gebracht worden fei, um die Regierungs- bildung in Preußen zu stören. Man hörte heraus: weil er als preußischer Ministerpräsident in Aussicht genommen sei. Die Beweisaufnahme. Als erster Zeuge wird der Reichstags-Oberverwaltuirgssekretär Ekranowitz vernommen. Er hat gemeinsam mit seinem Kalle- gen Stiller Dr. Klotz durch den Wandelgong geführt, um di« Namen der Abgeordneten festzustellen, die ihn im Restaurant miß- handelt hatten. Kaum hatten sie den nördlichen Umgang betreten, als eine Anzahl nationalsozialistischer Abgeordneter ihnen mit den Worten. folgte:„Der Strolch, der Schweinehund. Klotz raus!" Immer mehr Nationalsozialisten strömten herbei. Sie umringten Klotz und schlugen von ollen Seiten auf ihn ein. Der Zeuge und sein Kollege versuchten so gut sie konnten die Schläge abzuwehren, nahmen selbst die Schläge entgegen. Im Gedränge hat er nur den Angeklagten Weitzel erkannt, der Dr. Klotz in der Ecke neben der Tür, die zum Zimmer de« Präsiden- tev! führt, einige«chläge versetzt hat. Der Zeug« St i l l e r bestätigt die Aussagen seine» Kollegen. Auckj er hat eine Anzahl Püffe mit der Faust, die Dr. Klotz galten. entgegennehmen müssen. Den Angeklagten Gregor Straßer hat auch er. ebenso wie Skranowitz, unter den Schlägern nicht bemerkt. Belastende Aussage gegen Siraßer. Der Zeuge Glückauf. Redakteur des komwunistlschen ReichstagS-Pressedienstes. hatte bereits von den Vorgängen im Rest.ru> ront erfahren und war den Beamten und Dr. Klotz in den Wandel- gang gefolgt. Er hat hier beobachtet, wie etwa zwanzig Mann mit Fausten gegen den Kopf und den Hals des Dr. Klotz einschlugen, auch gesehen, wie Gregor Straß«r ihm einen Schlag verfetzte. Der -Zeuge sagte: ..Ich war entrüstet über die Feigheit, daß mehr al«> Abgeordnete auf einen wehrlosen Mann ein- schlagen." Die Aussage dieses einzigen Zeugen, die im Widerspruch steht mit den Aussagen der beiden Hausbeamten, veranlaßt den Oberstaats- anwalt und den Nebenkläger Rechtsanwalt Brandt, die Anklage gegen Gregor Stratzer wegen Körperverletzung fallenzulassen. Di« Anklage wegen Beleidigung halten sie ausrecht, Der feige Lleberfall von hinten. Es folgt die Erörterung der Vorgänge im Restaurant. Die Aussagen fänrtlicher Zeugen gehen übereinstimmend dahin, daß ? ü n f nationalsozialistisch« Abgeordnete auf Dr. Klotz eingeschlagen haben. Die Darstellung der Ange- klagten wird aus dies« Weise Lügen gestrast. So hat der Kellner des Reichstogsrestaurants, Storreckcr, der gerade dabei war, Dr. Klotz Kaffee zu bringen, in Entfernung von drei Metern genau beobachtet, wie plötzlich fünf Reichstagsabgeordnet« hinter Dr. Klotz traten, wie lieines zu ihm sagte:„Da ist ja der Schuft, der das Buch geschrieben hat",»ind so schlugen sie alle fünf auf ihn ein. Er hat nicht gehört, dost Dr. ftloh vorher irgend etwns gesagt hätte; er hätte e« aber hören müssen. Der Kassierer der Sozialdemokratischen Partei, Erummenerl, soß mit Westphal und dem Vorsitzenden der Hamburgischen Sozial- demokratischen Partei Meitmann, am Nachbartisch. Auch er sah -uns Personen hinter den friedlich bei der Zeitungslektüre dasitzenden Klotz treten. Heine s sagte ihm etwas von Schuft und Buchfälschung. und alle fünf schlugen ans den völlig Harmlosen wie die Wilden ei». Er siel vom Shihl. es wurde aus ihn weiter eingeschlagen. Der Zeuge M ei t man n ergänzt diese Aussoge. Als die fünf auf Dr. Klotz einzüschlagen begannen, rief Westphal:„Welch unglaub- liche Feigheit" und stürzte sich, ebenso wie der Zeirg? und Enanmenech dazwischen. Westphal ergriff den Stuhl und schob ihn gegen die-Angreifer. Auf die Frage des Oben'raatsanwalt» erklärt der Zeuge'.fdah er den Eindruck eines- planmäßigen Ueber falls gc- habt habx�MKitmann ist auch mit Klotz und den Beamten mitgc- gangen..Angreifer Vtsdarzuertenrnn.'..■ Auch" er stellt fest, daß die Schläge von allen Seiten auf Kloß niedergehagelt haben und einer vpn den Nationalsozialisten ihm aqch einen Fußtritt gegen die Kniekehle verseht hat, daß er taumelte� Des Zeuge charakterisiert die Handlungsweise der Nationalsozialisten nl» unglaubliche Feigheit. Im gleichen- Sinne äußert sich voll Erregung M e st p h a l- Der Angeklagte- S t e g m a n n ruft angesichts dieser dtei eindeutigen Aussogen: Ausgemacht« SPD.- Machet- Der Zufall will es, daß umnittelbar nach diesem„geistvollen" Ausspruch sich der Luther zur Arbeitsbeschaffung. Eine Denkschnfi des Reichsbankpräsidenten. Reichsbankpräsident Dr. Luther hat sich in einer Denkschrift zur Arbeitsbeschaffung und besonders zu den Plänen van Prof. Lederer geäußert. Die Denkschrift liegt uns noch nicht vor: sie heißt:„Ge- danken zur Prüfung der Frage, ob durch geldlose Wirtschast hilss- wirtschaftliche Maßnahmen möglich sind". Nach dem DHD. enthält die Denkschrift folgende Gedankengänge: „In ihrem e r st e n T e i l wird als das W e s e n e i n e r g e l d- losen Wirtschaft bezeichnet, möglichst wenig für Material und Löhne bar auszugeben. Die eigentlichen Vorschläge einer geldlosen Wirtschaft zielen darauf ab. durch Mahnahmen, die als hllfswirt- schaftliche Maßnahmen bezeichnet werden, im Interesse der Beschäf- tigung von Arbeitslosen unter Nutzbarmachung ihrer Arbeitskraft auf bestimmten Arbeitsgebieten vorübergehend und behelfsmäßig neben der freien Alarilwirt- fchafk eine geldlosc Wirkschaft entstehen zu lassen. Die charakteristischen Merkmal« dieser Hilfswirt- schaft sind Beschäftigung von Arbeitslosen in der Form der Arbeitsdienstpflicht oder sonstwie, dazu viel- leicht Wiedererweckung von öffentlichen Leistungsverpflichtungen, ferner Vergütung für Land und Materialien, zum Beispiel Holz, das zur Zeit marktwirtschaftlich nicht verwertet werden kann. Hin- eingearbeitet in den Plan wird ein Vorschlag oonProfe�sor L e d e r e r, stillgelegte Unternehmungen durch arbeitslose Arbeiter und Angestellte wieder in Betrieb zu setzen und die so erzeugten Konsumartitel an die Arbeitslosen ohne Entgelt zu verteilen. Be- hmt wird, daß die Begrenzung d�: Arbeiten auf Gemeinnützigkeit und zusätzliche Artikel genau innegehalten werden muß. Als hauptsächliche Arbeiten werden genannt: Land- wirtschaftliche Siedlung, städtische Randsiedlung, Meliorationen. Straßenbau. Hochwasserschutz und Flnßregulierung. Die erste Stelle nimmt hierbei die landwirtschaftliche Siedlung, be- sonders die sogenannte Primitivsiedlung ein. Ein Teil des hilfs- wirtschaftlichen Programms werde zwar durch Geld bestritten werden müssen: das könne durch die Prämienanleihe geschehen. Im zweiten Teil wird die Organisation des hilfswirlschastlichen Programms skizziert, wobei als Beispiel die landwirtschaftliche Siedlung gewählt ist. Der Aufbau d« Siedlung soll durch Erwerbslos« imfrei- willigen Arbeitsdienst geschehen, bei gemeinsamer Der- pflegung und Unterbringung. Die Arbeitsfrelwilligen sollen in Gruppen ihre Siedlungen selbst erbauen. Innerhalb des Arbeits- logers ist Ausbildung der in der Landwirtschaft Un- erfahrenen vorgesehen. Für die Siedlungsbauten soll in möglichst umfangreichem Maße Holz verwandt werden, da? von den Gemeinden und Ländern zunächst geldloz geliefert wird, gegebenenfalls Abgabe von ausrangierten Reichsbahnwagen. Für die Herstellung des Materials sollen gleichzeitig stillgelegte Betriebe durch Arbeitslose in Betrieb genommen werden,„Selbsthilsebetriebe". Die Einstellung in die Sekbsthilfebetriebe erfolgt gegen Wciterbezug der Arbeits- losenunterftützung ohne Lohnanspruch eventuell unter Gewährung gewisser Bergünstigungen. Das in Anspruch ge- nommcue Land ist durch Rcichsschuldverschreibungen zu bezahlen, des- gleichen dos Holz und die Reichsbahnwagcn. Die Eigentümer der Selbsthilfebetriebe erhalten Anspruch auf Vergütung für Ab- Nutzung der Anlagen. Die Gestehungskosten der Selbsthilsebetriebe könnten in- folge Fortfalls von Lohnkosten. Sozialbeiträgcn, Steuern usw. aus schätzungsweise ein Drittel des Produktionswertes vermindert werden. Die hilsswirtschaftlichcn Maßnahmen wären einem Reichskommissar mit großen vollmachten zu unterstellen. Ausgabe des Rcichskommissars sei auch, dafür zn sorgen, daß die Erzeugnisse der Selbsthilsebetriebe nicht aus den freien Markt gelangen. Im dritten Teil werden Bedenken und Borschläge des Programms gegenübergestellt. Dem Einwand der Bevorzugung der hilfswirtschastlich geleiteten Selbsthilsebetriebe im Rahmen der Ar- beitsbeschajjungsaktion, von der unzählig« private Betriebe Belebung erwarteten, wird entgegengehalten, daß die Arbeiten zusätzlicher Art sind und das. was an Geld für Arbeitsbeschaffung zur Per- fügung stehen werde, auch in Geldform ausgegeben werden soll. Für den Plan spreche die psychologisch voraussichtlich günstige Wirkung des Selbsthilfegedankens auf die Ennerbs- losen, Stärkung des Vertrauens zum gegenwärtigen Wirtschafts- softem, günstige finanziell« Wirkung aus die öffentlichen Finanzen insofern, als die Arbeitsbeschaffung ohne treditpolitisch« Experimente bei sparsamster Verwendung des verfügbaren Kapital» auf eine viel breitere Basis gestellt werden kann. Wir behalten un» di- Stellungnahme zu Luthers Vorschlägen bis zum Eingang der Denkschrift bei uns vor. Zentnmsabgeoiimet« Schmelzer meidet, und Wort für Wort die Aussagen der„SPD.-Zeugen" bestätigt. Angeklagten, und Per- techfgerbank machen lange Gesichter. Heines hatte schon vorher provoziert. Als letzter Zeuge wird der Nebenkläger Dr. Klotz ver. nommen. Er ist 37 Jahre alt, Doktor der Staatswissenschasten, ge- härte im Jahr« 1923 der Nationalsozialistifchen Partei an. Sein« Mitgliedschaft hörte wegen der Auslosung her Parteiorganisation im selben Jahre auf. Er hat sich schriftstellerisch betätigt und wurde nach Iahren eingeschriebenes Mitglied der Sozialdemokrarstchen Partei. Cr erzählt: Em« halbe Stunde vor den Porfällen im R-ftüurant stand uh mit Dreitscheid in der Wandelhalle. Heines ging an mir vorüber und ich hätte das Gefühl, als lasse er fo was wie„Schwein" oder„Lump" fallen. Ich wandte mich zu ihm, Heines sagte:„Hawoht. Sie sind gemeint." Gegen 12 Uhr begab ich mich mit Otto Wels in» Reftaur.mt. Als er zur Abstimmung in den Sitzungssaal ging, blieb ich am Tisch und las die Zettung. Plötzlich hört« ich die Wort«:„Das ist der Kerl, der die Röhm-Bries« veröffentlicht hat." Ich stelle nicht in Abrede, daß ich die Briefe, die Röhm an andere geschrieben hat, veröffentlicht habe. In diesem Augenblick ruft eine Stimme im Zuhorerraum ,.D u Idiot". Der Vorsitzende läßt den Rufer und voch eine andere Per- son feststellen, verweist sie aus dem Saal und droht, bei Wieder- holung eines derartigen Zwischenfalles den Zuhörerraum zu räumen. Er fragt, wann die Veröffentlichung der Briefe erfolgt ist. Mitte März, erklärt Dr. Klotz, und schildert daraus die Vorgänge im Restaurant ganz so. wie es die Zeugen getan haben. Auch seine Darstellung des Uebersolles auf ihn in den Wandelgängen steht tn vollem Einklang mit der Darstellung der Zeugen. Der erst« Schlag traf ihn an der Nase, so daß er Nasenbluten bekam. Ob Siraher ihn geschlagen hat, kann er nicht sogen. Straßer rief ober: „Schmeißt doch den Lumpen raus." Cr ist der Ansicht. daß auch Heines und Stegmann im Wandelgang auf ihn einge- schlagen haben. Dr. Klotz wird vereidigt. Das Plädoyer von Oberstaatsanwalt Köhler. Di« Beweisarufnahme ist geschlossen. Dr. Köhler erhält das Wort zu seinem Plädoyer. Er hebt hervor, daß das Schnellgericht sich in diesem Falle durchaus bewährt Hobe. Nur die Tatsache, daß schon 24 Stunden nach der Tat die Zeugen vernommen werden konnten, Hobe ein vollkommen klare» Bild der Porgänge ermög- licht. Im politischen Kampf wundere man ssch eigentlich über nichts mehr, sagt« Oberstaatsanwalt Köhler. Aber die Vorgänge, daß sich drei Abgeordnet« im Reichstag während einer Sitzung dazu herge- geben haben, in einem Nebenraum einen unbeteiligten Gast, der ruhig feinen Kaffee zu sich nahm, zu überfallen und in der in der Beweisausnahme festgestellten Weise zu mißhandeln. dieser Vorann« bildet doch auch im volitischen Straf- Prozeß ein Novum. Ich glaube, fuhr der Ankläger fort, daß nicht nur die politischen Gegner der Ange- klagten, sondern auch ihre eigene Partei sich über Reichsbanner schützt sich. Maßnahmen gegen. Gpitzelei. Die ivundesleitunz dos Reichsbanners Schwarz. Not- Gold ist im Besch von Material, aus dem hervorgeht, daß bestimmte Kreise versuchen. Spitzel und Provokateure in das R e i ch» b a n n e r zu entsenden. Qb- wohl das Reichsbanner nichts zu verbergen hat. ist von der Bundesleitung im Interesse der Sauberkeit der Organisation ab sofort M i t g li e d S s p e-x r e ange- ordnet worden. Die Bundesinstanzen haben zugleich die Anweisung, erhalten, sich die in de« lebten drei Mo- naten eingetretenen Mitglieder genau anzusehen. eine solche Tat empören müßte? Mit dieser Tat ist im politischen Kampf ein Tiefpunkt erreicht, der kaum noch überschritten werden kann. Die Angeklagten Heine» und Stegmann hätten ihrer Sache besser genutzt, wenn sie nicht die unglaubwürdige, durch die Zeugen widerlegte Ausrede gebraucht hätten, daß sie sich durch eine Bemerkung des Nebenklägers Klotz beleidigt gefühlt und deswegen zugeschlagen hätten. De/ Grund für diese Angabe ist ja leicht verständlich. Würde sie zutreffen, dann könnte man sagen, sie haben eine Beleidigung auf der«tellz durch eine tricht- Körperperletz ung erwidert, und müßten deshalb strafstet bleiben. Es ist jedoch durch hie Zeugenaussagen-."-wondsre'. nachgewiesen. daß pr. Klotz den Angeklagten an diesem Tage keine Der an- lassung zu ihrem Borgehen gegeben ho« Sie haben ihn über- fallen aus Groll und Haß wegen der von ihm veröffentlichten Röhmbriese. Man könnte eigentlich sogar von einem hinter- listigen Ueberfall sprechen. Das muß bei der Strafzu- Messung berückschtigt werden. Die Anklag« wegen tätlicher Beleidi- gung gegen den Angeklagten Stroher kann nicht aufrecht erhalten werden. Eine wörtliche Beleidigung hat er ober selbst zugegeben. Bei der Bemessung der Strafe muß berücksichtigt werden, daß es sich hier um Reichstagsobgeordnet«, um Volksvertreter handelt, die in dieser Weise die dem politischen Kampf gezogenen Grenze» über- schritten haben. Wo würden wir hinkommen, wenn diese Lynchjustiz, dieses Foust- recht allgemein Uebung würde, wenn man wegen politischer Differenzen nicht mehr die zustäirdigen Instanzen anruft, sondern M't solchen Gewaltmitteln vorgeht! Wir müssen da? oft geniizj ahnden bei Leuten, die als Erwerbslose aus trr Straße sich prügeln. nur weil der«ine oder andere gegnerische Abzeichen trägt. Da müssen Vertreter des Volkes, oie etwas Derartiges tun, besonder, schwer bestraft werden. Oer Sirofantrag. Ich beantrage deshalb gegen die Abgg. Heines und Stegmann je vier Monate Gefängnis. gegen den Angeklagten Weitzel dagegen die Mindest- straf« von zwei Monaten Gefängnis. gegen den Angeklagten Straßer wegen Beleidigung lvl) Mark Geldstrafe, für die im Richtbei- treibungsfalle vier Tage Gefängnis zu treten haben. Rechtsanwalt Brandt unterstrich in feiner Reo« noch ganz besonders den Umstand, daß es sich hier um Reichstagsabgeordnet« handele, und daß c» unter keinen Umständen angängig sei. daß auf diese Weise politische Kämpfe ousgefochten werden, und es oll» gemein zu verdammen sei, wenn Gewalt vor Recht gesetzt werde. Die Verteidiger der?l»geklagten überschlugen sich in der Lobpreisung der Selbsthilst, sie erhoben energischen Protest gegen die Forderung des Staatsanwalts, die Angeklagten schwerer zu bestrafen, weil sie Reichstagsabgeordnet« seien, und geizten nicht mit' neuen Drohungen.?lls einer der Verteidiger die Tot der Angeklagten als besonders heldisch hinstellte, brach da, Nazi- Auditorium in ein lautes Bravo aus. Der Vorsitzende sah sich genötigt, endlich den Zuhörerraum räumen zülassen. Im letzten Wort erklärten die Angeklagten, daß sie-ihre Tat durchaus nicht reue. Dr. Klotz erklärte, daß die Drohungen, die im Gsrichissaal-gegen ihn- ausgesprochen worden.seien, ihn nicht daran hindjirn würden, sein« schrifrstellerische Tätigkeit in gleichem Sinne wie früher auszuüben/ Die Urteilsbegründung. Die Beratung des Gerichts währte nicht länger als zwanzig Minuten. In der Urteilsbegründung führte Landgerichtsdirektor Mafur au?, daß bas Gericht den Angeklagten mildernd« U m st ä n d e n ich t h a b e zu h i l li g en können. Es sei zwar verständlich, daß die Angeklagten aus de» Zeugen Dr. Klotz wegen seiner Veröffentlichungen wütend waren. Di« Angeklagten hätte« «£« unter Umstünden ihre Empörung auf andere Weise, alz es geschehe» sei. zum Ausdruck bringe» müssen. Die Veröffentlichung der Mohm.Briefe sei erst im März d. I. erfolgt. Der erhöhte Ehrenschutz hätte den Angeklaglen die Möglichkeit gegeben, aus ander« Weise sich Genugtuung zu- verschaffen, um so mehr, als auf Grund der Notverordnung Bußen bis zu 10000» M. vorgesehen seien. Selbst wenn sie glaubten, auf den legalen Weg verzichten zu können, so hätten die Angeklagten nicht den Reichstag als Ort für ihre Revanche wählen dürfen. Der Reichstag ist für Millionen Deutscher ein Heilig» tum. Er trägt die Inschrift:„Dem deutschen Volke". Er ist ein neutraler Ort. Hier üben die Vertreter des Volkes souverän die gesetzgeberische Tätigkeit aus. Er ist nicht dos Haus der Nationalsozialisten, wo ste vom Hausrecht trieb rauch machen dürfen. Deshalb mutzte es geahndet werden, wenn die Angeklagten mittelalterliche Methoden an einen Qrt tragen, der nicht ihr Parteihaus ist. Abgeordneter S t r a ß e r mußt« freigesprochen werden, d a d e r Strafantrag wegen Beleidigung nicht vor Ablauf von 2 4 Stunden g e st e l l t worden war. somit die Es» nehmigung zur Aufhebung der Immunität durch den Reichstag er- forderlich wurde. Es war gegen ihn nur Strafantrag wegen ge- meinfchaftlicher Körperverletzung gestellt. Diese Anklag« ist jedoch fallengelassen worden. Sämtliche Angeklaglen wurden auf freien Fuß gesetzt, da Hast- befehle gegen sie nicht vorlagen. Die Verurteilten legen Berufung ein. Die von dem Schnellschöffengericht verurteilten Reichstags- abgeordneten Heines, Stegmann und Weitzel wollen gegen das Urteil Berufung einlegen. Nationalsozialistischer Krakeel vor dem Kriminal- gerichtsgebäude. Während der Gerichtsverhandlung wegen des Reichstags- zwifchenfalls im Kriminalgericht zogen gegen 13 Uhr etwa 3 0 Nationalsozialisten singend in zusonmrengeballler Form die Reihe rioroer Straße entlang bis zum Kriminalgcrichtsgebäude. Hier schritt die Polizei ein, zerstreute die Ansammlung und ver- haftete 22 Personen, die sämtlich der Abteilung l im Polizeipräsidium zugeführt wurden. Nach dem Lleberfall die Verleumdung! Aozihehe gegen Or. Motz. Genosse Dr. Helmut Klotz schreibt: Um von der abgrundtiefen Gemeinheit ihrer drei heute ver» urtellten Reichstagsabgeordneten abzulenken(die Mehrzahl der Attentäter hat sich in bekannter Feigheit um die Verantwortung zu drücken verstanden), versuchen die Nationalsozialisten, mich mit Dreck zu bewerfen. Es behauptet heute der„Angriff" unter anderem, ich sei vor Jahr und Tag„wegen Unterschlagung au« der NSDAP, ausgeschlossen" worden und sei..dann im Irrenhaus interniert gewesen". Ich habe heute dem„Angriff" unter Berufung auf den Z 11 des Presiegcsetzes folgende Berichtigung zugehen lasten: „I. Es ist unwahr, daß ich aus der NSDAP, wegen Unter- schlagung ausgeschlossen worden bin; wahr ist vielmehr, daß ich niemals aus der NSDAP, ausgefchtosten worden bm. weder wegen Unterschlagung noch aus sonst irgendeinem Grunde. ? Es ist unwahr, daß ich im Irrenhaus intermete gewesen bin: wahr ist vielmehr, daß ich niemals weder im Irrenhaus noch sonstwie in nervenärztlicher Behandlung mich befunden habe. _ Helmut Klotz." Polizei im Reichstag. 3u den Vorfällen am 12. Mai. Von Paul Lob». Daß staatliche Machtorgane gegen Abgeordnete in Parka» menten vorgehen, wird imnier einen peinlichen Eindruck in der Oeffentlichkeit erwecken. Man setzt von den Männern, die als Auserwählte die Gesetze für das Land bestimmen, als selbstverständlich voraus, daß sie sich selbst nicht in einer Weise gegen gesetzliche Vorschriften vergehen, die ein ge» waltsames Einschreiten nötig macht. Man hat den Abgeord- neten im einzelnen wie die Volksvertretung im ganzen in ollen modernen Staaten mit besonderen Sicherungen um- geben, die eine etwaige unbegründete Einwirkung der staot- lichen Gewalten unmöglich machen sollen. Die Polizeihoheit geht im Parlament an den Präsidenten über, und erst aus seine Aufsordening können polizelliche Maßnahmen im Hause der Voltsvertretung getroffen werden. Trotzdem sind in letzter Zeit die Fälle, in denen es zum Eingreifen von Polizei in den Volksvertretun- gen kam, häufiger geworden, auch in außerdeutschen Parla- menten. Aus der Geschichte des Reichstags liegen zwei solche Fälle vor. die sich in dem Jahre 1924 bei der Be» ratung der DoweS'Gesctze und im Jahre 1929 bei der Be> sprechung von Zusammenstößen anläßlich der Maifeier ereigneten. Die Maßnahmen wurden beide Male gegen kam- munistische Abgeordnete ergriffen und zufällig von anderen amtierenden Präsidenten verfügt. Beide Male gaben schwere Verstöße im Sitzungssaal des Reichstages zu den Eingriffen Anlaß. Was die Vorfälle am 12. Mai herbeiführte, waren Vorkommnisse im Gebäude des Reichstages außerhalb des Sitzungssaales, und deshalb bestreiten einige Parteien dem Präsidenten das Recht zur Anwendung der sitzungspolizeilichen Ordnm'gsmaßncchmen, nitmlich des Aus» schlusses der Abgeordneten von den weiteren Verhandlungen. Sie stützen sich dabei auf die Tatsache, daß solche Strafen noch niemals ausgesprochen wurden auf Grund von Vor» kammnissen, die sich außerhalb des Sitzungssaales zugetragen haben. Damit haben sie recht— solche Ausschreitungen sind innerhalb des Reichstagsgebäudes eben noch nicht vorge» kommen. Aber daß sie deshalb ohne Folgen auf die Be- telligung der Gewalttäte? an den Sitzungen des Reichstages bleiben sollen, ist ein praktisch unhaltbarer Zustand. Ich habe den Opponenten vor Augen geführt, was geschehen soll, wenn der Präsident vor der Tür des Sitzungssaales von einem Abgeordneten geohrfeigt wird- Nach ihrer Rechtsauffassung kann er Rollkommando Heines. WEITZEL �srnm. Hönes „ Oer Mann saß allein am Tisch." ,Aha, da fühltet ihr euch natürlich provoziert." Freidenker für Gewiffensfreiheit. Gegen die Knebelung der Verbände. In Bielefeld fand«in« Tagung de» Deutschen Frei- denkcrverbandes statt, au der der Vorstand, die Kontroll» kommission, der Beirat und die Bezlrkssekretäre teilnahmen. Die Tagung nahm zu der Notverordnung vom 4. Mai, die dl« Auf- lösung der„Aottlosenverbände" verfügt, Stellung uNd faßte einstimmig nachstehende Entschließung: „Durch die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 4. Mai 1332 sind die kommunistischen Gottloseiwerbände ousglöst worden. Gegen diesen neuesten Handstreich im Rahmen der verhängnisvollen Notverordnungspraxis erhebt der Deutsche Freidenkcrverbond den allerschärf st en Protest. Erneut wird mit dieser Notverordnung ein Vorstoß gegen staatsbürgerliche Rechte unternommen, ein Eingriff in hi« verfassungsmäßig gewährleistet« politische med weltan schau- liehe Gewissensfreiheit veriibt. Deswegen j ordern wir alle.chui ö.e m Baden hex Demo» tra t'» sichenden Volksgenossen auf, sich diesem Protest anzu- Wietzen und sich auch durch ihre subjektive Stellungnahme zu der kommumststchen Bewegung in dieser Frage grundsätzlicher Erwägungen nicht beernflussen zu lassen Der Deutsche Freidenkervevband hat stets den jetzt der Auf- fosung verfallenen Organisationen in schärfster Kampfesstellung gegenübergestanden. Er fühlt sich auch jetzt zu keiner Sym- pathiekundgebung ihnen gegenüber veranlaßt. Wir erblicken nur ein taktisches Manöver der Reichsregierung darin, daß sie den kommunistischen Charakter der von der Nötverordnung betroffenen Verbände in den Bordergrund stellt. In Wirtlichkeit gehen die Pläne der hinter der Reichsregierung siehenden christlichen Kirche dahin, mit Hilfe des Staatsapparates die gesamte Freidcnkerbewegung z u vernichten und jede antireligiöse und anti kirchliche Propaganda unmöglich zu »rächen. Di« erste Etappe war die Notverordnung vom 28. März 1931, die zweite das jetzige Verbot. Planmäßig steuert man aus weiter« Gewaltmaßnahmcn zu. Damit soll der Mastenabwandenmg aus der Kirche Einhalt ge- boten werden. Damit hofft man die K r i t i k a n d e n Z u st ä n d e n innerhalb der christlichen Kirche zu drosseln. Da- mit denkt man seve? freiheitliche Möllen' und.Handeln ersticken zu Tomrert/ �'''''' Dtes«n"kuktü'rreakii'onären Plänen muß ein ent- schtedenes Paroli geboten werden. Darum ist e» elementarste staut»- bürgerliche Pflicht, den aus einseitiger kirchlicher Interessenpolitik entspringenden Maßnahmen der Reichsregierunz schärfsten Protest entgegenzusetzen." das Ergebnis der Beleidigungsklage abwarten, rrn übrigen muß er den Abgevrdneten, der den körperlichen Angriff vsr- übte, nicht nur im Sitzungssaal dulden, sondern ihm auch das Wort erteilen. Ich habe gefragt, ob die Herren die gleiche Haltung einnehmen würden, wenn etwa ein deutsch» nationaler Parteiführer außerhalb des Sitzungssaales von einem Linksabgeordnetcn überfallen würde, ob sie in Ge» meinfchaft mit dem Uebeltäter die Beratungen im Sitzungs- faal fortsetzen würden. Die Unmöglichkeit solcher Zustände mußte auch den Opponenten einleuchten. Sie beschränkten sich dann darauf, zu behaupten, es fehle eben die recht- liche Handhabe, denn die Ordnungsparagraphen der Geschäftsordnung bezögen sich lediglich auf den Sitzungssaal, und das Hausrecht des Präsidenten kann nicht über diese Maßnahme ausgedehnt werden. Dabei ist doch übersehen worden, daß der 8 19 der Geschäftsordnung, der die Auf- gaben des Präsidenten umschreibt, ausdrücklich sagt: „Der Präsident regelt die Geschäfte des Reichstages. Er hat die Würde und die Rechte des Reichstages zu wahren und sein« Ar- bellen zu fördern, besonders die Verhandlungen gerecht und unpar- teiisch zu leiten und die Ordnung im Hause zu Hand- Hab c n. Er hat beratende Stimme in allen Ausschüssen." Ohne irgendwelche E in schränkung wird dem Präsidenten die Aufgabe und die Pflicht zugewiesen. die Ordnung im Hause zu handhaben, und zwar geschieht das auf Grund der Verfassungsbestimmung im Artikel 28. welche lautet:„Der Präsident übt das Hausrecht und die Polizeigewalt im Reichstagsgebäude aus." War es bisher nötig, die Ordnungsmaßnahmen nur im Sitzungssaal zu ergreifen, so deshalb, weil sich haarsträubende Verstöße außechalb des Saales noch nicht ereignet haben. In dem Augenblick ober, in dem sie vorkommen, kann das Haus- sie unmöglich ertragen, und so wird die Abwehrmaßnahme zur Selbstverständlichkeit. Andernfalls könnten sich sa die Vorsälle nach drei Tagen wiederholen, und dann würde wohl jeder- mann einsehen, daß die Ordnung im Hause mit allen Mitteln aufrechterhalten werden muß. Zu diesen Mitteln gehört, wenn die eigenen Organe nicht ausreichen,, die staatliche Polizei. Ich haste zuerst angenommen, daß dieses polizeiliche. Eingreifen sich auch diesmal unauffällig durch Zipilbeamte bewerkstelligen ließe, ohne den Fortgang der-Sitzung zu gefährden. Diese Absicht war von dem Augenblick an unmöglich, als ich er» fuhr, daß bei der Ermittlung des Tatbestandes de» ersten llebersälles der von Beamten des Reichstags begleitete Journalist ein zweites Mal überfallen und dadurch die Er- mittlung unmöglich gemacht wurde. Bon diesem Augenblick an war es unzweffelhaft, daß die stärkeren Kräfte der Po» lizei zur Feststellung des Tatbestandes und zur Sicherung aller Täter eingesetzt, und daß die der Teilnahme lieber- führten von den weiteren Sitzungen des Reichstags ausge- schloffen werden mußten, wenn der Fortgang der Beratun- gen gesichert und der Wiederholung solcher Borkommniffe vorgebeugt werden sollte. De? Fortgang der Beratung ist verhindert worden durch die Weigerung der Abgeordneten, sich aus dem Sitzungssaal zu entfernen. Damit war nun eine Lage geschaffen, in der an einer ruhigen Forfführung der Verhandlungen nach kurzen Unterbrechungen nicht mehr zu denken war. Der zweite Ueberfall auf einen Gastodes Reichstages, die Behin- derung der Ermittlung und die Renitenz der gerügten Ab- geordneten haben die sofortige Erledigung der noch aus- stehenden Arbeit des Reichstages verhindert. Sie wird auch später nur möglich sein, wenn alle Abgeordneten sich den Gesetzen der parla- mentarischen Arbeiten fügen— anders nicht! Atteniatsgerüchie um Groener Zn einem Teil der Presse werden Gerüchte von einem angeb- lichen Aitentatsplan auf Groener wiedergegeben. Diese Gerüchte kursieren In Berliner politischen Kreisen bereit» seit Tagen. ohne daß sie bisher eine Bestätigung gefunden haben. Sie sind wahrscheinlich auf die Nachricht zurückzuführen, daß zu Beginn dcr Woche mehrere junge Leute verhaftet worden sein sollen, von denen e» heißt, daß sie sich an dem Personenwagen de, Minister» zu schassen gemacht haben. Aber auch die Bestätigung diese« Gerüchtes läßt bisher noch auf sich warten. Einladungen für Laufanne. Tie britische Regierung hat in ihrem eigenen Namen sowie im Namen Teutschlands, Frankreichs, Italiens, Japans und Belgiens den Regierungen der Tschccho» slowakei, Rumäniens, Tüdslawiens, Polens, Griechenlands, Portugals, der Britischen Dominions und Indiens die Einladung zur Lausanner Konferenz für den 16. Juni übermittelt. Ter Text der Einladung ist sehr kurz und erwähnt das britische Programm für die Konferenz, das Gegenstand von Unterhandlungen zwischen den erstgenannten sechs Mächten war. nicht. ver Reichstagsabgeordnete Prof. Sohl ist, wie schon gemeldet, an BauchfelleMzündnng erkrankt. Sein Zustand wird setzt als besorgniserregend bezeichnet. Im hessischen Raziblatt„N®.-Kurier" teilt sein Herausgeber, der Abg. Lenz, mit, daß die Zeitung am 1. Juni ihr E»» scheinen«in stellt. Neuer Skandal in Südost. Arbeitslose stehen Schlangen.— Massenkündigungen der Angestellten. Aus Grund der Hilferufe der Arbeiislosen und der Ange- slelllea haben wir die Verhältniffe aus dem unrühmlich be. kannten Arbeilsoml Südost einer Prüfung unterzogen. Das Ergebnis ist sehr beunruhigend. In dem bekannten Gutachten des Sparkomlnifforz wird ver- langt, daß bei bevorstehenden Feiertagen die Arbeitslosen chr Geld nicht mehr auf zwei Wochen im voraus erhalten. Bisher war es so, daß Arbeitslos«, die am kommenden Pfingft- montag Zahltag hatten, die Unterstützung für die kommend« Woche bereits am vergangenen Montag mit ausgezahlt erhielten. Jetzt bekommen sie das Geld erst zwei oder drei Tage vorher, um der Reichsanstalt einen„Zinsverlust" zu ersparen. Die Folge davon ist, daß Tausende von Arbeitslosen, die am Pfingstmontag Geld zu bekommen hätten, nun am Donnerstag und Freitag in die Sonnenallee zum Arbeitsamt Südost gehen mußten hier war- t e t e n aber bereits schon die Arbeitslosen, deren regulärer Zahltag der Donnerstag oder Freitag ist. So standen die Blassen in langen Viererreihen Schlange, im Sanitälsraum Halle man zu tun, die in der Stickluft ohnmächtig gewordenen Frauen zu behandeln. Es hatte nur noch ein von früh bis spät niederprasselnder Landregen gefehlt, um die durchschnittlich zwei Stunden«artenden Ar- beitslosen bis auf die haut zu durchnässen. Dabei ist berechnet worden, daß die„Zeitersparnis" vielleichl. etwas über IlW Mark pro Tag ausmacht. Aber die Kassierer hatten in diesen Tagen durch eine ungemeine Forcierung des Arbeits- tempos statt der normalen 700 bis 800 Zahlfälle diesmal etwa 1400 Zahlungen in den fünf Kafsenftunden von 8 bis 1 Uhr auszuführen. Das find 280 Zahlungen in der Stunde oder Wi Zahlungen in der Minute! Neben jedem Kassierer standen zwei Kortcnzieher, die dem Koissierer die Zahlbogen buchstäblich zuwarfen und immer die Geldrollen öffneten. Jede Kontrolle über die Identität des Arbeitslofen, über die Richtigkeit seiner geleisteten Unterschrift, über Nebenoer- dienste durch Aushilfsarbeit oder Nebenverdienste der Familien- angehörigen muß bei diesem Hetztempo natürlich verloren gehen. Denn hinter dem augenblicklich Abzufertigenden stehen Tausend«, deren Neroenkraft durch das lange Warten auf eine harte Probe gs- stellt wurde. Das gleiche gilt für die Angestellten in den E x- p e d i t i o n e n, wo ein Zusammenstoß mit den empörten Ar- beitslosen dem anderen folgt. Auch hier ist es unmöglich, daß bei einem derartigen Arbeitsanfall ordnungsgemäß die Ansprüche der Arbeitslosen geprüft werden können. So ist es Totsache geworden, daß wegen vager llX) Mark Zinsersparnis vielleicht lausende Mark von Staatsgcldern gewissermaßen„durch die tappen gehen". Das ist die Praxis der Gutachtervorschlägs. Mitten in diese unhaltbaren Zustände schlug die Nachricht, daß von den 210 Angestellten des Arbeitsamts Südost zum 30. Juni 1932 nicht weniger als vierzig gekündigt lverden sollen! Man hat dazu ein Sisttem von„Mehzisfern" ausgeklügelt. Danach hatte bisher ein Angestellter 175 Aktenstücke zu bearbeiten, jetzt ober 225 Akten. Indem man also das Heßtempo zum Rormalzusiaad werden läßt, glaubt man in Südost 40 Angestellte einsparen zu können. Wenn in der Sonnenallee die Arbeitslosen überhaupt noch ab- gefertigt werden konnten, dann nur, indem man die für das Arbeits- amt Süd reservierten Raums einsach für den Betrieb van Südost hinzunaihm und dort vier hilsskassen errichtete. Denn Südost hat allein 32 000 Arbeitslose zu betreuen. Nach Pfingsten aber wird nun unwiderruflich, wie wir hören, auch noch das Ar- beitsamt Süd m die Sonnenallee ziehen. Dieses Amt bringt 20 000 Arbeitslose mit. Da die Räume schon für Südost nicht ausreichen, ist e? ein Rätsel, wie Südost und Süd zusammen ihre Aufgaben bewältigen sollen. Aber die Situation wird noch grotesker: demnächst wird die Abteilung III der Fachabteilung für die Metallindustrie von Oberschöneweide(Lauffener Straße) nach der Sonnenallee verlegt. Dann kommen nach Neukölln noch alle die Former, Gießer, Walzer, Dreher des großen Schöneweider Jndustriebezirks stempeln und dazu die, die von ihren F a ch n a ch- weisen vorderhand von der regelmäßigen Stempelung e n t- bunden wurden. So sollen die unzulänglichen Räume in der Sonnenallee Woche für Woche rund 80 000 Arbeitslose passieren. Und der offenbare Skandal findet seine Krönung, wenn ab kommenden 2. Juni der Sonnabend als Zahltag auf- gehoben wird! So sollen dann zum Beispiel die kaufmänni- s ch e n Arbeitslosen, die an den Sonnabenden ihr Geld holten, am Donnerstag mit abgefertigt werden; der Sonnabend soll in Zu- kunft für den inneren Bürobetrieb frei bleiben. Unter diesen Umständen muß der jetzt schon das letzte hergebende Anze- stelltenapparat einfach zusammenbrechen und die Polizei- a b t e i l u n g, die ständig vor dem Arbeitsamt m der Sonnenallee Dienst tut, wird nicht mehr ausreichen, den Zorn der Erwerbslosen zu bändigen. Aber die ganze Verantwortung für alles, was kommen mag, wird dann nicht auf einen einsichtslosen Spdrkommissar und seine Beauftragten abgewälzt werden können. Verantwortlich ist und bleibt die Reichsanftolt. Mimatum der Steinsetzer. Aufrechterhaltung der Löhne- oder Streik. Der für das Berliner Stein setzgewerbe gesöllte un- geheuerliche Schiedsspruch, wonach die Löhne der Steinsetzer und Steinschlägcr ab 11. Mai um 33 und l'ür die Rammer um 35 Pf. i» Stunde herabgesetzt werden sollen, hat bei den Arbeitern dies«? Gewerbes das Maß zum Uebcrlaufen gebracht. Gestern abend nahmen die Steinsetzer und Rammer, die in dem Zentralverband der Steinarbeiter organisiert sind, in den Brunnen- Sälen zu diesem Schiedsspruch Stellung. Nach reislicher Aussprache wurde e i n st i m m i g der Beschluß gefaßt, von sämtlichen Unter- nehmern zu verlangen, daß sie sich noch heute, Sonnabend, bereit- erklären, die bisherigen Löhne weiter zu zahlen. Bei den Unternehmern, die diese Erklärung nicht abgeben, soll die Ar- beit sofort eingestellt werden. Der Streikbeschluß ver- pslichtet alle Mitglieder des Zentralverbandcs der Steinarbeiter, jede 'Einzelabmachung mit den Unternehmern abzulehnen, die einen geringeren als den bisherigen Loh» vorsieht. Mit der Streik- sührung beauftragte die Versammlung die Sektionsleitung der Stein- sctzer und Berufsgenossen. Wie unberechtigt gerade in diesem Geroerbe der Lohnabbau ist, zeigt eine Gegenüberstellung der Arbeitsleistungen der Vor- kriegs- und Jetztzeit. In der Borkriegszeit wurden in Berlin von einem Steinsetzer im Durchschnitt in neunstündiger Arbeitszeit ungefähr 18 bis 20 Q u a d r a m e t e r R e i h e n p s l a st e r gesetzt. Heute verlangt man von ihnen in sieben- oder acht- stündiger Arbeitszeit 35 bis 40 Quadrametcr bei an sich unveränderter Arbeitsweise. Mosaikpfloster wurde in der Borkriegszeit pro Stunde ein Quadratmeter gesetzt, heute dagegen verlangt man pro Stunde zwei Quadratmeter. Ein Lohnabbau, wie ihn der Schiedsspruch vorsieht, müßte notwendig zu einem Rückgang der Leistun g führen, so daß praktisch«ine Steigerung der Lohnkosten herauskommen würde. Die llnvsrfroreüheit der Berliner Steinsetzunternehmer zeigte sich in einer der Tarifoerhandlungen, in der ihr Syndikus Dr. Ge- bau er die Stirn hatte, den Unterhändlern der Steinsetzer zu sogen, jetzt müsse auch einmal die Arbeiterschaft mit Hilfe des Lohn- abbaus zur Tragung der Kriegslasten herangezogen werden, die bisher nur auf den Schultern der Besitzenden geruht hätten! Wirtschast und Arbeiterschuh. Die Tagung der Gesellschast für Gewerbehygiene. Das Grundprinzip des Kapitalismus heißt Profit. Alles, was diesem Profit entgegensteht oder entgegenzustehen scheint, wird miß- trauisch und ablehnend behandelt. Jede Mehrausgabe, deren wirt- schaftlichcr Erfolg nicht sogleich in die Augen springt, wird als un- wirtschaftlich betrachtet. Eine lange Erziehungsarbeit war nötig, bevor es'gelang, wenigstens einen Teil dieses vom krassesten Egois- mus diktierten Handelns zu überwinden. Heute sind wir, wie die außerordentliche Tagung der Deutschen Gesellschaft für Gcwerbehygiene zeigte. einen kleinen Schritt weiter gekommen. Selbst der Bertretcr der Unternehmer sah sich veranlaßt, die bündige Erklärung abzugeben, daß die Unternehmerschaft positiv zur Frage des Arbcitcrschutzes und der sozialen Fürsorge eingestellt sei. Das mag für einen Teil der Großbetriebe zutreffen, die durch wirtschaftliche Ueberlegungen zu einer gewissen Anerkennung gewerbehygienischer Maßnahmen gekommen sind. Aber auch heute noch steht nicht der Mensch in der ersten Reihe dieser Ueberlegungen, sondern der g ü n st i g e Bilanzabschluß. Erst als ein Teil des Unternehmertums begriffen hatte, daß Arbeiterschutzmaßnahmen Leistungssteigerungen mit sich bringen konnten, setzte sich der Gedanke durch, den die Deutsche Gesellschaft für Gewerbehygiene und natürlich auch die Gewerkschaften vertreten. Aber auch auf der letzten Tagung wurden in dem Houptreferat, das Dr.-Jng. Kleber hielt, Wirtschaftlichkeitsberech- nungcn des Arbeiterschutzes angestellt, und der Vertreter der Unternehmer, Herr von B o n i n, fühlte sich veranlaßt, auf die Schwere der sozialen Belastung sowie auf den Zusammenhang zwischen„übermäßigcn sozialen Lasten" und der Wirtschaftlichkeit her Betriebs hinzuweisen. Auch der Vertreter der BölkSwirtschafts- lehre, Herr Prosesior von Z« t e d t n e ck> Südenhorst-München, ließ in seinem Referat manchen Zweifel über den Wert der Arbeiter- schutzmaßnahmen laut werden. Um so erfreulicher war es, daß der Vertreter der Gewerkschaften, 5) a u p t- Hannooer vom Fabrikarbeiterverband, klipp und klar er- klärte, daß der Arbeiter anders zu diesen Fragen stände als der Wissenschastler und Unternehmer. Er ist Objekt oller Maß- nahmen. Er steht im Betriebe, er fürchtet für das Nachlassen seiner Arbeitskraft durch betriebliche Schäden. Er, der nach eingetretener Arbeitsunfähigkeit von den Renten leben soll, empfindet nur zu oft ihre Unzulänglichkeit. Mit Recht wies auch Sachs vom ADGB. auf die unterschiedliche Auffassung bezüglich der Fragen des Arbeiter- schutzes hin, die trotz der Erklärung des Unternehmervertreters in der Praxis begründet sei. Sicherlich ist im Laufe der Jahre vieles auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes geschaffen worden. Aber es muh immer wieder betont werden, wie unsäglich langsam sich die Erkenntnisse der Forschung in der Praxis durchsetzen. Geradezu typisch war das Beispiel, das Haupt vom Fobrikarbeiterverband anführte: Ueber zwanzig Jahre hat es gedauert, bis die gefährliche Vierkantwelle der Hobelmaschine beseitigt wurde. Heute noch findet man hier und dort diese Menschenverstümmelungsmaschincn. Arbeitende Landjugend. Wie sieht heute die Jugend des Landarbeiters aus? Der junge Mensch in der Großstadt, der in wirtschaftlich günsti- gerer Zeit oft geneigt war, das Land nur aus der Perspektive des Wochenendlers zu betrachten, hat heute an der Beantwortung dieser Frage sehr ernsthaftes Interesse. Gibt es sür den Landarbeiter noch Tätigkeit, die ihm das Nötige zum Leben schafft, die ihn erfüllt, die dem Streben des jungen Menschen noch sinnvoller Betätigung«in Ziel gibt? Ist hier ein Weg offen, der zurückführen kann aufs Land? Die Antwort, die Walter W e g n e r in seinem Vortrag im Programm der Funkstunde unter dem Titel„Die arbeitende Land- sagend" gab, war keine subjektive Stellungnahme, sondern nur ein Tatsachenbericht, der allerdings wenig verlockende Perspektiven öffnete. Der erwachsene Landarbeiter findet vielfach nur Beschäftigung, wenn er sogenannte„H o f g ä n g e r", jugendliche Hilfskräfte, mit- bringt, deren Unterhalt ihm obliegt. Sind bereits arbeitsfähige Kinder vorhanden, so werden sie aus diese Weise zum Landarbeiter- beruf gezwungen; der Vater kann nicht auf die Arbeitskraft ver- zichten. Fremde Hilfskräfte sind für ihn schwer zu bekommen, schwerer noch zu versorgen. Die Entlohnung, die er für sie erhält, reicht nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten: er muß also aus Eigenem zuzahlen. Auch hat er für die Unterbringung dieser Hilfskräfte zu sorgen. Das kommt in der Praxis gewöhnlich darauf heraus, daß der einzige S ch l a f r a u m, der für ilzn und seine Familie zur Verfügung steht, nun auch noch die f r c m- den Jugendlichen aufnehmen muß. Das Hofgängertum, be- tonte der Bortragende, wird von allen Landarbeitern als Geißel empfunden: es ist mit der wesentlichste Grund, daß bei dem Land- arbeiternachwuchs der Wunsch nach der Flucht vom Lande be- ständig zunimmt. iHur die Arbeitsnot dieser Zeit zwingt zum Bleiben. Der Lohn des junge» Landarbeiters ist erbärmlich schlecht. Der männliche Siebzehnjährige erhält 18 Pf. in der Stunde, oder wenn er im festen Arbeitsverhältnis steht, neben Kost un!» Logis] 18 M. monatlich für eine Arbeitszeit, die vier Monate im Jahr. acht Stunden täglich, vier Monate 10 und vier Monate 11 Stunden beträgt. Weder berufliche Schulung noch kulturelle Anregung sind den jugendlichen Landarbeitern zugänglich. Die Jugendorganisa- tionen der Arbeiterschaft, die in de» Städten eine so bedeutende Rolle spielen, sind auf dem Lande noch wenig entwickelt; gewöhn- lich mangelt es auch an Menschen, die entsprechende Veranstaltungen leiten könnten— für die zudem gor keine Räume vorhanden sind. So werden Kartenspiel und Tanz die einzigen Unter- Haltungen der meisten Jugendlichen. Der Geist der Landslucht wird auf diese Weise immer stärker genährt. Erst wenn man der Land- arbeiterjugend ein kulturell besseres und jugendgemäßeres Leben ermöglicht, wenn man ihr die Aussicht auf eine lebenswerte Zu- kunft öffnet, wird eine notwendige Aendcrung eintreten. Die Krise in der Schuhindustrie. Rezirkskonferenz des Zentralverbandes. Die jüngste Bezirkskonferenz des Zentrolverbandes der Schuh- macher im Berliner Gewerkschaftshaus war von 29 Delegierten be- sucht. Der Verbandsvorsitzende Simon- Nürnberg war ebenfalls anwesend und W ö l l n e r als Vertreter des Bezirksausschusses des ADGB. Der Bezirksleiter Klein ergänzte den gedruckten Bericht und zeigte den Einfluß der Wirtschaftskrise aus die Schuhindustrie an folgender Gegenüberstellung. Im Oktober 1928 waren in 127 Betrieben 4996 Personen beschäftigt, im Oktober 1930 in 75 Betrieben noch 2779, und im Oktober 1931 gab es nur noch 53 Betriebe mit 1632 Beschäftigten. Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit veronlaßten die Fabrikanten, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern. Wie im vorigen, so auch in diesem Jahre hat ein ganzer Teil der Fabrikanten die Zustimmung zur Betriebsstillegung beantragt und zwar lediglich zu dem Zweck, die Arbeiter um ihren Ferienanspruch zu prellen. Die Organisation der Unternehmer leistet diesem Treiben Borspann, indem sie die Ferien aus einen Zeitraum verlegt, der es den Unternehmern er- möglicht, ihre Werkstätten solange stillzulegen, bis die festgesetzte Ferienzeit vorüber ist. Dobberschütz- Landsberg vom Berbondsbeirot berichtete über dessen Tätigkeit infolge der Lohntoriskündigungen der Unter- nehmer. Der Tariflohn wurde im letzten Jahre um etwa 20 Proz. gekürzt, einschließlich der Notverordnungskürzung. In der Diskussion machte sich die.Dpposition" bemerkbar, als deren Sprecher der durch seine mancherlei politische Wandlungen be konnte Leuenberg- Strausberg austrat, um seine Weisheiten, die er in einer vierwöchigen Rußlandreise geschöpft hat, von sich zu geben, sür die rote Einheitsfront! A o l l e r jubelte ihm zu, wöh- rend Hartz ihm seine Parole der Klassenfront gegenüberstellte. Genosse Simon zeigte an dem neun Wochen langen Kampf in Sontheim, wie die KPD.-RGO. die Einheitsfront in der Praxis mit Füßen tritt. Die Bedeutung des Reichstarifs der Schuhindustrie haben die Unternehmer besser erkannt als die„Opposition". In der Vorderpfalz und in Oberboyern treten Unternehmer aus ihrer Organisation aus, um von dem Reichstarifvertrog loszu- kommen. Bei den Wahlen fiel die RGO. ab. Dobberschütz wurde wieder- gewählt, ebenso die bisherigen Beisitzer zur Bezirksleitung, Matting, Schreck-Fürstenwalde, Menzel-Nowowes und neu Schüler-Berlin. Siegerwalds„Schönheiiskorrekiuren". Wie man den Binnenmarkt erschlägt. Für das Maler- und Anstrcichergcwerbe in Rheinland-Westfalen siillle der Schlichter für das Rhein- land einen Schiedsspruch, der folgende Neuregelung vorsieht: sür Gehilfen über 20 Jahre in Köln Stundenlohn 92 Psennig, in Düsseldorf 90 Pfennig und im übrigen rheinischen Gebiet und im Industriegebiet 86 Pfennig, für Gehilsen unter 20 Jahren fünf Prozent weniger. Diese Lohnregslung soll vom 1. Mai 1932 bis zum 28. Februar 1933 gelten. Die Kölner Maler und Anstreicher hoben den Schiedsspruch abgelehnt. Die Organisationsleitung wurde erinächligt, Maßnahmen zu ergreifen, um einen tariflosen Au- stand zu vermeiden. Verhandlungen für das S t u ck- und Putzgewerbe vor dem Schlichter für das Rheinland scheiterten an der unverschämten Forde- rung der Unternehmer, die Stundenlöhne bis zu 55 Pfennige in der Spitze zu kürzen! Im Kölner Jnstallationsgcwerbe kam es zu einer Bereinborung vor dem Schlichtungscrusschuß. Die Stundenlohne betragen danach in der Spitze bis zum 25. Mai 1,20 Mark, ab 26 Mai 1,15 Mark und ab 4. August 1,10 Mark. Das Abkommen gilt bis zum 30. November 1932. Einigung im Krastdrofchkengewerbe. Wir berichteten am Sonntag über den Abschluß eines neuen Tarifvertrages zwischen dem Gesamtoerband und der Bereinigung der Berliner Kraftdroschken-Großbetriebc. Jetzt ist auch mit der Arbeitsgemeinschaft Berliner Krastdroschkcn-Verbände, in der die kleineren Droschkenunternehmer Berlins zusammengeschlossen sind, eine Verständigung über die Neugestaltung des Lohn- und Manteltarisvertrages, der zum 30. April gekündigt war, erzielt worden. Die Kraftfahrer in diesen Kleinbetrieben bleiben wie bisher mit 32 Proz. an der Bruttoeinnahme beteiligt; der Garantie» lohn wird von 4,25 aus 4,75 erhöht, aber nicht mehr täglich, sondern in vierzehntägigcm Turnus verrechnet. Der Monteltarif wurde bis Ende März 1933 verlängert, jedoch mit der Maßgabe, daß in diesem Jahr nicht 5 bis 12 Tage, sondern 4 bis 10 Tage Urlaub gewährt werden. Weiter haben die Tarifparteien vereinbart, daß es in den einzelnen Betrieben ge- stattet ist, abweichend von diesem Lohnabkommen in betrieb- lichen Abmachungen festzulegen, daß der Fahrer 40 Proz. der Bruttoeinnahme erhält, dann aber sür jeden von. ihm gefahrenen Kilometer 2 Pf. Kilometergeld an den Besitzer zurückzahlen muß. Dos neue Lohnabkommen gilt vom 14. Mai bis zum 30. September 1932.____ Freie Gewerkschafis-Lugsnd Berlin Heute, vonnubend, 14. Mai, gehen unsere Truppen auf Fährt. Berantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschaft: T. iili-gelhifer: Tcwerklchaftsbewegung: 3. Striner; Feuilleton: Dr. John Schilowsli: Latale» und Sonstiges: Sri» iiarstädt, Anzeigen: St). Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Vortvärts.Verlag<5. m. b. H. Berlin. Druck: Vorwärts.Buchdruckerei und Berlagsanslalt Paul Singer u Co. Berlin SM. SS Lindenstroße 8. Hierzu 2 Beilage». Schöne weiße Zähne schon nach einmaiiz. Putzen mil der herrl. erfrisch, schmeckenden„Chlorodont- Zahnpajle", lchreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. und 80 Pf. 7lr. 224* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 14. Mai 1932 Bei den Stadtrandsiedlern Wie eine Siedlung entsteht— Ein Kolonist erzählt Die Siebter, bie von ber Stobt bereits eine Mitteilung er* balten hotten, baß sie berücksichtigt würben, fieberten fönvslich, ben Plön nnb bie Dinge kennen zu lernen, bie für ihre nächste Zukunft so aussäsiaggebenb werben sollen. Dieses Fieber Hai sich nach einer Woche Arbeit bereits wesentlich nerminbert, es ist auch hier so, wie sonst im Leben, daß alles schön nur in ber Erwartung ist unb besi bie eigentlichen Erkenntnisse in mühevoller Arbeit gesammelt werben sollen. Dorf am Ziande der Großstadt. Weil an dieser Stelle von dem Rauoorhaben der Siedlung bereits zum öfteren geschrieben würbe, soll einmal nur von ben Freuden und Leiben ber Siedler erzählt werben, die in diesem Augenblick„bis über die Ohren" bereits in die Arbeit stecken. Am schönsten war die Vorfreude für den, der den Sonntag vor der Benachrichtigung allein oder mit seiner Familie benutzte, den Ort der künstigen Tätigkeit zu besichtigen. Nickst alle werden ihn gefunden haben, den Feldplan, der im Südosten Berlins mitten zwischen grünenden Saaten liegt und die Stadt nur aus der Ferne sichtbar� werden(ätzt. Die Ortschatten, die sich im Hintergrund malerisch drapieren, enden hier noch zumeist auf„Dorf", obwohl die elektrische Straßenbahn durch sie hiirdurckstährt und eine„Eis- diele" in einem umgebauten Scheunengiebel die Beziehungen zur Grosistadt nickst vermissen läßt. Holländische Windmühlen stehen an der Chaussee, Lerchen steigen aus den Saaten senkrecht zum blauen Himmel hinauf, und eine Luft weht über das Feld Was ist Dauarbeit? Eine Woche Arbeit hat min allerhand Neue« und Aufschluß- reiches gebracht. Allgemeines und Spezielles, ein Wissen, das aber für keinen von uns Siedlern unnütz war. Jedett falls weiß es nun auch der Uneingeweihte aus eigener Praxis und nicht nur aus den Erzichlungen unseres dicken Steinträgerkollegen, was Bau- arbeit bedeutet. Vorerst mußten von den Ungelernten die dicken schweren Eisenbahnschwellen für eine Zufahrt herangetragen werden, und über einen Kilometer sind Schwelle an Schwelle verlegt worden, weil die Lastwagen, die später das Baumaterial heranbringen, auf dem weichen Ackerboden bis an die Achse ein- sinken würden. Zu zweien oder dreien tragen die Arbeitskollegen diese Ungetüme, die dreckverkrustet und feucht«in Gewicht von zwei Zentnern und darüber haben. Am ersten Tag wurde die Haut in den Händen dünn, die Schultern bekamen blaue und grün« Flecke: an zweiten Tag fühlte man ein Stechen in den Knien, und das Kreuz wollte sich am Abend nicht mehr geradeaus- biegen lassen. Einige der Kollegen suchten nach einer Gelegenheit, sich anderwärts an«ineni Schippenstiel festzuhalten, aber klug waren gewiß jene, die trotz des Verdrusses die Woche über an dieser ersten und notwendigen Arbeit dabei blieben, denn von Tag zu Tag wurde sie schmerzloser ertragen, der Körper hatte sich gewöhnt. „Die vom Ausschachten" kamen zum FrüMick in die Baubude und meinten: �.Du, bei dem Schippen ist auch nichts los, ich habe schon Blasen in den Händen!" Kam dann der Baupolier vorbei, der mit Recht keine Ausnahme gelten läßt und den Trick au» seiner langen Tätigkeit heraus kennt, dann lachte er boshaft:„Kinder, ihr dürft von Glück sagen, daß ihr solch schönes Wetter habt! Was meint ihr wohl, wenn die verfluchten Dinger von Holzschwellen noch naß sind und ihr sie aus dem Dreck aufklauben müßt!" So heißt also die neue Erkenntnis: Bauarbeit ist eine der schwersten Arbeiten die existieren. Man soll auch nicht gering sprechen von der manu- Das Fundament wird gemauert. t cllcn handlichen Geschicklichkeit des ungelernten Bauarbeiters. Es mar sofort der Unterschied herauszumerken, ob man mit berufsmäßigen Bauarbeitern oder Fremden zusammenarbeitete.„Die Kuh steht immer zuerst von hinten auf!" so hieß es, wenn der Neuling vorn am Kopfende die Schwelle hochhob und die doppelte Last des Hebens seinem Hintermann zuerteilte: auch das A b- werfen der Schwellen von den Schultern will gelernt werden, es muß nach einem Kaminando zu gleicher Zeit von beiden Trägern erfolgen, wenn man nicht dem Kumpan das Ohr abquetühen will. Acht Tage find vorüber gegangen, acht aufschlußreiche Tage, die bewiesen haben, daß der Mensch als grobes Gefüge von Fleisch und Knochen doch auch eisten Ideellen Wert besitzt, wenn er.in der Keineinschast Kamerad und Genasse- des Nebenmenschen bleibt. Wenn dieser Geist, der jetzt die Siedler in rüstiger Weiterarbeit vorwärts treibt, weiter bestehen und wachsen wird, so schadet es gar nichts, daß bis zum Einzug im Spätsommer noch einiges von den romantischen Illusionen, verloren geht. Berlins große Sommerschau ,, Sonne, Luft und Haus" wird heute eröffnet Die Wochenendausstellung, die heule auf dem Ausstellungs- gelande am Kaiserdamm erössnel wird, nimmt In der Geschichte Berlins als Ausstellungsstadl einen besonderen Platz ein. Sie ist volkstümlich schon deshalb, weil man in den Vordergrund da» praktische und Plastische gezogen hat. die Theorie aber, die vielleicht den Fachmann interessiert, aber weniger das breite Publikum, mehr zurückgestellt hat. Alles, was mit dem Wochenende, mit der Erholung und Aus- spannung des arbeitenden Berlins zu tun hat, zeigt diese Ausstellung in vielgestaltigsten Bildern. 22 Musterkleingärten mit Lauben und Gartenhausern. 39 wachsende Häuser und 3 0 Wochenendhäuser gruppieren sich rund um den Funk- türm auf dem Freigelände, das in seiner Gesamtheit von den bei- den Liliputeisenbahnen durchfahren wird. Der Schienenstrang dieser Bahn ist verlegt worden, und zwar derart, daß der Besucher fämt- liche Bauten des Freigeländes bei seiner Fahrt zu Gesicht bekommt. Eine große Fläche des gesamten Geländes ist dem Anbauhaus, dem Kleingarten und in der Hauptsache dem Wochenende gewidmet. Im Rahmen der Ausstellung, die bis zum 7. August geöffnet ist, werden 73 Veranstaltungen. Sport, Spiele und Tur- niere. im Terrassengarten abgehalten werden. Gestern nachmittag wurde der in- und ausländischen Tages- und Fachpresse Gelegenheit zu einer Besichtigung gegeben, bei der der Direktor des Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrsamtes der Stadt Berlin, Albert W i s ch e k, in seiner Begrüßungsansprache u. a. ausführte, diese Ausstellung sei dazu angetan, in Tagen größter Nöte ein Bekenntnis abzulegen zu jenem Optimismus, ohne den es ein Heraus aus der Enge und Heimsuchung nicht gebe. Der Redner gab dann einen Ueberblick über den Inhalt der Ausstellung, er- läuterte kurz die Nutzgärten, Rosengärten, Gärten für Obstfreunde, für Tierfreunde, für Kinderreiche, verwies serner auf die große An- zahl von Sondergruppen wie„Parzelle und Haus", eine Jugendherberge,„Terrarien, Aquarien, Vogelschutz", ein Jugendheim, in dem Kinder„geparkt" werden können, eine Abteilung„Zum Pflanzendoktor", eine für„Wohnungsschädlinge", ferner sechs Schul- Werkstätten 1n Betrieb,„Gestaltende Hände am Wochenende" be- titelt. Er betonte weiter, daß der neue Terrassengarten mit seinen fast täglichen Veranstaltungen und Konzerten eine außerordentliche Bereicherung für das gesellschaftliche Leben Berlins darstelle. Einen besonderen Anziehungspunkt für die Kinder und den Tierfreund wird das vom Berliner Zoologischen Garten aus einem Stück märki- fchen Walde in der äußerften Ecke des Geländes hergerichtete Gehege mit deutschem Wild, Rot- und Damhirschen, Wildgänsen, Störchen usw. sein. lieber die Abteilung„Das Anbauhaus" sprach dann Stadtbaurat Dr. ing. Wagner. Der Vorsitzeirdc des Provinzialverbandes Groß- Bertin des Reichsverbandes der frleingartenvereine Deutschlands, R e i n h o l d, begrüßte es besonders, daß gerade der Kleingartengedanke mit in den Vordergrund der Ausstellung gestellt sei. Der Redner verwies auf ein altes Dichterwort, das da sagt:„Als die Menschen ihre Träume vom verlorenen Paradies verwirklichen wollten, schuien sie die Garten."„Das Wochenende" behandelte als letzter Redner Stadtmedizinalrat Prof. Dr. v. D r i g a l s k y, der besonders anerkennend auf die günstigen Auswirkungen der englischen Wochenend- bewegung einging. Auch in Deutschland habe das Wochenende aller Schichten begrüßenswerterweise in den letzten Jahren Verbreitung gefunden, und als Auswirkung dieser erstaunlichen Umstellung der Lebensgewohnheiten eines ganzen Volkes sei festzustellen: Rückgang der Tuberkulosesterblichkeit, der Säuglingssterblichkeit, fast voll- kommenes Verschwinden der Bleichsucht und der schweren Forme» der Rachitis. Es sei vielleicht das schönste und ethisch wertvollste an einer gefunden Wochenendbewegung, daß sie den Bewohner»n- geheurer Steinbauten wieder atmen lehre in dem freien kräftigen Atem der Natur. Die Ausstellung, die bis zum 7. August laust, ist geöffnet von 9 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends, Funkturmgarten, Deutsches Dorf und Terrassengarten bis ll Uhr abends. Berlins Freibäder laden ein. Ab heute alle Badeanstalten geöffnet. Nach den riesigen Strandbädern am Wannsee und am Müggelsee, die schon seit einigen Tagen vollen Sommcr- betrieb haben, öffnen jetzt zum Pfingstsest auch Berlins übrige städtische Strand- und Freibäder ihre Pforten. Am Soünabend, dem 14. Mai, wird das Freibad Plötzen- see eröffnet. Eintrittspreise: Erwachsene 10 Pf., Kinder 5 Pf. Badezeit: täglich von 7 Uhr an bis zur Dunkelheit. Im Strand- b a d Grünau an der Dahme, an der Regattastrecke(gegenüber den Müggetbergen, hat bereits die Badesaison begonnen. Eintritts- preise: Erwachsene 13 Pf., Kinder 3 Pf. Jahreskarten: Erwachsene 7,30 M.. Kinder 3 M. Badezeit: an den Wochentagen von 8 Uhr an, an den Sonntagen von 7 Uhr an, jeweilig bis zur Dunkelheit. Zu Pfingsten öffnet auch das Strandbad Wenden- schloß seine Pforten. Eintrittspreise: Erwachsene 20 Pf., Kinder 10 Pf. Jahreskarten: Erwachsene 9 M., Kinder 3 M. Das am Rummelsburger See gelegene Flußbad in Lichtenberg wird am Sonnabend vor Pfingsten die diesjährige Badesaison eröfsnen. Eintrittspreise: Erwachsene 23 Pf., Erwerbslose und Wohlfahris- unterstützte(nur von Montag bis Freitag bis 12 Uhr) 10 Pf., Lehr- linge und Kinder 10 Pf., Kinder bei geschlossener Führung 3 Pf. Es werden außerdem Kartenblocks(10 Eintrittskarten) für Erwachsene zum Preise von 2,20 M. und für Kinder zu 00 Pf. ausgegeben. Dauerkarten: Erwachsene 7,30 M., Kinder 3 M. Dauerkarten für Schwimm- und Sportvereine: Erwachsene 3,73 M., Kinder 2 M. Kinder unter 6 Jahren in Begleitung Erwachsener sind frei. Bad Südpark und Wröhmännerstraße in Spandau. Da; Bad im Slldpark wird am Sonnabend, dem 14. Mai, und das Bad in der Wröhmännerstraße am Dienstag, dem 17. Mai, er- öffnet. Badezeiten: Werktags von Kit- Uhr bis 20 Uhr und Sonntags. von 8'Uhr bis 2y llhr� Eintrittspreise: Erwachsene 20 Pi., Kinder. 10 Pf. Dauerkarten: Erwachsene 6 M., Kinder 3 M. Am Tel- tomkanal an der Promenade zwischen Wiesenbaude und Bake- straße wird das Schwimm-, Luft- und Sonnenbad in diesem Jahr als Familienbad eingerichtet. Neben den beiden Schwinunbecken mit Abteilungen für Nichtschwimmer steht die neugeschasfene Liege- wiese zur Verfügung, die den Besuchern an Sommertagen fern vom Straßenlärm Erholungsstätte sein soll. Das Bad wird am Sonn- abend vor Pfingsten eröffnet. Badezeit: Werktäglich von 7 bis 20 Uhr, Sonntags von 7 bis 13 Uhr. Volksbad Jungfern- Heide und Westend. Beide Bäder eröffnen am Sonnabend, dem 14. Mai. Die Badezeiten sind werktags wie Sonntags von 7 Uhr an bis zur Dunkelheit. Für das Volksbad Jungfernheide sind die Eintrittspreise einschließlich Garderobe wie folgt festgesetzt: Er- wachsen« 20 Pf., Kinder 10 Pf. Für das Bad Westend: Erwachsene 23 Pf., Kinder 10 Pf. Zum Atlantiksiug gestartet. Um 12.29 Uhr WEZ ist in Harbour Graee(Neufundland) der Flieger Lau Reicher» zu einem Atlantikflug ausgestiegen. Der Zweck des Fluges ist die Ermittlung der besten Flugstrecke sur eine Flugsportverbindung Amerika— Europa. Reicher» beabsichtigt, die Ozeanftugzeit um die Hälfte herabzusetzen. Die Rundreise der„Chaco". Nächstes Ziel Memel. » Danzig. 13. Mai. Der argentinische Dampfer„C h a c o", der in Edingen zehn Deportierte an Land gesetzt und dann den D a n z i g e r Hafen an g.e laufen hat, ist heute um 18.13 Uhr in See ge- gangen. Das nächste Ziel der„Chaco" ist Memet, wo sie vier Litauer landen will. Dann fährt das Schiff nach C a r d i f f, um den letzten Deportierten von Bord zu geben. Die„Juristische Sprechstunde" fällt Sonnabend, 14. Wai, und Dienstag, 17. Mai, Otis. Berliner Pfingstverkehr Besonderer Fahrplan für Straßenbahn und Autobus Neise-Hochbetn'eb. pfingst« und Fenenreisende füllen die Züge. Am Donnerstag schon hat sich der Pfingstverkehr auf den Berliner Fernbahnhöfen bemerkbar gemacht. Schon an diesem Tage mußte der fahrplanmäßige Verkehr durch Einlegung von 14 Vor- und Nachzügen verstärkt werden, und olle Züge, 5)aupt- wie Vor- und Nachzüge, waren bis zu 70 bis' 80 Proz. besetzt. Vom Anhalter Bahnhof mußten 5 Vor- und Nachzüge, davon 3 nach München und 2 nach Frankfurt a. M., eingelegt werden, vom Görlitzer Bahnhof 2 in Richtung Hirschberg, vom Stettiner Bahnhos einer nach N e u st r e l i tz, von der Stadtbahn je einer nach Aachen und Duisburg, Königsberg und Breslau und 2 nach L a n vs b e r g a. b. 20, Außerdem fuhr noch«in billiger Sonderzug nach O st p r e u ß e n, der völlig besetzt war. Gestern war der Andrang der Pfingstreisenden auf den Bahnhöfen noch lebhafter. Auch der Witterungsumschwung, der uns plötzlich warmes Wetter und Sonnenschein gebracht hat, wird zur Verstärkung des Reiseverkehrs beitragen. Für den Freitag hat die Reichsbahn 45 Vor- und Nachzüge vorgesehen, für den Sonnabend stehen neben den verstärkten fahrplanmäßigen Zügen rund 10 0 B e- darfszüge bereit, die die Pfingstreisenden aus der Reichshaupt- stadt den Reisezielen in allen Richtungen zuführen werden. Obwohl der größte Teil der Pfingstreisenden die billigen Festtagskarten benutzt, haben die großen Reisebüros doch bemerkenswerterweisc auch viele gewöhnliche Fahrkarten verkauft. Man kann daraus schließen, daß zu Pfingsten schon viele Berliner größere Ferienreisen antreten. Achtet auf den Fahrplantvechsel! 'Mit Rücksicht auf das Pfingstfest, dessen starker Berkehr einen Fahrplanwcchsel unzweckmäßig erscheinen läßt, tritt der diesjährige Sommersahrplan bei der Reichsbahn erst am 2 2. Mai in Kraft. Viele Pfingstreisende, die die billigen Festtagsrückfahrkarten de- nutzen und erst am letzten oder vorletzten Geltungstoge dieser Karten <22. und 23. Mai) zurückfahren, müssen sich also für'die Rückfahrt nach den neuen Fahrplänen richten. Be- sonders fei darauf hingewiesen, daß die Rückfahrt mit den Festtags- rückfahrkarten bis zum Montag, 23. Mai, um 2 4 Uhr, beendet sein muß. Linier schwerem Verdacht... Wie die Kriminalpolizei einen Straßenraub aufklärte. von der Berliner Kriminalpolizei wurde eine berüchtigte Diebesbande entlarvt und festgenommen. Es find drei Brüder Neumann, die schon seit geraumer Zeit auf Straßenraub ausgegangen waren. Durch einen ihrer Diebstähle kam der Ehauffeur einer Berliner Zigarellensirma in schweren Verdacht. Ein älterer Herr hatte in der Spandauer Straße beob» achtet, wie der Chauffeur des Lieferautos einer Zigarettenfirma mit einem großen Paket, das er dem Auto entnahm, in einen Hausflur ging. Da der Beobachter dort keine Tabakhandlung ent- decken konnte, wurde er sofort argwöhnisch und ging dem Manne nach. Er sah jetzt, wie dieser einem Radfahrer das Paket in den Rucksack st eckte, worauf der Radler abfuhr. Der Beobachter begab sich jetzt zu der Zigarettenfirma und erzählte, was er gesehen hatte. Dort war aber inzwischen schon der Chauffeur eingetroffen und hotte«inen großen Diebstahl gemeldet. Er war seit sieben Jahren bei der Gesellschaft angestellt und hatte auch wiederholt große Geldbeträge einkassiert. Man traut« ihm einen Diebstahl nicht zu. Der alte Herr beschwor aber den Vor- gang. Die Kriminalpolizei nahm nun die Ermittlungen auf und ging mit den Beteiligten nach der Spandauer Straße. Dort ergab sich, daß sich der alte Herr geirrt hatte! Der Chauffeur hatte dort wohl mit seinem Wagen gehalten, überbrachte aber eine Lieferung in ein dieser Straßenseite gegenüberliegendes Haus. Währenddessen müssen Diebe den Wagen bestohlen haben. Die Kriminalbeamten hatten sich den Chauffeur genau angesehen und entdeckten bei ihm eine auffallende Aehnlichkeit mit dem Führer einerDiebesbande. Die Polizisten forschten jetzt den Schlupf- winket des Diebes aus, der mit seinen zwei Brüdern in der Harzer Straße in'Neukölln wohnt. Dort nalzmen sie eine überraschende Durchsuchung vor, die zahlreiches Packmaterial zutage Karel kniet sich vor Luzia nieder, das Antlitz in die Falten ihres samtnen Gewandes oergraben. Mit seinen Armen, die noch rank und"knabenhaft sind, hält er ihre schmalen Hüften umschlossen. Ihren bebenden Leib und ihre zuckenden Schenkel spürt er, und so, in dieser Stellung, spricht er in den Schoß des Mädchens hinein all das, was er von dem Ritter weiß. Luzia hält die Augen geschlossen. Wie geblendet vom Uebermaß der auf sie stürzenden Helligkeit, ihre Finger in den Schopf des Knienden vergraben, sitzt sie da, das flechten- schwere Haupt zurückgeworfen, und trinkt mit weitgeöffneien durstigen Lippen das Lob ein, dos dem Mann ihrer Seele bereitet wird durch das Wort dieses Unmündigen. Nicht genug kann sie von Zizkas Unternehmungen und Kriegshändeln hören. Sie stößt einen Schrei aus und stöhnt auf, wie selber getroffen, als Karel ihr schildert, wie bei Grünwald ein Arm- bruster des Ordens ihm den bewiderhakten Pfeil ins Auge schickte, ein Kernschuß, aus fünfzig Ellen Entfernung seitlich in den Visierschlitz hinein. Ein Schuß, der das Troffen beinahe zugunsten der Ordensherren entschieden hätte, wenn nicht der Ritler dos entsetzliche Geschoß mit einem Ruck aus dem Auge gerissen und dann, gleichermaßen aufgepeitscht von Schmerz. Wut und Vcrgeltungsdrang, an der Spitze der von ihm ge- führten litauischen Reiter hineingefegt wäre in den schwer» gewappneten Hausen des Ordens, alles niederhauend wd zu Blutbrei stampfend. Luzia weiß nicht, was die Schlacht von Grünwald für den deutschen Orden bedeutet. Luzia weiß nicht, daß es die Todeswupde für die Deutschherren ist, die Jan von Trocznow an diesem Tage schlug. Sie weiß nur. und dies ans aukge- rissenem Weibsinstinkl heraus: Zizka hat all die Hände! der Welt lediglich darum heil bestanden, um ihr diese Sekunde der Begegnung zu schenken. Eine Sekunde zwar nur, aber In der Nacht vom Pfing st so n nabend zum 1. P s i n g st- feiertag wird die BVG. auf folgenden Straßenbahn- linien einen ununterbrochenen Betrieb aufrechterhalten: Linie 1, Stadtring(15-Min.-Verkehr): Linie 15, zwischen Bahnhof Neukölln und Potsdamer Bahnhof<15-Min.-Verkehr): Linie 44, zwischen Kaiserplatz und Görlitzer Bahnhof<15-M!n.-Verrehr), Linie 64. zwischen Spandau Markt und Nollendorfplatz(30>Min.-Verkehr): Linie 69, zwischen Leipziger Platz und Friedrichsfelde<30>M!n.-Ver- kehr, bis Lichtenberg, Gudrunstraße 15-Min.>Verkehr)i Linie 74, Kniprodestraße bis Lichtcrfcldc Händclplatz(15-Min.-Derkehr): Linie 176, zwischen Lunapark und Königstraße Rathaus<15-Min.-Ver- kehr): Linie 99, zwischen Uferstrahe und Moricndorf, Dorfstraße <15-M!n.-Verkehr): Linie 177, zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Lichterselde-Süd(30-Min.-Verkehr, bis Händelplatz IS-Min.- Verkehr). Außerdem bei günstigem Wetter außerplanmäßige Früh- fahrten: Linie 1, Stadtring(am 2. Pfingstfeiertage) ab Halle- sches Tor nach beiden Richtungen von 5.8 Uhr an all« 15 Minuten: Linie 9 E(mir am 1. Pfingstfeiertage) ab Elbinger Straße Ecke Landsberger Allee bis Treptow Spreetunnel von 4.34 Uhr bis 5.49 Uhr(15-Min.-Verkehr), ab Strelitzer Straße bis Spreetunnel von 5.46 Uhr bis 7.31 Uhr t15-Min.-Verkehr), ab Treptow Spree- tunnel bis Strelitzer Straße bzw. Baltenplatz von 5.5 Uhr bis 8.20 Uhr Ih-Min.-Berkehr. An beiden Pfingstfeiertagen: Linie 28, ab Tegel bis Oranien- burger Tor von 4.10 Uhr an(30-Min.-Verkehr), ab Oranienburger Tor nach Tegelort von 4.54 Uhr au(Z0»Min.-Verkehr): Linie 128, ab Tegel bis Oranienburger Tor von 4.25 Uhr(ZO-Min.-Verkehr), ob Oranienburger Tor nach Heiligense« von 5,9 Uhr an(30-Min.- förderte, darunter auch das Papier der beftohlenen Zigarettenfirma. Einer der Brüder gab jetzt auch den Diebstahl zu. Man fand bei ihnen Stoffe. Radioapparate usw., die sämtlich aus Diebstählen stammen. Alle drei wurden festgenommen. Die Beobachtung de» alten Herrn aus der Spandaucr Straße hotte damit eine über- raschend« Aufklärung gefunden. Gasausbruch im Bergwerk. Niemand verletzt.- Gasquelle in Ivv m Tiefe. Vraunschweig. 13. Mal. Auf dem seit 1924 stillgelegten Kalisalzbergwerk „Sarlsfand 1" in Groß-Rühdcn am harz ereignete sich. wie erst seht bekannt wird, gestern nachmitiag ein Gasausbruch. Die Mauerung von zwei Skollcn-Mundlöchern und viele Kilometer Erdmasse und Gestein wurden bis zu 50 Meter weil über das Ge- lande geschleudert. Das dumpfe donnerähnliche Getöse dauerte etwa zehn Minuten und war von starker Rauchentwicklung begleitet. Die Gasquelle wird in 600 bis 700 Bieter Tiefe zu suchen sein. Rings um das stillgelegte Bergwerk ging ein Skeinrcgen nieder, durch den sämtliche Feusler scheiden der Umgebung zer- trümmerk wurden. � Schon vor" sechs Jahren wurde hier ein ähnlicher Vorgang beobachtet. Bei der Stillegung eines Kalibergwerks hatte man da- mals in 400 Meter Tiefe einen 200 Meter langen Betonpfropfen in einen Förderschacht eingebaut, um zu verhindern, daß Tropfwasser in das eigentliche Salzlager dringe. 4000 Kubikmeter Wasser, die sich über dem Pfropfen angesammelt hatten, waren dann infolge einer Undichtigkeit in einen 683 Meter tiefen Schacht gestürzt und hatten so einen Gasausbruch veranlaßt. Pfingstfriihkonzerte im Zoo. An beiden Pfing st feiertagen veranstaltet der Zoologische Garten in den Morgenstunden von 7— 10 Uhr feine traditionellen Frühkon zertc. Nach längerer Pause wird wieder ein« Militärkapelle spielen und zwar am 1. Feiertag früh die Kapelle eine Sekunde, die in ihrem Aufruhr und Brand mehr wert ist als tausend im Band und im Gleichmaß dahintrabende inhaltlose Jahre. Karel, die einzige Erfahrung ihrer jungen Tage, noch hundert Atemzüge zuvor ihr ein und alles, ist ihr gleichgültig geworden. Urplötzlich, Hirn und Herz gleich unerklärlich, ist die Wandlung gekommen. Wie die reife Frucht einer Kastanie knallte diese Karel-Liebe vom Baum. Karel ist ja ein Kind, ein halder Knabe noch. Seine straffgescheitelten Haare, die sie verunordnet, sind glänzend und weich wie die eines Mädchens. Sein Haupt ist geschaffen, einen Kranz aus bunten, dustenden Blumen zu tragen, aber nicht das lastende Gewicht einer Eisenkappe. Zu Karel paßt Priestersamt und Herrenseide, aber nicht das strenge Gewand eines Kriegers. Jawohl, Karel ist noch ein Knabe! Wo hat sie nur ihre Augen gehabt? Spielzeug war er ihrem unbe- schäftigten Blut all die Wochen hindurch. Und jetzt, nach dem Einbruch der Wirklichkeit, ist sie dieses Spielzeugs überdrüssig. Dieser sremde Ritter Einaug, der da vorhin zur Tür hereinfuhr, unvermutet wie ein Windstoß, der hat alles mit- genommen, was an Luzia noch Traum war und Dämmer. Hell wach ist sie durch ihn. Nicht Zizka sollte er heißen, sondern „Blitz". Denn wie ein Blitz hat er in sie eingeschlagen mit seinem gewaltigen Sein. Zu lohendem Tag hat er die vcr- bangenen Kammern ihres Innern gewandelt. Durch seine Berührung, durch seinen Mannesblick ist sie Weib geworden. Bis in die Eingeweide erschauernd, denkt sie an diese Sekunde der Besitznahme, wie er ihr entflammtes Gesicht hochriß, wie er ihren Blick in den seinen zwang. Gewiß, ihre Finger krollen sich immer und immer wieder dem knienden Pagen ins Haar, aber es sind nur ihre Finger. Ihre Gedanken haben einen anderen Mittelpunkt. Einen Mittelpunkt, von dem sie nie mehr loskommen werden. Einen Mittelpunkt» den sie mit glänzenden Flügeln umkreisen, wie" aufgescheuchte Tauben ihren Schlag. Der aber, dem jeder ihrer Atemzüge, jeder ihr«? Herz- schlage gilt, hat ihre jungen sechzehn Jahre, die blank« Tafel ihres Gesichts, die Lockung ihrer Wohlgestalt im gleichen Augenblick vergossen, da der Esel, ihm vorantappend, nach kurzem Klopfzeichen die Tür zu denv geheimen Versammlungsort aufstößt. Einen Lidschlag lang steht er wie geblendet. Schwelende, ungeschnippte Kerzen durchslackern den Raum, jetzt, vom Zug der offenstehenden Türe getroffen, hüpst noch unruhiger ihr Schein. Acht Kerzen sind es. Für Zizkas Augs acht zustoßende Lanzen. Berkehr): Linie 41, ab Schaniweber- Ecke Berliner Straße bis Alexanderplatz ob 6.5 Uhr(15>Min.-Verkehr), ab Alexanderplatz bis Tegel ab 6.4? Uhr(15-Min.-Verkehr): Linie 51 E, ab Nordend bis Oranienburger Tor von 5.3 Uhr bis 6.48 Uhr.(15-Min..-Vcrkchr, ab Oranienburger Tor bis Nordend von 5.47 Uhr bis 7.32 Uhr (15-Min.-Verkehr)i Linien 87 und 187, ab Behrenstraße bis Köpc- nick von 4.32 Uhr an(15-Min.-Verkehr), ab Köpenick, Lindenstroße, bis Vehrenstraße von 3.31 Uhr ab(ZO-Min.-Verkehr), ab Königs- platz bis Behrenstraße von 3.29 Uhr an(15-Min.-Verkehr): Linie 91, ab Schlesisches Tor bis Bhf. Oberspree von 6.25 Uhr an(15-Min.- Verkehr): Linie 93 E, ab Charloltenstraßs bis Treptow, Rathaus von 4.45 Uhr bis 8.15 Uhr(I5-Min.-Vcrkehr). ab Treptow Elsenstraße bis Charlottenstrahe von 4 26 Uhr an(l5-Mui.-Verkehr), ob Treptow Rathaus bis Charlottenstraße von 5.33 Uhr bis 7.48 Uhr (15-Min-Verkehr): Linie 99, ab Tempelhof nach Lichtenrode 4.20 Uhr, 4.50 Uhr, 5.33 Uhr und weiter alle 15 Min., ab Lichtenrade 5.1 Uhr. 5.31 Uhr. 6.16 Uhr und weiter olle 15 Minuten. Omnibusverkehr: Linie A 2 zwischen Pankow. Kirche und Hallcsche» Tor(15-Min.-Verkehr). Linie A 5 Zwischen Steglitz. Rothaus und Stettiner Bahnhof(10- bis 15-Min.-Vcrkehr) auch ara zweiten Pfingstfeiertage. Ausflugsverkehr an den Pfingstfeiertagen. An beiden Pfingstfeiertagen verkehren die Ausflugswagen der BVG wie folgt: Vom Bahnhof Zoo nach Schildhorn ab 8 Uhr halbstündlich, vom Bahnhof Zoo nach Clodow ab 9 Uhr stündlich, vom Bahnhof Zoe nach Dledlitz ab 9.15 Uhr stündlich, von Pankow Kirche noch Tummk ab 8 Uhr stündlich, vom Stettiner Bahnhof nach Wandlitzse« ob 8 Uhr stündlich. des III. Ball. 9. Jnf.-Regts. unter d«r»Leitung des Obermusik- Meisters Verdien. Am 2. Feiertag früh konzertiert Musikdirektor a. D. Heinrich Dippet mit seinem Orchester. Außerdem findet au beiden Feiertagen nachmittags 4 Uhr großes Konzert statt, am 1. Feiertag Militärkonzerr unter Leitung des Obermusikmeisters Verdien. Am 2 Feierag nachmittag spielt das Symphonische Blasorchester Groß- Berlin unter Leitung von Kapellmeister Arthur Jandcr. Die Eintrittspreise sind an beiden Feiertagen Sonniagsprcise: für Erwachsene 1 M., für Kinder unter 10 Jahren.50 P»., ebenso im Aquarium. Beim Besuch beider Institute am selben Tage ermäßigt sich der Gesamtpreis auf 1,50 M. für Erwachsene und auf 75 Pf. für Kinder. Opfer der Straße. In den gestrigen Nachmittagsstunden ereigneten sich zahlreiche Verkehrsunfälle, die eine Reihe von Schwerverletzten gefordert haben. In A l t- M o a b i t stürzte der 28 Jahre alte Angestellte Gerhard Wendel aus der Havelberger Str. 26 mit feinem Motor- rad. W. und feine Begleiterin, eine 32jährige Stenotypistin Erna W. aus der Vochumer Straße wurden mit schweren Der- letzungen ins Mvabiter Krankenhaus gebracht.— Am Fehrbelliner Tor in Spandau fuhr der 30 Jahre alte Reichswehr unter- feldweb el Fritz Busse aus seinem Motorrad mit einem Privatautv zusammen. Schwerverletzt fand B. im Spandaucr- Krankenhaus Aufnahme.— An der Ecke Neue Kantstraße und Suarezstraße prallt« ein P o l i z e i a u t o mit einem Privatwagen zusammen. Drei Schupowachtmeister erlitten leichte Der- letzungen. Sie konnten im Dienst verbleiben.— Auf der Kreuzung Hofjägerallee und Reitweg im Tiergarten wurde der 23 Ähre alte Mechaniker Rudolf K o k e s ch, der sich mit seinem Rade auf einer Fahrt durch Europa befindet, van einer Straßen- bahn erfaßt und überfahren. Der Verunglückte fand im Westend- Krankenhaus Ayfnahme.— Ein weiterer schwerer Straßenunfall trug sich an der Ecke E i t s ch i n e r und Alexandrinen- st r a ß« im Südwesten Berlins zu. Dort wurde sie l7jährige Erika D i e tz e bei einem Zusammenstoß zwischen Privatauto und Lieferauto lebenegesährlich verletzt. Da» junge Mädchen wurde ins Urbankrankenhaus gebracht. Blinzelnd versucht er die Abwehr. Schon unterscheidet er Bank und Tisch und allerhand dunkle Gestalten. Wie zusammengeballte Klumpen sitzen sie da. Aber jetzt, da ihm, wie von einer Schnur gezogen, alle der Anwesenden auf einen Schlag ihre Gesichter zuwenden, fällt das Visier des Schattens und er erkennt, mit raschem Blick über sie hinstreichend, die meisten. Da. ihm gegenüber, nah mit der Hand zu greisen, Herr Jan von Chlum, genannt Kepka, der im verwichnen Novem- der Hus von Prag nach Konstanz geleitete. Neben ihm Peter von Mladcnowicz, Kepkas Schreiber und Sekretarius, den sie der Einfachheit halber nur den Notar heißen. Links, am Eck des Tisches, Herr Jindrich von Pluinloo, und, ihm benachbart, Herr Wilhelm Zajiec mit der verkrüp- pellen Schwerthand. Wo das Gelenk sitzen sollte, ist nur ein sleischener Stummel, an dem die Finger klein und munzig hängen, wie eingetrocknete Stachelbeeren. Aber Herr Wilhelm kann links um so besser hauen. Zizka weiß es von manchem Turniergang her. Rechts, wo die Fässer stehen, Herr Heinrich von Ehlum, nach seiner Stammburg der Lacemboc genannt. Dichtbei Wenzel von Duba auf Lestna, auch diese beiden Herren männiglich bekannt als Hussens Beschirmer und Geleiter. Auf der Längsbank, aneinandergereiht wie Orgelpfeifen, die mährischen Herren. Auch Herr Myjka ist da, und das Lachen sprengt ihm die kaum halb verheilt« Backe auseinander, als er Zizka er- kennt. Dabei hüpft sein Schnurrbart wie eine Heuschrecke, die hoch will. Da streckt Kepka, vom ersten Erstaunen erholt, die 53ände aus: „Bruder!" ruft er, ,.in unser aller Namen willkommen!" Die beiden umarmen sich mit einer Kraft, als wölben sie sich die Rippen brechen. Dann tritt Zizka zu den ondercii an den Tisch. Hug von Schönwald und der glatzköpfige Albrecht Seydenstrang rücken die Bank zurecht: Buob Fronberger, Gerso von Chalm und dessen Bruder machen ihm Platz. Kein anderes Geräusch ist zunächst zu vernehmen als Handschlag auf Handschlag. Klirrend Geräusch, wie Schellen im Chor bei der Wandlung. „Ah, tut die Bank gut!" sagt Zizka und streckt die zer- rittenen Glieder. tFortsetzung fol�t.). Seltenes in Falkenberg Ein Sanatorium für pflastermüde Berliner Pferde Die nette, erst INS zu Berlin gekommene Ortschast Falkenberg besitzt eine oer größten Seltenheiten der Reichs- Hauptstadt: ein Sanatorium für pflastermüde Pferde. Tine gute Wegstunde hinter Hohenschönhausen liegt das stille Falkenberg. Ringsum— bald hinter Weißensee beginnend— Rieselseid an Rieselfeld, auf denen die Riesclbaüer» ihr Gemüse züchten. Ein eigenartiger Anblick, wenn das Auge meilenweit nichts anderes sieht als kleine hellgrüne, vorläufig noch recht un- scheinbare Kohlrabipflanzen. Hin und wieoer auch Wiesen, die meist an Berliner Molkereien verpachtet sind. Tann kommt Falkcnbcrg. Von der Riesenstadt ist fern am Horizont nur noch ein fahler Dunstkreis übriggeblieben und hier und da kündet der Schornstein einer Vorstadtfabrik den Beginn des Berliner Häuser- meercs. Dagegen hier im Tors treibt dos Gänsclicsl gerade die Gänsemuttcr mit ihrer Brut— sünf kleinen, schmutzig-gelben Gänsen— über die Straße; alles im Gänsemarsch, immer eins nach dem anderen. Vor der Kirche hat ein Mann eine Stasfelei aufgebaut und mit den grellsten Farben, die er auf der Palette hat, sucht er ein Konterfei der aus Backsteinen errichteten Kirche zu schaffen. Dieser Mann scheint übriggeblieben zu sein aus der Zeit Till Eulcnspiegels, der Schnauzbart, das Hütel mit der grünen Feder, der Rock, sie haben auch noch etwas davon. Mit jedem Schritt in Richding Berlin würde der Nimbus dieses Mannes»er- blassen wie die Dämmerung vor der Sonne, aber hier in Falken- bcrg umsteht ihn andächtig die Schar seiner Bewunderer. Aber jetzt zu den Pferden.„Pferdeerholungshcim Falken- berg" kündet schon von weitem ein großes Schild, und dann dehnt sich Stall an Stall, jboppel neben Koppel und dazu das Exquisiteste dieses Sanatoriums für Pflastermüde: das Moorbad. Es geht da zu wie in einem richtiggehenden Krankenhaus, man kann sein Pferd gewissermaßen 1. Klasse unterbringen, dann kommt es in eine Einzelbox oöer aber es geht 2, Klasse, dann kommt der Neuling zusammen mit den anderen auf die Koppel. Früher, als die Kavallerie ihre Pferde nach Falkenberg zur Erholung schickte, waren immer ungefähr KOll Pferde im Sanatorium. Jetzt wird diese Zahl nicht mehr erreicht, aber es gibt noch genug Berliner Arbeitspferde, denen in Falkcnbcrg die geschwollenen Beine wieder auskuriert werden. Der erste Weg in Falkenberg ist der zur Schmiobe, dort kommen die Hufeisen her- unter. Nach ein paar Tagen Quarantäne komint der„kranke Schimmel" dann zu seinen Kollegen auf die Weide. Es dauert nicht lange, dann werden die ersten schüchternen Spriinge gewagt, bis der alte Lebensmut wiederkehrt. Leichtkranke gesunden schon hier aus der Weide, der weiche Boden, dos kräftige Grünfutter und die frische Luft sind die beste Medizin. Schwerere Fäll« werden im Moorbad behandelt. Das Moorbad ist so- zusagen ein ziemlich großer, aber nicht sonderlich tiefer Teich mit moorigem, hcilkästigein Untergrund. Zuerst scheuen die Pferüe ängstlich, wenn sie den schwankenden Moorbaden betreten sollen, sobald sie aber merke», daß der kühle Moorboden ihren entzünde- tcn Fesseln wohltut, bleiben sie stundenlang im Wasser stehen. Das sollen sie auch, dazu sind die Pfero« ja in Folkenberg. Eine Kur dauert ungefähr vier bis sechs Woche». In der Einzelkoppel kostet der Aufenthalt pro Pserd und Tag 1,7Z M., in der Massenkoppcl jedoch nur 1,23 M. Schade, daß man die Pferde nicht fragen kann, wie ihnen zumute ist. wenn der Schmied wieder die Hufeisen anschlägt und ei» paar Stunden später wieder die Arbeitsfron vor dem Rollwagen auf dem steinharten Pflaster Berlins beginnt. Llm das Memelland. Das Vorgehen gegen das„autonome" Memelland hat in der ganzen Welt Aufmerksamkeit und Empörung erregt. Das Vorgehen der Kownoer Regierung wurde als ein glatter Vertragsbruch emp- fundcn, und die deutsche Reichsregierung ist bei den Signatarmächten des Memelftatuts dieser Vertragsbrüche wegen vorstellig geworden. Im Reichsbund der Heimattreuen Ostpreußen, der parteipolitisch neutral ist, sprach der frühere Memeler Oberbürgermeister Dr. G r o- b o w über da» Memelgebiet. Die Autonomie der Memelländer kann ohne eigene Finanzhoheit schwerlich erhalten werden. Die Haupteinnahmen aus Zöllen, Post und Eisenbahn werden von den Litauern verwaltet. Ueber den Finanzantcil, den die Litauer den Memelern gewähren sollen, ist bis heute noch keine Einigung erzielt worden. Der Redner schilderte die Schikanen auf dem Gebiete des Schulwesen». Nach den Bestimmungen de» Memelftatuts soll die Memeler Schule nicht schlechter sein als die litauische. Diese Bestimmung gibt der Kownoer Regierung Ver- anlassung zu Revisionen und Eingriffen, die von der deutschen Be- völkerung als unerträglich empfunden werden. Die Pressefreiheit ist durch rigorose, aufreizende Zensurmaßnahmcn auf das äußerste be- schränkt worden. Zu allen diesen Maßnahmen gesellen sich die schika- nösen Paß- und Visabestimmungen. Das Einreisevisum kostet 2lZ Dollar. Dadurch soll die Verbindung mit dem Auslande, ins- besondere mit Deutschland erschwert werden. Besuche von Verwandten diesseits und jenseits der Grenze sind so oft zur Unmöglichkeit ge- worden. Besondere Klage führte der Redner über das unsäglich langsame Arbeiten der Völkerbundsinstanzen. Er appellierte ins- besondere an die Vertreter der ausländischen Presse, sich für das Recht der Memelländer einzusetzen. Sehr siimpachisch berührten die Ausführungen des stellvertretenden Vorsitzenden des Memelland- bundes, Dr. Borchardt, der die rechtlichen Grundlagen weiterer Schritte Deutschlands im Interesse des Memellondes besprach, wobei er sich klugerweise jeder Gehäsiigkeit enthielt. Auch der Vorsitzende des Bundes heimattreuer Ostpreußen betonte gerade den Vertretern des Auslandes gegenüber die Friedensliebe Deutschlands. Man müsse eine friedliche Lösung der Konflikte erreichen. Schließlich liegt es auch im Interesse der litauischen Regierung, den bestehenden Konflikt nicht auf die Spitze zu treiben. Die loyale Bereinigung der Memelfrage würde sicherlich zu begrüßen sein. Wer aber vermag nach den poli- tischen Geschehnissen der letzten Jahre voranszusagen, daß gerade das politisch Vernünftige sich durchsetzen kann? So bleibt die memcl- ländische Frage eine der vielen Wunden, die eine ungeschickte und ungerechte Politik der Entente dem Europa der Nachkriegszeit ge- schlagen hat. Udet und Aiescler-Pfingsten in Tempelhof. Nachdem am letzten Sonntag die Austragung der Deutschen Kunstslugmeisterschaft infolge de» schlechten Wetters abgesagt werden mußte, wird die Flughasen-Gesellschaft der Berliner Be- völkerung Gelegenheit geben, am ersten Pfingstfeiertag Fiese- l e r s und U d e t s(Udet reift in der nächsten Woche nach Grönland) Schau- und Kunstflüge zu sehen. F i e s e l e r, der hervorragende Techniker, der Schöpfer der schönsten und schwierigsten Kunstflug- figuren, wird die stärkste und schnellste kunslslugmaschine der Welt, seinen selbkonstruierten„Tiger", erstmalig in Berlin vorführen. Ihm, dem mehrfachen deutschen Meister, zur Seite steht die Tollkühnheit Ernst U d e t s, dessen atemberaubende Bodenakrobatik nach dem Ausheben eines Taschentuches mit der Tragfläche vom Erdboden darin gipfeln wird, daß Udet während des Hundertkilometerflng- tempos feine linke Tragfläche am Erdboden entlang schleifen läßt. Neben den großen Schauoorführungen werden beide Kunstslug- meister im Ballonrahmen, im Zielwerfen nach dem fahreirden Auto und im Zielschießcn mit Leuchtpistole zu beweisen haben, wer von ihnen der ersolgrcichere ist.— Im Rahmenprogramm starten Freiin Vera von Bisiing, die Schülerin Fieselers, und die allen Berlinern bestens bekannten Kunstflieger Bobby Weichet und Leander. Fallschirmabsprünge de» Piloten Richard K o h n k c werden den Ab- schluß bilden. Vor und nach der Veranstaltung Rundflüge zum Preise von 6 Mark. Beginn der Veranstaltung 16 Uhr.— Die im Vorverkauf für die abgesagte Veranstaltung am 8. Mai d. I. auf dem Flughafen Tempelhof gelösten Eintrittskarten haben für eine spätere Veranstaltung keine Gültigkeit, sondern müssen ein- gelöst werden. Die Rückzahlung erfolgt täglich von 8,30 bis 16,30 Uhr im Zimmer 119 des Verwaltungsgebäudes Flughafen Tempelhof. Termine für Elkernbeiraiswahlen. Das Provinzialschulkollegium hat den Termin für die dies- jährigen Elternbciratswahlen für Berlin auf Sonntag, den 26. Juni, festgesetzt. Es sind also folgende Termine zu beachten: Einreichung der kandidalenlisien bis spätestens lö. Tum beim Wahlvorstand(nicht Schulleiter!). Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerlisten bis spätestens 19. Zuni. verösfentlichung(Aushang) der Kandidatenlisten ob IS. Tum. Die ersten amtlichen Elternoersammlungen werden gleich nach Schluß der Pfingstserien stattfinden. Die Auslegung der Wähler- listen muß spätestens in der Zeit vom 2 9. Mai bis 11. Juni erfolgen. Die zweite amtliche Elternversammlung, in der der Wahlvorstand gewählt wird, wird in der Zeit vom 8. bis 12. Juni in den meisten Fällen tagen. Für alle sortschrittlich denkenden Eltern heißt es, sich rühren, damit die Schule nicht' reaktionäre Elternvertretungen erhält. Scgclflugzeugtaufe beim..Sturmvogel". Die Ortsgruppe B e rl i n- 1 c m p e l h o j des„Sturmvogel" Flugverbond der Werktätigen tauit om 1. Pfingstfeiertag, dem lö. Mai, um ViZ Uhr nachmittags, auf den, Segelfluggelände in Mitten- walde ihr erstes Segelstugzeug. Das Flugzeug ist eine Schul- moschine vom bekannten Typ„Zögling", die abgeftrebt und hinter dem Sitz verkleidet ist. Anschließend finden Probeflüge statt. Ab- fahrt nach Mittenwatde ob Bahnhof Hermannstraße um 8.13 Uhr. Fahrpreis 80 Pfennig hin und zurück. »W I SozialijMe Arbeiterjugend Groß'V erlin EP« 1 FL/ Einlendnnacn filc diele Rubrik nur an da» Iugeuds-Irelarial Berlin LW 63. Lindcnstraß» 2, vorn 1 Treppe recht». Heute. Sonnabend, Treffpunkte für Abteilungssahrten: Schilcrpart! 1SH lldr Milller- Ecke Triftstraße tOnrnIbusstaltestellet und ZOi,; Uhr-bcndori.— Zollplast I- lj% Uhr Bahnhoi»esunddrunnen iBullen. N'inlel) und Uhr edeirdort.— Humboldihain: 16 Uhr pünltlich Bahnhos Eesunddrunnen und 20 Uhr edendort. Eßgeschirr mitbringen.—«ruimplaß! 20 Uhr Dahnhof Gesundbrunnen. Badstraße.— Aumannplag:»»e Uhr Bahn. Hof Brenzlaucr Allee.— Südwesten: Arbeitslole 10 Uhr Steltiner Bohnhof, sonst 20rt Uhr edendort.— StegliK I: 20 Uhr Rathaus.— Pankowi 15«, Uhr Bahnhof Gesundbrunnen.— Sallcschc» T»r: 181, Uhr Rote Ecke, IS', Uhr Schlesischer Bahnhof.— Reukilla IX! 18 Uhr Bahnhof Neukölln.— Mahlsdors: Radfahrer 12 Uhr Bahnhos Mahlsdorf, die anderen Teilnehmer ItZluird 20 Uhr edendort. Wcrbcb-,i«k Breuzderg. Unser Genosse Heinz Zimmermann von der Gruppe Luiscnstadt ist gestern verstorben. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 17. Mai, lätz, Uhr, auf dem Siineon.sfriedhof in Briß, Tempelhofcr Weg. statt. Wir erweisen ihm die letzte Ehre und tresfcn uns am 17. Mai, 1k Uhr, aus dem Sermannplatz. Normaluhr. Die erwerbslosen Genossen müssen unbedingt teilnehmen. parieinachrichten�Mfür Groß-Berlin Einsendungen sllr diese Rubrik find stets an da» Bezirkssekretariat Berlin SW»8, Lindenktraße 8. 2. Kos, 2 Treppen rechts, zu richte» Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde(Örofz-Berlin. Boranzcige! Freitag, 27. Mai, 19« Uhr, findet im Saalbau Berg. straße 117, Neukölln, die 2. Musizicrstunde des Proletarischen Or. chesters der Sozialistischen Arbeiter. Ougcnd statt. Eintritiskarten sind zum Preise von 30 Pf. in der Eeschöftsstelle zu haben. Wir bitten die Kreise, uns schnellstens die Zahlen der Nestsalken mitzuteilen, die in das Blanlenscer Lager gehen. Tiergarten. Heute Trcifpunlt zur Pfingstfahrt: Nestsalke» lZ Uhr Kleiner Tiergarten, Jung, und Rote Falken IS'-i Uhr Bahnhof Bellcvue. Temvelhoi. Grupve Sturmfalken. Wanderung am 1. Pfingstseiertag nach den Mitggelbergen. Tresspunkt tzli Uhr am U-Bahnhof Flughafen. Reulölln. Teilnehmer am Lager am Heidelee. Treffpunkt heule, 10 Uhr, Bahnhof Neukölln. Lager Brieselang um läss, Uhr Bahnhof Ncuköst». Falken- kleidung. Wimpel mitbringen. Hoheuschöndaulcn. Heute Abfahrt der 2. und 8. Gruppe zum Stienitzsee. 2. Gruppe trifit sich um 11 Uhr Fallcnecke. 3. Gruppe 20 Uhr Orankestroße. Achtung! Die Falken aus der Kinderrcichen-Siedlung laufen zum Tresspunkt. da wir nachher noch einmal umsteigen müssen. Sterbetafel der Graß-Berliner Partei-Organisation r>3. Abt. Charlottenburg. Am 8. Mai verstarb unser lanyjäbriger(Genosse Paul Preß. Die Einäscherung findet heute. Sonnabend, 12� Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Der Abteilungsvorstand erwartet rege Beteiligung. 136. Abt. Am!lj. Mai ist unser langjähriger Genosse, der Schriftsetzer Karl Dohr. Äütlistr. 13. verstorben. Ehre seinem Andenken. Beerdigung heute, Sonnabend, 14. Mai. 13 Uhr. von der Lei6)enhalle des Gemeindc.Friedhofcs Humboldtsiraße aus. Um rege Beteiligung bittet der Vorstand.- Vorträge, Vereine und Versammlungen Arbeiler-Samariter-Bund e. v., Kolonne Nerlin. Geschäftsstelle: RS. 43, Jostystr. 4. Telcpho»: E 3 iköaigstodt 5440. xsPljE/ Die Geschastssielle ist om Dienstag, dem>7. Mai, geschlossen.— Die Adleilung Neukölln oeraiistaltet einen Kursus Uber„Erste Hilf c". Kursusbeginn om Dienstag, dem 24. Mai. in der 47.M8. Schule in Bris. Ehausseestraße. Der Kursus läuft bis Ende September. Der Kursus. beilrag beträgt einschließlich Priifungszeugnis für Erwachsen« 4 M„ für Jugendliche 2 M. und flir Erwerbslose 3 M. Allgemeine Wetterlage. Die warmen südwestlichen Lustmafscn sind am Freitag bis über die Oder hinaus nach Osten vorgedrungen. In den von ihnen über- strömten Gebieten stiegen die Teniperature» meist auf 22 bis 23 Grad im Schatten. Am Rhein wurden 23 bis 26 Grad beobachtet. Im Nordosten des Reiches wurde es zwar ebenfalls wärmer als gestern, jedoch wurden 20 Grad nicht überschritten. In diese warme Lust- slrömung dringt jetzt etwas kühlere ozeanische Luft ein. Sic wird zunächst nur im Westen und Nordwesten das Wetter bestimmen, später aber auch über die Elbe nach Osten vordringen. »i- wetleraussichlcn für Berlin. Teils heiter, teils stark wolkig, warm, leichte nur vorübergehend etwas auffrischende Süd- bis Süd- westwinde.— Für Deutschland: Im Nordwesten und Westen Gewitterneigung und etwas sinkende Temperaturen, im übrigen Reiche teils heiler und stark wolkig und warm. Die Reederei Kieck verösfentlicht im Anzeigenteil dieser Ausgabe ihren Pfingstsahrplan sowie ihre Wochentags, und Sonntagsfahrten. Borkreffliche Zigarecn, besonders dazu angekan, an frohen Festtagen Freude und Behaglichkeit zu steigern, sind die immer beliebten Erzeugnisse der Firma Loeser u. Wolsf, der größten Zigarrenfabrik Deutschlands. Sie stellen In bezug auf Qualität und PreiswUrdigkeit in allen Preislagen Leistungen ganz besauderer Art dar. Die Herreakleldersabrik Wagner. Alezanderstr. 23, gibt bekannt, daß sie keine Filialen in Berlin unterhält. Der Birkauf findet allein Alcrander. straße 23 statt. Die Firma ist mit Geschäften, die den gleichen Namen führen, nicht identisch. Sich nur nicht mit Redensarten zufrieden geben! Tatsachen verlangen!— Tatsachen wie zum Beispiel diese; Je Storker das finanzielle Fundament des einkaufenden Werkes ist und je größer die erforderlichen Mengen sind, desto günstiger werden Einkaufsbedingungen und Preise für Qualitätsmaterial. Als größte Automobilfabrik Deutschlonds genießt Opel aus beiden Gründen diese Vorteile, die sich wieder zum Vorteil des Opelkäufers im Preise derWcgen ausdrücken. O P E tMegui! Ol« berobgasetzteri Prsise:),2Ur.4Zyl. von Rm1890 an. l,8ltr.6Zyl.vcn Rm269S an. Prnis« ab We.-Sc. Bequem» ZaWuooi- bactingunoendordidieAUa. ssiaaiKierunas-CM. GOoitias Koiko-Ver*. durch die Allq. Automobil- Vers.- A.O. Mach»o Sie»in» PrabcfohlC August Strindberg zum 20. Todestag am 14. Mai 1932 Emil Schering: Strindberg und Deutschland Am 14. Mai sind zwanzig Jahre vergangen, seit Strindberg in Stockholm starb. Zwischen 1912 und 1932 liegt der furchtbar« Weltkrieg mit all seinen verheerenden Folgen. Kaiser sind gefallen, Reiche sind aufgelöst, die Welt hat sich geändert— aber Strindberg besteht! Welcher ausländische Dramatiker hat in Deutschland Strind- berg ersetzen können? Nur einer wäre zu nennen: Shaw? Aber dessen Hauptwerke erschienen bereits vor dem Kriege. Shaw hat allerdings vor Strindberg den Humor voraus. Statt die ver- pfuschte Welt zu beweinen, lacht er darüber! Statt es«schade um die Menschen" zu finden, verspottet er sie! Aber gerade Show hat Strindbergs Größe anerkannt, ja, be- wundert. In der Vorrede zu seinen Dramen nennt er Strindberg einen„Giganten des Theater s". Wie lebendig Strindberg geblieben ist, bewies noch jüngst die Aufführung von„Ostern", die das Schiller-Theater in Berlin herausbrachte. Trotzdem keine geniale Künstlerin wie die Orska dieses Mol mitwirkte, wurde es ein voller Erfolg. Als Frankfurt am Main vor dreißig Jahren„Ostern" zum ersten Male in Deutschland spielte, schrieb mir der Regisseur der Uraufführung: „Es ist immer gefährlich, wenn Geldgcschichtcn in einem Drama eine ernste, fast tragische Rolle spielen. Vor allem in Handelsstädten haben die Leute eine seine Witterung dafür, wenn das Stück sofort ein End« nehmen würde, sobald jemand einige Tausendmarkscheinc auf die Bühne würfe." Bei der heutigen Misere wird es niemandem einfallen, auch nur einen einzigen Tausendmarkschein auf die Bühne zu werfen!„Ostern" paßt also in das verannte Deutschland besser als in das reiche, besser in die Republik als in das Kaisertum. Da Strindberg sein ganzes Leben hindurch arm blieb, trotz seiner reichen Produktion, ist er schon aus diesem Grunde der Dichter der heutigen verarmten Generation. Diel mehr als der reiche Shaw, der mit seinen Dramen soviel verdiente, daß er den Nobelpreis— ablehnen konnte. Aber erhielt denn Strindberg nicht den Nobelpreis? Nein! Aber Schweden Hot doch den Nobelpreis zu vergeben, und Strindberg ist doch Schwede! Strindberg ist nicht nur Schwede, sondern der größte Dichter, den Schweden bisher hervorbrachte. Aber trotzdem erhielt er nicht den schwedischen Nobelpreis! Unbegreiflich! Warum denn nicht? Strindberg war der schwedischen Akademie zu revolutio- när! Deshalb verweigerte sie ihm elf Male den Nobelpreis! So, zu revolutionär! Ja, ober dann muß doch Strindberg gerode in das heutig« revolutionäre Deutschland hinein- passen! Ja, das ist es ja gerade, was ich, fein Uebcrfetzer, immer wieder verfecht«. -i- Strindberg ist in allen seinen Werken revolutionär. Mit .39 Jahren schrieb er den großen sozialen Röinon„Das rote Z i m m e r", in dem er die ganze bürgerliche Gesellschaft kritisierte. Er schilderte natürlich seine. Heimatstadt Stockholm, aber die Kritik paßt auch für Berlin, für jede europäische Ihauptstadt. Wie eine Feuersivcne in der Nacht wirkte das Buch: es weckte die Menschen aus dem Schlaf! Als die Generation von 1889 ins Grab gesunken war, revolu- tioniert« Strindberg die neue Generation von 1999 durch zwei neue soziale Roman«:„Die gotischen Zimmer" und die „Schwarzen Fahnen." Der letzte Roman war so revolutio» när, daß sich die schwedischen Verleger weigerten, ihn zu drucken. Strindberg sandte mir damals sein einziges Manuskript der „Schwarzen Fahnen", damit ich den Roman in Deutschland druckte. Aber auch für das deutsche Kaisertum war das Buch zu revolutionär! Strindberg war seiner Zeit weit voraus: er dichtete 1999 bereits für das revolutionäre Europa von 1929! Aber nicht nur negative Kritik gab der Dichter, er kam auch mit positiven Vorschlägen. In seinen„Schweizer Novel- l e n" verkündigt« er bereits 1884 die Vereinigten Staaten von Europa! Nach dem Muster der Schweiz, in der Deutsche, Franzo- sen, Italiener leben, ohne sich zu bekriegen! In demselben Bande schildert! er die neue Gesellschaft, den modernen Sozialismus, nach dem Muster von Godins Familien» haus, in dem er ein« Utopie verwirklicht sah. Di« russische Revolution nahm er voraus in der Novelle „Russen im Exil". Zwar begegnete Strindberg nicht Lenin in der Schweiz, ober dessen Geistesverwandten, dem Nihilisten Elpidin.' Wie mir Freunde von Lenin erzählten, hat dieser Strindberg als revolutionären Dichter bewundert. Natürlich erwiderte die bürgerliche Gesellschaft Strindbergs Angriffe mit d«r üblichen Waffe:„Kehre vor deiner eigenen Tür!" Strindberg tat es! Ohne auf sich selbst Rücksicht zu nehmen. schilderte er sein eigenes Leben im„Sohn einer Magd''. Auch da war er Revolutionär! Nicht einmal vor dem eigenen Ich machte seine Kritik halt. Die meisten Autobiographen idealisieren sich selbst. Sogar Goethe hat das getan. Strindberg dagegen empörte sich— ein echter Revolutionär— auch gegen sich selbst, gegen seine eigene Entwicklung! In den folgenden Bänden seiner Lebcnsgeschichtc steigert« sich diese Revolution noch. In der„Beichte eines Toren" em- pört sich Strindberg gegen das Weib, das den Mann tyrannisiert. Dieses Buch Hot die bürgerliche Gesellschaft dem Dichter be» sonders vorgeworfen. Er habe darin seine eigene Frau vernichtet. Der revolutionäre Sirindberg bcantwotet den Vorwurf damit, daß er im nächsten Bande seiner Lebensgeschichte„Inferno"— sich selbst vernichtet! * In seinen Dramen„Der Boter",„Kameraden".„Fräulein Julie",„Gläubiger" hat Strindberg das Theater revolutioniert. Sein« Vorrede zu„Fräulein Julie" ist herübmt geworden. Van ihr datiert eine neue Epoche des europäischen Dramas! Reinhardts Kammerspiele beruhen darauf, wären ohne Strindberg nicht ent- standen! Bis in die historischen Dramen reicht der revolutionäre Geist in Strindberg. Seine Königsdrcmien konnte nur ein Republikaner dichten! In diesem Jahre 1932 sind 399 Jahre vergangen, seit Guston ?l d o l f Deutschland von Rom befreite und in Deutschland fiel. Gustav Adolf gilt als protestantischer Jjeiligcr. Strindberg wagt« es, ihn als Menf'chen zu schildern. Seine Landsleute, die Schweden, haben ihm dos nie verziehen. Sein Meifterdrama spielen sie nicht! Nicht einmal jetzt, 29 Jahr« nach Strindbergs Tode, 399 Jahre nach Gustav Adolfs Tode! Aber das republikanisch« Deutschland kann sich keinen anderen Gustav Adolf wünschen als Strindbergs. Während Schiller den Feldherrn Wollenstem idealisiert, vermenschlicht Strindberg den König Gustav Adolf. Während es sich in Schillers Wallenstein die ganze Trilogie hindurch nur um«ine Frage handelt, den Abfall vom Kaiser, schildert Strindberg seinen Gustav Adolf van allen Seiten. Nicht weniger als vier Leitmotive ziehen sich durch die Handlung. Aus dem Vorkämpfer des Protestantismus wird ein Nothon der Weise, der jede Religion duldet. Mit seinen Gene- rälen ist Gustav Adolf in trogischer Weise verbunden durch die Blutschuld seines Vaters, der schwedische Edclleute enthaupten ließ. Mit seiner Gattin hat er nur eine Tochter gezeugt, während er von der Geliebten seiner Jugend einen unehelicheci Sahn besitzt. Schließlich zieht der ganze Dreißigjährige Krieg durch das Drama. Für das heutige republikanische Deutschland ist Strindbergs vermenschlichter Gustav Adolf wahrhaftig besser geeignet als Schillers idealisierter Wallenstein! Wäre Strindberg ein deutscher Dichter, würde er in Deutschland so populär sein wie kaum ein anderer. Es ist den Deutschen ja nicht zu verdenken, daß sie seit dem verlorenen Kriege ein« Abneigung gegen olles Ausländische hegen. Aber Strindberg stammt aus einem befreundeten Volte! Als Schwede ist er den Deutschen blutsverwandt, ist Germane wie sie. Dr. Hans Hartmann: Strindberg— der Märtyrer seiner selbst August Strindberg ist schon manches Mal totgesagt worden. Als eines seiner berühmtesten Stücke„Nach Damaskus", wo er sich selbst seelisch zerfleischt, vor zehn Jahren in Frankfurt ausgeführt wurde, kritisierte Bernhard Diebold ,chie Szene, auf der das ab- gelebte Kammerspiel Strindbergs eine seiner letzten Aufführungen fand". Und Egon Friede!!, der bekonnte Kulwrhistorikcr, meinte im gleichen Jahre: So wie Strindberg die Welt darstellt, mit all dieser inneren Zerrissenheit und bohrenden Ironie, dürft« sie gar nicht aussehen— Kunst bedeute, eine wllnschbare West darzu- stellen und nicht nur immer ihre Schatten, ihre Verzweiflung abzumalen. Ist der geniale Strindberg aber wirklich tot? 5)oben die zehn Jahre, die seither verflossen sind, sein Werk noch mehr verblassen lassen? Muten uns feine historischen Dramen noch unhistorischer an als damals, seine Traumspiele noch verzweifelter, seine Kammer- spiele noch öder, seine Moses-Sokrates-Christus-Trilogie noch ab- stratter, seine naturwissenschaftlichen Forschungen noch weltferner? Und scheinen seine Selbstanalyscn, zu deutsch Selbstzerfleischungen. wie„das rote Zimmer",„Inferno", viele seiner Briefs nicht iwch grausamer als früher, in jenen Tagen, wo man die großen Psycho- logen des ausgehenden 19. Jahrhunderts: Nietzsche, Ibsen und die anderen, gar nicht genug studieren konnte? Die Frage stellen heißt noch nicht sie beantworten. Strind- berg ist kurz vor dem Weltkrieg gestorben. Er gehört also zu einer früheren Epoche der Kultur- und Geistesgeschichte. Aber er hat die 'Fragen nach dem Sinn des Lebens! nach der Bedeutung der Frau, nach der'Religion und Mystik mit so ungeheurer Wucht immer aufs neue bestürmt, daß diese Wucht doch noch stark bis heute nachwirkt und wir nicht einfach an ihr vorbeigehen können. Wir sind noch, bewußt oder unbewußt, in seinem Banne. Es ist noch nicht so, daß wir«ine wahre Distanz zu ihm haben und«in- fach wagen könnten, das Ewig-Bleibende und das Zeitlich-Ab- fallende in ihm klar zu scheiden. Es ist jetzt gerade die Zeit, wo sein Bild anfängt, sich aus dem rein Zeitlich-Psychologifchen lang- sam zu lösen und seine dauernde Bedeutung zu gewinnen. Dieser Mann war Student, Volksschullehrer, Hauslehrer, Me- diziner, Schauspieler, Schriftsteller. Maler, Telegraphist, Redakteur an verschiedenen Zeitungen, Bibliochekar, Sinologe— und noch viel mehr! Im bunten Wirbel stürmt sein Leben dahin, aber in einem bleibt er sich treu: er leidet am Leben, er sieht alles zugespitzt bis zum äußersten, er scheitert mit Wollust an den Er- eignissen. Gleich Dostojewski bettest er um Geld, gleich Chateau- briand flüchtet er verzweifelt in die Mystik, gleich Nietzsche— vor dem er immer wieder warnt!— stilisiert er das Leben hoch zu einer einzigen großen Qual— nur daß er die Flucht nicht ergreift in Richtung auf das positive Bild des Uebermensthcn hin, sondern in nebelhafte Mystik. Aber genau wie Nietzsche seine Ideen mit unmöglichen naturwissenschaftlichen Theorien unterbauen will, so verbrämt Strindberg in seinen Blaubüchern seine Mystik mit der Naturwissenschaft. Am meisten aber scheitert Strindberg an den Frauen. Drei- mal ist er verheiratet, immer mehr wird ihm die Frau zur Der- derberin der Welt. Stolz wie er ist, oft bis zur Selbstgefälligkeit. sagt er von sich, er habe im Norden und in Norddeutschland„die ganze Jbsen-Björnson-Gynolatrie"(Frauenverehrung) gestürzt. Da- bei muß man wissen, daß er, der Schwede, im Lande Ibsens und Björnsons, in Norwegen, kaum je Anklang fand. Strindbergs Ma- donnenkult verlehrt sich in Frauenfeindschaft. Er will ein Kloster gründen, er spielt mit der Einsamkeit. Dann wieder treibt es ihn ins Leben, er will Macht ausüben, es gibt Perioden, wo er immer wieder das Wort„Machtgefühl" niederschreibt und darin schwelgt. Dann aber ironisiert er sich selbst, er findet nicht mehr den Ausweg aus dem Labyrinth des Lebens. Sein Held spricht die Worte aus(in„Nach Damaskus"):„Welcher Scherz, wenn man dos Leben ernst nimmt, und welcher Ernst, wenn man scherzt!". Das Leben wird zum Wirrwarr, in dem sich kein Mensch mehr zurecht finden kann, am wenigsten der leidenfähigste von allen, der Märtyrer seiner selbst, der immer wieder magisch angezogen in olle Tiefen der Hölle steigen muß: der Dichter. Und doch: selbst wenn wir diese persönliche Gebundenheit Strindbergs, dieses ständige egoistische oder besser egozentrische Kreisen um sich selbst erkennen und zugeben, es bleibt doch etwas an ihm. was erlebnisfähige Menschen immer von neuem anzieht. Was ist es? Als Strindberg seine leidenschaftlichen Versuche eines eigenen Theaters durchführen will, nennt er es selbst„Stimmung". Es ist aber mehr als das, was uns Heutigen dieses Wort ausdrückt. Denken wir an das, was wir in einer guten Aufführung von Strindbergs„Scheiterhaufen",„Rausch" oder„Ostern" vor allem erleben. Es ist das Fluidum, das. was zwischen den Dingen vor sich geht, das, was an den Gegenständen als Unbegreifliches, kaum zu Beschreibendes hängt. Wenn bei Strindberg gar nichts geschieht, wenn die Menschen schweigen, nachdem sie sich vorher aneinander zerredet und zerrieben haben, dann geschieht in Wirk- lichkeit etwas: der Welthintergrund, bei Strindberg zumeist dämo- nisch, luziserisch, qualvoll, wird sichtbar, und zeigt die Menschen. die arm und geplagt in den Maschen und Drähten dieses Netzes hängen, das die Welt für sie bedeutet. Die Totenstille, die innere und äußere, die zwischen den Eheleuten auf der einsamen Lcucht- turminsel herrscht, und dies inmitten einer unheimlich geladenen Atmosphäre, sie hat Strindberg so meisterhaft aufgefangen, wie es nur einer kann, der selbst alles tief durchlebt und durchlittcn hat. Strindberg nennt Nietzsche einmal(1897) eine„schon vor der Zeit verbrauchte und ins Feuer geworfene Zuchtrute". Aehnlich könnte man Strindberg einen Märtyrer nennen, der sich selbst vor der Zeit verbraucht und im eigenen Feuer verbrennt, ohne sich für«ine überragende weltgeschichtliche Idee ge- opfert zu haben, wie es alle wirklichen Märtyrer stets taten und stets tun werden. Und ist nicht auch trotz des Goethe-Jahre»— ein Vergleich mit Goethe aufschlußreich? Goeche— auch er am Leben leidend, besonders in Wercher-Zeiten— aber er hat sich freigekämpft durch die Flucht in die Kunst: sie läuterte ihn. schuf ihm Klarheit. Strind- berg aber, der vielleicht der größere Dramatiker ist, will gar nicht frei werden, er will wühlen in den Dingen und Erlebnissen bis zur äußersten unmöglichen Steigerung. Goeche: auch er universal, in alle Tiefen des Lebens, des Geistes und der Nawr eindringend. Wie Strindberg. Aber Goetbe kann sich bescheiden. Er lernt immer mehr die Grenzen alles Mensch- lichen erkennen, er baut sich«ine frohe, gesunde, standhafte, durch- sichtige Welt, in der man tätig und sinnvoll wirken kann. Strind- berg will alles erraffen und scheitert auf seiner Flucht in die Mystik. Trotzdem war er ein großer Mann— oder mehr noch ein großes Symbol unserer ziellosen, zerrissenen, suchenden Zeit. Und wird alle Suchenden wohl noch eine Weile, deutend und warnend zugleich, geleiten. Waller Analole 3>crfich: 9£aben Sie einenVoyel? Der Dompteur Alfons Mayer, genannt Alfonso, der Herr der Tiere und eine große Nummer in den wandernden Zelten, erschlug den Zauberkünstler Giraldi. Di« Serpentinentänzerin Anastasia hatte allzusehr auf den gutgeschnittenen Frack und den Brillantring des Illusionisten geachtet und war somit im doppelten Sinne ein Opfer der Täuschungskunst, wenn auch nicht der arglistigen, geworden: sie verlor den angebeteten Zauberer, den man zu Grabe trug, voran die Zirkuskapelle in liusarenunisorm, und sie verlor den Geliebten, den Dompteur, dem man den Prozeß machte und den man wie jeden anderen Sterblichen an gleicher Statt ins Gefängnis steckte. Hier sah er nun. Nicht störte ihn die Primitivität der Zelle— er hatte oft in Ställen schlafen müssen und auf nackter Erde. Doch es roch so seltsam in den Mauern, und eines Tages machte er die fürchterliche Entdeckung, daß auch an feiner Haut nichts mehr vom Dunst der Manege hoste, daß das letzt« Fluidum seiner selbst, der aufgesogene Raubtierdunst, verschwunden sei. Er tobte und brach zusammen, der starke Kerl, der Löwen wie Babys gezähmt hatte, ihn befiel ein Nervenfiebcr und der Anstaltsarzt, einsichtig und er- fahren, wie es auch bei diesem Beruf nicht selten ist, hörte besorgt stundenlang die psychologisch interessanten Phantasien des Kranken an. Daim hatte er ein langes Gespräch mit dem Anstaltsdirektor, Wärter mußten ausführliche Berichte geben und es stand hart gegen hart: der Direktor wollte Dunkelhaft als Strafe, der Arzt pochte auf Humanität. Alfonso, der Herr der Tiere, gesundet« langsam und sehr apa- thisch und ließ sich wortlos dann in fein« Zelle zurückbringen, wo er sich auf die Pritsche setzt« und auf den Boden starrte. Sein« Löwen! Seine tanzenden Schakale! Wo mochten sie sein? Welcher Stümper verdarb ihm dieses wunderbar«, in einem Jahrzehnt ge- sammelte und erzogene Material? Er weint« leise, der Kerl, sein« Tränen liefen durch die ans Gesicht gepreßten Fäuste und sein« Schultern zuckten— dieses Geräusch muß den Gcselligkeitssinn der Tierseele wachoerusen haben, denn es sagte erst leise„Piep", und dann lauter„Piep", und als der Mensch immer noch nichts Höne, startete ein Triller, vor dessen Kadenzen die Galli-Curci neidisch erblaßt wäre. Erschreckt hob Alfonso den Kops— neben dem Zellen- fcnster war ein kleiner Käfig ausgehängt, so daß schräg die Soiu»« hineinfallen tonnte und dort hüpfte und trillerte ein kleiner gelbe? Vogel. Der Arzt war aus diese Idee gekommen, hatte sie verfochten und durchgesetzt. Er verstand ein wenig, wir sagten es schon, von den Menschen. Alfonso achtete dann nicht weiter aus das Tierchen, aber es blieb da und neben seiner Nation lag täglich eine kleine Tüte mit Sing- futter, die, das wußte er ja nicht, der Arzt aus feiner Tasche zahlte. Er mußte wohl oder übel für Wasser, Nahrung und Sand seines Zellengefährten sorgen, und bald, wenn er den täglichen„Spazier- gang" hinter sich hatte, trat er in die Zelle und pfiff rufend, worauf der Gelbe antwortete. So vergingen Tage und Nächte und Wachen und Monate. In den Türen sind kleine Fenster, durch die man, ungesehen selbst, die Gefangenen beobachten kann. Bei einem Rundgang rief der Wärter den Arzt, hmdurchzu schauen: da saß am Boden Alfonso, der Herr der Tiere. Auf der Pritsche hüpfte der Kanarienvogel hin und her und der Dompteur rief:„Allans— hopp!" Und der Vogel stand starr-, er rief diesen und jenen Befehl, und der Vogel schoß Kabolz, sang, wenn er es sollte, stand auf einem Bein, legt« sich, wie tot, auf die Seite, ja, Alfonso probte einen Kopfstand, eine Balance auf der Schnabclspitze— alles mit rührender Vorsicht und zärtlicher Energie, daß dem Arzt, der ein sehr seltsamer Mensch war, wie man sagte, die Tränen in die Augen traten. Er nickt« dem Wärter zu und ging bald weiter. Bei seiner Enssaflung erfuhr Alfonso, wer ihm das Leben im Gefängnis lebenswert gemacht l>atte, er ging zu dem Doktor, be- dankte sich und trug d«n Vogelkäfig unterm Arm. Sie sprachen hin und her und da Alfonso nicht zum Zirkus zurückwollte, so gab ihm der Arzt eine kleine Summe Geldes. Heute hat er sie schon long« zurückbezohlt— aber man kann in jener Stadt, deren Name nicht verraten wird, einen hübschen, mit Getier aller Sorten angefüllten Laden sehen, darüber steht: Haben Sie schon einen Vogel? Zoologi- jche Handlung von Alfons Mayer. Und dos Geschäft geht gut, denn alle seine Vögel singen und olle seine Papageien können ausgczcich- net sprechen, sogar die weißen Mäuse gehorchen auf» Wort. tfr. 224* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 44. Mai 4932 Wirtschaftspolitik in England. Nie Zoll- und Währungsmaßnahmen.- Nie ausgebliebeneWirtsthastsbelebung. !Nii den kürzlich sanktionierten neuen Zöllen ist England in die dritte und entscheidende Phase seiner neuen Wirlschastspolilik ein» getreten. Die im November und Dezember vorigen Jahres im Anschluß an Loslösung der Währung üoni Goldstandard eingesühr» tcn 50- bis lOOprozcntigen„Nofzölle waren, wie man zurück, blickend feststellen muß, in der Tat eine Notmaßnahme, um die Zahlungsbilanz von der Einfuhrseite her zu entlasten. Dienten diese Anti- Dumpingzolle aber dem Zweck,„die anormalen Importe" zu drosseln, so war das Ziel der zweiten Etappe schon erheblich w e i t e r g e st c ck t. Der lOprozentigc Generalzoll, der im Februar dies«? Jahres für sämtliche Importe— von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen— vom Unterhaus angenommen wurde, verfolgte zoll-, finonz- und wirtschaftspolitifche Ziele. Das entscheidende Ziel der britischen Regierung bei diesem Gcneralzoll lag oder auf dem Gebiet der Empirepoliiik. Das britische Weltreich als einheitliches Wirtschafts- und Zollgebiet, mit ungehindertem Güteraustausch innerhalb seiner fünf Erdteile umspannenden Grenzen, aber durch hohe Zoll- schranken nach außen abgeschlossen, ist das große wirtschoftspolitische Ziel der jegigen englischen Regierung. Als Auftakt zu der R c l ch s- k o n f e r e n z in Ottawa, die im Juli stattfinden wird, Hot England seine Dominien und Kronländcr von dem Generalzoll bc- freit und dainit seiner künftigen Reichspolitik in Gestalt von Vor- -zugszöllen bzw. Zollbefreiungen deutlich Ausdruck verliehen. In- wieweit die einzelnen Glieder des britischen Empire der Politik des Mutterlandes folgen werden, muß der Verlauf der Ottawa- Konferenz zeigen. Die Schwierigkeiten für Großbritannien sind nicht zu unterschäßen. Wirtschastspolitisch sind sie bei Kanada besonders ausgeprägt, das in dem letzten Jahrzehnt sich eng an seinen mächtigen Nachbarn, die USA., gebunden lzati währungs- politische Schwierigkeiten sind bei der Südafrikanischen Union gegeben, die ungeachtet aller Anregungen aus London nach wie vor am Goldstandard festhält. Nach dem zollpolitischen Vorspiel in den letzten Monaten des vergangenen Jahres und dem zweiten Vorstoß im Februar hak England mit seinem Zollgcsctz vom 22. April dieses Jahres den endgültigen Acbergang vom Freihandel zum Schutzzoll vollzogen. Dieser neue Zolltarif ist nicht wie die Serie von Anli-Dumping- zollen eine sür bestimmte Frist gedächte Notmahnahine und kein Finanzzoll wie der Generaltarif vom Februar, sondern ein« Zoll- mauer, deren Abbruch auf absehbare Zeit nicht mehr in Frage kommen soll. Der endgültige Zolltarif in England Hot eine völlig verän- derte Situation geschaffen. Die 50- bis lOOprozentigen Not- zälle vom November und Dezember vorigen Jahres sind liquidiert worden. Dafür aber sind ein« Menge von Fertigwaren jetzt mit einem durchschnittlichen Zollsatz von 20 bis zu ZZfH Proz. belastet worden. Für die Eisenindustrie auf dem europäischen Kontinent sind die neuen englischen E i s e n z ö l l e besonders schwerwiegend, die als einzige Gruppe allerdings zunächst nur mif drei Monate gelten. � Großbritanniens neue Zollmauern müssen von fast 70 Proz. der gesamten englischen Einfuhr übersprungen werden. Nur ein knappes Drittel der Warenimportc findet eine„offene Tür" in der Zollmauer, und dieses Drittel beschränkt sich überwiegend aus Empire-Waren. Für Länder mit Goldwährung, wie Deutschtaift», Frankreich, chollaird und USA., erschwert die Valutä- emwertung des englischen Pfundes um 25 Proz. ein Ueberspringen der Zollmauern noch außerordentlich, denn diese Sterlingentwcrtung . wirkt sich praktisch als zusätzlicher Zoll aus. Trotz dieses außerordentlichen Schutzes der einheimischen Pro- duktion gibt es.zahlreiche Jnteressentenhaufen in Eng- land, die auch mit dem jetzigen Zustand na 6, nicht zufrieden sind. Die Schwerindustrie fordert eine dauernde Geltung der hohen Eisenzölle und«ine Erhöhung der„vergessenen" Rohcisen.zöllc. Be- sonders agressiv gehen die Wollfabrikantcn und die Per- treter der Jndustri« vor, die Ende vergangenen Jahres mit den jetzt aufgehobenen 50proz«ntigen Notzöllen geschützt wurden. „Unsere Industrie", so heißt es in einem Protestschreiben,„hat sich auf einen 50prozentigcn Zollschutz eingestellt und soll jetzt wehrlos der übermächtigen Auslandskonkurrenz ausgeli«sert werden."(!) Die Hartnäckigkeit, mit der Großbritannien, das klassisch« Land des Freihandels, sich jetzt innerhalb weniger Monate mit einem starken Zollpanzcr umgeben hat, ist nur im Zusammenhang mit seiner Wahrungspolitik und der kritischen Lage der Zahlungsbilanz zu erklären, wenn man von den veränderten politischen Mchrheits- Verhältnissen einmal absehen will. Zun, ersten Male in seiner Wirtschaftsgeschichte hat England im Jahre 1S3l«ine passive Zahlungsbilanz gehabt, d. h. Großbritannien war nicht in der Lage, seinen traditionellen Einfuhrüberschuß durch seine Einnahmen aus überseeischen Kapitalanlagen, aus Frachten und anderen Dienst- l«istungcn zu bezahlen. Die hieraus folgenden Goldverluste und Kreditabziehungen hatten im September 1031 den Sturz des Gold- pfundes zur Folge. Es ist aber falsch, wenn man in England den hohen Einfuhrüberschuß im letzten Jahr für die in Unordnung geratene Zahlungsbilanz verantwortlich macht. So be- trug in Millionen Pfund der Einsuhr- Saldo der Überschuß Zahlungsbilanz 1029......... 382+ 103 1930......... 387.5+ 28 1931......... 411— 110 Der Einfuhrüberschuß hat sich also seit 1929 nur um 29 Millionen Pfund gesteigert, in der gleichen Zeit aber hat sich die Zahlungs- bilanz Englands um 213 Millionen Pfund(in Gold— 2,26 Milliarden Mark) verschlechtert. Die Quelle dieser großen Verluste liegt hauptsächlich im Kapitalgeschäst. Di« Einnahmen Englands aus den Kapitalanlogen im Auslände find feit 1929 allein von 250 bis auf 165 Millionen Pfund zusammengeschrumpft. Zlber auch die Gewinne aus der Schiffahrt sanken von 130 auf 80 Millionen Pfund. So sicher und klar Großbritannien trotz der Zweifelhaftigkeit des wirtschaftlichen Erfolges den Weg zum Ähutzzollsystem ge- gongen ist, so unsicher und unklar ist die weitere E n t w i ck- lung der Währungspolitik.?kuch heute kann die britische Regierung wie vor Monaten auf dringend« Fragen im Unterhaus nur entgegnen, daß sie kein festes währungspolitischcs Programm habe und die Zukunft des Pfundes weitgehend von internationalen Einflüssen abhängig sei. Gegen dieses Fehlen eines festen Planes spricht mid) nicht die Gründung des neuen D'e v i s e n f o n d s, Die Zlnsammlung von Währungsreserven dient zunächst nur einem ausgesprochenen Dcrtcidigungszweck, nämlich größers Schwankungen des Pfundes nach oben oder nach unten zu verhindern. Man hat es hier also lediglich mit einer währungspolitischen Manövriermasse zu tun und noch nicht mit dem Grundstock einer neuen englischen Festmährung. Inzwischen sind in den letzten Wochen im eigenen Lager der Regierung die Stimmen gewachsen, die mit der bisherigen Bilanz der Pfundenlwerkung unzufrieden sind. Der äußere finanzielle Erfolg der Pfundentwer- tung wird nicht bestritten. Es ist ein kräftiger Rückstrom aus- ländischer Kredite nach England erfolgt. Auch weist die Regierung mit Stolz darauf hin, daß es ihrer Politik gelungen fei, die L e b e n s h a l t u n g s k o st e n im Innern stabil zu halten. Für diese auf den ersten Blick überraschende Tat- fache sind verschiedene Gründe maßgebend. Ersten ist das internationale Preisniveau seit dem vergangenen Herbst um durch- schnittlich 13— 15 Proz. weiter gefallen. Die Großhandelspreise in Pfund Sterling sind in der gleichen Zeit um etwa 6 bis 7 Proz. gestiegen. Hier ist also die Disfercnz zwischen den Goldpreisen und den Sterlingpreisen nicht allzu bedeutend. Die merkwürdige Tat» fache aber, daß die Kleinhandelspreise seit dem September 1931 noch etwas gesunken sind, und zwar von 145 aus 144 Proz.(1913 — 100)— die Spanne zwischen Groß- und Kleinhandelspreisen wurde so erheblich verengert—, hängt einmal damit zusammen, daß seit der Aufhebung des Goldstandards eine Flucht in die Sach- werte kaum erfolgte und zum anderen die weiter sinkende Real- kaufkraft bei unvernnndertem Warenangebot einen scharten Druck auf die Preise ausübte. Wesentlich dazu beigetragen hat sicher auch die Haltung der Bank von England, die mindestens jede bewußte Kreditausweitung unterließ. Bon einem konjunkturellen Erfolg der Pfundabwcrlung und auch der Zollpolitik ist bisher keine Rede. Der. A r b« it s ma r k t hat sich nach einer vorübergehenden Besse- rung zur Jahreswende jetzt im Frühjahr verschlechtert. Ende April waren insgesamt 2,65 Millionen erwerbslos, alio 132 000 mehr als im Frühjahr 1931. Rechnet man die durch die Oktoberverordnung Ausgesteuerten hinzu, so liegt die Zahl der Vollerwerbslosen etwa um 300000 Personen über dem Stande vom April 1931. Kein Wunder, daß der unverminderte Kriscndruck auch in England die Währungsreformer auf den Plan gerufen hat, die durch gewagte Experimente die Wirtschaft von der Geld- seite her ankurbeln wollen. So richtete in der Budgetdebatte Zln- fang dieses Monats der ehemalige konservative Finanzminister Robert 5zornc heftig« Angriffe gegen die Deflolionspolitik der Bank van England, die durch Ausrechterhaltung der inneren Kauf- kraft und das Tiefhalten der Inlandspreis« jede Belebung zu- schänden mache. Noch radikaler ging der konservative Abgeordnete B o ot h b y vor, der den bewußten llebergong zur Inslationspolitik forderte. Die Kreise, die hinter diesen Politikern stehen, erwarten von einer Steigerung der Sterlingpreise eine gleichzeitige Hebung der Weltmarktpreise. Im übrigen sind die Angriffe gegen die Bank von England in dieser Form erheblich überspitzt, denn die am Donnerstag durchgcjührte Diskontsenkung war innerhalb ein, es Vierteljahrs die fünfte Zinsverbilligung der Notenbank, der man also kaum den Vorwurf einer„sturen Deflationspolitik" machen kann. Die Regierung hat sich gegenüber dieser Währungsexperi- mente bisher se�r kühl verhalten. Sic hat ober in der letzten Unterhaussitzung durch den Vertreter des Finanzministers erklären lassen, daß sie bereit sei, mit den Vereinigten Staaten zusammen „an einer Hebung der Warenpreise" zu arbeiten, was man ruhig abwarten darf. R. B. Krisenfeste preußen-Elektra. Preußens Elektriziiätskonzern verwendei die lleberschüsse zu Rückstellungen. Das Geschäftsjahr 1931 der Preußischen Elettrizitäts-A.-G., deren Kapital im Besitz des preußst'chen Staates ist, bewies die Krisenfestigkeit auch dieses Staatskonzerns. Natürlich blieb die Preag von Krisencinflüsjen nicht verschont. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einmal ist die Industrie immer stärker van der Strom- erzeugung zum Strombezug übergegangen, so daß sich die Konjunk- turschwonkungen in der ndustrie allmählich stärker bei den Elektrizi- tätswerken auswirken. Dazu kommt eip Rückgang im Verbrauch des Hausholtstromes infolge der sinkenden Massenkaus- kraft. Bei der Preag kommt hinzu, daß der notwendig« Aus- bau des großen Versorgungsstiftems noch nicht beendet mar, als die Konjunktur schon zurückging. So kann sich die Wirtschaftlich- keit des teilweise fertigen, zum Teil noch im Bau befindlichen Pumps peichor werke? Ivaldeck. das aus Gründen einer gesicherten Versorgung und zur Entlastung der Dampskraftwerke von kostspieliger Stromspitzenproduktion not- wendig ist, heut« noch nicht so auswirken, wie unter höherer Be- anspruchung des ganzen eVrsorgungssystems, belostet gegenwärtig aber den Konzern mit den Baukosten. Schließlich hat der Holding- charakter der Preag. der im Besitz starker Beteiligungen an anderen Elektrizitätsunternehmen zum Ausdruck kommt, dazu gejährt, daß den stark gesunkenen Börsenwerten durch entsprechende Ab- schreibungen Rechnung getragen wurde. Da» wichtigste Ereignis des abgclausencn Geschäftsjahres war die Gründung der Berliner Kraft- und Licht-A.-G. Unh wenn es damals gelungen ist, die drohende Privati» s i e r u n g der Berliner Elektrizitätswerke zu verhiirdern, dann ist das in erster Linie der Initiative der Preag zu verdanken. Es war in erster Linie dieses Geschäft, das Veränderungen der Kapilalverhältnisfe und der Bilanz der Preag selbst herbeisllhrte. Das Aktienkapital mußt« von 125 auf 155 Mill. Mark erhöht werden(daneben besteht der gesetz- liche Reservefonds in Höhe von 21 Mill. Mark). Andererseits er- höhte sich das Konto„Dauernde Beteiligungen" durch den Erwerb der Licht- und Kraft-Aktie» und einiger kleinerer Posten von 110,7 ans 140 Mill. Mark. Die Anlagewert« sind— im wesentlichen durch den Wciterbau des Pumpspeicherwerkes— um 11,5 auf 133,3 Mill. Mark gestiegen. Die Betriebsmittel(Gut- haben, Forderungen, Wechsel usw.) erhöhten sich van 40,4 aus 59,9 Mill. Mark, vor allem, weil der Posten Wertpapiere durch den Zugang 8proze»tiger Preußischer Schatzonweisungen von 0,1 auf 21,7 Mill. Mark anstieg. Dem Ansteigen der Anlage- und Bctriebswerte entspricht auf der Passivseite eine Erhöhung der fremden Mittel von 94,3 auf 123,1 Mill. Mark. Hier war die Umwandlung eines Kredits der Eontinentalen Elektrizitäts-Union in eine langfristige Anleihe von 25 Mill. Schweizer Franken(20,6 Mill. Mark) zu verzeichnen. Neu erscheint ein langfristiger Kredit der Preußischen Staatsbank in Höhe von 32,5 Mill. Mark. Die Betriebseinnahmen find von 17,5 auf 16 Mill. Mark zurückgegangen. Einmalige Ein- nahmen erscheinen noch mancherlei Sonderabschrcihungen und Ruck- stellungen— alle Effekten sind unter den amtlichen Bilonzk ursen angesetzt— mit 2,2 Mill. Mark. Auf der Ausgobenseite sind mit der Erhöhung der Kredite die Zinsausgaben von 2,5 auf 5,8 Mill, Mark gestiegen. Es ist«in Zeichen für die vorsichtige G e s ch S s t s p o l i t i k der Preag, daß nicht nur die Abschreibungen(5,1 Mill. Mark) noch denjelben Verhältnis- jätzen wie im Vorjahre vorgenommen, sondern daß auch noch eine besonder« Reserve von 4 Mill. Mark gebildet wurde. Es bleibt ein Reingewinn von 91 680 Mark, so daß der Staat eine Dividende — im Vorjahr 6 Prozent— nicht erhält, was unter den heutigen Verhältnissen auch den Intentionen der Staatsregierung entspricht. Die Slromabgabe der Preagist von 682, 8 Millionen Kilowattstunden im Jahre 1930 auf 650,5 Millionen Kilowattstunden im Jahre 1931, also um 4,7 Proz gesunken. Das ist gegenüber dem Reichsdurchschnitt — ein Rückgang von 12 Proz.— ein verhältnismäßig gutes Ergeb- nis. Läßt man die im Jahre 1931 oeu hinzugekommenen Strom- abnehmer außer Betracht, dann beträgt der Rückgang 9,3 Proz. Im allgemeinen hielt sich der Absatz in landwirtschaftlichen Gegen- den besser als in Industriegebieten. Die Preag hat mit Erfolg Verigess-en Sie nicht eine 1)r.DpalLe's Birkenhaarwasser ««rsucht, den Absatz von Haushaltsstrom durch Vereinheititchung der Tarife, durch Senkung der Strompreise und durch Förderung des Verkaufs elektrischer chousgerate zu heben. Zu erwähnen ist noch, daß das Ergebnis des Jahres 1331 un- günstig beeinflußt wurde durch die B c r I u st e der Braunkohlen- Schwefelkraftwerk chessen-Frankfurt o. M. in Wolfersheim (ch e f r a g). Die Verlufte find zur Zeit unvermeidlich, weil bei den heutigen Teerpreisen eine Rentabilität unmöglich zu erzielen ist. Di« Verluste der letzten drei Jahre dieser Gesellschaft sind von der Preag übernommen worden. Wenn die Preag,— im Gegensatz zu vielen Prioatkonzernen— nicht auch nach sozialen Gesichtspunkten handeln würde, dann würde sie diesen Betrieb stillegen, da ihre anderen Werke sehr leicht die Erzeugung der 113.5 Millionen Kilo- Wattstunden Strom übernehmen könnten. Im Interesse der 1200 Arbeiter und Angestellten hat die Preag es nicht g e- tan und wird es in absehbarer Zeit nicht tun. Im e r st« n V i e r t e l j a h r 19 3 2 ist die Stromabgabe gegen- über der gleichen Zeit des Vorjahres um durchschnitllich 10 Pro;. gesunken. Der Rückgang bei einzelnen Industrien war aber sehr viel stärker, so in der Zementindustrie um 38,5 Proz. und im Berg- bau um 23,8 Proz. Die Preag rechnet aber für dieses Jahr mit bedeutenden Neuanschlüssen, besonders im hannoverschen Erdöl- gebiet. Arbeitsbeschaffung und Bauwirtschafi. Eine Kundgebung von 55 Llnternehmerverbänden. Weit schlimmer als in anderen Wirtschaftszweigen wirken sich die lähmenden Folgen der Krise in der Bauwirtschaft aus: nahezu 90.Proz. der baugewerblickM Arbeiter sind erwerbslos.„D i e B a u w i r t f ch a f t muß heraus aus der E r st�i r r u n g", ist daher die Forderung einer großen Kundgebung, zu der die Deutsche Gesellschaft für Bauwesen in Gemeinschaft mit nicht weniger als 35 Verbände» der Architektenschaft, des Baugewerbes, der Bau- stoffindustrie, des Baunebengewerbes sowie des Bauftosshondels auf- geruscn hat und die am 2 0. M a i, vormittags 11 Uhr, in Berlin im großen Festsaal von Kroll stattfindet. Sprecher sind der Prasi- dent der Reichsanstolt für Arbeitslosennersicherung, Dr. Syrup, Direktor Wildermuth von der Deutschen Bäu- und Bodenbank und Reichstogsabgeordneter Zimmermeister Freidel. -1SV Mliionen Erdölverlufie. Die amerikanischen Oelkonzerne i95i. Produktiv ns- u nd absatzmäßig war das Jahr 1931 für die amerikanische Erdölindustrie keineswegs ungiistig. Die Rohölgewinnung ging um weniger als 10 Proz. zurück; dieser Rückgang ist eine Folge der im Sommer vorigen. Jahres durchgeführten Zwangsmaßnahmen jyr Einschränkung der Erdölbohrung. Die Pro- duktion des wichtigsten Crdölerzeugnisses, des Benzins, mar im Jahre 1931 nur um etwa 1 Proz. Niedriger als im Jahre 1930: der geringe Rückgang ist ausschließlich eine Folge des zufammenge- schrumpften Erports, während der inländische Benzmabsag gegen- über 1930 sogar noch eine Steigerung mifweift. Aus diesen Zahlen kann man schließen, daß der Kraftwageiwerkehr in den Bereinigten Staaten, im ver gange mm Jahr keine Einschränkung erfahren hat. Die finanziell« Lage der Erdölkonzerne zeigt je- doch ein absolut anderes Bild. Die. phantastisch großen Vorräte an Benzin und anderen Ervölerzeugnissen haben im Laufe des vergangenen Jahres noch stärker als vorher auf die Preise gedrückt, so daß die Einnahmen der Gesellschaften noch wesentlich niedriger waren als im Vorjahre. 12 größere ameritanifchc Erd- ölgesellsch ästen, die im Jahre 1929 nocki einen Reingewinn von rund 650 Millionen Mark erzielten, verzeichnen für 1931 einen Verlust von fast 190 Millionen Mark, nachdem sie im Jahre 1930 noch einen Gewinn von annähernd 240 Millionen Rlark buchen kannten.' F ii r D» u t s ch l a n b, das bei der Deckung seines Benzinbedarfs auch heut« noch zum größten Teil auf die Einfuhr aus- ländischer und vor allem auch amerikanischer Erzeugnisse angewiesen ist, ist eine solch« Entwicklung nicht gkichgüstig, beim es ist klar, daß die amerikanischen Konzern« angesichts solcher Verluste ein wachsen- des Interesse an einer allgemeinen Erhöhung der Benzinpreise haben. Bisher haben allerdings olle Versuche, eine gemeinsame Politik der P r o d u k t i o n s dr o sf- lu n g der amerikani- schon Erdölproduzenten durchzuführen, noch keinen sichtbaren Erfolg gehabt, doch hat sich in den letzten Monaten sowohl bei den ameri- kanischen Regierungsstellen als auch bei zahlreichen Erdölunler- n-chmern ein« sehr deutliche Wandlung vollzogen, die vermuten läßt, daß man in absehbarer Zeit mit gemeinsamen Maßnahmen rechnen kann. Zemeniabsatz-Aesssrung häli an. Im April Hot sich durch die jahreszeitstckisn Einflüsse der Ze- mentabiotz auf 339 000 Tonnen gegenüber 184 000 Tonnen im Mär; erhöht. Im Vergleich zu dem auch bereits sehr ungünstigen Aprilabsatz des Vorjahres beträgt der Rückgang aber noch immer 22 Prozent und gegenüber April 1930 sogar 40 Prozent. Für Ja- nuar bis April 1932 ergebxn sich 0,72 Millionen Tonnen gegen 1,07 Millionen Tonnen in 193l und 1,75 Millionen Tonnen in 1930. 5 proz. Dividende im AEG.-Konzern. Di« Elettrizitäts-Lieferungsgefellschaft in Berlin, die dem AEG.-Konzern nahesteht, wird für das Gr- schäftsjahr 1931 eine Dividende von 5 Proz gegen 10 Proz. im vorhergehenden Jahr ausschütten. Di« Gesellschaft, die mit einem Kapital von mehr als 40 Millionen arbeitet und über ein starkes Beteiligungsnetz bei Stromlieferungs- und Der- kehrsunternehimingen oerfügt, weist einen Reingewinn von 2,14 gegen 4,34 Millionen im Vorjahr aus. Für Sonder- abschreibungen wurden diesmal 1,40 Millionen abgesetzt, nachdem schon im vergangenen Jahr erhebliche Rückstellungen als Sicher- heitsmaßnohmen gegen den Werts6)wund in der Krise vorgenommen waren. Ermäßigung des schwedischen Diskonssatzes. Die�Schwedüche Reichsbank ermäßigte mit Wirkung vom Dienstag, den 17'Mai 1932. ihren Diskontsatz von 5 Prozent auf 4's Prozent. Der Satz von 5 Prozent war seit dem 3. März 1922 in Kraft. Was ist am Wannsee passiert? Gestern nacht wurde«uf dem Wannsee heim Freibad ein 50 m langÄ Schiff verankert. 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Verband and im Verband der Kupferschmiede organlsierfen Anhen« monteare (aasscfaUehUch Helznngsmoaicare) Tagesordnung. 1. Bericht über die durch Schiedsspruch neu geregelten Auslösungesätz«. 2. Ronieur-Angelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreicher Besuch wird erwarte! Die Orlsverwalttrag. OrtstunliSDliasM für die Omrt« der TIkMot und Piiao'ortearbtiler zu Berlin 50.36. Einladung zur erbeomdien Aneschutzkitzung um. Montag, dem 23. Mal 1032. um 16'> Ahr imSaffenlofai, Oronienftt.391. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstand«« übet das Defchäftsjahr 1931, 2. Ad-iahwe der Iahresrechnung für 1931 und Bericht de« Prüfung«- ausschuffe«. 3. Satzungsänderung. 4- Berfchieoenee. Berlin, den It. Mai 1932. Hermann Ehrlich, Vorsitzender. Wilhelm Altenburg, Schriftlührer. OeniBiflnStzigB Heimsiätten Die Gesellschaft ladet hierdurch ihre Aktionäre zu der am Montag, dem 9 0. Mai 19 32. 17 Uhr, im©(•• werkschaitshau«, Berlin, Saal 1, Engel. ufer 24—25, stattfindenden ordentlichen Generalversammlung «in. Die Generalversammlung wird B- fchlutz fassen über folgend« Tagesordnung: 1. Reudefchluh über die Fassung de« Gelellschaftsvertrages: 2. Geschäftsbericht für dos Pahr 1931: Z. Genehmigung der Bilanz, Gewinn. und Veelustrschnuna für dos Jahr 1931 sowie Jefchlutzfassung Uder die Gewinnverteilung;. 4. Entlastung des Vorstandes: 5. Entlastung des' Agfstchtsrat»; st. Wahl des Auisicht-rats. Berlin, 12. Mai 1932._ Sornmerfrlsche„ (Sictzs. Schweiz) 8� sU5 C M ä,Cc empfiehlt sich bestens. C- Prospekte durch Gemeinde- erwsltunj und die Gesciisfunelle des.Vorwärts" Siaals Ifc Tbealcr JoBiiabend, den 14,-Mai staaisopep unter den Linden IB., L'hr Die Zauberflöte StutlStauietas Gudannruuilt 20 Uhr Der ueoestranK Schiller-Theater Charlottenhurg. 20 Uhr Die Räuber TflflI. S u. 8H Uhr HANUSSEN LA JANA ANTON DOLIN U.weic«r«7Attr»lct, su.sü.stss.a,»,� E 7 Welcfcs. 4531 Die Duberry Rose-Ttieater Snti Furth] dir StnB« III Iii. Wiidnsi E 1 3422 st und? Uhr Weekend im Paradies I Etting-Ttieater Täglich 8V. Uhr Madonna wo btsl Do? Erika v. Thellmann, Qenia N'lkolajewna. ThecMdor Loos Josef Wedorn „ORPHEUM" HERMANN OEHLKE Hasenheide 32/38m(Ecke GraefestraBe) 1. und 2. Pfingstfeiertag GroBss FPflh- und NadimitlsgsKQnzert Im großen Festsaal VARISTi UND TANZ Die gute, preiswerte Küche Gutgepflegte hiesige und echte Biere Große u. kleine Fesisa!«(20—2000 Pers.) zu Privat- und Vereinsfestlichkeiten zu kulanten Bedingungen zu vergeben „Zum Schultheiß" Hasen heide 22,31 ,, frühere Cnlon" Cekonom P. Gruh! An beiden Pfiugstfeiertagea: Slroöe MJJitdr- Früh-, Nachmittags- und Abeadkonzerte Leitung; Herr Obermusikmstr. W.Thiele, Fahraoti. Lankwitz. Am 3. Feiertag ab S Ibr; Großes Adolf- Beeker- Konzert. Leitung; Herr Obermusikmeister A. Becker. 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Ferch hin und zurück 1.50 M., Sonmags 2.00 M. freitags und Sonnabends nach Templin und Ferch nur l.oo M. hin und zurück. Kinder die Hälfte. Osheebad Misdroy Villa Wald und See 1 Mb), von Strand u. Hochwald Vorrögl. Verpflegung, Vor- u Nachsaison 4.— M. und 4.50 Hauptsaison 5.— M. und 5.50 Keine ZuschlSge SereiN'der berliner Buchdrucker und Schrlstgießer. Mittwoch, den �8. Mai, pünktlich II Uhr, in den Germania-prachtsäien kgroßer Saal), iZhausseestraße iW Außerordentliche Generalversammlung Tagesordnung: Bericht von den Tarisverhandlungen. Referent: Kollege Bruno Nrelschmer. Zu dieser Generalversammlung haben nur die Oele- gierten für das Jahr 1932 und die Generalverfamm- lZMei MIlZiIieiliis-VeMll VerwaltaEgMleUe Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Kollege, der Galvaniseur Paul Ztriede? am 10 Mai gestorben ist. Ehr« feinem tzlndente«? Di, Emfischerunz findet am Sonn- abend, dem lt. Mai,'/,19 Uhr. im Krematornl« Gerichtstratze statt. Rege BeteNigung wird erwartet. Die OrtiTcrzraltnng | uernauie| Nochherd» jeder Art u. Große, Riesenauswadl. Teilzahlung, tran». portable.stachelöfen. Badewannen.Vesen stesselofen. Die all« Firma Semmler u. Blepberg, Dre» denerftratze 99. Jan. nowitz T 7 stststi. Tapeten Szillat. tioloni«. Itratze S. «isilftiilgzzliiciss. ».Neils ilLlll. Schlafzimmer. 180 brett, Nußbaum — Mitfeltiir, 2ua- litaisarbelt, 850,—, Äüchctt, Anklerde. schrank«, Zilesenaus» mahl. MSdel. Für. stenberg, Prep«. lauerftratz« 25. Souche, 85,—. 73,—, Sessel 15,-, IS,—, 22,—, 33,—, 49,— in gediegener Per. arbeitung bei Moritz Hirfchomitz, An» dreossiratze 80, g». z-nüder Leiser. Wenig getragen- zaltergarSerode stüchen SZ.r- dis SZ0,—. Weitzlackfchränfe 35,—, Metallbert- stellen 29,—. stamer- ling, Kostanienallee 56(Ecke Fehrdelli» nerstratz-.' tzsaio Sooa non Millionären, Aerzten, Anwalten. � äabelhasi billig! Dreis«. Empfehle I Taillenmäntel. Pa. fin-7'*Ctt£lr%%n R-di-anl-gc-, . 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