Lrschellittügllck außer Sonntag«. ij-zlcia, Ab hn roraul »dlbar U e fl b e j n a 3,97 M, rtnschlieglich«0 Pf, Toftjritun«». and 72 Pf. Pogbeffellsebädren SfuUaaLgaße Ash Anzetgenvrel« Die einivalttge MlUtmererjeN» Vi. Reklamezeile 2.— M Ermäßigungen naw Tanf'Voii'-i'.e�ccnrv- VorwärtS-Vcrlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37.>«.- ter vertag behält ncd das Recht der Ttdlchnung nicht qenevmer An>ngen nor Redaktton und Ervedttion: Berlin SW i?mdens»r' 7?ernsvrecher? Dnnboft(A?Q' BERLIN Sonnabend 14. Mi 1932 1® Pf. )tl 115 8 1 1 3 . 49. �akr�ana Mufbotd Ley vor Gericht Der Lleberfall aus Otto Wels und Bauknecht Ziaub und Mord in Manendorf. Autobanditen plündern und schießen Verfolger nieder. Köln. 14, Mai,(Eigenbericht,) Der Kölner Schöftengerichtssaol zeigt heute morgen dos Bild eines zrohen Tages. Der Zuhörerraum ist dicht besetzt. Auf den Gängen drängen sich die Leute, Bald nach 9 Uhr beginnt im«aal die Verhandlung gegen den nationalsozialistijchen Reichstags» abgeordneten Dr. Lsy und gegen den Nationalsozialisten Fuchs, die sich wegen des bekannten Ueberfalls auf den Vor- sitzenden der Sozialdemokratischen Partei, Rcichstagsabgeordneten Otto Wels, und den Kölner Polizeipräsidenten Bauknecht, in der Nacht vom 22. zum 23, April im Hotel D e i s in Köln zu verantworten hoben. Es sind etwa 16 Zeugen geladen. Der als Zeuge geladen« Redakteur S ch w a e b e vom„Westdeutschen Beobachter" fehlt. Wels und Polizeipräsident B a u t n« ch t sind als Nebenkläger zugelassen. Die beiden Angeklagten werden verteidig: von dein Berliner Verteidiger Dr. Sack, Blöde Ausflüchte. Der Angeklagt« Fuchs, der zunächst vernommen wird, will im Laufe der Auseinandersetzungen im Lokal von der Toilette an den Tisch zurückgekommen sein. Dabei habe er gesehen. wie Polizeipräsident Bauknecht am Kops blutete, während die, Kleidung von Wels in derangiertem Zustande gewesen sei. Bauknecht und Wels seien um Ley herumgestanden. Er, Fuchs, sei hinzu» getreten, um Ley aus diesem Knäuel herauszuholen. Dann sagt der Angeklagte Fuchs wörtlich:„Damit schlug Dr. Ley mir die Hand weg, und die Hand traf unglücklicherweise Wels gegen die Brust." Fuchs behauptet dann, Bauknecht fei stark betrunken gewesen, Auf die Frage, wie er, Fuchs, ins Lokal gekommen sei, erklärt« dieser, dah er die beiden Angestellten des„West- deutschen Beobachter", Schwoebe und Koster, aus der Sirahe ge- troffen habe, Sie hotten ihm gesagt, er solle zum Hotel Deis kommen, wo Ley sei. Fuchs und sein Begleiter Ritter wollen dann auf der Straße von drei Leuten mit dem Hitlergruh begrüßt worden sein, Obwohl sich die drei Lent� nicht kannten, hott« sie diese mit ins Hotel Deis genommen, Dann kam es zur Vernehmung des Dr. Ley. Er schlug seine bekannte Taktik ein, vor Gericht sich unschuldig wie«in Kind zu stellen.'Er sei mit dem Verlagsleiter des „Westdeutschen Beobachter", Simon, im Hotel Deis ö Minuten nach 12 llhr nachts zusammengekommen. Hier seien bereUs andere Nationalsozialisten anwesend gewesen. Man habe sich in gehobener Stimmung befunden, Hinten im Lokal, etwa acht Meter von dem Tisch der National- sozialisten entfernt, hätten an einem Tisch süns Herren gesessen, Auf einmal sei an einem Tisch gefragt worden:„Sitzt da nicht der Herr Wels?" Er habe die Frage bejaht. Hierauf schilderte Dr. Ley den Vorgang, der sich gegen 2 Uhr abspielte, wie folgt: Gegen 2 Uhr erhob sich drüben der Tisch. Es wurde an unserem Tisch beim Zuprosten öfter„Heil Hitler" gerufen. Auf einmal stand Herr Wels hinter mir, machte eine Geste nach unserem Tisch und iragle:„Was wollt Ihr, gilt das mir?" Da sprang auch schon Bau- knecht an uns heran und stieß einen unserer Parteigenossen, Dann entwickelte sich das ganze in so rascher Folge, daß es unmöglich war, die einzelnen Handlungen zu beobachten. Auf einmal sah ich, daß Bauknecht blutete. Wels war über- Haupt verschwunden. Ich schrie:„Halt" und dann ist auch nichts mehr geschehen, Wels hat mir erklärt, daß ich ihn in keiner Weife angefaßt habe. Verhaftet wurde ich erst auf der Polizeiwache. Hier bin ich in Gegenwort von Bauknecht geschlagen und mißhandelt worden," Oer Nebenkläger Otto Wels tagt nun als Zeuge aus. Er spricht sehr angestrengt und heiser, eine Folge des Ueberfalls, an dem er heute noch sehr stark leidet, Wels schildert den Borgang in aller Ruhe. Das Gespräch am Tisch sei sehr ruhig gweien. Es sei chm aufgefallen, daß er von Personen an einem Tisch in einiger Entfernung dauernd fijriert worden sei, Wörtlich fährt Wels dann fort:„Als ich gegen'„>2 Uhr zur Toilette ging, sind hinter mir sofort Herr Simon, Herr Ley und ein anderer Rationalsozialist gekommen. Da auch Regierungsvizepräsident Bier mich begleitet«, ist hier noch nichts passiert. Als ich zurück» Ein beispielloser Baubübersall hol sich in der vergangenen Rachl in der G r o h b e e r e n sl r a h e 64 in Maricndors abgespielt. Dort übersielen vier Räuber, die mit einer Taxe gekommen waren. die Gastwirlschast von Gustav Tiepelmonn. Die Kolonne bedrohte die Anwesenden mit Porabellumpislolen, raubte zwei Registrierkassen, in denen sie ganze 140 IN. fanden, und I lh o s s e n auf der Flucht einen ihrer Verfolger, den SZ Tahre allen Prokuristen Bruno Sauer aus der Großbeerenstrahe 61 nieder. Sauer erhielt zwei Bauchschüsse. Er verstarb im Lankwiher Krankenhaus. Dos alarmierte Ueberfallkommando konnte die Räuber nicht mehr einholen. Das benachrichtigte Berliner Polizeipräsidium ent- iandle wegen Ueberlaslung des Raubdezernals die Mordkommission Lissigkeit-Freiberg an den Tatort. Der Gastwirt T i e p e l m a n n bat vor sein Lokal in der Groß- beerenstraße links und rechts auf dem sehr breiten Bürgersteig zwei Tische und Stühle zu stehen. Es war gegen 22 Uhr, als vor dem Lokal«ine Taxe vorfuhr, der vier junge Männer entstiegen, Sie traten sehr sicher auf, setzten sich an einen der Tische vor dem Lokal und verlangten Bier und Kognak, Alsdann begannen sie ein Kartenspiel, Sie machten«inen völlig harmlosen Eindruck und niemand beargwöhnte sie Etwa fünf Minuten vor Mitternacht erhoben sich die Gäste, kamen ins Lokal und traten auf die Theke zu. Es waren im Raum noch sechs Gäste anwesend. Der Wirt glaubte, daß die Leute zahlen wollten. Er irrte sich aber, Sie zogen jetzt— es waren drei Leute, während der vierte draußen an der Taxe stand— Pistolen und riefen: „Hönde hoch! Wer'ich rührt, wird erschossen? Im»ochsten Moment gaben sie schon Feuer. Die Kugeln pfiffen dicht on dem Wirt und seiner Frau vorbei. Die Räuber machten sich dann an die Registrierkassen und schleppten sie in das Auto, In diesem Moment geschah folgendes: der P r o k u r i st S a u e r kam, sab ich an dem Tisch, von dem aus ich fixiert wurde, eilte größere Zahl Menschen stehen, die wir vorher noch nicht gesehen hotten. Als ich um 2 Uhr ausbrach, um mein Zimmer im Hotel auf- zustichen. hat sich an dem Tisch, von dem aus ich fixiert wurde, der Zeuge Simon aus seinem Stuhl ostenlativ herumgedrehl. die Hand gegen mich hachge schleudert und„Heil H i t l e r" gerufen. Darauf bin ich an den Tisch getreten und habe in allerRuhe gejragt:„Wem gilt der Gruß, etwa mir?" Ich hörte rechts ein Geräusch, und bekam einen Schlag auf das rechte Auge, Es fielen sofort vier oder süns Mann über mich her. Ich Hobe mich mit aller Gewalt aufrechterhalten und am Tische festgefaßt. Im nächsten Augenblick Hobe ich dann eine« Schlag vor den Kehlkopf bekomme». der nur beinahe die Besinnung raubte. Ich sah mich um und sah Bauknecht blutüberströmt dastehen. Im Augenblick waren zwei Beamte da, die dann das Weitere veranlaßt haben. Erst bei der Gegenüberstellung aus der Polizeiwache am anderen Morgen habe ich Herrn Dr. Ley kennengelernt. Wels bezeichnet den Angeklagten Fuchs, den er an seiner großen Gestall und an seinen blonden Haaren wiedererkenne, als den Täter, der den Schlag gegen den Kehlkops geführt haben muß. Wels hat den Fuchs auch schon bei der Vorführung aus der Polizei- wach« als den Täter bezeichnet. Wels betont dann noch, daß er als ruhiger und besonnener Mensch bekannt sei, daß er in seiner 20](ihrigen Eigenschaft als Reichstagsabgeordneter einen ein- zigen Ordnungsruf bekwnmen habe, der jedoch wieder zurück- genommen worden sei. Er habe das Benehmen an: Tisch der Ratio- naKozialisten als Provokation empfunden und es für seine Pflicht als PatteMhrer geholten, diese Provokation zurückzuweisen. Hieraus erklärt Polizeipräsident Bauknecht: Dt« Situation im Hotel Deist sei schon von Anfang an etwas gespannt gewesen, well der Nationalsozialist Simon dauernd unseren Tisch fixiert«, West«rhw hat man an dem Tisch der Rational- war kurz zuvor mal hinausgegangen und hatte die Schüsse krachen hären. Die Burschen hatten insgesamt etwa zehnmal geschossen. Als der Prokurist nach vorne kam. sah er. wie die Räuber gerade ab- fabren wollten. Er machte ein paar Schritte nach vorn, um ihnen nachzueilen. Die Schurken hatten jetzt das kleine Fenster am Ver- deck zertrümmert und richtete» ihre Pistolen auf Sauer, Zwei Schüsse krachten und der Mann brach zusammen. Eine Kugel mar ihm in den Bauch gedrungen, die andere hatte ihm die Leber zerrissen. Inzwischen hatten die ausgeregten Gäste das lleberfall- kommando alarmiert. Die Burschen entkamen, auch das Uebersall- kommando konnte sie nicht mehr einholen, Tausend Mark Belohnung' Fl/r die Ergreifung der Täter, die in der heutigen Nacht den Raubüberfall aus dos Lokal von Tiepelmonn in Mariendorf, Groß- beerenftr. 63 verübt hoben, wobei der ö2 Jahre alte Kaufmann Sauer von den Tätern erschossen wurde, ist vom Polizeipräsidenten eine Belohnung von 1000 Mark ausgesetzt worden, Van zwei der Täter liegt jetzt eine Personenbeschreibung vor, und zwar wird der eine als ein Mann von etwa 22 Jahren geschildert, der etwa 1,70 Meter groß ist, ein hageres blasses und eingefallenes Gesicht und schwarze Haare hat, mit einem blauen Jackett und dunklem Schlapphut gekleidet war, während der zweite Täter 1,7S Meter groß sein soll, von kräftiger Gestalt, ein volles Gesicht hat. bartlos ist und dunkelblondes Haar hat. Er war mit einem schmutzigen pfeffer- und salzfarbigen Mantel und blauer Seglermütze mit goldgesticktem Eichenkranz bekleidet, Ver- mutlich hat dieser Täter ein Sporthemd mit offenem Krage»(sog, Schillerkragen) getragen. Mitteilungen, die zur Ergreifung der Täter führen, werden auf Wunsch auch vertraulich behandelt, er- bittet unter Hinweis auf die obige Belohnung die Mordkommission Lissigkeit-Freiberg im Polizeipräsidium Zimmer 134«. sozialisten dauernd„Heil Hitler" und noch gegen �2 Uhr auch „Prost Proleten" geruscn, Bon einer Betrunkenheit bei ihm könne keine Rede sein. Wenn er nach dem Uebersall einen benommenen Eindruck gemacht habe, so sei das selbstverständlich darauf zurückzuführen, daß man ihm mit einer vollen Weinflasche aus den Kops geschlagen habe. Zu dem Uebersall selbst bekundet Bauknecht, daß er die Ab- ficht hatte, Auseinandersetzungen am Tisch der Nationalsozialisten mit dem Abgeordneten Wels zu schlichten. Hierbei habe er plötzlich einen Schlag ins rechte Auge bekommen und kurz darauf einen Schlag mit der vollen Weinflasche, Dabei sah Bauknecht, daß der Angeklagte Fuchs mit noch 2 oder 3 anderen zu entkommen suchte. Er habe daraus vom Kellner die Tür des Lokals schließen lassen. Von einer Mißhandlung Leys durch die Polizcibeamten habe er nichts gesehen. Ley sei völlig betrunken gewesen, Die Verhandlung dauert fort. Oie„sparsamen" Hakenkreuzler. Aus einem Erziehungsinstitut wollen sie eine- Aozikaserne machen. Sraunschweig, 14, Mai.(Eigenbericht, Aus dem van Klogges stillgelegten Forschungs- i n st i t u t für internationale Erziehungswissenschaften„Salve Hospe" wollten die hiesigen Nazis gern ein« SA.-K a s e r n c machen. Sie hatten deshalb einen Antrag an den Rat der Stadt gerichtet, Die Stadtverwaltung beschloß jedoch, das frei gewordene Gebäude kulturellen Aufgaben zu erhalten und in ihm ein Museum für städtische Kultur und ftir braunschwei- g i s ch c Vorgeschichte einzurichten. Diesen Beschluß nehmen jetzt die Nazis zum Anlaß, um in wüster Weise gegen die Stadt- Verwaltung zu hetzen und um Klagges scharf zu wachen, daß er als Auffichtsin stanz die(Anrichtung des Museums aus o n g e>»- kichen Sparsamkeitsgründen oerhindere! Grubenunglück bei Getsenkirchen Fünf Tote in einem herabstürzenden Körderkorb Dortmund, 14. Mai. Auf der Zeche Dorstfeld der Gelsenkirchener Berg- Werks A..G. ereignete sich am heutigen Sonnabend, gegen K Uhr früh, ein schweres Förderkorbunglück. Aus un- bekannter Ursache rist plötzlich bei der Einfahrt der Bergleute in die Grube das Förderseil» so daß beide Förderkörbe in die Tiefe sausten. Soweit bisher bekannt ist, beträgt die Zahl der Toten fünf. Weiter wird gemeldet: Der westliche Korb der Förde- rung des Schachtes III der Zeche Dorstfeld wurde dadurch seillos� daß die großen Muttern, die das Zwischengeschirr mit dem Förderkorb verbinden, sich auf bisher ungeklärte Weise lösten. Beide Körbe— der niedergehende wie der hochgehende— fielen in den Schachtsumpf der 800-Meter-Sohle. In dem aus- gehenden Korb befanden sich fünf Bergleute, davon vier verheiratete. Der Korb wurde in dem Augenblick seillos, als er bereits in die Hängebank eingefahren und zum Stillstand gekommen war. Das in Frage kommende Zwischengeschirr wurde erst am gestrigen Freitag terminmäßig von den zuständigen Sochver- ständigen der Seilprüfungsstelle Bochum geprüft und in Ordnung befunden. Die aus dem Schacht befindliche zweite Förderung ist in Ordnung. Die zuständigen Bergrevierbeamten weilen bereits am Schachtstandort der 8l10-Meter-Sohle. Aus Dortmund werden uns noch folgende Einzelheiten ge° meldet: Die fünf auf der Zeche Dorstfeld mit den beiden Förder- körben abgestürzten Bergleute befinden sich noch im Schacht. An ihrer Bergung wird gearbeitet. Da sich das Unglück in dem Augenblick ereignete, als der Förderkorb die h ö ch st e Stell« de? Förderung, also das Schachtgebäude über Tage erreicht hatte, saufte oer Korb mit so großer Wucht in die 8l>tZ-Meter'Sohle, daß von den im Korb befindlichen Bergleuten wohl keiner mit dem Leben davonkommen dürfte. Auch die Auffangvorrichtung für Sellrisse oder sonstige unvorschriftsmäßig schnelle Fahrt konnie bei der ungeheuren Wucht des viele Tonnen schweren Korbes nicht in Funktion treten. Bei dem Unglück war der Horb dadurch haltlos geworden, daß das stählerne Verbindungsstück, mit dem das viele hundert Meter lange und schwere Stahlseil am Förderkorb besestigl war, brach, woraus das Seil den hall verlor und vom Seilrad in den Schacht abrutschte. Da auf der Zeche Dorstfeld noch eine zwei!« Förderung besteht. können die verunglückten Bergleute nach ihrer Befreiung aus dem zusammengeschlagenen Korb ans Tageslicht befördert werden Bor der Zeche halten sich mehrere hundert Bergleute und die Angehörigen der Verunglückten auf. Fast genau vor sieben Jahren, am 16. Mai 192S, ereignete sich auf dem Nebenschacht 5 des Unglücksschachtes ein großes Gruben- unglück. Damals zählte man 44 Tote und zahlreiche Verletzte, die durch Explosion eines Puosrmagazins im Schacht verunglückt waren. Auch damals fiel das Ungück in die Zeit vor den Pfingsttagen, so daß auch das zwei Wochen später stattfindende Pfingstfest von den Schatten des Unglücks umdüftert wurde 'Seinerzeit wurden auch Bergleute des Schachtes 3. auf dem sich der heutige Seilriß ereignete, von dem Unglück in Mitleidenschaft ge- zogen. Die Namen der Verunglückten. Zn dem aufgehenden korb befanden sich de? Pumpenwärter Malter Grunewald und die Elektriker Wilhelm Meise. Frih P o t t h o f f und Paul Vockermanu, sämtlich verheiratel: in dem niedergehenden korb war der ledige Grubenschlosser Friedrich Melle r. Kahl gestorben. Geheimrat Profestor Dr. Wilhelm kahl ist heule mittag gegen 1 Uhr im Alter von SZ Zahren gestorben. * Mit Wilhelm Ka h l, dem greifen Reichstagsabgeordneten der Volkspartei und berühmten deutschen Rechtslehrer, ist ein seltener Mann hingegangen. Kahl war ein wirklicher Hüter des Rechts. Sein unerschütterliches Rechtsgefühl zwang ihn in zahlreichen Fällen, von denen die wenigsten bekannt geworden sind, sich für Opfer der Justiz einzusetzen. Dabei war ihm die Parteistellung seines jeweiligen Schützlings völlig gleichgültig. Sein Leben widerspiegelt die Entwicklung des noch in feudalen Fesseln liegenden Deutschland zum Kaiserreich und zur Republik. Sein Vater war Patrimonialrichter eines süddeutschen reich-- unmittelbaren Fürsten. Der Sohn wohnte 1871 im Spiegelsaal zu Versailles als 22jähriger Kriegsfreiwilliger, Führer eines Detache- ments bayerischer Jäger, der Krönung des Königs von Preußen zum deutschen Kaiser bei. Das blieb bis ins hohe Alter hinein ein bestimmendes Ereignis seines Lebens. Die unwürdige Behandlung, die Wilhelm II. ihm zuteil werden ließ, weil er im Lippeschen Thronsolgestreit seiner Ueberzeugung gemäß für das Recht des Biesterfelders eingetreten war, konnte ihn in seiner monarchistischen Ueberzeugung nicht wankend machen. Diese politische Einstellung hotte zur Folge, daß die Revolution ihn schwer traf. Der nahezu Siebzigjährige, dem niemals bis dahin ein parlamentarisches Mandat übertragen worden war, nahm die Wahl in die National- Versammlung an und führte in Weimar und später in Berlin scharfe Kämpfe gegen die Demokratie. Aber er erlebte seinen Tag von Damaskus. In stets wachsendem Maße ging ihm das Verständnis für die unvergänglichen Werte der demokra- tischen Weltanschauung auf und er machte aus dem Wechsel seiner Anschauungen keinen hehl. So gehörte er zu den seltenen Menschen, die mit den zunehmenden Jahren radikaler werden, soweit bei diesem abgeklärten Manne von Radikalismus die Rede sein kann. Wie bezeichnend ist es, daß er in seinen letzten Lebensjahren aus einem Anhänger zum Gegner der Todesstrafe geworden ist! Für die Politik des Herrn D i n g e l d e y, dessen Anwartschaft aus die Nachfolge Bennigsens und Miguels Kahl sicherlich nicht anerkannt hat, hatte er kein Verständnis, und der Aufstieg dieses Manne» würde ihn bestimmt veranlaßt habsn, aus der parlamentarischen Arena auszuscheiden, wenn er es sich nicht zur Aufgabe gemacht hätte, die Verabschiedung des neuen Strafgesetzbuches bis zum letzten Atemzuge zu fördern. Was der über Achtzigjährige als Vorsitzender des dafür zuständigen Reichstagsausschusses geleistet hat, war staunenerregend. Unermüd- lich berief er Sitzung auf Sitzung ein, die er mit souveräner Sach- künde leitete. Um den übrigen Ausschußmitgliedern Arbeit zu ersparen, übernahm er selbst die Berichterstattung über den besonder» schwierigen allgemeinen Teil des Gesetzentwurfs. Der Mann, der egoistische Wünsche nicht kannte, wollte das große Reformwerk vollenden helfen. Das Schicksal hat ihm hier die Erfüllung versagt. Unter seinen ungezählten Schülern— Kahl war seit 1879 Professor der Rechte gewesen, seit 1895 an der Berliner Universität—, unter seinen Kollegen ohne Unterschied der Weltanschauung und der Partei wird die Nachricht von dem Hinscheiden des fast Drei- undachtzigjährigen tiefe Trauer wecken. Denn Wilhelm Kahl, wo immer er stand und wie immer man zu ihm stand, war ein wahrer Mensch und ein ganzer Mann. Zum Teilrücktritt Groeners. Was man in Bayern dazu sagt. Zum Rücktritt des Reichswchrministers bemerkt die„Bayerische Volkspartei-Korrespondenz" unter anderem, es fei begreiflich und verständlich, daß der Reichskanzler in diesem Augenblick und untcrden Umständen, unter denen sich der Rücktritt Groeners vom Reichswehrministerium vollzog, keine Neigung habe, die Frage entscheidend zu prüfen, ob sich denn Groener als Innenminister bc- währt habe und als der geeignete Mann für diesen s ch w i e r i- gen Posten angesehen werden könne. Selbst wenn man der Mei- nung sei, daß sich Minister Groener in der letzten Zeit nicht völlig den an ihn herangetretenen Situationen gewachsen gezeigt habe, so könne ein Wechsel im Innenministerium in diesem Zeitpunkt leicht zu Schlußfolgerungen Anlaß geben, die dem moralischen Ansehen und der Autorität des gesamten Kabinetts abträglich wäre. Man könnte dann zu leicht von einem Erfolg jener unkontrollierbaren Mlnierarbelt gegen den Reichskanzler sprechen. die in der etwas gespannten Atmosphäre der Unzufrieden- '-eit sich nach dem SA.-Verbot auch über die NSDAP, hinaus ge- schaffen worden sei. So geteilter Auffassung man über manche Einzelheiten der Methoden der Verbotspolitik auch sein könne, so verheerend für das Ansehen der Regierung möchte es werden, ««nn sie von ihrer grundsätzlichen Haltung in dieser Frage abgehe. Durch das Verbleiben Groeners auf dem Posten des Reichsinnen- minister?, als der er ja das SA.-Verbot ressortmäßig zu verant- worten hat. werde klar zum Ausdruck gebracht, daß der Wechsel im Reichswehrministerium ohne Einfluß auf die politische Haltung de» Reichskabinetts fein werde. Kausifchläge für König Alfons. Zwischenfall in Marseille. Paris, 14. Mai.(Eigenbericht.) Ein spamscher Arbeiter versetzte dem Exkönig Alfons, der am Freitag von einer Mittelmeerreise nach Marseille zurück- kehrte, bei der Landung mehrer« Faustschläg», ohne ihn jedoch zu verletzen. Der Arbeiter wurde festgenommen. Eisenbahner bei Hoover. 25 jähriges Weltfchuldcnmoratorium und Arbeitslosen- Unterstützung gefordert. Washington. 14. Mai.(Eigenbericht.) Die Eisenbahnergewertschasten haben nach einem Empfang bei hoover eine bedeutsame gemeinsame Erklärung veröffentlicht. Sie machen darin die Kriegs- fchuldenzahlungen für die Weltdepression verantwortlich und fordern ein 25jShriges Schuldenmoratorlum zur Ueberwindung der Weltkrise und zur Belebung des internationalen Wirtschaftslebens. Präsident hoover wurde bei dem Empfang der vor- sitzenden der führenden Eisenbahnergewerkschaften mit schärfstem Rachdruck darauf aufmersam gemacht, daß die Schaffung einer regulären Arbeitslosenunterstützung eine dringende Rotwendigkeit sei, falls nicht sofort ein weUrelchende» Krisenpro. gramm zur Durchführung komme. Auch die Einsehung einer fünf. köpfigen außerordentlichen vundeshandelskommission, bestehend au» zwei Arbeitgebern, einem Arbeitnehmer, einem Farmer und einem Bundesvertreter, zum Zweck von Wirtschaftsverhandlungen mit den Weltmächten wurde von den Arbeiterführern vorgeschlagen. Dem Schritt der Eisenbahnergewerkschaften kommt, da hoover kurz vorher das demokratische Rotstandsprogramm abgelehnt hatte. besondere Bedeutung zu. Die Eisenbahnsührer lehnten dem Präsi. denten gegenüber jede Verantwortung für«inen ordnung». gemäßen Bahnbetrieb ab. wenn nicht endlich zur Be- kämpfung der Krise durchgreifende Maßnahmen erfolgten. Pläne um die Arbeitslosenversorgung. Eine amtliche Erklärung. Im„Politisch-Gewerkschastlichen Zeitungsdienst", der den christ- lichen Gewerkschaften nahesteht, wird ein Bericht veröffentlicht, der sich mit den Maßnahmen befaßt, welche die Regierung auf dem Gebiete der A r b e i t s l o s e n u n t e r st ü tz u n g und der Invalidenversicherung angeblich treffen will. Dem gegenüber wird amtlich festgestellt, daß das Kabinett bislang eine endgültige Entscheidung nicht getroffen hat. Völlig falsch und irreführend sind die Kombinationen des Be- richtes über Vorschläge des— übrigens nicht zuständigen— Reichsfinanzministeriums. Lebrun begnadigt Die erste Amtshandlung des neuen Präsidenten Paris. 14. Mal.(Elgenberlchl.) Die erste Amtshandlung de» neuen Präsidenten der Republik ist die Begnadigung eines Mörders gewesen. der am Morgen noch dem Attentat gegen Doumer hingerichtet werden sollte. Doumer hotte die Begnadigung bereits ab- gelehnt. Die Hinrichtung wurde dann auf Antrag des Verteidigers aufgeschoben, da der Präsident da» Begnadigungsrecht nicht bis zur letzten Minute ausüben konnte. Blum über die„Konzeniration". Umgruppierung in der Mitte. Paris, 14. Mai.(Eigenbericht.) L ö o n Blum beschäftigt sich im„Populaire" in seinem Artikel über die Regierungsbildung mit der Möglichkeit einer Konzen- trationsregierung. Er erklärt, eine Konzentration, d. h. ein Zusammengehen zwischen Siegern und Besiegten habe etwas Re- voltierendes und Demoralisierende» an sich und verurteile die Regierung zur Stagnation und Ohnmacht Man dürfe sich nicht ein- bilden, daß eine Konzentration, die ohne die Sozialistische Partei gemacht werde, mit Hilfe einiger Sozialisten zustande komme. Wohl seien Gerüchte im Umlauf, wonach verschiedene sozialistische Abgeordnete berett seien, die Partei zu verlassen, um einer Kom- bination nach dem Muster des Kabinetts Waldeck-Rousieau(in dem ein Sozialist— Millerand— ohne Genehmigung der Partei ver- treten war) beizutreten, allein die Leute, die dies« Gerüchte aus- streuten, wüßten nicht, was die Partei fei. Eine Konzentratton werde ohne die Unterstützmrg auch nur eines Sozialisten gemocht werden müssen. Die Einigkeit der Partei werde ihr« Stärke bleiben. Wenn es eine Partei gebe, für deren Einigkeit die Konzentration Gefahren mit sich bringe, fo sei da» n i ch t die Sozialistische Partei. (Sondern die Radikale Partei, was Blum damit andeuten will. Red. d.„V.") In der Kammer ist die Bildung von zwei neuen Frak- t i o n e n beschlossen worden. Der linke Flügel der früheren „Radikalen Linken", dessen Vertreter meist gegen Laoal und Tardieu gestimmt haben, beschloß die Bildung einer neuen Fraktion mit dem Namen„Republikanisch-radikale Gruppe" Sie will in engem Kontakt mit den Radikalen bleiben. Ihr Führer ist der Vertraute Briands, der Abgeordnete D a n i e l o u. Die Mittelgruppe der Radikalen Linken, die stets für Laval und Tardieu stimmte, will mit einigen Unabhängigen und der Gruppe Franklin-Bouillon eine Fraktion bilden, die den Namen„Fraktion der unabhängigen und radikalen Linken" tragen und die Bildung einer Konzen- trationsregierung begünstigen soll. Schönes pfingstwetter! Berlin heute die heißeste Stadt in Mitteleuropa. Was sich selbst die größten Optimisten wohl kaum träumen ließen, ist Tatsache geworden: Seit Freitagnacht hat sich die Wetter- läge in Witteleuropa derart günstig verbessert, daß mit Wahrschein- lichkeit für beide Pfingstfeiertage schönes und sehr warmes Wetter prophezeit werden kann. Zur Zeit wird gerade Berlin von einer Wärmewelle überflutet, die heute miUgg bereits eine Temperatur von annähernd 30 Grad Wärme brachte. In den Nachmittagsstunden stieg das Thermometer unter der Einwirkung der Sonne noch unaufhaltsam weiter. Mit 39 Grad ist Berlin heute mittag die heißeste Stadt in ganz Mitteleuropa. Wie wir vom Amtlichen Wetterdienst auf Anfrage erfahren, hat sich die Hochdrucklage über Mitteleuropa— was am Freitag noch nicht ganz sicher war— gehalten und die Temperaturen sind allerorts erheblich gestiegen. Nur im Nordwesten des Reichs ist es eine Kleinigkeit kühler und verschiedentlich sind Gewitterregen niedergegangen. Dieser etwas kühlere Luftkörper strebt zur Zeit unserem Gebiet zu. Daraus sind sedoch keinerlei Befürchtungen zu ziehen, denn gleichzeitig ist ein kräftiger Luftdruckanstieg zu ver- zeichnen, der nur Gutes verheißt. Dadurch wird besonders ein« weitere Festigung der herrschenden Hochdrucklage hervorgerufen. Etwa» kühlere Temperaturen als das gesamte Reich mit Ausnahm« des Nordwestens hat noch Ostpreußen zu verzeichnen, dort ist es aber gleichfalls heiter und auch für dieses Gebiet ist für die Feier- tage schönes Pfingstwetter zu erwarten. Der Wetterdienst saht die Prognosen für das Pfingstfest folgendermaßen zusammen: 1. Feierlag: schönes Wetter, zeitweise haufenwolkenbilbung. geringe Gewitterneigung, etwas kühler als am Pfingftsonnabend. Maximum zwischen 25 und 27 Grad Wärme. I. Feiertag: dasselbe Wetter wie am Pfingstsonntag, allerdings verstärkte Gewitterneigung! Benzinexplosion in der Wohnung. Eine Krau schwer verletzt. 3m Hause Bayreuther Straße 45 in Charlottenburg er- eiguete sich heute mittag eine folgenschwere Benzinexplosion, bei der die Wohnungsinhaberin schwere Brandwunden erlitt. Gegen!�12 Uhr war die 39 Jahre alte Frau Marie R o h l« d e r in der Badestube mit dem Reinigenvon Kleidern beschäftigt. wozu sie Benzin verwandte. Offenbar durch die Flamme des brennenden Gasofens wurden die Benzindämpfe, die sich in dem Raum entwickelt hatten, entzündet Es erfolgte eine heftige Explosion. Frau R. wurde von einer Stichflamme getroffen und schwer verletzt. Mit erheblichen Brandwunden am ganzen Körper wurde die Verunglückte ins Krankenhaus gebracht. BOA.— rechtsradikal? Elbinger Tagung im Zeichen der Nazis. Elbing, 14. Mai.(Eigenbericht.) Unter starker Beteiligung aus allen Tellen Deutschlands begann in Elbing am Freitag die große Pfingsttagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland. Demonstrativ bemühen sich die reaktionären bürgerlichen Kreise der Stadt, mtt deutsch- nationalen und hakenkreuzsahnen den Überpartei- lichen Charakter der Tagung zu zerstören Am Frettag zogen wiloe Haufen lärmender Nazis durch die Innenstadt und brach- ten damit einen grellen Mißklang in die Tagung. Kein Wunder, wenn vorläufig die Anteilnahme der Arbeiterlevölkerung an den Veranstaltungen de» VDA. außerordentlich gering ist. Junkers arbeitet weiter. Das stillgelegte Flugzeugwerk wieder eröffnet. Dessau, 14. Mai.(Eigenbericht.) Die Verhandlungen zur Sanierung der Junkers-Flugzeugwerte in Dessau sind soweit fortgeschritten, daß nach einer einwöchigen Pause die Wiederaufnahme der Arbeit in den Flugzeugwerken erfolgen kann. Unmittelbar nach den Pfingstseiertagen soll der Betrieb wieder geöffnet werden. Zunächst finden 400 Arbeiter und eine entsprechende Anzahl Angestellte Be- schäftigung. Das ist etwa die Hälfte der bisherigen Belegschaft, doch wird damit gerechnet, daß die Belegschaft in absehbarer Zeit wieder in ihrer früheren Stärke beschäftigt werden kann, da inzwischen die Verhandlungen wegen Auftragserteilung im In- und Ausland erfolgreich waren. Mit neuen Aufträgen wird� auch für den Betrieb der I u n k e r s- M o t o r e n b a u G. m. b. H. gerechnet, die bisher keine Betriebsunterbrechung erlitten hat. Der Betrieb von Junkers u. Co.(Badeofen- und Apparatefabrik) und das Äalorifer- Werk werden nach wie vor in unveränderter Weise fortgeführt. Die Forschungsanstalt Professor Junkers' bleibt im Anschluß an die neu organisierten Werke bestehen. Eröffnung der Gommerschau. Oer Festakt im neuen Terrassengarten. Zn dem neuen Terrasiengarlen des Messegeländes, über dem Tausende von Zahnen des Reiches. Preußens und Berlins im Früh- lingssonnenschein im Winde flallerlen. fand heute vormittag unter starker Beteiligung von Vertretern aus allen Kreisen des öffentlichen Lebens die feierliche Eröffnung der Berliner Sommerschau„Sonne, Lost und haus für Alle" statt. Der Festakt wurde vom Kosleckschen Bläserbund unter Musik- direktor R o s s o w mit einem feierlichen Einzugsmarsch eingeleitet, und hieraus brachte das Orchester der Städtischen Oper mit Fritz Stiedry am Dirigentenpult den Huldigungsmarsch von Wagner zu Gehör. Als Vertreter des in letzter Stunde verhinderten Oberbürger- meisters Dr. Sahm begrüßte Bürgermeister Lange die Erschienenen im Namen der Reichshauptstadt. Die großen Berliner Sommeraus» stellungen hätten sich, so betonte er,«inen angesehenen Platz im europäischen Ausstellungswesen errungen, so daß man nicht gezögert habe, selbst in einer wirtschaftlichen schweren Zeit diese große Schau zu veranstalten, um so weniger als sie die Probleme der Zeit be- handele und sich auch finanziell selbst trage. Es gelte zu zeigen, wo der Mensch in einer Zeit unbarmherziger Einschränkungen und zwangsläufigen Verzichtes trotzdem Möglichkeiten finde, sich das Leben doch in einem gewissen Umfang freudvoll und lebenswert zu gestalten. Das Vorspiel der„Meistersinger" leitete dann zu der Zestansprache Gerhard Hauptmanns über, der mit stürmischem Beifall begrüßt wurde. Das Rednerpult war bei seinen Ausführungen von einer großen Zahl Kinder in Frühlingskleidern umsäumt. Gerhard Hauptmann stellte an den An- fang seiner Festansprache die Worte aus Goethes„Faust":„Im An- fang war die Tat" und sagte:„Diese Ausstellung, vom ersten geistigen Keim bis zu ihrer Vollendung, wie sie uns vor Augen steht, ist durch und durch Tat. Sie ist das gesündeste aller Gebilde, eines, in dem, wie in allen wahren Gebilden der Natur, Körper und Geist unlöslich verbunden sind. Man hätte inmitten dieses schön vollendeten Werkes in Erz oder Stein eine riesige menschliche Hand aufstellen können, weil nur solche Werke wahre Realität haben, in denen menschlicher Intellekt durch die menschliche Hand wirksam geworden ist. Erst dann wird die Menschheit sich selbst voll gewürdigt haben, wenn die Hand aus dem Stande der Verachtung in den höchsten Adelsstand erhoben sein wird. Diese Standeserhöhung hat sie bei mir schon seit Jahren durchgesetzt: ich prägte den Ausdruck:„die denkende Hand", und eben diese denkende Hand sprach ich bei mir selbst sozusagen heilig". Mißglückter Atlaniikflug. Oer amerikanische Flieger abgestürzt. London, 14. Mai. Der amerikanische Zlieger Cu Reicher,, der am Zreilag- mittag zu einer Ucbersliegung de, Atlantik von Harbour Grace (Reusundland) ausgestiegen war. stürzte in den frühen Morgenstunden des Sonnabend etwa 50 Seemeilen von der irischen Küste entfernt mit seinem Zlugzeug Ins Meer. Er wurde von dem Passagierdampser„R o o f e v« l t", der sich auf der Fahrt von Oucenstown nach New Bork befindet, mit einer gebrochenen Nase und leichten Zerrungen aufgefischt. Infolge des hohen Seegangs konnte die Maschine nicht gerettet werden. Der Absturz ist auf die Beschädigung eines Flügels und der Benzin- Zuleitung sowie auf den ausgehenden Benzinvorrat zurückzuführen. Wie der Kapitän der„Roofevelt" in einer drahtlosen Meldung mit- teilt, erfolgte die Rettung etwa 47 Seemeilen von dem Fastnet- Leuchtturm entfernt. Der Flugplatz von Baldonne bei Dublin war während der ganzen Nacht von Schemwerfern be- leuchtet, da die Ankunft Reichers dort in den frühen Morgenstunden erwartet wurde. Das englische Luftmimsterium hatte im Westen Irlands schwere Stürme gemeldet. Zilmnotizen. Als ob wir an den deutschen Militärfilmen nicht schon genug hätten, haben P a t und P a t a ch o n uns nun auch noch mit einem dänischen Militärfilm beglückt.(T i t a n i a.) Er ist nachsynchronisiert worden, ohne dadurch gerade besser zu werden. In Dänemark steht das Heer, dessen Uniformen hier erscheinen, durch den Willen der Nation und ihrer sozialdsmokratiischen Regierung auf dem Aussterbeetat. Wozu also dieses verblödete Genre nun auch noch in dänischer Aufmachung zeigen?— Der Repertoirefilm macht Fortschritte. Die„Bomben auf Monte Carlo", die für Hans A l b e r s eine Bombenrolle bedeuten, werden im Gloria- Palast wieder vorgeführt. Die gute Darstellung, die ausgezeichnete Photographie und die sich einprägenden Rhythmen der Musik Helsen aufz neu« zum Erfolg. Auch hier ist das Ufa-Orchefter unter Leitung von Hans I. Salier wieder zur Freude des Publikums in Funktion getreten. Das Preisgerichl für das Reichsehreumal hat am Donnerstag abend seinen Spruch gefällt: 20 Entwürfe wurden preisgekrönt. Die Namen der ersten Preisträger sind: 1. Professor Wilhelm Kreis- Dresden. 2. Bildhauer Schellhorn und Architekt Schultze-Eharlotten- bürg. 3. Regierungsbaufuhrer Zinsfer-Köln-Lindenberg. Gchnihler, Zum 70. Geburtstag d Arthur Schnitzler war der Dichter der sterbenden„Kaiser- stadt" nicht nur seinen Themen nach, sondern in seiner ganzen menschlichen und künstlerischen Wesensart. Als er im Oktober des vorigen Jahres starb, folgte er tatsächlich dem Gegenstand« seines Sinnens und Schafsens ins Gewesene hinüber. In Wien ließen ja die Todesschauer des Staates, der an der Auseinandersetzung zwischen Feudalismus und Jnbustrialismus und am Hader der Nationen unter furchtbaren Krämpfen zugrunde ging, die Neroen aller feiner Empfindenden, auf jeden Reiz leicht und schmerzlich reagieren, und zugleich liehen sie hier jeder Aeußerung des Lebens einen Unterton heimlicher Trauer: die allererbte„Wiener Anmut" füllte sich mit der tiefen Melancholie des unaufhaltbaren Zerfalls. Schnitzler aber, nervös und feinhörig, gleicht allen überkultioiertsn, in ihrer elementaren Lebenskraft gebrochenen Juden, sah die Todes- zuckungen der Altwiener Gesellschaft mit doppelter Schärfe. Er hörte schier ohne Unterlaß das geheime Grollen des nahen Endes, indes sich noch alles im leichten Tanzschritte zu bewegen, alles von Ueppigkeit und Fülle überzuquellen schien. Diese Spannung zwischen Oberfläche und Kern bestimmte Schnitzlers Lebenswerk im größten und im Neinften. Immer wieder lauert hinter feinen Gestalten, die so leicht und frei dahinzugleiten scheinen der Tod. Immer wieder wird unter seinen Händen das Robuste und Wirkliche seltsam durchscheinend, als wären Menschen und Dinge imr noch Marionetten, gelenkt von einem unbegreiflichen, gleichgültigen Schicksal. So ist es in seiner ersten wehmütigen Novelle„Sterbe n", so in der Szenenfolge des„A n a t o l". wo gesellschaftliche Belanglosigkeiten sich zum Gefühl des gähnenden, hsrzabfrierenden Nichts oerdichten, so im Drama„Liebelei". besten kleinbürgerliche Heldin am leeren Spiel des Bourgeois- söhnchsns zerbricht. Wie dieses Geschehen unversehens, doch zwin- gend daherkommt, so ist auch die Sprache frei von jedem harten oder grellen Laut, mild, einschmeichelnd und doch voll heimlicher Kraft, ist die Psychologie voller Feinheiten und Tiefen, wie aus dem Handgelenk gegeben und doch von meisterlicher, Treffsicherhest. „Oer Stänker". Theater am Nollendorfplatz. Da das Publikum Max Adalbert noch unverändert gerne sieht, lohnt es sich immer wieder, ein ganzes Theaterstück für ihn zurechtzustutzen. Durch die zehn Bilder des Schwanks, die, gewürzt mit einer leichten Prise starken Tabaks, Toni Impekoven und Hans R e i m o n n schrieben, lärmt und schimpft Max Adalbert, bis er zum Schluß das unverschämte Glück hat, auf Grund des 8 51 einen Jagdschein zu bekommen. Obwohl mst zeitgemäßen Witzen gespickt, könnte dieser Schwank vor gut 25 Jahren geschrieben sein. Bei Beibehaltung seiner eigenen Schablone sorgte Rudolf Nelson für die Musik. Recht sangbar ist das Lied„Mir ist mies, Dir ist mies, uns allen ist mies", nur ist ausgerechnet auch leider dieses Bild, in dem es vorkommt, sehr mies. Max Adalbert ist gleich einem Habicht, der eine Hühnergefell- schaft aufscheucht. Doch wird er nie zum nur routinierten, sich vor- drängenden Stär. Er ist und bleibt ein lebensechter Mensch, den wir aus unserem Bekanntenkreis kennen, oder dem wir heute oder morgen leibhaftig begegnen können. Claire Reigbert, Elfe v. Moellendorf und Robby Hanke unterstützen ihn wacker als feine Familie. Theo L i n g e n und Grete Weiser spielen keß in der Billa des Fräuleins. Dieses Bild wird zum regelrechten Reißer für ein gut bürgerliches Publikum. In einer ganz kleinen Rolle fällt Colette Corder angenehm auf. Hans Kuhnerts Regie ist geschickt und Felix S m e t a n a s Bühnenbilder sind geschmackvoll. e. b. „Ein toller Einfall." Llfa« Palast am Zoo. „Zum fidelen Filmwarenhaus" könnte man den Film benennen. Kurt G e r r o n, der in so viel Filmen immer gut« Figur gemacht hat. wollte endlich einmal selber Regie führen. Der Schwank von Carl Laufs, den man für den Film verarbeitet hat, gibt den Bor- wand, alles was gut und teuer ist, hier zusammenzuführen. Es gibt also wunderbare alpine Winterlandschasten, herrliche Schloß. mterteurs, die beliebtesten Darsteller, die verwickeltesten Situationen, hübsche Gjrls in Masse, die sich in Sonne und Schnee produzieren. einen Filmliebling, in den sich alle Mädchen verlieben und«ine Reihe Darsteller, die ihre Eigenart pflegen können. Herz, was willst du noch mehr? Als Mayonaisensauce wirken eine Reihe Schlager von Walter I u r m a n n. Leider ist die Handlung zu dünn, um alle diese Schätze tragen zu können. Der junge Maler verwandest das Schloß seines Onkels, dem auch die Puste bereits ausgegangen ist, in ein Hotel, und hier ereignen sich natürlich die tollsten Dinge, die mit einer glücklichen Verlobung ihren Abschluß finden. Alle Stil- arten des Films wirbeln durcheinander, ohne daß es zu irgendeinem durchschlagenden Eindruck kommt. Gerron wollte zuviel und er- reichte deshalb zu wenig. Ja, auf die Dauer wirkt er sogar manchmal ermüdend. Willy F r i t s ch und Ellen Schwannecke sind das Liebespaar, abgestimmt auf die Harmonie süß-herb. Rose B a r s o n y ist eine extra tolle Nummer, die sich durchs Leben schwindelt und tanzt. Jakob T i e d t t e und Max Adalbert geben jeder in seiner Art zwei prachtvoll« Typen, Tiedtke den guten, allen Onkel und Adalbert den raisonnierenden, schnauzigen und ulkig« Weisheiten produ- zierenden Kunsthändler. Sonst treiben sich noch herum: Leo Slezak. Wilhelm Bendow und Paul Hörbiger: Dorothea Wieck charakterisiert ein Mädchen von Klasse. Sehr erfreulich ist es, daß ein ausgezeichnetes Orchester unter der Leitung von B e c c e die guten Traditionen de» Hause» wieder aufnimmt._— r. „Oas Unaufhörliche" im Rundfunk. Hindemith« Oratorium nach Worten Gottfriend B e n n» „Das Unaufhörliche", die mtsrestanteste Rooität der Konzertsaison, wurde gestern— leider wesentlich gekürzt— durch Rundfunk über» tragen. Manche Partien des Werkes(den Schwßchor z. 93.) vermag das Mikrophon heute einfach noch nicht zu bewästigen: die Klang« der Wiener iS Dichters am 15. Mai Aber bei dieser noch individuellen Gestaltung des Gegenstandes „Wien und Oesterreich in ihrer Auslösung" ist Schnigler nicht stehen- geblieben. Er schrieb im Drama„F r e i w i l d". in der Novelle „Leutnant G u st l" und in den Szenen des„Neige n" zur überpersönlichen Formung des Themas weiter. Wenn der Leutnant, vor die Notwendigkeit eines Duells gestellt, sich in wimmernder, triebhafter Angst auflöst, wenn der Geschlechtstrieb sich in ver- bindendem Reigen von Mensch zu Mensch, von Paar zu Paar schlingt, so ist das mehr als Einzelgeschehen, so lebt uns hier die Gattung„moderner Mensch" etwas Typisches, allgemein Gültiges vor, das durch die Wiener Klangfarbe nur eine reizvolle Besonder- heit erhält. Der gleiche Charakter eignet Schnitzlers stärkstem Drama, dem genialischen Revolutionsbilds„Der grüne Kakadu": wenn sich hier entnervte französische Adelige am Gast- hausspiel einer Empörung berauschen, bis die Komödie unversehens in blutige Wirklichkeit umschlägt, so enthüllt sich vor uns ewiges Klassen- und Standeswesen, und der Dramatiker wird zum Deuter und Richter. Erst mit dieser Fähigkest hatte Schnitzler die Meisterhöhe er- stiegen. Fortab waren in ihm der Seelenkünstler, der in die tiefsten Abgründe des Unterbewußten, in die seltsamsten Derirrungen des Triebes mst Seherblick hinableuchtet«, und der Maler des Menschen- treibens in Familie und Gesellschaft unlösbar verbunden. Dieser zweifache Gehalt läßt uns über Werken wie den Dramen„D a s weite Land".„Professor B e r n h a r d i" und der Novelle „Fräulein Else" immer wieder in Nachsinnen verfalle»: er erst macht, daß wir an diesen Dichtungen jedesmal, wenn wir sie zur Hand nehmen, neue Feinheiten, neue Einblicke entdecken. Man muß sich in Schnigler vertiefen können, um in dieser leisen, zurück- haltenden Kunst das Herz unserer Gegenwart pochen zu hören, aber es pocht in ihr: die abtretende Generation, die abtretende Klasse singt hier ihren Schwanengesang: einer, der zu ihr gehört, aber sie todes- reif weiß, weil er sein Leben lang der Sterbemelodie Wiens lauschen meißte, übergibt uns ihr Testament. Alfred Kleinberg wassen sind zu groß, das Ganze klingt dann breiig-verworren. Im großen und ganzen aber gelang es der Funkstunde— dies ist kein kleines Kompliment— die verwickelte Vielstimmigkeit der großen, reichlich dick gesetzten Chöre so plastisch wie möglich zu machen und ihrer Zuhörerschaft einen deutlichen Eindruck des prachtvollen Werks zu vermitteln. Die gelegentlich der Uraufführung hier ausführlich gewürdigten Ausführenden waren Klemperer und der Phikharmo- nische Chor(der sich vor dem Mikrophon einer deutlicheren Aus- spräche befleißigen sollte). Adelheid Armhotd, Charles Kullmann, Johannes Willy und das Funkorchester. A. W. Kriminalroman als Hörfpiel. Conan Doyle: Die sechs Napoleonbüsten. Ueber den literarischen Wert der Sendung ist nicht zu bis- kutieren. sie hatte keinen. Aber sie war handwerklich sauber herge- richtete Unterhaltung. Man soll nicht geringschätzig davon abrücken: gerade Darbietungen dieser Art sind im Rundfunk recht festen, ob. wohl ein lebhaftes und berechtigtes Bedürfnis bei den Hörern nacb dieser geistig wenig anstrengenden Unterhallung besteht. Dieser von D. R. Amtmann zum Hörspiel umgeformte Roman von Conan Doyle„Die sechs Napoleonsbüsten" hatte alle Eigenschaften, die das Publikum an einem gelungenen Kriminalsilm schätzt: das Spiel war verständlich in der Handlung, stellte den Scharfsinn des Hörers vor eine nicht übermäßig schwierige Aufgabe, schasste aber immer aufs neue kleine Kombinotionen, die die eigene Lösung wieder fraglich erscheinen ließen. Sogar der Schluß des Hörspiels entsprach dem des üblichen Kriminalfilms in seiner Wirkung: man wurde durch eine bequeme, aber unlogische Wendung enttäuscht. Es scheint, daß die Aufführung auch dem Sprecher und dem Spielleiter Edleff Koppen Spaß machte: sie wurde mit Liebe herausgebracht. Wohlabgewogen in den sprachlichen Akzenten, aus- geglichen in jeder Geräuschwirkung, lief die Handlung als gut be- schlössen« Bilderfolge ab.—\z. Volksbühnen-5ahrt zum Goethe-Volksfest. Die Weimarer Bolksbülhne veranstaltet am 4. und 5. Juni ein Fest, das zum ersten Mal« den Versuch einer wirklich volkstüm- lichen Goethe-Feier unternimmt. Es bringt eine Festaufführung des „Egmont", eine Nachtmusik im Park von Belvedere, eine Morgen- feier, in der Julius Bab, Ludwig Wüllner, die Weimarische Staats- kapelle und ein Söngerchor mitwirken, einen Kostiimsestzug und schließlich ein Volksfest in Tiefurt mit Aufführung des Festspiels „Jahrmarkt in Plunderweilern". Die Berliner Volksbühne unter- nimmt zu diesem Fest eine Sonderfahrt, an der sich auch Nicht- Mitglieder beteiligen können. Der Sonderzug geht am Sonnabend, dem 4. Juni, mittags von Berlin ab und verläßt Weimar am Sonntagabend. Die Teilnehmergebühr, für die freie Hin- und Rück» fahrt, unentgeltliche Teilnahme an den verschiedenen festlichen Ver- anstaltungen, eine Führung durch Weimar, Nachtquartier mit Früh- stück, Mittagessen usw. geboten wird, beträgt 18,80 Mk. Anmeldun» gen beim Generalsekretariat der Volksbühne E. V., Berlin C 25, Linienstraß« 227. Da» neue Aronkfurler Goethe-Museum. Heute wird In Frank- furt a. M. das neue Goethe-Museum im Hause Großer Hirsch- graben 25 mit einer Ausstellung des Freien Deutschen Hochstist« unter dem Motto:„Goethe und seine Welt" eröffnet. Die Aus- stellung macht das Frankfurt der Goethe-Zeit lebendig und bringt zeitgenössische Bilder von Goethe und seinen Vorfahren. Daneben werden Bilder, Handschriften und Urkunden aus der ganzen Lebens- zeit Goethe» zu sehen sein. Eine Bibliothek von 47 000 Bänden, ein Handschriftenarchiv und eine Graphische Abteilung sollen vor allem wissenschaftlichen Zwecken dienstbar gemacht werden. Unruh»„Zero" bleibt auf dem Spielplan. Di« Stadtverord- netenversammlung hatte am Dienstag beschlossen, da» neue Stück von Fritz von Unruh,„Zero", das bei seiner Uraufführung Skandal- szenen Im Schauspielhaus hervorgerufen hatte, vom Spielplan abzu- setzen. Der Magisttat, der sick mit dieser Angelegenheit befaßte, ist diesem Beschluß nicht beigetreten, da die Gestaltung des Spielplans Sache der künstlerischen Leitung fei. Kämpfen und nicht verzweifeln? Verbandstag der Gastwirisgehilfen Verbandstag der Hotel-, Restaurant- und C a f e a n g e st e l l t e n. der dieser Tage in Dresden stattfand, har feine Beratungen abgeschlossen. Die Aussprache über die Loge des Verbandes, über die wir bereits kurz berichteten, zeigte deutlich, daß die ungeheuren Schwierigkeiten, mit denen die Organisation infolge der Krise zu kämpfen hat, von den Mitgliedern durchaus berücksichligt werden. Das kam auch bei der Wahl der Hauptverwaltung zum Ausdruck. Sie brachte das— für Verbandslage seltene— Ergebnis, daß die gesamte bisherige Ver- bandsleitung mit dem Verbandsvorsitzenden Saar an der Spitze in geheimer Wahl e i n st i m m i g wiedergewählt wurde. Den Höhepunkt der Tagung bildete ein Vortrag des Reichstags- abgeordneten Tornow über„Die wirtschaftliche und palirische Lage und die Arbeiterschaft'". Seine Ausführungen zeigten mit über- zeugender Wucht, daß die Arbeiterklasse absolut keinen Grund hat, vor den gewiß entsetzlichen Schwierigkeiten im Kamps um die Ver- besserung ihrer Situation zu verzagen und zu verzweifeln, da die Zeit ihr Bundesgenosse ist. Im Schlußwort zu seinem Vortrag be- leuchtete Tornow vor allem die Frage der Vierzigstundenwoche, der Arbeitsbeschaffung und des freiwilligen Arbeitsdienstes. Reißer- Berlin vom Hauptvorstand sprach über den Kampf um den Tarifvertrag. Er legte dem Verbandstag eine E n t- s ch l i e ß u n g vor, die einstimmig angenommen wurde. Do? Kern- s'ück der Entschließung liegt in der Feststellung, daß infolge des grund- faßlich»arisfeindlicheu Verholtens der Unlernehmerorganisationen die Mehrzahl der Torifobschlüsse erst mit Hilfe der Schlich- tungsbehnrden möglich war. Der Verbandstag wandte sich, ge- stutzt aus diese Feststellung, energisch gegen jeden Versuch der Reich?- regierung. die Verbindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen einzn- schränken. Mit besonderer Schärfe setzte sich Reißer in seinem Schlußwort für die Unter st ützung derArbeit erpresse durch die Gast- wirtsgehilsen zur Brandmarkung der reaktionären Haltung des Unternehmertums zur Belebung des Kampfes gegen den Faschismus ein. In Tausenden von Lokalen gebe es wohl Faschistenblätter, Generalanzeiger und Organe der Uuternehmcrpressc. aber kein Ar- beiterblalt. Hier könne io mancher Gastwirtsgchilse. wenn er aus dem Damm ist, Abhilfe scharfen, und er brauche nicht einmal dabei gleich Kops und Kragen riskieren. Auch müsse das Bedienungspersonal in der T r i n k g e l d f r a g e mehr Konsequenz zeigen und darauf bestehen, daß die Annahme von Trinkgeldern tariflich unterbunden wird. Die Organisation der weiblichen Arbeitnehmer beleuchtete die Kollegin Richter- Berlin. Den Zwcigvereinen wird, wie aus der zu diesem Punkt der Tagesordnung vorgelegten und ein- stimmig angenommenen Entschließung hervorgeht, zur unbedingten Pflicht gemacht, sich viel energischer als bisher um die gewerkichait- liche Organisation der Arbeiterinnen zu kümmern. In seinem Vortrag über die internationale Bewegung der Hotel-, Restaurant- und CafeangesteUten schilderte der inter- nationale Sekretär Ströhlinger packend und anschaulich die Bedeutung des Internationalen Arbeitsamts. Ströhlinger legte eine Entschließung vor, die insbesondere die Beseitigung des T r i n k g e l d s y st e m s fordert. An seine Stelle müsse die feste Entlohnung treten. Ebenso verlangt die Entschließung ein Verbot jcdwederprivater Arbeitsvermittlung, also auch der von Vereinen und Gesellschaften. Die Entschließung wurde ohne Diskussion angenommen. Einige Anträge zur Aenderung des Statuts der Sterbekasse und zum llntsrstützungsreglement wurden noch den Vorschlägen der für diese Fragen eingesetzten Kammission erledigt, wodurch die bisher durchgeführten Maßnahmen der Hauptverwaltung ausdrücklich be- stätigt wurden. Der Sitz des Ausschusses wird nach Hamburg znrückoerlegt, während Frankfurt am Main den Vorsitzenden des Beirots stellt. In den Beirat wird künstig auch eine Kollegin ent- sondt. Die Dresdener Tagung, die einen harmonischen und ergiebigen Verlauf nahm, wurde vom Verbandsleiter D i e s i n g- Berlin in aufmunternden, zu Herzen gehenden Warten geschlossen. Diesing, ein nahezu siebzigjähriger Veteran, schloß mit dem Ruf: Kämpfen und nicht verzweifeln! Lebensmittel-Internationale tagt. Enger Zusammenschluß in der Krise. Der Vorstand der Internationalen Union der Le- bcnsmitielarbeiter hielt am 9. und 19. Mai in L u z e r n leine jährliche Sitzung ab. Der Tätigkeitsbericht des Sekretärs wurde zusammen mit einer Reihe interner Angelegenheiten diskuücrt. Im Lause des Jahres 1931 hat sich das Einslußgebiet der Inter- nationalen Lebensniittelarbeiter-Union durch den Beitritt von Verbänden in Dänemark, Finnland, Jugoslawien und P a l ä st i n a erweitert. Die Union zählt heute 34 Mitgliedsorgani- sationen aus 21 Ländern mit einem gesamten Mitgliedbestand von 373 009. Den ausgesperrten Mitgliedern in der dänischen Fleischindustrie sprach der Borstand die Solidarität der Mit- gliedschaft der gesamten Internationale aus und versichert« sie aller erforderlicher materieller und niarali>schsr Unterstützung. Für den Wiederausbau des Leoensmittelarbeiterverbande« in Finnsand wurde ein Betrag van S000 schwedischen Kronen zur Verfügung gestellt, wobei die hervorragende Solidarität der skandinavischen Ver- bände sich darin äußerte, daß sie die Hälfte dieses Betrages auf- bringen wollen. Der Vorstand nahm ferner Kenntnis von einem international angelegten Vorstoß der Genossenschastsbewegung, um auf Umwegen zu einer Revision des internationalen Uebereinkommens betreffend das Verbot der Nachtarbeit in Bäckereien zu gelangen. Be- schlössen wurde, allen dahingehenden Bestrebungen energisch ent- gegenzutreten. Dos Sekretariat erstattete einen Bericht über die Wirtschaft- l ch e Lage in der Lebens- und Genußmittelindustrie. Dabei wurde unterstrichen, daß diese Industrien in stärkerem Maße als erwartet werden konnte, von der Krise in Mitleidenschaft gezogen sind. Auf dem Gebiete der Lohne ist die Senkung der Nominal- löhne stärker als die der Reallöhne. In der Tschechoslowake! und in Deutschland liegen letztere bereits unter dem Niveau von 1939. wobei die Lohnverluste infolge Kurzarbeit nicht berücksichtigt sind. Gtreiklügen der Z�GO. In der„Roten Fahne" wurde dieser Tage berichtet, daß„die 1 33 Mann starke Belegschaft der H o l z f i r m a S i l b e r m a n n in Würzburg unter Führung der RGO. geschlossen in den Streik getreten ist". Wahr ist an dieser Notiz lediglich die Tatsache des Streiks. Die RGO. hat dabei ober weder vorher, noch während des Kampfes etwas zu sagen oder gar zu„führen" gehabt. Ihre Moldung ist also glatter Schwindel. Auch die Behauptung der„Roten Fahne" vom 12. Mai. daß den streikenden Holzarbeitern in Güstrow und Schwerin von der„Gemerkschaftsbürokratie die Zahlung von Streik- geldern verweigert werde", ist eine bewußte Unwahr- h e i t. Diese wie alle anderen streikenden Holzarbeiter werden vom Deutschen Holzarbeiterverband unterstützt. Freilich sehr zum Leid- wesen der Konimunisten. Diesen wäre es lieber, die Streikenden er- hielten keine Unterstützung, damit die RGO. ihre Hetze gegen die Gewerkschaften besser betreiben kann. Damit hat sie bei den Holz- arbeitern aber kein Glück, diese haben die RGO.-Leiite l ä n g st als Schwindler erkannt. Ein Nazibekenntnis. Zn den Betrieben kommen sie nicht vorwärts. Ein glücklicher Zufall hat uns in den Besitz eines national- sozialistischen Organs gebracht, das nicht für die Oesfentlichkeit bestimmt ist. Es nennt sich..Der Aufbruch", wird vom„Pressedienst 'NSDAP. Kroß-Berlin" herausgegeben und dient als Mitteilung?- blatt für die Parteifunktionäre des Berliner Braunen Hauses. In dieser vertraulichen Korrespondenz findet sich ein'Artikel, der sich..BelrieKszellen-Leute vor die Front!" betitelt und für unsere Genossen in Gewerkichait und Betrieben von Jnteresie ist. In der Einleitung wird geklagt, daß die Sozialdemokratie in Berlin einen Stimmenzuwachs erzielte, und es wird betont, daß dieser Zuwachs im wesentlichen aus den Betrieben herausgeholt sei. Dann heißt«» wörtlich: „Fragt man den einzelnen Parteigenossen über seinen Be> kanntenkreis, so wird er sogen, daß er sie alle oder zum größten Teil für unsere Idee gewonnen hat. Fragt man ihn nach der Einstellung seiner Arbeitskollegen, so wird er sogen müssen, daß er hieb sehr wenig erreicht hat" Das ist ein nach zwei Richtungen hin wertvolles Bekenntnis. Einmal wird zugegeben, daß die wüste iaschistilche Demagogie an den gewerkschaftlich und politisch geschickten Arbeiter in den Betrie- ben nicht heranzukommen vermochte.'Auf der anderen Seite zeigt es sich, daß. soweit proletarische Kreise in Betracht kommen, der Zulaiii zu den Nationalsozialisten aus darbenden, verzweiselnden, ans der Not heraus der hohlen Phrase nochlauienoen Arbeitslosen bestebt. die durch Aufklärung über unsere unermüdliche Tätigkeit für die Arbeitslosen zurückgewannen werden müssen. Aber auch folgender Satz in dem Artikel des nationolsozio- listischen Fiinktionärblattes verdient vvn unseren Genossen beachtet zu werden. Es beißt da nämlich: „Also Parteigenassen, es ist eine unbedingte Pflicht, weiter- zuarbeiten, oie�lctzten Rücksichten fallen zu lassen und sich der NSBO. snatianalsoziolistischen Betriebsopposition) anzuschließen. Wo noch keine Zell.« besteht, ist so- fort eine zu gründe n." Es ist also mit-einem neuen natioimlsoziaiistischeir Ansturm aus die Betriebe zu rechnen. Daß es sich um Versuche am untauglichen Objekt handelt, daß der Ansturm von Lüge und Demagogie scheitert. dafür werden unsere Genosicn sorgen. 42-Gtunden-Woche. Dere-nbarung für die Tafelglasindustrie. Für die mechanische T a f e l g l a» i n d u st r i e ist bei den Tariinerhandlungen, in denen nicht nur zum Lohn, sondern auch zu Manteltarifiragen Stellung genommen wurde, die Einführung des Bierschichtensyftenis, das bereits national wie inter- nalional angeregt worden war. beschlossen morden. Die A r- h e i t s z e i t der Taselglosinacher wurde damit von ö 6 ans 42 Stunden herabgesegi. Ein Teil der arbeitslosen Tasclglasmachcr darf jetzt aufatmen: denn es kommen durch die Einführung des Bierichichtensystems 2 S Prozent mehr Leute wieder in die Betriebe. Der Forlschritt i» der mechanischen Taselglasiirdustrie muß nun auch für andere Branchen der Glasindustrie die'Arbeitszeitregelung in Fluß bringen, um neue Kinste Illingen von Arbeitskräften zu ermöglichen. Für die Löhne wurde ein Ilebereiiikommeii getroffen, wonach in den Betrieben zuiiöchst örtliche Verhandlungen erfolgen. Kommt eine Einigung nicht zustande, dann wird eine zentrale Schlichttings- stelle entscheiden � Buch t'rnsf Wieiüwld: Offene örllMie trholuuys fürforge In der Schriiienreihe„Das kleine Lehrbuch", die vom Haupt- ausschuß für Arbeiterwohlsahrt herausgegeben wird, ist als Band 9 ein kleines Buch von.Kreiskommunalarzt Dr. Ernst W i e n h o l d über„O r f e n c örtliche Erholungsfürsorge" erschienen. Unter Erholungssürsorge versteht man Maß- nahmen, die Kindern und Jugendlichen eine sachgemäße Erholung gewahren sollen. Werden die Kinder m Erholungsheim«, die in größerer Entfernung vom Wohnort liegen, geschickt, so redet man von Entseiidiingsfürsorge. Demgemäß ist unter örtlicher Erholungsfürsorge ein Unterbringen der Kinder in unmittelbarer Röhe des Heimatortes zu verstehen. Die örtliche Erholungssürsorge heißt „offen", wenn die Kinder sich nur während des Tages an der Er- holungsstättc beiinden, zum Schlafen aber in ihr Elternhaus zurück- kehren. Wienhold zeigt, daß diese Form der Betreuung bei sachgemäßer Durchsührunq gute Erfolge haben kann, sie empfiehlt sich besonders durch ihre Billigkeit: Fahrtspesen und besonders die hohen Kosten für Pslcgepersonal sallen weg, da in der örtlichen Fürsorge in weitem Maße ehrenamtlich tälige Helfer und Helferinnen ausreichen. Bei den verhältnismäßig geringen Mitteln, die für diese wichtige 'Ausgabe zur Bersügung stehen, ist aber die Billigkeit von aus- schlaggebenker Bedeutung, damit eine möglichst große Zahl van er- holungsbedürsngen Kinder» erfaßt werden kann. Die Ausführungen Wienholds sind aus der Praxis entstanden und wallen unmittelbar der praktischen Arbeit dienen. Das Buch soll den örtlichen Ausschüssen für Arbeiterwohlsahrt, ihren Hellern und Helferinnen, Anhaltspunkte zur Vorbereitung und Weiterbil- dung geben: daher ist aus eine Darlegung wissenschastlicher Fragen init Recht verzichtet. In einleitenden Betrachtungen weist Wienhald auf die Bedeutung hin, die Gesundheirs- und Erholungssürsorge für den einzelnen»nd die Gesamtheit haben. Der Hauplteil des Buches gibt Anleitungen, wie die osieiie örlliche Erholungsiursorge durch geführt werden soll. Die Auswahl der Kinder und des geeigneten Platzes wird ebenso besprochen wie die Frage der Finanzierung. Sehr wichtig für den Erfolg der Erholungszeit ist die richtige Er- nährung: Wienhold gibt genaue Anweisungen, nach welchen Grund- sähen die Ernähmngsfrage z» lösen ist. Weiterhin ist die richtige Anwendung der natürlichen Kurmittel Lust, Sonne und Wasser bedeutungsvoll, auch für diese Fragen gibt Wienhotd die uotwendi. gen Richtlinie,,. Eine Besprechung der zweckmäßigen Tageseintei- lung und Hinweise über die erste Hilfe bei Unglücksfällen ergänzen die Ausführungen. Das Büchlein wird in der praktischen Arbeit gute Dienste leisten. Wienhold hat recht, wenn er betont, daß gerade in Zeiten der Arbeitslosigkeit die Sorge für die Bolksgesundheit besonders dringlich ist, können doch große Teile des'Volkes ihren Kindern nicht mehr die notwendige Pflege zukommen lassen. Daß auf diesem Ge- biete gespart wird, ist auch volkswirtschaftlich falsch: denn die Scha- digungen der Volksgesundheit durch unangebrachte Sparmaßnahmen rächen sich später: sie erhöhen die Zahl der vorzeitig Arbeilsunfähi- gen, die dann doch den öfsentlichen Kassen zur Last fallen,«ehr viele Familien geraten in Not, weil der Ernährer durch Krankheit arheitsuniähig geworden ist. Die Sorge für die Volksgesundheit und vor allem für die Gesundheit der Kinder gehört zu den wesentlichsten Aufgaben der Gesamtheit. I>. S. Weinbergr. Theater der Woche. Vom 15. bis 25. Mai 1932. Volksbühne: Theater am VSlawplatz: Sturm im Wasserglas. Staatslheater. Stadtpchc Oper�.�ar�ttc.aburg: lö. Tarmhiwser. 16.©i* lustige» Velber von Wlnbfor. 17. Tiefland. 18. Macbeth. 19. ssriedemann Bach. 20. Di« Bürgschaft. 21. Die Entführung aus dem Eerail. 22. Boheme.. 23. Manon. Staatsoper, Unter den Linden: 1). Nacht in Benevig.' 16., 19. Hugenotten. 17.. 20. Ariadne.' 18. Nigoletto. 21. Hochzeit des Figckbv. 22. Macht des Schick- fals. 23. Cosi fan tutte. Staatliches Schauspielhaus: 15., 17. Die endlose Straße. 16., 18., 19., 30., 21., 22.. 23. Liebestrank. Staatliches Schiller- Theater: 15., 20. Dr. Klaus. 16., 18., 19., 21. Die Räuber. 17. Die Journalisten. Theater mit festem Spielplan: Druttchea Theater: Die Iaurnalisteu.— Deutsche» Skastler- Theater: Die Braut von Torvzlo.— Theater tu der Stresemauustraße: Haifische.— Theater de» Westeus: Raub der Sabinerinnen.— Lustsuielhau»: Abenteuer in Marollv. Tor: Das Mädchen ohne Ehr.— Rose-Theater: Weckend im-Paradies.— Rofe-Thcater, Garteubühne: Zigeuncrliebe.— Schloßpark-Theater, Steglitz: Alles für Marion.— Plaza: Die Dubarrn.— Scaw: Internationales Bariet4. — Wintergarten: Boriet�-Revue„0 schöner Mai."— Reichshallen--Theater: Stettiner Sänger. Thealer mit wechselndem Spielplan: Zentral. Thratcr: Bis 18. Der Suxbaron. I«. geschlossen. Ab 20. Frauen haben das gerne.— Sartenbühn«„Reue Welt": 15., 16., 17., 18. Zigeuner. daran. 19. Konzert, 29. Sportabend, 21. Wassenschmied. Nachmittagsvorstellungen: Voltsbnhae. Theater am Bnlowplatz: 22. Sturm im Wasserglas.— Städti- ich« Oper, Charlottenburg: 22.. 14 Uhr, WohlfahrtserwerbslosenvorstÜlung. Tiefland.— Natur. Theater. Friedrichshagen: 17. Der Widerspenstigen Zäh- mung. 22. Der gestiefelte.Kater.— Theater am Kottbusser Tor: 15., 16. Das Mädchen ohne Ehre.— Rose-Theater: 16., 32.. 18 Uhr, Weekend im Paradies. 16., 14 Vi Uhr. Figaros Hochzeit.— Gartenbühne: 15.. 16, 6 Uhr, Frühkonzert. Täglich 17 Uhr Konzert und Barietö.— Plaza: Die Dubarry.— Scola: internationales Varietd.— Wintergarten: 15.. 16., 21., 22. BarietS-Revue.— Reichshallen-Theater: 15., 16., 22.«tettiner Sänger. Erslaufführungen der Woche: Sonntag. Neue Welt: Zigeunerbaron.— Dienstag. Theater in der Stresemannftraße: Haifische.— Freitag. Renaissance- Theater: Bunte Reihe.— Zentral-Theater: Frauen haben das gerne._ Wetter für Berlin: Fortdauer des warmen und teils heiteren, teils wolkigen Wetters, aber zunehmende Gewitterneigung.— Für Deutschland: Allgemein warni, teils heiter, teils wolkig. Im Westen und Nordwesten oerstärkte Gewitterneigung. Berantwortl. für die Redaktion: Aich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Tst. Eimke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» drnckcrei und Berlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68 Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Thealet LiJtlsptele usw ffaafs Ilicafcr Sonnabend, den 14 Mai alaatsoper unter den Linden 101, Lih, Die Zauberftöte imdanKumki .'0 Uhr Der Lienestranh Schiller-Theater Cbarlörtonbure Xr lih' Die Rauber «fe Sies. tat Si.|i5,Stls.2,5,JU|. E 7 Weiers. 4831 Die Pubarry VoiifsöUhne llinw an SOIowdIjü 8 Uhr Sturm im Wasserglas mit Hanai Niese Staatl. SAilltr-Ihtater 8 Uhr Die Räuber MM 8 Uhr 15. Flnra 3434 Räumen crl. Trude Hesterberg. Flscher-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Sil& Bil. 2 Franks. JuncVos& Etsle. 12 Deblars. Arthur Hell. Luelta Patkin. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. Beoutzen Sie den Vorrerkauf für die Pting§tfeieria|:e. Sonnabend, Sonntag n. Montag Je I Vorstellungen 4 Uhr und 8 Uhr 15. 4 Uhr kleine Preise. SfädUOper Unwiderruflich nur im Mai Charlottenburg Bismarckstraße 34 | Sonnabend, 14. Mai Turnus il Simone Boccanegra Malkin, Reinmar. Hofmaon. Destal, Talen, Kerncr Anfang 20 Uhi Ende 22.45 Uhr CrtCKIJJFS \€HAJSPItlrtAlJS\ MIM iBeater Kose- ineater nie S1;« Uhi Journalisten lustsp.nadiG'Jstavsrechg 703 Felix Joattean Musitc Ilm Mackebsa Regier Heipr. Hilpert .■rö8§ Praaiturter Strafli'T ffl. Wiidis«. E 7 342- 6 und 9 Uhr Weekend im Paradies DIE SCHÖNE HELENA \AX REINHt ■MJZEMMERlJIVG öuitfung� Dnboif u UeKlomemarken fretigr?e:.'<»5 Jahren Speziölildt fonrcid Müller Püngstsonntag, 15. Mai nadim. 3 Uhr. Vellage Sonnabend, 14. Mai 1932 �fuiLuagaße j/cä hotuKu� Qerhari Jterrmann Wostar/ förief vom Xande: 'Dvntim im Sandweg Em Insekt, das sich auf mein Auge setzt, bringt meine Wimpern zum Zittern, und ich erwache. Mein Kopf ist im Schlaf zur Seite gesunken, so daß die Nase in den Sand stößt und die Augen schräg nach unten blicken. So kommt es. daß die Zträucher am Weg- rand und die Bäume des nur wenige Meter entfernten Waldes den meinem Blick nicht mehr erfaßt werden, daß ich nichts über- sehe als eine Sandfläche von vielleicht zwei Meter im Geviert. Und es zeigt sich mir. daß nun. da die Vergleichsmöglichkeit mit größeren Gegenständen fehlt, diese kleine Fläche mir groß erscheint wie eine Wüste, und daß jede kleine Abschürfung und Aushöhung des staubigen Sandes, wie vielleicht ein hinschleifender Fuß oder ein Windhauch sie verursacht haben, weit geschlungen daliegt gleich einem Tal oder einer Sanddüne. Da ist auch das Insekt, das mich weckte i es ist mit einem Mal kein Insekt mehr, es ist irgendein großes Fabeltier, das über diese Wüste hinkrischt und hinschwirrt. Schmale, hohe Beine hat es, die sich in der Mitte knicken, so daß der Körper in ihnen hängt wie ein Rettungsboot auf einem Ozean- dampfer zwischen stählernen Trägern. Zwiegespalten ist dieser Körper: ein rotes Brustschild,«in schwarzer Hinterleib, der«inen langen Stachel trägt wie ein Steuer. Das Brustschild trägt noch den Kopf, der Kops läßt Fühler spielen, es sieht aus. als seien zwei Rundsunkantennen plötzlich in schwirrende Bewegung geraten. Das Wesen bewegt sich in einer seltsamen Art: es will fliegen mit Hilfe zweier dunkelgläsernen Flügel, ober es wird nur ein Springen, denn eine Last, welche die beiden Vorderbeine tragen müssen, zieht es immer wieder zu Boden. Diese Last ist größer als das Tier selbst: es ist eine tote oder doch betäubte, graue Sandspinne. Mein Intellekt kann nun da? Fabelwesen in mein Wisien ein- ordnen. Es ist eine Schlupfwespe, eine von der kleineren Art. Wir sind erst im Mai, das Tier tänn bestenfalls drei Wochen gelebt haben, und doch hat es die Zeit erreicht, da es gebären und also sterben muß: denn für dies Insekt wird das Schaffen neuen Lebens mit dem Opfer des eigenen bezahlt, und nur die Hand des Todes zieht neue Wesen ans Licht. Run tut die Wespe ihre letzte Pflicht: da sie selbst den Kindern, die in hundertfältiger Anzahl auf dem Umweg über winzig kleine Eier aus ihrem schmalen Leib« kommen werden, keine Nahrung wird zutragen können, weil sie inzwischen zerwest oder vertrocknet unter irgendeinem Grashalm liegen wird, darum muß sie dem Jungvolk«ine Nahrung für lange Zeit schassen und es vor den Angriffen der vielgestaltig feindlichen Natur zu sichern oersuchen. Kurz bevor sie mich weckte, fand sie die Sand- spinne auf ihrem Wege: sie stürzte sich auf die eilfertig Kriechende. und nach kurzem Kampf drang das Gift aus ihrem Körper in den verzuckenden Spinnenleib. Dieser betäubte, fremde Organismus wird der qualvoll zitternd« Mutterschoß sein für die kleinen Raub wesen. die in seinen Eingeweiden erwachen werden. Aber noch gilt es, der todesträchtigen Beute und den lsbensträchtigen Eiern ein Bett, zü schaffen, ein Bett in der Erde. Wohin aber während der fünf Menschenminuten und während der Insektenewigkeit, die diese Arbeit kosten wird— wohin derweil mit der kostbaren Spinne? Sie kann nicht weglaufen, gewiß, sie ist betäubt, ihr ist die Qual des Lebendiggefresienwerdens unwiderruflich bestimmt: aber gibt es nicht unendlich stärkere Wesen, große Goldlaufkäfer. die ein undurchdringlicher Chitinpanzer vor dem Gifte schützt. winzige Ameisen, welche die Dielzahl stark macht gegenüber dem Einzelwesen— gibt es nicht hundert Tiere, auf Leben, Fresien. Zeugen und Gebären fanatisch versessen wie die Schlupfwefpe selbst, welchen die Spinne«ine leichte und willkommen« Beute wäre? Man muß sie einstweilen verbergen, sicher verbergen. In immer engerem Kreise umschwirrt die Schlupfwespe ein zentimeterhohes Kraut— meinem Auge, das die Maßstäbe verlor, erscheint es wie ein staubiger Baum seltsamer Form in der weiten Wüste. Eine Falte im obersten Blatt scheint der besorgten Mutter ein sicheres Bersteck. Mit einer furchtbaren Anstrengung gelingt es ihr nach vielen vergeblichen Versuchen, die Spinne im Fluge auf dies Blatt zu heben. Da liegt sie nun, nach Insektenermessen aufs beste verborgen. Und das Bett für Tod und Leben kann be- reitet werden. Die Wespe kriecht über den Boden, vorsichtig und nervös wie ein Wünschelrutengänger. Unaufhörlich trommeln ihre Fühler den Sand ab. Endlich scheint sie einen Platz gefunden zu haben, der die Arbeit lohnt. Sie vergewissert sich noch einmal, ob die Spinne noch auf dem Blatt liegt— dann, nachdem sie mit unglaubhafter Sicherheit dos gefundene, millimetergroße Fleckchen wieder er- reicht hat, beginnt sie ein Loch zu graben. Die Borderfühe heben die Sandkörner heraus, die Hinterfüße Wersen sie mit der Ge> schwindigkeit eines rasenden Motors nach hinten. Nach drei Mi- nuten, als das Loch etwa zentimetertief ist, hält sie inne. Sie kriecht hinein, man sieht den Hinterleib beben m der Anstrengung des Hebens. Eine sehr schwere Last— ich stellte es später fest—, ein Stein liegt im Wege. Sie bewältigt ihn nicht. Die Wünschelruten- fühler hatten getrogen... Die Wespe gibt auf. Sie vergewissert sich wieder des Borhandenseins der Beute auf dem Krautblatt— dann sucht sie aufs neue nach einem Platz, der gut genug scheint für das Grab des Opfers und die Wiege der Kinder. Sie findet ihn bald und beginnt wieder zu graben, und da wird wohl kein Stein- chen sein, das sich abermals in den Weg legen könnte... Aber da ist etwas anderes, das sie nicht sieht, das nur ich sehe, der mit seinen großen Mcnschenaugen zwei Meter Sand- fläche überblickt. Es ist ein« zweite Schlupfwespe. Sie schwirrt herum, sie ist auch eine Mutter, sie ist auch auf der Suche nach einem Opfer. Sie hat auch, wie die erste, ihr kurzes Leben hin- durch nur von Blütensäften gelebt, und sie muß nun auch, kurz vor Gebären und Sterben, zur Mörderin werden— so will es die Natur, die nur darum wochenlang das betäubend« Gift in ihrem zarten Körper hat wachsen lassen. Bon ungefähr gerät die zweite auf dos Kraut, von ungefähr entdeckt sie die Spinne... Sie sieht nicht lange hin. ob das leise Zucken des Spinnenkörpers noch unbetäubtes Leben ist: sie oersetzt dem grauen Körper«inen.zweiten Stich, sie wirft ihn mit leichter Mühe von dem Blatt hinunter auf den Boden, das war leichter, als ihn hinaufzuheben— sie schleppt ihn wohl fünf Meter weit fort, ich folge ihr, und ich sehe zu meinem Erstaunen, daß sie«ine andere Methode angewandt hat als ihre Artgenossin: sie hat dos Lo-b im Sande'chon fertiq.. Mit dem Hinterleib zuerst kriech» sie hinein und zieht den Spmnenleib hinter sich yer. der schwerfällig nochsinkt. Noch drei Minuten etwa kommt sie wieder heraus, und ich weiß, daß ihr Legestochel inzwischen die Dielzahl der Eier in die Spinn« hinein- geseilt! hat. die wehrlos sein muh und doch nicht tot sein dari. Fünf Zentimeter unter der Erde werden nach kurzer Zeit die Larven aus den Eiern kriechen, und das grausige Ende der Spinne wird sich vollenden, und eines Tages werden Schlupfwespen aus dem Sande kriechen und sich von Blütensäften nähren und am Ende dieses Blütenlebens zu Mörderinnen werden.. Sie schaufelt das Loch wieder zu, das Wiege und Grab zu- gleich ist. Es geht sehr schnell: die Vorderbeine schieben die Sand- körnchen den Hinterbeinen zu, die den Staub in dicken Wirbeln in das Loch schleudern. Als alles wohlgefüllt ist, wird sorgsam ge- glättet, und sogar ein Steinchen und ein winziges Aststückchen s werden herbeigeschleppt und zwanglos darübergelcgt— gewiß haben Stein und Holz schon vorher da gelegen, und genau so da gelegen. Di« Räuherin umkreist noch ein paarmal den Ort und fliegt dann matt davon.— Ich kehre zu der Beraubten zurück Die ist nicht mehr an der Stelle, wo sie das Loch gegraben hat- aber ich ichc wohl, daß es jcrlig nt. und baß es vncn steht, eine Gruft die ihren Sarg erwartet Die Schlupfwespc selbst aber sijst auf dem Blatt, das vorhin die Spinne trug Sie sucht die Beule und findet sie nicht. Sie trommelt in sinnloscnt Suchen alle Stengel und Blätter des Krautes ab. Sie patrouilliert den Sand- boden ab. der sich rings um das Kraut breitet, leer und kühl, denn die Sonne schwindet, es wird Abend. Sie fliegt zum Lach zurück. ob sie dos Gesuchte vielleicht nicht dort fände, ist schon wieder beim Kraut. Sie scheint es nicht iassen zu können, vorerst nicht fassen zu können... Die Minuten vergehen. Die Viertelstunden vergehen. Manche Spinne eilt an der verzweifelt suchenden Wespe vorbei, dein Per- steck zu, dos sie vor der Kühle der Nacht schützen soll, manche Raupe schleppt sich schwerfällig vorüber. Die Wespe beachtet sie gor nicht. Ist das. weil sie auf diese eine, erste Beute versessen ist? Ist dos. weil ihr die Natur vielleicht nur das Gift für einen einzigen Stich schenkte? Oder ist das einfach, weil die Nerzweiflung sie blind und störrisch macht? Ich weiß es nicht. Zlber ich weiß, daß dies traurige und rasende Herumschwirren und Herumsuchen an das Geboren von Menschen erinnert, denen das Unheimliche, das sie Schicksal nennen, ein Ding, einen Menschen, ein Glück wegnahm und die nun nicht wissen, warum, warum, warum?... Es wird kühl, mich fröstelt, ich gehe ins Haus. Aber die Wespe fliegt und kriecht und irrt und schwirrt nach immer zwischen Loch im Sand und Kraut im Sand... JlrbeHslosenhilfe in Sin lleberblick/ Von Richard yunge Dur di die Preise ging die Such rieh f. daß die maßgebenden Körpersdiafien in USA. beschlossen hätten, noch oor der Vertagung des Kongresses ein Arbeitslosengesetz fertigzustellen. Hier ist ein U eberbli de über die bisherigen Maßnahmen zur Unterstützung der Ermerbs- losen. Was tut der amerikonijche Arbeiter, wenn er eines Tages von seinem Unternehmer entlassen wird? Vor einigen Iahren noch war die selbstverständliche Antwort darauf, daß er ja genügend verdient habe, um für schlechte Zeiten gerüstet zu sein. Man muß allerdings hier einfügen, daß die phantastischen Stundenlöhne von zwei und zweieinhalb Dollar, von denen man uns erzählte, keineswegs ver- allgemeiner! werden dürfen. Denn wenn diese Löhne, besonders im Baugewerbe, auch gezahlt worden sind, so waren die Arbeiter doch keine 40, geschweige 48 Stunden in der Woche beschäitigt.„Heute Niedergong der Konjunktur sollen Arbeiter, die nicht eigentlich zum Werk gehören, entlassen werde». Fabriken mit Saisonbetrieb solle» die"Arbeit auf das ganze Jahr verteilen oder noch eine zweite Fabrikation mit aufnehmen, um die Arbeiter das ganze Jahr zu beschästigen. In der Praxis hat sich duc Unzulänglichkeit dieser Methode herausgestellt. Sie hat eben nur dazu geführt, einen gewissen Ar- beiterstamm gleichmäßig zu beschäftigen. Wesentlich größere Bedeutung haben die in der Industrie eingeführten Versicherungen. Neben einer ganzen Anzahl klei- nerer, meist quäkcrisch beeinflußter Firmen, die seit langem ihre Versicherungen laufen haben, die auch einen guten Rechtsschutz für die Versicherten vorsehen, ist jetzt ein neuer Tpp entstanden, der zwar keine große praktische, aber eine starke prinzipielle Wirkung hat. So hat die„Genaral Electric" eine Kasse gebildet, die Dar- stehen diese und auch niedrigere Löhne mir aus dem Papier der s l« h e n a n Arbeiter gibt und auch A r b e i t s l o s e n u n t e r Tarifverträge."„Aber ein Wocherckohn von Zö bis 30 Dollar ge-; st ü g u n g zahlt, jedoch nur nach dem Ermessen der Administratoren niigt", sagt Plauth(„Die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten j und höchstens zehn Wochen im Jahr. Aehnlich sind auch von Nordamerika und die verschiedenen Maßnahmen zu ihrer Be- l andere Einrichtungen, die alle jedoch keinen Rechtsanspruch für kämpfung" in der Reihe„Sozialpolitische Schriften des Forschung?- j die„Persicherten" vorsehen. Aber worauf es hier besonders an- instituts für Sozialwissenschaft in Köln"),„um ein Auto und unter kommt, ist die Wirkung aus die Psyche des Amerikaners. Bis vor Umständen ein Haus im Abzahlungsgeschäft zu erwerben, besonders wenn nicht nur«in Mitglied der Familie arbeitet." Es waren also neben einem kleinen ersparten Vermögen meist noch Sachwerte vor- handen. Aber während einer zweijährigen Arbeitslosigkeit sind die kleinen Ersparnisse der Arbeiter, soweit Abzahlungsgeschäft« und Börsenspekulationen sie nicht schon vernichtet hatten, aufgezehrt. Mindestens die Hälfte der Arbeiter, nimmt Plauth an, sind im Besitz einer Lebensversicherungspolice, und diese ist dann das erst«, was verpfändet wird. Später kommt das Mobiliar dran. Die Frauen gehen auf Arbeit, denn durch die Arbeitslosigkeit der Männer werden Stellen für Frauen frei— eine Form des Lohndrucks. Die Hilfe der Gewerkschaften. Wenn die persönlichen Hilfsmittel erschöpft sind und nicht mehr ausreichen, hat die Gemeinschaft für den Betreffenden einzutreten. „Nach individualistischer amerikanischer Auffassung darf diese Ge- meinschast indessen nicht der Staat sein, sondern die private Initiative in der privaten Gemeinschaft muß erhalten bleiben." Die nachbarlich« Hilse des Arbeitsgenossen— die besondere Bedeutung bei den Negern hat— und die gewerkschaftliche Hilfe sind die ersten Stufen. Aber die gewerkschafttiche Hilfe hat mehr theoretische als praktische Bedeutung. Denn einmal ist die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter überhaupt klein— nicht zehn Prozent der gesamten Arbeiterschait— und dann treiben auch nur wenige, nreist kleine Gewerkschaften Arbeitslosensürsorge. Es sind dies besonders die Gewerkschaften der Bekleidungsindustrie. in der fast ausschließlich eingewanderte Arbeiter tätig sind. Das wesentliche dieser Arbeitslosensürsorge' ist die Garantie einer Minimalzahl von Arbeitswochen im Halbjahr oder Jahr(16 bzw. 32 Wochen). Für jede Woche, die ein Mitglied weniger arbeitet, erhält es aus einem Fonds, der sich aus Beiträgen van Arbeit- nehmern und Arbeitgebern zusammensetzt,«ine Unterstützung. Außer- dem wird die gesamte Arbeit der Firmen, die mit der Gewerkschaft Verträge abgeschlossen haben, auf die einzelnen Arbeiter umgelegt. Die Bersueste in der Industrie. Als zweite Gruppe, die sich mit der Lösung der Arbeitslosen- frage beschäftigt, nennt Plauch die Industrie. Drei Maßnahmen sind dabei besonders hervorzuheben: Kurzarbeit. Versicherung und die Versuche zur„Ausschaltung der Produktionsschwankungen". Da dem Millionenheer der Arbeitslosen mindestens- die gleiche Zahl Kurzarbeiter gegenübersteht, hat sich gezeigt, daß man mit Kurzarbeit an eine Lösung des Problems nicht herankommt. Durch Streckung der Arbeit ist lediglich erreicht, daß die Betriebs sich einen geschulten Arbeiterstamm sichern und ihnen Arbeitslust und Arbeitskraft erhalten. Zwar hat sich der Versuch eines großen Unternehmens, den Achtstundentag durch den Sechs stundentag und den Dreischichtentag durch den B i e r s ch i ch t e n t a g zu er- setzen, gut bewährt, 20 Prozent neue Arbeiter konnten auf diese Weise eingestellt werden und die Gesellschaft außerdem durch erhöbt« Produktion höheren Gewinn erzielen. Zlber man wird sich auch hier vor Verallgemeinerungen hüten müssen, da besonders günstig« Bedingungen vorliegen können. Ebensowenig haben sich die Maßiwhmen zur sogenannten „A u s s ck> o l t u n g der Produktionsschwankungen" ge- eignet erwiesen, die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Es bandelt sich dabei um de» Gedanken, auf Grund der Konjunkwrtkeorie einen Ausgleich der Arbest durchzuführen, indem in Depressionszeiten out Vorrat für die Zianzunkturspstzen gearb«ü«t wird, wahrend in der Hochkonjunktur der Produktionsprozeß g-hemmt werden soll. Bei kurzem, sagt Plauth. hielt man die Einführung einer?lrb«itsloien-' Versicherung für einen Schritt zum Sozialismus. Aber wenn sogar Eastman Kodak und General-Electric sür Ärbeitslosenoersicherunq sind, dann kann das doch nichts mehr mit Sozialismus zu tun hoben Unzureichende private Wohltätigkeit. Daß man durchgreifende Maßnahmen unternehmen muß. wird von Tag zu Tag offensichtlicher. Die private Wohltätigkeit, die bisher in den Zeiten der Krise in Tätigkeit trat, reicht bei weitem nicht mehr au», der Not der Arbeitslosen zu steuern. Da helfen alle Konzentrationsbestrebungen nichts, die sich in den Verbänden der freien Wohliahrtspilegc nollziehen, gemeinsame Sammlungen und gemeinsame Kassen: die Fonds, die durch private Sammlungen aufgebracht werden, sind rasch erschöpit und in immer stärkerem Maße müssen öffentliche Mittel in Anspruch ge- nomine» werden. Dr. Hertha Kraus berichtet in einer Schritt über die Versuche genossenschaftlicher Planung und Finanzierung der freien Wohlfahrtspflege in den Vereinigten Staaten:„Communilv Cbests und Councils"(Verlag Franz Bahlen, Berlin), worin sie den Aufbau, di« Leistungen und die Mittclbeschafnmg der freien Wohlfahrtspflegeverbönde schildert und Anregungen für die deutschen Verbände erhofft. Plauth besaßt sich ebenfalls mit der"Arbeit dieser Verbände, und er kommt z» dem Schluß, daß der Glaube daran die private Wohltätigkeit reiche aus, um alle Notstände zu be- kämpseti. heute in Amerika erschüttert sei. Die letzten Widerstände. Obwohl sich sür den kundigen Beobachter erwiesen Hot, daß alle bisherigen Maßnahmen zur Bekämpsung der Arbeitslosigkeit und der Not unter den Arbeitslosen in USA. keinen Erfolg hotten, ist die Gegnerschaft gegen die Arbeitslosenversicherung heute noch so groß, daß sie immer noch nicht verwirklicht werden konnte. Aber bereits beginnen die psychologischen Widerstände nachzulassen. Präsident H o o v e r und der Präsident der Federation of Labor. Green, die sich früher heftig gegen die Einführung einer Arbeits- losenversicherung sträubten, scheinen jetzt umgestimmt zu sein. Heute sollen die Arbeitslosen den Gemeinden zur Last, und auch hier dürfen sie eigentlich erst unterstützt werden, wenn sie aus 'Arbeitern zu„psupcrs"(Arme) geworden sind, d. h. also, wen» sie völlig mittellos dastehen. Auch die Bundesregierung muß seit langem, trotz der ablehnenden Stellung Hoavers, Mittel in immer größerem Umfange herausgeben. Allerdings wählt man dafür den indirekten Weg, indem man für Notftandsarbeiten und Vorschüsse Geld bewilligt. Und das in völlig unorganischer Weise. die nicht im entferntesten ausreicht, wie Plauth feststellt, und außer- dem ein Vielfaches einer organischen Hilse kostet. Verschiedene Methoden der Arbeitslosenhilse werden heute dis- kutiert, die all« de» Gedanken gemeinsam haben, daß an Stelle der „milden Gabe" der Rechtsanspruch au» Unterstützung treten muß. In nielen Einzelstoaten sind Gesetze der verschiedensten'Art für die Durchführung einer Arbeitslosenversicherung beroten worden. Welcher besondere Typ der Versicherung sich entwickeln wird, läßt sich heut« noch nicht feststellen, aber ihr« Notwendigkeit kann ernsthaft nicht mehr bestritten werden. Ploutb schsießi seine interessante und ausschlußreiche Schilderung- mit der Feststellung:„Das Interesse der arbeitenden Klasse nein, der ganzen Welt erheischt die Sozialpolitik, von der di« Arbeitslosenversicherung ein wesent. licher Teil ist." Sport zu Gro�kampf bei Tennis-Rot Tennis-Rot Groß-Berlin. der älteste und größte Arbeiter- Tennisverein, hat für die drei Pfingsttage Großkampftage für seinen Sport festgesetzt. Neben einem großen Vereinsturnier mit 70 Meldungen in allen üblichen Konkurrenzen werden zwei Vereinsspiele gegen Tennis-Rot Groß-Hamburg und Tennis-Rot C h e m- n i tz durchgeführt. Das Vcreinsturnier ist in allen Spielarten als vollkommen offen zu bezeichnen. Im vergangenen Jahre fcatte Neukölln unumstritten die Whrung, diese Abteilung stellte in allen Konkurrenzen die Sieger. In diesem Jahre werden wohl die Ab» reilungen Friedrichshain, Lichtenberg und Gesundbrunnen die stärk- sten Spieler stellen. Di« Vereinsspiele sind ebenfalls noch nicht ent- jchiesen. Gegen Hamburg treten die stärksten Berliner Spieler an. sie dürften sich durchsetzen. Anders liegt die Sache bei Chemnitz. Die Chemnitzer sind gute und harte Spieler, ob die zweite Serie der Berliner sich glücklich aus der Affäre zieht, ist als fraglich zu be- zeichnen. Sämtlich« Treffen werden ab Sonnabend aus den neuen Plätzen im Voltspart am Faulen See in Weißense« durch- gesührt. Die Hamburger und Chemnitzer Spieler sind bereits für heut«, Sonnabend, aus den Plätzen im Voltspart am Faulen See in Weißensee, Buschallee, zum Spielen angesetzt. Alle Gastgeber kommen zu den Plätzen oder ab ZI Uhr zur Begrüßungsfeier nach den Faltenberger Zelten in Weißensee, Falkenberger Straße 24. ? ennis wettkampf Leipzig-Cottbus- Berlin Am 1. und 2. Feiertag veranstaltet zum ersten Male die Ten- nisabteilung der Freien Turnerschaft Groß- Berlin auf den Plätzen im Volkspark Rehberge einen Städtekampf Leipzig-Cottbus-Berlin. unter den Vereinen Eiche-Leipzig. Cottbus 93 und der F. T.G.B. Es ist sehr guter Sport zu erwarten, da die beteiligten Verein« über die besten Tennisspieler im Zlrbeiter-Turn- und Sportbund verfügen. Beginn der Kämpfe, an denen etwa 35 Tennisspieler beteiligt sind, 1. Feiertag, morgens 8 Uhr. Am ersten Aeierkog tragen die Handballer der Bez. Buch, ein Handballblitzwrnier aus. Beginn der Veranstaltung W/i Uhr auf dem Röhrenlagerplatz am Bahnhof Buch. Nach Bs- endigung Beisammensein im Lokal von Göpfert. Der Ortsnerein Wedding de» Reichsbanners arrangiert am Pfingstsonntag anläßlich des Besuchs der Hamburger Kameraden auf dem Sportplatz in den Rehbergen ein Hand- und Fußballwett- spiel Hamburg— Berlin. Einlaß 13 Uhr. Eintritt 30 Pf., Erwerbslose gegen Ausweis 10 Pf. Pfingsten Vrih SS sucht für den 1. Feiertag spielstarke Gegner sür die 1. Mannschaft auf eigenem Platz. Anrufen heute, 20 Uhr, unter ? 2 Neukölln 9691. Der Arbeiterschachklub„Gardez" in Eggersdorf bei Strausberg spielt an beiden Feiertagen gegen die Arbeiterschachverein« Schmie- bus, Grünberg und Frankfurt(Oder). Eine weitere Gardezmann- schast spielt Pfingsten in Strausberg zur 700-Jahrfeier gegen eine Berliner Abteilung. -i- Steher-Grohkampf am Pfingstsonntag aus der Olympiabahn. Die Olympia-Radrennbahn serviert den Berliner Radsportfreunden am Pfingstsonntag eine Steherbegegnung. die die vier besten beut- scheu Langstreckenfahrer Sawall, Krewer, Möller und Dederichs an den Ablauf führt. Als fünfter Teilnehmer wurde der Franzose Maronnier verpflichtet, der als einziger Ausländer gegen das deutsche Stehcrquartett antritt. Die Fliegerrennen setzen sich aus einem Omnium für Berufsfahrer und«inigen Wettbewerben für Amateure zusammen. Am Omnium für Berufsfahrer nehmen die in letzter Zeit so erfolgriichen Ahlers und Becker teil, die Amateur« bestreiten je«in Punktefahren und den 3. Laus des Medaillen- Rennens. Beginn der Rennen um 15.30 Uhr. Zlugduell lldet— Fiefeler. Am ersten Pfingstfeiertag wird den Berliner Flugsportfreunden ein seltenes Ereignis auf dem Flug- Hafen Tempelhof geboten werden, und zwar ein Kunstfkug-Duell zwischen den beiden Meistern der Kunstflugakrobatik. Gerhard Fie- seler und Ernst Udet. Weitere Vorführungen namhafter Flieger und Fliegerinnen sowie Fallschirmabsprünge werden das Programm verpollständigen. Renne« im Grunewald. Den Pfingst s o n n a b» n d hat sich die Grunewaldbahn reserviert, die mit«inem gemischten Programm aufwartet. Bestdotiertes Ereignis ist der Preis der Ausstellungs- hallen, an dessen Start einige der besten Flieger wie Laotse(Varga), Walzertraum(Protzner), Rochus(Narr). Winkelried(Haynes), Fll- menau(Rastenberger) und Orkadier(O. Schmidt) kommen sollen. voppelwellen im Irabrennsporl. Die im Galopp-Rennsport eingeführten täglichen Doppelwetten, die beim Publikum allgemeinen Anklang gefunden haben, kommen jetzt auch auf den Berliner Trab- rennbahnen zur Einführung. Bei den Rennen zu R u h l e b e n am Pfingstsonntag wird der Anfang gemacht, und die Doppel- wette erstreckt sich über das 4.(Bruno-Cassirer-Rennen) und 6. (Flieger-Ausgleich) Rennen. Die Wetten können nur für den ersten Sieg und in Höhe von 5 M- ausgeführt werden. Die Rennen am Pfingstsonntag beginnen bereits um 15 Uhr. großen Ausstellung in Erscheinung trat. Mehrere hundert Kinder im weißgrünen Dreß hüpsten und sprangen zu den Klängen einer von den Kleingärtnern gestellten Kapelle aus dem frischen Rasen, daß es eine Lust war. Trotz Not und Elend der Zeit- Es ist schon ein Unterschied, ob der„zwar nicht große, dafür aber sehr hohe Hof" der Berliner Mietskasernen, oder das Freigelände der Lauben- kolonie der Tummelplatz der Großstadtkinder ist. Das— und noch vieles andere— ist der Kulturwert der Kleingartenbewegung. Kunst- tänzerische Vorführungen der Steffi-Nossen-Schule schlössen sich an. Lportpfingsten am Funkturm Heute, Sonnabend, von 17—19 Uhr,»igt der Reichebahnsportverein im Rascnoval dea Terrasscngartena der Berliner Eommerschau:„Sonne, Lust und Haus liir Alle"«inen neuartigen Lehrgang-„ttSrpirlchUl« am R h o n r a d". An 14 Rbijnrädern werden alle Möglichteiten gezeigt, die dieses modernste Enmnastilgerät zuläßt. Neben den schwierigen Spiralen und Mann» schastsübunaen wird auch da» erste Nhönrad, Renne» ausgefahren werden.— Am Pfingstsonntag trägt ebenfalls im Terrassengarten der Reichsverband tur Hiu Zitfu die Brandenburgischen Meisterschaften aus. Zur gleichen Zeit wird in, tzuntturmgarten das 2. Berliner Rollschuh» Iiockntrefsen veranstaltet. Dos Spiel ähnelt sehr einem etwas lailgiame» Eishocken und bietet eine Menge fpanncnder Kamptmomente.— Am Pfingst' montag werden am gleichen Ort zu gleicher Stunde die Revanchen dieser l Spiele ausgetragen. Neben dem Wettlzmpk kommen am z. Feiertag auch Spiel und Tanz zu ihrem Recht. Der Bczirksverband Eharlottenburg de» Zentraliugendvflege-Ausschusses veranstaltet ein Tressen der Klein» gärtner, Jugend. Bolkslieder. Bollstänze und Rasenspiels aller Art stehen auf dem Programm, das 4V0 Kinder aller Altersstufsn bestritten.— Die Arbeiterfpartler beginnen am ZZ. Mai mit ihren Borfllhrungen. ]. Domgörgen boxt in Berlin Nach Abschluß der Wintersaison hat der„Ständige Box�- ring' sein Domizil von den Spichernsälen nach der„Neuen Welt' in der Hasenheide verlegt, wo am Freitag, 20. Mai, der erst« Frei- luftkampstag stattsindet. Das in feinen Einzelheiten bereits feststehend« Programm verzeichnet als Hauptnuwmern die Begegnung zwischen Jakob Domgörgen und Schiller- Hannover, die als Ausscheidung zur deutschen Federgewichtsmeisterschast gewertet wird, sowie das Schwergewichtstreffen zwischen W a l l n e r- Dussel. dorf und Egon S t i e f> Berlin. Der Kölner Weltergewichtler Kurth geht mit Erwin B o l k m a r- Berlin in den Ring, d«r früher« Dantamgewichtsmelster P f i tz n« r. Berlin ist mit Tom Harry- Luxemburg gepaart worden. S-lido-ität.«-hfahrer. 1. Abt. Nach«»rlinbrUck, 14- Mai. ITH Uhr, 3us«ub U Wai. um 3 Uhr. Am 17. Mai, 1« Uhr, Start«illowstr. 36.-- Z. Abt.: 14. Mai, Scharfhelde— Droß-SchSneb-ck. Start um 7 Uhr Dief'-ub-ch' ««ige 38.- 3. Abt.! 13. und 16. Mai. R-U,n. Start S Uhr. U. Mai Srunau. Sportdenlmal. Start 1 Uhr. 16. Mai Mahl»dorf>Düd. Start 1 Uhr Marianncnplaß.— Prenzlauer Berg: 15. Mai Lienitzfee. Start 6 Uhr Kopen» Hagener Straß« 17, Zelt.— Medding: 13. Mai Nüdlitz, Svreewald. Start 3 Uhr Triftstrotze 66 bei Schreiber. Frirdrichshain. Demifchtes: 13. und 16. Mai nach Duhrow. Start 7 Uhr.— Storkow: Start 7 Uhr, 14, Mai. Dahnfahrer Stettiner Bahnhof. Start 14 Uhr.— Petersburger Platz: 14.— IS. Mai Anbade». Badehole und Kochgeschirr nicht veraessen. Start Hohenzollerruilatz.— PZilmcr«» dorf: 14.— 16. Mai Wanderfahrt nachdem Svreewald. Start 14. Mai, 17 u. 24 Uhr im Vereinslokal.— Lichtenberg: 15. und 16. Mai Ehorin über Niederfinow- Star« 5 Uhr bei Henkel, Oderstr. 18.— Eharlottenburg! lö. Mai Slienicker See. Start 16 Uhr. 16. Mai Povenderge. Start 13 Uhr Wilmersdorfer, Eck« Kanalstraße.— Schäneherg: 14. Mai Finow. Start 22 Uhr. 13. Mai Finow- Start 6 Uhr Edersstraße 13.— Baumschul, mnea: 18. Mai Rauen. Start 6 Uhr Bahnhof Baumfchulenweg.— Äeißenfee: Beetz, von dort Streifzttg« durch die Dudrow. Start Ptstoriuiplatz am 14. Mai um 17 Uhr und 16. Mai um 8 Uhr._ Rundfunk am Abend Sonnabend, den 14, Mai 193Z Perlip: 16.03 Zur Unterhaltung- 17.00 Zehn MinSSso Film(K. Figdor). 18.00 Die Errählungf der Wödi« (F. Waltor). 18.30 Für den Siedler und Kleingärtner(Gartendirektor L- Losser). 18 40 Eine Viertelstunde Technik(lux- J. Boehnier). 18.35 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimm« «um Tag. 19.10 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19,15 Brabm«. Sonate kür Klavier und Violoncell, 19.40 Gerhart_ Hauptmann spricht(Sdiallpl.K 20.00 Spanische Ordrestermusik. 21, oo Tages- und Sportnachrichten. 21,10 Bunte Stunde. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik._ Köaigswusterhausen: 16.00 Gläubiger und Schuldnerschutz(Rediisanwältin Dr. Hegetnann-Spniiger). 16.30 Au« Hamburg: Nacfamittagskonzert. 17.30 Die Bedeutung von Licht, Luft und Wasser für die Gesundheit (Dr. H. Franzmeyer), 17,50 Da« schöne Schlesien(H. v. Hülsen). 18.03 Musikalische Wochenschau. 18.30 Erinnerungsbilder an Bayreuth(K. Meier-Gesees). 18.55 Wetterbericht» 19.00 Englisch für Anfänger(Stud.-Rat W. Ohse, Lektor W. Mann). 19.30 Stille Stunde: Das Leben Jesu. 20.00 Aus Frankfurt: Bunter Abend. 22.30 Wetter-, Tage»' und Sport- Nachrichten. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, den 15. Mai 1951 Berlin: 6.00 Funk-Gymnastik. Aus Hamburg: Früh- konrert. 830 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage, 11,00 Anton Wildgans(Sprecher: Charlotte Christann). 11.30 Au« Leipzig: Bach-Kantate. 12.05 Martha Saalfeld: Eigene Lyrik. 12.15 Aus Leipzig: Mittagskonzert. 14.00 Im unbekannten Südarabien(H. Helfritz). 14.30 Deutsche Virtuosen— Deutsche Sänger(Schallplatten). 15.30 Robert Hohlbaum: Eigene Erzählungen. 16.00 Lustige Musik. 18.00 Zum 100. Todestage von C. F. Zelter. 19.00„Reineke, der Fuchs", ein deutsches Pfingstspiel. 20.00 Sportnachrichten. 20.10 Aus Köln: Pfingstkonzert. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Kö n igswuster hausen: 10.45 Aus Königsberg: Jahrestag des VDA. 12.03 C. F. Zelter zum Gedächtnis. 14.00 Kindertheater. 14.30 Aus Frankfurt: Hörbericht vom Eichenkreuztag. 13.30 Max Junsnickel: Eigene Werke. 17.00 Die Festliche Stunde. 18.00 Die Innenmacht des Künstlers und des Kunstwerkes(Dr. E. Bacmeister). 18.30 Das Fest des Geistes(Dr. G. Wyneken). 19.00 Aus München; Oper„Aida". 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Montau, den 16. Mai 193Z Berlin: 6.00 Funk-Gymnastik. 6.15 Frühkonzert. 8.55 Morgenfeier. 10.03 Wettervorhersage. 10.50 Von der 700-Jahr-Feier der Stadt Strausberg. 11.30 Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.03 W. G. Oschilevvski: Eigene Gedichte. 12.15 Mittagskonzert 14.15 Märchen(Stella Hay). 14.45 Märsche von Schubert. 15.00 Frühlingslieder, 15.15 C. M v. Weber. 15.30 M. Hausmann: Eigene Prosa. 16.00 Unterhaltungsmusik. 17.00 Funkbericht vom Tennisplatz. 18 3!! Prof. Dr. A. Schweitzer spricht.(Sdiallpl.). 19.25 Personen- Verzeichnis 19.30 Aus der Städtischen Oper, Charlottenburg; „Die lustigen Weiber von Windsor". 22.45 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 1 1 00 Otto Buchmann: Eigene Prosa, 12.05 Lyrik.(Maria Menoni). 14.15 Legenden und Märchen(Lotte Arndt). 15-30 Gautajna Buddha(Moidi Jojl). 18.30 Eindrücke junger Menschen in der Gedenkhalle Unter der Linden. 19.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern. 19.23 Ans Bremen' Die Böttchersiraste. 29.15 Aus Hamburg: Tanz i'y Maie». 22 30 Weiler-. Tages, und Sport- nach richten 32 50 Aus Hannover\iir fremden Ländero. Sonst. Berliner Programm Vollständiges Eiiropa-Prograuun im„Volksfunk", mouatl 96 Pf. durai alle„Vorwärts'-Boten oder die Postanstalten, Für Alle Luft und Sonne! Der Sport auf der großen Sommerschau am Funkturm Seit heute vormittag ist nun also die große Sommerschau aus dem Ausstellungsgelände draußen am Funkturm, die uns das Berliner Ausstellungs-, Messe- und Fremdenverkehrs- amt der Stadt Berlin seit Monaten durch tausend Reklamen ver- sprachen hat, eröffnet.„Sonne, Lusl und Haus für Alle' heißt sie, ein Titel, der nicht nur ein« Bezeichnung schlechlhin, sondern ein Programm, das Programm für die diesjährige große Sommer- monatsschau dort oben in Witzleben ist. Wo eine Ausstellung sich auf Sonne und Luft beruft, da muß der Sport, da muß Körperpflege dabei sein. Sie sind da! eine ganze 5zalle voll sieht man von ihnen, die die Großstadtmenschen, die müden Pflastertreter und Bahnbenutzer wieder zu— Menschen machen wollen und machen können. Professor Dr. o o n D r i g a l s t i, Berlins Stadtmedizinalrak, «in Mann also, der es wissen muß. sagte gestern bei der Presse- besichtigung darüber folgendes: „In Deutschland ist das Wochenende erst vor wenigen Jahren Brauch geworden. In Deutschland hat die ganze Bevölkerung erst seit etwa 12 Jahren mit einem ungeheuren Schwünge Lebens- und Erholungsgewohnheiten angenommen, die sich meist in erfreu- lichster Weise vor aller Augen am Wochenende beobachten lassen. Die außerordentliche Ausbreitung der Turn- und Sportbewegung hat auch unsere Leute seit dem Kriege von Klein auf ins Freie und von Jugend auf auf den grünen Rasen gebracht Und heute machen nicht nur die Jungen, sondern auch die Aelteren mit Es ist„Mode'— eine sehr segensreiche Mode! und guter Brauch geworden, die Freistunden aus dem selbst gewäblten Uebungsplatz zu verbringen. Und bei gutem Weiter gibt das Wochenende fast der gesamten Bevölkerung Gelegenheit, sich jeder auf seine Weis«, im Freien zu ergehen. Die erwähnten Lebensreize: Licht, Luft und Sonne und der Ar- beitsreiz wirken heute auf breite Schichten der Bevölkerung ganz anders ein als vor dem Kriege. Das Moralische in einem gesunden Sport liegt ja in der Tal- fache, daß der Arbeiter jeder OnalitSt seine Erholung wieder in planmäßiger Arbeit an sich selbst sucht. Das Merkwürdige ist, daß die gewaltige Turn- und Sport- bswegung, die ja heute schon den Säugling ergriffen hat, in der schlechtesten wirtschaftlichen Zeit einsetzte, die seit 19V Jahren unser Volk kennen gelernt hat. Die Nachkriegszeit mit den Erscheinungen der Inflation und dann wieder mit den Folgen einer schrecklichen Weltwirtschaftskrise hat so schwere Gefahren mit sich gebracht, daß ich es schon als«inen ganz gewaltigen Erfolg buchen würde, wenn in diesen miserablen Zeiten die allgemeine Dolksgesundheit nicht wesentlich schlechter sich darstellte als in der glücklichen Zeit vor dem Kriege. Wie steht es ober in Wirklichkeit heute? Bei einem so auf Arbeit angewiesenen Volke wie dem deutschen beginnt dos Wochende nicht so zeitig wie bei glücklicher gestellten Nachbarn. Aber wo finden Sie heute von Sonnabendnachmittag bis Sonntagabend die Graßstadtbevölkerung? "P'e Bevölkerung verbleibt nicht mehr in Höfen und Gassen. sondern bei gutem Melker durchweg im Freien, auf Diesen. auf der Heide, im Dolde, am Wasser, im Wasser, aus dem Wasser— In Licht, Luft und Sonne. Hier massiert die Lust den gesamten Körper, pflegt die Haut, trainiert da» Hautnervensyslom— hier-wirkt das kühle Bad und der Kälte- reit und erhöht den EtMiwcchsel ganz ausgezeichnet— hier braunen stich» und Sonne die Haut mch geben dem Organismus d'e kostbaren?toffe. die w'r al°..Vitamine' in der Nahrung so hoch schätzen lernten!" Was Professor Drigalski hier ausgesprochen hat. das ist b«> sonders den A r b e i t e r s p o r t l e r n eingegangen. Sie haben sich in einer der Hallen etabliert! eine ganze Längsseite nimmt die Koje der der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege angeschlossenen Sportorganlsationen«in. Da Ist zunächst in tabellarischer Uebersicht eine Aufstellung aller Arbeiter- sportperbände zu sehen. Sehr instruktiv gehalten, nicht langweilig und unübersichtlich, wie sonst ost Tabellen sind. Ein großes Modell seiner Bundesschule hat der Arbelter-Turn- und Sportbund geschickt, ein gewaltiges Haus, der Arbeit an Körper und Geist gewidmet Und dann gruppieren sich die Organisationen in den Nachbarkojen. Die Arbeiterangler haben eine ganze Sammlung schönster Anglertrophäen ausgestellt. Da sieht man Hechtköpfe von riesigen Dimensionen, Bilder vom schönen, ruhigen Sport der Amateurfischer, ferner allerlei Angler- gerät. In einer Ecke sieht man einen Biberbau mit einem ausge- stopften Exemplar dieser gefährlichen Nager. Die Naturfreunde zeigen in Tabellen und anderen schriftlichen Uebersicht«» das wesentliche ihrer segensreichen Tätigkeit. Ein reiche» Netz von Herbergen und Heimen steht den Wanderlustigen und Ferienscchrern zur Ver- sügung. Die Schachspieler zeigen ihr Gerät, die Arbeiterkegler be- weisen in ihrer Ausstellung, daß die seit langem verhöhnte Kegelei durchaus als Sport, d. h. als Leibesübung betrieben werden kann. Der Arbeiter-Rad- und fuaslsahmbund Solidarität bringt Räder für alle Zwecke, auch Motorräder eigener Fabrikation zur Aus- stellung und die Samariter haben sich einen schönen Stand errichtet. der über ihre Wirksamkeit erschöpfend Auskunft gibt. Sehr wir- kungsoolle Ausstellungen haben sich die Frricn Segler und der Sturmvogel zurecht gebaut. Auf einem künstlichen See mitten in der Halle, der ganz wie in der Natur mit einem Anlegesteg versehen und mit Schilf bewachsen ist. lassen die Freien Fastbootsahrer ein in ihrem Selbstbaukursus hergestelltes Faltboot schwimmen, das als Einer 125 Mark und als Zweisitzer 149 Mark, also bedeutend weniger als im Handel, kostet. Das Ufer dieses Sees steigt dann hllgelartig an. Eine dicht« Grasnarbe bedeckt den Boden, große Feldsteine liegen umher, ausgewachsene Fichtenbäume ragen bis unter die Eisenkonstruktion der Halle. Hier hat eine Organisation von Pfadfindern ein malerisch grutmiertes Zeltlager mit allem was dazu gehört aufgebaut. Schöne Dioramen hat sich das Freibad Wannsee geleistet. 1993 badete an versteckter Stelle Vater und Mutter im schön wcißrot gestreiften, die Körperformen ängstlich verhüllenden, spitzen- und kanlenbesetzten Badeanzug. Der Verkehr steigert sich, die Aufschreibebücher der Gendarmen werden zu klein, man sanktioniert da» Freibaden. 1997 die ersten festen Anlagen. Dann weiterer Ausbau bis zum Strandbad, das hunderttausende Berliner benutzen. Die anderen Sportverbände zeigen ebenfalls hübsch eingerichtete Kojen. Sie legen nicht geringen Wert auf ihre wertvollen Sportpreise, die sie als Anreiz ausstellen. Dos republikanische„deutsche Sportkartell' bringt auf seinem Stand Beweise dafür, wie Sport und Staatsbürgertum in Zusammenhang gebracht werden tonn. Kiein�ai-tnerjuSend tanzt In dem herrliche», neuangeleglen Terrasse ngarien mit seiner großen, oriinen Spielwiese tanzten und spielten gestern bei der Pressebesichlizung die Kinder d»» P r a u; n z i a l a e r o n n d c? Ö c t Ii n im R e> ch« v e r b y n o der Kieinaarlen- Verein, Deutschland». Das war recht so. daß sich diese Bewegung, die in den Laubenkolonien nicht nur ein Wochenende, sondern auch ein Tagesende in Sonne und Luft geschaffen hat, zuerst auf der