BERLIN SienMg 17. Rat 1932 10 Pf, flr. 2.2b B 114 40. Johraano Erschetnttüsllch außer Sonntags. Zugleich SlbendauSgabe des»Vorwärts* Bezugsvreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. vro Mona! (davon 67 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus «ablbar Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. PostzeitungS' und 72 Pf. Postbestellzebübren Anz etgenvrets Die etnspalttge Mtllimeterzetlr SC'vk� Ncklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif'vostscheckkonlo: Borwärts-Lerlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Ter Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion und Ervedttion: Berlin SW 6S, t'tnbenftr> Kernsvrecher? Donbost(A 7) 292—297 Unwetterkatastrophe am Mein Bisher fünf Tote, eine Krau und vier Kinder geborgen Koblenz. 17. Mai. Gestern abend ging über ganz W e st d c u t s ch l a» d ein selpveres Unwetter nieder. Besonders schwer heim- gesucht wurden das Gebiet der unteren M o s e l und die Höhenlagen der Eifel. Wolkenbriichc mit HagclsrHlag liehen in einigen Lrtschasten das Wasser in den Ttrahcn bis zu einem Meter ansteigen. Das Wasser ris, alles mit sich, was im Wege stand. Auf der Straße Koblenz— Weihenthurm standen die Fluten so hoch, dah der Ver- kehr umgeleitet werden muhte. Auch die Schienen der Reichsbahn waren vorübergehend überflutet. Fn Güls an der M o s e l ergoh sich eine Sturzflut von über einem Meter in das Torf, füllte Keller und tiefer liegende Wohnungen; die Wasiermafsen unterspülten die Funda- meute zweier Häuser, die schlichlich einstürzten. Gin« Frau und vier Kinder sind ums Leben gekom- m e n. Ricsengroh ist der Schaden in den Weinbergen, auf den Aeckern und au den Obstbäumen. Der fast hühnereigrohc Hagel hat sämtliche Blüten abgeschlagen. Wolkenbruch und Schlammfluten. von der Untermosel weiter einlaufende Rachrichten bestätigen. daß e? sid) um ein Unglück größten Ausmaßes handelt. Das Ge- lande, das von dem wolkenbruch betroffen wurde, erstreckt sich noch über Winningen hinaus bis etwa hahenport. dem be- kannten weinort. Allerding» ist es nicht möglich, aus diesen Ge- meinden Rachrichten zu erhalten, da auch hier die T el e p h o u- leitungen zerstört und die Zugangswege von Geröll und Schlamm überdeckt find, von Reifenden, die mit der Eisenbahn moselabwärts gekommen find, wird berichtet, daß in der Gegend von hatzenpott der Wolkenbruch die Weinberge auf weite Strecken voll- ständig verschlammt Hot. Die R e b st ö ck e samt dem Weinbergboden wurden zu Tal geschwemmt. Zn den westlichen Rand- gebieten de» Unglücks war der Wolkenbruch von hagelschlag begleitet. bei dem taubeneigrohe Hagelkörner niedergingen, Gärten und Felder vernichteten und selbst Personen verletzten. Stundenlang floß der wolkenbruchschlamm zu Tal. Zwischen Güls und Win- ningen hat die höhe der wassermassen. die sich über eine Stunde lang, mit Geröll vermischt, zu Tal wälzten, drei Meter betragen. Dazwischen befanden sich totes Vieh, Scheuncnteile wie Scheunentüren und-dächer und Hausrat. Zahlreiche Mauern find durch die wassermassen eingedrückt worden. Auch der Bahn- dämm wurde in Mitleidenschaft gezogen, von Rübenach wird ge- meldet, daß dort der Damm der Maiseld-Bahn durchbrochen worden ist. Der Zugverkehr ist unterbrochen. Aus Güls wird gemeldet, daß die wassermassen den auf einem Berghang gelegenen Friedhof zum größten Teil abgeschwemmt haben, so daß Särge und Leichen freigelegt wurden. Bis 24 Uhr waren fünf Tote geborgen, und zwar eine Frau und vier Kinder, die beim Einbruch des Unglück» sich von der Straße in eine Waschküche flüchteten und dann von den einstürzenden Trümmern begraben wurden, vermißt werden noch verschiedene Personen. Koblenz, 17. Mai. Zu dem Unlvetterunglück bei Güls erfahren wir noch: In einer kleinen Kapelle im M Uhlental bei Güls ist durch die Geistesgegenwart und persönliche Tapferkeit eines Schupo- b e a m t t n ein Unglück allergrößten Ausmaßes verniiede» worden. Etwa 20 Ausflügler, die den Nachmittag zu einem Spazier- gang benutzt hatten, flüchteten vor dem hereinbrechenden Unwetter in die Kapelle. Die Flutwelle, die dann das Tai hinabbrauste, setzte die Kapelle im Augenblick fast bis zur Decke unter Wasser. Durch die Gewalt des Wassers wurden die Menschen gegen die Decke geschleudert und standen dann, als sich die Fluten etwas beruhigten, bis zum halse im Wasser. Ein Entweichen war unmöglich. Mütter und Männer hielten die Kinder in die höhe, so daß sie knapp noch in dem Zwischenraum zwischen Decke und Wasser atmen konnten. Einige Eingeschlossene wurden durch den plötzlichen Anprall an die Decke verletzt. Als die erste Schuporettungspatrouillc aus die verzweifelten Hilferufe der Eingeschlossenen hin eintraf, blieb kein anderer Weg zur Rettimg. als durch die Decke. Die Beamten schlugen das Dach ein und schafften durch die Bresche die fast Ertrinkenden einzeln in Sicherheck. Bon den Befreiten mußten drei mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Ein sunges Mädchen erlitt einen Nervenschock. Infolge der Dunkel- Heck war es am Abend der Katastrophe nicht mehr möglich, den riesigen Schoden auch nur annähernd abzuschätzen. (Wertere Meldungen siehe auch zwecke Seite.) Armeeputsch in Japan Das Heer verlangt„nationale" Ziegierung T o k i o, 17. Mai.(Reuter.) Die A r in c c ist mit einem U l t i m a t u m hervor- getreten, in dem sie die Bildung einer nationalen Regierung verlangt. Tlr Der Europäer vernimmt mit Interesse, daß der Begriff einer„nationalen" R e g i e r u ng auch in Japan be- kannt ist und daß mit ihm dort ebenso Schindluder getrieben wird wie hier. Wenn„die japanische Armee", d. h. ein terra- I Mi Unukni, der von Ossizieren der japanischen Armee ermordete Minister- Präsident Japans. Jnukai war 77 Jahre alt. Er wurde im Dezember vorigen Jahres als Nachfolger des zurückgetretenen Watätsuki mit der Bildung der Regierung beauftragt. ristisch arbeitender Offiziersklünael, ultimativ eine„natio- nale" Regierung fordert, so schließt dieses Verlangen die Vor- aussetzung in sich ein, daß die bisherige Regierung, deren Chef ermordet auf der Bahre liegt, eben nicht„national" gewesen sei. Das kann uns freilich nicht wundern, zumal Deutschland nach der Auffassung unserer Nationalisten über- Haupt noch nie— oder zum mindesten seit Bismarcks Zeiten nicht mehr— eine„nationale" Regierung besessen hat. Das Vorgehen Japans in der Mandschurei und in Schanghai war nach allgemeiner europäischer Ausfassung der Inbegriff des überspannten Militarismus. Die viel zu schwächlichen Versuche des Völkerbundes, den Japanern Ein- halt zu gebieten und sie zur Achtung der internationalen Ver- pflichtungen zu zwingen, haben in Schanghai einen nur sehr relativen und in der Mandschurei gar keinen Erfolg gehabt. Aber„d'e Armee" findet, daß die Haltung der„Zivilisten" immer noch viel zu„schlapp" und sogar landesverräterisch ist. Denn die japanischen Diplomaten haben einem Woffenstill- standsabkommen in Schanghai— allerdings ohne jegliches bindende Räumungsversprechen— zugestimmt und der Untersuchungskommission des Völkerbundes dos Betreten der Mandschurei gestattet. Grund genug für die japanischen Offiziere, ihre Staatsmänner niederzuknallen und, soweit dies noch nicht erfolgreich durchgeführt, davonzujagen Jnukai war im Dezember 1931 zum Ministerpräsidenten bestimmt worden, nachdem seinem Vorgänger W a l a t s u k i zuviel Nachgiebigkeit gegenüber dem Völkerbund vorgeworfen wurde. Er war also gewissermaßen der Scharfmacher, der die Gemüter in der Armee beruhigen und dem Ausland die Zähne zeigen sollte. Annahme over Llltimaium? Alan glaubt, daß das Ullimatum der japanischen Armee b e- r ü ck s i ch t i g t werden kann(!). da nach der versassung der Kriegsminister aus der Zahl der Generäle gewählt werden muß und daher ein Kabinett nicht ohne Billigung der Armee, die jetzt die Beteiligung an einem Parleikobinetl ablehnt, gebildet werden kann. Kriegsminisler A r a k i und TNarineminister U s u m i hoben erklärt, daß sie dem kommenden Kabinett nicht mehr angehören würden. wie die Tclegraphen-Agcntur„Schimbun Rcngo" mitteilt, werden die Mörder des Ministerpräsidenten vor ein Kriegsgericht gestellt werden, da, demnächst zusamnicntrsten wird. Gefährliches Spiel um Danzig. Hakenkreuzler-'Zuzug in Massen. Die in der Freien Stadt Danzig noch nicht verbotenen militärischen Formationen der hitlerpartei haben in den lehlen Tagen einen starken Zustrom aus Deutschland erholten. Man hat vor allem den durch mehrere größere Tagungen verschiedener vereine verstärkten Fremdenverkehr benutzt, um den Zuzug möglichst unauffällig vollziehen zu können. Obwohl sich die Hakenkreuz-Soldaten im Tragen ihrer Uniformen augenblicklich wieder Zurückhaltung auserlcgen, ist bei den F e l d d i c n st ü b» n g e n, die aus dem Lande selbst während der Feierlage durchgesührl worden sind, eine wescnllich stärkere Tcil- nehmerzahl festgestellt worden. 3n den Kreisen der Hakenkreuzanhänger bringt man die Verstärkung und vermehrte Uebungstätigkeit der SA.- verbände mit den von der örtlichen Rozi-Leilung schon seit geraumer Zeit öffentlich in Aussicht gestellten„entscheidenden Aus- einandersehungen" in Verbindung. Unter diesen„entscheidenden Auseinandersetzungen" wird bei den Nazis weniger eine Aktion nur innenpolitischer Machtergreifung als vielmehr eine Unternehmung mit außenpolitischen Wirkungen verstanden. Dabei bezieht man sich auf die immer noch hartnäckig verbreiteten Gerüchte über angebliche polnische Handstreichpläne aus den Freistaat, die nationalistischen Kreisen als vorwand für eine gewaltsame Lösung des Danzig-Problems nicht ungünstig erscheinen. Die durch gegenseitige Unterstellung von Gewalt a b s i ch t e n bis zur Siedehitze gesteigerte Almosphäre, die auch durch immer wieder neu austauchende Meldungen von polnischen Truppenansammlungen im Korridor gekennzeichnet ist, drängt auf eine Entspannung, damit unübersehbares Unheil verhütet wird. Keieriagsstimmung an der Börse. freundliche Stimmung bei sehr ruhigem Geschäft. Die heutige Börse stand noch im Zeichen der Psingstseicrtage. Das Geschäft hielt sich in engstem Rahmen. Anfangs brachten die politischen Mordnachrichten aus Japan eine gewisse Beunruhigung mit sich, jedoch setzte sich bald eine freundliche Tendenz durch. So konnten I. G. Farben von O'i'A aus 941.', Schlickert von 39 aus W/i und Reichsbank von 11K14 auf 117)4 anziehen. Fest lagen auch Kaliwerte, von denen Westeregeln von 97>z bis 199 stiegen. Siemens u. halsk« gaben von 113 aus III nach. Reichsbahn-B»«- zugsaktien waren mck 78'/« gefragt. Fn'ck schützt die Verfassung. Gegen den Reichstagspräsidenten Löbe. Im„Völkischen Beobachter" macht heute F r i ck- Pir- inasens, der nationalsozialistische Fraktionsführer im Reichs- tag, dem Reichstagsprästdenten L ö b e den Vorwurf des Rechtsbruches. Er stellt fest, daß 229 Abgeordnete der NSDAP., der Deutschnationalen und der Kommunisten An- träge auf Einberufung des Reichstags auf den 14. Mai ge- stellt hätten, daß aber Löbe dem Verlangen nicht entsprochen habe. Die 229 Abgeordneten hätten nun neuerdings die Ein- berufung des Reichstags für den 19. Mai verlangt. Werde dieses Verlangen abgelehnt, so bedeute das nach einer klaren Entscheidung des Staatsgerichtshofes einen Verfassungsbruch. � Der Abg. Frick-Pirmasens ist im Irrtum, wenn er glaubt, daß durch die erwähnte Entscheidung des Staatsgerichtshofs für den Reichstag bindendes Recht geschaffen sei. Dagegen steht es ihm frei, gegen den Reichstagspräsidenten, falls dieser bei seiner ablehnenden Haltung verharrt, beim Staats- gerichtshof auf Einberufung des Reichstags zu klagen. Wir nehmen an, daß dann der Staatsgerichtshof die schikanöse Klage des Abg. Frick-Pirmafens ablehnen wird. Wollte der Staatsgerichtshof etwa umgekehrt verfahren und Herrn Frick recht geben, so würde sich eine ganz unmög- liche Situation ergeben. Der Präsident müßte dann näm- lich, dem Wunsch eines Drittels des Reichstags entsprechend, den Reichstag immer wieder einberufen. Immer wieder aber würde die Mehrheit, sei es durch Beschluß, sei es einfach durch Fernbleiben, eine Vertagung herbeiführen können. Das gäbe dann ein Käß- und Mausspiel ohne Ende mit dem praktischen Ergebnis, daß alles beim alten bleibt und daß es nach wie vor d i e M e h r h e i t bleibt, die entscheidet, ob der Reichstag tagen soll oder nicht. Man darf also die Komik des Bildes, wie Frick gegen Löbe die Verfassung schützt, ruhig auf sich wirken lassen,' ohne besorgen zu müssen, daß etwas anders werden könnte, als es ist. Nöhm in der Zange! Vie Echtheit seiner Briefe vor Gericht. Die hannoversche Nozizeitung darf für sich in Anspruch nehmen, den Fall R ö h m seiner endgültigen Klärung zugeführt zu haben: in einem Bericht über die blutigen Vorfälle im Reichs» tag am 12. Mai schreibt sie von Dr. Helmut Klotz als dem „Fälscher der Röhm-Brief e". Wie uns Dr. Klotz hierzu mitteilt, hat er beim zuständigen Gericht Privatklage gegen den verantwortlichen Redakteur wegen Beleidigung und verleumderischer Beleidi- g u n g erhoben. Klotz wird also den Beweis für die Echt- heit der Röhm-Briefe nunmehr vor Gericht führen können: als Zeugen wird er Röhm selbst, den Empfänger der Briefe Herrn Dr. H e i m s o t h und den Amtsgerichtsrat Kemme? vorladen lassen. Letzterem als dem untersuchenden Richter gegenüber hat Röhm am 28. Juni 1931 die drei von Dr. Klotz veröffentlichten Briefe als von ihm verfaßt und geschrieben an- erkannt! Wir bemerken hierzu, daß die NSDAP, es bisher mit großem Geschick verstanden hat, um die Frage der Echtheit oder der Un- echtheit der Röhm-Briefe herumzureden, so daß eine Hand- habe zur gerichtlichen Feststellung nicht gegeben war: unter dem Eindruck der Reichstagsüberfälle scheint jedoch der Redakteur in Hannover seine aus München erhaltenen Instruktionen vergessen zu haben. Nazis bei der Neichspost. Eingreifen der Verwaltung. Zwei Fälle aus der jüngsten Zeit, in welchen die Oberpost- direktionen eingreifen mußten, zeigen, wie sehr die N!P)AP. die Reichspostverwaltung durchsetzt hat: Der Oberpostsekretär Janssen in Aurich(Ostfries- land> begrüßte vor der Tür des Posthauses demonstrativ vorbei- marschierende SA.-Leute nach faschistischer Art durch Hochheben des Armes. Er ist, wie die Republikanische Beschwerdestelle Berlin er- fährt, strafweise nach Bunde versetzt worden. Der P o st a g e n t Hohenstadt in Mellentin lKreis Soldin) trug am 11. März 1932 im Dienstraum der Postagentur das Abzeichen des Hakenkreuzes und hatte außerdem auf dem Schreibtisch im Postdienstzimmer einen etwa 20 Zentimeter hohen Haken- kreuz st änder zu stehen. Aus eine Anzeige der Republikanischen Beschwerdestelle Berlin muhte auch hier die Oberpostdirektion(Frank- furt a. d. O.) erklären, daß„sein Verhalten nicht gebilligt werden kann. Gegen ihn ist das Erforderliche veranlaßt und der Haken- kreuzständer entfernt worden". Das Llnwetter am Rhein. Schweres Unwetter im Ragold-Tal. Stuligart, 17. Mai. Am Pfing st montag gingen im Nagoldtal heftig« Gewitter mit starkem Hagelschlag und Wolkenbruch nieder. Am schwersten war der Schaden in der Stadt Nagold selbst. Der Marktplatz war vollkommen überschwemmt, und das Wasser drang in die Keller ein. Die Sägemühle hat großen Schaden erlitten. Balken und andere Holzstücke wurden von dem reihenden Wasser mitgeschwemmt. Die Feuerwehr hatte unaufhörlich zu tun. Per- sonen kamen nicht zuschaden. Das gleiche Bild bot sich in anderen Orten, z. B. in G ü l p l i n g e n. Auf eine Strecke von 80 Metern war die Straße meterhoch mit Hagelkörnern bedeckt. Eine starke Mauer wurde eingedrückt. Die Straß» glich einem reißenden Bach, auf dem alle möglichen Trümmer schwammen. Besonders einige Sägewerke hatten große Verluste. Auch die Orte Gechingen und Deufringen siird stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Hölzerne Brücken wurden weggeschwemmt. Mülheim a. d. Ruhr, 17. Mai. Ein Unwetter, wie es Mülheim nach dem Kriege nicht erlebt hat, suchte am zweiten Pfingstfeiertage zwischen 17 und 18 Uhr d i e Stadtteile westlich der Ruhr heim. Im Verlaufe eines sehr heftigen Gewitters und wolkenbruchartigen Regens ging ein furchtbarer Hagelschlag nieder, der etwa 1Z Minuten dauerte und die ganze Obstbaumblüte und die Pflanzen der Ge- müsegärten vernichtete. Man hat vielfach den Eindruck, als ob die Bäume einem Granatfeuer ausgesetzt gewesen wären. Der Hagel lag im freien Kefäiide stellenweise zehn Zentimeter hoch. In der tiefgelegenen Bergstraße an der Stadthalle stürzte eine fünf Meter hohe Mauer ein. Die Anwohner mußten vor den rasenden Fluten aus den unteren in die oberen Stockwerke flüchten. Der an den Häusern angerichtete Schaden ist außerordentlich groß. Strausbergs Jubelfeier Aufgabe der Zukunft in Dienst an der Großstadtbevölkerung Strausberg, das wohl fast jedem Berliner als Ausflugsort be- könnt ist, stand in diesen Psingsttagen in reichem Flaggenschmuck. Bon allen amtlichen Gebäuden, von allen Gaststätten und Privathäusern wehten die Fahnen im Schwarzrotgold der Republik und im Schwarzweiß des Freistaates Preußen, oder sie wiesen das Stadtwappen, den Strauß aus grünem Berger auf weißrotem Felde. Girlanden waren über die Straßen gezogen, jedes haus prangte im Frühlingsgrün. Slraßenbahnmaften und Laternen- pfähle trugen Tannengrün, munter flatterten unzählige Fähnchen von den Wagen der Straßenbahn. Die Barnimstadt feierte würdig den Tag ihres 700jährigen Bestehens. Platzmusik leitete den Festtag ein, dann fand im „Alten Schützenhaus" eine Feier statt, bei der Bürgermeister Fischer die zahlreichen Gäste begrüßt«, alte Strausberger, die aus allen Teilen des Reiches herbeigekommen waren, die vielen Behörden- vertxeter und die Freunde aus Berlin und der Umgebung Straus- bergs. Den eigentlichen Festakt in der Brandenburgischen Provinzial- anstatt leiteten Musik- und Chorvorträge ein. Dann nahm Bürger- meister Fischer das Wort.„Viele Schicksalsschläge", so sagte er, „hat Strausberg in seiner Geschichte erlebt, aber ebensowenig wie einst wird es in der schweren Not der Gegenwart mutlos und nieder- geschlagen werden. Die Liebe zur Heimat wird die schlechte Zeit überwinden, und wir hoffen, daß Strausberg rüstig vorwärts schreitet und bald eine blühend« Mittelstadt wird. Die friedliche Arbeit seiner Bewohner bildet für diese Hoffnung die Grundlag«." Studienrat Dr. Wels gab einen Abriß der Geschichte Strausbergs und zeigte auf, daß die Bewohner immer wieder mit zähem Willen Strausberg in die Höhe brachten. Von besonderer Bedeutung warey die Worte des Redners über das Verhältnis Strausbergs zur nahen Weltstadt Berlin. Er betonte, daß heute ein dem Boden fast ent- sremdetes Volk sehnsüchtiger denn je zur Natur zurückstrebe." Er sagte weiter:„Verstehen und bewerten wir Sehnsüchte und Erkennt- nisse dieser wirren Zeit richtig, und wir werden erkennen, daß die Zukunftsaufgabe Strausbergs darin liegt, Heimat und Stätte neuer krastgewinnung zu werden für die wenschen, die sich im Steinmecr der Großstadt zu verlieren drohen. Die Erfüllung dieser Ausgabe sei uns nicht Ausnutzung zufälliger Konjunktur, sondern D i e n st am Volke." Der Redner schloß mit den Worten Goethes„Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Die Vertreter der preußischen Staatsregierung, des Oberpräsi- deuten, des Regierungspräsidenten, der Kommunalverwaltung, de? Landesdireklors, des Märkischen Museums und der Nachbarorte hielten sodann kurze Glückwunschansprachen. Chor- und Musik- vortrüge bildeten den Abschluß des Festaktes. Ein Heimatsestspiel „Die Letzten", das von Studienrat Wels verfaßt ist, fand bei seiner Aufführung am Abend Dank und herzlichsten Beiiall. Alle Gaststätten am Strausberger See hatten reichlich illumi- niert. Als die Dunkelheit hereinbrach, führten unzählige beleuchtete Boote einen prächtigen Korso vor. Ein Riescnfeuerwerk. das mitten auf dem See abgebrannt wurde, bildete das Ende des Festtages. Am zweiten Feiertag fanden Massenkonzerte von Männer- und Kinderchören statt. Die Ausstellung heimischer Kunst und eine Sied- l e r a u s st e l l u n g, die aus Anlaß der 700- Jahr- Feier eröffnet wurden, oerdienen besondere Beachtung. Oer gestürzte Reichsminister C rekhswb* MINISTER GRÖNE� Oer Täter konnte bisher nicht ermittelt werden. Der putsch in Tokio. Hohe Offiziere als Mordanstister. Pari», 17. Mai. Die nach Japan entsandt« Sonderberichterstatterin des„Petit P a r i s i e n", Andree Viollis, behauptet, die Nachricht von dem Attentat auf den japanischen Ministerpräsidenten sei nicht über- r a s ch e n d gekommen. Alle Welt in Japan habe in letzter Zeit «inen militärischen Staatsstreich befürchtet. Allerdings l>abe niemand geglaubt, daß er so nahe bevorstehe. Das Attentat habe nicht d«r Person Inukais, der allgemein geschätzt gewesen sei, gegolten, sondern dem Regierungschef, und gewinne somit symbolische Bedeutting. Es handele sich um ein Glied in der Kette politischer Attentate, denen im Januar und Februar der Finanzminister und ein Direk- tor der Großbank Mitsui, Baron Dan, zum Opfer gefallen seien. Damals habe man gegen 20 Studenten und jung« Intellektuelle, die zumeist einflußreichen Familien angehörten, festgenommen. Sie seien Mitglieoer einer Liga, die den Namen„Blutsbrüder- s ch a f t" führe, gewesen, und man habe bei ihnen Verzeichnisse ge- funden, in denen zahlr«iche Politiker und Großkapitalisten aufgeführt waren, die von ihnen zum Tode verurteilt worden seien. Ueber die Untersuchung dieser Angelegenheit s«i Stillschweigen bewahrt worden. Man habe sogar angekündigt, daß der Prozeß nicht vor 19 33 würde stattfinoen können. In Wirklichkeit liege die Sache so. daß mehrere hohe Persönlichkelten der Armee und der Flotte in d'e Angelegenheil oerwickelt gewesen seien. Man habe sogar erklärt, daß die Revolver, deren\ sich die Attentäter bedienlen. von Offizieren und namentlich von einem populären hoh«n Marineoffizier geliefert worden seien. Es handele sich also um eine höchst wichtige Bewegung, di dramatische Uebcrraschungen bringen könne. Monstreprozeffe in Moabit. Hochbetrieb am dritten pfingstfeiertaq. Es gab in Moabit noch nie eine derartige Häufung von Monstreproz«ssen wie am diesjährigen dritten Psingstfeier- tag. Es laufen neun Riejenprozcsse. Leo S k l a r e k bekam am Sonnabend seinen Wutausbruch: im Prozeß gegen E r a s wegen Untreue— ein Splitterprozeß in Sachen Damm— und in dem Betrugsprozeß gegen Met ist« fanden ganz kurze Sitzungen statt. Mit größerer Ausdauer hat man in dem Beamtenbank-Prozeß verhandelt: man ist unter dem Di ektor Mannheimer sogar so fleißig, daß man da den vierten Tag gar nicht abwartet, sondern heute am dritten Pfingstfeiertag wieder sitzt. Außer diesem Prozeß gegen Weber und Genossen finden auch in weiteren vier Gerichtssälen Verhand- lungen statt: im kleinen Schwurgerichtssaal werden in der Sache Hoest und Genossen(die Siedlungsbank) langweilige Protokolle verlesen: in den Cinsponprozessen gegen Ende uno Genossen und Bankhaus und Genossen geht es gleichfalls äußerst langweilig zu. Man kann nicht den Augenblick erwarten, da der Vorsitzende genug hat und die Sitzung aufhebt. Dagegen ist man gewillt, in dem „F e l s e n e ck"- Prozeß n'cht anders zu oerhandeln als jonst, das heißt bis 4 Uhr.__ GroHfeuer bei Krupp. Die Stein-Oörre völlig ausgebrannt. E s s e n. 17. Mal. Zu den Nachtstunden brach in den Steinwerken bei der F r i e d r. Krupp A.- G. in Essen Großfeuer aus. kilometerweit war der Feuerschein zu sehen. Dem näher hinzukommenden zeigten sich haushohe Flammen, die gewaltigen Rauch entwickelten. Die Flammengarben erstrahlten mit einem riesigen Sprühseuer gegen den Rachthimmel. Die kruppsche Feuerwehr nahm mit allen Kräften den Kamps gegen das Riesenfeuer aus. Die st ä d l i s ch e Feuerwehr wurde nicht zugelassen. Polizei wurde nur insoweit zugelassen, als an der Bahnseite Absperrungen nötig waren. Der Brand brach in der sogenannten Stein- Dörre, einem Bau von 80 Meter Länge, 40 Meter Brette und etwa 10 Meter Höhe aus. In der Steindörre werden die Dolomitsteine, öie zum Bau von großen Schmelzösen für Metalle verwendet werden, gedörrt. Der ganze Bau ist mit einem Gerüst ausgestaltet, aus dein zahllose Bretter liegen, die zum Dörren, das heißt Lufttrocknen der Steine dienen. Auf Alarmierung der Kruppschen Feuerwehr rückten sämtlich« fünf Züge zum Brandherd und bekämpften mit dreizehn Schlauchleitungen das Feuer. Die Gefahr für die Nachbarhäuser war bei der großen Hitze der letzten Tage besonders groß durch den riesigen Funkenflug, bei dem Holzstücke bis zu ö Zentimeter Durch- messe? brennend durch die Luft flogen. Im verlaufe einer halben Stunde gelang es, den Brand zu Isolieren und die Gefahr für die Rachbarhäuser einzudämmen. Das Innere des Gebäude» bildet ein riesiges Flammenmeer, in dem sich das wertvolle Dolomitmaterial befindet. Ueber di« Ursache des Brandes herrscht völlige Unklarheit, da das Feuer erst bemerkt wurde, als der größte Teil des Baues bereits brannte. Verkehrsunglück am Wedding. Kohtenlastzug gegen Straßenbahn.— Fünf Verletzte. Auf dem wedding in der Fennstraße ereignete sich heute mitlag ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Sohlenlast- z u g und einer Straßenbahn der Linie 45. Der Straßenbahnwagen wurde so schwer beschädigt, daß er aus dem verkehr gezogen werden mußte. Fünf Fahrgäste erlitten erhebliche ver- lehungen. Auf dem Grundstück Fennstraße 25/26 sind mehrere Kohlenplätze. Gegen 11 Uhr wollte ein beladener Kohlenlastzug den Platz ver- lassen. In diesem Augenblick passierte die Straßenbahn den Straßenabschnitt. Der Kohlenlastzug prallte mit großer Wucht gegen den Vorderperron der Straßenbahn. Der Perron wurde völlig eingedrückt. Der Führer und vier Fahrgäste wurden mit erheblichen Verletzungen zur nächsten Rettungsstelle gebracht. Die Verunglückten sind: der 41 Jahre alte Fahrer Arnold Schumann aus der Gleimstraße 24, die 21jährige Verkäuferin Erna S e h l z aus der Martin-Opitz-Straße 2, die 24 Jahre alte Elisabeth K e r st e n aus der Schulstraße 56, der 38jährige Kaufmann Alois Jachenbowski aus der Wiesenstraße 25 und die 43 Jahre alte Händlerin Sarah Grünspan aus der Schecrerstraße 5. Außer- dem erlitten einige Fahrgäste im Innern der Straßenbahn gering- fügige Abschürfungen: sie konnten ihren Weg ohne ärztliche Hilf» fortsetzen. Genosse Paul herh-Köpenick wird heute 60 Jahre alt Als junger Feinmechaniier schloß er sich bereits im August 1893 Als junger Feinmechaniker schloß er sich bereits im Auguch 1893 seiner Berufsorganisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband, an und wirkte fünf Jahre als Vertrauensmann und drei Jahre als Arbeiterausschußmitglicd bei der Firma Goerz im Interesse seiner Berufskollegen und der Gewerkschaft. Als Neunundzwanzigjähriger wurde er 1901 unter dem da. maligen Dreiklassenwahlrecht als Stadtverordneter in Köpenick gewählt, vpeldtcs Amt er ununterbrochen bis zu seiner Wahl zum Stadlrat im Jahre 1921 bekleidete. Trotz körperlicher Beschwerden in den letzten Jahren steht Genosse Hertz auch hier noch seinen Mann und leitet als Dezernent das Wohlfahrts» amt des 16. Verwaltungsbezirks. Oer brennende Dampfer. An der llnglücksstelle der„George Phillippart". Paris, 17. Mai. In Paris liegen am Dienstagmorgen nur spärlich Nach- richten von Bord derjenigen Schisse vor, die sich an der Unglücks- stelle der„George P h i l i p p a r t" im Golf von Aden befinden Die Agentur chavas veröffentlicht lediglich ein Telegramm aus Aden, nach dem der russische Dampser„Sowjetskaja" 400 Mann Besatzung und Passagiere übernommen hat und am Mittwoch in Aden eintrifft. Ein zweites Telegramm der halbamtlichen franzö- fischen Agentur aus Rom besagt, daß das italienische Marine- Ministerium am Sonntagnachmittag eine Nachricht erhalten habe, wonach 765 Mann der Besatzung des brennenden Schiffes gerettet woroen seien. Ob und wie hock) die Zahl der Opfer ist, läßt sich im Augenblick noch nicht seststeilen, da die Passagierlisten in Marseille noch nicht«ingegangen sind. Da jedoch die Besatzung 500 Mann betrug und die Passagiere auf 600 geschätzt werden, rechnet man mit insgesamt 1100 bis 1200 Personen, die nach den Radiosprllchen der englischen Hilfsschisfe fast alle gereitet sein dürften. Der Dampser„Philippart", der im Jahre 1930 vom Stapel lief, befand sich auf seiner ersten Orientfahrt, und zwar auf dem Rückwege aus Japan. Er hatte einen Wert von 121 Millionen Franken. Zweites Autounglück im Harz. Drei Tote, vier Schwerverlehte. N o r d h a u s e n, 17. Mai. Auf der steilen Ltraße zwischen Hohegeiß und Zorge verlor gestern nachmittag der Führer eines Aus- flüglerautos aus Magdeburg in einer Kurve die Gewalt über seinen Wagen. Das Auto stürzte' die etwa zwanzig Meter hohe Böschung hinab und wurde völlig zertrümmert. Der Führer war sofort tot, ebenso eine Mitfahrerin, Frau H o r ch m a n n. Ein anderer Insasse, der Bäckermeister U e b e. erlag auf dem Transport nach dem Nordhauser Krankenhaus seinen Verletzungen. Der Zustand von weiteren vier Insassen wird von den Aerzten als fast hoffnungslos bezeichnet. Sämtliche Insassen des Wagens stammen aus M a g d e- bürg und Umgebung. Das erste Unglückam Pfingstfonntag ereignete sich, wie mit- geteilt, zwischen Goslar und Osterode und forderte fünf Todesopfer. Zehn Jahre Kölner Volksbühne. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens der Freien Volksbühne stöln in Verbindung mit dem siebenten Bezirkstag der Rheinischen Volksbühnenvereine hatte die Kölner Volksbühne für Pfingsten eine Reihe von Veranstaltungen vorgesehen. Am Pfinqstsonntag fand vormittags ein schlichter Festakt statt. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden der Freien Volksbühne Köln überbrachte der Beigeord- nete Dr. Meerfeld-Köln die Glückwünsche der staatlichen und slädti- schen Behörden. Ansprachen hielten weiter der Rektor der Kölner Universität, der Intendant des Kölner Schauspielhauses iowie Ver- ireter des Hauptoorstandes der Volksbühnenbewegung und des Bühnenvolksbundes. Prof. Dr. S. M a r ck hielt den Festvortrag über das Thema„Das Goethe-Jahr und das Volks- theater der Gegenwart". Generalsekretär B r o d b e ck- Berlin hielt anschließend einen Vortrag über„Die Volksbühne im Kampf um die Erhaltung des Kulturtheaters". Tagung der Deutschen Lunsen- Gesellschaft. Die Deutsche Bunsen- Gesellschaft für angewandte und phiisikalische Chemie, die in den Tagen vom 16. bis 19. Mai in Münster ihre 37. Hauptversamm- lung abhält, ließ am Montag vormittag am Grabe Wilhelm chittorss einen Kranz niederlegen. Daran anschließend versammelten sich die Teilnehmer zu einer Gedächtnisfeier für Wilhelm O st w a l d. Pros. W. Kernst- Berlin rief in seiner Gedenkrede den Lebens» weg Ostwalds ins Gedächtnis zurück. Eröffnung der Düfseldorf-Münchener Kunslausslellung. Am Pfingstsamstag wurde in der Rheinhalle zu Düsseldorf die Dllsseldori-Münchener Kunstausstellung mit einer schlichten Feier er- öffnet. Die Münchener Künstlerfchoft/die durch die Brandkatastrophe Oes Glaspalastes um ihre Ausstellungshalle gekommen ist, hat bei den Düsseldorfer Kunsthändlern Unterkunft zu einem friedlichen Wettstreit gefunden. Der Kieler Generalintendant tritt zurück. Generalintendant Georg chartmann, der seit 1924 die vereinigten Stadttheater in Kiel leitet,' hat beim Magistrat sein Rücktrittsgesuch eingereicht. Er will aus künstlerischen und aus sozialen Gründen die Leitung nicht weiter behalten. In der Tennisballe in Wilmersdorf fall von Mitte Juni ab auch die feine Kleinkunst ihre Stätte finden. Vom 21. bis 24. Mai wird das Experiment gemacht, in der Halle das„S ch u tz e n g e l s p i e l" von Max Melk auszuführen. Die Eintrittspreise sollen mtt Garderobe 50 und 90 Pf. betragen. Die holländischen Arbeitersänger ,/Oe Gtem des Volks" im Gaalbau Iriedrichshain Gender-Oueti. Zwischen Frankfurt und Stuttgart. Der Versuch, einen kunstgerechten, heiteren Unterhat- tungsabend zu schaffen, wurde von den Sendern Frankfurt und Stuttgart unternommen,„chinüber— herüber" nannte Frankfurt sein Programm,„cherüber— hinüber" setzte Stuttgart dagegen. Es wurde eine Art Wettsenden gespielt, das stellenweise sehr wir- kungsooll und lustig zusammenklang: in einem Marsch, dessen Teile abwechselnd aus Stuttgart und Frankfurt gesendet wurden, war djeser Zusammenklang sogar vollständig. Um des hier symbolisch zu nehmenden Titels„Alte Kameraden" wurde dieser Marsch wohl gewählt. Dramatische Sendungen in konkretem und abstraktem siil, durchbebt von wildgewordenen Geräuschkulissen und umnachtet von unergründlichem Tiefsinn, fesselnde Interviews mit einer Rotundenfrau, eine schwungvoll weitschweifende Analyse eines musi- kalischen Nichts, waren Aeußerungen eines echten Funkkabaretts. Auch der sozusagen seriöse Teil, in der Hauptsache musikalische Sen- düngen, war recht hübsch: die Dialektdarbietungen allerdings gingen wohl für die meisten norddeutschen Ohren tn der Pointierung min- destens unverständlich vorüber.— lz. Schon nach dem Auftakt ihres langen und inhaltsreichen Pro- gramms, dem Rotgardistenmarsch„Brüder zur Sonne"— den sie in einem sehr kunstvollen und doch überaus dankbaren, wirkungs- vollen, ja hinreißenden Satz ihres jungen und tüchtigen Dirigenten Antoon Krelage zum Vortrag brachten—, ernteten die holländischen Gäste vom Amsterdamer Volkschor„De Stem des Volks" stürmischen und verdienten Applaus. Schon nach diesem Chor allein wußte man, daß die Genossen von jenseits der Grenze nicht nur außerordentlich gut geschult sind, daß sie vielmehr auch über ein prachtvolles klingendes Material verfügen: über satte, samtene Bässe, kraftvolle helle Tenöre und wunderschöne Frauenstimmen, deren Ensemble nicht so sehr auf Klangmischung, als auf abwechslungs- reiche, wirkungsvolle und klug ausgenutzte Kontraste gestellt ist. Dieser günstige Eindruck wurde im Laufe des Abends, im Verlauf einer Vortragsfolge, die von allen Sängern und nicht zuletzt von dem umsichtigen Dirigenten nicht wenig verlangte, noch wesentlich vertieft, Der Schwerpunkt des Programms lag m seinem zweiten Teil. in der Aufführung des sinsonisch-symbolischen Chorwerks für Sopran- und Baritonsolo, gemischten Chor und Klavierbegleitung„Arbeits- a u f e r st e h u n g" von I s r. I. O l m a n. Textlich ist das Ganze — ein Gedicht von MargotVos—«ine Allegorie:„Die Arbeit", „Der Sozialismus" kommen zu Wort und wechseln ab mit zagenden Frauen- mutigen Männerchören: der„Durch- Nacht- zum- Licht"- Gedanke ist in hymnischen Versen, in symbolischen Bildern, in visionärem Pathos ausgeführt. Der Komponist— dem keine originelle Towprache eigen ist, der sich an Wagner, an die Italiener anlehnt, aber für schönklingende harmonische Wendungen, für wir- kungsvollen Chorsatz viel Sinn und Begabung zeigt— stellt an Chor und Solisten nicht geringe Anforderungen. Sie wurden restlos erfüllt. Auch der erste Teil des Programms enthielt zwei Chöre von O l m a n, einen von K e j a sowie einen von dem auch bei uns vielgesungenen Holländer Otto de Nobel. Die Solopartien des Chorwerks meisterten S. H a a s e- P i e n e m a n sowie Otto Couperus: von Cor L e m a i re begleitet, waren sie auch als Solisten zu hören. S. Haase-Pieneman erwies an zwei Pagenarien aus„Figaro", insbesondere ober an der Cavatine aus der Rossinischen Oper„Semiramis" ihr großes Können, ihre tadellose Technik, die mühelose Leichtigkeit ihrer modu- lationsfähigen und ausdrucksvollen Stimme. Otto Couperus sang nach einer Eliasarie von Mendelssohn, die ihm besonders gut ge- lang, Schubert und Hugo Wolfs. Ms das Programm zu Ende war, da war es noch lange nicht aus: das Ganze war ja nicht nur ein Konzert, ein Fest vielmehr, eine Feier. Die Genossen Schneider und Zipp-el überbrachten den holländischen Freunden Dank- und Abschiedsgrüße der Berliner Arbeitersänger sowie des ADGB.: Paul Löbe hielt«ine kurze, launige, mit viel Beifall aufgenommene Ansprache, in der er darauf hinwies, der Besuch des Amsterdamer Bolkschors wäre nicht nur eine rein künstlerische Angelegenheit, er wäre eine politische Demon- stration in einer Zeit, in der wir in schärfstem Kampf gegen eine Gesinnung stehen, die die Abschließung des einen Volkes gegen das andere fordert. Das deutsche Proletariat stehe treu zu den Arbeitern der ganzen Welt, bekenne sich zu einer Gemeinschaft, die nichts so auszudrücken und zu vermitteln vermöge, wie dM Lied. Schließlich erhielten die sangesfreudigen Holländer noch musikalische Gegengaben ihrer deutschen Genossen. Der Volkschor Moabit unter G ü t t e, der Sängerchor Berlin 1900 unter Georg Oskar Schumann sangen Chöre von Lendvai, Nobel, Tiessen, Gerster und Uthmann Sie machten ihre Sache ausgezeichnet und ernteten ihrerseits ver- diente Anerkennung der zahlreichen in- und ausländischen Zuhörer- schaft. W. Die Gartenbühne in der„Reuen Welt". „Der Zigeunerbaron." Die Direktion der Gartenbühne in der„Neuen Welt" hat diese einem unter Leitung von Alexander d'Arnais stehenden leistungsfähigen und hochwertigen Ensemble zur Verfügung gestellt, dos der„Selbsthilfe engagementsloser Darsteller unter dem Pro- tektorot der Bühnengenossenschaft" sein Entstehen verdankt. Bei herrlichstem Psingstsonntagwetter wurde die Gartenbühne mit dem „Zigeunerbaron" eröffnet, dem Lortzings„Waffenschmied" folgen soll. Die Eintrittspreise sind niedrig(50 Pf. bis 1,50 Mark), man sitzt in einem großen, schönen Garten unter Sternen, die Aufführun- gen haben sehr anständiges Niveau: so verspricht dos Ganze zu werden, was es auch fein will: ein wirkliches Volkstheater. Die von d'Arnais mit geringen Mitteln wirkungsvoll in- szcnierte, von Walter H o ch t r i t t exakt dirigierte Aufführung des „Zigeunerbaron" arbeitete vor allem das Musikalische heraus: und unterschied sich so wohltätig von dem Aufführungsklischee der man- dänen Operettentheater, denen prätentiöse Ausstattung, raffinierte Kostüme, denen die unsinnigsten Regiemätzchen wichtiger sind als der eigentliche— im Musikalischen beschlpssene— Sinn des Werks. Unter den Sängern finden sich sehr bekannte Nomen: Thea Stolzenberg ist ein zwerchfellerschütternder Zsupän, Hans Horsten ein sympathisch-lyrischer Barinkay, Inge von der S t r a a t e n ist eine charakteristische alte, Maria Malten eine elegische junge Zigeunerin, Mary Fuchs singt(ganz prachtvoll) die Arsena— sie und alle die anderen(der Kroll-Opernchor insbeson- dere, der so endlich wieder Beschäftigung findet) verhelfen dem ent- zückenden Werk, das die Legion seiner Nachahmungen immer wieder überstrahlt, zu einem großen und unbestrittenen Erfolg. So ist die Gartenbühne ein sehr begrüßenswertes Unternehmen, das allen künstlerischen und wirtschaftlichen Anforderungen ent- spricht, das— vergleicht man das Gebotene mit dem Preis— stärkster Frequenz wird sicher sein können. ar. ♦ „Der Zigeunerbaron" ist bis zum Freitag dieser Wache verlängert, Sonnabend:„Der Waffenschmied". Rundfunk der Woche Krisenbudget des Arbeiters und Angestellten Der Vortrag, den Fritz F r i ck e im Programm der Funk- stunde über„Das Krisenbudget des Arbeiters und Angestellten" hielt,, lohnt ein ausführliches Eingehen, sowohl in vortrogstechnischer wie in inhaltlicher Beziehung. Man kann in sünsundzwanzig Rund- funkminuten sicher nicht mehr an Inhalt, sicher aber auch keine an- schaulicheren Bilder bieten, als Fricke es tat. Sein Vortrag war nüchterne Sachlichkeit: der Titel hatte in dieser Beziehung keine Konzessionen gemacht, die Ausführungen machten es noch weniger. Vor den Hörern marschierten Zahlen auf, Zahlen in endloser Reihe. Unübersehbar jedoch war diese Reihe nicht: im Gegenteil, der Vor- tragende zeigte immer wieder in immer neuen Querschnitten ihre Struktur, ihren Aufbau, ihre Entwicklung, immer ln Zahlen, die von wenigen verbindenden Worten zusammengehalten wurden. Trotzdem ging von den Darlegungen starke bildhafte Wirkung aus, die es vielleicht vielen Hörern überhaupt nicht zum Bewußtsein kommen ließ, wieviel„trockene" Zahlen sie im Verlaufe dieses Bor- trags geistig oerarbeiteten. Das Krisenbudget einer Leipziger Textilarbeiter- familie, die Mann, Frau, zwei schulpflichtige Kinder und einen in der Lehre befindlichen Sohn umfaßt, sieht so aus: Gcsamtoerdienst im Monat 153,67 M. In ihn ist bereits die wöchentliche Entschädigung von 4,48 M., die der Lehrling erhält, s einbezogen, ebenso eine in diesem Monat ausnahmsweise gegebene Sondervergütung für den Vater von 10 M. Der Mann erhält tarif- mäßigen Lohn und hat das Glück, noch voll arbeiten zu dürfen. Von den Einkünften müssen an festen Ausgaben wöchentlich ab- gezogen werden: 50 Pf. Taschengeld für den Lehrling, 1,20 M. Ver- bandsbeiträge, 7 M. für Miete. Ueber die verbleibende Summe hat die Familie genau Buch gesührt. Butter steht für sie über- Haupt nicht auf dem Speisezettel: dafür 10 Pfund Margarine zu 64 Pfennigen und 4� Pfund Schmalz. Der Fettverbrauch pro Kopf und Tag stellt sich also auf 50 Gramm für Brotaufstrich und Kochen: die„selten" Stullen, die die Erwachsenen zur Arbeit, die Kinder zur Schule mitbekommen, sind danach leicht vorzustellen. Die F l e i s ch r a t i o n für jeden beträgt, das Fleisch roh mit Knochen gewogen, am Tage 44,6 Gramm. Für 2,73 M. wurden 6 Pfund Aepfel und 5 Pfund Apfelsinen im Monat gekauft: zweimal ein viertel Pfund Bohnenkaffee. In jeder Woche 5 Eier unfTein viertel Pfund Kakao. Als der Mann die Extravergütung erhielt, wurden notwendiger Haushaltsbedarf für 6,85 M, angeschafft, außerdem 3 Flaschen Bier. Sonst ist nur noch einmal im Monat.eine Flasche gekauft worden. Sonstige„Luxus"ausgaben: 40 Zigaretten, 4 Pakete Tabak, 5 Kinokarten je 40 Pf., zweimal baden je- 20 Pf. Die Monatsrechnung geht genau auf: es bleibt kein Pfennig Rücklage. An irgendwelche Neuanschaffungen von Kleidung, Schuhen usw. ist zur Zeit nicht zu denken. In einer anderen fünfköpsigen in Arbeit und Verdienst stehen- den typischen Jndustriearbeiterfamilie ist das Monatseinkommen auf 109,40 M. gesunken: nach Abzug der laufenden Ausgaben für Miete usw. bleiben 75,78 M., das sind pro Tag und Person 50)4 Ps. Arbeiter aus dem rheinischen Industriegebiet(Hütten- werk in Obernhausen) haben mit ihren Familien im Monat nach Abzug der Miete rund 60 Mark. Die Angestellten, die vor der Notverordnung 256 M. monatlich oerdienten, erhalten heute 170 M. Da sie die Ausgaben für Kleidungsbedarf fast immer als wichtigen Posten in ihrem Haushaltbudget führen müssen, wird die Ernährung aus ein Mindest- maß beschränkt. Für Gesundheitspflege, d. h. Seife, Zahnpslege- mittel und dergleichen, und Erholung ist kaum eine Mark übrig. Fricke begnügte sich nicht mit wenigen Beispielen; er ließ immer neue ausmarschieren, immer solche, die nicht über eine einzelne Familie, sondern über die Lebenshaltung einer Berufsgruppe aus- sagten. Er betonte, daß es nicht in seiner Absicht läge. Elends- schilderungen zu bringen, sondern daß er die durchschnittliche Lebenshaltung von Arbeitern und Angestellten zeigen wolle. Die Zahlen, die er gab, waren überzeugender, klärender, als die beste Milieuschilderung es hätte sein können. Doch mit dieser Uebersicht war der Inhalt seines Vortrages nicht erschöpft. Auf den Nothaushalt der Arbeitslosen ging Fricke nicht ein, da dieser in Grenzen liegt, die jedem denkenden Menschen die völlig unzureichende Befriedigung aller Lebensbedürf- nisse ohne weiteres erkennen lassen. Nur auf die Anzahl von Menschen, die unter solchen Bedingungen existieren müssen, wies der Redner hin, und auf die vielen Kurzarbeiter, die bei ent- sprechender Reduzierung der schon so unzureichenden Löhne mit 16 bis 24 Stunden Arbeit und Arbeitsverdienst in der Woche zufrieden sein müssen, das heißt mit einen, Einkommen, das kaum höher ist als die Arbeitslosenunterstützung. Dann zog er das Fazit seiner Aufstellungen, die ein Bild von den Lebensbedingungen in rund 7 Millionen Arbeiter- und Angestellten- Haushaltungen in Deutschland gaben, also ein Bild von den Lebensbedingungen für 30 Millionen Personen. Immer wieder wird zur Sparsamkeit, zur Einschränkung gemahnt: haben, so fragte Fricke, diese Mahnungen hier noch Sinn angesichts einer Wirklichkeit, in der Ausgaben für ein Stück Seife, für eine Zahn- bürste schon zum wirtschaftlichen Problem werden? Und wie könnte es möglich fein, die deutsche Wirtschaft tn Gang zu halten, die in solchem Maße von der Konsumseite her gelähmt wird: sie mußte versallen, da die gesamte Kauskrast derartig unterbunden wurde, sie muß es immer mehr, je vollständiger sich die Reserven des einzelnen aufbrauchen. Neubelebung der Gesamtwirtschaft kann heute nicht von einem Abbau der Löhne und Gehälter, sondern von einer Steigerung der Kaufkraft ausgehen. Der Vortrag erfüllte alle Forderungen, die man nur irgend an solche im Rundfunkprogramm gebotenen Darlegungen stellen kann. Schade, daß er um 17.20 Uhr stattfand, so daß nur ein Teil der Werktätigen ihn abhören konnte. Seiner Bedeutung nach hatte er den günstigsten Platz im Sonntags- oder im Abendprogramm ver- dient. Tes. Sechsstunöeniag bei der Eisenbahn. Zn Amerika soll es dazu kommen. Der Sennt der Bereinigten Staaten nahm eine Eni- s ch l i e ß u n g an, in der der zwischenstaatliche chandelsausschnß ausgefordert wurde, die Möglichkeit der Herabsetzung der tag- lichen Arbeitszeit der Eisenbahner auf 6 Stunden zu p r ü s e n. Der Ausschuß hielt kürzlich seine erste öffentliche Sitzung ab, um diese Fragen zu beraten. Die Direktionen der Eisenbahnnetze siird aufgefordert worden, sich zu den wahrscheinlichen Folgen einer Einführung des Sechsstundcntages zu äußern. Die Vertreter der verschiedenen Eifenbahnerkategorien werden ebenfalls ihren Standpunkt darlegen. Der Rechtsschutz der Landarbeiter hat den Mitgliedern nicht rund eine halbe Million Mark eingebracht— wie in der heutigen Morgenausgabe des„Borwärts" gesagt ist—, sondern rund eine volle Million Mark, genau— wie in dem Bericht in Ziffern richtig angegeben— 1 021 334,16 Mark im Jahre 1931. Rundfunk am Abend Oienslag, den 17. Mai 1932 Berlin. 16.05 Edle Steine(F.R.Ott). 16.30 Italieuisdie Musik. 17.10 Jugendstunde: Ich lerne einen Sklavenhändler kennen.(Dr. L. Matthias). 17.30 W.A. Mozart: Konzert für Klavier und Orchester. 17.50 Bücherstnnde:„Frauenromane" (Am Mikrophon: F.Engel). 18.20 Lieder von Carl Friedrich Zelter. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Begegnungen und Erinnerungen(Adele Schreiber. M. d. R.). 19.35 Aus Danzig: Staffelreportage: Danzig. 20.35 Bunter Abend. 22.00 Politische Zeitungsschau. (Dr. J. Räuscher). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen. 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Aus der Geschichte der Lithographie (Prof. Dr. H. Hildenbrandt). 18.00 Querschnitt durch Zeitschriften.(Dr. H. Traub.) 18.30 Englisch für Fortgeschrittene (Marga von Kuhlwein, Lektor\V. Mann). 18.55 M etter- bericht. 19.00 Worte der Erinnerung an Albert Thomas (Min. Dir. Dr. Weigert). 22.40 Unterhaltungsmusik. Sonst: Berliner Programm. 9. Kreis. Heute abend, 29 Uhr, im Biltaria-Garten. Zimmer f, Sitzung des Äreisvorstandes mit den Abteilungsleitern. 33. Abteilung. Mittwoch, den 18. Mai, 19.39 Uhr, Arbeitskreis engerer Parteimitglieder bei Wertalla, Hohenlohestr. 3. Referent' Erich Kirsch. Thema: Die Methoden der geistigen Arbeit. SS. Abteilung Rlariendors. Mittwoch, 18. Mai, 29 Uhr, Sitzung des engeren Vorstandes bei Görlitz, Chausseestraße 19. Die Beisetzung des verstorbenen Reichstagsabgeordneten�kohl findet am Mittwochnachmittag 4.39 Uhr auf dem Jerusalemer Friedhof in der Belle-'Alliance-Straße statt. Weller sür Berlin: Kühleres, teils wolkiges, teils heiteres Wetter, mäßige Winde aus Westen bis Südwesten.— Für Deutschland: Im Nordwesten keine wesentliche Aenderung, Im Westen Abkühlung mit verbreitetem Gewitterregen. In Mitteldeutschland heiteres und kühleres Wetter, im Westen und Süden allmähliche Wieder- erwärmung. Verantworll. kür die Redaltion: Rich. Bernstein. Berlin: Aiizeigen: Th. Stocke Berli» Perl iq: Vorwärts Verlag s m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer-c Co.. Berlin«W KS Lindenstr. 3 StcHU 1 Beilage. Ab Dienstag nach Pfingsten: Extra billiaa Anacbofe! können schöne Alle können sich diesmal die herrlichen Neuheiten der Mode snscharie.- Wir haben In jeder Preislage, in den niedrigen und in den höheren, eine so groBe Auswahl, eine so geschmackvolle Auslese bereitgestellt, daB der Einkauf bei uns leicht und zufrieden wird. SONNERSTOFFE Waschkunstseide neue Druckmuster. in großer Auswahl... /�ele» 0.95 0.65 0.48 Beiderwand echttarbig, neue Streifen, tür üarienkleider . Meter 0.58 ZOphif uni oder gestreift für Sporthemden und Blusen, schöne harben....... Mete» Mille Fleurs- Batist ca. 80 cm breit, das moderne üewebe, tür Wäsche und Blusen. , Meter O 0 Kleider- Nattö c« 80 cm breit, weiß und neue Farben, für Sportkleider............. 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Tonbeiprogramm U Tempeihof W tfurfürot w 7' 9 Uhr HUTTUTSl Slg. 5. 7. 9 Uhr Sonnlag 3 Uhr; Jugend vorstell uns Dorfstraße 22 Ecke Berliner Straße Der tolle Bömberg.— Vögel am Meer.— Micky Maus. Deutsch-Amerik. Theater Köpcnickcr Sir. 68. Beg. 4�,6,7�4,9. Madame hat Ausgang mit Liane Haid.— Knall und Fall mit Fat und Patachon /7*/, j, /. Wochent. ab 6.30 Uhr, nimeCR Sonntags ab 3 Uhr Am Görlilzer Bahnhof Die Gräfin von Monte Christo mit Brigitte Helm. Rud. Forster Beiprogram m Gr. Bühnenschau Luisen-Theater a�su Reichen berger Str. 34. Peter Voß, der Millionendieb mit Willy Forst Lügen auf Rügen mit P. Hörbigcr. O. Wallburg Jugendliche haben Zutritt Titania Schöneberg Hauplstr 49 W. 5. 7. 9 Uhr S. 5. 5. 7. 9 Uhr Melodie der Liebe mit Rieh Tauber— Gutes Tonbeipro gramm— Jugendliche haben Zutritt" 7V#Ia/; räglich 5, 7. 9 Ubr i li/Oll stps 3 Uhr: Jugcndvorstell Berliner Str. 97. Durchlaucht amüsiert sich mit Georg Alexander, Ll«>n Derer».— Tonbeiprogramm fe Mariendorf B Stella-Palast Kr Könenicker Straße 12— 14 Schanghai-Ex preß mit Marlene Dietiich Anna Ma�-Bong Regie; Joseph von Sternberg. Ferner Die Wasserteufel von Hieflau Der große Faltboot-Tonfilm c freotow H/l„/■ lariendorfer\V g V l'ia-hl Tonlicht. piele So 5,7.8 30 Cfaausseestr 305. Stg. 3 ü Jugendv Die Gräfin von Monte Chrlito mit Brigltee Helm. B rorster. — Beiprogramm T repto w-Stern wa rte Dienstag 4 und 8 Uhr; C rrvald.ymphonie Mittwoch, Donnerstag, je 8 Uhr; Die Slbelungen-Ftlme �BaMumschulenwegJ� Lichtspielhaus lonnug7i>] u: Sonnt. 2.30 Uhr Jugend-Vorstellung Baumschnlenstr 78. Tonwoche Der Greifer mit Hans Albers, Chart. 8usn.— Tonbeiprogr. ■ 0'te"■ German ia-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. 6.30 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr Richard Tauber in seinem neuesten besten und schönsten Tonfilm: Melodie der Liebe Auf der Bühne: Martha Hühner. Deutschlands beste Parodistiu Luna-Palast wibsuhr Gr Frankfurter Sir. 121. Ponwoche Die Gräfin von Monte Christo mit Brigitte Helm. II. Förster. — Gesangverein Sorgenfrei mit R. Roberts Schwarzer Adler Siefs» W. 5, 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr 2 Tonfilme: Ehe m. b. II. mit; Georg Alexander.— Da» Mädchen au» der Hafenkneipe mit Marie Dressler.— Tonbeipr. Viktoria-Theater lu5 Frankfurter Allee 48 Die Gräfin von Monte Christo mit Brigitte Helm. Rudolf Förster. Ferner; Großes Tonkabarett W Meu- Uchten taerg A Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70. Wo. 5. ca. 7. 8 45 Uhr Ab Mittw. 6.45, 9 Uhr Großlonfilra: Ehe m b. H. mit Georg Alexander.— Tonbeipr. —- Tonwochenschau Friedriehsfelde Kino Busch Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 Ton woch© Madame bat Ausgang mit Li an© Haid. Branse�etter.— Tön Beiprogramm Nordosten Prenzlauer „Hysium Allee 56 Beginn Wochl. 5.15, Sonnt. 315 Uhr Der Frauendiplomat mit Max Hansen. Martna Eggerth.— Gr. Bühnenschaii Flora-Lichtspiele AfÄ«" Wocht. 5.45. ca. 7, 8.45. Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme: Mamsell Nltouehe mit Anny Ondra. G. Alexander. — Der Held von Kalifornien mit Ken Maynard Königstadt-Palast sS-'S«* Schönhauser Allee 10 Neue Direktion Die Vier vom Bob 13.— Emelkatonwoche.— Jugdl, Zutr. U Norden"b Älhambra KÄl36" W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr Melodie der Liebe mit Rieb. Tauber. Lien Beyers— Tonbeipr o g ra m m.— Jugcndl. Zutritt Pharus-Lichtspiele Müllerslr. 142 Täglich 5, 7, 9 U 2 Großlonfilme: Ein Lied, ein Kuß. ein Mädel mit Gustav Fröhlich. Martha Eggerth.— Hinter Schloß und Riegel mit Dick und Dof > Pankow"b Palast-Theater B£ite7 Melodie der Liebe mit Rieh. Tauber. Lien Beyer». Petra Unkel.— Bcipr.— Jugdl. Zutritt ��Rlnl«l«ondork»S6�� Beba-Lichtspiele Residenzstr. 124 W. 6.45 n. 8.45 Uh- So. 5. 7, 9 Uhr. Slg. 3 Uhr Jugcnd-V. Mein Freund, der Millionär mit II. Thiniig, Llsel Schaack — Gr. Beiprogramm ■ Tegc'■ Filmpalast Tegel Wochent 6 Uhr, Sonnt. 4.15 Ubr Sonntags 2 Uhr: Jugend Vorstellung Melodie der Lieb© mit Rich. Tauber— Sprechende Affen— Tenbeipro gramm G Hennigsdorf W Filmpalast � u Berliner Str. 59 Greßtonfilm Jeder fragt nach Erika mit Lya Mar«. Vejebe®, Roberte.— Tonb ei pro gramm tkrAftflill %.nlaiiU}nb. Ja lbu>tt*4 föeilage Dienstag, 17. Mai 1932 Luise Kautzky: Die Frau in Sowjetruf$land Der Weltkrieg und die ihm folgende Revolution haben wie in anderen Monarchien auch in Rußland mit dem Kaiserreich auf- geräumt. Der Zarismus wurde hinweggefegt, auf feinen Trümmern schien eine demokratisch regierte Republik zu entstehen, der Traum der alten Revolutionäre schien in Erfüllung gehen zu wollen. Aber es kam ganz anders als sie dachten.„Die Freiheit, die sie meinten, die ihr Herz erfüllte", war ihrem Lande nicht beschieden. In blutigen äußeren und inneren Wirren ward ein neuer Staat geboren, an dessen Spitze allerdings kein Zar mehr autokratifch re- giert, in der aber eine kleine Minderheit ein nicht weniger dikta- torisches Regiment führt, als es das zaristische Regime im alten Rußland war. Wohl sitzen in der Regierung des neuen Rußlands viele von denen, die in unterirdischer Arbeit den Umsturz herbei- führen halfen. Aber wie haben sie sich umgestellt! Und wie so anders sehen die Grundsätze aus, die sie heute von Staats wegen lehren! Wo ist die Meinungs-, die Rede-, die Lehrfreiheit, die sie einst erkämpfen wollten? Nichts mehr von Freiheit, nichts mehr von Selbstbestimmung, eiserner Zwang und Kadavergehorsam Herr- schen dort, wo einst ideal gesinnte Frauen und Männer ein demokratisches Reich aufzurichten hofften. Das Wesen dieses neuen Rußland auch nur annähernd zu schildern, aus das sich heute im brennenden Interesse die Augen der Arbeiterschaft der ganzen Welt richten, ist nicht die Aufgabe dieses Artikels und kann es nicht fein. Was hier untersucht werden soll, ist die Frage, wie die Revolution auf Rußlands Frauen ge- wirkt hat. Wir müssen uns dabei vor Augen halten, in welchem Maß die Frauen aller Länder durch den Weltkrieg und feine Folgen revolutioniert wurden, lieberall, wohin wir blicken, sehen wir ein neues Geschlecht heranwachsen, das durch den Sport gestählt wird, und das Schöne daran ist, daß der Sport jetzt nicht mehr wie einst nur von den„oberen Zehntausend" betrieben wird, sondern daß auch die weibliche Arbeiterschaft ihn ausübt. Die jüngeren Arbeiterinnen turnen, schwimmen, ringen, treiben Ballspiele, werfen Speere, schwingen Fahnen mit derselben Meisterschaft wie ihre männlichen Kollegen, und wenn erst die mörderische Krise mit ihrem Gefolge von Unterernährung und Hunger vorbei sein wird, werden diese Leibesübungen noch mehr als heute Körper und Charakter, kurz das ganze Wesen der Frau günstig beeinflussen. Außerdem aber sahen und sehen wir, daß auch Frauen, deren Entwicklungs- gang bereits abgeschlossen schien, durch die ökonomischen Verhältnisse während des Krieges und nach demselben sich völlig umstellen mußlen, wie sie in Berufe gedrängt wurden, die früher unbeschränkte Domänen der Männer waren, wie sie zu Schlossern. Schmieden usw., kurz zu Schwerarbeiterinnen, zu Schaffnerinnen, Wagen- und Lokomotivsührerinnnen auf Trams und Eisenbahnen usw. wurden. Mit dem Ende des Krieges hat in den kapitalistischen von der Krisis schwer heimgesuchten Ländern dieser Prozeß ein Ende ge- nommen. Sind doch heute Millionen und aber Millionen von Menschen aller Berufe arbeitslos, um wieviel mehr sind da die Frauen zum Feiern verurteilt. Und hier macht sich augenblicklich allerdings ein Unterschied zwischen Rußland und der übrigen Welt geltend. Erstens gilt in Rußland für die Frau grundsätzlich die gleiche Forderung wie für den Mann:„Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen" und zweitens bedarf der Fünfjahresplan, der in wahnsinnigstem Tempo Ruhlands Industrialisierung zuwege bringen soll, aller Hände der Werktätigen in Stadt und Land und macht natürlich auch vor der Frau nicht halt, selbst wo es sich um die schwerste physische Arbeit handelt. Die Frauen finden Beschäftigung als Erdarbeiterinnen, Lastträgerinnen, Sägerinnen bei der Waldabholzung, sogar in Bergwerken unter Tag usw. Daß die russische Bäuerin von jeher wie ein Lasttier in der Landwirtschaft schuften mußte, ist keine neue Erscheinung, übrigens auch keine für Rußland charakteristische, denn die Kleinbäuerin und die Land- arbeiterin ist allerorten eine der geplagtesten Frauen auf dieser Welt. Abgesehen von der Schwerarbeit Hot die russische Frau dieselben Betätigungsmöglichkeiten wie überall anderswo: in allen typischen Frauenberufen als Schneiderin, Modistin usw., als Stenochpistin, Sekretärin, Verkäuferin, Hausgehilfin(die sich angeblich sogar besser gestellte Schwerarbeitcrinnen leisten können) usw. Was die Intellektuellen bctnsst, so können die Frauen jetzt natürlich mehr Aemter bekleiden, als dies unter dem Zarismus möglich war. Die Wertung der Frau in russischen Intellektuellen- kreisen war ja stets eine ungleich höhere als in anderen Ländern. Und das hat sich auch unter dem Regime der Bolschewiki erhalten. Es gibt jetzt in Rußland Frauen in einflußreichen Stellungen. Wir sehen Alexandra Kollontay auf dem wichtigen Posten einer Botschafterin zuerst in Tokio, dann in Oslo. Wir erfahren von aktiven Befehlshaberinnen in der Armee, in der Flotte: wir wissen von Frauen in Ministerien als Leiterinnen von Museen und Aka- demien. Aber wir müssen immer wieder betonen, daß auch andere Länder ihren Frauen schon die höchsten Positionen eingeräumt haben. In manchen amerikanischen Staaten fungieren Frauen als Gouverneure, als Friedensrichter, sogar in den Senat wurde jüngst eine Frau gewählt. Als Dänemark das erste sozialisti- sche Ministerium bekam, wurde eine Frau, unsere unvergeßliche Nina Bang, ins Unterrichtsministerium berufen, das sie vorbildlich leitete. Wir sahen in England Genossin Margarete B o n d f i e l d als Arbeitsminister, wir sehen seit dem Weltkrieg und nach dem Umsturz, der den Frauen das aktive und passive Wahlrecht in zahlreichen Ländern brachte, in deren Parlamenten jetzt überall Frauen als Abgeordnete aller Parteien. Besäße das heutige Ruh- land noch die demokratifche Einrichtung einer Duma, wie dort die vom Zaren erkämpfte Volksvertretung hieß, kein Zweifel: die Zahl der weiblichen Mitglieder würde der der männlichen die Waage halten. Auf einem Gebiet erfreuen sich die russischen Frauen oller- dinqs einer Ausnahmestellung im Vergleich zu ihren Schwestern in anderen Ländern: sie genießen dos Vorrecht, in die Rote Arm»» als Soldaten eintreten zu dürfen, werden im Gebrauch der Waffen unterwiesen und können als sogenannte „Milizionärinnen" im Heer dienen und gleich ihren niännlichcn Kol- legen auf der militärischen Stufenleiter emporsteigen. Ob wir west- liche Sozialdemokraten sie darum zu beneiden brauchen, steht dahin. Mehr als anderswo macht sich in Rußland das Streben der modernen Frau gellend, sich außerhalb des engen Bezirks ihrer Häuslichkeit zu betätigen. Die Ursache für diese überall zutage tretende Erscheinung ist psycho- logisch unschwer zu erklären. Mit dem erwachten Selbstbewußtsein geht natürlich Hand in Hand ein ungeheurer Selbständigkeitsdrang. Während des Krieges haben Millionen Frauen am eigenen Leib erfahren, was sie zu leisten imstande sind, wenn sie sich fest auf die Füße stellen. Dazu kommt in Rußland, wie wir schon erwähnten. der große Bedarf an Arbeitskräften und der Zwang, der physisch und moralisch auf Männer und Frauen ausgeübt wird, um sie zur Arbeit zu pressen. Soll es doch als eine Schande gelten, die angeprangert wird, wenn jemand sich der Kollektivarbeit entzieht. Es wird berichtet. daß der Staat alles erdenkliche tun soll, den Frauen den Dienst an der Oeffentlichkeit zu ermöglichen und zu erleichtern. Bis ins k l e i n st e Dorf soll sich seine Fürsorge für die Kinder erstrecken. So soll die junge Bäuerin ihr Kleines, statt es aufs Feld mitschleppen zu müssen, in der Säuglingskrippe deponieren können, soll für Mann und Kinder das Essen nicht täglich zu bereiten brauchen, da ihr die Küche der Kommune diese Arbeit ab- nehmen soll. Unablässig soll ihr auch durch Belehrung und Plakate der Wert und die Wichtigkeit von Sauberkeit und Hygiene eingehämmert werden. Ich sage„soll", denn es ist bei dem Mangel an Mitteln im Sowjetstaat und bei der unvorstellbaren großen Aus- dehnung des Riesenreichs nicht möglich, daß diese Mahnahmen sich wirklich bis ins„kleinste Dorf" erstrecken, mag der Wille dazu auch vorhanden sein. Und bei der älteren Dorfbewohnerin ist wohl ohne- hin Hopsen und Malz verloren, die stemmt sich gegen alle diese „Neuheiten". In den Städten mögen sich solcbe Errungenschaften natürlich leichter durchsetzen. Einen unleugbaren Vorsprung haben die russischen Frauen vor denen der westlichen Länder in einer lebenswichtigen Frage: es gibt für sie keinen Paragraphen 144(wie in Oeslerreich) oder 218(wie in Deulschland). Kein kurzsichtiges Gesetz zwingt sie zur heimlichen Abtreibung der Leibesfrucht. Wohl dürfen Privatärzte keine Eingriffe vornehmen, aber auf jeder öffentlichen Klinik darf jede Frau kosten- los einen Abortus herbeiführen lassen, wenn sie dem Arzt einen stichhaltigen Grund für ihr Verlangen angeben kann. Unmöglichkeit. da? Kind zu erhalten, Krankheit u. a.. m. Bekommt sie daraufhin ein Attest vom Arzt, so gibt ihr der Ortssowjct eine amtliche Be» scheinigung und sie wird aus der Klinik von einem Spezialisten behandelt und noch wenigstens eine Woche kostenlos im Spital ver- pflegt. Als eine weitere Errungenschaft im neuen Rußland wird stets die Leichtigkeit gerühmt, mit der dort Ehescheidungen und Wiederverehelichungen vorgenommen werden können. Abgesehen davon, daß das keine russische Spezialität ist, denn manche Staaten Amerikas schlagen darin jeden Rekord, so ist es auch noch sehr fraglich, ob dadurch ein größeres Maß von persönlichem Glück geschossen wird. Die Lage der Hausange st eilten hatte sich dank der Be- mühungcn der Gewerkschaften und der Sozialdemokratischen Partei nach dem Kriege erheblich gebessert. Lohntarife und Arbeitszeitab- kommen wurden getroffen und auch in hygienischer Hinsicht war manches erreicht. Der Zustand der Rechtlosigkeit, dem die Housan- gestellte vor dem Kriege ausgesetzt war, bestand in der Praxis nicht mehr. Leider gelang es nicht, die Rechte der Hausangestellten reichsgesetzlich festzulegen. Eine diesbezügliche Vorlage blieb in der vorigen Session des Reichstages unerledigt. Es ist deshalb nicht erstaunlich, wenn sich die Wirtschaftskata- strophe, die keinen Beruf ungeschoren ließ, bei den Hausangestellten besonders verhängnisvoll auswirkt. Abgesehen davon, daß ein großer Teil der Hausangestellten arbeitslos ist, sind die Arbeitsbedingungen bei einem guten Teil derer, die noch in Arbeit stehen, so skandalös wie in den schlimmsten Vorkriegsjahren. Zugegeben, daß Finanz- Misere, Wohnung?- und Haushaltsverkleinerung unter Umständen den Arbeitgeber zwingen, den Lebensstandard der Hausangestellten zu reduzieren. Wenn aber darüber hinaus die Hausangestellte die Arbeit leisten soll, die bisher von zwei bis drei Arbeits- k r ä f t e n erledigt wurde, wenn sich die Fälle häufen, in denen Barlohn überhaupt nicht mehr zur Auszahlung kommt, wenn sich Wohnen und Ernährung für das„Mädchen" zu einer Katastrophe gestalten und sich die„Bedienstete" eine Behandlung gefallen lassen soll, die mit dem Verhältnis Arbeitgeber— Arbeitnehmer nichts mehr zu tun hat, dann find das durch nichts zu recht- fertigende Zustände. Stellenangebote aus einer Sonntagsnummer des„Lokal-An- zeigers" umreißen die Situation besser als alles andere. Da heißt es zum Beispiel:„Haushaltshilfe, etwas pslegekundig, gegen Zimmer, Verpflegung, E i n z c l h a u s h a l t". Oder: „Haushaltshilse, täglich zweistündlich, gegen Mädchenzimmer ge- sucht". In dem einen Fall soll also die Hausangestellte auch noch die Stelle einer Pflegerin versehen und das alles ohne Gehalt. Im anderen Fall wird Arbeitsleistung verlangt, ohne als Aequivalent auch nur Beköstigung zu gewähren. Wie es im übrigen mit der zweistündigen Arbeit aussieht, kann man sich leicht vorstellen, wenn man sich vergegenwärtigt, daß die Hausangestellte bei Ilebcrtretung der vereinbarten Arbeitszeit seitens ihrer Arbeitgeberin vor die Alternative gestellt wird, die Stellung fristlos aufzugeben oder sich zu fügen. Darin stimmen alle Berichte llberein. daß das Leben in Rußland ungeheuer schwer sei. Und auf den Schultern der Frau lastet zum größten Teile diese Schwere. Die unendlich mühsame Beschaffung der Lebens- mittel, das Fehlen so wichtiger Gebrauchsgegenstände, das Schlange- stehen vor den Läden, die Wohnungskalamität, die auf kleinsten Raum nicht nur ganze Familien, sondern Angehörige verschiedener Familien zusammenpfercht, der Mangel an Koch- und Wasch- gelegenheiten, das alles erschwert das Leben besonders für die Frau und macht aus ihr durchaus kein beneidenswertes Wesen. Freilich gibt es zahlreiche Bevorzugte, die von dieser Misere nicht oder be- deutend weniger betroffen werden. Das find vor allem die Mit- glieder der Kommunistischen Partei. Zwar bilden sie nur eine dünne Oberschicht— etwa zwei Millionen von löll Millionen Einwohnern Rußlands—, aber sie herrschen und genießen alle Vorrechte der herrschenden Klasse. Kein Wunder, daß sie von ihrer Machtvoll- kommenheit berauscht, sich für alles begeistern, was in Rußland geschieht und auf alles andere mit Verachtung herabsehen. Mit ihrem besonderen Hasse verfolgen die Bolschewiki die Sozialdemo- kraten aller Länder, am meisten natürlich die russischen. Wie zur Zeit des Zarismus werden unsere Genossen jetzt gehetzt, verschickt und eingekerkert. Die alte Freiheitskämpfcrin Genossin Eva Broido, die Ver- fasserin des schönen Buches„Wetterleuchten der Revolution", die, ohne aus ihrer sozialdemokratischen Gesinnung ein Hehl zu machen, es wagte, die russische.Heimaterde wieder zu betreten, schmachtete über vier Jahre im Gefängnis und ist jetzt nach Taschkent in Zcn- tralasien verschickt. Vera Sassulitsch, die beim Ausbruch der Revolution freudig nach Rußland geeilt war und nicht mehr um- lernen konnte, mußte, weil sie ihren alten demokratischen und frei- heitlichcn Idealen treu blieb, vergessen und verlassen in Not und Elend ihre letzten Lebensjahre verbringen. Die Brcschkovskaja, das nun mehr als tzlljährige „Mütterchen der Revolution", lebt im Exil in Prag. Für Frauen dieser Art ist kein Platz mehr im heutigen Rußland.„Es lebt ein anders denkendes Geschlecht", das mit der Vergangenheit gebrochen i hat, das rücksichtslos, von keiner Tradition beschwert, vorwärts- stürmt, anderen Zielen zustrebt. Gewiß sind auch im heutigen Rußland die Frauen nicht aus- gestorben, die jene geistige Stoßkraft besitzen, die wir an den Re- volutionärinnen früherer Epochen so sehr bewundern. Ja, es ist anzunehmen, daß die Revolution ihre Zahl außerordentlich ver- mehrt hat. Die heutige Kommunistin kämpft bestimmt mit ernstem Wollen, mit unbeugsamer Energie für hohe Ziele, die sie zwar sich selbst zu stellen nicht die Freiheit hat, sondern die ihr von„oben" dekre- tiert werden, für die sie sich aber nichtsdestoweniger begeistert: technischen Fortschritt, Kollektivierung, Industrialisierung im rasend- sten Tempo—, das sind die Zauberformeln, die ihr täglich, stünd- lich in die Ohren gellen und an die sie blindlings glauben soll Dafür nimmt sie die schwersten Opfer auf sich, dafür leidet sie die härtesten Entbehrungen, dafür setzt sie olle ihre Kräfte ein in der festen Zu- verficht, ihr Land dadurch aus Hunger und Elend zum Wohlstand, aus tiefster Dunkelheit zum Licht zu führen. Die Wege dazu sind andere als die, die ihre Vorgängerinnen ein- schlugen. Ob sie zu jenem Ziele führen werden, das uns Sozialisten als der Sinn des Lebens erscheint, als Lahn des Kampfe? vor- schwebt: das Dasein steicr. reicher, schöner und glücklicher zu ge- stalten? Die Zukunft muß es lehren. Wir vermögen nur zu hoffen und zu wünschen, daß soviel Entbehrungen, so viel Opfermut nicht umsonst vertan sein sollen, daß über alle Hemmungen hinweg, die Terror und Diktatur heute dem Ausstieg in den Weg legen, auch über Rußland dereinst die Sonne des wahren Sozialismus leuchtend emporsteigen möge. Weitere Stellenangebote:„Gutes Zimmer gegen Haus- arbeit".—„Gebe V o r d c r z i mm e r an flinke, gesunde, ver- trauenswürdige, anhanglofe Person gegen 5)aushaltsfüh- r u n g".—„Fräulein, frauenloscr Haushalt, gegen Kost und Logis gesucht".—„Frei Kost und Logis, bcstempfohlene Wirtschafterin für frauenlasen Bcamtenhaushalt gesucht."—„Haushaltshilse, etwas pslegekundig, gegen Zimmer, Verpflc- g u n g."—„M ä d ch e n z i m m er geg�n Haushilfe." Der Sinn aller dieser Angebote: Die Hausangestellte soll gegen Kost und Logis, in manchen Fällen sogar nur gegen Logis ihre Arbeitskrast hergeben! Ein anderes Kapitel stellen diejenigen Fälle dar, in denen die Hausangestellte verpflichtet ist, neben der ihr zukommenden Be- schäftigung auch noch andere Arbeiten zu machen, die mit Hausarbeit so viel wie nichts zu tun haben. Blütenlese Nr. 2 aus einer Sonntagsnummer des„Lokal-Anzeigers": „Junges Mädchen, gut bürgerlich, für Haushalt, Geschäft, etwas Bürokenntnisse n."—„Besseres, gut aussehendes, jüngeres Fräulein, Haushalt, B ü r o h i l f e."—„Erzieherin, pädagogisch, zu siebenjährigem Jungen. N ä h k e n n t n i s s e, Hausarbei t."—„Haustochter, jüngere, tüchtige Wirt- schafterin, kinderlieb, frauenloser Haushalt, S t e n o t y p i st i n bevorzugt."—„Junges Mädchen für Haushalt und G e j ch ä f t."— „Stütze, jüngere, mit allen Hausarbeiten vertraut, erwünscht Stenographie, Schreibmaschine, sucht kinderloses Ehe- paar."—„K i n d e r f ch w e st e r für zweijähriges Kind, Haus- arbeit und Kochkenntnisse erforderlich."—„Junges Mädchen für Haushalt und Kaffcebctrieb mit N ä h k e n n t- nisscn." Der Sinn dieser Anzeigen ist eindeutig. Gewisse Kreise des Bürgertums schlachten die Notlage der erwerbslosen weiblichen An- gestellten in ihrer Weise aus. Stenotypistinnen, Büraangestellt«, Erzieherinnen und Kinderschwestern werden genötigt, nicht nur ihre Kenntnisse und ihre spezialisicrte Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen, sondern daneben auch noch die Stelle einer Hausangestellten mit zu übernehmen. Wie sich diese Verlagerung der Verhältnisse im Hausangestellten- beruf in der Praxi? auswirkt, mögen einige Beispiele aus dem Leben zeigen, die wir ein andermal bringen. Lueiier. Hausangestellte... Liu Querschnitt durch das Heute Großkampftag bei Tennis-Rot Hamburg und Chemnitz geschlagen/ Die Vereinsmeisterschaften Mehr konnten die Arbeiter-Tennissportler nun wirtlich nicht verlangen. Nur dos vorzügliche Wetter gestattete Tennis-Rot Groß-Berlin die Durchführung seiner Großveranstaltung auf den mustergültigen Plätzen im Bolkspart Weißensee, die einen solchen Tennisbetrieb stcherlich noch niemals aufzuweisen hatten. Das Aereinstreffen von Tennis-Rot Groß-Berlin mit Tennis- Rot Groh-chamburg brachte den Berlinern einen ganz über- legenen Sieg. Bon 26 Treffen entschied Berlin 24 für sich, das Resultat lautete: 24: 2 Punkten, 48: 11 Sätzen, 191: 323 Spielen für Berlin. Hamburg konnte, das muh bei der Spielstärke mit in Betracht gezogen werden, widriger Umstände wegen zwei seiner Spitzenspieler nicht mit nach Berlin bringen, sonst wäre der Sieg von Berlin bestimmt nicht so überraschend hoch ausgefallen. Anders sah es bei dem Spiel gegen Tennis-Rot Chemnitz aus. Wegen zu starker Beschäftigung der einzelnen Berliner Sportler im Treffen gegen Hamburg und im Vereins- turnier konnte nur die zweite Serie der Berliner zu diesem Treffen angesetzt werden. Die Chemnitzer hatten rasch ihre Befangenheit abgelegt und spielten ihr draufgängerisches und frisches Spiel. Bei gleicher Punktzahl entschied Berlin mehr Sätze und Spiele für sich, so daß dieses Treffen mit 6:6 Punkten, 13: IS Sätzen und 118: 140 Spielen für Berlin endete. Mit diesen Bereinstreffen, die ein Bild bester Kameradschaft zeigten, führte Tennis-Rot Groß- Berlin fein Vereinsturnier durch. Rund 70 Treffen mußten hier durchgeführt werden, die von allen Beteiligten höchste Anspannung und Ausdauer verlangten. Das Turnier brachte viele lieber- rafchungsn, es stand teilweise im Zeichen des Nachwuchses. Obwohl zeitweilig auf sechs Plätzen gespielt wurde, konnte die Mehrzahl der einzelnen Konkurrenzen nur bis zur Schlußrunde durchgeführt werden. Das Frauen- C in zel stand im Zeichen der Genossinnen S a h r und Z i p p e l- Lichtenberg sowie Krüger und R a d t k e- Friedrichshain. Den jungen Lichtenbergerinnen ist es diesmal noch nicht gelungen sich durchzusetzen, sie werden in Zukunft ober immer ein Wart mitzureden haben. Die Schlußrunde steht noch aus, sie ist«ine Friedrichshainer Angelegenheit, Krüger und Rodtke werden am kommenden Sonntag im Lichtenberger Stadion um den Ver- einsmeister kämpfen. Das Männer-Einzel war voller lieber- rofchungen. Cs ist bedauerlich, daß einige Spitzenspieler von Tennis-Rot zu dieser Konkurrenz nicht gemeldet hatten. Wolf- Neukölln kam aus dem Dunkel und betätigte sich als Favoriten- schreck. Er warf die ausgezeichnet spielenden Büttner- Gesund- brunnen und Pietruzewski- Lichtenberg aus dem Rennen: erst C o m p a g n i n i- Neukölln setzte dem Wüten von Wolf ein Ende. Die Charlottenburger Nachwuchsspieler Balte und Z e n k zeigten ein feines und überlegtes Spiel. Die Vorschlußrunde be- stritten Compagnini-Neukölln, Hamacher- Lichtenberg, Balte und Zenk-Charlottenburg. Hamacher wurde von Compagnini, der zu guter Form aufgelaufen ist, im Dreisag geschlagen. Dieses Treffen war das schönst« der Männer-Einzel, Hamacher sollte nicht immer nur angreifen, sondern auch verhalten spielen. Zenk schlug dann Balte. Die Schlußrunde bestreiten Compagnini-Neukölln und Zenk- Charlottenburg. Die Frauen-Doppel brachten durchweg guten Sport und knappe Resultate. Die guten Friedrichshainer Doppel wurden von Sahr-Zippel- Lichtenberg und Brink- mann-Miarka- Neukölln geschlagen. Der sogenannte kurze Satz wirkte sich in dieser Konkurrenz besonders ungünstig aus. Vereinsmeister wurden wie im Vorjahre Brink- mann-Miarka. Genossin Brinkmann spielte ihr bekannt hartes Spiel, Miarka sekundierte sehr gut. Sahr-Zippel unterlagen erst in der Schlußrunde und zwar sehr knapp 6:4, 6: S. Etwas mehr Nervenstählung und Stehvermögen dürften die Lichtenberger in Zu- kunft an die Spitze bringen. Im M ä n n e r- D o p p e l sah man in der oberen Hälfte Schulz-Deutschkron, in der unteren Hälfte K o h l e r- Müller- Friedrichshain als Sieger. Als Ueberrafchung ist die Usberwindung von Schramm-Hamacher- Lichtenberg durch B o l t e- Z e n k- Charlottenburg zu werten. Die Charlottenburger wurden erst von Schulz-Deutschkron in taktischem Spiel geschlagen und zwar nur sehr knapp 6:3, 0:6, 6:5. Vereinsmeister wurden Kohler-Müller mit 6:1, 6:2 über Schulz- Deutschkron. Die Gemischten Doppel wurden bis zur Schlußrunde gebracht. Dieses Treffen, das ebenfalls am nächsten Sonntag sein Ende findet, werden Brinkmann-Compag- nini-Neukölln und Friedet K o h I e r- Mü l l e r- Friedrichs- Hain bestreiten. Die gesamte Veranstaltung nahm einen ausgezeichneten Ver- lauf, sie dürfte der Arbeiter-Tennisbewegung wieder zahlreiche neue Freunde gebracht haben. Obwohl Berlin durch Tennis-Rot die Hochburg der Arbeiter-Tennisbewegung ist, war diese Veranstaltung die größte der Berliner Arbeiter-Tennissportler. der gleiches im Bunde so bald nicht an die Seite gestellt werden kann. MBEtTSU Die Fahrten ins Reich/ Berliner Spiele So ergiebig das Pfingstprogramm der Fußballer bei den Fahrten ins Reich war, fo mager sind die eingegangenen Ergebnisse. Es sind immer die gleichen Bereine, die ihre Resultate fo schnell als möglich der Presse zukommen lassen. Wann werden die anderen Mannschaften endlich dahinter kommen und diese so dringend not- wendige Berichterstattung vornehmen? Adler 08 und Eintracht- Reinickendorf weilte» in Sachsen. Die Pankower können mit dem Ergebnis ihrer Reife zufrieden fein. Von den drei ausgetragenen Spielen wurden zwei, gegen Reuölsnitz und gegen Niederwürschnitz mit 4: 2 und 2:1 gewonnen, während das dritte Treffen gegen Borwärts-Chemnitz unverdienterweise mit 4:2 verloren wurde. Der Ersatztorwart hatte in diesem Spiel einen sehr schlechten Tag. Der Krcismeister spielte ain Sonnabend in Leipzig gegen Südost und verlor hoch mit 7: 2. Diese hohe Niederlage ist hauptsächlich aus das vollkommene Ver- sagen des Torwarts zurückzuführen. Gegen Bernburg und Nrenburg »lachten die Reinickendorfer die Niederlage wieder weit. Mit 3: 1 bzw. 5: 3 wurden die sehr hart durchgeführten Kämpfe gewonnen. Der Fußballklub Nord hatte mit feiner Reise»ach Hessen wenig Glück: zwei Niederlagen und ein Unentschieden waren das Ergebnis. Gegen Homberg unterlagen die Nordleute 4: 3, gegen Hersfeld niit 3: 2, während gegen Eschwege 3: 3 gespielt wurde. Bon den in B e r l i n ausgeiragenen Spielen interessierte vor- nehmlich das Treffen Hansa 31 gegen Reichsbanner Ham- b u r g- Eimsbüttel. Beide Mannschaften führten einen Kampf durch, wie er sich besser nicht denken läßt Ruhig, fair und doch im schnellen Tempo wogte der Kampf auf und ab. Bald waren die Berliner im Vorteil, bald die Hamburger. Erst in den letzten fünf- zehn Minuten war ein starkes Nachlassen der Hamburger bemerkbar. Der hohe Sieg von 8: 2 zeigt eigemlich nur die große Schußsicherhcit des Hansa-Sturms, der gegenüber die Hamburger Hintermannschaft machtlos war. Beim Seitenwechsel lagen die Berliner mit 3: 1 in Führung. Nach der Pause hatten sie dann den Wind als Bundes- genossen, mit dessen Hilfe noch fünf weitere Tore erzielt wurden. Mit 8:2 endete der Kampf.— Lichtenberg II hatte sich die zweite Elf von Adler 08 verpflichtet und verlor knapp mit 2: 3. Weitere Resultate: Hansa gegen Schöneberg 6: 3; Hansa 2 gegen Marienthal 1:4: Wacker 30 gegen Pankow 7:1; Wacker 2 gegen Pankow 2 2:4: Adler 08 2 gegen Teltow 2:1: Britz 88 gegen Weißensce 3:2i Britz 2 gegen Rot-Weiß 4:2. Sawall in Front auf der Olympiabahn Am ersten Feiertag hatten sich aus der O l y m p i a- R a d- rennbahn trotz des herrlichen Soimnerwetters nur etwa 4000 Zuschauer eingefunden. Das im Mittelpunkt des Programms stehende 100-Kilometer-Dauerrennen um den Großen P fing st- preis verunglückte insofern, als Krewer und Möller im ersten bO-Kilometer-Lauf durch verschiedene Defekte so viel Terrain ein- büßten, daß an ein Aufholen im zweiten Lauf nicht mehr zu denken war. Möller gewann zwar den zweiten Lauf in großem Etile gegen Sawall, mit einem Rückstand von fast 9000 Meter aus dem ersten Lauf, den Maronnier gegen Dederichs und Sawall an sich gebracht hatte kam er aber für den Sieg natürlich nicht in Frage. Der erste Platz im Gesamtergebnis siel somit an den Bahnmatador Sawall, der, wie schon in seinen legten Rennen, eme sehr gleich- mäßige Fahrweise an den Tag legte. Ein gut besetztes Flieger- Programm für Berufsfahrer und Amateure umrahmte die Dauer- rennen Pflngstprels, 2 X 50 Kilometer: 1. Lauf: 1. Maronnier 45:35,6: 2. Dsderichs 170 Meter: 3. Sawall 380 Meter: 4. Krewer 4970 Meter(Defekt); 5. Moller 8830 Meter zurück>Deiektl 2 Lauf: 1 Moller 45:44,6; 2 Sawall 260 Meter: 3 Krewer 380 Meter: 4 Maronnier 960 Meter, 5. Dederichs 1020 Meter zurück G e- samt: 1. Sawall 99,360 Kilometer: 2. Maronnier 99,040 Kilometer, 3 Dederichs 98,810 Kilometer: 4. Krewer 94,650 Kilometer; 5. Möller 91,170 Kilometer. Berufsfahreromnium: 1. Ahlers 10 P.; 2. Becker 7 P.; 3. Kuhn 5 P.; 4. Wagner 5 P. Amateurpunktefahren: 1. Negd 12 P.: 2. Patzak 6 P.; 3. Lindner 4 P. Medaillonrennen: 1. Böhm: 2. Wesenberg: 3. Rehbein Reichsbanner spielt Hamburg gegen Wedding Wenn das Reichsbanner ruft, ist man eigentlich gewohnt, daß tausende Anhänger kommen. Daß es am ersten Feiertag nicht so war, log wohl in der Hauptsache an der außerordentlichen Hitze, die den Aufenthalt in dem ungeschützten Stadion im Volk-park Reh- berge zur Qual machte. Die Leistungen der beiden Handball- Mannschaften aus Hamburg und der Abteilung W e d d i n g standen auf beachtlicher Höhe. Hauptsächlich waren es die Ham- burger in der ersten Halbzeit, die sich immer wieder die Sympathien der Zuschauer eroberten. Die Weddinger konnten dem sehr schnellen Tempo der Hamburger nicht folgen, so daß die Gäste beim Seiten- Wechsel bald mit 5: 2 in Führung lagen. In der zweiten Spielzeit wurden die Weddinger wohl etwas mehr in Front erwartet: daß die Hamburger sich aber so festhalten ließen, überstieg jedoch alle Erwartungen. Trotzdem langte es nicht zu einem Siege. MiT 5: 4 behielten die Hamburger die Oberhand. Sehr interessant verlief auch der F u ß b a l l k a m p f zwischen einer kombinierten Reichsbannermannschast aus Hamburg-Eimsbllttel gegen H a n s a 31, das die Berliner mit 8: 2 für sich entscheide» konnten. Das Borspiel der Schülermannschaften zwischen Hansa und Adler 08 sah die Pankower mit 4: 2 siegreich. Sonnige Pfingstfahrt Eigentlich war es ja nicht schön, daß einem das Wetter bis fünf Minute» vor Pfingsten im Ungewissen ließ. Boro- und Thermo- Nieter trieben geradezu Schindluder mit der treuen Schifferseele und den Blick nach dem Himmel zu richten wagte man schon gar nicht mehr. Aber dann gings schließlich am Psingstsonnabend doch los. Fleisch-, Wurst- und Kuchenrationen waren zugunsten des Benzin- einkaufs verkürzt worden, den» wenn bessere Zeiten schon die An- schaffung einer kleinen Wassermuckepicke erlaubten, so will man doch mit ihr fahren. Und das besonders zu Pfingsten. Haoelabwärts gings. Man ist objektiv und konstatiert: die gefährliche Landzunge bei Sakrow ist abgebaggert, die Mittelalter- liche Seilfähre durch eine Motorfähre ersetzt— freie Bahn dem Wasseroerkehr! Die am Ufer verankert liegenden Wasserbudicker haben ihre Läden„neu renoviert" und optimistischerweise ver- größert. Die sommerlichen Wetteraussichten lassen Konjunktur in Badeanzügen(bei denen es nicht viel anzuziehen gibt!) erhosten, so daß sich die Reklame für sie in Gestalt schwimmender Restaurants niit der Gratisabgabc von Erfrischungen bezahlt machen wird. Es ist erfreulich, daß sich trotz der Schwere der Zeit noch viele Menschen ein Kähnchen halten können, auf denen sie, unabhängig von qualinenden Dampfer», ihre Pfingsttour in der Natur machen können. In Krampnitz hat die Havel-Aktionagruppe Schwarzrotgoid ein großes Zeltlager arangiert, zu dem viel Gäste aus den Kreisen republikanischer Wassersahrer eingetroffen sind. Sehr oft ist auch der Biindeswimpel des Arbeiter-Turn- und Sportbundcs zu sehen. Potsdam komint in Sicht, die Kuppel des Observatoriums be- kommt schon etwas vom Abendsonnenschein ab. Parks und Villen an der Glicnicker Brücke lassen in ihrer Wohlgepflegthcit treffende Rückschlüsse auf den Vermögensstand ihrer Besitzer zu: im Luftschiff- Hafen machen wir fest zur Uebernachlung. Segler und Motorbootfahrer sind Frühaufsteher, Wer Caputh, Werder, den herrlichen Göttinsee und weiter Paretz, Ketzin in Muß« genießen will, darf nicht erst auf die Dampfer aus Berlin und Potsdam warten. In Deetz, nicht mehr weit von Brandenburg, hatten sich die Segler unter dem Wimpel des Freien Sealerverbandes versammelt, Sie hatten einen prächtigen Scbiebewind bis dorthin, die Havel hin- unter ginge wie der Deibel, auf der Heimfah.t Machte da- Kreuzen gegen den Wind dann allerdings aus dc> Meile sieben Vierte! Aber zunächst waren wir in Deetz, zwei schöne, jonnig« Tage lang. Wir fanden das alles sehr schön, beneideten sogar die Ziegelei- arbeiter um die Schönheit der Natur, in der sie wohnen dürfen, mußten aber doch den Verdienst von zwanzig deutschen Reichsmark für den vollarbeitenden Ziegeleiarbeiter als sehr gering anerkennen. Summa summarum: Wie sich das Wetter doch ändern kann. Trübe Aussichten brachten uns am Ende ein Pfingsten, an das wir lange denken werden— in dieser benzinteuren Zeit! Rleiner Sport von überall Das von der Havel-Aktionsgruppe Schwarz-Rok-Gold Potsdam in diesem Jahre wieder veranstaltete Pfing st Zeltlager in der Krampnitz war ein voller Erfolg, lieber 100 Boote der Havelvereine, vor allem des Veranstalters und der freien Kanu-llnion hatten sich zusammengefunden, um für den republikanischen Wassersport Zeugnis abzulegen. Daneben fanden sich auch zahlreiche sympathisierend« Ein- zelfahrer ein. Die Tennismeisterschaft von Berlin beim Rotweiß-Turnier ge- wann der Prager Roderich Menzel mit 6:4, 6:3, 6:3 gegen den Franzosen Brugnon. Englands Fußballmeister konnte in Breslau gegen die deutsche Nationalmannschaft nur unentschieden 3: 3 spielen, nachdem die Deutschen bei der Pause mit 2: 1 geführt hatten. Die Berufssußballsplelerels von Chelsea enttäuschte in München gegen den FC. Bayern, obwohl sie mit 2: 1(1: 1) gewann. Internationales Ringkampf-Turnier im Sportpalast. Der Inter- nationale Ringerverband wird nach den Feiertagen an dieser größten Sportstätte Berlins die Ausscheidungskämpfe zur Europameisterschaft in zwei Klassen(Schwer- und Mittelgewicht) zum Austrag bringen. Rennfahrer Pijnenburg verunglückt. Das Opfer eines Automobil- Unfalles ist der bekannte holländische Sechstagefahrer Pijnenburg geworden. Er fuhr in der Nähe von Tilburg mit seinem Wagen beim Ueberholen auf ein unbeleuchtetes Fahrzeug auf, wobei sein Auto in Trümmer ging. Pijnenburg zog sich schmerzhafte Ver- letzungen zu, u. a. ergab die Untersuchung den Anbruch einer«chulter. kerien-hmclerscmderzuge Dos Landes-Wohlfahrts- und Jugendamt macht darauf aufmerk- fam, daß es auch in diesem Jahre wieder möglich ist, erholungs- und hilfsbedürftigen Kindern, die während der Sommerferien zur Erholung verreisen wollen, eine Fahrpreisermäßigung von 75 Proz. zu gewähren. Die Ferien-Kindersonder- züge oerkehren von Berlin aus noch fast ollen Gegenden Deutsch- lands. Die Führung und Begleitung der Kinder liegt in den Händen erfahrener fürsorgerischer Kräfte. Da die nach den gleichen Richtungen fahrenden Kinder zu Sammeltransporten oder Kinder- fonderzügen zusammengeschlossen werden müssen, ist es notwendig, bereits jetzt— spätestens aber bis zum 20. Mai d. I.— die Anmeldung bei dem für die Wohnung der Eltern bzw. der Angehörigen zuständigen Bezirks-Wohlsahrts- und Jugendamt, Abteilung Er- holungspflege, zu bewirken. Dort werden auch alle weiteren Aus- künfte über die Boraussetzungen für die Gewährung der Fahr- Preisermäßigung(Erholungs- und Hilfsbedürftigkeit), die schulärzt- liche Untersuchung, den ermäßigten Fahrpreis, den Reiseweg, die Zielstation, den Hin- und Rückreisetag usw, bereitwilligst erteilt. Verspätete Anmeldung stellt die Gewährung der Fahrpreisermäßi- gung in Frage._ «ti kurter . WWVMWVWWWWWW MW. — Freie Photuxereiniguag: Donnerstag, 19. Mai, A Uhr, Phnsikzimmer der Schule Pank. Ecke Wiekenstraßc. Portrag. Tourlsten. Verein„Die Äatursreunde". Donnerstag, 19. Mai. Naturkund. liche Abteilung, Iohannisstr. tä: Naturphotoaraphic.— Photo-Arbeitsgemein» lchaft Nowack, Iohannisstr. 15.— Streichorchester bei Weihenberger, S. 59, Frei. ligrathstr. 9.— Rosenthaler Lorstadt: Weinmeisterstr. 1vi17: Ecburtenregelung. — Tiergarten: Lehrter Str. 18/19, Zimmer 1: Kunstgeschichte und Sttlkunde.— Aumboldthain: Böttgerstr. 17: Turnhalle 17.15 bis 19.15 Uhr.— Humboldthain: Pank. Ecke Wiesenstr.: Singekreis.— Prenzlauer Berg: Danziger Str. 82, La. —... Wien".'— rocke II: Lichtbilder:„Paucrischer Wald — Slldwest: Vorstadt: Lorhing, Ecke Graunstrahe: Nachklänge zur Pfinßstsahrt.— Arbeits, gcmeinschalt Lindenhos: Abendspaziergang zur Baumblätc im Slldgeländc. Sportkartcll Eharlvttenbnrg. Mittwoch, 18. Mai, 19.30 Uhr, Techniker- sitzung aller Bereine nicht bei Adler, sondern bei Koffkc, Kaiserin.Augusta. Allee 81, Ecke Sämmcringstrahe. Sportkartell Ehorlottcndnrg. Mittwoch. 18. Mai, 19>z Uhr, Techniker- sitzung, nicht bei Adler, sondern bei Kosske, Kaiserin.Augüsta.Allee 81. Ecke Sömmeriugstraßc. Volkssport, Neukölln. Britz, Soortabtcilnng. Dienstag, 17. Mai, kein Trai. ning im Stadion. Wir trainieren aus dem Sportplatz Treseburger Ufer, ab 18 Uhr. MltairnH nur im Mai Schwerhörige Modellen nnren solon wMder mildem äntlich empfohlenen ORIGINAL- AHLST1H- APPARAT mu nenesiem HielntiOrer! — Noch Besseres gibt es nicht!— Deu'sdie Akostik Gesellsdiaft m. d. H. Aelteste u. Illhrende Sperialfabrik Verkaut u. Vorführung: Beriin-wiiinerstlarf. mouttr. 43 Berlin, xiosteretr. 44 ReinlcKendori-osi, snenzer Str. 4 Verl.Sie hauptkatalog 16 kostenlos! AufWunsch Zahlungserleichterung PK zilliHhnfsttllM Filter, slmllich: x-r.unt EriaUteiie.Jilusl.|| «ss» Prsisü�B graifi XsCanüaso. PumoTihbrik. Beriln N 65| �aidttnderftr Strato 95. Mercedesfaltdoote Zelte, Zubehör. 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