Morgenausgabe Mittwoch Xlf«-�ans. � � vX 18. M 1932 JIl Groß-Lerlin 10 Pf. W W �nar mTö W U«»l � � Auswärts � pf. lung in. Hau?) im voraus zahidar.-AB KU EH(fl l_- W> HM IM WV WA // RB osaa�M�' Voslbezug Z.S7 M.«mschlicßlich so Pf. Ir�MN WS WI SSEq V®S B| Hf BB EH W»/«93 f®»— // P-uzeitungs- und 72 Pf. Pvstd-fiella«« /SjSix! L�«® Wj»H WW— BB B| Bjel Ba M kZW W j Wg MZ //?i-«lili oa ll.«lllmiklerzeiik»v Pf. !�Ihren.AusIanSsa>>vnnement».ssM. i-ZW? toS �Si Kl BW HB HH Hm Hl»>— Mai /> R-IIamezeile 2.— M.„krleine An- vro Monat: für Lander mit ermäßig» V WW i mSi\ GH gM SB Hl HB BH BH|H Hh BH JfffYGiTiailT i- zeigen" das leiigedruckle Barl M Pf. tem Drucklachengorlo 4.es M.- WÄ I HW' im s WH.\ �H\ LBk\ HB WW(juIüfUgAmei setlaedruckteWorie'.i-des I fal Mi HB JOB H| �ir Hil weitere Wort 10 Pf. Raball It. Tarif. « HM I HHi| �B t /r Worte iiber lö Buchstaben zähle» für «»>-. � I»Zt I BaLv jEKSrnT-~l"*/ �w/ SH zwei Worte. Arbeitsmartt Millimeter. »er.Vorwärts erfcheint wocheniäg» D�z�l // 89 zeile 25 Pf. Familienanzeige» Milli- lich zwemial. wonntags und Montag, �W/ meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme ÄSÄistÄ„.,. wi�k Qrf. �.za/ aaa'S�rtrw —-v»v-—-ödsttSISI? 2?llwS?PiÄll ssssaaasxssa Jentralorgan der Sozialdemokratische« Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 sfernspr.: Dönboss(k T) 292—297. Tilegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. London. 17. Moi.(Eigenbericht.) Die japanische Armee hat sich geweigert, einen Kriegsminister zu nominieren. Sie hat dadurch die Kabinctt-bildung aus dem üblichen Wege unmöglich gemacht. Es ist deshalb mit einem Ka- binett des f a s ch i st i s ch e n Führers I r a in u n a zu rechnen. Di« Entscheidung kann jedoch nicht vor Freitag fallen, jedenfalls verlauft die Entwicklung in einer gefährlichen Richtung. Die Beurteilung, welche die Loge im Osten zwischen China und Zopan, wie sie infolge der inneren Ereignisse in Japan ent- standen iff, in London ersähet, ist nicht einheitlich. Einig Ist man sich allerdings darüber, dafz, wenn als Ergebnis der auhcr- ordentlichen Krise in Japan der Einsluh des Militärs aus die Politik wächst, wie das anzunehmen ist. die Mandschurei mit noch größerer Gründlichkeit japanischem Einstuß unterstellt werden wird, als dos sonst der Fall gewesen wäre. Wenn eine japanische Militärdiktatur, ohne Rücksicht auf einen Krieg mit Rußland, etwa Truppenbewegungen in der Mandschurei vornimmt, oder wenn sie Bahnbauten in Angrisf nehmen sollte, die die chinesisch-russlsche Linie wertlos inachen wlirden, so würde die Friedensliebe der Russen auf eine äußerst Harle Probe gestellt und die Gefahr eines K r i eg e s im O st« n nähme greifbare Gestalt an. Diese Gefahr wird um so größer, wenn man berück- sichligt, daß selbst vorsichtige japanische Politiker zum Teil glauben, daß sich die Politik des japanischen Einflusses in der Mandschurei auf die Dauer nicht ohne direkte Annektiön durchführen lassen werde. Diese aktuelle Gefahr, die zu realisieren die europäischen Staats- männer wenig Anstalten machen, erkennen der„Daily chcrald" und der„Manchester Guardian". Die.„Times" dagegen, die eher die Ansichten des englischen Auswärligen Amts wiedergeben dürste, sieht es in einem Leitartikel als„vernünftig" an, daß die japanische Armee noch lange Zeit in der Mandschurei ihr« Herrschast aus- üben werde. * Wenn eine ausgesprochen faschistische Regierung nach dein Willen jener militärischen Kreise gebildet wird, die so- eben ihren vor keinem Verbrechen zurückschreckenden Fana- tismus bewiesen haben, dann wächst tatsächlich die Kriegs- g e f a h r im Fernen Osten ungeheuer. Sogar unter den bisherigen Regierungen, die nach Ansicht der Militärs zu schlapp waren, gestaltete sich die Lage an der mandschurisch- sibirischen Grenze von Woche zu Woche ernster. Wenn ober erst die Militaristen in Tokio offiziell und ungeniert regieren dürfen, dann sind in der Tai die schlimmsten K o m p l i- k a t i o n e n zu befürchten. Paris. 17. Mai.(Eigenbericht.) Im„Papula ire" spricht sich Leon Blum für die Bil» dung eines Linkskabinetts mit sozialistischer Be- t e i l i g u n g aus. Blum begründet dies folgendermaßen:„Eine Weigerung der Sozialisten, an der Regierung mitzuarbeiten, würde zweifellos eine große Enttäuschung im Volke hervorrufen. Das Lano möchte nicht ein zweites Mal der Früchte seines Sieges beraubt werden, und ich kann, ohne jemand zu verletzten, jagen, daß es vor allem auf uns zählt, um sich diese Früchte zu sichern. Selbst bei den radikalen Wählern rechnet man auf die Wirksamkeit unserer Gegenwart und unserer Aktion." In einem zweiten Artikel setzt Leon Blum die Mindestbedingun- gen sür die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung ausein- ander. Nach feiner Ansicht müßte die Mitarbeit der Sozialisten eine entscheidende Etappe auf dem Wege der sozialen Gerechtigkeit und des Friedens darstellen. lieber die Bedingungen schreibt er:„Nur unser Parteikongreß wird in souveräner Weise die Beschlüsse sasscn können. Niemand kann jetzt etwas anderes als Eindrücke und per- jönliche Wünsche formulieren. Ich habe die meinigen in Rar- bonne bekanntgegeben und ich glaube immer noch, daß die drei Maßnahmen: sofortige Herabsetzung der Militär. kredite. Erweiterung der Sozialversicherung und Nationalisierungg der Versicherungs- und Eisen- bahngesell jchasten. ein zugleich.genügendes und notweüdi- ges Programm bilden. Ich habe diese Bindungen nicht zusällig ge- wählt, sondern sie den gememsamen Programmen der sozialistischen Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Riesengroß ist dabei die moralische V e r- antwortung des Völkerbundes und der Mächte. Erst ihre erbärmliche Nachgiebigkeit gegenüber Japan im Anfangsstadium des Konfliktes mit China hat die jopani- scheu Militaristen übermütig und übermächtig werden lasten. Anstatt den Ansängen zu wehren, hat man Zeit gewinnen wollen, die Situation aber dadurck) nur katastrophal ver- schlechtert. Man hat unter Preisgabe des Völkerbundstotuts, des Kellogg-Paktes und des Neunmächtevertrages China dem japanischen Raubzug preisgegeben und darüber hinaus die Gefahr eines ncuen Weltbrandes durch einen Krieg zwischen der Sowjetunion und Japan unmittelbar herausbeschworen, der bei einer anderen Haltung der Mächte niemals in den Bereich der Möglichkeiten hätte treten dürfen. Eine besondere Schuld an dem Versagen des Völker- bundes und an allen weiteren Folgen trägt die van den Kon- ssrvativen beherrschte englische Regierung. Vielleicht spielte bei ihr. und auch bei den Franzosen, der Hintergedanke eine Rolle, daß es nichts schaden könnte, wenn Japan die Initiative zur großen kriegerischen Abrechnung mit dem Bolschewismus ergreife. Vollständig versagt hat dabei auch die deutsche Diplomatie, hie zwar der- artige Verwickelungen keineswegs wünschte, aber zu kurz- sichtig war, um sie vorauszusehen, und die zu kleinmütig war, um sich entschlossen an die Spitze der Bewegung zugunsten eines wirksamen Schutzes für China zu stellen und diese Rolle ausschließlich den kleineren neutralen Staaten in Genf überließ. Noch größer, würde die Gefahr einer neuen Weltkata- strophe werden, wenn auch noch in Deutschland die N a t i o- n a l s o z i a l i st c n ans Ruder kämen. Denn der einzige positive außenpolitische Programmpunkt der Hakenkreuzler ist die würdelose Anbiederung an die Anti» bolschewistcn aller Länder. Ein humoristisches Dementi. Tokio. 17. Mai. Das japanisch« Kriegs Ministerium erklärt, daß die in letzter Zeit in der ausländischen Presse oerbreitete Nachricht, in Japan sei der Kriegszustand erklärt worden, nicht den Tatsachen entspreche. Die Armee bleibe unpolitisch(!) und werde sich nicht in das politische Leben einmischen(!!). und der radikalen Partei entnommen. Denn jede dieser drei Maß» nahmen stützt sich auf die letzten Beschlüsse wie auf die älteste Tra- dition oer radikalen Partei." Belgische Regierungskrise. Oer alte(Streit um Sie(Sprochenfroge. Brüssel, 17. Mai.(Eigenbericht. 1 Tie lang erwartete Regierungskrise ist aus- gebrochen. Ministerpräsident Renkin hat am Tiens- tagnachmittag dem König den Rücktritt des Gesamt- kabinetts überreicht. Renkin machte am Dicnstagvorinittag einen letzten Versuch, die katholischen und liberalen PartBisührcr seiner Mehrheit noch zu einem Kompromiß über die Sprachenfrage im Unterricht zu be- wegen. Es war vergeblich. Di« Flamen wollten nichts von einer Aenoernng ihres Standpunktes hören, während die Liberalen auf ihrem Schein, d. h. auf die Einlösung des ihnen von Renkin ge- gebenen Versprechens drängten. So blieb dem Ministerpräsidenten nichts übrig als der Rücktritt. In Regierungskreisen wird behauptet, die Krise werde dadurch geläst, daß oic Regierung Renkin mit einig«» P«rsonaländerungen wieder erscheint. Der Zweck de» Rücktritts und die Neubildung der Regierung wäre demnach im wesentlichen der, Renkin zu crmäg- liehen, sich von den Zusagen, die er den Liberalen in der Sprachen- frag« gemächt Hot, zu lösen und als Chef einer neuen Regiehing ein« den Flamen genehme Lösung vorzuschlagen. Es bleibt obzu. warten, ob dieses etwas eigenartig« politisch« Manöver gelingt Postscheckkonto: Berlin 37 536.— Bankkonto: BankderÄrbellcr.Ängestcllien und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Tisc.-Gci., Depostlenk..Icru!aIemer Str. 65:66. Das„kaiserliche" Rom. Not und Schmutz hinter glanzvollen Kulissen. Locarno. im Mai.(Eigenbericht.) „Dein Reich komme" beten die Nazis in Deutschland und sehen andächtig zu Hitler auf. In Italien ist es schon ge- kommen, mit einem Staatsdefizit von zweieinhalb Milliarden Lire, mit Leuten, die Schlange stehen um Bettelsuppen, mit einer Obdachlosigkeit, von der man in der ärmsten Zeit keine Vorstellung hatte. lind die Hauptstadt dieses Reiches ist das „kaiserliche Rom", in dem ein moderner Nero zwar nicht Brände entfesselt, aber aus ästhetischen Gründen die Leute aus ihren Wohnungen vertreibt. „In Rom ist keine Wohnungsnot" sagen die Fremden, die die vielen leeren Wohnungen in der Haupt- stadt sehen, wo ganze Straßenzüge zu vermieten sind. Und dann freuen sie sich über die freigelegte Kaiserfora, freuen sich, daß in diesen Zeiten platter Not noch eine Regierung da ist, die Geld und Energie hat, den Spuren vergangener Größe in der Erde nachzuforschen. Aber sie kümmern sich nicht darum, daß die für diese Ausgrabungen niedergelegten Häuser Tausenden von Proletariern Obdach gaben, und daß der Faschismus wohl das Geld findet, um vergangene Größe aus der Vergessenheit zu ziehen, nicht aber, gegenwärtiger Not abzuhelfen. In runder Zahl sind durch die Ausgrabun- gen um das Kapital zehntausend Menschen exmittiert worden. Es gibt nur ein modernes und halbwegs menschenwürdiges Obdachlosenasyl in Rom, das im Quartier der Garba- tella, vor dem Tor von San Paolo. Dies zeigt man den Fremden. Zsber es gibt andere Asyle, die man nicht zeigt, und die sind so beschaffen, daß sie sich in Dantes Hölle sehen lassen könnten. Das größte und fürchterlichste ist das des „Fcrno Militare", auf dem Esquilino, wo die Familien in Box-Abteilungen.schlafen wie in Pferdeställen. Keine Klo- setts, keine Tagesräume, keine Heizung, die gemeinsame Küche völlig unbenutzbar, so daß die Leute auf Petroleum- kochern oder Spirituslampen kochen. In einer solchen„Box" hausen neun Personen, Vater, Mutter, sechs Kinder und Großmutter. Die Mutter ist vor kurzem niedergekommen, ein Kind hat Rippenfellentzündung. Der Lärm und Gestank, der aus den nur durch eine dünne, mannshohe Scheidewand abgetrennten Nebenräumen dringt, ist unerträglich. Wasser ist knapp. Im Winter kommt man vor Kälte um und im Sommer vor Ungeziefer. In vorfaschistischer Zeit, unter der Verwaltung der Radikalen mit dem Bürgermeister Nathan, erhielt jeder in der Abfallbeförderung angestellte Arbeiter Dienstkleidung, die auf städtische Kosten gewaschen wurde: einen Sweater und einen Kittel in der Woche. Im„kaiserlichen Rom" von heute ist das abgeschafft. Die Löhne sind so gering, daß diese Arbeiter, die in Säcken den Abfall aus den Häusern holen, fast alle in einem der Obdachlosenheime schlafen müssen. Da verpesten sie alles mit ihren schmutzigen Anzügen, die sie selbst waschen lassen sollten und nicht waschen lassen können. Eine besondere Qual für die Obdachlosen ist die Nähe eines solchen Arbeiters, dessen Zeug stinkt und Krankheiten ver- breitet. Dabei gibt es in Rom keine Volksküchen und Suppen Verteilungen, wie sie der Faschismus in allen anderen Städten eingerichtet- hat. Für Rom ist das nicht kaiserlich genug, wenn sich das Elend so zusammen- staut. Da haben nur die Nonnen und Mönche Ausspeisungen eingerichtet, und die Kasernen verteilen einen Teil der den Soldaten oder Carabinieri zugedachten Nahrung. Rom hat andere Bedürfnisse. Dort hat man jetzt auf Staatskosten in nächster Nähe der Villa Torlonia, wo Mussolini wohnt, eine große Villa gemietet. Sie kostet die Bagatelle von 560 Y()6 Lire im Jahre und soll die jetzt dem Premierminister gesetz- lich zugesprochene Militäreskorte dauernd beherbergen. Da wird die für die Sicherheit des Premierministers bestimmte Geheimpolizei hausen, die Politische Polizei, Polizisten in Uniform, Carabinieri, Miliz und die Musketiere Mussolinis. Es wird eine Zlrt Kasernenpotpourri sein. Man wird dort die Kanonen unterbringen, deren Böller bei osjizicllem Auf- treten Mussolinis in Funktion treten, das Musikkorps, kurz, all das Drum und Dran, was der„Sohn des Schmiedes" nicht entbehren kann, will er sich vor der Liebe seines Volkes schützen. Und dieses Schutzes kann Mussolini nie genug haben, nie soviel, wie seine Angst es verlangt. Da ist die Angst vor antifaschistischen Flugzeugen. Seit Bassanesi über Mai- land und De Bosis über Rom geflogen ist, hat man einen besonderen Nachrichtendienst eingerichtet, dessen Mittelpunkt der Palazzo Viminal. der Sitz des Ministeriums des Innern. ist. Leder Flugapparat, der über die italiemsche Grenze Faschistenkabinett inIapan? Kriegsgefahr rückt näher. Blum für Regierungsbeteiligung. Die Vedingungen der französischen Sozialisten. Kube an die Sie soll den Nazis in Preußen die Leiter halten. Am nächsten Dienstag hält der neue Preußenlandtag seine erste Sitzung ab. Sie wird ntm einem nationalsozialistischen Alterspräsidenten, dem General a. D. L i tz m a n n, geleitet werden— das ist das einzige so ziemlich Gewisse, das man über sie aussagen kann. Alles andere ist ungewiß. Normalerweise obliegt es dem Landtag, sich zunächst ein Präsidium zu geben und dann— da die gegenwärtige Re- gierung ihren Rücktritt erklären wird— einen neuen M i n i st e r p r ä s i d e n t e n zu wählen. Die Wahl eines neuen Ministerpräsidenten setzt nach den Bestimmungen der Geschäftsordnung das Vorhandensein einer Mehrheit voraus. Die Nationalsozialisten haben nicht die Mehrheit, sie wollen aber trotzdem die Regierung haben. Also werden sie ver- suchen, die vom alten Landtag geänderte Geschäftsordnung noch einmal zu ändern, und zwar so, daß im zweiten Wahl- Zang mit Stichwahl gewählt wird. Dann hoffen sie bei Stimmenthaltung der Kommunisten zu siegen. Aber ehe es soweit ist, daß die Kommunisten durch Stimmenthaltung den von Hitler bestimmten Mann zum Ministerpräsidenten machen können, erwartet man noch einen anderen Liebesdienst von ihnen. Sie sollen den Nazis helfen, die vom alten Landtag beschlossene Acnderung der Geschäfts- ordnung wieder rückgängig zu machen. Mit schönster Offen- heit setzt Herr Kube in der Nazipresse das feine Plänchen auseinander: Wir Nationalsozialisten werden sofort noch der Konstituierung des neuen Preußischen Landtags die W i c d c r h e r st e l l u n g der preußischen Geschäftsordnung in der Frage der Wahl des Ministerpräsidenten beantragen. Stimmen die Kommu- n i st e n zum Tank für die Tätigkeit des Reichskanzlers Dr. Brüning gegen unseren Antrag, der die relative Mehrheit bei der Wahl des Ministerpräsidenten fordert, so heißt das, daß die Kommunisten auf jeden weiteren politischen Kampf in und um Deutschland und Preußen verzichten und gehorsam die Brosamen, wie die k l a t- s äi enden Ohrfeigen aus der Zentrumshand entgegennehmen. Uns kann das recht fein: denn bei einer derartigen Kapitula- tion der Kommu ni st en vor dem Zentrum geht die Kommunistische Partei frü!>er oder später zugrunde. Stimmen aber die Kommunisten für unseren Antrag oder enthalten sie sich auch nur der Stimme, dann sind die Tage des Gescho-ts- Ministeriums Braun, Seoering, Klepper, Griimne gezählt. Herr Kube hat soweit ganz recht: die Kommunisten brauchen sich nur zweimal der Stimme zu enthalten, einmal bei der Abstimmung über die Geschäftsordnung, das andere mal bei der Wahl des Ministerpräsidenten, dann wird zum preußischen Regierungschef der Mann gewählt werden, den Hitler dazu bestimmt hat. Allerdings wird er sich darauf gefaßt machen müssen, ein Mißlrauensvotunr zu erhalten, ober auch das wird ihm nichts ausmachen. Denn die Kam- inumsten brauchen sich nur ein drittes Mal der Stimme zu enthalten, dann wird der national- sozialistische Ministerpräsident nach seinem Sturz durch die Landtagsmehrheit in der Stichmahl wiedergewählt. Kube warnt die Kommunisten vor den Folgen, die es für sie haben müßle, wenn sie sich für das Zentrum als das kleinere Nebel entschieden: von den Folgen, die es für sie hätte, wenn sie den Nazis zur Macht verhelfen wollten, spricht er nicht, und das ist ja eigentlich auch gar nicht notwendig. Jeder weiß, daß es den Kommunisten dann genau so gehen würde wie den Fröschen der Fabel, nachdem sie den Storch zu ihrem König gewählt hatten. Im neuen Preußenlandtag können die Kommunisten den Nazis nicht helfen� wenn sie nicht geradezu Selbstmord begehen wollen. Spitzfindige Theorien und dröhnende Parolen befreien sie nicht von der Notwendigkeit einer schwierigen Entscheidung... Die Polizei im KubeOfoich. Tiaiionalsozialisten und Schrader-Berband. Der Führer der preußischen Nationalsozialisten, Landtagsabgc- ordneter Kube, hat in Kassel in einer Bersammlung ausgeführt: „Auch die Polizcibeamtenschast hat das Recht, bei uns vertreten zu'sein. Für den Schrader-Verband, der unter dem System zum Dcnunziantenverein geworden ist, werden wir so- fort ein Verbot fordern, nicht weil wir gegen die Beamten sind, sondern gerade weil wir dem Beamten sein Recht gönnen. Das gleiche gilt auch für die Republikanische Beschwerdestelle." Die„Preußische Polizcibeamten-Zeitnng" bemerkt dazu:„Wie die Nationalsozialistische Partei bei Rcgicrungsübernahmc diese Ankündigung mit den verfassungsrechtlichen Bestimmungen über die Vereinigungsfreiheit der Beamten in Einklang bringen will, das müssen wir ja jelbsloerständlich dem Herrn Abgeordneten Kube über- lassen." fliegt, soll sofort signalisiert werden, und cs sollen allezeit Militärflieger bereit sein aufzusteigen, um den gefährlichen Flieger abzuschießen. Wenn die Leute nur nicht in ihrer Dieusteifrigkcit eines Tages einen harmlosen Touristen zur Strecke bringen! Gleichzeitig werden in Mailand auf den Dächern und Terrassen einiger öffentlichen Gebäude Ma- schiuengcwehre für die Luftabwehr aufgepflanzt. So wird auch der Himmel des neuen Reichs unsicher gemacht. Unter diesem stzimmel passiert aber— auch abgesehen von Massenelend und Cäsarenwahnsinn— allerhand, was den Ländern, die nach nicht zum Dritten Reich gelangt sind, a!s Vorgeschmack Interesse einflößen sollte. Da war die Provinz Pisa mit einem ganz besonders schneidigen Vertreter des faschistischen Regimes geschlagen: einem gewissen Alessandro Earasi, Offizier der Miliz, früherer Podesta einer kleinen Stadt. In der„heroischen Zeit" war der Mann ein berüchtigter Squadrist, der sich selbst vorzustellen pflegte:„Leutnant Carosi, sieben Morde". In der unheroischcn Zeit wandelte sich ihm der Lorbeer in Bank- noten, der Heroismus des Bürgerkrieges in Sadismus. In der ganzen Provinz, deren faschistischer Parteileitung Carosi angehörte, nannte man ihn den Kannibalen. Er hatte ver- schiedene Geliebte, von denen er zwei nötigte, gleichzeitig in seinem Hause zu leben: von mehreren von ihnen hatte er Kinder. In dem Schloß Guarda-Stalla, wo er ein Jahr gehaust hat, sieht man noch heute die Siegel, die er an der Tür seiner Geliebten anzubringen pflegte, wenn er sich ent- fernte, um zu einer anderen Frau zu gehen. Dieser Carosi hat nun eine Frau, mit der er seit Iahren in ehelicher Ge- mcinschaft lebte, ermordet, in Stücke geschnitten und diese Stücke in Paketen in der Provinz Pisa verteilt. In Gemein- schaft mit einer Geliebten fuhr er im Auto herum, um die Reste loszuwerden. Bei der Verbrennung des Rumpfes wurde er ertappt und verlsaftet. Die Sache kam in die Zeitungen, che die Presse sich darüber klar wurde, daß der Mörder eine der Säulen des Regimes war, eine der Perlen von Mussolinis Krone, ein echter Faschist...' Nicht umsonst beten manche in Deutschland:„Dein Reich komme", denn, was da kommen soll, bietet große Möglich- testen, ganz andere als so eine korrupte Demokratie. SA.-Zuzug nach Nanzig Was wird dort geplant? D a n z i g, 17. Mai.(Eigenbericht.) Tic in der Freien Stabt Tanzig noch nicht verbotenen militärischen Formationen der Hitlcr-Partei haben in den letzten Tagen einen starken Zustrom aus Teutschland erhalten. Man hat vor allem den durch mehrere größere Tagungen verschiedener Vereine verstärkten Fremden- verkehr benutzt, um den Zuzug möglichst unauffällig vollziehen zu können. Lbwohl sich bie Hakenkreuz. soldaten im Tragen ihrer Uniformen augenblicklich wieder Znriick Haltung auferlegen, ist bei den Felddienst- Übungen, dir auf dem Lande selbst während der Feier- tage durchgeführt worden sind, eine wesentlich stärkere Teilnehmerzahl festgeftelst würden. Gelb! Untemehmer lehnen unter Verufung auf die Hitler-Partei Tarifverhandlungen mit dem OHD. ab! Vraunschweig. 17. Mai.(Eigenbericht.) Der Braunschweiger Aeschäitsführer des Deutschnatia- valen Handlung saehilfenverbandes. ein Herr Stein, eifriger Anhänger und Propagandist der Naziport«, iinr bei dem Unternchmcrnsrband wegen Neiiabschwsses eines Tarifes vorstellig geworden. Der Syndikus dieses Verbandes, Droege, er- klärte ihm: „Was wollen Sic denn eigentlich, Herr Stein, Ihre Partei lehnt doch die Tarife ab. Als kürzlich der Leiter Ihrer Ncichswirtschaftsabtcilung. Herr Tr. Wagner ans München, in Vraunschweig war, hat er in einer Sitzung mit hiesigen Wirtschasts- sührcrn klipp und klar erklärt, daß die NSTAP. jeden Tarif ablehne." Diese Antwort, die in den Kreisen des Deutschnationalen Hand- lvnesaehilsenvcrbandcs bekannt wurde, l)at große Empörung ausgelöst. Vergeblich suchen die Nazis das Doppelspiel ihrer Partei- sührcr zu tarnen. Ley und Konsorten. Was sie zu ihrer?iohcitstat zu sagen haben.' Der Nnzireichstagsadgcordnete L e y, der wegen des Ileberfalls auf Otto Wels und den Kölner Polizeipräsi- denken B a u k n e ch t zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, schreibt im nationalsozialistischen„Angriff": „Die Verhandlung begann morgens um kt Uhr. Gleich von Anfang an gingen wir zum Anariis über, und Bau kn echt und Wels mußten manch bittere Wahrheit schlucken. B a u t n e ch t verwickelte sich jedoch derartig in Widersprüche, daß wir ihn bereits wegen Meineids angezeigt und ein Disziplinar- »erfahren gegen ihn als Polizeipräsidenten beantragt haben. Nun folgten weitere„Belastungszeugen", die aber immer mehr zur Entlastung für uns und zur Belastung für Wels und Bauknccht wurde». Wir konnten uisbedingt mit einem glatten Frei- spruch rechnen. Tann kam�Bauknccksts Hauptzeuge Eck. der Page des Hotels Dcis. Der Zeuge Eck hat einen Falscheid geschworen! Leider hohen wir in der letzten Verhandlung aus dieses Moment nicht hingewiesen, in der bcgreiilichen Erregung ist cs vergessen worden. Wir hvsien jedoch, daß wir Eck oach des b° w u'ß t c n Meineides überführen. Anzeige ist bereits erstattet. lind wir hoffen vor allem, die Hinter- un-lJ Dunkelmänner aufzudecken, die Eck zu diesem Meineide verleiteten." Der Mann, der wegen einer Tat von unglaublicher Roheit soeben zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden ist, b-icidigt unter dem Schutze seiner Abgeordneten- immunität die Opfer wie die Zeugen des Ueberfalls auf das infamste! Wir Haffen, daß die Staatsanwaltschaft schleunigst den Spieß umdreht und ein Verfahren wegen wissentlich falscher Anschuldigung auf seine Mcineidsanzeige hin gegen ihn eröffnet. Vorausgesetzt, daß diese Anzeigen wirklich er- stattet worden sind, und daß es damit nicht bestellt ist wie mit den Anzeigen des Herrn Hitler, von denen die Presse- stelle des Braunen Hauses sehr viel zu erzählen weiß, von denen aber weder die Staatsanwaltschaften noch die angeb- lich Verklagten etwas zu sehen bekommen. Mit den Grundsätzen, die in der Auslassung des Prügel- Helden Ley hervortreten, wollen die Nationalsozialisten" in Preußen regieren. Wer bei» den Nazis mißliebig ist, wird überfallen. Wer llaat, wird des Meineids beschuldigt. Im übrigen ist der Ueberfallene schuldig, nicht der Schläger,' denn d-r Ueberfallene hat provoziert. Wieso? Nun. dadurch,.daß er überhaupt geboren ist''Das sind die politisch-moralischen Grundsätze der Lei) und Konsorten, und mit ihnen sympathi- stert das rechtsstehende Bürgertum. Wir gratul:eren dem Bürgertitm, zu den Männern wie zu der neuen Moral, aber auch zu den Folgen, die endlich aus dieser neuen Moral für das Bürgertum herauswachsen werden! Die Nazis an den Llniversiiaten. Grenzen der Nadauagitation.— Erfolgreiche Arbeit der Sozialistischen Siudentenschast. Bor einigen Tagen fanden an der Universität 5) a l l e Studentonwahlen statt. Halle gilt als notionolfozialistischs Hochburg. Wie der Dehn-Skandal bewies, haben die Nazis auf diese Unioersi- tat ihre ganze Agitation konzentriert. Mit einer wüsten Hetze gegen Dehn und den als Republikaner verhaßten Rektor Aubin glaubte man die Mehrheit der Studenten unter den Hitler-Fahncn vor- einigen zu können. Die Studentenschaft hat jedoch den Nazis eine deutliche Absage erteilt. Mit Mühe konnten die Nazis i h r c l 2 M a n d a t e h a l t c n. Es ist ihnen nicht gelungen, auch nur eine Stimme zu gewinnen. Dieses Ergebnis bedeutet eine neue Schlappe des nationalsozialistischen Studentenbundes. Berücksichtigt man die Ergebnisse des letzten Semesters, so wird ohne weiteres klar, daß es dank der intensiven Arbeit der Sozia- listischen Studentenschaft gelungen ist, den Vormarsch der Nazis auf den Universitäten zum Stillstand zu bringen. Bei den letzten Studentenwoblen in München erhielten die republikanischen Studentengruppcn 310 3 Stimmen und l3 Mandate gegen- über 26 2 2 Stimmen und 1 l> Mandaten im Vorjahr. Die reaktionären Gruppen erhielten 4067 Stimmen und 17 Mandate gegenüber 473 3 Stimmen und 2 6 Mau- d a t e n bei den vorigen Wahlen. In Würzburg verloren die Nazis 100 Stimmen, in Gießen ein Mandat, in Erlangen zwei Mandate. Bei den Privatwahlcn an der Berliner Universität kamen die Radaustudenten nur auf 30 Proz. Wohlbeteiligung. 27 Prnz. der eingeschriebenen Studenten stimmten für den Nationalsozialistischen Studentenbund. In Köln war die Wahlbeteiligung sogar nur 22 Proz. lieber die Privatwahlen an der Handelshochschule Berlin schreibt der reaktionäre„Reichsbote", man könne aus dem Ergebnis„auf eine geringe Mehrheit der nationalen Studenten gegenüber den sozialistischen auf d-r lhandelshochschul« schließen". plivier:„Haifische"... Theater der Schauspieler in der Stresemannstraße. Plivier, der radikale Geschichtsschreiber der Mairosenrevolten am Ende des Weltkrieges, verläßt das ernste Thema und schildert das Schicksal der Privackulis auf den Handelsschiffen und im süd- amerikanischen Hafen. Der Schriftsteller, d-r für die Kulis des Kaisers so tapfer gekämpft hat, ist diesmal b-schcidener, und er malt eine blühende und exotische Seemannsromantik aus, in der mächtig getrunken und geliebt wird. Da? bunte Stück gefiel den Zuschauern, die wahrscheinlich nicht viel von der politischen Vergangenheit des g-schickten Stückeschreibers wußten. M. H. An der Hochschule für die Politik erhielt die Liste der Soziali st ischcn Studentenschaft zwei Mandate. eine republikanische Liste der Mitte ein Mandat, eine kommunistische ein Mandat und die Hitler-Liste— die einzige Rechtsliste— ein Mandat. Dort, wo noch nicht der Radcu zum akademischen Stundenplan gehört, sondern wo gerade die wissen- schaftliche Durchdringung politischer Fragen das Studiengebiet ist, hoben sich die Nazis eine glänzende Abfuhr geholt. Auch an keiner anderen Hochschule ist es den Nazis gelungen, ihre Mondatszahl zu steigern. Diese Ergebnisse beweisen,' daß' selkstt an den Hochschulen, wo der natürliche Gegner des Faschismus, die Arbeiterschaft, fast gor nicht vertreten ist, das Kleinbürgertum ober 70 Proz. oller Studenten stellt, die Baume der Nazis nickt in den.Himmel machstn Die Sozialistische Studentenschast wird im neuen Semester mit aller Kraft auf den Hochschulen vorstoßen. Bereits in der ersten Woche im Sommerfemefter, bevor die Vorlesungen allgemein be- gönnen hatten, sind 12 0 Neuaufnahmen erfolgt. Dura') ein« intensive, sich auf alle Hochschulen erstreckende Aufklärungsarbeit wird es gelingen, diese Zahl um ein Pielsaches zu steigern. Die Politik in Anhalt. ?lazi-Londtagepräsivelit/ Am 21. Mai Miniflerwabl. Dessau, 17. Mai.(Eigenbericht) Der Anhaltischc Landtag, der noch seiner Neu- wähl eine Rechtsmehrheik aufweist, trat am Dienslognach- mittag zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Die IS nationalsozialistischen Abgeordneten, die mit einer einzigen Zlusnahme sämllich parlamentarische Neulinge sind, zogen kurz vor Beginn der Sitzung demonstrativ durch die Straßen der Stadt. Tn der Sitzung selbst benahmen sie sich manierlich. Die Nationalsozialisten schlugen als stärkste Fraktion den Ab- geordneten Rechtsanwalt Nicolai zum Landtagspräsidenten vor. Nicolai wurde gewählt, da die Bürgerlichen für ihn stimmten und die Sozialdcmokratcn weiße Zettel abgaben. Vizepräsident wurde der bisherige sozialdemokratische Landtagspräsidcnt Paulick mit den Stimmen der Sozialdemokraten. Die Nationalsozialisten enthielten sich samt den bürgerlichen Abgcardneten der Stimme. Zweiter Vizepräsident wurde der Dcutschnationale Dr. Kränz. Bei der dann vorgenommenen Wahl des?leltestenrats wurde nach dem Grundsatz der Parität verfahren. Die nächste Sitzung des Landtags, die sich mit der Wohl des Ministeriums beschäftigen soll, ist auf Sonnabend, den 21. Mai, an- beraumt worden. Die Nationalsozialisten nennen für diese Wahl als ihren Kandidaten den Rechtsanwalt F r c y b e r g aus Quedlinburg. der gewählt werden dürfte, da die Bürgerlichen ihre Zustimmung bereits ousgelprochen haben. Unentschieden ist noch die Frage, ob das anhaltische Staatsministenum wie bisher von zwei Ministern gebildet oder od der Ausforderung der Nationalsozialisten ent- sprechend nur ein Minister gewählt wird. Werwolf-Psch. Und der Stahlhelm in der„Verräter"- Rolle. Bei einem Stahlhelinnwnn in der Gegend von Tilsit erschie- ncn eines Tages zwei Männer, die behaupteten, mitteldeut- fche Wermölfe zu fein und einen H a n d st r e i ch gegen L>• tauen vorbereiten zu wollen. Sie verlangten Quartier und Geld. Der Stahlhelmmann hie!: sie für litauische Lockspitzel und machte die Polizei aus sie ausmerksam. Es waren aber echte Wer- wölse und nun ist großer Krach zwischen Stahlhelm und Werwolf im Gange. Unwirsch versetzt das Bundesorgan d-s Stahlhelms dem Werwolf die folgende Bemerkung:„daß es sich tatsächlich um Wer- wölse und um ein vom Werwolf«rnstoenommenes Unternehmen handle, konnte ein vernünftiger Mensch nicht vermuten." Der Werwolf seinerseits ober schreit über Verrat und oerrütc- nsch« Verhinderung eines nationalen Unternehmens. Dos ist Pech — aber was soll hei so gefährlicher Spielerei schließlich anderes herauskommen! Brünings schwere Arbeit. Zinanzsorgen und Ministcrfragen. Das Reichskabinett tagte gestern nachmittag unter Hinzuziehung des früheren Preiskommissars Goc'rdclcr, des Oberbürgermeisters von Leipzig. Man nimmt an, daß es sich neben anderen Et�tsfragen auch um die Finanznot der Gemeinden gehandelt hat, worüber Gocrdclcr als Soch- verständiger gehört wurde. Am Vormittag hotte der Reichskanzler eins Besprechung mit dem General von Schleicher. Dieser läßt verlauten, day er nicht die Absicht hebe, an Groeners Stelle Reichswehr- minister zu werden. Offenbar ist er lieber der Mann, der die Rcichswehrminister absetzt, als der Reichswehnninistcr, der von einem anderen abgesetzt wird. -i- Die Reichsrcgicrung hat nunmehr die Mehrzahl der Einzeletote aus dem Reichshausholtsplan für IgZZ dem Relchsrot zugeleitet. Es fehlen jedoch noch einige der wichtigsten Hanshalte, wie der Hausholt der ollgemeinen Finanzvcrwoltung, der Hausholt der Rcichsschuld und der Haushalt des Reichsarbeitsministeriums, lieber diese Etats liegt noch keine abschließende Stellungnahme des Kabinetts vor. Die Beratungen der Reichsrotsausschüsse über den neuen Etat, die ur- sprünglich bereits am Freitag, dem 20. Mai. beginnen sollten, werden infolgedessen einige Tage spater ihren Anfang nehmen, und zwar voraussichtlich am Montag, dem 23. Mai. Auf 60 Sihungstage aufgeschlossen. Oer Reichstag hat iKuhe vor d-' Rollkommando Heines. Wie das Nachrichtenbüro*«sDZ. hört, hat Reichstagsprösident Lobe den auf dreiß-".uge bemessenen Ausschluß des Abg. K r a u s e- O st p r e � n'(R s o z.) von den Sitzungen des Reichs- tags zurückgenommen, weil die polizeilichen Ermittlungen nicht nach- gewiesen haben, daß der Abg. l7-ause an der Schlägerei im Reichs» tag aktiv teilgenommen hat. Hinsichtlich der Ausschlüsse auf sc dreißig Sitzungstage, die im gleichen Zusammenhang gegen die nationalsozialistischen Abgg. Heines. Stegmann und Weitzel verfügt waren, ist in der Oeffentlichkeit die Frage entstanden, ob die Weigerung dieser Abgeordneten, auf die Aufforderung des Präsidenten hin den Saal zu oerlassen, nach andere Folgen noch sich ziehen könne. Hierzu wird dem Nachrichtenbüro erklärt, daß auch nach der Neuregelung der Ordnungsbestimmungcn der Geschäftsordnung des Reichstags der Ausschluß auf dreißig Sitzungstage nicht das höchste Maß an Ordnungsstrafen darstellt. Die Bestimmungen gehen viclniehr dahin, daß ein Abgeordneter, der auch nur auf einen Sitzungstag ausge- schlosicn wurde und sich weigert, dem Ersuchen des Präsidenten, aus dem Saal herauszugehen, nachzukommen, ohne weiteres auf dreißig weitere Sitzungstoge als ausaeschlossen p i l h Räch dieser Regelung sind die nationalsozialistischen Zlbgeord- neten Heines, Weitzel und Stegmann tntsächlich also auf sechzig Sitzungstage aus dem Rcichstagsplenum ausge- I ch l o s s- n. Kuriofa um Bührer. Der frischgebackene Tiazi-Bürgermeister Dresdens und der ?tazi-]RedaUeur Der Dresdener Bürgermeister Dr. vührer hol sich vor wenigen Dachen von einem Sozialdemokraten einen Nationalsozialisten verwendest. Aus diesem somosen Stellung»- Wechsel ergeben sich crgöhliche Suriosa. Als L ü h r e r noch der Sozialdemokratie angehört�, war er natürlich für die Hokenkreuzler«in genau so gemeiner Schuft wie jeder Marxist und ebenso korrumpiert. Daher veröffentlichte das sächsische nationalsozialistische Organ„Der Freiheitskampf" am 9. Dezember 1031 einen Artikel, in dem ohne weiteres erklärt wurde:„Bürgermeister Dr. Bührer schenkt einem marxistischen Nacktkulturoerein 1000 Mark aus der Stodtkasse." Dieser" schwere Lorwurf, nmiz dem es aussah, als habe Bührer aus parteilichen Rücksichten eigenmächtig über öffentliche Gelder verfügt, mußte straf» rechtlich verfolgt werden. Also stellte die vorgesetzte Behörde durch Oberbürgermeister Dr. Külz gegen den verantwortlichen Schrift- leiter Keßler Strafantrag. Es kam zu dem obligaten Offizial- verfahren. Inzwischen hotte es Bührer fertig bekommen, zu denen, die ihn gröblich verdächtigt und beleidigt hatten, überzulaufen. Das erwähnte Verfahren aber nahm seinen Fortgang und am Freitag war der paradoxe Umstand zu verzeichnen, daß der verantwortliche Naziredakteur sich vor dem Dresdener gemeinsamen Schöffengericht wegen öfsentlicher Beleidigung eines Beamten zu verantworten hatte, der jetzt sein Parteigenosse ist. Das Suriosum wird noch kurioser durch die Art der Verteidigung des Angeklagten. Cr konnte absolut keinen Unterschied darin finden, ob einer eigenmächtig über etwas verfügt, in diesem Falle schenkt, oder aber aus Grund eine» Beschlusses der Stadlverordneten und des Rates eine Unterstützung gc- währt. Er sehe in der Gewährung einer Unterstützung an jenen verein aus purem Interesse an der Verwendung von Stadt- Mitteln einen Skandal und meinte, von Beleidigung könne gar keine Rede sein. Da» Gericht war ober anderer Meinung, und da es aus dem Straf- rcgister des Nazircdakteurs Keßler wußte, daß er schon mehrfach Prcssedelikte beging, erkannte es auf eine ziemlich beträchtliche Strafe. Keßler wurde wegen der erwähnten Beleidigung nach 8 186(üble Naäzrede) zu 900 Mark Geldstrafe oder«inen Monat Gefängnis oerurteilt. Daß es sich in der Beleidigung, wie der Staatsanwalt zu erwägen gegeben hotte, um eine verleumde- rische, also wider besseres Wissen begangene, gehandelt habe, gelte nicht als erwiesen, jedoch spricht die Begründung in dieser 5)insicht von erheblichem Bcrdacht.___ 800 Kommunisten festgenommen. Eine Massen-Sistierung von Kommunisten wurde in Harburg vorgenommen. Dem kommu- nistischcn Iugendvcrband war eine Lastkraitwogcnfahrt genehmigt worden, bei der keine Fahnen und Schilder niitgeführt werden dursten. Die Demonstranten erschienen jedoch mit insgesamt elf Wogen und führten Fahnen und Wimpel mit stckz. Di- Polizei schritt ein und d r a ch l e insgesamt 8 0 0 P- r s o n e n z u r W a ch e. Nach Feststellung der Personalien wurden sie weder entlassen. Opfer der„großen Zeit". In der letzten Zeit sind auf den Schlachtfeldern bei Peronne die Leichen von 186 deutschen und 114 sranzästschen Soldaten gebunden worden. Bisher konnten (58 Deutsche und 48 Franzosen identifiziert werden Oauritz tarsrn. der Presscrrferent der Dänischen Gesandtschost seit zwöls Jahren, ist als Generalkonsul nach Flensburg übergesiedelt. Lorsen ist au? der Redaktion des Kopenhagencr„Sozialdemokraten in den diploniotischen Dienst übergegangen. Die„Preußen des Ostens" „Die Armee fordert den Rücktritt des Kriegsministers. Ist jetzt große europäische Mode!" Notmaßnahmen in Rußland. Rückzug der Gowjetregierung vor den Bauern. Die S o w j e t r c g i e r u n g hat sich zu zwei Maßnahmen ge- nötigt gesehen, die sofort als außerordentliche N o t m a ß- nahmen kenntlich werden, und damit bestätigen, daß in der russischen Wirtschaft eine sehr ernste Krise besteht. Die erste der Verordnungen bestimmt, daß das Getreide- aufbringungssoll für das Jahr 193 2 erheblich herabgesetzt wird. Die Bauern und die Kollektiven dürfen die Ueberschüsse, die sie erzielen, auf dem freien Markte ver- kaufen. Das Getreideablieferungssoll für 1932 ist auf den Stand der tatsächlichen Ablieferung des Vorjahres gebracht worden, das heißt, daß dw Sowjetregicrung vor dem Widerstand der Bauern sehr erheblich zurückgewichen ist. Mit dieser Verordnung ist der bisherige tatsächliche Zustand, der durch die R e s i st c n z der Bauern geschaffen worden ist. legalisiert worden. Es können sich daraus Rückwirkungen auf die Entwicklung der Kollektiven und ihre Stelluirg zum Sowjetrcgimc ergeben, an die das Sowjetregime nicht gedacht hat, als es die Bauern in den Kollektiven organisierte! Die zweite Verordnung hebt alle Sperrm aß nahmen für das Schlachten und den Verkauf von Vieh auf, ebenso olle Sperrmaßnahmen für den Verkauf des Fleisches auf dem privaten Markt. Alle Sowjetorganisotionen werden angewiesen, dem, jreie«. Bertaus i&im. SchwieriAkeiten zu machen.•. Der Sinn der ersten wie der zweiten Verordnung ist, den Bauern einen Anreiz zu geben, für den Markt zu liefern, damit die nichtbäuerliche Bevölkerung Lebensmittel erhalten kann und damit der Bauer nicht völlig zur Nursichselbstversorgung übergeht. Der Zwang des Fünfjahrplanes und die Schaffung der Kollektiven hoben versagt— das Sowjetregime greift wieder einmal auf den A n- rcjz-privatcit Gewi nn streben? zurück. Indessen muß auch die Sorge eine Rolle gespielt haben, daß die bäuerliche Bevölkerung unruhig werden könnte. Die neuen Bcrord- nungen können zwei sehr bedenkliche Folgewirkungen haben. Wenn der agrarische Ueberschuß auf den freien Markt geliefert werden kann und das Aufbringungssoll verkürzt wird, wird die industrielle Bevölkerung noch stärkev als zuvor auf den freien Markt angewiesen sein. Angesichts der russischen Inflation bedeutet dies, daß das Mißverhältnis zwischen Preisen und Löhnen immer größer werden muß. Die Arbeiter bezahlen die Zeche für die Erleichterungen für die bäuerliche Bevölkerung. Der russische B i e h st a p e l ist immer noch klein nach dem großen Biehmorden, das mit der Zwangskollektivierung einsetzte. Die neue Verordnung wird ein neues Abschlackiten hervorrufen mit ollen bedenklichen Folgen für die Zukunft. Wenn trotz dieser Perspektiven diese Verordnungen erlassen worden sind, so ist dies ein Zeichen dafür, daß die Sowjetregierung Gesa hr im Ec r.z.u z fielst, daß sie d?*,.kritischen Zuspitzung nur zu entgehen glaubt, wenn sie Ventile öffnet. Memels neuer Gouverneur. Oer bisherige Konsul Litauens in London. K o w n o. 17. Mai. sVigenbericht.) Ter litauische Generalkonsul in London Gyllys ist zum Gouverneur des Mcmclgebietcs ernannt worden. Ghllye. ist inzwischen in Kowno cingetrossen und wird sein neues Amt in den nächsten Tagen über- nehmen. Tie amtliche Bekanntgabe seiner Ernennung steht unmittelbar bevor. Blui fließt in Zndien. Oer alte Religionshaß als Ursache. London, l7. Mai. �Eigenbericht.) Seil zwei Togen sind im größten Teil Indiens aus Anlaß der religiösen Feiertage der mohammedanischen Bevölkerung schwere Unruhen im Gange. Die Zahl der Toten in Bombay stieg am Dienstag, am vierten Tage der Unruhen, aus 80 an: verletzt wurden wenigstens 1000 Personen. von den früheren Unruhen unterschieden sich die neuesten vor ollem durch da» Ausmaß, das die Brandstiftungen und Plündccun- gen von Läden angenommen haben. Am Dienstagabend griffen die irischen Füsiliere mit scharfen Schüssen ein. um in dem am meisten heimgesuchten Teil der Stadt die Ruhe wiederherzustellen. Gegen Ende de» Tage» trat eine gewisse Beruhigung ein. nachdem die Polizeipotrouillen die Verordnung, die Zusammenratlungen. von mehr als süns Personen verbietet, überall streng durchführen. Inzwischen sind kämpfe zwischen Hindus und Mohammedanern auch in Kalkutta ausgebrochen. Gorguloffs Bekundungen. Schüsse in der Hynose? Pari». 17. Mai. G o r g u l o f s wurde heute aufs neue verhört. Er erklärte dem Untersuchungsrichter, er sei von der fixen Idee befallen gewesen, ein Attentat verüben zu müssen. Ende März oder Anfang April sei er van Monaco aus bereits einmal nach Paris gekommen, um hier das Einreisevisum für Belgien zu erhalten. Er habe damals die Absicht gehabt, sich nach Brüssel zu begeben, um sobald als möglich nach' dem belgischen Kongo gebiet zu reisen, Ueber die Zeit unmittelbar vor dem Attentat befragt, erklärte Torgulosf, er sei seit seinem Eintreffen in Paris von einer Art 5) y p n o s e be- fgllen gewesen. Er habe im Zuge gebetet und auch noch seinem Eintreffen m Paris in der Notre-Dame-Kirche. Er sei van der Idee besessen gewesen, daß der Teufel ihm eingegeben hätte: Wenn du den Präsident der Republik getötet hoben wirst, mußt du Selbstmord begehen. Gorguloff schilderte weiter, er habe alles versucht, um seine Verhaftung vor Ausführung des Attentats herbeizuführen. So habe er an Schutzleute auf der Straße unsinnige Fragen gestellt. oh-»« daß sich die Polizei bei dieser Gelegenheit um ihn gekümmert hätte. Am Tage de? Attentats fei er bis 2 Uhr nachmittags in einem kleine Cafe geblieben, wo er ein Fischgericht zu sich genommen und eine ganze Flasche Eognac getrunken habe, in der Hoffnung, auf diese Weise in einen Zustand der Trun- tenheit zu geraten und sich selbst dadurch an der Durchfichrung de» Attentats zu hindern. Die Schüsse auf Präsident Doumcr habe er in einer Art hypnotischen Schlafs abgegeben, ohne sich dar- über klar zu sein, was er tat. Er wisse nicht einmal, mit welchem der beiden Revolver, die er bei sich trug, er gefeuert habe. Auf eine Frage über die Gründe für den Anschlag antwortete Gorguloff, er sei verzweifelt gewesen, daß Frankreich nicht gegen die Bolschewisten kämpfen wollte. Aus die Frage, weshalb er gerade den Anschlag gegen Doumcr verübt habe, der doch als überaus gütiger Mensch bekannt gewesen sei und viel für den Frieden getan habe, antwortete Gorguloff, er habe den Präsidenten Doumcr mit der französischen Regierung identifiziert. Ueber seine Eheschließungen befragt— in seinen Auszeichnungen behauptet er, zwölf Frauen geheiratet zu haben — sagte Gorguloff heute aus, er habe sich viermal verheiratet, einmal in Rostow, zweimal in der Tschechoslowakei und das vierte Mal in Paris mit der Schweizerin Geng. Seine drei ersten Ehen seien geschieden worden. Ueber seine finanziellen Verhältnisse soll Gorguloff erklärt haben, daß er in Prerau(Tschechoslowakeil viel Geld verdient habe, als er seine Klinik leitete. Auch während seines Aufenthalts in Billanrourt bei Paris habe er durch ärztliche Be- Handlung seiner Landsleute genug verdient, um seinen Lcbcnsunter- halt zu bestreiten. Rückgang der Auswanderung. Weil die Einreise gesperrt ist. Die deutsche Auswanderung ist in letzter Zeit erheblich zurück- gegangen. Die Auswanderung nach Uebersee war zwar auch in den Jahren vor dem Kriege verhältnismäßig niedrig, zag aber nach Kriegsschluß und vor allen Dingen in der Inflation sehr stark an. Während im Jahre 191 l 22 000 Personen, im Jahre 1912 18000 Personen und im Jahre 1013 23 000 Personen nach Uebersee ausgewandert sind, wuchs die Zahl der Auswanderer im Jahre 1922 auf 36 000 und im Inflationsjohr 1923 auf 113 000 an. Noch der Inflation fiel die Ziffer auf etwa die Hälfte. Sie erreichte dann wieder im Jahre 1926 mit 63 000 Personen einen neuen Höchst- stand. Im Jahre 1927 wanderten 61 000 Personen, 1928 57 000 Personen, 1929 48 000 Personen und 1930 37 000 Personen aus. Für das Jahr 1931 liegt zwar noch kein abschließendes Ergebnis vor, jedoch lassen die Ziffern für die Monate Januar bis November erkennen, daß die Gesamtjahreszohl 13 000 kaum überschreiten dürfte. In den Ziffern kommt die deutsch« Ueberlandauswan- d e r u n g, die nur schätzungsweise errechnet werden kann, nicht zum Ausdruck. In den Jahren 1926 bis 1929 haben insgesamt 80 000 Personen Deutschland auf dem Landwege verlassen. 1930 betrug die Uebcrlandauswanderung 40 000 und im Jahre 1931 60 000. Diese starke Steigerung ist auf die Einwanderungssperre zurückzuführen, die zahlreiche Ueberseeländer in den letzten Jahren verhängt haben. W -Allen Hermann Tiel-z- künden, die an den kommenden la�en (bis einschl.Sonnabend d- 21. Mai) in unseren-Näuscm Einkäufe läli�e� clleanelnemlä�c den ße+ra� von mindestens 5Mapk erreichen, vefiibnSchen Kleider aus bedruckt. kunsN seidenem Marocain, modernes J Tupfenmuster............. Stuck| Kleider aus Süenik, in schönen lichten Farben, modernesi Druckmuster.............. Stück| Moderne Filzglocken weiss..................... Stück Damen-Oesenschuhe braun Chevreaux, mit Reptilgarnitur, vorzügl. verarb.. 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Andresen, Gottlieb, Anfang 20 Uhi Ende 23 Uhr &€€€€€€€€« SAAZASSSSG � Unseren lieben Mitgliedern � �Otto un6 Selm» DumtkeJ H die herzllihslen GI0/» Uhr, oerschied noch wrzein schwerem, mit roher Geduld ertragenem Leiden meine innigil» geliebte, unvergeßliche Frau, unsere liebe Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin, Tante, Großtante LmmaThornimm geb. Muschik im 63, Lebensjahre. In tiefster Trauer Otto Thormann. Berlin SO 36, Wiener Str. 58. Die Trauerseier findet statt am Freilag. dem 20 Mai. um t3 Uhr, im Zlremalorium Baumschulenweg. such gegen 12 Raten dtaMafiz Berlin W 66, leipiiger Straße 122/123 Soimadend, den 14. Mai, entschlief nach turzem, aber schwerem Leiden mein lieber, guter Mann, unser treu- sorgender Boter, Schwieger- und Großvater. Schwager und Onkel, der Schriftseßerinvalide Georg: Bäumker im 66. Lebensjahre. Dies leigen in tieler Trauer an Berta Bäumker, geb. Fromm, Georg BSumker und Frao, geb. Heinrich, nebst Enkeln und jämt- lichen Hinterbliebenen. Neukälln, Iägerstr 50. Die Beerdigung findet am Donners- tag. dem 10. Mai.>6 Uhr. auf dem Thomastriedhof, Hermannstr. 170, statt. Arbeiter- KsugenozzenzclisN ..PsTSi!le8" zu Berlin, EGmöH. Sonntag, den 29. Mal 1932, vormittag« 9'/, Uhr. im pactreftaacant von Max Schulze zu Bohnsdorf, am Docjplaß ZII.liklieiillicdelieiieMliWililiiiig. Tagesordnung! t Gelchältsbericht� Borlegung der Bilanz nebst Gewinn» und Berluilrechnung. 2 Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz iowie Beschlußlassung Uber die Berteiiung des Gewinnes oder Verlustes i. Erlaßwahlen zum Aulfichtsral. 4. Eventuelle Anlrägs der Genossen, ver vorstand. Georg Dorn er. Paul Echiffke. Ver Llussichtsrat. August Seiller. Theater, Lichtspiele usw. 5 Sfaals Theater rolKsbtlhne HieatBr an Bfilowplatz 8','» Uhr Sturm Im Wasserglas mit Hansi Niese StaatL Sdiiller-Theatet 8 Uhr Die Räuber DeotsdiK Tbeater Die 8Vi Uhr Journalisten Lchp.oadi Gustav Freytag voa Felii Joatfiimsoo Musik; Titas Mackebeo Regie: Heinz Hilpert LeKino-fiiealei Täglich 8'/» Uhr nadonna wo blsl Od? Erika v. Thellmann, Genla Nikolajewna. Theodor Loos Josef Wedorn Rose- Theater na« Fraakfurtir StnBt 13! Ig. Wiiduii E 7 3422 8,30 Uhr Weekend im Paradies Oartenbühne; 5.50 Uhr Konzert u. Variete 8« Uhr ZloeunerlieDe Unwiderruflich nur im Mai Beglaubigte Abschrist. (207) 1 J 371,30(192/30). Strafsache Kontort Tont Im Freien SlfegS pumpen t.Solbjtiohtttlri //LjPi— Röhren— t Filter, slmtlidie EmtrteilaJIluzt. �3» Prtitlist« gratis! KoDianK&co. Pgnptofsbht Berlin N«5 Riiniiimiorftr SlnB« 95. geboren am U. Sunt 1897 t* Preßburg, wegen Beleidigung. Das Schöffengcrtcht Berlin-Mitte, Ab» teilung 207, in Berlin hat am 18. De- zemher 1930 für Recht erlannt: Der Angeklagte wird wegen Ubier Nachrede zu 500— fUmbundert— Reichsmark Geldstrafe verurteilt, an deren Stelle im Züchtbeitretbungs- falle für je 50— fünfzig— Reichs. mark ein Tag Gefängnis tritt, Der Nebenlläaerin Frau Stadtrat Weyl wird die Befugnis zugesprochen. den erkennenden Teil des Urteils binnen 2— zwei— Monate» nach Zustellung des mit Rechtskrastzeugnis versehenen Urteils in den Zeitungen: „Rote Foftnc",„Berlin am Mor. gen",„Vorwärts" und„Berliner Tageblatt" je einmal auf Avstcn des Angeklagten dckanntzumachen. Die noch vorhandenen Exemplare des Hauptblattcs der Nr. 66 der Zeitung„Berlin am Morgen" vom 19. 3. 1930 sowie dir zu ihrer Her- stcllung bestimmten Platten und Fol- wen sind im Rahmen des K 41 StGB. unbrauchdor zu machen. Die Kosten des Pcrfohrens sollen dem Angeklagten zur Last. Auf die Berufüng des Betlagten gegen das Urteil des Schöffengerichts Berlin-Mitte. Abteilung 207, vom 18. Dezember 1030 bot die 4. große Strafkammer des Landgerichts(' in Berlin auf Grund der Derhandlunaen vom 19., 20.. 21., 22. und 23 Mai 1031 in der Sißung vom 23. Mai 1931 für Recht erkannt: Die Bsrniung des Angeklagien wird mit der Maßgabe � auf seine Kosten verworfen, daß die Geldstrafe aus 100 RR.(einhundert Reichsmark), im Nichtbeitreibungsfalle out 2(zwei) Tage Gefängnis berabgeseßt wird. Die vorstehende Abschrift der» Urteils» formel wird beglaubigt. Das Urteil est vollstreckbar. Berlin 07 W. 40. ben 18. Mär, 19.32. Hartmann S. O. 5. als llrkunds. beamtet der Geschäftsstelle des Amtsgerichts Berlin-Mitte, Abtei- lung 207. Stempel. Zum Zwecke der Veröffentlichung be- glaubigi: Landsberg, Rechtsanwalt. KLEINE ANZEIGEN iiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiimiiiiiiiiiiiiimmiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Preise: Uberschriftswort 20 Pf., Textwort 10 Pf. Wioderholungsrabott j 5 mal 5%, 8 mal ZVj%, 12 mal 10 oder 1000 Worte Abschluß 10 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20%. 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Ucbcr die Entstehung des Brandes auf dem Dampfer„Georges Phillippard" und über die genaue ?ahl der Geretteten bzw. der Opfer liegen in Blarfeille und Paris auch bis Dienstagabend noch keine direkten Zlachrichten vor. Die SchisfoHrtsgcsellschast bat in ZNarfeille lediglich bekannt- geben lassen, sie sei von dem Kapitän des Dompsers funkenlelc- graphisch benachrichtigt worden, dag die Mehrzahl der Passagiere und Vesahungsmitglicder von den Dampfern„Sowjet Skaja-Beft", „Mashud" und„Eontractor� gerettet worden sei. Weitere Einzelheiten wurden drahtlos übermittelt, sobald die drei, genannten Dampfer in Aden eingelauscn seien und die Schisse, die sich an der Rettungsaktion beteiligt hätten, die Zahl der Geretteten mitgeteilt bättcn. Der Vertreter der französischen Schissahrlsgcseltschost in Aden hat mitgelcilt, dasz der Ostoiiendcmpser„Andre Lebon" gebeten worden ist. seine Route zu ändern und dem russischen Petroleum- dampfer entgegenzufahren, um die auf ihm befindlichen Passagiere und vcsolzungsmitglieder, darunter den Kapitän, zu übernehmen und noch Aden oder Dsäiibudi zu bringen. Bisher seien sechs Schiffe bekannt, die Gerettete an Bord haben. Man vermutet jedoch, dah sich noch weitere Dampfer an dem Rcltungswcrk beteiligt haben. Die Zahl der Mitglieder der Besatzung belauft sich, wie in- zwischen festgestellt wurde, auf 347 Mann, unter denen sich 184 Chi- nesen befinden. Ihr Vertmer hat die Gesellschaft telgcraphisch ge- beten, ihr die Zahl und die Namen der Passagiere mitzuteilen, die sich in den einzelnen Jjäfcn eingeschifft haben. Der Dampfer brennt nach einer Meldung aus Aden immer noch und Hot starke Schlagseite nach Backbord. Am Dienstogmittag befand er sich etwa SV Seemeilen nördlich vom Kap Guardafui. Das Schisf wird von der Gesellschaft als verloren angesehen. Selbst wenn es nicht sinken sollte, dürfte es durch die Einwirkung des Feuers derart beschädigt sein, daß eine Wiederherstellung des Dampfers nicht in Frage kommt. Der Direktor der französischen Sicherheitspolizei hat am Dienstag Pressevertretern erklärt, daß sich die Vermutung, der Brand sei auf einen Anschlag zurückzuführen, bisher in keiner Weife rechtfertigen lasse. Im übrigen gibt die Gesellschaft bekannt, daß der Dampfer bei der Ausreise keine Waffen- und Munitionz- ladung an Bord gehabt habe, sondern nur ein Auto, auf dem eine kleine Kanone ausmontiert war. Kurzschluß als Llrsache? Was die Ueberlebenden berichten. Aden. 17. Mai. Tie an Bovd des Dampfers.,(< o n t r a c t o r" hier eingetroffenen Ueberlebendcn des Dampfers „Philippard" erklären, der Brand fei so heftig gewesen, daß man ihn in einein Umkreis von 30 Kilometer habe sehen können. habe keine ernste Panik gegeben. Das Feuer fei um zwei Uhr früh durch Kurzfchlusi in einer Kabine entstanden. Hundertc von Passagieren hatten zuerst geglaubt, an eine Rettung sei nicht zu danken, und niehrcre hätten den Tod gefunden. Das Feuer habe sich mit ungeheurer Schnelligkeit aus- gebreitet, die Passagiere seien nach vorn geflüchtet. Tic Zerstörung der Funkanlage Hab« verhindert, den 8 O 8� R u f auszusenden. Viele Passagiere hatten sich, da sie die Boote nicht erreichen konnten, in das von Hai- fischen wimmelnde Meer gestürzt. Tie Ueberlebendcn schildern erschütternde Szenen. Viele sind von ihren Familienangehörigen getrennt worden, über deren Schick- sal sie nichts wissen. Eon 1' jähriges.Kind und ein noch jüngeres befinden sich ohne Eltern an Bord des„Eon- tractor". NeuauMung««§(almefle-Prozeffes? Nervenzusammenbrudi des Vorsiizcnden./ Urteil nodi nidil redilskrällig. Das surchtbarc Kinder sl erben von Lübeck, das in den lchlcn Jahren die deutsche und europäische Ocsfentlichkeit in hohem Maße beschäsligtc und zu einer Verurteilung der beiden Aerzle Prof. Dr. D e y ck e und Mcdizinalral Dr. A l t sl ä d l zu Gefängnis- strafen sührle, wird vielleicht noch einmal die Gerichte beschästigen müssen. Eine besondere Tragik will es, daß der Vorsitzende des Riesen- Prozesses, Amtsgerichtsrat W i b e l, an einem Nervenzusammen- bruch erkrankt ist, der ihn zwang, einen längeren Urlaub nachzu- suchen und in ein süddeutsches Sanatorium zu gehen. Die Erkrankung Wibels ist zum Teil auf Ucbcrarbcitung zurückzuführen: die Vorbereitungen zu dem Prozeß, der einen dem Richtcrkollegium und vielen Prozeßbeteiligten an sich fremden Fragenkomplex behandelte, und die wochenlange Dauer dieser an aufregenden Zwischenfällen und Zusammenstößen so reichen Verhandlung hoben gerade an die Nerven des Vorsitzenden die allergrößten Anforderungen gestellt. Darüber hinaus aber leidet Wibel unter der Vorstellung, daß seine Krästc zur Meisterung des Stoffes nicht ausgereicht hätten und daß der gefällte Spruch vielleicht doch ungerecht sei. Er hat die Ansicht geäußert, es bereite ihm unendlichen Schmerz, daß er Menschen, die als Wissenschaftler viel geleistet und das Beste gewollt hätten, nach dem Paragraphen habe verurteilen müssen. Schon bei der Urteils- verkllndung merkte man Wibel seine ungeheure Erregung an. Er sprach mit flüsternder Stimme und war totenbleich. Amtsgerichtsrot Wibel genießt in Lübeck einen hohen Ruf: fein vorbildlicher Fleiß, sein starker Gerechtigkeitssinn, und seine � liberale Weitherzigkeit werden gerühmt. Die rechtlichen Folgen der Erkrankung des Vorsitzenden im Calmctte-Prozcß sind noch unübersehbar. Das Urteil gegen die An- geklagten kann nicht rechtskräftig werden, wenn es nicht vom Vor- sitzenden unterzeichnet ist. Es handelt sich um ein Dokument von über övv Druckseiten. Sollte es Wibel in seinem gegenwärtigen Zu- stände vorgelegt und von ihm unterschrieben werden, so wäre bei dem Gesundheitszustand des Amtsgerichtsrats ein Revisionsgrund gegeben. Sollte er nicht wieder gesunden, so ist ein Ausweg ohne eine Neuaufrollung des Gesamtvcrfahrens schwer erkennbar. Zum mindesten aber ist eine starke Verzögerung im Gang des Instanzen- weges bereits jetzt eingetreten. Das sieht man auch daraus, daß der freigesprochene Angeklagte Prof. Klotz seinen Dienst im Kranken- Haus bisher nicht wieder antreten konnte, weil das freisprechende Urteil noch nicht rechtskräftig geworden ist. 7?eue Luststrecke Brüssel-Berlin. Am Dienstag wurde die neue L u f t f a h r t st r e ck e Brüssel— Berlin eröffnet. Gegen%7 Uhr abends landete das Flugzeug der Belgischen Luftverlehrsgcsellschast„Sabena", ein dreimotoriger Fokkcr U 7, auf dem Tcmpclhofer Felde. Die Flugstrecke führt von Brüssel über das rhcinisch-westfälische Industrie- gebiel nach Berlin. Aufgestiegen war der Apparat in Brüssel Punkt 2 Uhr nachmittags. Insassen der„Sabena" waren Vertreter der belgischen Luftfahrt und der belgischen Regierung. Zu ihrem Emp» fang hatten sich Vertreter der verschiedenen Reichsministerien, der Stadt Berlin und der Deutschen Lufthansa eingefunden. Direktor Wronsky von der Deutschen Lufthansa führte aus, daß mit dieser Landung ein neues Glied in der Kette internationaler Verbindungen entstanden sei, eine Verbindung zwischen der belgischen Hauptstadt, den deutschen Industriezentren im Westen und Berlin. Direktor Wronsky wünschte dem jungen Unternehmen Er- folge, besonders auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet. Die neue Strecke möge die Beziehungen zwischen Deutsch- land und Belgien festigen und inniger gestalten. Toöessprung einer 6?jährigen. Im Alterswohlfahrtsheim des Bezirksamtes Prenzlauer Berg in der Greifswalder Straße 223 spielte sich am Dienstagmittag ein aufregender Vorfall ab. Das Flurfenster im 3. Stockwerk des Ge- bäudes wurde plötzlich geöffnet und mit einem Aufschrei stürzte sich eine alte Frau auf den Hos hinab. Die Lebensmüde, eine 67 Jahre alte Wohlfahrtsempfängcrin Anna G r a m s, war auf der Stelle tot. Wie die polizeilichen Ermittlungen ergeben haben, ist die Greisin in einem Anfall von Gcistesgestörtheit in die Tiefe gesprungen. Kind im Beit erstickt! Auf tragische Weise ist gestern nachmittag das 12 Monate alte Kind Eberhard R i s ch e aus der Pestälozzistraße 73 in Charlotten- bürg ums Leben gekommen. Das Kleine war mit dem Kopf zwischen die Eisen st übe seines Bettchens geraten und hilflos erstickt. Als die Mutter von einer kurzen Besorgung heim- kehrte, entdeckte sie den schrecklichen Vorfall: ärztliche 5zilfe war jedoch vergebens. Die kleine Leiche ist beschlagnahmt worden. Die Katastrophe in Gneis. 1 Meier hoher Gchlomm auf allen Straßen. Koblenz, 17. Mai. Zu dem furchtbaren Unwetter in Gucls werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Seit dem Eintritt der Katastrophe sind mehrere hundert Feuer« und Wasserwehrleute, Mitglieder der Technischen Nothilfe und Ein- wohner aus den benachbarten Orten fieberhaft tätig, um die un- I passierbaren, bis zu einer Höhe von 1 Meter ver- schlämmten Straßen wieder in Stand zu bringen. Eine große Gefahr droht durch den bevorstehenden Einsturz von fünf bis sechs Häusern, die in der Nacht bei Scheinwerfer- licht geräumt wurden. Niemand erinnert sich, jemals solche Kala- strophe erlebt zu haben. Innerhalb von drei Minuten war eine so riesige Wajsermenge niedergegangen, daß auf dem Spielplatz der Schule das Wasser bis zu 3 Meter hoch stand. Fast alle Erdgeschoß- Mahnungen stehen bis zur Decke unter Wasser. Geradezu t r o st l v s sieht es auf den Weinbergen von Winningen, Buben- heim uitd R o e t t g e n aus. Die ums Leben gekommene Familie Flock, die 40jährige Ehesrau, ihre beiden zwei und fünf Jahre alten Kinder sowie ein lljähriges Pflegekind, find aus den Trümmern des eingestürzten Hauses geborgen worden. Zur Zeit weilen Regierungsvertreter in dem so schwer bc- ! trofsenen Gebiet. Die Aufräumungsarbeiten dürsten sich noch die ganze Woche hinziehen. Der Gesamtschaden läßt sich auch heute noch nicht annähernd übersehen. Massenerkrankungen an Sonnenbrand! Zwei schöne Tage und ihre Folgen. An den sonnigen Pfingstfeiertagen haben sich Tausende von Badenden und Ausflüglern derart unvorsichtig der Sonnen- bestrahlung ausgesetzt, daß sie jetzt unter den Nachwehen schwer zu leiden haben. Allein aus dem Städtischen Rettung?- amt der Stadt Berlin fragten in? Laufe des gestrigen Tages Hunderte von„Sannenopfcrn" an, wie sie ihre Schmerzen lindern könnten. Vielen war die ganze Kopshaut verbrannt, andere hatte» den Körper über und über mit Blasen bedeckt. Leider machen es die meisten Badenden so, daß sie sich nach dem Schwimmen unmittelbar der Sonne aussetzen, anstatt sich gründ- lich zu frottieren und sich mit Hautkreme einzureiben. Jeder glaubt, daß der nasse Körper leichter bräunt. Und hierin liegt gerade die große Gcsahr. Es bilden sich schmerzende Wasserblasen. Den Sonnenverbrannten wurde empsohlcn, den Körper init gutem Trockenpudcr zu behandeln und die besonders mitgenommene» Körperteile mit Lenicet- oder Ornicetjalbe leicht einzureiben. Bei großen Wunden sind leichte essigsaure Toncrdeumschläge schmerz- lindernd. Sollte die Kleidung an den Wundstellen zu sehr scheuern, sind leichte Verbände angebracht. Bei Fieber oder schwereren Komplikationen ist in jedem Falle sofort ein Arzt zur Hilfe heran- zuziehen. Erhöhte Verkehrssicherheit in Treptow. Infolge der stärkeren Benutzung der Straße Ain Treptower Park seit dem Ausbau der einen Fahrbahn der Köpenicker Land- strahe haben sich in den letzten Monaten eine Reihe von Unfällen, darunter auch schwerere, ereignet, die aus mehrfache Ursachen zurück- zuführen sind. Zunächst einmal ist die Fahrbahn der Straße Am Treptower Park verhältnismäßig eng und hat außerdem Stampf- asphalt, auf dem sich bei feuchter Witterung die Nässe wegen der Nähe des Parkes besonders lange erhält. Die Straße hat während der wärineren Jahreszeit einen starken Fußgängerverkehr aufzu- weisen und wird von vielen Kindern überschritten, die die dort bc- findlichen städtische» Liegewiesen aufsuchen. Desgleichen sind der Radfahrer- und der allgemeine Fahrzeugverkehr dort sehr lebhaft, da sich einmal in der Nähe Laubenkolonien befinden und zum anderen die Straße Ausfallweg nach den südöstlichen Vororten ist. Schließlich wird der Durchgangsverkehr zeitweise durch parkende Fahrzeuge behindert. Auf Grund inehrerer Besprechungen mit Ver- tretern der Anwohnern und Grundstückseigentümer sowie eingehen- den Feststellungen hat der Polizeipräsident nunmehr folgende Maßnahmen angeordnet: Herabsetzung der Fahrgeschwindigkeit aus 30 Stundenkilometer für alle Fahrzeuge: Parkverbot für beide Straßenseiten. Anlage eines Radfahrweges auf der Parkseite in der Richtung nach dem Stadtinnern. Kennzeichnung der Fußgänger- Überwege an einigen Straßeneinmündungen durch Metallnägcl in der Fahrbahn und schließlich Aufrauhung des Asphalt.— Die von zahlreichen Interessenten geforderte Sperrung der genannten Straße, die als Schnellverbindungsweg erster Ordnung gilt, ist nicht durch- führbar. Pilzvergiftungen beginnen wieder. Vor einigen Tagen erkrankte nach dem Genuß von Pilzen die 40 Jahre alte Agnes M ü n ch e n h a g e n aus der Brandenburgischen Straße 10 in Südende. Die Frau wurde ins Krankenhaus Lichterfelde gebracht, Ivo sie trotz aller ärztlicher Bemühungen an den Folgen der Vergiftung gestorben ist. Von der Kriminalpolizei ist eine llntersuchung eingeleitet worden. 2,3 Millionen aus der BVG. Die Endzahlen des pfingstverkehrs. Die Berliner Ring- und Vorortbahnen und die Verkehrsmittel der BVG. haben an den beiden Pfingst- feiertagen einen ungeheuren Andrang erlebt. Die BVG. beförderte an den beiden Feiertagen und am Pfingstsonnabend nicht weniger als 7,3 Millionen Personen. Die Reichsbahndirektion mußte nach den chauptaus- flugsorten eine Unzahl Vor- und Nachziige einlegen. Am ersten Feiertag beförderten die L-Bahnen tgllXZW Fahrgäste. Den höchsten Andrang wies Grünau mit 45 MO Personen auf, dann kam Nikolassee(Strandbad Wannsee) mit 33 RW). Am zweiten Feiertag war noch eine leichte Steigerung des Verkehrs festzustellen. Es wurden im ganzen 1 770 000 Fahrgäste befördert. Auch an diesem Tage hielt Grünau mit insgesamt 54 000 Fahrgästen den Rekord, Nikolassee hatte 44 000. Gegenüber dem Vorjahr ist allerdings trotz des Massenandranges ein Rückgang festzustellen. Am ersten Feier- tag des vorigen Jahres wurden von den 8-Bahnen 4 800000 und am zweiten Feiertag rund 2 000 000 Fahrgäste befördert. Auf den 10 großen Fernbahnhöfen sowie in den Berliner Aus- gabestellen des MER.-Reisebüros wurden in den Tagen vom 4l. bis 14. Mai rund 340000 Fahrkarten ausgegeben. Diese Zahl entspricht dem Ergebnis des vorjährigen Pfingstverkehrs. Den größten Anteil daran hatte der S t e t t i n e r Bahnhof, auf dem vom 11. bis 14. Mai 106 000 Reisende gezählt wurden. Zur Be- wältigung des Verkehrs muhten insgesamt 218 Vor- und Nachzüge und 3 Sonderzüge gefahren werden. Nach den uns vorliegenden Berichten aus verschiedenen deutschen Reisegebieten war der Pfingstverkchr auch im Reich außerordentlich lebhaft. In Hamburg ließ die Reichsbahn rund 250 Sonderzüge verkehren. Auch am Rhein und auf dem Rhein herrschte leb- haftestcr Verkehr. Die Gebirge Schlesiens hatten ebenfalls einen sehr guten Verkehr, zum Teil sogar einen Rekordnerkehr, an dem besonders im R i c s c n g e b i r g e die Berliner großen Anteil hatten. Die Kahrpreispolitik der Reichsbahn. Arbeiter und Angestellte haben von der Reform nichts. Aus gewerkschaftlichen Kreisen geht uns solgende Iufchrist zu: Warum muß die Reichsbahn gerade an uns Arbeitern und An- gestellten besonders verdienen? Vor wenigen Wochen ging ein Freudenschrei durch die bürgerliche Presse, daß die Reichsbahn, dem Zuge der Zeit folgend, ihre Fahrpreise bedeutend ermäßigt habe. Bei Ferienreisen über 200 Kilometer Weg und von mindestens elf- tägiger Dauer hat man bei Hin- und Rückfahrt von derselben Sta- tion den Fahrpreis um 20 Prozent gekürzt. Die Bestimmung ist gut und richtig, aber die deutsche Arbeiter- und Angestelltenschaft hat davon so gut wie gar keinen Vorteil. Welcher Arbeiter oder An- gestellte hat denn überl>aupt 11 Tage Ferien? Und wenn es wirk- lich noch so glückliche Kollegen gibt, wer hat von diesen Arbeitern und Angestellten das Geld dazu, 11 und mehr Tage verreisen und so weite Strecken fahren zu können? Gerade die Arbeitnehmer haben in den letzten Jahren einsehen gelernt, daß sie für ihren Körper auch sehr viel tun müssen, um dem heutigen rasenden Arbeitstempo Genüge leisten zu können. Immer mehr sind gerade diese Kreise dazu übergegangen, an jedem Ferien- tag die Nase in die frische Luft zu stecken. 3, 5 und 7 Tage sind die üblichen Urlaubszeitcn, nähe gelegene Ausflugsorte sind die be- liebten Reiseziel«. Aber für solche Reisen kennt die hohe Reichs- bahnbürokratie keine Ermäßigungen, obwohl gerade in Arbeiter- und Angestelltenkreiien bestimmt jeder Pfennig mehr gebraucht wird, als bei vielen, die Hunderte von Kilometern verreisen können. An den eigenen Statistiken kann die Reichsbahn am besten sehen, daß die Arbeiterschaft sowohl im Beruf wie in der Ferienzeit ihr bester Kunde ist. Die Fahrpreisermäßigung in der jetzigen Form bedeutet für die Arbeiterschaft gar nichts. Noch ist es Zeit. Noch kann die Reichsbahn den vielen tausend Arbeit- nehmern auch die Feriensreude versüßen. Weg mit dcr Ent- fernungsgrenzc! Weg mit der Bestimmung über die Dauer Vor der„Sittlichkeitskammer" in Moabit Kinderaussagen vor Gericht Kindcraussagcn verursachen dem Richter stets von neuem Kopf- schmerzen. Es bcdars großer Erfahrung, um hier zwischen Wahrheit und Dichtung zu unterscheiden. Mit der Zeit bildet sich gewissermaßen ein Fingerspitzengefühl heraus: sich aber auf dieses allein zu ver- lassen, wäre sehr gefährlich. Nur wenn neben den Kinderaussogen auch andere Schuldbcwcisc vorhanden sind, wird der Richter sich zu einer Verurteilung entschließen. Weil aber der Umgang mit Kindern eine große Erfahrung erfordert, ist in Moabit mit der Aburtellung der Sittlichkeitsvergehcn an Kindern eine besondere Kammer be- auftragt. Wie verschiedenartig sind aber doch die Kinder, die hier vor dem Richtertisch stehen. Klein-Erna erkennt den Llebeltäter. Da war z.B. gestern die noch nicht vierjährige Erna. Unter Tränen erzählte sie eines Tages ihrem Vater, daß der Onkel Nachbar mit ihr etwas gemacht habe. Der Dater erstattete Anzeige. Der Mann, ein mehrfach wegen Diebstahls vorbestrafter Mensch, bestritt, sich an der Kleinen vergangen zu haben. Vor Gericht be- hauptcte er, am fraglichen Nachmittag gar nicht zu Hause gewesen zu sein. Ein Zeuge hatte ober gesehen, wie er das Kind in seine Wohnung mitnahm. Das Gericht beschloß, die Bierjährige zu hören. Der Angeklagte wurde abgeführt. Klein-Erna saß munter und frisch auf dem Richtertisch und plauderte unbefangen mit dem Onkel Richter. Sie erzählte, wie der Onkel Nachbar ihr Bonbon versprochen hatte und ihr auch seine Kaninchen zeigen wollte. Sie erhielt Kaffee und dann sei er so garstig zu ihr gewesen. Die Kleine wurde hinaus- geführt. Der Angeklagte muhte sich auf die Zeugenbank setzen, neben ihm nahmen Berichterstatter und Referendare Platz, jetzt durste Klein- Erna wieder in den Saal. Ob nicht der Onkel Nachbor unter den Onkels am Richtertisch sitze. Lachend und frisch sagt Klein-Erna „Nein". Na. sieh dich mal jetzt um. Klein-Erna dreht sich um, wird ganz blaß, das Gesicht drückt Abscheu und Schreck aus, sie zeigt mit dem Finger auf den Angeklagten und sagt leise: Da ist er.— Der Mann erhielt 1 Jahr Gefängnis. Ganz anderes Zeugenmaterial boten die beiden 13jährigen Emmi und Käthe. Die Lehrerinnen nennen sie verlogen. Ihr Leumund ist denkbar schlecht. Zwei Männer sind angeklagt, mit ihnen verhältnismäßig harmlose Dinge gemacht zu hoben. Der eine ist bereits wegen Erregung öffentlichen Aergernisscs vorbestraft. Die beiden Angeklagten behaupten, die Mädchen hätten sie verführt: sie wollten 20 Pfennig für Knallfrösche— es war am Silvester. Die Mädchen bestreiten das. Die Männer hätten ihnen Photographien gezeigt und sie hinterher aufgefordert, in einen Hausflur zu gehen. Eine Frau beobachtete den Vorgang, rief einen Schupo: die Männer wurden überrascht, slohen die Treppe hinaus bis zum obersten Stock- werk und wurden gefaßt. Vor Gericht erklärten sie, sie hätten einen verdächtigen Mann verfolgt, der den Mädchen in den Hausflur nach- gegangen sei. Wären sie nicht beobachtet worden, hätten sie nicht so dumme Ausreden gebraucht, und wäre einer von den beiden nicht bereits vorbestraft, diese beiden Mädchen mit dem schlechten Leumund hätten keinen Glauben verdient. So aber bekamen die beiden Angeklagten 2 und 3 Monate Gefängnis. Wer hat gelogen? Noch fragwürdiger erschien der dritte Fall. Belastungszeugen waren diesmal ein Zwölf- und ein Dreizehnjähriger. Der Angeklagte, ein K r i e gs i n v a l id e, soll versucht haben, den einen unzüchtig zu berühren: er soll ihnen 50 Pfennig versprochen haben. Der Mann sagt, die Jungens lügen. Das Gegenteil sei wahr. Als der Jüngere von den beiden ihm ein Angebot gemacht, habe er ihn zur Rede gestellt. Der Richter unternimmt einen Ueberrumpelungs- versuch, ffr mirft den Jungen Unwahrhastigkeit vor und schildert ihnen den Vorgang, wie ihn der Angeklagte darstellt. Die beiden Jungen sagen ober: Das ist gelogen. Dos Gericht glaubt ihnen und verurteilt den Kriegsinvaliden wegen versuchten Sittlichkeitsvergehens und wegen unbefugten Waffenbesitzes— man fand bei ihm außer unzüchtigen Bildern auch einen Totschläger aus Gummi— zu zwei Monaten Gefängnis. In dieser Verhandlung kam das Gericht ohne psychologischen Sachverständigen aus: liegen die Fälle aber besonders schwierig, so muß er bei der Wahrheitsfindung mithelfen... der Ferienfahrt! Auch wir wollen ermäßigte Fahrpreise haben, nachdem man uns die Löhne und Gehälter, ja sogar die Urlaubszeiten und die Urlaubsvcrgütungen zusammengestrichen hat. Akademische Arbeitstagung europäischer Jugend. In der großen Aula des Staatlichen Friedrich-Wilhelm-Gym- nasiums in der Kochstraße 13 findet jetzt bis zum 27. Mai eine akademische Arbeitstagung europäischer Jugend statt. Es werden sprechen am 23. Mai Dr. Walter Johannes Stein- Stuttgart über„Sind die Arbeitslosen eine Schicksalsgemeinschaft— vereint zu gemeinsamen Tun?", am 24. Mai Pater Friedrich Muckermann- Münster über„Geistige Entscheidung unserer Zeit"(Kirche und Bolschewismus), am 25. Mai Professor Dr. Werner S o m b a r t über„Jugend und Zukunft des Kapitalismus"(von Weltwirtschaft zu Planwirtschaft und Autarkie), am 26. Mai Dr. Edgar I. Jung- München über„Konservative Revolution"(Stand- ortbestimmung der europäischen Jugend) und am 27. Mai Philipp Dessauer u. Dr. Kahlefeld(Leipzig) über„Die katholisch« Lebensauffassung"(Wege und Führung). Die Vorträge beginnen pünktlich um 20 Uhr. Ein Lehrgang für gärungslose Früchleverwerlung findet an der Lehr- und Forschungsanstalr für Gartenbau in Berlin-Dahlem vom 9. bis 11. Juni d. I. von 9 bis 14 Uhr statt. Anmeldung unter Ein- sendung eines Lehrbeitrags von 5 M. auf das Postscheckkonto Berlin 26119 der Kasse der Lehr- und Forschungsanstalt für Garten- bau in Berlin-Dahlem. Berliner im Bodetal abgestürzt. Im Bodetal im Harz stürzte am 2. Feiertag die Limousine des Sanitätsrats Dr. Peyser aus Berlin auf der Straße zwis�en dem Hotel Waldkater und Thole einen steilen Ab- hang hinab und blieb etwa 7 bis 8 Meter tiefer hängen. Der Wogen konnte mit Winden wieder hochgezogen werden. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Ein Opfer seiner Zpielwut. Danzig. 17. Mai. Am 2. Psingstieiertag nachmittags wurde die Leiche des Berliner Kaufmanns Karl Feichtner von Fischern in der Ostsee auf- gesunden. Feichtner war seit dem 26. März aus einer Zoppoter Pension verschwunden. In einem hinterlassenen Brief teilte er mit, daß er infolge großer Verluste im. Spielkasino Zoppot sich das Leben nehmen würde. Don der Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschasls- bundes wird heute. Mittwoch. 18. Mai. 16.05 Uhr, ein szörbericht gesendet. Am Mikrophon Alfred Braun. Die kostenlosen Stenographiekurse, die der Berliner Steno» graphen-Verein Stolze-Schrcy„Tiro" in seiner Uebungsgruppe Karlshorst veranstaltet, finden Freitags von 20 bis 22 Uhr in, Städtischen Jugendheim. Treskowallee 44, statt. Anmeldungen zum Anfänger- und Wiederholungskursus, an denen sich männliche und weibliche Erwerbslose beteiligen können, werden noch am kommen- den Freitag entgegegenommen. Die Teilnehmer haben lediglich die Kosten für die Lehrmittel in Höhe von 1,50 M. zu tragen. OskAv WcKfle ImtHus. De? Peter, einen Atemzug lanP das Anstarren seiner Finger- nägel unterbrechend und die Zizkas anschauend, sieht, wie sich der Zinnbecher in dessen rechter Hand immer mehr ein- -wärts biegt. Bald wird er brechen. „Freilich geht das. Ein der Ketzerei Angeklagter kann van seinen Richtern verdammt werden, ohne daß er gehört wird. Juristisch ist diese Art des Berfahrens in Ordnung. Das kanonische Recht gibt den Vätern die Handhabe dazu!" „Aber es verstößt gegen die Abmachungen!" „Sehr richtig! Es widerspricht allem, was wir in dieser Sache teils mit dem Konzilium selber, teils mit dem König vereinbart haben. Es widerspricht auch dem, was der König seinerseits unmittelbar mit den Vätern verhandelt hatte." „Eine offene Schurkerei also?!" „Das richtige Wort, Ritter Jan. Jawohl, so kann man es nennen: eine offene Schurkerei! Ich, dessen inne werdend, was da gespielt werden sollte, laß Schreibzeug und Protokoll- blätter liegen, wie es liegt, und los, nichts wie los aus dem (Äcdräng und Gezwängc der Kutten und hierher, wo ich meinen Herrn Kepka traf, der gerade zu Tisch will. Schier außer Atem bin ich vom eiligen Laufen.„Jan Hus!" sag ich und muß mich am Türbalken halten.„Was ist mit Hus?" fragt Herr Kepka und steifclt die Brauen.„Er wird ver- dämmt, eh man ihn gehört hat!" Nun, ich kann es ja sagen, denn wir sind unter uns, Herr Kepka ist grau geworden im Gesicht. Aber rasch hat er seine Steinhaftigkeit abgetan, hat nach Iherrn Wenzel von Duba gerufen, und beide hin zum 5lönig, um ihm den Anschlag zu melden." „Und Sigmund?!" „Er war redlich empört über das, was er von uns hörte", springt Kepka ein. „Rur empört? Getan hat er nichts?" „Nicht so hitzig, Herzensbruder! Getan hat er viel. Hob sofort die Tafel auf, ließ sogar dos�geliebte Wildbret in der Zinnschüssel liegen, sandte auf der Stelle den Kurfürsten von der Pfalz und den Burggrafen von Nürnberg zu den Vätern mit der Weisung, es sei sein, des Königs Wille, daß dem Magister öffentlich Gehör gegeben werde," „Haben die Väter eingewilligt?" „Ja, wenn auch erst nach langem Zwiedern und Zaudern." „Demnach hat Hus ja öffentliches Verhör gehabt!" „So wahr ich Peter heiße", sagt der Notar,„Hus hat ein öffentliches Verhör gehabt. Aber was für eines, Ritter! Siehst du, so ist es angegangen: Der Offizial verliest den ersten Klageartikel und die Namen der belastenden Zeugen. Hus will reden und sich verantworten. Aber kaum hören die Väter seine Stimme, als sie losheulen und sich gebärden wie wilde Säue. Ich weiß wahrhaftig kein anderes Wort. Ihr Haar sträubt sich, sie runzeln ihre Stirnen und wetzen ihre gelben Zähne gegen Hus. Ja, Tiere waren das, aber keine Menschen, keine Männer, die sich versammelt hatten, so wichtige Fragen- zu erörtern.„Keine Ausrede, Ketzer!" schreien sie,„antworte auf den Klagartikel Ja oder Nein!" Als der Hurlebuß sich ein wenig gestillet, spricht der Magister eine Berufung auf die Heilige Schrift aus. Da schreien sie aufs neue durcheinander, gleich den Pharisäern wider Jesum.„Das gehört nicht zur Sache!" toben sie. Einige fangen an, den Magister zu schmähen und zu schelten. Andere verlachen, verhöhnen ihn. Wenzel Tiem spuckt ihm sogar Speuz ins Gesicht. Michael de Causis kreischt:„Schmeißt seine lästerlichen Bücher alle ins Feuer! Verbrennt den Dreck! Und ihn, den Ketzer, dazu!" Hus läßt sie schließlich toben und schweigt still. Aber auch das ist ihren entzündeten Ge» mütern nicht recht. Ein Triumphgeheul stimmen sie an:„Er schweigt jetzt! Gelt, er schweigt! Ein Zeichen dafür, daß er feinen Irrglauben zugibt!"—„Nein!" widerspricht der Ma- gister,„ich schweige, weil ich muß. Einen so großen Lärm kann ich nicht übertönen. Ich würde sprechen, wenn ich an- gehört würde!" Aber es kam nicht dazu. Die wildgeworde- nen Eber und Sauköpfc ließen sich nicht bändigen. Die Sitzung flog auf, ohne Ergebnis. Die Stocktnechte nahmen Hus in die Mitte und führten ihn wieder in Kette und Gitter!" Die Worte des Notars bekribbeln Zizka wie tausend bissige, angriffslustige Ameisen. Er kann nicht stillhalten, an so vielen Stellen verwunden und quälen sie ihn. „Ist die Gerechtigkeit denn ganz aus der Welt ge- gangen?" fragt er, als der Notar geendet. „He! Zizka. wie alt bist du?" meint breitlachend Conrad von der Ncwenftadt, einer der mährischen Ritter. „Was tut mein Alter dazu?" ,„Nun, weil du so dringlich nach der Gerechtigkeit sragst. Du kennst wohl ihre Geschichte nickst?" „Nein, ich kenne sie nicht." »Dann gestatte, daß ich sie dir zur Helmgabe verehret" Der Graubart sammelt sich einen Augenblick, zieht eine der Weinlachen vor ihm auf der Tischplatte mit dem Finger zu einer geraden Straße aus und beginnt, immer wieder ins Nasse tupfend:„Sieh, Zizka, seht, Herren! Die Gerechtigkeit und die Ungerechtigkeit gingen eines Tages in Eilmärschen hierher aufs Konstanzer Konzil. Sie waren aber für die lange Fahrt nur schlecht verproviantiert: denn jede von ihnen hatte nichts weiter bei sich als einen Laib Brot. Als sie hungrig wurden, setzten sie sich nieder zum Essen.„Weißt du was", sagt da die Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit,„essen wir erst dein Brot auf und nachher das meine!" Ohne Arg. wie die Gerechtigkeit ist, fügt sie sich. Also essen sie zuerst den Laib der Gerechtigkeit. Sie gehen weiter, einen halben Tag, einen ganzen Tag, was weiß ich! Ich weiß nur das eine, daß die Gerechtigkeit von neuem hungrig ist und, da sie kein eigenes Brot mehr hat, ihre Gefährtin bitten muß: „Brich jetzt von deinem Brot und teile mit mir!"„Wie komm ich dazu?" höhnt die Ungerechtigkeit.„Wenn du Brot von mir haben willst, bezahle! Gib mir eines deiner Augen!" (Bei dieser Stelle greift Zizka unwillkürlich an den schwarzen ledernen Lappen, der ihm vor der leeren Augenhöhle hängt.) Die Gerechtigkeit sperrt sich und will nickst: aber sie ist hungrig, und jede Stunde wird sie hungriger, schon bellt und schnellt ihr Magen, was soll sie nur auf die Dauer tun? Es bleibt ihr in der Tat nichts anderes übrig, als sich ein Auge ausstechen zu lassen. Jetzt gibt es wohl Brot, aber das halbe Leben ist weg. Am nächsten Tag, zur Essenszeit, wieder der gleiche Tanz. Wieder ist die Gerechtigkeit hungrig, wieder verlangt sie Brot, wieder will die Ungerechtigkeit als Ablaß- preis ein Auge haben. Die Gerechtigkeit sträubt sich dagegen, auch noch das letzte Auge zu geben. Die Gerechtigkeit mehrt sich, die Gerechtigkeit sagt nein, die Gerechtigkeit wandert weiter. Aber sie mag die Welt auswandern, sie mag in diesem Konstanz und auf diesem Konzil bei den frommen Vätern anpochen, an weicher Tür sie auch will, nirgendwo etwas zu effen, nicht eine Krume, Zizka, Herren, auch nicht ein Sämlein! Was will die Gerechtigkeit tun? Toll vor Hunger, fetzt sie sich auf einen Schotterhoufen am Wegrand und läßt sich vön der Ungerechtigkeit auch noch das letzte Auge ausstechen. Aber glaubst du, Zizka, glaubt ihr, Herren. sie habe auf diesen Schmerz hin das ausbodungene Brot be- kommen? Nein, die Ungerechtigkeit hat die blinde Gerechtig- keit mit Nesseln ins blutende Antlitz geschlagen, sie bot sie verhöhnt und ist dann mit dem ihrigen weiterge, zogen. Ritter, Mann des Zuschlags, du hast vorhin gefragt:„Ist die Ge- rechtigkcit denn ganz aus der Well gegongen?" Nein, jetzt weißt du es, die Gerechtigkeit irrt wohl noch in der Welt umher, aber sie ist blind!"(Fortsetzung j Bürgermeister und Ausländer. raeraischiing und Beamlenbeslechung vor eericM. Em Ausländer, der odne Aufenthaltserlaubnis in Berlin leben will, findet schon Mittel und Wege. So läßt er sich z. B. für billiges Geld in der Gegend um die Münzstraße einen polizeilichen An- Meldeschein ausstellen oder sich in seinen Paß einen falschen Stempel hineinsetzcn. Daß aber«in deutscher Bürgermeister sich dazu hergibt, einem Ausländer unrechtmäßigerweise einen dauernden Aufenthalt in Deutschland zu ermöglichen, das ist doch ein Novum, Bor dem Schöffengericht Berlin-Mitte erfuhr man, daß es einen solchen Bürgermeister gabi der Mann ist freiwillig aus dem Leben geschieden. Er hatte wegen Unterschlagung einen Monat Gefängnis erhalten, hatte sich in Hypothekenongelegenheitcn verwickelt, hatte Schulden gemacht und wußte schließlich nicht mehr aus und ein. Eine Hypothek spielte auch eine gewisse Rolle in der Paßangelegcn- heit, die gestern in der Verhandlung zur Erörterung stand. Der Lagerverwalter S. befand sich in einem polnischen Arbeiter- transportzug auf der Durchreise durch Berlin. Er verließ den Zug. blieb in Berlin und befaßte sich mit Stofshandel. Eine Zeitlang ging es auch ohne Aufenthaltserlaubnis. Er wohnte eben unangemeldet; in einer großen Stadt wie Berlin ist auch das möglich. Dann lernte er aber den Bäckermeister K. kennen und dieser erklärte sich bereit, gegen ein geringes Entgelt in Höhe von 4» bis 50 M. ihm einen dauernden Aufenthalt in Deutschland zu verschaffen. K. hatte nämlich in Leipzig den bewußten Bürgermeister kennengelernt und zwar in einem Cafe, in dem Hypotheken und Grundstücke vermittelt wurden. Der Bürgermeister wollte etwa ölXlv bis 6000 M, auf eine Hypothek haben. K. versprach sie ihm zu verschossen. Als S. sich an ihn wegen des Daueraufenthalts wandte, erinnerte er sich des Bürger- meisters. Er nahm den polnischen Pah an sich und fuhr zu dem Bürgermeister in das sächsische Städtchen. Als er zurückkam, über- reichte er S. einen polizeilichen Abmeldeschein und den Paß, der die Aufenthaltserlaubnis auf unbestimmte Dauer für ihn und seine Familie enthielt. Das war im Jahre 1930. Seitdem konnte S. un- gehindert in Deutschland leben. Bis eines Tages der Bürgermeister sich das Leben nahm; die Prüfung seiner Geschäftsführung ergab Unregelmäßigkeiten, man kam auch hinter den unrechtmäßig aus- gestellten polizeilichen Anmeldeschein und der ebenso unrechtmäßig gewährten Aufenthaltserlaubnis. Das Gericht verurteilte K. zu einem Jahr Gefängnis, S. zu drei Monaten Gefängnis. Diesem wird jetzt nichts übrigbleiben, als noch Polen zurückzufahren. Kampf den Mücken! In der Zeit vom IS. Mai bis 31. Oktober sind wiederum Maß- nahmen zur Bekämpfung der Mückenplage durchzu- führen. Im Gegensatz zur Wintermückenbekämpfung handelt es sich jetzt um einen Kampf gegen die Brut der Mücken, die ausschließlich in stehenden Wasseransammlungen lebt und sich dort entwickelt. Kleine Teiche, Tümpel. Gräben. Tonnen, ja schon kleinste herum- jtehendc wasserhaltige Gefäße(Konservenbüchsen u. a.) benutzen die Mückenschwörme zur Ablage ihrer Brut. Deshalb macht es die Polizeiverordnung vom 17. September 1929 allen Eigen- tumcrn, Mietern, Pächtern usw. von Wasser- und Bodenflächen, die durch ihre Lage und Beschaffenheit einer Mückenvermehrung Vor- schub leisten, zur Pflicht, in der Zeit vom IS. Mai bis 31. Oktober wirksame Maßnohmen zur Bekämpfung der Mückenbput durchzu» führen. Es empfiehlt sich daher, nachstehende Punkte zu beachten: Ein jeder muß auf seinem Eigentum und Besitz dafür Sorge tragen, daß alle unnützen Wasseransammlungen auf geeignete Weise beseitigt werden(Ausgießen, Zuschütten usw.), wo das nicht möglich ist(Regentonnen), müssen die kleineren Wasseransammlungen so ob- gedeckt werden, daß den Mückenweibchen die Brutablagc verwehrt ist. Man kann auch mit chemischen Mitteln gegen die Mückenbrut vorgehen, indem man die Oberfläche des Wassers mit einer dünnen Oelfchicht überzieht. Ueber die Einzelheiten dieses Verfahren-, das am besten alle vierzehn Tage wiederholt wird, geben das Haupt- gcsundheitsamt und alle Bezirksgefundheitsämter Auskunst. Die Durchführung der Polizeiverfügung wird überwacht, und bei Richtinnehaltung der Vorschriften können die notwendigen Be- kämpfungsmaßnohmen auf Kosten der säumigen An- l i e g c r durchgeführt werden. i932.abds. ©vwlkenl08.O heiter,® halb bedeckt 9wolkig,«bedeckt*RegaanGr*tt(ietn SehiwsifebelFGewineeOWMiaf1«« Die kalten Luftmassen, die schon am Montagabend im Westen Deutschlands eingebrochen waren, sind weiter ostwärts vorgestoßen. Bis Dienstagabend hatten sie Süddcutschland überflutet und waren in Norddeutschland bis zur Elbe vorgedrungen. Allein in Süd- deutschland war der Einbruch noch von nennenswerten Nieder- schlügen begleitet, in Norddeutschland fiel nur vereinzelt etwas Regen. Desto fühlbarer ist die eintretende Abkühlung. Während die Temperaturen im Osten Dienstagabend noch zwischen 20 und 26 Grad lagen, wurden westlich der Elbe nur 1-t bis 18 Grad, an der Nordsee nur 11 bis 13 Grad gemessen. Die Kaltlustmassen werden sich am Mittwoch auch in unserem Bezirk bemerkbar machen; unter dem Einfluß eines von Frankreich folgenden Hochs wird sich das Wetter nach Durchgang der Kaltfront wahrscheinlich bald wieder bessern. wetteraussichten für Berlin: Kühleres, teils wolkiges, teils heiteres Wetter; mäßige Winde aus West- und Südwest; strichweise »och etwas Regen.— Für Deutschland: Im Nordosten keine wescnt- liche Aendexung, im Osten Abkühlung mit verbreiteten Gewitter- regen, in Mitieldeutschland wolkiges bis heiteres und kühleres Wetter, im Westen und Süden allmähliche Wiedererwärmung. Ei»l«i>dangen sur diel« ZiaSrU sind Berlin SW«s, Linbenstraße 3. Groß-Berttn stet» cu dos Bcotrfefcfrctoriat 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten S. Kreie. Heute abend, 20 Uhr, im Biktoria-Earten, Zimmer 1, Sitzung des Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern. 128./29. Äbt. Arbeitskreis jüngerer Parteigenossen. Mittwoch, 20 Uhr, Türkisches Zelt, Breite Straße. Dr. Franz Adler. Arbeitsbeschaffungsprogramme. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde Grosz-Derlin. Äreis tzriedr!ch»l>ain. Heute(Mittwoch). 18 Uhr, spielen alle ßt k Falken aus dem Sportpla« im Friedrichshain. Vi Adtcilnng Laiidsderaer Plah. Äom Freitaq. 20. Mai, bis Man- toq. 23. Mai, Nestsaltenfahrt nach Ucdcrscc bei Cbcrswalde. Kosten ''• 3,?ö M. Anmeldung fosocl. tlASozialistifcheArbetterjugendGroß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendsekretariat Berlin SÄ v8. Lindcnstratze 2. vorn l Treppe rechts. heule, Mittwoch. i9'A Uhr: Gesundbrunnen RF.: Koloniestr. 8. Lustiger Abend.— Webding RZ.: Turiner, Ecke Seestraße. Musizierzimmcr: Bunter Abend.— Frankfurter Vier- tel: Frankfurter Allee 007. Fohrtaussprache.— Warschauer Viertel R�.: Schwimmen im Freibad Alingenberg.— Spandau: Lindenufer 1.„Aus der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung." H.— Steglitz I: Besuch der Mit. gliedcrversammlung der Partei.— Adlershof: Bismarckstr. l. Volkstanzabend. — Bohnsdorf: Dachte lstv. 1.„Was wird aus Preußen'/" Falkenberg: Guts- Hof.„Was ist Sozialismus?"— Friedrichshagcn: Friedrichstr. 87. Leseabend. — Kaulsdorf: Adolfstr. 25. Aussprachenbend.— Lichtenberg-Mitte: Dossestr. 22. „Die Wahlen in Frankreich und die politischen Parteien in Frankreich." ReU'Lichtcnbcra: Sportabend.— Lichtenberg-Nord:©unterste. 44. Literatur. abend.— Mahlsdorf: Melanchthonstr. 03...Moderner Strafvollzug."— Prenzlauer Berg: Werbcausschußsitzung Mittwoch, 20 Ahr, Danziger Ctr. 23. Alle Gruppen müssen vertreten sein. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbuiid bor Ztriegsbolchödiaicn, Aricpstcilachmcr und Ztriegkrhiaier. dUkbonen. Sau Berlin. Ortspruppc Norden 1». Donnerstag, IS. Mai, 2li Uhr, Mitaliederverlommlung, Pappclallec 1ä, casino-Festsäle. Referent: Kamerad Willl Lorenz, 3. Sauoorsihender, Thema:„tä Jahre Reichsbund und sein Sinfluh aus die Sozialpolitik, Filrsorge und Zusatzrentcngewährung in der Gegenwart." Landsmannschaft der Schleswig, Aolfteiner 1892. Gefchäftsstelle 6. 14, Vrinzenstr. 61. Donnerstag, 19. Mai, 20 Uhr, im„Dresdener Garten", Drcs. dcner Str. 4ä, gefchSftlichc Eihung. Gedenkfeier für den verstorbenen Lands. mann August Quift. Ehrung Landsmann I. Clauhen und Frau fiir ISiohrige Mitgliedschaft. Maienvarträgc— Maienlicder. Aufnahme neuer Mitglieder. Laudsleutc willkommen. Freie Arbeiter-Stenographenvercinigung Sroh, Berlin. Reichskurzschriftkurse fiir Fortgeschrittene. Norde» I: Jugendheim Willdenowstr. S(»alic Bahnhof Vedding». l.W— 220 Silben Dcbattenfchrift, jeden Freitag.— Norden U: Jugendheim Leestr. 57, Ecke Turincr Straße. 50— 100 Silben, jeden Montag,— Nordosten: Jugendheim Danziger Str. 62. Anfängcrkursus in Debattcnfchrift, 100— 140 Silben, jcben Dienstag.— Neukölln: Karl-Marx-Schul«, Nailer. Friedrich. Str. 209—210. 50— 100 Silben jeden Dienstag. 140—220 Silben De- battenfchrift jeden Donnerstag, 100—140 Silben jeden Freitag. Beginn fäwt. licher.Surfe 19'; Uhr. Beitrag: l..'>0 M. für Erwachsene, 1,-- M. für Jugend. liche, 50 Pf. für Erwerbslose, 10 Pf. für fltifrn. und Wohlfohrtsunterstiihiing». empfönger monatlich. Alle Echriflgenofsen und Freunde unserer B-wegung laden wir hiermit zu der am 5. Juni stattfindenden Dampferfahrt herzlich ein. Starten lind noch bei den Äursualeitern erhältlich. Weitere Aiiskunft erteilt gegen Einsendung einer 8.Pf..Brie.fmark« Otta Wenghoeser. Vorsitzender, Velten i. Mark, Dilhelmstr. 10», Zu allen Kursen sind Gaste willkoauileil. il* 25%.ä.■■ m ____.— Zur Zahnpflege und zur 1 mmm tZur Zahnpflege und zur Erlangung schöner weißer und gesunder Zähne von mehr als 6 Millionen allein in Deutschland täglich im Gebrauch. m m W MmMm i? Ä■■ MMR Theodore 3)reiiers Jßeben Sine Jlnlobiographie/ Von Friedrich Xichineker „Dos Buch über mich selb st" nennt der große omerika- Nische Dichter Theodore Dreiser sein letztes Werk(erschienen bei Paul Zsolnay Verlag, Berlin-Wien). Ein Bekennrnisbuch, eine Lebensbeichte, Beichte vielmehr über den Abschnitt eines Lebens, den wichtigsten, entscheidendsten im Leben des Menschen überhaupt: Kindheit und Jugend. Wenngleich auch Dreiser nicht be- haupten will,„daß dieser Bericht wahr sei", den er„Nack? bestem Wissen und Gewissen" niedergeschrieben hat,„so wahrheitsgetreu, wie die Erinnerung es gestattet", so wollen wir dennoch annehmen, daß das Kindheitserlebnis Dreisers so stark und nachdrücklich mar, um einigermaßen als authentisches Dokument für die Entwicklung eines großen Geistes zu gelten. Es mag richtig sein, daß unser Erinnerungsvermögen stets rela- tio zu werten ist und gerade Geschehnisse aus der Kindheit und srühen Jugend in der Erinnerung daran ihre ursprüngliche Gestalt verändern. Während nämlich diese frühen Ereignisse unseres Lebens allein Sache des Instinkts waren, werden sie später der Kritik unserer Vernunft unterstellt. Im wesentlichen aber nimmt unser Kindheitscrlebnis die gefestigtste Stellung in dem Reservoir unserer Lebenseindrücke ein. Alles, was wir sind unh tun, leitet sich von diesen ersten, elementaren Eindrucken her, im Kindheit?- erlcbnis finden wir den Schlüssel zu allen unseren späteren Lebens- lagen. Denn:„Unsere Seele kommt neu und voll freudiger Er- Wartung aus einem gänzlich anderen Reich, und die Wachstafel, die sie mitbringt, ist völlig unbeschrieben und rein. Alles wird darauf verzeichnet— und wie nachdrücklich und andauernd dazu!" So schreibt Dreiser selbst und gibt damit seinem Bericht das Rückgrat seiner Wahrheit. Jugend in Armut... Ehe er auf sich selbst eingeht und jedes kleinste Ereignis und jede geheimste Regung seiner Jugend schonungslos mitteilt und dabei deren Wirkung auf sein späteres Leben prüft, macht er uns mit seiner Familie bekannt. Vater Dreiser war Deutscher und stammte aus Mayen bei Koblenz, die Mutter war die Tochter eines wohlhabenden, aus Mähren stammenden mennonitischen Farmers, der in Pennsylvanien lebte. In S u l l i v a n im Staate Indiana ist der alte Dreiser Besitzer einer Spinnerei und Weberei. Die Fabrik brennt ab. Da sie nicht versichert ist, bedeutet das für den Mann Ruin. Die Eltern Dreisers übersiedeln nach T e r r e Haute, wo er am 27. August 1871 geboren wird. Er war ein kränkliches Kind, an dessen Aufkommen gezweifelt wurde. Diese körperliche Schwäche verließ Dreiser in seiner ganzen Jugend nicht und wurde, von den ihm an Körperkraft überlegenen Kameraden zu Bewußtsein gebracht, oft zu seinem Verhängnis und einem mit viel Bitternis getragenen Leid. Der früh in ihm ge- schaffene Minderwertigkeitskomplex mochte sich dann in der Zeit der Pubertät besonders katastrophal bemerkbar und setzte ihn mancher Kränkung, ja sogar der Gefahr einer ernstlichen Er- krankung aus. Gerade aber wegen seiner schwächlichen Körper- konstitution war er der Liebling seiner Mutter, die außer ihm noch vier Knaben und fünf Mädchen das Leben schenkte. Die zahlreiche Familie und der Bankrott des Vaters schufen natürlich immer wieder neue wirtschaftliche Schwierigkeiten, die nicht selten auch in bitterste Not und trostlosestes Elend ausarteten. Dieser Umstand bedang auch, daß die Familie immer wieder ge- trennt und zersprengt wurde und sich auf einer ewigen Wanderung nach besseren Lebensmöglichkeiten befand. Rührend das Bild von Mutter Dreiser, das der Dichter mit wahrer Inbrunst und Liebe zeichnet: Eine Frau, deren Pflichtbewußtsein von heroischer Größe ist. Dabei von rührender Anteilnahme am Geschick ihrer Kinder und einer Hochherzigkeit und Verständnissülle, wie cs nur das Idealbild einer Mutter fein kann. Schuljahre. Im wahren Gegensatz zu ihr steht der alte Dreiser, der, einmal ruiniert, nie wieder hoch kommen kann, weil cs ihm an Initiative fehlt, das Leben dort zu packen, wo es am lebendigsten ist, und statt dessen sich dem Mystizismus der katholischen Religion ergibt, in dem er Trost für ein bankrottes Leben sucht. Die Fröm- migkeit und das Eingesponnensein in diesen mystischen 51atholizis- mus Dreisers senior werden für den jungen Dreiser und seine Geschwister zu einer wahren Geißel. Am empfindlichsten aber da, wo der alte Dreiser seine Kinder zum Besuch der katholischen Schule kommandierte, obwohl es genügend öffentliche Schulen gab, deren Besuch überdies unentgeltlich war. Der junge Dreiser haßte die geistliche Schule, von der er be- richtet, daß sie„das Armseligste war, was man sich denken konnte", und deren Lehrstoff er folgendermaßen skizziert:„Keine Geschichte der Vereinigten Staaten, keine Geographie, keine Algebra, Geo- Metrie, Zoologie oder Botanik, noch irgendeine der Wissenschaften oder Künste, deren Elemente Kindern oft solche Freude machen. Die Hauptsache war, daß sie Lesen, Schreiben und Rechnen lernten und als vollwertige und gläubige Katholiken in irgendeine Werkstatt eintraten." Dazu bei Versäumnis der Messe eine Tracht Prügel, gleichviel, ob die Eltern damit einverstanden waren oder nicht. „Ich will nicht ungerecht sein gegen eine Institution", sagt Dreiser,„aber auch bei größter Nachsicht kann ich mir nichts anderes Borniertes denken als das in solchen Schulen herrschende System, das im Laufe von ungefähr zwanzig Jahren die Schicksale einiger tausend Kinder entscheidend beeinflußt haben muß." Diese Schule ist auch gewiß die Ursache für Dreisers bis zum heutigen Tage feind- selige Stellungnahme zur katholischen Kirche. Viele Jahre führten er und seine Geschwister um den Besuch einer öffentlichen Schule einen verzweifelten Kampf mit dem in seinen Glaubensdogmen festverankerten Vater. Als die Familie das zweitemal noch C h i k a g o kam und ihre wirtschaftliche Krise den Höhepunkt erreicht hatte, gewannen die Geschwister Oberhand und stellten, den Vater, der arbeitslos und nur eine Bürde der Familie war, vor die Alternative, seine Moralpredigten einzustellen zu- gunsten einer freieren, lebenstüchtigeren Gesinnung, deren Duldung sie forderten. So gelang es Theodore, endlich das damalige amerikanische Schulsystem kennen zu lernen, das er als eine„fröhliche Obhut über Millionen von Kindern nach der Art liebender Eltern" bezeichnet,„aber mit mehr Liebe und weit mehr Klugheit und Sorgfalt, als die meisten ärmeren Eltern aufbringen". Dreiser glaubt nicht an die Demokratie, aber doch an eine„Form sozialer Ordnung, die das Kind ebenso vorteilhaft erziehen könnte wie ein anderes der Aufzucht würdiges Wesen". Und er fragt, ob es das je geben wird, denn die jetzige Richtung der amerikanischen Demokratie ist nicht sehr vielversprechend.„Aber bestimmt braucht die geistige Entwicklung des Menschen viel Zeit, und der Weg jeg- licher Regierungsform ist überwuchert von den anscheinend unaus- rottbaren Dummheiten, Gelüsten und Begierden der Menschheit." Von den Lehrerinnen dieser Zeit berichtet er. daß sie„keines- wegs Geistesgrößen, aber freundlich, gütig und hilfsbereit waren. VonBcrufzu Beruf. Einem dieser hilfsbereiten Wesen verdankt er Jahre später eine ganz entscheidende Wendung in seinem Leben: Dreiser, nachdem er die Schule verlassen hat, wird van Beruf zu Beruf gehetzt: erst versucht er es auf einer Farm, kehrt nach Chikago zurück, geht den Leidensweg aller Stellungsuchenden, bis er als Tellerwäscher in einem vor Dreck starrenden griechischen Restaurant einen wenig verheißungsvollen Anfang feiner Karriere nimmt: in rascher Folge erlebt er dann das typische Schicksal der proletarischen Jugend Amerikas— dauernder Berufswechsel, der nicht selten zur Kala- slrophe für junge Menschen wird—(Dreiser hat einen solchen Fall in seiner„Amerikanischen Tragödie" aufgezeigt). Bald ist er Lauf- junge, bald Ofenputzer bei einem Eisenhändlcr, wo er viel Rost und Staub schlucken muß, dann Bediensteter auf einem Rangier- bahnhof, Malergehilfe und dann wieder in einer Eisenhandlung Handlanger. Hier holt ihn jene vorhin erwähnte Lehrerin heraus und bringt ihn auf die Universität. Sie hat früh genug den Bildung?- Hunger und vor allem die Bildungssähigkeit des jungen Dreiser erkannt. Hat er bisher das Leben der arbeitenden Klasse, die Welt des Proletariers erlebt, so wurde er nun auf dem College mit einer neuen Lebensweise bekannt. Aber welche Gesellschaftsordnung, welches Kasten- und Rassenwesen mußte er hier kennen lernen! Welcher Hochmut der Senioren! Welcher 5iochmut des Geldes!„Und das in unserer jungen, friedfertigen, sogenannten demokratischen Republik!" ruft einmal Dreiser aus. Diese Studentenverbindungen, alberne Vereinigungen, die als ideale Bande der Verbrüderung hingestellt werden! Die aber den ärmlich gekleideten Jungen nicht als vollwertig ansehen und des- halb, nicht bei sich aufnehmen. Mu tters Tod und ein„Verbrechen". Wiewohl Dreiser der Kopf mit viel Wissen vollgepackt wurde, kehrt er dennoch leer und unbefriedigt von dem College nach Chikago zurück und geht hier van neuem auf die Arbeitssuche. Findet Anstellung in einem Realitätenbüro, hat zweimal die Ge- legenheit zu heiraten, ohne davon aber Gebrauch zu machen— da ereilt ihn ein schwerer Schicksalsschlag: seine Mutter st i r b t. Das Leben geht weiter— Dreiser, von neuem auf der Stellung- suche, findet Arbeit als Kutscher in einer Wäscherei, dann wieder mal in einer anderen und kommt schließlich zu Dr. N e s b i t, wo er das sogenannte Ratengeschäft kennen lernt. Hier besteht seine Befchöftigung darin, armen Leuten billigen Schund und Kitsch anzudrehen und dann die fälligen Raten einzukassieren.„Was mir damals, wenn auch noch unklar, aufdämmerte, war dos rührendste der blind einhertappenden Menschheit, die ein paar Bro- somen von dem Festessen zu erhaschen sucht, das die Kunst ihren Jüngern bereitet", erzählt Dreiser. Hier bei Mr. Nesbit, dem„Kunstversorger" der Elendsquartiere Chikagos, war es auch, wo Dreiser sein bekanntes„Verbrechen" verübte, aus dem ihm Jahrzehnte später die amerikanische Gesellschaft einen Strick drehen wollte. Es stimmt, Dreiser hat damals bei diesem Mr. Nesbit 2 5 Dollar unterschlagen, um sich Kleider und Wäsche zu kaufen, vor allen: aber einen Mantel. Er kassierte Raten und lieferte dos Geld nicht ob, wollte aber selbst in Raten von seinem Geholt den Fehlbetrag ergänzen. Wie das aber nun mal ist— ehe ihm diese„geschäftliche Transoktion" gelang, kam Mr. Nesbit schon dahinter— und Dreiser wurde sanft, aber schonungslos vor die Tür gesetzt. Dieses Ereignis scheint 5)öhc- und Schlußpunkt seiner Jugend zu sein, denn damit schließt er seinen Bericht„über sich selbst". Eine Fülle von Wissen und Erfahrung ist in diesem Bekennt- nisbuch zusammengetragen. Mit selbstkritischer Schonungslosigkeit rührt der Dichter an die heikelsten Dinge! Mit mutiger Offenheit spricht hier ein ganzer Mensch von den Qualen einer an Hemmungen reichen Sexualität und von dem Erlebnis einer reinen Liebe. Ein Dichter schrieb den Roman seiner Jugend, aufregend, erfchiitternv und belehrend, zugleich erhebend. Ein Buch für die Jugend und vor allem für die, die sie führen und erziehen. Wäre das Buch knapper, gedrängter, würde es auch den Weg in die breitesten Schichten finden. Und dahin gehört es! 3)ie ffieUler Oper John Qay sum Qedächinis, f 1732/ Ton Paul 3t. Zmden Die ausgezeichnete Bearbeitung für die deutsche Bühne und die filmische Darstellung haben eine literarisch interessante Tatsache vollkommen in den Hintergrund gerückt: der Titel der„Drei- groschenoper" heißt im Original„Tde Beggars Opera" und ihr Autor John Gay, der keine wie auch immer gearteten Autorenrechte geltend machen kann, und auch keine Vertragspflichten zu erfüllen hat, denn in diesem Jahre wird er gerade 2lX> Jahre tot sein. Der englische Autor hatte die Absicht, ein Zeitstück zu schreiben, d. h. eine Handlung aus der Zeit für die Zeit, aber die künstlerische Höhe der Gestaltung stempelte es zu einem zeitlosen Kunstwerk: der Erfolg der„Dreigroschenoper" ist dessen Beweis. Es ist reizvoll, sich in diesem Jahre des Gedenkens auch des John Gay(gest. 1732) wieder zu erinnern. In England regierte, nach dem Tode des ersten George(1727) Gearge II. aus dem Hause Hannover. Es war eine Zeit der stärksten Anteilnahme aller Schichten des Volkes an Politik und Regierung. In Lörtdon erschienen damals 1 8 politische Zei- klingen, d. T). sieben mehr als hundert Jahre später; drei der heute noch wertvollsten Zeitschriften„Tatler",„Spectator" und „Guardian" entstanden. Kunst und Literatur hatten Zeitereignisse zum Gegenstand: Hogarth malte das satirische Genre(auch Szenen aus der„Bettleroper"), D e f o e(„Robinson Crusoe") und Swift(„Gulliver") schrieben politische Pamphlete und waren in die politischen Zeitereignisse verwickelt. In diesem Milieu erschien(1728)„Tim Beggars Opera" van John Gay(1688— 1732) mit der ausgesprochenen Absicht der politischen Satire im Gewand des komischen Singspiels. An der Spitze des Ministeriums stand damals Robert Walpole, trotzdem er 1711 wegen Korruption aus dem Par- lament gestoßen war: während seiner Amtszeit blühte die staatliche und bürgerliche Bestechlichkeit in allen Schichten, und von ihm stammt das Wort: Jeder Mensch hat seinen Preis." Diese Kor- ruption bloßzustellen, von der Bühne herab zu geißeln, war Gays Tendenz: einzelne Szenen sind geradezu Anspielungen auf Walpole, der in der Person des P e a ch u m persifliert wird. Die Erstaufführung der Bettleroper fand am 23. Januar 1728 statt: der Erfolg war ungeheuer und 62 m al hintereinander wurde das Stück wiederholt: für die damalige Zeit eine noch nie dagewesene Folge. Die Regierung, in ihrer Bestürzung, ließ sogar von den Kanzeln herab gegen das Werk predigen, aber trotzdem wurde es so populär und ging so stark in den Zeitgeschmack über, daß es auch das Kunstgewerbe beeinflußte: Fächer und Wandschirme wurden mit Liedern aus der Oper bemalt oder bestickt. Der glück- liche Theaterdirektor hieß R i ch und der glänzende Erfolg führte zu dem nicht übersetzbaren Wortfpiel: tbe piece made Ridi gay& Gay ridi.(„Das Stück machte Rich froh und Gay reich.") Die erste Darstellerin der Polly Peachum, die schöne Miß L a v i n i a Fenton, konnte noch einen besonderen Erfolg für sich buchen: sie eröffnete den Reigen der ehelichen Verbindungen zwischen Bühne und Adel, sie wurde Herzogin von Bolton. Der Erstaufführung wohnte W a l p o l e bei, der demonstrativen Beifall gab, um zu zeigen, daß er sich nicht getroffen fühle, aber er rächte sich, als er Gays spätere Werke aufs rigoroseste unterdrückte und verbot: der Dichter starb verarmt und verbittert: auf seinem Grab- stein— in der Westminster Abtei— ist zu lesen: „Life is a jest and all things sbow it: I thought so once and now I know iL" Was zu übersetzen wäre etwa mit:„Das Leben ist ein Witz. So habe ich früher gedacht. Doch jetzt weiß ich's genau, seitdem ich das Leben vollbracht." Die Bettleroper, eine der merkwürdigsten Erscheinungen der englischen Bühnenliteratur, ist nie von den Brettern verschwunden. Eine der vielen Wiederholungen fand im Juni 1323 im Lyric in London statt und lief, ununterbrochen, bis Dezember 1 923, also 314 Jahre: auch 1930 wurde sie in London monatelang aufgeführt. Von irgendeiner ileberolterung kann also, selbst nach über 233 Jahren, keine Rede sein. Eine weitere bewußte Tendenz der Bettleroper zielt gegen die Unnatur der barocken, steifen italienischen Prunkoper und ihre an- spruchsvolle Aufmachung: Gay und sein musikalischer Mitarbeiter P e p u s ch persiflieren nicht nur diesen Stil mit seinen Auswüchsen — hierdurch sind sie gewissermaßen Vorläufer von Jacques O f f e n b a ch—, sondern sie haben den Mut, eine ganz neue Art des Singspiels zu schaffen: statt der Bravour- und Koloraturarien bieten sie schlichte Melodien, neu erfundene und an Volkslieder an- gelehnte, und das gesungene Rezitativ wird ersetzt durch da; ge- > sprochene Wort. So ist Gays Bcttleroper ein Markstein, ein Wende- punkt auch in der Entwicklung des Bühnen- und des Singspiels. Warum der Name„B e tt l e r o p e r?" Vor- und Zwischen- spiel machen dies kenntlich. Ein Amateurdichter hat, mit Amateurdar st ellern, eine Stegreifkomödie gedichtet und zur Aufführung gebracht: olle sind tätige Mitglieder einer Bettler- zunft, in deren„Vereinshaus" das Stück aufgeführt wurde; es ist also ein Theaterstück von Bettlern für Bettler. Es hatte aber in dem engen Rahmen solchen Erfolg, daß ein Theaterdirektor sich ent- schließt, seine Bühne zur Verfügung zu stellen und bei der Jnszenie- rung vor dem Publikum zu helfen. Das ist die Rahmenhandlung, die überdies klar zum Ausdruck bringt, daß es sich um ein moralisierendes Tendenz stück handelt. Die deutsche Bearbeitung, die„Dreigroschenoper", gibt nichts von dieser Rahmenhandlung, deutet sie nicht einmal an, obgleich sie besonders wertvoll und— aktuell ist. So der geistreiche und witzige Dialog zwischen dem Bettlerautor und dem Schauspieldirektor: der bühnenfremde Dichter will Macheath hängen lassen, um„strenge, poetische Gerechtigkeit zu üben". Der Fachmann aber, der sein Publikum kennt, hält das für unwirksam:„eine Oper muß gut ausgehen. Wir brauchen ein Happyend." Der Dichter, dem ja schließlich auch um Wirkung und Erfolg zu tun ist, gibt notgedrun- gen nach: er wollte zeigen,„daß die Manieren bei Hoch und Niedrig genau dieselben sind und daß es schwer ist, festzustellen, ob die feinen Herren den Hochstapler imitieren oder die Hochstapler die Gentlemen." Bor zweihundert Jahren wurde das Stück geschrieben! Die eigentliche Handlung ist so stark, immer fortschreitend und voll innerer Spannung, daß sie, mit geringster Umarbeitung, heute noch durchaus bühnenfähig wäre. Selbst die rein lyrischen Stellen zeigen keine Spur von Ueberalterung. Eine Kostprobe sei übersetzt: Ein Fuchs kann euch die Hühner mausen, Die Tochter in dem Geldschrank hausen, Eine Hure um Geld und Gesundheit euch quälen, Die eigene Frau die Ruhe euch stehlen Und ein Dieb euch Ware und Silberzeug klaut. Das bleibt noch alles in bescheidenem Rahmen, Wenn sie Ruhe und Silber und die Hühner euch nahmen. Kommt aber ein Anwalt mit der Liquidation, Ist der ganze Besitz zum Teufel schon. Der bestiehlt euch bis auf die nackte Haut. Vielleicht findet sich ein literarischer Theaterdirektor, der uns die richtige„Bettleroper" bringt. Sie ist der Ausgrabung wert. Jtuffifche Sprichwörlcr. Ohne Donner bekreuzigt der Bauer sich nicht. *• Ein Narr wirft den Stein ins Meer: hundert Weife ziehen ihn nicht heraus. Rock. Beim Streit schont der Reiche sein Gesicht; der Arme seinen Dom Schweigen wird die Zunge nicht müde. * Ein schmeichelndes Kälbchen saugt unier zwei Müttern. * Je weiter du begleitest, desto mehr Tränen. * Er floh vor dem Wolf und fiel dem Bären in die Pranken. "k Gewinn und Verlust fahren in einem Schlitten. * Füttere den Wolf noch so gut; immer guckt er nach dem Wald. * Ein Esel gefällt den anderen Eseln bester als das schnellste Pferd. Balge dich mit keinem Starken. (Gesammelt von Hans Erman.) ■l'crflittmotllid) fiit Politik: Viit» Schiit: SMrlschutt: S. Sliizelhiler: Ccwerkschaflsoowrgun-l: I. Steiiicr: Feuillclon: Di. doho Schik«w«ti: Lokale» inid Soiisliges: Keitz Aaestädt, Änzeigen: Th. Sloite: siimliich in Berlin. Verlag: Borroarls-Verlag S. m. t>. H.. Berlin. Druck: Porwarts.Buchdruckerel und Verlagsanstalt• Paul Singer u. Co.. Berlin LW. 53, Lindenstraße Z». Pierzn 2 Beilagen. Nr. 229» 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, IS. Mai 4932 Amerikanische Arbeitsbeschaffung? An staatliche Arbeitsbeschaffung denkt Präsident Hoover nicht. Vor einigen Tagen erregte es ein gewisses Aufsehen, daß die amerikanische Regierung sich nun doch in großem Maßstabe zur Fürsorge für die Arbeitslosen in der Form eines großen Arbeits- beschasfungsprozroinmcs entschlossen habe. Jetzt liegen nähere Nach- richten darüber vor. Mit dem erwarteten großen staatlichen Arbeits- b-schafsungsprogramm— man sprach von 3 Milliarden Dollar— i st es nichts. Wenn die Nachrichten zutreffend sind, soll nur die Anleihe- e r m ä ch t i g u n g für die Rcconstruction Finance Corporation, die heute auf 1500 Millionen Dollar lautet, auf 3000 Millionen Dollar erhöht werden. Die genannte Gesellschaft ist die große Stützimgsbank, die sür die amerikanischen Banken eingerichtet wor- den ist. Diese Stützungsbank soll also statt l,Z jetzt 3 Milliarden Dollar Anleihen begeben dürfen, die freilich in erster Linie für Kredite zur Arbeitsbeschaffung bereitgestellt werden sollen. Ganz ojfcn aber ist die Frage, ob diese Kredite auch in Anspruch genommen werden. Nur 3 von den neuen ISO« Millionen Dollar sollen sozialen .ssilfszwecken der einzelnen Staaten zugeleitet werden. Weitere iO Millionen werden sür Gctreidccxport-Kredite reserviert, den Rest von llöll Millionen. Dollar sollen öffentliche und private Unter- nehmcr als Kredite in Anspruch nehmen. Es wird aber die Bedingung daran geknüpft, daß die Kredite hinreichend gesichert sind, die geplanten Bauten sofort nach ihrer Fertig st el- lung aus dem Ertrag die Baukosten decken sollen, und schlichlich müssen die Geldnehmer einen Teil der Baukosten selbst aufbringen. Man ist in Amerika selbst sehr skeptisch, ob diese Anleihe- ermächtigung, selbst wenn von ihr Gebrauch gemacht wird, auch wirklich zur Arbeitsbeschaffung führen wird. Man erwartet viel- mehr, daß nur eine weitere Stärkung des Marktes der festverzins- lichen Papiere eintreten wird, nachdem die neuen Anleihestücke die Garantie der Stützungsbank genießen. Es ist ja das Wesen aller Arbeitsbeschaffung, daß unmittelbar rentable Projekte nur sehr selten zur Verfügung stehen, so daß es sehr wahrscheinlich ist, daß die von der Reconstruction Finance Corporation zur Verfügung zu stellenden Kredite in der Tat keine Abnehmer finden. Es wird in der amerikanischen Presse auch daraus hingewiesen, daß die vom Präsidenten choovcr mit dieser zusätzlichen Anleihe- ermächtigung gemachte Konzession an den Gedanken der Arbeits- lofenfürforge eigentlich eine politische Konzession im W a h l k a m p f mit der Demokratischen Partei ist. Wir wären also so weit, daß die sogenannte amerikanische Ardeitsbeschosfung in ihrem Kern auch nur ein einfaches Mittel der Wahlpropoganda darstellt, als welches wir ja kürzlich auch die sogenannte Gold- boroughs Bill kennzeichnen konnten, mit der man das amerikanische Preisniveau mit einem Schlage auf den Stand von lSZ6 heben wollte. Braunkohlenkonzerne haben es gut! Die Belegschafien hatten allein die ganze Krisenlast zu tragen. gcz-n 19! Die skandalösen Vorsälle bei der Ilse- Bergbau A.-G. sowie die in den letzten Wochen bekanntgewordenen Abschlüsse einiger an- derer Braunkohlenunternehmnngen lenken das Interesse der Oesfent- lichkcit erneut auf die Verhältnisse im deutschen Braunkohlenbergbau. In dieser Industrie läßt sich die bemerkenswerte und für den Stand- punkt der Arbeiter und Verbraucher äußerst wertvolle Feststellung machen, daß sich die Criräge und Gewinne in krassem Gegensatz zur all- gemeinen Entwicklung von Produktion und Beschäftigung bewege». Der i n d u st r i e l l e Bedarf an Rohbrauukohle und Briketts, der überwiegend auf di� Stromerzeugung und chemische Industrie entfällt, ist naturgemäß im Verlauf des allgemeinen in- dustriellen Schrumpfungsprozesses st a r k zurückgegangen. Die Nachfrage von feiten der Hausbrandverbraucher, aus die gut die Hälfte des Braunkohlcnabsatzcs überhaupt entfällt, ist durch die Einkommensausfälle der Arbeiter, durch Lohnabbau und Arbeits- lofigkeit ebenfalls äußerst ungünstig beeinflußt. Hinzu kommt, daß die verhältnismäßig znilden Winter der letzten zwei Jahre keinen besonderen Zwang zu einer stärkeren 5)«izmittclvcrsorgung herbei- führten. Rückgang der Produklionszissern. 1929 k9Zg 1931 Braunkohlenforderung nn Mill.to)... m.S 145,9 133,2 23,6 Proz. Brikettproduklion (m Mill. 10)... 42,1 33,9 32,4 23,0„ Die Belegschaft im Braunkohlenbergbau hat das Absinken der Produktion um annähernd ein Viertel mit aller Schärfe z ii spüren bekommen. Die Zahl der Braunkohlenbcrgarbcitcr, die 1929 95 000 Mann betrug, ist auf rund 69 000 im Durchschnitt des Jahres 1931 reduziert worden. Entsprechend dem Rückgang der Produktion ist also mehr als ein Viertel der Arbeiter im Verlauf der Krise auf der Strecke geblieben. Die noch in Arbeit befindlichen Braunkohlenarbciter haben durch Lohnabbau und Feierschichten empfindliche Lohnausfälle ertragen müssen. Nach den Nachweisen des Statistischen Rcichsamtez sind die Nettoeinkommen der beschäftigten Braunkohlcnarbeiter von Ende 19 2 9 bis Ende 1931 im ostclbischen Bezirk um 7 Proz., im westelbifchen Bezirk um 18 Pro;., in Bayern, Sachsen und Thü- ringen um 13 Proz. zurückgegangen. Durch die im Dezember 1931 auf Grund der Notverordnung durchgeführte Lohnsenkung sind die Tariflöhne um weitere 15 Proz. gesenkt worden. Mit diesen außerordentlich hohen Ausfällen an Arbeit und Lohn irägt die Arbeiterfchofl allein die Opfer der Krisen- Wirkungen im Braunkohlenbergbau. Das beweisen die Abschlüsse. In den bisher vorliegenden' Geschäftsabschlüssen— es haben bisher 11 Firmen mit rund 190 Millionen Mark oder rund 40 Proz. des im Braunkohlenbergbau tätigen Aktienkapitals berichtet— ist von den Einwirkungen der Krise kaum etwas zu ersehen. Eine Zu- sammcnstellung der Ergebnisse in diesen Unternehmungen läßt beut- lich die unverhältnismäßig günstige Lage der Gesell- schoft erkennen. Reingewinn und Dividrnde haben sich in den beiden letzten Zahren wie solgl entwickelt: Itse Bergbau AG........ Niederlausigcr Kohlenw.. Eintrachi............... Bubiag................ Roddergrube........... Braunschweiger Kohlenw. Leonhard.............. Hubertus............... Prehlitzer Braunkohl. Borna................. Attie». kavital in M:ll. M. 50 24,2 24 20,3 18 12,7 8 4,3 2.4 8 Remacwin» in 1000 M 1930 i 1931 6900 4800 2518 2547 2544 2537 2330 233» 5860.4745 1600 1600 669 673 412 408 354 239 607 714 Adichrei- bunqtn in 1000 M 1930 1 1931 633317271 4322 5050 4203 4196 40003750 3996 3650 1736 3307 990 990 617 625 470 331 1056 946 Dividende in Pevj. .1930 1931 10 10 10 10 30 10 8 8 15 8 7 10 10 10 24 10 8 8 10 8 Die Braunkohlenindustrie A.-G.„Zukunft" mit einem Aktienkapital von 16 Millionen M meldet trotz erheblichen Abiotzruckgangcs günst'ge finanzielle Ergebnis!?, noch denen die Dmidendenausichuttung in Porjahrshähe von 6 Proz sicher wieder möglich wird. Während also bei der Mehrzahl der Unternehmungen der Rein- gewinn unverändert in Porjahrshähe erscheint, wird er bei den anderen, cntsprxchcnd der heute vorherrschenden Tendenz in der Bilanzierung, etwas vermindert ausgewiesen. Keine dieser Ge- scllschastcn, die zu den Großuntcrnehinungen im Braunkohlenbergbau gehören, schließt mit B c r l u st ab. Plas es mit den Gewinnreduzierungen auf sich hat, das zeigt z. B. der Abschluß bei der Ilse A.- G., die den Reingewinn um 2 Millionen Mark gekürzt ausweist, aber dafür um eine Million Mark auf 7,3 Millionen Mark erhöhte Rekordabschrei- b u n g e n in die Bilanz bringt. Offensichtlich ist hier der Versuch gemacht, die wirklichen Gewinne zu verschleiern. Die R o d d c r g r u b e, der aus Grund eines Jntercsscngemein- schaftsnertrages mit dem Rheinilch-Westsälischen Elektrizitätswerk eine Mindestdivideude in Höhe der dreifachen RWE.-Dividende garantiert ist— der Satz hätte in diesem Jahre 15 Pro,;, betragen—, konnte eine um nicht weniger als 9 Proz. höhere Dividende aus- schütten. Roch deutlicher Iritt die ungerechtfertigte Höhe der Gewinn- ausschüttungcn in Erscheinung, wenn man sie zur Produktion der Unternehmungen in Beziehung bringt. Abgesehen von der Ilse Zk.-G. und der Roddergrube sind die pro Tonne Braunkohlcnsördcruncs ousgcschüileien Dividcndenkelräge überall gestiegen. Bei den Niedcrlausitzer Kohlenwerken stieg die Dividendenaus- schültung pro Tonne Förderung von 0,35 M. im Vorjahre auf 0.40 M. in diesem Jahr, bei der Bubiag von 0,35 M. auf 0.43 M., bei„Leonhard" von 0,46 M, auf 0,52 M. und am stärksten bei Hubertus van 0,23 M. auf 0,41 M. Ganz eindeutig läßt sich noch die Gcwinnhortung bei den Abschreibungen erkennen. Hier steigen die Abschrci- bungsbeträge pro Tonne Förderung bei allen Unternehmungen stark an. Den Höchstsatz erreicht hier die Ilse A.-G., bei der in diesem Jahr 0,96 M. pro Tonne abgeschrieben werden gegen 0,68 M, im Vorjahr. Bei den anderen Gesellschaften schwanken die in diesem Jahr wesentlich erhöhten Abschreibungssätze pro Tonne durchschnitt- lich zwischen 0,60 M. und 0,85 M. Es bleibt kein Zwei�cl mehr bestehen, daß die Braunkohlen- konzerne auch noch im schwer st en Krisenjahr außer- gewöhnlich gut verdient haben. Sie haben die Ersparnisse aus den im letzten Jahr im Interesse der allgemeinen Wirtschafts- färdcrung hcrbcigcsührtcn Lohn- und Kostensenkungen im Verein mit den erhöhten Produkiionsleistungeii der Bergarbeiter ausschlicß- lich in ihre eigene Tasche geleitet. Die Entwicklung der durch die Braunkohlcnsyndikate bestimmten Preise liefert eine äußerst einfache. Erklärung für die der wirtschaftlichen Entwicklung direkt entgegenlaufende Ge- winiikoiisunktur der Gesellschaften. Seit 1920, dem Jahre des höchsten Preisstandes, haben die Großhandelspreise für Braunkohle bis Ende 1931 überhaupt keine Veränderung erfahren, während in diesem Zeitraum die Graßhandelsindcrziffcr um rund 22 Proz,. darunter die Indexziffer für industrielle Rohstoffe und 5)albwareii um 30 Proz., zurückging. Ebenso blieben die Kleinhandelspreise sür Hausbrandbriketts fast unverändert. Erst durch die Preisabbauvcrordnung vom Dezember 1931 sind die Braunkohlcnpreisc um 10 Proz. gesenkt worden. Diese Senkung bleibt aber noch immer hinter der allgeineiiien Preisanpassung außerordentlich zurück. Angesichts der ganz außergewöhnlich guten Ertragslage der Braunkohlenkonzernc scheint ein reichlicher Spielraum für eine weitere Preissenkung zur Ent- lastung der Produktion wie des Massenhaushalts gegeben. Die Auftragspolitik der Reichsbahn. Gegen i927 rund 750 Millionen weniger Aufträge vergeben Der Reichsbahndirektor Dr. Hammer, der Porfitzend« der zentralen Einkaufsabteilung, hielt vor der Deutschen Maschinen- technischen Gesellschaft einen Vortrag über die Reichsbahn als Ans- traggeberin der deutschen Jndiisinc, von dem mir einige wesentliche Feststellungen wiedergeben. Dr. Hammer erklärte, daß seit dem Jahre l9Z7 der Rück- gang an V e st e l l u n g e n, die von der Reichsbahn vergeben wurden, im vergangenen Jahr 750 Millionen Reichs- mark überschritten bätte. E» sind daher 1931 für die Reichsbahn in Industrie und Handwerk— von der Verminderung des eigenen Personals abgesehen— mehr als 300 000 Arbeiter weniger tätig gewesen als im konjunklurjohr 1977. Die schlechte Finanzlage der Reichsbahn zwince auch weiter zu scharfen Einschränkungen, doch seien die Borräte im Vergleich zu den Beständen, die die Reichsbahn bei ihrer Umgründung vor sieben Jahren übernommen habe, um 450 Millionen a b- gebaut worden, so daß sich in Zukunft mit zwar kleineren, aber auch gleichmäßigeren Beschasfungsinengcn rechnen lasse. Zum Schluß erklärte Dr. Hammer, daß die Befördern ngspslicht der Reichsbahn nur dann ausrecht erhalten werden könne, wenn die Regierung die Bahn von unnötigen Belastungen und Benachiaili- gungen gegenüber anderen Verkehrsmitteln sowie von den auf ihr ruhenden politischen Lasten befreie. Gaskoks gegen Zechenkoks. Die Wirtschaftliche Vereinigung Deutscher Gaswerke steigert ihren Llmfatz um 25 Prozent. Pach dem Jahresbericht der Wirtschaitlichen Vereinigung Deut- scher Gaswerke, in der besonders die städtischen Gaswerke ihre Nebenprodukte zum Verkauf bringen lassen, hat das Jahr 1931 eine sehr bemerkenswerte Steigerung des Gaskoksabsotzes und im ganzen auch eine sehr gute Bilanz für die übrigen Nebenprodukte der Gas- werke gebracht. Bemerkenswert ist dabei die gegensätzliche C n t w i ck l ii ii g zum Zechcnkoksabsatz. Während die Zechenkokserzeuguiig 1931 um 30 Proz. n iedri- ger als im Vorjahr war und die Bestände gegenüber dem Vor- jähr sich noch um 15 Proz. erhöhten, hat der Absatz der Wirtschas!» lichen Vereinigung Deutscher Gaswerke sich von 753 000 auf 941 000 Tonnen oder um 25 Prozent vermehrt. Auch wertmäßig I ergab sich eine Umsatzstcigerung von 20,4 auf 25,8 Millionen Mark. Dabei ist die Gaserzeugung der in der Vereinigung zusammenge- schlassenen Betriebe gegenüber dem Vorjahr van 3,08 auf 2,88 Millionen Kubikmeter gesunken, so daß die Absatzsteigerung nur durch die vollständige Räumung aller L ä g c r zu erklären ist. Bei den übrigen Nebenprodukten zeigten sich Rückgänge im Absatz. Der R o h t e e r absatz sank der Menge nach von 161 500 auf 149 700 Tonnen, dem Werte nach von 6,5 aus 5,2 Millionen Mark. Der Absatz von A m m o n i a k crzeugnisscn ging mengenmäßig von 4,97 auf 4,76 Millionep Tonnen, wertmäßig von 2,38 auf 2,18 Millionen Mark zurück. Insgesamt hat sich der Jahresumsatz an Nebenprodukten der Gaswerke, soweit er von der Wirtschaftlichen Vereinigung durch- geführt wird, von 38,1 aus 40 Millionen Mark erhöht. Das Er» gcbnis ist natürlich angesichts früherer Jahre noch wenig befriedi- gend. Im Jahre 1929 betrug der Umsatz der Vereinigung 49,5 Mil- lionen Mark. Preußen und die Siedlung. Auch Zorstländeseien für Giedlungszwecke. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, Hab der preußische Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten sich seit langem angelegen sein lassen, Farstländcreien für Sicdlungs- zwecke zur Verfügung zu stellen. Nachdem in neuerer Zeit das Bc- dürfnis nach Siedliingslaiid immer stärker hervortritt, wird dem auch seitens der preußischen Staatsforstverwaltung in erhöhtem Maße Rechnung getragen werden. Dabei wird zur Wahrung der Siedler- intcresscn sowohl mie der des Staatsganzeii nach bestimmten Grund- sätzen verfahren. Abgegeben werden jedoch nur Waldgrundstücke, deren Böden landwirtschastliche Nutzung unbedingt lohnen, damit die Siedler vor Rückschlägen bewahrt werden. Bei der schweren Zl b s a tz k r i s e sür Holz muß- darauf ge- sehen werden, daß die abzutretenden Flächen verwertbaren Baum- bestand tragen. Wo geeignete Flächen in Gemeinde-, Genossenschasts- und ähnlichen Waldungen zur Verfügung stehen, sollen auch die Gemeinden als Träger der Siedlung geeignete Flächen ihres Walde- zur Urbarmachung abgeben. Der Landwirtschaftsmimslcr erhofft von diesen Maßnohmen, daß sie eine wirksame Hilfe in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit sein werden. Um den Siedlern die Herstellung der erforderlichen Bau- lichkcitcn zu erleichtern, sind mit dem Rcichsarbcitsmini- st e r i u m Richtlinien ausgearbeitet worden, nach denen den Trägern der Siedlung Holz unter günstigen Zahlungsbedingungen zur Verfügung gestellt wird. Schrumpfung desLlSA.-Außenhandels Verschwindende Exportüberschüsse. Die Außenhandelsbilanz der Vereinigten Staaten bringt im Monat April eine weitere erhebliche Senkung der Exporte bei gleichzeitigem, allerdings geringerem Rückgang der Einfuhr. Im Vergleich mit dem vorhergehenden Monat ist die Einfuhr von 131 auf 127, der Export dagegen von 156 auf l.?6 Millionen Dollar gefallen. Gegenüber dem April des vergangenen Jahre? ist der Expo-rt der USA. um 38 Pro.;, von 217 auf 136 Millionen Dollcr und die Einfuhr um 32 Proz. von 187 auf 127 Mil- lionen Dollar gefallen. Der Exporiiibcrschuß, der im April 1931 noch 30 Millionen Dollar sl26 Millionen Marl) betrug und im Vormonat immer noch 25 Millionen Dollar erreichte, ist im April bis auf 9 Mil» lionen Doller geschwunden. Die Goldaussuhr hat im Berichtsmonat von 43,6 auf 49,5 Millionen Dollar zugenommen, während die Goldeinsuhr mit 19,2 Millionen Dollar nahezu un- verändert blieb. Verschlechterung der tschechischen Handelsbilanz. Der Gcsanitunisatz des tschechischen Außenhandels fE in fuhr und Ausfuhr zusammen) ist im April auf 1416 gegen 2173 Millionen Tjchechcnlroncn im gleichen Monat des Vorjahres gesunken. In den vergangenen vier Monaten diese«» Jahres betrug der Einfuhrüberschuß 187,5 Millionci? Tschcchenkronen(l Krone— 12 Pf.), während in der gleichen Zeit des Vorjahres die Tschechoslowakei noch einen Exportüber- schütz von fast 639 Millionen Kronen aufwies. Hohe Verluste bei der Bergwerksgescllfchast Dahldusch. Die vom belgischen Kapital beherrschte Vergwerksgesellschast Dahlbusch in Gelsenkirchen, die mit einem Kapital von 13 Mill. Mark arbeitet, weist sür 1931 einen Verlust von knapp einer Million Mark aus. Im vorhergehenden Jahre wurde noch eine Dividende von 4 Proz. ausgeschüttet. Die Verluste werden durch die erstmalig ausgewiesene Snnderrücklage in Höhe von 1,1 Millionen vollauf gedeckt. In den Beirieben ging besonders stark die Koks» praduktiön zurück, die von rund 225 600 bis aui rund 136 560 ■tonnen sank. Die B e i e g i cba s 1 ist bis aus 2617 Mann abgebaut morden und hm gegen 1929 mehr als 40 Proz. ihres Bestand«» eingebüßt. Kreiheii, die sie meinen. Ein neues Wort für eine faule Sache. Mit einer an ÄtufifMtat grenzenden fturtnärfigfeit wird in der Unternehwerpresse noch immer Tag für Tag die Lohmrbbaulitonei heruntergebetet. Für den alten Unsinn werden täglich neue Schlag- warte formuliert. Das neueste lautet„A r b e i t z fr e i h e i t". Man macht den armen Arbeitslosen vor, die Regierung brauche sich nur von der„gewerkschaftlichen Dogmati k" loszulösen. vor ollem die Verbindlichkeitserklärung grundfotzlich ab- zuschaffen, und sofort gebe es auf dem Arbeitsmarkt Luft. Die Porole der„Arbeitsfreiheit" lautet:„Laßt jeden arbeiten, so billig erewill und so lange er will, und sehr säinell wird die Arbeitslosig- keit abnehmen. Befreiung der Wirtschaft aus den Fesseln der Sozial- bürokratie und der Gewerkschaften und alles ist in Ordnung." Das ist eine bewußt verlogene Theorie. Zu widerlegen braucht man sie nicht mehr; denn sie ist ja nichts anderes als die Wieder- holung des alten Lohnabbaurezeptes, das auf Drängen des Unter- nehmertums der Reichsarbeitsminifter solange durchgeführt Hot, bis Deutschland in eine lohnpolitische Katastrophe stürzte. Lohnabbau soll neue Arbeitskräfte einstellen?! Wie oft hat man das uns versprochen. Nachdem bis zur Bewußtlosigkeit abgebaut worden war und die Arbeitslosigkeit immer mehr zugenommen hatte, haben die Lohnabbautheoretiker sich mit der bequemen Aus- rede geholfen, ohne ihren Lohnabbau wäre die Arbeitslosigkeit noch schlimmer geworden. Mit dieser faulen Ausrede können sie solange operieren, bis alle arbeitslos sind. „Arbeitssreiheit" bedeutet nur Freiheit für die Unter- n e h m e r, für den Arbeiter dagegen bedeutet diese„Freiheit" den Zwang, für noch weniger Lohn zu schuften und zu hungern.„Arbeitssreiheit" wäre gerade jetzt in der Krise praktisch nichts anderes als Unternehmerwillkür. Der Lohnabbau käme überhaupt nicht mehr zum Stillstand. Daß es auf der schiefen Ebene des Lohnabbaus kein Halten mehr gibt, kann man bereits an der berühmten oder besser gesagt berüchtigten„A n g l e i ch u n g" erkennen, die das Reichsarbeitsministerium zur Zeit bei den„Bin- nenmarktlöhnen" durchführen läßt. Nehmen wir einmal das Beispiel der Grobkeramik: In �Sachsen est der Lohn in dieser Industrie gegenüber den angrenzenden Be- zirken und den übrigen Gebieten de? Reiche? nach Austossung der Unternehmer„zu hoch". Dezhalb soll nach ihrer Forderung der Lohn in Sachsen mehr gekürzt werden als in anderen Bezirken, d. h. man verlangt, obwohl ein Abbau bis zu 2 0 P r o z. bereits durchgeführt worden ist, nochmals einen fast ebenso großen, wenn nicht noch größeren Abbau. Und die llnternehmer der grob- keramischen Industrie in Schlesien. Thüringen und in der Provinz Sachsen? Diese sagen: zwischen den von ihnen ge- zahlten Löhnen und den Löhnen in Sachsen habe immer eine gewisse Differenz bestanden; diese Differenz sei durch die Lohn- kürzung in Sachsen geringer geworden. Um dos K o n k u r- renzverhältnis wie vor dem Lohnobbau wieder herzu- st e l l e n, müßten also bei ihnen die Lohnsätze dementsprechend noch kräftiger gekürzt werden! Und in der Nachbarschaft von Schlesien, Thüringen und der Provinz Sachsen argumentiert man in der gleichen Weise und so fort über dos ganze Reich und über die nationalen Londesgrenzen hinaus. Ja, mit der gleichen Begrün- dung, mit der um die Lohndifferenz zwischen den einzelnen Bezirken von den Unternehmern gekämpft wird, operiert man auch bei den Lohnsätzen der einzelnen Arbeitergruppen und ebenso bei den Frauen- und Männerlöhnen, und ganz pfiffige Unternehmer kommen mit den gleichen Argumenten sogar, um von Betrieb zu Betrieb den Lohn zu drücken, mag die Befchäftigtenzahl auch noch so klein sein. Der ganze Lohnabbau, unter welcher Maske man ihn auch verkleidet, ist volkswirtscknrstlicher Wahnsinn. Die Arbeiterschaft in ihrer Gesamtheit, wie immer sie in dem Mechanismus der Gesellschaft tätig ist, muß imstande sein, die Produkte zurückzukaufen, die sie erzeugt. Kann sie das nicht mehr, dann ist das das sicherste Zeichen dafür, daß die gesamte Lohn- und Gehaltssumme zu niedrig ist, daß für andere Zwecke— Iiwestierungen, Kapitalverschiebungen usw.— ein mehr oder weniger großer Teil der volkswirtschaftlich notwertdigsn Lohnfumm« entzogen wuride. Das Gleichgewicht kann nur durch eine entsprechende Steige- rung der Kaufkraft, durch Preisabbau wiederher- gestellt werden. Alles andere ist blutiger Dilettantismus. Gewerkschast schützt die Arbeiter. Eine Million für M42K Arbeiter. Der Deutsche Landarbeiter-Perband berichtet in Nr. 20 seines Verbandsorgans über die Rechtsfchutztätig- keit, die im Jahre 1SZ1 von seinen Gau- und Kreisleitern sowie von der Rechtsfchutzobteilung beim Derbandsvorstand geleistet wurde. Danach sind im Jahre 1331 vom Deutschen Landarbeiter-Berband nicht, weniger als 13 321 Klagen bck den Arbeitsgerichten und tarif- lichen Schiedsgerichten anhängig gemacht worden. Es ist das die höchste Klagezifser, die jeweils erreicht wurde, was fehr be- zeichnend ist für die Unternehmer. 1330 wurden 12 703. 1323 10 430, 1928 9430. 1927 7367, 1326 6333 Klagen gezählt. Da? größte Kon- tingent der Klagen stellen auch im Jahre 1331 Ostpreußen, Pommern und Schlesien szirka 8000), also jene Gebiete Deutschland?, in denen der Großgrundbesitz domimert. Es ist das um so bemerkenswerter, als die Großgrundbesitzer am stärksten noch Reichshilf« schreien und nachweislich an den vom Reich«ingeleiteten und durchgeführten landwirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen am stark- sten profitiert haben. Erfolgreich für die Arbeiter waren von den 13 921 Klagen rund 12 000. Es sind das weit über 80 Proz. Erfolglos liefen nur 1800 Klagen aus. In dem Bericht wird der Umstand als Haupt- Ursache dieser Erscheinung- bezeichnet, daß die Verdandsangestellten von den betreffenden Land- und Forstarbeitern falsch unterrickztet wurden und es sich um Fälle handelt, bei denen kaum noch etwas zu retten war. Die Zahl der an den durchgeführten Klagen beteiligten Personen beziffert sich auf 31 4 2 8. Besondere Beachtung verdient das materielle Ergebnis der vom Deutschen Landarbeiter-Berband im Jahre 1331 geleisteten Rechtsschutztätigkeit. Es gelang, die ansehnliche Summe von über eine Million Mark, genau 1 021 334 M., aus dem Wege de? Rechtsschutzes für die Arbeiter durchzusetzen. Es sind da? rund 226 000 M. mehr als im Jahre 1330, rund 230 000 M. mehr als im Jahre 1323. rund 262 000 M. mehr als im Jahre 1328. rund 373 O0O M. mehr als im Jahre 1327 und rund S66000 M. mehr als im Jahre 1326. Die Zahlen sind ein weiterer deutlicher Beweis dafür, daß sich der'Haß des land- und forstwirtschaftlichen Unternehmertums gegen die Arbeiterrechte unaufhörlich vergrößert. Doneben find die Zahlen eine glänzende Widerlegung der dummen und törichten Behauptung. die Gewerkschaften seien ein« überflüssige, den Arbeitern eher Schaden denn Nutzen einbringende EinrKl,tung. Di« Gewerkschaften sind eine wertvolle, ja unentbehrliche Waffe im Existenzkampf der arbeitenden Klosse. Autarkie oder Zusammenarbeit? Nationale Abkoppelung ist eine Eackaaste. Drag. 17 Mai.(Eigenbericht) Wie.Venkyi" berichtet, bereitet der Fürsorgaminister einen Erlaß vor, wonach eine Revision aller behördlichen ArbeitsbewilTi- gungen sur Aulander in der Tschechoslowakei durchzujührcn ist. Es soll ein genaues Verzeichnis oller in der Tschechoslowakei tatigen Ausländer, insbesondere der sogenannten Spezialisten, hergestellt werden, um die erteilten Arbeitsbewilligungen den Vorlchriiten ziim Schutze des inländischen Arbeitsmarktes anzupassen. Nach Ansicht des Blattes dürfte die Revision eine große Zahl Ausländer treffen, die seit vielen Iahren in der Tschechoslowakei als Spezialisten tätig sind. Räch der Revision wurden mahrscheinlich viele?lusländer, insbesondere Reichsdeutsche und Oefterreicher, aus- g e w> e 1.« n werden. « Man kann der Tschechoslowakei naturlich nicht verwehren, wo» andere Staaten gleichfalls tun. Praktisch kommt dies« ganze Po- litik der Abkapselung, genannt„Autarkie", u. a. darauf Hivaus, daß fast nur noch reiche Nichtstuer ins Ausland reisen dürfen und können. Für viele Berufe ist ober die Kenntnis fremder Sprachen, Sitten und Arbeitsmethoden heute unerläßlich. Wenn es «in Gebiet gibt, aus dem der Völkerbund— und in ihm das In- ternotionale Arbeilsamt— sich praktisch für die Zusammenarbeit der Völker etwas leisten könnte, dann wäre ez gerade auf dem eines großzügigen Austaufchs der Arbeitskräf.te und einer internationalen Arbeitsvermittlung. H Deichte eines„Gtreikabwürgers". Ein Verräter entlarvt sich selbst. Die im..Abend" vom 30. April mit der Ueberschrist„Leiser bietet mehr" gemachten Angaben über die Rolle des Betriebs- rats Eduard B o r m a n n bat die RGO. zu einer Untersuchung gegen Bormonn v«ranloßt, deren Ergebnis sie in einem Rundschreiben verösfentlicht Hot. Nach einer Einleitung folgt der Satz: „Im nachfolgenden schildert Kollege Barmann selbst, wo? für Verbrechen er begongen hat." Leider fehlt uns der Raum, sie dann folgerde Bloßstellung I Borrrarn» durch ihn selber wortlich zu verofsenü'chen Bei d?r Firma H. Leiser Rachs. war die RGO. starker vertreten als die Organisation und führt? einen Streik herbei. Bor- mann wurde vom Bclnebslcitcr gefragt, wo? man tun könne, da- mit die Arbeit wieder aufgenommen wird. B. ging daraufhin zu verschiedenen Kollegen in die Wohnung iind sprach mit ihnen über «inen eventuellen Streikabbruch. Am Freitag nach Ausbruch des Streiks wurde der Restlohn ausgezahlt. B. bekam den vollen Lohn, auch für die Streiktage. In-der Streikversammlvng am nächsten Tage wurde in ge- heimer Abstimmung der Streikabbruch beschlossen. ..Ich(Bormonn) habe gegen den Streik gesprochen und bin zu RGO-Kollegen und anderen Kollegen gegangen und habe sie zum .Streikabbruch bewegt." Am anderen Tag, Sonntags, ließ der Betriebsleiler B. in sein? Wohnung kommen und legte ihm eine Entlassungsliste von RGO- Leuten vor. B. stimmte den Entlassungen zu und ließ sich bewegen, .chen Betriebsrot zu machen". Da B. nack? Wiederaufnahme der Arbeit von RGO-Leuten als„Streikbrecher" belästigt wurde. be> sorgte er sich einen Waffenschein. Den Revolver um 33 M. lieferte die Firma. B sollten nach dem Streik 30 M. vom Lohn gepfändet werden. Sie wurden ihm von der Firma geschenkt. „Insgesamt war ich dreimal bei Herrn K.(Betriebsleiter) in ser Wohnung, wo er mir Instruktionen gab, die ich bis Ende Dezember 1931 auch ausführte." Bormonn trat dann der RGO. bei und wurde aus dem Zentrawerbano der Schuhmacher ausgeschlossen. Mit diesem Mann, der seinen Namen mit Recht trägt, schmückt sich die RGO. Wer wird sie darum beneiden? Und schließlich dürste sich auch hier das bekannte Sprichwort bewahrheiten: Gleich und gleich gesellt sich gern. Wir möchten dazu nur noch benierk?n, daß der„Vorwärt?" nicht gewartet hat, bis sich'der Bormann selbst entlarvt hat, um ihm seine„revolutionäre" Maske vom Gesicht zu. reißen. Er mimte noch den braven Freigewerkschafter, als wir im Interesse der Souber- ksit der Gewerkschaftsbewegung genötigt waren, das verräterische Doppelspiel dieses Menschen auszudecken. Rur weil er begrijs, daß er bei den freigewerkschaftlichen Kollegen ausgespielt hat. ist er zur RGO. übergelaufen— wohin er gehört. Diel Freude wird sie an ihm nicht haben. Die Arbeiislosigkeii inLialien. Noch nicht tfer vierte Teil wird unterstützt. Rom. 17. Mai. Am 30. April wurden in Italien 1 100 0?.? Arbeitslosc gezählt. von denen rund 282(>00 Arbeitslosenunterstützung bezogen Damit ist ein Rückgang um 52 931 Arbeitslose im Monat Apr'l festzustellen. Unter den Arbeitslosen sind 234000 Frauen. �Heinrich Hansmann � Bochum, 17. Mai.(Eigenbericht) In der Rocht zum 16. Mai ist in Dörtmund-Eichlinghofen der Mitbegründer des Bergarbeiteroerbandes und Firmenträger der Verbandsdruckerei, Heinrich Hansmann, gestorben. Der Lergdrbeiteroerband widmet dem Verstorbenen in seinem Organ die „Bergbau-Industrie" einen dankbaren Nachruf. Hansmann, in versckiedenen Streiks ein hervorragender Führer seiner Kameraden, wurde im Jahre der Gründung des Verbandes 1889 Vertrauensmann der Zahlstelle Eichlinghofen, die er zu hoher Blüie brachte. Mit Otto H u e zusammen war er im Jahre 1893 nach dem Meineidsprozeß gegen die Berg- arbeiter Schröder und Genossen der Retter der Organisation. Mit dem Austrieb, den der Verband durch dos Wirken Honsmonns bekam, wurde auch die gesamte sozialistische Bewegung gefördert. In unzähligen Verbands- und Parteiversammlungen trat er als Redner auf. Daneben war Hansmann von 1893 ab zehn Jähre lang Kassierer und Vorsitzender im Konsumverein Eichiinghosen. 1898 wählte man ihn zum Knappschostsältesten. Hansmann hat bis zu seiner Amtsniederlegung im Jahre 1903 iiir die armen Knopp- schaftsinvaliden und Witwen manche Rente erstritten. Im Verband war er von 1893 bis 1900 Mitglied des Kriotrollausschufses. Als im Jahre 1903 die Ruhrbergleute einmütig die Arbeit niederlegten, war er zusammen mit Hermann Sachs« Mitglied der Siebener- Kommission. Roch dem Streik wurde Hansmann wie mehrmals früher wieder gemaßrcgelt. Alsdann wurde er zum Bezirksleiter und Geschäftsführer des Verbandes berufen. Dieses Amt bekleidete er bis zum Jahre 1926. Neben seiner Tätigkeit im Bergarbeiter- verband wurde er von der soziolistischen Arbeiterbewegung infolge seiner Tüchtigkeit und Zuoerlässigkeit mit den verschiedensten Aemtern betraut. Bei der Wahl zur verfassunggebenden Notionaloer- sammlung wurde Heinrich Hansmann als Abgeordneter gewählt. Er gehörte auch dem ersten Reichstag an. Als Heinrich Hansmann im Jahre 1926 65 Jahre alt wurde, trat er in den wohlverdienten Ruhe- stand. Er blieb nvch bis 1930 Bezirksfübrer der Sozioldemokra. tischen Partei für den Bezirk Barop-Eichlinghosen. Erst die Be- schwerden des Alter?, dann die Krankheit und jetzt der Tod vr?. urteilten diesen nimmermüden, schaffensfrohen 71jährigen Kämpfer zur Ruh«. Verbandsiag der Schornsteinfeger. Fester Kurs in schwerer Zeit. Die Aussprach« auf dem Verbandstag des Zentraloer- bandes der Schornsteinfegergefellen konzentrierte sich in der Haupt- fache auf Fragen des Berussnachwuchses sowie der Zwangspensionierung der Meister zwecks Zlrbeitsbe- schasjung für die erwerbslosen Schornsteinrezergesellen und aus Beitrags- und andere innerorganisatorijche Fragen. Volle Heber- einstinimung herrschte darüber, daß im Schornsteinsegergewerb- eine Einschränkung der Lehrlingszahl dringend am Platze sei, da auch in diesem Berufs die Beschästigirngsmöglichkeitcn ollmählich geringer werden. Da weder für die Herabsetzung Ser Lehrlingszahl'noch für die zwangsweise Pensionierung der über 63 Jahre alten Schornsteinsegermeisler eine gesetzliche Handhabe b?- steht, wurde der Verbandsvorftand verpilichtet. zu versuäien. dur-ß Verhandlungen mit den Interessenvertretungen der Schornsteinseger» meister eine Beschränkung oer Lehrlingszabl und da? Ausscheide a der dienstunfähigen Schornsteinsegermesttcr o», dem Ckm-rbe her- beizuführen. Die Anträge auf Beitragsherabsetzung wurden abgelehnt; beschlossen wurde lediglich die Steichung de, Vierieijahresbeitrag? von 30 Pf., der zur Deckung ter Unkosten der Aerbandstag« ver- wendet wird. Die Arbeitslosenunterstützung einzu- führen, wie e? in einigen Anträgen verlangt wurde, lehnte der Verbandstag ebenfalls ab. Ein von der Ortsgruppe Frankfurt a. d. O. gestellter Antrag aus Austritt aus dem ADGB. wurde gegen 3 Stimmen durch Uebergong zur Tagesordnung erledigt. Der nächste. Verbands- tag soll aus einstimmigen Beschluß 1335 in Dresden stattfinden. An Stelle des ersten Vorsitzenden de? Verbandes F a h l o n d, der ausscheidet, wurde der bisherige zweite Verbondsvorfitzende Karl Bogt und zum zweiten Vorsitzenden Marlin Delsa gewählt; erster Kassierer wurde wieder Hermann Beiersdorf und zweiter Kassierer Walter S a l o m o. Schiedsspruch für die VetonVarenindustrie. Gonderregelllna im �eichsmanieltanf. Am 12 Mai wi'rde nach 12stundigen Verhandlungen unler Varßtz des Sanderschlichters Philipp, Breslau, ein Schi?ds- spruch gefällt, der den Reichsmanreltoris ab 1. Mai 1932 wieder in Kraft fetzt, mit folgender Sonderregelung sur da» Jahr 1932: Die>m Reichswantsltorif festgelegten Zuschlage werden auf 60 Proz. herabgesetzt. Die Entschädigungssätze im§ 4 Ziffer 3 Absatz 2 und 3(K 615 und 616 BGB.) werden um die Hälfte gekürzt. Für den im Jahre 1932 zu gewabrenden Urlaub werden 60 Proz. der im Reichstgrisvertrag festgelegten Urlaubsregelung gewährt. Wird diese Sonderregelung nicht mit einer zweimonatigen Frist zum 3l. Dezember gekündigt, dann gilt sie oltch für das Jahr 1933. Den Unternehmern gehen diese Absiridbe noch nicht weit genug. ßfetZreie Gewerkfchafts-Lugend Berlin £cijfs, MrNmoch. 18. M«??. 19� Uht. togen Gruppen: Gfitanest?*: Jugendheim Porckstr. 11 sFabri?ge5>öudp)7 Die Geschichte der?!rbeUer. b�Vyzung.— Hchiineberg: Jugendheim H-Tuptstr 13 iGartentuiUS» liniere Fahrten— Gpondeu Neustadt: Jugendheim Linde nuse? 1- ltnte?-. haltungsabend.— Nnrdriug: Fugenddetm Gonnendurgee E-tr. 2«. Arl-eüA. recht.— Beweise«: Jugendheim Veißensee, Pa�sftr. Zh. Heitere?, an* Danern und Zirol.— Brpsinatder Plötz: Jugendheim Schon sanker Str. 11, Bora 4->' Bunter Abend.— Revk.?stn: Thigendheim Bergstr 29(Hof'. Zille, der yrole. tarische Zeichner.— Flughaieu: Jugendheim Flughuienftr. 58 tu. Bahn Boddin. snatze). Vas haben Wir Pfingsten erlebt.— Kuwd.Kidt: Jugendheim Graun-, Ecke tortzingstratze. Berich: vom Artfen.Kongreß.— Tchlllcrpari..?ugendhe,m "Schule Schöninaitr 17. Jugendheim aeschlossen.— Tegel: Jugendheim Zegsl, Gchöneberaer Gtr. 4. Die Wirtschaftlichen Ursachen im Konflikt Eh'na-Oap'?'' — Baumschulenweg: Jugendheim Boümschulenwea, Ernststr. 15. Sine Arbeit?. aer'ch»ss'tzung.— Mb IS Uhr spielt der Rordkrei» auf d*r CpielWiese im Gchtllerpar?.— IvgendgKuvpe de, G«so«tvcrbonde?: Fachgruppe Gärtn-rn und Binderei. Vortrag:„Gewerkschaften und GozialismÜA' Vsrhsr Vorsieht, dass die Seele sieh noehher nicht sorg' und Cjuäle. /Vf. mm gegen fnfekthn!