Morgenausgabe Nr. 231 A 112 49. Jahrgang ÜB6ä)entItiJ) 75 Ps, monatlich S.2S M. (banon 87 Pf. monatlich für Fufiel- lung ins Saas) im voraus zalilbar. Postbezug Z.»7 M. einschließlich 80 Pf. V-'Üzeitungs- und 72 Pf. Postbestell ae> fuhren. Auslandsabonnemenl 5.85 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig« tem Drucksachenporto 4.85 R. Der„Vorwärts' erscheint wochentäg, lich zweimal. Sonntags und Msntag» einmal, die Adendausgabe für Berlin und im lbandel mit dem Titel„Der Lbend', Sllustrierte Sonntagsbeilaz« .Pol! und Zeit". Verlinsr Solksblatt Donnerstag 19. Mai 19Z2 Groß-Äerlin Pf. Auswärts 15 pf. Sie«Inspalt. Millimeterzeile Sv Pf. R-klamezeiie 2.— M.„Sticine«it. zeigen" da? fettgedruckte Wort 20 Pf. szulässtg zwei ssttgedruckteWorlei.fede» weitere Wort ist Pf. Rabatt It. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeiismarkt Millimeter» zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli- meterzelle 18 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenslraße Z, wochentäglich von S'/i bis 17 Uhr. 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In den letzten Borgängen ficht da- offiziöse Organ der bayerischen Regierung eine Bestätigung ihrer früheren Jnsorm?- tionen, daß seit längerer Zeit gewiss« Kreise am Werke sind, die unter Einschaltung unkontrollierbarer Einflüsse einen nollkommenen Umbau der Reichsregieriing in personeller und richtung-mätziger Beziehung vorbereiten. Wörtlich erklärt« die Korrespondenz hierzu:„Der Reichskanzler wird darauf bedacht sein müssen, die von nationalsozialistischer und halbnationolsozialifiisckser Seile mit so großem Erfolg oerbreitete Lesart zu zelsiören, daß es sich bei dem?lhgang Grneners und bei der Ne'bbesetzung des Reichswehrministeriimts um ein« wichtige Etappe der Machtergreifungspolitik der Nationalsozialisten handle, die ihnen zur Zeit mehr wert sei als irgendeine Regienings- beteiligung. Diese trsarl ist um so gefährlicher, als dadurch mit aller Absicht die Reichswehr selbst in ein verhängnisvoll schiefes Licht geseht wird, indem der Eindruck erweckt wird, als lasse sich die wehr- Lrounschweig, 18. Mai.(Eigenbericht.) Der Brounschweigische Landtag nahm nach zwei- monatiger Pause seine Sitzungen wieder auf. Bei der Besprechung eines Gesuches de? Deutschen Freidenker-Berbondes auf Anerken- nung der Weltanschauung� feiertags im Lande Braunschweig und auf dos Recht der Freidenker-Eltern, an solchen Tagen ihre Kinder aus der Schule zurückhalte,, zu können, ergingen sich die Nazis in wüsten Beschimpfungen und Drohungen gegen die Sozialdenw- kratie. Als darauf von sozialdemokratischer Seite das„positive Christentum" der Nazis unter die Lupe genommen und die Mordhstze nationalsozialistischer Geistlicher gcbrondmarkt wurde, kam es zu systematischen Störungen und Proooka- t i o n en durch d i e ch a k'e n k r e u z l e r. Der sozialdemokratische Abgeordnete Thielemann hielt der .„christlichen" Gesinnung der Nazis einen Spiegel vor. Als er auf Landtag am Dienstag. Zunächst nur kurze Geschästssihung. Der neue Preußische Landtag ist vom preußischen Staatsministerium aus Grund des Artikels 17 der preußischen Der- sassung zum 24. Mai. nachmittags 3 Uhr. emberusen worden. Die erste Sitzung des neuen Preußenparlaments, die von dem nationalsozialistischen Alterspräsidenten, General L i h m a n n. er- öffnet wird, dürfte nur von kurzer Dauer sein. In ihr soll nach den bisherigen Dispositionen nur der Aelleslenral bestellt werden. Der Landtag wird sich dann auf unbestimmte Zeit mit der Maßgabe vertagen, daß der Alterspräsident in llebereinstimmung mit dem Aellestcnrat den Termin der neuen Sitzung seftseh». von der Mahl des Landlagspräsidentcn soll nach einem Wunsche des Zentrums wenigstens solange abgesehen werden. als über die küastige Regierungsbildung in Preußen Klarheit noch nicht herrscht. Diese Slorheii dürfte bald nach dem Zusammentritt des Landtages durch Verhandlungen zwischen den R-lionalfozialisten und dem Zentrum geschaffen werden. * Die neue sozialdemokratische. Fraktion d-es Preu- ßifchsn Landtags ist zu Montag den 23- Mai, einberufeu worcheu. macht als Werkzeug bestimmter parikipotitischer Machkbestrebun. gen mißbrauchen. Die Reinigung der durch diese Dorgange erzeugten Atmosphäre kann nicht durch Dementierspritzen und offizielle Beruhigungsforweln erzielt werden, sondern einzig und allein durch eine Erledigung des Falles Groener, die in überzeugender Weis« einwandfrei Gewahr dafür schafft, daß der für die Richt- linien der Politik des Reichswehrminifterüiws in gleicher Weise wie für die Richtlinien der Politik des Reichsinnennunisteriuins und aller Reichsministerien verantwortliche Reichskanzler Herr der Situation ist. General von Schleicher ist in der öffentlichen Meinung Deutschlands und auch de? Auslands so stark in Berbindung mit senen Bestrebungen gebracht worden, die mit Hilfe der Reichswehr cinea vcrfassuvgsmäßig unzulässigen Druck auf die posttische Entwicklung ausüben wollen, daß ein politisches Hervortreten gerade dieses politisch ohne ollen Zweifel außerordentlich unternehmungslustigen Generals den gsfahr, I'chen Mißdeutungen erst recht Nahrung geben muß. Der neue Reichswehrminister muß von vornherein über ollen Ver- dacht hoch erhaben sein,«inen anderen Ehrgeiz zu besiizen, als die deutsche Wehrmacht ein in jeder Beziehung zuverlässiges und schlagkräftiges Instrument der legalen Staatsgewalt zu erholten und zu kräftigen." die Desertionen kommunistischer Atheisten ins Hitler-Lager hinwies, ob diese früher linksradikolen und nun- mehr rechtsradikal gewordenen Elemente etwa zum Pfarrer gehen und ihn auffordern würden, sie nochmals zu taufen, da es dos erstemal nichts geholfen Hobe, setzte eine theatralische Entrüstung der Nazifraktion«in, deren Mitglieder vorher noch den Sozial- demokraten blutigen Terror angekündigt hotten. Da der Abgeordnete Thielemann völlig unbegründet von dem wie üblich parteiisch handelnden nationalsozialistischen Präsidenten Zörner von der Sitzung ausgeschlossen wurde, verließ die gesamte SPD.-Fraktion ebenfalls den Saal, dieser schloß sich der größte Teil der Tribiinenbesucher an, die vielfach ihre Empörung über die unerhört« Geschäftsführung des Präsidenten zum Ausdruck brachten. Obwohl der Landtag beschlußunfähig war, wurden nunmehr 18 Punkte der Tagesordnung durchgepeitscht. Die Militärs fordern.«. Aoch keine neue Negisrung in Japan. T o k i o. IS. Mal. Der sopanisch« Zommminister Suzuki hak den Ehcf des japanischen Generalstabes empfangen und hatte mit ihm eine längere kinlerredunq über die politische Lage. Die japanischen Militär- gruppen verlangen gewisse Aufklärungen über die Politik der kommenden Regierung gegenüber China. Ruhland und der M a n d s ch u r c i. Die Vefprechuvgen sind bisher noch nicht bc- endet worden. Falls die Verhandlungen erfolgreich verlaufen, dürste das Kabinett Suzuki aus folgenden Persönlichkeiten bestehen: Ministerpräsidenl und Innenminister: Suzuki, Kriegsminister: Arakl(wie bisher). Marineminister: 8 a t o, Finanzminister: Takahafchi(wie bisher). Außenminister: R a g y. via übrigen Ztemter sollen später beseht werden. Premierminister Macdonold ist von seiner zweiten SJug�n- Operation genesen. Er geht zur Erholung auf» Land. D-r litauische Ministerpräsident und Finanzminister o. v. pe- trvlys ist vom Obersten Gericht in Kowno zu zwei Jahren schweren Kerkers und S0 000 Lit Schadenersatz an den Fi-ku? verurteilt wor- den Gleichzeitig sind ihm samtliche bürgerlichen Ehren- recht« aberkannt worden, Freiwilliger Arbeitsdienst. Erfahrungen und Probleme. Der freiwillige Arbeitsdienst ist kein bloßes Programm mehr. Fast 66 666 junge Menschen sind bis heute im frei- willigen Arbeitsdienst tätig gewesen. Die Notverordnung vom 5. Juni 1931 hat mit§ 139a des Gesetzes siir Arbeitsvermitt- lung und Arbeitslosenversicherung die notwendigen gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen, indem sie die Forderung des frei- willigen Arbeitsdienstes der Reichsanstalt übertrug. Selbstverständlich darf man an die wirtsäzastlichcn Mög- lichkeiten des freiwilligen Arbeitsdienstes keine phantastischen Vorstellungen knüpfen. Schon die eingangs mitgeteilte Zahl beweist, daß im freiwilligen Arbeitsdienst nur Bruchteile der Arbeitslosen erfaßt werden können. So gewiß auch die k r i s e n e i n d ä m m e n d e Ruck- Wirkung des freiwilligen Arbeitsdienstes, zumal er ja nur nach Artikel 1 der Ausführungsverordnung vom 3. August 1931 für gemeinnützige zu s ä tz l i 6) e Arbeiten eingesetzt wer- den darf, volkswirtschaftlich nicht sehr erheblich ist, so liegt die Bedeutung des freiwilligen Arbeitsdienstes in der politisch- pädagogischen Sphäre. Junge Menschen, die oft seit Jahren arbeitslos waren und vielfach der Gefahr seelischer Ab- stumpfung oder politischer Ileberradikalisierung erliegen, lernen wieder die erfüllende Wirkung einer gesunden Arbeits- ordnung kennen. Einer gesunden Arbeitsordnung! Jede Ver- bindung des freiwilligen Arbeitsdienstes mit militärischem Drill, Unteroffiziers- und Feldwebelherrschaft muß entschieden abgelehnt werden. Sichcrlick) mar die? vor ollem der Grund für die zunächst zögernde Haltung der freien Gewerks6)asten gegenüber dem freiwilligen Arbeitsdienst. Daß die lohn- politische Seite des Problems jederzeit— trotz der ausdrücklichen- Bestimmungen über fyen zusätzlichen Charakter des Arbeitsdienstes— kontrolliert werden muß, versteht sich ja von selbst. Die rechtsstehenden Wehrverbände sind nach einer Mit- teilung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt- lung und Arbeitslosenversicherung bisher stärker als das Reichsbanner am freiwilligen Arbeitsdienst beteiligt gewesen. Auf keinen Fall darf diese Tendenz in Zukunft erhalte�i bleiben, wie überhaupt die Arbeitslager mckst einseitig polin- siert werden dürfen. Die„R e i ch s b a n n e r- Z c i t u n g" hat dieser Forderung unlängst klaren Ausdruck gegeben:„Es ist zu vermeiden, daß der Parteien- und Weltonschauungs- kämpf mich den freiwilligen Arbeitsdienst dergestalt ergreift, daß nur politisä) und weltanschaulich säuberlich getrennte Lager zustande kommen. Es muß dafür gesorgt werden, daß der ständischen und weltanschaulichen Abmauerung entgegen- gearbeitet wird, indem möglichst bunte und gemischte Lager erreicht werden." Die„Vossische Zeitung", die in einer Sondcrbeilage über„Arbeitsdienst der Jugend" berickitet Hot. (Nr. 233, 234), weist auf Beispiele hin,„daß sozialdemokratisckje Arbeitslager ohne eigenes Zutun Zulauf von Stohlhelmern hotte, einfach deshalb, weil hier die Möglichkeit mar, aus der Misere des Nichtstuns herauszukommen". Die Arbeitslager können, wenn in dieser Richtung weitergearbeitet wird, wesentlich dazu beitragen, die Mord- und Totschlogsgesinnung, die heute schon vielfach in die Jugend eingedrungen ist, zu überwinden. In diesem Zusammenhang ist auch auf die beachtens- werten Ausführungen des Breslauer Soziologen Prof. Eugen R o s e n st a ck hinzuweisen, mit denen er das Sammelwerk „Das Arbeitslager. Berichte von Arbeitern, Bauern Studen- ten"(Verlag Eugen Diederichs, Jena) abschließt. Rosenstock, der erst unlängst durch ein universalhistorischcs Werk über die europäischen Revolutionen weiteren Kreisen bekannt geworden ist, Hot sich schon seit 1912 für den freiwilligen Arbeitsdienst eingesetzt. Obwohl wir den Optimismus Rosenstocks in bezug auf die Bedeutung der Hochschulen für den freiwilligen Ar- bcitsdicnst— die deutschen Universitäten sind ja heute leider überwiegend rechtsradikal gerichtet— keineswegs teilen, so wendet er sich mit uns doch ganz entschieden gegen eine lohnpolitische Ausnutzung des freiwilligen Arbeitsdienstes. Eine Wirtschaft, so führt Rosenstock aus, die Millionen Ar- beitslofe zählt, kann keine Arbeiten vergeben,„die den Ar- beitsmarkt noch weiter ruinieren. Der Arbeiter hat Anspruch darauf, seinen Lohn nicht konfisziert zu sehen, durch lohnfreie Arbeit". Ebenso scharf wendet sich Rosenstock gegen die An- Hänger des alten Militärs, die heute schon dem freiwilligen Arbeitsdienst zujubeln. Diesen Leuten bedeutet er unmißver- stündlich:„Der Arbeitsdienst in der modernen Gesellschaft bat die entgegengesetzte Funktion als die Militärpflicht im alten Staat." Dieser Satz wird dann durchaus marxistisch begründet. DES Militär ratchvElisierse die Menjchen, Es erzog pooi Landtagskrach in Braunschweig. Nazis können die Wahrheit nicht vertragen/ Protestaktion der Sozialdemokraten. Aus dem Reichsetat für'tSSÄ. Panzerkreuzer C im Wehreiat. Verschiebungen im Etat des Innenministeriums. Aeberliefertcn ,;um Bewußten>„Es räumte auf mit dem Schlendrian bei der Arbeit und in der Kleidung, im Gehen und im Den' ein" Aber dieses Militär ist non der industriellen Entwicklung der modernen Gesellschaft überholt worden. Das heutige Heer hat sich mit der Menschenleere des Schlacksi- feldcs vertraut machen müssen. Maschinen(Tanks usw.) haben die Menschen ncrdränat.„Die Scharen der dienstwilligen Ar- bcitskräfte sind heute durch keine» Militärpslichtersatz zu er- fassen." Gerade die entgegengesetzte Richtung müssen die Arbeits- lager verfolgen. Die Menschen sollen ni ch t uniform wer- den, sondern die Mitglieder der Arbeitslager sollen vor Sclbstoerantwortung. eignes Denken und Fühlen gestellt werden. Die Menschen werden wieder Bodennähe, Ursprung- lichkeit gewinnen, die ihnen das Tempo der modernen In- dustrialisierung genommen hat. Wenn die Gefahren romanli- scher Ilebertreibungcn früh genug beachtet werden, wird das Streben der heuligen Jugend nach Erfüllung kollektiver Lebensordnung erreicht werden. Sicherlich kann der freiwillige Arbeitsdienst die Wirt- schastskrife nicht beseitigen. Nur im Rahmen der aktiven Durchführung eines Gefamtprogrammcs der Arbeits- bcschaffung, wie es die freien Gewerkschaften in Uebcrein- stimmung mit der Sozialdemokratischen Partei auf dem K r i s e n k o n g r c ß d c r G c w c r k s ch a f t e n vom 13. April gefordert haben, vermag der freiwillige Arbeitsdienst zehntausende junger Menschen einer Republik zurückzu- gewinnen, die ihrer sozialen Pflicht genügt. Die Aufräumungsarbeiten bei Kreuger. Beträchtliche Verluste der Schweiz.— Lex Krcuger im Schwedischen Reichstag. Das schwedische Parlament wird noch im Lause dieser Woche das Sondcrgesetz für außergewöhnliche Konkurse, die sogenannte Lex Kieuger beraten. Dieses Gesetz sieht vor, daß die Re- gierung die Ernennung der Konkursverwalter selbst übernimmt. Aon außergewöhnlicher Bedeutung ist die in dem neuen Gesetz enthaltene Bestimmung, daß Pfändungen an mobilen Werten der Konkurs- Masse ausgeschlossen werden sollen, auch wenn ein Pfandrecht an diesen Werten besteht. Die ausländischen Gläubiger werden in den nächsten Tagen in Stockbolm eintreffen und eine ständige internationale Kommission einsetzen, die mit dem Unter- suchungsausschuß Fühlung behält. Gegen die schuldigen Direktoren des Kreuger-Konzerns, sowie gegen den Aussichtsrat sind von den Gläubigern bisher Schade nersatzansprüche in ö I) e von mehr als lltll Millionen Kronen geltend gemacht worden. Mit dem Ablauf des Kreuger-Moratoriums Ende dieses Monats wird die Gefahr einer U e b e r s ch w e m m u n g der Stock- holmer Börse mit Kreugcr-Werten akut. Um einer neuen Kurs- ponik vorzubeugen, beabsichtigen die schwedischen Banken, eine A U f- f a n g st e l l e einzurichten, über deren Organisation jedoch noch nichts Näheres bekannt ist. Nach den bisherigen Feststellungen der Schweizerischen Banken-Lereinigung betragen die Verluste der Schweizer Gläubiger bei dem Zerfall des Kreuger-Konzerns illst Millionen Franken. Einen ähnlich hohen Betrag erreichen die Kursverluste bei den Kreuge.r-Werten, die für Rechnung von ausländischen Kunden gekauft wurden. Die lehlen Stunden vor dem Selbstmord. Die dramatischen Stunden, die dem Freitod des Zündholz- königs Ivar Krcuger vorausgingen, werden in dem neuesten Bericht der Stockholmer Kriminalpolizei eingehend behandelt. Nach der Aussage des verhafteten Kreuger-Direktors Hennig hatte Ioac Krcuger am 11. März in Paris eine sehr bewegte Unterhaltung mit den jetzt verhafteten Direktoren 5?olm, Wendler und Hennig, sowie mit seinem Intimus, dem Ingenieur L i t t o r i n. Im Mittest punkt dieser Unterredung stand die Angelegenheit der italienischen Staatspapiere, deren Fälschung kurz vorher von den leitenden Direktoren sestgestellr worden war. Kreuger hat nach der Angabe de» Direktors Hennig die Frage, ob für diese Papiere Zirrien bezahlt würden, bejaht, dagegen sei er der Frage nach der Her- k u n f t des Geldes zur Bezahlung dieser 400 Millionen Schatz- anweisunge» und wegen des Fehlens der notwendigen Stempel ausgewichen. Auch die direkte Frage Hennigs, ob die Schatz« anweisungon echt feien, soll Kreuger zustimmend beantwortet, dann aber dem Fragesteller lange angesehen und schließlich die Unter- redung abgebrochen haben. Er bestimmte dann für den Nachmittag des nächsten Tages die Fortsetzung der Unterredung und eine Stunde zuvor griff er zur Waffe. Die Politik der reifen Birne. „Oos Freie Wort" zur Lage in Preußen. Der Leitartikel der soeben erschienenen Nr. Ä) des Diskujsions- organs der Partei„Das Freie Wort" beschäftigt sich mit den Aussichten der künftigen Politik in Preußen, Genosse H e i l m a n n gibt dornt ein« klare und instruktiv« Darstellung der augenblicklichen Machtverhältnisse, einen zusammeniassenden Bericht über die ofsi- ziellen Acußerungen der nationalsozialistischen Führer, die im Augenblick keine Neigung erkennen lassen, sich den Weg in die preu- ßische Negierungsmacht durch bestimmte Garantien zu erkaufen, die das Zentrum von ihnen verlangen würde. Herr Kube erklärt, daß oi« Nationalsozialisten die ganze Macht und di« volle Verant- wortung übernehmen wurden, aber erst,„wenn die Birne reif i st", Sozialdemokratie und Eiserne Front werden dafür sorgen, daß ihnen die Republik nicht wie eine reise Birne in den Schoß fällt. Uebcr die Folgerungen und Schlüsse, die in parteiorganisaiori- scher und agitatorischer Beziehung aus den Wahlkämpfsn der legten Zeit zu ziehen sind, schreibt Genosse Georg Decker. In einem Beitrag des Genossen I. Tiem-Bochupt:„Die So- zialetats in der Krise" bringt„Das Freie Wort" interessante Zahlen ans der gesamten Sozialoersicherung und der Arbeitslosenversiche- rung. Genosse Herbert Hotzhauer» Schwenningen unterzieht in seinem Artikel„Zur Württcmberger Wahl" die Gründe einer ein- gehenden Würdigung, di« ausschlaggebend für das starte Ampachfen der Nationalsozialisten auch in Württemberg gewesen sind, „Das Freie Wort" erscheint wöchentlich und kostet, durch die Post bezogen, monatlich 91 Pf. Einzelheste sind zum Preise von 20 Pf. durch jede Aolk-buchhandlung zu beziehen. Probeheste ver. sendet gratis und portofrei der„Freie-Wort-Aerlag", Berlin SW, 68, Lstidenstr. 3. Das Diskussionsorgan der Partei fei unseren Lesern wärmstenz empsohscn,. Dos Reichskabinett beschaitigt sich täglich mit der Verabschiedung des Rcichsctats für 193 2. Einige Einzelplöne haben bereits das Kabinett passiert. Es sind das die Haushalte des Reichstags. des Auswärtigen Amts, des R c i ch s i n n e n m i n i- st e r i u m s, des Wirlschastsrais, des Heeres, der Marine, des Verkehrsministcrinms. der Versorgung und Ruhegehälter, des Rechnungshofs und Rcichssparkommissars und der des Reichepostministeriuins. Es fehlen noch die Etats des Reichs- Präsidenten, des Reichskanzlers, des Reichswirtschafts. Ministeriums, des?l r b e i t s m i n i st e r i u m s, des Er- nährungsminifteriums, des Finanzministeriums und der Allgemeinen Finanzocrwaltung und der Kriegs- l o st c n e t a t. 3n den bisher vorliegenden Etat» hak man sich im allgemeinen bemüht, die schon im Vorjahr stark beschränklen Kcichsau»gabcn noch weiicr zu senken. Häutig sind aber die Senkiingsversuche mir in der Theorie durch- geführt worden. In der Praxis verhält es sich so, daß z. B. der Etat des R e i ch s i n n c n m i n i st e r i u m s um 1,7 Millionen höher ist als im vergangenen Jahre,»nd daß der Wehretat mit 637 Millionen ungefähr auf dem gleichen Stand bleibt wie vorher. Allerdings soll der Wehretat, wie wir zuverlässig erfahren, nach um 79 Millionen Mark nachträglich ge. senkt werden. Niedriger sind in erheblichem Umfange nur die Etats des Reichsvcrkehrsministeriums— 33,3 Millionen weniger als 1931—, der Versorgung und Ruhegehälter— 111,6 Millionen weniger— und des Auswärtigen Amts— 2 Millionen weniger. Wie nicht anders zu erwarten war, enthält der M a r i n e e t a t in diesem Jahr die erste Rate für Lau und Armierungen des Panzerschiffes C (Ersah Braunschweig) in höhe von rund 5 Millionen Mark, die sich aus einer Vourate von 4,3 Millionen, einem Ansatz für artilleristische Armierungen von 0,5 Millionen und einem Ansatz für Torpedoormierungen von rund 0,2 Millionen Mark zusammensetzt. Die Einsetzung der ersten Rate ist automatisch erfolgt auf Grund eines vergangenen Jahres erfolgten Beschlusies des Reichstages zum Marincetat, in dem ein- für allemal ein Bauplan für die Marine- Neubauten während der Jahre 1931 bis 1936 einschließlich ausgestellt wurde. Nach diesem Plan war in diesem Jahr das Panzerschiff C fallig. Im Etat befindet sich neben der Position die folgende ein- schränkende Bemerkung: „Zeitpunkt des Baubeginns und Abänderungen gegenüber dem bisherigen Schi isstyp auf Grund von Ergebnissen der Abrüstungskonferenz bleiben vorbehalten," Im nächsten Jahr wird der Marineetat durch keinerlei Reu- ansotz für Schifssbauten belastet, im Jahre 1934 beginnt aber dann der. Bau des Panzerj�ifs» v ��tzMaßt. �Innerhalb der�eii�klnerr�opitel des Wehretats sind große Ver- schtebungen nicht fcstzis stellen. Auffällig ist nur. daß di« Einnahmen gegenüber dem Vorjahr um iist-gesawt 8 Millionen zurückbleiben. Das ist darauf zurückzuiühren, daß soywhl die Berkaufserlös« aus dem Verkauf unbrauchbarer Geräte usw.. als auch die Grundstücks- erlöse wesentlich niedriger eingesetzt worden sind, Die große Senkung im Etat des Rcichsvcrkehrsministenums ist auf eine wesentliche Einschränkung des wasscrstrahcnbaues zurückzuführen. Im Etat ist zwar angegeben, daß die Ausgaben für den Wasser- straßenbau um 30,3 Millionen Mark gestiegen seien, aber diese Zahl kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß infolge des vollkommenen Ausfall? des Außerordentlichen Haushalts, der im vergangenen Jahr allein 66 Millionen Mark ausschließlich für Kanalbauten auf- wies, 33 Millionen Mark weniger für den Wasierstraßeirbau da sind, als im vergangenen Jahr. Im Luft etat sieht es anders aus. Hier wird eine Mehrausgabe von 2,2 Millionen gegenüber dem vergangenen Jahre ausgewiesen. In Wirklichkeit stecken ober Die neueste Enzyklika. Oer Papst über den„verfluchten Hunger nach(Sold". Rom. 18. Mai,(Eigenbericht.) Am Mittwochabend hat der Vatikan eine neue Enzyklika des Papstes verösfentlicht, in der all« Völker ermahnt werden, „sich zu vereinen und sich mit aller Kraft den Uebeln, die die ganze Menschheit bedrücken, entgegenzustellen". Dies« Hebel seien überall im ständigen Wachstum begriffen. Die Wurzel solcher Wirrnis liege in dem„verfluchten Hunger nach G o l d". Di« Ilmfmrzparteien machten sich indessen überall das allgemeine Elend zunutze. Den 51ampf um das tägliche Brei suchten sie mit dem Kamps gegen Gott und jede Religion zu verbinden. Der letzt« Teil der Enzyklika hat rein religiösen Charakter. In ihm wird zu Gebet und Buße aufgefordert. Fort von Oingeldey! Professor Graf zu Dohna aus der OVP. ausgelreltn. Professor Dr. Graf zu Dohna, der bekannte Banner Straf- rechtslehrer, hat seinen Austritt aus der Deutschen Valkspartei er- klärt. Graf zu Dohna, der der Deutschen Valkspartei fei ihrer Grlln-� dung angehört und sie als Abgeordneter in der Weimarer National- Versammlung vertrat, hat nicht die Absicht, sich irgendeiner anderen Partei anzuschließen. In einem Schreiben an den Partei- f ü h r e r D i n g c l d c y macht Gras zu Dohna der DBP. zum �Vorwurf, daß sie„von dem Weg der unter Stresemann mit so großem Erfplg betriebenen Mitarbeit am Wiederaufbau des Siaa- tes abgewichen fei und sich zu einer Regierung in Opposition ge- stellt habe, die gewiß� ihre Fehler hob«, für deren Ersatz durch eine arbeitsfähige und erfolgreiche Regierung indessen die Boraiissetzung einstweilen nicht gegeben sei". Weiter betont Gras Dohna in dem Schreiben, daß ihm der Entschluß zu dem Austritt nicht leicht ge- fallen sei. Er Hab« diese schon lange erwogen« Erklärung bisher auch deshalb hinausgeschoben, weil ihn noch ein persönliche» Gefühlin den rund 40 Millionen Mark, die 1932 für allgemeine Zwecks der Luftfahrt auigewendet werden fallen, 4 Millionen Mark Mehr- ausgaben, die der wirtfchaftiichen Förderung der deutschen Luft» tahrtindustrie über die bisher gezahlten 12.1 Millionen Mark hinaus dienen sollen. Die Notwendigkeit dieser Mehrausgab« wird damit begründet, daß infolge der Weltwirtschaftskrise der Aus- landsabsatz der deutschen Luftfahrtindustrie so erheblich an Umfang eingebüßt habe, daß„zur Aufrechterhaltung einer technisch leistungsfähigen Luftfahrtindustrie" die Rcichsaufträgc um 4 Mil- lianen Mark erhöht werden müßten. Die Gefahr, di« in dieser Begründung liegt, darf man nicht unterschätzen. Denn mit dem gleichen Recht kann jede Industrie,-deren Export aus irgendeinem Grunde sinkt, vom Reich Subventionen oerlangen. Die tatjächliche Verringerung des Auslandsabsatzes der deutschen Luftfahrtindustrie kann leider statistisch nicht festgestellt werden, weil gerade bei dem Pasten Flugmataren in der Außenhandelsstatistik mitten im Jahre 1931 eine Veränderung vorgenommen worden ist. Bei einer Mehr- fordcrung von 4 Millionen häiic das Reichsverkehrsminifterium die kleine Mühe nicht zu scheuen brauchen, die Begründung der Mehr- forderung mit einigen präzisen statistischen Angaben zu versehen. Am bedenklichsten erscheinen aber gewisse Verschiebungen, die innerhalb des Etats des Retchsinnenmiyistcriums vorgenommen worden sind. Hier sind nämlich VA Millionen Mark„zur körperlichen und geistigen Ertüchtigung der Jugend" und 300 000 Mark „für Vorbereitungsmaßnahmen zum Schutze der Zivilbe- völkerung gegen Gefahren aus der Luft" neu in den Etat hineingekommen. Die 4% Millionen sollen offensichtlich den Groenerschen Plänen der Iugendertüchtignng dienen. Mit den 300 000 Mark werden Zwecke finanziert, die, soviel uns bekannt ist, bisher von der Technischen Nothilfe ous ihren lausenden Etatsmitteln finanziert worden sind. Es besteht also zum mindesten der Verdacht, daß man auf diese indirekte Weise der Technischen Notbilse Gelegenheit geben will, Mittel für andere Zweck« frei zu setzen. Die neu angeforderten 1,8 Millionen sind nicht identisch mit jenem Betrag, um den der Etat des Reichsinnen- Ministeriums höher ist, als im vergangenen Jahr. Die tatsächliche Erhöhung des Etats ist vielmehr im wesentlichen auf die Kosten der Reichspräsidentenwahl im Jahre 1932 zurückzuführen. Ilm l.8 Millionen für die neuen'Zwecke zu erhalten, mußten Ein- sparungen an den verschieden st cn Fonds varge- nvmmen werden, deren Zahl im Reichsministerium des Innern bekanntlich nicht gering ist, und hierbei haben sich reckst merkwürdiae Dinge ereignet. An sich wäre es gerechtfertigt, wenn— zumal in Zeiten wirt- fchäfilichcr Not— an Fonds des Reichshaushalts Kürzungen vor- genommen würden, die man sich als unbedingt notwendig im Interesse des ganzen Volkes bezeichnen muß. So ist trotz mancher Bedenke» sicher nichts dagegen zu sagen, wenn die Ausgaben für allgemeine wissenschastliche und künstlerische Zwecke, für Theater- kultur, aber auch für die Notgemeinschost der deutschen Wissenschaft oder die Kaiser-Wilhelm-Gesellschast herabgesetzt werden, wie es im Jahre 1932 der Fall ist. Sehr gefährlich dagegen erscheint eine Verminderung von Fonds mit ausgesprochen sozialer Bedeutung. wi« der für Schul, und Erziehungswesen und Erziehungsboihilien. für die Studentische Wirtschaftshilfe, für Volks- und Jugen.dwohl- fahrt, zur Bekämpfung pes Alkoholismus und der Geschlechtskrank. Heiken. Bei beiden Gruppen von Fonds, bei den allgemein kulturellen so wie bei den sozialen betragen die Kürzungen jedesmal genau 1 03? 000 Mark. Das tief Bedauerliche ist aber, daß bei den weniger bedeutsamen allgemeinen Fonds nur 12 Proz. gegenüber dem Stand des Vorjahres gekürzt warben ist, während sich die Ver- Minderung der sozialen Fonds aus 23 Proz.— ein Viertel der im Vorjahr ausgeworfenen Beträge beläuft. Hierüber wird bei der Beratung des Reichshaushalts noch zu reden sein! der Treue zu seinem alten verehrten Parteifreund Wilhelm Kahl bei der Partei gehalten hätte. Nun sei aber auch dieses Band zer- rissen._■ Oesterreichs unlösbare Krise. Dollfuß' Auftrag gescheitert/ Aeamtenkabinett in Gicht? Wien. IS. Mm.(Eigenbericht.) vor versuch, in Oesterreich ein rcchtsbürgerlichcs Sa- binett Dallsuß zu bilden, ist am Mittwachabend nach lang- wierigen Verhandlungen endgültig gescheitert. Dallsuß hat dcm Bundespräsidenten den Auftrag zur Regierungsbildung zurück- gegeben. Man spricht seht davon, daß für die nächste Zeit ein L e- amtenkabinett ernannt werden soll. Nach einer späteren Agentnrmelvung hat Präsident Miklas Dr. Dollsiiß gebeten, seine Bemühungen doch noch fortzusetzen. Steigende Arbeitslosigkeit in England. Im April fast S5(X>0 Erwerbslose mehr. Die jetzt vom englischen Aebeitsministerium veröffentlichte Entwicklung des Ardeitsmarktes im April hat in England großes Aus- sehen erregt. Die Zahl der Arbeitslosen ist von Ende Mörz bis zum 26. April entgegen allen Erwartungen um 84 849 versa- neu ge st legen. . Die Gesamtzahl der Arbeitslosen erreicht damit 2632154 Personen, also einen Stand, der bei der geringeren Ke- völkerung in England einer Arbeitslosigkeit von annähernd ni«r Millionen in Deutschland entspricht. Der englische Arbeits- markt hat trotz Pfundabwertung und Zollpolitik den schweren Druck der jahrelangen Arbeitslosigkeit nicht lockern können, denn die augenblicklich« Arbeitslosigkeit erreicht fast den H ö ch st» stand de? Kriienminters 1930/31. Berücksichtigt man, daß durch die verschönten Ilnterstützyngsbestiminungen etwa 200-000 Erwerbslose. hauptjächltch Frauen, seit dcm Oktober 1931 nicht mehr mit- gezählt werden, so ist die Arbeitslosigkeit zur Zeit höher als im September-1931- vor der Aufhebung der Goldwährung. Achtung- Kindesraub! VffeRBOHDi Völker, ausgepaßt! Wieder sind die Kindesräuber am Werk! Die spanische Republik wehrt sich. Gegen die Verschwörer und ihre Helsen Madrid, Mitte Mai. sEigenbericht.) In Spanien ist man einer großen, gegen die Rc- Publik gerichteten Verschwörerorganisation auf die «Pur gekommen. Im grotesken Gegensaß zur Schwere dieses wichtigen Geschehend steht der harmlose Beginn der Zlffärc: bei einer Razzia in Madrid wurde ein an sich nicht weiter verdächtiger Mann festgenommen, in dessen Besitz man einen Revolver fand... Dor Lcrhastete, er hieß Lohoz, wurde dem Schncllrichter vorgeführt. Senor Zlmsda forscltzc nicht weiter noch, woher der Re- vvloer stammen könne, er delegte Lahaz mit der üblichen Geldstrafe, die auf unerlaudles Wotfentragen steht, und lieh ihn dann laufen. Am gleichen Tage aber stellte sich durch vom Sicherheitsdienst ange- stellte Nachforschungen heraus, dah Lahaz ehedem Mitglied der be. rüchtigten„Linäicstos unicos" in Barcelona gewesen war, der Bereinigung, die während der Monarchie alle Mißliebigen van rechts und links auf offener. Straße oder auch in den Wohnungen ohne viel Federlesens abschoß. Der Richter Amado, befragt, worum er d«ii Gefangenen sofort freigelassen habe, ahne weitere Nachforschungen nach dessen Vergangenheit zu halten, gab an, er Hab« von den Zu- sommenhängen nichts geahnt. Sämtliche republiktreuen Spanier waren empört wegen dieser Gedantenlasigkeit und Fohrlässigkeit und der Innenminister setzte kurzontschlossen de» Richter, unter Zu- grundelegung des Republikschutzgesetzes, ab. Für zwei Monate Gehalt wurden ihm noch zugebilligt. Jetzt aber begann der stampf der öffentliehe» Meinung um den Richter. Die Anwaltsvcreiniguug nahm»ich»einer an. die Rechtsparteien zeterten über den„Willkürakt" des Ministers, eine volle Räch» mittagssitzung der Corte« war dem Fall gewidmet und endete mit Zubilligung eines Revisionsverfahrens. Inzwischen ober Hot der Minister, um ollen Angriffen begegnen zu können, neue Nachforschungen nadh Lahoz gehalten. Der Zufall kam ihm zu Hilfe: Aus einer Bahnabgabcstelle wurde ein Ausser mit fünj Revolvern beschlagnahmt und der Eigentümer festgenommen. Bei der Bernehmnnz stellte sich heraus, daß auch er gleich Lahoz früher den Livclicstos unicos angehört hatte und«in Freund von Lahoz war. Auf Grund weiterer Aussagen des Festgenommenen kam es zu einer Reihe neuer Verhaftungen, auch Lahoz wanderte wieder ins Gefängnis. Und was stellt sich heraus? Daß eine große Verschwörung geplant war! Lahoz hat mit einigen ehemaligen Genossen und neuen Freunden, die alle den Lioclicatos lidres, den anarchistischen Gewerkschaften, angehören, in Madrid eine Bande gegründet, die verschiedene Attentate auf die einflußreichsten Persönlichkeiten der Republik ausführen sollte. Als erster sollte der Reichspräsident, Alcala Zamora, beseitigt werden. Man hatte als günstigstes Datum für das Attentat die Ankunft des Präsidenten in Valencia— während seiner Rundreise durch Spanien—' vorgesehen. Einer der Verschwörer war nach Valencia „abkommandiert" worden, wo bereits eine regelrechte Schutztruppe für den Attentäter organisiert war: ihre Mitglieder sollten bei«inem Gehalt von 70 Peseten wöchentlich das Attentat vorbereiten. Es kam jedoch nicht zur Ausführung des Verbrechens, weil die Verschwörer :den günstigen Moment verpaßten. Man nersäzob den Mord auf später und beschloß erst einmal d-n Reichskanzler. Eenor Azona. auf» Äorn zu nehmen. Weitere Attentate auf die Minister, vor allem auch auf den Minister für öffentliche Arbeiten, den Sozialisten Prieto, waren für später geplant. Aon vorerst nicht einwandfrei festgestellter Seite waren Ali 000 Peseten für das Attentat auf Azana zur Verfügung gestellt worden. 15 000 Peseten davon waren für Laboz, den Führer der Bande, bestimmt, 8000 Peseten für nach Laiencia abgesandten Kameraden, das übrige Geld sollte zu gleichen Teilen durch Lahoz an die Bandenmitglieder verteilt werden. Inzwischen hat siä» aber erwiesen, daß die Attentäter in reger Beziehung zu dem„Lcytro Nadonafista", der Manarchistenpartei Spaniens, stehen. Wahr- scheinlich stammen die Gelder von dieser Seite. Kleine Ursachen,— große Wirkungen!— Wäre der Innenminister nicht gegen den Richter Amodo so rigoros vorgegangen, und hätte es lediglich mit der üblichen„Rüge" genug fein lasten,— wer weiß, ob die Attentate nicht doch zur Ausführung gelangt wären?! Die Folgen wären nicht abzusehen gewesen! Das Revisionsverfahren des Richters Amado wird nun wobl kaum durchgehen können. Die Reaktionare in Spanien tun für sine Weile gut daran, ihr offenes Geschrei gegen die Republik ein wenig zu dämmen. Gtädteprogramm zur Krise. Llmschuldung und Vollstreckungsschuh. Di« Sanierung der Gemeindefinonzen ist die zur Zeit dring- lichst« Aufgabe der deutschen Finanzpolitik. Der Vorstand des Deutschen Städtetages Hot bisher vergebens dos Reichssinanz- Ministerium daraus hingewiesen, daß der Ausgleich der Reichs- und Länderctots auf Kasten der Gemeinden nicht länger trag- bar sei. In den letzten Togen hat Präsident Dr. M u l e r t in einem Schreiben an den Reichsfinanzminister(abgedruckt im Maihcft des „Städtetag") die Erfüllung einer Reihe von Forderungen verlangt, die zum Teil schon bekannt, zum Teil neu und von großer Tragweite sind. Zunächst wird die Einführung einer einheitlichen Reichs- acbeitslofensürsorge verlangt, bei der die Gcsamibclastung der Ge- meinden auf ZOO b i s 600 Millionen Mark gegen- über jetzt läOO Millionen Mark im Jahre heradgedrückt werden soll. Dazu ist zu sagen, daß von uns eine Zusammen- l c g u n g von Krisen- und Wohlfohrtssürsorgecrwerbsloscn schon längst gefordert wurde, daß ober eine Beseitigung der Arbeits- lasenversicherung, wie Genosse L c i p a r t in seinem Brief an den Reichskanzler ausführte, unseren schärfsten Wider» st a n d fiiiden würde. Bis zur Reforvi der Arbeitslosenversicherung wird die Fort- Zahlung der Reichshilse(monatlich ZZ Millionen Mark) als unerläßlich bezeichnet. Ab 1. Juni müßte die Reichshilfe wesentlich erhöht werden. Ferner verlangt man, daß mit Wirkung ab 1. April kein llebergang mehr von der Krisen- zur Wohlsahrtserwerbsloscnfürsorge stattfinden solle. Die U m s ch u l d u n g der kurzfristigen Kommunalschulden, die in monatelangen Verhandlunaen steckengeblieben sei, imisse endlich durchgeführt werden. Der Vorstand des Eiädtetages hat einen neuen Vorschlag in dieser Frage ausgearbeitet. Es folgen eine Anzahl Forderungen, die für die ganze Finanz- wirtschast von größter Bedeutung werden können. Da zum Ausgleich des Defizits Kredite tatsächlich nicht zu erhalten seien, so wird nach dem Muster der Osthils« für Gemeinden, die in Zahlungsschwierigkeiten sind, ein reich srechtlicher Klage-, Bollstreckungs- und Konkurs schütz gefordert. Auch die Rechtsfolgen des Zahlungsverzug«? sollen, wenn die Gc- meinden unverschuldet in Verzug kommen, ausgeschlossen werden; insbesondere sei die V e r fa l l k la us e l in Schuldoer- trägen auszuschließen. Ferner wird zugunsten unverschuldet zahlungsunfähig gewordener Gemeinden gefordert, die Tilgung lang- und mittelfristiger Schulden im Rechnungsjahr 1932 aussetzen zu dürfen.— Das alles sind Forderungen, deren Erfüllung tief ins Wirtschaftsleben eingreifen würden und von gefährlichem Einfluß auf den Kommunalkredit sein könnten. Dlan wird im Reichsfinanzministerium alles daran setzen müssen, daß es nicht so weit kommt, daß den Gemeinden nur mit diesen aller- letzten Mitteln geHolsen werden kann. Schließlich verlangen die Gemeinden einen„reichsrechtlichen Schutz gegen Willkür maßnahmen der Landes- r e g i e r u n g e n im materiellen und formellen Finanzausgleich zum Nachteil der Gemeinden". Die Länder hätten in der letzten Zeit, obwohl sie keinerlei Arbeitslosenlasten zu tragen hätten, wiederholt ihre Etats durch Abänderung des Finanzausgleichs zum Nachteil der Gemeinden in Ordnung gebracht.— Das Wort— und die Verantwortung!— hat nunmehr das Reichs- finanzministerium! Die Kabineitsitzung am Mittwoch. Gewerkschafisverti'eter beim Kqnzler. Da» RcichskabinkH sehke am Mittwoch selne Beratungen über das Arbeitsbeschaffungsprogramm und die Arbeits- lofenfürsorgc fort. Dem vernehmen nach sind die Arbeiten om Mittwoch erheblich weilec gssördcrl worden. In den späten Abendstunden empfing der Reichskanzler in Gegenwart der zuständigen Reflorlministcr Vertreter der Gc- mcrkschaftcn. Die Beisetzung Kahls. Unter außerordentlich starker Beteiligung wurde gestern nach- mittag auf dem Friedhof der Jcrufolemsgemeinde in der Belle- Alliance-Straßc der im 83. Lebensjahr verstorbene Reichstagsabge- ordnete Geheimrat Professor Dr. Wilhelm Kahl beigesetzt. Di« Trauerfeier fand nicht in der Friedhofstapelle, sondern unter freiem Himmel statt. Der Sarg mar unter einer in prächtigster Blüte stehenden Kastanie, bedeckt mit Flieder und Kränzen, auf- gebohrt worden. Neben den nächsten Angehörigen, der 82jöhrigcn Witwe, dem Sohn und den beiden Töchtern des Gcheimrats Kahl, sah man zahlreiä)« Vertreter der Reichsregierung, der Ministerien, der Deutschen Volks- partei, juristischer und kirchlicher Organisationen, sowie zahlreiche Abgeordnete aus den Parlamenten. Am Sarge sprach als einziger— dem letzten Wunsche des Ver- storbcnen entsprechend— Konsistoriolrat Fischcr von der Jerusa- lemcr Kirche. Wer Hilst ven Faschisten? Auch in Finnland die Kommunisten. helsingsor», 18. Mai.(Eigenbericht.) Di« unbegreiflich milde Politik der finnischen Regierung gegen- icher den staatsfeindlichen Lappo-Elemcnten, deren Putsch- aktion vor einigen Monaten die öffentliche Meinung des Landes peinlich beschäftigte, ermuntert die Faschistenführcr zu neuen Untaten. Seit einigen Wochen beunruhigen erneut ihre verantwor- tungslosen Treibereien die Bevölkerung. In erster Linie sind sie gegen die Arbeiterorganisationen gerichtet. Vor wenigen Tagen haben die Faschistcnbanden das sozialdemokralifchc Volkshaus in Alapitka niedergebrannt. Dies verabfcheuenswürdige Verbrechen hat bei der Arbeiterschaft Finnlands die größte Empörung ausgelöst. Nicht scharf genug kann aber die Tatsache oerurteilt werden, daß die Faschisten in ihrem harten Kampf- gegen die Sozial- demokratie in den Kommunisten gute verbündete gesunden haben. In Abo ist es den Kommunisten gelungen, die Arbeiterorganisationen zu verhindern, ihr« Maiseier abzuhalten. In Heksingfors hoben die Anhänger Moskau» am 12. Mai eine Arb e itervers ammlun g im Vvlkshnus gesprengt. Die Versammlung wurde von den Gewerkschaften einberufen. Auf der Tages- nrdnung stand die Arbeitslosensrage. Es dürfte nickst uninteressant sein, daran zu erinnern, daß die Sozialdemokratische Arbeiterpartei seinerzeit sich entschieden gegen da? Verbot der Kommunistischen Partei Finnlands ausgesprochen hat und bei jeder Gelegenheit sich für die Aufhebung des Verbot, einsetzt. Gorgulow Syphilitiker. llnzurechnungsfähigkeit dürste anerkannt werden. Paris, 18. Mai. Die Voruntersuchung gegen Gorgulow ist nach langen Der- hören fast abgeschlossen. Der Mörder gebärdet sich fortgesetzt als religiöser Patriot, der sein Verbrechen aus Liebe zu Ruß- land begangen hat. Ais der Untersuchungsrichter vor Gorgulow ein grünrotschwarzgesticktes Banner ausbreitete, stürzte sich dieser aus die Zahne, riß sie on sich und kühle sie. Er erklärte, daß alle seine Taten für dieses Banner verübt worden seien, das für ihn das höchste Heiligtum darstelle. Die grüne Farbe shmbalisierc das Bauerntum, die rote die Demokratie und die schwarze die Diktatur(!!). Al» ihm seine ärztlichen Ver- fehlungen in der Tschechoslowakei vorgeworfen wurden, geriet er in Raserei und beteuerte schreiend, daß er van ollen verlassen sei und von der ganzen Welt verfolgt werde. Konkurrenzneid und Bosheit hätten die gegen ihn ausgestreuten Verleumdungen er- fnndcn. Er habe niemals gegen die ärztliche Berufsehrc verstoßen, Die Notiz in seinem Taschenbuch, dah er nicht nur viermal, sondern bereits z w ö l f in a l verheiratet gewesen sei, bezeichnet Gorgulow als falsch. Er habe das nur zum Scherz niedergeschrieben. Mitwisser oder kzelsershelser habe er beim Präsidentenmord nicht gehobt. Bei den Emigranten sei er nur auf Feindschaft und Miß- trauen gestoßen. Nach dem medizinischen Gutachten scheint es bereits, daß Gorgulow bereits seit 15 Jahren an Syphilis leidet. In diesen Togen sollen weitere Blut-, und Rückenmarlunter- suchungen vorgenommen werden. Am Mittwochvörmittag führten die Acrztc an ihm eine Lendenpnnktur au?, die Gorgulow für einige Tage n e r n e h in u n g s u n f ä h i g macht und ans Bett fesselt. Die Abendpresse meist bereits auf die Möglichkeit hin, daß die Ivedi- zinischen Sachverständigen de» Mörder für u n z u r e ch n u n g?- fähig erklären. Da? entscheidende Gesamtgutochten sei nicht vor 14 Tagen bis drei Wochen zu envarten, Nazilügen. Die Angriffe auf die Preußenkasse und Oomänenbank. Die nationalsozialistische Presse, insbesondere der„Angriff", setzen sich in letzter Zeit mit der P r c u ß« n k a s s c und der Do- mänenbank mit Bezugnahme auf die frühere Leitung dieser Unternehmungen durch den jetzigen preußischen Finanzminister au»- einander. Soweit diese Erörterungen sich mit der allgemeinen Geschäft»- Politik vpn Preuhenkasse und Damänenbank befassen, bestehen sie in Wiederholungen aus alten Beständen der agrarpolitischen Gegner des preußischen Finanzministcre, auf die einzugehen sich erübrigt. Darüber hinaus wird, wie der Ainiliche Preußische Pressedienst mitteilt, folgendes festgestellt: 1. Die Zahl der Vorstandsmitglieder bei der Deui- schen Pächterkreditbank(Domänenbank) erklärt sich daraus, daß diesem Vorstand gleichzeitig die Leiter der der Damänenbank nahe- stehenden Organisationen(Reichsarbeitsgemeinschaft landwirtschaftlicher Pachtbetriebe, Domönermächterverband, Reichsbund landwirt- schaftlicher Pächter und Dnmäncnbetriebsgesellschast) angehören. Die Gehaltsbezüge, die diese Herren van sämtlichen genann- len Stellen erhalten, halten sich in einem der Bedeutung der Unter- nehmungen entsprechenden Rahmen: sie betragen durchichnittlich im Jahre 1(5 000 M, 2, Weder preußische Minister nach preußische Ministerialbeamle sind bei der Domänenbank verschuldet. 3. Der Kredit, den der Verbanbsdirektor Dr. G r ü n w a l d bei der Domänenbank in Anspruch genommen hat, erreicht bei weitem nicht dos in der notionslsozialistischen Presse behauptete Au»maß: er ist dinglich und durch Bürgschaft gesichert. Do» üorkrniuslcm bleibt in Sowjelruhland. In den Soipjet- biiittern ist ein Bejck'iuß des Rates der Volkskominilsare veröffentlicht worden, dem zu-olge dos Kartensystem für folgende Waren er« halten bleiben soll: Mehl, Brot, Grütze. Fleisch, Heringe, Butter, Margarine, Zucker, Kleider, Stiesel und Schuhe. Tarifabschluß der Buchdrucker. Die Krafi einer starken Organisation bewahrt sich. BuchdrulLgewerbe haben die Tarifverhandlungen, die bereits Mitte März einfetzten, nunmehr zu einer Verein- barung über den Mantel- und Lohntarif geführt. Es war ein harter Kampf, der im Verlauf von acht Wochen durchgeführt werden mutzte. Er ist aber, wie man jetzt feststellen darf, für die Arbeiterschaft nicht erfolglos geführt worden. Das Ergebnis der Vereinbarung besteht in der Hauptsache in einer einjährigen Verlängerung des bisherigen Manteltarifs(bis zum 30. April 1933) unter teilweiser A b- änderung einiger Bestimmungen über die Grenzen der auf- schlagsfreien Arbeitszeit, Ueberswnden bei Kurzarbeit, regelmätzige Eonntogsarbeit, einer ausnahmsweise» Festsetzung des Lohnes für die diesjährige Urlaubsperiode auf 75 Proz. des Vollohnee(auch bei Kurzarbeit unter 86 Stunden wöchentlich) und einer anderen Festsetzung des Kostgeldes sür Lehrlinge im zweiten, dritten und vierten Lehrjahr mit tarisrechtlicher Ausschaltung eines Abzugs für Berufs- oder Fachschulbesuch, und zwar entgegen reichsarbeits- gerichtlichen Entscheidungen. Ler Lohnkarif wird mit Wirkung ab 1. Mai unveräaderk wieder in Kraft gesetzt und bis auf weiteres einer längeren Kündi- gungsfrift als bisher unterstellt. Mit dieser Vereinbarung hat ein. schwerer Konflikt seinen Ab- fchlutz gefunden. Will man diesen Äbschlutz würdigen, dann mutz man ihn in der P e r s p e k t i v e d e r Z e i t l a g e und vor allem einer Tarifverhondlungsperiods betrachten, wie die Tarifgeschichte des Buchdruckgewerbes sie schwieriger und gefahrvoller nicht aufzu- weisen hat. Die Gewerkschaften stehen in Verteidigungsstellung. Die Krise lastet auf ihnen mit voller Wucht, während sie dem Unternehmer torifpolitisch infolge des Mosfenangebots von Arbeitskräften Ellen- bogenfreiheit verschafft. Und da? Unternehmertum ist nicht zimper- lich bei dem Versuch, seine Ellenbogen zu benutzen. Der Angriff der Unternehmer des Buchdrue in jahrzehntelangem gewerkschaftlichen Ringen ausgebaut waren. Dieser Angriff war ein Versuch, im Buchdruckgewerbe die Lasten der Krise durchaus einseitig und ungerecht auf die Arbeiterschaft abzuwälzen. Die Antragsvorlage der Unternehmer hat deshalb auch einen Sturm der Entrüstung bei den Arbeitern hervorgerufen. Der Schiedsspruch des Zentralschlichtungsomtes wollte den rücksichtslosen Berfchlechterungsforderungen der Unternehmer bis zu einem gewissen Grade Rechnung tragen. Er fand jedoch infolge der Ablehnung der von den Unternehmern beantragten Berbindlicherklärung keine rechtsgültige Grundlage. Di« danach folgenden Einigungsvsrhondlungen der Tarifparteien lieferten den Beweis, datz das Ministerium mit der Ablehnung der Verbindlichkeit des Schiedsspruckis recht gehandelt Hot; denn diese nnn den Parteien auf eigene Verantwortung geführten Verhandlungen brachten nach sehr scharfen Auseinandersetzungen immerhin ein« wesentliche Abschwäch ung der durch den Schiedsspruch drohenden Belastung der Arbeiter. Daß diese Be- lastung nicht r« ft l o s abgewehrt werden konnte, versteht sich noch Lage der Dinge beinahe von selbst. Die Unternehmer mutzten in den Verhandlungen mochtig zurück- stecken, bis schließlich die. beiden Front-n polstg unnachgiebig ein- ondeir gegenüberstanden und nur noch die Mahl blieb zwischen Annahme der Vereinbarung oder Aufnahme eines Kampfes, der von der durch die Not schon stark mitgenommenen Arbeiterschaft sehr große, nicht nur ideelle, sondern auch materielle Opfer gefordert Holle. Ron besonderer Bedeutung war für die Gehilfenoertreter bei ihrer Entscheidung auch die ernste Pflicht, die bestehenden U n t e r st ü tz u n g s e i n r i ch t u n g en für Tausende von orbeits- losen und invaliden Buchdruckern aufrecht zu erhalten. Ein von den Unternehmern aufgezwungener Kampf hätte all« Kräfte des Verbandes in Anspruch genommen und dadurch die Unter- stützungseinrichtungen vielleicht gefährdet. Beachtung verdient end- lich auch die Totsache, daß in Anbetracht der vom gesamten Unter- nehmertüm aufs neue unternommenen Angriffe auf den Lohn des Buchdruckgewerbes die gegenwärtigen Lohnverhältnisse auf absehbare Zeit unverändert bleiben. Der Vor st and de? sreigewerkschaftlichen Buch- druckerverbandes richtet im Anschluß an die Vereinbarung an die Verbandsmitglieder einen Aufruf, in dem er die Schwierigkeiten des Berhondlungskampfes beleuchtet. Wer die Eesamtlage, so schließt der Vorstand seinen Appell, prüft und vor allem auch die Möglichkeiten und Aussichten einer anderen Eni- fcheidung realpolitisch überlegt, wird zu dem Ergebnis kommen. datz die mit dieser Vereinbarung verbundene Erhaltung des gewero- lichen Friedens im wohlverstandenen Interesse der gesamten Arbeiterschaft des Buchdruckgewerbes liegt. Kritik der Berliner Buchdrucker. Mit der durch Abschluß der Vereinbarung geschaffenen Situation beschäftigte sich Mittwochabend eine außerordentliche Generalver- samknlung der Berliner Buchdrucker in den Germaniasälen. K r e t s ch m e r, Beisitzer im Berbandsvorstand, berichtete eingehend über die Verhandlungen und über die Gründe, die Berbandsvorstand und Gauvorsteher zum Abschluß der Vereinbarung veranlaßt haben. Der Redner wies besonders darauf hin, daß die Unternehmer«ins völlige Zerschlagung des Tarifes erstrebten. Von einer Urab- stimmung wurde Abstand genommen, weil ohne unverzüglichen Abschluß der Vereinbarung die Verlängerung des Lohntarifes nicht möglich gewesen wäre. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten müsse in erster Linie die Einheit der Organiastion aufrechterhalten werden. Die Aussprach« war sehr lebhast. Von allen Rednern wurden die Verschlechterungen scharf kritisiert. Es wurde allgemein bedauert, daß über derartig einschneidende Maßnahmen nicht vor- her die gesamte Mitgliedschaft durch Urabstimmung gehört worden ist. Die Buchdrucker seien nicht gewillt, sich kampflos jedem Diktat der Unternehmer zu fügen. Mimawm an die Hilfsarbeiier. Während der TarifkonfliU im Buchdruckgewerbe für die Buch- drucker durch eine freie Dereinbarung zwischen den Tarifparteien endgültig beigelegt ist, hat sich die Situation sür die Hilfsarbeiter außerordentlich zugespitzt. Nach der Ablehnung der Verbindlichkeitserklärung der beiden Abbauschiedssprüche sür die gelernten und ungelernten graphischen Arbeiter und Arbeiterinnen durch das Reichsarbeitsmimstenum wurde ebenso, wie für die Buchdrucker, auch sür die graphische Hilf?- arbeiterschaft versucht, durch direkte Verhandlungen mit den Unter- nehinern zum Abschluß eines neuen Reichstanfoerlrages zu kommen. s Die Unternehmer gaben sich die größte Mühe, die Verhandlungen zum Scheitern zu bringen, was ihnen durch ihre unverschämten Lohnabbouanträgs auch gelang. Die graphische hilssarbelkerschast sollte nicht nur die verschlech- lerungen der Mantellarifbeskimmungen hinnehmen, mit denen sich die Buchdruckerorganisationen unter dem Zwang der ver- Kältnisse abgesunden haben, sondern darüber hinaus noch durch eine Aenbcrung des Bcrechr.ungsschlüjsels für die Entlohnung einen Abbau der Löhne bis zu 12 k Prozent. In Berlin würde sich nach den Forderungen der Unternehmer für die Hilfsarbeiter ein Abbau der Löhne um 4,3 Prozent, für die Hilfsarbeiterinnen bis zu 9,5 Prozent und für die Anlegerinnen bis zu 9,6 Prozent ergeben. Die zu gestern nach Berlin einberufene Gauleiterkonse- renz des Verbandes der graphischen Hilfsarbester hat am Mittwoch über das Angebot der Unternehmer noch keine Entscheidung getroffen, doch dürfte sie es heute sicherlich ablehnen, auf der von den Unternehmern gewünschten Grundlage einen ueuen Reichstarrf- vertrag abzuschließen. Auch die zu gestern nachmittag nach dem „Clou" einberufen« Mitgliederverfammlung der Berliner Ortsver- waltung des Verbandes der graphischen Hilfsarbeiter war der ein- mutigen Ausfasiung, daß es eine Zustimmung nicht geben könne zu der ultimativen Forderung der Unternehmer: bis Donnerstag abend sich über die Annahme des Angebots zu evtfcheideu, widrigenfalls die Kündiguug der Hilfsarbeiter In allen Vuchdruckereibetrieben erfolgt Di« gut besuchte Versammlung befand sich in voller Uebereinstiwmung mit"dem Gauleiter des Hilfsarbeitervsrbande«, Genossen Albert Schmidt, München, der in seiner Berichterstattung über den bi?- herigen Verlauf der Torisbewegung erklärte, es msrde den Buch- druckereiunternehmern nunmehr von den Hilfsarbeitern gezeigt »erden, daß es für de« Lohnabbau auch eine Grenze gibt. Die Organisation wird nicht nur den Mut, sondern auch die Mittel ausbringen für den Kampf gegen die Diktaturgelüste der Unternehmer. Die Versammlung gab in einer einstimmig angenommenen Eni- schließung dieser Meinung Ausdruck. Für den Fall, daß die Unter- nehmer am Freitag die Hilfsarbeiter zur diktatorischen Durchführung ihrer Lohnabbauwünsche kündigen sollten, muß' sofort der Organ'- sation-leitung, Ortsverwaltung, Nachricht gegeben werden, damit umgehend die notwendigen Abwehrmaßnahmen ergriffen werden tonnen. Aufmarsch der freien Angestettienjugend. ,3. Gavjugendtreffen des ZöA. Rund IM) jugendliche Mitglieder aus dem Gau Brandenburg- Mecklcnburg-Gren.zmark des Zentralverbandes der Ange- stellten marschierten an den Pfingsttagen in Frankfurt an der Oder zu ihrem 3. Gaujugendkrefsen auf. Dos organisierte Strolchtum der Frankfurter Nationalsoziali st en und SA.- Leute versuchte das Jugendtreffen zu stören oder gor unmöglich zu machen. Dank der Disziplin der Jugend- lichen und der Frankfurter Arbeiterschaft gelang es den gewalt- tätigen Horden nicht, ihre Absicht durchzusühren; allerdings könnten sie auf ihr Konto einen Uebetfall aüf wehrlose jlinge Menschen buchen, den sie am Pfingstjonnabend in der elften Nachtstunde durchführten. Die Polizei war schnell zur Stelle; sie mußte mit dem Gummiknüppel vorgehen. Einige Jugendfreunde erlitten bei dem systematischen Ueberfall Verletzungen durch Stockschläge. Wir stellen diese Tatsache nur kurz fest, um die Auswüchse eines Rowdytums zu kennzeichnen, gegen dos noch energischer vorgegangen werden muß als bisher. Das Pfingsttreffen der ZdA- Jugend war, sicherlich mit veranlaßt durch die Uebersolle. von ungc- heurer Begeisterung getragen. In einer Morgenfeier am Pfingstsonntag im Frankfurter Stodttheater wurde durch Musik, Gesang sowie Sprechchor- und Spieldarbietungen das Wollen der freien Angestelltenjugend gestaltet. Genosse Walter E sch b o ch legte in einer eindrucksvollen Ansprache dar, was die freie Angestellten- fugend will und ersttebt. Gauleiter Genosie Gottfurcht konnte viele Vertreter von Behörden und befreundeten Organisationen be- grüßen, u. a. den Regierungspräsidenten Genossen Dr. Pfitzncr. Im Anschluß an die Morgenfeier wurde ein Aufmarsch zum Stadion durchgeführt, wo die sportlichen Wettkämpse stattfanden. In einer eindrucksvollen Schlußkundgebung wurden die Preis« oerteill und der Gaujugendwimpel der Jugendgruppe Kottbus überreicht. Das Schönste war ober dann der Fackel- zug. Riesige Menschenmengen bildeten Spalier oder begleiteten diesen Aufmarsch. Ein Treuegelöbnis der Angestelltenjugend— Sprecher war hier der Iugendgenosse W e i ß st o ck— war die Antwort auf die Provokationen und Gemeinhellen der Nationalsozia- listen. Am zweiten Pfingstfeiertag unternahmen die Teilnehmer Wanderungen. Zur gleichen Zeit tagten die Delegierten der Jugendgruppen in einer G a u j u g e n d o u s s p r a ch e, die im Frankfurter Gewerkschaftshaus stattfand. Gauleiter Genosse Gottfurcht kettete diese Tagung, während die Genossen Esch- dach und Heilbrunn Bericht über die Jugendarbeit und die Situation erstatteten. Die Konferenz wählte den Gaujugendausschuß neu und nahm u. o. auch Stellung zur fitage de? freiwilligen Arbeitsdienstes und zum AfA-Wirtschaftspro- gramm. Treffend sagte Gottsurcht in seinem Schlußwort: Der Gaujugendtag des ZdA. in Frankfurt a. d. Oder war eine Propa- ganda für die freigewerkschaftliche Jugendarbeit der Angestellten, eine Demonstration nicht nur sür die Angestelltenjugend, sondern auch sür die schwcrbedrängte Arbeiterbewegung der Ostmark. Das Mädchen für alles. »Sanierung" auf Kosten der Gemeinden. Mit Gewalt versucht man zur Zeit durch Notverordnungen, Krisenverordnungen und Judikatur des Svruchsenats für Arbeits- losenversicherung die Lasten der Reichsanstalt für Arbetts- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung zu senken und diese Lasten den Gemeinden aufzubürden. Was aus den Gemeinden wird, ist anscheinend dem Gesetzgeber und auch der höchst- richterlichen. Instunz in der Arbeitslosenversicherung völlig gleich- gültig, die Hauptaufgabe ist Abbau. Zur Illustration drei Fälle aus der Praxis: Ein junger Mensch arbeitete in Bayern zu einem Wochen- verdienst von 29 M. netto. Er muß davon dort seine Wohnung bei fremden Leuten, seine Kleidung, Essen und Trinken bezahlen. Dem alleinstehenden betagten Vater des Arbeiters wird hier in Berlin die Krisenunterstützung versagt, well noch der Krisensürsorgeverordnung der Sohn verpflichtet ist. für den Vater zu sorgen. Er hat sür sich nur 26 M. in der Woche anrechnungsfrei, 9 M. seines Verdienstes werden voll auf die Unterstützung des Vaters gerechnet, der nun keinen Pfennig mehr bekommt. Nach der Für- sorgepfllchtverordnung mutz nun die Wohlfahrt eingreifen, d. h. die Gemeinde. Ein Arbeitsloser, verheiratet, mit einem Kind, kann in Berlin keine Krisenunterstützung bekommen, weil sein« Schwiegermutter in Schleswig-Holstein 192 M. Pension be- kommt und mithin— nach den Richtlinien der Krisenfürsorgever- Ordnung— Bedürftigkeit nicht mehr vorliegt. Wie das Arbeitsamt die Schwiegermutter zwingen will, Tochter, Schwiegersohn und Enkelkind zu unterstützen, dürfte ewiges Geheimnis bleiben, denn nicht einmal nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch kann sie zur Unter- stutzung herangezogen werden. Realisierbar ist dieser Anspruch nie, aber dafür muß die Wohlfahrt eingreifen, d. h. die G e» m e i n d e. Der Spruchsenat für Arbeitslosenversicherung Hot unlängst entschieden, daß bei oerheirateten Frauen. die von ihrem Mann getrennt leben, auf jeden Fall die Be- dürftigkeit geprüft werden müßte. Bei Anwendung der Krisenfür- sorgebestimmungen wird also auch die getrennt lebende Ehefrau in Zukunft bei Verdienst ihre? Mannes keine Unterstützung mehr bekommen können, auch wenn der Mann gar nicht daran denkt, ihr nur einen Pfennig abzugeben. Eingreifen muß dann in all diesen Fällen wieder die Wohlfahrt, obwohl Beittäge zur Arbeitslosenversicherung geleistet wurden. Und vor allem: Wo bleiben die Gemeinden? Wo bleibt hier noch das Versicherung?- prinzip? Versammlung der Außenmonieure. DVMI. nutzt die Krise aus. PI« diesjährige traditionelle Pfingstversammlunz der freigewerk- schafllichen Berliner A u ß e n m o n t e u r e mußte durch den G°< Nossen G r o n von der Ortsverwaltung des Metallorbeiterverbandes die wenig angenehme Pfingstbotschaft vernehmen, daß der BBMI. einen erfolgreichen Vorstoß gegen die Höhe der sogenannten Au?- l ö s u n g, das ist die Vergütung für die Auslagen des Monteur? am Montogeort. geführt hat. Mit der Kündigung des Abkommens über die Auslösungssätze zum 36. April halle der VBMI. die Forderung verknüpft, die Auslösungsfätze für auswärtige Montagen durchweg um 26 Pro;. und die Sondervergütungen bei Stodlmontogen ebenfalls ganz er- beblich zu senken. Zur Begründung dieser Forderungen diente den Metollindustriellen die Senkung der Mieten und der Logissätze in den Hotels und Gasthöfen, der Rückgang der Kosten sür die Leben?- Haltung usw. Der S ch l i ch t u n g? a ü? s ch u ß. der noch dem Scheitern der direkten Verhandlungen von beiden Parteien angerufen wurde, sollte einen Schiedsspruch, wonach die Auslösungsjätze sür ou?- wartige Montag-n ab 1. Mai im Durchschnitt umetwalllProz. gesenkt werden sollen. Die Sonderzuschläge für sogenannte Kurz- Montagen sollen nicht mebr sür zwei Wochen, sondern nur noch für eine Montogewoch« gewährt werden. Bei Stadtmontagen soll in Zukunft erst noch einer Entsernnung von mehr als 7 VI Kilometer (bisher 5.Kilometer) norn Betrieb die Laufzeit entschädigt werden. Der Antrag der Unternehmer, nach einer Montagedauer von über drei Monaten mit dem Monteur Sonderabmachungen über die Auslösung treffen zu dürfen, wurde vom Schlichtungsausschuß abgelehnt. An den Bestimmungen über Fahrgeldenlschädigungen bei Stadl- Montagen wurde nicht? geändert. Da? Abkommen soll erstmalig zum 31. Oktober d. I. kündbar sein. Die Außenmonteure übten nicht die geringst« Kritik daran, daß die Organisationsabteilung im Einvernehmen mit der ständigen Monteurkommijsion in Berlin dem Schiedsspruch auf Grund der augenblicklichen Lage in der Metallindustrie zugestimmt hat. Empörung herrschte jedoch darüber, daß im Vertrauen auf die Unter. stützung der Schlichtungsinstanzen die Unternehmer die mißliche Lag« der Arbeiterschaft rücksichtslos zum Abbau aller Errungenschaften ausnutzen. Die Versammelten gaben sich gegenseitig das Versprechen. Revanche zu nehmen, wenn die Konjunktur ihnen wieder einmal einen besseren Platz an der Sonne zuweist. Die nächste Außen- monteurversammlung soll am zweiten Weihnachtsfeiertag vormittags in den Sophiensälen sein. Die Bundesschule des AOGB. Jeder freigewerkschaftlich Organisierte weiß, was die Bundes- schul« des ATGB. bedeutet: Pslegestott« gewerkschaftlicher Bildung. Rüstkammer sür die Funktionäre in den Betrieben, die hier in zwei bi? vier Wochen einen zusamnienfassenden Ueb-rblick über die Ar- beitSgebiete erhalten, die sie im Dienste an ihren Arbeitskollegen im Betriebe zu� verwalten haben. Wer sie nicht kennt, bekam in einer Reportage im Programm der Aktuellen Abteilung der Der- liner Funkstunde eine zwar sehr knappe Skizze von ihr. in der aber immerhin charakteristische Punkte über ihre innere und äußere Ge- statt deutlich heraustraten. Schon in der Schiloerung des Gebäudekomplexes, die Alfted Braun gab, wurde etwas von ihrer geistigen Form sichtbar. Sinnvoll« Zweckmäßigkeit drückt der Bau aus, sinnvolle Zweckmäßig- keit ist das Grundgesetz aller Arbett, die in ihr geleistet wird. Die praktischen Ziele der Funktionärbildung, die für die einzelnen Be- rufszweig'e hier vermitetlt wird, treten vor die Schüler dieser ge- werkschaftlichen Bildungsstätte nie als letzter Sinn ihrer Arbett, sondern nur als Mtttel, der großen gemeinsamen Aufgabe gerecht zu werden, der Gestattung der menschlichen Gemeinschaft. Dr. Seel- b a ch, der Leiter der Schule, betont«, wie wichtig es gerade in dieser Krisenzeit sei. die Gewerkschaftsschule uneingeschränkt weiterzuführen. Die Gewerkschaften, die sie aus eigenen Mitteln unterhalten, hoben seshalb auch keine Einschränkung beschlossen. fftm'e Gewertschafts-Iugend Berlin Heute. Donnerstag, 19. Mai. 19lj Uhr, tagen die Eruppsn: Südosten: Jugendheim Reichenberger Straße 69. Generalprobe nur Zehnjahrfeier. — Tcmpelhos! Jugendheim Lyzeum, Sermoniastraße 4— 6. Der Zugang erfolgt durch den oingang Soßstraße auf der Hinteren Seite der Schule. D'r üben Lieder.— Moabit: Jugendheim Lehrter Straß- 18—19. Wilhelm Busch im Lichtbild.— Staaten: Jugendheim 17. Volksschule, Gartenstadt, Kirchplaß. kutieren über Artikel in der Gewerkschastsvrcsse.— Lichtenberg: Jugendheim Dasseftraße 22. Gutheil funkt auf Welle„Runxendors".— Neu-Lichtenberq: Jugendheim Gunterliroße 44. gGI. in Wort und Bild.— Ge.Inndbruancn: Jugendbeim Rair Schule, Gotenburger S träne 2. Bursche und Madel in d-r Jugendbewegung.— Köpenick: Jugendbeim Grünaver Straße z(Nähe Bahn. bof Spindlersfeldj. Bunter Abend.— Gewerkschaftshous: Jugendheim Gewerf. fchaftsbails. Engelufer 24— 2Z. Saal 11. Barum mutz sich der Jugendlrche organisieren.— Wir spielen ab 18 Uhr: Südkreis: Spielwiese in Treptow und Bolkspark Nuikälln.— Ziorbkrei»: Spielwiese im Bolkspark R-Hberge._ Jugendgruppe des Deutschen Tertilarbeiter-Verbandes: Zugendheim. Sißungs. faal des Verbandes, Enaelufer 24— 25.„Schallplatte n. und Liederabend."_ Jugendgrupp« des Verbandes der N-Hrnngsmittel, und Setränicorbeiter: Jugendheim Reu« Schönhauser Straße 4— d.„Bunter Abend." Lcrontwortlich für Volitik: Bietar Schiff; Wirtschaft:®. Klingelhöserj Scwerkschaft-bewegung: 3. Steiner; Feuilleton; Dr. John Schitow-li;' Lokale, und Sonstiges; Friß Karstädt; Anzeigen; Th. Glocke; iämtlich in Berlin. Verlag: Barwärts.Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Larwärts.Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u Eo. Berlin SD. 6S. Lindenstraß»&, Hierzu 3 Beilage». Ttr. 231-» 49. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts Oonnersiag/ 19. Mai 1932 Z? 'U/nctf*- da kunstgerecht gestopft, hängt Reihe an Reihe 5)errn Kraufes An- zug, frisch und glatt, neben dem Sommermantcl des 5)crrn Direktor, und das Kleid— natürlich in einem anderen Saale, 5)erren und Damen auch hier getrennt— von Frau Doktor neben dem ziegel- roten von Fräulein Schulze. Die Pfcfferkuchenbaiker haben ihr Weihnachten, die Schokoladen- fabrikcn ihr Ostern, und die Ferienzeit ist den Reinigungsanstalten und Färbereien von je her reserviert geblieben. Fast ununterbrochen ist das Telephon im Betrieb:„Aber ich kann mich doch wirklich dar- auf verlassen, bis zu meinem ersten Ferientag, nicht wahr?"„Was soll denn das heißen, diese Kleinigkeit können Sie nicht mehr schassen, das bißchen Färben?�' „O ja", erklärt der Leiter einer bekannten Reinigungsanstalt in Spindlersseld, die schon seit hundert fahren den Berlinern die Soßen- und Rotwcinslccke aus den 5lleidcrn vertreibt,„in den Frühjahrs- wachen müssen wir uns ganz gewaltig rühren. Natürlich wirkt sich ouch bei uns die allgemeine Wirtschaftslage aus: sie zeigt sich aber außerdem für uns in der Art der Anforderungen, die an uns gestellt werden, in einer ganz besonderen Form. Früher waren es über- wiegend Kleidungsstücke und Gegenstände von bester Qualilät, die hin und wieder aufgefrischt wurden. Das Wertniveau ist in den letzten Jahren rapid gesunken. Und außerdem ist die Beschaffenheit der Stücke, von denen der Kunde erwartet, sie so gut wie neu zurück- znerhalten, oft derart, daß in ihrer Behandlung bis an die Grenze des Möglichen gegangen werden muß. Die �Lebensmüden". Aus dem Neueingang an„Lebensmüden", Anzügen, Mänteln, Kleidern, Hüten, Handschuhen und einem Berge anderer Gebrauchs- gegenstände, angelt man so einen Anzug heraus. Nun, Anzug ist schon etwas übertrieben bezeichnet, der Trödler würde unter Ach und Weh drei Mark dafür anlegen. Hier ober soll ihm noch einnial neues Leben cingcblafen werden; slcckcnrein und farbenfrisch, geputzt und gebügelt soll er alg„gutes Stück" die Anstalt verlassen. Stücke, bis an die Grenze der Brauchbarkeit benutzt, reden eine ein- dringliche Sprache von den Noten der Zeit. Da hängt ein blauer Damenmantel, nicht modern, nicht ganz Modern, wahrscheinlich cin- oder zweimal geändert. Die Markttasche hat ihre Spuren hinter- lassen, und auch die Sonne des letzten Sommers. Vielleicht war er schon einmal in bcsscrm Tagen ausrangiert. Nun soll er noch einmal ran. Und daneben der biedere Konfcktionsanzug: man sieht förmlich den sparsamen Familienvater in ihm, sieht den sonntäglichen be- scheidcncn Spaziergang und das eine Glas Bier am Sonntagnach- mittag. Und dann eine ganze Parade bunter.Kleider, die sich nach frischem Weiß und neuen Farben sehnen und ein neues Kleid er- sparen sollen. Und.Hüte liegen da zu Hunderten. Und dieses bunte, verblaßte und verstaubte Vielerlei darf nicht wie früher in irgend- einem versteckten Kramwinkel vom Getragcnwcrden ausruhen, sondern muß noch einmal, gereinigt, gefärbt und aufgefrischt, kleiden und schiniicken, im Existenzkampf mitbcstehen. lOOOOO Liter Benzin täglich. Sie müssen sich mancherlei gefallen lassen, die Reinigungsbedürsti- gen. Wasch trommeln bis zu Riesenausmaßen, in denen tag- iich oft über 100 000 Liter Benzin zirkulieren, und die mit un- zähligen Sicherhcitsvorrichtungcn gegen Explosionsgefahr versehen sind, durchspülen das Reinigungsgut, lockern seine Gewebefasern derart auf, daß man meinen möchte, nicht das geringst« Fleckchen könne mehr darin sein. Aber so manche Sonntagsbratcnsoße hat es in sich, und fast kein Stück entgeht der F l c ck e n p u tz e r e i. Flecken- pugcrei? Das ist gar nicht einmal so eine gemütliche Angelegenheit, wie es sich anhört. 5)icr greisen Wissenschaft und langjährige Er- 7> e. re � sahrung ineinander. Unter besonderen Apparaten, die meist mit ultravioletten Strahlen arbeiten, wird dem Fleck, ist seine Art nicht ohne weiteres zu erkennen, das Geheimnis seiner Familienzugehörigkeit entrissen. Und dann erst geht es ihm mit vom Chemiker in unzähligen Versuchen zusammengesetzten und erprobten Mitteln ans Leben. Ein Rotweinsleck ist hier nicht einfach ein Rot- weinsleck; in Wolle muß er ganz anders behandelt werden als in Seide.« Aber dann gibt's auch Sonderfälle, die dem Chemiker Kopf- schmerzen machen, in denen mit Gasmaske und gefährlichen Säuren gearbeitet wird. Ein Tropfen zuviel, eine Sekunde zu lange behandelt— und das Stück ist hin. Tütenblau bis Ziegelrot. Man ist aus eine schillernde Pracht bunter Farben gefaßt, hat man die Türklinke zur Kundenfärberei in der Hand. Aber schnell schnappt man noch einmal nach der verhältnismäßig guten Treppen- luft, macht man die Tür auf.„Bester Londoner Nebel", sagt der Begleiter. Richtig dicker warmer Nebel läßt gerade noch in einigen Metern Entfernung eine Farbkuse erkennen mit einem Färber da- vor, der mit zwei Knüppeln das Färbegut in der Kufe bewegt.— Und dabei steht in diesem Riescnsaal Kufe neben Kufe, mit Färb- brühe gefüllt in allen Schattierungen,— und, was ja nicht unwichtig ist, in allen Temperaturen, vom gemütlichsten lauwarm bis zur Siedehitze. Daher der dicke Nebel, an den man sich bald ge- wöhnt hat. Dem Chemiker in feinem Farbenlaboratorium stehen manchmal die Haare zu Berge, wie er aus einen: verschossenen Kleidungsstück ein neues farbsrifches hervorzaubern soll. Und manchmal grenzt auch die Erneuerungsarbcit, die in diesen hellen Sälen mit den fremdartigen Apparaten und Maschinen gemacht wird, an Zauberei. Llnd neues Leben-- Wie umgestürzte Litfaßsäulen liegen in einem großen Saale große, dampfgeheizte Trockentrommcln, und es riecht so schön nach Fruchtbonbons. Aha, also hier wird's Ernst. 5)ier be- kommen die Stücke nach der Appretur so etwas wie Aussehen wieder, Glanz und Frische. Und getrocknet kommt dann die große Prüfung. Natürlich, da ist eine Stelle, an der die verzweifelte Hausfrau in der ersten Aufregung ih� Heil versucht hat. Jetzt ist sie ein heller Fleck. Also tuschen. Mit Spritzapparat und Pinsel und mit ganz unheimlich anmutender Geschicklichkeit geht's an den hellen Fleck, bis nicht die geringste Farbabweichung mehr zu sehen ist. Manchmal müssen wertvolle Stickereien, künstlerische Muster so nachgetuscht werden. Und dann endlich, gebügelt, und hier und Tunneleinsturz in Chile. 42 Arbeiter unter den Trümmern begraben. Valparaiso, IS. Mai. Aus der kransandi scheu Bahn ereignete sich heute nahe der chilenisch-argentinischen Grenze ein furchtbares Unglück, dessen Folgen vorläufig noch nicht abzusehen sind. In der Nähe der Grenze bei Las Raicas wird ein neuer Tunnel gebaut. Ein Teil des Baues ist soeben eingestürzt. Nähere Nachrichten über de» Hergang und die Ursache dieser Katastrophe fehlen noch. Fest steht nur. daß 4 Z Arbeiter, die a,, der Einslurzstelle beschäftigt waren, unter den Trümmern begraben liegen. Ihnen Hilfe zu bringen, ist nur von einer Seite möglich gewesen. Das Unglück wollte es aber, daß sich dort. gleich nachdem die Rettungsarbeiten begonnen hatten, ein zweiter E i n st u r z ereignete. Dadurch wurde die Sauerstofslcitung, die der hilssmannschasl die nötige Lust zuführte, zerstört und alle Arbeiter, die an der Rettung der Eingeschlossenen tätig waren. mußten unverzüglich ihr Werk abbrechen und flüchten. Es besteht keine Hoffnung mehr, die 42 verunglückten zu retten. Opser einer Oynamitpatrone. Vier junge Männer buchstäblich zerrissen. W a r s ch a n, IS. Mai.' Am gestrigen Dienstag fanden Hirten in der Nähe einer Eisenbahnbrücke eine größere Dynamitpatrone, die explodierte, als sie daran herumhantierten, vier Burschen im Aller von IS bi» 22 Iahren wurden aus der Stelle vollkommen zerrissen. Ein fünfter Hirt trug schwere Verletzungen davon. Im Krankenhaus mußten ihm beide Arme abgenommen werden. Die Sicherhcitsbehördcn haben den Verdacht, daß mit der Dynamitpatrone ein Eiscnbahnenfchlag beabsichtigt worden war. Oeuffcher Student verschwunden. Aus einer Küstenwanderung nach Gdingen. Danzig. 18. Mai. Seit dem 1. Mai ist der 21 Jahre alte Student Walter H e r e s, der aus Wiesbaden-Biebrich stammt und an der Technischen Hochschule studierte, verschwunden. Am 30. April hatte er noch mit einem Kommilitonen in einem Danziger Lokal zu Mittag gegessen und zu diesem geäußert, daß er am 1. Mai eine Wanderung entlang der K ü st e nach G d i n g e n an- tosten wolle. Er muß auch noch in Gdingen eingetroffen sein, denn seine Mutter und verschiedene Bekannte haben van ihn, aus Gdingen vom 1. Mai datierte Kartengrüße erhalten. Seit diesem Tage fehlt jede Nachricht von ihm. Nach den bisherigen Fest. stcllungen der Vermißtenzentrale in Danzig hat Hercs sich bei der hiesigen polnischen diplomatischen Vertretung kein Visum besorgt. Eine Festnähme wegen unerlaubter Grenzübcrfchreitung ist in Polen jedoch nicht erfolgt. Er hat sich übrigens in keiner Weise jemals politisch betätigt. Berliner Gymnasiast im Harz abgestürzi. Thale(harz), 18. Mai. Zwei Berliner Gymnasiasten, die sich hier einquartiert hatten, waren abends nach Sonnenuntergang auf die Roßtrappc gestiegen. In der Dunkelheit trat der 18jährige Lothar Hein fehl und stürzte nach dem Bodekcssel ab. Sein Freund, der ihm»achklettene. fand ihn mit gebrochen e�r Wirbelsäure tot auf. Die Leiche konnte nur unter großen Schwierigkeiten geborgen werden. Deutscher Süden. Die beginnende Reisezeit läßt das Interesse für die schönen deutschen Reiseziele wieder stärker werden. Deshalb wird der Spielplan des Planetariums am Zoo in der kommenden Woche viele Freunde finden. Er zeigt in einem großen Film eine O b e r b a y e r i s ch c Bergfahrt, die uns auf be- kannten und verschwiegenen Wegen die schönsten Punkte zeigt. Der Film führt auch ins benachbarte Schwabcnland. Im Vorprogramm läuft ein neuer Film vom allen»nd neuen Wien. Der erste Vor- sührungsiag war Dienstag, den 17. Mai. Raudisn Sie lieber eine Ziaarehte weniqer.aber dafü eine..........~ \C\0�e Erziehung zum Staatsbürger. Schulungsarbeit des Reichsbanners/ Jugendleiterkursus in Bernau. Eine wlchtlgsic» Aufgaben des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold ist es, die deutsche Zugend zu einen» freien veranlwortungsbcivuhlen Staatsbürgcrtu>n und zu einem geistig reifen Weltbürgertum zu führen. Mit dieser staatspolitifchen Schulungsarbeit Hand in Hand wird die körperliche Ertüchtigung der jungen Reichsbannerlente durch Sport. Spiel und Technik energisch betrieben. Seiden Bestrebungen dient ein Zugendführer. k u r s u s. der von» Gau Serlin-Yrandenburg veranstaltet, in diesen Tagen in der von den Gciverkschasten zur Serfügung gestellten einzigartig schönen Sundesschule de» ADGB. in Bernau durch. geführt wird. Aus der ganzen Mark Brandenburg und der Grenzmark, zum Teil selbst aus den kleinsten Ortschaften sind aus den Rechen des I u n g b a n n er s, der jung käme radschaf rlichen Vereinigung inner« halb des Reichsbanners, junge Republikaner in Bernau zu» schmnengekonnnen, um sich körperlich und geistig sür den Kampf um Demokratie unb republikanische Freiheit zu sch»ilen. Selbstverständlich ist auch Berlin mit einer größeren Anzahl von jungen Kameraden vertreten. Der Arbeitsplan sieht fiir den Vor« »nittag in erster Linie sportliche Veranstaltungen, so Uebuitgen in Gymmrstik, Iiu Jitsii, Boxen und Leichtathletik vor. Am Nach« mittag komint das Schwiminen und das Geräteturnen zu feinem Recht, mährend die Abendstunden der geistigen Schulung vorbehalten sind. Für die sportlichen Hebungen haben sich erstklassige Sportlehrer zur Verfügung gestellt. In den Abeirdkursen melden unterrichten Dr. O e st e r l e über„Reichsbanner und Recht", Abteiiungsvorsiandekonferenz Donnerstag, den 19. Hai, pUnklllch 19.30 Uhr, in den Sophiensälen. SophienstraBe 17/18(groBer Saal) Tellnahmeberechtigt sind: 1 und 2. Kreisleiter. Kreiskassierer, die Vertreterin der Frauen im Kreisvorstand, 1. und 2. Abteilungsleiter, I. Abteilungskassierer und die Vertreterin der Frauen im Ableiiungsvorstand.— Funktionärkarle ist mit gleichlautendem Parteimitgliedsbuch am Saaleingang vorzuzeigen. Der Bezlrlnvorsland. der Gauoorsisieikde Reichstagsabgeordneier Stelling über„Die Entwikklung der deutschen politischen Parteien und der deutschen Gewerkschaften". lieber„Ausbau der Berwallung" wird Landtags- abgeordneter Fechner und über„Arbeitsdienst im Rahmen der deutschen Dolksmirtschaft" Dr. Romack sprechen. Der Kursus wird beschlossen durch einen Vortrag von Chefredakteur Klühs über„Presse und Staat", eingelcitet roerden die Vortragsabende durch ein Referat des Gaufugendleiters B r ende wühl„Die Jugend in der deutschen Versossung". Am Vormittag sind für jeden Tag neben den praktischen Hebungen noch besondere theoretische Unterrichtsstunden eingerichtet, bei denen besonders auch über Kartenlesen, zweckmäßiges Wandern, Zcltbau und Technik gesprochen wird. Die junge Front der Republik. Bei der Osterfcchrt des„Vortrupp Schwarz-Rot. Gold" waren es 63 Mann, die zur Werbung für den republika» nifchen Gedanken auszogen— zu Pfingsten waren es 136, die in das Zeltlager gingen, das auf einer Waldwiese bei Guben auf- geschlagen worden war. Vier Tage lang zeigten dies« jüngsten Kämpfer sür ein freies Deutschland die schwarzrotgoldenen Vauner, in zwei großen öffentlichen Kundgebungen mußten die verärgerten Hakenkreuzler und Stahlhelmer mit ansehen, wie sich all ihren Erwartungen zum Trotze neue und frische Kräfte gegen die Reaktion znsammenkanden. Gemütliche Lagerabende mit Lainpionbeleuchlung, Wandeningen und Spiele und lange Erhowngsstundcn in Wasser und Sonne gaben den Jungen ein neues, gemeinsames Erlebnis. Bei der Kundgebung aus dem Morktplatze rief der Gausührer, Hubertus Prinz zu Lowenftein, den rep-ublitanifchen Eitern zu, auch ihrerseits alles dazu beizutragen, um die Jugend für den Staat zu erobern, um sie so vor dem nationalsozialistischen Kasernenhos zu bewahren. Es ist wirklich so, wie ost gesagt wurde: m der Jugend und im ganzen Volke sind genügend Kräfte vorhanden, um die faschistische Zivangsherrschait abzmvehren, und Ausgabe des Staates wäre es, sich endlich zu denen zu bekennen, die seinen Vau tragen. r* Ehen werden seltener. Auch eine Folge sozialer und wirtsichafiücher Die Wirtschaftskrise wirkt sich auf allen Gebieten des sozialen und persönlichen Lebens aus. Das beweist auch ein Blick in die Feststellungen des S t a t i st i s ch e n R e i ch s a m t s, die sich mit der Zahl der Eheschließungen in Deutschland beschäftigen, 1936 gingen in Deutschlano nicht weniger alz rund 562 660 Pärchen zum Standesamt, Diese Zahl ist 1931 auf 515 666 zurück- gegangen. Das bedeutet eine Verminderung der Zahl der Ehe- ichließungen um 17 666, d, h. um mehr als 8 Proz. Das Stati- stische Reichsamt aber trisst darüber hinaus die Feststellung, daß tot- sächlich die Zahl der Eheschließungen um 94 600 geringer war, als nach der Zahl der im Heiratsoiler stehenden Männer zu erwarten gewesen wäre. Die heiratswilligen Frauen werden bei diesen Er« mittlungen oisensichtiich weniger berücksichtigt, weil sich ja Deutsch- land eines Heberschusses an Frauen erfreut. Der starke Rückgang in der Zahl der Eheichlicßungen ist ohne Zweifel auf die u n g c- heure Arbeitslosigkeit und die Verelendung weiter Volksschichten zurückzuführen. Vergleicht man die Zahlen in den Jahren vor der Kalastrophe des Weltkrieges mit den Zissern von 1924 bis 1929, so erkennt man, daß die Zahl der Neugrllndungen von Haushaltungen um etwa eine Fünftel Million hinter der zu erwartenden Ziffer zurückgeblieben ist. Die praktische Erfahrung des Lebens zeigt freilich aus der anderen Seite, daß auch heute noch leider sehr oft Ehen geschlossen werden, denen jede materielle Grundlage fehlt und die deshalb nur zu leicht zu unglückseligen Folgen führen. Nicht umsonst sagt ein altes niedersächsisches Sprichwort:„Wenn, die Krippen leer sind, dann beißen sich die Pferde," Der Rückgang in der Zahl der Eheschließungen hat natürlich auch seine Auswirkung auf die Geburtenhäufigkeit gehabt. Auf 1666 Personen der Gesamtbevölkerung sind im Jahre 1631 nur noch 16 Lebendgeborene sestgestcllt worden, 1913 be- trug diese Ziffer nicht weniger als 2?. So sieht man, daß die bc» völkerungspolitischen Auswirkungen der Wirtschostskrrfe außer- ordentlich groß und bedenklich sind. Aehnliche Feststellungen sind auch in den zahlreichen übrigen van der Krise betroffenen Ländern gemacht worden. Auch vom Gesichtspunkt der Bevölkerungspolitik aus ist also eine endliche energische internationale Bekämpfung der Krise eine unabweisbare Notwendigkeit. Die Lügen um das Lindbergh-Kind. Ein wüstes Durcheinander. Das Geheimnis um das tote Kind des amerikanischen Fliegers Lindbergh verwirrt sich immer mehr. So hat ein gewisser Fsrank Parzych, der erklärt iMt«, er sei einer der Entführer des Lindbsrzh-Vabtis, der Polizei gestanden, daß seine Angaben er- logen seien. Auf der anderen Seite hielte» die Führer der Polizei und die Staatsanwaltschost in Hopcwell eine Besprechung ab, die bis in die Morgeiistun'den andauerte. Nach der Besprechung benachrichtigte der Staatsanwalt den Gouverneur von New Jerfe»), Moore, daß er ihm eine Mitteilung von größter Bedeutung zu machen hätte. Hm was es sich dabei handelt, ist noch nicht bekannt geworden, Der Reeder C u r t i s, der als engster Vertrauensniaim die Eltern Lindbergh schmählich betrogen hat, wird von der Polizei noch rveiter in der Garage des Lindbergh-Haufes festgehälten. Der Gouverneur von New Jersey hat bekanntgegeben, daß die Polizei Hastbesehl gegen Curtis erlassen hat. Als Curtis von dieser Maß» nähme erfuhr, bat er, man möge ihm Gelegenheit geben, sich das Leben zu nehmen. Er machte im Laufe des Mittwoch einen Selbst- Mordversuch, wie er angab, als Verzweiflung über die Schmach für sich und die Familie Lindberghs, Gerüchtweise verlautet über den Grund zum Erlaß eines Haftbefehls, daß Curtis für die Ent- führungsnacht keine glaubhaften Angaben über seinen Aufenthalt machen konnte. Jin übrigen liegen über die ganze Angelegenheit so wenig Tatsachen vor, daß alle Nachrichten nur mit Vorsicht aufgenommen werden dürfen. Der größte Teil aller Berichte sind Erfindungen von Berichterstattern. Auch die Meidungen aus At o n t e r e y(Mexiko) über die Beichaftung eines verdachtigen Fleischers werden amtlich dementiert. Eine Weile ist es still. Leis, wie eine Grille, zirpt die entfließende Zeit. Dieser Klang will Zizka nicht mehr aus den Ohren. Er erinnert ihn an das Klirren der Waffen bei einem Heerzug. Waffen klirren nicht nur, sondern glänzen auch. Wie zum Beispiel dieser Finger! Versonnen starrt er den nassen Finger Herrn Conrads an, der jetzt, nach Schluß seiner Geschichte, dabei ist, die verschiedenen Weinlachen aus dem Tisch durch hastig gezogene Kanäle zu verbinden. Dann, als ob er aus einem Traume auffahre, wirft Zizka den Kopf zurück, daß das Halsblech metallisch schüttert, und sagt, jedes Wort mit geballter Faust begleitend:„Gut, mag sie auch blind sein, die Gerechtigkeit, wir, die Nichtblinden, wollen ihr ein Schwert behanden, daß sich die Lehensleute und Sold- nehmer der Ungerechtigkeit des fürchten und entsetzen sollen! Aber erst müssen wir Hus aus seinen Banden freien. Hört zu, lieben Brüder und Herren!" Nicht umsonst ist Zizka Kriegsmann, erfahren in taufend Listen und Anschlägen, gewohnt, auf der Sekunde zu reiten, sich in jeder Lage, auch in der dunkelsten und verzweifelfften, mit Blitzesschnelle zurechtzufinden und auf Mittel zur Be- Hebung zu sinnen. Beinahe wie Kommando schallen jetzt seine Worte. Er entwickelt den Aushorchenden den Plan, Hus entweder mit List oder Gewalt aus den Händen seiner Würger zu befreien und ihn auf schnellstem Wege nach Böh- men in»Sicherheit zu führen. Selbstverständlich solle der ge- rade Weg zum König und zum Konzil deswegen nicht un« begangen bleiben. Aber besser ist schon, man baut vor. Ein halbwegs kluger Mann, der das Geläufte der West kennt. wartet nicht erst ab, wohin die Kugel fällt, sondern legt gleich mehrere Eisen ins Feuer. Geht's nicht durch Bestechung oder Uederrumpelung der Wächter im Gefängnis, nun in Nepo- muks Namen, dann eben offene Gewalt! Vielstimmig setzt die Erörterung ein. ein lautes Dafür. »in nicht weniger heftiges Dagegen. Die Meinungen springen j Opfer des Fahrdammes! Unter den Gadern des Autobus. Im Straßenverkehr ereignete sich gestern wieder eine Reche von schweren Unfällen. Am Königstor geriet der 17 Jahre aste Walter Graßnick au» der Potsdamer Str. 3 6 mit seinem Fahrrod unter einen Autobus. Schweroerletzt wurde der Verunglückte ins Krankenhaus am Friedrichshain gebracht, wo er bald nach seiner Aufnahme gestorben ist. Vor dem Hause Friedrichstr. 118 wurde gestern nachmittag die 36 Jahre alte Frau Ida K o r n e w s k i aus der B r u n n e n st r. 16 3 von einem Lastauto überfahren und schwer verletzt. Frau K. wurde in die Charite übergeführt. In der Grünauer Straße in Niederschöneweide wurde die SOjährige Frau Gertrud Pomblum aus der Boxhagener Straße 19/26 von einem Motorradfahrer erfaßt und zu Boden ge- schleudert. Mit schweren Kopsverletzungen wurde die Heberfahrene ins Krankenhaus gebracht.— In der Sedanstraße in Schöneberg wurde ein 5 Jahre alter bisher noch unbekannter Knabe von einem Auto überfahren. Das Kind erhielt auf der nächsten Rettungsstelle erste Hilfe.— In der Bahnhofstraße in Karow stieß der 22 Jahre alte Motorradfahrer Alfred Walter aas der Kaiser-Fried» rich-Straße in Pankow mit einem Lieferauto zusammen. Be- wußtlos wurde er in die nächste Krankenanstalt in Buch transpor- tiert. Außerdem ereigneten sich noch zahlreiche kleine Verkehrsunfälle. bei denen die Verunglückten nach Behandlung auf den Rettungs- stellen wieder entlassen werden konnten. Sterilisierungsprozeß in Baden. Am 26. Mai wird vor der Strafkammer des O f f e n b u r g e r Landgerichts ein Strafprozeß beginnen, der seit einigen Iahren i die Oeffentlichkeit beschäftigt. In der unter Vorsitz des Landgerichts- direkter» Stcuwer stattfindenden Verhandlung haben sich wegen Ab- treibung und schwerer Körperverletzung zu verantworten Medizinal- rat Dr. Karl Merk, der frühere Bezirksarzt von Kehl und lang- jähriger Chefarzt des dortigen Krankenhauses, die praktische Aerztin Dr. Paula Bauer-Hauß und der praktische Arzt Dr. Julius Weber. Der Prozeß wird ungefähr vierzehn Tage dauern. Dieser Strafprozeß, bei dem 57 Zeugen vernommen werden sollen, wird ein besonderes Interesse finden bei der Erstattung der medizinischen Sachverständigengutachten, die in den Iahren der Hntcrsuchung von verschiedenen Hniversitätsprofessoren in Berlin, Heidelberg u. a. ausgestellt wurden. Was aber den nun beginnenden Ofsenburger Strafprozeß aus der Reihe anderer Prozesse über Schwangerschafts- Unterbrechung hervorhebt, sind die Anklagen»vegen dauernder oder vorübergehender Sterilisation, also Unfruchtbarmachung. Die Verhandlung wird unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden. Frau vergisiei sich und drei Kinder. Schwermutstät der Frau eines Bäckermeisters. Mchlsack(kreis hetitgenbeii). 18. Mai. Die Frau eines hier ansässigen Bäckermeisters vergiftete sich selbst und ihre drei Kinder, von denen das älteste 16 und das jüngste 9 Jahre alt waren, mit Gas. Der Mann, der von einer Festlichkeit heimkehrte, fand die Tür verschlossen: er kehrte um und kam erst nach einigtn Stunden wieder. Als er auch dann noch die Tür verschlossen fand, verschaffte er sich gewaltscin» Einlaß und fand seine Frau und die Kinder tot auf. Die Frau scheint die Tat in einem Anfall von Schwermut begangen zu haben gegeneinander an wie Turnierpferde. Pfeilen gleich schnellen Rufe und Worte. Es geht zu wie am Schlachttag, immer neue Gründe und Gegengründe schwenken ins Treffen. Schließlich dämmt eine junge und doch respektschaffende Stimme den Vielfalt. „Herren, lasset das-Schwert in der Scheide!" mahnt dieser Sprecher.„Was nützt ein Zweihänder, mag er noch so mutig geschwungen werden, gegen ein schwarmwütig, stacheltragend Jmmenoolk? Dem ist nur mit Kunstgriffen bei- zukommen, nicht mit Gewalt. Wir tilgen Unrecht nicht mit Gegenunrecht!" „Das ist Schreiberrede!" höhnt Zizka. „Mag sein, aber es ist vernünftige Rede!" „So vernünftig wie das Gepiepse des Zaunkönigs, den die Kralle der Eule erwürgt!" Petr Chelcicky will eine scharfe Erwiederung geben: aber Wenzel von Duba kommt ihm zuvor. „Appell an die Gewalt, gut, aber als letztes! Händel sind gar schnell vom Zaun gebrochen, doch nur langsam beendet. Ich meinö, wir schöpfen zunächst alle gefetzmäßigen Möglich- leiten aus, versuchen, nochmals auf Sigmund einzuwirken: denn..." Er kommt aber nicht dazu, seinen Vorschlag näher auszu- führen, in diesem Augenblick nimmt ihm ein polterndes Ge- räusch aus dem Nebenkeller das Wort vom Munde. Es hört sich an, als habe sich eine Quader aus der Mauer des Kellerhalses gelöst und dumpfe nun polternd in die Tiefe. Die versammelten Herren heben lauschend die Hälse. Einige der Gesichter sind bleich geworden. „Was war das?" fragt Zizka. Sternberg, genannt der Stechpeter, nimmt den Kopf von der Wand, an der er verhaltenen Atems lauschte. „Wahrscheinlich Ratten!" sagt er. „Wenn das Ratten waren", lacht Zizka,„dann solche, so groß wie Kälber! Aber tausend Blitze sollen mich kitzeln, wenn das itidjt ein verdammtes Zweibein war!" Es wird still im Raum, wie im Zimmer eines Ge- ftorbenen. Joddok langt nach der Kanne und schenkt die Becher und Humpen voll, die alten Weinlachcn auf dem Tisch um ein Dutzend neue vermehrend. Die Herren prosten sich schweigend zu. Aber der Trunk will teinem mehr schmecken. 3. „Ausgerechnet mir muß diese Ungeschicklichkeit zustoßen! Dieser Hund von Stein hat ja beim Niedersturz gedonnert wie das Jüngste Gericht! Ganz abgesehen von meinem zer- schundenen Schienbein. Eia, wie Pech und Schwefel brennt das! So ein Gepolter! Das mag die Rotte drüben nicht übel 'durcheinandergewirbelt haben! Alle waren so schön im Zuge. Keiner mehr hat aus seinem Herzen eine Mördergrube ge- macht. Was sie gegenseitig auspackten, ist bares Geld. Für mich wenigstens. Ich brauche es nur an die richtige Stelle zu bringen, so zahlt es sich aus! Gott segne die Institution der Ausschnüffelung! Gott segne die Erfindung der Tonröhre! Gott segne meinen Aufenthalt»n Iglau! Ein schöner Dialekt, das Böhmische! Es hat für mich eine wahrhaft nahrhafte Aussprache! Diese wiehernden Kriegshengste! Wie sie nnge- duldig mit den Hufen scharrten! Der Hafer sticht sie. Dümmer als Bauerngäule sind sie! Bilden sich ein, sie säßen in einer. gesicherten Burg, keinem Spähaug, keiner Belauschung, keinem Zugriff erreichbar. Das will die Blüte der bähmischen Nation sein? Magister und Doktoren der hintersten Sägemühle sind das. Die tragen ihren Balken vor der Stirn rein ehrenhalber spazieren. Schlag den dicksten Nagel darein, es tröpfelt zwar heraus, aber sie merken noch immer nichts! Haha, ein ge- Heimes Versammlungsnest! Geheim allerdings, überaus ge- heim, schon seit Wochen jlem Vogt und den Heimlichen offen bekannt. Gott segne die Sorglosigkeit und den Glauben in die eigene Vortrefflichkeit, nicht bei mir, wohl aber bei den andern! Gott segne auch die beiden redlichen Kammerknechte, die mich mit der Nase auf die ersten sicheren Spuren stießen. Gewiß, sie taten's nicht um Gotteslohn. Sie wollen, wenn's soweit ist, was von meinen Silberlingen abhaben. Dabei sollte die Bande doch sroh sein, daß sie noch halbwegs ungeschunden Christenluft schnappen darf! Von wegen abdritteln! Ab- tritteln! Einen Tritt in die Marschgegend werd ich den beiden geben, wenn sie sich melden. Das wäre noch schöner, wenn die Aasbande sich ihre Schurkerei in lötiges Silber einwechseln könnte! Haha, da säße ja die ganze Welt im Brot! An diesem Geschäft hat nur einer zu verdienen, und dieser eine, das bin ich! Ich will nicht nur verdienen, sondern ich muß! Sonst heult mir Frau Anna noch weiter in den Küchenranch. Ihre Augen sind sowieso vom ewigen Weinen entzündet. Rot sehen sie aus, unangenehm durchsichtig, wie bei einer weißen Ratte gerändert! Kein schöner Anblick. Aber ich mutz ihn ertragen.� (Fortsetzung folgt.) Erinnerungen. Adele Schreiber erzählt im Rundfunk von ihrer Lugend. � Ter Bericht war nicht nur interessant um der Persönlichkeit und vprechcrin willen, sondern auch, weil er ein allgemeines Bild von der Lebensführung jener Jugend in der zweiten Halste des vergangenen Jahrhunderts zeigte, die das Glück hatte, in wirt- schafllich sichergestellter, schon von einem Hauch freiheitlichen Geistes durchwehten Familie aufzuwachsen. Trotzdem war auch der Leit- sotz solcher Mödchenjugend der Ausspruch„Das schickt sich nicht", der jede körperliche und geistige Freiheit einengte. Auch die Eltern von Adele Schreider. der Vater ein fortschrittlich gesinnter Arzt, die Mutter eine kluge, geistig rege Frau, ließen ihrem Kinde nicht mehr als die übliche traditionelle Erziehung der„höheren Töchter" zuteil werden: als Strafe für„unschickliches Derhalten" fungierte immer wieder Entziehung der ohnehin spärlich bemessenen Lehr- stunden. Denn auch wissenschaftliche Bildung für Mädchen berührte bereits die Grenze des Unschicklichen. Kluge Zeitgenossen tauchen im häuslichen Kreise des Mädchens auf, halten in ihm die Sehnsucht wach nach einem Eindringen in dos geistige Wektgefüge. Die Zwei- undzwanzigjährige schreibt eine Novelle, die Geschichte eines unehe- lichen Kindes und einer ungeklärten Vaterschast, schickt sie, ohne darauf hinzuweisen, daß sie„nur" eine Frau ist, an Marie von Ebner-Eschenbach.„Wie recht hat der Verfasser", antwortet diese und erbietet sich, die Novelle Julius Rodenberg für seine„Neue Rundschau" zu empfehlen. Doch selbst hier türmt sich das„Es schickt sich nicht" als Mauer auf. Rodenberg lehnt ab mit der Begrün- dung, daß feine Zeitschrist doch auch von jungen Mädchen gelesen werde. Dann endlich, gegen Ende des Jahrhunderts, kommt Adele Schreiber nach Berlin. Hier steht sie auf eigenen Füßen. Kautskys„Neue Zeit" und Klara Zetkins„Gleichheit" waren ihr schon lange heimliche, wegweisende Lektüre geworden; nun sucht sie Fühlung nüt freiheitlich gesinnten Kreisen. Die Brüder Hart, John Henry Mackey, szedwig Dohm treten in ihr Lebe», das jetzt beginnt, sich seinen eigenen Gesetzen gemäß zu entfalten. Kunstgewerbe in der Messestaöi. Di« Gedok(Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstle- rinnen und Kunstsreundinnen) hat auf der Galerie in der Fuukhalle der Ausstellung„Sonne, Luft und Haus für olle" eine Schau von Arbeiten ausgestellt, die«inen Einblick in das Schaffen der modernen Kunstgewerblerin geben. Aus allen Gebieten des Kunstgewerbes und der darstellenden Kunst sind geschmackvoll«, in ihrer Qualität ausgezeichnete Arbeiten ausgewälstt worden. So sind wundervoll bestickte Borhäng«.zu sehen, die für das Wartezimmer eines Arztes bestimmt sind, bunte, frohe Kinderkleidchen, hübsche Sklarck-Pmzelj ohne Ende. Unterbrechung notwendig.— Kohl lebensgefährlich erkrankt. Im Iklarek- Prozeß ist gestern abend das Per- fahren gegen den früheren Bezirksbürgermcister von Köpenick, Kohl, abgetrennt worden, da der Angeklagte an einer Vergiftung durrh Einnahme von Schlafmitteln lebensgefährlich erkrankt ist. Am Vormittag war die Meldung über die Erkrankung Kohls beim Gericht eingelaufen. Man hatte den Medizinalrat Dr. S t ö r m c r mit einer amtsärztlichen Untersuchung beaustragt und hosfte, zum Mindesten eine sormale Verhandlung, die wegen der Pfangstpausc aus prozessualen Gründen notwendig war, durch- zuführen. Wiederholt wurde di« Sitzung unterbrochen. Die Verhandlung wurde kurz noch 18 Uhr wieder aufgenommen und Medizinalrat Dr. Störmer erklärte, die am Mittag gehegte Hoffnung auf Besserung habe sich n i ch t b e st ä t i g t, vielmehr habe sich trotz der Bemühungen der Aerzte der Zustand verschlechtert. Obwohl man dem Angeklagten Kohl im Maabiter Krankenhaus ver- fchiedene Anregungsmittel, u. a. Coffei», verabreicht habe, sei der Zustand so, daß keine Aussicht für. Berhandlungssöhigkeit bestand. Im Krankenhaus geschehe alles Erdenkliche, so schloß Medizinalrat Dr. Störmer, um das Leben des Angeklagten Kohl zu retten. Vors.: „Sann man von Lebensgefahr sprechen?"— Sachverständiger:„Das ist nach dem Befund von heute nachmittag nicht ausgeschlossen." Vors.:„Kann nicht vielleicht in den nächsten Stunden«ine Weirdung eintreten?"— Sachverständiger:„Jedenfalls nicht zum Besseren." Vors.:„Für die Ursach« der Vergiftung haben Sie bisher auch keine weiteren Anhaltspunkte, Herr Medizinalrat?"— Sachverständiger:„Welchen Stoff Kohl genommen hat, läßt sich erst morgen im Laufe des Tages nach dem Ergebnis der chemischen Analyse des Urins usw. feststellen." Staatsamvaltschaftsrat Dr. Weihenberg bat dann um eine kurze Pause, nach der er die Abtrennung des Verfahrens gegen Kohl mit folgenden Worten be- antragt«:„Es steht fest, daß der Angeklagte Kohl durch Einnehmen eines Medikaments vergiftet ist. Es bleibt daher leider nichts anderes übrig, als das Derfahrcn gegen ihn abzutrennen, was ich deshalb beantrage. Ich behalte mir den Antrag aus Erlaß eines 5)aftb«fehls vor, falls sich herausstellen sollte, daß Kohl seine Verhoirdlungsfähigkeit absichtlich herbeigeführt hat."— Rechtsanwalt Dr. Braubach:„Ich bedauere, daß der Vertreter der Staats- onwaltfchaft in dieser Situation keine anderen Worte gesunden Hot. Man könnte auch, wenn man Staatsanwalt ist, versuchen, M e n s 6? zu sein."— Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg(erregt):„Ich muß mir das energisch verbitten." Das Gericht zog sich dann zur Beratung zurück, kehrte aber nach wenigen Minuten wieder in den Saal zurück, und Amtsgerichts- rat Keßner richtete an Medizinalrat Dr. Störmer noch einmal die Frage, ob'es nicht vielleicht möglich sei, daß Kohl nach etwa 4% Stunden einer ganz kurzen Vernehmung gewachsen sei. Me- dizinalrat Störmer erklärte aber, er sei der Ansicht, daß der Fall der Verhandlungsfälsigkeit heute nicht mehr eintreten werde.— Hierauf verkündete der Vorsitzende den Beschluß:„Das Gericht hat be- schlössen, das Verfahren gegen Sohl abzutrennen." Dann wurde die Verhandlung nach nachmaliger Feststellung der Anwesenheit offiziell eröffnet und der Vorsitzende gab Staatsanwaltschastsrat Dr. Weihen- berg das Wort zur Fortsetzung seines Plädoyers, um der Formalität zu genügen. Der Staatsanwalt beschränkte sich auf einige kurze Sätze. Hierauf wurde die Sitzung nach wenigen Minuten wieder auf Freitagvormittag 9 Uhr vertagt. Durch die Abtrennung des Verfahrens ist nun die wohl einzig- artige Situation geschassen worden, daß der Staatsanwalt bereits die Anklagerede gehalten hat, der Angeklagte aber kurz vor dem Strafantrag und dem Urteil ausscheidet. Falls sich der Zustand des Angeklagten Kohl wieder bessert, müßte der Prozeh gegen ihn nach einmal von vorn anfangen. Schürzen, handgearbeitete Nähkästchen, Briefmappen. Photoalben und schöne Buchbinderarbesten. Gestrickte und gehäkelte Sweater und Mützen, Schals, Taschen, Lcderarbcitcn aller Art, künstlerisch aus- geführte Photos(charakteristische Kindcrbilder aus einzelnen Land- sihaften Deutschlands) finden großes Interesse. Vor allem Haus- frauen prüfen eifrig jedes ausgestellt« Stück und halten mit ihrer Anerkennung und Bewunderung nicht zurück. »er„unsdiuldlgc" Herr Pfarrer. Der erste Tag Devahcim-Skandal vor üericht. Die Prozeßmaterie„D e v a h e i m" ist nicht einfach. Zur Verhandlung steht eine große Zahl von Fällen, die den Angeklagten zur Last gelegt werden. Schon die oberflächliche Erörterung der skandalösen Einzelvorgänge scheint keinen Zweifel darüber zu lassen, daß hier schul dhastesvcrhallen der Angeklaglea vorliegt. Noch können sie abslrcilen. wenn ober in der nächsten Woche der Ausmarsch der Zeugen beginnen wird, dann wird ihnen kein Leugnen mehr helfen. Znsbesondere gilt das von dem mit unglaub- licher Beredsamkeit begabten Direktor Wilhelm Z e p p e l, der sich für vollkommen unschuldig erklärt. Völlig„unschuldig" fühlt sich auch der Angeklagte Psarrer Cremer, und er erklärt das mit großer Feierlichkeit. Au» seinem Lebenslaus geht mit aller Deutlich- keit hervor, daß er einer der prominentesten Führer der evangelischen wohlsahrispslege ist: Vom Jahre 1893 bis 1898 war Cremer Geschäftsführer der Inneren Mission, bis zum Jahre 1928 Hauptgeschäftsführer des Evangelischen Kirklichen Hilssvereins und der evangelischen Frauen- bünde in Berlin. Seit dieser Zeit hat er nur noch für den Zentral- ousschuß gearbeitet, der die Aesamtvertretung der evangelischen Liebestätigkeit nach allen Richtungen hin darstellt. Er war im Zentralausschuß Vorsitzender des Finanzausschusses und seit 1929 Schatzmeister: verwaltete die Auslandsanleihe, war Präsidialmitglied der Liga der freien Wohlfahrtspflege und schließlich auch Aus- sichtsrotsvorsitzender der Devaheim. Als solcher hat er sich mm zu verantworten. Schweigegelder der Devaheim. Ein besonders dunkles Kapitel ist das von den Schweigegeldern, die u. a. auch der Angeklagte El aussen von der Devaheim er- halten hat. Jeppel sagt dazu, daß Elaussen, der die Ausländsanleihe der Inneren Mission bearbeitete, Ende 1929 Gegenstand schwerer Vorwürfe wurde. Es wurde behauptet, er habe eine Million unter- schlagen. Clausien wehrte sich dagegen und griff verschiedene Per- sönlichkeiten an. Es folgten auch Veröffentlichungen im„Berliner Herold". Die Werbetätigkeit der Devaheim geriet in Gefahr. Jeppel gab darauf dem Angeklagten Elaussen zuerst 50 008 Mark, dann 70 000 Mark, damit er ausscheide und die A r e tz- B a u st o f s- A.-G. gründen könne. 8000 Mark übergab Jeppel dem Bürovorsteher des Rechtsanwalts Frey, um dem„Berliner Herold" den Mund zu stopfen, 22 000 Mark erhielt der„Jndustriekurier". Ea half aber alles nichts. Die Erpressungen an der Gesellschaft wurden fort- gesetzt, erklärt Jeppel. Als der Staatsanwalt ihm vorhält, daß für angebliche Schmiergelder bis 700 000 Mark gezahlt sein sollen, während er höchstens 100 000 Mark vorgerechnet hat, kann er dafür keine Erklärung finden. Uebrigens wurden auch aus den Gewinnen der Deuzag 20 000 Mark für den Christlichsozialen Volksdienst ge- geben. Das Blatt sollte für die Devaheim Propaganda machen. Jeppel und Cremer hielten sich für berechtigt, die 20 000 Mark hinzugeben. Kittgierte Bausparverträge. Das interessanteste Kapitel bilden wohl die fingierten Bauspar- vortrage. Es wurde dabei mit einem Raffinement vor- gegangen, da» seinesgleichen suchen kann. Da war z. B. die Angelegenheit mit dem Erwerb des Hauses Monbijou- platz 1. Es gehörte dem Bankhaus Henning ,i. Co. und war mit 450 000 Mark belastet. Man war angeblick) bemicht, d i e Steuern zu umgehen und konstruierte deshalb eine Dar- lehenszuteilung an Henning in der Weife, daß man einen Entschul- dungssparvertrag des Rittergutsbesitzers Zastrow von 420 000 Mark angeblich auf Henning übertrug und auf Grund dieses Vertrages ihm zuerst 300 000 Mark und dann 120000 Mark zuteilte. So wurde in Form eines Darlehens der Kaufpreis für das Haus be- zahlt. In einem anderen Falle wurde eine Jeppel gehörende K i e s- grübe in Ftnowfurth fälschlich mit 170 000 Mark belastet. Noch schlimmer liegen aber die Fälle Stuhrmann und M ä u ß. Hier wurden Sparverträge geschlossen, von denen die Kontrahenten überhaupt nichts wußten: mit Stuhrmann 100 Sparoerträge über je 10 000 Mark und mit Mäuß, der bereits tot war— eine Todesurkunde zu erhalten, war dem Staatsanwalt nicht möglich— Sparverträge in Höhe von 500 000 Mark. Im Oktober 1930 erfolgte dann aus die Stuhrmonnschen Verträge hin die Zuteilung von 1 Million, und im selben Oktober 1930 erhielt der tote Mäuß laut Eintragung in den Büchern der Devaheim 500 000 Mark zugeteilt. In Wirklichkeit gingen di« andertbalb Millionen an die Baugenossen- schast in Mühlheim. Jeppel erklärt dazu, daß die Baugenolsenschast damals Mittel brauchte, um ollen an sie gestellten Forderungen gerecht zu werden. Tolle und wilde Seschäfte. Es kamen auch andere eigenartige Zuteilungen zustande. So erhielt z. B. der Kaiserswerther Verband deutscher Diatonissenmutterhäuser unter Benutzung eines fingierten Vertrages 200 000 Mark, der frühere Vorsitzende des Evangelischen Arbeiteroereins in Elberfeld, Pfarrer Werbeck, 30 000 Mark und ein Pfarrer Hermenau au- Königsberg ohne Sicherheitsleistung 5000 Mark. Man versprach z. B. der Ge- meinde Obersalzbrunn im Kreise Waldenburg auf Grund eines Entschuldungssparvertrages eine Zuteilung in 5löhe von 400 000 Mark, erteilte aber das Darlehen nicht. Man schloß mit der Jmmobilienverwertungs-A.-G. Berlin(Sura) einen Entschul- dungssparvertrag über 11 Millionen, von denen die Aktiengesellschaft 2\L> Millionen einzahlte. Die Devaheim kam aber ihren Verpflich- tungen nicht nach: schon diese Rate in Höhe von 2)4 Millionen tonnt« nicht gezahlt werden: später gingen nur ganz schleppend Teilbeträge ein. Jeppel wußte, daß die Devaheim gar nicht in der Lage war. eine derartige Zuteilungsverpflichtung zu bewerkstelligen. Beim Slbschluß des Vertrages hatte sie sich ober verpflichtet, für die Einzahlung Sicherheiten in Form von Hypothekenkrediten zu ie- währen. Als eine solche Sicherheit überreichte Jeppel eine Taxe aus ein der Baugenossenschaft gehörendes Grundstück in Mühtheim- Dümpten in Höhe von 3Z4 Millionen Mark. In Wirklichkeit soll das Grundstück nicht mehr als 126 000 Mark wert gewesen sein. Zu verschiedenen Anklagepunkten hat sich Cremer jr. zu äußern. Unbegreiflich ist es, daß dieser junge Mensch Prokurist der Devaheim. Geschäftssührer der Deutschen fzeimstStten und Vor- standsmitglied der Deuzag sein konnte. Auch der Angeklagte Paul Jeppel war schon im Alter von 23 Jahren Vorstandsmitglied. Di« nächste Sitzung findet am Jrestag stall. In der Hauptsache soll einer der Hauptangeklagten. Pfarrer Cremer, gehört werden. Die oft erstaunlich niedrigen Preise reizen die Kauflust. So ist ganz entzückendes Kinderspielzeug für wenige Pfennige zu haben. Auch die Vorhänge für Kinderzimmer, Stoffe für Kleider, Woll- arbeiten aller Art sind sehr preiswert. Welches sind die Gründe dieser •billigen Preise? Die Leiterin der Gedok, Frau Edith Mendels- sohn-Bartholdy, erzählt von dem schweren Lebenzkomps, den heute unzählige dieser Künstlerinnen führen müssen. Viele sind zufrieden, mit ihrer Hände Arbeit gerade soviel zu verdienen, daß sie sich mühsam über Wasser halten können. Wer an Schulen oder in Webereien, in Werlstätten oder Handarbeitsgeschäften unterkam, ist zwar vor der äußersten Not geschützt. Aber die freie Künstlerin verdient oft nicht einmal soviel, daß sie sich Material kaufen kann. Ost wird Wolle, Seide, Farbe, Papier auf Kredit gekaust, andere Helsen sich damit, daß sie möglichst billiges Material verarbeiten. So sind sehr nette Tiere aus Wachstuch ausgestellt, Kinderspielzeug zum Abwaschen, praktisch, unzerbrechlich und preiswert. Wunder- hübsch sind auch die holzgeschnitzten Tiere, Löwen, Hosen, Hirsche, Rehe, Hunde, eine ganze Jagdgesellschaft in Llliputausführung. Sie sind einzeln für wenig Geld zu haben. Die Ausstellung hat den Zweck, bei den Besuchern wieder den Sinn für Qualitätsarbeit zu wecken und den Geschmack zu bilden. Darüber hinaus aber möchte sie die breite Oefsentlichkeit auf den Umschwung anstuertsam machen, der sich immer stärker in einer Zeit der Mechaitisierung und Industrialisierung bemerkbar macht. Ucberall tritt die Handarbeit als gleichberechtigte Konkurrentin mit der Maschine aus, mehr noch, sie überflügelt sie auf gewissen Teil- gebieten, weil sie bessere Qualität, einen stärker betonten Persönlich- keitswert und schöpferische Phantasie an Stelle einer öden, gleich- machenden Norm ausweist. Dafür gibt auch die Ausstellung der Gedok mehr als einen Beweis. Kvt» tt««-Mark-Getvinn. Bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie wurde auf dos Los Nr. 8 4559 ein Gewiii» von 100 000 Mark gezogen. Die Nummer wird in beiden AiOeilungen in Achteln gespielt: in der ersten in Thüringen, in der zweiten im Rheinland. Der leitende Arzt des Ambulatoriums Charlottenburg, Dr. Martin Hirschberg, vielen Parteigenossen als Arzt bekannt, feiert heute seinen 50. Geburtslag. Sein Spezialgebiet sind Ver- dauungs- und Stotfwechselkrankheiten, Bon 1917 big 1921 stand er als Dezernent für Kraukenernährung im Dienste der Stadt Berlin. Seit 1924 est er als Arzt beim Kassenambulatorium in Charlotten- bürg tätig. Iilberne Hochzeit. 6crv Otto Nikolai und Frau Pauline, geb. Lieberenz, Berlm-Maricndors. Dorsstroße 15, begingen da? Fest der Silber- nen Hochzeit. Taz Jubelpaar ist seit ca. A) Jahren eifriger Leser des „Borwärls". Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen iiir diele Ziubrst nur an da» Jugends-krelariat Berlin SW 68. Lindenstrnhe S. vorn 1 Trenve rechiz. Proletarisches Orchester der TAZ.:?. Musizlersiunde greitag. 27. Mai, i« Caalbau«eulblln, Bergstraße 147. Einlaß 19 Uhr. Eintritt 30 Pf. Beginn pllnttlich 194 Uhr. Eintrittstarten sind in! Sekretariat zu haben.— Heute, Bonnerstog, 19'a Uhr, Probe im Heim, Böhmische Straße 1—!>, Neutölln.— BL.-Sißung morgen, Freitag, 1914 Uhr, pünktlich, Heule, Donnerstag. Igst! Uhr: Rordc»! Lorßingstraße 19.„Soeihe". I. Tril.— Pr»»waldcr Piaß XI: Schönlanker Straße Ii, Baracke(i.„Fahrtrnerlednisle."— Zalkplaß I; Sonnen- burger Straße 20, Zimmer 4.„Frau und Natianalsoziaiiomno"— Humonn- plaß: Sleiinstraßc 33— 30.„Taaeepplitit."— Nordosirn II: Banziger Sir. 62, Zimmer 3.„Die Entwicklung der SA?."— Echönhanser Barstadt' Sannen- burger Straße 20.„Die Kansumgenossenschaften."— Hasenheide: Wassertor. straß- 4. Heimabend.— Kottbniser T»ri Urbansteaße 167.„Die Arbeiterjugend bis 1018.�— jibpenicker Viertel: Manleuffelstrahe 7.„Internationale Ge> wrrkschafrsbrwegung."— Süden: t8'/, Uhr Sportplah Ztatzbachstraße.— Süd- Westen: Lindensiraße 4.„Arbeitzbeschaffung.--— Schiinebera III: Kauptstr. 13. „Wirtschastzformen: Saziallznius.-- Westend: Sportplatz Westend.„Ausbau und Entwicklung der aue 129. Aursua.- — Friedeschshagen:_____ W| bergee Straße Z. Liederabend.— Bnchhalz:„Die Gewerkschaften im Leben des Ardeitee» lind Angestellten--, II. Teil.— Karow: Frundsbergstraße 9, Aben» ieurer-Abend. Veebedeeiek Reulölln: Mitaliederveriammlnng der Madel. Keim Steinmetz- ftiaße 114. Lila Albcrcht spricht über„Dil Ausgaben der Frau In der Organ). saiion--. Jede Gruppe muß pertreten sein. SSG.. Reokolln: Morgen, Freitag, Treffpunkt 6 Uhr Bahnhof Neukölln zur Dreitagefahrt nach Nauen. Unkosten M. I6EN0 Die Zeilverhältnisse verlangen billige Artikel. 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Die Temperaturen stiegen allgemein nur aus 20 bis 2Z Grad: nur in Ostpreußen wurden mittags 25 Grad erreicht. Aber auch dort begannen am nachmittag Gewitter, mit denen sich die Abkühlung ebenfalls durchsetzen wird. Mit dem Ein- bruch der kühleren Luft begann über Mitteleuropa der Druck allge- mein zu steigen. Die Folge war die Ausbildung eines chochs, dessen Kern am Mittwochabend über Mitteldeutschland lag. Er wandert nur langsam! sein Einfluß auf unser Wetter wird sich also am Donnerstag in unserem Bezirk bemerkbar machen.. Die Regen- gebiete einer westlich von Irland gelegenen Depression, die bis zum Kanal gelangt sind, werden uns noch nicht erreichen. Wctterausjichtcn für Verlin. Trocken und wieder meist heiter mit neuer Erwärmung. Schwache Lustbewcgung.— Für Dculfch- land. Im Nordosten wolkig und kühler, im übrigen Reiche ziemlich heiter und am Tage wieder wärmer. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! I. Kreis Arbeiteriiilbintgsschiile. Heute, 20 Uhr, Fortsetzung des Kursus Der». stein in der Sophienlchute Weinmeisterstratze. 3. Kreis. Heute, 16 Uhr, PN bekannter Steve Zusammenkunst der erwerbs- tosen Parteimitglieder.„Außenpolitische Information." Referent Dr. Hans Adler, serner heitere Rezitationen.' 4. Kreis. Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Sitzung des engeren Kreisnorstandes und der Abteilungsleiter mit der Bezirksperordnetenirakliou im Bezirks- omt Danziger Stratze 04. Zimmer 20. 11. Kreis. Erwerbslose Genossinnen und Genossen treffen sich heute Donners- tag. 16 Uhr, bei der Genossin Krone in der Laube, Aprikosenweg(Der- längerte Begasstratzel._ 1». Kreis. Heute. 16 Uhr, Zusammenkunft der erwerbslosen Parteimitglieder in der Sistule Steglitz. Friesenstratze,„Das Arbeitsbeschaffungsprogramm des ADGB." Referent Paul Bernstein, 13. Kreis. Heute, 14U Uhr, Zusammenkunst der erwerbslosen Parteimitglieder im Jugendheim' Tempelhos, Götzstratze.„Persicherungswesen," Referent Dr. Gerhard Luckow. 13. Kreis. Heute, 1.1 Uhr, Zusammenkunft de: erwerbslosen Parteimitglieder in Seitzensee, Lnzeum, Eingang Parkstratze.„Die kulturpolitischen Aue- gaben der Arbeiterbewegung." Referent Hans Marx. Aptzerdem Gelang- vortrage des Genossen Klewitz. 20. Kreis. Heute, 15 Uhr. Zusammenkiwkte der erwerbslosen Parteimitglieder an folgenden Stellen: Reinickenborf-vst in der Schule Hoppestraße. Rele- rent Dr. Otto Manchen.„Russische Wirtschaft".— ReiniSendorf-West am Autzenspielplatz. Referent Kurt Diging.— Tegel. Jugendheim Schöne- berger Stratze 3. Rezitationen der Genossin Friede! Hall.— Sittenaa. Neue Schule. Hauptstratze, Vortragende Stella Hag. 24. Abt. Heute Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder in den Baracken, Danziger Stratze 62. 40. Abt. Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, bei Eichholz. Cuvrgstratze 23. wichtige Sitzung der Elternbeiräte und Kandidaten, Sympathisierende sind herzlich eingeladen. 74a Abt. Freitag. 20. Mai, 20 Uhr, erweiterte Funktionärsitzung bei Schneider, Potsdamer Stratze 25. 75. Abt. Sdnnabend, 21. Mai, 20 Uhr, im Lindenhof, � Wilhelmplatz. Mit- gliederversammlung.„Ausgang der Dahlen— politische Situation," Referent Dr. Otto Manchen. 87. Abt. Sonnabend, 21. Mo!, 20 Uhr, bei Schuster, Kirchstratze 63. Abend- feiet— Ehrung der Alten— Rezitationen— Musik. Alle Parteimitglieder mit ihren Familien und Freunden sind eingeladen. 101. Abt. Freitag, 20. Mai. in der Spedition Grätzstratze Zusammenkunft aller Bezirks, und Hauskassierer mit den Bezirkssührern. Mitgliederlisten usw. sind mitzubringen. 103. Abt. Heute Zusammenkunft der jüngeren Parteimitglieder im Jugendheim Saufener Stratze 2.„Arbeitsdienstvflicht." Referent Dr. Auerbach. 123a Abt. Sonnabend, 2l. Mai. 20 Uhr, Mitgliederversammlung im„Jäger- heim".„Die gegenu'ärtige politische Lage." Reserent Hans Marx. Araucnveronstaltung. 5. Kreis. Die für heute nachmittag anberaumte Funktionärinnensitzung wird auf den 26. Mai oerschoben. Bezirksausschuß für Arbeikcrwohlfahrt. 4. Kreis. Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, im Bezirksamt, Zimmer 4, Zusammen- kunft aller Abteilungsleiter, Aktenerledigung. Verschiedenes. 7. Kreis. Eharlotteaburg. Freitag, 20, Mai, 10ui Uhr, im Bezirksverordneten. ünungssgal im Rothaus Eharlotteuburg Zusammenkunft aller in der freien und öffentlickien Wohlfahrt tätigen Genossinnen und Genossen. Vor. trag der Genossin Paula Kurgatz über„die Aufgaben der Arbeiterwohl. fahrt im Rahmen der freien und öffentlichen Wohlfahrt." Anschlietzend Aussprache. 137. Abt. Reinickenborf-West. Freitag, 20. Mai, 20 Uhr, Wohlfahrtssitzung im Dolkshous, Scharnweberstratze. Arbeiksgerncinschafk der Sinderfreundc Groß-Berlln. Prenzlaucr Borg: Abt. Bauvol?. Sonnabond, 21. illidi,, Fahrt | nach Rüdnitz. Kosten mit Schlafen Pf. Troffpunkt 10 Uhr Bahn- H Hof Schönhauser Allee. Tcriolbe Treffpunkt gilt auch für Radfahrer. Illl Gruppenbeginn Montag, 23. Mai. Krenzberg: Die Lagergcmeim'chaften kommen am Mittwoch. 2.i. Mai. an den bekannten Stellen zusammen. Dienstag, 24. Mai, Kreishelfersttzung. �rt wird noch bekanntgegeben. Gruppe Tempelhof: Die Fahrt nach Brieselang muß, da am 21. Mai die Herberge nicht frei ist, auf Sonnabend Sonntag, 28. 29. Mai. verlegt werden. Kreuzbcrg. Abt. Kottbusser Tor. Alle Rotfalken sind heute. 4 Uhr. Heim Urbanstroße. wir spielen auf dem Urbanplatz. Zur Rotfalkenfahrt Treffen Sonnabend, 21. Mai,.19 Uhr. Falkenecke. Alle Iungfalkcn kommen Freitag. '}— 7 Uhr. zum Heim wie immer. Alle Zlestfalken sind Montag, 9 Uhr. Kottbusier Tor, Falkenecke, zur Fahrt na6) Sadowa. 30 Pf. und Essen mitbringen. Sterbetafel der Grchj-Berliner Partei-Organisation 24ii Abt. Am Montag oerstarb plötzlich unser langjähriger Genosse Wilhelm Bertrom, Raugarder Stratze 9. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Freitag. 20, Mai, 16 Uhr, aus dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde in der Pappelallee. 45. Abt. Unsere seit über 20 Jahre tätige Genossin Emma Thormann tsi am 14, Mai verstorhen. Ehre ihrem Andenken. Einäscherung Frcitag, 20. Mai, 13 Uhr, Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. 51. Abt, Genosse Wilhelm Kotz, Siedlung Heerstratze. ist verstorben. Die Trauerseier hat bereits stattgefunden. Wir werden sein Andenken in Ehren halten, 117. Abt. Unser lieber Genosse Wilhelm Brunn, Türrschmidtstratze 40, ist plötzlich verstorben. Ehre seinem silndenken, Beerdigung Freitag, 20. Mai. 15?. Uhr, Zentral-Friedhof, Um rege Beteiligung bittet der Abteilunzsoorstand. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Geschäfts st eil«: Berlin S. 14. Eebastianstr. 27—38, Hof 2 Tr. Lichtenberg(Drtsvrreinl. Kamerad Willi Brunn ist verstorben, Be» erdigung Freitag, 20. Mai, 13". Uhr, von der Halle des Zentral.» friedhofes Friedrichsfelde aus. Sämtliche dienstfreien Kameraden und Fahnen zur Stelle,— Lichtenberg. Freitag, 20. Mai, 19'i Uhr, Mitglicderverfammlung des gesamten Ortsoereins bei Bruno Tempel, Friedrichsfelde, Vortrag: Käme- rad Dr, Haubach. Buchkontrollc,— Äedding(Sporrgruppe). Donnerstag, 19. Mai, 18 Uhr, Training Sportplatz Rehberge. Kurzfchriftverein Berlin-Kreuzberg sStolze-Scheey), Donnerstag, 19, Mai, 19' j lllir, schule Eneifenauftratze 7, Uebungsstunde. Gäste willkommen! „Ttvemvogel", Flugverdavd der Berktätigen e. B,, Ortsgruppe Reuiölla- Britz. Mitgliederversammlung 20 Uhr bei Schröder, Neukölln, Cieinmetzftr. 32. Ennlish Conve-sationnl Cluh tcunded 1878. Meetings every Friday 8 p.m. Cafä König, Leipziger SlraSe 117 118. Lccturer; Mr. Bulman-Smith, M. A. on:"What is Common-Sencc?'' Ouests, Ladies& Gentlcmen, are welcome. „Vadcmoden an Orf und Stelle". In einem Frohen Hausboot a m Eptoßensec führten Maimequins die Bodemode 1932 vor, Erzeugnisse der„Iuvena" Wirkwarenfabrik. Die Hose dvminien in allen möglichen Spielarten und Farben! einmal mit Trägern gearbeitet, ivarunter dann eine Bluse, oder ein sportlicher Sweater getragen ivird, dann wieder kvmbinieri mit einer gleich- farbigen kurzen Sportjacke, oder mit einem flotten, ärmellosen Bolerojäckchen, Die Farben sind rot, blau, gelb und grün, nur lebhafte Farbtöne, auch weiß war zu sehen. Dazu Riescnpilze aus weißem Leinen auf dem Kopf, oder kleine, bunte Käppis. DaL Hausboot wird den Sammer über im«trandbad Wannsee stationiert: jeder 5länser eines„Iuo c na"- Erz e uq m ssi s erhält einen Gutschein, der ihn berechtigt, die auf dem Hausboot gebotenen musikasfschcn, künstlerischen und kulinarischen Genüsse entzegen- zunehmen. k7'-w> Thealcr Donnerstag, den 19. Mal Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Die Hugenotten Stutl.Sdiausiilelliius GendarmeomarkL 20 Uhr Der Liedestrank Schiller-Thsater Charlotleuburg. 20 Uhr Die Räuber Tial. S u. 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Berlin CO 36, Wiener Sir, 58. Die Trauerseier sindet stall am Freilag. dem 20, Mai, um 13 Uhr, an Krematorium Baumschulcnweg. Unlere Genossenschaft ist durch Beschluß ,der Generalvrrlaminlung vom 30, März 1932 ausgelo». Die Gläubiger werden aus. gefordert, sich zu melden. Berlin, den 18, Mai 1932 Produktiu-aenossezsctiait iiir Tapsten- uerarbeliung e. ß. rn. D. H, in Liquidation. Die Liquidatoren. T h i e l e m a n n. Lemke. l>MlI>eiWZllZllll!l!I-Ikll>A!l Mzliiint! Achtung! VerwaKungsmitglieder! Am Freitag, dem 20. Mai 1932, keine Sitzung der Mittleren Orte- Verwaltung. vir OrisvcrwAllaiig, ElniiRitsverband d. Eisenbahner Deutsdilends, Ortsgruppe Berlin Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unser Berdandsmitglied .lutms Scheumann Schlosser i. Reichsbahnausbesserimg«. wert Berlin., Renaler irtrotze. am 14 Mal" ivi Alter üon 61 Iahren vcritorden ift. Die Einäscherung erfolgt am Freitag. dem 20, Mai, 14 Uhr. im Krematorium Baumschulenwcg, Klesholzslratze, Am 15 Mai verstarb unser Ber- bandsmilglied Walter Stoevesandt Sanitäter i-Reichsbahnausbesserungs» wert Grunewald, i.Altcr von � Jahren Die Einäscherung erfolgt am Frei- tag. dem 20. Mai. 13'/- 1It)r, im Krematorium Wilmersdorf. Berliner Straße 101/103. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Dit Ortsverwalliinjt. Homöopathie Nieren-, Blasen-. Leber-, Gallen-, Magen-, Darm-, Innere n. Nerven). V iicpi* linzsfr. O SsliamN. nnr 2 M. I-UJtl lo?. 4-7. stg. n IUHAIPARk Lmtntt SO i'feniug Ab 5 Uhr TSglich Tanj-Tee Im Freien (neue Tanzfliehc) Orehester-Kon zert Heuta 9.20 Uhr Gr. Feuerwerk. T a C LI C H W ELLEMBAD Sommerfrisdic. Kleines Landhaus, an der Elbe gelegen. nahe böhmische Clrcnre, Dampfschiff- und Eisenbahnstalion, Wald und Wiesen. bietet Erholung. Zimmer mit Bett pro Woche 8 M. Einzelne Mahlzeiten nach Wunsch. 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Mai 1S32 Iii der heutigen Vornuttagsziehung wurden Gewinne über 390 M. gezogei, 2»ewlaa» ,» 100000 M. 64553 2»»»inne ju BODO W. 227594 10«.»inn, ,u 3000 M. 3132 42900 78942 254220 296678 10»«Bin*, zu 2000 9B. 45710 93994 1 18436 272708 298454 24»eBinn. ju 1000 W. 2457 184853 195768 236442 284952 322221 325471 360329 373142 377035 383837 385883 40«-Bivv, ju 300 M. 2236 46025 64437 82463 90449 102678 110905 156210 184346 205739 219S88 223106 358088 358915 362261 366184 376940 384233 384415 387366 44®e»hme JB 500 92. 11108 19164 57143 87231 95367 128809 143887 165672 193148 210559 213417 235502 238467 244050 265712 308566 322708 336862 361394 378522 387832 392797 In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über S99 M. gezogen 2 GeBinn« JU 10000 92. 106916 4 Gewinne ju 5000 92. 28626 374357 4 G.wlnn. JU 3000 92. 1 2547 31 8423 8 Gewinn, ju 2000 92. 31517 43065 228323 245883 1 8 Gewinne J- 1 000 92. 43315 61794 65260 72235 101174 112863 271739 279971 324874 32 Gewinne jn 600 92. 17317 29445 35033 37107 63565 104454 132419 136142 145S47 150382 152919 203785 234311 268524 334075 398501 42 OeBrnne ju 500 92. 7648 67056 79689 140157 146432 148107 158036 193106 194512 219079 240020 245909 261032 257088 294119 266184 273437 394408 363720 367739 392)53 Tapeten Verliehen gewesene Möbel unter Preis. ! Kamerling, Kasln, nienallee öS lEcke Fehrbellinerstratze).' Fabrilnrue | Fahrräder 28,—, |ä3,—, öä,—, 10,—. 45,—. Machnow, Weinmeisterstr. 14. Gebranchte Fahrräder 15,—, 20,-, 25,—, 30,-, 35,—. Machnow, Weinmeislexstr. 11. Szlllal. stratze 9. Kolonie Pholotäuber verzogen»och Ro> ienthalerstrotze 10. Dort grotze Grlegriv heitskäufe in Mor. kenkomeras und Zeitzgläsein. MdPSl Touches, Paientmatrotzen, Auflegematratzen, Metallbetten. Wal ter, Stargarber stratze achtzehn. Kein Laden. 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Außerdem machte sich ein stärkerer Rückgang der Ausfuhr nach Somjetrußland sühlbar, der aber von geringerer Bedeutung iff, da die Auflragzcrteilung Rußlands sich nicht gleichmäßig voll- zieht, sondern mehr ruckweise vonstatten geht. Nach den setzt vorliegenden Zahlen st i c g die Einfuhr im April auf 427,3 Millionen Mark, lag also um rund 53 Millionen, das sind rund IT Proz., über dem Einsuhrwert im Monat März. Infolge eines weiteren Absinkens der Durchschnittswerte der ein- geführten Waren kann die menge n m ä ß i g e Zunahme der Aprilimporte sogar auf mehr als 2 0 P r o z. im Vergleich zum ��3 geschätzt werden, caisonmäßig iindct diese außergewöhnliche Steigerung keine Erklärung, sie dürste aber als ein Rückschlag gegenüber der ungewöhnlichen E i n s u h r j ch r u m p s u n g m den vorhergehenden Monaten und besonders im März bedingt fein,.hatte doch die deutsche Einfuhr im März mit 353,5 Millionen Mark den tiefsten Stand in diesem Jahrhundert erreicht. Warengruzepen 1. Lebende Tiere...... 2. Lebensmittel und Getränke. 3. Rahstoffe u. halbfertige Waren 4. Fertige Waren..... Ikiowhr April TOO. NM 2,5 143,0 219,9 51,9 Kv&fupr ohne A-Nraliim.- Sachliettzungrn April Mi.I. 3RM 1,5 15,4 - 87,6 _ 367,7 Zusammen 1—4.. 427,3 472,2 5. Gold und Silber..... 35,8 64,2 Der Export ist im Berichtsm.onot überraschend stark von 527 aus 481,3 Millionen Mark gefallen und Hot damit einen neuen Tiefstand erreicht. Es kommen noch hierzu 9 gegen II Millionen für Reparationssachlieferungen. Die Preisbewsgling ist für diesen Rückgang keineswegs mpßgebend gewesen, denn der dlirchschnittiichc Ausfuhrwert liegt mir um 1 Proz. unter dem Stande des vorhergehenden Monats. Auch faisanmäßig läßt sich dieser erhebliche Erportverlust nicht erklären, da bereits im März die sonst übliche leichte Steigerung der Ausfuhr ausgeblieben, tatsächlich also bereits im Vormonat ein Rückgang eingetreten war. Der Erportvcrlust gehl überwiegend zu Lasten der Aertigfabrikalc. die einen Ausfall von annähernd 11 Proz., nämlich von 417 auf 372,4 Rlillionen Mark erlitten haben. Bei der Einsuhr hat sich im einzelnen der Import van Lebens- Nutteln und Rohstoffen erhöht, während dik Einfuhr von Fertig- fadrikaten stabil geblieben ist. Wesentlich beteiligt an der Mehr- einfuhr ist Holland mit Küchengcwächfcn, Rußland mit Ge- treide, Argentinien mit Wolle, sowie die Bereinigten Staaten mik Baumwolle und Kupfer. Die Entwicklung des deutschen Außenhandels im April ist sehr bedenklich. Der Exportüberschuß, der im März 152 Millionen und auch im Februar noch 86 Millionen Mark ohne Reparations- liefcruiigcn betrogen hotte, ist bis auf 45 Millionen zu- s a ni m c n g e s ch r n m p s t. Im ganzen gesehen, haben die Ver- sallserscheimingen des deutschen Außenhandels im weiteren Verlauf der Krise einen beängstigenden Umfang angenommen. So betrugen im Monatsdurchschnitt: («inhihr u. Ausfuhr)«'»'Uhr Ausfuhr (alles tu MMiauen Mark) 1929....... 2245 1124 1124 1930....... 1869 866,1 1003 1931....... 1360,5 560,6 799,9 Jan./Jlpril 32 939,8 417,9 521,9 Ervott. üderfchufi 3 137 240 104 Der Gesamtumsatz des deutschen Außenhandels— Einfuhr und Ausfuhr zusammen— erreichten in den ersten vier Monaten dieses hahrcs danach nur noch wenig mehr als 40 Proz. des monatlichen Durchschnitts von l9Z9. Der Exportüberschuß betrug von Haimar bis April insgesamt 416,1 Millionen Mark, erreicht also nur noch 104 gegen 240 Millionen Mark im Monats» durchschnitt des vergangenen Jahres. Bei der starken Beanspruchung der deutschen Devisenreserve durch Zinsen und Tilgungen für ausländische Anleihen und Kredite kann diese Entwicklung nicht ernst genug genommen werden. Die Schuld der Wirtschastsführer. Wann kommi die finanzielle Bereinigung in der Industrie? Eins der wichtigsten innerdeutschen Krisenursachcn ist die Fehileitung van Kapital und das Bersagen der Wirtschasls- führer. Solange daraus in den Bilanzen der großen Unternehmun- gen nicht die finanziellen Konsequenzen durch Abschreibungen und Kapital schnitte gezogen sind, solange werden auch Ka- piialmarkt und Börse ein Trümmerfeld und die Wiederherstellung des Vertrauens eine Illusion bleiben. Bei den Großbanken wurden im wesentlichen die Konsequenzen gezogen, wenn auch mit schweren Dpfern des Staates. In der Graßindustrie geht man nur sehr zögernd an die notwendige Umstellung, obwohl sie hier am dring- lichften ist. Am ernstesten liegen die Dinge in der E i s e n i n d u st r i c. Als der„Vorwärts" vor etwa einem halben Jahre am Bei- spiel des Ruhrstahltrusts die Finanzplcite der Eisenindustrie mit dem ?lrtikel „Wcniz Dögler richtig Bilanz macht" klar zu machen neriuchte, sehlte van Ui'ternehmtrfeite nicht viel an dem Vorwurf des wirtfchottlichen Landesverrats. Jetzt veröffentlicht die„Frankfurter Zeitung" in Nr. 362 im Rohmen einer Artikelserie eine Studie„Die Montan- s i n a n; e n im Ernstf al l", in der das Abschreibungsbedürf- vi? und. die Notwendigkeit der Kapitolbcreinigung ebenfalls behandelt werden. Die„Frankfurter Zeitung", ein gut bürgerliches und gut kapitalistisches Blatt, wird mehr Glauben finden als der „unveraniwortlichc"„Vorwärts". Sie bejaht die Notwendigkeit großer Kapitalabschreibunzen sehr nachdrücklich und findet sie not- wendig auf„vielen Konten". Sie schreibt mit besonderer Bezug- nähme auf die Montanindustrie: „Soweit die Eisen-, Kohlen- und K o k c r e i- A n l a g e n in Betracht kommen, die den 5zauptteil der Investitionen, der offenen wie der stillen, beansvruchten. ist in einigen Fällen Zweifel- las Anlaß zu Neubewertungen gegeben. Die Tatsache, daß der Wiederbeschassungswcrt selbst über den heutigen Buchwerten liegt, wird nichts helfen, weil allein die Wirtschaftlichkeit der Anlagen entscheidet. Natürlich wird man, wenn die übrigen Umstände es erlauben, keine Krisenmqhstäbe anzulegen brauchen. Aber was „normal" ist an Beschäftigung und Erlösen, das zeigt sich doch wohl erst später einwandfrei. Soweit die Konzerne die Verpflichtungen aus dem Aufbau- konsortium der Eisenindustrie von 1929/1930 aktiviert haben tinsgesamt ursprünglich em» 100 Millionen?), wird nicht viel anderes als Zlblchreibung übrig bleiben. Deutlicher als bei den Anlagenkonten werden die Bewcrtungs- qrundlagen für die B e t e! l i g n n g s k o n t e n sein, wo wahr- scheinlich häufiger als bei den Anlagekonten Abschreibungsbedürs- nisse. lchon erkennbar sind. Soweit es sich um Verarbeitungsbetriebe handelt, liegen die Dinge sehr verschieden. Je nach der Art der Produktion gibt es teils gute, teils ungünstig gestellte Betriebe, die, wie ein Blick in die Beiciligungslisten der Konzerne zeigt, alle Arten und Stufen der Grob- und Feinverarbeitung umfassen, und nun teil- weise selber vor Bilanzneuordnungen stehen. Die handelspolitischen Veränderungen an den Exportmärkten sind hier oft von grund- legender Bedeutung. Bei den Wcrkhandels-Gesellschaftcn werden sich wohl noch Bereinigungsnotwcndigkeiten orgeben. In manchen Fällen freilich, sprangen die Kanzerngesellschailen schon«in, indem sie zahlungsunfähige Verbrauchcrdetriebe übernahmen, womit sie freilich wohl meist nur die Abschreibungsnotwendigkcit von einem Konto auf ein anderes verlagert hoben. Man kann manches fkep- tische Urteil über die Entwicklung des Werkeiscnhandels in den letzten Jahren hören, über die durch ihn auch in das Eisongcsij�äst getragene Verbeamtung usw. Aber wohl lein Konzern wird aus solchen Erfahrungen die Konsequenz der Abschaffung ziehen wollen nach der Entwicklung, die die Eisenvcrieilung nun einmal nahm. Em weiteres Abschreibungsgekiet Hilden die Unternehmungen der K o h l e n- V e r e d c l u n g. 5zicr besteht, soweit es sich uni die in den letzten Jahren vorgenommenen Expansionen handelt. ziemliche Enttäuschung. Die anfänglich vielversprechende Markt- läge für Stickstoff Hot getrogen, nicht zuletzt durch das. lieber- maß der Neubauten ollerwärts. So ist die R u h r ch c m i e A.-G. bisher keine lohnende Investition gewesen. Ein Glück nur mar es, daß die Aktion gemeinsam von den meisten Zechen unter- nommen wurde: wie viel schlimmer hatte es ausgesehen, wenn viele auf eigene Faust hegonnen hätten(die-es taten, fuhren zum Teil sehr schlecht, zum Teil aber auch, soweit sie Außenseiter blieben, bisher sehr gut). Zlehnlich liegen die Dinge mit der Ruhr gas A.-G., die bis- her ebenfalls Verlustquelle für die Zechen ist. Auch ihre Chancen liegen allenfalls erst in einer späteren Zukunft. Auch der(einzc- stellte) K o h l c u n e r s l ü s s i g u n g s v c r s u ch der Tecrverwertüng GmbH, enttäuschte die kommerziellen Erwartungen, so wenig sein wisienschastlichcr Wert verkannt werden soll, der dach aber erst viel später einmal onn wirtschaftlichem Nutzen sein kann. Das Barräte-Konto wird in den Bilanzen davon be> cinslußt werden, ob die E r z v c r t r ä g e auch für die Zukunft noch eine Lost bleiben, was anscheinend nicht so sehr der Fall ist. Auch die Höbe der Koks- und Kohlenhalden ist zu beachten. Eine ge- wisse Vorsicht der Bewertung ist allerdings von jeher betont morden. Die Abschreibungen auf D c b i t o r e n- K a n t o werden auch van dem Maß der Zlnsleihungen an Tachtergcscllsckzaften und van deren'Äbschreibungsnatwendigkciten abhängen: auch da scheint es sich teilweise nach um stattliche Zweifelbcträge zu handeln." In dieser Liste der„Frantfurtcr Zeitung" sind s o ziemlich alle Bilanzkonten der großen Montankonzerne als rcini- gungsbedürflig genannt. Die skandalösen Schwedenerzverträge kommen nur deshalb besser weg, weil der Kronensturz die Erz- vertxägs weniger verlustreich gemacht hat, die glücklicherweise auf Schwedenkronen lauten. Tßaa aber wird von den Aktienkapitalien der Montan- konzerne übrig bleiben, wenn diese Vereinigungen ehrlich durchgeführt sind? Sicher nicht erheblich mehr, als dem jetzigen Kursstand entspricht. Das aber war die These, die der„Vorwärts" vor einein halben Jahr vertreten hat und deretwegen er beschimpft wurde. Die Rnhrinöustrie schneidet aber hinsichtlich ihrer Behauptung, daß die st a a t l i ch c Wirtschafts- und Lohnpolitik die Ursache alles Hebels sei, in der„Frankfurter Zeitung" auch sehr schlecht ob. Darüber heißt es: „Dennoch wäre.es zu einfach, nun alte Kalamitäten, die im Einzelfalle erwuchsen, mit der Kollektivschuld oder mit den Fehlern de» Wirtfchastspolitik zu erklären. Das beweisen gerade die Unterschiede, die heute in Erscheinung trcteix und die auch in der Montanindustrie beträchtlich sind. Die Rück- siändigkeit der Werksanlagen nach dem Kriege, der starke technische Fortschritt jener Zeit, das verführerische amerikanische Beispiel waren Triebgriindc für sich, auch ahne Lohn- und Steuerdruck. Dazu kam, daß dii Bautostcnunterschiedc für Neubauten verschiede- ner Kapazität sa verlockend gering waren, daß man gern zur größeren Produktionskapazität griff. Vorstellungen non„Konzern- Autarkie" haben ebenfalls keine geringe Rolle gespielt: von oben bis unten sollte der Konzern alles Benöiigte selber liefern können. Die Unternehmerinitiative, von der Altivitiit am Absatzmarkte durch die Tätigkeit der Verbände weitgehend a b- gelenkt, suchte nach anderen Beiätiaungsgsbietcn. Im Betriebs- auskiaü und in der Expansion(gelegentlich sogar als Außen- sciter) fand sie ein Ventil: man soll das bei der"Abwägung der Erscheinungen nicht gering einschätzen: es gibt ja auch heute noch recht beachtliche Reste dieses Ventilstrebens Auf dem Kokercigebiet spielkc geraume Zeit die Angst um die Q u o t e n v c r m ä s s e r u n g durch einzelne ausdchnungslustige Gruppen eine Rolle und trieb gewiß hanz allgemein den'Ausbau über Gebühr an, so berechtigt auch prinzipiell die Erneuerung der veralteten Kokereien im all- gemeinen sein mochte. Alle diese Bestrebungen und Tendenzen sind mitschuldig an der Ilebcrerpansion geworden. Sie hätten sich frei- lich nicht so ungehemmt durchsetzen können, wenn nicht eine gc> rode zu grenzenlose Kreditbcreitschaft dar in-, und ausländischen Banken bestanden hätte." Die Flucht vor der Verantwortung. Tllles das, nur nicht in der sehr diplomaiischen und verhüllen- den Form der zu mehr Rücksicht verpflichteten„Fronksurter Zeitung" war seit Jahr und Tag im„Vorwärts" zu lesen. Die Herren an der Ruhr können ihr so schwer gerütteltes Schuld maß nicht bestreiten. Aber sie suchen noch immer den Staat und den Steuerzahler, der sie von ihren Sünden und' Schulden befreit, obne daß sie für ihre Schuld einzustehen brauchen. Dafür aber ist es zweckmäßig, die„staatliche Wirtschafts- und Lohnpolitik" als den Sündenbock zu proklamieren, der„unter dem Duck der Gewerkschaften jetzt die Eisenindustrie fiir«in Butterbrot verstaatlichen" solle, nachdem er erst diese Industrie durch seine Lohnpolitik„ruiniert" habe. Oollarflucht bringt Devisen. Günstiger Iieichsbankauoweiel in der zweiten Mmwoche. Räch den Devisenverlusten der letzten Wochen bringt der Aus- weis der Rcichsbank vom 14. Wqi erstmalig wieder eine aktive Devtsenbilonz. Insgesamt sind die Bestände an Gold und dcckungssöhigcn Devisen um 6,3 Willionen Work g e st i c g e n und erreichen dam-t 990.7 Willionen Wark. In, einzelnen hoben die Goldbestände um 0.4 aus 85t,5 Willionen Mark und die Bestände an Deckungsdcvisen um 5,9 aus 139,2 Willionen Wark zugenommen. Die Deckung der Roten hat sich in der zweiten Wal- woche aus 25,3 gegen 24,7 Proz. in der Vorwoche verbessert. Diese nerhältnisniäßig günstige Deviscnbilanz ist im wesentlichen durch die Flucht aus dem Dollar verursacht, die nach der'Ankündigimg des amerikanischen Währungsexperiments wieder gräßeren Ilmsang angenommen hat. Das Mißtrauen gegen den Dollar kommt auch darin zum Ausdruck, daß die Rechnungen im internaiionaicn Handelsverkehr mehr und mehr in Reichsmark stalt wie bisher in Dollar aucgcstcllt werden. Dies ist auch der Grund für die seit Tagen anhaltende stärkere Nachfrage nach Reichsmart an den ausländischen Börsenplätzen. Wie wir hierzu noch erfahren, ist bei verschiedenen Berliner Banken seit einer Woche ein ziemlich reges Angebot von Dol- l a r n a t s n zu oerzeichuen, wobei es sich allerdings überwiegend um kleinere Beträge handelt, die durch die Angst vor einem Dollar- sturz aus dem Eparstruqzpf gelockt wurd-en. Bei der inneren Krcdltlage der Reichsbank ist in der zweiten Märzwoche eine weitere Entlastung eingetreten. Im' ganzen wurden 149,2 Millionen Mark Kredite von der Wirtschast zurück- gezahlt, wovon 136,9 Millionen Mark aus.Handelswechsel entfallen. Die Wechsel- und Echeckbcstände sind damit bis auf 3008,8 Millionen Mark gesunken. Der Rotcnrücksluß betrug 71,7 Millionen Mark, so daß sich der Gesomtumlaus an Reichsbanknoten und Rentenbank- scheinen aus 4,32 Milliarden ermäßigte. Bon den zum Ultimo ?tpril beanspruchten Krediten sind bisher rund 70 Proz. zurück- gezahlt... Grofisiittegung in der Texiilindustrie. Belegschast von 4000 Mann bedroht. Die Bereinigte Textilwcrkc Wagner u. Moros A.-G. in Zittau hat, wie wir kürzlich berichteten, Anfang Mai ihre Zahlungen eingestellt, und strebt einen gerichtlichen Verglei�i an. Der Konzern, der über ein sehr großes Filialenncß von über 100 eigenen Berkaufsläden verfügt, und bisher nach eine große Belegschaft van 4000 Arbeitern und Angestellten beschäftigte, beabsichtigt jetzt am kommenden Freitag die gesamte Fabrikation mit Ausnahme des Werkes Reichenau stillzulegen. Ins- gesamt wird durch die beabsichtigte Stillegung fast die gesamte Bc- legschaft brotlos, denn'in dem Werk Reichenau werden nur 200 2lr- beiter beschäftigt. Krifenbilanz der Hamburger Hochbahn A.-G. Die starke Arbeits» losigkcit in Hamburg hat auch den Verkehr der Hamburger Hoch- bahn A.-G. im vergangenen Jahr erheblich beeinflußt. Die Ge- samtzahl der beförderten Personen, die im Jahre 1928 mit 335.8 Mil- liancn ihren Höhepunkt in der Nachkriegszeit erreicht hatte, ging 1931 auf 262,5 gegen 307,7 Millionen Personen in Aorjahre zurück. Die Einnahmen sanken von 57,8 auf 58 Millionen. Insgesamt hält sich der Rückgang bei diesem Hamburger Vcrkehrsunternehmcn noch in erträglicheren Grenzen als in anderen Großftödlen des Meiches. Der Reingewinn beziffert sich auf 4,7 gegen 5.7 Millionen Mark im Vorjahr, woraus auf die einzelnen Zlktiengruppen Dividenden von 2 bis 3 Proz, ausgezahlt werden. Der Vergleich bei vorjig bestätigt. Das Amtsgericht Berlin- Wedding hat dem Bergleichsvorschtag der 21. Borsig 0. m. b. H. in Tegel bestätigt, und das Vergleichsverfahren aufgehoben. Qiflgas über dir! Sin ffiuch über den modernen Gaskrieg/ Don fHolf ffiaihc Die bisher vorhanden« Literatur über dir Giftgoskriez ist im prei-ntlichen ein Erzeugnis dichterischer Phantasie. Man muß schon bis zum Jahre 1921 zurückgehen, um in dem Werke des Amerikaners fsries(Chemical IVarfar«) eine einigermaßen erschöpfende fachmönnische Behandlung des Gaskampfes im Weltkrieg zu finden. Nun könnte man sagen, daß es gor nichts schadet, wenn eine lebhafte Phantasie das Gespenst eines kommenden chemischen Krieges in grellsten Farben malt, denn schließlich können die Abschreckung?» Methoden zur Verhinderung eines neuen Krieges gar nicht scharf genug sein. Doch diese Auffassung ist nur scheinbar richtig. In dem harten Kampf der Weltanschauungen um Kriegsvorbereitungen oder Abrüstung ist die Phantasie eine schlechte Waffe. Hier gilt nur das Wissen um die tatsächlichen Z u s a m m e n h ä n ge. Ter Verfasser stellt sich vor. Diese notwendigen Kenntnisse vlb, den chemischen Geheimnissen des Gistgoskrieges vermittelt das Buch von Dr. Ulrich Mulker- Kiel: D i e die mische® äffe im Weltkrieg und jetzt (Verlag Chemie, Berlin W. 10. 19?2. Geb. 5,50 2R. 152'Seiten) ganz ausgezeichnet. Einige Worte über den Verfasser vorweg: Hier spricht der eiskalte Wissenschaftler, der die Wirkung der giftigen Gase auf den Menschen mit der Gelassenheit eines Mannes regi- striert, der auf dem Scheibenslond die Zahl der geschossenen Ringe anzusagen hat. In Harnisch gerät der Verfasser nur. wenn er sich mit den Gegnern des 6) e mischen Kriege« aiiseinonder- zusetzen hat. Da findet er scharfe Worte gegen die„säls6)liche Ver» »nglimpsung der chemischen Wolfe", da bemüht er ficki emsig um den Nachweis, daß die Gaswaffe..keine Steigerung der Grausamkeit" bedeute, sondern im Gegenteil,„den größten Anspruch auf Menschlichkeit" erheben könne. Sei doch ihr Zweck nicht wie bei der Feuerwaffe zu töten oder zu verstümmeln, sondern nur den Gegner kampfunfähig zu machen,„möglichst ohne ihn dauernd zu � schadigen oder zum Krüppel zu machen." Zum Beweise führt Müller die a in e r i k o n i s ch e n V e r l u st l i st e n aus dem Welt» kriege an, aus denen zu entnehmen ist, daß von den außer Gefecht gesetzten Soldaten 21.9 Proz. infolge Geschoßwirkung uild nur 2> Proz. infolge Gasvergiftung starben. Dieses Beispiel ist ober schlecht gewählt, weil die Amerikaner an den entscheidenden Fronten nur einige Monate vor Kriegsende im Großkampf standen, wo sie infolge ihrer Äriegsunerfahrenheit im Jnfaktteriesener kolonnenweise zusammengeschossen wurden..Hier läßt sich also leicht eine „humane Verlustliste" des Gaskrieges konstruieren. In dem historischen Rückblick, den Dr. Müller über die Eni- stehung und Entwicklung der Gaswaffe gibt, sprechen die Tatfachen eindeutig dafür, daß man es bei dem Gas mit dem h e i in t ü ck i f ch- st e n Kampfmittel zu tun hat, das ein menschliches Hirn je ersonnen hat. Der Erfolg des Gaskampfes beruhte doch während des Krieges einzig und ollein darauf, einen wehrlosen Gegner durch Uederraschung zu erledigen, und al» nach dem ersten Auftreten von Giftgasen hüben und drüben ein wirksamer Gasschutz ein- geführt war, ging das ganze Bestreben der chemischen Sochverstan- digen darauf aus, diesen Gasschutz zu durchschlagen, den Gegner also durch Anwendung neuer Giftstoffe wieder in den lahmenden Zustand völliger Wehrlofigkeit zurückzuwerfen. war» im Weltkrieg! Die Gefchtchte des Gaskampfes im Weltkrieg ist kurz geschildert: Gas als Kampfttosf war zunächst bei der franzo fischen Armee eingeführt, die bei Ausbruch des Krieges ZOOOO Gos- gewehrgranaten für Pioniere(zum Ausrauchern von Feftungskafe- matten) befaß. Diese Gasgefchofse. die im Arg-mner Wald bereits im Tpäiberbft 1914 Verwendung fanden, regten die deutsche Heeres- leitung an, das Gas als Kampsttoff im Massen einsaß zu er- proben. Es kam zu jenem historischen Gasangriff am 22. April 1915 bei A p e r n, wo zum erstenmal Gas in dichten Masten abgeblasen wurde. Obwohl der log von yipcrn nicht als der Geburtstag der Gvswaffe angesprochen werden kan�, stellt er doch mit den erstmalig festgestellten verheerenden Wirkungen eine? massierten Gasangriffs den historischen Wendepunkt in der Kriegstechnik dar. Zum Punkte Humanität: Hier erreichte infolge der völligen Uederraschung der Engländer der Prozentsatz der Gostoten 35 Proz. des Gesamtverlustes. Im folgenden Jahr« entgingen bei Beginn der Eomme» Schlacht im Juli 1916 fünf deutsche Divistonen— etwa 60 090 Mann— nur durch einen glücklichen Zufall einem gleicken Massensterben. Untersuchungen aus französischer Seite hatten ergeben, daß die deutsche Gasmaske gegen Blausäure— eins der furchtbärsten Glstftosfe, die es gibt— so gut wie keinen Schutz bot. Im Rahmen des Vtägigen Trommelfeuers vor Beginn des General- angriffs an der Somme sollte daher ein Mosfeneinsatz von etwa 350 000 Blausäuregranaten in der deutschen Kampffront jedes Leben ersticken. Dieser Plan wurde durch einen merkwürdigen Zufall, der kaum seinesgleichen finden dürfte, zunichte gemacht.' Ein algerischer Kapiiän, der 8 Tage vor dem Beginn der Artillerieschlacht bei einem Stoßtruppunternehmen schwer nerwundet in deutsche Gesongenschast geriet, plauderte im Fieberdelirium das Geheimnis des bc- vorstehenden Giftgasangriffs aus. I n rasender Hast wurden auf deutscher Seite Gegenmaßnahmen eingeleitet. Sie be- standen darin, daß in die deutschen Gasinosken-Einsätze Silberoxyd eingepudert wurde, das den Schutz um das Hundertfache oerstärkte. So verpuffte der sran.zöstsche Gasangriff völljg. Man kann aber nur mit Schaudern an die„humanen Wirkungen" dieses unbedingt töd- lich wirkenden Blaufäuregafes denken, wenn hier nicht der Zufall Schicksal gespielt hätte. Immer neue Arten? Bei den beiderseitigen verzweifelten Anstrengungen, die gegne- rische Front zu durchbrechen, war im Jahre 1916 ein neuer, äußerst gefährlicher Kampfstoff aufgetaucht: das Phosgen. Dieses spielte auf der Seite her Entente eine ausschlaggebende Rolle, da mit seiner Einführung die Entwicklung der chemischen Waffe bei den Alliierten gewissermaßen zum Stillstand gekommen war. Auf deut- scher Seite wurde gleichfalls 1916 der P e r st o f f— ein verkapptes Phosgen mit gleichen Wirkungen— eingeführt, der im Maffenein- fatz(110 000 Granaten) erstmalig bei den letzten Großangriffen vor Berdun im Juni 1916 angewendet wurde. Diese Granaten waren mit einem grünen Kreuz versehen und so hat sich hierfür oll- gemein der Name„G r ü n k r e u z" eingebürgert. Wenn auch die Gasabwehr durch Einführung neuer Atemeinsätze gegen dieses neue Gift einen ziemlich vollkommenen Schutz gewahrte, so blieben die beiderseitigen Verluste doch schwer. Sie wurden durch die tückische Natur des Phosgens verursacht, dessen Neizwirkung erst dann un- etträglich wurde uird die Truppe zum Aussetzen der Maske zwang, wenn der Vergiftungsprozeß schon weit vorgeschritten war. Der Verlaus der Phoszenvergiftung erstreckt sich über einige Stunden bis zu drei Tagen. Auch bei dem schwersten Verlauf bleibt das volle Bewußtsein bis zum letzten Augenblick erhalten. Vor- bedingung für die Genesung Vergifteter ist unbedingte Muskelruhe. Da die Vergifteten in der Regel wild um sich zu schlagen pflegten, mußten sie mit Gewalt gefesselt«erden, für jeden, der auf Per- wundetentransporten und in- Kriegslazoretten derartiges miterlebt hat. auch in der Erinnerung noch eine erschütternde und abstoßende Szene., Seinen Höhepunkt erlebte der Gaskrieg in den beiden letzten Kriegsjahren, wo es der deutschen Chemie gelungen war, das Blaukreuzgas(Clark) und Gelbkreuz gas(Lost) im Felde zur Verwendung zu bringen. Das Blaukreuz war das seit langem gesuchte Mittel, den gegnerischen Gasschutz zu durchbrechen. Es ist ein Reizgas von besonderer Heftigkeit(Niesen, zäher Schleimfluß, Huste», Würgen, Erbrechen, Atemnot), das die unter der Gasmaske oersteckte Truppe zum Abreißen der Gasmaske zwingt. Da der Be- schuß von Blaukreuz mit Grünkreuzfeuer(Phosgen) verbunden wurde, war der Gegner den vernichtenden Wirkungen dieses hoch- giftigen Gases weh Mos ausgeliefert. Diese Taktik— artillerietechnisch Buntschießen genannt— war überwiegend für Angriffszwecke gedacht. Außerdem ober war mit dem Gelbkreuz ein Kämpsstoff zur Abwehr eingeführt, der alle bisherigen Giftgase in seiner unheimlichen Wirkung übertraf. Man kann es im wesentlichen dem Gelbkreuz zuschreiben, daß in den monatelongen Abwehr- schlachten von 1917, besonders in Flandern, die deutjche Artillerie sich gegen den vielfach überlegenen Masteneinsatz des Gegners behaupten tonnte. Im Gegensatz zum Grün- und Blaukreu.z wirkt da? Gelbkreuz auf die K ö r p e r h a u t. Seine ätzende Wir- kung durchsriht Leder und Kleidungsstücke und macht da«. Betreten stark verseuchter Geländestceisen aus mehrere Tage unmöglich. Um die...Humanität" der vom Bersasser viel gepriesenen chemischen Waffe zu charakterisieren, wollen wir ihn selbst über die Wirkungen des Gelbkreuzes zu Worte kommen lassen: „Für dos Gelbkreuz bezeichnend ist, daß die Wirkung... erst nach mehreren Stunden eintritt. Bereits Konzentrationen von wenigen Milligramm im Kubikmeter Luit genügen, um ernste Schädigungen... hervo: zimisen. Der Kranke verfällt in hoffnungslose Apathie, das Bewußtsein bleibt je- doch noll erhalten. In den schwersten Fällen treten olle diese Erscheinungen ver- stärkt auf; dazu gesellen sich Störungen des Nerven- s y st e m s. Die entzündeten Hautstellen weifen tiefe nekrotische Zerstörnngen aus und die Gefahr der Infektion durch andere Krankheiten steigt, aufs höchste." Wenn der Verfasser als einen Triumph der Wissenschaft und Humanität verkündet, daß die Engländer in den(etzlen 16 Kriegsmonaten durch Gelbkreuz über 124709 Mann vir- loren, von denen nur 1,8 Proz. 2308 Mann starben, so er- übrigt es sich nach der vorliegenden Schilderung der Leiden Gelb- kreuz-V«rgist«ter, überhaupt Noch von größerer Menschlichkeit der chemischen Waste gegenitber der Feuerwaffe zu sprechen. Besonders unheimlich ist die Wirkung des(Belbkieuzes, wenn einige Spritzer davon auf die Kleidung gelangen und der Betreffende— zunächst noch ahnungslos— geschlossene Räume betritt. Aus einem eng- lischen Geheimbericht est bekannt, daß ein verwundeter englischer Soldat, der auch deutschem Gelbkreuzseuer ausgesetzt ge» wejen war, in ein rückwärtiges Feldlazarett aufgenommen wurde. Man- hängte seine Uniform ahnungslos neben fein Bett, und am nächsten Tage waren sämtliche Lazarettinsassen schwer geschädigt. � Und so ist es heute? Nach dem Kriege haben Amerikaner und Franzo- s e n die Fabrikation von Gelbkreuz im großen aufgenommen. Eine wirklich wirksame Schutzkleidung gegen dieses Gift existiert bisher noch nicht. Auch wenn sie vorhanden m�re, ist es ein Unding, an- zunehmen, daß die gesamte Bevölkerung damit ausgerüstet werden könnte. Daneben sind auch die vom Kriege der bekannten Reizgase noch entwickelt und verfeinert worden. Der M o s s e n e i n s a tz von Flugzeugen verlegt in einem Kriege die Waffenwirkung des Feindes automatisch in das Hinterland, in die Industriezentren und Großstädte. Auch der bestorganisierte Gasschutz, der bei einer massierten Bevölkerung schon an sich sehr fraglich ist, muß versagen. wenn gleichzeitig mit der Vergasung Brand- und Brisanzbomben wirksam werden. Die aus den ersten Blick bestechenden Ziffern über den geringen Anteil der Toten bei Gasvcrgistetcn dürfen nicht dar- über hinwegtäuschen, daß die Behauptung von der„größeren Menschlichkeit" der Gaswaffe— von einer grundsätzlichen Einstellung zum Kriege einmal ganz abgesehen— auch nicht die geringste Berechtigung hat. Zunächst sind die lörperlichen Qualen Gasvergisteter den Leiden Schwerverwundeter zum mindesten gleichzusetzen. Ferner beweisen die Berlustlisten des Wellkrieges, daß die überraschende Anwendung eines neuen Kampfstoffes einen unheimlich hohen Prozentsatz von Toten zur Folge gehabt hat. wie er durch Feuerwaffen nie bewirkt wurde. Damais aber wurden Giftgase nur gegen die kämpfende Truppe verwendet, bei der eine scharfe Gosdisziplm immerhin solange stark nerlustmindernd wirkte, bi» ein unbekannter Kompsstoff die bisherigen Schutzmoßnabmen illusorisch machte. In den che- mischen Laboratorien der Welt aber sind seit 15 Iah- r s n di�Fochleute des Giftgaskampses an der Arbeit, um die Er- fahrungm des Weltkrieges auszubauen und unter strengster Wahrung des Geheimnisses neue unvorhergesehene Gift- gase gegen den künftigen Gegner loszulassen. Eingesetzt werden aber diese geheimnisvollen Vernichtungsmittel künftig nicht gegen die feindliche Armee, sondern in erster Linie gegen die Bevölkerung?- zeniren des Hinterlandes. Diese Tatsachen beweisen, zu welchen verheerenden Massenkato- strophen im wehrlosen Hinterland zwangsläufig der chemische Krieg der Zukunft führen muß. Mehr denn je müssen nach dem Versagen dos Völkerbundes alle verfügbaren Energien gegen den Krieg ein- gesetzt werden. Wenn der Verfasser zum Schluß seines Buches über die Parole„Nie wieder Krieg" spöttelt zind sich zur Aufrüstung bekennt, so dürfte er sich über die Wirkung seiner eigenen sachlichen Darstellung nicht im klaren gewesen sein. Sein Buch spricht gegen die Aufrüstung, gegen den chemischen Krieg, wie gegen den Krieg überhaupt. Viele Leser, die über diese Fragen bisher herzlich wenig nochgedacht haben, werden durch dieses Buch auf- gerüttelt werden Daher wünschen wir al? Gegner der Weltanschauung des Berfafsers, daß fem Buch«inen Mostenabfatz finden mög" 1 M Capone sHmi im tKiüchen! Wie kam da»?/ Won Wathan Qnrdm Seit zPolf Iahren tobt in den Dereinigten Staaten ein wahr- hast gigantischer Kamps zwischen der Prohibitionsbehörde und den Schrnugglerbandsn. Der Kampf wurde mit den modernsten Walsen des Krieges geführt. Wenn die Regierung an der Westküste Amerikas Kanonenboote mit Schnellfeuengeschützen gegen die Schmuggler einsetzte, dann tauchten die Slbmuzglerboote mit Flammenwersern aus. Das Budget der Regierung zeigte und zeigt noch heute einen Riesenposten, der dem Kampf gegen den Alkohol- sck/muggel gewidmet war. Bei keinem Anlaß war die Bundes- regisnmz m Washington so großzügig wie bei der Bewilligung der Mttel für den Kamps gegen den Alkohol. Zeitweise waren ollem im Staat« New Park 19000 Detektive von der Pro- hibitionsbehörde angestellt. Wenn man in Washington auch nur eine Woche den Kamps gegen die Schmuggler etwas ruhen ließ, erhob sich ein Sturm der öffentlichen Meinung, der von den frommen Frauenorgamsationen inspiriert war. Aber de? ganze Kampf der Regierung war vergeblich Das Schivuggelunwesen wurde immer unerträglicher. Der Kamps forderte wöchentlich zahlreiche Todesopfer und die Kriminalität durch die Prohibition stieg erschreckend. Ein amerikanischer Senator sagte einmal:„Die Prohibftion hat in unserem Lande die Gesetzes- Übertretung zu einer Bagatelle gemacht. Die Verbrecherwelt war niemals im öffentlichen Loben so ausschlaggebend wie in der Blüte der Prohibition. Die Schmuggler mit chren unerhörten Mitteln und großen Bandenorganisationen haben das Berbrechen organisiert und damit ungeheuer ftarl gemacht!" Tatsächlich murtten die Bandenorganisationen, von Schmugglern geleitet, zu Armeen des Perbrechens. Mit riesigen Mitteln nahm man den Kampf gegen das Gesetz unid nicht nur gegen das Alkoholgofetz auf. 2> e Bonden spezialisierten sich, es gab da Abteilungen für Erpressung, Raub, Diebstahl und Alkoholschmugzcl. Das Geld regierte. Durch das Geld war es eben unmöglich, an die Führer der Schmugglerbanden heranzukommen. Es ist genügend bekannt, wie unmöglich es war, Al Capone, den Schmugglerkönig in Chitago, mit dem Gesetz unschädlich, zu machen. Unzählige Verfahren eröffnete die Staatsanwaltschaft gegen Capone. Und immer wieder kam es nicht zum Prozeß, weil nie Zeugen für die vielen Verbrechen der Capone-Bande vorhanden waren. Meldeten sich einmal Zeugen, dann verschwanden sie mit 'größter Schnelligkeit nicht nur aus den Augen des Gerichtes, sondern auch aus den Reihen der Lebenden.. Capone war von seüer Untersuchung gegen ihn früher als die Polizei selbst unterrichtet. Er hatte dank seines großen Kontos genügend Freunde in jeder Behörde Chikagos. Ein Drohbrief der Capone-Bande genügte meistens, um nicht nur Zeugen, sondern auch Polizeikommissare zum Schweigen zu bringen. Die Prohibitions- azenten, die täglich im Kampf gegen den Schmuggel ihr Leben aufs Spiel setzten, standen selbst vor Capone stramm. Capone war unantastbar, denn er mor reich! lieber Capone hotte die Oesfentlichkeit von Chikago nur ein Urteil:„Der Man» ist viele Millionen wert!" Der Weg des Bandenkönigs ging seinem Ziel zu: in die gute Gesellschaft! Dann war er ganz sicher. Capone spendete für Kirchen, er war schon, umgeben von seiner Garde, aus allen Veranstaltunger der Chikagoer Bourgeoisie zu sehen, denn da fragt man bekanntlich niemals, wie man die Millionen verdient hatte. Und nun platzte in diesen sensationellen Aufstieg des Banditen- komgs eine Nachricht:. Capone verhaftet! Nun, Capone wurde ja oft verhaftet, aber nie verurteilt und immer wieder sofort befreit. Aber diesmal war es anders. Capcme wurde verurteilt. E l f Jahre Zuchthaus! Zeugen traten auf und die Droh- briefe sohlten! Poll.;«>kl>mm!ssare gingen energisch gegen die Capone- Bande vor, ohne am nächsten Tag ermordet ausgesunden zu wsrden. Was war geschehen? Capone war geschlagen! Cndgüftig geschlagen, aber nicht von der Polizei und nicht von den presbyterianischen Frauen- oerbanden, sondern von einem viel slärkerm Gegner: von der Krise! So unglmiblich es klingt, Capone ist pleite! Seit einem Holben Jahr konnte Al Capone seine Bandit-n nicht mehr bezahlen. Die Alkoholschmuggler sind arbeitslos geworden. Man schmug- gelte noch immer Weine, Sckmäpse und Champagner, aber lein Mensch kauft. Die besten Kunden der Schmuggler, das amerika- Nische Bürgertum, war auch pleite. Wer kann noch heute 60 Dollar für eine Flasche Champagner bezahlen? Vielleicht einige Bank- sürsten, aber der große Kundenkreis Capones war von der wirt- schaftlichen Krise erschüttert und trinkt jetzt Eoca-cola-Limonad«. Capone ging mit den Preisen runter. Aber auch dos nützte nichts. Von einigen Großkapitalisten lonnte man nicht leben und hunderte Banditen unterhalten. Die berüchtigten„Speak-easies" Caponcs mußten schließen. Ein paar Monate kämpfte der Großbandil. dann war es vorbei mit ihm. Seine Banken konnten ihn auch nicht mehr stützen. Krisenkommissare der Regierung saßen auch hier im Aus- sichtsrat. So kani es, daß eines Tages die Banditen keinen Lohn mehr vom„Boß" bekamen. Schon am nächsten Tag gingen die Unterführer Capones zur Polizei und boten ihre Dienste an. Die Bestechungsgelder waren nichk mehr da, und schvn rückten die Steuerbeamten an. Die Krise hatte ganze Arbeit geleistet. Capones Haus wurde versteigert. In Chikago hat man ober selbst vor einem Banditen- könig keinen Respekt mehr, wenn er kein Geld hat. Die Haupt- schmuggle? Capones sind beute„Experten" in den frommen Anti- alkoholoerbänden! Capone versuchte noch' mit Terror zu drohen, aber keine Hand griff zum Revolver, solange kein Dollarschein knisterte. Ganz respektlos kan�n an einem schönen. Morgen ein paar Polizeibeamte.zum„König", ein Kettchen»m das Handgelenk. und Al Capone war Nummer 40886 des Staatsgefang- nrsses von Chikago. Früher bekam er eine fürstliche Zelle mit einer Ehrenwache und heute wurde er in Anstaltskleidung gekleidet und wird in der Wäscherei des Zuchthauses beschäftigt. Er versuchte noch das letzt?. Capone appellierte an ganz Amerika, daß nur er den Sohn Lindberghs wieder herbeischaffen könne. Aber auch das glaubte man dem bankrotten Banditen nicht. Nur die Banditen des Zuchthauses hatten noch den alten Respekt vor ihm, bis sie erfuhren, daß der„Ehes" kein Konto mehr hatte. Chikago ist von einem Alpdruck befreit! Wenn die Krise etwas Gutes tun kannte, so war es der Sturz des großen Banditen. Die vielen Unterbanditen Capones raudern zwar nock? unorganisiert in der Stadt herum, aber der neue energische Bürger- meister Hai schon Schutzabteilungen au? Arbeitslosen gebildet und diese sind viel energischer und zielbewußter an der Arbeit als die Polizei, um der sonst so arbeitsamen Stadt Chikago wieder den guten Ruf zu geben. Besonders das Chikagoer Prole- tariat atmet befreit vom Terror Capones auf� denn der Banditen- könig verdiente an den Reichen und tanzte auf ihren Festen, um die arme Veoölierüng in. schlimmster Willkür zu schikanieren. Die Maschinengewehre Capones sind verstummt. Hoffentlich für immerh