BERLIN SvimeMag IS. Mai 1932 10 Pf. Tit. 232 B 116 49 Zabrsana ErscheinttSglich oußerEonntags. Zugleich Atendsiigggbe»et.Borwirti'. Brz-g»vrets für beide Silisgaben?S Pf. vre Woche, 3,2ö W. vro Moni» tLf46 ilnzelgenprel».£le einsvaltige Mllllmelcej-ile 30 Pi. Reilamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postfcheikionlo: Porn>ärt«-B-rIag G. m. b. H., Berlin Rr. 37-36.- Ter ZZerla, behält sich da« Recht der ilblchnung nicht genebmer Anzeigen cor' Redaktion und Erdedition: Berlin SW68, LindenOr 3 Sernsvrechee: Dönboff(A 7) 292—297 Luststreit in Genf Ungeschicklichkeit des deutschen Vertreters Genf, 19. Mai.(Eigenbericht.) Die Ablehnung des deutschen Vorschlags für das Verbot der Militärluftfahrt in der gestrigen Sitzung der Luftfahrt- kommission hat zu heftigsten Angrisfen gegen Genossen de Brouckcre- Belgien geführt sowie zu der falschen Darstellung. als sei durch diese Ablehnung zugleich die Abrüstung sabotiert und das Verbot der Militärluftfahrt zurückgewiesen worden. In Wirt- lichkeit hat entgegen der dahingehenden Paroleausgabe durch die deutschen Lustfahrtsachoerständigen an die deutsche Presse allein die taktisch ungeschickte hallung der deutschen Vertretung diesen bedauerlichen Zwischenfall hervorgerufen. Der Luftfahrt- kommission lag ein Bericht ihrer Unterkommission vor zur Beant- wortung der Fragen, welche Luftwaffen besonders zum Angriff geeignet, für die Zivilbevölkerung besonders bedroh- lich und für die Verteidigung besonders schädlich seien. Während nun die Antworten einzelne Typen nahmhaft machen sollten, bean- tragte Ministerialdirektor Brandenburg, den deutschen Vorschlag des Verbots aller militärischen Luftfahrzeuge gemäß den Pcstimmun- gen des Verfaillcr Vertrages anzunehmen. Genosse de Brouckörc, der die ungeheure Erschwerung des Verbots der Militärluftfahrt durch diese starre und technisch nicht präzisierte Formulierung erkannte und sich schon mehrfach bemüht hatte, im Interesse des tatsächlich b e r e ch- t igten Verbots die deutschen Delegierten zu veranlassen, de- taillierte Vorschläge ohne politisch« Hintergründe vorzubringen, mußte nun gegen diese Formulierung auftreten, da ihre Starrheit den Weg völlig zu versperren drohte. Er machte geltend, daß in dieser Kommission rein technische Fragen beraten werden müßten, hingegen Deutschlands Borschlag politische Entschei- düngen einschließe, die nicht zur Kompetenz der Kommission gehörten. Der Versailler Vertrag verbiete gewisse Waffen aus Gründen, welche.die Kommission nicht zu kennen Hobe. Die vom Hauptaus- schuh an die Kommission gerichteten Fragen gelten den Angriffs- waften. Die Kommission könne nicht daraus antworten mit der Liste des Versailler Vertrages, weil dies entgegen der Ueberzeugung der meisten Delegationen und nicht im Einklang mit der Aufgabe dieser Kommission stehe. Ministerialdirektor Brandenburg beharrte trotzdem auf der Annahme der Formulierungen des Versailler Vertrages. Aus der Aussprache ging klar hervor, daß diejenigen Mächte, die eben- salls das Verbot der Militärluftfahrt in ihren Vorschlägen ver- langen, die Ablehnung der deutschen Begriffsbestimmung keineswegs als eine Ausgabe des Prinzips dieser Abschaffung betrachten. sondern nur als die Ausschaltung einer politischen Formulierung, die unter den gegebenen Umständen unmög- lich zum gewünschten Ziele führen könne. hinter diesem Zwischenfall stand außerdem noch die ungeheuer wichtige Frage der zivilen cuslsohrt. Gerade die stärksten Vertreter des Verbots der ZNilitärtustsahrt, und unter ihnen d'e Sozialisten, soweit solche überhaupt in den Delegationen vertreten sind, wollen aber die Zivillustsahrt durch internationale Kontrolle jeder solchen Verwendungsmöglichkeit oder Requisition sicherer entzogen wissen. Deutschland schweigt bisher offiziell auf alle Fragen nach dieser Znternalionolisierung und erweckt durch allerlei halbamtliche Darstellungen den Anschein, einziger Gegner einer solchen Mahnahme zu sein. Daß dies in der französischen und polnischen Propaganda aus- geschlachtet wird und in vielen anderen Ländern ungünstige Beachtung gefunden hat, ist leider schon zu oft erwiesen. Ge- rade aber hier galt das Eingreifen de Brouckeres der Gleich- z e i t i g k e i t von Verbot der Militärlustfahrt und Inangriffnahme einer internationalen Kontrolle der Zivillustsahrt. Selbst im Rahmen seiner Ausgabe als belgischer Delegierter hat Genosse Broucköre den sozialistischen Standpunkt vertreten, der eine klare Linie für die Erreichung von Verbot und Kontrolle darstelle. An Deutschlands Vertretung liegt es, die ungeheuer starke Stellung des Abrüstungsgläubigers nicht durch weitere Starrheit noch mehr zu verderben. Renkin bleibt. Der belgische König hat den bisherigen Ministerpräsidenten Renkin mit der Bildung des neuen Knbmetts beauftragt. wieder ZZ Tote in Bombay. Auch am gestrigen Mittwach haben die blutigen Zusammenstöße zwischen Hindus und Mohammedanern in Bombay«ine Fortsetzung erfahren. 23 Personen wurden getötet und IIS verletzt. Vernunst in Oanzig Bemerkenswerte Ausführungen des Senats-Vizepräsidenten Danzig, 19. Mai.(Eigenbericht.) Während die nationalsozialistische Presse sich wegen der auf- klärenden Veröffentlichungen des„V o r w ä r t s" über die Verhält- niste in und um Danzig in wüstesten Ausfällen ergeht, in denen selbst mit dem Vorwurf des Landesverrats nicht gespart wird, wer- den Ausführungen des stellvertretenden Danziger Regierungschefs, Senatsvizepräsidenten Wierczinski-Kaiser, bekannt, durch die die Heuchelei dieser Vorwürfe überzeugend enthüllt wird. In einer Ansprache anläßlich des Danziger Abends des Deutschen Rund- sunksenders führte der Senatsvizepräsident u. a. wörtlich aus: „Die Kompliziertheit der Danziger Verhältnisse liegt darin, daß es zwei verschiedenen Kreisen angehört, einmal dem deutschen Kulturkreis und Wann dem polnischen Wirtschastskreis. Mit beiden Kreisen ist Danzig unlösbar verbunden, denn wie über- all im Grenzland und Auslnndsvolkstum ist auch hier in Danzig das Deutschtum selbstbewußter als im Binnenlande selbst und wird von jedem einzelnen, gleichviel welchen Standes und welcher Partei, ständig stark erlebt. Andererseits ist sich jeder Danziger darüber im klaren, daß Danzigs Handel und Industrie nur in enger Verbindung mit seinem jetzt polni- schen Hinterlande gedeihen kann. Jede der heute>o oft angepriesenen politischen Lösung des Danziger Problems, die diesen beiden Tatsachen nicht Rechnung trägt, ist keine Lösung." Diese Ausführungen widerlegen zunächst den Schwindel, daß die Sozialdemokratie etwa weniger als andere Parteien für die Wah- rung des Deutschtums in Danzig eintritt. Daß die Sozialdcmokra- tie darüber hinaus auch die aus der Lag« Danzigs sich ergebenden wirtschaftlichen Konsequenzen zieht, dürste nach den jetzt er- folgten Ausführungen des Senatsvizepräsidenten ihr kaum noch ernsthaft zum Vorwurf gemacht werden können. Allerdings setzt die Erhöhung der wirtschaftlichen Aufgaben für Danzig auch die Zurückdrängung des Nationalismus voraus. Die Danziger„Volks- stimme" ist jedoch unterdrückt worden, weil sie für die praktische Anwendung der jetzt von dem Senatsvizepräsidenten verkündeten Thesen eingetreten ist. Herriot bei Lebrun. Tisch kein formeller Auftrag zur Tiegierungsbildung. Paris, l9. Mai.(Eigenbericht.) Die ofsiziöfen Verhandlungen zur Lösung der Kabinettskrise sind am Mittwoch durch eine lange Unterredung einge- leitet worden, die der Präsident der Republik L c b r u n mit H e r r i o t hatte. Es handelte sich dabei nur um eine u n v c r- kindliche Vorbesprechung, in der Herriot noch keineswegs mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt worden ist. Herriot ist im übrigen am Mittwochabend nach Lyon abgereist, wo er die Tagung des Generalrats des Rhöne-Departements leiten muß. Er wird am Freitag wieder in Paris sein, um an der Sitzung des Exekutivausschusses der radikalen Partei teilzunehmen. Man nimmt an, daß er im Laufe der nächsten Woche eine neue Unterredung mit Lebrun haben wird. Der„M a t i n" ertlärt, daß sich in parlamentarischen Kreisen eine immer stärker werdende Strömung zugunsten der Bildung eines Ministeriums bemerkbar nmcht, das auf eine möglichst umfangreiche Mehrheit gestützt ist, deren Grenzen aber zur Zeit noch nicht festgelegt werden können. Es sei so gut wie sicher, daß keine Kartellregierung zustande kommt, denn die von den Sozialisten gestellten Bedingungen für die Teilnahme an der Regierung hätten keinerlei Aussicht, von den Radi- kalen angenominen zu werden. Das Prinzip der Beteiligung an der Macht, das der Kongreß der sozialistischen Partei billigen wolle, ziele nur daraus hin, den Einfluß der Sozialisten auf die Masse der Linkswähler zu verstärken, dadurch, daß sich die Sozialisten als die einzigen Verteidiger eines„angeblichen" gemeinsamen Pro- gramms hinstellen, das von den Radikalen, nachdem sie an die Regierung gelangt sind, ausgegeben worden ist. Die Zeit sei nicht für Maßnohmen geschaffen, die den öffentlichen Kredit erschüttern und das Land in ein finanzielles Abenteuer(?) stürzen könnten. Alle Anstrengungen müßten vielmehr darauf gerichtet sein, das Vertrauen aufrechtzuerhalten und die Ersparnisse durch- zuführen, die das Budgetgleichgewicht nicht nur auf dem Papier, sondern tatsächlich sichern. Herriot über Abrüstung und Reparation Paris, 19 Mai. Edouard Herriot nimmt heute in der„Ere Nouoclle" zu der letzten Rede Paul Boncours Stellung und unterschreibt dessen Standpunkt in der A b r ü st u n g s f r a g e. Die Stellung- nähme der bisherigen Regierung, erklärt er. setze nur die tra- d i t i o n e l l e Linie, wie sie Frankreich seit 1929 befolge, fort. Sicherheit, Schiedsgerichtsversahren und Abrüstung seien ein Drei- Nang, der in den Augen der französischen Republik seinen vollen Wert behalte. Allerdings füge Paul Boncour hinzu, daß man kaltblütig sein und ahne Demagogie untersuchen müsse, welche Rüstungsherabsetzungen bei der gegenwärtigen Loge und bei dem gegenwärtigen Stand der internationalen Garantien möglich seien, um zu einer ersten Abrüstungsetappe zu gelangen und Deutsch- land nicht den Vorwand zur Wiederausrüstung zu geben. Wenn man, meint Herriot, den gegenwärtigen Zustand Deutschlands bcob- achte, wenn man wisse, welche Gefahr eine starke Uebertreibung nach der einen oder nach der anderen Seite mit sich bringen könne, so würden patriotische Pazifisten, wie Paul Boncour und er, hierin die Schwierigkeit erkennen. Herriot unterschreibt auch den Stand- punkt, den Paul Boncour in seiner letzten Rede zur Repara- tionsfrage eingenommen hat. Paul Boncour habe zwei un- anfechtbare Grundsätze aufgestellt: 1. Aufrechterhaltung des fran- zöfischen Willens zur europäischen Solidarität: 2. des Willens, unantastbare Rechte Frankreichs nicht veräußern und auf keinen Fall eine Trennung zwischen Frankreichs Gläubiger- ansprächen und seinen Schuldenzahlungen an Amerika vornehmen zu lassen. Einigung in Tokio. Diktaturregierung Suzuki. Tokio, It). Mai.(Reuter.) Zwischen dem Innenminister Suzuki und dem Kriegsminister weneral A r a k i soll jetzt eine Mini- gung über die Art des zu bildenden neuen Kabinetts zustandegekommen sein. -k Nach Ausfassung hiesiger Stellen wird die neue Regierung den Wünschen der extremen Militärkreise nicht entsprechen. Wahl aber wird es eine Diktaturregierung fein, die unter völliger Ausschaltung des Parlaments die Geschäste führen wird. Inukais Beisetzung. London, 19. Mai. Die Beisetzung des ermordeten Ministerpräsidenten Inukai fand unter ungeheurer Anteilnahme der Bevölkerung statt. Zu den Feierlichkeiten hatten der Kaiser und die Kaiserin Vertreter entsandt. Ferner waren die Parteiführer, die hohen Würdenträger und das Diplomatische Korps zugegen. Im ganzen Lande war halb- mast geflaggt. Dreißig Mark kostet eine Besch'mpsung hindenburgs. Der ehemalige SA.-Führer Rudolph aus Ragis-Breitingeu beschimpfte während des Hindenburg-Wahlkanipfes den Reichspräsidenten als „Verbrecher". Gegen einen Strafbefehl in Höhe von 39 M. erhob er Einspruch. In der mündlichen Verhandlung vor oein Amtsgericht versuchte Rudolph zu leugnen: zwei Zeugen beeideten die Richtig- keit des Ausspruches. Trotzdem beließ es das Gericht bei der im Strafbefehl ausgeworfenen Strafe von 39 M.! Das älteste Mitglied des Reichstags nach dem Ableben van Prof. Dr. Kahl ist nunmehr der deutschnationale Abgeordnete Kammerherr von D l d c n b u r g- I a n u s ch a u, der im 77. Lebensjahr steht. Die Marschouer Todesurteile gegen zwei Polen wegen Spinnage für Rußland sind vollstreckt worden, ein drittes aus gleichem Grunde an einem Unteroffizier in Lublin. Oer Herr Archivdirektor. Ein Mann der Wissenschast! Kohlenhändler als Schwindler Mesenbetrügereien entdeckt— Zentesimalwaage in der Küche Im Verlage von Reimar Hobbing ist ein zweibändiges Wert mit dem Titel„R u h r k a m p f, Einbruch und Abwehr im rheinisch- westsälischcn Industriegebiet" erschienen. V e r sa s s e r ist der Di» rektor des städtischen Archivs in Dusseldorf, Dr. Paul Wentzke. Auf Seite 62 des 2. Bandes schreibt dieser Wentzke, dem Ge- nassen Dr. B r e i t s ch e i d habe die einmütige Erhebung im Ruhrrevier in offener Reichstagssitzung auf Grund einer französischen Zwecknieldung als eine künstlich aufgezogene Mache gegolten. In den Anmerkungen wird als Quelle für diese Behauptung der stenographische Bericht der Sitzung des Reichstags vom 26. Januar 1923 bezeichnet Nimmt man diesen Bericht zur Hand, so überzeugt man sich davon, daß der von Herrn Wentzke niedergeschriebene Satz glatt erfunden ist, und daß Breitscheid in seiner Rede in Wirtlichkeit gesagt hat, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands lasse sich in der Zurückweisung des französischen Rechtsbruchs an Entschiedenheit von niemandem übertreffen, die deutschen Arbeiter ständen im Ruhrkamps in der vorder st er Linie für den Bestand des Deutschen Reiches. Genosse Breitscheid wollte sich diese Verleumdung durch Herrn Wentzke nicht gefallen lassen und beantragte durch seinen Anwalt, Genossen Landsberg, bei dem Landgericht Berlin II dem Verlage Reimar Hobbing durch ein st weilige Verfügung die Ber- breitung des 2. Bandes des Buches„Ruhrkampf" mit der jetzigen Seite 62 zu verbieten. Der Verlag Reimar Hobbing suchte die Sache auf die lange Bank zu schieben, indem er durch seinen An- walt, Rechtsanwalt Dr. Herbert Simon, Terminsvertagung for- dern ließ mit der Begründung, daß Herr Dr. Wentzke sich auf einer Auslandsreise befinde und daher für ihn nicht er- reichbar sei. Nebenbei bemerkt hält die angebliche Auslandsreise Herrn Dr. Wentzke nicht ab, die„Deutsche Zeitung" mit Artikeln zu be- dienen. Der Anwalt Breitscheids widersprach der Ver- t a g u n g, die denn das Gericht auch ablehnte. Darauf er- klärte der Anwalt des Verlages, daß er nicht verhandle, und es erging nunmehr ein Versäumnisurteil nach dem An- trage Breitscheids. Dieses Urteil ist rechtskräftig ge- worden, da der Verlag Reimar Hobbing Einspruch nicht ein- gelegt hat. Es steht hiernach fest, daß der Archivdirektor Dr. Wentzke sich in einem angeblich wissenschaftlichen Werk einer F ä l- s ch u n g schuldig gemacht hat. Man wird sich den Nomen des Herrn Wentzke merken müssen, da er nach dieser Leistung A n- «artschaft aus einen Führerposten in der deutschnatio- nalen oder der nationalsozialistischen Partei hat. Oie Beamten wehren sich. Gegen weitere Abzüge und Belastungen. Der Deutsche Beamtenbund hat am Mittwoch an Reichskanzler Dr. Brüning folgendes Telegramm gerichtet: Trotz den wieder- holt und in klarster Form abgegebenen Zusicherungen des Herrn Reichskanzlers und des Herrn Reichsfinanzministers, daß keine weitere Gehaltsfenkung beabsichtigt sei, erörtert, wie ver- lautet, das Reichskabinett wieder Vorschläge, die eine neue w i r t- schoftliche Belastung der Beamten bezwecken. Gegen jede weitere Belastung der Beamten müssen wir mit größtem Nach- druck Einspruch erheben. Eine solche Maßnahme würde schwerste Erschütterungen und Zusammenbrüche zur Folge haben. Wir weisen den Herrn Reichskanzler und die Reichsregierung auf die schweren Folgen hin, die neue Belastungen in dieser Hinsicht bringen würden. Die Vergangenheit hat gezeigt, daß der allgemeinen Notlage durch immer neue wirtschaftliche Belastungen auf der Grund- läge eines schematischen Abstrichs nicht gesteuert werden kann. Eine weitere Belastung dieser Art würde die schon jetzt überaus ge- schwächte wirtschastliche Lage der Beamtenschaft noch weiter ver- schlechtern, ohne daß dadurch eine Besserung der Gesamtlage eintreten würde. Wir warnen daher dringend, den verhängnisvollen Weg einer nochmaligen wirtschaftlichen Belastung der Beamtenschaft zu beschreiten. Der Herr R e i ch s f i n a n z m i n i st e r hat am 6. März er- klärt, daß es vollendeter Wahnsinn wäre, wenn man das bequeme Mittel weiterer Lohn- und Gehaltskürzungen an- wenden würde. Der Punkt, so hat der Herr Reichsfinanzminister weiter ausgeführt, über den nicht hinausgegangen werden könne, sei erreicht. Jede Aktion dieser Art sei unmöglich. Wir sind der Auffassung, daß diese Feststellungen für jede Art neuer wirtschaftlicher Belastung gelten müsse. Deshalb fordern wir, daß auf alle Fälle von einer solchen Belastung der Beamten abge- sehen wird. Kohls Befinden gebesseri. Keine akute Lebensgefahr.— Sklarek-prozeß geht weiter. Das Befinden des Bürgermeisters Kohl aus Köpenick, gegen den das Verfahren im Sklarek-Prozeß am Mittwoch bekannt- lich wegen einer Schlafmittelvergiftung und des dadurch hervor- gerufenen besorgniserregenden Zustandes abgetrennt worden ist, hat sich nach Ansicht der behandelnden Aerzte des Moabiter Kranken- Hauses erfreulicherweise gebessert. Die Wirkungen des Giftes haben inzwischen nachgelassen, so daß nach Ansicht der Aerzte keine akute Gefahr mehr für das Leben des Patienten besteht. Der Gerichtsarzt Medizinalrat Stürmer, dem vom Vorsitzen- den des Sklarek-Prozesses aufgegeben worden war, sich um Kohl gleichfalls zu kümmern, hat ihn im Laufe des Vormittags im Moabiter Krankenhaus aufgesucht und mit den behandelnden Aerzten Beratungen gepflogen. Welches Medikament Kohl eingenommen hat, ist auch heute vormittag noch nicht restlos aufgeklärt, da das Ergebnis der chemischen Analyse noch nicht vorliegt, sondern erst nachmittags zu erwarten ist. Für den Fall, daß sich das Befinden Kohls bis zum morgigen Freitag wieder derartig bessert, daß er vor Gericht erscheinen kann, besteht prozessual die Möglichkeit, daß das abgetrennte Verfahren wiederum verbunden wird. Wieder exotischer Fürstenbesuch in Verlin. Mit einer Maschine der holländischen Luftverkehrsgesellschaft wird am morgigen Freitag, mittags um 13 Uhr, von Amsterdam lammend, Prinz F e is a l von Hedschas, der zweite Sohn des regierenden Königs von Hedschas, in Berlin«intresjen. Prinz Feisal befindet sich aus einer Rundreise durch Europa und wird voraus- sichtlich zwei Tage in Berlin bleiben. Geplant ist vorläufig ein Empfang durch den Reichskanzler sowie eine Reihe sonstiger offizieller Veranstaltungen zu Ehren des Gastes, der auch bereits auf dem Tempelhofer Feld durch die Vertreter der Behörden begrüßt werden wird. Er wird als Gast der Reichsregierung im Hotel Adlon wohnen. Einem umfangreichen Schwindel mit betrügerischen Kohlenlieferungen ist die Brennstosf-Uebecwachungsstelle auf die Spur gekommen. Die Ermittlungen, die geraume Zeit an- dauerten, führten gestern zur Jestnahme eines Moabiler Kohlen- Händlers und des Berliner Geschästsleiters einer Elberfelder Glanzstoff-Aabrik. Der Betrug geht in die lausende. Der Ge- schäftsleiter begünstigte das Treiben des Händlers und wurde mit ihm zusammen heute vormittag dem Untersuchungsrichter wegen schweren Betruges vorgeführt. Oie Untersuchung wird noch ausgedehnt werden. Seit einer Reihe von Jahren wurde die Berliner Niederlage der auswärtigen Firma von dem Moabiter Händler mit Brenn- stoffen beliefert. Schon einmal war der Verdacht aufgetaucht, daß mit den Lieferungen Betrügereien verübt wurden. Als die Beamten der Ueberwachungsstelle damals den Berliner Geschäftsführer auf- suchten, um ihn über die Betrügereien zu informieren, lehnte dieser eine Verfolgung ab. Die Beamten schöpften jetzt erneut Verdacht Reichswehrsoldaten verunglückt. Autodroschke rast gegen einen Vaum. In ver vergangenen Nacht ereignete sich auf der Charlotten- burger Chaussee, unweit der Rennbahn Ruhleben, ein schweres Autounglück, bei dem drei Personen, darunter zwei Reichs- wehrsoldaten, verletzt wurden. Kurz vor der Einfahrt der Rennbahn platzt« ein Reifen des Autos. Der Führer verlor dadurch die Gewalt über die Steuerung und fuhr mit großer Wucht gegen einen Baum. Das Auto wurde völlig zertrümmert. Der Chausfeur, ein 42 Jahre alter Friedrich Hanke aus der Sophie-Charlotte-Straße trug schwere Verletzungen davon: er wurde ins Spandauer Krankenhaus gebracht. Die In- sassen� die beiden Obergesreiten Wolter und Israel der 9. Kom- pagnie des Reichswehrinsanterieregiments 9 aus R u h l e b e n, wurden zunächst zu ihrem Truppenteil und später in das Tempel- hofer Garnisonlazarett überführt. Todesstrafe für Kindesentführung beantragt. Washington, 19. Mai. Der aus Anlaß der L i n d b e r g h- A s f ä r e ins Leben gerufene Unterausschuß des Repräsentantenhauses hat einen Gesetz- entwurs ausgearbeitet, der für Verbrechen der Entführung von i Menschen aus einem Staatsgebiet ins andere die Todesstrafe! für zulässig erklärt. Es gilt als sicher, daß dieser Gesetzentwurf an- i genommen wird. und stellten insgeheim Beobachtungen und Ermittlungen an. Diese führten gestern zu einer überraschenden Durchsuchung der Wohnung des Händlers. Die Kriminalpolizei war verständigt worden und Be- amte der Dienststelle IV fanden im Keller des Hauses des Händlers einen Wiegebalken mit Druckoorrichtung, der zu einer Zentesimal- waage gehört. Außerdem entdeckte man einen großen Posten L l a n k o w i e g e k a r t e n, die zu der öffentlichen Waage auf dem Moabiter Güterbahnhof gehörten. Der Balken wiegt zwei Zentner. Wenn der Händler nun neue Lieferungen zu erledigen hatte, schleppte er die gesamte Waage in die K ü ch e und bediente sie voll- kommen willkürlich, indem er dabei die amtlichen Wiegekarten fäschte. Als der Mann verhaftet wurde, gab er auch zu, feit drei Jahren höhere Gewichte angegeben und auch statt teuren westfälischen, bil- ligen Gaskoks geliefert zu haben. Er gab weiterhin zu, daß der Ge- schäftsleiter der Firma in Berlin jeweils 19 Prozent von dem Ge- winn abbekommen hätte. Der Leiter ist daraufhin ebenfalls ver- haftet worden. Erwerbslosenkarten zur(Zommerschau' An sachlich interessierte Arbeitslose und Wohlfahrtsunterstützte(in-- besondere arbeitslose Siedler, Kleingärtner u. a. m.) werden bei ihren zuständigen Arbeits- und Wohlfahrtsämtern Ausweise aus- gegeben, die den Inhaber und auf Wunsch auch seine Ehefrau zum einmaligen kostenfreien Besuch der Berlinner Sommerschau„Sonne, Luft und Haus sür Alle!" berechtigen. Der Besuch der Ausstellung auf diese Wohlfahrtskarten ist ohne Einschränkung während der ganzen Dauer, das heißt vom Tage der Ausgabe bis zum 7. August, auch Sonntags, möglich. Da die Ausgabe dieser Ausweise aus- schließlich an eingetragene Erwerbslose bzw. Wohlfahrtsunterstützte durch ihre zuständigen Arbeits- und Wohlfahrtsämter erfolgt, können direkte Anforderungen an den Kassen der Berliner Sommerschau nicht berücksichtigt werden. Die Karten gelangen bei den Arbeits- ämtern ab Freitag, den 27. Mai, und bei den Wohlfahrtsämtern ab Ende dieses Monats zur Ausgabe. „Do X" auf dem Heimflug. Das deutsche Zlugschiss„Do X" ist heute vormittag um 10 Ith: WEZ vom Long-3sland-Sund nach St. Zahns(Neufundland) ge- startet. An Bord befinden sich 13 Wann Besatzung, sowie die be- kannte Fliegerin Antonie SIraßmann. In St. Iohns soll ein mehr- stündiger Aufenthalt genommen werden, um ZS 000 Liter Brennstoff aufzufüllen. Das Gesamtgewicht des Zlugschifses auf dem Fluge nach Europa beträgt etwa S4 Tonnen. Prozeß eines Landgerichtspräfi'dent E Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte begann heute morgen unter dem Vorsitz des Amtsgerichtsrats U n g e r der Beleidigungs- Prozeß gegen den Redakteur des„8-Uhr-Abendblatts" Hirsch. Dieser ist wegen„übler Nachrede" in bezug aus den Landgerichts- Präsidenten S ö l l i n g angeklagt. In einem Artikel vom 29. Ok- tober vorigen Jahres hat das„8-Uhr-Abendblatt" dem Landgerichts- Präsidenten vorgeworfen, daß er seine Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie zum Sprungbrett für seine richter- liche Karriere benutzt habe. Sein Hinüberwechseln zur deutschnatio- nalen Partei sei nicht einer inneren Ueberzeugung entsprungen. Ferner wurde behauptet, daß Sölling im Sportpalast während einer Nazioersammlung mit aufgekrempelten Aermeln dagesessen und„Heil Hitler" gerufen habe. Amtsgerichtsrat U n g e r regt einen Vergleich an. obgleich be- reits vorhergegangene Vergleichsoerhandlungen gescheitert sind. Rechtsanwalt Bloch erklärt, daß solche Verhandlungen gänzlich aus- geschlossen erscheinen. Es wird daher in die Verhandlung eingetreten. Aber sofort stellt Bloch den Antrag auf Aussetzung der Verhandlung. Der Angeklagte habe trotz der ihm gewährten Verlängerungsfrist unmittelbar vor Pfingsten einen Schriftsatz eingereicht, durch den er die Ladung einer großen Anzahl von Zeugen beantragt habe. Diese Zeugen sind heute erschienen. Der Nebenkläger habe das Recht, über die Zeugen die nötigen Erkundigungen ein- zuziehen. Außerdem sehe sich der Nebenkläger genötigt, eine An- zahl Beweisanträge zu stellen. So beantrage er die Ladung des preußischen Justizministers Schmidt zum Beweise da- für, daß die Zugehörigkeit zu einer Regierungspartei sür die Richter- karriere ausschlaggebend sei. Ferner beantrage er die Ladung von drei Zeugen über die Vorgänge im Sportpalast. Rechtsanwalt Dr. Klee widerspricht nicht dem Dertagungs- antrag, Für den Fall, daß diesem stattgegeben werden sollte, bittet er um die Ladung des Amtsgerichtsrats Hügginshaus, des Beisitzers vom Sklarek-Prozeß. Dieser Zeuge würde bekunden, daß die Frau des Landgerichlspräsidenlen Sölling eines Tages beim Amtsgerichlsral Hügginshaus angerufen und dessen Frau gesagt habe, sie solle ihrem Mann den Vorschlag machen, der deutschnationalen Partei beizutreten. Amtsgerichlsral hügging- Haus habe darauf an den Landgerichtspräsidenlen Sölling ein Schreiben gerichtet, in dem er zum Ausdruck brachte, daß seine Frau wohl das Opfer einer Mystifikation geworden sei. Der Brief sei unbeantwortet geblieben. Gelegentlich einer Inspektion des Sklarek-Prozesses habe aber Land- gerichtspräsident Sölling zu Herrn Hügginshaus ge- sagt, die Sache sei eine Angelegenheit seiner Frau, ihn gingen diese Dinge nichts an. Ferner beantragte Rechtsanwalt Klee die Ladung des Rechtsanwalts Dr. F r i e d m a n n, der be- künden würde, daß der Onkel des Landgerichtspräsidenten Sölling gegen dessen Uebergang vom Judentum zum Christen- tum gewesen sei. Der Nebenkläger habe aber den Tod des Erb- onkels abgewartet und sei erst nach Sicherstellung der Erbschaft zum Christentum übergetreten. Landgerichtspräsident Sölling erklärt zu diesen Anträgen, daß er weder dienstlich noch außerdienstlich den Versuch gemacht habe, den Amtsgerichtsrat Hügginshaus zu beeinflussen. Ihm stehe auch gar keine Dienstaufsicht über diesen zu. Der Amtsgerichtsrat unterstehe dem Amtsgerichtspräsidentsn und in weiterer Instanz dem Kammergerichtspräsidenten. Was den Anruf seiner Frau be- treffe, so sei es in der heutigen Zeit eben so, daß die Frauen ganz Ueberläufers oelling fühlt sich beleidigt selbständig handeln. Die Behauptung, daß er den Tod seines Onkels abgewartet habe, um zum Christentum überzutreten, sei vollkommen irrig. Sein Onkel sei erst im Jahre 1929 gestorben: sei» Uebertritt zum Christentum habe bereits vor zwanzig Iahren stattgefunden. Im übrigen ersuche auch er um Vertagung der Verhandlung. Der Staatsanwalt stimmt diesem Antrage zu, bittet aber zu überlegen, ob man nicht doch in die Beweisaufnahme eintreten soll, um auf diese Weite festzustellen, in welchem Maßstabe über- Haupt eine Beweisaufnahme erforderlich sei. Der Gesinnungs- Wechsel sei ein innerer Vorgang, er könne nur durch die Aussage des Nebenklägers selbst geklärt werden. Das Gericht beschließt, in die Verhandlung einzu- treten und erst nach dem Verlaus der Beweisaufnahme zu den Anträgen der Parteien Stellung zu nehmen. Sölling, der vom Kammergerichtspräsidenten die Aussage- genehmigung erhalten hat, äußert sich als Zeuge zu dem be- anstandeten Artikel. Zur Frage seines Glaubenswechsels sagt er, daß dieser aus freien religiösen Motiven beruhe. Er sei im Jahre 1996 aus dem Judentum ausgetreten und im Jahre 1998 zum Christentum übergetreten. Er habe als Student die Vor- lefungen des Prof. Harnack gehört, habe nahe Beziehungen zu dem Kreis des Pfarrers Naumann unterhalten und habe bei seinem Glaubenswechsel während seiner Referendarzeit sich in keiner Weise von irgend welchen Vorteilsgedanken leiten lassen. Seinen Namenswechsel von Seligsohn auf Sölling, der ihm vom König von Preußen genehmigt worden sei, habe er aus Deutschtumsgründen(!) vollzogen. Vollkommen un- richtig sei es, zu behaupten, er habe seinen Eintritt in die Sozial- demokratische Partei aus Spekulationsgründen begangen. Er sei der Partei im Jahre 1918 beigetreten, also noch vor der Revolution. Er habe geglaubt, daß die Politik der Sozial- demokratie für das deutsche Volk heilsam sein würde. Für den Bruch mit der Partei seien persönliche Erlebnisse ausschlaggebend geworden. Erstens der Fall Grützner, zweitens der Vorfall Ende 1939 mit dem Richter Lau in Glogau. Er sollte in einer Urteilsbegründung gesagt haben, daß diese Republik auf Hochverrat und Meineid gegründet sei. In Wirklich- keit habe er aber das von der Revolution gesagt. Er, der Zeuge, sei vom Vorsitzenden des Republikanischen Richterbundes auf- gefordert worden, eine Erklärung gegen Lau mit zu unter- zeichnen. Er habe sich geweigert, das zu tun. Das Gespräch mit Kroner habe ihn überzeugt, daß die Sozialdemokratische Partei eine Personalpolitik treiben wolle, die nicht auf sachlichen Gründen beruhe. Bei Ernennung zum Landgerichtspräsidenten habe ihm der Iustizminister Schmidt den Posten des Vorsitzenden im Disziplinarhof im Nebenamt versprochen. Die Sozialdemo- traten im Justizministerium seien es gewesen, die ihm diesen Posten aus der Hand geschlagen hätten. Das sei für ihn ein furchtbarer Schlag gewesen. Er habe sich in allen seinen Hoffnungen betrogen gesehen. Ueber die Teilnahme an der nationalsozialistischen Sportpalastkundgebung sagt der Zeuge, daß er teils in Ausübung seines staatsbürgerlichen Rechts, teils auf Befehl seiner vorgesetzten Behörde an derselben teilgenommen habe. Er habe sich in der Versammlung sehr reserviert verhalten, an den Rufen habe er sich nicht beteiligt: richtig sei es, daß er bei den Rufen„Heil Hitler!" ein wenig seinen Arm erhoben habe. Zum Fall Hügginshaus erklärt er noch einmal, daß er mit der ganzen Sache nichts zu tun habe. Das Gericht tritt in die Beweisaufnahme ein. Tag der Lehrergewerkschast. Die Kundgebung am Mittwoch. Stimmen suchen Der Tonfilm durchbrach den internationalen Wirkungsbereich 'der stummen Bilder. Nicht nur die Technik komplizierte sich, sondern auch oie Absatzmöglichkeit. Und darüber hinaus wurde der Austausch kultureller und zivilisatorischer Einsichten zwischen den Völkern lahmgelegt. Aber die Techniker, diese Teufelskerle, halfen sich auch hier, der Gefahr der Fremdsprachigkeit zu entgehen. Sie unterlegten etwa den ursprünglich englischen Worten der Darsteller deutsche, wobei nicht nur auf den Sinn des Gesagten, sondern auch auf die Stellung des Mundes Rücksicht zu nehmen war. Anfangs machte das Schwierigkeiten: zu sehr spürbar blieb der Kontrast zwischen der Ursassung und den aufgepfropften Worten. Neuerdings aber werden diese Nachsynchronisierungen immer vollendeter und häufi' ger: oie Ergebnisse der Arbeit mit dem Topolysystem oder der Rhythmographie, um die bewährtesten deutschen Systeme zu nennen, erwiesen sich als erstaunlich gut gelungen. Die Amerikaner, großzügig wie immer in derartigen Dingen, schufen aus diesen Möglichkeiten ein System. Sie wollen ihre Pro- duktion verbilligen, nicht mehrere Fassungen drehen, sondern nach der Ursprungsoersion jeweils fremdsprachig nachsynchronisieren. Sie sahen ein, daß die Versionenarbeit große künstlerische Gefahren bot, daß die Grenzen der Jnternationalität in Filmfragen nicht allein mit der Uebernahme jeweils landeskundiger Darsteller zu beheben seien. Es wird eine Originalfassung hergestellt und die kann man dann nach Wunsch und Stoffgebiet anderssprachig nachsynchrom- sieren. Di« Metro-Goldwyn-Mayer hat nun in Deutschland Stimmen für ihre Stars gesucht und gesunden. Sie kam dazu durch Preisausschreiben und durch Suche ihrer Beauftragten an deut- schen Theatern in Berlin und im Reich. Sie fahndete nicht nur nach an sich guten Stimmen: Voraussetzung war zunächst groß- möglichste Aehnlichkeit mit der Stimme des zu„dubbenden" Star» und, darüber hinaus, sogar ein« Typähnlichkeit im ganzen. Man sieht: stehen erst einmal die technischen Grundlagen fest, so bemüht man sich um das Psychologische. So mag es d«nn komm«n, daß ihre Bescher... das Stimmdouble eines Stars sozusagen sein anderes Ich wird, das man Tausende von Kilometern entfernt von ihm irgendwo fand, und das sich nun aufmacht zur Fahrt über den Ozean. Welch merkwürdiges, gespenstisches Gefühl für den Star, wenn er sich dann im nachsynchronisierten Tonbildstreifen wieder sieht und auch hört, im Bewußtsein, gar nicht selbst diese fremden Worte ge- sprachen zu haben. Man hat also unter anderen eine Garbo-Stimme engagiert, wobei es natürlich sehr schwer hielt, den merkwürdigen Kontrast zwischen klaren Gesichtszügen und tief-brllchiger Stimme einiger- maßen vereint zu finden. Eine junge Schauspielerin, ganz un- bekannt bisher, übernimmt die Aufgabe, Greta Garbo in Deutsch zu doubeln. Joan Crawforo und Normo Shearer sind gleichfalls vertreten mit ähnlichen Stimmen und Typen. Marie Dreßler wird ein sehr ähnliches Double bekommen: John Barrymore desgleichen: sogar für den kleinen David Cooper, d«r jetzt drüben bald ebenso populär ist, wie es Jackie Coogan war, fand man einen reizenden elfjährigen Jungen, der mit seiner Mutter nach Amerika r«isen wird und sich natürlich riesig Saraus freut. Für jeden Film, dem «r seine Sprache leiht, erhält er 1000 Dollars: seine Mutter b«- kommt die Aufenthaltsspesen ersetzt. Uebrigens: sehr viel verdienen die Doubles nicht. Die Zeit der Phantasiegagen ist auch für USA. vorbei. Das Wochengehalt schwankt zwischen 11Z und 150 Dollar: davon kann man natürlich bei bescheidenem Leben drüben etwas sparen, aber Reichtümer sind kaum zu gewinnen. Es sei denn, daß eines der Doubles aus seiner Anonymität heraustritt und selbst vor die Bildkamera treten darf. Und damit rechnen sie wohl insgeheim alle, wenn sie jetzt für zwei Jahre Deutschland verlassen. In diesen Tagen reisen die Stimm«,, ab, zu ihren„Besitzern". Unheimliche Techniki Es ist wie im Märchen, da ein Zauberer Schlafenden die Gehirne vertauscht. Vor ein paar hundert Jahren wären solche„Hexenkünste" mit Teufelsaustreidung auf dem Scheiterhaufen geahndet worden. Küirt London. Mittwochabend wurde im Gewerkschaftshaus am Engeluser der diesjährige Verbanüstag der Allgemeinen Freien Lehrer- gewerkschaft mit einer eindrucksvollen Kundgebung er- öffnet. In der jetzigen Situation des Kampfes soll die Arbeit des Verbandstages unmittelbar dem Kampf dienen, dem Kampf des freigewerkschaftlichen Arbeitnehmers sowie dem des sozialistischen Kulturpolitikers. S ch a l l o ck, M. d. L., sprach in seiner Begrüßung von den spezifischen Spannungen unserer Wirtschafts- und Kulturlage. Er gab ein klares Bild der Kampfverbundenheiten und Ziele, für die die Allgemeine Freie Lehrergewertschaft eintritt, die in besonderer Weise in Thüringen und Braunschweig im Vordergrund der Kämpfe gegen den Faschismus steht. Er rief zum Kamps gegen Drückebergerei, für tatbereiten Sozialismus. Eine ansehnliche Zahl von Vertretern befreundeter Verbände und Behörden war erschienen. Der Internationale Gewerkschafts- bund, ADGB., AfA-Bund hatten Begrüßungsschreiben gesandt, Sonnenfyfiem als ITlodell Der amerikanische P rivatgelehrte Jordan Peeler hat ein un- gewöhnliches Modell des Sonnensystems geschaffen, an dem sich alle Bewegungen der Sonne und der verschiedenen Planeten augenfällig demonstrieren lassen. ebenso der Parteivorstand der SPD. Ein besonders herzlich ge- haltenes Begrüßungsschreiben des an Zahl und Bedeutung außer- ordentlich wachsend«n Berufssekretariats der Lehrer im JGB. wurde unter großem Beifall verlesen. Für den ADB. und die angeschlossenen Verbände begrüßte Genosse Kunze vom Bundesvorstand in der AFLD. alte Mit- kämpfer für die gemeinsame Sache der freigewerkschaftlichen Be- amtenbewegung. Der ADB. habe stets die frei« Lehrerorganisation in ihrem Vorwärtsdrängen unterstützt. Kunze betonte vor allem die Notwendigkeit einer freigewerkschaftlichen Abwehrsront gegen den Nationalsozialismus. Mathilde Wurm vertrat den Bezirksvorstand der SPD. Gegen den Ungeist des bankrotten Bürgertums, der sich in der Hitler- bewegung aufdringlich genug austobt, appellierte sie an den Geist der schließlich der Si«ger für alle Zukunft bleiben muß und wird. Polizeischulrat B o s e wies darauf hin, daß der Berliner Polizei- Präsident gemaßregelte Freigewerkschafter aus Braunschweig und Thüringen«ingestellt habe. Er rühmte die Arbeit der fortschritt- lichen Lehrerjugend. Für den Deutschen Freidenker- Verband nahm Graul die Gelegenheit, um Zeugnis abzulegen für die geistige Waffengemeinschaft des Deutschen Freidenker- Verbandes und der AFLD. S ch a l l o ck konnte in seinem Schlußwort darauf hinweisen, daß die der Lehrergewerkschaft entgegengebrachte Begrüßung nicht nur theoretisch zu werten sei. Die meisten Kampfverbindungen sind in praktischer Solidarität erprobt. Die Allgemeine Freie Lehrergewerkschaft bleibt nicht neutral. Sie kämpft in einheitlicher Verbundenheit mit der gesamten freigewerkschaftlichen Arbeitnehmer- schaft und der Partei für die Wirtschafts- und Kulturziele des Sozialismus.___ Räuberbande geschnappt. Aufklärung der lleberfälle in Zepernick und Lichtenberg. Mit der Ausklärung des Raubüberfalles in Zepernick, worüber der„Dorwärls" berichtete, ist die Berliner Kriminalpolizei gleichzeitig auch den Banditen aus die Spur gekommen, die am 2. Mai in der Schesselslrahe in Lichtenberg mit einem Auto vorführen und mit vorgehaltener Pistole mehrere tausend Mark Mielegelder erbeuteten. In beiden Fällen handelt es sich um dieselben Täter, die in einem gestohlenen Auto, dessen Erkenmingsi, ummer sie mehrmals änderten, die Raubüberfälle ausübten. Zwei an den Räubereien Mitbeteiligte, der Händler W a c z e k und seine Freundin Erna Müller, sitzen bereits hinter Schloß und Riegel. Sie sind in der Hauptsache offenbar als die„Tip gebe r" anzusehen. Die Haupttäter dagegen, vier Männer im Alter von 20 bis 33 Jahren, sind seit dem legten Ueberfall aus Berlin verschwunden. Sie halten sich vermutlich unter falschen, Namen in der Provinz verborgen. Hinter den Flüchtigen sind Steckbriefe erlassen worden. Einer der Gesuchten ist ein Schlächter Karl Maßner. der bereits vor- bestraft ist, und ein zweiter ist öer 33 Jahre alte Händler �rig Hoffmann, der ebenfalls schon eine langjälzrige Zuchthausstrafe Himer sich hat. Es ist damit zu rechnen, daß die Verhaftung der Kanditen schon in den nächsten Tagen gelingt. „Zigeunerliebe" im Rose-Theater. Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus und die Garten- bühnen beginnen ihre Tätigkeit: Nach der„Neuen Welt" nun auch das„Rose-Theater", nachdem„Zigeunerbaron" Lehars„Zigeuner- liebe", hier wie dort große Operetten der guten alten Zeit mit viel Musik(die heutigen kommen mit recht viel weniger aus), mit großen Gesangspartien, kunstvollen Ensembles, Chören und Finali: hier wie dort— das ist in unseren Tagen besonders wichtig und immer wieder zu betonen— bekommt man für wenig Geld sehr preis- werte, überdurchschnittlich gute Aufführungen zu sehen. Kapellmeister Max Schmidt betreute alles Musikalische aufs beste, Hans Rose arbeitete das Szenische der„Zigeunerliebe"— in einer durch das Aufführungsmilieu bestimmten, sehr kompakten Form allerdings— vortrefflich heraus. Unter den Solisten waren einige nach Berlin frisch Importiert« zu hören: so der Tenor Mario L e r ch(Jogsi), der über ein schönes Material verfügt, auch gut aussieht, nur noch viel zu lernen hat— nicht zuletzt was die Aus- spräche anlangt— um seinen Weg zu machen. Auch Lotte Schür- h o f s(Jolan) ist ein Gewinn: sie hat eine hübsche klare Stimm«, spielt reizend und ist überaus sympathisch. Was man von Alice Bindernagel(Ilona) durchaus nicht behaupten kann: sie tre- moliert und schreit, hat ihre Stimme nicht in der Gewalt, singt falsch und übertrieben und spielt auch so übertrieben und unecht.— Von den übrigen Darstellern seien noch Bert Elken erwähnt(ein ausgezeichneter Jonel). Elfe Stutz(eine recht mäßige Zorika) und Karl G r o t h als Mihaly ein wenig albern und alles andere nur kein ungarischer Wirt, was er doch hätte sein müssen. Hans und Willi Rose, sowie Hilde Hofer boten gut« Leistungen: der Chor war ausgezeichnet geprobt, klar und sauber. Im Final« des zweiten Aktes war ein Ballett eingelegt, das von Senin Glazeroff geleitet und dirigiert, von der Glazeroff- Gruppe ausgeführt wurde(Choreographie: N. Rofchin): ein fabel- Haftes Ballett, temperamenwoller, akrobatischer, feuriger als alle Ballette, die man im Laufe der Saison über sich ergehen lassen mußte. Von dem ekstattschen Dirigenten, von dem tobenden Orchester gehetzt, aufgepeitscht und hingerissen wurden Tänzer und Tänze- rinnen zu wirbelnden Kreiseln, sich drehenden Rädern, zu flimmern- den bunten Flächen, zu dem reizvollsten Durcheinander von Bewe- gungen, Farben. Figuren— ästhetisch wie artistisch eine ganz seltene tänzerische Freude. W. Tänzerische Zukunft. Eine Schülerin der Trümpy'Schule. Eine junge Tänzerin der Trümpy-Schule, Afrika Döring, stellte sich als Solistin vor. Man täte der Künstlerin unrecht, wollte man sagen, daß dieser Abend bereits eine Erfüllung gewesen sei. Er war mehr, war Verheißung eines Wachstums, das in seinen Anfängen steht und nach unendlicher Entfaltung drängt. Wo die Begrenzung dieser Entwicklung liegt, läßt sich noch nicht übersehen. Was man sah, war tänzerischer Ausdruck eines Menschen, der trotz seiner Jugend bereits eine Persönlichkeit ist und aus starkem Eigenerleben heraus fein« Kunst gestaltet. Auch in Tänzen voll heiterer Verfpieltheit fehlte jede gekünstelte, erlebnisleere Spielerei: die kleinste Geste war durchströmt von blutvoller Lebenswärme. Der Elan der jungen Künstlerin verhindert vorläufig noch den künstlerischen Ausbau der Motivverbinöungen, die fast stets von temperamententladenden Gesten gesormt, selten in einem spannung- sammelnden sich in sich selber Zurücknehmen vergeistigt werden. Was sie tanzte, war kraftvolle, klare Jugend. In Darbietungen wie der„Melodie" oder„Vom Klaivg getragen" kommen ihre tänzerischen Formen zu einer Linienführung, die gotisch wirkt, nicht durch äußere Stilnachahmung, sondern als Ausfluh tiefsten, frommen Kunsterlebens. Wenn man Afrika Döring in solchen Tänzen sieht, muß man glauben, daß sie ganz zu stiller, strenger Kunst hinstrebt. Aber dann erlebt man erstaunt, daß übermütige Heiterkeit, weit- schwingendes, leichtes Spiel im Raum, mit dem Raum ihr ebenso natürlich ist, ja, daß sie sich, in der„Monotonie", sogar zu einer erregend dramatischen Auseinandersetzung mit ihm steigern kann. Die„Monotonie", zwar nicht das geschlossenste Kunstwerk dieses Abends, war das stärkste Versprechen der jungen Tänzerin auf geistige Entfaltung. Der Abend brachte nicht nur Afrika Döring lebhaste Anerkennung, sondern auch ihrer feinfühligen musikalischen Begleiterin Ada Heynssen, die auch Komponistin einiger Tänze war. — le. Das größte Film- und Varietetheater der well, der Roxy- Palast in New Jork, ist unter Geschäftsaufsicht gestellt worden. „Krankenftein." Mozart-Saal. „Nur für N e r v e n st a r t c", lautet die warnende Ankündi- gung dieses Films. Ferner erscheint auf der Leinwand vor dem Film ein deutschsprechender Ansager, der Nervenschwache zum Ber- lassen des Theaters auffordert und dann etwas von Vermischung von Phantasie und Wirklichkeit erzählt. Leider gedeiht auf dieser Mischung nur der Kitsch. Und die Zuschauer, die in Erwartung einer schlaflosen Nacht in das Kino gegangen waren, entflohen ihm mit einem Kinnbackenkrampf vor Lachen über die alberne Art, wie die Amerikaner uns das Gruseln lehren wollen. Dem Drehbuch liegt eine Tiroler Sage zugrunde, die sich mit der Erschaffung des künstlichen Menschen beschäftigt. Um ihn zum Leben zu erwecken, stiehlt man ein Gehirn. Fatalerweise ist das gerade das kranke Hirn eines Mörders. Nun muß der künstliche Mensch morden. Er mordet den Gehilfen seines Herrn, er mordet ein Kind, er überfällt die Braut feines Herrn, er mordet, einen Arzt und er hätte auch seinen Herrn ermordet, wenn der Amerikaner nicht den guten Filinjchluß liebte. Der wirkt diesmal als besonders peinliches Versehen: denn es ist doch zu absonderlich, daß ein echter Mensch nach einer regelrechten Erwürgung und einem Absturz von einem Wind- mühlenflügel noch leben soll. Die deutschen Texte sind unglaublich naiv und gespielt w'rd Schmierentheater. Kulissen hat man wohl noch nie so lächerlich auf- gebaut gesehen wie in diesem Film. Man sieht ein paar verbeulte Papphaufen, die schroff«, unwegsame Berg« vorstellen sollen, die ausgerechnet im Rekordtempo a la Nurmi genommen werden. Geeignet hätte der Film sich vielleicht für ein Bordkino der Arche Noah. Für eine Uraufführung in Berlin im Jahre 1932 jedoch ist er, trotz seiner Rekordeinimhmen in Amerika, nicht am Platze. Zudem stellt er erneut unter Beweis, daß„D o s Kabinett des Dr. Caligari" bislang der größte Gruselfilm ist, der je geschaffen wurde. Selbst über Dreyers„Bampyr" wird man jetzt gelinder urteilen. c. b. Rekord-Geburtenrückgang in England. Nachdem soeben erst die Geburtsziffer in Deutschland während des vergangenen Jahres als die niedrigste festgestellt ist, die bisher zu verzeichne» war, meldet das englische statistifche Amt einen gleichen Rekord für England und Wales im letzten Vierteljahr von 1931. Die Zahl der registrierten Geburten belief sich auf 147 619, 7009 weniger als im letzten Viertel von 1930. Das entspräche einer jährlichen Geburtsziffer von 14,6 auf das 1000 der Bevölkerung, und das ist die niedrigste, die jemals in England feit der standesamtlichen Registrierung zu verzeichnen ist. Die Zahl der Todesfälle in demselben Zeitraum war mit 117 992 um 2257 größer als im letzten Viertel von 1930. Der Ueberfchuß der Geburten über die Todesfälle zeigt also eine sehr beträchtliche Abnahme. Während der Ueberfchuß 1928 noch 40 036, 1929 37 692, 1930 38 893 betrug, ist er 1931 nur 29 627. SOOahr-Feier der Dculfchen Botanischen Gesellschaft. Die Deutsche Botanische Gesellschaft beging am Mittwoch die Feier ihres 50jährigen Bestehens mit einer Festsitzung, an der Vertreter der Reichs-, Staats- und Stadtbehörden und vor allem viele Persönlich- feiten der Wissenschaft aus dem In- und Auslande teilnahmen. Die Deutsche Botanische Gesellschaft, die andere botanische Vereine in sich aufnahm, ist international führend. Ihre„Berichte" sind das hervorragendste Publikationsorgan dieser Wissenschaft. Der statt- liche Jubiläumsband, der jetzt erscheinen konnte, legt Zeugnis da- von ab. Rlox von Boehn, der durch weitverbreitete Werke bekannt gewordene� Kulturhiftoriker, Ist im 73. Lebensjahre in Berlin ge> starben. Sein Spezialgebiet war die Mode, aber auch Maua- graphien über einzelne Künstler und Reisebücher hat er versaßt. Seine bekanntesten Bücher sind die über Frankreich, England und Deutschland im 18. Jahrhundert. Ein Stadltheaker. das floriert. Das S t e t t i n e r Stadttheater ist nach den Beschlüssen der städtischen Körperschaften unter Erhal- tung aller Spielkategorien jOper, Operette, Schauspiel) auch für das nächste Spicljahr(12-Monatsvertrag, ganzjährige Spielzeit) ge- sichert. Das Theater wird uneingeschränkt unter Leitung von Hans Meißner fortgeführt. Berichtigung. Der Druckfehlerteufel hat in der Kritik über Pli- vier?„Haifische" hundstagsmäßig oerrückt gewütet. Nicht Prenß, sondern der vorzügliche Schauspieler Leo Reuß hat die schwierige Rolle des Niggers so malerisch vorzüglich gespielt. Dann kommt in der Kritik der Name Bendix vor, aber es handelt sich weder um den ernsten noch um den urkomischen Bendix. Der ganz und gar»er- hörte Satz lautet: Dann kujoniert, bändigt, betört und begaunert usw. usw. Renee Stobrawa ihr Mannsvolk. Vorträge, Professor Th. H a r t w i g- P r a g. Sekretär der Jnter- nationalen Freidenker-Union, spricht Freitag 8 Uhr über das Thema WissenschaftundPolitikfurden Deutschen Monistenbund und die Freireligiöse Gemeinde Kochstraße 13. Angriff auf die Sozialversicherung. Auch die christlichen Gewerkschaften warnen. In einer von B a l t r v s ch gezeichneten Erklärung im„Deut- schen" wird gesagt: „Es kann nicht eindringlich genug davor gewarnt werden, der gegenwärtigen Finanznot liei der Invalidenversicherung etwa durch einen Leistung sadbau begegnen zu wollen. Die durch- schiutlliche Invalidenrente beträgt etwa 36,83 Mark(für den ganzen Monat!), wird diese nun gekürzt, so müssen die Wohlfahrtsämter, d. h. die zum großen Teil verarmten Gemeinden, eingreifen." Für die U n f a l l v e r s i ch c r n n g wird die baldige Erwcite- rung der Selbstverwaltung durch Stärkung des Mitwirkungsrechts der Versicherten gefordert. In der A r b e i t s l o s e n v e r s i ch er u» g sind große Kreise junger und weiblicher Arbeitnehmer ausgefallen, da diirch die not- verordnete» Lohnkürzungen Wochenverdienste unter 1 l) M. wöchentlich zu verzeichnen sind, so daß die damit Bestrasteii als geringfügig Beschäftigte vcrsicherungsfrei sind. Dringend muß davor gewarnt werden, etwa generell die B e- d ü r f t i g k e i t s p r ü f u n g bei der Arbeitslosen v ersiche rung ein- zuführen, wie es vielfach verlangt wird: denn dann haben wir schließlich nur noch eine Armenversicherung, die die Armen, ohne einen Rechtsanspruch zu haben, selbst bezahlen müssen. „Die neuen Pläne einzelner Ministerien, die nicht zuständig sind(!), werden bei den Gewerkschaften auf schärfste Ablehnung stoßen. Es wird langsam Zeit, daß die R e gi e r u n g ihr Schweigen ausgibt und nicht mehr dementiert, sonder» sagt, was sie will!" Das ist deutlich und wird weder von dem Reichsarb eirsminister Stegerwald noch von dem Reichskanzler Brüning überhört werden dürst Oer Arbeiierrat bei Mlstein! Zu seiner Neuwahl. Ein unhaltbarer Zustand in der Interessenvertretung der Ullstein- Belegschaft soll verschwinden. Es kann und darf nie der Fall fein, daß eine freigewerkschaftlich so stark organisierte Belegschast in der Belriebsvcrtretung nur die Hälfte der Arbeiterratsmitgtisdcr stellt, ivährend die anderen Arbeiterratsmitglieder der RGO. angehören, die die Parolen der KPD. befolgen muß. Die letzten Ereignisse, hauptsächlich der verunglückte Hilfsarbeiter- streck, haben die Stellung der Parolenpalitiker erschüttert, und sie sahen sich gezwungen, ihre Aemter zur Verfügung zu stellen, in Ge- meinschast mit den sreigewerkschastlich organisierten Belegschasts- Vertretern. An den Ullstein-Arbeitern liegt es nun, ihre Betriebs- Vertretung so zu wählen, daß dem„System der rationalisieren>dcn jungen Leute" Arbeitervertreter entgegengestellt werden, die nicht parolenwütiges Geschrei tätigen, sondern mit den Kenntnissen der Produktion aus der Erfahrung heraus den rückschrittlichen Bestre- Hungen der Ullstein-Geschäftsleitung energisch entgegentreten. Die freigewerkschaftliche Vorschlagsliste beginnt mit dem Namen Willi Bit nn. Wetter sür Berlin: Weiterhin warm und noch vorwiegend heiter: schwache Lustbewegung.— Für Deutschland: Ueberall Fort- douer der sommerlich warmen Witterung. Im Nordwesten strich- weise Gewitter. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 19. Mai 1932 Berlin. 16.03 Los Angeles, die Stätte der kommenden X. Olympischen Spiele(W. Kleffei). 16.30 Klaviermusik. 16.30 Moderne Lieder. 17.10 Violinmusik. 17.30 Jugendstunde: Was verstehen wir unter Kulturrevolution?(Dr. M. Hoffmann.) 17.50 Amüsante Zeitungsnotizen(W. M. Citron). 18.10 Neben dem Recht(Dr. Frey). 18.30 Unterhaltungsmusik. 18.35 Die Fnnkstnnde teilt mit... 19.00 Von der Deutschen Welle: Deutschlands Stellung unter den Mächten.(Graf Westarp.) 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.10 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.13 Aus der Philharmonie: Beethoven— Bruckner. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportuadirichten. Tanzmusik. K ö n i g s w usterhausen. 16.00 Heilpädagogik in der Berufsschule(Gewerbelehrer H.Wallis). 17.30 Auf deutschen Spuren in Schweden(Dr. Fr. Lange). 18.00 Die Einheit des deutschen Protestantismus(Ob.-Kons.-Rat D. Scholz). 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene(Gertrud van t'yseren, Dr. F. \rmcsto). 18.53 Wetterbericht, l 9.30 Aus Breslau:„Der Rundfunk dem Volke." Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Kuropa-Programm im..Volksfunk", mouatl. 96 Pf. durch alle„Vorn ärts'-Boten oder die Postanstalten. e Buch CurtTiu'iiuyrMeCßefelzcdcrSwlpflaiminiy Unter dem Titel„Die Gesetze der Fortpflanzung" ist im Volksoerband der Büchersreunde(Wegweiser-Verlag, Berlin, 274 Seiten) ein sehr schönes biologisches Buch von Turt T h e s i n g erschienen. In leicht verständlicher Sprache gibt Thesing eine Dar- stellung der mannigfaltigen Borkehrungen, die die Natur für die Erhaltung der Lebewesen getroffen hat. Die Betrachtung hebt bei den einfachsten Einzellern an, um dann bis zu den höchstorganisierten Tieren fortzuschreiten. Der Leser erhält einen Einblick in die oft ans Wunderbare grenzender, Vorgänge. Das Liebeswerben bei den verschiedenen Tiergattungen wird ebenso behandelt wie die Brutpflege und der Bau und die Entstehung der Geschlechtszellen. Ein ganzes Kapitel ist den Problemen der Vererbung gewidmet, ein Forschungsgebiet, auf dem gerade neuerdings wesentliche Fort- schritte erzielt worden sind. Thesing zeigt auch an vielen Stellen, wie sehr sich die Einsichten in die Vorgänge der Fortpflanzung vertieft haben. Besonders wertvolle Erkenntnisse find der experi- mentellen Biologie zu verdanken, deren wesentliche Ergebnisse Thesing berücksichtigt. Mit Recht geht das Buch immer vom ein- zelnen konkreten Beispiel aus: dadurch wird die Verständlichkeit erhöht. Eine Reihe schematischer Zeichnungen erläutern die Eni- Wicklungsvorgänge. Das Buch kann jedem interessserten Laien empfohlen werden, es stellt ein wichtiges Gebiet menschlichen Wissens sachlich und einfach dar. Solche werwollen populären Bücher aus der Feder erster Fachleute sind stets zu begrüßen; ihnen ist ein großes Publikum zu wünschen. Dr. S. W. Lcrantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin: Anzeigen: Th. Sloike. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Kierzu 1 Beilage. Slaals fe Theater Donnerstag, den 19. Mai staatsoper unter ßen Linden 20 Uli, Die Hugenotten StaatLSdiauspielliaus Oendarmnmarkt. 20 Uhr Oer LiebestranH Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die Räuber Kälte Schles. Bhf. 11.8�.8193.2,5,8151. E 7 Weichs. 4031 Die Dubarry VoiKsbtthne Theater am Bülcwalatz SV« Uhr Sturm im Wasserglas mit Hansi Niese Slaall. Sdiiller- Theater 8 Uhr Die Räuber Deutsdies Tbeater Die 8V. Uhr Journalisten Lustsp.nadi Gustav freytag von felix Joadiimson Musik: Theo Mackeheo Regie: Heinz Hilpert haiBB-Tbeater Täglich 8V« Uhr Madonna wo bfsf Du? Erika v. Thellmann, Genia Nikolajewna. Theodor Loos Josef Wedorn srndhOper Charlotienburß ßismarckstraße 34 Donnerstag, 19. Mai Turnus III Friedemann Bach Salvatini, Schirach, Friedrich Fidesser, Guttmann. Baumann, Gombert Anfang 20 Uhi Ende 22,30 Uhr Rose-Iheaier Seele frankfurter Strafe 13? lei. Weidisel E 7 342? 8.30 Uhr Weekend im Paradies Oartenbilhne: 5.30 Uhr Konzert u. Variete 8 15 Uhr Zigeunerliebe H esonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN im „Vorwärts" und trotzdem II billig n »„r 8Unri5. Flora 3434. Räumen erl. Trude Hesterberg. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Bil& Bii. 2 Franks. Junetros& Elsie. 12 Deblars. Arthur Hell. Luelia Paikin. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. Unwiderruflich nur im Mai CHfUJJES \CHALWPI[IH\US\ DIE SCHÖNE ELENA MAX REINH IISJJZENIEFHJIMG Resfamaut Berlinfit BETRIEB rOK KEMPIHSKlii•' Freitag, den 20. Mai 1932 nadim. 3 Va Uhr. Großdeslillation zum weißen Hirsch Eftiliersiraste 106, Ecke Prinstentlrafle Frühstückstube-- Mittagstisch 40 Pf. Gutgepflegte Biere Willy Seidlitz ARBEITER! Deckt euren Bedarf In Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- U.Küchengeräten bei Berlin O 34, Frankfurter Allee 72 ERNST WIESE, �(5efchäß$'Jbtsäger /r* föeziwfc Jlorden m Cften Friedrichshagener Baugenossenschaft E.G. 4* M.B.H. Hoch- u. 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Bei den Sonnenmenschen Hochbetrieb in der Pätzer Heide Das Gelände des Freikörperkulturbezirks der Freien Turner- schait Groß-Berlin in der Pätzer Sonnenkeide ist in diesen Tagen in das Eigentum des Vereins übergegangen. 2S Morgen Gelände aus kleinen Mitgliedsbeiträgen von l M. und Zi) Pf., aus Spenden und Darlehen erworben zu haben, das ist ein schöner Schritt vorwärts, und das nicht nur im Sinne des Arbeitersports überhaupt, sondern vor allem im Sinne des Gemeinschaftsgedankens. Mit freundlichem Gesicht besah sich die Pfingstsonne das Leben und Treiben im Garten Eden vor den Toren der Großstadt. Da wird nämlich, trotz oder gerade weil es Feiertag ist und man Zeit hat, feste gearbeitet und trotz der paradiesischen Bekleidung sagt man mit Schiller:„Von der Stirne heiß, rinnen muß der Schweiß!" Es ersteht da mit Windeseile— 6 Wohnlauben hat man beispielsweise in drei Wochen geschafft— eine„Villenkolonie" Bisher wurden 2S geräumige Wohnlauben erbaut, doppelwandig, auch im Winter mit Petroleumofenheizung benutzbar. Die Inneneinrichtung bleibt dem Geschmack des jeweiligen Bewohners überlassen, der eine schwärmt für rote, der andere für blaue, der dritte für grüne Fensterläden, der eine tapeziert m-t gelblicher, der andere mit röt- licher Pappe. Aber auch der Gemüse- und der Blumenfreund kommt zu seinem Recht: da ist vor dem Häuschen direkt ein Miniaturgärtchen, dann kann man auch noch im Verlosungswege Gartenland erwerben, das sich weiter rückwärts bei den Lager- wiesen befindet. Da wird nun fleißig geharkt und geschippt, Un- kraut gezupft und gegossen da grüßen feurigrote Radieschen, dort saftig-grüne Salatköpfe den fleißigen Gärtner, der Blumenfreund hat zierliche Stiefmütterchen- und Vergißmeinnichtbeete angepflanzt und sogar ein stäminiger, dicht mit Früchten behongener Johannis- beerstrauch lohnt Mühe und Fleiß. Außer den stabilen Wohnlauben gibt es noch eine Zeltlagerstadt mit 50 Bewohnern, die noch beliebig erweitert werden kann. Zwei große Schlafsäle mit 40 Betten und 20 Strohsäcken stehen zur Ver- fügung. In der großen Freilustküche steht ein richtiger Kochherd mit acht Herdlöchern, wer Zeit und Lust hat, sucht und hackt Brenn- holz zurecht, wer Hunger hat, kocht. Auf daß der Morgenkaffee nicht allzusehr mit dem Mittagessen kollidiert, hat sich ein Früh- aufsteher gefunden, der mit den Hühnern munter wird, um S'/z Uhr morgens sämtliche Herdlöcher mit Kaffeewasser besetzt und, wenn der Siedeprozeß beendet ist, die Kafseekanneninhaber alarmiert. Für Sport und Spiel sind Sport- und Festplätze, zur Ruhe große Lagerwiesen vorhanden, der idyllisch gelegene Pätzer Hintersee, von Wasserfahrzeugen gänzlich oerschont, bietet eine prächtige Bade- gelegenheit, und durch Ausholen eines Stückes der hohen Schilfmauer ward ein Badestrand geschaffen. Rettungsring, Rettungsmannschaft, geprüfte Schwimmeister sorgen für die Verhütung von Badeunfällen, ansonsten sind an verschiedenen Geländeteilen Alarmsignale ange- bracht, um Unfälle rechtzeitig zu melden. Am Psingstsonntag läutete das Alarmsignal zur Bereitschaft außerhalb des Geländes, es war da auf der Bahnstrecke ein kleiner Waldbrand ausgebrochen, worauf alles blitzschnell in die Hosen fuhr und löschen half. Trinkwasser- brunnen, Turn- und Sportgeräte sind ebenfalls vorhanden, und die drei Rhönräder stehen im Brennpunkt des Interesses der Sport- begeisterten. Gäste sind stets herzlich willkommen, über die Pfingst- fcrien sind die Kinderfreunde des Bezirkes Köpenick da, sie lagern auf der rückwärts gelegenen schönen, großen Wiese, mache» Spiele oder was ihnen sonst Freuds bereitet. Am Abend wird dann ge- meinsam gesungen, getanzt, Musik gemacht, turnerische Vorführungen gezeigt. In den großen Ferien kommen Kinder aus de» Gruppen der FTGB. und holen sich hier rote Bäckchen, Fett auf die Knöchlein und neue Kraft. Auch die Lebensmittelversorgung klappt gut, der Fleischer, der Bäcker und der Gemüsemann liefern„frei Haus", im Sommer liefert der Konsum vielfach per Lastauto. Jedes Wochenende, jeder Ferientag wird natüMch hier verbracht und die„Mußurlauber" bedauern es bloß, daß die Stempelstelle nicht nach dem nahegelegenen Groß-Beesten verlegt werden kann. Es ist eine Gemeinschaft froher(soweit es die schwere Zeit erlaubt), glück- licher Menschen, die hier, abseits von der Großstadt und ihrer Misere, ein wenig Entspannung und Daseinssreude finden. ff Der große Tag des„RAST Vorbereitungen in vollem Gange Die Techniker der Berliner Arbeitersportler beschäftigten sich kürzlich mit den Vorbereitungen zum diesjährigen Rcichsarbei- tersporttag im Grunewaldstadion am 2 6. Juni. Im allgemeinen schon wird sich die Einstellung zu einem solchen Sportfest in dem Sinne wandeln müssen, wie sie seit Iahren in allen übrigen Orten üblich ist. Das heißt, auch die Vorkämpf« und die sportlichen Ereignisse des Vormittags und dos frühen Nach- mittags müssen als vollwertige Darbietungen angesehen werden. Da in dem sogenannten Hauptprogramm nicht alles gebracht wer- den kann, sollen viele wichtige Entscheidungen schon vorher fallen. Neben den Vor- und Zwischenläufen und sonstigen Kämpfen der Leichtathleten, die ab 10 Uhr im Stadion wie alljährlich stattfinden, sollen auch die Radfahrer bereits mobilgemacht werden, ferner die Athleten und die Schützen. Die Spielerspart« wird mit Handball, Hockey und Fußball aufwarten und die Tennis- s p o r t l e r treten wiederum auf den Plätzen am Sportforum an. Die Schwimmer haben ihr übliches Programm im Bassin, sie wollen zum Wasserballspiel eine auswärtige Mannschaft herzuziehen. Daneben planen die Arbeiter-Achleten eine Belebung des Pro- gramms insofern, als im Ringkampf die O st deutsche Meisterschaft im Stadion ausgetragen werden soll. Beteiligt wären dann Mannschaften aus Breslau, Lätzen, Stolzenhagen, Weißwasser und Berlin. Im erstmaligen Auftreten der Schützen wird gleichfalls etwas Besonderes zu sehen sein, da auch sie mit Dresdenern drei Konkurrenzen bestreiten wollen. Das Hauptprogramm wird sich diesmal in der Zeit von 46 bis 19 Uhr abwickeln. Schon der Einmarsch zeigt ein besonderes Gesicht, er wird die Einheit der Arbeiterklasse in den drei Heersäulen der„Eisernen Front" symbolisieren, und noch sonst demonstrieren, daß Arbeitersportler im Kampfe um Menschlichkeit und Menschenrechte im vordersten Glied mar- schieren. Den Abschluß nach den sportlichen Darbietungen bildet ein Festspiel der Jugend Wie alle anderen Sparten, haben sich auch in diesem Jahre die Leichtathleten ein umfassendes sportliches Programm für den RAST vorgenommen. Zu Meldungen für folgend« Wettkämpfe wird aufgerufen: Männer: Einzelkämpfe 100-Meter-Lauf, lS-Meter- Lauf, Speerwerfen, Hochsprung: Stafette für Alle 20X300 Meter, Frauen: Einzelkämpfe 100-Meter-Lauf, Kugelstoßen 4 Kilogramm, Hochsprung: Stafette 10X100 Meter. Jugend(2 Klassen): Einzel- kämpfe Ivo-Meter-Lauf, Diskuswerfen, Weitsprung: Stafette 10 mal 100 Meter. Da die Konkurrenzen gleichzeitig ausgetragen werden, kann sich jeder nur an einem Wettkampf beteiligen. Meldungen bis zum 10. Juni an Ernst Friedrich, Berlin N. 65, Reinickendorfer Straße 90. Der schnellste I�ann ist dal Campbell in Berlin elngetrotten Sir Macolm Campbell, der Mann aus England, der sich rühmen darf, der schnellste Automobilfahrer der Welt zu lein, ist gestern nachmittag in Berlin eingetroffen, um das Training für das Internationale A u t o ni o b i l r e n n e n, das ain kommenden Sonntag um 13)4 Uhr auf der Avus beginnt, aufzunehmen. Er wurde von den Funktionären des Allgemeinen Deutschen Automobilklubs begrüßt: zu seinem Empfang hatten sich weiter ein- gesunden seine Konkurrenten in dem bevorstehenden großen Kampf Caracciola, Brauchitsch, Prinz Leimngen und Morgen. Aus der Rekordserie, die Campbell hinter sich hat, interessieren auch den, der nicht selbst Automobilfahrer ist, folgende Daten: Am ö. Februar des vergangenen Jahres gelang es ihm mit seinem 1ij00-lPS-Wagen am Strande von Daytone Beach eine Durchschnitts- geschwindigkeit von fast 396 Kilometer in der Stunde zu erreichen. Das heißt, Campbell ist nicht etwa eine Stunde lang mit dieser wahnsinnigen Geschwindigkeit gesahren, sondern er hat über eine vev- hältnismäßig kurze Strecke eine Geschwindigkeit erreicht, die, eine Stunde lang durchgehalten, eben 396 Kilometer ausgemacht hätte. Trotz aller technischen Fortschritte ist es natürlich nicht möglich, eine Gummibereifung herzustellen, die eine so große Beanspruchung aus- hält. Bei einer solchen Teufelsfahrt treten nämlich Fliehkräfte in den Reifen auf, die geeignet sind, die Reifen von den Felgen ab- springen zu lassen. Selbstverständlich erhitzen sich die Reifen bei der Reibung auf der Fahrbahn auch sehr stark, so daß dadurch wieder der Luftdruck in den Schläuchen ganz unkontrollierbar erhöht wird. Durch die Hitze kamt der Gummi weiter von der Leinewandeinlage abgelöst werden, so daß also außerordentliche Schwierigkeiten be- stehen, so hohe Geschwindigkeiten durchzuhalten. Campbell hat im Jahre 1922 das erstemal den Rekord auf 136 englische Meilen gestellt. Cr war damals ein kleiner An- gestellter, der sich aber in der Folgezeit mit ungeheurer Energie um den Titel des Weltrekordmannes bemühte. 1924 fährt er 234 Kilo- meter, ein Jahr später 243. Da kommt sein Landsmann Se- g r a v e, der im vorigen Jahre bei dem Versuch, den Weltrekord auf Motorbooten zu überbieten, ums Leben kam, und drückt den Rekord auf 245 Kilometer. Weftere Steigerungen folgen. Campbell kommt auf 281 Kilometer, Segrave steigert den Rekord auf 328. Dann läßt Campbell in aller Stille einen Napier-Wagen bauen, mit dem er im Februar 1928 den Automobilrekord auf 333 Kilo- meter heraufdrückt. Dann aber kommt die höchste Geschwindigkeit, die Menschen auf der Erde je erreicht haben: fast 400 Kilometer in der Stunde. Die englische Sportnation weiß, was sie in Campbell hat, der König hat ihn für seinen ungeheuren Wagemut geadelt. Der 12-Zylinder-Sunbream-Wagen, den Campbell am Sonntag auf der Avus fahren wird, ist in Hoeck van Holland von einem Lastauto übernommen worden und soll heute in Berlin eintreffen. Campbell wird dann sofort mit dem Training beginnen. kreuefc und Enttäiucfaung/ Das Gesicht des Kampfes Berliner Athleten auf Reisen Der bundestreue Kraft- und Artistenverein Senftenberg feierte Pfingsten sein 25jähriges Jubiläum: auch Berliner Athleten waren zahlreich der Einladung der Senftenberger gefolgt. Die meisten der Kämpfer legten die Reise mit dem Fahrrad zurück. Berlins Gewichtler und Ringer konnten sich gegen kampfttärkste Gegner aus dem Reich gut behaupten und belegten 7 erste Plätze. In der Jugendklasse bi» 120 Pfund errang sich Jewko-Tegel den ersten Platz, in der Klasse bis 130 Pfund siegte der Tegeler Schmidt. Höhne und Rosentreter, die beiden Tegeler, bezwangen im Halb- schwer- und Schwergewicht alle Gegner. Drei Mitglieder der Bundesmeisterstaftel im Gewichtheben: Poekern, Schulz und Wallo- schek(L.-F. 04) konnten an der Scheibenstange durch ihre guten Leistungen beweisen, daß sie zu Recht den Titel eines Bundes- Meisters tragen. Französische Arbeikerboxer behaupten sich. Die Mannschaft des französischen sozialistischen Arbeiter-Sportverbandes errang in Fort- setzung ihrer Deutschlandreise in Magdeburg einen 7:5- Sieg und kämpfte in Lüneburg 5: 5. Der Arbeilersporlverein Borsigwalde 1932 hielt dieser Tage seine erste Versammlung ab. Unter den ortsfremden Gästen be- fanden sich der Kreisfußballeiter Schünemann und der Kreisjugend- leiter Handle. Schünemann begrüßte den neuen Verein und über- mittelte die besten Wünsche. An der lebhaften Diskussion wurde erkannt, daß ein vielgehegter Wunsch vieler Genossen, besonders der Jugend, durch die Gründung des Vereins in Erfüllung geangen ist. Es meldeten sich sofort 29 Mitglieder zur Aufnahme. Anmeldungen nimmt entgegen: Frau Kümritz, Borsigwalde, Spandauer Str. 117, bei Roscher. Das Befinden von(Beza Tanek. Der in einem Anfall von geistiger Umnachtung in selbstmörderischer Absicht aus dem Fenster eines Hotels in Königsberg gesprungene bekannte ungarische Jockey Geza Janet liegt nach wie vor schwer danieder. Er befindet sich in der Chirurgischen Universitätsklinik. Die Aerzte hoffen, Janek am Leben erhalten zu können, falls keine weiteren Komplikationen ein- treten. Ä.S.B. NcutäHi,, 1. SRönncrobtcUung. 3cbcu tzrcitag, 20 Uhr, regelmäßiger Turnbeirieb Walter.Rnthenau.Echule, Bobbinilroße. geben Mittwoch Spielabenb, Sportparl, Plaß i>. «Itersriegea, 1.«reis. Borstanb Sonnabend, 2t. Mai, Ißu, Uhr, Jtycibob Obersvree. Besichtigung der Bnlagen. Änschließenb Besprechung bei..fsraier. niias" im Wenbcnschloß. Alle Riegen halten sich den ä. Juni kür Spieltag im Stabion„Faulen See" srei! ?nteressenten wenden sich an Erwin Räiiger, O gl, Borhagener Straße 117. Ächrolmmabteilung Schlineberg. Friedenau 07. Babeabenbe im Sommer- Halbjahr: Mittwochs ts.l., Uhr, Freitags 20.45 Uhr im Stadibab Schdneberg. Hauptstraße. Sonntag. 22. Mai. Anbaben in Mahlow. Treffpunkt 8.30 Uhr Bahnhof Mrcksiraße. Rabfahrer 8.80 Uhr Kaiser-Wilhelm-Blatz. Solidarität Äraftsahrcr. Touren für Sonntag, 22. Mai: Abt. Rrcuzbcrg: Reuruppin, Start 7 Uhr Reichenberger Straße Ol.— Abt. Friebrich-zhaln: Erossinsee, Start 7 Ubr Landsberger Ploß.— Abt. Narben: Freienwalbe-Nieber- finaw, Start 7 Uhr Secstraße 82.— Abt. Eharlottenburg: Werbellinsee, Start 7 Uhr Wilmersdorfcr Straße 2t.— Abt. Ncukdlln: Schorflicibc, Start 7 Uhr Hohen, ollernplaß.— Abt. Llchtenbera: Fraucnfee. Start 7 Uhr Oberstr. t8.— Abt. Pankow: Teupitzsee, Start 7 Uhr Pankow. Berliner Straße 80.— Dien»- tag, 24. Mal, 10 Uhr, mit Maschine Sictingen, Ecke Wiebestraßc Treffen zum Ueben. Arbeiter-Turn- und-Sportbiind i,»-eis 4. Be,ir?. Aordgruppc. Berliner Vereine, die Sonntag in Echäneberg störten, miiffcn einige(Scräie mitbringe». Befonber» werben gebraucht: Speere. Bandmaße, Stoppuhren. Bälle kür die Kinder. Kampsrichter schon um 14.30 Uhr a»t-eic». Beginn der Kampfe wie in Nr. 19 der ASS?, angegeben. Wasiersportperein Fraiern-ta». Eißung Freitag. 20. Mai,„Sonnenuhr" (Dderhaumbrückel. Bor der Siäuna llcdunäsabenb im Bootahau»„Borwärto". FTSB. Große Zeauenaurlchußsißnng Freitag. 20. Mai, 10.30 Uhr, Frei«- gefchäftestelle. ' Kartell bcrirl Schön, bern-Friebenau. Die Sißung Montag. 23. Mai. 10.30 Ubr, findet au? dem Sportplatz her lSB. Schancberg.Fr'ebcnau 07 im Sübaelänbe Kolonie Rubeno un Krank-nba», statt. Freie Nann-Union Graß-Bertin e.«. Abi Obcelpree: Start der Ferien- iabrer ,ur Unronfahrt 1032. l Etapuc ein 22. Mai. 9 Uhr, Bootsbau» Auhl- beide nach Spandau. Donncrsina. 10 Mai, Trainingabend.— Abt. Hgpel: Donneratag Tre.iningabenb. Freitag. 20. Moi, 20 Uhr. Abt«ilung«g-n-ralper. fammtung bei Häpfner, Spandau, Picheloboriei: Straße öa. Freie Sportpereiniauna Pankow. Heute, Donnerstag, 20.30 Uhr, Funktionär- sitzung bei Lehmann, Mühl-nstr. 38. Sport- und Spielausfchuß erscheinen.— Hockcy-bteUuug. 18 Uhr Spiel gegen Bernau Kisstngensportplatz.