BERLIN Freitag 20. Mai 1932 10 Pf. Jlt. 234 B 117 49. Lahrgang ErscheinttSglich außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. BezogSvreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Monal (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus «ablbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich KV Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebüdren SjvUauiQaße xleb„Ibwasfa Anzetgenpret«: Die einspaltige Milltmeterzeile 30 Pf. Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonlo: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion und Ervedttton: Berlin GW 68. Ltndenür 3 Fernsprecher: Dönbost( A 7) 292—297 Entscheidende Kabmettssihung Llm die Sozialversicherung und die Zto'chsfiuanzeu Die Gewerkschaften erklären: Vom Vorstand des ADGB. wird uns geschrieben: Das„Berliner Tageblatt" berichtet in seiner gestrigen Abendnummer über die Stellungnahme der Reichsregierung zu den schwebenden sozialpolitischen Streitfragen und über Besprechungen der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen mit dem Reichskabinett. Es glaubt dabei feststellen zu können, daß die Reichsregierung die Absicht habe, unter Verzicht auf die Aufhebung der Arbeilslosenversicherung, die Aufwendun- gen für die Unterstützung der Arbellslosen durch„eine Ver- einfachung der Unterstützung, vor allem durch Anpassung der Unterstützungssätze in Versicherung und Krisenfürsorge an diejenigen der Wohlfahrtsunterstützung" herabzudrücken. Die bisher von der Reichsregierung geplante„Reform" sei „vertagt". Das„Tageblatt" knüpft hieran die Bemerkung: „Die Gewerkschaften sind mit dieser Lösung sdas heißt Ver- tagung der Reform) auch durchaus einver stände n." Daß die„Rote Fahne" unter absichtlicher Verdrehung des Inhaltes dieses Berichtes diese über die durchaus falsche Schlußbemerkung des„Tageblattes" freudestrahlend benutzt, um einen„neuen Verrat" der Gewerkschaftsführer feftzu- stellen, versteht sich von selbst. Es ist nichts so dumm, daß es nicht den Jüngern moskowitischer Parteitaktik zur Verhetzung gerade gut genug wäre. Wie die freien Gewerkschaften zur Frage der Versor- gung der Arbeitslosen stehen, haben sie immer w ieder ganz unzweideutig erklärt. Zuletzt noch in dem Schreiben Lei- p a r t s an Brüning vom 9. Mai, das in der Morgennummer des„Vorwärts" vom 19. Mai veröffentlicht ist. Die freien Gewerkschaften verlangen die Aufrechterhaltung der Arbeitslosenversicherung, um die sie seit Jahr- zehnten gekämpft haben. Sie wenden sich auch mit aller Energie gegen alle etwaigen Pläne der Reichsregierung, die Versicherung so zu verwässern, daß sie praktisch eine Versiche- rung überhaupt nicht mehr darstellt Das gleiche gilt auch für die insebsondere von den Arbeitgebern geforderte allge- meine Herabsetzung der Unterstützungssätze. Bei allen Besprechungen mit der Regierung, so auch in der letzten, haben sich die Gewerkschaftengegenalle Abbaupläne eingesetzt. Arbeitsbeschaffung forderten sie als eizigsten Weg, um über den gegenwärtigen wirtschaftlichen und finanziellen Notstand des Landes hinwegzukomme». Sie verwahrten sich insonderheit gegen eine etwa beabsichtigte Er- Weiterung des freiwilligen Ärbeitsdienstes im Arlieitsbe- schaffungsplane. Damit könne kaum eine psnchologische Wir- kung aus die Beteiligten erzielt werden. Es komme aber darauf an, durch die Arbeitsbeschaffung vorwiegend auch die Wirtschaft selbst zu beleben. Das könne nur geschehen, wenn grundsätzlich für die Arbeite» im Rahmen des Arbeitsbe- fchaffungsprogrammes die tariflich vereinbarten Löhne und Arbeitsbedingungen Geltung erhalten. Die Gewerkschaften forderten, daß die Prämien- a n l e i h e schnellstens aufgelegt und mit der Arbeitsbe- schaffung begonnen werde. Einmütig war die gewerkschaft- liehe Stellungnahme auch in der A b l e h n u n g der etwa beabsichtigten Bedürftigkeitsprüfung in der Ar- beitslosenverficherung. Wenn, wie heute in der Presse berichtet wird, die Reichs- regierung plant, die Unterstützung in der Arbeitslosenner- sicherung von 29 auf 13 Wochen zu verkürzen und die Unter- stützungsleistungen sowohl in der Versicherung, wie in der Krisenfürsorge herabzusetzen, so muß sie sich darüber klar sein, daß sie sich damit in scharfem Gegensatz zu den deutschen Gewerkschaften stellt. Das Reichskabinett soll also heute abend zu einer ent- scheidenden Sitzung zusammentreten, in der der Inhalt einer neuen Sparnotverordnung festgelegt werden soll. An dieser entscheidenden Sitzung nimmt kein Sozialdemokrat teil. Seit mehr als zwei Jahren steht die Sozialdemokratie außerhalb der Reichsregierung, trägt sie für deren Entschlüsse keine Verantwortung. Dies im gegenwärtigen Moment festzustellen, ist eine Notwendigkeit, weil die beispiellos verlogene Propaganda unserer Gegner die Dinge immer so darzustellen versucht, als ob alle drückenden Maßnahmen, die von der Regierung Brüning— sei es aus Not, sei es ohne Not— verhängt worden sind, von der Sozialdemokratie zu verantworten wären. Die Sozialdemokratie, die seit sie besteht, für ein lebens- wertes Dasein aller Arbeitenden kämpft, darf den größten Teil dessen, was in Deutschland zugunsten der werktätigen Massen geschaffen worden ist, als i h r W e r k betrachten. Sie hat mit den Vertretern der besitzenden Klassen um jeden Groschen gerungen, um den Löhne und Sozialunterstützungen erhöht worden sind. Seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise kämpft sie mit großer Zähigkeit und mit allen zweckmäßigen und erfolgversprechenden Mitteln für die Verteidigung ihres Werkes. Auch in dieser letzten Stunde erhebt sie noch einmal die Stimme der Warnung und des Protests gegen Regierungsbeschlüsse, die geeignet wären, das ganze System der Sozialversicherung ins Wanken zu bringen oder geltende Unterstützungssätze noch weiter unter das Existenzminimum zu senken. In den reichlich unbestimmten offiziösen Aus- lassungen der letzten Zeit ist viel von einer„Sanierung der Arbeitslosenversicherung und der Gemeinden" die Rede ge- wesen. Ganz abgesehen davon, daß die Arbeitslpsenversiche- rung einer Sanierung zur Zeit gar nicht mehr bedarf, hat die Sanierung öffentlicher Einrichtungen doch nur dann einen Sinn, wenn sie dadurch instand gesetzt werden, ihren Zweck zu erfüllen. Zweck der gemeindlichen Fürsorge muß aber sein, die Hilfsbedürftigen wenigstens vor dem nackten Hunger zu schützen— und um diesen Zweck zu erreichen, muß den noch Leistungsfähigen jedes Opfer zugemutet werden! Zustände, wie sie jetzt schon in manchen Gegenden Deutschlands, in Thüringen, Nieder- schlesien usw. herrschen, sind schon vom Standpunkt der Menschlichkeit aus unerträglich und schreien nach Abhilfe. Keine Regierung könnte es verantworten, wenn immer weitere Beoölkerungskreise unter die Hungergrenze herab- sinken sollten— das würde schließlich ein Ende mit Schrecken für alle bedeuten! * Hebet die konkreten Absichten der Regierung liegen auch zu dieser Stunde noch keine bestimmten INeldungen vor. Angeblich geht die Absicht des Kabinetts zunächst dahin, für die Arbeitslosenversicherung eine„Entlastung" dadurch eintreten zu lassen, daß man die Unterstützungsdauer von 20 aus 13 Wochen kürzt. Der ersorderliche Ausgleich soll durch die Srisensürsorge erzielt werden, zu der das Reich bisher vier Fünstel und die Gemeinden ein Aünslel beitragen. Es besteht die Absicht, die Gemeinden von ihren bisherigen Derpjlichtungen zur Krisensürsorge weiter zu entlasten. Dazu kommt in Betracht die Fortsetzung der Reichs- zuschüsse s ü r besonders notleidende Gemeinden. sür die im Vorjahre 230 Millionen Mark aus Reichsmitteln zur versügung gestellt wurden. Ferner soll zu dem betreffenden Zweck die Bürger st euer, deren Einziehung den Gemeinden bisher nur bis zum 1. Zuli gestattet war, sür den Rest des Haushaltsjahrs verlängert werden. Die Pläne, den Grundbetrag der Bürgersteuer zu erhöhen, werden wahrscheinlich ausgegeben. Schließlich wird die Krisensteuer, die im Juni vorigen Jahre« zunächst bis zum 31. Dezember 1932 als besondere Roffteuer des Reiches ein- gesührt worden war. nicht nur verlängert, sondern wahrscheinlich aus alle Beschästigten ausgedehnt werden. Die Beamten waren von der Krisensteuer bisher befreit. Mit diesen Maßnahmen soll eine„Anpassung" der Unter st ützungssähe in den verschiedenen Kategorien der Er- «arbslosen Unterstützung verbunden sein. Litauische Prozeßführung. Der Skandal Beckers-Meyer. Kowno, 20. Mai. Seit Wochen sitzen der Reichsdeutsche Beckers und der memel- deuffche Führer Schulrat Meyer in Untersuchungshast. Jetzt hat sich herausgestellt, daß das Schreiben des Schutzenverbandes, auf das sich die Anklage in erster Linie stützt, im Organ des Verbandes Trimitas(„Oer Trompeter") veröffentlicht worden ist, ehe Meyer und Beckers es erhielten. Dieses Blatt hat 40 000 Auflage, so daß davon, daß das Schreiben geheim gewesen sei, nicht die Rede sein kann. Daraufhin hat sich auch der Staatsanwalt des Kriegs- gerichts veranlaßt gesehen, die Verschiebung des Prozesses zu beantragen. Der Untersuchungsrichter R o v i tz k i soll nun beaustragt worden sein, auch die Entlastungsmomente für die Beschuldigten nachzuprüfen! Bon den drei Belastungszeugen sind zwei Kriminalbeamte! Beckers hat für den Prozeß sieben und Schulrat Meyer dreißig Entlastungszeugen benannt, darunter auch den Privatsekretär des englischen Mini st erpräsidenten Macdonald so- wie auch andere Persönlichkeiten, die dem Völkerbunde nahestehen und beweisen wollen, daß Meyer in Genf keine litauenseindliche Politik, sondern lediglich die memelländischen Interessen ver- treten hat. Beckers hat in den sechs Wochen feiner Haft an Gewicht zehn Kilogramm abgenommen. Wie denkt Bafel über Laufanne? Eine offiziöse französische Darstellung. Paris, 20. Mai. Die halbamtliche französische Rachrichtenagenlur Javas äußert sich in einer Baseler Meldung offiziösen Anstriches über die Auffasiung, die in den Kreisen der BIZ.(gemeint ist offenbar der Franzose Ouesney, der Präsident der BZZ. Red. d.„v.".) angeblich über die L ö s u n g s m ö g l i ch k e i l e n aus der kommenden Lausanner Konferenz bestehen: 1. Ein Moratorium sämtlicher politischer Schul- d e n. d. h. Reparationen und interalliierte Schulden. Entgegen den mutmaßlichen deutschen Forderungen werde man aus einem Moratorwm und nicht auf Annullierung bestehen, um für die Zu- kunst eine Reuregelung vorzubehalten und gleichzeitig die Vorschläge des Baseler Sachversländigenausschusses zu berücksichtigen. 2. Ein Teil der amerikanischen Einwände könnte zerstreut und gleichzeitig eine Atmosphäre des Vertrauens geschassen werden, wenn die an der Lausanncr Konserenz beteiligten Mächte von sich aus und ohne das Ende der Abrüstungskonferenz abzuwarten, beschließen würde«, freiwillig ihre Rüstungsausgaben einzuschränken. 3. Um eine Besserung der wirtschaftlichen Lage in Europa dnrch- zusühren und insbesondere die D o n a u st a a t e n vor dem Zusammenbruch zu retten, solle versucht werden, den französischen Vorschlag für den wirlschastlichen Zusammenschluß der Donau st aal en wiederauszunehmen. Der Plan solle besonders durch eine Reihe von Vorzugsrechten erweitert werden, aus denen Frankreich, Polen, Deuffchland und Italien Ruhen zögen. Aus diese Meise greise man gleichzeitig den alten Briandschen Gedanken wieder auf, der seinerzeit zur Bildung des Europa-Ausschusses gesührt habe. Diese gemeinsamen Bemühungen einer wirlschastlichen und zollpolilischen Solidarität sollen schließlich noch aus dem Gebiet der Finanzen durch den Zusammenschluß aller derjenigen Inhaber von Anleihestücken ergänzt werden, deren Rückzahlung be- sonderen Schwierigkeilen begegne. Es sei nicht schwer, diesen Inhabern der Anleihestücke zu verstehen zu geben, daß sie die Mahl hätten, ihre Außenstände ratenweise einzutreiben oder aber ganz aus sie zu verzichten. Ein amerikanisches �oung-Komitee. Rem park, 20. Mai.(Eigenbericht.) Auf Veranlassung der amerikanischen Regierung wurde ein zwölfköpfiges außerordentliches Komitee aus führenden Finanziers und Industriellen gebildet, das Vorschläge zur Bekämpfung der amerikanischen Mirlschastskrise ausarbeiten soll. Das Komitee steht unter der Führung von Owengoung. Es erstrebt in erster Linie die Ausarbeitung eines Plans zur Verwendugn eines größeren Krisenabwehrkrediles. Reue Verhastung in Hagen. Nach langen Bemühungen gelang es Beamten der Abteilung I.X den schon seit Januar d. I. flüchtigen ehemaligen Führer des verbotenen Roten Front- kämpferbundes Wilhelm Schumann aus Hagen-Eilpe sest- zunehmen. Schumann soll an mehreren hochverräterischen Delikten beteiligt und stark verdächtig sein, auch in die Hagen-Iserlohner Spreng st offang«l«genheit verwickelt zu jein. Gefälschte Wechsel, fingierte Syarverträge Oer zweite Verhandlungstag im Oevaheim-Prozeß. Zu Beginn der heutigen Verhandlung im Devoheim-Prozeh wurde die Vernehmung der Angeklagten zur Anklage der wechfel- sälschungen fortgesetzt. Wilhelm I e p p e I wird vorgeworfen, daß er einmal vier Wechsel über je 10 000 Mark, die von der Baugenossenschaft aus- gestellt und giriert waren und an die Stephansdach-Gesellschaft weitergingen, eigenmächtig mit der Unterschrift des Vorstandsmitglieds Schwaeze versehen habe. I e p p e l: Ich. hatte von Schwarze die Ermächtigung, seine Unter- schrift auf Wechseln und sonstigen Schriftstücken zu leisten. Wenn er das bisher bestritten hat, dann bitte ich, ihn hierfür unter Eid zu vernehmen. Vors.: Es wird Ihnen weiter vorgeworfen, daß Sie Wechselblanketts, die Ihr Konzern von der Stephans- dach im Portefeuille hatte, ohne Erlaubnis dieser Gesellschaft aus- gefüllt und in den Verkehr gegeben haben, und zwar einen Wechsel über 300 000 und einen über 200 000 Mark. Einen dieser Wechsel sollen Sie auch wieder mit der Unterschrift„Schwarze" versehen haben.— Wilhelm Jeppel gab hierzu eine längere Dar- stellung, wie er 1928 mit der Stephansdach-Gesellschaft in Be- Ziehungen getreten sei und wie unter Beteiligung des Direktors Himmelsbach und der Heimstättenbank das Kapital der Gesellschaft erhöht wurde und dieser dann eine Reihe von Bauvorhaben der Devaheim übertragen wurde. Er selbst und Pfarrer Cremer traten in den Aufsichtsrat der Gesellschaft ein. Die Baugelder, vor allem für das Bauvorhaben Lichterfelde, wurden an die Stephansdach in Raten gezahlt, und diese stellte über die jeweils fällige Rate Wechsel aus bzw. gab Jeppel eine Anzahl von Blan- ketts zur entsprechenden Verwendung, aber unter der Bedingung, daß unbenutzte Blankowechsel vernichtet oder zurückgegeben werden muhten. Nach der Anklage soll aber Jeppel zwei dieser Blanketts in der erwähnten Höhe eigenmächtig ausgefüllt und für Zwecke der Devaheim verwandt haben, wovon Himmelsbach keine Ahnung hatte, bis er durch die Vorlegung der Wechsel von dieser Tatsache erfuhr. Dann wandten sich die Erörterungen dem Anklagekomplex der unrechtmäßigen Verwendung von Vermögensstücken der Konzerngesellschaslen durch Vorstandsmitglieder zu. Dabei wurde noch einmal kurz die hypothekarische Belastung einer wertlosen Kiesgrube durch Jeppel gestreift und dann der Fall einer abermaligen Fingierung eines Sparvertrages herangezogen, der ins- besondere Cremer jun. zur Last gelegt wird. Ernst Wilhelm Cremer wollte selbst einen Sparvertrag abschließen, aber nicht mit seinem eigenen Namen in Erscheinung treten, und deshalb wurde ein alter Sparvertrag eines Herrn Fietz über 200000 Mark umgeändert auf den Namen eines Postangestellten Meßmann aus Neustadt a. d. Dosse und auf den zehnfachen Betrag, nämlich auf 20 000 Mark. Nach der Anklage ist dieser Vertrag einfach fingiert worden, ohne daß Meßmann eine Ahnung davon hatte. Kremer jun.: Ich bestreite, daß der Vertrag fingiert war. Meß- mann ist ein Bekannter von mir, und er hätte auch das Verfügungs- recht über den Vertrag haben können, wenn er es gewollt hätte. Vors.: Sie halten es also für zulässig, einfach Verträge unter anderem Namen abzuschließen. Krem er jun.: Absolut, das ist doch bei uns sehr häufig der Fall gewesen.(Allgemeine Bewegung.) Es geht ja aus den Vertragsbedingungen hervor, daß das zulässig ist. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Eichholz: Na, die Vertrags- bedingungen möchte ich gern mal sehen. Auf keinen Fall kann es doch zulässig sein, daß hier ein alter wertloser Vertrag ohne weiteres auf einen anderen Namen und auf den zehnfachen Betrag um- geändert wird, denn dadurch werden doch die anderen Bausparer in ihren Zuteilungsmöglichkeitcn geschädigt. Vors. Auf diesen Vertrag ist nun eine Zuteilung erfolgt, von der 10 000 Mark auf Ihr Konto, die anderen 10 000 Mark auf das Konto Wilhelm Jeppels bei der Städtischen Sparkasse in Mülheim gingen. Kremer jun.: Die Ueberweisung dieser Summe an Jeppel ist ohne mein Wissen erfolgt, und ich habe verlangt, daß das wieder rückgängig gemacht wird. Ich habe dann den ganzen Betrag auf ein Sperrkonto Meßmann bei der Heimstättenbank angelegt. Vors.: Und wer konnte über dieses Konto Meßmann verfügen? Kremer jun.: Ich konnte das. Staatsanwalt: Im Er- mittlungsverfahren haben Sie gesagt, Sie hätten nicht darüber ver- fügen können, weil das Konto gesperrt war. In Wirklichkeit war aber auf der Kontokarte gar kein Sperrvermerk. Pfarrer Kremer wird vernommen. Kremer hatte einen Sparoertrag in Höhe von 10 000 M. abgeschlossen, und zwar, wie er sagt, um dadurch einer jüngeren Tochter, die Leiterin eines Kinderheims war, die Möglichkeit zu verschaffen, sich mit zwei Freundinnen selbständig zu machen. Dem Angeklagten Jeppel hatte er gesagt, daß er die ersten Jahre nicht imstande sein würde, Einzahlungen zu machen. Zu diesem Zweck sollten die Reisegelder verrechnet werden. Eines Tages erschien aber auf seinem Sparkonto die Summe in Höhe von etwa 3500 M. Er behauptet, andeutungsweise davon im Mai 1931 erfahren zu haben, zahlungsmäßig sei ihm das aber erst im Juni bekannt ge- worden. Woher die Summe gekommen sei, wisse er nicht, Provision aus irgendeiner Gesellschaft habe er nicht erhalten. Allerdings habe ihm Jeppel den Vorschlag gemacht, für sein« Tätigkeit aus sämtlichen Gesellschaften 2000 Mark monatlich zu beziehen; er habe das abgelehnt. Der Angeklagte Jeppel erklärt dazu, daß die 3500 Mark mit Kenntnis des Angeklagten Kremer aus das Sparkonto Kremer eingetragen worden seien. Staatsanwaltschaftsrct Dr. Dr. Eichholz stellt fest, daß die maschinelle Buchung, die mit einer unmittelbaren Mitteilung an den Klienten verbunden war, es völlig ausgeschlossen erscheinen lasse, daß Pfarrer Eremer von den Eintragungen auf sein Konto nicht Kenntnis erhalten haben sollte. Aach dem Kampfe. Aussprache über die WahUehren in der Berliner Parteiorganisation. Der Bezirksverband Berlin der Sozialdemokratischen Partei hatre die Abteilungsvorstände in die„Sophiensäle" gerufen, um Rückschau zu halten über die Arbeit bei den letzten Wahlen und die Schlußfolgerungen daraus für die Organisation zu ziehen. Genosse K ü n st l e r stattete zunächst den Funktionären und der gesamten Mitgliedschaft den Dank des Bezirksvorstandes für die aufopfernde Tätigkeit während der Wohl ab. Dann unterzog Be- zirkssekretär Genosse Mendt unsere W a h l a r b e i t einer ein- gehenden Würdigung. Das Wahlergebnis, so führte er aus, hat die politische Situation mißerordentlich verschärft. Neben dem starken Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten ist besonders beachtenswert das völlig« Zerreiben der bürgerlichen Mittelparteien. Das Kleinbürgertum, besonders viele Kleingewerbetreibenden, haben sich bei den Wahlen politisch demaskiert und sich öffentlich zu den Nationalsozialisten bekannt. Mendt legte bei dieser Gelegenheit einen„Führer durch die Friedenauer Geschäftswelt" vor, der von den National- sozialisten mit einem Vorwort herausgegeben ist und aus dem zu erkennen jst, daß der größte Teil der Friedenauer Geschäftsinhaber den Nationalsozialisten durchaus Rechnung zu tragen gewillt ist. Die Grenzen zwischen der kommunistischen und der national- sozialistischen Wählerschast verwischen sich immer mehr. Ihre Slgi- tation gleicht sich, der Jargon ist der gleich«, in ihren Zeitungen findet man dieselben Schlagwort« von den„Systemparteien" und dem„Hauptfeind, die Sozialdemokratie". Da ist es natürlich kein Wunder, daß die Wähler einen Unterschied zwischen diesen beiden Parteien nicht mehr erkennen. Genosse Mendt zog dann das Fazit aus unserer Wahl- arbeit. Die ungeheuren Geldmittel, die den Nationalsozialisten aus den Kassenschränken der Kapitalisten zuslossen, haben ihnen eine Agitation ermöglicht, gegen die schwer anzukommen war. Ihre Propaganda war gut, eine gut funktionierende Organisation, die sich vor allen Dingen der SA. bediente, tat das übrige. Die Ber- liner Sozialdemokratie wird durch eine Veränderung des Organisationskörpers auch diesen scheinbaren Vorsprung der Nationalsozialisten zu begegnen wissen. Sie wird politische Propagandazentralen schassen, deren organisatorischer Auf- bau noch Gegenstand eingehender Beratungen mit den Kreisleitern sein wird. Daß sich die Sozialdemokratische Partei in erhöhter Alarmbereitschaft befindet, braucht nicht weiter hervorge- hoben zu werden. Neben den organisatorischen Umgestaltungen werden wir unsere ganze Kraft auf die Frage der Beseitigung der Erwerbslosigkeit, d. h. auf die Arbeitsbeschaffung legen, um dadurch zu einer Besserung der Wirtschaftslage zu kommen. Wir werden der neuen Einheitsfrontparole der Kommu- nisten ebenso zu begegnen wissen, wie die Absicht der Nationalsozia- listen, nicht nur in die freien Gewerkschaften einzudringen, sondern von sich aus auch Gebilde zu schaffen, die sie als Arbeitervertre- tungen in den Betrieben bezeichnen. Es kommt, so schloß Genosse Wendt, daraus an, die Partei- genossenschaft aus den gegenwärtig wichtigsten Punkt zu konzen- trieren: es geht nicht nur um die Erhaltung unserer Organisationen, es geht schlechthin um Sein oder Nichtsein der Arbeiterklasse. Für diesen Kampf wird auch der letzte Mann mobilisiert! I nder Diskussion, an der sich die Genossen Bautz, Käte Kern, Engel, Beyerling, Fischer, Riebe und Lorenz beteiligten, wur- den wertvolle Anregungen für die Ausgestaltung des Organisations- körpers und der Agitation gegeben. Sie erstrecken sich auf die Landagitation, die Werbung in den Betrieben und auf den Stempel- stellen, die Einrichtung einer Diskussionsrubrik in der Presse, in der fortlaufend und systematisch die Hauptargumente unserer Gegner entkräftigt werden, und auf die Notwendigkeit, die s o z i a l i st i- scheu Forderungen verstärkt herauszustellen. Genosse Künstler faßte schließlich das Ergebnis der Aussprache in einem wirkungsvollen Schlußwort. Die Versammlung stellte sich schließlich einmütig hinter die im „Vorwärts" vom 14. Mai veröffentlichte Entschließung des Berliner Bezirksvorstandes und der Berliner Reichstagsabgeordneten, die die Herausstellung eines sozialistischen Wirtschaftspro- g r a m m e s gegenüber dem völlig versagenden kapitalistischen Wirtschasts- und Gesellschaftssystem sordert. Die Einstellung des politischen Tageskampfes auf das große Ziel des Sozialismus, so V heißt es am Ende der Entschließung, ist die Voraussetzung für einen Erfolg im Ringen gegen Faschismus und soziale Not. Hakenkreuzler als Mörder. Die Bluttat von Hückeswagen vor Gericht. Wuppertal, 20. Mai. Vor dem hiesigen Schwurgericht begann der Prozeß wegen der Zusammenstöße in Hückeswagen am Tage des ersten Wahl- ganges zur Reichspräsidentenwahl. Angeklagt sind der 27jährige Bäcker W i l l m u nd- Lennep und der 41jährige Dachdecker- Meister Marx- Hückeswagen wegen vorsätzlicher Tötung sowie der 31jährige Zahnarzt Dr. H« u k e n k a m p- Lennep wegen An- stiftung zur vorsätzlichen Tötung und zum Raufhandel. Gegen die drei Angeklagten, die der H i t l e r- P a r t e i angehören, ist außerdem Anklage wegen Vergehens gegen das Schußwaffen- gesetz erhoben worden. Der Verhandlung liegen die Zusammen- st ö ß e zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten am 13. März zugrunde, in deren Verlauf drei kommunistische Arbeiter durch Schüsse gelötet wurden. Der Angeklagte Willmund behauptete bei seiner Ver- nehmung in Notwehr gehandelt zu haben. Er habe erst dann um sich geschossen, als feine Parteigenossen mißhandelt wur- den und er selbst abgedrängt worden sei, Heukenkamp bestreitet zum Schießen ausgefordert zu haben. Marx, der mit seiner Armeepistole zwei Kommunisten erschossen hat, be- hauptet, bewaffnete Kommunisten hätten von ihm die Auslieferung des in sein Haus geflüchteten Willmund verlangt. Als sie ver- suchten, die Tür einzuschlagen, habe er ohne festes Ziel geschossen. Dabei sind die Heiden Kommunisten getötet worden. KPO. mordet gleichfalls. Lleberfall auf Nationalsozialisten in Hamburg. Hamburg, 20. Mai. Die Polizeibehörde gibt folgenden amtlichen Bericht heraus: In der vergangenen Nacht gegen 23 Uhr wurden von einer Ver- sonzmlung heimkehrende Nationalsozialisten am Herrengraben von Kommuni st en überfallen. Es fielen mehrere Revolverschüsse. Auch stachen die Täter mit Messern aus die National- stnl-ilisten«in C» gelang den Angreisern, im Schutze der Dunkelheit zu entkommen. Der ganze Vorgang hatte sich in wenigen Augen- blicken abgespielt. Herbeigeeilte Ordnungspolizisten nahmen sich der Verletzten an. Der 26jährige Schisfsheizer Dannenberg hatte einen Rückenschuß erhalten und wurde sofort in ein Krankenhaus ge- schafft. Der 19jährige Maler Heinzelmann und der 18jährige Hand- lungsgehilfe Voigt, die sich beide auf Wanderschaft befinden, sowie der Optiker Großpietsch mußten wegen Stichverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Sie hatten Stiche im Rücken und im Nacken erhalten. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen wurden sofort aufgenommen. Nazifrechheiten im Ausflugslokal. tlnverschä'mter Terror gegen friedliche Bürger. Dieser Tage tat sich ein Trupp von etwa 30 Berliner Na- tionalsozialisten in einem Ausflugslokal in der Nähe von Tharandt bei Dresden in höchst flegelhafter Weise hervor. Rufe wie „Nieder mit der Republik!",„Nieder mit der Eisernen Front!" lösten bei den anwesenden Ausflüglern berechtigte Em- pörung aus. Auch versuchten die Nazis einem Reichsbannerkame- raden das Abzeichen von der Jacke zu reißen. Am gleichen Nach- mittag überfielen die Nazis auf der Straße zwischen Tharandt und Edle Krone mehrere Gruppen Arbeiterradsahrer, die von einem Jugendtreffen aus Freiburg nach Dresden zurückfuhren. Einem wurde das Bundesabzeichen abgerissen und die Kleidung zerrissen. Die Täter wurden, als sie im Begriff standen nach Berlin zurückzufahren, polizeilich festgestellt. Explosion in der Mühlenstraße. Ein Arbeiter lebensgefährlich verletzt. In der Chemischen Fabrik der Firma Zucker in der Mühlen st raße 5Z/54 ereignete sich heule mitlag eine schwere Explosion, bei der ein Schlosser lebensgefährliche Verbrennungen erlitt. Gegen 12 Uhr war der 34 Jahre alte Schlosser V e u t l e r in einem leeren Fabrikraum mit dem Entfernen alter Heizungsrohre beschäftigt. Zu diesen Arbeiten benutzte Beutler einen autogenen S ch n e i d b r e n n e r, der mit Benzin und Sauerstoff bedient wird. Inmitten der Arbeiten explodierte plötzlich der Benzin- tank und über die Arbeitskleidung des Schlossers ergoß sich die brennende Flüssigkeit. Lichterloh brennend eilt« der Unglückliche ins Frei«, wo er bewußtlos zusammenbrach. Die Feuerwehr schaffte den Mann ins Bethanien-Krankenhaus, wo er bedenklich danieder- liegt. Das Feuer tonnte schnell erstickt werden. Amtsenthebung eines Gtadtmspektors. Bezirksamt Kriedrichshain greift durch. Zu Meldungen über die vorläufige Amtsenthebung des S t a d t i n s p e k t o r's B. teilt das Bezirksamt Friebrichshain folgendes mit: V. übte als Berufspfleger im Auftrage des Vor- mundfchastsgerichts die Vormundschaft über Entmündigt« und Geistes- kranke aus. Ueber die von ihm getroffenen Maßnahmen im In- teresse der Mündel hatte er dem Vormundschastsgericht Rechenschaft abzulegen. Vor kurzem wandte sich das Vormundschastsgericht be- schwerdesührend an den Vorsitzenden des Bezirksamts Friedrichshain mit der Mitteilung, daß V. die Berichterstattung in einem Falle ungebührlich verzögert habe. Das Gericht setzte gleichzeitig eine Ordnungsstrafe gegen V. fest. V, wurde daraufhin versetzt und eine Nachprüsung sämtlicher von ihm bearbeiteten Akten vorgenommen. Dabei ergab sich, daß »er Verwendungsnachweis sür einen Betrag von 341 M., der van ! der Invalidenversicherung für ein Mündel des V. eingezahlt worden war, fehlt«. Weitere Verfehlungen ergaben sich trotz eingehender Nachprüfung nicht. V. wurde daraufhin von Bürgermeister M i e- litz vorläusig seines Dienstes enthoben und das Dienststrafverfahren mit dem Ziel der Dienstentlassung eingeleitet. Gitilichkeiisverbrechen am Knaben. Täter von der erregten Menge verprügelt. In den Morgenstunden des Freitag wurde im Haufe Holz- markt st raße 48 ein schweres Sittlichkeitsverbrechen an einen zwölfjährigen Knaben verübt. Durch die Schreie des Kindes wurden Hausbewohner aufmerksam, der Täter, ein 35 Jahre alter Otto Werner, flüchtete in den Keller, wurde verfolgt und von den Hausbewohnern furchtbar verprügelt. �>ann übergab man ihn einem herbeieilenden Ueberfallkommando. Der Junge, der zwölf Jahre alte Artur L, aus der Breslauer Straße 1, wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus Bethanien geschajst. Schwere Störung im Vorortverkehr. In der vergangenen Nacht entgleiste gegen 1 Uhr der letzt« Wagen des um 0.56 Uhr aus Potsdam ausfahrenden Leerzuges 2737 zwischen Potsdam und Nowawes und sperrte beide Gleise so unglücklich, daß der Vorortverkehr für mehrere Stunden unterbrochen war. Die von Berlin kommenden Züge mußten bereits in Neubabelsberg zurückgeleitet werden, und zwischen Potsdam und Neubabelsberg wurde ein Pendslverkehr eingerichtet. Besonders in den frühen Morgenstunden machte sich diese Betriebsstörung für die in Dienst und Arbeit fahrenden Personen empfindlich bemerkbar, da bei jedem Zug Ver- spätung bis zu 15 Minuten eintrat. Erst gegen 8 Uhr konnte der volle Betrieb wieder ausgenommen werden. Berliner Wurstfabriken bestreikt. Abwehrkampf gegen Lohndruck-Gchiedsfpruch. Der gestern abend von den Arbeitern und Arbeiterinnen der Berliner Wur st- und Konservenfabriken gefaßte Streikbeschluß ist heute früh in die Tat umgesetzt worden. In allen maßgebenden Betrieben ist die Arbeit nicht wieder ausgenmnmen worden. Es werden etwa 30 Firmen mit ungefähr 2000 Beschäs- llglen bestreikt. Unter diesen Betrieben befinden sich die bekannten Firmen Robert Koschwitz, Bruno Koschwitz, Rudolf Hanka, Ziegler- Weißensee, Wilhelm B e h r- Schöneberg, H e i b e r u. Co., Charlottenburg, u. a. Eine ganze Anzahl von Firmen hat bereits Vereinbarun- gen abgeschlossen, durch die sie sich verpflichtet haben, die bisherigen Tariflöhne bis zum 31. Oktober weiterzuzahlen und den alten Manteltarifvertrag bis zum 31. Mai 1933 anzuerkennen. Dies« Betrieb« werden selbstverständlich nicht bestreikt. Der Streik richtet sich, wie schon heute im„Vorwärts" mitgeteilt, gegen einen S ch i e d s-s p r u ch des Schlichtunzsausschusses, der einen Lohnabbau bis zu 15 Prozent vorsieht. Die E f h a- W e r k e, für die genau der gleiche Schiedsspruch wie für die übrigen Wurstsabriken gefällt worden ist, werden nicht b e st r e! k t, da der von der Firma nicht gekündigt- Mantel« tarif eine sogenannte Friedeneklausel enthält, wonach vor Abschluß eines Schtichtungsversabrens keine Kernimhandstinaen mikaenommen werden dürfen Die Opier des zuaytUu-au Zujammenstoßen am Donnerstag in Bombay wurden 23 Personen gelät«t und 95 verletzt. Es bleibt Heiß! In Verlin heute mittag bereits über 30 Grat». Die Schönwetterperiode, di« bereits überachtTage andauert und nur am vergangenen Mittwoch durch eine erhebliche Abkühlung auf wenige Stunden � unterbrochen wurde, dürste nach Meinung der Meteorologen für die nächsten beiden Tage weiter an- halten. Das über Europa lagernde Hochdruckgebiet ist weiterhin s e h r st a b i l. Im ganzen Reich herrscht sehr warmes Wetter bei meist wolkenlosem Himmel. Verlin hatte heute früh um 8 Uhr bereits 22 Krad Wärme, und damit hielt die Hauptstadt den Wärmerekord im Reich. Neben Berlin ist es noch in A a ch e n sehr warm, von wo morgens 21 Grad Wärme gemeldet wurden. Sogar in den höher gelegenen Gebieten herrschen hohe Temperaturen. Der Brocken meldete morgens 14 Grad und der Feldberg sogar 18 Grad Wärme. Beson- d« r s w a r m ist es zur Zeit im ganzen Gebiet der Ostsee, wo das Maximum tagsüber bei 28 Grad Wärme liegen wird. Etwas kühler ist es in den Nordseebädern, die durchschnittliche Morgentemperaturen von 15 bis 16 Grad Wärme verzeichneten. Mittags wurden in Berlin über 30 Grad Wärme fest- gestellt: das Thermometer stieg in den Nachmittagsstunden jedoch noch um einige Grad. Wie der Amtliche Wetterdienst erklärt, liegen die Temperaturen etwa 8 Grad über die um diese Jahreszeit sonst herrschende Durchschnittstemperatur. Für die nächsten 36 bis 46 Stunden ist mit dem Fortbestand des schönen Wetters zu rechnen. Allerdings ist es nicht ausgeschlossen, da auch in den höheren Lagen hohe Temperaturen herrschen, daß Wärmegewitter vielleicht sogar in Verbindung mit Böengewitter auftreten werden. Genaues läßt sich darüber jedoch nicht sagen. Jedenfalls ist nach allem«in schönes Wochenende zu erwarten. Das Versahren gegen Kohl? 15 Minuten Verhandlung aus.prozeßtechnischen" Gründen D«r Sklarek-Prozeß ist heute wiederum in ein neues Stadium getreten. Nach halbstündiger Verspätung wurde di« heutige Verhandlung von Amtsgerichtsrat Keßner mit der kurzen Mitteilung eröffnet, daß heute aus prozeßtechnischen Gründen nur 16 bis 15 Minuten verhandelt wer- den könne, die Fortsetzung findet am morgigen Sonnabend statt, und zwar werde man an diesem Tage auch nur kurze Zeit ver- handeln. Das weitere werde morgen gesagt werden. Heber die Gründe dieser Mahnahme wurden sowohl von der Staatsanwalt- schaft als vom Gericht strengste» Stillschweigen gewahrt. Man ver- mutet aber bei den Prozehbeteiligten, dah auf diese Weise die prozessuale Grundlage für eine Wiederangliederung des Verfahrens gegen Kohl geschaffen werden soll. Falls sich nämlich herausstellt, daß Kohl ein Medikament genommen hat, um seine VerHandlungsunfähigkeit herbeizuführen, so könnte dies even- tuell als„freiwillige Entfernung" im Sinne der Strafprozeß- ordnung gedeutet werden. Der Vorsitzende gab dann Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißen- b e r g das Wort, der sein nun schon wiederholt unterbrochenes Plädoyer kurz fortsetzte. Zerfall der Heimwehr. pfrimer nimmt Abschied. Der steierische Provinzadvokat Dr. Walter Pfrimer, der Macher des blutigen Heimwehrputfches vom September 13 3 6, der darauf in» Ausland flüchtete und später von den Erazer Geschworenen freigesprochen wurde, hat jetzt die Heim- wehr verlassen und in einem Abschiedsbrief den Stab über sie gebrochen. Weil sie nicht mehr putscht, sondern im Parlament und um Ministersessel schachert, weil der„Führer" Starhemberg pleite und Grohschuldner des mährischen Geldjuden Kohn ist, zieht Pfrimer wutentbrannt von bannen. Außer in Tirol und Steiermark bedeutet die Heimwehr in ganz Oesterreich nichts mehr. Bei den Wahlen am 24. v. M. hat sie weder in Wien noch in Niederösterreich, Salzburg und Kärnten auch nur zu kandidieren gewagt. Sie hat als Todfeind de» Parlamentarismus begonnen, sich aber bald an ihm beteiligt und sich dadurch selbst das Rückgrat gebrochen. Erbe ist die Hitlerei, die von vornherein in der Doppelgestalt des Banditentums und einer„legalen" Wählerpartei ausgetreten ist und je nach Bedarf auf einem dieser beiden Tätigkeits- gebiete auftreten kann. Arbeiter morden können sie noch. wie». IS. Mai.(Eigenbericht.) Am Donnerstagnachmittag überfielen Heimwehrleute in dem steirischen Ort D o n o w t tz, dem Gebiet der Alpinen Montangesell- schaft, sozialdemokratische Arbeiter. Mehrere Arbeiter wurden schwer verletzt. Die Heimwehrleute zogen schwer bewaffnet durch die Straßen und stießen Drohungen gegen die Arbeiter au«. Die Gendarmerie verhielt sich völlig passiv. Eine Heimwehrabteilung von 56 Mann überfiel einen 41jährigen Arbeiter. Ein Heimwehrmann rief:„Das ist auch so ein roter Hund!" Daraus stürzten sich die schwer bewaffneten Heimwchrleute auf den wehrlosen Arbeiter, schlugen ihn nieder und mißhandelten ihn, bis er aus vielen Wunden blutend lebensgefährlich ver- letzt zu Boden sank; den Bewußtlosen warfen sie in den Straßen- graben und ließen ihn dort liegen. In einem anderen Heimwehr- viertel schössen die Faschisten auf Arbeiter. Zwei Arbeiter wurden verletzt. Do X in Reusundland. Start zum Weiterflug noch ungewiß Nach einer Meldung der Associated Preß ist da» Flugboot Do X um 5 Uhr 16 bei D i l d o in der T r i n i t y- B a in die von Wildheit und Finsternis durchdrungene Zeit. Diese Zeit. voll von Blutschuld und Schande, ist im ewigen Aufbruch nach Er- lösung und Sühne. Im„O l a v A u d u n S s o h n", dem genialen Gegenstück von«Kristin Lavransootter", ringen zwei einander innig zugetane Menschen, gemarteet vom Bewußtsein ihrer Schuld- beladenheit, um ihr Glück und ihren Frieden. Der Held des Epos, Olav, stürzt sich in kriegerische Taten und glaubt damit um seinen Seelenfrieden zu kämpsen, aber nichts hilft ihm über die ungesühnte Mordtat an dem Verführer seiner Frau hinweg. Immer wieder das gleiche Motiv des Erlösungsgedankens, geboren aus dem Be- streben der in der schwärzesten Reaktion festgefangenen Menschheit öes Mittelalters. Aber auch die Gegenwart, unser« Zeit, beschäftigt die Undset. Soeben gab sie einen Band gesammelter Aufsätze heraus:„E i n Frauen st andpunkt", worin sie Stellung nimmt zur Frau als Mutter, zur Frau in ihrer Bewegung im Kamps um ihre Rechte und um ihren Einsatz bei der Gestaltung unserer Welt. Hier lernen wir die Dichterin als feinsinnige Beobachterin und scharf denkende Soziologin kennen. In diesen Auseinandersetzungen mit der unmittelbaren Gegenwart lernen wir oerstehen, warum sie in ihren Epen in die Vergangenheit flüchtet. Um in die Problem« der Gegenwart hineinzuwachsen, findet sie es wichtig, den Weg da- hin von dort zu nehmen, wo dies« Probleme ihren Anfang nehmen. Die Fünfzigjährige hat rest«inen Teil ihres eLbsnswerkes ein- geerntet, wenngleich auch dieser Teil die sehr beträchtliche Summe von Arbeit, Können und Erkenntnis ist. Jetzt geht sie den Weg zur Vollendung, der weit, aber für sie erreichbar sein wird. Friedrich Lichtneker. lebhaft und wurde durch weitere Vorträge von Dr. Steinmeyer- Görbersdors und Dr. Haeger-Limburg ergänzt. Der Donnerstag brachte die Haupttagung der Deutschen Tuber- kulose-Gesellschaft, in deren Mittelpunkt eine Aussprache über hämatogen«, d. i. die durch Verbreitung auf dem Blutwege hervor- gerufene Tuberkulose, stand. Deutsche Bib'-wtheken in Not. Die Vereinigten Verbände des Vereins Deutscher Bibliothekare und der Verband Deutscher Volks- bibliothekare hielten in Jena eine Reichstagung ab. In einer Entschließung bringen die Bibliothekare zum Ausdruck, daß sie in den jüngsten Spar- und Abbaumaßnahmen be! den deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken und den Volksbüchereien eine Gefahr für das deutsche Kulturleben sehen, in deren Auswirkung nie wieder gutzumachender Schaden entstehen müsse. Die Verarmung der wissenschaftlichen Bibliotheken müsse in kürzester Zeit eine in hohem Maße schädigende Rückwirkung aus die produktiv« deutsch« Wirt- jchaft und ihre Weltgeltung auslösen. Die Volksbüchereien als so- genannte Verbrauchsbüchereien müßten ihren Bestand in kurzer Frist verbraucht haben, zumal sie sich überall für die Behebung der geistigen Not der Erwerbslosen rücksichtslos«ingesetzt hätten. Wenn nicht unersetzliche Werte zugrunde gehen sollen, so tue schnelle und gründliche Hilfe not. Zür die freie Literatur. Der P e n- C l u b, der seinen diesjährigen Weltkongreß in Budapest abhielt, nahm einstimmig ein« Entschließung an, die das Exekutivkomitee verpflichtet, jedesmal, wenn irgendwo ein literari- fches Werk verboten wird, nach genauer Prüfung des Falles for- mellen Protest bei der betreffenden Regierung zu erheben. Dieser Protest hat mit folgender Einleitung oersehen zu sein:„Außerhalb jeder politischen Voreingenommenheit, aslejn vom Interesse der Literatur geleitet und getreu dem Grundsatz, daß der wahre Schriftsteller die volle Freiheit beim Ausdruck seiner Gedanken be- sitzen muß, wird dieser Protest der Regierung vorgelegt." Im neugewählten internationalen Exekutivkomitee sitzt als deutsckzez: Vertreter der Schriftsteller Hanns Martin Elster(Berlin). Der Freie Lichtbildner. Die Lichtbildnerei hat in der Arbeiter- schaft wertvolle Helfer gefunden, die sich nicht mit den üblichen Motiven— Porträt, Landschaft, Stilleben— begnügte, sondern sich Mit besonderer Energie dem sozialen Photo zuwandte. Aber weil Stillstand Rückschritt ist, bedarf sowohl der Anfänger wie der Fortgeschrittene einer steten Schulung. Als dankbaren Helfer iverden sie die Zeitschrift„Der Freie L i ch t b'i l d n e r" begrüßen, deren vierte, Heft bereits im Umfange von 12 Seiten erscheint. Der geringe Preis von 15 Pfennigen macht diese Zeitschrift jedem er- schwinglich. Die wertvollen Beiträge des neuen Heftes behandeln „Jede Phokoarbeit muß planmäßig sein",„Juristerei und Amateur- photographie", ferner bringt dos Heft eine Anzahl Bilder, Rezepts, technischen Briefkasten. Di« Zeitschrift kann durch den„Vorwärts" oder durch Hans Etzkorn, Berlin-Britz, Fritz-Reuter-Alle« 86, be- zogen werden. Die Besuchszisfern der Museen steigen. Ein Vergleich über die Besuchszisfern der wichtigsten Museen in Berlin und im Reich zeigt die erfreuliche Evscheimmg, daß trotz oder vielleicht gerade wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise der Museumsbesuch in den letzten Mo- naten eine Zunahme erfahren hat. Dabei stehen neuzeitliche Gamm- lungen, besonders aus den Spezialgebieten der Technik, im Vorder- grund. Bewährt scheinen sich vor allem die Sonderausstellungen. die einen bestimmten Zeitabschnitt umfassen, zu haben. In Berlin hatten den stärksten Besuch in den letzten Monaten das Pergamon- Museum auszuweisen. Der Ehrensaal sür Fernmeldetechnik im Deutschen Museum in München ist jetzt vollendet. In dem Raum sind die großen Förde- rer der Fernmeldetechnik aller Nationen in großen Porträts von Kunstmaler Karl Bauer festgehalten. Neben den ersten Tele- graphenapparaten von Soemmering. Gauß und Weber. Steinheil, Siemens u. a. sind auch die neuesten Apparate, wie der Schnell- telegraph von Siemens, der Springschreiber nach Morkrum-Klein- schmidt, meist in betriebsfähigen Anlagen, ausgestellt. 8 032 004 Einwohner in Belgien. Der amtliche belgische „Moniteur" veröffentlicht das Ergebnis der Volkszählung vom 31. Dezember 1331. Danach hat Belgien 8 692 664 Einwohner, und zwar 4 667 418 männliche und 4684 586 weibliche. Im staatlichen Schauspielhaus finden snlählich der ltunstwochen Nach- »littagevorflellunaen u> besonders ermäßigten Preisen statt lv.sb— l,8v M.i. Sonnabend und Sonntag„Gottfried von B« r l! ch i n g e n". An- japg 3 Uhr.___ „Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Posiauslag« bei. S.'Heumimu:„3)ie detitfdiwn Parleien" lieber die Problematik des deutschen Parteiwesens sind in den letzten zwei Jahren eine Reihe v»n Schriften und Umsätzen er- schienen� entweder beschränken sich diese Arbeiten aus die bloße Dar- ftellung der verschiedenen Parteiprogramme oder aber die tat- sächliche Entwicklung des polilischen Geschehens überholt das geschriebene Wort. Das Bändchen,„Die deutschen Parteien" betitelt, das Sigmund N e u m a n n im Berlage Juncker und Dünnhaupt verössentlicht hat, ist heute keineswegs überholt, obwohl es bereits im Oktober 1931 abgeschlossen wurde, was angesichts der drei großen Wahlschlachten, die seitdem stattgesunden haben, wohl die stärkste Anerkennung sür den Verfasser bedeutet. Gewiß haben die Wahlergebnisse manchen Entwickln ngszuiiaminenhang deutlicher gemacht, als dies im vorigen Jahr vorauszusehen war, vor allem ist das Wechsclvcrhältnis zwischen NSDAP, und KPD. zugunsten der Nationalsozialisten entschieden worden, die Kommunistische Partei hat geringere Anziehungskraft gezeigt. Allerdings wird Neumanns Darstellung des deutschen Fafchisnuis hiervon nicht berührt, die aus knappet» Raum alles wesentliche herausschält. Der Nachweis, daß der Erfolg der Na ti ona ksozialistisch en Partei nicht allein auf wirt- schastlicher Not und Massenarbeitslosigkeit beruht, sondern aus einer Krise, die alle Bezirke des Lebens erschüttert und in Frage gestellt hat, ist überzeugend gerührt. Auch die Struktur-Analysen der an- deren Parteien sind treffend und fassen die manchmal schwer erreich- bare Literatur ausgezeichnet zusammen: besonders die Analyse der Sozialdemokratie, die Re>mann als demokratische Inte- grationspartei bezeichnet, iin Gegensatz zur NSDAP., welche als absolutistische Jntegratianspartei angesehen wird, dürste für parteisoziologische Diskussionen eine wertvolle Grundlage abgeben. Der Schlußabschnitt der Schrift versucht, das Fazit der jüngsten deiitschen Parteientwictlung zu ziehen, chier, glaube ich, steht Neumann zu sehr im Banne Carl Schmitts. Die gegenwärtige Er- schütterung des Parlamentarismus, die sich„auch in der Praxis der Parlaments- und Regierungstätigkeit zeigt", müßte keine endgültige sein. Es ist nicht ausgeschlossen, daß hier die soziologische Erkenntnis zu einseitig st ä d t i s ch gebunden ist.— Jedenfalls darf Neumanns Schrift, die auch in einer besonderen Organisationsausgabe erschienen ist, ausdrücklich eupfohlen werden. Vor allem ist sie als Grundlage für Arbeits- und Lesegemeinfchaften geeignet: an den Stellen, an denen sie durch die jüngste Entwicklung gelegentüch korrigiert wird, ist die Auseinandersetzung besonders lehrreich. Schließlich ist noch ans die ausgezeichnete Bibliographie hinzuweisen, die sür den Weiter- strebenden in übersichtlicher Anordnung die nötigen Hinweise enthält. J. P. Mayer. Wetter für Berlin; Trocken, heiter, sehr warm, schwache Luft- bewegung aus südlicher Richtung.— Für Deutschland: Im größten Teile des Reiches Fortdauer des trockenen, heiteren und warmen Wetters, nur im Nordosten wolkig mit Gewitterneigung. Rrnidlimk am Abend Berlin: 16.10 Sommerarbeiten im Gemüsegarten (Dipl.-Gartenbauinsp. P. Plant/1. 16.35..So/iale Hygiene in der\enzeit"(Ob»r-Reg. und Ob.-Med.-Rat Dr. Pusch). 17.00 Klavierunterricht. 17.30 Kann man die Atome sehen?(Prof. Dr. H. Reichenbach). 17.30 Das neue Buch. 18.00 Bilder aus dem alten Berlin(G. Schnarke). 18.13 Neues vom Sommerfahrplan der Reichsbahn(Reichsbahndir. A. Baumgarten). 18.35 Gem. Chor Friedenau-Steglitz(DASB.i. 18.33 Die 1' unk- stunde teilt mit... 19.00 Stimme zum lag. 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.53 Wegweiser ins Wochenende. 20.00 Hörspiel;„Potsdamer Str. 17a". 21.00 Aus der Singakademie: Kammerkonzert. 21.30 Aus München: Bunte Stunde. 22.20 Wetter-, Tages- und Sport nach richten. 22.30 Interview des Rennfahrers Sir M. Campbell(Sdiallph). Unterhaltungsmusik. Königs Wusterhausen: 16.00 Die Beschaffung von Arbeits- und Unterrichtsmitteln(G. Piater). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Die Apostelgeschichte im Neuen Testament lProf. Lietzmann). 18.00\ erschollene deutsche Musik aus der Zeit Bachs.{Marie Luise König und H. Schultze- Ritter.) 18.30 Das Handwerk in der W elt(C. Hauser). 18.33 W etterbericht. 19.00 Aktuelles 19.13 Wissensdiaftl. Vortrag f. Aerzte. 19.33 Aus Leipzig: Bichard-W agner- Abend. 21.00 „Alimente"(Lehrspiel). Sonst: Berliner Programm. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstolt Paul Singer K: Co., Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. pROGRaMH vm?™ H IPH IT Üi üi| 20. bis Z3. Mal UNSERE PREISE für verbilligen den Haushalt! verkaiil soweit Vorrat!— Mengenabgabe vorbehalten Wurstwaren Sppchuiurst... pu. ab 0.52 specH, teil...... pid.o.58 i-'leischwst...pid.abO.es Benin.[Seituiurst. o.?4 Hausm.-Leiiepwiirsi«d 0.75 Jagöuiursi pm.o.ts Braunschweiger Art pw. 0.7« SpecH, mager____ pid.o.82 Damptimurst..... ptd.o.es n. ledenuiirst... pw 0.95 Teewurst u.�.Pid.o.s8 SctiinHenpßlnisclie.pid.o.98 neruelat o.saiani,.ptd.o.ss ntechi. Hümmel w...PM.i.oa sctiinhenspecH...pw i.io Pom.ceru 0. Salami, ptd.i.os Koist.scniachiu.i.Fe.td,pfd.i.i8 nuBsctilnlien____ pw.i.as Käse und Fette Kuhhase....... pm. 0.2s Harzep«388. 1 Pfd.-Paket 0.28 Seines. 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Stein, O.SO Siachelheeren... 0.70 Birnen halbe Fr..., 0.80 Reineclauden.... o.so Ananas sschaib«.., i.io Vi Flasche ohne Glas. imer Vi Flasche ohne Glas-. in teinster Raffinade eingekocht........ Liier [abioet-fniüitscHiiiiiii- wd in 1/1 h,asche nCill einschl. Steuer.. Leicht verderhiiene Waren vom Versand auMgescniossen Kolonialwaren Gemüse und Obst Frisches Fleisch Burma-Reis...... pw.o.it Frischer Spargel.pw.«b0.io KalÖSHamm.... ptd. ab 0.40 nracan-Reis....... o.is Heuenieren-Hariclf. zpw. 0.35 Kajhehnijst pid.b0.54 Patna-Reis........ 0.22 dünge Schoten.. 2 pw. 0.2s""surusi.... m.b. mouiman-Rels..... 0.24 Rsanarher..... 4 pw. 0.22 HaMKSUlB.pw.abU.v4 Welzengriek....... o.ae Radieschen....5 Bund 0.10 SCllW6lll6schinKeniiiiti!iPfii0.60 Haricrieß........ 0.26 nopfsalaf..... 3 Kopf 0.25 Baucllpw.0.50 Blatt pw.0.45 Schohoiadenpuluer... 0.78 Biaftspinat..... 4 pw. 0.1 8 nzmm nnii 8x1,11«»»0.78 Reie Grütze Puluer... o.ss erune Gurken. stück ab 0.30" o aoFlshiiln� 0 34 Puderpudding......««o Zitronen..... Dtzd. ab0.36 tmsno.eo tlSCGini«.s,.u.3 Heflee Irisch gebr.. Ptd. ab 1.80 Gznsnen...... 2 Pfd. 0.75 BUCKGIlISIl bratfertig. PW. U.4U —- ä~eb Amerik. lafeiapfei. 2 pw. 0.75 SctiwellieHopl m. Bad« pw. 0.24 HlilillCt gefroren.. pw Erdnüsse........ V.2S BammSlvSPIISPtl. PW. ab 0.64 --- Suppentleisch.. PW. ab 0.44 Hahllau o.Kopf,lmciz.anPW. 0.10 Salatöl..... Vi Ur-Fl. o.so SGhirOrlieiscfi.. PW. ab 0.70 Merlan....... PW.0.12 pert.Pe!sard!nen',.D.25t. 0.50 BaKlSP ab 0.76 Bpatw 0.60 Seelachs...... pw. 0.12 Port. Gelsardinen>,.0.251. o.ss G|||8srih 0.58 Gehackt 0.50 Fischfilet...... pw. 0.1 s diu. Flscnmarln.vzur. Dose 0.38 Hmmn � j Fetthocklinge.... pw. 0.26 Fischgurken... anstck. 0.10 �™�eöer 0.68 nieren 0.58 Seelachs Reräuchert.. pw. 0.26 saure Gurken. an 5 stck. 0.20 Backen 0.32 Herz pw.o.38 Makrelen....... pw. 0.28 Feitheringe. 10 stck.«.s« 0.26 Lunge pf.o.24 tUl8P PfO.18 Räucherlachs im stck. pw. 1.20 spelse-Esslg..... ttr. 0.25 Rlndernlerentalg ausgai. pfd.0.38 PRO GRAMM iür die Zeit vom 20. bis 23. Mal ©IO© Potsdamer Straße 38 Sic ha ircrhai-Expreß mit Marlene Dietrich,(ilv© Brook. Anna.Hay Wonjp W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 He|od ie der Liebe mit Richard Tauber. Alice Treff.-Sz-öke Szakall.— Jugendliche Zutritt W. ö, 7. 9 Uhr H/f„ 7' Hariendurrer W. 7, 8.3". ifta-ljl Tonlirht.piele So. 5, 7,8.50 Cbausscestr 305. Stg. 3 U Jugend v lv| Durchlaucht amüsiert sich -I mit Georg Alexander. Irrwege de» Lebens Filmeck Am Görlitzer Bahnhof I'eber die.Sommermonate geschlossen.— Wiedereröffnung Anfang August Luisen-Theater"'.Ubsu. Reichenberger Str. 34. Großtonfilm Helodie der Liebe mit Richard Tauber Gutes Toiibeiprogramm Jugendliche haben Zutritt > Baumsctiulgnwa"b Lichtspielhaus Sonnt. 2.30 Uhr Jugend-Vorstellung Baumschulensir 78. Tonwochc DI© Gräfin von Honte Christo mit Brigitte Helm. Forster.— Tonbeiprogramm German ia-Palast Frankfurter Allee 314 Woch. 6.30 Uhr. Sonntags ab 3 Uhr 2 Tonfilme in einem Programm; Fünf von der Jazzband mit Jenny Jugo Zwei in einem Auto (Eine Reise ins Glück) mit Hagda Schneider, Karl L Diehl Luna-Palast lonmibsijhr Gr Frankfurter Str. 121. Tonwoche Die Gräfin von Honte Christo mit Brigitte Holm, R. Forster. — Gesangverein Sorgenfrei mit R. Roberts Schwarzer Adler SlS"» W. 5, 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr 2 Tonfilme: Mamsell Xitouche mit A. Ondra.— Der Frauendiplomat mit Hartha Eggerth. Hax Hansen.— Tonwoche Stella-Palast VJÄ Köpenicker Straße 12—14 Schanghai Expreß mit Harlenc Dieti»ch Anna Hay-W'ong Regie: Joseph von Sternberg. Ferner Die Wasserteufcl von Hieflau Der große Faltboot-Tonfilm T rep to w-Ste rnwa rte Sonnabend 4. 8. Sonnlag 4. 6, 8 Uhr. Die Xibelungen Kriemhilds Rache(Film) Viktoria-Theater s�0 ab 3 u5 Frankfurter Allee 48. Kadetten(Hinler den roten Mauern von Lichterfelde) mit Albert Bassermann. Trude v. Molo.— Beiprogr.— Jugendl. hab. Zutritt U Neu« Lichtenberg W Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70. Wo. 6.45, 9 Uhr. Sonnt. 5. ca 7, 9 Uhr Helodie der Liebe mit Richard Tauber.— Gr. Tonbeiprogr.— Tonwoche.— Jugendliche Zutritt ��Friedrlchsfeld��p Vi** Frl.,Sbd.. Stg. ab 5, iiino DUSCn sonst Beginn 6 Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 Tonwoche Fünf i on der Jazzband mit Gitta Alpar. Gustav Fröhlich. — Tonbelpr. Woche. Jugdl. Zutr. Nordosten " Prenzlauer „tjiyswm Allee 56 Beginn Wocht. 5.15, Sonnt. 3.15 Uhr Schanghai Express mit Harlenc Dietrich— Bühne; Kapelle Ruth ii. ihre Jazzboys Flora-Lichtspiele Wocht. 5.45, ca. 7. 8.45. Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme; Schanghai-Expreß mit Harlene Dietrich.— Ein süßes Geheimnis mit Hansi Niese________ Königstadt-Palast sil'ahV! Schönhauser Alice 10 Neue Direktion Gitta entdockt ihr Herz mit Gitta Alpar. Gustav Fröhlich. Tonbelpr.— Jugendliche Zutritt 1 Norden M Müllerstraße 136. AlnCLmOTQ Ecke Seestraße W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Fünf von der Jazzband mit Jenny Jugo.— Ferner Tanz und Lied der Nationen_ Pharus-Lichtspiele Möllerstr. 142 Täglich 5. 7, 9 U. Zwei Großionfilme: Helodie der Liebe mit Richard Tauber.— Wenn dem Esel zu wohl ist mit VSasta Burian. Charlotte Ander W P a n k'ow"™' W Palast-Theater ab 5 Ihr Breite Str. 21 a. Hädchcn zum Heiraten mit Renate Hüller. Herrn. Thimig. — Tonbeiprogramm W Reiniclcendcrf-Ost Beba-Lichtspiele Residenzstr. 124 W. 6.45 u. 8.45 Uhr So. 5, 7. 9 Uhr. Stg. 3 Uhr Jugend- V. Ein bißchen Liebe für dich mit Lee Parry. Hagda Schneider.— Beiprogramm ■ Tegel■ Filmpalast Tegel fÄt Wochent 6 Uhr, Sonnt. 4.15 Uhr Sonntags 2 Uhr: Jugend Vorstellung Fräulein, falsch verbunden mit Hagda Schneider.— Schritt und Tritt mit Fat u. Patarhon Keg. W. 6. 8.30 Uhr rumpalost stes tu. sh. 8% u. Berliner Str 59 Großtonfilm: Zwei Herzen umi ein Schlag mit Lilian Harvey« — Tonbeiprogramm « {Beilage Freitag, 20. Mai 1932 frrjftnril StuUauiga&s da Iburdfü Die Tragödie des Ostens Beiträge zum oberschleslschen Problem S. Pepper: Das Buch vom Kaschpar Theophil Kaczmarek „Kennt ihr einen gewissen August Scholtis, Sohn des wilden Tomaschek namens Fritz und seiner Ehefrau Valeska, Tochter des Bauern Herrson?" So fragt Kaczmaret die Holzfäller im Hultschiner Landchen, und sie antworten ihm:„O ja, wir kennen ihn. Das ist ein großer Lump und Antichrist." Und dieser A u g u st Scholtis, der in der Meinung der Bauern seiner Heimat ein großer Lump und Antichrist ist, hat jetzt bei S. Fischer in Berlin einen Roman erscheinen lassen.„O st w i n d" heißt das Buch, Roman der oberschlesischen Katastrophe, und die Meinung der Hultschiner Holzfäller über den Verfasser wird sicher bald in der Presse und im Publikum einen Widerhall finden, denn in diesem Buche ist zum ersten Male der Versuch unternommen, das Problem Oberschlesien im Zusammenhang mit den internatio- nalen Beziehungen und Verwicklungen, im Zusammenhang mit der Rolle des deutschen Kapitals im Osten, den Resten des Feudalis- mus und des oberschlesischen Kterikalismus zu sehen und zu deuten. Man kann die Bücher, die bisher über Oberschlesien erschienen sind, ganz getrost nationalistische Affekthandlungen nennen, aus Leute wie Arnolt Bronnen und Hanns Heinz Ewers wirkt der Bc- griff Oberschlesien wie ein rotes Tuch, und Bücher wie Bronnens „O-S" und Ewers'„Reiter in deutscher Nacht" sind wohl Muster einer deutschen Befreiungskriegsideologie, die immerhin bei Theodor Körner noch flammender und auch berechtigter ist, aber an das wirt- schaftliche und soziale Problem, an die Ursachen der oberschlesischen Tragödie kommen sie vor lauter Heldenmut und Trompetenblasen gar nicht erst heryn, denn dann könnten sie nicht nur über das nationale Unrecht schimpfen, sondern müßten auch einmal die nationale Schuld sehen, die aus das Konto der wilhelminischen Ostpolitik zu buchen ist. „Lstwind". Dies« kleine Abschweifung in das Gebiet der nationalistischen Afsektliteratur war notwendig, um den Roman„O st w i n d" von vornherein gegen eine Gattung von Büchern zu distanzieren, die er weit überragt. Wenn man ihn überhaupt einordnen will in die Literatur der Gegenwart, so lassen sich in erster Linie zwei Romane nennen, die Stoffliches mit ihm gemeinsam haben: es sind Feucht- wangers„Ersolg" und Reger-„Union der festen Hand". In dem ersten Buche wird das Land Bayern innerhalb einer bestimmten Zeit künstlerisch geformt, im anderen das Ruhrgebiet. Es handelt sich bei diesen Büchern nicht mehr um Einzelschicksale, auch nicht mehr um das Schicksal einer bestimmten Gesellschafts- schicht, sondern hier wird ein Land und ein großes Wirt- s ch a f t s g e b i e t mit allen sozialen und psychologischen Gegensätz- lichkeiten lebendig gemacht. An einer Vielheit von Einzelschicksalen, die, isoliert betrachtet, nicht sehr wichtig sind und die erst durch die dialektische Verbundenheit mit den landschaftlichen und gesellschaft- lichen Gegebenheiten Bedeutung erhalten, wird das Gesicht eines Landes gestaltet. Der Roman wird Historie, und die Geschichte wird Roman, das heißt, sie wird von Aktenstaub und Daten befreit, aus dem Abstrakten ins Konkrete übersetzt, historische- Geschehen wird sichtbar gemacht und die gegensätzlichen Kräfte wirtschaftlicher und ideologischer Art, die das geschichtliche Geschehen bestimmen, werden an den Trägern der Handlung lebendig. Die Personen des Romans sind nicht mehr Selbstzweck, sondern sie werden einem geschichtlichen Sinn untergeordnet. In die Gruppe dieser Romane ist ,,O st w i n d" einzuordnen. Denn was in dem Buche gezeigt wird, ist nicht nur ein Stück Ober- schlesien oder das Schicksal einer Stadt, sondern es ist das g e- schichtliche Geschehen, das sich innerhalb einer bestimmten Zeit auf dem geographischen Punkt, der Oberschlesien heißt, abspielt und mit der Zerstückelung des Landes endet. Das ist der große Rahmen, in den die Handlung des Romans eingespannt ist. In der Art, wie S ch o l t i- nun von der oberschlesischen Katastrophe er- zählt, in der Wahl seiner Personen und überhaupt in seiner in- dividuellen Gestaltungsmöglichkeit unterscheidet er sich ganz beträcht- lich von Feuchtwanger und Reger, mit denen er nur den großen Borwurf gemeinsam hat. Und hier muß jetzt das Buch eines älteren Schriftstellers genannt werden, ohne den Scholtis wahrscheinlich nicht zu der Form seines Romans und zu der Figur seines Kaczmarek gekommen wäre. Es ist der„Tyl Ulenspiegel" von Charles de C o st e r. Hier ist Scholtis in die Lehre gegangen, und er hat sich nicht den schlechtesten Lehrmeister ausgesucht. Es ist eine Ber- wandtschaft im Temperament, beiden ist der Haß gegen den Feudalis- inu- gemeinsam, beide sind heftige Feinde der katholischen Kirchen- gemalten und gegen eine gewisse Art von Klerikern sind die schärfsten Angriffe gerichtet. Beiden stehen die Register des Spottes und der Satire zur Verfügung, die schon immer die besten Kampsmittel gegen degeneriertes Junkertum, Dunkelmännerei und die menschliche Dummheit waren. Vieles ist auch den Stoffgebieten, die sie in ihren Romanen behandeln, gemeinsam. Die Rolle der Kirchenbürokratie des Groß- grundbesitzes, die Methoden der Unterdrückung und Ausbeutung waren besonders im Vorkriegs-Oberschlesien nicht viel anders als zur Zeit der nationalen Befreiung Flanderns. Denn Oberschlesien war und ist, trotz des Kohlenpotts und de- Jndustriebezirks, ein ziemlich rückständiges Agrarland, und vor dem Kriege gehörte das ganze un- ermeßliche Gebiet einigen Fürsten, Junker» und Feudalherren, die nicht ohne Zusammenhang mit der Kirche über das Land herrschten und den kleinen Bauern in direkter Hörigkeit hielten. In diesem Vorkriegs-Oberschlesien, in dieser am ärgsten vernachlässigten Ecke Deutschlands, wo nach der Meinung des deutschen Bürgers und Etammtischpolitikers nur verlauste Wasserpolen und östliche Unter- menschen hausten, läßt Scholtis seinen Roman beginnen. Kaczmarek klagt an. Die Hauptfigur des Buches ist nun jener Kaschpar Theophil Kaczmarek. den eine Magd aus der Rückkehr von einer Pilger- fahrt nach dem polnischen Czenstochau auf einem Felde zur Welt bringt: und dann„starb Milka, Emilia Balzer, Milko Balzerova, krätzige Tochter des Leibeigenen, Freiheit-kriegers von Dreizehn- Vierzehn, des totgeprügelten sogenannten Ackerknechtes zunamens Balzer." Und das Kind Kaczmarek„schenkten sie keinem Geringeren denn dem Bauern Jeremiasch Kukla". Und Kaczmarek bleibt am Leben und wächst heran auf dem oberschlesischen Lande bei einem kleinen Bauern, der im Machtbereich des preußischen Junkers Udo Toto von Moto Homo ein kärgliches Leben zristet, dessen Frau Emmerenzianna nach Czenstochau pilgert und aus lauter Frömmig- keit mit dem Knaben Kaczmarek nachts einen Kürbis stiehlt, um ihn Hochwürden, dem Pfarrer, zu bringen, sozusagen als Vorschuß auf die ewige Seligkeit. An derartigen charakteristischen Borfällen orientiert Scholtis feine Satire auf die gesellschaftlichen Verhältnisse im Vorkriegs- Oberschlesien, unter denen die Spottgestalt de- Kaczmarek groß werden konnte, der im übrigen Deutschland zum höhnisch bewitzelten Sammelbegriff für den oberschlesischen Menschen wurde und den Scholtis nun mit umgekehrten Vorzeichen gestaltet, so daß alles, was ihm Böses, Lächerliches und Groteskes widerfährt, auf die- jenigen zurückfällt, die einmal am lautesten darüber gelacht haben. Das ist der Sinn der Kaczmarek-Gestalt: seine oft grotesken und überspigelten Erlebnisse sind nicht nur erzählt, um den Leser zu unterhalten, sondern sie werden zum anklagenden Bericht über die oberschlesischen Berhältnisse, und aus ihnen entwickelt sich die historische Tragödie dieses Landes, die von den deutschen Nationali- sten so gern begreint wird, und die ihre Ursachen doch in der Ost- Politik wilhelminischer Regierungen hat, in der Ver- nachlässigung des Landes, der Bauern wie der Industriearbeiter, und in der Auslieferung beider an die Junker und an das Industrie- kapital. Der Bauer wie der Arbeiter waren vollkommen rechtlos, sie wurden enteignet, ihre Prozesse verschleppt, wie Scholtis das an dem Fall eines Industriearbeiters zeigt, sie waren„polnische Land- säue" und zählten nicht mit. Ihre Sprache war das Polnische, ihre Religion der Katholizismus, und sie waren zwar deutsche Staats- bürger, aber sie hatten keine Verbindung mit der Nation, und dann wollte man ihnen Nationalbewußtsein beibringen, indem man ihnen protestantische Beamte auf den Hals schickte, die sie von vornherein verachteten, indem man in den Schulen und im Umgang mit den Behörden den Zwang einführte, deutsch zu sprechen. Man wollte sie für Deutschland mit den denkbar dümmsten Mitteln gewinnen, mit Märchen vom alten Fritz, mit Lobliedern auf die deutsche Kultur, auf die die Bauern, die in dreckigen Katen lebten, pfiffen, und die Kumpels auch, die zwölf Stunden im Schacht steckten und um Hungerlöhne arbeiteten. Das Ergebnis dieses Handeln- war eine Entfremdung, wenn nicht gar ein Haß gegen das Deutsche, das der Bevölkerung nur als ausbeutende Macht deutlich wurde, als Unternehmer, als Richter, Steuereinnehmer und Militär. Dadurch war der polnischen Irre- denta, der national-polnischen Bewegung und ihrer Propaganda ganz von selbst der Weg geebnet. Sie redete die Zunge des Volkes, versprach Austeilung des Großgrundbesitzes: den Arbeitern sagte sie, ihr seid bodenständig, aber besitzlos, die Landfremden sind die Besitzenden ,.Ta muß ich saggcn.. „Ja, da muß ich saggen, da i- das ganz gut, wie Sic das so sogen. Stimmt. Gutt is." So reagierte der einfache Mann auf solche Worte, aber er zog trotzdem für den deutschen Kapitalismus und die preußischen Junker in den Krieg, und nach dem verlorenen Kriege stimmte er bei der Abstimmung für Deutschland. Trotz Bismarckscher Ostpolitik, trotz Protestantismus und Junkertum, denn er erwartete von der Republik eine gründliche Umänderung dieser Dinge. Und Kaczmarek, der zur Zeit der internationalen Besatzungs- armeen und der Abstimmung auf dem Standpunkt steht,„ob wir deutsch oder ob wir polnisch sind, Bauern oder Industriearbeiter. spielt ja gar keine Rolle. Daß wir Proleten sind, sollten wir nicht vergessen", reist im Lande umher und sieht und beobachtet. Er er- lebt die Freikorpstage, die Tage der Feme und der Demarkation?- linie, und dabei gibt es Szenen, die man lesen muß, die zum Besten gehören, was wir an politischer Satire und Groteske haben. Zwischendurch meldet sich wieder der Verfasser mit scharfgeschlifsenen politischen Artikeln zum Wort, und es ist zum Schluß nur zu sagen, daß sein Buch ein wirklich durchgearbeiter Roman ist, daß es ein Stück verworrener deutscher Geschichte enthält, in welche der Ver- fasser einen Sinn bringt, daß er das erstemal an das Problem Oberschlesien vom internationalen Standpunkt herangetreten und daß ein Buch daraus geworden ist, wie es nicht alle Tage geschrieben wird. Polizeipräsident Osson/ski'Oppeln: Ein Land wird aufgeteilt Der Tod des greisen italienischen Sozialisten und Freiheits- kämpfers Filippo Turati, dessen Hingang wir vor kurzem be- klagen mußten, rührt alle Erinnerungen auf. Schon 1913 haben mternationale Sozialisten für Streichung der Kriegsschulden plädiert. 1921 ist Turati im italienischen Parlament für die Rechte des oberschlesischen Volkes eingetreten. Es war im April 1921. Obgleich bei der Märzabstimmung in Oberschlesien sich 69 Proz. der Bevölkerung für das Verbleiben Ober- schlesiens bei Deutschland ausgesprochen hatten, waren Kräfte am Werk, um diesen Sieg in sein Gegenteil umzubiegen. Polen, unter starker Unterstützung Frankreichs, forderte die Zu- teilung ganz Oberschlesiens. Die Engländer wollten nur die Kreise mit polnischer Mehrheit, P l e ß und R y b n i k, Polen zu- teilen. Die Italiener, unter Führung des Grasen Sforza, dem man nachsagte, daß er zu einer schönen Polin Beziehungen unter- halte, machte einen Vermittlungsoorschlag, der aber das gesamte In- dustriegebiet und die wertvollsten Teile Oberschlesiens Polen zu- schlagen wollte. Es wurde bekannt, daß Polen nach allen beteiligten Staaten, insbesondere nach England und Italien, Kommissionen ent- sandt hatte, um die maßgebenden Stellen zu beeinflussen. Der deutsche Ausschuß beschloß mit Genehmigung Berliner Rcgieruugs- stellen, ebenfalls oberschlesifche Kommissionen zu entsenden, mit der Aufgabe, über die wahren Verhältnisse aufzuklären. Ich bekam den Auftrag, mit den Führern der italienischen sozialistischen Partei und den Gewerkschaften Fühlung zu nehmen. Ausgerüstet mit einem Diplomatenpaß und einem Empfehlungs- schreiben des Parteivorsitzenden Otto Wels, reiste ich Mitte April 1921 nach Italien. Meine Reiseroute war: Verona, Mailand, Turin, Genua, Rom. In Mailand hatte ich das Glück, eine große Anzahl Ge- w e r k s ch a f t s f ü h r e r bei einem Kongreß versammelt zu treffen. Durch Vermittlung des Führers der Bauarbeiter, Genossen Flor aus Meran, erhielt ich die Genehmigung zu einem Vortrag über O b e r s ch l e s i e n. Genosse Flor war Dolmetscher. Am nächsten Tage war ich beim Parteivorstand gemeldet. Die Zusammenkunft fand in den Büroräumen des Genossen Turati statt. Anwesend waren Turati, Treves, die Lebensgefährtin Turatis Anna K u l i s ch o w, eine Russin, und alle in Mailand an- wesenden führenden Sozialisten, an 15 Personen. Turati empfing mich, prüfte meine Empfehlung und richtete eine Anzahl Fragen, Partei und Organisationsverhältnisse in Deutschland betreffend, an mich. Erst dann wurde ich in den Sitzungs- räum geführt. Turati stellte mich den Anwesenden vor und berichtete über den Zweck meines Kommens. Turati forderte mich nun zu meinem Vortrag auf. Ich erläuterte geschichtliche, politische und wirtschaftliche Fragen Oberschlcsiens und belegte meine Ausführungen mit zahlreichem Kartcnmaterial. Bc- sonders eine Karte, die die unterirdische Verbundenheit de» Industriegebiete» mit seinen zahllosen Stollen, Strecken und Abbauslächen kennzeich- nete, erregte das Interesse der Teilnehmer. Mir war anfangs meiner Ausführungen eine gewisse Kühle aufgefallen. Man stand meinen Ausführungen zunächst skeptisch gegenüber. Fragen, insbesondere von der Genossin Kulischow, die über polnische Verhältnisse sehr genau informiert war. wurden gestellt und beantwortet. Genosse Flor, der wieder mein Dolmetscher war,(ein großer Teil der Anwesenden sprachen und verstanden aber gut Deutsch) klärte mich über die in italienischer Sprache ge- führte Debatte auf. Man war vorher schon von anderer Seite informiert worden. Ein Genosse in schneeweißem Haar stand zum Schluß der De- batte auf, dankte mir für meine Ausführungen und hob hervor, daß sich die Führer der italienischen Sozialisten von der Richtigkeit der Forderung aus ungeteiltes verbleiben Oberschlesiens bei Deutschland überzeugt hätten und sie dafür eintreten wollten. Die sozialdemokratische Frak- tion in der Deputiertenkdmmer werde unsere Forderung tatkräftig unterstützen. Turati und die Genossin Kulischow teilten mir dann mit, daß als Vertreter Polens bereits Binisckiewicz einen Vor- trag gehalten habe. Es sei mir gelungen, alle seine Behauvtungen zu widerlegen. Mir wurde noch aufgegeben, das italienische Proletariat über„O b e r s ch l e s i e n" aufzuklären, Partei- und Gcwerkschaftspresse ständen mir zur Verfügung. In 28 Artikeln bin ich diesem Wunsche nachgekommen, und selbst bürgerliche Blätter haben meine Abhandlungen gebracht. Inzwischen tobte in Oberschlesien unter Korsantys Führung und mit Unterstützung der französischen Besatzungsbehördcn der dritte oberschlesifche Auf st and und forderte ungezählte Opfer. Führende Genossen und die Funktionäre der freien Gewerkschaften waren Freiwild. Dutzende wurden ermordet, Hunderte mißhandelt und an ihrer Gesundheit geschädigt. Als ich bei meiner zweiten Jtalienreise den italienischen Ministerpräsidenten B o n o m i. einem frühere,, Sozialisten und Freunde Eduard Bern st eins, dessen Empfehlung ich meinen Empfang verdankte, die Abbildungen der viehisch a b g e- schlachteten Oberschlesier vorlegte, meinte er: „wie bei uns die Faschisten!" Ich suchte Turati und Treves im Parlament auf. Sie versicherten mir erneut ihre Unterstützung und ich erlebte es bei der großen politischen Aussprache in der Deputiertenkammcr, daß der Ministerpräsident auf den Zurus de- Genossen Turati:„Und was wird mit Oberschlesien?" antwortete:„O b e r s ch l e s i e n wird Gerechtigkeit zuteil werden!" Die Arbeit Turatis und Treves', die Arbeit der italienischen Sozialisten für Oberschlesien war jedoch umsonst. Dos Land wurde zerrissen und wie bei einem amputierten Körper sind beide Teile eines einst blühenden Lances i?i Ab- sterben. Die Internationalisten wollten helfen, die Ratio» n allsten tragen die Schuld. Rund um das Faltboot Ein Kapitel Wassersport In den letzten Iahren ist die Zahl der Faltbaote� die unsere märkischen Gewässer befahren, ständig gewachsen. Dazu hat nicht nur die ausgedehnte Werbetätigkeit der großen Faltbootsabriken beigetragen, sondern auch mancher Vorzug, den das Faltboot für sich beanspruchen kann� Da ist zunächst seine große Freizügigkeit, in der noch mehr manche„unbedingt" noltg haben, summiert sich erstaun- lich hoch. Aber je weniger Gewicht, je weniger Kleinkram, um so angenehmer gestaltet sich die Reise. Viele Werftprospelte weisen auf die kurzen Aufbauzeiten der sellschaft, sehr auf sich warten, anstatt der Privatwirtschaft ein Bei- spiel zu geben. Erst»ach und nach wurden sehr zögernd und längst nicht umfassend genug Maßnahmen zur Fahrtverbilligung b e i de r R e i ch s b a h n getroffen. Slls gut sei dabei die Erweiterung der Festtage-Rückfahrkarten und die Herabsetzung der Mindestteilnehmerzahl bei Iugendfahrten aus einen Führer und fünf Jugendliche anerkannt. Das reicht aber noch nicht aus. Auch für die Fe r i e n f a h r t e n wollte man einiges verbessern, blieb aber aus halben Wege stecken. Die Mindest- dauer für die Fahrkarten ist auf elf Tage festgesetzt. Das kommt � heute nur noch für bessergestellte Angestellten- und Beamten kreise ■___ r.*: � rtufjörnrhortHIrfi __ von ihnen herausgebrachten Boote bin. Tatsächlich rönnen________|__ � es jedem Halzboot weit überlegen ist. Man kann am Wochenende i Zeiten nach geeignetem Training und unter besonders günstigen � � Frage, für Arbeiter jedoch außerordentlich selten, denn, soweit eine größere Fahrt in einer Richtung durchführen und dann das Verhältnissen erreicht werden. Slber wenn es so schnell gegangen � � nocj, jn Arbeit stehen, werden sie zumeist mit drei bis sieben n-.l.--- j- e.—t.!----«vi—»-------<• i ist, dann ist es Mühe und Arbeit, mit einem Wort eine elende � � � vnin- Schinderei gewesen. Und darum treibt man nicht den edlen Falt- abgebaute Boot mit der Bahn noch Hause bringen. Man kann auch weit abgelegene Gewässer aufsuchen und ihre Schönheiten als Wasserwanderer genießen. Aber zu allen diesen Expeditionen gehört immerhin Geld. Und bei der heutigen Wirtschaftslage ist eben mancher Faltbootbesitzer außerstande, diesen Hauptvorzug seines Bootes auszunutzen. So behandeln denn auch viele das Boot so, als sei es ein gewöhnliches festes Holzboot, und stellen es in irgendeinem Boots- haus unter, aber nur während der Sommermonate. Im Winter ruht das Boot dann wohlverwahrt in der Wohnung. Die Bootshaus- besitzcr sind daher auf die Foltbootleute, die ihre Dienste im Winter nicht in Anspruch nehmen wollen, nicht gut zu sprechen, denn ihre Ausgaben lausen weiter, obgleich ihnen die entsprechenden Ein- nahmen fehlen. Andere betrachten das Faltboot als ein Boot, das man an jedem Wochenende ausbaut und wieder abbaut. Aber wenn die gute Leute z. B. das Boot durch den dichten Sonntagsoerkehr geschleppt haben und etwa am Etöhensee aufbauen, um schließlich nur bis noch Schildhorn zu kommen, wo sie das„Strandleben" lockt, dann lohnt die ganze Mühe wirklich nicht. Denn wenn man auch dos Faltboot oft scherzhafterweise als das„Boot in der Westen- tasche" bezeichnet, so soll man sein Gewicht und die mit seinem Transport verbundenen Mühen nicht unterschätzen. Die zahllosen Faltbnotprospekte betonen immer wieder die Leichtigkeit der Boote. Doch das ist ein relativer Begriff. Gewiß sind die Faltboote leichter als.Holzboote, aber doch nicht leicht genug, um ihren Transport innner als eine Annehmlichkeit empfinden zu lassen. Die Aöbil- düngen, die einen forschen Paddler oder gar eine hübsche Paddlerin darstellen, die, mit Rucksack und Stabtaschen, leichten Schrittes ihres Weges gehen, sind denn doch reichlich optimistisch. Die Faltboot- werften biete» daher auch ihre leichten, zusammenlegbaren Wagen an, die den Weg zur Bahn und zum Aufbauplatz wesentlich er- leichtern. Die Prospekte kündigen eine Unmenge von Zubehörteilen an, die angeblich das Leben auf den Wanderfahrten erst zu einem rechte» Genuß machen sollen. Gegen die Anschasfung von Zelt, Schlafsack und Kocher, Luftkissen und Regenmänteln soll nichts gesagt werden. Aber Tische und Stühle, Sonnendächer für das Boot, und manche anderen Ausrüstungsgegenstände sind absolut überflüssig. Für jeden Wasserwanderer, der im Faltboot die Schönheiten der Landschaften entdecken will, ist ein Hauptgebot, mit jedem Gramm am Gewicht zu sparen. Man wird nach einiger Uebung erstaunt sein, wie wenig man tatsächlich braucht, um doch noch als Mensch leben zu können. Das Gewicht der vielen Kleinigkeiten, die mancher, und Tagen abgefunden. Ferner gilt die Rückfahrkarte nur, wenn min- destens 200 Kilometer Entfernung bei der Fahrt erreicht werden. bootsport. Es ist besser, ruhig und ohne jagende Hast das Boot �er gilt �(,ereit5 Gesagte, denn Arbeiter haben nicht die auszubauen: manche Reparatur wird dadurch vermieden, und gesundheitlich ist es auch von Nutzen. Das Boot soll nicht nur aufgebaut, sondern auch richtig ausgerüstet werden. Man nehme sich also von vornherein eine kleine Stunde vom Beginn des Auf- boues bis zur Abfahrt. Dann wird man nicht den ersten Teil der Fahrt mit dem Erholen von der Ausbaustrapaze verbringen müssen. Aufbauen darf keine Anstrengung sein. Man vergesse auch nicht, daß die Bootshaut arbeitet, daß Nässe und Temperaturschwankungen sie ausdehnen oder schrumpfen lassen. Daher sind ja auch manche Boots- konstruktioncn mit verstellbaren Steven ausgerüstet. Wer mit Ruhe aufbaut, wird eben dann nicht bis zum Zerreißen an der Haut zerren und sich selber unnötig aufregen, wobei viele zeigen, wie gut sie schimpfen können. Darum nie vergessen, daß alles mit Ruhe und Ueberlegung leichter und dennoch schnell genug geht. Und noch einige Worte über die Beförderung der Faltboote in der Eisenbahn. Auf der Berliner Stadtbahn und in den Vorortzügen kann man das Faltboot in die für Traglasten vorgesehenen Abteile mitnehmen. In v-Zügen und bei größeren Entfernungen, also 250 Kilometer, auch in Personenzügen, muß das Faltboot ausgegeben werden. Bis 250 Kilometer wird das Boot unter den gleichen Bedingungen befördert wie ein Fahrrad, d. h. gegen Lösung einer Fahrradkarte für 50 Pf. Man muß es dann selbst zum Gepäckwagen bringen und wieder abholen. Wenn man das Boot als Gepäck aus- geben muß, so vergesse man nicht, daß die Reichsbahn immer von zehn zu zehn Kilogramm ausrundet. Unter Umständen genügt es auch, nur die Stabtaschen aufzugeben. Reisen mehrere Paddler mit ihren Booten, so können sie unter Umständen ihre Stabtaschen als ein Gepäckstück aufgeben. Die BVG. gestattet die Beförderung der Faltboote auf der vorderen Plattform der Straßenbahn gegen Lösung zweier Fahr- scheine. Die Beförderung der Boote, das Herumtragen auf den Bahnhofstreppen ist vielleicht die einzige, aber leicht in Kauf zu nehmende Unbequemlichkeit. Selbstverständlich müssen auch die Kajak- frauen bei diesem Geschäft, wie auch sonst bei der eigentlichen Wasserwanderung, behilflich sein. Hier gilt in jeder Hinsicht gute Kameradschaft. Kavaliere männlichen und weiblichen Geschlechts taugen nichts sür Wasserwanderungen. Nur Kameraden, die das Herz auf dem rechten Fleck haben, werden gute Faltbootwanderer sein. tiRBEim rüSSEßLL Die Sonntagsspiele. Während in Nürnberg das Enidspiel um die Burrdesfußball- Meisterschaft stattfindet, geht in Berlin der Kampf um die Punkte weiter. In der Normanncnstraße in Lichtenberg trifft Lichtenberg ll aus Werlfee. Baumschulenweg spielt im Plänterwald gegen Oberspree. Britz SK und Eiche-Köpenick treffen sich aus dem Platz am Treseburger Ufer. Hansa 3l fährt mit drei Männer- und einer Iugendmannschaft nach Zehdenick. Einen harten Kamps wiro es m der Schornweberstraße in Reinickendorf geben. Hier stehen sich Eintracht und Nord gegenüber. Nord wird beweisen, daß die Niederlage gegen Weißensee mir auf unglückliche Umstände zurück- zuführen war. Adler 08 erhält auf dem Sportplatz in der Ksisingen- straße in Pankow den Besuch der Blankenburger Kleingärtner. Wenn man zu Beginn der Serie glaubte, die Blankenburger wären nur Punktelieseranten, so mußte man nach den ersten Spielen seine Meinung ändern. Adler wird voll aus sich herausgehen müssen, um die Punkte zu behalten. Ein Ortsderby gibt es in Spandau, See- burger Straße. Ein�racht-Spandau und Spandau 25 sind die Gegnr. Im Rahmen des Frühjahrssportfestes in Schöneberg absolvieren die Schöneberger Fußballer ihr Serienfpiel gegen Hercha-Luckenwalde. Die Schöueberger sind gerade auf eigenem Platz ein immer schwer zu schlagender Gegner, so daß sich auch Hertha sehr anstrengen muß, um zu gewinnen. Weitere Spiele: Frohe Stunde gegen Friedersdorf. Nowawes gegen Butab. Potsdam gegen Staaken. Trebbin gegen Wilmers- darf. ZdA. gegen Luckenwalde II. Wollersdorf gegen Lucken- walide V. Berlin XII gegen Kölnische Heide.— Zweite Mann- schuften: Baumfchulenweg gegen Oberspree. Britz 88 gegen Eich«. Lichtenberg II gegen Werlsee. Frohe Stunde gegen Alt-Stahns- darf. Nowawes gegen Butab. Potsdam gegen Staaken. Eintracht gegen Spandau 25. Eharlottenburg gegen Kladow. Schöneberg gegen Hertha. Trebbin gegen Wilmersdorf. Beginn der Spiele: Erste Männermannschaften 16.30 Uhr. Zweite Männernrannfchaften 14.45 Uhr. Vormittags spielen auf allen Plätzen die Jugend- und Schülermannschaften um 11 bzw. 10 Uhr._ Arbeitersport am Funkturm Auf der Ausstellung„Sonne Luft und Haus" Im Rahmen der großen Sommerschau auf dem Ausstellungs- gelände am Kaiserdamm treten auch die Arbeitersportler mit einem großen Programm hervor. Alle Sportarten werden den Wert der Leibesübungen innerhalb der Arbeitersportbewegung zeigen. Den Beginn machen am 25. Mai die Leichtathleten des 1. Kreises, dem sich am 1. Juni die FTGB. unter dem Titel „Gruppensport als Förderung der Voltsgesundheit" anschließt. Musik und Geräteturnen, Gymnastik, Leichtathletik werden gezeigt. Am 8. Juni werden alle Frauen- und Jungmädchenabteilungen unter dem Motto„Sport der werktätigen Frau" unter der Leitung der Kreisturnleiterin Tietz die Bedeutung des Sports für den weib- lichen Körper demonstrieren. Am 20. Juni werben dann die Natur- freunde für ihre Idee». Den 6. Juli benutzen die Arbeiterradfcchrer und-athleten dazu, um den Besuchern zu zeigen, wie man in ihtem Sportzweig für die Sportbewegung wirbt. Am 13. Juli treten die Schachspieler mit einem lebenden Schachspiel auf den Plan. Siinultanspiele, an denen sich auch die?lusstellungsbesucher beteiligen können, vervollstqxdigen das Hrvgrawm. Dem Klein- kind und der Mutter ist der 20. Juli gewidmet. Der Höhepunkt der Darbietungen ist der 27. Juli, an dem alle Vereine des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund unter der Leitung des Äreisturnwarts Gradtke mit dem Motto„Freude in der Frei- zeit" antreten werden. Am 3. August treten dann zum Schluß noch einmal die Radfahrer in die Arena. Alle Veranstaltungen finden im neuerbauten Stadion auf dem Ausstellungsgelände in der Zeit von 18 bis 20 Uhr statt. Reicbsbabn höre zu! Die Ermäßigung der Fahrpreise tut not Wo Über gesunde Freizeitnutzung gesprochen wird, stehen immer die Fahrpreise im Vordergrund der Debatte. Als seinerzeit scheinbar großartige Preisermäßigungsaktionen mit Hilfe eines Reichskommisiars zur Durchführung gebracht werden sollten, ließ das größte öffentlich« Unternehmen, die Deutsche Reichebahn-Ge> Mittel, um in so entfernte Gebiete zu fahren. In einer Konferenz des Touristenvereins„Die Naturfreunde im Gau Brandenburg-Pommern wurden diese Fragen eingehend diskutiert. Es kam die durchaus richtige Meinung zum Ausdruck, daß eine allgemeine Preisherabsetzung auch bei der Reichsbahn vonnöten sei, um den Bestrebungen der Regierung ge- recht zu werden. Zum andern sei aber auch dringend erforderlich. der wandernden und in den Ferien erholungsuchendcn Arbeiterschaft besondere Erleichterung zu gewähren. In einer Entschließung wurde deshalb die Herausgabe allgemeiner F e r i e n- R ü ck f a h r k a r- tcn verlangt, die eine Ermäßigung von 3354 Proz.(nicht wie bisher 25) bringen, und deren Gültigkeit auf 30 Tage festgesetzt wird ohne Beschränkung nach unten. Nur wenn diese Zeit überschritten wird, möge man sür die Rücksahrt den ordentlichen Fahrpreis erheben._ Spielt Tennis. Die Äbteilung Lichtenberg von Tennis-Rot Sroß-Berlin s. V. entfaltet auch in diesem Spieljahr rege Tätigkeit auf den Pl-ihen im Lichtenbcraer Stadion. Herhbergsirahr iEndhaltestelle der Straß-nbahnllni- 68). Ter gil»s:ia- Spielplan q-«a!tet noch die Aufnabme einiger Mitglieder. Der Monatsbeitrag beträgl 8 Mark. Plätze und Bälle stellt der Verein. Ansangern werden außerdem kostenlos Lehrstunden erteilt. Touriftenvcrein..Die Baturtrerndc". Freitog, 2«. Mali Photoarbeit». gemeinichait N-ulölln. Bergstr. 23.- Photoarbciisgemeinfchaft Franke, Io- liannisstr. IS: Dunkelkammer.— Photoarbeitsgemeinschakt Osten ffrankwrter Alle« 307: Posttiomatcrial.— Faltbootabteilunz Johannisfir. 15: Kartenkunde (Schwarz).—-Abteilung Estdost Manteunelftr. 7: Spielabend.— CTatlctien. bürg Sureestr 30: Unterbaltungs. und Singabend.— Britz Thausseestr.<8 (Rathaus): Vom Beruf(Fortsetzung).— Treptow«lienstr 3 am Bahnhof: -Astronomisches(Bortrag mit Spiegelteleskop. Gen. Koch). Montag..3. Mai: Malgemeinschaft Manteuffelstr. 7: Zeichenstbungen. Kurven und Linien,-e Vbotoft.immaruvve Zohannisstr. lö: Herr Henfel von der Firma Kodak: Da» gute Filmnegativ.— Sumbaldthnin Spielgemeinschatt Dotenburger vtratze rote Schule. Fahrten: Abteilung Prenzlauer Berg 21.<22. Mai Seldese», TreN 17.15 Ilbr Schönewcidc(Fstbrer Kohler).— Abteilung Norden 22. Mai Pol». dam Romerlchanze. Treff 7.30 Uhr Bahnhof-W-stkr-llz(FUHrer Roguette). Arbeitersport in der Ausstellung. Alle LeichtgtbletilverelN« bzw. Abteililn. gen. die am 25. Mai in der AusNellung„Sonne, Lust«nd Sau«" mitwirken, fordern sofort die Teilnebmerkarten an(genaue Fohl) von Karl Kofel, Berlin RO 13, Lickitenberger Straße 3, Tel. ll. 3 Kgstd. 305(1. «ariellbezirk Reuktzll». Ansporteln am 22. Mai. Die Kamvsrichter der de- teiiioten Vereine treffe» sich Vi Uhr bei Supermann Emscr Straße Ecke Oder- straße. Beginn der Kindcrwettkämvfc 12.30 Uhr. Beginn der Wettkämvke fstr Männer, Frauen und Jugend 14 Uhr ans Platz 2. Umkleideräume im Stadion. dort'1 Stunde vor Beainn antreten.„ �~ Radwbrer. Solidarität". Touren fstr Sonntag, 22. Mai: Kren, Heeg. Radi.: Nedlitz— Rämerschaiize Start 7 Uhr,— Wanniec Stadion Start 13 Uhr. Kraftf.: Lchnin— Beelitz Start 7- Uhr, alle Starts Rhode Dieffenbachstraße 30. Kreuz. berg Liinewitz Start ö Uhr und Machnower Schleuse Start 13 Uhr. Start Kroll Bstlowstr. 55. Marianncnplatz. Rüdersdorf zur Linde Start 0 Uhr und Riederfchöneweide Start 13 Uhr Mariannenplatz. Prenzlauer Berg. Kroistnice Start 7 Ubr Fell Kapenhaaener Straße 17. Wedding. Gorinsee Start 8 Uhr. Schreiber. Triftstr. 03. Fricdrichshain. Radi.: Tschimulvo(Miiggelhorst) Start 7 Uhr. Kraftf.: 21.'22. Mai Blsttenfahrt nach Kuben Start 21. Mai 10 Ubr. Jugend 21. Mai Lüdersdorf. Bestchtianna des Schiffsbebewerk, Start 10 Ubr. Neukölln. Pätzer Vorderfee Start 0 Ubr Hoben, ollernplatz. Wilmersdorf. Fa. milienausfabrt nach Klein-Machnow, Rest. Daldkchenke. Start 13 Ubr Verein». lokal. D-'ä-nfec. Wannte» Stadion Start 7 Ubr Pistoriusvlatz. Lichtenberg. Dubrow— Hölzerner S-e Start 0 Uhr Senkel, Od-rstr. 13. Dharlottenburg. Reh- brücke Start 0 Ubr Mllmersdorfer Scke Kanalstraße. Schöneberg. Wannfee— Machnower Schleuse(Stadion) Start 8 Uhr Ebersstr. 18. Trevtow.BaumichuI-i,. weg. Fabrt durch den Blumsntal Start 0 Uhr. Bahnhof Baumfchnlenweq. Bei allen Touren sind Gäste gern gesehen. Neuaufnahmen in der Geschäftsstelle Planuker 00. »rbeiter SpprtkegeMnb Vorwärt-. Trainingsabend jeden Freitag 20 Uhr Sporthalle Alcrondrinenstr. 107. Gäste herzlich willkommen. Arbciter-Foto. Gilbe Sinbenbas. Montag. 23. Mai. 20 Uhr. Gvthstr.«8: Lichtbildervortrag Uder«>-t« und schleckte Motive. Arbeiter-Foto-Sildc Tegel. Montag, 23. Mai, 20 Uhr, Jugendheim, Schöneberger Straße: Arbeitsabend. :S5-■ wmm m Auf dem Dach der neuen Sdmle in Neokfilln. Lei t Inj)' tlraße, ist ein großer Spiel- und Turnplatz. Wenn blo$ die Sonne den Kindern den Aulenlhall auf diesem sdiOnen Platz noch recht lange gestalten würde! Sfanls fe. Thealer Freitag den 20, Mal staatsoper unter den Linnen 20 Uht Arladne auf Naxos SlaatlSctiausjielliJus jendarraenmarki 20 Uhr Oer uenestranii Schiller-Theiäler Charlotten burc 20 Uhr Doktor Klaus BlCe''Ilti Blf. Ii. 110,(111.2,1, Sin. £ 7 Weichs. 4«31 Die Dubarry ßsfltsto Mer Die 8'/» L'hi Journaiisten UitsMasi Gustav Frtyta; von Felix Jeachiiiison Musik; Theo Mackebeo Regie; Heinz Hilpert pThealerln fler- Slresemannstr. Id.: äsrjm. 2110#. 399t Theator der Schauspieler Täglich SV« Uhr Haifische Theodor Pllvisr I mm-Tueatef Täglich 80- Uhr nadonna wo bist Dn? Erika v. Thelltnann. Genla Nikolajewna. Theodor Loos Josef Wedorn i votttsbilline Theater an BDIovrulatl 8V- Uhr Sturm im Wasserglas mit Hansi Niese ilaall. Stfiiller-iheatei 8 Uhr Doktor Klaus Rose-Theater§|gdl.Oper Unwiderruflich nur im Mai irclt Fmklirtti StnSi 13! Iii. WiiUinl 1 1 3421 8,30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbtihne: 5.30 Uhr Konzert u.Varietg 8« Uhr Zigeunerliebc Charlottenburg Bismarckslraße 34 Freitag. 20. Mai Turnus III Die Bilrgseliaft Reinmar. Rode, Müller, Eisinger, Kandl, Gombert, Gonszar. Anfang 19.30 Uhr Ende 23 Uhr Aparte Fruhjahrsiiiäntel.. Kostüms -u ganz besonders niedrigen Preisen MaBanFertlgung spez. tOr starke Oamen Paul Liitck Damenmäntel- Fabrik, und Hdlg Neukölln, Reoterstr. 63. 1. d. Ksiser-friedridi-sS. mmim l/tx REINH JMSZfcNItRJMO I— i«gun$ Restairant Berlins 6 nur 15. Flora 3494 Ranthen eri. 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