Morgeaausgab« Sonnabend . v r» ■ MV M�N N M W Auswärts is Pf. lang ins Haus) im voraus zahldas. WW l Jajm W> HH W>£_ BM ma BB WM BWt WW X/ Wi �Jn W«W««W Jii L»!■■| �'| B■ HB H*■ m~I Mff'Ä'-'ÄrZ NM«Äi!-A'«ch W n HB I III HIH I MA, BESsäSSI Trucksachenoarw � Z' MM Warle IS Duchllaben Mlen su« ▼/ �w/ �w/ BBV>y|H imetfflortt Arb-it-marN Milluneler» Jet.Sotisätls*«rschewt wochentöa- 1 �WW> // j�S seile 25 Ps. Familienai�eigen Milli» lich zweimal. Lonniags und Moniag, meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahm, einmal, die Abendausgabe für Beilin__.._._- � im HauvigelchSfi Lindenstrage Z, und im Handel mit dem Titel ,D» MW__.. sF?.. �». M.MM_-|«iA_�JISa, Wl— X A wachentdglich von»>/, bis 17 Uhr. 3[*f�|y]P|�i�yy äxääjs! Jentralorgan der Soziatdemoteatifche« Oartei DeuttOlandS RedaktionundVerlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Rarwsri«-Rerlaa � M b fternspr.: Donbo« l� 7) RZ-237. Telegramm.Adru Sozialdemokrat Berlin. ,VPramri»'*>CriUg VZ. II». V,-V« Japan muß Frieden halten! Klare Vorschläge der Internationale. Zürich. 20. Mai. t Eigenbericht) Die Exekutive der Sozialiitischen Arbeiter-Jnter- »atiouale beendete heute ihre Beratung. An der heutigen Sitzung nahm auch Breitscheid teil. Nach sehr eingehen» der Debatte» in der Crispien für die deutsche Delegation sprach, wurde eine Entschliesiung über die Lage im Fernen Qsten und die Kriegsgefahr an den Grenzen der Sowjetunion gefaßt. Darin heißt e?: ..Die Internationale stellt fest, daß die Nachgiebigkeit und die Mitschuld einer Anzahl Großmächte Japan die Möglichkeit geboten bat, sich den Verpflichtungen zu entziehen, die es durch feinen Beitritt zum Lölkerbundspatt und zum Kriegsäckstungspokt ouf sich genommen hat. Di« SAJ. fordert alle ihr angeschlossenen Parteien auf, auf ihre Regierung einen Druck auszuüben, damit die von ihnen eingegangenen Derpsllchluogt'n. cino« Angreiier zur Achtung des ZHedxas zu zwingen, nicht länger mihachiet werben Die SAJ. ist sich der Schwäche und der Mitschuld des größten Teils der in Genf vertretenen Regierungen bewußt und richtet daher an die organisierte Arbeitertlasie die Auiforderunz, zu handeln. Ein Krieg Japan» geaon stie Hchpfetichion fördert notwendigerwels« d,» iL e g« n r e o o lut i o n nicht nur rn Ruß- land, sondern in dir ganzen Welt. Ein Angriff Japans auf Ruß- land kann einen Weltkrieg heraufbeschworen..Die Arbeiter fordern�. ,:'{S;!,T. l Sofortige und b«löingunzslose. Rä um u n g S cha n g h a i z und der Mandschurei durch die japanischen Stre>tkräftel Z. falls Japan dies verweigern sollte, die Abberufung aller Gesandten und Botschafter aus Japan: 3. wenn nötig, die Anwendung von wirtschastlichen. und finanziellen Sanktionen, falls Japan nicht bereit ist, zu tun, was im Interess« des Weltfriedens geschehen muß. Wenn Japan trotz alledem seine Angriffsoorbereitungen und Drohungen nicht einstellen sollte, so wird die SSlI. an den In- ternotionalen Gewerkschastsbund appellieren, um ge- msinfam mit allen Mitteln sich der Herstellung und Ber- fchiffung von Munition, Kriegsmaterial und Waren nacki Japan zu widersetzen und olle Schiffe, die aus Japan eintreffen oder dorthin fahren, zu boykottieren. Die Arbeiter werden f'ch mit der Berteidigung der Sowietunion folida- lisch erklären, falls sie angegriffen wird. Sie werden dos Attentat auf den Frieden anprangern. Sie werden zedem Uebergrerfen de? Krieges auf andere Länder entgegentreten, ebenso wie s'e sich jedem Versuch widersetzen«erden, andere Lander in den Krieg gegen Sowjetrußland einzubeziehen. Zolls Sowjetrußland gezwungen sein sollte, sich gegen einen Angriff zu oerleidigen, rechnet die SAZ. daraus, daß alle ihr angeschlossenen Pur feien, die ihre Tätigkeit innerhalb der Grenzen Schwere Llnruhen in Thüringen. Erregung über Kürzung der Wohlfahrisunterstühung.— Ein Toter,-10 Verlehie. Weimar, 20. Mai.(Eigenbericht.) 3n Batlushaufen, einer Stadt von über 7000 Einwohnern im (aadkreis Gotha, ist es am Freitagaachmiitag zu ernsten Zu- sammen st äßen zwischen der Polizei und den Wohl. fahrlserwerbslosca gekommen. Als Protest gegen eine zehnprozeatige Kürzung der AZohlsahrtsunterstühungssähe waren einige Versammlungen einberufen. Die Wohlsahrtserwerbslosen weigern sich, die gekürzten Unterstützungen In Empfang zu nehmen. ?n den Versammlungen sollen nach einer Meldung an» Walters- Hausen alle Parteien vertreten gewesen und zu wort gekommen sein, selbst bürgerliche Stadlratsmitglieder wären anwesend gewesen. Die Landespolizei aus Gotha war mit einsm Kommando in waltershaufen erschienen, hierüber soll es schon In de« Ver- sommlungen Unzufriedenheit gegeben haben. Nach Schluß der Versammlung ist es dann in den Straßen der Stadt zu ernsten Zusammenstößen gekommen, wobei die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machte. Nach elner Meidung soll die Polizei ohne Veranlassung zur Schußwaffe gegriffen haben. nach einer anderen Meldung aus dem Ministerium In Weimar soll zuerst aus der Menge geschossen und mit Steinen geworfen worden sein. Bei den Zusammenstößen gab es nach einer Meldung 2 T o t e und S bis lO verwundete, darunter 2 Polizeibeamfe, der Sowjetunion entjalfen. sich nach den i» der Berliner Be- solution gegebenen RichUinfen verhalten und sich jede« scparo- tistischcn und aufrührerischen Handlungen widersetzen, die zur Lähmung der Verteidigung Sowjetrußlands gegen den japanl- schen Angriff führen müßten. Die SA?, stellt überdies fest. daß die Verteidigung der Sowjetunion um so besser gesichert sein wird, je mehr die Politik der Svwjetregicrung allen sozla- listischen Kräften de? Landes die aktive Teilnahme an der ver- teidigung der rusiischen Revolution ermöglichen wird. Die Exekutive behandelt« auf Grund von Berichten hllferdings und Longuetz die Probleme der internationalen Schulden, der Welt- Wirtschaft- krife und der Lage in Deutschland und Frankreich Eine einstimmig beschlossen« Resolution über die Lage in Danzig ruft die Arbeiterklasse oller Länder zum Protest gegen die Berge wo i- t'gung der Arbeiterklasse in Danzig ipie in Polen auf, die mit den Rechten der Arbeiter zugleich den Weltfrieden bedroht. In einer Resolution über die Probleme der Oonaustoaten wird erklärt: Di« SAJ. begrüßt jeden Versuch, die protettiomstischen hinder- nisle des ioteriwtionalen Warenaustausches abzubauen. Aber ein System der Vorzugs zolle zwischen den Staaten des Donau- beiLenz würde nur dann einen Fortschritt in dieser Richtung bedeuten, wenn*) sichergestellt«urae, daß di» Vorzug», zoll» zwischen diesen Staaten wesentlich niedriger wären als gsgemvärtig .im Verkehr zwischen diesen: K) wem: die Einführung des Systems'der'. PorzugsMit- keinessalls.zum.Poxivond. ge- noipmen wurde, die Zollschranken gegenüber, den außer- h a l.b des Donaubeckens gelegenen Staaten zu erhöhen, und c) w-nn besonders die engere wirtschastliche Verbindung zwischen den Staaten des Donaubeckens ihre Ergänzung fände in Maß- nahmen, die den.Handel dieser Staaten mit denjenigen Laichern er- leichtern sollen, welche sowohl an dem Export als auch an dem Import der Staaten des Donaubtckens einen größeren An- teil haben Die Bemühungen um die engere wirtfchajltiche Verbindung der Donaustoafen dürften jedoch in keinem Falle zum vorwand irgendwelcher mochlpolikijcher, imperialistischen Zwecken dienenden Kompensationen oder politischen Allianzen mißbraucht werden, weder für imperialistische Zweck? Zrankreichs noch für imperialistische Zwecke Italiens und Deutschlands. Dos Sekretariat soll, sobald die internationalen Perhandlungen über die Dcnaufrage konkret« Gestakt annehmen, di« daran inter- essierten sozialistischen Parteien zu emer Konferenz einladen, um ihre Zusammenarbeit im Kampfe um die Gestaltung dieser Pläne sicherzustellen. Die Resolution protestiert ferner gegen jede inter- nationale Kontroll« über di« Finanzen einzelner Länder, die erfahrungsgemäß zum Druck auf die Lohn« und auf d«« sozialen Einrichtungen dieser Lander mißbraucht wird. nach einer andere» Meldung nur l Toten. Ein elfjähriges Kind erhielt zwei Schüsse, einen Schulter- und einen Hüftenschuh. Die Ruhe soll, wie mitgeteilt wird, zwar in der Stadt wieder hergestellt sein, doch habe man von den Anhöhen, die neben der Stadt siegen, noch geschossen. Schwierige Kabineitsberatungen. Notverordnung erst(Znde nächster Woche. Da? Kabinett»rat am Freitagabend um S Ahr zu der vor- gesehenen Sitzung zusammen. Zn der Sitzung wurde u. a. das Ar- beitsbefchasfunzsprogramm der Regierung besprochen. Uebrr die Aussprache wurde strenge Vertraulichkeit vereinbar». Angesichts der sachlichen Schwierigkeiten der Materie ist damit zu rechnen, daß die Veratungen des Kabinetts noch mehrere Tage in Anspruch nehmen werden und sich bis In die M'tte nächster Woche ausdehnen. Auch der Reichspräsident wird, wie jetzt feststeht, erst End« nächster Woche nach Berlin zurückkehren, so daß die neue große Notverordnung ihm erst dann zur Atter- schrift vorgefeg« werden dürste. TostscheckloMo: Berlins? öZK.—Bankromo:BankderArI>eiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S. Dt.B.u.Diic.-Gei., Depositenk., JernI alemer Str. 65-56. Wer Hilst der Sowjetunion? Oer selbstmörderische Kurs der Komintern. Man kennt die Fabel vom Schäferjungen, der aus lieber« mut die Dorfbewohner immer wieder Mt dem Ruf alarmierte: ..Der Wolf kommt!" Als der Wolf wirklich erschien und der Hirt mn Hilfe schrie, rührte sich niemand mehr. Man mar sckion zu oft genarrt worden. So fielen- die Schafe und ihr Hüter dem Wolf zum Opfer. Seit zehn Jahren ertönt in der kommunistischen Presse der ganzen Welt immer wieder der Ruf:„Drohende KriegsgefahrlVerteidigtdieSowjetunion!" Auf ein Stichwort von Moskau ging ein Höllenkonzert in allen europäischen Hauptstädten lo?. Breiteste Boikenüber- schristen, spaltenlange Artikel, unzählige Meldungen in fette- sten Drucktypen. Aufforderungen zu Protestkundgebungen füllten die Spalten der kommunistischen Presse. Was stecfie hinter diesen unzähligen Alarmrusen? Meist nur irgendein taktisches Manöver der Sowjetregierung. Man hielt es aus inner- oder außenpolitischen Gründen gerade für zweckmäßig. Erregung unter die Massen zu tragen. Es war reine Propo« ganda. Entweder um dos russische Volk von seinen Röten abzulenken, oder um irgendeinen diplomatischen Augenblicks« vorteil zu ergattern. Diese Propagandafeldzüge waren stets verbunden mit den wüstesten Beschimpfungen sowohl der Sozialdemokratie wie der europäischen Regierungen, am wildesten in soldjen Fällen, in denen die sozialistischen Parteien an diesen Regierungen Anteil hatten oder aus ihre Außenpolitik Kinstuß ausüben konnten. Man schreckte vo? keiner noch so blöden Beschuldigung zurück. Dos tollste Stück auf diesem Gebiet war wohl der. berüchtigte. Mensche« wiste«Prozeß vor zwei Zahre,». bei dem die Angeklagten Melierten, sie' hätten in Moskau mit Ä bir ä m'o w i t s.ch über- eine, weißgordistische Intervention persönlich konspiriert— obwohl Abromowitsch seit 19Z0 russischen Boden nie wieder betreten hatte und durch zahlreiche Zeugen nachweisen konnte, daß er sich zur fraglichen Zeit wochenlang in Mecklenburg aufgehalten hatte. Am lächerlichsten mutete diese Propaganda in Deutschland an. Denn die Wilhelmstraße hat seit Ropallo die Russen» freundschost oft bis zur Selbswerleugnung getrieben. Jeder Schritt, der eine gleichzeitige Annäherung an die Westmächte bedeuten sollte— Locarno, Volkerbundseintritt, Haager Ab- kommen—, wurde von den Kommunisten mit geradezu hyste» nschen Wutousbrüchen als ein„Einschwenken Deutschlands in die Antisowjetfront" bezeichnet. Wer wundert sich, daß es d-r Bolschewtstenpresse so ging wie dem Hirten der Fabel und daß sich niemand mebr um ihr Geschrei kümmerte? Aber jetzt— jetzt ist der Wolf wirklich in nächster Rah«! In Japan haben die Revolverschüsse der nationolistischen Extremisten, wie man furchten m�h, auch die letzten Hemmungen beseitigt, die einer imperialistisen Draufgängerpolit'k im Wege standen. Eine japanische Siegsriedenpolitik, in der Mandschurei wird nicht mehr imstande sein, vor den Punkten haltzu« machen, die der Sowjetunion als lebenswichtig erscheinen. Die Moskauer Regierung wird dann vor der Wohl stehen, ob sie durch Duldung japanischer Uebergriffe eine nationalistische Hochflut im eigenen Lande erzeugen will, die sich sehr leicht gegen sie selber wenden kann, oder rA sie einen Komps aus» nehmen will, der schon aus geographischen Gründen für sie sehr schwer zu führen ist. Zugleich wird aber für Moskau auch die Sorge sehr ernst, ob ein russisch-japanischer Krieg, wenn er eines Tages wirk lich ausbrechen sollte, lokalisiert werden könnte oder ob es dann nicht doch zum großen Interventionskrieg käme, dessen Gespenst die russischen Ma6)thober schon längst in ihre Träume hinein verfolgt. Ja, die Dinge sind jetzt wirklich so ernst geworden, daß Moskau allen Grund hätte, seine bisherige Außenpolitik einer gründlichen Revision zu unterziehen. Vor allem müßte die Illusion preisgegeben werden, als ob nur die Kapitalisten Gegner der Sowjetunion wären, die Herzen der Arbeiter ober für sie schlügen. In Wirklichkeit liegen die Dinge beinah« schon umgekehrt. Denn die Kapitalisten hören ans. Feinde der Sowjetunion zu sein in dem Augenblick, in dem sie mit ihr Geschäfte machen können. Die Masse der Arbeiter aber. von einer kommunistischen Minderheit abgesehen, fühlt sich dauernd von Moskau ungerecht behandelt und schwer geschä« digt. Sie liest in der russischen Presse nichts als wüste Beschimpfungen und sie erlebt immer wieder, wie ihr in ihren politischen und sozialen Kämpfen die Anhänger Moskaus in den Rücken fallen. Daß die Sozialdemokratische Partei unter, solchen Ilm- ständen für Moskau keine übermäßig freundlichen Gefuble haben kann, oersteht sich von selbst. Aber wexn, wir das mit Preußen fordert: Schafft Arbeit! Das Schreiben des preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun an Reichskanzler Or. Brüning. Mt Rücklicht auf irrtümliche Meldungen über den In- hu!» des von dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Vraun namens der preußischen Staaksregierung?m ZV. April d.?. an den Reichskanzler zerichtcten Schreibens wird dieses Schreiben vom Amtlichen preußischen Pressedienst seht aus- zugsweise im Wortlaut mitgeteilt. Es lautet: „Aast jede der großen Fragen, welche die Regierungen des Reichs und der Länder und die Gemeindeverwaltungen zu entscheiden haben, führt auf das Problem der Arbeitslosigkeit zurück, dos damit als dos Zentralproblcm unserer inneren Politik bezeichnet werden muß. Dieses Problem kann nicht nur mit finanziellen Mitteln gelöst werden. Das würde nur zu immer höheren Lasten führen. Es kommt vielmehr in erster Linie darauf an, mit durchgreifenden Maßnahmen die Menschen an die Arbeit zu bringen. Das ist aus volkswirtschaftlichen und moralischen Gründen in gleicher Weise notwendig. Dabei kann auf eine Vermittlung der Arbeits- lopgkeit durch internationale Aeizderung der Konjunktur nicht ge- wartet werden. Ein erheblicher Teil der Arbeitslosigkeit ist überdies die natürliche Folge der fortschreitenden Rationalisierung, der Er- setzung der menschlichen Arbeitskraft durch die Moschine. Die preußische Slaaisregicrung hält zu diesem Ziele in erster Linie eine andere Verkeilung der vorhandenen Arbeit durch eine systematische fiützung der Arbeitszeit unter Rückführung der Arbeitslosen auf die dadurch frei werdenden Arbeitsplätze für notwendig. Alle anderen Mittel versprechen für sich allein keinen genügenden Erfolg. Die Kürzung muß nach Ansicht der Staatsregicrung so weit gehen, daß dadurch die überwiegende Zahl von Arbeitslosen Arbeit erhält. Es genügt daher nicht, daß für einige, meist schon kurz arbeitende Industrien die wöchentliche Arbeitszeit auf 40 Stunden fest- gesetzt wird. Die Kürzung muß vielmehr tunlichst allgemein angeordnet werden. Ausnahmen müssen besonderen Richtlinien der Reichsregiennig und im einzelnen Fall der örtlichen Stelle vor- behalten werden. Die Kürzung kann ferner, um ihren Zweck zu erreichen, nicht bei 40 Stunden halt machen, sie muß vielmehr darüber hinausgehen. Ob die Kürzung bei der Tagssschicht, bei der wöchentlichen Arbeits- zeit oder im Wege des Krümpcrsystems durchgeführt wird, kann dem einzelnen Betriebe überlassen bleiben. Aber nur gleichzeitige generell« Anordnung kann die erforderliche schlagartige Wirkung hoben, die sich insbesondere auch in den Ersparnissen der öffentlichen Haushalte an Unterftützungsboiträgen äußert. Die Preußische Stoatsregierung verkennt nicht, daß hierbei schwere Opfer von allen Seiten gefordert werden. Sie ist aber der Ausfassung, daß ohne eine solche rigorose Maßnahm« der große Zweck nicht erreicht werden kann. Dadurch werden nicht nur Arbeitslos« in die Arbeit zurückgeführt, sondern auch die noch in Arbeit Stehenden von der schweren Sorge des Ausscheiden, soweit als möglich befreit. Daneben muh sofort ein möglichst umfassendes Arbeits- beschaffungsprogromm. unkec besonderer verücksichti- gung der ländlichen Siedlung in den östlichen Londesieilen. durchgeführt werden. Man wird mit verhältnismäßig geringen zusätzlichen Mitteln eine Fülle von Arbeitskräften der Arbeit wiedergeben können, wenn man als Grundlage der Finanzierung des Arbsitsbeschaffungsprogramms diejenigen Beträge nehmen würde, welche bisher an Arbeitslosen- Unterstützung der verschiedensten Art völlig unproduktiv aufgewandt worden sind. Auch diese Maßnahmen der Arbeitsbeschaffung sollten, soweit möglich, nicht einzeln und nacheinander, sondern.ile-chzsitig in großem Maße eil, setzen. Die Stoatsregierung weist jedoch ein- dringlich darauf hin, daß durch diese Maßnahmen allein, ohne gleich- zeitige siistematische Kürzung der Arbeitszeit, kein onsreichender Erfolg erzielt werden kann. Drillens muß sofort eine organisatorische Vereinfachung der Erwerbslosensürsorge ducchgeführl werden. Di« Arisenfürsorg- und die Wohlföhrtsfürsorge muffen vepe'mgt rnd nach vollständig gleichen Grundsätzen, insbesondere hintchtlich der Bedürstigkeitsprüfung und der Unterstützungssätze für olle Personen, deren Unterstützungsanspruch gegen die Arbeitslosenoersicharung fort- gefallen ist, durchgeführt werden. Dies kann nach Aufsassunz der Stoatsregierung— vorbehaltlich einer Usbergangsregelung für d>s zur Zeit in der Krisinfürsorge betreuten Personen— zweckmäßig nur bei den Gemeinden geschehen, die ollem die ersordsrl'chs Sachkenntnis über die Familien- und Permögensverhältmsse und über die Bedürftigkeit haben. Bei Durchführung dieser Maßnahmen— Kürzung der Arbeits- zeit. Arbeitsbeschaffung und organisatorische Vereinfachung der Er- wcrbslosenunterstützung— wird sich der Umfang der Arbeitsfpsigkeik und des Bedarfs an öffentlichen Mitteln erheblich senken, während er anderenfalls noch st eigen wüßte. Z�efs Steigerung würde aber notwendig dazu führen, daß die Mirtfchpst neu belastet werden müßte, da der bisherige Zustand ungenügender Gesomtsinonziernng zum Zusammenbruch führen würde. Der Dannn gegen die Flut der Arbeitslosigkeit ist zugleich das einzige Mittel, um die zweite große innenpolitische Frage, die Sanierung der G e in c i n d c s in a ii z e Ii, zu lösen. Auch zu diesem Zwecke sind die vorgeschlagenen Maßnahmen, durch welche die die öfsenllichen Kassen schwer belastenden Unterstützungssummen in Arbeitslöhne umgewandelt würden, unerläßlich. Der Gesamt- s e h l b e t r a g der preußischen Gemeinden und Gemeindeocrbände wurde bereits im Herbst 1931 sür dieses Rechnungsjahr a u f g e g e n eine halbe Milliarde geschätzt. Er hat sich trotz ein- schneidender Eingriffe, die sich im günstigen Sinne ausgewirkt haben, nicht verringert. Die drille Besoldungslürzung. die Enllastung infolge der Zinssenkung und die außerordentlich rigorosen Einsparungen, die bc! den Gemeinden im Laufe des Rechnungsjahres 1931 eingetreten sind(sie allein werden in Preußen auf 300 bis 400 Millionen im Iahresergebrns zu veranschlagen sein), werden für die Haushalts» Wirtschaft des Rechnungsjahres 1932 mehr als aufgehoben durch die zu erwartende Erhöhung der Zahl der Wohlsohrtserwerbsloscn, durch den Rückgang des Gemeindeanteils an den großen Heber- weisungsstcuern des Reiches und des Staates(insbesondere Ein- kommen- und Körperschaftssteuer sowie Hauszinssteuer) und durch den sehr starken Rückgang der eigenen Steuereinnahmen der Ge- nreinden. Auch für 1932 muß daher mit einem Gcsamtdcfizit von etwa einer halben Milliarde Reichsmark oder mehr allein für die preußischen Gemeinden und Gemeindeverbände gerechnet werden, dos bei ungünstiger Entwicklung der Arbeitslosigkeit iwch steigen würde. Solchen Fehlbeträgen mit ihrer verhängnisvollen Auswirkung auf die Kassenloge der Gemeinden kann, besonders wenn sie sich jetzt schon im drillen Jahre wiederholen, nicht mehr mit den bisherigen Mitteln der individuellen Beihilfen von Reich und Staat begegnet werden. Auch wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen durchgeführt werden, ist eine anders Form der Finanzierung er- forderlich, well erfahrungsgemäß die Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß zum großen Teil den in der Versicherung befindlichen, nicht den der Gemeinde zur Last sollenden Arbcllslosen zugute kommt. Dcr nach den vorgeschlagenen Maßnahmen notwendig bleibende verminderke Gesamlbedars der bisherigen Krisen- und Mohlsahrlsunlrrstühung sollte nach Ansicht dcr Staatsregierung in der Hauptsache von den haushalten der öffentlichen Verwaltung losgelöst werden. Das könnte geschehen, wenn er durch eine nach dem Bedarf veränderliche allgemeine Not- abgäbe gedeckt wird. Daneben wäre dann für die Srisenlohn- steuec kein Raum mehr. Die zweite Gehaltskürzung, welche bei den öffentlichen Beamten und Angestellten an die Stelle der Sriscnlohnsteyer trat, würde für sie die Rotabgabc in ent- sprechendem Umfange ersetzen. Di« Gemeinden(Fürsorgeverbände) würden einen bestimmten Bei» trog zu leisten haben, der sich aber im Rahmen ihrer Kräfte halte» würde. Da die Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen eine gewisse Zell erfordert, müssen während der Uebergangzzeit finanzielle Maßnahmen getroffen werden, um die Gemeinden in den Stand zu setzen, daß sie bis dahin chren Pflichten genügen. Schnellste Entscheidung ist erforderlich." Aufrichtigkeit, aussprechen, so fugen ynr ebenso aufrichtig hinzu, daß es keinen schärferen Gegner jed- m e d e r a n t i s o w j e t i st i s ch e n E i n k r e i f u n g s- und Änterventionspolitik geben kann als hie deutsche Sozialdemokratie und die So- zialistischc Arbeitcrinter nationale. Indem die Moskauer Regierung diesen Tatbestand aus propagan- drstischen Gründen auf den Kopf stellte, indem sie den nicht- kommunistischen Sozialismus schädigte, wo sie nur konnte, der Reaktion aber olle möglichen Liebesdienste leistete, Hot sie selber die Gegner der Interoentionepolitik geschwächt und ihre Anhänger gestärkt. Jetzt hat die Sozialistische Arbeiterinternationole in Zürich eine Entschließung angenommen, die dem'japanischen Imperialismus und ollen europäischen Interventionsabsichten Kampf in schärfster Form und mit allen zweckdienlichen Mitteln ankündigt. Damit verfolgt die SAI. nur die bisherige Linie ihrer eigenen Politik. Sie hat keineswegs die Ab- ficht, der Moskauer Regierung eine Liebeserklärung zu machen oder ihr ein Geschäft auf Gegenseitigkeit anzubieten. Wohl ober hätte man in Moskau recht, wenn man in jener Entschließung eine an die Sowjetadrcsse gerichtete M a h- n u n g z u r Selbstbesinnung erkennen wollte. Moskau führt seit vierzehn Iahren einen erbitterten An- griffskrieg gegen die deutsche und die europäische Arbeiter- beweguug, die sich nicht in die Komintern-Schablone pressen läßt, sondern ihre eigenes Leben leben und ihre geistige Selb- ständigkeit bewahren will. Moskau Hot diesen Angriffskrieg nicht gewonnen, seine Fortfühnmg aus bloßen Prestigegründen bedeutet weiter nichts�als sinnlosen Kröfteverbrauch. An dem Tage, an dem es ihn einstellte, wäre seine außen- politische Stellung nicht schwächer, sondern stärker! Russische Rüstungen dementiert. Vor der Militarherrschast in Japan. Di« Telegraphenogentur der Sowjellmion dementiert uvter Bs- zugnahme ans ein New-Jorker Blatt die wohl zuerst von uns gebrachte Nachricht, wonach drei oder vier Jahrgänge Reservisten zu Manövern einberufen werden. Diese Nachricht aber Hot dcr Moskauer Rundfunk ver- breitet und zwar an Stelle eines Vortrags, den Kriegskonmnsfar Woroschilow halten sollt«, was aber wegen Verhinderung des Red- ncrs durch eine wichtige Konferenz abgesagt wurde. Um ganz genau zu sein, stellen wir fest: Am Dienstagabend, dem 17. d. M.. gegen 21,10 Uhr MEZ., mekdet? der Moskauer Sender Komintern auf Welle 1481 in einer Pressssendimg an die Moskauer Arbeiter, daß sich der revolutionäre Kriegsrat entschlossen Hab«, an.den Manövern dieses Jahres die Jahrgänge 1909, 1910. 1911 und 1912 teilnehmen zu lassen, während sonst immer nur e i n Iahrganader Reserve ein- berufen wird. Diese Sendung wurde von Moskau für die st ä d t i f ch e Bevölkerung und von den anderen Sendern mr die Landbeoöikerunz durchzegeben: so Hot 12 Stunden später der Sender Kiew in ukrainischer Sprache für die Bauernbevölkerung dieselbe Meldung verbreitet. Wenn drei Tage später ins Ausland hinaus dementiert wird, so geschieht das zur Widcrlsgung solcher Avslandsstimmen. die diese Rcservisteneii�iehur»g als Zeichen eines soivjetrussrschen Kriegs- willens mißdeutet haben. Wir b«z weif« lü ck s i n e n Augen- blick, daß die S o mz etr« g.i er u n g den Frieden zu erhalten und den Krieg zu vermeiden strebt: damll steht es aber nicht in Gegensatz, die Abwehr eines ernstlich befürch- teten Angriffs vorzubereiten. Ob ein Angriff Japans auf Sibirien ernstlich zu befürchten ist, kann bezweifelt werden. Biel wahrscheinlicher ist, daß die japanische Militärvartei aus oollstäirdigc Besetzung und Annexion der Mandschurei drängt und daß die Berwirrlichunz dieser Absicht wohl auch das Ende des russischen Mitbesitzes und Mit- betriebez der Ostbahn Mandjchuria— C h a r b i n usw. bedeuten würde. Dieser Mitbesitz dcr Ostbahn ist ein wichtiger unh wertvoller Bestandteil des russischen S ta at s v e rm ö g e n s uW seiner Staatsmacht. In Japan sind zwar noch die kanseroativen Minister im Amt, aber der Innenminister S u s u k i hat bereits in einer Rede be- merkenswerte Konzessionen an das onti-parlanrentarische. milita- rksiischc und scheinbar bauernrechtlerrsche Programnr des„Schwarzen Drachen" gemacht. Da der japanische Kaiser seinen Truppen die vollständige Räumung Schanghais befohlen hat, läßt sich denken, daß die Soldateska nach„Ersatz" und neuem Ruhm Ausschau hält! Sanktionierung»«? Faustrechts? Amnestievorlage der nationalsozialistischen Preußenfraktion. Die nationalsozialistische Fraktion des neuen Preußischen Land- tags hat als erstes jetzt einen Gesetzentwurf über die Gewährung von Straffreiheit eingebracht. Danach wird Straferlaß für die zur Zell des Inkrafttretens des Gesetzes von preußischen Gerichten rechtskräftig erkannten und noch nicht verbüßten Strafen, soweit sie ausschließlich oder vor- wiegend aus politischen Beweggründen begangen worden sind, gewährt. Verfahren, die wegen Straftaten solcher Art anhängig sind, werden eingestellt, wenn die Tat vor dem Tag« des Inkrasttretens des Gesetzes begangen wurde. Diese Bestimmungen sollen auch sür Strafen gellen, die im Wege des Dienststrafverfahrens gegen un, mittelbar« und mittelbar« Beamte des Staates, der Gemeinden und sonstiger Körperschaften des öffeilllichen Rechts wegen politischer Gesinnung oder Betätigung verhängt worden sind, einschließlich der Lehrer und der Personen, die sich im Verwendungsdienst zu einer dieser Stellungen befinden. Ausgeschlossen von der Scrallreiheit sind nach dem Gesetzentwurf Landesverrat und Verrat militärischer Geheimnisse. -i> Nach dem Willen der Nazis soll die erste Tat des Preußi- schen Landtags darin bestehen, daß er Amnestie für die zahl- losen Mordtaten und Roheitsverbrechen der Nakttmalsozia- listen gewährt. Die Mörder von Bankau. der Mörder des Reichsbannerkomeraden Link, und mit ihnen die große Zahl van Naziverbrechern, die wegen Gewalttaten gegen Leben und Gesundheit verurteilt sind, sollen straffrei werden. Herr Ler> und sein Komplice Fuchs, die Nazischläger aus dem Reichstag, sie alle sollen amnestiert werden. Eine solche Amucstic würde auch die Kommunisten er- fassen...Rollnord", wie sich die Nazis bisher ausdrückten. Der Krieg auf den Straßen und aus dem Hinterhalt, dys gegen- fsitige Abschlachten von jungen Leuten, die organisierte Ge- wasttnt soll straffrei sein. Das würde nicht wehr und nicht weniger bedeuten als die völlige Auflösung des Rechts, die Prokla- micrung des Faustrechts und des inneren Krieges! Das preußenzentmm berät. Für verfassungsmäßige Ordnung und aufbauende Politik. Die Zentrumsstaktion des neuen Preußischen Landtags trat am Freitagabend zu einer kurzen Sitzung zusammen. Der stelloer- tretende Vorsitzende Sieger eröffnete die Sitzung und führte aus: „Die Zentrumsstaktion wird ihre Arbeit in den Dienst einer aufbauenden nationalen Realpolitik stellen. Ihr Wirten wird dem Zweck dienen, der Hort der verfassungsmäßigen L r d n u n g zu sein. Daraus folgt ihre Berellwilligkeit, mit all den Kräften, die v e rfassungs mäßige Ordnung und auf- bauende Politik wollen, sachlich zusammenzuarbeiten. Die Fraktion stellt ihre Arbell bewußt in den Dien st der Reichs- Politik. Die außenpolitische Befreiung und die innerpolitische Arbeit auf dem Eebiet« der Binnenwirtschaft, der Arbeits- beschaffung, der Siedlung und des steiwilligen Arbeltsdienstes wird dos Arbeitsziel sein. Die Lösung dieser Aufgabe wird unter den augenblicklichen Verhältnisien im Preußischen Landtag nicht leicht sein." Der Vorsitzende hob weiter hervor, daß es bei dem starken Zu- sammanhang zwischen dem Reich und Preußen selbstverständlicki sei, daß die preußische Zentrumsfraktion ihre Politik in engste m Zusammenhang und in engster Zusammenarbeit mit der Reichstagsfraktion und dem Reichskonzlsr Dr. B r Ü- n i n g zu führen haben werde. Reubindungen und politisch« Aenderungen in Preußen könnten nur im Einvernehmen mit der Reichsporteileitung und dem Reichskanzler vorgenommen werden. Die nächste Sitzung der Fraktion findet am Sonnabend statt. Nazis vollen Gefchästsordnvng ändern. Im Preußischen Landtag hat die nationalsozialistische Fraktion jetzt den Antrag eingebracht, der die sinngemäße Wiederher» stellung der alten Geschäftsordnungsbestini- m u n g« n über die Wahl des Ministerpräsidenten zum Ziele hqt. Bekanntlich Hot in dcr letzten Sitzung des alten Landtags die R«- gierungsmehrheit den§ 20 der Geschäftsordnung dabin geändert. daß ein Ministerpräsident nur dann als gewählt gilt, wenn er wehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhält. Die damals gestrichene Bestimmung, noch dcr, wenn sich kein« solche Mehrhell ergibt, die beiden Anwärter mit den meisten Stimmen in die engere Wahl kamen, soll nach dem Antrag nunmehr durch folgende Sätze wieder aufgenommen werden:„Ist hiermit keiner der Bewerber gewählt, so findet Stichwahl zwischen den beiden Bewerbern statt, die die meisten Stimmen erhalten haben. Gewählt ist derjenige, der in dieser Stichwahl die meisten Stimmen auf sich vereinigt." Reichsiagsembervfvng abgelehnt. Nazis und Osutschnotionale wollen den EtaatSgerichtShos anrufen. Die von der deutschnationalen Reichstagssrallion für den 24. Mai beantragte Einberufung des Reichstags ist. obwohl sie von den Nationalsozialisten und den Kommunisten unter- stützt wurde, vom Reichstagsprösidenten Löbe wiederum ab- gelehnt worden. Dcr Reichstogspräsident bleibt in Ucbereinstimmung mit der M'hrhest der Parteien und mit der Regierung bei der Aufsassung, daß Artikel 24 der Reichsverfassung nicht angewendet werden kann. weil die Session des Reichstags nicht geschlossen, sondern der Reichs- tag nur verjagt worden ist. Nqch Artikel 24 muß der Reichstag einberufen werde», wenn ein Drittel sämtlicher Abgeordneten es verlangt. Die jetzigen Antragsteller, Deutschnationale, Nallonol- sozialisten und Kommunisten bilden zwar ein Drittel des Reichs- tags, ober— nicht die Mehrheit, die naä) Auffassung des Reich?» tagspräsidenten für die Einberufung erforderlich ist. Dos Urteil des Staatsgerichtshoss, wonach der Preußische LoMog auch auf Per- langen einer Minderheit, nämsich eines Fünftels der Abgeordneten vorzsstig einberufen werden muß. gilt nach Auffassung der Mehr, heitsparteien nicht für den Reichstag. Rationalsozialisten und Deutschnationale beabsichtigen nunmehr, den S t a a t i g e r i ch t s h o f für dos Deutsche Reich anzurufen, um ein ähnliches Urteil wie für den Preußischen Landtag auch für den Reichstag herbeizuführei Wichtiger Beschluß der Radikalen. progrommeniwurf vor dem Sozialisisnkongreß. Varls, 20. Tstai(£igeru?t Drahlbcricht). Her vorstand der radikalen Vortei hat am Frei? lag unkec dem Vorsitz kierriols die Grundlinien eines Sc- gierungsprogramms seslgclegi. Der Hauptzweck der Beratung bestand ursprunglich darin, nach einem Meinungsaustousch über die politische Lage da? Datum für die Bollsitzung des Exekutivausschusses sestzusetzen, in der das Rsgierungsprogramm der Radikalen ausgearbeitet werden sollte. Die Beratung de?(Zesaintausschusses sollte erst Nack) dem 1. Juni, d. h. nach Schluß des sozialistischen Kongresses stattfinden, da die Radikalen abwarten wollten, o b und unter welchen Doraus- setzungen sich die Sozialisten an einer Linksregierung beteili- gen würden. Atjf Grund eines Vorschlags maßgebender Versoalichkeiten des linken Flügels der radikalen Vactei sind aber bereits in der vorstandssitzung die Grundlinien des Rcgiernngsvrogromm» festgelegt worden. Sie sollen vor dem sozialistischen Kongreß nach Billigung durch den Exelulivousschuß und die porlamenls- sraklion bekanntgegeben werden. Der linke Flügel der radikalen Partei, als dessen Sprecher u. o. der Abgeordnete Bergery inzwischen in der„BolontiE" ausgetreten ist, verteidigt den Standpunkt, daß, nachdem an der Be- trauung Herriots mit der Regierungsbildung kein Zweifel mehr bc- steht, es Sache der Radikalen sei, den Sozialisten ein Re- gierungsprogramm und die B e d i n g u n g« n für die Zusammen- arbeit zu unterbreiten, und nicht Sache der Sozialisten, den Radi- kalcn Bedingungen zu stellen. Infolgedessen wird der sozialistische Kongreß bereits in voller Kenntnis des radikalen Pro- grcrmms beraten können. Es ist nicht ausgeschlossen, daß man in Anbetracht dieser Aendenmg der Situation zu anderen Beschlüssen kommt als man bisher angenommen hat. Für den Fall, daß die Sozialisten eine Beteiligung an der Regierung ablehnen sollten, ver- tritt der linke Flügel der radikalen Partei, der in dem Exekutiv- ousschuß ziemlich stark vertreten ist, die Meimmg, daß die Radi- kalen allein die Regierungsbildung übernch- men sollen. Breiiner will zurückireten. Er bleibt im Amte nur noch bis Lahresende. wie». 20. Mai.(Eigenbericht.) In der Vollversammlung der sozialistischen Wiener Ge- meind eratsfra ktion, die sich mit der Vorbereitung zur Sitzung des neugewahlten Gemeinderats beschäftigt«, gab Bürger- meister Seitz folgende Erklärung ab:-.Ich muß von der be- trüblichen Totsach« Mitteilung machen, daß der Stadtrat B r e i t n e r die Erklärung abgab, sein Gesundheitszustand sei infolge der aufreibenden Tätigkeit in der Gemeindeverwaltung so geschwächt, daß er nicht mehr in der Lage sei, das Amt des Finanzreferenten zu übernehmen." Diese Nachricht rief größte Bestürzung hervor, um so mehr, als sie bis heute vormittag nur dem Bürgermeister bekannt war. Nach dringendem Ersuchen der Partei erklärt« sich schließlich Breitner bereit, in Anbetracht der schwierigen Zelwerhäliniss« sein Amt bis.- zum Ende de» laufenden Jahres weiterzufuhren. Der folgenschwere Entschluß Breitners bedeutet für die Wiener Arbeiterschaft einen um so schwereren Verlust, als gerade Stadtrat Breitner als der genialst« Schöpfer am Aufbau, werk des roten Wien befähigt bezeichnet werden muß. Heimwehr regiert mit! Sie verwaltet das Sicherheitswesen? Dien, 20. Mai. Der Zerfall der Heimwehr hat ihre Aufnahme in die neue Regierung nicht verhindert. Das neue Kabinett sieht so aus: Bundeskanzler, Aeußeres und Landwirtschaft: Dr. D o l i f u ß (Christlichsozial): Vizekanzler und Außenhandel: Winkler(Landbund): Inneres: Bachinger(Landbund): Justiz: Dr. Schufchnigg(Christlichsozial): Finanzen: Dr. Weiden hoffer(Christlichsozial): Heer: Vaugoin(Christlichsozial)-/ Sicherheit: Ministerialrat Dr. A ch, Leiter der Gen- darmeriescktion des Bundeskanzleramts(der Heimwchr nahe- stehend): ' HanM: Dr. Iaconcig(Heimwchr): Unterricht: Dr. Rindelen(christlichsozialer Heimwchr. protektos): Soziale Verwaltung: Dr. Resch(Christlichsozial). Die Aufnahme offener und heimlicher Faschisten in die Re- gierung der Republik ist eine wahre Schande. Das Festholten der Chriftlichsozialen und des am 24. April vernichtend geschlagenen Landbundes am Bürgerblock, dem nur die Grohdeutschen fehlen, ist eine weiter« Kampfansage an die Arbeiterschaft, auf die sie bei der Parlamentswahl im Herbst gebührend antworten wird. Nachspiel zum Prozeß Goelling. Grzesinski gegen Goelling. Der Polizeipräsident teilt mit:„Noch einem Zeitungsbericht hat der Landgerichispräsident Dr. Soelling in seinem Prozeß gegen das„8,Uhr-Abcndblatt" vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte gestern ausgeführt, daß es richtig fei, daß er bei einer nationalsozialistischen Versammlung bei den Heil-Hitler-Ruscn die Hand gehoben habe. Er habe dqbci ober an eine Verfügung des Polizeipräsidenten Grzesinski gedacht, der einmal Schutzpolizei- bsamte gerüffelt habe, weil sie in einer nationalsozialistischen Ver- sanmilung bei den Heil-Hitler-Rusen nicht die Hand mit erhoben und dadurch Unruh- in die Versammlung gebracht haben. Wenn dieser Bericht die Ausführungen richtig wiedergegeben hat. dann ist zu sagen, daß an dieser Behauptung des Herrn Präsidenten des Landgerichts I. Dr. Kurt Soelling. keinmahresWort ist." Die französische MilitSrmisjion in pole« kehrt infolge Nicht- erneuerung des Vertrages an, 1. August in ihre Heimat zurück. Es sind nur noch wenige Franzosen, da ihre früheren Kollegen immer hnehr durch Polen ersetzt worden sind. Wenn Nazis regieren. Gchlachisteuer in Mecklenburg-Gtreliß/ Gewerbetreibenden gehen die Augen auf. Keustrclitz. 20. Mai(Eigenbericht). Die nationalsozialistisch- deutschizationale Re» gierung in Mecklenburg- Strelitz ist auf den Gedanken verfallen, ein Defizit in, Hauhalt im Ausmaß non 800000 Mark durch die Schlachtsteuer zu decken. Gerade in Mecklenburg- Strelitz ist eine solche Steuer äußerst bedenklich. Ihre Einführung belastet das Gewerbe und die Fleischverbraucher in beispiellosem Ausmaß.' Man wird sich aber auch darüber klar sein müssen, daß diese Belastung Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben muß. An sich liegen die Viehpreise gerade in Mecklenburg aus einem noch nie gekannten Tiefstands Das Experiment mit der Schlachtsteuer hätte die Preise weiter drücken müssen. Diese unsoziale Steuer muß eben in einem Agrarbezirk, wie Mecklenburg-Strelitz es ist, ganz besondere Auswirkungen haben. Nun hat sich mit der Einführung der Schlachtsteuer in Mecklen- burg-Strelitz eine tolle Komödie ereignet. Vor den Wahlen in Mecklenburg-Strelitz sagten Deutschnationale und Nazis:„Seht nach dem roten Sachsen. Da wird das Gewerbe durch die Schlachtsteuer belastet und gedrosselt. Seht nach dem marxistischen Preußen, wo der rote Klepper das Gewerbe mit einer Schlachtsteusr in Höhe von 120 Millionen pro Jahr belasten will. Dählt nicht die Marxisten, sonst werdet 3hr Schlachtsteuer zahlen müssen!" Diese Agitation ist Deutschnationalen und lftationalsoz, allsten bei der Wahl in Mecklenburg-Strelitz sehr zugute gekommen. Der Wahlerfolg der Nazis in Gcwerbekreisen ist darauf zurückzuführen, daß sie die Schlachtsteuer geschickt in ihrer Agitation ausgenützt haben. Nun kam der e r st e R c i n f a l l und die erste Enttäuschung für das Gewerbe. Die nationolsozialistisch-deutschtiationale Regierung erklärte, daß es ohne Schlachtsteuer nicht gehe. Man müsse die Schlachtsteuer haben, sonst könne man die notwen- digen 300 000 Mark nicht auftreiben. Die Enttäuschung in den Ge- werbekreisen war groß. Im marxistischen Preußen ist die Schlochfsteuer nicht eingeführt worden. Ausgerechnet aber im nationalsozialistischen Mecklenburg- Strelitz ver- langt eine nationalsozialistisch- deutsch national« Regierung ein paar Stunden nach der Wahl, in der in beispiel» losem Ausmaße mit der Schlachtstcuer gearbeitet worden ist, du Schlachtsteuer. Den nationoliozialistisch eingestellten Gewerbetreibenden blieb bei dieser Entwickbmg der Dinge einfach die Spucke weg. Sie wurde» bei der nationalsozialistisch-deutschnationalen Regierung vorstel» l io. Dort erklärte man aber den Gewerbetreibenden, sie sollten: erst mal sagen, wie man sonst die 300 000 Mark ausbringen wolle. Im übrigen spielt« man den starken Mann und ließ die Schlacht« steuervorlage vor den Landtag kommen, mit der Absicht, di« Schlacht st euer unter ollen Umständen durchzu. führen. Das war am. Freitag nachmittag und hier ergab sich di« zweite Ueberraschung. Die Regierung hatte bis zuletzt ge- hofft, geräuschlos mit der Schlachtsteuer durchzukommen. Sie hatt« sich getäuscht. Der Sozialdemokrat Dr. Foth unterzog di« «chlachtstcueroorlage der Regierung einer eingehenden Kritik. Er legte die sozialen Härten dieser Steuer dar, die nur die Aermsten der Armen treffe. Er zeigte ihre fürchterlichen Wirkungen auf das Gewerbe und die Landwirtschaft. Föth tat das in einer dergrtig überzeugenden Weiss, daß Deulschvaiianale und Nationalsozialisten es vorzogeo. nicht für die Vorlage ihrer eigenen Regierung zu stimmen. Die Deutschnationalen erklärten, durch Dr. Everling-Berlin, daß sie glaubten, jetzt neue Mittel gefunden zu haben, um das 300 000- Mark-Defizit zu decken. Wie diese Mittel aussehen, haben sie noch nicht verraten. Die Na tionalsozialisten zerbrechen sich aber weniger den Kopf um den Etat in Mecklenburg-Strelitz. Als die Strclitzer Nazis sahen, daß ihnen ihre Felle bei der Rede des Landrats Dr. Fach wegschwammen, erklärten sie, aus prin- z i p i e l l e n Gründen gegen die Schlachtsteuer zu sein, während ihre Regierung wohl„prinzipiell" dafür ist. So wurde die Schlachtsteuer von allen Parteien abgelehnt. Da- für war allein die nationalsozialistisch-deutschnationale Regierung, gebildet von Vertrauensmännern der Nazi-Fraktion und der deutsch» nationalen Fraktion. Naziführer- englischer Spion? politischer Gensationsprozeß in Ostpreußen/ Die Ermordung des Reichsbanner- kameraden Alfred Link. „Alfred Link, ermordet vcm den Nazis am IS. Oktober 10Z1 in Friedland", so heißt es in der unter der lleberschrist ..Zwei 3ohtc Nazimord" von der Partei herausgegebenen lokcnliste. vor dem Schöffengericht in Friedland(Ostpr.) wurde in diesen Tagen ein politischer Monsireprozeß verhandelt. in dem das hinterhältige verbrechen an dem Reichs- bannerkameraden Alfred Link seine Sühne finden sollte. Am 18. Oktober v. I. fand in Friedland ein größeres Reichs- bovnertreffsn statt. Infolge des provokatorischen Benehmens der dortigen SA.-Bonden kam es zu tätlichen Auseinander- s e tz u n g e n und folgenschweren Zusammenstößen. Der jugendliche Reichsbannerkamerod Alfred Link wurde dabei von einigen SA.-Rowdys in eine dunkle Gasse abgedrängt, nieder- g e s ch la g e n und mit dem Messer in einer derart viehischen Weise bearbeitet, daß er einige Tage danach im Bartensteiner Krankenhaus seineit schweren Verletzung«» erlag. Der Reichsbannerkameraden bemächtigte sich naturgemäß über diese hinterhältige Tat eine gewaltige Erregung. Sie zogen vor das SA.-Heim und zerschlugen dort die Tür und Fensterscheiben. Jetzt unternahmen die Nazis«inen neuen, und zwar planmäßig orga- nisicrtcn Vorstoß, bei den, u. a. der Ruf fiel:„Die Hund« treiben wir aus Friedland raus!" Alle Nazis waren jetzt mit Schläginstrumenten bewaffnet. Die Reichsbarmerleule wurden bis zum Rathaus zurückgedrängt. Als jedoch Verstärkung herbeieilte, wurden die Nazis schließlich gezwungen, sich im Rathaus in Sicherheit zu bringen. Von der erregten Menge wurde mit Steinen geworfen ,md innner wieder ertönte der Ruf:„Raus mit den Mördern!" lim weitere Zwischenfälle zu vermeiden. wurde von, Reichsbanner schließlich eine Sperrkette gebildet. Die im Rathaus eingeschlossenen Nazis konnten erst durch die gegen Mitternacht aus Königsberg eintreffende Schutzpolizei aus ihrer Zwangslage befreit werden. Der Prozeß um dies« Vorfälle dauerte im ganzen fünf Tage. Auf der Anklagebank saßen 19 Otationalsozialisten und 12 Reichsbann erkameradem Die Anklage lautete auf Raufhandel und schweren Landfxi«densbruch. Bon den Nationalsozialisten stand der Angeklagte Siegfried S ä s s e r m a n n in dem dringenden Verdacht, den tödlichen Stich geführt zu haben. Der Prozeß begann Mit einer Sensation und endete gleichfalls mit einer Sensation. Der damalig« Truppführer der Nasianalsozialisten Dietrich Glehbc, der jetzt ebenfalls auf der Anklagebank saß, entpuppt« sich als eine jener berüchtigten dunklen Existenzen, die schon wiederHoll im Leben Schifsbruch erlitten und nun ein« neue Heimat in der Partei des politischen Banditentums gefunden haben. Dietrich Glehde ist am 9. April 1900 zu Rostock' geboren, wohnt gegenwürtig in Metgethen, Kreis Königsberg, und gibt an, Landwirt zu sein. Turrh Urteil vom 14. Mai 1923 der zweiten Dtraf- lammer am Landgericht Berlin ist Glehde wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das Urteil stellt fest, daß sich Glehde vom Leiter des englischen Nachrichten- dicnstes 20 000 Mark hatte geben lassen. Im übrigen hieß es von ibm, daß er ein unaufrichtiger, haltloser und willensschwachcr Mensch sei. Neben dieser ehrlosen 5)aui> lungsweise hatte Glehde weitere sieben Vor st rasen wegen Betrugs, Unterschlagung und Diebstahls aufzu- weisen. Der Verteidiger der Nationalsozialisten war durch dies« Feststellung so betroffen, daß er die Verteidigung dieses Ehrenmannes schleunigst niederlegte. Die Beweisaurnahme ergab gegen den Angeklagten Sasser- mann, den mutmaßllchcn Mörder des Kameraden Link, außer- ordentlich belastendes Material. Am letzten Tag— die Plädoyers sollten bereits beginnen— ergab sich jedoch eine sensationelle Wen- dung. Der Zeuge S cki i e in a n n, ein früherer Angestellter des SA.-Hcims, der bei feiner Zeugenvernehmung am Tag« vorher unter Eid abgestritten hatte, den Täter zu kennen, erklärt« jetzt. fein« Aussog- in wesentlichen Punkten ergänzen zu wollen. Unter allgemeiner Bewegung teille Schumann folgendes mit: Einige Tage nach den blutige« Vorfällen in Friedland fei der Gärtner Marlin Sirstein, Mitglied des Stahlhelms, in dos SA..Heim gekommen und habe erzählt, daß. er an jenem Abend ein Messer bei sich gehabt habe. Da? Messer sei blutig gewesen. Er habe es ab- gewischt und hinter dem Ofen»ersteckt. Sirstein habe dann hinzugefügt. daß er es gewesen sei. der den Reichsbanncrmann Alfred Link erstochen Hobe! Kirstein, der auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft von seiner Arbeitsstelle herübergeholt worden war, brach unter der Wucht dieser klaren Aupsage zu- sammen und legte ein Geständnis ab. Kirstein wurde daraufhii, mitten in, Gerichtssaal verhaftet und sofort ins Untersuchungsgefängnis abgeführt. Er wird sich demnächst vor dem Schwurgericht in Bartenstein zu verantworten hohen. Der Schwerpunkt des ganzen Prozesses war durch diese sen- sationelle Wendung naturgemäß verschoben worden. Das Urteil war, soweit die Nationalsozialisten in Frag« kamen, von einer geradezu unbegreiflichen Milde. Von den Nationalsozialisten wurden sieben Angeklagte, non den Reichebanner- kameraden fünf Angeklagte freigesprochen. Die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnisstrafen von 1 Woche bis zu 1 Zahr. Fast ollen Angenagten wurde Strafaussetzung • zugebilligt. Die„Preußische Zeitung", das Organ der ostpreußischen Nazis. hat die Ermittlung des Mörders zum Anlaß genommen, um die Schuld an der Friedländer Bluttat von den Nationalsozialisten ob- zuwenden.„Die Lügen der„Vplkszeitung" erledigt! Reichs- banNermann Link non Stahlhelm ern erstochen!" So berichtete, sie beinahe triuinphierciid über den Ausgang des Pro- zesses. Das Ablenkungsmanöver der„Preußischen Zeitung" ist eine niederträchtig« Lüge. Di« Nationalsozialisten waren in Wirklichkeit zuin mindesten Mitwisser des gemeinen Verbrechens. Bis zun, letzten Augenblick hoben sie sich krampfhaft bemüht, die Ermittlung dez wahren Täters zu verhindern. Immer wieder tischten sie die Lüge auf, Link sei im Verlauf einer Eifersuchtsszene von einem Nebenbuhler erstochen worden. In Wirklichkeit waren die wahren Zusammenhänge dem Nozigesindel längst bekannt. Der als Mörder ermUlelie Stohlhelmmau» Martin Sirstein war ständiger Gast im Fricdländcr SA.-Heim. Gesiunungsmähig fühlte er sich den Nationalsozialisten ouss innigst« verbunden. Ilm ihn zu decke«, hatte der SA.-Mann Schiemonn ursprünglich einen glatten Meineid geleistet. Erst an, letzten. Tage hatte die Angst diesem Burschen und Mitwisser die Zunge gelöst. Di« Blutschuld der Friedlniider Nalionalsozialistei, ist genau die gleiche wie dieses Stahlhelmers Kirstein, den sie jetzt gerne von sich abschütteln möchten. Sie haben mit provoziert, sie Haben mit breingeschlogen und sie haben vor allem den feigen Mörder seiner Bestrafung zu entziehen versucht. Kein noch so großes Lügengeschrei der Nozipresse wird uns jemals daran hindern, die Friedländer Bluttot als unauslöschliches Schandmal der ostpreußische,, National- sozialisten zu brandmarken! Schi,(rat Meyer enthastet. Der seit Pochen unschuldig inhastierte Memellandsüchrer Schglrot Meyer ist am Freitagabend frei- gelassen worden. Zahlreich« neu« Zeugenaussagen hqjjen die Cnt- hystung herbeigeführt. Eine große Volksmenge brachte auf Meyer ein dreifaches Hoch aus und überschüttete ihn, der einen recht mit- genommenen Eindruck mochte, mit Blumen. Vorverlegung der hessischen Landtagswahlen. Als Termin der Neuwahlen für den Hessischen Landtag, d«r vorläufig auf de« Z. Juli festgelegt war. ist endgültig der 19. Juni bestimmt warb«» Wo die Verräter sitzen. Ltud wer von der RGO. mit Begeisterung aufgenommen wird. ' Zu der Selbstentlarvung des Bormann, früher Borsitzender des Betriebsrats der Schuhreparaturwerkstatt der Firma H. Leiser, die die„Rote Fahne" mit jauchzender Freude veröffentlicht, wird uns von der Berliner Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Schuhmacher geschrieben: In dem Flugblatt behaupten Bormann und die NGO., daß die Ortsverwallung und Hartz vom Schuhmacheroerband von den Missetaten Bormanns Kenntnis gehabt, sie organisiert, gutgeheißen und geduldet haben. Demgegenüber erklären wir, daß Bormann und die Verbreiter seiner Behauptungen gemeine Lügner und Verleumder find, und fordern sie auf, wenn sie keine gemeine Lugner und Verleumder sein wollen, gerichtlich gegen uns vorzugehen. Die Unwahrheit der gegen uns gerichteten Berleumdungen er- gibt sich schon aus der Mannten Tatsache, daß die gesamte Ortsverwaltung des Schuhmacherverbandes im Januar 1931 mit aller Schärfe gegen die von Bormann intensiv betriebene Ar- beitsausnahme aufgetreten ist. Die Arbeilsousnahme erfolgte gegen den Willen der Ort». Verwaltung. Daß Bormann von der Firma Leiser bestochen war, erfuhren die Ortsverwaltung und Kollege Horg erst in einer Betrieb.?. Versammlung der Firma Leiser am 21. April 1932, wo ein Kollege den Vorwurf gegen Bormann erhob, er habe sich von der Firma bestechen lassen. Bormann war zu dieser Zeit längst aus der freien Gewerkschaft ausgeschlossen und in die REO. ein» getreten. Bormann war also bei Bekanntwerden seiner Missetoten nicht mehr Mitglied der freien Gewerkschaft. Dagegen nahm ihn die REO. als Mitglied auf, obwohl pro- minenle Mitglieder der RGO. nach ihren eigenen„eidesstattlichen Versicherungen" die Verfehlungen Bormanns bereits im März 1SZ1 gekannt haben. Siehe Bericht der„Roten Fahne" vom 19. Mai 1932. Die RGO. ist also in der Tat eine„saubere" Organisation. Wie Bormann als Mitglied der RGO. gegen den Unternehmer im Betrieb„kämpft", beweist die Tatsache, daß er auch a l s Mitglied der RGO. om Z. März 1932 bei Herrn Krause in der Wohnung war. Die Ortsverwaltung des Schuhmocherverbandes lehnt es ganz entschieden ab, den Richtungsstreit innerhalb der Arbeiterschaft mit Revolvern auszutragen, oder zu ihrer Benutzung andere zu er- mutigen, wenn ihr eigenes Leben bedroht wird. Wir erinnern daran, daß im Jahre 1939 der damalige Führer der RGO.-Schuhmacher, Betersen, in Betriebsversammlungen die Anwesenden auf- forderte, den Kollegen Hartz mit Gummiknüppeln und Stuhlbeinen niederzuschlagen. Trotzdem hat Hartz keinerlei Schutzwaffe getragen. Die Ortsverwal- tung steht auf dem Standpunkt, daß der Richtungsstreit mit geistigen Waffen geführt werden muß. Bormann behauptet in dem Flugblatt weiter, daß die Arbeits- aufnähme bei Leiser am 12. Januar 1931„zwischen Hartz und Kochenthaler vereinbart" wurde. Diese Behauptung trägt den Stempel der Lüge an der Stirn, denn die Arbeitsaufnahme ist gegen den Willen der Ortsverwoltung erfolgt. Bormann behauptet weiter, auch Kollege Hummel fei bei Herrn Krause in der Wohnung gewesen. Kollege Hummel erklärt hierzu, daß er niemals bei Herrn Krause in der Wohnung und auch Herr Krause nicht bei ihm in der Wohnung war. Lei der Wiederaufnahme der Arbeit nach dem Streik im Zaauar 19Z1 hat die Orlsverwaltuag keinerlei Einfluß auf die Betriebs- leituag ausgeübt oder mit ihr im Einvernehmen gestanden, sondern überlies es völlig der Betriebsleitung, wen sie einstellen wollte oder nicht. In dem erwähnten Flugblatt gibt der aus der freien Gewerk- schaft ausgeschlossene Otto Koch eine„eidesstattliche Versicherung" ab, nach der er den Kollegen Hartz im März 1931 auf Verfehlungen Bormanns aufmerksam gemacht haben will. Wir erklären hierzu, daß Koch niemals bei Hartz oder einem anderen Mitglieds der Ortsverwaltung gewesen ist, um auf diese Verfehlungen Bormanns aufmerksam zu machen. Dagegen ist der Ortsoerwaltung und einem großen Teil der Mitgliedschaft bekannt, daß Otto Koch noch dem Streik bei Leiser in Versammlungen s t ch rühmte, der RGO.„eins ausgewischt" zu haben. Derselbe Koch war es auch, der nach seiner Entlassung Herrn Krause aufsuchte und von ihm 400 M für Anschaffung eines Obst« wagens haben wollte. Daß in der Arbeiterbewegung gelegentlich Verräter und Spitzel auftreten, ist allbekannt. Daß aber eine Arbeiterorganisation solche Verräter als Mitglieder aufnimmt und behält, Ist erst seit Gründung der RGO. zu vre- zeichnen. Vormann ist nicht der erste Fall. Wir erinnern nur an die sieb- zehn RGO.- Streikbrecher beim Streik bei Leiser in den Filialen. Von einem Hinauswurf dieser Streikbrecher aus dieser „sauberen Organisation" war n i ch t s zu hören. Im Gegenteil. Die RGO. hat sich monatelang bemüht, diese Streikbrecher als ihre Mitglieder zu erhalten und hat deren Streikbruch noch zu beschönigen versucht. Bormann ist, nachdem er aus der freien Gewerkschaft herausgeworfen wurde, zur RGO. gegangen, in der Erwartung, daß in der RGO. solcheVerrätergeduldet werden. Wie„sauber" die RGO. ist, hat sich wester beim Leiserstreik ge- zeigt, wo eine Reihe von RGO.-Mtgiiedern sich während des Streiks brieflich der Lekriebslelluug zur Arbeit anboten und ein Teil auch lalsächlich die Arbeil während des Streiks aufnahm. Die Belegschaft von Leiser hat den Bormann abgeschüttelt. Run gilt es, ganze Arbeit zu machen und den gewerkschaftlichen Brunnenoergistern der RGO. die Türe zu weisen. Bei Leiser muß wieder eine restlos geschlossene proletarische Front geschaffen werden in der steten Gewerkschaft. Dec Streik in denWurstfabriken Die Front der Unternehmer wankt. Die Arbeitsniederlegung in den Berliner Wurstfabriken vollzog sich in mustergültiger Weise. Die Stint- rnung der Streikenden ist glänzend. Mit dem heutigen Tage werden noch einige Betriebe, wo bis jetzt die Arbeit nicht niedergelegt worden ist, ebenfalls in den Streik treten. Die entschlossene Haltung der Streikenden hat zu einem Abbröckeln der Unteraehmerfront geführt. Sieben Firmen(Hammerschmidt. Litauer Straße, West heimer. Neue Iakobstraße, Robert Lange, K.rautstraße. Groß mann u. Fisch, Linden- straße, Fleischwerke Hobrechtsfelde, W. Bc» row, Weißensee sowie die Wurstfabrik des Gewert- schastöhauses) mit rund 200 Beschäftigten haben die Forderungen der Streikenden bewilligt. Die ba- stehenden Löhne werden bis zum 31. Oktober 1932 uu» gekürzt weitergezahlt. Die Bestimmuuaen des Manteltarifvertrages bleiben bis zum 31. Mai 1933 in Geltung. Die Solidarität der Streitenden wird ihre Wirkung auf die organisierte Arbeiterschaft Berlins nicht ver. fehlen. Sie wird fie in ihrem berechtigten Abwehrkampf in der ausgiebigsten Weise unterstützen. Zum Streik der Steinsetzer. Vermittlungsversuch des Schlichters. Am Donnerstag ist beim Schlichter für den Bezirk Brandenburg über den Antrag der Berliner Steinsetzmeister verhandelt worden, den Schiedsspruch für verbindlich zu erklären, der die Stundenlöhne um 33 bis 3Z Pf. herabsetzen will. Der Schlichter machte den Versuch, die Parteien zum Abschluß einer freien Vereinbarung zu bewegen, was ihm aber infolg« des starren Festhallens der Unternehmer an den Lohnsätzen des Schiedsspruchs nicht gelang. Eine Entscheidung über den Antrag der Unternehmer traf der Schlichter noch nicht; er wollte offenbar den bisherigen Tarifparteien Gelegenheit geben, nochmals in den letzten Der- Handlungen den Versuch einer Verständigung zu unternehmen. Die S t r e i k l a g e ist nach den Berichten, die gestern vor- mittag in der Streikversommlung im Gewerkschaftshaus gegeben wurden, noch völlig unverändert. Von wenigen Ausnahmen ab- gesehen, befinden sich sämtlich« Berliner Steinsetzer, Rammer und hilfsarbester im Ausstand. Von irgendwelchen Beschlüssen nahm die Versammlung angesichts der ungeklärten Situation Abstand. In der Diskussion wurde lediglich der Lohnkommission nahegelegt, bei neuen Verhandlungen mst den Unternehmern keine freie Ver- einbarung abzuschließen, die nur mll wenigen Pfennigen von den Lohnsätzen abweicht, die in dem Schiedsspruch festgelegt sind. Am Montagvormittag ist im Anschluß an die Auszahlung der Streik- Unterstützung im Gewerkschoftshaus wieder ein« Streikversammlung. Schiedsspruch für Werkstein- und Grabmalbranche. Für die Arbeiter in den Betrieben der Berliner Werk- stein-, Marmor, und G r a b m a l b r° n ch e ist am Donners- tag vom öchlichtungsausschuß ein Schiedsspruch gefällt worden, der die Löhne in den verschiedenen Lohngruppen ganz er- heblich, teilweise bis zu 18 Pro;., herunterfetzt. Die Arbeiter dieser Branche nehmen am Mittwoch nächster Woche in einer vom Zentralverband der Steinarbeiter einberufenen Versammlung zu diesem Schiedsspruch Stellung. Zeit und Ort dieser Versammlung werden am Sonntag im Inseratenteil des„Vorwärts" durch die Ortsverwallung des Steinarbeiterverbandes noch bekanntgegeben. Zu weit vorgewagt. ?kach dem Ultimatum an die graphischen Hilfsarbeiter. Unter dem Einfluß gewisser Syndizi und Generaldirektoren, die den Beweis erbringen wollten, daß sie nicht zu Unrecht ihr« hohen Gehälter bekommen, haben die Buchdruckereibesitzer dos bekonnte Ultimatum an die graphischen Hilfsarbeiter ge- stellt, sich bis Donnerstagabend mit dem Lohnabbau bis 12 Proz. einverstanden zu erklären; widrigenfalls allgemein gekündigt werden würde. Die graphischen Hilfsarbeiter haben das Ultimatum rundweg abgelehnt. Darauf ist— nichts erfolgt. Oder vielmehr ez wird nun erfolgen müssen, daß in neuen Der- Handlungen der alle Lohntarif wie bei den Buchdruckern ver- l ä n g e r t wird. Einstweilen bleiben die bisb-ntzen Lohn- bedingungen unverändert in Kraft. Freie Lehrergewerkfchast in Berlin. Der Verbandstag der Freien Lehrergewert. schaft wurde am Freitag abgeschlossen. Die Leitung des Der- bandes wird künftig in Berlin konzentriert. Verbandsoorsttzender bleibt Londtagsabgeordneter S ch a l l o ck. Die„Opposition" fiel mit ihren Anträgen bei dem Derbandstag glatt ab. Die Tagung fand ihren Abschluß mit der Annahme eines Aufrufs, worin nach einer sachlichen Kritik an den Notverordnungen, die auch die Schulen scharf in Mitleidenschaft gezogen haben, olle nicht frei- gewerkschaftlich organisierten sozialistischen Lehrer aufgefordert werden, zusammen mit der Freien Lehrergewerkschaft in der Front der freien Gewerkschaftsbewegung zu kämpfen. Zm Kölner Holzgewerbe kam es vor dem Schlichtungsausschuß zu einer Vereinbarung, nach der ob 18. Mai der S t u n d e n> lohn des Facharbeiters 1 M. beträgt. Angelernte erhalten hiervon 92 Proz., Hilfsarbeiter 83 Proz., Hilfsarbeiterinnen 55 Proz. Der Urlaub wird als Notmaßnahme für das Jahr 1932 mll drei Fünsteln abgegolten. Das Lohnabkommen läuft bis 31. Dezember 1932. Nur nicht Schlichtung! Rohrleger und Vauklempner für freie Vereinbarung. Die im Metallarbellerverband organisierten Rohrleger und Helfer standen in der Branchenversammlung, die sie am Don- derstag im Gewerkschaftshaus zusammen mit den Bautlemp- nern hallen, vor einer sehr schweren Entscheidung. Sie muhten wählen zwischen der Annahme eines Angebots der Unternehmer, das ab 19. Alai eine neue Lohnkürzung um eiwa 14 Proz. vor- sieht, oder der Anrufung der staatlichen Schlichtungsinstanzen, deren Aufgabe es jetzt bekanntlich ist, in allen irgendwie mit dem Bau- gewerbe verbundenen Berufen die Lohne„a n z u g l e i ch e n". Der Arbellgeberverband der Zentraiheizungsmdustrie und der gesundhellstechnischen Betriebe in Berlin war.zum Abschluß eines neuen Lohn- und Mantellarifvertrages bis zum 31. März 1933 nur bereit, wenn die Löhne der Rohrleger von 1,35 auf 1,16 Mark gesenkt werden, die Löhne der Helfer von 1,12 Mark auf 97 Pf., die Löhne der Junggesellen, in der Ausbildung begriffenen Rohrleger ujw. im gleichen Prozentverhälir. ms und die Landzulage von 5,50 auf 4,50 Mark Die Urlaubsentschädigung soll entsprechend der Kurz- arbeit im vorigen Jahre ebenfalls gekürzt werden. Die Entscheidung über dieses Angebot war insofern noch seht wichtig, als die Klempner- und Installateurinnunjj aus der Tartfgemeinschaft mit dem Arbeitgeberverband der Zen. tralheizungsindustrie und der gesundhellstechnischen Betriebe aus- getreten ist, um ihre eigene Lohnpolllik zu betreiben. Bisher gallen für die Gas- und Wasserlellungsrohrleger und die Bauklempner, die in den Jnnungsbetrieben beschäftigt sind, die gleichen Löhne wie für die heizungsuchrleger in den Betrieben des Arbeit- geberverbandes. Die Innung wollt« einen neuen Tarif nur ob» schließen auf der Grundlage eines Tarifspitzenlohnes von 9 3 D f. pro Stunde für die Baukiempner und Rohrleger. Roch dem Scheitern der Verhandlungen hat tzie Innung ihre Mitglieder durch Rundschreiben angewiesen, den Rohrlegern und Bauklempnern nur noch einen Stundenlohn von 1,03 Mark und den Helfern einen Lohn von 86 Pf. zu zahlen. Nach einem ausführlichen Bericht des Bevollmächtigten Genossen Eckert über den Ernst der Slluation und einer regen Aussprach« Hot die Versammlung dem Aogebal der llulernehmer zugestimmt. da sie sich von Verhandlungen vor den Schlichtungsinstanzen ein noch viel schlechteres Ergebnis versprach. Durch diese Zustimmung ist zugleich die Möglichkeit geschaffen worden, die Klempner- innung entweder durch neue Verhandlungen oder durch die Ein- stellung der Arbeit zur Zurücknahme ihres Lohnabbaudiktats und zum Abschluß einer gleichen Vereinbarung zu zwingen. Mit der Vereinigung der Badewannen- und Apparatefabri- k e n, die ebenso wie die Klempnerinnung in die Lohnabbau front eingeschwenkt ist, sind die Verhandlungen zum Abschluß eines neuen Tarifvertroges noch nicht abgeschlossen. Cin Lohnabbau überirifft den andern. Schiedsspruch für das Malergewerbe. Nachdem die bekannten skandalösen Lohnabbauschiedsspruche für das Baugewerbe gefällt waren, muhten sich auch die Vertreter der Malergehilfen im Reichsarbellsministerium zur Entgegen- nähme eines entsprechenden Schiedsspruches einfinden, der noch viel wetter geht als die meisten für das Baugewerbe gefällte-, Schiedssprüche. Für das Malergewerb« hat der vom Reichsarbeits- Ministerium bestellt« Schlichter. Regierungsrat Ttneauzer. einen Schiedsspruch gesostt, wonach die Löhne der Maler im ganzen Reich um 16 Proz. herabgesetzt«erden sollen. Die so gekürzten Löhn« sollen bis zum 28. Februar 1933 Gülligkeit haben. Es klingt zwar unglaublich, aber die Unternehmer hoben diesen Schiedsspruch sofort abgelehnt, weil der Lohnabbau ihnen noch nicht well genug geht! Die Berliner Jnnun. gsmeifter hallen an ihrem Lohnabbaudiktat fest, durch das sie die Löhne eigenmächtig von 1.2 5 auf 1 Mark herabgesetzt haben, während nach dem Schiedsspruch der Spitzenlohn der Maler in Berlin auf 1,05 M. zu stehen kommen würde. Di« Funktionär« der freigewerkschaftlich organisierten Berliner Maler haben am Donnerstag den Schiedsspruch nach heftiger Kritik an der unverantwortlichen Lohndruckpolitik des Reichsarbeit?- Ministeriums angenommen, weil sie ongesichis der Tatsache. daß im Malergewerbe immer noch 83.5 Proz. d»r Berufsange- horigen beschäftigungslos sind, einen ofsenen Kampf gegen diesen Lohnabbau für aussichtslos halten. Mitbestimmend sitr die Haltung der Funktionäre war aber auch die bedauerliche Tatsache, daß sich leider viele„unorganisierte" und auch zur RGO. gehörende Maler bereit gefunden haben,. zu den von den Berl-ner Jnnungsme-stern diktierten Löhnen Arbeit anzunehmen! poststreik in Gn'echenland. Athen. 20. Mai In der Nacht zum Donnerstag find die Beamten des Post». Telegraphen- und Fern.sprechdienstes mit wenigen Ausnahmsn in ganz Griechenland wegen Gehalts st reitigkeiten in den Streik getteten. Die Regierung hat die Verhaftung der Streit- l e t t u n g angeordnet und die Dienstentlassung aller streikenden Beamten verfügt. Da die Drohung mll Entlassung aller Streikenden ihren Zweck verfehlt, wurde die Mobilmachung der streikenden Beamten und Angestellten angeordnet. Die Vorstände der Arbeiterverbände befassen sich m,r der Wsicht eines Sympathiestreiks. SPD.-ztalt>»n Z>M»Ienhaii, tm gnedtichrhom. Verlawmwng am Dien». «uz. 24. Mai. Ipi/, UJ]t, bei Balltchmivt. grt�enftrlche. Vertrag:„Nach den Ü_ Senesse------"" Preußenieohlen itc H-rli». Buchtonlrolle. Kreis Gewerkfchafts-.�ugend Berlin tute; Gsnnadend, 21. Mai, finden iolgenie Veranstaltunzen statt: iturpc Pantow. Zeltfahrt nach Briefelana.— Srurpe Arn-waldei Plast: Wir zclteu in Brielelanz.— Lüdaftra! Jugendheim Reichen. berzer Ltraße 6«. Slicrnabeud. Besinn 20 Uhr,— Jugend» und Etteraabaud: Lugendheim Perlin RW., Lehrter vtraße IL— ia, Beginn 20 Uhr. für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft:! OPEL: niedrigste Ersatzteil preise! O' P E L S C H Ö N- V O N R M 1 8 9 O A N/ A B, WERK R Ü S SEI S H E I M A M M A I N Är. 235- 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 21. Z?!a! 1932 r£um Gosener?5 Spree wald 41 Man muh nicht immer in den Spreewald faliren, wenn man Epreewaldlandschaft kennenlernen will. In der nächsten Nähe der Weltstadt gibt es öhnlickze Landschaften, dw mit geringstem Kosten- urtd Zeitauswand erreicht werden können. Wir fahren mit der Eisenbahn nach W i l b e l m s h a g c n. Interessant ist hier die Ortsanlagc: Alle Elrasten gehen noch Süden radial nom Bahnhof ab. Die Querstraßen, die diese strahlenförmigen Straßen nerbinden, bilden Kreise, deren Mittelpunkt der Bahnhof ist. Wir wandern nun in südlicher Richtung nach 5? e s s e n w! n k e l zum Ufer der Spree. Hier lassen wir uns übersetzen und wandern aus herrlichem Wald- wege weiter in südlicher Richtung zur ssörstcrci Fahle nberg, die am Gosener Graben liegt. Hier haben wir unser„Spree- maldgelände" erreicht. Wenn wir die Ghauflee überschreiten, die Müggelheim mit Gosen verbiirdet, finden wir das idyllisch am Wasser gelegene Gasthaus Fischerhütte. Der Gosener Gra- hen stellt die Verbindung her Mischen der Miggelspree und dem Seddinsee. Zwischen Wiesen und dunklem Wald schlängelt er sich dahin. Klar ist ast sein Wasser, so daß man den reichen, manchmal zu reichen Pslanzenwuchs auf seinem Grunde beobachten kann. Seitsnkanäle zweigen sich ab, die leider immer mehr verlanden und schließlich unbefahrbar werden. Das ganze Gebiet, das zwischen Gosen. Neu-ZiUau, Erkner und dem Dämeritzsee liegt, ist tatsächlich «in kleiner S p r c e wa l d für sich. Es ist der Rest eines breiten Seebeckens, das im Laufe der Jahre austrocknete. Die Rinn- sale, die es durchziehen, sind der spärliche Rest der einstigen großen Wasierslut. Auch der Spreclauf Hot ja im Lause der Jahrtausende manche Veränderung erfahren. Geologische Beobachtungen zeigen z. B, daß die Spree, die heut« südlich von Rahnsdorf fließt, früher nuch nordlich van der Stelle der heutigen Siedlung vorbcigefloffen sein muß. Nun wandern mir über die Straßenbrücke hinweg nach Gosen. Von der Chaussee aus haben wir einen guten Blick wer das rimisaldurchslosjene Gelände. Gosen selbst ist von zwei Straßen durchschnitten, die im Innern des Dorfes«in regelmäßiges Kreuz bilden und den Ort in vier fast gleichmäßige Teile zerlegen Das im Sommer viel besuchte Dorf wurde 1754 van Friedrich IT. gegründet, der hier Pfälzer ansiedelte. Nach heute Hot«? den Cha- rockter eines bodenständigen Ackerbauer- und Fischerdorfes behalten. Die Bewohner, Männer und Frauen, verstehen c? meisterhaft, ihr« Kähne durch das Wasser mit Hilfe der laugen Stalstange zu treiben. Südlich von Gosen dehnt sich der stark ncriandete Wernsdorfer See. Zwei Wege können nunmehr zur Heimkehr benutzt werden. Man geht entweder über den Gosener Berg, den die leider mißlilngene Schillcrwarte verunziert, nach Schmöckwitz, von Eingang zum Gosener Graben wo man mit der Straßenbahnlinie 86 oder auch mit dem Dampfer zurückfahren kann, oder' man wandert weiter um das Gosener „Spreewaldgebiet" herum nach Neu- Zittau, da? ebenfalls 1754 angelegt wurde. Hier wenden wir uns nach Norden. Die Chaussee verläuft durch die weiten Spreewiesen nach Erkner. Von hier führt die Bahn noch Berlin zurück. Weglängen: Wilhelmshagen— Gosen 4� Kilometer, Gosen — Schmöckwitz 5 Kilometer. Gosen— Neu-Zittau— Erkner 6 Kilometer, Gesamtweglänge Sit» bis lOsü Kilometer. Rätsel um ein Auto. Blutflecke im qefiohleven Wagen.- Fahrlässigkeit oder Verbrechen? In der S e d a n st r a ß c in W e i ß e n s e e wurde an, Freitag eme ftchrerlase Opellimousine aufgefunden. Die Polster des Wogens waren stark mit Blut bespritzt. Wie von der Polizei sehr bald fest. gestellt werden kannte, war das Auto seinem Besitzer, dem Fouroge- Händler Mcy erHardt aus Halensee, am Donnerstagabend in der Reuen- F r.i e di i ch st r o ß e gestohlen worden. M. haste im Hause Nr. 86 eine Besorgung zu erledigen, und als' er nach einiger Zeit wieder auf der Straße erschien, war der Wagen verschwunden. Bald nach Auffindung der Limousine wurden hinter einem Zaun in der Greifswalder Straße 97 blutige Kleidungsstücke sa- wie Teile und Schrauben eines Autos entdeckt. Mo» bracküe diesen neuen Fund mit der gestohlenen und blutbefleckten Limousine in Zusammenhang, und die sofort angestellten polizeilichen Nach- forschungen bestätigten die Vermutung. Hinter dem Bretterzaun lag ein madesarbener Damenstaubmantel, ein heller Damen- und ein brauner Herr'enhandschuh und einige Taschentücher.?lllc Sachen waren stark mit Blut durchtränkt. Da der Verdacht nahe lag. daß »ine Bluttat begangen worden sei. wurde Kriminalkoinmissor Stiller von der zweiten Reservcmordkommission mit den weiteren Ermittelungen beauftragt. Dabei stellte sich heraus, daß der Wagen» besitzer in der Seitentasche neben dem Führersitz des Autos stets »ine scharfgeladene Pistole mit sich führte. Diese Waffe konnte nicht gefunden werden. Die Polizei kombiniert zunächst sa. daß die Autodiebe, vermutlich junge Burschen, in den« gestohlenen Wagen ihre Freundinnen mitgenommen haben. Als einer der Burschen unterwegs die Taschen des Autos durchsuchte, fand er die Pistole, die sich offenbar beim unvorsichtigen Hantieren entlud. Wahrscheinlich ist die Kugel einer der Begleiterinnen in den Körper gedrungen. Was dann weiter geschehen ist, ist zunächst noch rätselhaft. Andererseits ist auch die Vermutung nicht von der Hand zuweisen, daß die Polizei auf die Spur eines K a p i t a l v e r- !> r e ch e n s gekommen ist. Wie mit kv-Zug. 6<)«Meter-Schienen auf her neuen Wannfeebohnstrecke. Auf Grund der Erfahrungen, die bei den«lcltrisch betriebenen Stadtschnellbahnen gemacht worden sind, geht die Reichsbahn schon jetzt dazu über, auf der W a n n s e.e b a h n die Gleise und die Streckennerlmltnisse so zu verbessern, daß ein ruhiger Laus der elektrischen Züge erreicht wird. Zu dem Zivecke ivird der teilweise noch vorhandene ältere Oberbau durch Reichsbohnoberhau modernster Bauart, wie er aus den dem internationalen und dem siH).-Zugverkehr dienendeii Strecken verwendet wird, er-' neucrt. Die Longe der. Schienen, bke bei diesen- 36'Meter betrügt. wird hiev versuchsweise durch Verschweißen zweier Schienen sogar auf 66 Meter gebracht. Ebenso wird der auf der Wannseebahn schon vorbondene Reichsbohnnberbou älterer Bauort mit Schienen von 15 Meter Länge in gleicher Weise dadurch verbessert, daß vier Schienen van je 15 Meter Länge zu 6 6 Meter miicinonder verschweißt und andere Mängel beseitigt werden. Auch die Weichen werden durch neu« modernere ersetzt. Die Wannsccbohn wird also Ende d. I. den modernst«» Oberbau nicht nur in Deutsch- lond, sondern in der Welt ausweisen. Ab Sonntag Sommerfahrpian! In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag um Mitternacht oder 6.66 Uhr, tritt bei der Deutschen Reichsbahn der Sommer- f a h r p l a>i in Kraft. Der neue Sommerfahrplau bringt wieder eine Reihe wichtiger Neuerungen. Für die Sommermonate find wieder zahlreiche Saisonzüge vorgesehen, wichtigstes Merkmal des neuen Fahrplans ist aber die Tatsache, daß eine große Anzahl der Schnell-, Eil- und Personenzüge z. T.'w c s e nt l i ch beschleunigt werden. Psingstreisende, die noch mit der bis zum 23. Mai, 24 Uhr. geltenden Festtagsrückfahrkartc unterwegs sind, müssen sich für die Rückfahrt nach den neuen Fahrplänen richten, wenn diese am 22. oder 23. Mai ausgeführt werden sollen. Der Fahrplanwechsel, der im allgemeinen alljährlich am 15. Mai stattfindet, wurde in diesem Jahre mit Rücksicht aus das Psangstsest um eine Woche hinausgeschoben. Der starke Pfingswerkehr mit seinen Hunderten van außerplanmäßigen Einsotzzügcn ließ einen Fahrplanmechsel unzweckmäßig erscheinen. Einbruch nach Maß. Ein ganz neuer und raffinierter Trick. ..hier ist eine Vierzimmcrwohnung zu vermieten!" Auch über den April hinaus finden in Berlin in den Sommer- monoten zahlreiche Amzüge statt, und so hat mancher Hauswirt die Vermietungsschilder bereits vor dem Auszug der ZNieter an die Haustür gehängt. Dos hat eine Einbrecher- kolonne nicht schlafen lassen, und sie ist auf einen rasfinierlcn Trick verfallen. Beim Hauswirt klingelt es. Er öffnet, und vor ihm steht ein sehr mürdig aussehender, gut angezogener Herr, der vielleicht seive 46 bis 56 Jahre zählen mag. Er ist-hoch gemochsen, hat blondes. graumeliertes Haar und bewegt sich sehr vornehm. Kurzum, er wirkt durchaus nertroueilerweckend. Freilich, in feiner Begleitung befindet sich ein weibliches Wesen, das olles andere als einen gute» Eindruck macht. Gesicht und Sprache sind ordinär, die Kleidung ist mehr als ouffolle.nd. Aber was hat das groß zu sägen?'Acllerc Herren haben manchmal«inen eigentümlichen Geschmack. Daß der feine Eindruck den der Kavalier macht, nicht täuscht, darauf wird man sich wohl verlassen können. Dieser erkundigt sich auch nach der freiwerdcnden Wohnung und bittet, sie besichtigen zu dürfen. Das wird gerne ge währt, und der liebenswürdige Herr zeigt ein reges Interesse. Er blickt in alle Ecken und Winkel, er mißt sogar die Zimmer ans, ei sieht sich genau den Flur und die Tür an, er läßt sich in de» Keller führen und klettert hinauf aus den Boden, alles gefällt ihm gut. Der Hauswirt ist glücklich, die Wohnung scheint ihm so gut wie ver mietet, und das Paar verspricht, in wenigen Togen von sich hören zu lassen. Das ist auch geschehen. FreUiäi nicht so. wie es sich der Haus wirt gewünscht hotte. Denn nach einigen Togen war in die Wob MMg, die so aufmerksam besichtigt worden war. gleichsam nach Maß eingebrochen. Die Gelegenheit und da? Wie und Wann waren ja genau genug ausbaldowert morden. Führt man eine Unterhaltung geschickt, dann ist es leicht herauszubekommen, wann diese oder jene Partei nicht zu Haute ist. Die Beute mar nicht gering. So iielen dem Paar und seinen Komplicen in der Innsbrucker Straße nicht weniger als Z660 M. Bargeld in die Händ'e. Die Einbrecher waren vom Flurfenster auf einen kleinen Balkon und von dort in die Küche gestiegen. In der Bamberger Straße erbeutete die Kolonne für 6666 M.. in der Stübbcnstroße für 5666 M. Werte. Aus Schönebsrg wurden weitere siinf Einbrüche aemeldct. bei denen immer zuvor der„feine Herr" als komniender Mieter erschienen mar. Inzwischen find auch aus Ehorlattenburg neue Einbrüche gemeldet. die nach dem glezchen erfolgreichen Schema ousgeführt wurden. Di« Inspektion II 1 im Polizeipräsidium fahndet jetzt mit Eifer nach der Diebesbande und erbittet die Hilfe des Publikums. Mord nach sechs Jahren aufgekiäri. Das eigene Kind erdrosselt und verscharrt. Der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, evi Der- brechen aufzuklären, das vor annähernd 6 Jahren verübt morden ist. Der Täter, cm 34 Zahre alter Arbeiter Alberl H.,»st festgenommen worden. Bach dem richlcrlichcn verhör ist Haftbefehl gegen ihn erlassen- worden. H. lebte mit feiner jetzigen Frau damals in wilder Ehe in der Kolonie F Ii ch s w i n k e l bei Zühlsdorf bei Verwandten. Nach- dem die Frau einem Kinde, einem Mädchen, dos Leben geschenkt hatte, wollte H. wieder noch Berlin zurückkehren. Auf dem Wege noch der Stadt muß H. dos Kind erdrosselt und verscharrt haben. Bei seinem Verhör bl�auptete er, daß das schwächliche Neu geborene unterwegs plötzlich g est o r b e n fei und er es kurzerhand begraben habe, um ollen Scherereien aus dem Wege zu gehen. Das soll aber noch Zeugevaussagen nicht den Tatsachen entsprechen, da dos Kind kräftig entwickelt und völlig gesund war. Bei Zühlsdorf ist gestern von der Polizei mit dem Kindesmörder nach der kleinen Leiche gesucht worden. Die Aktion verlief jedoch ergebnislos. Selbstmord eines Direktors. Aus bisher noch nicht geklärten Gründen Hot gestern der 48 Jahre alte Direktor Hermann Kamp in seiner Wohnung in der Württembergallce 25 in Eharlottenburg Selbstmord durch Erschießen verübt. K. war Vorstandsmitglied der Carl Flohr A.-G. und der Demag-Aktiengesellschaft in Duisburg. Angehörige fanden den Lebensmüden mit einem Kopfschuß in seinem Arbeitszimmer toi auf. Billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen Sonnabend. 2t. Mai, kostet von 14 Uhr ob der Eintritt in den Zoologtichen Garten für Erwachsene mir 56 Pf., für Kinder unter 10 Jahren nur 25 Pf; dieselbe Ermäßigung gilt für das Aquarium. Muffen mukJagßiek jaufjaMen Wiegen! Millionen bekennen sieh zu der guten, aromatischen Josetti- Cigarette, und verzichten auf Gutscheine, Wert merken oder Stickereien, de sie in, fJlu.no" das Jdeal einer1 Qualitäts-Cigarette sehen, die keinerlei Zugehen hrduchi. Juno hält strengstep Kritik stand! Goldgrube Geheimkonten des Pfarrer Cremer Die vorläufige Vernehmung der Angeklagten im Vevaheim- P r o; e h wurde gestern abgeschlosfen. was man während der zwei Vcrhandlungslage zu hören bekommen Halle, war einfach fenfationell. Der Dcoaheim-Sonzern war wenigstens für einen Teil der Angeklagle» zu einer Goldgrube geworden. ZNan bereicherle sich aus jede erdenkliche Weife. Slatl einer Kontrolle gab es G e- h e i m k o n t e n. stall sparsamer Bewirlschaslung Verschleuderung öffentlicher und genossenschaftlicher Gelder. Ein äußerst interessantes Kapitel der Anklage bildet die Bc- Handlung der amerikanischen Auslandsanleihe in höhe von 2 SOG 000 Dollar, deren Treuhänderin die Hilfskasse der Gemeinnützigen Wohlfahrts» verbände Deutschlands D. in. b. S). war. Pfarrer Cremer gibt Ausschluß über die Ausgaben dieser 5)ilfLkasse, verkürzt hika ge» nannt, und über die Rolle, die er darin gespielt hat. Die hika wurde im Jahre 1923 aus den fünf Spitzenverbänden der freien Wahlfahrtspflege des Zentralausschusses der inneren Mission, der katholischen Karitas, Zentralrats der deutschen Juden, dem Deut- scheu Roten Kreuz und dem sogenannten Langstein-Verband ge- bildet. Sic war vom Reich anerkannt und erhielt auf Grund des Reichsfinanzausgleichs Gelder zur Bezahlung von Gehältern, die eigentlich fiir die Kommunen bestimmt waren. Das geschah, weil diese Wohlfohrtsnerbände kommunale Ausgaben erfüllten. Die Gelder gingen der Hilfskasse zu. diese verteilte sie unter die Spitzen- verbände, und von hier aus flössen sie dann den einzelnen In- stitutionen zu. Dr. Cremer war Bevollmächtigter des Zentral- ausschusses der Inneren Mission sür die Auslandsanleihe, er war auch vom Jahre 1928 ab Aufsichtsratsmitglied und Mitgeschäfts- führcr der Hiko. Die Gelder der Ausländsanleihe waren zweck- gebunden, sie waren bestimmt für gemeinnützige Unternehmungen. Der Derteilungsausschuß bestand aus Pfarrer Cremer, Dr. Mumm. Dr. Liebchen und dem mnerikanischen Bevollmächtigten, dem Rechtsanwalt Wronker-Flatow. Diesem ge- hörte bei der Verteilung der Gelder ein Vetorecht. Dem Rechts» anmalt Wronker-Flatow dürften wegen der Geschäftsführung der Auslandsanleihe, die neben der Hilfskasse ein selbständiges Da- sein führte, nicht gefallen haben. Er setzte als seinen Vertrauens- mann den jetzigen Angeklagten C l a u s s e n hinein, der von nun ein die Verwaltung der Ausländsanleihe unter sich hatte. Claussen erklärte heute, daß er in der Auslandsanleihe ein vollkomme- ries Chaos vorfand. 60 Prozent der bewilliglen amerikanischen Gelder waren fehlgeleitet worden. Wenige Tage vor Uebernahme der Auslandsanleihe durch ihn habe sein Vokgänger, der Buchhalter Otto, eine Anzahl Unterlagen einfach entfernt: sie seien vom An- geklagten Claussen erst später gefunden worden. Es waren Gelder gegeben worden, ohne Anerkenntnisse, ohne Ouittun- gen und ohne Sicherungen, es bestand in vielen Fällen keine Möglichkeit, die Gelder zurück zu erhalten. Die Hilsskass« sei be- reit? doinals dem Konkurs nahe gewesen. Ueber alle diese Dinge will der Angeklagt« Claussen sämtliche Instanzen innerhalb des kirch- lichen Kreises verständigt haben, ohne daß auch nur das geringste unternommen worden sei. Tolle Zustände. Der Angeklagte Claussen hatte seine Hände im Spiele in der Afsäre Lohmann. Dieser Fabrikbesitzer, Schwager des Rechts- onwalts Wronker-Flatow, befand sich in Geldverlegenheiten. Claussen wandte sich an Wilhelm Ieppel mit der Bitte, Lohmann 2V0 000 Mark zur Verfügung zu stellen. Man einigte sich dahin, daß man von den 1 Svv 000 Mark, die die Baugenossenschaft von der Abteilung Auslandsanleihen zu erhallen hatte, 200 000 vlark Lohmann als Darlehen zukommen ließ. Als die Rückzahhing fällig war, tonnte dieser nicht zahlen. Ieppel machte Claussen den Vorschlag, daß Loh- mann einen Entschuldungsvertrag eingehe, und durch entsprechende Manipulationen erreichte man, daß die Heimstättenbank an die Baugenossenschaft für die an Lohmann gewährten 200 000 Mark zuerst 180 000. dann 50 000 Mark zahlte. Mit diesen 50 000 Mark wurde das Privatkonto Ieppels bei der Heimstättenbank erkannt. Ieppel behauptet, daß er die Gelder als Schmiergelder verbraucht habe. Devaheim — Wie man sieh die Taschen füllte 3n einem anderen Falle hat sich der Pfarrer Cremer mit 20 000 Mark aus kosten des Promfionskonlos der Deuzag bereichert. Au« dem Jvag-Vertrage von über 11 000 Mark standen dem Werbe- leiter Seul 55 000 Mark Provision zu. Ieppel erreichte es. daß Seul auf einen Teil dieser Provision zugunsten des Propaganda- fonds der Devaheim verzichtete: sie wurden aber nicht diesem gut- gebracht, soirdern in Höhe von 20 000 Mark dem Pfarrer C r e m e r überwiesen. Was sagt nun dieser vor Gericht? Er habe 20 000 M. sür Verpflichtungen benötigt, die er näher nicht bezeichnen wolle und habe Ieppel gebeten, ihm das Geld zu besorgen. Er sei über- zeugt gewesen, daß. Ieppel ihm diese Summe aus seinen Privat- Mitteln zur Verfügung gestellt habe. Und schließlich die Geheimfonds und die Auloverkäufe des Pfarrers Crcmer. Pfarrer Cremer war Geschäftsführer der Hilfs- kasis und Schatzmeister des Zentralausschusses. Unter Umgehung des Leiters der Wohlfahrtsabteilung im Zentralausschuß verfügte er am 15. April 1920, daß zwei Geheimkonten/ das eine auf 30 000 Mark, das andere über 150 000 Mark eingerichtet würden. Diese Geheim- kanten verwaltete er in der Nachfolgezeit selbständig und erhob ver- schiedentlich große Summen. Die Unterlagen über die von ihm erhobenen Gelder hat er im Jahre 1930 vernichtet. Bor Gericht erklärte er, daß dies geschehen sei, nachdem die Konten von zwei Herren geprüft worden seien, und daß die von ihm erhobenen Gelder als Reisegelder für ihn und andere Herren, wie auch zu gemeinnützigen Zwecken verwandt worden seien. Mitte nächster Woche werden die ersten Zeugen zu Worte kommen. Dersuchier Anschlag auf einen Zug. vischosswerda. 20. Mai. Die Beamten de» auf der Strecke nach Burkau verkehrenden Fruhzuges bemerkten am Donnerstag auf der etwa 300 Meter vor der Station befindlichen Eisenbahnbrücke einen Brand, der den Lattenbelag und die Brückenschwellen ergrissen halte. Als man das Feuer gelöscht Halle, fand man aus dem hölzernen Brückenbelag eine Zündschnur. Man Hot welker festgestellt, daß der Brand von einer Explosion herrührte, die mit Sprengstoff bewirkt worden war. Bisher hat man noch keine Spur von den Tätern. Die Sprengung und das Feuer hotten zum Glück nur geringe Wirkung, so daß der Eisenbahnverkehr in keiner Weise gestört worden ist. Vom Dresdener Reichseifevbahnbetrlebsamt find für die Aufklärung des Anschlages 200 Mark Belohnung ausgesetzt worden. Siebenjähriger im Kanal ertrunken. Beim Spielen an der Böschung des Verbindungskanals in der Sickingenstraße in Cbarlottenburg stürzte gestern abend der sieben Jahre alte Iharry Schulze aus der Huttenstroße 35 ins Wasser. Ein junger Mann, der den Vorfall beobachtet hatte, sprang dem Kinde sofort nach und es gelang ihm, den Jungen zu fassen und an Land zu bringen. Der Verunglückte wurde durch die Feuerwehr ins Krankenhaus gebracht, wo er jedoch bald nach seiner Aufnahme trotz aller Bemühungen der Aerzte starb. Gemeinschaftsfahrt nach Hamburg. Der Wohlfahrtsausschuß des Betriebsrats imPolizei- Präsidium Berlin hat in Gemeinschaft mit der Arbeiter- wohlfahrt des 12. Kreises, Steglitz, eine dreizehntägige Fahrt auf dem Motorkabinenschiff„Bald u r" nach Hamburg ab- geschlossen. Dem Bedürfnis nach einer besonders preiswerten und angenehmen Erholungsmöglichkeit während des Urlaubs dürfte durch diese Veranstaltung entsprochen werden. Sämtliche Beamte, Ange- stellte und Arbeiter des Polizeipräsidiums sind teilnahmeberechtigt. Die nur für Erwachsene zugängliche Fahrt beginnt am Montag, dem 20. Juni, 11 Uhr, in Spandau, Lindenufer, und endet am Sonn- abend, dem 2. Juli, 13 Uhr, dortselbst. Der Preis beträgt 47 M. Mit dem angegebenen Preis sind abgegolten: Fahrt einschl. Ueber- nachtung(Bettl auf dem Schiff, zwolsmal Morgenkaffee, zehnmal Nachmittagskaffee ohne Zubrot, zehnmal Mittagessen(Fleischgerichte). Anmeldungen müssen bis spätestens 1. Juni bei Herrn Karl Schoen- weiter, Berlin-Lichterfelde, Hindenburgdamm 71, erfolgen. Dieser Palecz, so heilig und augenseufzend er tut, ist ein gewissenloser Schaurer und Schuft, ein Zusager, aber kein .Halter. Wo blieb die gehäufelte Hand voller Gold? Ich habe sie niemals gesehen. Eine Versammlung armseliger, grün- spaniger Dickpfennige wurde daraus. Frau Anna konnte damit zwanzig dünngeratene Suppen kochen, gequetschte Gerste mit einem schleichenden Stück Fett drauf. Zu mehr langte es nicht. Bald haben die Krüppel wieder Hunger! Hunger! geschrien! Wenn ich um Nachschuß kam. sagte der Schurke:„Halt deine Gösch! Ansonst!" So zahlt sich die Welt aus. Solcher Dank ist der Pfaffen Lohn. Doch ich hab's mir mit Mastix hinter die Ohren gepicht und Hab mich dahin besorgt, wo der Hus sitzt. Bei den Dominikanern war's, auf der Insel. Dort lag er im Turm. Eine bestunkene Gegend, es roch ärger als im Grabe des Lazarus. Wer durch will, muß sich vor lauter Mönchsdreck die Nase zuhalten. Ich Hab sie mir zugehalten, was tut man nicht alles für seine Familie! Ich Hab mit den Herren, mit den Stockknechten und mit Hus selber verhandelt. Gegen gute Bezahlung versteht sich. Ich habe die Wächter bestochen, so daß sie mir aus der Hand fraßen. Ich hob Schreibzeug eingeschmuggelt, Tinte, Pergament und Bücher, so viel ich nur wollte. Die Briefe und Zettel, die Hzus schrieb, Hab ich entgegengenommen und Peter, dem Notar, gegen entsprechendes Botengeld behandet. Aber zuvor Hab ich in entlegener Kammer Abschriften von den Briefen gefertigt. Aus gutem Grund. Man weiß ja, wo Geld ist. ist der Teufel. Wo aber kein Geld ist, da ist der Teufel zweimH. Drum, als ich wieder einmal einen der Beelzebube austreiben mußte, habe ich diese Abschrift an die frommen Väter verhandelt. Sie schwirrten drauf, wie die Fliege auf Schmeiß, und als sie fertig waren mit Lesen, schauien sie sich an, als sei der Heilige Geist eine Kätnergans und nicht eine Taube. Ich habe mir eingebildet, diese Ver- höckerung sei von meiner Seite aus ein Meisterstreich ge- wesen. Ja, Katzenseich! Es war eine falsche Einbildung und meinerseits ein sehr dummer Streich. Denn von da an haben sie Hus an die Ketzerkette getan und ihm viel Wassers in die Tinte geschüttet. Aus war's mit dem Schreiben, aus war's mit dem Botschaften. Herr, Schöpfer der Welt, Spender der Güte, schaff Geld! Laß wenigstens Pfennige tröpfeln, wenn's nicht Talerregen fein kann! Wie Hab ich mir nach neuer Einnahmequelle den Schädel zermartert! Die Finger wurden ganz blaß vom Saugen. Es ist nicht jeder Tag Fangtag, aber heute scheint er's zu fein. Ich muß mich nur hüten, auf die Steinstigen zu treten! Zagg, aufgepaßt, richte die Schritte so ein, daß der Fuß immer auf die Mitte der Platte trifft! Das war als Kind schon mein Glaube. Wenn ich dos fertig kriegte, ging alles gut: wenn ich dagegen fehlte, strich mich die Rute. Lieber andere streichen, als selber gestrichen zu werden! In meinem Fall also heißt es, ungesäumt die Erbsen zur Aussaat stecken! Geht-alles ordentlich auf, so hat die Alltagsschinderei ein Ende. Das Geld von der Stadt, von der Kanzlei des Königs und schließlich noch das von den Böhmen dazugelegt, da müßte es schon mit der Alraune zu- gehen, wenn sich damit nichts anschaffen ließe. Doch erst das Geld haben! Gewiß, die S-ache, die ich jetzt bringe, ist gut. Die Frage ist bloß, wird sie dem Vogt, diesem Abknicker, wirklich fünfzig Gulden wert sein? Vielleicht sindet er meine Forderung unverschämt. Er hat mir ja schon einmal ins Ge- ficht hinein gesagt, er könne meine Zeitungen wohlfeiler haben.„Wieso?" Hab ich gefragt. Da hat er das Zahnfleisch freigelegt:„Du stinkender Haufen Mist, ich laß dich einfach aus die Folter spannen!" Es sollte zwar ein Witz sein, aber an seinen Augen Hab iäi gespürt, daß dieser Witz dichtauf beim Ernst vorbeistrich. Nein, alles was recht ist: ich möchte nicht in Daumenschrauben stecken! Wie war's damals mit dem schieligen Enderle, als sie ihn auf dem Kies hatten? Dem haben sie die Sehnen ausgeschält und auf Spulen ge- wickelt! Nein, da will ich schon lieber zehn Gulden von vorn- herein ablassen und dem Vogt den Kram für rundaus vierzig anbieten. Vierzig Goldgulden sind ja auch eine schöne Stange Geld. Schätzungsweise ist ea der Jahressold des Stadt- schreibers, der gemeiniglich meine Aussagen ins Protokoll- buch ausnimmt. Der wird vielleicht tückisch werden, wenn er Auszeichnung tüchtiger Schupos. Dem Polizeiwachtmcister Josef M e tz n e r vom 284. Polizei- r e o i e r ist dieser Tage von, Polizeipräsidenten von Berlin wegen seines mutigen Verhaltens im Dienste seine ganz besondere Anerkennung ausgesprochen worden. Gleichzeitig hat Polizeipräsi- dent G r z c s i n s k i dem Beamten eine Geldbelohnung zugehen lassen. Dem jungen Wachtmeister ist bereits einmal vom preußischen Innenminister S c v e r i n g im Dezember 1930 eine Geldbelohnung anerkannt worden. Damals war es Wachtmeister Metzner gelungen. im Vorort Buch an der Strecke Stettiner Bahnhof— Bernau, weitab von den Siedlungen, nacheinander mehrere Vogelsteller zu verhaften, die in diesem Revier lange Zeit ihr Unwesen getrieben hatten. Das letzte Mal hat sich Metzner im Bucher Forstgelände hervorgetan, als er durch schnelles und energische« Zugreifen zwei schwer bewaffnete Burschen festnahm. Weiter erhielt eine Belobigung Polizciwacht- ineister S ch a r l a u von der 4. Schupo-Jnspektion. Sch. verhinderte am 24. Januar 1932 durch tatkräftiges Eingreifen beim Brande eine; Privatautos die Explosion des Benzintanks. Außerdem wurden be- labigt die Schupooberwachtmeister Zachert, Fischer, Bu- wert und Wachtmeister Manko von der 2. Berittenen Inspektion. Die Beamten zeigten in kritischer Situation bei der Auflösung eines Demonstrationszugcs einer radikalen Partei ein derart umsichtiges Verhalten, daß der Polizeipräsident dieses Verdienst öffentlich be- sonders anerkennt. vizekönig Feisial in Berlin. Gestern mittag traf, vom Haag kommend, der zweite Sohn des Königs vom Hedfchas und Nedschd, Vizekönig Feissal, nebst Gefolge im Flugzeug aus dem Tempelhoser Flughafen ein. Der Vizekönig wurde IM Kraftwagen zum L)ot-l Adlon geleitet, wo er als Gast der Reichsrcgierung für die Dauer seines vermutlich bis Montag währenden Aufenthalts Wohnung nimmt. welleroussichten für Berlin: Trocken, heiter, sehr warm. schwache Luftbewegung aus südlicher Richtung.— Für Deutschland: Im größten Teil des Reiches Fortdauer des trockenen, heiteren und warmen Wetters; nur im Nordwesten wolkiger mit Gewitterneigung. parteinachrichien�WHfür Groß-Berlm ewl-ndllogen für diel« SlulirU stnd«,��/? stet,»n d«»»eilttofetretdtirt verlt» SB 68, Liadenltratze»,!. S»k, 2 Sr«»»e» recht». ,o richte» Die Lezlrkssührer sämtlicher Abteilungen werden ersucht, all« Sammellisten mit ihrem zuständigen Slbteilungskassierer umgehend abzurechnen. Der Vezirkskassierer l. A.: Adolf holz. Am 20. Mai. vormittags, braune Aktentasche vergessen ans Postamt Gabelsbergeestroßc, nahe Frankfurter Allee(Telephonzelle), mit Marken der Partei und Strickelbuch. Abzugeben bei Friedrich Solo- man. Warschauer Straße 85. bei Schüler, I V. 7. nnb 8. flrei». Juristische Sprechstunde sindet heute nicht statt. SZ. Abt. Flugblattverbreituno um 15, ,4 Uhr im Lokal Lux. 5«. Abt. Montag. 28. Mai. 20 Uhr, bei Beutel. gaiser-tzriebrich-Stroß« 83. Mitgliederversammlung.„Der Verbraucher und die Wirtschaftskrise. Sie. serent Kcnosse iSroppier. Die Berirksfiihrer laden«in. 97. Abt. Die Einladungen zur Able>lungs»ersammlung am 25. Mai können heute vom Genossen Rohr abgeholt werden. Frauenveranflaltung. 86. Abt. Sonntag. 22. Moi, Bestchkigung der Ausstellung..Eoane, Lukt und Saus� fiir Alle." Treffpunkt IZ'Z Uhr, Ring, Bahnhof Wilmersdorf. Friedenau. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde Grosz-Verlin. Es werden fiir die Vorarbeiten an, Uederfe« fiinf Helfer kiir HWMiAM den freiwilligen Arbeitsdienst gebraucht. Die Genosse» werden ge. beten, sich Montag gegen 17 Uhr in der Sesckiäftsstesse zu melden. AtWvMuß jtrcuzbcrg: Der Singeirei, tagt Montag, I7>> Uhr, im Heim AlfaKp® Urbanstraße. Alle Abteilungen müssen vertreten fein. mämmPi Tcmpeihos: Unsere geplante Fahrt nach Brieselang muß vom 21./22. auf den 28..'29. Mai verschoben werden, da die Herberge diesen Sonntag nicht lrei ist. Reuiölla: Heute Helferzcltfahrt. Treffpunkt 16s4 Uhr Bahnhof Reukiilln. Unkosten etwa»0 Pf. Köpenick: Die heute au» dem Zeltlager zurückkehrenden Falken kommen bei kühlem Wetter zwischen 18 und lg Uhr, bei sehr warmem Welter zwischen Zi und 22 Uhr zu Hause an.— Gruppe Köpenick: Der Restfalkenheimabend fällt am Montag aus. Sterbetafel der Groß»Berliner Partei«Organisation| 30. Abt. Unser Genosse Emil Rcichmuth, Lnchcner Straße»6-, ist ver. starben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Sonnabend, IS'j Uhr, Gerichtstraße. Rege Beteiligung erwartet die Abtcilungsleitung. 8t. Abt. Unser Genosse Werner Echellner hat infolge eine» Unlalls durch Ertrinken im Ausland den Tod gefunden. Wir werden sein Andenken in Ehren halten! 121. Abt. Die Beisetzung de» Genasse» Luist findet heute, 1114 Uhr, aus dem gentralsriedhof in Friedrichsfelde statt. meine Forderung hört. Er braucht ja dem Vogt bloß mit dem Auge zu blinzeln, und der Unsegen ist fertig. Höre, Zagg Zagulo, alter Armbrüstzieler, es ist bestimmt besser, du forderst für deine Neuigkeiten nicht mehr als höchstens dreißig Gulden! Das ist immerhin noch ein ansehnlicher Pfrundsatz. Um diesen Schwung Geld zu verdienen, muß der Nachrichter zwanzig arme Sünder henken, und da braucht er gar manche Biegung ins Handgelenk, ganz abgesehen von dem zwanzig- maligen MarsdHraus zum Galgen. Das wird mir auch oer Säckler an der«vtadtkasfe vorrechnen. Es ist aussichtslos, daß ich dort bei dem Äneiflippigen mit meiner Forderung durch- komme. Wenn der seinen schlechten Tag hat, ist er imstand und läßt mich auf den Bock spannen. Dann krieg ich statt der dreißig Gulden dreißig mit dem.Ochsenziemer auf die nackte Kerbe. Sei also noch bescheidener, Zagg, laß mit dir reden, inach's für fünfundzwanzig!" Mit diesem Vorsatz betritt Zagula. eingeschriebener Kundschafter der guten und getreuen Stadt Konstanz, im Re- gister der Späher mit Nummer 19 bezeichnet, die Räume der Stadtvogtei. Der Eingangstür gegenüber hängt an der Tünchwand das höhnisch verzogene Gesicht eines Lällenkönigs. Der streckt jedem, der die Tür aufstößt, mit einem Bäffzlaut die Zunge bis zum Halsknoten heraus. Trotzdem Zagula dieses Vexier- werks gewohnt fein könnte, erschrickt er doch jedesmal neu, wenn er in die grinsende Fratze schaut. Auch diesmal schüchtert ihn die häßliche Larve ein. Er nimmt den Schrecken als Schicksalsmahnung und beschließt, seine Forderung um weitere fünf Gulden zu verringern. Zwanzig also, aber dabei muß es bleiben! Unaufhörlich quietschen die Türen. Hier, mz Vorzimmer des Vogts, summt es wie bei einem Anflugloch der Bienen. Nur daß diese Märenträger hier keinen Honig anschleppen. sondern das Gegenteil, Unrat. Zagg Zagula hegt manchmal ganz brauchbare philo- sophische Gedanken. Wenn es nichts Gesprochenes in der Welt gäbe,.überlegt er. wäre die Weltschwäre heil; so aber eitert sie mit jedem Satz weiter. Hustend kommt der schwindsüchtige Botenmeister ins Zimmer. Kundschafter Nummer 19 gibt das Kettlein mit der Metalltafxl ob, das ihm jederzeit Empfang heiin Bogt sichert. Dann setzt er sich auf einen Schemel. (Fortsetzung folgt.) B$cli»ru.Kurorfi> Linz-Andernach. Eine Rheinreise. Die eine Fjordlandschaft mutet da» Stück Rhein von Linz. Niederbreisig bis Leutesdorf, Andernach an. Wuchtiger und einst mächtiger Mittelpunkt dieser Rheinpartie ist der ruinengetrönte Hammer st ein, dessen Felsmassiv weit vorspringt in die Bahn des Flusses. Nichts schöner als eine Fahrt der Frühe in dieses romantische Stück Rheintal. Mit dem ersten Dampfer der Köln- Düsseldorfer von Linz stromauf Um den Basaltkoloß der Erpeler Lcy, der nördlich da» Tal abriegelt, brodeln noch die Nebel, die ebenfalls über die Wiesen an der Ahrmiindung tanzen und nur die Spitze der majestätischen Landskrone im Morgenlichte dem Auge freigeben. Wie ein schützender und beschirmender Paladin dominiert dieser edel geformte Berg mit seiner alten Ruine im unteren Ahrtale. Ueber der„goldenen Meile", dem fruchtbaren Landstrich von Remagen-Sinzig bis Niederbreisig, kreisen einige Taubenschwärme und von der gegenüberliegenden Seite her, wo die Raubvögel in den Felsen und Wäldern um Schloß A r e n f e l s horsten, schießen Habicht oder Sperber pfeilschnell herunter, ihre Beute zu schlagen. Die Schaufelräder de» Dampfers schlagen ihr schäumendes Wasserlied in den Strom und als der Dampfer in Niederbreisig an» legt, dringen die ersten Strahlen der Morgensonne durch. Gegen» über, im Kohlensäuregebict von 5)önningen am Rhein, ragen Schorn» steine und Bohrtürme auf. Burg R h« i n« ck schaut vom Felsen hernieder und vor uns taucht hinter der Rheinbrohler Ley der markante vorspringende Hammerstein auf. Zuvor erkennt da» ge- übtere Auge bei Brohl deutlich die Spuren und Merkmale eines Lavastroms, der sich hier, aus dem Kraterkcssel des Fornischer Kopf» brodelnd, vor Iahrhunderttausenden einmal glühend in den Rhein ergoß. Und dann umfängt der alte Strom die mit knorrigem Baum- wuchs bestandene Insel 5)ammerstem, die einmal ausersehen war, de» Reiches Ehrenmal zu tragen. Und au» den gesegneten Wein» bergen hebt sich schroff der Felsklotz des H a m m e r st e i n s herau». Er trägt die einst stärkste und wohl auch älteste Burg am Rhein, die jetzt Jugendherberge ist. Schon um» Jahr 1000 wird sie erwähnt und«ine große Geschichte hat das alte Mauerwerk. Schweden, Spanier und Lotharingcr stritten sich um den Besitz der mächtigen Burg aus deni hohen und sicheren Felsen. Traulich breitet sich zu Füßen der Feste das idyllische Winzerdorf Hommerstein aus, das mit dem uralten Leutesdorf die größte Weingcmarkung am Mittelrhein bildet. Römer und Franken siedelten hier, wie alte Turmstrümpfe. Stadtmaucrrest« mit Schießscharten und Wehrgängcn heute noch bekunden. Uebrigens zeigt sich hier, daß sowohl die Weiß- wein- als auch die Wcißbrotgrenze heute noch gleich läuft mit dem alten römischen Limes, dem großen Grenzwall der von Rheinbrohl über Rengsdorf. Bcndorf, Ems, Schwalbach, Salburg usw. ver- lief. Wie gesagt: Große Geschichte hier, überall. 1918, als unsere brave Armee heimkehrte, reihten sich hier Brücken an Brücken über den Strom. Doch nun sind oll« Dulkane erloschen, die Ritter sind ver» schwunden, ihre Burgen wurden Jugendherbergen und heute zieht der Fischer wieder friedlich seine Bahn über den Fluß, wie ehedem Römer und Franken. Das Zodbad Tölz führt alljährlich, Sommer wie Winter. Tau» sende von Heilung- und Erholungsuchenden aus allen Gegenden des In» und Auslande» zusammen. Dieser Kurort im lieblichen Isar- winkel, von München in 80 Minuten mit Bahn oder Postauto be- quem erreichbar, verbindet modernen, vornehmen Badebetrieb mit seinen sehenswerten Kuranlogen, vorzügliche llnterkunstsmöglich- leiten und idyllisch ländliche Geruhsamkeit. Der Kurgast trinkt morgens beim Konzert eines erstklassigen Kurorchesters in ver neuen imposanten Trink- und Wandelhalle seinen Brunnen, er nimmt seine Bäder nach ärztlicher Vorschrift im zweckmäßig, neuzeitlich aus- gestatteten Kurmittelhaus und lebt je nach Stimmung, Veranlagung und Geschmack ganz seiner Neigung. Unser« v/erten Postabonnenten werden gebeten, das Bezugsgeld fllr den kommenden Monat zu bezahlen, sobald der Postbote die Quittung vorlegt, damit die regelmäBige Belieferung beim Monatswechsel keine unliebsame Unterbrechung erleidet. Für Abonnementserneuerungen nach dem 24, erhebt die Post eine VerspätungsgebUhr von 20 Pf. VORWÄRTS-VERLAG G.M.B.H. Staatliches Nordseebad Norderney. Die Eröffnung de» Seewasser-Wellen schwimm» b a d e s, des einzigen am Meere, fand dieser Tag statt. Regierungs» Präsident Berghaus führte dabei über die Geschichte des Bades sol- gendcs aus: Im 18. Jahrhundert entstanden an der Nordsee die Badeorte, und als erstes darunter das Seebad Norderney. Aber schon bald nach der Gründung wurde durch Ereignisse von ganz seltenen Au»- maßen, nämlich die napoleonischen Kriege, das Werk, das iin Ent> stehen war, abgetötet. Aber auch diese Zeiten am Anfange hat dieses Bad überwunden. Es ist lebenskräftig und lebensfähig geblieben, besonders durch die hannoversche Zeit hat da» Bad einen großen Aufschwung erfahren. Die Gebäude, die Sic heute noch sehen, legen Zeugnis ab von der Tätigkeit der hannoverschen Verwaltung. 1800 kam das Bad an Preußen. Schon Ende des vorigen Jahrhunderts war die Gemeinde Norderney darauf bedacht, den preußischen Staat anzutreiben, den Dingen neue Farm zu geben und das lleberlebte zu ersetzen und dafür Besseres, Zeitentsprcchcnderes zu schaffen. Der Erfolg war mangelhaft. Und erst in der Zeit vor dem Kriege, als im preußischen Landwirtschaftsministerium ein Wechsel eintrat, wur» den neue Hoffnungen lebendig. Dann kam der Krieg und danach die Inflation. Es trat infolgedessen ein Verfall aller Einrichtungen «in. Norderney verarmte. Da entschloß sich die Staotsregierung, das Bad an die Gemeinde Norderney zu verpachten. Die Gemeinde gründete darauf mit dem Norddeutschen Lloyd eine Betricbsgesell- schaft. Es sei noch darauf hingewiesen, daß da», was man damals erhoffte, bald als Enttäuschung angesehen werden mußte. Die Armut ließ es nicht zu, Kapital zu investieren und neue Einrich- tungen zu schaffen. So fiel dem preußischen Staat die Pflicht zu, mit seinem Pächter zusammen diese Reform durchzuführen. Ich darf mit Nachdruck darauf hinweisen, daß der preußische Staat seiner Pflicht in einem Ausmaße gerecht geworden ist, daß alle darüber erstaunt und verwundert sind. Als der preußische Landwirtschafts» minister nach hier kam und der Finonzminister das Projekt über-' prüft hatte, stellte es sich heraus, daß die Notwendigkeit für den Ausbau gegeben sei. Man war sich klar darüber, daß der Ausbau und die Entwicklung nur eine zielbewußte fein konnte. Man ging davon aus, das, was lebensfähig erschien, zu erhalten und auszu- bauen, und das, was diesen Ansprüchen nicht mehr genügte, zu be» seitigen und durch neue» zu ersetzen. Zuerst wurde da» Groß« Logierhau» sowie da» Konversationshau» ausgebaut und ausgestaltet. Die älißere Form ist geblieben, ober innen sind die 5)äuscr so ein» gerichtet, daß sie der Zeit entsprechen. Das neue Wellenbad soll ein Helfer der Insel Norderney werden. Es ist da» größte Inhalatorium, das überhaupt besteht. Sauerland. Der Sommerfrisckxnführer durch da» Souerland ist soeben erschienen. Er gibt ein übersichtliches Bild über die einzelnen Orte des Sauerlandes, die vorzugsweise für einen Erholungs» oder Wochenendaufcnthalt in Frage kommen. Neben kurzen Angaben über den Ort selbst, seine Größe und seine Berkehrslag« ist jeweils eine Ausstellung der Hotels, Gasthöfe und Pensionen mit einem Preisverzeichnis und den wesentlichsten Vermerken aufgenommen. Dem Führer ist eine Vcrkehrskarte des Sauerlandes beigegeben, die einen lleberblick über Krastlinien und Straßenbahnen ermöglicht. Gleichzeitig enthält der Führer ein« Ilebersichtskarte vom Sauerland, die die günstige Lage des Gebirges zu Rhein und Weser darstellt und an Hand deren man sich sehr leicht über die Loge der einzelnen Orte unterrichten kann. Als Herausgeber zeichnen wieder gemein- schastlich der Souerländische Gebirgsvcrew e.V., Iserlohn, und der Westfälische Vcrkehrsverband e.V., Sitz Dortmund. Bad Laulerberg im Horz. Aneipp-Kurorl. Wenig andere Kurorte enthalten auf verhältnismäßig engem Räume eine solche Fülle von Anmut und Behagen wie Bad Lautcrberg im Harz, der leicht erreichbare, von Berge» umringte freundliche Kneipp-Kurort mit seinen ausgiebigen Kur- und Badccinrichtungen, mit heilkräfti- gen Quellen, abwechslungsreichen Spaziergängen und der Gelegen- heit zu größere» und kleineren Auefliioen und Bergbesteigungen. Die Bahn bringt von Scharzfeld, wo die Hauptstrecke Northeim— Herzbrrg— Nordhausen verlassen wird, die Gäste im viel geschwunge» nen Okcrtal noch Bad Louterberg hinauf. Die Sommerkurzcit be» gann am IZ. Mal. Die Kurtaxe ist um OZ Proz. ermäßigt. E» werden erhoben: für de» Haupttorteninliaber pro Tag A> Pf. und für den Ncbenkorteniuhaber pro Tag 10 Ps. Bad Aibling, das bekanntest« Moorbad Bayern», im Mittel» punkt des oberbayerischen Alpenvorlandes, bekannt durch die un» übertrosfenen Heilerfolge bei Frauenkrankheiten, Rheuma, Ischias, und Eicht, hat mit Rücksicht auf die derzeitigen wirtschaftlichen Ver- hältniss« Pauschal- und Vergünstigungskuren zu staunenswert bil- ligen Preisen eingeführt. Die Preise der Bcrgünstigunoskuren sind je nach Einkommen und Ansprüchen der Kurgäste abgestuft. Mit TTC.-S.„Zan Molsen" noch Cuxhaven. Die Hafen-Dampf- schssfahrt A..G„ lxamburg 3, Vorsctzer 33, unterhält auch in diesem Jahre regelmäßige Verbindungen zwischen 5lomkurg und Cuxhaven und hat hierfür die Dampfer„Jan Mollen" und„Reichspräsident" in den Dienst gestellt. Blankenese und Stadersand angelaufen. An einigen Sonntagen fährt der„Reichs lier Blankenese und Stadersand werden jeweils von der„Alten Liebe" in Eüxhaoen noch dem Kaiser-Wilhelm- Kanal. Interessenten wenden sich direkt nach Hamburg. Jierg~ Xhetuna'- Aentn JaiftHHffi' 2S Jage 7'ergünsiigangskureti iKMk.2ISatt 2S Tage Tauschalkuren vcn OUU. 277 an Täliere.JiCSkiuxfi J. Reisebüros u. BacUi-mfalli/ Osiseebad Misdroy Villa Wald und See 1 Min. von Strand u. Hochwald Vorzfitzl. Verpflegung, Vor- n. Nachsaison 4.— M and 4.50 Hauptsaison 5.— M. und 5.50 Keine Zuschl&fle __. SteNdvü lMsWeÄs MHeDMimennw ZÜHMCST das beliebte Osiseebad westlich Rügen. Stein- freier Idealer Strand Warme meditlnische Bilder KurKoniertc, Sport. Ausk Bsdevrrwaliaod. Tel.: 25 HARZ- Landaufenthalt Sommergäste f. frdl. Aufn. gute anerkannte Küche, erstes Haus am Platze Preis 3.25 M. Keine Nebenkosten. KARGES. Ortsroreteher, SO. Harriehausen bei Seesen. normaabad Tönning die herrliche sommeririfcne, die lieh jeder leinen heim. Sonniger SUdttrand, gute Unterkunft, reichliche Verpflegung, Pension von 3 RM. ab, keine Kurtaxe. Führer und Wohnungsnachweis durch die Bade verwalinog, Markt II. 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Wernigerode EJjLSeNBURGm*i otn wmrwmAM/vsstn Mooftns y Mite'Ouen/dt. -OtunJdtHueuua Ulakvtnvtiott verlieri femfflam XeSeprobe aus Jofeph Jlergesheimer: tßergbhil Ode ■> Wir'ntnehmkn diese Tzenc dem rnn uns dereil« nngczciAlcn neuesten Neman des amerikanischen Dichters Jnsepb Herges- st ei wer. Im„B e r gstl n t"> Verlag Rowablt Berti n) schildert Heroesheimcr den nergestlichen Kainpf des Boslkutschers Pardon Makimman gegen die.Oastitasgelnolten, die istn wie die Lands- leutc seines Heimatortes mit' Lpinncnarnicn umklammern und ocrnichtc». Walentin Simrarms mar ein kleiner Mann mit rosiger Glatze, die mit weißen Hoarstüschcln wie Watte über den Ohrtn geziert war, und scharf gezogenen, ausrasterten Lippen, die sich ständig beim Aussprechen ermunternder und wohlwollender Phrasen ver- zogen mit passenden religiösen Sentenzen bildeten sie neun Zehntel seiner Rede, durch die jene seltenen Worte, die seine Zwecke und Wünsche enthüllten, wie dünne, grausame Messer blitzen '(Fr beugte sich gerade über sein schmales, langes Aoiitabuch, als Gordan das Bureau betrat: ober safart schloß er es und drehte sich in seinem Sessel herum. Der kleine Raum war heiß und er- stillt nom Geruch erhitzten Metalls, dem Summen einer großen torkelnden Fliege. „Ah!" rief er freundlich aus,„da hoben wir unsere Bar bin- dung mit der Außenwelt, unseren getreuen Boten... Ich wollte Sic sprechen: oäs ja." Er blätterte in einem zweiten, großer«» Buch.„Da ist es schon— Gordon Makimman— guter schottischer Prcsbyterianernamc. Fünshundcrtdrcißig Dollar", sagte er plötzlich unvermittelt. Gordon mar nicht imstande, seinen Sinnen zu trauen, der Tat- fache, daß diese Summe seine Schuld darstellte, Glauben zu schenken: es war ein lächerlicher Irrtum, und das sagte er auch. „Mos unterm Datum eingetragen", erwiderte der andere un- erschüitcrlich,„bis zu einem Paar meißer Danienschuhe aus Buck- stin unterm heutigen Tage— ein nobles Geschenk für irgendeine Schöne." „Meine Schwester", niurmelte Gordnn albern. Fünshundert- unddreißig Dollar, wiederholte er im Geiste ungläubig. Fünf- hundert...„Wie lange steht das schon an?" fragte er.. Der andere sah im Buch noch.„Zwei Jahre, einen Monat, vier Tage", antwortete er präzis. „Aber ich bin nie gemahnt worden; man hat mir nie etwa» von einer Rechnung gesogt!" „Ach, wir belästigen alte Freunde nicht gern; nur manchmal. wenn es nötig wird, ein Wörtchen." Alte Gerüchte und Geschichten sielen Gordon ein: die langen Kredite, die„alten Freunden" von Siwmons eingeräumt wurden. der Mangel an Abrechnungen, und in diesem � Zusammenhang der Gedanke an die Anzahl von Heimstätten, die überall in der Graf- schoft durch Zwangsouktion in die Hände des Kaufmanns gekommen waren. Die besonderen Umstände dieser Barfälle hatten sich durch leidenschaftliche Beschimpfungen zugleich mit der Erinnerung an den trostlosen Ruin, der die Vertriebenen befallen hatte, in sein Ge- dächtnis«ingefressen. ,�ch kann übermorgen etwas zahlen— wenn ich mein Ge- holt kriege." „Ausgezeichnet— dreihundert— nein, mcil Sie es sind, ge- nügen zweihundertfünfzig: den Rest ein anderes Mal— wann immer es Ihnen paßt." „Ich bekomme in, Tag � zwei Dollar fünfzig", erinnerte Gordstn ihn mit trockenem und bittcrem Humor,„und habe einen Monats- lohn zu fordern." Aalentin Simmons schien ihn nicht gehört zu haben...Rur zwechirndertfiiiifzig", miederholte er.„wir kommen alten Freunden gern entgegen:. besonders Presbyterianern." „Ich kann Ihnen fünfzig Dollar geben", sagte Gordon gleich- zeitig laut und begütigend: dabei grübelte er bereits, wie hierbei «r und Klara auskommen sollten. Er mußte in Stenton seine Mahlzeiten bezahlen: der Doktor für Klara mußte sein Honorar erhalten— fünfzig Cents pro Besuch, aus den Tisch, sonst hörten die Besuche auf. „Scherzen Sie nur ruhig weiter— und dann holen Sie den Strumpf aus dem Bersteck, heben Sie den gewissen Ziegel am Kamin auf— nur zweihundertsünfzig im Augenblick— aber im Augenblick." Ein hoffnungsloses Gefühl der Ohnmacht hüllte Gordön ein: der kleine, trockene Mann vor ihm, dessen kahler, rosiger Schädel im Lampenlicht glänzte, dos starre Lächeln, olles war einer Bitte so unzugänglich, wie eine leblose Figur aus Mctallguß, ein ge- malter eiserner Mann in adrettem, grauem Mohair, steifem weißem Hemd mit kleinen blauen Knöpfchcn und präzisem, sauberem Baum- wollschlips. Trotzdem sagte er:„Ich werde Ihnen fünfzig'geben und im nächsten Monat dreißig. Zum Teufel, in einem Jahr zahl' ich's ob. Ich werde doch nicht durchbrennen. Ich habe eine feste An- . stellung:- Sie wissen, wieviel ich bekomme: Sie sind doch gesichert." „Aber—" Valentin Simmons hast eine.Hand in gerundeter, glänzender Manschette—„ist in diesem Erdental irgend etwas sicher? Ist irgend etwas fest, das am Schlag einer— Peitsche hängt?" Mit einer ungewohnten gewaltsamen Willensanstrengung unter- drückte Gorüon Makimman seine wütende Besorgnis bei der ver- steckten Anspielung des anderen: abgesehen von seiner Beschäfti- gung als Postlütschcr war er gänzlich ohne Hilfsmittel, ohne die Möglichkeit, ein Päckchen Rauchtabak zu bezahlen. Gut gewirt- schastet hatten die Mokimmons nie... am?lnfong ließen sie ihren großen Anteil am Tale zu Dickicht, mo sie Rotwild jagen konnten, verwildern, ihre Bäche durch verworrenes linterholz fließen, wo Fasane sich nähren und ihren treffsicheren Gewehren zur Beute fallen konnten. „Zweihundertsünfzig Dollar", wiederholte Volenttn Simmons freunölich., � „Ich chab's nicht, und so schnell kann ich? auch nicht bekommen", -wiederholte Gordon nachgiebig. Dann schlug sein sich bäumender, gequälter Stolz, seine angegriffene Selbstachtung über die Stränge seiner Borsicht.„Sie wissen es ja ganz genqu", erklärte er mit lauter, upon genehmer Stimme,„Sie kennen ja den Inhalt jeder Börse in Greenstream: ich möchte wetten, bei Gott, daß Sie und der alte Hallidew jeden kupfernen Indioner auf jeden Cent in der Grafschaft persönlich kennen," Polentin Simmons lächelte über diese Darstellung. Gordon be- trachtete ihn ncht hoffnungslosem, wachsendem Zorn: der alte Geiz- kragen schien das wahrhaftig für ein Kompliment zu holten! »Heut« ist Mittwoch", erklärte der Kaufmann:„wir wollen sagen, Sonnabend— die genannt« Summe." „Ausgeschlossen."- Die letzfen Reste von Gardans Selbstde- herrschung schmolzen rasch in der Hitze seiner Leidenschzst. Siw- man? wandte sich dem schmalen Kontobuch zu und nahm eine Feder zur Hand.„Als Sie die weißen Schuhe kauften und die Munition und die seidene Angelleine— hatten Sie da nicht die Absicht, zu bezahlen?" „Ja. Und ich werd's auch tun. Und als Sie sagten:.Gordon, nehmen Sie nur, was Sie mallen, versuchen Sie die Fliegen'— und:„Kümmern Sie sich jetzt nicht um die Rechnung, ein ander- mal, alte Freunde zählen, wann es ihnen paßt'— wußten Sie da nicht, daß ich inich zu weit einlasse? 5)äbcn Sie mich nicht er- mutigt— damit Sie gegen mich vollstrecken können? Mir dos Dock? überm Kopf verkaufen? Aber warum Sie sich gerade aus mich verlegt haben— was Sie an meinem baufälligem Haus und ver- brauchtem Boden finden, begreife ich nicht." Simmons blitzte den ondercn mit einem schnellen, schlaust Blick an.„Grund und Boden an einem guten Wafferlauf soll man nie übersehen", riet er. Gordon Mokimmon stand sprachlos und zitternd vor Wut da. Einen Augenblick long war in dem kleinen Raum kein anderer Ton Zu hören als das Kratzen, mit der Simmons Feder über das Papitr fuhr.„Der Fürsorgliche", fuhr er fort,„dient' immer als Ziel- scheibe für die Beschimpfungen der— der Gedankenlosen. Aber msift kämmt er seinem unglücklichen Bruder zu Hilfe. Sie könnten ein Darlehen aufnehmen." �.Ja, gewiß", stimmte Gordon mit heiserer Stimme zu.„ich könnte es von Ihrem fürsorglichen Freund 5?ollidew bekommen— 300 Dollar etwa, zu... zig Prozent— klein- Hypothek aus meinen Besitz..Grund und Boden an einem guten Wosserlauf soll man nie übersehen.'— Beim Himmel!" rief er. plötzlich hellsichtig geworden, aus,„ich habe mir den Strick um den Hots gelegt!" Alfons Paquel: Mit oh und weh beginnen Ost und West. Wir atmen in der Mitte ein und aus. Roch brennt der Abend feuerhell den hohen Waldsoum dort. Der Morgen.... schläft schwarz und eingerollt im nieder« Strauch schon hier. Es baut im Graz Schafgarbe weiße Häuser. Der Mohn wirft sieben Flammenkugeln. r und rosa Monde schwimmen dämmernd im glatte» dunkeln Rundgebüsch. Das Turmgedunkel schweigt jetzt von den Bienen der Linde. Doch ihr Würzgeruch aus Millionen honiggelben Blüten. kühlt in der Luft wie Arzenei sich ob. Wer schildert des Holunders zarte Macht, sein finstres Lauern unterm Blätt-rdoch gedeckt mit weißen Schindeln an das Haus gelehnt. Du schöner Monat oller die wir lieben, Geburtstag an Geburtstag. Strauß an Strauß und Wein vom vorigen Jahr. Aus Sternen träufelt die Rocht ihr mildes Gift. Zu dieser Stunde singt knieend mancher Beter jetzt dos Lied das über ollen Glocken schwingt langballcnd: ah. Des Tages Dank und.Herzschlag langotmend im Altorgewond der Nacht. *) Wir entnehmen dieses Gedicht dem in der„Blauen Reche" des un' die Lyrik verdienten Verlags„Die Robenprcsse" erschienenen Gcdichtband von Alfons P a q-u e t:„Das Siebengestirn." Sind Wopien erfüllbar? Sitte krUifche Wnierfuchung/ Str. Siruno JUünann Die amtliche Lehrbuchweisheit pflegt die Geschichte der Utopien mit Platos„Politcia"(Staat) beginnen zu lassen. Das ist. obwohl das Werk im-t. Jahrhundert n. Chr. Geburt abgefaßt wurde, eine unzulässig späte Ansetzung des Datums. Utopien, d. h. Zustände und Leistungen, die nach menschlichem Ermessen keiner praktischen Durchführung zugänglich sind, entstehen als Ausgeburten des Denkens unter dem Zwange heftiger Wunschbestünnungen. Der Mensch sieht— in altersgraue? Zeit— Raturelsmente, Tiere, Gegenständ« Kräst« und Geschwindigkeiten entwickeln, die er seinem Korper nicht abgewinnen kann. Es hätte schon Sinn und Zweck. mit der Schnelligkeit des Vogels oder des geschleuderten Speers dahinzueilen, die Erdgcbundenheit zu überwinden und die äußeren Schwierigkeiten des Lebens mit nielfach stärkeren Kräften zu meistern, als sie dem Menschen zur Verfügung stehen. Der Wunsch brauchte sich nur zum Phontasiegebilde zusammenzuballen, eine künstlerisch begründete Persönlichkeit oder besser noch, der Volks- geiiiu»,. in. Sage und Märchen schaffend, brauchte nur dem wünsch- erfüllten Phantosiegebilde Form zu gebe» und die Kunstgattung der Utopie war begründet. Auf technischem Gebiet, an technischen Objekten ent- faltek sich zuerst bei alkeir Kiiftlzrvötkern dstr utnpistffche Sehnsucht. Di« Soge von Dädylu's und Ikariis, diesen übermütigen Glückskindern, die zur Sonne fliegen wollten und elend umkamen, ist eine klare Bekundung des Wunsches, mit den Hilfsmitteln der Technik eine dem Menscken sonst versagte Möglichkeit wirklich zu inachen.. In der griechischen Sage vom„Ping des Gyges", diesem Ring, der seinem Besitzer die Fähigkeit verlieh, unsichtbar zu werden, steckt genau so wie im germanische» Mythos von der Tarnkappe der oerhüllte Wunsch, technisch einen Borteil zu erlangen, auf den der Mensch ohne solche Mittel verzichten muß. Stillschweigend ist mit der Sehnsucht noch derartigen Leisttingen immet dos Zutrauen verbunden, daß dem menschlichen Geist einmal auch diese Dernollkommnungen gelingen werden. Wenn aber solche Hofsnungen. wie sie aus der Sage von Dodalus und Ikarus, nom Ring des Gyges usw. hervorleuchten, apf der Entwicklungsstufe des jungen Griechentums aiifrauchcn. so gehört alles das, was da gehofft und erwartet wird, zur Kunstgattung der Utopie. Die Technik ist das Gebiet geblieben, auf dem sich die utopisch« Phantasie oin üppigsten ausgelebt hat. Es war Utopie: als C c r- nontes, der Dichter des Don Quichote, gegen Ende des 16. Jahr- Hunderts in einer Novelle von einer weißen Wandtafel sprach, auf der„l i ch t u m g ö s s e r. e Gestalten" erscheinen und verschwinde» sollten wie auf der Theoterbühne und auch. reden oder. singen könnten, als Cervantes also den Tonfilm forderte. Es war Utopie, als der französische Arzt Simon mit dem Beinamen R? st ro- dam irs in seinem„Seher-Geiste" Schiffe unter dem Meeresspiegel fähren sah, so gut wie die„Weberschiffchen ohne Weber", die Aristoteles dreieinhalb Jahrhunderten. Ehr. Geburt als Vor- bedinqung für die Aufhebung des Sklaventums wünschte, seinerzeit Utopie gewesen sind. Utopien waren die selbstbewegten. Wogen und Räder, an deren Erfindung mittelalterliche Mönche in Neapel und Padua georbettet' hoben, so gutt wie'die- Pboutosiereise Jules Vernes zum Mond« eine Utopie war und die Reifen zu anderen Planeten es heute find. Freilich im Gebiet der Technik ist fast jede Ubop'« die Wirk- lichkeit non morgen. Wir leben hier in lauter verwirklichten Utopien. Die Technik Hot mehr erreicht, als die Utopisten zu erträumen wagten. Wir können die Stimme längst Verstorbener hören, wir können sie an uns vorüberziehen sehen, wenn sie selbst zu Lebzeiten für die Ueherstagung ihrer Stimme und ihrer B»we- gungen auf geeignete Apparate gesorgt hoben. Kundgebungen, ein«? Menschen noch seinem Tod, Bekundungen, die man jederzeit von ihm hoben konnte, das erschien selbst den Utopisten, sofern sie nicht fpiri- tistisch phantasierten und dann den Tatbestand von heute auch ver» fehlten, als ein gar zu gewagte? Unterfangen. Zwei Pläne sind freilich Utopien geblieben. Seit Iohrtousenden will man, früher der Forscher, jetzt nur noch Laien und Scharla- tane. dos Perpetuum m o b i l e erfinden. Mittelalterliche Geistliche haben sich auf die Erfindung einer Denkmafchin« verlegt. Raimundus Lully?, der obenteye.rliche Mönch des 13. Jahr» hundert?, glaubte sie. sogar bereits anwendungsreif gemacht zu haben. Es war nichts damit und oych unsere heutigen Rechenmaschinen erfüllen keineswegs die Anspruch.« der Scholastiker, däs Denken in Massenproduktion per Maschine betreiben zu können. Weil doch nicht olle Blütenträuwe der Utopisten auf technischem Gebiet reiften, entsteht die Frage: was bleibt nun für alle Zeiten Utopie in der Technik? Kant hat sich zur Antwort durchgerungen, indem er die Voraus- fetziingen des Wissens untersuchte und hinterher entschied, welche Wissensmäterien mittels der an jene Voraussetzungen gebundeneu Einsichten nicht zu erfassen sind. Zeit, Raum und gewisse Auf- fossungzformen wie Ursache, Zahl, Groß« sind Boraus» fetzungcn olles Wissens, durch sie wird unser« Erkenntnis auf Er- fahrimg und Mathemauk eingeschränkt. Was außerhalb der Bereiche von Mathematik und Erfahrung liegt, bleibt uns daher für innner verschlossen. .So ähnlich wird der philosophierende Techniker ver- fahren müssen, wenn. er. die Frage aufwirft, wo» technisch erreichbor ist. oder für immer Utopie bleibt. Es dürfte, dann mit den non der Erfüllbarkeit ausgeschlossenen Vorsätzen so stehen wie mit dem Per- petuinn mobile. Für un realisierbar wird erklärt, was einem Natur- gefetz, dein wissenschaftlichen Fundament der Technik, widerspricht. Gegen die beständige Bewegung eines im Luftrauni befindlichen Körpers ohne fortdauernde Antriebskräste spricht dos Gesetz von der Erhaltung der Energie. Daher wird das Perpetuum mobile em Traum von Phantasten bleiben, die von diesem Hirngespinst einer unreifen Naturwissenschaft nicht lassen können. Fast jede Wirklichkeit ist die Utopie von gestern. Der Satz gilt auch für dos S ta a t s l e b e n, dieser klassischen Domäne der Utopie. Genauer müßte man allerdings vorgestern sagen, denn ein Wettlauf von Projekt und Ausführung, wie es die Geschichte der Technik in ihren großen Epochen darbietet, hat die Geschichte de» Stäotsle'bens öichi äufzuweiscn.' Trotzdem: eine-ganze Reihe uta- pistischer Phasen hat die Kulturmenschheit auch hier überwunden. Die sklavenlosc Gesellschaftsordnung war in dcu antiken Staaten eine Utopie, sie wurde die Wirklichkeit des christ- lichen Mittelalters. Ablösung des uneingeschränkten Fürstznregi'nent» durch die konstitutinncllen Staaten, Ablösung der Monarchie durch die Republik bedeutete den Uebergang von der Utopie zur Realität. Als Utopie verhöhnt wiirde die Abschaffung der Todes- strafe, die Einschränkung des Heeresbestandes auf eine Polizeitruppe, die kräftige Inangriffnahme der Sozialpolittk. Auch hier erhebt sich, angesichts des von der Utopie zur Wirtlich- keit zurückgelegten Weges die Frage, welche Bestrebungen innerholb der Staatsnersassungen und des Gesellschaftslebens ewig lttapisäi fein werden. Eine Antwort darauf kann ebenfylls nur auf Kantische Methode gefunden werden. Welches sind die Doraussetzungen des Gesellschaftslebens? Ihre Formen»lüssen»och- geprüft werden, die Soziologie hat zu untersuchen, wie Menschen im Zusammenleben und Zusammenwirken geartet sind, von welchen Trieben. Interessen, Vorstellungen sie beherrscht werden, wilche» Maß non Aktivität sie aufbringen, wie stark ihr Unterordnunzs- bedürfnis ist, welchen Grad sittlichen Verhältens man non gemeinsam operierenden Menschen erwarten kann. Die Wissenschait- der So» ziologie ist noch jung. Sie ist noch lange nicht zu obschl'eßenden, alle. Fgchforjcher befriedigenden Ergebnissen gckommxi'. Rnr ist einem Punkt herrscht Einigkeit. Einmol in ein gesellschaftlich ge- gliedertes Gebilde eingefaßt, also zu einem Staat zusammen- geschlossen, gibt sie diese Gliederung nicht wehr preis. Dos Be- harrungsgesetz beherrscht auch das Gesellschoftsseben.. Schon non bier aus wird ersichtbor, daß Formen des Gesellschaftslebens, wie sie etwa der Anarchismus oder der S y n d'i k o l js m u s vorschlägt: gin-n. stogtslofen Zusammenschluß freier, zu genossenschaftlichen und flewerkschaftlichen Verbänden vereinigter Menschen, eine absolut« Uwpie darstellen. Niemals verlieren indessen utopisch« Ausstellungen ihren Wert. Zunächst inachen sie ganz deutlich, von welchen Bedürfnissen die Menschheit erfüllt wird. Durch die Utopien eine» Thomas Morus, eines Camp onella, eines Bacon ist bereits in ben Anfängen des Frühkapitolismu? an den Tag ge- kommen, wie stark der Freibeitsdrong der unter. ihm leidenden Menschen war. Durch diese„Utopien" ist zutage gekommen, wie der vom Kopitalismus betroffene Teil, die'produzierenden Arbeiter, sich den Weg zur Freiheit und zur ökonomischen Selbständigkeit dachten: Technischer Fortschritt in maximalem Ausmaß, ober Nutznießung der technischen Vervollkommnungen durch alle Arbeitsbeteiligten. Ein Arbeitstag v'on 6. von-t. Stunden sollte genügen, niemand sollte ober aus dem Arbeitsnerhöltnis gestoßen werden, weil die fortgeschrittenere Technik den Unternehmern gestattete, unter Belassung der ursprünglichen Arbeitszeit, Arbeiter auf die Straße zu jagen. Verteufelt modern« Forderungen hoben die Utopisten des 16. und 17/ Jahrhunderts aufgestellt. Zu guter Letzt sind Utopien W e g m« i f e r. Dos von ihnen gesteckt« Ziel ist vielleicht nicht ganz erreichbax, ober die Richtung können sie angeben, wohin der Weg gehen soll. Möglich, daß ein idealer Völkerbund, eine übernattonole Institution non Mächte- Vertretungen, die ganz unvärteüsch ausgebrochen« Streitigkeiten schlichten, d'' redlich bemüht sind. Int-reffenkonflikie gar nicht auf- kommen zy lassen, nie bestehen wird. Die Forderung diese? Idealen Völkerbundes soll ober trotzdem erboben werden: die Institutton soll da s-in, damit die von der Utopie, gesteckten Ziele den Bölker- bundoertretern zeigen, nach welchen Prinzipien sie zu arbeiten höhen. Nr. 235* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Somlobend/ 24. Mai 4932 W Ltnternehmer rufen nach Arbeit. Die Verbände der Bauwirischast fordern Arbeiisbeschaffung. Die Deutsche Gesellschaft für Bauwesen neran- staltete gestern in Gemeinschast mit 35 Ilnternehmerverbönden der Boumirtichaft eine grahe Kundgebung, durch die dte Oesscntlichkeit und die Reichsregierung auch von dieser Seite auf die verMciselte Lage der Bouwirtschaft dingewicsen werden sollten. Arbeits- beschaffung— das war die Losung, unter der diese Kundgebung stand. Damit haben sich die Unternehmer der Bauwirtschaft«ine Forderung zu eigen gemacht, die seit Jahr und Tag von den G c- werkschaften vertreten wird. Auch in manchen Punkten der Kritik an Regierungsmaßnahmen, so am Abbau der Hauszinssteuer zugunsten der Hausbesitzer, haben sich die Bauunternehmer der von Gewerkschaften und Sozialdemokratie vertretenen Auffassung an- geschlossen. Der Vorsitzende, Professor Elkart, führte aus, daß feit Mo- naten neunzig Proz. der Bauarbeiter arbeitslos feien, ein Zustand, der unerträglich sei angesichts der Schlüsselstellung, die das Bau- gewerbe in der deutschen Gesamtwirtschaft einnehme. Stall Arbeitslofenuntcrstühung zu zahlen, sei es besser. Gelder für produktive Bauten auszugeben, für Straßenbau. Meliorationen, Instandsetzung von Althäusern, Neubau von Kleinwohnungen usw. Die Reichsregierung dürfe nicht mit Sparmaßnahmen den Baumarkt völlig zum Erliegen bringen: sie habe die Aufgabe, die Finanzierungsfragc eine- großen Arbcits- befchaffungsprogramms zu lösen..... Der Präsident der Reichsanstolt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung Dr. S y r u p wies in seinem Referat darauf hin, daß die große Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen eine Aus- geftalwng des freiwilligen Arbeitsdienstes erforderlich mache. Allerdings dürften durch diese Einrichtung nur Arbeiten ausgeführt werden, die sonst überhaupt nicht in Angriff genommen würden. Im letzten halben Jahre seien Bcschäftigungsmöglichkciten für 70000 jugendliche. Arbeitslose geschaffen. worden. Zur Zeit seien etwa 30 000 Jugendliche im Arbeitsdienst tätig. Die Rcichsanstalt habe bisher für 3 0 000 Jugendliche beruf- l i ch e B i l d u n g s m a ß n o h m c n mit praktischer Wcrkarbeit durchgeführt. Die Reichsanstalt habe auch erhebliche Mittel zur Finanzierung von Notstondsorbeiten bisher verwandt und weiterhin zur Verfügung gestellt, da es besser sei, Gelder zur Be- schaffung von Arbeit als zur Zahlung von Unterstützungen auszugeben. Zu hoffen fei, daß durch die van der Regierung geplante Prämienanleihe erhebliche Mittel zur Finanzierung von Bauarbeiten hereinkämen. Direktor W i l d e r m u t h von der Dentichen Bau- und Boden- dank beschäftigte sich eingehend mit den verschiedenen Projekten und Möglichkeiten einer Arbcitsbejchaffung. Im Jahre 1931 seien durch- jchüittlich 40 220 Arbeitslose mit Notstandsarbeiten beschäftigt war- den. Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten habe für 1932 zunächst Kredite in Höhe von 30 Mil- lianen Mark bereitgestellt. Mit den Beträgen der Reichsanstalt, stan- den etwa- 50 Millionen Mark zur Versüginm, mit denen- Not« st a n d s a r b e i t e n mit einer Gcsamtt'aftensumin« von 100 Mil- lioncn Mark in Angriff �genommen werden dürsten. Zur Bekämpfung der„strukturellen", der dauernden Urbeitslosigkeit, die er auf etwa 2 Millionen Arbeiter bezifferte, empfahl er Ausbau des freiwilligen Arbeitsdienstes. -ihi-den- Ausführungen dos- letzten- Redners,. Jimmer.meister F r e i d e l, ging Richtiges, Holbrichtiges und Falsches reichlich kraus durcheinander. Bemerkenswert war die(richtige) Feststellung, daß der Abbau der stauszinssleuer die Hausbesitzer nicht zur Der- gebung größerer Beparaturarbeiken veranlaßt habe. Sein« oft gehörten Ausführungen gegen die ostelbifchen Betriebe wurden.durch die Wiederholung nicht, richtiger. Er schloß die Kundgebung mit der Forderung:„Heraus mit einem Arbeitsbeschaffung? Programm?" Arbeit durch Hausreparaturen. Wird ohne gesehlichen Zwang auszukommen sein? In. allen Arbeitsbeschaffungsplanen spielen die 5zausreparaturcn M>t Recht eine wichtige. Rolle. Die Reichsregierung hat den Lsicherregierungcn vorgeschlagen, wie in früheren Jahren Haus-- Zinssteuermittel zur Verfügung zu stellen. Außerdem hat das Reich lür die Finanzierung der Reparäturaufträge Erleichterungen in der Beschaffung von Geldmitteln durch Wechsel ins Auge gefaßt. Damit ühercinstimmeud erklärte sich dix. Reichsbank bhcest, derartige Wechsel aufzukaufen.?d. h..entsprechende-Kredite für Häüsrcpäratüxen zur Verfügung zu stellen. Seitdem ist es um die Hausrcparaturen aber st i l l g e w ö r d e n. Die Gewerkschaften haben recht, wenn sie in der „Gewerkschaftszeitung" darauf verweisen, daß man den Eindruck gewinnen müsse, die Regierung begnüge sich mit halben Mahnahmen: „Wer", so betonen die Gewerkschaften,„die Hausbesitzer kennt. -der wird kaum erwarten können, daß viele davon sich entschließen werden, in stärkerem Umfang Reparaturen freiwillig aus- führen zu lassen. C- sei denn, daß dabei ein gutes Geschäft winkt. Dos Gros der Hausbesitzer wird passiv bleiben. Es ist deshalb notwendig, daß die Regierung anordnet, daß erst einmal nochzu- weisen ist, wieviel an R c p a r a t u r z u s ch I ä g e n der ein- zelne Hausbesitzer innerhalb der letzten fünf Jahre oercnmahmt und in welcher Weise er diese Beträge ausgegeben Hot. Weiter muß in all den Fällen, in denen eine ordnungswidrige Verwendung der Instandsetzungsgelder fcstgestsllt wird— und das dürfte wohl häufig fein—, Sie weitere Abführung dieser Beträge an den betreffenden Hausbesitzer unterbunden werden. Die Abfühtung muß an eine n e u t r a l e Stelle erfolgen. Diese «teile muß auch befugt sein, mit Zwangsmaßnahmen Repara- turen dort durchzuführen, wo sie feit Jähren unterblieben sind und die Gefahr besteht,.daiLhie..2Mimm.flJ�Jn,Ml3g..lucht.mehr benutzen sinS. Schließlich sollten sich auch die H y p o t h e k i b An-ttn. künftig mehr um den Zustand der von ihn?« beliehen««.' Gebäude kümmern und»öu ihren Schuldnern die Durchführung von Reparaturen verlangen, weil sonst mit dem teilweisen Verlust der hergegebenen Hypothekengeldcr zu rechnen ist. Den st ä d t i- schcn Bau- und Wohnungsämtern erwächst hier eine lehr umfangreiche'Ausgabe. Sie wnnten künftig dafür sargen, daß die Instandsetzungsgeldcr richtig verwendet werden und auf diese Weife die im Althau-besitz steckenden Werte erholten bleiben. Es würde dadurch Arbeitsgelegenheit für etwa 200 000 Menschen ge- schaffen werden." Man kann sich mit den Bedenken und'Vorschlägen der Gc> wcrkschaftcn nur einaerstanden erklären. Der Zwang richtet sich nicht gegen diejenigen Hauswirte, die ihr Eigentum bewahren und pflegen, wie es Art des guten Wirtschafters ist, sondern gegen diejenigen, die eben das Geld, das der Mieter für die Reparaturen zahlt, einstecken. (Schlechies Gchwachstromgeschäst. Millionenverlust bei Lorenz. Di« C. Lorenz A.- G.. die zum Konzern der Standard Eledrizitätsgejellschait gehört, hat im Jahre 1931 einen Fabrikations- gewinn von 2,89 Millionen Mark erzielt, wovon nach Abzug der Generolunkosten in Holze von 2,77 Millionen Mark ein Rohgewinn von 134 389 gegen 476 212 M. im Vorjahre verbleibt. Nach?lb- ietzunz von Abschreibungen in Höhe von rund 2 Millionen(1,76 Mil- lumen Mark Sonderabschreibungen auf die Vorräte) ergibt das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von 1,60 Million e i, M a r t, der auf neue Jahrcsrechnung vorgetrogen wird. Die Betriebslage bei dein.ilnternehmen hat sich wie im. gesamten Schwachstromgeschäft nn Laufe des-letzten- Jahres ganz- erheblich verschlechtert. Der Absatz ging um 23 Proz. zurück. und zwar überwiegend im Post- und Radiogeschäft. Der Auftrags« bestand am Johresfchl-iß lag um 3 3 Pro z. u n t e r dem Stande des Jahresbeginns. Die gewaltsamen Sparmaßnahmen. die zu einer Senkung der Unkosten um ZZ Proz. führten, hobcn den Lebensstandard der Belegschaft außerordentlich verschlechtert. Abbau. Bationalisierung mit verschärfter Ausbeutung der Arbeits- kraft und Lohndruck waren die Kennzeichen des Sriscnjähres 1931 32 für die Lorenz-Arbeiter._ Der holländische Philips-Konzern. Der holländische Philips-Konzern, der sich in den letzten Jahren zu einem der'gräßten Elektrokonzernc der Welt entwickelt hat, zeigt für dos Jahr 19Z0 einen G c« i n n r ü ck g a n g von 12,8 auf 7,6 Millionen Gulden. Die Stammakliendividendc, die schon im ver- gängenen Jahr halbiert worden war, ist von 6 auf 4 Proz. herabgesetzt worden. Die gleichzeitig veröffentlichte Bilanz zeigt aber, daß die Gesellschaft über ganz oußerordei, tlich große Bormittel verfügt Kassenbestand und Barguthaben sind im Laufe des Jahres 1931 von knapp 19 auf fast 42 Millionen Gulden erhöht. Im gesamten Philips-Konzern, einschließlich der Tochtergesellschaften, stellten sich im Mai 1932 die vorhandenen Barmittel auf nicht weniger al» 59 Millionen Gulden, d. h auf fast 80 Millionen Mark. Im vergangenen Jahr ist zwar, wie auch die holländischen Aus- führziffern zeigen, der unmittelbare Absatz an G l ü h l a m p c n u n d Radio geraten, den'Haupterzeugiiissen der Philips-Gefellschaft, weiter zurückgegangen, doch wurde gleichzeitig der auswärtige Fabrikotionsopparot ausgebaut, so daß jetzt der Philips-Konzern in der Lage ist, auch diejenigen Märkte, die sich einer Einfuhr durch Einfuhrverbote, Zölle oder Währv.ngsentwertung verschließen, im bisherigen Ilmfang zu versorgen., Deterding zahlt Dividende. Troh schwerer Krisenwirkungen. Der von Deterding beherrschte holländisch englische Oelkon- zern Royal Dutch, dessen Log« in den letzten Wochen van der internationalen Finanzwelt sehr pessimistisch beurteilt wurde, ver- össentlicht jetzt seinen Jahresabschluß für 1931, der mit dem Vor- schlag einer sechsprozentigen Dividende allgemein überraschen muß. Di« Auswirkungen der schweren Weltölkrise zeigen sich in der scharfen Schrumpf u n g der Gewinne von 90,8 aus 27,6 Millionen holländische Gulden. Trotz der Drosselung der Weltproduktion von fast 200 auf 189,9 Millionen Tonnen Oel setzte sich der inter- nationale Preisverfoll fort, da der Verbrauch schneller sank als die Förderung.-Die Jahresproduktion des Konzerns ging von 23,9 aus 20,5 Millionen Tonnen zurück, obwohl die Anlagen leicht dos Doppelte hätten leisten können. Die Flott« des Konzerns um- faßt jetzt 2,2 Millionen Tinnen Laderaum. Da Royal-Dutch-Shcll seine Finanzgeschäfte größtenteils über London leitete, auch zwei maßgebende Tochtergesellschosten englische Unternehmen sind, hat der Konzern ganz beträchtlich« Ver» luste du rch d en Pfund stürz. erlitten. Rund.46 Millionen Gulden, also annähernd 78 Millionen Mark mußten als Wäh- rungs Verluste abgeschrieben werden. Der Geschäftsbericht betont nachdrücklich, daß die Gesundung der Wcllölwirtschast mit der internationalen Verständigung steht und fällt. Die Ncw-Porker Petroleumkonferenz wird in- dieser Hinsicht über die Zukunft der Oclwirtschast entscheiden. Schiele und der Butterzoll. Falsche Argumente. In TOHnster sprach vor einigen Tagen jlleichsernährungsminister Schiele- auf einem genoffenschaftlicheo Verbandstag über landwirt« schaftliche Absatzfragcn und zu der so umstrittenen Frage des Buffer» Zolls. Manches Vernünftige wurde von zuviel U n v e r n ü n f» tigcm überdeckt. Erfreulich ist, daß Schiele jetzt eingesehen hät, in welchem Ausmaß die ungeheure Zahl van Arbeitslosen auch zu dem Niedergang der bäuerlichen Beredelungswirtschost beiträgt. Bei der Butter will Schiele aber die Kauftraft der Verbraucher nicht mehr gelten lassen. Hier soll der Grund der schlechten Preis« läge dw Einfuhr fein.-«•—-----------■- Wir geben gerne zu, daß diese Ansicht sffmincn würde, wenn es nicht 6 Millionen Arbeitslose gäbe. Gäbe es keine Arbeitslosen und wäre die deutsche Ärbesterschast kaufkräftig, dann könnte� die Absperrimg der Einftchr sicher auch zu einer Per« gräßerung des Absatzes an deuffcher Butter Und zu einer Besserung der jetzigen niedrigen Preise führen, obwohl man bei ollen ver» tellernden'Zöllen skeptisch sein soll. Äber bci der derzeitigen mini« malen Verbraucherkaufkrast führt die- Beschränkung der Einfuhr eines nicht absolut notwendigen Nahrungsmittels— und dos ist jetzt leider die Butter— niemals zu einer Preiserhöhung, son» dern nur zu einer Einschränkung des Konsums. Hiervon ober hat die deutsche Landwirtschost gewiß nichts. Außerdem behauptet Schiele, daß eine Lockerung des Einfuhr« schutzes für Butter nicht zu einer Steigerung der internatio« nalen Butter preise führe« ipftd. Infolgedessen würde auch keine neue Kaufkraft auf dem Weltmarkt zwecks vermehrter Aus« nähme deutscher Jndustrieprvdukte geschaffen werden. Diese Aeuße« rung ist— simpel ausgedrückt— glatter Unfug, Es handelt sich gar nicht bei der notwendigen Neuregelung der Buttercinfuhr um die Möglichkeit der Steigerung der internationalen Kaufkraft, sondern darum, daß unsere wichtigsten Butteriieseranten gleichzeitig eine unserer wichtigsten Abnehmer für Indiistrieprodukte sind, nämlich Dänemark und Holland, und daß diese Länder jetzt bei der rigorosen Beschneidung ihres Butterexportes nach Deutschland den Bedarf an Industriewaren einfach nicht mehr bei uns, sondern in England und anderen Ländern decken. Es geht daher um die Erhalt u» g u n s e r c s Industrie« e x p o r t s und damit um die Erhaltung eines dürftigen Restes der Kaufkraft unserer Jndustriearbeiterschast. Von. dieser ist aber unsere Landwirtschaft, wie es auch Herr Schiele zugibt, auch für den Butterahsatz vollkommen abhängig. DTf AkgilinSiite?"STc'ffeT Re iMe rnäh r u ng? im iftster also für die Beibehaltung der jetzigen Einfuhrregelung für Bsitter anführt«, sind nicht im geringsten st i chlj o Iti g." Wir müssen uiffern Jndustriecxport erholten nicht nur im Jntereise der Industriearbeiter, sondern auch im wohlverstandenen Interesse der Landwirtschaft selber. Gcheidemandel soll liquidieren. Abgelehnte Wünsche von Kleinakttonären. Auf der Generälversammliing der A.-G. für chemisch.« Produkte, vormals H. Schei.demondal, stand der neue Sanierungsvorschlag der Bcrwoitüng zur Diskussion? Trotz des ver- hältnismäßig geringe« Verlustes von knapp 30 000 Mark Hot die Verivaltuug die Z u s a m m e n 1« g.u n g d.e s Kapital s voir 10 auf 5,5 Millionen vorgeschlagen, dft die starken Anlagen des Kapitals in Immobilicn und Beteiligungen eine Anpassung an die Zcitverhäitnisie erforderlich machte. Dieser neue Sonierungsplan stieß bei verschiedenen Klein» akiionären auf lebhaften Widerstand. So wurde von mehreren Aktionären erklärt, daß die Aklienbesitzer bei einer Liqui» dation des Unternehmens heiser fahren würden als bei einem nochmaligen scharfen Kapitalschnitt, denn, die Gesellschaft hafte seit der Stabilisierung der Währung fünfmal sanieren müssen, ahne dnß.ein Erfolg zu verzeichne» gewesen wäre. Unter diesen Umständen könne man dem Unternehmen kaum mehr eine Existenzberechtigung' zusprechen. Demgegenüber stellte der Bor. sitzende fest, daß gegenwärtig eine Ligui dation ganz un> möglich sei und nach Bereinigung der Schulden und der Per- pflichtungcn aus langfristigen Verträgen aus-dem Berkauf der Bermngensmassc kaum etwas für die Aktionäre übrig bleiben dürfte. Wenn auch die Produktion im lausenden Jahr« weiterhin um etwa 30 Prözf gesunken sei,' so'häbe die Verwaltung doch die Ueberzeugung, daß man nach der Bilanzbereinigüng den Ablauf der Krise überstehen könne. Verlast bei der Hermes Kredilversicherung�bonk 71.-G. Wie schon im Jahresbericht des Allianz-Konzerns ausgesübrt wurde, brachte die Delfved»re.Versicherpnq. das ist die Kredit, sind G a r a n t i e n e r s i 6) e x p n g, im letzten Jahr durch den Au-bruch der schweren Krediikrise größere Verluste mit sich. Diese Entwicklung tindet auch in dem' Jahresabschluß der Hermes Kreditoer. ficherungsbänk A.-G. in Berlin ihren Niederschlag. Obwohl, dl« übrigen Geschäftszmcige befriedigend gearbeitet haben, haben die Ausfälle im Kredit- und Gäräiitiegeschäft einen Verlust von knapp SOO 000 Mark verursacht, zu dessen Deckung der Rescl'vcfoiidz mit 700 000 Mark ausgelöst wird. Auch Peru verzichtet auf die Goldwährung. Wie aus Lima gemeldet wird, hat die peruanische Regierung ebenfalls die Gold- Währung aufgegeben, allerdings mit dem Bemerken, daß die Maß« nähme nur vorübergehender Natur fei, LyNerholb weniger Wochen'haben vier Länder den Goihstondard aufaegebeff. Neben Peru nach SiaM, Chile und Griechenland fi1B@o3ifliiffiftt)c»eWerjuöenb(Srof�ernn 1 Einsendungen für diese Subtil nur an Bas Iugendselietatial I B-tlin cffi 68, Lindcnsitabe 2, Dorn 1 Ttepp- fchi». Abteilungsleiter, reicht Euer Iuui-Prsgramm ei», Arbeitsgemeinschast Abraham(Wiitschastslchre): Diesen Sonntag Arbeits- fahrt»ach Alcin.Schönedcck. Treffpunkt S Uhr pünktlich Ausgang Bahnhof Rahnsdorf. heuke, Sonnabend: Natttufser T»r: Urbanstrahe 167. Schallplattenabend.— Gteglih I: Treff» Punkt zum Spaziergang 19 Uhr Sathaus. Werbebezirk Prenzlauer Berg! Danziger Strohe 62. Wichtige Gew. Aus» schuh-Sigung.— Morgen: Sadfahrt nach Bernau— Uehcndorf—Birkcnwerder. Treffpunkt 7 Uhr pünktlich Prenzlauer Allee, Eeic Danziger Strohe. Werbebezirk Müggelsee: Porstandssihung. A Uhr, Friedrichshagen, Fried» richstrahc 67. Acuherst wichtige Tagesordnung. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäfts st eile: Berlin E. 14. Eebastianstr. 37—38. Hof 2 Tr. Schöne berg' Friedenau iBorirupp). Sonntag, 2?. Mai, Wanderung. Treffpunkt 7', Uhr staiferpiah. Zurück am 18., 2a Uhr. Fahrgeld 46 Pf.— Baflerspartabtrilung, Zug Havel. Sonnabend, 21. Mai, 17 Uhr, Fahrt nach der Krampnitz. �und, Albrechtstrahe It. Arbeitsgemeinschaft Kontorowicz.—. Donnerstag, 26. Mai. Oeffentlich« Berfammlung der Freiheitlichen Studentenschaft an der Technischen äo-Mckiiile. 26 Uhr in der Aula der Technischen Hochschule.-. Wald» heim:.iGebührstaffelung"..._,„. Freircligiale Gemeinde. Sonntag, vormittags II Uhr. Pappelallee In. Bor. trag des Herrn C. Witthauer„Die Praxis der buddhistischen Seligion. Gäste willkommen. Sport. Trabrennen zu Ruhleben. Jreilag. 20. Mai: Sotdarn-Rennen: 1.?atnd Tillon(Kruithof jr.): S. T-za: 3,«quila! 4 Citcrmarthfl. Toto: 419:10. Platz: 42, 20, 13, 27:10. rrerncr liefen: Debora, Zitadelle, G-rdejäger, Dolmetscher, Kitt? L,, Laetitia, Paulchen, Hella, Hciz-Allcrliebste. Preis vom Brandenburger Tai: I. Ette lCh, Miliz)! 2. Hermann All- mcrS! 3. Herbert N, Toto: 21:10, Platz: 17, 24, 20:10. Ferner licsen: GraSblumc, Rotkehlchen, Dialog, Adria, Preis vom Tiergarten: l, RideomuS(W. Heitmann); 2. Dr. Hein» rich v- 8. Waterloo, Toto: 27:10. Platz: 20, 20, 19:10. Ferner liefen: Jekafte, Dornbusch, Champignon, Natrium, Ovation, Dornzieher. Enzian, FriihlingS-PreiS: l, Nerv(I, MillSU 2. Antwort: 3. AeschvloS: 4 Mephisto, Toto: 65:10. Platz:. 14, 14, 15, 24:10. Ferner liefen: Ilex, Ora Leoburn, Kapitain Halle, Natal, Prachlniädcl's Tochter, Arnim, Parmenio, Lu-Lo.„.,„„ �„ Flora-Prei«: 1. von Eicken(Besitzer); 2. Snch L.; 3. Cvklon. Toto: 41:10. Platz: 27, 33, 49. Ferner liefen: Fngara, Perscu», Dhewufchsa, Heiderin, Blonco, Edelmeistcr, Costa Rica, Cortez. Goldlack-Rennen: l. Hildegard iL. Weih:; 2, Moyalene: 3. Alma Mater: l. Satan. Toto: 72:10. Platz: 19, 19. 20. 27:10. Ferner liefen: Henni Kittyschor, Peter Brussiloff, Hedwig, Peschkesch, Heliotrop, Northern Truien, Alkambra, Kantate, Lust, Delegation Adresfe, Maimorgen, Io- Hann, Lustiges Mädchen. Paeonien-Preis. l. Panlgraf lC. Schön): 2. Maikater: 3. Belvesta: 4, Tonia. Toto: 41:10. Platz: 15, 39, 13, 15:10. Ferner liefen; Palamedcs. Amalasuntha, Connv Boeon, Onole, Robert, Charis, Berolina, Kitt? Worth?, JcaruS, Mister Peter, Aida.— Toppelwette: Rerv— von Eicken 362:10,________ „Kleide» Sie fich hygienisch." Unter diesem Motto veranstaltet jetzt Leine» weder— das Sans das jeden anzieht— am Köllnischen Fischmarkt eine interessante Ausstellung zeitgemähcr und hogienischer Hemmleidung. Es ist kein Kunststück, mit schwerem licht»»nd luftabschliehcndcn Matccial eine massive Hrmn-Süstung aufzubauen, die die Bewegung hindert und die Gesundheit schädigt. Zioch sträflicher ist es, der unzulänglichen Form der Kleidungsstücke durch handdicke Unterlagen nachzuhelfen.— Wie man mit wnnderbar porösen Fresto-Seweben einen leichten und luftigen Sommcr.Anzug schafft, und dah solche praktische und hygienische Sommcrkleidung trotzdem formbeständig hält, das zeigt jetzt Leineweber, Berlin E, am Köllnischen Fischmarli. weilte Zähne schon nach einmalig. Putzen mit der herrl. erfrifch. schmeckenden„CHlorodont» Zahnpaste-, schreibt uns ein Raucher. Tube 60 Pf. und 80 Pf. Waren Sie auf dem Hausboot? Im Str«ndbtd Wennse«, 100 m rom Ufer entfernt, liegt ein 50 m langes Boot, leuchtend weiß und rot gestrichen— das Juvena-Hausboot mit Juvena- Orchester, mit Bar und Platt iiir über 700 Personen. Gym- nastik-Knrie, Bewegungsspiele, Erfrischungen an der Bar. Es handelt sich um das bekannte Juvena-Hausboot Besuch und Teilnahme en allen Veranstaltungen kostenlos für jeden Be- sitter einesJuvene-Badeantuge«. der von 5.90 Mark an in den großen Spetiaigeschäften, Waren- und Kaufhäusern erhältlich ist Für alle, die noch keinen Juvena besitien, finden alle zwei Stunden Führungen durch das Boot statt 8lsm.vper cstarlotiendurg BismarckstraSe 34. Sonnabend, 21. Mal Turnus III DleEntlOhrong aus dem Serail C«n«m. Pfahl, Fidcsser. Andresen, Gombert, Reiff Anfang 20 Uhr Ende 22,43 Uhr VoiKsbttluie Thutir in BOlowiiliti Uhr Sturm Im Wasserglas mit blaust Niese Sinti. Sdiillir-nmter 8 Uhr Die Räuber telonacri »Irksam sind die KLEINEN ANTEILEN Iv derQetamt- aufläge des „Verwarfs" und iroudem Rbuiun Theater, Lichtspiele usw. Staats 1% Tbealcr Sonnabend, den 21. Mal Staatsoper unter den Linden IV, Uhr Die Hochzeit des Hdaro SlutlJdiiinpiellUDS ündimniiiartt. 13 Uhr ündiidite üottfrie- lImkl>llS«kiich!iiz« 20 Uhr Der Lieliestrank Schlller-Thuter Charlottenburg. 20 Uhr Die Räuber Tlyl. 6 u.«H Uhr HANUSSEN LA JANA ANTON DOLIN u.woit«ro7Attrakt. plAza F \r Ulkt suhl. Ul. i.lu.ttp.2.S.SiH. E 7 Wilclii. 4131 DU�Dubarry� Oeotsdiei I&ealer Die S'/i Uli, Journalisten Lmt!p.niililhist3vFre)tag von Folix Jotdiiinun Musik: Ihn Miikctien Regie: Heinz Hilpert rTBBaterlnder- Siresemannstr. Id.: Brem. 2110 1.3916 Thaatar dar Sohauaplalar Täglich 8'/« Uhr Haifische Theodor Pllvler Unwiderruflich nur im Mai 8 nur 15. nun 5454 Runi&n tri T rüde Hesterberg. FIscher-KBppe. Cläre Eckstein-Truppe. Bll* BN. 2 Franks. Junatros 4 Eiste. 12 Dehlers. Arthur Hell. Luella Paikln. Julius Kuthan. Mario Salettkl usw. Suggattnd i, Sonotag Ii 2 Tonlcllo. 4u. 8"l'hr. 4 Uhr kleine Preise. I eiilm•Tfteaitf Täglich 8'/, Uhr Nadonna wo blsl Dn? Erika v. Thellmann, Genta Nikolajewna. Theodor Loo« Josef Wedorn Ouittungi Uoböd u. ReklomemerKen wrKflf vi/ Ab Spe'xielifckfl fonrdd Müller Ä Rose- Theater Gnh FnnKirltr Stnli 132 Iii. Wildml E 1 3422 8.30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbtthne: 3.30 Uhr Konzert H.VgrieK 8" Uhr zioeoneriiebe Jeder Art liefert preiswert Paul Golleta rermalt Hebert Meyer Marlannanatr. 3 F8> Obarbauoi 1 303 .dNAPApw Untere«enofsenschdft ist durch Beschlutz der Seneralversammlung vom 30. Mäez >932 ausaelön. Die Sündiger werden auf- gefordert, stch zu melden. Berlin, d,n IS. Mai l!>32 ffponuittlh-nsiioasiizciiiin Nif Tsoolm- liiroplislluijg o. S. m. O. H. in Liquidation. Sic Ciqnibalotcn. Thielemann. Lemke. Am Mittwoch, dem IS. Mat 1932. abends S Uhr. entschlief nach langem, schwerem Leiden meine tnnlgltgeliebte Frau, unsere treusorgende, auf» opfernde Mutter, Schwiegermutter, Erotzmulter und Hebe Schwester Mathilde Köpke geb. P et ermann im 98. Lebensjahr« In tiefer Trauer Viidclm blSpkc. Priedel Berber ged. XSotzc, kritr herber, AnnetareXei her. Neukälln. Lenkeste.ta.IO. Mai>03?. Die Einäscherung erfolgt am Men» tag. dem 23. Mat, lZ> i Uhr. im Kre. matvrium Daumschulenweg. Ktefholz» stratz» 221. I i/erNgllls I Tapete» Zzitlat. Kolonie» stratz« 9. Techherd, scder Art u. Srötze, Rlesenauswahl, Teilzahlung, trän«. portable Kachelöfen, Bodewannen-Sefen, Kesscläfen. Die alte Firma Sernrnler u. Bleich erg. Dresdener stratz« 99. Jan. uowltz F 1 6651. HlsiflungsstücKo. uihctio usui. Wenig getragen« Kaoaliergarderode von Mtlltonären. Aerzlen. Anwälten. Fabelhaft billige Preis«. Empfehle Talllenmäntek. Pa» letots. Fracke, Smo» tings, Gehrockan- zllae, Hofen. Sport. aehpel�. Damen. Mäntel. Seiegen. beltstäuf» t» neuer Garderobe. Weite- thaler Platz. Keukastfch. «utzbavm poliert« Speisttim. mer, englisch« Bau art. bis 2,90 Mete, Büfett, im Model zurllckgeletzt, kom. piett Mork 480,—, 330,—. 630�-. enorm gllnstige Kaulgele. Senheit. Moritz nrfchowitz. 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