BERLIN Sonnabend 21. Mi 1932 10 Pf. Nr. 236 B 118 49. Lahrgang ErscheinttSgltchaußerSoiinlag«.%§.££ jrottottrrKii. so w. t /r/ /i, I/." i. sssÄtÄtsÄi&rflses f..». si fs'.£.ihum iD<«m« i./ F I fisj LlS} X7/>1 rVy�Lf i�/nr AVjrl b.b°l:n.».«».« b«Abl.bn.., ni«...m»........»> -dlbar.-v-at-iug Z.g7M. cinsliiließli»«ODf.. 7? Bf.'voMkSkUakbü«»» � 7' Settiforcditr: EBnboff(AT) 292-297 Die BVG. saniert Herabsetzung des Aktienkapitals von 400 auf 200 Millionen Der Kampf von Waltershausen Weil die Unterstützungssätze gewaltsam gekürzt wurden Der Zllagiftral der Stadl Berlin und der Aussichlsrat der BVG. haben jeht ihre Zustimmung zu einem Sanierungsprojekt des Groß-Berliner Verkehrsunternehmens gegeben. Eine entsprechende Vorlage der Finanz- und Steuerdeputation wird der Stadtverordnetenversammlung demnächst zugehen. Zu dem Sanierungsprojekt mochte heute vormittag der Bürgermeister Elsas in einer Pressekonferenz nähere Angaben. Die BVG. wurde im Dezember 1928 mit einem Kapital von 400 Millionen gegründet. Zu jener Zeit waren die Anlagen der in der BVG. ver- einigten drei Verkehrsmittel(Hochbahn, Omnibus, Slrahenbahn) entsprechend der günstigen verkehrsanlage fast voll ausgenutzt. Die Wirtjchastskrise hat in ihrem dreijährigen Verlauf natürlich auch starke Verheerungen im verkehrsumfang der BVG. angerichtet, von 1929 bis 19Z1 ging die Zahl der von der BVG. beförderten Fahrgäste von 1227 auf 881 Millionen Personen zurück. Das groß ausgebaute Berliner Verkehrsnetz hat heute nur Inoch einen Verkehr zu bewältigen, der dem Umfange des Jahres 1912 entspricht. Znsolgc des allgemeinen Mertfchwundes investierter Kapitalien sieht sich die Stadt Berlin genötigt, das BVG-Vermögen diesem Schrumpfungsprozeß anzupassen. Zo soll das im Alleinbesitz der«ladt bcsindlichc Aktienkapital der BVG. von 400 aus 200 Mil- lionen, also im Berhältnis 2: 1, zusammenflelegt werden. Der durch die Kapitalzusammenlegung sreiwerdcnde Betrag von 200 Millionen Mark wird zu Abschreibungen aus Anlagewerte mit IKb.l und zu Rückstellungen aus Reservefonds mit ZZ.9 Millionen verwendet. Es handelt sich also bei dieser Kapitalumstellung nur um eine buchmäßige Veränderung der Anlagcwerte. Der Vermögensbestand der BVG. wird nicht berührt. Aus der Passivseite wirkt sich die Kapitalherabsetzung nur gegenüber der Stadt Berlin als der alleinigen Aktionärin aus. Die Stadt hat nach der Kapitalzusammenlegung eine entsprechende Abschreibung von ihren Beteiligungen an der BVG. vorzunehmen. Bereits für 19Z1 aber hat die Stadt in Voraussicht kommender Er- cignissc ihren BVG.-Aktienbesitz nur mit 200 Millionen bewertet und damit also bereits den Wertjchwund vorweggenom- m e n. Die nichtstädtischen Gläubiger werden von der Sanierung in keiner weise betroffen. Die Umstellung des Kopitals ist zugleich zum Anlaß genommen worden, die noch ausstehende Ab- rechnung zwischen Stadt und BVG. über die kosten der neuen U-Bahn-Linien vorzunehmen. Diese kosten belaufen sich aus rund ZZ5.4 Millionen Mark. 3m Hinblick auf die inzwischen ein- getretene Senkung der Löhne und Materialpreise ist vorgesehen, daß die Stadt vorweg 50 Millionen abschreibt. Damit stellt sich der llcbernahmepreis für die BVG. aus rund 285,4 Millionen Mark. 3n Anrechnung aus diesen Betrag erhält die Stadt von der BVG. 50 Millionen Mark neuer Aktien. Die restlichen 35,4 Millionen Mark verbleiben bei der BVG. als Schuld, hiervon übernimm» die BVG, 71,6 Millionen als direkte Schulden gegenüber nichtstädtischen Gläubigern, so daß eine Restschuld als Forderung der Stadt Berlin an die BVG. mit 163,7 Millionen Mark verbleibt. wegen der V e r; i n s u n g und Schuldentilgung aus den neuen U-Bahn-Linien ist der Grundsatz aufgestellt, daß die BVG. den Zinsen- und Tilgungsdienst zu tragen hat. 3nfolge der kata- stropholcn Krise ist jedoch im Vertrage mit der Stadt Berlin vorgesehen, unter Aufrechterhaltung der grundsätzlichen Verpflichtung der BVG. erhebliche Erleichterungen zu gewähren. Für 1932 wird nicht damit gerechnet, daß die BVG. sich an der Ausbringung der Zins- und Tilgungsraten durch die Stadt Berlin beteiligt. Ab 1933 wird mit einem Beilrag der BVG. gerechnet. Roch Durchführung der Kapitalherabsetzung und Wiedererhöhung wird dos neue Kapital der BVG. 250 Millionen Mark betragen. Die Transaktion ist. wie Bürgermeister Elsas beionte, für die Stadt sehr einschneidend und die getroffenen Mahnahmen nur vertretbar im Gesamtrahmen der gegenwärtigen wirtschostlichcn Situation. Waltershausen, 21. Mai.(Eigenbericht.) Waltershausen ist eine Zlrbeiterstadt mit rund 10 000 Einwohnern. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung lebt von Erwerbslos en unter st ützung bzw. öffentlicher Fürsorge. Bor etwa drei Wochen hat das K r e i s a m t angeordnet, daß nur 90 Prozent der Wohlsahrtsunterstützung noch ausgezahlt werden dürfen. Die Stadt hat trotzdem voll ausgezahlt. Sie bekam die Mitteilung vom Kreisamt, daß sie keinen Erstatwngsanspruch habe. Berhandlnngen mit der thüringischen Regierung verliefen re- sultatlos. 2lm Freitag vor Pfingsten begann das städtische Wohl- sahrtsamt die Sätze wieder voll auszuzahlen. Während der Aus- Zahlung kam die Anordnung des Gothaer Kreisamtes, die Auszahlungen seien sofort einzustellen bzw. nur 90 Prozent aus- zuzahlen. Wenn der Beamte weiterhin voll auszahle, werde er sofort seines Dienstes enthoben. Daraufhin hat unter Leitung eines Ausschusses der Erwerbslosen die Arbeiterwohlsahrl in Verbindung und unter Hinzuziehung eines noch vorhandenen Fonds der Winterhilfe, die ebenfalls von der Arbeiterwohlsahrl organisiert war, der Beamtenbund und die Geschäslswell durch die Rabattsparvereine den sehlenden Betrag von rund 700 Mark aufgebracht. so daß durch diese Sammelaktion am Freitag vor Pfingsten wiederum 100 Proz. zur Auszahlung kommen konnten. Im Laufe der Woche wurde bekannt, daß das Kreisamt auf der neunzig- prozentigen Auszahlung bestehe. In zwei Versammlungen nahmen am gestrigen Tage die Wohlfahrtserwerbslosen, unterstützt von der gesamten Einwohnerschaft, einschließlich der Geschäftswelt, Stellung zu diesem Verlangen. Nach Schluß der Versammlung kam es zu Ansammlungen auf dem Marktplatz. Inzwischen war das Ueberfallkommando der Gothaischen Polizei herbeigeholt worden. Die Polizei war außerordentlich nervös. Bei dem Versuche, die Menge von über 2000 Personen vom Marktplatz abzudrängen, kam es zu einem Handgemenge. Die Polizei inachte sehr rasch von der Schußwaffe Gebrauch. Das Ergebnis waren 1 Toter und 19 Verletzt«, darunter mindestens zwei, die in Lebensgefahr schweben. Es ift für die nervöse Haltung der Polizei bezeichnend, daß nur ein einziger Schuß eine Fußverletzung herbeiführte. Alle Verletzten haben Brust-, Kopf-, Arm- und Bauchschüsse. Eine Anzahl Verhaftungen wurden vorgenommen, darunter ift auch der Vorfitzende unserer Partei im Ort. heule früh legte die Belegschaft des einzigen im Ort arbeitenden Betriebes— 250 wann— die Arbeit zum Protest nieder. Um 11 Uhr kam es mit dieser Belegschaft zu Zusammenstößen, wobei die Polizei rücksichtslos mit dem Gummiknüppel vorging. Die Thüringer Regierung erklärt, daß sie keine Anwei- sung zur Kürzung der wohlsahrtsunterstützung gegeben habe. Gewaltstreich in Anhalt Aazipräsident schließt sozialdemokratischen Pressevertreter aus- Hugenberger, Oingeldeyer und Wirtschastsparteiler decken den Verstoß gegen die pressesreiheit Dessau, 21. wai.(Eigenbericht.) 3m Anhaltischen Landtag, der heute vormittag zur Wahl der Rechtsregierung zusammengetreten war. ereignete sich vor Beginn der Beratungen ein unglaublicher Vorgang. Der n a t i o- nalsozialistische Landtagspräsident, Rechtsanwalt Dr. Nicolai, erklärte, er stelle durch Augenschein fest, daß a m P r e s s e l i s ch des Landtags als Vertreter des sozialdemokratischen „Volksblattes sür Anhalt" der sozialdemokratische Reichstags- abgeordnete Redakteur Seeger Platz genommen habe. Er ordne hiermit an, daß Seeger sofort den Landtags- sihungssaal zu verlassen habe, und begründete diese Anordnung damit. Seeger habe„die stärkste Partei des Hauses auss jchärsste angegrissen", so daß seine Anwesenheit im Landtagssihungs- faal sür die nationalsozialistische Fraktion unerträglich sei. Der Führer der sozialdemokratischen Landtagsfraktion, Genosse Günther- Bernburg, erhob sich sofort und protestierte auss I ch ä r f st e gegen den Vorgang, der in der ganzen Geschichte des Anhallinischen Landtages ohne Beispiel sei. 3hm schloß sich der Führer der kommunistischen Fraktion an. Ein Antrag der Linken, die Sitzung zu unterbrechen, damit der | Aeltestenrat sich mit der waßnahme des Präsidenten beschästigen könne, wurde abgelehnt. Für den Antrag stimmten nur die So- zialdemokraten. die Kommuni st en und der eine Demo- k r a t. Gegen den Antrag stimmten nicht nur die Nationalsozialisten, sondern mich die Deutschnationalen, die Volkspartei und die wirtfchastspartei. Braunhemdige Senatswache. Kuliurbild aus Danzia. Donzig. 21. Mai.(Eigenbericht.) Die Teiinehmer der Elbinger Pfingsttagung des VDA.(Ver- eins de» Deutschtums im Auslände) veranstoitcten am Ostseestrande bei Donzig eine Donkeskundgebung. Wie bereits in Elbing. so waren auch hier unter den Teilnehmern zahlreiche Hakenkreuzträger. Diesem Treiben wurde die Krone dadurch aufgesetzt, daß der Danziger Senat SA.- Leute in voller Uniform am Strande als Absperrkette duldete. Selbstverständlich blieb deshalb die Arbeiterschaft fern. Daran können auch die Reden des stellvertretenden Senatspräsidenten Wjerczinski und des Vor- sitzenden des VDA., Reichsminister a. D. Keßler, über die Volks- gesamtheit als Träger des VDA.-Gedankens nicht hinwegtäuschen. Anläßlich der Tagung fand in Danzig auch ein großer Um- zug der VDA.- Jugend statt. Außer den reichsdeutschen Gruppen nahmen an dem Umzug die VDA.-Gruppen der Danziger Schulen teil. Die Nationalsozialisten versuchten, wie bereits bei der Vormittagskundgebung, auch diese Veranstaltung für ihre Partei- Propaganda zu mißbrauchen, ohne daran von den Behörden ge- hindert zu werden. Autos mit SA. in voller Uniform standen auf den Plätzen der Stadt, und auf den Bürgersteigen hatten Gruppen von Nationalsozialisten Aufstellung genommen, um die„Heil"-Ruse aus dem Zuge mit„Heil Hitler" und„Deutschland erwache" zu überschreien. Besonders charakteristisch für die unter der Recht?- regierung gepflegte„Neutralität" der Schulerziehung in Danzig ist die Tatsache, daß Lehrer und Schüler von Danziger höheren Schulen des öfteren mit dem Hitler-Gruß antworteten. Der für diese Kreise sehr bezeichnende Mangel an echter nationaler Würde, die gerade in Danzig so bitter notwendig wäre, wurde auch dadurch offenbar, daß man sich nicht scheute,»n Zuge Lieder- texte wie„Und kommt der Feind ins Land hinein, und sollt's der P o l l a ck selber sein" zu singen. In dieser Beziehung hoben sich die reichsdeutschen Gruppen von zahlreichen Danzigern vorteil- hast ab. Nächtliche Geländeübungen stallhast. Der Preußische Minister des Inner» weist in einem Runderlaß die Polizeibehörden darauf hin, daß die Polizeinerordnung betr. das Verbot nächtlicher Gc- ländeübungen und Märsche vom 20. II. 1931 gemäß der Bestim- mung in ihrem 4 Abs. 2 mit dem Ablauf des 2 0. M a i 19 3 2 außer Krost tritt Etwa noch nicht erledigte Verfahren auf Grund von Anzeigen wegen Verstoßes gegen diese Polizeiverordnung sind, soweit nicht besondere Umstände vorliegen, mangels Vorliegens eines öffentlichen Interesses nicht weiter zu verfolgen. i Beschwerde bei Groener. Die Wahrheit über das System Klagges. Vraunschweig. 21. Mai.(Eigenbericht.) In einer 44 Seiten umfassenden Beschwerde wendet sich die sozialdemokratische Landtagssraktion an den Reichsinnen- minister Groener, der von Dr. Küchenthal über die braunschweigi- schen Verhältnisse ganz einseitig unterrichtet worden ist, so daß die Nazis die bis heute unwidersprochen gebliebene Behauptung aufstellen konnten. Groener billige die Amtsführung des Naziministers Klagges. In einem Begleitschreiben zu der Denkschrift heißt es u. a.: „Die geschilderten Handlungen und Unterlassungen, die entweder der Minister Klagges persönlich zu verantworten hat oder die unter seiner dienstlichen Verantwortung geschehen sind, geben nur zum Teil wieder, was an Beanstandungen, Klagen und Beschwerden in den wenigen Monaten der Amtstätigkeit dieses Ministers bekannt wurde. Die Fraktion ist aber überzeugt, daß das in der Denkschrift beigebrachte Material eindeutig erweist, daß im F r e i st a a t Braun schweig die össentliche Sicherheit und Ord- nung aufs ernsteste gefährdet ist, daß Terrorakte gegen politische Gegner und blutige Auseinandersetzungen.häusig sind, daß die Anwendung der zur Bekämpfung politischer Ausschrei- tungen vom Reichspräsidenten erlassenen Verordnungen ungerecht und parteiisch erfolgt und daß die Polizei des Freistaates nicht so geführt wird, wie es das Wohl des Landes erfordert, sondern wie es der parteimäßigen Auffassung des derzeitigen Ministers entspricht. Die sozialdemokratische Fraktion überreicht Ihnen, Herr Minister, diese Denkschrift mit der dringenden Bitte, die geschilderten Vorgänge aufs genauste zu prüfen. Sie werden diese gesetz- und verfassungs- widrigen Handlungen des Ministers eines deutschen Landes nicht. wie die Nationalsozialisten behaupten, billigen können. Sie werden sie mißbilligen und verwerfen. Die sozialdemokratische Fraktion zweifelt nicht daran, daß Sie dann auch gegenüber dem braunschwei- gischen Staatsministerium diese Einstellung mit allem Nachdruck oer> treten werden.� Unterschrieben ist die Beschwerde von dem Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion Rechtsanwalt Dr. Jasper. Oas Wori des Exkronprinzen. peinliche Feststellungen der Herausgeber des Slresemann- Nachlasses. lieber die Darlegungen SoIIrnanns im„Vorwärts" über die Vorgeschichte der Kronprinzen-Rückkehr haben sowohl der Historiker Dr. T h i m m e wie der ehemalige Ad- jutant des Exkronvrintzen Einwendungen zu machen versucht. Jetzt erlassen die Herausgeber des Stresemann-Nachlasses die folgende Erklärung: Herr von Müldner irrt, wenn er behauptet, daß der ehe- malige Kronprinz niemals«ine Erklärung über seine Bereitschaft, im Falle einer Rückkehr sich von politischer Betätigung fernzuhalten, abgegeben habe. In dem Briefe Stresemanns an den Kronprinzen, datiert vom 24. Oktober 1923, heißt es wörtlich: „Das Kabinett hat serner Kenntnis genommen von Ihrer Erklärung, daß Sie Ihren Wohnsitz in Oels nehmen wer- den, und weiter von der Erklärung betreffs Fern- Haltens von politischer Betätigung. Ueber diese Erklärung, die noch im einzelnen zu formulieren ist, wird Ihnen noch eine spezielle Benachrichtigung zugehen, die diese Fragen erledigen wird. Einen Auszug aus dem Protokoll der Sitzung des Reichskabinetts füge ich bei." Den Empfang dieses Briefes hat der ehemalige Kronprinz aus Wieringen am 1. November 1923 b e st ä t i g t, ohne irgendeinen nachträglichen Vorbehalt. Gegenüber dem im„Vorwärts" durch den Innenminister des Kabinetts Stresemann, S o l l m a n n, veröffentlichten Schreiben des damaligen Reichsjustizministers Dr. R a d b r u ch stellen die Herausgeber fest, daß ein ausdrückliches briefliches Versprechen des damaligen Kronprinzen nicht vorliegt. Dagegen ergibt der Zu- sammenhang des Schriftwechsels zwischen Stresemann und dem ehe- maligen Kronprinzen, dessen Veröffentlichung im Nachlaß mit Ge- nehmigung des Kronprinzen erfolgt ist, daß diese Zusage mündlich gemacht worden ist. Beauftragter des Krön- prinzen bei diesen Unterhandlungen war Herr Major a. D. Müld- ner von Mülnheim. Wenn Stresemann von einer schriftlichen Fixierung absah, so geschah dies, weil er der Persönlich- keit des Kronprinzen restloses Vertrauen ent- gegenbrachte. Dem ist nur noch hinzuzufügen, daß sich dieses Vertrauen als nicht begründet erwiesen hat. Abgesehen davon, bleibt der intime Verkehr, den der Minister der Republik. Gustav Stresemann, mit dem Exkronprinzen unterhalten hat, ein be- sonders pikantes Kapitel im politischen Roman des deutschen Bürgertums. OieGpiheleien gegen das Reichsbanner Warum schweigt die Hugenberg-Presse? Vor einigen Tagen haben wir die Mitteilung gemacht, daß «in Hugenberg-Redakteur Organisationen Dienste leistet, die sich die Bespitzelung des Reichsbanners zur Auf- gäbe stellen. Im Scherl-Haus, wo man sonst immer sofort über Spitzelarbeit zu berichten weiß, hat man sich bisher über unsere Angaben in weises Schweigen gehüllt. Diese ungewohnte— wenn auch verständliche— Bescheidenheit sollte man aufgeben. Wie wäre es, wenn Redakteur Lüpke vom Scherl-Nachrichten- dienst einmal mitteilt, wer jener Herr„Dr. Krause" eigentlich ist, für den er Zutreiberdienste leistet. Vielleicht oerrät er auch, für welche— eventuell auch amtlichen Stellen— ,Lr. Krause" sich bemüht, fünfmarkweise„Material" über das Reichsbanner zu er- halten. Herr Lüpke hat das Wort! Oer Herr Abgeordneie. Endlich Anklage gegen einen Schwindler. Darmstadt, 21. Mai.(Eigenbericht.) Gegen den bisherigen na t i o n a ls o z i a l ist i s ch e n.Land- tagsabgeordneten Butler, der sich am 15. Februar 1932 einen Selbstschutz beibrachte, um als SA.- Held zu gelten, und der dann Reichsbanner- und Rot-Front-Leute eines Mord- anschlags auf ihn verdächtigt«, ist nunmehr von der Staatsanwalt- schaft Anklage wegen unbefugten Waffentragens erhoben worden, da der bisher noch fehlende Nachweis, daß die am Keine Linksregierung in Krankreich Oie Radikalen gegen Blums Bedingungen Paris, 21. Mai.(Eigenbericht.) Mehrere Pariser Morgenblätter melden, daß in der gestrigen Sitzung des Vorstandes der Exekutive der Radikalen Partei mehrere Vertreter des linken Flügels der Partei beantragt haben, den Exekutiv- ausschuß möglich st bald einzuberufen, damit den Sozialisten noch vor ihrem Kongreß die genauen Bedingungen für eine Zu- sammenarbeit in der neuen Regierung mitgeteilt werden können. Dieser Standpunkt wurde von der Mehrheit der Anwesenden scharf bekämpft, die erklärte, daß, wenn an dem an die So- zialisten zu richtenden Angebot auf Zusammenarbeit kein Zweifel mehr bestehe, die Annahme dieses Angebots von den Bedingungen abhänge, die die sozialistische Partei stellen würde. Es wurde daher beschlossen, die Sitzung des Exekutioausschufses erst am 31. Mai ab- zuhalten, d. h. an einem Tage, an dem die Wünsche und Forderungen der Sozialisten schon bekannt sein werden. H e r r i o t wird in dieser Sitzung eine große Rede halten, in der er die Grundlinie des radi- kalen Regierungsprogramms mitzuteilen beabsichtigt. Ferner wurde in der Sitzung über die Frage gesprochen, ob eine Kartell- oder eine Konzentrationsregierung zu bilden sei. Im Verlauf der Debatte zeigte sich, nach der heutigen Morgenpresse, daß die Mehrheit des Vorstandes das Angebot an die Sozialisten nur als eine Geste der parlamentarischen häslichkeit betrachtet, die keine weiteren Folgen haben werde, denn die von Leon Blum gestellten Bedingungen wurden als unannehmbar bezeichnet. Eine Herabsetzung der Militärkredite um 1 0 P r o z. wurde, nach dem„Echo de Paris", allenfalls als möglich angesehen, aber n i ch t die von den Sozialistestn verlangte„massive Herabsetzung". Als nicht weniger unannehmbar wurde die Forderung auf Ratio- nalisierung der Eisenbahn- und Versicherungsgesellschaften betrachtet, da diese Reform mehrere Milliarden kosten würde.(?) Für den Fall, daß unter diesen Umständen die Sozialisten die Beteiligung an der Regierung ablehnen würden, setzten sich einige Mitglieder des linken Flügels dafür ein, daß ein rein radikales Kabinett gebildet würde, daß der Unterstützung der Sozialisten sicher wäre, wenn es den Frieden und die Demokratie verteidige. Diese Ansicht hat keinen großen Beifall gefunden. Die Mehrheit des Vorstandes vertrat vielmehr den Standpunkt, daß die Formel der Konzentration wünschenswerter sei und diesmal auch mit größerer Sicherheit angewandt werden könne, da eine Verschiebung der Mittelparteien nach links erfolgt sei. Der Schluß der Sitzung war mit einem Exposö Herriots über die politische Lage ausgefüllt, in dem der radikale Führer be- sonders auf den Ernst der finanziellen und außenpolitischen Probleme hinwies, die die neue Regierung zu lösen haben wird und die z a h I- reiche unpopuläre und undankbare Maßnahmen notwendig machen werde. Dieser Bericht machte großen Eindruck auf den Vorstand und wurde einstimmig gebilligt. Die Ehrenvor- sitzenden der Partei, Chautemps und Renault, brachten die Ansicht der Mehrheit zum. Ausdruck, indem sie erklärten, daß die Partei volles Vertrauen zu Herriot habe und ihn völlige Frei- heit lasse, im Interesse des Landes und der Demokratie nach seinem Dafürhalten zu handeln. Das„Echo de Paris" teilt dazu mit. daß Herriot bereits im Besitz aller Akten über die Abrüstungs- und Re- parationsfrage sei und sie täglich studiere, so daß er, wenn er den Auftrag zur Kabinettsbildung erhalte, sofort in der Lage sei, dem Präsidenten der Republik und der Kammer die Grundlinien der Politik bekanntzugeben, die er in diesen Fragen befolgen werde. Devaheim Staatsanwalt:„Wie war das mit den Vestechungs- geldern, Herr Pastor Sklarek--- eh, Verzeihung— Kremer?" Ort gefundene Pistole ihm gehörte, nunmehr erbracht erscheint. Es darf als selbstverständlich angenommen werden, daß außerdem auch Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung und wegen versuchten Versicherungsschwindels erhoben werden wird. Strolche im Braunhemd. planmäßiger lleberfall auf spielende Arbeiterjugend. Hamburg, 21. Mai.(Eigenbericht.) Ein Akt wüstesten Terrors wurde in Altona von einer Horde Nationalsozialisten verübt. Am Freitag abend wurden beim Anbruch der Dunkelheit im Altonaer Volkspark die Mitglieder der Sozialistischen Arbeiter-Iugend, die sich zu einem Spielabend dort zusammengefunden hatten, von ungefähr 159 Nationalsoziali st en überfallen, umzingelt und mit Schlägen aus dem Park getrieben. Die ganze Aktion war planmäßig vorbereitet: denn die Jungen und Mädel der Arbeiterjugend waren durchaus nicht als politische Truppe in Erscheinung getreten. Sie sahen sich plötzlich von einem großen Trupp Nationalsozialisten umgeben, von denen sie in einen Winkel des Parks gedrängt wurden. Nachdem der Bandenführer das Kommando gegeben hatte:„In fünf Minuten wird der Volkspark geräumt!", stürzten sich die Rohlinge über die Jungen und Mädel her, die unter Fußtritten und Schlägen den Park oerlassen mußten. Ein Jugendlicher wurde durch einen Schlagring verletzt, ein Mädel wurde in brutaler Weise in das Gebüsch geschleudert, wobei es ebenfalls Verletzungen erlitt. Die später eintreffende Polizei konnte in einer nahegelegenen Nazikneipe mehrere Sistierungen vornehmen. Neben dem Anführer der Bande konnte auch der Schüler einer Mittelschule festgenommen werden. Hundsiage im Mai. Abkühlung soll bevorstehen. Mit dem heutigen Tage dürfte die Hitzewelle, die seit Tagen unser Gebiet beherrscht, ihren Höhepunkt erreicht haben. Bereits um S Uhr früh herrschten annähernd 24 Grad Wärme und um Wittag zeigte d'e Quecksilbersäule fast 34 Grad Wärme. Damit war aber noch keineswegs das Maximum des Tages erreicht. Vom Amtlichen Wettervienst wird bei diesem Temperaturstand der bisher heißeste Tag in diesem Jahre registriert. Es hat den Anschein, daß die Tropenhitze mit dem morgigen Sonntag ihr Ende erreichen wird. An der Spitze Südostenglands hat sich nämlich eine starke Depression herangebildet, die sehr kühle Luft mit sich führt. Das Tief rückt verhältnismäßig schnell ostwärts weiter. Da gleichzeitig in ganz Mitteleuropa, das unter dem Einfluß des Hochdruckgebietes stand, der Luftdruck stark fällt, ist mit einem Wetterumschwung zu rechnen. Durch den Vorstoß des kühlen Lust- körpers in die außerordentlich heiße Zone sind aller Voraussicht nach heftige Gewitter zu erwarten. Für den morgigen Sonntag kann die Prognose folgendermaßen zusammengefaßt werden: Mit Winddrehung auf Nord- west und in Begleitung von Gewittern Uebergang zu kühlem Wetter! Schweres Ltnwetter über Kiel. Ein schweres Gewitter hat sich in den späten Abendstunden über der Stadt Kiel entladen. In den Rathausturm, in eine Brauerei und in ein Wohnhaus haben Blitze eingeschlagen, ohne jedoch zu zünden. Durch den plötzlich auskommenden Sturm sind im Hafen mehrere Segelboote gekentert. Ein junger Mann ertrank. Nächtliche Raushändel. Ein Nattonalsozialist und ein Kommunist verletzt. Nachdem in der letzten Zeit die politsichen Zusammenstöße über- wiegend harmloseren Charakter trugen, ist es Freitagabend und in der Nacht zum Sonnabend an zwei Stellen der Stadt wieder zu Bluttaten gekommen. In der Cellestraße wurde der dort wohnende ISjährig« Günter Schwinhagen, ein ehemaliges Mitglied der Hitler- Jugend, von politischen Gegnern überfallen, niedergeschlagen und so schwer mißhandelt, daß er mit mehreren Rippenbrüchen ins Krankenhaus Friedrichshain geschafft werden muhte. Die Töter entkamen unerkannt. Der zweite Fall ereignete sich kurz vor Mitternacht in der E o s a n d e r st r a ß e, wo sich eine Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten entwickelt hatte, in deren Verlauf der der KPD. angehörende 21jährige Paul Rollen- Hägen einen Messer st ich in die Nierengegend erhielt. Auch er wurde dem Krankenhaus zugeführt. Von deutscher Art und Sitte. Ein Nazi-Blatt über den Tod Kohls. Die„Rote Erde", das nationalsozialistische Blatt Westfalens, schreibt zum Tode Kahls folgendes: Reichstagsabgeordneter Prof. Dr. Kahl ist Samstagmittag 12 Uhr gestorben. Ueber die Toten soll man nichts Schlechtes sagen. Geheimrat Kahl, Mitglied der Stresemann-Partei, von der liberalen Journaille zu einer Wissenschaft- lichen Größe emporgelobhudelt, war der typische Repräsentant der bürgerlich-liberalen Generation, die den Krieg verlor und trotzdem nicht von der politischen Bühne abtreten will. Er stirbt nun, wie das von ihm vertretene Zeitalter zum Absterben reif ist. Die Burschen, die so etwas schreiben, haben natürlich nicht di« leiseste Ahnung weder von der wissenschaftlichen Leistung, noch von der politischen Bedeutung des Mannes, über den sie urteilen. Sie sind ohne Idee und ohne Wissen und nur gebläht von der Ein- bildung, die wahrhaft berufenen Repräsentanten deutscher Art und Sitte zu sein. Daß hinter ihnen der größte Teil des„gebildeten" Bürgertums einschließlich weiter akademischer Kreise einher- trottet, ist ein Symptom hoffnungslosen Kulturoerfalls. Do X zum Ai!ant:k-Flug gestartet. New Port, 21. Wal. Wie aus holyrood(Neu-Vraunschwcig) gemeldet wird, ist die „Do X" heute früh 8 Uhr WEZ zum Flug über den Atlantik gestartet. Das Flugschiff nahm Richtung auf die Azoren. Wieder zwei Fensterstürze. Im Hause Schiller st raße 193 in Charlottenburg spielte sich heute früh ein ausregender Vorfall ab. Die im 2. Stock- werk des Vorderhauses wohnende KS Jahre alte Witwe Hedwig St. öffnete sich mit einem Küchenmesser die Pulsadern und stürzte sich unmittelbar darauf aus dem Schlafzimmerfenster auf die Straße hinab. Die Lebensmüde wurde ins Westkrankenhaus gebracht, wo sie kurze Zeit nach ihrer Einlieferung gestorben ist. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich gegen 19 Uhr vormittags in der Schreiner st raße 35 in Lichtenberg. Dort sprang die 2öjährige Frau Ella B. aus dem Fenster'hrer im dritten Stock- werk gelegenen Wohnung aus die Straße hinab. Mit einem Schädelbruch und schweren inneren Verletzungen wurde die junge Frau bewußtlos ins Krankenhaus am Friedrichs- Hain übergeführt. Das Motiv zur Tat ist ungeklärt. ■i.) r\S: r Eins ausgstvckrmte Lüge. Ein Kubescher Liebesbeweis fürs Zentrum. Der Abgeorönete K u b e hat in einem Artikel des Preußischen Pressedienstes der NSDAP, vom 1ö. Mai 19Z2 ousrjesührt, es sei .ein unerträglicher Zustand, daß der deutschnationale Schriftsteller Rumpelstilzchen(Adols Stein) behaupten könne, der ZSsährige Schwager des Zentrumsjustizministers Dr Schmidt sei Landgerichts- direktor geworden". hierzu wird folgendes festgestellt: Diese völlig unrichtige Behauptung ist erstmalig im Dezember 1931 in der Rechts- presse aufgetaucht. Auf Grund der daraufhin sofort von Justiz- minister Dr. Schmidt gestellten Strasanträge sind der Schristleiter Rechenberg des„Großdeutschen Pressedienstes" und der Schrift- (eiter Siebold der„Niederdeutschen Zeitung", des„Hildesheimer Abendblatts" und der„Osnabrucker Allgemeinen Zeitung" wegen übler Nachrede zu je 1 Monat Gefängnis verurteilt worden. Auch gegen den von Abg. Kube erwähnten Hauptschrift- leiter des Deutschen Pressedienstes Adolf Stein(Rumpelstilzchen) ist Strafantrag gestellt worden. Adolf Stein hat inzwischen wäh- rend des schwebenden Versahrens solgende Erklärung abgegeben und bereits am 2. Mai 1932 im Deutschen Pressedienst veröffentlicht: „Im Deutschen Pressedienst ist am 1. Dezember 1931 ein Artikel unter dem Titel„Der preußische Justizminister" erschienen. Ich versichere, daß ich von dieser Einsendung vor ihrer Verbrei- tung keine Kenntnis erlangt habe und b e d a u r e, daß sie Ver- breitung in der Presse gefunoen hat. Ich bedaure dies um so mehrmals ich mich inzwischen davon überzeugt habe, daß die in dem Schlußpassus der Einsendung enthaltenen Behauptungen be- züglich Beförderung eines Verwandten des Justizministers un- richtig sind." Die nationalsozialistische Hetzpropaganda beruht darauf, daß die ältesten, schon längst abgestraften Lügen immer wiederholt werden. Der Fraktionefllhrer der Nazis hat eine widerlegte Lüge aufge- wärmt— offenbar um dem Zentrum zu zeigen, wie er sich Koali- tionsverhandlungen denkt. Berufung— billiger! Hannover. 21. Mai.(Eigenbericht.) Die Erfahrung, daß gerechte Sühne einer aus der Lust ge- griffenen Verleumdung durch die Berufungsinstanz häufig illusorisch gemacht wird, bestätigte sich am Freitag hier. Der durch seine Ver- leumdungen gegen Roske u. a. bekannte Redakteur S i e b o l d der „Niederdeutschen Zeitung" war von der ersten Instanz wegen Be- leidigung des preußischen Justizministers Schmidt zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Die Verleumdung be- stand in der Behauptung, daß Schmidt seinen eigenen, erst 3öjährigen Schwager unter Ueberspringung zahlreicher besser be- sähigter Vormänner zum Landgerichtsdirektor befördert habe. Fest-� gestellt wurde, daß der Schwager nicht 35, sondern 42 Jahre alt ist. seine Examina mit„gut" gemacht hat und auf Vorschlag aller in Frage kommenden Stellen zu einer durchaus n o r- malen Zeit befördert worden ist. An diesem Sachverhalt ließ sich auch in der zweiten Instanz nicht ein i-Tüpfelchen abändern. Aber die Strafkammer, unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Haars, setzte die Strafe für Siebold von einem Monat Gesang- nis a u f 3 9 0 M a r k G e l d st r a f e h e r a b. Da es sich um einen deutschnationalen Verleumder handelt«, fand die Kammer allerhand Milderungsgründe in der Person des Angeklagten und stellte sogar den Satz auf, daß man von einem Redakteur nicht die Nachprüfung sämtlicher einlaufenden Artikel oerlangen könne! Es ist die gleiche Strafkammer, die vor Jahresfrist den gleichen Siebold wegen der Verleumdung Noskes glatt freisprach, sich an ge- schleiften Festungswerken als Wehrminister bereichert zu haben. Fairbanks besiehi sich die Welt. Eapitol. � Jule? Verne hat noch 80 Tage für seine Weltreise gebraucht, Douglas Fairbanks will es schon in 89 Minuten geschafft haben (was trotz der Verwendung des Zauberteppichs ein« arge Ueber- treibung ist). Aber was kann man in 89 Minuten schon sehen! Fairbanks sieht vor allem sich selbst im Mittelpunkt: auf dem Schiff macht er morgens seine Kletter- und Gymnastikübungen, die indischen Tempel dienen ihm gleichfalls als Sportgerät. In Honolulu und in Siam ist der Empfang die Hauptsache. Ucberall aber gibt uns Fairbanks den Kommentar zu seiner Reise, launig. witzig, ulkig.(Da der Film den Begleittext auf deutsch gibt, weiß man nicht, was auf Kosten des deuffchen Bearbeiters zu setzen ist.) Jedenfalls wäre erheblich weniger mehr gewesen. Zum Schluß wird die Sache ernst, es gibt eine regelrechte Leopardenjagd mit Elefanten und damit nicht genug, inszeniert Fairbanks eine Tiger- * jagd, in der er natürlich eine Heldenrolle spielt. Dos Ganze wird zwar als Traum entlarvt, aber das Publikum ist vorher schon ein- geschnappt und belustigt sich über das Heldentum. Die Heimreise trit der hohe Reisende auf dem Zauberteppich an, den er bereits in seinem besten und unnachahmlichen Film„Der Dieb von Bagdad" verwendet hat. Im Flug« geht es über die halbe Welt. Man sieht New Pork und Hollywood aus der Wolkenperspektioe, und dann ist die Sache aus. Es gibt natürlich manche hübsche Bilder, auch ein paar Szenen aus dem Voltsleben, aber das Ganze ist doch sehr oberflächlich gesehen mit den Augen des Vergnügungsreisenden, der sich ein paar Hauptsehenswürdigkeiten zeigen läßt und selbst immer dabei eine Hauptrolle spielen mächt«. r. Tagung der Oeuischen Tuberkulofegefellschast. Während die letzten Tuberkulosekongresse sich mit der Erörterung der Zweigansteckung befaßt hatten, behandelte die diesjährige Tagung in Harzburg in einem Hauptreferat auch die Entstehung der E r w a ch s e n e n t u b e r k u l o s e auf dem Blutwege, über die für die Klinik der Erwachsenentuberkulose Dr. U r i c i, für die Klinik der Kindertuberkulose Dr. Simon, Heilstätte Aprath, be- richtete. Es wurde hervorgehoben, daß seit der Vervollkommnung der Röntgenapparaturen und-aufnahmen zahlreiche Erkrankungen der Ausstreuungsformen beim jungen Kinde gefunden worden seien. Die alte Ansicht, daß man die Tuberkulose der Kinder so eindring- lich wie nur möglich behandeln müsse zur Vorbeugung �gcgen die Erkrankung der Erwachsenen, erfährt durch die neueren Forschung?- ergebnisse eine starke Stütze. Dr. D i e h I- Sommerfeld und Dr. V e r s ch u e r- Berlin berichteten über Untersuchungen an tuber- kul'ösen Zwillingen und legten die Ergebnisse ihrer Forschung an 128 tuberkulösen Zwillingspaaren aus ganz Deutschland vor. Die Untersuchungen haben ergeben, daß das Wesen der örtlichen Tuber- kulosedisposition nicht in irgendwelchen auch sonst vorkominenden Besonderheiten im Bau oder in der Funktion des Körpers besteht. sondern daß ein« spezifische vererbliche Tuberkulosedisposition vor- Händen ist, die bewirkt, daß chre Träger mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit an Tuberkulose erkranken. Erbanlagen für Tuberkulosedispcsition verlieren die Widerstandsfähigkeit gegenüber tuberkulöser Ansteckung.— Anschließend fand die Ausschußsitzung und die Generalvcrsamlung des deutschen Zentralkomitees zur Be- kämpfung der Tuberkulose und«ine Sitzung der Dettweiler- Stiftung statt. Die Lehrer für die Demokratie! Tagung des Deutschen Lehrervereins.- Scharfe Abfuhr der Razis In Rostock fand, wie bereits kurz berichtet, die 49. Vertreter- Versammlung des Deutschen Lehrervereins statt, der ! größten deutschen Lehrerorganisation, die über 159999 Mitglieder zählt. Die Tagung, die von über 2999 Teilnehmern besucht war, stand im Zeichen der Auseinandersetzungen mit den Nöten der Gegenwart und brachte eine temperamentvolle Abfuhr der Nationalsoziali st en und Reaktionäre anderer Schattierung. Die deuffche Volkschullehrerschaft ist dank der Methoden der kon- servativen Herrschast der Vorkriegszeit immer ein Vortrupp für Geistessreiheit und Demokratie gewesen. Die diesjährige Tagung hat wieder den Beweis der unverändert r e p u b l i k a- nischen Gesinnung der im Deutschen Lehrerverein zusammen- gefaßten Lehrerschaft erbracht. Eine kleine Gruppe Hamburger Lehrer unternahm einen Vorstoß gegen die Leitung und besonders gegen die Lehrerzeitung, deren Schriftleiter, ein Elsäsfer, als entschiedener Kriegsgegner und Vorkämpfer des Gedankens der Völker- Verständigung und der internationalen Zusammenarbeit in der Lehrerschaft bekannt ist. Auf einer großen Lehreroersammlung hatte er einst das Wort geprägt, daß sein Vater auf die Deutschen geschossen habe, daß er auf die Franzosen schoß, daß aber sein Sohn auf niemand mehr schießen solle. Dieses Wort war der Anlaß hef- tiger Angriffe dieser kleinen Hamburger Gruppe. Mit Minuten- langem stürmischen Beifall bekundete die Rostocker Haupttagung ihre Zustimmung zu diesem Bekenntnis zur Völkerversöh- nung. Daß die Lehrerschaft im Sinne der Vorschrift der Reichs- Verfassung auch gewillt ist, im Dien st e der Volksgemein- s ch a f t tätig zu sein, zeigte die mit allen gegen nur vier Stimmen angenommene Entschließung, die das Treiben der Razigruppe unzweideutig verurteilte. Als einer der Naziredner seine Ausführung mft dem Rufe schloß: „Deutscher Lehrer erwache!" erhob sich ein Sturm der Eni- rüstung und die Versammlung bekundete gegen nur wenige Stimmen dem Nazi, daß sein Verhalten„ebenso überflüssig wie in der Form ungehörig" sei. Ueber„Die Beamtenschaft in der Wirtschafts- und Finanzkrise" sprach der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Flügel, über„die wirtschaftliche Lage der Lehrerschaft" Konrektor Meyer (Berlin). Unnötig zu betonen, daß die Lehrerschaft gegen die Notverordnungspolitik Brünings scharfen Protest erhob, zumal sie im besonderen Maße Gegenstand der Sparmaß- nahmen gewesen ist, vor allem aber zum Teil sehr ernste und be- denkliche Eingriffe in ihre beamtenrechtliche Lage erfahren hat. Um so erfreulicher war die in der Aussprache be- kündete Solidarität zu den verbrauchenden Schichten und das sich immer wiederholende Bekenntnis zu den gemeinsamen Interessen und Aufgaben mit den arbeitenden Menschen aller Kreise des Volkes. In einer Entschließung forderte die Versammlung, alle zu tresfenden Maßnahmen s o durchzuführen, daß das Realeinkommen keine weitere Einbuße erleidet und daß die Arbeitslosen wieder in das Wirtschaftsleben eingegliedert werden. Mit diesem Ziel, so sagt die Entschließung, muß der Staat das Wirtschaftsleben im Sinne einer planvollen Wirtschaftsführung maßgebend beeinflussen. Die Arbeitslosigkeit hat auch die Reihen der Lehrerschaft stark gelichtet. Mehr als 39 999 junge Lehrer find in Deutschland ohne Beschäftigung. Die Versammlung wies auf die katastrophalen Folgen hin, die aus dem Ausschluß der Jugend vom Arbeitsprozeß schon jetzt erkennbar werden. Der Deutsche Lehrer- verein wird für ein Jugendhilfswerk des deutschen Volkes zum Zwecke der Arbeitsbeschaffung werben. In einem mit starker Zustimmung ausgenommenen Vortrag über„Schule, Lehrerschaft und Deutscher Lehrerverein in der Gegen- wart" zeigte der Vorsitzende des Verbandes, Schulrat W o l f f (Berlin) die Fülle der in den Berufsverbänden gegenwärtig not- wendigen Klärungen, die ganz besonders aus den Irrungen und Wirrungen unserer Tage auf kulturpolitischem Gebiet erforderlich sind. Die Tagung schloß die sich an den Bortrag anknüpfende lebhafte Aussprache mit dem in einer Entschließung ausgedrückten Appell, die Sparmaßnahmen nicht auf Soften der körperlichen, geistigen und sittlichen Erziehung der Jugend und damit der Zukunft des Volkes durchzuführen. Der Deutsche Lehrerverein ruft in dieser Kundgebung alle Kreise zum Schutze der Jugend, insbesondere auch gegen deren politische Verhetzung auf. Volkstum und Volksgemeinschaft werden als die fördernden Kräfte der Erziehung bezeichnet, Freiheit des Geistes und der Persönlichkeit zu schützen, Selbstverantwortung des Menschen zu wecken und der sozialen Gerechtigkeit zu dienen, seien die Aufgaben der Volksschule und des Lehrerstandes. Von neuem bekannte sich der Deutsche Lehrerverein zu dem auf der Gleichberechtigung und der staatsbürgerlichen Mündigkeit aller Volksgenossen beruhenden V o l k s st a a t. Zum Orte der nächstjährigen Tagung wurde Magdeburg be- stimmt, als Gegenstand der Verhandlungen ist das Thema„Sin-' und Aufgabe der deutschen Volksschule" gestellt. Einakier-Theater. Renaissance-Theater. Das Sommertheater der sehr pikanten und packenden Einakter ist wieder eröffnet. Vor etwa zehn Jahren sollte es ein elegantes Wintertheater werden. Man lud die sonst mit der Kunst verfein- beten Lebemänner, Jnflationsgewinnler und deren Damenanhang ein, die Technik des anständigen und auch des lasterhaften Süß- Holzgeraspels zu lernen. In der Inflation hielt sich das Institut. Heute dürste es kaum noch lebensfähig fein. Denn Direktor Gustav H e p p n e r, der bald im Pyjama, bald im Smoking, die Haupt- personen seiner Stücke, die etwas verwelkten und abgewrackten Herren, spielt und ihren Jargon näselt, der im amüsierlustigen Binnenland, auch Provinz genannt, für diesen besonderen Betrieb, für diese besondere Sünde und Krisenbetätigung sorgt, verwechselt immer noch Zötchen und Witz. Er gibt Entkleidungsszenen für Psychologie aus, pornographisches Geschwätz für erotische Leiden- schaft. Kurz, alles was da im Einakter-Theater geboten wird, nährt sich von geistigen Ersatzstoffen. Die fidelen Damen und Herren, die Stammpublikum bilden, sind außerordentlich dankbar für alles, was sie aufkämmt. Kaum droht eine Anspielung auf Unterleibsgeheimnisse oder Sexualoffen- barungen, als sie schon lächeln, als die ganz Dankbaren schon laut lachen, als die Dankbarsten schon wiehern. Die Künstler, die bei diesem Gewerbe der geistigen Johimbin- Erzeugung zeitweise Unterkunft finden, haben schon eine gewisse Routine für solches Genre erlangt. Man darf sogar sagen, sie sind durchaus taktvolle Taktiker dieses Zweideutigkeits- und Eindeutig- kcitstheaters geworden. Fräulein Ernestine C o st a ist wohl die Netteste, und der meist in grotesker Episode als Barkellner oder durch und durch verluderter Durchgänger gebrauchte Herr Iac D i e h l könnten sogar den Entdeckern schauspielerischer Kuriosi- täten empfohlen sein. Eine Dame, die am Permierenabend auch auftreten sollte, mußte vom Programm gestrichen werden, Fräulein Else Ward, wohl bekannt noch als höchst appetitliche und reizende Attraktion des Kabaretts. Aber die Direktoren vergaßen sie sehr schnell, weil das Ueberangebot der Nachdrängenden ihnen solche un- barmherzige Nachlese gestattet. Am Vorabend der Premiere nahm Fräulein Ward durch Verona! Abschiede aus dem dunklen Diesseits in ein helleres Jenseits. Der Streich gelang ihr nicht vollkommen, und man rief sie wieder ins Diesseits zurück. Solches bewegende Unglück ist ja heute ein alltäglicher Vorgang. Aber man zittert doch immer wieder bei dem Gedanken, daß täglich einige unserer nächsten Bekannten so stillen Schattenabschied nehmen, verschuldet ohne Schuld, durch Unheil gestraft ohne jede Berechtigung des Schicksals, vom Untergang gestreift, obwohl sie zu dem besten Menschenschlag gehörten. dl. H. „Razzia in Gi.Nauli." Ll.T. Kurfürsiendamm. Hamburg ist in der Welt bekannter als Berlin, und St. Pauli ist bekannter als alle Stadtteile der Reichshauptstadt es sind. In St. Pauli verjubeln Seeleute aller Nationen ihr sauer erschuftetes Geld. Der Film spielt in einer der billigsten Kneipen in St. Pauli. Dort findet man viel Strandgut, und es ist gerade kein wertvolles. Auch die Ball-Else fristet ihr Leben auf St. Pauli. Sie hat viel Abwechslung, viele Männerbekanntschastcn, und doch leidet sie unter der Langenweiie. Und ihr Beschützer? Nun, der spielt in einer wüsten Kneipe Klavier. Im Morgengrauen kommt er todmüde nach Hause, und den Tag über schläft er. Und die Mädels in der Kneipe? Ach. die haben das Leben auch so satt. Sie sind durch- aus nicht mehr anspruchsvoll. Die«ine wünscht sich beispielsweise ein kleines Häuschen mit einem ganz kleinen Garten davor und dann keinen Mann mehr oder höchstens nur noch einen. Zu Else kommt der flüchtende Matrosen-Karl. Sie verbirgt ihn, sie will mit ihm türmen. Doch Matrosen-Karl wird geschnappt, und Else kehrt mit ihrem Schützling zurück in das alte Zimmer. Werner H o ch b a u m schrieb da» Manuskript und führte die Regie. Endlich ließ die Industrie mal wieder eine echte Film- begabung an die Arbeit kommen. Er sieht Milieu, und er läßt es sprechen. Laut Programm verwandte er echte Ganoven und Mädchen aus St. Pauli. Man glaubt es ihm, auch wenn es nicht der Fall sein sollte. Er ist wahr, er ist wuchtend. Die Hauptdarsteller Gina Falckenberg und Friedrich Gnaß sind ganz groß. Sie sind Darsteller, die sich in ihrem Können noch nicht verausgabt haben. Sie sind frisch und echt. Neben ihnen besteht Wolsgang Z i l z e r in allen Ehren. Es ist viel Musik in diesem Film, und doch stört sie nicht: denn sie illustriert die Handlung und unterbricht sie niemals. Und was das Gute ist, dieser Film webt keinen romantischen Schimmer um die Ganoven. Er schließt mit einem Song der Hafenarbeiter und zeigt, wie das Heer der Hafenarbeiter in gleichem Schritt und Tritt ans mühevolle Tagewerk geht. e. b. Drei Zahrzehnie Zsitgefchichie. Sendung der Funkstunde. Drei Jahrzehnte Zeitgeschichte, bespiegelt in einem Berliner Haus, wollte das Hörbild„Potsdamer Straße 17a" zeigen. Sieb- zehn Häuser hinter dem Potsdamer Platz lagen 1895 noch Zi- geuner mit ihren Wagen auf einem Stück Freiland, auf dem ein Jahr fpäter sich ein gut bürgerliches Wohnhaus erhebt. Spieß- bürgerliche Familiengesellschaften, Kremserpartien und Riesen- schlangen nachbarlicher Beleidigungsklagen erblicken hier das Licht des Tages. Man hat für Kleinigkeiten viel Zeit. Dann kommt der Krieg. Geheimnisvoll wachsen nächtliche Amüsierbetriebe aus allen Winkeln des Hauses hervor, fliegen auf, fassen aufs neue Wurzel. Krieg, Revolution durchzittern auch das Haus: der Sturm aber bricht erst mit der Inflationszeit darüber herein. Das Ge- bäude wird zur Unwirklichkeit: es lebt nur noch als Spekulations- objekt. Der Pensionsbetrieb, der sich in dem Haus etabliert hat, reflektiert dieses unwirkliche Spiel im kleinen: Menschen tauchen auf und verschwinden. Dann konsolidiert sich die Mark: doch Amerika bleibt als leuchtende Fata morgana über Deutschland stehen. Ein Kaffeehausbetrieb mit allem und noch etwas macht das Haus Potsdamer Straße 17a zeitgemäß zurecht, und schließ- lich, wenn alles versagt, geht man ihm von außen zu Leibe und stockt es auf. Die Idee dieser Sendung war gut; auch ihre Grundzüge. Die Ausarbeitung allerdings bewegte sich in mifrophonfremden Bahnen. Daß dichterische Geschlossenheit fehlte, bedeutet keinen absoluten Mangel/ auch wenn die Verfasser Werner Fink und Egon I a- c o b s o h n nur zeitgeschichtliche Reportage geboten hätten, wäre eine sehr wirksame Wendung denkbar gewesen. Sie hätte nur für bessere und sinnvollere Abwechslung zwischen laut und leise, zwischen Massengeschehen und Einzelschicksalen sorgen müssen. Stattdessen quirlten sie in einem Strudel auf, der eigentlich nur da» Durch- einander deutlich sichtbar werden ließ: die Struktur der einzelnen Bestandteile konnte man höchstens erraten. Wirklich gelungen war nur die Jnflationsszene, in der der Dollarkurs zum Hauptdarsteller wurde.— Ir. „Goethe und das Elsaß". Die Gedächtnisseier für Goethe wurde in S t r a ß b» r g mit der Eröffnung der Ausstellung „Goethe und das Elsaß" eingeleitet. Die Ausstellung ist im Rohan- schloß untergebracht und enthält Dokumente und Erinnerungen an Goethes Aufenthalt in Straßburg. Am nächsten Sonntag findet in Sesenheim zur Erinnerung an Goethe und Friederike Brion eine große volkstümliche Veranstaltung statt. Staatliche» Schauspielhaus. Paul B i l d t spielt seht wieber in Webe- kinds„L i e b e s t r a n k" den Fritz Schwigerling. teltcr-Feier der Alademie der Künste. Aus Anlaß des 100. Todestages arl Friedrich Zelter deranstaltcl die Preußische Akademie der Künste Tienstagvormittag 12 Uhr eine Eedenkieier, bei der Professor Moser spricht und lümmn von Stetten und Bcrtaud singen. Der„Bund sür radikale Ethik" veranstaltet Dienstag Anhaltstr. 11 einen Vortrag von Professor C a r l F r i e s über„Weltanschauungsfragcn der Zukunft". Beginn um 8 Uhr. Eintritt frei. Zurück aus dem Paradies. Ein Kampf ums Recht. «owjetrußland braucht zu seinem wirtschaftlichen Aufbau dringend und in Massen technische Fachkräfte. Da es selbst daran einen empfindlichen Mangel hat, bemüht es sich, durch An- Werbung im Ausland diesem Mangel abzuhelfen. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Aber wogegen man nicht energisch genug vorgehen kann, ist die Bauernfängerei— anders kann man nicht gut sagen—, mit der die Sowjetregierung dabei operiert. Man engagiert Arbeiter und Techniker, verspricht ihnen ein hohes Gehalt, denkt aber nicht daran, dieses Versprechen auch einzuhalten. Nach mehreren Monaten meist recht bitterer Er- fahrungen kommen die Getäuschten mittellos und heruntergekommen wieder zurück. So klagen die Wcrkzeugdreher B. und K. vor dem Arbeits- gericht Berlin gegen die Russische Handelsvertretung wegen Ver- tragsbruchs auf Zahlung der Reisekosten und des Lohns für mehrere Wochen. Laut Vertrag ist ihnen zugesichert worden, daß ihren Familien in Deutschland während drei Monate ein entsprechender Anteil des Lohnes in Reichsmark ausgezahlt wird, daß nach Ablauf dieser Frist den Klägern eine Wohnung gestellt würde, so daß sie ihre Familien nachkommen lassen können. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht eingehalten, die Zahlun- gen in Reichsmark wurden aber e i n g e st e l l t. Da die Kläger ihre Familien nicht mittel- und hilflos lasten wollten, traten sie wieder die Rückreise an. Bemerkenswert ist, daß ihnen in Moskau er- klärt wurde, sie könnten ja mit ihrer Familie im Hotel wohnen, obwohl den Sowjetvertretern natürlich bekannt war, daß die Hotel- kosten ganz erheblich das Einkommen der Kläger übersteigen. Die Russische Handelsgesellschaft bestreitet nicht die Richtigkeit der Angaben der Kläger: sie bestreitet nur die Zuständigkeit der deutschen Arbeitsgerichte. Sie sei nicht Arbeit- geberin, sondern nur Arbeitsvermittlerin. Die Kläger müßten sich an die russischen Arbeitsgerichte wenden und dort ihr Recht suchen. Das Berliner Arbeitsgericht hat in einem Zwischenurteil diesen Einwand abgewiesen und sich für zuständig erklärt. Arbeit- geber sei der russische Staat, den die Handelsgesellschaft ver- trete. Das Landesarbeitsgericht ist diesem Urteil beigetreten. Dagegen hat die Handelsvertretung Revision eingelegt, die am l8. Juni vor dem Reichsarbeitsgericht zur Verhandlung kommt. Wird— wie anzunehmen ist— die Revision verworfen, dann werden damit einige hundert Klagen fällig. Allerdings würden auch diese Klagen nur einen Teil der Rückwanderer um- fasten. Die Russische Handelsgesellschaft hat nämlich seit längerer Zeit bei Abschluß von Verträgen die Klausel eingefügt, daß bei Streitigkeiten nur die russischen Gerichte zuständig sind. Damit besteht für die Getäuschten keinerlei Möglichkeit, zu ihrem Recht z» kommen. Immer wieder der Hauptfemd. Die dümmsten Lügen sind nicht zu dumm. Der größte Unsinn und die dicksten Lügen werden von der kom- lnuntstischen Presse ohne jede Nachprüfung veröffentlicht, sofern sie sich gegen Sozialdeniokraten richten. Dieser Tradition entsprechend veröffentlicht die„Welt am Abend" in ihrer Nummer vom 17. Mai eine Notiz unter der Ueberschrift:„Beschaffungsamt schafft Arbeitslosigkeit." Es wind behauptet, die SPD., die im Ber- liner Beschaffungsamt dominiere, habe 16 Näherinnen entlasten, während gleichzeitig Ueberftimden gemacht würden und 50 Näherinnen jetzt soviel leisten mühten, wie früher 66. Dazu wird uns vom Arbeiterrat des BVA. geschrieben: Es ist unwahr, daß die Leitung des BBA. ihr möglichstes getan hat, um Näherinnen der Betriebswerkstatt aus der Arbeit zu bringen. Wahr ist, daß die leitenden Herren und die Betriebsvertretung alles getan haben, um die Betriebs Werkstatt aufrechtzuerhalten. Wenn die bedauerlichen Entlassungen von 16 Näherinnen nicht zu oermeiden waren, so ist das auf die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zurück- zuführen, von der die Stadt Berlin leider nicht verschont geblieben ist. Aber auch bei den Entlastungen hat die Betriebsvertretung und die Leitung des BBA. erwirkt, daß den Entlassenen Abkehr- g e l d e r gezahlt wurden, die in Beträgen von 200 bis 900 M. ausgezahlt wurden. Die Verfasserin des Artikels in der„Welt am Abend", L. B., Grünberger Straße, dürfte sich vielleicht erinnern, selbst etwa 400 M. erhalten zu haben. Wenn die Verfasserin des Artikels schreibt, die 50 im Betrieb verbliebenen Näherinnen müßten jetzt dieselbe Arbeit schaffe», die früher von 66 Näherinnen bewältigt wurde, so läßt sich die Unsinnig- keit der Behauptung jederzeit an dem Rückgang der Auf- träge, der ja erst zu den Entlasstingen führte, nachweifen. Die Nachprüfung dürste der„Welt am Abend" durch die kommu- nisiifchen Stadtverordneten im Ausschuß für Handel und Gewerbe, dem das BBA. untersteht, nicht schwer fallen. Ebenso unsinnig ist die Behauptung, daß in Zeiten des Hoch- drucks mit Ueb er stunden gearbeitet worden wäre. Die im Betrieb tätigen Kolleginnen haben Hochdruckzeiten, wie sie in der Ptzantasie des Artikelfchreibers existieren, nicht wahrgenommen. Im April d. I. arbeiteten 4 Kolleginnen mm; eine sehr kurze Liefevungs- frist einhalten zu können, an einem Tage eine Stunde länger, um die aber die Arbeitszeit am nächsten Tage ver- kürzt wurde. Zu der im Artikel von L. B. offenbarten Begeisterung für die 40-Stunde»-Woche ist festzustellen, daß diese Be- geisterung zu der Zeit, als L. B. beim BBA. tätig war, nicht vor- Händen gewesen ist. Als der Magistrat im Februar 1931 für seine Betriebe die Arbeitszeit auf 44 Stunden kürzte, war L. B. von dieser Maßnahme nicht nur nicht entzückt, sondern gehörte zu denen, Ine ein Festhalten an der 48 stündigen Arbeitszeit ver- langten. Veigelehter Konflikt bei Schultheih patzenhofer. Ein Konflikt in der Brauerei Schultheiß-Patzen- h o s e r, Abteilung 4, Niederschöneweide, der zur vorübergehenden Arbeitsniederlegung führte, ist nach Verhandlungen zwischen dem Vertreter des Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter- Verbandes und der Direktion der Schultheiß-Patzenhoser A.-G. heute beigelegt worden. Es handelt sich um ll e b e r g r i s f e, die sich ein Inspektor R. zuschulden kommen ließ und die schließlich die Belegschaft in die passive Resistenz trieben. Nunmehr ist R. zur Disposition gestellt worden, worauf die Belegschaft die Arbeit wieder aufgenommen hat Der Kamps gegen die spanische Republik. Eyndikalistifch-kommunistische Gtreikmache. Am Mittwoch ist der größte Teil der spanischen Transportarbeiter in den Ausstand getreten. Nur in Barcelona und im Baskenland wird nicht gestreikt. Der Innen- mmister ordnete gegen die Streikenden die strengste Anwendung de? Republikschutzgesetzes an. In Moron bei Sevilla entdeckte die Polizei 200 Bomben, die anläßlich des für Donnerstag angesetzten Landarbeiter- streik? verteilt werden sollten. In Guenca errangen die Rechtsparteien bei den Ge- meindewahlen einen großen Wahlsieg. Streik gegen Lohnabbau. Etwa 8000 Schuharbeiter streiken in der kleinen bretonischen Stadt Fougeres seit 3 V- Monate n. Die Unternehmer wollen die Löhne um 10 Proz. kürzen. Der Arbeitsminister hat jetzt einen Vermittlungsvorschlag gemacht, dessen Durchführungsmodalitäten die Unternehmer und Arbeiter in gemischten Kommissionen regeln sollen. Ueber den Inhalt des Vermittlungsvorschlags ist noch nichts bekannt geworden. Rundfunk am Abend Sonnabend, Ii. Mai Berlin. 16.05 Populäres Orchesterkonzert. Als Einlage: Zehn Minuten Eilin(H.Kafka). 18.00 Die Erzählung der Modie (M. G. Gehrke). 18.20 Kammermusik. 19.00 Die Funkstunde teilt mit... 19.05 Stimme zum Tag. 19.15 Zehn Minuten Sport(Dr. C. Diem). 19.25 Rundfunk in Amerika(H. Ullen- dorff, New York). 19.55 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Oeffentliches Wohltätigkeitskonzert. 20.30 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. 22.30 Vom Tenniskampf um den Davis- Pokal(Schallpl.). Tanzmusik. Königswusterhausen; 16.00 Die Entdeckung der Naturschönheiten(Dr. P. Landau). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Der Lärm als Krankheitsursache(San.- Rat Dr. A. Peyser). 17.50 Die Renntierjäger der Eiszeit(Prof. Dr. Fitzner). 18.05 Deutsch für Deutsche(Dr. J. Günther). 18.30 Moderne Rassentheorien(Prof. Dr. E. Fischer). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Englisch für Anfänger(Stud.-Rat W. Ohse, Lektor W. Mann). 19.30 Freiheit und Autorität(Dr. Wrede). 20.00 Aus Leipzig: Heitere Stunde. 21.00 Aus Bremen: „Phantasien im Bremer Ratskeller." 22.13 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Sonntag, 11. Mai Berlin. 6.00 Funkgymnastik. Aus Hamburg: Frühkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.15 Rückblick auf die Marktlage. 8.23 Krankheiten des Getreides. 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Schallplatten. 11.30 Aus Leipzig; Bachkantate. 12.10 A. Goldschlag: Eigene Gedichte. 12.20 Aus Breslau: Mittagskonzert. 14.00 Schlechte Schulleistungen der Kinder(Lilli Rehfisch und Hauptlehrer M. Schumacher). 14.30 Kinderspiele(Leitung: Lisa Tetzner). 15.00 Platz 13, Reihe 13(Hörspiel von H. Ph. Weitz). 16.15 Vom Internationalen Autorennen. 16.40 Klaviermusik. 17.05 Aus dem Kroll-Garten: Nachmittagskonzert. 18.55 G. Kapp; aus eigenen Werken. 19.20 Sportnachrichten. 19.30„Die Bayreuther Aufführung des Parsifal"(Prof. Dr. W. Golther). 20.00 Wagner- Abend. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 11.00 Richard Wagner an Mathilde Wesen donk(Prof. Dr. W. Müller). 12.10 J.Buchhorn: Aus eigenen Werken. 14.30 Germanisches im deutschen Bauernleben(Dr. K. Eissen). 15.00 Deutsche Landschaften (E.Banse). 19.00 Die Karamasoffs(Dr. Dr. Spiere). 20.00 Aus Stuttgart: Dperette„Don Cesar". Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„"V orwärts"-Boten oder die Postanstalten. e Buch .HarUhnns: ä)ie Stauern iiiarfchlercit*) Dieses Buch, das im Vorabdruck durch die nationalsozialistische Tagespresse gegangen ist, ist eine Arbeit über den deutschen Bauern- krieg. Man gerät in Verlegenheit, wenn man oersucht, das Buch einzuordnen; es ist kein Roman, und es ist auch keine Geschichte des Bauernkrieges. Das Buch ist in drei große Abschnitte gegliedert, und jeder dieser Abschnitte besteht aus kleinen, aneinandergereihten feuilletonistischen Skizzen, ein Mosaik von Charakteren und Be- gebenheiten, ein Prisma, in dem sich Licht und Schatten zum Bilde einer Zeitepoche vereinigen sollen. Das ist der Zweck, den der Ver- fasser mit dem sarmalen Ausbau erreichen wollte. Bewußt und mit Absicht ist hier eine Vielheit von Personen und Geschehnissen dar- gestellt, die nicht etwa soziologisch mit ihrer Zeit in Verbindung gebracht werden, sondern die entweder im völkischen Sinne des Ver- fassers handeln oder dem entgegengesetzt. Es wird gar nicht erst der Versuch gemadzt, für das Handeln und Tun der Leute Gründe und Ursachen aufzuzeigen. Das Buch soll als Beweis dafür gelten, „wie sehr bereits die organische Geschichtsbetrachtung Fuß gefaßt und die liberale, materialistische verdrängt hat." Die Bauernrevo- lution von 1525 hat nach Karsthans keine Ursachen,„sondern einen Sinn". Und dieser Sinn soll aus folgenden orphischcn Worten klar werden.„Ich" und„Wir" dürfen stets nur einander ablösen im Rahmen der nationalen Artcigcnheit. Und zum rechten Glocken- schlag. Echte Nationen tragen das in ihrem Blut." Es bleibt akfv als Endergebnis, daß der Bauernkrieg nichts als eine grobe Instinkt- losigkeit war.„Die Stunde war gut, der Instinkt schwach." Ueberall spürt man die Vernunft-Feindlichkeit dieses völkischen Geschichtsphilosophen und die Parallele zu ihren romantischen Kol- legen, die vor hundert Jahren mit den gleichen reaktionären Mitteln versuchten, dem Feudalismus wieder auf die Beine zu helfen, wird ganz klar. Geschichtliches Geschehen wird nie aus den gesellschaft- lichen Verhältnissen abgeleitet, sondern immer nur von der hohen Warte der Arteigenheit gesehen. Und das führt dann zu jener Ver- wechjlung von Ursache und Folge, die im Bauernkrieg nur eine Jnstinktlosigkeit sieht, seine geschichtliche Notwendigkeit aus den da- maligen Produktionsverhältnissen nicht erkennt und das römische Recht für Dinge verantwortlich macht, die im Wesen des Früh- kapitalismus liegen. Das Buch hat aber neben seiner geschichtlichen Märchenhaftigkeit noch einen sehr realen demagogischen Zweck. Es soll auf die Bauern von heute wirken. Und deshalb identifiziert man sie mit den revolutionären Bauern von 1525 und erklärt, es käme nur darauf an, daß sie sich von artfremden Einflüssen frei machen, dann wäre alles wieder gut. Es ist der reinste Bauernsang, aber die Erklärung ist doch verlockend für viele Bauern, die noch gar nicht zum Bewußtsein ihrer tatsächlichen Lage gekommen sind und die noch nicht begriffen haben, daß ihre Frage nur im Zusam- menhong mit der der Arbeiterschaft zu lösen ist. Diesen Prozeß der Aufklärung zu verlangsamen, ist dieses Buch geschrieben und das kennzeichnet seinen reaktionären Gehalt. S. Popper. Theater der Woche. Vom 22. bis 30. Mai 1932. Theater am Bülowplatz: Volksbühne: Sturm im Waffergta». Slaatstheater. �) Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg. Staatsoper Unter den Linden: 22. Macht des Schicksals. 23. Cosi fan tutte. 24. Ariadne auf Naxos. 25. Maskenball. 26. Madame Butterfly. 27. Carmen. 28. Troubadour. 29. Hugenotten. 30. BohSme. Städtische Oper Charlottenburg. 22. Bohöme. 23. Manon. 24. Simone Boccanegra. 25. Die Entführung aus dem Serail. 26. Tiefland. 27. Don Pasguale. 28. Aida. 29. Die Banditen. 30. Figaros Hochzeit. Staatliches Schauspielhaus: Der Liebestrank. Staatliches Schiller-Theater: 22. Dr. Klaus. 83., 28. bis 30. Die Räuber. 24. Clavigo. 25., 26., 27. Abschied von der Liebe. Theaker mil festem Spielplan: Deutsches Theater: Die Journalisten.— Deutsches Künstlcrtheater: Die Braut von Torozto. 23. Faust I.— Theater in der Stresemannstrahe: Haifische. — Theater des Westens: Raub der Sabinerinne».— Lustspielhaus: Hcrkules- pillen.— Komische Oper: Fiir eine schöne Frau...— Großes Schauspielhaus: Die schöne Helena.— Lessing-Theater: Madonna, wo bist du?— Theater am Rollendorsplah: Der Stänker.— Zcntral-Thcater: Bis 24. geschlossen, ab 2ö. Frauen haben das gern.— Raturthcatcr Friedrichshagen: 22., 22. 18 Uhr Im weißen Rößl.— Theater in der Behrenftraße: Bis 26. Der Mann mit den grauen Schläfen, ab 27. Der Tiefstapler.— Renaissance-Theatcr: Bunte Reihe. — Theater am Kottbusser Tor: Der Hauptmann von Köpenick und Das Mädchen ohne Ehre.— Rose-Theater: Weekend im Paradies. Gartenbithnc: Zigeuner- liebe.— Bolkstheater Reu« Welt: 22., 23., 24., 25. Der Waffenschmied. 29. Das Dreimädcrlhaus.— Plaza: Die Dubarry.— Scala: Internationales Variete. — Wintergarten: Variete. Revue. Zkachmilkagsvorstellungen: Volksbühne. Theater am Bülowplaß: 22. Sturm im Wasserglas.— Städtische Oper Charlottcnburg: 22. Tiefland, Vorstellung für Wohlfahrt». erwerbslose.— Naturtheater Friedrichshagcn: 22. 15 Uhr Kindervorstellung.— Rose-Theater: 29. 18 Uhr Weekend im Paradies. Eartenbllhne: Konzert und Variete.— Plaza: Die Dubarrp.— Scala: Internationales Variete.— Wintergarten: 22., 28., 29. Varicte-Revue. Erstaufführungen der wache: Dienstag: Kleines Theater: Der Mann, den fein Gewissen trieb. — Mittwoch: S ch i.ller. Theater: Abschied von der Liebe.— Zentral. Theater: Frauen haben das gern.— Freitag: Theater in der Behren st raße: Der Tiefstapler.— Sonnabend: Reue Welt: Da» Drcimäderlhaus.— Sonntag: Städtische Oper: Di« Banditen. tebensbejohung und Lebensfreude durch Gesang. Der Gau Berlin des Deutschen Arbeitersängerbundes veranstaltet am kommenden Sonntag, 22. Mai, von 17 bis 20 Uhr, eine Werbeveranstaltung im Terrassengarten der Ausstellung„Sonne, Lust und Haus für alle" am Kaiserdamm. Die Veranstaltung bringt unter dem Motto „Lebensbejahung und Lebensfreude durch Gesang" unter Mitwirkung von etwa 1400 Sängerinnen und Sängern Lieder für Männer- und Gemischten Chor in Massenchören und Chorgruppen. Die Bundesmitglieder versammeln sich um 10'A Uhr am Tor an der Tankstelle. Sonntagsausslug mit Sonderzug zum kysshäuser. Die Reichs- bahndirektion Berlin weist darauf hin, daß der für den kommenden Sonntag, 22. Mai. vorgesehene Sonderzug nach dem Kysshäuser be- stimmt verkehren wird. Der Zug fährt ab Berlin, Anhalter Bahnhof, 6 Uhr und trifft in B e r g a- K e l b r a um 10.06 Uhr ein. Die Rücksahrt erfolgt ab Ustrungen um 19.57 Uhr. und um 0.20 Uhr ist der Zug wieder in Berlin. Die Fahrt kostet einschließlich Hin- und Rückfahrt, Besichtigung der Heimkehlc und Mittagessen 12,60 M. in der dritten Klasse. Fahrkarten sind bei den Fahrkartenausgaben des Anhalter Bahnhofs, des Bahnhofs Lichterfelde- D st sowie bei de» bekannten Ausgabestellen des Mitteleuropäischen- Reisebüros(MER)»och erhältlich. Welter für Berlin: Mit Winddrehung auf Nordwest und in Begleitung von Gewittern llcbergang z» kühlerem Wetter.— Für Deutschland: Westostwärts fortschreitende Gewitter mit Abkühlung. Im Osten noch trocken und warm. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernsteiu, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H..�Berlin.� Druck: Vorwärts Buch- druckerei und öerlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Tltcaiet Lidtisptele usw Haan Theafcr Sonnabend, den 21. Mal Staatsoper Unter den Linden 19' i Uhr Die Hocltzeil des Fidaro itaatlSdiausplelhius iandarnienmark: 15 Uhr Gudiidile Gotlfrii- ilins von Beil idiingtn 10 Uhr Oer Liebestrank Schiller-Theater Charlottenhurr 20 Uhr Die Räuber mm 8 Udr 1 5. Flora 3434- Räumen erl. Trude Hesterberg. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Bil& Bit. 2 Franks. Junetros& Elsie. 12 Deblars. Arthur Hell. Luella Paikin. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. SonnaOend u. Sonntag je 2 Vorslellg. 4u.81'5LIhr. 4 Uhr kleine Preise. ilnwiderrufiicli nur im Mai -wÄfsr- lii.s�.stis.a.a.srm, E 7 Weicls. 4031 | Die Dubmrry I enins-TlHMf Täglich SV« Uhr Maäonna ivo bis! Da? Erika v. Thellmann. Genia Nikolajewna. Theodor Loos Josef Wedorn Oeutsdies Theater »le SV* Uhr Journalisten Lustsp.nadi Gustav Freytag von Felix Joadiimson MusiK: Theo Mackebeo Repie: Heinz Hilpert Voutsüühne Theater am BDIowolatz 8'/. Uhr Sturm im Wasserglas mit Hacsi Niese Staat!. Sdlller-Iheater 8 Uhr Die Räuber Slädi.Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34 Sonnabend, 2t. Mai Turnus Iii DleEntiiihrung aus dem Serail Caliam. Pfahl, Fidesser, Andresen, Gombert, Reiff Anfang 20 Uhr Ende 22.45 Uhr rTUeaterlnfler- Stresemannstr Tel.: toi«. 2110 u. 3996 Theater der Schauspieler Täglich 81.* Uhr Haifische Theodor Plivier Kose-! heater IroBe Fraakturter Straße 13: lel. Weiduel: 1 342/ 8.30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbllhne: 5.30 Uhr Konzert u. Variete 8-» Uhr ZlBeunerliebe TELA DER UNZERSTÖRBARE NEUZEITL. FASERSTOFF SCHAFFT GESUNDE, BEHAGLICHE WOHNRÄUME IM KLEINSIEDLUNGS- U.LAUBENBAU DURCH ISOLIEREN DER WANDFLA'CHEN.DECKEN, VE| FR DACHER, FUSSBODEN MIT I ELM ANFRAGEN U. UNTERLAGEN BEREITWILLIGST DURCH EMIL ZORN A.G. 23, 5ERLIN HEINERSOORF il Bnißfi ilisl|| 43eita$e Sonnabend, 21. Mai 1932 Srrttmia %alcui±qaße Jei\IottoifL �Bismarck gründet das ffieich Stückblick auf eine Epoche/ Ton J. A. lifayer Werk unb Gestalt Otto von Bismarcks ist wohl selten so eindringlich beschworen worden wie in dem neuerschienenen Buch von Werner Beumelburg(Bismarck gründet das Reich, Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg: geb. 5,89 M.). Ich sage mit Absicht: beschworen, denn die glänzende, bewegte Sprache des Verfassers wendet sich weniger an die v e r st a n d e s m ä ß i g e Ein- ficht des Lesers als an dessen Gefühl und Willen. Werner Benmel- bürg will aufrüttelnd wirken. Die Geschichte der Gründung des Deutschen Reiches soll zum Vorbild werden. Schon das Vorwort spricht es aus:„Beklommen und überrascht begreisen wir, wie sein (Bismarcks) Geist mit den gleichen Fragen rang, die uns heute bedrängen." Sind es wirklich die„gleichen Fragen"? Wenn die menschliche Geschichte etwas bedeutet, so dies: daß sie fortwährend neu ge- schaffen wird, daß sie das in der Welt Geschehende ist, das sich wandelnde Menschentum schlechthin. Beumelburg sieht im tiefften Grunde die Welt statisch, unbewegt, wenn er auch betont, „daß alle Entwicklung Folge von Kampf ist". Werk und Leben Bismarcks werden als Mythos von gegenwärtiger Gültigkeit beschworen und in den folgenden Sätzen festgehalten:„Das Herauswachsen über Parteibegrisf, das Beiseiteschieben der herkömmlichen Maßstäbe konservativ und liberal und die Formung des übergeord- neten Begriffs des Staates an sich, die parteipolitische Grundsag- losigkeit und das Aufgehen im tieferen Gegensatz Staat und Nation, der leidensvolle Weg der Erkenntnis vom einen zum andern und die geniale Uebertragung der gewonnenen Erkenntnis auf die Politik -- was anderes ist Bismarcks Werk!" Hier haben wir Beumelburgs Bismarck-Deutung im Extrakt. Bismarcks Legitimismus wird faschistisch umgedeutet. Allerdings ist Beumelburgs Faschismus himmelweit vom Faschismus vulgaris der deutschen Nationalsozialisten entfernt. Das Werk Bismarcks, die Gründung des Deutschen Reiches war keines- wegs die Schöpfung des autoritären Staates, der heute allerdings das Gebot der Stunde ist. König Wilhelm I. von Preußen hat Bismarck 1862 als Ministerpräsidenten bestellt, weil kein anderer preußischer Staatsmann bereit gewesen war, die vom Landtag ab- gelehnte Heeresoorlage durchzukämpfen. Bismarck hat sich damals ausdrücklich für das Königsregiment gegen die Parlanrentsherrschrft erklärt und über seine Entschlossenheit, auch gegen das Parlament diktatorisch zu regieren, wenn die Herrschaft des Königs in Frage gestellt sei, keinerlei Zweifel gelassen. Einer falschen Mythisierung von Bismarcks Lebenswerk muß entschieden widersprochen werden. Konservativismus und Libera- lismus waren im 19. Jahrhundert keine fertig gegebenen gsfchicht- lichen Größen, die in einer autoritären Synthese von Bismarck auf einer höheren Stufe zusannnengofaßt worden wären; nein, auch diese großen politischen und geistigen Bewegungen des vorigen Jahr- �'Hunderts haben sich fortlaufend selbst gewandelt. Niemals dürfen sie als st a r r e Gegebenheiten angesehen werden. Hätte Werner Beumelburg etwas von marxistischer Geschichtsbetrachtung lernen wollen, dann wäre die Entstehung des deutschen Liberalismus im engsten Zusammenhang mit der zunehmenden Industrialisierung Deutschlands im 19. Jahrhundert aufzuzeigen gewesen: Bismarck hat sich mit diesen Zusammenhängen sehr gründlich auseinandergesetzt. Durch Lothar Bucher, seinem vertrauten Mitarbeiter, der dem Kreise um Karl Marx nahegestanden hatte, sind ihm diese Dinge sicherlich vertraut gemacht worden, war doch Bucher einer der gründ- lichsten Kenner des englischen Parlamentarismus. Unser faschistischer Historiker läßt allerdings Bucher ohne weiteren Kommentar auf- treten. Auch die große Auseinandersetzung Bismarcks mit F e r d i- nand Lassalle übergeht Beumelburg schweigend. Dies ist um so unverständlicher, als gerade in dieser Auseinandersetzung, die sich um das allgemeine Wahlrecht bewegt, einmal der gemein- fame Feind der bedeutenden Verhandlungsgegner, nämlich der Liberalismus, und dann die königstreue, legitimistifche Tendenz Bismarcks deutlich wird. Die neuen Dokumente, die Gustav Mayer vor einigen Jahren aus den Akten des preußischen Staates veröffentlichen konnte, haben die vielfach mißverstandenen Unter- Haltungen Bismarcks mit Lasfalle ins rechte Licht gerückt: Lassall« erstrebte das allgemeine Wahlrecht in Preußen, um damit der A r- beiterfchaft die Möglichkeit des demokratischen Aufstieges zu geben, Bismarck dagegen hoffte, die Arbeiterschaft werde trotz des allgemeinen Wahlrechts royalistisch und konservativ wählen. Sicherlich dachte Bismarck auch daran, den weitverzweigten preußischen Verwaltungsapparat nicht unausgenützt zu lassen. Es war ein gefährliches Spiel, das beide Politiker spielten: Bismarck wollte die Machtstellung des Liberalismus brechen und den Konser- vativismus stärken. Lassalle glaubte, den Kampf gegen den Liberalismus gemeinsam mit Bismarck führen zu können und die Arbeiter- klasse auf ihren eigenen Weg zu bringen. Der dänische Krieg und Lassalles Tod inachten diesem diplomatischen Spiel ein Ende, das sehr wahrscheinlich für Lassalle verloren gewesen wäre. Dennoch war Bismarck kein sturer Anti-Liberaier. Er hat es nameirtlich nach Nicolsburg(1866) sehr wohl verstanden, im Interesse einer Bindung der süddeutschen Staaten, den König in schweren Kämpfen zu einer Auflockerung der deutschen innenpolitischen Ber- Hältnisse zu bewegen. So enthielt dann die Verfassung des Nord- deutschen Bundes das allgemeine Wahlrecht, wenn auch die Mit- glieder des norddeutschen Reichstags keine Besoldung oder Eni- schädigung erhalten sollten, getreu der Bismarckschen Grund- ausfassung, der er später in„Gedanken und Erinnerungen" Ausdruck verlieh:„Die größte Besonnenheit der intelligenteren Klassen mag immerhin den materiellen UMergrund der Erhaltung des Besitzes haben:... aber für die Sicherheit und die Fortbildung der Staaten ist das Uebergewicht derer, die den Besitz ver- treten(von mir gesperrt), das Nützlichere... Jedes große staatliche Gemeinwesen, in welchem der vorsichtige und hemmende Einfluß der Besitzenden materiellen oder intelligenten Ursprungs verloren geht, wird immer in eine der Entwicklung der ersten sran- zössschen Revolution ähnliche, den«taatswagcn zerbrechende Ge- fchwiirdigkeit geraten." Mit vollem Recht sieht Artur Rosen- b e r g in seinem ausgezeichneten Buch„Die Entstehung der deutschen Republik" in diesen Sätzen Bismarcks soziologische Grund- ausfassung ausgesprochen, die wal,rhastig einen eindeutig kapitalistischen, a n t i s o z i a l i st i s ch e n Charakter hat. Diese Tendenz der Bismarckschen„autoritären" Staatsführung darf von einem gewissenhaften Historiker nicht oerwischt werden: sie ist unvereinbar mit dein, was m i r heute von einer autoritären Staatsftchrung fordern; denn das Deutsche Reich muß sich heute vor allem seiner sozialen Verantwortung bewußt sein. Hier offenbart sich die tiefste Differenz zwischen Bismarcks Reich und den Forderungen, denen sich die Deutsche Republik heute nicht ent- ziehen darf. Beumelburg ist dieser Unterschied völlig entgangen. Die Reichsgründung vollzieht sich gleichsam mir in der Verdünnung der diplomatisch-politischen Sphäre; das Volk ist, um mit Marx zu reden, das„passive Piedestal" für jene Kämpfe. Nation aber ist die Willenseinheit des Volkes., das seinen geschicht- lichen Weg im neuen Staat aus eigener Kraft bestimmt. Die Führer müssen im Gegensatz zu Bismarck mit dem Volk in innerer Dynamik verbunden sein. Dennoch erinnert Beumelburg an tiefe staatsmännische Ein- sichten Bismarcks, die auch heute un verloren bleiben sollten. Der Krieg als S e l b st z w eck ist Bismarck, sehr im Gegensatz zu denen, die das„Dritte Reich" als unmittelbare Fortsetzung des Bismarckschen ausrichten möchten,„eine Ungeheuerlichkeit, ein Verbreche n". Gewiß hatte Bismarck schon früh erkannt, daß das Deutsche Reich nur durch„Blut und Eisen" zu schaffen sei: dennoch setzte er seine ganze Kraft jeweils dafür ein, daß auch im Krieg die Kriegführung und besonders die Kriegsziele der politischen Führung untergeordnet blieben. Das war keineswegs leicht. Der Generalstab schob, so oft er nur irgend konnte, Bismarck beiseite, aber unnachgiebig hielt Bismarck die Zügel in der Hand Nach dem großen preußischen Sieg bei Königgrätz wollte die Generalität den Siegesmarsch der preußischen Truppen fortsetzen, Bismarck drängte auf einen raschen Friedensschluß, der Oesterreich erträgliche und vor allem keine demütigenden Bedingungen auferlegen sollte Man muß die dramatische Darstellung lesen, die Bismarck in seinen„Gedanken und Erinnerungen" von diesen Konflikten gibt,„Ich war,.. fest ent- schlössen, die Annahme des von Oesterreich gebotenen Friedens zur Kabinettsfrage zu machen, Die Lage war eine schwierige; allen Generälen war die Abneigung gemeinsam, den bisherigen Sieges- lauf abzubrechen, und der König war militärischen Einflüssen im Laufe jener Tage öfter bereitwilliger zugänglich als den meinigen; ich war der einzige im Hauptquartier, dem eine politische Berant- wortlichkeit als Minister oblag..." Nur durch Vermittlung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm gelang es, den greisen König umzustimmen und die schriftliche Ein- willigung des Königs, die Bismarck mitteilt, ist ganz von jenen schweren inneren Kämpfen getragen:„Nachdem mein Minister- Präsident mich vor dem Feinde im Stich läßt und ich hier außer- stände bin, ihn zu ersetzen, habe ich die Frage mit meinem Sohne erörtert, und da sich derselbe der Auffassung des Ministerpräsidenten angeschlossen hat, sehe ich mich zu meinem Schmerze gezwungen, nach so glänzenden Siegen der Armee in diesen saueren Apfel zu beißen und einen so schmachvollen Frieden anzunehmen," Bismarck hat also gesiegt. Aber noch im späten Alter schließt er diesen Bericht mit den bewegten Sätzen:„Von dem erwähnten Marginale des Königs... blieb mir als einziges Residuum die Erinnerung an die heftige Gemütsbewegung, in die ich meinen alten Herren hatte ver- setzen müssen, um zu erlangen, was ich im Interesse des Vaterlandes für geboten hielt, wenn ich verantwortlich bleiben sollte. Noch heute haben diese und analoge Vorgänge bei mir keinen anderen Eindruck hinterlassen als die schmerzliche Erinnerung, daß ich einen Herrn, den ich persönlich liebte wie diesen, so habe ver- stimmen müssen." Auch die Bündnispolitik Bismarcks ist nie einseitig, sondern immer labil gewesen Seit 18öä ist er dieser labilen Bündnis- Politik, die weder einseitig nach Westen oder Osten optiert, treu ge- blieben und es gehört zu den tragischsten Erschütterungen seiner Alterszeit, daß er diese grandiose außenpolitische Linie seines Schaffens oerlassen sehen mußte. Unbeirrt hat Bismarck seinem Werk: der Schaffung einer deutschen Nation unter preußischer Füh- rung gedient; was dem jungen Bundestaggesandten intuitiv vor Augen stand, brachte der Sechzigjährige zur Erfüllung. Im Spiegel- saal in Versailles fand am 18.'Januar 1871 sein Werk seine Krönung� das am gleichen Ort 1919 feine schwerste Erschütterung erfuhr. Das Friedensdiktat von Versailles war das Fazit der kaiserlichen Politik, die Bismarcks Gut verschwendet hatte, Es ist Aufgabe der heute Lebenden, das Reich stark und gesund wieder aufzubauen, nicht durch die mythische Beschwörung einer«rohen geschichtlichen Gestalt, sondern im schöpferischen Be- wußtsein der geschichtlichen und sozialen Verantwortung, die dem deutschen Volk von der Geschichte zur Lösung aufgegeben ist. Spanier auf Steifen Ein Bilderbogen aus dem Süden/ Ton Sophie Jiramfiyh Die meisten Züge in Spanien haben keine zweite Klasse, und der Reisende muß sich zwischen erster und dritter Klasse entscheiden. Die Reise unterscheidet sich in der ersten Klasse des spanischen Schnellzuges so gut wie gar nicht von den Fahrten erster Klasse im übrigen Europa, Schlafwagen, Speisewagen und andere An- nehmlichkeiten werden den Reisenden geboten, und diese selbst unter- scheiden sich auch sehr wenig von dem Internationalen Publikum erster Klasse auf anderen Strecken, Was aber die dritte Klasse be- trifft, so kann ich mich noch genau erinnern an alle Schreckens- geschichten, die ich vor der Abreise nach Spanien in Deutschland und Frankreich darüber zu hören bekam. Trotzdem kaufte ich mir mit Todesmut eine„Kilometrik" dritter Klasse, d. h, ich kaufte mir, wie es in Spanien bei langen Reisen üblich ist, 3999 Kilometer Reise, wobei ein Kilometer auf 5 Centavos(Iii- Pf.) zu stehen kommt. Mit dieser Karte, von der nun dauernd Hunderte von Kilometern abgerissen wurden, reiste ich in Spanien hin und her, in Eil- und Bummelzügen, bei Tag und bei Nacht, in überfüllten und leeren Wagen. Ich muß gestehen: oft sehnte ich mich nach den sauberen Wagen dritter Klasse in Deutschland oder in der Schweiz; oft pries ich im Geiste die Distanz wahrenden Nordländer und schätzte in der Erinnerung alle schweigsamen Reisegefährten, die mir jemals be- gegnet sind, hoch ein. Dennoch bewahre ich trotz der sehr oft un- gemütlichen Vernachlässigung der Wagen, trotz dem Mangel an Wasser in den Toiletten, trotz dem unglaublichem Lärm, den die spanischen Reisegefährten jeden Alters und Geschlechtes erzeugten, diese Reisen in dankbarster Erinnerung, Der Eisenbahnwagen dritter Klasse ist ein Stück spanischen Lebens, das für Stunden festgebannt und unter die Lupe des Beobachters gestellt ist. Schon der Bahn- steig stellt ein fesselndes Bild dar. Der Spanier, der eine Reise von einigen und manchmal auch nur von einer Stunde unternimmt, wird meistens von seiner zahlreichen Familie nebst Anhang zur Bahn begleitet. Reist aber eine Frau ab oder gar eine Frau mit Kinder, so sieht es aus, als ob sie eine Reise um die Welt unternehmen wollte. Es ist beinahe ergreisend, zuzuschauen, wie diese Familien aneinander hängen, und die Art, mit der sie diese Anhänglichkeit zum Ausdruck bringen, ist zugleich rührend und urkomisch Be- sonders sind es aber die Kinder, denen man eine grenzenlose Zärt- lichkeit erweist. Diese Zärtlichkeit nimmt Formen an, die jedem Hygieniker eine Todesangst um das Wohl dieser Kinder einjagen müßte, denn wer von den unzähligen Begleitern ließe es sich nehmen, das„nino" nach Herzenslust abzuküssen? Gendarme— Kinder— Frestkörbe. Nun aber setzt sich der Zug in Bewegung. Letzte Küsse, letzte Rufe, Ermahnungen, Das„nino" wird noch einmal ans Fenster ge- bracht, und beim unglaublichsten Durcheinander fährt der Zug aus dem Bahnhof hinaus. Dann erst wird das Gepäck verstaut, meistens Bündel und Körbe, denn wer einen richtigen Coupekoffer besitzt, ist entweder ein Handelsreisender, oder er gehört zu den„Reichen" und hat sich hierher bloß verirrt. Denn das muß gesagt werden: der Bürger,„der bessere Mensch", reist in Spanien nicht dritter Klasse, Äußer Arbeitern, Bauern, Soldaten und Kleinbürgern sieht man nur noch Zivilgardisten, die eigentlich von Amts wegen mit- reisen, aber schon nach einigen Minuten der Fahrt ihre Würde beiseitelegen und den Menschen herauskehren. Ob Zufall oder Ab- ficht, mehrmals saß mir ein uniformierter Vertreter dieser best- disziplinierten spanischen Polizeitrupps gegenüber, aber nachdem er seinen Wachshut von lächerlichster Form vom Kopfe genommen und sich irgendein mitreisendes„nino" auf den Schoß gesetzt hatte, wurde er zu einem gutmütigen, harmlose» Schwätzer, der mir mitteilte, wieviel jeder Teil seiner Uniform, die er sich selber anschaffen müsse. kostet, was er über den letzten Stierkamps denke, und wie viele Kinder seiner zu Hause harren, Ueber die Politik sprechen die Zivil- gardisten ungern, weil sie wohl in völliger Unkenntnis der Dinge leben. So gewann ich den Eindruck, daß die gehaßte Gendarmeric nichts anderes ist als ein primitives und vielleicht deshalb wirk- sames Werkzeug in der Hand des jeweiligen Machthabers. Die Kinder vollends sind ja alle kleine Engel, wie die spanischen Mütter versichern. Das mag ja auch stimmen aber leider sind die Mitreisenden nur allzuoft Zeugen, wie diese Engel ihre kleinen irdischen Geschäfte mitten im Abteil verrichten, was alle anwesenden Frauen außerordentlich zu amüsieren scheint Uebrigens sind die Erwachsenen ebenfalls ungemein ungeniert, wenn auch ihre Un- geniertheit nicht so weit wie bei den Kindern geht. Ein malerisches Bild stellt das Speisen der Reisegefährten dar: aus großen Eß- körben werden nicht etwa belegte Brote, sondern fertige Speisen. Fische, Eierkuchen, Fleisch hervorgeholt und mit den Fingern ge- gessen, wozu der feurige spanische Wein direkt aus der Flasche ge- trunken wird. Auf den Bahnhöfen werden ähnlich zusammengestellte Eßtüten verkauft: eine vollkommene Mahlzeit, nur kalt, dazu Obst und eine Flasche Wein, alles zusammen für dreieinhalb Peseten (1,19 M,), Diese Tüten werden meistens von Junggesellen gekauft, Ob aber einer Junggeselle ist und warum, und ob er es noch lange zu sein vor hat, und was er sonst denkt, fühlt und beabsichtigt, weiß natürlich das ganze Abteil schon nach ganz kurzer Zeit. Nirgends wohl fallen die Schranken zwischen Menschen so leicht wie hier im spanischen Wagen der dritten Klasse, und aus den Erzählungen und Gesprächen, aus dem ganzen Gebaren dieser Leute, entpuppt sich der Spanier mit seiner Not und seinen Freuden, seiner Unkenntnis der Zusammenhänge des Lebens, seinem Wunderglauben, selbst in der Politik, seinem Drang nach persönlicher Unabhängigkeit, seiner Rnn- lichkeit und seiner Romantik, Kolleltcure— Künstler— Messcrhändlcr. Auch Geschäfte werden im Zuge getätigt. Auf großen Statmnen kommen oft Leute hinein, die eine kleine Strecke weit mitfahren und während dieser kurzen Fahrt eine Schnellotterie veranstalten. Sie verkaufen ihre Lose sehr billig— für 19 Centavos—; dafür ist aber auch der Gewinn nicht erschütternd groß. Trotzdem gerät der ganze Wagen in ein unbezähmbares Spielfieber. Da aber die meisten Spieler eine Enttäuschung erleben, weiß der Veranstalter, daß es ratsamer ist. sich nach zwei, drei Spielen zu drücken. Manch- mal steigt ein jugendlicher„Künstler" auf einer Station ein, und ob_ er Zauberkunststücke zeigt oder melancholische arabisch klingende „Saetas" singt, das Publikum ist ihm für die Abwechslung dankbar. und Kupfermünzen fallen in die kleinen schmutzigen Hände, während die halb ernsten, halb lachenden Augen der acht- oder zehnjährigen Verdiener unter zusammengezogenen Brauen funkeln. Auf einer kleinen andalusischen Station sah ich auch Kinder vor den Eisen- bahnsenstern Flamengo tanzen. Einmal wurde ich mitten in der Nacht geweckt und sah eine riesige Männergestalt, aus deren Gurt viele blanke Messer blitzten. Es war aber kein Räuber, auch nicht die zwei, drei, zehn anderen Männer, die ihm auf den Fersen folgten. Nein, man befand sich nur in Mnnzanares, das durch seine Messerfabrikation berühmt ist, und diese barbarisch aussehenden Männer waren friedliche Messerhändler, die ihre Kundschaft im Zuge suchten und wohl auch fanden, Ein warmes Bad und eine Nacht in einem guten Bett genügen, um nach einer derartigen Reise wieder ein zivilisiertes Wesen zu werden. Aber unzählig und farbenreich drängen sich noch nach langer Zeit Bilder über Bilder ins Gedächtnis aus einem ver- räucherten, schmutzigen, dumpfen Wagen, wo Menschen ohne Kragen und mit schmutzigen, krustigen Händen so lustig und so menschlich den Fremden ihre Freundschaft antragen. Diese Menschen leben hier im Eisenbahnwagen ihr alltägliches Leben weiter, und das ist es wohl, was das Reisen in Spanien vom Reisen in anderen Län- dern unterscheidet: wenn man den Zug in Spanien besteigt, hört das Leben nicht auf Man unterbricht es nicht, um es nach Stunden und an einem anderen Orte wieder aufzunehmen, sondern man sieht sich ins regste Leben versetzt, nur daß sich dieses Geschehen in einem abgegrenzten Raum abspielt und von den rollenden Rädern des Zuges weitergetragen wird. Was macht es schon aus, daß viele Züge nur sehr langsam sahrenl Die Benzmieufel auf der Avus Training zum internationalen Autorennen am Sonntag Die 38 Fahrer, die am Sonntag das vom Allgemeinen Deutschen Automobil-Club ausgerichtete Internationale Automobilrennen auf der Avus am Funkturm bestreiten werden, sind alle in Berlin eingetroffen. Am Donnerstag und Frei- tag wurde fleißig trainiert, wobei allerdings festzustellen war, daß die Fahrer sich, Wagen und Maschinen sehr schonten und sich Haupt- sächlich auf das Ausprobieren der Reifen beschränkten. Das ist nämlich, wie wir bereits darlegten, eine der chauptschwierig- keiten bei solchen unerhört schnellen Rennen. Einige Beispiele mögen das erläutern. Caracciola, der deutsche Meistersahrer, der jetzt einen Alfa-Romeo sährt, nachdem seine alte Firma Mercedes-Benz ein Rennfeiersahr proklamiert hat, hielt 17 Stunden gleich rund 34l> Kilometer durch, ehe sich an den Borderreifen der weiße Leinwandstreifen zeigte, der andeutete, daß die Gummidecke durchgefahren ist. Die mehr beanspruchten Hinter- reifen hatten nur 11 Stunden ä 70 Kilometer gehalten. Allerdings hatte er nicht das letzte aus seinem Wagen herausgeholt. Der Iran- zose Chiron, Caracciolas schärfster Konkurrent aus Bugatti, erlitt schon in der 4. Runde Reifenschaden, nachdem er allerdings fast 200 Stundenkilometer drauf hatte In der Regel werden söge- nannte Rennreifen gefahren, die an der Oberfläche' ganz glatt sind und eine kaum 3 Millimeter starke Gummiauflage haben. Sie sind sehr leicht, halten die Hitze nicht so fest, müssen allerdings, wie sich im Training und überhaupt sonst auch zeigte, in einem längeren Rennen gewechselt wenden, was die Fohrer allerdings gern ver> meiden. Zum besseren Verständnis unserer Leser lassen wir jetzt einige Erläuterungen automobiltechnischer Art folgen. Die Wagen rangieren nach dem Zylinderinhalt der Motoren. Zylinderinhalt oder Hubvolumen ist der Raum, den die Kolben im Zylinder beim Auf- und Niedergehen, beim Hub, freilassen. Ein 4,g,Liter-Bugatti ist also beispielsweise ein Wagen, dessen Hub- volumen 4,9 Liter, also fast 5000 Kubikzentimeter beträgt. Das ist � schon, selbst für einen Rennwagen, ein starker Motor: zum Ber- gleich sei angeführt, daß wohl die Mehrzahl der Privatstadtauto, mobile sogenannte Mittelwagen sind, die etwa 1,5 bis 3 Liter Hub- volumen haben. Am Sonntag werden also nach einigen einleitenden Runden des deutschen Weltrekordmannes auf BMW.-Motorrad Ernst Henne um 13�3 Uhr die Wagen bis 1,5 Liter über 10 Runden gleich 195,561 Kilometer starten. Unter den<0 Teil- nehmern befinden sich 8 Bugatti, 4 DKW., 3 Austin(nach deren Lizenz'auch die deutschen BMW.-Wagen gebaut werden), je ein Delage, Alsa Romeo und Amilcar. Dem schnellsten Wagen mit nicht mehr als 800 Kubikzentimeter winkt dabei ein Sonderpreis, auf den insbesondere der Berliner Macher(DKW.) und Bau- h o f e r(DKW.) aus find. Gute Auesichten haben auch die beiden Engländer Goodacre und Bornes auf 750-Kubirzsntimeter- Austin. Die beiden BMW.-Wagen haben zwar die gleichen Ma- schinen wie Austin, doch sind die letzteren mit ihrer Svezialrenn- karosserie im Vorteil., vss groHe kenne» Das Hauptinteresse beansprucht natürlich das über 15 Runden gleich 294,425 Kilometer führende Rennen der Wagen über 1600 Kubikzentimeter. Hier ist die interessanteste Er- scheinung unzweifelhaft der Engländer Sir Malcolm Campbell, der mit mehr als 408 Stundenkilometern den absoluten Schnellig- keitsweltrekord hält. Er erscheint mit seinem, bereits im Jahre 1925 gebauten Sunbeam-„Tiger", der eins Spitzenleistung von 260 Stundenkilometern haben soll. Dem großen Ausgebot aus- ländischer Wagen stehen nur zwei deutsche Mercedes-Benz 7-Liter- ,,SSK." gegenüber, die von Stuck und von o. B r a u ch i t s ch gesteuert worden. Letzterer hat sich«ine Stromlinienkarosserie zu- gelegt, von der er sich besonders Vorteile erhofft. Stuck, der im letztjährig«n Rennen viel Pech hatte, ist jedoch durch seine größeren Erfolge und seine größere Routine der Berufenere von beiden, um die deutschen Farben zum Siege zu tragen. Aber die Konkurrenz ist denkbar schwer. Caracciola und Zanelli auf Alfa- Romeo, die übrigen großen Kanonen Chiron, Varzi, Wil- l i a m s, v. Morgen, S t u b e r auf Bugatti, D r e y f u s und F a g i o l i auf Maserati sind Fahrer erster internationaler Klasse. Von den 4,9-Liter-Bugatti, die Varzi und Chiron steuern, wird eine Rundenleistung von 214 Stundenkilometern gemeldet, j Doch die Rekordrunde allein macht es nicht. Caracciola hat am! ersten offiziellen Trainingstage ein erhebliches Pensum in recht j anständigem Tempo mit seltener Gleichmäßigkeit hinter sich gebracht, die in höchstem Maße imponierte. Da er die Avus kennt wie kaum ein Zweiter, ist man leicht geneigt, dem Meisterfahrer die Stange zu halten. Auch v. Morgen wird«in gewichtiges Wort auf seinem Bugatti mitsprechen. Hans St u b e r- Schweiz(Bugatti), ein aus- gesprochener Bergspezialist, startet zum ersten Male auf einer so schnellen Flachstrecke, wie sie die Avus darstellt. D r e y f u s Frankreich(Maserati) kann sich auf einen Si«g im Großen Preis von Monte Carlo berufen, Williams- Paris(Bugatti) auf zwei Siege im Großen Preis von Frankreich, Varzi- Mailand(Bu- gatti) hat ebenfalls schon viele Erfolge errungen, von allen Aus- ländern ist jedoch her Pariser Louis Chiron(Bugatti) der Mann mit den größten Rennsiegen. Auch in Deutschland glückte ihm einmal ein Sieg beim Großen Preis des Automobil-Clubs von Deutschland auf dem Nürburgring. Er startet zwar zum ersten Male auf der Avus, sollte aber bei seiner Tüchtigkeit ihre Eigen- heiten bald weghaben. Im TrsininA Der mit so viel Spannung«rwartete Engländer Sir Malcolm Campbell hat eigentlich recht wenig trainiert. Sein Wagen, ein bereit» 1925 gebauter 12 Zylinder-Sunbeam, der ein Stunden- mittel von 250 Kilometern erreichen soll, wird von den Monteuren noch hergerichtet: Campbell ließ sich zunächst in«wem anderen Auto über die ihm unbekannte Bahn fahren, absolvierte schließlich auch«ine Runde, verschwand dann aber wieder. Er tut mit echt englischer Rühe und Gelassenheit so, als ginge ihm die ganze Choie zunächst noch recht wenig an. Am Sonntag wird es sich ja zeigen, ob er ein Avuerennen in Berlin für beachtlich genug hält. Carac- ciola trainierte sehr fleißig, fuhr aber seinen Alfa-Romeo nie voll aus und erreichte in der besten Runde 194 Stundenkilometer; v. Brauchitsch brachte es auf seinem Stromlinien-Mercedes auf 202 Stundenkilometer: Chiron nahm einige Runden mit 6.44 Minu- ten und erreicht« so 204,5 Stundenkilometer. Stuck und o. Morgen sind bereits mit dem Training fertig: Frau Bötzow- Gilka, die einzige Dame im Rennen, begnügte sich auf ihrem Bugatti mit 150 Stundenkilometer. Auch der zweit« Trainingstag brachte keine Sensation. Nur die Tribünen waren gegenüber dem Vortage noch stärker besetzt, die Sonne brannte noch heißer und e« wurde auch noch schneller ge- fahren. Am schnellsten war wohl der Italiener F a g i o l i auf 16-Zylinder-Maseroti. Im übrigen gab sich keiner ganz aus. Caracciola fuhr einige ganz langsam« Runden. Stuck kam mit seinem Mercedes-Benz auf Runden von 5: 36,6(209,8 Stunden- kilometer), F a g i o l i war mit 5: 30(213,6 Stundenkilometer) allerdings noch schneller, hatte aber auch mit Reifenschwierigkeiten zu kämpfen. Chiron und Varzi trainierten sehr eifrig, sie wissen allerdings noch nicht, ob sie den 2,3- oder den 4,9-Liter- Bugatti fahren. Campbell will erst am Sonnabendfrüh trainieren. Recht ansprechend waren die Trainingsleistungen von Carl Howe(Delage), der auf 180 Stundenkilometer kam. Auf jeden Fall wird da» Rennen, leidliches Wetter voraus- gesetzt, was sein« internationale Besetzung und das Interesse des Publikums anlangt, zu den größten der Welt zählen. Der ADAC. t«ilt mit, daß die Tribünenplätze im Preise von 20 bis 5 M. schon lange ausverkauft sind. Auch 150 000 Stshplatzkartsn haben bereits Liebhaber gefunden. Die Polizei stellt zehn Hundert- schaften zur Aufrechterhaltung der Ordnung und 600 Journalisten werden aller Welt berichten. Für den Tonfilm arbeiten fünf Ope- rateure, für den stummen Film fündundzwonzig. Nicht weniger als 126 Photographsn wollen für di« Presse knipsen. Vlax Jaahner. Hcnnes neuer Weürckord Er fuhr heute morgen Z1S,710 Stundenkilometer Der Münchener Henne, der auf einem BMW.-Motorrad von 750 Kubikzentimeter Hubvolumen den Weltrekord mehrfach verbesserte, unternahm heute morgen auf der Avus einen neuen Weltrekordversuch. Es gelang ihm, den von dem Engländer Wright inzwischen eroberten und gehaltenen Rekord über 5 Kilometer mit fliegendem Start, der 212 Kilometer betrug, auf 218,710 Kilo meter hinaufzudrücken. Sport am Sonntag Arbcitcrsportler im Freien Der Arbeitersportverein Schöpeberg-Friedenau 07 fuhrt morgen auf dem Dominicus-Spielplag, Sachsendamm, unter Beteiligung der Vereine Zehlendorf, Wilmersdorf, Fichte und den Abteilungen der Freien Turnerschaft Groß-Berlin Süden, Friedenau, Lankwitz und Westen die F r ü h j a h r e p r ü f u n g der Sportler durch. Fürjille Sportler ist ein volkstümlicher Dreikampf., bestehend aus Lauf, Sprung und Wurf ausgeschrieben. Hier soll der Sportler seine Frühjahrsleistung feststellen, um im Herbst dann feine Leistungssteigerung überprüfen zu können. Außerdem treten die Bereinsmannschaften im Stafettenlauf wie 4 X 100 Meter, 20 x 200 Meter, die Frauen in der kleinen Olympischen und die Jugend in der Schwedenstafettc in den Wettbewerb. Es wird zu interessanten Kämpfen kommen, deren Ausgang sehr ungewiß ist, der aber dennoch Zeugnis für den Verein, der den besten Winterbetrieb gepflegt hat, ablegen wird. Das Sportprogramm wird durch Einzelkämpfe im Speerwerfen, Hochsprung, Diskuswerfen, Hürden- laufen vervollständigt. Die Kinder bestreiten einen Dreikampf und humoristische Stafetten. Das ganze Sportfest wird den Steinpcl der Volkstümlichkeit tragen. Die Spielmannfchaften tragen Fußball- und Handballspiele aus: die Fußballer des Ortsvereins führen ihr« Serienspiele gegen Hertha-Luckenwalde durch. Vorher spielen die Kindermannschaften. Die Frauen der Nordgruppe des 4. Bezirks zeigen ein Auswahlfpiel Südeu-Schömberg gegen Fichte-Wilmers- dorf. Hockey spiest Tempelhof gcgen Schöneberg. An alle Partei- und Gewerkschastsgenofsen, Reichsbannerkameraden und die Arbeiter- jugend richten wir di« Bitte, am Sonntag die Vundestreuen zu be- suchen und dadurch ihr« Verbundenheit mit ihnen zu bekunde», Zur Deckung der Unkosten werden 20 Pf. Eintritt erhoben. Beginn 14,30 Uhr. Ostring— INoabll— Schönow. Der VfL. Ostring eröffnet morgen die Leichtathletiksaifon mit dem traditionellen Ansporteln im Lichteuberger Stadion, Er Hot hierzu die sehr guten Vereine FT.- Schönow und SV.-Moabst zur Teilnahm« verpflichtet, so daß man dies« Veranstaltmig getrost als Frühjahrssportfest bezeichnen kann. Bei den Premieren auf der Aschenbahn werden immer die Mehr- kämpse in den Vordergrund gestellt und so gelangt bei den Männern ein Fünf-Kampf zum Austrag und bei den Frauen und Jugendlichen ein Vier-Kampf. In den technischen Uebungen haben die guten Mehrkämpfer aus Schönow di« größten Aussichten, während in den Lauswettbewerben der Veranstalter sich mit Moabit auseinandersetzen wird. Bei der 10X200-Meter-Stafette gibt es sicher einen packenden Kampf, während die 3 X 1000 Meter sicher vom VfL. Ostring nach Hause gebracht werden. Das interessante Programm beginnt um 14 Uhr, ab 17 Uhr finden Handball- und Hockeyspiel« statt. Allen Interessenten wird ein Besuch dieses Sportjests» empfohlen, das Stadion ist zu erreichen mit den Straßenbahnlinien 68 und 176. Die Neuköllner Bundesvereine werden ihre interne Ver- anstaltung im Volkspark Neukölln auf dem Platz 2 abwickeln, wo der Neuköllner Arbeiterschaft die Gelegenheit geboten wird, sich an Ort und Stelle von der Tätigkeit der Arbeitersportier zu überzeugen. Um 14 Uhr werden die Männer, Frauen und Jugendlichen der Vereine Volkssport Neukölln, ASC., ASV. Neukölln und ASV. Möoe auf der grünen Fläche zur Gymnastik aufmavschicren, und dann mit den Wettkämpfen beginnen. Bereits um 12>4 Uhr werden auf demselben Platz die Kindermitglieder der Vereine zum An- sporteln antreten, uin im friedlichen Dreikampf ihre Kräfte zu messen. Ansporteln der FIGB. Die Abteilungen der Freien Turner- schaft Eroß-Lerlin, Südost-Treptow, Laumschulenweg, Obcrspree und Adlershof treten am Sonntag mit einem allgemeinen Ansporteln vor die Bevölkerung des Bezirks Treptow, um>hr zu zeigen, daß in den Abteilungen wahrer Bolksiport betrieben wird. Die leicht- athletischen Mehr- und Einzellämpf? boginmn um 14 Uhr. Ab 16 Uhr Handballfpiel« de? 1. Männermannschaften. Die Veran- staltung ist im Stadion Wuhlheih«, der Zutritt frei. klnderturnen der JXQV. Morgen veranstaltet die Freie Turnerschaft Groß«Berlin ihr Kinderanturnen auf dem Sportplatz Scharnweberstraß« In Reinickendorf-West. Die viel«n Kind«! werden einen Riesenb«trl«b machen, der in den verschiedenst»» Sportarten wie Handball, Völkerball, 60-Meler-Lauf, allgemeine Gymnastik, Stafetten reiche Abwechslung bringen wird. Das Musikkorps des Vereins konzertiert unter der Leitung feines Dirigenten Walter ab 14 Uhr.' Die Benutzung der Kaffeeküche wird de» Eltern zu ganz geringen Preisen ermöglicht: Eintrittspreis wird nicht erhob«». Ende gegen 18 Uhr. Sportverein„Moabit". Am Sonntag findet das Ansporteln für alle Abteilungen des Sportvereins Moabit, auch für die Kinder- abteilungen, im Lichtenberger Stadion zusammen mit dem VfL. Oft- ring statt. Treffpunkt 12.30 Uhr'Bahnhof Bellevue. Teilnahme- Pflicht für alle Vereinsmitglieder. Arbeiler-Schwimmverein kreuzbcrg. Am Sonntag, 16 Uhr, findet im Alten Siudentenbad, Ratiborftraße an der Thielenbrücke, das Anbaden statt.'Alle Interessenten sind dazu herzlich eingeladen. Die Uebungsabende find jeden Mittwoch und Sonizabend für Kinder ab 16 Uhr, für Erwachsene ab 17 Uhr bis zur Dunkelheit. Arbeiter-Wafferball-Vorschau. Im ersten Entscheidungsspiel um die Berliner Meisterschaft stehen sich heute, Sonnabend, um 21 Uhr die Mannschaften von Hellas und Charlottsnburg im Lunabad gegen- über. Hellas, die Mannschaft, die dem Meister Charloltenburg stets auf den Fersen als Tabellenzweiter folgte, wird alles hergeben, um den Gegner diesmal den Rang streitig zu machen. Der Ausgang des Kampfes erscheint offen. Mit diesem Spiel ist übrigens die Winter- Halbserie beendet und es beginnen in Kürze die Rückspiele, die in den Sommerbädern zum Austrag kommen. Wegen Terminknappheit findet bereits am Sonntagabend 21 Uhr im Lunabad die zweite Ae- gegnung zwischen Hellas und Frecheit stall. Hellas wird sich trotz des schweren Spieles am Borabend sicher behaupten können. „Soll" eröffnet in wannsee! Die Rennfahrer des Arbeiter-Rad- und Krafffahrerbunbes„Solidarität" haben morgen ihr erstes dies- jähriges Bahnrennen auf der Radrennbahn in Wannsee. Zum Aus- trag kommen ein Fli«gerrennen mit Vor-, Zwischen- und Endlauf, zwei Iugendrennen, ein Punktefahren, weirer ist ein Erstlingsrennen siir solche Fahrer, die noch keine Bahnrennen gefahren haben, auf dem Programm. Den Abschluß der Veranstaltung bildet ein 50-Kilo- meter-Mannschoftsrennen nach Sechstageart, das von 10 Mann- schaffen bestritten wird. Die Meldungen liefen auch zu diesem Rennen aus Luckenwalde, Erkner, Charlottsnburg ein. Die Rennen bc- ginnen um 14 Uhr, Eintritt frei. * Zweimal„Everlon" am Wochenende. Man wird dem Spie! des englischen Fußballmeisters in Berlin, das am Sonnabend um 17.45 Uhr im Poststadion beginnt, mit Interesse entgegensehen, da an der Klasse von Everton ja kein Zweffel besteht. Die Möglich- keit besteht fraglos, daß es gerade in Berlin zu einem begeisternd schönen Spiel kommt. Der Deutsche Fußball-Bund kämpfte seit Tagen mit Sorgen wegen der Aufstellung der Mannschcht. Rennen zu hoppegarten. Auch an diesem Sonntag gelangt auf der Bahn des Union-Klubs in Hoppegarten ein großartiges Programm zur Abwicklung, in dessen Mittelpunkt das Hindenburg- Rennen über 1600 Meter steht. Ein überaus starkes Feld bewirbt sich um die 16 000 M. dieses wertvollsten deutschen Ausgleichsrennens. Wochen-Renntag in Ruhleben. Am Montag folgt auf der Bahn zu Ruhleben ein weiterer Renntag mst einem interessanten Pro- gramm. Das Ereignis des Nachmittags bildet das Carl- Schwanitz-Rennen, in dem das Debüt von„Calumet Aster". einer amerikanischen Stute in holländischem Besitz zu erwarten ist. Die Renn«» beginnen um\bVi Uhr. Arbciter-Hodcey Auch nach der offiziellen Winterserie haben Hockeyspiele immer noch ihren Reiz. Sind es in erster Linie doch Leichtathleten und Tennisspieler, die mit dem Hockeyspiel auch das Sommerprogramm bereichern. Am diesmaligen Wochenende, Sonnabend und Sonntag. kommen einige großartige Begegnungen zustande. In der Schönhauser Allee treffen sich am Sonnabend um 17.Z0 Uhr der mit an der Spitze liegende Arbeitersportverein R o t- W e i ß und der neue Kreismeister Neukölln-Britz. Rot-Weiß mußte sich seit mehreren Jahren stets nur mit dem zweiten Platz begnügen, wird aber dem Meister ein achtungsvolles Resultat abnötigen. Anschließend werden auf gleichem Platz eine kombinierte Berliner Sportl«rinn«n-Mannschaft, die anfangs Juni mit dem�Kreismeister eine Gastspielreise nach Leipzig unternimmt, gegen die Sportlerinnen von Rot-Weiß um 19 Uhr spielen. ASV. Wedding und FTGB.- Tempelhof spielen am Sonnabend um 18 Uhr in der Bchmstraße. Am Sonntag empfangen der stark verbesserte Arbeitersportverein schöneberg auf dem Dominikusplatz den Männerturnverein Bernau um 16 Uhr und der Zlrbeit«rf>porwerein Wedding spielt in der Behm- strahe gegen den Freien Hockeyklrob Spandau um 17 Uhr. Mit dem„schnellsten Mann der Welt", dem englischen Renn- fahrer Sir Malcolm Campbell, wird ein Interview heute nach- mittag auf Wachsplatte unter Mitwirkung von Eduard Dietze auf- genommen und gegen 22.30 Uhr nach der Bekanntgabe der Sport- Nachrichten gesendet. Die vamenabtellung des republikanisch«» Deutschen Reichs- Aulo-Clubs veranstaltet für alle autosahrenden Damen Berlins Mittwoch, 26. Mai. eine Fuchsjagd. Start: 9 Uhr vor dem Klub- heim. Eharlottenburg, Hardenbergftr. 18. Nennungsgeld pro Wagen 2 M. Nennungen sind an die Reichsgeschäftsstelle des DRAC., Berlin-Eharlottenburg, Hardenbergftr. 18(C 1 Steinplatz 8066) zu richten. Nennungsschluß: Dienstag, 24. Mai, mittags 12 Uhr. Bslkssport Ncilkölln-Bril,. Äll- Zulchriflen sllr da, gum.Mtteilung-dlaii sind unverzüglich an Gundrlach, Neuiiilln, guldastr. SZ/ö«, 6, einzusenden. Verein siir Leibesübungen Ostring c. V..Zum Anspvrteln im Lichtenbergcr Stadion, Sonntag, iE. Mai, müssen alle Mitglieder»m lZ.»0 Uhr anwesend sein. Trainingslage jede» Dienstag, Donnerstag und Sonnabend im Lichteuberger -Stadion. Arb.ütcr-Schügenbund. Ortegruvpc Berlin. Sonntag, 22. Mai, 10 Uhr, Kleinkaliberschiegen in Friedrichsfelde. Upstallweg. Havel-Aitionsgruppe Schwarz-R«t-Sold Potsdam. Fahrtziel Sonntag, 22. Mai,„Kaputher Himmelreich". «TSV. Zriedrich-selde. Sonntag, 22. Mai. Anturnen in P-ter»haaen. Tresfvunst 7 Uhr Bahnhof Lichtenberg-Friedrichsfelde, Nachzügler ll.Z<> Uhr. 20. Mai Bcreinsanturncn Gemerndeplatz Treskowallee 14 Uhr. «stS-Vrih. Wir deteiligsn uns am Anturnen unserer Nordgrunne auf dem Domiuitusplag in Schöneberg. Treff für alle Erwachsenen und Kinder Sonntagvormittag 12. IZ— 12.30 Uhr Salteftclle Linie ii am Krankenhaus sWäld- che»).— Ab Montag, 23 Mai. wieder Uebungsbetrieb mit Musik, alle» ist zur Stelle! Freie Foto-Vereinigung 22. Fahrt nach Schildow— WUHlendeck— Pilz. Treff» ilt 7 Uhr Bahnhof Poukow.Nocdbahn. Umsteiger zum 0. Omnibus. ASV. Sprsizvialde lSZ2. Jeden Freitag ZO Uhr Mitgliederversammlung Bvrsigwaldcr Festsäle sLehnert). Spandauer Ecke Konradstrahe. Umkleide. pun räume im vorgenannten Lckal. Fahrverbindungen! Straßenbahn 23, 27, 2«, 11 und 123. Eisenbahn Bahnhof Stchhorustrahe. Qmnidus Linie 0. i, Anbadcn in Hennias» 24. Mai. Sitzung des Sportausschusses bei Lehmann 20 Uhr. Volkssport Neukölln-Britz. Zum Ansporteln des Kartells morgen im Sport» park müssen alle Aktiven antreten. Tresfvunkt kür die am«litz.Turnier he» tciligten Mannschaften 3.30 Uhr Vlatz l. Die Kinder treten 12 Uhr an. die Erwachsenen 13.30 Uhr, Beim Einmarsch darf keiner fehlen. Die Umkleide» räume des Stadions sind zu benutzen. Ab Dienstag, 24. Mai, sllr all- Ab» teilunq«n wieder regelmätziger Hallenbetrieb. FT®. Antnrveil Buhlhcide. Teilnehmer von Odersprec und Baumschulen. weg Umziehen bei Trompker Frischen. Ecke Luisenstraße. Südost und Adler-Hof Umziehen bei Pamp, Hasselwerderstraße.