BERLIN SienMg 24. Mi 1932 10 Pf. Jfr. 240 B 120 49. Zahrgans Erscheint tügltch außer Sonntags. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts' Bezugspreis für beide A u s g a d e n 75'Vf. pro Woche. 3,25 M. pro Monai ldavon 67 Pf. monatlich r'ür Zustellung ins Haus) im voraus iablbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellzebüdren SpaJautyaße xleb„Ibwasfa Anzelgenprets. Die clnspalttgr Milltmeterzetle Sl»'vs.. Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto-. Vorwärts-Berlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält üch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzerzen vor' Redaktion und Ervedttton: Berlin SW 68, Ltndcnstr? Fernsprecher' Dönbost(A 7) 292—297 Senat wird„eingeschüchtert Neuestes Stückchen aus Banzig Oaladier für Linksregierung Doch Z)aul Kaure glaubt nicht daran D a n; i g. 24. Mai.(Eigenbericht.) Mährend die Frage noch ossen ist, ob die Regierung der Freien j Stadt Danzig die von maßgebenden Seilen aus Aushebung des ruinösen Verbots der„Danstger Volksstimme" gestellten Anträge crsüllen wird, hat sie seht dos bereits angekündigte S t r a s v e r- s a h r en gegen den verantwortlichen Redakteur M e b e r eingeleitet. Man hat zwar nicht, wie ursprünglich vorgesehen, die Anklage wegen Landesverrats erhoben, sondern sich dasür ein weit tolleres Slück geleistet. Zur Grundloge der Stras- versolgung ist der{05 des Slrofgesehbuches genommen worden, wonach jemand, der „es unternimmt, den Senat oder die Lürcerschast einer der Freien Hansestädte, eine gesetzgebende Versammlung des Reiches oder emes vundesstaat» auseinanderzusprengen, zur Fassung oder Unterlassung von Beschlüssen zu nötigen oder Mitglieder aus ihnen gewaltsam zu entsernen", mit Zuchthaus nicht unter S Zahren. bei mildernden Umständen mit Festung nicht unter einem 3ahr bestrast wird. Der Tatbestand dasür wird darin erblickt, daß verössentlichun- oen in der„Danziger Volkestimme" den Senat der Freien Stadt Donzig zur Fassung von Beschlüssen durch Gewalt oder Drohung genötigt haben sollen. Als eine solche Rötigung wird angesehen, daß der in diesen Artikeln enthaltene Hinweis aus die Tagung des Völkerbundsrates aus den Senat und andere Behörden der Freien Stadt einen gesehwidrigen Druck bezweckt Hobe, da die Verössentlichungen der„Volksstimme" das Ziel gehabt hätten, den Senat„einzuschüchtern" und ihn durch die Drohung mit einem von der„Volksstimme" als gegeben bezeichneten Eingreisen der Völkerbundin st anzen zur Auslösung der SA.-Verbände zu zwingen! Zn der gesamten deutschen Publizistik dürste ein Vorgang wie dieser Slrasantrag gegen einen Redakteur einzig dastehen. Wohl in keinem anderen Staate wird man eine politische Forderung einer Zeitung als R ö I i g u n g gegenüber einer Regierung ansehen. Das Vorgehen des Danziger Senats ist aber noch aus einem anderen Grunde völlig unhaltbar. Der Völkerbundsrat. dem bekanntlich die Ueber wachung der Danziger V e r s o s s u n g obliegt, hat nämlich in einem Beschluß aus dem Zohre 1925 jedem Danziger Staatsangehörigen ausdrücklich das Recht zuerkannt, sich jederzeit mit einem Appell an ihn zu wenden. Der zu erwartende Prozeß dürste also nicht nur vom journalistischen, sondern auch vom völkerrechtlichen Standpunkt von Bedeutung sein. Nachhilfe für Lernanfänger. Hillers AÄchühen im Parlament. Auch die heutige Sitzung des Haushaltsausschusses des N c i ch s t a g s begann mit technischem Nachhilfeunter- r i ch t für die Nationalsozialisten. Sie wissen weder in der Geschäfts- ordnung noch sachlich Bescheid. Immer wieder werden sie von den Vertretern der verschiedensten Parteien auf den Weg ordnungs- gemäßer Beratung zurückgeführt. Nach kurzen Bemerkungen des Abg. Maroth(D. Vp.) und des Abg. Bautsch(Christi. So;. Bp.) kam es zur Abstimmung über die nationalsozialistischen, deutschnationalen und kommunistischen A n- träge, d'e Aufhebung aller oder einzelner Notverordnungen verlangen. Der„Block der Wilden" blieb bei allen Abstimmungen der gleiche. Die Nationalsoziali st en, Deutschnatio- » a l c n und die K o m m u n i st e n stimmten s ü r Aufhebung sämt- licher Notverordnungen seit dem Juli 1930, mit anderen Worten für dieBeseitigungdergcsamtendeutschenHaushalts- Wirtschaft, wesentlicher Teile der Zollgesetzgebung, der Beamten- gesetzgebung und der Sozialgesetzgebung. Alle diese Anträge wurden mit 18 Stimmen der übrigen Par- teien des Reichstag gegen die 17 Stimmen der nationalen Links-Rechten abgelehnt. Im weiteren Verlauf der Beratungen des Haushaltsausschusses wurde eine ganze Anzahl von Berichten des Ständigen Unteraus- schustes durch den Abg S t ü ck l e n lSoz.) erstaltet. Dabei ergab sich eine eingehende Erörterung darüber, ob die Reichsregierung berechtigt ist, die durch Notoerordnung auch für die R e ich s w e h c vorgeschriebene S o l d k ü r z u n g auf die Art auszugleichen, daß sie eine Zehrzulage zahlt. Paris, 24. viai.(Eigenbericht.) 3n einem Artikel der„Republique" bekämpft D a l a d i e r. den man als Führer des linken Flügels der Radikalen Partei bezeichnen kann, die Idee eines konzentrationskobinetts und tritt entschieden für ein Linkskabinett ein. „Einige Strategen ohne Mandat und ohne Truppen", so schreibt Daladier,„schlagen uns im Namen des Realismus vor, uns mit den Verantwortlichen der bisherigen Politik der Illusionen, des Wartschwalls und der Verschleuderung öffentlicher Gelder zu ver- bänden, die das Land verurteilt hat. In der neuen Kammer gibt es eine erdrückende Links Mehrheit. Die genannten Strategen finden sie zu stark und ziehen eine Konzentrations- regierung vor. Eine solche Regierung würde aber gleich a ni ersten Tag gestürzt werden, wenn sie sich nicht, van der Rechteri unterstützt, sofort in eine Regierung der nationalen Einig- keit verwandeln würde. Wir werden bald die wesentlichen Punkte eines gemeinsamen Aktionsprogramms festzulegen haben, aber schon heute müssen wir im vollen Einverständnis mit zahlreichen Radikalen sagen, daß wir entschlossen sind, uns allen versuchen zu widersehen, durch unterirdische Intrigen eine große Freiheitsbewegung niederschlagen zu lassen. Wir werden weder militaristischen noch finanziellen Er- Pressungen weichen. Wir werden unsere Partei ausfordern, an die Bericht für Hindenburg. Meißner fährt nach Neudeck. Staatssekretär Dr. Meißner fährt heute nach Neudeck in Ostpreußen, um dem Reichspräsidenten einen V o r b e r i ch t über die Äabinettsarbeiten zu erstatten. Der Reichskanzler ist heute und morgen durch die Tagung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags in Berlin festgehalten. Brüning und die Beamten Offiziös wird mitgeteilt:„Der Deutsche Beamtenbund wünschte den Enipfang einer Abordnung durch den Reichskanzler wegen der Bestimmungen der bevorstehenden Notverordnung. Der Reichskanzler war bereit, diesen Empfang zu bewilligen. Bevor er jedoch noch Antwort erteilen konnte, hat der Beamtenbund sich direkt an den Reichspräsidenten ge- wendet. Obgleich eine S o n d e r b e l a st u n g der Beamten wie in einem früheren Fall diesmal nicht devorsteht, dürste der Reichs- kanzler auch weiterhin zum Empfang einer derartigen Ab- ordnung bereit sein." Do X nachmittags Müggelsee. llm 10,20 Llhr in Southampton gestartet. Das Dornier-Flugschiff To. X ist heute vormittag um IN. 20 Uhr in CalShot bei«outhampton zum Weiter- fluge naeh Teutschland gestartet. Mit seiner Ankunft a u f d c m Müggelsee ist z w i s ch e n Iii und 17 Uhr zu rechnen. Unmittelbar nach der Landung wird das Flugschiff von den Pcrtretern des Neichsvcrkehrs- Ministeriums, der Stadt Verlin und der sonstigen Vc- Hörden feierlich begrüßt werden. Die BVG. hat anläßlich der Landung des Do. X einen Sonder- verkehr nach dem Müggelsee eingerichtet, und zwar wird der Betrieb auf der Straßenbahnlinie 84 E oerstärkt, während die Omnibus- linie 27 über die Muggelheimer Chaussee nach dein Restaurant „Rübezahl" verkehren wird, in dessen Nähe das Flugschifs verankert werden soll. -i- Bon der Lairdung des deutsch-ozeanifchen Flugbootes Do. X hofft die Funkstunde heute abend um 6.30 Uhr einen Funkbericht zu geben. loyale Z i> s a vi m e n a r b e i t aller Republikaner der Doktrin und der Tat zu appellieren und im Interesse der Republik und der Nation allen Schwierigkeiten entschlossen die Stirn zu bieten." Die H e r r i o t nahestehende„Ere Nouvelle" tritt dagegen dafür ein, daß angesichts der ernsten Lage Frankreichs, die schnelle und energische Entschlüsse erfordere, die Streitigkeiten mit den gc- mäßigten Rechtsparteien vergessen werden. Paul Faure wirst im„Populaire" die Frage auf, ob scmand in der Partei noch ernstlich an die Möglichkeit einer sozialistischen Mitarbeit in der kommenden Regierung glaube und antwortet daraus sofort, es genüge, von den wichtigsten Punkten des Programms, das die Sozialisten, selbst die sehr gemäßigten, durchgeführt sehen wollen, Kenntnis zu nehmen, um sich ohne jede» Zögern davon zu überzeugen, daß weder Herriol noch Painlevö etwas von diesem Programm annehmen werden. Die radikalen Führer seien bekannt. Sie hätten höchste Regierungs- Posten innegehabt. Auf außenpolitischem Gebiet seien sie von Painleve bis Herriot genau so nationali st isch wie Tardieu und Poincarö, in der Innenpolitik seien sie zögernd, schüchtern und zu Kapitulationen bereit. Der beste Beweis für den schlechten Willen und die schlechten Absichten der radikalen Führer sei ihr Schweigen. Heran an die Futterkrippe! Nationalsozialistische parteiduchwirtschast in Anhalt. Dessau. 24. Mai.(Eigenbericht.) Die neue nationalsoziali st isch- bürgerliche Re- g i e r u n g in Anhalt hat ihre Ivirksamkeit damit begonnen, die so verrufene„Futlerkrippenwirtschasl" für sich nutzbar zu machen. In der ersten Anordnung, die heute verösscntlicht wird, teilt das Staatsministerium Freybcrg-Knorr mit, daß es den sozial- demokratischen Regierungspräsidenten Paulick sowie den sozialdemokratischen Kreisdirektor Günther- Bernburg und den staatsparteilichen Kreisdirekior heinze-Desfau bis aus weiteres beurlaubt habe. Mit dieser Maßnahme sollen die Staatsbeamten kaltgestellt werden, die von der sozioldemo- kratisch demokratischen Regierung in ihre Aemter berufen wurden. In ähnlicher Weise beabsichtigt man gegen den sozialdemokratischen Stadtrat Sinsel-Dessau vorzugchen, der nach dem Willen der neuen Machthaber sofort abgebaut werden soll. Anhalt ist also aus dem besten Wege, der nationalsozialistischen Parteibuchwirtschast ausgeliescrt zu werden. Acht Todesopfer im Bleibergwerk. Giftige Gase durch Explosion. London, 24. Mai. vi» schweres vxplosionsunglück ereignete sich gestern in später Abendstunde in einem kleinen Vlciberg- Werk bei Joulgreave, das insgesamt 24 Mann be> schäftigt. Fm Augenblick der vxplosion waren sechs Vergleute in einer Tiefe von tili Metern an der Arbeit. Fünf wurden durch einstürzende vrdmassen getötet; der sechste vermochte den Schachteingang zu erreichen und Lärm zu schlagen. Von den RcttungS- Mannschaften, die sofort einfuhren, wurden drei durch giftige Gase getötet, obwohl sie Gas- masken trugen. Mehrere andere, die ebenfalls von den Gasen betäubt wurden, erholten sich bald in der frischen Luft. Unter den Toten befindet sich der Betriebs- dircktor, der die Rettungsmannschaften geführt hatte. vin tragischer Begleitumstand ist, daß seine Frau am Abend kurz vor der Zizatastrophe einem Kinde das Leben geschenkt hatte. Pastor Cremers Geheimkonten Die unrechtmäßige Verwendung von Wohlfahrtsgeldern Zm Devaheim-Prozeh besohle man sich heute zu Beginn der Verhandlung zunächst mit den Vorwürfen der Anklage gegen Pastor Cremer hinsichtlich der unrechtmäßigen ver- wendung von wohlsahrtsgeldern der hilsskasse gemeinnütziger Wohlsahrtreinrichtungen. Der Vorsitzende gab einen kurzen Ueberblick über die Gründung der Hilsskasse, der vom Reichsarbeitsministerium die Gelder für die verschiedenen Wohlsahrtseinrichtungen überwiesen wurden. Pastor C r e m e r, der Mitglied des Aufsichtsrates der Hilfskasse war, soll nun nach der Anklage im April 1324 auf einem Briesbogen des Centralausschusses für Innere Mission die Hike aufgefordert haben, für den Centralausschuß zwei Geheimtonten und„B" über 150 000 und 30 000 Mark einzurichten, ohne daß der CA. davon Kenntnis gehabt haben soll. Tatsächlich wurden die Geheimkonten eingerichtet mit dem Vermerk: „Post und Auskunft nur an D, Cremer," Nach der Anklage soll Cremer als Schatzmeister des CA. zu einer solchen Verfügung über Wohlfahrtsgelder nicht berechtigt gewesen sein, vielmehr sei dies lediglich Sache des Leiters der Wohlfahrtsabteilung des CA., des Pastors D. Steinweg, gewesen. Von diesen Konten soll Cremer nicht unerhebliche Beträge, wie die Anklage behauptet, für sich selbst verwendet haben, außerdem seien diese Geheimkonten bei Revisionen nicht vorgelegt worden. C r e m e r: In der Evangelischen Kirche ist es selbstverständlich, daß sedem Pfarrer in größeren Gemeinden Fonds für persönliche Unterstützungszwecke zur Verfügung stehen, ohne daß diese Gelder durch die Kirchenbücher gehen. Ebenso haben die evangelischen Kirchenbehörden Mittel, um in dringendsten Not- fällen zu helfen. Diejenigen, die im Dienste der Inneren Mission standen, waren von diesen Fonds ausgeschlossen. Da aber auch in den CA. aus den Kreisen der Arbeiter der Inneren Misston imnier wieder per- sönliche Bitten um Unterstützung herantraten, habe ich auch für den CA. eine» solchen Dispositionsfonds geschaffen, und zwar habe ich diese Verfügung allein getroffen, weil Pastor Steinweg damals beurlaubt war. Nach seiner Rückkehr habe ich mit ihm darüber gesprochen. Wäre er nicht damit einverstanden gewesen, dann hätte er diesen Fonds ohne weiteres auflösen können. Vors.: Die Ein- richtung von schwarzen Fonds ist ja allgemein üblich, das gibt es bei jeder Kompagnie und bei jeder Schwadron, aber die Verwendung der Gelder muh klar sein. Staatsanwalt Dr. E i ch h o l Z: Es handelte sich doch hier um Mittel des Reiches für die Wohlfahrts- verbände. Eventuell müssen wir die betreffenden Beamten des Reichsarbeitsministeriums darüber hören, für welche Zwecke das Reich die Gelder gab. C r e m e r: Die Zinsen dieser Zuschüsse für die freie Wohlfahrtspflege standen den Spitzenverbänden zur freien Versiigung. Beisitzer, Landoerichtsrat Simon: Nach dem Statut der Hilsskasse durften aber nicht Sie über diese Gelder verfügen, sondern nur die Geschäftsführung. Staatsanwalt: Wozu wurde denn überhaupt ein Geheimkonto eingerichtet? Cremer: Damit die Zinsen nicht durch die Bücher des CA. gingen." Zu diesem Komplex äußerte sich auch kurz der Sachverständige, Bücherrevisor Grade. Nach seinen Feststellungen bestand beim Bankhaus Rambaum u. Co., das sich die Hilfskasse für ihre Bank- gefchäfte angegliedert hatte, für Pastor Cremer ein Konto 1 und 2, ein Autokonto, ein Hypothekenkonto und ein laufen- des Konto, ferner bei der Hilsskasse selbst ein Konto 2, ein Auto- konto, ein Hypothekenkoirto und ein lausendes Konto. Ferner be- standen bei der Hika für den CA. die Geheimkonten A und B, ferner Siedlung?-, Grundstücks- und Dispositionskonten Bei der Durchsicht der Kontoauszüge hätten sich verschiedene Unklar- h e i t e n ergeben. Die Erörterungen hierüber wurden aber aus- gesetzt und zunächst in der Vernehmung Pastor Cremers fort- gefahren, dem der Vorsitzende weiter vorhielt, daß er S000 M., die vom CA. aus Dispositionskonto eingezahlt worden waren, auf fein eigenes Konto bei Rambaum u. Co. übertragen und darüber für eigene Zwecke verfügt habe. Das Verbrechen der Lehrersfrau Frau Ziehm weiß von nichis—„alle schwindeln" Guben, 24. Mai. Wenn all die Vorhaltungen, die der Vorsitzende der wegen Mordes angeklagten Lehrersfrau Zichm machte, ihre Richtig- keit haben sollten, so hat man es hier mit einem fast dämonischen Weibe zu tun, mit einem Menschen, der aller Hemmungen bar, nur seinen Trieben lebte. Ähre Verteidigung ist so ungeschickt wie nur möglich. Aus einen knappen Satz gebracht lautet sie: Alle, die über sie Ungünstiges bekunden, schwindeln. Ihr erster Verlobter war ein Lehrer. Die Angeklagte behauptet, ihr Bater habe das Verlöbnis gelöst, als der Verlobte sie ver- nachlässigte. Er soll die Dinge anders dargestellt haben. Natürlich sagt er die Unwahrheit. Frau Ziehm Halle ihn bei seiner vorgesehlen Behörde ln der schlimmsten weise angeschwärzl. Noch war das Verlöbnis nicht gelöst, als die Angeklagte im Alter von 20 Jahren eine Liebschaft mit dem Vater ihrer zwei Musik- schülerinnen anfing. Es war der Abdecker W. in der Nähe von Potsdam. Er soll ihr versprochen haben, sich von seiner Frau scheiden zu lassen und sie zu heiraten. Als er sich nicht scheiden ließ, schickte das damalige Fräulein Ladewig anonyme Briefe an seine Frau, in denen sie ihn schlecht machte. Sie verdrehte zur selben Zeit den Kops ihrem jungen Musikschüler B., fragte ihn, ob er bereit sei, für sie sein Leben zu lassen, und bat ihn, festzustellen. wann Frau W. allein zu Hause sei. Sie entwendete ihm einen Dolch, borgt? bei seinem Freunde einen Revolver und schoß aus die Frau ihres Geliebten. Den Schuß, den sie zufällig aus sich selbst abgefeuert hatte stellt sie vor Gericht als Selbstmord- versuch dar. Damals schrieh sie aber aus dem Krankenhaus an ihre Mutter:„Es war ein unglücklicher Zufall, mein« Stunde hat noch nicht geschlagen." Jlzre Mutter behauptete, sie hätte ihr eine Flasche Salzsäure abgenommen, sie war für Frau W. bestimmt. Frau Zichm kann sich all dessen nicht mehr entsiim«»! schildert aber die Dinge so, daß nicht sie sich an W. gehängt, sondern er sie noch dann versolgt habe, als sie bereits mit dem Lehrer W e i ß h a u p t verheiratet war. Die Ehe habe sich sehr unglücklich gestaltet Noch war sie aber mit ihn nicht geschieden, als sie bereits intime Beziehungen zu einem Oberförster ausnahm und die Scheidung war noch nicht rechtskräftig, als sie ein H e i r a t s- inserat aufgab. Durch dieses Inserat fand sie den Lehrer Ziehm. Von seinen beiden Kindern aus erster Ehe spricht sie nicht anders als von den Kinderchen, sie seien ihr sehr an das Herz gewachsen gewesen. Der Vorsitzende hält ihr" vor, daß der kleine Hansgeorg bereits schon srüher einmal an einem verdächtigen Darmkartarrh erkrankt sei, während sie immer von Herzkrämpfen gesprochen habe, daß ein anderes Mal der Verdacht ausgesprochen worden sei. sie habe den Jungen absichtlich nur ganz leicht gekleidet bei großer Kälte gehen lassen, damit er krank werde; daß sie den Ausspruch getan habe, es wäre besser gewesen, wenn keine Kinder da wären; daß sie zum Bater der Kinder gelegentlich einer Auseinandersetzung gesagt habe: Deine Lausejöhren, es kommt noch ganz anders, es kommt noch zur Katastrophe: daß sie den aus? geweckten Hansgeorg blöde genanm, und erklärt habe, das Kind stinke ihr entgegen, wenn sie ins Zimmer komme. Die Angeklagte bestreitet das alles oder kann sich dessen nicht entsinnen. Sie leugnet auch, daß das Kind eingeschüchtert gewesen sei, es habe ihr nach den Augen gesehen. Bei Erörterung des Feuertodes des kleinen Heinz meint der Vorsitzende zur Angeklagten, man habe die Vermutung gehabt, daß sie dabei die Hand im Spiel gehabt habe.„Aus- geschlossen", sagt Frau Ziehm. Am Tage unmittelbar nach der Beerdigung des Kleinen war sie äußerst angeregt, hat, angeblich um den Mann aus seiner gedrückten Stimmung zu bringen, den Bünte» Abend im Radio angehört und dabei laut gelacht. Ihre Schwägerin hat ihr auf den Kopf zugesagt: Du mach st auf mich den Eindruck, als wäre st du froh gewesen, wenn auch der Hans umgekommen wäre. Eine dunkle Rolle spielt ein Testament des Ehemanns, das er während einer Krankheit ausgesetzt hatte. Die Angeklagte war von ihm als Erbin eingesetzt. Als er das Testament zurückhaben wollte, sagte sie ihm, sie habe es nicht mehr. Nach ihrer Verhaftung sand er es unter ihrer Matratze. Frau Ladewig, die Mutter, hat ihre Tochter in der Vor- Untersuchung schwer belastet. Sie oersucht jetzt, abzumildern. Sie hätte ihrer Tochter Else hundertmal gesagt, es wäre besser, wenn die Kinder nicht dagewesen wären; sie hätte ihr aber gut zugeredet, sie solle mit dem Jungen nicht so schroff umgehen, sie möge gütig und geduldig sein. Der Parteibuchbeamte. Er will nicht so genannt werden. Einen Strafbefehl über 100 Mark, der wegen seiner Be- gründung fast humoristisch wirkt, erhielt jüngst der verantwortliche Redakteur unseres Gothaer Parteiblattes zugestellt. Wie aus dem Wortlaut des Schriststückes hervorgeht, ist diese Justiz- aktion deswegen erfolgt, weil in einem Artikel des Gothaer„Volks- freund" dem Nazibürgermeister M a r f ch l e r der Stadt Ohrdruf vorgeworfen worden ist, er sei ein Parteibuchbeamter. Das Wort„Parteibuchbeamter" ist eine Erfindung der Nazioten und soll bekanntlich diejenigen Personen treffen, die ohne besondere berusliche Vorkenntnisse auf Grund ihrer össentlichen Tätigkeit eine Beamtenstelle erhalten haben. Diese Definition trifft aber nicht nur auf den Regierungsrat Hitler, sondern genau so auf den Bürgermeister Marschler zu, der von Haus aus Handlungsgehilfe war und keinerlei Beamten- ln usbahn im Verwaltungsdienst aufzuweisen hatte, als er von den Nazis zum Bürgermeister von Ohrdruf gemacht wurde. Daß sich dieser Marschler nunmehr durch die' seinem eigenen Wörterbuch entnommene Bezeichnung„Parteibuch- beamter" getroffen fühlt, ist ein schlechter Witz. Kein Witz ist jedoch, daß ein Gericht auf eine solche Anzeige eines Gekränkten hin, ohne den Angeschuldigten auch nur zu hören, einen S t r a f b e f e h l losläßt. Selbstverständlich hat der betreffende Redakteur gegen den Strafbesehl Einspruch erhoben, und nunmehr wird sich in öffentlicher Gerichtsverhandlung zeigen, ob der Gebrauch des Wortes„Parteibuchbeamter" ein Sonderrecht der Nazipresse ist. Die Börse ist verstimmt. Weichende Kurse bei völliger Geschästslähmung. Die Börse eröffnete heute nach den scharfen Kursrück- hängen der letzten Tage wiederum sehr schwach. Eine ganze Anzahl Momente traf zusammen, um die lähmende Geschäftsunlust auf- rechtzuerhalten. Zunächst spielte die politische Unsicherheit, die mit der heutigen Eröffnung des Preußischen Landtages verbunden ist, eine große Rolle und die ungeklärte Lage im Reiche, besonders die noch nicht getroffenen Ergänzungen für das Reichskabinett ver- stimmten allgemein. Es kommt hinzu, daß völlige Unklarheit über das starke Angebot von Auslandsware besteht, und vielfach wird die Ansicht vertreten, daß es sich hierbei um„Kofferware", also um über die Grenze geschmuggelte Wert- papiere handle. Der R e n t e n m a r k t war allgemein unsicher. Pfandbriefe lagen im Durchschnitt etwa Yt Proz. schwächer als gestern, während die Kommunalwerte sich im ganzen behaupten konnten. Die Kurs- verluste am Rentenmarkt sind seit dieser Wiederaufnahme der Börse nach den Psingstfeiertagen recht erheblich und überschreiten im Durchschnitt 10 Proz. Kabinett Venkm fast unverändert. 7!ur drei Minister erseht. Brüssel, 24. Mai.(Eigenbericht.) Das neue Kabinett des bisherigen Ministerpräsidenten R e n k i n ist am Montag von dem belgischen König ernannt worden. Der Ministerpräsident übernimmt zugleich das Amt des Finanz- Ministers. Außenminister bleibt der liberale Abgeordnete H y m a n s. Dem Kabinett, das sich fast ausschließlich aus katholischen Konser- vativen und liberalen Flamen zusammensetzt, gehören auch je ein slämischer und wallonischer Vertreter der christlichen Gewerkschäften an. Insgesamt wurden von Renkin aus seinem bisherigen Kabinett drei Minister ausgewechselt. „Oeffenilichkeit". Der Freispruch eines Stahlhelmreferendars. Gründe sind wohlfeil wie Brombeeren,— so läßt Shakespeare seinen Falstaff sagen. So denkt auch manches Gericht, wenn es den Freispruch des Rechtsparteilers zu begründen gilt. In dem am Rhein gelegenen Städtchen Rheinbrohl hatte sich vor kurzem folgendes zugetragen: Im Anschluß an ein Saufgelage waren drei dem Stahlhelm nahestehende Referendare unter gröhlendem Gesang des Stahlhelmliedes nach dem Bahnhof gezogen. Unterwegs rem- pelten sie eine von der Wanderfahrt zurückkehrende Radfahrergruppe der SAJ. in„gehobener Stimmung" an. Dem Gruppenführer der SAJ. gelang es durch seine Besonnenheit, einen ernsten Zusammen- stoß zu vermeiden, aber nicht ohne daß die Stahlhelmreferendare sich in wüsten Beschimpfungen gegen die Republik ergingen. In djesen Beschimpfungen tat sich besonders der Referen- dar A u g u st i n hervor. In erster Instanz wurde der Schimpfbold auf Grund des Re- Publikschutzgesetzes zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Aber die Große Strafkammer beim Amtsgericht Neuwied hob dieses Urteil auf mit folgender Begründung: Die Beschimpfung der Staatsform durch den Referendar sei zwar erfolgt, aber sie sei nicht— öffentlich st gewesen. Zwar habe sich der Vorfall auf offener Straße und inmitten einer größeren Menschengruppe abgespielt. Aber diese Kruppe, die Rad- fahrergruppe der SAJ., sei durch den Zusammenstoß zu einer„E i n- h e i t" geworden, und daß noch weitere Personen die Beschimpfung der Republik gehört hätten, sei nicht festgestellt. Daher liege keine „Oefsentlichkeit" vor. Zu dieser Begründung ist nicht» weiter zu sagen, als daß sie den Versuch darstellt, durch Verdrehung klarer Begriffe, eine Ge- setzesvorschrift in ihr Gegenteil umzubiegen. Mit Recht und Rechtsempfinden hat eine derartige gewundene Rabulistik nichts zu tun. Es wäre zu wünschen, daß über diese seltsame Auslegung des Begriffs der Oefsentlichkeit eine Entscheidung des Reichsgerichts durch die Staatsanwaltschaft herbeigeführt wird. An den I u st i z m i n i st e r muß die Frage gerichtet werden, ob er diese sauberen Referendare noch weiter im Vorberei- tungsdienst zu behalten gedenkt. Trauerfeier für Lobkowicz. In der Kapelle des St.»Hildegard-Krankenhauses am Reichskanzlerplatz fand heute vormittag unier starker Beteili- gung die Einsegnung der Leiche des beim Avus-Rennen am Sonn- tag tödlich verunglückten Fürstm Lobkowicz statt. Der Sarg war unter einer Fülle von Blumen und umgeben von zahlreichen Kranz- spenden aufgebahrt. Neben den nächsten Angehörigen, der Mutter und der Schwester des Verunglückten, sowie sonstiger Verwandter nahmen an der Trauerseier viel« bekannte Persönlichkeiten des Autosporls teil. Pater Ehring zelebrierte die Messe und segnete die Leiche ein. Im Laufe des heutigen Tages wird der Sarg in die Heimat des Fürsten, nach Schloß H o r i n in der Tschechs- slowakei, übergeführt, wo die Beisetzung in der Familiengruft der Fürsten Lobkowicz erfolgen wird. Zugkatastrophe in Ostchina. 40 Tote, über'lOV Verletzte. Chat bin, 24. Mai.(Beulet.) Bei einem Eisenbahnunglück in der Bähe von Zaplonjo an dem östlichen Teil der Ost chinesischen Eisenbahn sind 40 Personen gelötet und mehr als hundert verletzt worden. Wie verlautet, handelt es sich um einen Zusammen st oß zwisäien einem Güterzug und einem von Flüchtlingen besetzten Güterzug. Erklärung. Die Lederfabrik Hirschberg, vorm. Heinrich Koch u. Co. in Hirschberg(Saale), ersucht uns um Aufnahme folgender Berichtigung: Sie bringen in Ihrer Zeitung Nr. 206 vom 3. Mai 1932 in einem Artikel„Durchs Hakenkreuz ums Brot gebracht!" eine Nachricht aus Weimar, die sich auch mit den Verhältnissen bei unserer Firma beschäftigt. Sie schreiben: der großen Leder- fabrik in Hirschberg an der Saale sind in letzter Zeit mehrfach große Aufträge verloren gegangen, weil auf dem gelieferten Leder mit Kreide geschmierte Hakenkreuze zu finden waren. Das ist nicht wahr. Es ist uns auch keinerlei Beschwerde darüber zugegangen, daß aus unsere Ware Hakenkreuze aufgemalt gewesen wären. Un- � wahr ist ferner Ihre Behauptung, daß Auslandsvertreter unsere Firma verlassen hätten, ohne Austräge zu erteilen, nachdem sie in dem Betrieb bemerkten, daß überall die Wände mit Hakenkreuzen beschmiert waren. Es war weder ein Auslandsvertreter bei uns, noch sind und waren die Wände überall mit Hakenkreuzen beschmiert, noch dulden wir im Betrieb Hakenkreuze oder sonstige politische Abzeichen.", Wir würden bedauern, wenn die uns aus sonst zuverlässiger Quelle in Weimar zugegangenen Informationen sich als unrichtig herausstellen sollten. Todessturz vom Sahnffeig. In den heutigen Vormittagsstunden kam die 83 Jahre alte Frau Erna Neu mann aus der Hossmannstrahe 19 in Adlershos aus tragische Weise ums Leben. Frau N. wartete aus dem Bahnsteig in Adlershof aus einen nach Berlin fahrenden Zug. Plötzlich erlitt sie einen Schwächeanfall und stürzte aus die Gleise. Im selben Augenblick fuhr der Vorortzug ein. Der Lokomotivsührer versuchte mit allen Mitteln zu bremsen, bei der kurzen Entsernung konnte er den Zug aber nicht mehr rechtzeitig zum Halten bringen. Die Un- glückliche wurde überfahren und aus der Stelle getötet. Tagung sozialistischer Kommunalpolitiker. Am 26. Mai findet in Berlin eine gemeinsame Tagung des Kommunalpolitischen Beirats der Partei und des Reichsausschusses für Kommunalpolitik statt. Ein Finanzfachmann wird über das Thema„Die Kommunen unter der Herrschaft der Notverordnungen" sprechen. Weiter werden die so wichtigen Gegenwartsfragen der Gemein- Wirtschaft und die Angelegenheiten der össentlichen Geldinstitute behandelt werden. Der Beirat wird am 26. Mai interne und organi» satorische Fragen besprechen. Keine Einheitsfront. Ein kommunistischer Aufruf. Die Zentrale der KPD. erläßt in der„Roten Fahne" einen Aufruf mit der Ueberschrift„Rote Einheitsfront gegen die Preußenreaktion". In diesem Einheitsfrontaufruf wird die Sozialdemokratie in gewohnter Weife beschimpft: „Die Sozialdemokratie sucht erneut die Massen zu betrügen und sie von der Notwendigkeit des außerparlamentarischen Massen- kampfes abzulenken. Sie versprach den Massen, daß durch die Hindenburg-Wahl der Faschismus geschlagen werde. Jetzt muß sie zugeben, daß das eine Lüge war. Jetzt erklärt sie in srechcr Dcmago- gie: es hinge von den Kommunisten im Landtag ab, ob die Faschisten zur Macht kommen, während in Wirtlichkeit die Seoering und Braun ihre Bereitschaft, abzutreten und die Hitler-Partei zur Ausübung der Regierungsgeschäste„heran- zulassen", unzweideutig bekannt haben... Die KPD. wird sich durch ein solches betrügerisches Geschrei der SPD. in ihren revo- lutionären Entscheidungen, auch im Parlamerrt, nicht beirren lassen. Sie brandmarkt das Braun-Severing-Kabinett als eine Regierung, die in der Knebelung des revolutionären Massenlämpfes, in der Faschisierung des Staatsapparates und der Massenbelastung der Werktätigen alle anderen Länderregierungen Übertrossen Hot. Sie wird nach wie vor den schärf st«n Kampf gegen diese Regierung und für ihren Sturz durch die revolutionären Arbeitermassen führen!" Also wie bisher gemeinsam mit den Faschisten gegen Braun-Severing? Nein, denn nun kommt die Wendung gegen früher: „Die KPD. wird in schärfstem Maße den Kampf der Massen gegen den chitler-Faschismus organisieren, weil er in noch brutalerer Weise und in noch schnellerem Tempo die faschistische Diktatur in Deutschland verwirklichen will. So wie sie die Massen zum schärssten Kampf gegen die arbeiter- feindliche Politik der SPD. aufruft, so wird die KPD. dem Hitler- Faschismus in keiner weife ermöglichen, den großen und unüberbrückbaren Gegensatz zwischen der KPD. als der einzigen prole- tsrischen Parin uno der Sozialdemokralischen Partei für sich aus- zunutzen und dadurch auch nur innerhalb des Parlaments Erfolge zu erzielen. Die KPD. wird mit aller Rücksichtslosigkeit ihren Kampf gegen die Braun-Severing-RsgieruiiH fortsetzen und an ihrer Taktik gegen- über der arbeiterfeindlichen Politik der SPD. nicht das allergeringste ändern." Die Kommunisten versprechen also, den Kampf gegen die Sozialdemokratie wie bisher fortzusetzen. Das Neue an ihrer Erklärung ist, daß sie in Zukunft auch gegen den Hitler-Fafchismus kämpfen wollen. Wenn Worte noch einen Sinn haben, so heißt das, daß in Zukunft der Kampf gegen die Sozialdemokratie nicht mehr so geführt werden soll, daß die Nationalsozialisten davon einen Vorteil haben. Die Taktik des Mitmachens bei dem Stahlhelm- Volksbegehren wäre damit erledigt. Im übrigen spricht der Aufruf ausdrücklich von dem großen und unüberbrückbaren Gegensatz zwischen KPD. und Sozialdemokratischer Partei. Das kennzeichnet das Einheits- frontgerede der Kommunisten. Wenn der Gegensatz unüber- brückbar ist, so gibt es keine Einheitsfront! Das Hohenzolternwori. Esivird feste interpretiert. Man eren wie beimpferdestandel. In der„DAZ." verbreitet sich Dr. Friedrich T h i m m e über die Zusage des Exkronprinzen an Stresemann, sich der Politik fernzuhalten. Unter den Dokumenten, die er veröffentlicht, befindet sich das Original des Briefes von Stresemann an den Exkronprin- zen vom 24. November 1923. Darin heißt es: „Das Kabinelt hat ferner Kenntnis genommen von Ihrer Erklärung, sich von politischen Einmischungen fernzuhalten." Danach steht also fest, daß das Kabinett im Glauben war, eine Erklärung des Exkronprinzen erhalten zu haben. Herr T h i m m e aber belehrt uns: „Tatsächlich lag ja eine eigene Erklärung des Kronprinzen gar nicht vor: es handelte sich, um e» nochmals zu betonen, nur um eine mündliche Zusiche- rung des kronprinzlichen Bevollmächtigten, die dieser vom Standpunkt seines Herrn als Unbedenkliches glaubte abgeben zu können." hohcnzollern geben also keine Erklärungen ab, sie lassen durch Bevollmächtigte etwas erklären, um später sagen zu können: i ch habe ja gar nichts erklärt! Man fühlt sich lebhaft an Pferde- Handel erinnert. Dies ist die erste Ausrede. Die zweite lautet: es habe sich nur um Fernhaltung von politischer Einmischung, nicht von poli- tischer Betätigung gehandelt. Danach soll dann offenbar er- klärt werden, die Exkronprinzenparole für Hitler sei nur Betäti- gung, nicht Einmischung gewesen! So endet die Verteidigung des Exkronprinzen durch Thimm« mit einer vollen Bestätigung der Berechtigung der Angriffe aus den Exkronprinzen, und niemand ist nun mehr im Zweifel, was ein hohenzollernwort wert ist! Bankier Borchardt vor dem Schier. Oeneraldirektor Apelbaum entlasten. Die Untersuchung der schweren Beschuldigungen, die gegen den Bankier Heinz Borchardt und den Generaldirektor Dr. A p e l- bäum erhoben wurden, hat jetzt eine gewiss« Klärung erfahren. Dr. Apelbaum, der Generaldirektor der„Vereinigten Kranken- Versicherung A.-G.", ist im Laufe der Nacht nach mehrstündigen Vernehmungen von der Polizei entlassen worden. Die untersuchenden Kommissare hatten sich mit dem Oberstaatsanwalt Sturm in Verbindung gesetzt. Nach längeren Konferenzen wurde dieser Entschluß gesaßt. Apelbaum wurde aber aufgegeben, sich zunächst zur Verfügung ber Behörden zu halten. Bei Bankier Borchardt hat die Untersuchungsbehörde die Berdachtsgründe für so schwer gehalten, daß sie ihn nicht au» dem Polizeigewahrsam entlieh. Der Bankier ist im Laufe des Vormittags dem Unter- suchungsrichter im Polizeipräsidium vorgeführt worden. Von der richterlichen Entscheidung werden die weiteren Mahnahmen abhängen. Im Lause der vergangenen Nacht fanden Gegenüber- st e l l u n g e n der Angeschuldigten mit den Anzeigenden statt. Dabei ergab sich nun, daß die Gedewag in ihrer jetzigen Zusammen- setzung' mit den Versehlungen des Borchardt nicht in Zusammen- hang zu bringen ist. Die Verfehlungen Borchardts sollen Haupt- sächlich in den Jahren 192S/2K begangen worden sein. Die Untersuchungen sind bis jetzt natürlich noch nicht abgeschlossen. Die Gutacblcn der Büchersachverständigen sowie die des Reichsaussichtsamtes sind bisher noch nicht eingegangen. Ein vorbildlicher Mäzen James Simon gestorben Montag starb in Wilmersdorf James Simon, der frühere Chef der Baumwollgroßhandlung Gebrüder Simon, im 81. Lebensjahre. Das von dem Onkel übernommene Geschäft, das vor dem Kriege Weltruf hatte, brach 1927 zusammen, da der Versuch, dem Textil- Handel Fabriken anzugliedern, mißlungen war. James und sein Bruder Heinrich haben damals ihr gesamtes Privatvermögen in die Konkursmasse geworfen. Heinrich erschoß sich und Jame» zog aus seinem reichen Kunstheim am Tiergarten in eine kleine Etagen- wohnung, in der er auch gestorben ist. Auch das Personal hing an dieser menschlich bedeutenden Persönlichkeit, die auch als Arbeitgeber wußte, was sich seinem Personal gegenüber gehörte. Wir sind heute gegen den Begriff Mäzen mißtrauisch geworden. Zu oft haben wir erlebt, daß sich hinter diesem Ehrentitel höchst 3ames Simon eigensüchtige Motive verbergen, daß er nur ein Aushängeschild für selbstische Interessen war. Bei James Simon trifft das nicht zu. Er hat das ererbte und verdiente Vermögen selbstlos in den Dienst der Kunstpflegs gestellt, in den Dienst einer Kunstpflege, die wesent- lich auf Museumszwecke gestellt war, wie es in der Zeit lag. Für seine Person blieb er bescheiden: von all den Ehrungen, die ihm angeboten wurden, nahm er nur den Ehrendoktor an. Seine Beliebt- heit bei dem früheren Kaiser nutzte er nur im Interesse der Kunst aus. So ist dieser jüdische Kaufmann wirklich im besten Sinne des Wortes ein Mäzen der Künste und Wissenschaften geworden: das größte Beispiel im kaiserlichen Deutschland. Wo es ein Unternehmen, besonders auf dem Gebiet der Alter- tumssorschung im Orient, in Aegypten, oder der Kunstforfchung zu finanzieren galt, stand James Simons Name als Stifter voran. Er war einer der ersten, die nach dem Vorbilde Bodes Kunstwerke zu sammeln unternahmen: sein Haus in der Tiergartenstraße barg Schätze ersten Ranges wie den Kops der Königin Teje aus der Dynastie des Amenophis und der Rofretete, und den Deister Ver- meer:„Das Gespräch mit der Dienerin" Aber Simon hat anders gehandelt als die meisten von denen, die mit Bodes Rat und Vor- bild ihre Häuser mit erlesenen alten Kunstwerken füllten und die dann unter dem Drucke der Kriegs- und Nachkriegszeit ihre Kunst- werte ins Ausland verkauften, ohne sich an die Zusage zu binden, all das einst der Oesfentlichkeit zuzuwenden. Als das Kaiser-Fried- rich-Museum 1904 eröffnet wurde, stiftete James Simon seine Renaissance-Sammlung, Gemälde, Bildwerke und Möbel meist aus dem italienischen IS. und 16. Jahrhundert, dorthin Als in sich geschlossenes„Kabinett Simon" hält dieser Raum die Erinnerung an diese großzügige und leider kaum nachgeahmte Ctis- tung eines großzügigen Kunstfreundes fest. Nur eine Nachfolge hat jene Schenkung gefunden, aber der Stifter war wieder James Simon selbst. Für das Deutsche Museum� die andere Lieblings- schöpfung Bodes, schenkte er einen umfangreichen Bestand Haupt- sächlich an Plastiten aus Süddeutschland, der heute in drei Räumen im Anschluß an die altniederlöndische Abteilung der Gemäldegalerie zu sehen ist. Das geschah, als Simon gezwungen war. wesentliche Teile seiner Gemäldesammlung zu veräußern Während reichere Kapitalisten nur Raffer blieben, wurde dieser auch ein Schasfer. Die Freundschaft mit Wilhelm Bode bedingte natürlich die Richtung seiner Kunstliebe: sie war ganz der alten Kunst zugewendet. Kunst bedeutet für diese Epoche des Kapitalismus zugleich Schatz. Die großen Namen der Kunstgeschichte nicht nur, auch das alte wertvolle namenlose Kunstgut. das eine ganze Zeit charakterisiert— Bode hat es in vorbildlichem Milieu aufgebaut—, galt als sammelwert. Was aber im Kunsthandel nicht zu erwerben war, das muhte aus dem Boden alter Ku'turen wieder ans Licht geholt werden, und so ging mit der Sammeltätigkeit die Aus- g r a b u n g Hand in Hand. James Simon wurde so der Förderer der Deutschen Orientgesellschast. deren mannigfache Unternehmungen er unterstützte. Unsere aegyptischen und anderen Orientsammlungen sind ihm sür die herrlichsten Funde vcrpsltchtet. Nicht zu vergessen ist, daß er auch das Museum für Bölterkunde mit ins Leben gerufen hat, das dann unter seiner Mitwirkung in Staats- besitz überging. Auch für die so�ole Wohlfahrt hat dieser große Stifter eine offene Hand gehabt: Kinderschutzbestrebungen, Ferienkolonien und Schiilerwanderungen danken ihm vielfache-Zuwendungen. Die Liebe zu den schönen Kunstdingen ist dem alten Herrn bis zuletzt treu geblieben, sie war ihm Dank genug für den sozialen Dienst, den er der musealen Kunst erweisen konnte. .�Schlesische Hochzeit." Sendung der Vreslauer Funkstunde. Ein schlesischer Bauer macht Hochzeit. Das Ereignis findet im Heimatdorf der Braut wie im Dorf des Bräutigams lebhastcn Widerhall. Was bringt die Braut als Mitgift ins Haus? Wi« sieht ihre Aussteuer aus? Die Betten und die Wiege, die auf den Stammhalter wartet, sind wichtig«, lebhast diskutierte Ausstattungs- stücke. Die Kleidung der Brautjungfern setzt ebenso wie das Hoch- zeitsessen die Münder in lebhaste Bewegung. Biete abergläubische Bräuche werden am Hochzeitstag beachtet und befolgt, und welcher Teil des Brautpaares in der Kirche dem anderen auf die Kleidung knien kann, der ist sicher, auch in der Che obenauf zu sein. Bon alle- dem wollte die Sendung„Schlesische Hochzeit im Mai", die der Deutschlandsender aus Breslau übernahm, eine Borstellung geben. Dos Bild wurde nicht recht deutlich. Der Text von Hans Christof K a« r g e l mochte für bodenständische Schlesier inhaltsreich genug sein; sür andere Hörer blieben zu viele Fragen, blieb zu vieles sprachlich unverstanden. Bon den zahlreichen Liedern waren nur einzelne Wortgruppen zu erhaschen, von den vielen von allzu na- turalistischen Volksgemurmel untermalten Gesprächen ebenfalls nichts mehr. Das war schade: diese volkskundliche Sendung hätte sehr hübsch und lehrreich werden können. Dazu wäre, außer einer wesentlichen Dämpfung aller„Nebengeräusche", nur die Einschal- tung eines Reporters nötig gewesen, der als verständnisvoller Er- klärer übersetzt, erläutert, ergänzt hätte. Wo in Schlesien feiert man noch Hochzeit mit diesen Sprüchen, Liedern, Bräuchen? Erst durch dieses Wissen wäre die Sendung sür die Hörer eine Spiege- lung wirklichen Lebens geworden.—h. Das Recht aufs Sonnenbad. Ueberall sieht man nach diesen schönen Sonnentagen der letzten Zeit die bernsteinfarbenen oder rotbraunen Gestalten, die diese gesündeste„Sommertracht" stolz zur Schau stellen. Vor allem be- mühen sich die jungen Mädchen um diese prächtige Naturschminke. und sie huldigen damit nicht nur einer Mode, sondern kräftigen ihren Organismus, dem sie in so ausgiebiger Weise die heilkräftige Wirkung der Sonnenstrahlen zuführen. Dieses Freilicht- und Frei- lustleben der deutschen Jugend ruft den Neid eines englischen Hygienikers Herbert Barker hervor, der die noch immer nicht über- wundene Engherzigkeit in seiner eignen Heimat beklagt. Wir er- fahren hier, daß den jungen Briten noch immer nicht das Recht aus» Sonnenbad in vollem Umfang zugestanden wird.„Für mich ist diese Behinderung eine wahre Tragödie", schreibt Barker,„denn sie bedeutet nicht weniger für uns als einen Niedergang der Raste. Schon jetzt muß ein Vergleich unserer Jugend mit der deutschen jedem einsichtigen Manne zu denken geben. Das Nachkriegs- Deutschland hat sich ganz der Sonne hingegeben. Kein Gesetzgeber hat aus diesem Psade ein„Verboten" aufgestellt. Aber leider ist England das Land der Verbote geworden." Der Verfasser weist daraus hin, daß in vielen britischen Badeorten an der Küste strenge Vorschriften für die Badekleidung er- lassen sind und daß die Gäste sich in einem Kostüm zeigen müssen, das der Sonne nur wenig Zutritt zur Haut gewährt. Er sieht darin das Nachwirken eines falschen und schädlichen Puritanismus. Die Nacktkultur, die auf dem Kontineni und in den Bereinigten Staaten so große Fortschritte gemacht hat. ist auf den britischen Inseln verpönt. Obgleich die Damenmode bei der großen Toilette einen Grad der Entblößung gestattet, der vor dem Kriege in England unerhört gewesen wäre, will man sür die Gesundheit nicht dl« gleiche Duldung an den Tag legen.„Ist es nicht ein erniedrigender Gedanke", fragt Varker,„daß von allen Ländern der westlichen Welt das unsere allein seinen Bewohnern nicht gestattet, kräftig« und gesunde Körper mit Hilse der Sonne zu erzielen. Ich habe Sonnen- bäder in Deutschland, Frankreich und Italien besucht, und ich habe nicht die geringste Andeutung eines tadelnswerten Benehmens beobachten können. Im Gegenteil, ich war überrascht von der reinen und gesunden Stimmung, die ich hier fand." Baker verlangt, daß auch am englischen Strande die Be- kleidungsoorschristen weniger streng sind und schlägt vor, in allen großen Badeorten für die Gäste drei getrennte Abteilungen zu schaffen, eine sür beide Geschlechter, in dem das Sonnenbad im Badetritot gestattet fein soll, und dann zwei getrennte Einfriedungen, in denen Männer und Frauen unbekleidet sich dem Genuß ber Sonnenbestrahlung hingeben können. „Kreuzer Emden." Titania-palast. Ein guter Film der Emelka, was viel besagen will bei einem Kriegsgeschehen, das in hundert Variationen durch die deutsche Kriegs- und Nachkriegsliteratur geschleppt worden ist. Der Ratio- nalismue hält sich in Grenzen: er überschlägt sich nicht, und die Lust am ehrlichen Schildern fällt angenehm auf. Das Manuskript schrieb Louis Ralph, der auch die Hauptsigur, den Kapitän v. Müller, darstellt, in Gemeinschaft mit Alfred Halm. Dazu eine sehr strenge marinetechnische Bearbeitung, die die phantastische Kreuz- fahrt durch den Indischen Ozean in die Form eines Protokolls faßt. Beginn in Tfingtau nach der Kriegserklärung. Eine Liebes- geschichte wird so nebenbei auf die Spule gesetzt, ihre Fäden gehen durcheinander: sie ist kompliziert, verworren und stört das klare Bild. Die„Emden" läuft aus— sie soll auf eigene Faust den Krieg führen im Indischen Ozean, ohne Unterstützung eines Ge- schwaders. Das muh in absehbarer Zeit zur Vernichtung des kleinen Schiffes führen. Die„Emden" kapert Pasiagierbampfer, kapert einen englischen Kohlendampfer und läßt sich von ihm begleiten, um auf der verwegenen Fahrt nicht unter Kohlenmangcl zu leiden. Sie torpediert in nächtlicher Stille einen russischen Kreuzer aus der Reede, beschießt die Küste. Das Schicksal der„Emden" vollendet sich: Zer- störung der englischen Funkstation aus den Kokosinseln, aber ein englisches Geschwader konnte noch rechtzeitig herangerufen werden. Die„Emden" kann nicht entweichen, kämpft sich tot bis aus die bloßen Planken. Mit den letzten Ueberlebenden verläßt der Kam- Mandant das Schiff, geht an Bord des Engländers— das Abenteuer ist zu Ende. Die Photographie und das Tonbild: Zusammengestellt aus allem möglichen, was die Archive boten, nicht immer genau, aber eine wirksame Antikriegspropaganda. k. Deutsche Berhandlungssprache gefordert. Die in Bad Harzburg tagende Mitgliederversammlung der Deutschen Tuberkulose- g e s e l l sch a f t besaßte sich u. a. eingehend mit den Beschwerde darüber, daß auf der Internationalen Tuberkulosetagmig nur eng- Irsch und französisch als Verhandlungssprachen zugelassen seien. Es wurde beschlossen, zu fordern, daß die deutsche Sprache künstig als gleichberechtigte Berhanblungssprache zugelassen werbe. Falls sich das nicht erreichen lassen sollte, wird die Deutsche Tuberkulosegesell- schaft ihre Mitglieder auffordern, aus den internationalen Tagungen keine Vorträge mehr zu halten. Wahl Einsteins für die Herbert-Spencer-Prosesiur. Professor Einstein ist, wie aus London gemeldet wird, für die Oxforder Herbert- Spencer-Prosessur für 1933 gewählt worden. Gustav Griindgcns, dem von Intendant Eberl die Regie von OsfenbaKs „Banditen" an der Städtischen Oper übertragen wurde, spielt und singt in seiner Inszenierung die Rolle des Antonio. Moderne jugoslawische Kammermusik. Das Zagreber Streichquartett gibt Donnerstag, M Uhr, in der Singakademie ein Konzert mit Werken von Slavenski, Papandopulo, Baranovic und Odak. In der Gesellschast sür wissenschastlich« Philosophie spricht beute, L0 Uhr lSchumannstr. 21), Prof. B a p i n t über das Verhältnis der neueren Physik zur Biologie und Psychologie. Tagung der Buchbinder. Oer 12. Berbandstag in Leipzig. Die Tagung des Perbandes der Buchbinder und Papicrver- arbeiter Deutschlands, die ain Sonntag erossnet wurde, hat durch die Zeitumstände besondere Bedeutung s ii r ö i c gesamte graphische Industriegruppe. Der Vorsitzende des Verbandes, H a u e i s e n- Berliir. konnte eine Reihe von Gästen des In- und Auslandes als Vertreter der graphischen Unionen und der inter- nationalen Bruöerorganisationen begrüßen. Haueisen wies darauf hin, daß der gegenwärtige Verbands- tag die schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe Hab«, neben einem Rück! lick auf die geleistete Arbeit eine Reihe von Folge- r u n g e n aus den wirtschaftlichen Verhältnissen zu ziehen. Diese sollen die Garantie dafür bieten, daß die Kampf- kraft der Organisation und ihre Pslichtersüllung gegenüber den Mitgliedern in deni bisherigen Umfange gewährleistet bleiben. Aus den Begrüßnngsanfprachen ist noch die des Sekretärs der Internatio- nalen Buchbinderoraanisation Hochstraßer- Bern hervorzuheben, der die besonder« Notwendigkeit praktischer internatio- nalcr Solidarität betonte. Für die Verbände der graphischen Union sprach K r a u tz vom Verband Deutscher Buchdrucker, der betonte, daß die graphischen Verbände zwar noch getrennt marschieren, aber gemeinsam s«den Gegner der gewerkschaftlichen Idee schlagen würden. S p l i e d t als Vertreter des ADGB. richtete an die Tagung den Appell, daß es in der gegenwärtigen Zeit besonders not- wendig sei, die Nerven zu behalten. Trotz aller Not werde dann die Arbeiterbewegung beweisen, daß sie in dieser Periode der Verzweiflung die Vernuft, aber auch die Kraft behalten habe. Am Montag wurden als Vorsitzende der Tagung Georg Zinke und Karl Hasche gewählt. Dann gab.Haueisen den Tätigkeitsbericht des Verbandevorstandes. Der Verband hat neben 12 Gau- Verwaltungen lbü Zahlstellen. Trotzdem nur ein Viertel der Ver. bandsmUglieder voll arbeitet gegen die Zeit höchstbester Konjunktur, ist nur eine Zahlstelle ausgelöst worden. Die M i t g l i e d e r z a h l von rund 50 000 ist etwas zurückgegangen. Das hängt in erster Linie mit der Fluktuation der weiblichen Mitglieder zusam- men. Der Verband war imstande, seine Untcrstützungsleistungen gegen das Jahr l02d fast zu verdreifachen und so seinen Mitgliedern ein vorbildliches Maß von Pflichterfüllung auch in diesen schweren Zeiten zu beweisen. Ferner ist festzustellen, daß gegenwärtig für rund 72 000 Berussangehörige die Lohn- u n d 2lr- beitsbedingungen tariflich geregelt sind und daß so- wohl die Betriebsrätearb«it wie die Bildungsarbeit des Verbandes eine ansehnliche Tiefenwirkung erzielt hat. Haueisen sprach dann mit aller Deutlichkeit aus, daß die Ein- griffe des Reiches in die Lahnbildung gerade für die Buchbinder eine schwere Belastung gebracht habe und daß sür den V«r- band bere'ts in nächster Zeil schwere Entscheidungen bevorständen. Das Referat des Verbandsvorsitzenden wurde mit großem Beifall aufgenommen. Der Verbandskassierer Wilhelm G r e n e berichtete, daß das finanzielle Fundament des Verbandes durch die schwere Belastung mit Unterstützungen zwar etwas geschwächt, doch keineswegs er- schlittert ist. Michaelis, der Schriftleiter des Verbandsorgans, wies darauf hin. daß es möglich gewesen sei, das Derbandsorgan trotz aller Einsparungen modern zu gestalten. Die A u s s p r a az c ergab in auen diesen Fragen volle Ein- mütigkeit, so daß der erste Arbeitstag der Tagung des Verbandes der Buchbinder und Papierverarbeiter Deutschlands als ein in jeder Beziehung günstiger und fruchtbarer Auftakt zu werten ist. Oer TexiilkonsickS in England. Vertreter von 200 000 Baumwollarbeitern haben jüngst auf einer Konferenz in B l a ck b u r n beschlossen, unter den Ar- bcitern eine Abstimmung über die Frage zu veranstalten, ob sie den Beschluß der Unternehmer, die Arbeitszeit- und Lohnvereinbarungen z» kündigen, mit einem Streik beantworten wollen. Wetter für Berlin: Meist stärker bewölkt und noch etwas Regen, wenig Temperaturänderring.— Für Deutschland: In den meisten Gegenden sortdauernde Rcgenneigung, dabei im Osten mäßig warm, im Westen ziemlich kühl. � Buch •Die griechifche tPlaflife*' „Einführungen" in die Antike haben wir genug, sie stammen von Archäologen und sind für einen Menschen von heutigem Kunst- empfinden ungenießbar, weil sie Philologie statt Kunsterkenntnis, Steine also statt Brot darbieten. Was uns not täte, wäre eine unbefangene, von einem Außenseiter mit archäologischen Grund- kenntnissen geschriebene Darstellung der Antike, wie wir sie heute sehen: also mit dein stärksten Nachdruck auf dem Original-Griechi- schen, vor allem dem uns nächsten, der sogenannten archaischen Kunst des 7. bis 5. Jahrhunderts, am besten mit Einschluß der so grenzenlos überlegenen und heiteren„mykenifchen" Kunst; wäre eine gründliche Trennung des abscheulichen römische» Kopien- Unwesens von den wenigen echt griechischen Arbeiten, die uns er- halten sind; endlich eine rücksichtslose Desillusionierung des„klassi- schen" Ideals an sich, das wir nur mit äußerster Beschränkung brauchen können. Kurz, es müßte sehr radikal und wohl auch sub- jettiv geschieden werden, wie es ein Künstler oder ein ganz künst- lerisch einpsindender Schriftsteller von heute und morgen allein ver- möchte. Bon all dem ist in dem vorliegenden Führer durch das Ber- liner Alte Museum von einem„Schulmann" auch nicht im ge- ringsten die Rede. Er liest sich brav und vorschristsmößig wie eine Arbeit aus einem vorgeschrittenen Seminar und enthält sich jeder, auch der zahmsten Kritik an den unantastbaren Heiligtüinern der Berliner Archäologen. Zum Beispiel ist nichts zu hören von den wohlbegründeten Zweifeln an der sogenannten„Attischen Jung- srau", die uns vor 6 Iahren für eine Million beschert worden ist. Was die Jugend mit dieser typisch philologischen Aufzählung und Beschreibung von /intiken Ueberbleibseln anfangen soll(„besonders ist an die Jugend gedacht worden", sagt der befürwortende Ge- lehrte)— ist nicht abzusehen. Paul F. Schmidt. Rniidfiäük am Abend Dienstag, den 24. Mai Berlin: 16.05 Was man so sagt(II. Engel). 16.50 Tiere in Not(II. Michaelis). 17.00 Violinvorträge; 17.30 Der letzte Seh nl tag(Else Lasjcer-Sdiüler). 18.00 Bikherstunde (Dr. K. Koienhiire). 18.30 Friihlingsliedcr. 18.55 Die l'unk- stnnde teilt mit. 19.00 Tagung der Bodenreformer(Dr.Wagen- baeh). 19.10 Bunter Tanzabend. 21.00 Tages- und Sportnadi- ridilen. 21.10 Sling zum Gedächtnis. 22.00 Politische /eitungs- schan(Dr. J. Ränscher). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen; 16.30 Ans Leipzig: Leber- t ragung des Nachmittagskonzert. 17.30 Das Wesen des Lebens im Lichte der heutigen Forschung(Prof. Dr. B. Bavink). 18.00 Das Thema in der Instrumentalmusik( Arb.-Gem. 1 rof. Dr. II. Mersmann). 18.30 Englisch für Fortgeschrittene (Marga von Kuhlwein und Lektor W Mann). 18.33 Wetter- he rieht. 19.00 Antisemitismus(Dr. W. Stapel und Dr. L. Holländer). 19.35 Weltpolitische Stunde. 20.00 Aus Königsberg: Komische Oper„Der Holzdieb. 20.50 Der demokratische Staat in der Krise(Reichsminister a. D. Dr h. c. F. Schiffer). 21.15 Schloßkonzert. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.35 Aus Hamburg: Die Weintraubs spielen. Sonst. Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts'-Boten oder die Postanstalten. Berantwortt. für die Redattion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin Bering: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstolt Paul Singer& Co.. Berlin Sffl 68, Lindenstr. 3. Sierzu 1 Beilage. 1 Slaais Tteeafer Diensiag, den 24. Mai staatsoper Unter den Linden ■ 20 Uhr Ariadne auf Naxos Staall.Sdiauspieltiaus Gendarmenmarkt. 20 Uhr Oer LiebestranK Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Clavigo Nähe Schlcs. SM, III. 815, StäS. 2,5, 815«. E 7 Wcicfcs. 4831 Die Dubarry *) W Reinide, Einführung in die griechische P l a st i k; an der Hand van Meisterwerken im Alten Museum. Berlin W,, de Grupter u. Co. VotZtsutüme TMer am Bilowalat; SV, Uhr Sturm im Wasserglas MMl Oper Charlottenburg öismarcksiraße 34 Dienstag, 24 Mai Turnus IV Simone Boccanegra Malkin, Remmar, Hofmann, Desial, TaI6n. Kerner Anfang 20 Uhr Ende 22 45 Uhr MAX REINHARDT INSZENIERUNG Noch 8 Vorstellungen I Bising-Theatei Täglich 8V, Uhr Madonna m hisl Dn? Erika v. Thellmann, Genia Nikolajewna. Theodor Loos Josef Wedorn Rose- Theater GroBt Frankfurter StraBe 132 lel. Weidisel t 1 3422 8.30 Uhr IVeehend im Paradies GartenbUhne 5.30 Uhr Konzert u.Variete ZiQounerliebe ©IOI0 Potsdamer Straße 38 Verlängert! .Srhanfisliai-Exprel� mit>lnr- len© Dlvtrleh. Clive Brook. Anna.'Wlay Wonjp W. 5. 7, 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Verlängert! Tlelodio der Gloho mit Richard Tauber. Alice Treff. Sxöke Sz.akall.— Jugendliche Zutritt W. 5. 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Verlanget l! Jlelodle der Mebe mit Richard Tauber, Alice Treff. Nz.öke S/iakall,— Jugendliche Zutrift W. 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 { l'UNNa�C) Ber Mchönnfc Mann im.Staate mit Siegfried Arno. Für Jugendliche freigegeben! Den ganzen Tag geöffnet! St. ab 3 Uhr Unter den Linden Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3. 5. 7. 9 Uhr Die andere Seite mit Conrad Veidt.— Riff u. Raff Im Weltkriege.— Jugendliche haben Zutritt Friedrichstadt 3 Franziskaner»rThrinvo™ Georaenstraße(Ecke Friedrichstraße) 9. 12, 3, 6 und 9 Uhr Mann über Bord mit Georgo Baneroft 10.30. 1.30, 4.30 7.30 und 10.30 Uhr In Prolongation Peter Voß. der tlillionendieb Willy Forst, Alice Treff u. a A'eueste Tonbild-Reportage Moabit Artushof Wllmc Wochent. ab 6 Uhr Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Sir. 29. 2 gr. Tonfilme: Einmal möcht ich keine Sorten haben mit]tlax Hangen.— Salto mortale mit Anna Sten. Kurt Gerron ■ we.ten» Primus-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margarctenstr. Fr auffuhning! Kreuzer Emden (Hin Heldenepos d. deutschen Marine)! mit Werner Fuetterer. Eouis Ralph. Renee Stobrawa. Fritz Greiner. C h. W. Kayser. lack long- Jlüny..— Jugendl. Zutritt.) W. 5. 15. 7.15 9 15 A Wochent. 7. QV* U AlTttttn Stg. 5, 7. 9V4 Ü. Kaiserallec, Ecke Berliner Straße Uraufführung: Prinz von Arkadien mit Willy Forst. Liane Haid.— Gutes Tonbeiprojpr. Kronen-Lichtspiele Rhcinslraße 65 Reginn 5. 7, 9 Uhr. Die Gräfin>on Monte Christo mit Brigitte Helm, R. Förster. — Beiprogramm W Charlottcnburg W Germania-Palast Uharlotlenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Der Frechdachs mit Camilla Horn. W. Fritsch. R A Roberts W. 5. 7, 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kanlstr 54(ao der Wilmersdorfer Str.) Fünf von der Jazzband mit Jenny.Ingo. Theo Shall. Rolf von Got h.— Jugendl haben Zutritt W. 5. 7, 9 Uhr Schlüter-Theater BcRinn Schlülcrslr. 17. 5. 6.30, 9 U. Sonnt. 3 Ü.: Jgd.-V. Einmal möcht ich keine So» Seil haben mit.Wax Hansen.— rei von der Stempelstelle mit Kampers.— Jugendl. Zutritt �_�chön«berg��p Alhambra xö/imm Hauptstraße 30 (iroßtonfilm: Se!ionghai-Expr mit Iharlene Dietrich. A. Wong.— Tonbeiprogramm Titania Schöneberg Hauplslr 49 W 5. 7 9 Uhr s ä. S, Einmal mächt leb keine Sergen haben mit Jlax Hansen.— Tonbeiprogr.— Jugendl. Zutritt » Uhr Steglitz Titania-Palast"u. Steglitz. Schloßslr 5. EckeGutsmuthsstr, Kreuzer Emden mit Rene Strobo�a. I Ralph. — Gutes Tonfilmbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt > g«hlen0orf-Mltt«> Zelt Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugendvorslell Potsdamer Str. 50 Keine Feier ohne Weyer mit Siegfried Arno.— Tonbeipr. Film-Palast Kammersäle TellowerStr 1 W abö1�. So.abS'�tU. Ein Lied, ein Kuß, ein Wadel mit G. Fröhlich. W. Eggerth.— Der tolle Bomberg c Tempelhof Kurfürst w- 7- � S|s- 5-'• 9 L'hr Aurrursi Stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dortstraße 22. Ecke Berliner Straße Die(Jräfin von Honte Christo mit Brigitte Holm. R. Förster Titln Ii rägUch 5. 7. 9 Uhr i lyUll stgs 3 Uhr: Jugcndvorctell Berliner• Str. 97. Der Frerhdaci» mit W- Fritsch Camilla Splm.— Tonbeiprogr. MarienderF t• Mariendorfer W 7. 8.30, lria-Ll Tonlichtspiele So. 5,7,8.30 Chaussceslr. 305. Stg. 3 Uhr: Jgd.-V. Melodie der l iehe mit Riehard Tauber.— Tonbeiprogramm.— Jugendliche haben Zuiritt Neukölln Mercedes-Palast lAts u: Hermannslr. 212. Zwei himmelblaue Augen mit C'harl. Ander. Herrn. Thimig. Ida Wüst, Jul. Falkenstein. Warschauer Unterwelt Gutes Tonhei prograrnn» Jugendliche haben Zuiritt Primus-Palast sonnt:i\S3 u. Am Hermannplalz Urbansir 72/76 W enn dem Esel zu w ohl ist... mit Welß-Ferdl.— Der Glöckner von\otre Dame(in Tonfassung) mit Lon Chaney Südosten Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 5, 6.10, 7.45, 9 Die Wasserteufel von Hieflau. — Es lebe die Freiheit mit Rene Flair Luisen- Theater Reichenberger Str. 34. Zwei Herzen und ein Schlag • mit Kilian Harvey, Wolf Albach Retty Ferner Der fliegende Teufel von Texas mit Hoot Glbson Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenickej Straße 12—14 Großtonfilm: Die Gräfip von Monte Christo mit Brig Uclm. Bud. Forster.— Beiprogramm. — Bühnenschan Treptow T repto w-Ste rn wa rte Donnerstag. 8 Uhr: Die Donau. Vom Schwarzwahl bis zum Schwarzen Meer(Film). ■ 0,ten_ 9 Germania-Palast Frankfurter Allee 314 �lark Twain s Ein Genflemen am Hofe König Artus ..Der Boß" Eine ganz tolle Angelegenheit Auf der Bühne: Die berühmten Ladies singers Die weiblichen Revellers Wochentags 6.30, Sonntags ab 5 Uhr Luna-Palast � abnmr Gr Frankfurter Str. 121 Fonwoche Die Gräfin>on Honte-('hristo mit Brigitte Helm, R Forster. — Gesangverein Sorgenfrei mit R. Roberts Schwarzer Adler ah«"« W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7, 9 Uhr 3 Tonfilme: Wamsell Aitouehe mit A. Ondra.— Der Frauendiplomat mit Mai Iba Eggerth. Max Hansen.— Tonwoche Viktoria- Theater sfgocahb 3au5 Frankfurter Allee 46 2 Tonfilme: Vater geht auf Reisen m. Hans Waßmunnt. Erika Gläßner.— Ich bleib* bei dir.. mit Herrn. Thimig, Jenny.Ingo c Neu- Lichtenberg Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70. Wo. 6.45, 9 Uhr. Sonnt. 5. ca 7, 9 Uhr Holzapfel weiß alles mit Felix Bressart.— Tonbeiprogramm. — Ton woche Kino Busch Alt-Friedi icbsfelde 3 So n W indhund mit Max Adalbert. Lucie Englisch. Riemann. Roberts.— Touboiprogramm. — Oa-Tonw oche Nordosten Prenzlauer „HySlUJn Alice 56 Beginn Wochl. 5.15, Sonnt. 3.15 Uhr Schanghai-Express mit Marlene Dietrich.— Bühne: Kapelle Ruth u. ihre Jazzboys Flora-Lichtspiele Wocht. 5.45, ca. 7, 8.45. Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme: Die Gräfin von Monte Christo mit Brig. Helm. Riad. Förster.— Dick u Dof: Hinter Schloß und Riegel Königstadt-Palast si� a6b«i Schönhauser Alice 10 Neue Direktion Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich. Toiibol|fc.— Jugendliche Zutritt Alhnwrtkm Müllerstraße 136. Alnamora Fxke tieestraße Wochent. ab 5, Sonnt. 3, 5, 7, 9 Uhr Sergeant A m. Ivan Mosjoukin. — Der tolle Bomberg mit H. A. > on Sehlettow.— Jugendl. Zutritt Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 Täglich 5. 7, 9 U. Zwei Großlonfilme: Melodie der Liebe mit Richard Tauber.— Wenn dem Esel zu wohl ist mit Vlast» Burian, Charlotte Palast-Theater �'g.Vsu� Breite Str. 21a. Der Sieger mit* Hans Albers. Käthe v\agy.— Tonbeiprogr. ���nickeRdorf-Ost�p Beba-Lichtspiele Residenzstr 121 W. 6.45 u. 8.45 Uhr So. 5, 7, 9 Uhr. Stg. 3 Uhr Jugend-V. Ein bißchen Liebe für dich mit Lee Parry. Magda Schneider.— Beiprogramm Tegel H Filmpalast Tegel �aSet Wochent 6 Uhr, Sonnt. 4.15 Uhr Sonntags 2 Uhr: Juaendvorsteltung Fräulein, ful.eh rerbynden mit Magda hiehneider.— Schritt und Tritt mit Put u. Patachon Bea W. 6, 8.30 Uhr Stßs 41�. ßH, 8% U. Berliner Sir 59 Großtonfilm: Zwei Herzen und ein Schlag mit Lilian Harvey. — Tonbeiprogranun Filmpalast föeiloge Dienstag, 24. Mai 1932 NnMpnö SfuUaaiQajßv du IbtinirA Die Wohlfahrt in der Krise Eine Uebcr sieht/ Von Marie Hirsch seitdem die Wirtschaftskrise im Jahre 1330 zur vollen Aus- Wirkung gekommen ist. hat sich der Charakter der Wohlsahrtspslege stark geändert. Bereits die Zusammensetzung der Hilfsbedürftigen zeigt den grundlegenden Wandel der Entwicklung, wie die nachstehende Sta- tistik beweist. Die Zahlen siird folgende i Berlin: Jahr Kiri»- renlner Sozial-«trieasbeschädigle JSS5}!ni,/�Sx�t renlner u-hin.er«.ed?ne« lS.adr Herbst 1329.... 21 000 00 000 1 200') 30 000 1930.... 21 000 08 000 2 700 30 000 1931... 21 000 72 000 3 000 133 000 Frühj.(Febr)1932. 20 000«5 000 3 300 251 000 Deutsche Städte: . 1 24 000 240 000 25 000 180 000 . 77 000 188 000 23 000 280 000 .122 000 270 000 25 000 798 000 .——— 1 994 000 Herbst 1929... 1930... 1931... Frühj(Febr. ,932) Aus dieser Aenderung in der Zusammensetzung der Hilss- bedürftigen ergibt sich ohne weiteres ein völliger Wandel im Ge- samtchorakter der Unterstützten: der unterstützte Wohlsahrtscrwerbs- lose ist ein Glied jener„industriellen Reservearmee", die auch in Zeiten guter Konjunktur vorhanden ist, in Zeiten heftiger und lang- wieriger Krisen aber zu einem Problem der gesellschaftlichen Ord- nung wird. Während der Renten- und Unterstützungsempfänger aus der Invalidenversicherung als arbeitsunfähiger oder alter Mensch die Unterstützung, die den Rentenbezug ergänzt, als rechtmäßige Beihilfe zur Bestreitung seines Lebensunterhalts empfindet, ist der Wohlfahrtserwcrbslose Hilfsbedürftiger wider Willen. Dieses Bewußtsein bestimmt sehr stark die Haltung der Wohlfahrts- erwerbslosen zu den öffentlichen Einrichtungen, die die Unterstützung gewähren.„Wir verzichten gern aus die Bettel- groschen, wenn man uns Arbeit gibt" ist eine Formu- lierung, die so häusig angewendet wird, daß sie schon fast zur Schablone geworden ist. Die Haltung des langfristig Arbeitslosen bestimmt sich durch das Bewußtsein, bei geringen Unterstützungssätzeil in der Lebensform und Lebenshaltung nur einen minimalen Spielraum zu haben. Gleichzeitig aber erzeugt die»nausgefüllte Freizeit das dringende Bedürfnis, dos Leben gestalten zu müssen: hierzu reicht ober wiederum das aus der Unterstützung fließende Einkommen nicht im entferntesten aus. Die Passivität, die sich bei langer Arbeitslosig- kcit einstellt, versperrt den Blick auf die Möglichkeiten zur Gestaltung des persönlichen Lebens auch dort, wo solche Möglichkeiten noch zst'Prgrelfen wären. Hier hat alle Bildungsarbeit mit Arbeitslosen anzusetzen. Die Lage der Wohlsahrtspslege. die sich aus der vollkommen veränderten gesellschaftlichen Situation ergibt, wird gekennzeichnet durch folgende Merkmole: einmal die fast unhaltbar gewordenen finanziellen Verhältnisse der Gemeinden und den damit verbundenen Zwang zum Abbau fürsorgerischer Einrichtungen und Maßnahmen: zum anderen durch die Notwendigkeit, dem Massennotstand gerode mit fürsorgerischen Maßnahmen, vor allem auf pädagogischem Ge- biet, zu begegnen. Nicht ganz so stark berührt von den Auswirkungen der Krise ist die Gesundheitsfürsorge. Der Versuch, vor allem die Schulgesundheitsfürsorge(Untersuchung und Speisung der Schul- kinder) noch einigermaße» leistungsfähig zu erhalten, wird im all- gemeinen von den Gemeinden unternommen: trotzdem sind bei den Speisungen sowohl als auch bei den Erholungsverschickungen er- hebliche Streichungen im Haushaltsplan vorgenommen worden. Sehr viel bedenklicher ist die außerordentlich starke Beschränkung aller Maßnahmen auf pädagogischem Gebiet. Hier besteht die Schwierigkeit, daß die Auswirkungen der Krise in der Arbeits- Vermittlung und Lehrstellenbeschaffung das Ergreifen zweckent- sprechender Maßnahmen fast unmöglich gemacht haben. Es bleibt nur die Schafsung ergänzender Einrichtungen, wie der Werkheime für erwerbslose Jugendliche, der Tagesheime und der Fortbildungs- und Schulungskurse, die von der Reichsanstalt für Arbeitsvermitt- lung bei den Arbeitsämtern eingerichtet sind. In Berlin werden in zeitlich begrenzten Kursen schätzungsweise jeweils 10 bis 20 Pro;. der Gesamtzahl der arbeitslosen Jugendlichen von diesen Beran- staltungen erfaßt. Alle diese ergänzenden Maßnahmen sind freilich in gewissem Sinne nur Ersatzmaßnahmen. Zum Beispiel können sie den zwang- los formenden Charakter einer guten Lehrstelle nicht ersetzen: dagegen ist der pädagogische Wert dieser Einrich- tungen, verglichen mit„dem pädagogischen Ersolg" in den Klein- betrieben des durch die Krise betroffenen Handwerkertums, hoch zu veranschlagen. Alle sürsorgerische Arbeit in den Jugendämtern und der dort eingebauten Familienfürsorgc gewinnt nur ihren Sinn in der Zusammenarbeit mit den Einrichtungen, die die Jugendlichen g r u p p e n m ä h i g erfassen. Die Unterstützung der Jugendlichen und Minderjährigen erfordert eben dem Wesen der Sache nach fürsorgerische Ergänzungsmaßnahmen. Sehr viel problematischer ist fürsorgerisches Eingreifen auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Fürsorge. Lwar läßt die Höhe der Unterstlltzungsrichtsätze und der Umfang der gewährten Sachleistungen(Kleidung) ergänzende Leistungen durch freiwillige Sammlungen, Speisungen der freien Wohlfahrtspflege oder privater Organisationen als angebracht erscheinen. Wenn sorgfältig darauf geachtet wird, läßt es sich auch leicht ermöglichen, daß solche Mehr- leistungen auch wirklich denjenigen Familien und Personen zu- kommen, bei denen tatsächlich Bedürftigkeit vorliegt. Freilich ist die Voraussetzung dafür eine intensive Kenntnis des Ausbaues des Bezirks, in dem der betresfende Fürsorger arbeitet. Aber nur ein b e st i m in t c r Kreis von Unterstützten begegnet solchen mehr oder weniger karitativen Leistungen ohne inneren Wider- st a n d. Der Unterstützte wider Willen hat bei der Gewährung von Leistungen der Wohlfahrtspflege durchaus das Bewußtsein eines Rechtsanspruchs, wenn auch nicht im juristischen, so doch im moralischen Sinne. Gerode deshalb empfindet er den Widerspruch zwischen dem von ihm geforderten moralischen Recht und der Ab- höngigkeit, die durch den Unterstlltzungsbezug und die Nachprüfung der Verhältnisse(Bedürftigkeit) hervorgerufen wird, so bcson- ders stark. Die aufgewiesene Spannung zwischen Rechtsbewußtsein und Abhängigkeitsverhältnis beim Unterstützten ist durch Maßnahmen der Wohlfahrtspflege nicht aufhebbar. Sie ist ein Problem der künftigen Gestaltung unserer gesellschaftlichen Lebens- und Arbeitsordnung. Nur das gcsellschaftlich-politische Handeln ist für die Aufhebung dieser Spannung verantwortlich. Was aber heute und jeden Augenblick geschehen kann, ist der Versuch, eine solidarische Haltung zu verwirklichen. Diese Solidarität verlangt ebenso sehr Umgangsformen der Beamten, Fürsorger und Prüfer als auch die Pflicht, im einzelnen Fall die augenblickliche gesellschaftliche Notwendigkeit des heutigen Unter- stützungssiistems dem Hilfsbedürftigen klarzumachen und ihm auf- zuzeigen, daß mit den Mitteln der Wohlfahrtspflege selbst die Span- nung, unter der er leidet, nicht beseitigt werden kann. Bedauerlicher- weise ist diese Klärung der Lage der Hilssbedürstigen bei dem Arbeitspensum, das heute zwangsläufig von den Beamten und An- gestellten der Wohlsahrtsbehördcn gefordert werden muß, häufig nicht möglich. Trotzdem gibt es ein Mindestmaß an Solidarität, das von allen, die in Wohlfahrtsbehörden arbeiten, gefordert werden muß, denn es ist sozialistische Grundüber- zcugung, daß Arbeitslosigkeit im gesellschaftlichen Sinne einen Anspruch aus Unterstützung in der gegenwärtigen Wirt- schostsordnung einschließt, und daß der Arbeitslose berechtigt ist, von denen, die noch im Arbeitsprozeß stehen, Soli- d a r i t ä t zu fordern. Hausangestellte berichten über ihr Leben >) Dos Steigen der Ziffern bei den Kriegsbeschädigten ist nach egründeter Vermutung vorwiegend aus«ine Aenderung in der jählmethode zurückzuführen. Wir wiesen bereits daraus hin, in welch kotastrophaler Weise sich die Lage der Hausangestellten im Verlauf der Wirtschaftskrise ge- wandelt hat. Eine Wanderung durch den Inseratenteil einer Sonn- tagszeitung umriß die Situation sehr klar. Wir lassen nunmehr einige Hansangestellte und solche, die die Not der Zeit zwang, jede Arbeit anzunehnicn, selbst erzählen. Eine Hausangestellte in einer Pension im Westen berichtet zum Beispiel: „Ich bin schon seit einigen Jahren Zimmermädchen in einer großen Pension. Ick) bin die einzige, die so lange ausgeholten hat. Mädchen, die gleichzeitig mit mir angestellt waren, blieben in den meisten Fällen nicht länger als ein bis zwei Monate. Gingen sie nicht freiwillig, so genügte eine Laune der Besitzerin, die Mädchen zu entlassen. Sie war mit dem Personal nie zufrieden und wechselte ebenso häutig wie gerne. Daß ich länger als alle gehalten wurde, ist nur deshalb, weil ein Mädchen doch da sein muß, das die anderen, immer wieder neuen, abrichten muß. Daß ich selber blieb, verdanke ich meiner Erfahrung, daß es anderswo auch nicht besser ist. So hielt ich eben durch. Die Pension, m der ich beschäftigt bin, war bis vor kurzem sehr groß. Drei Stockwerke mit über vierzig Zimmern. Früher waren wir vier, dann drei Mädchen, im letzten Jahre aber waren wir bloß zwei. Man stelle sich bloß vor, über vierzig Zimmer und drei Etagen! Den ganzen Tag ging es da treppauf— treppab. Ich habe überdies noch die P r i v a t w o h n u n g der Bc- sitzer zu reinigen, ebenfalls drei Zinnner. Dann muh ich mittags den Gästen servieren, die ganz verschieden zum Essen kommen. Der letzte Gast oft um vier Uhr nachmittags. Außerdem muß ich Geschirr waschen und überdies noch, seit das Büropersonal abgebaut ist. das Hau stelephon bedienen. Die Behandlung des Personals durch die Besitzerin ist skandalös. Jeder Wunsch ist ein Befehl, jede Anrede ein Gebrüll. Man hetzt mich von halb sieben Uhr sr ü h bis 11 Uhr nachts, bis ich todmüde bin und kaum mehr meine Glieder spüre. Das Essen ist wenig, man wird nie satt, und überdies noch schlecht. Wir bekommen nämlich ganz anderes Essen als die Gäste und die Besitzer. Gewöhnlich bekommen wir die Ueberreste von ein paar Tagen vor- her. Wenn wir über verdorbenes oder nicht mehr ganz irisches Essen klagen, werden wir mit einer Flut Beschimpfungen überhäuft. Es kam nicht selten vor, daß abends für uns nichts anderes da war als Kartoffeln. Wir müssen in der Speisekammer neben der Küche essen. Unzer Tisch darf nie gedeckt sein— auf dem rohen Holz stellt man uns die Schüssel hin. Es ist fast kein Unterschied mehr zum Hund, der im selben Raum mit uns frißt. Ueberhaupt ist für unsere Besitzerin Personal eine untergeordnete Menschenklasse, was sie wiederholt vor uns betont. Das ist entwürdigend. Das ist nicht mehr arbeiten, sondern dienen. Und man weiß, daß mr unsereins zehn andere schon da sind, die sroh sind zu dienen, um nicht stempeln zu müssen oder nach Hause zu fahren, wo doch auch nichts zu holen ist. Ich bin körperlich vollständig herunter. Ich habe ein schweres Fußleiden davongetragen, auf das von meiner Brotgeberin wenig Rücksicht genommen wird. Die Pension ivurde jetzt verkleinert. Nur mehr eine Etage. Ich bin jetzt das einzige Mädchen, aber für meine herunter- gewirtschafteten Kräfte genug, sechs Zimmer und die Privat- w o h n u n g in Ordnung zu halten. Als die übrigen Stockwerke auf- gelöst wurden, mußten meine Kollegin und ich den ganzen Tag schwere Möbel schleppen. Immer drei Teppen rauf und drei Treppen nmter. Es war ein unsinniges Herumräumen und eine Beschäftigung für Transportarbeiter, aber nicht für Mädchen, die überdies noch ihre tägliche Beschäftigung dabei machen mußten. Ich habe alles durchgehalten, aber lang« kann ich es nicht mehr..." (?tn Hotetziinmermädclzen erzählt:„Ich bin Zimmermädchen in einem kleinen Hotel unweit des Aleranderplatzes. Das Hotel ist ein A b st e i g e q e q u a r t i e r. Ich habe keine andere Stelle gefunden, deshalb bin ich hier. Was ich da höre und sehe, ist ekelhast. Anfangs glaulbte ich, daß ich es gar nicht aushalten werde. Aber ich habe mich an das Milieu ge- ivöhnt. Es ekelt mich nicht mehr, ich bin ganz stumpf geworden gegen die Dinge, die da hinter den Türen geschehen. Oft werde ich in ein Zimmer gerufen, um den Gästen Wein zu servieren. Auch wenn ich mich gegen viele Anrempelungen und Anzüglichkeiten wehren kann— uich dos lernt man mit der Zeit, man wird sehr grob—, so muß ich oft unfreiwilliger Zeuge von Widerwärtigkeiten sein. Dagegen kann man sich nicht wehren. Ich habe mich oft und oft vor mir selber furchtbar geschämt. Aber es ist docki so schwer geworden, Arbeit als Hausgehilfin zu finden. Außer mir ist mir ein Portier in dem Hotel. Ich habe f o st rmmerNachtdienst. Meine S ch l a f st e l l e ist in der W a s ch< k ü ch e. Der zugedeckte Waschkcssel ist mein Tisch. Das Essen ist schlecht und der Lohn nicht viel besser." Der solgende Bericht stammt von einer tcrhnisrlzcn Assistentin für medizinische Institute. „Zwei Jahre dauerte meine Vollausbildung als technische Assistentin für medizinische Institute. Mit dem Staatsexamen- zcugnis in der Tasche ging ich auf Stellensuche. Doch bald kain ich dahinter, daß dies zwecklos ist Es wurde mir geraten, mich um- zustellen und zu Kindern oder in einen Haushalt zu gehen. Ich hanc„Glück". Im Dezember vorige» Jahres bekam ich eine Stelle zu einem neunsährigen Mädchen. Die Eltern waren sehr reich. Ich fand eine höchstluxuriöse Zehnzimmerwohnung, zwei Hausgehilsin neu und einen Chmifseur vor. Meine Beschäftigung war. das Kind zur Schule zu bringen und wieder abzuholen, mit ihm die Schulaufgaben zu machen, zu nähen und für das Kind zu waschen. Zunächst war die Mutter des Kindes sehr liebenswürdig und auch das Essen war gut. Aber bald brüllte mich die Mutler bei itder Gelegenheit und meistens in sehr sinnloser Weise an. Dos Essen wurde völlig itn- genügend. Ich durfte die„herrfchastlichc" Toilette nicht betreten. ! Nie gab mir die Frau die Hand. Weshalb sie mir wohl ihr Kind anvertraute?! Ich zog die Konsequenzen. Nach einigen Wache» bat sich mir die Gelegeichcit. mich bei einer A e r z t i n vorzustellen, die ein Mädchen suchte, das ihr beini Haushalt helfen sollte und das sie dafür, in Anbetracht des nur geringen Gehaltes(Wohnung und Essen wurden mir nicht gewährt), zur Sprechstundenhilfe ausbilden wollte. Diese Ausbildung konnte ich als technische Assrsteiitin gut brauchen. Als ich mich vorstellte, wurde als meine Arbeit festgelegt: Zimmer machen, kochen und in der Praxis hellen. In Wirklichkeit war meine Arbeit solgende: 7 Uhr antreten, für den Teetisch sorgen, während das Ehepaar frühstückte, die Praxisräume säubern. Sic mußten einen Tag gebohnert, den anderen feucht auf- gewischt werden. Freitags sollte ich auch noch den Flurteppich klopfen, nach dem Bohnern Staub wischen und alles für den Patientenempfang vorbereiten, während der Sprechstunde die Tür öffnen und gleichzeitig Wohnzimmer und Küche machen. Ich er- wartete, in die Sprechstunde gerufen zu werden, denn deshalb war ich doch hier: etwas zu lernen. Aber bloß ein einziges Mal wurde ich gerufen. Im übrigen sollte ich nur alle Gefäße nach der Sprech- stunde säubern. Nachmittags ging es ebenso. Das nennt man dann„Ausbildung zur Sprechstundenhilfe". Außerdem mußte ich einholen, kochen, alles allein, dann Wäsche flicken, plätten, die Schtche des Hausherrn säubern und die schmutzige Wäsche der Aerztin in den Wäschekorb bringen. Da ich mich über die Gebühr ausgenutzt sühlte, gab ich auch diese Stellung auf." Facit. Wir haben hier drei Fälle, die in ihrer Art typisch sind. Im ersten Fall hat die Krise die Lage der Hausangestellten nur relativ geändert. Betricbsverkleinerung— Personaleinschränkung— Abwälzung der gesamten Arbeitslast auf eine Arbeitskraft. Der zweite Fall zeigt eine wesentliche Ver- önderung. Die Not Zwingt eine Hausangestellte in einem Absteige- quartier unter Bedingungen Arbeil zu nehmen, die sie selbst als moralisch unhaltbar empfindet. Eine radikale Veränderung ist auch im dritten Fall festzustellen. Die Absolventin einer höheren Schule und eines Staatsexamens muß, um zu verdienen, die Stellung einer Hausangestellten annehinen. Allen drei Fällen gemeinsam ist die unüberbrückbare Kluft, die sich krasser als in jedem anderen Betrieb zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer auftut. In Fall eins und drei unterstreichen die Arbeitgeberinnen den standesmäßigen Unterschied zwischen ihnen und dem Personal. Sie lassen deutlich fühlen, daß für sie die Hausangestellte keine Arbeitskrast ist, für deren Hilse- leistung man dankbar sein müßte, sondern eine minderwertige Abart von Mensch. In allen drei Fällen wird von der Hausangestellten die eigene Stellung und die Behandlung als entwürdigend empsunden.„Das ist nicht mehr arbeiten, das ist dienen", drückt es die Hausangestellte der Pension prägnant aus. Soziologisch für unsere Betrachtung am aufschlußreichsten ist Fall drei, weil hier ein der Herkunst und der Ausbildung nach im bürgerlichen Sinn gleichberechtigter Mensch nun plötzlich als Haus- angestellte in einem bürgerlichen Milieu steht, in dem sie bisher mit dem Anspruch aus Gleichberechtigung verkehrte. Es zeigt sich, daß weder Herkunft noch Vorbildung sie vor der Paria- st e I l u n g bewahren, in der die übrigen Hausangestellten leben. Weder die menschliche, noch die kulturelle Oualiiikatinn entscheidet, sondern lediglich Besitz und 1K e I d Die kapitalistische Ordnung enthüllt sich hier in ihrer ganzen Unmoral, die natürlich in den anderen Fallen nicht geringer ist. Lmciker. Die Sommersaison eröffnet Arbeitersportler allenthalben auf den Plätzen Bei herrlichem Sportwetter fand am letzten Sonntag im Neuköllner Sportpark das Anfporteln der bundestreuen Vereine des Kartellbezirks Neukölln statt. Pünktlich um 14 Uhr begannen unter zahlreicher Beteiligung von Männern, Frauen und Jugendlichen die üblichen Wettkämpfe. Einen spannenden Kampf gab es u. a. im 4Ül)-Meter-Lauf, den L e m g a u- ATE. nur mit Brust- breite vor Huwe-ASC, für sich entscheiden konnte. Die Zeiten und Leistungen waren in Anbetracht der Bahn- und Platzverhältnisse sehr gut. Während die Mehrkämpfe von den Zuschauern nicht gut zu übersehen sind, werden die Staffeln immer mit großem Interesse oer- folgt, und so fanden vor allem die 10 X% Runde der Männer und die Schwedenstafette der Jugend die größte Anteilnahme. Miimicr, Ziiufkampf(100 Meter, 400 Meter, Weitsprung, Kugelstpßcn, DUtuuujericii),»lasse ,S: 1. Lemgau<ÄSC.> 33«, 6,") P.:!>. Görfch I(ASC.) »43,00.«lasse B: 1. Quant(AEC.) 310,00 i. Busch(ASC.i 302,47-15. Mannet, Dreikampf(10(1 Meter, Weitsprung, Kugelstnßen): 1. Kiihne, A. s-ZsSB, �cuköiln» 211,00 P.; 2 Lchönselder(«oltäsprrt Neukillln) 100,44 P. 1. Wem(Voltaspoxt Zienlölln) 208,28 B.; 2. Hoppe(Boitsspprt Neuköllns 203,43 P. Miinncr Uber 30 oi>> 33 Jahre, Dreikampf(100 Meter, Weitsprung, Kugelstoßens i 1. Weiß(Volkssport Neukölln, 130,03 P., 2. gain(AEC.s 1. Dahn s'ASC.s 200,8 P.: 2. Gcisclcr(AEC.s 200.3 P. Stafetten! Miinncr, 10x100 Meter! 1. ASC. 3!?,» Min.: 2. Volkssport ReukiMn»!l0,8. Frauen, Kl. Olpmpische: 1. ASC. 08 Sek.; ß. AHB. Neukölln 00, Zugenh, 4X100 Meter: 1. ASC. 48,7 Sek.; 2, Volkssport Neukölln öl. Schroehenstasctte: 1. ASS. 2:17,2 Min.; 2. Volkssport Neukölln 2:27,3. Miinner 30 bis 33 Jahre, 4x100 Meter: 1. ASV. Zleutölln öl, 4 Sek.; 2. Volkssport Neukölln 34.; Uber 30 Jahre: 1. Volkssvort Neukölln 57; 2. Brill 88 57,7. Einzellauf: 1500 Meter: 1. Huwe(ASC.) 4:30 Min.; 2. Grohn(ASV. Neuköllns 4:00 Hand, ball: 1. Volkssport Neukölln 8: 0 P.(10:1 Tore); 2. ASV. Möwe 0:2 <0: 2s. Fußball: 1. ASV. Neukölln 11: 1(7: 0>; 2. ASV. Frohe Stunde 9:3(7:1). Köpenicks erster Start „Eiche" diesmal allein Im Gegensatz zu den anderen Jahren veranstaltete diesmal der Köpenicker Arbeitersportoerein ,E i ch e" das Anfporteln allein. Trotzdem waren in allen Abteilungen harte Kämpfe zu sehen. Gerade bei den Frauen, wo nur drei Punkte Unterschied zwischen den drei ersten waren, waren die Kämpfe äußerst spannend. Einen schönen Weitsprung zeigte Frau Ludwig mit' 4, gl Meter. Bei den Jugendlichen entschied Schenk für sich den 1?ampf durch seinen Weitsprung von 5,62 Meter. Auch die Alterssportler beteiligten sich in erfreulicher Anzahl, bei denen M i e t h l i n g Erster wurde. Der Erste im Fünfkamps der Männer konnte L ä n g e r t vor Schlag werden. Er sprang 6,33 Meter weit und zeigte einen Sperrwurf von 41,88 Meter. Lehmann mußte mit 1 Zentimeter im Weit- sprung hinter ihm bleiben. Bei den Schülern tonnte Gogol im Viertampf mit 397,86 Punkten Sieger bleiben. Cr lief mit Kelm die 75 Meter in 19.3 Sekunden und sprang 4,38 Meter weit Der Schüler Kelm sprang 1,33 Meter hoch, was bestimmt eine seltene Lesttunu ist. Das anschließende Handballspiel zwischen Köpenick und der Abteilung Bohnsdorf konnte Bohnsdorf mit 6: 4 gewinnen. Fllnfkampt der Altersspartler: 1. H. MietHling 309,43 Punkte; 2. Brandt (Bohnsdorss 290.00 Ppnitc; 3. E. Miethlang 290 03 Punkte. lOO-Meter-Lans F. Köhn, 13,2 Sek.; Hochsprunq W. Rcbcl 1,37 Meter; Weitsprung F. Stöhn 2,23 Meter; Speerwersen, H. MietHling 38,63 Meter; Kugelstoßen, W. Rebel 8,00 As°ter. Vierkampf der Frauen: 1. Ludwig, 238.21 Punkte: 2. Kölling 233,10 Punkte; 3. 3euner 281,81 Punkte; M-Meter-Lauf Ludwig t3,9 Sek,; Hochsprnng Kölling und fSemier 1,20 Meter; Weitsprung Ludwig 4,91 Meier; Kugelstoßen Kölling 8,03 Meter. Vicrkamps der Jugend, Iabrgang 14—10: I. Schenk, 282,20 Punkte, 2. Steffen, 272.36 Punkte: 3. Reddig, 272,00 Punkte; UA Meter-Lauf, Sturz 12,2 Sek.; Hpchsprnng, Schenk 1,00 Meter; Weitsprung, Schenk 0,02 Meter; Diskuswerfen, Steffen 30.13 Meter, Vierkampf der Jugend, Jahrgong 18—18: 1. Huck, 231,80 Punkte; 2. Richter, 808,33 Punkte; 3. Ludwig. 188,93 Punkte; 100.Mcter°Lauf, Huck, 13,9 Sek.; tochsprung. Huck, 1,40 Meter; Weitsprung, Huck, 4,40 Meter; Diskuswerfen, !.sn Meter. a-0'» Vicrkamps der Schüler: 1. Gogol, 397,86 Punkte; 2. Keim, 887,82 Punkte; 3. Feddigk, 336,47 Punkte; 73. Meter-Lauf, Gogol und Keim, 16,9 Sek.; Hoch- sprung�Kelm, 1,30 Meter; Weitsprung, Gogol, 4,38 Meter; Kugelstoßen, Gogol, Dreikampf der Schülerinnen: 1. Kimrill, 190,43 Plinste; 2, Schure, 180,72 Punkt«; 8. Schlosser, 180,88 Punkte; 80,Mctcr.Lauf, Kimrill. 9,0 Sek.: Weit. sprung Kimrill, 3,75 Meter; Ballwcitwcrsen, Leonhardt, 38,20 Meter. Fiinfkam-'f der Männer: 1, Lengert, 372,02 Punkts; 2, 5. Schlag, 319,33 Punkte: 3. R'Ioff, 348 07 Punkte; 100.Meter.Lauf, 1. W. Lehmann. 11,9 Sek.; Hechinrung, Lengert, 1.51 Meter; Weitsprung, Lengert, 8,33 Meter: Speer- werfen, Lengert, 41,88 Meter; Kugelstoßen, Rolosf, 10,27 Meter. Die Norddruppe �as©ruppenfrühjnhrsfest der N o r d g r u p p e im 4. Bezirk des 1. Kreises galt gleichzeitig als Zlnsporteln der Dereine. Der Domini- kuespo.tplatz in Schöneberg sah deshalb vom frühen Nachmittag bis zum späten Abend eine rege Sportlerschar, die sich im friedlichen Wettkampf gegenüberstand. Scharfe Kämpfe gab es bei den Stafet- ten, die die Schöneberger und den Bezirk Süden der FTGB. als Äieier sahen. Die erzielten Ergebnisse sind: Männer, FUnftamps: 1. K. Bauer(Schönebcrg) 329,21 P.; 2. R. Foerster (Wilmersdorf! 306,03 P. Dreikamps: 1. Hessing(Zehlendorfi 199,89 P.; 2. Blllmel(Sildens 189,94 P. Frauen Dreikampf: i. Lawerenz tSüden, Sports Stafetten, 4X100 Meter, Männer: I. Schöneberg, 48,2: 2. Süden; 3. Fichte; Jugend: 1. Schiinebera, 31,7: 2, Süden; 3, Wilmersdorf; 10x100 Meier, Männer: 1. Süden, 4:10,0; 2. Schöneberg, 4:00,8; 3. Fichte. �nsporteln in Lichienberö Am Sonntag wickelte der Verein für Leibesübungen O st r i n g mit den Gastvereinen FT.-Schönow und SV.-Moabit sein Anfporteln in Gestalt eines F r ll h j a h r s s p o r t f e st e s ab. Bei der Mehrkäinpfen der Sportler setzte Schönow gute Mehrkämpfe? ein, doch konnte H e n n i g- Moabit den ersten Platz belegen. Mit 14 Punkten Rückstand folgte Bergens-Schönow vor seinem Vereins- kameraden Hetz. Da für die Rtannschastswertung die fünf ersten Sportier jedes Vereins gewertet wurden, belegte Schönow vor Moabit den ersten Platz. In der Gruppe der Sportlerinnen belegte der Veranstalter durch die Genossin Dumte den ersten Platz vor ihrer Vereinsgenosstn Hille. Gleichfalls gewann VfL.-Ostring den Mannschaftskamps. Durch S ch i ll h et ch gewann Ostring den Mehrkampf der Jugend knapp vor Kraul-Maabit. Bei den Alters- sportlern waren Lippert und Krachenfells-Ostring.auf den ersten Plätzen zu finden. Die Mehrkämpse wurden umrahmt durch eine ZXl099-Meter> iowie 19X 299-Miter-Stasctte. Die erstere sah Ostring mit großem Vorsprung in Front. Die Sprinterstaffel brachte einen packenden Kampf, den Moabit bei guten Leistungen vor Ostring beendete. Den Abschluß der gut verlaufenen Vsranst.il- tung bildeten zwei Handball- und ein Hockeyspiel, �.rbeitersport!er von morgen Die Kindergruppen der FXGB, Aus dem Sportplatz Scharnwebeistraße wimmelt es von Sport- msmifchaften i« Mmiatursormat. Da gibt es Dreikösehschs, in deren winzigen Händchen der Handball zum ungefügen Monstrum wird, deren kurze Beinchen auch beim forschesten Sprung nicht allzu weit pom Erdboden hochkommest- Aber gerade sie sind am eifrigsten bei der Sache, sie wollens den größeren Kameraden, vor allem aber Vater und Mutter, die da als Publikum sitzen, schon zeigen, was sie in ihrer Jugend alles versäumt haben. Die Kindergruppen der Freien Turnerschast Groß-Verlin sind aufmarschiert und zeigen ihre Künste. Zuerst gymnastische Uetmngen mit Schwingen, Hüpfen, Recken und Biegen. Sehr vernünftig der Vorturner, der immer abwechselnd Uebungen im Stehen und im Sitzen machen läßt, damit sich die kleine Mann- schaft ausruhen kann. Dann wird es lebendig, der Handball ruft! Je zwei Mannschaften tun sich zusammen und beremien ihren Spiel- plag. Schon hat die Wannlchast„Schwarze Hose" ein Tor ge- schmissen, und mit resignierendem Kopsschütteln deutet eine acht- jährige„Grünhose" der Gegenmannschaft den Zuschauern dieses peinliche Moment an. Haare fliegen und Wangen glühen, häufig wird auch ejn unfreiwilliger Kabolz geschossen, aber tapfer beliauptet jeder seine Stellung. Im 69-Meter-Laiif erweisen sich nachher die flinksten Beine, Stafettenlauf und lustiges, sportliches Allerlei be- schließen den hübschen Nachmittag. All die kräftigen, gesunden Kör- perchen, die leuchtenden Augen in quicklebendigen Kindergesichtern sprechen die deutlichste Sprache; Was hier geschaffen und immer weiter ausgebaut wird, ist produktivste Arbelt an der Volks- gesundheit, » Das Anfporteln der Bezirke Südost, Treptow, Baumschulenweg, Oberspree und Adlershof der Freien Turnerschast Groh-Berlin war für die Beranstalter ein voller Erfolg. Viele hundert Zuschauer folgten interessiert den Kämpfen, die, begünstigt durch das Wetter, einige gute Resultate brachten. Der Jugendliche Hanisch lief mit 12 Sekunden für 100 Meter die beste Zeit des Tages und gewann auch den Dreikampf. Im Hochsprung siegte H a u b- Oberspree mit 1,60 Meter vor Krcogk SO. Treptow. Der sportliche Höhepunkt des Tages war die 4-mal-100-Meter-Stafette der Männer, bei der nach Führung von Südost erst der legte Mann von Oberspree für seine Mannschaft den Sieg sicherstellen konnte. Das Handballturnier hatte folgendes Ergebnis: 1. Oberspree 5 Punkte, 2. Baumschulen- weg I 4 Punkte, 3. SO. Treptow 2 Punkte, 4. Baumschulenweg II 1 Punkt. Zw herrlichen Stcbioti am faulen See veranstalteten die FTGB.-Bezirke Hohenschönhausen und Nordost gemein- sam mit dem Freien Sportverein W e i tz e n s e e ihr Anfporteln. Der Wettkampf, in Form eines Mannschaftsvierkampfes ausgetragen, ergab den Sieg für Nordost mit 34 Punkten, den zweiten Platz für Hohenschönhausen mit 22 Punkten und Weihensee als dritten mit 10 Punkten. In bunter Folge fanden während der Weit- kämpfe Trommelballspiels der Frauen und Faustballspiele der alten Herren statt und vor Abschluß ein Handballspiel Nordost gegen Hohenschönhausen. l)ie le-zten Fu�ba'lspie�e Im Rahmen des Frühfahrssportfestes der Nsrdgruppe im 4. Bezirk trugen die Schöneberger Fußballer und Hertha- Luckenwalde ein Fußballspiel aus. Die' Schöneberger, im Vorjahre noch Nordgruppenmeister im vierten Bezirk, fallen immer mehr ab, So mußten sie auch am Sonntag den Sieg den Luckenwaidern über- lassen. Wotst konnten sie bis zur Pause noch einigermaßen stand- halten, wurden dann aber immer mehr zurückgedränzt. Die Hertha- leute zeigten wieder einmal einen Kampf, wie man ihn selten von ihnen zu sehen bekommt. Mit 4: 0 blieben die Luckenwalder ver- dienter Sieger. A d l e r 0 8 machte es gegen B l a N k e nb u r g ein bißchen hoch. Nicht weniger als 17mal mußte der Blankenburger Torwart den Ball aus dem Netz holen, dagegen der Pankower Torwart nur ein- mal. Hier zeigt sich miede? einmal die vollkommen falsch« Einteilung im zweiten Bezirk: Man sollte doch lieber die weniger spielstarken Mannschajten unter sich spielen lassen, damit ihnen bei derart hohen Abfertigungen nicht die Lust am Spie! genommen wird. Aber auch die. stärkeren Mannschaften haben kein Interesse mehr, wefin sie immer so hoch gewinnen. Kommt dann wirklich einmal ein stärkerer Gegner, so oersagt meist die an hohe Resultate gewohnte Mannschaft ebenfalls.— Baumschulenweg glaubt: gegen Oberspree beim stände von 3: 1 schon gewonnen zu haben. Im Endspurt holten die Ober- spreer aber bis zum Gleichstand auf. Daß es nicht noch zum Sieg kam, lag nur an der Kürze der Zeit.— Wilmersdorf holte sich aus Trebbin mit 5: 3 die Punkte.— Hansa hatte gegen Zehdenick schwer zu kämpfen, um zu gewinnen. Nur mit 3: 1 blieben sie mehr als glücklicher Sieger.— Saxonia gegen Pankow 2:6. ... vmei Hockey Die kombinierte Berliner Sportlerinnemnannschaft koniüe das Uebungsspiel gegen Rotweiß mit 2: 0 siegreich sestalten. Sehr gut war die rechte Verteidigerin vom VfL. Ostring, die durch gute und klare Schläge ihrer Mannschaft beste Angriffschancen gab. Der neue Kreismeister Volkssport Neukölln-Britz bezog vom Arbeiter- Sportvereln Rotweiß eine bedenkliche Rieder-agc von 7:1 Toren. Rotweiß zeigte gutes Mannschaftsspiel und gab dem Meister �einige gute Lehren mit nach Leipzig aus den Weg. Der Arbetter-Sport- verein Schöneberg-Friedenau 07 siegte im Rahmen des Schöne- berger Anjportelns über den Münnerturnverein Bernau mit 3: 0, während die Freie Sportvereinigung den Bernauern zwei Tage por- dem mit 7:1 das Rachstchen gab. Die Pankower sind wieder im Kommen und zeigten stark verbesserte Leistungen. �neb die Radfahrer Soiis Bahnrennen in Wonnsec Bor zahlreichen Zuschauern und bei idealem Rennwetter konnte die Rennfahrex-Abteilung Bertin-Mitte des Arbeiter-Rad- und Krafifahrer-Bundes„Solidarität" ihr erstes diesjähriges Bahnrennen auf der Stadionbahn in Wannsee abwickeln. An- gesichts der guten Leistungen der Rennfahrer sparten die Zuschauer auch nicht mit ihrem Beifall. Als Zeichen der Disziplin muß erwähnt werden, daß alle gemeldeten Fahrer sich dem Starter pünktlich zur Verfügung stellten. Schon die Anfängerklasse, in der Paproch vor Aribert Nirschke siegte, zeigte, daß in ihr gute Fohrer stecken. In den beiden Iugendrennen konnte der sieggewohnte Reinholz seinen Konkurrenten das Nachsehen geben. Das Ausscheidungsfahren fuhr der vorzügliche Tempofahrer Herzog unangefochten nach Hause. Im Fliegerrennen konnten sich die Fahrer Beuch, Nitschte, Herzog und Schulze für den Cndlauf placieren, den wiederum 5)erzog vor Nitschte und Beuth gewinnen konnte. Das Hauptinteresse tonzen- trierte sich auf das öO-Kilometer-Mannschastsrennen, bei dem 10 Mannschaften am Start waren; hier zeigte sich die große Ueber- legenheit der Mannschaft Herzog-Sachtleben. Flieaerrcunen über:000 Meter: 1. H. Herzog, 1:52 Min.: Z. H. Nlttchke. Eritlingefabreu Uber 3000 Meter: 1. K. Paproth. 4:40 Min.; 2.«. Nitschke. Bus. scheibungsfabren: 1. H. Herzca; 2 B. Holzlillter. Iugendrennen über 2.M Meter:'. 91. Neinbolz, 3:57 Min.: 2. A. Bmberger. Iugendrennen über 0000 Meter(Punktefahren): 1. S. Krockc, 20 P.. 8:58 Min.: 2. R. R-inbalz. 13 P. Mannschaftsrennen über SO Kilometer, nach«-Tage-Brt: 1. Zt. Sachtleben- H. Herzog, 30 P., 1:16:08; 2. E. Echwarz-B. Holzhüter, u P., 1 Runde zurück. hieben dem Aniorennen Von den großen Autorennen am Sonntag auf der Avus tragen wir folgende Einzelheiten nach. Di« großen Rennen, deren Ausgang bei der an den Vortagen herrschenden großen Hitze von der Haltbarkeit der Gummireifen abhängig schien, konnten zum Glück bei einem Wetter abgehalten werden, dos der Sicherheit der Fahrer, des Publikums, und der Wagen die größte Gewähr bot Die Hitze hatte beträchtlich nachgelassen, der Regen die Bahn staubfrei gemacht und ein frischer Luftzug wehte den Auspuffduft schnell fort. Nur zwei Reifen mußten während des mörderischen Rennens g e? wechselt werden. Allerdings waren die Ausfälle an Wagen wegen Mafchinendesekts sehr groß, von den IS großen wagen mit unbeschränktem Zylinderinhalt beendeten nur 5 da» Rennen: die größten Ausfälle hatte Bugatti, der zwar 9 Wagen einsetzte, von denen nicht weniger als fünf ausfielen Ganz hervorragend hielten sich die beiden Mercedes-Benz, von Stuck und Brauchitsch gesteuert Auch der Alfa Romeo, von Caracciola gefahren, hielt oh n e D e s e k t durch, Stuck mußte nur einmal Kerzen auswechseln und kam dadurch etwas ins Hintertreffen. Die größte Enttäuschung war der englische Weltrekordmann Sir Malcolm Campbell, der bereits nach der zweiten Runde seinen 12-Zylinder-Sunbeam in den Stall fuhr und wegen Oelrohrbruches aufgab. Er hatte offen- bar, wie wir schon am Sonnabend feststellten, wenig Schneid für das ganze Rennen. Das mevkte man auch seinen Monteuren an, die den Wagen mit einer direkt auffälligen Ruhe untersuchten und keine Anstalten zur Reparatur machten, während sich die Helfer der anderen Fahrer sofort mit Feuereifer auf die Wagen stürzten, wenn«in Aufenthalt notwendig war. Nieten waren auch die Kanonen Varzi und Chiron, die nicht am Start erschienen, weil sie für ein anderes Nennen ebenfalls gemeldet hatten. Das entdeckte die Rennlettung erst fünf Minuten vor dem Start; die beiden Bugatti-Wagen wurden von Bouriat und Divo gefahren. Un- zweifelhaft wären Varzi und Chiron die schärfsten Konkurrenten gegen von Brauchitsch, Stuck und Caracciola gewesen. Viel Um» stände machten die beiden Maserati-Wagen, die alle Augenblicke die Kerzen wechselten und andere Reparaturen vornehmen muhten, während der dritte Maserati mit dem Dresdener Kotte am Steuer das ganze Rennen ohne Defekt durchhielt. Bei den kleinen Wagen konnten sich DKW. und DMW., obwohl sie rundenweis sehr gut fuhren, nicht behaupten. Dagegen fuhr der Delorge des Carl Howe ohne Defekt glänzend durch und einer der beiden Austin-Wagen holte sich den Sonderpreis der Wagen bis 800 Kubikzentimeter. Kleiner Sport von überall Die Vorrunde der Pokalkämpfe des republikanischen Freien Keglerbundes zeitigte folgende Ergebnisse bei Fünserwertung je 100 Kugeln: Gau Berlin l, Gruppe A, Sporthalle Leichter- Spandau: 1. Marathon 3683 Hotz; 2. Sorgenfrei 3651; 3. Husch- Husch 3641; 4. Heros 3639; 5. Freundschaft 3636; 6. Artus 3628; 7. Freiweg 3614; 8. Schieb leise 3598. Gruppe B, Sporthalle Viktoriagarten-Wilhelmsaue: 1. Hohe Kante 3557 Holz; 2, Atlanta 3550; 3. Linke u. Co. 3536; 4. Harmonia 3515; 5. Schöneberg Süd- West 3514; 6. Fraternitas 3500; 7. Borussia 3486; 8. Solide 3481. Die Vorrunde im Gau II wird am kommenoen Sonntag au�ge- tragen, und zwar Gruppe A Sporthalle Prenzlauer Allee, Gruppe B Sporthalle Chausseestraße. Bei einer Sportexpedition der belgischen Arbeiterringer wurden zahlreiche prächtige Erfolge erzielt. Die belgischen Athleten trugen gegen eine nur aus Rheinländern zusammengestellte deutsche Mann- schaft einen Länderkamps aus. Der erste Kampf wurde in Ant- w e r p e n vor 3000 Zuschauern ausgetragen und endete mit einem ISl'-: 12 �-Punktsieg der Belgier Beim zweiten Start gingen die Deutschen mehr aus sich heraus und siegten mit 16; 9 Punkten, Die Freie Sportvereinigung„Tegel 1899" veranstaltet am Donnerstag im Tegeler Strandlchloß einen reichhaltigen Sport- und Varietöa-bend, Das große Programm wird durch Vorführungen der Artisten und Eymnastlker des Vereins eröfsnet. Sprech- und Be- weZungschgr leiten zum sportlichen Teil über. Hier kämpfen die stärksten Berliner Jiu-Jitsu- und Ringsportler um den Sieg. Ein- tritt 50 Pf., Erwerbslose 25 Pf. Beginn 20 Uhr. Antrag der Oesterreichlschen Völkerbundsliga für Errichtung eines Sportkomitee». Die Oesterreichische Bötkerbundsstgo hat für die am 2. Juli in Paris beginnende Jahreskonferenz des Welt- Verbandes der Bölkerbundsligen einen Antrag auf Errichtung eines Sportkomitees mit dem Sitz in Wien zur Erörterung gestellt. Der Präsident des Hauptverbandes für Körpersport, Dr. Theodor Schmidt, hat in einem persönlichen Brief den Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, gebeten, diesen Antrag weitest- gehend zu unterstützen._ Frei» Rudercr»ab Kannsahrer. 1. Kreis. Mittwoch, 25 Mai, Sparten- ausschusssitzunp Kreisgeschöftostclle, Elsässer Str. 88— 68. ASV. CchSncbera-Zeiebenau 07, Schwimmat'teiluns. Die Vadeabende fallen Hain; Frankfurter Äliee 307«Gbert-Saal);„Warum Naturircundebewegung?" (Schllpoq).— Friedenau: l?ffenbacher Str. 0a: Epi.— Humdoldthain: Stamm- abt., Wildcnowftr. 0: Lultiper Abend.— Sumboldthain: Jucicndgruppc, Pank- Gcke Wielenftrasie: Di« lächelnde» Hnmbos.— Humboldtham: Kinderaruppc, Pank. Ecke Wichenstrassc: Lichtbllderportraa Mitte: Johannisstr. 15: Abend, Wanderung.— Wedding. Gesundbrunnen: Willdenowstr. 5: Schnurren und Berichte über Osler, und Pfingstsahrten(Epi).— Norden: Sonncnburger Str. 20, Referat:„Iu Kurt Etoners 63. Geburtstag."— Osten: Ebertnstr. 12: Karlen. lesen.~ Neukölln: Arbeits- und Uebungsabend, Fkughasenstr. 88.~ Ober» schöneweide: Laufenet Str. 2.— Lonneestaq. 26. Mai. Naturkundliche Abt.: Johannisstr. 13: Arbettsabend.— Photoarbeitsgemeinichafl: Zloroack, Jossanui«, Itraste 15.— Nolentssaler Vrrktadt: Weinmeifterstr. 18— 17: Naturmissenlchast- licher Abend.— Tiergarten: Lebrter Etr, 18—19, Zimmer 1; Geschäftliches.— Humboldthain: Vöttaerstr, 17, Turnhalle, 17.45 bis 19.43 Uhr.— Hnmboldt- bain: Pank. Ecke Alssenltrahe: Sinqekreiz— Prenzlauer Berg: Dan, ig« Straße 69, Baracke Ii; Wir und die neue Zeit.— Südwest; Porkstr. Ii! Wilbelm-Vusch-Abend.— Neukölln: Zietbcnstr. S8: Dialektadend.— Vinetaplaß, Schönhauser Verst.: Lorbing Ecke Graunstraße: Wandertechnik(K. TieiO.— Ar- deitsaemeinkckmit Lindenhe: im Jngendb-im Lindenhei: Vfingsterlebniss«. Arb-itet-Photo-Silde vsten. Mittwoch, 25. Mai, 20 Uhr, Jug-Ndheim Frank- inrter Allee 807: Gntwicklunasarbeiten.-- Arbeiter-Lichtbild Vnnd V-rlin. Mltt- wsch, 95. Mal. 17,45 Uhr. Trrfiaunkt Ratbans, Brsteignng des Nathanstnrms, Pboli-kpciietflano bnrch Alt. Verlin.— Arbeiter-Pheto-Gild? Süden. Donnerstag. 28. Mal, 20 Ubr. Neukölln Verastr. 29. Vergrößerungen.— Freie Pbota» nereinwnnq. Donnerstag, 28. Mai. 20 Uhr. Phystkzimmer, Pank- Eck« Wiesen- strafte. M'taliedernersammlnng, Bildkriiik. Bezirkskartell Friedrichshain. Mittwoch, 20. Mai, Techniker, und Vorstands» schung, 20 Uhr. Sportplatz Friedrichshain. Materialausgabs zur Sonnenwend- feier und zum Rast.