Morgenausgabe Nr. 241 A 122 49.Iahrgang WSchenlNch 75 Pf, monatlich 3.55 TO. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Houz> im voraus jaolimc. Postbezug 3.87 TO. einschließlich 60 Pf. P»!lz«itungs- und 72Pf.Postbeslellaee �ihren-Auslandsabonnement s.ss TO. 5to Monat! für Länder mit ermäßigtem Drucksachenvorto 4.85 TO Per.Pormärts� erscheint wochenläz. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Kandel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage .Volk und Zeit" ZZerlinrr Vottsbto« Mittwoch 25. Mai 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Dle elnfpalt. Millimeterzetle 30 Pf. Si-llamezeile 2.— TO„itleine An- zeigen" das fettgedruckte Wort 28 Pf. (zulässig zwei feNgedruckreWortei.fedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt It. Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimeter» zeile 25 Pf. Familienanzeigen Willi- meterzeile lS Pf. Anzeigenannahm« im Kauptgefchäst Lindenstraße 3, wochentäglich von SV, bis>7 Uhr. Der Berlaa behält sich dasRecht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vor! Zentralovgan der SozialdemokraMtven Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Rernspi.; Dönhoff(A 7) 292— 297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwarts-Verlag G.m.b.H. Postlchecklonto: Berlin 27596.— Bankkonto: BankderArbeiler.ÄngefleUlcn und Beamten, Lindenstr. 3. Dt. B. u.Disc.-Gef, Deposttenk., Jerujalemer Str. Kü'Kn. Meines Preußentheater. Noch nichts entschieden/ Heute Wahl des Landtagspräftdenten. Der neue Prcuftischc Landtag wurde gestern um 3 llhr eröffnet. Vor dem Landtag gab es einige grössere An- fammlungen. Tie Tribünen des Landtags waren auster- ordentlich stark besetzt, seit Wochen waren die Tribünen- karten vergriffen. Tie«itzung, die als Alterspräsident der Nazigeneral L i ti m a n n leitete, dauerte knapp eine halbe S t u n de. Heute wird zunächst der Aeltestenrat tagen, um l Uhr tritt das Plenum wieder zusammen. Erster Punkt der Tagesordnung: Wahl des Landtags» Präsidiums. * „Zehn Minuten vorm Antreten ist— Antreten!" An diese Kasernenhofblüte wurde erinnert, wer eine Viertelstunde vor Sitzungsbeginn die Wandelhalle des Landtags betrat. Dieser ernste, hochgewölbte Raum glich am Dienstag einem K a s e r n e n h o f, auf dem eine neu ausgehobene Rekruten- Mannschaft zum erstenmal antritt. Zu einem dichten Klumpen gedrängt— man konnte auch an einen um den Weisel ge- scharten Bienenschwarm denken— ballten sich dort 160 Mann muskulösen hakenkreuzgeschmückten Volks. Worauf warten sie?— Komische Frage: aufs K o m- m a n d o! Endlich verkündet das Schnarren der Sirene den Sitzungsbeginn. Das Kommando ertönt, der Einmarsch kann sich vollziehen. Aber ach, der Architekt dieses Hauses hat bei seiner Erbauung den künftigen Kasernenzweck des Landtages noch nicht gekannt: an der Enge der Türen zum Sitzungssaal scheitert der Masseneinmarsch. Als der Alterspräsident, General a. D. Litzmann, auf dem Prösidentensitz erscheint, erheben sich die versammelten Hitler-Mannen zu einer„Heil"-Demonstration. Dann müssen sie sich artig verhalten, und das Theater geht an die Kon- kurrenz von der ä u ß e r st e n L i n k.e n über. Für einen Augenblick freilich bietet das Haus einen Schein von Ein- mütigkeit, als es sich zu Ehren der Opfer des jüngsten Berg- wercksunglück vvn den Plätzen erhebt. Aber das ist bald vor- bei. Bei jedem Satz wird der Alterspräsident von kommu- nistischen Zurufen— nicht gerade respektvoller Art.— zugedeckt. Der alte Haudegen selber scheut übrigens vor Provo- kationen auch nicht zurück. Hat er schon gleich beim Ein- tritt die„Heil"-Rufe seiner Fraktion mit Faschistongruß er- widert, so oersucht er gleich zu Beginn seiner Rede eine poli- tische Demonstration, indem er erklärt, daß sein Verfahren nach der bisherigen Geschäftsordnung keines- wegs eine Anerkennung derselben für den neuen Landtag bedeute.(Deutlicher Hinweis auf die Wahl des Ministerpräsidenten.) Im übrigen beruft Litzmann gemäß der Geschäftsordnung vier Beisitzer, darunter auch den Sozialdemokraten P a e tz e l, und schlägt die Konstituierung des Aeltestenrats vor, der das Haus zustimmt. Was dann folgt, ist übliches Geschäftsordnungstheater. Die Kommunisten Pieck und Kasper stellen unmögliche Dcmonftrationsanträge, deren selbstverständliche Ablehnung für sie der Vorwand ist, um„die Ein he itsfront von den Sozialdemokraten bis zu den National- s o z i a l i st e n" zu konstruieren. Schade, daß der zwei Stun- den vorher erschienene„Angriff" des Herrn Goebbels diesen Trick schon vorweggenommen hat, indem er die„Ein- heitsfront vom Zentrum bis zu den Koin- mu nisten" verkündete! Für jeden Radikalinski find halt alle anderen eine Einheitsfront. Zur Entschuldigung für die Kommunisten muß aller- dings gesagt werden, daß gleich nach ihnen die Deutsch- nationalen die Gelegenheit benutzten, um zu beweisen, daß sie in sinnlosester Demagogie den Kommunisten Konkurrenz zu machen gedenken. Ihr Herr von Wintcrfeld begrün- dete einen herrlichen„Mißtrauensantrag", dessen Sinn inan dahin zusammenfassen kann: Das zurückgetretene Kabinett Braun-Seoering solle noch einmal zurücktreten, bzw. der Landtag entziehe dem wegen des Wahlausfalls bereits zu- rückgetretcncu Kabinett sein Vertrauen. Geistvolle Leute, diese Hugenbergianer. Am Mittwoch steht die Wahl des Präsidenten und der Brzepräsidenten als erster Punkt auf der Tagesordnung. Sachlich geklärt hat diese erste Sitzung noch gar nichts. Sie war kurzes und schlechtestes Theater für ein Publikum, dessen geistiges Niveau von den Akteuren offenbar auf äußersten Tiefstand eingeschätzt wird. Dem Denkenden sagt diese Sitzung nur, daß dieses Parlament wohl kaum arbeitsfähig werden wird. Die Sozial- demokratie hat sich an der ganzen Theaterspielerei nicht de- teiligt. Sie hat damit zum Ausdruck gebracht, daß sie Wesen und Pflichten eines Parlaments ernster auffaßt als die Leute, denen ein Spektakelstück für sensalionshungrige Tribünen Zweck und Inbegriff ihres parlamentarischen Wirkens.ist! Die Präsidentenwahl.! Kompromißsuche der Nationalsozialisten? Der Aeltestenrat des Preußischen Landtags ist auf Mittwoch, 113- Uhr vormittags, einberufen. Auf der Tagesordnung stehen die Wahl des Präsidenten und der Beisitzer und die Per- teilung der Eitze und Vorsitze in den Landtagsausschüssen. Angeblich sollen sich die Nationalsozialisten jetzt be- reit erklärt haben, wenn ihnen der Präsident zugebilligt würde, für den sozialdemokratischen Vizepräsidenten zu stimmen. Selbst wenn sie in der Aeltestenratssitzung des Mitt- woch diese Erklärung abgeben, wird die sozialdemokratische Frak- tion schwerlich auf diese Brücke treten können. Zusagen und Ver- sprechungen von nationalsozialistischer Seite haben nur einen sehr geringen Wert, da ja. Herr Straßer„diesem System" gegenüber hundertmal sein Ehrenwort zu brechen bereit ist. Auch gebührt einer ausgesprochen verfassungsfeind- l i ch e n Partei wie den Nationalsozialisten der Vorsitz im Par- lament nicht. Endlich haben erst in den letzten Tagen die Vor- gänge in Anhalt, wo der ncugewählte nationalsozialistische > Landtagspräsident einen brutalen Uebergrifs gegen die Freiheit der sozialdemokratischen Presse begangen hat, klar erwiesen, daß die Nationalsozialisten diese wie jede andere Machtstellung, die man ihnen einräumt, lediglich mißbrauchen. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß in der Mittwochsitzung der Nationalsozialist Kerrl Landtagspräsident wird: aber ohne die Stimmen der Sozialdemokratie! Llnfug statt Außenpolitik! Törichte Resolutionsmacherei im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags. Der Auswärtige Ausschuß nahm gestern einen umfangreichen Bericht des Reichskanzlers entgegen. Nach Beendigung der einstündigen Ausführungen des Reichs- kanzlers erhielt as� erster Parteiredner der Abg. Rosenberg (Nsoz.) das Wort. In der Vormittagssitzung kamen außer dem Abg. Rosenberg(Nsoz.) nach die Abgg. o. Freytagh-Loring- Hoven(Dnat.), Graf W e st a r p(Kons.), Dr. W i r t h(Z.), Stampfer(Soz.) und Dr. K a a s(Z.) zum Wort. Nach einer Mittagspause wurde die Aussprache fortgesetzt. In einer Nachmittagssitzung des Auswärtigen Ausschusses des Reichstags sprachen die Abgg. G o e r i n g(Nsoz.), Dr. Q u a a tz (Dnat.), S t o e ck e r(Komm.), v. S e e ck t(D. Vp.), R e i n h o l d (Staatsp.), Dr. Spahn(Dnat,). v. E p p(Nsoz.), Leicht(Bayer. Bp.) und Schneller(Komm,). Darauf gab Botschafter Na- d o l n y einen ausführlichen Ucberblick über die Abrllstungsverhand- lungcn in Genf. Zum Schluß antwortete Reichskanzler Dr. Brü- ning aus verschiedene Anfragen, die im Laufe der Diskussion an ihn gerichtet worden waren. Dann nahm der Ausschuß die Abstimmungen über ver- schiedene Anträge vor. Angenommen wurde ein Mitrag des Abg. Dr. F r i ck(Nsoz.), nachdem er mit einer Aenderung des Abg. Leicht(Bayer. Bp.) ver- sehen war, mit sämtlichen'Stimmen gegen die Stimmen der Kam- munisten und bei Stimmenthaltung der Deutschpationalen. Dieser Antrag ersucht die Reichsregierung, alles daranzusetzen, daß die Gleichberechtigung, welche besonders von einem Staat als nur „theoretisch" bezeichnet wird, in einwandfreier Formulierung, ent- sprechend namentlich dem Artikel 8 der Völkerbundsakte und unter Ablehnung des§ 53 des Konventionsentwurfs, als tatsächliche Voraussetzung anerkannt wird und als bindende Grundlage für alle weiteren Verhandlungen zu gelten hat. Weiler wurde mit elf gegen zehn Stimmen ein nationalsozialistischer Antrag'angenommen, worin die Reichsregierung ersucht wird, die polnische Republik nicht dar- über im unklaren zu lassen, daß jeder Angriff auf den Freistaat Danzig vom ganzen deutschen Volk als An- griff auf deutsche Lebensrechle betrachtet und dem- entsprechend beantwortet würde. Schließlich wurde ein Antrag des Abg. Dr. Bell(Z.) und anderer Ausschußmitglieder mit sämtlichen Stimmen, mit» Ausnahme derjenigen der Kommunisten, angenommen, der folgende Forderun- gen ausstellt: 1. Der Auswärtige Ausschuß hat Kenntnis genommen von der Erklärung des Herren Reichskanzlers, wonach die berechtigten Jnter- essen unserer deutschen Volksgenossen in Memel und in Danzig gegen jeden unzulässigen Angriff nachdrücklich geschützt werden: 2. im Hinblick aus die das deutsche Volk empörenden Vorgänge in Memel und in Danzig erwartet demgemäß der Auswärtig« Aus- schuß, daß die Reichsregierung alle geeigneten Vorkehrungen trifft, um jeden Versuch einer erneuten Vergewaltigung dieser Rechte und Interessen rechtzeitig zu unterbinden. Dieses ist der allein zulässig« offiziöse Bericht, der nach den Angaben des Vorsitzenden Dr. F r i ck verfaßt ist. Für seinen zum Teil ganz unverständlichen Inhalt lehnen wir die' Verant- wortung ab. » Die Resolutionsmacherei im Auswärtigen Ausschuß des Reichstags artet immer mehr zum groben Unfug aus. Triebfeder ist zumeist gar nicht der Wunsch, dem deutschen Volk sachlich zu dienen, sondern vielmehr die Absicht, andere Parteien hineinzulegen. Diese andern Parteien bringen dann, um der Entlarvungsstrategie ihrer Gegner zu be- gegnen, andere Anträge ein, die vielleicht weniger schädlich, aber dann eben nur destilliertes Wasser oder weiße Salbe sind. Sächliche Motive sind auch bei ihnen selten vorhanden. Die angenommenen Anträge werden nebst Antragstellern und Stimmenzahlen veröffentlicht. Unbekannt bleiben, wenn die verfassungsmäßige Vertraulichkeit ge- wabrt wird, die abgelehnten Anträge, unbekannt bleiben die Erklärungen, mit denen die Parteien ihre Abstimmungen motivierten. So kann jede Partei in die Lage kommen, ent- weder ungerechte Vorwürfe auf sich sitzen lassen oder in der Notwehr die Vertraulichkeit brechen zu müssen. Der Ausschuß muß sich darüber klar werden, daß das auf die Daner so nicht weiter geht. Entweder die Verhandlungen müssen öffentlich werden oder aber auch die Beschlüsse müssen vertraulich bleiben— es sei denn, daß über die Zweckmäßig- keit ihrer Veröffentlichung Einstimmigkeit besteht. Der nationalsozialistische Antrag über Danzig ist mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen worden. Der Aus- schuß hat aber 28 Mitglieder: also müssen 7 nicht mitge- stimmt haben. Wer mit Ja, wer mit Nein gestimmt, wer sich enthalten hat, kurz, wie dieser ganze U n s i n n zustande ge- kommen ist, das alles gilt als vertraulich! Bekannt ist jedoch, daß der Reichskanzler in öffentlicher Rede erklärt hat, die Ge- rüchte von einem drohenden Angriff der Polen auf Danzig entbehrten der sachlichen Begründung. Trotzdem wird der Reichsregierung zugemutet, ein konditionelles Ultimatum an die polnische Regierung zu richten, bezogen auf einen Fall, der nach der Behandlung des deutschen Reichskanzlers gar nicht existiert. Die Reichsregierung steht vor der Wahl, ob sie nach dem Wunsche von elf der achtundzwanzig Ausschußmitglieder sich selber lächerlich machen soll, oder ob sie den Auswärtigen Ausschuß blamieren soll, indem sie sich um seinen Beschluß nicht kümmert. Man muß ihr im Interesse des deutschen Volkes dringend raten, das zweite zu tun. Der Ausschuß aber sollte aus dieser Lektion lernen und mit dem Unfug der unsachlichen Resolutionsmacherei auf- hören. Reich und Preußen. 'Zunächst keine Entscheidungen in Preußen? Der„Deutsche", tias Organ der christlichen Gewerl- schaften, äußert siä) über das Verhältnis nan Zentrum und Nationalsozialisten und die kommenden Entscheidungen in Preußen. Er schreibt: „llebcr die Bildung einer Begicrung ist keinerlei Auhlung. nähme zwischen Tlationalsozialisten und Zentrum crsolgt. nicht ein- mal über die Dahl des condkagsprösidenten. Noch der Kimstituie- rung heute wird sich der Landtag also vertagen müssen, damit wenigstens darüber zwischen den Frattionen verhandelt werden kann. Wann dann der Landtag zum Versuch einer Wahl des Ministerpräsidenten kommen wird, läßt sich nicht voraus- sagen. Der Kampf um die Macht im Reich überschattet die Politik in den Ländern. Die Nationalsozialisten kon- zentrieren und mobilisieren offensichtlich olle Kräfte, um im Reich an die Macht zu kommen, das Kabinett Brüning zu stürzen und einen völlig neuen 5iurs einzuschlagen. Bevor die Entscheidung darüber nicht gefallen ist, wird in den Ländern nichts entschieden werden. Es ist nicht nur so in Preußen, sondern auch in Bayern, in Württemberg, in 5?amburg usw. Eni- weder sind Verhandlungen überhaupt noch nicht begonnen, oder sie sind, wie in Württemberg, ergebnislos abgebrochen. Es ist verständlich, wenn Brüning auf eine schnelle und gründliche Klärung Wert legt. Sic ist in der nächsten Woche nach Rückkehr des Reichspräsidenten zu erwarten. Der Kanzler wird dem Reichspräsidenten nicht nur den Etat, die Not- Verordnung und das ganze Kabincttsprogramm vorlegen, er wird ihm auch die Vorschläge zur Ergänzung des Kabinetts unterbreiten. Brüning ist nicht willens, die Linien seiner Innen- und Außen- Politik zu ändern, er lehnt Neuwahlen im Reich ab, und hinter ihm steht geschlossen die Zentrumspartei. Auch die preußische Zeutrumsfraktion macht ihre Politik in Preußen ab- hängig von der Weiterentwicklung der Politik im Reich. Da sich alles so aus den Kamps um das Reich konzentriert. sind in Preußen und den anderen Ländern, wo am 24. April gewählt wurde, keinerlei Entscheidungen zu erwarten." In der Richtung dieser Aeußerung liegt eine parteiamt- liche Erklärung des Zentrums in Württemberg, die wir weiter unten wiedergeben. Inzwischen ist die Wahl eines Staats- Präsidenten in Württemberg ergebnislas verlaufen, und die Regierung Bolz führt die Geschäfte weiter. Eine wichtige Zentrumserklärung. Staatliche Machtmittel nicht in die Hand von Nazis. Stuttgart. 24. Mai.(Eigenbericht) Da» politische Verhältnis von Zentrunc und N a t i o n a l s o z i a l i st c n wird durch eine partsiaiitfliäz« Erklärung des mürttewbergischen Zentrums beleuchtet, in der es anläß- l'ch der ergebnislos verlaufenen Verhandlungen über die Rogierungs- bildung wie folgt heißt: „In der Mvntagfistunz der Parteien wurde von den Vertretern des Zentrums eine Erklärung abgegeben, welche die grundsäß- liche Auffassung der Partei über ein« Regierung»- bildung mit den Nationalfozialisten darlegte. Es wurde gesogt, daß die Zentrumsportei bereit sei, die Teil nähme der Rotionast'oziolisten an einer Regierung der bürgerlichen Parteien unter Einschluß des Zentrums zu ermöglichen und den National- soziallsten einen ihrer Stärke entsprechenden Einfluß im Kabinett einzuräumen. � Doch fei die Partei nicht bereit, den Rationalsozialisten da» Innenministerium und das Staatsprösidium zu überlassen. Die Gründe, welche das Zentrum zu dieser staltunz bewogen. liegen auf der.stand. Der Anspruch der Nationalsozialisten auf die Führung der Regierung und ein so wichtiges Ministerium wie dos des Innern war schon im Hinblick am im Stärkeverhältnis der Parteien nicht gerechtfertigt. Denn den 2.? Mandaten der National- sozialsten'würde n in der Koalition sämtlicher Parteien mit Aus- nähme der Linken 36 Mandate der anderen Parteien gegenüber- stehen. Zu diesen mehr äußeren Gründen kamen die noch w i ch- ti g e r e n Erwägungen politischer N a t u.r. Man war sich im Zentrum von allem'Anfang an darüber klar, was es be> deuten würde,' an die Spitze einer Regierung einen Nationalsozia- listen zu setzen und das Innenministerium mit dem V e r s ü g un g s- recht über die staatlich en Machtmittel und die Verwaltung ebenfalls in die pfände eines Nationalsozialisten zu geben. Wie hätte eine Partei wie die nationalsozialistische in ver- aiitwortunasbewußter Leistung dafür Bürgschait leisten könnsy, die ihr übertragenen Aemter in einem Sinn zu verwalten, welcher der Verfassung entspricht? Niemand weiß, welche Entwicklung die Dinge im Reich in den nächsten schweren Monaten noch nehmen werden. Um so mehr aber und aus jeden Fall muh die Zcnlrumspartei in den Ländern, wo sie Einfluß hat. dafür besorgt sein, daß die Machtmittel und die Führung des Staates in zuverlässigen Händen bleibt. Man hätte es in weiten Kreisen des Volkes nicht verstanden, wenn das Zentrum in einer mit gefährlichen Entwicklungskeimen so gc- iüllten Zeit das Ruder des Staates Händen überlassen hätte, d i c keinerlei Gewähr für einen sicheren und ver- sassungs mäßige n Fortgang der Staatsgeschäste bieten könnten. Für die Nationalsozialisten freilich war die Forde- rung nach dem Staatspräsidium und dem Innenministerium ein bedingungslos es Verlangen. Die Entschiedenheit, mit welcher sie auf dieser Forderung bestanden, ließ. das Zentrum erst recht stutzig werden. Auch einige andere von den oerhairdelnden 'Parteien hatten schwere Bedenken gegen die Pläne der Rationalsozialisten, wenigstens bezüglich des Innenministeriums. Man»errät kein Geheimnis, wenn man feststellt, daß die württem- bergischen Nationalsozialisten in ihrem Verlangen nach dem Staate- Präsidium und dem Innenministerium nicht srei waren. Denn diese Forderung ealspricht der politischen Linie de« Braunen Hauses, die bei den Saalltionsverhandlungen überall eingehalten werden soll. Der Anspruch der Nationalsozialisten aus das StaatsprysuSiiM und das Innenministerium also war es, an dem die Verhandlungen g«- icheitert find." Nazirückzug im Landtag. Vorläufig keine Geschästsordnungsänderung.- Die Aaiionalsozialisten ziehen ihren Antrag zurück. Top von der nationalsozioüistiießen Landtags-fraktion vor einigen Tagen gestellte Antrag auf Aenderung der Geschäftsordnung ist von den Antragstellern zurückgezogen worden. Der Antrag der Nationalsozialisten wollte die im alten Landtag am 12. April beschlossene Aendcrung der Geschästsordmeng, wodurch der Ministerpräsident mir mit absoluter Ma j o r t t ä t gewühlt werden kann, wieder rückgängig machen. Die Zurüekziehunz des Antrags ist ohne Begründung erfolgt. Doch will die TU. aus nationalsozialistischen Kreisen wissen, daß die NSDAP., wie bereits der?llter?präsidknt L i tz in a n n ausführte, die alte Geschäfts- ordnung für den neuen Landtag nicht anerkenne, wenn man auch provisorisch nach ihr verfahren müsse. Eine Aende- rung der alten Gei'chäitsordming Hab« daher gegenwärtig keinen Sinn(?). was aber nicht ausschließe, daß man zu gegebener Zeit die Frage der Neuorientierung der Geschäftsordnung abermals auswerfen werde. Dogegen Hot die deutschnationale Fraktion im Landtag folgenden Antrag eingebrocht: ..Nach Art. 29'Abs. 2 der preußischen Verfassung gibt sich der Landtag im Rahmen der Verfassung seine Geschäftsordnung. Der Landtag wolle daher beschließen: Die Geschäftsordnung des Land- tags der dritten Wahlperiode in der Fassung, die am l I. April 4 932 gültig war. gilt bis auf weiteres als Gc- schäftsordnunz dieses Landtags." Das'würde also bedeuten, daß die bisherige Teschäftsordniing weiter gelten soll— mit Ausnahme der am 12. April beschlossenen Aenderung. Praktisch läuft der deutschnationale Antrag auf das gleiche heraus, wie der zurückgezogene Antrag der National- foztalisten. Der nationalsozialistische Rückzug entspringt der Gemüts- läge des Fuchses, dein die Trauben zu sauer sind. Die Nationalsozialisten haben eingesehen, daß angesichts der Er- klärungen der Kommunisten ihr Antrag zur Zeit doch keine Aussicht auf Annahme hat. Allerdings scheinen sie, wenn sie ein späteres Zurückkommen auf diese Frage ver- sprechen, auf die W a n d e l b a r k e i t der Kommunisten zu spekulieren. Der D e u t s ch n a t i o n a l c n dagegen versuchen es mir juristischen Kniffen. In der Begründung, die sie zu ihrem Antrag verbreiten, behaupten sie, daß jeder Landtag naäz der Verfassung sich seine Geschäftsordnung selbst geben kann, und daß daher für den gagenwärtigen Landtag die Geschäfts- ordnung seines Vorgängers an sich nicht eristiere und in keiner Weise für den neuen Landtag bindend sei. Da aber eine Geschäftsordnung nicht von heute auf morgen geschaffen werden könne, so wolle die deutschnationale Fraktion die alte Geschäftsordnung über- nehmen mit Ausnahme der einen ihr unbequemen Bc- ftimmung. Dos ist staatsrechtlicher Unsinn. Die preußische Verfassung sagt über das Recht des Landtags, sich eine Ge schäftsordnung zu geben, in Artikel 29 der Verfassung nichts weiter als folgendes: Der Landtag gibt sich seine Geschästsordnung im Rahmen dieser Verfassung. Damit ist lediglich gesagt, daß der Landtag über seine Geschäftsordnung allein und ausschließlich bestimmt, daß hierbei weder der Regierung noch dem Staatsrat irgend- eine Mitwirkung zusteht. Nirgendswo aber steht geschrieben, daß jeder Landtag zu Beginn jeder neuen Gcsetzgcbungs- Periode sich eine neue Geschäftsordnung geben muß. Er kann es natürlich tun. Aber bis er von diesem Rechte Ge- brauch macht, gilt ohne weiteres die bisherige Geschäftsord- nung weiter und zwar in der letztbeschlossenen Form. So ist es bisher praktisch auch st e t s g e-h a n d- habt worden. Es gilt also für den jetzigen Landtag, bis dieser aus- drücklich von sich aus etwas anderes beschließt, die bis- herige Geschäftsordnung inklusive der am 12. April von der Mehrheit des alten Land- t a g e s beschlossenen Aendcrung. Daran ist nicht zu drehen und nicht zu deuteln! Geschäfisregierung inWürttemberg Mahl eines Staatspräsidenten ergebnislos/ Bolz führt die Gefchäfie. s l u» t g a r k,?4. Mai.(Eigenberich«.) Die am Dicnziagabend im württembergischen Landtag versuchte Wahl eines Staatspräsidenten verlies negativ. Die erforderliche absolute Mehrheit wurde von keinem der Kandidaten erreicht. Die Sitzung des Landtags begann mit einer Aussprache über umstrittene Fragen der Geschäftsordnung. Sie endete mit der Annahme eines vom Zentrum gestellten Antrages, die Gesäräsls- ordnung de» früheren Londtays mit Ausnahme von fünf besonders genannten Paragraphen vorläufig zu übernehmen und die um- str'.ttenen Bedingungen einem Ausschuh zvr Beratung zu überweisen. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Rational. soziolisten und Kommunisten angenommen. Dann wurden die Bestimmungen der Geschästsordnung, die sich aus die Wahl de» Stoolspräjidenten bezogen, in aller Form und mit großer Mehrheit außer Kraft geseht. Für dessen Wohl gilt jetzt nur noch die Ver- sossungshestimmung. daß der Landtag seine Beschlüsse„m i t Mehrheit" zu fassen hat. Um diese» noch besonders zu unterjlreiä�en, wurde nom Zentrum folgender Antrag gestellt: Für die Wahl des Staols- Präsidenten gilt folgendes: Der Staatspräsident wird durch den Landtag gewählt. Gewählt ist. wer die Rlehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen erHollen hat. Weiße Zettel und solche mit Enthaltung werden nur bei Fest- stellung der Beschlußsähigkeit mitgezählt, nicht ober bei Feststellung de, Abstimmungsergebnisses. �Dieser Antrag wurde mit der gleichen Mehrheit gegen'die Stimmen der RaiionalsoziaUsten und bck Stimmverweigerung der Kommunisten angenommen. Gegen 8 Uhr abend» konnte schließlich in die Wohl de» Slaotspräsidenten clngelrclen werden. Es beieiligten sich an ihr sömlllche 80 Abgeordnelen. Stimmen erhielten Dr. Jonathan Schmidt(Ratsoz.) 22. Dr. Bolz(Z.) 20. Keil(So,.) 14. Ströbel (Bauernb.) 11. Köhler(Komm.) 7, Dehlinger(Dnot.) 4, veierle (3) 1, Körner(Bauernb.) 1. Die Wahl ist also, da kein Kandidat die Mehrheit der abgegebene» Stimmen erhielt, wie der national- sozialistische Präsident Meraentaler ausdrücklich seftstcllle, vegaliv verlausen, so daß die bisherige Regierung Bolz vorläufig als Gefchästsministerium im Amt bleibt. Auftakt zur Heftenwahl. Sieg der Dernunst bei Lokalwahlen. D a r m st a d t. 24. Mai.(Eigenbericht.) 3n dem hessischen Städtchen Zwingenberg wurde der v o n der SPD. aufgestellte Bürgermeisterkandidal mit 702 Stimmen w i e d e r g e w ä H l l. Bei der Präsidentenwahl wurden für hindenbnrg 473 Stimmen abgegeben, während die hindenburg- Parteien zusammen bei der Landtogswahl 19Zl etwa 300 Stimmen erhalten hatten. Der Razlkandidat erhielt ZZ7 Stimmen gegen 604 bei der Reichspräsidentenwahl und 341 bei der Landtogswahl, der Kommunist 134 gegen 174 bzw. 266 Stimmen. Oas Schreckensurteil von Großenhain. Sozialdemokratische Kritik im Sächsischen Landtag. Dresden. 24. Mai.(Eigenbericht.) Der Sächsische Landtag beschäftigte sich am Dienstag auf Grund eines sozialdemokratischen und eines kommunistischen Antrages mit dem Schreckensurteil in Großenhain, wa vom Schnell- gericht eine Anzahl Reichsbannerkamcraden. die einen Angriff von Nazis auf einen Reichsbannerzug abgewehrt hatten, zu schweren Zuchthausstrafen und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte ver- urteilt worden waren. Der sozialdemokratische Abgeordnete Edel übte an dem Ver- fahren und an dem Urteil scharfe Kritik. Der Landgcrichtsdirektor Koch, der in dem Prozeß den Vorsitz geführt habe, sei unter seinen Kollegen dafür bekannt, daß er die schwersten Strafen verhänge. Diele seiner Urteile seien deshalb von der höheren Instanz aufge- hoben worden. Trotzdem sei er zum Vorsitzenden des Schnellgerichts ernannt worden. Der sozialdemokratische Abgeordnete Neu wies darauf hin, daß im Fall« Großenhain die Anwendung d«s Schnell- verfahrensunzulässig gewesen wäre, weil 62 Zeugen hätten vernommen werden müssen ynd es den Verteidigern gar nicht mög- lich gewesen wäre, sich durch Aktsneinsicht In der erforderlichen Weise aus die Verhandlung vorzubereiten. Die Angeklagten seien insolgedesien in der Verteidigung beschränkt gewesen. Dem Staat?- anmalt machte Neu den Vorwurf, daß er Entlastungszeugen gar nicht vernommen habe. Zluhcrdem rügt« er. daß als Beisitzer ein junger Assessor mitgewirkt habe, während zum Schnellgericht nur er- fahren« Richter zugezogen werden sollten. Der Iustizminister M a n z f e l d beschränkt« sich auf die Erklärung, daß das Verfahren noch schwebe. Er lehnte es deshalb ab, darüber zind über das Urteil der ersten Instanz etwas zu sagen. Die Anträge wurden schließlich dem Rechtsausschuß überwiesen. Zwölf Lahre Zuchthaus. Für einen Toffchlag an einem Nationalsozialifien. Bochum. 24. Mai.(Eigenbericht.) Das Schwurgericht Bochum verurteilte den Kommunisten vant Ende wegen Totschlags in Tateinheit mit Raushandel zu 12 Jahren 3 Monaten Zuchthaus und ö Jahren Ehr« verlust. Der Angeklagt« hat im Oktober des vergangenen Jahres einen Nationalsozialisten erschossen. Die Höchststras-, die im B a n t a u e r N a zr p r o z c ß wegen des viehischen Mordes an dem Landarbeiter Vassy gegen einen Nationalsozialisten ausgesprochen worden ist, bc- trug 3 Jahre 3 Monate Gefängnis... Für Nazis ist der Tarif billig! Oer Oank des Vaterlandes. Ersiattet von Kloggesi und Genossen. Vraunschweig, 24. Mai.(Eigenbericht.) Der braunschweigische Staatsministerium hat gegen den s a- zialdem akratischen Ministerial-Obcrinspektor Graf ein Disziplinarverfahren mit dem Ziel der Dienst- cntlassung angestrengt. Graf wird vorgeworfen, in den Jahren 1928 und 1929 ver- schiedcntlich das Diensttclephon benutzt zu haben. Er hatte aber von dem zuständigen Bürodirektor für Gespräche, die er als sozialdemokratischer Stadtverordneter führte, die Genehmigung. Sräs gehört zu den wenigen sozialdemokratischen Beamten, die man bisher noch nicht entlassen, pensionieren oder maßregeln tonnte. Er ist alter Frontsoldat(Rückenmarkschuß, 60 Prozent). Der„Dank des Vaterlandes" wird von den Nationalsozialisten also in recht origineller Weise erstaiietl Die Abschaffung dc» irischen Treueides endgültig angenommen. Die Kammer hat in dritter Lesung mit 87 gegen 69 Stimmen den Gesetzentwurf über die Abschaffung des Treueides angenommen. Der Gesetzentwurf geht nunmehr an den Senats Wieder Lohnfieuererfiattung. Ankrog im Houehaltsausschuß dee??ci6?6tags cngenommcii. Der SkeucrS'usschutz dcs Reichskoges nahm am Dien-Iag den Anlrag auf Wiederherstellung der Rückcrstatlu»gspfli6i! für zuviel gezahlte Skeucrn an. Im Verlauf der Verotungen begründete Abg. Dr. Hertz(Soz.) die Notwendigkeit, die Erstattungspflicht wiederherzustellen. Die Aufhebung der Erstattungspfli6?t sei ein krasses Unrecht. durch das zwei Gruppen von Steuerzahlen geschaffen worden seien: die Gruppe der Veronlagungspflichtigen, die nur die gesetzlich vor- gesehenen Steuern zu zahlen hätten und in besonderen Fällen Ermäßigungen auf Grund von Billigkeitserwägungen erhielten, und die Kruppe der Lo h n st e u e r z a h! e r. die über die gesetz- liche Ete.irerpflicht hinaus belastet und der außerdem Billigkcits- erwagungen versogt würden. Wie groß das den Lohnsteuerzahlern zugefügte Unrecht sei. gehe am besten aus der Tatsache hervor, daß unter dlst Geltung der Erstattungspflicht von 1926 bis 1930 rund .3 24 Millionen Mark zuviel erhoben seien und zurück- erstattet werden mußten. Ministerialdirektor Dr. Za r d e n bot. den Antrag aus Wieder- Herstellung der Erstattungspflicht abzulehnen. Di« von dem Abg. Dr. Hertz beanstandete Aufhebung der Erstattungen aus Billigkeits- gründen auf Grund dcs§ 131 der Ncichsabgobenordnung falte Fassung§ 108) sei nur eine Konsequenz der Beseitigung der oll- gemeinen Erstattungspflicht gewesen. Im Reichsfinanzministerium werde gegenwärtig geprüft, ob die von dem Abg. Dr. Herg an- geregte Einführung von Lohnsteuerbüchern möglich sei und ob durch die Ausdehnung des Lohnzahlungszeitraums für die Erfassung der Lohnsteuer die Erhebung von zuviel gezahlter Lohnsteuer vermieden werden könne. An der Aussprache beteiligten sich noch die Abg. Dr. Föhr- Boden(Z.), Rupp(Natsoz.), Dr. Echte(Chr.-soz.). Dr. 5)orlachcr (Bayer. Vp.) und Meier-Baden(Soz.). All« Redner stellten sich auf den Standpunkt, daß die Erstattungspflicht zuviel gezahlter Lohnsteuer grundsätzlich beibehalten werden niüsse. Der grundlegende Teil des Antrages auf Wiederherstellung der Rückcrstaltungspslicht wurde angenommen, der übrige Teil dem Haushallsausschuß überwiesen. Einstimmig wurde clve sozialdemokratische E n t s ch l i e ß ii n g a n g e n o m m e n.>n der die Reichsregicrung ersucht wird, die E r h o b u n g s f o r m des Steuerabzuges vom Arbeitslohn mit größter Beschleunigung derart umzugestalten, daß die dem Steuerpflichtigen gesetzlich zustehenden jährlichen steuerfreien Lohnbeträge und Familienermäßigungen laufend voll g u t g e b r a ch t werden, eine ll e b e r z a h l u n g der Steuer bei Derdienstausfall infolge Arbeitslosigkeit, Krankheit usw. aus- geschlossen wird und die Wiedereinführung der Erstattungen bei Berdienstousfoll entsprechend dem früheren Z 93 des Ein- kommensteuergesetzes nicht erforderlich ist. Mlttä'rische Abrüstungsfachverständige. Zwei Rücktritte in Wien. Vreitner und Kunschak. Hugo Breitner, der seit der Uebgrnohm« der Wiener Stadtnerwallung durch die Sozialdemokraten somit über 1.Z Zohre lang, die Gemeindefinanzen verwaltet, wird bald 60 Lahre alt. Dieser kommunalen Tätigkeit sind 25 Lahre Bankdienst und eine Anzahl Lehrjahre im Geschäftswescn vorausgegangen. Als städtischer Finanzreferent hat Breitner nicht einen Tag Urlaub ge> nommen, tagtäglich hat er um 6 Uhr morgens die Arbeit begonnen und noch spät abends Hot er an ihr gesessen. Nun will er nicht solange weiterarbeiten, bis ihm etwa gesagt werden würde, er solle sich doch schonen, weil man eben gemerkt hätte, daß seine Arbeits- fähigkeit nachlasse. Er kann den Rücktritt auch vor seinem Gewissen verantworten, denn das Fundament der sozialistischen Finanz- Politik steht fest wie die gewaltigen Wohnboutcn und das um- fassende Fürsorgewcrk des roten Wien, beide geschaffen und gesichert durch Breitnerz Finanzierung. Wenn er zum Jahres- Wechsel den Stodtratsplatz mit dem Gemsmderatssttz vertauscht, von der Führung in die Linie zurücktritt, so kann ein anderer die Arbeit Breitners fortführen. * Leopold Kunschak steht schon 40 Jahr« in der Politik. Als die Christlichsozialen das verzweifelnde Kleinbürgertum unter dem Rcttungsbanner eines lauten Antisemitismus und leiseren Klerikalismus, dabei an den Drähten des Feudaladels und der Kibchenfürfien zappelnd, zum Sturm auf die schwach besetzten Bastionen des Liberalismus sammelten und sich, heimlich schmun- zeind, das a n t i k a p i t a l i st i s ch e Löweniell umhingen, da wurde auch eine„christlichsoziale Arbeiterpartei" aufgezogen, um dem unaufhaltsamen Zustrom der Arbeiter zur jungen Sozialdemokratie Abbruch zu tun. Hauptagitator dieses Unternehmens war Leopold Kunschak. Der Umsturz nach dem Weltkrieg ließ es den längst zur Bürgerpartei gewordenen Christlichsozialen geraten erscheinen, wieder mehr die Bolkspartei zu spielen. So wurde Kunschak, der ja auch ein gut Stück Lueger-Tradition verkörpert, Obmann der Christlichsozialen Wiener Parteiorganisation. Auf dem jüngsten Stadtparteitag wurde er zwar wiedergewählt, lehnte aber sofort die Wahl ab. Zur Begründung erklärte er, zu wissen, daß er nicht mehr das Vertrauen vieler Parteigenossen und maßgebender Persönlichkeiten habe; da trete är vom Posten des Feldmarichalls in den dcs Korpsführers zurück, zu feinen Arbeitern. Obmann wurde Professor Krasser, der vorher als Referent gegen die Demokratie gesprochen habe, an die doch niemand mehr glaube:»alle wollten längst eine Diktatur, und wenn nur der geeignete Diktator da wäre, hätte man sie schon.. So plädierte man für eine künftige Koalition mit den Haken- kreuzlcrn, wozu auch gehört, daß Herr Kresser die Sozialdemokratie den Erbfeind der Christlichsozialen nannte. Von solchem Tu» einer ehemals demokratischen Partei mußte sich der alte Arbeiter Kunschak freilich mit Grauen wenden! Nazikrach im Roten Rathaus. Heist« trat das neugewähltc Wiener Stadtpqrlament zusammen. Di« 5 Nozi-Gemeinderätc kamen mit Lärm- und Pfuirufen in den Saal, wurden aber sofort von der Galerie und von den sozialdemokratischen Gomemderäten mit derartiger Entrüstung emp- fangen, daß sie rasch ganz verstört Platz nahmen und kaum mehr wagten, den SRurid oufzutun. Einige Mole während der Sitzung versuchten sie noch. Schimpfrufe gegen den sozialdemokratischen B ü r g c r m c i st e r au°zustohen, einmal auch während einer Ab- stimmung ihr Hitler-Lied zu singen. Jedesmal aber wurden sie von der Mehrheit derartig niederschmetternd mit Eni- r ü st u n g» r n f c n zugedeckt, daß sie bald ihr widerliche? Spiel aufgaben. Während der Sitzung versuchten die Nazis Straßen» �Aber ich bitte, meine Herren, dies niedliche Kanönchen ist doch beileibe keine Angriffs- waffe. Da nisten sogar die Vögel drin." Hexenkessel der„Nationalen" Hitter, Or. Krebs und der Oeutschnationale Handlungsgehilfenverband Die am Sonntag hier gemeldete Absetzung des Haupt- s ch r i f t l e i t e r s des nationalsozialistischen Hamburger Tageblatts, Dr. Krebs, und sein Ausschluß aus der NSDAP, wären m der Tot, wie Hitler erklären läßt, völlig belanglos, werni die Angelegenheit nicht durch die v c r b a n d s p o l i t i s che n Zusammen- hänge in eine ganz besondere Beleuchtung gerückt wurde. Krebs ist nämlich— und das ist der Kernpunkt— Beamter dcs Deutschnationalen Handlnngsgehilfenver- bände?. Er wird von der Leitung des Verbandes bezahlt und ist lediglich für seine politische Tätigkeit im Interesse der Kauf- mannsgehilscn(lies: DHV.) beurlaubt! Er gehört also in eine Reihe mit Persönlichkeiten wie die Hakcnkreu.zabgeordveten Forst er und Stöhr, mit anderen Worten: Krebs war nichts anderes als einer der Exponenten des DHV. innerhalb der NSDAP. Wenn er nun in seiner Erklärung behauptet, daß der DHV. keinen Einfluß auf seine politischen Aeußerungcn genommen hätte, so ist da? selbstverständlich bärer Unsinn. Dr. Krebs hat in seinem„Ham- burger Tageblatt" eben D H V.- P o l i t i k gemacht und nichts anderes. Diese"■pHN..Po1itik aber lSuft, wie man weih, daraus hinaus. Notianaksozialismiis und Zentrum unker ollen Umständen auf eine gemeinsame politische Linie zu bringen. Aus begreiflichen Gründen übrigens. Die DHV.-Mitgliedschaft nom< lich fetzt sich zu etwa 80 Pro,;, aus fanatischen N a z i o n h ä n- oern, vor ollen Dingen in den Jugendabteilungen, zusammen, zu einem geringeren, aber darum nicht etwa bedeuningsloferen Teil, aus katholischen Zentrum smitgliedern, besonders im Westen des Reiches. Di« Spannungen innerhalb des Verbandes sind, wie man sich bei einer solchen Struktur lebhaft vorstehen kann, zum Zerreißen stark, und die inneren Schwierigkeiten sind riesengroß. Sie wären aber in dem Augenblick behoben, wo es den politischen Regisseuren des DHV. in 5)amburg gelänge, das System der p a r l a m« n- tarischen Ouerverbindungen auch nach der national- sozialistischen Seite hin auszudehnen und die Brücke über die Kluft zwischen Zentrum und NSDAP, zu schlagen. Sehr Verbands- egoistische Motive also sind es, die, wie man sieht, hier im Hintergründe wirksam sind. Diese DIHV.-Politik, die Dr. Krebs auftragsgemäß im„.Ham- burger Tageblatt" zu vertreten hotte, hat nunmehr freilich kläglich Schiffbruch erlitten. Regicrungsrat ohne Dienst Hitler rächt sich überdies jetzt für den Ausschluß des Abgeordneten F o r st e r aus dem DHV. Dieser Hmauswurf war bekanntlich seinerzeit wegen der geradezu unflätigen Beschimpf un- gen Hindenburgs am 5. März erfolgt, nachdem am 4. März im„Vorwärts" auf die merkwürdigen personellen Zusammenhänge zwischen Forster und dem DHV. hingewiesen worden war. Vier- zehn Tage später hatte die Verbavdsleitung, obwohl ihr Forsters Aufsatz bekannt war, nicht einen Finger gerührt! Ueberhaupt biedert sich der DHV. trotz gelegentlichen Theater- donners in geradezu würdeloser Weise bei den Nazis an. Bringt es doch beispielsweise das Vcrbandsorgon in seiner letzten Nummer fertig, die„parteiamtliche" Haltung der NSDAP, zur Sozialpolitik und zur Arbeitnchmerfrage dahin zu präzisieren, daß der Nationalsozialismus es als eine SclbftverstävdUckikcit betrachte, alle sozialen Errunaenschaften dex Arbeitnehmerschaft und die ganze soziale Gesetzgebung' zu verteidigen. Die Tatsache, daß kein vervünf- tiger Mens 6, in Deutsihland die„soziale" und arbett- n«hmer„sreund1ich«" Haltimg der Nazis ernst nimmt, und die BeröffenUirbung der vertraulichen NSBO-Richtlinicn im„Deutschen", der sich gelegentlich als die eigene Tages, zeituvg des D.HB. bezeichnet, sind bis heute noch nicht zur„Deutschen Handelswocht" vorgedrungen. Und nun diese Ohrfeige von Herrn Hitler! Wenn der DHB.- Mann Dr. Krebs jetzt mit einem Mckle von bedrohter Ge- wisse nsfreihcit redet, so wirkt das geradezu komisch onge- sichts der Tatsache, daß der DHV. nunmehr seit Jahren den Lsttler- schen Ungeist und Unfug besonders in feinen Jugendgruppen nicht nur geduldet, fondern gefördert hat. Im übrigen wird die Sittiation für den DHV. noch dadurch erheblich verschärft, daß, wie wir hören, eine vertrauliche Zlnweisung der NSDAP.-Leitung vorliegt, wonach alle nationalsozialistischen DHV.-Mitglieder zum Austritt aus dem Verbaird aufgefordert werden. demonftrationen. In einer Straße der Innenstadt begannen sie jüdische Geschäftshäuser zu stürmen. Sosort ober kamen die Gefchäftsleubte heraus und prügelten gemeinsam mit den Passanten die Nazis derartig, daß sie Hals über Kopf die Flucht ergreifen muhten. Gorguloff kein Tschekist. Widerruf detz Hauptzeugcn. Tarbes(Südfrankreich). 23. Mai.(Hooas.) Der hier lebende ehemalige Kosak L a c a r« f f hat dem Polizei- tvmmissar, der ihm Bilden- Gorguloffs vorlegte, erklärt, der Dar- gestellte gleiche nicht dem Mann, für den er ihn gehalten habe. Locareff hatte gegenüber Prossevertretern in langen Erklärungen behauptet, daß er in Gorguloff einen ehemaligen bekannten T s ch e k i st e n wiedererkannt habe. Diese bereits zwei Tags von einem Teil der französischen �Presse ausgenutzten Behauptung hat Lacareff gegenüber dem verizorenden Polizeibeamten nicht auf- rechterhaltcn, Alle anderen Gorguloffs tot. Moskau(über Sowno), 23. Mai, Die„Prawda" veröffentlicht eine Meldung aus dem Dorfe L a b i n f k a j a, in dem Gorguloif geboren ist, und erklärt, daß die ganze Familie Gorguloff zu den F e i n d c n d c r S o w j c t u n i o n gehörte, AI l e Gorguloffs außer dem Mörder feien im Bürger- krieg getötet worden. Nur ihm fei es gelungen, zu flüchten, Litauische Pogrom-Polizei. Der Prozeß von Globaden. Sowno. 24. Mai. Dos Koymoer Bezirksgericht verhandelt- jetzt über die Aus- schreitungen von Polizisten und Schützen gegen die Juden in der Kownoer Vorstadt S l a b a d e n. Von den 17 Llngetlogten sind acht Polizisten, vier Kriminalbeamte und fünf Schügenverbändlcr. Einer der 5)auptangeklogten versuchte den Prozeß durch sein Nicht- erscheinen unmöglich zu machen. Als dos Gericht jedoch sein« Zwangsvorführung beschloß, meldete er sich zur Stelle. Die Angeklagten verhielten sich bei ihrer Vernehmung oußerordcnt- lich herausfordernd und versuchten, die Vorfälle so dar- zulegen, als ob s i c von den Juden überfallen worden wären und in Notwehr gehandelt hätten. Die 29 Geschädigten, darunter ein Mann von über 60 Jahren, behaupten durchweg, daß die lieber- fäll« organisiert gewesen seien: die Polizei war an den, fraglichen Tage telephonisch nicht zu erreichen. Ein Polizcibeamter, den einer der Zeugen zu Hilfe gerufen hatte, erklärte diesem, daß die Ausschreitungen von einer bestimmten Stelle der Polizei aus- gegangen seien(gemeint ist die Kriminalpolizei). Bei der Zeugen- Vernehmung kam es wiederholt zu dramatischen Szenen. Hoovers Harinäckigkett. Keine Noistandsarbeiten nur Zndustriesubsidien. Washington, 23. Mai.(Eigenbericht.) Präsident H o o o e r lehnte den Vorschlag aus öffentliche Not- standsarbeiten zur Behebung der Wirtjchaitskr.se ab. Er begründet hiefe Haltung damit, daß mit derartigen Notstaiidsarbeften die Areditsähigkeit der Regierung gefährdet werde: man müsse neue Subventionen an die Industrie geben. heffisoier Etat durch Ilotgejetz. Die Ungültigkeitserklärung der Landtagswahl hat die heffifchc Regierung veranlaßt, durch Notgsfetz die erforderlichen etatsrechtlichen Grundlagen für die Führung der Staatsgeschäfte zu schaffen. Dos Notgesetz, das inzwischen erlassen worden ist, wird dem neuen Landtag bei seinem Zusammentritt sofort zur Bestätigung vorgelegt werden. Vorschläge für internationale Donaustaatcnhilfc soll ein Völker- bundsausfchuß erstatten: darin sind vertreten Deutschland(durch Mi- nistcrialdirektor Graf Schwerin von Krosigk). Belgien. Frankreich, Großbritannien, Italien, Holland und die Schweiz. Dazu kommen Mitglieder des Finanzkomitees des Völkerbundes.— Der Schweizer Bundesrat M u f y, Vorsteher, dos Finanzdcpartements, wird den Borsitz führen. Der griechische Destsireik ist beendet. Dos Personal hat nach dem Rücktritt der Regierung, dessen Ursache übrigens mehr die Opposition gegen das neue Pressegesetz war, di« Zlrdeit wieder ausgenommen. 5625000 Erwerbslose. Alarmierende Stockung der Entlastung des Arbeitsmarktes. Di? Zrühjahrsenttastung des Arbeiismarltes, die in der zweiten 'Aprilhälfte endlich stärker in Zluh gekommen war. ist in der ersten ZNaihälste bereits wieder äusserst schleppend geworden. So sind nach dem jcht vorliegenden Bericht der Reichsanstalt vom 1. bis 15. Mai nur S1000 Arbeitsuchende neu eingestellt worden gegen rund 137 000 Erwerbslose in der zweiten Aprilhälsle. Die Gesamt- zahl der bei den Arbeitsämtern angemeldeten Erwerbslosen beträgt somit am 15. Mai noch rund 5 K75 000 Personen. Die Heber-" l a g e r u n g der Arbeitslosigkeit im Vergleich mit der entsprechenden Zeit des Vorjahres hat sich gegen Ende April entsprechend der ungünstigen Entwicklung in den ersten Maitagen von 1 540 000 aus 1 146 000 Personen g e st e i g e r t. Diese Entwicklung ist auch zwangsläufig, denn die Entlastung des Arbeitsmorktes seit der Erreichung des winterlichen Höchststandes betrug 1351 rund 760 000, im laufenden Zahre aber nur 455 000 Personen. Die Entlastung wird nach wie vor nur von den Saisonberusen getragen, deren Wirkung aber vielfach dadurch zunichte gemacht wird, daß in verschiedenen wichtigen Produktionszweigen, besonders den Exportindustrien, die Konjunktur sich weiterhin v e r s ch l e ch- t e r t e. Das Baugewerbe konnte nur in einigen ländlichen Bezirken etwas aufleben, bleibt aber im ganzen genommen» ö l l i g tot. Dieser Arbeitsmarktbericht ist ein Alcrmruf. In dem sonst günstigsten Monat der Frühjahrssaison ist so gut wie gar keine Lockerung des furchtbaren Druckes auf die Armee der Arbeits- losen eingetreten. Die Regierung darf dieser Entwicklung nicht mit dem bisherigen Fatalismus gegenüberstehen. Arbeits- b e f ch a f f u n g und Bcrkllrzung der Arbeitszeit müssen jetzt in kürzester Frist durchgeführt werden, wenn man nicht erleben will, daß die Arbeitslosigkeit schvn wieder im Frühherbst die Sechs- millionen-Grenze überschreitet. In Berlin steigt bereits die Arbeitslosenflut! Völlig trostlos ist der Groß-Berliner Arbeitsmarkt um die Mitte des Monats Mai. Im gesamten Bereich des Landesarbcitsamts Brandenburg(Berlin, Brandenburg, Grenzmark) verringerte sich die Zahl der Arbeitsuchenden nur um 3379 gegenüber einer Entlastung von 36145 Personen in der zweiten Aprilwoche. In Berlin selbst stieg die Zahl der Arbeitsuchenden von 591956 auf 595 633. hiervon wurden nur 112 654 Personen durch die Ar- beitslosenversicherung, 152 899 durch die Krisenfürsorge unterstützt. Dagegen schwoll die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen auf 298 759 Personen an. Diese erschütternde Zahl spricht wahre Bände für das Elend der Erwerbslosen und zugleich für die ruinöse Finanzlage der deutschen Kommunen, denn so wie es der Reichshauptstadt geht, geht es mit größeren oder geringeren Ab- weichungen sämtlichen deutschen Städten. Kann Arbeitsdienst helfen? Arbeit ohne Recht und ohne Wirtschaftlichkeit. Der Borsitzende des Deutschen Baugewerksbundes Genosse Bernhard richtet in der vielumstrittenen Frage des freiwilligen Arbeitsdienstes in der nächsten Nummer des„Grundsteins" eine eindringliche Warnung an die Oeffentlichkcit. Seit über einem halben Jahr— so führt Bernhard im wcsent- lichen aus— wird mit dem Freiwilligen Arbeitsdienst experimen- tiert. Seitdem sind mehr als 2199 Arbeiten der verschiedensten Art, allermeist Bodenbewegungsarbeiten von fast 69 999„Freiwilligen", d. h. von knapp 1 Prozent der Arbeitslosen, ausge- führt worden. Schon spricht man, wie z. B. Minister Ire vi» r a n n s, von einem„S i e g e s z u g dieser behelfsmäßi- gen Versuche". Die Zulassungsbestimmungen müssen erweitert werden, um ,chem Zustrom gerade aus Akademikerkreisen" mehr Rechnung zu tragen. Tie vielen Hunderttausende seit Herbst 1020 arbeitslosen Bauarbeiter, die ihr Handwerk erlernt haben, bleiben auch weiter auf der Straße. Der Mann der Feder soll"mit Schaufel und Pickel, mit Hammer, Säge ixnd Axt ein Spielchen machen, wie einen Nach-Feierabend- Zeitvertreib im Laubengarten. Der Urgrund dieses militärisch- nationalistischen Spiels ist das Ziel des einjährigen Ar- beitssoldaten. 5)err Treviranus will den Begriff der Zu- fätzlichkeit bei allen Aufgaben sehen,„die für absehbare Zeit mangels anderer öffentlicher Mittel trotz anerkannter Dringlichkeit nicht zur Ausführung kommen können". Danach dürfte wohl nicht nur in der Bauwirtschaft, sondern in allen Gewerbe- und In- dustriezweigen, im Bürodienst und in der Landwirtschaft„ausge- wechselt", überall dürften dann die einfachen und mechanischen Ar- beitsleistungen durch Freiwillige ausgeführt werden. Die Befür- worter sehen die Entwicklung bereits heute so: Jede Arbeit— nicht nur Bauarbeit— die nur einer gewissen Uebung, eines be- scheidenen Anlernens bedarf, wird im„freiwilligen" Arbeitsdienst ausgeführt. Mit Lohnsenkung für Arbeit im ordentlicli«» Ar- beitSverhältniS kann dann so weit nachgeholfen werden, daß der Unterschied nicht mehr ins Gewicht fällt. Herr Treviranus schreibt:„Eine große Sorge war ja bisher die Beschränkung in der Auslegung der„Zusätzlichkeit" und„Ge- meinnützigkeit der für den Arbeitsdienst in Frage kommenden Auf- gaben. Ich habe nie die Gefahr eines Mißbrauchs gesehen, wenn man die Bodenkulturen, von der Siedlung angefangen über die vernünftige Regelung der Wasserwirtschaft bis zu W e g e b a u t e n, als den gegebenen Arbeitsraum ansieht." So etwas ist einfach unerhört. Das bedeutet eine ebenso un- verblümte wie sinnlose Förderung der Arbeitslosig- keit der Bauarbeiter, deren Verdammung zur Dauer- arbeitslosigkeit und— da Arbeitsdienst Arbeit ohne Recht ist— glatten Hinauswurf der Bauarbeiter aus dem Arbeitsrecht. Beim freiwilligen Arbeitsdienst können die Gesetze der Wirt- schaftlichkeit keine Beachtung finden. Von einer pfleglichen Behandlung der Stoffe und Geräte durch Nichtfacharbeiter kann keine Rede sein. Falsche Anwendung menschlicher Arbeitskräste und Fehlleitung von Kapital sind unvermeidlich. Arbeit im ordentlichen Arbeitsverhältnis ist wesent- lich billiger, ganz abgesehen von den günstigen Nück- Wirkungen ordentlicher Arbeit auf die übrigen Wirt- schaftszweige, auf den Staats- und Gemcindchaushalt und auf die Sozialversicherung. Aber, so wird gesagt, Wirtschaftlichkeit sei Nebensache. Haupt- fache bleibt das ethische und erzieherische Moment. Gewiß ist es schlimm bestellt um die Lehrlinge und noch schlimmer um die Ausgelernten. Aber ist die Lage der Aelteren, der Ver- heirateten nicht noch schlimmer? Sie sind die Sorgenden um die Existenz der ganzen Familie, in den meisten Fällen auch für die jugendlichen Arbeitslosen. Kann man dem Jungen Arbeit geben und den Vater als Zuschauer hinstellen? Die Jugend hat ein Recht auf Arbeit, jawohl, aber die Alten, die Ernährer der Kinder und deren Mütter, haben ein doppeltes, ein vielfaches Recht auf Arbeit. Was immer wieder besonders stutzig machen muß ist die Tat- fache, daß einflußreiche und nationalistische Kreise im„Freiwilligen" die Vorstufe zur militärisch aufgezogenen Pflicht- arbeit sehen. Die gewerkschaftlichen Errungenschaften auf lohn- und tarif- politischem Gebiet sind in Gefahr. Den vom Arbeitsdienst aus- gehenden Lohndruck werden zunächst die Bauarbeiter zu spüren bekommen, obwohl ihre Löhne in den letzten Wochen bereits einen ungeheuerlichen Abbau erfahren haben. Das Bauen ist jetzt so billig geworden wie keine andere Arbeit, und der Arbeitsdienst wird immer erneut zu immer weiterem Abbau der Löhne des ordentlichen Arbeitsverhältnisses Anlaß geben. Der Tarifvertrag gibt dem Arbeiter auf die Bedingun- gen seines Arbeitsvertrages ein klagbares Recht. Ter freiwillige Arbeitsdienst ist Arbeit ohne Recht; denn die für ihn maßgebenden Bestimmungen besagen ausdrück- lich, daß die Beschäftigung in ihm kein Arbeitsverhältnis im Sinne des Arbeitsrechts begründet. Ist aber Arbeit ohne Recht etwa ethisch? Kann Arbeit ohne Recht eine gesunde Arbeitsord- nung sein? Wertvolle erzieherische und sittliche- Hebung des einzelnen und der Masse ist nur möglich bei Arbeit, die den Jungen wie den Alten Lebensinhalt gibt. Beschafft Arbeit, aber Arbeit, die dem schaffenden Menschen Recht und Lebensmöglichkeit gewährt. ★ Diesen Ausführungen hätten wir noch einige Bemerkungen an- zufügen: Weil sich die Stimmen mehren, die dafür eintreten, daß man den sogenannten freiwilligen Arbeitsdienst nicht einfach den Reaktionären als Versuchsfeld überlassen soll, deshalb darf nicht angenommen werden, daß unsere grundsätzliche Gegner- s ch a f t gegen den freiwilligen Arbeitsdienst nicht mehr besteht. Wir sind nicht nur aus den von Genossen Bernhard angeführten Gründen nach wie vor grundsätzlich Gegner des freiwilligen Ar- bsitSdienstes. Wir lehnen ihn hauptsächlich deshalb ab, weil er die jungen Arbeitsdienstwilligen von ihrem(meist noch ungenügend er- lernten) Beruf entfernt und sie wirtschaftlich noch mehr herunterbringt. Denn der Verschleiß an Wäsche, Kleidern und Schuhen ist notwendig bei grober Arbeit ein großer. Tic Wirtschaftskrise wird durch diese Art Arbeit eher verschärft, weil der Anreiz zur Kapitalsanlage auf dem Baumarkt völlig ver- schwinden muß und weil die Kauskrast in keiner Weise gesteigert wird. Wenn man schon etwas tun will— und schließlich muß etwas getan werden— dann beschäftige man so viel Arbeitslose wie möglich nach den Vorschlägen Professor Lederers, dem be- kanntlich auch der Reichsbankpräsident Dr. Luther zugestimmt hat. Hier könnte man eine viel größere Zahl Arbeitsloser als bei dem sogenannten freiwilligen Arbeitsdienst nach dem Krümper- system beschästigen, diesen Beschäftigten damit gleichzeitig das Ziel der wirtschaftlichen Selbsthilfe geben und sie— was sehr wesentlich ist— in ihrem Beruf beschäftigen, ohne deshalb der normalen Arbeit Konkurrenz zu machen. Diese Arbeit der Arbeitslosen für Arbeitslose würde auch finanziell kein Experiment sein. Man scheut sich aber offensichtlich daranzugehen, weil diese produktive Arbeit ohne Kapitalisten ein„böses Beispiel" geben könnte. Die katastrophale Unfähigkeit der Kapi- talisten, aus der Krise herauszuführen, führt aber zwangsläufig zu dem Schluß: da es mit dem Kapitalismus nichl geht, muß e s ohne und gegen ihn gehen. Zum Ruhrkonflikt. Schlichtung soll Stillegungen fördern. Nach Verlautbarungen, die offenbar vom Schlichter selbst stam- m«n— so schreibt die„Deutsche Bcrgmerkszeitung" wörtlich—, sei mit einer Beibehaltung des starren Lohntarifs im Ruhrbergbau nicht mehr zu rechnen. Auch die Schlichtungs- inftanzen würden in einer Auflockerung des Tarifs das Hauptmittel sehen, um erneute Betriebsstillegungen und Bergarbeiterentlassungen zu verhindern. i Nach dieser Mitteilung in dem Organ der Schwerindustriellen scheint man also auch in Regierungskreisen der Auffassung zuneigen zu wollen, den Bergarbeitern müßten weitere Lohn ver- schlechterungen zugemutet werden, und zwar, um der Gefahr neuer Stillegungen zu begegnen. Wie abwegig, ja, wie grotesk diese Meinung jedoch in Wirklichkeit ist, geht aus folgendem Vorfall hervor: Die Niederrheinische Aktiengesellschaft als eine. Einzelzeche hat nach langen Verhandlungen eine E r h.ö h u n g ihrer Verkaufsbeteiligung von 9L9 999 auf 1,1 Million Tonnen jährlich erreicht. Diese Ouote kann die Gesellschaft gegen- wärtig nur mit39 Pro z. ansetzen. Die Folge davon ist, daß die Schachtanlage, die über 1799 Menschey beschäftigt, still- gelegt werden so-ll. Diese Stillegung könnte jedoch ver- hindert werden, indem die jetzige Beschäftigungs- quote von 39 auf 45 Proz., also um 299 999 bis 399 999 Tonnen erhöht würde. Wie crwägenswcrt diese Möglichkeit ist, geht daraus hervor, daß eine Nachbarzeche, die die gleiche Kohlensorte fördert, auch heute noch mit 79 Proz. ihrer Be- legschast beschäftigt ist. Es liegt also nur an einer gering- fügigen Aenderung in der Verteilung des Syndikatsabsatzes, um die drohende Stillegung der Zeche zu verhindern. Statt dessen arbeitete man anscheinend systematisch darauf hin, diese Anlage zum Stillstand zu bringen und die Ouote zum Vorteil der übrigen Zechen loszuwerden. Daraus ergibt sich sehr drastisch, daß es den Unternehmern bei dem Tarifkonflikt im Ruhrbergbau nicht um die Verhinderung von weiteren Stillegungen, sondern nur auf die Zerschlagung des Lohntarifes und eine weitere Verschlechterung der berg- männischen Arbeitsbedingungen ankommt. Wie unter diesen Um- ständen maßgebende Regierungskreise mit diesen reaktionären For- derungen der Unternehmer sympathisieren können, ist und bleibt absolut unverständlich. GtreikbeschluH der Bauschlosser. Wie gestern im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, hatten die im Mctallarbeiterverband organisierten Bau- und Geldschrank- s ch l o s s e r in ihrer Branchenversammlung am Montag einstimmig beschlossen, in den Betrieben des Schutzoerbandes Berliner Schlosse- reien und der Schlosserzwangsinnung eine Streikabstimmung durchzuführen. Den Anlaß zu diesem Beschluß bot ein Schiedsspruch des Schlichtungsausschusies, der neben einem Abbau der Tariflöhne um 5,7 Proz. durch die Aufhebung einer Schutzklausel im Tarif- vertrag den Unternehmern die Möglichkeit gibt, die in dieser Branche zum erheblichen Teil noch gezahlten übertariflichen Löhne restlos abzubauen. Diese Mehroerdienste liegen teilweise bis zu 25 Pf. über den Tariflöhnen. Die Abstimmung, die gestern in den Betrieben vorgenommen wurde, hat, wie wir erfahren, die statutarisch notwendige Drei- viertelmehrheit für den Streik ergeben. Die Maß- nahmen, die auf Grund dieses Abstimmungsergebnisses nunmehr von allen Branchenangehörigen ergriffen werden müssen, werden heute abend von den Vertrauensleuten der Branche beschlossen, Kohlenhänöler wollen noch mehr verdienen. Oeshalb fordern sie ungeniert Lohnabbau. Nichts zeigt deutlicher als die augenblicklich im Berliner Kohlengroßhandel geführte Tarifbewegung, daß den Abbau- forderungen der Unternehmer jede wirtschaftliche Berech- tigung fehlt, die Kürzung der Löhne sowie der Abbau der sozialen Bestimmungen der Tarifverträge vielmehr nur verlangt wird, weil das eine große Mode ist, der sich auch die Schlichtungs- inftanzen wieder einmal bereitwillig unterworfen haben. Die Löhne der Arbeiter des Berliner Kohlengroßhandels sind seit Juli v. I. von 1,2 5 M. auf 1,9 2 M. pro Stunde, also um fast 29 Proz. gekürzt worden. Der letzte Abbau von 1,15 auf 1,92 M. auf Grund der Dezember-Notoerordnung war bekanntlich mit dein A b- bau der Kohlen preise begründet. Mit ihren Kohlenpreisen sind die Kohlenhändler seit Januar nicht mehr heruntergegangen: seit Mai wird lediglich der übliche vorübergehende Sommerpreis berechnet, der um 3 bis 4 Proz. unter den Ianuarpreisen liegt. Die Kohlengrohhändler verlangen aber von ihren Arbeitern einen Preisnachlaß für deren Arbeitskraft von 17 Proz., darüber hinaus noch erhebliche Verschlechterungen des Mantel- t a r i f s, wie die Umwandlung der Wochenlöhne in Stundenlöhne, damit die Beseitigung der Feiertagsbezahlung, den Abbau des Ur- laubs bis zu 3 3� Proz., den Fortfall der Zahlung von Zu- schüssen zum Krankengeld bei unverschuldeter Krankheit und Betriebsunfällen usw. Besonders kraß sind diese Forderungen, wenn man sich einmal die augenblicklichen Kphleneinkauss- und-Verkaufs- preise vor Augen hält. Den Zentner Braunkohlenbriketts, den das ostelbifche Braunkohlensyndikat zur Zeit den Kohlenhändlern für knapp 94� Pf. fein säuberlich verpackt frei Bahn Berlin'liefert, muß der Konsument frei Keller gepackt mit 1,55 M., um 63 Proz. teurer, zahlen. Wenn man auch die Unkosten für Abtransport, eventueller Lagerung— die oftmals wegen direkten Transports vom Waggon zum Abnehmer gar nicht in Frage kommt—, Arbeiterlöhne, Gehälter usw. abzieht, bleibt immerhin noch eine große Verdienstspanne für die Kohlenhändler übrig. Die Forderung der Berliner Kohlengroßhändler nach Lohnabbau ist also in keiner Weise berechtigt. Es ist dringend zu wünschen, daß der Schlichtungs- ausschuß, der nach den ergebnislosen Parteioerhandlungen am Donnerstag eine Entscheidung in dem Konflikt treffen soll, auch diese Dinge einer kritischen Betrachtung unterzieht und nicht einen Spruch fällt nach dem üblichen„Angleichungs"schema. Wcrbeau-schuh der Post- u. Tclegraphc�bcamtea und Anoärtcr. V«. sammlung Donnerstag, 20Z4 Uhr, bei Heiles, Prenzlauer Alle- 233 schuldig" erhält er zur Antwort.„Und Sie, Frau Ladewig?" „Auch ich bin unschuldi g." Kein Geständnis von den Lippen der beiden Frauen! Sie stehen im Sterbezimmer des Kindes ebenso kalt und undurchdringlich wie im Gcrichtssaal in Guben. Dann erfolgt die Rückfahrt nach Guben. Die Verhandlung wird wieder ausgenommen. Der Vorsitzende stellt fest, daß nach den Gutachten der Sachverständigen der Tod des Knaben durch chlorsaures Kali verursacht worden ist: er richtet an Frau Ziehm die Frage, zu welchem Zweck sie es in ihrem Haushalt gehabt habe. Sie habe es für sich als Des- insektionsmittel benutzt, gibt sie zur Antwort. Als der Vorsitzende sie darauf aufmerksam macht, daß keine der Apotheken in der Umgegend ihr chlorsaures Kali abgelassen habe, findet Frau Ziehm auch hier die Antwort: Ein unbekannter schwarzer Mann habe ihr in der Drogerie da- chlorsaure Kali verkauft. Und wann hat sie das letzte Mal chlorsaures Kali gekaust? Frau Krüger habe es in ihrem Auftrage getan. In der Voruntersuchung hatte sie das sast bis zuletzt entschieden bestritten. Weshalb sie das getan habe, fragt der Vorsitzende. Weil in ihr der Verdacht auf» gekommen wäre, Hänschen hätte das chlorsaure Kali selbst ge- nommen, und so sei das Unglück geschehen. Auch eine der sinn- widrigen Antworten der Angeklagten Frau Ziehm! Kastor Cremers Einkommen. «Nur" seine Pension und monatlich 1000 Mark.— Rund 15000 Mark jährliche Autospescn. „Grenzbcrichte" im Berliner Rundfunk. Unter dem Titel„Grenzberichte" bringt die Berliner Funkstunde, beginnend mit dem 1. Juni, in l-itögigem Abstand eine neue Reihe, die über das geistige und politische Leben an Deutsch- londs Grenzen in kurzen authentischen Berichten unterrichten soll. In Lü-Minuten-Borträgen werden von Persönlichkeiten, die im Grenzgebiet beheimatet sind, Ueberblicke über das Grenzlandtum an den verschiedenen Landesteilen gegeben und über die Sender der Funkstunde sowie über den Dsi tschlandsender Königswusterhausen verbreitet. Der bereits festliegende Plan umsaßt 18 Berichte. Im Dcoaheim-prozch wurde im verlauf der gestrigen Verhandlung der Angeklagte Pastor Eremer zu verschiedenen weiteren Punkten vernommen. Es kam wieder- holt zu Zusammenstößen und Zwischenfällen. Zunächst befaßt sich das Gericht mit dem Vorwurf unrecht- mäßiger Verfügungen zum Nachteil der Auslandsan- leihe. Der Zentralausschuß für Innere Mission hatte im Jahre 192(5 eine Amerika-Anleihe in Höhe von 10 Ii Millionen Mark abgeschlosien, wofür die Hilfskasse als deutscher Treuhänder fun- gierte, l). Cremer wird insofern Untreue vorgeworfen, als er auch eine persönliche Schuld des Sachbearbeiters Dr. Libberts im Betrage von rund 140 000 Mark zum Nachteil der Auslands- onleihe übernahm. Weiter ist auch mit 10 000 Mark von diesem Geld ein großer Chrysler-Wagen bezahlt worden, den D. Cremcr Dr. Libberts abkaufte. Die Feststellung dieser Trans- aktion aus der Anklage leitete über zu der Erörterung der Auto- s p e s e n des Angeklagten, Pastors v. Cremer. Auf Veranlassung des Vorsitzenden wurde zunächst festgestellt, daß der Angeklagte, Pastor D. Cremer, ein jährliches festes Einkommen von rund 22 000 Mark aus Mitteln der verschiedensten Organisationen er- hielt. Der Buchsachverständige Grade erläuterte die einzelnen Konten und stellte fest, daß nach einem Beschluß der Evangelischen Ver- sicherungszentrale Pastor Cremer ab April 1929 jährlich 12 000 Mark für Autospesen zugesichert waren. Wie aus den Buchungen hervor- ging, sei dieser Betrag aber überschritten worden. Im Iahre 1923 seien für Aulospesen 15 000 Mark ausgegeben worden, im Iahre>950 16 400 und in den ersten sechs Mo- nalen des Iahres 1951 7400 Mark. Angeklagter V. Cremer: Ich wollte meinen Wagen nicht holten, weil ich schon 18000 bis 19000 Mark persönliche Schulden für das Auto gemacht hatte. Deshalb bewilligte man mir die Unkosten.— Stoatsanwaltsschaftsrat Dr. C i ch h o l z: Ich bin doch auch Kcraftfahrer: wie kann man denn 18 000— 19 000 M. Unkosten für ein Auto machen?— D. Cremer:„Ich mußt« jeden Tag von Potsdam nach Berlin fahren, also 100 km."— Auf Veranlassung des Vorsitzenden erklärte dann der Angeklagte Ernst Wik- Helm Cremer, daß er die stüheren Wgaen verkauft habe, und zwar einen Protos für 4000 Mark, einen kleinen Horch für Z900 Mark und einen kleinen Chrysler für 3700 Mark.— Vors.: Da Sie außerdem noch einen großen tzorch und einen großen Chrysler hallen, haben Sie also insgesamt sechs Autos in süos Iahrcn ge- habt.— Der Sachverständige Grade faßte zusammen, daß in der Zeit von 1929 bis 1931, also in 2 H Jahren einschließlich der Anschaffungskosten für zwei Wagen 60633 Mark Autospesen gemacht worden seien, was erhebliche Be- wegung im Zuhörerraum auslöste.— Vors.: Der große Chrysler Die Forderungen der Mieter. Eine Kundgebung des Bundes deutscher Mietervereine. Der„Bund deutscher Mieteroereine E. B„ Sitz Dresden", veranstaltete aus Anlaß seiner Bundesausschußsitzung eine Kundgebung, der zahlreiche Vertreter von Behörden, Parteien und Gewerkschaften beiwohnten. Der Vorsitzende Hermann legte dar, daß die Notvcrordnungspolitik, die das Volk schwer belaste, dem Hausbesitz nur Vorteile gebracht habe. Die von Interessenten aus- gestreute Behauptung, daß keine Wohnungsnot mehr bestehe, sei falsch. Noch etwa eine Million Deutscher sei ohne Wohnung. Das Leerstehen so vieler Wohnräume sei auf die W i r t s ch a f t s n o t zurückzuführen. Wirksames Mittel zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit im Baugewerbe sei die Durchführung der Reparaturen, und hierzu müsse der Hausbesitz durch gesetzliche Maßnahmen angehalten werden. Rechtsanwalt Groß- Dresden be- tonte, daß nicht die Immobilisierung von Vermögen für den Woh- nungsneubau maßgebend sei. Den Ausschlag gebe der Umstand, daß ein g e s u n d e r N e u b a u die beste Ankurbelung der Wirtschaft und «ine Quelle für Volksgesundheit, Wohlstand und innere Ruhe sei. In einer Entschließung fordert der Bund deutscher Mieterverein« die sofortige Schaffung eines sozialen M i e t r e ch t s für alle Mieträum« ohne Unterschied, Förderung des Wohnungsbaues und der Siedlung durch Bereitstellung östentlicher Mittel, Umwand- lung der Hauszinssteuer in eine öffentlich-rechtliche Rente unter Erfassung der durch Inflation und Aufwertungsgesetzgebung entstandenen Entschuldungsgewinne des Althausbesitzes und weitere Senkung der Mieten, um Einkommen und Miete in ein erträgliches Verhältnis zu bringen. Im Rahmen der Tagung traten die Vertreter der p r e u ß i- fchen Mieterverbände als Vertreter von 750 preußischen Mietervereinen zu einer Sonderberatung zusammen, um zu den Gegenwartsfordcrungen der preußischen Mieterschast aus dem Gebiete des Wohnungsneubaues, der Mietzinsbildung und des Mieterschutzes Stellung zu nehmen. In einer Entschließung an den neu gewählten Preußischen Landtag wird u. a. eine unterschiedlose Senkung der Alt- und Neubaumieten gefordert. Es seien auch gesetzliche Sicherungen dahin zu schassen, daß Miet- senkungen nicht durch örtliche Steuer- oder Gebührenerhöhungen wieder unwirksam gemacht werden. Der durch die letzte Not- Verordnung teilweise aufgehobene Anspruch der Mieter aus Rück- zahlung geleisteter Baukostenzuschüsse und sonstiger einmaliger Zahlungen müsse gesetzlich gesichert werden. Die st« u e r- liehen Sonderbegünstigungen des Althausbesitzes bei der Hauszinssteuer seien zu beseitigen, desgleichen müsse der Zwischengewinn des preußischen Althausbesitzes an der Hauszins- steuer von jährlich etwa 300 Millionen Mark für die öffent- liche Hand erfaßt werden. Der Rechtsanspruch der minder- bemittelten Mieter auf Befreiung von der Hauszinssteuer sei auf- rechtzuerholten, und nach den gleichen Grundsätzen seien auch Miet- beihilfen an bedürftige Neubaumieter zu sichern. Die den Mieter ungerechtfertigt belastenden Sonderzuschläge zur Miete hätten keinerlei Berechtigung mehr. Durch ein Dauermietrecht mit aus- reichendem Sündigungs- und Mietzinsschuh müsse der Mieterschast endlich die Sicherheit für den Bestand ihre» Mietverhältnisses ge- geben werden. Eine wirkliche Entlastung der Mieterschast habe auch zur Voraussetzung, daß alle öffentlichen linternehmen die über- höhten Tarife für Gas, Elektrizität, Wasser, Verkehr usw. herabsetzen. Wie wohni man in Ali-Berlin? Sine Oenlschrifi des Vereins für Wohnungsreform. Drei Iahre ist cs her. daß der Deutsche verein für Mohnungsresorm eine Denkschrift über ,.D i e Wohnungsnot und das W o h n u n g s e l en d in Deutschland" herausgab. Als Fortsehung dieser publi- kalion tritt der Verein jehl mit Ilnterslühung des City- ausschusses und der Berliner verkehrsgefellschast mit einer Schrift von Bürgermeister o. D. Bruno Schwan an die Oessentlichkeil. Sie heißt„Die Wohnungsverhäll- nisse der Berliner Altstadt". Veranlassung zu dieser Schrift waren die Untersuchungen, die Voraussetzung für die Bearbeitung eines neuen Bebau ungs- planes für die Altstadt bilden sollen. Den ersten Anstoß hierzu gaben in erster Linie Verkehrsschwierigkeiten. Der Gedanke, mitten durch das alte Berlin eine Entlastungsstraße zu legen, die etwa in der Jägerstraße ausmündet, ist nicht neu. Daß dabei Durchbrüche durch bestehende Viertel und die Beseitigung von Häusern nötig werden, ist selbstverständlich. In der Denkschrift wird weiter erklärt, es sei nicht zu leugnen, daß leider an verschiedenen Stellen durch pietätlosen Abbruch viel gesündigt wurde. Aber es sei ebenso klar, daß vieles nicht ein- fach erhalten bleiben könne, weil es alt sei. Die Wohnhöhlen — denn als Wohnungen sind diese zum größten Teil einräumigen Unterkünfte nicht mehr zu bezeichnen— der Waisen-, Parochial-, Petri-, Fischer- und Spreestraße, der Fricdrichsgracht, des Nikolai- Kirchplatzes, des Krögels geben einen erschütternden Auf- s ch l u ß. Abgesehen von der furchtbaren Verschmutzung, dem Zer- fall und der Ungezieferplage herrscht in diesen Althäusern ein Ge- stank, der vielfach auch daher kommt, daß wegen des Fehlens von Höfen die Müllkästen in den Treppenhäusern stehen. Es müsse be- grüßt werden, so heißt es zum Schluß, wenn gleichzeitig eine Sani«- rung in Angriff genommen werde, die Zuständen ein Ende macht, die nur ertragen werden können, weil heute die Mittel fehlen, um sie schon jetzt aus Gründen der Volksgesundheit zu be- seitigen. ist Ihnen zweimal mit 10 000 Mark bezahlt worden Das bestreiten Sie wohl nicht, Herr Pastor Cremer.— Pastor Cremer: Ich habe die zweiten 10 000 Mark ausgeliehen, und ich bin in der Lage, die Schuldner nachzuweisen. Durch Ehrenwort habe ich mich aber verpflichtet, die Namen in der Oefsentlichkeit nicht preiszu- geben.— Staatsanwalt: Herr Sachverständiger, haben Sie feststellen können, ob die Erlöse für die alten Wagen wieder an die Stellen abgerührt worden sind, die das Geld gegeben liaben?— Sachverständiger: Das habe ich nicht feststellen können.— R e ch t s a n w. Möhring: Der Erlös ist doch für Autos p e s c n wieder verwendet worden.— Staatsanwalt: Haben Sie das aus den Buchungen feststellen können?— Sachverständiger: Nein, das konnte ich nicht.— Staatsanwalt: Ich auch nicht.(Bewegung.)— Als der Beisitzer des Gerichts in diesem Zu- sammenhang erwähnte, daß also die Autokosten aus Mitteln der Ausländsanleihe, also indirekt aus Reichsgeldern für die Wohlfahrtspflege bezahlt worden seien, verwahrten sich der Zlngeklagte Pastor D. Cremer und sein Verteidiger Dr. Möhring dagegen, daß das Geld für p e r s ö n- liche Zwecke des Angeklagten ausgegeben worden sei.— Pastor D. C r e m e r: Ich mußte zweimal von Berlin nach Potsdam, um mein Doppclamt überhaupt ausüben zu können.— Beisitzer: Ein Mann, der 22 000 Mark Jahreseiickommen hat. wird auch ohne 15 000 Mark Autospesen von Potsdam nach Berlin kommen können. Im weiteren Verlauf äußerte sich der Angeklagte, Pastor v. Cremer, zu seinen Einkommensverhältnissen. Der paskor Cremcr betonte dann nochmals, daß er keine wei- teren Einnahmen als seine Pension und„nur"— so sagte paskor Cremer— 1000 Mark monatlich von der Hilfskasse gehabt habe, was mit Recht einiges Lachen im Zuhörerraum auslöste. Der Vorsitzende wollte dann wissen, wozu die Entnahmen ver- wendet worden seien, die Pastor Cremer von den verschiedenen G e> heim kanten erhalten hat. Er erklärte dazu, daß es sich meist um Reisekosten gehandelt habe, die runden Beträge seien Unter- stützungsgelder gewesen.— Hierauf wurde in die Zeugenver- n e h m u n g eingetreten, und zwar erklärte der Vorsitzende, Land» gerichtsdirektor Jasper, daß die Zeugen prinzipiell zunächst alle unvereidigt bleiben sollen, was ober kein Mißtrauensvotum darstellen solle. Als erster Zeuge wurde der Geschäftsführer bei der Hilfskasse, Direktor Liebchen, vernommen, der sich hauptsächlich über die Geschäftsverbindung zwischen der„Hika" und dem Bank- geschäft Rambaum u. Co. äußerte. Die Geschäfte des Bankhauses Rambaum— unter anderem finanzierte man eine Margarinefabrik und machte Grundstücksgeschäfte— schlössen aber mit Verlust ab, so daß im Iahre 1928 wieder eine Trennung erfolgt. Der Verlust, der aus den Geschäften in den Iahren 1923— 1928 entstanden war, betrug 1,8 Millionen Mark. Ferner wurden Konten D. Cremers von der Hilsskasie über- nommen. und zwar ein Aulokonlo in höhe von 19 500 Mark Schulden und ein hypolhekenkonlo mit einem Schuldsaldo von 46 000 Mark. Ueber die Geheimkonten, über die Pastor Cremer verfügen konnte, hatte sich der Zeuge, wie er erklärte, keine Gedanken gemacht. Bei der Stellung und Persönlichkeit Pastor Cremcrs Hobe für ihn k c i n e Veranlassung dazu vorgelegen.— Der nächste Zeuge war Direktor Voth, der jetzt Mitarbeiter des Konkursverwalters des Devaheim- und Deuzag-Konzcrns ist und früher bei diesen Gesell- schasten angestellt war. Er bekundete, daß die 20 000 Mark, die für das Sanatorium Koblenz von Pastor D. Cremer verwendet wurden, nicht, wie dieser bekundet hatte, aus Gewinnen der Dcuzag, sondern aus Geldern der Bausparer genommen wurden. Ferner betonte der Zeuge, daß der Angeklagte, Generaldirektor Jeppel, eine G r a i i- fikation von 100 000 Mark dafür bekommen habe,, daß die Idee der Kopitalbildungsverträge von ihm stammte, mit denen die Dcuzag eine» Gewinn von 230 000 Mark gemacht habe. Die Verhandlung wurde dann auf Donnerstag, 9�j Uhr, vertagt, und zwar sind zu diesem Tage eine Reihe wichtiger Zeugen geladen, unter anderem Pastor O. S t e i n w e g und Unioersitäts- Professor Geheimer Äonsistorialrat v. S e e b e r g. Neugierige vor dem lanöiag. In Anbetracht der gestrigen Eröffnung des Preußi- schen Landtages machte sich schon in den Mittagstunden in der Prinz- Albrecht-Straße, in der Stresemann- und Wilhelm st raße, also rund um das Landtagsgcbäude. ein ver- stärkter Fußgängerverkehr bemerkbar. Schon um 12 Uhr hatten vor dem Landtagsgebäude zahlreiche- Neugierige Aufstellung genommen. Die Polizei war mit starken Kräften und Reseroekräften vertreten. Kurz vor 2 Uhr erschienen dann die Abgeordneten, die von den Neugierigen mit mehr oder minder freundlichen Zurufen, je nach ihrer Parteizugehörigkeit, begrüßt wurden. Bald darauf ließ Kom- mandeur Heimannsberg die Straßen räumen, worauf die Gegend um den Landtag mit Postenketten abgesperrt wurde, die nur Per- sonen mit den nötigen Ausweisen passieren ließen. Um 3 Uhr ver- lief sich die Menge dann wieder etwas, wozu auch der Regen bei- trug, die Absperrungen wurden aber in vollem Umfange aufrecht- erhalten. 13 Nazis in Uniform. In der Berliner Allee in W e i ß e n s e e wurden am Dienstag 13 Nationalsozialisten in einheitlicher Kleidung, die im ge- schlossenen Zuge marschierten, von Polizeibeamten zwangsgestellt. Alle 13 Sistierten wurden der Politischen Polizei übergeben. Neuer Slrolosphärenfluo. Professor Pi c c a r d hat sich, en!» gegen früheren Plänen, entschlossen, den nächsten Stratosphärenflug selbst durchzuführen. Die Cnlführcrsuchc. Der Senat des USA.-Staales New Jersey bestimmte durch einen Gesetzentwurf, daß die Aufjlndung der Ent- sührer und Mörder des Lindbergh-Kindes mit 100 000 Mark belohnt werden soll. Die(Zommerurlaubskarten. Warum werden die Vorschläge der Presse nicht beachtet? Ueber die neuen Sonimerurloubskarten mit 20 Prc»z. Fnl)rpreiscrin<>ßigung, die die Deutsche Reichsbahn ab t. Juni«insiihrt, werden jetzt die näheren Bestimmungen bekannt. Die Karten werden für Erholungs- und Urlaubsreisen in der Zeit vcm 1. Juni bis lü. Oktober ausgegeben und gelten bekanntlich zwei Monate. Die Geltungsdauer der zwischen dem 16. August und 5. Oktober ausgegebenen Karten endet am 15. Oktober. Eine Fahrtunterbrechung ist auf der chinfahrt nicht, auf der Rückfahrt dreimal gcstatiet. Die Karten gelten im allgemeinen nur für die Personenzüge; für Eil-, Schnell-, ?D> und FFD-�üge ist der tarifmäßig« Zuschlag zu lösen, der in der letzten Zeit um die Hälfte ermäßigt worden ist. Sie müssen spätestens fünf Tage vor dem ersten Geltun gs- tage bei der Fahrkartenausgabe des Abgangsbahnhofs oder in den Ausgabestellen des Mitteleuropäischen Reisebüros(MER.) gelöst werden. Bor dem zehnten Tage vor dem ersten Geltungs- tage kann ihre Lösung abgelehnt werden. Die Sonunerurlaubs- karten find nicht übertragbar. Auf den Sommerurlaubs- karten, die bekanntlich zur Rückfahrt vom 11. Tage ob gelten, wird der Tag des Reiseantritts, der früheste Rückreisetog und das Ende der Rückreise eingetragen. Für Privat- und Kleinbahnen, auch für solche, die von der Reichsbahn betrieben werden, gelten die Karten vorläufig nicht. Trotzdem sich der„V o r w ä r t s" und sehr viele andere deutsche Zeitungen energisch dafür eingesetzt haben, daß die Reichs- bahn die unverständliche 2 0 0- K i l o m c t e r- G r e n z e und die ll-Tage-Gr«nze fallen lassen möge, ist bisher leider nichts geschehen. Taufende von Arbeitern und kleinen Angestellten, die nicht mehr als eine Woche Urlaub haben, kommen so um den Genuß der Ermäßigung. Wir schlagen der Reichsbahn vor, die einzelnen Direktionen zu veranlassen, mit sofortiger Wirkung olle zur Zeit aufliegenden Sonntagsrückfahrkarten als Ferien, und llrlaubskarten mit elstägiger Dauer zu erklären. Denn überall be- ginnen gerade jetzt die Urlaube, und Taufende muffen zu Haufe bleiben, weil sie zur Zeit die geltenden teuren Tarife nicht zahlen können. Wir hoffen, daß der Brandenburgische Ver- klhrsocrbond uud der Bcrband Märkischer Kur- und Erholungsorte sich schleunigst für eine solche oder ähn- liche Reform einsetzen, die den Menschen mit geringem Urlaub und magerem Geldbeutel gleichfalls eine billige und gerade ihm be- sonders notwendige Erholungs- und Urlaubsreis« ermöglicht. Im übrigen sollte der Reichsbahn«ine volkstümliche Geste wirklich nicht schwer fallen, denn sie gestattet doch, was wenig bekannt ist, den Soldaten der Reichswehr, für den Kilometer nur VA Pf. zu zahlen. Die Reichswehrsoldatcn fahren also heute am allerbilligsten. -# Gymnastik in der Messestadt. Emen besseren Rahmen als den T e r r a s s e n g a r t e n des Ausstellungsgeländes am Kaiscrdamm kannten die gymnastischen Vorführungen der Steffi-Rossen-Schule wirklich nicht finden. Auf der schönen, grünen Rasenfläche zeigten Frauen und Mäd- ch e n— von den ganz Kleinen bis zu den ganz Großen— in einer außergewöhnlich gut klappenden, von keiner Kommandostimme diri- gierten Gruppenarbsit oll jene körperlichen Lockcrungs-, Entfpan- nungs- und Gelenkigkeitsübungen, die speziell bei der werktätigen Frau daz notwendige ergänzende Körpertraining bilden. Steffi Nossen will vor ollem praktische Gymnastik lehren, das heißt, fie denkt in der Hauptsache an Schülerinnen aus den Reihen der Cr- wsrbstätigen, die ihren Körper durch vieles Sitzen oder vieles Stehen einseitig allzusehr beanspruchen. Unterstützt von Behörden, hat die Gymnastiklehrcrin bereits in der Wilhelmftroße einen Uebungsturs eingerichtet und gedenkt, der Fahrgelderfparnis wegen, späterhin auch in anderen Stadtteilen Kurse zu eröffnen. Der Kursus kostet bei wöchentlich eincinholbstündigem Unterricht 3 M. pro Monat. In launiger Weise wurden die Vorführungen mit einem h i st o- rischen Rückblick auf das Frauenturnen— Pluderhose und Turnleibchen a la Nachtjocke, verbunden mit unentwegt-heftigem Armeschlenkern und Marschübungen— eingeleitet. Mit einem Ruck wurde aus all den häßlichen Entlein dann eine sonnengebräunte, durchtrainierte Sportmannschaft im praktischen Trikot. Neben der sogenannten praktischen Alltogsgymnastik führte die tänzerische Ab- teilung der Schule dann noch graziöse Walzer- und Reigentänze vor. -Zcht euch eure Führer an! Dieses zwar oft und keineswegs immer in richtigem Zusirmmen- hang zitierle Wort Bebels kann jetzt in einer ganz anderen Be- Ziehung gebraucht werden. Die Republikanische Werbestelle des Fackelreiterverlages in Berlin W. 15 hat bereits eine große Reihe von Köpfen führender Persönlichkeiten des Sozialismus und der Demokratie in technisch ausgezeichneter Reproduktion uls Postkarten herausgebracht, so daß jeder, der es will, sich„die Führer ansehen" kann. In den ersten drei Mappen finden wir die Porträts folgender Persönlichkeiten der Sozialdemokratie: Otto Braun. Carl S«e o c- ring, Minister Grimme. Paul Lobe, Otto Wels, Hans Vogel, Erispien, Sollmann, Aushäuser, Peter Großmann, Leipart, Breitscheid und Fritz Tornow. Weiter sind folgende Porträts erschienen: Erhard Auer, Marx Barchel, Karl Bröger. Eggert(ADGB.), Gellert, Polizeipräsident Grzesinsti, Staatsanwalt Dr..Hoegner, Hufemann, Dr. Kawerau, Finanzmimster Dr. Klepper, Staatssekretär Krüger, Franz Künstler, Dr. K. Löwenstein, Pros. Nölting, Pros. Paul Oest- reich, Prof. Radbruch, Dr. Kurt Freiherr v. Reibnitz, Scheidemann, Georg Schmidt. Friedrich Stampfer, Gerhard Stelling. Prof. Wil- brandt, Frig Wildling. Bon bekannten Demokraten und RepubU- kanern sind folgende zu nennen: Hellmuth v. Gerlach, Oberbürger- meister Luppe, General Deimling, Dr. b. c. Robert Bosch, Adolf Damaschke, Minister Hirtsieier, Prof. Dr. Franz Oppenheimer, Pros. Schücking, Freiherr von Schönaich, Fritz o. Unruh, Dr. Joseph Win. Zeugen gesucht. Passanten, die gesehen haben, wie am Sonntag, dem 17. April 1932, gegen 20.20 Uhr ein liZjähriger Mann beim Ueberschreilcn der östlichen Fahrbahn der B e l l c- A l l i a n c e- Straße in Verlängerung der Geybahn der Bergmannstraße von einem in übermäßiger«chnelligkeit aus Richtung Tenrpelhofer Feld kommenden Motorrad mit Beiwagen anze- fahren und dann zum Krankenhaus Am Urban gebracht wurde, werden gebeten, sich dein Sohn des Verunglückten, Herrn Gustav Müller. Berlin-Reinickendors, Raschdorssstraße 80, als Zeugen zur 'Verfügung zu stellen. Der rücksichtslose Mntorradiahrer entzog sich der Feststellung durch Flucht. Andere Wegebenutzer(Rad. und Motorrads alzrer nahmen die Verfolgung aus. Dos Generalkonsulat der polnischen Republik bleibt am?S. Jfloi anläßlich des katholischen Feierlogrs..Fronleichnamsfest" geschlossen.> ÄrnilerzIIge för die großen Ferien. Jeder Reisende wird bequem fahren können- Die Reichebahndiroktion Berlin gibt nunmehr die Berkehrsiage der in diesem Jahr von Berlin vorgesehenen Ferien- sonderzüge und die näheren Bestimmungen über die Bestellung der Fahrkarten usw. bekannt. Die Ucbersichtshefte mit sämt- lichen Angaben sind bereits erschienen. Sie werden bei den Fahr- kartenausgabcn und Reisebüros sin Berlin zum Preise von 0,20 M. abgegeben. Unter Berücksichtigung der durch die Sommerurlaubskarten ge- schaffenen neuen Lage im Sonnnerreiseverkehr werden Feriensondcr- züge— ausgenommen nach Ostpreußen— nurnochzuBeginn der großen Schulferien gefahren, wenn sich der Ferien- reiseoerkehr von den größeren Plätzen nach bestimmten Richtungen, insbesondere auch von Berlin aus, zwangsläufig auf die ersten Ferientage zusammendrängt. Reisenden, die auf den Antritt ihrer Sommerreise zu Beginn der Ferien angewiesen sind, wird mit diesen Karten die Gewißheit gegeben, pünktlich und bequem befördert zu werden. Im allgemeinen werden die Abteile der Feriensondcr- sonderzüge in diesem Jahre nur mit 6 Reisenden be- setzt werden. Jeder Reisende erhält wieder eine Anweisung für einen Platz in einem bestimmten Abteil. Eine besondere Gebühr wird hierfür nicht erhoben. Zusammenreiscndc Personen werden auf Wunsch in einem Abteil untergebracht. Die Züge— insbesondere die nach Bayern— sind teilweise wesentlich beschleu- n i g t worden. Die Ermäßigung auf den Fahrpreis beträgt 20 Proz., im Verkehr mit Ostpreußen 40 Proz. Die Karten gelten 2 Monate. Die Rückfahrt kann innerhalb der Geltungsdauer jeder- zeit angetreten werden. Im Interesse einer reibungslosen Abwicklung des Verkaufs können die Ferienfonderzugkarten nur schriftlich unter Der- wendung der besonderen Bestellkarten bestellt werden, die bei sämtlichen Fahrkartenausgaben und Reisebüros von Ende Mai an kostenlos abgegeben werden. Die ausgefüllten Karten sind durch die P o st an die in den Aushängen und im Uebersichtsheft onge- gebcncn Fahrkartenausgaben frühestens zum 9. Juni (Donnerstag) einzusenden. Im einzelnen sind von Berlin folgende Feriensonderzüge vor- gesehen: Ztach München: Am 29. und 30. Juni, am 1. und 2. Juli. Diese Züge werden als Togeszüge gefahren: Anhalter Bahnhof ob 7.30 Uhr, München an 19.15 Uhr. Am 2. Juli außerdem um 23.25 Uhr, am 3. Juli um 16.35 Uhr.— Nach Salzburg- Berchtesgaden: Am 30. Juni und am 1. Juli. Anhalter Bahnhof ab 19.23 Uhr, Berchtesgaden an am folgenden Morgen um 10.00 Uhr.— Nach Oberstdors-Lindau: Am 30. Juni und am 2. Juli. Anhalter Bahnhof ob 18.00 Uhr, Oberstdorf an 8.51 Uhr, Lindau-Stadt an 9.00 Uhr.— Nach Garmisch- Partenkirchen: Am 1. und 3. Juli. Anhalter Bahnhof ab 18.00 Uhr, Garmisch-Partenkirchen an 7.40 Uhr. Nach dem Zser- und Riesengebirge: Am 30. Juni, am 1., 2. und 3. Juli. Nach dem Glatzer Gebirge: Am 1. und 3. Juli. Räch Ostpreußen: lieber M a r i e n b u r g am 29. und 30. Juni, am 2., 3., 4., 5.. 9., 16. und 23. Juli, am 13. und 14. August; über Deutsch-Eylou am 1., 2., 4.. 6. und 10. Juli, am 13. August. Roch der Ostsee, und zwar nach Misdroy-Köslin am 1., 2. und 3. Juli; noch Swine münde-Carlshagen- Trassenheide am 1., 2. und 3. Juli; nach Saßnitz-Putt- b u s am 1., 2. und 3. Juli; nach Warnemünde am 30. Juni und am 1. Juli; nach Lauenburg am 1. und 2. Juli. Räch der Rordsce, und zroar nach Hamburg-Dogebüll am 1. Juli, Lehrter Bahnhof ob 23.20 Uhr, W y k(Föhr) an 13.45 Uhr, Wittdün(Amrun) an 15.00 Uhr. Nach Hamburg- Westerland am 2. und 3. Juli, Lehrter Bahnhof ab 7.04 Uhr, Westerland an 16.46 Uhr. Nach Bremen-N o r d d e i ch(Ost- friesische Inseln) am 30. Juni, am 1. und 2. Juli. Lehrter Bahnhof ab 22.25 Uhr. Räch dem Harz: Am 1. und 2. Juli. Die amtlichen Bekanntmachungen über die Feriensonderzüge, die die getrauen Fahrpläne und die zu den einzelnen Zügen aufliegenden Fahrkarten sowie die Richtlinien für die schriftliche Bestellung und die weiteren allgemeinen Bestimmungen über den Feriensondcrzugverkehr enthalten, werden auf sämtlichen Bahnhöfen des Bezirks Ende dieses Monats ausgehängt werden. Allgemeine Wetterlage. 24». Mai 4932,abds. mlksnlocG Mfer, d hslb bedeckt 9 woüoo, fibadeda'RegeaAGrufaln 'Scdi»»e,stfeb3:FGewitt«c<§)Wndstiile Dienstag bestand in ganz Deutschland stark wolkiges rrt zahlreichen Regen- oder Gewitterschauern. Die größten Am � � WW Regenmengen fielen in Norddeutschland, wo stellenweise fast zehn Millimeter als?Ucd«rschlagshöhe gemessen wurden. In Mittel- deutschland dagegen blieb es teilweise ganz trocken. Die Temperaturen stiegen in Mittel- und Ostbeutschland bis 19 Grad, im Westen und Süden ocs Reiches dagegen kaum bis 16 Grad. Das mittel- europäische Tief dürfte auch in den nächsten beiden Tagen das Wetter unseres Bezirkes beherrschen. Daher wird es voraussichtlich weiterhin stark dewölkt sein und auch die Niederschlagneigung bestehen bleiben. Da jetzt an der Nordseite des Tiefs kühler« Luft- mästen südwärts vordringen, haben wir noch mit etwas niedrigeren Temperaturen als am Dienstag zu rechnen. Wetteraussichten für Berlin: Meist stark bewölkt, einzelne Regenfälle, noch etwas kühler als bisher, meist schwache Winde aus nördlichen Richbingen.— Für Deutschland: In ganz Deutschland stark bewölkt, vielfach leichte bis mäßige, meist schauerartigc Regen- fälle; im Osten vereinzelt Gewitter, Temperaturen in Mittel- und Ostdeutschland noch etwas sinkend. parteinachnchten fürGroß-Berlin ktnlendungen für vtrfe Rudril find v« r l I» SW 68, Unbenfttnfj« X ftete an ba* Sejirtifefrctacial 2. Hof, 2 Trrvven recht», zu richten Die Bezirkssührer sämtlicher Abteilungen werden ersucht, alle Sammellisten mit ihrem zuständigen Abtcilungskassierer umgehend abzurechnen. Der Sezirkskassierer Adolf holz. Beginn aller Bcranstaltungen IS'/- Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe? Z. fttei». ytroerbstotsiisufnirnwiifuiift um Stonnetstna, 26. Mai, 16 Uhr, ffltOdenomftt. R. Dr. K-nz Cohn:„Das Arbeitsbeschaffung-Programm der Partei n/.R free Gewerkschaften." 13. ftitt». Sic erwerbslosen Partewiitztieder treffen sidi zur ffahrt nach öiinigswustcrhauscn Donnerstag, 26. Mai, früh 5-1 Uhr, am Bahnhof Tempelhof. tt. tkrei». Die ftreisfunktionliroerfammlung findet am SU Mai im Lokal ..Bergschlo�höhe" staik. 17. Zirci». fireiiaa, 27, Mai. 18H Uhr. wichtige Bildungsausschußsihung in der Bibliothek, Weichselstr. 26. Abteilungsobleute müssen pünktlich er. scheinen. 2». Arei». Donnerstag. 26. Mai, 15 Uhr, gusamwenkllnfte ber Erwerbslosen an falgenbcn Stellen! Wittenau und Tegel im Reichsbanner-Boatshau» Tegel; bei schlechtem Wetter an den alten Stellen. Referent: Eurt Biging. ReiuiSenbori.Ost in der Schule Hovpestraßc: Vortragende: Friedcl Kall. Rcinickendorf.West: Außenspielplah: Hans Marx:„Arbcitsbeschasfunzs- vaogramm. Blindcnsektion. Freitag. 27. Mai. pünktlich 2g Uhr. bei schult. Abalberiftr. 21» Dr. Sans Cohn:„Die Bierzigstundenwoche und das Ardcitsbcschasfungs» Programm der Gewerkschaften." ». Abt. Freitag, 27. Mai. Funktionarsitzung bei Sübncr. Wilsnaeker Str. 34. Wichtige Tagesordnung! lt. Abt. Freitag, 27. Mai, bei Niederstraß, Emdener Str. 52, Mitglieder» Versammlung. Genosse Junge:»England." 167., 116.. III. Abt. Keule 20 Uhr im Gemeinschaflsbau» der Gartenstadt >e." rüger� Mitgliederversammlung. Pros. Nölting, M. d. L.:„Die politische Lage." 166. Abt. Freitag. 27. Mai, 2H Uhr, Funktionärvcrsammlung bei Ärüg Schönerlinder Straße 5. 116. Abt. Freitag, 27. Mai, Fusammenkunst der jüngeren Parteimitglieder im Jugendheim Guntcrstr. 42. Genosse Glösser:„Preußische Verfassung»« fragen." 126. Abt. Heute vor der Mitgliederoersauimlung wichtige Bezirksführer» bcsprechung pünktlich 18!-, Uhr bei Fulde, Berliner Str. g7. Anwesenheits» listen mitbringen! 143. Abt. Freitag, 27. Mai. Abtcilungmsorstandsflßung mit den Bezirksführerss beim Genossen Lehmann. Frauenveranstaltungen. 14. Kreis. Freitag. 27. Mai, 19% Ahr, FunktionLrinnensitzung an bekannte? Stelle. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlsohrt. 13. Kreis. Tempelhof, Maricndorf, Marienfelde, Lichtenrade. Sitzung der Ar4 beiterwohlfahrt Freitag, den 27. Mai, Tempelhof. Dorfftr. 42, Sitzungs« zimmer 1, 19'/, Ahr, Abschlußbericht des Gen. Marquardt über die Bezi�-. Winterhilfe. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Groß-Berlin. Freitag, 27. Mai, Jt'j Uhr, bringende Vorstandsfißung fKrei». lciter) im Jugendheim Lindenstraß« 4. Arbeitsloser Genosse au» dem Helfer, oder Elternkreis, der ein , Motorrad mit Beimogrn brüht, wird gebeten, sich in der Geschäfts- l stelle zu melden. - Mitte. Abt. Pappclplaß: Heute Diekstraße 18 Falkenvollversamm- �lung der Gruppe. flrtajbctg. Heute 17!- Uhr tagen die Lagergemeinschaftei, an den bekannle» Stelle». Steglitz. Die Kreishelferversammlung wird um acht Tage verschoben. Neukölln. Helferkreis. Heute. Mittwoch, 20 Uhr, Helfersißung in der Karl- Marx. Schule. Flötcnlursus findet wieder statt am Donnerstag, um 17 Uhr, iu der Karl. Marx. Schule. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation Abt. 136». Unser langjähriger, treuer Genosse, der Gcwerlschaftsbeamte i. R. August Scholz, Egidnstr. 55. ist am Sonnabend, 21. Mai, im Alter von 70 Jahren nach lljähriger Parteimitgliedschaft verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Mittwoch, 25. Mai, 20Va Uhr, im Krematorium Gerichistraßc. Wir bitten nm recht rege Beteiligung. Abt. 168». Genosse Robert Putziger ist am 22. Mai verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, 27. Mai, IZ'ä Uhr. im Kremato- dum Baumschulenweg. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. » Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Verlin Einsendungen illr diese Rubrik nur an da» Jugendsekretaria! Berlin SW 88. Lindenstraß, 2. vorn 1 Treppe recht». Funktionärkonserenz Montag, den 36. d. M., WA Uhr. im Sitznngssaal be» Bezirkoamte» Kreuz- berg, Vorckstraße 11. Thema:„Die politische Situation".~...... kein Zutritt. Ohne Mitglied-buch che« Orchcste, der SA?.: 2. Musizierstunde am Freitag, Saalbau Neukölln, Bergstr. 147. Einlaß 1» Uhr, Beginn iktlich. Eintritt 30 Pi.— Karten sind im Sekretariat erhält. Proletarische« Orchcste, der SA?.: 27. Mai, im Saall 19� Uhr pünktlich....._________,_____________________ ,__.l lich.— Heute, pünktlich 18 Uhr. Generalprobe im geichensaal der Rülli- Schule, Neukölln. Rlltlistr. 41,42. Heute. Mittwoch. 25. Mai. 19% Uhr: Gesundbrunnen NF: Koloniestr. 8, 2. Hof. Ausg. V, IV:„Unsere Sievung Jugendbewegung Bohnodorf: Wachielslr. 1» wanisnotr: Utootylr. 2,1.„Arveitsveschaffungsprogramm.— Luchtenberg-Mitte Dossestr. 22:„Materialistische Geschlchteaiiffassung,— Sichtenbcrg-Rord: Gunter fr�ßc 44. Litcraturobcnd.— Mahlsdorf: Melonchthonstr. K?. Mitgliedervcrsnmm, Inng.— Lichtenrade: Schule Roonstr...Das Kommunistisck)e Manifest."— Neu- Lichtenberg: Sportabend.— EST. Reutoll«: KMS. 19—'�l Uhr: Bunter Abend Uno Fahrtenbcsprechung. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Alle an einer Ferienfahrt oder auch Radfahrt interessierten Genossen kommen um 20 Uhr zu einer Besprechung nach dem Heim, Sonnenburger Str. 20. Werbebezirk Neukölln: Sprechstunde in der Ganghofcrstr., 18— IllU Uhr. Alle Abrechnungen lArbeiter.Iugend.Jnformationcn und D�H.-Plaketten) müssen vorgenommen werden. Vorträge, Vereine und Versammlungen « Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäfts st elle: Berlin S. 14. Sebastionstr. 37—38. Hof 2 Tr. Mitte(Ortsv.) Donnerstag, den 26., 10,30 Uhr. Gnttcmplerloge, Linienstr..121, Saalsckiutz.— Friedrichshain, Kameradschaft Stralau: Mittwoch, den 25., 20 Uhr. Mitgliederversammlung bei Wertalla, Hohenlohe- straße 3. Referat.— Krenzberg, Zug VIII: A6)tuug, Kameraden des Görlitzc? Viertels. Gründungsversammlung der Unterabteilung des Zuges VIll am Donnerstag, den 26., 20 Uhr. bei Eichholz, Cuvrvstr. 23. Ref.: Kam. Bathke.— Charlottenburg, Kameradschaft Rothaus: Donnerstag, den 26.. 20 Uhr, Vers, bei Reimers, Wilmcrsdorfer Str. 21. Ref.: Kam. Pol..Major Encke.„Aktuelle Tages- fragen".- Reinickendorf lOrtsv.) Freitag, den 27.. 20 Uhr, Vollversammlung im Bootshaus Ttg-.I. Uferftr. I. Vortrag des stellv. Gauvors. Kam. Dr. Rowack über die zukünftigen Aufgaben des Reichsbanners. Polizei. Sport-Vcr?in Berlin c. V. Abteilung Einheitskurzschrift. Regelmäßige Uebungsabendo an allen Wochentagen, außer Sonnabends, im Polizei-�chul- gedäude� Hannoversche Str. 2s Stock. Zimmer 10. Anfänger.. Fortbildungs. und Redefchriftkurfe. Auch für Zivile. Beginn des Unterrichts abends 7.30 Uhr. Bund republitanifcher Beamter. Hauptversammlung Mittwoch, den 2a. Mal, 20 Uhr, im alten Askanier, Anhalter Str. 11. �- Freie Arbciter-Stenographenvcreinigung Groß Berlin. Nelchskurzichriltkurie für Fortgeschrittene. Norden I: Jugendheim Willdenowstr. ö(nahe Bahnhof Vdddlng/. 1.'.0 bis 220 Silben Dcbattenfchrift. jeden Freitag.— Norden II: Jugendheim. Sccftr.-'.7(Ecke Turiner Str.. 50 bis 100 Silben, jeden Montaa.— Nordosten: Jugendheim. Danziger Str. 62. Anföngerkursus in Debattemchrnt, lOb bis 140 Silben, jeden Dienstag.— Neukölln: Karl-Marx-Schule,» Kaiser. Friedrich-Str. 209 210, 50 bis 100 Su'bM, jeden Dienstag, 140 bis 220 Silben Dcbattcnschrift jeden Donnerstag. 100 bis 140 Silben jeden Freitag.— Beginn sämtlicher Kiirse 10'- Uhr. Beitrag 1,50 Mk. für Erwachsene. 1.— Mk. für jugendliche,.'0 Pf. für Erwerbslose, 10 Pf. für Krisen- und Gohlfahrtsunter- ftützungsempfänger monatlich. Alle Schriitgenoffen und Freunde unserer Be- wcgung laden wir hiermit zu der am 5. Juni stattfindenden Dampicriahr: herz- lich ein. Kartell sind noch bei den Kursusleitern erhältlich. Weitere Auskunft citcilt gegen Einsendung einer 8.Pf..Briefmarke Otto Wenghoefcr, Borsitzender, Velten r. M., Wilhclmstr. 10a. Freie Kanu-Union Groß-Berlin e. D. Mittwoch, 25. Mai 1932, 1? Uhr. Gang durch..Alt. Berlin". Treffpunkt 18 Uhr. Normal-Uhr Königstraße(Rathaus). Arbeitsgemeinschaft der Berliner Photosreunde des ALB. Mittwoch. 2->. Mar 1032, 18 Uhr. Gang durch„Alt-Berlin", Treffpunkt 18 Uhr, Normal-Uhr, König- straße sRathaus). Arbeitsgemeinschaft prol. Volkstanzkreisc. Wir eröffnen am Mittwoch, dem 25. Mai. um 19,30 Uhr im Treptower Park. Wiese 4, am Karpfenteich, unsere Vollstanzabcnde im Freien, und laden hierzu ein. Anläßlich der Berliner Sommerschau. Sonne. Luft und Haus für Alle, veranstaltet der Deutsche Iugendherbergsvcrband am Donnecstag, dem 26. Mai. um 17,30 Uhr. unter unserer Leitung auf dem Freigelände der Ausstellung, uiid zwar der herrlichen Spielwiese, ein Volkstanziest. Wir treffen uns um 17 Uhr an der Tankstelle vor der Avuseinfahrt. Teilnehmerkarten sind kostenlos in den Kreisen, auf dem Tanzabend in Treptow und am Treffpunkt zu haben. Sozialistische Freikörperkulturbcwegung im Verband Volksqcsundhcit. Donnerstag, den 26. Mai, abends 10'� Uhr unter Leitung der Körperkulturschule Adolf Kock) öffentliche Kundgebung: Rasse— Nacktheit— Nationalsozialismus. Es sprechen die Genossen Dr. med. Hans Graaz. Dr. pliil. Siegfried Kawerau, Adolf Koch. Nationalsozialistische Lehrer und Aerzte sind schriftlich eingeladen und haben Erscheinen zugesagt. Einlaßkarten eine Stunde vor Beginn, sowie vorher Fricdrichstraße 218(Schulbüro bis 11 Uhr abends). Geschlossene sozialistische Abteilungen 0,10 Mk. pro Person, Jugendliche und Arbeitslose 0,30 Mk., sonst 0.60 Mk. Der gesamte Ncinertrag ist für die Kinderspeisung arbeitsloser Genossen auf dem Freikörperkulturgclände, Stadtwaldsee Selchow, bestimmt. Lichtspiele usw. «aal» Thealer Mittwoch, den 15. M«i Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Ein Maskenball Stajtl.Sdiiaspleihaus Geadarmfiomarkt. 20 Uhr Der Liebestranh Schiller-Theater Charluiteoburg, 20 Uhr Zum 1. Male AUsöiiei] von der Liebe Il äpl. 5 u. 8'/- Uhr HANUSSEN LA JANA-DOf.lN usvr pl Aza Ii. 2,5.81«!. £7 Wclcl«. 4031 Die Dubarry I Kling-Tlieatef Täglich 8 Vi Uhr Madonna wo bi§f Do? Erika v. Thellmann, Genia Nikolajewna Theodor Loos Josef Wedorn Rose- Thealer troS« FnnSIiirtjr Sita!, 13! Iii. Wcidmi t 7 3122 8.30 Uhr Weekend im Paradies Oartcnbühnc 5.30 Uhr Konzertu. Variete Zigeunerliebc Sfädt.Oper Charlottenbure BismarcRsttaüc 34. Mittwoch. 25..Mai Turnus IV Berliner Runsiwoflicn DleEnttührung aus dem Serail Perras a. Ct., Eisinger, Fidcsser, Andresen.Gombcrt, Reiff a. G. Anfang 20 Uhr Ende 2245 Uhr Grschastsnummer: 147. B. 010. 20/21. Privatriagesache bc5 ffirhrimen Finaniratra?r. AUrrb Hugenbrrg.Röhrbrcikrn b.Rintrln a.W., PnontriSger», grgrn drit orrantwcrfltchrn NtdaNrur dt-. ..Porwatfs", Dr. Kurt tSrtKC, Brritn. TrinpclliDf, Angrlfagtrn, tncgm Sc- letblgiing. Das Olnitsgcritfjt Berlin» Milte. Ad- ifrilung 147 in Berlin, bat am i3. Sc- jcnibrt 1930 für Sicdjt erfannt: Der Angrllattte wirb wegnt übler Natbrede durch die Presse Mi 300,— RM. (Sclhitrafr, im Nichtbeitreibtingsfallc für je 25,— RM, zu einem Tage Cbefanflitt» und in die Kosten des Verfahrens vcr- ttrfcllr, Dem Prtvafkläger wird die Befugn!» �ugeiurndien. den atterfennciidcn Teil des Urteils binnen eines Monats nad, Rechts- traft auf Äoftcn des Angeklagten einmal im„Borwärls" bekannt zu machen. UNZEN kauft BALL— Berlin! UNZEN handlung Wilhelmstran e 44 Voilisbllline Thealer an fiilowjlatz 8>.« Uhr Sturm im Wasserglas GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich S Uhr MAX REINHARDT INSZENIERUNG Noch Ä Vorstellungen A p a r 1 e Fruhjalirsmänteiü.Kostünie |zu ganz besonders niedrigen Preisen H�Banfertigung |spei. fßr starke Damen! Paul Linck Oamenmantel- Fabrik, und Hdlg Neukölln, Reulerslr. 03, t. 4. Keiset-rtiedridi-sii. « Willst du reisen?- Jal Kannst du reisen?— NeinI Denn Reisen Ist teuer, und dein Geldbeutel Ist leer. Aber «Ines kennst du gewiß tun: das neue Reisebuch des BDcher. krelses lesen: Erich Grisar: Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa Bilder und Berichte. Mitvielen Fotos, Großformat. Halbleinen. Kein Buch für romantische Träumer und Schönheitssucher, sondern für Gegen- wartsmenschen, die wissen wollen, wie die Völker jenseits unserer Grenzen arbeiten und leben. Preis nur 4.30 RM(für Mitglieder Sonderpreis) Verlag Der Bücherkreis GmbH, Berlin SW 61 Zu beziehen durch: Der Bücherkreis G. m. b. 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Nachdem im ersten Kapitel des Buches die Entwickiungetcndenz-n �dcs heutigen Kapital smu? geschildert sind, unternimmt Leichter den Versuch, die neuen Wirtschaftsgesetze herauszuarl'eiten, die sich schon im Kapitalismus geltend zu machen und die wichtigsten Wirtschoitsgesctze des Kapitalismus auszuheben beginnen. Leichter nennt vier solcher„Gesetze" oder „vier Gruppen von Tendenzen zur Umformung und Der- ändcrung des kapitalistischen Wirtschaslsablauses": 1. Die Teuchnz zur solidarischen P l a n m a ß i g I c i t im Gegensatz zum herrschenden kapitalistischen Gesetz, nach dem„die Verteilung der Güter nach dem durch den Klassengegensatz gegebenen Antagonismus" eriolzt.ll. Mark ausge. wiesen, so daß noch Absetzung von b,5 Tliill. Mark Abschreibungen sich der erwähnte Zahresvcrlust ergibt. Da der im Zohre l9äll ent- standene Geschäftsverlust von?,80 Millionen nichl mehr durch Reserven gedeckt werden konnte, verbleibt seht ein G e s a m l v e r l u st von 4.70 Tili«. Mark, der auf neue Jahrcsrechnung vorgetragen wird. Die verheerende» Folgen der hemmungslosen Expansionspolitik in der Glsnzkonjunktur der kunstseideindusirie treten bei dem Glavzstosskonzcrn besonders drastisch in Erscheinung. Obwohl schon 197«; infolge riesiger Sonderabschrejbu eigen auf die Beteiligungen ein Berlusl von 58 Millionen entstanden war, konnte damit die Vilav, noch nichl so weit bereinigt werden, daß weitere Millionen. Verluste vermieden wurden. Einschließlich der beiden Ichten Der- lufisohrc 1930»nd 1931 mit zufäßlicher llnterbilanz von 4.7 Mill. Jlinif hat der Glanzstosskonzern in den drei verstostenen Krisenjahren insgesamt 62,6 Millionen Mark Verluste erlitten. Gui gehaliene Giromeinnahmen. Der Jahresabschluß der �ech-Sleklrizitatswerke A.-G. Die von dem L a h m e y e r- K o n z e r n beherrschte Lech-Elck- trizitätswerke A.-G. in Augsburg konnte ihren Ueberschuß aus dein Betrieb der Kraftwerke iin vergaikgenen?ahr mit 7.93 gegen 8 8 Millionen Mark verhältni-mäßlg gut behauchen Unkosten waren mlt 1.07 und Gebübrcn und Abgaben mit 2.0S Millionen Mark geringer. Aus dem Reingewinn von 2,-56 gegen 2.98 Millionen Mark wird auf dos Kopital von 40.5 Millionen eine Dividende von 6 gegen 7 Pro z. im Vorjahre ausgeschüttet. Das Unternehmen, dessen Versorgungsgebiet etwa 1000 süd- deutsche Gemeinden umfaßt, Hot seinen Anschlußwert von 95138 aus 96 380 Kilowatt etwas erhöhen können. Die Stromabgobe im lieber landgebiet verringerte sich um 16.5 Proz. und die Siromabgabe an die Stadt Augsburg um 12,5 Proz. Einen gewissen Ausgleich im Stromabsotz konnte die Gcsellschast infolge des guten WasserjoHres und der enisprechcnd erhöhten Leistungsfähigkeit der Wasserkraft- werke durch Verkälts der ansollenden Ucberschußcnergien herbei- führen. Diese Verwertung der Uebcrschußenergien Hot trotz des sonstigen Rückganges im Stromabsatz die nutzbor ab- gegebenen.Kilowattstunden von 164,5 aus 184,3 Mil- lioncn g c st e i g c r t. Lederindustrie im Absahkampf. Zölle und Kontingente drosseln den Export. Im Mittelpunkt der Jahresversammlung des Z c n t r a l v t r- eins der Deutschen Lederin du st ric stand die Frage der Absperrung der wichtigsten Auslandsmärkte. Zu dem Preisverkall erklärte der Vorsitzende Fabrikant Ammer, daß der Absturz der Rohstoffpreise den Anteil der fixen Kosten unverhältnismäßig gesteigert Hobe. Der Anteil der rohen Haut am fertigen Leder fei von 70 auf 45 Proz. bei dem gegen- wärtigen Preisstand gesunken, damit also der Anteil der fixen K o st e n aus das Doppelte gestiegen. Seit 1927 ist die deutsche Lederproduktion menacnmößig von 150 aus 100 Millionen Kilo, also um ein volles Drittel, gesunken. Eine Stützung des Binnenmarktes durch den Export werde durch die Zoll- und Kon- tingentspolitik des Auslandes immer mehr zur Illusion. England und die USA. hoben hohe Ledcrzölle eingeführt, Italien und andere wichtige Absatzländcr haben ihre Zölle fast ausnahmslos verviel- sacht oder die Einfuhr scharf kontingentiert. Dabei betrug die Erportquote der Lederindustrie im vergangenen Iabre mit 175 Millionen Mark rund 35 Proz. des Produkiionswertes. Im ersten Quartal dieses Jahres ist ein Exporkverlust von rund 3 0 Proz. gegenüber dem Jahresdurchschnitt von 1929 zu ver. zeichnen, In diesem Zusammenhang richtete der Referent scharfe Alt- griffe gegen die passive deutsche.Handelspolitik, die sich besonders bei den Kontingentsverhandlungen mit Frankreich verhängnisvoll ausgewirkt habe. Eine stärkere Aktivität hätte verhindern können, daß der deutsche Ledererport nach Frankreich, der noch im letzten Jahre über 13 Millionen betragen habe, um 60 Proz. gedrosselt wurde. Mit der Erhaltung der bestehenden Handelsverträge, auf die sich die deutsche Handelspolitik im wesentlichen beschränkt hat, sei es heute nicht mehr getan, und von der Regierung müsse stärkere Aktivität zum Schutze der deutschen Exportindiistrien gefordert werden. Absinken der Butterpreije. Wenn die Massen nicht kaufen können, helfen Zölle nichts. Die Großhandelspreise für Butter sind in den letzten Tagen ganz erheblich gefallen. Trotz eines stark erhöhten Zolles und einer Drosselung der Buttereinfuhr bewegen sich die Buiter- preise nach unten. Wir veranschaulichen das durch solgende Zu- sammenstellung: Enlwicksttng der Luilcrprcise nach den Berliner Großhandels- nolierungcn pro Zcnlner in Mark. End- Jrfbrunt Anfung April Ende Mai l. Qualität....... 135 113 109 11. Qualität....... 128 106 102 III. Qualität....... 118 96 92 Der Preis zog Ende Februar stark an, und zwar auch unier dem Eindruck des heraufgesetzten Butterzolles. Im Reichsernährungsministerium selbst nahm man an, daß sich die Preise nicht halten ließen. Man stellte aber alles darauf ab, zu» mindest einen Preis von 120 Mark für die erste Sorte zu erzielen. Dos ist nicht gelungen. Die anderen Einflüsse, die aus den Butterpreis drücken, waren stärker als der Zoll. Unsere Tabelle unterstreicht die alte Wahrheit, daß man gegen» wärtig in Deutschland mit Zöllen keine Preise machen kann. Diese Idee rumort wohl noch immer in den Köpfen ver- kalkter Landbiindführcr und der nationalsozialistischen Agitatoren. die von den Dingen keine Ahnung hoben. In Wirklichkeit hangt heute die Preisbildung in Deutschland vo» der K a u f k'r a f t, van de.n Löhnen der Industriearbeiter ab. Sinkt diese Kaufkrast, dann müssen auch die Preise für die landwirtschast- lichen Produkte sinken. Daran hilit kein Zoll, keine Einfuhr» beschränkung, keine Autarkie vorbei. Wer etwas andere- behauptet, belügt die Landbevölkerung. Der Butterpreis beweist das. Die Politik der Butterzölle hat aber einen großen Teil unserer Industrie- ausfuhr ge'öhrdet! Will Herr Schiele auch daraus nicht lernen? Ungenügende Hapag-Lloyd-Ganierung Kapitalschnitt nur Z zu 1.- Fast ZOO Mill. Abschreibungen. Die Anssicht-ratsbeschlüsse der deutschen Großreedereien ent» holten eine Ueberraschung: Das Kapital soll nur im Verhälts n i s 3 zu l zusammengelegt werden, nicht im Verhältnis 10 zu 8. wie bei Gewährung der R e i ch s s u b v e n t i o n verkündet wurde. Das ist also wieder ein Fall, in dem das Privatkapital ge» schont wird, obwohl Steuergelder infolge des Persagens der privaten Wirtschastsführnng eingesetzt werden mußten. Die Bctriebsrech Hungen für 1931 schließen, wie er» wartet, mit Veriiift ab. Beim Norddeutschen Lloyd stehest Einnahmen von 20,4(int Vorjahre 55,1) Millionen M. Ausgakan von 25,0(21,8) Millionen M. gegenüber: bei der Hamburg» Ameriko-Linie betragen die Einnahmen 18,1(56,1) Mill. M. und die Ausgaben 27,3(23,7) Mill. M. Beim Nordlloyd werden 11.5 Mill. M. eigene Aktien cingezagcn: das Restkapital von 148,5 aus 49,5 Mill. M. zusammengelegt und deis Vnrznas- kapital von 3,34 Mill. M. in Stammkapital umgewandelt. Bei der H a p a g wird das Kopital(nach Einzug von 0,4 Mill. M. eigener Aktien) von 159,6 auf 53,2 Mill. M. zusammengelegt: das Vorzugskapital von 1.37 Mill. M. bleibt unverändert. Die 7lhschr?!bungen beim Rordlloyd aus die gesamten Aktiva (Schisse. Grundbesitz, Wertpapiere) sind auf 140,5(im Vorjahre 123,6) Mill. M. festgesetzt worden. Dafür stehen zur Verfügung: 99 Mill. M. aus der Kapitalhcrabsetzung: 2,1 Mill. M. aus der zweiten Rate der amerikanischen Freigabe: 56,6 Mill. M. aus Reservefonds: 4,l Mill. M. Buchgewinn aus Einziehung eigener Aktien. Die Hapag schreibt 153,7(im Vorjahre 28,6) Mill. M. ab. Da- für werden verwendet: 106,4 Mill. M. aus der Kapikalherobfetzung: 38,0 Mill. M. aus Rücklagen»nd Reserven; 37,8 Mill. M. aus der amerikanischen Föeigobe. Bei beiden Gesellschaften werden also insgesamt f a st 30 0 Mill. M. abgeschrieben. Bei jeder Gesellschaft bleibt ein Reservefands von 24 Mill. M. bestehen. Der Slufsichisrat des. Nord- lloyd bezeichnet diese Reservehaltung als notwendig, da die Geschäfts- entwicklung weitere Verluste erwarten lasse— ein Beweis dafür, daß der Kopitalschnitt ungenügend ist. Millionenverlusl bei Harburger Gummi. Die H a r b u r g e r G u m m i m a r e n f a b r i k„P h ö n i x", die den Allssaugungs- tendenzen des Eontinenial-Konzcrn? als einziges norddeutsches Großunternehmen in der Guniiniiabrikation ersolgreichcii Widerstand geleistet hatte, weist für das Gefchästsjahr 1931 einen Verlust von 1.23 Mill. Mark aus. mährend im vorhergehenden Jahr noch 4 Proz. Dividende ausgeschüttet wurden. Der Berlnst wird unter Heranziehimg des Reservesonds gedeckt. Die Umsätze find um rund 25 Proz. gesunken. Als Houptursachc der großen Lerluste wird der Prcisversall im Gummigeschäft angegeben. Das rhcinisch-westsülische koblensyndikat gibt seinen Absatz für den Monat April mit 3,611 Millionen Mark an. ivooon 1,86 Mil- lionen Tonnen nach dem bestrittenen und 1,75 Mill-oiien nach dem unbestrittenen Gebiet gingen. Danach stellt sich der arbeitstägliche Absatz ans etwa 139 000 Tonnen. Gegenüber dem Vormonat bedeutet das eine Verringerung um 8.7 Proz., gegenüber dem April 1931 eine Verringerung von 22,53 Proz. Auch die Kölner Fordfabrik schließt mit ein,-in Millionenverlust ab. Die deuische Fardgcsellschast in Köln o. Rb„ die»n vergangenen Jahre ihre neue große Fabrik in Köln eröffnete und damit in den Höhepunkt der Wirtschaftskrise geriet, hat einen Per» l n st nnn 1,16 Millionen Mark erlitten. Die Leistungsfähigkeit der neuen Anlagen knmlie nur ganz geringfügig ausgenutzt werden, da der Absatz zeitweise völlig ins Stocken geriet nn'o auch nur in ge- ringem Umfange wieder' einsetzte. Wie die Verwaltung mitteilt, wird ein neuer Ford-Kleivwogen. der mit einer gering-n Iahre-steuer Kelostet ist, herauskommen. enetfi Sfefen PfiMaffcIiek: fflallo! Zin lllörder benötigi! (*! ffiot ewnial("irt iRonn, her hieß Piich,(Smif Plach.»vih lebte im Böhmischen(£r mir, nivßt ihr wissen, noch in den wirk� lichen �rieden»zeiten groß geworden, und ah dann die Zeit heran drotfi. die m»n die große nannte, war er schon siedenundvierzig Iodre alt. Ader man sah damals nicht viel ouss Alter, die Kanonen waren nicht wählerisch, ihr Mutter mußte nicht immer frisch sein, sie nahmen ou6l zäheres Fleisch. So also lag unser Bruder Bloch im Schützengraben, bis zum Äeps eingegraben, und lugte dort drüben im Kraben, den man den„feindlichen" nannte, ein Bienschenhaupt heroor, flugs mutzte man das Gewehr anlegen, zielen und abdrücken. Als er einmal selbst über den Grobenrond sah. wurde er verletzt, lag mehrere Monate in einem sauberen Lazarett, wurde sorgsam behandelt, um sür den Empfang weiterer Kugeln gerüstet zu werden... Aber auch die grotzen Seiten gingen vorüber, und es folgten andere, auch nicht schönere, die man die Inflationszeiten nannte. Geld, Besitz, Eigentum, alles wurde zunichte, über Nacht wurde man zum Millionär und damit zum Bettler. Kaum waren diese Zeiten vorüber, als die Zeit des Aufschwungs über die Menschheit kam. Zehn Stunden mutzte man hinter der Maschine stehen und bekam kaum sott zu essen, aber gor bald waren auch diese Zeiten vorbei, und es folgte dle Zeit der Nationalisierung. Man fand, daß die Menschen zuviel arbeiten, verbesserte die Maschinen und gab so lange keine Ruhe, bis man gar keine Arbeit mehr für die Mensche» hatte. Aus den naheliegenden Ausweg, die Produkte der Maschine gleichmäßiger und gerecht zu verteilen, verfiel keiner, und so gab's bald Millionen Menschen, die keine Arbeit hatten und die, weil sie kein Geld verdienten und kein« ausgeben konnten, wieder Millionen Menschen brotlos mochten. Vom Wechsel dieser Zeiten hat!« nun unser Bruder Plach ge- nug, vielleicht von der ganzen Zeit überhaupt, er war alt und kränklich geworden, seine Geduld war erschöpft, kurz— er wollte sich das Leben nehmen. Gut und schön. Aber wie macht man das? Nun, das tst doch ganz einfach, sollte man meinen. Man kauft einen guten, handfesten Strick, geht in den Stall, macht eine Schlinge, steckt den Kopf hinein, und das weitere überlaßt man dem lieben Gott, Bis zum letzten konnte sich aber unser Bruder Plach denn doch nicht entschließen. Wohl kaufte er den Strick, wohl knüpfte er die Schlinge, aber ol» es galt, den Kopf hineinzustecken, da verließ ihn der Mut und Plach, Emil Plach nannte sich wütend einen Feig- ling. Aber was vermag auch tiefste Einstcht an den Tatsachen zu ändern? Nichts, leider nichts! Sterben aber wollte er. Also kam er auf die naheliegende Idee, sich ermorden zu lassen. Er knüpfte Beziehungen zu Land» streichern und Bettlern an, brachte sein Anliegen vor und versprach ihnen größere Geldbeträge, wenn sie ihn ermorden würden. Aber wenn auch einige der Gebetenen zweifellos bereit gewesen wären, ihre Mitmenschen zu töten, um ihnen dann das Geld zu stehlen, jemanden zu ermordest, der bereit ist, im vorhinein Geld herzu- geben, also quasi gcgest Arbeitslohn— nein, dazu war keiner bereit. Was ein richtiger Mörder ist, hält scheinbor noch darauf, daß sein Metier nicht mit dem Kommerz verwechselt werde. Endlich aber— wer sucht, der findet auch, heißt es in dem frammen Buche— fand er doch einen mildtätigen Mann. Bas Honorar wurde vereinbart, da aber Plach nicht über solche Beträge verfügte, bewilligte der Kontrahent entgegenkommend Raten- Zahlungen. Unser Bruder Ploch stand nun vor der Erfüllung seines sehnlichen Wunsche», er arbeitete, bettelt«, sorgte sich und zahlte pünktlich die Roten. Endlich konnte er auch die letzte abstatten. Nun war die Arbeit des Lebens erfüllt, endlich konnte man auf- atmen und sterben. Der Geschäftspartner ging nun daran, auch seinerseits seine Verpflichtungen zu erfüllen. Er knüpste den alten, müden Man» an einen Strick, doch— mitunter gibt es auch Pech im Sterben— der Strick riß. Einträchtig gingen die beiden Männer und kauften einen neuen, stärkeren Strick, suchten ein« verlassene Scheune auf, und wieder wurde unser armer Bruder Plach, Emil Plach, an den Strick geknüpft. Diemal klappte alles, der Strick hielt, als aber der Gehängte das Gesicht verfärbte, was in diesem Stadium durchaus zu seinen Pflichten gehörte und was ja auch in seinem Wunsche lag, bekam der ungetreu« Geschäftspartner Angst und ritz Plach au- der Schlinge. Er ließ ihn am Boden liegen und lief davon, durch- aus eine Kopie sein?» bekannteren Bruders SchlcmiHl... Der Verletzte, unser armer, geduldiger und bemitleidenswerter Emil Plach wurde aufgefunden und in ein Krankenhau» gebracht, allwo er mit ärztlicher Hilfe gar bald starb. Aber auch den un- getreuen Geschäftspartner erreicht« sein Schicksal, er wurde verhastet, in«in Gefängnis geschleppt und wartet nun aus den Prozeß, den ein gestrenger, nicht sonderlich gut bezahlter Anwalt des Staates gegen ihn anstrengt.(§ soundsoviel: Mord.) Das Ganze aber ist, ihr Lieben, trotz des märchenhaften An- fanges und des nicht minder seltsamen Verlaufes keine Erfindung eines Schrislsteller?. Es trug sich zu in der Nähe des böhmischen Städtchens Pardubitz im Jahre des Heils... '.Mans Utellinaler; Wie maus macht, iffs verkehrt! Es kommen gar viele Geschichten aus Moabit, die der Komik nicht entbehren. Nicht alle find ulkig, aber bei so manchen sieht man die ironischen Lachfältchcn um den Mund der kleinen Institia, wenn sie mit verbundenen Augen die Waage halt. Das Modernste sind die Devisevschjebungsprozesse, die durch die Rotoerordnung heraufb»sckzivoren wurden. Auch unangenehme Dinge haben ihre guten Seilen, denn diese Verhandlungen erhellen das Dunkel, das um die Not der deutschen Wirtschast und ihre Führer lagert. Da ist zum Beispiel der Mann, der sein Vermögen, rund eine halbe Million, seinem Freund gab, der damit nach der Schweiz fahren und es sicher anlegen sollie. Der Freund fuhr auch hin, fuhr leider gleich weiter nach Airika und ließ nichts mehr von sich hören, Neuerding» laust eine viel interessantere Sackze. Ein Kom- merzienrat Knigge, Besitzer eftier grotzen Schokolodensabrit, hatte bemerkt, daß sich seine Elnkünste bedenklich verringert hotten. Der geringe Ilmsatz. die billige Konkurrenz und die Krise waren Fak- toren geworden, die brutal seinen Verdienst beschnitten. Natürlich waren daran nur die hohen Löhne und Gehälter der Arbeiter und kleinen Angestellten schuld. Also kürzen! Der Erfolg war. dotz der Umsatz noch kleiner, die Konkurrenz noch billiger und die Krise noch schärfer wurde. „So geht es nicht weiter", rief der Kommerzienrat.„Ich kann doch nicht meiner Frau und meinen Kindern ihre Autos weg- nehmen� Wcnut sollen sie denn jähren? Ich kann ihnen dock? nicht ihre Landhäuser weznehmen! Wo sollen sie denn schlafen'?' Ich kann ibnen doch Nicht verbieten Tennis zu spielen! Was sollen sie denn den ganzen Tag machen? Ich kann ibnen doch nicht...!" Und im letzten Augenblick hatte der Kommerzienrat den rettenden Gedanken. Zuerst wurde nicht iwhr bezahlt. Kakao. Zucker, Maschinen und vieles andere wurden auf Kredit getauft, „Wenn ich meinen Betri»b zumache, werden 7ÖÖ Arbeiter und Angestellte brotlos. Das wäre ein Verbrechen in der heutigen Zeit", sagte er. Di« Lieferanten gaben idm recht und borgten. Nur die Löhne und Gehalt-r wurden bezahlt. Er kannte das BGB. Dann wurde der Sohn des Köw.merzionrots verheiratet und wachte eine Hachzettsreise nach der Schweiz. Als Hochzeitsgeschenk bekam er eine Villa am Züricher See und das gesamte Barvermögen seines Voters. Dieser Sohn war durö? und durch Geschäftsmann. Kaum in der"chweiz ongekomm«». gründete er eine„Schokoladen- Kredit-Gesellschast.", die gegen entsprechende Garantien und Zinsen an Schokoladeniabriken Darlehen vergab. Die ersten Kredite, die natürlicherweise Schweizer Firmen de- willigt wurden, waren nicht nennenswert. Das grohte Darlehen wurde an eine Schokoladenfabrik in Berlin vergeben, die einem Kommerzienrat Knigge gehörte. Dieses Darlehen wurde von der Fabrik dazu benutzt, verschiedene Neuerungen im Betrieb und im Arbeitegang einzusühren. Ferner begann man mit einem Erwei- terungsban. Jetzt kamen aber die Gläubiger der Firma und wollten ihr Geld haben. Das Geld der„Kredit-Gesellschast" war in den Betrieb gesteckt worden und Kommerzienrat Knigge— hatte nichts. Also wurde die Firma sür zahlungsunfähig erklärt und Konkurs angemeldet! Hauptgläubiger war die„Schotoloden-Kredit-Gesellschast" in Zürich. Das heiht der Sohn oder besser: der Kommerzienrat selbst. Sie bekamen t«s meist« aus der Konkursmasse. Die Sachlog« ist sehr einfach: Ein Unternehmer hat mit seinem Kapital, mit dem er hastet, der eigenen Firma«in Darlehen ge- geben, damit er beim Konkurs die Gläubiger, denen der Betrieb eigentlich schon gehört, um ihr« Forderungen prellen kann. Etwas stimmte in der Rechnung nicht. Das war eben die Notverordnung des Reichspräsidenten: Devisenschiebung. Voter und Sohn sotzen plötzlich aus der Anklagebank und der ganze Schwindel kam heraus... So datz man das Sprichwort„Die Sonne bringt es an den Tag" in„Die Rstoemdming bringt es an den Tag" ver- wandeln mutz._ Juan Jfeilbul: 3n Jlnderlens WärchenHube „Na, na...!" sagte die Lampe zu Andersen, dem Märchen- dichter.„Wie lange soll es heute nacht wieder dauern? Meinst du, ich halte das noch lange aus? Ich Hobe keinen Tropfen mehr im Bassin und bin ganz erschöpft. Leuchie ich dir nicht schon seit dem Nachmittag?" „Wirklich", sagte Andersen, und sab vdm Schreiben auf,„du Host für heute genug geschwitzt." Er drehte den Docht herunter. puste'« aus und sagte:„Schlaf schön." Dann suchte er im Dunkeln eine Kerze, entzündete sie und begann wiederum zu schreiben. Die Kerze war eine Kleine, Freund- liche, Dicke. Sie saß mitten auf dem Tisch und mar gleichsam die Mama in der Stube. „Du!" drohte sie mütterlich dem Schreibenden zu,„du! Willst du gleich an dich selber denken! Seit dem Mittag hast du nichts Warmes gegessen. In die Küche mit dir, mein Junge, und koche dir Tee," „Gut", sagte Andersen,„aber nur unter d«r Bedingung, datz ich nachher Ruhe vor dir habe." Er ging in die Küche. Der Wassereimer war leer. Er mußte also in den Garten, denn dort stand die Pumpe. Andersen stand eine Zeitlang vor ihr und blickte sie an. Aber die Pumpe machte davon nicht auf. „Pumpe", sagte Andersen leise. Die Pumpe atmete etwa? lauter im Schlaf. „Pumpe. sagte Andersen noch einmal. „Herrgott!" sagte die Pumpe, die erwachte sie war gleich munter und blickte sich im Dunkeln um,„Was willst du denn mitten in der Nacht?" „Ich möchte gern Tee trinken", sagte?lndsrsen,„aber es ist kein Wasser im Eimer. Nun wollte ich eich bitten, mir etwas Wasser von unten herauszuholen." „Meinetwegen", grollte die Pumpe. Ilnd'Andersen nahm ihre Hand und schwenkte sie hoch und preßte sie wieder der Pumpe an die Hiiit« zurück. „Na, na, Na!" sagte die Pumpe,..ich kann auch nicht hexen, was schwenkst du mir meinen Arm? Du renkst ihn noch aus!" „Ich wollte nur tüchtig Helsen", sagte Andersen schüchtern,„da- mit du bald wieder einschlafen kannst." „Das ist sehr nett von dir", sagte die Pumpe, immer noch verdrießlich,„du bist überhaupt ein sehr rücksichtsvoller Mensch, das Muß ich dir sagen." „Entschuldige", sagte Andersen und strich ihr behutsam über den Arm.„Tut e? roch weh?" Er streichelt« sie. Darauf goß die Pumpe einen tüchtigen Schuß Wasser in seinen Eimer. „Danke", rief Ülndersen,„genug." Er zög den Eimer weg. „Hallo!" schrie die Pumpe,„es kommt noch was!" „Ich brauche aber nicht mehr", sagte Andersen,„e? ist nur zum Tee." „Es kommt ober", rief die Pumpe in Angst, Ilnd Zlndersen sah schon den nächsten Strahl auf die Erde schießen. „Wir wollen warten", sagte er zu seincin Eimer, und sio ftavöen beide still, bis die Pumpe ousseufzend sagte: „So— das war alles nutz kommt nichts mehr." Andersen bedankte sich beim Monde, daß er geleuchtet hätte, und bei der Pumpe für ihren Dienst, Sie antwortete nicht— nicht einmal durch ein Knurren.„Sie schläft wohl schon wieder", sagte Andersen leise. Er wünschte der Nachtigall Nurola einen gesunden Schloj bis zum Morgen, denn er halte am vergangenen Tage durch einen Zeisig erfahren, daß Rurdla tn> Kürze ein kleines Mädchen zur Welt bringen sollie. Auf den Zehen ging er ins Haus zurück. In der Küche stand er lange untätig still, in Betrachtung des Topfes versunken. Endlich begann er: „Armer Topf, ich muß dich nun wecken. Ich habe seit Mitlag nichis Warmes gehabt." Damit crgrisf er den Topf beim Dhr. Er nahm ihm die Schlaf- kappe ob, schöpfte vom Eimer Wasser hinüber, hob den Topf an beiden Dhreit auf eine kleine blaue Flamme, und setzte ihm die Nachtkappe wieder auf. Der klein« Topf war nicht einmal ans- gewacht. Zlndersen ging in die Stube zurück, setzte sich an den Schreibtisch und schrieb Die kleine Dicke, die auf dem Schreibtisch saß wie eine Mama, war noch kleiner und dicker g-worde!'. ge älter sie wurde, um so fester und runder wurde ihr Leibchen. Der Topf auf der Flamme schlies so tief und so sest, daß er leise im Schlas zu singen begann.?lber dann fing er ätz zu trau- wen. Sein Atemzug wurde schneller und lauter, am Ende iing er an zu toben, zu springen ober erwachen konnte er nicht. Er begann im Schlaf zu weiven. zu rufen und Spucke au? feinerrt Munde zu sähbeiv. Die Flamme unter ihm wollte Lonon nicht? haben, s>e bog sich, wendete s'ch. strich auf die Seit', duckte sich, daß sie so kirin wie ein Millimeter wurde— und dann sagte 1'�: „Uff!" und wütend pufff« sie ihren G'tst in dt« Luit Während dies geschab, sah?lndsrjen, der enn Schreibtüch ian. lächelnd ins Licht. Aber das Licht verzog schon seit einiger Zeit sein Gesicht, e.- dachte bestimmt etwa» Wichtige?, es verschwieg nur mit Müde autzärgewdhnUchs Neuigkeiten: es grimässterts fürchterlich. Pldtzlich erhob es sich und spazierte durch die Luit bis zur Tür. Andersen sah ihm nach. Nanu? dachte er, was bat denn dos Li'Gt mit einem Male' Da? Licht nahm den Weg durch die Luft zurück und hielt an Andersens Stuhl. Andersen meinte, nun würde dos Lnbt feins Reuigkeit endlich von sich geben. Aber e? ließ sich zur Erde nied-r und flüsterte mit dem Stuhl. ,Ibi!"ri?i der Stuhl und spazicrle weg und Andersen siel out d'e Erde. Do? Licht, dick w'« es war, ging über den Teppich zur Tür. „Dos hat seine Bedeutung", sagt« Andersen: er war gewiß. dotz das Licht feinen Grund hatte, wenn es zur Stube hinaus wollte. Zwar wußte er nicht, wie ohne das Licht weiterleben, aber er ließ den Hausbewohnern, die mit ihm lebten, prinzipiell ihren Willen. Und so öffnete er dem Lichte die Tür und do» Licht wackelte aus den Flur hinaus. In diesem Augenblick hörte er aus der Küche den Topf im Traum schreien. „Trrrrink... trrrrink... trrrrink... Ich koche... ich koche... ich koche... uh... puy... phu.. „Nun weiß ich", rief Anderjen,„liebes Licht, weeholb du nicht Ruhe sinden kanntest Ich danke dir, Gute." Andersen bedankte sich gleichfalls beim Topf, brachte ihn be. hutsom zu Bett, setzte sich selber wieder zu schreiben hin, und trank seinen Tee. 3)r, 7.'Ifeinberg:$CUerberge (Schluß.) Wir können in Mitteleuropa ruhig schlajen! Di« Vulkan- vester, die uns dos Leben einmal schwer gemacht hätten, wevn's damals überhaupt Menschen gegeben hatte, die sind bei uns in der Zwischenzeit langst ruhig, kraftlos geworden. Anders in jenem Ring um den Stillen Ozean herum! Da wird es nach etliche Erdalter dauern, bis Ruhe wird. Aber auch da kommt» nicht dazu, daß die Erde einmal ihr Jnnersi»? nach außen stülpt. Denn bis dahinein reichen die Vulkane nicht. Woher wir das wissen? Aus dem, was die Vulkans zu Tage fördern. Die Lava, Lapilli-Bombsn, Aschenregen sind von solcher Be- schaffenheit, von solchem spezifischen Gewicht, daß sie unmöglich dem Erdkern angehören können. Aus wirklich zuverlässigen physikalischen Gesetzen hat man abgeleitet, datz der Erdkern Nickel und Eisen(Ni-Fe) enthält. Etliche noch schwerere Bestandteile mögen auch dabei sein. Aber die vulkanischen Produkte bestehen aus Kieselsäureverbindungen(Liperit, Trachyt, Avdesit, Basalt usf.). S'e stammen also höchsten? aus der Silizium-Mognesium-Schicht (Silizium gleich Kiesel), ibr spezifisches Gewicht ist immer noch er- heblich geringer al» das Durchschnittsmatzcngewicht der Erde. Sie können also nur au» der äußersten Erdschicht, der Erdhaut, hotrühren, deren Mächtigkeit unterschiedlich, neuerdings aber Nie über 30 Kilometer stark angenommen wird. In dieser Erd- haut also sind die Fabriken, au« denen die Vulkane ihr Material beziehen. Wie es da hineingekommen ist und warum es wieder heraus will, darüber gibt es nur ein Bündel Hypachescn. Van der Schmieds des Hephaistes dsr alten Griechen(»r hatte(«ins Wsrk- stätte direkt unter dem Boden von Sizilien, welch«; ihm Zeu» nach- geworfen hotte, als er sich gegen Hera nicht ganz kommentmäßig benommen hatte) und der Aetna war ihr Schsrnstein. Von da bi? herauf zu den höchst raffinierten modernen Theorien, bei denen immer am Schluß steht:„Wir glauben beweisen zu können..." Aber es war« nicht einmal so besonders wichtig, zu wissen, worum die Vulkane speien. Viel wichtiger wäre, Zu wissen, o b end wann sie es regelmäßig»un. Leider sind wir auch hierüber noch recht sehr im unklaren! Der Vesuv z. B. hat bis zum Jahr« 7!) n. Chr. nie auch nur die geringste Miene gemacht, seinen Anwohnern irgendwelche Ungelegenheiten zu bereiten. Aber dann tat er e? gsejch ganz gründlich. Roch der Zerstörung von Herkulaneum, Pompeji und Stabiä gab es bis 1631 n. Ehr. nur siebzehn Ausbrüche, die alle nicht so hestig waren, denn im Ii, Jahr« hundert begann wieder reichlich Wald an seinen Flanken zu wachsen. Ilnd zweimal blieb er sogar mehr als zwsibundert Jahr? long ruhig. Dann aber besann er sich auf sein« Reputation und der Ausbrych lbZl war noch viel schlimmer als jener vom Jahr 79. Und nun ist er wieder ruhiger. So ist es auch bei vielen anderen Vulkanen. M 0 n t o g n e P e l e ö überraschte lllOZ die Welt sehr plötzlich mit der Katastrophe auf Martinique. Zum Halemaumau auf Hawaii dagegen kommen die Touristen in Echoren und man weiß fast genau aus die Minute, wann er steigt und fällt. Ein Eigenbrötler ist hingegen wieder der K r ä k o t a n. dem Europa»on 1883 bi« 1�8« die Herr- l'chsten Honnevunt-rgäng, verdankte, die es je zu sehen bekam. Auch der B a n d a i s a n in Japan Hot fünf Jahre nach dem Krokatau am]?. Juli 1888 mehr als fein? besterc Hälfte in die Lust gesprengt. Man schätzte die gesprengte Masse aus 1213 Mil- liwiev Kubikmeter. Der Krakotau mar seit 1880 ruhig gewesen, der Bonöaisan aber war ebenso wie der Tarawera aus Neuseeland, der ein ahnliches Sprengexperiment am 10. Juni 1886 machte, feit Menschengedenken»nlätig gewesen: er hatte nicht einmal den Rang eines Feuerfpciers. Und so war es auch mit den Südanientamilkanen, die jetzt auf einmal zu toben angefangen haben. Freilich, groß» Veränderungen aus der Erdoberfläche wird es auch diesmal nicht geben. Denn im allgemeinen find die Feucrspsier keine Menschenfresser. Sie können es in dieser Beziehung nicht mit den Menschen aus- nehmen. Der Eotopari kann Bomben(aus Bimsstein» mit 3 Meter Durchmesser nur 20 Kilometer weit schleudern. Er hat darin den Rekord. Aber er ist ein Anfänger gegen eine 42-Zentimcter-KaNonr. Eine groß« Schlacht des Altertums, des Mittelalters, ein Tag Groß- kämpf im Weltkrieg, haben'viel mehr Menschen in den Himmel verholfcn, als selbst ein großer Biilkanaiisbruch in der Feuerhölle zu begraben vermag. 30 000 Menschen mußten beim Ausbruch der Montagnc P e l s e sterben, vielleicht ebenso viele»m Jahre 79. Und doch erreichte die Krokotoukotaftrophe mit 50 000 Menschenopfern nur knapp etwas mehr als die Hälfte der Römeroerliiste am Tage von Eonnä. Wie viele Kratatauausbrüchc gibt es in der Welt- g-schichte und wie viele Tag- von Eannä...? Die Natur vergißt nur' hie und da einmal, daß sie das Leben hervorbrachte und nur bei einem unbedachten, unglücklichen Griff zerguetscht sie«in paar Lebewesen zwifch-n den Fingern. Sonst arbeitet sie bedächtig. langsam, mit größter Schonung ibr-r G«- schöpf«. Wir Menschen könnten von ior lernen! Sie ,st so per- nünstig, io natürlich... Ein men,g m-hr kosmische Perspektive, «in wenig mebr Besinvuna'darauf, daß wir schon aus d»m l2,6-Meter.G'obuS auch Mit schärfsten kvsMiichen Mikroskopen n-cht mehr zu sehen wären— wo find eigentlich unsere««lt. allstürzenden, unlösbaren Probleme...?