Morgenausgabe Nr. 243 A 123 49.Iabrgang WöchenINch TS-pt, monatIliI|3.5B®l (baoon 8" Pf. monatlich für Zustel- lung ins Haus> im voraus zalildor, Postbezug Z.S7 M. einschließlich SV Pf. Poiizeiwngs- und 72 Pf.Postdeftellge» führen. Auslanbsabonnement 6.65 M. pro Monat; für Länder mit ermäßigtem Druckfachcnporto 4.SS M. Der.Vorwärts' erfcheint wochentäg. lich zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage .Boll und Zeit". Nee«««! volssblatt Oonnersiag 26. Mai 1932 Groß-Äerli'n Pf. Auswärts 15 pf. Die eiiiivalt. Millimeterzelle M Pf. Retlamezeile 2.— M.„»leine An- zeigen" das fettgedruSte Wort 20 Pf. fzuläfstg zwei iettaedrustteWortei.jedes weitere«ort 10 Pf. Jtadatt lt. Tarif. Worte Uder lä Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimeter. zeile 2S Pf. Familienanzeigen Milli- meterzeile lk Pf. Anzeigenannahm« im Sauptgefchäfl Lindenstraße 3, wochentäglich von 8>/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich dasRecht der Ab» lehnung nicht genehmer Anzeigen vor l Jentvawsgan der Sozialdemokratische« Kartei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 kzernspr.: Tönboff(�7)292—237. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BerlinZ7SZe. Schulst Ann stlut'g-cm Zu- f»,*nwcnstBftc« tragen in gfetchent �kape stie Rational» soziattsten wie stie Nomwunisten� Tie Nationalsozialisten storch vlaamäsiigc Protiokationen und Bedrohung ste-> kcwmunistischen Redners, die Kommunisten durch Aüh> rung des ersten Seblagcs. Tic sozialdemokratische Land- tagsfraktion protestiert aufs schärfste gegen die Rauf» stolstmanieren der extremen Parteien und fordert un. destingte Ticherstellung der Freiheit und Gewaltlofigkeit der Verhandlungen der Volksvertretung." Aeliestenausschuß ohne Ergebnis. Kommunisten und Nazis nichts an einer Klärung gelegen. Etwa'ZO�Mirniten nach der Saalschlacht trat der Aeltestenrat zu- sammen, der von dem Präsidenten Kerrl mit der Bemerkung eröffnet wurde:„W>c mir mitgeteilt worden ist, ist es im Sitzungssaal zu einer Schlägerei gekommen. Wer wünscht dazu das Wort?" Darauf wurde von kommunistischer Seite erklärt, was sie über den Zusammenstoß zu sagen hätten, würden sie in der Deffentlichkeit sogen. Ihnen sei der Ucberfoll der National- sozialisten keineswegs überraschend gekommen. Die National» s o z i a l i st e n erklärten, sie seien uiäst gewillt, ein Mitglied ihrer Neichsparteileitung Fememörder schimpfen zu lassen. Sie hätten nicht die Absicht, Polizei in den Landtag zu rufen, sondern müßten es den Kommunisten überlassen, dahingehende Wünsche zu äußern. Vizepräsident Laumhosf, der während des Zusammenstoßes am- li.-rte, erklärte, daß während der Rede Pieck's eine große Anzahl Notionalsozialiften sich von rechts her auf die Treppe zur Redner- tribiine gedrängt hätten. Darauf seien Kommunisten ihrem anschei- nend bedrohten Redner zu Hilfe geeilt. Er habe dann nur noch ge- sehen, wie ein K o m m u n i st, den er von hinten nicht persönlich ei kennen kannte, dem Abgeordneten Hinkler aus den Mund ge s ch l a g e n Hütt e. Da bei der großen Zahl der am Zu- sammenstoß beteiligten Abgeordneten jeder Versuch seines Eingreifens aussichtslos gewesen wäre, habe er nur die Sitzung aufheben können. Abgeordneter heilmann(Soz.) erklärte, daß mit der augenschein- lichen Zufriedenheit der beteiligten Nationalsozialisten und Kommu- nisten für die sozialdemokratische Zratlion die Angelegenheit nicht er- ledigt sei. Die Natianalsozialisten hätten durch den vorher im Aeltestenrat nicht angekündigten Antrag Freister und dessen'Rede planmäßig und ab- sichtlich provoziert. Als er gegen die Beratung des Antrages pro» testiert hätte, habe er bereits das Gefühl gehabt, daß Zusammenstöße unmittelbar bevorstünden. Während der Rede des Abgeordneten Pieck seien die Nationalsozialisten in drohender Haltung und mit den eni- sprechenden Zurufen auf den Redner losgestürzt. Es fei begreiflich, daß die Kommunisten ihren Redner hätten schützen wollen. Auf der anderen Seite hätte ein Kommunist den ersten Schlag geführt, auf den hin die Nationalsozialisten mit aller Macht über die ganze kam- munistische Fraktion hergefallen seien.. Dabei sei auch der sozialdemokratische Fraktionssekretär Iürgcnscn schwer verletzt worden, der völlig unbeteiligt und ruhig aus seinem Platz In �»cr ersten Reihe sah. Die sozialdemakrotischa Fraktion oerlonge, daß das Präsidium de? Hause» unbedingte Sicherheit gegen die Wieder- kebr derartiger Gewalttätigkeiten schasse. Dieser Erklärung schloß sich der Abgeordnete Sieger tZtr.) voll- inhaltlich an. Der Roheitsexzeh im Plenum könne unmöglich ohne schwer- wiegende Konsequenzen für die Politik des prcuhischen Zentrums bleiben. Abg. Kube erwiderte, die Notionalsoziolisten verbäten sich jede Schulmeistere!. Sie feien bereit, nötigenfalls den Landtag aufzulösen und neu zu wählen. Die Verletzung de» Ab- geordneten Hürgensen bedauerten sie: aber die Sozialdemokraten hätten schon geraume Zeit vor dem Zusammenstoß ihr besonders hoch- geschätztes Mitglied Oberleutnant Schulz durch den Zuruf „Fememörder" beleidigt. An die Ausführungen Kubes schlössen sich dann nach längere Auseinandersetzungen über Zusammenstöße und angebliche Zu- sammcnstäße in früheren Landtagen. Zum Schluß erklärte Abg. stube, daß seine Partei durchaus kein« Gewalttätigkeiten wünsche und daß er strengste Fraktionsdiszizllin durchzuführen bereit wäre. Zu einer Bcschlußsassung kam c» nicht. Rur der Antrag des Kommunisten, heute weiter zu tagen oder am Freitag wieder zusammenzutreten, wurde abgelehnt. Am Tage der nächsten Landtagssitzung, am 1. kiuni. soll um 1> Uhr der Aeltestenrat erneut zusaminentreto». Die Vollsitzung soll erst um Z Uhr beginnen, damit die Fraktionen noch Gelegenheit haben, zu dem Ergebnis der Aottestenratssitzung Stellung zu nehmen. Das Geseh über die weiblichen Beamten Kein Einspruch des Neichsrais.- Das Gesetz tritt in Krast. Der Reichsrat beriet om Mittwoch dos kürzlich vom Reichs- tag angenommene Gesetz über die R c 61 t s st e l l u n g der w e i b- l i ch e» Beamte n. Das Gesetz gibt im Falle der Vcrhei- r a t u n g jedem weiblichen Beamten, aber auch der Dienstbehörde. das Recht zu u n b e s r i st e t e r Kündigung des D i e» st> Verhältnisses. Für die Behörde ist das Kündigungsrecht an die Voraussetzung geknüpft, daß die Versorgung des aus- scheidenden weibliche» Beamten gesichert ist. Die Ausscheiden- den erhalten eine Abfindung, deren Höhe sich nach der Dienst- zeit richtet. Bei der Beratung des Gesetzes tn den Reichsrotsausschüssen waren von verschiedenen Seiten schwer« Bedenken gegen ein- zelne Vorschriften, insbesondere gegen die Lz ö h c der A b- ftnduizgssummen und dagegen erhoben worden, daß auch bei freiwilligem Ausscheiden sogar an nur kündbar angestellte Be- amtinnen Abfindungen gewährt werden sollen. Es wurde betont, daß die beträchtlichen Aufwendungen, die das Gesetz dem Reiche verursache, bei der gegenwärtigen Notlage des Reichs besonders drückend empfunden werden müßten. Trotzdem wurde Ein- spruch nicht erhoben. Auch der Reichsrot selbst nahm in seiner Dollsitzung die An- nähme des Gesetze? durch den Reichstag zur Kenntnis, ohne Einspruch einzulegen. Da» Gesetz kann also nunmehr in Kraf.t treten. Einbervsvng de» Aeltestenraies de» Reichskaze». Der Aeltestenrat de» Reichstages ist jetzt für Dienstag, den 31. Mai, 17 Uhr, einberufen worden. Auf der Tagesordnung dieser Sitzung steht die Izraze der Einberufung de» Reichstage». Oer fchwar Aach der Präsidentenwahl die Schlägerei. Die zweit« Sitzung de» neuen Preußischen Landtags wird vom Alterzprosidenten Litzmann wiederum bei vollbesetztem Hause und starkem Andrang aus den Tribünen um 2.15 Uhr eröffnet. Abg. Kasper sKamm.) begründet einen weiteren kommunistischen Urantrog, in dem das Staatsmimsterium aufgefordert wird, die Reichsrsgierung zu ersuchen, ihre Delegation auf der Genfer Ab- rüstunaskonferenz anzuweisen, den Abrüstungsvorschlägen der Sowjetdelegation zuzustimmen, ferner den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund zu vollziehen und schließlich alle Demonstrations- verböte aufzulzeben. Die Begründung des Antragstellers wird vielfach von großer 5)citerreit im Hause unterbrochen. Di« N a t i o n a l s o z i a l i st e n rufen ihm u. a. zu: Gehen Sic doch als Freiwilliger noch Moskau. Der kommunistische Redner beantvortet weitere nationalsozialistische Zurufe mit dem Ausruf:„Haltet dos Maul!" Auf sozialdemokratischen Antrag hin wird der kommunistische Antrag auf die Tagesordnung der«itziing vom 1. Juni gesetzt. Unter großer 5)«iterkeit stimmen auch die Kommunisten dafür. Das 5)011? wendet sich dann der Wahl dxs Präsidenten zu. Die Wahl wird durch Stimmzettel bei alphabetischem Zlufrus der Abgeordneten vorgenommen. Da jeder einzelne Abgeordnete noch dem Ausruf seines Namens an die Wahlurne treten muß, nimmt das Wahlverfohren längere Zeit in Anspruch. Tos(Ergebnis der Wahl ist folgendes: find 418 Stimmzettel abgegeben worden, der Landtag ist alfo beschlußfähig. Unbeschrieben sind sechs Stimmen, un- gültig ist ein Stimmzettel. Von den übrigen gültigen Stimmzetteln beträgt die'stlehrheit>/'e nlscheiden haben:' äb-k>is�sntz,klagteu-.in Notwehr gehandelt hoben oder ob sie schuldig de» Mordes'sinst." Wir oe?» wahren un? dagegen, daß in dieser Weste versucht wird, m den Ganz der Rechtspflege einzugreifen. Abg. kube lNsoz.): Wir verwahren uns aufs scharfite gegen den Versuch de, Abg. Heilmonn. uns eine Einmischung in schvsebend« Verfahren vorzuwerfen. Abg. Freisler hat die unerhörten Avstäge des Staatsanwalts benutzt, um die Begründung doiür zu geben, daß endlich einmal die Rechtspflege in Preußen nochgeprüft wird. fRufe links: Schulz und Heines.— Erregte Aus- einandersetzvngen zwischen Kommunisten und Ratio- nalsozialisten.— Vizepräsident Baumhosk bitte», ihn nicht zu schärferen Maßnahmen zu zwingen.) Die Sozialdemokraten sind es, die bervorragende Mitglieder de» Hauses als Mörder beschimpfen.(Psui-Rufe rechts.) Broun und Senering wäre» längst nickt mehr, wenn wir nicht Männer wie Schulz gehabt hätten.(Beifall bei den Nationalsozialisten.) Wir lassen uns jcdenialls diese Rechtspflege nicht weiter bieten und wer- den beweisen, daß mit dieser Justiz in Preußen Schluß gemacht werden muh. Die preußische Stoatsanwalkschast ist zu 90 Praz. wert, in den Anklogczustand wegen Rechtsbeugung gestellt zu wer- den.(Stürmischer Beifall bei den Nati-'nalsozialisten.) Abg. Pieck(Komm.) erklärt, die ilotionalsfziaUstisch« Ausregung sei unbegründet, da mehr als 50 Proz. der Ni cht er Notioiialsazia- ltften seien. Das sehe man, wenn mau die Urteile gegen Kam- munisten und Faschisten vergleiche. Durch die Nationalsozialistisch« Partei, so erkttirt der Redner, ist der Massenmord gegen revolu- tionärc Arbeiter eingeführt worden. In Ihren Reihen(nach rechts) sitzt eine ungeheure Zahl von Wördcrn... Die Gaalschlacht. Bei Liesen Warten ensttcht bei den Nationalsozialisten ein« ungeheure Erregung. Die?lbgeordneten erlzeben sich von den Plätzen und stürmen mit erregten Gebärden auf die Rednertribüne zu. Di« Kommunisten tun das gleiche und stellen sich schützend hinter ihren Abg. Pieck. Zwischen Konmzunisteu und National- sozialisten entstehen stürmische Auseinandersetzungen. Vizepräsident Sau ml) off versucht vergeblich, der Situation Herr zu werden. Im Verlauf de» Streites schlug plötzlich ein kommunistischer Abgeordneter den nationalsozialistischen Abg. Hinckler ins Gesicht. Das war für die Nationalsozialisten das Signal zum Gegenangriff. Es entstand eine ungelzeure Schlägerei, wie sie sich in diesem Ausmaß in einem deutschen Parlament noch nie ereignet haben dürste. Vizevräsident Baum- hoff verließ seinen Platz und hob damit die Sitzung auf. Inzwischen war die Schlägerei in vollem Gange, man schlug nicht nur mst Fäusten auseinander ein, sondern warf auch mit Tintenfässern, La»'penschirmen, Pultkästen und zum Schluß sogar mit den schweren Ledersesseln. Die ge- samt« nationalsozialistische Fraktion stürmte, mit Möbeln und anderen Wurfgegenständen bewaffnet, aus die Kommunisten los, die in wenigen Minuten oollloimncn aus dem Saal gedrängt waren. Zahlreiche Abgeordnete erhielten blutende Wunden und wurden von ihren Parteifreunden bewußtlos aus dem Saal getragen. In dem allgemeinen Durcheinander erhielten auch schon orn Boden liegende blutende Abgeordnet« von den Kämpsenden noch Fußtritte. Nachdem der Saal von den Kommunisten vollkommen geräumt war. blieb fast nur noch die vollständig versammelte nationalsozialistische Fraktion zurück, di« daraus die 5)and zum Fafchistengruß erhoben, das Horst- W e s s e l- L i e d sang, in das die Mehrzahl der Tribünenbesucher «instimmte. Der Plenarsitzungssaal bot nach der Schlägerei ein Bild grausamer Verwüstung. Schwere Ledersessel, Tischkästen, zciörochene Lampen und ein wüstes Tohuwabohu von Papier,'2lbstimmungskartcn, und was sonst sich in den herausgerissenen Kästen der Arbeitsplätze der Ab- geordneten vorgefunden hatte, lag besonders in dem kommunistischen Sektor herum auf dem Boden. Man könnt« von dem Eingang der Kommunisten auf der linken Seite des Hause» her kaum den Sitzungssaal betreten und mußte erst mühsam über die Reste des Mobiliars hinwegklettern. In den Wandelgängen herrschte eine außerordentlich stark« Erregung, die auch das Publikum ergriff, das sich auf den Wandel- gangen des Tribünengeschosses versammelte, wo es beinahe zu einer Fortsetzung der Schlägerei gekommen wäre, wenn nicht Beamte des Hauses eingegriffen hätten. Unten im Saolgeschoß. wo die Abgeordveteu beieinander standen und ausgeregt debattier- ten, bemühten sich die Fraktionssührer, ihre Fraktionsgenossen zu einer sofort stattfindenden Fraktionssitzung zusammeuzu- berufen. Es wurde inzwischen bekannt, daß bei der Wursschlacht vor allem einig» kommunistische und sozialdemokratisch« Abgeordnet« nicht unerheblich verletzt worden sind. Ter EesehäftSführer der sozialdemokratlschen Frok- tinn. Afccz. Zürgeuse». mußte besinnungslos aus' dem Siüungssanl getragen werden. D'e kömmunistifchen Abgg. Krämer-Qbitstcböneweide, Kuntz und Gott« fittd gleichfalls verletzt. Vastor Cremers Autospefen. Oer Oevaheim-Pastor gremer liquiMcrk pro �ohr 15 000 Morl Autospefen und verbrauchte in kurzer Zeit 6 Auto». «.Warum soll ich nicht Auto fahren, Ihr Lieben. Stehet doch geschrieben, daß schon der Prophet Elia in einem feurigen Wagen gen Himmel gefahren sei?" Der Umfang der Steuerflucht. Lieber 2 Milliarden hinterzogene Vermögenswerte angegeben. hauptsächlich g«b es Aopfwundon. Einig- Minuten nach dem Zu- iammonstost erschien der.»ommunist Aramer-Oberschöneiveide mit stark verbundenem Kopf wigder im Sitzungssaal. Das Blut der frischen Kopsmunds lief durch den Nnwerband hindurch über sein Gesicht. Er räumt« seinen Arbeitsplatz und rief dabei den National- sozialisten. von denen einige sich noch im rechten Saaleingang auf- hielten, zu:„Zwanzig für einen, ihr Hunde! Das sollt ihr noch bezahlen!" Di« Beamten des Hauses mußten bei Besichtigung des Kamps- seldes feststellen, daß dem Landtag ein sehr erheblicher Sachschoden entstanden ist. Zum Test sind auch die Polster der festgeschraubten Sitzplätze der Abgeordneten heruntergerissen worden, so daß die Roßhaarfütterung heraushängt. Etwa eine halb« Stunde nach den blutigen Schlägereien wurde der Aeltestenrat einberufen, an dessen Beratungeir auch der Berliner Polizeipräsident Grzesinski teilnahm. Bor dem Zimmer des Aeltestenrats hotten sich zahlreiche nationalsozialistische Ab- geordnete versammelt, die erregt über die Anwesenheit eines Zivilisten waren, in dem sie einen Kriminalbeainten erkannt haben wollten. Ein Mitglied der nationalsozialistischen Fraktion forderte diesen Zivilisten auf, sich sofort aus dem Landtogsgebäud« zu entfernen, weil Polizoibeomte in diesem Haus« nicht amtieren dürften, ohne daß der Präsident sie dazu aufgefordert habe. Darauf nahmen mehrere nationalsozialistisch« Abgeordnete den Mann in ihre Mitte und beförderten ihn vom Beratungszimmer des Aelteften- rats hinweg. Die Mehrzahl der nationalsozialistischen Abgeordneten entfernt« sich vom Acltestenrotazimmer auf Ersuchen eines Führers der Fraktion. Im Krankenzimmer des Landtags leistete den Verwundeten der Zentrumsabgeordnete vr. med Wester die erste ärztliche Hilf«. Er arbeitete, angetan mit dem weißen Kittel, ong«str«ngt, bis das Sanitätsauto die schwerer Verletzten abholte. Schlägerei im Oanziger Volkstag. D a n z i g. 25.!Nai. 3n der heutigen Sitzung des Volkstags kam es zu tätlichen Aus- einondersehungen zwischen dem nationalsozialistischen Abgeordneten Greiser und dem Sozialdemokralen Plcllner. Anlaß zu dem Zwischenfall gaben beleidigende Zu- rufe Pletlners. die Greiser veranlahlen. gegen diesen vorzugehen. Pletiner. der anscheinend Täilichkeilen besurchlele. verfehle dem Na- iionalsozlalisten einen Z a n st s ch l a g. so daß dieser gegen die Abgeordnelcnpulle taumelte. Anderen Abgeordncie» und den Volks- tagsbeamten gelang es. die Streitenden zu trennen. Die Tribünen mußten geräumt werden. Die aus der Tagesordnung der heutigen Sitzung stehenden Straf- ankrägc gegen den verantwortlichen Redakteur der„Volksstimme" und Abgeordneten Weber kamen nicht zur Verhandlung, da sich das Haus vorzeitig auf unbestimmte Zeil vertagte. Rationalsozialistische Lügen. Frecher Schwindel gegen die Sozialdemokratie. Die notiovalsogiotistisch« Fraktion des Londtogs veröffentlicht eine Erklärung zu der Saalschlacht im Landtag. Diese Erklärung strotzt von schamlos verlogenen Anwürfen gegen die sozial- demokratisch« Landtagssraktion und ihren Vorsitzenden Heil- mann. Die dreisten Lügen gipfeln in der Behauptung, daß Sozial- demokroten sich an der Schlügerei beteiligt hätten und daß die sozialdemokratische Fraktion an einem organisierten schweren Lairdsriedensbrvch tellgenommen habe. An diesen Behauptungen ist kein Wort wahr, sie sind glatt aus den Fingern gesogen! Oeutschnationale an Hindenburg. Ein Manöver zum Sturze Brünings. Die deutschnatinnale Reichstagsfraktion hat sich an den Reichspräsidenten mit einem Schreiben gewendet, in dem sie wegen Nichtcinberufung des Reichstags gegen L ö d e, wegen der geplanten Notverordnungen gegen Brüning Be- schwerde erhebt. Sie zeigt sich plötzlich über die Herabsetzung der Lebenshaltung des Volkes sehr besorgt und ist besonders aufgeregt, weil angeblich Pläne bestehen, die eine große Zahl ostdeutscher Besitzer ohne Rechtsschutz der Enteigrning aus- liefern würden,„In aller Ehrfur6)t", bemerkt sie,„daß solch» Pläne in die Tat umgesetzt, in den breiten Volks- mästen die schon vorhandene Verzweiflung in einem Maße steigern müssen, das sich unter Umständen in Formen Luft macht, die kein vaterlandsliebender Deutscher bei der fetzigen gespannten Lage wünschen kann," Dann heißt es weiter: An Sic, hochzuverehrender Herr Reichspräsident, richten wir die eindringliche Bitte, bei dieser Lage der Dinge der Regierung die Verantwortung für derartig« Maßnahmen nicht durch Unterzeichnung von Notverordnungen abzunehmen, sondern die Reichsregierimg aus den Weg der Beschlußfassung durch die geseggebenden Instanzen zu verweisen. Wir erlauben uns, in diesem Zusammenhang auf den Art. 24 der Rcichsoerfastung Bezug zu vel/mcn, der dem Reichspräsidenten die Befugnis gibt, von sich aus die Einberufung des Reichstages herbeizuführen. Der Brief, in kriecherischen Wendungen abgefaßt, ist im Grunde genommen für den Reichspräsidenten beleidigend. Die Briefschreiber nehmen an, er werde nicht merken, daß ihre plötzliche Abneigung gegen diktatorische Maßnahmen und ihr Wunsch, einem arbeitsunfähigen Parlament die schwie- rigsten Arbeiten zuzuweisen, einzig und allein der Absicht entspringt, ihn gegen seinen Reichskanzler aufzuhetzen. Es wird in der Presse vielfach behauptet, daß solche Aus- hetzungsoersuche schon seit längerer Zeit im Gange seien und auf den Reichspräsidenten einen gewissen Eindruck gemacht hätten. Sein Eingehen auf die Wünsche der deutschnatio- nalen Fraktion hatte selbstverständlich den Rücktritt Brünings zur Folge.__ Giraßenkrawalle in Hamburg. Sturm auf den Alsterpovillvn. Hamburg. ZZ. Mai. Am M'ttwochabend kam es auf dem Jungfecnstieg zu schweren Ausschreitungen erwerbsloser und kommunistischer Elemente. Ein Zug von mehreren tausend Personen, darunter ausfallend viel« Frauen, zog durch die Straße. Vor dem A l st e r- P a v i l l o n er- griffen die Demonstranten Stühle und Tische und schleuderten sie gegen die grnß-n Spiegelscheiben des gut besuchten Lokal?. Die Polizei räumte die Straße mit dem Gummiknüppel, nahm etwa ?0 Perhaftungen vor und untersuchte auch eine Reihe von ver- dächtigen Personen nach Masten. Ter Steuerausschuß des Reichstags be- schäftigte sich am Mittwoch mit Anträgen zur Kapital- und Steuerflucht. Auf schriftlich formulierte Anträge des Abgeordneten Dr. Hertz lSvz.) teilte Ministerialdirektor Dr. Zar- den mit, daß der Steuerbehörde durch die Steuer- amnestie 2 0 9 3 Millionen Mark bisher hinterzogene Vermögenswerte angegeben worden seien. Außerdem sind nicht unerhebliche Ve- träge ohne direkte Angaben deklariert worden. Van dem Betrage von 2093 Millionen entfallen 898 Millionen auf ausländische Beteiligunzetz,� die sich aus 873 natürlich« und tili junstifch« Perscmeit-v«teilen.� l 70 Famiftemtsttumgen haben 48 Mit lionen Vermögenswerte angegeben. An Einkommen sind für das Jahr 1930 132 Millionen nachträglich angemeldet worden. Die Reichsbahn-Anleihe, di« mit einer Amnestie verbunden war, ist bis zum 23. Mai ntzt 248 Millionen Mark gezeichnet morden. Es läßt sich nicht genau feststellen, wieviel von diesem Betrag wegen der Vergünsti- gung der Steueramnestie gezeichnet worden ist. Da aber der Zeich- nungsbetrag nach dem 26. Oktober 1931, dem Tage, an dem die Amnestie abgelaufen war, sehr gering ist, ist anzunehmen, daß der größte Teil des gezeichneten Betrages unter die Amnestie fällt. Erschöpfendes Material über die Reichsfluchtsteuer liegt noch nicht vor. In Berlin sind 126 Fäll« zu verzeichnen, für die die Bestimmungen der Rcichsiluchtsteuer Geltung erlangt haben. In 51 Fällen ist die Reichsfwchtsteuer festgesetzt worden, in 47 Fällen sind die Kapitalflüchtlingc zurückgekehrt. Di« Zahl der Zwickau, 25. Mai.(Eigenbericht.) In Wersau bei Zwickau ereignete sich am Dienstag eine gewaltige Detonation, die auf die Explosion einer Provisorisch hergestellten Sprengbomve zuriickzu. führen ist. Ter Hersteller der Bombe ist der Ratio- nalsozialist und ehemalige SA.- Mann Trenkmann. Die Werdaucr Polizei berichtet über das Explosiansimglück wie folgt: „Am Dienstag, kurz vor 14 ilhr, ereignete sich in Werdau in einer Wohnung des unteren Stadtteiles ein schweres Explosions- Unglück, wobei der 23 Jahre alt« Arbeiter T. schwer verletzt wurde. Den ersten Augenzeugen des Unglücks bot sich bei Betreten der mit Pulverrauch angefüllten Wohnstube ein trauriges Biid. Der bis zur Unkenntlichkeit von Brandwunden und über und über mit Blut bedeckte Schwerverletzte stand bei vollem Bewuhlesin vor dem Sofa, wobei er mit der linken Hand den rechten Arm, von dem die Hand vollständig abgerissen war, umfaßte. In seiner Verzweiflung rief er seinen Helfern und Freunden wiederholt zu, doch seinem Leben ein Ende zu machen. Besonders schwere Verletzungen hatte der Verunglückte im Gesicht erlitten. Er wurde sofort in das Stadtkrankenhaus übergeführt. Durch die Sprengwirkung wurden die Fenster vollständig zcr- trümmerti serner Wände, Diele, Tür, Sofa, Bilder usw. durch die zur Detonation gebrachten Sprengstoffe stark zerlöchert bzw. be- schädigt. Die bisherigen polizeilichen Ermittlungen über die Ur- fache des Unglücks hoben folgend«? ergeben: Der Verletzte befand sich kurz vor und während der Explosion ganz ollein in der Wohnstube, während sich um diese Zeit in der nebenan gelegenen Küche mir seine Stiefmutter aushielt. Die Mit» Wirkung einer anderen Perlon an dem nerhängntsvollen Ereignis kommt von vornherein nicht in Frage. Nach den am Tatort tellgestelli-m Leweismitteln hatte der verunglückte eine Blechbüchse mit Pulver uns einer größeren Kapitalsteuers lüchtling« ist aber erheblich größer gewesen. Im ganzen Reich sind bisher zehn Steuer st eck b riefe erlassen worden. Die Kapitalswäst ist, wie Ministerialdirektor Zarden feststellt, geringer geworden, man könne annehmen, daß durch die Airtschaftsschwiitrigkeiten gestüchtetes Kapital in nicht geringem Umfange inzwischen der inländischen Verwendung wieder zugeführt worden sei. Der Ausschuß beschäftigte sich noch dem Bericht des Ministeml« direttor» Zarden mit einen, Antrag ans Verbat von Kops- steuern. Abg. Dr. Hertz(Soz.) erklärte, die Sozialdemokratie holte nach wie vor Kopfsteuern für un verein bor mit einem ge- rechten und sozialen Steuersizssem. Die Bürgersteuer habe durch Me hohen Zuschläge ihren früheren Charakter verloren. ihre Erhebung beloste die Bevölferung mit unerträglichen Härten. Eine Aenderung dieses Austandes sei unbedingt erforderlach. Unter dem Eindruck dieser Kritik wurde vom Ausschuß der Wunsch ge- äußert, die Debatte in Anwesenheit des Reichsfinanzministers Dietrich fortzusetzen. Auch die Ab gg. Dr. Hergt(Dnat.). Kei- n a t h(DBp.), Dr. Fischer(Staotsp.) und R u p p Nsoz.) erklärten, daß sie sich mit der Bürgersteuer in ihrer gegenwärtigen Wirkung in keiner Weise befreunden könnten. Die bisherigen An- Hänger der Bürgersteuer seien ihre Gegner geworden, weil die Regierung den Charakter der Bürg erst euer durch Staffelung und Erhöhungen grundlegend verändert habe. Di« weitere Debatte über die Kopssteuer» soll am Dienstag in 2l n w e s en h e i t de« Reichsfinonzministers Dietrich fortgofuhrt werden, der dem Ausschuß' mitteilen ließ, daß bis dahin das Kabinett entschechends Beschlüsse über die Wcitercrhebung der Bürgersteuer nicht fassen werde. Anzahl scharfer Pislolenpaironen, Kaliber 7,65 vlillimeler. gefällt und aus diese weise eine provisorische Sprengbombe her- gestellt. Der Verletzte verweigerte sogar seinen Freunden gegenüber sede Auskunft über di« Ursach« des Unglücks. Ebenso haben auch die Ermittlungen über die Herkunft der verwendeten Spreng- st o f f e noch zu keinem Ergebnis geführt. Bei der vorgenommenen Operation des Verletzten machte siä) u. a. die Amputierung d«s rechten Oberarms sowie die Entfernung des rechten Auges notwendig." Sotocit der Polizribericht. Dieser Überaus bedaucr- liehe Unglücksfall läßt mit aller Sicherheit darauf schließen, daß in den Reihe» der Nationalsozialisten ver- hetzte und bürgerkriegswütige junge Menschen sich weit- gehend mit der Anfertigung derartiger Mordwerkzeuge beschästige». Es wäre interessant, festzustellen, wo di« Quellen zu suchon sind, aus denen das Sprcngmaterial an die Nationalsozialisten geliefert wird. Von der Staatsnntoaltscksaft verlangt die?effentlichkeit— und das liegt nicht zuletzt im Interesse der Staatssicherheit— eine eingehende Untersuchung dieser Angelegenheit! Mittiär regiert Japan. Oas Kabinett Abmiral Saito. Tokio. 25. Mai.(Reuter) Adwieol Saito hat di« national« Regierung nunmehr ge< bildet. Er übernimmt außer der Mmisterpräsidentschast auch da? Außenministerium. Innenminister ist D a in a m o t o. Kriegsnümster General Senjuro H a y a s h i. Marineminister Admirol Keisuke O t a d a, Rationalsszialist als Sombenfabrilant. Furchtbares Explosionsunglück.— Bei Experimenten schwer verleht. Kür sozialistischen Aufbau. Schluß endlich mit dem Abbau! Kurpfuscher sitiü am Werk, die sich einbilden, die Krise des Kapitalismus mit Heilmitteln aus Großmutters Kochbuch zu beheben. Gewaltsamer Lohnabbau, Abbau der Sozialversiche- rung, nochmals Lohnabbau, nochmals Abbau der Sozialversiche- rung, zum dritten- und zum viertenmal Lohnabbau und— durch die so gesteigerte Wirtschaftsschrumpfung erzwungen— zum dritten-, vierten- und fünftenmal Abbau der Sozialversicherung. Dazwischen ein angeblicher Preisabbau, der in Wirklichkeit nichts anderes ist als die Eindämmung des Preissturzes, eine unvermeidliche Folge der Wirtschaftskrise. Politische Romantiker und wirtschaftliche Ignoranten schwärmen vom Arbeitsdienst, einer zunächst ganz„freiwilligen" Gratis- arbeit, wie der Hungernde ganz freiwillig Wasser trinkt, um den Magen zu beschäftigen. Man schmeißt die Jugend aus der Arbeits- losenversicherung hinaus, aus der Krisen- und der Wohlsahrts- fürsorge, um mit den so ersparten Mitteln einen Bruchteil der Jugend'einige Wochen lang mit der Schaufel zu beschästigen, wäh- rend die Bagger rosten und die Tiefbauarbeiter verzweifeln. Wir haben fabelhaft„rationalisiert". Gigantische Werke sind erstanden, die sozusagen ganz von selbst arbeiten würden, wenn sie nicht stillgelegt wären. Manchmal stillgelegt ohne jemals funktioniert zu haben. Wer zahlt diesen märchenhaften Schrott- Haufen, teils über Betrieb aus vorenthaltenen Löhnen, teils auf Pump finanziert? Dafür haben die kapitalistischen Ratgeber der Regierung ein einfaches Mittel, dasselbe, das uns in diese Herr- lichen Zeiten hineingeführt hat: man fördere die„Kapitalbildung" der stillgelegten Werke, indem man die Löhne, Gehälter, Sozial- rmd Kulturausgaben nochmals einschränkt, angleicht, abbaut, korri- giert und komprimiert. Da diese Politik des„kollektiven Selbstmords" unvermeidlich zu politischen Verzweiflungsausbrüchen und wirtschaftlichen Zu- sammenbrüchen führt, muß man die ausländischen Gläubiger um Zahlungsaufschub für die privaten wie für die politischen Schulden bitten und dann schließlich so tun, als ob das hohe Politik wäre. Aber hilft diese Politik wenigstens irgendwie? Die phantasti- scheu Zusammenbrüche der Banken, die aus öffentlichen Mitteln wieder aufgefüllt werden müssen, die Zusammenbrüche der großen Konzerne, der Bankrott der Gemeinden geben die Antwort. Und wer noch nicht Konkurs angemeldet oder sich wieder verglichen hat, der atmet auch nur mit einem halben Lungenslügel. In den öden Fensterhöhlen der Büro- und Fabrikgebäude wohnt das Wirtschaft- liche Grauen. 1332 bis jetzt 1,4 Millionen mehr Arbeitslose als 1330, im Vorjahr aber schon über eine Million mehr Arbeitslose als 1330, das schon als ein Krisenjahr ersten Ranges galt. Es gibt Leute, die trösten zwar nicht andere, aber sich mit der Feststellung, daß die Krise eben international ist. Also ist nichts zu machen. Ungefähr wie jemand, der e-z für zwecklos erklären würde, im Winter zu heizen, da es doch überall kalt ist. Die Tatsache, daß auch anderwärts Krise herrscht, ist kein Grund, im eigenen Lande die längst fälligen Schutzmaßnahmen nicht zu treffen. Daß es mit den bisher beliebten Mitteln nicht geht, ist zum Ueberdruß der Gesamtheit erwiesen. Man komme uns nicht mit den Reparationen, die erst beseitigt werden müssen. Wir zahlen gegenwärtig keinen Pfennig und werden, wenn überhaupt jemals wieder, sicher noch Jahre keine Reparationen mehr zahlen. Aber die Schrumpfung der Wirtschaft ist so groß, das Elend der Massen so tief, daß jedes Zuwarten eine nicht mehr zu tragende Steigerung bedeutet. Mit dem Abbau geht es nicht. Mit dem Kapitalismus geht es nicht. Darum muß mit dem Abbau der Löhne und der Sozial- leistungen Schluß gemacht und mit dem Abbau des Kapitalismus begonnen werden! JBis tief in die Reihen der christlichen Arbeiterschaft hinein geht die Forderung aus Abbau des Kapitalismus, auf energisch«, össentlich gelenkte Planwirtschast. Niemals hätte Hitler seine verblüffenden Er- folge errungen, wenn er sich nicht als Sozialist maskiert hätte. Nie- mals wären die sogenannten bürgerlichen Mittelparteien, die die Kerntruppe des Kapitalismus waren, so zusammengehauen worden, wenn die Massen nicht bis zum Rande genug hätten vom Kapita- lismus.» Der Ruf des Berliner Bezirksverbandes der Sozialdemokrat!- schen Partei nach einem sozialistischen Aktionspro- gramm ist zur rechten Stunde erhoben worden. Wenn jetzt die Regierung Brüning das durch die Tatsachen längst als ad absuräurn geführte Experiment des Abbaues wiederholt, dann muß mit um so größerem Nachdruck die Forderung erhoben werden: Abbau des Kapitalismus, Aufbau des Sozialismus! Hungerlöhne noch zu hoch. Wünsche der Textilindustriellen.• Die badischen T e x ti l u n t e r n e h m e r haben die V er- bindlichkeit des vom Schlichter gefällten Lohnabbau- schiedsspruchs beim Reichsarbeitsministerium beantragt. Ueber die Verbindlichkeit kann in diesem Fall nur das Reichs- arbeitsministerium entscheiden. Es ist nicht anzunehmen, daß das Reichsarbeitsministcrium einem weiteren Abbau dieser so niedrigen Löhne zustimmen wird. Das hieße die Textilarbeiterschaft zur Ver- zweiflung treiben. Die Sinnlosigkeit der Unternehmerforderung tritt bei den Verhandlungen in den Begründungen, die von ihnen gegeben wer- den, kraß zutage. So sagten die b a d i s ch e n Unternehmer, daß sie die höchsten Frachtkosten von ganz Deutschland hätten und demzufolge einen Ausgleich bei dem Lohn haben mühten. Einige Tage später machten die Unternehmer von Württemberg darauf aufmerksam, daß s i e die höchsten Frachtkosten von Deutsch- land zu tragen hätten. Der Vertreter eines in Schlesien ge- legenen Bezirks behauptete, e r habe die höchsten Frachtkosten. Ja, er behauptete sogar, daß die Schmutzkonkurrenz für ihn in Baden und Württemberg liege. So wird ein Bezirk gegen den anderen ausgespielt, wobei aber immer der Arbeiter die Prügel bekommt. Alle diese Behauptungen der Unternehmer, soweit sie sich auf ungleiche Löhne oder dadurch hervorgerufene Schmutzkonkurrenz zu stützen versuchen, werden am besten durch das vom Deutschen Textil- arbeiterverband herausgegebene Buch über die Tariflohnent- Wicklung in der deutschen Textilindustrie widerlegt. LlniernehmersaboiagegegenSchlichiung Die neuen Schlichtungsverhandlungen für die w ü r t t e m- bergische Textilindustrie, die am Mittwoch in Karls- ruhe stattfanden, sind von den Unternehmern genau so wie die vorausgegangenen Verhandlungen gesprengt worden. Die Unternchmerbeisitzer haben die Schlichterkammer im. Laufe der Verhandlungen plötzlich verlassen. Eine schlimmere Brüskierung der Staatsautorität, als sie sich die württembergftchen Textilindustriellen nun bereits zum zweiten- mal geleistet haben, kann man sich nicht gut vorstellen. Der Schlichter war infolge der ersten Verhandlungssprengung gezwungen, die Bei- sitzer sür die Schlichterkammer unter Androhung von Strafe in Höhe von 500 M. sür den Fall des Nichterscheinens nach Karlsruhe zu laden. Nun haben die Unternehmervertretcr zum zweitenmal den Schlichter auf den Sand gesetzt. Wir sind nun wirklich darauf gespannt, ob der Reichsarbeitsminister, der gegenüber den Ar- b e i t« r n im Lohnabbau eine sehr starke Hand gezeigt hat, nun auch den Mut hat, den Unternehmern, die ihn und das Schlichtungswesen förmlich verhöhnen, die Zähne zu zeigen. Ein Keil treibt den andern. In der Textilindustrie München-Gladbach-Rheydt und in den niederrheinischen Seidenwebereien haben die Unternehmer den Manteltarifvertrag zum 30. und den L o h n t a r i s zum 4. Juni gekündigt.'Zweck der Kündi- gung ist, Lohnsenkung und Verschlechterung der Mantel- tarifbestimmungen. Ueber die gekündigten Verträge finden zwischen den Parteien am 27. Mai Verhandlungen in München- Gladbach statt. Den Verhandlungen geht eine Konserenz der an den Tarifverträgen beteiligten Arbeitnehmerverbände voraus. Ltltimatum der Steinmetzen. Abwehr gegen Lohnraub. Für die Steinmetzen. Schrifthauer und sonstigen Arbeiter der Berliner Grabmal-, Kunststein-, ZNarmor- und ILerk- steinindustrie sind vom Schlichtungsausschuß Schiedssprüche gefällt worden, die jede sachliche Beurteilung der Verhältnisse in diesen Berufen vermissen lassen. Für die Grabmalbranche verfügt der Schlichkungsansschuß einen Abbau der Stundenlöhne der Steinmetzen von 1,40 aus l.lö Mark, sür die Kunststeinbranche von 1,52 aus 1,20 Mark, sür die Werksteinbranche von 1,40 aus l.lö Mark. Die Löhne der übrigen Arbeiter sollen im gleichen Prozentverhältnis gesenkt werden. Für die Schrifthauer in der Grabmalbranche sollen die A k k o r d p r e i s e bis ans die Vorkriegspreise, zum Teil sogar noch darunter, gedrückt werden. Die derart„angeglichenen" Löhne sollen bis zum Zt. Marz tgZZ gelten. Die im Zenlcclverband der Steinarbeiter organisierten Berufsangehörigen dieser vier Branchen nahmen gestern in einer kombinierten Mitgliederversammlung im Gewerkschaslshaus zu diesen Entscheidungen des Schlichtungsausjchusses Stellung. Nach kurzer Aussprache lehnte die Versammlung alle Schiedssprüche e i n- st i m m i g ab. Darüber hinaus.wurde von der Versammlung der Beschluß gesaßt, von allen Unternehmern bis zur endgültigen Beilegung des Konfliktes die Weiterzahlung der bisherigen Löhne zu fordern und im Falle der Ablehnung dieser Forderung die Arbeit sofort einzustellen. Ueber die weitere Entwicklung des Konfliktes soll in einer neuen kombinierten Mitgliederversammlung am nächsten Mittwoch um 18 Uhr im Gewerkschaslshaus berichtet werden. Gegen weitere Steuerbelastungen. Protest der Behördenangestellten-Verbände. Die im As A- Bund vereinigten Behördenangestelltenverbönde — Butab, Zentralverband der Angestellten, Deutscher Werkmeister- verband, Allgemeiner Verband der Deutschen Bankangestellten und Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs— haben angesichts der schon durch die Notverordnungen eingetretenen übermäßigen Minderung der Einkommen der Behördenangestellten in Reich, Länderü und Gemeinden gegen eine weitere Belastung in dringenden Eingaben an Reichskanzler und Reichssinanzminister Protest erhoben. Für die Masse der Behördenangestellten ist die wirtschaftliche Lage heute schon eine solche, daß sie eine weitere Belastung nicht mehr erträgt. Die Aufbürdung neuer, irgendwie gearteter Steuern würden sie als um so ungerechter empfinden, als zum gleichen Zeitpunkte eine steuerliche Entlastung für Besitz und Vermögen ein- getreten ist. Kalier Aufschnitt der Wurstfabrikanien. Sie beweisen zuviel. Im Streik der Arbeiter und Arbeiterinnen der Berliner Wurst- und Fleischwarensabriken ist insofern eine Wendung eingetreten, als der Schlichter für den Bezirk Brandenburg entsprechend einem An- trag der Unternehmer auf Verbindlichkeitserklärung des Lohnabbau- schiedsfpruches des Schlichtungsausschusses die Parteien zu heute, Donnerstag, geladen hat. Es ist kaum anzunehmen, daß der Schlichter dem Antrag der Unternehmer entsprechen wird, da— ganz abgesehen von der Konsumgenossenschaft— für ungefähr die Hälfte der in den Wurstfabriken Beschäftigten die alten Löhne bis Ende Oktober d. I. tariflich vereinbart sind, was den noch Wider- strebenden gewiß auch zugemutet werden kann. Die Unternehmer, die noch nicht unterschrieben haben, geben sich die größte Mühe, die feste Front der Streikenden zu erschüttern. So wurde gestern, ein vom Syndikus des Arbeitgeberverbandes verfaßtes Flugblatt an alle Streikenden verteilt, das die kämpfende Arbeiterschaft üb�r die „Sinnlosigkeit" ihres Streikes„aufklären" soll. In dem> Flugblatt behauptet der Unternehmersyndikus allen Ernstes:„Der diesmalige Arbeitskampf richtet sich nicht gegen die Arbeiter, um die Löhne herabzusetzen, er muß allein dazu dienen, um die Existenz der Fa- briken zu retten. Der Streit wird daher von der Arbeiterschaft gegen eine ganz falsche Front geführt." Diese Behauptung ist ebenso„richtig" wie die, daß sich auf die Inserate einiger Firmen hin„Hunderte von gelernten Fleischern gemeldet hätten, von denen nur ein bescheidener Bruchteil eingestellt werden konnte"., Na also! Wenn dem aber so ist, wozu die Mühe, die Streiken- den zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen? Tatsache ist, daß alle ausschlaggebenden Betriebe völlig frei von Streik- blechern s i nd. Mit einem derartigen kalten Ausschnitt können die Wurstfabriken weder Eindruck auf die Streikenden noch auf die Konsumenten machen. Zusammengebrochene Verleumdung. 5 Wochen Gefängnis sür einen kommunistischen Redakteur. Mannheim, 25. Mai.(Eigenbericht.) In der kommunistischen„Arbeiter-Zeitung" war ein Artikel er- schienen, der in der gesamten kommunistischen Presse oerbreitet wurde, in dem die Behauptung enthalten war, der Vorsitzende des Verbandes der Fabrikarbeiter Deutschlands, Gen. Karl Thiemig- Hannover und der Gauleiter des Verbandes Louis Bruns in Frankfurt a. M. seien Mitglieder des Aussichtsrats der JG.-Farben, Bruns bezöge«in dieser Eigenschaft den Betrag von 65 000 Mark. Der Fabrikarbeiterverband war im Zusammenhang mit diesen Behauptungen„Aktionär-Intereflen-Verband" genannt worden, der Verband habe ein Interesse daran, die durch ihn ver- tretenen Arbeiter zu schädigen! Der beklagte Redakteur erbot sich, den W a h r h e i t s b e w e i s für seine Behauptungen anzutreten und das Gericht legte ihm nun die Beweispflicht auf. Es wurde der Vorsitzende des Aufsichtsrats der JG.-Farben Geheimrat Dr. Duisberg vernommen, der er- klärte, Bruns sei niemals Mitglied des Aufsichtsrats gewesen und habe auch nie Vergütungen bezogen. Daraus sah das Gericht den Beweis für nicht erbracht und verurteilte den verantwortlichen Redakteur E b l e zu einer Gefängnisstrafe von drei Wochen. In der Urteilsbegründung heißt es, daß der Angeklagte nicht den Schatten eines Beweises für seine Behaup- tung erbracht habe. Bei der Schwere der Beleidigung, die in dem Vorwurf liegt, die Gewerkschastssührer hätten die Interessen der Arbeiter verraten, wäre nur eine Freiheitsstrafe eine ausreichende Sühne. Damit ist ein« der übelsten Verleumdungen zusammengebrochen, mit der die KPD. monatelang ihre Hetze gegen die freien Gewerk- schaften und besonders gegen den Fabrikarbeiterverband betrieb. Schamlos und ohne auch nur den Schatten eines Beweises zu be- sitzSn wurde so in„Einheitsfront" gemacht. Verbindlich erklärter Schiedsspruch. Für die Offenbacher Lederwarenindustrie. Der Schiedsspruch zum Mantelvertrag für die Lederwaren- industrie im Offenbachcr-Frankfurter Wirtschaftsgebiet erstreckt sich auf ungefähr 8000 Beschäftig-e. Die Unternehmer lehnten den Schiedsspruch ob, worauf ihn der Schlichter für Südwestdeutschland, Dr. Kimmi'ch, auf Antrag des Deutschen Sattlerverbandes für verbindlich erklärte. In der Verhandlung betonten die Unternehmer, daß sich ihre Ablehnung weniger gegen den Inhalt des Mantel- Vertrags richte, sie seien vielmehr grunt�ätzlich der Auffassung, daß sie ohne Tarif den schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen besser begegnen können. Der Vertrag ist im wesentlichen in seinem bisherigen Inhalt bestehen geblieben. Ferien und Feiertagsbezah- lung für Werkstattarbeiter und Arbeiterinnen blieben wie im alten Vertrage. Für die Ferien und gesetzlichen Feiertage wird der tat- sächliche Lohnaussall bezahlt. Für die Heimarbeiter hob der Schiedsspruch dieFeriengewährungauf. Der Vertrag gilt bis 30. April 1333._ Regierung und Bergbau in England. Die Zechenbesitzer fordern Lohnkürzung. London, 25. Mai. Im nächsten Monat läuft die Bestimmung ab, daß der Arbeits- tag siebeneinhalb Stunden beträgt. Wird diese Bestimmung nicht erneuert, dann tritt automatisch die siebenstündige Arbeitszeit wieder in Kraft. Die Zechenbesitzer fordern für diesen Fall eine Lohnkürzung und selbst bei Beibehaltung der siebeneinhalbstündigen Arbeitszeit wollen sie einige„Lohnänderungen". Da die Arbeiter sich auf die Unternehmerwünsche nicht einlassen, sind die seit Monaten dauernden Verhandlungen über den Abschluß eines Mantel- und Lohntarifs endgültig gescheitert. Das Kabinett wird sich nunmehr mit der Angelegenheit bc- fassen und morgen, Donnerstag, den Parteien seinen Beschluß mit- teilen. Der siebeneinhalbstündige Arbeitstag soll beibehalten werden. - L-l�X- l-LU-T-E: 1 1' I 1� SPD.-Bctricbssreltion beim Arbeitsamt West. Freitag. 17 Uhr, in der„Sängcrklause", Kaiserin-Augusta-Allee 90 lEcke Wernigeroder Str.) Fraltionsvcrsammlung.„Pol. Lage". Referent: Karl Weiner, M. d. L. i i i Eegg-EE| i ULLLT B��reie Getverkschafts-�uaend Berlin Heute, Donnerstag, den 2lj. Mai 1932, um 19V' Uhr) tagen die Gruppen: Südosten: Jugendheim, Neichenbcrger Str. 66. Gutheit kommt.— Tcmpelhof: Jugendheim, Lyzeum, Germaniastr. A—Q. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Götzstraße, auf der Hinteren Seite der Schule. Der § 218 und feine Auswirkungen.— Moabit: Jugendheim, Lehrter Str. 18— 19. Die moderne Arbeiterbewegunq.— Staaken: Jugendheim, 17. Volksschule, Gar- tcnstadt, Kirchvlatz.(Endhaltestelle Autobus 31). Das lustige Buch.— Schönhauser Tor: Jugendheim, Tieckstr. 18. Bunter Abend.— Landsberger Platz: Jugendheim, Diestelmeyerstr. 5. Das Iugendprogramm des ADGB.— Lichten- bcrg: Jugendheim, Dossestr. 22. Das lustige Buch und die lustige Schallplatte. Neü-Lichtenberg: Jugendheim, Gunterstr. 44. Hosemann bringt allerlei Hci- tcres.— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburgcr Str. 2. Be- richt vom Krisen. Kongreß.— Schöneweide: Jugendheim, Laufenerstr. 2(Rotes Zimmer). Bunter'Abend.— Köpenick: Jugendheim, Grünauer Str. 5(Rabe Bahnhof Spindlersfeld). Berufskrankheiten und ihre Verhütung.— Gewerkschaftshaus: Jugendheim. Engelufer 24/25, Saal 11. Wir stellen die Bude kopp. — Wir spielen ab 18 Uhr: Südkreis: Volkspark Neukölln und Treptow.— Nordkreis: Volkspar? Rchberge, Spielwiese.— Juaendqrupv? des Deutschen Bekleidungsarbeiter. Verbandes: Jugendheim, Sebastianstr. 37— 38. Abschluß unserer Winterarbeit: Der Betriebsrat berichtet.— Iugenbgrvppe des Deutschen Textilarbciter.Vcrbandcs: Jugendheim, Sitzungssaal hes Perbandes, Engel- ufer 24/25. Arbeitsgemeinschaft: Unsere Jugend'.eitung.— Jngendgruppe des Verbandes der Nahrungsmittel, u. Gctränkearbeiter: Jugendheim, Neue Schön- hauser Str. 4— 5. Vortrag:„Kunst und Kitsch in der Musik". �uaendarupve des Zentrawerbandes der Anaestellien i Scutc, Donnerstag, finden folg-nde Veranstaltungen statt: Norden: Jugendheim, Lortzingstraße 19.„Tagesnolitilche Rundschau," Leiter: Löwi.— Pantom-Nicderfchönhanscn: Jugendheim, Edrschstraste ll tgroßes Zimmer). Vortrag:„D�e Gewerkschaften im Spiegel der Tagespresse." Referent: Efchbach.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. IS.„Ruckblick auf unser Gau.Iugcndtreffen in Frankfurt a. O."— Treptow: Jugendheim, GIsenstr. 3.„Der arbeitende Mensch in der Kunst". Ref. Weihenbergcr.— Die Freie Angestelltenbank«.G.m.b.H. tagt hi-nte non 2g— 22 Uhr im Ver. bandshause.— Spiele im Freien: Heute, ad 18 Uhr, Sportplatz Tiergarten. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff: Wirtschast: G. lttingelhöscr! Gcwertschaitsbewcgung: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schilowoki: Lotate» und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckeref und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin EW. 88. Lindenstratze 3, Hierzu 2 Beilagen. Ar. 243• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstag, 26. Mai 4932 Fahrtbericht vom Flugschiff. Rund 8 ZOO Kilometer Flugstrecke bewältigt. Das Ozeanslugbool Do X, das feit Dienstag abend auf dem Müggelsee verankert liegt, hat den Alug von Rem Jork über Neufundland— Azoren in die Heimat störungsfrei und programmäßig durchgeführt. Damit ist zum ersteumal ein neuer �tugzeuglyp in so systematischer und umfangreicher Weise in den verschiedensten Ländern und Meeren geprüft worden, vor sechs Iahren ist mit dem Lau des Ztugschifses begonnen worden, und nach verschiedenen Umbauten und Ausgestaltungen in technischer und architektonischer Beziehung hat man jetzt endgültig den Grundstein zu einem Ftugzeugtyp gelegt, der in Zukunft den Schnellverkehr zwischen Europa und Amerika, hinweg über die unermeßlichen Weiten des Ozeans vermitteln wird. Auszerordentiich interessant ist ein kurzer Gesamtbericht, der über die Flugstrecke und über die Zeiten Ausschluß gibt. Aitr 2 2. M a i ist das Dornier-Flugschiff. Do X 1, D 1929 nach programmäßig verlaufenem Flug, von Nordamerika über Neufund- land- Azoren im Hafen von Vigo, Spanien, gelandet. Der Süd- atlairtikslug des Flugschisses Do X 1 im Juni 1931 und der jetzige Nordallantikflug sowie die beiden Alpenslüge: Bodensee— Splugen- paß—(3200 Meiers— Genua— Spezia der beiden für Italien be- stimmten Flugschifse Do X 2 und Do X 3 haben die Richtigkeit der Ideen Dr. D.orniers bewiesen, und der Bau dieser großen Flug- einheilen bedeutet einen wertvollen Beitrag zur Förderung des deutschen Flugwesens und zur Stärkung deutscher Weltgeltung. Seit dem Abflug vom Bodensee hat Do X 1 rund 4S000 Flugkilometer zurückgelegt, davon 32 000 Kilometer reinen Streckenflug, der Rest waren Erprobung?- und Gästeflüge. Dos Schiff ist seit November 1930 in keine Halle mehr gekommen, sondern es lag stets ungeschützt im Freien, allen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Der Nückflug erfolgte wieder unter Führung von Kapitän Christiansen. Neben Flugkapitän Merz steuerte diesmal an Stelle des Piloten von Clausbruch, der seinen Südamerikaflugdienst wieder aufnehmen mußte, Flugzeugführer Diele. Die übrige alle Besatzung blieb un- verändert: Navigationsoffizier Niemann. Funkoffizier Kiel, Ma- Ichineningenieur Eitel und die Bordwarte: Meister Brombeis, Mar- quardt, Fischer; Monteure: Jäger, Schmid, Dobernig: außerdem d-r Curtiß-Jngenieür Brewton. Am 14 Mai wurde das Flugschiff zu Wasser gebracht. Es er- folgten Zwei Gäfteslüge mit 112 Personen beim ersten und 78 Per- sonen beim zweiten Fluge an Bord.. Da der technische und fliege- rische� Befund zufriedenstellend war, wurde dos Schiff startklar zur'letzten Etappe vor dem Atkantikfluge, nach St. Johns (Neufundlands gemacht. Von New Park ging der 51urs am 19. Mai auf die Trinidad Boy bei Dilda. Mit einem Absluggewicht von 52 000 Kilo und einer Startdauer von nur 53 Sekunden wurde nach 12'.estündigem Fluge glatt gelandet. St. Johns, bzw. Holy Rood, wo der Betriebsstoff lagerte, konnte wegen des starken Nebels nicht angeslogen werden. Am 20. Mai erfolgte die ileberführung in einem Fluge von 40 Minuten Dauer von Dildo in der Trinidad Boy zur Betriebsstoffübernohme für den großen Atlantikslug. ZI. Mai Flug über den Nordatlantik. Start bei Tagesanbruch. Nach 15 Stunden wurde die 2200 Kilometer entfernte Stadt Horio auf den Azoren erreicht. Der Bordbericht über die Atlantiküber- quening lautet: „Horta, Greenwich Time. Nach 15 Stunden 5 Min. Flugzeit glatt gelandet. Durchweg südliche Gegenwinde mit Nebel und Regen- streifen, niit abwechselnder Gelegenheit zur astronomische,, Beobachtung stop. Das beim Start etwa 55 To. wiegende Schiff Machte fliegerisch auf den sehr böigen Neufundlandbänken keine Schwierig- keilen. Startzeit 1 Min. 5- Sek. stop. Die Motoren liefen bei ökono- mischen, Brennstossverbrauch ausgezeichnet, stop. Landung ersolgte bei Horta in freiem Atlantik und bei Stockdunkelheit ohne Hilf?- mittel und machte keine Schwierigkeiten. Es wurde sofort mit lieber- nähme von Brennstoff begonnen, um morgen nach Bigo weiter- zufliegen." 22. Mai. Horta— Bigo. Start 8.20 Uhr, Landung 19.48 Uhr. 23. Mai. Programmäßiger Start um 10.45 Uhr von Bigo nach Southampron bzw. dem Marineslughasen Ealshot, wo' die Landung um 19.37 Uhr erfolgte; unterwegs starken Gegenwind und schwere Regenböen. 24. Mai. Flug Ealshot— Berlin. Start 10.20 Uhr, Landung 18.36 Uhr.< Am 24. Mai startete Do X in Ealshot(England) zum endgültigen Fluge nach Berlin, wo es kurz nach 1-7 Uhr abends lan- dete. Die Flugstrecke betrug rund 8200 Kilometer. » Zur Zeit wird von der Führung des Flugbootes im Einver- nehmen mit den zuständigen Stellen des Reichsverkehrsministeriums beraten, wie man Do X den Schaulustigen am besten aus nächster Nähe zeigen kann. Wahrscheinlich wird der Luftriese in die Nähe des Restaurants„Müggelschläßchen" geschleppt werden, wo Lauf- stcge, die direkt zum Boot führen, angelegt werden fallen. Es ist jetzt, nach unseren Informationen, als sicher anzunehmen, daß Do X etwa 8 bis 10 Tage für die Besichtigung freigegeben wird. Wendung im Kalle„Gedewag" Hastbefehl gegen Bankier.Heinrich Borchardl. Das Verfahren gegen den Bankier Heinrich Bvrchardt.der befäiuldigt war, gemeinsam mit dem Generaldirektor der Vereinigten Srankenkassenversicherungs M-G. Dr. 3 u l i n s A p e Ib a u m dunkle Geschäfte gemacht und sich um hohe Summen bereichert zu haaben. hat gestern eine sensationelle Wendung genommen. Allgemein wurde erklärt, daß der Bankier von den Untersuchungs- behörden nicht länger sestgehatten werden dürste, da sich die Be- schutdigungen zum größten Teil als haltlos erwiesen hätten, heute mittag ist nun plöhtick) vom Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium gegen Bankier Borchardt Haftbefehl wegen Depot- Unterschlagung erlassen worden. 3m Lause des Bachmittags wurde B. nach Moabit übergeführt. Gelbstmord in der Heilanstalt. (Sanitätsrat Reich erschaffen aufgefunden 3n seinem Arbeitszimmer in der Heilanstalt Wittenau wurde gesten nachmittag der 63 3ahre alte Sanitätsrat Dr. Friedrich Reich erschossen ausgesunden. Sanitätsrat Dr. Reich war seit Jahren stellvertretender Leiter der Wittenauer Heilanstalt. In letzter Zeit machten sich bei dem Arzt, wahrscheinlich infolge Ueberarbeitung, nervöse Störungen bemerkbar. In einem Anfall von Schwermut scheint Reich zur Waffe gegrifsen zu haben. Als er gestern gegen 17 Uhr allein in seinem Arbeitszimmer weilte, schoß er sich eine Kugel in die Schläfe. Als Angestellte auf die Detonation desjschusses hinzueilten, fanden sie Sanitätsrat Reich mit blutender Stirnwunde auf. Hilfe konnte nicht mehr gebracht werden; ver Lebensmüde starb wenige Minuten später, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Sfc Am Rande einer Schonung unweit dös Bahnhofes Hei- l i g e n s e e wurde gestern abend der 21 Jahre alle Student Albrecht Freiherr von Wangenheim erschossen ausgefunden. Nach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor. Aus einer Repetierpiftole hatte sich der jugendliche Lebensmüde einen Herz- schuß beigebracht. Das Motiv zur Tat ist noch ungeklärt. „Europa"-Ilugzeug in Seenot. Sin aufgefangener S08-Ruf. Boston. 25. Mai. Die Radiostatlon auf Eastle 3sland fing heute einen von dem Poftflugzeug des deutschen Dampfers„Europa" ausgesandten SOS-Ruf auf. Das Postflugzeug, das in einer Entfernung von 700 Meilen von Rem Park auf der„Europa" nach Boston gestartet war, befindet fick) etwa 100 Meilen von der„Europa" und 600 Meilen von Boston entfernt. Der SOS-Ruf wurde um 17.10 Uhr aufgefangen. Es wird angenommen, daß sich das Flugzeug zu dieser Zeit etwa 400 Meilen östlich von Nantucket befand. Küstenwachschiffe sind zur 5)ilfe- leistung unterwegs. Kindesmord aus Schwermut. Sine Schwerkranke vor Gericht. 3n schwerverletztem Zustande wurde gestern die 21jährige Frau Eharlotte M. in den Saal des Schwurgerichts III getragen, wo sie sich unter der Anklage des Totschlags an ihrem acht Monate alten Söhnchen Hermann zu verantworten hatte. Die junge Angeklagte hatte am 24. November v. 3. aus Verzweiflung über den traurigen Verlauf ihrer Ehe ihr einziges kiind erwürgt und dann einen Selbstmordversuch unternommen. Charlotte M. hatte vor zwei Jahren den jüngeren Bruder ihrer Stiefmutter geheiratet und wohnte zuletzt mit ihrem Mann, der als Gärtner und Chauffeur arbeitete, in Berlin-Staaken. Sie er- zählte dem Schwurgericht, daß ihr Mann van dem Moment an, wo er wußte, daß er Vater wurde, nicht mehr für sie dagelvesen sei. Er sei die Nächte fortgeblieben und sei nach der Arbeit iknmer iir Lokale zum Billardspielen und Biertrinken gegangen. Da sie immer allein gewesen sei. habe sie beschlossen, ihr Leben zu beenden und das Kind mit in den Tod zu nehmen, damit es nicht, wie sie, eine Stiefmutter bekomme. Vors.: Hatten Sie sich denn schon vor der. Tat mit diesem Gedanken getragen?" A n g e k l.: Ich habe ein Jahr lang gegen diesen Gedanken gekämpft. Immer konnte ich ihn fort- schieben, aber dann ging es nicht mehr. Am 24. November habe ich mit dem Kindchen stundenlang gespielt. Wie ich es gemacht habe, weiß ich nicht. Vors.: Früher sagten Sie, Sie hätten den Jungen fest an ihre Brust gedrückt und dabei wahrscheinlich erstickt. Angekl.: Das stimmt, aber von den Einzelheiten habe ich keine Ahnung mehr. Vors.: Wann haben Sie denn gemerkt, daß das Kind wt war? Angekl.: Das muß in der Dämmerstunde gewesen sein. Ich zog dem toten �inde das Taufkleidchen an und legte es auf das Bett. Aus dem Garten holte ich Veilchen, Astern und Tausendschönchen, die ich zu einem Kranz und zu einem Strauß band und dem Kind brachte. Es waren die letzten Blumen aus dem Garten. Die Mutter schloß dann ihre Laube ab und irrte in der Stadt umher. Zuerst hatte sie die Absicht, sich zu erhängen oder ins Wasser zu gehen, dann warf sie sich von e i» er Eisen- bahn brücke i n W e st e n d auf den Bahnkörper. Da sie aber nicht, wie beabsichtigt, vor einen fahrenden Zug fiel, sondern auf ein Nebengleis, wurde sie tnit einem dreifachen Bein- b r u ch und mit einer Lendenwirbcloerletzung in das Krankenhaus gebracht, von wo sie heute in das �Iriminalgericht transportiert wurde. Bevor sie das Haus verlassen hatte, schrieb sie eine Reihe von Abschiedsbriefen. Auf einem Zettel gestand sie, daß sie das Kind erwürgt hatte. Ihren Eltern teilte sie mit, daß ihrem Mann keine Schuld träfe. Ihrem Mann schrieb sie, daß sie nicht mehr wisse, wozu sie noch leben solle. Ihre Tat geschehe nicht aus Haß, sondern aus Liebe, da sie ihm nur ein Stein am Beine sei. Dr. Leppmann als Sachverständiger bezeichnete die 21jährige Angeklagte als einen im Grunde heiteren Menschen, der aber starken seelischen Schwankungen unterworfen sei und seit dem Tode der Mutter zur Schwermut neige. Das fei auch bei der Beurteilung ihrer Tat zu berücksichtigen. Der S t a a t s a n w a l t- beantragte wegen Totschlags bei mildernden Umständen drei Jahre Gefängnis. Das Gericht ver- urteilte die Angeklagte wegen Totschlag zu einem Jahr G e- fängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist nach Ver- büßung von sechs Monaten.' Bahnhof Zannowitzbrucke in neuer Gestalt. Die Umbauarbeiten auf Bahnhof I a n n o w i tz b r ü st e gehen allmählich ihrem Ende entgegen. Die Bahnsteighalle ist bis auf den Anstrich und den Abbruch der alten Ueberdachung fertig- gestellt. Nach Beendigung des Anstrichs, der bereits in Angriff genommen wurde, kann die alte Ileberdachuno abgebrochen werden, da sie vorerst noch als Gerüst für die Malerarbeiten und als Schutzdecke für den Verkehr dienen soll. Die neue Fahr- k a r t e n a u s g a b e am Zugang von der Holzmarktstraße, mir Das Ende eines Berliner Anwalts. Räch fast einem Jahr tot aufgefunden.. Wien, 25. Mai. Seit dem 5. August 1931 wurde der Berliner Rechtsanwalt Rudolf P i n n e r, der sich damals in Bad G a ft e i n zur Kur aufhielt, vermißt. Kürzlich wurde nun von einem Jäger in der Rühe der Mitteralpenhülie im Radecktal bei Böckstein an einem bewaldeten Berghang zwischen Fetsbtöcken das Skelett eines etwa vierzigjährigen Mannes gesunden, dessen rechte Hand die bei Ab- gäbe eines Schusses charakteristische Fingerhaltung aufwies. Daneben lag eine P i st v l e. Am Schädel des Toten waren deutlich Ein- u i, d.A u s s ch u ß zu erkennen. Aus diesen UnHänden wird auf Selbstmord geschlossen. Sämtliche bei der Leiche in einem Rucksack vorgefundenen Gegenstände sind reiehedeutschen Ursprungs. Papiere wurden nicht gefunden. Man vermutet, daß es sich um die Ueberreste des vermißten Rechtsanwalts handelt. Der internationale Faschismus. Auf Einladung der Iugendliga für Menschenrechte spricht der bekannte ungarische Sozialist Bei» M e n z e r in den Räumen der Liga für Nienschenrechte, Berlin N. 24, Monbijouplatz 10.' Eingang 4, III, am Freitag, 27. Mai, 20 Uhr, über dos Thema:„Der internationale Faschismus". Für Gäste Un- fostenbeitrag 15 Pf. Suxh liötos£eistog! Mmie kfciaiueÄld-� mit(uxhitiUoEssaalea%lJ<£l>schau-�lld&CMx! Die Jugend der Republik. jan�bannerleufe in der Gewcrhsöiafissüiulc/ Geisiide und KörperllcSie§üiii!und Die von beR freien Gewerkschaften geschaffene B u n b c s- schule in Bernau gewährt in biescn Tagen ben Iugenbsührern bes Gaues Berlin-Lronbenburg im Reichsbanner Schwarz-Rot-Golb Gastfreunbfchaft. Zunge Republikaner, bic selbst unter ber Rot ber Zeit leiben, sinb hier zusammengekommen, um unter ber Anleitung hcrvorragenber sportlicher unb technischer Führer sich geistig und körperlich neues Rüstzeug für ben täglichen Kampf um bie Erhollung ber bemokratischen Freiheit zu erringen. Gestern hatten bie Reichsbannerleute großen Besuch. Die Bunbesschule hatte zu Ehren der erschienenen Vertreter bes �Reichs- banner-Bunbcsvorstanbcs, des Gauvorstanbes sowie ber Vertreter PlieheBde Romaniik. An ber alten Jannowißbrücke war in früheren Iahren ein bekanntes Soinmerlokal, für bie Berliner ein besonders lieber Aus- enthaltsort. Hier war man in nächster Röhe der Dampferanlege- stellen, und kühl und gemütlich saß man in Schatten und Laub. Die neue Zeit mit den großen Anforderungen, die vor allem der Verkehr stellt, hat die Gegend um die Iannowitzbrücke so verändert, »—■ M:'>.!"-t; Einst Gaststätte, jetzt Baumagazin. baß, wer vor 20 Jahren lebte, sie heute kaum wiedererkennen würde. Bahnhof und Brücke mußten neu erstellt werden, und neben vielem anderen fiel auch die alte Gaststätte der Neuordnung zum Opfer. Aber ein kleiner Ueberrest ist geblieben, und er mutet, wie unser Bild zeigt, geradezu romantisch an. Die Stiege, die Säulen, das Portal, die Fenster, das hängend« Laub, sie scheinen uns der Winkel einer altertümlichen deutschen Kleinstadt zu sein. Doch diese Ro° mantik ist nur eine Attrappe aus der Vorkriegszeit. Der Ueberrest des alten Hauses dient heute nüchtern und trocken als Bau- Magazin. Die Gegenwart geht über die Vergangenheit hinweg. der republikanischen Presse Berlins reichen Flaggenschmuck angelegt. Den Besuchern wurde ein guter Einblick in die tägliche vchulungs- arbeit gegeben. Der Kursus will vor allem durch technische und sportliche Uebungcn die körperliche Ertüchtigung der jungen Reichsbonnerleute erreichen. Daneben aber wird selbst- verständlich auch größter Wert auf die st a a t s p o l i t i s ch e Weiterbildung der Kursustcilnehmer gelegt. In bisher noch nicht dagewesener Weise hat sich der Erfolg eingestellt. Die Dar- bietungen zeigten, mit welcher Hingabe und Leidenschaftlichkeit die jungen Menschen an die Arbeit gegangen waren. Technische und Massenfreiübungen fanden ihren Abschluß durch die Bildung eines riesigen R auf dem grünen Rasen, das von den Leibern der Sportler gebildet wurde. Man darf wohl sagen, daß die Massenfreiübungen eine so straffe Exaktheit aufwiesen, wie man sie sonst nur bei ähn- lichen Veranstaltungen der preußischen Schutzpolizei bemerken kann. Daß aber auch die geistig« Schulung nicht umsonst gewesen ist, be- wessen schriftliche Arbeiten, die in aussatzmäßiger Form von Kursus- teilnehmsrn angefertigt worden waren. Das alles wurde erreicht durch intensive Arbeit der Teilnehmer und durch die Kamerad- schaftlich kcit, die Lehrende und Lernende verband. Bei der Be- sichtigung lobte als Vertreter des Bundesvorstandes Kamerad Machst die Reichsbanncrleutö, und der technische Leiter des Gaues Berlin-Brondenburg, Artur N-idhardt, sprach ollen Kursus- teilnehmern ebenso wie den Lehrkräften, die sich in selbstloser Weise zur Verfügung gestellt hatten, den Dank und die besondere Aner- kennung des Gauvorstandes aus. Für die jungen Rcichsbannerlcute wird der Kursus neben dein Erwerb neuer Kenntnisse ein starker Antrieb zu höchster Aktivität für die republikanische Idee werden. In dem Äugenblick, da die politische Freiheit in Deutschland aufs höchste gefährdet ist. stellt die Schulung der republikanischen Jugend eine starke politische Not- wendigkeit dar. Dos Reichsbanner erwirbt sich mit dieser Arbeit an der Jugend ein hohes Verdienst am republikanischen Staat. Der Kursus findet heute' sein Ende. Morgen werden die jungen Reichsbannerleute nach dem Besuch der Ausstellung„Sonne, Luft und Haus für Alle" am Funkturm hpr Toten des Weltkrieges durch«ine Kranzniederlegung im Ehrenmol Unter den Linden gedenken. Rätsel um den Namen„Krell". Alle Krells bei der Mordkommission! Die Mordkommission, die die Bluttat in Mariendors unter- suchte, hat sich jetzt, nachdem alle Spuren ergebnislos verliefen, zu einem besonderen Schritt veranlaßt gesehen. Bekanntlich wurde in der blauen Mütze, die einer der-Täter verloren hatte, ein Mittagsblatt gefunden, auf dem der Name „Krell" verzeichnet war. Im Laufe des gestrigen Tages hat die Mordkommission alte Krells, die in Berlin wohnen— es sind etwa 40 Personen— aujs Präsidium bestellt. Jedem wurde die Mütze gezeigt, von jedem wurden Handschriftenproben genommen und jedem das Aeitungspapier gezeigt. Keiner konnte die Mütze als sein Eigentum erkennen. Bekanntlich. nimmt die Mord- kommission an, daß die Mütze— die nach dem 23. Januar in einem Geschäft in der Steinmetzstraße 12 verkauft worden ist— dem ur- sprünglichen Besitzer abhanden gekommen ist. Der neue Besitzer legte dann den Streifen Papier ein. Die Handschristenproben, die von allen Krells genommen worden waren, find von den Beamten der Handschriften-Sammelstelle eingehend geprüft. Auch hier haben sich aber keine Anhaltspunkte ergeben. Irgendein Zusammenhang muß der Mann, der die Mütze verlor, mit dem Namen Krell haben. Es ist kaum anzunehmen, daß er völlig gedankenlos und ohne Absicht den Namen auf den Rand des Zeitungsblattes schrieb. Dieses Rätsel zu lösen ist die Mordkommission noch immer bemüht. �Die goldene Hochzeit begeht beute das Ehepaar Wolfs. Lichtenberg, Schillerstrax« U. Genosse Wolsf ist noch rege für die Partei tätig und seit Jahrzehnten„Vorwärts"-Abonncnt. Kren Jnnenbair man zur Zeit beschäftigt ist, wird am 1. Ilms eröffnet werden. Die Wände der Zugangstraße und des Vorraumes vor den Schaltern werden mit Kacheln verkleidet. In der neuen Vorhalle an der Iannowitzbrücke ist die Keillerdeck« fertiggestellt! jetzt wird mit dein inneren Ausbau der Vorhalle begonnen. Während dieser Arbeiten mußte seit Ansang April der Fußgängerverkehr umgeleitet werden. Die Fertigstellung der Vorhalle hängt wesentlich ab vom Fortgang der von der Stadt Berlin auszuführenden Bauten, insbesondere von der Straßen- regulierung vor den neuen Zu- und Abgängen und von der Be- seitigung der Notbrücke über die Spree. Oas„goiteslästerliche" plakai. Oer Vorsitzende der Freireligiösen Gemeinde verurteilt. Der Gotteslästerungsparagraph wird immer schärfer geHand- habt. Wir stehen mitten in einer Kampagne gegen die Freidenker. Das Verbot der Gottlosen bildete nur die erste Etappe. Auch die sozialdemotratischen Freidenker sind den kirchlichen Kreisen seit langem ein Dorn im Auge. So hatte sich gestern vor dem S ch ö f- s e n g e r i ch t B e r 1 i n- M i t t e der Vorsitzende der Freireligiösen Gemeinde Berlin, der Stadtjugendpfleger Blum, wegen„Gottes- lästerung" zu verantworten. In Wirklichkeit lag ihm nichts ferner, als die christliche Kirche zu beschimpfen. An dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde an der Pappelallee war seit vielen Iahren ein An- . schlag angebracht: die Niederlegung von Kreuzen und anderen Abzeichen religiösen Aberglaubens ist nicht gestattet. Dieser An- schlag stammte noch von Blums Vorgänger. Als er im Jahre 1926 sein Amt des Voesttzenden der Gemeinde übernahm, fand er«s bereits vor. Allerdings ließ er tß erneuern. Der Anschlag hing und niemand nahm daran Aergernis. Bis eines Tages«in Pfarrer aus„kulturhistorischem" Interesse den Friedhof der Freireligiösen Gemeinde besuchte und Anzeige erstattete. Die Staatsanwaltschaft lehnte die Erhebung einer Anklage ab. Sie stellte sich aus den ganz vernünftigen Standpun/t, daß es der Freireligiösen Gemeinde frei stehe, Bestimmungen zu erlassen, die sie für richtig befindet. Gegen diesen Beschluß der Staatsanwaltschaft wurde Beschwerde eingelegt und dieser Beschwerde wurde stattgegeben, mit der Begründung. daß die Form, in der die Freireligiöse Gemeinde ihre Bestim- nmng getroffen habe, eine Beschimpfung der christlichen Kirche darstelle. Vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte erklärte gestern Herr Blum, daß es ihni ferngelegen habe, die christliche Kirche zu beschimpfen: das Plakat sollte nur besagen, daß die Niederlegung van Kreuzen und. irgendwelchen Abzeichen reli- giösen Aberglaubens nicht gestattet sei: im übrigen habe er das Plakat Übernammen und ohne irgendwelche böse Absicht erneuert. Das Gericht glaubte aber durch ein Urteil von 100 Mark Geldstrafe die christliche Kirche vor dem gotteslästerlichen Plakat schützen zu müssen. Oer Gteinwurf auf Sie japanische Botschaft. Ein einziger von etwa ISO Demonstranten vor der japanischen Botschaft konnte, wie berichtet wurde, festgestellt werden. Er hatte sich gestern vor dem Schöffengericht wegen Land- friedensbruches zu verantworten. Der Motorradschlosser N., seit längerer Zeit arbeitslos, erklärte, mit der Kommunistischen Par- tei wohl zu sympathisieren, aber nicht an der Demonstration teil- genommen zu haben. Er war auf dem Rückweg von Wertheim, wo er sich um Arbeit beworben habe, in der Tiergartenstrahe in die Menschenmenge hineingeraten und habe sich gerade nach einem Flug- blatt gebückt, als der Schupobeamte auf ihn zugekommen sei. Da die anderen fortliefen, sei er auch mitgelaufen. Der Schupo- Wachtmeister, der von der Ecke der Margarethenstraße die Menschen- menge beobachtete, will aber unter dieser auch den Zlnzeklagten bemerkt haben. Als der Zeuge herankam, um einige Demonstranten zu verhaften, sei der Angeklagte auf ihn zugegangen mit einer Be- wegung, als wolle er sehne» Genossen vor der Feststellung retten. Der Zeuge wollte nun den Angeklagten festnehmen, der lief ober da- von und tonnte erst ein Stück weiter festgenommen werden. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten neun Monate Ge- fängnis. Das Gericht verurteilte de« Angeklagten wegen Landfriedens- bruchs zu fünf Monaten Gefängnis. OskAv jp? Ans. ' ä' „Zwanzig Gulden!" stöhnt der Bürgermeister.„Um alles in der Welt, was willst du denn mit diesem Vermögen an- fangen?" „Ich inache damit Zusammenrottungen einfach un- möglich!" Herr Johann wirft, als er diese Antwort hört, alle Aus- gadenängste entschlossen ab, klopft sich auf die feisten, kurzen Schenkel, als ob er eben einen saftigen Wetz gehört hätte, und lacht und lacht:„Hahaha, du machst für zwanzig Gulden Zusammenrottungen einfach unmöglich! Wirklich, Vogt, du tannst� dich bei der nächsten Messe auf der Marktstätte für Geld sehen lassen! Höre, gegen wildwerdendc Zeitgenossen ist noch kein Kraut gewachsen!" „Doch!" behauptet der Vogt und schlägt dem immer er- staunter dreinblickenden und immer lebhafter seinen Bart zupfenden Bürgermeister vor, den Zugang zu den Hauptfach- lichsten Straßenzügen durch starke eiserne Ketten abzusperren. „Denn", argumentiert er,„die böhmischen Herren allein sind ungefährlich. Sie sind ja nur eine Handvoll. Die können unsere Wappner mit bloßem Handschuh in Schach halten. Gefährlich ist nur der Böhmen Mitlauf und Nachtrab, diese Meute unbestimmter Herkunft, dieses zweifelhaste Volk, dos allen Ends in den Vorstädten liegt und das die Gassen noch unsicherer macht, als Sigmunds Ungern Petershausen. Mit den Kotten sperren wir'den Zuzug dieses unbequemen Volks in die innere Stadt. Durch kommt nur, wer unseren Ordnern genehm ist. Was nicht pariert, kriegt sofort eins mit dem .Hellebardenstiel in die aufbegehrende Schnauze! Paß auf, sobald der Bösel Ernst sieht, bleibt er von ganz allein jenseits der Pette; denn es ist bestimmt keinem angenehm, das Lied vom eingeschlagenen Vorderzahn zu singen. Diesen gedun- genen Üännmachcrn schon gar nicht. Ich bin zwar kein Prophet, aber so viel kann ich voraussagen: Es müßte mit dem kalten Totschlag zugehen, wenn den böhmischen Herren, sobald sie sich ohne Anhang sehen, nicht alle Lust entfiele, Are Ketzevgans mit Gewast aus dem Feuer zu holen!" Herr Johann von Schwarzach leckt die Lippen. Sie triefen wie von Bratenfett. Das ist das sicherste Zeichen dafür, daß ihm etwas einleuchtet. „Aber", fragt er, einen letzten Zweifel ausstoßend,„wo olles willst du deine eisernen Lausrechen anbringen? Und wer soll sie schilden?" Der Vogt hat sein System schon fix und fertig. Er braucht nicht mehr lange zu überlegen: „Höre, Bürgermeister: Eine Kette beim Schäff, die sollen Hans Schumacher und. Hans Müller bewahren. Eine Kette bei Welti Oglis Hau?, die untersteht Cunz zur Rüschen und der Specklinen Mann. Eine Ketle beim Haus des Dompropstes, und zu dieser Kette beordert den Burgli Mayer und den Achtsinit." „Der Pockennarbige säuft!" „Ich leist' die Gewähr, Bürgermeister, der Achtsinit steht morgen strohnüchtern an seinem Posten oder ich laß ihn in den Klotz spannen!" „Weiter!" „Eine Kette bei dem Rad und dazu den Tanbach und den Hans Wuchrer!" „Deiu Tanbach hat nur eine Hand!" „Ichtzweiß, die andre liegt bei Näfcls begraben. Aber mit der, oie ihm geblieben ist, hakt er für vier ein, wenn Not am Mann ist!" ..Gut!'" „Eine weitere Kette bei Ulis aiy Feldhaus, und als dieser Feldhausketten Wächter den Peter Babenberger und den Lienhard Nadler. Eine Kette bei der Metzger Trinkstuben, und dazu den Alt Minner und den Stefan Keller." „Ja, diesen beiden Fetffterzen schaden ein poar� Stunden Kettendienst gar nichts!"' „Die letzte Kette on der Neuen Gasse beim Roten Ochsen. Und zu dieser Kette Meister Burkard Schmied und den Peter Griesinger." ..Alles?" „Ja, alles. Das heißt/ nicht olles. Alles erst, wenn die Ketten fertig sind und an Ort und Stelle!" „Gut. schwätz mit den Schmieden!" „Es ist nicht mit den Schmieden allein getan. Ich muß auch zu den Obleuten der Steinmetzen und zu denen der Kannengießer." Herr Johann hebt erstaunt die Brauen:„Wozu die Steinmetze? Wozu die Aannengießer?" „Glaubst du etwa, die Schmiede schlügen mir die Fug- löcher für die Kettenhaken in die Ecksteine?" .„Nein, das glaube ich nicht, das ginge gegen ihre zünftische Ordnung. Aber wozu brauchst du die Kannen- gießen?" „Die sollen die Fuglöcher, sobald die Haltehaken einge- trieben sind, ordentlich verbleien." „Halt, wenn es sich um Blei handelt, sind sicher die Scheibenfasser zuständig!" „Warum nicht gar die Glockengießer?" Der Bürgermeister überhört den Spott. Er kennt die Empfindlichkeit der Zünfte und redet darum auf den Vogt ein:„Das beste ist, du verlässigst dich vorher! Du weißt ja, wie leicht Stunk auskommt sobald sich der oder jener hintan gesetzt oder übergangen fühlt! Die Zünfte sind sowieso grätig wie Weiber, die ihre Sach' haben!" „Gut, um jeden Zwischenfall zu vermeiden, werde ich persönlich mit dem Zunftmeister der Gießer und seinen Sechs verhandeln. Mögen die dann unter sich ausknobeln, wer den Füllguß vorzunehmen hat. So bin ich für alles Nach- kommende der Verantwortung ledig." „Verhandle! Und vergiß nicht/ zu unterstreichen, beson- ders bei den Schmieden, daß es Arbeit von der Stadt ist und Arbeit für die Stadt. Für das Gemeinwohl also. Sie sollen d'aher in ihren Preisen menschlich bleiben!" „Bürgermeister, du weißt doch, sie haben ihren ehernen Satz. Da nützt Markten und Fellschen nichts. Diesen zähen ledernen Schürzen zwacken selbst zehn Juden keinen rostigen Nagelrand ab. Im Gegenteil! Wir werden noch drauflegen müssen: denn es ist Arbeit außer der Reihe, sie müssen dafür andere liegen lassen. Außerdem isffs Arbeit bis tief in die Nacht. Da rechnen sie uns auch noch den Tannenwald on, aus dem der Kienspan ist, den sie brennen!" „Mach, was du willst, Vogt, du hast freie Hand! Aber wundere dich nicht, wenn du mich bei deinem nächsten Besuch hier am Tisch verendet findest, eines schmählichen Todes ver- storben, aufgefressen von den vermaledeiten Kosten wie eine Leiche von den Natten!" Herr Johann hätte gern in diesem von ihm so geliebten Klageton weitergesungen. Aber plötzlich wird er bleich wie der Tod und weicht vor einem tuchenen Etwas zurück, das, lautlos wie eine Fledermaus, aber unendlich viel langsamer, durchs Fenster kam, Und das nun auf ihn zuschwebt. (Fortsetzung folgt.) ff Der Junge ist vergiftet! Die Sterbenadit im Hause der Lehrerfamilie Ziehm. Guben, 25- Mai. Zu Beginn der Verhandlung schildert die Angeklagte Ziehm �die Ereignisse in der Sterbe na cht. Sie betrat zusammen mit ihrem Mann und ihrer Mutter das Schlafzimmer des Jungen, der noch wach war und etwas zu trinken verlangte� Es wurde ihm aber nichts gereicht. Die Eheleute Ziehm gingen dann in ihr Schlafzimmer. Nach etwa einer Viertelstunde rief Frau Ziehm: Mutter, mach doch das Licht aus! Er erfolgte keine Ant- wort und ihr Mann stand auf, löschte das Licht und schloh die'Tür. Nun verwickelte sich Frau Ziehm in Widersprüche. Ein- mal sagte sie, ihre Mutter habe plöglich laut gerufen: Otto, Else, kommt doch mal ruber, mit dem Kinde ist etwas los. Dann aber sagte sie, sie habe nur einen Schrei gehört, und schließlich sagte sie, sie wisse nicht genau, ob die Mutter überhaupt gerufen habe. Ms die Eheleute ins Kinderzimmer kamen, war dort Licht und Frau Ladewig war nicht im Zimmer. Die Betten waren abge- zogen und lagen eingeweicht in der Badewanne. 5ierr Ziehm rief sofort: Der Junge ist vergistet! Frau Ladewig lief zu Hausbewohnern hinauf und schickte nach einem Arzt, der auch bald darauf kam. Er stellte den Tod des Kindes fest. Zeugen sagten bei der kommissarischen Vernehmung aus, daß Frau Ziehm und ihre Mutter kurz nach der Entdeckung der Tat im Wohnzimmer zufammensaßcn und tuschelten. Ein Chausseur, der zufällig aus dem Flur stand, will sogar gehört haben, daß Frau Ziehm beim Verlassen des Sterbezimmers gesagt hat: Gott sei Donk, daß das Kind tot ist! 5ierr Ziehm soll nach Aus- sagen einer Frau ganz ruhig gewesen sein: Nach Bekundung ande- rer Zeugen soll er laut gerufen haben: In so kurzer Zeit zwei Kinder auf diese Weise zu verlieren! Vors.: Wie kam denn das schmutzige Nachthemd, ein Hand- tuch, der Topf, in welchem Sie das Echlorkali auflösten, und ein Teller mit Speiseresten in die Müllgrube, wo diese Gegenstände später gefunden wurden? Frau Ziehm: Ich weiß ez nicht. Vors.: Ihre Mutter bestreitet das auch und Ihr Mann ist es bestimmt nicht gewesen. Wer soll es denn gewesen sein?— Der Arzt weigerte sich am nächsten Tage, den Totenschein auszustellen, da ihm Zweifel aufgestiegen waren, daß der Junge eines natür- lichen Todes gestorben sei. Als Frau Ziehm von der Kriminal- Polizei eine Vorladung zur Beiwohnung der Obduktion der Leiche erhielt, sagte sie zu ihrem Mann: Siehst du, warum hast du so laut geschrien! Das Kind ist vergiftet. Nun haben wir noch Scherereien. Als dann die Leiche abgeholt wurde, sagte Frau Ziehm nach Bekundung ihrer Mutter: Nun werden sie das Häns- chen aufschneiden. Wenn sie nichts finden, dann können sie mir nichts. Vors.: Wußte Ihr Mann überhaupt, daß Sie Chlorkali im Hause hatten? Frau Ziehm(bestinzmt): Ja! Vors.: Ihr Mann bestreitet das. Frau Ziehm: Dann muß ich auf die Unglaubwürdigkcit meines Mannes hinweisen. Auch im Ab- treibungsprozeß hat xr unhaltbare Angaben gemocht. Vors.: Es wird ja darauf ankonimen, wem das Gericht mehr glaubt. Frau Ziehm machte ilp:eln Man» den Vorschlag, die Leiche des Kindes einäschern zu lassen. Sie sprach auch mit ihrer Mutter darüber, sie wolle nach Guben fahren, sich dort den besten Rechts- onwalt nehmen und dieser solle ein Schreiben an die Staats- anwaltfchaft richten, ob und inwiefern sie(Arau Ziehm) der Fahrlässigkeit schuldig gemacht werden könne, da sie doch das gefährliche Gift offen im Kiichenschrank habe liegen lassen. Zu diesem Zweck l)abe ihr ihre Mutter 4!) M. gegeben. Frau Ziehm flthr auch nach Guben und erhielt dort von einem Rechtsanwalt den Rat, erst einmal abzuwarten. Dann ging sie in dos Gubener Stadthaus und erkundigte sich im Friedhossbüro nach dem Tennin der nächsten Einäscherung, sie hatte ez sehr eilig. Ihre Ruhe, mit der sie das sagte, und ihre Hast kamen dein Beamten schon damals verdächtig vor. Nach der Mittagspalese stand im Mittelpunkt der weiteren Verhandlungen die Vernehmung der Frau Ladewig. Frau Ladcwig schildert die Fahrt nach Frankfurt am 16. November, an welchem Tage das Chlorkali gekauft wurde, in ähnlicher Weise, wie es die Tochter tat, behauptet aber, von dein Bor- handensein des Chlorkoli nie etwas gemußt zu haben. Sie kenne es. nicht und wisse auch- nicht, wozu es benutzt� werde. Sodann schildert sie die'Vorgänge bis zur nächtlichen Rückkehr in die Ziehnische Wohnung ähnlich wie ihre Tochter. Differenzen entstehen erst, als die eigentliche Todesstunde geschildert wird. Heute erklärt Frau Lad'ewia, im Gegensatz zu ihren früheren Aussagen vor dem Kriminalkommissar, daß sie dein Kinde auf seinen Wunsch kein Wasser zum Trinken gegeben habe, während sie in früheren Aus- sagen einmal von Wasser, das andere Mal van Kaffee gesprochen hat. Das Kind habe, während sie sich auskleidete, gerufen:„Ich habe großen Durst." Sie sei aufgestanden und habe Licht gemacht: plötzlich habe sich das Kind übergeben. Da fürchtete, dem Kinde dach etwas zum Trinken gegeben zu haben, hat sie schnell die Bezüge von den Betten gezogen und sie in die Badewanne geworfen. Sie sah noch, wie das Kind sich plötzlich aufbäumte. Da hat sie«inen Schreck bekommen und laut um Hilfe geschrien. Es kommt fegt zu erregten Auseinandersetzungen zwischen dem Borsitzenden und der Frau Ladewig, als der Richter sie auf ihre Widersprüche in ihren Aussagen aufmerksam macht.(Hier sei eingeschaltet, daß der Berliner Krimmalkoinmissar Trettin aus feinen sich ülber vier Monate erstreckenden Unter- suchungen die absolute Ueberzeugung gewonnen hat, daß nur Frau Ladewig als Täter in Frage kommt. Er hält Frau Ziehm nur für die Mitwisserin und A n st i s t e r i n, wobei allerdings offen bleibt, ob Frau Ziehm nicht schuld an dem in Kunzendorf erfolgten Tod des ersten Kindes ist.) Erziehungsurteile? TiachdenNicheS zu einem Moabiter Prozeß. Ein Moabiter Urteil, das in krassestem Widerspruch zu den Grundsätzen der Crziehungsstrafrechtspslege und damit auch zu den Verfügungen des preußischen Justizministers steht, verdient nähere Betrachtung. Im November des vorigen Jahres begingen drei junge Burschen einen dreisten Rmibübersall auf«ine Wohnung in der Franz- Körner-Straße in Britz. Zwei der Burschen im Alter van etwa 13 Jahren, D. und H., waren erst vor kurzem dem Jugendgefängnis Kottbus entsprungen. Einer von diesen beiden, H., hatte hier eine Strafe von VA Iahren zu verbüßen wegen eines Raubüberfalles auf die eigene Großmutter. In einem halben Jahre sollte er das Gefängnis verlassen, seine Führung war gut, er befand sich in der dritten Stufe, nichts wies auf die Möglichkeit eines Ausbruches aus dem Gefängnis hin. Schlimm genug, daß er das Vertrauen, das man in ihn gefetzt, nicht gerechtfertigt hatte, noch schlimmer, daß er. kaum in die Freiheit zurückgekehrt, einen neuen Raubüberfall beging: daß er nur auf unrechtmäßigem Wege sein Fortkommen finden konnte, ist ja ohne weiteres klar. Der Staatsanwalt be- antragte in der ersten Berhandlung eine hohe Zuchthaus- st r a f e, das Gericht verurteille H. zu 2 Jahren 9 Monaten Zucht- haus, obgleich der Verteidiger sich die größte Mühe gab, dem Schöffengericht Schöneberg klcerzumachen, daß der junge Mensch in das Iugendgefängnis zurückgebracht werden müsse, da er sowohl noch erziehungs b e dür s t i g, als auch Er- ziehupgsmaßnahmen zugänglich fei. Hätte die Strafe auf Gefängnis gelautet, der Angeklagte hätte höchstwahrscheinlich keine Berufung eingelegt. Zuchthaus und Ehrverlust schienen dein Verteidiger jedoch der Sachloge nicht angemessen. Die Berufungs- kammer befaßte sich eingehend mit der Persönlichkeit des H. Der Pfarrer der Kottbuser Anstalt hotte in einem aus- fuhrlichen Brief sein« Ansicht dahin niedergelegt daß in dem jungen Menschen doch noch ein guter Kern stecke und er sich erzieherischen Emflüssen nicht verschließen würde. Ein junger Gesängnispraktikant, der an Stelle des Ptarrers geladen war, äußerte sich in gleichem Sinne. Das Gericht setzte zwar die Strafe auf 1 Jahr 9 Monate herab, beließ es aber beim Zuchthaus: die Tat wurde nicht als Raub, sondern als versuchter schwerer Diebstahl qualifiziert. Mildernd« Umstände wurden H. versagt. Die Ausführungen des Verteidigers seien zwar außerordentlich beachtenswert, hieß es in der Urteilsbegründung, das Gericht habe aber in diesem Falle nicht nur der Persönlichkeit des Täters, sondern auch dem Opfer gerecht werden müssen. Es fragt sich, was soll hie� die Zuchthausstrafe in Höhe von 1 Jahr 9 Monaten, Soll sie den H. bessern? Wäre nicht eine höhere Gefängnisstrafe«her am Platze gewesen, damit der Gestrauchelte im Iugendgefängnis weiteren erzieherischen Einwirkungen hätte unterworfen werden können? Justizrot Dr. Frankel will nun das Justizministerium ersuchen, auf dem Gnadenwege die Zuchthausstrafe in eine Gefängnisstrafe umzu- wandeln. Was wird aus dem Gklarek-prozeß? Aürgermeister Kohl noch nicht verhondlungsfähig. Obwohl sich dos Befinden des Angeklagten Kohl einiger- maßen gebessert hat, machen sich doch noch immer die Nach- Wirkungen des eingenommenen Tistes in gewissen Lähmung?» erschein un gen der Darm- und Nierentätigkeit bemerkbar. Es ist kaum anzunehmen, daß Bürgermeister Kohl vor Ansang der nächsten Wvche aus. dem Krankenhaus entlassen werden kann. Die Dermutung, daß die bisherige„tropfenweise" Verhandlung des, Sklarel-Prozesses. der am Freitag wieder fortgesetzt wird, auf das Bestreben zurückzuführen ist, das abgetrennte Ver- fahren Kohls wieder anzugliedern, wird immer wahr- scheinlicher. Man spricht sogar davon, daß dos Gericht Fühlung »nit dem Justizmjnisterimn genommen halbe, um sich über die Möglichkeit einer solchen Maßnahme und ih» rechtlichen Folgen zu vergewissern, was ein Novuin darstellen würde und bisher in Judikatur und Literatur ohne Präzedenzfall ist. Die amtlichen Stellen hüllen sich allerdings immer noch in Stillschweige» darüber, was die„prozeßtechnisäien" Gründe sind, die die augenblickliche Situation des Sklarek-Prozelfes herbeigeführt hoben. Verdiente Strafe. Ein gemeiner Erpresser verurteilt. Nach einem jahrelangen Liebesverhältnis mit einer verheira- teten Frau L. drohte der Monteur Erich T r e t t i n, daß er alles chrem Ehemann erzählen werde, wenn sie ihm nicht genügend Geld- mittel verschaffe. Nachdem ihr Geld aufgebraucht war, gestand Frau L. schließlich ihre Angst ihrem Mann ein. Trettin verfolgte nun das Ehepaar in der übelsten Weise. Er schrieb offene b e l e i- digende Po st karten und verbreitete in der Nachbarschaft des Ehepaares falsche Gerüchte, bis L. schließlich Strafanzeige gegen den Erpresser erstattete. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht Schöneberg stellte sich heraus, daß Trettin bereits zweimal wegen Erpressung verurteilt worden war, und zwar einmal, weil er in der Zeit seiner Beziehungen zu Frau L. von seiner anderen Freundin mit denselben Methoden Geld zu er- halten versuchte. Trettin wurde daher wegen fortgesetzter vollendeter und versuchter Erpressung zu der Strafe von lIahrGefängnis und 3 Jahren Ehroerlust oerurteilt und sofort im Gerichtssaal ver- hastet.' � Brunnenkuren im„Sllsengrund". Da hat nun nicht gerade ein Rutengänger mit seinem Wünsch«!- stab Heilquellen hcrvcrgczaiuberr, sondern ein 85jähriger Villen- besitz« hat— vielleicht mehr der Not gehorchend als dein eigenen Tvieb_ fein Grundstück als sommerliches Erholungs- und Ruhe- Plätzchen mit Liegestühlen, als Brunnenkur- und Kaffeestation«in- gerichtet. Der neu eröffnete Kurgarten„Zllfengrund" in Zchlen- dort, Hermann- Ecke Goelhe-Alfenstraßc, ist ein schön gelegenes Fleckchen Natur, ein alter Garten mit schönem Baumbestand, reichem Blumen- und Pflanzenschmuck. Terrassenförmig sind Tische und Stühle ausgestellt, wo man seinen Brunnen oder seinen Kaffee in aller Ruhe und Gemütlichkeit, bei zeitgemäßen Preisen trinken kann. Der Garten ist ringsu-nr eingefriedet von dichten Hecken und allen Bäumen und ganz abgeschlossen vom Lärm und Staub der Straße. Auch von Musik bleibt man endlich einmal verschont: dos Gairze ist gar nicht ans„Betrieb", sondern ausschließlich aus„Erholung" eingestellt Große Zollbeirügereien in Paris. Fiskus um viele Millionen geschädigt. Die Pariser Polizei ist einer großen Betrugsassäre aust die Spur gekommen. Ein Pariser Zollbeamter hat innerhalb von fünf Iahren den Fiskus um viele Millionen Franken dadurch betrogen, daß er durch bestimmte Machenschaften aus Amerika eingeführte Autos von dem für diese vorgesehenen bc- sonderen Autozoll befreit hat. Die Angelegenheit, in die französische und ausländische Bertreter großer amerikanischer Auto- marken verwickelt sind, wird energisch verfolgt. 'IS Jahre �eichsbund der Kriegsbeschädigten. Aus Anlaß des löjährigen Bestehens des Reichs- bundes der Kriegsbeschädigten hatte die Ortsgruppe Berlin des Bundes eine Kundgebung in Kliems Festsälen veran-, staltet. Der große Saal war überfüllt, weit mehr als 1200 Kriegsopfer. Männer, und Frauen, lauschten den Darbietungen. Als Redner sprachen'Kamerad Pfändtner vom Bundesvorstand und Kamerad K u tt n e r, einer der Begründer des Reichsbundes. De» Anwesenden wurde vor Augen gefllhct, wie aus kleinsten Ansängen der Reichsbund trotz des heftigen Widerstandes der da- maligen Militärdiktatur sich zu einer großen Organisation entwickelt hat, die heute über 400 000 Mitglieder im ganzen Reiche zählt. Was schon zurzeit der Gründung vorausgesagt wurde, so führte P f ä n d t> n e r aus, daß die Dankstimmung gegen die Kriegsopfer sehr rasch verfliegen würde, wenn es ans Zahlen ginge, das erleben jetzt die Kriegsopfer am eigenen Leibe. Bon Dank ist nicht mehr die Rede, sondern nur noch davon, wie an den Krleger- und Kriegshinter- bliebenenrenten möglichst gespart werden kann. Auch dies gehört zum Kapitel der unsinnigen Zerstörung der Konsumkraft. Keinerlei Heil aber haben die Kriegsbeschädigten von der lärmeichen national- sozialistischen Bewegung zu erwarten, die nur zu neuen Kriegen und damit zur Vergrößerung der Zahl der Kriegsopfer hinführt. Mit vollem Bewußtsein haben die Kriegsbeschädigten in der„Ciamak", der internationalen Organisation der Kriegsopfer, sich in den Dienst der allgemeinen Abrüstungs-- und Weltfriedens- idöe gestellt.— Kuttner führte aus: Aus der Gründung?- zeit des Bundes, in der wir verfolgt und mit Verboten schikaniert wurden, haben wir Kriegsopfer«ins gelernt: Unter einer Dik- t a t u r dürfen auch die gerechtesten Forderungen nicht zur Geltung gebracht werden. Wir haben ober auch gelernt, daß Begeisterung und Tatwille aller Unterdrückungsmaßnahmen spotten und werden das auch den heutige» Dlktaturschwärmern beweisen. Einer irregeführten Jugend, die einem wohlfeilen Maul- und Faust- Heldentum zujubelt, stellen wir den stummen Heroismus der Kriegs- teilnehmer und der dahcimgcbliebenen Frauen entgegen. Wir rufen dieser Jugend zu: Laßt euch von uns Aeltcren, die wir den Krieg in seiner grausamen Wirtlichkeit erlebt haben, warnen, ehe«s für euch zu spät ist!— Beide Redner ernteten den begeisterten Beifall der Bersammlung, die mit einem Hoch aus den Reichsbund ihren Ausklang fand. Allgemeine Wetterlage. gemessen. Die Temperaturen lagen größtenteils noch merklich iiicdriger als am Vortage: in Westdeutschland, wo es am kühlsten war, stieg das Thermometer mir bis etwo 11 Grad Celsius. Allein in Ostpreußen stiegen die Temperaturen stellenweise über 20 Grad Celsius. Der über Ostdeutschland befindliche Tiefdruckkern verflacht sich jetzt allmählich, wobei er sich etwas nach Norden verlagert. Gleichzeitig bewegt sich ein zweiter Tiesdruckkern vom Mittelmeer her nach Mitteleuropa Unser Bezirk dürfte daher zunächst in ein Gebiet zwischen zwei Tiefdruckkernen zu liegen komme», so daß am Don- nerstag die Niedsrschlagsneigung geringer als bisber sein dürfte. Später wird sich jedoch voraussichtlich bei uns das südlich« Tief he- merkbar machen. ü- Vetterouvsichton für Berlin: Weiterhin kühl, meist bewölkt, noch einzelne leichte Regensälle.— Für Deutschland: Ueberall kühl, im Nordosten und Süden stellenweise stärkere Niederschläge, im übrigen Deutscyland Neigung zu Schauern. Uf Die Zeil Verhältnisse verlangen billige Artikel. Mouson IOj wimo Shampoo mmo Rasiercreme bringt sie in den hochwertigen Igemo-Erzeugnissen. Ver- 25-, tscuo Ihtieii'eseife tötMO Rasiercreme mm■:'�i langen Sie bei Ihrem Händler Igemo- Artikel und achten 25� /eiw fi'SSIitcrense S&f assmo Rastersetie �£Ji Sie auf die blau-rote Packung. Igemo bedeutet wahrhafte S�r leiMpfiCSief creme mmo vssersetfe Qualität un4 Biliigkeit* mmo Zahnpaste Jr*. mmo Mundwasser Balkoneinsturz in Tifiis. 30 Echulkindcr abgestürzt, 4 getötet. In einer städtischen Schule in Tislis stürzte ein Balkon in dem Augenblick zusammen, als sich auf istm 30 Schulkinder befanden. Die Kinder wurden aus einer Höhe von acht Metern mit in die Tiefe gerissen. Nach den bisherigen Meldungen sind ,vicr Kinder getötet und sieben verletzt. „Faust" im Schloß Monbijou. Die Eingangsszenen des Faust werden am Freitag, dem 2 7. Mai, abends 8 Uhr, zur Erinnerung an die lirauffühning des„Faust" im Mai 1829 im Schloß Monbijou mit der Musik des Fürsten Anton Radziwill aufgeführt. Ludwig W ü l l n e r spricht die Rolle des Faust, Sigfrit Steiner den Wagner und Karl Salomon den Erdgeist. Die musikalische Leitung hat Prof. Georg Schumann übernommen. parieinachrichten fürGroß-Berlm stet» an da» Bezlrkseerctarla» 2. Hos, 2 Treppen recht», zu richfcu ktnscndungcn für diese Rubrik sind V e r t t u SW 68. Liadenstratze 3, Beginn aller Veranstaltungen t tll- Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! t. greis. Heute, 20 Ulli, in der Sophienschule Beinineisterstraße. Kursus Brrustrin. Gaste willkommen. 4. Kreis. Freie Schulgcmcinde. Heute Mitgliederversammlung Danziger Etr. 2Z. ..Unsere Aufgaben in der Arbeiterbewegung". Reterent: Feig Cebmibt. 6. Kreis. Freitag, den 27. Mai. 20 Ubr. in Ewctt Festsäle», Gr. Frauifurtcr Str. M. Krcisfunltianäre und Elternbeiräte aller im Bezirl Friedrichsbain liegenden Schule». Die Ableilungsleiter oder die Elternbeiratsobmänner der Abteilungen sorgen dafür, dag jede Schule vertreten ist. auch wenn noch feine Elternbeiräte bisher amtierten. Tagrsordining: Besprechung der Eltcrnbciratsn»hlcn und Materialausgabe. Parteiniitgliedsbuch'mit- bringen.— Führung durch das Pergamon-Museum, für Erwerbslose nur mit Tcilnchmerlarien Freitag, den 27. Mai. Treispunkt Etrausbcrger Plag vormittags li.4ä Ubr. Um 1514 Uhr ist olles im Heim zum Vortrag des Genossen Schwarz über:„Das Dinta, Institut". 6. Kreis. Wir besuchen Sonntag, den 2«. Mai, Ottilie Baaders Ruhestätte. Ansprachen Genossin Böhm Schuch. Trctspunkt ll'n. Uhr vor' dem Städte. schcn Friedhof Reukäst». Gottlieb-Dunkel-Sträge. Endstelle der Linie lä. 44. Krci« Neukölln. Fu der Eltcrnvcrsammluiig in der Karl-Marx-Schulc am Freitag, den 27. Mai, abends 8 Uhr, werden alle Genossinnen ui'd Genossen, deren Kinder diese Schule besuchen, aufgefordert, vollzählig zu erscheinen. 8. Abt. Freitag, den 27. Mai. 20 Uhr. Zusammenkunft der siingeren Partei. Mitglieder im Heim G-nthiner Str. 17.„Arbeitsdienst— Wehrsport". Ref.: Bruno Neumann. Achtung! Ahtellungslelterl Die listen für die Einreichung der Wahlvorschläge für die Elternbeiratswahl müssen die Abteilungsleiter von ihrem zuständigen Kreisleiter abholen. Ferner bitten wir die bei der PreuSenwahl verausgabten Stofftransparente(Otto Braun) umgehend an das Bezirkssekretariat abzuliefern, weil dieselben dringend benötigt werden. 52. Abt. Sonnabend, den 28. Mai. 20 Uhr, Zusammenkunft der Elternbeiräte oer 5., 6. und 35. Gcmeindeschule bei Wolter. Kaiserin-Augusta-Allee 52. Genossen der Kinder, die die genannten Sckiulen besuchen und sich für die Angelegenheit interessieren, sind hierzu freundlichst eingeladen. 78. Abt. Ächtung! Die Vorstandssitzung ist vorverlegt auf den 27. Mai, 20 Uhr, bei Schmidt, Ebersstr. 18. Wichtige Tagesordnung. 85. Abt. Freitag, den 27. Mai. 20 Uhr. erweiterte Borstandssitzung bei Pommerening, Berliner Str. Z00. Die Elternbeiräte und die parteigcnöfsi» scheu Lehrer werden gebeten, bestimmt zu erscheinen. 101. Abt. Achtung! Die für den 27. Mai geplante Mitgliederversammlung wird auf Freitag, den 3. Juni, verschoben. Referent: Erich Kuttner M. d. L., Lokal: George< früheres Rennbahnlokal). 117. Abt. Unferm Genossen Paul Wolfr, Schillerstr. l-i, zu seinem Iljährigen Parteijubiläunk. der seit gleicher Zeit treuer Borwärtsleser ist. und zur Goldenen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche aller Parteimitglieder. 143. Abt. Wegen der Elternversaminlung am Freitag, findet die Vorstands. sitzung erst am Dienstag, den 31. Mai, statt. Arbeitsgemeinschaft der Sindcrsreundc Grosz-Berlin. Heute. Donnerstag, 20 Uhr, letzter Seminar-Abend. Thema: |„Soziales Leben im Nestfalkenlager". Morgen. Freitag, Borstandssitzung(Kreisleiter), 19V- Uhr Jugendheim. Lindenstratze i. Helfer und Sozialistische Erziehung sind ab. � zubolen. Die Geschäftsstelle wird pünktlich 19 Uhr geschlossen. ß Am Sonntag, den 29. Mai, lOVj Uhr, findet in der mk Volksbühne ein Konzert der Kinderchöre der weltlichen Schulen (53.[54.) und des Berliner Volkschores unter Mitwirkung des Musiker-Kollektivs statt. Zur Aufführung gelangen 3 Singbewegungsspiele:„Tadel der Unzuver- lossigkeit"—„Das Eisenbahnspiel"—„Matrosen spiel", ferner das musikalische Spiel„Welle ABE." Mitte: Alle Zeltlagerfahrer treffen sich heute 6 Uhr im Heim Köpenicker Etr 92. Wcdding: Abt. 1. Gesundbrunnen. Der Gruppenabend der Nestfalken am Montag fällt in den Sommermonaten aus. Die Iunqfalken kommen, wie immer. Dienstags zum Heim. Beide Gruppen spielen jeden Montag. Donnerstag und Freitag von 18 Uhr im Humboldthain. Falkenausweise mitbringen. Neukölln: Helfcrkreis. Die abgesagte Helfersitzung findet nun am Donners. tag. den 2. Juni, statt. Sonnabend, den 28. Mai, stellen sick) alle Helfer zum Arbeitsdienst zur Verfügung. Erwerbslose Genossen um 9 Uhr, alle anderen nach Arbeitsschluß zur Baracke Ganghoserstraße. Gruppenführer! Die Mittci. lungen für Zelt, und Restfalkenlgger müssen am Montag abgegeben werden. Falkenrat: Wir tagen am Montag mit RF.-Helfern um 17Vj Uhr Baracke. Jungvolk: Die Rot. Jung, und Nestfalkcn kommen Freitag zum Gruppcnnach. mittag nach der Karl-Marx-Schulc. Eharlottenburg: Die für Freitag angesetzte Helfersttzung muß der Vorstands- sitzung wegen aus Montag, den 30. Mai, verlegt werden. Die U Jahresbogen müssen bis dahin abgeliefert werden, ebenfalls die Beträge für die Berncherung. Die befreundeten Organisationen werden gebeten, ihre Vertreter zu entsenden. 20. Kreis Reinickendorf: Montag, den 30. Mai. 20 Uhr, Krershelsersitzung im Jugendheim Wittenau. Jede Gruppe muß vertreten sein. Haltet euch Sonn- tag, 5. 6. zur Helferfahrt nach dem lldersee frei. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 46. Abt. Unser langjähriger, treuer Genasse, der Pensionär Wtlh. Jochel. ist am Montag, dem 23. Mai, ganz plötzlich einem Herzschlag erlegen. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Freitag, 27. Mai, nachmittags 2U Uhr, im Krematorium Baumschulcnwcg. Wir bitten um recht rege Beteutgung. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jngcnds-ckretariat Berlin SÄ 63. Lindcnstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Proletarisches Orchester der SAJ.: 2. Musizierstunde morgen, Freitag, im Saalbau Neukölln. Bergstraße 147, 19 U Uhr. Eintritt 30 Pf. Heute, Donnerstag, 19� Uhr: Norden: Lortzingstraße 19: Heiterer Abend.— Arnswalder Platz II: Schön- lanker Str. 1l B. 6. Elternabend:„SAJ. und Elternhaus".— Falkplatz l: Sonncnbcrger Str. 20, Zimmer 4:„Sexuelle Fragen".— Nordosten II: Dan- zigcr Str. 62, Zimmer 3:„Der Faschismus als internationale Erscheinung".— Schönhauser Dorstadt: Eonnenburger Str. 20:..Die Vorläufer des wissenfchaftl. Sozialismus".— Hafcnbeidc: Wassertorstr. 4:„Unsere Wanderungen und Fahrten".— Kottbusscr Tor: Urbanstr. 167.„Die Arbeiterjugend von 1918 bis heute".— Köpenickcr Viertel: Manteuffelftr. 7:„Der Lehrling einst und jetzt". — Süden: Spiel und Sport. ISU Uhr. Sportpl. Katzbach str.— Südwest: Linden- straßc 4:„Staatsformen".— Schöncbcrg H: Hauptftr. 15. Funktionärsitzung.— Schoncbcrg III: Hauptstr. 15? Zehnminuten. Referate.— Westend: Hauptstr. 15. . Das Programm der NSDAP."— Wilmersdorf: Wilhelmsaue 123. Arbeits- gemcinfchaft.— Zehlendorf. Dahlem: Waldschule. Schliefenstr., 19 Uhr.„Tages- politik".— Tegel: Echöneberger Str. 3. Wir gehen nach der Kofackcnwiese.— Buchholz: Heitere Rcisccrlebnissc. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schmarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin 6. 14. Sebastionstr. 37—38, Hof 2 Tr« Milte: 1. Kameradschaft, Sonnabend, den 28.. 20 Uhr, Vorstands- sitzung bei Klcment.— Tempclhof(Kameradschaft): Donnerstag. den 26., 19.30 Uhr Versammlung bei Pommerening. Referent: Kam. Machts.— Treptow: Kameradschaft Adlershos, Freitag, den 27., 20 Uhr, Mitgliedervcrsamm- hing bei Katerbaum, Sedanstr. 3. Referent Kam. Bathkc. Vorstandsmitglieder 191,4 Uhr.— Lichtenberg: Kameradschaft Kaulsdorf, Freitag, den 27., 20 Uhr, Mitgliederversammlung'bei Hübner. Bahnhofstr. 18. Referent: Kam. Stieglitz. Thema:„Der Ausgang der Preußenwahlen und dessen Bedeutung für das Reichsbanner."— Wassersporrabteilung. Zug Tegel. Donnerstag, den 26., 19,30 Uhr, Versammlung des gesamten Zuges im Bootshaus. Kurzschriftvercin Berlin-Kreuzberg lStolze-Echren). Donnerstag. 26. Mal, 19lz Uhr, Schule Gneiscnaustraße 7, Uebungsstunde. Gäste willkommen. *9 Quillt/ VlIl/lV�\uitlLS\uAI I lS\ji 1 ,u/ 8 Uhr 15. Flora 3434. fiaortien er!. Tpudo Hes'arberB. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Bil& Bü. 2 Franks. Juretros'& Elsie. 12 Deblars. Arthur Hell. Luella Paikln. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. ES GROSSES SCHAUSPIELHAUS] Tätlich 8 Uhr uae/i T»R. 5u.»y, Uhr Letzte Tagel mmm LA JflISfl AHTOO BOLIN ».» tilere 7 Attrati. PtAZA Ilüb« Schles, M. ll.�,St|S.2,5,|is«. E 7 Weichs. 4031 Die Dubarry Rose■ meaier CroJe Frankftrtir StrsSi 13i Iii. Wiiihiei E 7 3427 8.30 Uhr Weekend im Paradies C-artcnbühnc 5.30 Uhr Konzert u. Variete ZioeunerlieDe Slädt.Oper Charlottenburg BismarcUstiaße 34 Donnerstag, 26 Mai Turnus IV Tiefland Wühler-Hallauer, Hartmann, Roth, Tappolct, Frind Anfang 20 Uhr Ende 2230 Uhr VolKsbllbne Theater am Blllowplatz SV. Uhr Sturm Im Wasserglas Dsütstiiss TUsatcr l>io 8V. Uhr Journalisten Luatsii.nadi Gustav Freylag von Felii Jnadiimsnn Musik: Theo Matkehen MAX REINHARDT INSZENIERUNG Noch O Vorstellungen HANS V. GOETZ EN-RENNEN Hoppegartew HEUTE 3 2 RENNEN ResfoijÄ Berlins BETRIEB KEMPiMSW�J PARZELLE in Neuheiligensec (Straßenbahn 128), fertige Straße. Oas. Wasser, elekt Licht, für nur Mk. 1750.— verk. Merkur 7151. Pumpen Kobiank&co. Pompenfiltrik. Berlin N 65 RiioidfadorfBr StriS« 95. Dsatsöier MetallarleitBr-VBrbaöd Veiwaltangutclle Berlin Todesanzeige Den Kollegen tut Nacheicht, daß unser Kollege, der Fornier �.ttred Winkel geb. 1. Mai 1879, am 23. Mai gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Einäscheeung findet am Eovn» abend, dem 28. Mai. 17 Uhr, im Kee. maloriuM Gerichtstraße slatä Rege Beteiligung wird erwartet. Die OrtSTerwaUang. KLEINE ANZEIGEN miimiiiimiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiMiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiMiiiiiiiiiii Praise: Ubarschrlftswort 20 Pf., Tsxtwart 10 Pf. 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Fritz-Rputcr-Allee 66. Die Trauer eier findet am Freitag. dem 27. Mai. nachmittags 2>- Uhr, im Krematorium Baumschulenwcg statt. 3» Not geratener Echriit. stcller verkauft: Rohrplattenkosfcr. 47X110, messingbc- schlagen, 2 Daunen- listen, 130 x 139 (neu), Kristallkrone, passend für grotzcn Raum,.Büffet,(sehr grotz), u. a. nt. srrnspr.: E 0 1318. Tapeten SjiHat. Kolonie- strafte 9. musüi- insirumenn Sport Meeeedeetaltboote gelte, Aubehär. Bandonion». i�>».,- Lanoe-Uhlig, weit- �lucherplotz 2. berühmt. Fabrik- lager. Fabrikpreise Teilzahlungen, kleine Anzahlung. Musikweigel. Adal- bertstraße 91.* Radio Phototäuber oerzogen nach Ro> senthalerstrafte 49. Dort große Gelegen heitokänte in Mar� kenkamcras und Zeißgläsern. DaitRssgiitig. Für die herzliche Teilnahme bei der Beisetzung meines lieben Mannes. unseres guten Vaters WilkelmBertram saaenHwir den Kollegen der Firma Lindsiröm A.-G., dem DM V., der SPD. sowie dem Reichsbanner unfe- reu herzlichsten Dank. Bertram u. Kinder. KieidungsstucHa. wasche usw. DeulsilieiitallailKitii-Veiliaiiil Aditanit! Adilund! Ver waltungsrnilRlieder! Freitag, den 27. Mai 1932, abends 7 Uhr. Sitzung der Mittleren Orts- Verwaltung. Die Orlsverwaltang. Mäntel, Kostüme, neueste Fasson, unter Preis abzu- geben. Michael- iirchstr. 30 III links. Ii Genossen, kommt an den Rhein! � Pension Basquit Bacharach a. Rh, Auf der Mauer Ganze Pens. 4,50 M. Bad im Hause Zim. m. Frühst. 2.25 M. Rheinterrasse normsebsll Tönning die herrliche Sommer.'rilche, die den jeder leinen kann. Sonniger Südstrand, gute Unterkunft, reichliche Verpflegung, Pension von 3 RM. ab, keine Kurtaxe. Führer und Wohnungsnachweis durch die Bade- vcrwaltung, Markt II. Ihren Drlanb im schönen Thüringer Walde im herrlichen Erzgebirge in stimmungsvoller Heide- landschaft im märkischen Scengebiet in den Heimen der ADEFE Allgemeine DeutsdieBesellsßiatl iür Ferien- unü Erhoiungsneirae m.b.H. 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Freie Wirtschaft für Fleisch und Getreide.- Lenins„Aep" in neuer Auflage? lieber der Entwicklung der russischen Industrie, die mit vielen Schwierigkeiten und unter grohcn Leiden der Arbeiter- Massen, aber doch vorwärts geht, übersieht man bei uns nur allzu sehr, dost die Grundlage der russischen Bolkswirtschajt noch immer die Landwirtjchast ist und noch Jahrzehnte lang bleiben wird. Noch immer leben vier Fünftel der B c o ö l k c r u n c> im Dorf. Wo? dort geschieht, entscheidet letzten Endes das Schicksal der russischen Revolution. Wer nun geglaubt hatte, die Baucrnfrage sei durch die Kolleklivisiernng ein für allen', al gelöst, muß sich durch die Ereignisse der letzten Wachen eines besseren belehren lassen. Die Sowjetrcgicrung kaust australischen und kana» bischen Weizen. Bis jetzt 43 WO Donnen, die Käufe werden fortoesesit. Vermutlich sind diese Mengen zur Verpflegung der Armee in Östsibiricn bestimmt. Daß die Russer» traß ihrer Valuta- sorgen Getreide kaufen müssen, zeigt, daß es im Lande an Getreide fehlt. In die gleiche Richtung weisen auch andere Totsachen. In c'ner Reihe non Städten wurden die Brotrationen ge- kürzt, zum Teil erheblich. In der aanzen Sowjetunion hat der Vostpaketoerkehr in den legten zwei Monaten einen riesigen Ilm- fang ongcnon'inei». Wer nur irgendwie kann, schickt seinen Ber- p'andtcn im Dorf heute Brot, Es gibt keine Stadt, in der nicht die Fett, und Fleischration gekürzt worden märe. Mit einem Wart: die Ernährungslage hat sich empfindlich verschlechtert und verschlechtert sich weiter. Seit Mitte März folgt eine Verordnung der anderen. Alle haben ein Ziel: alle appellieren an das Er« werbs st reden der Bauern, der Einzelbauern und jener in den Kollektiven: Erweitert die Anbaufläche, gebt uns Getreide, gebt u»« Fleisch, Milch, Butter, Gemüse! Wir machen euch dafür Konzessionen, wir versprechen euch, weniger wegzunehmen als im Vorjahr, wir machen eine klcn»c Nep.(Freie Marktwirtschaft für bäuerliche Produkte.) Noch vermeidet man das ominöse Wort. Aber daß die konsequente Durchführung dessen, was mit diesen Verordnungen begonnen wurde, zu einer neuen Nep sichren muß, daß der Fünsjahresplan, die„Generallinie", in wesentlichen Teilen damit aiisgeoeben wird, das leidet keinen Zweifel. hungernde Dorf. Sieht man näher zu, dann ist die Entwickliing der Anbauflächen(Zunahme seit illZÜ) durchaus nicht so günstig, wie es zuerst den Anschein hat. In den bäuerlichen Wirtschaften ein- schließlich der Kollektiven haben sich die Sommersaaten von 86,7 Millionen Hektar im Jahre 193(1 aus 88,2 Millionei» Hektar im Jahre 1931 miegedehnt. Das find noch nicht cininal 2 Pro;. mehr. Die Erweiterimg der?ln bau stäche ist zum größten Teil den Staatsgütern geschuldet, die Weideland umbrachen. Zur Hälfte entfällt der Zuwachs auf Grassaaten. Die Getreideernte war 1930 piit. Sie betrug 874 Mil- lionen Doppelzentner. Davon hatte dos Dorf 223 Millionen an den Staat abzuliefern. Es blieben dem Dorf also zur Ernährung bis zur nächsten Ernte, als Saatgut und als Futtergetreide 049 Millionen Zentner. 1927/28 waren dem Dorf noch 638 Mil- lionen verblieben. Das war nicht bloß absolut mehr: man muß ober bedenken, daß inzwischen die Landbevölkerung um ö Millionen Menschen zugenommen hat. Am 9. Februar d. I. teilte Krinitzkij in der Sitzung des Zen- iralen Kontrollkamitccs mit, daß 1931 im Durchschnitt 7,3 Zentner Getreide vom Hektar geerntet wurden. Bei einer Saatiläche von 104 Millionen Hektar smd das 780 Millionen Zentner. Nun waren am 1. Januar 1932 bereits 219 Millionen Zentner an den Staat abgeliefert. Der Plan sah 225 Millionen vor. Do die'Ablieferung auch nach Neujahr weiterging, dars man annehmen, daß er soft rollständig erfüllt wurde, Das bedeutet, daß im Darf 1931 hoch- stens 330 Millionen Zentner blieben. Mit anderen Worten: Das Dorf bat in diesem Jahr nur noch fünf Sechstel der Getreide in enge, die es vor fünf Jahren hatte, ober ii b e r s e ch s M i l l i o n c n mehr Menschen zu er- nähren, Mangel an Aleisch. Aett und Milch. Dazu kommt der Bersall der Viehwirts ch oft. Von 1929 bis 1930 sank die Zahl der Rinder von 67,2 auf 33,8, der Schafe oon 133 aus 100, der Schweine von 20,3 auf 13,2 Millionen Stuck, Vevor die Bauern ihr Vieh der Kollektive gaben, schlachteten sie es lieber,?lllc Schlochtrvrbote nützen auch jetzt nichts. Bis vor wenigen Wochen versuchte man,' den Viehbestand wenigstens zu halten. Man„kollektinisiertc" das Vieh�iind crrichtelc „Viehfarmen", Die Bauern antworteten mit neuen Schlachtungen. Wo sie nicht schlachteten, ging Bich massenweise ans Futtermangel zugrunde. Die staatlichen Viehwirtschosten waren ein Fehlschlag. Mit Müde und Not ersüllten sie den Ablicserungsplan zu 07 Proz. Erst im Februar entdeckte man plötzlich, daß daran die„Gigantomanie" (von„Gigant", den staatlichen Ricsengütern) schuld hat. Nahezu sämtliche Leiter wurden abgescßt, die„Riesenbetriebes ausgelöst, der Plan uirgeworscn, und jetzt rechnet man, daß der Fleisch- und Milchbedarf der Städte, wenn alles gut geht, zu 13 Pro;, aus dem„sozialistischem" Sektor gedeckt wird. Die Lage war sehr ernst geworden. Die Staatsmirtschastcn liescrn viel zu wenig, die Bauern dürsen nicht schlachten. Tun sie es ollen Verboten zum Trotz doch, dann bringen sie das Fleisch nicht aus den Markt. Die neue Politik. Im Frühling 1921, vor II Jahren, lzatteu die Bolschewiken schon einmal den großen Rückzug vor den Bauern angetreten. Es begann die„Nep", die ncuc ökovainüche Politik Lenins. Im Frühting 1931 mußte Stalin die Zwongskollektivisierung i» ihren brutalsten Formen stoppen. In, Frühling 1932 gibt die Sowjet- regienino den Bauern von neuem nach. Der schlechte Perlauf dcr Frühjahrsaussaat läßt Arges für den kommenden Herbst und Winter befürchten. Es schlt an Saatgetreide. Die Bauern arbeiten in den Kollektiven unlustig, schlecht, vielerorts treiben sie direkte Sabotage. Man muß einen Rückzug antreten. Schon begannen alle bis- her so eriolzr.'ichen Zwangsmaßnahmen unwirksam zu werden. Die Bauern ringen da und dort wieder aus den Kollektiven hinaus, sie waren-injach nicht mehr zu lzaltcn. Im Leninarader Oblast zum Beispiel veelorcii die Kollektiven in drei Monaten ein Zehntel ihrer Mitglieder, anderswo trat ein noch viel größerer Prozentsatz aus. Dazu droht der Krieg, Das Steuer mußte rasch. energisch und ohne jede Rücksicht aus die bis dahin gepredigten „unverletzlichen" Prinzipien herumgeworfen werden. Das Dekret vom 6. Mai setzt die von den Bauern ab z u- liescrndc Getreide menge herab. Sie soll uin 264 Mil- lionen Pud, also um nahezu ein Füchtel, kleiner sein als im Vor- jähr. Vier Taeie später erschien ein neues Dekret. Dcr Ablieseriiiigsplaii iür Fleisch wird aus die Höste des Bisherigen herabgesetzt. Schon einige Wochen vorher war der mit dem Aus- schluß aus der Partei bedroht worden, dcr die Bauern zur Ber- gefellschaftung des Viehs zwingt. Sind die Ablieferungspläne cniillt, dann dars dcr Bauer und die Kollektive Getreide und Vieh unbehindert auf frei gewählten Märkten verkaufen. Das Schlachtvcrbot wurde aufgehoben. Das jüngste Dekret endlich hebt jede Preisbindung auf. Die Preise werben dem Meebo iiismus des Marktes überlassen. Vorerst darf man noch zweiseli», ob dieser Rückzug ein dauern- dcr ist. Bleibt es bei dem Rückzug,- dann sind die Folgen unob- sehbar. Eine Preisrevolution nach oben wäre u n o e r in e i d l i ch. Heute kostet ein Kilogramm Butter in dcr staatlichen Kooperative 7 Rubel, im ireien Handel 26 bis 30 Rubel. Heute zahlt der Siaat dem Bauer für einen Zentner Weizen 9 Rubel, auf dem freien Markt erzielt der Bauer einen Preis von 60 bis 70 Rudel. Selbst wenn das wachsende Zlngebot auf dem freien Markt die Preise etwas senken würde, werden sie dennoch um das Mehrfache höher liegen als die Preise in den Kooperativer,, Das muß zur Folge haben, daß die Löhne steigen, weil die Arbeiter und Angestellten infolge der Sckirumpfung des Kooperativ- Handels nach mehr auf den freien Markt angewiesen sind. Damit wurde aber die Finanzbasis des ganzen Planes erschüttert. Auf dem Lande wird die seit den, Beginn der Kollektivisierung iiiitcpbrochene Akkumulation wieder ausgenommen. Die wohl- habenden Schichten des Dorfes werden wohlhabender, die akkumu- licrten Geldmengen drängen zu produktiver Verwertung. Der Sieg der Bauern wird ihnen neue Krast geben. Sic haben jetzt im Kamps um ihr Arbeitsprodult einen Teilsicg errungen. Sie werden weiter vorstoßen. Es beginnt ein neuer Abschnitt in dem großen Kamps zwischen Staat und Bauern- s ch a s t.___ O. M. Leicht erhöhte Devijenvorrc-te. Oer Notenumlauf dcr Ncichsbank ist kleiner als im Vorjahre. Der Ausweis dcr Reichsbank vom 2 3. Mai zeigt gegenüber der Borwochc wieder eine leichte Erhöhung der deutschen Devisen- bestände. Die Bestände an deckungssähigen Devisen nahmen zwar um 4,6 aus 134,6 Millionen ob, die Goldbestände nennehläen sich aber um 4,8 auf 836,3 Millionen Mark, so daß ein Zugang bei Gold und Devisen von 0,2 Millionen Mark festzustellen ist. Die N o t e n d e ck u n g hat sich verbessert. Die umlaufenden Roten waren mit 26,5 gegen 25,3 Pro;, in der Vorwoche gedeckt. Interessant ist die Bewegung der von der Reichsbank gewährten Kredite im B r r h ä l t» i s zur Wirtschaftslage und zum Roten» in lauf dcr gleichen Woche des vergangenen Jahres. Die gegen Wechsel gewährten Kredite sind gegenüber der Vorwache weiter um 211,3 auf 2797,3, die Bestände an Ncichsschatzwechseln um 4,7 auf 1,5 und die Lombarddarlehen um 7,3 auf 93,1 Millionen gesunken. Gegenüber der dritten Aprilwache d. I. ergibt sich ein Rückgang der gewährten Kredite um rund weitere 90 Millionen Mk, Rein äußerlich müßte man daraus schließen, daß Banken und Mirtschajt weniger Kredite gewährt bzw. in Anspruch genom- wen haben. Dem steht aber die wohrscheinlich ivciter gestiegene Geldflllssigkeit im Inland— der Kapitalmarkt funktioniert ja nicht Ivo hl entgegen. Wenn es auch unwahrscheinlich ist, daß etwa die Sparkassen bei der Akzept- und Gorantiebank gegenüber dem vorigen Monat neue erhebliche Rückzahlungen gemacht haben, so können die Banken doch bei der Reichsbank weitere Finanzwechsel c i n g e l ö st haben, nachdem die Banken sa durch Reichszuschüsse, Reichskredite und Kapitalerhöhungen sliisfiger gemacht warden sind. Man braucht also nicht zu schließen, daß etwa für Wirtschastszweckc trotz der Frühjahrskampagne bei der Land- wirtschait jetzt weniger Kredite erforderlich sind. Man wird auf der anderen Seite allerdings auch nicht an- nehmen können, daß der Kreditbedarf für Wirtfchoftszwecke gegenüber dem Bormanat absalnt erhöht ist, so daß aus der Reich?- bankentwickwng der Schluß auf eine allgemeine Verbesserung der Wirtschaftslage jetzt kaum schon gezogen werden kann. Die umlausendcn Noten hoben sich gegenüber der Vorwoche um 183,7 auf 3739,3, Rcntenbankscheine um 7,9 auf 394,6 Millionen verringert, Obwohl infolge der Nachwirkungen der Kredilkatastrapbe des vorigen Jahres die Reichsbank gegenüber der gleichen Wache des Vorsahres mehr als eine Milliarde Mark mehr Kredite laufen hat, ist doch dcr Notenumlauf der Reichsbank geringer als in der dritten 2lprilwoche des vorigen Jahres. Er bleibt auch dann geringer, wenn man etwa die neuausgegebenen Sitbermünzen in den gesamten Geldumlauf einrechnet. Das ist eine Tatsache, die alle inflationsängstlichen Leute wohl beruhigen sollte, Kammgarnspinnerei Siöhr saniert. Kapiialherabsehung 40 zu I.- Hohe Abschreibungen auf Beteiligungen. Die Kammgarnspinnerei S t ö h r u, Co, A,- G„ Leipzig, durch ihre Beteiligung an Tertilunteknebinen des In- und Auslandes einer der bedeutendsten deutschen Textilkonzerne, hält es für erforderlich, ihr Aktienkapital und die Bewertung ihrer Attiva der allgemeinen Abwertung anzupassen. Durch Ein- Ziehung von 2 Millionen Mark eigener Aktien wird das Ka- pital auf 20,12 Millionen Mark herabgesetzt, und dieser Betrag wird dann im Verhältnis 10:7 ans 14,08 Millionen Mk. zusammengelegt, Der Bruttogewinn ist von 2,8 auf 1,8 Millionen Mark im Gcschästssahr 1931, die Unkosten sind van 1,2 aus 1,0 Millionen Mark zurückgegangen. Während im Vorjahre 5 Prozent Divi- de nd e»erteilt murdcn, wird in diesem Jahr dcr Ileberschuß zu Abschreibiinzen verwendet. Zu besonderen Abwertungen wird der B u ch g e w i n n aus dcr Kapitalherabsetzung(6,04 Millionen Mark) und ein Teil des Reservcsonds(2,3 Millionen Morkj ncrmendet, Dcr Hauptteil dieser Abwertungen entfällt mit 7,43 Millionen Mark auf das Konto Beteiligungen und Effekten: auf Außenstände werden 0,3 Millionen Mark und auf Bestände 0,1 Millionen Mark abgeschrieben, Die Abschreibung auf die Beteiligungen werden vorgenommen, obwohl sie als dauernde anzusehen sind und mit Ausnahme der Ohligfer Leinen- und Baumwollweberei verhältnismäßig günstig arbeiteten. Für die B u d a p e st c r Tochtergescllschast wurden 0,63 Milliuncn Mark zurückgestellt, da die Stöhr-Gesellschast nerpslichter ist. einen Teil des neuen Kapitals dcr Budapestcr Gesellschast zu übernehmen. Neue Zahresabschlüffe. Julius pintsch kann 5 proz, Dividende verteilen. Zn der Aussichtsralssißung dcr Julius Pinlsch A.-G. wurde be. schlössen, der Generalversammlung sür das vergangene Jahr die Verteilung einer Sprozcnligcn Dividende vorzuschlagen. Im Jahre vorher wurden 10 Proz. vcrlcilt. Pinlsch schcinl es also noch gul gegangen zu sein. Die Maschinensabrik Dürr-Wcrke A.-G. in Ralingen meldet einen Reingewiim von 113 000 gegenüber 210 000 M. im Vorjahre. Die B i c 1 c s c l d c r A.-G. sür mechanische Weberei hat ihre Abschreibungen von 89 000 aus 136 000 Mark erhöht und zugleich noch ihren Varjahrsverlust von 133 000 aus 46 000 Mark gesenkt. Die Norddeutsche Eis werke A,-G, in Berlin hat das letzte Gefchästsjahr ohne Verlust abgeschlossen, so daß nur dcr Ber- luftvortrag aus dem Jahre vorher auf das neue Geschäftsjahr über- nommen wird. Mansfeldverlust iroh 6/5Mill.Gtaatssubventi'onen Die M a n s s e l d A.-G. sür Brrgbau und Hüttenbetrieb in Eislcben schließt im Hupferbcrgbau und den hüttcnbetrieben IZZt mit einem Verlust von 4,62 Millionen Mark ab. Die vom Reich und Preußen erhaltenen Subventionen erreichten mehr als 6.5 Millionen. Durch Einnahmen aus Bctriebsabstoßungcn verringert sich der Verlust aus 2,07 Millionen Mark, dcr aus neue Jahresrechnunq vorgetragen wird. In der bevorstehenden Gencraloersammluna soll Beschluß über hcrabsehung des Aktienkapitals um 1,66 Millionen aus 36,2 Millionen Mark gesaßl werden. Etektrizitäte-Lieferuttgsgeseilschafi steht gut. Die zum ZlEG.-Konzern gehörende Elektrizitäts-Licse- rungs-Gescilschaft A.-G., in der die Stramcrzeugungs- betriebe des Konzerns zusammciigesaßt sind, wird, wie wir bereits berichteten, ihre Dividende für das Geschäftsjahr 1931 von 10 aus 5 Prozent herabsetzen, was nur Ausdruck einer besonders ousge- prägten Reserve Politik ist. ötromobgnbe in den eigenen Betrieben, wie mich bei den Beteiligungen hat sich über rasche ich gut gehalten. Sie betrug im Berichtsjahr 364 gegen 391 Millionen Kilowattstunden, so daß also nur ein Absotzrückgang non 7 Prozent eingetreten ist. Der Reingewinn wird nur mit 2,14 Millionen Mark ausgewiesen, jedoch sind vorweg fast 1,3 Millionen an Rückstelliiiigssonds, sowie 1,40 Millionen zu Sonderabschreibungen auf Wertpapiere und ausländische Geschäfte verwendet worden, außerdem die Stenern um 600 000 Mark erhöht eingesetzt, um für ein aus der Stciierprüfnng für die vergangenen fünf Jahre sich etwa ergebendes Risiko Vorsorge zu trcsscn. Verlust bei der Standard Elektrizitäts A. G. Die unter starker amerikanischer Beteiligung arbeitende Stau- dard Elektrizitäts A.-G. hat I93> einen kleine» Verlust van knapp 67 WO Mark erlitten. Bei den Tochtergesellschaften sind die Um- sätze im Durchschnitt um 30 Prozent gesunken. Von den wichtigsten Berliner Tochtcrunteriiehmungcn des Standard- Konzerns gehört die Ferdinand Schuchardt A.-G. zu 96 Prozent, Mix u. Genest zu 94 Prozent, und die Telephonfabrit Ber- l i n e r zu 98 Prozent der Gesellschaft. Bei der Mix u. Genest ist jetzt allein das Privattelcphon und das Tclephon-Mietgeschäft zu- fammengesaßt. Auch mit dcr besreundctcn C. Lorenz A.-G. wird ein Abkommen auf dem Gebiet des Privattelephons angestrebt. Deutsche Lusthausa A. G. In der Aufsichtsratssitzung dcr Deutschen Lusthansa A. 05, wurde ein gegenüber dem Vorjahr von 3,23 auf 3,88 Millionen gcstic- gener Rohübcrschuß festgestellt, dcr etwa in gleicher Höhe zu Abschreibungen Verwendung finden soll. Die gesamten Ausgaben betrugen 27,44 gegen 26,67 Millionen im Vorsohrc. wovon 20,01(21,83) Millionen ans Betriebskosten und 1,55(1,62i Millionen auf Haiidlungsunkosten und Steuern entsallen. Die Disferenz zwische" Rohüberschnß und Ausgaben ist wie in srüheren Jahren durch äfsentliche Zuschüsse gedeckt, die dieses Mol sogar etwas höher zu liegen scheinen als im Jahre 1930. Thüringer GasgeseUschast. Die heute unter der Kontrolle der preußischen und sächsischen Elektrizitätskonzerne stehende Thüringer Gas?l. G. wird sür 1931 eine Dividend« oyn 6.5 gegen 10 Proz, im vorhergehenden Jahre verteilen. Es sind Sonderabschreibungen van 0,90 Mil- lionen vorgesehen, in erster Linie sür I n d u st r i c b c t c i l i g» n- gen des Konzerns. Sozialdemokratie für bäuerliche Veredlung. Die Sozialdcmokralsn haben im Preußischen Landtag folgenden Antrag eingebracht: Veranlaßt durch die immer mehr gesunkene Sauskrast der großen Masse der Sonsumentcn ist ein Rückgang dcr Preise sür landwirlschastliche v.-rcdelungsprodukle zu verzeichnen. Da» trisst besonders zu bei den Preisen sür Fleisch, V n t< c r. Milch, Eier usw. Die Geslehungslostcn, gesteigert durch die Futtermitlelzöllc, sind mit diesen Verkaufspreisen nicht mehr in Einklang zu bringen. Ein großer Prozentsah dcr kleineren und mittleren Landwirte Hai unter diesen Zustanden besonders zn leiden. Der Landlag wolle beschließen: Das Siaaisministerium wird ersucht dahin zu wirken, daß nach dem Versahren. durch das den hühnerhallcrn zollfreier Weizen verbilligt zur Verfügung gestellt wurde, auch den nich! gewerblichen Schweinezüchtern und-mästern sowie den sonstigen Vichbesihcrn zollfreie Fultermittcl zur Vcrsügung gestellt werden. Zur Durchsührung dcr Gemcin»ü!zigkeits-Vcrordii.ung Hot der preußische Juftizminister eine Anordnung erlassen, Donach können Wohmmgsunternehnulngen, deren Antrag aus'Anerkennung d«r Gemeinnützigkeit schwebt, die einstwellige Stundung der Gericht.-gcbührcn in Erwartung der Anerkennung bei der zuständi- gen Gerichtskasse beantragen. Im übrigen Hot der Iiistizminsitcr die R e g i st e r g c r i ch t c daraus hingewiesen, daß nach der Per- ardnuiig des Reichspräsidenten vom 1. Dezember 1930 die Firma eines Wohmmgzuiiternehmciis, das nicht als gemeinnützig an- erkannt oder dem die Anerkennung entzogen worden ist, nicht die Bezeichnung„gemeinnützig" enthalten darf, Sin Qendarm/ ein Siromer/ eine £andfira$enerlebnis ron Muri Tieuber f ®eg«rt Mittaß kam der Htromer on emen Teich� Eine leiAt ZI! dcmrtfenhe Tafel dedrahte Kodende Mar mit vnnachflchtlicher «träfe, dach der Stramer dachte:„Die Tafel tut mir nichts!" Da der Tag sehr warm war, entledigte sich der Stramer leise pfeifend fölner Kleider. Dann halt« er aus feinem Rucksack einen Staff- fetzen hervor, dct an eine Badehase erinnerte. Diesen Stoffetzen brachte er mittels eines Schnürsenkels, den er sich uM den Leib band, an jenen Karperstellen an. wo es am notwendigsten war. Nun stand er am Teich in einer Badehose, die in jeder öffentlichen Badeanstalt Gelächter und Entrüstung hervorgerufen hätte, chier war glücklicherweise niemand, der darüber lachen oder sich entrüsten konnte. Di« Frösche höchstens quakten eine Nüance Heller, auf- geregter. Lorsichtig ging der Stromer nun in den Teich, bis er eine Ties« erreichte, von wo er losschwimmen konnte. Er schwamm wohlig und laut prustend wie ein ausgeruhter Gaul in der Schwemme. Als er aus dem Wasser kam, lachte er erfrischt und vergnügt, beinahe wie jene feinen Damen und Herren, die aus dem Wellenbad im Lunapork steigen und dann dinieren gehen. Auch der Stromer dinierte nach dem Bade: Stullen, die er sich vormittags im Dorf zusammengebettelt hatte. Nun folgte eine Stunde Ruhe. Dann stand der Stramer ge- stärkt aus und wandelte zwischen den Weidenbüschen. Di« Sonne brannte herrlich. Ein Storch stand am anderen llfer de» Teiches im Schilf und sah regungslos herüber. In der Ferne dunkelt« ein Wald, und auf den Feldern davor schwankten wie Irrlichter die weißen Kopstücher arbeitender Fronen. Rote Dächer blühten hier und da au» dem Krün und Gelb der Landschaft. Der Stromer wandelte glücklich am Ufer des Teiches, als wäre er der Besitzer dieser schonen Landschaft. Er schwelgte wieder ein- mal in Wunschvorstellungen, die mit einem einfachen, kleinen Bauerngehöft ansingen und mit einem Rittergut nebst Schloß, Auto und Frau zu enden pflegten. Ein gutmütiger Friseur hatte ihn erst heute morgen rasiert. Er war jung und gut gewachsen. Wer hielt ihn setzt noch, da feine defekten Kleider hinter einem Weidenbusch lagen, für einen Strom-r? Nur die Badehose erinnert« an ihn. Darum zog er sie ent- Ichlossen aus. Wie er jetzt ging und stand, erinnerte er wirklich nicht Mehr an einen Stromer. Ein kräftig gebauter, von der Sonne gebräun! ter, gesunder Mann ging hier zwischen den Weidenbüschen am Teich spazieren. Er hatte sich auf«inen Sockel stellen und einen griechischen Jüngling darstellen können. Und vielleicht hätte man «her den Besitzer de« nächsten Rittergute« für einen Stramer ge- halten, wenn er den Mut gehabt hätte, hier ohne Badehose zu promenieren. Sollte sich der Stromer jetzt nur noch ein nettes Madchen ge> wünscht haben, so können wir solch« Gelufte schließlich verstehen, doch dos Schicksal schien sie nicht zu billigen. Denn statt des hübschen Mädchen» tauchte plätzlich«in Landjäger aus. Der Stromer wollte noch schnell hinter seinem Weidenbusch verschwinden, aber da? Auge des Gesetze» hatte ihn bereits«titdeckt. Keuchend— da er ßhon einen wejten Weg hinter sich hatte und der Untsorm- kragen in der Hitze unangenehm drückte— kam de? Gendarm naher. Als er den Stromer noch einmal und diesmal aus nachst»r Näh« in feiner ganzen Blöße erblickt«, hätte den dicken, keuchenden Beamten beinahe ein Hitzschlag getrofien. Ek öffnete den Mund zu ttnsm Dcnnerwort. doch klappten fein« Sprechwerkzeuge avto- mottsch wieder zu. Seine Äugen schienen sich umzudrehen ..Guten Tag!" sagte der Stromer sehr fanst und höflich, als wollte er gewissermaßen M't der Stimm» feine B'dße b-decken. Der Gendarm aber hatte jetzt endlich da» Donnerwort qefunden. Der Blitz zuckte auf den Stromer nieder. „Hier ist da» Baden verboten!.Können Sie nicht lese»? Und ohne Badehose— ziehen Sie sich sofort an und folgen Sie m>r!" Der Stromer sah den Gendarm ruhig an. Er geniert« sich nicht im geringsten. Um so mehr mochte der Anblick des unbekleideten Wanne» den pflichttreuen, gebetztm, in Ehren grau gewordenen Be- amten beleidigen. ..Wie heißen Sie?" brüllte er noch einmal und zog ein Notiz- buch aus der Lrusttasche. Der Stromer warf«inen Blick auf seine hinter dem Weiden- dusch versteckten Sachen, sah dann dem Gendarmen fest in« Auge und sagte:„Mein Name ist Baron von Sand." Er machte dabei «ine Verbeugung, die in seinem Zustand eiwa» grotesk wirkte. Der Gendarm schien«inen Augenblick lang unsicher zu sein. „Baron von Sand?" dachte er.„Vielleicht Besuch gus dem Ritter- gut?' Ein Nesse de» Grasen Wedel? Baron von Sand? Hm." „Ich weile hier zu Besuch!" macht« sich der Stromer die Paus« zunutze. Und geschmeidig setzte er hinzu:„Ich möchte Sie nicht in Verlegenheit dringen, Herr Oberlandjäger. Es war nur eine Lniine von mir." „Herr Baron", sagt« der Gendarm, nun überzeugt, wirklich den Neffen des Grasen von Wedel oder irgendwelchen Besuch vom Rittergut vor sich zu haben,„Herr Baron, ich bitte um Entschuldi- gung. wenn ich vorhin... Aber... ich kannte doch nicht ahnen... Es treibt(ich hier so viel Gesindel herum... Aber wenn der Herr Baron hier... Zwischen den Büschen ist es ja nicht so schlimm. Uff, eine Hitze heut«, Herr Baron." Er zog sein Taschentuch, nahm die Mutze ob und wischte sich über die Stirn. Plötzlich weitetsn sich seine Augen. Er ging ein paar Schritte nach rechts, bückte sich und hob die Badehose de; Stromers am Schnürsenkel auf. „Komischer Lappen!" knurrte er.„Soll wohl'ne Badehose vorstellen?" Er witterte umher, entdeckte da« Kletderbündel hinter dem Weidenbusch und hotte d>« Fetzen auch schon mit einem Sprung erreicht „Halunke!" entfuhr es ihm.„Na warte!— Wollen Sie nicht die Güte haben, sich jetzt anzuziehen, Herr„Baron"?" Ein g-ffähr» liches Drohen log in dem Spott. Der Baron stand wie angewurzelt da. „Los!" kommandierte der Landjäger. „Was wollen Sie denn von mir?" fragte der Stromer nieder» geschlagen. „Ich oerhaste Sie wegen verbotenen Badens, falscher Namens- zulegung und Erregung öffentlichen Aergernisses! Folgen Sie mir!" „Möchte wissen, bei wem ich öffentliches Aergernis erregt hoben soll", knurrte der Stromer und nahm die Sachen über den Arm, bereit, dem Landjäger zu folgen. „Sind Sie verrückt?" brüllte der.„Angezogen! Aber'n bißchen dalli!" „Nein!" sagte der Stromer gemütlich...Der Staatsgewalt leiste ich keinen Widerstand. Ich folge Ihnen, aber nur so, wie ich vor Ihnen stehe." Es war ein sonderbares Paar, das auf Feldwegen die kleine Stadt zu erreichen sucht«. Ein dicker, keuchender, schwitzender Land- Polizist und ein völlig nackter Mann, der seine Sachen In der Hand trug. Die Wege lagen im Sonnenglast wie ausgestorben. Leise knirschte der Sand unter den Füßen. Der Stromer ging erhobenen Haupte?, wie ein König jur Krönung. Sie kamen an einem Bauern vorbei, der mit seinen Pferden auf dem Felde arbeitsle. Er begann aus vollem 5)olse zu lochen, und dos Handpferd fing zu wiehern an. „Schöne Geschichte!" fluchte der Gendarm im stillen. Eine Frau kam idnen mit einem Retsiglorrcn entgegen. Der Gendarm bekam vor Scham einen Schwindelanfall. Er sah starr an der Frau vorüber. Die Frau kreischte aus und gaffte ihnen mit offenem Munde»ach. „Wollen Sie nicht endlich nernünstig sein?" Es klang wie ein Stoßseufzer. Aus der Stirn des Gendarmen perlten Schweiß- trapsen. Der Stromer lachte. Die Stadt war schon zu sehen. Es würde einen Riesenauflauf geben. E» mar unmöglich, mit dem Mann in diesem Auszuge am hellen Tage durch die Stadt zu ziehen. „Ziehen Sie sich an!" b a t setzt der Gendarm. Der Stromer zuckte nur mit den Schultern und pfiff im Weiter- gehen. Der Gendarm mußte ihm folge». Er hatte die Mütze ob- genommen und wischte sich zum soundsovielten Male den Schweiß von der Stirn. ,.5ialt! Hier rein in die Büsche!" kommandierte er plötzlich in höchster Erregung. Er hatte geradeaus einen Trupp Mädchen ent- deckt. Es waren Schülerinnen, die unter Führung ihrer Lehrerin einen Ausflug machten. Der Stromer kauerte ngben dem Landjäger am Boden. Die Mädchen kamen näher und schritten ahnungslos vorüber. Ihr Lachen klang noch eine Weile zurück. „Wir können wieder weiter!" sagte der Stromer. Der Landjäger seuszte laut Er war der Situation nicht mehr gewachsen. Er hätte mit dem Mann hier die Dunkelheit abwarten können. l?hne Essen. Ohne Trinken. Der Teufel mochte da» aus- halten! Er nicht! Sein Groll gegen den Stromer schwand immer mehr. Er wollte ihn los sein. „Ziehen Sie sich an und verduften Sie!" sagte er nach kurzem Kampf. Der Stromer horchte auf. „Ihr Ernst?" „Ich bin froh, wenn ich Sie los bin!" „Ehrenwort?" „Ehrenwort!" Der Stromer sprang auf und zog sich an. Der Landjäger glaubte ihm noch einige Warnungen geben zU müssen. „Sie werden nicht mehr in Gewässern baden, wo das Baden verboten ist?" „Nein!" sagte der Stromer und psisf., „Sie werden überhaupt nicht mehr ohne Badehose haden?" „Nein!" sagte der Stromer und psifs weiter. „Dann können Sie jetzt gehen!" Der Stromer holte an» seiner Tasche einen aufgelesenen Zigarrenstummel heraus:„Darf ich Ihnen zum Dank eine von meiner Spezialsorte anbieten?" Der Beamte hieb ihm den Stummel fluchend a», der Hand. ..Ahl" hedauerte der Stromer und begann den Boden gründlich abzusuchen. Al« er den Stummel endlich wiederfand, war der Landjäget schon dicht vor der Stadt... i Tlnier dem SomialifiengefeiSB Züricher Srirmerunqen/ Tm$r. Julian lllarcuse Itlünchen Das politische Leben Deutschland» in den achtziger Iahren stand unter dem strangulierenden Druck des Sozialistengesetzes, ver- semt und verjagt irrten Anhänger und Bekenner von Ort zu Ort, bargen ihr Leben im Schöße treugebliebener Genossen in Dunkel- heit und Nacht, wanderten aus, um aus fremdem Boden den Schutz zu suchen, den die Heimat nicht gemährte. Da» Zentrum der ver- sprengten wie der ungebrochenen Kämpjer wurde Zürich, die jähr- hundertealt« Tradition des Aststrechts ebnete den Weg zum Er» scheinen des„Sozialdemokrat", dem Kampshlott der Partei. rni Jahre 1879. Damit war der Schauplatz der Bewegung, soweit sie nicht unterirdisch sich auf heimatlichem Boden sortbewezle. in die Schweiz nerlegt,«in Generalstäb erstand, seine ständigen Glieder waren in Zürich seßhaft geworden Eduard Bern st«in, Richard Fischer. Ignaz Motteler, sein« Austrage- bevollmächi'gten, die von Zeit zu Zeit erscheinenden Parlamentarier Georg n. Äollmar, der bekanntlich in der allererst«» Zeit den„So- zialdemokrat" redigierte. Wilhelm Liebknecht. August Bebel. Ignaz Auer und andere. Wer den Sozialismus in Bekenntnis, Idee und Führern kennenlernen wollte, für d°n gab es in jen°r Zeit nur Zürich, deren innere Pforten aber nur«schließbar waren durch vorausgegangene Bewahrung od« empfehfend« Geleitworte. Denn die Zahl der Häscher und Angaber wuchs mit der Höh« der von Jähr zu Jahr steigenden Belohnungen, die dos Deutsche Reich für Spitzel und„esenr- prove>l:,»»ur.-" auswars, und langst hatten sich >n den Dienst diese» verächtlichen Metiers haltlose einstig» Partei- genossen und Gelichter aller Art gestellt. Es mar an emem Frühlingstag des Jahres 155?, � als ich in der Halle de? Deutschen Reichstag? vor Wilhelm Liebknecht stand und ihm ohne jede weiteren Ilmschweise meinen Wunsch nach einer Einführung in die Züricher Emigrantenkreii« vortrug, die ich onloßlich meine» dortigen Studienantrittes naher kennenlernen wollte. Der„Alte"— und war er es auch noch nicht, so stempelten doch ernste gedankenschwere Physiognomik wie äuß-rer Habitus. breiter Schlapphut und saltiger Havelock ihn dazu— begann nun mit mir ein Zwieaespräch, das bald von der leichten Fragestellung in ein ausforschendes Verhör abglitt, dessen zusriedenstellendes Er- gebnis für mich eine Visitenkarte von ihm war mit der Anschrift „Ueberbringer wünscht sich zu informieren". Mundlich lautete die Weisung, dieselbe Eduard Bernstein zu uberbringen. Wenige Tage daraus stand ich vor diesem in seinem Arbeitszimmer in Hattingen, die bedächtige argwöhnisch« Musterung— der Züricher Ausenthalt hatte wobl den von Natur aus prüfenden Blick noch um einige Nuancen gesteigert— fiel zufriedenstellend aus, denn nun öffneten sich mir die Haus« Zadek und Lübeck auf der Oberstroß und vor allem da» Innerste der Tempeltor«, die Werkstätte Motteler? in Hotliizgen, die rote Poftmeisterei. Aus dem heute dichtbesiedelten Hang, der von Oberstraß gegen den Zürichberg hinauszieht, standen damals wie einsame Borposten auf weiter Fläche zwei eng aneinander gelehnte Miethauser, im ersten Stock des einen hatten Zadels, denen Berlin unter dem Sozialistengesetz zu heiß geworden war, ihr Domizil gefunden, im gleichen de» and«en der Journalist Earl Lübeck, den dieselben Empfindungen aus Frankfurt verjagt hatten. Die bis zu ihren letzten Lebenemonaten— sie ist sehr viel später in hochbetagtem Alter in Berlin gestorben— bewegliche und geistig regsame Mutter Zadel bildete mit ihren Töchtern Julie und Regina— erstere folgte ihrem Mann, dem russischen Arzt Romm, nach Paris, letztere wurde später die Frau Eduard Bernsteins— und dem von Zeit zu Zeit von Berlin au» erscheinenden Sodn, dem bekannten Porteigenossen Dr. Ignaz Zadel, die Sammelstelle der deutschen Sozialisten: bei Lübecks dagegen— sie selbst war Polin— fanden sich die Revolutionär« der gesamten slawischen Länder ein. Hier zeigt« sich, wenn auch in flüchtiger Eile, Peter Krapatkin, hier tauchte eines Tages Ludwig Deutsch, der zweimal dem sibirischen Kerker entflohen war, auf, hier war selbst die scheue Vera Sassulitsch zu Gast, die mit ihrem Attentat aus den seinerzeitigen Petersburger General- gouverneur Trepow das Signal zum blutigen Kampfe gegen die zaristische Gewaltherrschaft gegeben hatte. In diesen beiden Häusern konzentrierte sich das gesellschaftlich-politisch« Emigranten�eben der damaligen Zeit, der dauernde Zustrom der verschiedenartigsten Ele- mente schuf eine Atmosphäre von pulsierender Lebendigkeit und rastloser Hingabe an die gemeinsamen Ziele. Die pratttsch-orgonisatorische Arbeit, die die Verbreitung des „Sozialdemokrat" in Deutichland zu vollziehen hatte, spielte sich an einer anderen Stelle ob, im Hauptquartier von Igna; Motteler in Hottingen. Unter dem Kommando des„roten Postmeisters" und angespornt durch die rührende Sorge seiner Frau—„Tante" nannte man sie— um dos leibliche Wohl der Mitarbeitenden«iir- den Adressen geschrieben, die verbotenen Früchte sorgsamst kuver- tiert oder auch von unverdächtigen Zeitungen umhüllt al» Kreuz« bandsendung zurechtgemacht oder schließlich in Kölli» und Kisten wohlverdorgen, unter allen erdenkbaren Utensilien verpackt. Do- neben lief aber der eigens organisierte Pascherdienst, die direkte Beförderung de»„Sozialdemokrat" über die Grenze, die Polsterung von Armen. Beinen und Rücken mit zurechtgebogenen Logen des au« dünnstem Papier hergejtellten Organe«. Diese Grenztätigkeit mit ihrer Uebertölpelung der Zollbeamten und Hascher, die d>e deutsch» Regierung bi? in die Kreise der eidgenössischen Polizei hinein beschöst>ate und bezahlte, mar«ine ganz besondere Aufgabe. ebenso verlockend wie freudvoll, wenn st» gelungen war. lind sie gelang soft immer, denn Wagemut und bei aller Beherztheit plan» volle? Borgehen waren aus unserer"?»,!» Dem Parte>di«nst suai» sicki zwanglos da? Bestreben an. unten den Hochschulbesuchern für die Idee de« Sozial'smu» zu werben. Wir gründeten daher>m Sommerseniester l5ft3 den auf deutschen Unlnersitaten erstmalig in die Erscheinung tretenden„Verein I o zi a ll sti s ch e r Studenten". Die Grunt»ing?Mitgliede? waren Martin und Johanne» Weiß, der eine bereit» in Deutsch, lond gemaßregelt, der andere sltichiig, ostpreußische Psarrerssöhne./ der honnoveranische Philologe Krüger, ein Hüne mit langem rotem Bart, der Wiener Ehemiter Adolf Sp>egler. der Schwager von Adolf und Heinrich Braun und der Verfasser dieser kleinen Sitzze. So klein die Zahl der aktiven Mitalieoer auch blieb, so rührig und zielbewußt mar ihre Arbeit, und da» Interesse, da» ihr entgegen« gebrocht wurde, äußerte sich in dem Besuch ihrer Sitzungen und Versammlungen durch ein« Reihe führender Manner. Reben Bebel, Liedknecht und Vollmar, die nie versäumten, bei ihren Züricher Be- suchen auch in unseren Kreis zu kommen, mar es der Botaniker Dodel-Port, der Dormjtädter Naturwissenschostlkr Ludwig Büchner, die damaligen Schristleiter der„Züricher Post" Rein- hold Rüegg und Theodor Curti, weiterhin Paul Axel- roth, Greulich. Eonzett und manch anderer, die bei uns Vortrog« hielten und eine» engen Kontakt mit dem Verein bewahrten. Und beim Iubiläumsfest des eidgenössischen Polytechnikum? zogen ww in geschlossenem Zuge mit dem Wahrzeichen der roten Nelke unter den Korporationen mit. Rektor mar damals der Pathologe Klebs, der Proteltar des „Verein« deutscher siudenten". Seine Voreingenommenheit äußert« sich in schikanöser Anwendung der Unioersitätssatzungen, sein Partei- ischer Sinn fand stimmungsvollen Beiklang in den Kreisen der reichsdeutschen Studenten. Man entfernte oder beschmierte unser« Anschläge am schwarzen Brett, Berwünschungen und selbst Drohbrief« gelangten an un«. Da mußte, um diesen Unfug zu beenden, ein Exempel statuiert werden: Nächtliche Wachtposten unter Führung de« obenerwähnten hünenhaften Krüger lauerten auf die Täter, und mit ihrer völlig inkommentmaßigen, aber mehr als fühlbaren Züchtigung fanden diese feigen Attentats auf unsere Ankündigungen ihr Ende. Leider war das Bestehen des Vereins nur von kurzer Dauer, als 1554 der größte Teil der Aktiven Zürich verließ, fehlte der Nachschub, und er verblich. Eine neue Generation ist seitdem erstanden, non den Alten dämmert nur noch in schwacher Erinnerung der Name, kaum noch ihr Wollen und Wirken. Der Ueberlebende aber schaut bewegten Sinnes zurück in jene Zeit kampserfüllter Begeisterung und opfer-. williger Hingabe, und dankbar für das, was er erlebt hat, hat er' sie noch einmal in ihrem Ablauf skizzenhaft vor sich erstehen lassen! Suropäifche AphoriUiker. 2. Friedrich Schlegel. Das Nichtverstehen kommt meistens gar nicht vom Mangel an Verstand, sondern vom Mangel an Sinn. Verbindet die Extreme, so habt ihr die wahre Mitte. Zur Philosophie gehören, je nachdem man ez nimmt, entweder gar keine oder all» Sachkenntnisse. In der wahren Prosa muh alles unterstrichen sein. E, gibt so viele Schriftsteller, Me>l Lesen und Schreiben jetzt nur dem Grade nach oerschieden sind. Die Kritik ist die Kunst, die Scheinlebendigen in der Literatur zu töten. sKusxoväkIt xon J«ns Grieter.)