BERLIN Donnerstag 26. Mai 1932 Der Abend Erscheint tåglich außer Sonntag s. Bugleich Abendausgabe des Vorwärts. Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro Monat ( davon 87 Vf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus tablbar. Vost bezug 3,97 m. einschließlich 60 Vf. Vostzeitungs, und 72 Vf. Vostbestellgebühren. Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Rr. 244 B 122 49. Jahrgang Anzeigenprets: Die einspaltige Millimeterzeile 30 Dr., Reklamezeile 2.-M. Ermäßigungen nach Tarif. Vostfcheck fonto: Borwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37 536.- Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion und Erpedition: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Gernsprecher: Dönboff( A 7) 292-297 Die Schande des Parlaments Nach der„ Schlacht" im Landtag ,, Schlägerei statt Politik! Ein schöner Anfang der nationalsozialistischen Justizreform!" schreibt die ,, Kölnische Volkszeitung". Und sie fährt fort: Man hatte die leise Hoffnung, die nationalsozialistische Landtagsfraktion sei aus anderem Holz geschnitzt als ihre Schwesterfraktion im Reichstag. Indes haben wir heute erlebt, daß Teile der preußischen nationalsozialistischen Parteigruppen an Roheit die entsprechenden Leistungen im Reichstag noch überboten haben. Die Einzelheiten dieser erbaulichen Borgänge sind in dem Landtagsbericht nachzulesen, in dem ausführlicher beschrieben wird, wie die Geburtsanzeige des Dritten Reichs aussieht. Das rheinische Zentrumsblatt führt dann die Gründe an, die seine Fraktion bewogen haben, einen Nazi zum Präsidenten zu machen. Es fügt hinzu, in vier Wochen komme ja erst die endgültige Entscheidung, die Einleitungsrede des neuen Mannes sei aber nicht dazu angetan gewesen, das Bertrauen in seine Objektivität zu fördern. Dann fährt das Blatt fort: Im Aeltestenrat haben sowohl Nationalsozialisten wie Kommunisten die Harmlojen gespielt und die Erklärung abgegeben, an der Aufhellung der Schuldfrage sei ihnen nichts gelegen. Ein Ein. greifen der Polizei wünschen sie nicht. Das glauben wir ihnen gern. Aber, soll dieses Verhalten vielleicht die Einleitung zu der Reform, der Rechtspflege sein, von der die Nationalsozialisten heute so viel gesprochen haben und deren Erörterung schließlich das Signal zu der Schlägerei gegeben hat? Der Fall ist mit harmlosen Erklärungen nicht ausgestanden. Das wäre eine schöne Amtsführung, wenn die Nationalsozialisten und Kommunisten wilde Szenen provozieren dürfen, dabei über Unschuldige herfallen, ohne daß die Urheber solcher Erzesse der gerechten Strafe zugeführt werden... Zum Schluß erklärt die Kölnische Zeitung", die Vorgänge hätten gezeigt, daß die Nationalsozialisten noch sehr viel lernen müssen und daß sie sehr gründlicher Belehrung bedürfen, ehe man daran denken kann, jich mit ihnen an einen Tisch zu setzen". * Der Abscheu der heutigen Morgenpresse über die gestrige Massenschlägerei im Preußischen Landtag ist ziemlich allgemein, aber er kommt sehr verschieden zum Ausdruck. Es ist ein billiger Trid, wenn die schwerindustrielle ,, DA3." aus dem widerlichen Vorfall gegen das Parlament und gegen den Parla= mentarismus Stimmung zu machen sucht, weil die antiparlamentarischen Parteien aus dem Sizungssaal eine Kampf- und Bogarena gemacht haben. Die Hugenberg- Presse versucht in treuer Waffenbrüderschaft mit den Nazis diese zu entschuldigen und die Kommunisten als die alleinigen Angreifer hinzustellen. Dabei fälscht. der ,, Lokal- Anzeiger" die Situation so um, als ob zuerst die Kommunisten auf die Rednertribüne gestürmt seien. Also selbst die ,, DAZ." muß den ganz flaren Sachverhalt zugestehen, daß während der Rede Piecks, zuerst die Nationalsozialisten aufsprangen und zum Rednerpult drängten, und daß dann erst die Kommunisten ihrem Fraktionskollegen Pied zu Hilfe" eilten. Die Darstellung der Vorgänge, wie sie im übrigen der Vorwärts" in seiner heutigen Morgennummer gegeben hat, wird von allen objektiven Beobachtern hundertprozentig bestätigt. Für die kommunistische Rote Fahne" sind die gestrigen Vorgänge Anlaß, wieder einmal in verlogenem Einheitsfront" Schwindel zu machen. Wie die von ihr proklamierte Einheitsfront praktisch aussieht, daß sie in Wirklichkeit eine Einheitsfront gegen den Hauptfeind", die Sozialdemokratie, sein soll, ergibt der Inhalt der gleichen Nummer auf Schritt und Tritt. Das Blatt strogt von Lügen und Verleumdungen gegen die Sozialdemokraten, so, wenn auf der zweiten Seite mit großen Ueberschriften und fetten Lettern behauptet wird, daß bei der Präsidentenwahl eine stille Koalition zwischen Nazis und SPD." vorhanden gewesen sei. " " Um diesen Schwindel zu würdigen, braucht man nur das demofratische Berliner Tageblatt" oder die zentrümliche Germania" von heute morgen nachzulesen, die beide der Sozialdemokratie Vormürfe machen, weil sie nicht die Forderung der Nationalsozialisten auf das Landtagspräsidium anerkannt, sich nicht wenigstens mit der Abgabe weißer Stimmzettel begnügt, sondern aus dieser Wahl eine Kampfwahl gemacht habe. Die Sozialdemokratie hat sich von dieser Haltung auch nicht durch die Drohung der Nationalsozialisten abhalten lassen, daß sie ihr Verhalten bei der Wahl der Bizepräsidenten von der Stellung nahme der einzelnen Fraktionen zur Wahl Kerrls abhängig machen mürde. Sie hat eindeutig zu verstehen gegeben, daß sie irgendwelche direkten oder indirekten Verhandlungen mit den Nationalsozialisten „ Fememörder" Entrüstung der Kubaner über treffende Zwischenrufe 1 In der spaltenlangen Erklärung der nationalsozialistischen| helm Kube! wird besonders Entrüstung darüber geLandtagsfraktion- Borsitzender von Hitlers Gnaden wil spielt, daß im Landtag ein Fememörder Feme= mörder genannt worden ist. Nicht bei allen Naziabgeordneten ist diese Entrüstung echt sicher aber bei Wilhelm Kube. Dieser würdige Herr richtete schon am 1. September 1926(!) an die Staatsanwaltschaft beim Landgericht I in Berlin einen Brief, in dem es hieß: Öffentliche 41 Volks卐 am F Versammlung den Samstag 28 Sept.29 730 Uhr im Gasthof z. Post in Eichenau Thema Fort mit dem Pariser Tributplen Redner Stadtraf Fehler u. Fomemorder H. Heines Alle Deutschen Männer und Frauen find herzlich eingeladen Eintritt zur Dechung der Unkosten Big. Kriegsbeschädigte und Ermerbslose frei Juden haben keinen 3utritt! Nationalsozialist. Deutsche Arbeiterpartei 3.2 Mallenbach So kündigte die Hitler- Partei den Fememörder Heines öffentlich als Redner an. Heute veranstaltet sie förmliche Schlachten, wenn ihr das Wort„ Feme mörder" zugerufen wird! über die Besetzung des Präsidiums nicht führt. Welche Motive die Nationalsozialisten veranlaßt haben, sich dann bei der Wahl Wittmaacs zum Vizepräsidenten der Stimme zu enthalten, ist uns völlig unbekannt. Jedenfalls hat die Sozialdemokratie nichts getan, um den Nationalsozialisten diese Haltung zu erleichtern, dagegen alles, sie ihnen zu erschweren. Die Behauptung von der stillen Koalition" ist danach eine abgefeimte Lüge! Daneben überhäuft die Rote Fahne" die sozialdemotratische Landtagsfraktion mit Schmähungen, weil sie sich an der Brügelei nicht beteiligt hat. Dazu ist zu erklären: Im Gegensatz zu den Kommunisten erblickt die Sozialdemokratie im Parlament nicht einen Schauplatz ausschließlich für Demonftrationen, sondern sie sieht in ihm eine Stätte notwendiger Arbeit. Die Sozialdemokratie wird von sich aus nichts tun, um noch mehr zur Zerstörung und Entartung des Parlamentarismus beizutragen, als dies schon von den antiparlamentarischen Parteien geschieht. Sollte die sozialdemofratische Fraktion von irgendwem im Parlament tätlich angegriffen werden, so wird sie sich selbstverständlich zur Wehr sehen. Sich in die Schlägereien anderer Parteien einzumischen, hat sie feinerlei Beranlassung. Im übrigen aber wollen mir der ,, Roten Fahne" verraten, daß eine Anzahl kommunistischer Abgeordneter, als sie mehrlos am Boden liegend von den Nationalsozialisten noch weiter mißhandelt wurden, durch das Dazwischentreten sozialdemokratischer Abgeordneter befreit | Als ich mit einigen Herren das Lokal verließ, wurde ich von den Nationalsozialisten mit Zurufen, wie„ Fememörder" und ähnlichem begrüßt und bis vor das Lokal von Fiehstädt in der Andreasstraße verfolgt. Erst das Eingreifen einiger Polizeibeamter befreite mich von den Nationalsozialisten. Dabei fielen Zurufe wie:„ Den Kube schlagen wir tot." Wenn ich auch diese Drohung nicht allzu ernst nehme, so habe ich doch nicht die Absicht, mir meine verfassungsgemäß gewährte Redefreiheit von jungen, unreifen Burschen beschränken zu lassen. Das Auftreten der Nationalsozialisten zeigt, daß es auf höhere Anordnung geschieht. Infolgedessen ersuche ich im Interesse der öffentlichen Ordnung und zur Durchführung zum Schuße der Versammlungsfreiheit öffentliche Anklage gegen die Berliner Gauleitung der Nationalsozialisten zu erheben. Man sieht, der jetzige Vorsitzende der stärksten Fraktion" im Landtag hat einige Erfahrungen mit Natio= nalsozialisten und auch mit dem Ruf ,, Fememörder". Vor allem aber mit den jungen unreifen Bur schen", die ,, auf höhere Anordnung" zu allen Störungen und Prügeleien, ja sogar dazu bereit sind, selbst Wilhelm Kube totzuschlagen! Rubes Entrüstung ist sicher ganz echt". Nur kann er als Beauftragter Hitlers nicht mehr den Berliner Polizeipräsidenten, wie er es 1926 tat, um polizeilichen Schutz vor den 200 jungen Leuten" der Nazis bitten, die schon bei Beginn seiner Versammlungen ,, mit ihrem Gejohle" störten. Heute führt Wilhelm Kube selbst das Kommando über die kubanischen Heerscharen und hilft feste prügeln, unter dem Schuß der Kerrlichen Immunität! So ändern sich die Zeiten! worden sind, so der Abgeordnete Gohlke, obwohl gerade dieser im vergangenen Landtag wiederholt gegen sozialdemokratische Abgeordnete tätlich werden wollte. Sehr reserviert verhält sich zu den Vorgängen die ,, Germania". Daß die Zentrumsfrattion durch das pöbelhafte Verhalten der Nationalsozialisten unmittelbar nach der Saalschlacht ungemein stark beeindruďt war, konnte jeder Beobachter feststellen. Wie weit solche Stimmungen zu politischen Konsequenzen führen, ist natürlich eine andere Frage. Die„ ,, Germania" drückt eine gewisse Befriedigung darüber aus, daß man sich im Hause schnell wieder beruhigt(?) habe, aber sie muß doch selber zugestehen: Bei vielen wird der Glaube, daß dieser Landtag sich doch zu objektiver sachlicher Arbeit aufraffen werde, durch den gewaltsamen Abschluß der gestrigen Sitzung einen schweren Stoß erlitten haben. Das Zentrumsblatt schließt allerdings mit dem platonischen Wunsche, daß sich derartige Szenen, in denen es eine unheilvolle Nachwirkung der Wahlkampfstimmung" sieht, nicht wiederholen möchten. Wir halten diese Einschäzung für falsch. Diese Szenen entspringen nicht einer vorübergehenden Stimmung, sondern sie liegen im Wesen des Faschismus begründet. Urteil im Altonaer Kommuniffenprozeß. Das Altonaer Schwurgericht verurteilte nach mehrtägiger Verhandlung vier Kommunisten zu Gefängnisstrafen von 1 Jahr 2 Monaten bis zu 2 Jahren. Dem Prozeß lag ein Ueberfall auf ein nationalsozialistisches Verkehrslokal am 15. März zugrunde. Die Sozialisten und Herrioi Nenaudel bei Kernst— Ein rein radikales Kabinett? Kerrl. Zentrumsschmerzen über den neuen Präsidenten. Durch die Saalschlacht Im Landtag Ist ein vorangegangenes Ereignis unverdient in der öffentlichen Betrachtung zu kurz ge- kommen: die provozierende Partei rede, mit der der nationalsozialistische Landtagspräsident Kerrl sein Amt antrat. Immerhin beschäftigt sich ein Blatt ausführlicher damit und widmet Herrn Kerrl folgende Worte der Kritik: Die wenigen Worte, mit denen der neue Präsident sein Amt übernahm, waren für die gespannte politische Situation nicht sonderlich klug und abgemessen gewählt. E» hätte unbedingt einen besseren Eindruck gemacht, wenn der neue Präsident sich die parteipolitischen Anspielungen aus seine Wahl, die nicht zur Sache gehörten, und ebenso die Seitenhiebe aus die Kommunisten, mit denen er die ersten beiden Ordnungsrufe verband, geschenkt hätte. Denn darunter mühte sein Versprechen, sein Amt unparteiisch— und er fügte hinzu,„wie es für einen Nationalsozialisten selbst- verständlich ist"— zu führen, unbedingt leiden. Und nach dem, was der Rest der gestrigen Landtagssitzung brachte, hat man das Empfinden, daß der Präsident dieses Hauses den Ruf unbedingter Ueberparteilichkeit mehr als jeder andere Par- lamentsleiter bitter nötig haben wird. Das Blatt, da, Herrn Kerrl diese schlechte Zensur aus- stellt, ist die„G e r m a n i a", das Berliner Organ des Zentrums, durch dessen Stimmen der neue Nazipräsident in sein Amt gelangt ist. Seltsam berührt es allerdings, wenn im Anschluß an diese Kritik an Kerrl die Sozialdemokratie von der Germania getadelt wird, weil sie diesem Präsidenten ihre Stimme versagt hat. Die An- trittsrede des neuen Präsidenten, die in der Zentrumsfraktion sofort großes Unbehagen und bittere Enttäuschung hervorrief, war die klare Rechtfertigung der sozialdemokratischen Haltung! Die„Germania" bezeichnet die Wahl des Präsidenten, die übrigens in vier Wochen wiederholt werden muß, als«ine„Vor- s e l d p r ü s u n g", deren politische Tragweite„nicht über- schätzt" werden dürfe. Sie schreibt weiter: Falsch wäre es natürlich, aus den gestrigen Vorgängen Rück- schlüsse auf die nächsten politischen Entscheidungen zu ziehen, die völlig ungeklärt und noch nicht spruchreif geworden sind. Wir stehen vielmehr unter dem Eindruck, daß die Nazis gestern im besten Zuge waren, die politische Situation in jeder Weise zu „klären". Aazi" in Preußen. Auch hier wird„aufgenordet". Angeregt durch das Beispiel der„Arbeiter-Zeitung", die die Wiener Kandidatenliste der Nazis unter die Lupe genommen hat. sendet uns ein Freund unseres Blattes einen Auszug au» der nationalsozialistischen Kandidatenliste zu den preußischen Landtags- wählen. Bei den folgenden Herren ist die Zugehörigkeit zur nordisch- germanischen Edelrasse schon aus ihren Namen ersichtlich: .�ciamozvli, Adarneck, Czarnowski, Cziniick, Gregorzck, Jobski, Kilinski, Krawielitzki, Krzizek, Krzizok, Kalisdi, Mogunia, Opalka, Paltinat, Polack, Pottack, Potesta, Quell a. Rebitzki, Respondek, Robra, Roganscb, Russek, Salzki, Slawik, Soika, Sossna, Trzeciak, Wodtatz, Woyrsch. Diese Herren haben alle für die Partei kandidiert, die für germanische Rassenkultur schwärmt und die Ausnordung de» deutschen Voltes betreibt. Brüning am Sonntag bei Hindenburg. Meißner zurückgetehrt. Staatssekretär Dr. Meißner ist heute vormittag au» Neudeck nach Berlin zurückgekehrt, nachdem er den Reichspräsi- denten über die Grundzüge der neuen Notverordnung«in- gehend unterrichtet hat. Irgendwelche Beschlüsse sind nicht gefaßt worden. Der Reichspräsident selbst wird im Laufe des Sonn- abend nach Berlin abreisen und voraussichtlich am Sonntagvormittag den Reichskanzler zu einer eingehenden Aussprache sowohl über die Notverordnung wie auch über die Erweiterung bzw. Umbildung des Reichskabinetts empfangen. Grimme-Versammlung verboten- weil Regierungsrat Hitler zu erscheinen geruht. Ein unglaubliches Stückchen leistete sich die Polizeioer- waltung der mecklenburgischen Stadt Rostock. Dort war für Sonntagvormittag Wk Uhr im Saal des Ge- werkschaftshauses ein« öfsentliche Wahlversammlung an- gemeldet, in der der preußische Bildungsmini st er. Genosse Adolf Grimme, als Redner vorgesehen war. Für den Nachmittag hatten die Hakenkreuzler eine V e r- sammlung unter freiem Himmel in der Vorstqdt genehmigt erhalten, in der Hitler höchstselbst sprechen soll. Nun hat der Rat von Rostock an die Einberufer der sozial- demokratischen Versammlung das folgende Schreiben gerichtet: Rostock, den 25. Mai 1932. Der Rat der Seestadt Rostock (Polizeiamt) Ihrem Antrage vom 21. Mai 1932, für Sonntag, den 29. Mal 1932, vorm. 10.39 Uhr, eine öffentliche Kundgebung in der „Philharmonie" zu genehmigen, kann nicht entsprochen werden. Nach Sj 1 Absatz 1 Ziffer 4 der Berordnung des Reichs- Präsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 23. März 1931(RGB. 1931, S. 79) können öffentliche politische Der- sammlungen oerboten werden, wenn den Umständen nach ein« Gesährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu besorgen ist. Bevor Ihr Antrag vom 21. Mai 1932 einging, war der Rational- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei eine öffentliche Kundgebung auf der alten Rennbahn für den 29. Mal 1932 genehmigt. Mit Rück- ficht auf diese Veranstaltung, bei der schon In den Mvrgenstunden mit der Ankunft der auswärtigen Teilnehmer zu rechnen Ist, tännen weitere öffentliche politische Versammlungen nicht zugelassen werden. Wulf. Wenn das nicht ein offener Willkürakt ist, dann muß man annehmen, die Polizelverwaltung von Rostock e r- wartete von den„schon in den Morgenstunden" eintreffen- den Hitler-Anhängern Gewalttaten gegen die so- zialdemokratischeVersammlung. Sietapitu- l i e r t schon im voraus vor diesen„rauhen Kämpfern", anstatt ihre Pflicht zu erfüllen, nämlich für die verfassungsmäßige Versammlungsfreiheit zu sorgen! Das Verbot ist also ein neues Zeichen dafür, wie sehr die faschistische Gefahr schon in den'ßt-izslstiiden gefürchtet wird! I Pari», 26. Mai.(Eigenbericht.) „Petit Journal" meldet, daß h e r r i o t In seinen Unterredungen, die er am Mittwoch mit den Sozialisten Renaudel, J r o t und 5 r o s s a r d führte, die sämtlich Anhänger einer ve- teillgung der Sozialisten an einer Oinksregierung sind, erklärt hat. daß er den Sozialisten eine ehrenhafte Zusammenarbeit aus der Vasi» eines Aktionsprogramms anbieten würde, das der Erekulwausschuß der Radikalen Partei am 31. Mai festsehen werde. Dieses Angebot solle ganz unabhängig von den Beschlüssen erfolgen, die der sozialistische Parteikongreh in der Frage der Regierungsbeleiligung annehmen werden An der Tatsache dieses Angebots war nach dem Wahlausgang und dem engen Wohlbündnis zwischen Sozialisten und Radikalen nicht zu zweifeln. Aber es ist nicht weniger zweifelhaft, daß das Angebot keine Folgen haben wird, denn die Sozialisten werden von den Radikalen die Annahme der von Leon Blum auscestclllen Bedingungen verlangen. in die die Radikalen nicht einwilligen können. Unter diesen Um- ständen wird Herriot die Zlbsicht zugeschrieben, ein rein r a d i- kales Kabinett zu bilden, dem nur einige Aertreter der be- nachbarten kleinen Linksparteien angehören sollen. Nach dem „Matin" ist die Zusammensetzung dieses Kabinetts bereits im Prln- zip geregelt, so daß Herriot, der wahrscheinlich ani 3. Juni abends offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt werden wird, das Kabinett bereits am 6. oder?. Juni der Kammer vorstellen könne. Herriot werde außer dem Präsidentenposten das Nachverhandlungen im Baugewerbe. Das Reichsarbeitsministerium soll entscheiden. Heute vormittag haben im Rcichsarbeitsminislerium die 31 a ch- Verhandlungen über die Schiedssprüche für das gesamte deutsche Laugewerbe begonnen. Da ein Tarifbezirk nach dem anderen behandelt werden muß, ist eine mehrtägige Dauer der Verhandlungen vorgesehen worden. Die Verhandlungen werden heute und morgen, Freitag, für die Tarifgebtete Berlin. Sachsen und Sachsen-Anhalt geführt, am Sonnabend unterbrochen und am Rlonlag für die anderen Tarisbezirke wieder aufgenommen. Alan rechnet mit dem Abschluß der 31achverhandlungen am Mittwoch nächster Woche. Den Vorsitz in den Verhandlungen führt der Vertreter de» Reichsarbellsministertums Reglerungsrat Dr. D o b b e r st e i n. Erklärung im Kelfeneck-prozeß. Oer mutmaßliche Mörder Klemkes Zw Felseneck-Prozetz kam es heuke zu einer aufsehenerregenden Erklärung durch die Verteidigung der Kommunisten. 31achdem der vor kurzem aus der Haft entlassene nationalsozialistische Angeklagte Schwarz die Frage, ob er aus dem Gefängnis an seine Frau ein Kassiber hlnaurgeschmuogelt habe, bejaht hatte, wurde falgende Erklärung abgegeben: Die„Rote Hilfe" habe den mutmaßlichen Mörder des Arbeiters Klemke festgestellt. Es seien auch Zeugen vorhanden, aus deren Aussagen sich seine Täterschaft ergebe. Den Namen dieses mutmaßlichen Mörders des Arbeiters Klemke in öffentlicher Sitzung mitzuteilen, sei nicht möglich, da die Defürch- tung naheliege, daß der aus der Untersuchungshaft entlassene Schwarz, der aus dem Gefängnis seiner Frau«inen Kassiber ge- schickt habe, den mutmaßlichen Täter, der zum Felseneck-Pro�eß > als Zeuge geladen sei, in der Aussage beeinflussen könnte. Die Verteidigung sei bereit, den Namen des Mannes der Staatsanwaltschaft mitzuteilen. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück: nach Wiederaus- nähme der Verhandlung gab Staatsanwaltschaftsrat Dr. Stenig die Erklärung ab, daß die erforderlichen Ermittlungen bereit, ein- geleitet seien und daß ein Aussetzen vor Verhandlung zu diesem Zweck nicht notwendig erscheine. E» wurde mit der Vernehmung i der Zeugen fortgefahren. Portefeuille des Außenministers übernehmen. Der Posten des Vizepräsidenten und Justizministers werde eurem Senator, wahr- scheinlich Renault, angeboten werden. C h a ri t e m p s solle Innenminister, P a i n l e v e Kriegsminister und S a r r a u t Marine- oder Kolonialminister werden. D a l a d i e r werde das Luftministerium, Bonnet das Postministerium und Queuille das Ackerbauministerium erhalten. Aus dem Handelsmuristcrium solle infolge der großen Bedeutung der wirtschaftlichen und finan- ziellen Probleme ein Wirtschaftsministerium gemacht werden, dessen Leitung Germain Martin(radikale Linke) anoerlraut werden würde. Zum Finanzminister solle der radikale Abgeordnete Pal- made, zum Budgetminister der bisherige Berichterstatter der Finanzkommiffion des Senats G a r d e y ernannt werden. Ein solches Kabinett wäre nach der Anficht des„Aialin" wenigstens für die erste Zeit der Unlerflühung oder der Reutralilät der Sozialisten und der rechtsstehenden INitlelparteien sicher. würde also über eine große Rlehrhelt verfügen und Frankreich in Gens und Lausanne mit aller notwendigen Autorität vertreten können. In der Kammer wird inzwischen die Bildung der Fraktionen fortgesetzt. Am Mittwochnachmittag tagten die Linksrepubli- kaner in Anwesenheit von Tardicu, Flandin, Pietri und Rollin. Sie beschlossen, ihre Fraktion für die Abgeordneten der von Maginot gegründeten demokratischen Allianz offen zu halten, die sich wahr- scheinlich nicht wieder als Fraktion konstituieren wird. Da auch einige Vertreter des linken Flügels der Gruppe Marin und Mit- glieder der Fraktion Franklin-Vouillon den Linksrepubikanern bei- treten werden, dürfte diese zu einer starken gemäßigten Rechts- parte! werden. Der Vorsitz wird wahrscheinlich Tardieu angeboten werden. Autounglück Ltnier den Linden. Privatauto gegen Oroschke- fünf Verletzte. Aus der Kreuzung Unter den Linden und Wilhelm- st r a ß e stieß in der vergangenen Nacht ein Privatauto mit einer Autodroschke zusammen, in der sich vier Insassen befanden. Bei dem heftigen Zusammenprall wurden beide Fahrzeuge schwer beschädigt. Die Fahrgäste der Autodroschke. Bürgermeister Willi Jöricke, Prokurist Otto Ludwig, Landwirt Wilhelm Kienast und Landwirt Karl Zunge, sämtlich aus Nauen, wurden durch die Feuerwehr mit erheblichen Verletzungen in die Eharitt gebracht. Außer- dem erlitt ein im Privatwagen sitzender Mechaniker Willi Dürr aus Eichwalde Kopfverletzungen. Die Schuld an den, Unfall soll den Führer des Prioatautos treffen, der auf der Kreuzung ein anderes Fahrzeug verkehrswidrig zu überholen versuchte. Das Geheimnis des Selbstmörders. Mit Perücke und falschem Schnurrbart auf der Flucht. In einem Hotel in Wittenberge wurde ein Mann erschossen aufgesunden, über dessen Personalien berechtigte Zweifel aufgestiegen waren. Der Mann, der vorgab, blind zu sein, hatte sich al» ein gewisser Otto Baumann aus Königsberg eingetragen und bald daraus Selbstmord durch Erschießen verübt. Die Leiche wurde beschlagnahm», Ermittlungen eingeleitet, die jetzt wahrscheinlich zur Klärung des rätselhaften Leichenfundes führen werden. Bei dem Toten handelt es sich allem Anschein nach um den S7 Jahre alten früheren Gemeindevorsteher von Wald Dievenow, Oskar B l e d f ch u n, der ehemals Polizei- fckretär war. Blcdschun wurde seit dem 10. Marz vermißt. Nach- dem er den Posten als Gemeindevarftcher ausgegeben hotte, war er flüchtig geworden. Bledschun, der bisher in einem westlichen Berliner Vorort gewohnt hat, erstand in Wald Dievenow«ine Villa, in der er mit einer Wirtschafterin wohnte, während er von seiner Familie getrennt war. Als Bledschun aus dem Ostseebad ver- schwunden war, stellte man im Gemeindehaus fest, daß die Stadt- laste einen Fehlbetrag aufwies! Bledschun stand im Verdacht, die Gelder unterschlagen zu haben. Bledschun hatte sich als fast Erblindeter ausgegeben und in verschiedenen Ortschaften unter falschem Namen gewohnt. Bei seiner Flucht vor der Polizei be» nutzte er neben einer Perücke einen falschen Schnurrbart Fingierter Versichewngseinbruch Börsenmaklerfrau und Kriminalkommissar a. O. unter Anklage Die sensationelle Sriminalasfäre der Lörsenmaklerfrau E d i n- g e r und des Leipziger Sriminalkommistars a. D. R o u v e l findet heute ihre Erledigung vor dem Schöffengericht Ehar- lottenburg. Frau Edßiger halte sich mit Rouvcl verbunden, um mit Hilfe einer Einbrecherkolonne in der Wohnung ihres Rlannes in der Lcibnihstraße einen Verjicherungseinbruch zu fingieren. Der Börsenmakler E d i n g e r, einst ein wohlhabender Mann, war gezwungen, seine Villa an der Heerstraße zu verkaufen, seine kostspielige Einrichtung rettete er in seine neue Wohnung hinüber. Er versicherte sich bei der„Patria" in Höhe von 60 000 M. gegen Einbruch. Seine Geschäfte gingen schlecht, seine Frau beschloß, ihm zu helfen, sie erinnerte sich an den Leipziger Kriminalkommissar R o u v e l. Dieser Rouvel war im Jahre 1926 wegen Gefangenen- befreiung, Bestechung und Beihilfe bei Taschenbandendiebstählen zu 7 Iahren Zuchthaus verurteilt. 3% Jahre hatte er davon verbüßt, der Rest der Strafe war bedingt ausgesetzt worden. Von einer kriminellen Affäre in Leipzig her, in der er dienstlich tätig war, kannte er Edinger. Nach Verlassen des Gefängnisses wandte er sich an ihn und wurde als Verkäufer von Seilerwaren beschäftigt. Später eröffnete Rouvel ein Rechtsbüro in der Lothringer Straße und nahm Beziehungen zu Einbrechern auf. Ob Frau Edinger ihn auf die Idee gebracht hat, einen fingierten Ein- bruch inszenieren zu lassen oder er sie, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls setzte er die Einbrecherkolonne Walz in Bewegung. Dieser verschaffte auch die 80 M., die erforderlich waren, um die letzte Versicherungsprämie zu bezahlen. Als Gegenwert erhielt er einen Pfandschein auf Frau Edingers Pelz. Als die Geld- beschaffung Rouvel zu lange dauerte, setzte er sich mit der Ein- brecherkolonne Dans in Verbindung. Frau Edinger führte walz durch die Wohnung und bezeichnete ihm. was gestohlen werden sollte. Sein erster Einbruchsversuch am 23. August mißglückte: die Haus- angestellte kam zu früh nach Hause. Beim zweiten Einbruchsversuch stieß er zu seiner Empörung mit der Kolonne Dans zusammen. Man inszenierte eine gelinde Prügelei, der Bart vom Dietrich brach im Schlüsselloch ab, man war gezwungen, sich unverrichteter Dinge zurückzuziehen und einigte sich, den Einbruch geminsam zu begehen. Am 27. August zwischen 3 und 7 Uhr nachmittags drang man in die Wohnung ein. Die Hausangestellte war von Frau Edinger vor- her fortgeschickt, das Sicherheitsschloß offen gelassen. Man begnügte sich aber nicht damit, die bezeichneten Gegenstände mitzunehmen, man brach eine Iuwelenkassette auf und auch andere Schubfächer, schnitt Bilder aus den Rahmen usw Edinger erstattete Anzeige und meldete einen Schaden von 45 000 Mark an. Die Berstchöd rungsgesellschast zahlte aber nur einen Teil davon. Durch Zufall kam aber die ganze Affäre ans Tageslicht. Am Hackeschen Markt wurden Oelbilder aus dem Besitz Edingers ange- boten. Das machte die Polizei stußig. Bald darauf veranstaltete Dans in der Ziegelstrahe eine Schießerei, bei der er eine Kranken- schwester verletzte. In seiner Wohnung fand man gleichfalls Oel- bilder. Die Polizei kam hinter die Zusammenhänge, Frau Edinger brach zusammen und legte ein Geständnis ab: der Mann sollte vom Ganzen nichts gewußt haben. Die Staatsanwaltschaft ist aber anderer Ansicht: außerdem soll er auch Gegenstände als gestohlen angegeben haben, die nicht gestohlen sein konnten. So lautet gegen ihn und seine Frau die Anklage auf Versicherungsbetrug, gegen Rouvel auf Beihilfe, gegen den Schneider Nierzwicki und Dans wegen schweren Einbruches und Beihilfe zum Versicherungsbetrug, qegen den Dentisten Wolfs und einen gewissen Schwitowski wegen Begünstigung. Walz und sein Kumpan Rawrotzki sind flüchtig. Pastor Cremers Bezüge. Weitere 16 900 Mart festgestellt. Im Devaheim- Prozeß beschäftigte man sich heute weiter mit den Bezügen und Entnahmen des Angeklagten Pastor D. Cremer. Der Geschäftsführer der Evangelischen Versicherungszentrale, einer Vermittlungsgesellschaft für Sterbegeldversicherungen, Schlunt, bestätigte, daß der Angeklagte Pastor D. Cremer als Vorfigender dieser Einrichtung ein jährliches Gehalt von 6000 m. und eine Aufwandsentschädigung von 4000 m. erhielt. An Autospesen und für die Anschaffung von Wagen seien in 2½ Jahre 60 000 m. gezahlt worden. Vorf.: Wie groß war eigentlich das Vermögen der Evangelischen Versicherungszentrale? 3euge: Das ist nicht genau zu sagen, da jetzt ein Streit mit dem Steuerfiskus besteht wegen der Frage der Gemeinnüßigkeit der Gesellschaft, die vom Finanzamt bestritten wird. Im ungünstigsten Falle beträgt das Vermögen 1,2 Millionen, der Streitbetrag wegen der Steuer macht 1,6 Millionen Mark aus. Die Verhandlung gestaltete sich dann recht interessant, als der Beisitzer Landgerichtsrat Simon dem Angeklagten Pastor D. Cremer vorhielt, daß er außer seinen regelmäßigen Bezügen und Autospesen noch in der Zeit vom September 1929 bis Februar 1931 insgesamt 16 900 M. aus den Mitteln der Versicherungszentrale entnommen habe, es handele sich dabei um Beträge, die in der Anklage D. Cremer protestierten dagegen, daß man diese Punkte, die der Aufmerksamkeit der Anklage entgangen seien, jetzt zum Gegenstand der Verhandlung mache, so daß es über diese Frage eine recht leb= hafte Auseinandersehung gab. Das Gericht beschloß schließlich nach furzer Beratung, solche Fragen an Pastor Cremer zuzulassen, allerdings sollten diese Tatbestände feine Grundlage für die Urteils fällung bilden, sondern nur zur Illustration dienen. Aus der Kontroverse zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaftsrat Dr. Eichholz war zu entnehmen, daß die Staatsanwaltschaft gegen den Angeklagten Claussen noch eine Nachtragsanflage erheben wird. Der Zeichner als Prophet Was wird in Preußen werden? Durch viermaliges Nebeneinanderstellen dieses Bildes löste in der Sonntagnummer des Vorwärts" unfer Beichner die Frage, was in Preußen werden würde. Vorbereitungen am Müggelsee. Do X fann in der kommenden Woche besichtigt werden." Obgleich ein genauer Termin für die Besichtigung des Do X durch das Berliner Publikum noch nicht festgelegt worden ist, werden Vorbereitungen getroffen, einen geeigneten neuen Ankerplatz für das Flugschiff zu suchen, damit in den wenigen Tagen des Berliner Aufenthaltes den Schaulustigen Gelegenheit gegeben werden kann, Do X im Innern zu besichtigen. Heute vormittag hat sich der Kommandant des Flugschiffes, Kapitän Christiansen, und der Dornier- Ingenieur SchulteFrohlinde nach dem Müggelsee hinausbegeben, um dort mit den zuständigen Stellen, dem Wasserbauamt, der Polizei und den Vertretern des Regierungspräsidenten, den neuen Ankerplatz des Flugschiffes zu bestimmen. Wie wir bereits mitteilten, wird Do X wahrscheinlich in die Nähe des Ufers geschleppt und unweit des Restaurants ,, Müggelschlößchen" neu verantert werden. Es scheint dies die günstigste Stelle zu sein, da man hier die Laufstege am einfachsten herrichten kann. Für die ersten Tage der nächsten Woche sind einige Rundflüge mit der Do X über Berlin geplant. Die Einladungen dazu werden vom Reichsverkehrsministerium, dem Besizer des Flugbootes, herausgehen. „ Europa": Flugzeug in Sicherheit. Verwechselte SOS.- Rufe. Das Katapultflugzeug des Dampfers Europa", das nach amerikanischen Meldungen bald nach dem Abschuß SOS- Rufe aus gesandt haben sollte, iſt geſtern um 18.50 amerikanischer Zeit wohl behalten und planmäßig in Boston gelandet. Die Bejagung erklärte nach der Landung, daß fie feinerlei Hilferufe abgegeben habe. Es handelt sich also offensichtlich um eine Verwechslung mit SOS- Rufen eines anderen Flugzeuges oder eines Dampfers. Fleischvergiftungen in Düsseldorf. 25 Personen ertranft. Düsseldorf, 26. Mai. Wie der Pressedienst der Stadt Düsseldorf mitteilt, wurde der städtischen Polizeiverwaltung Mitteilung gemacht, daß verschiedene Bersonen nach dem Genuß von Hackfleisch erttantt felen. Durch die bakteriologische Untersuchung wurden als Krankheitsursache Fleischvergiftungsbatterien festgestellt. Bei einer Reihe von Mezgern, soweit diese durch die Vernehmung der Großfleischer festgestellt wurden, wurde das ganze vorhandene Fleisch sofort beschlagnahmt und sichergestellt. Insgesamt sind etwa 25 Perso nen als frant gemeldet worden. Die Erkrankungen sind bisher ohne ernstliche Folgen verlaufen. Die Ermittlungen find von der städtischen Polizei in Berbindung mit der zuständigen staatlichen Dienststelle durchgeführt worden. Grund zur Beunruhi gung liegt nicht vor, da aller Wahrscheinlichkeit nach das ganze noch vorhandene Fleisch durch die Polizeiverwaltung sichergestellt und aus dem Verkehr gezogen worden ist. Es handelt sich um infiziertes Fleisch eines Kindes, das in Angermund notgeschlachtet und beim Düsseldorfer Schlacht- und Biehhof eingeführt, eingehend untersucht und alsdann als vollwertig freigegeben worden war. Wiederkehr des stummen Films? Schafft den Kinomusikern wieder Arbeit! Dem steilen Aufstieg, der der deutschen Filmindustrie, ins-| zwölftausend tätig( es ist die höchste Arbeitslosenquote aller Berufe), besondere der Tonfilmindustrie, im Verlauf der letzten sechs Jahre von den Kinomusikern sind allein zwölftausend arbeitslos. Spielt gelungen war, bereitete die Wirtschaftskatastrophe ein jähes Ende. man wieder stumme Filme, dann braucht man zu ihnen natürlich Die plötzlich aufgetretene Produktionseinschränkung ist nicht etwa auch entsprechende Musikbegleitung: die das Publikum freudig darauf zurückzuführen, daß zu wenig oder gar fein Rapital in der begrüßt. Filmindustrie vorhanden wäre; vielmehr darauf, daß das Kapital zögernd, zurückhaltend oder( wie ein Kenner des Marktes richtig fagt) schüchtern" geworden ist. Risiko und Verdienst( trozdem der durchaus nicht zu knapp ist) halten einander nicht die Waage. Der Absatz eines mit großen Rosten hergestellten Films ist äußerst schwierig geworden, mag so ein Film auch noch so erfolgversprechend sein; das Verleihgeschäft hat ungeheuer gelitten, denn die Lichtspieltheaterbefizer können beim Erwerb eines neuen Repertoirſtüzes ihrer schlechten Kassenerfolge wegen keine allzu großen Unkosten auf sich nehmen. Daß in Einzelfällen Produktion und Theaterbetrieb sich in der Hand einer Gesellschaft befinden( man dente nur an das deutsche Lichtſpielſyndikat), spielt bei der großen Anzahl der übrigen beginnt sich aufs deutlichste auszuwirken. Bereits vom Spielplan abgesetzte Tonfilme, die sich als zugkräftig erwiesen haben, werden neuerlich gespielt(„ Der Kongreß tanzt" 3. B.); oder aber: man zieht den Stummfilm wieder aus der Versenkung, der ja im Vergleich zum Tonfilm ganz ungeheuerlich vernachlässigt worden war. Hier zeigt sich nun ein Lichtblick für die äußerst notleidenden fapital, gegen Rationalisierung und Mechanisierung alle sozialen Berufsmusiker. Haben ihnen in ihrem Kampfe gegen das ElektroForderungen, alle künstlerischen Begründungen nichts geholfen dann könnte ihnen möglicherweise durch geschickte Ausnügung ber gegenwärtigen Situation geholfen werden: nicht nur der Stagnation der Produktion wegen, sondern auch im Hinblick auf die vorläufig negativen fünstlerischen Qualitäten des Tonfilms. Es ist ja nicht zu leugnen, daß der Tonfilm( trotz einiger rühmlicher Ausnahmen) von jener Vollendung noch weit entfernt ist, die der stumme Film Inapp vor Einbruch, man tönnte fast sagen, der Tonfilmkatastrophe bereits erreicht hatte. Auch wer fest davon überzeugt ist, der Tonfilm würde über kurz oder lang in seinem Wirkungsbereich Aehnliches erreichen, muß für die nächste Zukunft die künstlerische Ueberlegenheit des stummen Films ohne weiteres anerkennen. Tonfilmproduktionseinschränkung durch die Industrie, Tonfilmmüdigkeit des Bublifums aber das bedeutet Wiederbelebungsmöglichkeit des stummen Films; und für den Kinomustler bedeutet es: endlich wieder Arbeit. Heute sind von sechzigtausend Berufsmusikern nur noch Kyser:„ Abschied von der Liebe". Schiller Theater. Hans Kyser büßte im Lauf der Zeit wenig von der Sympathie ein, die ihm innerlich geradgewachsene Freunde bisher widmeten. Denn seine lyrische Begabung und auch seine Neigungen zum Pathos begannen im Zickzack zu gehen. Sein Charakterkopf verwandelte sich zum Janustöpfchen. Hinter sich spähend und vorwärts schielend, wußte er nicht recht mehr, auf welchem Gebiet des Betenntnisses fünstlerischer Form er sich ansiedeln sollte. So entstand jenes stilistisch und gedanklich überhigte Grenzlandstück, dessen sich das sogenannte Nationaltheater der Nazis mit Heftigkeit und 3er störungswut annahm. So entstand auch die feudale und flötende Herzenskomödie, für die das Schiller- Theater seine letzten Staatsmittel hergab. " Es ist ein Lustspiel der noblen Empfindungen und jener Worte, die von 16jährigen und auch 60jährigen Badfischen und ihrem Verehrerstab geistreich genannt werden. Es ist das Lustspiel vom Sonnenuntergang" des alten Barons Rosenius. Der Baron ist ein gelernter Beethovenspieler, er ist ein Dichter, dessen Poesie im Goldschnitt auf dem eleganten Gartentisch seiner ebenso eleganten Billa liegt, er ist außerdem einer von den in Genf aftredierten Bölkerbundsdiplomaten. Redet er auf seinem Sommerfit, dann lauscht ihm gehorsam der Kammerdiener Paul. Redet er in das Mikrophon des Genfer Nationenpalastes, dann lauscht ihm begeistert die ganze Welt. Dieses Idealbild eines gepflegten Sechzigers wurde angebetet von der großen Schauspielerin Hermine Sanden, es wird angebetet von der 20jährigen Baroneß Marieluise von Spigel, die in ihrem Eigenauto das elterliche Schloß verläßt, um dem Baron ihr ganzes Herz und dessen anmutige Hülle anzubieten. So, gestellt zwischen zwei Feuer, könnte der Baron sich teils als Lebemann benehmen und teils als lyrischer Liebhaber. An beidem hindert ihn aber sein Neffe, Dr. chem. Thorbed. Denn dieser ist erstens in die in jeder Beziehung reife Theaterdame schon verliebt, und er verliebt sich außerdem und ungefähr um die Mitte des zweiten Attes, der ein hübsches Tischtennisturnier als dramatische Hauptattraktion zeigt, in die junge Baroneß. Der Weg, der dem Baron für die Rückkehr zur älteren Freundin offen stünde, schließt sich jedoch plöglich auch. Denn Hermine Sanden, die eben versprochen hatte, auf dem diplomatischen Sommersiß eine Einsamkeits- und Erinnerungsnacht mit dem Baron zu verbringen, hält ihr Tragödinnenwort nicht. Das junge Paar, das sich drei Atte lang leidenschaftlich, wenn auch ge= fellschaftlich sehr forrett, gezanft hatte, wird heiraten. Also bleibt der Baron ganz allein in seinem strahlend erleuchteten, nur gelegentlich durch ein Staatsgespräch gestörten Salon. Kyser inszeniert selber. Scharf und bedeutungsvoll läßt er betonen, was er dichtete. Er hat zur Verfügung für die Rolle der Theaterdame Frau Sussin, die etwas überreif für die vornehme Messalina erscheint. Er hat zur Verfügung für die noch zu er schließende Jungfrau Marieluise Fräulein Schwanda. Die Künft lerin bäumt fich in zwiespältigen Gefühlen auf, aber es fehlt ihr die Süßigkeit, die eigentlich zu solchem teuschen Wildling gehört. Der Neffe des Onkels wird von Friz Genschow feurig und modern gespielt. Heinz Salfner, dem die Rolle des Barons und musikalischen Rattenfängers anvertraut ist, zeigt allen Anstand, der in den Kreisen der fultivierten Standesherren zu Hause ist. So übersehen und überhören die Abonnenten, die zum letztenmal ihr Premierenrecht ausüben, zahlreiche Schwächen und auch Lächer lichkeiten des Lustspiels. Sie rufen den Dichter. Sie bewundern den anheimeinden Garten und den kostbaren Arbeitsfaal des Barons Rosenius, Bühnenarchitekturen, die Emil Birchan baute, bevor er vom Staatstheater scheidet, um am Deutschen Theater in Prag eine ihm besser behagende Tätigkeit zu übernehmen. M. H. Jm Zentraltheater wurde gestern die Operette Frauen haben das gern..." von Arnold und Bach mit der Musit von W. Kollo in den Spielplan aufgenommen. Die von Christl Storm geleitete Truppe, in der sich gute Darsteller und Sänger befinden, gewann schnell Fühlung mit dem Bublifum. Die Operette, die ja auch verfilmt ist, wird von den Theaterbesuchern dem Film vorgezogen. Es soll hier nicht über den Gegenfaz lebendiger und mechanischer Musik diskutiert werden. Der Tonfilm ist ein dominierender Faktor der Filmindustrie geworden, er ist aus ihr gar nicht mehr wegzubenken; er wird eines Tages den ihm gemäßen Stil gefunden haben, von den unbegrenzten Möglichkeiten technischer Verbesserungen und künftiger Erfindungen ganz zu schweigen. Vorläufig aber sind diese Träume der Zukunft eben noch nicht realisiert, vorläufig sind neun Behntel aller Tonfilme miserabel, sind die Klangapparaturen unzähliger Theater äußerst unvollkommen, vorläufig ist das Publikum ähliger Theater äußerst unvollkommen, vorläufig ist das Publikum enttäuscht und die Produktion verzagt, sicherlich aber vorsichtig und zurückhaltend: in dieser Situation muß alles daran gesetzt werden, den Musikern zu helfen. In ihrem eigensten Interesse müßten die Filme kombinieren( diese von lebendiger Musik begleitet), oder müßten einem Tonfilmschlager wenigstens einen mit lebendiger Musik versehenen Vorspann voranschicken, eine Bühnenschau veranstalten u. ä. Gibt es nicht zu denken, daß das alles in Nordamerika dem Land höchster Filmkonjunktur bereits verwirklicht ist, daß dort die Musiker den Kampf so gut wie gewonnen fiebzehntausend wieder eingestellt wurden? haben, daß von zwanzigtausend seinerzeit entlassenen Kinomusikern Die beste Filmmusik war von jeher die, die man nicht hörte, deren Ausgabe darin bestand, vollkommene Konzentration auf das durch das Sehen vermittelte Erleben zu ermöglichen. Dieses ideale 3usammenwirten von Bildwirkung und Musit ist dem Tonfilm bis ießt nicht gelungen; solange das aber nicht der Fall ist, solange der Tonfilm mehr Versprechen als Erfüllung darstellt, ist aus allen nur denkbaren Gründen aus künstlerischen, sozialen, Abwechslungsgründen nicht einzusehen, warum der mufitbegleitete Stummfilm nicht neben dem Tonfilm eine seiner Bedeutung zukommende Stellung einnehmen sollte. Die Kinobesizer, die es unternähmen, diese Gedanken in eine Wirklichkeit zu verwandeln, für die hie und da schon erfolgreiche Ansätze zu finden sind, würden nicht nur seit Jahren und zu Unrecht Arbeitslosen zur Beschäftigung verhelfen: fie täten zweifellos dem Publikum und damit sich selbst den größten Gefallen. Alexander Dornhelm. „ Frühlingserwachen." Sendespiel der Berliner Funfftunde. Die Berliner Funkstunde führte Wedefinds Frühlingserwachen" auf. Es ist bezeichnend für unsere Zeit, daß als Einleitung die Gerichtsentscheidung aus dem Februar des Jahres 1912 verlesen wurde, die die menschlichen und künstlerischen Werte des Werkes anerkennt und es zur Aufführung freigist. Viele Hörer werden diese Vorsichtsmaßregel der Funfftunde belächelt haben; doch das Muckertum ist heute noch so lebendig, daß sie sicher angebracht war. Sendung und Aufführung entschädigten für diesen nicht übermäßig furzweiligen Auftaft Die Dichtung wurde fehr ver= ständnisvoll vor dem Hörer ausgebreitet; feinerlei Geräuschkulisse überdeckte das Dichterwort. Einiges war reduziert worden; so durfte in der Waldszene Wendla Bergmann nicht ihre Aufforde= rung:„ Schlag mich, schlag mich!" anbringen, obwohl der Dichter gerade hier die unflare Erregung der Pubertätszeit als Fernproblem des ganzen Werkes am deutlichsten zum Ausdruck bringt. Sonst jedoch beeinträchtigen die Kürzungen nicht den Sinn des Werkes; man war erstaunt, wie start, wie eindringlich Satz für Sag, Bild für Bild sich formte. Die Sprechtechnik einiger Hauptdarsteller der jugendlichen Rollen ließ allerdings zu wünschen übrig; das störte um so mehr, als in den Rollen der beiden Mütter Gertrud Ensoldt und Maria Fein, zwei meisterhafte Sprecherinnen vor dem Mitrophon standen. Die Gestaltung der Rollen aber war gut und einheitlich; nur das Lehrerkonzilium schwächte den starken Eindruck dieser Szene durch karikaturistische Uebertreibung ab. Die Aufführung leitete Alfred Braun, der, nach manchen Schlappen, mit dieser Sendung bewies, daß er ein recht erfolgreicher Funkregiffeur fein fann. -lz. Berfteigerung zeitgenössischer Kunst ein Mißerfola. Die in dankenswerter Weise von dem Kunsthaus Paul Graupe, Berlin, veranstaltete Versteigerung von Werken lebender Künstler muß als ein Mißerfolg angesehen werden. Von den 211 Gemälden und Blastiken konnten nur 22 zum Angebot kommen, und auch die Preise lagen durchweg nur niedrig. So brachte das Gemälde Der Tennisplay" von Charlotte Behrend- Corinth 300 M., der Bersee" von Willy Jaedel 260 m., Eugén Spiros„ Im Atelier" 305 M. und George Groß' Aquarell tam auf 110 m., während die übrigen Preise 100 m. nicht erreichten. Auf Grund des Fehlschlags dieser Künstlerauktion wird auch die Tatsache bezeichnet, daß troß der Ankündigung des Verzichtes auf jede Limitierung doch wieder Mindestpreise angefeßt maren. Auch muß von seiten der Künstler selbst eine straffere Organifierung einer solchen Veranstaltung gefordert werden, wenn eine Ausficht auf Erfolg bestehen soll. George Großz in New York. Der bekannte Zeichner George Grosz wurde an eine New- Yorter Kunstschule als Gastlehrer berufen. Tagung der Deutschen Lichtspieltheaterbefizer. Der Reichsverband Deutscher Lichtspieltheaterbefizer Berlin eröffnete gestern in Frankfurt a. M. feine ordentliche Mitgliederversammlung, in der der Präsident des Reichsverbandes, Ludwig Scheer, über die Not des Lichtspielgewerbes sprach. Für die Lichtspieltheater, so führte er u. a. aus, jei der Tonfilm eigentlich das größte Unglüd", da die Qualität der Tonfilme viel zu wünschen übrig lasse. Die Tonfilmindustrie jei von den Elektrokonzernen vollständig in Abhängigkeit gebracht worden. Der Redner forderte dann eine Wenderung des Urheberrechts, eine Lockerung des Kontingentes, damit auch gute ausländische Filme in Deutschland gezeigt werden fönnten, und ging auf die Notwendigkeit einer Senfung und Abschaffung der Luftbarkeitssteuer ein. " Abfahrt der Fand- Grönlanderpedition. Mit dem Dampfer Borodino" hat gestern die Universal Fand- Grönlandfilmegpedition, an der sich u. a. der Flieger Udet beteiligt, den Hamburger Hafen verlassen. Leiter des Unternehmens ist der Schöpfer zahlreicher Berg- und Stifilme, Dr. Fand, der diesmal sein Arbeitsfeld aus den Alpen nach Grönland verlegt. Die Expedition, die einen Film SOS Eisberg" drehen will, wird sechs Monate unterwegs sein. Mehrere frühere Mitarbeiter Fand's sind dabei. Von Hamburg aus nehmen Dr. Löwe und Dr. Sorge von der WegenerExpedition teil, und in Grönland wird der bekannte dänische Polarforscher und Grönlandkenner Knut Rasmussen zu den Filmleuten stoßen. Udet nimmt drei Flugzeuge auf die Reise mit, Hagenbed ist durch drei Eisbären vertreten. Der Buchbinder- Verbandstag. Für die 40- Stunden- Woche. Der vierte Punkt der Tagesordnung betraf die Tarif- und Lohnpolitik. Der Referent Wienicke schilderte die Ereignisse auf lohnpolitischem Gebiet, wobei er insbesondere das Verhältnis zum Bund Deutscher Buchbinder- Innungen und die Entwicklung in der Etuisindustrie streifte. Der Streit mit den Unternehmern über die Gestaltung der Ferien- und Feiertagsbestimmungen fomme nicht zur Ruhe. Eine Berkürzung der Arbeitszeit fönne jetzt, nachdem alle Lohntarife innerhalb eines Jahres um 20 Proz. abgebaut wurden, nur unter Angleichung der Löhne an die verkürzte Arbeitszeit getragen werden. Der Redner empfahi dann dem Verbandstag, seine Auffassung in der Frage der A11 gemeinverbindlichkeit der Reichstarife entgegen der Haltung des Reichsarbeitsminsteriums zum Ausdruck zu bringen. Die Entwicklung der Lohngestaltung in der Provinz und in der Großstadt gegenüber der Vorkriegszeit lasse es als angezeigt erscheinen, unter den gegenwärtigen Verhältnissen die bisherige Tarifpolitik fortzusetzen. In der sich anschließenden Diskussion wurde die Lohnpolitik der Regierung scharf unter die Lupe genommen. Die Redner traten für die 40- Stunden- Woche ein, wandten sich jedoch besonders gegen die Verschlechterung der Ferien. Die weiblichen Delegierten flagten über die uner= hörte Ausbeutung durch die Einführung des laufenden Bandes und sonstige Rationalisierungsmethoden. Spliedt erklärte, der ADGB. habe sich frühzeitig und mit allem Wie die RGO. ,, fämpft". Sie fällt streifenden Bauarbeitern in den Rücken. Ein Schiedsspruch für das Baugewerbe vom 13. Mai wurde von den im Kampfe stehenden Zimmerern und Bauarbeitern in Leipzig einstimmig abgelehnt. Am letzten Sonnabend versuchte nun der Bauarbeiter Bergmann auf der Baustelle Passage Markt Petersstraße im Auftrage der RGO. mit der Bauleitung über die Aufnahme der Arbeit mit RGD.- Leuten zu den Bedingungen des Schiedsspruches zu verhandeln. Unausgesetzt beschimpft die KPD.- RGO. die freien Gewerkschaften, weil sie nicht kämpften. In letzter Zeit fordert ihre Presse die Bauarbeiter tagtäglich zum Kampf auf. Hier, wo die Bauarbeiter im Streit stehen und es einmütig ablehnen zu den Bedingungen des Schiedsspruches die Arbeit wieder aufzunehmen, sucht die RGO. Streifbruch zu treiben, weil der Streit nicht unter ihrer ,, siegreichen Führung" steht, sondern von den zuständigen Gewerkschaften geführt wird. Die RGD. biedert sich bei dem Unternehmer an, zu den Bedingungen des Schiedsspruchs ihre Leute zum Streif bruch zu treiben, den Streifenden die Arbeitsplätze wegzunehmen, um den Betrieb für die RGO. zu ,, erobern". In einer Erklärung der Leipziger Zahlstellen des Zentralverbandes der Zimmerer und des Deutschen Bauge werksbundes in der Leipziger Volkszeitung" vom 25. Mai zu diesem ,, RGO.- Kampf" heißt es zum Schluß: „ Der gemeine Verrat der Leipziger RGO. an den kämpfenden Bauarbeitern findet kaum seinesgleichen." rechthaberische Dogmatit ewig psychoanalysierender Kompler- Gespensterseher rüdt Münch den Problemchen des Erziehungsalltags zu Leibe. Soll man Kindern Taschengeld geben? Darf man sie gibt man ihnen förderlicherweise für die Frühstückspause mit? Ist unter Umständen einmal zu Unrecht verdächtigen? Wieviel Stullen es tragisch zu nehmen, wenn sie sich schlechte Reden angewöhnen? Soll Zehnjährigen eine harmlose Liebelei erlaubt sein? Das sind so beantwortet. Die Geschichtchen sind alle sehr anspruchslos und einige der Fragen, die er stellt und an Hand lebendiger Beispiele schmuckios: aber himmelweit von Läppischkeit entfernt, und hinter aller Bescheidenheit der Form und aller Kleinheit der behandelten Objekte verbirgt sich ein Erzieher, der sehr genau weiß, was er will, ein durchaus festumrissenes Weltbild hat und bei aller Nachsicht, allem Verständnis und aller echten Güte, die er Kindern entgegenzubringen bereit iſt, doch keineswegs gewillt ist, sich etwa von ihnen tyrannisieren und jede fünf gerade sein zu lassen. Kaum weniger und vor allem faum weniger fritisch als mit den Kindern beschäftigt sich Münch mit ihren Eltern: vornehmlich mit ihren Müttern. Aber auch an die Erziehungsarbeit, die er auf diesem Gebiet leistet, geht er mit Humor und Milde im Ton heran. Wie er am liebsten im Spiel den Kindern Wissensstoff beibringt, so sagt er auch den Erwachsenen seine Wahrheiten auf unterhaltende und belustigende Art. Schade, daß die schönsten Prinzipien des modernen Schulunterrichts doch immer nur Behelfswerk bleiben müssen. Auf die Erzieherpersönlichkeit kommt es an, und leider bleiben ja wohl Lehrer aus innerster Berufung, wie Paul Georg Münch deren einer ist, doch nur Sonderfälle und freundliche Naturschauspiele, die sich nicht willkürlich vermehren lassen. Hans Bauer. Nachdruck für die Einführung der 40- Stunden- Woche eingesetzt. Doch Wieviel Deutſche ſind in England beschäftigt? Rundfunk am Abend bei den heutigen Verhältnissen sei es unmöglich, einen Lohnausgleich durchzusehen. Wir müssen den Kampf um die 40- Stunden- Woche aufnehmen, trotzdem sie auch für die in Arbeit Stehenden eine Belastung bedeutet. Die 40- Stunden- Woche ist ein Akt der Soli darität gegenüber den Erwerbslosen. Die Technik drängt mit Naturgewalt zur Verkürzung der Arbeitszeit. Wir müssen uns nur einig sein und wissen, was wir wollen. Die Lohnpolitik der Regierung ist verhängnisvoll, und wir haben stets bei Aussprache mit den maßgebenden Stellen auf den Wahnwiz des Lohnabbaues hingewiesen. Das große Problem ist: wie stärfen wir die Kauffraft, wie bringen In Beantwortung einer Unterhausanfrage wurde von der Regierung mitgeteilt, daß am 31. März d. J. mit Erlaubnis des Arbeitsministeriums in England ungefähr 1000 Deutsche in Handel, Industrie und sonstigen Berufen tätig waren. Von deutschen Schauspielern, Varietékünstlern usw. seien 120 zu= gelassen worden. Die Antwort wäre erst vollständig im Vergleich mit der Zahl der vor dem Kriege in England beschäftigten Deutschen. Das neile Buch Donnerstag, den 26. Mai Berlin 16.05 Paganini( O. Köhler). 16.30 Volkslieder. 17.00 Klaviermusik. 17.30 Doktor Ueberall erzählt. 17.50 Die Kunst des Schreibens( A. Kahane). 18.10 Wirtschaftsrundschau ( E. W. Abraham). 18.30 Das Hambacher Fest( Dr. Th. Heuß, M. d. R.). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Ozeanflug im Do X( Antonie Straßmann). 19.10 Chorgesänge. 19.30 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.35 Zur Unterhaltung. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Ich komme soeben aus Amerika( Staatssekretär a. D. Dr. R. Kühlmann). 21.30 Aus der Singakademie: Konzert. 21.50 Politische Zeitungsschau ( Dr. J. Räuscher). Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Wiener Tänze. 23.00 Zagreber Streichquartett. Königswusterhausen: 16.00 Pädagogischer Funk. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene ( Gertrud van Eyseren und Dr. F. Armesto). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Als Theaterleiter in Sowjetrußland( Professor F. Stepun). 19.20 Stunde des Landwirts. Sonst: Berliner Programm. mir es trotz der bestehenden Schwierigkeiten fertig, die breiten Paul Georg Münch: Mein frohes Völkchen 17.30 Rückwanderer aus USA.( Dr. S. Scharfe). 18.00 MusiMassen kaufkräftig zu erhalten. Die Unternehmer fordern zur Zeit wieder eine Auflockerung der Tarife. Sie wollen eine größere Flexibilität der Lohnabkommen. Demgegenüber muß mit aller Deutlichkeit gesagt werden, daß wir an den heutigen Tarifen festhalten. Eine Starrheit ist in Wirklichkeit auch nicht vorhanden. Die Unternehmer wenden sich ferner gegen den Zwangstarif. Nun hat ihnen Dr. Stegerwald in Erfurt schon geantwortet, daß es doch unmöglich ist, die menschliche Arbeitskraft ungeschützt zu lassen, wenn große Teile der Industrie und der Landwirtschaft vom Staate geschützt werden. Fleisch Wurst Willy Hanka Brunnenstr. 121-122 billig gut! Openz Es sind keine Offenbarungen, die Paul Georg Münchs bei der Büchergilde Gutenberg erschienenes Buch„ Mein frohes Völkchen" enthält, denn schließlich haben die Gedanken der Schulreform sich heute schon in recht umfangreichem Maße durchgesetzt; aber dennoch sind die kleinen, lustigen Geschichten, die hier ein Lehrer, ein guter Lehrer im Sinne des Gegenstücks zum„ guten Richter" aus seinen Erlebnissen mit Kindern und mit ihren Eltern erzählt, außerordentlich sympathisch und amüsant. Selbstverständlich ohne eine Spur von Pautergesinnung, aber auch ohne die Vollständiges Europa- Programm im ,, Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle ,, Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Verantwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glode, Berlin. Berlag: Borwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Drud: Borwärts Buch. druckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstr. 3. Sierzu 1 Beilage. 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Mai 1932 Der Abend Spalausgabe des Vorwards Walter Friedländer Lebensraum der arbeit- lofen Jugend! Die Jugend in Sowjetrußland Wirtschaftsnot und wachsende Arbeitslosigkeit haben in steigendem Maße die Einrichtungen der Sozialpolitik gefährdet und ihre Leistungen für die Arbeiterschaft aufs äußerste bedroht. Auf diese Gefahren ist an dieser Stelle vielfach hingewiesen worden. Durch das ungeheuerliche Anwachsen der Arbeitslosigkeit und die hier durch herbeigeführte verhängnisvolle Lage der öffentlichen Finanzen, namentlich der Gemeinden, sind aber auch die Ansätze zu einer Hilfe für die erwerbslosen Jugendlichen in eine kritische Lage geraten, während die wachsende Jugendnot gerade hier einen Ausbau und eine wesentliche Verstärkung dieser Hilfsaktion unbedingt notwendig macht. Die Jugendwohl fahrt steht heute, gerade für ihre Einrichtungen für die jugendlichen Erwerbslojen, vor außerordentlich wichtigen, neuen Aufgaben, während ihre Leistungsfähigkeit durch den Zusammenbruch der kommunalen Finanzen auf das schwerste gefährdet ist. Es ist fast befremdlich, daß weite Kreise der Bevölkerung heute dem Problem der jugendlichen Arbeitslosen mit verhältnismäßig geringem Interesse gegenüberstehen. In den ersten Jahren nach dem Kriege war unter günstigeren Verhältnissen die öffentliche Referat über ein Buch/ Bon J. P. Mayer Kollektiv Kommune. Es ist viel über die neue Somjetjugend diskutiert worden, aber| Armee betrieben. In den Kriegsschulen werden aus dem Mannkeine Arbeit ist aus einer so überlegten und ernsten Haltung heraus schaftsbestand die Tüchtigsten herausgefiltert und in führende Poverfaßt worden, wie das soeben erschienene Buch von Klaus fitionen gebracht. Heute kommen bereits im Durchschnitt auf einen Mehnert: Die Jugend in Sowjetrußland"( S. zaristischen Offizier sechs proletarische Offiziere. Fischer Verlag, Berlin, 274 Seiten, fart. 4,80 Mark). Mehnert ist geborener Reichsdeutscher und heute 26jährig; er beherrscht die russische und die deutsche Sprache; er lebte mit seiner Familie bis zum ersten Kriegswinter in Rußland. Als Freund junger Kommunisten hat Mehnert in den letzten Jahren mehrmals Sowjetrußland bereist und die Erlebnisse und Erfahrungen dieser Reisen zur eigenen inneren Klärung niedergeschrieben. Die neue Elite. Von besonderer Bedeutung sind die Beobachtungen, die Mehnert über das Kollektiv- Dorf und die städtischen Kommunen mitteilt. Er meint, daß die Widerstände der Bauern gegen die Kollektivierung nicht in erster Linie aus dem Eigentumsgefühl der Bauern in bezug auf Grund und Boden herrühren. Ich glaube, daß Mehnert sich hier irrt, denn der Erfolg der Oktober- Revolution wurde doch vor allem durch die Enteignungsparole gegenüber dem Großgrundbesiz erreicht. Aber das ist in diesem Zusammenhang nicht entscheidend. Entscheidend ist allein, ob der Hunger der Bauernschaft nach Gebrauchsgütern, deren wichtigste sie heute entbehren muß, in nächster Zukunft befriedigt werden kann. Nur dann wird die Kollektivierung des Dorfes, die heute bis zu 60 Prozent erreicht ist, eine dauernde sein können. Mehnerts Buch ist vor allem deshalb so eindrucksvoll, weil der Verfasser von vornherein seine Aufgabe einschränkt. Er will nur die Jugend in Sowjetrußland darstellen und dennoch weitet sich seine Arbeit zu einer allseitigen Darstellung der neurussischen Lebensordnung, weil die russische Jugend in alle Kanäle des russi schen Lebens vorgedrungen ist. Von den russischen Einwohnern sind heute 90 Millionen in dem aktionsfähigen Alter zwischen 16 und Eingehender find Mehnerts Erfahrungen mit Jugend60; von ihnen find die Sechzehn bis Sechsunddreißigjährigen zur Kommunen, unter denen Lebensgemeinschaft junger Menschen jungen Generation zu rechnen. Es sind 60 Millionen! Von diesen zu verstehen sind, die bereits in die heutige Sowjetrepublik foziabezeichnet Mehnert etwa 10 Prozent als die aktive und vorwärts- listische Keile eintreiben wollen. Die Einkünfte der Kommune- Mitstrebende Elite. Mehnert gibt zu, daß diese Elite, die zum großen glieder werden zusammengelegt, Lebensunterhalt und LebensTeil im sowjetrussischen Jugend- Verband organisiert ist, gegenüber führung versuchen die Verwirklichung des kommunistischen Ideals der Masse mancherlei Vorteile hat, aber dennoch ist diese neue russische Elite ihrem Wesen nach nicht exklusiv, sondern auf das engste mit der Masse verbunden... Sie wurde in einem ständigen Blut der Masse aufgefrischt. Sobald sich bei jemandem die ersten Anzeichen beginnender Massenfremdheit zeigen, sucht man ihn durch eine Rückversetzung in Reih und Glied, in untergeordnete Arbeit in Industrie oder Landwirtschaft wieder zur Massennähe zu erziehen". Diese jungen Menschen tragen alle Entbehrungen, die ihnen der sowjetrussische Aufbau auferlegt; der Staat, für den sie eintreten, ist ihr Staat, den sie für kommende Generationen zu einem sozialistischen Staat ausbauen wollen. Student Staat Wissenschaft. follektivierten Lebens". = Klaus Mehnert gibt den Inhalt eines Kommune Tage= buchs wieder, aus dem die Schwierigkeiten des„, kollektivierten ordnung kann man sich leicht verständigen. Die Jungens übernehmen das Holzhacken, während die Mädchen als Kompenfation Strümpfe stopfen. Bügeln dagegen müssen Jungens und Mädels. Schwieriger wird es erst, das seelische Leben der jungen Menschen zu ordnen. Aus Kameradschaftsbeziehungen werden Beziehungen der Liebe, auch Ehen werden geschlossen. Die engen Wohnverhältnisse bedingen die Trennung in ein Männer- und Frauenschlafzimmer. In schwerer seelischer Not schreibt die Kommunardin Tanja ihrem Mann:„ Ich will ein persönliches Glück haben, ein kleines, ganz einfaches und ganz gesetzliches. Ich sehne mich nach einer stillen Ecke mit dir allein, um mit dir zusammensein zu können, wenn wir es wünschen, damit wir uns nicht vor den anderen verstecken müssen, damit unsere Beziehung voller, freier und fundierter werden kann. Kann denn die Kommune nicht verist in dieser erschütternden Briefstelle die letzte Tiefenschicht des stehen, daß das eine menschliche Notwendigkeit ist?" Wahrscheinlich forcierten Kollektivismus berührt. Es hat überdies den Anschein, als ob man heute in Sowjetrußland diese sozialistischen Inseln nüch terner beurteilt als vor einigen Jahren; im Zusammenhang damit tonstatiert Mehnert auch eine strengere und durchaus gezügelte Auffonstatiert Mehnert auch eine ſtrengere und durchaus gezügelte Auffaffung sexueller und erotischer Beziehungen. Meinung von der dringenden Notwendigkeit des Ausbaues der Jugendwohlfahrtspflege hingegen allgemein überzeugt. Es ist zwar im„ Vorwärts" wiederholt auf die dringende Notwendigkeit der Aufrechterhaltung und des Ausbaues der Hilfsmaßnahmen für die jugendlichen Arbeitslosen hingewiesen worden. Im allgemeinen Bewußtsein der Bevölkerung wird aber die Not, Zermürbung und Berzweiflung der großen Zahl von jugendlichen Erwerbslosen, die mit fast einer Million nicht zu hoch geschätzt wird, zumeist noch ohne das notwendige Verständnis und die tätige Anteilnahme verfolgt, die heute unbedingt verlangt werden muß. Alle theores Filterprozeß aus ihr herausgezogen und immer wieder mit dem Lebens" flar ersichtlich sind. Ueber die Dinge der äußeren Lebenstischen Betrachtungen über die Lage der jugendlichen Arbeitslosen sind zu stark auf die augenblickliche Finanznot gerichtet und lassen die Sorge für später eintretende Schäden aus dem Auge, die doch für das Schicksal der jetzt heranwachsenden jungen Generation entscheidend sind. Die Hilfe für die jugendlichen Arbeitslosen darf| nicht um einer kurzfichtigen Tagespolitik willen preisgegeben merden. Vor allem muß erstrebt werden, durch großzügige Arbeitsbeschaffung den jungen Menschen, die mit aller Kraft nach Tätigkeit und eigenem Verdienst verlangen, wieder Gelegenheit hierzu zu geben. Solange das noch nicht allgemein möglich ist, muß trotz aller Finanznöte auch heute eine vorausschauende Auch der russische Student steht unmittelbar an der Front. Jugendwohlfahrtspolitik auf längere Sicht verlangt werden, für Die Proletarisierung der Hochschulen ist eine der wichtigsten Aufgaben des Fünfjahresplanes. Seit 1923/1924 die das Reich Mittel aufbringen muß. Es sind in dem neuen Haushaltsplan des Reiches Ansätze für körperliche und geistige den von 15,3 Prozent auf 30,2 Prozent gestiegen; ist der Anteil der Arbeiterschaft an der Gesamtzahl aller Studieren: Fortbildung vorgesehen, die unter strenger Ausscheidung von 26,3 Prozent der Studenten werden heute von der Bauern26,3 Prozent der Studenten werden heute von der Bauern staatsreindlichen Bestrebungen hierfür als Ausgangspunkt verwandtschaft gestellt, 37,3 Prozent von den Angestellten, die selbst werden können. Es wäre verhängnisvoll, wenn wir über die redend nicht mit unserem Mittelstand" verglichen werden können. Nöte des Augenblick's vergessen, daß die heutige Jugend in furzer Die übrigen Anteile an der Studentenschaft, also in erster Linie Frist die wichtigsten Leistungen und die Hauptverantwortung für der ehemaligen bürgerlichen Kreise, betragen heute nur noch 5,8 das Schicksal des ganzen Volkes tragen muß. Prozent, während sie im Studienjahr 1923/1924 noch 36,8 Prozent betrugen. Die Proletarisierung des Lehrkörpers schreitet dagegen wesentlich langsamer fort. Die Studenten werden in den Ferien als Stoßbrigaden an der Wirtschaftsfront eingesetzt. So haben allein im letzten Jahr 20 000 Studenten im Ural mitgeholfen, die Planziffern zu erreichen. Der Student bleibt damit in ständiger Verbindung mit den Aufgaben der Allgemeinheit: das Zusammengehörigkeitsgefühl wird gestärkt. Die Vorbildung der zu den Univerſitäten strömenden Massen bezeichnet Mehnert noch als bedenklich gering. An den Hochschulen herrscht eine starke, allein auf die Praris zugeschnittene Spezialisierung.„ Die allgemeinbildenden Fächer sind auf ein Mindestmaß beschränkt worden, nur Politif. Dialektik, Leninismus, Volkswirtschaft und Sprachen werden geduldet und nehmen etwa ein Zehntel, in landwirtschaftlichen Hochschulen, in denen in erster Linie junge Bauern Aufnahme finden, bis zu einem Drittel der Arbeitszeit in Anspruch. Auch Militärwissenschaften sind selbstverständliches Pflichtfach für alle Studenten und Studentinnen." Das Reichsministerium des Innern hat fürzlich in einem Erlaß an die Länder darauf hingewiesen, wie notwendig es ist, die Kräfte zu erhalten, die sich für die Gesundheit und den Schutz der Lebenskraft der Jugend in der sozialen Arbeit gebildet haben. Es ist aber erforderlich, darüber hinaus in den breiten Massen der Bevölkerung allgemein das Gewissen dafür wach zu rufen, welche schwere soziale und kulturelle Schädigung uns bedroht, wenn jetzt die heranwachsende Generation kaum vor Hunger und Krankheit geschützt wird, ohne daß ihre Entwicklung zu tüchtigen. gefunden, arbeitskräftigen Menschen gesichert wird. Es ist fast unbegreiflich, daß auch die wohlhabenden Schichten des Volkes heute sich kaum Gedanken darüber machen, wie infolge der Arbeitslosigkeit und Not der jungen Generation die Zukunfts und Lebensmöglichkeiten genommen worden sind. So kommt es, daß verbitterte, hoffnungsarme Menschen ins Leben hinaustreten und beinahe notwendig zur scharfen Opposition gegen den Staat und die Ordnung getrieben werden, die ihnen keinen Lebensraum zu bieten vermögen. Wir müssen uns klar darüber sein, daß die jetzt heranwachsende Generation der zukünftige Träger der ge= samten Kultur, Wirtschaft und Sozialpolitik ist und daß heute in der Krise der kapitalistischen Wirtschaft die Jugend das wichtigste Gut des Volkes ist. Mit dem gleichen Nachdruck wie die Proletarisierung der Studenten wird die Proletarisierung des Offizierkorps der roten der Arbeitslosigkeit nach der Scheinblüte in den Jahren 1924 bis 1927 ist die Jugendwohlfahrt in größte Bedrängnis geraten. Die Gedanken einer umfassenden Hilfe für die Jugend müssen jetzt über die Kreise der amtlichen und freien Jugendwohlfahrtspflege hinaus in der ganzen Bevölkerung stärker erfaßt werden. Es genügt nicht, die verwah loften, unehelichen, schwergefährdeten oder schon kriminell gewordenen Kinder und Jugendlichen zu bewahren oder für einen kleinen Teil der Jugend in kurzfristigen Arbeitslagern einen freiwilligen Arbeitsdienst" einzurichten. Vielmehr ist es notwendig, daß die ganze Menge der durch Arbeitslosigkeit in Not geratenen Jugend und die durch Arbeitslosigkeit der Eltern gefährdeten Kinder in umfassendem Maße geschützt und gefördert werden. Während die Sozialpolitik und Wohlfahrtspflege nach der Revolution in starkem Maße ausgebaut worden sind, konnte die Jugendwohlfahrtspflege mit dieser raschen Entwicklung nicht Schritt halten, weil es ihr an einer berufsständischen oder hinreichend starken Vertretung fehlte. Gerade von der Sozialdemokratie sind freilich die Interessen der Jugendwohlfahrt in allen Parlamenten nachhaltig unterstützt worden. Die Widerstände, vor allem wirtschaftlicher Art, haben aber einen wirklichen Ausbau der Jugendfürsorge und Jugendpflege verhindert, zumal die Notstände der Inflation und der späteren Wirtschaftskrisen immer wieder die aufgestellten Pläne durchkreuzt und zerstört haben. Wenn jetzt der müssen die Kurse und beruflichen wie bildenden Veranstaltungen notwendige Abbau auf dem Gebiete der Jugendwohlfahrt wieder der Berufsschulen, der Arbeits- und Jugendämter, der Gewerkmit Finanznöten begründet wird, so übersieht man hierbei, daß die der Berufsschulen, der Arbeits- und Jugendämter, der Gewerkgesamten Kosten der Jugendwohlfahrtspflege nur einen verschwin- schaften ausgebaut und über ihre heutige engbegrenzte Zeit hinaus dend kleinen Teil der Mittel erfordern, die gegenwärtig für das Unterstützungswesen gebraucht werden. Die Jugendwohlfahrt leidet im Vergleich zu anderen Gebieten besonders darunter schwer, daß die erzieherischen Notstände nach außen hin faum in Erscheinung treten und deshalb nicht von der großen Masse der Bevölkerung rechtzeitig und in ihrer Bedeutung erkannt werden. Nach den Kriegsjahren hatten sich zwar Gemeinden, Organisationen, Schule und Elternbünde zu einer pädagogischen Reformbewegung zusammengeschlossen, um die Schäden der Kriegszeit auszugleichen und die Jugend zu gesunden, tüchtigen Menschen heranzubilden. Der Optimismus, der damals zur Schaffung des Reichsjugendmohlfahrtsgefeges und zur Bildung der Jugendamter geführt hat, ist leider im Laufe der Zeit ge.. schwunden. Mit der wachsenden Verarmung, der Inflation und Vor allem durchgeführt werden. Auch die von vielen Jugendämtern und der Arbeiterwohlfahrt eingerichteten Werkheime für jugendliche Arbeitslose mit ihrer Verbindung von Werkstatt, sportlicher und kultureller Bildungsarbeit müssen unbedingt erhalten und noch erweitert werden. In letzter Zeit ist aus diesen Ueberlegungen der Gedanke eines Hilfswerks für die durch Arbeitslosigkeit be drohte Jugend aufgetaucht, der ernsthafte Förderung durch alle beteiligten Kreise, Reich, Länder, Gemeinden und Gewerkschaften verdient. ..Lebensvolle Schandliteratur In zahlreichen Volksschulen Schlesiens ist das Lebensvolle Sprachbuch" von Schote- Missalt( Berlag Priebatsch- Breslau) in Rußland und wir. Die starte Einheitlichkeit einer neuen Weltanschauung ist erstaunlich. Mehnert sieht deutlich die Grenzen, die für die Einzelperson gegeben sind: ,, eine Freiheit hat Rußland nicht: die Freiheit der Gesinnung. Die Grenzen der Gesinnung sind ein- für allemal festgelegt, sie zu überschreiten, heißt Desertion." Dies ist die heutige Lage, die Konsequenz der Diktatur. Mehnert treibt aber die Problematik weiter, indem er die Frage stellt:„ Wird die Menschheit reif zur Freiheit, weil sie nur noch eine einzige Gesinnung hat bewachen?" Mit dieser Frage ist die letzte Differenz des deutschen und es dann feiner Diktatur bedarf, die Grenzen der Gesinnung zu und des russischen Sozialismus angedeutet. Den jungen Russen ist dieser Unterschied völlig unverständlich. Sie wissen nichts von den anderen geistigen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, die den besonderen Charakter namentlich der deutschen gesellschaftlichen Kultur bestimmt haben. Die russische Revolution fann sicherlich nicht von Deutschland aus imitiert werden. Auch Klaus Mehnert kommt zu dieser Konsequenz. Wer aber wird bestreiten wollen, daß uns die russische Jugend nichts zu sagen hätte? Gebrauch, dessen 2. Heft unter anderen eigenartigen Stilübungen folgende enthält: ,, Der Wert der Militärzeit. Die Militärzeit schafft dem Soldaten allerlei Mühsal und Entbehrung; aber sie hat auch ihr Gutes. Das tägliche Ererzieren und Turnen, besonders das Springen und Klettern, macht stark und gewandt. Die Uebungen im Schießen und Fechten schärfen das Auge, und das häufige Baden im fühlen Strome(!), insbesondere das Im VerSchwimmen und Tauchen, stählt Muskeln und Nerven. fehr mit seinen Kameraden lernt der Soldat Verträglichkeit und Gefälligkeit. Der Dienst erzieht ihn zu strengem Gehorchen(!) und pünktlichem Befolgen aller Befehle. Das Marschieren mit Sang und Klang erfüllt das Soldatenherz mit Begeisterung für alles Gute und Schöne(!). So(!) ist die Militärzeit sowohl in leiblicher als auch in geistiger Beziehung eine ausgezeichnete Schule fürs ganze Leben."( Siehe Unteroffizier Himmelstoß.). Ein geradezu vorbildliches Schulbuch für werdende SA.- Männer! Stilistisch mindestens ebenso wertvoll wie die ganze ruhmreiche Militärzeit von Anno dazumal. Wer sich übrigens die reine Freude am Kathederdeutsch verflossener Zeiten bewahrt hat, der wird mit Bergnügen ein in vielen höheren Schulen noch heute verwendetes französisches Lehrbuch durchblättern, das in seinen Sprachübungen den Schülern fol= genden Gallimathias als ,, de utsche Uebungssäge" serviert: ,, Das Meer zertrümmerte die Barke des armen Großvaters. Bernhard, dessen Waden schwarz waren, wurde von seiner Mutter getadelt. Das Lied der Mutter wärmt Pauls Hände(!). Ich spalte und breche die Erde mit dem Pflug. Du spaltest und brichst die Erde mit dem Pfing. usm." Ja, ich spalte und breche, menn ich dieses Deutsch versetzt be komme. Die Barke des armen Großvaters ist zertrümmert; marum o. i. nicht auch das Bloez- Deutsch des armen Professors? Wenn Solidarität berichtet... Zwölf Monate Bundesarbeit- Stabil in der Krisenzeit Am 16. und 17. Juli wird die Saalestadt Halle im Zeichen der| Rechtsschutzfälle usw. Schuß und Hilfe gewährt, wofür über Radsportorganisation der deutschen Arbeiterbewegung, des Arbeiter- 460 000 m. aufzuwenden waren. Bei den Motorradfahrern und Kraftfahrerbundes Solidarität", stehen. Es gilt, die standen 3242 Fälle zur Erledigung, die eine Ausgabe von rund Bundesmeisterschaften zum Austrag zu bringen. Die Größe 238 000 m. verursachten. Daneben findet der Radler hier einen dieser einzigartigen Organisation wird uns llar vor Augen geführt, geregelten Sportbetrieb, der es nicht darauf absieht, Kanonen zu wenn wir erfahren, daß auf diesen Meisterschaftstagen rund 55 Titel, züchten, vielmehr bestrebt ist, die Freude an sportlichen Wettbewerben d. h. 55 Meisterschaften, zu erkämpfen sind. 1200 Fahrer, die schon die Bezirks-, Gau- und Gaubundmeisterschaft errungen haben, stretten hier um den Endsieg. Und so erscheint dann gerade zur rechten Zeit das Jahrbuch von ,, Solidarität", das ein objektives Bild bester Organisationsarbeit vermittelt. Gleich vorweg sei es gesagt: Solidarität", der Welt größte Radsportorganisation, hat Dank einer gesunden Bundespolitik bis heute alle Krisenstürme erfolgreich abgewehrt. Die vielen in dem Jahrbuch aufgelegten Statistiken liefern den Beweis, daß auch die kleinste ber 5000 Ortsgruppen ihre Pflicht getan hat. Die Leute um Soli" find treue Agitatoren der Arbeiterbemegung und nicht nur Sportler. Aber sie wissen auch, daß gerade dort, wo die Bartei infolge mannigfacher Umstände nicht recht Fuß fassen fann, der Arbeitersport ein prächtiger Helfer im sozialen Befreiungskampf ist. Ueber 315 000 Mitglieder, darunter 73 000 Kinder und Jugendliche, mustert heute der Bund, 330 000 Exemplare beträgt die Auflage der Bundeszeitung, zwei Zahlen, die den Neid der vielen bürgerlichen Radsportverbändchen hervorrufen. " Die Herren von der bürgerlichen Fakultät müssen es sich immer wieder sagen lassen, daß alle ihre Organisationen zusammen nicht halb soviel Mitglieder haben wie Solidarität". Daneben haben die Bürgerlichen einen ständigen Mitgliederschwund zu verzeichnen. Wenn nun auch Soli" in seinem Jahresbericht einen fleinen Mitgliederrüdgang mitteilt, dann ist das nicht allzu tragisch zu nehmen, schon deshalb nicht, weil jedes einzelne Mitglied bemüht sein wird, diese Scharte auszuwegen. Und warum diese Treue zur Organisation? Weil hier, wie nirgends anderswo, die Rechte des Radlers gewahrt werden. Die Unterstügungseinrichtungen des Bundes find gut fundamentiert. Der Sparte der Radfahrer wurde im Jahre 1931 in nahezu 11 000 Fällen für Unfälle, Todesfälle, Not. und zu wecken. Da finden wir zunächst die Saalsportler, die die Künstler sind. Es ist eine Folge der ungeheuren Notzeit, wenn die den Saalsport betreibenden Ortsgruppen zum erstenmal feit 1919!- einen Abgang zu verzeichnen haben. ,, Es ist", wie der Ueberblick hervorhebt ,,, vielen Ortsgruppen nicht mehr möglich, die Miete für die Säle und die Kosten der Reparaturen der Saalräder zu bezahlen." Und dennoch geht es vorwärts! Im Jahre 1931 hat die bundes= eigene Fabrik, Frisch Auf" in Offenbach a. Main immer noch 550 Saalmaschinen liefern können, Nach den letzten Statistiken sind an Saalmaschinen 16 327 3meiund 1702 Einräder in dem Besiz der Ortsgruppen, die wiederum etwa 8500 ausgebildete Saalsportmannschaften auf weisen. Die meisten Gaalsportmannschaften stellen die Reigenfahrer, die 5168 Baare mustern fönnen. Es folgen 2770 Radball- und schließ lich 753 Radpolomannschaften. Zulauf erhielten die Bahnfahrer, deren Sparte jetzt über 573 Mitglieder verfügen kann. Die Straßenfahrer haben im Vergleich zu 1930 eine kleine Einbuße erlitten. 363 Ortsgruppen stellen hier über 1700 Wettkämpfer. Auch die noch junge Sparte der Motorfahrer weist einen Mitgliederrückgang auf, der ebenfalls seine Ursache nur in der unerhörten Wirtschaftskrise hat. Immerhin werden hier über 25 000 Mitglieder gezählt. In diesem Zusammenhang sei noch auf die außerordentlich günstigen Versicherungsschutzbestimmungen für die Solitraftfahrer hingewiesen. * So informiert das Jahrbuch über zwölf Monate Bundesarbeit. Wer sich für den Arbeiterradsport interessiert, der erwerbe das Werf, dem wertvolles Adressenmaterial und die Geschäftsberichte aller Gaue und Bezirke beigegeben sind, von dem Verlag, Solidarität", Offen bach a. Main. Der Preis beträgt für Mitglieder 1 M. und für Nichtmitglieder 3 M. Preußen fördert Leibesübungen Was der Freistaat Preußen in den Jahren 1919 bis 1930| 1930 9 166 281 Arbeitslosentagewerke auf die Errichtung von Sport( mit Ausnahme der Inflationszeit) für die förperliche Erziehung und Erholungsplägen in den einzelnen Bezirken. Auch den Landesder schulentlassenen Jugendlichen im Alter von 14 bis 21 Jahren jugendämtern flossen aus Mitteln des Ministeriums für Volkswohl geleistet hat, läßt sich aus einem Aufsatz im Deutschen Archiv für fahrt Beiträge zur Förderung des Jugendherbergswerkes zu. Eine Leibesübungen", dem Verwaltungsblatt der Reichs, Landes- und Hauptaufgabe hat der preußische Minister für Bolkswohlfahrt von Kommunalbehörden, Heft 1, 4. Jahrgang, ersehen: jeher in der Ausbildung von Jugendpflegern und Uebungsleitern beiderlei Geschlechts gesehen. Demgemäß zählten die Jugendpflegelehrgänge sowohl der Regierungen als auch der Verbände in den Jahren 1919 bis 1928 472 435 Teilnehmer. An den allgemeinen Lehrgängen für Leibesübungen nahmen 1079 Personen teil. 586 Turn- und Sportwarte und Wanderführer konnten in Kurfen aus und fortgebildet werden. In diesen Zahlen sind die Leistungen der übrigen preußischen Zentralbehörden: Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Boltsbildung, Ministerium für Handel und Gewerbe und Ministerium des Innern, sowie die ganz be= deutend höheren Leistungen der Selbstverwaltungsförper auf dem Gebiet der Leibesübungen nicht enthalten. Für die Schaffung und Unterhaltung von Spiel- und Sport plägen, Turnhallen, Heimen und Schwimmbädern wurden Bei hiffen aus Jugendpflegemitteln in Höhe von 8 947 310 Mart geleistet; dazu kommen Darlehen für die genannten Anlagen und Einrichtungen in Höhe von 4111 810 Mart. Für die Förderung des Jugendherbergswertes bewilligte der Staat im gleichen Zeitraum 575 550 Mart. Der 1927 geschaffene Fonds für Leibesübungen hat zur Förderung der gesamten Bewegung in Preußen bis zum Rechnungsjahr 1931 ein schließlich 4 030 000 Mart beigetragen. Aus den Mitteln der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge entfielen in den Jahren 1920 bis | Kleiner Sport von überall Wer fährt mit den Naturfreunden? Die zum Sonntag, 29. Mai, angesetzte Fahrt durch die Stolper Heide findet nicht statt, dafür beteiligt sich die Führerfektion am Ortsgruppen Treffen am Pilz", Nähe Mühlenbecker See. Abfahrt mit Omnibus S von Binetastraße um 7,30 Uhr nach Schildow, Umsteiger mit U- Bahn 35 Pf. Von Schildom Wanderung über Mönchsmühle nach Mühlenbeck und zum See. Gäste willkommen. " Arbeiter- Schach. Morgen, Freitag, 20 Uhr, veranstaltet die Abteilung Karlshorst einen Werbeabend. Nach einem Vortrag am Brett findet ein Wettkampf zwischen Karlshorst und Kreuzberg statt. Gespielt wird im Lokal von Wenzel, Gundelfinger Straße Ede Hönower Weg. Das Ringerfurnier im Sportpalaff. Der Ringerwettstreit im Sportpalast wurde gestern bei überaus gutem Besuch fortgesetzt. Das erste Treffen Sajoriti gegen den Berliner Examateur Kawall endete in der 18. Minute mit dem Siege des Polen. RenterEstland wurde von Krummin- Bettland kurz nach der ersten Bause durch einen plöglichen Ueberstürzer bezwungen. Die mit großer Schnelligkeit geführte Begegnung zwischen Bognar- Ungarn und Iwanoff- Bulgarien brachte erst im legten Kampfdrittel die Entscheidung. Der tonangebende Iwanoff konnte seinen Gegner nach 18 Minuten auf die Schultern zwingen. Der erste Kampf im Schwergewicht Jaago- Estland gegen Landau- Düsseldorf wurde nach drei Gängen mit einem Unentschieden abgebrochen. Budrus- Litauen siegte in der 11. Minute über den Bremer Stoll. Heute abend ringen: Kyriloff gegen Raine, Renter gegen Bohlfuß, Grünberg gegen Adamschat, Naber gegen Budrus, Bela Nagy gegen Stibor und Köhler gegen Polis, Trabrennen zu Ruhleben. Die zweite Mai- Veranstaltung zu Ruhleben geht am Freitag, 27. Mai, zu Ende. Die Hauptnummer, das Franto- Rennen, wendet sich an die Pferde mit Stehvermögen, denn es führt über 2600 Meter. Die Veranstaltung beginnt um 15.30 Uhr. Zur Schwergewichts- Europameisterschaft in Brüssel. Nach Befeitigung mancherlei Schwierigkeiten ist die Begegnung zwischen Hein Müller und Pierre Charles doch endlich zustande gekommen, und am Sonnabend, 28. Mai, werden die beiden Landesmeister von Deutschland und Belgien in Brüssel zum Borkampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht antreten. Ein neuer Wassersporthafen in Bornim. Unmittelbar neben dem Wassersportheim Bornim ist an der Marquardter Brücke am Safrow- Baretzer Ranal ein neuer Wassersporthafen geschaffen worden, der für Ruder- und Paddelboote bequeme Landungs möglichkeiten bietet. Pankow in Bewegung! Die Freie Sportvereinigung Pankow wartet am kommenden Sonnabend mit einem Stafettenlauf„ Quer durch Pankow" auf. mit zehn Läufern pro Mannschaft werden Bankows Hauptstraßen durchlaufen, Start: 19 Uhr, Marktplay. Meldungen werden noch am Tage des Laufes entgegengenommen. Am Sonntag wird ein Werbespieltag der Fußballer, Handballer und Hockeyspieler gegen Lockenwalde I, Halbe, Leipzig und Spandau den Abschluß bilden. Beginn der Spiele Sonntag 14.30 Uhr. 20 Bundestreue Vereine teilen mit: Uhr, Mitgliederversammlung, beide in der Waldhitte", Plögensee.haupt ASB. Hellas. Freitag, 27. Mai, 20 Uhr, Vorstandssigung; Freitag, 3. Juni, übungstage während der Sommerzeit: Dienstags und Freitags 17 Uhr Freibad Sichtenberg. Gigung Freitag, 3. Juni, nach dem Training, im Umkleidelokal 3D., Sportgruppe. Freitag Fußballtraining ab 18 Uhr Normannenplas Plögensee. Schade. Freie Lehrer- Sportvereinigung Berlin. Spiele beginnen für alle Abteilungen Freitag, 27. mai, 17 Uhr, Sportplay Rehberge. Gäfte willkommen. Für Tennis. spieler sind noch Pläge frei. BEC. Hanja 31. Donnerstag, 26. mai, 19 Uhr, Jugendsigung bei Bontke, Schul. Ecke Kommunistische Kampfmethoden ſtafetten brachten den Gedanken des Arbeitersports gut zum Aus- vollständigung der Jugendmannschaften und für eine Alte- Herren- Mannschaft Mit Stemmeisen und Brechstange Mit welchen Gewaltmethoden fommunistische Sportler gegen bundestreue Vereine vorgehen, zeigt wieder einmal der Ausgang eines Prozesses, der für die Kommunisten in Limbach i. Sachsen verloren ging. Dort hatten sie sich nach der Spaltung das Vereinsbad des bundestreuen Vereins angeeignet, das sie jedoch wieber zurückgeben mußten, nachdem thre Klage vor dem Oberlandesgericht verloren ging und auch ihre Revision vor dem Reichsgericht abgewiesen wurde. Ein Bericht, den wir dem bundestreuen Säch sischen Arbeitersport" entnehmen, zeigt, in wie brutaler Weise Borstandsmitglieder des bundestreuen Vereins bei der Uebernahme ihres Vereinsbades von Kommunisten überfallen wurden: ,, Am Mittwoch, 11. mai, 19 Uhr, nahm der Vorstand Besiz von unserem Bad. Die Türen mußten vom Schlosser geöffnet werden. Auf Alarmruf wurde die in der Nähe liegende Siedlung, die zum übergroßen Teil von Kommunisten bewohnt wird, in tünstliche Aufregung versetzt. Es rottete sich nun ein Haufen wild gewordener Menschen am Bade zusammen und bedrohte die ihr Amt ausführenden Genossen. Unter den fürchterlichsten Drohungen, wie Totschlagen, ins Wasser werfen, Badmauser und Einbrecher usw. ging man tätlich gegen unsere Genossen vor. Den DMV.Angestellten Genossen Heide überfiel eine Horde von 15 Mann. Man schlug ihn zu Boden mit Koppeln und anderen Schlaginstrumenten und trat ihm schließlich mit den Füßen ins Gesicht und auf den Körper, wobei ihm einige Finger gebrochen wurden. Die inzwischen eingetroffene Polizei griff dann ein und zerstreute die Menge. Im Laufe des Vormittags aber fammelte sich wieder ein randalierender Haufen an, so daß das lleberfallkommando eingreifen mußte. Nachdem vom Schlosser die Türen mit neuen Schlössern und Sicherungen versehen waren, wurde das Bad von uns abgeschlossen. Nachmittags haben dann Personen das Bad wieder er brochen und zum großen Teil das bewegliche Inventar( Ofen, eiserne Kleiderschränke, elektrische Beleuchtung usw.) auf Lastwagen davongeschafft." Das ist wieder einmal ein treffendes Beispiel, wie die angestrebte Einheitsfront der Kommunisten erreicht werden foll. In ihren Kampfmethoden gegen andersdenkende Arbeitsbrüder unterscheiden sie sich in keiner Weise von den Nazis, wobei sie auch por den Gepflogenheiten gewöhnlicher Verbrecher nicht zurückschrecken. Arbeitersportler am Funkturm druck. Mit dem Lied: Wann wir schreiten Seit' an Seit', und mit dem Bundesruf„ Frei- Heil" schlossen die Darbietungen, die allseitige Anerkennung fanden. Zum 10. Male Eifel- Rennen Autos und Motorräder auf dem Nürburgring Der ADAC. veranstaltet am Sonntag auf dem Nürburgring sein 10. Eifelrennen, das wieder eine glanzvolle Beseßung gefunden hat. Das meiste Interesse gilt dem über 17 Runden der 22,810 Kilometer langen Nordschleife führenden Rennen( 387,77 Kilometer) der großen Wagen, kommt es doch hier zu der neuerlichen Begegnung zwischen Manfred v. Brauchitsch( Mercedes- Benz) und Rudolf Caracciola( Alfa Romeo), die sich auf der Avus einen so heftigen Kampf lieferten. Die zahlreichen Kurven, Steigungen und Gefälle auf dem Nürburgring stellen an die Fahrkunst der Bewerber ganz besondere Anforderungen und es würde nicht überraschen, wenn Caracciola sich für die Avusniederlage revanchiert. Da sind aber auch noch andere Meister des Volants, wie Hans Stud( Mercedes- Benz), Hans Broschet( Mercedes- Benz), Louis Chiron( Bugatti), Dreyfus( Bugatti), v. Morgen( Bugatti), die ein Wörtchen mitreden wollen. Die Wagen der Wertungsgruppe i haben nur 272,72 Kilometer zurückzulegen. Hier kommen die beiden Engländer Barnes und Goodacre wieder mit ihren schnellen Austin heraus, ferner Täuber- Zürich( Alfa Romeo), Simons, Macher( D.), Kohlrausch, Stöffer( BMW.). Damit ist das umfangreiche Programm aber bei weitem nicht erschöpft, denn es gibt noch zwei Rennen für Krafträder. Die Solomaschinen gehen über 387,77 Kilometer, während die Seitenwagenfahrer, die ihren zweiten Meisterschaftslauf erledigen, 288,1 Kilometer fahren werden. Auch hier läßt die Beteiligung nichts zu wünschen übrig, sowohl was die Zahl als auch die Qualität der Nennungen betrifft. Sturmvogel"-Taufe " Die Jungflieger des Sturmvogel"( Flugverband der Werktätigen), Ortsgruppe Jena. die sich aus Begeisterung für den Segelflugsport unter fachkundiger Leitung durch eigene Arbeit zu tüchtigen Fliegern und Flugzeugbauern ausbilden, haben nunmehr ihr zweites Schulfegelflugzeug( Leichtwindfegler) fertiggestellt. Am Sonntag wurde das neue Flugzeug zusammen mit den beiden anderen Flugzeugen Stadt Jena" und„ Kassel" auf dem Marktplatz aufgestellt und um die Mittagstunde in Anwesenheit von Vertretern der Stadtverwaltung Jena, des Direktors der Fliegerschule Bad Sulza, eines Vertreters des Vereins für Luftfahrt Jena und zahlreicher Freunde des Flugsports bei starker Beteiligung der Jugend feierlich eingeweiht. Nach der Begrüßung durch den Führer der Jenaer Ortsgruppe, Zeunert, hielt der Vertreter des Reichsverbandes„ Sturmvogel", Binder- Berlin, die Weiherede. Darauf wurden die Flugzeuge von einer großen Festgemeinde besichtigt. Die prächtigen Vögel wurden von den Sachverständigen als technisch vollendet bezeichnet und haben auch sonst allgemeine AnDas regnerische Wetter trug dazu bei, daß der Besuch der ersten Vorführung der Arbeitersportler auf der Ausstellung ,, Sonne, Licht und Luft für Alle" sehr zu wünschen übrig ließ. In der Halle IV zeigten die Berliner Leichtathleten des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege ihre Uebungszweige. Unter fach gemäßer Leitung wurden Ballspiele und Hallentraining demonstriert. Der Leiter der Leichtathleten, Leutloff, erläuterte am Mikrophon den Wert der Leibesübungen und gab sachliche Erklärungen zu den einzelnen Darbietungen. Gymnastische Uebungen nach Mufit, Spiel mit dem Medizinball, Hochsprung, Runden- und Bendel| erkennung gefunden. werben noch Genossen taliberschießen in Friedrichsfelde, Upstallweg. Arbeiter- Schüßenbund, Ortsgruppe Berlin. Freitag, 27. mai, 18 Uhr, Klein. Touristenverein Die Naturfreunde". Freitag, 27. Mai. Photo- Arbeitsgemeinschaft Neukölln: Bergstr. 29. Photo- Arbeitsgemeinschaft Franke: Johannisstr. 15, Dunkeltammer. Photo- Arbeitsgemeinschaft Often: Frankfurter Allee 307: Tonen von Bildern. Faltboot- Abteilung: Johannisstr. 15: Klöhn Abend. Abt. Südost: Manteuffelstr. 7: Naturkundliches aus der Wanderpraris( Lichtbilder, Leng).- Charlottenburg: Spreeftr. 30: Seruelle Fragen. Briz: Chauffeeftr. 48, Rathaus: Singeabend. Treptow: Elsenstr. 3, am Bahnhof: Fahrten und Lieder.- Montag, 30. Mai. Malgemeinschaft: Manteuffelstraße: Romposition zu Prometheus von Goethe. Photo- Stammgruppe: Johannisstr. 15: Bilbwettbewerb: Straßenleben. Fahrten Sonntag: Abt, Norden: Treffahrt Mühlenbeder See. Treffpuntt 7 Uhr Schönhauser Allee. Führer: Sühr. Theater Lichtspiele usw. Staats Theater Donnerstag, den 26. Mai Staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Madame Butterfly Staatl.Schauspielhaus Schiller- Theater Charlottenburg. 20 Uhr Gendarmenmarkt. 20 Uhr Der Liebestrank Abschied von der Liebe PLAZA essing essing Theater Nähe Schles, Bhf. 5.815, Stgs. 2, 5,815. E7 Welchs. 4831 Täglich 8 Uhr Madonna Die Dubarry Wo bist Du? Volksbühne Theater am Bülowplatz 81 Uhr Sturm im Wasserglas Deutsches Theater Die 814 Uhr Journalisten Erika v. Thellmann. Genia Nikolajewna Theodor Loos Josef Wedorn Rose- Theater Große Frankfurter Straße 13: Tel, Weichsel E 7 3422 8.30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbühne Lustsp. nach Gustav Freytag 5.30 Uhr von Felix Joachimson Musik: Theo Mackeban Konzert u. Varieté Regie: Heinz Hilpert Zigeunerliebe Winter Garten 8 Uhr 15. Flora 3434. Rauchen erl. Trude Hes erberg. Fischer- Köppe. Cläre Eckstein- Truppe. Bil& BII. 2 Franks. Junetros& Elsie. 12 Deblars. Arthur Hell. Luella Paikin. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. GROSSES SCHAUSPIELHAUS Täglich 8 Uhr Die schöne Helena MAX REINHARDT INSZENIERUNG Noch Vorstellungen HAUS VATERIAND KURFÜRST 7460 P Vergnügungs Restaurant Berlins BETRIEB KEMPINSKI Trabrennen Ruhleben Freitag, den 27. Mai nachm. 14 Uhr.