Morgenausgabe Nr. 247 A 125 49. Jahrgang DSchentllch 7V Ps, monaMch Z.SS M (davon 67 monatlich für Zusiel- lung ins k>aus> im voraus zadibar. Postbezug z.»7 M. einschließlich soPs Postzeiwngs- und 72Ps PoftbestelIge> lnlhrem Auslandsadonnemenl ms-jä. pro Monat! für Länder mit ermäßigtem Drucksachenvortv 4,66 M Lei»Sonvarts* erscheint wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgabe für Berlin und im bandel mit dem Titel„Der Abend*. Illustrierte Eonntagsbeilagi .Volk und steit" Berliner volköblatt Sonnabend 28 Mai 1932 Groß-Äerlin IT pt Auswärts 45 Pf. Die etnipalt. Mlllimeierzetl» M PI Retlamezeile 2.- M„isleine An. zeigen-- da» sengedruckte Wort 2U Vi (zulässtg zwei fettgedruckleWorte.ledr- weitere Wort li) Ps. illabatl Ii. Tarit Worte Uber IS Buchstaben zählen sür zwei Worte. Arbeitsmar» Miiliineier- zeile 2S Pf. Familienanzeigen MiiTi- meterzeile 16 Pf. Anzeigenannabm- im Hauptgeschäft Lindenstraße 6 wochentäglich von 6-/, die 17 Uhr Der Verlag behält sich dasillechi der Ab- lehnuno nicht aenekmer Anzeigen vor- Zentralorgan der Sozialdemotvatistben kartet Deutschlands Revaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Retnfpt.: Dönbolf(AT) 292— 297. Telegraimn-Adr.! Sozialdemokrat Berlin Vorwarts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin Z7 536.— Bankkomo: Bank der Arbeiter. A ngestellien und Beamten, Lindenstr. 3. Dt B.u.DiSc.-Ges., Depositenk.. Aernfalemer Str 65 66 Alarm um den Osten. pariser presseseldzug gegen Deutschland. Paris, 27. Mai(Eigenbericht). Im Zusammenhang mit der Agitation der Nazis in Tanzig, der Entschließung des Aus- wärtigen Ausschusses des Reichstags gegen Polen sowie anläßlich der Meldungen über die beabsich- tigte Entsendung des 5lreuzers„Schlesien" nach Tanzig und über den Ausbau der o st p r e u ß i sch e n Grenz- b e f e st i g u n g e n, ist in einem Teil der französischen Presse eine neue Hehkampagne gegen Teutsch- l a n d eingeleitet worden, die immer größeren Umfang annimmt. Tas Zignal dazu hat der„Mal in" gegeben, i worauf fast alle reaktionären Zeitungen, wie das„Echo de Paris", das„Journal des Tebats", die„Liberte" und der„Figaro", sofort das gleiche Lied angestimmt haben. Tic genannten Zeitungen erklären in ihren Artikeln, daß die deutsche Bevölkerung systematisch gegen Polen aufgcheht werde, indem man ihr vormache, daß Tanzig von Polen bedroht und ans diese Weise eine Stimmung geschaffen werde, die, wie in den Jahren vor dem Weltkrieg, zu einer neuen Katastrophe, sür die Polen die Verantwortung zugeschoben werde, führen würde. Ter„Matin" spricht in einem Artikel sogar von genau festgelegten Plänen der Reichswehr, die das Ziel verfolgten, Polen von Rußland abzulenken, das sich zugleich an der polnischen Grenze und der Man- dschnrei bedroht fühlt und ei« Vorwand für die Wieder- aufrichtung des alten Teutschland seien, wenn es gelinge,| Polen zu unbesonnenen Taten zu verleiten. Was der„Matin" über angebliche Pläne der Reichswehr erzählt, ist natürlich reine Phantasie. Das' Blatt, das seit einigen Monaten von der französischen Rüstungs- i n d u st r i e beherrscht wird, sucht damit Stimmung zu machen für einträgliche Rüstungsaufträge an feine Geld- geber. Was die ostpreußischen Grenzbefestigungsarbeilen be- lrifft, die tatsächlich in Angriff genommen worden sind, so handelt es sich um Werke im sogenannten cheilsberger Dreieck, die von der Botschafterkonferenz genehmigt wor- den sind, weil sie im Friedensvertrag ausdrücklich gestattet wurden. Der französischen Presse, die sich für die in die Mil- liarden gehenden Befestigungsarbeiten an der Ostgrenze Frankreichs begeistert hat, steht es schlecht an, sich über die Inangriffnahme erlaubter deutscher Befestigungen im abgeschnittenen Ostpreußen aufzuregen. Der Betrag für diese Heilsberger Arbeiten war bereits in den vorjährigen Etat eingesetzt worden. Ob es bei der jetzigen Finanznot Deutsch- lands angebracht und ob es am Borabend von Lausanne klug war, diese Summe auszugeben, ist eine andere Frage, aber eine rein deutsche Angelegenheit. Anscheinend wollte die Reichsregierung damit nur dem blöden Geschwätz der nationalsozialistischen Kriegsdienstverweigerer entgegen- treten, daß man nichts für die Erhaltung Ostpreußens tue. Damit wird sie aber bestimmt nicht erreichen, daß diese Lästermäuler gestopft werden, vielmehr liefert sie obendrein den sranzösischen chetzpolitikern nur neue Nahrung. Wahr i st leider, das muß gleichzeitig offen ausge- sprachen werden, daß auch das deutsche Volk seit einigen Wochen gegen Polen in einer Weise aufgehetzt wird wie noch nie seit Kriegsende. Die gesamte Rechtspresse hat einen Feldzug inszeniert, der seine giftigen Früchte zu tragen beginnt. Die verlogenen Sensations- berichte des hitleroffiziösen„Daily Expreß" aus Danzig, die nach der Bekundung des Reichskanzlers ohne sachliche Begründung sind, haben zu der Annahme der nationalsozia- listischen Resolution km Auswärtigen Ausschuß geführt, die ein außen- und innenpolitischer Skandal war. An diesem Skandal sind die Reichsregierung lind die Regierungsparteien durch ihren Mangel an Zivilcourage mitschuldig. Was sich andererseits in Danzig selbst unter Duldung und aktiver Förderung durch den von den Nazis kontrollier- ten rechtsgerichteten Senat abspielt, ist nicht weniger ge- fährlich. Wir warnen! Die Nationalsozialisten wußten ganz genau, was sie taten, als sie das Schwergewicht ihrer außen- politischen Hetzarbeit nach der Ostgrenze verlegten. Wenn das so weitergeht, dann werden wir wieder eines Tages in eine Katastrophe„hineinschliddern", bei der zwar weder Herr Hitler, noch Herr Goebbels, noch Herr Hugenberg, noch die sonstigen Hetzmatadore auf der Rechten, sondern irregeleitete Massen ihre Knochen zu Markte tragen werden. Es genügt nicht, daß offiziös, wie es geschieht, gegen die Lügen des„Matin" Stellung genommen wird. Auch wir weisen diese Phantasien entschieden zurück. Auch darf nicht unerwähnt bleiben, daß manche Reden polnischer Na- tionalisten in letzter Zeit dazu beigetragen haben, die gegen- wärtige Stimmung zu erzeugen. Schließlich ist nicht zu oer- gessen, daß ursprünglich an allem der Versailler Ver- trag mit seinen unmöglichen Grenzziehungen schuld ist. Aber die R e i ch s r e g i e r u n g hat ihrerseits die Pflicht, den eigenen Nationalisten Einhalt zu gebieten und auf die Danüger Regierung dahin einzuwirken, daß sie nicht durch ihre Maßnahmen das glimmende Feuer schüre. Unter- läßt sie aus Mangel an innerpolitischem Mut die notwendigen Erklärungen und Schritte, dann übernimmt sie vor dem deutschen Volke und vor der ganzen Welt eine ungeheure Verantwortung! Ein Lump als Minister. Heimwehrminister Zakoncig als italienischer Betrüger entlarvt. Wien. 27. Mal(Eigenbericht). Die halbfaschistische Regierung Tollfuß stellte sich am Freitag dem österreichischen Nationalrat vor. Ihr erstes Auftreten endete mit einer gewaltigen Bla- m a g e jener bürgerlichen Politiker, denen diese Re- gierung zu verdanken ist. Im Anschluß an eine farblose und nichtssagende Re- gierungserklärung des neuen Bundeskanzlers Dollfuß hielt Dr. Otto Bauer im Namen der Sozialdemokratischen Partei vernichtend- Abrechnung mit dieser Verziveislungsrcgierimg der Rechtsradikalen. Besonders Bauers Enthüllunzen über den neuen Heimwehrminisier dieser Regierung, den Tiroler faschistischen Rechtsanwalt I a k o n c i g. machten auf das Haus einen niederschmetternden Ein- druck Bauer teilte nämlich mit, daß dieser Dr. Jakoncig nach dem Umsturz im Zahre ISlS sich als ilalienischcr Slaatsbürger bekannte und auch die italienische Siaaisbürgerschas» erworben habe� Erst später, nachdem er durch eine dunkle Angelegenheit Italien verlassen muhte, habe er sich um die Staatsbürgerschaft in Oesterreich beworben, diese aber auf einem völlig ungeseglichen Wege erlangt, so daß mit Recht daran gezweifelt wird, ob dieser öfter- reichische Minister überhaupt österreichischer Staatsbüvger ist. Darüber hinaus teilte Bauer dem Parlamem mit, daß gegen diesen Heimwehrminister beim Jnnsbrucker Strafgericht ein Strafverfahren wegen einer sehr unsauberen Angelegenheit im Gange ist. Bauer beantragte daher die Einsetzung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der sich sofort mit den schweren Anschuldigungen gegen diesen Heimwehr- minister zu befassen hätte. Vor diesem Ausschuß versprach Bauer auch mehrere Mitteilungen über den Jnnsbrucker Strafakt zu machen. Die bürgerlichen Parteien waren durch die Mitteilungen Dr. Bauers, der der neuen Regierung namens der Sozialdemo- kraien allerschärfften Kampf ansagte und eine» Mißlrauensantrag gegen die Regierung einbrachte, sichtlich konsterniert. Unter dem Eindruck dieser Niedergcschlagenl>eit standen auch die Reden der bürgerlichen Sprecher zu der Regierungserklärung, die es kaum wagten, zu Bauers Enthüllungen Stellung zu nehmen.— Der Nalionalrat tritt am Dienstag wieder zusamüien. Wie der Wiener Korrespondent des„S oz. Pressedienst" erfährt, wird der österreichische Heimwehrminister beschuldigt, als Anwalt ein« Konkursmasse, zu deren Berwaltung er eingesetzt war, veruntreut zu haben. Lind draußen brüllen die Nazis:„Oemschland erwache!"... Wien, 27. Mai. Während der Aussprache im Nationalrat über die Regierungs- erklörung sammelten sich aus der Ringstraße, die sich innerhalb der Bannmeile befindet, etwa 5000 Menschen an, die Kundgebungen gegen die Regierung veranstalteten. Zablreiche Sprechchöre riefen! „Deutschland erwache!" und„Judo verrecke!" Die Polizei räumte die Ringstraße. 15 Personen wurden verhastet. Nach Schluß der Parlamentssitzung verlief sich die Menge. Einheitsfront gegen Arbeitslose Kommunisten und Nationalsozialisten wollen keine Arbeitsbeschaffungsanleihe. Von Kurt Heinig. Im Preußischen Landtag prügeln sich die Kommunisten mit den Nationalsozialisten! im Reichstag kämpfen sie ge- meinsam gegen die A r b e i t s b e s ch a f f u n g s- a n l e i h e— eine merkwürdige Einheitsfront, deren Kosten die Arbeitslosen zu zahlen haben werden. Bekanntlich liegt es so, daß die sozialdemokratische Reichstagsfraktion schon vor Monaten den Entwurf eines Gesetzes zur Auflegung einer Prämienanleihe im Reichstag einbrachte. Der Ertrag dieser Anleihe soll ausschließlich zur Arbeitsbeschaffung verwendet werden. Unter dem allge- meinen Druck der stürmischen Forderung nach Arbeitsbe- schaffung hat sich dann das Kabinett Brüning entschlossen, diese Prämienanleihe für die Zwecke der Arbeits- beschaffung festzulegen. Die Genehmigung dazu hat sie durch ein besonderes Kreditermächtigungsgesetz erhalten, das in der Plenartagung des Reichstags am 12. Mai unter anderem gegen die Stimmen der Kommunisten und Nationalsozia- listen angenommen wurde. Der 8 8 jenes Gesetzes jagt ober nichts über Einzelheiten der Ausstattung der Anleihe und über die Verwendung der Mittel. Für diese Einzelheiten gibt der oben erwähnte Gesetzentwurs der sozialdemokra- tischen Reichstagsfraktion die Richtlinien. Er wurde in diesen Tagen im Haushaltsausschuß des Reichstages beraten. Das sozialdemokratische Ziel war dabei, der der- zeitigen Reichsregierung für die Durchsuhrung des§ 8 des Kreditermächtigungsgesetzes bis ins einzelne gehende Vor- schriften festzulegen. Wie sich die K o m ni u n i st e n in dieser Beratung be- nommen haben, das verdient bis zum letzten Arbeitslosen bekannt zu werden. Der kommunistische Sprecher erklärte kurzerhand, die von den Sozialdemokraten vorgeschlagene Finanzierung der Arbeitsbeschaffung durch eine Prämien- anleihe sei unmarxistisch und ein Betrug an den Arbeitern. Was ist eigentlich eine Prämienanleihe? Eine Prämienanleihe beruht auf der Verbindung von üblichen Anleiheprinzipien und üblichen Lotterieprinzipien. Was eine übliche Anleihe ist, und was eine übliche Lotterie ist, weiß jedermann. Die gewöhnliche Anleihe ist ein festverzinsliches Papier. Alljährlich wird meist zum Nennwert durch Auslosung ein Teil des gesamten Anleihe- betrages zurückgezahlt, also getilgt. Bei einer Lotterie erwirbt man durch Hingabe von barem Geld einen Anteilschein, der nicht verzinst wird. Das hingegebene Geld kann vervielfacht an den Besitzer. des Loses zurückkehren, wenn auf seine Losnummer ein Gewinn ge- zogen wird. Im anderen Fall verliert der Losbesitzer das gesamte eingezahlte Geld. Bei der Prämienanleihe ist nach dem Anleiheprinzip eine Verzinsung vorgesehen. Sie ist aber niedriger als die übliche Verzinsung. Aus der Differenz zwischen üblichem Zinssatz und tatsächlich gezahltem Zins- satz gewinnt derjenige, der die Prämienanleihe ausgegeben hat, eine Kapitalreseroe. Sie wird dazu benutzt, um die- jenigen Anteile, die alljährlich ausgelost und zurückgezahlt werden, mit einer Prämie, also mit einem Gewinn auszu- statten. Das Gemeinsame zwischen Prämienanleihe und Lotterie ist, daß der Inhaber eines Anteilscheines einen Gewinn machen kann. Der Unterschied ist, daß bei der Lotterie, wenn kein Gewinn gezogen wird, der Einsatz verloren geht. während er bei der Prämienanleihe erhalten bleibt. Die Prämienanleihen, im besonderen die ausländischen Prämienanleihen, waren in den Jahrzehnten vor dem Kriege in Deutschland ein beliebtes Spekulationspapier, zugleich ein Objekt der Gesetzgebung. Nach dem Weltkriege und im vergangenen Jahrzehnt sind die Prämienanleihen in einer ganzen Reihe von Ländern wieder stark entwickelt worden. Die Deutsche Nationalver- sammlung hat schon im August 1919 eine große Spar- Prämienanleihe ausgelegt. Damals sollten fünf Milliarden gezeichnet werden, aber nicht ganz vier Milliarden kamen ein. In größtem Umfange hat d i e S o w j e t u n i o n den Aufbau ihrer Industrie durch Prämienanleihen unterstützt. So gut wie sämtliche inneren russischen Anleihen sind Prämienanleihen. Der russische Staat hat den Spiel- trieb seiner Einwohner außerordentlich weit ausgeschöpft. Einzelne seiner Prämienanleihen sind unverzinslich. Dafür erfolgen aber monatlich Auslosungen, also Gewinnziehungen. Für die Gewinne hat der russische Staat Steuerfreiheit ge- währt. Einzelne der russischen Prämienanleihen sind mit steuerfreien Hauptgewinnen bis zu 599 999 Rubel ausge- Nazidemagogie entlarvt. Die Nationalsozialisten und die ausländischen Landarbeiter. stattet. Neuerldings sind die russischen Prämienanleihen so ausgestattet, daß aus jedes Stück innerhalb von zehn Iahren einmal ein Gewinn zwischen 2V bis 500 Rubel entfällt. Dafür sind diese Prämienanleihen aber unverzinslich. Aus den zurückbehaltenen Zinsen gewährt der Staat die Gewinne. Die russischen Prämienanleihen haben sämtlich feierliche Namen. Die große Anleihe über 1,6 Milliarden Rubel vom Jahre 1931 heißt zum Beispiel„Zweite Ausgabe der Staats- anleihe Fünf-Iahr-Plan in vier Jahren". Die erste Aus- gäbe dieser Anleihe wurde im Jahre 1936 veranstaltet. Im Haushaltsausschuß des Reichstags machten nach diesen Feststellungen die Kommunisten den kläglichen Einwand. daß, wenn man schon anerkennen müsse, daß in Ruß- land die Staatsanleihen sämtlich Prämienanleihen sind, das Geld aber dach den Arbeitern zugute komme und nicht den Kapitalisten. Dort handele es sich um Anleihen für einen sozialistischen Staat. Bei der deutschen Prämien- anleihe, nach dem sozialdemokratischen Vorschlag, ist der Gesamtertrag zu zwei Drittel für den Klein- wohnungsbau und zu einem Drittel für sonstige Arbeitsbeschaffung, ausschließlich durch die öffentliche Hand zu verwenden. Also auch hier sind die Privatkapitalisten ausgeschaltet. Der Sinn der Prämien- anleihe ist ausschließlich, für die Arbeitslosen Ar- beit zu beschaffen- Die deutsche Prämienanleihe hat nichts mit Kapitalisten und Profit zu tun. Sie gilt nicht dam Staat, sondern den Arbeitslosen. Dennoch stimmten im Plenum des Reichstags die Kam- m u n i st e n gegen diese Arbeitsbeschassungsanleihe und sprachen sich gegen das Ausführungsgesetz der Sozialdemo- traten aus! Sie bildeten dabei eine Einheit s- front mit den Nationalsozialisten. Sic prügeln sich mit ihnen und sie kämpfen gemeinsam mit ihnen gegen die Sozialdemokratie. Gegen diese Verbohrtheit und diesen blinden Haß muß die Einheitsfront aller derjenigen sich durchsetzen, die den Arbeitslosen Arbeit beschaffen wollen und siir die Arbeitslosen alle Mittel ausnutzen, die zur Ver- fügung stehen! Der Schwindel von der Arbeiierpartei. Oie NSDAP, als Zuflucht der Unternehmer. Die nationalsozialistische Schwindelagitation gebärdet sich, als sei ihre Partei eine Arbeiterpartei. Sie beschimpft die Gewerkschaften und beschuldigt sie nach kommunistischem Muster des„Arbeiter- nerrats". Wie aber oerhält sie sich zu den Scharfmachern? In den „Deutschen Fiihrerbriefe n", die für Unternehmer bestimmt sind, liest man: „Es kommt ja vor allem darauf an, mit der Werbung für eine freie Wirtschaft und die ihr entsprechende Ilnternehmerhaltung auch an den wirklichen Praktiketi. der Wirt- Ichatt, an den richtigen Unternehmer heranzukommen, der heute in steigendem Maß« im nationalsozialistischen Lager Zuflucht sucht." Die NSDAP, als Hort der freien Wirtschaft— das ist die best« Illustration zu dem„Sozialismus" nach Gregor Straßerfchem Muster� Die NSDAP. Zufluchtsort der Unternehmer — bester kann der Volksbetrug der sagenannten„Arbeiterpartei" nicht gebrondmarkt werden! . Nazi-Willkür in Anhalt. Dem notleidenden Volke Hilst Hitler nicht- aber die Volksrechte werden mit Kühen getreten! Dessau, II. Mai.(ttigcnbencht.) Die Nazi« beginnen in Anhalt eine Willtürherrschaft i ch l i m m st e r Art aufzurichten. 3hr Ministerpräsident Zreyberg, den sie sich von Quedlinburg nach Anhalt geholt hoben, dient ihnen dabei offenbar als williges Werkzeug welcher Art die Tlazi-willkürherrschast ist, zeigte der sozialdemo» kratischc Abgeordnete K o st i h im Anhaltischen Landtag an einem Beispiel. Danach hotte sich der Landesvorstand der weltlichen Eltern- bciräte an den nalionalsozialistischen Ministerpräsidenten mit der Sitte um Auskunft gewandt, ob es bei den von der früheren Re- qierung sestgesehten Terminen für die anholtischen Elternbeirats- mahlen bleibe. Als Antwort ging dem Landesvorstand aus dem Büro des Staalsministeriums eine Mitteilung zu, nach der dos Gesuch an die Landtagssraktion der NSDAP,„zur zuständigen Er- ledigung" übergeben worden sei. Gleuhzeitig erhielt der Landes- narstand ein Schreiben von der nationalsozialistischen Landtagssraktion, in dem die Ucbcrweisung der Anfrage bestätig» wurde. Die Mitteilung des unglaublichen Vorgangs, daß der national- soziolistischc Ministerpräsident eine ihm amtlich übermittelte Anfrage seiner Varteiinstanz zur Erledigung zustellt. rief in der Landiagssihung stürmischen Vrotesk der Linksparteien hervor. Die Regierungsparteien ließen diesen Protest jedoch stumm über sich ergehen, während der Ministerpräsident echt nationalsozialistisch verfuhr: er drückte sich um eine Antwort herum und nerschwand aus dem Sitzungssaal. Die Willkür mit der die neuen Machthaber m AnHall verfahren, wurde auch bei der Wahl non Landtagsmitgliedera zu den Verwaltungsbehörden des Staates dokumentiert. Die Rechtsmchrheit machte non ihrer Macht rücksichtslos Gebrauch und besetzte unter Dtolest der Sozialdemokraten sämtliche Positionen mit ihren Vertretern. Vorher war unter Zustimmung der Sozialdemokraten ein Am- »estiegeseh verabschiedet worden, das für Straftatev. die au» politischen Gründen bis zum Zt. Mai d. 3. begongen wurden, Straferlaß gewährt. Ein Bombenlager ausgehoben. Großer Sprengstoffond in Veoihen. Beuthen, 27. Mai. Der Polizei wurde am Areüog bekannt, daß in der Wohnung aas Grubenarbeiters B i« r o m s k i in Beuchen Spreng- jt o f f verborgen wurde. Bei der Haussuchung wurden gesunden: 1 0 Dynamitbomben, die aus Konservenbüchsen zu je einem Piund hergestellt waren, 28 Dynamitsprengpatranen. acht Sprengkapseln. IfMi Schuß 8-Munition. zwei Gewshrschl.oster Modell 98. ein Maschinengewehrkasten mit Gewehrteilen. 50 Sprengkapseln mit Zündschnur, isolierter Droht mit Sprengkapseln für elek- irische Fernzünchtng, drei Rollen Zündschnur, vier verschiedene Sprengpatronen und«in« Blechbüchse mit Dynamit. Bi«. rowski und sein« Ehefrau wurden festgenommen. Die nationalsozialrsnichs Fraktion im Preußischen Landtag Hot«wen demagogischen Antrag eingebrocht, mit dem sie auf dem Lande zu agitieren gedenkt. Sie hat beantragt, das preußische Staatsminifterium durch Beschlutz des Landtags anzuweisen, die östlichen Londesgrenzen gegen den Zuzug der polni- schen Industrie- und Landarbeiter zu sperren. Als Begründung wird angeführt, daß die preußische Staats- rcgierung trotz der Arbeitslosigkeit in Deutschland Arbeits- kräite aus den östlichen Nachbarstaaten, insbesondere aus Polen, nach Preußen hereinlasse. i- Mit diesem Antrag soll der Eindruck erweckt werden, daß die preußische Staatsregierung daran schuld sei, daß vor allem in Ostelbien polnische Wanderarbeiter beschöstigt werden, während deutsche Landarbeiter arbeitslos sind. Die preußische Staatsregierung hat in einer amtlichen Erklärung sofort darauf hingewiesen, daß es gerade die preußische Staatsregierung ist, die ununterbrochen im Reichstag die westere Zulassung polnischer Wanderarbeiter bekämpft hat, und zwar mit dem Erfolg, daß das Kontingent sehr stark herabgedrückt worden ist. Ueber diese amtliche Erwiderung hinaus muß die national- sozialistische Demagogie noch etwas deutlicher beleuchtet werden. Es ist vor allem der von den Nationalsoziabisten bis suis Messer bekämpfte Deutsche Landarbeiterverband ge- wesen, der aufs schärfste gegen die Zulassung polnischer Wander- arbeiter Front gemacht hat, während die den Nationalsoziakisten nahestehenden Großgrundbesitzer deutsche Arbeiter aus Lohn und Brot geworfen haben, um polnische Wanderarbeiter zu beschäftigen! Es ist noch nichl solange her, daß eine Schändliste von Großgrundbesitzern vcröftentlicht wurde, die so gegen die Interessen der deutschen Arbeiterschaft venloßen haben und damit bewiesen hoben, wie es um ihre nationale Gesinnung in Wahrheit beschaffen ist. Aus dieser Liste h«l>en wir die folgenden Fälle noch eirrnial hervor: Die fürstliche Gvtsvermallung Baumgarten in Mecklenburg entließ 1k deutsche Landarbeiter und stellte dafür polnische Wanderarbeiter ein. Die Gutsverwaltung Alt- Mellenthin entlieh 14 deutsche Arbeiter wegen angeblichen Arbeiismanoel». aber wenige Tage vorher hatte sie 44 polnische Wanderarbeiter ein- gestellt. ver Rittergutsbesitzer von der Osten. Schloß Vcnkun in Pommern, entließ sieben deutsche Arbeiter und stellte dafür ZS ausländische Wanderorbeiter ein. Die Gutsbesitzerin Hella von Ziethen in Rade- witz in Pommern entließ fünf deuische Arbeiter, um 17 polnische Zkrbeiter anzustellen. Am krassesten war der Fall des General Hell auf dem Gute Groß-Griehen. Eine Kommiision des ostpreutziichen Landes- arbeitsamtcs stellte fest, daß der General Hell, der Landesverband?- Vorsitzende der Deutschnationaleo Volkspartei, 90 polnische Wanderarbeiter widerrechtlich beschäftigte. Wäh> rend des Besucke? der Kommission aus dem Gut« stetz sich der General incht blicken,«ein« Frau aber hatte die illegalen polnischen Arbciier in einer noheliegeoden Waldung versteckt. E« wurde festgestellt, daß auf den meisten Gutern illegal polnische Wanderarbeiter beschäftigt wurden, daß ein geheimes Nachrichtenwesen zwischen den Gütern bestand,„stt dessen Hilfe die Großgrundbesitzer einander warnten, damft sie bei Nach- suchungen ihre illegalen Arbeiter rechtzeitig verstecken können D'" Gerichte in Ostelbien haben ertappte Großgrundbesitzer mft so lächerlich geringen Geldstrafen bedacht, daß diese Strafen fast wie eine Prämie wirken! Der Fall aber, der die nationalsozialistische Demagogie aus da» deutlichste entlarvt, ist der Fall des Fideikommißbei'hers Walter von Eorswand, Spitzenkandidat der Nationalsozialisten In Pommern und Mitglied er nationalsozialistischen Reichslaas- froktion. Dieser Nationalsozialist beschästiote zahlreiche polnische Wanderarbeiter. Als er im Pommerschen Proviozialiaudtag daraus gestellt wurde, gab er es ohne weiteres zu: er begründete seine„nationale" Haltung damit, daß die polnischen Wand«- arbeiier eben billiger seien! Wenn die Nalionalsozialisten mit diesem Antrag bei den Landarbeitern agitieren wollen, wird ihnen zum mindesten in Ostelbien ein schallendes Hohngelächter entgegenschlagen! Oie amtliche Entgegnung. Der Amtliche Preußische Pressedienst schreibt: Ganz abgesehei» von der staatsrechtlichen Seite der Angelegenheit, von der Tatsache nämlich, daß die verlangte Sperrung der Grenze gegen aus- ländischen Zuzug von Land- und Industriearbeitern ÜReichs fache ist, ist dazu folgendes zu sagen: Gerade die preußische Staatsregierung ist es, die seit der Stoatsumwölzung im Reichsrat ununterbrochen auf das Intensivste die weitere Zulassuno von polnischen Wanderarbeitern bekämpft hat, weil nach ihrer Ansicht— wie auch durch die Berichte deutscher Arbeitsämter praktisch als.zutreffend erwiesen worden ist— der Gesamt- bedarf an Saisonarbeitern für sämtliche vorkommenden Arbeiten aus der Zahl der zur Verfügung stehenden deutschen Arbeitslosen gedeckt werden kann. Vor dem Kriege hatten wir in Deutschland noch rund 433 000 Wanderarbeiter zumeist polnischer Nationalität dooon in Preußen allein 325 000. Gegen den außer- ordentlich starken Widerstand des Großgrundbesitzes und gegen die schwersten Angriffe aus landwirtschaftlichen Ardeitgsber- kreisen— also gerade derjenigen ostelbischen Kreise, die heute den Nationalsozialisten zum großen Teil sehr nahe stehen•— hat die preußische Staatsregieruag in zäher Arbeit 3ahr für 3ahr eine allmähliche herabdrückung des vom Reichsrat zu beschließenden Kontingents für die Zulassuug an ausländischen Wanderorbeilen durchgesetzt. 1929 betrug dos Kontingent immer noch 110 000, 1931 nur nach 50 000. Für 1931 war die preußische Staatsregierung ausdrücklich für vollständige Streichung des Kontingents ein- getreten, ohne sich jedoch durchsetzen zu können. Vermutlich wird sich jedoch der Erfolg im Jahre 1932 auswirken, so daß außer den bereit? Eingebürgerten ausländische Wanderarbeiter in der beut- schen Landwirtschaft nicht mehr beschäftigt werden. Was endlich die Industriearbeiter anbetrifft, so ist d-e Zahl der mit Arbeitsbesreiungsschein in Deutschland noch lebenden ausländischen Arbeiter sehr gering und spiest iwrerhall: des ge- samten deutschen Arbesrsproblems gar kerne Rolle. Bemerkt sei nur noch, daß 50 Proz der überhaupt noch!n Frage Kommenden deutschstämmig und der Rest größtenteils mit deutschen Frauen verheiratet ist. Abrüstungskonferenz vertagt? Macdonald ielephoniert mit Washington. London, 27. Mai.(Eigenbericht.) Am Freilag hat die englische Oesfenllichkeit erfahren, daß Pro. mierminister Macdonald am Mittwoch nachmittag von seinem Land- ausenthalt in Schottland aus ein Telsphongespräch mit Washington geführt Hot. Dieses erste Eingreifen des Premierministers in die Staatsgeschäste nach seiner zweiten Augenoperation wurde von einem Teil der Presse mit der Lausanner Konserenz in Zusammen- hang gebracht, über die'Macdonald mit seinem amerikanischen Kol- legtn gesprochen haben soll. Dagegen meldet die„Dailn Mail" aus Amerika, daß die Lage im Fernen Osten zwischen China und Japan Gegenstand der lelephonischen Unterhaltung gewesen sei. Tatsächlich trifft keine dieser Lesarten zu, sondern man sprach darüber, was mit der Abrüstungskonserenz geschehen solle, die in eine Sackgasse geraten ist. und von der man vor Lausanne in keinem Falle irgend- welche Ergebnisse erwarten kann. Welches Ergebnis die telephonijch« Unterhaltung hatte, ist nicht bekannt. Das Ziel dürfte jedensalls sein, die Abrüstungskonserenz in irgendeiner Form zu vertagen, damit sie etwas später bessere Ergebnisse erzielen könne. Wenn, wie gesagt, vermutet worden war. daß China und Japan Gegenstand der Unterhaltung gewesen seien, so war diese Vermutnug naheliegend, denn die Ostsragen find augenblicklich wieder besonders aktuell. Wie am Freitag im Unterhaus auf eine Zlnfroge mitgeteilt wurde, Hot die japanische Regierung auf oer- traulichem Wege England und Amerika durch ihre diplomatischen Vertreter in Tokio eine Konferenz der Grohmöchte über China in Schanghai vorgeschlagen. China solle an dieser Besprechung jedoch nicht teilnehmen. England lehnt, wie au« der Antwort de» Regie- rungsocrtreter» auf die parlamentarische Anfrage hervorgeht, eine derartige Konforenz ohne Beteiligung Chinas ob. Die Haltung der Vereinigten Staaten dürste noch entschiedener sein als die englische. Beide Mächte sind zwär an der Herstellung geschästsfärdernder Be- dingungen in China interessiert, möchten diese ober nicht durch einen zu großen japanischen Einfluß erkaufen. Das englische Inieresse an Cbina gebt unter anderem aus«iner neuerdings erfolgten Gründung eines englischen Unternehmen? her- vor, das öffentliche Arbeiten in China, wie Brücken. Deiche. Straßen. Bahnen usw. betreiben soll. Vorerst handelt es sich bei dieser Neu- gründung um eine Art Studiengesellschaft. Die Gründer sind jedoch die wichtigsten englischen Baufirmen unter Führung von Darman u. Land. »Letzte Gslegenhe't zum Krieden.* Genf. 27 Mai. lEigenbericht.i In der Luftkommifscon der Abrüstyngskonse- r e n z nahm der Kamps um die Festsetzung«iner Unterscheidung?- lini« zwischen Flugzeugen mit und solchen ohne Angriffscharakter am Freitag sehr heftige Formen an. In einer großen Nede fordert« der Sozialist de Lroucksre- Belgien endlich das Ende der Verschleppungsmanöver und eine praktische Entscheidung. Nach dem italienischen Vorschlag seien alle Flugzeuge unter 400 Kilogramm Leergewicht reine Verteidigungsmittel. Noch dem schwedischen Vorschlag alle über 1400 Kilogramm reine Angrissswafsen. Dies« Kriterien könne man auf jeden Fall feschalten. Was dazwischen liege, müsse die General- kommission einreihen.„Verlieren wir keine Zeit", so erklärte de Brouckere,„diese Kommission ist vielleicht«ine letzte Gelegenheit, zum Weltfrieden beizutragen." Brandenburg-Deutschland begrüßte Brouckeres aufrichtiges Vorwärtsdrängen, doch sei Deutschland gegen jede Grenzziehung. da für es als Land ohne jede Militärluftfahrt jedes Militärluftgerot Angriffscharakter habe. Der Vorsitzende D a l l o t o n- Schweiz drängte dann aus Abstimmung über einen französischen Fragebogen über Flugzeuge und Motordefinftionen. Jetzt zeigte sich, daß keine der großen Mächte eine Grenzlinie zwischen Zlngrifss- und Ver- teidigungsflugzeugen ziehen lasten will.— Die Sitzung wurde vertagt. Hugenberger unier sich! Polizei muß die Versammlung schließen. In Ddgels Festsälen in der Brückenstroße 2 tagt« gestern abend eine geschlossene' Mitgliederversammlung der D e u t s ch n a t i o n a l e n Partei, zu der sich knapp 150 Manner und Frauen eingefunden batten. Dieser klein« Lereinsklatjch drohte in einen Tumult, wenn nicht gar in eine Schlägerei auszuarten, denn es tan, zu erregten Szenen, als ein Teil der?tnw«s«r»den offen seine Sympathie für Herrn Hitler bekundete. Der Wirt des Lokals, der offenbar um seine Soaleinricktung bangie, eilte stugs ans Telephon und rief die Polizei. Beamte des zuständigen Revier» und des gloichialls alarmierte» Ilebcrfallkonimandvs lösten die„Versammlung" aus. Hoch die Harzi-urger Front! Kerrl will Maßnahmen ergreifen. Auch gegen seine eigene Fraktion??! Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, hat der Präsident de» Preußischen Londtoa?. K e r r l. siir die nächste Sitzung des Landtags olle' notwendigen Maßnahmen getroffen, um eine ordnungsmäßige Durchführung der Sitzungen zu gewährleisten. sow>- Leben und Gesundheit der Abgeordneten zu schützen. Die neuen Be- stimmungen dürsten den Abgeordneten bereits in kurzer Zeit durch besondere Mitteilung bekanntgemacht werden. Heinrich Herfaer gestorben. Ein bürgerlicher Vertreter der positiven Sozialpolitik. Im Alter von 69 Iahren ist gestern 5? e i n r i 6) H e r k n e r gestorben. Heinrich Herkner gehörte als Schuler wm Knapp und Brentano zu den Professoren der National- ökonomie, die vom Beginn ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit an durch ihre positive Stellung zur sozialen Neform auch engere Beziehungen zur deutschen Arbeiter- schast gehabt haben. Verhältnismäßig jung wurde chcrkner, der als Sohn eines Mschinenfabrikanten in Reichenberg in Böhmen Ein- blicke in die Praxis der Jndustriearbeit gewonnen hatte, nach Beendigung seiner Studien zum ordentlichen Professor an der Technischen Hochschule in Karlsruhe berufen. In die Zeit seiner dortigen Lehrtätigkeit fällt die Veröffentlichung seines damals bahnbrechenden Buches über die„Arbeiter- frage". Damals, im Jahre 1894. war es für die bürger- itchc Wissenschast noch eine Tat, daß ein Gelehrter in einem Buche über die Arbeiterfrage nicht nur die g r o ß e B e- d e u t u n g der Sozialpolitik für den wirtschaftlichen Fortschritt würdigte, sondern daß er auch der modernen Arbeiterbewegung, im besonderer der Gewerkschafts- bewegung, eine gerechte Würdigung zuteil werden ließ. Das Buch, das eine groß angelegte Uebersicht über die Tatsachen und Probleme der modernen Sozialpolitik enthielt, erlebte viele Auslagen von wachsendem Umfang und viele Ueber- fetzungen in fremd» Sprachen. Es war kein Werk, das aus der Geistesrichtung der Arbeiterbewegung selbst stammte, aber ein Werk, das dazu beitrug, weiteren bürgerlichen Kreisen, vor allen Dingen Studenten, den Sinn der moder- nen Arbeiterbewegung und der modernen Sozialpolitik näherzubringen. Es mar in jener Zeit nur selbstverständlich, daß ein sozialpolitisch positiver Geist, wie es Herkner damals war, auch eine hervorragende Rolle im Verein für Sozial- Politik spielte. Der akademische Weg Herkners hatte über die Universität Zürich und die Technische Hochschule in Chor- lottenburg im Jahre 1913 zur Nachfolge auf dem Lehrstuhl Gustav Schmollers im Vorsitz des Vereins für Sozialpolitik, den er von 1917 bis 1929 innehatte. Leider muß man feststellen, daß gerade unter der Lei- mng des Verfassers der„Arbeiterfrage" der Berein für Sozialpolitik die Entwicklung von der positiven soziolpoli- tischen Einstellung zu einem programmlosen, allgemeinen sozialwissenschaftlichen Gelehrtonverein nollendet hat, wie überhaupt gerade diejenigen, die die Verdienste Herkners um die Soziolwissenschaft und die Sozialreform zu würdigen wissen, mit Bedauern feststellen müssen, daß er in der Nach- kriegszeit, obwohl fest auf dem demokratisch-republikanischen Boden stehend, für die moderne Ausgestaltung der Sozial- Politik nicht mehr das volle Verständnis gehabt hat. Als Herkner im Jahre 1922 mit zwei öffentlich stark diskutierten Aufsätzen über die wirtschaftlichen Grenzen der Sozialpolitik hervortrat, waren es nicht so sehr die von der Einstellung der Arbeiterbewegung abweichenden Auffassungen, die Befremden erregten, als die ungewöhnliche Wahl der Zeitschrift der reaktionären Arbeitgeberoerbände als Ort der Publikation. Gerode durch die Wahl dieser Plattform entstand der Eindruck, daß der alte Vorkämpfer der sozialen Reform nicht nur wissenschaftliche Bedenken vor- zubringen hätte, sondern auch einen persanlichen Front- Wechsel vollzogen hätte. Herkners Betätigung im letzten Jahrzehnt war eine sehr vielfältige. Neben der akademischen Lehrtätigkeit war er seit 1929 von der Reichsregierung zum Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates berufen, dessen sozialpolitischem Ausschuß er angehörte. Weiter widmete er sich mit großer Hingabc der Durchführung der Begabtenprufungen für diejenigen jungen Menschen, die, zum Teil aus der Arbeiterschaft kommend, zmn Studiuni der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ohne Reifezeugnis an der Universität zugelassen wurden. Herkner ist nie ein Sozialist gewesen, er hat immer den Kapitalismus als wirtschaftliche Grundlage bejaht. Die Ar- beiterschaft bat mit Bedauern den alten Herkner im letzten Jahrzehnt oft als den Kronzeugen ihrer Gegner aufmarschie- ren sehen, aber das hindert uns nicht, das Andenken an den jungen Vorkämpfer der sozialen Reform, das Andenken an den vornehmen Menschen und das Andenken an den akade- mischen Lehrer, der den neuen deutschen Staat stets bejaht hat. an seinem Grabe zu würdigen. Schwere Strasteniumulte. Kommunistenkrowolle im Rheinland.!?wei Schwerverletzte in Köln. Köln. 11. Mai. 3n nerschiedenen Kladtteilen nersuchien heute abend kommunistische Elemente Demonstratlanszügc zu bilden. Dabei kam es im Stadtteil Ehrcnfeld und in Köln-Salk m sehr schweren Zusammenilößen. 3n lhrer Zedrängnig mochten die Beamten von ihrer Schußwassc Gebrauch. Mährend es In Ehrenseid ohne Verletzungen abging, wurden in Kalk drei Personen durch Schlisse verletzt, von denen zwei dem Kölker Krankenhaus zugeführt werden mutzton. Mic die Verwaltung des Krankenhauses mitteilt, sind die Verletzungen der beiden so schwer, doh Leben, gcsahr besteht. Zn den späteren Abendstunden kam es immer wieder zu An- sammlungen, bei denen zahlreiche Schaufensterscheiben zertrümmert wurden. Gladbach-Rheydt. 21. Mai. Nachdem es am Fkeitagvormittag an den Zahlstellen des Arbeitsamtes bereits zu Zusammenstößen zwischen Kam- munisten und Nationalsozialisten gekommen war, ver- anstalteten in den Nachmittagsstunden, wie der Polizeibericht meldet. einzelne- Trupps von Erwerbslosen Kundgebungen, wobei sechs Kommunisten festgenommen wurde». In der Friedrich- strahe wurden bei einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten zwei Kommunisten durch Revolver- schuss« verlegt, einer von ihnen lebensgefährlich Als der Tot verdächtig wurden in einem n a t i o n a l s o z i a l i st i- schen Veriehrslokalzwe, Personen zusammen mit vier anderen Notionalsoziolisten nerhaftet. Wuppertal. 27. Mal. D-c Tumulte, d-e schon vorgestern abend begonnen hotten und seit gesrern mittag neu aufflammt»», Haben auch in den gestrigen Abendstunden Unruhe in die Stadt getragen. Gegen 29 39 Uhr ner- sammelten sich größere Massen auf der Poradestraße an. die gegen die Polizeibeamten mit Steinwurfen vorgingen. Auch in den Stadtteilen Barmen und Heckinghausen kam es im Laufe Justiz ä la Kube. „Neunzig vrozeni aller Staatsanwälte gehören weaen Rschtsbeuaung auf die Anklagebank."(Kube im preuß. Landtag am 2S. Mai.) Oritter-�eichs-Anwalt Kube: ,'Öie angeklagten Staatsanwälte geben selbst zu, nach ihrem Gewissen gehandelt zu haben. Ein noch nationalsozialistischen Moralbegriffen todwürdiges Verbrechen!" Sozialversicherung in Rot. Kolgen der Erwerbslosigkeii und des Lohnabbaus. Aus dem Bericht, den Ministerialdirekwr Gries« vom Reichs- orbeitsministerium im Sozialpolitischen Ausschuß des Reichstages über die Lage der Sozialversicherung gab, ist noch hervorzuheben: In der I n n a l i d e n v e r s i ck) e r u n g beträgt noch seinen Mitteilungen das monatliche Aufkämmen an Beiträgen nur noch 54 Millionen Mark gegenüber 79 Millionen im Jahre 1931, 89 Mit- lionen im Jahre 1939 und 99 Millionen im Jahre 1929. Dabei können die Einnahmen von 54 Millionen im Monat April kaum als Jahresdurchschnitt für 1932 angesehen werden. Die Ausgabe- Verpflichtungen für Heilverfahren usw. blieben etwa die gleichen und die Ausgaben für Renten stiegen sogar um etwa 79 Millionen im Jahre. Zur Zeil«gebe sich in jedem Wana« ein Fehlbetrag van H Millionen Mark Bisher fei die Invalidenversicherung ihren ZJerpflichtungen trotzdem dadurch nachgekommen, daß sie zur Deckung des Fehlbetrages chrs Vermögenswerte herangezogen habe. Di« Schwierigkeiten, die sich hierbei ergäben, seien groß und wüchsen dauernd. Die Reichsregie- rung habe entsprechend dem Wunsche des Ausschusses ihr Augenmerk gerade auf diesen Punkt gerichtet mit dem Erfolg, daß die Erfüllung der Perpslichtungen gelungen sei. Es sei auch unbedingt damit zu rechne», daß die Renten am l. Juni unverkürzt ausgc- zahlt würden. Die außerordentlich schmierige Loge sei bestimmt nicht durch die Schuld der Znnalidennersiäierung hervorgerusen morden, so«. der» sie sei eine unvermeidliche Rückwirkung an» dem allgemeinen Niedergang der nalianalen und internotionalcn Wirtschaft. In der K n a p p s ch a f t s v« r s i ch« r u n g habe im Jahre 1929 1 Prozent Beitrag aus der Lohnsumme 15 Millionen Mark erbracht. Heute dagegen seien es nur n o äz 6 M i l l I a n e n. Die Gründe lägen zu drei Vierteln im Abbau der Belegschaft, im übrigen in der Senkung der Löhne. Die Zahl der Bergleute in Deutschland habe 1925 noch 739 999 betragen, sie sei jetzt aus 439 999 zurückgegangen, davon allein ini Ruhrgebiet von 490 999 aus 190 000. Die heutigen Schwierigkeiten der knoppschaftsversicherung seien lediglich dutch den schnellen Absturz der Löhne verursacht worden. den niemand habe noraussehen können. Andererseits seien die Renten in die Höhe gegangen. Heute müßten drei Bergleute aus ihren Beiträge» zwei Invaliden ernähren. Der Zu- schuß des Reiches übersteige die Beitragseinnahmen. Hatten diese etwa 59 Millionen betragen, so habe das Reich im letzten Jahre 79 Millionen an Zuschüssen gegeben. Selbst wenn das Reich in diesem Jahre wieder einen Zuschuß von 79 Millionen gebe, bleib.' für 1932 immer noch ein Fehlbetrag von 44 Millionen, für den Deckungsmoglichkeiten gesucht werden wüßten, wobei aber von vorn- herein irgendeine Beitrogserhöhung ganz ausgeschlossen sei. Die A n g c st e l l t e n v e r s i ch c r u n g verzeichne einen monot- lichen Rückgang an Beitragseinnahmen von 5 Millionen Mark. Dagegen stiegen die Pensionen nach Zahl und Wert auch in dieser Per- sicherung ständig. Außerordentliche Schmierigkeiten bestünden auch in der II n f a l l o e r s i ch er u n g. Manche- Berussgenoilenschaiten befänden sich in ein« trostlosen Lage, z. B. die des Baugewerbes, wo 85 Proz. der Arbeiter erwerbslos seien. Bon der durch die Notverordnung geschaffenen Erwöchtigung, eine iolldarischc Haftung der Berufs- genostenschaiton anzuordnen, habe die Reichsreg'erung bisher keinen Gebrauch gemacht. Diese Ermächtigung lasse siäi nur mit großer Vorsiäü anwenden. In der Krankenversicherung seien die Einnahmen. die 1929 nach 2,3 Milliarden betragen hätten, auf 1.6 Milliarden im Jahre 1931 zurückgegangen. Zwar habe die Arbeitslosigkeit auch eine Verringerung der Versichcrungssälle verursacht, dach bereite die Notwendigkeit, einen Ausgleich zwischen Beitragseinnahmen und -ausgaben zu schaffen, den Krankenkassen außerordentliche Schwierig- leiten. Es müsse aber festgestellt werden, daß die Kassen alles getan hätten, um die Versicherten vor neuen Beitragserhähunge» zu bc> wahren. Die Behebung der Schwierigkeiten bei den Versicherungs- trägem sei außerordentlich schwer. Ueber alles formale Recht hinaus hätten die Versicherten ein Notstandsrecht, auskömmliche Leistungen zu erhalten: aus der anderen Seite hätte» aber auch die Vcrsichcriingsanstalten das Notstandsrecht, in ihrem Bestände erhalten zu bleiben. Dar- aus ergebe sich die Frage, wie ein'Ausgleich zwischen der Not- wendigkcit einer Erhaltung der Versicherung und dem Bedürfnis der Versicherten geschaffen werden könne. Van der Rcichsregierung seien in dieser 5l>nsicht noch keine Beschliisfc gefaßt worden. Weder das Reichsarbeitsministcrium noch das Rcichskabinett hätten irgend- welche Entscheidungen getroffen. des Nachmittags mehrfach zu größeren Ansammlungen, die teilweis« unter Anwendung des Gummiknüppels zerstreut wurden. Remscheid, 27. Mai. Seit gestern nachmittag ist die Stadt Schauplatz kvmmu- n i st i s ch c r Tumulte. Nachmittags hatten sich größere Gruppen von Kommunisten auf dem Marktplatz angesammelt und mußten vom lleberiallkommando zerstreut werden. Vier Personen wurden wegen Widerstand festgenommen. Am späten Nachmittag und in den'Abendstunden kam es auf dem Marktplatz und de» anliegende» Straßen criicut zu Ansammlungen von Dcmon- stranten, gegen die mehrfach mit dem Gummiknüppel vorgegangen werden muhte. Dreizehn Beteiligte wurden sestgcnommen. Kurz nach 22 Uhr wurde ein Ileberfallkommando nach der Honsberg« Straße gerufen, wo sich kommunistische Spreäzchöre gebildet hatten. Beim Erscheinen wurde» die Beamten mit etwa acht bis zehn Pistolenschüssen n m p f a n g« n. Ein Beamter er» zehn Pistolenschüssen empfangen. Ein Beamter er- d a s F e u e r. Ob dabei jemand verletzt wurde, konnte nicht festgestellt werden. KpO- Abgeordneter Franken verhastet. Wegen Beteiligung an Etrasientrawallen in Oüsseldors. Weaen Beteiligung an den Stratzenkrawollen in vüsseldors dal die Palizel den kommunistischen Landtaqsabgeord- neten Franken in Rheydt verhasle«. Nach seiner Ein- lieserung ins polizeigesängnis unternahm et einen Zluchkoerfuch. er konnte jedoch wieder festgenommen werden. Er wurde bereits dem Richter vorgeführt. Schwere Gaalfchlacht in Innsbruck. Bisher 32 Verletzte eingeliefert. Bei einer nationalsozialistischen Versammlung im Gasthos Baer in Höttinz. einem Vorort von Innsbruck, kam es heute abend zu einer S a a l s ch l a ch t mit parteigegncrn, wobei es eine große Zahl verletzte gab. Auch vor dem Gasthaus war es zu Demonstrationen gekommen. Die Gendarmerie mutzte mit gefälltem Bajaneit den platz absperren und hat bis jetzt drei Verhaftungen vargenammen. Die Rething»- gejellschost und die Reilungsmannschast lieferte bisher 3 2 ver- letzte in das Krankenhaus ein, darunter einige Schwcrver- letzte. Die Retungswagen wurden von der erregten Menge attackiert und beschädigt. Zwei Kompagnien Militär stehen am Kirchploh in Hölting in Bereitschosl. Z)rag duldet keine Irredenta. Prag. 27. Mai. Wie die Blatter melden, beschloß der Jmmunitätsous. schuß des Abgeordnetenhauses, die Immunität des deutschen nationalsozialistischen Abgeordgneten Knirsch und des deutsch nationalen Abgeordneten Dr. Schollisch wogen ihr« Aus- sührungsn bei den Sitzungen des sudetendeutschen Heimatschuß- Verbandes in Nürnberg und Oppeln aufzuheben. Der Im : munitätsansschnß habe sich vom Jnnenministcrhim ein Gutachten darüber abgeben lassen, ob der erwähnte sudetendeutschc Heimai- schutzverband eine Jrredenta-Organisation darstelle. Das Innenministerium soll in seinem Gutachten eine positive Er- I Harun g abgegeben haben. ZdA. weiht sein Verbandshaus ein. Ein symbolischer Akt. Man wird mit Verwunderung vernehmen, daß in diesen schweren Krisenzeiten eine Gewerkschast in der Lage ist, ein neues Verbandshaus einzuweihen. Aber gerade dieser Umstand zeigt, wie stark trotz der ungeheuer schweren Zeiten die Gewerk- schaftsbewegung ist und wie sehr besonders der Zentralver- band der Ange st eilten allen Stürmen Trotz zu bieten vermag. Auch nach einer anderen Richtung ist die Einweihung des neuen Verbandshauses des ZdA. ein symbolischer Akt: Dieses chaus, Potsdamer Straße 73, war einst der Sitz von Stinnes, Von Stinnes hat es der ZdA. im Jahre 1S29 erworben. Bei der Besichtigung, zu der am Freitag die Presse eingeladen war, wur- den auch die ehemaligen Privatbüros von Stinnes sen. und Stinnes jun. und des einst allmächtigen Generaldirektors Minoux gezeigt. wo einst die verbissensten Arbeilerseinde thronten, da wird jetzt für die Angestellten gearbeitet. Der Vorsitzende des ZdA., Genosse Urban, wies in seiner Be- grüßungsansprache auf die Entwicklung der Organisation hin. Man kann wohl sagen, daß diese Entwicklung für eine Gewerkschafts- organisation ohne Beispiel dasteht. 7914 hatte der Zentralverband der Handlungsgehilfen erst 25 999 Mitglieder und der Verband der Büroangestellten nicht ganz 9999 Mitglieder. 1919 haben sich diese beiden Organisationen zu dem Zentralverband der Angestellten zu- sammengeschlossen. Während Ende 1918 diese beiden Organisationen zusammen rund 93 999 Mitglieder hatten, ging es dann rasch auf- wärts. Ende 1925 waren es bereits rund 153 999, Ende 1928 rund 176 999, Ende 1939 rund 219 999, die bis Ende 1931 auf etwas über 293 999 zurückgingen. Dieser außerordentliche Aufstieg und der geringfügige Rück- schlag in der schweren Krise zeigt die Werbekrast des ZdA., die er in erster Linie seiner umsichtigen Politik zu danken hat. Dieser Aufstieg erklärt auch, warum der ZdA. ein neues Verbandshaus erwerben mutzte. Die bisherigen Räume haben nicht mehr ausgereicht zur Je- wältigung der Arbeit, die im Interesse der Mitglieder geleistet werden muß. Der ZdA., der in 785 Ortsgruppen die kaufmännischen und Büro- angestellten, die Angestellten des Versicherungsgewerbes und der Behörden organisiert, hat alle diese Gruppen in besondere Fach- gruppen zusammengefaßt, örtlich, bezirklich und zentral in Reichs- fachgruppen. Auch besondere Fachzeitschriften gibt der ZdA. für diese Fachgruppen heraus neben dem Verbandsorgan„Der freie Angestellte". Nicht zu vergessen ist die intensive und vorbildliche Arbeit für die Angestelltenjugend. 25 699 Jugendliche gehören dem ZdA. an. der besonders für diese zahlreiche Kurse veranstaltet, um ihre sachliche Fortbildung zu fördern. Neben diesen Einrichtungen hat der ZdA. vornehmlich das Unter st ützungswesen ausgebaut. Er zahlt Unterstützung bei Arbeitslosigkeit, Krankheit, Maßregelung, er gibt den weiblichen Mitgliedern, die sich verheirateten, eine Aussteucrhilse, und, neben einer freiwilligen Pensionskasse sichert er den Alten eine Alters- Hilfe von 59 Mark monatlich. Wie sehr auch bei den Angestellten jetzt die Arbeitslosigkeit ihre Opfer fordert, zeigt die Tatsache, daß der ZdA. im ersten Vierteljahr 1932 316 999 Mark Arbeitslosenunter- siühung an seine Mitglieder ausgezahlt hat. Ein Gang durch die neuen Räume, die mit viel Liebe und erlesenem Geschmack von dem Architekten G o t t h e i n e r gestaltet wurden, überzeugt uns, daß der ZdA. jeden Prunk und jeden Luxus ver- mieden hat, und daß sein einziges Ziel war, gute Arbeits- räume zu schaffen. Dieses Ziel ist nach jeder Richtung hin er- reicht worden. Im Erdgeschoß und in drei Etagen reihen sich Ar- beitsraum an Arbeitsraum, hell, freundlich, luftig und zweckmäßig. Etwa 299 Angestellte sind hier beschäftigt, um die Wünsche der Mitglieder zu erfüllen und die Interessen der Angestellten wahrzu- nehmen. Wenn dieses Haus auch aus dem Jahre 1913 stammt, so hatte der ZdA. recht daran getan, es jetzt einzuweihen. Denn in diesen Räumen, in denen«inst Stinnes geherrscht und bankerott ge- macht hat, waltet jetzt ein neuer Geist, der den Kapita- lismus überwinden will. Llm die Bauarbeiterlöhne. Verhandlungen im Zieichsarbeitsministerium. Die Verhandlungen im Reichsarbeitsministerium über die Bau- arbeiterlöhne sind noch nicht zum Abschluß gekommen. Eine ganze Anzahl von Tarispositionen ist noch sehr hart umstritten. Es hat den Anschein, als ob die Verhandlungen für alle Tarisbezirke zum Abschluß gelangen werden.'Auch am heutigen Sonnabend, der zu- erst verhandlungssrei bleiben sollte, werden die Verhandlungen fort- geführt. Gelb! Gelb! Gelb! Die Vazis bieten sich den Unternehmern an. Vor uns liegt ein„st reng vertraulich!!" gekcnnzeich- netes Rundschreiben der„Betriebszellenabteilung" der sogenannten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, Ortsgruppe Bremen, das die Nummer E 1 trägt. In diesem Rundschreiben, dessen Deutsch wir unberührt lassen, heißt es: „Durch einen halbjabrhundertlangen Terror, der niit echt jüdischer, uns artfremder Unduldsamkeit durchgeführt wurde, ver- standen es die Marxisten, die Betriebe und Arbeitsstätten zu wahren Hochburgen für ihre völkerzerrlltternde Lehre zu machen. Hier hielten sie dem andersdenkenden Arbeiter die Hand an die Gurgel. Unter der Parole:„Willst Du nicht niein Bruder(Genosse) sein, so schlag' ich Dir den Schädel ein:" wurde mit allen nur denk- baren brutaten Mitteln der wehrlose deutsche Arbeiter ihren Willen gefügig gemacht. Mit diesem System gilt es entgültig Schluß zu machen... Wir bitten Sie nun, werter Parteigenosse, sich in unsere Kampjfront gegen den Marxismus, den freien Gewerkschaften, der sogen.„Eisernen Front", einzureihen. Sie können uns helfen dadurch, daß Sie in Ihrem Betriebe nur »ach nationale Arbeitskräfte einstellen und be- schäftigen und die bereits dort Tätigen vor de in Terror von links schützen. Es geht heute ums Ganze, dem marxistischen Terror, ist nolwendigensalls Terror von unserer Seite entgege:? zu setzen Sollten Ihnen keine nationalen Kräste bekannt sein, sind wir gern bereit, Ihnen diese nahmhast zu machen. Arbeiter, die „kein Vaterland kennen, daß Deutschland heiß t", dürfen den deutschen Arbeitern das Brot im deutschen Vater lande nicht schmälern. Mit falsch an- gebrachten Gefühlsduseleieii und toieranten Uebersehen ist gegenüber der bekannten jüdisch marxistischen Unduldsamkeit nicht weiter zu- kommen und die Hand, die auch nach der Gurgel der deutschen Unternehmer und'Arbeitgeber faßt, nicht abzuwehren. Dem„Terror" und der„uns artfremden Unduldsamkeit", die den Marxisten angedichtet werden, ist also„notwendigenfalls Terror von unserer Seite entgegen zu setzen". Zu diesem Zweck sind die Nazis gern bereit, den Unternehiner»„nationale Kräfte", ausgesuchte Röhnllinge, priina, prinia,„nahmhaft" zu machen. Diese Gesellschaft hat die Stirn, sich Arbeiterpartei, sogar sozio- listische Arbeiterpartei zu nennen. Soweit sich denkende Arbeiter zu ihnen verirrt haben, werden sie erkennen, daß diese nach außen radikal schillernden Nationalsozialisten weiter nichts sind als ganz gewöhnliche Gelbe. Der Streik Oer Bauschlosser. Vorbildliche Geschlossenheit. Die B a u s ch I o s s e r haben den Beschluß ihrer Funktionäre, am Freitag früh in den Streik zu treten, einmütig befolgt. Nicht niedergelegt wurde die Arbeit in den Betrieben, die sich unterschristlich verpflichtet haben, die bisherigen Löhne min- bestens ein halbes Jahr weiterzuzahlen. Die„Rote Fahne" verlangt die Einbeziehung der Lehr- l i n g e in den Streik. Sie vergißt, daß es sich hier um eine Rechtsfrage handelt. Die Arbeitsverhältnisse der Lehrlinge sind durch Lehrverträge geregelt, die von ihren Erziehungsberech- tigten anerkannt sind. In wiederholten Fällen haben sich Lehr- linge durch die Beteiligung an Streiks der erwachsenen Arbeiter ihre Lehr st eile verscherzt und auch keine neue Lehrstelle mehr erhalten können, so daß ihr Leben als gelernter Arbeiter ver- pfuscht war. Aus diesem Grunde wird die Streikleitung die Lehr- linge nicht zur Niederlegung der Arbeit veranlassen. Arbeitsberechtigt auf den Bauten sind nur die Bau- schlosser, die eine rote Arbeitsberechtigungskarte des Metallarbejter-Berbandes haben. Die Bauschlosser erwarten in ihrem Existenzkamps, daß sie von den Bauarbeitern genau so wie bei früheren Kämpfen unterstützt werden. Streik der Klempner. Doppelter Raubzug der Lnnungömeister. Ueber die anfänglich etwas undurchsichtige Lage im Streik der Bau-, Gas- und Wässerklempner sowie der Rohrleger und Helfer in den Betrieben der Berliner Klempner- und Installateur- Innung wurde volle Klarheit geschossen in einer Versammlung, die der Metallarbeitcr-Verband für die Klempnerbranche zu Don- nerstag einberufen hatte. Der Streik hat die Anerkennung der Lohn- und Arbeitsbedingungen zum Ziel, die vor einigen Tagen für die Rohrleger und Helfer in den Betrieben des Arbeit- geberverbandes der Zentralheizungsindustrie vereinbart worden sind. Dieser Abschluß sah, wie im„Vorwärts" schon berichtet, einen Ab- bau der Rohrlegerlöhne von 1,35 M. aus 1,16 M. und der Helfer- löhne von 1,12 M. auf 97 Ps. vor Der Abschluß wurde nur ge- troffen, weil die überwiegende Mehrheit der Branchenoersammlung der Rohrleger und Helfer von einem Eingreifen des Schlichtungs- ausschusses ein noch bedeutend schlechteres Ergebnis fürchtete. Für die Innungsbetriebe galten bisher die gleichen Löhne wie für die Betriebe des Arbeitgeberverbondes, weil die Klempner- Innung und der Arbeitgeberverband eine Tarifgemeinschaft bildeten. Die Innung ist aber aus dieser Tarisgemeinschaft aus- getreten und zwar ganz offensichtlich mit der Absicht, dadurch von der Lohnbindung freizukommen, die für die größeren Betriebe de« Ärbeitgeberverbandes galt und wieder gelten soll. Die Innung ver- fügte durch Rundschreiben an ihre Mitglieder einen Abbau der Facharbeiterlöhne von 1,35 aus 1,93 M. Bezeichnend in diesem Rundschreiben ist, daß den Jnnungsmeistern empfohlen wird, Auftraggebern von Reparaturen, also Hausbesitzern, Mietern usw. nach wie vor einen Stundenlohn für Gesellen von 1. 3 3 M. i n R e ch n u n g z u st e l l e n. Also Ausplünderung der Arbeiter und des Publikums. Gegen dieses Lohnabbaudiktat hat der Metallarbeiter-Verband den Streik proklamiert. Eine Anzahl von Jnnungsmeistern hat sich zur Anerkennung der mit dem Arbeitgeberverband getros- fenen Vereinbarung bereit erklärt. Andere Meister haben diese Zu- sage gleichfalls gemacht, jedoch nicht schriftlich. Die Branchenver- sammlung der Klempner beschloß daher, daß alle Klempner, Rohr- leger und Helfer in den Jnnungsbetrieben unverzüglich die Arbeit niederzulegen haben, wenn deren Meister die vom Metallarbeiter-Aerband herausgegebenen Anerkennungsformulare nicht unterschreiben wollen. Da es wegen der zahllosen Be- triebe, die oftmals nur einen Gesellen beschöstigen. nicht so leicht möglich ist, die Durchführung des Streikbeschlusses zu überwachen, soll anfangs nächster Woche mit Unterstützung der Bauarbeiter eine Bautenkontrolle vorgenommen werden, um eventuelle Streik- brecher festzustellen. In der B a d e a p p a r a t e- I n d u st r i e ist der Klempner- streik allgemein: er richtet sich hier gegen ein Angebot der Unter- nehmer, das nur einen Stundenlohn von 93 Pf. für den gelernten Klempner vorsieht. Auch die Badeapparateklempner verlangen die Anerkennung der Tarifvereinbarung mit dem Arbeitergeberverband für die Zentralheizungsindustrie. Vorsorqliche Maßnahme? Oder ein Rechtsschub? Weimar, 27. Mai.(Eigenbericht.) Wir erfahren soeben, daß die Leitung der thüringischen Landes- Versicherungsanstalt Weimar verfügt hat, daß sämtlichen Angestellten und Arbeitern am 1. Juni gekündigt werden soll. Begründet wird diese Maßnahme mit der finanziellen Lage der Anstalt, außerdem mit Rücksicht auf kommende Notverordnun- gen. Die Leitung will jetzt schon so disponieren, daß sie voll- kommen freie Hand gegenüber den Angestellten und Ar- beitern hat. * Diese„vorsorglichen" Kündigungen muten sehr sonderbar an. Der Arbeitsanfall ist nicht geringer geworden und wird nicht ge- ringer werden. Die Rentenzahlungen sind mit Reichshilfe gesicheri. Welchen Zweck soll also diese Maßnahme haben? Entweder handelt es sich hier um«ine Kopflosigkeit oder aber man beabsichtigt einen großen Rechtsschub. Aber da wird der ZdA. noch ein Wörtchcn mitzureden haben. Vorläufig sind wir noch nicht im Dritten Reich. DerSchiedsspruch imGastwirisgewerbe Bericht vom Verbandstag in Dresden. In der Delegiertengeneralversammlung am Dienstag im Gewerk- fchaftshaus berichtete der Berliner Vorsitzende des Zentralverbandes der Hotel-, Restaurant- und Cafe-Angestellten, Schneider, über den Verlauf der Lohnverhandlungen. Der am 6. Mai geiällte Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses bestimmt: Die Geltung?- dauer des bisherigen Manteltarisvertrages wird bis zum 39. September 1932 verlängert. Dabei treten am 1. Mai folgende Aende- rungen ein: Für die Urlaubszeit werden 79 Proz. des Lohnes ge- zahlt, wobei für die verschiedenen Gruppen des festbesoldeten und des Bedienungspersonals besondere Bestimmungen über die Höhe einer etwaigen Kostentschädigung vorgesehen sind. Diese Sonder- regelung gilt nur für den diesjährigen Urlaub. Der Mantcltarif- vertrag tritt am 39. September ohne besondere'Aufkündigung außer Kraft. Die Parteien verpflichten sich, in der ersten Septemberwoche über etwaige Abänderungsanträge zu verhandeln. Das Lohn- abkommen wird auf unbestimmte Zeit verlängert. Es ist mit vier- wöchentlicher Frist erstmalig zum 16. Juli kündbar. Der Bericht wurde ohne Diskussion zur Kenntnis genommen. Um so lebhafter gestaltete sich die Aussprache über den B e- richt vom Verbandstage, den Bürde gab. Bürde be- tonte insbesondere die gute Zusammenarbeit zwischen den Delegierten aus dem Reich und den Berlinern, die deshalb erwähnenswert ist, weil sie früher nicht immer zu verzeichnen war. Die acht Dis- kussionsredner äußerten sich in demselben Sinne, so daß der Be- richterstatter in seinem Schlußwort nur feststellen konnte, die Aus- spräche über den Bericht vom Verbandstage babe sich auf derselben Höhe bewegt, wie die Verhandlungen auf dem Verbandstage selbst, oder, um eine Schlußbemerkung vom Verbandstage zu gebrauchen: „Ein Verband, dessen Mitglieder so einig und geschlossen dastehen, an dem werden sich die zahlreichen Gegner vergebens die Zähne ausbeißen." t Iuaendsiruppe öes Zentralverbandes Oer Nnaestellten Unser Singekreis Übt beute von 20—22 Uhr im Jugendheim. Tilsiter Straße.— Spiele im Freien: Heute, ab 18 Uhr, Sportplatz Humboldthain. Iugendgruppe des Gcsamtverbandes, Fachgruppe Handels- und Transport- gewerbe. Heute, Sonnabend, den 28. Mai 1982, Fahrt nach Lehnitz, Cranien- bürg. Alte Havel. Treffpunkt 19 Uhr Stettiner Vorortbahnhof. Verantwortlich fih Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: G. Klingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Dr. Zohn Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt, Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G m. b. H. Berlin. Druck: Vocwärts-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u Co. Berlin SW. 68 Lindenstraße 8. Hierzu 2 Beilagen. Iire Kapitalsanlage ist sicher... weil— über ganz Deutschland verbreitet,— wohl verteilt und gut organisiert,- Opel-Kundendienst fürOpelwagen sorgt. Opel wird immer Automobile bauen, und das riesige, sicher fundierte Werk wird seine Wagen nie im Stich lassen. O PE Lvft&MWfaws üSedtgai! Die herabaesemen Preise: 1,2 Itr. 4 Zyl. von RM 1890 on. 1,8 Ur. 6 Zyl. von RM 2695 an. Preise ab Werk. Bequeme Zahlung� bedingungen durch die Ailg. Finonzrerungs-Ges. Günstige Kosko- Vers, durch die Allg. Automobil-Vers.-A.G. Machen Sie eine Probefahrt. Nr. 247» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 28. Mai 1932 Fahrt ins Mittelalter. Konigswusterhausen— Mittenwalde— Rangsdorf. Von besonderem Reiz sind in der Mark Brandenburg die ob- gelegenen Städtchen mit historischer Vergangenheit. Die Entwicklung ist über sie hinweggebraust, die Eisenbahn ging manchmal gänzlich an ihnen vorüber und viel zu spät versuchte man, durch Nebenbahnen das Verlorene wieder nachzuholen. Unsäglich langsam wuchsen sie, aber immer blieben ihre Einwohner mit der Natur, mit Acker, Wold. Wasser und Wiese in inniger Berührung. Straßenbohnen brauchten hier nicht gebaut zu werden und erst das Auto hat im 20. Jahr- hundert meist nicht einmal sehr erwünschtes Leben in das sonst so verträumt erscheinende Dasein gebracht. Die Vorortbahn bringt uns vom Görlitzer Bahnhof noch Königswu st erHausen, dessen Wahrzeichen die hochragenden Funktürme im Norden der Siedlung sind. Durch die Funkstation, die aus einer Militärfunkstelle hervorgegangen ist, hat Königswuster- Hausen Weltruhm erlangt. Die 14 Funktürme gehören zu den größten der Welt. Die Anlagen dienen dem Europaverkehr. Die zu ihnen gehörende Empfangsstation liegt in Zehlendorf. Im Gegen» satz dazu umspannt der Funkdienst von Nauen mit seiner Empfangs- stelle Beelitz die ganze Welt. Die südlich von Königswusterhausen ausragenden beiden Funktürme tragen eine Antenne, die die Dar- bietungen des Deutschlandsenders ausstrahlt. Ueber Königswuster- Hausen werden auch die Nachrichten der großen Korrespondenzbüros, unter anderem auch des Sozialdemokratischen Pressedienste«, ver- breitet. Die Geschichte de? Ortes selbst geht weit in die Vergangenheit zurück. Ursprünglich stand hier eine wendische Siedlung, die dann von den Deutschen erobert wurde. Sie baute» hier zum Schutze des Notteübergonges die Burg Wustrau. Sie wurde 1781, nachdem sie ihre Besitzer mehrfach gewechselt hatte, in ein Jagdschloß umgebaut, das durch die sogenannten„Tobakskollegien" des„Soldatenkönigs" eine gewisse Berühmtheit erlangt«,.izeute dient der alte, oft er- neuerte Bau vernünftigeren Zwecken: hier ist die Gemeindeverwol- tung Königswusterhausens untergebracht. Die Besichtigung des idyl- lisch von Efeu eingesponnenen Schlosses und des hübschen Parkes ist möglich. Wir gehen nun zurück zum Nottekanal und wandern auf der linken Seite an kleinen Wäldchen, an Wiesen und birkengesäumten Ufern nach M i t t e n w a l d e. Wie ein Kleinod liegt dieses Sädtchen mitten im Kreise Teltow. Sein Wahrzeichen ist der alte Rundturm in der Nähe des Berliner Tores. Diese beiden Kostbarkeiten geben der Stadt ihre besondere Note: sie ist die einzige Stadt des Kreises Teltow, die damit aufwarten kann. Um die Jahrhundertwende wurde der alte Turm gründlich repariert, mit einem Kranz von Zinnen ge- schmückt und mit einer Spitze versehen. Seitdem ragt er wieder wehrhaft wie einst in unruhigen und unsicheren Zeiten empor. Durch dos Tor flutet an schönen Sonntagen der Autoverkehr in die Stadt hinein, vorüber an dem schönen alten Friedhof, den kleinen, ge- drückten Häusern, vorüber an der alten Kirche, in der zu Ausgang des Dreißigjährigen Krieges Paul Gerhard wirkte, und nach wenigen Minuten fahren sie schon am anderen End« der Stadt hin- aus. Mittenwalde zählt etwa ZOOO Einwohner, die Ackerbau treiben, in den Ziegeleien oder in der Seifenfabrik und anderen kleinen ge- werblichen Betrieben tätig sind. Durch die von Neukölln, Hermann- strotze, ausgehende Mittenwalder Kleinbahn ist der Ort mit Berlin verbunden. Von Mittenwalde kann man noch Hause fahren oder am W e i n- und Heideberg vorüber nach Groß-Machnow wandern. Von hier führt nördlich des Ortes ein einfacher Weg links von der Chaussee ab nach R a n g s d o r f, wo an sommerlichen Tagen ein erfrischendes Bad winkt. Ein hübscher Waldweg führt am Ostufer des Rangsdorfer Sees entlang in die Nähe der Eisenbahn- station Dahlewitz. Wer diesen Weg ersparen will, tritt die Heim- fahrt vom Bahnhos Rangsdors an. Weglängen: Königswusterhausen— Mittenwalde 8 Kilo- meter. Mittenwolde— Rangsdors(Seebad) 10 Kilometer. Rangsdorf— Bahnhof Dahlewitz 4 Kilometer. Gesamtlänge: 18 bzw. 22 Kilometer. "- f. <- fiiiriftli «u-..........- Alter Torturm von Mittenwalde. Neues Opfer der Auiorennen. Todessturz von Morgens auf dem Nürburgring. A d e n a u. 27. ZNai. Auf dem Rürburgring wurde am Freilagnachmitlag bei einer Trainingfahrt der Rennfahrer Joachim von Morgen mit seinem Bugatti. Magen etwa 800 Meter hinter dem Mer- cedesturm bei der Ouiddelbacher höhe über die Kurve hinausgetragen. Der Magen rutschte etwa 20 Meter über die Böschung hinab und überschlug sich dann in Längsrichtung. Die Ma- schine kam schließlich wieder auf ihre vier Röder zu stehen, jedoch wurde beim Ueberschlageu die rechte Seite de« Führersitzes völlig eingedrückt. Don Morgen erlitt hierbei einen Schädelbruch, der sofort seinen Tod zur Folge hatte. Die Maschine ist unbeschä- digt. Die Untersuchung ergab, daß Motor und Bremsen richtig ge- arbeitet haben. Köln. 27. Mai. Am gleichen Tage, an dem der in Berlin beim Avus-Automobil- rennen tödlich verunglückte Rennfahrer Fürst Lobkowicz in seiner Heimat zur letzten Ruhe gebettet wurde, erfolgte der Todes- stürz Heinz Joachim von Morgens. Von Morgen befand sich auf seiner zweiten Trainingsrunde für das ADAC.» Eis el rennen am kommenden Sonntag und hatte für die folgende Runde durch Zeichengabe«inen Reifenwechsel angemeldet. Etwa 2 Kilometer hinter den Tribünen wurde der Wagen in einer leichten Kurve plötzlich au« nicht geklärter Ursache aus der Bahn getragen und raste mit dem Kühler gegen die Schutzböschung. Da» G e» fährt überschlug sich mehrmals. Die herbeieilenden Sani. tätet konnten den Fahrer nur noch tot unter den Trümmer« hervor- ziehen. Von Morgen stand im Alter von 30 Iahren und war erst seit kurzer Zeit verheiratet- In seiner vor wenigen Iahren b«> gonnenen Laufbahn hatte er im In- und Auslände schöne Erfolge zu verzeichnen. Er gewann in den Iahren 1930 und 1931 den Frei- burger Bergrekord auf dem Schauinslond in der Rennwagenklasse sowie das Gaisberg-Rennen jedesmal in neuer Streckenrekordzeit. Im Vorjahre waren ihm weiterhin Erfolg« im Baden-Badener Bergrennen und im Riesengebirgsrennen beschieden, während er auf der Avus hinter Caracciola den zweiten Platz belegte. Oachstuhlbrand in Charloiienburg. Ln fünf Monaten das dritte Feuer in demselben Haufe. Die Feuerwehr wurde gestern nach der Kaiser» Friedrich-Straße 33 in Charlottenburg alarmiert, wo im Dach stuhl des Hinterhauses Feuer ausgebrochen war Da die Flammen in kurzer Zeit fast den ganzen Dachstuhl erfaßt hatten und für die angrenzenden Dächer Gefahr bestand, muhten vier Löschzüge eingesetzt werden. Trotz starken Wasser- zebens brannte der größte Teil des Dochstuhles herunter. Als Ent- tehungsursache wird Brandstiftung oermutet. Es ist nämlich der dritte Dochstuhlbrand, von dem das Haus Kaiser» Friedrich-Straße 33 seit Jahresbeginn heimgesucht worden ist. Di« Kriminalpolizei hat eine eingehend« Umersuchung eingeleitet. Das Autounglück der Verkehrsrichter. Oberamtsanwalt Brehm freigesprochen. Zm Prozeß wegen des tödlichen Autounglücks aus einer Ilebungsfahrt der Derkehrsrichler zwischen Rathenow und Raven verkündete Amtsgerichtsrat Mangelsdors folgendes Urteil: ver Angeklagte Oberamtsanrvalt Brehm wird von der Anklage der fahrlässigen Tötung auf kosten der Staatskasse freigesprochen. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß Brehm als nichtroutinierter Fahrer das Hindernis, das den Niveauunterschied zwischen der festen Fahrbahn und dem Sommer- weg bot, nicht habe erkennen und dementsprechend auch nicht dar- auf habe reagieren können. Das Gericht stehe auf dem Standpunkt, daß Brehm als Laien in seinem Verhalten kein fahrtech- nischer Fehler zur Last gelegt werden könnte. Anders wäre dieser Fall zu beurteilen, wenn ein geübter Fahrer am Steuer des Wagens gesessen hätte. Infolgedessen sei der Angeklagte aus s u b- jektiven Gründen freizusprechen gewesen, aber auch aus objektiven Gründen, weil auf Grund der Hauptverhand- lung die SOprozentige Möglichkeit bestehe, daß der neben Brehm sitzende Fahrmeister Wengler im Augenblick des Schleuder«? des Wagens gebremst und so vielleicht zum Umschlagen des Autos bei- getrogen habe. Diese Tatsache sei geeinget, den Kausalzusammen- hang, soweit eine Schuld Brehm» in Frage kommen könnte, zu unterbrechen und infolgedessen habe auch aus diesen Gründen eine Freisprechung erfolgen müssen. Eegelflüge überall. Lange Zeit glaubte man, daß erfolgreiche Segelflüge nur in hügeligem Gelände infolge der dort besonders günstigen Aufwinde möglich seien. Inzwischen haben aber Segelflüge über Ber- l i n, New V& r k und anderen Städten gezeigt, daß Segel- flüge überall möglich sind, wenn es nur gelingt, das motor- lose Flugzeug in die Luft zu kriegen. Das wird durch Autofchlepp- starts und durch den sogenannten Windenschlepp erreicht. Auf Grund dieser Erfahrungen hat der Deutsche Lustsahrt- Verband einen sogenannten„W ander-Segelflugzirkus" zusammengestellt, der aus einem Spezialschleppkraftwagen, einem weiteren Kraftwagen und zwei Ferntransportanhängern besteht, aus die zwei Segelflugzeuge verpackt sind. Der„Wanderzirkus-" wird nun in Deutschland umherfahren, um in der Ebene den Gedanken des Segelfliegens zu propagieren. Der bekannte Segelflieger Wolf Hirth zeigte vor Vertretern der Berliner Presse aus dem Tempel- hofer Zentralslughafen die Arbeitsweise des„Wanderzirkus". Die dabei ausgeführten Flugzeugstarts erregten allgemeine Bewun- derung. Bekanntlich wirbt auch der„Sturmvogel", die proletarische Fliegerorganisation, für die Ausbreitung des Segelfluges. Da? neue Werbemittel, das sich sicherlich als sehr zugkräftig erweisen wird, sollte seiner Aufmerksamkeit trotz der Schwere der Zeit nicht entgehen. Interessant ist die Tatsache, daß die hier verwendeten Autos, da sie Arbeitswagen sind, die auch Personal von und zur Arbeitsstelle befördern, steuerfrei sind. Ermäßigte Eintrittspreise für die Sommerschau. Die Ausstellungsleitung Hot mit Gültigkeit ab Sonnabend, den 28. Mai d. I., die Eintrittspreise für Erwachsene von 1 ,5 0 M k. aus 1,00 Mk. und sürIugendliche von 0,75 Mk. a u f 0,50 Mk. herabgesetzt. Die Preise von Organisationskarten, die durch Be< Hörden, Betriebe, Verbände und Bereine an ihre Mitglieder ner- trieben werden, sind ebenfalls ermäßigt worden und werden nun- mehr durch diese Organisationen zum Preise von 0,75 Mk. abgegeben. Soweit Organisationskarten bereits im Besitz van Mitgliedern dieser Stellen sind, wird den Inhabern dieser Karten beim Besuch der Ausstellung ab Sonnabend, den 28. Mai d. I., an einer hierfür be- sonders errichteten Umtausch-Kajse der Differenzbetrag zwischen dem alten und neuen ermäßigten Preis in Höhe von 0,25 Mk. in bar zurückerstattet. Damit hat die Ausstellungsleitung einen an sie vaü vielen Seiten herangetrogenen Wunsch ersüllt. Schupo niedergeschlagen? Einen Roheitsokt verübte gestern nachmittag eine Ratte halb- wuchsiger K o m m u n i st e n, die sich vor den Lorenzwerken in der Ordensmeisterstroß« in Tempelhof umhertrieb. Die Burschen trieben allerlei Unfug und belästigten Passanten. Als ein Schupobeamter mehrer« der Rädelsführer feststellen wollte, wurde er von den Burschen umringt und zu Boden geschlagen. Der lieber- fall spielte sich so schnell ab, daß der Beamte sich nicht zur Wehr setzen konnte. Als das alarmierte Uebersallkommando«intraf, mar von den Tätern keine Spur mehr zu entdecken. Dreifacher Zusammenstoß? Auf der Kreuzung A l t- M o a d i t und WilsnackerStraße stieß gestern abend ein L i e s« r a u t o mit einem Motorrad und einem Pferdegespann zusammen. Der Führer des Motor- rades, ein 21 Jahre alter Karl Reinald aus der Filondastrahe 6 in Steglitz, und sein Sozius, ein 17jähriger Günter Sterner aus der Feld.zeugmeisterstraße 8 in Moabit, erlitten schwere Verletzungen Beide fanden im Moobiter Krankenhaus Aufnahme. Dos Motorr-'d wurde völlig zertrümmert. Billiger Sonnabend im Zoo. Am heutigen letzten Sonnabend im Monat kostet von 2 Uhr nachmittag ab der Eintritt in den Zoolo- gischen Garten für Erwachsene nur 50 Pf., für Kinder unter zehn Jahren nur 25 Pf.: ebenso im Aquarium. Von 4 Uhr nachnnrta-g ab konzertiert der Philharmonische Bläserbund des neuen Sinfonie-Orchefters unter Leitung von Hugo Eduard Rie- vö�teiiletadsdM 'ifiklüe 9al)danischimg. Ptstmit todiutoasÄ s Der Niedergang einer Familie 12� Jahre Zuchthaus wegen Totschlags an der Mutter. Das Landgericht III verurteilte nach zweitägiger Verhandlung den ZZjährigcn krastdraschkcnsuhrer Daveg Saalfeld wegen Tatschlags an der Mutter, versuchten Tatschlags an der Schwester und unbesugten wassenbesitzes zu einer Gesamtstrafe van z w ä l s Zahren sechs Mannten Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Was man vor dem Landgericht III in zweitägiger Verhandlung erlebte, war die erschütternde Geschichte des Niederganges einer Familie nicht sa sehr in materieller, als in maralischcr Beziehung! die Schüsse auf die Mutter und die Zuchthausstrafe bildeten blaß den Schlußstein. Die Mutter stammt aus Offizierskreisen. Der Vater des Angeklagten, früher wahlhabendcr Kaufmann, Verlar sein Vermögen und wurde Autodraschkenführer. Der Junge besuchte verschiedene Giimnasien, verließ die Schule var dem Abitur, arbeitete anfangs im kausmännischen Betrieb seines Vaters, und wurde dann gleich ihm Chausfeur. Van der Mutter außerordentlich verwöhnt, spielte er sich zum Tyrann der Familie aus, glaubte sich aber trotz der vielen Liebesbeweise der Mutter zurückgesetzt. Der Neunzehn- fahrige schafft sich eine lSjäHrige Freundin an, mit Wissen der Eltern durste sie bei ihm ganze Tage und Nächte verbleiben. Als die Eltern in die Schönhauser Straße umzogen, machte er zur Bedingung, daß seine Freundin bei ihm wohnen dürfe. Bald konnte die Mutter sich aber mit dem fungcn Mädchen nicht mehr vertragen. Es ging zu den Eltern zurück. Der Angeklagte holte die Geliebte wieder! monatelang tobte der Kanips zwischen den Ellern des Mädchens und dem Angeklagten, Fürsorgebehörde und Polizei griffen eins der An- geklagte und dessen Eltern versteckten die Sechzehnjährige, der Kamps endete mit der Einwilligung der Mutter des jungen Möd- chens zur H e i r a t. Zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter herrschte nach wie vor Kriegszustand. Am 7. November nahm eine von den vielen Familienszenen ein unerwartet blutiges Ende. Die Mutter hatte den Schlüssel vom Badezimmer abgezogen. Als der Sohn nach Hause kam, erlangte er bei der Mutter den Schlüssel! diese schimpfte„Raus, raus, geh mit deiner Dirne weg", es kam zu Tätlichkeiten, Der Angeklagte holte aus seinem Zimmer zwei Revolver und schoß auf Mutler, Schwester und hinterher auch auf die junge Frau, Die Mutter starb an den Verletzungen, die Schwester war leicht verwundet, die junge Frau blieb unversehrt,„Jetzt mache ich aber ein Ende", hatte der Angeklagte vor Abseucrung der Schüsse ausgerufen, Vater und Schwester zeigten sich im Gerichtssaal gegen den Angeklagten sehr gehässig. Seine 17jährige Frau war nicht erschienen! sie steht unmittelbar vor ihrer Niederkunst. Der Angeklagte nahm das Urteil von 12 Jahren Zuchthaus mit Ruhe hin, Im ewigen Dunkel. Ausstellung in der Heimstätte des ADGB. Millionen Menschen in Deutschland, in der ganzen Welt, sehnen sich heute nach sinnvoller Arbeit, Niemals wohl ist stärker als in dieser Zeit begriffen worden, daß Arbeit mehr ist als nur Mittel zum Geldvcrdienen, mehr als bloß Beschäftigung, Dieses Ringen um produktive Arbeit spielte von jeher eine be- sondere Rolle bei den B l i n d e n, die durch den Mangel des lebens- wichtigsten Sinnes ohnehin verurteilt sind, am Rande des Lebens zu stehen. Besonders die spät Erblindeten, deren Schar durch die Kriegsblinden so ungeheuer gewachsen ist, fühlen sich völlig als Aus- gestoßene, wenn ihr Gebrechen sie der gewohnten Arbeit beraubt. Glücklicherweise ist die heutige Blindenschulung so weit entwickelt, daß Berufe, die früher ausschließlich dem Sehenden vorbehalten waren, heute auch von Blinden ausgeübt werden können. Die Deutsche Weile brachte von einer im Rahmen der Reichs- tagung der Kriegsblinden in Hamburg veranstalteten Ausstellung von Blindenarbeiten im Heim des ADGB, einen Hör- bcricht. Man erfuhr, daß blinde Stenotypistinnen nach einjähriger Ausbildung es durchaus mit ihren sehenden Berufskollegen auf- nehmen können, ja, daß man ihnen sogar besonders gute Leistungen nachrühmt. Ein Kriegsblinder erzählte vor dem Mikrophon, daß er Radioapparate bauen könne und zwar nicht nach einem be stimmten starren Schema, sondern aus Grund eigener Kombinationen, Es seien ihm besonders leistungsfähige Apparate gelungen. Schöne Möbel aus Edelhölzern, an denen Erblindete tätig sind, die der Krieg nicht nur des Augenlichtes, sondern auch noch eines Armes beraubt hat. Blinde Imker haben selbstgearbeitete Bienenkörbe und Herüg eigener Zucht ausgestellt, und blinde.Künstler zeigen-, ibr Wirken. Nicht nur Musiker sind vertreten, sondern auch Bildhauer, Einer von ihnen, einst als Sehender Silbcrschmied, beantwortete einige Fragen Über sein Schaffen, Die Gestatten und Porträtbüsten, die er sormt, hält er ungefähr in natürlicher Größe, da es ihm aus dieie Weise am leichtesten ist, die richtigen Proportionen zu finden, j�ericnvcrkehr über»ee nach �stpreuhcn. Zu den Fericnsonder zögen, d>e in diesem Jobre noch Swinemünde, Stettin, Köniasberg und Berlin angekündigt sind, gibt es auch im S e e d i e n st O st p r e u ß e n der SchneUschisfslinie ««inemünde— Zoppol— Pillau— Meniel, wieder Anschlußkarlcn, deren Fahrpreis um SV Prozent ermäßigt ist. Die Karten berechtigen binnen 6 Tagen nach Ankunft des Feriensonder- zuges zur Weiterfahrt von Swinemünde nach Zoppot, Pillau oder Memel und von Pillau nach Zoppot oder Memel, Es sind Rück- fahrkarten, deren Gültigkeit 60 Tage dauert. In Verbindung mit der Ermäßigung des Eilzugzuschlages von und nach Swinemünde bilden diese Ferienzugsanschlußkarten eine billige Reffenrögsichkeit in den deutschen Osten. Iunifahrten der Naturfreunde. Der Touristenverein„Die Naturfreunde" unter- nimmt im M o n a t I u n i nachstehende Fcrienfahrten: 1.Z tägige Wanderung durch den Schwor zwald zum B o d e n s c e, Besichtigung von Heidelberg, über Karlsruhe, Moosbrann, Raumünzach, Hornisgrinde, Mummelsee, Wildsee, Knie- bis, Freudenstadt, Tribcrg, Brend, Turner, Breitenau, Höllental, Ravennaschlucht, Feldberg, Titisee, Schluchsee, St, Blasien, Rheinfall bei Schaffhauien zum Bodensee, Rückkehr über Konstanz, Meers- bürg, Fricdrichshafen, Abfahrt am I.Juni abends(Sonnabend), Rückkehr am 19. Juni vormittags(Sonntag). Für Mitglieder 135 Mark, für Gäste 142 Mark, Meldeschluß: Mittwoch, den I.Juni, In das Waldgebiet der schönen Weser führen wir eine Achttagefahrt, die am Abend des 13. Juni beginnt und am Sonntag, dem 26. Juni, endet. Ueber Minden zur Porta West- falika, nach Bielefeld, durch den Teutoburger Wald, ins Eggegebirge und das Naturschutzgebiet Reinhardswald nach Hann,-Münden geht diese Wanderung. Die anschließende Fahrt auf einem Weserschifs bringt die Teilnehmer nach Holzminden, Rückkehr nach Berlin, Mitglieder 72 Mark, Gäste 75 Mark, Meldeschluß am Mittwoch. dem l5. Juni Ein schöner Teil vom grünen T h ü r i n g c n soll aus der gm Sonntag, dein 26. Jünj(myrgcnsi, beginnenden Ferienreise besucht werden. Als Standquartier ist Tambach-Dietharz gewählt, Be- sucht werden eine Talsperre, Eisenach(Wartburg), Drachcnschlucht, Jnselberg, Splittcrfall, Friedrichroda, Oberhoi, Schneekopf. Marde- bachcr Grund, Diele Reise gibt auch den weniger guten Fußgängern Gelegenheit, im Kreise Gleichgesinnter eine frohe Ferienwoche zu verleben, Rückkehr nach Berlin am Sonntag, dem 3. Juli, Mitglieder zahlen 65 Mark, Gäste 63 Mark, Meldeschluß am Mittwoch, dem 22. Juni, >, bis 13, August: Mit dem Motorkabinenfchiss „B a l d u r" nach Hamburg und zurück 18, 20, 24 oder 28 Mark nach?lrt und Lage der Kabinen, Zlnmeldung im Reisebüro des Touristenvereins„Die Natur- freund e", Berlin N, 24, Johannisstr, 15. Stnfenbungen für tlleft Subttf sind B c c Ii n SS 68 iünöfnütaht 3 parieinachrichieni��für Groß-Berlm ftrt» an Os» Bezirf-I-rrrlarnu Z. Hot, 2 Trennen recht». ,u richte» 7, und 8 Kreis, iänite 17 bis 18 Uhr Iuris! is-be Enrechstunde im Jugendheim, Resinensir, 4. Helcgenheil»um Kirchenaustritt! 2Z. Abt Sonniag, 29. Mai, für die jüngeren Parteimitglieder Besichtigung des Stadtgüler. und Mitchwirtschastsbetriebes in WeiRensee, Trennunft 8'; Uhr See., Eefe MilllerslraRe, 54. Abt. Heute 20 Uhr tzunftibngrsitzung im Jugendheim, Rgsinenslr, 4. 91. Abt Heute 20 l: Uhr wichtige Besvrechung des Ableilungsnorstgiidcs mit den Bc»irksführern bei Rausch, Ftughasensir, 29, Borher Abrechnung, Arauenveronslaltungen. 95, Abt. Heute 19': Uhr.Leiterer Abend" bei Friedcrsdors, Iiigerstr. z, Bor. tragende: Martha John. Arbeitsgemeinschaft der ftindersreunde Grosz-Berlin. Konzert der Kindcrchörc der weltlichen Schule und des Volkschors C Sonntag, 29. Mai, 11 Uhr. in der Volksbühne, Theater am Bulow- plag?.ur Aufführung gelangen: Welle ABC— Tadel der Un» zuverlaffiqtcit. Tos Eiscnbahnspiel.— Das Matrosenspiel. Krcu-berg: Abt. Süd-Wcst: Treffpunkt zur Fahrt nach der �aoel morgen. 1 Uhr, Hallesches Tor. Bei Regenwetter 16 Uhr Heim Lindenstr. 4. �riedrichshain: Sonntag. 29. Mai. Krcisveronstaltung in RavenUeinmunle bei Friedrichshagcn. Treffen der Abteilungen 7 Uhr früh an den Tresfplatzen, Kreis 7-. Uhr öchlef. Bahnhof. Kosten für R.F. 15 Pf., R.F. und T.F. 2\Pf. einschl. Getränke. Wimpel und Bälle mitbringen. Alle Eltern werden ab 13.30 Uhr Bahnhof Friedriäishogen erwartet. Dienstag. 20 Uhr, Kreis-Borftands. sttzung oit bttannltt Stelle. Rnifblln: StlfctfKi« Alle»enoffen kämmen beute»um Arbrit-diensf, Si, werbtafe um 9 Uhr, die anderen nach ArbeifsschtuR»ur Baracke, llefles Rabzeug und Echmire mitbringen, Tic Meldungen»um Zeltlager und Neftfalfenlager müssen bis Montag abgegeben werden, Lichtenberg: Rote Stürmer: Sonntag, 29, Mai, Treffpunkt»ur lZohrt Vit Ubr Bhf, Stralau-Rummelsburg, Treptow: Lauro be Bojis Sonntag, 29. Mai. ISandening nach dem Crossin. See, Treffpunkt 7 Uhr Fhs, Treptow, Bringt 40 Ps„ Essen und Setranke mit, Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 57, Abt, Unser Genosse Heinrich Baltruschat ist im 87. Lebensjabre per. starben Ebre srinem Andenken, Tie Einäscherung findet am Sonnabend, dem 28, Mai, 12»! Uhr, im Krematorium Witmcrsdors statt. Wir bütcn um reg- Beteiligung, �WLozialistischeArbeiterMendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendfl'krelariat Berlin ED 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Zunktionärkonfercnz Montag, Z9 Mai, 190, Uhr pünttl,, im Eigungssaal he» Be>irk,-mls Kren, borg. Borckftr. 11. Thema:..Die politische Situation". Ref. Genosse Ench Kuttner, M. d. L. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. SSG.-Funktjonärsltzung heute im Jugendheim, SW, Lindenstr. 4, v. I., pünktl. 15 Uhr. Konzert der Kinderchöre der welt. Schule und des Berliner Bolkschors, morgen. Sonntag, 11 Uhr. in der Bolksbühne. Zur Aufführung gelangen: Welle ABC. Tadel der Unzuverlässigkeit. Das Eisenhahnspiel. Das Matrosen. spiel. Eintritt 60 Pf. gegen Vorlegung des Mitgliedsbuches. heute, Sonnabend: Kottbusser Tor: Urbanstr. 187� Bnuter Ahend.— TtegliR: 1: Spaiiergang, Treffpiint! 20 Uhr Ratbaus,— Köpenicker Viertel: Morgen Treffp,»u? Fahrt 7 Ubr Schles, Bbf.- Renfölln IV: Morgen Treffp ,ur Tabrt 8: Uhr Bhf. Neukölln,- Ialkplap II: Treffp, ,ur Fghrl 17 Uhr Bhs, Schönh, Allee. Morgen. 7 Uhr, ebendort. � Werbebezirk Wcdding: Treffen für den Wochenendkursus m Rüdersdorf: 16 und 19 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. Radfahrer 18 Uhr Christianiastraße, Ecke PrinzenaUee. Morgen 6'- Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Werbcbezirt Prenzlauer Berg: Vorstaudssitzung 19 Uhr(!). Daiwger Str. 63, B. 3.— Bcrbebezirk Tcmpelhof: Gründung einer Aelterengruppc. 20 Uhr, Heim Tempelhof. Goß- strafe. Pünktliches und nolh,ähliges Erscheinen ist Pflicht.— Werbebezir? Pankow: Wir beteiligen uns am Spiel- und Sporttag der freien Eportver- cinigung Pankow. Musikinstrumente mitbringen. Treffp. 14'.- Uhr Sportplatz. Kissingenstraße,— Werbebezirk Reukölln: Morgen Filmabend im Saalbau, Bergstr. 147. Einlaß 19': Uhr. Beginn 20 Uhr. Eintritt 40 Pf. Vorträge, Vereine und Versammlungen Vorträge im Museum für Raturkunde. Invalidenstroße 43. Mittwochs, 5 Uhr abends(pünktlich). 1. Juni: Prof. Moser: Die Körperteile(Haut) der Tiere in ihren Beziehungen zur Lebensweise.— 8. Juni: Dr. M enzer: Ueber künstliche Edelsteine. Sonderausstellung bis 26. Juni 1932: Die Bogel und Säugetiere des Tiergartens. Kreireligiösc Gemeinde. Sonntag, vorm. 11 Uhr. Pappelollee 15. Bortrag des Herrn Dr. M. Den: Magie— Religion— Freidenkertum. Gäste will. kommen. ZiorisUstiseber Zspersnta-ku-'il �temu fiekamaradoj. Dimancon la 20V ni ekskursos al S'ölp-'hensee kun la grupo Potsdam. Renkomigloko ie laSa fervojan digon intes Wannsee-Neubabelsberg. Biuklantoj veturu grandamase! Genossin Anna Krone bittet uns allen zu danken, die aus A/i- last ihres 70 Geburtstages ihrer gedacht haben, so dem Bor- stand des 11. Kreises, der 78. Abt., der Arbeiterwohlfohrt und den Turnern und Turnerinnen. Oskar Wckrtci . US 2kf „Das schreist du, Ritter von Trocznom, Die heiligen Vater schreien anders! Und aus ihrer Seite steht die volle Wagenburg der Beweise, Doch, selbst wenn dein 5ius kein Ketzer wäre, so ist er etwas viel Schlimmeres, nämlich ein Querkopf!" „Hus ein Querkopf?!" „Nicht zu knapp! Nicht einmal, nicht zweimal, nein zehn- mal oder noch mehr ward ihm der Ausschlupf gezeigt, ein enges Loch zwar, dieser gnädig gesahte Widerruf, aber immerhin ein Loch, durch welches er all dem hätte entweichen können, was jetzt mit Todesgewicht auf ihn hinabstürzt. Aber nein, in seiner scholastischen Magisterverranntheit galoppierte er stets in die falsche Ecke. Wenn er je Farbe bekannte, dann keine andere als die des verdammten Engländers Wiklef. Aber jagt selber, ist das ein Wimpel? Nein, ein schmieriger Ketzerfetzen ist das, mit dem kein Theolog Staat machen kann. Nie Hab ich einen Menschen gesehen, der eifriger dabei gewesen wäre, die Waffen gegen sich selber zu schmieden, Nie Hab ich einen Menschen gesehen, der eifriger dabei ge- wesen wäre, eben diese Waffen seinen erbittertsten Feinden in die 5)ände zu spielen. Bei jedem Versuch, ihn in die Freiheit zu ziehen, hat er sich störrisch quergelegt, statt sich fügsam zu strecken. Ehrlich gestanden, mir wäre wohler, ich hätte diesen Menschen nie gehört, noch gesehen!" „Es gab Zeiten, Majestät, wo dir Hus lieb und wert war!" „Ich will's nicht bestreiten, Herr Kepka. Wäre er mir nicht lieb und wert gewesen, ich hätte ihm bestimmt nicht durch dich und durch Herrn Heinrich Lest von Laczan freies Geleit zusichern lassen. Ich nehme aber an, du bist meinem Bruder Wenzel nahe genug gewesen, um zu wissen, warum dein.Hus mir lieb und wert war. Nicht seines antipapifti- schon Bnllen-Sturms wegen! Auch nicht seiner bethlehemi-, lischcn Reden wegen, in denen er die niedere Pfassheit an- ging. In meiner Eigenschaft als zukünftiger böhmischer König ist er mir lieb und wert gewesen, aus keinem anderen Grunde. Das ist es auch gewesen, was mich bewohn tat. feinen Fall hier öffentlich auf der Synode aufzurollen. Nicht um Hus ging es mir— was ist schon Hus, wo es sich um das Wohl und Wehe der Gcsamtchristenheit handelt!— nein, um den guten Leumund des rechtgläubigen Böhmens! Wie Hab ich den Papst und die Väter bearbeitet..." „Daß sie ihn so rnsch als möglich auf den Scheiterhaufen schickten!" Sigmund übergießt mit seinem mildesten Lächeln den Zwisckienrufer, Herrn Wenzel von Duba, „Das ist ein gewaltiges Maul voll, Ritter!" „Aber ein Maiil voll, bis ins innerste Wort hinein be- weisbor!" Der Satz klingt gar nicht angreifend, nein, beinahe schläfrig löst er sich aus dem bleiernen Klotz Duba, und dennoch ist seine Wirkung so, als ob Sigmund mit voller Wucht eine gepanzerte Faust in die Herzsenkc bekommen hätte. Für einen Augenblick stockt ihm der Atem. Er fühlt, daß ihm die Kinnlade hängt. Gleichzeitig weiß er aber auch, daß sein breiter Bart dieses, Zeichen der Ueberraschnng vcr- deckt. Das gibt ibm die Möglichkeit, noch weiter den Unbe- kümmerten zu spielen. Wieder steht das Lächeln in voller Breite in dem un- durchdringlichen Gesicht. „Beweise?" Sigmunds Frage ist ja nur gestellt, um Zeit zu ge- Winnen, eine Sekunde seelischen Verschnaufens, um überlegen zu können: aus welcher Richtung ungefähr mag das böhmische Wurfgeschoß sausen? Wenzel von Duba schaut Kepka an. Eine Ausforderung steht in diesem Blick:„Hau du los, Bruder!" Kepka zögert: nicht länger dauert es, dieses Zögern, als etwa ein Mensch braucht, um einen Stein zum Wersen vom Boden auszulesen. Dann nickt �r:„Ja!" Unmerklich nickt er, kauni sichtbar, nur durch ein Senken des Sternes. Und doch ist dies Zeichen auch den beiden andern nicht entgangen. Verwunderung steht in Zizkas Gesicht. Er weiß nicht, was Kepka oder was Wenzel von Duba vorbringen wird. Aber er spürt mit dem Instinkt des Kriegsmanns: es sind die schwersten Gevierte, die jetzt als Entscheidung ins Gefecht geworfen werden sollen. Sigmund hat genau das gleiche Empfinden, nur be- deutet es für ihn nicht Entlastung, sondern Bedrohung. Sa macht er denn die Augen klein, um nicht den andern die kreisende dunkle Furcht der Ungewißheit zu zeigen, und den Kopf zieht er in die Schultern, die er abwehrend steilt, als iei er eines Schlages gewärtig, Und der Schlag kommt, Herr Kepka halt dazu aus. Nicht den König ansehend, der vor Verlegenheit schwitzt— scharfer Schweiß eines Rothaarigen, dazu eines über und über Sommersprossigen, Schweiß, der bis in den letzten Winkel des mit Teppichen verhangenen Zimmers dünstet—, nein, der König ist gor nicht wert, daß ein Böhme so viel auf seinen Anblick ver- wendet, nur die rote Ziernaht seines Schuhes betrachtend, die wie eine lustige Ader aus dem ungefärbten Leder her- aussticht, beginnt er, eintönig, ahne Bewegung, ohne Auf- wand von Stimme und doch jedes Wort mcißelhaft häm- mernd: „Majestät, es gibt Ritter, denen der Knappe den Steigbügel hält, damit sie aufs Pferd kommen. Gestatte, daß ich, obwohl längst aus dem Lebensalter eines Steigbügel- Halters hinaus, deiner Erinnerung den gleichen Dienst leiste! Am achten Junius war's, jetzt, diesen Jahres, im Refekto- rium der Barfüßer, nachts gegen neun, das Verhör gegen Hus beendet, er selber vom Bischof von Riga abgeführt, die Wachen im Begriff, den Saal zu räumen, du selber, König, mochtest meinen, wir Böhmen seien mit Hus aus dem Saale gegangen! ober ich, Herr Wenzel von Duba hier und mein Notarius, Peter von Mladennwicz, standen im Fenster, da hörten wir, wie deine Majestät vor den noch versammelten Vätern und Prälaien zum Wort griff. Ich bin kein Magister, von jung auf abgerichtet, jeden Schall und jeden Schwall zu behalten, aber ich kann getrost den Schwurfinger heben, von deiner Juniusrede hob ich kein Gesätzlein vergessen und werd' es auch nicht, und sollt' ich so alt darüber werden wie einer aus Methusalems Sippe„Ehrwürdige Voter", hast du, dich hochreckend, gesagt,„ihr- habt nun gehört, daß von dem vielen, was in den Büchern dieses Menschen steht, wozu er sich bekannt bat und worin er hinreichend widerlegt worden ist, schon ein einziger Punkt zu seiner Nerurteiiung aus- reichen würde. Will er daber nicht jene Irrlehren wider- rufen und abschwören und das Gegenteil annehmen, so mag er verbrannt werden oder tut sonst ihm, was euch rechtens dünkt! Doch rate ich, bgß, wenn er auch Versprechungen macht, widerrufen will oder wirklich miderriese, ihr ihm nicht trauen dürft! Auch ich würde ihm nicht trauen: denn nach Böhmen und zu seinen Beschützern zurückgekehrt, würde er jene Irriehnm doch wieder verbr-uten und dazu noch andere mehr, und die neue Berirrung würde ärger werden als die alte! Darum"irbietet ihm olles Predigen und verhindert seine Rückkehr!" (Fortsetzung falzt.) Frühjahr am Niederrhein. lieber ftos frische, saftige Grün endloser Wiesen locht ein hell- blauer Frühlingshimmel. Spitze Kirchtürme ragen in die warme. blauslimmernde Lust. Die Sonne spiegelt sich freundlich in den ruhig gleitenden Fluten des ewigen Stromes und langsam kreisen die dunklen Flügel bedachtiger Windmühlen in den weißen Blüten- gärten versteckter Dörfer. Inmitten dieser gesegneten Landschaft liegt Wesel, die schöne Stadt am Niederrhein. Eine Stadt ist es zum Besinnen und Aus- ruhen, fern dem nervenzermürbenden Getriebe der Großstadtindu- strie. In wenigen Minuten gelangt der Wanderer aus dem von einer großen Vergangenheit träumenden Stadtkern an die Ufer des mächtigen, von zwei Brücken überspannten Rheines, oder der Lippe. Nicht weit ist der Weg zur holländisch bedächtigen Issel, die durch Auen und Wälder von der westfälischen Quelle im Kreise Borken zur Südersee bummelt Diese Landschaft ist in ihrer grünen Weite von überwältigender Großartigkeit. Die waagerechte Linie herrscht und mit ihr die Fläche. Aber dabei ist sie nicht eintönig. Wasser und Wälder durchschneiden sie, chügelketten schaffen Bewegung. Wolken über ihr ballen sich zu riesengroßen Gebilden und bauen im Abendrot glühende Burgen. .Honten, Cleve, Rees. Emmerich, Ochelten und wie sie alle heißen, muß man jetzt besuchen. Die sie umgebende Land- schaft hat ihre uralte Geschichte, von der sie viel zu erzählen weiß. Von den Urzeiten erzählen einsame chügelgräber in Wold und cheime, von den Kämpfen zwischen Römern und Germanen oder zwischen Franken und Sachsen eichenbestandene Landwehren mit Wall und Graben, von den wilden Zeiten des Mittelalters Stadtmauern und Türme, von seinem gigantischen Ewigkeitsraum Dome und Burgen. Auf dem Rhein aber ziehen im Zeichen einer gewandelten Zeit Schleppzüge schwerbeladener Schiffe oder sonntägliche Festschiffe mit Musik an Bord. Der Niederrhein ist schön. Kein besserer Ausgangs- Punkt zu seinen Schönheiten bietet sich, als Wesel. Garmisch-Parienkirchen. Das, was Garmisch-Partenkirchen so besonders geeignet macht für einen Sommeraufenthalt, ist sein Doppelantlitz' inmitten der grünen, mit wilden Blumen besäten Almen, über denen das mslo- dische Geläut der weidenden cherden schwebt, liegt ein großer mon- däner Kurort. So ist Garmisch-Partenkirchen umgeben von un- gebrochener Ländlichkeit, und diese Pastorale IdqÜe seiner Lage malt sich aus dem grandiosen Hintergrund der ewigen Berge— Zugspitze, Alpspitze. Waxensteine und Dreitorspitze, Namen von Klang in der Welt der Alpinisten. Zu beiden Seiten der schäumenden Loisach hat sich dos große Doppeldorf gelagert, östlich Garmisch, westlich Partenkirchen: beide Dörfer bilden so einen einzigen, zusammenhängenden Ort. Er ward einst von den Römern gegründet, und doch ist alles an ihm so frisch, so unverbraucht, als hotte man ihn gestern erst gebaut. Der einzige Zeuge der großen Vergangenheit Garmisch-Partenkirchens ist die Ruine Werdenfels. hoch auf einem Bergeshang gelegen. Aber dos ist auch alles, was an die versunkene Vorzeit des Ortes erinnert. Er selbst hat sich ein junges Gesicht bewahrt bis heute. Das knm, weil Garmisch-Partenkirchen stets in ollem mitsing mit Im Reich der Schwarza. der Zeit und seine natürlichen Aurmittel ausbaute. Früh schon be- gründete es so seinen Ruf als Luftkurort. In einem weiten, vor rauhen Nord- und Ostwinden geschützten Tale liegt es, ringsum non bewaldeten Hügeln und Bergen bis zu 3 Meter Höhe umgeben. Etwa 725 Meter hoch gelegen, genießt es selbst in heißen Sommer- tagen eine erquickende Frische. Aber es ist nicht nur ein wirkungs- voller Lustkurort. Seine großen Schwefel-, Mineral- und Jod- quellen, die Sal- und Moorbäder seines Kainzenbades gaben Gar- misch-Portenkirchen auch längst einen Platz unter den deutschen Heilbädern. Zu diesen natürlichen Mitteln, zu denen man auch die gepriesene Latschenkiefer der bayerischen Berge für die In- holotion hinzuzählen muß, sind hier nun noch die künstlichen ge- treten: Vorbildliche Kurmittelhäuser sind die Spender dieser Heil- werte. In Garmisch liegt das große Sonnen- und Luftbad, in Portenkirchsn das Kainzenbad. Freie Strandbäder bieten der Riessersee, der Sonnenbichlsee, der Pslegersee. Und in der näheren Umgebung des Doppelortes gibt es nicht weniger als 22 Seen, unter ihnen den smaragdgrünen, von dichtem Hochwold umstandenen KopfwascKe allein genügt nicht 1 Erst durch Na*- spülen mit„Haarglanz" wird Haarwäsche zur voll- kommenen Haarpflege und das Haar bleibt gesund und schöh.„Haarglanz" liegt jedem Beutel Schwarzkopf-Schaum pon bei. Weiße Packung 20 Pfg., grüne ExtraPackung sowie„Extra-Blond" mit Schaumbrille 27 Pfg. „An der Saale hellem Strande" sind wir alle entlanggefahren, die Schwarza, die lieblichste und munterste ihrer Töchter, haben die rasenden O-Zügler noch gar nicht entdeckt. In Rudolstadt hinein in den gemächlichen Personenzug, der so wenig Eile hat, durch das ganze Tal der Schwarza hinaus bis nach Katzhütte. Da sind wir dann schon nahe dem Kamm des Thüringer Waldes an- gelangt, dem Rennsteig, und atmen Höhenluft. Wer in der Schwarza- talbahn bis zur Endstation sitzengeblieben ist. der hat bei so idyllischer Fahrt gar nicht gemerkt, daß ihm der romantisdiste Teil dieses Fluß- tales entgangen ist. Zwischen Blankenburg und Schwarzburg bricht sich die Schwarza ihren Weg zwischen schrofsen Schieserselsen und wilden Waldstürzen hindurch, das Tal ist so eng geworden, daß eine Eisenbahn keinen Platz mehr finden würde. Auch Auto- und Brauto- mobile werden nicht hineingelassen in dieses liebliche„Höllental" Thüringens, wer es erobern will, hat zu Fuß zu gehen oder muß sich von einem Vierbeiner in großväterlicher Kalesche vom Hotel Chrysopras in Blankenburg zum„Weißen Hirsch" in Schwarzburg tragen lassen. Auf Schlängelwegen klettert man bergan, je höher desto lockender wird der Ausblick. Vom Griesbochfelsen oder der Teufelstreppe aus gesehen öffnet sich die ganze Szenerie mächtiger Waldkulissen, die von hüben und drüben herandrängen und ins Tal hinabstürzen oder in melodischem Schwünge ihm zufließen Ein schmales, in der Sonne glitzerndes Flußband, dos ein tüchtiger Springer mit Anlauf leicht überqueren würde, gebietet diesen Wald- mosten Holt. Die Zauberin heißt Schwarza. Seltsam, und besonders non der Höhe aus erstaunlich zu sehen, wie unvermittelt, wie plötzlich die romantisch» Wildheit des Tales, in dem die Schwarza rauscht und über Wehre stürzend schäumt, sich auflöst in eine weite Gartenlondschaft. In eine vollkommene Idylle. die den„Kindergarten" Friedrich Fröbels hervorgebracht hat Als der große Pädagoge vor fast hundert Jahren an einem Sommer- nachmittag von Rudolstadt her noch Blankenburg wanderte und von der Höhe in das blühende Gartenland hinuntersah, rief er aus:„Ich Hab s— Kindergarten soll sein Name sein!" Und er schuf in dem„Haus llber'm Keller" in Blankenburg eine„Spiel- und Be- schäftigungsanstalt", von der aus die Idee des Kindergartens die Welt erobert hat. Noch heute ist Blankenburg— die Stadt Fröbels, wie etwa Bayreuth die Stadt Richard Wagners. Blankenburg würde nicht seinem Namen entsprechen, hätte es nicht eine blanke Burg auf der Höhe, den G r e i f e n st e i n. Heute nur noch eine kalkgraue Burgruine, aber von so mächtigen Ausmaßen, daß sie An- spruch darauf erleben kann, eine der größten Ruinen einer Burg- anlöge in deutschen Landen zu sein. Das ganze Schwarzotol, fast von der Quelle bis zur Mündung m die Saale und das Gebiet ringsum, steckt voll van Sammer- frischen. Wenn einst die Fürsten van Schworzburg aus der Schwarza dos Gold herauswachsen ließen, damit die Trauringe ihrer Söhne und Töchter aus heimischem Golde hergestellt werden tonnten, so ist heute das Gold nur noch an den Usern des Flusses symbolisch zu suchen: m den idyllischen Dörfern und Nestern, die als Sommer- frischen Fremde aufnehmen. Manche von ihnen im Sd?warzatal oder in den Seitentölern, im Sarbitz-, Lichte- oder Rinnetal. haben schon viele Sommer und Winter Gäste bei sid) gesehen: zum Beispiel das trauliche S i tz e n d o r f an der Schwarza, oder K ö n i g s e e im oberen Rinnetol, das einen schönen Waldsce mit Badestrand besitzt, oder P a u l i n e n ze l l a, berühmt durch seine herrliche romanische Klosterruine, eine Sehenswürdigkeit, an der kein Besucher Thürin- gens vorüberfahren sollte. Y Eibsee in 1000 Meter Höhe am Fuße der Zugspitze und den ganz im Wald versteckten klaren Badersee. Die elektrische Schnellbahn fährt während des Sommers in 90 Minuten nach München. Ostseebad Ahlbeck. Von besonderem Interesse dürfte für den Ahlbeck-Besucher sein, daß die Kurtare gegen 1931 zunächst um 10 Proz. herabgesetzt ist und grundsätzlich nur für höchstens drei Wochen berechnet wird, der Gast also von der vierten Woche an Kurtage nickst mehr zahlt. Bis 31. Mai und ob 1. Sep- tember wird Kurtaxe überhaupt nicht erhoben. In der Zeit vam l. bis II. Juni ist nur die Hälfte der Kurtaxe zu zahlen. Die Hotels, die Pensionen und die Zimmervermieter baben ihre Preise weitestgehend der verminderten Zahlungsfähigkeit des reisenden Publikums angepaßt. Volle Pension wird bei guter Verpflegimg und sauberer llnterbringung schon von 4 Mark an gegeben. Ahlbeck bietet trotz seiner Billigkeit genau dasselbe wie die mondänen Bäder. Der Heilungsuchende kann ganz den ärztlichen Vorschriften gemäß leben, warme See- und alle medizinischen Bäder hoben(Moor, Sole usw.). Aber auch derjenige, der nur der Erholung bzw. Ab- wechslung halber Ahlbeck anssudst. kommt auf seine Kasten. Arendsee und Brunshaupten. die bekannten, dicht aneinander liegenden mecklenburgischen Ostscebäder, sind Familienbäder im wahrsten Sinne des Wortes gewordey. Ihre herrliche Lage am weiten Meere und zwischen großen Wäldern mit vielen, bei jedem Wetter geschützten Fußwegen lassen Körper und Geist gesunden. Kostenlos werden die neuen Bildführcr an alle Interessenten von den beiden Badenerwaltungen versandt. In beiden Ostseebädern sind die Kurtaxen wiederum erheblich ermäßigt. herzheilbad Kudowa. Es zeigt sich auch hier, daß die wirk- lichen Heilbäder aller Rat der Zeit zum Trotz mit einem wenn auch gegen die frühere Zeit geringeren, aber immerhin so starken Besuch zu rechnen hoben, daß sie ihre Betriebe aufrecht erholten können. Mit Saisonbeqinn haben auch die künstlerisckien und ge- sellschaftlichen Veranstaltungen eingesetzt. Ansang Juni beginnt die Operetteysaison des Kurtheaters unter Leitung des Direktors Sy< gudas-Boutzen. Bad Grund(Oberharz). Dos zwischen den südwestlichen Ab- hängen des Oberhorzes gelegene Bad Grund ist ein seit 80 Iahren gern ausgesuchter Höhenlustkürort und ein aufstrebendes Heilbad «eine Fichten-Kuranstalt, seine radioaktiven Moorbäder, die aus den Hochmooren des Harzes gewonnen werden und eine erstaun- liche Heilkraft beweisen, sein Sole-Inhalatorium und die Mild)- und Molkenkuren sind erstklassige Heilsaktorcn, die von der Wirkung der mittleren Gebirgslage intensiv unterstützt werden. Die Pauschal- Heilkuren sind vom 1. April an auf 116 Mark bzw. 139 Mark für 3 Wochen herabgesetzt und umfassen Wohnung. Pension,.Heil- bäder, Kurtaxe, badeärzt'liche Behandlung, einen Besuch der Traps- steinhöhlc u. ä Für einsackten Erholungsaufenthalt sind Pauschal- ausenthalte eingeführt, die für 2 Wochen knapp 60 bzw. 70 Mark kosten. Prospekte jeder Art versendet die städtisckie Kur- u. Bade- Verwaltung Bad Grund(Oberharz) kostenlos. Das schöne Zlsenburg hat sich zum Empfang seiner Gäste ge- rüstet. Es hat nicht nur ein weißes Blütenklcid angezogen und sich in junges Buchengrün beschmieqt, sondern seine Straßen mit einer neuen Teerdecke überzogen. Kein lästiger Staub wird den kom- wenden Kurgast stören. Da aucki die Zufahrtswege neu gemackst sind, ist der Besuch Jlsenburgs eine Freude für den Autofahrer. Die stark gesenkte Kurtaxe verleitet zu längerem Aufenthalt. Bad Oeynhausen hat durcki die Bewilligung namhaster Geld- mittel eine Umgehungsstraße geschassen, durch die das Bad von lärmendem Lastwagenoerkehr und anderen unerwünschten Stören- frieden befreit wird. Der Regierungspräsident in Minden hat soeben eine Verordnung erlassen, durch die der Wagenverkehr entsprechend geregelt und namentlich der Autodurckigangsverkehr umgeleitet wird. (ZelenK- Nerven-Zrauen-' Krankheiten, Alters-� erscheinunden heilt Bad laiiclecK in Schlesien I ißadium-u.Moorbäder pp./ Preise ermäßigt PauschalKuren Auskunft u.Prospekte: Stadt Bodeverwaltung � und Reisebüros. WerJtrztQ/npfiefitt�Bad Satzkmnn bei Katarrhen, Asthma, örippefolaen, Nierenleiden, picht und Zucker. Bezirk Breslau Wieder in eigner Regie„Schlesischer Hof"das schönste Hotel Schlesiens Hofe! Preü&isthe Krone" Hau 6.Künast) Fremdenheim. Elisenhof"neu mif //. Wasser ousgeslaHel und umgebe u!/ Kurprospekte durch che badeverwa/lung Gegen Herz- und Gefäßerkrankungen Vergünstigungskuren für Minderbemittelte! Anfragen an die Kurverwaltung, für Berlin Auskunft StresemannstraBelSS Telefon B1 Kurfürst 1Z02 Ostsccbad Misdroy M Villa Wald und See 1 Min. von Strand u. Hochwald Vorzügl. Verpflegung, Vor- u Nachsaison 4.— M. und 4.50 Hauptsaison 5.— M« und 5,50 Keine Zuschläge Parteigenossen Aufnahme, sehr gute Küche(5 Mahlzeiten), Garten mit Liegewiese direkt am Hause, nahe Wald und Bahnstation, Schwimmbad vorhanden. Pension 3,25 täglich, keine Nebenkosten Alberi Karges. Lnfl- kuroTt Harriehausen(HArg)._ Sommerfrische (Sachs. Schweiz) Schöna empfiehlt sich bestens. C- Prospekte durch Gemeindeverwaltung und die Geschäftsslelle des«Vorwärts"_ Moorbad Pretzsch/Eibe • Ras bewährte Heilbad, Kurpauschale 85.- RM. Ahlbeck Ostseebad Prospekte kostenlos durch die Badeverwaltung und alle Reisebüros Die schönen Mecklenburgischen Ostseebäder Brunshaupten und Arendsee bieten Erholung, Heilung u. Abwechslung Ermäßigte Kurtaxe Ueber 150 modern eingerichtete Hotels, Pensionen und Fremdenheime.— HäBi�e Preis«. Vorzügliche mecklenburgische Küche.— Ausgedehnte Nadelwaldungen. Bildführer durch die Reisebüros u. durch die Badeverwalt. Brunshaupten u. Arendsee(Mecki.) JKurl Steynfcfce; Sie State Sonne' Ws ich wiedersah die Höhe von Lothringen, Noll reifte der Wein und gut dufteten die farbigen Gärten, Stieg auf vor mir die Zeit, Da Winter war und Schnee lag aus den Hügeln, Die kalten Nebel erdrückten das Land und zerstörten die Ferne, Es schwiegen die Geschütz«, stumm gemacht von der Natur, Doch über unser Herz schritt in Kolonnen der Tod. lind es schwoll die Sonne rot über den Monsec, Einen Hügel, der einsam lag in der Ebene. Rot rollte die Sonne und stand allein, höhnisch, Wie Satan blicken würde mit höllischem Einglas, Da zitterten die Nebel und gingen unter im Schnee, Und die Erde schrie aus und konnte nicht bedecken chre Klarhett, Und die Scham der Natur überschrien die Geschütze, Die zu feuern begannen, Weil die Sonne rot schien und die Nebel vertrieb. Wieder dreht sich die Sonne über die Hügel von Lothringen, Rauch steigt aus aus den Hütten als des Friedens ruhig« Säulen. Im großen Wald stehen die Eichbäume ruhig und unbewegt. Ein Bauer hebt grüßend die Hand, von Arbeit gesätttgt, Und ich neige mein Hanpt und beug es vor Land und vor Mann Wie vor uralten, greisen Bekonnten. Srank?.."Braun; � Dr. Stirps stand vor dem Jndusttiekönig und verbeugte sich. „Das ist sehr fteundlich, Mr. Strips, ober mit ein paar tausend Mark ist mir nicht gedient. Ich brauche Hunderttausende. Ich weiß. es ist für Sie eine Kleinigkeit, das Geld flüssig zu machen. Ich weiß nur nicht, ob Sie gewillt sind, meine Erfindung zu unterstützen." Mr. Strips hielt die Berechnungen des Chemikers in den Hän- den.„Ich bin Demokrat", sagte er.„ich sche nicht in Kriegen das Heil. In Gaskriegen schon gar nicht." „Dann werden Sie es tun", sagte Dr. Stirps.„Dann müssen Sie es tun! Ich lasse Ihnen die Berechnungen hier. Ueberprüfen Sie alles. Aber seien Sie bei Versuchen vorsichtig. Rufen Sie mich lieber." Mr. Strips sah den bleichen nervösen Mann an.„Gas in Pulverform, sagen Sie? Es wird abgeworfen oder gestreut? In zehn Minuten ist eine Stadt von Millionen Einwohnern vergast?" „Ja." „Und das soll ich unterstützen, finanzieren? Abgesehen vom Geschäftlichen, lieber Herr, ich habe so etwas wie ein Gewissen!" Dr. Stirps nickte.„Dann werden Sie es tun", wiederholte er. „Nur wenn jeder weiß, es gibt dies furchtbare Gas, jede Nation kann es sofort herstellen, dies Gas erreicht uns alle, Sie, mich, die Frau, den Säugling, den General, den Mann— keine Masken nützen, keine Unterstände, keine Flucht— es gibt keine Etappe mehr, nur sicheren Heldentod—, sehen Sie, nur dann wird der Krieg endgültig vermieden. Jeder muh wissen: es ist nicht mehr wie früher, Tousende fallen, aber ich komme glücklich hindurch, es ist jetzt so: wir krepieren alle!" Stirpe atmete schwer, er blickte Mr. Strips groß an:„Begreifen Sie, daß Sie den Erlöser spielen können?!" Der Jndusttiekönig bettachtete den Chemiker aufmerksam, seine Stirn faltete sich nachdenklich. „Gut", sagte er dann,„Sie werden von mir hören." Am Nachmittag dieses Tages wurde der Chemiker Dr. Stirps von unbekannten Tätern auf offener Straße erschossen. Die ffieiie eines'toten Stumoreske aus dem Spanischen In Rosario de Santa Fe in Argentinien starb ein Kaufmann, dessen letzter Wunsch war. in der Hauptstadt der Republik begraben zu werhen. Sein kleines Geschäft, das einen Wert von etwa tausend Pesos hatte, hinterlieh er seiner einzigen Verwandten, einer Frau, die gerne den letzten Willen des Toten erfüllen wollte. Auf der Eisenbahnstation erklärte man ihr. der Transport werde tausend Pesos kosten. Verstimmt und unemschlosien ging sie wieder nach Hause. Da sagte ein Inspektor zu ihr: „Ich höre, man hat von Ihnen tausend Pesos für den Trans- port der Leiche nach Buenos Aires oerlangt. Ich mache es billiger." „Wie?" fragte die Frau freudig überrascht. .Lassen Sie den Toten von zwei Männern nach der Station bringen Aber so, daß man glaubt, er sei schwerkrank, und nehmen Sie eine Fahrkarte nach Buenos Aires. Machen Sie mir ein kleines Geschenk und geben Sie dem Schaffner ein anständiges Trinkgeld, dah er auf den Leichnam aufpaßt und dafür sorgt, dah er in Buenos Aires sofort begraben wird"" Di« Idee leuchtete der Frau ein. Am nächsten Tage ließ sie den Toten zur Bahn tragen. Sie hotte ihn in Decken gehüllt und ihm eine Mütze tief ins Gesicht ge- drückt. Der Schaftner setzte chn in die Ecke eines leeren Abteils erster Klasse. Von Zeit zu Zeit warf er«inen Blick hinein. In San Nicolas geschah etwas Unerwartetes. Ein Engländer stieg ein und setzte sich neben den Leichnam. Er wollte rauchen und bat den stummen Reisebegleiter höflich um Erlaubnis. Keine Ant- wort.„Er schläft wohl", dachte der Engländer. Einige Minuten später ftagte der Engländer, weil das Abteil voll Rauch war, ob er das Fenster öffnen dürfe. Der Reisebegleiter blieb stumm.„Der Mensch ist schlecht erzogen", dachte der Engländer. In der Nähe der Station Baradero geschah etwas noch Merk- würdigeres. Infolge des Gerüttels fiel der Tote aus den Boden. Der Eng- länder stutzte, als der Fremde sich nicht erhob; dann bückte er sich, um ihm zu Helsen Da merkte er, daß sein Reisebegleiter wt war. und sagte sich: „Nichts in dieser Welt kann mich von dem Verdacht befreien, ihn ermordet zu haben. Am besten, ich werfe ihn aus dem Fenster." Gesagt, getan. In Zavate kam der Schafsner ins Abteil. Als er seinen Schutz- befohlenen vermißte, taumelte er und fragte: .War nicht noch ein Passagier im Abteil?" „Ja", antwortete der Engländer„der ist auf der letzten Station ausgestiegen." Der Schaffner hielt sich fest, sonst wäre er vor Erstaunen um- gefallen Wlr entnehmen dieses Gedicht dem Bündchen von Kurt H e y n i ck e„Trau m im Diesseits"(Preis 0 50 M.) aus der ausgezeichneten Sammlung junger Lyrik„Die Blaue Reihe" (Verlag Die Rabenpresse). 3)as Qefchäft mit Mall& So Qaunergefchichte/ Ton Jack Xondon Das waren drei Kerls: Jim, Joe und Jack. Sie konnten lügen, daß sich die Balken bogen. Einer log den anderen knock c>ut. Joe und Jack erzählten einander immer wieder dos Histörchen von der Gründung San Franziskos. des kalifornischen New Port. Als sie eines Tages frühmorgens im nassen Präriegras logen, ftagte Joe: „Was machen wir heute vormittags?" Jack fann daraufhin«ine Weil« noch und gab dann zur Antwort: „Weißt du was, gründen wir San Franziska..." Damals war nämlich dort, wo heute die imposante Walken- kratzerstadt liegt, nichts anderes als unwirtliches, hügelige- Gelände. Jack beschäftigte sich eine Weile mft dem Dorschlag Joes und sagte dann abschließend: „Schön! Aber was machen wir nachmittags?" Diesem Dialog dankt San Franziska seine Gründung. »* Jack will übrigens vor Iahren einmal Schauspieler gewesen sein. Irgendwo am Indischen Ozean. Ja, richtig, er nannte sogar den Namen des Theaters, an dem er engagiert war. Wenn ich nicht ttre, hieß der Musentempsl schlicht und einfach„Bambus- theater" und lag hinter Allahabad oder Ieypor«. Das Interessante an diesem Theater war aber, daß der Souffleur des Ensembles. das sich eines Tages auf einer Gastspielreis« durch das Innere Birmas befand, von einer Pancherkatz« angefallen und mit Haut und Haar vertilgt wurde. Traurig, aber wahr. Guter Rat war teuer. Der Radfcha von Birma war geladen. In Erwartung der großen Galavorstellung drängte sich das Volk vor den Toren des Theaters. Und das Ensemble ohne Souffleur! Aus dieser Per- legenheit half Jack, der immer einfallsreiche Jack. Er ließ sich kurzerhand mft New Aork verbinden und die Stichworte telephomfch bringen. Die Vorstellung nahm daraufhin ihren Anfang, und der Radscha von Birma applaudierte, als wäre er Claqueur an der Pariser Oper gewesen. * Wer auch Joe hatte sich einmal die Sparen verdient. Das war so: Joe hatte einmal, als er als Tramp über Land gmg, ein Bankhaus ausgeraubt, irgendwo in Texas oder Arkansas. Gott, das kam vor. Er hatte damit bloß einem einfachen Gebot der Nächstenliebe Rechnung getragen. Er wollte einem seiner Kollegen, der gerade den Bonktresor aufs Korn genommen hatte, die mühe- volle Schweißarbeit ersparen und war ihm aus diesem Grunde zuvorgekommen. Aber der Kollege hatte absolut kein Berständnis für Joes Nächstenliebe, fluchte, anstatt dankbar zu sein, und hetzte die Polizei auf seinen Branchenangehörigen. Bald war ihm der gefinkelftte Detektiv Amerikas auf der Spur, nämlich Littl« Jerry- town, der infolge feiner vielfältigen und raffinierten Perkleidungen, unter denen er sich feinen Opfern näherte, der amerikanischen Fregoli genannt wurde. Littl« Ierrytown war ein Meister in seinem Handwerk. Gerade dann, wenn man sich vor ihm sicher glaubte, taucht« er plötzlich aus, wie aus dem Nichts geboren, und nahm den Uebettäter ohne viel Federlesens fest. Auch vor Joe stand er plötzlich, der Meftttrdetekttv, in einer Maske, hinter der kein Mensch Little Ierrytown vermutet hätte. Und sprach den überaschten Dieb an: .Lieber Freund, ich verhafte dich!" Wer Joe war diesmal gerissener als Littl« Ierrytown und fragte gelassen: „Wer sind Sie eigentlich?" .Little Ierrytown!" gab daraufhin der Detektiv zur Antwort und glättete seinen fransigen Patriarchenbart, der dem Opfer sein wahres Geficht verbergen sollte. Joe brauste auf: „Was, Sie haben den Dttxt, sich alz Littl« Ierrytown auszu» geben?" Little Ierrytown war paft. „Unerhört, dieser Schwindler! Hier— nehmen Sie einmal meinen Spiegel und dann sagen Sie mir noch einmal, daß Sie Little Ierrytown sind!" Ierrytown nahm den Spiegel und sah darin eine Fratze mit einem wallenden Patriarchenbart, bie chn aus der Fassung bracht«. „Ha. ich bin wahnsinnig geworden!" tobte Littl« Ierrytown, der Meisterdetektw.„Das sind Zwangsvorstellungen.. Eni- schuldigen Sie vielmals, aber ich bin nicht Little Ierrytown, sondern ein anderer. Ich weiß zwar im Augenblick nicht, wer ich bin, aber ich werde schon daraus kommen.. Und er ging seiner Wege. Als Littl« Ierrytown wieder zurückkam und daraus losbrüllte: „Du Schwindler, du hast mich zum besten gehalten! Ich hin Littl« Ierrytown... Ich habe mich bloß verkannt, weil ich mich ver- kleidet hatte... Jetzt weiß ich ganz genau, daß ich Littl« Ierrytown bin...", war Joe längst über alle Berge... CT———a—— Wer den Bogel schoß Jim ab, der dritte im Bunde. Hören wir einmal, was Jim erzählte: Auch Jim hatte eines Tages den Tresor eines Bankhauses ausgeraubt. Das ist nichts Absonderliches, denn Geld ist eine An- gelegenhett, die jeder Mensch brauchen kann. Also Jim hatte als ein Mann, der sich mit Bagatellen nicht abgibt, zehntausend Dollar an sich genommen und war damit über Land gegangen... Aber unterwegs plagte ihn das Gewissen und mahnte ihn, den Raub wieder in seinen Ort zurückzutragen. Jim kämpfte mit seinem Ge- wissen, kämpfte und unterlag schließlich nach einem heroischen Kampf. Also entschloß sich der reuige Sünder, einen Rechtsbesstand aufzusuchen, der die Angelegenheit in Ordnung bringen sollte. Thomas Willer, der Rechtsbeistand, war ein jovialer Herr und galt als ein Mann der Tat. der sein« Pappenheimer kannte. Dieser Mann fragte unseren Jim: „Sag einmal, Freundchen, wieviel hast du denn an dich genommen?" Jim sagte gesaßt:.Lehntausend Dollar..." „Nicht mehr?" „Nicht mehr!" „Und wieviel hast du in der Kasse zurückgelassen?" fragte jetzt Mr. Willer und schaltete ein« große Atempause ein. Jim dachte nach. „Ich glaube, zwanzigtausend Dollar..." war die sachliche Antwort. „Hip, hm!" sagte der freundliche Herr und kniff die lachenden Aeuglein zusammen.„Ein bißchen viel...* Jim bestätigte die Feststellung seines Recht sbeistandez mit einem resignierten Kopftchütteln. „Weißt du, was deiner harrt, wenn du erwischt wirst?" fragte der Mann nach einer längeren Pause wieder. ,La! Ich wandere ins Kittchen!" .La, du wanderst ins Kittchen!" wiederholte Mr. Willer. „Vielleicht auf Monate, vielleicht auf Jahr«. Dos kommt ganz auf dein Geständnis an... Willst du überhaupt ms Gefängnis?" Jim verneinte energisch. „Ich will das Geld zurücktragen und Ruhe haben.. .Lvppliy mein Junge! Wenn du das Geld zurückträgst, wanderst du trotzdem ins Kittchen, denn Diebstahl ist Diebstahl? Wir müssen einen anderen Weg finden, einen besseren..." Der Rechtsbeistand sonn ein« Weil« nach. Dann Hub er wieder an: „Du sagtest vorhin, daß noch zwanzigtausend Dollar in der Kasse lägen..." „Ja. gewiß..." „Also, bring' einmal den Rest des Geldes, dann wollen wir uns weiter über deine Angelegenheit unterhatten... Ich Habs den Weg gefunden.. Jim war froh, daß es einen Weg gab. der ihn vor dem Arrest bewahren konnte, und war verwegen genug, den Rest des Geldes aus dem Tresor zu holen. Der Coup gelang, denn der Rauh war noch nicht entdeckt worden. Und Jim stand am nächsten Tag wieder vor seinem Rechts- beistand und zählt« die blanken Dollarscheine auf den Tisch. Der Rechtsbeistand schmunzelt«, sagte nichts als:„Brav, mein Junge!" rückte den Stuhl an seinen Schreibttfch und entwarf folgenden Brief: „An das Bänkhaus Hall u. Son in Little Rock, Arkansas, USA. Mein Klient, Herr Jim Worchington, hat Ihre Kasse aus- geraubt. Seine Familie hat sich zur Schadensgutinachung bereit erklärt, allerdings unter der Bedingung, daß von einer Anzeige Abstand genommen wird. Die Familie memes Klienten Jim Worthington würde einen dreißigprozentigen Ausgleich akzeptieren. um einem Skandal aus dem Wege zu gehen. Ohne Ihrer etwaigen Entscheidung vorzugreifen, möchte ich Ihnen als der Anwatt der Familie Worthmgton nahelegen, diesen Vorschlag in Erwägung zu ziehen und einen Ausgleich auf dleser Basis zu ermöglichen, denn eine Klag« wäre angesichts der Dermögenslosigkeft meines Klienten, der inzwischen den größten Teil seines Raubes teils an Freunde. teils an Mitwisser verloren hat, ein gänzlich aussichtsloses Unter- fangen. Hochachtungsvoll Thomas Willer." Noch am selben Abend traf eine Depesche folgenden In» Haltes ein: „Akzeptieren Angebot der Faipili« Worthmgton. Hall u. Son, Bankier." „Also, lieber Freund!" triumphierte Mister Thomas Willer. der Rechtsbeistand Jims, ,chu bist aus dem Wasser. Wir schicken dreißig Prozent der Beute an Hall u. Son zurück, oerstehst du, und den Rest teilen wir untereinander auf: die Hälfte gehört mir als Honorar, hie andere dir als Lohn deiner bravourösen Tat.. Sprach's und händigt« Jim«inen Pack Dollarscheine aus. Ja, das waren dre, Kerle. Jim, Joe und Jack. Aber der größte war Jim, der Bankräuber, nicht wahr? (Kutorisierts fssberseteunx von 8. B e r v k o I d.) itiax Utapelner: Porträt eines mir bekannten Unbekannten Ich kenne ihn schon lange. An unsere erste Begegnung kann ich mich allerdings nicht mehr erinnern. Wie er aussteht, weiß ich nicht recht. Ich bekomme ihn ja auch nur selten vor Augen. Ich weiß aber allerhand von ihm, so daß Ich auf sein Aeutzeres schließen kann. So wird er beispielsweise die Haare am Wirbel nie in Ordnung haben. Das weiß ich genau, obwohl ich ihn noch nie von hinten gesehen habe Wenn ich chn trefse. bekomme ich immer einen Schreck Ich habe immer wieder eine falsche Vorstellung von ihm. Die Wirklich- keit entsetzt mich stets. Das ging mir auch damals so, als ich ihn mitten in Frankreich traf Ich fuhr von Versailles nach Paris. Die Straßenbahn bog um ein« Ecke. Ich sehe gerade hinaus. Da sitzt doch der Kerl drüben im Fenster und starrt mich an wie ich ihn Bei der nächsten Straßenkreuzung war er verschwunden— Heute wetfj ich nur noch, dah ich einen Schreck bekam. Wie er eigentlich aussah, habe ich vergessen Ich kenne aber einen Ort. wo ich nur hinzugehen brauche, um ihn mir in aller Ruhe ansehen zu können Warte einen Moment, gleich bin ich wieder da, ich treffe mich mit ihm nur im Vorderzimmer Viel Hab ich nicht entdecken können Daß er heute wieder mal abscheulich unrasiert ist, wußte ich auch so. Sonst sieht sein Gesicht von vorn« recht nichtssagend aus. Ihn von der Seite zu bettachten, hätte mir zu große Mühe gemocht.— Ich erinnere mich, chn mal beim Turnen gesehen zu haben. Leider nur einen Teil von chm. Den Kops konnte ich nicht beob- achten. Er wand sich auf dem Reck. Er tat mir ordentlich leid, wie er sich so verknetete, verknotete, oerknäult«. schwenkte, kurzum abscheulich! Er tat mir so leid, und es ging mir so nahe, daß ich. um mir diesen Anblick zu ersparen, sogar während der Turnstunden einfach hinter die Schule(andere Lesart: vor meinen Schreibtisch) ging Das Leben ist tragisch Wenn ich wieder in der Turnhalle er» > scheine, wird auch er wieder da sein und mich quälen. Was Hilst'??! Nimm an, ich wollt« in die NSDAP. Ich könnte schon, wenn er nicht da wäre Er braucht kein Wort zu reden, keine aufdringlich« Bewegung zu tun. Sein bloßes Dasein genügt, und mir geht es schlimm. Und ohne chn kann ich nirgends hingehen.— Wenn ich dich antelephoniere. eilt sein Bild mit rasender Ge- schwindigkeit zu dir. Im selben Augenblick, wo ich dir meinen Namen nenne oder du mich an meiner Stimme erkennst, ist es auch schon da. steht zwischen unserem Gespräch und kann von keinem von uns ausgeschaltet werden.— Er hat eine ganze Reche Nachteile. Fehlerchen, die keiner weiter kennt als ich. Trotzdem bin ich mft ihm einigermaßen zufrieden. Ich müßte es mir ja auch gefallen lassen wenn er ohne Zähne, mft einem Buckel oder mit schiefen Ohren Herumliese. Die festeste Ehe bin ich mit ihm übrigens eingegangen Ein Bündnis aus Leben und Tod. Und dabei hatte man mir keine Wahl gelassen. Der Zufall hat uns zusammengeschmiedet. Kommt dir der Unbekannte nun bekannt vor? Tlr. 242• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 28 Mai 4932 Welterschütterung durch Moratorien 28 Staaten bereits beteiligt.— Oesterreich kann jeden Tag folgen Es gehört zum Merkmal der als höchst« wirtschaftliche Ent- wicklungsstufe gepriesenen Kreditwirtschaft, daß nicht nur die Pnoatunternehmen in immer höherem Maße aus Kredit aus- und ausgebaut werden, sondern daß auch die Staaten unlerein- ander in ein immer dichteres Neg privater und öffentlicher Schuld- und Forderungsverslechtung versponnen werden. Solange das Vertrauen bestand, daß die Schuldner ihren Verbindlich- leiten nachkommen würden, ging alles gut. Als aber mit der Verschärfung der internationalen Wirtschastslrise auch die Zahlungsfähigkeit in den verschiedenen Schuldnerländern bedroht schien und die Gläubigerländer in plötzlicher Sorg« um die Sicherheil ihrer ausgeliehenen Gelder massenhaft ihre Kredite kündigten und dadurch di« Zahlungsschwierigkeiten ihrer Schuldner erst recht vermehrten, brach das ganze hochgetürmle internationale Kreditgebäude wie ein Kartenhaus zusammen. Es ist bekannt, wie sehr auch � D e u t s ch la n d in diesen inter- nationalen Kreditzusammenbruch hineingezogen wurde und wie durch Stillhalteabkommen mühsam ein Damm gegen die Massen- abziehung der aufgenommenen kurzfristigen Milliardenkredite auf- gerichtet wurde. Aehnlich wie Deutschland ist es vor ihm und nach ihm fa st allen Schuldnerländern ergongen, und die Mehrzahl dieser Schuldnerländer ist nun nach der Erschöpfung ihrer Reserven an Gold und ausländischen Zahlungsmitteln, die sie zu der erzwungenen Kreditrückzahlung hatten einsetzen müssen, nicht mehr in der Lage, weiteren Schuldforderungen der drängenden Auslandsgläubiger nachzukommen. Beim besten Willen sind ste nicht imstande, die zur Abtragung ihrer Auslandsverpflichtungen notwendigen fremd- ländischcn Zahlungsmittel aufzubringen, da dem Verkauf ihrer Landesprodukte im Ausland immer größere Schwierigkeiten bereitet werden, und da andererseits die Devisenerlös« für die aus- geführten Gütermengen wegen des außerordentlichen Preis- Verfalls auf dem Weltmarkt immer geringer werden. In dieser Zwangslage hat berests eine ganze Anzahl von Staaten die Zah- lung an die ausländischen Kreditgläubiger ganz oder teilweife einstellen müssen, und eine weitere Reihe anderer Schuldncrländer wird— wenn ihnen nicht boldigst in irgendeiner Form chilfe kommt— ihrem Beispiele folgen müssen. Die Zahlungseinstellung erfolgte in den meisten Fällen offiziell mit der Erklärung eines Auslandsmoratoriums. Was ist ein Auslandsmorakorium? Allgemein versteht man darunter die vom Staat durch Gesetz verfügte Verweigerung von Zins- und Tilgungsraten für aufgenommene Auslandskredite. Der Umfang und die Form der Zahlungsverweigerung sind jedoch außerordentlich verschieden. In einigen Ländern wird nur der T i l g u n g s dienst, in anderen auch der Zinsen dienst ausgesetzt; andere Länder wiederum. nehmen aus besonderen politischen Grönden bestimmte Anleihen von dem Moratorium aus. Mit Ausnahme von Argentinien haben bisher fast alle südamerikanischen Staaten den Zinsen- und Tilgungs- dienst auf ihre auswärtigen Anleihen eingestellt. In Europa haben Ungarn, Bulgarien und Griechenland di« regel- mäßigen Zins- und Tilgungszahlungen auf ihr« Ausländsanleihen ausgesetzt, und von Oesterreich, das bis zuletzt vergeblich auf die Finanzhilfe des Völkerbundes gewartet hat, wird wegen der vollständigen Erschöpfung der Gold- und Devisenreserven mit jedem Tag die Erklärung eines Transfer Moratoriums erwartet. Bei dem österreichischen Transfermoratorium würde nur die Trans- ferierung, dos heißt die Ueb ertragung der Zins- und Tilgungsraten an das Ausland, eingestellt, nicht aber auch die Aufbringung in Landeswährung. Andere— und zwar nicht nur Balkanstaaten— werden folgen müssen, wenn es nicht in kürzester Frist, spätestens»ach der Reparationskonferenz in Lausanne gelingt, eine inter- national« Kredithilse zu organisieren, die aber einen Dauererfolg wieder nur haben kann, wenn auch die Störungen im Welthandels- und Weltkreditverkehr so rasch wie möglich abgebaut werden. Man kann nämlich die mit der Erklärung eines Moratoriums aller Welt verkündet« und bewiesene Zahlungsunfähigkeit der Länder auf die Dauer nur beheben, wenn man sie instand setzt, den überschüssigen Ertrag ihrer Wirtschaften auf dem Weltmarkt abzusetzen und sich damit die Zahlungsmittel, also di« Devisen, zu beschaffen, die nun einmal zur Uebertragung von Land zu Land notwendig sind. Nicht alle Staaten haben ein Vollmoratoriuni(für Auf- bringung und Uebertragung) erklären müssen. Unter der Geltung eines bloßen Tr a n s f e r Moratoriums bleiben die privaten und öffentlichen Schuldner verpflichtet, die fälligen Zins, und Tilgungs- betrüg« auf ausländische Anleihen zur Verfügung zu halten— aber in Landeswährung. Von der Zahlungssperre wird unter dem Auslandsmoratorium übrigens nur der sogenannte Schulden- dienst betroffen, während die Durchführung von Handels- g e s ch ä f t e n durch eine Erschwerung der Devisenzuteilung in den meisten Fällen zwar stark gedrosselt, aber nicht grundsätzlich und nicht völlig unterbunden wird. In anderen Fällen wiederum, wie zum Beispiel bei den Moratorien der süd- und mittelamerikanischen Staaten Brasilien, Chil«, Peru, Bolivien, Nicaragua, Mexiko und einigen anderen, ist das ursprüngliche Teilmoratorium, das sich mir auf bestimmte Schuldenarten beschränkt hatte, sehr bald auf die gesamte Auslandsschuld, und zwar sowohl aus die Aufbringung wie auf die Uebertragung der fälligen Zins- und Rückzahlungs- raten, für olle auswärtigen Schuldverpflichtungen ausgedehnt worden. Bei keinem der zahlreichen Staaten, die seit lgZfl ihren auswärtigen Schuldendienst haben einstellen müssen, kann von einer leichtsinnigen Schuldnermoral gesprochen werden. Tatsächlich ist nicht ein einziges der angejührten Länder mehr in»- stände, die für den Schuldendienst erforderlichen Devisen aus Aussuhrüberschüssen hereinzuholen, und die meisten unter ihnen können insolge der auch bei ihnen herrschenden Wirtschaftskrise Schöne weiße Zähne schon nach eininalia. Putzen mit der herrl.«rstisch. schmetkenden„CHlorodont- Zahnpaste�, schreibt uns ein Raucher. Tube Sit Pf. und Sä Pf. auch im Innern nicht die Beträge zusammenbringen, um durch Bereitstellung auf einem Inlandskonto auch mir den guten Willen zum Zahlen beweisen zu können. An einem solchen Beweis der Zahlungswilligkeit hat auch das Schuldnerland das größte Interesse, da davon di« Kreditwürdigkeit für die Zukunft abhängt, und da alle diese Länder doch mehr oder weniger später einmal wieder auf die Gewährung neuer Kredite angewiesen sind. Ja man kann sagen, daß die Sorge um die zukünftige Kreditwürdigkeit viel mehr dazu beigetragen hat, bei einigen Ländern die Erklärung eines längst fälligen Auslandemoratoriums immer wieder aufzuschieben, als etwa die Furcht vor politischen Verwicklungen oder wirtschaftlichen Gegenmaßnahmen. In Wirklichkeit ist ja heute der Schuldner stärker als der Gläubiger. Das gilt auch von dem moralischen Rechtsanspruch, und zwar aus folgenden Gründen: Gegenüber dem Jahre 1928 sind die Pr«ise von Rohstoffen und Nahrungsmitteln um 49 Prvz. gesunken. Die Schuldner müssen also zur Rückzahlung einer damals auf- genommenen Anleiheschuld rund 1l4mal so viel Ware liefern, als sie zur Zeit bei Abschluß der Verträge annehmen konnten. In dieser außerordentlichen Verschiebung zwischen dem Geldwert und dem Warenwert wird die ganze Schwere der Krise klar, die die Rohstoff erzeugenden und ausführenden Länder be- troffen hat, und man könnte es verstehen, wenn diese Länder die „ungerechtfertigte Bereicherung" ihrer Gläubiger, die in der Steigerung des.Geldwertes liegt, mit Hilse des Moratoriums und einem darauf folgenden Versuch einer Herabsetzung der Zinsen und Kapitalschuld ausgleichen wollten. Die Ursachen für die Zahlungseinstellung der Schuldnerländer liegen so klar zutage, und ihre Zwangslage ist so ossensichtlich. daß die Gläubiger eigentlich nirgends Einwendungen gegen die ihnen aufgezwungene„Stillhallung" erheben konnten. Darum gelang es ja auch in Deutschland, im vorigen Jahre die Stillhalteabkommen zu treffen, die durch freie Vereinbarung zwischen den ausländischen Gläubigern und den deutschen Tank- und öffentlichen Schuldnern weitere Kreditrückziehungen verhindert und es so ermöglicht haben, daß Deutschland die offene kredit- schädigende Erklärung eines Moratoriums ein st weilen vermeiden konnte. Immerhin ist durch die Stillhalteabkommen und die sie ergänzende Devisenbewirtschaftung der freie Zahlungs- oerkehr von Land zu Land und damit die Rückzahlung fälliger Auslandsverpflichtungen so weitgehend unterbunden, daß man auch in Deutschland von einem verschleierten Tcilmora- t o r i u m gegenüber dem Auslande sprechen könnte. So gesehen aber erweist es sich, daß in nicht weniger als 28 Staaten, die eine mehr oder weniger strenge Devisenbewirtschaftung Hand- haben, ein moratoriumsähnlicher Zu st and herrscht. Danach kann man sich ein Bild machen, wieweil schon die allgemeine Zerrüttung der weltwirtschastlichen Beziehungen fortgeschritten ist, wie dringend es ist, welch ungeheurer Anstrengungen es bedürfen wird, wieder Ordnung in dos wellwirtschaftliche Chaos zu bringen und welche Katastrophe gerade für das wirlschafls- mächtige Deutschland der endgültige Berlust der politischen Stabilität im Innern wäre. Mannesmann krisenstark. Geringer Vertust— flüssige Bilanz. Als einziger von den großen Montankonzernen schließt die Mannesmann-Gruppe ihr Geschäslsjahr zum Jahresende, statt zum September bzw. Juni ab. Der seht verössentlichte Mannesmann- Abschluß umfaßt also mit den Monaten Oktober bis Dezember ISZI den Tiespunkt der Eisenkonjunklur, der in den Jahresabschlüssen der übrigen Stahlkonzerne nicht zum Ausdruck gekommen ist. Wenn die Bilanz von Mannesmann trotzdem einen solideren Eindruck hinterläßt als die der übrigen Monlangesellschasten, so hängt dies in erster Linie mit der vorsichtigen Zinanzierungspolitik in der Ratio- nalisierungsperiode zusammen. Auch besitzt Mannesmann durch seine Röhrenspezialprodukte einen erheblichen Borsprung vor den übrigen Stahlkonzerncn. Die Betriebe haben allerdings unter den Folgen der Krise gleichfalls schwer gelitten. Jedoch sind auch hier gewisse Unter- schiede zu der Produktionsschrumpfung bei den anderen Eisen- konzernen festzustellen. Dies gilt in erster Linie für die Standard- betriebe von Mannesmann, die Röhrenwalzwerke. Die Produktion in diesen Kernbetrieben war zwar gegen 1929 schon im Jahre 1939 auf 82 Proz. und im Berichtsjahr auf 51,6 Proz. gesunken. Berücksichtigt man aber, daß 1929 ein Rekordjahr für die Röhrenwerke war und die Produktion um ZS Proz. über den Ziffern des konjunklurjahres 1927 lag, so ergibt sich für die schwere Krise 19Z1 noch das überraschend günstige Produktions- ergebnis von 71,2 Proz. gegenüber der Hochkonjunktur von 1927. Auch die M a n n e s m a n n- B e l e g s ch a f t hat der Montan- krise schweren Tribut zahlen müssen. Der Abbau im Berichtsjahr verringerte die Belegschaft von 19 261 auf 15 798 Mann. Er- schütternd wirkt der Hinweis, daß trotz der zahlreichen Entlassungen in den Zechen nach den mehrfachen Lohnkürzungen 3 59 97 4 Feierschichten eingelegt werden mußten, und ein Vergleich mit 1929, wo nur 35 446 Feierschichten, also etwa ein Zehntel, er- forderlich waren, läßt erst die Drosselung des Arbeitseinkommens in ihrem ganzen fürchterlichen Umfange erkennen. Wenn bei derartigen Zuständen unverantwortliche Kreise der Schwerindustrie zur Zeit zu einem neuen Angriff aus die Tariflöhne rüsten, so ist dies eine Katastrophenpolitik, deren Folgen nicht abzusehen sind. Während Mannesmann bis zum vergangenen Herbst noch ohne Betriebsverlust arbeiten konnte, haben sich die Dinge seitdem ganz erheblich zugespitzt. Bei den Röhrenwerken sind die Auftragsbestände Ende 1931 im Vergleich mit dem vorhergehenden Jahre auf 32 Proz. und gegenüber Ende Dezember 1929 sogar bis auf 19 Proz. zusammengeschrumpft. Der große Röhren- auftrag aus dem Irak hat den deutschen Röhrcnwerken, wie die Verwaltung mitteilte, eine große Enttäuschung gebracht, da von den 116 999 Tonnen nur 14 999 Tonnen nach Deutschland sielen, während der Löwenanteil in Frankreich und England blieb, die beide kapitalmäßig im Irak sehr stark interessiert sind. Dagegen haben die Russenaufträge, besonders in den Grobblechbetrieben, eine Belebung mit sich gebracht.— Der Rohertrag des Unternehmens ist Am 22. Mai verstaro Ullier vcr. elirier srüherer Mitardeit-r und Kollege, der Stereotnpeur» Invalide Max Pöting im Alter von 62 Jahren. In seiner mehr als zwanzigjährigen Täligleil in unierm Betriede erwies sich der Versiordene als vsiichitreuer Kollege, der sich durch sein ichlichtes und ruhiges Wesen die Achtung und Wertschädung aller erward, wodurch ihm ei» ehrendes Andernen gesichert ist. Berlin den 27. Mai l«?. Gesdiäftsl»llnll un» Person I Oer Vorwärts BuöiflrucHerei Trouerfeier am Wonlag, Z0. Mai. >8 Uhr, im Krematorium Baum- schulenweg. Kieihol�Itraße. DsnK»»gi)ns. Für die vielen Beweise herzlicher Tetlnahme beim Tode unseres lieben Vaters Nerniann Dübler Helene n. Georg Döblcr. danken DMAtallarMeU Media nlker, Optiker. Uhr- madier, Eidier u. Eldierinnen und Brau die der„Strom- erzeufienden Industrie" oiensfan. zr Mai. abds. 7 l, Ahr. Im GewerrschatIshaus.Engelufer Z4 2S (großer Saal>. Brandien- Versammlung Tagesordnung 1. Bortrag de« Kollegen Alwin Brandes: „Die UnternehmerverschwSrung gegen Arbeitsdeschosfung** 2. Dlstuision. 3. Branchenangelegenheiten. Mitgliedsbuch, mit einem der obigen Beruse versehen, legitimiert. dafür Sitz»Sewähr! Die eigene wäschefobrik fertigt für Hausfrau und vraut fein bestickte Aussteuerwäsche, schönt Herren-Mastwäsche, Trikotwäsche, so wundervoll sttzend und dazu SS�/o billiger I Schreiben Sie:.lkrbillc unverbindlich mit Rücksendegeld Sie Tuchkiste der 1SDS Mustsr!' FABRIK UND VERKAUF EIGENER UND FREMDER ERZEUGNISSE IN CHRISTOFSTAL A 28 Württemberg von 38 auf 22,7 Millionen Mark zurückgegangen. Bei erheblich verringerten Unkosten, aber erhöhten Abschreibungen von g,S Mil» lionsn Mark wird ein kleiner Verlust von 916 990 Mark aus- gewiesen. Unter Heranziehung des nicht verbrauchten Gewinnes von 1936 oerbleibt nach Tilgung des Verlustes noch ein Gewinn- vo r t r o g von 2,3 Millionen Mark. 26 Mill. Bergmann-Verlust. Die Bergmann- Elektrizitätswerke A.-G. ver- össentlicht seht ihren Verlustabschluh für das Krifenjahr 1931. der nach den mannigfachen Gerüchten, die seit längerem über das Unter- nehmen im Umlauf waren, allgemein mit grofzer Spannung erwartet wurde. Die Entwicklung, die sich bei Bergmann im Verlauf des letzten Krisenjahres durchgesetzt hat, ist bei weitem schlimmer, als auch der Pessimist erwarten konnte. Für die alte Stammbelegschaft ist die Situation einfach katastrophal. Bergmann, einst nach Siemens und AEG. der bedeutendste Elektrokonzern. konnte noch vor fünf Zohren eine Belegschaft von 10 000 Mann beschäftigen. Bis zum Dohresende 1931 war die Belegschaft aus 5700 Mann zusammengeschmolzen, zur Zeit werden nur noch 2700 Mann beschäftigt und von diesem Rest werden im Lause dieses Jahres kaum mehr 1500 Mann geholten werden können. Die Umsätze sind seit dem letzten Konjunkturjahr der Elektro- industrie rapide geschrumpft. Sie gingen bereits von 1929 zu 1939 von 116 auf 78 Mill. Mark zurück und erreichten im ver- gangenen Krisenjahr nur noch 48 Millionen Mark. In der Haupt- fache ist dieser Umsatzschwund auf das völlige Daniederliegen des Turbinen- und Grotzmaschinenbaus zurückzuführen, dessen Betrieb auch im vergangenen Jahr eingestellt worden ist. Inzwischen hat sich aber auch auf den übrigen elektrotechnischen Absatzgebieten die Lage außerordentlich verschärft. Dies gilt besonders für Jnstalla- tionsmaterial, Zähler und das bisher rentable Kabelgeschäit. Nachdem Bergmann für 1939 erstmalig während seines Be. stehens einen Verlust von knapp 1 Million Mark erlitten hatte, weist das Unternehmen für 1931 einen Gesamtverlust von 26,3 Mill. aus.> Sport. Trabrennen zu Ruhleben Freitag. 27. Zflai. Vrose-Retmea, 1360 Ml.. 2100 Meter. 1. Stall Lberrofen's Samson iI. itrSmmwgV, 2. Santa: 3. Tina Guv: 4. Pmilckien. Toto: SU(ttal. 60\ Pl. 40, 18, 14, 19. Ferner liefen: Tebora, Jsa Toddington. Garde.scbiitze, Cttioila, Ctintc..äovitain, Berolino, Eschtrul so. W.h ÄittN L., Märler, Lord Petaurist, Ännetnirl, Terra, Soft, Laetitia, Sstcnltcin. 1— 2 Lg. Idolita-Rennen, 1350 Ml., 2500 Meter. 1. Gestüt Lasbeks Antrag W. veiwiann»; 2. Albreckit der Bär: 3. Herder r N. Toto: 89 sital. 39V Pl. 23. 14, 14. Ferner liefen: Hermann?llmcr?, Adelhelm,?ldiia, Pinie, (rtt", Hu Herta, Ingara. 3— 2 Lg. Tark Night-Rennen. 1350 Mk., 2000 Meter. 1 Stall Sollandia'g David Tillon II.»ruithos fr.): 2. Agneti ,9.: 3. Prätendent. Toto: 73 lital. 481. Pl. 18, 22, 16. Fcritcr liefen: Zitadelle,?Iquila 2 o. W.), Eisen- Hut, Harvest FriSeo, Eilig. Hanud(8. o. 29.1. 2 Lg.' Que Allen-Rennen, 130(i'DU, 230() Meter. 1. H. storter's Satan lTh. Reiterl: 2. Peter Prussiloff: 3. Eresceue; 4.?llma lllcatcr. Toto: 126 iital. 48). Pl. 22, 22, 36, 15. Ferner liefen: Heliotrop lo. 29.1, Kantate, Ali, Alhambra, Lust io. 29.1, Biedermann, Jan Stopp, Adresse, Johann, Kapitain Holle. 2— l Lg.. Fronko-Rennen, 1650 Ml., 2600 Meter. 1. I. Middeldors's Heren- meiner sD. Lemzerl: 2. Lra Levburn: 3. Eharlie M. Toto: 23 Utal. Il1. Pl. 14, 14. 19. ferner liefen: Peter Winter, Eminenz,?!ntal. Pracktmädeld Tochter..Kops I Y, Lg. Rutmont jr.. Rennen. 135(1 Alk., AXtO Meter. 1. P. Müller'? Co». stanlin Fr!§co(Knöpnadel jr.l: 2. Natrium: 3. Allasch. Toto: 56 tital. 661. Pl. 15, 15, 12. Ferner liefen: Jonnn. Tewev Pillat, Waterloo, Dornzieher. I Lg.— Kopf. Doppelwettc: Tavid Tillon— Hexenmeister 210:10. Äekteravsjichlen für Berlm. Anfangs noch kühles stark wolkiges Wetter und noch stellenweise leichte Regeitfälle, später ollmähliche Wetterbesscrunp mit etwas Erwärmuirg, schwache bis mäßige Winde aus westlicher Richtung.— Jur Deulfchland. Im östlichen Küstengebiet noch zeitweilige Regenfällc, im übrigen nördlichen und mittleren Deutschland allmähliche Wetterbesserung. In Süd- und Südwestdeukschland vielfach heiter und wärmer. Sin« ntnc Zi>«»a-U«b«rraschu»g. Nichtschwimmer haben im Strandbad Bannlee jept di« Moglichteil, nch am Strano gut zu unterhalten. Am dem Dach v des Strandbode» erhalten Oesiger von duvena-Oadeanziigcn tostcnlo» Hnmnastitunierricht. Mr Unterhaltung auf dem Nasser sorgt da« Ittnena-Haus- doot mit Plad fllt über 700 Personen: Ouvena.Oar. Iuvena-Orchcster, Ouvena, Sportspiele. Iuvena.Snmnaftik. Am Bahnhof Nikolassee steht ein Iuvcna- Omnibu« in leuchtend roten Farben, der jeden Besitzer eines Ouoena.Bade. anzuge» mit Teilnehmerkarte kostenlos zum Strandbad und zurück befördert. KLEINE ANZEIGEN niiiiiNiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiMiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Preis« t Ubersahrinswert 20 Pfennig- Textwort 10 Pfennig Wiederholungsrabott: 5 mal 5%, 8 mal 71, 12 mal 10%, oder 1000 Worte Abschluß 10<5. 2000 Worte 15%, 4000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Undenstraße 3('■ 1 9 bis 5 Uhri, sämtliche Vorwärts-fiiialen und-Ausgobestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen Tapeten S-illat. Kolonie- strafte 9. Kochherd« seder Art u. Größe. Riescnauswahl, Teilzahlung, Iran»- portable Äachelöien, Badewannen-Oesrn, Keilrlöfen. Die alte Firma Scmmler u. Blcoderg. Drei- denerstraße 99. Tan- nawitz F 7 6651. Kieidungssiück«. uiascha usw. Benig getragene Kavaliergardcrobe van Millionären, A-rzten, Anwalten. �abelhafl billige ireisc. Empsehle Taillcnmäntel. Pa- letots. Fracks, Emo- kings, Gehrackan- züge. Hosen, Sport. Gehpelze. Damen. mantcl. Gelegen- deitskäuse in neuer Garderobe. Weite- per Weg lohnend. Lothringer, trofte 56, 1 Treppe, Rosen- thaler Platz. Theater, lichtfpiele ufw. §mai.oper CtiarlotteDburg Sismarckstraße 34. Sonnabend, 28 Mai Turnus IV Aida Amerling, Malkin. Fidesser, Reinmar Andrdten, Kerner Anfang 19,30 Uhr Ende 23 Uhr VoiüsbUhne Tbuter im BQIowplsti tzi/s Uhr Sturm Im Wasserglas Tlpl. 5 a. 8�1 letzie 4 T»g*' HMEfll LA JANA AKTON DOllfll n. weitere 7 ftttrakt.l te Soklss. Inf. Ii.lis, Sf|s.?,5.6iei E 7 Wslcks. 4931 Die Dubarry Beutsdies Theater »Je 8Vi Uhr Journalisten Uistiii.Dadi Gustav Freyiag W Ftlix Joaftiimson Musik; Tlito Matkebeo Regie: Heing Hilpert Sie kOnnen nicht schwimmen? Das macht nichts. Im Strandbad Wannsee können Sie sich morgen auch an Land gut unterhalten und außerdem für Ihre Gesundheit sorgen. Es handelt sich um Juvena- Gymnastik• Kurse auf Dach D des Strandbad Wannsee. die für alle Be- sitier vonJuvena-Anrügen kostenlos abgehalten werden(SchuIoI.Braatz1. Für Unterhaltung auf dem Wasser sorgt das Juueoa-Hausbootmit Platz für über 700 Personen, mit Juvena- Bar, Juvena-Orchester, Juvena- Gymnastik(Schule M.Grund) usw. Freifahrt mit Juvena-Omnilnissen zwischen Nikolassee und Strandbad. Teilnahtna an allen Veranstaltungen kostenlos für Besitzer eines Juvena- Badeanzuges, der von 5.90 M. en in den großen Spezialgeschäften, Waren- und Kaufhäusern erhältlich ist, 'Bauparzellen! kein Bauzwang in B!n.-BianHenieide D, itiGdersctHinnsusen qm. 1.50 M bis 2 50 M b. Ratenzahlung Barzahlung 10% Rabatt Verkauf tägl. Sonnabend u. Sonntag Sonderverkauf „Fli Autobushaltestelle Blankenfelde, Kirche. Ab Vinetapl. Umsteiger 30 Pf. Oasthef zur Linde, Berlin- Blankenfelde, Hauptstr. 13— Teil D8 555� Staats 5k Theater Sonnabend« den 29. Mai siaatsoper unter ßen Linden 20 Uhr Der Troubadour Staatüteiiielte Gsudarmcnniarki. 15 Uhr Egmont 20 Üh; Der Liebestrank Sthiller-Theater Charlofienburg. 20 Uhr Dis Räuber 8 UDr 15. Flora 3434. Räumen Ott. Truds Hasterberg. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Sil& Sil. 2 Franks. Junetros& Eiste. 12 Deblars. Arthur Hell. Luella Palkln. Julius Kuthan. Mario Saletzkl usw. « sonoationd u. Sonmaa lo 2 Torsteiia. 4 u. 8.15 Uhr. 4 Uhr hlolno Preise GROSSES SCHAUSPIELHAUS! Tätlich 8 Uhr 2 e schone MAX REINHARDT INSZENIERUNG Noch 41 Vorstellungen �napark WoCbenend-Feet Sonderveranstaltung Ehren- n. Freikalten anfgehoben| •i Koozort-Wrcbest�r Jfoastre• f euer werk Eiv ganzes Vanete-Prog-imiD Hocheeil-Uufer Paul OrMz.Ernst Busch. Hanns Elster Tan» Im Freien- 2 Tanzflächen| Pretsausschrflben 75üo Xertc TÄGLICH WELLENBAD Rose- Theater freie Fraakturter Stnl« 13? kl. Wilihui i 1 342/ 8.30 Uhr Weekend im Paradies GartenbUbne 830 Uhr Konzert u. Variete Zlgeunerliede Täglich SO« Uhr Madonna wo hlst Du? Erika v. Thellmann, Qenla Nlkolajewna Theodor Loos Josof Wedorn Xy eiyntigungf Restaunot Berlins BETRIEB--1«S KEMPIHSKI�.5 Kleidsam« Canotiergloclc«» mit 2fdrb. Bondgctrnitur Jugendliche Glocke breit* Band- garnitur,au$Zackenstroh Elegante grosse Glocke aus f«in«m Picotstroh Verkauf»aweit Vorro» Mcngenabgab« vorbshalton