BERLIN Mittag 30. Mi 1932 10 Pf. Nr. 250 B 125 49. Zahrgans ErscheinttSglich- ußerEonntagS. Zugleich Abendausgabe deS.Vorwärts�. BejugSpret« für ide Ausgaben 7ö Pf. pro Woche. 2,2ö M. pro Mona» .davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus «ablbar. Postbejug 3,97 M. einschließlich Lv Pf. Postjeitungs' und 72 Pf. Postbestellgebübren. y�JoiWtiMb Anzetgenprett» Die einspaltige Milltmeterjeile SV Pf� Reklamczeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G.m.b.H.. Berlin Rr. 37 538.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor? Redaktion und Expedition: Berlin SWK8, Ltndenstr 3 Eernfprecher: Dönboff(A 7) 292—297 ritt Brün Die Gesamtdemission UDerrelcm und angenommen Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident empfing heute den Reichskanzler Dr. Brüning, der ihm die G e» samtdemission des Kabinetts überreichte. Der Herr Reichspräsident beauftragte die bisherige Rcichsregicrung mit der vorläufigen Weiter» f ü h r u n g der Geschäfte. Die Telegraphen-Union meldet: Der Reichspräsident hol das derzeitige Kabinelt gebeten, die Geschäfte bis auf weiteres fortzuführen. Er wird zunächst versuchen, aus dem üblichen parlamentarischen Wege die Reubildung der Regierung vorzunehmen und heule nachmittag zuerst den Reichstagspräsidenten Lobe, dann anschließend die A r a k t i o n s s ü h r e r der ver- schiedenen Härteren in der Reihenfolge ihrer Araktionsstärke empfangen. Reichskanzler Dr. Brüning hat gebeten, ihm möglichst bald einen längeren Urlaub zu bewilligen, da er in die Erörterungen um die künftige Kabinettsbildung nicht hineingezogen werden möchte. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfrattion ist um Z Uhr nachmittags zusammengetreten. * Der Reichspräsident hat die Demission des Kabinetts Brüning angenomenm. Das Kabinett Brüning hat nicht demissioniert, weil es im Reichstag in die Minder- heit geraten ist; es hatte bei den letzten Abstimmungen immer noch eine Mehrheit von rund 3t) Stimmen. Es hat auch nicht demissioniert, weil es mit dem einen oder dem anderen Teil seiner Mehrheit in Konflikt geraten wäre— die Ursache der Demission liegt vielmehr in einem Ko n f l i k t, der zwischen ihr und dem Reichspräsidenten ent- standen ist. Die staatsrechtliche Frage, ob ein Reichspräsident einen Reichskanzler entlassen kann, spielt dabei keine Rolle. Bei der gegenwärtigen Lage im Reiche Hot der Reichspräsident immer ein starkes Druckmittel gegen den Reichskanzler in der Hand, da Notverordnungen nicht ohne Unter- schrift des Reichspräsidenten ergehen können, niemand aber den Reichspräsidenten zur Hergabe seiner Unterschrift zwingen kann. Andererseits war die parlamentarische Stellung des Reichskanzlers schwach, da seine Mehrheit aus den ver- schiedenartigsten Teilen bestand und gegen den Reichs- Präsidenten sicher nicht zusammenzuhalten war. Ganz ab- gesehen davon, daß Brüning der letzte gewesen wäre, gegen den Reichspräsidenten den Kampf aufzunehmen... Mit der Annahme der Demission hat der Reichs- Präsident die Berantworwng für die weitere Entwick- lung der Dinge in seine Hände genommen. Er hat es Zweifel- los in der redlichsten Absicht getan und wahrscheinlich auch in dem Bewußtsein der unermeßlich großen Folgen, die seine Entscheidung haben muß. Ob es ihm aber gelingen wird, die Bewegung zu meistern, die durch seinen Entschluß ins Rollen gekommen ist, das ist eine ganz andere Frage. Der Reichspräsident hat für 5 Uhr nachmittags den Reichstagspräsidenten L ö b e zu sich gebeten. Eine halbe Stunde später wird er B r e i t s ch e i d und Wels als die Vertreter der stärksten Fraktion und dann die Führer der anderen großen Parteien empfangen. Damit zeigt er. daß er die k o n st i t u t i o n e l l e n Formen zu wahren gewillt ist. Haben diese Formen aber noch einen konstitutionellen Inhalt? Der Reichspräsident läßt eine Regierung gehen, die sich immerhin bisher auf eine Mehrheit stützen konnte. Er stellt sich damit selber die Aufgabe, eine neue Regierung zu bilden, deren Existenz auf mindestens ebenso starken ver- fassungsmäßigen Voraussetzungen beruht wie die der ver- abschiedeten. Diese Aufgabe ist jedoch, soviel man sehen kann, unlösbar! Zwei Jahre Brüning Aus der Geschichte des zurückgetretenen Kabinetts Am 27 März 1930 trat das Kabinelt Hermann Müller zurück. Es hatte sich herausgestellt, daß eine Verständigung der Regierungs- Parteien untereinander über die finanzpolitischen Fragen nicht zu erzielen war. Der Beginn der Krise hatte allen finanzpolitischen Optimismus der Borjahre zerschlagen und die Deutsche Volkspartei unternahm einen heftigen Vorstoß gegen die Arbeitslosenversicherung. Das Reichskabinett hatte beschlossen, die Beiträge zur Ar- beitslosenversicherung auf 4 Pro;, zu erhöhen, Reichs- Zuschüsse von 200 Millionen Mk. zu leisten und die Darlehnspflicht des Reiches unbeschränkt aufrechtzuerhalten. Die Deutsche Volks- parte! leistete dagegen Widerstand, das Zentrum trat ihr zur Seite und legte einen Kompromißvorschlag vor, die Sozialdemokratische Partei lehnte den Kompromißoorschlag ab und die Folge war der Rücktritt der Regierung Hermann Müller. Der Reichspräsident berief sofort Dr. Brüning und beaus- tragte ihn mit der Regierungsbildung. Es stellte sich heraus, daß wochenlang bereits diese Regierungsbildung vorbereitet war, daß Kreise, zu denen Schiele und Treviranus gehörten, bereits seit Wochen die Konzeption einer ausgesprochen konservativen Re- gierung mit verstärkter Machtstellung des Reichspräsidenten nicht nur diskutiert, sondern auch vorbereitet hatten. Brüning bildete sein Kabinett unter Ausschiffung der Sozialdemokraten aus der bisherigen Regierung. Er übernahm das Reichskanzleramt, mit ihm traten Schiele und Treviranus in die Regierung ein. Die politischen Pläne Brünings und seiner Freunde gingen nicht nur aus die Bildung einer ausgesprochen konservativen Re- gierung, sondern zugleich auf eine Brechung des Einflusses der Sozialdemokratie, auf eine Zertrümmerung der Deutschnationalen und der Bildung einer neuen konservativ gerichteten Partei aus den Parteisplittern auf der Rechten. Am 16. Juli erließ die Regierung Brüning ihre erste Notver- ordnung, die zwei Tage später im Reichstag aufgehoben wurde. Die Folge davon war die Auflösung des Reichstags und die Reichstagswahl vom 30. September 1930. Die Wahl brachte Brüning eine tiefe Enttäuschung. Seine politische Konzeption war vollständig gescheitert, es ergab sich vielmehr ein Sieg des Rcchtsrodikalismus. Damit geriet Brüning in eine ganz andere Situation, als sie ihm vor dem Sturze des Kabinetts Hermann Müller vorgeschwebt hatte. Es galt nun nur noch das politische und wirtschaftliche Chaos zu verhindern. In dieser Situation begann die Tolerierungs- Politik der Sozialdemokratischen Partei mit der ausgesprochenen Absicht, eine Machtergreifung des Faschismus zu unterbinden und damit zu verhindern, daß in der ständig anwachsenden Krise die Erwerbslosen unter einem faschistischen Regime ihrem Schicksal preisgegeben wurden. Von diesem Zeitpunkt an ist im wesentlichen mit Notver- ordnungen im Reich regiert worden. Die Schäden der Notoerordnungspolitik sind hinreichend bekannt. Das Vordringen der Minifterialbürokratie und der großagrarischcn Einflüsse hat seinen Niederschlag in diesen Notverordnungen gefunden. Wenn mit Hilfe des Notverordnungsregimes auch die Fürsorge für die Er- werbslosen wenigstens einigermaßen aufrechterhalten werden konnte, so hat doch die Politik der Lohnsenkungen verhängnisvoll auf die Gestaltung des inneren Marktes gewirkt. Die Politik des Kabinetts Brüning im Jahre 1931 war im wesentlichen eine Politik der Aushilfen. Das trat be- sonders stark hervor im Sommer 1931, als die Krise zum großen Bankkrach führte. Die Gelegenheit, die sich damals zu groß- zügigen wirtschaftspolitifchen Umgestaltungen boten, sind nicht aus- genutzt worden. Die Opposition von rechts holte im Herbst des Jahres 1931 nach der Ausschiffung des Außenministers Curtius, der wegen des Scheiterns der Zollunionspläne geopfert wurde, zu einem großen Vorstoß gegen das Kabinett Brüning aus. Es kam zur Bildung der sogenannten Harzburger Front, die bereits die Minister- ämter unter sich verteilte und sich dabei kräftig in die Haare griffen. Der Ansturm wurde im Reichstag abgeschlagen. Er ist jetzt nach den Präsidentenwahlen auf außer- parlamentarischem Wege wieder ausgenommen worden. Diesmal hat er Erfolg gehabt! Der Weg, der jetzt betreten ist, führt in Zustände hinein, die mit der Verfassung kaum noch zu decken sind. Die Regierung, die der Reichspräsident ernennen wird. wird im Reichstag kaum eine Mehrheit haben. Selbst wenn sie um ein Mißtrauensvotum herumkommen sollte, so wird auch sie Notverordnungen erlassen müssen, und sie wird schwerlich eine Mehrheit finden, die die Aufhebung ablehnt. Beschließt der Reichstag die Aufhebung, dann ist ein Konflikt da. der verfassungsmäßig nur durch Neuwahlen zum Austrag gebracht werden kann. Die Regierung Brüning war nicht unsere Regierung. Sie hatte im Kampfe gegen die Sozialdemokratie ihre Tätigkeit begonnen: erst die Not der Weltkrise und die Gefahr des Faschismus hatte zwischen der Regierung und unserer Partei eine Art von Notgemeinschaft geschaffen. Die Be- lastungen, die uns daraus erwuchsen, wurden schwerer und schiverer. Die Befreiung von ihnen kann für die Partei zum Gewinn werden. Auf der anderen Seite sind die großen Gefahren, die sich aus dieser Regierungskrise ergeben, keinen Augenblick zu übersehen! Ausgelöst worden ist die Krise durch Einslüsse aus der Reichswehr und aus o st p r e u st i s ch e n Grostgrundbesihcrkrcisen, denen die Regie- rung Brüning immer noch zu weit„links" war. Der Kursgchtalsonachrechts! Wie weit— und ob er noch in der Hand des Reichspräsidenten liegt, den Punkt zu bestimmen, an dem sich die Dinge wieder stabilisieren, das ist die offene Frage der nächsten Tage und Wochen. Auf alle Fälle must sich die Sozialdemokratische Partei bereit halten, binnen kurzem den grösttcn und entscheidungsschwer st cn Reichs- tagskam pfzuführcn, der jemals bisher in der Geschichte der deutschen Republik dagewesen ist. Mehr denn je wird das Schicksal des deutschen Volkes von der Kraft abhängen, die die s o z i a l i st i s ch e A r- bcitcrbcwcgung zu entwickeln imstande ist! Gerüchte über die Aachfolge. Wie die Telegraphen-Uniou von gut unterrichteter Seite er- jährt, hat der Empfang der Fraktionsführer durch den Reichs- Präsidenten den Zweck, daß dieser sich über die Auffassung in den verschiedenen Lagern unterrichten will. Hindenburg hat nicht die Absicht, einen Parteiführer mit der Kabinettbildung zu be- austragen, sondern er wird voraussichtlich ein parteipolitisch nicht gebundenes Kabinett durch eine Persönlich- keit seines besonderen Vertrauens bilden lassen. Man erwartet, daß der Reichstag sich einem solchen Kabinett gegenüber zunächst abwartend verhalten wird. Sollte es vom Parlament ein Mißtrauensvotum erhalten, würde der Reichstag auf- g e lö st werden. Was die Haltung Brünings angeht, jo hat dieser zu- nächst die Absicht geäußert, bei der Neubildung der Regierung nicht mitzumachen. Man verweist aber auf das Beispiel S t r e s c- manns, der seinerzeit nach seiner hunderttägigen Kanzlerschaft sich auch zurückziehen wollte, dann aber doch den Außenminister- posten übernahm. Es dürfte von der Persönlichkeit des neuen Konz- lers abhängen, ob Brüning nicht vielleicht doch im neuen Kabinett einen Posten übernimmt. Die Wahl in Oldenburg. Nationalsozialistische Landtagsmehrheit. Oldenburg, Z0. Mai.(Ligenberichl.) Die am Sonntag erfolgte Neuwahl des Oldenburgi- fchen Landtags hatte folgendes Ergebnis: Stimmen Mandate Mai lSZI Sozialdemokratie..... 50 987(54 873) 9(11) Zentrum......... 42114(46 252) 7( 9) SPD........... 15 590(18 984) 2< 3) Staatspartei....... 6 213( 8 515) 1( 1) Landvolk......... 5 987( 5 404) 1( 1) Nationale Vereinigung (Volksp. u. wirtfchaflsp.) � 2 308(16 446) 0( 2) Nationalsozialisten..... 131 525(97 802) 24(19) Deulschnalionale..... 15 629(12 653) 2< 2) Die oldenburgischen Wahlen brachten der Nazipartei mit 24 Mandaten die absolute Mehrheit. Während sie rund 34 000 Stimmen gewann und sich die Deutschnationalen be- haupketen, haben alle anderen Parteien, selbst die S o m m u n i sl e n. die im Bunde mit den Nationalsozialisten die Auslösung des allen Landtags herbeiführten, verloren. Volkspartei und Wirtschastspartei sind überhaupt völlig ausgerieben. Der Ansturm der Nazis und Deulschnationalen sowie der übrigen bürgerlichen Parteien galt besonders der Sozialdemokratie. Stellt man das bei der Betrachtung des oldenburgischen Ergebnisses in Rechnung, berücksichtigt man serner, dost dieses Gebiet eine rein landwirtschaftliche Gegend ist, die ebenso wie andere deutsche Landesleile von groger Not belrossen ist. so dars sestgestelll werden, das; sich die Sozialdemokrale gut geschlagen habt. Ihr Verlust dürste hauptsächlich auf die im Vergleich zu den lehten Londlagswahlen geringere Wahlbeteiligung von 80 Proz. zurückzuführen sein. Zn einem Teil der rein ländlichen Gebiete weist die Sozialdemokratie Stimmenzuwachs aus, trotzdem gerade aus dem Lande ein geradezu unerträglicher Terror der Nazis üblich geworden ist. Die Wahl von Oldenburg hat den N a t i o n a l s o z i a- l i st e n zwar nicht die Mehrheit der abgegebenen Stimmen, wohl aber dieMehrheitderMandate gebracht. Die Entwicklung ihrer Stimmenziffern seit der letzten Landtags- wähl vom Mai 1931 verläuft folgendermaßen: Landtagswahl 1931: 97 899, Reichspräsidentenwahl 1. Wahlgang: 122 299, 2. Wohlgang: 149 799, Landtagswahl 1932: 131 ö99 Stimmen. Die Wähler, die sie bei der Präsidentenwahl an sich gezogen haben, haben sie im wesentlichen behalten. Dieser Erfolg in einem vorwiegend agrarischen Lande ist nicht zuletzt auf den systematischen Terror zurückzuführen, der aus den Dörfern geübt wurde. Die Sozialdemokratie hat dem Ansturm stand- gehalten. Sie hat sich weit besser behauptet als die K o m m u n i st e n. Der sozialdemokratische Stimmen- verlust von 7 Prozent geht zum weitaus größten Teil auf die schwächere Wahlbeteiligung zurück. Die Kommunisten jedoch verlieren 18 Prozent ihrer Stimmen vom Mai 1931! Pei den bürgerlichen Parteien sieht es kläglich aus. Volkspartei und Wirtschaftspartei existieren nicht mehr — von zusammen 12 799 Stimmen haben sie nur noch 2399 heimgebracht. Sie sind parlamentarisch ausgelöscht. Oldenburg kann nun rein nationalsoziali st isch regiert werden, und die Wähler können die Probe aufs Exempel machen, was für sie dabei herauskommt. Wenn die Regierungskünste der Nazis in Oldenburg denen der Nazis in Mecklendurg-Strelitz die Waage halten, wird für die bäuerliche Bevölkerung von Oldenburg bald ein sehr un- angenehmes Erwachen aus dem Wahn erfolgen! Hausse an der Börse. Das Kapital wittert Morgenlvst. Die Mitteilung vom Rücktritt der Reichsregierung hat die Aktienkurse auf der Börse steigen lassen. Die Hoffnung aus eine Rechtsregierung hat die Erwartung nach Begünstigung des Kapitals bei den Rotmaßnahmen ausgelöst. Die Hausse wird aber auch schon als Jnslationshansse aufgefaßt, weil man bei einem scharfen Rechts- kurs Jnflationsauswirkungen für wahrscheinlich hält. Reichsanwalt und SA. Antlageerhebung wegen Landesverrats abgelehnt. Die Pressestelle Hitlers oerkündet triumphierend und die Ober- reichsanwaltschaft bestätigt auf Anfrage, daß das Berfahren gegen die SA. wegen Landesverrats eingestellt worden sei. Die Meldung kommt nicht überraschend. Ganz abgesehen da- von, daß der Oberreichzanwalt Werner zwar sehr schnell bei der Hand ist, gegen Koinmunisten den„intellektuellen Hoch verrat" zu konstruieren, bei den Landknechtsbanden Hitlers aber sehr nachsichtig ist— ganz abgesehen davon, war die j u r i st i s ch e Grundlage zu einem Landes verratsverfahren von vornherein sehr zweifelhaft. Wir haben schon bei dem ersten Austauchen der Meldungen auf diesen Umstand hingewiesen. Beim Hochverrat schon die„Vorbereitung" strafbar ist, gilt das sür den Landesverrat nicht. Was man aus den mehrfach erwähnten Aeuße- rungen Hitlers in Lauenburg und den aufgefundenen SA.-Befehlen folgern kann und muß, ist, daß die Hitlerei im Ernstfalle gegen- über dem„System" zum Landesverrat bereit ist. Das ist ein politisch zu verurteilendes Verhalten, auch wenn es strafrechtlich nicht zu fassen ist. Bomben in Belgrad. Explosion in einer Druckerei Belgrad. 30. Mai. 3n einer Druckerei explodierte in der vergangenen Nacht eine Bombe, die bedeutenden Sachschaden verursachte. Ferner wurden zwei Bomben gefunden, die noch nicht zur Explosion gebracht waren, eine davon vor dem Arbeitsnachweis, die andere vor einem Gymnasium. Wie die ersten Untersuchungen ergeben haben, handelt es sich bei den aufgefundenen Sprengkörpern um dieselben Typen, die schon wiederholt in Belgrad bei Anschlägen verwendet worden sind. Französischer Gozialistenkonzresi Die Mehrheit für Regierungsbeteiligung Paris, 3v. Atai.(Eigenbericht.) Der SU. Kongreß der Sozialistischen Partei Frank» reichs ist gestern sofort nach der Konstitnierung an die Beratung über die Regierungsbildung gegangen. Tie Debatte wurde besonders in der Nachmittagssitzung außer» ordentlich lebhaft. Aus den 15 Reden ist festzustellen, daß eine starke Strömung zugunsten der Beteiligung an einer Linksregierung vorhanden ist, allerdings unter ge- wissen Bedingungen. Nur zwei Redner aus Paris sprachen entschieden gegen jede Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Linksparteien. Von den 13 übrigen Rednern stellten 3 so scharfe Bedingungen, daß ihre Haltung im Grunde genommen nicht als im Sinne einer Be- teiligung an der Regierung angesehen werden kann. Von diesen drei waren wiederum 2 Pariser Delegierte, der dritte, Zyromski, vertrat das Norddepartement. Alle wiesen darauf hin, daß die Radikalen auf die Zusammenarbeit mit den Sozialisten gar keinen Wert legen, also die Partei in den Verdacht käme, Ministerportefeuilles nachzulaufen, die man ihr gar nicht anbietet. Zyromski will die Beteiligung gewissermaßen als«in Experi- ment auffassen, das beweisen soll, daß das Zusammengehen mit den Radikalen gar nicht möglich ist. Er fordert, daß die Partei «in möglichst genau umschriebenes Programm aufstelle, von dessen Annahme durch die Radikalen die Beteiligung an der Regierung abhängig zu machen sei. Dieses Programm mühte vor allem so- sortige Herabsetzung der Militärkredit« aus den Stand von 1928, sofortige Durchsührung der 40-Stunden»Woche, Nationalisierung der V e r s i ch e r u n g sg e s« l l s ch o f- t e n und sämtlicher Verkehrsmittel umsassen. Die 10 anderen Redner verteidigten dagegen den Standpunkt, daß man sich mit den Radikalen über ein sofort durchführ» bares Programm einigen müsse: nach Ablauf einer bestimmten Frist solle ein neuer Songreh prüfen, ob das Programm verwirklicht worden sei und ob eine weitere Mitarbeit ins Auge gefaßt werden könne. Besonders eindringlich setzte sich Abg. V a r e n n e für die Be- teiligung ein. Er erklärte, unter den gegenwärtigen Umständen dürfe sich die Sozialistische Partei nicht der Mitarbeit entziehen. Die Partei würde gegen den Willen der Mehrheit der französischen Wähler handeln, wenn sie die Beteiligung ablehnte. Es handle sich jetzt um die Frage, ob es gelingen werde, die Welt vor dem Kriege und Frankreich vor dem finanziellen und wirt- schaftlichen Zusammenbruch zu bewahren. Man würde der Partei Furcht vor der Aktion und der Verantwortnug vorwerfen. wenn sie in der Opposition bliebe. Deshalb dürften nach Ansicht Varennes den Radikalen keine zu harten Bedingungen gestellt werden. Einige der von Blum in seiner Narbonner Rede angeführten Bedingungen gingen viel zu weit, denn sie würden keine Erleichterung bringen(Nationalisierung der Essen- bahnen, Versicherungsgesellschaften und Bergwerke). Es müßten dort zunächst beschränkte Reorganisationsmahnahmen durchgeführt werden, die eine viel größere Wirkung als die sofortige Nationali- sierung hätten. Die beiden Hauptbedingungen, bei denen die Sozialistische Partei keine Zugeständnisse machen dürfe? mühten das verbot der privaten Wasfenfabrikallon und die Herabsetzung der Miliiär- kredite sein. Der Delegierte Kahn sprach in ähnlichem Sinne. Er betonte, daß es in der Kammer nur eine wahre Linksmehrheit gebe. Eine Konzentrationsmehrheit würde weiter nichts als die Wiederher- stellung der alten Mehrheit T a r d i e u unter einer anderen Eti- kette bedeuten. Ein anderer Redner erklärte, man müßte die Frage der Beteiligung nicht nur vom politischen, sondern auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachten. Der Kampf des Sozialismus sei vor allem ein Kampf für die Gewerkschaften. Durch die Beteiligung der Sozialisten an der Regierung könnten die Interessen der Arbeiterklasse wirkungs- voller verteidigt werden. Der Pariser Delegierte P i v e r t, der gegen die Beteiligung sprach, rief eine lebhaste Unruh« hervor. Er griff Fros- sard an, der im„Populaire" stüher Herriot bekämpft hätte und jetzt zu dem radikalen Führer gegangen sei. Er kritisierte serner Paul B o n c o u r, der der Wortführer des französischen I m- perialismus geworden fei. Ein Teil der Kongreßmitglieder und die Tribünenbesucher applaudierten, worauf der größte Teil des Kongresses mit Protestrufen antwortete. Erst durch das Ein- greifen Blums, der besonders die Tribünenbesucher ermahnte, ihre Kundgebungen zu mäßigen, konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. Der Kongreß geht heute weiter. // Rachefeldzug" unterRadikalen Zusammenstöße zwischen Kommunisten und Rational« sozialisten. In der Nacht zum Sonntag kam es in der B e r n a u e r Straße im Norden Berlins zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen hakenkreuzlern und Kommunisten, bei der vier Personen verletzt wurden. Es entspannen sich im Verlaufe des Sonntags an verschiedenen Stellen der Stadt Schlägereien zwischen Links- und Rechtsradikalen, bei denen es eine Reihe von Verletzten gab. Im Hause Bernauer Straße 94 befindet sich das Lokal„Zum Heidekrug" von Buscha. Die Gastwirtschaft ist in der Gegend als ausgesprochen nationalsozialistisches Berkehrslokal bekannt. Mehrere Schlägereien, die in den letzten Tagen der Woche in der Bernauer, Swinemünder und Zionskirchstraße stattgefunden haben, dürften hier ihren Ausgangspunkt genommen haben. Als in der Nacht zum Sonntag in dem Hakenkreuzlerlokal Hochbetrieb herrschte, wurde von kommunistischer Seite ein„Rachefeldzug" unternommen. In später Stunde erschienen vor dem Lokal mehrere Personen und nahmen in der Nähe der Gastwirtschaft Aufstellung. Mehrere junge Burschen rissen dann dieLadentür aufundfeuertenetwa.ZvPistolen- s ch ü s s e in die Räume der Gastwirtschaft. Bier Anwesende wurden durch Beinschüsse niedergestreckt. Die Verletzten wurden ins nahe- gelegene Lazarus-Krankenhaus gebracht. Da sich die Schußver- letzungen sämtlich als ungefährlich herausstellten, konnten die Ange- schossenen bald wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Bon den Tätern konnte bisher niemand festgenommen werden. Ein mut- maßlicher Schütze bedrohte bei seiner Verfolgung mehrere P o l i z e i- beamte mit dem Rrvolver. Der Flüchtling legte auch auf die Beamten an, die Waffe versagte aber, so daß weiteres Unheil ver- hütet wurde. In der Elisabethkirchstraße, wo sämtliche Gaslaternen ausgelöscht waren, entkam der Verfolgte. Unweit des Jachtklubs in Schwanenwerder gerieten gleichfalls Kommunisten und Nationalsozialisten in eine schwere Schlägerei, an der sich etwa 400 Personen beteiligten. Mehrere Rädelsführer wurden von der Polizei festgenommen. Einige Ver- letzte mußten zur nächsten Rettungsstelle gebracht werden. Rettungsflugzeug zertrümmert aufgefunden. Vier Gereltete der„Georges Philippar" im Flugzeug abgestürzt. Rom, 30. Wal.(Eigenbericht.) Das sranzösische Flugzeug, das vor etwa acht Tagen mit zwei Fliegern und zwei Ueberlebenden des verunglückten Dampfers „George p h i l i p p a r" von Port Said nach Brindisi und von hier am 25. Mai nach Marseille gestartet war, ist jetzt im Apennin- Gebirge bei veroli zertrümmert ausgesunden worden. Die Znsassen des Flugzeugs sind sämtlich lot. Ln der Laubenkolonie erstochen. Nlutiger Ausgang eines Familienstreites. Zn der Kolonie„Grüne Trist" am Walde in Köpenick spielte sich ein blutiger Zamilienstreit ab, der mit dem Tode des 31 Zahre allen Arbeiters Gustav L a d e n t h i n aus der Sophienstr. 26 in Berlin N endete. Als Täter wurde der Kutscher Willi Laden- I h i n festgenommen. Ladenthin hat in Köpenick ein Laubengrundstück, aus dem er mit seiner Familie im Sommer über wohnt. Seit längerer Zeit be» stehen zwischen den Familienmitgliedern Zwistigkeiten. Am Sonn- tag fuhren mehrere Mitglieder einer der feindlichen Gruppen nach Köpenick hinaus, um„Abrechnung" zu halten. Vor dem Grundstück kam es zunächst zu einem heftigen Wortwechsel, der bald in«ine schwere Messerstecherei ausartete. Im Verlaufe des Handgemenges erlitt der 31 Jahre alte Gustav Ladenthin einen Stich in den Bauch, an dessen Folgen er auf dem Wege ins Krankenhaus starb. Außer- dem wurde der 2(5jährige Arbeiter Arthur Nitz aus der Bethlemane- strahe 7 in Berlin N durch mehrere Stiche schwer verletzt. N. fand im Köpenicker Krankenhaus Aufnahme. Durch das alarmierte Ueberfallkommando wurde dem blutigen Streit ein Ende bereitet und der Haupttäter Willi Ladenthin festgenommen. Sklarek-Prozeß laust weiier. Fortsehung des Plädoyers der Staatsanwaltschast. Nach der Wiederangliederung des Verfahrens gegen den An- geklagten Bürgermeister Kohl, der bekanntlich im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses in Gewahrsam genommen ist, wurde der Sklarek-Prozeß heute wieder in normaler Weise fortgeführt. Obwohl dem Angeklagten Kohl freigestellt war, der Verhandlung eventuell freiwillig fernzubleiben, war er heute früh mit seinem Verteidiger zur Stelle. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg setzte dann sein Plä- doyer gegen den Angeklagten Stadtrat Degner fort. Die Straf- antrüge der Staatsanwaltschaft werden noch im Laufe der Woche gestellt werden. Ein Jahr Zuchthaus gegen Strecker beantragt. Der Staatsanwall hat gegen den Schriftsteller Karl Strecker wegen vorsätzlicher Brandstiftung in Tateinheit mit Versicherungs- betrug die Mindeststrafe von 1 Jahr Zuchthaus beantragt. Diese Mindeststrase sei für den Angeklagten zweifellos unverdient hart und müsse durch eine andere Instanz auf dem Gnadenwege unbedingt gemildert werden. Die Heimat hat ihn wieder. Heimkehr nach 16 jähriger Kriegsgefangenschast. Freiburg(Brg.), 30. Mai.(Eigene Meldung.) Oskar Daubmann, der aus dem badischen Städtchen En- dingen am Kaiserstuhl stammt, ist nach fast Ißjähriger Kriegs- gefangenschaft nachts mit dem Schnellzug von Neapel hier ein- getroffen. Er war im Weltkrieg, als er mit der 5. Kompagnie des Reserve-Jnsanterie-Regimenis ni im Jahre 1916 an der Somme lag, in Gesangenschast geraten, hatte bei einem Fluchtversuch einen Posten erschossen und war zu 20 Iahren Zwangsarbeit verurteilt worden. Vor nunmehr fünf Monaten glückte dem jetzt tzöjährigen die Flucht aus Afrika. Nach unsäglichen Strapazen gelangte Daubmann nach Palermo. Er fuhr von dort nach Neapel und setzte im Schnell- zuge die Heimreise fort. Zur Begrüßung hatten sich auf dem Freiburger Bahnhof mehrere tausend Mensche» eingefunden, darunter viele Endinger Einwohner. Bei der Einfahrt des Zuges wurde der Heimkehrende mit freudigen Zurufen empfangen. Als der Bürgermeister seiner Heimatstadt ihn beim Verlassen des Zuges begrüßen wollte, brach Daubmann, dessen Körper durch die übermenschlichen Anstrengungen der Flucht und durch die seelische Erschütterung stark geschwächt ist, ohnmächtig zusammen. Er wurde ins Bahnhofsgebäude getragen, wo er sich langsam erholte. Erschütternd war das Wiedersehen mit seinen Eltern und Verwandten. Seinem Wunsche entsprechend wurde von jeder weiteren Begrüßung abgesehen und im Kraftwagen sofort die Heimsahrt angetreten. Kommunistische Schmierfinken. Mit Teer gegen eine„Vorwät'tS"-Filiale. Kommunistische Schmierfinken haben in dar Nacht vom Sonntag zum Montag in der Mühlenstraße 70 in Pankow eine„Heldentat" vollbracht, die sich würdig früheren Bübereien anreiht. Mit Teer- kübeln und Schmierpinseln rückte im Dunkel der Nacht eine kommu- nistische Schmierkolonne an und bemalte Schaufenster, Glasfchilder und die Hausfassad« der„Vorwärts"-Filiale rnber und über mit Teer. Die Pankower Arbeiterschaft wird sich dies« neuest« Schandtat kommunistischer Lausejungen merken! Dem Andenken Ottilie Baaders Die sozialdemokratischen Krauen Berlins ehren die Vorkampserin In den schlichten Grabstein auf dem Städtischen Friedhof in Neu- kölln, unter dem Ottilie Baader begraben liegt, sind die Worte gemeißelt: Ein Kind des Volkes will ich fein und bleiben..... Um die tote Vorkämpferin zu ihrem 85 Geburtstage zu ehren, hatten sich gestern die sozialdemokratischen Frauen Berlins in über- aus großer Zahl am Grabe Ottilie Baaders oereinU Neben den alten Kämpferinnen für Recht und Freiheit standen die Jungen und Jüngsten. Die Gruppe Ottilie Baader der s o z i a l i st i s ch e n Ar- beiterjugend leitete die Gedenkfeier mit dem Gesang der Ar- beitermarseilleise ein. Schlichte, ergreifende Berse, die Klara Böhm- Schuch der toten Kameradin und Freundin gewidmet hatte, gipfelten in den Worten: Dein Leben ist uns Vorbild, Mut und Kraft Durch alle Zeitenwirren reiner Klang. Dein starker Wille hat uns Bahn geschafft, Du Sozialistin und du Mutterliebe Frau. Dann hielt, während ein Angebinde roter Nelken am Grabe niedergelegt wurde, Klara Bohm-Schuch die Gedenkrede.„Nicht um eine bloße Totenfeier zu halten, sondern um aus der Erinne- rung an Ottilie Baader neue Kraft zu gewinnen, find wir hier zu- fammengekommen. Diese Frau war groß und schlicht zugleich. Sie, die wir vor sieben Iahren hier zur letzten Ruh« geleiteten und die jetzt 85 Jahre alt geworden wäre, ist ein Vorbild der Jugend. Sie durchlebte die Kindheit einer Proletarierin in all jener Härte, die damals, vor mehr als siebzig Iahren, noch schwerer lastete und drückte als heute. Lebensinhalt war Arbeit, Arbeit und wieder Ar- beit, um leben zu können. Allzu früh starb die Mutter, und die junge Ottilie ersetzte ihre Stelle bei den kleineren Geschwistern und ward dem Vater eine vorbildliche Hausfrau. Vielleicht hat dieses Erleben auf ihre Entwicklung bestimmend eingewirkt und ihrem Wesen jene Güte gegeben, die ihre Stärke war. Mit jungen Iahren ward sie Kämpserin für die Sache des Proletariats, und wir müssen uns klar machen, wie schwer dies in jenen Zeiten war. Das Arbeiter- mädchen schaffte in der Fabrik oder in Heimarbeit, 14, 15 und 1f> Stunden täglich, es gab keine geregelte Arbeitszeit. Wenn wir heute allzu oft versucht sind zu sagen, daß es zu langsam vorwärts ginge mit der Befreiung der Arbeiterklasse, so denke ich daran, wie Ottilie Baader stolz war auf das, was erreicht ist. Denn unendlich viel an Widerständen war zu überwinden. Wir müssen gewiß noch lange kämpfen, um Errungenes zu er- halten und das, was wir erstreben, zu erringen. Aber der Kampf ist nicht umsonst, und kein Schweißtropfen im Dienste der Arbeüer- klasse flieht, ohne Segen zu bringen. Wie Ottilie Baader so wissen auch wir, daß dieser Kamps siegreich enden muß. Wir denken ihrer in Dankbarkeit die alten Mitstreiterinnen ebenso wie die jungen, und grüßen die treue Sozialistin, die uns in unserem Handeln eine Wegleuchte sein und bleiben soll." Die Worte der Rednerin wurden mit Ergriffenheit aufgenom- men. Wieder ertönte gemeinsamer Gesang, um die schlichte Ehren- feier zu enden. Offenbach:„Die Banditen" Gtädiische Oper Dieses amüsante und tolle Durcheinander von richtigen Briganten(deren räuberisches Geschäft, wie man hier lernt, ein wirklicher Beruf ist) und hochstehender Persönlichkeiten(deren wirk- lichcr Beruf, man braucht es nicht zu lernen, ein räuberisches Geschäft ist), von Ofsenbachscher Melodik übersprüht, von Offenbach- scher Rhythmik in wirbelnde Bewegung gesetzt— das ist eine in nichts veraltete opera doukls. Denn die Musik ist so charmant, so graziös und ausgelassen, so voll schlagkräftiger Parodistik und parodistischer Durchschlagskraft wie nur je? was den Text anlangt, sind wir politisch leider lang« noch nicht soweit, satirische Aus- einandersctzungen mit angesehenen, arrivierten Gaunern, verblödeten Militärs und nicht immer ganz auf der Höhe der Situation weilen- den Diplomaten als antiquiert ablehnen zu müssen. Wir leben zwar durchaus nicht mehr im zweiten Kaiserreich(im Gegenteil, wir nähern uns dem ganz famosen Dritten). Vieles, nur Allzu- vieles aber stimmt auch heute noch: Der Spötterspieler Ofsenbachscher Ironie ist durch die Zeit nicht blind geworden... Die Inszenierung dieser Köstlichkeit besorgte Gustav G r ü n d- gens, der auch, die Uebersetzung eingerichtet, das.heißt wohl aktualisiert, der Gegenwart angenähert hat— einer Gegenwart, die ja bekanntlich manche Schäden aufweist: da ist's nicht allzu schwer, für den verdienten Spott zu sorgen. Die Bühnenbilder Rochus G l i e s e s, die rafsiniert schattierten Farbenharmonien und Farbendieharmonien der Kostüme sind ganz einfach entzückend. Gründgens' schon oft gepriesene Regie ist phantasievoll, einfallsreich, geschmackvoll, frech, sarkastisch. Soweit es menschenmöglich ist, wird er mit dem(für ein derartiges Wert denkbar ungeeigneten) Riesen- räum der Stadtopernbühne sehr gut fertig, die Chorgruppen sind in sinnvolle Bewegung aufgelöst, klug verteilt, klug kontrastiert; und auch beim einzelnen bewährt sich die Regie in nicht ge- ringem Maß. Der edle Räuberhauptmann ist Josef Burgwinkel, sein pistolenknatterndes Töchterlein Margret Pfahl, gut in der Be- wegung und stimmlich sehr in Form. Irene E i f i n g« r mimt einen ganz reizenden echt Osienbachschen Miniaturfragoletto. Der Oberbandit des Ganzen(wenn auch nur Unterhauptmann) ist natürlich Paul W«stcrmeier, zwergsellerfchlltternd berlinernd auch im spanischen Felsengebirge; Pechner, Kandl und Steter bilden ein wildbärtig-surchterregendes Vrigontentrio. Es folgen die hohen und höchsten Herrschaften: G o m b e r t und G o n s z a r als würdige Vertreter der Zivil- und Militärgewalten, sowie G r ü n d g e n s als Pleiteschatzmeister— ein überaus charmanter Schmock, ein ebenso morbider wie zweisclhaftcr Kavalier, ein ebenso geistreicher wie dekadenter Monokelträger. Er spielt nicht viele Stücke, er hat nicht viel Nuancen, die wenigen aber beherrscht er meisterhast. Bleibt von der Nikolajewa zu reden, von ihren raffinierten Reizen, von ihrem reizvollen Raffinement, vor allem von ihrer hinreißenden spanischen Tanzparodte(ihr Partner: Ludwig Egenlauf). Breisach sorgte ausgezeichnet für das Musikalische; die Freude des Publikums war groß, der Erfolg war unbestritten. A. W. Kerrl beanstandet weiter. Bestialische Mordtat darf nicht als roh bezeichnet werden. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Kerrl hat die Anfrage des Genossen Kuttner wegen des Verhaltens des Vor- sitzenden im Mordprozeß B a n k a u abermals beanstandet, und zwar, weil in der Anfrage die Abschlachtung des Arbeiters B a s f y in Gegenwart seiner Ehefrau als„rohe Mordtat" bezeichnet worden ist und weil ebenso das Verhalten, das die Täter der Ehefrau gegenüber bei der Tat und im Gerichtssaal an den Tag legten, in der Kleinen Anfrage als„roh" bezw. als„Roheit" gekennzeichnet wurde. Die Sozialdemokratie wird im Aeltestenrat des Landtages die schikanöse Behandlung dieser Kleinen Anfrage durch den Präsi- denken zur Sprache bringen. ZugendführertagungdesReichsbanners Die Halwng zum freiwilligen Arbeitsdienst. UZeimar. 30. Mai. Arn Sonntag fand in Weimar eine Reichskonserenz sämt« licher Gaujugendführer des Reichsbanners statt, die die nächsten Aufgaben der repuiblikanischen Jugend behandelte. An emen Vortrag des Bundesjugendführers schloß sich eine lebhast« Aussprache. Dabei kam zum Ausdruck, daß der Reichsbanner- bundesvorftand mit den Jugendbannerführcrn in der Auffassung übereinstimme, daß den Fragen der Jugenderziehung künslig ein stärkeres Interesse als bisher entgegengebracht werden m: -.......... £iii originelles Pußballfpiel fand am Sonntag in Hamburg statt: Hamburgs Schornsteinfeger spielten in der Kleidung ihrer Zunft gegen die Schauspieler der Richterbllhnen in Hamburg. Der spaßhaft aufgezogene spart- liche Wertkampf diente Wohltätigkeitszwecken. müsse. Auch die Frage des freiwilligen Arbeitsdienstes wurde erörtert. Sämtliche Reichsbaimerjugendführer stimmten mit dem Bundesvorstand des Reichsbanners in der positiven Stellung- nähme zum freiwilligen Arbeitsdienst völlig überein. Für Ende August wird vom Reichsbanner ein« große Werbe kund- g e b u n g der republikanischen Jugend geplant. Auf den Wiesen des Jlmtales oberhalb von Weimar soll vom 27. bis 29. August in der Form eines mitteldeutschen republikanischen Jugend- t r e f f e n s ein Zeltlager aufgebaut werden. Es sind sportliche Wettkämpfe und Ansprachen vorgesehen, außerdem wird ein Im Hinblick auf das Goethejähr für die Kundgebung besonder, ver- faßtes Festspiel aufgeführt werden. Großfeueralarm! Oachstuhlbrand in Moabit.— Schwierige Löfcharbeiten. Ein gefährlicher Dachstuhlbrand kam am Sonntagabend im Haus« Stephanstr. 8 in Moabit zum Ausbruch. Die Flammen fanden am Bodengerllmpel und an den Verschlügen reiche Nahrung. Trog aller Bemühungen der Feuerwehr, die mit sechs Schlauch- leitungen in die Bekämpfung des Branves eingriff, konnte von dem Dachstuhl nichts gerettet werden. Kurz nach 18.30 Uhr wurde das Feuer entdeckt. Die Flammen hatten bereits«ine solche Ausdeh- nung gewonnen, daß Grohfeueralarm gegeben werden muhte. Starker Oualm behinderte die Löschmannschaften bei ihrer schwierigen Arbeit und es mußten zahlreiche Rauchschutzgeräte ein- gesetzt werden. Die Ablöschungs- und Aufräumungearbeiten oauer- ten bis in die späte Nacht hinein. Di« Entstehungsurfach« des Feuers, bei dem außer erheblichen Brandschaden in den Wohnungen der oberen Stockwerke schwerer Wasserschaden angerichtet wurde, ist noch unbekannt. Die hammerschasl Ullstein hat am Sonntag im„Märchen- brunnen" ihre Fahnenweihe im Rahmen eines Sommerfestes vollzogen. Der Hammerschaftsführer, Ulrich S a l i n g r e, erinnerte in seiner Ansprache an die bevorstehende Arbciterratswahl bei Ull- stein, bei der die Hammerschaft auf dem Posten sein muß. Die Kabarettdarbietungen wurden von ersten Kräften bestritten, die sich uneigennützig in den Dienst der Sache gestellt hatten. Alfred B e i e r l e gab der gutgelungenen Veranstaltung die besondere repu- blikanische Note. 2. kreis Tiergarten. Achtung Freidenkergenossen! Die Frei- denkerversammlung in den Arminiushallen findet nicht heute am Montag, sondern morgen, Dienstag, abends um 7.30 Uhr, statt. Schloßmnsik fällt heute aus. Wegen des ungünstigen Wetters wird die für heute abend in Aussicht genommene Schloßmusik der Kapelle der städtischen Oper unter Leitung des Kapellmeisters Denzler ausfallen. Die gelösten Karten behalten Gültigkeit für die nächste Schloßmusik am 2. Juni, abends 21 Ubr, in der die Kapelle der Städtischen Oper unter Leitung des Kapellmeisters Dr. Stiedry Werke von Mozart, Wolf, Wagner und Schubert spielen wird. Die Schloßmusik unter Leitung des Kapellmeisters Denzler wird voraus- sichtlich in der nächsten Woche stattfinden. Welter für Berlin: Wieder etwas wärmer, zeitweilig auf- heirernd. Keine erheblichen Niederschläge mehr, Winddrehung nach West bis Südwest.— Für Dculschland: Allgemein besser und etwas Erwärmung. Niederschläge fast nur noch im westlichen Küstengebiet. Kinderchöre in der Volksbühne. Berliner Bolkschor und weltliche Schule. Bor wenigen Wochen war der Kinderchor des Berliner Volks- chors— ebenfalls unter musikaiischer Leitung Walter H ä n e l s, unter der Spielleitung Otto Zimmermanns— mit den gleichen Spiel- und Lehrstücken, die gestern in der Volksbühne zur Aus- sührung kamen, in der Singakademie zu hören gewesen; seine Leistung ist an dieser Stelle ausführlich gewürdigt worden. Neues brachte lediglich der zweite Teil des Programms: die Chöre der weltlichen Schule sangen„W e l l e AB C", ein musikalisches Spiel für großen und kleinen Chor, Einzelstimmen und kleines Jazz- orchester von R. A. S t e m m l e und Adolf Havert, Musik von Allan Gray. Eine Art kleiner Schuloper also, die verdienstlicher- weise nichts so sehr anstrebt, als die Verbundenheit mit unserer Zeit, als die Ferne von allem heute nicht mehr Verbindlichen: die die soviel größer gewordene Selbständigkeit gegenwärtiger Jugend anerkennt, sich ihrer Gedankenwelt anpaßt; die diese heutigen Kinder schließlich den Erwachsenen eine Art Bündnis vorschlagen läßt: „Wir wollen euch helfen, die Sorgen zu tragen." Der Text— er dreht sich um die Einrichtung eines Kindersenders, mit dem auf „Welle ABC" zum erstenmal gesagt werden soll, was Kinder heute wirklich denken, was sie in Wirklichkeit erleben— ist in all dem überaus glücklich. Nicht weniger die Musik, die sich einprägsamer Melodik befleißigt und rhythmisch scharf akzentuiert ist, ohne das Schlagermäßige außerhalb des Formalen zu betonen oder gar zu übertreiben; sehr hübsch neben vielem anderen oie kleine Verceuse sowie der Schlußmarsch. Unter der tüchtigen Direktion Gustav S ch u l t e n s machten alle Kleinen begeistert mit und warben so vor einem erfreulich großen und vechändnisvollen Publikum für ihre ernste und nicht geringe Sache. A. W. Ausland lobt den Bücherkreis. Eine der führenden französischen Literaturzeitschristen ist die in Lille erscheinende akademische„Revue Germanique". Sie beob- achtet und beurteilt umfassend und mit größter Gewissenhaftigkeit das deutsche Schrifttum. So wie der Bllcherkreis selbst als Verleger bestrebt ist, die Wirklichkeit in der ganzen Welt in seine Ver- la'gswerk« deutscher und ausländischer Autoren einzufangen, so be- müht er sich selbstverständlich auch, das, was er hier in vieljähriger mühsamer Verlagsarbeit aufgebaut hat. über die Grenzen hinaus an ausnahmebereite Leser heranzubringen. Mit großer Freude können wir heute mitteilen, daß die Ver- lagsprodüktion des Bücherkreises im vergangenen Jahre von der Redaktion der„Revue Germanique" für so bedeutsam geholten wurde, daß sie an die Spitze einer Jahresrückschau über den oeut- schen Roman im Jahre 1931 gestellt wurde. Auf drei Seiten im Großquartformat wird über solgende Bücher geschrieben: 1. Hermann Müller- Franken: Die Novemberrevolution. 2. Otto Manchen- Helsen: Reisen in» asiatische Tuwa. 3. Oskar Wöhrle: Der Baldamus und seine Streiche. 4. Franz Jung: Hausierer. 5. Karl Schröder: Familie Martert. 6. Otto Bernhard Wendler: Laubenkolonie Erdenglück. 7. Oskar Wöhrle: Jan Hus.— Der letzte Tag. Der zur Verfügung stehende Raum gestattet eine vollständige Wiedergabe des Artikels nicht; aber auch so dürste das Nachfolgende allseitigem Interesse begegnen. Einleitend stellt der Bersasser fest, daß„der Roman mehr und mehr durch nicht zu seinem Wesen gehörige Elemente überflutet wird". Er versteht darunter offensichtlich, daß die heutigen Roman- autoren sich in ihren Werken bewußt zu einer bestimmten Welt- anschauung bekennen resp. mit ihnen bestimmte Absichten(Tenden- zen) versolgen. Er teilt weiter mit, daß er zunächst„über solche Werke" sprechen wird,„die sich näher oder serner mit dem sozialen, wirtschaftlichen und politischen Leben in Deutschland beschästigen". Dabei will er auch einige Werke eben dieser Verlage heranziehen, in denen die oben erwähnten Nebenabsichten nicht zu deutlich in die Erscheinung treten. Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft in Graz. In Graz ist unter dem Vorsitz des deutschen Reichstagspräsidenten L ö b e die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft zu ihrer diesjährigen Tagung zusammengetreten. Gegenstand der Beratungen ist ins- besondere, welche österreichischen Forschungsprodukte von der Not- gemeinschast unterstützt werden sollen. Die Notgemeinschaft hat der Grazer Universität eine vom Hamburger Bildhauer Paul Retz aus- geführte Büste des Grönland forschers Dr. Alfred W e g e n e r ge- stiftet, der als Professor an der Grazer Universität gewirkt hat. Die Büste wurde am Sonnabend im Physikalischen Institut aufgestellt. Französische Lichtspieltheater wünschen fremdländische Filme. Wie„Chicago Tribüne berichtet, haben 3900 von 4054 französischen Lichtspieltheatern eine Entschließung angenommen, in der sie gegen die von der französischen Regierung in Aussicht genommene Kon- tingentierung der Einfuhr ausländischer Filme nach Frankreich protestieren. Radiuminstitut in Warschau. In Warschau fand am Sonntag im Beisein der bekannten Radiumforscherin Curie-Sklodowska die Eröffnung des neuen Radiuminstituts statt, das den Namen der ge- nannten Radiumforscherin trägt. Vorträge. Heute, 7.30 Uhr, spricht im Zcntralinstitut, Potsdamer Str. 120, Prof. Dr. Godfreh H. Thomson-Edinburg über„Schulsystem und Lehrerbildung in England und Schottland. Ein- tritt frei. In der stesellschast siir wissenschastlich« Philosophie spricht Dienstag, 8 Uhr, Schumannstr. 2!, Prof. Leschke über:„Goethe als Lebens- forscher". Der Vund Deutscher Komponisten veranstaltet Donnerstag, 8 Uhr, in der Singakademie eine Gedenkfeier für seinen Präsidenten Eugen d'Albert. Die Jagd nach der Urwaldralle. Der Berliner Zoologe Gerd Hein- r i ch spricht Dienstag, 8.15 Uhr, im Beethoven-Saal über seine zwei Jahre lang dauernde Jagd nach der Urwaldralle, jene seit 3V Jahren verschollene Vogelart. Heinrich hat 7000 Vögel und 1000 Säugetiere fachmännisch präpariert mitgebracht. Im Rahmen der Berliner Kunstwochen bringt die Städtische Oper am 31. Mai„Macbeth", 1. Juni„Die Banditen" (I. Wiederholung), 3. Juni„Die Bürgschast", 7. Juni„Götter- d ä m m e r u n g. Der Lendvai-Chor und der Bolkschor veranstalten Sonnabend, 8 Uhr, in der Philharmonie, zum 50. Geburtstag von Erwin Lendvai ein Konzert mit 450 Mitwirkenden, das ausschließlich Werke dieses Komponist«» bringt. Rundfunk der Woche Arbeitslosenhilfe. Die Sendefolge„Aus Arbeit und Leben" rechnet, wie die Funk- stunde bei ihrer Eröffnung mitteilte, hauptsächlich mit Arbeits- losen als Hörern, die sich zum Empfang und nochfolgerider Aus- spräche möglichst zu Abhörgemeinschaften zusammenschließen sollen. Das Thema„Arbeitslosenhilfe" ist für solchen Hörerkreis naturgemäß besonders bedeutungsvoll. Man kann sich denken, mit welcher Spannung zahlreiche Arbeitslose diesen Darbietungen ent- gegensehen i denn wenn auch nur ein kleiner praktischer Rat, eine kleine wesentliche Anregung für den einzelnen zu erwarten war, so bedeutet das heute schon viel: ein wenig Hoffnung, ein wenig an- genehme Spannung, die es leichter macht, dem Morgen entgegen- zusehen, die vielleicht sogar dazu führt, daß dieses Morgen freund- lich erwartet wird. Die Sendung brachte manches, das wertvoll war; sie hätte jedoch mehr bringen können. Es schien bisweilen, als hätte man vergessen, für welchen Hörerkreis sie bestimmt ist. Manches war für Arbeitslose nützlich zu erfahren; anderes diente gerade, um- gekehrt nur zur Information nicht erwerbsloser Hörer und war nur für sie sinnvoll. Nun haben aber berufstätige Hörer nachmittags um 3.20 Uhr kaum Zeit und vor allen Dingen nicht regelmäßig Zeit, um fünfmal in der Woche an dieser Sendung teilzunehmen— und das wäre doch wohl nötig gewesen, wenn sie sich das für sie Bestimnite hätten heraussuchen wollen. Am Donnerstag z. B. gab es ein Gespräch zwischen zwei in der Arbeitslosensürforge Erfahrenen über das Thema:. .,Ergän,zungen der öffentlichen Fürsorge". Der Erwerbslose konnte glauben, vor allen Dingen Ratschläge zu be- kommen, wie er sich Ausbesserung seiner ost durchaus unzureichenden Unterstützung verschaffen kann. Daß solche Mitteilungen sehr spär- lich flössen, konnte den Eingeweihten kaum verwundern. Di« Be- dürstigkeit ist groß, die Hilfsmittel sind, daran gemessen, winzig klein. Was zu tun und zu raten ist, geschieht im allgemeinen auf Arbeitsämtern und Wohlfahrtsämtern, und sie würden ihren Dienst am Erwerbslosen sehr unzulänglich erfüllen, wenn dieser erst durch einen Rundfunkvortrag über die ihm zur Verfügung stehenden Hilfs- mittel unterrichtet werden müßte. Es konnte sich hier also nur um Aufklärung für das große Publikum handeln, um Darlegungen über das, was geschieht, und jenes, was zu wünschen übrigbleibt. So betrachtet, war der Inhalt der Sendung recht gewichtig. Eine in der Erwerbslosenfürsorge tätige Frau stellte z. B. ausdrücklich fest, daß nrit den bescheidenen Mitteln der regulären Unter- ftützung es oft, zumal, wenn heranwachsende Jugendliche, also starke Esser, in der Familie sind, unmöglich ist, sich im Arbeitslosenhaushalt immer sattzuessen. Oesfentliche Speisungen greifen hier helfend ein; eine Reihe von Kindern erhält an einigen Tagen in der Woche in Familien Freitische. Besonders schwierig ist es, wenn im Haushalt der Arbeitslosen Kranke zu versorgen sind, für die eine besondere Diät nötig ist. An manchen Orten, sagte die Fürsorgerin, haben wirtschaftlich gutgestellte Frauen die Versorgung solcher Kranken übernommen. Die etwas vagen Angaben der Fürsorgerin lassen es wahrscheinlich erscheinen, daß diese Hilfe höchst spärlich fließt. Dem Hörer drängte sich die Frage auf, ob es nicht möglich wäre, daß aus dem nächstgelegenen Krankenhaus im Notfall die erforderliche Beköstigung unentgeltlich abgegeben werden könnte; das Gespräch berührte diese Lösung nicht. Der Kleidermangel in arbeitslosen Familien wird im Laufe der Zeit tataftrophal. In einigen Bezirken stehen Näh- st u b c n für die Frauen zur Verfügung, mit Nähmaschinen und fach- kundiger Beratung für Ausbessern und Zuschneiden. Gebrauchte Kleider geben auch Vereine sür freie Wohlfahrtspflege ab, denen allerdings bei ihren Sammlungen vieles völlig Unbrauchbare von der Bevölkerung überwiesen wird. Auch an M ö b e l n, vor allem an Betten, Tischen, Schränken, Stühlen mangelt es den Erwerbslosen. Manches, was nutzlos auf Böden herumsteht, könnte hier gute Dienste leisten. Notwendige Reparaturen ließen sich in den Handwerks- kursen für Jugendliche, in denen es ohnehin immer an Ar- beitsmaterial fehlt, gut ausführen. Erholungsmöglichkeit fehlt für viele Arbeitslose völlig. Die Hausfrau steht ost vor dem Zusammenbruch, ohne daß ihr Hilfe zuteil werden kann. Wohl gibt es einige wenige Müttererholungsheime. Auch einige Familien auf dem Lande nehmen Frauen aus Erwerbslosenhaus- halten auf.(Ob das immer Erholung und nicht nur Verlegung des Arbeitsgebietes darstellt?) Aber das olles ist nur ein Tropfen auf heißem Stein. Und selbst wenn eine Erholungsunterkunft gefunden ist, scheitert der Ferienplan für die Hausfrau vielfach an der Un- Möglichkeit, eine Vertretung für sie zu finden. Kann man die Kinder gleichzeitig in einer Erholungsstätte unterbringen, so ist das natür- lich die beste Lösung. Manchmal springt auch wohl eine Verwandte ein. Aber wird nicht gerade dort, wo der wirtschaftliche Verfall der Familie schon stark fortgeschritten ist, die Hausfrau oft aus falscher Scham, oft aber auch aus Furcht vor völligem Zerfall in ihrer Ab- Wesenheit jede Hilfe, die ein Eingreisen Fremder in ihre Wirtschaft bedingt, ablehnen? Diese Fragen bleiben in der Aussprache offen. Erholungsurlaub für die Arbeitslosen selber dürfte so gut wie ausgeschlossen sein, obwohl der Druck der Arbeitslosigkeit viele krank und elend macht, denen mit einer Milieuveränderung für einige Zeit geholfen werden könnte. Selbst die Kinder haben nur dann Aussicht, mit Hilfe öffentlicher Mittel verschickt zu werden, wenn sie besonders gebrechlich sind. Private Fürsorge erweitert diesen Kreis etwas; doch auch hier fließen in diesem Jahr die Mittel spär- licher als sonst. Es wäre nötig, den Kindern wenigstens durch Tagesaufenthalt im Freien und Ausflüge Sonn« frische Luft, Zerstreuung zu bieten.(Hier scheint es vielleicht weniger an Fahrgeld und Beköftigungsbeihitfe als an Helferinnen zu fehlen.) Und wie immer wieder, wenn von Arbeitslosenhilfe die Rede ist, von jedem Sachkundigen als wichtigstes Problem die Frage hin- gestellt wird, wie man dem Arbeitslosen zu sinnvoller Be- t ä t i g u n g verhilft, so geschah es auch hier. Die Fürsorgerin be- richtete, daß immer wieder die Klagen zu ihr kommen: was sollen wir den ganzen Tag lang machen? Die Kraft, sich selber irgend- welche nützliche Betätigung zu suchen, ist vielfach schon erlahmt, be- sonders bei den Jugendlichen, die häufig nach der Schulentlassung überhaupt keine geregelte Arbeit kennenlernten. Die Fürsorgerin betonte, wie wichtig es sei, in Tagesheimen Anregung dafür zu bieten. Sie betonte auch, daß die Ausbildungskurse des Arbeiter-Samariterbundes für Arbeitslose schon des- halb wichtig feien, weil sie den Teilnehmern wirklich eine sinnvoll« Aufgabe stellen. Aufs wärmste befürwortete sie auch den Ausbau der gegenseitigen Erwerbslosenhilfe, nicht nur, wie es bisher geschieht, in Erwerbslofenküchen, sondern auch in Reparaturwerk st ätten. Von der Nachbarschaftshilse wußte die Fürsorgerin manches Rühmliche zu sagen, allerdings nur aus den Kreisen, wo die Armut gang allgemein zu Hause ist. Be- sonders in Laubenkolonien gedeihe diese Hilfsbereitschaft; wem es dort wirtschaftlich noch einigermaßen geht, der springt dem Schwächeren bereitwillig bei. Sonst aber könne man nicht selten die Beobachtung machen, daß Bessergestellte für solche Hilfe nicht zu haben seien, unter dem Vorgeben, es werde ja schon ohnehin so viel für die Arbeitslosen getan.„Hilfskräfte möchte ich haben!" rief die Fürsorgerin zum Schluß aus. Jene, die der Appell hätte mobili- sieren sollen, werden ihn leider nicht gehört haben. Diese an sich sehr wichtige Sendung war leider durchaus falsch placiert. Ueberhaupt überflüssig dagegen war die Darbietung vom Mittwoch. Das Programm hatte Hörberichte aus einem Berliner Arbeitsamt und aus einem Wohlfahrtsamt angekündigt. Dann wurde mitgeteilt, diese Sendung müsse unterbleiben, da um diese Zeit auf beiden Aemtern keine Publikumsabfertigung mehr statt- finde. Das war eine etwas lahme Absage. Natürlich wäre es un- möglich gewesen, während der Arbeitsstunden von diesen Aemtern eine Funkreportage zu geben. Das konnte auch nicht beabsichtigt sein. Es war ja schließlich bereits bei Aufstellung der Sendefolge bekannt, daß um 3.20 Uhr hier keine Abfertigung mehr stattfindet. Es konnte also nur eine Aussprache mit Angestellten über den eben verflossenen Arbeitstag in Frage kommen. Solch Bericht hätte für die arbeitslosen Hörer recht bedeutungsvoll sein können. Nun aber wurde eine offensichtlich improvisierte Aussprache zwischen einem nicht arbeitslosen Hörer und je einem Beamten eines Arbeits- und eines Wohlfahrtsamtes geboten. Dieser Hörer fragte begreiflicher- weise ziemlich naiv nach Dingen, die jeder Arbeitslose sich im wört- lichen Sinne an den Schuhsohlen abgelaufen hat, und die Ange- stellten gaben ausführliche, viel zu ausführliche Antworten im Schnellzugstempo, von denen eigentlich niemand etwas hatte. Die wesentlichen Punkte dieser Auskünfte waren auch bereits im Montag- Vortrag von Stadtrat Dr. M u t h e f i u s und in dem Drei- gespräch am Dienstag berücksichtigt worden. Die beiden ersten Veranstaltungen wurden dem Sinn der Vor- tragsreihe gerecht. Der Vortrag von Dr. M u t h e s i u s über„Mög- lichkeiten und Arten der Hilfe" gab einen für die arbeitslosen Hörer wertvollen zusammenfassenden Ueberblick; die Aussprache am Dienstag „Schicksal eines Arbeitslosen" stellte einen von ihnen selber vor das Mikrophon. Der Mann gab über fein Leben Auskunft, das in seinen Grundzügen typisch ist. Hat nun solch ein Bericht für Arbeitslose Bedeutung, die doch alle an ähnlichem Schicksal tragen? Aber gerade darum scheint er mir wichtig; denn hier sprach der unbekannte Arbeitslose für alle seine Schicksalsgefährten von dem stumpfen, freudlosen Leben der Millionen, denen die kapitalistische Wirtschaftsordnung den Sinn ihres Daseins genommen hat. Der Bericht zeigte, wie die Fäden der Not sich zu einem Netz verstricken, aus dem sich kein Familienmitglied befreien kann, ohne die Familie völlig zu zerstören. Die Schwester ist zum Ernährer geworden. Sie möchte gern fort.„Man kann es ihr nicht oerdenken," sagte der Arbeitslose;„sie muß ja schließlich auch an ihre Zukunft denken." Doch da sind ein jüngerer Bruder und die Mutter zu versorgen, und wenn sie fortzieht, ist niemand vorhanden, der die Wohnungsmiete bezahlen kann. So bleibt sie innner wieder und denkt nicht an ihre Zukunft. Im Frühjahr, vielleicht eine Folge der Massenkündigungen, kam eine Konjunktur sür selbständige Tischler. Da konnte der Bruder seine Kenntnisse aus der Lehrzeit verwenden und für eine Weile die Wohlfahrtsunterstützung abmelden. „Aber vor drei Wochen mußte ich dock) wieder aufs Wohlfahrtsamt." Und immer wieder klang aus den Sätzen und zwischen ihnen die Bitterkeit über dieses„aufs-Wohlfahrtsamt-müfsen", statt die brach- liegenden Kräfte in Arbeit und Verdienst umsetzen zu können. Dieser verzweifelte Wunsch nach Arbeit wurde auch in dieser gesamten Vor- tragsreihe von allen in der Fürsorge Tätigen bestätigt. Der Arbeitslose blieb sehr sachlich auch in seinem Urteil über die Angestellten in Arbeits- und Wohlfahrtsämtern. Die Schreier unter den Arbeitslosen, sagte er, die mit besonders schneidigem Auf- treten den amtlichen Stellen gegenüber protzen, nehme man über- Haupt nicht ernst; gewähnlich kriegten sie, sobald sie vor dem Sach- berater stehen, den Mund nicht auf. Man rode untereinander in der Wartezeit über allgemeine wirtschaftliche und politische Fragen und sei froh, über solche Gespräche das persönliche Elend für eine Weile zu vergessen. Für den Mann gab es seit zwei Jahren keine einzige Neuanschaffung an Bekleidungsstücken; ein einziger zusammengestellter Anzug dient Somnier und Winter, Wochentags und Sonntags. Schuhsohlen gibt es alle Vierteljahr vom Wohlfahrtsamt. Natürlich wäre es sehr nützlich gewesen, wenn recht viele, die noch einigermaßen sicheren Verdienst haben, diese Aussprache mit- angehört hätten; es wäre zweckmäßig, ein ähnliches Gespräch vor dem Mikrophon zu allgemein zugänglicher Stunde zu wiederholen. Für die arbeitslosen Hörer bedeutete selbstverständlich nichts in dieser Sendung einen Hinweis auf unbekannte Tatsachen. Für sie wurden hier die Brücken durch den Raum geschlagen von Mensch zu Mensch; es wurde die Schicksalsgemeinschaft aufgezeigt, die zwingend zur Gesinnungsgemeinschaft auffordert. Tes. Rundfunk am Abend Montag, den 30. Mai Berlin. 16.05 Der Heuschnupfen und seine Bekämpfung (H. Stolzenberg). 16.30 Klaviermusik. 16.50 Lieder von Hugo Wolf. 17.19 Orgelmusik. 17.30 Doktor Ueberall erzählt. 17.50„Kann die Stoppuhr die Arbeitsleistung im Betrieb steigern?"(Min.-Rat Prof. Woldt. Betr.-Tedin. A.Rosam und Metallarbeiter H. Marquart.) 18.20 Neuerungen in der Kältetechnik(Prof. Dr.-Ing. W. Koeniger). 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 K. Karsten: Eigene Prosa. 19.30 Aus Opern. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 SchloR- musik. 22.15 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Konzert arbeitsloser Tanz- und Unterhaltungtikapellen. Königs Wusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk (Dr. E. Wildhagen und Dr. Mai). 17.30 Vom Wesen des Traumes(Priv.-Doz. Dr. E. Barthel). 18.00 Musizieren mit unsichtbaren Partnern(Dr. H. Just). 18.30 Spanisch für Anfänger(Gertrud van Eysereu und Dr. F. Armesto). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.20 Stunde des Landwirts(Reg.- und Kulturrat Dr. Gl aussen). 19.35 Wissen- schaftliche Großtaten in Hygiene und Bakteriologie(Geh.-Rat Prof. Dr. M. Hahn). 21.10 Aus Leipzig: Arnstadt(Ein Hörspiel. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. % Pf. duroi alle„ Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. e Buch Qerhari&ohl: Torinarfcfi Ins 20. Jahrhuiidcrl G e r h a r t Pohl verösfentlicht im Verlag Richard Lindner, Leipzig, eine Reihe von Aufsätzen, die er unter dem Titel„Vor- marsch ins 2 9. Jahrhundert" zusammengefaßt hat (160 Seiten, Kart. 3,80 M.). Es soll„Zerfall und Neubau der europäischen Gesellschaft im Spiegel der Literatur" ausgezeigt wer- den— eine ebenso wichtige wie dankenswerte Aufgabe einer sozio- logisch gerichteten Literaturkritik, der Gerhart Pohl jedoch keines- wegs gewachsen ist. Mancher Aussatz des Bändchens trägt zu deutlich Gelegenheitscharakter, die Vielseitigkeit der europäischen Literatur wird weder geordnet, noch geklärt erfaßt. Kein Wort über die großen sranzösischen Romanciers Proust und Andre Gide, auch Thomas Mann wird nur im Vorübergehen einmal er- wähnt. Gewiß kann man von einem Efsay-Bond keine Vollständig- keit erwarten, aber am wesentlichen müßte nicht geradezu vorbei- gesehen werden. Die„sozialistische" Wirklichkeit der Sowjetunion ist sür Pohl die neue Wirklichkeit, an der gemessen ihm alle europäische Wirk- lichkeit alt und zerfallen erscheint; dennoch, meint unser Versasser, seien Partei und Literatur„nicht zu vereinen". Pohl zeigt wenig fundierte Vorstellungen über die Bedeutung des Politischen in der gegenwärtigen gesellschaftlich-geschichtlichen Situation, wie denn auch die Bemerkungen über den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen„Zer- fall" Europas von einer erstaunlichen Blässe und Wirklichkeitsferne sind. Wenn man über andere Schriftsteller so streng und überlegen urteilt, so müßte man selbst zwar nicht notwendig tadelsfrei sein, aber doch Reife und Tiefe zeigen; nichts von alledem. Die Absicht, den schwierigen und höchst verästelten Zusammenhängen unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit„im Spiegel der Literatur" nachzu- gehen, hat nicht nur zur Voraussetzung, daß man einiges literarisches Wissen besitzt, sondern man muß auch in der Lage sein, die Literatur wirklich als„Spiegelung" der gesellschaftlichen Wirklichkeit hinzu- stellen. Bei Pohl bleibt jedoch beides undeutlich: Wirklichkeit und die vermeintliche Spiegelung, die ja auch nur Wirklichkeit ist. Man möchte Gerhart Pohl entgegenhalten, was er selbst jungen Dichtern vorhält:„So bestimmt ihr Wirken die Unverbindlichkeit eines Alsob, das der geschichtlichen Erfahrung widerspricht, eine reine Konstruk- tion des Literarischen." Gerhart Pohl oerspricht mehr, als er zu erfüllen in der Lage ist. Ein unverständlicher Unfug ist es überdies, Wörter wie„Methode",„Chaos",„philologisch" in folgender M a- nier zu schreiben:„Metode",„Koos",„silologisch". Das ist keine überzeugende Revolutionierung des uns überlieferten Sprachgutes. I. P. Mayer. Verantwortl. für bit Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Stocke. Berlin. Verlag: Borwärts Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwiirts Buch. druckerei und Verlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin S9B 68, Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. eiui„-r,1; Betten isä Kindorb., Polster, CbalscL, an loden. Teil* KatAlog frei BieoomAbelfabrik Suhl(Thfi*i PLAZA BeCTST |>i.»:ySI|S. 2, i, E 7 Weicks.«31 | Di« Pubarry $fädf.0per Charlottenbure ßismarckstraöe 64 Montag, 30. Mai Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Die flocbzeit öes Figaro Schirach, Callam, Nettesheim, Müsch Pechner, Kandl Anfang 19,30 Uhr Ende 22,45 Uhr DeotsdiK Theater Die SV« Uhr Journalisten Lustsp.ircdi Gustav Frcytag von Ftlix JoadiiiTison Musik; Theo Mackebin Regie: Heinz Hilpert Älf 8 Uhr 15. Flora 3434- Bauflis« cn. Trude Hesterberg. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Bii& Sil. 2 Franks. Junetros& Elsie. 12 Debiars. Arthur Hell. Luella Paikin. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. .. igt Restakml Berlins Aoaftn/iekn'e wirksam sind dl« DCSUHUCr» Kleinen Anzeigei in der Oesamt. Auflajee des Vorwärts und trotzdem ä«*sssj»l GROSSES SCH&USPIELHAUSl Täglich S Uhr ftlfiH REIItHARDT IRSZEIÜERUKG Vorletzte Vorstellung VeiafMIhne Ibsakr im Bülowjljtl 8'/« Uhr Sturm im Wasserglas Staall. Sthiller-ftater 8 Uhr Die Räuber Staatsoper Unter den Linden Boheme Rose■ Tbeater Intt Fmklirttr Strah 131 lel. Weithul c 7 34Z7 8.30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbühne 5.30 Uhr Konzert u. Variete Zlgeunerliebe etumenspenaen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Weyer Marlannenstr. 3 Fl Oberbau« 1303 Schwerhörige ddeiie!) hdren soton wieder mildem ärztlich empfohlenen OBIQim- AKUSTIK. 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Mai 1932 frrfflmri) Sftälauigaße Ja ionexü�l ($vi£iH-($ueH0A Clhe in(ün( Qaqen J)ie ffSBeppeCin1*'(t�xueko nach Südamerika/ Ton IVilhelm Gielgens Mit der vierten Südamerikafahrt des Luftschiffes„Graf Z e p- p e l i n" ist das Frühjahrsprogramm des Transozean-Flugverkehrs erfolgreich beendet. Entgegen allem Pessimismus hat es sich er- wiesen, daß ein regelmäßiger und fahrplanmäßiger Luftverkehr zwischen Europa und Südamerika möglich ist. Damit ist ein weiterer Schritt zur Verbindung der Kontinente getan, der sich hoffentlich als ein Schritt zur internationalen Verständigung der Staaten und der Völker auswirken wird. Noch im März 1930 schrieb ein deutscher Lustsachverständiger, maßgeblicher Mitarbeiter bei der Deutschen Lufthansa, daß im Hin- blick auf den transatlantischen Luftverkehr vorwiegend technische Leistungsfähigkeit und Neuschöpsung entscheiden müsse, denn„die In- dustrie war bisher noch nirgends in der Lage, ein Luftfahrzeug, gleichgültig, ob schwerer oder leichter als Luft, das heißt ob Flug- zeug oder Luftschiff, herzustellen, dem man die Verkehrsausgabe der alten und der neuen Welt hätte anvertrauen können". Auch„Graf Zeppelin" sollte nach Meinung dieses Fachmannes wie nach Dr. E ck e n e r s eigenem Urteil für einen regelmäßigen Flugdienst auf dieser Linie noch nicht reif sein. Genau zwei Jahre später stieg„Gras Zeppelin" zu seinem fahr- planmäßigen Südamerikaflug in Friedrichshafen auf, und achtmal ist in kurzer Folge der Ozean überwunden worden. Was damals noch in weiter Ferne zu liegen schien, ist inzwischen zur Wirklich- kcit geworden. Man kann den Erfolg dieser zwei Jahre Arbeit wohl kaum stärker deutlich machen als dadurch, daß man sich die damaligen Zweifel der Sachverständigen angesichts der inzwischen vollzogenen Tatsachen in Erinnerung ruft. Es ist nun zweifelsohne richtig, daß das Luftschiff„Graf Zep- pclin" schon größere Flugleistungen vollbracht hat. Verglichen mit der großen Weltrundfahrt 1929 und der Arktisfahrt 1931 bringen diese Transozeanflügc, die ja schon mit den Südamerikaflügen 1939 erprobt sind, an sich nichts Neues. Das Neue und Bewunderung?- würdige dieser Frühjahrsflüge ist, daß sie nach einem regelrechten, vorher festgelegten Fahrplan ausgeführt worden sind. Als im März dieses Jahres der Fahrplan veröffentlicht wurde, konnte alle Freude über den weiteren, fortschrittvcrheißenden Versuch nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, daß die bisherigen Fahrten des Zeppelin Versuchsfahrten, gewissermaßen Sonntagsflüge gewesen waren. Immer waren Zeit und Strecke des Fluges sorgfältig nach de» Wetternachrichten ausgewählt, Schlechtwetterzonen abgewartet oder umflogen worden. Auch die Arktisfahrt wurde im einzelnen vom Wetter bestimmt, und daß der Zepp damals überhaupt soviel Sonnentage im Polargebiet vorfand, hat die Fahrt so überaus er- folgreich werden lassen. Ein fohrplanmäßiger Luftverkehr, aus den Passagiere und Post rechnen und von dem andere Luftverbindungen abhängen, ist aber wirtschaftlich so gut wie wertlos, wenn er nur bei Schönwetter funktioniert und von jedem Schlechtwetter gestört wird. Run sind die Südamerikafahrten fahrplanmäßig, man möchte fast sagen, auf die Minute genau durchgeführt worden, und das ist das Bedeutungsvolle und Erstaunliche dieses Frühjahrsprogramms! Der„Luftschiffbau Zeppelin" hatte einen Fahrplan wie bei einem längst eingespielten Verkehrssahrzeug oerösfentlicht: Ab Friedrichs- Hafen Sonntags gegen Mitternacht, an Pernambuco Mittwochs gegen Mitternacht, ab Pernambuco Sonnabends vor Morgendämmerung, an Friedrichshasen Dienstag im Laufe des Tages. Der Luftschiffverkehr Friedrichshasen— Pernambuco ist gleichzeitig durch Anschlußfahrten von Zubringerslug- zeugen erweitert worden. Die Deutsche Lufthansa brachte Post und Passagiere von Berlin nach Friedrichshafen zum Start des Zeppelin und war auch bei der Landung des Luftriesen zur Stelle. In Südamerika führte das Condor-Syndikat, eine mit der Deutschen Lufchansa eng zusammenarbeitende brasilianische Unternehmung, die Zubringerflüge zwischen Pernambuco und Buenos Aires aus. Demzufolge sind Berlin und Buenos Aires in direktem Luftverkehr miteinander verbunden, welche ungeheure Entfernung von 13 09(1 Kilometer in der Rekordleistung von fünf bzw. sieben Tagen über- spannt und in regelmäßigen Fahrplanflügen bezwungen wurde. Das Luftschifs hatte aus seinen Rückfahrten gewöhnlich mehr Passagiere und Post an Bord als auf seinen Hinfahrten, auch ein Zeichen der wirtschaftlichen Situation Deutschlands. Auf der dritten Rückfahrt wurden beispielsweise 14 Passagiere und 139 Kilogramm Post befördert. Es mag interessieren, daß der Fahrpreis für Passagiere von Friedrichshafen bis Pernambuco 2999 Mark beträgt. Der„Graf Zeppelin" ist aber nicht nur die schnellste Verbindung für Reisende, Luftpost und Fracht zwischen Deutschland und Bra- silien, sondern überhaupt zwischen Europa und Südamerika. In Eu- ropa erfassen die Zubringerflüge der Deutschen Lufthansa nach Be- darf alle wichtigen Flugstrecken. Im Südamerika berührt das bra- silianische Condor-Syndikat mit seinem Zubringerdienst von Pernam- buco über Bahia— Rio de Janeiro— Porto Alegro— Rio Grande de Sul— Montevideo nach Buenos Aires die wichtigsten Handelsplätze in Brasilien, Uruguay und Argentinien. Ferner fliegen deutsche Flugzeuge des bolivianischen„Aero-Lloyds" von Rio de Janeiro in direktem Anschluß nach Corumba, Cochabamba, La Paz und Arica, so daß auch Bolivien und Chile angeschlossen sind, desgleichen Paraguay und Peru unmittelbar beflogen werden können. Da- mit ist also auch ganz Südamerika von diesem transozeanischen Luft- dienst ersaßt, der nach einer Sommerpause mit sechs weiteren Doppel- flügen für die Zeit von August bis November fortgesetzt werden soll. Die verkehrstechnische und wirtschaftliche Bedeutung diese; Flug- dienstes wird um so klarer, wenn sie mit ähnlichen Unternehmungen verglichen wird. So versuchen die Franzosen schon seit Jahren, den Atlantik nach Südamerika zu überwinden. Die sranzösische „Aeropostale" hat für ihren Südamerikadienst beachtliche Förderung durch Portugal, unter dessen Flagge die für den Transatlantik-Luft- zeug-Verkehr wichtigen Kap Verdischen Inseln und die Azoren stehen. Nur durch diese Zusammenarbeit ist der französische Südamerika- Luftdienst möglich, denn er wird durch gemischten Verkehr, Flugzeug und Schiff, ausgeführt. Die etwa 2399 Kilometer lange Uebersee- strecke von den Kap Verdischen Inseln bis Fernando Noronha werden nicht geflogen, sondern mit Avisos, den schnellen Nachrichtenschiffen, zurückgelegt, weil ein Flugzeug mit diesem Ozeanslug die Grenze seiner Reichweite überschreiten würde. Trotz der hervorragenden Schnelligkeit der Schiffe brauchen sie für ihre Fahrt schon allein einen Großteil der Flugzeit des Zeppelin, der also einen erheb- lichen Vorsprung hat. Hinzu kommt für die Ueberlegenheit des deutschen Dienstes das größere Fassungsvermögen des Lust- lchiffes gegenüber den französischen Flugzeugen. Noch größer ist der Zeitgewinn im Vergleich mit der Leistungs- tähigkeit des bisherigen Seeverkehrs. Die Schiffe mit normaler Geschwindigkeit brauchen für die Fahrt von Hamburg bis Pernam- buco etwa 19 bzw. 12 Tage(Frachtschiff bzw. Passagierschiff), von London bis Pernambuco 18 bzw. 11 Tage, von Pernambuco bis Buenos Aires etwa noch die Hälfte dieser Zeit. Die Seefahrt Ham- bürg— Buenos Aires dauert also vier- bis fünfmal solange wie die Flugverbindung Berlin— Buenos Aires! Und nochmals sei es be- tont: daß diese Schnellverbindung nicht eine einmalige, zufällige ist, sondern eine fahrplanmäßige Dauereinrichtung, das ist sür den Welt- verkehr und für die deutsche Wirtschaft der große Erfolg! JOO Stock ftoeft in flefO tyexk J)ex fiei&t einer Stadt/ Ton lllarie Therefe 100 Stock hoch, hoch oben vom Chrysler-Building, schaue ich herab aus New Vork und suche die„Europa", unseren deutschen Riesendampser. Ganz da drüben, ganz da unten, liegt er, winzig klein wie ein Fliegenkleckschen. Der Wind hier oben flattert uns um die Ohren, die Luft hier oben, 109 Stock hoch über dem Broadwayspiegel, prickelt in der Nasenspitze. Dort unten liegt New Jork, aber heute ist es wie verschwunden. Dampsige Regenwolken decken es zu; nur die Wolkenkratzer stecken ihre Nasen durch die Wolken und ragen mit ihren Spitzen in den blauen Himmel hinein. Und manchmal kommt es vor, daß die Leute unten im Regen patschen, während hier oben vor den Fenstern der höchsten Stockwerke Schneeflocken wirbeln. Als vor einiger Zeit ein New-Porker Universitätsprosessor eine Rede zum Lob und Preis der Maschine, eine Hymne aus das Zeit- alter der Technik,... Europa zum Trotz... auf die Wolkenkratzer, auf Stahl und Glut und Kraft und Bewegung, da schnappten die amerikanischen Studenten einfach über. Sie schrien und tobten, sie klapperten mit allem Greifbaren ihrer Begeisterung Lust, vorwärts, vorwärts, höher und höher... wir bauen ihn, den Turm von Babel! „Sie werden umfallen, eure Wolkenkratzer", hatten die Europäer gehöhnt Nein, sie werden nicht umfallen, auch wenn man noch viel höher baute als 190 Stock. Man könnte einen 100stöckigen Wolkenkratzer nehmen und ihn auf New Jork niederstellen, ohne ihn im Grund zu verankern— sein eigenes Gewicht hielte ihn nieder. Amerika baut und baut trotz Wirtschaftskrise: was in den letzten fünf Jahren geleistet wurde, ist imponierend. Kaum ist an einer J)as stickt fv käCict! Alles künstlich erzeugte Licht war bis jetzt entschieden zu warm. Der Sonne ist es zu verzeihen, sie hat nebenbei noch die peinliche Zlusgabe, uns a>n Leben zu erhallen. Aber alle die K» rz w e II c n b ü n d e l, die da aus Bogenlampen und Glüh- birne» springen, sitzen in ihrem Großteil zu tief aus der Wellen- skala. Wir bekommen zuviel Wärme und zu wenig Licht. Der Schlachtruf des modernen Menschen ist„Wirtschaftlichkeit". Jeder nimmt nur das, was er wirklich braucht. Wirtschaftlichkeit durch Spezialisierung! Wenn also Frau Schulze im Hochsommer eine Stearinkerze kauft, wird sie es stirnrunzelnd ablehnen, noch sür eine Mark Steinkohlenbrikett da zuzunehmen. Ein ähnliches Geschäft ist aber unsere Lichtversorguno. Wir wollen Licht und kaufen Wärm e. Auch die modernste Lichtquelle, die mit Argon gefüllte Wolfram- wcndeldmhtlainpc, führt uns nicht aus diesem Dilemma. Beim Wirkungsgrad unserer Metallsadenlonipen müssen wir schweigend das Haupt verhüllen. Wir schicken für eine Mark Strom hinein und— was tut die gute Lampe? Sie macht sür fünf Pfennig Licht und sür 95 Pfennig Wärme. Jeden armen Glühwurm können wir beneiden. Der sitzt da und erzeugt das schönste kalte Licht. Wenn einmal die Entomologen und Bio- logen ein erfinderisches Alpdrücken haben, dann können sie ver- suchen, aus südamerikanischen Leuchtkäfern durch Kreuzung und Fütterung mit Drüse billige Riesentompions zu züchten. Bis dahin müssen sich aber die Techniker noch allein weiter helfen und nach neuen Wegen suchen. Ein alter Weg wurde mit den Temperaturstrahlern zu Ende gegangen. Die Entwicklung des Temperaturstrahlers, des festen Körpers, der durch Erhitzung Licht aussendet, kann als beendet gelten. Wir sind von den verhältnismäßig niederen Temperaturen der Plotindrahtlampe, über Osmium und Tantal schließlich bei der Wolfram-Lampe auf Betriebstemperaturen über 2500 Grad geklettert. Kohle wäre ein Element mit noch höherem Schmelzpunkt. Wenn es sich trotzdem als Glühsodenmaterial nicht bewährt hat, so liegt es daran, daß Koh'e schon sehr weit vor dem Schmelzpunkt zu oerdampscn l>eginnt. Es wäre auch nur ein Kamps um wenige Grade. Die wünschenswerten Temperaturen von 6000 Grad sind «ch diejem Wege nicht mehr zu deuicn. Die Versuche der Lichttechniker bewegen sich in jüngster Zeit nach ganz anderer Richtung. Wer zur Nachtzeit nach Berlin O. in die Ehrenbergstraße kommt, dem wird es blau und gelb vor den Augen. Er braucht aber nicht an eine chromatische Sehstörung zu denken. Diese sarbig phantastische Straßenbeleuchtung geschieht mit Versuchslompen des Osram-Laboratoriums, das Wege zum so- genannten„kalten Licht" sucht. Der Ausgangspunkt dieser Arbeiten ist die uns allen von der Schule her bekannte Geißler-Röhre. Damals war es nichts als ein buntfarbig leuchtendes Spielzeug, und von diesen Glimm- röhren bis zum brauchbaren Leuchlgcrät war und ist ein weiter Weg. Dieses Arbeitsgebiet steckt noch in den Kinderschuhen. Neu- artig wird Licht erzeugt. Durch Elektronen bom- bordierte Gas moleküle werden zum Leuchten gebracht. Noch unbegrenzte Entwicklungsmöglichkeite» liegen vor uns. Anders als bei den Tempcraturstrahlern kann hier jeder Tag neue Erfolge bringen. Durch Verwendung glühender Elektroden wurde die notwendige Spannung, die auch bei den bekannten Reklamelcuchtröhren für ein Meter Rohr etwa tausend Volt betrug, aus Netzspannung herab- gedrückt. Durch besondere Formgebung wurden Leuchtgeräte mit höchster Leuchtdichte, sogenannte„L i ch t s p r i tz e n" hergestellt. Im letzten Entwicklungsabschnitt hat man«s jetzt erreicht, die Atome schwer oerdampfender Metalle, wie Natrium und Eadmium als Lichtträger in den Rohren zu verwenden. Beim Laboratoriums- versuch kam man schließlich an Wirkungsgrade bis siebzig Prozent heran. Gegenüber den Temperaturstrahlern ist dies ein Vielfaches der Ausbeu-te. Auch der große Nachteil der Röhren, daß sie nur sarbiges Licht senden, wird durch Verbundstrahler, eine Kombination verschiedener Röhren, noch beseitigt. Zum Schluß darf aber noch etwas Besonderes oerraten werden. Es gibt bereits Glimmlampen im Handel mit einem an das Perpetuum mobile getrost heranreichenden„Wirkungs- grod". Es sind die bekannten Lampen, die statt der Drahtspirale eine aufleuchtende Metallkappe besitzen. Wer nur eine als Nacht- tischlompe brennt, der fährt entschieden billig. Der Zahler fetzt sich wegen ihr allein gor nicht erst in Bewegung. Mehr kann man dabei wirklich nicht oerlangen. Xurt Doberer. Ecke ein 60- oder 80-Stöckiger fertig, ragt gegenüber schon wieder ein glitzerndes Stahlgerippe in die Luft. Stahlarbeiter dort oben in lustiger Höhe sind Sportsleute, wie beim Fußball- team arbeiten sie ineinander, jonglieren mit Stahlstangcn, ba- lancieren. Es klopft und hämmert und wirbelt und rattert aus der Höhe... dem New-Uorker ist es das liebste Morgenkonzert. Und immer gigantischer werden die Pläne sür die Zukunft. Ein einziger, riesiger Wolkenkratzer soll es werden, das New Jork der Zukunft. Terrassenförmig ansteigend, mit rundlausenden Ver- kehrsstraßen und Rollgängen für Fußgänger. Belichtung?- und Wetterprobleme wären ideal lösbar. Zentralheizungen werden den Winter temperieren, elektrische Kühlanlagen halten den Rew-Porker während der Hundstagshitze kühl wie den Fisch im Wasser. Tropen- gärtchen werden neben Eislaufplätzen stehen, jedes gewünschte Klima läßt sich herstellen. Die künstliche Sonne erleuchtet einen beliebig langen Tag. Andere planen ein New Jork aus lauter einzelnen, frei- stehenden, schlanken Wolkenkratzertürmen mit glitzernden, gläsernen Spitzen, strahlend aus Millionen hellerleuchteten Fenstern... und sie alle behaupten, daß diese Pläne in naher Zukunft Wirklichkeit werden. Vorläufig hat das Wettrennen in die Höhe bei 1 90 S t o ck wohl ein Ziel erreicht. Höher ist unrentabel. Das Verkchrsproblem innerhalb des 100-Stöckers ist eine harte Nuß. 30 009 bis 49 000 Menschen gehen täglich aus und ein, Aufzüge müssen Massenoerkehr bewältigen. Gratis. Eine Un- menge Aufzüge verlangen Schachtraum. Aufzüge, die bis in die 109 Stockwerke hinauslaufen, belasten den Raum des unteren Teils des Gebäudes— beanspruchen unten den Raum, den sie oben erst wieder schassen. Das amerikanische Baugesetz verlangt, daß die Wolkenkratzer zurücktretend erbaut werden, nach obenhin immer mehr zulaufen, um den Nachbargebäuden Lust und Licht zu lassen. Immer kleiner wird der Raum dort oben und daher der Expreßverkehr nach oben hin immer unrentabler. Ein Wolkenkratzer ist eine vertikal gestellte Straße, das Publikum will nicht von Haus zu Haus Bimmelbähnchen fahren, sondern beansprucht sreie Durchfahrt. Nur ein ausgeklügelter Fahr- plan kann hier abhelse». Man steigt jetzt um, vom Exprestzug in den Lokalzug. Mehrere Auszüge lausen gleichzeitig im selben Schacht nach Fahrplänen, die mit Sekunden rechnen. Wie wertvoll dem Wolkenkratzer-Eigentümer sein Schachtraum ist, erweist ein Anschlag in den Auszügen eines Chikagoer Kratzers: Die Verwaltung bittet die Damen: zu entschuldigen,— und die Herren: ihre Hüte nicht vom Kopf zu nehmen,— sie könne den Raum, den der Hut in der Hand beansprucht, nicht entbehren. Jeder Hut koste sie XXX Dollars pro Jahr. Wäre der Wolkenkratzer sicher, daß er der höchste unter seines- gleichen bliebe, so könnt« er sich zum Vergnügen ein paar unaus- genützte obere Stockwerke leisten. Die Tatsache, d«r höchste zu sein, ist Goldes wert. Der Reklamewert des blauen Bandes der Höhe allein schraubt die Mieten herauf. Jeder Fremde, jeder Einheimische, opfert gerne ein paar Mark, um 199 Stock hoch aus dem Ausguck zu stehen und auf dem Postamt dort oben abgestempelte Karten einzustecken. Man schätzt die Lebensdauer eines Wolkenkratzers auf zehn Jahre. Repariert wird nicht in Amerika, ebensowenig ein Wolkenkratzer wie ein Paar Schuhe. Die Schuhe wirst man fort, den Wolkenkratzer reißt man ab. Ja, es ist tatsächlich vor einiger Zeit vorgekommen, daß ein 40-Stvcker, kurz bevor er bezogen werden sollte, wieder abgerissen wurde, weil sich herausstellt«, daß seine Türen zu klein seien. Der Amerikaner baut nicht sür die Dauer. Nur keine alten Klamotten! New Dort muß immer wieder neu sein. Täglich Umbau, Bewegung, Arbeit:„IVork. is the best sport": „Arbeit ist der beste Sport!" „New Dork hat keine Seele"! zitierte ich aus einer Zeitung und wollte sehen, was mein Begleiter wohl sagen würde, als wir am Abend durch die flimmernde Stadt gingen. Er hatte gar nicht hin- gehört. Er zeigte grade hinauf auf ein kleines von innen strahlend erleuchtetes Häuschen aus Glas, das oben auf einem Wolkenkratzer stand und wie ein Himmelsschlößchen zwischen weißen Wölkchen schwebte:„Willen Sie, wer da oben wohnt?" fragte er mich.„Da wohnt littla biime", sagte er... der kleine Nimo, der Liebling amerikanischer Kinder aus dem Märchenbuch..... Ob New Dork doch vielleicht eine Seele hat?? 40 Jahre Ruderverein„Vorwärts Die Festtage des ältesten Arbeiterrudervereins €€ Als am 16. Mai des Jahres 1892 der Buchdrucker Max Thiele, der nebenbei ein eifriges Mitglied eines Rudervereins war, und drei Gesinnungsfreunde das Lokal betraten, in das sie alle die bestellt hatten, die mit ihnen gemeinsam den Rudersport auf volkstümlich-billiger Grundlage betreiben wollten, hatten sie auch in ihren kühnsten Vorstellungen sicher nicht die spätere Eni- Wicklung und den heutigen Stand des damals tatsächlich zustande gekommenen Vereins vorausgeahnt. 36 Mitglieder hoben den Verein aus der Taufe— heute sind es S13. Damals ein kleiner gemieteter Schuppen, heut« steht am Wilhelmstrand gegenüber von Baumschulenweg ein großes, repräsentables Bootshaus mit an- heimelnd eingerichteten Gcsellschaftsräumen. In diese vereinseigenen Räume hatte für den Sonnabend und Sonntag der Verein seine Freunde und Anhänger eingeladen, um mit ihnen. die vierzigste Wiederkehr des Gründungstages festlich zu begehen. Festlich war der Bootsplatz mit den Flaggen des Vereins, des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, mit roten und schwarzrotgoldenen, mit Girlanden und Freundschaftswimpeln geschmückt, festlich waren der Saal und das Podium hergerichtet, und festlich leitete die tapfere Streichermusik des Vereins die Feier mit der Bachschen Jubel- ouvertüre ein. Wie es möglich war, die große, große Zahl der Erschienenen in dem gewiß nicht kleinen Saal unterzubringen, das wußte nur der Festausschuh, der wirklich ganze Arbeit geleistet hatte. Ver- treter der Brudervereine, des Freien Seglcrverbandes, der Zentral- kommission für Arbeitersport und Körperpflege, der Sozialdemokralischen Partei(Künstler, Litke), der Gewerkschaften(Rücker, Petersdorf), der sozialdemokratischen Stadloerordnelcnfraktion (Riese), der Freidenker(Recke), der Redaktion des„Vorwärts", sie all« saßen im Kreise der Mitglieder, waren vom Verein mit einer künstlerisch ausgestatteten Festschrift beschenkt worden und gratu- lierten, gratulierten, daß es schier kein Ende nehmen wollte. Der Vorsitzende, Genosse Schreck, konnte dabei unter dem Beifall der Festversammlung auch eine Anzahl Mitglieder be- grüßen, die bis zu 35 Jahre dem Verein die Treue gehalten haben. Gerade solange gehört Genosse Rosenbcrg zum„Vorwärts", und am Sonntag stand er noch auf dem Bootssteg und dirigierte die Regatta, 36 Jahre Mitglied sind die Genossen höse, Hamann, Franke. 25 Jahre Genosse Roll. Doch von den Gründern saß Genosse Kaiser an der Spitze der Tafel, und Schreck konnte ihn mit einer silberbekränzten Vereinsnadel dekorieren Dazwischen aber hörte man, daß der Verein auch eine gut singende Sängerriege besitzt, man sah„46 Jahre Vorwärts" in Lichtbildern— übrigens eine Sammlung von kulturhistorischem Wert, denn die ganze Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Vereins ist da in Bildern festgehalten—, und schließlich wurde man auf den Bootsplatz gebeten, wo im Fackelschein strammgesunde Ruderinnen moderne Gymnastik zeigten, die viel Beifall fand Und als dann wieder im Saal die Hausmusik zu leichterer Musik überging und Walli I a st e r nette Volkslieder sang, da wußte man ganz positiv, sosern man vorher noch nicht davon über- zeugt war: 46 Zahre Rv. vorwärts sind 40 Zahre Kamps um den Arbeitersport gewesen. Aber diese 46 Jahre Arbeit haben wunderbar Früchte getragen— nicht nur dem Verein selbst, sondern dem ganzen Arbeitersport und damit der Arbeiterbewegung schlechthin! Spät in der Nacht erst trennte man sich: das„Offizielle" war vorüber. Am anderen Tage sollte es weiter gehen. Die Jubiläumsregatta Der zweite der Festtage sah eine vieltausendköpfige Menge auf dem Bootsplatz. Wer sonst noch dabei sein wollte, nun, der schaltete sein Radio an und konnte von 3.26 Uhr bis 3.45 Uhr Zeuge der Rundfunkübertragung der Jubiläumsregatta sein. Am Start zum Hauptrennen, dem Lrcl-Städte-Achter, war dreimal Vorwärts: Ruderoerein Vorwärts- B e r l i n, Freier Ruderklub Vorwärts- S t e t t i n und der Ruderverein Vorwärts- Leipzig. Die drei Namensvettern lieferten sich ein sehr scharfes Rennen, was auch in d»r gefahrenen Zeit von knapp sieben Mi- nuten für die 2666 Meter lange Strecke zum Ausdruck kam. Gut kamen die Boote vom Start ab, die Leipziger, die die Mitte gelost hatten, setzten sich sofort an die Spitze, gefolgt von Stettin und Berlin. Bei etwa 866 Meter Fahrt holt Berlin etwas auf, doch hat Leipzig inzwischen seinen Vorsprung auf zwei Bootslängen vergrößert. Leipzig zieht weiter gewaltig los. Berlin und Stettin liegen zeitweise auf gleicher Höhe, doch läßt die Steuerkunst des Berliner Achters zu wünschen übrig, so daß sich Stettin wieder vorschieben kann. Die Reihenfolge bleibt auch bis zum Ziel so, wo Leipzig als Sieger mit viel Beifall empfangen wird. Zweiter Stettin„ehrenvoller" Dritter Berlin. Zeiten: 6.59'/», 7.54� und 7.8% Minuten. Den Doppelvierer holte sich der sestgebcnde verein. Fünf Ver- eine bewarben sich um den Sieg, darunter der erst vor kurzem aus einer Sezession aus dem kommunistischen Klub Freiheit entstandene Wassersportoerein Fraternitas. Bereits 266 Meter nach dem Start geht Borwärts in Führung, dicht gefolgt von den„1913ern" und der FTGB. Das zweite Boot von Vorwärts und Fraternitas machen den Schluß. In gerader Linie halten die Vorwärts-Leute durch und gehen knapp vor den anderen durchs Ziel, wo sich folgende Reihenfolge ergab: Erster: Vorwärts(Mannschaft Malzahn, Fitzlaff, Scheurel, Bartsch, Steuermann Arndt) in 4.52% Minuten. Zweiter: Freie Nudervereinigung 1913, Zeit 4.53% Minuten. Dritter: Freie Turnerschaft Groh-Berlin in 4.58'/» Minuten. Strecke 1266 Meter; dann folgten Vorwärts, 2. Boot, und Fraternitas. Im Rennen der Riemenvierer, die sich nur aus Angehörigen des jubilierenden Vereins zusammensetzten, verschenkte der Steuer- mann des Bootes 1 viel Terrain, wich einem Dampfer sehr un- günstig aus, so daß es fast nach einer Kollision mit dem auf der Mittelbahn liegenden Boot aussah. Obwohl Boot 1 favorisiert war, muhte es sich mit dem letzten Platz begnügen. Erster wurde Lool 2 mit Arndt, Dees, Semblat, Lindner und Steuermann Bartuschek in 5.1 Minuten, Zweiter Boot 3 in 5.5 Minuten. Das letzte Boot brauchte% Sekunden meh Die historische Autfahrt Dann gab es noch einmal ein Stückchen Rudersportgeschichte zu sehen Zu einer Ausfahrt in historischen Kostümen hatte man eine Anzahl Vierer klar gemacht. D. h. an den Booten war ja nicht viel klar zu machen, um so mehr aber mußten sich die In- sassinnen vorbereiten. Die Besatzung des ersten Bootes zeigte die um 1892 übliche Tracht der Ruderfrauen: den blauen Rock bis über die Zehenspitzen, die weiße Bluse bis hoch an das Kinn geschlossen und auf dem Haupt eine runde Tellermütze mit einem neckischen roten Ponpon darauf. Der Steuermann thronte im festen Jackett und langer weißer Hose, den Hals umschlossen mit einem schönen, festen„Gipsoerband" und schwarzer Krawatte.. Im nächsten Boot leistete man sich schon Matrosenblusen, die einen Dreieckzipfel von der Brust freiließen. Klubmützen machten sich damals sehr keck auf dem Kopf. Dann ging's so weiter: Man verstieg sich gelegentlich sogar zu Ruderhemden, die allerdings noch schöne lange Aermel hatten, dafür aber schon etwas von den Rundungen der weiblichen Brust erkennen ließen. Dazu gab's Pumphosen, schön weit und sehr diskret. Schsießlich die jetzt noch geltende Tracht: Ruderhemd ohne Aermel, kurze Hose. Und die Zukunft, die schon Gegenwart ist? Kurze Hose, die auch die Oberschenkel frei läßt, Oberkörper frei, einsacke Büstenhalter! Das wird wohl für einige Jahre dann der Schlug sein! kinale Im Garten, wo die Kapelle der Freien Turnerschaft Groß- Berlin fleißig konzertierte, sammelte sich noch einmal alles, um den Dank vom Hause Vorwärts durch den Mund des Vorsitzenden Schreck zu hören. B u ck von der Zentralkommission gab einen Rückblick über das Geleistete und einen Ausblick auf das Kom- mende. Er setzte seinen Worten voran und schloß damit: Sport hat der Allgemeinheit zu dienen! Nicht das tote Maß des Rekords, sondern der lebendige Geist des Sozialismus, das ist und bleibt das Wesen des Arbeitersports. Und Genosse Künstler, der sich als neugebackenes Bereinsmit- glied vorstellen lassen konnte, konstatierte am Schluß der Ansprache: Unseren Arbeitersport und solche Anlagen, wie sie der„Vorwärts" hat, macht uns keiner nach! Hitler kann sich wohl mit dem Geld der Industrie Anhänger kaufen, wir aber erobern uns die Köpfe der Arbeiterschaft. Heute noch feiern wir ein Fest— morgen beginnt der Kampf, der Kampf gegen die Reaktion in der Eisernen Front! Der Ruderverein Vorwärts wird mitkämpsen, weiterkämpfen! �Izx Jaehner. Arbeiter- W asser ball-Serie Spandau-Neukölln 11:4— Ünion-Mövc 5: 3 Das Spiel Spandau gegen Neukölln brachte ein völlig unerwartetes Ergebnis. Neukölln hatte für diesen Tag reichlich Er- satz einstellen müssen und zeigte infolgedessen große Mängel im Zu- sammenspiel. Besonders die Hintermannschaft einschließlich des lust- los spielenden Torhüters war ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Spandau spielte, abgesehen von einigen technischen Mängeln, ent- schieden planvoller und kam durch seinen schußsreudigen Sturm zu regelmäßigen Erfolgen. Nur in den ersten Spielminuten hielt Neu- kölln das Treffen einigermaßen offen. Spandau hatte jedoch bald die Schwächen des Gegners heraus und beherrschte durch seine bessere Ballabgabe meist das Feld. Zu dem erwarteten harten Kampf kam es im Spiel Union— Möwe. Dieser Kampf, der für die Erringung des dritten Tabellen- Platzes Bedeutung hatte, brachte Union einen knappen Sieg. Der Spielverlauf war ausgeglichen. Möwe zeigte den besseren Spiel- aufbau, dagegen erwies sich Union hinsichtlich der Spieltaktik als die bessere Partei. Erst nach vier Minuten Spielzeit gelang Unions rechtem Stürmer das Führungstor. Bis dahin ließen beide Sturm- reihen, besonders jedoch die von Möwe, viele Torchancen aus. Eine gute Kombinationsleistung Möwes ergab bald nach Unions Erfolg den Ausgleich. Union drängte dann stark und kam mit placierten Schüssen zur 3: 1-Halbzeitführung. Gleich nach dem Seitenwechsel nutzte Möwe einige Fehler der Unionverteidigung schnell und geschickt aus und kam so wieder zum Gleichstand. Lange Zeit gab es darauf ausgeglichenen Kampf. Mit langen placierten Vorlagen brachten beide Hintermannschaften ihr« Stürmer in gute Positionen, jedoch hielten beide Torleute ausgezeichnet. Erst gegen Spielschluß gelang es den körperlich überlegenen Unionspielern die Spielführung an sich zu bringen und mit Zwei weiteren Ersolgen ihren Sieg sicherzustellen. Rotsdam-Berlin Polizei vor BSC. und SCC. Mit seinem zum 25. Male ausgetragenen Groß-Staffel- lauf P o t s da m— B e r l i n, dem größten Staffellauf der Welt, konnte der bürgerliche V«rband Brandenburgischer Athletik-Vereine sportlich und propagandistisch am Sonntag einen sensationellen Cr- folg erzielen. Auf der ganzen 25 Kilometer langen Strecke, von der Neuen Königstraße in Potsdam bis zum Ziel auf dem Ber- liner Tiergart«n-Sportplatz, umsäumten nicht Tausende, sondern Hunderttausende die Straßen, um den Kampf mitzuerleben, den sich die 112 Mannschaften zu je 66 Läusern lieferten. Besonders im Weichbilde der Stadt, von der Avus bis zum Ziel, bildeten die Zu» schauer dichte Mauern. Hier war der Kamps>edoch bereits ent- schieden, denn mit einem Vorsprung von etwa 666 Meter bogen die Läufer des Polizei-Sportvereins vor d«m über- raschend an zweiter Stelle liegenden Berliner Sport-Club In den Kaiserdamm ein und liefen ihren sicheren Sieg nach Hause. Wenn man auch allgemein mit dem Siege der Polizisten gerechnet hatte, so war man von ihrer ungeheuren U«be:legciihcil doch überrascht. Mir 466 Meter Vorsprang gegen 56 Meter im Vorjahre ging Polizeiwachtmeister Liebenau durchs Ziel Erfreulich war da- gegen die Ueberraschung, die der Berliner Sport-Club. der zwölf- malige Sieger, mit seinem zweiten Platz brachte. Diesmal siegt Oiraeeiola beim Eilelrenncn Rund 16 000 Zuschauer hatten sich am Sonntagnachmittag zum Internationalen Eifelrennen des ADAC., das von neun Nationen beschickt war, eingefunden. Sie erlebten einen überlegenen Sieg Caracciolas auf Alfa Romeo in der Klasse über 1566 ccm Es mußten 14 Runden gleich 319 Kilometer gefahren werden. Die Fahrt gestaltete sich zu einem Duell zwischen Caracciola Kuf Alfa Romeo und Oreyfuß auf Bugatti. Chiron, der französische Meisterfahrer auf Bugatti, mußte schon in den ersten zwei Runden sämtliche Kerzen auswechseln, wurde so aus dem Rennen geworfen und verlor dadurch sehr viel Zeit. Die schweren Mercedes-Benz- Wagen waren für die vielen Kurven des Nürburgrmge» nicht wen- big genug. Caraccioala siegte in einer Zeit von 2: 48: 22 gleich 113,78 Ktlometerstunden vor Dreyfus auf Bugatti 2: 48: 44 gleich 113,5 Kilometerstunden, 3. wurde von Brauchitsch aus Mercedes- Benz in 2: 53: 18, 4. Stuck auf Mercedes-Benz 2: 57: 66, 5. Ehi- ron auf Bugatti 2: 58: 66. Das Rennen verlief ohne Unfälle Muller nicht mehr Europameister Am Sonnabend abend sand in Brüssel der Kampf um die Europa-Boxmeisterschast im Schwergewicht zwischen dem srüheren Meister Hein Müller und dem Belgier Pierre Charles statt. Der Kampf ging über 15 Runden. Neuer Europameister wurde nach Punkten Pierre Charles. Es ist allerdings Protest eingelegt, da der Ring nicht die richtigen Maße hatte. Ranhows Werbetagc Strafjenlauf und Rasenspicle Kaum hat die Sommersaison begonnen, da treten die Vereine mit ihren Werbcveranstaltungen auf den Plan. Am Sonnabend und Sonntag veranstaltete die Freie Sportvereinigung Pankow einen Werbestraßenlauf und mehrere Rasenwerbespiele. Der Sonnabend brachte durch Pankows Straßen den ersten Straßenlauf der Arbeitersportler. Acht Männer- und vier Jugendmannschaften traten pünktlich auf den Marktplatz zum Start an. Von Beginn an gab es bei den Männern harte Kämpfe um die Spitze. Abwechselnd einmal Rot-Weih, dann wieder Pankow- Sportabteilung führten das Feld an. Aber dann, beim sechsten Wechsel, gingen die Rot-Weißen an die Spitze, um sie auch nicht mehr abzugeben, 36 Meter zurück folgten die Sportler Pankows. Die Fußballer, die auch sehr favoriert waren, liehen jede Technik beim Wechsel oermissen. So kamen sie dann auch nach dem sechsten Wechsel weit ins Hintertreffen, da der abzulösende Läufer den Stab nicht mitnahm. Bei den Jugendlichen entwickelten sich auch harte Kämpfe zwischen Rot-Weiß und den Pantower Sportlern, bis hier ebenfalls Rot-Weiß die Pankower mit 6 Meter Abstand distanzieren konnte. Der Sonntag sah dann auf dem Sportplatz in der Kissingen- straße eine große Sportlerschar bei den Rasenwerbespielen. Handball, Hockey und Fußball wechselten in bunter Reihenfolge ab. Zu bedauern ist nur das Nichterscheinen der Sportler aus Halbe, so daß die Handballer das Spiel unter sich austragen mußten. Einen sehr guten Eindruck hinterließen die Frauen des Vereins für Leibesübungen Leipzig, die gegen die Pantower Frauen im Hockey mit 2: 6 siegreich blieben. Da die Luckcnwalder Fußballer gegen Mineroa-Neukölln ein Serienspiel ausgetragen hatten, mußten sie auf die Teilnahme in Pankow verzichten. In letzter Minute sprangen die Cladower ein, die von Pankow mit 4:5 nur knapp geschlagen wurden. Wcltcrc Rcsilltatc: Handball FTGB. Süden gegen Pankow t-.l, Jugend. Mannschaften 4:S, Hockey Spandau 2 gegen Pankow 2 0:3. Erste Mannschaft Spandau gegen Pankow 4:2. sZustball Zossen, Schüler gegen Pankow-Schlller 1:2. Adler 3 gegen Pankow 3 7:1. Börnicke 1 gegen Pankow 2 3:1. Cladow 1 gegen Pankow 1:4:3._ Bei den Ringkämpfen im Sportpalast gab es am Wochenende schöne und flotte Kämpfe. Die beiden Schweren, Polis und Jaa- gow, rangen gestern unentschieden: Renter unterlag dem Bayern Rainer in der siebenten Minute, und Budrus warf Kähler in der elften Minute. Im letzten Treffen mußte Krumin gegen Pohlfuß nach 16 Minuten die Segel streichen. Arbeiter-Rasenspiele Adler 08 im Erzgebirge In Adler 08 hat der Berliner Arbeiterfußball eine Reise- mannschast. Kaum haben sich die Adler-Leute von den Anstrengun- gen der Pfingsttour erholt, da geht die Reise schon wieder in das Erzgebirge. Am Sonnabend und Sonntag war R i e s a. das Ziel. Die dort ausgetragenen Spiele endeten mit wechselndem Ergebnis: während die Pankower gegen die Riesaer Turner mit 6: 3 verloren, konnten sie gegen K r ö s e n mit 4:3 siegreich bleiben. Zum Werbesportfest in R u h l s d o r f bei Teltow spielten die Freie Sportoereinigung Teltow mit der ersten Mannschast gegen Drewitz. Trotz des hohen Sieges der Teltower mit 6:6 war das Spiel nie einseitig, sondern recht abwechslungsreich.— Der Fußball- klub Nord konnte gegen Vorwärts-Wedding nur knapp mit 3:1 gewinnen. Erst durch einen Elfmeter konnten die Nord-Leute 16 Minuten vor Schluß den Sieg sicherstellen.— Mit dem knappesten aller Siege 1: 6 gewann Hansa 31 gegen Weitzensee.— Lichtenberg II fuhr nur mit 9 Mann nach Mahlsdorf und gewann knapp mit 3:2.— Wilmersdorf und Friedenau teilten sich mit 1: 1 in die Punkte. Hier muß gesagt werden, daß der Platz in Friedenau nicht den Ansprüchen eines Fußballseldes genügt. Es ist doch un- möglich, daß sich mitten im Fußballfeld mehrere Gullys und selbst Eteinwege befinden. Daß hier noch keine ernsten Unfälle passiert sind, ist ein Wunder.— Luckenwalde I fertigte Minerva 28 mit 6: 1 ab.— Pankow und Kladow trennten sich beim Stande 5: 4. Weiter« Resultate! Teltow 2 gegen Charlottenburg 1 0:4: Rot-Weiß l aege, Teltow 3 3:0. Luckenwalde I 2 gegen Minerva 3:2. Pankow 2 gegen Börnicke l 4:0. Pankow 3 gegen Adler 3 1:7. Fril Eintracht-Sieintckendorf 2 ge IS'/i Uhr, auf dem Sportp„,___... gutig Pankow, Fußball abteilung", gegen„Nord". FTQB.-Nordost schlägt Pommernmeister 10: z Die FTGB.-Nordost hatte sich zu ihrem Werbespieltag den Kreismeister des 15. Kreises N e u st e t t i n und die FT.-Stendal eingeladen. Am besten gesiel das Hauptspiel gegen Neustettin. Nach anfänglichem Geplänkel schoß Nordost das erste Tor und lief dann zu glänzenden Leistungen auf. Bald stand es 6:6. Kurz vor der Pause kam Neustcttin zum ersten Tor. Nach dem Wechsel wartete Nordost weiterhin mit glänzenden Leistungen auf Besonders impo- vierten immer wieder die Außenspieler und der äußerst begabte Mittelstürmer. Das Resultat hat sich inzwischen auf 16: 1 erhöht, Erst dann gelang es Neustettin, noch ein. zweites Tor anzubringen. Neustettin hielt den Ball viel zu lange und überlegte viel zuviel beim Abgeben. Man verstand es nicht den Gegner zu täuschen und placiert genug auf das Tor zu schießen. Vor allem vergessen alle Spiele das Nachsetzen. Eine gute Stütze war der Torwart, er hielt fabelhost und bekam stets und ständig Beifall. Auch Nordosts Torwart stand in nichts nach: seine Leistungen verdienen dieselbe Anerkennung. Ergebnis: 16: 2. Beim Spiel der zweiten Mann» f ch a f t erwies sich der Gast aus Stendal mit 5:3 als besser. kreismcister Volkssport Dedding nur knapper Sieger! Die FTGB.-Süden, die durch etwas Ungeschick um die Teilnahme an dem Meisterschaftsspiel des Berlin-Brandenburger Kreises kam, hatte sich den diesjährigen Kreismeister Volkssport Wedding oerpflichtet. Wir haben in unserer Borschau richtig geschrieben, daß es Wedding gegen diesen Gegner weit schwerer haben wird als gegen die FTBG.-Nordring. Nur mit Mühe gelang es dem K»IS meiste? mit einem 6: 4-(4: 2-)Sieg davonzukommen,