Morgenausgabe Nr. 251 A 122 49. Jahrgang Wöchenlltch 75 Ps, monallich 3,26 M (davon 87 Pf, monatlich für Anstel- Inn-, ins Haus> im voraus zalilbar. Postbezug Z,S7 M. einschließlich 50 Pf. Pvsizeirungs- und 72Pf,PostdestelIge» »ühren. AuslandsabonnementS,S5 M. uro Monat; für Länder mit ermäßig. tem Druckfachenvorto«,55 M. Der„Pormätts" erscheint wochenräg. lich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlm und im Sandel mit dem Titel„De, Abend". Illustrierte Sonntagsbeilag, „Volk und Aeit" » f Verlinee SolkSdlatt Dienstag 51, Mai 1952 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die elnlpall. Millimeterzetle 30 Pf. .Reklamezeile 2.— M.„Lleine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWortel.jedes weiter« Wort 10 Pf, Rabatt It. Tarif, Worte über kb Buchstaben zähle» für zwei Worte, Arbeitsmarkt Millimeter- zeile 2b Pf. Familienanzeigen Milli- meterzeile 15»Pf, Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Liudensiraße 3, wochentäglich von 8>/, bis 17 Uhr. 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Breit- scheid, um sechs Uhr empfing der Herr Reichspräsident den Parteiführer der Nationalsozialistischen Teutschen Arbeiterpartei Adolf Hitler, der von dem Abgcord- neten G o c r i n g begleitet war. Tic Besprechungen mit den Parteiführern werden heute fortgefcht und zum Abschlust gebracht werden. Die Absichten Hindenburgs. Der Inhalt der Unterredung mit Wels und Breitscheid. lieber die Besprechung des Reichspräsidenten mit den sozialdemokratischen Parteiführern erfährt das Rachrichlenbüro des UdZ. aus parlamentarischen Kreisen, dah hin- deiiburg betont habe, für ihn sei nach seiner ganzen Vergangenheit der SchuhderVersassung eine Selbstverständlichkeit. Daraus werde man entnehmen können, dah der Reichspräsident den Wunsch habe, ein Kabinett zu bilden, das mit einer parlamentarischen Mehrheit zu regieren versucht. hindenburg scheine sich allerdings auch darüber klar zu sein, dah ein neues Kabinett ebenso wenig wie das bisherige ganz ohne Notverordnungen auskommen könne. Es dürste sich bei den bisherigen Absichten des Reichspräsidenten wiederum um ein Kabinelt der Milte handeln. An dem in der Oefsentlichkeit vielfach als Kanzlerkandidaten genannten Areiherrn v. Gayl soll seht nicht gedacht sein, sondern an eine mehr nach der Mitie tendierende Persönlichkeit, etwa den Grasen w e st a r p, der im Reichstag der kleinen volkskonservativen Gruppe angehört. Der Reichspräsident hosse. den neuen Reichskanzler bereits am Mittwoch ernennen zu können. Wenn die von ihm belraute per- sönlichkeii nicht aus allzu große Schwierigkeilen stößt, so könnte man also damit rechnen, daß das neue Reichskabinelt Ende der Woche zusammengestellt wäre. Einberufung der �eichstagsfrakiion. Beratung über die neue Lage. Der Bor st and der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion trat am Montagnachmittag zur Beratung der durch den Rücktritt der Regierung Brüning geschaffenen politischen Lage zusammen. Er beschloß die sofortige Einberufung der sozial- demokratischen Reichstagsfraktion, die am Mittwochvormittag. lOVi Uhr, zusammentreten wird. Später erstatteten die Abgeordneten Dr. Breitscheid und Wels Bericht über ihre Unterredung mit dem Reichspräsidenten. Hitlers Absage an Hindenburg. Keine Tolerierung einer Bechtsregierung. Der Reichspräsident erstrebt, soweit seine Absichten bisher er- kennbar sind, eine rechisgerichtete, aus die Duldung der Ralional- sozialisten angewiesene Reichsregierung, die sich in versassungs- mäßigen Bahnen bewegen soll. wer den Versuch zu einem derartigen Experiment im Austrage hindenburg- machen soll und wird, ist bisher noch unbekannt. Man spricht u. a. von dem Grasen Westarp, der im Zahre IgZo mit zahlreichen anderen Abgeordnelen ans der Deuisch- naiionalen Partei ausgetreten und dadurch bei den Deulschnalionalen in Ungnade gefallen ist. Inwieweit Westarp selbst geneigt ist. sich dem beabsichtigten Experiment zur Verfügung zu stellen, ist nicht bekannt. Aber daß ein Reichskanzler, der sich nicht offen in die Arme der bisherigen Rechtsopposition wirst, deren parlamentarische Unterstühung erlangen wird, scheint nach der hallung der Rechtspresse und noch allen Erklärungen, die von der Rechtsopposition vor dem Sturz Brünings hinsichtlich der künstigen politischen Enl- Wicklung abgegeben worden sind, völlig ausgeschlossen. Die presse der Rechten fordert übereinstimmend einen völligen Kurswechsel und erhebt zu diesem Zweck den Ruf nach „K l a r h e i t", die nur durch die Auslösung des Reichstags zu erzielen sei. So erklärt beispielsweise die rechtsradikale Berliner „Deutsche Zeitung": „Bevor über die Frage der Reichsiagsauflösung keine Klarheit geschaffen ist, erscheint es müßig, sich im Augenblick über die sonstigen Pläne einer außerparlamentarischen Regierungsbildung zu unterhalten." In ähnlichem Sinne sollen sich hiller und Goering, die am Montagnachmittag nach dem Empfang der sozialdemokralischen Abgeordnelen Wels und Breitscheid eine Besprechung mit hindenburg hatten, geäußert haben. Sie sollen dem Reichspräsidenten aus dessen Frage, ob sie bereit seien, eine aus rechtsstehenden Persönlichkeilen zu bildende Regierung zu unterslühen, erwidert haben, daß eine derartige Möglichkeit für sie nicht ge- geben sei und eine Beteiligung der Nntionalsozia- listen an einer Regierung nur nach der Auflösung des Reichstags und der Ausschreibung von Neu- Wahlen in Frage kommen könne. Am Dienstag wird der Reichspräsident die Besprechungen mit den parteisührern sortsehen. Zunächst wird der Zentrumsabgeordnete Koos empfangen. Anschließend beabsichiigl hindenburg die Führer der Splittergruppen einzeln zu hören. Großagrarische Hintergründe. Die Frage der Ostsiedlung und die Krise. Im Verlauf der. Entwicklung der politischen Dinge, die am Montag zum Sturz des Kabinetts Brüning führte, hat zweifellos die Frage der Ostsiedlung eine wichtige Rolle gespielt. Die von dem Kabinett Brüning geplante Ostsiedlung erstrebte u. a. einen Teil der bankrotten Güter in Ostdeutschland der Siedlung zu- zuführen. Das ganze Programm hätte sich, da es an den erforder- lichen Geldmitteln fehlt, in äußerst engen Grenzen halten müssen. Im günstigsten Falle hätte man daran denken können, von der in Frage kommeniden zwei Millionen Morgen großen Fläche einen Bruchteil für die Siedlung zu verwenden. Nicht das Siedlungsprogramm selbst hat unter den Groß- agrariern im Osten böses Blut gemacht. Man weiß sehr gut, daß man die bankrotten Güter im Osten nicht halten kann. Das Kabinett Brünung hat Hundertc von Millionen Mark in diese Großgütcr hineingepumpt, mit dem Erfolg, daß sich eine Sanierung als hoffnungslos erweist. Das haben auch Vertreter des rechtsradikalen Flügels in der Eroßlandwirtschait zugegeben. Die bankrotten Agrarier wollen aber aus der Siedlung ein G c s ch ä s t machen. Wenn der Staat siedeln will, dann soll er den Großagrariern de» Boden teuer bezahlen. Gleichgültig, ob die Kleinsiedlung, aus der demnächst der Bauer seine Existenzmöglichkeit finden soll und muß, bestehen kann oder nicht. So ging der Kamps im Rahmen der Siedlung seit langem um den B o d e n p r e i s. Die Agrarier verlangten, daß für die bankrotten Großwirtschaften der Ein- h e i t s w e r t gezahlt werden soll. Trotzdem dieselben Großagrarier der Oefsentlichkeit und der Regierung hundertmal nachgewiesen haben— und mit vollem Recht—. daß der Einheitswert beispielslos hoch über dem tatsächlichen Wert liegt. Plötzlich sollte das auf einmal alles nicht wahr sein. Plötzlich wollte man aus der eignen Pleite, nachdem man fiir eine hoffnungslos« Sanierung Subventionen und Subventionen geschluckt hat, noch einen Extra- prosit herausquetschen. Während des Aufenthalts Hindenburgs in Neudeck(Ostpreußen) sind die prositsüchtigen Großagrarier bzw. ihre Mittelsmänner in Aktion getreten. Man hat dem Reichspräsidenten den Siedlungs- plan des Kabinetts Brüning als sozialistisch denunziert. Lächerlich! Das Projekt stammt von einer Stelle, die mit Sozialis- mus und Sozialdemokratie verteufelt wenig zu tun hat, und die Sozialdemokratie ist es gewesen, die während der letzten Tage in ihrer Presse und im Reichstag angesichts des Siedlungsprojektes der Regierung immer wieder vor den Gefahren von Fehlinvestitionen und Fehlschlägen gewarnt hat! Kampf der Arbeiter um ihr Recht. Dem parlamentarischen System mag man alles Ueble nachsagen— aber an dieser Krise ist es wirklich ganz unschuldig. Zum erstenmal in der Republik ist eine Regierung, die noch mit einer ganz stattlichen Mehrheit auswarten konnte, gestürzt worden durch Einflüsse außerhalb des Parlaments. Gewisse Reichswehrgeneräle waren un- zufrieden mit dem SA.-Verbot und seiner Verteidigung durch G r o e n e r, gewisse ostelbische Großgrundbesitzer woll- ten es nicht zulassen, daß mehrfach verkrachter und mehrfach erfolglos subventionierter Großgrundbesitz zu Siedlungs- zwecken aufgeteilt wurde, gewisse Politiker meinten, mit Rück- ficht auf die Wahlergebnisse sei eine Verlagerung der Regie- rung etwas weiter nach rechts notwendig— nicht etwa bis zu den Nationalsozialisten, sondern nur bis zu den Syndizi der Schwerindustrie. Solche Einflüsse haben aus den Reichs- Präsidenten stärker gewirkt, als Brüning ahnte. Am Sonn- abendabend bei der ausländischen Presse war er noch sehr lebendig, aber am Sonntag war er schon, wenigstens als Reichskanzler, ein toter Mann. Man hat oft den Parteien nachgesagt, daß sie Regierun- gen stürzten, ohne zuvor übeblegt zu haben, was nach ihnen kommen soll? Hatten die Herren außerhalb des Parlaments, die den Sturz Brünings herbeiführten, ein klares Bild dessen, was nach Brüning kommen soll? Wie es heißt, denkt man jetzt an ein Kabinett, dessen Achse etwa bei der Gruppe des Grafen Westarp liegt— ja der Graf selbst ist als Kanzlerkandidat genannt worden, obwohl man wissen könnte, daß Hugenberg ihn scheut, wie Macbeth den Geist des gemordeten Banko. Aber man glaubt, daß ein Mann der Linie Westarp— nicht gerade Herr von Gayl, aber viel- leicht Dr. Goerdeler oder von der Osten— umgeben von einem Kranz unparlamentarischer Fachminister, beim Zentrum und der gesamten Rechten teils Stützung, teils wohlwollende Duldung finden könnte. Ja, man rechnet sogar mit der Möglichkeit, daß Brüning als Außen- minister eines von Hitler tolerierten Kabinetts am 16. Juni in Lausanne erscheinen könnte— ein Gedanke, gegen den sich Brüning selbst wohl in Erinnerung an die letzte Sitzung des Auswärtigen Ausschusses lebhaft sträubt. Daß nach der Unterredung, die der Reichspräsident gestern abend mit H i t l e r und Göring hatte, noch immer, der Glaube besteht, es sei eine solche gemütliche Lösung der Krise möglich, ist nicht wahrscheinlich. Wir sehen einstweilen nur die sehr großen Gefahren, die durch die Eni- sesselung dieser außerparlamentarischen Krise herauf- beschworen sind. Zur unaufschiebbaren Regelung der Finanzfrage sind bis auf weiteres beide Wege gesperrt, sowohl jener der ordentlichen Gesetzgebung wie auch der des Art. 48. Die Not des Reichs, der Länder, der Gemeinden ist aber außerordent- lich. Zahlungsstockungen können für die Wirtschaft zu sehr schlimmen Folgen führen, sie können notleidende Volksschichten zur Verzweiflung treiben, Ruhe und Ordnung aufs schwerste gefährden. Wir fordern deshalb, daß ohne Rücksicht auf den Ablauf der politischen Krise die not- wendigen Zahlungen, ganz besonders an die notleidenden Volkskreise, durch außer- ordentliche Maßnahmen gesichert werden. Daß mit diesen Maßnahmen gewartet werden kann, bis eine neue Regierung gebildet ist, muß man einstweilen be- zweifeln. Die Menschen müssen aber auch während dieser Krise zu essen haben, sie können damit nicht solange warten, bis die Herren Nationalsozialisten und Deutschnationalen vom Krisenspiel genug haben. Die Brotfrage muß gelöst werden, ihre Lösung darf nicht an irgendwelchen Kompetenzfragen scheitern! Gegenüber diesen Gefahren, die für unzählige Menschen- leben und für das Leben der staatlichen Gemeinschaft selbst drohend geworden sind, erscheinen die Sorgen um die aus» Erregung im Zentrum. Kräftige Töne gegen die Krisenireiber. m o r t i g e Po l i t i k fast Üleiiv Werden wir bis MM 16. Juni eine neue, vom Vertrauen des Reidzstags gedeckte Regierung haben, die nach Lausanne geht? Und was wird sie dort tun? Es wird ihr gewiß nicht schwer fallen, die totale Z a h- lungsunfähigkeit Deutschlands zu beweisen, aber da- von abgesehen wird sie nicht zu beneiden sein! Denn das erste Ergebnis der deutschen Regierungskrise im Ausland kann doch kein anderes sein, als ungeheure Verwirrung und berghohes Mißtrauen. Auch das kann wenigstens zunächst— wir drücken uns ganz vorsichtig aus— für Deutschlands Wirtschaft wahrlich kein Vorteil sein. Alle diese Gefahren können nur noch vergrößert werden, wenn die Lösung der Krise bis über eine Auflösung des Reichstage und Neuwahlen hinaus vertagt werden mutz. Die Auflösung scheint ja das Ziel zu sein, auf das die Rechte mit allen Kräften zustrebt. Sie ist jetzt von einem über- demokratischen Zahlenrausch erfaßt, sie hamstert Stimmzettel und Mandate, sie giert nach Gelegenheiten, ihre Parlaments- sitze zu vermehren. Aber wenn sie glaubt, im Reich, wie eben in Oldenburg, die Mehrheit für sich allein gewinnen zu können, so jagt sie einem Phantom nach. Wenn die Neuwahlen vorbei sind, wird es auch noch so sein, daß es ohne das Z entrum nicht geht! DieSozialdemokratifchePartei hat zunächst die beste Aussicht, von jeder auch nur indirekten Verantwor- tung für die Regierungsgeschäfte befreit zu werden. Um des- willen braucht sie dem Reichspräsidenten nicht gram zu sein! Höchst. unüberlegt wäre auch der Vorwurf:„Ja, warum habt ihr Hindenburg gewählt, der jetzt doch nach rechts steuert?". Wie die Dinge lagen, gab es eben nur die Wahl, entweder Hitler oder Hindenburg siegen zu lassen, und vor diese Wahl gestellt, müßte die Sozialdemo- kratie auch heute noch genau so entscheiden, wie sie damals entschieden hat. Der Reichspräsident hat auch, indem er sich van der Mitte und von der Linken wählen ließ, keineswegs di.e Verpflichtung übernommen, nur Regierungen aus der Mitte und der Linken zu bilden, wohl aber hat er die Pflicht übernommen, die verfassungsmäßigen Rechte derOppofition zuschützen. Die verfassungsmäßigen Rechte der Opposition sind gleich- bedeutend mit den Lebensrechten der deutschen Ar- beiterbewegung. Sie zu schützen ist die Pflicht des Reichspräsidenten— sie zu schützen ist aber vor allem unsere eigene Angelegenheit. Es bedarf keiner großen Worte, um zu zeigen, um was es geht. Nichts nützen kann den Arbeitern die kreischende Impotenz der Kommunisten. Wer Arbeitslose gegen die Polizei treibt, der spielt das Spiel der Reaktion. Mit Panikmache und Ausbrüchen der Aerzweif- lung ist noch kein Sieg gewonnen worden. Was not tut, ist Kaltblütigkeit und Zuversicht trotz klarster Erkenntnis der drohenden Gefahren, ist Entschlossenheit zum Einsatz aller Kräfte, ist Cinigteitund nochmals Einigkeit! Zunächst gilt es, sich für den Kampf um einen neuen Reichstag bereit zu halten, der vielleicht schon in wenigen Tagen beginnen wird. Frevelhaftes Spiel. Reichstagsauflösung und Neuwahlen t Im Soz. Pressedienst schreibt Rudsls Prsitschsid: Welches soll nun die Lösung der Krisis sein? Man hotte an- nehmen sollen, daß jeder der Beteiligten es für unverantwortlich halten würde, in diesem Augenblick ein Kabinett in die Wüst« zu schicken, wenn nicht in demselben Augenblick«in anderes zur Usbcr- nahm« der Geschäfte bereit stehe. Das aber ist nach allem Anschein nicht der Fall. Der Schwerpunkt der Regierung soll weiter nach recht» verlegt werden. Doch wer an ihre Spitze »retin und wer sie tragen soll, steht keineswegs fest. Man denkt an- geblich an eine Persönlichkeit, die so ungefähr aus der politischen Linie des Grafen Westarp steht. Wo soll indessen ein solcher Mann, vorausgesetzt, daß er die nötigen Mitarbeiter findet, die ocrsassungs- mäßige Mehrheit erhalten? Der Reichspräsident wird die Verfassung nicht antasten wollen. Da» neu« Kabinett mutz sich dem Parlament vorstellen und dort über sein Schicksal entscheiden lassen. Daß die Sozialdemokraten ihm gegenüber nicht die Haltung einnehmen werden, die sie gegen- über Brüning beobachtet haben, ist selbstverständlich. Aus sie rechnet man auch nicht. Aber was werden die Nationalsozialisten t«in? Es sieht so aus, als gebe man sich der Hoffnung hin, sie würden eine Beamten- und Fachmännerregicrung„tolerieren", auch wenn sie selbst In ihr keinen Sitz erhielten. Werden sie nach all den großen Worten, die sie in die Welt hinausgerufen haben, zu einer solchen Selbstverleugnung bereit sein? Und wie wird sich das Zentrum stellen? Es wird der Versuch 'gemacht, Brüning al« Außenminister beizubehalten. Wir können uns nicht vorstellen, daß er einer solchen Verlockung erliegt, denn von allem anderen abgesehen, muß er sich darüber klar sein, daß er als Außenminister in dem neuen Kabinett nicht mehr dasselbe wäre, was er bisher gewesen ist. Er würde mit gebrochenem Rückgrat zu den internationalen Verhandlungen gehen. Der Schlag ist gegen ihn geführt worden, und es wird für ihn sowohl als auch für sein« Partei außerordentlich schwer sein, denen, die ihm den Dolchstoß versetzt hoben, das Regieren zu ermöglichen. Wenn aber die parlamentarisch« Mehrheit nicht zustande kommt. dann bleibt Nichts anderes übrig als Auflösung und Reu- mahl des Reichstags, und wir können uns sehr wohl vorstellen, daß Nationalsozialisten und Deutschnationale gerade auf diese Lösung in erster Linie hinarbeiten werden. Die Erschütterung, die die Regierungskrise verursacht, würde also verschärft durch die Unruhe einer neuen Wahlkampagne. Alles in allem: es ist kaum jemals ein frevelhafte res Spiel mit den wohlverstandenen Interessen des Landes und des Volkes getrieben worden, als es hier unverantwortliche Ratgeber angezettelt haben. Wenn große Teile der deutschen Nation ge< nügend verblendet sind, um das Unheil, das man gestiftet hat, im gegenwärtigen Augenblick noch nicht zu durchschfmen: die Zeit wird sehr bald kommen, wo ihnen die Augen aufgehen werden. Was man aber für di« gegenwärtige Stund« hoffen möchte, wäre, daß der Reichspräsident den Mißbrauch, der mit ihm getrieben worden ist, erkennen würde und aus dieser Erkenninis die notwendigen Schlußfolgerungen zöge. Die Sozialdemokratie wird in jeder Si- ruation bereit fein, den Kampf aufzunehmen, den man ihr ouf- zwingt. Aber sie denkt staotspolitifch genug. Um den Wunsch zu hegen, daß dem Volk und insbesondere der Arbeiterklaffe Ansein- onderfetzungen erspart bleiben möchlen die— sicher für die nächste Zukunft— Deutschland zu unermeßlichem Schaden gereichen würden. De? Sturz Vrümng» wird im Zentrum als eme außerordentlich starke Brüskierung dsr Zentrumspartei empfunden. Die Stimmen der Zontrumspresie lassen darüber keinen Zweifel. Die ,.G e r m a n i a" schreibt in ihrer Dienstag- Morgenausgabe zum Rücktritt der Regierung Brüning: „Es ist noch nicht abzusehen, wie die Lösung sein wird, die der Krise gegeben wird. Sie hat ihren akuten Au-hruch offenbar in den sachlichen Meinungsverschiedenheiten genommen, die sich zwischen dem Reichspräsidenten und der Rsichsregicrung hinsichtlich der Gesomtpolitik de? Reiches herausgestellt haben. Entscheidend dürften hierbei weniger jene aktuellen Gegensätze gewesen sein, die sich gegenüber den von der Reichsregierung vorbereiteten Rotmaß- nahmcn, sondern jene mehr„atmosphärischen" Gründe, die dem Reichspräsidenten osfenbär die Ueborzeugung von der Not- wendigkeit einer ausgesprochen rechtsgerich- teten Regierung nahegelegt haben. Wenn das richtig ist— und dies scheint der Fall zu sein—, dann dürften aus dem so bezeichneten Ursprung der Krise auch die Tendenzen zu ihrer Lösung herauszulesen sein. Diese Tendenzen würden dann auf ein„natio- nales Konzentrationskabinett" hinauslaufen, das äuch als„U e b e r g a n g s k a b i n e t t" bezeichnet wird, und das die deutsche Politik bis zu einem Punkte zu führen haben würde, an dem noch größere Entscheidungen über den Weg der deutschen Innenpolitik fällig werden könnten. E» wird allerdings, darüber darf man sich in dieser Stunde keiner Täuschung hingeben. sehr schwor und kaum zweckmäßig sein, das Zustandekommen eines solchen Kabinetts auf irgendeiner parteipolitischen Basis zu ver- suchen. Aber all diese die Lösung der Krise betreffenden Fragen liegen vorerst begreiflicherweise noch völlig im Dunkeln. Der Reichs- Präsident hat bereits gestern seine Besprechungen ausgenommen, die ihn mit den maßgebenden Führern der großen Parteien in Per- bindung bringen werden, und erst nach ihrem Ausgang werden sich die Bemühungen um die neue Reichsregierung konkretisieren und in ihren Zielpunkten zuverlässig übersehen lassen. Als ziemlich sicher darf es bisher lediglich gelten, daß Reichskanzler Dr. Brüning der neuen Reichsregierung weder als Führer, noch als Außenminister angehören wird." Weit offener und kräftiger spricht der„Deutsche", der schon seit Tagen Alarmrufe ausgestoßen hatte: Es wäre falsch, zu behaupten, hier käme der„V o l t»« i l l e" zum Ausdruck. Denn es ist kein Geheimnis, daß die Draht- z i e h e r der ganzen Wühlarbeit gegen Brüning und sein Kabinett hauptsächlich im Lager der Industrie und der Groß- agrarier zu suchen sind, zu denen in der letzten Zeit wohl nach Generäle der Reichswehr gestoßen find. Der Reichspräsident will, wie verlautet, auf parlamentärischem Wege die Neubildung einer Regierung versuchen. Das wird aber den Drahtziehern nicht passen. Sie hoben andere Pläne. Sie wollen ein Usbsrgangskabinett aus„unparteiischen" Persönlichkeiten und„Fachleuten". Dieses lleborgangskabinott soll möglich st bald den Reichstag auflösen und die Neu- mahlen ausschreiben. van den Reuwahlen erhosten st« eine Mehrheit der Rechten: um sie sicher zu erreichen, denkt man an eine Aenderung de» Wahlsystems. Nach der Neuwahl soll dann di« eigentlich« neue Reichsregierung als einö Art P r ä s i d i a l k a b i n e t t auf dem Plan«rscheinen. Bis dahin soll das Uehergangskabinett schon nach den Richtlinien dieser kommenden Rechtsregierung die Geschäfte führen. C» wird be> hauptet, der Kreis, der seil Monaten die Entwicklung in diese Rich- tung treibt, habe ein vollständig ausgearbeitetes Pro- gramm/das auch schon in den Händen de» Reichspräsidenten sei. Man sieht nur die Tatsache, daß hier ein paar Zstenschen un- kontrolliert und diklalorisch einem bö-Millionen-volk ihre Politik aufzwingen und damit, In einer entscheidenden Phase, über sein Schicksal bestimmen wollen. Das ist eine Emwicklung, der man mit schärfstem Mißtrauen gegen- überstehen muß. Vor allem haben die Gewerkschaften und die ganze Arbeitnehmerschaft ollen Grund zu einem solchen Mißtrauen. Diese haben allen Anlaß, dafür zu sorgen, daß sie a b w c h r- und kampfbereit sind. Im übrigen besteht gegenwärtig kein Anlaß zur Unruhe. Aber wachsam muß jeder Arbeitnehmer sein und— wir sagen es erneut — kampfbereit. Das Streben der Regierungsstürzer geht legten Endes darauf hinaus, daß die oft leichtfertig gemachten Schulden der„Größen" in Industrie und candwirlschast vom armen Volk bezahlt werden, und daß diese kreise frei von den Lasten dieser Rolzelt bleiben. Das Wort„Alles durch das Volk!" wird einen neuen Sinn erhalten, wenn— die Arbeitnehmer sich dieses bieten lasse n." Auch in bayerischen Regierungskreisen hat der Sturz Brünings einen katastrophalen Eindruck her- vorgerufen. Man erblickt in dem erzwungeitsn Rücktritt den Beginn einer sich rasch zuspitzenden Stoatskrrie in Deutschland. Die maßgebende Bayerische Volkspartei steht deshalb auf dem Standpunkt, daß jetzt alles geschehen muß, damit der bayerische Staat möglichst bald eine Regie- rung erhält, die über die stärkstmögliche innere und äußere Autorität verfügt. Diese Auffassung wird damit begründet, daß Bayern von einer wie immer gefärbten Rechtsdiktatitr im Reich außerordentlich gefährdet wäre. Die Bayerische Voikspartei-Körrespondenz schreibt zum Rücktritt Brünings: „Der seit geraumer Zeit hinter den Kulisien betriebene und nunmehr geglückte Sturz Brünings führt Deutschland mitten in jenes Experiment hinein, dem sich der Konzler nach der Aussage seiner Gegner versagen zu müssen glaubte. Eö liegt äffen zutage, daß sich �zindenburg vvn Brüning nur deshalb getrennt hat, weil zwischen Heiden unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten wegen der Fortführung de» Regierungskurses entstanden waren. Von den Gegnern Brünings, die nun«in für allemal sein Zentrums- gesicht nicht vertragen konnten, soll hier ganz geschwiegen werden. Erwähnung müssen aber die Kräfte finden, die sich aus der Reichswehr heraus an der Opposikion gegen die alten Phasen der Lrüningschen Innenpolitik, vor ollem gegen die Grocnerschc verbolspolilik lebhast beleiligl haben. Die Zerstörung der Basis, von der das sogenannte System Brüning getragen wurde, läßt nur nach den Weg des Experiments einer sogenannten Rechtsregicrung übrig, die sich dem Optimismus hingibt, sie verfüge über die Fähigkeit und die Autorität, diese rein oppositionellen und demagogischen Kräfte der nationalsozialistischen Bewegung nunmehr für positive und sachliche Regierungsorbeit zu binden. Schlägt diese Hoffnung fehl und bleiben die Männer, denen nunmehr der Reichspräsident die Ge- schicke der deutschen Politik anvertrauen will, den Befähigungsnach- weis schuldig, dann ist die Befürchtung nicht übertrieben, daß Deutschland mit Riesenschritlcn jener chaotischen ver- wirrung entgegentreibt, die gerade durch die Wahl hindenburgs zum Reichspräsidenten vermieden werden sollte. Es steht in diesem Augenblick alles auf dem Spiel, was Dr. Brüning in den zwei Jahren seiner dornenvollen Kanzlerschaft mühsam an positiven Werten geschaffen hat." Die Krisentreiber haben sich offenbar schwer getäuscht, wenn sie geglaubt haben sollten, daß das Zentrum den Sturz Brünings ruhig hinnehmen würde. Die Mainlinie. Stuttgart, Zst. Mai.(Eigenbericht.) Der Stuttgarter„Beobachter", das Parteiorgan des wärt- tember zischen Zentrums, stellt unter der Ucberschrist „W ürttomberg undPreußen—-hie Ordnung, dort Faust- recht" au» Anlaß der gleichzeitigen Konstituierung des Preußischen und Württembergischen Landtags eine bemerkenswerte Parallele zwischen den politischen Zuständen in beiden Ländern an. Er schreibt über die Skandalszenen im Preußischen Landtag u. a: „Auf diesem Hintergrund heben sich die Vorgänge, die sich in den letzten Tagen im Württembergischen Landtag abgespielt haben, Noch besonder» ab. Man wird, wenn In preußcn der ossene Bürgerkrieg ausbricht und wenn von Preußen au» dann ein gefährlicher Druck auch aus die Dinge im Reich ausgeübt wird, es noch ander» zu schätzen wissen, daß in Baden, in Bayern, in Württemberg die verivoltungen der ZNachteinrichlungeu. die Aemlcr der Rkimster oder Staaliprästdcnten. die Aemter der Innenministerien und der polizeiverwaitungen nicht in nationalsozialistischen tzänden liegen, und daß deshalb in ganz Süddeutschlavd kein Mißbrauch dieser Polizeigewalten im Sinne nationalsozialistischer Gewalttätigkeit möglich sein wird. Solange die Dinge so liegen und angesichts unserer andersgearteten Perhältnisse ist es durchaus möglich, i n ganz Süddeutschland wirklich eine Insel, oder, sagen wir, ein Bollmerk der Beherrschtheit, der Besonnen- heit, der rechtlichen Ordnung zu wahren und so viel- leicht noch einmal und wieder einmal d« m R« i ch e gegen- über eine Mission zu erfüllen, wie sie Süddcutschland im Laufe der Geschichte mehr als einmal zugefallen ist. Jedenfalls haben wir allen Grund, gerade angesichts der Vorgänge in Preußen und der Haltung der Nationalsozialisten in Preußen uns der Entscheidungen, die i m W ü r t t e m b e r g i s ch e n L a n d> tag getroffen wurden, zu freuen und sie als einen Akt der Voraussicht und der klugen politischen Ilcbcrlegung zu begrüßen." So deutlich, wie es hier geschieht, ist bisher nach nicht auf die Ausrichtung der M a i n l! n i c a l s Mittel der Abwehr gegen einen faschistischen Diktaturversuch in Berlin hingewiesen worden! Das Ausland j Frankreich. pari».-3st. Mai.(Eigenbericht.) Der„T e m p»" schreibt zu der Demission des Kabinetts Brüning: Man erklärt, daß der Reichspräsident die Demission des Kabinetts Brüning angenommen hat, weil es wegen der klar aus- gedrückten Ansicht' der Wählerschaft nicht mehr möglich sei, mit Hilfe des Artikels 48 weiter zu regieren. In Wirklichkeit ist Brüning den gemeinsamen Schlägen der Rechtsparteien und der M i l u ä r k a m a r i l l a unterlegen. Auf der anderen Seite des Rheins ist es jetzt mit leder nach links orientierten oder auf der Solidarität der Mittelparteien basierten Koalitionspolitik vorbei. Falls man nicht direkt auf eine Militär- diktatur zusteuert, ist es wahrscheinlich, daß die Auflösung des Reichstag» bald folgen wird. Weder der Reichskanzler noch die republikanischen Parteien-des Zentrums und der Linken haben einen politischen Vorteil aus den Anstrengungen gezogen, die sie entfaltet haben, um die Wiederwahl Hindenburgs zu sichern. Holland. Amsterdam. ZO. Mai.(Eigenbericht.) Der Rücktritt der Regierung Brüning wird von der niederländischen Presse al» ein gesahrliches Experi» in e n t beurteilt. Der„T e l c y r a a s" wirft besonders die Frag« auf, mit wem Reichspräsident von Hindenburg während seines Aufenthalts m agt: Kamarilla! Reydeck nichtöffentlickze Besprechungen geführt habe. Brüning sei durch geheime Kräfte g e st ü r z t worden und die eigent- lichen Beweggründe feines Rücktritts seien eigentlich niemand be- könnt. Di« Verantwortung, die der Reichspräsident aus sich ge- Nammen habe, sei ungeheuer. Mau müsse zugeben, daß slq die Lage täglich verschlechtere und die oldenburgischen Wahlen hatten gezeigt, daß auch die jüngsten Skandale im Vreutziswen Landtag keinen Eindruck gemacht hätten. Das Kabinett Brüning sei ein ausgehöhlter Baumstamm gewesey. Das sozialdemokratische„H e t V o I k" stellt fest, daß noch Brünings Rücktritt nur noch die Dummlöpsc zurückblieben, die es für eine Ehre hielten, so laut wie möglich zu verkünden, daß sie ynt dem Verstand abgerechnet hätten. Gewiß sei Brüning nie ein Kraftmensch gewesen, in Hmhenburg aber sehe man in diesen Tagen mehr den Soldaien als den verstandigen Staatsmann. Daß Brüning die Hitlerschen Sturmtrupp» aufgelöst, aber Reichsbanner und Eisern« Front, die Garden der Republik, habe bestehen lassen, habe der alte Berufssoldat nicht ertragen können. Unter die Duldunas- Politik der deutschen Sozialdemokratie sei endlich ein Schlußstrich gesetzt. Dennoch habe man das Gefühl, daß das Schlimmste erst noch komme. Eine Bewegung jedoch, die die ZwaNgsgefetzs eines Bismarck ruhmreich überlebt'habe, werde auch mit seinen Nach- folgern fertig zu werden wissen, ob sie nun Schleicher oder Adols Hitler heißen würden Der„Neue Rotterdomsche Courant" meint, daß mit Hindenburg seit seiner Wiederwahl etwa» vorgegangen sein müsse. Eine unbestreitbare Veränderung läge in der Art, wie er vor, öeaangen sei Man kcinne dqrin nicht mehr die bi?hsrigs zurück- haltende Amtsführung und die stet» korrekte Form des alten Prasi» Kenten erkennen. Gewiß sei schon lange deutlich gewesen, daß hindenburg sich von der Politik der Regierung Brüning zurückziehen wolle. Der Präsident Hobe durch die Begründung, mit der er Brüning verabschiedete, schon enthüllt, in welcher Richtung er zu wandeln gedenke. England. condon. 30. Mai.(Eigenbericht.) Der Rücktritt der Regierung Brüning gilt hier als das Ereignis des Tages. Trotzdem sind die Londoner Abendblätter hauptsächlich mit den Ziehungen der Nennlotterie zu dem bevor- stehenden Derby beschäftigt. Sie bringen seitenlange Lebens» geschichten der glücklichen Gewinner und finden kaum Raum für das Ereignis des Tages. Man kann nicht sagen, daß der Rücktritt völlig überraschend kam. Immerhin hatte man damit gerechnet, daß Brünings Position bis Lausanne gesichert sei. Jetzt diskutiert man in politischen Kreisen vor allem ober die Rück- Wirkungen des Rücktritts auf die Lausanner Konferenz. Die- jenigen Regierungskreise, die ohnedies sich damit abgefunden hatten, daß Lausanne nur eine Vertagung der Probleme bringen werde, sind jetzt noch mehr davon überzeugt, daß man etwas andere« gor nicht erst versuchen sollte, ja. sie sprechen bereits von einer Per- f ch i e b u n g der Lausanner Konferenz. Den Mahnern dagegen, die England beschwören, die Initiative zu ergreifen, gibt die Tat- fache, daß Brünings Regierung unhaltbar geworden ist, ebenso wie der Wahlsieg der Nazis in Oldenburg neue Argumente.„Das Uebel der neuesten Entwicklung in Deutschland— so schreibt beispielsweise der„Daily ch e r a l d"— wird nach schlimmer gemacht, wenn man diese Entwicklung in England benutzt Zur Verschiebung der Lausanner Konferenz, zur Verschiebung des Angriffs auf die Welt- trise.'' Welche Richtung in England schließlich den Ausschlag geben wird, kann nur die Zukunft lehren. Reichstag und die Regierungsbildung. Das Reichskabinett hat den Etat noch nicht verabschiedet. Der A e l t e st e n r a t des Reichstags, der am Dienstagnach- mitlag zusammentritt, um zur Einberufung des Reichs- t e g e s Stellung zu nehmen, findet durch den Sturz der Regierung Brüning eine völlig veränderte Lage vor. Da sich der Aeltestenrat des Reichstages bisher innner auf den Standpunkl gestellt hat, daß Tagungen, sofern kein« verhandlungsfähige Regierung vorhanden ist, zwecklos feien, dürste der Reichstag an dem ursprünglich in Aussicht genommenen Termin, dem 6. Juni, kaum zusammentreten. Hinzu kommt, daß das Reichskabinett den Etat nicht mehr verabschiedet hat, so daß er vorläufig weder dem Reichsrat noch dem Reichstag zugehen kann. Reichstagsausschüsse vorläufig abgesetzt. Di« politischen Ereignisse haben zu einer vorläufigen Unter- brechung der Arbeiten der Reichstagsausschüfse geführt. Der Vor- sitzende de» Haushaltsauzschusses des Reichstags, Abg. Hoinmnn (£03.), hat diesen Ausschußmitgliedern mitgeteilt, daß wegen der politischen Ereignisse die aus Dienstag, den 31, Mai 1932, anbc- räumte Sitzung des Haushaltsausschusses aufgehoben werde. Ein Termin für den Wiederbeginn der Arbeiten ist noch nicht genannt. Es ist anzunehmen, daß auch die Übrigen Reichstagsausschüfse vorläufig ihre Tätigkeit unterbrechen. Terror in Ostfriesland. Steuerfireik mit Gewalttätigkeiten. Emden, 30. Mai.(Eigenbericht.) v, einer der letzten Nächte wurde in Emden in dem Geschäfts- total des sozialdemokratischen„Volksboten" das groß« Fenster der Buchhandlung eingeschlagen. Von ähnlichen Terrorakten wird Ostfriesland feit Wochen heim- gesucht. Etwa zwei Dutzend Ä e m e i n d e v hrst e h e r n, die für die Veitreibung von Steuern sorgten, wurden in letzter Zeit nachts die Fenster ihrer Wohnungen ein- geworfen. In einzelnen Fällen wurden Zettel hinterlassen, in denen aus die Pflichterfiillimg der Bürgermeister hingemiesen und weitere Terrormahnahmen angekündigt wurden. Aehnlich erging es Leuten, die ihre Steuern bezahlten und damit nach der Ansicht der Terroristen den Steuerstreik sabotierten. Auch Land- j ä g e r, die sich an Zwangsbeitreibungen beteiligten und Voll- ziehungsbeamte sind von den Terroristen, von denen bisher keiner einwandfrei festgestellt werden konnte, ebenfalls heimgesucht worden. Das Landratsamt Emden wurde ebenfalls nicht oerschont. Außerdem wurde ein B 0 m b e n a t t e n t a t auf die Besitzung eines Viehtransporteurs in Leer(Ostfricsland) unter- Nammen, der im Austrage der Vollstreckungsbenmten die Ab- transporte des beschlagnahmten Viehs durchführte. Bisher hat nun vergeblich auf die durchgreifenden Maßnahmen der Behörden gegen diesen Terror gewartet. Gegen die Reichsbahn. Die Stadt Schneidemuhl demonstriert. Schneidemühl. 30. Mai.(Eigenbericht.) Am Montagabend fand auf dem Marktplatz in Schneidemühl, dem Hauptort der Grenzmärt Polen-Westpreiißen,«ine Riesen- demon st ratio» gegen die Abbau maßnahmen und die Wirtschastsdiktatur der R e t ch s b a h n v e r w a l t u n g statt. Die Veranstaltung war van etwa 10 000 Menschen besucht. BGos und Geschäfte hatten zum Zeichen des Protestes geschlosien. Die gesamte Stadt erklärte sich mit den S 0 0 Eisenbahnern solidarisch, die die Reichsbahn neuerdings entlassen hat. In dem Schneidemühler Ausbesserungswerk arbeiteten 1924 noch mehr als 2000 Arbeiter. Sic sind heute bis auf 700 entlassen, während in anderen Werkstätten der Prozentsatz der Abgebauten nur 8 bis 10 Proz. ausmacht. An der Kundgebung nahmen Vertreter aller Parteien und der Behörden teil. Der Oberbürgermeister der Stadt Schneidemühl führte aus, daß man im Reich nicht vergessen dürfe. daß die Schneidemühler Bevölkerung>n einer Gegend der Armut und in einer Härte des Klimas einen schweren Exist-nzkamp' führt, daß die Bevölkerung schwerste Opfer bringe und schwerste Verluste erleide, Schneidemühl, da» Bollwerk an her Ostgrenze, habe eine besondere Mission zu erfüllen und dürfe nicht mit dem Maßstob anderer Städte gemessen werden. Desbolb müßte» dieser Stadt die notwendigen Kraftquellen erholten bleiben. Dezhalb müsse die Reichsbahn d-e ausgesprochenen Entlassungen ryckaängiq machen. Auch die Reichsbahn mnsie sich an staatspolitische Notwendigkeiten holten. Die Demonstration verlange von den Behörden, daß sie nichts unversucht lassen, um den berechtigten Forderungen einer demonstrierenden Stadt Rechnung zu trogen. Kopfüber hinab. Michel:„Seii bin ich nicht mehr mit solcher Begeisterung in den Abgrund hineingerast!" Die Bedingungen der Sozialisten. Große Aussprache auf dem pariser Parteitag. Paris, 30. Mai.(Eigenbericht.) Der Sozialistische Kongreß setzte am Montag die Debatte über die Frage der Regierungsbeteiligung fort. In der Bormittagssigung sprachen die drei Abgeordneten Lobas, Riviere und Vincent-Auriol, von denen nur ver erste gemäß der Eni- schließung des Nord-Departements sich nicht sehr warm für die Be- teiligung an einer Regierung Herriot einsetzte. Die interessanteste Rede war die Vincent-Auriols, der, wie er sagte, mit soliden Argu» menten, die Opportunität der Mitarbeit an der Regierung darlegen wolle. Aber dies« Mitarbeit müsse auf Grund eines Programms durchgeführt werden, das dem Willen der Wähler entspreche. Es müsse der Aufrechterhaltung des Friedens und dem wirtschaftlichen und sozialen Gleichgewicht gewidmet sein. Frieden und Abrüstung seien an die Frage der deutschen Reparations- Zahlungen gebunden. Die Formel Frankreichs:„Wir iverden nur in dem Maße unsere Schulden an Amerika entrichten, in dein mir von Deutschland bezahlt werden", sei eine retardierende Formel. Deutschland müsse wieder gutmachen. Aber man diirse nicht ver- gtssen, wa» es schon bezahlt hohe. Die Reichsregierung behaupte, Deutschland habe schon das bezahlt, wo»«» schulde. Die franzosische Regierung behaupte das Gegenteil. Um die Wahrheit festzustellen, gerrüge es, dem Vorschlage Blums betreffend eine internationale Sachversiändigenuntersuchung zu solgen. Dadurch, daß man, als es noch Zeit war, nicht die These des internationalen Sozialismus angenommen Hobe, habe man Deutschland alle internationalen Schulden aufgebürdet. Ein Land könne ober nur in dem Maß« seines Ueberschusses aus der Außenhandelsbilanz zahlen. Die wirtschaftliche Wiederoufrichtung Deutschlands hänge von der wirtschaftlichen Organisation Europas ab und diese ihrerseits von der ollgemeinen Abrüstung. Im übrigen verteidigte Vincent-Auriol die drei von Lisan Blum in seiner Nor- bonncr Rede angeführten Bedingungen für die Mitarbeit, die, wie aus seinen Darlegungen hervorging, Maßnahmen seien, die nicht- durch den Willen der Sozialistischen Partei zur Debatte ge- stellt werden, sondern durch die Notwendigkeit, Mittel für die Aus- balancierung des Budgets zu finden. Die Verstaatlichung der Eisenbahn sei angesichts des Defizits der Gesellschaften nur eine Buchungsoperation. Das gesamte Versicherungs» wesen, Sozialversicherung, landwirtschaftliche Versicherung und die Privatnersicherungen müßten in einem allgemeinen staatlichen Ver- sicherungssnstem zusammengefaßt werden. Die Nachmittaqsitzung brachte nach Reden der Abgeordneten Grumbach- Marquct und Deal, die sämtlich die Notwendig- feit der Beteiligunq an der Regierung unter den obwaltenden außergewöhnlichen Umständen betonten und nach einer Rede Brackes, der keine große Begeisterung für die Mitarbeit zeigte, den Höhepunkt der Debatte mit einer Rede Leon Blums. Der Führer der französischen Sozialisten zag gewissermaßen die Bilanz aus den gesamten Reden und legte unter fast ein- stimmigem Beifall des Kongresses die gegenüber den Radikalen in den nächsten Tagen einzunebmende Haltung dar. Blum erklärte, er müsse nicht nur für den Kongreß sprechen, son- der» für die gesamte Oeffentlichkeit. Die von vielen Rednern aus- gesprochene Meinung, daß das Ergebnis der Wahlen die Lage geändert habe und für die Mitarbeit unter allen Umständen ivrechc, teile er nicht. Das Wahlergebnis hätte zwar die Er- Wartungen übertroffen, aber es fei unter den berechtigten Haff- nungen geblieben. Die Sozialistische Partei hätte darauf rechnen können, daß ihre Fraktion die stärkste in der neuen Kammer werden würde. Dann hatte die Sozialistische Partei nicht nur die Führung der Staatsgeschäfte einfach übernommen, sondern sie hätte sie gefordert. Die meisten Bezirksvcrbände der Partei hätten in ihren Entschließungen zum Ausdruck gebracht, daß es unter den gegenwärtigen Umständen nicht möglich sei. die Hypothese der Beteiligung von vornherein abzulehnen, Die Beteiligung enispreche den Wünschen der össenllichen Meinung des Landes und werde auch vom Ausland« erwartet. Sie solle der Regierung einen belebenden Antrieb geben. Aber sie dürfe nicht ohne Bedingungen oder Garantien durchgeführt werden. Diese Bedingungen, die nicht fitr die Radikalen, sondern für die Sozialistische Partei selbst aufgestellt werden, müßten Taten entsprechen. C« handele sich für die Partei nicht darum. wie andere Parteien in der Regierung zie sitzen. Ihre Beteiligung müsse mit einer Aenderung in innen- und außen- politischer Lginsicht verbunden sein. Blum sprach sich dann über die Bedingungen aus: Die erst« sei die Abrüstung. Sie sei zugleich«ine Frag« der allgemeinen Politik und der Budgetpolitik, serner eine Vorbedingung für da» Gelingen der Lausanner Konserenz. Die internationale Abrüstung sei heute mehr denn je notwendig, selbst, wenn nach der Demission Brünings ein Nazikabinett in Deutschland an die Macht komme. Frankreich dürfe durch Ablehnung der Abrüstung Hitler nicht einen Vorwand für die Wiederaus- rüstung Deutschlands geben. Die Kontrolle der Abrüstung müsse durch dle internationalen Organismen und die internationale Ar- beiterschaft gesichert werden. Was die Lausanner Konserenz anbe- treffe, so liege die Houptsragc nicht in der Bezahlung der Reparativ- ncn, sondern darin, ob in Lausanne eine Zusammenarbeit der Völker und eine internationale Zusammenarbeit der Banken und der Großindustrien zustande komme. Die Frage der Verstaat- lichung der Eisenbahnen werde schon in den nächsten Wochen aufgeworfen werden, wenn die Gesellschaften vom Parlament Maßnahmen zur Behebung ihrer Defizits verlangen werden. Die Bersiaatsichung würde keinerlei neue Lasten für da« Land mit sich bringen. Mit der Nationalisierung der Versicherungsgesellschaften sei dasselbe der Fall, denn es müßten Mittel zur Weiterzahlung der Arbeitslosenunterstützung gefunden werden. Die Ausgleichung des Budgets sei nicht mit einer einfachen Einschränkung der Ausgaben, mit einer Verringerung der Gehälter und Löhne möglich. Die neue Regierungspolitik müsse dafür sorgen, daß der Verbrauch er« höht werde, damit die bisherigen Mindereinnahmen aus den Steuern verschwinden. Als weitere Bedingungen müßten die Einführung des Verhältniewahlsystems, das Verbal der privaten Waffen- fabrikation und die Durchführung der 4 0< S t u n d« n- W 0 ch« gefordert werden. Alle diese Bedingungen müßten fd formuliert werden, daß sie von den Radikalen angenommen werden können und sogar müssen.(Großer Beifall.) Anschließend äußerte sich Blum über das weitere Verhalten der Partei. Das Programm für die Mitarbeit werde am Dienstag vom Kongreß angenommen werden. Einer besonderen Mitteilung an die Radikale Partei bedürfe es nach seiner Ansicht nicht. Wenn die Radikale Partei, deren Exckutioausschuß am Dienstagabend zusammenkomme, dann mit Ja antworte, sei die Partei durch diese Antwort gebunden und der Kongreß brauche nicht von neuem zu beraten. Wenn die Radikalen mit Nein antworten, sei die Angelegenheit für die Partei geregelt. Wenn die Radikalen aus- weichende Antworten in dem Sinne:„Wartet ab! Habt Ver- traue» zu uns. Wir werden uns schon verständigen" geben, dann bedeute das nach seiner Ansicht ebenfalls ein Nein.(Großer Bei- fall.) Wenn die Radikalen erklären, sie würden einen Punkt an- nehmen, einen anderen ablehnen und für einen dritten Gegen- vorschlage machen, dann müßte der Kongreß von neuem ent- scheiden. Grumbach fragte daraus Löon Blum, was geschehen werde. wenn die Radikale Partei antworte, sie walle mit einer sozialistischen Delegation über das Programm verhandeln? Werde die Partei dann Ja sagen und dem Kongreß die endgültige Entscheidung über- lassen? Blum erwiderte, wenn es sich bei den Beratungen mit den Radikalen um nebensächliche Punkte des Programme handele, dann habe er nichts gegen die Entsendung einer Delegation einzuwenden. Aber falls die Verhandlungen über den allgemeinen Rahmen des sozialistischen Programms hinausgehen, dann werde er Nein antworten.(Großer Betfall.) Benaudel sagte darauf in etwas gereizten, Ton, er wolle nur eine Bemerkung machen, da«r sich absichtlich nicht als Redner habe einschreiben lassen. Die Frage der Unterhaltung mit den Radi- koien sei wesentlich. Werde man den Radikalen die Beschlüsse des Kongresses in Form eines Brieses iibersendcii, auf den nur mit Ja oder Nein zu antworten fei, oder werde man mit den Radikalen über die Bedingungen verhandeln? Die Anhänger der Beteiligung würden dem Kongreß ein anderes Verfahren als das von Leon Blum vorgeschlagene unterbreiten, denn sein Verfahren mache jede Verhandlung unmöglich und komme der Ablehnung der Beteiligung gleich. Die Intervention Renaudele rief lebhasten Wider- spruch, vor allem auf den Z u s cha u e rt rib üin e n, hervor. was den Vorsitzenden Vincent-Auriol zu der Erklärung veranlaßte, daß er«ine Unterbrechung des Redners durch Nichtkongreßmitglieder nicht mehr dulden werde. Blum beendete dann mit einigen allgemeinen Bemerkungen unier dem fast einstimmigen Beifall des Kongresses seine Rede. Der Kongreß ernannte dann ein« Kommission, die in der Rache, zum Dienstag da» dem Kongreß zu unterbreitende Pro» zramm für die Rsgisrungsbeteiligung ausarbeiten(oll. Um die öffentliche Wirtschast. Das Personal öffentlicher Dienste in London. In London fand dieser Tage der achte Internationale Kongreß des Personals öffentlicher Dienste statt. Im Mittelpunkt der Beratungen stand der Kampf um die öffentliche Wirtschaft. Daneben kamen zur Erörterung die Arbeits- und Organisationsverbältniffe der Berufsfeuerwchr. die II n f a l l f r a g e und die Eindämmung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitszeitoerkürzung. Die Londoner Tagung stellte eine Art Jubiläum dari denn die Internationale des Personals öffentlicher Dienste wurde 1907 in Stuttgart gegründet. Damals zählte sie 15 000 Mitglieder, heute 600 000. Den Geschäftsbericht für die letzten drei Jahre erstattete M ll n t n e r- Berlin, der Sekretär der Internationale. In Eng- land wie in Deutschland, betonte Müntner, haben die Arbeiter eine politische Schlacht verloren. Der Nationalismus ist im Vormarsch. Aus der ander» Seite sind die letzten französischen Wahlen für die Arbeiterschaft günstig ausgefallen. In Spanien hat sich die Arbeiterschaft durch die Revolution Be- wegungsfreiheit verschafft. Die Verbindung der Internationale mit Spanien ist gefestigt worden. Die großen Industrieländer leiden unter dem Zusammenbruch der Privatwirtschaft. Diese versucht, die Risiken auf die öffentliche Wirtschaft abzuwälzen. Trotzdem ist die öffentliche Wirtschaft im Vormarsch. Dr. O p r e ch t- Schweiz berichtete über den Kampf um die öffentliche Wirtschaft. Der Kampf werde zur Zeit in fast ollen Ländern, vor allem aber in Deutschland, mit großer Schärfe geführt. Führende Praktiker müßten künftig in Verbindung : mit Technikern und Verwaltungsfachmännern planmäßig für die öffentliche Wirtschaft wirken. Den Gemeinwirtschaftsfunktionären müsse von den Gewerkschaften und der politischen Partei mehr Auf- merksamkeit gewidmet werden. Der Staat dürfe nicht mit Rot- Verordnungen für Lohnabbau eintreten: seine Aufgabe sei, durch verstärkte öffentliche Wirtschaft das Wirtschaftschaos einzudämmen. O r l o p p- Deutschland wies in der Aussprache darauf hin, daß in der öffentlichen Wirtschast Deutschlands mehr als 2,7 Milliarden Mark investiert sind. In den Jahren 1925 bis 1929 sei eine Steige- rung der Elektroindustrie in der öffentlichen Wirtschast auf 87 Proz. erreicht worden, während die Privatindustrie die Produktion nur um 37 Proz. habe steigern können. Durch die Politik der Be- ratungsstelle sei es der öffentlichen Wirtschast nicht möglich gewesen, in der Zeit der Konjunktur genügend Geld für langfristige An- leihen aufzunehmen. Daher seien die Städte in kurzfristige Schulden und damit in eine furchtbare Lage geraten. Einige Werke habe man durch Ausgabe von Aktien dem Privatkapitalismus ausliefern müssen, so das Vereinigte Elektrizitätswerk Westfalen und die Berliner Elektrizitätswerke. Die deutschen Städte hätten 1932 allein für Erwerbslose 1,5 Milliarden Mark an Unter- stützungcn zur Verfügung stellen müssen: bereits 1925 seien 210 Mil- lionen aus den Werken zu diesen Zwecken verwandt worden, 1930 sogar 480 Millionen. Gegen die Entkommunalisierung habe sich in Deutschland der Gesamtverband mit der Sozialdemokratie kräftig zur Wehr gesetzt, so daß heute noch 86 Proz. der Gasindustrie, 78 Proz. der Elektroindustrie und 95 Proz. der Wasserwerke in der össentlichen Hand seien. Auch die Abwehr der Ferngasversorgung durch die Groß- industrie habe mit Erfolg durchgeführt werden können. In Stockholm ist, wie Rordgreen- Schweden mitteilte, in einem Jahr im städtischen Elektrizitätswerk ein Uebcrschuß von acht Millionen Kronen erzielt worden. In Norwegen sind auch die Kinos kommunal. Die vom Kongreß einstimmig angenommene E n t> s ch l i e ß u n g über die öffentliche Wirtschaft fordert V e r st a a t- l i ch u n g der Bodenschätze, der Naturkräste und des Transport- wesens, ebenso die Ausdehnung staatlicher und gemeindlicher Wirt- schaft auf den Gebieten der Versorgung des allgemeinen Bedarfs. Eine Reform des Bank- und Kreditsystems müsse mit dem Ziel der Verstaatlichung angestrebt werden. Durch Schaffung zentraler Bankenämter in den einzelnen Ländern könne der Wiederaufbau der Wirtschaft erleichtert werden. Die Arbeits- und Organisationsverhältnisse der Feuerwehr wurden von G r o l l m u s- Deutschland beleuchtet. Das Durch- schnittsdienstalter betrage infolge der großen Strapazen zur Zeit nur 17l4 Jahre. Aus diesem Grunde werde in verschiedenen Län- der» die eineinhalbfache Anrechnung des Dienstalters angestrebt. Gefordert werde auch eine bessere Regelung der Wachdienstzeit und ebenso völlige EntMilitarisierung der Feuerwehr. Mitbestimmung?- recht bestehe in sehr verschiedenem Umfange. Selbstverständlich habe auch das Einkommen der Feuerwehrmänner in der Krise gelitten. Das höch st dien st alter solle möglichst bis zum 5 5. Lebens- jähre erreicht werden.— Die belgischen Delegierten wollten das Pensionsalter auf 5 0 Jahre festgesetzt wissen. Eine Eni- schließung im Sinne der van Grollmus abgegebenen Darlegungen wurde vom Kongreß einstinfnüg angenommen. Kommunistischer Dolchstoß. Ein Beitrag zur Einheitsfront bei den Steinarbeitern. Von der Berliner Zahlstelle des Zentralverbandes der Stein- arbeitcr wird uns geschrieben: Wie bekannt, stehen die Berliner Steinsetzer seit zwei Wochen in einem Abwchrstreik gegen den im Schiedsspruch ausgesprochenen Lohnabbau. Dieser Streik ist aus alle,, Baustellen durchgeführt. Es wird nur dort gearbeitet, wo sich die Firmen unterschriftlich verpflichtet haben, bis zum Ab- jchluß eines neuen Lohntarifes die alten Löhne weiter- zuzahlen.� An dem streik sind auch eine kleinere Anzahl RGO.-Leute und eine Anzahl Unorganisierte beteiligt. Während der Zentralverband der Steinarbeiter seinen Mitgliedern lausend Streikunter- st ü tz u n g zahlt, ist die RGO. dazu nicht imstande. Es wird nun mit den gemeinsten Mitteln von den kommunistischen Drahtziehern versucht, in die Reihen der Streikenden Verwirrung zu bringen, um damit zu verdecken, daß sie weder willens noch in der Lage sind, einen Streik durchzuführen. So erschien am Sonnabend in der„Roten Fahne" und in der„Welt am Abend" ein Artikel unter der Ueberschrist: „Den Steinsetzern droht Streikverrat." Es wird da behauptet, daß der Streik der Steinmetzen„von der Gewerkschaftsbürokratie in der gemeinsten und hinterhältigsten Weise abgewürgt" worden sei. Der Bevollmächtigte Genosse N i t s ch e sei in die Streikversamm- lung der Steinmetzen gekommen und habe gesagt, der Schiedsspruch sei vom Schlichter für verbindlich erklärt worden,„weil er sonst seinen Posten verloren hätte". Nitsche beabsichtige, auch die Ver- bindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs jiir die Steinsetzer zu betreiben. Wir brauchen den Lesern des„Vorwärts" nicht zu sagen, daß der Inhalt dieses Artikels erstunken und erlogen ist. Der streik geht mit aller Schärfe weiter. Eine Verbindlichkeitserklärung ist weder ausgesprochen,»och gar von Nitsche verlangt worden. Nach den langjährigen Ersahrungen, die mit der„Roten Fahne" gemacht wurden, braucht man sich nicht mehr darüber wundern, daß jedem moralisch verlumpten Menschen bereitwilligst die Spalten zur Verfügung gestellt werden. Der Gewährsmann der kommu- nistischen Presse betrachtet es als eine revolutionäre Tätigkeit, dem Unternehmer in feiner Freizeit seine Arbeitskrast für Teppich- klopfen, Instandhaltung des Gartens, Pflege der Kaninchenzucht, chühnersllttern usw. ohne Bezahlung zur Verfügung zu stellen, sich aber gleichzeitig in Versammlungen als größter Unternehmerfresser zu gebärden. Der Zweck der ganzen Lügenhetze ist, unter den Streikenden Uneinigkeit zu erzeugen, den Streik zum Zusammenbruch zu bringen und nachher der Gewerkschaft die Schuld j» die Schuhe zu schieben. Wir hoffen, daß den schamlosen Leuten der„Roten Fahne" dieses Bubenstück nicht gelingt und daß die Streikenden durch feste Solidarität in kurzer Zeit einen vollen Sieg erringen. Den Unter- nehmern und den feigen Verrätern zum Trotz. Schiedsspruch für den Ztahrbergbuu. loßnfarif unverändert verlängert. Essen, 30. Mai.(Eigenbericht.) Im Lohn, und Manteltarifstreit des Ruhrbergbaus wurde am Montag ein Schiedsspruch gefällt. Er sieht eine Verlängerung des Lohntariss um zwei Monate vor. Der M a n t e l t a r i f soll mit einigen Aenderungen bis zum 31. März 1933 lausen. Die Nach- Verhandlungen finden am kommenden Donnerstag in Berlin statt. Der Zechenverband wollte die Tariflöhne herabgesetzt haben, sich jedoch verpflichten, daß nur ein Teil der Belegschast von diesem Abzug betroffen werde, während der übrige größere Teil durch llbertarifliche Löhne die alte» Bezüge erholten sollte. Da durch eine solche Regelung der Lohn des Arbeiters einjeitig durch den Unternehmer bestimmt worden wäre, hätte ein klagbarer Rechts» ansprach des einzelnen Arbeiters auf einen bestimmten Lohn nicht mehr bestanden. Der Kernpunkt des Tarisrechts wäre damit ent- fallen. Auch über die Möglichkeit, daß eine größere Zahl von Zechen als bisher"einem bestimmten Lohnabzug zu unterwerfen sei, wie das jetzt schon bei den Randzechen der Fall ist, wurde ver- handelt. Diesem Vorschlag stimmte jedoch keine der beiden Par- teien zu. lim es zu keinem tarijlosen Zustand im Bergbau kommen zu lassen, brachte der Schiedsspruch eine Verlängerung des Lohntariss um zwei Monate. Am Manteltaris wurde nur wenig geändert. Es wurde die Möglichkeit gegeben, über die Arbeitszeit im lausenden Tarif zu verhandeln, wenn über das Mehrarbeitsabkom- inen, das bis zum 30. September kündbar ist, oerhandelt wird. Die Bestimmung zur Verkürzung des Urlaubs um einen Tag wird g e- st r i ch e n. Dafür wird die Urlaubsverglltung für dieses Jahr a u f 70 Proz. gekürzt, es darf jedoch kein besonderer Abzug bei eventueller Kurzarbeit gemacht werden. Voraussichtlich werden die Gewerkschaften den Lohnschiedsspruch annehmen, den Schiedsspruch zum Mantektarif dagegen ablehnen. Brauereien verständigungsbereit? Lm entscheidenden Stadium der Tarifverhandlungen. In dem Streit mit dem Verein Berliner Brauereien über den Abschluß eines neuen Manteltarifoertrages für die Brauereiarbeiter scheint sich eine Verständigung zwischen den Tarifparteien anzu- bahnen. Wie Genosse Schmitz vom Verband der Nahrungsmittel- und Gstränkearbeiter in der kombinierten Mitgliederversammlung der Getränke- und Mühlenarbeiter sowie der Böttcher am Sonntag im Gewerkschastshaus mitteilte, haben die Brauunternehmer in den mehrfachen Verhandlungen schon viele ihrer Abbausorderungen fallengelassen. Ueber den Inhalt der insgesamt 5H tief einschneiden- den Abbauanträge der Brauunternehmer hatten wir im„Vorwärts" bereits eingehend berichtet. Die Forderungen der Unternehmer gipfelten bekanntlich in der Wiederabschaffung der Vierzig st undenwochc, der Umwandlung der Wochenlöhne in Stundenlöhne und damit der Abschaffung der Feiertagsbezahlung, der Ver- schlechterung der Ucberstundcnbezahlung, des Urlaubs usw. Zu den jetzt noch strittigen Punkten gehören vor allem die bisherigen Tarif- bestimmungen über die Arbeitszeit des Tourenfahrpersonals, die Bezahlung der Wochenfeiertage, Entlohnung, Ueberstunden- bczahlung und Urlaub. In diesen Fragen bestehen zwischen den Parteien noch sehr weitgehende Differenzen. Schmitz betonte, daß die Gewerkschaften weiterhin versuchen werden, zu einer freien Vereinbarung mit den Brauereien zu kom- men. Er ließ aber auch keinen Zweifel darüber, daß jede Verstän- digungsbereitschaft schließlich ihre Grenzen hat. Von der Versamm- lung wurde vor allem zum Ausdruck gebracht, daß an der Forde- rung auf Beibehaltung der Vierzig st undenwoche unbedingt festgehalten werden müsse. Dem Bericht schloß sich ein instruktives Referat des Redakteurs der„Einigkeit", Genossen L a n k e s, an über die Bedeutung der Gewerkschaften in den bevorstehenden wirtschaftlichen und politische» Entscheidungskämpsen. Oer Mann mit der Stoppuhr. Dreigefpräch vor dem Mikrophon. „Kann die Stoppuhr die Arbeitsleistung im Betrieb st e i g e r n?" hieß das Thema, über das im Programm der Funkstunde Ministerialrat Professor W o l d t, ein Betriebs- tcchniker und ein Metallarbeiter sich unterholten wollten. Leider führte die Aussprache nicht zu einer übersichtlichen Klarstellung der Frage: denn es war, um auch dem nicht fachkundigen chörer das Verständnis zu ermöglichen, Erläuterung einer großen Anzahl tech- nischer Begriffe notwendig. Es wäre daher notwendig gewesen. diesem sehr zeitgemäßen Stoff etwas mehr Raum im Programm zu geben. Der chörer gewann so nur einige Einsicht in die Art und Weise, wie das für die Lohnfestsetzung maßgebende Arbeit;» tempo berechnet wird. Der Betriebstechniker erläuterte die vom Reichsausschuß für Arbeitszeitermittlung aufgestellte Methode, das auf dem Taylor- s y st e m ausgebaute Refa-System, das nicht nur auf Grund des von ihm ermittelten Arbeitstempos die Basis für die Akkord- löhne aufstellt, sondern das vor allem auch Arbeits- beschleunigung durch Rationalisierung der menschlichen Arbeitsbewegung und durch Verbesserung der Arbeitswerkzeuge und Arbeitsausteilung erreichen soll. Von den Spannungen, die dabei zwischen Kalkulator und Arbeitenden entstehen, bekam man eine Andeutung in den Aussagen des Metallarbeiters, der über ungenügende Berücksichtigung der individuellen Leistungs- schwankungen und der Verlustzeiten, die im Dienst der Arbeit, ober auch aus persönlichen Gründen unvermeidlich sind, Beschwerde erhob. Daß„der Mann mit der Stoppuhr" die Aufgabe hat, die Löhne zu drücken, wurde von dem Betriebstechniker aus- drücklich bestätigt. Die Akkordvereinbarungen mit dem Meister, meinte der Metallarbeiter, waren häufig gerechter, weil dieser die Betriebsverhältnisse und die Besonderheit der verarbeiteten Mate- rialien genau kennt, während der Kalkulator, der aus seinem Büro kommt, seine Ausgabe mehr als theoretisches Rechenerempel ansieht. Der Mehrverbrauch an Arbeitsfähigkeit, die eine so „rationalisierte" Arbeitsmethode für den einzelnen Arbeiter zur Folge hat, wird heute nirgends berücksichtigt. Die gewerkschaftliche Forderung nach Arbeitszeitverkürzung müßte unbedingt erfüllt werden, schon um hier den unerläßlichen Kräfteausgleich zu schaffen. Ausnahme von Arbeitslosen. Ein Beschluß des Bergbauindustriearbeiter-Verbandes. Die freien Gewerkschaften haben es bisher abgelehnt, arbeits- lose Angehörige der Berufe, die zu ihrem Organisation?- und Agi- tationsgebiet gehören, als Mitglieder aufzunehmen. Sie waren der Auffassung, daß der Arbeitslose während der Zeit, da er noch in Beschäftigung stand, Gelegenheit hatte, sich für den Eintritt in eine Organisation zu entscheiden. In der letzten Zeit mehrten sich aber im Lager der freien Ge- werkschaften die Stimmen, die diese Einstellung gegenüber den Ar- beitslosen angesichts der anhaltenden Arbeitslosigkeit für über- holt hielten und die Forderung erhoben, auch Erwerbslosen den Eintritt in die Gewerkschasten zu gestatten. In vielen Gcwerk- schaftszeitungen wurden über diese Frage Artikel veröffentlicht, die sich mit der Zweckmäßigkeit der Aufnahme von Erwerbslosen ein- gehend beschäftigten. Auch im freigewerkschaftlichen Verband der Bergbau- industriearbeiter wurden solche Wünsche laut. Vorstand, Beirat und Kontrollausschuß dieser Organisation haben nunmehr eine Aenderung des Verbands st atuts beschlossen, die den Wünschen nach Aufnahme arbeitsloser Verbandsmitglieder Rechnung trägt. Mitglieder des Bergbauindustriearbeiteroerbandes können ab 1. Juni nicht nur die Arbeiter werden, die in der Berg- bau- und Salinenindustric oder den unmittelbar dazugehörigen Nebenanlagen beschäftigt sind, sondern auch solche Arbeiter, die in diesen Industrien beschäftigt waren, zur Zeit aber arbeitslos sind. Auch solche Jugendlichen können Mit- glieder des Verbandes werden, die zwar noch keine Berufswahl getroffen haben, aber gewillt sind, in der Bergbauindustrie Be- schästigung anzunehmen. Diese Jugendlichen zahle» kein Eintrittsgeld, sofern sie sich innerhalb eines halben Jahres nach ihrer Schulentlassung zur Aufnahme melden. Die Arbeitslosen zahlen gleichfalls kein Ein- trittsgeld. Der Verbandsbeitrag für die während der Arbeitslosigkeit aufgenommenen Mitglieder beträgt 5 Pf. pro Woche: zu diesem Beitrag können die Bezirke noch einen Be- zirksbeitrag in gleicher Höhe erheben. Die während ihrer Arbeits- losigkeit dem Verbände beigetretenen Mitglieder haben nur An- fpruch auf einfachen Rechtsschutz und Lieferung des Ver- bandsorgans. Oer Rücklauf bei Opel. Kurzarbeit, Gehalts- und Urlaubskürzung. Rüsselsheim, 30. Mai. Die Opel-Werke haben sämtlichen Angestellten mitgeteilt. daß vom 1. Juni ab eine Kürzung der Arbeitszeit für sie eintritt und damit eine weitere Gehaltskürzung um 5 bis 10 Prozent. Die vom Angestelltenrat gebilligte Maßnahme soll einer Entlassung von über 200 Angestellten vorbeugen. Die regelmäßige Arbeitszeit der Angestellten ist auf 35 Stunden wöchentlich, sieben Stunden ar> beitstäglich herabgesetzt. Für die in den Erzeugungsbetrieben be- schäftigten Arbeiter wird bis auf weiteres eine wöchentlich zwei- tägige Kurzarbeit eingeführt<16 Stunden). # Freie Gewerkfchafts-Iugend Berlin Heute, Dienstag, 31. Mai, um 19>�. Uhr, tagen die Gruppen: Gewerk- schaftshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus. Engelufer 24—25. Ein Tag im Gefängnis.- Steglitz: Jugendheim Flemmingstr. 14k. Wilhelm- Vusch-Abend.— Moabit: Jugendheim Bremer Str.(59-— 70. Die neuen Gewerk- fchaftsaufgahen in der Nachkriegszeit.— Spandau-Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz Secburger Straße. Der Abend gehört der Gruppe.— Pankow: Jugendheim Kissingenstr. 48, Zimmer 5. Portragsfartsetzung: Grundbegriffe de« Sozialismus.— Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Heiteres aus Bauern und Tirol.— Lichtenberg: Jugendheim Doffestr. 22. Lustiges Monats- ende.— Neu-Lichtcnbcrg: Jugendheim Gunterstr. 44. Liederabend.— Ostcnde: Jugendheim Karlshorst, Treskowallee 44(Kantschule). Mein Arbeitstag— mein Feiertag.— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. Dos luftige Buch— die lustige Schallplatte.— Adlershof: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1. Heimbesprechung.— Wir spielen ab 18 Uhr: Rordostkrcis: Sport- platz Einsame Pappel. Südostkreis: Sportplatz am Urban. Rordkreis: Sport- platz�Humboldthain. Iuqendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Hcutc. Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt! Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Vortrag:„Was mitssen wir vom Lehrver. trag und vom Tarisvertragswesen wissen?" Reserent Ellert.— Nordwest! Zugendhein, Lehrter Str. 1.8—19. öchallplattcnabcnd.— Gesundbrunnen, Jugendheim Schiinstedtstr. l. Vortrog:„Internationale Gewcrlschaftsfragen". Referent Lamm.— Unser Sprach, nnd Bcwcgungschor Übt von 21)— 22 Uhr in der Turnhalle Baruthcr Str. 20.— Spiele im Freien: Leute ab 18 Uhr Sport. platz Rehberge.— Sportabteilung Handballer: Trainingsspiele auf dem Sport. platz Neukölln, Znnstraßc, Verantwortlich fllr Politik: Victor Schiss! Kirtschatt: S. lllingelhäser! Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: Dr, John Schikowski: Lokolea nnd sonstiges: Fritz Zkarstädt, Anzeigen: Th, Glocke: sämtlich in Berlin, Verlag: Vorwärts-Verlag G in. b. H.. Berlin Druck: Borwärts.Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u Eo. Berlin EW. 68. Lindenstratze 3. Hierzu 2 Beilagen. Kakkee Hag; «« so gesund wie er gut ist «. unübertrefHidi, aber nicht teurerf Seit 1030 «31 QJ. billigsrk I!r. 251» 49. Zahrganq �66<�9 01*1001*�0 Dienstag. ZI. Mai 1932 Unerträgliche Not der Mieter So geht es unmöglich weiter Die am 29. Mai 1932 zur Suudcsbeiratssilzung in Serlin m- sammellcn Vertreter der Landes-, Vrovinzial- und Vezirksverbändc im Rcichsbund Deutscher Mieter e. v. s Sih Berlin) tiaben eine prolestresolutian angenommen, in der aus das Ichärsslc gegen die sowohl von der R e i ch s r c g i c r u n g als auch von den L a n- dcsregicrungen und den Gemeinden unter dem starken polllischen Druck des radikalen fiausbesilzes und seiner Freunde seit mehreren wahren betriebene und gerade in neuester Zeil immer mehr verschärsle unsoziale Mieten- und Mohnnngspolilik Einspruch erhoben, In der Entschließung heiht csi„Trog des katastrophalen Ilm- langes der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit und trotz der wieder- holten starken Senkung der Gehälter und Lohne, der Renten und Unterstützungen— unter gleichzeitiger starker Steigerung der Steuer- lasten— ist die von der gesamten Mieterschait seit langem geiordertc und endlich angeordnete Senkung der Mieten in den ersten Ansängen steckengeblieben. Die am 1. April 1S3Z eingetretene Senkung der Hauszinssteucr Und mehrere Lockcrungsmatznahmen haben gerade nir besonders hilss- bedürftige Mieter teils die Mietsenkung illusorisch gemacht, teils sogar darüber hinaus eine Miclfteigerung herbeigeführt. Ist die Miel- sentung in den Altbauten schon völlig unzureichend gewesen, so hat sich die Mietsenkung in den Neubauten, trotzdem die llieubaumieten erheblich über den Altbaumieten liegen, infolge der Verknüpfung mit der Zinsseitkung und infolge der Unterlassung wirksamerer Matz- nahmen zum Teil gar nicht, zum Teil nur in ganz geringein Um- fange ausgewirkt. Die immer noch bestehende starke Uebersteigerung der Mieten führt zu immer grögeren Mietrücksländen und damit— trotz Sleigens der Mohnungsnot — zu immer häufigeren Exmissionen und zu Zusammenbrüchen gemeinnütziger Mohnungsunternehinen. Der durch die Notverordnung der Reichsrcgierung herbeigeführte nollige Abbau der Hauszins ft euer zugunsten des Hausbesitzes und die durch die gleichzeitige Entziehung der Hauszinssteucrinittel erfolgte Drosselung des Wohnungs- b a u e s haben nicht nur dem entschuldeten Alchausbesig Riesen- gewinne in noch itie dagewesenem Umfange in den Schoß geworfen, sondern auch das Baugewerbe— einen wichtigen Bestandteil unserer Wirtschaft— fast vö l l i g stillgelegt; hunderttausende Bauarbeiter haben das Arbeitslosenheer vermehrt, ganz zu schweigen von den Arbeitslosen in der Baustoffindustrie. Eingeleitet durch die Rowerordnungspolitik der Rcichsregierung, die sogar die Laienbeisitzer in Mietsachen beseitigt hat. nimmt der Abban des Mieterschutzes derart absurde Formen an. daß z. B. in Thüringen bereits Mahnungen mit 15 M. monal- licher Friedcnsmiete als„teure Mahnungen" gelte» und den Mieterschuhbestimmungen nicht mehr unterliegen. Trotz steigender Wohnungs.not, verschärft durch die Stillegung der Neubautätigkeit, wird das Wohnungsniangelgefetz immer mehr außer straft gesetzt, unbekümmert um das Elend und die Rot der Betraf- fenen. Die Unterbringung der Wohnungslosen erfolgt in vielen Genieinden in durchaus menschenunwürdiger Weise. Wohnstätt« und Arbeitsstätte werden— entgegen den Berheitzungen des Artikels 155 der Rcichsverfassting— immer mehr der berufsniätzizen Spukulation ausgeliefert. Die Vertreter der Mieterverbände im Reichsbund Deutscher Mieter fordern desigüb erneut und dringend von der Reichsregierung. den Landesregierungen und den politischen Parteien; 1. Sofortige weitere Senkung der Mieten für Wohn- und Geschästsrämiie in Alt- und Neubauten bis auf die Höhe der Friedensmieten und Fortführung der Mietseirkung zur Anpassung der Mieten an die bis weit unter den Borkriegswert verminderten Einkommen der Mieter— 2. Gewährung von Mietzuschüsse n in Alt- und Neubauten nir sozial bedrängte Mieter.— 3. Schnellste Ingangsetzung der'Neubautätigkeit durch die Bereit- stelliing öffentlicher Mittel.— 4. Sofortige Wiederherstellung eines ausreichenden Mieterschutzes— unter Aufhebung aller Lockcrungs- Verordnungen— bis zur völlige» Beseitigung der Wohnungsnot.— 5. Schaffung eines zeitgemätzcn sozialen Miel- und W o h n- rechts als Doucrrecht nach den Forderungen des Reichsbundes Deutscher Mieter und Wiederaufbau einer Mietgerichtsbarkeit mit Laienbeisitzern.— b. Restlose Erfassung der I n f l a t! o n s gewinne des Hausbesitz es.— 7. Schaffung eines gesetz- lichen Zwanges für de» Hausbesitz zur Durchführung der notwendigen Reparaturen.— 8. Reichsgesetzlichen Ausbau der Wohnungs- aufsicht und Wohnungspflegc. Die vorgeschlagene Wohnraumsteuer lehnen die Versammelten erneut mit aller Entschiedenheit ab. Prügclanstalt Waldhof. Fürsorge2ÖglingcalsOpfcrvonSadistcn/Sieb€n,Erzieher'vorGericht Die Fürsorgeanstalt M a l d h o s bei Ternplin wird in der Geschichte der Anstaltserziehung der Inneren Mission mit zu den trübsten Kapiteln gehören. Die unglaublichen Zustände, die hier herrschten, stehen jetzt zur Verhandlung vor dem Schässengericht in prenzlau. In Waldhof bei Templin gehörte die Züchtigung der Zög- linge neben der Jsolierabteilung zu der hauptsächlichste» Erziehungs- motz nähme. Der Direktor der Anstalt Pastor G r ü b e r ging dabei mit schlechtem Beispiel voran; auch ihm rutschte die Hand beim geringsten Anlaß aus— er verdankt wohl nur einem glücklichen Zu- fall, daß nicht auch er auf der Anklagebant sitzt—; er wußte, daß seine Erzieher prügelten, er duldete es und Hai sich zum mindesten moralisch mitschuldig gemacht. Am schlimmsten trieb es aber mit feinem Wissen sein Stellvertreter Franke. Die Erlasse des Wohlfahrtsministeriums, insbesoiidere der Erlaß von 1928, der die Züchtigung schulentlassener Fürsorgezöglinge verbot, wurden einfach ignoriert. Die Erzieher und die pädagogisch vollkommen linvorgebildeten Landwirte wußten sich nicht anders zu helfen, als durch Mißhandlung der Zöglinge. Daß sich unter diesen auch Schwachsinnige und schwere Psychopathen befanden, auch solche, die von den Eltern unmittelbar in die Anstalt gebracht wurde», störte sie nicht; sie prügelten lustig darauf los. Man kann hier ohne Uebertreibung von Sadismus reden. Angeklagt find die Erzieher Willi Frank, Wenda und K n u b l a ii ch, die Landwirte Stein, Küchen maiin und Ja p p und der Wohlfahrtspfleger Terschler, Terfchler und Knublauch in der Hauptsache wegen sittlicher Verfehlungen gegenüber den Zöglingen, die übrigen wegen körperlicher Mißhandlung mittels gefährlichen Werkzeugs, Dem Stellvertreter des Pfarrers Gruber, Franke, werden zehn Fälle von Mißhandlung zur Last gelegt— die„unbedeutenden" Fälle hat die Anklage überhaupt unter den Tisch fallen lassen. Das gilt für sämtliche Angeklagte. Wie machte es aber zum Beispiel der„Erzieher" Franke? Dem Für- sorgezögling W., der seit neun Jahren in der Anstalt war, versetzte er, bloß weil dieser widersprochen hatte, einen Faustschlag ins Gesicht und warf nach ihm mit einem Schlüsselbund; dem Jungen wurde dabei die Ohrmuschel durchbohrt. S. war aus der Lehre davongelaufen und hatte ein Fahrrad gestohlen. Franke bedeckte seinen Körper vermittels eines Gummifchlauches nrit Striemen und schlug an ihm einen Schemel entzwei. Den körperlich zurück- gebliebenen 19jährigen Sch. bearbeitete er mit einem armdicken Stück Holz. An dein psychopaihischen Zögling N. brach er eine Latte entzwei. Den Jungen B. stieß er gegen die Tür und ver- ursachte bei ihm Nasenbluten. Auf H. schlug er mit der Faust ein, bis der Junge zu Boden fiel, und bearbeitete ihn dann mit Füßen. M., der 50 Mark vertrunken hatte, bekam Frankes Lederriemen auf dem bloßen Hemd in einer Weise zu spüren, daß sein Körper noch lange Zeit blutunterlaufene Striemen zeigte. In gleicher Weise wurde von ihm Schl. in Behandlung gänammen. Das war also Franke. Und die übrigen Angeklagten; Dem 27jährigen Erzieher Wenda werden drei Fälle zur Last gelegt. Den Zöglina F. bearbeitete er mit einem Hackenstiel; als er ihn auch zu Boden werfen und mit Füßen treten wallte, wurde er daran von den anderen Zöglingen gehindert. Den löjährigen B. schlug er mit einem Emaillekochdeckel auf den Kopf und verletzte ihn am Ohr. Dem 19 Jahre alten W. verabfolgte er Ohrfeigen und warf ihn die Treppe hinunter; der Junge trug eine Knieverletzung davon Wenda hatte auch schon früher einmal einen Zögling die Treppe hinuntergeworfen. Dem Landwirt Küche»mann wurde der 14jährige R. patzig; der„Erzieher" schlug ihn mit seinem Sapzierstock aus das Gesäß, der Junge wollte sich dagegen schützen, indem er die Hand vorhielt; ein Schlag brach ihm de» fünften Mittelknochen. Pfingsten 1929 schlug Küchenmann in der Strafabteilung den ldjährigen P. über den bloßen Körper; die blutigen Striemen platzten und ver- ursachten dem Jungen gräßliche Schmerzen. Der Angeklagte I a p p bearbeitete einem schwachsinnigen Zög ling, der ihm vorgelogen haben sollte, er habe die Kühe bereits gefüttert, mit einem armdicken kantigen Holz Kopf, Schulter und Handgelenke. Dann nahm er ihn am Kragen und stieß ihn mit so großer Wucht gegen die Steinmauer, daß ein Stück ausbrach. Der Junge trug Beulen am Kopf und Schwellungen an den Hand- gelenken davon; es mußte ihm ein Verband angelegt werden, er war mehrere Tage arbeitsunfähig. Und schließlich der Lehrer Stein. Auch er veruriachte einen, Zögling Armoerletzungen und Quetschungen. Die sittlichen Berfeh- luungen der Wvhlfahrtspflegcrs Tejchler und des Erziehers Knublauch an den Jungen vervollkommne» nur das Bild von den in dieser Anstalt der Inneren Mission herrschenden Zuständen. Pfarrer G r ü b e r ist heute noch im Dienst, er wird vor Gericht als Zeuge erscheinen. Außer ihm sind noch 59 Zeugen geladen, zum größten Teil Zöglinge der Anstalt, aber auch mehrere Persönlich- leiten vom Landesjugendamt, unter anderem Frau W e y I, Ober- maaistratsrat Dr. K n a u t h und Minna Todenhagen. Eine Reihe von Sachverständigen wird ihr Gutachten erstatten. Für die Verhandlung stich vier Tage vorgesehen. Kommunist von Nazis niedergestochen. Im Osten Berlins in der Blumenstraße wurde gestern abend ein K o m in u n i st von sechs H a k e n k r e u z l e r überfalle»»ich niedergestochen. Der Verletzte wurde über die Rettungsstelle ins Krankenhaus gebracht. Vier Täter wurden vom Ueberfallkommando jestgenominen und der Politischen Polizei über- geben. Kurze Zeit darauf entspann sich in der M a r l u s st r a ß e eine blutige Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozia listen, bei der es mehrere Verletzte gab. In diesen, Falle wurden drei an der Schlägerei Beteiligte festgenomnien. Sturmslut in Swinemünde. Ein schweres Unwetter ging über Swinemünde nieder. Große Strand- und Anlagenslrccken wurden überflutet und zum Teil schwer beschädigt. In vielen Häusern steht Grundwasser. SISN/U.? KRAGENKNOPF? meAr dxvriißzrj&rfutir&n! tähen Raffiniertes Bestechungssystem. Die Geschäfte der Gklarekei. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg setzte am Montag seine Anklagerede fort, in deren Verlauf er auch zu dem gege» die Sklareks erhobenen Vorwurf der aktiven Bestechung und des Konkursoerbrechens plädierte. Zunächst beschäftigte er sich mit den Pflichtwidrig- leiten des Angeklagten Bürgermeister Schneider und wandte sich alsbald dem Angeklagten Bücherrevisor L u d i n g zu, der als Beamter des Finanzamts bewußt die Augen geschlossen und den Sklareks bei ihren Steuerverschleierungen geholfen habe. Er habe dafür Garderobe und Barzuwendungen in Höhe von 6800 Mark bekommen, sich also der passiven Bestechung schuldig gemacht. Der Staatsanwalt beschäftigte sich hierauf mit dem gegen die Gebrüder Sklarek erhobenen Vorwurf der aktiven Be- st e ch u n g und erklärte, daß alle drei in gleicher Weise an den Zuwendungen beteiligt seien. Sie hätten den Beamten je nach ihrem Einfluß und ihrer Stellung Borteile gewährt, wenn sie sich selbst davon etwas oersprachen. Leo Sklarek habe dos auch sehr drastisch einmal in der Verhandlung mit den Worten:„Du mir, ich dir" ausgedrückt. Die Sklareks hätten geradezu ein rafsinicrles Sestechungs- inftem ausgeklügelt und die Beamten durch die Lockspeise der Geschenke und Renngewinnc in ihre Behe gezogen. Einen weiteren Abschnitt des Plädoyers nahm die Erörterung der finanziellen Lage der Sklareks in Anspruch. Ihr Umsatz habe zunächst einige Millionen betragen, während ihre Schulden von 368 lXX) Mark im Jahre 1924 auf 9,8 Millionen Mark im Jahre 1929 gestiegen seien. Systematisch sei alles nur verfügbare Geld aus dem Geschäft herausgezogen worden. Zur Verschleierung habe ein besonderes Buchungssystem gedient. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sei ein Indizien- beweis vorhanden, daß die Sklareks Vermögenswerte beiseite- geschafft und irgendwo als Reserve verborgen haben. Diese Ansicht werde durch die Aussage des Mitangeklagten Buchhalter Lehmann gestützt, daß die Sklareks Privatentnahmen in Höhe von über 11 Millionen gemacht hätten, so daß aus jeden 3,7 Mit- honen entfielen. Eine derartige Summe hätte nicht einmal bei dem Auswand der Sklareks durchgcbracht und verpraßt werden können. Daß sie noch Mittel hinter sich hätten, gehe auch aus ihrer jetzigen Lebensführung hervor und aus der Tatsache, daß sie auch jetzt noch drei Dillen mit großen Wohnungen bewohnten. Auch die Aeußerung Leo Sklareks gegenüber der Frau Seidler: „Jetzt ist es Zeit, etwas beiseitezuschaffen", bestätigt diese Annahme der Anklage. Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg kam zu dem Ergebnis, daß die Angeklagten Leo und Willy Sklarek den Tat- bestand des Konkursverbrechens zum Schaden ihrer Gläubiger erfüllt hätten. Die Verhandlung wurde dann auf Mittwoch vormittag vertagt. Der Strafantrag ist vielleicht am Montag nächster Woche zu erwarten. -1240 Menschen flogen über den Ozean. Während mit der Heimkehr des vc> X der Flug mit dem größten„Schwcrer-als-die-Luft-Flugzeug" seinen glücklichen Ab- schluß findet, tagte gleichzeitig in Rom der Kongreß der Ozean- slieger. Beide Ereignisse rechtfertigen einen kurzen Rückblick auf die bisherigen Etappen des Ozeanflugs. Es ist wirklich schon 13 Jahre her, seit der Kampf um die Be- zwingung der Ozeane mit Flugzeug und Luftschiff in voller Schärfe entbrannte. Die Zeitgenossen haben schnell vergessen, daß bis heute schon weit mehr als 1999 Menschen mit Flugzeug und Lustschiff die Ozean« in den verschiedensten Richtungen überquerten. Allein mit Luftschiffen wurden bisher 31 Fahrten über den Ozean durchgeführt. Mit Flugzeugen wurden bisher 19 8 Flüge über den Ozean glücklich durchgeführt, an denen vorwiegend Ver- treter der europäischen Nationen, neben den deutschen Fliegern vor allem Italiener, Engländer, Spanier, Schweden und auf der anderen Seite eine große Zahl von Fliegern aus den Bereinigten Staaten, zuletzt Miß Earhart beteiligt waren. Von den 1 2 4 9 M e« s ch e n, die über den Ozean flogen, entfällt der weitaus größte Teil auf die Luftschiffe„ZK 3", die heutige„Los Angele s", und auf den„Graf Z e p p e l i n", die bei ihren bisherigen Fahrten ein- Jlngrine gegen RundfunhinfeiHlanz. Ein Prozeß um einen Roman. Der frühere Musitschriftsteller Reinhold Schar nkc übernahm vor fünf Jahren die Redaktion der bürgerlichen Funk- Zeitschrift„Die F u n k w a ch e", die damals unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erschien. Ihre Auflagezifser Hab sich erst, als der neue Schriftsteller sensationell aufgemachte Angriffe gegen die Intendanz der Berliner Funk stunde richtete, die in dieser Farm ebenso unsachlich wie unzweckmäßig waren. Wiederholt hat der„V o l k s s u n k" gegen die mangelhast be- gründeten Angriffe Stellung nehmen und daraus hinweisen müsse», daß sich die sozialdemokratische Hörerschaft in keiner Weise mit einer Kritik identifizieren könne, die einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Programnlleitung nur schaden würde. Vor einigen Monaten wollte Scharnkc einen Rundfunk- r o m a n verössentlichen, der jedoch von der Staatsanwaltschaft be- schlagnohmt wurde. Jetzt hatte sich der Autor und sein Verleger vor dein Schöffengericht Berlin-Mittc wegen B«- leidigung und übler Nochrede gegen den Intendanten der Berliner Funkstunde, Dr. Flesch, der durch Dr. vom Berg vertreten wird, zu verantworten. Während der Vergleichsverhandlungen, die der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Margraf, anregte, erklärte der als Nebenkläger zugelassene Dr. Flesch, daß die Beschlagnahme des Buches nicht etwa erfolgt sei, um einen unbequemen Kritiker inundtot zu machen. Die Anzeige der Rundfunkoerwaltung sei vielmehr not- wendig geworden, weil dem Berliner Rundfunkintendanten schwere dienstliche Verfehlungen vorgeworfen worden sind, die ihm in der Oeffentlichkeit schaden könnten. Es stellte sich nämlich heraus, daß das Buch den Eindruck eines Schlüsselromans erweckt, in dem fast allen leitenden Persönlichkeiten des Berliner Rundfunks eine mehr oder weniger üble Rolle angedichtet wurde. Der Beklagte Scharnke bestreitet jedoch, einen Schlüsselroman geschrieben zu haben, eine Feststellung, die ebensowenig glaubhaft klingt wie die Erklärung seines Verlegers, der den Inhalt des Buches vor der Drucklegung nur zum Teil gekannt haben will. Die Vergleichsverhandlnngen scheiterten. Vor Eintritt in die Beweisaufnahme stellt der Ver- leidiger des Beklagten, Dr. Sack, zur Heiterkeit der Zuhörer den Antrag, den Roman nicht nur zu verlesen, sondern die Vorlesung auch durch Rundfunk zu verbreiten. Der Verteidiger verlangt serner, den nationalsozialistischen Schriftsteller Hans Heinz Ewers als Sachverständigen darüber zu hören, ob das Buch als Schlüsselroman zu werten sei. Das Gericht begnügte sich mit der Verlesung des Roman«, die von dem Ansoger der Funkstunde, Ianecke, vorgenommen wurde. Es handelt sich um einen l i t c- rarisch schlecht zu bewertenden Roman, der sich mit allen möglichen.Intimitäten" beschäftigt. Jeder auch nur halbwegs unterrichtete Leser würde die in dem Buch bezeichneten Personen ohne weiteres mit Dr. Flesch und anderen Persönlichkeiten des Rund- funks verwechseln. Im Laus- des Prozesses macht sich niehr und mehr eine politische Tendenz bemerkbar, die der Verteidiger des Be- klagten durch den Ausruf„Deutsch der Rundfunk!" bekräftigte. Das Buch Scharnkes, von dem übrigens 69 Exemplare in der Druckerei gestohlen wurden, ist gegen„das heutige System im Rundfunk" ae- richtet und schließt in der Einleitung mit den Worten„Die Welle weinte". Der Prozeß wird auf heute, Dienstag, vertagt. schließlich der Besatzung rund 999 Menschen über den Ozean trugen. Von den Flugzeugen hatte der soben heimgekehrte vo X die größte Zahl von Menschen während einer Ozeanüberquerung an Bord, und daher werden die Erfahrungen, die auf diesem Fluge gesammelt werden konnten, für die Zukunft der Ozeanflüge von besonderer Be- deutung sein. Wieder ein Jahr Zuchihaus für Strecker. Die Strafe soll niedergeschlagen und gelöscht werden. Dos Schwurgericht in Potsdam unter Vorsitz von Landgerichlsdirektor h e l l w i g verurteilte den 70jährigen Schriftsteller Karl Strecker wegen Brandstiftung in Tateinheit mit Versicherungsbetrug wiederum zu der Mindestflrase von einem Zahr Zuchthaus. l In der Urteilebegründung hob der Vorsitzende hervor, daß e« dem Schwurgericht sehr schwer gefallen sei. den Urteilsspruch zu verkünden, da den Richtern bei der Verkündung eines Frei- spruches wohler gewesen wäre. Die Rechtsprechung verlange aber, daß ein Maßstab angelegt werden müßte, den der Gesetzgeber aus- gestellt habe. Das Schwurgericht habe zwar keinen Zweifel, daß der Angeklagte an feine Angaben selbst glaube, aber nach sorgsamer Prüfung könne d a s Gericht diesen Angaben nicht folgen. Das Mo tiv der B r a nd sti ft u n g sei der Wunsch gewesen, die Versicherungssumme zu erlangen. Da die Triebfeder hierzu der Wunsch war, seine Frau noch seinem Tode nicht mittellös zurückzulassen, sei das Motiv durchaus geeignet, auch einen ehrenhaften Mann in solch schwerer seelischer und Wirtschaft- licher Notlage zu einer derartigen Tat zu bringen, die seiner cigent- lichen Persönlichkeit vollkommen fremd gewesen sei. Die Tat sei das einmalige Ereignis im Leben eines sonst tadellosen Menschen, der für seine Familie und für die Allgemeinlzeit viel geleistet habe. Da die Mitglieder des Gerichts die Tat als Menschen anders beurteilen, als sie sie als Richter beurteilen müssen, wolle das Schwurgericht von sich aus ein Gnadengesuch für den Angeklagten einreichen und beantragen, die Zuck�hausstrase in eine Gefängnisstrafe zu verwandeln, die Gefängnis st rase dem Angeklagten voll zu erlassen und die Strafe aus dem Vorstrasenregister zu tilgen, da das Gericht nicht den mindesten Zweifel habe, daß dieser Angeklagte niemals wieder die leiseste llebertretung des Gesetzes vornehmen würde. Die verstehende und verzeihende Menschlichkeit der Richter soll keineswegs getadelt werden, wohl aber ist zu wünschen, daß alle Angeklagten, denen es so geht wie Strecker, ebensolche menschlichen Richter finden mögen. Hackebeil-Akten verschwunden. Nachdem der früher« Generaldirektor Guido Hackebeil von der Hackebeil A.-G. vor einigen Wochen aus der Uiüersuchunzs- hast, in der er wegen des Verdachts des Betruges, der Urkunden- fälfchung und der Bilanzverschleierung saß, mangels hinreichenden Tatverdochts entlassen wurde, sind auf bisher ungeklärte Weise beim Konkursverwalter 13 Geschäftsbücher aus dem Jahre 1928 verschwunden. Erkrankung des Oberbürgermeisters. Oberbürgermeister Dr. Sah m ist seit Dienstag vergangener Woche wegen einer fieberhaften Halsentzündung bett- lägerig. Der behandelnde Arzt, Sanitätsrat Dr. Aschoff, hat erklärt, daß mit der Wiederaufnahme der Dienstgeschäfte frühestens Anfang nächster Woche zu rechnen sei. 4000 Krawatten gestohlen. In der Nacht zum Montag statteten Einbrecher zwei Herren- artikelgeschäften im Osten Berlins und in Neukölln einen völlig unerwarteten Besuch ab und stahlen dabei insgesamt 4999 Krawatten. Die eine Kolonne drang in die Räume der Firma Herbst in der Großen Frankfurter Straße 83 ein, die andere suchte das Geschäft von Margulies in der Bergstraße 159 auf. Außer den Krawatten nahmen die Täter noch zahlreiche Oberhemden mit. ..hundesteuermarken!" Der Deutsche Tierschutzverein teilt uns mit, daß der Termin, bis zu welche,» die vorjährige Hundesteuer- marke noch Gültigkeit hat. auf den 3l. Mai festgesetzt ist. Hunde, welche nach hiesem Tage mit einer Steuermarke von 1931 und rück- liegend von den Fanabeamten des„Amtlichen Hundefangs" an- getroffen werden, werden von diesen eingefangen und als Fang- Hunde behandelt,„da sie nicht mit einer gültigen Steuermarke versehen waren". Oskar WoKrlci �auHus. Und vorhin, eine Viertelstunde vielleicht, ehe die Böhmen sich meldeten, als er den wütenden Krach mit der Königin hatte, da brachte diese Wespe eine grüne Raupe mit ange- schleppt, die sie mit vielem Flügelgeräusch in die kleine Röhre versenkte. Er, Sigmund, hatte mitten im zornigen Schreien ausgehört und war ins Fenster getreten, weil ihm die gelb- beinige Räub�rin mit der Rittertaille plötzlich wichtiger war, als das Gekeife mit einer bockigen Frau. Er halte lachen müssen, als er dahintergekommen war, was das Ganze be- deutete. Die Dummen, mögen sie auch zehnfach an Maß und Gewicht sein, find die Beute der Klügeren. Wespe oder Wurm? Das ist hier die Frage. Rein, nicht Eier sich ins lebendige Fleisch legen lassen, nein, den Rüssel bewegt und die Tonröhre gebaut, die Flügel gerührt und den Stachel, hergeholt, was die Welt beut, und diese Beute in die Röhre geschleppt und diese für die nachkommende Brut verdeckest! Brut? Hat er denn selber welche? Wieder fällt Sigmund der Auftritt mit Barbara ein. Wozu dieser Kampf, der täglich mehr Nerven kostet? Ist das Ergebnis denn wirklich des Aufwandes wert? Mag sie ihre Wege gehen, wie sie will: mag sie sich«einen Bereiter, einen Stallknecht ins Bett legen, wenn sie nichts anderes findet! Er selbst tut's genau so. Er nimmt jede Schürze, die ihm in den Griff läuft. Zynisch ge- steht er sich's ein: vielleicht ist das das einzige, wofür er in die Welt gesetzt ist. In dieser Wimmelwiese, die sich Erde nennt, wo alles mit Drang nach Fraß und Vermehrung ge- füllt ist, bis in die winzigste Zecke hinein, wo alles rennt, seine Süchte loszuwerden, da gibt es kein mönchisches Ab- seitsstehen. König sein, regieren, sich die widerstrebendsten Rücken beugen, jawohl, auch das ist Lust, aber es ist die mindere. Die Hauptsache ist ihm der Sprung in die Kreatur, das Kindermachen. Die Begier nach einem Sohn fitzt in ihm. Von Barabara hat er nur eine Tochter, und selbst bei diesem armen, verwachsenen Geschöpf ist nach allem, was er weiß, fraglich, ob sie überhaupt sein Kind ist. Sicher weiß er nur das eine, daß Barbara von Cilly von ihm nie mehr ein Kind haben wird. Er hat es ihr vorhin ins Gesicht hinein- geschrien, ganz unbekümmert um den Kanzler nebenan, nie- mals mehr würd' er sich zu ihr in ihr hurisches Bett legen! Ihr Vogelgesicht hatte nur ein verächtliches Lächeln gehabt für seine Drohung. Er wird den Eindruck nicht los, als ob sich diese verfluchte Ehebrecherin heimlich noch lustig mache über ihn. Schon seit Jahren ist sie ihm völlig entglitten. Er hat sie nicht mehr in der Hand, das ist es! Das einzige, wo- mit Weiber gegängelt werden können, ist der Respekt vor dem Mann. Diese Angst, die bisweilen zur tierischen wird, die aber das Maß gewährleistet und den Abstand. Zwei Dinge nur gibt es für einen Mann, mittels deren er über ein Weib Meister werden kann: Geld oder Potenz, oder, noch besser, womöglich beides. Geld schaltet von vornherein neun Zehntel aller Konflikte aus. Ist Geld im Haus, so brozzelt die Küche. Ist jedoch kein Geld da. so stürmt der Unfriede aus jeder Ritze. Und er, Sigmund, hat nie Geld. Ihm.zerrinnt es unter den Fingern, wie Schnee im Aprillen. Er mag heranschaffen, so viel er will, er mag's mit den listigsten, mit den schöbigsten Mitteln begreifen, er kann's nie zum Bleiben zwingen. Der Teufel weiß, es war doch ein glänzender Trick, anläßlich der Papstflucht Friedrich dem Oesterreicher unter dem Schein des Rechtens die ganzen Erblande wegzunehmen, doch wie lang haben die gelästen siebenzigtausend Goldgulden vorgehallen? Nicht ganze sechs Wochen.. Er muß sich schon wieder den Schädel zerbrechen, irgend etwas Geldbringendes zu verpfänden. Da sind zu viele alle Löcher, die erst gestopft werden müssen. Kein Wunder, daß bei diesem Zustand der Finanzen die Königin mit ihren Ansprüchen zu kurz kommt. Er muß.zuerst an sich denken. Denn gibt er ihr Geld in ihre schönen, schlanken Finger, sie bringt's noch schneller unter Schuster und Schneider, Seifen- zieher und Spczereienbereiter, Goldreifmacher und Iuwe- liere. Nicht umsonst behauptet sie frechmäulig, Pasteten wären ihr liebstes Brot. Schade nur, daß sie nicht in der Liebe nach diesem Wahrspruch handelt. Da ist ihr Geschmack umgekehrt, da zieht sie das gewöhnlichste Brot dem vornehmsten vor. Nein, sie ist keine Frau für ihn, eher eine Feindin. Denn von chr kommt ihm Schande. Wenn schon über den Hag ge- sprungen sein muß, so ließe sich vorstellen, daß ihre Bett- geschichten seiner Politik nützlich sein könnten. Aber sie ist ja keinen Vernunftgründen zugänglich. Sigmund kommt nicht mehr dazu, seine Gedanken zu Ende zu spinnen: denn die Stille, die nach Herrn Kepkas Rede eintritt, bringt ihn wieder zur Stunde zurück. Alles hinter sich lassend wie Schlaf und Traum, sitzt er helläugig und wach in der Wirklichkeit. Wieder einmal zeigt sich seine glückhafte diplomatische Begabung, abzubiegen und der ge- jährlichsten Situation die Schärfe zu nehmen. Wieder ist sein berühmtes Lächeln da, das versteht, in das Mißtrauen und in den Unmut des Gegners Bresche zu schlagen. Eben kommt die Schlupfwespe am Fenster mit einer neuen Raupe. Sigmund sieht, wie die Gelbbeinige sich müht, ihr widerstrebendes Opfer in die Röhre zu winden. Sein Lächeln verstärkt sich.„Wespe oder Wurm!" denkt er nochmals.„Wehre dich, dummes, feistränziges Räuplein, binnen weniger Minuten wirst du die feindlichen Eier im lebendigen Leibe haben!" Laut aber sagt er, seinen Blick voll auf die Böhmen wendend: „Recht hast du, Ritter Kepka. So Hab ich in der Tat damals geredet, kein Wort stand anders. Und doch, du ver- gißt eines, und das scheint mir das Wichtigste zu sein: seit dem Damals und seil dem Heute liegt eine volle Mondreise. Kein Mensch ist geboren, ewig der gleichen Meinung zu sein. Auch ich nicht. Mich halle damals der Zorn überrannt. Ich gebe offen zy, wer will mich darum schelten, die Rede war eine unbesonnene Heftigkeit van mir. In ruhiger Stunde, hei vernünftiger Ueberlegung. hat sie mich gereut. Aber ich Habs nicht bei der Reue bewenden lassen. In meinem Auf- trajj zu einem Teil und mit meiner Billigung zum andern. ist m der Zwischenzeit verschiedentlich oersucht worden, den Magister umzustimmen. Ich muß gestehen, leider vergeblich. Nun aber, Herren, wie wäre es, wenn ihr einen letzten Ver- such machtet, heute, in zwölfter Stunde sozusagen? Ihr seid seine Landsleute, zum Teil seine Freunds, euch kann er also nicht vorwersen, daß ihn ihn fangen, übertölpeln oder sonst- wie verstricken wolltet. Ich geb euch, damit ihr ungesäumt Einlaß findet, unsern Oheim. Pfalzgrafen Ludwig mit. Wollt chr? So hälle eure Fürsprache wenigstens einen Sinn gehabt." (Fortsetzung folgt.) Heiratsschwindler gefällig? Ein Beruf für Vorbcslrafic. Der Heiratsschwindel hat sich ganz allmählich auch zum Beruf de» Vorbestraften entwickelt Sich Einlaß in die Herzen der Männerdurslenden Frauen zu verschaffen, ist leichter, als in fremde Wohnungen und Läden einzudringen. Und das Risiko geringer. Für schweren Einbruch stehen höhere Strafen als für Betrug: die Leichtfertigkeit, mit der die Frauen den Heiratsschwindlern zu ihren Ersparnissen Zutritt gewähren, wird aber vom Gericht mitunter als mildernder Umstand anerkannt. So war es neulich. Der Mann hatte drei Bräute aus einmal. Ehemals Reichswehrsoldat, war er gezwungen, den Dienst zu quittieren, angeblich weil er für einen anderen eine Strafe übernommen hatte, und schloß in einem Weinrestaurant, in dem er Aupferkessel putzte, Freundschaft mit der Küchenmamsell. Die Ehe will er ihr nicht versprochen haben.„Sie mochte der Meinung ge- wesen sein, daß ich sie heiraten würde", sagte er. Jedenfalls erhielt er von chr Geld zum Kauf eines Motorrades—„Braulomobil" nannte es der Vorsitzende— und 250 Mark dazu. Man unternahm zu Zweien hübsche Fahrten, und das ging so lange, bis der Kupfer- kcsselputzer eines Tages in den Zelten die Anni kennenlernte. Das „Brautoinobil", mit dem Gelde der ersten Braut angeschafft, tat das seine. Er mochte sie nicht, so behauptet er, sie nahm ober die Sache bitterernst, besorgte Trauringe, bestellte das Aufgebot, ihm war es nicht geheuer zu Mut. Um an die e r st e die Schuld zu begleichen, hatte er von der zweiten Geld geborgt. Er fuhr mit dieser zu ihren Eltern nach Wcstpreußen, und traf sich unterwegs mit der dritten, die er bereits vorher in Berlin kennengelernt und gleich- falls angitpumpt hott«, um von der zweiten loszukommen. Die erste, sagt er vor Gericht, war die anständigste. Die beiden letzten erstatteten aber Anzeige wegen Betruges. Die erste war trank und vor Gericht nicht erschienen. Die zweite stellte sich als„Verlobte" vor.„Ree", sagte er.„ist nicht."—„Ich habe aber noch den Verlobungsring."—„Wo?" fragte der Vorsitzende.—„In der Handtasche."— Die dritte wollte nur ihr Geld zurückhaben.„Ich ver- zichte aus die Zeugen", meinte der Angeklagte.„Ich will sie gar nicht sehen." Und als der Staatsanwalt seine Strasanträgc gestellt hatte, sagte er:„Ich nehme jede Strafe an, wenn ich nur die Frauen los werde." Er erhielt vier Monate Gefängnis und war damit zufrieden. Der andere Heiratsschwindler war bereits mit Zuchthaus vorbestraft, ebenso wie seine Brüder. Er leidet an M u s k e l- f ch w u n d, kann eigentlich nicht mehr gehen und sitzen. Seine Tage sind gezählt. Eine freigiebigc Braut fand er trotzdem. Er stellte sich als Beamter der Reichsbahn vor. war im Begriff, sich eine „neue Existenz zu gründen" und suchte eine Mutter für sein vier- jähriges Töchterlein. Die Mutter der Braut nahm eine Hypothek in Höhe von 3000 Mark auf, diese verschwanden ganz allmählich in den Taschen des an Muskelschwund Leidenden: er verjubelte das Geld mit seinen Brüdern, und als es all« war, aus der Heirat aber nichts wurde, lief die Braut zum Staatsanwalt. Der Mann bekam ein Jahr Gefängnis. Das milde Urteil begründete der Vorsitzende mit dem Muskelschwund des Angeklagten und mit der Leichtfertigkeit der Braut. Wann endlich Bahnhof„Girandbad"? Vorschläge der städtischen Derkehrsdeputation. Di« Deputation für das Verkehrswesen nahm im Rathaus zu den Umbenennungen von L-Bahnhösen Stellung und beschloß, der Reichsbahndirektion Berlin vorzuschlagen, die Bezeichnung des Bahnhofs Nikolassee in„Strandbad" abzu- ändern. Desgleichen die Umbenennung des Ringbahnhofs Ebers- straße in„S ch ö n e b e r g". Ringbahnhos Schöneberg in„K o- l o n n« n st r a ß e" und Ringbahnhof Papestraße in„Sachsen- dam m". Für die beabsichtigte neue Wannseebahnstalion Feld- straße zwischen Friedenau und Steglitz wird die Bezeichnung „F e u e r b a ch st r a ß e" vorgeschlagen. Die Deputation beschäftigte sich auch mit den Anträgen privater Unternehmungen auf Einrichtung von Verkehrsverbindungen und Rundfahrten. Es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, daß es nicht zweckmäßig ist, neben den bereits zugelassenen Rundsahrtunter- nehmungen, deren Wagenpart infolge der allgemeinen Wirtschafts- lag« nur zum Teil Verwendung finden kann, weitere Zulassungen zu empfehlen. Desgleichen sprach sich die Deputation gegen die Genehmigung neuer privater Vertehrsverbindungen aus, die den bereits bestehenden Verkehrseinrichtungen Konkurrenz machen. Im Interesse der Förderung des Segelflugsports sollen die Bestrebungen unterstützt werden, den Löwendorser Berg bei Trebbin als Segelfluggelände für Groß-Berlin herzurichten. Das Trebbiner Gelände eignet sich durchaus zur Ausbildung von Segel- fliegern und zur Ablcgung der entsprechenden Prüfungen. 500 ovo Freibadbesucher seit der Eröffnung. Trotz der kühlen Witterung wurden die städtischen Freibäder am Sonntag von 26-000 Badegästen aufgesucht. Dos Strandbad Wann- see zählte über 10 000, Müggelsee 6000 und der Wassersportplatz Plötzensee 5000 Besucher. Da die Wassertemperatur in der letzten Woche höher als die Lufttemperatur lag. war auch an den Werk- tagen starker Badebetrieb. 76 000 Badegäste wurden gezählt, davon im Strandbad Wannsee über 20 000, im Strandbad Müggelsee 12 000 und im Wassersportplatz Plötzensee sogar 22 000 Besucher. Die städtischen Frei- und Strandbäder Wannsee, Müggelsee, Plötzen- see, Grünau, Wendenschloh, Lübars, Tegel(Uferpromenade), Fluh- bad Lichtenberg, Westend, Jungfernheide, Orankesec, Spandau-Süd- park, Schäferstraße, Wröhmännerstraße, Oberschöneweide, Oberspree, Weißensee und Hindenburgdamm haben seit der Eröffnung über 500000 Besucher zu verzeichnen. Berlins warmes Flußbad. Inmitten des Weichbildes der Stadt liegt das Städtische Flußbad Lichtenberg gegenüber dem Plänterwald und in unmittelbarer Nähe des Kraftwerks Klingenberg. Das Bad ist bequem mit der Straßenbahnlinie 13, 76 und 113 und durch Motor- bootoerbindungen erreichbar. Das Bad hat 26 000 Quadratmeter weiten Strand und ist mit den modernsten Einrichtungen versehen. Für die Kinder ist ein 1100 Quadratmeter großes Planschbecken vorhanden, dessen angewärmtes Wasser durch sieben Fontänen ständig erneuert wird. An der Spreeseite befinden sich das 25X100 Meter große Sportbecken mit 10- und 3-Meter-Sprungtürmen, das Schul- becken in einer Größe von 25X50 Meter, in dem während der Sommermonate der obligatorische Schwimmunterricht der Lichten- berger Schulkinder stattfindet und schließlich dos Warmwaffer- becken von gleicher Größe, das auch bei kaltem Wetter benutzbar ist, weil es von dem Warmwasser des Kraftwerks ständig durchflutet wird. In einer besonderen Brauseanlage können Reinigungsbäder genommen werden. Der Sicherheitsdienst an den Schwimmbecken »nd der Sanitätsdienst liegt in den Händen von staatlich geprüftem Personal. Große geräumige Auskleidehallen mit Massengardcroben können die Kleider von 5000 Personen zu gleicher Zeit aufnehmen. Die gewaltigen Ausmaße des Flußbades ermöglichen es, 16 000 Personen und mehr an einem Tage Aufenthalt zu geben. Das blutige Auto. Schlimmer Verdacht und unerwartete Aufklärung. Vor einigen Tagen wurde in der L e h d e r st r a ß e in W e i ß« n f« e ein führerloses Auto aufgefunden, dessen Inneres, wie berichtet, über und über mit Blut besudelt war. Gleichzeitig wurden unweit der Fundstelle hinter einem Bretterzaun blutbefleckte Kleidungsstücke gefunden, die in Zusammen- hang mit dem Auto gebracht wurden. Es wurde vermutet, daß in dem Wagen, der einem Kaufmann aus Halenfee gestohlen worden war. ein Verbrechen verübt worden sei. Kriminalkommissar Stiller stellte jetzt sest, daß drei junge Burschen, von denen zwei zur Zeit noch flüchtig sind, das Auto gestohlen hatten, um damit ein Radiogeschäst in der Thaerstraße auszuplündern. Nachts fuhren sie vor dem Laden vor und zertrümmerten die Scheibe. Als dann der 24 Jahre alte Schlächter Willi L. in die Auslage kroch, lösten sich einige große Stücke der eingeschlagenen starken Schau- sensterscheibe und der Dieb wurde am Kopf, am Rücken und an den Oberarmen schwer verletzt. Die Komplicen schafften den blu- tenden Schwerverletzten mit dem Auto zur nächsten Rettungsstelle und brachten chn später in das Krankenhaus am Friedrichslzziin. Die Braut des Verletzten erschien wenige Stunden später im Kranken- Haus und es gelang ihr, durch eins erfundene Geschichte die Affäre zunächst zu vertuschen. L. ist ungeständig. Seine Mittäter haben nach dem mißglückten Einbruchsversuch den Wagen nach Weißensee hinausgefahren und in der ruhigen Lehderftraße stehen lassen. Dann machten sie sich eiligst aus dem Staube. Die„geistige Nothilfe" nimmt ihre Arbeit auf. Die Arbeitsgemeinschaft„Geistige N o t h i l f e" Berlin, die unter dem Vorsitz des Geh. Regierungsrat Dr. D e m u t h und Ober- magistratsrats Marquardt gegründet wurde, hat nach Erledi- gung ihrer umfangreichen Vorarbeiten ihren Mitgliedern ein Pro- gramm vorgeschlagen, dessen Durchführung nunmehr in Angriff ge- nommen wird. Aus den Richtlinien ergibt sich als Zweck der Arbeitsgemeinschaft die Förderung oller Bestrebungen der geistigen Versorgung der Erwerbslosen. Ein Ausschuß, dem angehören Ministerialrat Becker, Vizepräsident Dr. Danckwerts, Frau Elsa Fleischmann, Direktor Dr. Günther, Dr. Kadner, Obermagistratsrat Knaut, Stadtschulrat Nydahl, Universitätsprofessor Dr. Rieffert, Professor Dr. Frieda Schottmüller, Oberregierungsrätin Dr. Spind- ler, Univerfitätsprofesfor Dr. Spranger, Dr. Tews, D. Ulrich, Richard Weimann, Pater Wolf, hat für die verschiedenen zu be- arbeitenden Gebiete Arbeitsausschüsse gewählt, die sich aus den Reihen von Persönlichkeiten und Institutionen zusammensetzen, die die Arbeitsgemeinschaft in ihren Zielen unterstützen. Die Ausschüsse sollen folgende Gebiete bearbeiten: Unterrichtswesen, Vortrags- wesen, Bllchereiwesen, Kunstocranstaltungen, Theater und FUm- wesen, Heime, Freizeiten und Slrbeitelager, Beratungsstelle für Er- werbslose. Die Geschäftsstelle befindet sich in Berlin NW. 7, Doro- theenstraße 8, Merkur 3580. Erweiterier Zeppelmverkehr? Verhandlungen mit Argentinien eingeleitet. Buenos Aires, 30. Mai. Der argentinische Konsul in Stuttgart, Marck, ist hier ein- getroffen, um die Verhandlungen, die schon vor Iahren über den Bau einer Luftschifshalle und eines Ankermastes in Buenos Aires eingeleitet wurden, beschleunigt durchzuführen. E» wird bereits erwogen, im Herbst dieses Jahres an eine Fahrt nach Per- nambuco eine Fahrt nach Buenos Aires durchzuführen. Die Er- richtung eines Ankennastes dort und die Möglichkeit zur Erneuerung der Betriebsmittel sind hierzu jedoch unbedingt erforderlich. Die Arbeitstagung europäischer Jugend. Die Aktionsgruppe der Internationalen Studenten-Vereinigung in Berlin veranstaltete letzt« Woche eine akademische Arbeits- tagung europäischer Jugend. Bekannte Persönlichkeiten des deutschen Geisteslebens, wie Franz T h i e n, Dr. Gusto» W y n c k e n, Pater Fr. Mucker m a n n, Prof. Dr. Werner S o m b a r t, Dr. Jung, Philipp D e f s a u e r und andere, hielten Vorträge über Erziehung, über geistige Entscheidung unserer Zeit, über Jugend und Zukunft des Kapitalismus. Regstes Interesse der Teilnehmer lohnte die Mühe der Veranstalter. „Hawaii, das Paradies der Südfee". Im Planetarium am Zoo wird ab Dienstag, dem 31. Mai, der große Film„Hawaii, das Paradies der Südse»" gezeigt* Er führt zu den schönsten Punkten der Insel und schildert die Bewohner bei Arbeit und Spiel. Grandios sind die Bilder vom Kilaueo. dem einzigen, dauernd tätigen Feuersec der Erde. Der Film wird von Pater Linnemann eingeleitet. Vorher eine kurze himmelskundliche Betrachtung„D a s ewig wachsende Wcltnl l". Allgemeine Wetterlage. 30. Hai i932,abds.tdf 0wiillfenlos.O heiwr.Ohsibbedeckr 9wolkig,®bedeckr,»RegeiiAGraup«lii lnteille lieber Ostdeutschland lag heute ein Tiefdruckgebiet. Es war von der Adria ziemlich rasch nach Norden gezogen, hatte seine Bewegung über Deutschland aber wesentlich verlangsamt. Im Staate Sachsen und in Böhmen brachte es sehr ergiebige Regenmengen. Außer- ordentlich stark waren die Niederschläge auch aus Rügen und in Mecklenburg. Die Temperaturen stiegen am Montag in West- und Ostdeutschland auf etwa 20 Grad. Sonst lagen sie im Reiche zwischen 10 und 15 Grad. Es hat den Anschein, als ob sich das ostdeutsche Tief unter Abschwächung langsam nach Dänemark verlagert. Am Dienstag wird es also noch einigen Einfluß auf unser Wetter aus- üben. * Wetteraussichten für Berlin. Wechselnd bewölkt, noch einzelne Regenfälle, kühl.— Für Deutschland. Im Küstengebiet der Nord- und Ostsee noch verbreitete Regensälle, in Nord- und Ostdeutschland bewölkt mit Strichregen, im Süden wolkig bis heiter und im wesent- lichen trocken, mäßig warm. ■> .//\■ //'.- ÜV-',.. yi das bistst Sie Ist seit 37 Jähren die bevorzugte Marke aller Schaffenden und erreichte dies ohne Wert zu gaben wie Gulsch ein e, Werim arken oder Stickereien. Allein ihrer werfvollen Eigenschaften wegen leistet unserer ein ständig zunehmender Freundeskreis treue Gefolgschaft. für die Qualität Cisfenbungen für Blclc Rubrik sind Berlin SW 68. Lindrnttrnsie'i parteinachnchten��Afur Groß-Berlin stets au das Beztrtssckretariat 2. Hof, 2 Treppen reckts. rich»?» Beginn aller Veranstaltungen Uhr, sosern teilte besondere Zeitangabe! 3. Ätets, Schvloufbau: ilZittmorf), 1. Juni, 20 Uhr. wiäitigc Sitzung der Ob. leute, Lehror und Sä�ulncrtrcter bei Lorgatz, Uferstr. 12, Ecke Martin-Opitz- Straße. Ebenda Materialausgabe. 1V. Kreis. Mittwoch, 1. Juni,>ireisvorstandssltzung bei Schnorre, Berliner Straße. 14. Kreis. Heute Kreisfunktionörversammlung im Lokal Bergs6)loßböbe, Karls- gartenstraße. Vortrag des Genossen Möller(Halle), M. d. L.:„Politische Loge".— Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 18. Kreis. Mittwoch, 1. Ouni, Kreisvorstandssitzung bei Gallas.— Die Er� merbslosenveranstaltung am Donnerstag, 2. Juni, findet nicht im Lnzeum statt. Näheres siehe in der Mittwoch. Änsgabc. 3. Abt. Mittwoch. I. Juni. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Borlik, Sebastianstr. 3t>.— Freitag, 3. Juni, im Saal 3 des Gewerkschafts Hauses, mickstige Funktionärsitzung. 8. Abt. Freitag.' 3. Juni, 20 Uhr. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder im Heim Genthiner Str. 17.„Wir schaffen wir-Arbeit?" Referent Genosse Bruno Neumann. 18. Abt. Mittwoch, 1. Juni, in der Echönstedtstr. l. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder. Fortsetzung des Referates des Genossen Börner. 27. Abt. Kreis junger Parteigenossen: Mittwoch, l. Juni, Zusammenkunft in der Bolksspeisestelle Gleimstr. 3ä.„Tagespolitik." 30. Abt. Arbeitskreis junger Parteigenossen: Mittwoch, 20 Uhr. Zusammenkunft bei Zurek. Wichcrtstr. 69. Referent Genosse Steinte:„Klassenkampf und Parlament". 33. Abt. Mittwoch. 1. Juni, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Wertalla, Hohenlohestr. 3.„Die Methoden der geistigen Arbeit", Referent Erich Hirsch.— Donnerstag, 2. Juni, Funktionärsitzung bei Lojak, Beyme- straße 8. 35. Abt. Mittwoch. 1. Juni, bei Lemble. Schreinerstr. 38, Funktionärsitzung mit den Elternbeiräten und den parteigenässischen Lehrern. Bezirksfiihrer laden die Parteigenossen, deren Kinder die Schulen der 35. Abt. besuchen, ein. Listen sind mitzubringen. 37. Abt. Donnerstag, 2. Juni, alle Funktionäre bei Ras6)ke. Matternstr. 14. 62. Abt. Mittwoch. I. Iuni. 20 Uhr, Sitzung aller Funktionäre bei Marsand. 81. Abt. Heute 20 Uhr bei Klabc, Handjernstr. 60— 6i. Clternversammlung der Liste Schulaufbau. Wir bitten alle Eltern, deren Kinder Friedenauer Schulen besuchen, zu erscheinen und uns nahestehende Eltern mitzubringen. 84. Abt. Mittwoch, l. Juni, 20 Uhr, bei Lehmann, Kaiser-WUHelm-Str. 29—31, wichtige. Funktionärsitzung. Die an den Elternbciratswahlen interessierten Genossen und Genossinnen sind zu dieser Sitzung eingeladen. 91. Abt. Mittwoch, 1. Juni, 20 Uhr, VorstGidsfitzung bei Rausch, Flughafenstraße 29. 9o. Abt. Mittwoch. 1. Juni, 20 Uhr. erweiterte Vorstandssitzung bei Keil. Prinz-Handjern-Str. 38. Elternbeiratswahlen usw. 99z. Abt. Gruppe junger Sozialdemokraten: Wir kommen Mittwoch. 1. Ouni, 20 Uhr, in der Halle am Hufeisen zusammen und besprechen unsere Mit- Wirkung bei den: Porteifest am 19. Ouni. 106. Abt. Mittwoch, 1. Ouni, bei Blockwitz, Park- Ecke Herrenhausstraße, Funk- tionärsitzung. 119. Abt. Heute 20 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Bartz. Möllendorffstr. 43. Erscheinen dringend erforderliäi. 124. Abt. Mittwoch. 1. Ouni, Funktionärsitzung bei Anders. 124z. Abt. Mittwoch, 1. Ouni, Funktionärsitzung bei Draber. 132. Abt. Mittwoch. 1. Ouni, Funktionärsitzung bei Klug, Dorfstr. 1. 141. Abt. Die Mitgliederversammlung findet nicht am 8.. sondern am 15. Ouni statt. Bezirksausschuft für Arbeiterwohlsahrt. 3. Kreis Wedding. Fachgruppe Ougendwohlfahrt: Donnerstag, 2. Ouni, 19H Uhr, im Verwaltungsgebäude, MUllerstr. 146—147, Zimmer 421. Die Genossin Dr. Maria Faßbender spricht über„Psychopothenfürsorge". 4. Kreis Prenzlauer Berg. Dienstag, 31. Mai, 20 Uhr, findet im Altersheim Danziger Str. 62, eine Versammlung sämtlicher parteigenössischer Woko Vorsteher und-Mitglieder statt. Vortrag des Genossen Dr. Harnisch:„Wohl- fohrtspflege in der Krise". Diskussion und Verschiedenes. Ohne Partei- Mitgliedsbuch kein Zutritt. Arbeilsgemeinschafk der Kinderfreunde Groft-Berlin. Unsere Geschäftsstunden sind wie folgt: Montag. Mittwoch. Frei- f tag von 13— 19 Ubr, Dienstag, Donnerstag von 9—17 Uhr, Sonn- ß abend von 9— 13 Uhr. | Für die Vorbereitungsarbeiten am Uedersee werden noch arbeits- J lose Tischler und Zimmerer aus dem Helfer- oder Elternkreis de- HD nötigt. Wir bitten die Genossen, sich umgehend in der Geschäftsstelle � zu melden. ung des Zeltlagerausschusses Mittwoch, 1. Ouni, 20 Uhr, in der Ge- schäftsstelle, Lindenstr. 2. Mitte: Zeltlagerfahrer! Alle Jungfalken, die mit ins Zeltlager fahren, treffen sich heute um 18 Uhr im Jugendheim Waifenstr. 18. Treptow: Donnerstag, 2. Ouni, im Jugendheim Baumschulenweg, Ernst- straße. Kreishelfersitzung. Beginn 20 Uhr.— Abt. Laura de Bosis: Während der Sonlmennonate sind unsere Zusammenkünfte wie folgt: Montags und Freitags An« 08«nstfac|.«■«*«»'S. J«««»!, JSO Ul»r in den Sophiensälen, Sophienstr. 17/18(Hochzeitssaal) Versammlung aller Elternbeiräte, der Elternbeiratskandidaten und der beteiligten partei- genössischen Lehrerschaft,— Vortrag des Genossen Stadtschulrat Nydahl über: «3««* SitnclK»«;«•■•■« un«l«91« lEltferalvelralswaBvMen" Spielen auf der Wiese 8 in Treptow von Vh— 19 Uhr. Dienstags im Heim Elfenftr. 3 Heimobend von 17—19 Uhr. Neukölln: Heute. Dienstag, ab 17 Uhr Sporttag der Gruppen auf dem Sonnenplotz. Turnhose und-schuhe mitbringen. Bei Regenwetter sind die Gruppen in den Heimen. Prenzlauer Berg, Abt. Viktor Adle? und Nordost: Elternabend mit Licht- bildervortrag im Altersheim Danziger Str. 62. Beginn 20 Uhr. Friedrichshain, Abt. Landsberger Platz: Heute 18 Uhr Versammlung aller Falken im Heim Diestelmeyerstr. 5— 6. Sterbetafel der Groß Berliner Partei-Organisation 54. Abt. Unser Genosse K o n r a d Friese ist Im Alter von 71 Oahren nach langer und schwerer Krankheit verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Mittwoch, 1. Ouni, 18 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Um rege Beteiligung wird gebeten. 58. Abt. Unser langjähriges Mitglied Hermann D ü l s n e r. Ranke- straße 1. ist am 28. Mai plötzlich verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäsche- rnng Donnerstag, 2. Ouni, r»i4 Uhr. Krematorium Wilmersdorf. Zahlreiche Beteiligung erwartet der Abte i lungsvorstan d. 103. Abt. Unser Genosse Paul N e y c n, Goethestr. 2, ist am Sonnabend, 28. Mai. auf dem Wege zur Arbeit durch Herzschlag vom Tode ereilt worden. Ehre seinem Andenken! Tronerfeier am Dienstag, 31. Mai. 16 Uhr, im Krema- torium Baumschulenweg. Zahlreiche Beteiligung erwartet die Abteilungsleitung. tlUSozialistischeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Ougendsekretoriai. Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Zum„Rast" am Sonntag, 26. Ouni. im Grunewald-Stadion sind Eintrittskarten zu 30 Pf. gegen sofortige Bezahlung im Sekretariat zu haben. heule, Dienstag, 1g� Uhr: Arkonaplatz: Elifabethkirkstr. 19: Rundfunkabend.— tvewertschaftshaus: Köpenicker Str. 92: 19 Uhr Funktionärsitzung, 20 Uhr Mitgliederversammlung.— Köllnischer Park: Waisenstr. 18: Frageabend.— Rosentholer Vorstadt: Tieck- straße 18: Burschenabend.— Zentrum: Waisenstr. 18:„Wir und der Staat".— Brunncnplatz: Pank- Ecke Wiesenftraße: Lustiges Monatsende.— Gesund- gq Während der Ferien- und Reisezeil ■ kann der„Vorwärts" und der„Abend" auf jede Dauer allerorts bezogen werden. Touristen und Wanderer i Sommerfrischler fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungcn, Zeitungs- Kiosken und sonstigen Verkaufsstellen. I lassen sich den..Vorwärts" durch Poslüberweisung nachsenden. Die Postbestellgebühren betragen nur 72 Pf. im Kalendermonat. Wird Nachsendung unter Streifband gewünscht, so beträgt das Porto Wochentags 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Benachrichtigung an die Ausgabestelle oder an den Verlag möglichst eine Woche vorher erbeten. Laubenkolonisten in GroB-Berlin wird der„Vorwärts" durch Boten zugestellt Genaue Bezeichnung der Laubenadresse ist erforderlich. Postabonnenten i müssen die Nachsendung unter Beifügung von 50 Pf. in Marken mindestens 2 Tage vor der Abreise schriftlich bei der bisherigen Zustell-Postanstaft beantragen. Vorwärts- Verlag �""r5 a IMÄT&i btunaen I:©otenburger Str. 6; IRatotioliftiidie®rfd)id)t«auffattuiia*.-(Sc (unbbrunncn Ii: Äotomcitr, S:„Historischcr dJiotcrioliMmiä".— SunbolhtbaiR; itultluiicc Str. 3: Luftiges Allerlei.- Norden: Lortzingftr. 10: Mitgitcdcrver. sammln ng für Ouni.— Schillerpark: Schöningstr. Ii:„Unser Kampf und unicre Aufgaben in der Berufsschule".— Wedding: Willdenowstr. Raum 3:„cr�ucllc rtrueicu".-«rdding.«erd: Turincr tSrtc Scesfraß«: sumonUifd)« Anend.— Arnimplatz: Sonncnburgcr Str. 20:„Der Fasdiisinus in Otalien".-- Arns- walber Platz I: Schön lank-r Str. N. B. 6:.Die große.vranzopsche Revolution. — Hclmholtzplatz: Kastanieilallce 8l:„Sexuelle Fragen", U.- Hohenschönhausen: Dingelstädter Straße: 10-Minuten Referate. Weißensee: Cosel er«tr. „Bismarck und die Arbeiterbewegung".- Frankfurter Dtcrtel:.�rankiurter Allee 307: Funktionärsitzung.— Hasenheide: Wassert orslr. 4: ,,Dic Bedeutung der Gewerkschaften für den Lehrling".— Kottbusscr Tor: Trestpunkt 1.� Uhr Wiener Brücke.- Köpeni�cr Viertel: Mänteuffelstr. 7.- Rcichenberger Viertel: Reichenperger Str. 66:„Wie diskutiere ich mit dem Gegners"— Süden: Porck- straßc 11: Heimabend.— Südwesten: Lindenstr. 4: Kampfnederabend.- Friedenau: Offenbacher Str.-»n: Lustiges Monatsende.— Schönebcrg RF.: Hauptstr. 15: Zcitungsschau.— Schöneberg II: Hauptstr. 15:„Mißwirtschaft in der Kirche.'"— Schöneberg HI: Hauptstr. 15 Lustiges Monatsende.— Ehar l otten bürg: Turnen.- Eharlottenhnrg-Nord: Kaiserin-Angust-Allee 971':„Wie diskutiere ich mit den Kommunisten?"— Westend: Sportplatz:„Wir und die Mode?"— Lichterfeldc: A l brecht st r. 14a: Funttionärversammlung.- Steglitz 1; Albrecht- straße 47;„Tagespolitik".— Reu Tcmpelhof: Wintgensstraße(Schule); Schall- plattenabend.— Britz: Rathaus, Ehausseestr. 18: Mitgliederversammlung(Unsere Heimzeitung).— Neukölln 1: Sander- Ecke Hobrechtstraße:„Gcsdiichtc der SAO." — Neukölln'l: Steinmctzstr. 94:„Tagespolitik".— Neukölln III: Ziethenstr.. 58: Bunter Abend.- Renkölln IV; Konner Straße: Zeitungsschau.— Neukölln VI: Treptower Str. 95:„Kommumstisches Manifest", II.— Neukölln vii; KMS.; ..Tagespolitik".— Neukölln IX: Schule Mariendorfer Weg: Mitgliederversomm- lung lTagesvolitik). Neukölln.X: Bergstr. 29:„Wirtschaft in USA.". Nl.— Neukölln.Xl: Flughafenstr. 68:„Freikörperkultur".— Köpenick I: Grünauer Straße 5:„Die Entstehung der Arbeiterbewegung vom Sozialistengesetz bis zum Kriege".— Köpenick ll: Dahlwitzer Str. 15: Lese- und Liederabend.— Karls- Horst: Treskowallee 14:„Politischer Monatsrückblick".— Lichtenberg-Nordwest: Dossestr. 22: Brcttspielabend.— Hermsdorf: Turnhalle der Volksschule: Volks- tunzabend.— Reinickendorf-Ost: Lindauer Str. 1: Lustiges Monatsende.— Tegel: Schöneberger Str. 3: Lustiges Monatsende.— Wittenau: Hauptstr. 13: „Moderne Literatur".— Karow: Frundsbergstr. 9:„Politische Satire".— Niederschönhausen: Lindenstr. 47: Bunter Abend. Werbebezirk Lichtenberg: Sprechckiorprobe Heim Treskowallee 44. Werbcbe?.irk Wedding: Donnerstag. Löwcnbrauerci, Hochstraße: Mitglieder- Versammlung. Vortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". ts c I ch ä i 1 s st»> i o: Berlin s. 14. Ccdastioiiftr. 37—38 Hot 2 Tr. Cliingbannct Bctfl: Mittwoch, t. Juni, Zusomwrnfuxit dcr Ztrris» sührcr und sämtlicher Iunubonncrsiiärcr. eiitschtieftlich der Stell» Vertreter»m 13 Uhr im(Soubüto.— Mitte, 4. Saniccabichatt:-.Hiitttuod), t. ftum,-.'U Uhr. Mitl>Iiei>crvcri>tmmlung hei Brnndis. Strnlauer Str. 10. Netc. rein llnmerod?r. 4i. Bergmann.— srriedrichsdain, llameradsdiatt Frankfurt! Mittwach. I.?»ni, M 7ii,r.' Mitgliederveriammlunit bei Wittschuß, Petersburger Straße■>.— Cdoriottendnrg, Bortrupp: Dienstag. 3l. Mai. 18 Uhr. Zusammenkunft im Jugendheim Peftalozzistr. 40, Zimmer 3. Ein Funkturm im„Traumland". Im„Traumlond", dem qroßen Vergnügungspark int Norden Berlins, in«chönltolz- Neinickendorf, ist jetzt auch ein Funkturm errichtet worden. Von der Radiostation dieses Funkturmes wird nachmittags und abends Konzert- und Tanzmusik übertragen. Aber auch sonst steht dieser Funkturm im Dienste der Besucher, so werden zum Beispiel an großen Tagen die verlorenen Kinder von hier aus ausgerufen; im Durchschnitt sind es so 10 Findlinge, die aufgegrifsen und so ihren Eltern wieder zugeführt werden können.— Hochbetrieb herrscht jetzt im Tierkinder- Paradies, wo junge Bären und Löwen und der junge Schimpanse„Ingo" cingctrofscn sind. Ein junger Elefant wird demnächst erwartet. Eintritt für Erwachsene 20"Pf., für Kinder 10 Pst An Feuerwerktagen; Dienstags, Donnerstags und Sonnabends betrögt der Eintrittspreis 30 Pf., für Kinder 20 Pf. Om Erfrischungsraum bei H. Joseph u. Co., Reukölln, Berliner Straße. findet am nächsten Dienstag, 31. Mai, löV-j Uhr, das große Abschiedskonzcrt der Kapelle Werner statt. Diese beliebte Künsllerkapclle bat sich unter den Gästen des Erfrischungsraumes sehr viele Freunde erworben. Das hervorragende Musik. Programm, unter Mitwirkung beliebter Schlagersänger, wird ein besonderer Kunstgenuß sein, besonders wenn man auch die Spezialituten des Erfrischungs- raumes an Kaffee und Kuchen bei H. Joseph u. Co. in Betracht zieht. Deshalb dürfen Sie nicht fehlen beim großen Abschiedskonzcrt der Kapelle Werner. Pierr Alfred Altmann, Mitinhaber der Firmen B. Feder, Berlin N54, Brunnenstr. 1 und 197 und Max Friedeberg, Berlin W 57, Bülowstr. 2, vollendet am 31. Mai 1932 sein 50. Lebensjahr. f Theater, (, Lichtspiele usw. Staats ftjjLgK Thealer Dienstag, den ZT. Mai Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Der(liegende Holländer SlailLSdiauspielbius Gendarmenmarkt 20 Uhr Oer uebestrank Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Absdtiedvon der Hebe SCA14 Täpl. 5 u. 8 Vi Uhr Heute letzter Tag! HAÜUSSEII LA JARA ARTON DOHR u. weitere 7 Attrakt. PtAZA IH.U-.SUs.lM's«. n Weiclis. 4631 1 Die Dubarry| SiädLOper Charlottenburg öismarcksiraße 34. Dienstag, 31. Mai Turnus I (Berlintf XuBstwodten) Nacbem Bindernagcl, Rcinmar, Andrescn Anfang 20 Uhr Ende 23 Uhr in VoiKsbUline Iluater an BOlowolatz GesAlossenl Morgen 8 Uhr: Zum 1. Male Die öoldene Uhr Volkssiück von E. S r e p Regie: A. M. Rabenau Staat!. Sdillln- Theater 8 Uhr Abschied von der Liebe MM 8 Uhr 15. Flora 3434. Raudißn er). Trude Hesterberg. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. Bil& Bit. 2 Franks. Junetros& Elsie. 12 Deblars. Arthur Hell. Luella Paikin. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. I (GROSSES SCHAUSPIELHAUS Tägrlich 8 Uhr eneie I mg-flieater Täglich 8Vi Uhr Madonna wo bfsl Du? Erika v. Thellmann, Genia Nikolajewna Theodor Loos Josef Wedorn üim Rose- Theater int« franlhirter Strali 13! Iii. WeidueJ£ 7 342! 8J0 Uhr Weekend im Paradies (j�artenbUhnc 5.30 Uhr Konzert u.Varletfi Zlgeonerlleiie ITIAX REIÜHARDT IIISZEIilERUnG Letzte Vorstellung! lUNAPARlt Heule Feuerwerl Tanz im Freien• 2 Tanzflächen W Ell L E NB A D Mittwoch, 8,30 Uhr: 3ubiläums.Schwimmfest Eintritt 75 Pin. bis 2 Mk. WM Tbeater Die 8'/. Uhi Journalisten Lushp.nadiitistav Freytag von Felii Joadiimson Musik; Theo Macheben Regie: Heinz Hilpert iim I GRUNEWALD HEUTE 3'- RENNEN eiumenspenüen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Meyer Mariannenstr. 3 F8. Obarbaum 1303 Werlsee mit Fangschleuse, Grlin- heide und Alt-Buchhorst. Von Erkner mit Motorboot(Löcknitzl od. Post- auto od. Eisenbahn bis Fangschleuse. Herrliche Seen, schöne Wälder. 25 Millionen Arbeitslose in der ganzen Welt! In Deutschland allein Uber 6 Millionen! Welche Summe von Elend, Not und Grauen, aber auch von heldischer Abwehr sich in diesen Schreckensziffern verkörpert, das erlebst Du Tag für Tag In Deiner nächsten Umwett. 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Juni. 17 Uhr, im Krema- torium Baumjchutenweg, Kiefholz- straße. statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Die OrUvcrwaltiing. | iMuie|[ Tapeten süllat. Kolonie. straße Z. KieidungsstucHa. wasche usiu. Radio Bealg getragene .lavaliergarderobe von Millionären, Aerzten, Änwälten. Fabelhatt billig« Preise. Emvsehle Taillenmäntel, Pa- leiots, Fracks. Smo- kings,(Sehrockan» lüge. Hosen. Eporl- Gehpelze. Damen. Mäntel. Gelegen- heitstäufe in neuer Garderobe. Weite» ster Weg lohnend. ilothringerstraße 33, t Treppe. Rosen- thaler Platz. Radloanlagen, alle Marken aus kleinste Monats- roten, unverbind» liche Vorführungen. Szifasi, Dresdener. straße Sll, kein La. den. Teltph.: Jan. I nowitz 0435. Radio ohne Anzahlung, ohne Aufschlag bis 12 Monate. Filh. rende Marken bis 30 Proz. Rabatt. Beweis: Retzan- läiluß mit 4 Nähren .',0.—. Boriührung unverbindlich, wei- lester Weg lohnt. Herold, llieukolln, Balser-Friedrich. Straße 32S. ZüLkl sIMnWMliiüüs-ileldUl! l mtmsi Aditung, Funhlionäre! Olm Mittwoch, dem 1. Zun! fallen die Bertrauensinänner. Konferenzen für den li, 8.. g. und 13. Bezirt aus. Wir biüxn, diese» zu beachten. »aikuns! AiSikUNS! krverd§lo5e kiasatmen' zailvstier! Donnerstag, von 2. Ouni. nach- { mittags t Uhr, Im Sitzungssaal des .Verbands Hauses Linienstrasze SO-SS, Eingang Elsasserstrage SS-SS Versammltinü aer er«ervz- losen»asaiinevsauosser Tagesordnung wird in der Bersamm- lung bekanntgegeben. Wir erwarten, daß sich unsere arbeits- loseu Kollegen zahlreich an der Der- sammlung beteiligen. Ohne Mitgliedsbuch und Stempelkartt e i n Zutritt Die OrtSverwaltung. rDer gm« KapHän�1 blinden meisten 2i- 11UII1UIIU&& qarrengesch. erhält Ce Röcker. Berlin )S uditenheraer StraDe 22. KOnigsi. 3881 Polstermöbel- Großlager zu Klein- preisen. Kamerling. Kastanienallee 56 (Ecke Fehrbelliner- straße)._• Eouches, Patentmatratzen. Auflegematratzen, Metallbelten. Wal- ter. Stargarder- straße achtzehn. 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Königstraße acht. unddrelßig, direkt Alexanderplatz.- 5!r. 2S1• 49.3, Berlin, die hiesige Westnungsbaugesellschnft der freien Gewerl- schaften, hat das Krifenjahr IgZI verhältnismähig gut üderjtanden. sstoturgemiitz war auch bei ihr der Geschäftsbetrieb infaige der in den?iotverordnungcn verfügten Droffelungspolitik stark eingc- schränkt. Diese Drosselungspolitik wird im Geschäftsbericht für 1931 einer eingehenden Kritik unterzogen. In Berlin lagen die Dinge insofern besonders ungünstig, weil über die H a u s z i n s st e u e r m i t t e l für den Wohnungsbau durch Vorgriffe her Stadt bereits verfügt war. Aus dem preußischen Aus- gleichsfonds wurden dann 11,5 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Als noch langen Verhandlungen endlich die nötigen öffent- lichen Mittel für nachstellige.Hypotheken gesichert waren, gefährdete die F i n a n z k a t o st r o p h e vom Juli die Finanzierung der erststelligen 5zypothcken aus dem freien Markt. So erklärt es sich, daß hei der Gehag die Zahl der sertiggestclllen Wohnungen von 3046 im Jahre 1930 auf 913 im Jahre 1931, die Zahl her b e- gonnenen Wohnungen von 1812 auf 387 Wohnungen zurückging. Unter den neu begonnenen Bauten befinden sich 75 Wohnungen, die für die Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten nach den neuen Reichsgrundsätzen für den Kleinwohnungsbau errichtet werden. Wenn die Lage am Berliner Wohnungsmarkt für Neubau- wobnungen sich in den letzten Monaten nicht unwesentlich gebessert Hot, so darum, weil kaufkräftigere Schichten von hcm erleichterten Kündigungsrecht Gebrauch gemacht und die früher bewohnten Großwohnungen ausgegeben haben. Die Senkung der Neu- b a u m i e t e n wird im Geschäftsbericht als völlig ungenügend bezeichnet, da sie die starken Kürzungen der Löhne und Gehälter nicht annähernd auszugleichen vermochte. Weitere staatliche Maß- nahmen zur Senkung der Neubaumieten seien unbedingt er- s o rh e r l i ch. Im übrigen besteht auch nach den Feststellungen der Gehag eine starke Nochfrage nach Kleinwohnungen. Für jede im Lau befindliche 1 f--Zimmcr-wohnung haben sich 1l> Bewerber gemeldet. Eine Förderung des Kiemwohnungsbaues durch staatliche Maß- nahmen zur Erleichterung der Finanzierung ist also nicht nur wirt- schaftlich gerechtfertigt, sondern auch sozialpolitisch notwendig. Die Arbciterbank förderte die Gehag weiter durch Gewährung von Zwischenkrediten. Die wichtigsten Hypothekengeber waren die Preußische Landespfonidbrief-Anstalt, die Volksfür- sorge, Gewcrkschasllich-Genossenschastliche Verficherungs-A.-G. in Homburg, und die Bayerische Landesbank in München. In der B i l a n z hat sich das Konto Grundstücke und Häuser von 10,5 auf 16,4 Millionen erhöht; dem entspricht eine Steigerung der Hypothekenschulden von 10 auf 15,8 Millionen Mark. Außerdem ist der letzte Bauabschnitt in Zehlendorf mit 3,7 Millionen Mark aktiviert, auf den noch 1,5 Millionen Baugclder zu zahlen sind. Die Forderungen aus fertiggestellten Bauten sind von 2,2 auf 0,3 Mil- lionen Mark, die Schulden aus Bauabrechnungen von 2,8 auf 1,1 Millionen Mark gesunken. Verwaltet wird der.Haiisbesitz von der„Eins a", Berliner Gefellschaft zur Förderung des Ein- familienhaufes, damit«ine eindeutige Trennung zwischen der Bau- tätigkeit und der Hausbewirtschaftung durchgeführt wird. Auf das Gehag-Kapitol von einer Million Mark, das ganz im Besitz der Gewerkschaften ist, wird die satzungsgemäße Höchstdivi- dende von 5 Prozent verteilt. Das Baupragram m für das laufende Geschäfts- jähr umfaßt 731 Wohnungen und 342 vorstädtische Kleinsiedlungen. Die Gehag hat sich trotz mancher Bedenken an der Durchführung der Kleinsiedlungen beteiligt, fordert ober Erhöhung der Reichsdarlehen, damit wohnungskulturslle Mindestansprüche er- füllt und die Bauten durch freie, tariflich voll entlohnte s Baufacharbeitcr hergestellt werden können. ging von 1929 bis 1930 von 11,89 auf 10,02 Mill. Pfund Sterling zurück, von 1930 bis 1932 aber nur noch auf 9,16 Millionen Pfund. Ebenso interessant wie das Gewinnergcbnis sind auch die Bilanzen. Bei diesen fünf Instituten ging die gesamte Bilanz- summe im Laufe des vergangenen Jahres nur von 1,93 auf 1,77 Milliarden Pfund zurück, also um weniger als 10 Proz. Die Vorschüsse an andere Unternehmungen zeigen nur eine sehr geringe Verminderung von 832 aus 811 Millionen Pfund. Ebenso fiiid auch aus der Passivseite die Einlagen nur in einem außerordentlich geringen Umfang vermindert worden, nämlich von 1697 auf 1563 Millionen Pfund In keinem anderen Land ist der E i n l a g c n s ch w u n d der Banken so minimal gewesen, ein sehr deutliches Zeichen dafür, wie groß das Vertrauen des englischen Publikums zu seinen Banken auch heute noch ist. LlGA.-Krije verschärst sich noch. Vergebliche Kreditousweiiungsversuche.— Aeuer Rekord der Goldverluste. Amerikas verzweifelte Suche nach einem Ausweg aus der schweren Wirtschaftskrise stößt das Land offenfichtlich immer tiefer in eine unheilvolle Verwirrung hinein. Eine unüberwindliche Skepsis der durch mannigfache Rückschläge letzter Jahre mürbe ge< machten Wirtschaft, die mit zunehmender Schärfe im Wirtschaftsleben hervortretenden Jntcresfengegensätzc und ein bei den amerikanischen Banken herrschender Mangel an Unternehmungsgeist erhöhen mit dem im Auslande der amerikanischen Währungspolitik bezeugten Mißtrauen die Schwierigkeiten der Krisenbekämpfung ins Un- ermeßliche. So ist denn auch die neue Generalofsensive gegen die Wirt- schaftskrise, wenn nicht alle Anzeichen täuschen, schon in ihrem An- fangsstadium bedenklich ins Stocken geraten. Der auf einer Reihe von Notgesetzen aufgebaute Plan einer großzügigen Kredit- ausweitnng, mit deren Hilfe der Wirtschast neuer Impuls verliehen werden sollte, hat weder im Jnlande die unumgängliche Unter- stützung bei den Privatbanken gefunden, noch im Auslaiide das sich rapide ausbreitende Mißtrauen zurüchzudrängen oennocht. Dieses Mißtrauen wird Amerika täglich von neuen, durch wachsende ausländische Go l d a b z ii g c sinnfällig vor Augen geführt. Die Goldvcrlufte der Pereinigten Staaten erreichten in der letzten Woche init 80,2 Millionen Dollar einen neuen Reknrdumfang gegen 56,7 Millionen Dollar in der Vorwoche und 25,3 Millionen Dollar vor zwei Wochen. Damit beläiift sich Zlmcrikas Goldverlust in den letzten 7 Wochen auf insgesamt 227 Millionen Dollar oder 953 Mil- lionen Mark. Unter diesen Umständen kann es nicht überraschen, daß die amerikanischen Notenbanken ihre auf eine Kreditexpansion abzielen- den Staotspapierkäufe jetzt abbremsen. In der letzten Woche haben die 12 Federal Reserve Pauken ihre Staatspapicr- bestände nur nach um 58,8 Millionen Dollar erhöht, gegenüber einer Zunahme um 81,1 Millionen Dollar in der Vorwoche und um 98,4 Millionen Dollar vor zwei Wochen. Keine Bautätigkeit in Lt(3A. Die Bautätigkeit ist in den Vereinigten Staaten noch stärker als in anderen Ländern zusammcngeschrumpst. In 37 Staaten der USA. belief sich im ersten Vierteljahr 1932 der Wert aller Neubauten auf 286 Millionen Dollar gegenüber 833 Millio- neu im ersten Vierteljahr 1931, 1097 Millionen Dollar im ersten Vierteljahr 1930 und 1485 Millioneii im Jahre 1928.?lm stärk- sten ist der Wohnungsbau zurückgegangen: von 707 Millio- nen Dollar im ersten Bierteijahr 1928 und 233 Millionen Dollar im ersten Vierteljahr 1931 aus nur noch 85 Millionen Dollar in, ersten Vierteljahr 1932. Im Stadtgebiet van New Pork betrug die Bautätigkeit in den ersten drei Monaten des Jahres 1932 nur noch etwa den vierten Teil von 1931. Kapitalschnitt bei Christoph& Llnmack. Zur Verlustkilgung und zu starken Abschreibungen. Die Christoph u. U n m a ck A.- G., N i e s k y, O.- L.. weist für das am 31. Oktober 1931 zu Ende gegangene Geschäftsjahr einen Verlust von 1,7 Mill. Mark aus. Das Unternehmen besaßt sich mit der Herstellung van Holzbauten und Lastwagenanhängern. Der Umsatz ist laut Geschäftsbericht um 42 Proz. zurückgegangen. Dieser Rückgang, dazu der Rückgang der Holzpreise und Ausfälle an Forderungen brachten den hohen Verlust. Die Verwaltung schlägt den Aktionären eine radikale Sanierung vor. Das Kapital soll im Verhältnis 10 zu 3 von 8 auf 2,4 Mill. Mark zusammengelegt werden. Der Buch- gewinn van 5,6 Mill Mark und ein Teil der Reserve» van 0,66 Mill. Mark wird zur Deckung des Verlustes und zu hohen Abschreibungen auf Anlagen, Beteiligungen und Vorräte verwandt. So stehen die Anlagen jetzt nur noch mit 2,7 gegen vorher 4,l Mill. Mark zu Buche. Auf Forderungen und Wechsel (2,2 Mill. Mark) sind 0,95 Mill. Mark zurückgestellt worden. Gchuhexportüberschuß um 70 proz. gesunken. Die Aussuhr der deutschen Schuhindustrie, die sich das ganze Jahr 1931 über fehr gut gehalten hatte, schrumpft infolge der in den letzten fünf Monaten wirksam gewordenen ausländischen Zoll- und Kontingentsmaßnahmen zusehends ein. Obwohl die Einfuhr im April mit 36 266 Paaren nach wie vor auf einem denthar niedrigen Stande bcharrt, ergibt sich bei einer Ausfuhr von 149 359 Paaren nur noch ein wertmäßiger Ausfuhrüberschuß von 722 000 gegen 2.4l Millionen Mark im April vorigen Jahres. In den ersten vier Monaten dieses Jahres ist der Exportüberschuß der deutschen Schuhindustrie aus 3,73 gegen 11,64 Millionen Mark in der entsprechenden Zeit des vorhergehenden Jahres zurückge- gangen, also um säst 70 Prozent. Auch Dänemark führt ein Devisenkontingent für Auslandsreisen ein. Die Natianalbank gibt bekannt, daß für Reisen von Dänemark noch dem Ausland höchstens 400 Kronen in dänischen Noten mit- genommen werden dürfen. Kredite für den sächsischen Staat. Ein Bankenkonsortium unter Führung der Preußischen Seehandlung in Berlin und der Sächsischen Staatsbank in Dresden bat heute ivü dem sächsischen Staat ein Abkämmen über die Gewährung eines zwei- jährigen Kredits von 10 Millionen Mark ab- geschlossen. Der Kredit soll in der Haiiptsachc zur Deckung des größten Teile? der am 1. Juni fällig werdenden sächsischen Zchatz- onweisungen dienen. Die Znflationswünsche in England Ltnternehmer sind sehr unzusrieden und wollen höhere preise bei gleichen Löhnen. In England bemächtigt sich der Unternehmerkreisc eine immer stärkere Nervosität. Denn die Ausgabe des Goldstandards Hot nicht die erhoffte Belebung der Wirtschaft gebracht. Die Besse- nrng in der Exportindustric ist nicht erheblich: die Beschästigung in den übrigen Industrien ist schlechter geworden. Der April brachte eine überraschende Steigerung der Arbeitslosigkeit; sie ist mit 2,65 Millionen nicht unbedeutend hoher als im Vorjahr. Was im besonderen die englischen Unternehmer beunruyiqt. das ist die Preisentwicklung. Wir geben dafür nach der eng- lischen Fachzeitschrift„Economist" folgende Tobelle: Großhandelsindizes(Stand am IS. September l93l— 100) Setzt inon den Stand der Graßhandelspreise am 18. September 1931 gleich 100, so sind die englischen Preise bis Ende Februar um etwa 11 Punkte gestiegen: die Preise der Goldwährungsiänder (Amerika, Deutschland) sind in der gleichen Zeit uin etwa 8 Punkte gesallen. Gleichwohl waren die englischen Preise, in Gold umgerechnet, niedriger als die der Konkurrenten. Denn das Pfund wurde Ende Februar mit 14,66 M. bezahlt; es war gegenüber der Goldparität(20.48 M.) um 28 Proz. entwertet. Erst bei einem Stande von 128 hätten die englischen Preise die Höhe ber Preise in den Toldwährungsländern erreicht. Bemerkenswerterweis« hat sich in den englischen Preisen seit März die Tendenz, sich den Preisen in den Goldländern anzu- gleichen, nicht mehr fortgesetzt. Sie sind im Gegenteil nicht unbe- deutend, bis zum 18. Mai auf 102,6, zurückgegangen. Das hat verschieden« Gründe; einmal machen die eingeführten Waren, die in Gold bezahlt werden müssen, nur einen Teil der Großhandels- waren aus. Doch ist der Gruppenindex für Waren, bei denen der Anteil der Einfuhr groß ist, vom September bis Mai er- heblich gestiegen; so liegt der Index für Getreide und Fleisch um 15 Proz. höher. Ferner ist zu bedenken, daß die Preise in den Gold- währungsländcrn ebenfalls weiter gesunken sind(siehe Tabelle). Schließlich ist von Wichtigkeit— und dieser Punkt bereitet der eng- lischen Währungspolitik erhebliche Kopfschmerzen—, daß der Pfundkurs dauernd die Tendenz bat, zu steigen und jetzt erheblich über dem niedrigsten Kurs(13.68 M. am 8. Dezember) steht. Jede Stei- gerung des Pfundkurses drückt aber auf die Warenpreise. Immer- hin ist der Preisvorteil für die englische Exportindustris bestehen geblieben: am 18. Mai hätten die englischen Preise, nach denen Ser Export kalkulieri, erst bei 120 die Höhe der Preise in den Konkurrenzlandern erreicht: sie standen aber noch bei 102,6. Diese Entwicklung paßt ober den Produzenten für den Inlandsmarkt ganz und gar nicht. Mon erinnere sich dessen, was Englands Unternehmer und Na- tionalökonomen im Herbst zur Begründung der Aufgabe de? Gold- standards sagten: das Pfund sei im Jahre 1925 z» hoch stabilisiert worden; sein Wert müsse im Interesse des Exports herabgesetzt werden. Eine Preissteigerung im Innern sollte aber vennieden werden, die Kauskrast des Pfundes im Innern erhalten bleiben, so daß auch oje Kaufkraft der Löhne nicht leiden würde. Wenn man bedenkt, daß die Lebenshaltungskosten gegenüber Sep- tember nicht gestiegen sind, so muß man zugeben, daß die Kaufkraft � des Psundes und der Löhne tatsächlich erhalten geblieben ist. Gerade diese Tatsache aber ist es. die den Unternehmern jetzt so unangenehm ist. Jetzt wird in England genau wie bei uns über die U n r e n t a b i'l i t ät der Produktion geklagt. Beibehaltung des heutigen Kostenniveaus �der heutigen Löhne!), aber Preissteigerung auf den Stand von vor drei Iahren— so lauten jetzt die Forderungen„der Wirtschaft" im Parlament und iin Mac-Kcnna-Bericht. Das ist der Schrei nach der Inflatian! Man muß bezweifeln, daß die entgegengesetzten Aeußerungen im Herbst(Erhaltung der Kaiiikrast) ehrlich gemeint waren. Im Herbst hatte man auch versichert, gerade durch die Pfundentwertung wolle man einen sonst uotwenaigen Lohnabbau vermeiden. Inzwischen haben die Unternehmer auch diese Begründung vergessen und die Löhne in.zahlreichen Wirtschaftszweigen, zum Teil unter Ausspcr- rungsdruck, recht kräftig gesenkt. Eins ist unzweifelhast durch die Psundentwertung erreicht worden: das Ausland hat, soweit es konnte, englische Pfund- kredite zurückgezahlt. Ein etwas zmeifelhaster Erfolg, da die englischen Kapitalisten dabei erhebliche Verluste erlitten. Von diesen Nück.zahlungen rührt die Gcldfülle oin Londoner Markt; der Diskontiatz wurde seit Februar von 6 auf 2,5 Proz. ermäßigt, Tagesgeld ist unter 1 Proz. erhältlich. Die Porwürse gegen die Bank von England, sie treibe Deflatianspolitik, sino also nicht gerecht- fertigt. Die Unternehmer nehmen den billigen Kredit einfach nicht in Astspruch. Ob man wirklich in England vssen Inflation machen wird, ist ungewiß. Die Regierung hat erklärt, sie walle nicht.zur Galdwöh- rung zurückkehren, solange„die Preise auf Galdgrundlage sich so wie bisher gestalteten", d. h. also solange sie fallen. Es scheint danach. als ob die englische Regierung den Inflotionsforderungen nicht un- bedingt ablehnend gegenüberstehe. Jnslatian— das scheint auch in England zahlreichen Unternehmern ein gangbarer Weg, die Kasten einer zweiselhasien Wirtschastsbelebiing auf die breiten Massen ab- zuwalzen. Gesunde englische Banken. Die Weltstellung der britischen Finanz wenig erschüttert. Gestern wurde gemeldet, drei angesehene englische Privatbanken stehen vor dem Zusammenbruch. Neue englische Jnformatiancn besage», daß es sich um lange bekannte und weniger wichtige Fälle handle, bei denen die Bank von England durch Hereinnähme van Finanz- wechseln eine Stützung durchgeführt habe. Die großen englischen Banken sind nach wie vor gesund. Nachdem einige Monate lang nach der Loslösung der englischen Wahrung vom Goldstandard die englische Finanz, die vor dem Kriege den größten Teil des Erdballes beherrscht hatte, grundlegend erschüttert erschien, hat sich seit einiger Zeit wieder ein stärkeres Vertrauen auf die englische Wahrung und auf die Macht des eng- lischen Finanzkapitals eingestellt. Es hat sich gezeigt, daß England in der Lage gewesen ist, all seinen ausländischen Verpflichtungen ohne sichtbare Schwierigkeit nachzukommen. Eine wesentliche Stütze für die Wiederherstellung des Per- trauen? zum englischen Finanzkapital bilden die Ausweise der englischen Großbanken. Wie vor dem Kriege stehen auch heute noch an der Spitze des englischen Bankkapitals die fünf großen Institute(die„Big Five"). Während in den Bereinigten Staaten, in Deutschland und in der letzten Zeit auch in Frankreich die Struktur des Bankkapitals durch zahlreiche Fusionen immer von neuem verändert worden ist, haben sich im engtischen Bankkapital, vor allem was die Großbanken betrisst, so gut wie gar keine Ber- änderungen vollzogen. In keinem anderen Industrieland, auch nicht in Amerika und Frankreich, hat das Jahr 1931, das Jahr der schwersten internationalen Vertrauenskrise, dem Bankkapital eine so geringe Erschütterung zugefügt wie in England. Die Gewinne der fünf Großbanken, d. h. der Midlond-Bank, der Lloyds Bank, der Barclays Bank, der Weftminster Bank und der National Pracincial Bank, hoben sich gegenüber dem Jahre 1930 nur um 8,5 Proz. vermindert Bei einigen dieser Banken, die insgesamt in England und Wales mehr als 8000 Niederlassungen hoben, war sogar eine Dividendenausschüttung rn der gleichen Höhe wie im Borjahre möglich. Der Reingewinn dieser fünf Institut« tRuffen bekennen... Szene aus einem ruffifchen 3)rama Klaus Mehner i, über dessen, im S. Fisdier Verlag erschienenes Buch„Die. Jugend in Som j ei- Rußland" mir bereits berichtet haben, gibt in seinem Buch, einiee Proben neuer russischer Dichtungen. Die nachfolgende Dramenszene eines jungen Russen ist besonders beachtensmert. Ein einfaches Amtszimmer, hinter einem Tisch mit Akjxn und Telephon sitzt der Parteifunktionär M i ch a i l o w. Seine Frau Olga steht vor einem Bücherbrett, in dem sie kramt. Sie wirft einzelne Bücher aus das Sofa. M i ch a i l o w: Worum wirfst du die Bücher herum? Man kann sie doch ruhig aufräumen. Olga: Ich habe die Ruhe satt. M i ch a i l o w: Du hast wieder Depressionen, Olga. r>lga: Ich habe dieses Städtchen satt, in dem ewig Finster- nis. herrscht und nur ZU Laternen existieren. M i ch a i l o w: Woher weißt du das? Olga: Ich habe das in deinen Papieren gelesen. M i ch a i l o w: Hättest du bis zum Ende gelesen, so hättest du erfahren, daß wir in diesem Jahr noch 519 aufstellen werden. Olga: Ich will in eine große Stadt. M i ch a i l o w: In fünf Jahren werden wir 199 999 Ein- wohner haben. Olga: Ich langweile mich sehr, Michailow. M i ch a i l o w: Ich kann das nicht verstehen. Olga: Nein, das wirst du auch nie verstehen. Es läutet. R a j e w s k i j, ein Freund Michailows, der drei Jahre nach Deutschland kommandiert war, trifft wieder in der Heimat«in. Er ist elegant angezogen und hat«inen teuren Leder- koffer. Die Freunde begrüßen sich herzlich, Michailow macht Ra- jewskij mit seiner Frau bekannt. Als Najewskij den Mantel ab- nimmt, wird an seinem Rock der Orden der„Roten Fahne" sichtbar. Michailow: Nun. was gibt's in Europa. R a j e w I k i j: In Europa? Europa gibt es nicht. Die Spitze des Eiffelturmes und ein Stück der Alpen schaut noch hervor, alles ander« ist mit unserem großen Mundwerk zugedeckt. Michailow: Nimmst du etwa Partei sitr die alte Dame Europa? Najewskij: Mich reizt unser stumpfsinniges und hoch- mutiges Verhalten, ollem gegenüber, was wir nicht kennen. Michailow: Du bist ja neurasthenisch! Najewskij: Ich ärgere mich, weil du nicht der erste bist. Draußen gibt e» genug, was man lernen kann. Ich möchte alle Hohlköpfe totschlagen, die in Europa nichts anderes sahen und hörten als Foxtrott. Michailow: Du warst in Deutschland? Najewskij: In Berlin, Hamburg, Dresden. Das Land arbeitet wie eine funkslnde Maschine. Wenn du aus Königsberg fliegst, liegt Deutschland vor dir wie«in geöffnetes Uhrwerk. Nie verstummt der Lärm von Motoren, die Erde zittert vom Dröhnen von Dutzenden Untergrundbahnlinien. Siehst du, es lohnt sich, da» zu erleben. Olga: Ist es in den Städten hell bei Nacht? R a j e w j k i j: In einigen Straßen Berlins kann man nicht lesen, so hell strahlen die elektrischen Lampen. Es gibt Gebäude, die von oben bis unten von Licht überflössen sind. Ueber einem der Häuser in der Friedrichstraße leuchtet plötzlich ein Pokal, eine Flasche flammt auf, und am schwarzen Himmel perlt der Champagner. (Das Telephon läutet. Michailow nimmt den Hörer.) Michailow: Ich... Jawohl... Warum hast du den Rayon nicht mit Petroleum beliefert? Der Sekretär hat mich an- gerufen. Gestern muhten sie im Noyonkomiiee bei Kerzenlicht or< betten. Du wirst die Leute noch bis zum Kienjpan bringen. So geht das nicht. Schon vor drei Tagen habt ihr fünf Fässer er- halten... Paß aus, sonst passiert noch was... Gut...(Hängt den Hörer auf. Zu Rajewskij:) Champagner? Hübsch. R a j e w s ki j: Was? Michailow: Du erzählst hübsch. Und wie steht es mit der Revolution? Najewskij: Die Demonstrationen werden aufgelöst. Ich ging mit einer Masse Arbeitsloser zum Reichstag. Man schlug uns mit Gummiknüppeln. Mich trafen sie aus die Hand. Ich bin mit Mühe vier Schutzleuten entronnen. Michailow: Dos war falsch von dir. Du hättest nicht mit- gehen sollen. Rajewskij: Sollte ich etwa zur Seite treten und zuschauen? Michailow: Hätten dich die Schutzleute gefangen, so hätte die Polizei das Märchen aufgewärmt von den Russen, die Demon- strationen organisieren... Nutzloser Heroismus ist die Kehrseite der Feigheit. Rajewskij: Bor sünf Jahren hättest du das nicht gesagt. Michailow: Du bist ein unruhiger Geist. Rajewskij: So, und bist du schon zur Ruhe gekommen? Schwer geworden?(Zu Olga.) Biel ist bei uns anders geworden in der letzten Zeit. Aus den Gesichtern der Freunde sehe ich Düsterkeit und Unheil. Früher brannten die Menschen, jetzt glimmen sie wie Kienspäne. Ich schau« auf Michailow und möchte weinen. Einst jagt« er auf einem Bollblut dahin. Bis nach Berlin wollte er auf ihm reiten. Und jetzt? Michailow erkennt, daß Rajewskij durch die drei Jahre im Ausland ungünstig beeinflußt wurde und erteilt ihm, um ihn rasch an die Verhältnisse in der Union zu gewöhnen, den Auftrag, zur Brotdereitstellung in vier obgelegen« Dörfer zu reisen. Er läßt Olga und Rajewskij allein im Zimmer. Olg�a: Werden Sie fahren? Rajewskij: Ich habe noch jeden Auftrag der Partei aus- geführt. Olga: Aber das ist doch sinnlos. Man muß Sie in eine führende Stellung einsetzen. Rajewskij: Die Partei setzt dort ein, wo sie es sür nötig hält. Olga: Menschen werden von persönlichen Erwägungen ge> leitet. Man dars sie nicht mit dem Wort„Partei" zudecken. Di« Partei— das sind Menschen. Rajewskij: Nein. Olga: Was sonst? Rajewskij: Die Partei— ist ein Reisen, ein eiserner Riemen, der die Menschen zusammenbindet. Olga: Mag sein. Aber manchmal drückt er. dieser Riemen Es sind doch nicht all« gleich. Die Menschen sind keine Taxushecken. die man stutzt und gleichmacht. S i e sind anders... Rajewskij: Ich habe darüber nachgedacht. Der Riemen schneidet oft ins Fleisch, aber ohne ihn kann ich nicht leben. Olga: Sie reden unverständlich. R a j e w j k i j: Das ist auch sehr kompliziert. Stellen Sie sich eine Mass« vor, eine einheitliche standardisierte Masse, mit Kra- vatten einer einzigen Favbs. Die Masse geht in derselben Richtung und spricht dieselben eingelernten Worte... Ich will nicht stan- dardisiert sein. Ich denke manchmal mit Entsetzen, daß ich jeden Tag dieselbe Kranatte umbinde wie alle. Aber es gibt noch etwa» Entsetzlicheres. Denken Sie sich, Olga, daß die Masse ohne Sie geht. Sie bleiben allein mit Ihren Gedanken und Zweifeln. Und die Kolonnen marschieren, marschieren— an Ihnen vorbei. Die Kolonnen wiederholen ihre eigenen Worte. Sie singen ihre eigenen Lieder. Und niemand wendet sich nach Ihnen um. und erbormungs- los tönt ihr Gleichschritt. Ich kann die Kolonnen nicht verlassen. Ich kann nicht fortgehen. Ich mutz recht» und link» von mir eine Schulter spüren. Ich muß jemanden hoben, der mir befiehlt. Ich muß einen Riemen fühlen, der die verschiedenen Seiten meines Ichs zusammenschnürt. Ich gehe und sterbe mit ollen. Ich kämpfe für die Partei. Ich bin ihr Soldat. Olga: Ein Soldat, der an den Sieg nicht glaubt? Können solche Soldaten siegen? Rajewskij: Wer sagt Ihnen, daß ich an den Sieg nicht glaube? Das Proletariat kann nicht sieglos bleiben. Der Sieg ist sicher wie der Tod. Ich bin nicht überzeugt, daß wir, das Ruß- land siegt. Vielleicht sind wir nichts als die Pariser Kommune, nur daß die sich 12 Jahr« hält. Wo» macht da»? Wenn es sein muß, stelle ich mich auch an die Wand unseres Pere-Lachaise. furopäifche Aphorifkber Goethe(1749— 1&2). Wenn ich die Meinung eines anderen anhören soll, so muß sie positiv ausgesprochen werden: Problematische» hob ich in mir selbst genug. Keine Nation gewinnt ein Urteil, als wenn sie über sich selbst urteilen kann. Zu diesem großen Vorteil gelangt sie aber sehr spät. Einen Regenbogen, der eine Viertelstunde steht, sieht man nicht mehr. an. Man darf nur alt werden, um milder zu werden: ich sehe keinen Fehler begehen, den ich nicht auch begangen hätte. Was einem angehört, wird man nicht lo?. und wenn man es wegwürfe. Kenn ich mein Verhältnis zu mir selbst und zur Außenwelt, so heiß ich's Wahrheit. Und so kann icder seine eigene Wahrheit haben, und es ist doch immer dieselbe. Mit de* Jahren steigern sich die Prüfungen Neuere Poeten tun viel Wasser in die Tinte Die größten Schwierigkeilen liegen da, wo wir sie nicht suchen. Wie kann man sich selbst kennen lernen? Durch Betrachten nie- malS, wohl ober durch Handeln. Versuche deine Pflicht zu tun, und du weißt gleich, was an dir ist. Was aber ist deine Pflicht? Di« Forderung des Tage». Georg Christoph Lichtenberg(1742— 1799), Naturwissenschaftler und Aphoristiker. Es tun mir viele Sachen weh, die anderen nur leid tun. Ich habe es sehr deutlich bemerkt: Ich Hobe ost die Meinung, wenn ich liege, und eine andere, wenn ich stehe. Zumal wenn ich wenig gegessen habe und matt bin. Wenn sie auf dem Leihhause Menschen annähmen, so möchte ich wohl wissen, wieviel ich auf mich geborgt bekäme. Ich wollte einen Teil meines Lebens hingeben, wenn ich wüßte, was der mittlere Barometerstand im Paradies gewesen ist. Motto: Die Wahrheit finden wollen, ist ein Verdienst, wenn man auch auf dem Wege irrt. Es ist ja doch nun einmal nicht anders: die meisten Menschen leben mehr nach der Made als nach der Vernunft. Di« Leute, die niemal? Zeit haben, tun am wenigsten. Man sollte eigentlich nur das ein Buch nennen, wa? etwas Neues enthalt. In die Welt zu gehen ist deswegen für einen Schriftsteller nötig, nicht sowohl damit er viele Situationen sehe, sondern selbst in viele komm«. Das Mädchen ist ganz gut, man muß nur einen anderen Rahmen drummachen. Es ist schade, daß man bei Schriftstellern die gelehrten Em- geweide nicht sehen kann, um zu erforschen, was sie gegessen haben. (Ausgewählt von Jens Grieter.) Sin ffiruder des Srm Heue Planetoiden werden entdeckt/ Don S>r. Stnsno ätorchardi Nicht von den Himmlischen soll hier die Red« sein, den alten Heidengöttern, unter denen Eros der geflügelte Sohn der Liebes- göttin war, der selbst als kleiner Liebesgott die Sterblichen, welche er in Liebe entbrannt sehen wollte, mit seinen Pfeilen verwundete. Wir wollen vielmehr von den Himmelskörpern sprechen, den in majestätischer Ruhe wandelnden Sternen, welche von den alten Heiden den Göttern gleich gesetzt und mit den Götternamen bezeich- net wurden. Noch heute trogen die um die Sonne kreisenden großen Planeten die alten Götternamen Merkur, Venus, Mars, Jupiter, Saturn, und auch den erst viel spater(1781, 1846 und 1939) ent- deckten, noch in viel größeren Kreisen um die Sonne ziehenden Plo- neten wurden die alten Götternamen Uranus, Neptun, Pluto ge- geben. Zeichnet man das Sonnensystem auf, so bemerkt man zwischen den Bahnen von Mors und Jupiter einen unverhältnismäßig großen Zwischenraum, der den unsterblichen Künder des Kopernikanischen Weltsystems und Erforscher der wahren Planetenbewegung, Io- Hannes Kepler(gestorben 1639), als er nach bestimmten har- manischen Gesetzen der Planetenentsernungen suchte, die Vermutung aussprechen ließ, zwischen Jupiter und Mars müsse noch ein Planet sich befinden. Dem Wittenberger Professor T i t i u s gelang es 1766, bestimmte Zahlenverhältnisie in den Entfernungen der Pla- neten von der Sonne festzustellen, die sogenannte Titiussche Reihe, bei der wiederum ein Planet in der Lücke zwischen Mars und Iu< piter aussiel. Als dann der 1781 entdeckte Uranus sich dieser Reihe fügte, hielt man sie schon für ein unumstößliches Gesetz und suchte emsig nach dem vermuteten Planeten. Gegen Ende de? Jahr- Hunderts wurde sogar eine Gesellschaft von Astronomen in verschiede- nen Ländern gegründet, die eine planmäßige Suche nach dem Pla- neten anstellen sollten. Doch bevor diese �Suche völlig organisiert war, fand P i a z z i in Palermo zu Beginn des Jahrhunderts(am l. Januar 1891) einen allerdings kleinen Planeten in der vermuteten Entfernung, welcher den Namen der Göttin Ceres erhielt. Aber sehr schnell wurden in derselben Entfernung von der Sonne drei weitere kleine Planeten gefunden(1892 die Pallas von O l b e r s in Bremen. 1894 die Juno von H a r d i n g in Lilienchal bei Bremen und 1897 die Vesta von O l b e r s), und nach 49 Iahren setzten weitere Entdeckungen ein, die sich sebr bald häuften, so daß Ende 1899 bereits 392 kleine Planeten oder Planetoiden bekannt waren. Im Jahre 1891 wurde zuerst, und zwar von Max Wolf in Heidelberg, die photographische Methode auf die Entdeckung dieser kleinen Himmelskörper angewendet, und von da an wurden sie in solcher Fülle aufgefunden, daß wir heute gegen 1299 genau kennen, wozu noch etwa 1999 kommen, für welche die Beobachtungen zur genauen Festlegung ihrer Bahnen nicht ausreichen. Die große Zahl dieser kleinen Himmelskörper und ihr Auf- suchen hatte kein unmittelbares praktisches, vielmehr nur cheore- tisches Interesse sür die Astronomen, welche die allerverschiedensten Vermutungen über ihre Entstehung aufstellten. Da wurde im August 1898 von G u st a v Witt in Berlin ein neuer kleiner Planet ausgesunden, der 433., der sich von allen anderen erheblich unterschied und deshalb auch den besonderen Namen Eros erhielt. Während nämlich die anderen 432 sämtlich in dem Raum zwischen Jupiter und Mars sich bewegten, ging die Bahn des Eros in die Mars- bahn hinein, so daß er in regelmäßigen Zwischenräumen sich der Erde mehr nähern muß als irgendein anderer Himmelskörper, ab- gesehen vom Monde. Dadurch erhielt er sofort ein« große praktische Bedeutung sür den Astronomen, er eignete sich dadurch tresslich mr genauen Bestimmung der Entfernung Erde-Sonne, die von den Astronomen als dos himmlisch« Metermaß benutzt wird, als die Maßeinheit, mit der oll« Entfernungen am Himmel gemessen werden, deren genaue Festlegung sür die Astronomen also von höchstem Werte sein muß. Die Entdeckung der kleinen Planeten oder Planetoiden ging weiter. Bald wurden auch weitere gesunden, die ähnlich wie Eros aus der Reihe tanzten, d. h. nicht im Raum zwischen Mors und Jupiter blieben: aber anders als Eros, der in die Marsbahn hineingsht, ragt eine ganze Gruppe, sich der Iupiterbahn an» schließend, über diese hinaus. Die Mitglieder dieser Gruppe, von denen vor gar nicht langer Zeit ein siebenter und bald noch zwei weitere entdeckt wurden, erhielten Namen von Helden des Troja- nischen Krieges, weshalb die Gruppe auch mit dem Namen Tro- joner bezeichnet wird. Auch der Eros erhielt einen Ganymed be- nannten Gefährten, dessen Bahn ebenfalls in die Marsbahn hinein- ragt, der ober der Erde nicht entfernt so nahe kommen kann wie Eros und deshalb für die Astronomen keine erhebliche Bedeutung gewann. Da wurde vor einigen Wachen gemeldet, daß der belgische Astronom Delporte in Brüssel einen neuen Himmelskörper auf- gefunden habe, der sich auf der photographifchen Platte durch seine rasche Bewegung sehr bald als ein kleiner Planet erwies. Die Beobachtungen und ihre Nachprüfungen auf verschiedenen Stern- warten waren sehr schwierig, weil das Objekt äußerst lichtschwach ist, so daß nur die stärksten Instrumente zur Anwendung gelangen könnten. Daher hat es auch mehrere Wochen gedauert, bis soviel sichere Beobachtungen vorlagen, daß die Bahn des neuen Sterns einigermaßen genau berechnet werden konnte. Zur großen Ueber- raschung zeigte sich, daß wir es hier mit einem Bruder des Eros zu tun haben, einem Planetoiden, der sogar noch weiter innerhalb der Marsbahn vordringt als Eros, der der Erde daher noch näher kommen kann als dieser und deshalb wohl auch zu einer noch genaueren Bestimmung des astronomischen Einheitsmaßes dienen wird. Freilich weicht die Bahn dieses neuen Planetoiden, für den vorläufig nock? kern Göttername genannt wird, sondern der noch die astronomische Bezeichnung 1 93 2 S A. 1 hat. von der seines Bruders Eros in einer Beziehung sehr erheblich ab: Eros bewegt sich wie fast olle Planeten und Planetoiden auf einer Ellipse, die nur recht wenig von der Kreissorm abweicht, die Bahn des neuen Sterns dagegen ist eine recht lang gestreckte Ellipse, so daß seine Ent- fernung von der Sonne und auch von der Erde in recht weiten Grenzen schwankt: unter günstigen Umständen nähert er sich uns bis aus 12 Millionen Kilometer, während er sich doch wieder bis auf 589 Millionen Kilometer von uns entfernen kann, also bis auf das fast Fünfzigfache. In dieser großen Entfernung empfängt er auch viel weniger Licht von der Sonne, als wenn er uns und ihr nahe steht, und sendet davon auch wieder einen viel geringeren Teil zu uns als in seiner Erdnähe, etwa 1699mal so lichtschwach wird er in der Erdferne sein als in der Erdnähe.. Bei seiner weiteren Be- wegung, die ihn gegenwärtig von der Erde fortführt, wird er daher recht bald nur sür die mächtigsten Riesensernrohre erreichbar sein. Dem Eos nähert sich dieser neue Stern an einer Stelle so sehr, daß bereits die Vermutung geäußert worden ist, beide Stern« hätten ursprünglich einen einzigen Himmelskörper gebildet, der durch eine uns unbekannte Katastrophe zertrümmert wurde, so daß die ein- zelnen Splitter als selbständige Körper den Sonnenball umkreisen, eine Vermutung, die auch beim Bekanntwerden der Bahnen der zuerst entdeckten drei Planetoiden schon von Olbers geäußert wurde, jedoch für olle sich keineswegs hat halten lassen Die Frag« noch dem Ursprung der Planetoiden ist auch heute trotz allen daraus verwandten Scharssinns noch ungeklärt. Es kommt hinzu, daß jetzt sogar von dem Heidelberger Astronomen Rein- m u t h ein Planetoid entdeckt wurde, dessen Bahn sich sogar bis innerhalb der Babn der Venu», des schönen leuchtenden Abend- slern». erstreckt Man sieht, daß die Astronomen, welche heute so gern in die unermeßlichen Weiten von Hunderten von Millionen Lichtjahren schweifen, auch in unserer nächsten Nähe, in unserem eigenen Sonnensystem, noch manche Ausgabe zu lösen uno manche Rätsel aufzuhellen haben.