BERLIN Sienstag 31. Ml 1932 10 Pf. Jir. 252 B 126 49. Zahrgant, Erscheint l ü g l t ch außer Sonntage. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts' BezugSvretS für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3.25 M. vro Mona» (davon 87 Vf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus tadlbar V o st b e j u z 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Vostjeitungs •ind~9 Pf Vostbestellaebübren SfuUcuityaäe ydßh v\JoifrPtzs46 AnzelgenvrelS£te einspalttge Milltmelerjetle 30 Vf� Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich da» Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktton und Ervedttion: Berlin GW 68. Lindenllr A �vernfprechfr Donboff'A 71?P9 90" In der Sackgaffe Das Zentrum beteiligt sich nicht an neuer Regierung— Nazis fordern den Reichskanzler— Kurs auf Reichstagsaustöfung und Neuwahlen Wer wird Brünings Nachfolger? Es! werden viele Namen genannt, aber wer wirklich als Reichskanzler in Aussicht genommen ist. das ist noch nicht erkennbar. Als das iilabinett Hermann Müller am 37. März 193V nachmittags zurücktrat, erging am Abend der Ruf an Brüning, am anderen Morgen wurde er beauftragt und begann feine Besprechungen, am 39. März war sein Nabinett fertig— ein auch in persönlicher Hinsicht fest- gelegter Plan wurde prompt durchgeführt. Diesmal hat man aber den Eindruck einer gewissen Verlegenheit bei den Krisentreibern, es scheint, dasi nicht alleS so programmäßig läuft, wie sie sich die Ent- Wicklung der Krise vorgestellt haben. Wenn ihnen eine Regierung vorgeschwebt hat. die von den National- sozia listen und Hugcnbcrg toleriert wird, so macht ihnen die Haltung der Nationalsozialisten einen Strich durch die Rechnung. Die Nationalsoziali st cn fordern:'Auf- lösung deS Reichstags, für die Neuwahlen: Aufhebung des SA.-Verbots. Aufhebung der Notverordnungen gegen politische Ausschreitungen. Aufhebung deS Temon- ftrationsverbots, mit einem Wort: Wahlen unter Haken- kreuzterror. Dazu selbstverständlich: grundsätzlicher Jhstemwechsel im Reich und in Preusien. Unter diesen Umständen erscheint als einziger SMuS- weg auS der Krise ihre Verschärfung durch die 3l u f- lösung des Reichstags. Man hofft in den Kreisen um Hindenburg. die Wahlen bis zum Herbst hinaus- ziehen zu können. Zentrum beteiligt sich nicht. ES wird immer deutlicher, dasi man im Zentrum über den Sturz Brünings außerordentlich stark verstimmt ist. Man hält nach wie vor im Zentrum an dem bisherigen Kurs fest, der darauf hinausläuft, daß den National- sozialisten nicht die Machtpositionen ausgeliefert werden dürften, die zur Aufrechterhaltung verfassungsmäßiger Zustände notwendig sind. Unter diesem Gesichtspunkt steht man im Zentrum den gegenwärtigen Experimenten im Reiche mit der größten Zurückhaltung und Besorgnis gegenüber. Man sieht deshalb auch dem Plan, bald den Reichstag aufzulösen und mitten im syieberzustand deS deutschen Volkes Neuwahlen vorzunehmen, mit großer Besorgnis entgegen. Der Reichspräsident hat heute die Abgeordneten K a a S und P e r l i t i u s von der Zentrumspartei emp- fangen. Beide haben dem Reichspräsidenten gegenüber scharf zum Ausdruck gebracht, daß das Zentrum gegen alle halben Lösungen in der jetzigen RegierungS- krisc sei. TaS Zentrum werde sich deshalb an der neuen Regierungsbildung nicht beteiligen und die Frage der Tolerierung eines neuen, weiter nacht kechtS ge- richteten Kabinetts durch die Zentrumspartci sei noch vollständig offen. Mit großer Bestimmtheit haben sie sich gegen den Plan einer alsbaldigen Auflösung des Reichstags und der Vornahme von Neuwahlen ausgesprochen. ES befestigt sich immer mehr der Eindruck, daß der Reichspräsident auf ein Präsidialkabinett loS- steuert und daß er immer noch hofft, daß die National- sozialisten ein derartiges Kabinett tolerieren würden. Weitere Empfänge bei Hindenburg. Der Reichspräsidcnl sehte heule vormittag die Sesprechun- gen mit den fZarleisührern sorl. Es wurden nacheinander empfangen die Abgg. st a a s und P e r l i l i u s für die Ienlrumsparlei, hugenbcrg und D i n l e r f c l d für die veulschnalionalen, Dingeldey für die Deutsche Dolksparlei, Drewitz und Mollath für die wirlschaslsparlei. Hitlerbuben bombarSieren Polizei Beim Ausmarsch der Michswehrwache Sobald die Ablösung für die R e i ch s w e h r w a ch e in der Dendlerstrahe unterwegs ist, sammelt sich immer Publikum an, das mitmarschiert. Neuerdings haben d'e jungen männlichen und weiblichen Nazis daraus ein Sondervergnugen gemacht. Sie benutzen den INarsch der Reichswehr, um die daiei den Verkehr regulierende Polizei zu beschimpfen und zu verhöhnen. heute mittag gab es in der Tiergartenslratze gewissermaßen vor den Augen der ausländischen Rlissionen ein besonders übles Treiben. Tausende von SA.-Leuten„in Zivil" brüllten den Deamlen Schimpsworte zu, um die Regierungsfähigkeit ihrer Partei zu beweisen. Nach den bisherigen Feststellungen find die Demonstrationen planmäßig inszeniert worden, denn schon von ll Uhr ab konnte man Trupps von SA.-Leuten beobachten, die von allen Seiten der Innenstadt zustrebten. Als erste Etappe dieser„Aktion" war das Mnisterium des Innern Unter den Linden ousersehen, wo sich etwa 1500 Menschen zusammenballten und Goebbels von seinem Privatwagen aus eine Rede zu halten versuchte. Schon an dieser Stelle mußte die Polizei mit dem Gummiknüppel die Demonstranten auseinandertreiben. Zu schweren Ausschreitungen kam es einige Zeit später an der Kreuzung Bendler- und Tiergarlenslraße, als nationalsozialistische Demonstranten über mehrere Polizei- bcamte herfielen und ein Bombardement mit Pflastersteinen aus die Beamten erössneten. Die Polizisten muhten in ihrer Bedrängnis zahlreiche Schreckschüsse abseuern. Die Polizei mußte schon in der Straße Alt-Moabit eingreifen, weil aus den Reihen der die Wache begleitenden National- sozialisten verbotene Lieder angestimmt wurden. An der Moltkebrücke kam es dann innerhalb der Menge zwischen An- hängern der beiden extremen Richtungen zu Auseinander- s e tz u n g c n und die Zusammenrottungen waren schließlich so stark. daß die Gefahr bestand, daß die Wache selbst in ihrem Marsch be- hindert wurde. Die Polizei grisf ei», mußte aber schließlich vom Gummiknüppel Gebrauch machen und die Menge auseinandertreiben. Ein junges Mädchen wurde im Gedränge dabei am Kops verletzt und mußte nach der Charite gebracht werden. Später wurden, und zwar im Anschluß an den Zwischenfall mit Dr. Goebbels Unter den Linden, vor dem Reichspräsidentenpalais Demonstrationsversuche von Anhängern der NSDAP. vereitelt und zwei Nationalsozialisten zwangsgestellt. Nach weiteren Reibereien kam es schließlich an der Ecke der Tiergarten- und Bendlcrstraße zu dem ernsteren Zwischen- fall. Nach den polizeilichen Meldungen hatten sich hier etwa 4lK) bis 500 Nationalsozialisten angesammelt, die der Aufforderung zum Auseinandergehen keine Folge leisteten und gegen die Be- amten schließlich eine drohendehaltung einnahmen und sie sogar mit Pslasterfteinen bewarfen. Daraufhin gab die Polizei einige Schreckschüsse ab und trieb die Demon- stranten mit dem Gummiknüppel auseinander. Drei polizeibeamte verletzt. Ein Mädchen mit Echulterschuß. Drei Polizeibeamte sind bei den Tumulten durch Steinwürse und Schläge im Handgemenge verletzt worden. Die polizeilichen Begleitmannschaflen haben bis zum letzten größte Zurückhaltung bewahrt, erst als der Führer des Polizeikommandos keinen anderen Ausweg mehr sah, als viele seiner Beamten von der Menge umzingelt waren, gab er den Befehl zum Feuern. Soweit bisher bekannt geworden ist, hat eine 20 Jahre alte Elisabeth Raschle aus »er Nettelbeckslraßc einen Schulterschuß erHollen. Das Mädchen erhielt in der Sanitätsstube des Reichswehrministeriums erste Hilfe. Die Pläne Hitlers Cin Nazireichskanzler soll den Reichstag auflösen wie dem Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger von nationalsozialistischer Seite erklärt wird, nahmen die Be- sprechungen Adolf Hitlers und G ö r i n g s mit dem Reichs- Präsidenten einen befriedigenden Verlaus. Dieser Eindruck bei den nationalsozialistischen Unterhändlern sei daraus zurückzuführen, daß Reichspräsident von hindenburg sich in dem Gespräch nicht abgeneigt gezeigt habe, einer neuen Reichsregierung die Ermächtigung zur Reichstagsauslösung zu geben. Im übrigen dürste Hitler erklärt haben, daß für die Nationalsozialisten keine Regierung, wie sie auch immer aussehen möge,»ragbar sein würde, die den Eharakter einer Kompromihregierung haben würde. Andererseits aber seien die Nationalsozialisten jederzeit bereit, nicht nur die Regierung, sondern die volle Verantwortung zu übernehmen, immer allerdings unter der Voraussehung. daß der Reichstag neu gewählt werde. In nationalsozialistischen Kreisen denkt man sich die weitere Entwicklung ossenbar so, daß zunächst ein Kabinett unter nationalsozialistischer Führung und unter Beteiligung der Dcutschnationalen. vielleicht auch der Deutschen Volkspartei, gebildet werde, das mit einer Regierungserklärung vor den Reichstag trete und diesen dann auslöse. Die E l n b e r u s u n g des Reichstags würde dann allerdings so verzögert werden müssen, daß die Neuwahlen, die nach Artikel 23 der Reichsverfassung spätestens am 60. Tage nach der Auflösung staltzusinden hoben, erst nach der Ernte, also Mitte September, vorgenommen werden könnten. Nach Absah 2 de» Artikels 23 müßte der neue Reichstag dann zum erstenmal spätestens am 30. Tage nach der Mahl zusammentreten. Ein europäisches Unglück... London, 31. Mai. Der Rücktritt Brünings steht im Mittelpunkt der Lon- doner Pressebetrachtungen. Die„Times" schreibt, schon die Rede Brünings im Reichstag habe gezeigt, daß er nicht mehr Herr der Lage gewesen sei. Seine Aeuherung, daß man sich keine Umstände vorstellen könne, von denen die Wiederausnahme der Reparation?- Zahlungen abhänge, habe im Gegensatz zur Auffassung der Baseler Sachverständigen gestanden und einer Ansicht Ausdruck gegeben, die eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland u n- möglich gemacht habe. Eine einseitige Ablehnung der früher eingegangenen Verpflichtungen stelle keine Regelung dar und fördere sie auch nicht. Und dennoch seien zu dieser Politik diejenigen jetzt verpflichtet, die den Rücktritt Brünings erzwungen hätten. Es würde«in europäisches Unglück sein, wenn diese a b- lehnende und rein verneinende Politik die politische Richtlinie für Deutschland werden würde. „Daily herald" äußert starke Befürchtungen, daß durch die Ereignisse in Deutschland ein Grund für die Vertagung der Lau- sanner Konferenz gesunden würde. Ganz gleich, ob eine deutsche Krise bestehe oder nicht, die Lausanner Konferenz müsse stattfinden, Kürsorgehölle Waldhof Prügelerzieher vor Gericht— Latten und Kloben als Erziehungsmittel und man müsse dort vor allem die großen Probleme der Welt erörtern. „Financial News" verlangt, daß in Deutschland bald eine Re- gierung gebildet werde, die«inen Vertreter nach Lausanne entsende und eine Politik der Zusammenarbeit durchführen könne. Von der Entscheidung in Deutschland hänge mehr als nur das Schicksal Deutschlands ab. Börsenhausse geht weiter. Die Epekulanten hoffen auf Eachwertkäufe. An der heutigen Börse sind die Aktienkurse weiter g e st i e g e n. Die Börsenspekulation hatte einen guten Instinkt für die Frevelhaftigkeit, mit der Agrarier und Schwerindustrie über den Reichspräsidenten das Brüning-Kabinett gestürzt haben, ohne eine neue Regierung präsentieren zu können. Da die Spekulanten Leute sind, die recht einfach denken, glauben sie, daß schließlich doch Hitler kommen müsse mit einer Inflation, und so treiben sie die Kurse in die Höhe. Die Aktienkurse der bekanntesten Werte sind heute weiter um 2 bis 5 Punkte gestiegen, so JG.-Farben von 84 auf 88!4, Siemens von 114 auf IIb, Salzdetfurth von 13l> auf 1S2 und Reichsbantanteile von 116 auf 119�. Demgegenüber waren fest verzinsliche Papiere und Staatsrenten flau und verloren ein bis zwei Punkte. Bis jetzt scheinen noch keine Publikumsaufträge vorzuliegen. Es ist aber ein sehr deutliches Zeichen der durch die Krise ausgelösten Geistesverwirrung, daß man an der Börse auf eine Sachwerthausse spekuliert! Blutrache. Kommunisten erschießen Hiilerleute, weil Nazis Kommunisten erschossen. Köln, 31. Mai.(Eigenbericht.) Am Dienstagmorgen gegen 1 Uhr wurden von einer Sund- gebung heimkehrende Nationalsozialisten in Hilgen(Sreis Solingen) von Kommuni st en beschossen. Der Nationalsozialist und frühere Polizeibeamte Kehrer wurde getötet, drei Na- tionalsozialisten, alle aus Burscheid, wurden schwer verletzt. Die Täter ergriffen die Flucht. Trotzdem wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Es soll sich um einen Racheakt wegen der bekannten Vorfälle in Hückeswagen am 13. März handeln, die znr Verurteilung von Nationalsozialisten wegen Tötung von drei Kommunisten führten. Fünf Opfer einer Familientragödie. Frankfurt a. M., 31, Mai. An der Grenze zwischen BischofSheim und Rüsselsheim wurde der Rüssclsheimer Geschäfts- inhaber Ludwig Schmidt zusrnumen mit seiner Frau und seinen drei Kindern im Alter von acht, fünf und drei Jahren erschossen aufgefunden. Nach den bisherigen Feststellungen hat Schmidt die furchtbare Tat im Einvernehmen mit seiner Frau begangen. Schmidt betrieb in Rüffelsheim ein kleines Zigarren- und Zeit- schriftengeschäft. Autos von Wohlfahrtsgeldern. Oer Oevaheim-Ekandal/ Revisionsberichte ohne Wirkung. Im Devaheim-Prozeß wurde heute die Zeugenverneh- rnung fortgesetzt. Direktor Möller von der Versicherungsgesell- schaft„Evangelische Vorsorge", einer Sterbegeldversicherung, war zeitweilig Schatzmeister des Centralausschusses der Inneren Mission und Mitglied des Verwaltungsausschusses und hat. wie er heute als Zeuge bekundete, auch die Zuteilungen an die Dcvaheim-Sparer ge- prüft. Er bestätigte, daß die Hilfskasse Mittel des Reiches für Wohlfahrtszwecke zu verwalten hatte. lieber die Gründe, die im Jahre 1928 zur Trennung zwischen der Hilfskasse und dem ihr angegliederten Bankhaus Rambaum & Co. führten, wußte der Zeuge nichts zu bekunden. Vors.: Warum ist eigentlich bei der Trenung die persönliche Schuld des Dr. Libberg in Höhe von 149006 M. übernommen worden? Zeuge: Die Gründe sind mir nicht bekannt. In einem R e v>- s i o n e b e r i ch t haben wir aber den Standpunkt vertreten, daß dieses Versahren ein Ding der Unmöglichkeit war. Vors.: Sie haben si chin dem Revisionsbericht auch darüber geäußert, daß das Auto von Dr. Libbertz vom Angeklagten D- Cremer aus Mitteln der Evangelischen Versicherungszentrale gekaust wurde. Zeuge: Das ist damals auch beanstandet worden. Beisitzer Landgerichtsrat Simon: Der Erfolg Ihrer Revisionen war ja durchschlagend: Sie hatten das Auto beanstandet, und es wurden dann zwei weitere Autos angeschafft, anstatt der bewilligten 12 000 M. Autospesen wurden 15 000 M. gezahlt, und die von Pastor D. Cremer verauslagten 18 000 M. Autospesen wurden mit 25 000 M. beglichen. Wie ist es zu erklären, daß der Revtsionsbericht kein anderes Resultat gezeitigt und nicht zu besseren Verhältnissen geführt hat. obwohl doch mehrere Herren vom Centralausschuß von ihm Kenntnis er- hielten? Der Zeuge Direktor Möller konnte darauf keine klare Ant- wort geben und meinte, daß wohl Kompetenzschwierigkeiten zu den unklaren Verhältnissen bei den verschiedenen Organisationen geführt hätten. Todessprung in die Havel. Tragischer Selbstmord eines Ausländer-Ehepaares. 3n den gestrigen Abendstunden wurde bei Lindwerder an der Havel der»ragische Doppelselbstmoerd eines Ausländerehepaares entdeckt. Ruderer sichteten im Wasser plötzlich zwei zusammen- gebundene Leichen, sie benachrichtigten den Reichswasser. schuh, der die beiden Toten barg. E, sind der 25 Zahre alte Slu- den» der Philologie Benzlon Donbnoff aus Warschau und eine 21 Zahre alle Sarah E r d st e> n, die aus Zosfa stammt. Beide wohnten in der Leonhardstraße 15 in Eharloltenburg. Das Motiv zu dem Freitod dürfte in wirtschaftlicher Not zu suchen sein. Gegen den Rektor der Technischen Hochschule in Braunschweig Professor Dr.-Jng. Otto Schmitz in das förmliche D i e n st st r o f- verfahren mit dem Ziele der Dienstentlassung ejn- geleitet worden. Professor Dr. Schmitz ist die zur rechtskräftigen Entscheidung des Dienststrafverfahrens von dem Amte des Rektors der Technischen Hochschule und eines Hachschulprpsessors enthoben. Schmitz soll sich in einem starken Gegensatz zu der vom Reiche- Wirtschaftsministerium betreuten Schichau- Werft in Elhing befinden. Er hatte dort als Sachwalter die Russenaufträge zu begutachten. prenzlau, 31. Mai.(Eigenbericht.)| Anter Vorsitz des Landgerichisdircktor» Achilles begann heule morgen vor der Sonderstraskammer des Prenz- lauer Landgerichts der Prozeß gegen die sieben Erzieher und Landwirte aus der Fürsorgeanstalt waldhos bei T e m p l i n. Die Angeklagten werden vom Rechlsanwalt Dr. Schwarzer vertreten, der als Nebenkläger zugelassene Fürsorgezögling Mierendorf von Rechtsanwalt Dr. L ö w e n t h a l. Als Sach- verständiger für die Zöglinge ist Dr. S e e l i g anwesend. Die ersten Zeugen sind für heute nachmittag geladen. Dann jährt das Gericht in die Anstalt nach Templin hinaus, um dort die Zöglinge zu ver- nehmen. Die sich in Berlin befindlichen früheren Zöglinge von Waldhof werden gleichfalls zum 2. Juni nach der Templiner Anstalt geladen. Frau Weyl ist nicht erschienen, sie ist durch Krankheit entschuldigt. Das Gericht wird beschließen, ob sie vom zuständigen Richter als Zeugin an Ort und Stelle oernmnmen werden soll. Rechtsanwalt Dr. Löwenthal stellt fest, daß Direktor G r ü b e r nicht mitangeklagt sei, weil er in Berlin für sich um gut Wetter gebeten habe. Er beantragt ferner, die Berliner Zöglinge, die als Zeugen in diesem Prozeh vernommen werden sollen, aus der An- stalt herauszunehmen, um sie vor etwaigen Beeinflussungen zu schützen. Der Staatsanwalt begrüßt diesen Antrag; er will aber mit dem Leiter des Landesjugsndamtes, Direktor R a a k e, vorher Stellung nehmen, wie weit das erforderlich und möglich sei. Wochenendfahrten mit Do X. Ab Mittwoch Besichtigung. Am morgigen Mittwoch wird das Dornier-Flugschiss Do X zur allgemeinen Besichtigung freigegeben. Die Besuchszeil ist wochentags von 9—20, Sonntags von 8— 20 Uhr. Der Eintritts- preis beträgt 50 Pf. pro Person, Schüler in Begleitung der Lehrer sowie Studierende der hiesigen Hochschulen mit Studentenkarten zahlen an Wochentagen in der Zeil von 9—20 Ahr 10 Pf. Aus- drücklich wird daraus hingewiesen, daß das Rauchen in der Umgebung de» Flugschisscs und an Bord selbst strengstens verboten ist. Der Liegeplatz de» Zlugschlsfe» befindet sich am Restaurant „Rübezahl" in der Südwesteckr de» Müggelsee». Verkehr». Verbindung dorthin am besten mit der Stadlbahn bis Bahnhof Köpenick und von dort mit Autobus 27 bi» Haltestelle„Rübezahl", außerdem ml» den üblichen Dampferverbindungen noch dem Müggelsee. Auf einer Pressebesichtlgung des vo X äußerte sich noch einmal der Konstrukteur de» Flugschiffes Dr. D o r n i e r im Restaurant „Rübezahl" am Müggelsee über die Eigenschaften des ihm anver- trauten Großstugboote», wobei man auch näheres über die weiteren Pläne für die Da X erfuhr. Dr. Dornler äußerte seine Ansicht dahin, daß neben dem Zeppelin nur Flugboote für den Ozean- verkehr in Betracht kämen. Jede» Landflugzeug sei für diesen Zweck unbrauchbar. Die Geschwindigkeit der Da X werde noch gesteigert werden, obwohl das Flugschiff schon jetzt 160 bj, 200 Kilo- meter in der Stunde zurücklegt. Im Gegensatz zu Sport- und Jagdflugzeugen könne man bei der Da X noch erhebliche Per- besserungen machen, da das Grohflugboot erst eine Zwei- bis dreijährig« Praxis aufweise. Der Aktionsradius werde kaum ver- ändert werden, da diese» nicht notwendig sei. Aber durch andere Anbringung der Motoren, vielleicht in den Tragflächen oder Im Rumpf des Schisse», werde man Verbesserungen einführen, womit eine noch größere Flugsicherheit und eine eventuelle Stetgerung der Schnelligkeit erzielt werden könnt«. Alle» in allem gehök« dem Seeflugzeug und nicht dem Landflugzeug der Ozeanoerkehr. Dornier und sein? Werk? arbeiteten weiter an der Verbesserung de» jetzt schon ziemlich vollkommenen Modells. Als erster wird der angeklagte Erzieher Franke vernommen. Er war ursprünglich Landwirt, hat auch auf seinem Gut junge Leute um sich versammelt, die er sportlich beschäftigt hat und auch eine Gruppe des Jungen Landbundes begründet. Ein Jahr lang war er Erzieher in Düsseldorf und wurde daraufhin von j einem Schwager, dem Direklor Grüber, nach Waldhos übernommen. Der Angeklagte Frank« schildert ausführlich die Zustände in �einplin und die Schwierigkeiten, die die Erzieher angeblich mit dein Zöalingsmaterial, das sie aus Berlin erhielten, gehabt hätten. Auf die Vorhaltungen des Vorsitzenden, wie sich die Erzieher und auch speziell er als Stellvertreter des Direktors über den Erlaß des W o h l ja h r t s m i n l st e r s vom Jahre 1929, der das Züchtigen von schulentlassenen Zöglingen perbietet, hinweggesetzt haben, erklärt er, daß es eben anders nichi möglich gewesen sei. Auf die weitere Frage des Vorsitzenden, ob vielleicht von Berlin aus gesagt worden sei, daß man sich nicht so genau an den Erlaß zu halten brauche, erklärt der Angeklagte, daß Obermagistratsrat Dr. K n a u t h gesagt habe, das„Schütteln" der Zöglinge in gewissen Momenten sei aus erzieherischen Gründen wohl gestattet. Auf eine weitere Frage des Borsitzenden, wie sich Pfarrer G r ll b e r zu den Züchtigungen gestelll habe, meint der Angeklagte, daß er in jeder Konserenz davor gewarnt habe. Das„Schütteln" habe aber auch er als statt- Haft erächtet. R-chteanwalt Dr. Löwenthal fragt den Angeklagten, ob er der Ansicht sei, daß auch Schläge mit G u m m i s ch l ä u ch e n, Latten und Holzstücken für die Jungen nützlich sein könnte. Der Angeklagte Franke erwidert darauf, daß in gewissen Fällen auch das der Fall sein könne. Weiter erfuhr man, daß nach Abschluß des Ausenthalt» der Do X in der Reichshauptstadt sich das Flugschiff nach T r a v e- münde bzw. Warnemünde begeben wird, von wo aus Wochen- endflüge nach den nordischen Staaten, so nach Oslo, Stockholm und Kopenhagen sowie nach allen deutschen Seebädern unternommen werden. In Travemünde soll dann die Maschin« bi» zum Herbst bleiben und dann der eigentliche Heimatflug »ach Altenrhein am Bodcnsee angetreten werden, wo eine völlige Ueberholung stattfinden wird. Gleichzeitig sollen in der Werft dann auch die geplanten Neuerungen durchgeführt werden, um sich viel- leicht für einen neuen Ozeanslug im nächsten Sommer vorzubereiten. Geheimnisvolle Todesfälle. Osnabrück, 31. Mai. Zwei ihrer Ursache nach noch unaufgeklärte Todesfälle ereig- neten sich In der Familie eine» Heuermannes in M e h r i n g e n bei Lingen. Der 17 Jahre alte Sohn hatte sich abends noch gesund und .munter zu Bett gelegt. Als die Mutter ihn am anderen Morgen wecken wollte, fand sie ihn todkrank vor. Hals und Zunge waren stark, angeschwollen. Der Kranke wurde ins Krankenhaus ge> bracht, wo er bald darauf starb. Gegen Mittag desselben Tage» erkrankte auch seine vierjährige S ch w e st e r und starb schon wäh> rend der Ueberfllhrung ins Krankenhaus. Da man keine Anhalt»- punkte für die Todesursache finden konnte, wurden Leichenteil« der Kättingcr Universität zur Untersuchung übersandt. An den Angehörigen wurde eine Schutzimpfung vorgenommen. Weiter« Erkrankungen sind nicht vorgekommen. Die im Sterbehause vor- handenen Lebensmittel wurden beschlagnahmt, doch ist es bisher noch nicht gelungen, necke Anhaltspunkte für die Todesursache zu gewinnen. Infolge neuer anlisemltischer Studentenkrawalle ist die Wiener Universität bis aus weiteres geschlossen worden. Indische Blutbisanz. Bei den ZusanunensMen zwischen Hindus und Mohammedanern wurden feit dem 14. Mai 200 Per- sonen getötet und mehr als 2000 verletzt. Das Programm der Sozialisten Zu Verhandlungen bereii Paris, 31. Mai.(Eigenbericht.) Die von dem Sozialistischen Kongreß gewählte Eni- sch l i e h u ng s k o m m i ss i o n. die aus 13 Mitgliedern der Ten- denz Leon Blum, 12 Mitgliedern der Tendenz Z y r o m s t i- Paul Faure und 14 Mitgliedern der Tendenz R e n a u d« l be- steht, hat in der Nacht ein Programm über die Frage der Regie- rungsbeteiligung angenommen, das heute vormittag dem Kongreß unterbreitet wird. Zu Beginn der Sitzung verlangte R e n a u d e l, daß die von der Partei zu stellenden Bedingungen nicht als Mindestbedingungen, sondern als eine Diskussionsbasi» betrachtet werden. Mit 22 gegen 14 Stimmen wurde dieser Antrag jedoch abgelehnt. Darauf wurde«ine Unterkommisston, bestehend aus Blum, Bincent-Auriol, Zyromski, Renaudel, Lebas und Lasont gewählt, die den Entwurf zu dem Programm aus- arbeitet«. Um 1-4 Uhr morgens war die Unterkommission mit ihrer Arbeit fertig und unterbreitete das Ergebnis der Vollsitzung der EntschließungskommMon, die es mit großer Mehrheit billigte. Das Plenum des Kongresses hat am Schluß seiner Dienstag- vormittagsitzung das von Lson Blum ausgearbeitete und von der Entschtießungskommlsston in der Nacht gebilligte Programm für die Beteiligung der Sozialisten an einer Linksregierung fast einstimmig angenommen. Nur wenige sprachen sich für eine erst in der Bormittagssitzung eingebrachte Entschließung des mit den Kommunisten sympathisierenden äußersten linken Flügels der Partei aus, die jede Zu- sanmienarbeit mit einer bürgerlichen Regierung ablehnt. Das von Löon Blum aufgestellte Programm lautet: Die parle! ist der Ansichl, daß der Ernst der außen- und innen- polilischen Lage ihr nicht erlaubt, die Angebote, die Ihr in bezug auf die Beteiligung an der Regierung von der radikalen Partei gemacht werden könnten, abzulehnen. Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Parteien seht da» Vorhandensein eine» gemeinsamen programmes voraus. Die Sozialistische Partei definiert das Programm, das nach ihrer Ansicht durch die sosorlige Notwendigkeit der Aktion bestimmt ist, solgendermaßen: 1. Organisation des Friedens und Verständigung der Völker und obligatorische Schiedsgerichtsbarkeit; massive Herabsetzung der Milftärausgaben, die auf den Stand der Kredite von 1928 zurückgesührt werden müssen und zwar im Lau?« von zwei Finanzjahren bzw. schneller, wenn es die Initiative erlauben, die Frankreich in Gens im Hinblick aus den entwaffneten Frieden ergreisen muß. 2. Verbot des Kriegswaffenhandels, sofortige Kontrolle und Rq- ttonalisierung der Kriegsindustrie. 3. Ausgleichung des Budgets durch andere Maß- nahmen als durch Berringerung der Sozialausgoben oder der Kre- dit« für den Unterricht und die Landwirtschaft oder die Kürzung der Löhne, Gehälter und Pensionen. 4. Schutz der Sparer und Kontrolle der Banken. 3. Verteidigung der landwirtschaftlichen Produktion gegen die Spekulation und die Absatzkrise durch Errichtung von Wirtschafts- ämtern für Düngemittel und Getreide. 6. Sicherung des Betriebes der Eisenbahn nicht durch Erhöhung der Tarife oder Berringerung der Löhne, sondern durch Organisation eines einheitlichen Staatseisenbahnnetzes und eines staatlichen Amtes für alle Verkehrsmittel. 7. Schaffung eines allgemeinen Versicherungssystems gegen Arbeitslosigkeit und gegen die der Landwirtschast durch Unweiter verursachte» Schäden. Dieses System kann nur durch die Rückkehr des privaten Bersicherungsmonopols an die Nation durchgeführt werden. 8. Einführung der 40-Stunden-Woche ohne Verringe- rung der Löhne gemäß dem Programm des Gewerkschaftsbundes. 9. Allgemeins Amnestie für politische Vergehen. Dieses Programm setzt eine Mehrheit voraus, die alle Parteien der R e a kt i o n. die bei den Wahlen geschlagen worden sind, ausschließt. Seine Ausführung muß durch diese Methoden gesichert werden, die bestimmt sind, den Staat gegen die Ueber- griffe der G e 1 d m ä ch t e zu schützen. Ter Kongreß ist, wenn die Radikale Partei einen derartigen Wunsch ausdrückt, bereit, eine Delegation zu ernennen, die ihr das sozialistische Programm unter- breitet und dem Kongreß die Antwort der Radikalen überbringen soll. Diese Delegation wird zugleich die Antwort der Partei auf die Angebote, die ihr gemacht werden können, bestimmen. Ltnsere Rechtssrtigung. Eelbstanklage der KPO. gegen ihre Taktik. Das Zentralkomitee der KPD. veröffentlicht eine Er- klärung zum Sturze der Regierung Brüning. Der Inhalt dieser Erklärung ist wie nichts anderes geeignet, den kommu- nistischen Arbeitern die Augen zu öffnen. Es heißt in dieser Erklärung: „Die Regierung Brüning ist gestürzt. Das herrschende Finanzkapital, Junker und Generale, haben der Reichsregierung Brüning-Groener-Stegerwatd den Laufpaß gegeben. Der Reichspräsident Hindenburg, der Präsidentschaftskandidat der SPD. und der übrigen Brüning-Parteien, vollstreckte wenige Wochen nach seiner erneuten Wahl den Willen der Trustbourgeoisie, der Großagrarier undReichswehrgencrale, die durch die Beseitigung des bisherigen Kabinetts den Weg für eine neue Offensive der faschistischen Reaktion, sür eine u n- geheure Verschärfung in den Methoden der sa- schistischen Unterdrückung der Arbeiterklasse und für v e r- stärkte Kriegspolitik der deutschen Bourgeoisie freimachen wallen." Das ist die glänzend st e Rechtfertigung der T o l e r i e r u n g s p o l i t i k, die die Sozialdemokratie gegen- über der Regierung Brüning geübt hat. Es ist das Einge- ständnis, daß die Regierung Brüning die Großagrarier und Reichswehrgenerale an einer faschistischen Offensive vsr- hindert hat, daß die Taktik der Sozialdemokratie die G e- f a h r e n, die das ZK. der KPD. ganz richtig bezeichnet, bis- her verhindert hat! Es ist aber noch mehr! Es ist eine Selbstanklage der KPD., es ist das Eingeständnis, daß die Politik der KPD. nicht nur grundfalsch, sondern geradezu nützlich für die Re- aktion gewesen ist! Im Leitartikel der„Roten Fahne" heißt es weiter: „Mehr als die bisherige Regierung wird das kommende Deutsch- kand in die schlimm st e Kriegsgesahr hineintreiben. Schon fordert gestern, wie wir an anderer Stelle berichten, die deutsche Delegation in Genf die Erlaubnis zur Auf- rüstung mit der beispiellosen Begründung, daß dann Deutschland besser noch als Frankreich Europa vor den, Bolschewismus bewahren werde. Das ist eine unverschämte Kriegsansage an hie Sowjetunion, die an Bedeutung noch mehr gewinnt, wenn man weiß, daß gerade die Rechtstreise, die an der kommenden Re. gierung als hauptintereffiert gelten, seit längerer Zeit wegen der Schließung eines Militär- und Jndustriebllnd» niffes mit Frankreich in Verbindung stehen. Als Gegen- leistung fordert die französische Regierung bekanntlich vor allem den BruchmitdemRapallokuxs. Wenn es nach den Wünschen der Industrie- und Militär- kamarilla geht, die jetzt Regierungen stürzt und bildet, dann stehen wir an der Pforte bedrohlicher Ereignis se in Deutschland gegen die Sowjetunion. Dann werden die Rüstungen in Ostpreußen noch gefährlicheren Umfang annehmen. Dann kann es jeden Augenblick zur Entladung des Kriegs- gewittere kommen. Der erstickend« Druck der Krise treibt die Bourgeoisie zu außenpolitischen Abenteuern, die aus Kosten des Proletariats und mit seinem Blut ausgetragen werden sollen. Sie werden die Krise nicht läsen, sondern vertiefen." Was haben die Kommunisten getan, um diese Ge- fahren vom deutschen Proletariat und der Sowjetunion ab- zuwenden? Nichts! Im Gegenteil, sie haben durch die Spaltung der Arbeiterklasse, durch ihren haßerfüllten Kampf gegen die Sozialdemokratie, durch ihr taktisches Zusammen- arbeiten mit der Reaktion bisher die Geschäfte der reaktiv- nären und faschistischen Kräfte gefördert! Auch jetzt noch schreien sie wie blödsinnig: die Sozialdemo- kratie ist an allem schuld! Damit werden sie nirgends mehr Glauben finden! Nach ihrem eigenen Geständnis wird es jetzt jedem einsichtigen Arbeiter klar sein, wie richtig die Sozialdemokratie gehandelt hat, als sie den vom ZK. der KPD. jetzt so genau bezeichneten reaktionären und faschistischen Kräften den Weg zur Macht versperrt hat! Die Schlußfolgerungen für jeden einsichtigen Arbeiter er- geben sich von selbst: der Kampf gegen Reaktion und Faschis- mus muß mit der Sozialdemokratie geführt werden! Erfundener Briefwechsel. In der heutigen Nummer der„Roten Fahne" wird unter der Ueberschrist„Bernaus Arbeiter rechnen mit der SPD. ab" be- hauptet, Genosse F r i e d l ä n d e r, der sich unlängst in einer öffentlichen sozialdemokratischen Versammlung in durchaus sachlicher Weise mit den anwesenden Vertretern der Kommunistischen Partei au-einanbergesetzt hatte, sei einer schriftlichen Einladung der KPD. zu ihrer Bersammlung nicht gefolgt und habe in einem Briese er- klärt:„Ich lehne es ab zu erscheinen, denn es hat keinen Zweck. darüber in einer öffentlichen Versammlung zu sprechen." Genosse Friedländer teilt uns demgegenüber den Wortlaut einer an die „Rote Fahne" gesandten Berichtigung mit, in der es am Schluß heißt: „Es ist weder eine schriftliche Einladung an mich ergangen, noch eine Antwort darauf erfolgt." Daraus geht also hervor, daß das Schreiben an den Referenten der Sozialdemokratie und ebenso der Antwortbries lediglich in der regen Phantasie der Kommunisten existiert haben. Tödliche Klsischvergistung. Echiffskapitän nach dem Genuß von Hackfleisch gestorben. S»-»«In. Zt. Mai. Am Montag verstarb im StäMische» Krankenhaus an den Folgen des Gmnsses von nicht einwandfreiem h a ck s l e i j ch der Kapitän G r ä b n e r. Die nähere Untersuchung dieses Falles hat ergeben, daß noch sieben weitere Personen an Fleischvergistung erkrank! sind. Einige von ihnen wurden in bedenklichem Zustand in» Städtische Krankenhaus gebracht. Die Schuldsrage konnte bisher noch nicht ge- kläri werden. Der Steuermikschuß des Reichstags beschloß, da der Reichs- fingstzminisier Dietrich brieflich mitgeteilt hatte, daß er wegen der Demission der Rcichsregisrung den Beratungen nicht beiwahnen könne, die sachlichen Gegenstände pan der Tagesordnung abzusetzen und lediglich Petitipnen zu erledigen, Lugend und Gegenwart Kunktionärkonferenz der Berliner Arbeiterjugend Die Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Berlin veranstaltete gestern im dicht besehten Sjhungejaal de» Bezirksamts Kreuzberg eine Funktionärkonserenz, aus der Landtagsabgeordneter Genosse Erich K u t t ne r über„die politische Situation" referierte. Kuttner legte dar, daß der Tag des Sturzes der Regierung Brüning bedeutungsvoll, wenn nicht entscheidend sür die nächste Zeit deutscher Geschichte sei. Es drehe sich nicht um das Schicksal einer Regierung, es handle sich vielmehr um das Schicksal der Republik, um die Frage: Demokratie oder Faschismus? Der Redner behandelte die Geschichte des Kabmeits Brüning, das als Kampfkabinett gegen die Sozialdemokratie nach dem Rücktritt des zweiten Kabinetts Hermann Müller gegründet und durch die Opposition der Sozialdemokratie zur Aufhebung der ersten Rot- Verordnung und zur Auflösung des Reichstags gezwungen wurde. Die Wahlen vom 14. September 1330 brachten aber wodex den Mittelparteien noch den Sozialdemokraten den Sieg, der Triumphierende war vielmehr der Faschismus. Das nötigte zu einer Frontänderupg und führte zur Tolerierungspolitik der Partei gegenüber Brüning. Freilich meinten wir damals, daß die Wirt- schaftskrise in Deutschland mit 2� Millionen Arbeitslosen ihren Höhepunkt erreicht hätte. Wir haben uns darin geirrt. In den folgenden anderthalb Jahren stieg die Wirtschastsnyt weiter, und mit ihr wuchs der politische Radikalismus. Der Nationalsozialismus errang in Preußen 37 Proz., in Oldenburg 48 Proz., in einzelnen Provinzen M und mehr Prozent der Stimmen. Woher dieser un- geheure Zuwachs? Einmal sind die indifferenten Schichten des Bürgertums, die an sich unpolitisch und zufrieden sind, wenn, ohne daß sie gestört werden, nach dem Muster Wilhelm II. oder gar eines Bismarck regiert wird, durch die Krise rauh aufgeschreckt. Di« Krise traf fast alle, und die Nationalsozialisten verstanden es geschickt, sich als die allein echten Propheten anzupreisen. Das Bürgertum verließ seine alten Heerlager, die Volkspartei, einst unter Stresemann 70 Mandate stark, ist so gut wie verschwunden: dys gleiche gilt von der Wirtschaftspartej und der liberalen republi- kanifchen Gruppe, der Staatspartej. Die Deutschnationalen wurden eine bedeutungsvolle Gruppe, von bürgerlichen Parteien blieb nur das katholische Zentrum intakt. Der Hauptkamps des Nationalsozialismus aber galt der Sozialdemokratie. Sie hat sich trotz Abbröckelungen ganz ander» geschlagen und gehalten als das Bürgertum und auch die Kommunisten. Kuttner behandelte sodann die starke Fluktuation zwischen Kom- munismus und Nationalsozialisinus und fragte, wie es möglich fei, daß in einer Zeit offenkundigsten Versagens des Kapitalismus der Schemsozialismus der Nazis und nicht die wirklich s a z i a- listische Sozialdemokratie die Wähler anzöge. Die Er- klärung, daß die unpopuläre sozialdemokratische Politik der Tole- rierung des Brümngfchen Notnerordnungssystems diesen Zustand hervorgerufen habe, genüge nicht. Sie könne allenfalls unsere Ad- gänge erklären, aber nicht das Schicksal der Kommunisten. die nicht den Mut zur Unpopularität hatten, sondern das Proletariat mit billigen Popularitätshaschereien umbuhlten und trotzdem stärker als wir verloren. Kuttner wandte sich dann besonders an die Jugend und sagte, daß die pttrlschastskrsse wohl das Proletariat vermehre, da» klassenbewußte Proletarial aber vermindere. Das gelte vor allen Dingen für die arbeitslose Jugend. Das Klassenbewußtsein des aufgeklärten Arbeiters sei himmelweit ver- schieden von dem bloßen Neid des Armen gegen den Reichen. Nur der Jungarbeiter, der das Erlebnis der Arbeiter im Be- triebe gehabt habe, könne den Klassenunterschied zwischen Arbeit- nehmer und Arbeitgeber erkennen. Auf den Stempelstellen schüren die Nationalsozialisten den Neid gegen die„Bonzen", gegen Gewerk- schaftler und Minister, ja, selbst gegen den Arbeiter, der in der Fabrik steht. Nur der Klassengegner bleibt aus- g e n o m m en, der Unternehmer nämlich, der die Nazis durch Trinkgelder und Betteljuppen gekauft hat. Nicht in Krisenzeiten, sondern in Konjunkturzeiten wachst die Kraft des Proletariats. Kuttner berührte sodann die Frage der Einheitssront und betonte, daß, solange die Kommunisten auf die Sozialdemokratie als den Hauptfeind hetzen, die vielgenannte Einheitssront unmöglich sei. Gewiß wird das Proletariat neben der Krise durch den Bruder- kämpf gelähmt. Nachdem Kuttner die Gründe des Konfliktes zwischen Brüning und Hindenburg behandelt und den Einfluß namentlich der Generale und Graßgrundbesitzer aus den Reichs- Präsidenten beleuchtet hatte, besprach er die Aussichten sür die nächste Zukunft. Ein« Rechtsregierung werde vor allem in der Außenpolitik ihr« Versprechungen nicht halten können. Auch in der Steuerpolitik komme sie um einschneidende Maßnahmen nicht herum. Sie kann nicht Versailles zerschlagen upd die Notverordnungen aufheben. Glauben wir qher deshalb nicht, daß eine Rechtsregierung in drei Monaten erledigt fein müsse. Durch Schauspiele der Grau- samkeit und des Terrors wird sie ihre Anhänger einlullen. Wir werden trotzdem unsere Aufklärungsarbeit fortsetzen in Kamps- ocist, Kampffeuer und ruhiger Entschlossenheit. Wir werden nicht Kugeln, aber gepfefferte Erkenntnis in die Hirne treiben. Festigkeit und Stetigkeit werden den Sieg erringen. Die Lage ist, da» möge sich auch die Zugend sagey. ernst, aber keineswegs hossm»ngslo»l An Kuttners Ausführungen, die mit größter Aufmerksamkeit und starkem Beifall aufgenommen wurden, schloß sich eine scbhaste Diskussion, an der sich die Genossen Schwjegert, Rückert, Marotzke, Erich Schmidt und Diederich beteiligten. Nach einem Schlußwort Kuttners beendete gemeinsamer Gesang die Veranstaltung. „Kuhle Wampe" ltraufführung des freigegebenen Films im Airium Der Film„Kuhle Wampe", der seinerzeit von der Filmprüf- stelle im ganzen verboten, im erneuten Verfahren aber nach mancher- lei Streichungen freigegeben wurde, hat gestern das Licht der Osfsentlichkeit erblickt, ohne daß die öffentliche Ordnung und Sicher- heit oder lebenswichtige Interessen des Staates gefährdet wurden. Da mir sstbst der Film in der ursprünglichen Fassung nicht be- kannt ist, vermag ich nicht festzustellen, wie weit die Schnitte den Charakter des Films verändert haben. Aber bereits in den EM- scheidungsgründen, der die Zulassung oerjagenden Filmprüsstelle war ausgeführt worden, daß der Film— eine Mischung zwischen Spielsilm, Propagandasilm»yd Reportage— die kommunistische Tendenz deutlich herausfühlen lasse, aber der Farm nach zurück- haltend sei und sich parteipolitischer Schlagworte enthalte. Von Kennern beider Fassungen dos Films höre ich, daß nicht sehr erheb- j lieh« Striche vorgenommen wurden, daß sie sich im wesentlichen nur aus eine Richterszene, aus Auseinandersetzungen über die Ab- treibung, eine Nacktbadeszene und einige tendenziöse Zuspitzungen beschränken. Die kommunistische Tendenz ist besonders in den Schlußteilen, wenn auch in gemüßigter Form, geblieben und die große Propa- ganda. die für den Arbeitersport entfaltet wird, ist deutlich zugespitzt auf die kommunistische Sportbewegung. Das soll hier einfach fest- gestellt werden. Der Film selbst, zu dem Brecht und Ottwald das Manuskript beigesteuert haben, zerfällt deutlich in mehrere Teile, die ihrer ganzen Art nach ziemlich verschieden sind. Die ersten Akte tragen den Untertitel„E in Arbeitsloser weni- ger": sie zeigen den vergeblichen Kampf der jungen Menschen um eine Arbeitsstelle und führen das Schicksal eines einzelnen von ihnen weiter vor Augen. In seiner spießerlichen, kleinbürgerlichen Familie hört der Junge nichts als Vorwürfe wegen seiner Untüchtigkeit. Er stürzt sich aus dem Fenster. In den nächsten Akten, die„D a s schönste Leben eine» jungen Menschen" betitelt sind. werden die Geschicke der Familie Böhnicke weitergeführt. Sie wird exmittiert, alle Versuche beim Hauswirt, Wohlfahrtsamt und Ge- richtsvollzieher sind ergebnislos, ober der Freund der Tochter Anni weiß Rat. Er nimmt die Familie zu sich in die Zeltkolonie Kuhle Wampe. Die jungen Leute finden sich. Hanne Eisler, der die«igenwüchsige, auswühlende und anspornende Begleitmusik ge- schrieben lmt, kommt hier mit dem Song„Da? Spiel der Geschlcch- ter erneuert sich jedes Frühjahr" stark zur Geltung. Die Kontrast« zwischen den beiden Welten der Jungen und Alten werden weiter demonstriert, die beiden jungen Leute sollen sich heiraten, weil Fritz, wie er sich ausdrückt,„reingefallen ist". Die Verlobungsfeier ist ganz auf Karikatur eingestellt:«in unmäßiges Fressen und Sausen geht vor sich— ausgerechnet in einem Milieu von Arbeitslosen! Anni verläßt ihren Bräutigam, weil er sie nur gezwungen heiraten will, und findet Unterkunst bei einer Freundin. Der letzte Teil res Films ist ganz der Arbeitersportbewegung gewidmet. Ein großes Spartfest in einem Zeltlager am Tee wird vorgesührt. es gibt sehr schöne Bilder aus dem Wettkamps der Motorradsghrer. Schwimmer und Ruderer. Eine Propagondatruppe tritt auf, kröftige Song» werden angestimmt, zwischen Fritz und Anni werden die Beziehungen, neu geknüpft. Auf der Heimkehr vom Sportfest wird eine sehr gelungene Debatte im Eisenbahnabteil gestaltet über aktu- elle wirtschaftliche und politische Fragen. Der Film klingt aus in«inen Appell an alle, denen die Welt nicht gefällt und hie bereit sind, sst zu ändern, S. Rh, D u d p w hat Regie geführt und in Günther Krampf einen ausgezeichneten Kameramann zur Seite gehabt. Das Elend der Arbeitelosen, die Not in den Hinterhäusern, das Leben und Treiben in der Zelt- kolonie, und vor allem der frische Elan der Jugend im Sportleben kommen markant heraus. Dazwischen gibt es breit geratene lyrische Stellen aus der Welt der Maschinen und der freien schönen Natur, die besonders dem Komponisten Eisler Gelegenheit geben, seine Rhythmen zu entfalten. Es ist nicht gelungen, die Unterschiede der verschiedenen Teile in Stil und Rhythmus zu überbrücken. Auch werden die weltanschaulichen Tendenzen nur gestreift und nicht klar herausgearbeitet, Sport treiben alle politischen Richtungen, es hätte hier das Spezifische des Arbeitersports stärker herausgearbeitet wer- den müssen, Der Regisseur konnte Uber ein prachtvolles Material von Arheitersportlern und proletarischen Sängern verfügen. Auch bei der Auswahl der Darsteller für die führenden Personen hatte er eine glückliche Hand: Hertha Thiel« und Ernst Busch sind ein paar echte junge Leute der Arbeiterwelt, und auch sonst gibt es sehr gute Typen. Voran gingen«in sehr merkwürdiger Film vom Alligatorfang und ein Trickfilm au» der Winterwelt. O. Das ist die Flöte, das ist die Flöte... Mit der im Besitz des Potsdamer Museums befindlichen Flöte Friedrich II, werden in den Räumen des Potsdamer Gyrnisonmuseuws ab 2. Juni an jedem Donnerstag nachmittag. 4 Uhr, historische Konzerte stattfinden. Kammermusiker Georg Müller(Staatsoper Berlin) bringt auf der Flöte Komposittonen Friedrich II. zum Vortrag. Nun, was ist das schon, diese historische Flöte, die noch keine 20t) Jahre alt ist. Die Dänen haben da ganz andere historische Blasinstrumente: ihre prachtvollen großen Luren(eine Art bronzene Alpenhörner) stammen au« der Bronzezeit und schmettern ganz anders. Was sollen uns im Nazsteitalter solch« sanften Flötentöne. Erinnerungstafel für Georg Rollenhagen. Zum Gedächtnis des deutschen Humanisten Georg Rollenhagen, der 1342 in Bernau geboren wurde, ist jetzt an dem aus dem Mittelalter stammenden lateinischen Schulhau» auf dem Kirchplatz in Bernau eine bronzene Erinnerungstafel enthüllt worden. In dem Hause, an dem die Tafel angebracht wurde, hat Rollenhagen gelernt und ge- lehrt. Später wurde er Prediger am Magdeburger Dom und Rektor der dortigen Domschulc. Er starb 1(109 berühmt als Gelehrter und Dichter. An Rvllenhagens bedeutende» Werk, die Tier- sabel„F r o s ch ,n ä u s e l e r" mit satirischen Spitzen gegen die Zustände seiner Zeit, erinnern Frosch und Maus, die auf der Tafel neben der Inschrift als Symbole dargestellt sind. Der neue Präsident der Akademie. In der gestrigen Sitzung der Akademie der Künste wurde der Komponist und Dirigent M a r von Schillings mit großer Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Schilling» tritt die Nachfolge des Malers Max Liebermann an. «l« Stimm« zum Tag sprich) beute abend um 7 Ilbr der ncugewählte Präsiden« der Akademie der Künste Pros. Utax ppn Schillings. Mar Slepegt-Ansstkllnng. Hugo Helbing zeigt in seinen neuen Räumen, Lntzpwufex 5, Gonnabend, 12 U«r, eine Ausstellung des Graphischen Werkes von Max Slevogt. In der Kamera sinbet beute, abends 9 Uhr, die Uraufführung einer neuen, abüratten T-mfilmstudie ,,Lich»«xwnz" statt, zu her Ar. Bernhard D i e b o l d einen einführenden Bortrag halten wird. „Banditen" brachten der Städtischen Oper einen solchen e qußer Mittwoch apch Sonnabend und Sonntag gegebe» Erfolg, da werden, Nazileute als Streitbrecher. Beim Streik ,n den Wurstfabriken. Der„Angnn" von, 30. Mai 1932 regt sich surchtbar darüber aus. daß der Verband der Nahrungsnüttel- und Getränkcarbeiter die Be- hauptung verbreitet habe:„Nationalsozialisten sind Streikbrecher". Dabei hat der Verband sich bisher überhaupt noch nicht mit den Nazis befaßt. Es stimmt schon,„daß Streikbruch das Erbärmlichste im Kamps um die Lebensrechte ist!" Wir haben bis jetzt auch nichts dagegen gesagt, wenn sich ein paar Figuren Goebbels' am Streik beteiligten und mit der„NGO." in Einheitsfront machten. Viel Hoffnung haben wir von Anfang an nicht auf diese Jünger des Dritten Reiches gesetzt. Wir wußten von vornherein, daß sich die Arbeitgeber-Parteigenossen den Film nicht lange ansehen würden, und so kam es auch. Der Pg. Schmidt, Mitinhaber der Firma Bruno Kosch- w i tz u. C o., Oranienburger Straße, hat sich beim O s a f b e- s ch w e r t, daß sich seine Nazi-Fleischer am Streik beteiligten, und gedroht, keinen Groschen mehr in die Parteikasse zu geben, wenn die Nazis nicht sofort zur Arbeit zurückkehren. Also kam ein neuer Befehl und die Nazis Baum garten, Engel und weitere vier Mann mußten„das Erbärmlichste im Kampf um die Lebensrechte" tun und Streikbrecher werden. Der Pg. Schmidt kann nun auch seine Nazi-Kundschaft mit Nazi-Streik-Wurst beliefern! Die freien Gewerkschaften sichren den Kampf weiter trotz der Handvoll Nazi-Streikbrecher, bis die Unternehmer einsehen werden, daß mit Streikbrechern keine Wurst zu machen ist. Bestreikt werden folgende Firmen: Bruno Ko-schwitz u. Co., Oranienburger Straße, Pobert Koschwitz, Rudolf Hanta, Wilhelm Ziegler, Winter und Friedrich, sämtlich in Weißensee: E. Krüger, Friedrichsseldei Hofmann, Friedrichs Hägen: Wünsch vorm. Biefold, Wilhelmstraße: Berliner Schinken-Industrie, Frankfurter Allee: Bach, Warschauer Straße: Kurth u. Co., Andreasstraße: Englisch, Lands- berger Straße: Heiber, Charlottcnburg: Laeske, Petersburger Platz: Kipp, Koppcnstraße: Ernst Mayer, Schlachthof und W. Behr, Schöneberg. Hausfrauen, Konsumenten, übt weiter Solidarität, Kauft keine Produkte dieser Firmen! Eßt keine Streikbrecherwurst! Die Tagung der Zustizbeamten. Auf dem 11. Hauptverbandstag des Reichsverbandes der Justizbürobeamten und deren Anwärter in Berlin, über den wir schon berichteten, wurden am Sonntag und größtenteils noch am Montag innerorganisatorischc Fragen in nichtöfsent- lichen Sitzungen beraten. Es handelte sich dabei in der Hauptsache um Erörterungen über die Neufestsetzung der Mitglieder- beitrüge, um die Aufstellung des W i r t s ch a f t s p l a n s der Organisation für die beiden Jahre bis zum nächsten Hauptverbands- tag, die Neuorganisation der Unter st ützungseinrichtun gen sowie andere mit Satzungsänderungen verbundene organisatorische Maßnahmen. Hinsichtlich des Verlangens vieler Mitglieder auf Herabsetzung der Beiträge beschloß der Verbandstag eine Ermäßigung des jetzigen Beitragssatzes von 2,50 M. monatlich auf 2 M. Die N e u- wähl des Borstandes des Reichsverbandes der Justizbürobeamten ergab sowohl die Wiederwahl des bisherigen 1. Vorsitzenden Genossen Ballack als auch der übrigen Vorstandsmitglieder. Der nächste Hauptverbandstag findet wieder in Berlin statt. Deutscher Laugewerksbund. Achtung, Putzer! Dannerstag, den 2. Juni, 17 Uhr, im großen Saal von Kliems Festsälen, Putzer- Versammlung. Bergarbeiterlöhn« in Oberschtesien. Rtmdfimk Abend Der Arbeitgeberverband der oberschlesischen Montanindustrie hat die Lvhntarise für den Steinkohlen- und Erzbergbau für Ende Juni gekündigt. Mit dieser Kündigung soll eine A e n d e- rung des Lohnaufbaues für die Uebertagsarbeitcr erreicht werden. „Aenderung des Lohnaufbaues" ist eine ziemlich gequälte Um- schreibung für Lohnverschlechterung. Spanische Generalstreikmacherei. Madrid, 31. Mai. Der Generalstreik, der für gestern proklanuert wurde, ist, wie die Agentur Fabra mitteilt, zusammengebrochen, da eine große Masse der Arbeitnehmer dem Ruf der Extremisten keine Folge leistete. Die Extremisten riefen vereinzelt kleinere Zwischenfälle hervor. Im gesamten Land herrscht indes Ruhe und Ordnung. In Ceuta wurde Generalstreik gespielt. In Sevilla sollen angeblich vier Personen auf einen Straßenbahnwagen gefeuert haben. In Valencia sind 30 Personen verhaftet worden. Der Mangel an straffer gewerkschaftlicher Organisation kann durch tagtäglichc„Gcneralftreik"-Parolen nicht behoben werden. Auch in Algeciras Generalstreik. Nach Meldungen aus Gibraltar ist in Algeciras infolge Schließung des Büros der Syndikalisten der General- streik ausgerufen worden. Der Fährdienst zwischen Algeciras und Gibraltar sowie der gesamte von Algeciras ausgehende Eisenbahn- verkehr sind zum Stillstand gekommen. Das Postamt teilt mit, daß der Jnlandspostdienst nicht arbeitet. Es sind Unruhen ausgebrochen. In Oesterreich waren Mitte Mai 284 350 unter st lltzte Ar- beitslose, 19 530 Unterstützungsempfänger weniger als bei der vor- hergehenden Zählung. Der Generalstreik in Sevilla ist von heute nacht ab von den „radikalen" Gewerkschaften proklamiert worden. Dienstag, den 31. Mai Berlin. 16.00 Ein Sprung nadi Rhodos(Alice Jacob). l 6.25 Biidierstnnde.(Am Mikrophon; Dr. Else Möhns). I63> Unterhaltungsmusik. 17.30 Pins XI.. ein l uhrer(C.en.-Sekr. 1 1.|. Schmitt). 18.00 Junge Metallarbeiter erzählen über ihren Willen zum Beruf.(Leitung: U. Helhvig.) 18.30 Populäres Orchcsterkon/.ert. 18 35 Die Eunkstunde teilt mit... 19.00 Der neugewahlte Präsident der Akademie. Prof. M. v. Schillings, spricht. 19.10 Populäres Orchesterkonzert. 20.00 Kantate. 20.30 Billige Ferienreisen für jedermann!(II. Mer- leker.) 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Breslau: Siegfried, ein deutsches Trauerspiel von l. Hebbel. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. �Königs Wusterhausen. 16.30 Ans Leipzig: Aach» mittagskonzcrt. 17.30 Aus der Geschichte der Lithographie. (Prof. Dr. II. Hildebrandt.) 18.00 Das Thema in der Instrumentalmusik(Arbeitsgemeinschaft Prof. Dr. II. Mersmann). 18.30 Englisch für Fortgeschrittene(Marga von Kuhlwein und Lektor W. Mann). 18.53 Wetterbericht. 19.00 Autarkie oder Weltwirtschaft(Red. G. Wirsing und Dir. Dr. Craevelll. 19.33 Werkstoff und technischer Fortschritt(Prof. Dr.-Ing. P. Riebensahm). 20.30 Aus Stuttgart: Kleider machen Leute (Hörspiel). 21.40 Tages- und Sportnachrichten. 21.50 Aus London:„Die Meistersinger von Nürnberg", von Richard Wagner. Dirigent: Sir Thomas Beecham. 23.33 Metter-, Tages- und Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Parteinachrichlen. 42. Abteilung. Unser langjähriger Genosse Hermann Schröder ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Ein- äscherung Mittwoch, 10 Uhr, Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung bittet der Abteilungsvorstand. Wetter für Berlin: Abnehmende Bewölkung und nur noch ge- ringe Niederschlagsneigung, ansteigende Tagestemperaturen, schwache westliche Winde.'— Für Deutschland: Im Westen und Südwesten heiter, trocken und warm. Auch in Mittel- und«üddeutschland weitere Besserung, nur an der Küste noch Regenfölle, Lerantwortl, Mr die Redaktion: Rich. Sernstein. Berlin; Anzeigen: 51). Steele. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag s. m. b. Serien. Dru� Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstolt Paul Singer Sc So.. Berlin 08. Lcndenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Tlte&let. Lidtlspiele usw. Staads Theater} Dienstag« den 31. Mai staatsoper Unter den Linden 20 Uhr Der fliegende Holländer St33tl.Ste|iielte Gendarmenmarkt. 20 Uhr Der LienestranH Schiller-Theater I Charlotten burp. 20 Uhr ADstDiedvoR der Liebe 5l.!I5.StäS, 2, 5,3151. E 7 Welcics, 4031 Die Dubarry VolUsbttline Theater am Bälownlat: Eesdilossen! Morgen 8 Uhr; Zum l. Male Sie goltücne UEir VolKssiück von E. S z e p Regie: A. M. Rabenalt Staat!. Sdiiüer-lheatet b Uhr Abschied von der Liebe smm.oper Charlottenburg Sismarckstraße 34. Dienstag, 31. Mai Turnus I (Berliner Kunstwodien) ffacbelft Bindernagel. Rcinmar, Andresen Anfang 20 Uhr Ende 23 Uhr Rose■ Theater "ro3e Frankloritr SlraSt 13? lil. WsidrsEi E 1 342? 8.30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbuhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete Zisennerliefie MWM fopjgung* R&faumnt Üerl' jtS 8 Uhr 15. Flora 3434. Kauffienerl. TrudeHes'erberg. Fischer-Köppe. Cläre Eckstein-Truppe. 811& Sil. 2 Franks. Junetros& Elsie. 12 Deblars. Arthur Hell. Luella Falk In. Julius Kuthan. Mario Saletzki usw. I M REII1HARDT lilSZEHIERÜflO Letzte Vorstellung! . stÄhl- Schlamm, -— I StahJmalrw Kinderb., Polster, ChaiseL, an Jeden. TeUs, Katalos frei. Elaenmöbelfabrik Sohl(TliürJ EISU PRO GRAMM für die Zeit vom 31. Mai bis 2. Juni 15 O A F E L PROGRAMM (ür die Zeit vom 31. Mai bis 2. Juni K © Oft Potsdamer Straße 38 Verlängert! Die Ciräfin von Monte ühristo mit Brigitte Helm, Bud.Forntcr W. 5, 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Peter Voß. der ütlilllonendieb mit Willy Porst, Alice Treff W. 5 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Ehe mit beschränkter Haftung mit Charlotte Susa. Hans.lloser W. 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 TempelhoF Knrfnnt w- 7' 9' Sl« 5- 7' 9 ühr nun Urse Stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Doristraße 22. Ecke Berliner Straße Ben Hur in Tonfassung, beiprofframm Ton- Jugendliche haben Zutritt Tivoli (Passage) 2 GroR-Tonfilmc; Sergeant X mit Ivan MosjUikin. Trudo v.!?Io!o. 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Ilasenklein kann nichts dafür mit Jacob Tiedtke.— Pat und Patachon in Binall und Fall Jugendliche haben Zutritt MW— Primus-Palast Potsdamer Str. 19 Ecke Margarctenslr. Kreuzer Emden mit Werner Fuctterer, Eouis Italph. Itenee.Stobrawu Jugendliche haben Zutritt W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr ■ Wilmersdorf M Atrium Wochen t. 7. 9*4 U. Stg. 5. 7. 9�4 U. Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Uraufführg.: Kuhle Wampe(Wem gehört die Welt) m HerthaThiele, Ernst Busch, II. Werner-Kahle. Anna?lüller-l inke. Hermann Krehun. Martha Burchardi. — Gutes TonfilmbeiproAramm Schöneberg Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5. 7. S Uhr S 3. 5. 7. 9 Uhr Tonlustspiel: Hasenklein kann nichts dafür mit Jacob Tiedtke. — Gutes Tonbeiprogramm �__ Friedenau M Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65. Beg. 7. 9 Uhr. Sbd., Stg. 5, 7, 9 Uhr Bie Gräfin von Monte Christo mit Brigitte Helm, R. Forster. — Beiprogramm ■ steglit.» Titania-Palast Steglitz, Schloßslr. 5. EckeGulsmuthsstr. Neuaufführung dos größten Slumm- filraerfolges: Die Heilige und ihr \arr mit Wilh. Dieterle. Eien Beyers.— Musikalische Begleitung u. vorhergeh. Orcheslcrkonzerl Leitg. Schmidt-Gentner. 40 Musiker Jugendliche haben Zutritt B Zehlendorf-Hitte W 7~]2 Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr itdl Stg. 3 Uhr Jugcndvorstell Potsdamer Str. 50 Der schönste Mann im Staate mit S. Arno. Roberts. E. Arna. — Beiprogramm � Charlottenburg W German ia-Pa last Charlottenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Der Greifer mit Hans Albers. — Tonbeiprogamm W. 5. 7, 9 Uhr Tonfilm Alhambra Hauptstraße 30 L�har-Tonopere."r>; Es war einmal ein Walzer mit.Hartha Eggerth. — Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Kant-Lichtspiele Kanlstr. 54(aa der Wilmersdorfer Str.) David(loldcr mit Unrrv Baur W. 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater BeEi"n: Schlülerstr 17 5. ti 30. 9 U Sonnt. 3 U: Jgd.-V. Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar. Gust. Fröhlich.— Der tolle Bomberg mit H. A t. SchlcttoWa Jugendliche haben Zutritt Moabit A Wochent. ab 6 Uhr nriUSnOT Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 2a. Tonoperelle: �lelodie der Liebe mit Rieh. Tauber.- lonbeipr. — Tonwoehe Neukölln Mercedes-Palast Hermannslr. 212. 2 Großfilme; Kitty schwindelt sich ins Glück m. Toni> Eyck. — Der Herr der Wildnis Primus-Palast sönmfätA u. Am Herraannplalz Urbanslr. 72/76 Die Vier vom Bob 1 3— Bühne: Schönheilsnacklrevuc Lucia Relieh Südosten Deutsch-Ämerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beginn 4.55 Uhr Die Gräfin von klonte Christo mit Brig. Helm. Rud. Forster. — Tonkabarett 5 Luisen- Theater 1: üb Vu. Reichenberger Str. 34. Siegfried Arno in dem lustigen Topfilm Der schönste Mann im Staate Ferner Hein/: Rühmann in dem Tonfilm-Lustspiel Man braucht kein Geld Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Jacob Tiedtke in dem Tonfilm-Schwank Hasenklein kann nichts dafür Ferner Georg Alexander in der lustigen Operette Durchlaucht amüsiert sich Jugendliche haben Zutritt G Treptow"fc Treptow-Sternwarte Mittwoch 8. Donnerstag 8. Sonnabend 8, Sonntag L 6, 8 Uhr; ßango. Tierlehen auf Sumatra(Film). Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Der Frechdachs Willy Fritsch.< amilla Horn. Ralph Roberts Auf der Bühne: Hücker, der berühmte Musikclown vom Wintergarten, Berlin Wochentags 6.30, Sonntags ab 5 Uhr Flora-Lichtspiele�utflm" Wocht. 5.45. ca. 7. 8.45. Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme: Der Frechdachs mit W. Fritsch. Camilla Horn.— Endkampf mit Hoot Gibson Luna-Palast Woch. 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Gr. Frankfurter Str. 121. Tonwoehe Der Frechdachs mit Willy Fritsch.— Ein steinreicher Hann mit C'urt Bois Schwarzer Adler ANefa» W 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 ühr Wegen Riesenerfolg verlängert! Tonfilm: Schanghai-Expreß mit Harl. Dietrich. A. May Wong. — Tonbeiprogramm Viktoria-Theater � lu5 Frankfurter Allee 46. 2 Tonfilme: Durchlaucht amüsiert sich mit Lien Beyers, Gg. Alexander.— Die Firma heiratet mit Ralph Roberts Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 7U. Wo. 6.45. 9 Uhr. Sonnt. 5, /, 9 Uhr Gr. Tonlustspiel: Hein Freund der Hillionär mit H. Thimig.— Tonbeipi'ogranim c FriedrichsFelde Frl., Sbd., Stg. ab 5, Aino DUSen sonst Beginn 6 Uhr Alt-Friedrichsfelde 3 Ich bleib bei dir.. mit Jenny Ingo. H. Thimig.— Hann über Bord mit George Bancroft.— Tonwoche ** Prenzlauer fHySinm Allee 56 Beg.; Wochen! 5 Uhr. Sonnt. 3 Uhr Haddien zum Heiraten mit Renate Hüller, Herrn- Thimig. — Kriminalreporter Holm mit Elga Brink, Hermann Speel- manns Königstadt-Palast st I Schönhauser Alice 10 Neue Direktion Die Gräfin von.Honte Christo mit Brig. Helm, Rud. Forster. — Beiprogramm.— Tonwoch© M Norden V >1 A«*s« Müllerstraße 136. Ainumora Ecke Seestraße W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 ühr Die Wasserteufel von Hie flau. — Pat und Patachon in Schritt und Tritt.— Jugendliche Zutritt Pharus-Lichtspiele MüllersCr. 142 Täglich 5. 7, 9 U. 2 ClroBlonlilmc: Tlüdchen zum Heiraten mit Renate Müller, Herrn. Thimigr.— Fünf von der .far.r.hand mit Jenny jnx» Palast-Theater s J. fio u. Breite Str. 21a. 2 Tonfilme: Nein Leopold mit Ii. Englisch. Adalbert, Fröhlich.— Der ungetreue Ekkc- hart mit Roberts. Schulz G Peinlckenclorff-Ost W Beba-Lichtspiele Residenzsir 124 W. 6.45 u. 8.45 Uhr So. 5, 7. 9 Uhr. Stg. d Uhr Jugend-V. 1. Farbentonfilm: Artisten.— Gutes Beiprogramm ■ Tege'> Filmpalast Tegel Wochent. 6 Uhr, Sonnt. 4.15 Uhr Sonntags 2 Uhr: Jugend vorstellpng Hädchen'/.um Heiraten mit Renate Hüller, Herrn. Thimig. — Gr. Tonbeiprogramm Hennigsdorf Be? W. 6. 8.30 Uhr Stßs 414. 6M!. 8% U. Fi Im pa last Berliner Sir 59 Großtonfilm: Der Sieger mit Hans Albers. Käthe von\agy. — Tonbeiprogr.— Tonwoehe o föelVage Dienstag, 31. Mal 1932 SprMmö %uUautxia6e Ja, lafuitUi Aktenstaub Wem Unsinn in der heutis«n Wohlffahrtspffidge/ von Simon icatzens«@in Wenn Wahlfahrtspflege Heißt; den augenMigstcn Notfällen in kümmerlicher Weise, und doch, alles zusammengerechnet, mit einem ungeheuren Aufwand für die Gesellschast, irgendwie abhelfen, dann haben wir ein umfassendes und wohlorganisiertes Wohlfahrtswcsen. Wenn es aber besagen soll; in planvoll durchdachter Weise durch Aufwendung ösfentlicher Mittel und Kräfte gesellschaftliche Notstände von der Wurzel aus abzubauen, eine grundsätzlich erwogene Ge- sundung der Gesellschaft von innen heraus herbeizusühren, dann stehen wir noch im ersten Vorhos, ja vor dem Anfang, Woher das kommt? Ursache sind nicht allein die kapitalistischen Interessen, denen jede Ausgabe, die über die Erzeugung kapitalisti- schen Reichtums und den Schutz der kapitalistischen Gesellschaft hin- ausgeht, als vergeudet, ja als„gesellschaftsschädlich" erscheint, die darum jede durchgreifende Abhilfe, die ja ernste Opfer der besitzenden Schichten erfordert, verweigern. Zu ihrem Einfluß kommt, was an sich nicht kapitalistischer Art ist, ja bei der Erzeugung und Verwer- tung der Reichtümer der heutigen Gesellschaft fast ausgeschlossen ist, eine Unsumme ererbter landläufiger Vorurteile und vor allem der liebe Schlendrian, Diese wuchern auf diesem wenig gepflegten Nebengebiet der gesellschaftlichen Wirtschaft mit hartnäckiger Zähig- keit, wenden die Ueberlieserungen vergangener Jahrhunderte auf «ine Zeit an, die sich im Sturmschritt umwälzt und von tausend revolutionären Zuckungen bewegt ist, Eine unendliche Fülle niederschmetternder Tatsachen für diese Wahrheit erzählt in lebendiger Frische der Wohlsahrtsverwalter einer größeren deutschen Stadt*). Tausendfältige Erfahrung verbindet sich bei ihm mit dem klaren Blick des unabhängig denkenden Praktikers, der geschulten sozialistischen Erkenntnis und einem heißen Herzen, das von dem tausendfältigen Jammer echter Not aufs tiefste bewegt ist. Nicht von Wchleidigkeit und Empfindelei. Zu den besten Seiten dieses lebensprühenden, zu lebenschaffender Arbeit ausrufenden Buches gehört die scharse Trennung, die es vornimmt zwischen der echten Not wertvoller Menschen, die nach durchgreifender Ab- Hilfe schreit, und der schlau-dreisten Ausnutzung formelhafter Ver- waltungsvorschriften durch ausgekochte Schädlinge der Gesellschaft, die auf Kosten der Arbeitenden und der wirklich Leidenden einen'' guten Tag leben. Zwei Quellen sind es. aus denen immer neu ungezähl- tcr Jammer die Welt überschwemmt: die uns allen bekannte der kapitalistischen Ausbeutung, der elenden Löhne, des Boden- und Wohnungswuchers. und die oft weniger beachtete einer rückständigen Gesetzgebung und hilflosen Verwaltung. Vor allem ist es die sinnlose Rückständigkeit der Rechtsvorschrijten Ja allem, was mit dem geschlechtlichen Leben und der Fort- Pflanzung zusammenhängt. Hier wird nicht allein eine sühllose, oft zu schlimmster Grausamkeit ausartende Härte verübt— es werden auch unbegrenzte Summen verschleudert, die wohl- angelegt den stinkenden Sumpf unserer gesellschaftlichen Niederungen in einen blühenden Garten gesunden Gedeihens verwandeln würden. Vorausschicken will ich, daß das Buch wohl etwas zu flüchtig fertiggestellt worden ist. Seine Zahlenangaben bedürfen der Nach- Prüfung. Einige werden nicht genau zutreffen.**) Aber das ist nicht das Wesentliche. Wesentlich ist die gesunde Beurteilung der Tatsachen, find die vernünftigen Vorschläge, die wir in Drechslers Buch, unter- mauert durch eine Menge gut beobachteter und packend erzählter Tatsachen, finden. Freilich ist diese Erzählung nicht auf zart ästhe- tisch gestimmte Gemüter berechnet. So wenig das Buch sensationell ist, so bietet es doch eine starke, nur mit einem lebhaften Willen zur Wirklichkeit genießbare Kost. Diese aber ausgiebig und nahrhaft, Drechsler geht aus vom Wohnungsmangel. Tausende suchen seit Jahren eine andere Wohnung, sind vielfach bei Ange- hörigen«ingepfercht. Hunderte vor dem Krieg als gesundheitsgefähr- lich geschlossene Wohnungen(in einer Stadt) werden wieder be- wohnt. Hunderte Familien haben nur einen Raum. Dieses Wohn- elend ist Nährboden aller Laster und Verbrechen. Hier läßt die schreckliche Enge der Behausung verwahrlosen, die Stickluft der Höfe verkommen und verderben, was sich selbst überlassen ist.., Es muß wohl Gottes Wille sein, daß Laster und Verbrechen in den Häusern der Armen wie eine böse Seuche in verderblicher Weise grassieren, daß von zwei Wesen, die zweier Mütter Schoß entglitten, das eine in Pracht und 5herrlichkeit, von dienender Hand behütet und bewahrt, aufwächst, während das andere mit allen geistigen und körperlichen Mängeln behastet, erblich verseucht und belastet, untergeht," Aber mit diesen Feststellungen, die an sich die sozialistischen Fest- stellungen nur ergänzen, ohne grundsätzlich neuartig zu sein, begnügt sich das Buch nicht. Ich finde seine Bedeutung vor allem in zwei Punkten, in denen er mit schlagender Schärfe schwere und grausige Mißstände und Mißbräuche aufdeckt und brauchbare, gut durchdachte und praktisch verwendbare Vorschläge zur Abhilfe macht, Das eine ist die unbedachte Unzweckmäsiigkeit in der Geldver- Wendung für Wohlfahrtszwecke. Hunderttausende und Millionen sind vorhanden, müssen es sein für die Versorgung der Einzelfälle, oft hoffnungslosester Art, wäh- rend oft wenige Zehntausende und selbst Tausende fehlen, wo es gilt, vorbeugende Hilfe zu leisten, die nicht allein unendlich viel an menschlichen, durch das heutige Verfahren zerstörten Werten er- halten und schaffen, die auch— rein fiskalisch gerechnet— dem Ge- meinwesen ungezählte Ausgaben für die durch NichtVersorgung ge- zeitigten Opfer der Not und Verwahrlosung ersparen würde,„Das Fürsorgewesen ist das dunkelste Kapitel unserer Zeit. Hier werden «norme Summen sür vollständig unproduktive Zwecke vergeudet." So werden für 108 Geisteskranke, Idioten, Krüppel und dgl, von der Stadt 210 000 M,. d. i. 1944 M, je Kops ausgegeben. Für rein *) Aktenstaub. Aus dem Tagebuch eines Wohlfahrtsdezernenten von Stadtrat Hermann Drechsler, Verlagsonstalt„Courier", Berlin, 240 S. 2 M„ geb. 2,50 M, **> So gibt er den staattichen Zuschuß zu den Hoch schul- kosten mit 8500 M, auf den Kopf des Studierenden an. Die Materialzusommenfaliung der SPD.-Londtaassraktion(„Preußen- wähl 1952") beziffert den Betrog auf 1200 M, Von H e l f s e r i ch wird eine Berechnung aus dem Jahre 1928 angesührt, während er schon seit 1924 tot ist. vorbeugende Fürsorge gelang es mit Mühe und Not 5000 M. zu ergattern und sür Kinderspielplätze als einzige öffentliche Ausgabe für das Kleinkind ganze 0000 M,, die obendrein dann nicht aus- gegeben werden durften. Für 3 Geisteskranke usw. geben wir also sast soviel aus wie für 6000 Kleinkinder Dabei sind die Ausgabe» für geschlossene Fürsorge zwangsläufig. An ihnen ist nicht zu rütteln. Die Ausgaben für freiwillige Fürsorge sind dagegen immer in Gefahr, gesperrt zu werden... Für jeden Idioten von Geburt oder unheilbar Geisteskranken, für alle diese Imbezillen, Schizophrenen und Paralytiker zahlen wir sür jeden Fall dreimal soviel als für einen voll arbeitsfähigen Erwerbslosen, achtmal soviel als für einen begabten Volksschüler. Manche der Irren kosten bis jetzt schon 20 000 bis 30 000 M. und viele andere werden diese Riesen- summen erreichen und übersteigen." Natürlich fordert der Verfasser nicht, wie einige verirrte Rassen- hygieniker getan haben, die Ausrottung dieser unglücklichen Wesen. Wohl aber, wie es die vernünftige Rassenhygiene will, die Verhinderung ihrer Entstehung. Einmal durch jene vorbeugenden Mahnahmen, die zahllosen gesunden Menschen den leiblichen und seelischen Verfall und die Er- zeugung solch entarteter Nachkommen ersparen würden. Genannt sei durchgreifende Wohnungsfürsotge, Alkoholbekämpfung, Kinder- pflege u, ä. Dann aber durch eine Maßregel, die heute schon vielfach von einsichtigen Gesundheitspolitikern gefordert wird, die auch im Aus- land; in der Schweiz, Nordamerika, Australien sich schon vielsach bewährt hat; die S l c r i l> j i e r u n g solcher Menschen, die nach ihrem körperlichen und geistigen Zustand, nach ihrer wirtschaftlichen Lage nur erblich belastete und dem Verkommen überlieferte Nach- kommen in die Welt zu setzen vermögen und denen doch der Wille oder die Fähigkeit abgeht, sich in diesem Punkte Beschränkungen aufzuerlegen. Wir hören erschütternde Fälle von schwachsinnigen, alkoholisierten, syphilitischen, tuberkulösen Männern und Frauen, die ohne jedes Bedenken Kinder in unbeschränkter Zahl in die Welt setzen. Kinder, die der Wohlfahrtspflege oft tausende, ja zehntausende Mark für den Einzelfall auserlegen, die selbst aber nichts als Unglück- selige, oft kaum als Menschen anzusehende Wesen sind und bleiben müssen. Denn unglückliches Erbgut und unheilbare Familienverhält- niste wirken da zusammen, um jede fjoffming auf Gesundung zunichte zu machen Selbstverständlich geht der Verfasser auch dem unseligen § 218 des Strafgesetzbuches kräftig und mit guten Gründen und Vorschlägen zuleide. Nicht minder den unhaltbaren Zuständen, wie sie die heutige Regelung der Unterhaltspflicht für uneheliche Kinder mit sich bringt und vielem anderen, den Mißbräuchen im Fürsorge- wesen. So könnte das an Tatsachen und Gedanken, an treffender Kritik und guten Vorschlägen überreiche Buch einem Kongreß für Wohl- fahrtspflege und Sozialpolitik Stoff zu wochenlangen ernsten Be- ratungen geben. Alle auf diesen Gebieten Arbeitenden, olle Ge- meindepolitiker und Gesetzgeber sollten es ernsthaft lesen und danach handeln! Dann könnte unendlich viel vermeidbares Elend erspart, könnte mancher gangbare Weg zu menschlicheren Zuständen gefunden werden. HsiissngsstsIIt« berichten über ihr Leben Wir fetzen die Berichte van Hausangestellten fort. Ein Mäd- chen, das aus der Provinz nach Berlin kam, um hier als„Haus- tochter" in einer„hochherrschaftlichen Familie" ihr Glück zu machen, erzählt; „Ich habe es in meiner Heimat nicht mehr ausgehalten. Alles ist arbeitslos, das ganze Dorf. Obwohl ich noch ganz jung bin habe ich schon d>e schwersten Arbeiten verrichtet. Da dachte ich mir, Jkis könnte ich in der Großstadt ebensogut, da gibt es viel mehr Menschen als bei uns auf dem Lande und deshalb auch eher Arbeit. Das hat mir auch meine Freundin geschrieben, die schon ein Jahr früher nach Berlin ging. Sie hatte auch schon eine Stelle für mich in Aussicht. Als ich mich aber vorstellte, war die Stelle schon ver- geben. Ich fand keine Arbeit und war sehr verzweifelt. Da machte mich jemand auf den Inseratenteil einer Zeitung aufmerksam. Welch unbeschreibliches Glück! Da gab es ja Stellen in Hülle und Fülle. Am verlockendsten erschienen mir die Annoncen, in denen man eine Haustochter sucht. Das hörte sich ganz anders an als Magd oder Dienstmädchen. Ich glaubte erst gar nicht, daß das sür mich, ein Mädchen vom Lande, was wäre. Aber schließlich schrieb ich mir doch eine Adresse aus und ging hin. Es war ein sehr vor- nehmes Haus und die Dame war sehr nett zu mir. Sie fragte mich nach Zeugnissen, aber die hatte ich nicht. Dann ließ sie sich von inir erzählen, wie ich verzweifelt nach einer Stelle herumlause und buch- stäblich hungere. Ich sagte ihr das alles, weil sie so einen ver- trauenerweckenden Eindruck auf mich machte. Schließlich suchte sie ja eine Haustochter und da vertraute ich mich ihr eben wie einer Mutter an. Heute weiß ich, daß sie mich bloß aushorchte, um sich meine damalige verzweifelte Lage zunutze zu machen. Sie nahm mich auf, versprach, mir an der Seite zu stehen, damit ich den Haushalt lerne. Sie sagte, K o st und Quartier seien frei und wenn ich mal im Monat ausgehen wolle, hätte sie nichts dagegen. Aber von Lohn sagte sie nichts. Als ich zögernd danach fragte, lachte sie mich aus; erst müsse ich doch etwas lernen— wenn ich mich aber anständig halte, werde sie mir nach einem Monat Taschengeld geben. Aber wie sah meine„Lehrzeit" aus?! Ich mußte von früh morgens bis spät abends schwer arbeiten, und da mag ich ja manch- mal gewiß nicht alles so gemacht haben, wie es ein„gelerntes" Mädchen kann. Aber statt mir eine Anleitung zu geben, bekam ich Grobheiten über und über. Ich weiß aber, daß ich nur dehalb nicht alles so machen konnte, wie sie es wünschte, weil ich mit Arbeit überlastet war. Nicht nur, daß ich die ganze große Woh- n u n g allein scheuern mußte, mußt? ich auch noch in der Küche helfen und sogar die ganze Wäsche waschen Da- bei schickte man mich mindestens zwanzigmal am Tage nach irgend- einer Besorgung. Ich mußte die vier Treppen laufen, denn der Fahrstuhl durfte vom Personal nicht benutzt werden. Einmal wollte ich ausgehen. Ich durfte nicht. Geld hatte ich ja ohnedies nicht, ich wollt« nur ein wenig spazieren gehen, es war so schönes Wetter, und da bekam ich Sehnsucht, wie die anderen Leute ein wenig auf der Straße zu bummeln. Einmal, als meine„Herrschaft" bereits zu Bett gegangen war, schlich ich mich über die Hintertreppe hinaus. Als ich nach einer Stunde zurück kam, war die Hintertür abgeschlossen. Ich mußte die ganze Nacht vor der Tür sitzen. Am nächsten Morgen, als inich meine„Hausmutter" hereinließ und mich sofort an die Arbeit schickte, war ich zum Sterben müde. Sie aber sagte mir, sie werde mich schon zu einem anständigen Lebens- wandel erziehen, sonst könnte ich gehen. Ich zog das letztere vor, obwohl ich ohne einen Pfennig auf der Straße stand. Und es wäre doch kein Wunder gewesen, wenn ich das geworden wäre, was sie mich geschimpft hat...." Ueber einen Fall, der absonderlich erscheinen mag, bestinnnt aber nicht der einzige dieser Art ist, berichtet eine andere Hausangestellte; „Aus die'Annonce einer Zeitung, von der ihre Leser kaum annehmen dürften, daß sür eine derartige Stellenvermittlung der Anzeigenteil ihres Leibblottes da ist, bekam ich eine Stelle als H ausmädchen und hatte kein? Ahnung, wo ich mich befand. Ich konnte ja nicht auf den ersten Blick wissen, daß die Dame im weißen Kittel in ihrer Wohnung ein M a s s a g e i n st i tu t hat. Was das für ein Betrieb war, habe ich bald heraus gehabt. Bis dahin wußte ich— ganz unerfahren, wie ich bin— nicht einmal. daß es so was überhaupt gibt. Ich hätte vielleicht auch lange nichts gemerkt, wenn man inich nicht immer in den Läden, in denen ich einholen ging, so schief angesehen hätte. Als ich aber von meiner Arbeitgeberin angehalten wurde, neben meinen häuslichen Arbeiten auch solche zu verrichten, die mit einer Stellung als Hausgehilfin nichts zu tun haben, riß ich aus. Ich habe auf dem Stellennachweis ein Mädchen getroffen und ihr das erzählt. Da sagte sie mir, sie hätte genau dasselbe erlebt, sie konnte sich aber nicht helfen und blieb bei der Dame noch«ine Woche. Sie hat sogar einen Selbstmord- versuch unternommen. Ich weiß nicht, ob das wahr ist. Aber ich kann gut oerstehen, daß man gezwungen sein kann, seine Stell« nicht auszugeben, weil man doch Angst vor Obdachlosigkeit und Hunger hat und man schließlich ja doch unter solchen Ilmständen Dummheiten machen kann. Daß man dann versucht, sich umzu- bringen, ist mir auch verständlich. Ich hätte es damals auch fast getan, als ich zwischen Arbeitslosigkeit und Schande zu wählen hatte...." Eine' Verkäuferin berichtet:„Ich bekam nach langem Suchen eine Stelle als Verkäuferin. Ich war sehr überrascht, als ich gleich am ersten Tage neben meiner Tätigkeit im Laden auch zu häuslichen Arbeiten herangezogen wurde. Als ich mich weigerte, dies zu tun, stellte man es mir frei, zu kündigen. Was tut man aber nicht in einer Zeit, wo es ein seltenes Glück bedeutet, überhaupt arbeiten zu dürfen! Ich entschloß mich, zu bleiben, bis sich was Besseres für mich finden würde. Meine Beschäftigung spielte sich nun so ab, daß ich dauernd in der dem Laden angeschlos- jenen Wohnung Hausarbeiten verrichtete, ja sogar kochen mußte und zwischendurch immer, w«nn«in Kunde kam, in den Laden hinaus mußte. Blieb die Hauswirtschast zurück, wurde ich angebrüllt, und war ich nicht schnell genug bei einer Kundin im Laden, desgleichen. Das ging von 6 Uhr früh bis 12 llhr nachts. Denn nach Ladenschluß mußte ich das Abendbrot Herrichten, Wäsche slicken und wenn frische Ware ankam, sie auspacken, ja sogar noch das Schaufenster neu Herrichten. Nach wenigen Wochen war ich gesundheitlich derart herunter, daß ich mich in Krankenhauspflege begeben mußte." Die Reihe ließe sich fortsetzen. Immer wieder trifft man auf die gleiche» Leiden; schlechtes Esten, brutal« Behandlung, unhygie- nisches Wohnen und maßlose Ausbeutung der Arbeitskraft. Da be- richtet ein Mädchen, daß ihm Kartosfelschalen vorgesetzt wurden, ein anderes erzählt, daß es seine Schlafstelle auf einein Wäscheboden hat oder in«inem Raum, der nachts von Mietern und Untermietern passiert wird, da hört man, daß für Schäden, die in einem Haus- halt unvermeidlich vorkoinmen, die Hausgehilfin zur Verantwortung herangezogen und sogar schadenersatzpflichtig gemacht wird, was bei den ohnehin geringen Lohnsätzen für die Angestellte katastrophal ist. Fälle wie die der„Haustochter" sind gang und gäbe. Man redet so«inem jungen gutgläubigen Geschöpf ein. daß man ihm Hauswirtschaft und Kochen beibringen wird, daß es wie die Tochter des.Hauses behandelt wird und vor allem das findet, wonach sich alle diese jungen Mädchen, die fremd und familienlos in der Groß- stndt stehen, sehnen; ein wenig Faniilienanschluß. Und dann... Der zweite Fall zeigt, welche moralischen Gefahren diese Mäd- chen bedrohen. Nicht, daß das Mädchen in«in«n bordellähnlichen Betrieb gerät, ist das entscheidende— es kann sich ja'daraus be- freien—, sondern daß es durch ein solches Milieu Versuchungen ausgesetzt wird, denen zu widerstehen sie oft nicht lebenskräftig und erfahren genug ist, Versuchungen, die vor allem deshalb groß sind, weil das Elend die gefährlichste Kiippleri» ist. Die Doppelarbeit, über die im letzten Falle erzählt wird, gehört heute zu den gebräuchlichsten Erjcheinungen der Arbeitskraftaus- beutung. Sic ist in diesem Wirtschaftssystem die beliebteste Me- thode, einzusparen. ' Wie kann sich die 5i>i>i?angesteUtc vor den hier ausgezeigten Mißständen schützen? Ein Schlußartikel soll versuchen, Wege zu zeigen, soweit das innerhalb der Wirtschaftskatastrophe möglich ist. Imdler. &OjyKÖJooUü Blitzturnier bei Nordring Der Bezitk 92 orbring der Freien Turnerschaft Groß-Verlin veranstaltete am Sonntag aus dem Sportplatz in der Schönhauser Allee ein großes Hanbball-Vlitzturnier. Auf zwei Spiel- selbem kämpften Mannschaften ber A= und L-Klasse. Mehr als ZllW Zuschauer umsäumten ben mit roten Fahnen bekoricrten Platz. Wie vorauszusehen war, konnte Norbring bas Turnier mit großem Punkt- unb Torvorsprung in ber A-Klasfe für sich entscheiben, wäh- renb in ber L-Klasse ber Bezirk Norben I mit einem Punkt vor bem veranstaltenben Verein ben ersten Platz einnahm. Schon ber Beginn bes ersten Spieles zwischen Moabit unb Velten zeigte, baß in biesem Turnier gleichwertige Mannschaften antraten. Die Moabiter zeigten wohl das bessere Stürmerspiel, Veltens Hintermannschaft vereitelte aber alle Erfolge. Erst beim Stanbe von 2:<1 holte Moabit einen Treffer aus. Die zweite Halb- zeit gehörte bann ben Moabitern, die es aber nur bis zum Unent- schieben 2: 2 brachten. Norbring und Stralau lieserten sich einen etwas einseitigen Kampf, ben die Norbringleute burch schnelleres unb besseres Stiirmerspiel mit 7 l 1 gewinnen konnten. Allerbings muhten tue Stralauer alle Kämpse mit nur 10 Mann austragen. woUon außerbem noch brei Ersatzleute aus ber zweiten Mannschaft waren. Schöneberg unb Moabit trennten sich mit bem knappen 5:4- Sieg ber Schöneberger. Wöhrenb Schöneberg in der ersten Halbzeit l2: 0) bie Oberhanb hatte, beherrschte Moabit bie zweite Spielhälste. Ein vollkommen gleichwertiges Spiel lieferten sich bann Stralau unb Velten. Merkwürbigerweise enbete auch dieses Tresfen der Veltener wie auch alle anderen mit Unentschieden(2: 2). Das Resultat entspricht bem Spielverlauf. Norbring und Schöneberg trennten sich 5: 1. Stralau und Moabit endete nach wechselvollem Kämpf 2: 2. Velten und Nord- ring spielten 2: 2. Schöneberg und Stralau teilten sich mit 2:2 die Punkte. Norbring gegen Moabit 5: 3. Schöneberg gegen Velten 4: 2. Gewinner des Turniers ist Norbring mit 7:1 Punkten und 20: 7 Toren, Zweiter wurde Schöneberg mit 5: 3 Punkten und 12: 14 Toren. Dritter wurde Velten mit 3: 5 Punkten und 8: 10 Toren, Vierter Stralau ebensallz mit 3: 5 Punkten und 7: 13 Toren, Fünfter Moabit mit 2:5 Punkten und 11: 14 Toren. Das Turnier der K Klasse nahm einen nicht weniger interessanten Verlauf. Die erziellen Resultate sind: Frtedrichsthal gegen Norden 1: S. Norbring gegen Oberspree 3: 0. Velten gegen Friedrichsthal 3: 3. Norden gegen Norbring 2: 1. Oberspree gegen Velten 2: 4. Friedrichsthal gegen Norbring 1: 5. Norden gegen Oberspree 2: 2. Norbring gegen Velten 5: 2. Oberspree gegen Friedrichsthal S: 1. Norden gegen Velten 8:1. Volks sport-Neukölln in Frankfurt a. d. Oder Mit drei Männer- und einer Iugendmannschaft stattete der Volkssport-Neukölln der Freien Turnerschaft Frankfurt einen Besuch ab, um sich am dortigen Werbespieltag der Handballer zu beteiligen. Viel Glück sollten die Neuköllner allerdings nicht haben, denn von den vier Kämpfen konnte nur einer unentschieden ge- staltet werden, während die anderen drei verlorengingen. Unent- schieben endete der Kampf der Jugenbmannschaften mit 6: 5. Dann kam bie Katastrophe: Mit 7: 2 gewann Frankfurts dritte Elf: mit 10: 4 bie zweite Mannschaft, während fich die ersten Garni- turen mit bem Ergebnis 0:7 für Frankfurt trennten. er-T ennis Die ersten Scrientreiten Am vergangenen Sonntag starteten die Serienkämpfe der Ber- lmer Arbeiter-Tennissportler. Es gab hohe Siege, entsprechend hohe Niederlagen und kleine Ueberraschungen. Die bekannten Spitzen- Mannschaften scheinen sich trotzdem zu halten, denn alle Mann- schaften haben gleich gut zugelernt. In der A- Gruppe für Frauen landete Tennis-Rot Friedrichshain 1 Sitten haushohen Sieg mit 5: 0 über FTGB. 1. Die junge Mannschaft von Tennis-Rot Fürstenwalde schlug mit gleichem Punktverhältnis Prenzlauer Berg 1. Die gute Mannschaft Neukölln 1 schlug mit 5:1 Tennis-Rot Lichtenberg 1. Auch In der B-Gruppe für Frauen war Friedrichshain hoher Sieger. Mit 5: 0 über TeNNis-Rot Eharlottenburg 1 siegte TenNis-Rot Friedrichshain 2. Tennis-Rot Neukölln 2 setzte sich mit 5: 1 über- legen gegen Tennis-Rot Prenzlauer Berg 2 durch. Die Neulingsmannschaft von Tennis-Rot Westen buchte gleich einen Sieg mit 5:1 über FTGB. 2. Der Kreismeister Tennis-Rot Friedrichshain 1 schickte in der A-Gruppe für Männer die Lichtenberger Mannschaft etwas grob mit g.:0 nach dem Lichtenberger Stabion zurück. Lichtenberg wird sich in der Serie aber bestimmt auf den zweiten oder dritten Platz vorschieben. Das Spiel Mütler-Schramm war reich an taktischen und technischen Schönheiten. In dem Jugendlichen Kupfer zeigt sich«in hoffnungsvoller Nachwuchs. FTGB. 1 mußte im Gegensatz zum vergangenen Jahre doch einige Punkte an Tennis-Rot Gesundbrunnen 1 abgeben. Das Spiel Günther- Büttner stand auf außerordentlicher Höhe. Punktergebnis: 4:2 für FTGB. Gute Kräfte stecken In den jungen Spielern von Tennis- Rot Weißensee. Sie setzten sich in der B-Gruppe für Männer Überlegen mit 5: 1 gegen FTÄB. 2 durch. USberraschend kam die Niederlage von Tennis-Rot Neukölln 1. Diese Mannschaft verlor 2: 4 gegen Tennis-Rot Friedrichshain 2. Charlottenburg 1 tan- terte mit 5:0 Tennis-Rot Prenzlauer Berg 1 nieder. Wertvolle Punkte holte sich in der(-Gruppe für Männer Lichtenberg 2; sie schlug Tennis-Rot Neukölln 2 mit 5: 1. Gleichstand ergab sich mit 3:3 in dem Treffen zwischen Tennis-Rot Westen 1 und Tennis-Rot Prenzlauer Berg 2. Tennis-Rot Fürstenwalbe 1 war nicht so glücklich wie die Frauenmannschaft, sie mußte sich mit 4:2 vor Tennis-Rot Gesundbrunnen 2 beugen. Das einzige Treffen in der D-Grupp« für Männer Tennis-Rot Eharlottenburg 2 gegen Tennis-Rot Prenzlauer Berg 3 endete mit 3: 3, also unentschieden. �rdeiterspoft um Funkturm Am Mittwoch, 1. Juni, wird da- Sportprogramm in der Aus- ftellung„Luft, Sonne und Haus für Alls" aM Kaiserdamm von der Freien Turnerschaft Groß-Berlin bestritten. Es bringt alle Sportarten, die heutzutage von einem Turn- und Sport- verein gepflegt werden. Neben Gymnastik und Ballspielen wird auch das Geräteturnen aezeigt, so daß ein regelrechtes Sportfest stattfindet. Das 30 Mann starke Musikkorps der FTGB. konzertiert dazu. Auch bei ungünstigem Wetter findet die Veranstaltung statt, da für diesen Zweck die Halle 4 besonders hergerichtet ist. Um 17 Uhr eröffnen die Kinder des Vereins mit ihrem fröhlichen Treiben das Programm. Dieser Tag sollte von den Ausstellungs- besuchern besonders beachtet werden. Vorrundenschluh der Pokalkämpfe im FKBD. Im Berliner Gau erzielten die Vereine des republikanischen Freien Keglerbundes Deutschlands folgende Resultate bei Fünferwertung je 100 Kugeln. Gruppe A(Sporthalle Prenzlauer Allee): Bundestreue 350? Holz; Olympia 3501; Pallas 3587; Bück dich 3573; Halte fest 3553; Vordereck 3537; Derby 3535. Gruppe B(Sporthalle Chaüsseestraße): (Torso 3589; Osten 22 3522; Alter Stamm 3510; Scharfe Kante 3493; Mariendorf 19 3475; Erpetal 3473; Lustige Brüder Westen 3450: Rand oder Sand 3444. Gruppe C(Sporthalle Prenzlauer Allee)! Brennstoffgesellschaft 3485; Schemel 3485; DoppluM 340? Holz. Die gestrigen Ringkämpfe im Sportpalast brachten durchweg guten Sport und schnelle Entscheidungen, nur der Kampf Iaagow gegen den Litauer Budrus blieb offen und endete unentschieden. Der schnelle Breslauer Pooshoss hatte den Bremer Stoll schon nach 3(4 Minuten auf die Schultern gezwungen. Schwarzbauer verlor gegen den Spanbauer Pohlfuß bereits in der achten Minute. Im Entscheidungskampf standen sich Barothy(Ungarn) und Iwanosf (Bulgarien) gegenüber. Der Bulgare war der Stärkere, während Barothy der gerissenere Techniker schien. Nach einer Gesamtzeit von 43 Minuten trug der Bulgare schließlich den Erfolg davon. Heute, Dienstag, find besonders interessante Paarungen vorgesehen. DI« Frei« Sport, mit)«Slügrilominigunp schiebt«m Dienstag,»f. Mai. 20 Uhr. aus eigenem Stand(bei Brasser). Michaelkirch, traß« LS», w» alllabrlich, ihren silbernen Fuchs aus, wszu alle Partelgenassen und Reichsbannerkame- raven«ingeladen sinb._. Sportkartell Ehorlottenborg: Dienstag, 31. Mai, LS Uhr, Sitzung bei AM«, �a'?trNb°ss«�Sibdncbcrg.Seied«no»! Donnerstag. 2. Juni, 20 Uhr.«arte«. sitzung auf dem Sportplag von ASV. Schönederg-Friedenau. Dk,>:t-I-etcll«rcuibcrg: DelegiertensitzunA erst Donnerstag,». Juni, i« Jugendheim. Rud.rvcrcin Vuta�b: Mitgliederversammlung Mittwoch, 1. Juni, 20 Uhr, im Bootshaus. Freig-werltchaflliche Techniker werden unter günstigen De- dingungen noch aufgenommen. V. f.!>. Proles. Dicnsiag, 3t. Mai. Handballregelbesprechung«reisgeschiiit«. stelle. Elsasser Sir. 33/3«. 20 Uhr.— Mittwoch, 1. Juni. Platztraining Laster. straste, 19 Uhr. Tie IungmSdchcn.Abtcilung uimmt ihren UebungSbetrieb Nt der Turnhalle, Friedenstraße, auf..„.. Kartell Prenzlauer Berg: Infolge einer längeren beruflichen BkhlNberllng des Gen. Vindcrheim ilbcrnimmt Gen.«lein die Gefchäft« de»«artelluor. fitzenden. Adresse: Grellftrast« 13, Quergeb. 1. Kartellsshung Mittwoch, 1. Juni, 20 Uhr. bei Hoffmann, Lvchener Str. 3. 11. unisdhlea Eis mit Sahne Uftschmusseline ZH Druckmusler, enorm billig Mtr.�& UiaschKunstseids Foulard-Druckmuster, große Auswahl....... Meter w Zephir unl Oder pestreift, für Blusen und Kleider. Mif. vM BeiDeruiand uni od-pestrein Ä � echtfiirbig, für Sport- und Wanderkleider.... 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U m 4 Stock miichsanen 3a Glas, ein halber Liter.... Um 6 stück Kompotteller 30 Diamant...... Um 1 zerstau&er 30 für Bohnerwachs..... tUm RISCHUNGSRAUM mit Sauerkraut und Kartoffeln 39 " LEBENSMITTEL■■■ 3 Stück Zehnteldosen Pöring. Oelsardinen«SV 2 Plunfl«sa gepökeltes Eisbein..«SV 1 Flasche 1180er WOII- sielnor Höllberg 2 ovale Dosen Fettberinge in?ow»t«n«S»? 1 Pinna Schuieinenleren____«ss