Morgenausgabe � 4Y.Iahrgang A 12o WZchentlich 7B Pf, monatlich 8,2B all (davon 87 Pf. monatlich für guftel» lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.S7 M. einschließlich eoPf. o,v/:uu cuuujucöiiu; ow Ponzeitungs- und 72 Pf. Postbestellge- frühren. Auslandsabonnement 5,65 M. sninot; für Länder mit ermäßig» Drucksachenvorto 4.65 M. pro Monat; tem Per„Vorwärts' erscheint Wochentag» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe fiir Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend'. Illustrierte Eonntagsbeiiag« „Boll und Zeit'. jpP-f» f, Verlinrr Vo«sbla« Mittwoch 1. Juni 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Sie einfpalt Millimeterzelle 30 Pf. Rsklamezeiie 2.— M„Kleine An» zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei settgedruckteWortef.jedcs weitere Wort 10 Pf. ZIabatt it. Tarif. Worte Uber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- ,eil-2SM- meterzeil« im Haut„..._ wochentäglich von 8>/, bis 17 Uhr Der Verlag behält sich dasRecht der Ab- lehnung nicht genehmerAnzeigen vorl JenSvawvgan der Sozialdemokratischen Oavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 tzernspr.; Dönhosf(A T) 293—297. Telegraimn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37 53S.— Bankkontot Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten. Lindenstr. S. Dt.B.u.Disc.-G«s., Depositenk., Jerulalemer Str. LS/Ksi. SNÄM vllN l�NKN! MAn&i aus Adeligen und eroBgrundbesllzern. Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident empfing heute Herrn vonPapen und erteilte ihm de« Austrag zur Bildung einer Regierung der nationalen Konzentration. Herr von Pape» hat diesen Auftrag angenommen. Der Nachfolger Brünings heißt Franz von Papen. Auch ein Zentrumsmann, aber ein Rebell im Zentrum, der sich seit zehn Jahren bemüht hat, das Zentrum zu konserva- tiven Diktaturgedanken hinzudrängen. Warum gerade dieser Mann? Die Oesfentlichkeit war überrascht, als gestern der Name von Papen auftauchte, aber die Krisenmacher haben ihn bereits vor vier Wochen als Brünings Nachfolger desi- gniert. Sie haben schon vor vier Wochen mit der Her- beifllhrung der Krise gerechnet— sie wollten sie freilich erst nach dem Erlaß der Notverordnungen herbeiführen- Wie nach dem Sturz des Kabinetts Müller war das Nachfolge- kabinett nicht nur in der Idee, sondern auch in der persön- lichen Zusammensetzung bereits vorgebildet, ehe das alte Kabinett noch ahnte, daß es in seiner Existenz bedroht war. Es stellt sich jetzt heraus, daß die Empfänge von Parlamen- tariern aus allen Parteilagern beim Reichspräsidenten eine leere Formalität waren, daß nach dem Ende dieser Formali- täten unverzüglich in Kraft gesetzt wurde, was eine unverant- wortliche Gruppe im Dunkeln feit Wochen vorbereitet hat! Mit der Ernennung des Herrn von Papen und der Bekanntgabe der Lifte seiner Bundesgenossen wird diese Gruppe, die gegenüber einem 66-Millionen-Volk Schicksal spielen will, in ihrer Zusammensetzung und ihrem Wesen sichtbarer. Herr von Papen selbst, früherer Ulanenoffizier, ist im Weltkrieg in einer höchst unglücklichen Rolle hervor- getreten. Er wurde beschuldigt, als Militärattache bei der deutschen Gesandtschast in Washington in Sabotageakte ver- strickt zu sein und wurde deshalb aus den Vereinigten Staaten ausgewiesen. Noch jetzt schweben in Amerika Prozesse, die sich auf diest� frühere angebliche Tätigkeit des neuen Kanzlers sein, was man in USA. zu 1921 beziehen. Man darf gespannt diesem Wiedersehen sagen wird! Im Jahre wurde er als Zentrumsabgeordneter in den Preußi- schen Landtag gewählt. Wiederholt hat er gegen den offiziellen Kurs seiner Partei Front gemacht, noch zuletzt bei der Anpassung der Geschäftsordnung des Landtags an die Vorschriften der Verfassung über die Wahl des Ministerpräsidenten. Seine politische Stellung ist be- zeichnet durch einen Ausspruch, den er vor einem halben Jahre gegen Brüning getan hat: „Die versteckte Diktatur des Kanzlers muß sich der parlamen- tarischen Verbrämung entledigen. Der Kanzler soll und muß ein nationales Kabinett, eine Regierung, eine Diktatur aus nationaler Grundlage führen." Dies Wort im Zusammenhang mit seinem Auftrag zur Bildung eines„nationalen Konzentrations- k a b i n e t t s" kennzeichnet den neuen Reichskanzler in höchst gefährlicher Weise! Zu diesem Kanzler tritt eine Liste der Frei- Herren: Freiherr von Gayl, Freiherr von Neurath. Frei- Herr von Lüninck. Der Letzte, der Vorsitzende der rheinischen Bauernvereine, bedeutet dem Zentrum gegenüber einen ebenso starken Affront wie Herr von Papen. Freiherr von Neurath, Diplomat alten Stils, Repräsentant reaktionärer Tendenzen in der Außenpolitik, der dem Völkerbund kühl bis ans Herz hinan gegenübersteht, ein entschiedener Gegner des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund— das ist der Außenminister für Lausanne. Freiherr von Gayl. Ver- treter ostelbischer großagrarischer Interessen, konservativ, deutschnational— der Innenminister. Der Kanzler und diese drei Minister— das ist schon Kursbestimmung genug l Die Ministerliste. Ter mit der Regierungsbildung beauftragte Land- tagsabgeordnete von Papen hat für die verschiedenen Ministerien folgende Persönlichkeiten in Slussicht ge- nommen: Inneres: Freiherr v.(Ha hl. Aeußeres: Botschafter von Neurath. Reichswehr: General von Schleicher. Wirtschaft: Warmbold. Arbeit: Goerdeler. Landwirtschaft: v. Lüninck. Post: S ch ä h l. Papen wird die in Frage kommenden Persönlichkeiten im Laufe desi Mittwoch empfangen, um an sie die Frage zu richten, ob sie bereit sind, die angetragenen Aemtcr zu übernehmen. Unbesetzt sind nach dieser Ministerliste noch das Finanzmini st erium, Justizministerium und Verkehrsministerium. Wie verlautet, wird Papen aus der Zentrumspartei ausscheiden. Die Ministerkandidaten. Wilhelm Freiherr von Gayl, der im 53. Lebensjahr steht, entstammt einer alten preußischen Osfiziersfamilie. Nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften war er zunächst in der preußischen Verwaltung tätig und übernahm im Jahre 1909 die Leitung der ostpreuhischen Landgesellschast, eines gemeinnützigen Siedlungsunternehmens für die Provinz Ostpreußen. Im Kriege wurde er im Jahre 1916 Chef. der Abteilung für innere Politik und innere Verwaltung beim Oberbefehlshaber Ost. Im Jahre 1920 amtierte er als Reichs- und Staatskommissar bei der Abstimmung im»stpreußischen Abstimmungsgebiet. Seit 1921 ist er Mitglied des preußischen Staatsrats und Bevollmächtigter Ostpreußens im Reichsrat. Er ist Mitglied der Deutschnationalen Partei. Konstantin Freiherr von Neurath, der am 2. Februar 1873 geboren wurde, trat nach dem Studium der Rechtswissenschast in den Konsulardienst ein und war in den Kriegsjahren Botschaftsrat in Konstantinopel. Im Jahre 1917 erfolgte seine Berufung zum Kabinettschef des Königs von Württemberg. Im Jahre 1919 trat er wieder in den diplomatischen Dienst ein und ging zunächst als Gesandter nach Kopenhagen. Von 1922 bis zum Mai 1930 war von Neurath Botschafter in Rom. Dann übernahm er das Botschafteramt in London. Generalleutnant von Schleicher ist 50 Jahre alt. Er begann im Kadettenkorps und wurde im Kriege vor allem im Generalstabe verwendet. Nach dem Kriege zur Reichswehr übernommen, wurde er 1924 zum Oberstleutnant befördert. Mit dem 1. April 1929 über- nahm er als Chef dos neugebildete Ministeramt im Reichswehr- Ministerium und wurde kurze Zeit daraus zum Generalleutnant befördert. Hermann Freiherr von Lüninck, der erst 39 Jahre alt ist, war nach Kriegsschluß als Regierungsassessor und Hilfsarbeiter im preußischen Innenministerium tätig. 1923 wurde er stellvertretender Generalsekretär des rheinischen Bauernvereins. Dr. Karl Goerdeler, der 47 Jahre zählt,.war informatorisch bei der Bank der preußischen Landschaft und der Preußischen See- Handlung zum Studium der bankmüßigen Behandlung des kommu- nalen Anleihewescns tätig. Er wirkte dann als Assessor und 1912 bis 1920 als Beigeordneter der Stadt Solingen. 1920 wurde er zweiter Bürgermeister der Stadt Königsberg i. Pr. und 1930 Ober- bürgermeister in Leipzig. Im Dezember 1931 wurde er zum Reichs- kommissar für Preissenkung ernannt, welches Amt er nach Durch- führung der Preissenkungsaktion im April niederlegte. Dazu Generalleutnant von Schleicher als Wehr- minister. Der fünfte Adlige! Den General, der gegen seinen Wehrminister frondiert hat, der hinter seinem Rücken in den Länderregierungen Bundesgenossen gegen Groener gesucht hat— diesen General will der Reichspräsident zum Wehrminister ernennen! Herr von Schleicher steht dem Drängen auf ein R e i ch s b a n n e r v e r b o t außerordent- lich nahe, die Nationalsozialisten setzen Hoffnungen aus ihn— eine weitere Kursbestimmung! Zwei bürgerliche Minister: Goerdeler und Warm- b o l d. Herr Goerdeler als Arbeitsminister. Er hat sich in der letzten Zeit den Anschein gegeben, als stünde er Brüning als Wirtschaftsminister zur Verfügung, an einem Zeitpunkt, an dem er in der Liste der Krisenmacher bereits für das Kabinett Papen designiert war! Herr Goerdeler steht in scharfem Gegensatz zu Stegerwald. Er ist, dem Wunsche der Unternehmer entsprechend, fürdieBeseiti- gung der Verbindlichkeitserklärung, also für den Wegfall des staatlichen Schutzes gegen wilden Lohnraub! Er ist Anhänger der Aufhebung des Versiche- rungscharaktersderArbeitslosenver- s i ch e r u n g. Herr Warmbold hat in Stegerwald und seiner sozial- politischen Haltung einen halben Bolschewisten gesehen. Er ist Gegner jeder Arbeitszeitverkürzung, vor allem Gegner der Arbeitsbeschaffung durch die Prämienanleihe! Hier wird ganz klar: Rechtskurs ist reaktionärer, arbeiterfeindlicher Kurs! Dies Kabinett mit diesen Männern und diesen Tendenzen nennt sich„nationales Konzentrationskabi- n e t t". Wir können nicht einsehen, wie gerade dies Kabinett das deutsche bv-Millionen-Volk repräsentieren soll, seine parteimäßige, wie seine soziale Zusammensetzung! Zwei Adlige, drei Freiherrn, Politiker der alten Schule— ist das eine Repräsentation des deutschen Arbeitervolkes? Was hier konzentriert wird, ist nicht die Nation, es sind vielmehr k o n- servativ-reaktionäre Kräfte, es sind kleine, aber mächtige Gruppeninteressen, deren Ueberwiegen eine Gefahr für die Interessen des Volkes und seiner Wirt- schaft bedeutet! Hier wird konzentriert der Wille zum Abbau der Sozialpolitik, und mehr als das! Die Männer der neuen Regierung zeigen, welche Kräfte die Krise herbeigeführt haben. Es haben im Dunkeln ge- arbeitet die großagrarischen Interessenten wie die Scharfmacher. Was wird diese Regierung aus der Prämienanleihe zur Arbeitsbeschaffung machen, wird sie das vom Reichstag beschlossene Gesetz ausführen? Wird sie eine Hoffnung der Erwerbslosen zerschlagen? Es droht von dieser Regierung eine noch größere Gefahr. Triumphie- rend verkünden die Freunde der Krisenmacher als ihr Pro- gramm: ohne Steuern, ohne Notverordnung. Das Defizit des Reichshaüshalts aber ist vorhanden. Was soll geschehen? Heißt nationale Konzentrationsregierung: SA-Verbot und Hindenburg. Aufhebung bedeutet völlige Zerstörung der Autorität des Keichsprasidenten. Sicherem Vernehmen nach stellt die Nationalsozialistische Partei für jedwede Tolerierung eines neuen Reichskobinetts zwei Bedingungen: Auflösung des Reichstaas und Auf- Hebung des SA�- Verbotes. Es ist darum notwen- big, daran zu erinnern, unter welchen Umständen und mit welcher Begründung das Verbot der SA. erfplgte. Am 13. April dieses Jahres, also vor etwa sechs Wochen, unterzeichnete der Reichspräsident von Hindenburg eine Verordnung auf Grund des Artikels 48, der sämtliche Militär- ähnlichen Organisationen der NSDAP., insbesondere die Sturmabteilungen lSA.), die Schutzstaffeln(SS.) mit allen dazugehörigen Stäben, sonstigen Einrichtungen usw. mit sofortiger Wirkung auflöste. In der Begründung wurde wörtlich folgendes gesagt: Die genannten Organisationen sind, wie bekannt, in allen äußeren Dingen bis in Kleinigkeiten den militärischen For- mationen nachgebildet. Sie stellen ein Drioathecr dar. ein varteiheer. wenn auch zum Teil unbewaffnet. Hunderttausende sind bei unbedingter Befehlsgebundenheit zum Teil mit kasernenmäßiger Unterbringung in Aktionsgruppen gegliedert, die wie militärische oder polizeiliche Mannschaften auftreten können und aufgetreten sind. Auch ohne schwere Waffen können solche Gruppen jederzeit Gewalthandlungen durchführen und Teile der Bevölkerung unter den Druck eines Zwanges stellen. Schon das Vorhandensein einer solchen Kampforganisation, die einen Staat im Staate bildet, ist eine Quelle steter Beunruhigung für die friedliche Bürgerschaft, die im Schuhe der Gesehe ihrer Beschäftigung nachgeht. Es ist ausschließlich Sache des Staates, eine organisierte Macht zu unterhalten. Sobald eine solche Macht von privater Seite organisiert wird und der Staat dres duldet, besteht bereits Gefahr für Ruhe und Ordnung Die ruhigen Bevölksrungskreife können eine solche naturgemäß einsetijg und parteimäßig aufgestellte Or ganisation nicht ertragen. Die Entwicklung führt folgerichtig zu Zusammenstößen und lehten Endes zu bürgcrkriegsähnllchea Zuständen. Bei einer solchen Entwicklung wurde der Staat die Achtung. die er für seine verfassungsmäßigen Einrichtungen, insbesondere für Militär und Polizei fordern muß. verlieren, Keine Reichsregierung kann es dulden, daß irgendeine Partei den versuch macht, einen Staat im Staate zu bilden und sich Machtmittel schafft, durch die sie in der Loge wäre, unter Um- ständen ihre Ziele auch mit Gewalt durchzusetzen. Mit dieser Begründung hat Reichspräsident von Hin- denburg vor sechs Wochen das Verbot der SA. verfügt! Jetzt wird ihm zugemutet, durch eine neue Verordnung auf Grund des Artikels 48 dieses Verbot wieder aufzuheben! Es er- übrigt sich, des näheren auszuführen, welche Schlußfolgerun- gen aus einer solchen Aufhebung des Verbotes im Ausland und im Inland gezogen werden würden. Von einer Auto- r i t ä t des deutschen Staatsoberhauptes könnte nach einem solchen beispiellosen Vorgang, der einer vollständigen Kapitu- lation gleichkäme, nicht mehr die Rede sein. Wird die neue Regierung dem Reichspräsidenten wirklich die Zumutung stellen, seine Autorität auf solche Art und Weise preiszugeben? Das wäre ein sehr merkwürdiger Anfang für eine Regierung, die eine Regierung der natio- nalen Konzentration, wenn nicht der nationalen Diktatur sein will, und deren Parteigänger sich bisher zu der Parole bekannten: Mehr Macht dem Reichspräsidenten! Regierung zur Durchfuhr ung inflationisti- i ch e r P l ä n e? Soll sie nach dem Muster der e n g l i s ch e n nationalen Konzentrationsregierung das gescheiterte englische Experiment in Deutschland noch einmal als verfehlt erweisen? Es sind die Interessenten der Inflation, die hinter den Krisenmachern stehen, und die Arbeiterschaft würde das Opfer sein— mit ihr die gesamte deutsche Wirtschaft! Es droht Gefahr! Gefahr für die Außenpolitik, Gefahr für die Wirtschaft, Gefahr für die Währung, Gefahr für die Sozialpolitik, Gefahr den Erwerbslosen, der gesamten Arbeiterklasse! Wie diese Regierung zustandegekommen ist— das kennzeichnet den ungeheuren politischen Rückschritt der letzten zwei Jahre. Unverantwortliche Cliquen, der öffentlichen Kontrolle entzogen, arbeiten im Dunkeln, sie stürzen Regierungen und machen Regierungen und spielen Schicksal für ein 60-Mil- lionen-Volk! Hinter dem Namen„nationales Konzentrations- kabinett" steht der Wille, immer stärker in der Richtung der Diktatur zu steuern. Wie will diese Regierung eine Mehrheit im Reichstage erhalten? Man hört, daß die Nationalsozialisten für die Tolerierung dieser Regierung zwei Bedingungen stellen: Aufhebung des SA.-Verbotes, Reichstagswahlen im Herbst! Sie sehen in dieser Regierung das Uebergangs- kabinett für die Zeit bis zur Wahl, in Papen und seinen Ministern die Platzhalter für eine kommende Regierung der nationalsozialistischen Diktatur, in der„nationalen Konzen- tration" die letzte Stufe vor dem offenen Faschismus. Reichstagswahlen im Herbst, Verschärfung der politischen und sozialen Kämpfe— das ist die Perspektive, die vor der deutschen Arbeiterbewegung steht! Es gilt, gerüstet zu sein für entscheidende Kämpfe! Pape» ausgetreten. Zentrum wird einen Ballast los.- Papens Außenpolitik. Die Z e n t r u m s f r a k t i o n des Reichstags ist zu einer Sitzung am Mittwoch beschleunigt zusammenberufen worden. Inzwischen wird bekannt, daß der bisherige Landtags- abgeordnete und Inhaber der Aktienmehrheit der„Ger- maniä" Franz von Papen jetzt seinen Austritt aus d e r Z e n t r u m s p a r t e i erklärt hat, nachdem ihm vor einigen Jahren schon durch den preußischen Zentrumsführer Heß der Ausschluß wegen D i s z i p l i n b r u ch s an- gedroht worden war. In Zentrumskreisen kennt man den Kanzlerkandidaten zwar als sehr ehrgeizig, schätzt aber seine politische Begabung gleich null! Papen wird übrigens in der„Deutschen Zeitung", dem alldeutschen Blatt, heftig angegriffen, weil er deutsch- ! r a n z ö s i s ch e V e r st ä n d i g u n g s p o l i t i k treibe. Tatsächlich hat er auch mit französischen Verständiguckgs- Politikern wie d'Ormesson und Viennot Verbindung gesucht und in Frankreich Verhandlungen geiührt. Seine Versrändiaunasvolitik hat allerdmgs mit der sozialdemo- k rauschen Außenpolitik keine Äehnlichkeit. Sie trägt scharf antirussischen Charakter. Das Zentrum gegen Papen. Die„Germania" gegen ihren Hauptattionär. Noch bevor von Popen, der deutschnationale Parteigänger im Zentrum, mit der Neubildung der Reiche. regieruug beauftragt war, erteilte die„Ger- mania", ohne Nennung seines Namens, diesem selt- samen Reichskanzlertandidaten folgende Absage? „Zahlreiche Namen, unter denen sich viele befinde«, die in solchen Situationen immer aufzu» tauchen pflegen, werden genannt. Es verlohnt sich kaum, sie hier wiederzugeben, da sie doch lediglich mehr oder weniger haltlosen Kourbinationen entspringen. Da diese Gerüchte auch die Möglichkeit verzeichnen, daß eine Persönlichkeit deä Zentrums zur Führung der neuen Regierung berufen werden dürfte, muß man doch verwundert fragen, warum denn eigentlich die Krise ent- fesselt wurde, wenn Herr Brüning einfach durch einen anderen ZcntrumSmann ersetzt werden soll! Es wird jedenfalls keine Persönlichkeit geben, die sich als Führer oder Mitglied des neuen Kabinetts darauf berufen könnte, Vertrauensmann der Zentrumspartei zu sein." Inzwischen hat, wie an anderer Stelle schon gesagt. der„neue Mann" die Zentrumspartei verlassen. Wahr- scheinlich wollte er verhindern, daß sein Ausschluß erfolge. Gch!ange-Schöningen ging schon vorher Aus Protest gegen die agrarischen Treiber von Neudeck. Aus bestunterrichteter Quelle teilt die Aararkorrespon- denz..Landwirtschaftshilfe" Einzelheiten zur Verabschiedung des Kabinetts Brüning mit, die auf Persönlichkeiten, Zusam- menhänge und Gründe ein Helles Licht werfen: Bereits am Donnerstag, dem 26. Mai, hat Minister Schlang e-Schöningen in einem Schreiben dem Reichs- Präsidenten seinen Rücktritt angeboten. Die Vorgeschichte dieses Schreibens ist die, daß am 2S. Mai a u s N e u d e ck vom Staats- e k r e t ä r M ß n e r ein Schreiben einging des Inhalts, daß der Reichspräsident die Unterzeichnung der Notverordnung verweigere, fall« nicht ganz bestimmte Forderungen erfüllt würden. Die Wänderungsfovderungen stützten sich in dem Schreiben Meiß- ners auf einen Entmurf, der sehr wenige Stunden bestanden hatte und durch den endgültigen, dem Reichspräsidenten zugelei» teten und in engster Uebereinstimmung mit dem Reichsarbeitsministerium ausgearbeiteten Entwurf gegenstandslos ge- worden war. U. a. wurde die Befragung der Landwirt- i ch a f t s k a m m e r n bei der Entscheidung über Besiedlung von Gütern gcsordert, die bereits im Entwurf stand. Es wurde die alleinige Entscheidung durch den Ostkommisjar oder aurch den Reichsernährungsminister verlangt, wahrend Ostkommisjar und Reich, arbeilsministebium in wahrhasl kamerad- schastlicher Uebereinstimmung sich von der Notwendigkeit der Be- sassung beider Ressorts überzeugt hatten. In seinen? Rücktrittsgesuch vom 26. Mai Hot Schlange» Schöningen u. a. erklärt: Von Enteignung sei im Entwurf nicht die Rede. Es handle sich nur um die Möglichkeit zur Zwangsversteigerung, die„unter Vermeidung aller Härten den Notwendigkeiten" entspreche,„denen eine verantwortungs- bewußte Regierung in Ansehung der Sachlage gerecht zu werden verpflichtet ist".§ 1 sehe nur Zwangsverstei- g e r u n g vor bei Gütern, die„beim besten Willen nicht gehalten werden können". Neu sei überhaupt nur gegenüber dem bisherigen Sicherungsverfahren die Verkürzung der Fristen. Siedlnngstäkig- keit in erhöhtem Tempo fei nicht nur grenzpoliüsch notwendig, sie entspreche dem„nationalen Drang zur Selbsthilfe und Gesundung". Der Entwurf bewege sich auf der Bahn der Gedanken des Freiherrn vom Stein, der„nach dem Niederbruch van lSllS ebenfalls von manchen wie mit Blindheit geschlagenen Kreisen als Revolutionär bekämpft" worden sei. Teile des Großgrundbesitzes, die die Zeichen der Zeit wieder nicht verständen, seien im Begriss. sich ihr Grab zu graben. Der Brief schloß mit der Bitte um Enthebung von feinem Amt als Reichskvmmiffar.__ Reichstag vertagt. Zusammentritt erst nach Bildung der Regierung. Im Aeltestenrat des Reichstages, der am Dienstag- abend zufammentrot, verlangten die Kommunisten und dann auch die Nationalsozialisten und Dsutschnationalen, daß an dem 6. Juni als dem Tag des Wiedsrzusammentritts des Reichstags festgehalten werde. Die übrigen Fraktionen stellten sich jedoch mit dem Reichstagspräschenten Löbe auf den Standpunkt, man solle wie in früheren Regierungskrisen abwarten, bis eine neue Regierung gebildet fei. Infolgedessen wurde Reichsiags- Präsident Lobe ermächtigt, den Reichstag sofort einzuberufen, sobald der neue Reichskanzler bereit fei, eine Regie- rungserklärung abzugeben. Sollte sich dieser Zeitpunkt zu lange hinzögern, so beabsichtigt Präsident Löbe, den Aeltestenrat noch einmal zu befragen. Ferner behandelte der Aeltestenrat die Frage, ob auf Grund des Artikels 24 der Reichsoerfassung eine Minderheit die Einberufung des Reichstages verlangen kann, auch wenn das Parlament selbst sich aus einen bestimmten späteren Zeitpunkt vertagt hat. Die Nationalsozialisten, Deutschnatianalen und Kommunisten forderten wiederum dieses Recht der Minderheit unter Berufung auf das Urteil des Siaatsgerichtshoses gegen den Präsidenten des Preußischen Landtages. Reichstagzpräsident Lobe und mit ihm dü übrigen Fraktionen blieben jedoch bei der Aus- sassung, daß dieses Urteil nur für den Preußischen Landtag gelte und daß die bisherige Auslegung des Artikels 24 der Berfassung richtig sei, wonach das Recht eines Drittels der Abgeordneten, die Reichstagseinberufung zu verlangen, nur für die Zeit während eines S e s s i o n s s ch l u s s e s gelte. Die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten hatten die Absicht, ein ähnliches Urteil, wie es der Staatsgerichtshof für Preußen gefällt lzat, auch für den Reichstag herbeizuführen. Ein solcher Antrag ist jedoch beim Staarsgerichtshos noch nicht gestellt worden, weil sich inzwischen herausgestellt hat, daß für Streitigkeiten zwischen dem Reichstagspräsidenten und Abgeordneten der Staatsgerichtshos nicht zuständig ist. Die Streiffrage konnte also nur im Plenum des Reichstags selbst entschieden werden, der durch Mehrheitsbeschluß eine authentische Interpretation des Artikels 24 geben müßte. Wie mir weiter hören, wird Reichstags- Präsident Löbe voraussichtlich von neuem Gutachten angesehener Staatsrechrslehrer über diese Frage einholen. Die lehten Besprechungen. Der Reichspräsident empfing Dienstag nachmittag die Führer des Christlichen Bolksdienftes und der Konservativen Volksparte!. Abgeordnete Simpfendörfcr und Graf Westarp, ferner den Vorsitzen- den der Bayerischen Volkspartei, Prälat Leicht, den Vorsitzenden des Deutschen Landvolks, von Haunschild, sowie von der Deutschen Staatspartei die Abgeordneten Weber und Dr. Meyer. Die Abgeordneten Simpfendörfer und Graj Westarp, die am Dienstagnochmittag als Vertreter des Christlich-Sozialen Volksdienstes und der Konservativen Volkspartei vom Reichspräsidenten empfangen wurden, dürften in der Unterredung, wie in parlamen- tarischen Kreisen verlautet, sowohl aus außen- wie aus innen- politischen Gründen ihr Bedauern über die Wendung zum Ausdruck gebracht hoben, die die politische Entwicklung ge- nommen Hot. Die Fraktion hast es für notwendig, daß vor allem die Nationalsozialisten mit zur Verantwortung herangezogen werden; eine Zwischenlösung wird nicht für wünschenswert gehalten. Sie legt, van personellen Vorbehalten abgesehen, besonderen Wert auf die Stellung der künftigen Regierung zu den Fragen der Siedlungs- und Sozialpolitik. In der Besprechung dürfte auch, wie es heißt, der entschiedene Widerstand der Fraktion gegen Regierungsmaßnahmen jeglicher Art hervorgehoben worden sein, die in ihrer Endwirkung auf die Anbahnung einer Inflation hinauslaufen würden. Die Staatspartei teilt mit: Reichspräsident von Hinden- burg empfing am Dienstagnachmittag als Vertreter der Staatspartei die Fraktionsvorsitzenden Dr. August Weber und Staatssekretär a. D. Oskar Meyer. Dr. Weber brachte zum Ausdruck, daß die Vorgänge, die dicht vor der bedeutsamsten autzenpoli- tischen Entscheidung und inmitten stärkster'-Lürtschafllicher und finanzieller Schwierigkeiten zum außerparlamentarischen Sturz des Kabinetts Brüning geführt haben, weite Kreise mit größter Sorge erfüllen. Diese Sorge erstrecke sich auch darauf, ob es künftig gelingen werde, die Berfa ffung unbedingt aufrechtzuerhalten. Von dem Herrn Reichspräsidenten als dem berufenen Hüter der Verfassung werde erwartet, daß er diese schweren Gefahren zu unterdrücken entschlossen fei. Der Reichs- präsident betonte wiederholt, daß er selbstverständlich wie bisher auf streng verfassungsmäßiger Grundlage fein Amt ausüben werde. Die Fraktion der W i r t t ch a f t s p a r t e i gab der Erwartung Ausdruck, daß es dem Reichspräsidenten gelingen werde, die Parteien der Rechtsoppofition zur Ilebernahme der Bsrantwortung auf verfassungsmäßiger Grundlage zu veranlassen. Landtagseröffnung in München. Nazijugend belagert das Parlament. München. 31. Mai.(Eigenbericht.) Di« auf 11 Uhr festgesetzte Eröffnungssitzung des neuen Bayerischen Landtags, die nur das Präsidium zu wählen hat. sah einen noch nie dagewesenen Publikumsandrang. Seit vormittags g Uhr war der Zugang zum Landtagsgebäude von jugendlichen Nazis beiderlei Geschlechts um- lagert, so daß verstärkter Polizeischutz notwendig war. Als eine Stunde vor Sitzungsbeginn die Tribünen geöffnet wurden, konnten die Türhüter dem stürmischen Andrang kaum standhalten. Di« Ord- nung im Hause, das einem aufgeregten Ameisenhaufen glich, konnte nur mit Mühe aufrechterhalten werden. Bei der Wahl des Präsidiums wurde mit 126 Stimmen der Präsident des alten Landtags Dr. Stanz von der Bayerischen Volkspartei gewählt. Erster Vizepräsident wurde mit 33 Stimmen der Coburger Nazibürgermelster Schwede, zweiter Vizepräsident mit 72 Stimmen der Sozialdemokrat Auer. Sozialdemokraten und Nazis hatten bei der Wabl weiße Stimmzettel abgegeben. Vor der Wahl des Präsidiums ehrte der Landtag die drei Abge- ordneten Dr. Held(Bayerische Volkspartei), Auer und Raßhaupter von der sozialdemokratischen Fraktion, die am 31. Mai 2S Jahre lang ununterbrochen der bayerischen Volksvertretung angehören. Die SA. tarnt sich. Neuer Name für den alten Geist des Terrors. Frankfurt a. M.. Zt. ZNai. Eigenbericht.) Die ehemalige SA. von Frankfurt a. M. fall nach Vrefse- Meldungen als jjropagatida stürm in die NSDAP. eingereiht worden fein. Der selbständige Charakter der SA. bleibt gewahrt, indem kein Parteimitglied der NSDAP„ das nicht vor dem S?1..verbot bereits Mitglied der SA. mar. Eintritt zu den Versammlungen der Propagandastürme hat. Die SA. besteht nicht nur unter dem Namen„Propazandosturm" fort, sondern soll jetzt auch wieder regelmäßige Ausmärsche und Uebnngen abhatten. Tagung des Vereins Deutscher Zeitungsverleger vertagt. Mit Rücksicht auf die uiierwanelc Wendung der politische» Verhältnisse hat der Verein Deutscher Zeitungsverleger seme ordentliche Haupt- Versammlung, die in den Tagen vom Ist. bis 12- Juni in Frankfurt a. M. steztffinden sollte, einstweilen vertagt. Siedlung. AGA. unS Lausanne. Washington. 31. Mai. Präsident Hoover hat Botschafter Mellon au- gewiesen, dem britischen Plan, baldigst eine Welt- wirtschaftSkonferenz einzuberufen, unter der Bedingung zuzustimmen, daß sie sich nicht mit der Kriegsschulden- und Reparation�» frage beschäftigt. rung der Wahlergebnisse und der Kabinettsbildung verschoben. Am Schluß eines„Siegescssens" hielt Herriot eine Rede, in der er die Lebenskraft der Radikalen Partei feierte und hinzufügte:„In einem äußerst schwierigen Augenblick werde ich mit allen meinen Kräften, mit aller meiner Erfahrung versuchen, die Sache des Friedens und die Sache Frankreichs zu verteidigen. Aber ich will meine Politik nicht aus dem Elend irgendeines Volkes ausbauen. Man wird von Frankreich keine egoistischen Hand- langen in einer Stunde zu befürchten haben, in der in der ganzen well so viele Mißverständnisse bestehen. Ich werde auch dem Volk dienen, dem ich angehöre. Wir wollen für das Wohl aller arbeiten. Weil ich mein ganzes Leben lang vom Haß verfolgt worden bin, wird der Haß niemals in meinem Herzen zu finden sein." Wöhrend der Beratung des Vorstandes des Exekutivausschusses überbrachten zwei Sekretärinnen der Sozialistischen Partei einen Brief, in dem das Programm der Sozialisten und die Mit- teilung enthalten war, daß eine Delegation zu seiner Ber- fügung stehe, um mit ihm über das Programm zu verhandeln. Es wurde die Antwort erteilt, daß der Partcivorstand von 6 Uhr ob bereit sei, die Delegation zu empfangen. Abwehr des Faschismus. In der Tschechoslowakei und in Finnland. Die tschechoslowakische Regierung hat den faschistischen I U g c n d n e r b a n d aufgelöst. Zahlreiche Haussuchungen und Verhaftungen wurden vorgenommen, darunter auch oi« beiden Brüder G o j da, wovon der eine der dienstlich davongejagte, degradierte und bestraste ehemalige Gcneralstabschef ist. In Finnland ist die vorläufige Auslösung der L o p p o- Bewegung gerichtlich als rechtsgültig anerkannt worden. In der Verhandlung wurde der Mobilisierungsbesehl vom 24. Februar bekanntgegeben, in dem es u. o. hieß:„Die Führung fft der Ansicht, daß Ruhe eintritt»nd die Entwicklung wiederher- g e st e l l t wird, wenn die Regierung abdankt und von einer ande- ren ersetzt wird, die das Programm der L a p p o- Bewegung durch- setzt. Alle Manner sollen sich in Landschafts- und Schutzkorpsdistrik- ten sammeln, mit voller Ausrüstung, kurzen und langen Waffen und vier Togen Proviant." Die Radikalen lehnen ab. Weitere Koalitionsverhandlungen mit den Sozialisten zwecklos. Lm Dritten Reich. Das Beispiel von Coburg. Tcit regiert im Rathaus zu Coburg eine nationalsozialistische Mehrheit gegen die Arbeiterschast. Cine der ersten Taten der 9kazi-„ArbeiterPartei" in Coburg war, das; fünf Arbeiter— Mitglieder des Gesamtverbandes— aus den städtischen Betrieben hinaus- geworfen wurden. Man stellte dafür vier Nazis und zwei«tahlhelmer ein. Der Gefamtver- band setzte sich zur Wehr, und die Heldentat der Nazis gegen freiorganisierte Arbeiter t o st e t e die «tadt Coburg 300 Marl und die K o st e n der Verhandlungen vor zwei Instanzen. Die Nazis versuchten trotzdem weiter, die Arbeiter zu terrori- sieren. Sie entließen den freigewerkschaftlich organi- sierten Bademeister B e r n r e u t h e r, der bei der Stadt nahezu vier Jahre tätig war, wegen—„Arbeitsmangel". Nach seiner Ent- lassung wurden aber zwei neue Leute eingestellt, die selbstver- ständlich das braune Parteibuch in der Tasche hatten. Der Gesamt- verband ließ abermals nicht mit sich spaßen. Er erwirkte ein Urteil auf Weiterbeschästigung oder Zahlung einer Entschädigungssumme von 400 Mark. Und wiederum griff der Nazimagistrat in den Säckel und zahlte aus— Steuergeldern die 4 0 0 Mark und dazu noch die Kosten der Klage. Die Wut des Nazi-Bürgermeisters Schwede kannte keine Grenzen. Er versuchte nun einen anderen Gewerkschafter zu treffen. Der Freigewerkschafter Roth, der von den Arbeitern beim städtischen Bauamt zum Betriebsrat gewählt war, wurde entlassen. Der Grund? Weil er eines Tages zu seinem Früh- stück in der Schlachthofkantine ein— Glas Bier getrunken habe. Abermals hatte jedoch der Nazi-Schwede die Rechnung ohne den Gesamtverband gemacht. Der Verband verhalf dem gemaßregelten Arbeiter zu seinem Recht, Die Stadt wurde o e r u r t e i l t, den Lohn nachzuzahlen und den Arbeiter weiter zu beschäftigen. Nun wollte der Nazi-Bürgermeister wenigstens das eine erreichen, daß Roth die Kosten des städtischen Prozesses bezahle; auch wurde Roth um zwei Lohnklassen zurückgesetzt. Von neuem holte sich jedoch der N a z i- M a g i st r a t eine Niederlage. Er wurde gezwungen, Roth nach der alten Lohnklasse weiter zu beschäftigen. Jetzt holte der Nazimagistrat zu einem großen Schlag aus. Am Pfingstdienstag erhielten von den 74 beim städtischen Bauamt beschäftigten Personen 42 die Kündigung; darunter waren sämtliche dem Gesamt- verband angehörenden Betriebsräte. Unter den Ent- lastenen befinden sich 40 Mann mit über zehn Jahren Dienstzeit, ja Arbeiter mit 48 bis 24 Dienstjahrcn. Tie Arbeit, die bisher von 74 Arbeitern ausgeführt wurde, soll künftig von 32 erledigt werden. Ebenso hat der Nazimagistrat von den 444 Arbeitern der städtischen Versorgungsbetriebe jetzt 47 auf die Straße geworfen. Anscheinend will er an Stelle der Entlassenen nationalsozia- listische Wohlfahrtscrwerbslose beschäftigen. Das würde der Stadt- koste nebenbei auf Kosten der Entlassenen eine kleine Entlastung bringen und die nationalsozialistischen Arbeitslosen etwas beruhigen, die darüber empört find, daß die Diäten in Nazi- Coburg ollein in diesem Jahr von 3120auf 5340 Mark erhöht wurden. Der Gesamtverband wird auch diesem Schlag des Nazi- Magistrats gegen die Arbeiter zu begegnen wissen. Ueber Nazi-Coburg sind bei den letzten Wahlkämpfen im Reich die rührseligsten Märchen von den Hitler-Propagandisten verbreitet worden. Wenn man die chitler-Propaganda hörte, dann mußte man glauben, daß es den Arbeitslosen im nationalsozialistischen Coburg geradezu großartig gehe. Tatsächlich zahlt jedoch Coburg die niedrig st e Wohlfahrtsunter st ützung von ganz Bayern. Ein Teil der Wohlfahrtserwerbslosen wird— vornehmlich mit Bauarbeiten— beschäftigt, aber zu einem Stundenlohn, der 17 Ps. unter dem Tariflohn der Maurer liegt. Auch zu diesen Ar- beiten werden natürlich in erster Linie Nationalsozialistien heran- gezogen. Kommunisten erhalten überhaupt keine Arbeit. Frauen werden grundsätzlich nicht beschäftigt, wenn auch zu Hause in der Familie noch so große Not herrscht. Ein neuer Abbau der Wohlfahrts unter st ützungssätze ist bereits vor- bereitet. Während verantwortungsbewußte Gemeinden in ihren Haushaltsplan mindestens die Summe des Vorjahres für Wohl- fahrtsausgaben einsetzen, hat Coburg diesen Posten um fünf Prozent gekürzt, so daß der Magistrat bald zum Abbau der Unterstützungs- sätze„gezwungen" ist. Auch die Beamten und der M i t t e l st a n d, die sich vielfach einbilden, daß es ihnen unter einem Naziregime besser geht, sollten nach Coburg blicken. Unter dem Naziregime ist dort die Zahl der Gerichtsvollzieher von 2 aus 8 gestiegen. Und die Besoldung der Beamten? Im neuen Haushaltsplan Coburgs sind für Besoldung der Beamten und Angestellten 455 500 Mark eingesetzt und gleichzeitig wird darin freudig als Einnahme verbucht: „Gehaltskürzung der städtischen Beamten und Angestellten 230 000 Mark." Wenn diese Zahlen ungeheuerlich erscheinen, möge sie im Coburger Haushaltsplan nachlesen! Coburg muß für jeden Arbeiter, Angestellten und Beamten eine ernste Mahnung sein. Coburg zeigt, daß ein N a z i- R e g i m e n t nichts anderes bedeutet als Niederknüppelung aller nicht auf Hitler schwörenden Arbeiter durch Hunger. Das ist die neue Freiheit, die Herr Hitler versprochen hat. Coburg zeigt aber auch, daß jeder Arbeiter, der sich nicht zur Nazikreatur erniedrigen lassen, sondern ein freier Mann bleiben will, nur Hilfe bei der Gewerkschaft findet. Ltm die Löhne der Bauarbeiter. Die Verhandlungen im Reichöarbeitsministerium. Die Lohntarifoerhandlungen im Baugewerbe sind so gut wie abgeschlossen. Der Lohnabbau ist in den einzelnen Lohngebieten durch vielfach brutale Schiedssprüche sesigelegt worden. Bei den Nachverhandlungen im Reichsarbeitsministerium, bei denen es sich für die Gewerkschaften um die Verteidigung der nackten Existenz der Bauarbeiter handelte, mußte über Einzel- interessen hinweg das Ganze fest im Auge behalten werden. Eine der bedenklichsten Bestimmungen in den Lohnschiedssprüchen ist, daß die Dauer der Lohnfestsetzung fast überall will- 'kllrlich bestimmt wurde. Dabei schreibt der allgemeinverbindliche Reichstarifvertrag ganz klar vor, daß neue Löhne a u f die Dauer eines Jahres— im vorliegenden Fall also bis Frühjahr 1933— Geltung haben müssen. Die Bauarbeiter erivarten, wie der„Grundstein", das Organ des Baugewerksbundcs, betont, ganz bestimmt, daß in dieser Richtung dem Recht und nicht zuletzt auch den wirtschaftlichen'Notwendigkeiten Rechnung getragen wird. Als selbstverstündlich nehme man auch an, daß die festzusetzenden Löhne für alle Geltung haben müssen. Die Allgemeinver- bindlicherklärung dieser Löhne sei eine unumgängliche Notwendigkeit; denn das Elend der Bauarbeiter habe ja gerade darin bestanden, daß alle seit dem Frühjahr 1931 festgesetzten Löhne nie für allgemein verbindlich erklärt wurden. Ueberall wurden die Lasten aus der katastrophalen Geschäfts- läge des Baugewerbes auf die Arbeiter abgewälzt. Das Bauen dürfte sich jetzt billiger stellen als vor dem Krieg. Trotzdem sieht es gar nicht danach aus, als c»b in absehbarer Zeit eine Ankurbelung des Baugewerbes einsetzen wird. Zum Klempnersireik. Was wollen die Llnternehmer zahlen? Der Vorsitzende des Verbandes der Fabrikanten von Bade- apparaten, Herr Conrad, beschwert sich in einer Zuschrift an uns darüber, daß wir über den Streik der Badeapparateklempner die „irreführende" Notiz gebracht hätten, den Klempnern sei ein Stundenlohn von 93 Pf., also ein Lohnabbau von 42 Pf., pro Stunde angeboten worden.„Von diesem Satz sollten die Verhandlungen ausgehen." Am 21. Mai hätte er als Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes dem Metallarbeiterverband und der Branchenversammlung der Badeapparateklempner das Angebot gemacht, für die laufende Lohnwoche den bisherigen Lohn von 1,35 M. und von der nächsten Lohnwoche an bis zur endgültigen Regelung pro Stunde 1,1S M. Lohn zi' zahlen. Trotz dieses Angebots hätten die bösen Klempner- gesellen die Arbeit in allen Betrieben außer in seinem Betrieb ein- gestellt. Am 26. Mai hätten dann auch seine Arbeiter Feierabend gemacht, weil ihnen der Metallarbeiterverband die„Ausstoßung aus dem Verband" angedroht hatte. Herr Conrad erinnert sich offenbar der Vorgänge kurz vor dem Streik nicht mehr genau. In der Verhandlung mit der Klempner- und Jnstallateurinnung, die von den Badeapparatefabrikanten mit der Führung ihrer Lohnoerhandlungen beauftragt worden war, wurde von einem Jnnungsvcrtreter ein Mindestlohn von 93 Pf. angeboten. Herr Conrad hat in dieser Verhandlung dem Angebot weder widersprochen noch ein höheres Angebot gemacht. Erst als diese Verhandlungen ergebnislos abgebrochen und die Bade- apparateklempner, auch die in seinem Betrieb beschäftigten, in den Streik getreten waren, ersolgte das von Herrn Conrad in seiner Zuschrift angeführte Angebot an den Betriebsrat seines Betriebes. Der Betriebsrat unterbreitete dieses Angebot der am gleichen Tage zusammengetretenen Streikversammlung als für alle Badeapparate- fabriken gemachten Vermittlungsvorschlag, den die Versammlung aber ablehnte, weil die Forderungen der Streikenden weitergehen. Nachdem die Arbeiter der Firma Conrad u. Grübler, die zu den Bedingungen des Herrn Conrad die Arbeit aufgenommen hatten, auf die Notwendigkeit des geschlossenen Kampfes der Branche auf- merksam gemacht worden waren, legten sie am 26. Mai die Arbeit wieder nieder. Wenn aber die Unternehmer jetzt bereit sind, 1,15 M. zu zahlen, so wird, weitere Zugeständnisse vor- ausgesetzt, sich eine Einigung erzielen lassen. Wie wir erfahren, hat der Schlichtungsausschuß die Parteien zur Beilegung des Streiks der Badeapparateklempner sowie der Bauklempner und der Gas- und Wasserrohrleger in den Jnnungs- betrieben zu Donnerstagvormittag zu Verhandlungen geladen. Baufchlosser weiier erfolgreich. Oer Schlichter will vermitteln. Im Streik der Bau- und Geldschrankschlosser hat sich die Streik- läge für die Streikenden weiter insofern gebessert, als wieder eine Anzahl von Firmeninhabern die Weiterzahlung der alten Löhne bis zum 1. Oktober schriftlich zugesichert hat. Der Streik richtet sich nur noch gegen einige Starrköpfe, die offenbar in der von den meisten Schlossermeistern verlassenen Lohnabbaufront den Heldentod sterben wollen. Der Schlichter für den Bezirk Brandenburg hat die bisherigen Kontrahenten des Lohntarifoertrags für die Berliner Bau- und Geldschrankschlossereien zu heute, Mittwoch, geladen, um zu ver- suchen, den Bauschlosserstreik durch eine Verständigung beizulegen. Es liegt von keiner Seite«in Antrag auf Verbindlicherklärung des Lohnabbauschiedsspruches des Schlichtungsausschusses vor, denn beide Parteien haben den Spruch, natürlich aus entgegengesetzten Grün- den, abgelehnt. Oer Konflikt im Ruhrbergbau. Stellungnahme der Llnternehmer und der Arbeiter. Essen, 31. Mai. Der Zechenverband hat den am gestrigen Montag gefällten L o h n s ch i e d s s p r u ch für den Ruhrbergbau abgelehnt, den Schiedsspruch über den M a n t e l t a r i f dagegen angenommen. Der Bergbauindustviearbeiterverband hat am Dienstag in einer Konferenz beschlossen, den Schiedsspruch über den Lohntarif im Ruhrbergbau anzunehmen und seine Verbindlichkeitserklärung zu beantragen, dagegen den Schiedsspruch über den Manteltaris ab- zulehnen. Derstaallichung der belgischen Kohlenbergwerke fordert der nationale Bergarbeiterkonkreß in Brüssel, der im übrigen sich mit einer Lohnkürzung um 5 Proz. abgefunden hat. §Iugendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee LI. Brettsnielabend.— Nordost I: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks. � Reinickendorf: Jugendheim Hindaucr Str. 2(Baracke). Wir lernen neue Lieder unter Leitung von Schäfer.— Stralau: Jugendheim Goßlerstr. öl. Tagespolitische Rundschau. — Köpenick: Jugendheim Dahlwitzer Str. lö(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Vortrag:„Die Frau in der Familie". Referent: Bönig.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— 4. Vortrag:„Die Deutsche Reichsvcrfassung und ihre Geschichte". Rcscrcnt: Dr. Lewinfki.— Südost: Jugendheim Mantcuffclsir. 7. Warum wir wandern.— Schöncberg: Jugendheim Hauptstr. 1.7(Hofgebäude, Sachscnzimmcr). Die Jugend in der Literatur. Lcseabend.— Charlottenburg: Wir besuchen die Versammlung des Wcrbebezirks.— Spandau: Wir besuchen die Bersammlung des Werbcbezirks.— Pankow-Niederfchönhausen: Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Potsdam-Nowawcs: Ausspracheabend: Tagespolitische Rundschau. Leiter: Weisstock.— Die Versicherungsgesellschaft „Sorgcnsrci" A..<9. tagt heute von— 18 Uhr im Verbandshause, Zimmer 24.— Spiele im Freie» heute ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Humboldthain und Sport. platz Weißensee, Feld 5. Berantwortlich für Politik: Victor Schiss; Wirtschaft: G. Klingclhöser; Eewerkschastsbeweguilh: I. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstadt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerek und Verlagsanstalt Paul Singer u. To.. Berlin SW. 88, Lindenstraße 8. Hierzu 2 Beilagen. pfermig für eine Mark! Wenn Sie einen Reifen kaufen, denken Sie daran, daß für Fahrrad, Kraftrad und Kraftwagen die Fabrikate der»CONTINENTAL« Qualität bedeuten. Vergessen Sie nicht, daß es nur durch Qualitäts- Erzeugung möglich war, daß die Continental- Fabrikate Erfolge wie die Siege v. Brauchitsch's auf der Avus und Caracciola's auf dem Nürburgring — beide ohne Reifenwechsel— aufweisen konnten. Wenn Sie Continenfal-Fabrikate kaufen, erhalten Sie hundert Pfennig für eine Mark, also die größte Leistung, die man dem Käufer überhaupt bieten kann. REIFEN immer und überall bewährt Dtr. 253• 49. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Miiitvoch. 1. �uni 1932 I-Iitlermob provoziert! Bestellte Demonstrationen.— Polixeibcamte mahlos beschimpft. Beim Ausziehen der ZNarinemache, decen Veg vom Rei�zs- pcösidensenpalais zum Reichswehrminisieeium gehl, kam es gestern, wie bereits im grögtcn Teil der Abendausgabe berichtet, zu schweren Ausschreitungen rechtsradikaler Element Unweit der B e n d l e r- sirahe geriet das Begleitkommando der Schupo derart in Be- drängnis. daß der Ossizier den Befehl zum Gebrauch der Schuß- wasse geben muhte. Dabei wurden drei Demonstranten leicht verletzt. Bei dem Handgemenge erlitten auch drei Polizeibeamte durcki Steinwürsc und Schläge erhebliche Verletzungen. Vie wir aus dem Volizeiprösidium ersahren, sind alle Vorkehrungen getrossen worden, um bei dem Heuligen Aufmarsch der Ukarinewache ähnliche Zwischenfälle zu verhindern. Die Polizei wird rücksichtslos gegen olle radikalen Elemente vorgehen. Außerdem soll das Begleilkom- mando der Schutzpolizei entsprechend verstärkt werden. Soweit sich die Vorfälle überblicken lassen, handelt es sich um bestellte Arbeit. Die Demonstrationen sind planmäßig inszeniert worden, denn schon von ll Uhr vormittags ab konnte man zahlreiche Trupps von SA.-Leuten beobachten, die van allen Seiten in Gruppen von t bis l2 Mann der Innenstadt zustrebten. Es besteht kein Zweifel, daß ähnlich wie bei den standalöscn Vor- gängen am Kursürstcndamm die gestrigen Zwischenfälle systematisch vorbereitet und geleitet worden sind Der Aufmarsch der Ma- trosenwache bot den 5)iller-Buben die beste Gelegenheit, sich inner- halb der Bannmeile wieder einmal richtig..auszutoben". Für die Polizei war es natürlich schwer, bei der mehrtausendkopsigen Menge, die den Matrosenaufzug begleitete, von vornherein die radaulustigcn Elemente zu erkennen. Der erste größere Zwischenfall wurde ausgerechnet vor dem preußischen M i n i st e r i u m de» Innern, Unter den Linden, provoziert. Ein Auto hielt, etwa 1300 Menschen, sämtlich Hitler-Anhänger, ballten sich wie auf ein Kommando zusammen plötzlich hörte man Goebbels reden. Seine Worte gingen größtenteils im Tumult und im hysterischen Geschrei seiner Anhänger unter. Wie berichtet wird, soll sich Goeb- Kel? in schweren Beschimpfungen gegen die Polizei ergangen haben. Die Ansammlung konnte unter Anwendung des Gummiknüppels verhältnismäßig schnell zerstreut werden. Warum, so muß man fragen, hat die Polizei Goebbels nicht sofort in 5)aft genommen und abgeführt! Eine seltsame Nachricht verbreitete die Tele- graphen- Union des 5zcrrn hugenberg. TU. behauptete, Herr Goebbels wäre gar nicht in Berlin� er befinde sich in Mecklenburg, könne also auch nicht vor dem Gebäude des Ministeriums gesprochen haben. Daß szcrr Goebbels von seinem Auto aus eine Schmährcde gegen die Polizei gehalten' hat, ist jedoch inzwischen einwandfrei ermittelt worden. Aus dem Wege zum Reichswehrministerium kam es dann an der Bcndlerstraße zu dem blutigen Zwischenfall, der ebensalls von den Nationalsozialisten provoziert worden ist. Die polizeilichen Begleitmannschaften haben trotz der „heil"- und„Deutsckiland-crwache-Rufc" und trog immer wiederkehrender Beschimpfungen wie„Bluthunde" bis zum letzten eine bewundernswürdige Zurückhaltung bewahrt. Als dann aber die Nechtsradikalen mit Pflastersteinen ein Bombardement auf die Beamten eröffneten und mehrere Polizisten abgedrängt wurden. sah der Führer des polizeilichen Kommandos keinen anderen Aus- weg, als den Befehl zum Feuern zu geben. Ein verletztes Mädchen wurde mit einem Rückenstreifschuß ins Reichswehrministernim gebracht! später wurde bekannt, daß noch zwei weitere Demonstranten leichte Verletzungen erlitten hatten. Als Polizciverstärkungen eingesetzt wurden, zagen es die hitler-Bursthen vor, den Rückzug an- zutreten. Beim Rückmarsch der Morincsoldatcn nach der Moabiter Wache versuchten einige Radikalinskis abermals Tumulte zu ent- fachen, die Polizei brachte aber die Burschen sehr schnell zur Raison. Insgesamt wurden 2 2 Nazis f c st g e n o m m c n und der Poli- tischen Polizei übergeben. Es handelt sich meist um Rädelsführer, die voraussichtlich schon heute vom Schnellrichrer abgeurteilt werden. Die Maßnahmen der Polizei. Bereits gestern nachmittag, nachdem die Tumulte ihr Ende gc- künden hotten, wurden die Polizeistreifen innerhalb der Bannmeile erheblich verstärkt. Diese vorsorgliche Maßnahme erwies sich als durchaus begründet, denn allenthalben bildeten sich kleinere Gruppen Radikaler, die beim herannahen der Polizei aber schnell das Feld räumten. In der Straße Unter den Linden wurden berittene Schupoabteilungen eingesetzt und von der Mittelpromenadc aus wurde der Straßenverkehr scharf überwacht. heute werden gleichfalls Unter den Linden, ain Brandenburger Tor. Potsdamer Platz usw. starke Schuporeservcn bereitgehalten, um jeden Zwischenfall im Keime zu ersticken. Auf Wiedersehen an Bord! Wallfahrt nach dem Ozeanflugschiff auf dem Müggelsee. Es war verständlich, wenn mit der Freigabe der Do X zur allgemeinen Besichtigung auf dem Müggelsee so lange gezögert wurde. Daß ei» so wertvolles technisches Präzisionswerk wie Do X von dem vielen herumlaufen nicht besser wird, ist klar: aber schließ- lich lassen sich ja die Teppiche, die im Erdgeschoß der Do X liegen. wieder ausklopfen. Die nunmehr freigegebene Besichtigung wird das stille Friedrichshagcn sicher zu einem Wallfahrtsort machen. Denn selbst in den Tagen, an denen Da X nur von außen zu sehen war, da konnte es in Strömen gießen, aber am Ufer standen trotz- dem unentwegt die Menschen und selbst ganze Schulklassen und es schien, als zählten sie die Wellen, die an die Schwimmer der Do X klatschten. Eigentlich stimmt das nicht ganz, daß die Teppiche im Erd- gejchoß der Do X liegen. Das Erdgeschoß sind mehr die Schwimmer und die Kellcrräumc. wo der Betriebsstoff lagert. Die Teppichr liegen bereits im ersten Stock. Da stehen in den Abteilen f ü r die Passagiere auch Sessel, kleine Tische, auf denen ge- deckt und serviert wird, und zu den Fenstern wagt man gar nicht mehr Bullaugen zu sagen. Die Wände sind sogar tapeziert, falls sie itichl mit Mahagoni ausgelegt sind. Dann kaitn jeder Fluggast im ersten Stock spazieren gehen wie er will. Man muß sich erinnern — um überhaupt eine Vorstellung von der Größe der Jnnenräume zu bekommen—, daß Da X bei einem Passagierflug über New Park nicht weniger als 102 Passagiere mit harte: dazu noch die 14 Mann Besatzung. Im ersten Stock sind auch die beiden WC.s. dann ist die Küche da, allerdings weniger zum Kartoffelpufferbacken als zum Aufkochen von Konserven, eben mehr für die Zubereitung schnell herzurichtender Speisen, hinter der Küche folgt, ganz am Schwanzende, der Gepäckpostraum. Vorn ist nach eine kleine Bar mit eingebauten Schränken, Kühlraum und Abspültisch und daneben ein feuersicher verschlossener Rauchsalon. Zwischen dem ersten und zweiten Stock befindet sich aber noch der Zwischenstock. Das ist der Kriech st and. Der ist so lang wie die Trogflächen, weil er sich ja im Innern der Tragflächen befindet. Man Hai damit gleich eine ungefähre Vorstellung von der Dicke der Tragflächen, wenn in ihnen Männer«ntlangkriechen können. Von diesen Tragflächen gehen dann Luken zu den zwölf Motoren, die sich hoch oben aui Deck befinden. Der zweite Stock birgt die M a s ch i n e n r ä u m c. Ganz vorn ist der Führer- räum mit zwei Führersitzen, die den Flugzeugführern die denkbar beste Sicht geben. Aber schon vom Gashebel bis zu den Apparaten zum Blindfliegen ist die Ansicht der Instrumente sinnverwirrend hinter dem FüHrerraum liegt der Navigationsraum, der Gaalschlacht im Osten Berlins. 699 Aazis uberfallen 399 Kommunisten.- Zahlreiche Äerlehte Tie Äuseinandersestungen zwischen Links- und Rechts- rnditnlen nehmen in den letzten Tagen immer heftigere Formen an. Gestern atzend lam es im Lsten Perlins, in den„Ll ndrcas-Festfiile n" in der Andreas strafte 21, zu einer wüsten Sa»Ischl acht zwischen Kommunisten und Hakenkreuzlern. Annähernd 1000 Menschen schlugen aufeinander ein. Zm Saal blieb lein Stuck ganz, alles wurde zertrümmert, zerbrochen und zerschlagen. U e b e r ein Dutzend Verletzte blieben ans dem Schlachtfeld dieses Kampfes. Die Kommunisten hatten für gestern abend nach den„Andreas- Festfäien" eine Kundgebung einberufen, die von der Polizei gr nehmigt worden war. Gegen'-8 Uhr hatten etwa 300 Kommunisten und die doppelte Zahl Nationalsozialisten den Saal bis ani den letzten Plag befegt. Zur Eröffnung der Pcrsammlung kam es jedoch gar nicht erst, denn in wenigen Minuten spielte sich das ab, was die„Führer" der Nazis i-m Preußischen Landtag ich m einmal als„leuchtendes Beispiel" znm besten gegeben haben. Aus ein Kommando erhoben sich die b00 hakcnkrcuzler. zerbrachen Slllhle und Tische, bewassnelen sich mit den holzstücken sowie Biergläsern, und es ging eine Schlägerei los. die alle» bereist dagewesene noch in den Schallen stellt, Minutenlang tobte der Kampi, alles wurde kurz und klein geschlagen, sämtliche Fenster- und Spiegelscheibe» zertrümmert. Die Nazis gaben nicht eher Ruhe, als bis sie den letzten K o m m u n i st c n znm Saal h i n a u s g c p r ü g c l t Izatten Die Kommunisten, die sich in erheblicher Minderheit befanden, mußten das Feld räumen, und erst in den umliegenden Straßen sammelten sie sich wieder, wo sich neue Handgemenge abspielten. Zwei Schwer und vier Leichtncrletzte wurden von der Polizei ins Krankenhaus bzw. zur Rettungsstelle gebracht. Eine große Zahl von Verletzten, die Kops- wunden erlitten harten, wurden von Parteifreunden in Sicherheit gebracht. Etwa 2 0 Rädelsführer wurden fest- g c n o m m e n. Der ilebersall war von den Nationalsozialisten osiensichilich planmäßig vorbereitet. Die Mehrzahl der nationalsozialistischen Raufbolde war aus anderen Bezirken herbeigeschafft worden. Ungefähr wie auf einem Ozeandampfer eingerichtet ist. Dann kämm! alles andere: der F u n k r a u i», der es ermöglicht, daß die Do X auf ihren Reisen ständig Perbindung mit der Dornicr-Werit in Friedrichshafen Hai: die Mafchinenzentrale, Fachleute könnten hier schwelgen in technischen Delitatefsen: die Kraitanlagc. die Betriebs- stoifanlage usw. usw. Normalerweise nimmt Do X 16000 Liter Betriebs st off mit plus 1660 Liter Oe>. Die Besatzung schläft aus aufblasbaren Gummimatratzen und i» ihren Schlafsäcke». Treppe» hat Do X allerdings nicht, wer von einem Deck zum an« deren will, muß über die Leiter klettern Dann die Besatzung:„Oaoch." meint der eine,„wir waren ge- rade über dem Atiantik und wallten frühstücken. Die Tische waren uns zu klein, da haben wir schnell eine Kabinentür ausgehakt und sie über zwei Benzinsässcr gelegt, da hatten wir einen großen Tisch." So sind die Männer. Den Käpten macht Herr C h r i st i a n j e»: „Kinners, nu werd dat nischl mit Fahren: ein Sauwedder is dal heute!" Aber besichtigt kann das Flugboot jetzt werden und Ehristianjen rujt:„Auf Wiedersehen au Bord!" Dann wischt er sich den Regen von der Backe. Man muß das nämlich mit den modernen Wasserflugzeugen richtig verstehen. Die fühlen sich viel Das alte System in Waldhof. Die Mißhandlungen der Fürsorgc�oglinge.- Naids klaischen Beifall. mehr zum Wasser hingezogen als zur Luft. Der Dornier-Supenval. der die Strecke Stettin— Stockholm fliegt, fährt vielleicht einen einzigen Meter über den Wellen der Ostsee nach Schweden hinüber. Ebnso ist es bei Do X, selten, dast das Flugboot über dem Atlantik mal 5 Meter hoch war, meist nur drei. Die Wasserflugzeuge wollen gor nicht ltM Meter hoch in der Lust hermnkutschieren. Denn, so meinte am Montag Dr. Dornier, die mit Landflug- >eugcit ousgesührten Iransozeanslüge waren doch mehr oder wem- ger Bravourstücke. Landflugzeuge haben nun einmal nicht den ge- niigenden Aktionsradius. Wenn überhaupt ein regeln, ätziger Transozeanoerkehr eingerichtet wird, dann nur mit Sceflugzeugen. Die Besatzung der Do X war heilsroh, als sie aus der Sturinfahrt non Bigo nach Chalshot in einem See- und nicht in einem Land- flugzeug satz. Die Ameritafahrt der Do X will Dr. Dornier nur al» eine Erprobung gewertet wissen: fiir den regelmäßigen Pasta- gier- und Frachtverkehr müßte Do X noch bedeutend verbessert werden. An diesen Verbesserungen wird jetzt gearbeitet. Oclinotorcn sollen helfen, den Aktionsradius zu vergrößern und dann genügt die Geschwindigkeit nicht, obwohl sie in der Spitze bereits Aid Stundenkilometer beträgt. Im©tum, über dem Atlantik sank sie aby: bis auf 120 Kilometer. Im übrigen wird sich die Wirt- schaftlichkeit um so leichter lösen lasten, je mehr man Passagiere und Fracht mitnehmen kann. Und Do X kann notfalls bis zur zehnfachen Zahl ihrer Besatzung Fluggäste mitnehmen. Das vermag kein Landflugzeug. Explofionsunglückin Frankreich Fünf Arbeiter und ein Lehrling getötet. Paris, ZI. Mai. fEigenberichk.) In G a r d a n n e bei Marseille hat sich am Dienstag vormittag in einer chemischen Fabrik ein schwere« Explosion». Unglück ereignet. Ein mit chemischen Stoffen gefüllter Behälter explodierte au» noch unbekannten Gründen. Der 4000 Kilogramm schwere Deckel wurde etwa 500 Meter weil fortgeschleudert. Sech» Arbeiter, darunter ein IZjähriger tehrling. nnirden g e- l ä t e l, sieben wurden verletzt, darunter einer schwer. Sprung vom Autobus ms Auto. Eine aufregende Zagd nach einem Schwindler stpielte sich in den gestrigen Irachmittagsstunden im Westen Berlin» an der Gedächtniskirchc ab. Ein Kriminalkommifsaranwärtcr sah einen steckbrieflich gesuchten Betrüger, den 35 Jahre alten Kaufmann Erwin K o h n, und wollte ihn festnehmen. Der Mann eilte aber auf ein» s f e n o» hellblaues Auto zu und jagte damit in Richtung Joachims« thaler©trotze dogon. Der junge Beamte gab die Berfolgung auf und nahm von der Ecke der Tauentzienftraße den Autobus 1, um zum Präsidium zu fahren. Er stand hinten auf dem Perron. Plötzlich sah er. wie der Gesuchte in dem hellblauen Auto die Tauentzien- ftratzc heraufkam und in Höhe des Wjttenbergplatzez den Autobus passierte. Im nächsten Moment sprang der Beamte mit einem mächtigen kühnen©atz in das fahrende Auto, fetzt« sich neben den völlig überraschten Führer und forderte ihn auf, sofort in die Bayreuther©tratzc einzubiegen und zum Revier 127 zu fahren. Der Mann war so fasfungsloz, daß er es tot: er wurde von der ©taatsanwaitschaft wegen Betruges gesucht. Zwei tüchtige Schupos! Der Berliner Polizeipräsident hat wieder zwei Ber- liner Polizeibeamten für ihr mutiges und unerfchvockenes Perhaiien im Dienst feine Anerku,nung ausgesprochen. Obcrwachtmeister Kleukling vom 6t>. Polizeirevier loste im Januar an der Pappel- allee eine» radikalen Demonstrationszug auf und verhinderte weitere Ausschreitungen. Hauptwachtmeifter Riemer vom 26. Polizeirevier gelang es, am 22. März unter eigener Lebensgefahr ein durchgehendes Pferdegespann mifzuhaiten. Der Beamte erlitt bei seiner mutigen Tat, durch die zmestellos viel Unheil verhütet worden ist, glücklicherweise nur unerhebliche Verlegungen. Sialt?iwaad.runq durch die»crgeneuu, Wiulol Alt-Verlia». Di« nächste Wanderung orranslallet das Bezirksamt Schöieedcrg am Mittwoch, dem I. Juni, unl«r Üeitmig des bekannten Schriftstellers Georg Bamdergcr. Trettvunkt ZO Uhr im tighraiin.Haus, Poststr. 16, Gcke Muhlcndamni. Teilnehmergebühr 1 M. Der erste Verhandlungstag im Prozeß der P rüge l- a n st a l t W a l d h o f bei Templin wickelte sich unter bezeichnende» Umständen ab. Der Zuhörcrraum war fast durchweg mit Leuten gefüllt, die aus ihrer Sympathie für die Angeklagten und deren Er- ziehungsfiistem kein 5iehl machten und die scharfen Vorhaltungen des Rebenklägers Rechtsanwalt Dr. Läwentbol mit derart lauten Kundgebungen begleiteten, daß der Vorsitzende Landgerichtsrot Achilles sich gezwungen sah, die Räumung des Zuhörerraumes anzudrohen. Was das für Herrschaften waren, davon konnte man sich über- zeugen, als sie auf dem Korridor des Gerichtsgebäude» Berliner Berichterstatter in der unverschämtesten Weis« anrempelten: E» warei, Nazis,©ie empfanden den Hauptangeklogtcn Franke, der sich als kvnscquonter und brutaler Vertreter der„Welt- anschauung" vorstellte, die eine Erziehung ohne Prügel sich nicht denken kann, als ihren Mann. Ich bin im alten©inne erzogen. erklärte er. Ich weiß, daß es gut tut. Die moderne Erziehung er- kenne ich nicht an. Das sind Wektanschauungskrogen. Wie ober dieser Erzieher der Inneren Mission es trieb, und wie es überhaupt im Waldhos getrieben wurde, das trat am schärfsten in dem Fall eines intelligenten jungen Menschen namens Miercndors zutage. Miereudorf hotte sich tatsächlich eine sehr unschöiie Handlung zu- schulden kommen lassen: 50 W., die die schulpflichtigen Zöglinge zu Ausflügen erspart hatten, waren von ihm gestohlen und verjubelt worden. Er wurde in den sogenannten Pesinnungsraun, gebracht und hier, nachdem er Hemd und Hose abgelegt hatte, von Franke mit dem Riemen in Behandlung genommen. Was hotten die ©chläge für Folgen? fragt der Borsitzende. Dorum habe ich mich nicht gekümmert, erwidert Franke. Die Sache ist Hinkerher dem Direktor Pfarrer Grüber gemeldet worden, der de« ZNierendorf, nachdem er bereits den Körper voll Skriemen hakte, einige Faustschläge verabfolgte. über ihn neun Tage Arrest verhängte und außerdem gegen den Jungen©trafanzeige erstattete Mierendorf ist wegen der©ache auch unter Zubilligung einer Bewäbrungsfrist zu einer Gefängnis- strafe verurteilt morden. Di« erste Exekution an Mierendorf batte aber bereits der Hausvater vorgenommen: Er hat an seinem Kopf einen Teller zerschlagen. Es war in Waldhof so, daß die Erzieher sich für berechtigt hietten, sich an jedem Jungen zu vergreifen, einer- lei, ob er zu feiner„Familie" geborte oder nicht. Di« wiederholten Fragen des Nebenkläger», ob dem Direktor Grüder nicht alle diese Dinge bekannt gewesen seien, werden vom Angeklagten Franke au»- Flugzeugabsturz in Staaken. Pilot schwer und Begleiter leicht verletzt. Auf dem Flugplatz in Staaken ereignete sich gestern nachmittag ein folgenschwerer Flugzeugabsturz. Der Pilot, der 4Sjähnge Fluglehrer Kurt Gossen aus der Genthiner©tr. 15, wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins©pandauer Kranken- hau« gebracht,©ein Begleiter, ein 27 Jahre alter Flugschüler Kurt F r i ck e, Ahornweg 5, kam mit leichten Verletzungen davon. Gossen und sein Flugschüler waren kurz nach 17 Uhr init einem Apparat D 1569 der„Lustfahrt Staaken" zu einem Schulslug ge- startet. Als sich der Apparat in etwa 100 Meter Höhe befand, setzte der Motor plötzlich aus. Dos Flugzeug wurde von einer Böe erfaßt und stellte sich st e i l. Mit unheimlicher Ge- schwindigkeit raste die Maschine in die Ties« und zerschellte beim Anprall auf dem Erdboden. Fluglehrer Gassen wurde mit schweren inneren Verletzungen und zahlreichen Knochenbrüchen aus dem Trümmerhaufen geborgen. Auch sein Begleiter schien schwere Ver- legungen erlitten zu hoben. Wie sich später im Krankenhaus jedoch herausstellt«, war Dr. Frickc nur unerheblich verletzt worden, so daß er in seine Wohnung entlassen werden konnte. Die Flugzeug- krümmer sind von der Polizei beschlagnahmt worden. weichend beantwortet. Rechtsanwalt Dr. Läwcnthal stellt ober fest, daß der Gcneralstaotsanwalt den©taaisanwalt in diesem Prozeß angewiesen habe, wenn möglich, aus der Verhandlung neues Materiol gegen den Direktor Grüber zu schöpfen. Landgerichts- direktor Achilles erklärt dazu, daß dieser Prozeß nicht dazu da sei. AI» ganz besonder» gemein stellt sich der Fall des körperlich und geistig schwachen Vota Schröder dar. Der Angeklagte Franke hat ihm einige„Klapse" verabreicht— eigentlich ohne genügenden Grund—, und zwar mit einem— Holzscheit: ob auf den Rücken oder auf das Gesäß, kann er mit Bc- stimmtheit nicht mehr sogen. Er sieht voraus, daß das Gericht gerade diesen Fall ihm sehr schlimm ankreiden wird, und er meint deshalb wehleidig: Der Junge wird auf Sie einen sehr trau- rigen Eindruck machen, und Sic werden nicht verstehen, wie ich ihm die Klapse habe geben können... Auch im Falle Lehmann„bedauert" der Angeklagte, diesen Jungen, als er bereits im Bett lag, mit einem Schuh bearbeitet zu haben. Wenn man Franke Glauben schenken wollte, hat es ihn sehr oft geschmerzt, die Jungen schlagen zu müssen. Dann muß er aber zugeben, daß er auch den Zögling H. mit Ohrfeigen traktiert und ganz gehörig geschüttelt hat. weil er eben in Wut geraten war. Mit den Füßen will er ihn nicht getreten, und will ihm auch keine Faustschlöge versetzt haben. Für eine Reibe von Vorfällen hat der Angeklagte ein schlechtes Gedächtnis. Sa ist es ous seiner Ennne rung z. B. wie ausgelöscht, daß er an dem Zögling N., als er sich unter einer Brause befand, eine Latte entzwei geschlagen hoben soll. Bestreiten kann er es nicht, insbesondere, da einwand freie Zeugen es gesehen haben wollen. Die übrigen Angeklagten sind im Vergleich mit Franke Waisen- kinber. Sic hatten entweder gar keine pädagogische Vor- b i l d u n g oder nur ganz geringe. Franke, der ein Jahr die Er- ziehungsfchule in Strausberg besucht hatte, kam als„Leiter der Erzieher" nach Waldhos. Wenn nun die Erzieher unter seiner Lei- tung gkeichsalls prügelten, und sich selbst ein so sympathischer aus der Jugendbewegung kommender junger Mensch wie der Angeklagte Wenda dem zersetzenden Einsluh des Prügclsystems nicht wider- stehen konnte, so war das weiter nicht verwunderlich. Der Vorsitzende Achilles zeigt vorläufig, wie es manchmal scheinen wollte, sehr viel Verständnis für die eigenartige Psychologie der Angeklagten. Der Schein mag hier trügen. Diese Erzieher dürsten ihrer wirtlich verdienten Strafe für ihr« Maßlosigkeit im Bestrafen der jungen Leute nicht entgehen. Die heutige Verhandlung findet im Gebäude des Schöffen- gerichts in Templin statt. pochwaffergefahr in Bayern! Höchster pegelstand des Ziegen seit ZSOZ. München, 31. Mai. Di« anhaltenden Niedevschläge im Bayerischen Wald und im Fichtel gebirg« hoben zu einem starken Anschwellen der Gewässer geführt. D«r Fluß Regen ist in C h a m und R o d i n g auf Katastrophenhochwasser gestiegen, das alle seine bisher bekannte» Hochwasserstände überschreitet. Cham meldete heute nacht einen Pegelstand von 243 Zentimetern. Der bisher höchste Hochwasser- stand vom Januar 1903 betrug 230 Zentimeter. In Roding wurden heute vormittag 390 Zentimeter gemessen, 18 Zentimeter mehr als hei dem bisherigen Hochwasserhöchststand vom Januar 1920. In beiden Orten mußten viele Anwesen geräumt werden. Auch von der Donau wird ein Steigen des Wassers gemeldet. Troyerseier für Heinz Joachim v. Morgen. Auf dem Friedhof der Neuen Kirche in der Moltkestraß« in Berlin-Wannsee wurde am Dienstagnachmittag der am Freitag bei dem Training aus dem Nürburgring tödlich verunglückte Berliner Rennfahrsr Heinz Joachim n. Morgen zur letzten Ruhe getragen. OskAr JPU9. 22\Aj\■. Die Unverschämtheit dieses letzten Satzes geht an den Böhmen vorbei. Sie hören nur Sigmunds glänzend berech- netes„Wollt ihr?", das aussieht, als ob es die Entscheidung in ihre Hand legte, während in Wirklichkeit der König damit nur den letzten Rest von Verantwortung von sich abschiebt. Natürlich wollen sie. Es braucht da nicht erst eine lange Festlegung. Die Gesichter aller drei sprechen unverhohlene Zustimmung aus. Der König steht auf, für die Herren das Zeichen, sich ebenfalls von den Stühlen zu heben. „Ich bitte euch, draußen einen Augenblick zu säumen, meine Kanzlei wird euch auf der Stelle einen Passierschein behanden!" Die böhmischen Herren empfehlen sich. Zizka als letzter. Diesmal vergißt er das vorgeschriebene Zeremoniell nicht. Sigmunds Lippen kräuseln sich uninerklich, als der schwarz- gepanzerte Rücken zum Abschied sich tief vor ihm beugt. Doch als der Böhme aufschaut, ist die Welle des Spottes nerfiogen: das Antlitz des Königs, der den Gruß erwidert, ftrahli eitel Gnade. „Ob wir dem Luxemburger im Grund unserer 5ierzkn doch nicht unrecht getan haben?" fragt draußen, auf der Diele, Zizka die andern. Kepka hebt zweifelnd die«chultern. Wenzel von Duba, der Klotz, klemmt verlegen ein Aug ein: das kann so gut Zustimmung bedeuten, als auch das heftigste Rein. Eine Weile bleiben die Herren nachdenklich und stumm. Da fällt es Herrn Kepka ein, nach Korel zu rufen. Statt seiner kommt der Beschließer gelaufen. Dienst- fertig flüstert er, die Hand zur Abschirmung an den Mund haltend: „Den gelbmamsigen Knappen hat eine Dome mit in ihr« Sänfte genommen." „Eine Dame?" wundert sich Kepta. „Ja, die Königin." Der Beschließer trabt zurück zur Tür. Dort hat sich bei dem Posten eines Eintretenden wegen Gestieb erhoben. „Die Königin?" fragt Zizka.„Wozu braucht die deinen Knappen in der Sänfte?" Kepka und Duba schauen sich an. Zizka versteht und holt aus zu einem lästerlichen Fluch. In diesem Augenblick reißen beflissene Hände die Kanzleitür auf. Herr Pfolzgraf Ludwig tritt lärmend heraus, in der Hand einen pergamentenen Zettel. „Schlechten Streusand oerwenden die Schreiberseelen", schreit er, immer wieder den Zettel schwenkend,„klitschnaß wird einem ein solches Instrument behandet!" Die Herren verlassen miteinander die Pfalz. Knechte kommen gerannt und bringen die Pferde. Es gibt die Unruhe des Aufstiegs. Am Fenster steht Sigmund und schaut zu, wie die Reiter die Richtung aufs Franziskanerklostcr zu nehmen. Kepta und Wenzel flankieren den Pfalzgrafen. Zizka reitet als letzter. „Der Rappe lahmt", stellt Sigmund fest, ,>der muß einen ordentlichen Ritt hinter sich haben." Leise schüttert sein rötlicher Bort. Der König locht. Lautlos locht er, wie ein Kobold, der einen Schacht des Trugs und des Verderbens gegraben. Unvermittelt wird er ernst. Jetzt scheint sein Bart aus starrem Kupfer zu sein. Der Blick des Königs hat sich wieder zur Wespe ge- wendet. Die ist eben dabei, die Gruft der Raupe abzudeijkeln. Zweihundert Schritte weiter flucht Zizka und will mit Gewalt umkehren. .„Was hast du nur. unruhiger Gellt?" knurrt Kepka. „Eine Stinkwut, haß ich alt werde. Bruder! Ich habe vergessen, dem Roten den Brief aus Prag zu behanden!" .„Hot Zell!" sagt Kepka.. Der Psalzgraf hat ein paar der böhmischen Brocken aus- gefangen. Aber er kommt nickst dazu, sich über ihren Sinn klar zu werden. Denn eben, als er mit dem Uebersetzen beginnen will, schlägt Kepkos Pferd einen Trab an. Es wäre eigentlich gar nicht vonnöten gewesen. Da liegt schon das Kloster. 7. Ohne ein Wort zu sagen, mit dem bloßen Wink der Augen, hat die Königin ihre Frauenzimmer aus der Kemme- nate geschickt. Run. mit Karel allem, ist es mit ihrer Selbstbeherrschung zu Ende. Ehe der Knappe an Abwehr denken kann, hat sie ihn überrumpelt, mit beiden Händen hält sie seine Hüften umfaßt und zieht ihn zu sich heran. Karel weiß keine andere Antwort, als daß er sich in heißem Kampf frei macht aus der Umklammerung und Schritt um Schritt zurückweicht. Run steht er, unbeweglich wie eine Statue, an der breiten Wand im schönsten Zimmer des Bündrichhaufes uni> starrt aus großen, halb erschreckten, halb benommenen Augen un- verwandt seine Bedrängerin an. Das Herz schlägt ihm hoch hinauf bis zum Halse. Sein Brustkasten hebt sich hart und gewaltsam. Streng und pfeifend geht sein Atem. Die Verführerin weidet sich an seiner knabenhaften Hilf- losigkeit. „Wie alt bist du eigentlich?" „Sechzehn!" würgt Karel „Hast du schon einen Schatz?" Wie ein ertapptes Mädchen schlägt der Knappe die Augen nieder. Er schämt sich. Aber alles Zieren und Weigern nützt nichts. Der Zwang, in dem er steht, ist zu groß. Diesem Blick, der ihm Wille und Widerstand aus dem Leib saugt, kann er nicht ividerstreben. Er muß Antwort geben. „Rein! lügt er schließlich. „So, du bist noch frei!" sogt lachend Frau Barbara. Sie geht zur Tür und stößt mit einem flackrigen Ruck den Nacht- riegel. Karel ist ihr Gefangener, Sie legt olle Ueberredungskraft, deren sie fähig ist, in ihre Stimme. Karel will nicht. Er fürchtet sich vor dieser Frau. Rur fort von hier! Er stemmt sich gegen die Wand an, als könne er sieh in sie versÄlüpsen und so entkommen. Doch diese Frouenaugen lassen ihn nickst mehr aus. Sein Widerstand ist nutzlos, er spürt es selber. Dl« un- heim! ich« Kraft, der er v«rsällt, wird immer größer. Stärker wird sie. näher, gewaltiger! Jetzt steht die Königin so dicht vor ihm, daß er durch sein Samtwams hindurch die Wärme chres Leibes spürt. Jbr herber Duft verschlägt ihm den Arm. Karel zittert. Er weiß, jetzt wird sie ihn wieder mit diesem derben Grisf um die Hüsten packen und ihn an sich pressen. Doch sie rührt ihn nicht mit'den Händen an, sondern nur mit dem Blick. Aber dieser Blick ist mächtiger, als es die llmschlingung ihrer leidenschaftlichen Arme sein würde. (Fortsetzung folgt.) Lufimörder vor Gericht. Vas Verbrechen an der Eechsjährigen.- Die Eltern wollen als Nebenkläger anfireten. Do« furchtbare Verbrechen, das im März d. 3. an der fechs- jährigen Llsriede M. begangen wurde, beschäftigt seht dos Schwurgericht l. Damals erschien der Arbeiter Wilhelm Ä e h e r i ch bei der Kriminalpolizei und meldete, dafz er aus dein Loden seines kwusc« in der Mantcufselstrohc die Leiche eines kleinen Mädchen» in Packpapier gehüllt, gesunden habe. Die Untersuchung der Leiche ergab, daft an dem Kinde ein S i t t l i ch k c i t s v c r b r e ch e n mit gleichzeitiger oder nachfolgender Tötung begangen worden war. Durch die Erzählung eines fünfjährigen Spielkameraden des kleinen Mädchens kam man bald auf die Spur des T'äters. Dieser Junge erzählte, daß ein Mann mit einer schwarzen Brille und einer Aktentasche die kleine Elsriede ausgesordcrt hatte, mit in seine Woh, nung, die im vierten Stock des fiauses in der Mantcunelstraße lag, zu kommen, um für ihn Milch zn holen. Da Ketzerich im vierten Stock dieses Hauses wohnte, wurde er einem eingehenden Verhör unterzogen, in dem er dann schließlich unter der Wucht der Aer- dachtsgründe eingestand, die furchtbare Tat verübt zu haben. Vor dem Schwurgericht steht Ketzerich beute unter der Anklage des Sittlichkeitsverbrechens, der Notzucht und des Totschlags. Als Verteidiger steht ihm Rechtsanwalt Dr. Max Kantorawicz zur Seite. Vor Eintritt in die Hauptverhandlung beantragte Rechts» anmalt Corny, sich dem Verfahren für den Vater des ermordeten Kindes als Nebenkläger anschließen zu dürfen. Da das Schwur» gericht diesen Antrag ablehnte, richtete Rechtsanwalt Corny eine Beschwerde über diesen Beschluß an das Kammergcricht. Das Schwurgerichtsversahren wurde daraufhin bis 2 iihr nachmittags ausgesetzt, damit das Kammergericht inzwischen über die Frage be» finden kann, ob sich die Eltern eines getöteten Kindes als Neben» kläger dem Verfahren gegen den Täter anschließen können. Vor der Aussetzung das Verfahrens spieij« sich bei dem Zeugen» ausruf«ine erschütternde Szene ab. Ais die Mutter der ermordeten Elsriede mit den anderen Zeugen in den Schwurgerichts» saol gerufen wurde, weinte sie im Saal laut auf und schrie dem Angeklagten, der mit gesenktem Kopf in der Anklagebank saß, mit erhobenen Händen zu:„D u B e st i e 1" Oer Konzertsommer 1932 im Zoo. Der Zoologisch« Garten hat soeben seinen Konzertplan für den Sommer 1�32 aufgestellt und darin sowohl den Anträgen auf Verwendung erwerbsloser Musiker, al» ouch den lebhaften Wünschen nach Wiederverpflichtung von Militär» ka p el l ep Rechnung getragen. An jedem Montag spielt ab» wechselnd ein Erwerbslosenorchestcr, an itdcm Sonntag, Mittwoch und Freitag konzertieren verschiedene Militärkapellen, und zwar Sonntags das Musikkorpz de« 8. Ball. 9. Jns.-Reg. unter Ober» imtsikmeister B e r d i e n, Mittwochs das Musikkorps der Kom- mondantur Berlin unter Obermusikmeister Ahlers, Freitags das Trompeterkorps der Z. preußischen Fahrabtellung unter Obermusik» Meister Thiele. Der Donnerstag ist wie bisher im Zoo Konzert» « l l t e t a g: am Nachmittag dirigiert Musikdirektor a. D. Heinrich Dippel das von ihm gebildete Orchester: abends spielt da» Berliner Sinfonieorchester unter Leitung von Dr. Hel» muth Thierfelder. Jeden Dienstag konzertiert das Orchester des Berliner Konzertoereins unter Leitung von Clemens Schmal» stich und seden Sonnabend der Philharmonisch« Blascrbund des Reuen Sinsonieorchesters, Dirigent Hugo Eduard Riemonn. Gefäkzrliche„Kinderfreunde" Kefaßt. In Berlin waren neuerdings wieder, und zwar in Chor» lottenburg und im Süden der Stadt, zwei gefährlich«„Kinder, freunde" ausgetaucht, oio insbesondere kleine Mädchen im Alter von 8 bis 14 Jahren an sich lockten und sie dann mißbrauchten. Im ersteren Falle wurde der Täler von der Polizei festgenommen, im zweiten verfolgte der Vater«ine» der mißbrauchten Mädchen den Unhold aus einem Fohrrad, erreichte ihn und verabfolgte ihm eine anständig« Tracht Prügel. Dann übergab er ihn der Polizei. Der Verkehr der S-Bahn im April. Sie Reichsbahn beförderte im Monat April dieses Jahre» auf der Berliner S'Bahn Z8 9ö8ö07 Personen. Im gleichen Monat de, Vorjahres wurden ZZ 737 1Y1 Personen besördert, so daß sich ein Verkehrsrückgang von 14,2 Proz. ergibt. Verglichen mit März 1932, in dem 29 299 4SS Personen die S-Bahn benutzten. Hai der Verkehr im Tagesdurchschnitt um 2,1 Proz. zugenommen. Wankk da« Wirlschaslssystem? Ueber diese» Thema spricht auf Einladung der Jugendliga für Menschenrecht« am Donnerstag, dem 3. Juni, 29 Uhr, in den Räumen der Liga für Menschenrechte, Berlin N. 24. Monbijouplatz 19, Eingang IV, III, Staatsbank- Präsident a. D- Walter Loeb. Unkostenbeirrag für Gäste 9,29 Mk, Da» städlische Seebad Jriedrichshagen. Eecstr. 46, und das städtische Flußbad Köpenick. Gartenstraße, werden am Mittwoch, dem 1. Juni 1932, morgens 8 Uhr eröffnet. Sport. Rennen zu Grunewald. Dienstag. Zl. Mai. «anelon-Rennen, 1. Markgraf(Harri, Schmidt): Z. Pistole: 3. Eldon. Toto: IS: 10. Platz: 18, 13: 10. Zerner liefen: Margot(4.), Gslicia Borabcse. Roland-Rennen. 1. Libcrto(Huguenin): 2. Wappenschild: 3. Ehikago. Toto: 46: 10. Platz: 12, 11: 10. Ferner liefen: Belagern(4.). Wcihdorn-Rennen. 1. Masanieilo fNarr); 2. Iffezheim: 8. Priester. Toto: 116: 10. Platz: 48, 42, 91; 10. Ferner liefen: Bichl, l4.). Geranuim. Napoleon, Prellstein. Atrulin. Metsterpolicr. Margherita d'Arezzo, Heuchler. Ter-Mohr-Renncn. 1. Aristokrat �Bablte): 2. Bittsteller: 3. Krokus. Toto: 72: 10. Platz: 14, 11, 13; 10. Ferner liefen: Arlecchino l4.), Mikado, Marie, Strategie...... Lampos-Renn-n. 1. Tilade lSavneS): 2. Coblenz: 3. LuruS: 4. Gefolei. Toto; 69; 10, Platz: 16. 14 13, 83: 10. Ferner liefen: Alioria, Smaragd, Adpgita, Markgräfin, Roxana. Siesta. Ad Ärenaw, Blankenstein. Moira. Hampelmonn-Rennen. 1. Amon-nwartc iHamqnn): Z. Mach's Vor: 8. Rosenau. Täte: 75: 10. Vlatz: 19, 13. 19: 10. Ferner liefen: Derwisch(4) Jngemar, Ar«,, H-rzaa Wilhelm. Haselmau», Beluga. Lärche. «önig-Mibas-Rennen. 1. Jdvlle sM. Schmidt): 2. Maust: 3. Turnier- f-ier: 4 Meermädchen. Toto: 27: 10. Platz 15, 57, IS, 33: 10. Ferner liefen: Lllttchen, CaMpo Santo, Radieschen. Waffernymphe. Auch einer, Mass» d'Arezzo, Äo ahegd. Attach». Sauds. Chinafreude. Sonnenstrahl. Habeu, Koritzi, Allgemeine Weiterlage. Dlvoi!<«a!o5,> Wetteraussichten für Berlin. Zeitweise Ausheiterung. aber immer noch Neigung zu einzelnen leichten Regenfällen, wenig Tempcraturänderung.— Zur Deutschland. Im Südwesten und Süden Wetterbesserüng, sonst wenig Aenderung. partewachrichten für Groß-Verlin Ctnlinftungen 64»«tele Rubel, sin« B e c 1 1 u 3iS tifi. üinDcnitTatzt t stet» en bat SBejltfeiCtetanat i. Hos. Z Trevoen recht«,»u richte« Beginn aller Veranstaltungen lOU Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Z. Nrei« ricrga-tcn un« SUatloNcabatg. Alle oarteigenlisslschen Eltern der weltlichen Schule Baldenseritraßc-rscheinen Freitag, S. Juni, zur Ber. iammlung Im Martthallenrestaurant. Arminiusplatz...Elterndeiratswahl uns weltliche Schule." Ausstellung der Kandidaten. Parteimitglicdsbuch millirtngen..... ».»rei«. Donneret,,,». Juni, 16 Uhr, an b-tannt-r Stell« Zusammenkunft erwerbeloicr Parteimitglieder.„Was ist Klossenlampsk" Referent Dr. A. 6. Krele. Donnerstag, Z.'Juni, Sitzung des»ildunasausschusses an bekannter Stelle. Wegen umfangreicher Tageeorbnung ollnktlich-s Erscheinen»dt» wenbia.— 44'» Uhr lm Iugenbhclm. Eingang Gatzstrahe. Zusammenkunft ermerbeloser Parieimltglieder.„Politische Oage", Referent I. P. Maoer. I«. Kielt»ito-nick. Beteiligung an ber Mitglteberoersammlung der Freien SchukgenHube Kopeniä Donnerstag, 20 Uhr, im Etadiiheater, kleiner Saal. 16. Kreis. Die Erwerdslosenzusammenkunfi am Donncrttag, 2. Juni, findet nicht im Lmeum, sondern auf dem Gelände h-s Arhciter.Elternbundes ans de« Rennbahn statt. 1». Kreit. Die Parieimiigiieder werden gebeten, sich recht zahlreich an der Feierstunde der airbeiterwohlfahri am Sonnabend, 4. Juni, 1914 Uhr. im gl oho» Saal dee Konzcrihauscs Linder, Breite stratz«, zu beteiligen. Musik. Ssieltruppe der SAJ u. o. Ab 28 Uhr gemütliches Beisammensein mit Tan,. Eintritt 20 Pf. 20. Kreis. Donnerstag, 2. Juni, 15 Uhr. Zusammenkünfte erwerbeloser Partei. Mitglieder an folgenden Stellen: Reinickendors-vst in der Schule Hoppe. sirage. Referent Paul Bernstein. Reinickeaders-Weft: Außcnspielplatz. Referent Paul Bernüein. WMMWWWWMWWW..._.»eft-....... Vortragende Elsriede Möllmann. Wittenau: Reue Schule, Jugendheim � �'.uckow. leget im Jugendheim Schone- Funktionärsitzung hei Regel, Acker. Hauptstrasie. Referent Dr. Gerhard Li berger Str. 8. Referent Hans Marc. 1. Abt. Donneretag, 2. Juni, 20 Uhr. stratze 1. arteimitalieder fällt aut. Näheres U. Abt. Der heutige Abend ber süngeren wird in der Adteilungsversammlung bekanntgegeben. 1Z. Abt. Donneretag. 2. Juni. 20 Uhr. Zusammenkunft jüngerer Parteimit. glieder bei Schmidt, Wiclefftr. 47.„Probleme de- Fernen Sstens", Referent glied Oswald gienau. N.Abt.'" ____ Heute, 20 Uhr. Zusammenkunft siingerer Parteimitglieder be! Kling«, Sellerstr. 44. Ret, reut s-nofle Dr.»auiert.. � 25. Abt. Freitag, 3. Juni, bei Heinisch, Am Friedrichahatn 6, wichtige Sitzung kür Abteilung,»orstand. Zablabendletter, Bettrktslihrer und Elternbeiräte. Parteigenossen und„BorwSrts".Leser. die Kinder(Knaben oder Mädchen) in den Schule» unseres Abteilungsbezirkes zu gehen haben, sind eingeladen. 30. Abt. Donnerstag, 2. Juni. Funktionärsitzung bei Busch, Tilsiter vir. 27. 57. Abt. Donnorsiaa. 2. Juni, 20 Uhr, Funktionärsitzung in der Sporiklaufe. Wieiandsir. 40. Abteilungsoorstand und Gruppenleiter treffen sich pünktlich 10 Uhr beim Abteilungsleiter. 50. Abt. 1. Bezirk: Hcuiri 20 Uhr, Zahlabend bei Schlingmann, Ruhlebener Krug, Rudlebencr Str. 1«...Politische Loge". Referent Ernst Hildcdrandt. 81. Abt. Freitag, 5. 2uni, 20 Uhr, hei Rosenau, Laubacher Str. 29, Funk. tionärsitzung. 02. Abt. Freitag, 8. Juni, Funktionärversammlung bei Wolf. Kaiser-Friedrich- Stratze 173. 05. Abt. Freitag, 0. Juni, 20 Uhr, bei Hase, Steinmetzsir. 70, Borftandssitzung mit allen Funktionären. 103. Abt. Heule Zusammenkunft süngerer Parteimitglieder im Jugendheim Laufener Sir. 2. Spiel- und Unterhaltungsabend. 122. Abt. Donnerstag. 2. Juni, 20 Uhr, Borstandssitzung bei Porath. 131. Abt. Heute. 20 Uhr. im Jugendheim Lindenstr. 47, Zusammenkunft jüngerer PorteimiigUeber. Referent Paul Bernstein. lzo,. Abt. Freitag, 3- Juni, 30 Uhr, Mitgliederversammlung im Schollenkrua, Hermsdorser Stratze.„Die Konsumgenossenschaft in der Wirtschaftekrise". Kolonie Aloenberac. Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr, Zahlabend bei Klemmer. „Schalst Arbeit!" Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. 9. Kreie Kreuzberg. Freitag, 8. Juni, 30 Uhr. Fortsetzstug der Führung im Institut für Sexualwissenschaft. Tresspunkt 19� Uhr In den Zelten, Ecke Beethoaenstraße. Karten zum Preise vpn 35 Pst müssen d°rt geläst werden. Arbeiisgemeinschafi der Sindersreund� Krosz-Verttn. Heute. 20 Uhr, geltl-geraueichutz i» der»cschästesiclle. liabcs- strotze■). Kreis Treptow: Donnerstag, 2. Juni, im Jugendheim B»um. || fchulenmeg. Ernstlttatzc. Äreishelfersitzung. Beginn 20 41Hr.— Trep- �.iA tow.„Lauro de Basis": Währeisti der Sommermonate sind unsere. I-W Zusammenkünfte wie folgt: Montags und Freitags Spielen auf ZJies, z£te»W» von 17—1» Uhr. Dienstags im Jugendheim Elsenstr. 8 Heimabend von 17—19 Uhr. Kreis lempethok: Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, Eltcrnverlammlunz bei Pemme- rening, Berliner S-r. 100. Kreis Kreuzbeeg. Singckreis: Mittwoch von 18 Uhr Urbanftr. 167. Alle singefreudigen Falken müssen erscheinen. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation 26. Abt. Am Sonntag. 20. Mai. verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit unser langjähriger Funktionär und Parteijubilar Otto Lehmann. Prenz- lauer Berg 7.'Die Beerdigung lindet am Donnerotag. 2 Juni. 14'.:. Uhr. aus dem Zeniralsriedhof Friedricheielde statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 30. Abt.'lm 30. Mai starb unser altes Mitglied, der Oborpostschaffncr a. D. Julius Müller, im 70. Jahre. Ehre feinem tzlndcnlenl Einäscherung Donnerstag. 18' e Uhr, in öainnschulenweg. 42. Ab«. Unser langjähriger Genosse Hermann Schröder ist ver- starben. Ehre seinem Andenken! Einälcherung Mittwoch, 16 Uhr, Krematorium Gerichtstratze. Um rege Beteiligung bittet der Elbteilungsnarstand. starben dem E wird gebeten. t>1. Abt. Unser Genosse-Albert Prenzlow ist nach jahrelanger Krankheit oerstorbcn. Ehre seinem Andenlen! Trauccseier Donnerstag. 2. Juni. 15') Ilhr, Kremalorinm Baumschulenweg. Rege Beteiligung wird erwartet. 125. Abi. Unser treuer Genosse K a r l R e n n« ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung Donnerstag. 2. Juni, 48 Uhr. Krematorium Gericht- stratze. Zahlreiche Beteiligung erwartet der Abteilungsoorstand. 137. Abi. Unser Genosse-Albert Lull ist verstorben. Ehre seinem An. denken! Beerdigung Mittwoch, 1. Juni, 15!) ilhr, Hcdwig-Friedhof. Berliner Ecke Humboldtstratze. IM Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen silr diese Rubrik nur an dos Jugendsekretariat Berlin SW 68, Lindenfträtze 2, vorn 1 Treppe recht». Zum„Rast" am Eovntag, 26. Juni, im Gritnewold-Etodion sind Einiritt?- karten zu 30 Pf. gegen sofortige Bezahlung im Sekretariat erhältlich. Abteilungsmilgliederoersammlungcn. beute. 19� Uhr. Gesundbrunnen RF.: Koloniesir. 8. Adlershos: Bismarckstr. l.— Falken- berg: Gulohof.- Friedrichsbagen: Fricdrichstr. 87.— Kaulsdorf: Adotfstr. 25.— Lithirnberg-Miite: Dossestr. 22. Sc Humannplotz: Epicle» aus dem Erer.— Balienplstz! Sporlplatz Friedrichs» Hain.— Käpenicker Viertel! Die Funktionäriitzung findet nicht statt.— Spandau: Lindenufer l: Literarischer Abend.— Tempeldos: Lnzeum Götzstratze: Mitglieder- nersammlung und..Tagespoliiik".— Reukblln IV: Gangbofcrstratze: 10 Uhr Funktionärsitzung mit den KlNderfreunde».— Reu-Lichteaberg: Sportabend.— Lichtenberg, Rard: Gunterstr 44:..Erlebnisse aus Betrieben.— Nahlsdprf: Melanchthonftr. 63:„Sozial'stische Erziehung und Freikörperkultur".— Rcinicken. dars-West: Seidclstr. l:„Warum Arbeiterjugend?"— Wannsce: Restaurant Lindenhoft„Burlche und Mädel in der HAI." Werbcbezirk Kreuzberg: BD.-Sitzung, Urbansir. 167. Werbedezirt Prenzlauer Berg. Rote Rotte: Probe bei(Soldschmidt, Stolpische Siratze 36 Werbedezirt Neukölln: 19') Uhr Borftandssitzung, Parteibüro Fuldasiratze. Jede Gruppe mutz vertreten sein. Borträge, Bereine und Bersammlungen M Prepzlauer Serg: Der'Mitbegründer unsere» Drisvcreiv» Kamerad Dtio Lehmann ist persiorden. Beerdigung Donnerstag, 3 Luv'. 14'.j Uhr. auf dem Zentralsriedhor Friedrichsfelde. Pslichtveranstaltuna für alle dienstfreien Kameraden.— Beitzensce sJrtsvereinl: Unser Vorstandsmitglied Kamerad Karl Renn« ist verstorben. Einäscherung Donnerstag, 3. Juni, 18 Uhr. im Krematorium Gerichtstratze. Beteiligung aller ist Pflicht.— Pankow(Orts- verein): Mittwoch, 1. Juni. 1714 Uhr, Treffpunkt oller Turner om U-Bahnhof Bineiastratze. Stoppuhr und Handball mitbringen.— Heute Jungbonner Berlin: Wichtige Zusammeittuust aller Kreissjjhrer, vtt,»erein»siihrer und Stellvertreter 10 Uhr im Gaubüro. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Eold". Geschäfts st eile: Berlin S. 44. Sebastionftt. 87— 58, Hof tz Tr. na,_____________ MWAtzW»»».„»WWIMWW,.�»»1...___»�WWW»» Waisenstratze. Bortrag des Herrn?r. Wittke vom Moabiter Krankenhaus über „Die Hirnverletzungen und ihre Folgen und da» sexuale Leben". Da« Erscheinen aller Kameraden mit ihren Frauen ist Pflicht. Bund entschiedener Schulresormer. Oeiicntliche Monatsversammlung am Montag. 6. Juni. Il»,« Uhr, in der Augusta-Schule. Eltzholzstr. 34—37:„Die nationalsozialistische Ideologie". Reseroi: Lisa Rietz. Korreferat: R. Schapke (Stroßer-Gruppei. Freie Aussprache. Jedermann eingeladen. Freie Arbeiter. Stenographenucroinigung Grotz-Berlin. Reichskurzschriftkurse für Fortgeschrittene. Norden l: Jugendheim Willdenowstr. 5 snahe Bahnhof Weddino). 150 bi» 220 Silbe» Debattcnschrift jeden Freitag.— Norden 41: Jugendheim S-estr. 57, Ecke Turincr Straße, 50 bis iOO Silben, jeden Montag.— Oiordosten: Jugendheim Danzigcr Sir. 62. Anfängerkursus i» Debattenschrift, 100 bis 140 Silben, jede» Dienstag.— Neukölln: Karl-Marx-Schule, Kaiser-Friedrich-Str. 200—210. 50 bis 100 Silben seden Dienstag. 140 bis 'ilben D«bo"'""-°"''------■"""""«" I' �" stützungsempsänger monatlich. Weitere Auskunft erteilt Otto Wenghoefer, Bor- sitzender, Velten t. d. Mark. Wilhelmstr. 10a. Zu allen Kursen sind Gäste will- kommen. All« Echriftgenossen und Freunde unseres Vereins laden wir hiermit zu der am Sonntag, 5. Juni, stattfindenden Dampferfahrt nach Neu-Helgaland herzlich ein. Treffpunkt 8'.h Uhr Schillingbrücke(Schles. Bhf.) Karten sind noch zu haben. Unctellow English Debatin« Club. Bülowstr. 104. Heutt abend, tz'! Uhr, »ibt Mrs Behrend einen„conversatlonal and sociable eveninj on new Lines". Gäste willkommen. Zuvenatrikot— Gymnastikunterricht. Der moderne Kaufmann scheut weder Müh« nach Kasten, seinen Betriest so rentabel wie möglich zu gestalten. Da liegt jetzt in den Wannseegewässern, direkt am Strandbad, ein dekorativ aus- gestattetes Hausboot. Die Reederei„Juvena", im Lzauptberuf Erzeugerin von Chemnitzer Strickwaren, lädt darauf jeden Besitzer eines„Juvena- Badetrikots" zum kostenlosen Gymnastikunterricht nebst Kaffee und Besichtigung von Modevorführungeu ein. Die schwimmende Gymnastikschulo. van einer Gymnaftiklehrerin, ehemaü- gen Labanfchülerin, geleitet, ist auf schwimmendem Wege zu er- reichen: wer dieser Kunst jedoch unkundig, für den gibt es im Wann- seebod aus dem Dachgarten gymnastische Unterweisung. Als Aus- weis dient die am Badetrtkot besinoliche Firmenbezeichnung, die rote Boje. Es werden immer jeweils 99 bis 89 Schüler IS bis 20 Minuten lang unterrichtet. Diese feucht-fröhliche Unterhaltung macht allen viel Spaß, vor allem all den Beschäftigten. Dem Boots- eigner, der seinen Kahn infolge gänzlich fehlender Warensracht dach noch„laden" konnte, dem«chiffspeisonal und den Mannequins, die die Strickmoden vorführen, und natürlich nicht zuletzt dem Kaui- mann, der auf guten Absatz hofft. Die Preise der Anzüge bewegen sich durchweg in annehmbarer Höhe, bei gutem Material und flotter Verarbeitung. Späterhin beabsichtigt man noch, einen schwimmen- den Kindergarten mit Kafseetafel sür die Kinder Erwerbsloser«in- zurichten. Die„Juocna".Badeleuto baben Im„I u v e na- A u t o- bus' ab Bahnhos Ztikolasicc Freifahrt nach dem Bad. Alle, die auf dem Hausboot Beschäftigung finden, sind Erwerbslose. And wieder siegen Eontivevtal-Reisen! Das Eiselrennen am 20. Mai a»f dem Niirdurgring war für..Continental" wieder»in ganz arotzer Srfolz. Aujoc Caroceiala. dem Sieger der grotzen Wagenklasse, benutzten Continental-Reifen alle Siezer und zahlreiche Plarierte der anderen Fahrzeugkaiegarien: und nicht einer brauchte während des ganzen Rennen« auch nur einen Reifen zu wechseln. Dappett gespart, schafft besser! Kaiier« Kasfeegeschäst gibt auch im Juni wieder die Möglichkeit zu besonder» sparsamem Einkauf: denn e» aewäbri an den ersten vier Tage» dieses Monat, auf alle Waren mit wenigen Ausnahmen 10 Prvz. Rabatt. Auch die so geschäSten echten seine» Porzellantossen ynd reizenden Dessertteller stehen an diesen Olusnahmetazen aus Wunsch statt Rabatt zur Bexfstgung. Ber spart, verbessert fein« Güter. Wer einen der ersten Juni- tage zu einem Besuch in Kaiser« Khsseegeschäst benutzt, spar« entweder harrs Geld oder»ervallstandigt seine Sammlung von Kaiser» wertvollem Porzellan! CLUB 31 ist Deutschlands meist gerauchte Zigarette SCAtÄ | Tigllch 5 u. 8. Uhr/ Barbareua 9256 Heute Premiere! Fernando LINDER Der spanische Meister-Imitator Zum ersten Male in der.SCALA' Joe Peanut's 14 Rhesus-Äffchen „Wir machen uns selbständig..." Neu für Europa! Ada& Eddie Daros Lieblinge aller Welt-Varietes WillTRosen und ein unerhörtes Programm! PtASA Tägl.S u.8'Ä Stgs.2,5u,815Uhr Heute Premlere: Die decmaus Operette von Joh. Strauß H E I D I E I S L E R IGO GUTTMANN u. v. a. Winten ■ Garten• n ■ 8 Öhr 15. Flore 3434. Baudien rrl. Heute Premiere! 1 Paul Graetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. Stadl. Oper Charlottcnburg BismarckstraBe 34. Mittwoch, I. Juni Turnus 1 (Berliner RunsMen) Die Banditen (Offenbach) PfahL Nikolaicwa. Eisinger, Burgwiiikcl, Grüi ündgens, Weste rmeier Anfang 20 Uhr Ende 23 Uhr 1a. Vkd. 1,10 in posk- pake! t»on 9 pfv. franko gegen Nach' nähme liefert Bordiert, Tilsit, Ostpr., Kasernenstraße 34 VolKsbtthne Theater am BDIovplatz 8 Uhr Zum I.Male Die Doldene Ohr Volksstück von E. S z e p Regie; A. M. Rabenalt Staat!. Sdiiller-Ihealer ■8 Uhr Abschied von der Liebe 'lellMWlM 1 ifMeB im Vorwärts SPD. 58. Abteilung Am JS. Slot ncrftacb plötzlich unser longjahrlgrs Mitglied «epmsnn vüiknkp Rankestr. l.(öhre seinem Andenken! Einas6)crnng Donnerstag. 2. Juni. loVv Uhr, Äreniatorium Wilmersdorf. Zahlreiche Beteiligung erwartet Oer �UNÄRARit Eintritt SO Pfennig Tanz im Freien 5 Jahre WELLENBAD Heute S.30 Lhr Jubiläums-Schwimmfest Europas beste Springer 12 Meister am Start Schwimm- Wettkfimpfe Wasserballspiel Reigen Eintritt 75 Pfg. bis 2 Mark anschliessend Pestball im Lunapalais Elotrltt frei i Leisipg-Tligalef Täglich»Vi Uhr Madonna wo bist Dn? Erika v. Thellmann. Genia Nikolajewna Theodor Loos Josef Wedorn Rose-Theater üioBt Frinkhirtir Straße 131 fei. Wiiduel E 7 3421 8.30 Uhr Weekend im Paradies OartenbUhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete Zigeunerliebe a-WEM GEHÖRT DIE WELT I �Tron""11 Ein u. . 6'°° Täglich 7, S'° ATRIUM KAISERALLEE. ECKE BERLINER STR. Vorverk. 11-2 u. ab 5. H 1 2460 Am Montag, dem 30. Mai, morgens 5 Uhr, verstarb ganz plötzlich und unerwartet mein lieber guter Vater, der Gewerkschaftsangestellte Max Kastner Dies zeigt tiefbetrübt an NO. ää, Wiiisslr.3 Floreniine Kästner als Tochter Die Einäscherung erfolgt am Freitag, dem 3. Juni, 18',: Uhr, Krematorium Oerichtstraßc Am 28. Mai cntfcfilicl gaiis unerwartet unser lieber guter Pater »öpmsnn Dülßner im 59. Lebensjahre Im Namen der Hintertdn'benen Aon» Du! Huer als Gattin Ernst Pidok als Stiefsohn Die Einäscherung findet am Don- nerstag. dem 2. Juni, löVa Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Deitt! Wer «Uc»Vi Uhi Journalisten lustsp.nadi Gustav Freylagj von Felix Joadriimon; Musik; Tlieo Mackeben! Reche: Heinz Hilpert Xaoh kurzer, schwerer Krankheit starb am 29. Mai 1932 unsere geliebte Mutter. Sehwicger- und Großmutter, Frau Pauline RosenKranz geb. Heinrich im Alter von 69 Jahren. Tn tiefer Trauer Alfred Rosenkranz u. Frau. Max Rosenkranz u. Frau, Arthur Rosenkranz u. Frau, Kurt Mühl u. Frau Martha geb. Rosenkranz, Erich Bräuer u. Frau Frieda geb. Rosenkranz und Enkelkinder. Bln.- Mahlsdorf, den 31. Mai 1932. Die Einäscherung findet am 2, Juni 1932 um 18 Uhr im Krematorium Eaumschulenweg statt. Ganz unerwartet verstarb am Montag, dem 30. Mai 1932, unser lieber Kollege, der 2. Kassierer unserer Ortsgruppe Max Kastner Er war 30 Jahre Mitglied und seit 1. 12. 1906 und pflichtgetreucr Angestellter der Orts- Herrensocken fJ[Ä Hemdboje" Unter. Handtucher»TU ssansw*-*" gÄ-i—'r,:; Indanthren....... wÄÄä,r68 80 cm br.it MU Dame�Schlupfer,i Äfbnn G-V2 Domen-StrumpFe ßO blaer M�cheltante. �Fa�ortimen.rMtr.M SpO��qjfioditenem Rindted-. m'tg 23 m ja, Sdilouienr., ca. zj Bötenkessel dre; Aluminium P«1''»A. Liter Inhalt. qer I 3 Al£.?CCd.'r E»aabeln.\ Eschöffel oder' Crepe �°r?dCe0 100 StJÄ"»-'-"''"- 38 38 T- 1- •|S <|38 <|38 pyiama. B «i;»»«-;75 Unterkleid enPo5,eiif, �"spüAngcrnltur M- � vo»deute> �,�>1|— handg.sch'- Blumenmust. 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Der vorstand des Einheitsuerbandes der EisenDahner Deutschlands und das gesamte Personal des Hauptnuros des Einbelts- uernandes der Eisenbahner Deutschlands. Linoleum Ezillat. Kolonit- straße».__ Potstcrstnhle 8.50, Armlehnsessel, Tische, billia. Raten. zahlung. Stuhlsa. brik, Srotzc Frank. surlcr Str. IQ._» Patentmatratzcn „Primissima" Mc» talldcttcn, Auflegematratzen. Walter, Stargardcrstratze achtzehn, stein Laden Schlafzimmer 230,— bis 1100,—, Diclengarnitur 19,— bis 03.—. Kamee. ling, stastanicnallce 36 lEge Fehrbelli» nerstraxe).' Barten, LauDs und Balkon Deohüier Metallarbeiler-Verbami VerwaliiiDgutellc Berlin Todesanzeige Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Installateur Willi Maeghs am 20. spiai' gestorben ist Die Beerdigung nndet am Mittwoch. dem I.Iuni, 14'. Uhr. von deeLeichen» Halle des Friedhofes in Spandau, Pio» nierftraßk, statt. Den Kollegen zur Rachtichl, datz unser stollcgc, der Metallschlciscr �lax Brockmeier geboren am 19. Dezember 1900, am 30. Ma! gestorben ist. Die füinaschcrnng findet am Freitag. dcni 3. Juni, 12 Uhr. im Krematorium Eerichlstratze, statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung wird erwartet. Dia Orlivrr waltung. Draht, öunc, Drahtgeflechte, sehr billig. Backernagel. jetzt Niederschöna Hausen. Blanken- durgcrstratze 16. muaik- msirumente Elnheitsverliand d. Eisenbahner Deutsdilands, Ortsoruppc Berlin Unseren Berbandskollcginncn und Verbandsiollegen die traurige Mitteilung. datz unicr langiahriges Mitglied «ermann Dülßner vom Hauptbüro des Porstandes am 28. Mai 1932 an einem Herzschlag im Alter von 58 Jahren verstorben ist Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung erfolgt Donners- tag, den 2. Iunt, 15'/? Uhr. im Krematorium Bln.- Wilmersdorf. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsver'WKttang. Pianos, 100.—. 150,—, 200,—, Bechstein- piano, billigst, ge- brauchte. Piano- haus Prinzenstr. 90. Linkviano». Mietviaiws über. aus preiswert. Viatwfabrik Link. Brunncnstrabe 35* Spottbillige Markenpianos, Ge lrgenheiten. 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Der S ch w e r i n d u st r i e war schon vor den endgültigen Be- schlüsselt des Brüning-Kabinetts über das Notprogramm die Arbeits- zeitoerkürzung geopfert worden. Sie verlangte außerdem die Beseiti- gung jeder Verbindlichkeitserklärung. Also freie Wirt- schaft auf sozialem Gebiet zum unbegrenzten Lohndruck. Aerlangt wurden ferner die Arbeitsdienstpflicht statt des srei- willigen Arbeitsdienstes, die Aufhebung des steuerlichen Rot- Programms, ein industrielles Arbeitsbeichoffungsprogramm ohne Siedlimg und ohne Prämienanleihe. Da Geld aber nötig ist, Dr. Luther mit Brüning solidarisch in der Verteidigung der festen Währung war, sollte durch Beseitigung Luthers der Weg zu einer „g c z ü g e l t e n Inflation" geöffnet werden. Kennzeichnend i st für d a s g a n ,; e„P r o g r a m ni": Au Lasten der Steuerzahler, privaten Gläubiger und Arbeitnehmer wallten sich Agrarier und Schwerindustrie um die Krisenncrluste drücken und ihre Stellung als privilegierte Kartell- und Agrar- rcntenklasfe durchsetzen. Mit falschen Beschuldigungen der Regierung Brüning hat man den Reichspräsidenten für dieses Programm ge- wannen. Profitwille, Steuerschcu und rücksichtsloser Will« zur Besitz- crhaltung scheut auch vor künstlicher Kreditgewährung nicht zurück. Die nächsten Folgen. Das erste ist, daß Brünings N o t p r o g r a m m in der Ver- fenkung verschwindet. Die Prämienanleihe wird nicht aufgelegt: die Arbeitsbeschaffung in der beabsichtigten Form unterbleibt. Die Arbeitszeitverkürzung unterbleibt. Die beabsichtigten neuen Steuern werden nicht erhoben. Finanziell ist aber zu beachten: die alten Steuern i laufen natürlich weiter, die entsprechenden Einnahmen auch. Die verlängerte Krisensteuer wäre erst in einigen Monaten neu zu erheben gewesen: die Wcitercrhebung der Bürgersteuer aber schon ob Mitte Juli. Die Bcschäftigtcnsteucr, die für die Zahlung der Wohlfahrtsuntcrstützung sofort zugunsten der Gemeinden nötig gewesen wäre, ist mit 25 bis 30 Millionen monatlich der empfindlichste Ausfall. Das Reichs- und Genieindedefizit wird sich ober vergrößern: die Aohlung der Wahlfahrtsunterstützungen wird bald teilweise gefährdet sein, wenn nicht schnell neue Einnahmen erschlossen werden. Weltpolitisch und weltwirtschaftlich bedeutet Brünings Sturz eine Lerschlechterung van Deutschlands Ansehen und von Deutschlands Kredit. Die an die Lausonncr Reparotions- konfcrenz geknüpfte Hoffnung, daß eine Belebung der Weltwirtschaft ihr folgen kann, ist wohl auf längere Zeit zerschlagen. Dos Wirtschaftsleben wird also vorläufig seinen schlechten Gang weitergehen, Bcsserungshosfnungcn sind zunächst überflüssig: in Deutschland, weil die wirtschaftliche Be- reinigung im Osten und in der Schwerindustrie unterbleibt und weil neue Angriffe auf die inländische Kaufkraft zu befürchten sind, in der Weltwirtschast, weil sich die Reibungsverluste in der Handels- und Rüstungspolitik wahrscheinlich noch vergrößern. Wir werden die Nerven beholten. Was wir jetzt haben, ist tatsächlich„die Revolution von oben". Grotzkapitalistcn und großagrarischc Gruppen beherrschen die wohl bald endgültig gebildet: Regierung. Wenn diese wirklich die oben gekennzeichneten Absichten der schwcrindustriellen und großagra- rischen Reaktion durchführt, wird sie den wirtschaftlichen und finon- ziellen Notwendigkeiten nur in der Richtung neuen s o z i a l c it Drucks oder künstlicher ,K r c d i t s ch a f f u n g entsprechen können. Beides ist für die arbeitenden und erwerbslosen Massen gleich gefährlich, weil es für die Gcsamtmirtschaft lebensgefährlich ist. Die Bäume werden freilich auch jetzt nicht in den H i in m e l wachsen. Die neue Regierung will das kapitalistische System er- halten. Wenn das erreicht werden soll, darf sie die kapiialistischen Wirtschaitsgcsetze nicht mit Füßen treten. Der Verelendung der Arbeitskraft und der Mißachtung sozialer Notwendigkeiten sind gerade jetzt äußerst enge Grenzen gesetzt. Dos weiß die organisierte Arbeiterschaft sehr gut. Darum wird sie auch die Nerven behalten. Die Smnden des kapitalistische» Systems sind gezählt. Wird jetzt ein Programm des weiteren Sozialabbaus durchgeführt, so wird sich diese Regierung als T n t e n g r ä b e r des Kapitalismus be- lätigen. Für den sozialen Abwehrkampf wie für den Kampf um neue Wirtschafksjormen wird sie die Arbeiterklasse gleich bereit finden. Börse und Politik. Die Hintergründe der Aktienhausse. Di« beiden ersten Börsentagc nach dem Sturz des Kabinetts Brüning haben eine ziemlich wilde Kurssteigerung auf den Aktienmärkten gebrocht. Während am Montag die Kurse von sogenannten Standardwerten bis zu 3 Punkten kletterten, setzte sich an der gestrigen Börse die Steigerung in verschärftem Tempo fort, Neue Kurssteigerungen von 3 bis 7 Punkten waren die Regel, und einige Spezialwerte konnten ihren Kursstand sogar um 8 bis 70 Proz, verbessern. Das Echo der Presse auf diese überhitzte Börsenstimmung ist vielfach überspitzt. Es ist übereilt und auch leichtfertig, in diesem Zusammenhang schon von einer Jnflationspsychose zu sprechen. Die Umsätze an der Börse sind nach wie vor klein. Aber die Spekulation treibt die Kurse hoch, um Stimmung zu machen. Wer die politische Urteilsfähigkeit der Börsenleute und ihre leichte Beeinflußbarkeit kennt, wird solchen Erscheinungen solang« keine größere Bedeutung beimessen, als nicht die Bankwclt und breite Kreise des Publikums in großem Maßstab zu kaufen beginnen. Bedeutsamer als diese Tätigkeit kleiner Spekulanten ist es, daß das s ch w c r i n d u st r i c l l e Kapital mit dem Sturz des Ka- binctts Brüning jetzt die Zeit gekommen sieht, wo das Lohn- t a r i s s y st e m zerschlagen, die Sozialversicherung weiter ab- gebaut und damit a»f Kosten der werktätigen Massen dem ent- werteten Aktienbesitz eine neue Stütze gegeben werden könnte. Jedenfalls läßt die überhitzte Börscnatmosphäre dieser Tage schon deutlich erkennen, welche Panik eine Regierung in Deutschland hervorgerufen würde, die an der Stabilität der Währung rütteln würde. Lebenshaltungskosten im Mai. Das Reichsstatiftlschc Amt teilt mit: Die Reichsinderzisser für die Lebensholtungskosten sErnährung, Wohnung. Heizung, Beleuchtung. Bekleidung und Sonstiger Bedarf) beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Beichsamts für den Durchschnitt des Monats Mai I9Z2 auf 127.1 gegenüber 121,7 im Vormonat: der Rückgang beträgt somit 0.3 Proz. An dem Rückgang sind sämtliche Bedarssgruppen außer der Wohnung, die mit 121,4 unverändert geblieben ist, beteiligt. Es sind zurückgegangen die Indexziffern sür Ernährung um 0,6 Proz. auf 112,7 Pro;., für Heizung und Beleuchtung um 1.5 Proz. auf 1ZZ.Z Prozent, sür Bekleidung von 0,4 Proz. auf 117,8 Praz., sür„Sonstiger Bedarf" von 0,1 Proz. aus 166,5 Pro;. In der Bedarssgruppc Heizung und Beleuchtung sind die Preise für Hausbrand durch die Gewährung von Sommerpreisabfchlogcn zurückgegangen. Orenstein& Koppel. Oer Gesamtumsah betrug immer noch 64,5 Mill. Mark. Unmittelbar noch der Veröffentlichung des hohen Millionen- Verlustes der Bergmann-Elektrizitätswerke A.-G. gibt jetzt ein anderer führender Konzern der Berliner Metallindustrie, die Orcn- stein u, Koppel A.-G,, seinen Jahresabschluß für 1031 bekannt. Im Gegensatz zu der Bergmann A.-G., die ohne jeden Rescrvenrllckhalt in die Krise hineinging, hat sich der Orenstein u. Koppel-Konzern schon in den Jahren guter Konjunktur derart aus- giebig mit Reserven versehen, daß das Unternehmen auch im dritten Kriscnjohr noch einen verhältnismäßig günstigen Jahresabschluß vorlegen kann. Das vielseitige Fobrikationsprogramm hat die Entwicklung bei Orenstein u. Koppel auch 103l, dem Jahre einer verheerenden Produktionsschrumpjung im Waggonbau günstiger beinslußt, als bei den anderen Graßunternehmungcn dieses Industriezweiges. Die Gesamtumsätze betrugen: 1029.......... 95 Millionen Mark 1930.......... 86 1931.......... 64,5 Gegenüber dem letzten normalen Wirtschaftsjahr 1929 hat sich also der Umsatz bei Orenstein u. Koppel im folgende» Jahr um 10 Proz und sodann im Berichtsjahr uni weitere 23 Proz. ver- ringert. Hierbei spielt natürlich auch der Preisabbau, besonders im Export, eine Rolle. Der Anteil des Exportgeschäfts ist im letzten Jahr auf rund 68 Pro;, gestiegen. Der Bericht der Per- woltung weist darauf hin, daß von dem rund 44 Mill. Mark be- tragenden Auslandsabsatz rund 10,5 Mill. Mark auf Rußland- g c s ch ä f t c entfalle», so daß es also dem Konzern trotz der Zoll- maßnahmen und vielfachen Einfuhrcrschmernissc des Auslandes noch möglich war, rund 33,3 Millionen Mark auf den heiß umkämpften Auslandsmärkten abzufetzen, Die Bilanz ist infolge der seit langen Jahren betriebenen Reseroepolitik auch diesmal wieder sehr flüssig. Die Gesellschaft hatte, worauf wir in den vergangenen Jahren bereits hingewiesen hoben, aus freigegebenen Amerikaguthabcn insgesamt 4,7 Mill. Mark und außerdem aus weiterem Kriegsschädcncrsotz 2,1 Mill. Mark Rcichsschuldbnchfordcrungcn erhalten. Diese Beträge hatte die Gesellschaft ausschließlich zu Abschreibungen auf den Maschinen- park und mit rund 3 Millionen zu stillen Rückstellungen unter Kreditoren(Schulden) verwandt. Ein Teil dieser Rückstellungen ist jetzt zur Deckung von WäHrungs- und Konjunkturvcrlusten aufgelöst worden. Jedoch verschweigt der Geschäftsbericht, wieviel stille Rück- stellungen unter den 6,3 Mill. Mark Schulden noch enthalten sind. „Echte" Schulden dürften höchstens 3 Mill. Mark vorhandcii sein. Der Rückgriff aus diese stillen Reserven Hot es der Gesellschaft jedenfalls ermöglicht— wie wir schon kurz meldeten—, nur einen ganz geringfügigen Verlust von etwas mehr als 88 000 Mark auszuweisen, nach dessen Deckung aus dem nichtver- wendeten Gewinn von 1930 noch ein Gewinnrest von knapp 286000 Mark vorgetragen wurde, Die Zahlungsbereitschast bei Orenstein u, Koppel ist noch wie vor groß. Bargeld, Bankguthaben, Wechsel und Forderungen werden zusammen mit 15,3 Mill. Mark ausgewiesen, so daß das flüssige Vermögen die lausenden Schulden um das Dreifache übersteigt, Die Belegschaft, die bis 1930 noch 8000 Mann umfaßte, ist im Berichtsjahr durch scharfe Abboumahnahmcn erheblich ver- ringert worden. Ueber die Zahl der zur Zeit noch Beschäftigten gibt der Geschäftsbericht jedoch keine Auskunft. SIGNAL? Tluf nafi einen Jeu� fyedu&i— motqm finden i&t Die WaldSchmiede.. Oefchichie eines Arbeitslosen/ To« It alter Anatole Verlieh 2Xud) die kleine Stadt Hnsmn im Lande Holstein, vor deren Hausern die Nordsee wie kaltes Blei ausgegossen liegt, hat sich gewandelt. Hinncrk ist dort der Sohn eines Schmiedes, der jüngste van zweien. Die Brüder haben lange zusammen in der Werkstatt gestanden. Klaus, der älteste, heiratete ein braves Weib und hat zwei Kinder großzuziehen, ein Mädel und einen Jungen, und beioe sind wachsblond. Immer war in der Schmiede Leben. Die Bauern- wagen mußten ausgebessert, die Pferde beschlagen werden. Bis auch nach Husum die Autos kamen— von da an war nur halbe Tage zu tun. Als die Zeiten schlimmer wurden, wie schon einmal vor hundert Jahren, legten beide Brüder die Hämmer nieder und sahen hinaus in den Sonnenglast der Straße.„Dje", meinte Hinnerk,„nu hewt mi nix mehr to don, Klaus."—„Kiimmt wedder!" sagte Klaus und putzte das Werkzeug. Nur einmal in der Woche legte Klaus noch Feuer an, und was dann zu tun war, konnte er allein schaffen. Auch den Fischern kann Hinnerk nicht mehr helfen, und in der kleinen Familie seines Bruders ist Schmal- Hans Küchanmeister. Hinnerk hat es vermieden, noch zu Tisch zu kommen, denn er weiß, wie die Frau des Bruders das Essen strecken muß, um für alle genügend zu haben. Hier hat Hinnerk Holz gehackt, dort Säcke getragen; dann hat er, wie viele andere, die Tage totgeschlagen und auf bessere gewartet, und da keine kommen wallten, ist ihm das zum Halse herausgewachsen. Ihm wird bang vor den nächsten Wochen. Bei Klans lassen sie die Köpfe hängen. Die Kauflcute stehe» sogar vor den Türen uird gucken nach Kunden und sagen:„Na, Hinnerk, wie geiht di bot?"—„Ach", sagt er und geht schnell weiter,„good!" Aber dabei locht er nicht mehr. Die alte Muscheln will einen Pack ins nächste Dorf getragen haben. Hinnerk bekommt vorher ein Mittagessen und eine Mark und schreitet aus, schwer wie ein Pferd und zufrieden, ein Ziel zu haben. Ihr Sahn, im nächsten Dorf ein kleiner Bauer, empfängt chn gut. Es gibt ein Abendessen, ein Nachtlager, und am Morgen meint der Bauer:„Willst du dies Paket nach Strclen bringen?" So ist Hinnerk schon zwei Dörfer weiter. Es ist nirgends besser. aber einer hat immer was zu bringen; nianchcr gibt eine Mark, mancher nur ein Essen, und nach einer Woche ist Hinnerk fast unten bei Hamburg. Er durchwandert die Stadt, die böse und laut um chn braust; er spürt die eiserne Uncrbitrlichteit in ihren Mauern und geht nur vorwärts. Erst am Morgen nachher, als er in einer Scheune übernachtet hat, merkt er, daß er wandert, und daß chm dos besser gefällt, als zu martwi, Hinnerk schlägt sich durch bis nach Mecklenburg. Die Leute sind hier vielleicht noch ärmer als in Holstein. Ein Stück Brot, ein Stück Speck bekommt er auch noch von ihnen. Nur bleiben soll er nirgends. Bon seiner Sorte sind genug in jedem Dorf und jeder Stadt. Zwei Tage wird er von einem Gendarmen verfolgt— die Unisormierten müssen jetzt aufpassen und jede» Landstreicher sesl- nehmen, aber sie kriegen den starken Kerl nicht: er schlägt Haken und ist schneller. Nur im Wald, in den er geflüchtet ist, verliert er die Richtung. Am Morgen sitzt er noch immer unter einem Busch, wo er sich am Abend vor dem Regen verkroch. Ilm hungert. Zum erstenmal läßt Hinnerk wirklich den Kopf hängen und sagt ein paarmal trostlos vor sich hin:„Leebe Gott, wat mook ick bloß!" Da er endlich geht, spürt er, daß er taumelt. Seine Füße sind wund, sein Nacken ist steif, sein Magen ist leer und ungeduldig. Noch einmal reißt er sich zusammen und kommt vorwärts. In der Dämmerung wird das Wetter noch böser, wäscht ihm Nässe das Gesicht, sticht in seine Hände, bis er zwischen zwei großen Tannen einen windgeschützten Fleck findet. Er setzt sich und schläft gleich ein. Anfangs träumt er noch van den Gendarmen, die ihn die letzten Tage verfolgten, und denen er unter keinen Umständen in die Hände fallen will. Er hat Zwar nichts verbrochen, doch auch in Mecklenburg ohne feste Arbeit nicht herumzulaufen. Sie würden ihn auf jeden Fall in die Heimat abschieben, und dort soll man nicht sehen, wie elend ein starker Kerl werden kann, für den Gott und die Menschen keine rechte Benvendung mehr haben. Mählich verschwimmen die Gestalten seiner uniformierten Feinde. Schwarz wird es, bis er nichts mehr sieht und nur da liegt und nicht einmal spürt, wie der Regen ihn umspült. Dies ist ein« von den Nächten, bei denen auf die Nässe noch Frost folgt und dann wieder Regen. Sie sind die gefährlichsten im Kreisclspiel der Jahreszeiten. Merkt Hinnerk am Morgen, daß er krank ist? Seine Augen sind heiß: er lallt und singt wie ein Kind, schlägt um sich— träumt mit msenen Augen im Walde der Fremde, im Bette zu liegen, und die Mutter ist da, um ihn zu beruhigen. Der Tag geht langsam vor- über, ohne daß der Fiebernde ihn erkennt, und schließlich liegt dieser trotzige Mensch besinnungslos zwischen zwei Tannen im Dickicht. Kann kommen, wer will— zu sehen ist er nicht! Försterknechte gehen mit Spürhunden die Runde. Weil Hinnerk in eine Tannenschonung hineingestolpcrt ist, läßt der Gehilfe die Spur aufnehmen und schimpft bei sich über die Wilderer. Der Hund schlägt knurrend an. Der Grünrock hält das Gewehr bereit, drückt sich mühsam durch die Zweige und findet Hinnerk, steif und fast kalt. Schöne Bescherung! sagt er sich. Was hilft's? Cr muß zurück, den Wagen holen und mit dem Knechte diesen Landstreicher aufladen. Der Förster, der alt ist, und im Regen an der Gicht leidet, bereitet im Hanse alles vor und regiert unmutig die Frauen. Krank ist Hinnerk, auch nicht bei Berstand, dazu jetzt schmutzig. Doch seine schöne Stirn tritt noch klarer hervor, und wenn die Wangen auch eingefallen sind, so ruht doch ein stolzer, eigenwilliger Kopf aus den Kissen, in dessen selbstbewußten Zügen der Mund wie der eines ungezogenen Jungen ziersich wirkt. Meta, des Försters Nichte, muß ihn oft ansehen. Sie ist seine Pflegerin, bekommt von Dr. Braun manches Lob und kriegt den Jungen bald wieder zu Verstand. Das Fieberschütteln der Lungenentzündung muß nur udeTumden sein, und schon kann er, schwach und wortlos, lächeln. Nicht mehr lang«, da darf er sitzen und sich seine eigene seltsam« Geschichte erzählen lassen. Noch läßt man ihn nicht fort. Der Arzt droht einen Rückfall an, und der Förster ist ebenso gutmütig wie brummig.„Junge, du bleibst!" sagt er einfach und denkt sich lauter kleine Arbeiten sür ihn aus, damit er denkt, man braucht ihn, und er schon aus Dankbarkeit onsluülen muß. Er guckt sich ott die Meta an, wie sie still durchs Haus geht, leise lacht und schöne Augen unter ihrem braunen Haar hat. Küssen möcht' er sie und reißt sich immer wieder zusammen, weil er ja ein Hergelaufener ist. weniger als ein Tagelöhner. Es gibt sehr menschenleere Strecken in Mecklenburg. Darum holten alle Fuhrwerke beim Förster. Es kommt, bald heraus, wie geschickt Hinnerk Pferden die Beschläge richtet, Wagen mit ein paar Hammerschlägen repariert und selbst mit?Nataren umgehen und den Autlern helfen kann. Im Geräteschuppen häuft sich das Handwerks- zeug. Den halben Tag hat Hinnerk für die Fremden, den Rest sür die Försterei zu tun, indem er Gerät« schmiedet und verbessert. Fortgehen will er? Hat er es nicht gut? Verdient er sich nicht sein Essen und noch Geld obendrein? Der Förster kriegt einen Wuianfall: der Gehilfe macht ein hämisches Gesicht, denn der möchte ihn las sein, wegen Meta— und die hat feuchte Augen. Ihretwegen, die gut zuredet, kann Hinnerk nicht weg. Dann sind sie allein im Zimmer. Ganz einfach kommt sie aus ihn zu, und er kann gerade noch ihren Kops in seine Fäuste nehmen; so eilig hat er es, sie zu küssen. Ja. es war nicht zu viel Arbeit in der prooiioriichcn Schmiede, doch zu wenig auch nicht. Genug jedenfalls für zivei Menschen und dafür, jeden Monat ein paar Werkzeuge, ei» paar Steine für den festen Bau des Schuppens zu kaufen und schließlich zu heiraten. Man spricht in der Gegend viel von der Waldschmiedc, wie man sie nennt, und den abenteuerlichen Borgängen, aus denen sie entstand. Meta und Hinnerk sind sehr glücklich, der alte Förster auch, und der Gehilfe hat inzwischen, weil er selbst einmal Förster sein wird, eine reich« Bauerudirn geheiratet, die jetzt das Forsthaus erweitern läßt. Man rechnet nämlich mit zwei neuen Bewohnern demnächst. Wenn ihr in diese schöne Ecke Mecklenburgs kommt, dann solltet ihr Hinnerk in�seiner Waldschmiede besiichm— vielleicht glaubt ihr sonst die Geschichte nicht einmal. 3)er tKunliler als Publikum Qeipräche mit Prominenten/ Ton Jochen Alepper Der Künstler wird, wo er selbst Publikum ist, in eine völlig neue Beziehung zu seinem Publikum, zu seinen Berufsgenossen und sich selbst gesetzt. Es ergibt sich eine höchstmögliche Vertronthrit zwischen ihm und uns. Zugleich zeigt sich aber auch am deutlich- stcn jene unaufhebbarc Bereinsamung und Besonderheit, ohne die kein Künstlertum möglich ist und ohne die kein Künstler die Fähig- kcit erlangt, gesammelter Ausdruck feiner Umwelt, Deuter feiner Zeit und enthüllender Nachgcstalter alles Geschaffenen und Ge- wordenen zu sein. Mit einigen unserer großen Künstler, die uns die ganze Diel- fältigkcit der inneren Vorgänge im Künstlertum zu erschließen ver- mögen, mit Dichtern, Schauspielerinnen, Tänzerinnen, Regisseuren und Bildhauern haben wir uns über ihre Funktionen als Publi- tum unterhalten dürfen: Mit Arnold Zweig, Hermann Stehr. Asta Nielsen, Fritzi Massar». Jürgen Fehling, Renee Sintenis, Balcska Gert und Grock. Fast durchgehend ließ sich feststellen, daß es Kunst- ler, wo sie einmal Publikum fein dürfen, auch bei aller Aufge- fchlossenheit für jede Art der Kunstüdung doch am stärksten in; Theater zieht. Darin«ins. spalten sie sich aber dann in zwei Gruppen: Di« Genießenden und die Kontrollierenden. Bei der ersten Gattung von Künstlern erstreckt sich der ange- strebte möglichst naive Genuß keineswegs nur auf das rein Stim- mungsmäßige und Inhaltliche, vielmehr eignet sich das geschärfte Wahrnehmung»- und Nachempsindungsvermögen des Künstlers auch die tlare Vorstellung vom Technisch-Konstruktiven einer anderen Kunstübung und Kunstleistung an und zwar durchaus als Gegenstand eines Genusses. Gerade dos scheint für den Künstler als Publikum bezeichnend, daß er eins fremde Kunsttcchnit genau so genießt wie einen anderen Kunstausdruck. Das Publikum, das ihn dabei umgibt, bleibt sür ihn etwas ganz Unbestimmtes, B�- schwimmendes in nebelhosten Fernen.!A r n o l d Zweig.) Innerhalb des eigenen Schaffensgebietes ist die freudige Auf- geschlossenheit nur wenigen Künstlern möglich. Denn hier kennen die Künstler zu genau den Prozeß des Gestaltens, um ihn beim Betrachten des Gestalteten nicht— oft quälend und peinlich klar — im Bewußtsein zu haben. Es ist durchaus ein Sonderfall, wenn der Schauspieler des unmittelbaren Genusses auch in der eigenen Domäne fähig ist. Die Freude, andere Menschen auf der Bühne sehen zu dürfen, ist dann aber meist so stark, daß der für soft alle Künstler elektrisierende Umstand, selbst einmal Publikum zu sein lValeska Gert), völlig durch diese Aufgeschlossenheit zurückge- drängt wird. Meist beschäftigen dann Ensemble. Regie. Jnizenie- �ung, Stoff und dramatische Gestaltung weder im einzelnen noch in ihrer Verbindung den genießenden Künstler so wie der über- ragende Darsteller. Für den Künstler als naiven Zuschauer ist der einzelne fesselnde Mensch jenseits der Rampe— als Gestalt der Dichtung und als Darfteller— so mitreißend, daß alles andere ausgelöscht wird. Das Schöpferische in jenen Künstlern schweigt beim Genuß der fremden Leistung; sie vergleichen nicht mit ihrer eigenen Auf- sassung, nicht mit den eigenen Mitteln, sondern begleiten nur die Entsaltuug einer Begabung, die imstande war. vor den anderen hervorzutreten. Dieser Verzicht auf jeden Vergleich, dies Ausschalten aller eigenen Produktivität ermöglicht die uneingeschränkte An- erkennung auch jeder gänzlich entgegengesetzten Art der Ausfassung und Gestaltung.(Fritzi M a s s a r y.) Für die Gruppe der kontrollierenden Künstler gibt es, wo sie zum Publikum gehören dürfen, keinen Genuß. Sie nehmen ständig den Vergleich mit sich selbst vor, nun aber nicht etwa in jener Verengung, die nur an die eigenen speziellen An- lagen und Methoden denkt, sondern das Wirken der anderen spiegelt in der eigenen Anschauung von den Aufgaben des Künstlers in dieser Zeit überhaupt. Einen Film, ein Schauspiel sehen, heißt sür sie alle beteiligten Faktoren einer strengen Prüfung zu unterziehen und das Publikum und sich selbst mit einzubeziehen. Die Ausnahme einer Künstler- leistung und die Betrachtung ihrer Wirkung wird über die persön- liche Kunstkritik hinaus zur Z e i t k r i t i k. Dieser Vorgang ist so wenig privat, daß diese Künstler in einer Art Zuspitzung des Ber- antwortungsgesühls in einen sichtbaren Gegensatz zum übrigen Publikum gedrängt werden und zugleich sich in immerwährendem Durchbruch ihrer künstlerischen Impulsivität zu vernehmlicher Kritik- Übung veranlaßt fühlen. Ethische Funktionen verdrängen hier das Aeschetische.(21 si a Nielsen.) Viele Künstler dieser Kategorie haben es sich fast zu einer halben Lebsnsaufgqhe gemacht, den Willen, das Wesen, die Bin- düngen und Bedingungen des Publikums zu erforschen. An jedem Wend, an dem es ihnen ihre eigene Arbeit für dos Publikum nur irgendwie gestattet, sind sie selbst Publikum. Und es ist charatte- ristisch sür sie. daß man sie in ihrer privaten Umwelt kaum kennen- lernen kann, sondern ihnen immer wieder nur in Theatern, Au»- stcllungen, Konzertsälen begegnet. Mit einer Art Selb st hup- »ose, bewußt angewandter, gelingt e« ihnen, ganz plötzlich den Künstler abzustreifen und nur als der Mensch des Publikums drunten im Zuschauerraum zu sitzen und sich aus jene Mentalität umzustellen, mit der sie sich immer wieder auseinanderzusetzen, in die sie immer tiefer einzudringen suchen.(Jürgen Fehling.) Zwischen den Laien und den Künstlern als Publikum sehen sie «inen grundlegenden Unterschied: nämlich den, daß der Laie als Zuschauer von seiner Arbeit ausspannt, während der Künstler als Publikum einen gesteigerten Arbeitsprozeß durchmacht und durch eine Skala von Empfindungs- und Denkvorgängen ge- rissen wird, wie sie ihm selbst im eigenen Arbeitsrausch kaum je- mals begegnen. Dieser Künstler geht als Publikum zunächst mit gesteigerter Eindringlichkeit den Weg de? anderen darbietenden Künstler? nach Zugleich fetzt er sich selbst in ständig durchgeführte Parallele. Unabhängig von allen Fragen des Neide» oder der An- erkennung kann er im Grunde den Erfolg des anderen gar nicht lowinenhaft genug anwachsen sehen, um sich von der Möglichkeit des Ruhmes überbaupt überzeugen zu lassen. Sodann verfolgt er mit schärfster kritischer Einstellung die Wirkung aus das übrige Publikum und zieht daraus die Folgerungen für feine eigen« Ar- beit. Er beginnt unter diesen Eindrücken bereits unaufhaltlam sich um die Lösung der Aufgabe zu bemühen, mit der er sich selbst gerade befaßt, und ersüllt damit eine derartige Pielfältigt'eit an Funktionen, daß er in den Stunden, in denen er Publikum ist, sicki mehr erschöpft als in der gewohnten, nach so aufreibenden Produk- tion selbst. Dabei trägt der Künstler dieses Tvpu« stet» klar und faßbar die Borstellung vom übrigen Publikum, das ihn umgibt, in sich. Diese Tatsache, daß etwas, dos sich stets wandelt, unbestimmbar ist, immer neu sich zusammensetzt, dennoch dos Gleiche. Greifbare bleibt, Hot für solche Künstler etwas jo Bewegendes, daß sie niemals— es sei denn in jenem Zustand einer 2lutosuggestion— im Publikum ausgehen können, sondern immer von neuem diese für sie nahezu gewaltigsten Eindrücke„Publikum" verarbeiten und für ihre eigene Leistung fruchtbar machen müssen, Selbst Publikum zu sein, heißt dann also in«inen gesteigert schöpferischen Zustand gerissen werden und eine aufwühlende, vor- wärtsdrängende Ekstase zu erleben, die dem Laien als Publikum erspart oder oersagt bleibt. Dos Ekstatische der Auinahm« und des Genusses begegnet uns namentlich an den Künstlern, deren Einsamkeit— bis zu völliger, erkämpfter Isolierung durchgehalten— ein« unumstößliche Schosfensbedingung ist. Sie kennen nicht eigentlich den Begriff Publikum. Sie leben tn der Ileberzeugung, daß es in der Kunst nur Gemeinden gibt, die verschiedenartig, aber gleichwertig neben- einandcrstehen. Sie fühlen die Bindung an ihre eigene Gemeinde so stark und so verpflichtend, daß sie sich kaum dazu entschließen können, den für sie zauberhaften Kreis auch nftr vorübergehend zu durchbrechen. Eigentlich lockt sie am meisten die von allen äußeren Umständen losgelöste Form der Kunstdarbiehung, wie sie der Rund- funk mit seiner Musik vermittelt.(Hermann Stehr.) Allen- falls zieht sie noch die Möglichkeit, ein beriühmies Orchester unter einem einzigartigen Dirigenten hören zu können, unter Menschen. Als Besucher solcher Konzerte empfinden sie die Menschen um sich nie als Publikum, das in einer bestimmten Umschichtung auch ihr Publikum ist, sondern sie sehen sich selbst in diesem Kmse ausschließlich als Glied einer neuen Gemeinde an. die sich um einen anderen Mittelpunkt gesondert bildet. Die Künstler, die als stärkste Talente ihr Schaffen als einen triebhaften Vorgang hinnehmen, denen ihr Schaffen als etwas nicht Einzuordnendes, fast Feindliche und Unbezwingbares widerfährt, kennen keine Kunst im Sinne de Musischen. Sie suchen sie nicht, sie empfinden niemand als Publikum, weil sie ja auch von einer Besonderheit des Künstlertums nichts wissen wollen. (Renee Sintenis.) Ihr eigenes Talsnt und feine Forderun- gen fassen sie genau so fremd und unbepechenbar auf wie stiüe Auswirkungen und seine Aufnahme, und genau so fremd werden sie von der Kunstübung eines anderen Künstlers berührt. Rur Hot sich ihrem Bewußtsein eingeprägt, daß sie ohne die Wiederkehr dieser beunruhigenden und befremdenden Vorgänge nicht zu existieren vermöchten.(G r o ck.) OVon Mittwoch, dem 1. Juni bis Somsfag, den 4. Juni auf alle Waren(mit Ausnahme weniger Artikel) doppelte Rabattmarken! 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