BERLIN Mittwoch l. Zum 1932 10 Pf. flr. 254 B 127 49. Jahrgang Erscheint täglich außer Sonntag«. Zugleich Abendausgade de«.Vorwärts� BejugtvretS fü» beide Ausgaben 75 Pf. uro Woche. 3,25 M. uro Monai (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ine Haus) im vorau? «abldar Postbezug 3,97 M. einschließlich KV Pf. Postzeitungs und 7? Pf Postbestellaebüdren SpJUaubgaße Jet„l/oiWuffa Anzelgenprel» i>u elnfuaittge MtlltmelerzeUe SO Pf� Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Borwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 53S. Der Verlag behält stch das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktton und Eruedttton: Berlin GW 68. Ltndenst? 3 Rfernfprecberr Dönbost(A 7) 29?— 79? Das Kabinett der Barone Von Schleicher bis papen und Neurath Gefahrensignal an der Börse Spekulation aus kommenden Lnslationskurs der neuen Regierung Die Beauftragung des katholischen Zentrumsagrariers von Papen mit der Bildung einer„Regierung der nationalen K o n z e n t r a ti o n" findet in der gesamten Presse einen von den Krisenmachern kaum erhofften Wider- hall. Zwar hält sich die Rechtspresse auffällig im Urteil zurück und beschränkt sich darauf, Nachrichten zu geben, aus denen jeder herauslesen kann, was ihm Spaß macht. Aber auch sie fühlt sich veranlaßt, wenigstens durchblicken zu lassen, daß die„nationale Opposition"— das heißt Nazis und von Papen Hugenberger— sich auch gegenüber dem Kabinett Schleicher- Papen frei fühlt und für nichhs verantwortlich sein will. In den übrigen Blättern wird besonders auf die u n- glückliche Diplomatenrolle hingewiesen, die Papen in Amerika gespielt hat und die seine jetzige Be- rufung gerade in Amerika als einen bösartigen Affront wirken läßt. Ein Mann, der im damals noch neutralen Amerika Sabotageakte unterstützte und dann — nach seiner erzwungeneu Abberufung auf die Heimreise die S ch e ck a b s ch n i t t e mitnahm, aus denen die Emp- fänger der Gelder leicht festzustellen waren, der als„Diplp- mal" so unvorsichtig war, diese belastenden Dokumente in die Hände der damals kriegführenden Engländer fallen zu laffey — ein solcher Mann kann nicht als politische Vertrauens- person irgendeines nennenswerten Teiles des deutschen Volks anerkannt werden. Aber er ist ein Jugendfreund Schleichers, mit dem er zusammen die Kadettenanstalt besuchte, und dieser Iugendfreundfchaft verdankt er sicher seine' Berufung als Regierungsbkldner mehr, als seinen politischen Fähigkeiten. Die Zentrumspresse distanziert sich unzweideutig von dem„Zentrumsmann" v. Papen. So schreibt die„Kölnische V o l k s z e i t un g", das führende Zentrumsblatt vom Rhein, die Nachricht von der Beauftragung von Papens könne man„nur mit st i l l e r Wehmut" vernehmen und man wäre geneigt, sie zunächst sür einen schlechten Scherz zu halten, wenn sie nicht auf Wahrheif beruhte. Was jetzt unternommen werde, sei nichts Halbes und nichts Ganzes. Cs sei eine Verlegenheitslösung ersten Ranges, die weitere Verlegen- heilen zwangsläufig mit sich bringen müsse. Das Zentrum lehne die verantwortliche Zeichnung für dieses Unternehmen ab. Cs sei selbstverständlich, daß Herr von Papen nicht im Einverständnis oder gar im Auftrag der Leitung der Zentrumspartei handele. Und die„S chle fische V o l k s z e i tu n g", die mehr auf dem rechten Flügel des Zentrums steht, äußert sich nicht minder unzufrieden: „Die Lösung, die man jetzt in Berlin gesunden hat, schafft«ine Halbheit. Mit Herrn von Papen fühlt sich das Zentrum weniger verbunden als je. Wir verargen ihm gewiß heute nicht mehr feine wiederholten Extratouren als Abgeordneter des frühe- ren Landtags und tragen es ihm auch nicht nach, daß er versucht hat, die Partei- und Sozialpolitik in durchaus ein- feitigem Sinne zu beeinflussen, wir müssen es jedoch ab- lehnen, in ihm als Kanzler den Vertreter des rechten Zentrums- flügels zu betrachten, wie er in verschiedenen offiziösen Meldungen genannt wird. Das Zentrum sträubt sich mit Recht, gegen seinen Willen mit Verantwortung belastet zu werden, die heute anderen zufällt, zumal wenn dieser neue Exponent als portei- politischer Außenseiter betrachtet werden muß. Mag von Paven sein Kabinett bilden und regieren, so gut er kann, das Zentrum wird ihn nicht daran hindern. Für d'e Partei kommt jetzt nach der Art und Form, in der der Abgang eines Brüning statt- sand, nur die Opposition in Frage." An der Berliner Börse hat sich die Aktienhausse der letzten Tage heute in tollen Sprüngen fortgesetzt. Die Aktienkurse schnellen nach oben, während die fe st verzinslichen w e r l e vollständig vernachlässigt sind und wieder bis zu 2 Proz. verloren haben. Man hört von den Banken, daß dort größere Kaufaufträge des Sozialdemokratische Erklärung Schärfstes Mißtrauen. Die sozialdemokratische Reichslagssraktion erklärt: Der Sturz der Regierung Brüning, der außerhalb des Parlaments durch unverantwortliche Ratgeber des Reichspräsidenten herbeigeführt worden ist, eröffnet eine außerordentlich schwere innen- und außenpolitische Krise. Die Art der Bildung und der Zusammensetzung der Reichsregierung ist gegen das volksinteresse und gibt keine Gewähr sür die Ausrechterhaltung der Sozialpolitik, insbesondere der Rechte der Arbeitslosen. Zugleich ist die Führung einer Außenpolitik gefährdet, die zu einer Wiederherstellung des Vertrauens und der notwendigen internationalen Zusammenarbeit führt. Die sozialdemokratische Reichslagssraktion ist entschlossen, gegen alle sozialreaklionären Anschläge, gegen alle inflationistischen Experimente und gegen olle Angriffe aus die Verfassung und die Demokratie den Kampf zu führen, steht der sich bildenden Regierung mit s ch ä r s st e m Mißtrauen gegenüber und wird daraus alle parlamentarischen Konsequenzen ziehen. Fraktionssitzungen im Reichstag. Im Reichstag ist heute vormittag zunächst die sozialdemokratische Fraktion fast vollzählig zur Beratung der politischen Lage zu einer Sitzung zusammengetreten. Eine ursprünglich sür 10 Ahr in Aussicht genommene F r a k- tionssihung des Zentrums ist auf 12 Ahr mittags verschoben worden. Zerner hält seit den Vormittagsstunden die Fraktion der Bayerischen Volkspartei eine Sitzung ab. Für 12 Uhr ist außerdem eine Sitzung der Fraktion der Konservativen Volksparlei und des Ehristlich-Sozialen Volksdienstes vorgesehen. Publikums vorliegen. Entscheidend sind aber sür die jetzigen sprung- haften Kurssteigerungen allein die Maßnahmen des Spekulanten- tums an der Börse. Es scheinen Kolonnen an der Arbeit zu sein, die die gegenwärtige Befürchtung, die neue Regierung werde viel- leicht Inflationspolitik machen, im eigenen Interesse aus- nützen. Die Aktienkurse sind in den ersten Stunden allein um ö bis 11 Punkte gestiegen. So z. B. 3®.-Farben von 88% auf 95, Reichs- bankanteile von 119 auf 125, Siemens von HVK auf 123, Bemberg von 32 auf 37%, Salzdetfurth-Kaliaktien von 153 auf 162. Auch die Montanaktien nahmen an der Hausse teil, obwohl sie bekanntlich sehr schlecht beurteilt werden. So erhöhten sich vor allem Stahl- werksaktien von 15% auf 17%, Mannesmann stieg von 38 auf 41. Für die Oeffentlichkeit wie für die gegenwärtig sich bildende Regierung müssen die Vorgänge auf der Berliner Börse alarmierend wirken. An der Börse zeigt sich bereits, in welcher weise das inflationserfahrene kapitalistische Deutschland aus ihre Znslationsmaß- nahmen reagieren würde. Üine wirtschaftlich günstige Wirkung könnte auch vorübergehend aus einer Jnflationsmahnahme nicht erwartet werden, weil sich alle Interessenten sofort auf die Ausschöpfung der Augenblicks- vorteile stürzen. Wenn diese Furcht vor Jnflationsmahnahmen sich auf den Börsen weiterhin in so tollen Steigerungen der Aktienkurse und gleichzeitigen starken Entwertungen der festverzinslichen aus- wirkt, steigt von neuem die Gefahr eines Runs auf Banken und Sparkossen herauf, für den nach der jetzigen Lage keinerlei Anlaß besteht. Die ungeheure Gefghrlichkeit des frevelhasten Spieles, mit dem die Schwerindustriellen und Großagrarierkamarilla durch den Sturz der Regierung Brüning die wirtschaftliche und politische Stabilität in Deutschland gefährdet hat, zeigt sich an den Börsen in wahrhast gefahrdrohenden Symptomen! oder der nationalen Einigkeit hinstellt, hat die Nation nichts zu suchen, die Konzentration oder die Einigkeit noch weniger. Zwei Militärs und einige Aristokraten bilden ein Kabinett nach dem Muster des alten Regimes, das die laufenden Geschäfte erledigen wird, bis Hitler an die Macht kommt. Denn u m die Macht wieder zu erobern, brauchen die Generale und Aristokraten einen Parven u." „Petit Parifien" ist der Ansicht, das Kabinett fei dazu bestimmt, den Uebergang zwischen der politischen Formel Brünings und der Formel Hitlers sicherzustellen. Man habe mit größter Schnelligkeit gehandelt, um die in Paris, London und Washington hervortretende Beunruhigung zum Schweigen zu bringen und auf diese Weise eine Vertagung der Lausanner Kon- serenz zu vermeiden. „Echo de Paris" behauptet, durch das neu« Kabinett werde ein« von Schleicher von Neurath Razi-Krawatte verhindert. Starke polizeiliche Sicherungen. Die Polizei hatte heute umfassende Vorkehrungen getroffen, um derart beschämende Zwischenfälle, wie sie sich gestern beim Aufziehen der Rlarinewache ereignet haben, zu verhindern. Die Anmarschstrahen der wache wurden besonders gesichert, und außerdem wurde das Begleitkommando der wachlruppe erheblich verstärkt. Auf wache zog heute wieder die Reichswehr auf. die die Marinewache ablöste. Der Ausmarsch der wache vollzog sich im großen und ganzen ruhig. Lediglich einige Razis lärmten durch Schreien. Ltebergang zum Hiiler-Faschismus. Alle Welt in der Beurteilung einig. Paris, 1. Juni.(Eigenbericht.) Der sozialistische„Populaire" schreibt zu der bevorstehenden Er- -nennung eines Kabinetts von Papen:„In einer solchen Regierung, die man natürlich als eine Regierung der nationalen Konzentration Wieder �aububerfall auf Bankfiliale. Banditen rauben die ganze Kasse aus. Wandsbeck, 1. Juni. Auf die hiesige Filiale des Bankvereins für Echleswig-Holftein A.-G. wurde ein frecher Raubüberfall oerübt. Kurz nach 11 Uhr drangen drei bewaffnete Banditen in den Kassen- räum ein. bedrohten die anwesenden Beamten mit Revolvern und raubten etwa SOOO bis 7000 Mark in bar. Bevor die Beamten sich von ihrem Schreck erholten und die Polizei benachrichtigen konnten, hatten die Räuber das Geld bereits in mitgebrachten Aktentaschen verstaut und den Kassenraum wieder verlassen. Sie sind in einem bereitstehenden Auto entkommen. Militär- und Bürokratendittatur mit Hilfe des Artikels 48 organisiert. Letzten Endes sei es aber gut, daß die Maske falle. „Figaro" behauptet, daß die neue deutsche Regierung eine Diktaturregierung sei, eine Regierung des Kampfes gegen den Sozialismus. Weiterhin prophezeit das Blatt, daß Deutschland in seiner Außen- Politik„die Maske abwerfen und mit der Faust aus den Tisch schlagen" werde. Die Rückwirkungen der Ereignisse, die sich vor- bereiteten, würden tiefgreifend sein. Man müsse sie nicht allein voraussehen, sondern sich auch darauf vorbreiten. Die„Ere Rouvelle", das Organ H e r r i o t s, schreibt, das Weimarer und republikanische Deutschland habe einen Schlag er- halten, von dem seine Gegner erhoffen, daß es sich nicht fo bald wieder erholen werde. Das sei eine sehr schwerwiegende Tat- fache. Unter diesen Umständen falle Frankreich nur die eine Pflicht zu, ohne seine Kaltblütigkeit aufzugeben, auf seinen Rechten zu bestehen, auf die es im Interesse des Friedens nicht verzichten könne.... Schleicher bestreitet Inflationsabsichten. Kopenhagen, 1. Juni. „Berlingske Tidende" wie auch die übrigen Zeitungen erinnern an von Popens Vergangenheit während des Krieges. „Berlingske Tidende" meint, werde von Papen wirklich Reichs- kanzler und gelinge es ihm, ein Kabinett zustande zu bringen, so habe dies jedenfalls den Vorteil für die deutsche Politik, daß eines ihrer rührig st en Unterseeboote an die Ober- fläche gekommen sei! Dem Korrespondenten von„Politiken" erklärte General v. Schleicher, die Regierung würde äußerst stark und aktionsfähig sein. Auf die Frage, welchen wirtschaftlichen Kurs das Kabinett von Papen steuern werde, antwortete der General, daß erst die nächsten Tage hierüber Klarheit bringen würden. Jedenfalls könne er mit aller Sicherheit aussprechen, daß die neue Regierung unter keinen Umständen Jnflationspolitik treiben werde. Dr. Schacht erklärte dem gleichen Journalisten, daß er mit der Regierung nicht irgendwie in Verbindung stehe. Er selber wolle auch nicht als Nachfolger Dr. Luthers genannt werden. Nach Lausanne müsse auf jeden Fall gegangen werden, denn es sei mehr als wünschenswert, daß die Tributzahlungen so schnell wie möglich gestrichen würden. Ein Jnflationsgespenst gebe es nicht. Belgische Besorgnisse. Brüssel, 1. Juni. Die vorerst nur kärglichen Pressekmnmentare sind durch außen- politische Besorgnisse gekennzeichnet.„Soir" schreibt, es handle sich nur um eine vorläufige Kombination, die den Aufstieg der Nationalsozialisten zur Macht in einigen Monaten vorbe- reite und durch die fortdauernde Ungewißheit die zu erwartenden diplomatischen Entscheidungen verzögere. Der flämische„Standaard" meint, die neue Regierung müsse sowohl in der Außenpolitik als gegenüber Experimenten mit der Währung mit Vorsicht handeln, weil sie sonst große politische Gefahren und ernstliche finanzielle Risiken laufe. Englische Stimmen. London, 1. Juni. Die Berliner englischen Korrespondenten bezeichnen überein- stimmend das neue Kabinett in der bisher bekanntgewordenen Zu- sammensetzung alz ein reines Uebergangskabinett, dessen Hauptaufgabe die Herbeiführung der Neuwahl des Reichs- tages sei.'Der„Times"-Korrespondent hebt als besonders be- merkenswert hervor, daß Herr von Papen durch feine Bemühungen hervorgetreten sei, auf Grund seiner Beziehungen zu den katholischen Kreisen Frankreichs eine Besserung des deulsch-sranzösischcn Verhältnisses herbeizuführen. Weiter bezeichnet es der Korrespondent als«in besonderes Merkmal des in Bildung begrissenen Reichskabinetts, daß es in ungewöhnlichem Maße von Parteibindungen frei sei. „News Chronicle" sagt u. a.: Jedermann weih, daß die Reparationssordcrungen nichtig sind, und daß Deutschland in einigen Jahren aufgerüstet haben wird, wenn die anderen Nationen nicht abrüsten. Die einzige Frage ist, ab die Politiker der verschiedenen Länder diese Ding« als Tatsache anerkennen und eine kluge und versöhnliche Politik auf ihnen aufbauen werden, oder ob sie das jetzige El«nd und die Unruhe der Welt für un- begrenzte Zeit verlängern wollen. Hierüber werden Lausanne und Genf entscheiden. Auch„Daily Mirror" drückt die Hoffnung aus, daß gerade der Ernst der Krisis in Deutschland die Staatsmänner veranlassen werde, in Lausanne eine wirklich endgültige Vereinbarung zu schließen. Kerrl rufi Polizei. Kriminalbeamte im preußischen Landtag. Im Gebäude des Preußischen Landtages ist zu der heutigen dritten Sitzung auf Ersuchen des Präsidenten Kerrl eine größere Wache von Kriminalpolizeibeamten unter- gebracht. Uniformierte Schutzpolizei ist dagegen nicht im Hause; sie be- schränkt sich auf die Umgebung des Landtagsgebäudes, die, wie bereits bei den ersten beiden Sitzungen des neuen Preußischen Land- tages, durch ein stärkeres Aufgebot an Schutzpolizei gesichert ist. Reuer Sprengskossdiebstahl in Hagen. In der Nacht zum Dienstag wurde in das Sprengstofflager der Dolomit-A.-G. in Hagen eingebrochen. Dabei wurden vier Pakete etwa 20 Pfund Clorapit III und 50 Sprengkapseln mit Jsolier-Kupferdraht(Mo- mentzllndung) gestohlen. Pangalos, dem ehemaligen Diktator Griechenlands, ist ein neuer Verbannungsort auf der Insel Korfu angewiesen worden. Kanzler Papen und Amerika Verblüffung und Empörung über diese Ernennung New Bork, t. Juni. sEigenbericht.j Ter Sindruck der bevorstehenden Ernennung von Pnpens» des früheren Militärattaches bei der deutschen Botschaft in Washington, ist inner- und außerhalb der amerikanischen NegierungSkreise geradezu verheerend. In Regierungskreisen bezeichnet man die bevorstehende Ernennung trotz merkbarer Zurückhaltung als unverständlich und unerklärlich. In der Presse zeigt sich starke Gereiztheit gegenüber Herrn von Papen, dessen Spionageaffären während des Krieges spaltenlang bis ins einzelne geschildert wer- den. In Riesenübcrschriften wird zugleich festgestellt, daß dieser Mann, der vor der Kriegserklärung Amerikas wegen Spionage aus Amerika aus- gewiesen wurde, jetzt der Reichskanzler Deutsch- lands werde.„Herald Tribüne" schreibt, daß der Name von Papen in Millionen von Amerikanern die Ereignisse des Krieges wachrufen würde. Zusammenfassend ist festzustellen, daß die Kanzler- schuft Papcns den deutschen Interessen in Amerika ab- t r ä g l i ch ist und nicht ohne Nachwirkungen bleiben wird. „New Pork Herald Tribüne" schreibt: Die Beauftragung von Popens mit der Bildung eines Reichskabinetts ist ebenso überraschend wie die Nennung der Namen Neurath, Goerdeler und Schleicher, der verantworilich ist sür die reaktionäre Beein- slussung hindenburgs. Ein solches Kabinett ist selbstverständlich ein Schleicher- oder Militärkabinett, nur schlecht durch eine Rechtskoalition verhüllt. Die Stellung von Popens im rechten Flügel der Zentrums- partei war die eines K r i e g s w ü t i g e n und Störrischen, der vom Kurs Brünings ebenso weit entfernt ist wie von Hugen- berg, dessen Presse ihn als einen Liberalen angreife, der mit den Franzosen paktiere. Nichts beweist besser, daß das Kabinett Papen ein überparteiliches Instrument Hindenburgs, Schleichers und der Reichswehr ist, als die Tatsache, daß die Nationalsozialisten ausgeschlossen sind. Auch England ennnsri sich. London, 1. Juni.(Eigenbericht.) Die englische Presse bringt noch keine Kommentare zur Be- trauung von Popens. Die Ueberschriften der Blätter über die Meldungen der Berliner Sonderkorrespondenten sind aber deut- lich. So heißt es:„Berüchtigter Verschwörer in USA. als Reichskanzlerkandidat",„Der Mann, den Amerika auswies" und„Kriegsspion soll Regie- r u n g bilde n". Die englischen Blätter veröffentlichen Bilder des damaligen Hauptmanns von Papen in Friedensuniform und Helm. Drama eines Arbeitslosen Gasied von Mann, Krau und Kind Ein furchtbares Famlliendrama ist in den heutigen Morgenstunden im hause Swinemünder Straße 84 im Rorden Berlins entdeckt worden. In dem Schlafzimmer ihrer Wohnung wurden der 37 Zahrc alte arbeitslose Wickler Bruno Bauers, seine 35 Zahre alte Ehefrau Johanna und der 12 Jahre alte Sohn Friß durch Gas vergistet tot aufgesunden. Lange Arbeits- losigkeit des Mannes dürfte die Familie in den Tod getrieben haben. Aus den hintcrlassenen Aufzeichnungen gehl hervor, daß Frau B. die Initiative zu dem dreifachen Selbstmord ergriffen halte. Die Eheleute Bauers bewohnen im zweiten Stock des Hauses Swinemünder Straße eine kleine Wohnung. Ihr 12jähriger Sohn schlief bei ihnen im Zimmer. Gestern abend waren die Eheleute ausgegangen und hatten ein nur wenige Häuser weiter gelegenes Restaurant aufgesucht. Dort zechten sie noch in später Stunde. In leicht angetrunkenem Zustand machten sie beide dem Wirt gegen- über Aeußerüngen, daß sie ihr Leben nicht mehr aus- halten könnten und lieber in den Tod gehen als noch weiter hungern würden. Alsdann entfernten sie sich. Am Mittwoch morgen fiel dem Gastwirt die Redensart Bauers ein, und er schickte sofort einen jungen Mann in die Wohnung der Leute, der aber bei ihnen keinen Einlaß fand. Hausbewohner hatten inzwischen durch- dringenden Gasgeruch wahrgenommen. Man öffnete jetzt gewaltsam die Eingangstür und sand gleich darauf die Eheleute sowie ihr Kind in ihren Betten liegend durch Gas vergistet tot auf. Ein Arzt konnte nur noch feststellen, daß der Tod bei allen dreien etwa gegen 3 Uhr morgens eingetreten sein muß. Der Gasgeruch im Haufe war so stark, daß sich die herbei- gerufenen Beamten noch um eine andere Familie kümmern mußten, die durch die ausströmenden Gase in Mitleidenschaft gc- zogen war. In der darüberliegenden Wohnung im dritten Stock waren die Bewohner total benommen, und ihre beiden Kinder litten unter starkem Brechreiz: sie muhten sich sofort in ärztliche BeHand- lung begeben. Tragödie in Charlottenburg. Witwe geht mit der Tochter in den Tod. Eine Tragödie hat sich heute vormittag gegen 11 Uhr im hause Knesebeckstrahe 8b in Charlottenburg abgespielt. Im ersten Stockwerk des Gartenhauses bewohnt dort die 41jährige Witwe Gertrud Krall mit ihrer 12 Jahre alten Tochter Ruth eine größere Wohnung. Hausbewohner bemerkten heute vor- mittag auf dem Treppenflur starken Gasgeruch, der aus der Wohnung der Witwe drang. Die alarmierte Polizei und Feuer- wehr drangen gewaltsam ein, und im völlig mit Gas ersüllten Schlafzimmer fanden die Beamten Mutter und Kind leblos auf. Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Frau Krall hat am 2. Osterfeiertag ihren Mann, der Inspektor an einem Berliner Krankenhaus war, durch den Tod verloren. Wiederholt hatte die Frau versucht, ihren großen Haushalt aufzuiösen, es hatten sich aber nicht die geeigneten Interessenten gefunden. Aus Angst vor einer trüben Zukunft scheint Frau Krall den Entschluß gefaßt zu haben, aus dem Leben zu scheiden und das Kind mit in den Tod zu nehmen. Die Leichen find von der Statsanwaltfchaft beschlag- nahmt worden. Der Roman um den Rundjunk. Oer Prozeß Scharnke-Zlesch vor seinem Ende. Am Dienstag vormittag wurde im großen Schwur- gerichlssaai in Moabit die Verhandlung gegen den Musik- schriststellcr Schämte wegen Beleidigung des Rundfunk- inkendanlen Dr. Flesch forkgescht. Während am Montag die Partei des Angeklagten Scharnke ausdrücklich beantragt hatte, den für die Anklage maßgeblich ge- wesenen Roman zu oerlesen, ersuchte sie am Dienstag das Gericht plötzlich, von der Verlesung des Buches bis auf einige besonders schwerwiegende Stellen Abstand zu nehmen. Gegen diesen„Ver- gleichsoorschlag" wandte sich nunmehr auch der Vertreter der An- klagebehörd«, Staatsanwaltschaftsrat Dr. Fischer. Die Zuhörer Ministerium v. papen .Fünf Adlige, keine Arbeiter,- endlich einmal eine Dolksregierung nach meinem Zunkerherzen!" waren also verurteilt, den Roman, dessen literarische Wertlosigkeit hier schon vorsichtig angedeutet wurde, bis zu seinem Ende anzu- hören. Er hätte niemals irgendwelche Bedeutung erlangt, wenn nicht auf fast jeder Seite mehr oder weniger erkennbar« Bor- kommnisse angedeutet wären, die zwar in den Phanwsiebercich des Verfassers gehören, jedoch geeignet sind, Persönlichkeiten der Berliner Funkstunde fälschlich zu belasten. Bevor das Buch im Handel erschien, wurde es Dr. Flesch durch einen nationalsozia- listischen Schriftsteller zur Verfügung gestellt. Die Beschlagnahme konnte rechtzeitig erfolgen. Während der Begründung der Beweisanträge nahm der Verteidiger des Angeklagten, Rechts- anwalt Sack, zu einer von ihm geäußerten Bemerkung Stellung, die der„V o r w ä r t s" wiedergegeben hatte. Sack beschwerte sich darüber, daß man die Worte„Deutsch der Rundfunk" nicht gebrauchen könne, ohne daß sie von der Presse beanstandet würden. Er vergaß dabei nur, daß er selbst es war, der diesen Prozeß auf ein parteipolitisches Gebiet brachte, dessen Richtung schon durch die von ihm benannten Zeugen umrissen wurde. Sack beantragte, neben dem Rundfuntkommissar Bredow, der die Rund- funkreden des früheren Reichskanzlers Brüning zuließ, T h ä l- mann und Hitler zu laden, damit beide, ebenso wie der nationalsozialistische Ministerialrat Scholz, der Borsitzende des Nationalsozialistischen Hörerverbandes, und Herr Hugenberg aussagen können, daß„der Rundfunk die Politik einer bestimmten Parteiclique unterstütze". Alle weiteren Beweisanträge dieses Verteidigers hatten die gleiche Grundlage Schließlich wurde dem Intendanten Dr. Flesch vorgeworfen, daß er insolgc seiner politischen und kulturellen Borbiidung ungeeignet sei, den Posten eines Ber- lmer Rundfunkintendanten auszufüllen. Es war demnach eine durchaus begründete Ansicht des Verteidigers des Nebenklägers Flesch, Dr. vom Berg, als er der Meinung Ausdruck gab, daß Rechtsanwalt Sack nicht zuni Gericht sprach, sondern politische Agitationsreden an die Zuhörer hielt, die sich zum großen Teil aus der Leserschaft der von Scharnke redigierten Funkzeitschrift zusammensetzte. Die Beweisantrüge waren gestellt, nicht etwa im Zusammenhang mit den im Roman Echarntes aufgestellten Behaup- tungen, sondern in der stillen Absicht, aus den Antworten von Dr. Flesch Tatsachen zu konstruieren, damit im Rundfunk einmal „der Saustall ausgemistet werden kann". Sämtliche Beweis» antrüge des Rechtsanwalts Sack wurden vom Gericht abgelehnt. Das Urteil ist am Donnerstag zu erwarten. Der Vräsidentcvmörder Gorgnloff ist von den Pariser Irren- Lrzten als vollkommen verantworilich für sein Verbrechen erklärt worden. Verkehrsunglüt? in Lichtenberg. Feuerwehrmann und zwei Motorradfahrer verletzt. In der Prinz-Albert-Straße in Lichtenberg ereignete sich in der vergangenen Nacht ein schwerer Verkehrsunfall, bei dem drei Per- sonen oerletzt wurden. Gegen 3 Uhr prallte in der Prinz-Albert- Straße ein Motorradfahrer mit einem Pferdegespann zusammen. Ter Zusammenstoß war so heftig, daß das Motorrad völlig zer- triimmert wurde. Der Führer, ein 25 Jahre alter Student Erich Winter aus der Türrfchmidtstraße 4t in Lichtenberg, und sein Begleiter, ein 2Sjähriger Bankbeamter Kurt K n a p e aus der Schillerstraße in Lichtenberg, wurden mit schweren Verletzungen ins Lichtenberger Krankenhaus gebracht. Bei den Aufräumungs- arbeiten durch die Feuerwehr trug sich noch ein bedauerlicher Unfall zu. Der Feuerwehrmann G l e i ch f e l d wurde von einem vor- überfahrenden Auto erfaßt und schwerverletzt. G. fand im Augusle-Viktoria-Krankenhaus Aufnahme. Effekienschiebungen. Oer Lebende weiß von nichts, der Tote ist an ollem schuld. Der sensationelle Selbstmord des Bankiers Karl Blum, der sich aus dem vierten Stockwerk der Zollfahndungsstelle stürzte, steht im Mittelpunkt des Interesses einer Verhandlung des Schnell schösse n gerichts Berlin-Mitte. Der Sozius Blums, der Bankier Bernheim, hat sich wegen Verstoßes gegen die Devisenverordnung zu verantworten. Neben Bernheim sitzt auf der Anklagebank der Mittelsmann Kahn aus Basel. Er läßt sich von Rechtsanwalt Dr. Klee verteidigen, während dem Bankier Bernheim die Rechtsanwälte Professor Dr. Alsberg und Dr. Gollnick zur Seite stehen. Der Fall ist typisch für den Grenzschmuggel mit Wertpapieren und zeigt, wie leicht er vonstatten geht. Der Kaufmann Kahn, Inhaber einer Weinsirma in Basel, hat in Zürich für das Bankhaus Bernheim und Karl Blum Effekten (Wertpapiere) gekauft, sie in einer Aktentasche nach Lörrach in Baden geschmuggelt, von hier aus nach Berlin geschickt, den Erlös als Wertbrief an die Adresse des Schließfaches der seit langem stillgelegten Firma S. Kahn erhalten und für das Geld in Zürich immer neue Effekten erworben und stets auf demselben Wege wieder nach Berlin geschafft. Vom Dezember tS31 bis zum 45. Februar d. I. sind auf diese Weise Effekten im Werte von 323 09(1 Mark nach Deutschland geschmuggelt worden. Es handelt sich in der Hauptsache um Schade-Aktien, JG.-Farben und Rheinisch-Westfälische Hypothekenaktien. Als aber in Deutschland die ersten Fälle von Deoisenschiebungen strafrechtlich verfolgt wurden, bekam es Kahn mit der Angst. Er veranlaßt? seinen Bruder, den Inhaber des Bankhauses Hugo Kahn in Zürich, der für ihn die Eftektenkäufe tätigte, mit den Käufen zu stoppen. Der Angeklagte Kahn erklärt, daß er gelegentlich eines Be- fuches in Berlin bei dem Bankhaus Bernheim und Karl Blum durch den verstorbenen Blum auf die Idee des Eftektenschmuggels gebracht worden sei. Der Angeklagte Bernheim sei während der Verhandlung nicht zugegen gewesen. Er, Kahn, habe beim Bank- haus Bernheim und Karl Blum eine Schuld von 18000 Schweizer Franken gehabt, die er nicht habe abdecken können. Blum Hab« ihn vor die Alternative gestellt, entweder die Schuld abzudecken oder für die Firma Esfektenkäufe auszuführen. Nach längeren Ueberlegungen habe«r sich zu letzterem entschlossen. Der Angeklagte B e r n h e i m erklärt, von dem Effekten- schmuggel nichts gewußt zu haben. Der verstorbene Blum habe ihm gesagt, es handle sich um Aufträge von früheren deutschen Kunden der liquidierten Bankfirma Kahn in Zürich. Er habe mit den Kundengeschäften nichts zu tun und auch die in Frag« kommende Korrespondenz nie eingesehen. Dem Angeklagten Bernheim wird aber weiter zur Last gelegt, daß sein Bankhaus für holländische und deutsche Bankhäuser Effekten im Werte von 2 Millionen Mark verkaust und den Erlös nach Holland gebracht habe. Die ent- sprechenden Buchungen sind aus Deckadressen vorgenommen worden. Auch in diesem Falle soll nach den Behauptungen des Bankiers Bernheim die Schuld den durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Blum treffen. Dieser habe ihm eines Tages gesagt, daß erstklassige 5kunden, die aus steuerlichen Gründen unbekannt bleiben wollen, große Aufträge aus Effekten- käufe zu erteilen beabsichtigten. Sie besäßen im Auslande Effekten, wollten sie jedoch in Deutschland verkaufen, um das Geld in Deutsch- land anderweitig anzulegen. Da sie mit Namen nicht genannt sein wollten, wurden die Käufe rm Namen verschiedener rheinischer Banken getätigt. Zur Verhandlung ist eine große Anzahl Zeugen geladen. Wissenschast in der Goeche-Stadt 21. Hauptversammlung der Gesellschast zur Förderung der Wissenschaften Gklarek-prozeß kommt zum Schluß. Heute Plädoyers zum Stadtbanttomplex. Die Fortführung der Anklagerede im Sklarek-Prozeß hat jetzt erhebliche Fortschritte gemacht, so daß heute bereits von Staats- anwaltschaftsrat Jäger das Wort zum Stadtbankkompler genommen wurde und man für Freitag vormittag mit den Straf- antrügen rechnen kann. Staatsanwaltschaftsrat Jäger, der die Anklage zum Stadtbank- komplex vertritt, begann seine Ausführungen mit der Feststellung, daß eine der schwersten Beschuldigungen, wegen derer das Haupt- verfahren gegen Willy und Leo Sklaret eröffnet wurde, der fort- gesetzte Betrug und die sortgesetzte schwere Urkunden- s ä l s ch u n g zum Nachteil der Stadtbank sei. Die Hauptverhand- lung habe zweifelsfrei erwiesen, daß die beiden Angeklagten Willy und Leo Sklarck sich dieser Verbrechen schuldig gemacht haben, daß Leo und Willy Sklarek ferner Betrug an der Dresdener und Ostbank begangen haben, und daß Lehmann und Tuch Beihilfe zum Betrug an der Stadtbank geleistet haben, Gabel Beihilfe zum Betrug an der Dresdener Bank und daß schließlich die beiden Stadtbankdirek toren Schmitt und Hosfmann der schweren passiven Bestechung schuldig seien. Die Straftaten hätten bereits im September 1025 eingesetzt, und drei Monate nach dem ersten Kredit habe Leo Sklarek dem Mitangeklagten Buchhalter Lehmann den Auftrag gegeben, Rechnungskopien über Lieferungen auszustellen, die gar nicht er- folgt waren. Nach drei Monaten sei schon das ganze Sicherungs- system der Stadtbank durchbrachen worden, und es habe dazu ge- führt, daß der Kredit, der eine Gesamthöhe von 10 Millionen er- reichte, nur aus gefälschten Unterlagen basierte. Im ganzen seien Rechnungen für 20 Millionen Mark geiälscht worden, und der Buchhalter Lehmann habe insgesamt 218 falsche Urkunden auf Ver- anlassung der Sklareks angefertigt, indem er zum Teil echte Unter- schriften der Beamten einfach auf den Bestellformularen der Be- zirkcämter durckpauste. Als der Staatsanwalt auf den Werdegang der Stadtbankdirek- toren Hinweis, sank der Angeklagte Hoffmann in sich zusammen und weinte vor sich hin. Dem Ausschuß für Literatur und Kunst des Völkerbundes fol- gend, der in den Pfingsttagen eine Sitzung zu Ehren Goeches in Frankfurt a. M. abgehalten hat, nahm auch die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschasten die Einladung der Stadt Frankfurt an und war hier zu ihrer 21. Hauptversammlung zusammenge- kommen. Man darf darin eine Huldigung für den größten Geist des Abendlandes erblicken, denn die Gesellschaft verfolgt ja durchaus in Goethefchem Sinne den Zweck, die Wissenschaften insbesondere durch Gründung und Erhaltung naturwissenschaftlicher Forschungs- institute zu fördern. In diesen Forschungsinstituten, deren die Gesellschaft zur Zeit 33 unterhält, sollen die leitenden und mitarbeitenden Gelehrten von den lastenden Pflichten des Unter- richts möglichst befreit werden. Ein Teil der Institute wird durch die Beiträge der Mitglieder, aus den Zinsen von Stistungskapi- talien und aus Zuschüssen des Reiches und Preußens unterhalten, der andere Teil durch die Wirtschaft dotiert, ohne daß dadurch je- doch die Forscher Jnteresseneinflüssen zu unterliegen brauchen. Die Beteiligung an der Hauptversammlung war großi mehrere hundert Teilnehmer hatten sich angesagt. Der Präsident der Ge- sellschaft, Professor Max Planck, erstattete den Tätigkeitsbericht für das Hahr 1331/1032. Dem allgemeinen Bericht ist zu entnehmen, daß sich die schwere wirtschaftliche Krise auch aus die Zuschüsse der öffentlichen Hand und der privaten Gönner in erheblichem Maße auswirkte. Der Etat aller. Institute mußte wesentlich gekürzt werden, so daß nur die wichtigsten Forschungen in verkleinertem Rahmen weitergeführt werden konnten. Es wird die dringende Hoffnung ausgesprochen, daß weitere Abstriche unterbleiben: andernsalls werde es nicht mehr zu vermeiden sein, daß die deutsche Forschung ihren Platz in der wissenschaftlichen Welt einbüße. Wie stark die Gesellschaft durch die Krise in Mitleidenschaft gezogen wurde, geht daraus hervor, daß sie 93 Mitglieder verlor. Neu aufgenommen wurden 33 Mitglieder. Im Institut für Anthropologie mußten aus Mangel an Mitteln die experimentellen Arbeiten teils abgebrochen, teils erheblich eingeschränkt werden: auch die anthropologischen Er- Hebungen im Lande mußten zeitweise ruhen: immerhin ist eine Reihe Arbeiten abgeschlossen worden, andere sind noch im Gang. In der eugenischen Abteilung werden Untersuchungen Professor Muckermanns durchgeführt über die Unterschiede der Kinderzahlen einzelner sozialer Gruppen. Von den Arbeiten im I n st i u t für K o h l e n f o r s ch u n g in Mühlheim(Ruhr) ist die Fortsetzung der Arbeiten über die Verwendung von Kohlen als Düngemittel beson- ders zu erwähnen, wobei bedeutende Wachstumssteigerungen erzielt wurden. Das Institut für Lederforschung führte die Arbeiten über Theorie und Praxis der Rohhautkonscrvierung in- tensiv weiter: interessante neue Gesichtspunkte wurden gewonnen. Von den Arbeiten der Gesellschaft sollten die Wissenschaft- lichen Vorträge Zeugnis ablegen, die für die Hauptversamm- lung vorgesehen waren. Leider wurde in letzter Stunde einer davon abgesagt, und zwar der Vortrag ,.Der internationale Richter", den Professor Bruns, Direktor des Instituts für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, hätte halten sollen. Als erster sprach Professor Dr. H a u s e r, Direktor des Instituts für Physik am Institut für medizinische Forschung, Heidel- berg, über „Zarben in der belebten Natur". Der Vortrag ging aus von den verschiedenen Antworten, die der Chemiker, der Physiker und der Biologe auf die Frage nach der Farbe in der Natur geben, und untersuchte die Beziehungen zwischen Farbe und chemischer Konstitution. Die ungesättigten Kohlenstoffoerbindungen spielen bei den Farben in der Natur eine wesentliche Rolle. Der Redner erörterte die verschiedenen Probleme und beklagte es schließlich, ironisch— wahrscheinlich deshalb, weil wohl die meisten der Laienzuhörer von seinen Ausführungen nichts verstehen konnten—, daß die Natur dem, der sie ergründen will, das Leben unendlich schwer mache. Auf der gleichen hohen wissenschastlichen Stufe, und doch ein wenig allgemeinverständlicher, stand der Vortrag von Professor Dr. H a r t m a n n, Mitglied des Instituts für Biologie, Berlin, über „Befruchtung und Sexualität". Die Forschung der letzten Jahrzehnte hat ergeben, daß von den drei Hypothesen über Besruchtung, die in den 70er und 80er Jahren das Denken der biologischen Forscher beherrschten, nur noch die Blltschli-Schaudinnsche Sexualitätshypothese übrig geblieben ist. Nach ihr ist jede Zelle schlechthin bisexuell und besitzt die vollständigen Anlagen oder Potenzen des männlichen und weiblichen Geschlechts. Durch überwiegende Entsaltung der einen und Unterdrückung der anderen Potenzen kommt es zur Bestimmung männlicher oder weib- licher Geschlechtszellen(Gameten). Diese Hypothese wurde zunächst auf Grund von Pratistenstudien aufgestellt, völlig unabhängig da- van haben aber die neueren Versuche von Correns, Goldschmidt, Morgan u. a. über die Geschlechtsvererbung bei höheren Pflanzen und Tieren grundsätzlich zu den gleichen Schlußfolgerungen über die Sexualität geführt. Die Bestimmung des männlichen oder weiblichen Geschlechts kann sowohl durch Außensaktoren als auch erblich durch besondere geschlechtsbestimmende Faktaren bewirkt werden. Auch dort, wo die verschmelzenden Geschlechtszellen nicht wie bei höheren Tieren in Ei- und Samenzellen unterschieden werden, sondern wie bei vielen Einzelligen und Algen völlig gleich sind, konnte meist«ine physio- logische sexuelle Difserenz nachgewiesen werden. Der Redner stellte als Ergebnis fest, daß die Berechtigung der Grundlage der Allge- meinen Sexualitätstheorie, nämlich die jeder Zelle innewohnende bisexuelle Potenz, erwiesen sei. Eine Versammlung der Mitglieder schloß sich an die Hauptversammlung an. Präsident Planck kam noch einmal auf den Rückgang der Mitgliederzahl zurück, die heute noch 329 beträgt, und richtete den Appell an die Mitglieder, nicht nur der Gesell- schast treu zu bleiben, sondern auch neue Mitglieder zu werben: jedes neue Mitglied müsse in dieser Zeit der Not doppelt gezählt werden. Dann wurde die Verleihung der Adolf-Harnack- Medaille bekanntgegeben. Sie ist eine Reihe von Jahren nicht vergeben worden, aber dieses Jahr wird sie an den ersten Sichatz- meister der Gesellschaft Franz von Mendelssohn- Berlin und den Direktor des Instituts für Biologie in Berlin Professor Carl Correns verliehen. Dem Kassenbericht ist zu entnehmen, daß Aktina und Passiva der Gesellschast sich mit 3 432 000 Mark, und Gewinn- und Verlustkonto mit 4 083 000 Mark ausgleichen. Zwei Lahre Arbeit um einen Vogel. Oie(5elebes-?ialle. Im Urwald von Celebes gibt es eine Rolle, die so gut wie verschollen ist, das wußten die Ornithologen. Und da das a m e r i- konische Museum für Naturkunde einen Balg von dieser Ralle haben wollte, wurde der deutsche Forscher Gert Heinrich in die Mllhsale der Urwälder von Celebes geschickt. Er dachte, er würde nach Ablauf von ein paar Monaten diese Ralle wohlkonser- viert nach Amerika schicken können. Doch schon unsere deutschen Rallen(Wasser-, Teikhühner und der Wachtelkönig gehören zu ihnen) besitzen eine Meisterschaft darin, sich zu verbergen. Noch besser versteht das die Ralle von Celebes, da ihr der üppige Pslanzenwuchs ihres Aufenthaltsortes zugute kommt. Gert Heinrich zog mit seiner Frau und seiner Schwägerin als unermüdlichen Präparatorinnen hinaus und entdeckte in Celebes eine Reihe bisher noch völlig unbekannter Arten und sogar Gattungen von Vögeln und Säugetieren. 8000 Tiere wurden von den fleißigen Frauenhänden präpariert, die schwer unter dieser Arbeit litten: denn der stete Gebrauch von Arsenik rief böse Eiterungen hervor. Nicht nur die Arbeit, auch die Reisen waren beschwerlich, und von ihnen erzählte Gert Heinrich im Beethoven-Saal. Die drei mußten in die ungesunden Hochgebirgsregionen, sie mußten Monate im Lichtmangel des Urwaldes verbringen, geplagt vom Dauerregen, sie wurden von Blutegeln gepeinigt. Die Reisenden wurden von Malaria, Typhus und Ruhr befallen und gaben doch die Suche nach der Ralle nicht auf. Aus einer Molukkeninsel sanden sie eine Rallenart. Darauf kehrten sie dann mit allerletzter Kraft noch ein- mal nach Celebes zurück, und halbnackt und trotz all der Dornen barfuß, damit die Ralle nicht verscheucht wurde, gelang es endlich. am 18. Januar dieses Jahres die unscheinbare, graue Ralle zu er- legen. Die Ausbeute der Expedition wird, obwohl Amerika das Geld gab. zwischen dem amerikanischen Museum für Naturkunde und dem deutschen Museum für Naturkunde geteilt werden, e. b. Eine neue arktische Expedition. Das Arktische Institut zu Leningrad veranstaltet anläßlich des jetzt beginnenden zweiten internationalen Polarjahres 1932/33 eine große Forschungsexpedition in die Arktis. Sie wird unter der Leitung von Professor O. I. Schmidt auf dem Eisbrecher„Sibir- jakow" im Juni von Archangelsk ihren Ausgang nehmen und sich zunächst durch das Karische Meer zu der Dickson-Jnsel und an die Ienisseimündung begeben. Nach Auffüllung des Kohlenvorrats wird das Schiff zum Kap Tlcheljuskin fahren, wo es Material und Personal für eine dort zu errichtende neue große Polarstation aus- laden wird. Es wird dann in die Laptew-See vordringen, um nach dem oermuteten Sannikowland zu forschen und hierauf ihren Weg in das Ostsibirische Eismeer fortsetzen, um die genaue Ortslage des sogenannten Andrejew-Landes festzustellen. Dieses Gebiet, d. h. die Strecke zwischen den Neusibirischen Inseln und der Wrangel-Insel, ist bisher noch von keinem Schiff befahren worden. Wegen der Packcisstauungen in diesem Meeresabschnitt beabsichtigt man die er- forderlichen Rekognoszierungen mit Hilfe von Flugzeugen vorzu- nehmen. Die„Sibirjakow" wird ihren Rückweg nach Archangelsk durch die Bering-Straße, über Wladiwostok und den Suezkanal rund um Europa nehmen und damit eine Umschiffung von ganz Eurasien vollbringen. Kunst auf Isteisen. Die gemeinnützigen Wanderbühnen, deren Staats- Zuschüsse noch immer im Ungewissen sind, weisen durch ein paar nüchterne Zahlen ihre Daseinsberechtigung und kulturelle Bedeutung aus. Die theaterlosen Städte im weiten Kreis um Berlin bis hinauf zur Ostsee werben durch drei Wanderbühnen bespielt. Das O st- deutsche Landestheater des Verbandes der deutschen Volks- bühnenvereine behauptet erfreulicherweise mit 14 Einstudierungen und 279 Aufführungen seine führende Stellung. Im Spielplan des Jahres 1931/32 waren zwei Uraufführungen— Stemmles„... und Ponte schweigt dazu" und(gemeinsam mit der Berliner Volksbühne) Schureks„Kamerad Kasper". Das Pommersche Bundes- t h e a t e r konnte es bei 19 Einstudierungen zu 152 Ausführungen bringen, und die in letzter Zeit etwas in den Hintergrund getretene Wanderbühne der Gesellschaft für Volksbildung erreichte 125 Auf- führungen bei 7 Einstudierungen. Der Bühnenoolksbund hat seine Wanderbühne aus der Proving Brandenburg sast gänzlich zurück- gezogen. Man möchte wünschen, daß die Kulturarbeit der gemein- nlltzigen Wanderbühnen bei allen ösfentlichen Stellen eine gerechte Würdigung erfährt, und ihnen die Möglichkeit der Weiterarbeit gesichert wird. Auch der Tilania-Palost in Steglitz ist dazu übergegangen, einen stummen Film auf sein Programm zu letzen. Diesmal erleben wir eine Neuaufführung des Films von Agnes Günther„D i e Heilige und ihr Narr" mit Wilhelm Dieterle und Lien Deyers in den Hauptrollen. Voran ging ein ausgezeichneter Kultur- film der UFA, der uns mit der„Tierwelt im Teich" bekannt macht. Schmidt-Gentner begleitete den Film mit dem Titania- Sinfonie-Orchester. das lebhafte Anerkennung fand. Deutsche Schauspieler in Stockholm. Zum erstenmal seit langem wehte heute am dramatischen Theater zu Stockholm die deutsche Flagge. Fritz K o r t n e r brachte mit einer deutschen Sckiauspieler- truppe Alfred Neumanns„Patriot" zur Ausführung und erntete starken Beifall. Festkonzert für Ertvin Lcndvai. Erwin Lcndvai, der Wegbahner auf dem Gebiete des modernen Chorschafsens, begeht Sonnabend seinen 50. Geburtstag. Zwei unserer leistungssähigen Chorvereine, der Lendvai-Chor und der Bolkschor und sein Kinder- und Jugend- chor, 400 Mitwirkende, werden in einem Konzert Einblick in das Schaffen Erwin Lendvais geben Im Mittelpunkt steht ein Jugendwcrk „N i p p o n", Chorsuite für weibliche Stimmen. Sein Gegenstück ist der Minnerchor„Brügge. Kinder- und Gemischter Chor vereinigen sich zur Wiedergabe der Chorkantate„W ir wollen bau' n". Als einer der besten modernen Kampfgcsängc ist sein ,,K a m p s l i e d der Arbeit" anzusprechen. Diesem Werk für Mannerchor folgt„Wahlspruch der Menschheit", der uns von dem l. Deutschen Arheiter-Singerbundesfest noch in bester Erinnerung steht. Eine große Anzahl von Gesängen für Männer- und Gemischten Chor vervollständigen den Ucberblick. Tie Bcr- anstalwng steht unter der Leitung von Georg Oskar Schumann und Dr. Ernst Zander. Der Neinertrag ist Erwin Lcndvai, der anwesend sein wird, zugedacht.— Arbeitslose erhalten zu dem Konzert in der Phil» Harmonie Karten zu 50 Pf. gegen Ausweis an der Abendkasse. Ein- heitspreis I Mk.— Beginn 8 Uhr abends. In der Komischen Oper beginnt Freitag das Gastspiel der Dresdener Komodie mit„C h a r l e y S Xante". Von der„Ginheitsfront". Oer Zweck der Llebung. Thal mann sprach am Freitag und die„Rote Fahne" be- richtet am Dienstag: „Die gesamte Parteiorganisation muß die Hauptkräfte auf die Schmiedung der Einheitsfront in den Groß- betrieben, auf die Führung des Kampfes um die Tagesforde- rungen in den Abteilungen der Großbetriebe konzentrieren. Wir werden aber nur dann eine breite Welle von Streikbewegungen in den Großbetrieben auslösen können, wenn wir durch unermüdliche Arbeit unter den Gewerkschaftsmitgliedern in den Betrieben eine breite Oppositionsbewegung in den reformistischen und christlichen Gewerkschaften schaffen... Deshalb find alle Kommunisten zur gewerkschaftlichen Fraktionsarbeit in den Betrieben und in den reformistischen und christlichen Gewerkschaften verpflichtet, um die gemeinsame Kampsfront aller Arbeiter— ungeachtet der Organisationszugehörigkeit— zu schmieden." Unter der Führung der KPD. und ihrer REO. Unsere Hammerschaften in den Betrieben können der kommunistischen Plantscherei in Streikwellen keinen Spielraum lassen. Jeder not- wendige Streik, der mit einiger Aussicht auf Erfolg geführt wer- den soll, hat zur ersten Boraussetzung eine starke gewerkschaftliche Organisation. Organisationszersplitterer können Pa- rolen ausgeben, so viel und so oft sie wollen, in Streikfragen aber haben sie nicht mitzureden. Rundfunk am Abend Mitiwoch, den I.Juni. Berlin. 16.05 Hörbericht von der Spargelzudit in Ger- wisch b, Magdeburg(W. Stölting). 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Jugendstunde.(Sprecher: W. Dirnau.) 17.50 Die geistige Höhe des Urmenschen.(Dr. O. Hauser.) 18.15 Lauteulieder. 18.35 C. Hagemann: Eigene Prosa. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Die Persönlichkeiten des neuen Kabinetts (Dr. F. Klein). 19.10 Unterhaltungsmusik. 19.45 Grenz- beridite(Gesandter G. von Mutius und Dr. H. Steinadler). 20.25 Der helle Berliner(H. Ostwald). 21.10 Tages- und Sportnachrichten. 21.20 Klavierkonzert. 21.45 Igor Stra- winsky. 22.20 Zeitbe richte: Ungarn. 23.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk. (Prof. II. G. Thomson und Obersdiulrat F. Hilker.) 16.39 Aus Hamburg: Nadimittagskonzert. 17.39 Deutsche Kolonialbetätigung im Urteil des Auslandes(Dr. Leutwein). 18.00 Lied und Musik der deutschen Studenten(Dr. H. H. Rosen- wald). 18.25 Das Mittelalter und die Einheit der abendländischen Kultur(Dr. M. Krammer). 18.45 Vorschau auf das Juniprogramm(Dr. K.Würzburger). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Die Beobachtung des Arbeitsmarktes— eine zeitgemäß" Notwendigkeit(Reg.-Rat Dr. G. Schneider). 19.29 Aus schweren Tagen der Beamtenbewegung(Dir. Winters). 29.25 Aus München: Bunter Abend. 22.20 Politische Zeitungsschau(Dr. J. Räuscher). 22.35 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Zigeunermusik. Sonst: Berliner Programm. Weiter für Berlin; Teils heiter, teils wolkig und am Tage wärmer �mit mäßigen südlichen Winden.— Für Deutschland: In Nord-, Süd- und Mitteldeutschland meist trocken und wärmer, im Osten langsame Besserung. Verantworte für die Redaktion: Ncch. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Beilin Verlag: Vorwärts Verlag G. m. d. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. Rätsel-Ecke des„Abend" Silbenkreuzworträtsel. (VUiUHUiiiiiiiiiiinnninmuiHiriUuiiitiiiiiuniiHiimiuiuiiiiuiiinuiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiuiuuiiiiiuiiiuiiniiiiuunniniiiiiiiinniuiiiiimiiinsiuinimuiniiMiiniiiuiuiiuuiiiiuiuu sonderungsorgane, 2. Nichtigkeitserklärung, 3. Lederart, 4. Päpstlicher Palast, 5. Gewürz, 6. Stadt auf der Insel Sardinien, 7,. Priesterherrschaft, 8. griechische Friedensgöttin, 9.«otadt in Italien, 10. Nachtvogel, 11. Ofteuropäer, 12. weiblicher Vorname, 13. Sohn des Anchises, 14. Boge!, 15. Stadl in Italien, 16. kleiner Karpfen- fisch, 17. Fluh in Indien, 18. Stadt in Frankreich. 19. römischer Feldherr, 20. Stadt in Südamerika, 21. Blume. 22. Dickhäuter. — ekr.— Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben aaaaabddeeeehiiiiiikl llllmmmnnnooooorrsssstttttu sind 16 Wör- ter von je drei Buchstaben zu bilden, deren Anfangsbuchstaben an- einandergereiht ein Sprichwort ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Sportgerät, 2. Bündnis, 3. Tierkönig, 4. Riesenschlange, 5. Fluß in Rußland, 6. Lebensende, 7. Nebenfluß des Rheins, 8. Englische Anrede, 9. Handlung. 10. Bauwerk. 11. deutscher Badeort, 12. Stadt in Brasilien, 13. Monat, 14. Singstimme, 15. Fluß in Afrika, 16. schlechte Lebenslage._— ekr.— Auflösungen der letzten Nätselecke Rösselsprung: Doch weil, was ein Professor spricht, nicht zu allen dringet, so übt Natur die Mutterpflicht und sorgt, daß nie die Kette bricht, und daß der Reif nie springet. Einstweilen, bis der Bann der Welt Philosophie zusämmenhält, erhält sie das Ge- triebe durch Hunger und durch die Liebe'. Abzählrätsel(durch Z abzuzählen): Nicht betteln, nicht bitten, nur mutig gestritten! Nie kämpft es sich schlecht für Freiheit und Recht! Und nimmer verzaget! Bon neuem gewaget! Und mutig voran! Da zeigt sich der Mann. Wir wollen belachen die Feigen und Schwachen; wer steht wie ein Held, dem bleibt das Feld. Silbenkreuz: 1— 2 Tenor, 2— 6 Norden, 3— 4 Laube, 3— 1 Laute, 5—6 Laden, 5— 4 Labe! Kreuzworträtsel. Waagerecht: 3. Texas: 5. After; 9. Walli; 11. Kalb; 13. Verband; 14. Atem; 15. Boot; 16. Asir; 17. Marx; 18. Locarno; 21. Emma; 23. Ahnen; 25. Hader; 26. Palme.— Senkrecht: 1. Wels; 2. Genf; 4. Star; 5. Aula; 6. Kalorie; 7. Antimon; 8. Tabak; 10. Terme; 12. Box; 14. Afe; 19. Chor; 20. Reep; 22. Haag; I4. Feme. A ba bam be berg bo bus den do dü e es fe film gor hu ki ki ku le le leh ler lix lo lo mei mo pe pi quit re rent rer rol se sor te ton wa.— Waogerecht: 3. Gewicht; 5. Art; 6. Vogel; 8. Vortragender: 10. Stadt in Bayern: 11. weiblicher Vorname; 13. Würfel; 14. mit Sand bedeckter Holzstoß(Holzkohlegewinnung): 15. männlicher Vorname; 16. Blasrohr; 18. Vienenzelle; 20. Päda- goge; 21. Bewohner Grönlands; 23. Errungenschaft in der Kine- matographie; 24. Signalinstrument: 25. Fluß in Pommern.— Senkrecht: 1. Russischer Dichter; 2. Frucht; 4. weiblicher Vor- name; 5. Stadt in Jrnlien; 7. Wäschemangel; 9. männlicher Vor- name; 10. Rohrpflanze; 12. Insekt; 13. Moorbad in Schlesien; 16. berühmter Maler(1471— 1528); 17. nordischer Gott; 19. Vau- stoff; 21. Baum; 22. Schutzdamm; 24. sozialdemokratischer Berg- arbeiterführer(1868— 1922); 26. süddeutscher Freistaat. ak. Silbenrätsel. Aus den Silben a a a a ä an an as ba cag che cu da da hart dor drü e ei eu fi hed hi hie Horn ke kra la la le lei ler li li nar nas ns ne n« ni nis on pel ran re re ri ro rus rus faf fe fe fe sen te ti ti tie u va vo wig sind 22 Wörter zu bilden, deren Anfangs- buchftaben und die dritten Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen, einen Sinnspruch ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Ab- Tltealet. LicUlspiele usw| siaals Thealer Mliiwoch, den 1. Juni Sföatsoper unter Ken Linden 20 Uhr Madanrse Eutterfly StastLSdiäuspielSaus jendarnttDroarki. 20 Uhr Abonnement aufgehoben TuüSik zur Gcgtimelt Mitglieder der Stwtsoper Schiller-Theater Charlottenbure. 20 Uhr Aksdiieil von der LiE&e 1 tiähe Sdiles. Bhf. SoJ1.Stgs. 2.5,8'5U. E 7 Wiiis. Ml Ne F ederraaus. MM. Wer Charlottenburp öismarckstraße>4 Mittwoch, 1. Juni Turnus I (Miiar KunslioiieiO Die Banditen (Offenbach) Pfahl. Nikolaiewa, Eisinger. Burgwinkel, Gründgens. Weste rraeier Anfang 20 Uhr Ende 23 Uhr VolHsbtthne Theatei am BDlawplatz 8 Uhr Zum I. Male Sie goldene mr Volkssmck von E. S z e p Regie: A. M. Rabenalt Staatl. Sdiillei-Ilteater 8 Uhr Abschied von der Liebe f nsecale im Vorwärts sichern Erfolg! 3 Uhr 1 s. Flora 3434. Räumen erl. Heute Premiere! Paul Graetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. MW Täglich S'U Uhr readGima wo Oisl Da? Erika v. Thellmann, Genia Nikolajewna Theodor Loos Josef Wedorn Rose■ Tiieater iroSe FracUorter StraBe 1 37 Irl. Weich»! E 7 3422 8.30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbühne 5.30 Uhr Konzert U.Variete Ziseanerüetie mmm eiMMW ReÄM Berlins Der gUle«WM!» �finden meisten Zi- ft&OUxiuEluIl qarrengesch. erhftltl. C. Röcker, Berlin �LimienDetBer Slraüe 22, Könlnsi. 3361, � ßefchäfte-Jhtsriger + Gsezirfc �iiden-Weßen f228 (RartoniMGii) für WM. me Mll Haosiiül WM Ostend Täg3. geöffae!/ Bc%�agen@rStg'.17 rrisier-Salon ffwr tarnen issisl Herren! 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Server:„M atadore der P o Iii i k", das sechsnndzmanzig ebenso amüsante mie aufschlußreiche Politikerporträts(mit 26 Karikaturen von Erich Goltz) vereinigt. Herr von Oldenburg- Jan u sc hau, Gutsnachbar oon Hindenbur g. ist einer jener M atadore der„Clique", die Brüning gestürzt hat. Ereisenhast klingt die Stimme und schrill mitunter, aber dabei Hot sie doch das sieggewohnte Metall des demagogischen Tribunen, der sich als souveräne Verkörperung unersetzlicher Tradition sühlt. Bei aller forscher Derbheit und gediegenstem Selbstbewußtsein ist der alte Elard von Oldenburg, Herr auf Januschau, kein Klotz, In seinem Poltern, genau wie wenn er sich feierlich gibt, steckt List und Humor. Auch die nochklappende Ehrenbezeugung erst für den Hindenburg des zweiten Wahlgangs kommt wohl aus dieser Eulenspieget-Ecke. Nur Plebejer nehmen die Politik so ganz todernst! Wer erwartet, einen Junker zu sehen, in grünem Loden, Röhrenstiefel an den Beinen, den Jägerhut mit Rasierpinsel auf dem Hinterkopf, der wird sich schwer zurechtfinden. Da ist ein feiner, bis ins letzte distinguierter alter Herr, im dunklen Cutaway, wie ihn die höheren preußischen Beamten so lieben. Alles, was er am Leibe trägt, ist solide gearbeitet; der Schneider und die Weiß- näherin sitzen sicherlich in der Hauptstraße der Provinzialhauptstadt. Auch der weihe Großpapabart ist von geschickter Friseurhand korrekt modelliert, und die ostpreußischen Worte, die daraus hervor- trompeten, sind gut gesetzt, mit den Pointen genau an der Stelle, wo sie hingehören. Kein Volkskomiker kennt sein Publikum besser als dieser siebenundsiebzigjährige Rittergutsbesitzer. Wenn er im Sportpalast gegen Rotpreußen wettert, wie drängen sich da die angegrauten, ehrpusseligen Damen mit dem Dutt und die Oberpostsekretäre mit dem hochgebürsteten Haby-Bart in der Pause um seinen Tisch und strahlen, wenn sie ihm die Hand geben dürfen. Dieser Volksvertreter weiß feine Wähler zu streicheln und zu spornen, weiß ihnen Zucker und Pfeffer zu geben. Er versteht was von Psychologie. Er hat die Menschenbehandlungs- Methoden der oon ihrer hochwohlen Geburt unerschütterlich Ueber- zeugten, denen kein Minderwertigkeitskomplex in die Quere kommt. Er ist eben er! S e v e r i n g will er absägen. Die Dienstautos der Minister mißfallen ihm. Schon darum, weil er überhaupt ein Autoseind ist:„Ja, ja, mein Lieber, mit dem Auto kommen Sie schneller oon eigenem Hof und Besitz als mit Pferd und Wagen", so erklärt er Besuchern seine Automobilantipathie. Dafür kann er auch sein liebstes Gespann„Junctim" und„Sofort-Progromm" nennen; Brüning zur Ehre!-- Alles wird besser, wenn erst die Konservativen in Preußen wieder zur Macht gekommen sind.„Das Volk will seine an- gestammten Führer. Gott sei gelobt, meine Herrschaften, der Souverän von Preußen ist jetzt das Volk!" Das es früher mal „Dax populi. vox Rindvieh" beim Herrn oon Oldenburg hieß— nun, auch ein königlicher Kammerherr muß der neuen Zeit Konzessionen machen. Das hin- dert ihn nicht, bei der Siebenhundertjahrfeier in Ostpreußen von der Königlich Preußischen Provinz Ostpreußen zu sprechen. Auch bei anderen Gelegenheiten kann er sich so ein bißchen königs- treuen Geschichtsunterricht nur schwer verkneifen.„Der preußische Staat ist allein das Werk der H o h e n z o l l e r n, die ihr Volk zu dem Gedanken erzogen haben: ,Wie diene ich?- und nicht: ,Wie verdiene ich?-" Das waren andere Zeiten, so um 1919. Damals las man es noch so:„Wenn es hart aus hart geht, ist der Adel bereit, sich um den Hohenzollernthron zu scharen, bereit, den letzten Tropfen Blut zu oergießen!" Ein starker Zollernsouverän, der sich auf seine Pala- dine stützt, das war die Regierungsform nach dem Herzen der preußischen Magnaten.„Unser König absolut, wenn er unfern Willen tut!" Oder wie Elard von Oldenburg das ausdrückt: .�Nang uns mang ist keener mang, der nicht mang uns mang jehört!" Wozu braucht man da Parlamente? Da kann man auf den Pöbel pfeifen.„Der König von Preußen und der deutsche Kaiser muh jeden Moment imstande sein, zu einem Leutnant zu sagen:. , Nehmen Sie zehn Mann und schließen Sie den Reichstag." Diese Husarenattacke für die Privilegien des Offiziersstandes— es wäre kein Zustand, daß ein Leutnant, der doch nur seinem König verantwortlich sei, wenn er bloß an einer Ecke laut huste, schon die Besorgnis haben müßte, daß es im Reichstag zur Sprache komme—, diese exzessiv royalistische Bramarbaserei hat den Herrn aus Januschau 1912 sein Reichstagsmandat gekostet. Um so fester saß er im Herrenhaus, durfte sich des Ver- trauens seines Königs, dem er so haudegenhaft plump gehuldigt hatte, erfreuen und weiter in alle?- Oeffentlichkeit seine Bürger- kriegssanfaren schmettern.„Ein energischer Stoß sofort spart Hunderte von Toten hinterher. Also los auf die Schanzen, wenn noch geschützt werden sollen Vaterland und Besitz!"—'das war seine Stellungnahme zu einer preußischen Wahlrechtsdemon- stration der Vorkriegszeit. Geheimes Wahlrecht in Preußen?! Ueberall läßt sich dos doch nicht so organisieren, wie daheim aus dem Gut bei der verfl...„geheimen" Reichstagswahl! Da be- kamen die Landarbeiter Umschläge mit dem eingelegten richtigen konservativen Stimmzettel drin. Und wenn ein ganz Unverschämter nachsehen wollte, wo? er denn nun eigentlich in die Urne warf, da setzte es eine Kopfnuß vom Januschauer Inspektor: ,,Datl, du Lorbaß, weeßt nich, Mahl is doch jeheim!" Selbstverständlich machte der Major der Landwehr den Kriegs- betrieb mit, ober ebenso selbstverständlich fand er tausenderlei Anlaß zu ärgerlicher Fronde, weil er doch nach wie vor den einzig echten Preußenpatriotismus und den originalechten Preußengeift selbst und allein erbgepachtet hat. Das ergab seltsame Widersprüche zwischen unentwegtem Durchhalten des hohen Etoppenosfiziers und der Sriegesoboiage des autokrakischsn Gutsbesitzers. „Liebste Exzellenz Fritz!", schreibt er an den Innenminister von Loebell.„Im Begriff, nach Polen auf meinen Posten zurück- zukehren, danke ich Gott, die Schererei mit den Gütern los zu sein. — Es ist auf dem Lande jetzt tatsächlich unerträglich mit den täglich wechselnden Verordnungen. Ich bestelle 599 Morgen über- Haupt nicht, und so machen es viele, weil die Unsicherheit der Ernte und der Bestimmungen zu groß ist. Die Sache mit den Kar- toffeln ist jetzt einigermaßen vernünftig, von den Schweinen wird die Hälfte in der Pökeltonne verfaulen. Die Erbitterung auf dem Lande ist sehr groß und wird sich nach dem Kriege entladen. Dazu kommt, daß das Vertrauen zu der Obersten Heeresleitung in ollen Kreisen immer mehr schwindet. Daß das Vertrauen zu der obersten Zivilleitung längst fehlt, weißt Du. Run aber Schwamm drüber. Elard Oldenburg." Zum achtzig st en Geburtstag des Reichspräsidenten hat der alte Ostelbierhäuptling ein feines Ding gedreht. Er hat der Großindustrie als passendes Geburtstagsgeschenk das alte Stammgut der Hindenburgs, Neudeck, vorgeschlagen. Später erst merkten die Herren von Schlot und Esse, daß sie sich da was Böses in ihre gutbefestigte Subventionsposition hineingestellt hatten: ihr Trojanisches Pferd hat es Berthold Jacob genannt. An seinen kostspieligen persönlichen Erfahrungen mit dem herunter- gewirtschafteten Neudeck ist es Hindenburg sinnfällig geworden und seinem Gerechtigkeitssinn billig, daß hinfüro auch den notleidenden Großgrundbesitzern die staatlichen Beihilfen zufließen müßten. Darum Osthilfe! Uederdies sind die Guter Neuoeck und Januschau unmittelbar benachbart. Diese politisch bedeutungsvolle Gutsnachbarschoft war überhaupt erst der Anlaß, daß Hugenberg dem alten Kammer- Herrn noch ein Mandat gab. Forsch und unbekümmert wie je sprang 1939 der damals fünf- undsiebzigjährige Palodin nochmals in die Parlamentsmanege, immer noch ein parlamentarisches Emlant terrible, das sofort mit Groener und Brüning Stunk bekam und nicht anstand zu erklären, daß, wenn er junger wäre, er den Deubel tun würde und woanders fein als bei den Nazis. Allerdings bleibt der ostpreußische Pair stets ein ritterlicher Gegner. Er Hot dem alten August Bebel immer Achtung ent- gegcngebracht und er hat nie, auch in schärfster Polemik nicht, ver- sucht, dem eisgrauen sozialistischen Feuerkops etwas von seiner Größe abzuleugnen. Und auch Brüning, mit dem Oldenburg doch sicher- lich nicht fraternisiert, Hot er das Attest ausgestellt, er sei„nach Bis- marck der Beste". Immerhin ist es ein alter Fuchs, der solches Lob ausspricht. Bösartige Geschichtskenner nehmen wohl mit Recht an, hier sei der Bismarck von 1862 gemeint, der gegen den Willen einer kompakten Parlamentsmajorität in flagranter Gesetzes- und Ver- fossungsverletzung seine abgelehnte Militärvorlage durchpeitschte. Unter dem souveränen Herrscher, ebenso wie unter dem souoe- ränen Volk klingen die Lieblingssprüchlein des Januschauers olle mehr an das Exerzierreglement denn an die Klassiker an. Alle lauten so ungefähr wie:„Immer ran ans Leder! Jetzt heißt es, ent- oder weder! Frontheil!" Mit Stolz und Kommandostimme beruft er sich daraus, der älteste Offizier des Reichstags zu sein. Am liebsten wäre er jener sprichwörtliche Offizier mit zehn Mann, der mit der janzen Volks- Vertretung Schluß macht. Natfanaiheid Garibaldi Zum Z.Juni, dem SO. Jahrestag seines Todes---- Von Oda OBserg Kaum ein anderes Land hat eine Gestalt auszuweisen, der in so hohem Maße di« Bezeichnung eines Notionalhelden zu- käme, wie Garibaldi. Denn in ihm hat sich wirklich all das ver- körpert, was in Italiens Kämpfen für Einheit und Freiheit aus dem Schutt der Jahrhunderte ans Licht wollte. Und es hat sich in ihm gleichzeitig verkörpert und verklärt: verkörpert in schöner, tatenfroher, sonniger Menschlichkeit; verklärt zur geschichtlichen Auf- gäbe, mit Ewigkeitshorizonten. Denn das ist das Wunderbare an Garibaldi, sein Erkennen des gegenwärtig Notwendigen, seine Hin- gäbe an die Forderung des Augenblicks, sein Wissen um die Un- wiederbringlichkeit der Stunde, und daneben sein Hinau-schauen über all dies, auf die großen Aufgaben, auf eine Zukunft, zu der diese Gegenwart Stufe ist, vor der aber ihr unerhörter Kraftauf- .wand zusammenschrumpft zu winzigem Geschehen So konnte der Mann des Kxieges, der aus sich selbst und aus den anderen im Kampf übermenschliche Leistungen herausholte, sein Leben lang für die Idee des Weltfriedens eintreten. So tonnte der Mann der urwüchsigsten, innigsten Vaterlandsliebe von der I n t e r- nationale als ,cher Sonne der Zukunft" sprechen. Zum Nationalhelden genügt es nicht, daß der Mensch seine Wurzeln hat im Besten seiner Zeit; die Krone muß hinausreichen über die Zeit. Giuseppe Garibaldi war als Sohn eines Seemanns am 4. Juli 1897 in Nizza geboren. Aus seiner Kindheit weiß man, daß er als Zehnjähriger einem ertrinkenden Gefährten das Leben rettete. Di.' damals in der ganzen Halbinsel gärende Bewegung für ein von der Fremoherrschast befreites und geeintes Italien zog ihn in ihren Bannkreis. Im Jahre 1832 gründete M a z z i n i— sin Sohn Liguriens, wie Garibaldi— die geheime Verbindung des„jungen Italiens". Zwei Jahre später organisierte er mit italienischen Flüchtlingen, denen sich Deutsche und Polen angeschlossen hatten, den sogenannten Savayerzug, einen Einfall aus der Schweiz in Savoyen, an dem sich Garibaldi beteiligte. Der auf die Errich- tung der Republik abzielende Plan mißlang, Garibaldi wurde mit vielen anderen zum Tode verurteilt und sloh nach Frankreich. Es folgen nun 14 Jahre eines abenteuerlichen Lebens. Da man ihm das Wirken im eigenen Vaterlands unmöglich machte, ging Garibaldi erst noch Tunis, dann nach Südamerika, beteiligte sich an den dortigen aufrührerischen Bewegungen und wurde schließlich Oberbefehlshaber der Flotte von Montevideo. Als im Jahre 1848 erst Palermo gegen die Bourbonen, dann die Lom- bardei gegen Oesterreich aufstand und Karl Albert von Sar- dinien sich durch die Bewegung im eigenen Lande genötigt sah, eine Verfassung zu geben und den Lombarden Hilfe zu versprechen, kehrte Garibaldi in die Heimat zurück. Er bot dem König von Sardinien sein« Dienste an, wurde aber abgewiesen. Das Berteidi- gungskomitee von Mailand übertrug ihm die Bildung eines Freiwilligenkorps, mit dem er den an Zahl und Bewafs- nung weit überlegenen Oesterreichern unter Radetz ky hartnäckigen Widerstand leistete. Er unterlag u-nd mußte sich in di« Schweiz zurückziehen. Trotzdem klammerte sich die Hofsnug der Männer der Einheitsbewegung seitdem an Garibaldi. Man rief ihn nach Sizilien, um die Insel gegen Ferdinand II. von Neapel zu verteidigen, ober eh« er diesem Ruf folgen konnte, beansprucht« die provisorische Regierung Roms seine Dienste. Garibaldi wunde dann auch in das römische Parlament gewählt, wo er am 8. Fe- bruar 1849 den Antrag stellte, die Republik zu proklamieren. Nachher kehrte er zu seiner Legion zurück und zeichnete sich bei der Verteidigung der Stadt gegen die Franzosen und durch siegreiche Angriss« gegen die Neapolitaner aus, mußte aber schließlich der französischen Ilebermacht weichen und trat mit seinen Freischaren in toskanisches Gebiet über. Von den österreichischen Truppen ver- folgt, entkam er in den Piemont. Seine Frau Anita starb auf der Flucht. Das Königreich Sardinien beeilte sich, ihn zur Auswande- rung zu nötigen. Wieder geht Garibaldi, der inzwischen vierzig Jahre alt ist, nach Amerika, wieder verschaffen ihm seine seemännischen Leistungen eine Existenz, wieder ist er zur Stelle, als ihn das Land braucht. Der italienisch-österreichische Krieg von 1859, in dem er als sorbischer General die Freischaren führte, die aus seinen Namen hin zusammenströmten, bot ihm nur wenig Gelegen- heit, Bedeutendes zu leisten. Als ober nach dem Frieden von Villafranca(1859), der die Lombardei an Italien brachte, die Ein- heitsbewegung in großen Wogen über ganz Italien hereinbrach, als die kleinen Fremdherrschaften in Parma, Modena, Romagna und Toskana durch Volksabstimmungen weggespült wurden, brach der Aufstand in Sizilien aus und mit ihm schlug Garibaldis große Stunde. In Palermo und Messina werfen neapolitanische Truppen die revolutionäre Bewegung, die hier Volksbewegung ist, nieder, aber die Aufständischen halten sich im Gebirge. Ein ofsi- zielles Eingreifen Italiens— also des Königreichs Sardinien, mit der Lombardei und den durch die Plebiszite angeschlossenen Ge- biete— ist unmöglich. Und so schifft sich Garibaldi ein in Quarta bei Genua, um mit 1967 Freiwilligen und vier Geschützen ein König- reich zu erobern, auf zwei Schiffen, denen man kaum zutraut, daß sie die wahrhast kostbar« Fracht heil nach Sizilien bringen werden. Am 11. Mai 1869 landet er trotz der ihm auslauernden bourbo- 1 nischen Kreuzer bei Marsala. Und nun wird das Unmögliche � Geschichte und das Sehnen Wirklichkeit. Garibaldi übernimmt die > D.i k t a tu r üb« r S i j i l i e n im Namen des K önigs von Italien. 1 Was an Widerstand gegen die Fremdherrschaft der Bourbonen und an freiheitlichem Geist in Sizilien lebt, strömt zu Garibaldis Fahnen. Am 15. Mai schlägt er den an Truppenzahl und Aus- rüftung weit überlegenen Bourbonen general Landi bei Calatafimi, am 6. Juni zwingt er die königlichen Truppen von Palermo zur Kapitulation, am 29. Juli siegt er bei M i l a z z o, acht Tage darauf kapituliert M e j s i n a. Dann zieht er von der Insel aufs Festland, nimmt am 29. August Reggio Calabrien. zieht am 7. September in Neapel ein, greift mit seinen auf 29 999 Mann angewachsenen Scharen die V ol t u r n o- L i n i e an und schreitet zur Eroberung von Capua. Der Monarchie von Savoyen sträuben sich di« Haare vor Entsetzen: wie soll sie diesen Mann bändigen, der Truppen aus der Erde stampft und gegen alle Regeln der geaichten Kriegskunst den Sieg vom Himmel holt? Die Sorge der Diplomaten ist unbegründet. Garibaldi be- grüßt Viktor Emanuel als König von Italien, schenkt ihm ein Königreich und zieht sich nach Caprera zurück. Auszeich- nungen lehnt er ab. Das einzige, was er wünschte, die General- statchalterschaft über Neapel, als Operationsbasis gegen den Kirchenstaat, wagte man ihm nicht zu geben. Und so wartet er auf seiner Felseninsel. Das offizielle Italien zittert vor dieser Elementarkrast, vor jeder Verantwortlichkeit für sie zurückschreckend. Im Juni 1862 hält Garibaldi die Taten- losigkeit nicht länger aus. Er geht nach Palermo, dessen revolu- tionäre Energie er kennt, sammelt Freiwillige gegen das Papsttum und seinen Schutzherrn, Napoleon III., und schickt sich an, mit etwa 4999 Mann gegen Rom zu ziehen. Nun stellt sich ihm die Monarchie entgegen, der er das Königrsicb beider Sizilien erobert hatte. Bei 21 s p r o m o n t e in Calabrien stößt er auf italienische Truppen, gegen die er sich zu kämpfen weigert. Er wird schwer verwundet und gefangen genommen,„be- siegt durch die Liebe zum Vaterland— im Unterliegen, Sieger", wie C a r d u c c i von ihm sagt. Die Wunden von Aspromonte— auch di« körperlichen— sollten nie ganz heilen, die Angst der Monorchie vor dem Löwen von Caprera nie ganz zur Ruhe kommen. Garibaldi nimmt dann noch am Kriege von 1866 teil, der Venetien zu Italien brachte, leistet Großes bei de» Kämpfen um Rom, und führt nach dem Sturz Napoleons III. im deutsch-französischen Krieg seine Frei- scharen unter die Fahnen der französischen Republik. Etwas von der Tatze des Löwen war noch geblieben: die einzige deutsche Fahne, die des 61. Infanterieregimentes, fiel bekanntlich in die Hände der Garibaldiner. Von da an verließ er Caprera nur, um als Abgeordneter für Rom an den Sitzungen des Parlaments teil- zunehmen, wo er namentlich für die Tiberregulierung und die Urbarmachung des„Agro Romano" eintrat. Er starb kurz vor Voll- endung des fünfundsiebzigsten Lebensjahre-, gequält von vielen Wunden, ober voll von seelischem Licht. Seinen letzten Wunsch, auf einem offenen Scheiterhausen verbrannt zu werden, wagte die leisetretende Regierung aus Rücksicht auf den Valuan nicht zu er- füllen. Man versucht heute, ihm Schlimmeres zu tun. Auf allen Gari- baldidenkmälern sind die Symbole des Freimaurerordens vertauscht worden mit dem faschistischen Liktorenbündel. Man versucht, den Freiheitskämpfer geistig einzuzwängen in das schwarze Hemd, ver- sucht, den lauteren adligen Mann des großen Verzichts zum Schutz- potron der Raffer und Rechnungsträger zu machen, die heute in Italien herrschen. Aber Italiens Volk durchschaut das Spiel. Es kennt Garibaldi, auch wenn man ihn zur faschistischen Licht- reklame verwendet, es weiß, daß er lebendiger ist als die, die sich erfrechen, ihn zu feiern, den Heros der Freiheit in einem geknech- teten Italien. erden sn co. vorbehalten Haben Autorennen einen Wert? Ist der siegende Wagen die beste Marke? Nicht nur die beiden Todesstürze, die bei den letzten Autorennen in Berlin und auf dem Nürburgring vorkamen, sondern auch die Meinung, daß in den Rennen keine Serienfabrikate, sondern Epe- zialmotoren und Spezialwagen verwendet werden, lassen bei vielen Zlutomobilinteressenten den Wert der Autorennen für die Abschätzung der Qualität der Wagen recht problematisch erscheinen. Der„Ber- liner Börsen-Courier" hat eine Anzahl Prominenter aus Automo- bilistenkreisen, Fabrikanten, Fahrer und Organisationsleiter darüber um ihre Meinung befragt. Der Opel-Generaldirektor W r o n k e r lehnt Autorennen glatt ab. weil der Käufer nicht nach den Erfolgen dieser oder jener Marke bei den Rennen srage, sondern, der Wirtschaftslage entsprechend, die Anschoffungs- und Unterhaltungskosten, den Brennstoffverbrauch und das Aeußere des Wagens in Betracht ziehe. Ein kleiner, mit der Güte des Fabrikates nicht im Zusammenhang stehender Zufall könne die besten Wagen aus dem Rennen werfen, weil nur Spezial- konftruktionen verwendet würden. Herr Wronker hat Recht und auch nicht. Die in Rennwagen eingebauten Motoren sind, sofern sie nicht direkte Spezialbauten sind, zum mindesten hochgezüchtet. Sie sind llberkomprimiert, das heißt, die Verdichtung des angesaugten Benzingases im Zylinder ist viel stärker als bei normalen Motoren. Durch diese Ueberkompri- mierung wird ein größerer Explosionseffekt erzielt, die Motoren kommen auf höhere Umdrehungszahlen, sie leisten also mehr. Die meisten Rennmotoren haben außerdem Kompressoren, die den Kolben das Ansaugen des vergasten Benzins erleichtern, indem sie das Gas schon vorkomprimieren. Die Rennwagen haben ferner Spezial- Zündkerzen, die auch wirklich imstande sind, bei etwa 7000 Um drehungen, die die Maschine in der Minute macht, einwandfreie Zündungen zu vollbringen. Von den Spezialreifen und den Sonder- karosserien wollen wir absehen. So stellt also ein Rennwagen doch immerhin ein technisches Gebilde dar, das nicht bedingungslos auf die Serienfabrikation übertragen wird. Nun kommt aber in der Rundfrage Dr. Allmers, der Vor- sitzende des Reichsverbandes der Automobilindustrie zu Wort, der erklärt: Bei den letzten Rennen hat es sich erwiesen, daß nicht die hochtourigen ausländischen Wagen, deren Motoren bis zu 7000 Touren in der Minute machen, die leistungsfähigeren und besser durchhaltenden sind, sondern die deutschen, deren Umdrehungszahl bei etwa 3500 bis 4000 liegt. Das stimmt, denn wo viel Bewegung ist, ist viel Verschleiß. Allerdings muh ein langsam laufender Mo- tor wieder in seinen Abmessungen, besonders im Durchmesser der Kolben und Zylinder größer sein als ein schneller lausender, soll er dasselbe leisten. So hatte beispielsweise der Alfa-Romeo Caraeci- olas, den er auf der Avus fuhr, einen Zylinderinhalt von 2,4 Litern, was etwa der Größe eines normalen Stadtwagens entspricht, der Mercedes-Benz des Siegers v. Brauchitsch aber 7 Liter. Dr. Allmers meint weiter, der propagandistische Wert eines Autorennens sei sehr groß, denn es bringe breite Volksmassen noch mehr als sonst mit dem Begriff Auto zusammen. Der Chefkonstrukteur und Rennfahrer von DKW, Macher, erklärt, Rennwagen und Rennmotoren stellen nie völlige Spezial- konftruktionen dar. Sie hätten vielmehr sehr viele Teile mit Serien- wagen gemeinsam, so daß also Autorennen auch Gebrauchsprüfun- gen sind. Zum Schluß sagt Herr F r i t s ch vom Automobilklub von Deutschland, Autorennen seien insbesondere Materialprüfungen, die die Fehler einer Konstruktion untrüglich bloßlegten. Im Gegensatz zu Herrn Fritsch ineinen wir, daß Gebrauchsprüfungen, bei denen normale Serienwagen 100 000 und mehr Kilometer hintereinander durchfuhren— auch auf der Avus haben solche Dauerfahrten schon stattgefunden— die beste Material- und Konstruktionsprüfung sind. Im übrigen wird sich die Güte eines Automobils stets am besten im täglichen Gebrauch erweisen. Heute sind einigermaßen anständige Automobile auch so gebaut und berechnet, daß man von einem Wagen, den man normalerweise das Jahr über in der Stadt sährt, auch einmal, vielleicht bei der Sommerreise, höhere Leistungen im Gebirge oder in bezug aus Schnelligkeit verlangen kann. Wer seinen Wagen und seinen Motor nicht pfleglich behandelt und ohne jedes Verständnis wild drauflos fährt, kann auch mit dem besten Fabrikat die herrlichsten Pannen erleben. M. J. Olympiade-Rätsel Der gehehnn svolle Dr. Lewald Der Deutsche Reichsausschuß für Leibesübun- gen, die Spitzcnorganisation der bürgerlichen Sportverbände, hatte die Presse zu einem Tee geladen, um dabei über den Stand der Vorarbeite» zu den Olympischen Spielen, die im Sommer d. I. in Los Angeles stattfinden, zu berichten. Nach uns zugegangenen Meldungen hat sich Herr Staats- sckretär a. D. Dr. Lewald als Vorsitzender des RFL. sehr ein- gehend über den Ausbau, die Ausrüstung und die Zusammensetzung der Olympia-Expedition verbreitet. Angesichts der trostlosen Finanz- läge, nicht nur des deutschen bürgerlichen Sports, sondern auch des Reiches selber, hat man jetzt eingesehen, daß die Expedition im kleinsten Rahmen gehalten sein muß und daß man nur Sportler noch Amerika schicken will, die mindestens Aussicht auf einen Plag bei den Wettkömpfen haben. Trotzdem wird die Expedition immer- hin noch 70 aktive Sportler umsassen— vor einigen Monaten wollte man nur einige 50 hinüberschicken—, wozu allerdings noch ein ziemlich umfangreicher Generalstob von Trainern, Masseuren, Reisebegleitern,„Offiziellen" usw. kommt. Herr Dr. O i e m, der Generalsekretär des RFL., verbindet seine Anwesenheit bei der Olympiade mit einer Reihe von Gastoorträgen an südkalisornischen Universitäten. Sogar bürgerliche Berliner Sportblätter waren erstaunt dar- über, wie geheimnisvoll Herr Lewald die Kosten- frage behandelte. Die„B. Z. am Mittag" stellte fest, daß Herr Lewald nicht einmal die Frage, wie die Reise finanziert werden soll und wer das Geld hergibt, beantworten konnte. Herr Lewald sprach nur davon, daß einige Vorschüsse aus Reichs- mittel« eingetroffen seien, daß man aber Endgültiges noch nicht sogen könne. In dieser Hinsicht wird ja der Deutsche Reichsaus- schuß für Leibesübungen nach der Umbildung der Regierung einige Sorgen loswerden Jedenfalls soll ein Olympiafest im Berliner Krunewaidstadion einige tausend Mark einbringen, die in den Olympiafonds fließen werden. Bei diesem Fest hat man der Reichs- wehr große Betätigungsmüglichkeiten gegeben. Die Teilnahme der Reichswehr und der am Schluß stattfindende große Zapfenstreich paßt sehr gut in den Rahmen hinein. Der Pressedien st des Arbeiter-Turn- und Sportbundes schreibt zur Finanzierungsfrage:„Da muß etwas nicht mit rechten Dingen zugehen, denn auch das Reich hüllt sich in Schweigen über seine Zuschüsse an den DPAfL. zur Finanzierung der Los Angeles-Expcdition. Man ist doch sonst in solchen Dingen sehr gesprächig. Oder scheut man das Licht der Oeffentlichkeit wegen der Höhe der Unterstützung im Gegensatz zu den Zuwen- düngen an andere Sportoerbände? Kleiner Sport von überall Berlin— Prag 5: 3. Den Fußballkampf der bürgerlichen Per- liner Städte-Elf gegen die Vertreter von Prag, der gestern im Berliner Poststadion ausgetragen wurde, endete mit dem 5: 3-Siege der Einheimischen. Larry Gains schlug den Boxriesen Carnera im Londoner White- City-Stadion knapp aber einwandfrei nach Punkten. Ein bischen Theater war seil stverstöndlich dabei. Der sehr geschäftstüchtige Manager Jeff Dickfon hatte für Carnera weiße und für seinen schwarzen Gegner schwarze Boxhandschuhe anfertigen lassen. Es ist unseres Wissens nach die erste Niederlage Carneras, der gewohnt ist, alles in Grund und Boden zu schlagen. Geza Zanek gestorben. In der Universitätsklinik zu Königs- berg ist der ungarische Jockey Geza Janek, der dort am Pfingst- sonntag durch einen Sprung aus dem Fenster einen Selbstmord- i versuch verübt hatte, seinen schweren Verletzungen erlegen. „Ständiger Ring" in Tegel. Freitag, 3. Juni, 20 Uhr, veran- staltet die Freie Sportvereinigung Tegel 1899 in der Turnhalle der Oberreolschule den 4. Kampsabend der Ständigen Ringer der Arbeiterboxer. Es werden Lichtenberg, Nord-Ost. Alt-Wedding und Tegel in den Kampf gehen. Im Fliegengewicht werden Kloß-Tegel und Gloger-Lichtenberg den Abend eröffnen, und die Schwer- gewichte Löschen-Tegel und Hofsmann-Lichtenberg werden ihn schließen. Acht Kämpfe sind angesetzt. Arbeiter'Wasserballoorschau. Heute spielen Lichtenberg und Frei- heit im Flußbad Klingenberg, morgen im Freibad Plötzensee 5)ellas und Möwe, am Freitag Weißensee und Spandau im Seebad Weißensee und am Sonnabend Charlottenburg und Union im Per- einsbad Unions in Oberspree. Die jeweils Erstgenannten der Spiel- Paarungen dürften zu neuen Erfolgen kommen. Beginn aller Spiele 19 Uhr. Gutes Boxprogramm in der Bockbrauerei. Der beliebte Berliner Frsiluftring in der Bockbrauerei öffnet am Freitag, 3. Juni, seine Pforten mit einem vielversprechenden Programm. Im Mittelpunkt steht der Zehnrundenkampi zwischen dem deutschen Mittelgewichts- meister Erich Seelig und dem Hannoveraner Trollmann. Der in Paris mit viel Erfolg gestartete Berliner Bantamgewichtler Rieth- darf hat den guten Westdeutschen Hinz-Barm«n als Partner. Auch die oberen Gewichtsklassen sind gut vertreten. Im Schwergewicht stehen sich Wallner-Düsseldorf und Stich-Hagen gegenüber, der starke und schnelle Berliner Halbschwergewichtler Witt trifft mit Droog- Krefeld zusammen. Schließlich gibt noch der Berliner Herosmann Hopp sein Profitdebut gegen Aust-Berlin. „Kuhle Wampe." Anläßlich des Verbots des Films„Kuhle Wampe" teilten wir bereits mit, daß die in der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege vereinigten Arbeitersportver- bände mit diesem Film, der ein kommunistischer Tendenzfilm ist, nichts zu tun haben. Wir möchten diese Feststellung jetzt erneuern, nachdem der Film für öffentliche Vorführungen freigegeben ist. ttarteüsporttest in �Kai-Iottendiirg Am Sonnabend, 4. Juni, ab 16 Uhr geben die Vereine des Charlottenburger Arbeitersportkartells aus dem Sportplatz in der Niebuhrstraße, Nähe Bahnhof Charlottenburg, im Rahmen eines Werbesportfestes einen Ausschnitt aus ihrem Uebungsbetrieb. Leicht- athletische Kämpfe werden von Sondervorführungen der Radfahrer und der Sportgruppen der Kleingärtner abgelöst. In zwei Hand- ballspielen zeigen vier Charlottenburger Bereine, daß in ihren Reihen das Handballspiel mit viel Erfolg gepslegt wird. Tennis- Rot Charlottenburg wird auf einem eigens dazu hergerichteten Platz Frauen- und Männer-Doppelfpiele zeigen und gegen Schluß der Veranstaltung im Faustballspiel sich mit den Kanufahrern der Freien Schwimmer messen. In einer Pendelstafette 10 X 1 Bahn- länge treffen sechs Mannschaften aufeinander. Nach dem Aufmarsch werden sämtliche Teilnehmer sowohl in der Mitte des Programms bei 15 Minuten Körperschule, als auch am Schluß beim Ausklang zusammengefaßt, um zu zeigen, daß die Zahl der Arbeitersport- treibenden in Charlottenburg nicht gering ist. Eintritt 0,30 Mark. Freie Faltbootfabrer Berlin: Donnerstag, 2. Juni, 2V Uhr. alle Gruppen Unionsfestsäle, Greisswalder Str. 221.„Eine Stunde Zeitgeschichte, Ernstes und Heiteres" von Fridel Hall. Freie Schwimmer Charlottenburg, Kanuabteilung. Sitzung Donnerstag, 2. Juni, im Bootshaus Spandau-Tiefwerder, am Jiirgengraben, 20 Uhr. Vor- her Training. Besonders die Anfänger müssen erscheinen. Tagesordnung: Pfinastbencht, Viererbau. Der Klinkerbaukursus ist voll belegt. Kanufahrer mit Booten können noch als Mitglieder aufgenommen werden. Meldung auf der Sitzung oder Donnerstag und Sonntags im Bootshaus. Wir besorgen billig gute Markenboote(Holz, und Faltboote). Freie Kanu. Union löroh. Berlin, Abt. Oberspree: Mittwoch. 1. Juni. Anfängertraining im Bootshaus. Untersuchung der Angemeldeten beim Sport- arzt, 18 Uhr, Stadtbad Neukölln, Ganghoferstraße.— Donnerstag, 2. Juni, Training der Regattamannschaften. BSV.„Freiheit" 07: Donnerstag, 2. Juni, 21 Uhr, Mitgliederversammlung bei Kalitzki, Gaudystr. 2V. Frauen. Wassersportvercin Republik Tegel, Uferstr. 1. Sonnabend. 4. Juni. 20 Uhr. Mitgliederversammlung im Reichsbannerbootshause. Gäste willkommen. — Sonntag, ä. Juni, 8 Uhr, Rudertraining. Rndervcrein Lollegia: Sonnabend, 4. Juni, Kartellsportfest in Charlott-'n. bürg, Niebuhrstraße. Alle Funktionäre sowie Teilnehmer erscheinen pünktlich Montag, 6. Juni, 20 Uhr, zur Vorstandssitzung bei Thunack. Bootsbaus Vorwärts" Das Heim der Arbeiterruderer an der Spree, gegenüber von Baumschulenweg. '50*350.�"preis Kaufen z, raste Soweit Vorrat Menaenabaabe