Erscheinträgltch außer 6onnt«g«.% ß.. a££ Zugltilb Adrndauig-dr de«.Borivärtt' B e j o g« v r et« fä I R gf/ �rl ä I W§f M bette Ausgaben 75 Df vro ffiocfit. Z.25 M uro Monal«k• M t* MJ m ä t v, F__ a_. M (baeon b7®f. mBnallilb tür Zustellung tni Hu-«> im BBrau» J#§ g W I rrlf jS�O�\ .abibar-v° t, b. I u s 3� einschließlich«o-v°ü-kttunas W �XÄJcX) ff f rV V&Sf w anb 7?>?s Pottbeftellaebübeen f' Anjelgennrel». Dt« ewsralttge Mtllim-IcrjcUe ZV Vf. 'Zicklumeielte M Ermäßigungen na Tarif vostschecktanto: LorwärtS-�erlag G. m. b. H.. Berlin Dir. 37 536.- Der Leriag bcbäli ü-b das Recht der Ablehnung nickt genehmer Auietgen uar� Rebaltian und Erredittani Berlin SWS8, Linbeniir 3 lfernfvreckee. DönboC(A 7) 262—297 BERLIN Zrettag 3. Zum 1932 10 Pf. 7lt. 258 B 129 49. Jahrgang Noch heute: Auflösung! Das Kabinett der Barone berät... Sei««: Pflicht entspreche n.d hat der Reichstagspräsi- dent Lobe sich mit der neuen und auf die Verfassung vereideten Regierung in Verbindung gesetzt, um Näheres über die Möglichkeit der Einberufung des Reichstags zu erfahre«, die notwendig ist, um die Regierungserklärung entgegenzunehmen. Tie Regierung konnte zunächst noch keine Auskunft geben und ersuchte de» Reichstagspräsidenten, sich einst- weilen bis 12 Uhr mittags zu gedulden, bevor er seine Dispositionen treffe. Um 12 Uhr wurde ihm jedoch er- öffnet, das; das Reichskabinett mit seinen Beratungen noch nicht fertig sei. Tie Entscheidung werde e r st in den Abend st uuden fallen. Man kann als sicher damit rechnen, daß der Beschluß auf Auflösung des Reichstags gefaßt wird, um seinen nochmaligen Zusammentritt und damit ihre parla- mentarische Niederlage zu verhindern. Reichstagspräsident L ö b e hat nunmehr, ohne weitere Verzögerungen abzuwarten, den Aeltesteuausschuß des Reichstags auf Sonnabendnachmittag 4 Uhr einberufen! Der Wahltermin. In einem Berliner Mittagsblatt wird als Wahltermin für die Neuwahlen bereits der 2 6. Juni angegeben. Das kann schon deshalb nicht stimmen, weil selbst bei k n a p p e st« r Jnnehaltung aller gesetzlichen Fristen als frühester Wahltermin der 17. Juli in Betracht kommen könnt«. Sollte— etwa mittels einer„Notver- ordnung" trotzdem ein srüherer Wahltermin festgesetzt werden, so würde das nur unter offener Verfassungsverletzung geschehen können. ZCH werde... Schleicher erNärt, was er wird. Der neue Reichswehrminister von Schleicher erließ folgende Kundgebung an die Reichswehr: „Mit dem heutigen Tage trete ich das Zlmt des Reichswehrministers an. zu dem mich das Vertrauen des Reichspräsidenten, des Oberbefehlshabers der Wehrmacht, berufen hat. Ich werde meine Kraft daransetzen, daß die Reichswehr dazu befähigt wir», ihre Berufsaufgabe zu erfüllen, Deutschlands Grenzen zu schützen und seine nationale Sicherheit zu gewährleisten. 3ch werde dafür sorgen, daß diejenigen geistigen und physischen Kräfte unseres Volkes gestärkt werden, welche die unentbehrliche Grundlage der Landesverteidigung bilden. Ich bin überzeugt, daß im Innern die Tatsache, daß wir eine geschlossene und überparteiliche Wehrmacht besitzen, allein genügen wird, um die Autorität des Reiches vor jeder Erschütterung zu bewahren. Ich vertraue darauf, daß jeder Angehörige der Wehrmacht mir dabei helfen wird, das mir an- vertraute Erbe einer großen Vergangenheit zum besten von Volk und Vaterland zu verwalten." Kaas antwortet. Das Wort des Herrn von Papen. Der Zentrumsführer Kaas hat an den Reichskanzler o an P a p e n eine längere Antwort auf dessen Schreiben ge- geben, der wir folgende Stellen entnehmen: „wenn Worte einen Sinn und Erklärungen einen Werl haben sollen, mußte ich aus Grund unserer Aussprache am Dienstag- nachmittag mit Sicherheil annehmen, daß Sie das Amt des Reichskanzlers aus zwingenden Gründen nicht übernehmen würden. Von dieser Ausfassung ausgehend, habe ich mich in der Sitzung des geschäftsführenden Vorstandes sür die Loyalität Ihrer Ent- schließung verbürgt. Unmittelbar danach traf die Nachricht ein, daß Sie im Gegensah zu der mir gegebenen Zusage anders entschieden hätten. Wenn Sie in Ihrem Schreiben als ein Motiv die Notwendigkeit einer„Synthese aller wahrhaft nationalen Kräfte" betonen, so umschreiben Sie ein politisches Ziel, an dem die Zen- trumspartei und ich selbst im Sinne der Verwirklichung des n a t i o- nalen Volks st aates seit Jahren unermüdlich arbeiten. Kaas erinnert Papen weiter daran, daß dieser ihm früher aus- drücklich erklärt habe, daß zu einer nationalen Konzentration auch prominente Männer der Linken, selbst der sozial- demokratischen Linken gehören sollten. Militärattache von Papen Eine amerikanische Bilanz Als am Mittwochmorgen die Nachricht durch die Blätter ging, daß der Reichspräsident Herrn von Papen zum Nachfolger Brünings ernannt habe, rieb sich der deutsche Zeitungsleser erstaunt die Augen: Was ist denn das? Eigentlich nur in politischen Kreisen Deutschlands war der neue Kanzler bekannt als ehemaliger MiliPr- attache in Washington, als rechtsgerichteter Eigenbrötler der Zen- trumspartei und als Herr im Hause der„Germania", der die wich- tigsten Redaktionsposten mit Männern seines Vertrauens besetzte. neuen Kanzlers während der ersten beiden Kriegsjahre in Wz- shington möglichst wenig öder g a r n i ch t s z u s a g e n. Die Regie- rungsstellen in der Wilhelmstraße sind zugleich emsig damit be- schäftigt, aus dem Blätterwald der Weltpresse einige wenige Kom- mentare herauszuzupfen, deren Urteil über die Persönlichkeit des neuen Reichskanzlers nicht gerade brüsk ablehnend ist. So versucht man, dem deutschen Volk eine Auslandsstimmung vorzutäuschen, die der Wahrheit geradezu ins Gesicht schlägt. <23 ■■■———_ II Tlze KlMs Mtionul Lunli t '-»iGGb a . VVO. Hilter der Schecks, den der lUililäruUüche von 3>apen ausftellte und die in der amerikanifchen OeffentlichkeU noch immer eine große Wolle Spielen. Für den Mann von der Straße war er ein völlig unbeschriebenes Blatt. Anders klang die Nachricht von dem neuen deutschen Kanzler i n den Ohren des Auslandes. Herr von Papen kann sich rühmen, während des Krieges � neben dem ehemaligen Kaiser der meistgenannte und bekannteste Deutsche in den vereinigten Staaten gewesen zu sein. Leider ist sein Name zu Deutschlands Unglück in den Vereinigten Staaten nur in einem Zusammenhang bekannt, der geeignet ist, alle häßlichen Erinnerungen an die unselige Zeit des Weltkrieges im amerikanischen Volke wieder wachzurufen. Di« Rechtspresse bemüht sich, ihren Lesern von der Tätigkeit des 3£err von Aspen. So erscheint der neue Reichskanzler heute in der englischen Presse— Erinnerung an seine Knegstatenl Um ihre Verlegenheit über die unerwartet scharfe Sprache der europäischen und amerikanischen Weltpresse zu verbergen, ver- suchen die Blätter der Rechten e-mit dem bekannten Dreh. „Lieferung von Stimmungsmunition",„Die Linke wirft dem Aus- land die Bälle zu" so kann man bei Hugenberg und der reaktionären schwerindustriellen Presse lesen. Die republikanischen Blätter in Deutschland sind es also, die durch wahrheitsgetreue Berichte über die Aufnahme des neuen Kanzlers in der Welt„Stimmung?- munition" für das Ausland liefern. Ganz wilde Männer auf der Rechten versteigen sich sogar zu der Behauptung, daß aus diese Weise„Amerika eine feindselige Haltung gegen den neuen Kanzler geradezu aufgezwungen werde." Sind diese Lügen, die nur noch auf das Stichwort„Dolchstoß" warten, auch zu dumm, um uns zu treffen, so bleiben die Methoden der regierungsfreundlichen Presse um nichts verwerflicher. Durch ein System von Lügen und Entstellungen will man dem deutschen Volk so lange ein verzerrtes Weltbild vorgaukeln, bis es wieder ein böses Erwachen gibt. Welchen traurigen Ruhm Herr von Papen in Amerika genießt, zeigt eine Artikelserie„Deutsche Spione" in der weilverbreiteten Zeilschrift„Liberty", die im Frühjahr 1931(!), also vor einem Jahr, erschien. Mit tage- buchartiger Genauigkeit wird in dieser Abhandlung das deutsche Spionage- und Sabotagesystem geschildert, das die kaiserliche Regie- rung noch in der Zeit der amerikanischen Neutralität, also tn der ersten Hälfte des Weltkrieges, in dem Lande des Sternenbanners aufgezogen hatte. Immer wieder taucht der Name des damaligen Militärattaches, des Hauptmanns von Papen, auf, dem vorgeworfen wird, das Haupt dieser Spionage- und Sabotage- organisation gewesen zu sein. Im Januar ISIS bereits begannen unerklärliche Explosionen in Munitionsfabriken, die Deutschlands Kriegsgegner mit Waffen und Munition versorgten, die amerikanische Oeffentlichkeit zu beunruhigen. von diesem Zeitpunkt ab verging keine Woche, in der nicht Granatenstapel in die Lust flogen, Munitionsbetriebe in Brand gerieten, Brücken- und Eisenbahnsprengungen sowie Schiffs- explosionen stattsanden. Der amerikanischen Oeffenllichkeit, die damals noch keineswegs durch- weg deutschfeindlich eingestellt war, aber am Kriegsgeschäft verdienen wollte, bemächtigte sich eine ungeheure Erregung. Man beschuldigte ganz offen in amtlichen amerikanischen Kreisen den deutschen Militär- Lohse-Redensarten statt Arbeit Kreisler droht mit dem Kaübeil cittoch6 Hauptmann von Papen und den Marineattache Kapitän Boy-Ed, die beide der deutschen Botschaft zugeteilt waren, Leiter dieser Sabotageakte zu sein. Ms die Regierung in Washington ge- niigend Material beisammen hatte, sorderte Wilson am 4. Dezember 1915 die Abberufung dieser beiden militärischen Diplomaten, die, wie es in der Erklärung des amerikanischen Außenministers heißt,„wegen ihrer Verbindungen mit Anarchisten und ungesetzlichen Handlungen gewisser Personen der Regierung der Vereinigten Staaten nicht mehr genehm* seien. Man fragt sich erstaunt, wie die amerikanische Regierung, die trotz gewisser schwerwiegender Enthüllungen bis zur Ausweisung des Hauptmanns von Papen nicht allzuviel greisbares Material gegen die deutschen Umtriebe besaß. später bis ins kleinste Detail über die deutschen Spionage, und Sabotageakte unterrichtet war. Die Erklärung hierfür ist einfach. Die amerikanische Re� gierung konnte sich hierfür bei Herrn von Papen bedanken, der in unverständlichem Leichtsinn in seinen Koffern wichtigste Geheim- dokumenle, seine Scheckbücher mit genauen Angaben über die Zahlungen an„gewisse Personen" und anderes Material mit sich führte und diese hochbedeutsamen Unterlagen bei einer Untersuchung auf hoher See in die Hände der Engländer fallen ließ. Er siel für diese grandiose Tat bei Wilhelm II. sogar noch die Treppe hinauf und zwar mit dem Erfolg, daß er als Generalstabsmajor in Palästina nochmals bei einem plötzlichen Rückzüge wichtigstes Geheimmaterial über die Sabo- lageakte in den vereinigten Staaten„verlor", anstatt es zu vernichten. Aiir den Generalstab der Entente bildeten diese Dokumente. die sofort den weg nach Washington antraten, eine wahre Fundgrube. Der Eindruck, den die Enthüllungen über die Tätigkeit der Organisation von Papen in den Vereinigten Staaten machten, war für das deutsche Ansehen vernichtend und hat damals nicht wieder- gutzumachenden Schaden angerichtet. Daß dieser Mann, der dem deutschen Ansehen in dem neutralen Amerika den denkbar schlechtesten Dienst während des Weltkrieges erwiesen hat. in schwerster Zeit zum politischen Führer Deutschlands berufen ist, kann jeden wahrhaften Freund des deutschen Volkes nur mit schwerster Besorgnis erfüllen. Sozial« epublikanische Partei? ?)Iann über Bord? Es hat sich herausgestellt, daß der konfuse Plan, eine neue Partei zu gründen, die politisch links und wirtschaftlich rechts von der Sozialdemokratie stehen soll, von Otto H ö r s i n g betrieben wird. Der mehrmonatige Aufenthalt im Sana- torium, das Hörsing nach seiner verunglückten Gründung des „Volkskurier" zur Wiederherstellung seiner Nerven aufsuchte, hat offenbar keine nachhalftge Wirkung gehabt, sonst könnte er einen solchen Frevel an der Sozialdemokratie unmöglich begehen. Wir glauben, daß der Ausschluß Hörsings aus der Partei durch den Parteivorstand nach genauer Feststellung des Tatbestandes nur noch eine Formalität ist. sfc Die Bundespressestelle des Reichsbanners teilt mit: Der bisherige Erste Bundessührer des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold Otto Hörsing hat unter dem 3. Juni dem Bundes- vorstand schriftlich mitgeteilt, daß er von der Bundesführung zurücktritt und aus dem Bundesvorstand ausscheidet. Die tatsächliche Leitung des Bundes lag bekanntlich schon seit Ende vorigen Jahres in den Händen des geschäftsführenden Bundes- Vorsitzenden Karl Höltermann. ZenirumsaniWori an papen. Weder christlich noch deutsch' Der Brief Popens an Saus, in dem Papen sein Vorgehen zu entschuldigen sucht, findet in der„K ö l n i s ch e n V o l k s z e i t u n g" eine vernichtende Antwort. Das Zentrumsblatt schreibt: „Roch kennen wir von dem neuen Kabinett nichts anderes als seine Mitglieder und seine Entstehungsgeschichte. Sie weist indes viele Punkte auf, die weder christlich noch deutsch sind. Reichskanzler Brüning hat im ehrlichen Bemühen mit den Problemen gerungen, deren Folgewirkungen das deutsch« Volk aus- wühlen, und hat übermenschliche Anstrengungen gemacht, soziale Spannungen zu mildern, Gegensätze auszugleichen und den Opfer- gedanken im deutschen Volk zu stärken. Das war ein Christentum der Tat, ein Sichausopfern sür Volk und Staat. Dies« in höherem Sinne wahrhaft christliche Politik ist von hinten her sabotiert und jäh unterbrochen worden. Roch während der Kanzler unter Ueberwindung unendlicher Schmie- rigkeiten die letzten Maßnahmen zur Wiedergesundung Deutschlands traf, wurden von Kräften, die außerhalb der Verantwortung standen, die Minen gelegt, die das Arbeitskabinett Brüning gesprengt haben. Die Oeffentlichkeit und selbst der Kanzler wurden im Dunkeln ge- halten. Auch die Partei, aus der das neue Licht aussteigen sollte, wurde irregeführt, und als sich der Vorhang endlich hob, stand man vor einer großen Täuschung und Enttäuschung. Christliche Grund- sätze darf man nicht nur predigen, man muß sie auch ausüben, und eine christliche Tat hat mehr sittlichen Wert als zehn christlich klingende Worte. Die Dorgeschtchte dieses Kabinetts mit ihren dunklen Kulissen ist schlecht in Einklang zu bringen mit den„unoer- änderlichen Grundsätzen unserer christlichen'Weltanschauung", von denen Herr von Pape« in seinem Schreiben spricht. Es hat seit dem Umsturz in Deutschland noch keine Regierung gegeben, die aus so schmaler Basis ruhte wie die jetzige. Wir reden gar nicht von der parlamentarischen Grundlage, die über» Haupt nicht vorhandey ist. Dieses Kabinett hatim Volke kein« Resonanz. Es ist alles andere als eine Sammlung jener Kräfte, aus denen da» neue Deutschland aufgebaut werden kann. Vielmehr haben sich' hier die Repräsentanten einer dünnen Schicht zusammengesunden, deren konservative Begriffe in sehr engen Grenze» verlaufen. In dem geistigen Ringen der Zeit, in dem Suchen nach neuen Formen sind die neuen Männer sehr wenig hervorgetreten. Um so besser aber kennt man einige von ihnen als Führer von Slandcsbewegungen mit rein materiellem Ziel. Zwischen dieser Regierung und dem Volke, besonders auch dem jungen Deutschlrnd, klasft ein» sehr breite Klust, steht ein« Fremd- heit, von der keine Aktivierung de» nationalen und richtig verstan- Im Preußischen Landtag war bei Eröffnung der Freitagsitzung die Regierungsbank wiederum leer. Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragte Abg. hintler(Rsoz.) sofortige Afo- stimmung über einen Antrag des Gefchäftsordnungsauszchusses, der die Einstellung von Strafoerfohren gegen natio- nalsozialistische Abgeordnet« fordert. Der Ausschußantrag wird mit den Stimmen der Nationalsozia- listen. Deutschnationalen und— Kommunisten angenommen. Zahlreiche Anträge der Fraktionen wenden den zuständigen Ausschüssen uberwiesen Das Haus setzt dann die allgemeine polirische Aussprache sort mit einer Rede des Abg. Lohse(Rsoz.): Di« Reden der Regierung?- Parteien waren gestern darauf abgestellt, uns bereits heute alles in die Schuhe zu schieben und uns für alles verantwortlich zu machen, was nun in Preußen passiert. Wirsind ja nochgarnicht in Preußen an der Macht! Wie kommen die Redner der Sozialdemokraten und des Zentrums dazu, uns schon jetzt für alles verantwortlich zu machen? Wenn der Redner des Zentrums uns vorgeworfen hat, wir wären verantwortlich dafii-r, daß die R e- gierung sverhandlungen nicht vorankämen, so stellen wir demgegenüber fest: Solange Sie(zum Zentrum) Ihre Geschäfts. ordnunasschiebung aus dem alten Landtag aufrechterhalten, Isaben Sie aar keine Veranlassung, über das zu klagen, was augenblicklich ist.(Sehr richtig! bei den Nsoz.) Denn die Schuld daran tragen nur Sie allein und kein anderer.(Erneute Zustimmung bei den Nsoz.) Angesichts der gewaltsamen beengten Exportmöglichkeiten der Gesellschaft sind wir zur Nationalwirtschaft gezwungen. Nur allerhöchste Schutzzölle können die deutsche Landwirtschaft retten. Arbeitsstreckung bringt nur weniger Lohn. Wir National- sozialisten sind � für die allgemeine Arbeitsdienst- pslicht. Das geht allerdings mit den Methoden der Reichsbank nicht. Dazu brauchen wir eine selbständige Währung. Abg. Kaiser(Komm.) wendet sich gegen die Lohnkürzungen. Bei 11 Pfennig Stundenlohn drucken die Unternehmer auf die Lohntüten:„Wählt Hitler!" Der Redner volemisiert dann ein- gehend gegen die freiwillige Arbeitsdisnstpflicht der Jugend, die nur künftigen Kasernendrill vorbereiten solle.(Zuruf bei den Nazis: Zwei Jahre Kaserne würden dir Lümmel gar nichts schaden!) denen konservativen Gedankens ausgehen kann. Mit einigen schön klingenden Worten ist das nicht zu machen. Der neue Generalangriff unter christlicher Tarnung stört in ver- hängnisooller Weise die Sammlung des christlich und konservativ denkenden Volksteils. Das ist eine neue Kriegserklärung an das Kabinett der Barone, zugleich eine Kennzeichnung, die nichts zu wünschen übrig läßt._ Hauptfigur Schleicher. Englische Meinung. Auch für die Berliner Vertreter der Auslandspresse hatte der neue Reichskanzler am Donnerstagabend nicht mehr Zeit als die paar Minuten, die er der deutschen Presse gewidmet hatte. Di« Ver- meidung jeder Auskunft über die Pläne dieser Regierung und das jeder Frage vorbeugende rasche Verschwinden des Herrn v. Papen hat auf zahlreiche Teilnehmer dieser Journalistenempfänge den Ein- druck einer gewissen Verlegenheit gemacht. Ein drahtlich über- mittelter Artikel der Londoner„Time s" umschreibt das so, daß er als dominierende Figur des neuen Kabinetts den Herrn v. Schleicher bezeichnet. Nach einigen vorausgeschickten Kompli- menten für Herrn v. Neurath, der als Botschafter in London selbstverständlich Freundschaft mit führenden Zeitungsleuten geh«lten hat, schreibt das englische Blatt, General von Schleicher sei sicherlich der Mann, aus den die N a t i o n a l i st e n ihre Hoffnungen setzen werden, wenn sie den Wunsch haben sollten, das Leben dieser Uebergangsregierung über die in Aussicht genommene Zeit hinaus zu verlängern. Herr v. Hindenburg beabsichtige zweifellos eine konstitutionelle Linie zu verfolgen, soweit dies die gegen- wärtigen Umstände erlaubten. Obwohl die neue Regierung aus der persönlichen Wahl hindenburg» hervorgegangen sei und selbstverständlich nicht bean- sprachen könne, das moderne Deutschland zu repräsentieren, sei Herr o. Papen dennoch in der Lage, Deutschland autoritativ in Lausanne zu vertreten, da in bezug auf die Reparationen alle Parteien in Deutschland in dieser Frage einer Meinung seien. Vom europäischen Standpunkt aus sei die bedauerliche Tendenz fest- zustellen, daß Deutschland in sich selbst zusammenschrumpfe, statt zum Vorschein zu kommen als mitarbeitendes Glied der Völtergemein- schaft. D i e Erfahrung werde auch die neue Regierung ebenso wie die übrigen verantwortlichen Führer Europas machen, daß ein jedes Land nur dann gesunden könne, wenn es feine Interessen mit denen der anderen Länder in Uebereinstimmung bringe prügelheim Waldhof. Oer wehrlose Schwachsinnige wurde am meisten geschlagen. T e m p l i n, Z. Juni.(Eigenbericht.) Die Verhandlung gegen dle Erzieher von waldhos gehl heute im Sitzungssaal de» Templiner Amtrgericht» vor sich. Der kleine Saal ist kaum Imstande, da» Gericht, die Angeklagten, die Bericht- erslalter. die Zeugen und da» Publikum zu sassen. 2lus dem Flur drängen sich die Zeugen, ehemalige und jetzige Zöglinge von waldhos. Nachdem gestern ln der Hauptsache die sittlichen Verfehlungen der beiden angeklagten Erzieher erörtert wurden, wurden heute die Zöglinge vernommen, die von den übrigen An- geklagten mißhandelt wurden. Al» erster ist der schwachsinnige ISjährig« Sch. an der Reihe. Es ist der Junge. von dem der Angeklagte Franke gesagt hat. er würde aus das Ge- richt einen traurigen Eindruck machen und man würde nicht ver- stehen, wie er sich an diesem Zögling habe vergreifen können. Man kann es tatsächlich nicht verstehen. Der Junge leidet infolge einer Gehirnkrankheit am'Veitstanz. Eine» Tage» war er beim Kartosfelauslefen. Dem Angeklagten Küchenmann ging das nicht schnell genug und der Stock trat ln Aktion. Sch. war es ver- boten, den Holzplatz zu betreten. Der Zögling L., der als Heizer arbeitete, bat ihn beim Fortschaffen einer Holzkiepe zu Helsen. Der Lehrer Wenda sah da», nahm ihn beim Kragen und warf ihn aus dem Holzschuppen. Der Junge sagte: Unterlassen Sie das und wehrte ab, erhielt einen Schlag mit dem Hammer, klappte zu- ammen, bekam einige Maulschellen und wurde die Treppe zum Heizraum heruntergeschletft. Der Erzieher Franke kam hinzu, sah den weinenden Jungen und versetzte ihm Schläge mit dem Schlüsselbund. Abg. Ruschke(Staatsp.): Der Theaterdonner der Nationalsozia- listen soll nur eine Impotenz verdecken, zu sagen, wie sie denn eigentlich dem deutschen Volke helfen wollen. Es wird Deutschlands Erwachen geben, aber in ganz anderem Sinne, als die Nazis träumen. Abg. Freister(Nsoz.): Die liberalistisch-individualistischen Par- teien von der SPD. bis zum Zentrum können uns nicht begreifen, weil sie rein materialistisch denken. Wir wollen die innere seelische und geistige Erneuerung der deutschen Nation. Wir brauchen nicht zu erklären, was wir tun werden-, denn wir stehen an der Schwelle der schweigenden Tat.(Stürmischer Beifall bei den Nationalsozialisten.) Leute wie der Berliner Landgerichts- direktor Schmitz(Zurufe: Ein notorischer Rechtsbrecher!), wie Herr K u t t n e r oder wie Herr H e i l m a n n interessieren uns nur als Objekte künftiger Rechtsprechung und künftigen Strafvollzuges.(Erneuter Beisall bei den Nationalsozialisten.) Daß SA.- und SS.-Leute in die Kerker des Snstems kommen, hört jetzt auf, weil der Rechtsstaat beginnt.(Stürmischer Beisall rechts.) Alle Schuldigen dieser dreizehn Jahr««ckmach werden büßen müssen. wenn sie nicht rechtzeitig an den Genier See gehen. Abg. Heil- mann: wir beabsichtigen nicht dem Vorbild von Doorn zu folgen. (Lärm bei den Nationalsozialisten.) Kein Wort hat der Vertreter der SPD. hier zu sprechen gcwagl über die Frage, daß allein die Systemparteien für Hunger und Arbeitslosigkeit in Deutschland ver- antwortlich sind.(Zuruf de- Abg. Heil mann: Auch in Amerika. wo die gleiche Not herrscht?) Hier interessiert uns deutsche Not. nicht China und Japan oder Fngland und Amerika.(Zurus: Hier und da hat die Not die gleiche Ursach« im Kapitalismus.) Wenn Sie die amerikanische Not mehr interessiert, wandern Sie doch aus. (Zuruf: Dieses Niveau ist Ihre gelstwe Erneuerung!) Abg. koenen(Komm.): Die Nationalsozialisten geben keine Auskunft über ihre künftigen Pläne, weil sie heute noch nicht sagen dürfen, daß sie bezahlte Knechte des Großkapitals sind. Ihre ewigen Klagen über einzelne sozialdemokratische Staats- funktionäre sollen nur Thyssen und dem Bankkapital sagen:„Laßt uns Nazi einmal ran: wir werden noch viel brutalere bürokratische Amtswalter des Kapitalismus sein als die Sozi.(Bei- fall bei den Komm.) Die Debatte geht weiter. Der nächste Zeuge ist der frühere Zögling B u ch h o l z. jetzt Heizer in Berlin. In der Anstalt gesiel es ihm anfangs. Zuletzt wurde das Essen sehr knapp, und es wurde viel geschlagen. Der Zeuge ergänzt die Aussage des ersten Zeugen. Er erinnert ihn auch daran, daß er von dem Erzieher Franke im Heizraum mit einem Scheit Holz geschlagen wurde. Der selbst hat Ohrfeigen bekommen. Rechtsanwalt L ö w e n t h a l: Haben Sie auch sonst beobachtet, daß Zöglinge geschlagen wurden? Zeuge: Ja, mein Zimmer befand sich neben der Arrestzelle. Eines Tages hörte ich, wie der Erzieher Franke und der Erzieher Rauch in die Zelle hinein- gingen, und gleich darauf begann der Junge, der eingesperrt war, zu schreien Später erzählte er mir, er sei mit dem Gummiknüppel geschlagen worden. Rechtsanwalt L.: Waren es nicht immer die- selben Lehrer, die sich am Prügeln beteiligten? Z e u g e: Ja. Es waren der K ü ch e n m a n n, der Franke und der R a u ch. Rechtsanwalt L.: Sprachen die Jungen nicht von einem Roll- kommando? Zeuge: Das weiß ich nicht. Rechtsanwalt L.: Haben Sie nicht auch vom Direktor Gruber Ohrseigen bekommen? Zeuge: Ja, weil ich eines Tages nicht zur Kirche gehen wollte: on�»rdnm erhielt ich auch drei Tage Arrest. Wieder Tragödie der Not. Drei Todesopfer einer Verzweiflungstat. 3m hause w i ch e r t st r. 1 im Norden Berlin» wurde heute früh eine furchtbare Familienlragödie entdeckt. 3m Schlaszimmer ihrer Vohnuriz wurden dort der lljährige Kaufmann Karl Stock- l i n g. seine um 10 3ahre jüngere Frau Gertrud und deren lljähriger Sohn Heinz durch Gas vergiftet tot ausgesunden. Stöckling hatte in der S ch ö n f l i e ß« r Straße ein Geschäft, dem ein Laboratorium angegliedert war. Er befaßte sich mit der Herstellung von Mitteln zur Schönheits- und Körperpflege. In den legten Monaten ging der Umsatz derart stark zurück, daß St. mit seinen Verpflichtungen in Rückstand geriet. Da der Mann ofsenbar keinen Ausweg sah, seine finanzielle Lage zu verbessern, faßt« er den Plan, aus dem Leben zu scheiden und seine Familie mit in den Tod zu nehmen. Stöckling Halle sich in seinem Geschäft zwei Tage nicht sehen lassen, und als er auch h«ute früh in seinem Büro nicht erschien, schöpften die Angestellten Verdacht und benachrichtigten die Kriminalpolizei. Die Beamten verschafften sich gewaltsam Einlaß. 3n dem mit Gas erfüllten Schlafzimmer fanden sie das Ehepaar und ihr And tot aus. Nach dem Befund scheint Stöckling, nachdem Frau und Kind eingeschlafen waren, heimlich aufgestanden zu sein und sämtliche Gashähne in der Wohnung geöffnet zu haben. Die Vermutung, daß St. ohne Wissen seiner Frau ge- handelt hat, wird noch dadurch verstärkt, daß er keine Abschieds- briese hinterlassen hat. Die Leichen sind von der Staatsanwalt- schaft beschlagnahmt worden. Fenstersprung aus dem vierten Stock. Aus dem Küchenfenster seiner im 4. Stockwerk gelegenen Wohnung in der Wolliner Straße 34 sprang heute vormittag der Schlosser Erich I. auf den Hof hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedern bewußtlos liegen blieb. Die Feuerwehr brachte den Lebensmüden ins Lazaruskrankenhaus. Nervenzerrüttung ist das Motiv zur Tat. Eisenbahnunfall im Hunsrnck. Zug fährt auf Felstrümmcr auf. Irler, 2. Juni. Auf der Bahn st recke Hermesteil— Simmern stürzten am Donnerstag 400 bis 500 Kubikmeter Fe ls» Massen aus die Gleise. Kurz darauf nahte ein Personenzug. Der Lokomotivführer versuchte vergeben», den Zug vor dem Hindern!» zum Stehen zu bringen. Die Lokomotive und der Packwagen ent- gleisten. Bier Reisende wurden o e r l e tz t, einer von ihnen schwer. Der Verkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Oer Präsidentenmörder Gorguloss hat dem Untersuchungsrichter »ach Mitteilung des Aerztebesundes auf volle Verantwortlichkeit erklärt, sein Beweggrund sei gewesen, die Welt vor dem Komm»- nismus zu bewahren: er hätte auch jeden anderen Staatschef ge- tötet— man möge ihn doch gleich hinrichten. Bestechung dsrFremdenpolizei? Llntersuchung gegen Beamte.- Drei Ausländer verhaftet. Ein Eondcrdezcrnat der Kriminalpolizei ist zur Zeit, wie wir erfahren, bei der Untersuchung einer B e st e ch u n g s a f f ä r e be- fchäftigt, in die bereits eine ganze Reihe in Berlin lebender pol- nischer Staatsangehöriger oerwickelt ist Die Ermittlungen erstrecken sich aber neuerdings nicht nur aus diese Ausländer, sondern auch auf mehrere Beamte der Berliner F r e m d e n p o I i z e i, die mit diesen Kreisen dienstlich in Berührung aetommen und in den Ver- dacht der passiven Bestechung geraten sind, Dem Vernehmen nach sollen zwei Beamte dieser Behörde nach ihrem Verhör bereits festgenommen worden sein, wahrend bei einem dritten die Untersuchung noch im Gange ist. Die betreffenden Be- amten haben bisher entschieden in Abrede gestellt, irgendwelche Zu- Wendungen erhalten zu haben, und es muß dem weiteren Verlauf der Ermittlungen überlassen bleiben, ob sich der gegen sie schwebende Verdacht bestätigt. Von den Ausländern sind drei bereits vor einiger Zeit verhaftet worden, während gegen drei weitere polnische Staats- angehörige ebenfalls ein Verfahren schwebt. Es handelt sich bei ihnen einmal um den Vorwurf, daß sie den Versuch gemacht haben sollen. Beamte der Fremdenpolizei durch Bestechung zur Bewilligung bzw, Verlängerung von Aufenthaltsgenehmigungen zu veranlaisen, weiter aber auch um den Verdacht des Betruges gegenüber anderen in Berlin lebenden Ausländern, Die sechs Polen sollen nämlich ein Konsortium gebildet hoben, das sich gewerbsmäßig mit der angeblichen Vermittlung von Anseilt- Haltsgenehmigungen befaßt hat, und zwar haben sie Ausländern, die entsprelbende Anträge bei der Fremdenpolizei stellen wollten, vorgespiegelt, daß sie, nämlich das Konsortium, über besonders gute Beziehungen zu den betreffenden Beamten verfügten und die Aufent- Haltserlaubnis— natürlich gegen entsprechende Beträge— anstandslos besorgen könnten. Auf diese Weise sollen sie eine ganze Reihe ihrer Landsleute um recht erhebliche Summen geschädigt haben, Aazis als Erpresser. Die Drohung mit der„schwarzen Liste". Von mehreren Geschäftsleuten wird uns geschrieben: In letzter Zeit erschienen wiederholt jüngere Männer mit S o m m e l l i st e n in den Geschäften, um Geldspenden für die„SA.-K ü ch e" zu for- dern. Wenn die Burschen abgewiesen werden, kommt man mit frechen Drohungen. In Schöneberg trug sich folgender Fall zu, der ein bezeich- nendes Licht auf die Taktik der verbotenen SA, wirst. Ein Nazi erscheint, in der Hand hält er ein größeres Notizbuch. Dann ent- spinnt sich gewöhnlich folgender Dialog:„Bitte, geben Sie etwas für die SA.-Küche!"„Ich gebe nichts," erwidert der Geschäftsmann. „So, Sie geben nichts? Es ist uns schon aufgefallen, daß Sie noch nie etwas für die SA, gegeben haben! Nun schön, wenn Sie nichts geben wollen, kommen Sie eben in das„andere Buch", Dabei zeigt der Nazi auf ein zweites Notizheft, wo er den Namen des betreffenden Geschäftsmannes einzeichnet Leider ist es bisher in allen Fällen versäumt worden, die Burschen von der Polizei fest- stellen zu lassen. Alle diese Sammlungen sind polizeilich nicht ge- nehmigt und deshalb, ganz abgesehen von der Erpressermethode, strafbar. Sturm über Rumänien. Schwere Schäden in Ismail.- Bisher acht Tote. Wien, 3. Juni. Das bessarabische KomitatJsmail wurde von einem furchtbaren Wirbelsturm heimgesucht, der große Verheerungen be- sonders an den Hasenanlagen der Stadt Ismail selber anrichtete. Genaue Angaben über den Umfang der Katastrophe sehlen noch, da sämtliche Telegraphen- und Telephonverbindungen unterbrochen sind. Bisher liegen Meldungen über acht Tote und 8 l) Ver- letzte vor. Von mehreren hundert Häusern wurden durch die Hes- tigkeit des Sturmes die Dächer weggefegt. Viele Häuser sind ein- gestürzt. Das Vieh ist zu Tausenden von den Fluten weggeschwemmt worden. Das Boltstheater Reue Welt, das bei schönem Wetter auf der Garten- bahne, bei ungünstiger Witterung im Theatersaal„Das Dreimädcrlhaus" spielt, hat seine Eintrittspreise noch weiter gesenkt. 1500 Plätze kosten nur noch 30 Ps,, auch am Sonntag. Zuchihausantrag gegen Gklareks Gefängnisstrafen gegen Giadtbankdirekioren und Beamte Ter Lberstaatsanwalt beantragte gegen die Brüder Willi und Leo«klarek wegen fortgesetzten B e- truges zum Schaden der Berliner«tadtbank, zum Teil in Tateinheit mit schwerer öffentlicher Urkundenfälschung, wegen Betruges zum Schaden der Dresdner Bank und der Lstbank, wegen Konkursverbrechens in Tat- einheit mit Konkursvergehen und wegen fortgesetzter aktiver Bestechung je sechs Jahre Zucht.haus und zehn Jahre Ehrverlust. Gegen den Skadtbankdirektor Schmidt beantrogle der Oberstaatsanwalt wegen schwerer passiver Bestechung zwei Jahre sechs Monate Gefängnis, gegen den Stadtbankdirektor Hofsmann zwei Jahre Gefängnis, gegen Bürgermeister Schneider ein Jahr neun Monate Gefängnis, gegen Stadtrat Gaebel ein Jahr acht Monate Gefängnis, gegen Bürgermeister kohl ein Jahr sechs Monate Gefängnis, gegen Stadtnmtsrat Sokolowski zehn Monate Gefängnis und gegen Stadtrat Degener neun Monate Gefängnis. Gegen Hossmann, Schmidt, Schneider, Gaebel, kohl, Sokolowski und Degener beantragte der Oberstaatsanwalt auch zu erkennen auf die Unsähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter für die Dauer von fünf Jahren. Gegen den Buchhalter Lehmann wurde vom Oberstaatsanwalt wegen Beihilfe zum Betrüge und zur Urkundenfälschung zwei Jahre Gefängnis und gegen den Buchhalter Tuch wegen Beihilfe zum Betrüge ein Jahr Gefängnis beantragt. Gegen den Diplomkaufmann L u s i n beantragte der Oberstaalsanwalt wegen schwerer passiver Bestechung ein Jahr drei Monate Gefängnis. Zum Schluß wurde vom Oberstaatsanwalt Freiherrn von Steinaecker beantragt, gegen die Gebrüder S k l a r e k mit sofortiger Boll- streckung erneut Haftbefehl zu erlassen. Außerdem ist gegen alle wegen passiver Bestechung zu ver- urteilenden Beamten der Antrag gestellt worden, das als B e- stechung Empfangene oder seinen Wert dem Staat für versallen zu erklären. Während die meisten An- geklagten die Strafanträge mit Fassung entgegennahmen, brach Leo Sklarek in Weinen aus, und Stadtbankdirektor Hoffmann schlug mit der Faust aus den Tisch und brach in. sich zusammen. Auch Willi Sklarek fing bei den weiteren Ausführungen des Ober- staatsanwalts zu weinen an. Oberstaatsanwalt Freiherr von Steinäcker betonte noch dem Antrag, daß der Korruptionssumpf trockengelegt werden müsse und rief dem Gericht zu:„Ihr Urteil wird epochale Bedeutung haben." Franz Eammelohr:„Der Tiefstapler". Theater in der Behrenstraße Mit der Hochstapelei ist es aus, heißt die Moral dieser vor- sommerlichen Angelegenheit: denn es läßt sich aus den sogenannten reichen Leute aber auch nichts mehr herausholen. Ein älterer Gcntlemaneinbrecher und seine angelernte Gehilfin machen sich in der Villa eines angeblich verreisten Grafen heimisch, und später gesellen sich ihnen noch zwei weitere Zunstkolleginnen zu, zwei auf die Hochstapeltour gehende Pseudoamerikanerinnen. Aber die sich gegenseitig betrügenden Betrüger kommen nicht auf ihre Kosten. Ihre Tätigkeit in der Grasenvilla beschränkt sich vornehm- lich darauf, Rechnungen für den verschuldeten Grafen zu bezahlen und seine gepfändeten Möbel aus den Klauen des Gerichtsvollziehers zu befreien. Also schön: Einbruch lohnt nicht mehr! Slber nun wird auch noch die Antithese aufgestellt: die ganz raffinierten Stapelticss! Der Graf gibt sich in seiner eigenen Behausung dem Schwindlerquartett gegenüber als Schwindlerkollege aus, und es schaut dabei für ihn heraus, daß er sich die Einbrechergehilfin zur Frau erringt, und für das Stück ergibt sich die Möglichkeit zu einem Rattenschwanz komischer Verwicklungen. An Unwahrscheinlichkeit läßt die ganze Angelegenheit nichts zu wünschen übrig, aber immerhin hält sie sich von hanebüchenen Albernheiten fern. Sie entbehrt auch nicht einer gewissen Grazie sowie einer zwar nur oberflächlich verankerten, aber ganz annehm- baren Weltanschauung, die ungefähr besagt, daß heute die Methoden der guten Gesellschaft von denen ihrer Hochstaplerimitatoren sich viel- fach nicht mehr unterscheiden und daß bei Kollisionen oft kaum mehr festzustellen ist, welches Gliedmaß zu dieser und welches zu jener Seite gehört. Einige eingestreute politische Witze legen auf Charakter keinen Wert, und es ist ihnen jede Tendenz recht, wenn nur die Pointe sitzt. Ralph Arthur Roberts spielt unter Abschmetterung allzu reichlicher Lachsaloen mit bewährter Degenerationsmiene den Tief- staplergrafen, Eugen Burg ist vom Scheitel bis zur Sohle ein kultivierter Gaunerkavalier und auch die Dumen, unter denen Life- lotte Rosen ihre Rolle, erfreulich auszusehen, besonders gut er- füllt, stehen ihren Mann. Das Publikum war sehr erbaut. H. B. Gedenkfeier für Eugen d�Albert. Um seinen toten Präsidenten zu ehren, veranstaltete der Bund Deutscher Komponisten in der Singakademie eine Gedenkfeier für Eugen d'Albert, den kürzlich verstorbenen, wahrhaft großen Pianisten unv weniger großen, wenn auch weithin bekannten Kom- ponisten. Paul G r a e n e r sprach Worte des Gedenkens. Er ver- suchte keine kritische Würdigung, er entwarf kein Gesamtbild der Persönlichkeit des Dahingegangenen: in wenigen Sägen, in sym- pathisch schlichten Worten versuchte er, aus Abstammung, Erziehung und einge! orener Sehnsucht Werden und Werk dieses vielseitigen Künstlers deutlich zu machen, der— aus italienischem, englischem, französischem und zum kleinsten Teil nur deutschem Blut ent- sprossen— nur«in deutscher Musiker sein� der deutscher Musik dienen wollte, wie sie Franz Liszt in seine Hände gelegt hatte(und der doch in jeder Hinsicht und Beziehung Europäer wurde). Dem Gegenstande angemessen, war die Feier musikalisch würdig um- rahmt: es kamen ausschließlich Werke des toten Meisters zur Auf- führung: sein zweites Klavierkonzert, ein wirkungsvolles, brillantes, im Instrumentalen oft geradezu grandioses Stück Lifztscher Pro- venienz, dessen Interpretation durch Heinz I o l l e s die Ueberlegenheit und Souveränität zeigte: der große romantische Virtuosenstil fehlte, wie ihn d'Albert selbst als einer der Letzten noch besessen hatte. Es folgten von Mafalda Salvatini gesungene Orchesterlieder sowie Bruchstücke aus Opern, die Max von Schillings dirigierte, der vor wenigen Tagen zum Präsidenten der preußischen Akademie der Künste gewählt wurde. Max Liebermann, deren bisheriger lang- jähriger Präsident, hatte seine Wiederwahl abgelehnt, und da man seinen Wunsch, den bekannten Architekten Hans Poelzig zu wählen, nicht respektierte, kam es diesmal erstaunlicherweise zur Wahl eines Musikers, zur Wahl Schillings, der als Schaffender nicht viel Neues zu sagen hatte und hat, der aber über genügend Traditionsbewuht- sein und jene herkömmliche Haltung verfügt, die ihn für eine der- artige Verlegenheitswahl als den geeigneten Mann erscheinen lassen muhte. A. W. Die dritte Schwßmuftt. Das dritte der Schloßhofkonzert« brachte— vom Stadtopern» orchester gespielt, von Fritz Stiedry ausgezeichnet dirigiert— ein köstliches Werk von Mozart(ein konzertantes Quartett für Oboe, Klarinette, Horn und Fagott mit Orchesterbegleitung), ferner Hugo Wolfs entzückende italienische Serenade, Wagners Siegfried- Idyll und einen Marsch von Schubert. Leider ist die Akustik des Schlüterhofes, wahrscheinlich das Musizieren im Freien überhaupt, den Werken Wolfs und Wagners nicht so günstig, wie denen Haydns, Mozarts: der zarte Klang zerstiebt, die Farben büßen ihre Leuchtkraft ein: die konstruktiven Elemente, die sich außerhalb der Saalakustik offenbar am besten behaupten, sind ja bei solchen Werken recht gering: so kommen sie, so liebevoll sie auch betreut wer- den mögen, um ihren eigentlichen Sinn, um all die feinen Reize ihres Farbenschmelzes. Den einheitlichsten, geschlossensten und darum wohl auch größten Eindruck vermittelte Mozart. ar. F. W.WOOLWORTH CO IT 1216 ### am Freitag, den 3. Juni 1932 einen neuen Laden: BERLIN N 4 CHAVSSEESTR. 19, NÄHE INVAL1DENSTR. ___# ir beehren uns, Sie zur Eröffnung dieses Ladens, mit zwangloser Besichtigung und Konzert, Freitag, den 3. Juni von 2— 6.30 Uhr nachmittags ergebenst einzuladen. Am Eröffnungstage findet kein Verkauf statt Dieser beginnt erst am nächsten Tag, Sonnabend, den 4» Juni, ab 9 Uhr vormittags« F. W.WOOLWORTH CO IS Kommunistische Landarbeiierstreiks. NGO bringt Streikende ins Unglück. „Der Landarbeiter", das Organ des Deutschen Landarbeiter- Verbandes, hatte am 28. Mai berichtet, daß 18 Personen, die sich von der REO. in einen Landarbeiter st reik in Tapiau treiben ließen, vom Schöffengericht in Tapiau in Ostpreußen zu insgesamt 8ö Zftonalen Gefängnis verurteilt wurden. Sie waren angeklagt wegen Land- und Hausfriedensbruch und Sachbeschädi- gung. Telegraphendrähtc waren zerschnitten worden, Treibriemen, Sielen und Elektromotoren zerstört worden. Eine Klage vor dem Arbeitsgericht hatte genügt, den Arbeitern in einem Lohnstreit mit den Besitzern zu ihrem Recht zu verhelfen. Heute muß„Der Landarbeiter" von einem Nachspiel zu dem kommunistischen Landarbeiterstreik im Kreise Gumbinnen berichten, wobei 22 Landarbeiter zu Z4 Jahren Gefängnis und Zuchthaus verurteilt wurden. Im Februar dieses Jahres streikten auf Befehl der KPD. auf vier Gütern im Kreise Gumbinnen in Ostpreußen(Schröter- lauken, Luckenbach-Gr.-Baitschen, Gutzat-Antzirgessern und Klein- Mixelns 18 Londarbeiterfamilien. In Klein-Mixeln brach der Streik am ersten Tage zusammen, und eine Familie wurde entlassen. Bei Gutzat-Antzirgessern war der Streik in wenigen Tagen erledigt, und zwei Familien wurden arbeitslos. Bei Luckenbach, Gr.-Baitschen dauerte der Streik einige Tage länger; auch hier wurde eine Familie arbeitslos. Der Streik in Schröterlauken fand einen dramatischen Abschluß Aus den früheren KPD.-Domänen Groß-Bufpern und Gumbinnen kamen sofort Streikbrecher. Zwischen den von dem Führer der NGO. nach Schröterlauken aus der Umgegend herangezogenen Streikposten und den Streikbrechern kam es zu einem Zusammenstoß, der zur Folge hatte, daß einer der Streikbrecher den Tod fand. Außerdem wurde an diesem Tage die zum Gut Schröterlauken führende Tclephonleitung z e r st ö r t. Die Folge dieser Borgange war, daß 2S meistens fugend- liche und unerfahrende kommunistische Arbeiter, aber auch einige Familienväter aus die Anklagebank kamen. Drei davon wurden freigesprochen, die übrigen erhieUen Strafen von 9 Monaten Gefängnis bis zu vier Jahren Zuchthaus. Insgesamt wurden diese 22 Arbeiter zu 34 Jahren Gefängnis- bzw. Zuchthausstrafen verurteilt. Der Führer des Streiks, Pfau, ließ Weib und Kind im Stich und flüchtete nach Rußland. Ein anderer Führer wird jetzt als Spezialist gleichfalls nach Rußland fahren. So sehen kommunistische„S t r e i k e r f o l g e" aus: Landarbeiterfamilien werden arbeitslos. Männer kommen ins Zucht- Haus, und die kommunistischen Führer verziehen nach Rußland. Streik im Kohlengroßhandel? Funktionäre lehnen Schiedsspruch ab. Für den Berliner Kohlengroßhandel ist am Mittwoch vom Schlichtungsausfchuß ein Schiedsspruch gefällt worden, init dem die Unternehmer gewiß zufrieden sein werden. Die Löhn« sämtlicher Arbeiter des Kohlengroßhandels sollen ab 19. Juni um etwa 8 bis 19 Prozent abgebaut werden. Der Stundenlohn des ständigen Arbeiters, der aber oft genau so wie der Aushilfsarbeiter nur drei und vier Tag« in der Woche beschäftigt wird, soll zum Beispiel von1,92 Markauf93Ps. gekürzt werden. Obendrein soll noch ein Abbau der sozialen Bestimmungen des von den Unternehmern ebenfalls cjekundigien Manteltarifs vorgenommen, insbesondere der Urlaub und die Zu- schlüge zum Krankengeld gekürzt werden. Mit diesen Aenderungen sollen Lohn- und Manteltarif bis zum 39. April 1933 verlängert werden. Zu dem Schiedsspruch nahmen die Vertrauensleute der freigewerkjchaftlich organisierten Berliner Kohlenarbeiter am Donnerstagabend in einer stark besuchten Versammlung im Gewerk- schaftshaus Stellung. Dem ausführlichen Situationsbericht des Genossen F e l s ch vom Gesamtverband folgte eine mehrstündige Debatte, in der sich kein Funktionär für die Annahme des Schieds- spruches aussprach. Die Funktionäre verkannten in ihrer Mehrheit zwar nicht die Schwierigkeiten, die im Augenblick«inem auf die Erhaltung der bisherigen Lohn- und Arbeitsbedingungen gerichteten offenen Kampf der Kohlenarbeiter im Wege stehen, hielten es aber trotzdem für unangebracht, über den Spruch viele Worte zu verlieren. Ein- stimmig wurde beschlossen, der Branchenoollversammlung am Donnerstag nächster Woche im Hackeschen Hof die Ablehnung des Schiedsspruches zu empfehlen. Jedenfalls ist nach der Stimmung unter der gesamten Kohlenarbeiterfchaft mit einem Streik im Berliner Kohlengroßhandel zu rechnen, wenn d i e Unternehmer von dem Schiedsspruch nicht noch erhebliche Ab- striche zugunsten der Kohlenarbeiter machen. Streik derBau- und Geldschrankschlosser Am 2. Juni 1932 tagten die streikenden Bau- und Geldschrank- schlosser. Sie nahmen den Bericht von den Verhandlungen bei dem Schlichter Wissel entgegen. Da die Unternehmer sich darauf ver- steiften, daß der Lohn noch unter den Vorschlag des Schiedsspruchs gedrückt werden soll, sind die Verhandlungen gescheitert. Der Beschluß der Streikoersammlung ging dahin, die Streik- leitung zu ermächtigen, dieStreikfrontzu erwestern. Es wird dringend gebeten, bei Ausführung von Bauschlosser- arbeiten darauf zu achten, daß die Bauschlosser im Be- sitz einer ZZerechligungskorle sind. Die Arbeiterschaft Berlins wird ersucht, die Bau- schlosser in ihrem Kamps zu unterstützen. Alle Arbeiter in Bauschlossereien, die nicht im Besitze der roten Arbeits- berechtigungskarte sind, sind an die Zentrolstreikleitung zu weisen oder der Streikleitung ist Mitteilung zu machen. Don den bestreikten Betrieben haben zwei Drittel bereits die Forderung auf Verlängerung des bestehenden Tarifoertrages uMerschrieben. Das S t r e i k l o k a l der Zentrasstreikleitung befindet sich im Verbandshause der Metallarbeiter, Eingang Eisasser Straße 89/88, Parterresaal. Telephon 0 2, 5938 Die Auszahlung der Streikunterstützung erfolgt am Donnerstag, dem 9. Juni, in der Zeit von 19 bis 12 Uhr. Das neue englische Bergwerksgeseh. London, 3. Juni. Das neue englische Lergwerksgeseh, das die Beibehaltung der 7 1b stündigen Arbeitszeit vorsieht, wurde am Donnerstagabend vom Unterhaus mit 291 gegen 52 Stimmen in dritter Lesung angenommen. Zugkatastrophe in Argentinien. 40 Personen zum Teil schwer verletzt. Buenos Aires. Z. Juni. Zn einem Bahnhof von Buenos Aires fuhr ein von La Plata kommender Schnellzug mit großer Geschwindigkeit infolge Versagens der Bremsen gegen einen Prellblock. Die Lokomotive stürzte u m und mehrere wagen schoben sich ineinander. Bis- hex wurden 40 verletzte geborgen, unter denen sich zahlreiche Schwerverletzte befinden. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich ist in der letzten Woche von 279 321 am 262 184, mithin um über 8999 Personen zurückgegangen. In 21 Provinzen gibt es weder amtlich eingetragene noch unterstützte Arbestslose. Wetter für Berlin: Uebergang zu kühlerem Wetter mit zunehmender Bewölkung, aber noch keine wesentlichen Niederschläge. — Für Deutschland: Im Südosten Eintrübung mit Regenfällen, im übrigen Reiche kühles und wolkiges Wetter, aber nur im Nordosten vielfach Schauer. Verantwortl. für die Stedattion; Rich. Bceusitia. Berlin; Änzeigen: Tl>. Glocke, Berlin. Berlrai Vorwärts Verlag G.m.b.H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buck druckcrei und derlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW KS. Lindenltr. Hier»« l Beilage. Lltealet. Ltdtlspiele usn>| Stoffe für Leib- und Bettwäsche, Sommerstoffe aller Art Verkaufszeit 8—5(Ihr, Sennabends 8—2 Uhr Maats Theater Freitag, den 3. Juni ssaatsoper Unter ßen Linden 20 Uhi Salome Staat!. Sdiauspielliaiß iBndaraenmark:. 20 Uhr Egmeiti Schiller-Theater Charlottenbure. 20 Uhr Abstbled von der Liebe MechanischeFeinweherei Adlershof Kleider- und teidenstoffe aller Art Berlin-Adiershof, Adlergestell 265 OsgenOber Stadtbahn. Fimspt.- Adlerhof 237. 231. 241 Stadl. Oper Chariottenburg dismarckstraße 34 Freitag, 3. Juni Turnus I Die WM Rcinmar. Rode, Müller, Eisinger, Berglund, Kandl, Gonszar, Gombert. Anfang 19,30 Uhr Ende 23 Uhi nsecate im Vorwärts sichern Erfolg! hlhe Sdil«. Bhf. 1 5o. B1-'.St3S.2,5,B15U. E 7 Weichs. 4031 D e l cticripaos. Aparte FrühjahrsmänteliKostünie zu ganz besonders niedrigen Preisen MaBanfertigung spez. für starke Damen! Paul Linck Damenmäntel- Fabrik, und Hdlg. Neukölln, Reaterstr. 63, Z. d. Hnser-Fuedriidi-Str. PROGRAMM für die Zeit vom z. bis 6. Juni Potsdamer Straße 28 Der Frechdachs m. W.Fritsch, Fsm Horn. It. A. Roberts W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr l Schöneberg Odeon, Potsdamer Str. 75 Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar, Gustav Fröhlich Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7 9 Uhr Turmstraße 12 Bin toller Einfall mit Willy Fritsch, Rosy Barsony, Max Adalbert \V. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Alexander straße 39-40 (Fassagel Sergeant X mit Iv. �losjoukin — Außerdem; Mein Freund, der Millionär mit Hern». Thimig Den ganzen Tag geöffnet! S. ab 3 Uhr Variete Tonfilm Alhambra Hauptstraße 30 Lehar-Tonoperetle: Bs war einmal ein Walzer mit jflartha Eggerth. — Tonbeiprogr. Jugendliche haben Zutritt Titania Schöneberg Hauplstr 49 W 5.«7 9 Uhr* 3. 5. 7. 9 Uhr Tonlustspiel: Der Frechdachs mit W- Fritsch. Camilla Horn. Roberts— Tonbeiprogramm Kronen-Lichtspiele Rheinstraße 65 Beg. 7. 9 Uhr. Sbd., Stg. 5, 7, 9 Uhr Der Frechdachs m. W.Fritsch. Cam. Horn. Roberts— Gr. Beiprogramm Unter den Linden Die Kamera Täglich 3, 5, 7. Unter den Linden 14 9 Uhr Das Kabinett des Dr. Caligari mit Krauli, Vcidt, Dagovcr Fox-Ton woehe c Friedrichstadt Franziskaner Georgenstraße tEcke Friedrichstraße) 9. 12, 3. 6. 9 Uhr Der Geheimagent (Ein �lann fällt vom Himmel) mit Harry Fiel,.Ilaria Solveg 10.30. 1.30. 4.30. 7.:-U, 10.30 Uhr Einmal mächt ich keine Sorgen haben mit 9Iax Hansen Neueste Tonbild-Reportage Film-Palast Kammersäle TellowerSir 1 W abSlij.So abSMiU Scbanshal-Expri-ß t. Marlene, Dietrich— Webe, wenn er losgelasaen mit Burian Titania-Palast Steglitz. Schloßstr. 5. EckeGutsmuthsstr. N'euaufführung des größten Stummfilmerfolges: Die Heilige und ihr Narr mit Wilh. Dieterle, Lien Deyers.— Musikalische Begleitung u. vorhergeh. Orchesterkonzert Leitg. Schmidt Gentner. 40 Musiker Jugendliche haben Zutritt c Zehlendorf-Mitte 7�1 2 Beginn tägl. 5, 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str 50 Hädchen zum Heiraten mit Renate H iiiler. Heim. Thimig — Gutes Beiprogramm F E L Mariendorf Vfn f« Hariendorfer W. 7. 8.30, iU'Jjl Tonlicbtspiele So.5,7.8.30 Chausseesir. 305. Stg 3 Uhr: Jgd.-V. Unter falscher Flagge mit G Fröhlich— Ein steinreicher .Hann mit Curt Bois c Temcelhof Kur füret w- 7- 9- St« 5- 7. 9 UKr auriursi stg. z vkr: Jgd.-Vorst. Dortslrafle 22. Eck% Berliner Straße Ein toller Einfall mit Willy Frit.ch, Dorothea Wiek— Tonbeiprogramm Tinnli täglich 6, 7, 9 Uhr llVUll sigs 3 Uhr: JuaendvorsteU Berliner Str. 97. Großtonfilra: Der Prinz von Arkadien mit W Fritsch, Liane Haid dZ e st e n Primas-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Kreuzer Emden mit Werner Fucttercr, Louis Ralph, Rcnee Stobrawa Jugendliche haben Zutritt W. 5.15. 7.15, 9.15 Uhr S. 3.15. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr ���h�rlolltonoulg��� Germania-Palast Charlottenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Razzia in St. Pauli mit Gina Falckenberg— Besserer Herr gesucht zwecks.. mit Szöke Szakall Moabit >1«•**•<» Ast/ Wochent. ab 6 Uhr AflUSnOT Sonntags ab 5 Uhr Perleberger S»r. 29. 2 Tonfilme: Kriminalreporter Holm mit Elga Brink— Die schwebende Jungfrau mit Sz- Szakall, Fr. Schulz— Tonw. » Neukölln> Mercedes-Palast s/'b's": Herraannstr. 212. Bühnen-Gastspiel d. weltberühmten Hassner-Zauberschau— Ferner: 6 Variete-Attraktionen. Spieldauer 21/i Stunden! Jugendl. Zutritt! W. ab 5 Uhr S. ab 3 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstr 54(an der Wilmersdorfer Str.) In 80 Hinu�en um die Welt mit Douglas Fairbanks— Ferner: Ein süßes Geheimnis m- Hansi Niese W. ab 5 Uhr S. ab 3 Uhr Schlüter-Theater f'ssolau. Schlülerslr. 17. Sonnt. 3 ü: Jgd-V Gitta entdeckt ihr Herz mit Gitta Alpar. Gust. Fröhlich.— Der tolle Bomberg mit U. A. v. Scblettow. Jugendliche haben Zutritt Wilmersdorf Wochent. 7, 9� U Stg. 5. 7. 9V4 U. Atrium KaiseVallee. Ecke Berliner Straße Uraufführg.: Kuhle Wampe(Wem gehört die Welt) m- IlerthaThiele, Ernst Busch, H. Werner-Kahle, Anna Ityüller-Linke. Hermann Krehan,.Hartha Burchardi. — Gutes Tonfiimbelprogranim Primus-Palast ILnhVs u. Am Hermannplalz Urbanslr 72/76 In 80 Hinuten um die Welt mit Douglas Fairbanks— Büh- nengasispiel d. rheinischen Komikers Wilh. Jlillowitsch mit Ensemble in der Burleske: Der schöne Wilhelm— Jugendliche haben Zutritt! Südosten Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 5. 6*4. 71/2, 9 Uhr Lehar-Tonoperette: Es war einmal ein W alzer m. Hartha Eggert!» — Heine Kinder, mein Glück mit J. Boles Osten Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Bühnengaslspiel; Schön heits-Xackt-Revue Lucia Rclleh Die Revue in 20 Bildern Im Filmteil: Xachtkolonne mit Olga Tschcchowa, Oskar Homolka Wochentags 6.30, Sonntags ah 5 Uhr Luna-Palast Woch. 5 Uhr Sonnt ab 3 Uhr Gr Frankfurter Str. 121. Fonwoche Der Frechdachs mit Willy Fritsch.— Ein steinreicher Hann mit Curt Bois Schwarzer Adler Frankf W 5. 7. 9 Uhr Allee 99 S 3. 5. 7. 9 Uhr Tonfilm: Gräfin v. klonte Christo mit Brigitte Helm, Forster, Englisch— Tonbeiprogramm Luisen-Theater s"b 5�1. Reichenberger Str 34 Harlene Dietrich in dem Großtonfilra: Schanghai-Expreß Ferner Die Wasserteufel von Hieflau Stella-Palast Köpenicker Straße 12—14 Douglas Fairbanks spricht deutsch in dem Tonfilm In 80 Minuten um die Welt Ferner der Unterwelüilm Razzia in St. Pauli mit Gina Falkenberg, Friedrich Gnass Treptow-Sternwarte Sonnabend 8, Sonntag i, 6. 8 Uhr: Rango Tierleben auf-Sumatra(Film) Viktoria-Theater s�ao5 Frankfurter Allee 46 8changhai-Expreß m. Marlene Dietrich, Anna May Wong— Tonbeiprogramm > Neu-Hchtenberg Kosmos-Lichtspiele Lückstr. 70 Wo 6.45. 9 Uhr Sonnt. 5. /, 9 Uhr Großtonfilm: Peter Voß, der Mil- Ilonendieb. mit Willy Forst, Paul Hörbiger— Tonbeiprogr. Kinn Ruerh Wochentags 6 Uhr JXinO DUSCn Sonntags ab 5 Uhi All-Friedrichsfelde"j Zwei in eiaem Auto m. Magda Schneider. C. L. Dichl— Ver gessen Sie nicht, die Antenne zu erden. Tonskelch- Tonwoche PROGRAMM für die Zeit vom z. bis 6. Juni Flora-Lichtspiele��1 Wocht. 5.45, ca. 7. 8.45, Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme: Straßen der Welt stadt— Aus einer kleinen Residenz mit liueie Englisch ,Elysium' Nordosten_ m ,** Prenzlauer Allee 56 Beg.; Wochent 5 Uhi. Sonnt. 3 Uhr Straßen der Weltstadt(Unterweltfilm— Einmal möcht ich keine Sorgen haben mit Jlax Hansen Königstadt-Palast stl'ah4� Schönhauser Allee 10 Neue Direktion Der Frechdachs mit W.Fritsch — Der Stamme von Portici— Ufa-Ton woche Eintrittspreise abermals ermäßigt « Norden» J /Äs*#»« />«*sv Möllerstraße 136. Alnamöra Ecke Seestraße W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Die Wasserteufel von Hieflau. — Fat und Patachon in Schritt und Tritt.— Jugendliche Zutritt Pharus-Lichtspiele Müllerstr. 142 Täglich 5. 7, 9 ü. Sonntag ab 3 Uhr Erstaufführ. f. d. Norden: Buffalo Bill mit Tom Tyler. Wildwest- Indianer-Tonfilm. 1- Der tollkühne Reiter, II. Die brennende Prärie Jugendliche haben Zutritt W Pankow Pa last- Theater Breite Str. 21a. Großtonfilra: Der Frechdachs mit W. Fritsch, C. Horn, Roberts — Gutes Beiprogramm W tteinickendorf.Qst W Beba-Lichtspiele Residenzstr 124 W 6.45 u. 8,45 Uhr So. 5, 7, 9 Uhr. Sig. d Uhr Jugend-V. Peter Voß. der �lillionendicb mit Willy Forst— Der Scheidungsgrund « Tege'■ Filmpalast Tegel Wochent. 6 Uhr, Sonnt. 4.15 Uhr Sonntags 2 Uhr Juuenövorstelliing Ein bißchen Liebe für dich mit 32agda Schneider, Herrn. Thimig— Tonbeiprogramm Fi Im nn In et Bei W 6. 8.30 Uhr £ iimpaiasi � � g�u. Berliner Sir 59 Großtonf: Der Stolz d, 3. Kompagnie mit Heinz Rühmann— Großes Tonbeiprogramm M-ttos-- 3. Juni tOM lUi* Bei den Indianern Südamerikas Eine Forschungsreise ins alte Inkareich Wenn von Indianern die Rede ist, denkt man im allgemeinen an die Rothäute Nordamerikas, die durch die Wildwestliteratur jedem Jungen bekannt geworden sind, und die heute in den Reservoiren in USA. ein kümmerliches, durchaus nicht indianisches Leben führen. Dagegen ist wenig bekannt, daß e- auch in Südamerika noch Indianerstämme gibt, Reste der Bewohner jener großartigen I n k a r e i ch e, die die spanischen Eroberer und Beute- räuber blindwütig zerstört haben. Die Nachkommen dieser einst hochstehenden Indianervölker leben in kleinen Stämmen und Gruppen im C h o c o, der weiten Steppe, im Urwald oder in ver- steckten Hochtälern der Anden, nahezu ohne Verbindung mit der Zivilisation der heutigen Beherrscher Südamerikas. Sie sind daher lange Zeit fast unbekannt geblieben. Erst in den letzten Jahr- zehnten des vergangenen Jahrhunderts haben die vordringenden Wirtschaftsbezirke der Weißen engere Verbindung mit den einzelnen Jndianerstämmen bekommen. Gleichzeitig setzte aber auch die ver- heerende Auswirkung der europäischen Zivilisation aus die Natur- völker ein: die zur Arbeit in den Plantagen und Fabriken ge- preßten Rothäute verfielen ansteckenden Krankheiten, die sie in ihre Dörfer einschleppten. In kürzester Zeit waren die Sippen und Stämme verseucht, schon sind einzelne Stämme ausgestorben, die noch vor Jahrzehnten anzutreffen gewesen sind. Zu diesen kulturell und physisch aufs höchste gefährdeten Indianerstämmen reiste auf Einladung der bolivianischen Uni- versrtät La Paz Professor Richard N. Wegner. Vorsitzender der Frankfurter Gesellschaft für Anthrologie, Ethnologie und Ur- geschichte. Für seine Forschungen im Gebiet der Indianer, die von 1927 bis 1929 stattfanden, stellte er sich die Aufgabe, möglichst lückenloses Material über die Sitten und Gebräuche der verschiede- nen Stämme anzusammeln und der wissenschaftlichen Durch- arbeitung zugänglich zu machen. Ueber 199 Kisten Sammelgut, 2999 photographische Aufnahmen und mehrere Kilometer Film sind neben zahlreichen Tagebüchern die bisher noch unverarbeitete Aus- beute der Forschungen, von der Wegncr in einem umfangreichen, mit ausgezeichneten Bildern reich ausgestatteten Buch berichtet. (Richard N. Wegner:„Zum Sonnentor durch altes Jndianerlan d", L. C. Wittich-Verlag, Darmstadt.) Die eingehenden Studien geben ein oft umfassendes Bild von den bisher wenig bekannten Gewohnheiten der Indianer. Von den C h o r o t i, den Bewohnern des Chaco, also der riesigen, kakteen- durchsetzten Dornbusch- und Grassteppe zwischen Bolivien, Para- guoy und Argentinien, können ursprüngliche Gewohnheiten nur nach rekonstruiert werden, weil hier schon zu starker europäischer Einfluß alte Sitten verdrängt hat. Ba, tragen z. B. die Männer. rotwollene, mit weißen Schncckenplättchen verzierte Stirnbänder, an denen hin und wieder lange Haarbüschel hängen. Diese Haar- büschel sind aus dem Haar erlegter Feinde gemacht und sollen ein Ueberbleibsel des Skalpierens sein, das heute unter dem Einfluß der Weißen nicht mehr ausgeübt wird. Der„W i g w a m" der Choroti ist eine höchst primitive Hütte, aus Zweigen, verflochtenen Aesten und Grasbündeln zusammen- gebaut. Die kaum mannshohe, kreisrunde Hütte ist wohl ein guter Schutz gegen die sengende Sonne, ist aber bei Regenzeiten sofort durch- feuchtet. In dem an Hausrat und sonstigem Besitz armen Leben spielt der Schmuck eine große Rolle, besonders für die Männer. Neben den bereits erwähnten Stirnbändern der Männer gelten Halsketten, geflochtene Bänder um die Knöchel und Ringe, zumeist ans dem Gehäuse der Schnecken oder dem Schuppenfchwanz der Eidechsen angefertigt, als Schönheitsmittel für beide Geschlechter. Auch festliche rote und schwarze Bemalung des Gesichts gehört zur Tollette, desgleichen bei den Frauen eine mit Kaktusnadeln und Farbstoff ausgeführte Tätowierung. Die Choroti baden nur zufällig beim Fischen. Weil sie abseits von großen Flüssen leben und bei langen, ununterbrochenen Trockenperioden geradezu an Wassermangel leiden, ist ihnen die Sitte des Badens fremd. Dafür kennen sie aber um so inniger Läuse,„und man sieht immer wieder das nette Bild, daß die Frau jhrem Manne sorgfältig die Läuse aus dem Haar sucht und sie— auffrißt." Ein höchst merkwürdiger Stamm sind die Q u r u ii g u a, die im Gebiet des Rio Piräy in Ostbolivien durch die Urwälder streifen. Ohne Seßhaftigkeit und Körneranbau, selbst ohne Hütte und Hängematte, über die sonst alle Jndianerstämmc verfügen, leben die Quruiiguä ständig in den Urwäldern, als Jäger und Sammler umherschweifend. Auf der Jagd, die die Männer mit hölzernen Pfeilen betreiben, werden zumeist kleine Tiere, wie Eich- Hörnchen und Schildkröten, gefangen. Sie werden lebend, mit dem Rücken nach unten, im Feuer gebraten und mitsamt den Ein- gcweiden verzehrt. Nur bei großen Tieren, einer selteneren Jagd- beute, wird mit einem Bambussplitter der Leib aufgeschlitzt, um die Eingeweide herauszuziehen. Dann wird das Tier zerschnitten und gebraten. Alles, was gejagt werden kann, dient zur Nahrung, selbst Giftschlangen, Schnecken und Engerlinge, dagegen keine Kröten, Frösche und Käfer. Die Ourungua unterscheiden sich auch i» anderer Hinsicht von den übrigen Jndianerstämmen. Sie sind besonders groß, haben gegenüber dem glatten Straishaar anderer Indianer welliges Haar und fallen besonders auf durch einen starken Bartwuchs. Das Sonderbarste jedoch ist, daß sie völlig stumm sind. Sie haben weder eine artikulierte Sprache, noch sind von ihnen jemals laute Rufe oder unartikulierte Schreie gehört worden. Ein junger Indianer dieses Stammes, der mitgeführt werden konnte, hat in vielen Monaten nicht ein einziges Wort, welcher Sprache es auch angehören mochte, nachsprechen gelernt. Dennoch haben die Quruiiguä reiche Verständigungs- Möglichkeiten. Zischende oder gurgelnde Laute, klatschende Schläge gegen den nackten Körper, Winke und Zeichen der ver- schiedensten Art, von Gebärden begleitet, ersetzen ihnen die Sprache. Wenn ein Mann seinen Unwillen ausdrücken will, klatscht er sich gegen den rechten Oberschenkel und stampft mit dem linken Fuß auf den Boden, eine Frau schlägt sich dagegen aus die Lenden. Die Stammeseinteilung ist ebenso auffällig. Männer und Frauen leben und wirtschaften getrennt, vom Stammesältesten ge- schieden. In der gemeinsamen, aus Blattwerk schnell zusammen- geflochtenen Hütte, die aber eigentlich nur ein flüchtiges Dach dar- stellt, haben die Geschlechter getrennte Lager, der Stammesälteste hat semen Platz zwischen ihnen Männer und Frauen kochen und essen aber auch getrennt, jede Gruppe an einem be- sonderen Feuer Im Gegensatz zu diesen auf der untersten Kulturstufe stehenden Urwaldindianern sind andere Stämme sehr hoch entwickelt, so die Puracare trotz ihrer grausamen Kampfspiele und der Narben- tätowierung bei den Frauen, oder die T i r i n i e mit den stets fröhlichen, lachenden Frauen, die Mojosindianer oder die Chimane. So zieht in dem inteleffanten Buch ein Stamm nach dem anderen vorbei, die Bewohner des Chacos und die Anwohner der Flüsse, die Jäger und Samnl'er der Urwälder und die Acker- bauer der Vorberge und der Hochanden. Hier besonders, um den T i t i c a c a s e e herum und bei C u z c o, drängen sich die Stämme. war doch hier der Mittelpunkt des glanzvollen Inkareiches Nur spärliche Reste, wie das Sonnentor bei Cuzco oder die rätselhaften Stadtruinen mit dem großartigen Tempel bei Machu Picchu künden von dem Reichtum und der Kulturhöhe der Indianer, deren Nach- kommen in ihrem eigenen Reiche ein kümmerliches Dasein führen, von oller Kultur ausgeschlossen, dem Untergang überantwortet. Wllbslm Tietgens. Indianerkultur vor 10000 Jahren In den Höhlen finden wir gewaltige und bedeutsame Kultur- denkmäler, die hunderttausend Jahre alt sind oder gar noch ein höheres Alter haben. Die Zeichnungen und Skulpturen, die uns aus uralter, vorgeschichtlicher Zeit erhalten sind, weisen darauf hin, daß unsere Urahnen schon hervorragende Zeugnisse des Geistes ge- schaffen haben. Trotzdem ist es, wie der Astronom Robert H e n s e l i n g, Potsdam, in einem Vortrog über Astrologie als Quelle der Kultur ausführte, möglich, das älteste D a t u m der Weltgeschichte, wenn auch nicht der Kulturgeschichte zu be- stimmen. Die Möglichkeit hierzu bietet uns der berühmte M a y a- Kalender, der sich in Dresden befindet. Er bringt das Anfangs- datum aller Maya-Zeitrechnung, und dieses Datum ist der 2. Juni des Jahres 8198 v. Chr. Da wir jetzt 1932 zählen, so ist die Welt- geschichte genau 19 439 Jahre alt, oder vielmehr sie ist seit 19 439 Jahren bekannt. Schon vorher gab es tausendfache Geschehnisse, aber kein Volk der Erde hat sie aufgezeichnet oder ihre Zeitangaben Wir entnehmen die folgende Skizze dem oben angezeigten Werk von Prof. Dr. Richard N. Wegncr:„Zum Sonnentor durch altes Jndiancrland". Forschungsrcisen, wie die Wegncrs, sind keineswegs ruhige Gelehrtenarbeit, sondern ständig von Gefahren und unliebsamen Ucberraschungen hedrobt, gilt es doch, mit ftcmden Hilfskrästen unzivilisiertes Land zu durchstreifen. Die Skizze j schildert ein solches Abeutencr bei vergeblicher Suche nach Indianer- schätzen am Titicacasce, einem Gebirgssee der bolvianischen Anden, der einst ein Heiliger See und ein Kulturzentrum des indianischen Jnkareiches war. wt. Am frühen Morgen eines sonnigen Tages ist olles beladen zur Abfahrt bereit. Ein flaches, kastenortiges Beiboot, mnen mit Well- blech ausgeschlagen, soll hinterhergeschleppt werden. Es trägt einen kleinen Ofen und Tolaholz, je einen Tank mit Benzin und Trink- wasier, denn das Wasser des Sees ist salzig. Der Spanier, der mir das Boot vermietete, ist nicht davon abzubringen, dieses Floß mit- zuschleifen, das obendrein die Fahrtgeschwindigkeit hemmt. Darüber und durch die Bummelei unseres indianischen Mozos verzögert sich die Abfahrt. Nach etwa zwei Stunden setzt ein immer stärkerer Wind und Wellengang ein. Wolken ziehen auf, Gilcht spritzt über den Kahn und schlägt den Benzinmotor voll Wasser. Er wird ab- genommen und gereinigt. Der Wind steigert sich zum Sturm. Das Beiboot wird abgerissen, der Spanier versteht nichts ordentliches vom Steuern und Segeln. Unter mühsamem Rudern und Kreuzen gelingt es mir endlich, das Beiboot zu erreichen und mit Stricken festzumachen. Die indianischen Mozos liegen apathisch im Bug des Schiffes, bis zur Bewegungslosigkeit seekrank. In der dünnen Höhen- luft keucht der Atem vor Anstrengung. Der Spanier bekommt einen Herzkollaps. So gut es geht, wird er aus den Boden des Fahrzeuges gebettet, da eine Hand das Steuer halten muß. Wie eine Nußschale wird das Boot hin und her geworfen, dos ich mit dem Wind zu halten versuche. Als der Sturm sich legt, naht unter heftigen Regen- schauern die Nacht. Vor strömendem Regen ziehe auch ich mich in die Luke zurück: aber die Lust in dem engen Raum, noch dazu in Höhe von 4999 Meter, ist unerträglich. Vier Mann liegen wir gegen die Planken, wie in eine Sardinenbüchse gepreßt. An der Bordwand klemmen wir uns immer höher zwischen die Spalten, um nicht im Wasser zu liegen. Endlich naht der Morgen. Der Sturm hat das Boot bis ans Südende des riesigen Sees getrieben, eine Strecke von einigen 49 Kilometer weit. Endlich gelingt es uns, e i n Binsenboot zu sichten, halo vermodert im Schilf des Users. Daraus steuern wir zu:, waten im eisigkalten Sumpf: aber das Binsenbündel, das ich mit einer Stange näher ans Ufer zu schieben versuche, sinkt tief ins Wasser. Hundegekläff ertönt, eine Frau taucht auf und verschwindet rasch in einer winzigen Hütte. Endlich erreichen unsere beiden Indianer das Ufer, ich ihnen nach. Dem Spanier paßt diese Sache nicht. Er möchte recht schnell am User entlang nach Hause. Krank, kennt er nur die Sorge um sein Boot: er möchte fort, aber er kann sich nicht gegen die von der See- krankheit ermüdeten Indianer durchsetzen. Die Ruderknechte ver- ständigen sich mit der einsam wohnenden Jndianerfomilie, bei der wir über Nacht bleiben. Am nächsten Morgen ist der Spanier immer noch krank, jeden- falls jammert er sehr, obgleich eine erneute Untersuchung keinen bedrohlichen Zustand ergibt. Ruhe bleibt die Hauptsache sür ihn. So lasse ich ihn unter der Pflege des älteren der beiden Mozos zurück. Wir brechen zu dritt mit den beiden Eselchen der indianischen bestimmt Es sragt sich nun, ob dieses Datum richtig ist. Das kann nur dann der Fall sein, wenn das große Indianervolk der Mayas in Zentralamerika bereits die Fähigkeiten gehabt hat, die Zeiten noch den Gestirnen zu bestimmen In dieser Beziehung aber waren die Mayas Meister. Die Mayas hatten einen Kalender, der viel genauer war als der julianische, trotzdem er fast 9999 Jahre älter ist Aus dem Maya-Kodex in Dresden erkennen wir, daß dieses alte Indianeroolk eine Kenntnis der Gestirnbewegung hatte, die selbst für unsere Zeit ganz erstaunlich ist. Auch die Griechen und Aegypter und andere alte Völker waren gute Kenner der Gestirne, aber nur für ihre Zeit An den heutigen Erkenntnissen gemessen waren ihre Forschungen gering. Die Mayas dagegen waren Astronomen deren Gestirnkenntnis nicht nur annähernd, sondern vollkommen den besten Werten gleicht, mit denen heute die Astronomie rechnet Darum kann man mit Fug und Recht sagen, daß das älteste Datum der Weltgeschichte tatsächlich der 2. Juni 8498 ist. Gegenüber dieler uralten Kultur ist die der Aegypter geradezu modern zu nennen Die alten amerikanischen Völker haben überhaupt, wie dazu zu sagen ist, sich schon in unvor- stellbar ftühen Zeiten durch gewaltige Kulturdenkmäler ausge- zeichnet. Es sei nur an die Ausdeckung der gewaltigen Bauten erinnert, die winde st ens 19999 Jahre alt sind und zum Teil aus ungeheuren Blöcken bestehn, deren Bewegung heute noch Schwierigkeiten machen würde. Es waren Sternwarten, die aus der Urzeit der Menschheit stammen. Auch die Mayas haben eine hoch entwickelte Architektur, wie die Ruinen von Urmal, Ate, Jzamal, Naxchalan und viele andere beweisen Sie hatten fernerhin eine seltsame Bilderschrift, die so rätselhost ist daß sie auch heut noch nicht völlig entziffert werden konnte, obwohl es bereits vollständige Maya-Alphabcte gibt. Damit sind aber die erhaltenen Inschriften der Mayas nicht völlig zu lesen. Die Hiera- glyphen der Mayas unterscheiden sich in dieser Beziehung von denen der Aegypter, die leicht enträselt werden konnten, nachdem einmal der erste Schritt dazu von Champollion vor 199 Jahren gemacht worden ist, als der Königsnamen Ptolemäus enträtselte. Es ist selbstverständlich, daß die hohe Kenntnis der Mayas und der alten Völker von den Sternen auch auf ihre Knltur einen bedeutsamen Einfluß haben mußte, und in diesem Sinne kann man sagen, daß die Astrologie, die damals die Sternkunde darstellte, die Quelle der Kultur ist. Sie bat mit der heutigen Astrologie allerdings nichts gemeinsam Familie auf. Ein Stück Schaffell über den Decken, mit Schnur aus Lamawolle festgeschnürt, dient als Sattel. Auf dem zweiten schwächeren Tier liegt ein Beutel mit ein paar Konserven, etwas Tee und der Teekessel. Dazu ein Sack mit L a m a m i st als ! Brennmaterial: denn Holz gibt es hier in diesen Gegenden kaum. Die barfüßigen Indianer kommen in dem matschigen Grund, der bald trockener wird, ziemlich rasch vorwärts. Immer sind noch kleine Hütten vom ortskundigen Führer zu finden, in denen wir eisige Nächte verbringen. Aber diese engen Räume benehmen de» Atem: vor Kopfschmerzen richte ich mich aus, um Luft zu bekommen. Eines Morgens wollen meine Indianer nicht weiter, sie zaudern, Kurz entschlossen packe ich meine Decke aus den Esel, bis sie mir helfen. Endlich treffen wir aus eine Art von Gehöft von runden, kegelförmigen Hütten, nur aus getrocknetem Schlamm primitiv aus- geschichtet. Die Eingänge sind mit Schlammziegeln lose zugestellt. Die Bewohner, C h i p a y a. sind davongezogen. Etwas Schilf am Boden, ein zerbrochenes Gefäß ist alles, was zurückblieb. Die Konserven gehen zu Ende, so muß ich mich aus Pro- viantmangcl zum Rückmarsch entschließen. Als wir das Seeufer wieder erreichen, waren Spanier, Proviant und Boot davon. Keine Summe, die ich dem Indio biete, oermag den störrisch miß- trauischen Mann zu bewegen, mir seine Tiere für einige Tage weiter bis noch Pa.zna zu verleihen. So packe ich eine Decke über die Schulter, den photographischen Apparat in die Hand und wandere durch den matschigen Lehm am Ufer entlang, der mich begleitende Mozo mit den anderen Sachen hinterdrein. Nach drei Wegstunden erblicken wir das Boot weit draußen in See. Endlich bemerkt man uns und versucht, mög- lichst nahe ans flache Ufer zu kommen. Um das Fahrzeug zu er- reichen, müssen wir nackt ins Wasser. Vor Kälte schaudernd, halb erstarrt, ein Bündel in eine Decke eingeschlagen aus dem Kopse balancierend, erreichen wir das Boot. Mit Hilfe der Indianer gelingt es, das Segel zurechtzumachen und schi äg gegen Nordosten über den See zu kreuzen. Wieder bricht die Nacht herein. Als wir am dritten Tage noch immer am Seeufer entlang schieben, nur noch wenige Kilometer von der F i n k a, dem Wohnsitz des Spaniers, entfernt sein können, dazu auch der Bootsproviant zur Neige geht, reißt mir die Geduld. An einer passenden Stelle komme ich trocken ans Ufer, lasse meine Decken im Stich, schultere Mantel und photogravhischcn Apparat, laufe los. Dieses Mal habe ich Glück und treffe aus eine wohl- gepflegte kleine Finka. Zwei Indianer schneiden Gerste: der eine kann Spanisch, er ist beim Militär gewesen. Zu billigem Preise leiht er mir einen dickbäuchigen Esel und trägt selbst den Apparat im Rückentuch. In zwei Stunden kommen wir zur Finka des Spaniers: das hier zurückgelassene Feldbett wird auch noch dem Lasttier aufgeladen. In drei weiteren Stunden wird P a z n a er- reicht. Die Bahn brachte mich nach P o o p o beim Ingenio Adclan- tania. Von der Höhensonne ist meine Gesichtshaut ausgesprungen, die Lippen sind mit Borken bedeckt. Die gütige Fürsorge einer hier waltenden deutschen Hausfrau umfängt mich, ein warmes Bad, ein Bett mit sauberem Linnen, ein weiß gedeckter Abendbrottisch folgt. lieber einigen deutschen Zeitungen, unter elektrischem L'cht, vom Ingenio für seinen Bedarf erzeugt, schlafe ich ein... Von dem Spanier habe ich nie mehr etwas gehört: die schöne Felldecke, Werk- zeuge und Geschirr waren durch keine Vermittlung wieder» zuerlangen. Forschemot am Titicacasee Boxen ist Er muh nur richtig Gleich dem Jiu-Jitsu hat auch der Boxspart einen Anspruch als Abwehrsport zu gellen. Die Beherrschung der Boxkunst verleiht Mut, Kraft und Sicherheit, stärkt das Selbstbewußtsein und schärft die Sinne und schafft so einen gestählten Kämpfer. Die Meinung, daß der Boxsport roh sei, ist falsch, jede Schlägerei, jede Rüpelei eines angeblichen Amateurs auf der Straße schafft zwar neue Stim- mung gegen diesen Sport, und doch ist ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Schlägerei und einem echten, rechten Boxkampf. Dort ein wüstes, planloses Umsich- und Dranslosschlagen, hier ein durch genau einzuhaltende sportliche Regeln festgelegtes Fechten mit den Fäusten. Bei einem Ueberfall hört natürlich jede Rücksicht auf, ein durch kräftige Prügel abgetaner Strolch kann immerhin noch froh sein, mit sonst gesundem Körper— die Hiebe haben nur kurze Wirkung— davongekommen zu sein. Zwar hat es in der letzten Zeit eine Reihe von Todesfällen im Ring gegeben, die sich aber bei genauer Untersuchung fast immer als eine Folge der Verkettung un- glücklicher Zufälle erwiesen haben. Aber sportlich einwand- freie Kämpfe im Ring eines Arbeiter- Athleten- oereins schließen solche Unglücksfälle ganz aus. Aus einer Veröffentlichung des österreichischen Verbandes der Ar- beiterkraftspvrtler ist ersichtlich, daß sich im Jahre 1930 unter 21 Ver- letzten, die Unterstützung erhielten, nur ein einziger Faustkämpfer befand. Boxen kann als Leibesübung und als Kampf- und Wehrsport betrieben werden, gibt also nicht nur körperlich« Sicherheit, sondern befriedigt auch den sportliebenden und sporttreibenden Menschen im höchsten Maße. Die Arbeitersportbewegung sieht ihr höchstes Ziel darin, die sehr zahlreichen von ihr gepflegten Sparten auf eine möglichst hohe Stufe und zugleich doch auf eine recht breite Basis ■ARBEMfi TU3SEALL Spiele am Sonnabend... Eine begrüßenswerte Unterbrechung des Serienbetriebs bringt der morgige Sonnabend. In Neukölln, Sportpark, Platz 6, erhält Minerva 28 den Besuch des Fußballklubs W e i t st o ß- M a g d e- bürg. Wer die Magdeburger sind, braucht nicht gesagt zu werden. Nur eins: Wer gegen„Weitstoß" gewinnt oder gewinnen will, der muß schon alles daransetzen. Die Neuköllner haben in den letzten Serienspielen eine unverkennbare Formvcrbesserung gezeigt, die es ihnen möglich machen dürfte, ehrenvoll gegen die Magde- burger abzuschneiden. Das Spiel beginnt um 18 Uhr. Am Sonntag findet auf dem Sportplatz in Neukölln, Kaijer-Friedrich- Ecke Inn- ftraße, von 8 30 bis 15 Uhr ein Werbespieltag der Schüler- und Jugendmannschaften von Minerva 28 unter Mit- Wirkung der Brudervereine des 1. Kreises statt. Am Sonnabend, 20 Uhr, findet im großen Saal Bergschloßhöhe Neukölln, Karls- gartenftraße 6— 11, eine Begrüßungsfeier für die Magdeburger Gäste statt.— Hansa 31 spielt auf dem Sportplatz in der Berner Straße Uhr, Bhf, Baum- schulenweg.— Weitzensce: Gorin-Sec, Start 7 Uhr, Pistoriuspl.. Gäste wililommen. Allen Radsportfreunden zur Kenntnis, datz im Juni in allen Abteilungen freier Eintritt ist. ZdA. Sporlgrupp«, Fntzballabtcilung. beute, Freilag, Sitzung 20 Uhr, bei Schade am Normannenplatz in Lichtenberg. BSV. Hellas: Mitgliedernersammlung Freitag. 3. Juni, M'i Uhr, bei Dregers, Restaurant„WaldHiittc". Sämtliche neu eingetretenen Mitglieder iibcr 18 Jahre haben die erste Monatsversammlung nach ihrem Vereinseintritt zwecks Anerkennung ihrer Mitgliedschait zu besuchen. Arbeitcrlchützen-Bund, Abt. Bcdding: Die Radfahrer treffen sich Sonn. abend zur Fahrt nach(Srüncfeld um 17 Uhr Bhf. Wedding, Lindower Straße. Rundfunk am Abend Freilag, den 3. Juni. Berlin. 16.05 Vom Sinn des Alpinismus(P. v. LeFort). 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.20 Das neue Buch.>7.?'> Mein Hamsterkasten(Hildegard Sdimidt). 17.50 Deutsche Dichter als Maler(\\. Rasch). 18.15 Chorgesiiiige der..Berliner Lieder- freunde"(DASB.). 18.35 Horbericht von der Vorführung des Windmühleunugzeuges(am Mikrophon: W. Meyer). 18.55 Die Funkstunde teilt mit.. 19.00 Albert Londres(Dr. K. Pinthus). 19.10 Tanzmusik. Während einer Pause: Wegweiser ins Wochenende. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Franz Schubert IKolisch-Quartett). 22.00 Politische Zeitungsschau (Dr. J. Rauscher). 22.20 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Selten gespielte Musik von Johann Strauli. Königswusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk (Schulrat G. Wolff und Lehrer Reimann). 16.30 Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30 Risiko und Lehenssicherung(Priv.- Doz. Dr. Masur). 18.00 1 erschollene deutsche Musik(Marie Luise König und H. Sehultze-Ritter). 18.30 Das deutsche Versicherungswesen in Krisenzeiten(Gen.-Dir. Dr. K. Schmitt). Anschl.: Wetterbericht. 18.55 Goethe und die Medizin(Prof. Dr. L. Leschke). 19.35 Weltmachte der Erde: Kohle(J. Bunzl). 20.00 Aus Stuttgart: Schwäbische Volksmusik. 20.30 Aus Stuttgart;„Täglich Gift"(Ein bunter Abend). 21.15 Aus Stuttgart: Sinfoniekonzert. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle.A orwärts"-Boten oder die Postanstalten. Htiid.u.'jfindiimMliofeljnhrl ausJCiehesktimmer' Novelle einer Landschuft— nicht die Landschaft als Hintergrund der Handlung, als lyrisches Schimickwerk neben der Handlung oder als handlungebestimmendes Schicksal über de» Menschen, sondern nur: erlebte Landschaft. Der Dichter unternimmt eine Wanderung durch das Moseltal und erfühlt den Ausdruck des Flusses, des dortigen Menschenschlages, seiner Arbeit, Gläubigkeil und Naturgebundenheit. Aber zur senlimenral einsamen Wanderung kommt es nicht, denn in Cochem führt ihm der Zufall eine Weggenossiii zu. Es ist eine nicht unmoderne Dame mit Zweisitzerauto, die ihren Liebeskummer in ebengleicher Landjchas! an die Natur abgeben will: in dem seelischen Zusammenklang des Wesens dieser Moselländerin und dem der ge- meinsam durchkosteten Landschaft zuzüglich Wein findet der Dichrer das gesuchte Erlebnis. Die so entstehende kleine Novell« soll und muß auf amüsante Handlung verzichten und will auch keine flache Reise- schilderung fein: sie ist bewußte Formung eines landschaftlichen Ge- saniterlebnisses in eindringlicher und eindeutiger Sprache. Einige den Kapiteln vorangesetzte Photos dienen zur Erhöhung der An- jchaulichkeit des Gesagten, und beim Abschied in der Stadt Trier hat die vom Liebeskummer bis zum nächstenmal geheilte Weggenossin nunmehr zwei Verliebte zurückgelassen: den Dichter und den Leser, wobei der Dichter den Weg in das heilsame Land nun nicht zurück- geht, denn der geschichtliche und gesellschaftspolitische Markstein Trier scheint kein günstiger Ausgangspunkt für eine Liebeskiinimerfahrt durchs Moseltal zu sein. Lour Holland. *) Rütte»& Loening, Verlag Franksurl a. M. 1932.