Sonder- Ausgabe WSch-ntlich 75-Ct, monatlich S,S5 M. (davon 87 Pf. monatlich filt Zustel- lung ins bau«> im voraus zaiilbar. Poftdozug 3.87 M. einschli-ßlich so Pf. Ponzeitungs- und 72Pf.Postbestellae- bUhreiuAuslandeabonnemenl s.ss Pi. pro Monat; Mr Länder mit erm ligig- tem Druckfachenpotto 4.SS M. Lei.Vorrvärts' erscheint wochenlSg- (ich zweimal. Sonntag» und Montag« einmal, die Abendausgabe fiir Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage .Volt und Zeit" Verttttee Vvttsvkatt Gratis S Die etnspa lt. Millimeterzeile 30 Pf. Reklamezeile 2.- M.„ftleme Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. lzulässigzwei feltgedruckteWorte, jedes weitere Wort li» Pf. Rabati lt. Tarif. Worte Uber 15 Buchtladen zäblen für zwe> Worte. Arbeilsmarki Millimeter» zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli» mcterzeile lt> Pf. Anzeigenannahme im Sau tilg eich ii fi LindenftraKe 3, wochentäglich von 8i/, bis 17 Uhr. Der Perlag behält sich dasRecht derAb» lehnung nicht genehmer Anzeigen vor! ZenttiaZossan der SozialdemokvaMGen Partei De«SsOSands Redaktion und Verlag! Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher! Dönhoff 292—297 Telegramm-Adr.! Sozialdemotrat Berlin. Vonvarts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin S7SZK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr Kö Dt B u. DUc..(Sel.. Depofitenkasse Lindenstr. 8. Reichstag aufgelöst! Das Kabinett der Barone zieht in den Wahlkampf. Der Reichstag i st aufgelöst! Das Reichskabinett von P a p e n, das Kabinett der Barone, konnte mit diesem Reichstag nicht regieren. Darum hat es ihn aufgelöst— gegen die Sozialdemokratie und gegen das Zentrum! Das Kabinett der Barone will einen Reichs- tag haben, in dem mehr Nationalsozialisten sitzen aber weniger sozialdemokratische und christliche Arbeiter- Vertreter. Das Kabinett von Papen ist die erste Frucht der nalionalsozialistischen Wahlsiege. Je mehr Nationalsozialisten gewählt werden, desto größer wird der Einfluß der Großgrundbesitzer, der Schwer- industriellen, der Generäle, der Adligen, desto geringer wird der Einfluß der Arbeiter, der Angestellten und Beamten, der Bauern, des Mittelstandes, kurz, des„gewöhn- lichen Volkes". Werden bei den kommenden Reichstagswahlen noch mehr Nationalsozialisten gewählt, so wird es noch mehr Barone als Minister geben und noch weniger Brot und noch mehr Steuern für das„gewöhnliche Volk". Großgrundbesitzer und Adlige, schwerindustrielle Scharf- macher und Großkapitalisten treten jetzt offen als Förde- rcr und Nutznießer der nationalsozialistischen Be- wegung hervor. Sie wollen Rache an der Sozialdemokratie, die sie ihrer privilegierten Stellung beraubt und dem„ge- wohnlichen Volk" politische Rechte erkämpft bat. Sie wollen! das Tarifrecht zertrümmern und wieder Herr im Hause sein! Sie wollen zurück zu den Gesindeordnungen, die ihnen er-: laubten. ibre Landarbeiter zu prügeln. Sie wollen die � Gewerkscbaiten zerschlagen, damit die Arbeiter ohne Ver- tretung sind! Dazu brauchen sie die National- s o z i a l i st e n! Seit Jahr und Tag ergießt sich eine Schlammflut von Lüge und Verleumdung über die Sozialdemokratie. Das Stichwort„Schuld hat d i e S P D." ist in den Kontoren der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie ausgeheckt. Die Presse der Rechtsparteien und der Kommunisten hat es be- geistert aufoenommen. Sie hat gegen die Sozialdemokratie den parteipolitischen Bakterienkrieg organisiert. Nichts Uebles kann in der Welt passieren, das nicht auf„die Schuld der SPD." zurückgeführt wird.„Schuld hat die SPD.", das Ist das Zauberwort, mit dem man die Hirne aller politisch Un° wissenden verkleistert, mit dem man alle Rätsel löst, alle Zusammenhänge erklärt, alle Probleme meistert. Wie man im Mittelalter alle unangenehmen Dinge den Teufeln, Hexen und bösen Geistern zuschrieb, so hat jetzt die SPD- an allem schuld. Die Verbreitung des Aberglaubens wird von niemandem eifriger betrieben als von Adolf Hitler und seiner Partei. Finanziert aber wird der Lügenfeldzug von entthronten Fürsten, die überreiche Abfindungen erhalten haben, von ban- kerotten Großgrundbesitzern, die die öffentlichen Kassen zu ihrer Sanierung in Anspruch nehmen, von Konzernen und Banken, die aus staatlichen Mitteln gestützt werden. Das Volk soll nicht erfahren, daß kaiserliche Mißwirtschaft in den Abgrund des Krieges und der Niederlage geführt hat, daß die Großen schamlos die Mittel der Kleinen für sich in An- spruch nehmen. Es soll nicht begreifen, daß das k a p i t a- l i st i s ch e System der wahre Schuldige an allem Elend dieser Zeit ist, denn würde das Volk das begreifen, dann würde es der Sozialdemokratie Recht geben, die d a s kapitalistische System und die kapitalistische Jnteressentenwlrtschaft auf das schärfste bekämpft. Die„Nationalsozialisten" aber, das sind die„Sozialisten", wie das Großkapital sie sich wünscht. Die Partei 5)itlers, das ist die„Arbeiterpartei", wie die Düsseldorfer Industriellen sie sich schon immer vorgestellt hoben. Vorne die Prinzen, Für- sten, Grafen, Generäle und Kommerzienräte, dann lange nichts und ganz am Schluß die Arbeiter. Was daraus wird, wenn diese„Arbeiterpartei" Zulauf findet, dafür liefert das Kabinett der Larone die erste Probe. Sie wird nicht die letzte sein, sondern viel schlimmere wer- den folgen, wenn das Volk nicht rechtzeitig erwacht und sehend wird. Das Kabinett der Barone hat den Reichstag aufgelöst. Es will noch niedrigere Löhne und elendere Unterstützungen für Arbeitslose, Kriegerhinterbliebene, Alters- und Invaliden- rentner, noch mehr Schutzzoll, noch mehr Steuern-- und dazu braucht es im Reichstag mehr National- s o z i a l i st e n! Begreift ihr endlich, waS dn gespielt wird? Dann gebt die Antwort! Wählt sozialdemokratisch! Es lebe der Kampf! Schlagt die Maktion!- Bahn frei für den Sozialismus! Oer»omidornolcrtitiäckie Parteivorstand hat einen Wahlaufruf erlassen, indem es heißt Die Reaktion hat ihre Karten aufgedeckt! Durch eine Intrige ostpreuhischer Großgrundbesitzer und ehrgeiziger Generäle Ist das Kabinett vrüning gestürzt worden, nachdem es wenige Wochen zuvor im Reichstag mit einer Mehrheit von Z0 Stimmen gesiegt hatte. Das neue Kabinett nennt sich„Kabinett der nationalen Kon» zenlration". 3n Wahrheit ist es ein„Kabinett der reaktionären Konzentration". Zn diesem Kabinett sammeln sich die wirtschaftlich und politisch reaktionären Wächte Deutschlands. Bezeichnend ist schon das äußere Bild: die übergroße Mehrheit der Kabinettsmitglteder entstammt dem Adel. Bürgerliche Namen sind nur ganz vereinzelt anzufinden, kein Arbeiter gehört dem Kabinett an. Auch der Mittelstand Ist ausgeschaltet. Dies Kabinett der„nationalen Konzentration" ist die erste Reichsregierung seit lSlk. in der die organisierte Arbeit- nehmerschaf«, in der die Gcwerkschastcn der Arbeiter. Ange- Erklärung der sozialdemokratischen Reichstags- frakiion. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion er- klärt: Der Sturz der Regierung Brüning, der außer- halb des Parlaments durch unverantwortliche Rat- gebcr des Reichspräsidenten herbeigeführt worden ist, eröffnet eine a n ß c r o r d e n t l i ch schwere innen- und außenpolitische Krise. Die Art der Bildung und Znsammcnschung der Reichsrcgicrung ist gegen das Volksintercssc und gibt keine Gewähr für die Aufrcchterhal- tung der Sozialpolitik, insbesondere der Rechte der Arbeitslosen. Zugleich ist die Führung einer Außenpolitik gefährdet, die zu einer Wieder- Herstellung des Vertrauens und der notwendigen internationalen Zusammenarbeit führt. Tie sozialdemokratische Rcichstagsfraktion ist entschlossen, gegen alle sozialreaktionären Anschläge, gegen alle inflationistischen Experimente und gegen alle Angriffe auf die Verfassung und die Demokratie den Kampf zu führen, steht der sich bildenden Regierung mit schärf- stem Mlhtrauen gegenüber und wird daraus a le par amentarischen Konsequenzen ziehen. stellten, Beamten, ganz gleich welcher Richtung, ohne sehe Vertretung geblieben sind. Mit dem Sturz der Regierung Brüning soll die Bahn frei- gemach! werden: für die Aufhebung des Versicherungsctzarakters der Arbeitslosenversicherung, d. h. für die Ersehung der gesamten Arbeitslosenversicherung durch die Wohl- sahrtspflege; für die Beseitigung eines bindenden Tarifvertrags. rechtes, d. h. für die Herabsehung der Löhne im größten Maßstab. Das ist nicht alles! Zerschlagen werden soll durch den Sturz des Kabinetts Brüning das Projekt der Arbeitsbeschaffung im Wege einer aufzulegenden Prämienanleihe. Zerschlagen werden soll der Plan einer großzügigen Besiedlung des bankrotten und nicht mehr sanierungssähigen osteibischen Großgrundbesitzes. Zu den wirlschastlichen Gründen kommen die politischen. Die durch die Kriienpanik und die Kopflosigkeit eines Teils der Be- völkerung genährten reaktionären Hoffnungen sollen erfüllt werden, Indem das Steuer des Reichs nach rechts gedreht wird. Diesen Plan der Reaktion zu durchkreuzen ist die Aufgabe der organisierten Arbeiterklasse, ist die Auf- gäbe der Sozialdemokratie. Es besteht hierzu auch die volle Möglichkeit, wenn die Arbeiterklasse das Spiel der Reaktion rücksichtslos entlarvt! Es kommt nun daraus an. daß der kurze Zeitraum, der uns voraussichtlich bis zu den Reichstagswahlen bleiben wird, aus- genutzt wird, um auch die von Kommunisten und Razis irregeführten Teile der Arbeiterschaft in die Front der Sozialdemokratie gegen die Reaktion zurückzuführen. Das gilt namentlich von senen Verblen- deten und Zrregesührlen, die sich jahrelang von den Kommunisten einreden ließen, daß die Sozialdemokraiie der„hauplseind" sei! Der alte Kampfge st der Soz.aldemokratie l-�bt' Für uns gibt es keinen K'e nmut und keine Entmutigunq! vergebens sucht die kapllalistenklasse Deutschlands beim Fa- schismus ihre Rettung. Alle Flickarbelt der kapitalistischen Helfer wird vergeblich bleiben. Der Umbau der versagenden wirtschasls- ordnung mit dem Ziel sozialistischer Gemeinwirtschast ist zur Gegen- warlsaufgobe gereist. Die Macht der Monopole muß gebrochen, der Elnsluh de» Staates aus Warenerzeugung, warenvertcllung, Bank- und Kreditwesen verstärkt werden. Besitz und Verfügungsgewalt der öffentlichen Hand müssen erweitert werden, um die Grundlage für die Planmäßigkeit der Gesamlwirlschast zu schassen. Oer Ausweg aus Knie, Not und lZ end ist der Weg zum Sozialismus. Zu diesem Geiste werden wir kämpfen und siegen! Es lebe der Kampf! Es lebe die Sozialdemoklatie! Ist Ihnen bekannt, daß einer der ersten Kriegsfreiwilligen, die im Sommer 1914 fielen, der Führer der sozialdemokratischen Reichslagsfraktion, Dr. Ludwig Frank, war..., daß der letzte kaiserliche Kanzler, Prinz Max von Baden, den Sozialdemokraten Friedrich Eberl mit aufgehobenen Händen bat, die Leitung der Reichsgeschäfte zu übernehmen, weil sonst alles verloren sei..., daß die furchtbaren Waffenstillstandsbedingungen auf dringenden Wunsch der Obersten Heeresleitung angenommen wurden..., daß der Frieden von Versailles die Folge nicht eines Dolchstoßes, sondern einer dreißigjährigen kaiserlichen Mißregierung war?— Die Pläne der Gozialreaktion. Die Befehle der Scharfmacher für das Kabinett der Barone. Das Organ der Scharfmacher„R u h r u n d R h e i n" hat beim Rücktritt des Kabinetts Brüning klar und scharf gesagt, weshalb die Scharfmacher am Sturze Brünings mitgearbeitet haben und was sie von dem neuen Rechtskabinett verlangen. Gegen die Politik Brünings schreibt das Scharfmacherorgan: „In unserer Sozialpolitik sind grundlegende Nie- formen ebenfalls unterblieben. Man hat nicht gewagt, unsere Sozialversicherung, deren zwangsläufiger Zu- sammenbruch seit langem vorausgesagt wurde, zu refor- mieren. Man hat nicht gewagt, die Tarif st arre zu beseitigen und der Wirtschaft die Möglichkeiten einer elastischen Lohngestaltung zu geben. Auch unter der Regierung Brüning sind durch eine übermäßige Steuer- und Sozialpolitik die Quellen der eigenen.Kapitalbildung weiter versdiüttet worden." Weil bisher die Sozialpolitik aufrechterhalten wurde. weil den Arbeitslosen geholfen wurde, weil von Staats wegen den tollsten Lohnraubprojekten der Scharfmacher durch die Verbindlichkeitserklärung ein Wall entgegengestellt wurde— deshalb haben Scharfmacher und Nationalsozialisten die politische Krise herbeigeführt. Und nun befehlen sie dem neuen Rechtskabinett: „Endlich müssen sich die verantwortlichen Leiter des Reiches dazu entschließen, an die Stelle der bisherigen Zaghaftigkeit und llnentschlossenheit energisdie und rasche Reformarbeit zu setzen. Diese Reformarbeit hat nur dann Sinn und Wert, wenn sie begleitet wird von einer B e> freiung der Wirtschaft von all den Fesseln und Hemmnissen, die heute die Initiative des Unternehmers lahmlegen. An die Stelle ständiger Zugeständnisse an den Sozialismus müssen endlich wieder die erprobten und bewährten Grundsätze der Privatwirt- s ch a f t treten." Wenn die Scharfmacher Reform sagen, dann meinen sie Reaktion! Es soll ein Ende haben in Deutschland mit der Sozialpolitik, der Arbeiter soll völlig ungeschützt der Brutali- tat des Unternehmertums gegenüberstehen, und die Arbeits- losen sollen der staatlichen Fürsorge beraubt werden. Sie sollen eine völlige verelendete Reservearmee bilden, die, ge- trieben von furchtbarster Not, die sozialreaktionären Ab- sichten der Scharfmacher begünstigt! Dagegen gilt es jetzt, den.. Kampf zu führen! Nieder mit der nationalsozialistischen Schutztruppe der Reaktion, nieder mit dem Kabinett der Scharfmacher und Großagrarier, her zur Sozialdemokratie! Ist Ihnen bekennt, daß der Voung-Plan gegenüber dem Dawes-Plan eine Erleichterung von<00 Millionen Mark und die Befreiung des besetzten Gebiets brachte..., daß der Dawes-Plan von einer Regierung angenommen wurde, in der kein Sozialdemokrat saß, und zwar mit Hilfe der„nationalen Opposition", die zum großen Teile für ihn stimmte..., daß Deutschland aus dem Young-Plan zunächst nur einige Hundert Millionen Mark und seit dem vorigen Jahr überhaupt nichts mehr bezahlt hat, das Krisenelend also noch ganz andere Ursachen haben muß..., daß die Sozialdemokratie für die Streichung aller Kriegsschulden und Reparationen eintritt? Mliiärattache von Popen. Eine amerikanische Bilanz. Als am Mittwochmorgen die Nachricht durch die Blätter ging, daß der Reichspräsident Herrn von Papen zum Nachfolger Brünings ernannt habe, rieb sich der deutsche Zeiwngsleser erstaunt die Augen: Was ist denn das? Eigentlich nur in politischen Kreisen Deutschlands war der neue Kanzler bekannt als ehemaliger Militär- attache in Washington, als rechtsgerichteter Eigenbrötler der Zen- trumspartei und als Herr im Hause der„Germania", der die wich- tigsten Redaktionsposten mit Männern seines Vertrauens besetzte. Für den Mann von der Straße war er ein völlig unbeschriebenes Blatt. Anders klang die Nachricht von dem neuen deutschen Kanzler i n den Ohren des Auslandes. Herr von Papen kann sich rühmen, während des Krieges neben dem ehemaligen Kaiser der mcistgenannle und bekannfesle Deutsche in den vereinigten Staaten gewesen zu sein. Leider ist sein Name zu Deutschlands Unglück in den Vereinigten Staaten nur in einem Zusammenhang bekannt, der geeignet ist, alle häßlichen Erinnerungen an die unselige Zeit des Weltkrieges im amerikanischen Volke wieder wachzurufen. Die Rechtspresse bemüht sich, ihren Lesern von der Tätigkeit des neuen Kanzlers während der ersten beiden Kriegsjahre in Wa- shington möglichst wenig oder g a r n i ch t s z u s a g e n. Die Regie. rungsstellen in der Wilhelmstraße sind zugleich emsig damit be- schäftigt, aus dem Blätterwald der Weltpresse einige wenige Kommentare herauszuzupsen, deren Urteil über die Persönlichkeit des neuen Reichskanzlers nicht gerade brüsk ablehnend ist. Sa versucht man, dem deutschen Volk eine Auslandsstimmung vorzutäuschen, die der Wahrheit geradezu ins Gesicht schlägt. Um ihre Verlegenheit über die unerwartet scharfe Sprache der europäischen und amerikanischen Weltpresse zu verbergen, ver- suchen die Blätter der Rechten e-mit dem bekannten Dreh. „Lieferung von Stimmungsmunition",„Die Linke wirft dem Aus- land die Bälle zu" so kann man bei Hilgenberg und der reaktionären schwerindustriellen Presse lesen. Die republikanischen Blätter in Deutschland sind es also, die durch wahrheitsgetreue Berichte über die Aufnahme des neuen Kanzlers in der Welt„Stimmungs- Munition" für das Ausland liefern. Ganz wilde Männer auf der Rechten versteigen sich sogar zu der Behauptung, daß auf diese Weise„Amerika eine feindselige Haltung gegen den neuen Kanzler geradezu aufgezwungen werde." Sind diese Lügen, die nur noch auf das Stichwort„Dolchstoß" warten, auch zu dumm, um uns zu treffen, so bleiben die Methoden der regierungsfreundlichen Presse um nichts verwerflicher. Durch ein System von Lügen und Entstellungen will man dem deutschen Volk so lange ein verzerrtes Weltbild vorgaukeln, bis es wieder ein böses Erwachen gibt. Welchen traurigen Ruhm Herr von Papen in Amerika genießt, zeigt eine Artikelserie„Deutsche Spione" in der weitverbreifefen Zeilschrisl„Liberty". die im Frühjahr 1331(!), also vor einem Jahr, erschien. Mit tage- buchartiger Genauigkeit wird in dieser Abhandlung dos deutsche Spionage- und Sabotagesystem geschildert, das die kaiserliche Regie- rung noch in der Zeit der amerikanischen Neutralität, also in der ersten Hälfte des Weltkrieges, in dem Lande des Sternenbanners aufgezogen hatte. Immer wieder taucht der Name des damaligen Militärattaches, des Hauptmanns von Papen, auf. dem vorgeworfen wird, das Haupt dieser Spionage- und Sabotage- organisation gewesen zu sein. Im Januar 131S bereits begannen unerklärliche Explosionen in Munitionsfabriken, die Deutschlands Kriegsgegner mit Waffen und Munition versorgten, die amerikanische Oeffentlichkeit zu beunruhigen. von diesem Zeitpunkt ob verging keine Woche, in der nicht Granatenstapel in die Lusf slogen, Wunifionsbefriebe in vrand gerieten, Brücken- und Eisenbahnsprengungen sowie Schisss- explosionen stattfanden. Der amerikanischen Oeffentlichkeit, die damals noch keineswegs durch- weg deutschfeindlich eingestellt wab, aber am Kriegsgeschöst verdienen wollle, bemächtigte sich eine ungeheure Erregung. Man beschuldigte Jfvrr ron 3>apen. So erscheint der neue Reichskanzler heute in der englischen Presse— Erinnerung an seine Kriegstaten! ganz offen in amtlichen amerikanischen Kreisen den deutschen Milüär- attachs Hauptmann von Papen und den Marineattache Kapitän Boy-Ed, die beide der deutschen Botschaft zugeteilt waren, Leiter dieser Sabotageakte zu sein. Als die Regierung in Washington ge- nügend Material beisammen hatte, forderte Wilson am 4. Dezember 131Z die Abberufung dieser beiden militärischen Diplomaten, die, wie es in der Erklärung des amerikanischen Außenministers heißt,„wegen ihrer Verbindungen mit Anarchisten und ungesetzlichen Handlungen gewisser Personen der Regierung der Vereinigten Staaten nicht mehr genehm" seien. Man fragt sich erstaunt, wie die amerikanische Regierung, die 51« lesen: den„Angriff", den„Lokal-Anzeiger", den„Tag", die „Deutsche Zeitung"? Wellen Sie wissen, ob Ihre Zeitung Ihnen die Wahrheit sagt? Schreiben Sie uns! Wir werden Ihnen gratis und franko den Beweit int Haus liefern, daß Ihr leibblatt Ihnen die Wahrheit vorenthält und Sie geflissentlich irreführt! Ist Ihnen bekannt daß alle deutschen Volksgenossen, auch diejenigen, die jetzt nationalsozialistisch wählen, ihre Staatsbürgerrechte der Sozialdemokratie verdanken..., daß die Frauen, auch diejenigen, die für Hitler sehwärmen, nur deshalb wählen dürfen, weil die Sozialdemokratie ihnen die Gleichberechtigung erkämpft hat..., daß die Arbeitslosen früher nur Almosen be- kamen, wofür sie ihre Bürgerrechte verloren, und daß die Arbeitslosenversicherung erst von der Sozialdemokratie durchgesetzt wurde? trotz gewisser schwerwiegender Enthüllungen bis zur Ausweisung des Hauptmanns von Papen nicht allzuviel greifbares Materiol gegen die deutschen Umtriebe besaß. später bis ins kleinste Detail über die deutschen Spionage, und Sabotageakte unterrichtet war. Die Erklärung hierfür ist einfach. Die amerikanische Re- gierung konnte sich hierfür bei Herrn von Papen bedanken, der in unverständlichem Leichtsinn in seinen Kosfern wichtigste Geheim- dokumente, seine Scheckbücher mit genauen Angaben über die Zahlungen an„gewisse Perjonen" und anderes Material mit sich führte und diese hochbedeutjamen Unterlagen bei einer Untersuchung aus hoher See in die Hände der Engländer fallen ließ. Er fiel für diese grandiose Tat bei Wilhelm II. sogar noch die Treppe hinauf und zwar mit dem Erfolg, daß er als Generalstabsmajor in Polästina nochmals bei einem plötzlichen Rückzüge wichtigstes Geheimmaterial über die Sabotageakte in den vereinigten Staaten„verlor", anstatt es zu ver- Nichten. Für den Generalstab der Entente bildeten diese Dokumente. die sofort den weg nach Washington antralen. eine wahre Fundgrube. Der Eindruck, den die Enthüllungen über die Tätigkeit der Organisation von Papen in den Vereinigten Staaten machten, war für das deutsche Ansehen vernichtend und hat damals nicht wieder- gutzumachenden Schaden angerichtet. Daß dieser Mann, der dem deutschen Ansehen in dem neutralen Amerika den denkbar schlechtesten Dienst während des Weltkrieges erwiesen hat, in schwerster Zeit zum politischen Führer Deutschlands berufen ist, kann jeden wahrhaften Freund des deutschen Volkes nur mit schwerster Besorgnis erfüllen. Vorwärts, Berliner! Vergrößert den Vorsprung der(Sozialdemokratie! Das Wahlergebnis der Reichshauptßtadt ist von großer Bedeutung. Die Stimme eines jeden Wählers wird gleich gewertet, gleichgültig, ob im Norden oder Süden. Qsten oder Westen. Die Stimme eines Ber- liner Wählers fällt nicht stärker ins Gewicht, als die Stimme eines Wählers aus einer kleinen Stadt. Aber wie das Herz Deutschlands wählt, wie die Reichshauptstadt fich entscheidet, das hat repräsen- tative Bedeutung! Berlin hat sich bei der Preußenwahl glänzend geschlagen!?n Berlin istdieSozialdemokra. t i e stärkste Partei mit 33 033 Stimmen Bor- sprung vor den Nationalsozialisten und 133 333 Stimmen vor den Kommunisten: Die Sozialdemokratie hat bei der Preußenwahl in Berlin 33333 Stimmen gewonnen. Sie muß bei der Reichstagswahl noch stärker werden! Berliner! An die Arbeit! Vergrößert den Borsprung der Sozialdemokratie! Was wir bei der Preußenwahl gewonnen haben, ist erst ein Anfang, aber noch lange nicht genug!?hr müßt zeigen, daß die Reichshauptstadt die Reaktion ablehnt! Auf zum Kampf für die Sozialdemokratie? Hakenkreuz und Frei Herrnkrone. Oie Adelsregierung des Herrenklubs. Das Volt hat die neue Regierung„das Kabinett der Barvne" getauft. Warum, sagt die folgende Liste: Reichskanzler: Franz von Pape«: Reichsminister des Innern: Freiherr von Gayl: Reichsaußenminister: Freiherr von Renrath: Reichssinanzminister: Gras Schwerin von Krosigk: Reichswehrminister: Generalleutnant von Schleicher: Reichsjustizminister: Dr. Gärtner: Reichswirtschaftsminister: Professor Dr. warmbotd: Reichsminister für Ernährung und Landwirtschast: Freiherr von Braun: Reichspost- und Reichsverkehrsminister: Freiherr von Eitz- Rübenach. Bon neun Ministern sind nicht weniger als sieben adelig. Nur Justiz und Wirtschaft find mit zwei bürgerlichen Konzessionsschulzen besetzt, die natürlich ihren Geburtsfehler durch stramme Gesinnung zu verdecken bemüht sind. Der entscheidende Faktor beim Sturz Brünings und bei der Bildung der neuen Regierung war der Berliner hochfeudale Herren- tlub. Eins Gesellschaft hochkonseroativer Adeliger, die zur Schwerindustrie intime Beziehungen unterhält, hat sich der Re- gierung der deutschen Repubbk bemächtigt. lind dies geschah im Einverständnis mit— Adolf Hitler. dem Führer der sogenannten National sozialistischen Arbeiter Partei! Perantwortl. iiir dir Redaktion: Dr. Sur! Sr»rr. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlik Bering: Vorwärts Verlag© IN d. H., Berlin. Druck: Vorwärts Bu. drnckeeei und Verlaa-antiali Paul Ginaer z, Go.. Verlin EVi. SN. Sindeniir?.