Morgenausgabe Nr. 259 A 131 49. Jahrgang Wöchentlich 75 Ps� monatlich 3.25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.S7 M. einschließlich eoPf. �«stzeitungs- und 72Pf.Postbestellaer Bühren. Auslandsabonnement 5.65 M. vro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4.65 M. Der„Vorwärts� erscheint wochentSg- lich zweimal. Sonntags und Monraas einmal, die Abendausgabe für Berlm und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonmagsbeüaai .Volk und Zeit" Vevttnev Vvttsblatt Sonnabend 4. Zuni 1952 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die etnl palt. Milltmeterzetle 30 Pf. Äaflameaeile 2.- M„ftlcine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWorte'.iedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt lt. Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli- meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8'/, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich dasRecht der Ablehnung nickt genehmer Anzeigen vor« Jenttawvsa« der Soziawemokratisehen Vavtei DettttwUmdS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 fternspr.: Dönhoff(A T) 293—297. Teleffravnn-Adr.: Sozialdemo kr a> Berlin. Dorwärts-Verlag G.m.b.H. PoftfcheckkoMo: Berlin 37 SZK.— Bankkomo: Bankder Ardeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3- Dt B.u.Disc.-Ges., Depositen?., Ieruwlemer Str. K5-KS. Keicdztsg aufgelöst! Das Kabinett der Barone zieht in den Wahlkampf. Amtlich wird mitgeteilt: Das Neichskabinett hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, dem Herrn Reichspräsidenten die Auslösung des Reichs- tags am 4. Juni 1932, in Vorschlag zu bringen. Neuwahl 17. Juli? Am Freitagabend hat das Reichskabinett grund- lätzlich die Auflösung des Reichstags beschlossen. Ter Auslösungsakt selbst mutz jedoch nach der Verfassung vom Reichspräsidenten vollzogen werden und dürfte am«onnabendvor mittag erfolgen. Gleichzeitig wird die Rcichsregierung die Re- gierungscrklärung, die sonst im Reichstag abgegeben zu werden pflegt, auf anderem Wege ver- öffentlichen, da das Parlament nach der Auflösung selbstverständlich nicht mehr zusammentritt. Ter neue Reichstag soll in der zweiten I u l i h ä l s t e gewählt werden. Voraussichtlicher Wahltermin dürste der 1 7. I u l i sein. Der fünfte deutsche Reichstag, der am 14. September 1930 gewählt worden war, hielt seine erste Sitzung am 13. Oktober 1930 ab. Er hat nicht so häusig getagt wie seine Vorgänger, die gesetz- geberische Arbeit ist zumeist durch Notverordnungen des Reichs- Präsidenten erledigt worden. Mit der Auflösung hört der Reichstag auf zu bestehen. Auch die Immunität der Abgeordneten endet mit diesem Vorgang. Die Verbindungsbrücke von dem aufgelösten zu dem neu zu wählenden Reichstag wird dadurch geschlagen, daß das alte Präsidium noch bis zur Wahl des neuen Präsidiums im Amte bleibt. Auch zwei Ausschüsse des Reichstags bleiben bestehen, näm- lich der Auswärtige Ausschuß und der Ausschuß„zur Wahrung der Reche der Volksvertretung gegen- über der Reichsregierung", der z. B. berufen wird,»enn in der Zeit bis zum Zusammentritt des neugewählten Reichstags ein Verordnungsentwurf der Regierung der Zustimmung eines Reichstagsausschusses bedarf. Die Mitglieder des Präsidiums und die der beiden ständigen Ausschüsse behalten die Immunität während dieser Zeit noch. Gesetze, die der Zustimmung des Parlaments selbst bedürfen. können jedoch in dieser Zwischenzeit nicht zustande kommen. Alle noch nicht erledigten Vorlagen der Reichsregierung, alle Initiativ- gesetze, die von Parteien beantragt, aber noch nicht verabschiedet sind, alle Ausschußvorschläge, die das Plenum noch nicht beschäftigt haben, namentlich auch zahlreiche Petitionen sind durch die Reichs- tagsauflösung hinfällig geworden. Sie können nur im neuen Reichstag wieder eingebracht werden und müssen dann völlig von vorn behandelt werden. Das gilt insbesondere auch von dem großen Werk der deutschen Strafrechtsresorm, das schon mehrere Reichstage beschäftigt hat. Hernot betraut. Kabinettsbildung im Gange. Paris, 3. Juni. Präsident Lebrun hat heute Herriot mit der .Kabinettsbildung betraut, die im Gange ist und keinen Schwicrigteiten begegnen dürfte, nachdem die Frage des Gintritts der Sozialdemokraten in negativem Sinne ent- schieden ist. Die Kammer hat am Freitag den bisherigen Kammerprä- sidenten Bouisson(Soz.) mit S04 Stimmen wiedergewählt. Die Kommunisten stimmten für einen ihrer Abgeordneten. der im Gefängnis sitzt. Außerdem waren 33 weiße Stimmzettel abgegeben worden. Zu Vizepräsidenten wurden gewählt die Ab- geordneten Dalimier und Miellet(Radikale). Pate(radikale Linke) und Moncelle(Unabhängige Rechte). Im Senat wurde am Freitagnachmittag der radikale Senator Ieanneney mit 223 von 245 Stimmen als Nachfolger Lebruns zum Präsidenten gewählt. Das Kabinett der Schlot- und Krautbawne. „Fein, wie wir die vor unfern Wagen gespannt haben!" Fort mit den Hitler-Baronen! In den Kampf!— Es lebe die Sozialdemokratie! Durch den oben wiedergegebenen Beschluß d-s Reichs- kabinetts ist der Reichstag faktisch aufgelöst. Die Unterzeichnung durch den Reichspräsidenten ist nur noch eine Formalität. Die Hitler-Barone wollen nicht mehr vor diesen Reichstag treten. Sie wollen sich nicht zu früh demaskieren. Ihr Kabinett ist im Dunkel zustande gekommen, es wünscht, so lange wie möglich im Dunkel zu bleiben. Die Scheu vor der Oeffentlichkeit ist ihm angeboren, sie ist entschei- dend für sein Verhalten. „Eines Mannes Rede ist keines Mannes Rede, man soll sie billig hören beede." Aus den Argumenten, die die Oppo- sition den Gründen der Regierung entgegenstellt, kann sich das Volk seine eigene Meinung bilden. Ein solches Verfahren ist jetzt nicht mehr beliebt. Im Rundfunk, durch den Herr von P a p e n sein Programm verkünden will, kann keiner ant- warten und keiner fragen. Die Fragen, sie sind wohl das, was das Reichskabinett am meisten scheut. Es will nicht gefragt sein nach seiner künftigen Politik, denn es weiß selber noch gar nicht, welche. Politik es machen will und machen wird. Der einzige, der das vielleicht einigermaßen weiß, ist der neue Reichswehrminister Herr von Schleicher— aber auch der will nicht gefragt sein, am wenigsten danach, wie sich der Wechsel, der sich so- eben in der Regierung vollzogen hat, mit den üblichen Be- griffen von Treue und der Kameradschaftlichkeit vereinbaren läßt. Die Hitler-Barone lösen den Reichstag auf, weil er ihnen in seiner großen Mehrheit Mißtrauen entgegenbringt. Sie befragen das Volk, ob es ihnen vertraut. Die Antwort darauf muß sein: eine noch größere Mehrheit gegen die Hitler- Barone und ein noch schärferes Mißtrauen! Im Volk, ohne Unterschied der Partei, muß es den aller- übelsten Eindruck machen, daß dieses Kabinett der offenen Auseinandersetzung mit der Opposition so geflissentlich aus dem Wege geht. Zweifellos beruht diese nicht allzu mutige Taktik auf einer Vereinbarung mit den R a t i o n a i s o z i a- listen, die genau so, wie die Regierung selbst, eine Reichs- tagsdebatte noch vor dem Wahlkampf nicht ertragen können. Seit Herr von Papen am Ruder ist, ist Adolf Hitler nicht wiederzuerkennen. Der Trommler gegen das System hat sich in einen sanften Flötenspieler verwandelt. Er fährt jetzt in Mecklenburg umher und gibt eine Fülle schwammig-schlei- miger Redensarten von sich, die weder heiß noch kalt und nicht gehauen und nicht gestochen sind. An die Stelle des trotzigen Trotzalledem ist ein bedächtiges Einerseits irnd Andererseits getreten, und wenn man auch natürlich„Kom- promisse" verabscheut, ist man doch zu„Koalitionen" bereit. Kein Zweifel, der große Adolf wird ein„S t a a t s m a n n". Wäre der Reichstag zusammengetreten, so hätte Herr von Papen der Frage nicht ausweichen können, lpie er zu den Nationalsozialisten steht. Und die Nationalsozialisten hätRn Farbe bekennen und erklären müssen, ob das ihre Re- • gierung ist oder nicht, ob sie noch eine Oppositionspartei oder schon eine Regierungspartei sind oder was sonst. Da haben auch sie es vorgezogen, zu kneifen. Sie sind zweifellos mit dem wenig würdigen Verhalten der neuen Regierung ein- oerstanden, denn gegen den ganzen Reichstag würde die neue Regierung nicht so gehandelt haben, wie sie ge- handelt hat. Doch was soll das Versteckspiel? Sieht denn nicht auch ein Blinder, daß die beiden unter einer Decke stecken! Indem die Regierung von Papen den Reichstag auflöst, führt sie einen Auftrag Adolf Hitlers aus. Und welchem Zweck soll die Auflösung dienen? Nationalsozialisten und Deutschnationale sollen ge- stärkt. Sozialdemokratie und Zentrum sollen geschwächt werden, das ist der Zweck der Uebung! Aber vielleicht kommt es diesmal doch anders! Es gibt ganz gescheite Leute, die laufen mit Leichenbitter- Miene herum und sagen, die Nazis feien nun einmal am Ge- Winnen und das werde eben einftwetlen so weiter gehen. Diese ganz gescheiten Leute sols. mit Respekt gesagt, der Teufel holen! Sie sind sowieso schon tot und haben nur vergessen, sich begraben zu lassen. Darum können sie auch nicht mehr sehen. daß wir seit der Ernennung der Regierung von Papen eine ganz neue politische Situation haben. Diese neue politische Situation birgt gewiß große Gefahren in sich, sie bietet aber auch der S o z i a l d e m o k r a t i e ganz neue un- erhört günstige Aussichten. Der„Vorwärts" hat gestern abend, nachdem der Aus- lösungsbeschluß des Kabinetts bekannt geworden war. den Wahlkampf mit der Verbreitung eines Extrablattes eröffnet. Wer selber mit den frischgedruckten Blättern in der Hand durch die Arbeiterviertel Berlins, durch die großen Parks der Vor- städte gewandert ist. der weiß, daß in Berlin«in frischer Wind weht. Wer erlebt hat, wie Genossen und Reichsbannerkameraden von allen Seiten herbeieillen und sich förmlich darum rissen, sich an der Berteilungsarbeit beteiligen zu dürfen, der weiß, daß es in Berlin einen fröhlichen Kampf geben wird. Und wie in Berlin wird es überall im Reiche sein. Es ist genug, jetzt ergreifen wir die Offensive! Kort mit den Hitler-Naronen! Es lebe die Sozialdemokratie? Kaas an von papen. Christentum der Etikette oder Christentum der Tat? Der Antwortbrief, den der Vorsitzende des Zentrums, Prälat K a a s, an den Reichskanzler von Papen gerichtet hat, ist ein politisch wie stilistisch bemerkenswertes Schriftstück. .hier sein Wortlaut: Sehr geehrter Herr Reichskanzler! „Denn Worte einen Sinn und Erklärungen einen wert haben sollen, muhte Ich aus Grund unserer Aussprache am Dienstagnoch- mittag mit Sicherheit annehmen, daß Sie das Amt des Reichs- kansters aus zwingenden Gründen nicht übernehmen würden, von dieser Ausfassung ausgehend, habe ich mich in der Sitzung des ge- fchästssührenden Vorstandes für die Loyalität dhrer Entschlichung verbürgt. Unmittelbar danach traf die Nachricht ein, daß Sie im Gegen- sah zu der mir gegebenen Zusage anders entschieden hätten. Wenn Sie in Ihrem Schreibon als ein Motiv die Notwendigkeit einer ..Synthese aller wahrhast nationalen Kräfte" betonen, so umschreiben Sie«in politisches Ziel, an dem die Zentrumspartei und ich selbst im Sinne der Verwirklichung des nationalen Volksstaotss seit Nahren unermüdlich arbeiten. Di« Verwirklichung eines solchen Ge- danken? oerlangt aber«ine möglichst breit« Basis, das heißt den ernstgemeinten Versuch zur Zusammenfassung der aus allen Lagern sich zu staatspositiver Arbeit bereitfindenden Kräfte. Sie selbst haben mir seinerzeit im Anschluß an Ihre Dülmener Rede und in Ausdeutung derselben ausdrücklich erklärt, daß zu einer nationalen Konzentration auch prominent« Manner der Linken, selbst der sozialdemokratischen Linken gihören sollten. Für uns ist e» dabei«in« vom katholischen Wissen herkommende Selbstverständlichkeit, daß den Grundsätzen de» Christentums die ihnen gebührend« Einflußnahme auf das gesamt« Staatswesen in totkräftigem Handeln gesichert werden muß. Ein solcher Grund- gedanka muß dann aber auch von jenen Kräften bejaht und in der Praxis getätigt werden, die«in neues Deutschland herausführen wollen. Die Hoffnung der jungen Generation wird eine große Ent- täujchung erfahren, wenn man nur äußerlich diese kulturelle Parole ausgeben würde, ohne daß alle führenden Kräfte der nationalen Konzentration die Fähigkeit und Bereitwilligkeit mitbrächten, diese Parole auch sachlich und innerlich bis in ihre letzten Folgerungen zu verwirklichen. Ein Christentum der Etikette wäre wertlos. Was allein auch im Politischen helfen kann, ist das Ehristentum der Tat. Sie unterscheiden zwischen dem Parteimann und dem Deutschen. In meiner Ueberzeugung ist für eine solche Teilung kein Platz. Sie als Kenner meiner politischen Auffassungen werden auch am wenig- sten annehmen tonnen, daß ich oder die von mir geführte Partei fähig wäre, über parteiegaistifchcr Enge das Paterländische zu ver- gessen. Beweis hierfür ist unser Eintreten für denjenigen Mann. den Sic in Ihrem Schreiben als Symbol der Zusammenfassung be- zeichnet haben. In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, daß der frühere Herr Reichskanzler Dr. Brüning in Uebereinslim- mung mit meiner Partei und mir den Versuch gemacht hat. d i e Wahl des Herrn Reichspräsidenten als gemeinsamen Kandidaten des gesamten Volkes jenseits aller politischen Grupple- rungen ohne inneren Kampf Zu sichern. Diese wahrhaft vaterlöndlsche Aktisn hat das Verständnis und die Unterstützung auch in solchen Gruppen gesunden, die Sie jetzt aus der natlonalen Konzentration ausschließen. Und sie fand erbitterten Widerstand in Kreisen derer, mit denen Sie die nationale Konzentration jetzt durchsühren zu können glauben. Ich würde es begrüßt haben, wenn Sie in Konsequenz Ihrer srühe- ren Haltung aus den erwähnten Tatsachen diejenigen Folge- rungen gezogen haben würden, die sich für jeden Vorurteils- jrsien Beurteiler daraus ergeben haben. Indem Sie dieses Moment einer wirklichen Konzentration hint, angesetzt haben, sind Sie, wie Sie selbst empfunden und in Ihrem Schreiben zum Ausdruck gebrocht haben, von dem auf Valkegemein- tchaft eingestellten Grundgedanken der Zentrumspartei abgewichen. Sie haben aus diesem Gegensatz bereits die persönlichen Folgerungen für Ihr» politischen Beziehungen gezogen. Ich nehme an und glaube auf Grund mündlicher Aeußerungen Ihrerseits dazu berechklgt zu sein, daß der van Ihnen vollzogene Tchrltt der Trennung von der Organisaiton der Zentrumspartei Ihnen nicht leicht gefallen ist. Zu dieser Annahm» 'iihle ich mich um so berechtigter, als Idr Schreiben eine rückhaltlos« Anerkennung der Arbeit unseres hervorragendsten Bertretere, des truhersn Herrn Reichskanzler Dr. Brüning, enthält. Ich bin und bleibe davon überzeugt, chaß keine sachlich vertretbar«, der inneren Sammlung und der internationalen Friedensarbeit und deutschen Weltgeltung dienend« Richtung der deutschen Politik sich von der Linie entfernen kann, welche Hert Dr. Brüning unter namenlosen Mühen und unverdienten Anfeindungen verfolgt hat. Biel« von denjenigen, die heute in der Distanzierung von der disherigen Arbeit und ihren Trägern eine Verbesierung der deutschen Erfplgsaussichten sehen, werden nach meiner Ueberzeugung in kurzer Zeit erkennen, daß der von Ihnen beschrittene Weg ein Irrweg ist." In ausgezeichneter Hochachtung gez. Kaas. Mit dem Briefwechsel zwischen dem Zentrumsführer und dem abtrünnigen Parteimitglied ist eine Auseinandersetzung im Lager des politischen Katholizismus eingeleitet. Man darf dem Leser selbst die Entscheidung überlassen, auf welcher Seite die geistige und moralische Ueberlegenheit ist! Reichskommissar für Preußen? Dazu fehlen die verfassungsmäßigen Voraussetzungen. Im„Völkischen Beobachter" schreibt heute der Abgeordnete Alfred Rosenberg zur Lage in Preußen: Das Zentrum sei nicht gewillt, die alte Geschäftsordnung für die Wahl des Ministerpräsidenten wiederherzustellen. Somit sei für den Reichspräsidenten und das neue Reichskabinett das Problem in gleicher Weise gegeben wie zur Zeit Brünings, und man könne„absolut nichts dagegen einwenden", daß. im Falle»ine Neuwahl des Ministerpräsidenten in Preußen nicht zustande käme. die bisherige Koalition ober in der gleichen Minderheit vexbleibo, etwa Herr von Papen oder Freiherr von Gay! als Reichskommissar für Preußen eingesetzt würde. Zu solchen Plänen hört das Nachrichtenbüro des PDZ. aus gut unterrichteter preußischer Stelle, daß zur Zeit die verf o ssungsmäßigen' und gesestlichen Bot- a u s s e tzu n g e n für die Bestellung eines Reichskommissars für Preußen absolut fehlten. Zunächst müsse einmal geklärt werden, ob das preußische Parlament nicht einen neuen Ministerpräsidenten zu wählen imstande sei. Bor allem aber müßten Ruhe, Sicherheit und Ordnung gefährdet, sowie die Finanzlage prekär sein ehe an die Möglichkeit der Ernennung eines Reichskommissars zu denken wäre. Alle diese Voraussetzungen seien für Preußen noch nicht gegeben, zumal in Preußen jetzt noch eine Regierung arbeitet. die bereits 13 Jahre lang die Slaatsgesck ue im gröBien deutschen Einzelstaat geführt hat! �iaatsrechtlich unaeklän sei noch, ob eine Landlagsmehrheit imstande wäre, die Bestellung eines Reichskommissars zu verlgngen Aber ob eine solche Mehrheit im Falle der staatsrechtlichen Bejahung dieser?Nog- lichkeit überhaupt zustande kommt, müsse als zweifelhaft be- zeichnet werden!_ Niederlage der Hiilerei. Ein weitere«! Vorspiel zu den hessischen Landtagswohlen. Frankfurt a. M.. Z. 3unl. iEigeuberichl.s Eine Wahlniederlage der Nazis wird aus dem hessischen Städtchen Merlan im Kreise Alsfeld gemeidet. Bei einer Bei- geordnetenwahl erhielt der seitherige sozialdemokro- tische Beigeordnete Georg Becker l70 Stimmen, während aus seinen Gegenkandidaten, den Tlationalsozialisten Münch, nur 124 Stimmen entfielen. Becker wurde mit absoluter Mehrheit gewählt. Zn Merlau erhielten die Nationalsozialisten bei der hessischen Land- tagswahl am 15. November ISZ! 173 Stimmen, sie verloren also 5 5 Stimmen, das ist fast ein Drittel ihres Be- standes! Regierungsbildung in Bayern. Cin Vorschlag der Bayerischen Volkspartei. München, 3. Juni. sEigenbericht.) Der erste offizielle Schritt zur Neubildung der daye- rischen Regierung ist jetzt erfolgt. Die Fraktion der Bayerischen Volkspartei"als die stärkste des neuen Landtags, hat den übrigen Fraktionen mit Ausnahme der Kommunisten auf jchrifllichem Wege den Vorschlag gemacht, sich aus die Wahl eines Ministerpräsidenten zu einigen, dessen Aufgabe es dann wäre, dem Landtag ein Ministerium vorzustellen, das eine Landtagsmehrheit hinter sich Hobe. Gleichzeitig wird in dem Schreiben Dr. Held als dieser Ministerpräsident vorgeschlagen und gebeten, sich bis zum Wiederzusammentritt des Landtages am 17. Juni dazu zu äußern. Dies« ungewöhnliche Art der Regierungsbildung wird mit den augenblicklichen Zeitverhältnissen sunmittelbar bevorstehende Rcich-- togswahlen) begründet und erklärt, solche Zeiten seien nach Aus- fassung der Bayerischen Volkspartei nicht geeignet für Verein- barungen toalitionsmäßiger Art unter Parteien, die in diesem Wahlkamps vielfach entgegengesetzte Anschauungen vertreten werden. Der Vorschlag läuft praktisch daraus hinaus, der Bayerischen Volkspartei Generalvollmacht zur Bildung einer parlamentarischen Regierung zu geben, ohne daß den anderen Parteien irgendein Einfluß aus die Zusammensetzung dieser Regierung und auf ihre sachliche Politik eingeräumt wird. Es soll damit der Plan eines sogenannten Kabinetts der Köpf» verwirklicht werden, da» ober doch nur aus Angehörigen oder Vertrauensleuten der Boye- rischen Dolkspartei bestehen würde. Zur Bildung einer solchen Regierung, die«ine parlamentarische Mehrheit hinter sich hätte, sind die Sozialdemokraten oder die National- s o z U l i st e n notwendig. Ob ein« dieser Parteien geneigt sein wird, der Bayerischen Bolkspartei das gejordert« blinde Vertrauen entgegenzubringen, ist kaum anzunehmen. Kommt aber auf diesem Wege ein« parkamentarilch, Regierung nicht zustande, so denkt. man offenbar an die Beibehaltung der setzt seit 154 Jahren bestehenden Geschästsregierung Dr. Held, mindesten» solange, bi» durch dt« Neuwahlen de» Reichitage»«ine Klärung der Verhältnisse im Reich und Preußen herbeigeführt ist. Hitler toleriert die Varonie! Oer Nazischacher mit der Reaktion. Di« Regierung der konzentrierten Reaktion wird am Sonnabend mit der Verfügung des Reichspräsidenten über die Auflösung des Reichstags zugleich programmatische Aeußerungen verlautbaren lassen. Man beabsichtigt, sich in diesen Aeußerungen auf die dringendsten Gegenwartsausgaben zu beschränken. Ein herrlicher Vorwond, um die eigentlichen Absichten dieser durch Hintertreppcnpolitik zustandegekominenen Regierung von Papen zu verbergen! Immerhin gibt es für die Absichten der neuen„Präsidial- regicrung" einige Anhaltspunkte, und das sind insbesondere zwei Reden, die der Vorsitzende der ministeriellen Baronie, Herr von Papen am 2. Oktober 1931 in Dülmen und am 8. April 1932, also kurz vor der zweiten Präsidentenwahl, im Verlaus eines Schwanengesanges vor der Wählerschajt seines langjährigen Wohnsitzes Merfeld bei Dülmen hielt. Im Zentrum ist der Inhalt beider Reden heftig kritisiert worden und ein großer Teil der Zentrumspressc hat ausdrücklich daräuj hingewiesen, daß die ZeMrumspartei mit den Reden des Herrn von Popen nichts gemein hat. 3n Dülmen forderte von papen innenpolitisch eine scharfe Schwenkung der Politik nach rechts. Die versteckte Diktatur der Regierung Brüning müsse sich der parlomeiilarisckzen Verkleidung entledigen. Brüning müsse ein„nationales Kon- zentralion, kabinet t" bilden, dos losgelöst sei von ieder parlamentarischen Verantwortlichkeit und sozusagen eine Diktatur auf nationaler Grundlage errichten. Sozialpolitisch sei die Abschaffung aller Tarifverträge erforderlich, ferner ein ieFiiißiMi Am Montag, dem 6. Juni, pünktlich 10H Ostr, Im großen Saal de« Saalbau Frtedridtahaln, Am Friadiiduhaln 16*26 Thema 0!c fiogeii&iffhUdie polllisdie Sltoefton Dnd die Aufbauen der Arbeüerhlasse. Referenten; Dr. Rudoli Breiisdieid, M d R. und tzrn,t Heitmann M. d. L. Zutritt nur gegen Vorzeigung des Parfeimitgliedsbuehes mit gleichlautender Funktionärkarte- Der Bealrluvoritand. ncucK Fürsorgewesen, das in das freie B e> nehmen des Unternehmers zu stellen sei, und schließlich die Abschassnng der Knappschaften. 3n Merfeld bei Dülmen forderte von Papen anläßlich seines Sthwauengesanges die Reorganisation und Reformation der deutschen Verfassung von Grund auf, Aenderung des Parlamentarismus, eine erste Kammer, ähnlich dem altenHerrcn- haus, das als Regulativ über das Parlament gestellt werden müsse, und außerdem eine verwaltungs- und Reichsresorm. die zur Be- seitiguag des Dualismus Preußen-Reich führe. Das aber fei nur mäglich, wenn Im Reich und Preußen die großen Regienmgs- konsiellationen zu verzeichnen seien, und dos wiedenim fei nur er- reiilzbar, wenn es gelinge, den Nationalsozialismus zu positiver Mitarbeit heranzuziehen und aus ihm herauszuholen, was an Gulein und wertvollem in ihm stecke. In diesem Zusammenhang sind Aeußerungen bemerkenswert. die Generalleutnant von Schleicher, der neue Wehrminister, in diesen Tagen vor vertrauten Kreisen über die Dauer des Kabi- n e t t s von Papsn gemacht hat. Diese Aeußerungen, noch denen die neue Regierung vier Jahre im Amt bleiben werde und Hitler niemals im Reich, wohl aber in Preußen zur Regierung kommen dürfe, veranlassen da» Berliner Organ der. christlichen Ge- werkschaiten„Der Deutsche" zu folgenden Auslassungen! „Dies« Neuwahl des Reichstages ist eine der Ab» machuugen. die von den neuen Männern mit Hitler gesohlossen sind. Die Natlouelsozialistcu werden gemäß diesen Absichten das Kabinett Pape» tolerieren. Durch- ans wohlwollend tolerieren. Denn die A b m a ch u a- gen zwischen Hitler und dem jehigen Reichswehr- ministe« Schleicher greife» offenbar weit über die Neuwahlen hinaus. Entsprechende Aeuße- rnsgen von General b. Schleicher sind bekannt; danach rechnet der Neichswehrminister mit einer Regierungs. zeit dieses Kabinetts von vier Iahren. Mag sei», daß noch den Reichstagöwahlen dar eine oder andere Mini- ster abgelöst wird von einem den Nationalsozialisten nahestehende» Mann— die eigentlichen Träger des Kabinetts uitb seines Kurses sind willens, zu bleiben. Tazu haben sie. wie versichert wird, das Einverständnis Hitlers. Als Entgelt für dieses Z u g e st ä n d> nts sollen die Nationalsstzialisten die Regierung in Preusien erhalten, wenn nötig. «nit Hilfe von Neuwahlen und mit Hilfe des Reiches. Hitler versvricht sich offenbar von der Ucbernahine der Macht und des ganzen Verwaltungsapsiarates in Preußen mehr für seine Anhänger als von einer lieber- nähme der Perantwortung im Reich." Die Reden des Herrn von Popen und die jüngsten Erklärungen seines Schrittmachers von Schleicher sind jedenialls ein Beweis mehr dafür, dag der Sturz Brünings und die Uebernahme der Macht durch die Baronie von langer Hand vorbereitet sind. Sie waren nur möglich im Einverständnis mit Hitler. Während dieser Heiland aus dem Böhmerwald seinem Anhang tagtäglich die baldige Uebernahme der Macht im Reich und in den Ländern prophezeien läßt, schachert die nationalsozialistische Führung mit ihren seudalen Geldgebern, Baronen. Grafen, Frei- Herren, Schwerindustriellen und Großagrariern um die Aemter im Reich und in Preußen. Ein größeres Täuschungsmanöver ist kaum vorstelldar. Sein «Ziel und Zweck ergibt sich aus den oben wiedergegsbenen Aeußerun- gen des Herrn von Papen: Man will zurück zu dem Deutschland des vreitlassenwahlrechts! 3n diesem Ziel ist sich die Baronie mit Hitler und Konsorten einig. Darum die Auspöppelung der Razi-Arbeikerparlei durch große Geldsummen! Die Dummen sind alle die, die dem Schwindel von der Nazi-Arbeiterpartei ihre Kraft und ihren Glauben geschenkt haben! Erste Naziniederlage im Landtag. Es bleibt bei der Aenderung der Geschäftsordnung/ Mehrheit gegen die Mchte. „Wird" und„bleibt". Was der.Lokal-Anzeiger" aus Schleichers Erlaß herausliest Wehrminister von Schleicher hat in seinem Erlaß u. a. er» klärli„Ich werde meine Kraft daran segen, daß die Reichswehr dazu befähigt wird, ihre Berufsausgabe zu erfüllen, Deutschlands Grenzen zu schützen und seine nationale Sicherheit zu gewährleisten." Der ,Lokal-Anzeiger" unterstreicht, daß Herr von Schleicher aus- drücklich das Wort„wird" gewählt habe, und nicht das Wort „bleib t". Dieses eine Wort fei„außerordentlich wichtig", und sein Sinn sei klar. Damit unterstellt das Hugenberg-Blatt Herrn von Schleicher die Behauptung, daß bisher die Reichswehr nicht sähig war, ihre Berufsaufga.be zu erfüllen. Wir fragen: Ist der neue Wehrminister mit dieser Lesart ein- verstanden, die eine unerhörte Herabsetzung seiner Bor- ganger enthält, insbesondere des Herrn Groeners, dem er, von Schleicher, eigentlich alles oerdankt? Ist das Hugenberg-Blatt, das sich geradezu regierungsossiziös gebärdet, dabei inspiriert worden? Solche und andere Fragen hätte die Regierang im Reichstag beantworten müssen, hätte sie nicht die Aussprache gescheut. Wird sie sie trotzdem beantworten— oder sich durch ihr Schweigen mit der häßlichen Unterstellung des„Lokal-Anzeigers" solidarisieren? Italiens Anspruch auf„Expansion". Faschismus ist rücksichtsloser Nationalismus. 8 o rn. 3, Juni.(Eigenbericht.) Der italienische Außenminister befaßte sich am Freitag in einer 8e d e im Senat mit der Abrüstungs- konserenz, der Rcparalions- und Schuldensrage, dem Problem der hiise für die Doaauländer und der sogenannten„italieni- scheu Zrage". d. h. Italiens Anspruch auf Expansion. In bezug aus die Abrüstungskonferenz erklärte Grandi, daß sie auf dem toten Punkt angelangt sei und die Arbeit neu begonnen werden müsse. Der Bankrott der Abrüstungskonferenz würde den Bankrott des ganzen Völkerbundes bedeuten. Hinsichtlich der Repa- rationen seien Italiens Programm und Ucberzeugung die gleichen� geblieben. Es sei zur Ueberwindung der Weltwirtschaftskrise not-' wendig, ein für allemal das Problem der Schulden und Repara- tioncn endgültig zu lösen. Italien sei nach wie vor für die völlige Streichung der tragischen Kriegsrechnung. Es erkläre sich zu ernster Ausbauarbeit bereit, aber es könne nicht mehr Opfer übernehmen, als es seinen Möglichkeiten entspreche. Den Donauländern müsse ebenfalls geholfen werden. Am Schluß seiner Rede erklärt« Grandi: Italiens 42 Millionen Einwohner könnten in den engen Grenzen nicht dauernd leben. Italiens wirtschaftliche Bewegungsfreiheit und seine Sicherheit ständen unter dem kaudinischen Joch des Zwanges. Diese Lebens- frage Italiens müsse unbedingt in das große Problem der Er- Neuerung und des Wiederaufbaues der Welt eiugerciht werden. Irredeniaprozeß in Böhmen. Sudetent>eutfcher Wan!>erredner verurteilt. Pilsen. 3. Juni. In dem Prozeß gegen den Wanderreldner das Bundes der Deutschen in Böhmen. Sepp Schwarz, und den Rentmeistcr Müller wegen Hochverrat« und Spionage berichteten in geheimer Verhandlung die militärlschen Sachverständige», zipei Offiziere des Generalstebee. In öffentlicher Verhandlung hielten die Verteidiger die Schlußworte. Nach fünfviertelstündiger Beratung verkündete der Borsitzende den Urteilsspruch. Joseph Schwarz wurde danach vom militärischen Verrat freigesprochen. Dagegen wurde er schul- dig erkannt, durch seine persönlichen Verbindungen und Dersamm- lungen im Deutschen Reich Anschläge gegen die tschecho- slowakilche Republik unterstützt spwi« die Republik und d>e tichechische Nation in seinen Reden und Artikeln beschimpft zu haben. Dafür wurde Schwarz unbedingt zir zwei Jahren schweren Kerkers sfcwie V e r l u ft der Ehrenrechte auf drei Jahre verurteilt. Die Hast vom 18. November 1931 vi« Ende Mni 1932 wird«Inaerechnet. Rentmeister Müller wurde von der Anklage wegen Nichtanzeige des militärischen Verrats freigesprochen, well der Tatbestand nicht erwi»t»n s»i und weil durch den Frei- jpruch des Erstangeklagten die Zlnklage gegen Müller hinfällig wurde. Der verurteilte Schiparz hat gegen da« Urteil Berufung eingelegt._ KPL-Räum« geschloffen. Auf Anordnung de» Flensburg« Polizeipnäsidentsn wurden die dortigen Parteiröume der K P"D. und das kommunistische Perkehrslakal polizeilich g e � schloffen, well dort in den lstzlen Tagen wiederholt Sabotage- okt« organisiert worden sein soilen. Im Zusammenhang mit der gewaltsamen Außerbetriebsetzung von Maschinenanlagen am Hafen durch Demonstranten wurden von der Polizei mehrere Kommunisten festgenommen. Der Preußische LaadUrg lehnte am Freitag nachmittag in namentlicher Abstimmung mit 212 gegen 202 Stim- rnett den deutschnationalen Antrag ab, der für de« neuen Landtag die Geschäftsordnung des alten Landtages vor der von der Weimarer Koalition beschlossenen Aenderung in Kraft setzen wollte. Gegen den deutschnatwnalen Antrag stimmten das Zentrum. die Sozialdemokraten und die K o m m u n i st e n. Otto Brauns Schreiben an den Landtag. Ministerpräsident Otto Braun hat an den Landtagsprästden- ten K e r r l als Ergebnis der Aussprache im Staatsministerium zu den Vorgängen im Landtag am 2. Juni das nachfolgende schreiben gerichtet: „Im Nachgang zu meinem Schreiben vom gestrigen Tage teile ich Ihnen ergebenst mit, daß das Staatsministerium soeben folgen- dermaßen Stellung genommen hat: Die Rechtsfrage, ob und in welchem Ilmsange Artikel 24 Satz 1 der Verfassung mich auf ein gemäß Arlikel 59 Abs. 2 der Verfassung nur die laufenden Geschäfte führendes Staatsministerium Anwendung zu finden hat, kann dahingestellt bleiben. Die Redner aber, die gestern das Erscheinen der Staatsminister verlangt haben, haben durch die F o r m ihrer Begründung zu er- kennen gegeben, daß es sich nicht um ein sachlich begründetes verlangen gemäß Artikel 24 der Verfassung handelt. Wenn der Herr Zlbg. Kasper, ohne vom Herrn Präsidenten zur Ordnung gerufen zu werden, ausgeführt hat, daß man hier über eine Regierung, die wegen ihrer verbrecherischen Politik auf die 'Anklagebank gehöre, zu Gericht sitzen wolle, und wenn der Herr Zlbg. K u b e unbeanstandet wiederhast davon spricht, ,chas Kabinett Braun habe zurletztenMusterunganzutrete n", so ergibt sich daraus ohne weiteres, daß es den Antragstellern nur um eine Verunglimpfung der Staaksregierung und der einzelnen Minister zu tun war. Im übrigen ist das Staatsministerium der Ansicht, daß es gegen jeden parlamentarischen Brauch und gegen den Geist der Verfassung verstößt, Mißtrauensanträgs gegen eine zurückgetretene Regierung zu stellen und sie im Parlament zu erörtern. Das Staatsministerium hat den Wunsch, die Führung her Geschälte so bald wie möglich einer verfassungsmäßig zustarchekom- wenden neuen Regierung zu übergeben, und würde es begrüßen. wenn der Landiag recht bald feine verfaffungsmähige Aufgabe er. füllen und einen neuen Ministerpräsidenten wählen würde." Landtag beschlußunfähig. Nächste(Sikirnq 22. Juni. In her politischen Aussprache im Landtag sprach gestern weiter Abg. Orügemüller(Soz.): Die Reden der großen Sieger der Preußenwahl. der Herren Nationalsozialisten, waren von einer in diesem Hause noch nicht dagewesenen sachlichen Dürftigkeit. Insbesondere die Rede des Abgeordneten Kube genügte nicht im entferntesten den Anforderungen, die man an den Führer einer großen Partei stellen muh.(Lärm bei den Nsoz.) Sie haben hier stürmisch verlangt, daß sich die Regierung auf die Anklagebank setzen sollte. Aber als 1925 die Preußenregier u na ini Wohlkampf stegreich geblieben war und Ministerpräsident Braun vor den neuge- wählton Landiag trat, hat namens Ihrer Partei der Abgeordnete Dr. Kverner Widerspruch dagegen erhoben, daß ein Minister vor einen Landtag ireie, der durch diesen Landtag weder gewählt noch bestätigt sei. Als irotzdem Otto Braun zu sprechen vorsuchte— er wotlie eine PraiesterNärung der preußischen Staalsregierung gegen die Fortdauer der Rheinlandbesetzung zu Gehör bringen—, haben Sie ihn durch Lärmen daran zu hindern gesucht. Zeßl verlangen Sie das Erscheinen eines zurückgetretenen Ministerpräsidenlen. Zu welchem Zweck eigentlich? Ilm die Reden und Erklärungen anzuhören, die Sie hier im hause ab- gegeben haben, lohnte es doch wirklich nicht.(Sehr gut! bei den Soz.) Zu unserer Ilebcrrasibung hat Herr Kube gestern versichcrt, die Be- reinigung der preußischen Regierungsfrage erscheine ihm in diesem Augenblick weder notwendig noch zweckmäßig.(Lebhaftes Hört, hört! bei den Soz.) Da scheint uns an der Selbstsicherhett, die Herr Freisler heute hier an den Tag gelegt hat, zur Anttsübsrnahme noch viel zu fehlen.(Sehr gut! bei vcn Soz.— Zurufe bei den Nfoz.: Ihre Gelchäflsordniingsschiebung! Barmat-Schieber!) Ich beabsichtig« nicht, aus d>e Unzahl christlicher und nationaler Skandalfälle aus dem letzten Jahr heute einzugehen. Aber schreien Sie doch einmal statt des alten Barmol van den neuen Lahnsen und kreuger!(Sehr gut! bei den«oz.) Herr Kube hat weiter erklärt, daß Rußland und Italien natürlich nicht verpflichtet seien, andere Meinungen als die der Staatslettung zuzulassen: aber in Preußen müßten sie die unbe- dingte Innehaltung der Redefreiheit und Demokratie fordern. Mir haben in dielem Zusammenhang ein« Erklärung darüber vermißt, od auch im Drillen Reich die eigene Meinung und das freie Morl eine freie Statt haben werden. (Sehr gut! bei den Soz.) Werden Sie auch, wenn Sie die Mach! in Händen haben, sich dem erneuten Urteil des Volkes unterworfen? Herr Freisler hat darüber jede Erklärung abgelehnt.(Zuruf bei den Nsoz.: Das Volk hat schon gesprochen!) Die Frage ist gerade die, ob w>e es auch in Zukunft werden sprechen lassen! Herr Freister hat angekündigt, sie würden mich da; als politische Verbrechen bestrafen, was noch geltendem Recht noch unter keine Straibestimmuiig iällt. Dieser Grundsatz ist weder neu noch deutsch: er stammt van der Entente und ihrer Forderung der Zttis- lieierung des ehemaligen Kaisers und der anderen sogenannten Kriegsverbrecher. Uns erscheint jeder Gedanke an eure solche Rachejustiz eines Kulturvolkes einfach unwürdig. (Sehr gut' bei den Soz.) Herr Steuer hat Mit Pathü; verlangt, däß dem preußischen Vdlk endlich der Maulkord abgenommen werde. Der Redner der Konser- vativen Partei, die bis tief in den Weltkrieg hinein uns geknebelt, den Arbeitern die Versammlungssäle selbst in de? Nähe der Groß- städte abgetrieben bat, ist die allerletzte, die derartige Klagen auch nur mit einem Schein von Recht vorbringen könnt«. Diese Pariei, die uns vorwlrsl, mir hätten durch den Klassen- kämpf das Volk zerrissen, Hai in ihrem Vreiklassenwahlrecht dem hurenhalier in Altona da« Hundertsache Wahlrecht de» ehren- hasten hasenarbeilers gegeben: diese Partei hat die Arbeiter- witwen mit vier oder fünf oder mehr Lindern vom Wahlrecht auegeschlosfen: diese Partei Hai den Klassengegenfaß auf» äußerste verschärft in dieser Klassengesellschaft, die überhaupt der kapitalistischen Wirtschaftsweise entspricht. Die sckamlose Hetze der Deutschnationalen und Nattonalsozialisten gegen dl« Nachkxiegsregierungen war nur möglich aus der Grundlage der Lüge, daß wir bei der Revolution dem deulschen Volk Glanz und Wohlstand versprochen hätten. Aber diese ganze Darstel- lung ist«ine Ihrer zahlreichen Agitationslügen! (Lebhafter Widerspruch rechts!) Wir haben Ihnen berests im letzten Landtag die Rede Friedrich Eberls verlesen, in der er am 19. November 1918 vor den Berliner Soldatenräten im Zirkus Busch ausgeführt hat, es werde unerhört schwer sein, aus diesem Trümmerhaufen wieder einen Staat aufzubauen. Am 9. Juli 1919 hat der damalige Außenminister Hermann Müller in der Nationalversammlung vor der Annahme des Bcrsailler Vertrages erklärt:„Aufrechterhalten bleibt heute und immer unser einstimmiger Protest gegen diese Vertrag gewordene Vergewaltigung. Wir alle, unser ganzes Volk steht heute vor dem Ausbruch zu einem vierzigjährigen Marsch durch die Wüst e." Das klingt ganz anders als die Ankündigung von Glanz und Wohl- leben. Die Männer, die 1913 mutig und verantwortungsbewußt in die Bresche gesprungen sind, haben nichts FaFches versprochen: aber sie haben das Schlimmsie vom deutschen Volk und der deutschen Ration erfolgreich abgewehrt. (Lebhafter Beifall bei den Soz.— Lärm bei den Nsoz.) Der Leidensweg, den das deutsche Volk durchmessen muß, ist ihm auf- gezwungen worden durch die Politik der kaiserlichen und königlichen Regierungen der Vorkriegszeit. Die Not des deutschen Volkes, die Not aller Völker stammt aus der nationalisti- schcn Verhetzung, die den Blick für die Notwendigkeiten des Lebens trübt. Die Folgen dieser nationalistischen Verhetzung, den Krieg. hat noch immer die breite Masse des Volkes zu trogen gehabt. Bei der Arbeitsbeschassungsdebatte hat die Nationalsozialisiische Partei angekündigt, sie würde im Rahmen der allgemeinen politischen Aus- spräche ihre Ideen entwickeln. Heute hat sich der Abgeordnete Lohsc damit begnügt, aufzuzählen, wieviel notwendige Kulturarbeiten im alten reichen Preußen die Machthaber, die Hohonmllern, nicht ge- leistet haben. Dabei ein Wort zu der hier geführten Hohen- zollerndebatte. Wir haben nie bestritten, daß unter den hohenzollernschen Fürsten ein paar tüchtige Kerle maren. Aber von Ihnen war es unfreundlich, daß Sie in der Aus- Zählung der hohenzollern, die eine Leistung vollbracht haben. ausgerechnet beu Vater Ihres Zraktionskollegen vergessen haben. (Heiterkeit links, großer Lärm bei den Nsoz.) Herr Abg. Lohse hat besonders aus die Notlage der Landwirtschaft hin- gewiesen. Uns ist diese Notlage niemals eine Nebenfrage gewesen. Es ist in der Tat ein Skandal, wenn der Landwirt für sein Schwein und sein Rind im Stall nur ein paar Mark bekommt, und der städtische Verbraucher unerhört Hobe Fleischpreis« zahlen muß. Aber ha hilft kein noch so lückenloser Zolltarif: da hilft nur«in« andere Organisation der Verteilung, die dem arbeitenden Bauern sichert, was er aus Grund seiner Arbeitsleistung beanspruchen kann.(Zuruf rechts: Eure Schieber!) Als meine Parteifreunde im Reichstag im Imerelse der arbettenhen Bauern den Versuch unternahmen, einen völlig überslüssigea Teil des Handels-- die Schieber, von denen Sie sprechen— auszuschalten, als wir das Sta,ttsmonopol für Getreidoern- fuhr und Getreideaussuhr forderten, hat gerade die national- sozialistische Fraktion dagegen gestimmt. Sie schreien gegen dic Schieber, weil Sie uichl» gegen sie hm wallen.(Sehr gut! bei den Soz.)..... Sie fordern Arbeitsdienstpflrcht- Gewiß, dann sind die Arbettslosen beschäftigt Nicht aber geben Sie damit dem arbeitenden Menschen auch die Möglichkeit zu leben: nicht geben Sie dem arbeitenden Menschen da? Recht und die Entlohnung, auf die er einen ehrlichen Anspruch hat. In dieser neuen Reichsregierung braucht man reinen Reichsarbeitsminister. Im Dritten Reich wird man ihn noch weniger brauchen: die bisherige Aufgabe der Sozialpolitik übernimmt die Kompagnieschreibstube. CG roste Heiterkeit und Sehr gut! links.) Die Nationalsozialisten haben noch nicht den geringsten Ber- such gemacht, auch nur ein einziges ihrer Wahlversprechen«in- zulösen. Im Nationalismus, in der Abriegelung der Völker von einander kann Zukunft und Wohlstand nicht liegen. Im wohl- verstandenen nationalen Gefühl und wohlverstandener nationaler Betätigung hat sich die Sozialdemokratie noch niemals übertreffen lassen.(Großer Lärm bei den Nat.-Soz.) Die Herren, die noch kurze Hosen trugen, als wir das Vater- land verteidigten, können uns Sozialdemokraten national nicht beleidigen. (Sehr gut! bei den Soz.) Aber bei aller BesaHung der Nation— nur die Abkehr vorn nölkeroerbetzenden Nationalsozialismus kann die arbeitenden Menschen vom Untergang retten Deutschland wird nur leben, wenn es sich abkehrt vom Ralionalismus und wieder zuwendet dem Menichheitsideal der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeil.(Stürmischer Beifall bei den Soz.) Damit schließt dic Aussprache. Präsident Serrl teilt dem Hause mit. daß er nunmehr die gestern von, Ministerpräsidenten schriftlich zugesagte Mitteilung über das Ergebnis der Kabinettssitzung hinsichtlich des gestrigen Landtags- beschlusse; auf Herbeizltierung des Staatsministeriums erhasten habe und bemerkt, zu dem Schreiben, er habe bereits gestern gegenüber dem Abg. Hellmann gesagt, daß er selbstverständlich einen Ordnungsruf erteitt hätte, wenn er den Ausdruck„verbreche- rische Regierung" gehört hätte. Dann beginnen die Abstimmungen über die der pouttschen Aussprache zugrunde gelegten Anträge. Das Haus nimmt dann zunächst die namentliche Abstimmung über den deutschnatianatsn Antrag vor. die Geschäftsordnung des vorigen Landtag; in ber Fassung, die am 11 April(d. h. ohne die Neufassung der Bestimmungen über die Ministerpräsidentenwahl) gültig war. bis auf weiteres für den neuen Landtag zu übernehmen. Mii 212 gegen 202 Stimmen der Antragsteller, der Rational- sozialisken und der Deutschen VoikSparkei wird der Antrag abgelehnt. (Zurufe bei den Rationalsozialisten:„Schiebung!"— Große heiter- keil link«.) Es folgt die namentliche Abstimmung über den Antrag der Kommunisten:„Der Landtag sprichl dem Geschäftsminifiertum Braun— Severtug da« schärfste Mißtrauen aus." Der Antrag wird mit 253 Stimmen der Nationalsozialisten, der Deutschnationalen, der Deutschen Voikspartei und der Kommunisten angenommen. Die anderen Parteieu enthielten sich der Abstimmung, well sie diese nicht für zulässig hielten. Damit erledigt« sich der deutschnationale Antrag, wonach das Staats- Ministerium das Vertrauen des Landtag«« entbehrt. Bei der Abstimmung über den Antrag der Kommunisten, alle Zahlungen auf Grund W Haung-Planes und die Zinsen- und Tilgungszahiungen für die Dawez-An leihen einzustellen, ergibt sich die B e s ch l u ß u n s ä h i g k e i t des Hauses, da nur 129 Karten abgegeben worden sind. Präsident kerrl hebt die Sitzung daraufhin auf. Die nächste Sitzung wird voraussichtlich am 22. Juni stattfinden. Das Programm der Nationalsozialisten. Inflation, Zwangsarbeit und Hunger.— Entrechtung der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Einer der übelsten Vielredner der Nazis, der Rechtsanwalt und Abgeordnete F e i s l e r, sagte gestern im Preußischen Landtag im Laufe einer langen Rede, wir stünden„an der Schwell« der schwei- genden Tat". Wie diese„schweigende Tot" der Nationalsozialisten aussehen würde, wenn sie ans Ruder käinen, hatte vor Freister bereits der Abg. L o h s e wenigstens teilweise enthüllt: „Nur allerhöchste Schuhzölle können die deutsche Landwirtschaft rette». Wir Nationalsozialisten sind für die allgemeine Arbeitsdienstpflicht. Das geht allerdings mit den Methoden der Reichsbank nicht. Dazu brauchen wir eine selbständige Währung." Dieses Teilprogramm der„schweigenden Tat" der National- sozialisten spricht eine laute und verständliche Sprache. Aller- höchste Schutzzölle, das bedeutet für die arbeitenden Schichten in Stadt und Land eine ungeheure Verteuerung der Lebenshaltung. Damit aber alle die, die gegen Lohn und Gehalt chren Lebensunterhalt verdienen müssen, oder die als Klein- und Sozialrentner auf dürftige Groschen angewiesen sind, nicht etwa zu üppig werden, hat die angebliche Nationalsozialistische Arbeiter- Partei eine„selbständige Währung" vorgesehen, mit der sich die Arbeiter, Angestellten, Beamten, die Sozial- und Klein- rentner zu begnügen haben. Diese„selbständige Währung" ist nichts anderes als das berüchtigte Fe d e r- G e l d, das«ine N e u a u s- läge der Inflation unseligen Angedenkens darstellt. Für die Reichen und für Auslandszahlungen soll nach wie vor die Reichsmark als wertbeständiges Geld weiterbestehen. Für die Lohn- und Gehaltsempfänger. für die Sozial- und Kleinrentner das Inflationsgeld. Dazu paßt ausgezeichnet die A r b e i t s d i e n st p f l i ch t, die der etwas lose Mund des Abg. Lohse ankündigt. Es ist seinerzeit im Reichsarbeitsministerium über die Arbeitsdienstpflicht eingehend verhandelt worden. Die Verteidiger dieser Idee wurden ersucht, ihre Absichten zu begründen. Es hat sich dabei herausgestellt, daß diese Maßnahme so riesige Kosten verursachen würde, daß ihre Durchführung schon daran scheitern müßte. Die Nationalsozialisten machen das anders. Auch die Arbeitsdienstpflicht soll mit der „selbständigen Währung" finanziert werden. Wir können es nur begrüßen, wenn die„schweigende Tat" der Nationalsozialisten noch rechtzeitig vor den Reichstagswahlen bekannt wird. Sie heißt Zwangsarbeit, Inflation und Teuerung. Statt Preisabbau Preissteigerung ins Aschgraue; statt Arbeitsbeschaffung Zwangsarbeit, statt Tarifverträge und feste Löhne und Gehälter fortgesetzte Entwertung durch Inflation. Der Reichsarbeitsmini st er ist bereits verschwunden. Ihm würde— wenn der Mantel fällt, muß auch der Herzog nach— unsere gesamte Sozialpolitik, der Schutz der Alten und Kranken, der Kriegsbeschädigten, der Unfallverletzten, der Invaliden- und Altersrentner unweigerlich nachfolgen, wenn es den National- sozialisten gelingen würde, in den bevorstehenden Reichstagswahlen die Macht zu erringen. Die Fronten sind so klar wie sie nur sein können: Hinter der Regierung des Herrn von Papen stehen die National- s o z i a l i st e n. Hinter den Nationalsozialisten steht das Schwer- kapital, stehen die o st elbischen Großgrundbesitzer, die die Nationalsozialisten finanzieren. Die Arbeiter, die Ange- stellten, die Beamten wissen, was sie von diesen Leuten zu erwarten haben. Wer es noch nicht weiß, dem muß es gesagt werden. Die Herrschaft der Nationalsozialisten bedeutet Inflation, Ent- rechtung der Arbeit, Teuerung und Hunger. Tie Herrschast der Nationalsozialisten, das ist die Herrschaft des reaktionärsten Scharfniachertums. Die Herrschaft der Nationalsozialisten, das ist die Pe- seitigung aller Bcamtcnrcchte und aller Arbeiterrechte. Es ist kein Zufall, daß sich bei der sogenannten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei eine große Masse ehemaliger Offiziere zusammengefunden hat. Sie hoffen, das Heer der Arbeitsdienstpflichtigen, die gratis schuften müssen, kommandieren und schuriegeln zu können. Man braucht sich diese Herrschaften nur etwas näher anzusehen, die Heines und Schulz, man braucht sich nur der Fememorde der Schwarzen Reichswehr zu erinnern, um eine klare Vorstellung zu haben von den Zu- ständen, die die Nationalsozialisten im Herr der Arbeitsdienst- Pflichtigen aufzurichten gedenken. Für wen sollen diese Gratisarbeitcr schuften? Für die bankrotten Großgrundbesitzer, denen die Hunger- löhne der Landarbeiter noch zu hoch sind, für die Schwcrindustriellen, die Sturm laufen gegen Tarif- Verträge und Schlichtungswesen. Es wäre vollständig sinnlos, sich jetzt um den Nachweis zu de- mühen, daß diese Pläne und Absichten zu einer beispiellosen Wirtschaftskatastrophe führen müßten. Es geht jetzt darum, zu verhindern, daß derartige Pläne zur Aus- führung kommen. Die gesamte Arbeiterklasse, in erster Linie aber die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellte und Beamte, gleichviel welcher Richtung, müssen jetzt erkennen, daß die Stunde des Kampfes um Sein oder Nichtsein für sie geschlagen hat. Die Nationalsozialisten wollen das Ideal der Scharsmacher aller Zeiten verwirklichen, indem sie zunächst die gewerkschaftlichen Organisationen zerschlagen, um deu Arbeitern, Angestellten und Beamten ihren Schutz zu nehmen. Alles was die Arbeiterklasse in einem 7l)jährigen Kampfe errungen hat. soll ihr geraubt werden. Man will ihr diese Rechte nehmen, um ihr die Lebensmöglichkeit und die Möglich- keit des A u s st i e g s zu nehmen. Inflation, Zwangsarbeit und Hunger ist das Programm der Nationalsozialisten. Es gilt, die Nationalsozialisten aufs Haupt zu schlagen! Entschlossen und bereit. Die Gewerkschasten zum Kampf. Zu der neuen Situation durch den Sturz des Kabinetts Brü- ning und der Ernennung des Kabinetts von Papen äußert sich die „Gewerkschaftszeitung" in ihrer heutigen Ausgabe. Es heißt da u. a.: Es wäre völlig mühig, in diesem Augenblick Vermutungen über das zu produzieren, was geschehen kann, oder gar Voraussagen zu wagen über das, was kommen wird. Wir sind keine Sterndeuter. Die Gewerkschaften haben weder zur Freude noch zur Trauer Anlaß. Sie standen mit der Regierung Brüning nicht im Bunde. Sie haben die Politik der Duldung dieses Kabinetts durch die SPD. gebilligt, weil sie diese Politik als notwendige Folgerung aus dem Zwang der Lage anerkannten, die aus der Bedrohung des republi- konischen Reiches durch den Faschismus entstanden war. Aber sie haben dennoch der Wirtschafts- und Sozialpolitik der alten Regie- rung stets kritisch, ja ablehnend gegenübergestanden, sie waren uner- müdlich bestrebt, dieser Politik durch die entschiedene Vertretung ihrer Forderungen eine andere Richtung zu geben. Und die G e- werkschasten werden ihren Weg unbeirrt fort- setzen. Sie werden ihre sozialpolitischen, lohnpolitischen, wirt- schaftspolitischen und außenpolitischen Gedanken jeder anderen Re- gierung gegenüber mit gewohnter Ueberzeugungstreue vertreten und sie werden es verstehen, ihren Forderungen mit den ihrem Wesen eigenen Mitteln öffentlichen Wirtens Nachdruck zu verleihen. Sie haben die Politik der Duldung Brünings anerkannt als eine Methode zur Verteidigung der demokratischen und sozialrechtlichen Grund- sätze der Weimarer Verfassung. Sie werden zur Wahrung der Rechte und Freiheiten der Arbeiterbewegung andere Methoden wählen, wenn eine Veränderung in der Frontordnung der Gegner einen solchen Wechsel der Kampfmethode gebietet. Nazis und Arbeitslosigkeit. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Können die Nazis Arbeit schaffen? In Braun- schweig sind sie schon geraume Zeit am Ruder, man hat aber bis jetzt noch nichts davon gehört, daß sie dort auch nur den geringsten Erfolg auf dem Gebiet der Arbeitsbeschaffung aufzuweisen haben. Im Gegenteil: nach der Landtagswahl, die die nationalsozia- listisch-deutschnationale Mehrheit brachte, wurde im Februar 7 9 31 im Landtag ein„Ausschuß zur Steuerung der Not der Ar- beitslosen und zur Minderung der Arbeitslosigkeit" eingesetzt.„Schon" am 14. A u g u st trat er zum erstenmal zusammen und nach drei weiteren Sitzungen war es mit ihm Ende September bereits zu Ende-, denn seit dem 27. September hört und steht man nichts mehr von ihm. Die Regierung beruft ihn nicht mehr ein, weil sie weiß, daß sie und ihr Ausschuß zusammen keinem Arbeitslosen auch nur ein Stück Brot verschaffen kann. Dabei wurden in dem Ausschuß von freigewerkschaftlichev Seite durchaus realisierbare positive Vorschläge zur Hebung der Arbeitslosennot gemacht. Die Nazis führten diese Vorschläge nicht durch, obwohl sie behaup- ten, die Gewerkschaften hätten ihre Arbeitsbeschaffungspläne aus dem— Naziprogramm abgeschrieben! Sie führen sie nicht durch, weil ihr wirkliches Programm nicht der Schutz, sondern die Unter- drückung der Arbeiter ist. Gegen Arbeitslosigkeit und Kriegsgefahr Internationale der öffentlichen Dienste. Der Kongreß der Internationale des Per so- nals öffentlicher Dien st e, der dieser Tage in London stattfand, beschäftigte sich nach seiner Stellungnahme zum Kamps um die öffentliche Wirtschaft noch mit der U n f a l l f r a g e, der B e- kämpfung der Arbeitslosigkeit und der Kriegs- g e f a h r. Ueber Unfälle und Berufskrankheiten sprach Dukes- England. Er forderte verschärsten Kampf gegen die Unfall- gefahren und die Berufskrankheiten. Dieser Kampf sei eine der wichtigsten Ausgaben der Organisation, und in ihm müsse auch eine Verständigung mit den Arbeitgebern angestrebt werden. An Hand einer Uebersicht über zwölf große Länder zeigte Dukes, daß die gesetzliche obligatorische Urfallversicherung für gewerbliche Betriebe in internationalem Maßstab sich immer mehr durchsetzt. Die vom Kongreß zu der Unsallfrage angenommen« Entschließung besagt im wesentlichen: Der Unfallversicherung sind alle in abhängiger Arbeit stehenden Arbeitnehmer ausnahmslos zu unterstellen. Wo Ausnahmen zugelassen werden, darf die Sonder- regelung nicht geringeren Schutz und geringere Leistungen als die allgemeine Unfallversicherung bieten. Berufskrankheiten sind als Arbeitsunfälle zu betrachten. Die Liste der Berusskrankheiten, die in dem Abkommen des Internationalen Arbeitsamtes vom Jahre 1925 aufgestellt wurde, ist international und national auch durch die Erkrankungen zu ergänzen, die in den öffentlichen Betrieben aller Art als Berufskrankheiten angesprochen werden müssen. Ueber„W eltarbeitslosigkeit, Rationalisierung und Arbeitszeitverkürzung" sprach H e n r i k s e n- Nor- wegen. Lengersdor f f- Deutschland beleuchtete die Bestrebungen des verstorbenen Direktors des Internationalen Arbeitsamtes Albert Thomas um internationale Arbeitsbeschaffung. Der von Thomas eingeleitete Kampf müsse auch, jetzt nach seinem Tode fortgeführt werden. Alle Versuche zur Ankurbelung der Wirtschaft gipfelten in der Forderung nach Vergebung von öffentlichen Arbeiten; denn der Organismus des Privatkapitals sei in Unordnung geraten und finde von sich aus nicht mehr den Weg ins Freie. Die Anregungen des Kongresses zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wurden in einer einstimmig angenommenen E n t s ch l i e- ß u n g zusammengefaßt. Sie fordert Kontrollorgane für den Betrieb, um unnötige Entlassungen zu verhindern. Vierzigstundenwoche bzw. Fünftagewoche, allgemeine Abschaffung der Ucberstundenarbeit und Einführung oder Ausrechterhaltung einer wirkungsvollen Arbeits- losenoersicherung. Ueber die A b r ü st u n g s f r a g e berichtete der Sekretär des französischen Gemeindearbeiteroerbandes Erncst M i ch a u d. Er be- tonte, der Appell an das Gefühl zur Verherrlichung und Propagierung des Krieges spiele heutzutage leider wieder eine große Rolle. Hiergegen müsse angekämpft werden. Michaud forderte vor allem die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie. An die Stelle des bisherigen Präsidenten Teoenan-England, der bereits das 75. Lebensjahr vollendet hat, wurde vom Kongreß Charles Dukes- England einstimmig gewählt. Keine Einigung im Nuhrbergbau. Herr Warmbold hat das Wort. Die Verhandlungen über den Lohn- und Manteltarif im Ruhr- b e r g b a u, die gestern im Reichsarbeitsministerium stattgesunden haben, sind ergebnislos verlaufen. Die Entscheidung über den Schiedsspruch des Schlichters Professor Brahn liegt nunmehr beim Reichsarbeitsminister. Sie wird die erste lohnpolitische Entscheidung der jetzigen Regierung sein. Ein Bild in Zahlen. Die Löhne der Textilarbeiter. Der Hauptvorstand des Textilarbeiterverbandes hat ein 285 Druckseiten umfassendes Werk herausgegeben, das über sämtliche in der deutschen Textilindustrie seit Ende 1923 vereinbarten tariflichen Zeit- und Akkordlöhne Auskunft gibt. Für denjenigen, der hinter statistischen Zahlen zu lesen versteht, ist dieses Buch sehr aus- schlußreich. Eine aufmerksame Betrachtung der Zahlen, die für jeden einzelnen Tarisbezirk und jede Arbeiterkategorie in der Textilindustrie das Auf und Nieder der tariflichen Zeit- und Akkordlöhne seit November 1923 wiedergeben, zeigt zunächst einmal, aus welchen erschreckenden Tiefstand die Textil- arbeiterlöhne durch die Inflation gekommen waren, so daß ihre Um- rechnung auf Goldlöhne bei der Stabilisierung geradezu Bettel- Pfennige als Stundenlöhne ergab. Der zähen Arbeit des Textil- arbeiteroerbandes ist es dann gelungen, diese Elendslöhne bis 1928 auf ein einigermaßen erträgliches Niveau zu bringen, wenn auch von auskömmlichen oder gar hohen Löhnen in der Textilindustrie nicht gesprochen werden konnte. Deutlich sichtbar wird dann der Abstieg seit 1929/39, der durch die Krise und besonders durch die Lohnpolitik der Reichsregierung herbeigeführt wurde. In dieser Beziehung ist das Werk eine untrügliche Bilanz gewerkschaftlicher Aufbauarbeit und unfruchtbarer Rückwärtspolitik der Reichsregierung. Seinen Hauptzweck wird die Arbeit der Tarifabteilung des Textilarbeiterverbandes als Nachschlagewerk rest- los erfüllen, da es schnellstens über die Lohnoerhältnisse in jedem Gebiet der deutschen Textilindustrie genaueste Auskunft gibt. Die Statistiken schließen mit dem Stand vom 2. Januar 1932 ab und können sortlaufend ergänzt werden. Streik der Klempner geht weiter. Am Donnerstag ist vor dem Schlichtungsausschuß über die Beilegung des Streits der Klempner in den Badeapparatefabriken und der Bauklempner, Rohrleger und Helfer in den Betrieben der Klempner- und Installateurinnung zu Berlin verhandelt worden. Gewerberat Körner bemühte sich, die Parteien zum Abschluß einer freien Vereinbarung zu bewegen, und zwar auf der Grund- läge des Abkommens, das kürzlich zwischen dem Metallarbeiter- verband und dem Arbeitgeberverband der Zentralheizungsindustrie und der gesundheitstechnischen Firmen in Berlin getroffen worden ist. Seine Bemühungen schlugen jedoch fehl, weil den Innungs- meistern und Badeapparatefabrikanten der Lohnabbau von 19 Pf. pro Stunde, den dieses Abkommen für die Facharbeiter vorsah, noch längst nicht weit genug geht. Die Schlichtungsverhandlungen wurden schließlich ergebnislos abgebrochen. Am nächsten Dienstag soll die Schlichtungskammer wieder zu- sammentreten und für beide Gruppen Schiedssprüche fällen. Wenn man auch von dem Berliner Schlichtungsausschuß allerlei gewöhnt ist, darf man aber kaum annehmen, daß der Schlichtungsausschuß durch einen Schiedsspruch das Tarifspstem zerschlägt, das für die beiden Gruppen der Bauklempner und Robrleger seit nahezu 39 Iahren besteht und niemals eine unterschiedliche Entlohnung der beiden Berufsgruppen gekannt hat. Verbindliche Schiedssprüche. Der Schlichter für den Bezirk Brandenburg hat die Lohn- abbauschiedssprüche für die Steinmetzen, Schrifthauer, Schleifer und sonstigen Arbeiter der Berliner Grabmal-, Marmor- und Werkstein- industrie für verbindlich erklärt. Damit wird für die gelernten Arbeiter in den einzelnen Gruppen ein Lohnabbau von 24 bis 32 Pf. pro Stunde und für die an- und ungelernten Arbeiter ein prozentual ähnlicher Abbau wirksam. Von einem„Streikabwürgen" durch die Vertreter des Zentral- verbände? der Steinarbeiter, über das die„Rote Fahne" zetert, kann keine Rede sein, da in dieser Branche der Streik zwar be- schlössen, aber noch nicht aufgenommen worden war. Die Ver- treter des Steinarbeiteroerbandes haben sich vielmehr sehr darum bemüht, die Verbindlicherklärung der Schiedssprüche abzuwen- den. Die gleichen Anstrengungen wurden von den Organisations- Vertretern auch gemacht, um den Antrag der Berliner S t e i n s e tz- meifter auf Verbindlicherklärung des Schiedsspruches für dieses Gewerbe zu Fall zu bringen. Auch diese Bemühungen waren leider erfolglos; gestern ist auch die Verbindlicherklärung des Schiedsspruches für das Steinsetzgewerbe erfolgt, der den Tarif- stundenlohn des Steinsetzers von 1,49 M. auf 1,16 M. und des Rammers von 1,34 M. auf 99 Pf. heruntersetzt. Auf Grund dieser Entscheidung des Schlichters hat die Orts- Verwaltung des Zentralverbandes der Steinarbeiter zu heute. Sonn- abend, vormittag 19 Uhr, nach dem Gewerkschaftshaus eine Ver- sammlung der.streikenden Steinsetzer und Rammer einberufen. fftme Gewerkschafts-�uaend Berlin Heule, Sonnabend.•). Juni, finden folgende Veranstaltungen statt: Süd- trei«: Kreisspieltreffen in der DJH. Lehnitzsee. Kosten 1:1i!.— Moabit: Wir sind auf Zeltfahrt.— Charlottcnbury: Nachtfahrt nach Werder.— Nordkrei«: Kreiszeltfahrt.— Jugendgruppc des Verbandes der Rahrungsmittel» und Seteänlearbcitcr. Fahrt nach Uegdorf. Treffpunkt 20: Uhr Stettiner Vorortbahnhof.— Zugcndgrnppe des Geiamtoerbandes: Wochenendfahrt nach Vater König iDubrolvberal. Treffpunkt l8> j Uhr Giirlitzer Bahnhof.— Jngcnd» gruppc de- Deutschen Vaugewerksbundes, Maurer: Spandau. Bauabcnd, Jugendheim Lindenufer. Iuaenvoruppe des Zentrawerbanves der Anqeftellten Unser Singekrcis übt heute von 20—22 Uhr im Jugendheim Tilsiter Straße.— Spiele im Freien tzDeute ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Humboldthain. Verantwortlich für Politik: Victor Schiff; Wirtschaft: S. ttlingelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner; Feuilleton: Dr. John Schikowski; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt, Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts. Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u Co. Berlin SW 68 Lindenstraße 3. Hierzu 2 Beilagen. schon nach einmalig. Putzen mit der herrl. erfrisch, schmeckenden„Chlorodont- Zahnpaste", jchreibt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. und 80 Pf. Nr. 259» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 4. Juni 1932 klichzeug sflirzl ani Fabrikgebäude! Dach durchschlagen— 8 Arbeiterinnen verletzt. 3n Zohannisihal stürzte gestern ein S p o r t s l u g z e u g aus gröherer höhe ab. Der Apparat prallte mit ungeheurer Wucht aus das Dach der Chemischen Werke Temmler. Das leichte Dach wurde glatt durchschlagen und das Flugzeug stürzte in da» Innere der Fabrik und zwar in einen Raum, in dem 20 Ar- beiterinnen mit Packarbeiten beschästigt waren. Eine Ar- beiterin wurde dabei gelötet, sieben Packerinnen wurden auherdem verleht. Der Pilot des llnglllcksflugzeugcs, der 38 Iahre alte Sportslieger Willi Gabriel aus der Kaiser- Wilhelm-Strahe 31 in Johannisthal, kam wie durch ein Wunder mit leichten Abschürfungen davon. Räch der ReHandlung im Krankenhaus konnte G. nach Hause entlassen werden. Gegen 18 Uhr kreiste Gabriel mit seinem Sportflugzeug O 1K69 über dem Flugplatz und vollführte Kunstslüge. Dabei geriet er über die Flugplatzzone hinaus und das Unglück wollte es, daß der Apparat ins Trudeln kam. Das Flugzeug stellte sich steil und sau st e in die Tiefe. Mit furchtbarem Krach schlug der Apparat auf das Dach eines langgestreckten Fabrikgebäudes der Temmler-Werke, in dem sich die Expedition und Packerei befinden. Dos schwache Dach wurde natürlich glatt durchschlagen und mit dem Motor fiel das Flugzeug mitten in die Arbeitsbänke, an denen etwa 20 Packerinnen saßen. Alles stürzte den Ausgängen zu, laute Hilfeschreie ertönten. Der Absturz war vom Flugplatz beobachtet worden und man hatte die Feuerwehr alarmiert. Die Johannisthaler Wehr, die als erste an der Unglllcksstätte erschien. gab sofort an die Hauptfeuerwehrwache in Berlin den Alarm „Katastrophe", worauf vier weitere Züge mit Rettungs-, Ruft- und Sanitätswagen an die Unfallstelle eilten. Der übrige Teil der Belegschaft der Temmler-Werke hatte sich inzwischen von dem ersten Schreck erholt und mehrere Arbeiter und Angestellte drangen in den Unglücksraum ein. Es herrschte ein furchtbares Durcheinander. Zwischen zertrümmerten holzteilcn lagen blutüberströmt die oer- letzten Packerinnen i die meisten der Verunglückten hatten das Bewußtsein verloren. In aller Eile wurden die Verletzten ins Schöneweider St.-Elisabeth-hofpital gebracht. Eine der verletzten Arbeiterinnen, die 25 Iahre alte Hedwig Rother aus der Wilhclminenhosstraße 73 in Oberschöneweide war ihren Der- lehungen bei der Einlieserung bereits erlegen. Ein Teil der anderen Schwerverletzten wurde sofort in die Operationssäle gebracht, da Lebensgesahr bestand. Die Namen der im Elisabeth-hospital daniederliegenden Verletzten sind: Erna Gradtke, 24 Jahre, Treptow, Scheibestraße 13i>-, Hedwig Iudies, 23 Jahre, Johannisthal, Friedrichstraße 12: Hertha Iudies, 24 Jahre, Grünau, Cöpenicker Straße 18: Gertrud Works, 26 Jahre, Oberschöneweide, Luisenstraß« 26: Frieda Hildebrand, 21 Jahre, Johannisthal, Roonstrahe 14: Magda Götling, 27 Jahre, Oberschöneweide, Edisonstraße 47: Hertha Riedel. Johannisthal, Parkstraße 23. An der Unglücksstätte. Wenige Minuten vom Bahnhof Schöneweide entfernt liegt die Stätte des schrecklichen Unfalls. Auf dem Grundstück Am Flugplatz 6 liegen die einstöckigen hallen der Chemischen Werke Temmler. Schon von weitem sieht man aus dem Dach einer Halle das Schwanzende eines Flugzeuges hervorragen. Das abgestürzte Flugzeug hat in das Dach ein großes Loch von etwa 30 Quadrat- meter Umfang gerissen. Der Propeller ist zersplittert und der Motor hat sich ties in den Zementboden öin�ge- wühlt. Es riecht stark nach Benzindünsten und wie der Sach- verständige der Feuerwehr, Baurat Anders erklärt, ist es noch als ein besonderer Glücksumstand anzusprechen, daß die Benzinmengen, die aus dem zertrümmerten Tank Herausslossen, nicht in Brand geraten sind. Das Unglück hätte in diesem Falle»och erheblich schlimmere Folgen gehabt. Von der Flugpolizei ist inzwischen eine Untersuchung einge- leitet worden. Bisher war es noch nicht möglich, die genaue» Ursachen des Flugzeugabsturzes zu klären. Di« Maschine hatte sich Gabriel selbst gebaut und sie war von den Behörden zugelassen worden. Das verunglückte Sporlslugzeug ist eine eigene Konstruktion des Sportsliegers Willi Gabriel, der sich durch seine Flüge schon einen gewissen Namen gemacht hatte. Es handelt sich um einen Doppeldecker, der etwa«ine Kreuzung zwischen einem Udet-Flamingo und einem Albatros darstellt, und von der DVL., bei der sie untergestellt war, zu Kunstslügen zugelassen war. Gumeino nazluerleumdungen. Sie beschuldigen die Bauhlltlen der Kaullaiverscmebung ins ausländ. wirtschaslebankrolleure und kapitalslüchilinge sind bei den Geldgebern der Razis zu Hause. Die Razis brauchen wunilion für den Wahlkamps. Sie wollen in die marxistische Front einbrechen. So wird in niederträchtiger weise daraus los verleumdet. In größler Ausmochung bringt der„A n g r i s s" gestern Behauptungen über Kapitalverschiebungen des Verbandes sozialer Baubetriebe ins Aus- land, die, mit dem Anschein aktcnmäßiger Genauigkeit verschen, auch das Ausmaß jener Lügen noch übertrefsen, die man von den Razis gewohnt ist. Die Bauhütte für Pommern und ihr Leiter Lück l>ätten das schmutzige Geschäft der Kapitalverschiebung nach dem'Auslände betrieben, und zwar in allergrößtem Maßstab. Lück habe als finan- zieller Leiter aller deutschen Bauhütten derartige Kapitalvcrschiebun- gen unter dem Deckmantel von Auslandsaufträgen schon seit langem „gefingert". Der„Angriff" spricht von einem himmelschreienden Skandal, der mindestens dem der Sklareks und Borniats gleich- kommt. Der wirkliche Tatbestand, der hinter diesen Anklagen steckt, ist sehr einfach. Die Bauhütte Pommern ist eine der größeren Zweigunternehmungcn des B e r- bandes sozialer Baubetriebe. Nachdem die hinter dem jetzt regierenden Adelskabinett Stehenden den deutschen Baumarkt seit Jahren zu einer Wüste gemacht haben, haben auch die Bau- Unternehmer des Verbandes sozialer Baubetriebe sich bemüht, aus- ländische Bauaufträge hereinzubekommen. Es ist bekannt, daß privatkapitalistische Bauunternehniungen dies in allergrößtem Maßstäbe zu tun versuchen, und daß es ein vordringliches Volkswirt- schaftliches und nationales Interesse ist, durch hereinholung aus- läniischer Aufträge, mit denen Devisenforderungcn. im Auslande entstehen, die dewsche Handels- und Zahlungsbilanz zu verbessern. Nach langen Bemühungen ist es in Paris auch gelungen, e i n großes Wohnungsbau Projekt zur Ausführung durch die Bauhütte Pommern zum Abschluß zu bangen. Um diese Bauaufträge durchführen zu können, wurde in Paris eine Gesellschaft gegründet, an der sich die Bauhütte Pommern beteiligte. Für die ersten Bau- raten und sür die Beteiligung hatte der deutsche Bauunternehmer auch Geld zur Verfügung zu stellen. Als dieses Geld überwiesen werden sollte, lehnte die zuständige Devisenbeschasfungsstelle die Zurverfügungstellung der erforderlichen Beträge zunächst ab. Um das im Interesse Deutschlands dadurch gefährdete Baugeschäft dennoch durchführen zu können, wurde die Verbindung mit französischen Bankkreisen ausgenommen, die auch zur Kreditgewährung unter der Bedingung bereit waren, daß die deutsche Bausirma bei einer deut- schen Bank auf ein Sperrkonto die betreffenden Beträge in Reichs- mark einzahlt. So weit der Tatbestand. Es ist unerfindlich, wie die Zollfahndungsstellen hier in Aktion treten konnten. Die Bauhütte Pommern ist mit größter Vorsicht verfahren, zumal sich in dem Dickicht der Devisenbewirtschastungsvorschriften kein Mensch mehr auskennt. Sie hat Sachberater herangezogen, die dem Bankhaus Marcus, Berlin-Potsdam, nahestehen. Der Leiter der Bauhütte Pommern hat mit der Durchführung der Transaktion im einzelnen nichts zu tun. Bon den mit de» Angelegenheit befaßten Stellen ist zu ver- langen, daß der Oesscntlichkeit sosor» eine Aufklärung über die Zusammenhänge gegeben wird. Denn es ist ein unerträglicher Zustand. daß Verleumdungen in die Welt hinausgeslreut werden dürfen, daß Verhaftungen vorgenommen werden dürfen, ohne daß die Oeffentlichkeit die wögtichkeit hat, die Dinge nachzuprüfen. Das schändliche Vorgehen des„Angriff" richtet sich von selbst. Wo es sich für die um Deutschland so dringend notwendige Be- schasfung ausländischer Austräge und ausländischer Devisen handelt, bringt es dieses„Organ der öffentlichen Meinung" fertig, von Kapitalverschiebungen in größtem Maßstabe und himmelschreienden Skandalen der roten Bonzen zu reden. Die beteiligten Stellen des Verbandes der Sozialen Baubetriebe werden alle notwendigen Schritte gegen ein solches Vorgehen unternehmen. Die /Vorwärts� Extraausgabe durch die die Neichstagsauflösung bekanntgegeben und zum Kampf gegen die Negierung der Barone und ihre nationalsozialistischen Beschützer aufgerufen wurde, ist in den gestrigen frühen Abendstunden in Hundert- taufenden von(Exemplaren in Berlin verteilt worden. Das war zwar nur der Anfang dieser Berbreitungs- aktion, die von den Parteigenossen nunmehr planmäßig betrieben werden wird, aber ein vielversprechen- der Anfang. Etwa fünfzehn Kraftwagen waren zu diesem Zweck aufgeboten worden, die in allen Himmelsrichtungen davonsausten, um die Extra- blätter unter der Berliner Bevölkerung zu verteilen. Reichsbanner- kameraden und sonstige Angehörige der Eisernen Front hatten sich in den Dienst der Sache gestellt und hätten ihre reine Freude an dieser wirkungsvollen Propagandaarbeit. Die Blätter fanden reißenden Absatz, vor allem in den großen Wohngebieten der Arbeiterklasse, am Wedding, in Neukölln, in Moabit, im Osten usw. In der neunten Abendstunde, also eine knappe Stunde nach Be- kanntgabe des Auflösungsbcschlusses der Junkerregicrung, war die Aktion schon im vollen Gange. Namentlich in den Parkanlagen, wo die Proletarier an diesem schönen Frühlingsaben� Erholung suchten, wurden unsere Verteiler förmlich belagert. Man hörte überall Aenßerungen der Kampsentschlossenheit gegen den Faschismus, nur selten gehässige Bemerkungen: letztere zeichneten sich stets durch ihre Plattheit und Geminheit aus. Unter den Zelten, wo sich die Moabiter Nazis allabendlich ein Stell- dichein geben, versuchten Hakenkreuzsünglinge unsere Verteiler zu provozieren. Sie wurden jedoch durch Schutzpolizisten energisch zur Ruhe gemahnt und im übrigen bewies auch dort die Mehrheit des spazierenden Publikums ihr reges Interesse an der Sonderausgabe des„Vorwärts". Der Wahlkampf ist eröffnet! Der Propagandafeldzug der Partei hat begonnen! Die Stimmung der Berliner Bevölkerung ist vorzüglich. Die Regierung der Hitler-Barone hat schon durch ihre Zusammensetzung dem Volk gezeigt, worum es geht. Das Volk wird sich siegreich wehren! Opfer der Verzweiflung. Furchtbare Familientragödien in Breslau und Hamburg. Breslau, 3. Juni. In der Rachl zum Freilag erschlug der in der Augustastraße wohnende 28jährige Bürogehilse Gotthard Kuhle seine Ehefrau und tötete dann seinen dreijährigen Sohn und seine einjährige Tochter mit einem Dolch. Er brachte sich daraus selbst mehrere Stiche in den Unterarm mit einem Taschenmesser bei. Die Tal wurde erst am Freitagnachmittag entdeckt. Räch Aeußerun- gen, die die Frau einige Tage vor der Tot gegenüber anderen Personen gemacht hatte, geht hervor, daß die Bluttat im Einverständnis erfolgt ist. Kuhle gibt an, daß er die Tat aus wirk- s ch a s t l i ch e r Rot begangen habe. Hamburg, 3. Zuni. Am Freitagnachmittag sprang die 37jährige Ehefrau Karoline Aspiron zusammen mit ihren neun und sechs Iahre alten Knaben aus ihrer im vierten Stockwerk gelegenen Wohnung aus die Straße. Die Frau und der älteste Knabe waren sofort tot. An dem Auskommen des Sechsjährigen muß gezweifelt werden. Räch einem Brief ersolgtc die Verzweiflungstat wegen un- glücklicher Familienverhältnisse. Billiger Sonntag im Zoo. Am nächsten Sonntag, 5. d. M., kostet der Eintritt in den Zoologischen Garten nur S0 Ps. für Erwachsene und 2S Ps. für Kinder unter 10 Jahren: dieselbe Ermäßi- gung gilt für das Aquarium. Von 4 bis 8 Uhr spielt eine Militär- kapelle, von 8 Uhr ab das Deutsche Blasorchester, Dirigent Kapell- meister Sonntag fNotstandsorchefter des Arbeitsamts Bcrlin-Mitte). Greif zu! „Schnell erkennen, was gut ist und zugreifen" ist ein besonderer Vorzug des Berliners. Darum auch der schnelle Erfolg der" neuen„Gold Saba nach dem alten WVw* Original-Rezept! // Keine sofortige Verhaftung der Sklareks. Drei Tage Gewahrsam im Gefängnisiazarett. Zu feinem in der Abendausgabe bereits mitgeteilten Zucht. hausantrag gegen die Gebrüder Sklarek führte der Ober- staalsanwalt Zrhr. v. Steincüker in der Urteilsbegrün- dung etwa folgendes aus: Bei der Würdigung des Strafmaßes mußte der angerichtete Schaden in Höhe von 1ü Millionen Mark eine Rolle spielen. Noch schlimmer sei allerdings der moralische Schaden und die Tatsache, daß es eine Korruption in der Stadt Berlin gegeben habe. Die Schuld der Sklareks sei zweifellos größer als die der Beamten, obwohl es schon sehr schmutzig bei ihnen zugegangen sei. Der Oberstaatsanwalt erklärte, seine Aeußerung, daß Oberbürgermeister Böß und die übrigen Personen der Stadt nichts mit der strafrechtlichen Schuld zu tun hätten, sei mißverstanden worden und sollte nicht heißen, daß sie nicht auch ihre Schuld hatten. Die städtische Leitung habe wenig Finger- spitzengefühl gehabt— man könne es auch anders nennen—, als sie die Sklareks als Ehrengäste zu festlichen Gelegenheiten hinzu- zogen.„Das nenne ich Tanz ums goldene Kalb, das geschah nur, weil die Sklareks reich waren." Freiherr v. Steinäcker ging auch auf das in der Hauptoerhandlung zutage getretene Spendensystem ein. das leicht zu Mißdeutungen Anlaß geben konnte. Es sei auch nicht zu verschweigen, daß es der Dienstaufsicht durch Oberbürger- meister Böß an der nötigen Energie gefehlt habe, daß er auf der Höhe seiner Stellung in Weihrauchwolken schwebte und die nach- geordneten Stellen die Verantwortung tragen ließ, die er tragen soMe. Ferner wies der Oberstaatsanwalt darauf hin, daß sich die Sklareks auf das System Kieburg berufen hätten. Sie hätten dieses System aber längstens ausgebaut und weitergeführt. Zur Frage der mildernden Umstände betonte Oberstaatsanwalt Freiherr o. Steinocker, daß den Sklareks trotz ihrer Unbestraftheit Milde- rungsgründe versagt werden müßten, es sei eine Unmög- lichkeit, ihnen mildernde Umstände zuzubilligen, dazu seien ihre Straftaten zu skrupellos, zu gemeingefährlich und von zu langer Dauer gewesen. Auch bei den Beamten habe er lange gezögert, aber trotzdem mildernde Umstände zugebilligt. ie Nach längerer Beratung verkündete das Gericht folgenden Be- fchluh:„Der Antrag der Staatsanwaltschaft, die Angeklagten Leo und Willi Sklarek in Hast zu nehmen, wird abgelehnt, da das Gericht auch zur Zeit bei keinem der beiden Angeklagten Fluchtverdacht für begründet erachtet. Die Angeklagten Leo und Willi Sklarek werden bis zum nächsten Verhandlungstermin am Montag, dem S. Juni, zur Aufrechterhaltung ihrer Verhandlungs- fähigkeil in Gewahrsam genommen und in das Lazarett des Untersuchungsgefängnis gelegt." Leo Sklarek beleitete die Ausführungen dez Vorsitzenden mit unartikulierten Zwischenrufen und Schluchzen, aus dem nur mehrmals die Worte:„O Gott, o Gott, das ist ja furchtbar, das ist ja nicht möglich", herauszuhören waren. Auch Willi Sklarek bat unter Tränen den Vorsitzenden, diesen Beschluß rückgängig zu machen, und oersprach, immer pünktlich vor Gericht zu erscheinen, man möge ihn doch wus freien Fuß belassen. Der Vorsitzende erklärte aber sehr ernst, daß es bei seinem Entschluß bleibe. Willi und Leo Schlarek boten dann noch, daß man sie wenigstens unter Aufsicht mit ihren Frauen telephonieren lasse, was der Vorsitzende ihnen nicht abschlug, aber zunächst wurde die Verhandlung fort- gesetzt, nachdem sich Leo und Willi Sklarek für verhandlungssähig erklärten. Der Vorsitzende gab dann dem Geschäftsführer Dr. Kessel als Vertreter des als Nebenkläger zugelassenen Vereins gegen das Lestechungsunwesen das Wort. Der Vorsitzende setzte die Verhandlung dann bis Montag, den 6. Juni, aus, wobei er darauf hinwies, daß von der nächsten Woche, in der die Plädoyers der Verteidiger beginnen, ab viermal verhandelt werden müsse, um den Prozeß vor Beginn der Gerichts- ferien beendigen zu können. ©Sir?© Rettung. Katastreoiiaie Folgen der Krisenmaonerei.- setaiiren rar die firbeitslosen. Die ersten schwerwiegenden Folgen der krisenmacherei herben die deutschen Gemeinden zu spüren bekommen. Durch den Sturz der Regierung Brüning in einem Augenblick, da das Reich sich endlich zu einer Stübungs- aktion aufraffen wollte, ist die Gefahr des finanziellen Zusammenbruches der deutschen Kommunalver- waltungen erschreckend nahe gerückt. Im Mal sind nur noch 70 Proz. der Reichszuschüsse ausgezahlt worden und die 00 bis 70 Millionen Mark, die den Gemeinden im Juni zufliesten sollten, sind in weite Ferne gerückt. Die Finanznot der deutschen Gemeinden hat so katastrophale Ausmäste angenommen, dast es für einzelne Stadtver- waltungen nur noch eine Frage von Wochen ist, ob an die Stelle geordneter Finanzvcrhältnisse anarchische Z u st ä n d e treten sollen. Besonders verheerend wirkt sich das Ausbleiben der Reichshilfe auf die Reichshaupt- stadt aus. Berlins Zusammenbruch wird unaufhaltsam sein, wenn ma-n die Tinge so weiterlaufen lästt wie bis- her. Die neue Regierung der Herren Barone wird sich über die Folgen eines Zusammenbruches der deutschen Gemeinden klar sein müssen. Kieißige EtaisarSeit im Ziathaus. Im Haushaltsausschuß der Berliner Stadtverordneten- Versammlung sind die Beratungen des neuen Etatsentwurses gut vorwärts gekommen. Mit dem Kapitel Gesundheitsoerwallung ist man in der ersten Lesung fertig. Augenblicklich wird an den Ab- schnitten über die allgemeine Verwallung und über das Kapitel „Kapital und Schulden" oerhandelt. Am Montag wird man voraus- sichtlich mit der ersten Lesung vollkommen fertig werden. Nach einer kurzen Pause will der Ausschuß die zweite Beratung am 13. Juni aufnehmen. Die Stadtverordneten hosten, die zweite Beratung schon am 15. abschließen zu können, und der Stadtoerordnetenvorsteher plant, den abgeänderten Haushallsentwurf zur endgültigen Beschluß- fassung am 23. Juni im Stadtparlament auf die Tagesordnung zu setzen. Aufgedeckte Niefenunterschlagung. Die raffinierten Tricks eines Buchhalters. Nicht weniger als acht öahre lang, also genau von der Be- endigung der Inflation ab, hat es ein Buchhalter verslanden, seine Firma um Beträge zu prellen, deren Summe weit überl00000 Mark liegt. Bei der A.-G. für Hoch- und Tiesbau B. Wittkop in Magdeburg war seit langer Zeit der jetzt vierzigjährige Albert Becker als Buchhalter tätig. Die Interessen der Firma führten ihn oft nach Berlin, und vor allem von hier aus verstand er es, durch falsche Avertissements die Firma zu täuschen. Besonders feit .Becker als Vertreter und Geschäftsführer der Wittkop A.-G. in Berlin seinen ständigen Sitz hatte, dehnte er seine Betrügereien immer mehr aus. Durch raffinierte Buchungstricks hat er es fertiggebracht, immer größere Beträge für sich beiseite zu schaffen. Der Beschuldigte hat seine Verfehlungen in vollem Umfange eingestanden. Ueber die genaue Höhe der Unterschlagungen freilich weiß auch er keine stichhaltigen Angaben zu machen. Auch über den Verbleib der veruntreuten hohen Summen ist die Polizei noch völlig im unklaren, hier wird erst die richterliche Unter- s u ch u n g Klärung schaffen._ Ver?eh?6tmg!ück in Wilmersdorf. An der Ecke Badensche und Meeraner Straße in Wilmersdorf ereignete sich gestern abend ein schweres Verkehrs- Unglück, bei dem fünf Personen oerletzt wurden. Ein mit zwei Personen besetztes Motorrad raste mit einem Privat- a u t o zusammen. Dabei wurde das Auto gegen eine auf dem Bürgersteig stehende Zeilungsverkaufsbude geschleudert. i Die"Inhaberin des Kioskes, deren Mann und der Motorradfahrer mit seiner Begleiterin mußten durch die Feuerwehr in«t.-Norberi- Krankenhaus gebracht werden. Ein Passant, der noch von dem Auto erfaßt worden war, kam mit leichten Verletzungen davon. Typographia: Alle Sänger treffen sich am Sonntag, dem 5. Juni, um 9 Uhr. in der Dresdener Straße 22, zum 50. Verbands- jubiläum des Kollegen Nack. Welterausfichlen für Berlin. Wolkig bis Heller und kühler, später vereinzelt Schauer.— Für Deulfchlaad. Im Süden Ge- witter, im Norden und Osten veränderlich und kühler, an den Küsten vereinzelt Schauer. Parteinachrichten für Groß-Berlin eimeudungeo für viel« Rudrtt sind R lttt--a da»«ezwrsl-krttari-i «»rltn SW S«, Liadenstrah» 8. z. Hos, 2 Trevl>-a recht». ritte» Beginn aller Veranstaltnngen 10�- Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe: Arbeitsgemeinschaft sozialdemorraiischer Lehrer u. Lehrermue». Lezirkegruppe Berlin. «anna&cnb, 4. Jum, 20 lllir. Im Källaischeil Symaast««, Sas-lst-aße, Bell- »ersemuilung.„Die ichulpslitifche Lage in Braunscheieig", Reicrent öenoye Voigt-Brannschweig. Paeteimiigliedsbuch als Ausweis witbriugen. 1. Kreis. Achtung, Konsummitglieder! Alle Genossen, die von der 53. Ab. gabestelle, F-hrb-Uiner Etrage, ihre Ware beziehen, werden gebeten, am Eeniitag, 5. Juni, 9 Mi Uhr, im Lokal Dobrohlaw, Swlnemunder Str. 11, ,u erscheinen.. � 7. ttceis. Sonntag, 5. Juni, veranstaltet das Reichsbanner Schazarz-Rot-Gold auf dem Spandauer Bock ein großes republikanisches Massen. ändert. Um zahlreichen Besuch der Parteigenossen wird gebeten. Beginn 15 Uhr. Ein. tritt 50 Pf. 7. und 8. Kreis. Heute findet keine Juristische Sprechstunde statt. 33. Abt. Sonntag, 5. Juni, Wanderung nach den Naturfreundehlltten an der Großen Krampe. Treffpunkt Uhr Bahnhof Treptow, Parkseite. Un- kosten 55 Pf. IIa. Abt. Die Funktionäre holen wichtiges Material von Schneider ab. 103. Abt. Sonntag Tagesfahrt der jüngeren Parteimitglieder. Treffpunkt 7 Uhr an der Schule Hasselwerder. Ecke Berliner. Straße. 104. Abt. Sonntag Ausflug der jüngeren Parteimitglieder. Treffpunkt 7 Uhr Berliner Straße, an der Mädchenschule. 113. Abt. Die Grupvenkassierer werden gebeten,„Unser Weg" umgehend vom Genossen Groppler abzuholen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. Ritt«: Am Montag. 6. Juni, 20 Uhr, findet im Jugendheim MWUMx Elisabethkirchstraste eine llreis-lternversommlung statt. Tagesord- nung:„Unsere Ferienlager!" Alle Eltern sind berzlich eingeladen. W'lmK Ärcuzberg! Heute treffen sich die Gruppen zur Vorbesprechung her IJPiMMjl Fahrt um 18 Uhr wie folgt; Alle fiidbstlichen Heim Manteuffel- stratze. alle südwestlichen Heim Zorlkstraße. Rcukölln: Die Genpssinncn, die stch für das Nahen bereiterklärt haben, treffen sich Montag, Ig Uhr, in der Eckuie am Hergberplax.— Abt. Lichtkämpfer und Äurt Eisncr: Jung, und Rote Falken. Wir treffen uns Sonn. tag 71/3 Uhr Bahnhof Neukölln. Wir gehen nach der Känigsheide. Turnschuhs mitbringen. Abt. Köpenick: Jung- und Rate Falken treffen sich zum Lreisfviclnachmittag in Bobnsdorf Bahnhof Köpenick 14 Uhr. Schlosiplatz 14'„, Uhr. 35 Pf. und Becher sind mitzubringen., Reinickendorf: Helfer-Radfahrt an den Iledsrsee. Abfahrt Sonnabend, 4. Juni, von Wittenau. Fricdrichshain: Heute, Sonnabend, Treffen zur Areishelferfahrt nach dem Uedcrsee ILZI Uhr Ringbahnhof Landsberger Allee. Montag. 20 Uhr, Kreis- elternverfammlung im Kreisheim Mühlenftr. 50 iSchule).— Abt. Landsberger Platz: Montag. 17 Uhr, Abteilungsabend im Kreisheim Mühlenftr. 50.— Abt. Paul Singer: Dienstag, 17 Uhr, Abteilungsabenb im Kreisheim Mühlenftr. 50. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 33. Abt. Genosse Walter Würpel, Bcpmestr 2g, ist plätzlich per- storben. Ehre seinem Andenken! Einäfdierung Montag, 6. Juni, 16 Vi Uhr, im 38. Abt. Am 1. Juni verstarb im Alter von 65 Jahren unser langjähriges Mitglied Franz Bartufch, Friedenstr. 88. Ehre seinem Andenken! E:n. äscherung Montag, 6. Juni, 18 Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung wird gebeten. 120. Abt. Heute mittag 12 Uhr findet die Beerdigung des Genossen Fritz L ö f f l e r Parkstr. 18, auf dem Friedhof ll, Schönholjer Heide, Bahnhofftraße, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Krematorium Baumfchulenweg. Um rege Beteiligung wird gebeten. Oskar � Bus. ' „Ist das die Prügelpredigt?!" „Bring mich nicht aus dem Konzept, Bündrich! Also, wo war ich? Ja, daß ziemlich Böhmenknechte mit unter dem Haufen waren. Und da war einer, ein dicker, fetter, mit straft zurückgescheiteltem langem Haar, am dicken Bauch und an der wilden Gebärde genau dem Hyronimus gleichend. Einer von diesen Oberschlawinern, die aussehen, wie die ge- borenen Unruhestifter und Rebellanten. Sicher war er noch keine vierzehn Tage von der Hohen Schule herunter. Und dieser Hansdampf Borndran, der schmeißt seine Schmal, zhaare ins Genicke dahinter, fuchtelt mit dem kurzen Gearm wie bei einer Kanzelrede und schreit mit einer Pfingststimme von sieben, nicht nur von einem heiligen Geist beschattet:„Die Prälaten mögen gegen Hus sagen was sie wollen, eines müssen sie stehen lassen: Magister Jan ist ein Meister des Worts, wie es unseres Lands keinen zweiten mehr gibt!" Hört! Hört! schreien da die andern durcheinander. Ja, hört, hört! Die Steine kann der Magister heulen machen, wenn er zu predigen anhebt. Der Hus..." „Ich stifte einen Zuber Schwarzbier, wenn ich nicht eine Glatze bekomme, eh' du bei deiner Prügelpredigt bist!" „Gut, Bündrich, deine mildtätige Stiftung ist angenom- men! Aber bevor dir die Rachtluft die Platte bebläst, zunächst einmal weiter im Text! Wovon erzählte ich doch? Aha, von diesem Wortsprudler Schlawiner.„Ja", sagte er,„Freunde, hört, hört! Der Hus, der spaltet die Gewissen mit seinem ge- waltigen Wort! Der haut darauf bei Pfasfen und Laien, daß die Fetzen aus der sündigen Seele fliegen. Nicht wie eure deutschen Kapuziner, die, wenn sie auf der Kanzel stehen, ihre Handtücher schwenken und sich damit den Geiser vom Mund- eck und den Schweiß von den gedunsenen Backen wischen, die sich bei ihrer Predigt schneuzen, und die reuzen und speuzen, wie die Roßknechte bei einem Leiden-Christi-Spiel. Rein, beim Hus ist alles ehrlich, Nicht er schwitzt bei seinen Büß- predigten. Nein, seine Zuhörer schwitzen. Ihnen treibt er ob ihrer Sündenoerstrickung den Angst- und Todesschweiß aus. Alle Mittel sind ihm recht, durch die er seine Gemeinde aus dem Tal der Sünde hinauf auf die steile Höhe zu Gott führt. Alle Mittel, selbst die stärksten! Er reckt sich auf der Kanzel und tut einen Ruf: Siehe, der Papst schreibt, es gebe viele unter uns, deren Herzen der Ketzerei voll seien. Ich aber sage und danke Gott, daß ich keinen ketzerischen Böhmen kenne!" Und das ganze Volk schreit:„Er lügt! Er lügt!" Der Papst nämlich. Hus reckt sich und ruft:„Ich habe gegen die Befehle des Erzbischofs appelliert und appelliere fortan: wollt ihr euch anschließen?" Und das ganze Volk schreit:„Das wollen wirl Wir schließen uns an!" Hus reckt sich noch höher und ruft zum Schluß:„Es wäre wahrhaftig notwendig, daß wir, wie es in dem Alten Bunde durch Mosen besohlen war, uns mit dem Schwerte umgürteten und Gottes Gesetz gewappnet ver- teidigten!" Und männiglich schreit:„Jawohl, verteidigen!" und springt empor und schwingt die mitgenommenen Prügel und Knüttel." „Aha, die Prügelpredigt!" „Noch nicht. Bündrich, sie fängt erst an, die Prügel- predigt.„He, Mann des Geschreis", sagt da der Meister Burkard, ein neues Glied der Sperrkette auf dem Schnabel des Amboßes zurechthämmernd,„was machen denn deine Husleute mit den geschwungenen Prügeln und Knütteln?!" „Ha", sagt der Schlawiner, wieder sein gelbzähniges Maul aufreißend,„sie gehn, alles, was Lug und Trug ist, in Grund und Graben zu schlagen!"—„Das klingt meinen grauen Ohren schon besser!" schrest der Meister Burkard durch das Sausen des Blasebalgs und zieht einen frischen Eisenstab aus dem Feuer." „Hast du gesehen, war er gezeichnet?" „Alles in Ordnung, Bürgermeister, es war der Stadt Zeichen daran! Und dann, auf den Amboß mit diesem Stab und draus losgehauen, daß die Funken stieben und die Um- stehenden erschreckt weichen, ruft der Graubart seine Gesellen an:„He, Vitus und Adolf, wie wär's, wenn wir auch hier in Konstanz mal mit solch einer saftigen Predigt begönnen?!" Und der Adolf, der Schafheitlin, ihr müßt ihn kennen, er hat im Span mit den Solothurnern eine quer über die Backe be» kommen, sieht narbig aus wie eine Studentenbirne, der ist nicht faul, läßt sich nicht zweimal heißen, zieht den Blasbalg, daß die Klappen saufen und als müss' er das Hundertfache an Wind machen und schreit:„Hergehört, ihr Prügelträger! Zu- erst aus alles, was unrecht Gut sich anmaßt, was praßt und faßt und Luderleben führt, derweil der arme Teufel in Lumpen um sein bißchen Leben hungert! Auf die Köpfe geht's zuerst!" Der Meister Burkard stimmt als erster bei, lapfer sein glührot schimmerndes Eisen schlagend:„Auf die zuerst!" Und der ganze Haufen schreit nach, nicht nur die ver- schnürten Ungarn, nicht nur die strupphaarigen Böhmen, nicht nur der dicke, pflaumenlippige Prager Studente, nein, alles, was um die Schmiede steht, schreit:„Auf die zuerst! Gebt ihnen Saures! Gebt ihnen!"" „Auch die Hiesigen schrien?" „Die am allermeisten, Bürgermeister!" „Die Namen müßte man sich merken, Vogt!" Hans Hagen hebt, bös und überlegen grinsend, die messerscharfen Lippen: „Sind schon gemerkt, Bürgermeister!" „Fälbel, für mich und den Vogt noch je einen Doppel- schoppen!" „Goldkrätzer?" „Nichts andres!" „Aber der Schafheitlin gibt keine Ruh. Er läßt's nicht beim.ersten Geschnörre bewenden. Nein, er gibt beim zwecken noch viel lauter und hetziger an:„Dann auf die Sippschaft, die fromm die Augen verdreht, in härenen Kutten durch die Gassen schleicht, die ijaustürklinken putzt, in Christi Namen winseck, schnorrt und bettelt, doch abends dann daheim, hei, wie das schmort und prasselt und bratenduflig aus den Fen- stern zieht! Hernieder auf die kahlgeschornen Schädel!" Auch da stimmt der Meister Vurkard, der Schmied, bei. haut das Eisen, daß du meinst, Amboß und Hammer zerscherbe, und schreit mit seiner schrillen Fistel, die durch Mark und Bein geht:„Hernieder auf die die kahlgeschornen Schädel!" Und der ganze Haufen schreit, Ungarn und Böhmaken wild durcheinander:„Hernieder auf die glattgeschornen Schädel!"" „Wieder die Hiesigen mit?" Der Vogt hört wohlig den Strahl des Goldkrätzers in seinen Humpen laufen. „Wieder, Bürgermeister, und wieder am tollsten!" „Soweit sind wir also doch schon gekommen!" ächzt Herr Johann von Schwarzach. Aber diese betrübliche Erkenntnis hält ihn nicht ab von einem tüchtigen Humpenhub. (Fortsetzung folgt.) Durch das S-egtal. Es ist eine bekannte und erklärliche Tatsache, daß ein jeder seine Heimat in rosigem Licht sieht. Alles an ihr und in ihr ist schön und bewundernswert. Der Rheinländer lobt seinen Rhein, seine stolzen Berge, seine schönen, rebenbewachsenen, rheindurchfluteten Täler, seine alten Burgen mit chren sagenumsponnenen Geheimnissen. Der Westfale träumt selig und still von seiner roten Erde, die so starke Menschen trägt. Alle sind stolz auf ihre Heimat, preisen sie in Wort und Lied. Das Auge des Reisenden, der still beobachtend von S i e g b u r g bis Betzdorf fährt, kann sich kaum satt trinken an der schlichten Schönheit, die sich landschaftlich dem Auge bietet Wie ein silbernes Band windet sich die Sieg durch einsam-stille Täler. Trauliche Dörfer, grüne Waldhänge und blühende Baumwiesen wechseln mit- einander ab Wie in einem Filmstreifen treten immer wieder neue Bilder vor unser Blickfeld: es könnten fast die gleichen sein, aber es gibt so feine Unterschiede und die sieht nur der, der ein Auge für sogenannte„Kleinigkeiten" hat. Bald liegt der Unterschied in der Lagerung, bald am Durchflossensein von den Siegwellen: bald am Vorhandensein eines schmucken Forsthauses, bald an einem kleinen Dörfchen, das sich allerliebst in die Landschaft einschmiegt. Wenn man so manches vorbeifliegende Fleckchen erhascht, dann möchte man am liebsten die Eisenbahn verlassen und sich still an einen solch schönen Platz setzen und schauen, immer wieder nur schauen.... Im Siegtol wohnt ein prachtvoller Menschenschlag. Vielleicht fällt nirgend so wie gerade hier im Siegtal die Verbundenheit von Mensch und Natur ins Auge. Schlicht sind sie beide, wollen nicht noch außen glänzen, haben nichts, was rein äußerlich sofort ge- sangen hält. Sie besitzen eine mehr nach innen gekehrte Schönheit, die nur der erfassen und schätzen wird, dessen Augen tiefer zu sehen, dessen Ohren feiner zu hören wissen. Bad Salzuflen ruft. Die Frage nach einem geeigneten und doch wohlfeilen Kurort ist in der jetzt beginnenden Reisezeit brennend, doch es gibt in Deutschland genug Badeorte, die sich eines billigen Kuraufenthaltes rühmen. Zu ihnen gehört ohne Zweifel das vielbesuchte Bad Salzuflen im schönen Lipperlande, und niemand sollte säumen, es aufzusuchen, um mit eigenen Augen die Vorzüge seiner landschaft- lichen Lage und am eigenen Leibe die Heilkraft seiner Thermal- und Solquellen sowie seiner sonstigen Kurmittel zu erproben. Kurtaxe und Bäderpreise sind auf ein denkbar niedriges Niveau gesenkt worden, Unterkunft und Verpflegung halten sich bei aller Vorzüglich- keit in erschwinglichen Grenzen, Pauschal- und Vergünstigungskuren sowie Ermäßigungen für Minderbemittelte kommen zeitgemäß allen berechtigten Wünschen entgegen. Dabei bietet Bad Salzuflen außer seinen wunderwirkenden Heilquellen alles, was der Zerstreuung und Unterhaltung des Kurgastes dienen kann: Kur- und Militärkonzerte, Theatsr mit Schauspiel, Lustspiel und Operette, künstlerische Ver- anstaltungen anderer Art, Auftreten berühmter Sänger und Sänge- rinnen(Schlusnus, Bindernagel), Gelegenheit zu mannigfacher spart- licher Betätigung usw. Das Nordseebad Tönning hat die diesjährige Saison eröffnet. Bei vorzüglicher Unterkunft und guter Verpflegung liegen die Pensionspreise nur zwischen 3 bis ö Mark einschließlich aller Nebenkosten. Eine Kurtaxe wird nicht erhoben. Die anmutende Lage Tönnings ist alljährlich das Ziel Hunderter Erholungsuchender. Der in diesem Jahre neu herausgegebene Prospekt wird kostenlos von der Badeverwaliung abgegeben. Stahl und Moor im Taunus. Bereits im 17. Jahrhundert hob der große Mediziner Dr. Jakob Theodor aus Worms in seinem Buch„Der Wasserschatz" die Stahl- quellen, insbesondere den„Weinbrunnen" in Bad Schwalbach, und ihre Heilwirkungen hervor, so daß sich der Ruf dez Baldes schnell verbreitete. Im 19. Jahrhundert hat dann der bekannte Badearzt Dr. Fenner von Fenneberg den Ruf der nassauischen Heilquellen in allen Ländern verbreitet. Die S t a h l q u e I l e n, die zu Trink- und Badekuren verwandt werden, gehären zu den reinsten und stärksten deutschen Eisensäuerlingen. Da seit altersher die Stahlwasser bei Bluterkrankungen aller Art die heilsamst« Wir- kung haben, sind und bleiben diese die Hauptindikation von Schwal- dach, insbesondere Blutarmut, Bleichsucht, Reorganisation des Ge- fäßjystems nach Erkrankungen und dergleichen. Die starke Durch- setzung mit natürlicher Kohlensäure, die den Bädern die Bezeichnung „Champagnerbäder" gegeben hat, macht sie besonders für Herzleiden uns Blutgefäßerkrankungen wirksam. Dem Eisenmoor im Zu- sammenwirten mit den Stahlbädern dankt das Bad seinen Weltruf als Fraucnbad. Die Universitätsfrauenklinik in Frankfurt a. M. unterhält in Bad Schwalbach eine besondere Station unter Leitung von Professor Euthmann, um die guten Heilerfahrungen durch exakte wissenschaftliche Forschungen nachzuprüfen und ihre Ergebnisse in der Fachpresse der Aerzteschaft zugänglich zu machen. Im Gynä- kologischen Archiv sind bereits die ersten Arbeiten über die Wir- kungen der Moorbäder erschienen. Neben den Stahl- und Moorbädern ist es besonders das Klima mit seiner Höhenlage von 499 Meter, das die Heilwirkungen aufs günstigste beeinflußt. Das erfrischende, kräftige und doch milde Taunus kl ima, das im Hochsommer die Hitze lindert und in der Bor- und Nachsaison, namentlich im Spätsommer und Herbst, Wärme spendet, verstärkt die Bäderwirkung ganz besonders bei Herz- und Gefähkrankheiten und auch bei nervösen Beschwerden. Der preußische Staat als Besitzer des Vad«s hat mit großen Aufwendungen die Badeanlagen nach den neuesten Errungenschaf- ten der Hygiene und Technik modernisiert und, um auch den An- sprächen wohlhabende Kurgäste des In- und Auslandes zu genügen, ein großes Hotel erbaut. Trotz des hohen Kostenaufwandes für den Wiederaufbau bemüht sich die staatliche Badeverwaliung, ihre Preise der geschwächten Kaufkraft ihrer Kurgäste anzupassen. Kur- taxe uich Kurmittelpreise sind wieder bedeutend gesenkt worden. Ebenso liegen die Hotel- und Pensionspreise ganz außergewöhnlich niedrig. Denn es ist ein alter Grundsatz der staatlichen Leitung, die preußischen Staatebäder allen Volkskreisen zugänglich zu machen. Für minderbemittelte Kreise sind besondere Vergünstigungskuren ge- schaffen, die Kurtaxe, Kurmittel und Pensionspreise zu besonders niedrigen Sätzen umfassen. Hierüber erteilt die Kurdirektion nähere Auskunft(Auskunftstelle für Berlin Stresemannstr. 123, Kur- fürst LI. 1792). Bad Nauheim.„Die Stadt der wunderbaren Quellen" wird der berühmte deutsche Badeort am Fuße des Taunusgebirgss. unweit von Frankfurt am Main, genannt, dessen Heilerfolge seine Weltbedeutung für Herzkranke, Rheumatiker, von beginnender Ar- terienverkalung, Gicht, Bronchitis, Rückenmarks- und Nervenleiden Genesungsuchende schufen. Wenn der Bahnhof den Ueisenden in die anmutige Gartenstadt«ntläßt. so leuchten ihm schon die Wasser- sahnen der Hauptstrudel entgegen. Drei naturwarme, kohlensäure- reiche Kochsalzquellen schießen hier schäumend empor, umrahmt von den Laubengängen der Badehäuser, die in architektonischer wie in technischer und' hygienischer Hinsicht modern« Musterbauten sind. Die Quellen haben die zum Baden passende Wärme und lließen unter natürlichem Druck in die Wannen. Die mannigfachen Bäder- formen können, wie es der Einzelfall erfordert, abgestuft werden. Ein fesielndes Beispiel für die wunderbare Art des Zusammen- spiels von Natur, Wissenschaft, Technik und Kunst ist auch die aus- gedehnte Trinkkuranlage, in der die Wasser der sieben Trinkquellen verabreicht werden. Lad Homburg. Nach den 1931 von 12 999 Personen besuchten Ausstellungen„Mittelrheinische Landschaftsmalerei" und„Deutsche Bildniskunst von Cranach bis Dix" wurde im Goethe-Jahr eine historische Ausstellung eröffnet, die Gemälde, Zeichnungen, Stiche, Bücher und anderes vereinigt. Den besonderen Charakter dieser Schausammlung umschreibt der Katalog mit den Worten:„Die starke Vitalität der betriebsamen Handelsstadt hat der junge Goethe im„Faust" spürbar gemacht, der Gealterte hat das behäbige Dasein des altertümlichen Staatswesens in„Dichtung und Wahrheit" ge- schildert. Die Züge, die der Dichter selbst überliefert, aber auch jene, die uns durch andere historische Quellen verbürgt sind, ergeben in ihrer Verbindung das Bild der Stadt, wie es der junge Goethe wirtlich vor Augen hatte. Die Ausstellung erhielt wertvolle Lech- gaben von den Goethe-Museen in Frankfurt und Weimar, ferner von den Galerien in Kassel, Danzig und Dessau. Sie steht, wie die Ver- anstaltungen des Vorjahres, unter Leitung von N. v. Holst. Wer fährt mit nach Tirol? 11 Tage Aufenthalt in dem schönen Jnnstädtchen Rottenberg und zwei Tage Aufenthalt in Innsbruck. Reisebeginn am 3. Juli in München. Der Preis für die schöne Ferienfahrt beträgt einschließlich der Bahnfahrten München, Rottenberg, Innsbruck bis München, voller Verpflegung, Besichtigungen, Wanderungen und Führungen nur 8S M. Beginnt und endet die Reise in Berlin, so beträgt der Preis einschließlich aller Kosten 127 M. Auskunft gibt: R o k o s, Rottenberg-Tirol, Gasthof„Ledererbräu".(Siehe auch Inserat in der vorliegenden Ausgabe.) Slsnlcondurg»». (2cA m). mildes Gebirgsklima, gr Prelbad.— Dor Ori der Erholung! Das neue Mlnoralschlammbad für Gicht-, Rheuma- und Ischiaskranke. üsingarode-Han ISrockeiizeH.1 5GQ n>. Oer belieble billige Höbenluftkurort Schwimmbad, Qondeitelch, Tennisplatz, Pelztierfarm HARZGEROOE 1.100 m), der Höllenluftkurort des Os.harzes— Pensionspreise von RM 3.75 an— Keine Kurtaxe. Auskunlt Kurverwall. Harzgerode lZsck Lauierb�rg ttn harz Luft- und Wasser-Kurort. Naturbellbad. Vom Kneippbunde anerkannter — KNEIPP. KURORT— für Mittel- und Norddeutschland Hotol Langrohr. Toieion 404 Pension von KM 4.50 an— Garage Holet Wtosonbeitsr Teich, Teli 309 Pension von RM 4.50 an— Garage Wl£OA(4>lid»arz|»70 m. Idyll. Lage Badeteich mit Liegewiese, Pens. v. RM 3.80 an.— Auskunft: Kurver- waltung. Femspr. Walkenrled 88 Auskuniteu Werbeschrifiendutch alle Reisebüros, Kurverwaltungen u. d. 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All« anderen Völker der Erde, von den Eskimos bis zu den Kapländern, schüttelten die Köpfe so heftig zu dem Ergebnis, daß der Erdball ein wenig ins Schwanken kam, jedoch Joe Strambach ließ sich nicht einen Augenblick aus der Fassung bringen, wie er das aus seinem Beruf gewohnt war, sondern brach sofort mit halb- stündigem Denken den Weltrekord im Denken von Schwergewichtlern und produzierte folgenden Erlaß: „Vom Tage meines Regierungsantritts an bestimme ich, daß nicht nur Boxen und Angeln, Radfohren und Briefmarken- sammeln Sport sein soll, sondern jegliche Beschäftigung jedes Men- schert ist Sport: Gerichtsaktenschreiben wie Straßenbohnfahren, Zahnziehen wie chemdenwaschen, Schuhebesohlen wie Asphalt- stampfen, auch Küssen und Trinken— es soll keinerlei Tätigkeit im Lande Patria mehr geben, die nicht auf Rekord gestellt ist. Jeder Patriot muß in einem Sport Profi sein und kann sich, in so vielen anderen er will, als Amateur betätigen. Wettbewerb« mit hohen Preisen für die Gewinner hat das Ministerium des Innern anzusetzen. gez. Joe Strambach, Weltmeister im Schwergewichtsboxen und Reichspräsident. Eine Welle der Begeisterung flutete durch das ganze Land, und noch am selben Abend begann ein Training im Mkoholkonsum, daß die Wirte mtd Brauereien am nächsten Tage Joe Strambach eine Huldigungs- und Dankesadresse übermittelten. Nach wenigen Wochen war von der Wirtschaftskrise im Lande Patria nichts mehr zu verspüren. Zunächst hatten sämtliche arbeits- losen Zeichner zu tun gehabt mit Entwerfen von Abzeichen und Fahnen für die unzähligen neuen Sportvereinigungen f und nach ihnen die Abzeichen- und Fahnenfabrikanten. Aber das war wirk- lich nur erst der Beginn. Die Koufsportler und besonders die Kauf- sportlerinnen setzten mit ihrem Training ein, daß die Verkaufs- sportler kaum Schritt halten konnten. Der Sport des Schulden- bezahlens fand derart Anklang, daß es diesem schönen Sport bald an Möglichkeiten gefehlt haben würde, wenn nicht der Sport des Schuldenmachens ihm die Waage gehalten hätte. Es würde zu weit führen, auch nur annähernd all« Möglich- leiten aufzuführen, die sich aus dem segensreichen Erlaß Joe Stram- bachs ergaben; soviel sei nur gesagt: als nach halbjährigem Trai- ning die ersten Meisterschaften ausgetragen wurden, setzte bei diesen Veranstaltungen ein derartiger Zustrom des Publikums«in, daß die Regierung, die diese Wettkämpfe inszenierte, zwei Wochen später smntliche Steuern aufheben konnte, denn die Einnahnien aus diesen, ich darf wohl sagen, Volksfesten, wogen reichlich alles auf, was vorher durch Steuern erpreßt werden mußte, und— moralisch wich- tig!— es wurde gern bezahlt, denn es gab niemand, der nicht felsenfest überzeugt war: er hatte etwas für fein Geld bekoiwuen. Als gar das erste große Sechstagetrinken abgehalten wurde, schwammen sozusagen alle Patrioten in Seligkeit und Vier. Trink- meister wurde übrigens der Schriftsteller Gerhart cherrmann Star- mos, der ohne Aufsehen in einem weltcntlegenen Dörfchen, in dem er zurückgezogen lebte, still und leise vor sich hin trainiert hatte. .Nur seinen nächsten Freunden waren seine Fähigkeiten bekannt, die Welt war überrascht; aber sein schriftstellerischer Ruhm war von diesem Tage an besiegelt. Im Reichstag und im Landtag wurden künftighin Arenen auf- gebaut. Die langwierigen Reden fielen weg, die Antragsteller ver- teidigten in der Folge ihre Meinung iin Box- oder Ringkampf. Nach darauf folgendem sbalre Iremd trennte man sich im besten Ein- vernehmen. Die Ersparnisse an Tintenfässern und Stuhlbeinen waren enorm. Bald mußten alle Landtags- und Reichstagssitzungen im Sportpalast abgehalten werden, denn der Zustrom des Publikums war trog ziemlich hoher Eintrittspreise ungeheuer, und die Kassen der Regierung füllten sich so beängstigend, daß die ausgesetzten Preise für alle sportlichen Wettbewerbe verdoppelt und verdreifacht werden konnten, was wiederum seinen Anreiz auf die sportlicbenden Patrioten nicht verfehlt«. Scheinbare Mißstände regulierten sich bald von selbst. So ver- ursachten der Kinobesuchs- und der Sportveranstaltungsbesuchssport bald eine derartige Ueherfüllung der Irrenhäuser, daß Joe Strom- bach einen Augenblick ratlos war. Aber logischerweise kamen die Verrückten von selber darauf, den Irrensport zu erfinden: der Ver- rückteste bekam den Preis, und dieser Sport wurde begreiflicherweise der populärste im ganzen Land. Aber auch der Quasselsport, wie volkstümlich die sportliche Betätigung der Schauspieler und Rechtsanwälte und anderer sinnver- wandter Berufe bezeichnet wurde, erfreut« sich der größten Beliebt- heit, freilich mehr der Teilnehmer als der Zuhörer. Aber das machte nichts. Prächtige Kombinotionen ergaben sich aus dem Lesesport in Verbindung mit anderen Sportarten: Radiohören mit Geschwindig- keitslesen beispielsweise wurde vielen unentbehrlich, und ein goldenes Zeitalter brach für die Schriftsteller an, die ihrerseits heftig an Schmierfähigkeit um die Palme rangen und Wallace und die Courths-Mahler bald in den Schatten stellen konnten. Die früheren Offiziere und abgedankten Fürsten huldigten dem Kanonensport. Jeder kriegte eine Kanone für sich und alle zusammen ein weites Gelände, wo sie tagtäglich um die Wette bullerten. Da denen bekanntlich am Geld nicht viel liegt, wurden Orden und Ehren- zeichen als Preise ausgesetzt, die sie sich unter feierlichen Zeremonien gegenseitig auf die Brust hefteten, und, als die Brüste nicht mehr ausreichten, auf Schultern, Rücken und anderen Stellen anbrachten. Joe Strambach war der gefeiertste Mann auf der Welt. Daran war er von früher her gewöhnt, aber jetzt begannen sämtliche anderen Völker, die früher die Köpfe geschüttelt hatten, ihn als einen der chren zu requirieren. Die Bereinigten Staaten schlössen aus seinem Vornamen auf amerikanische Stammeszugehörigkeit, die Deutschen versicherten glaubhaft, Strambach sei ein urdeutscher Name, der alte weitbekannte Fluch„Gottstrambach!" beweise das. Andere Völker kamen mit anderen mehr oder minder stichhaltigen Argumenten, aber die Patrioten lachten nur dazu, und Joe Stram- bach blieb Präsident im Lande Patria. Klugerweise hatte er längst seine Idee in allen Kulturländern patentamtlich schützen lassen und gestattete ihren Gebrauch nur gegen hohe Lizenzgebühren. Das brachte einen neuen Goldstrom ins Land, denn die anderen Völker beeilten sich, seine Regierungsmethode auch bei sich einzuführen. Danach wurden die neu erfundenen Sportarten international— die Weltwirtschaftskrise schwand im Handumdrehen, und in unbedeutender Variierung des bekonnten Dichterwortes konnte am Joe-Strambach-Wesen endlich doch die Welt genesen... 3)ie Schlafwandler Sin �Briefwechsel Lieber Freund! Wie konnten Sie mir dieses krause Werk*) empfehlen? Ich finde keine Brücke von unserer sozialistischen Welt- anschauung zur Mystik Brochs. Gewiß, dieser Mystiker weiß alle Mittel darstellender Realistik zu handhaben. Seine Milieu- und Wirklichkeitsschilderungen sind ausgesprochen gut, jeder seiner Bände atmet das Wesen der Zeitepoche, in der er sich abspielt. Trotzdem vermag ich mir über die innersten Absichten des Autors nicht klar zu werden. Er will vermutlich den Zusammenbruch der bürgerlichen Kultur, der Kultur des 13. Jahrhunderts an drei Wendepunkten klarmachen. Aber die wirtschaftlichen, technischen und sozialen Ab- läufe werden von Broch kaum angedeutet. Das Schwergewicht seiner Kunst legt Broch auf— ich möchte e? so nennen—„seelische Querschnitte", und mündet damit schließlich im Unfaßbaren, Un- beweisbaren, im Mystischen. Die schlichten Handlungen der drei Romanbände sind kaum mehr als Vorwände: v. Pasenow, der Held des ersten Romans, ist der altpreußische Offizier, nicht etwa im Simplizissimus-Stil karikiert, sondern dargestellt mit den Vorzügen und Begrenztheiten seiner Kaste: vornehm, zum religiösen Grübeln neigend, aber dann aus der Sicherheit der Traditionen und der Uniform herausgeworfen durch das Liebeserlebnis mit einem Mädchen der Halbwelt. Schließ- lich aber landet Pafenow doch in der Ehe mit einer durchaus fym- pathifchen Standesgenossin. Dieser Ehe fehlt nur eins: die Liebe, das Wissen um mystische Verbundenheit, das den Offizier an das Mädchen der Halbwelt kettete.(Fontanes„Irrungen und Wir- runaen" fielen mir ein.) Nach diesem Kabinettstück aus dem Dreikaiserjahr bringt der zweite Band kleinbürgerliches Milieu: Der Buchhalter Esch wird plötzlich an der Gerechtigkeit der Welt irre, er beginnt allen über- *) Hermann Broch: D i e Schlafwandler. Eine Romantrilogie. Erster Roman: 1888 Pasenow ober die Romantik. Zweiter Roman: 1908 Esch oder die Anarchie. Dritter Roman: 1918 Huguenau oder die Sachlichkeit. Rhein-Verlag, Zürich. 50 Rauben wollen$uUer £rna tBüfing: In der autodurchrasten Potsdamer Straße fällt er auf, dieser Handwagen, auf dem ein eigenartiges Kastenhochhaus thront. Der Mann, der den Wagen zieht, hält behutsam an. Er öffnet kleine Türen und vier Tauben verlassen mit gravitätischen Schritten ihren Verwahrungsort. Sie stellen sich auf die geöffneten Klappen, die zu Laufbrettern geworden sind. Zwei zu zwei nehmen sie in die Schnäbel leichte, dünne Fädchen, an denen zerbrechlich zierliche Transparente schwanken. Aus dem einen steht„59 Tauben wollen Futter" und auf dem anderen.�Wir sind engagementslose Artisten". Dann wird Klappe aus Klappe geöffnet und eine schneeige Weiß« quillt hervor. 50 Tauben treten zur Vorstellung an. Sie erklettern Leitern, sie fliegen durch sich schnell drehende Reisen, sie trippeln in komischen Tanzschritten. Ihr Besitzer stand vor dem Nichts. In den vielen schlaflosen Nächten dachte er mehr als einmal beruhigt an seinen Revolver, durch den er Schluß machen konnte mit diesen elenden, zermürbenden Sorgen. Der ihm Ruhe geben konnte, Ruhe für immer und den tiefen Schlaf, aus dem es kein erschrecktes Erwachen gibt. Einen Schlaf, dessen Abschluß nicht die bange Frage bildet, ob die Wirtin heute wohl noch das Frühstück borgt? Und dann dachte er an die Tauben, die ihn, dem Menschen, als Futterquelle betrachteten, aus einer Gewöhnung heraus, die inniges Vertrauen und anschmiegsame Zutraulichkeit wurde. Er war erfüllt von dem Gedanken, daß er sich ihm ohne weiteres zu geschriebenen Worten formte. Er borgte sich einen Handwagen und dann ging er aus die Wanderschaft durcb die Millionenstadt Berlin. Er, der bekannte Artist, nahm das Gewerbe wieder auf in der Art, wie es die Vor- fahren der jetzigen fahrenden Leute betrieben. Er spielte unter freiem Himmel. ' Der Mann ging nicht auf die Höfe. Er wußte, dort ist in jeder Wohnung die Not zu Hause, und wenn die Menschen dir Münzen zuwerfen, dann geben sie übertriebene Almosen: denn sie nehmen den halben Groschen von der Miete oder von den 59 Pfennigen, die fürs Brot zurückgelegt sind. Darum sagte er auch nicht, 59 Tauben haben Hunger. Er wußte, in Hungerkrämpfen schreien in der ganzen West die Arbeitenwollenden. Im Kampfe mit dem Hunger vergeuden viele Mütter ihre Nervenkräfte, sei es in einem Industrieland, in dem die Fabrikschornsteine nicht mehr rauchen, sei es in einem Agrarland, wo man den Segen der Felder nicht ver- kaufen kann, obwohl man ihn unbedingt verkaufen muß, wenn man fein Leben fristen will. Cr sagt: 59 Tauben wollen Futter. Darin liegt die Verpflichtung sür ihn, als Besitzer, darin liegt die Bekundung, daß er entschlossen ist, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Menschen kommen aus den Hinterhäusern. Sie umstehen das elende Gefährt. Diese Menschen kennen jenes Gesühl, das be- rufen ist, den Menschen über das Tier zu erheben, sie kennen das Mitleid. Sie kennen dieses sorgende Erbarmen, geboren aus gleicher, bitterer Not. Ihr Herz schlägt sür die Tiere. Die Menschen könnten einander helfen, wenn sie es ernstlich wollten. Wenn die Armen, wenn die Gequälten sich zusammenschlössen und wie eine Mauer ständen, wenn keiner flau machte, um die Weltenwende zu er- zwingen. Aber die Tiere, die sind nicht nur dem Menschen, die sind auch seiner Not so hilflos preisgegeben. Der Mann wirft eine Taube in die Luft. Sie flattert bis zum vierten Stockwerk. Er schreit„Adolf, komm' runter. Deine Frau erwartet dich". Brav kommt der Angerufene und Adolf und seine Frau Amanda schnäbeln sich. Eine Sammelbüchse geht herum. Eine kleiner Junge trägt sie bescheiden. Der Mann wäblte keinen Teller, der wirkt verletzend, sieht dann doch der eine, was der andere gibt und die Pfennige spielen heute eine zu mörderische Rolle. Die Menschen geben ohne Aufforderung. Der Schlitz einer Sammelbüchse verrät nicht den Wert der Münze, die in ihn gesteckt wird. Sie wollen ja nicht so arm sein, daß sie nichts mehr schenken können Nichts geben können wird zur Trostlosigkeit, die Herz und Gemüt verdorren läßt. Unter diesem von der Wirtschaftsnot Aus- gepreßtsein leiden am meisten die Frauen. Die Unverzagten geben aus einem anderen Grund. Sie wollen belfen. um selbst das wohlige und frohgemut machende Gesühl der Macht zu haben. Ein Schupo wartet, bis sich keine Hand mehr nach der Sammelbüchse streckt. Dann sagt er:„Es ist genug. Mann, gehen Sie bitte weiter." Und wie zu seiner Entschuldigung fügt er hinzu:„Die Wache ist hier so nabe." „Nicht weit von hier ist der Winterfetdplatz. Da ist'ne Mast? Platz auf dem Platz selbst", läßt sich eine Stimme aus dem Menschen- wall vernebmen. Der Mann rüstet zur Abfahrt: die weiße Schönheit wird wieder verpackt. Die Abgebauten und die Frauen, die einholen wallten und sich aufhielten, sehen den Tieren sehnsüchtig noch. Sie waren für sie ein Gruß aus einer Zeit, in der man noch Geld für etwas Schönheit und Entspannung hatte. Einen Augenblick haben sie Abwechslung genassen. Aber sie haben nicht jenseits von Arbeit und Sorge die Schönheit gesehen. Sie empfanden nicht die Schönheit, die verzückt und selig macht Sie sind derart eingesperrt in die Sorgen des Tages, daß sie in der weißen, stäubenden Wolke voller Schönheit doch nur die zur Schau gestellt« Not sahen. lieferten Lehren und Wertungen, mögen sie von rechts oder links kommen, zu mißtrauen und möchte ganz aus sich heraus, d. h. aus kleinbürgerlicher Verschrobenheit und Mystik eine neue Gerechtigkeit zimmern. Hier komme ich nicht mit. Ich gebe zu, daß in den Gedankengängen dieses Esch sich viel Unbewußtes und Unter- bewußtes auftut, aber sein reales Handeln wirkt grotesk. Esch empört sich z. B. mit Recht, als sein Freund Martin, Führer strei- kender Hasenarbeiter, wegen der Exzesse anderer ungerecht drei Monate Gefängnis abbekommt. Aber wie will Esch Gerechtigkeit herstellen? Indem er den Präsidenten der bestreikten Schifsahrts- gesellschaft wegen Homosexualität dem Gerichte anzeigt. Das ist unmöglich! Es wird mir auch dadurch nicht geholfen, daß dieser Vorgang in Eschs Gehirn symbolische Bedeutung gewinnt und von Esch weder real aufgefaßt noch real ausgeführt wird, sondern daß sich diese Sllhnetat in schlafwandelnder Dämmerung abspielt. Der dritte Band„Die Sachlichkeit" behandelt dann den streng zweckmäßig handelnden Menschen unserer Epoche, der Unmoral auf Unmoral, Verbrechen aus Verbrechen häuft, sich dessen aber nicht be- wüßt wird, weil er ja zweckmäßig, nach seiner brenzten Anschauung als� richtig handelt. In diesem Band hat Broch alle Formen zer- brachen: nicht weniger als vier oder fünf Romane ranken durch- einander, die Mystik, zum Teil in Versform, zum Teil in rein philosophischen Abhandlungen eingestreut, überwuchert die Wirklich- keit, die nur noch als Dornröschenschloß aus diesem Gerank heraus- schaut. Ich halte diese schlafwandelnde Konfusion für«in gefährliches Betäubungsmittel, das unsere Kräfte lähmt, anstatt sie anzuspornen. Ihre Charlotte. Liebe Freundin! Wäre der Sozialismus eine Kirche, an Dogmen gefesselt, so müßte dieser Hermann Broch allerdings glatt verboten werden. Ich glaube auch nicht, daß man in Rußland dieses Buch gestatten wird. Auch im„Dritten Reich" dürste die Roman- trilogie schon wegen der souveränen Verachtung, mit der Broch sich über den Krieg erhebt— siehe dritter Band— wohl kaum zum Verschleiß zugelassen werden. Wir aber sind nun einmal keine Kirche, sondern eine Gemeinschaft strebender Menschen. Deshalb werden wir uns auch mit dieser Form der Dichtung auseinander- setzen müssen, und das wird wertvoller sein, als die sture Ab- lehnung des Angebots, einmal die Welt mit anderen Augen als den unseren zu sehen. Ich lasse mich sogar durch die Etikettierung Brochs als „Mystiker" nicht abschrecken. Mir scheint es immerhin wesentlich für den Mann zu sein, daß er bis in seine reifen Jahre Leiter sehr realer wirtschaftlicher Unternehmungen war und erst als Vierziger dichterisch zu schaffen begann. Ich sehe in seiner Denkart eine Art Metapsychologie, eine psychologische Tiesensorschung. Wir Hand- haben alltäglich unsere parallelen, scheinbar kausalen Gedanken- ketten. Aber unvermittelt zeigt uns Broch die Queroerbindungen, die das Unterbewußtsein.zwischen scheinbar ganz verschiedenartig« Dinge, zwischen Menschen und Sachen schlägt. Was wir von Freud her als Traumerlebnis kennen, z. B. die Ersetzung einer Person durch die andere, die beide in unserem Unterbewußtsein unter einem höheren Sammelbegriff stehen, das wird hier Roman- wirtlichkeit. Wie ist es denn mit unserer Seelenkenntnis? Was wissen wir von unseren Tiefen? Wir bilden uns ein. die Weltkugel zu kennen, und können doch höchstenfalls nur ihre Oberfläche aufzeichnen. Aber entwerfen Sie einmal einen Globus der Erde in zehn oder hundert Meilen Tiefe! Und dock scheint mir, daß wir über die Tiefen unserer Erdkugel relativ besser Bescheid wissen, als über die Tiefen der Seele. Nicht nur Forschung, auch seherisches Erlebnis führt in diese, Freud hättte uns sicherlich kein neues Gebiet erschlossen, wenn er nur ein trockener Wissenschaftler wäre. Ich fordere Sie nicht etwa auf, an die platten Albernheiten des Horoskops zu glauben oder auf die Betrügereien eines geschäfts- tüchtigen Spiritismus hereinzufallen. Ich fordere Sie aber auf, aus dem Sehen eines Dichters ein Stück Seelenkenntnis zu empfan- gen. Keine Menschenführung kann der Kenntnis der Menschenseele entraten, keine geistige Leistung von wirklichem Belang steht außer jeder Beziehung zu unserer universalen, sozialistischen Welt- anschauung' Ihr Erich Kuttner. Arabifche Sprichwörter Frage nicht nach dem Menschen, sondern nach seinen Weg- genossen: denn jeder gleicht sich seinen Kameraden an. Der Mensch ist unter den Falten seiner Zunge verborgen und nicht unter den Falten seiner schönen Kleider.' * Die Vögel gesellen sich zu ihresgleichen. Nr. 259. 49. Iahrgang 2. Sonnabend, 4. Ium 1932 Oer Bankerott der Zuckerpolitik. Was gedenkt der �eichssrnährungsminister des neuen Adelskabinetts zu tun? Der Unfug der deutschen Zuckerpolitik fängt an, derartige kota- strophale Folgen für große Teile der Landwirtschaft zu zeigen, dah hierüber die fo hochgefei'erte politische Einheit der Landwirtschaft in die Brüche zu gehen droht. Die r h e i n i s ch e n und süddeutschen Bauern haben erkannt, daß sie durch die im vorigen Jahr erfolgte Zwangskontingentierung der Zuckerrübcnanbaufläch« stark benachteiligt sind. Der Zuckerrübenbau in den bäuerlichen Gebieten hatte sich in den letzten Jahren erheblich ausgedehnt. Durch die Kontingentierung ist die Ausdehnung des bäuerlichen Rüben- anbaues nicht nur unterbunden, sondern sie ist sogar großenteils wieder ausgehoben worden. Die Interessengegensätze führten zum Krach. JniVerein der deutschen Zuckerindustrie, in dem die mittel- und norddeutschen Aktien-Zuckersabrikcn, d. h. die Großagrarier den Ton angeben, hat dessen Geschäftsführer, der ehe- malige deutschnationale Reichsfinanzininister von Schlieben, dringend zur Einigkeit gemahnt. Was in der deutschen Iuckerwirtschaft geworden ist. Im Jahre 1928 wurde der deutschen Zuckerproduktion ein abso- lut einfuhrhemmender Z o l l s ch u tz zugebilligt. Die Folge war eine starke Ausdehnung der Produktion. Da aber keine entsprechende Herabsetzung des Zuckerprsises erfolgte, stieg der Verbrauch im Inland nicht, so daß die überschüssige Produktion exportiert wurde. Die Ausfuhr war aber und ist auch jetzt nur unter großen B e r l u st en möglich, da die Weltmarktpreise weit unter den Inlandspreisen liegen, und nicht einmal die Kosten der Verarbeitung der Rüben zu Zucker decken, geschweige die Erzeugungskosten der Rüben selber. Da trotz internationaler Abkommen zur Einschrän- hing des Exports die Weltmarktpreise immer stärker zurückgingen, war die Verschleuderung deutschen Zuckers auf die Dauer nicht durchzuführen. 1931 wurde daher durch Schiele ein z w a n g s- mäßiger Zusammenschluß der Industrie vorgenomnien und die Produktion kontingentiert, in der Hoffnung, hierdurch die Erzeugung der Nachfrage anpassen zu können, ohne den Preis senken zu müssen. Diese ohne Rücksicht aus die Verbraucher erfolole„plonwirl- schaflliche" Regelung der Zuckerproduktion hat seht zu einem völligen Fiasko geführt. Di« Rübenanbaufläche ist zwar eingeschränkt. Während sie 1939 463 099 Hektar betrug, wurden 1931 nur noch 319 999 Hektar mit Zuckerrüben bestellt, und für 1932 wird die Anbaufläche aus 254 999 Hektar geschätzt. Trotz dieser Produktions- einschränkung um mehr als 49 Proz. ist keine Verringerung der Lagerbe stände möglich gewesen. Auch in diesem Jahr müssen 15 Millionen Zentner Rohzucker, die noch aus früheren Ernten lagern, mit in das neu« WirtschastsjaHr übernommen werden, und es ist auch nicht abzusehen, ob die diesjährige Produktions- einschränkung ausreichen wird, um die Vorräte aufzubrauchen. Das starre Festhalten an dem bisherigen Zuckerhöchstpreis und die Ver- doppelung der Zuckersteuer haben nämlich im Vergleich zum Vor- jähr den Zuckerabsatz um mehr als 19 Proz. zurückgehe n lassen, und bei der gesunkenen Kauskraft der Verbraucher ist mit einem weiteren Rückgang zu rechnen, wenn nicht eine Ten- k u n g der Zuckerpreise erfolgt. Die Produktionseinschräntung, die die Landwirtschast auf sich genommen hat, um die Bestände verwerten zu können, ohne den Preis senken zu müssen, ist bisher also völlig umsonst gewesen. Dennoch stehen die Großagrarier und mit ihnen der Verein der deutschen Zuckerindustrie immer noch auf dem Standpunkt, daß die bisherige Zuckerpolitik richtig sei und fortgesetzt werden müsse. Die Sozialdemokratie hat seit langem gefordert, daß die Kontingentierung der Zuckerrübenproduktion nicht dazu führen dürfe, unwirtschaftliche Fabrikationsstätten am Leben zu erhalten und die Ausbreitung des bäuerlichen Zuckerrübenbaus zu verhindern. Die Sozialdemokratie hat immer wieder die Senkung des Zuckerhöchslpreises verlangt, um durch eine VerbiiNgung des Zuckers den Verbrauch zu heben und die wirtschastlichkeit der deutschen Zuckerwirtschast zu sichern. Allmählich ist es auch anderen politischen Parteien klargeworden, daß es mit der Kontingentierung des Zuckerrübenbaus und der starren Hochhaltung der Zuckcrpreise nicht geht. So hat die Staatspnrtei gefordert, daß der Zuckcrhöchstpreis von 29,59 M. aus 15,59 M. gesenkt wird, und das Zentrum wie die B a y e- rische Volkspartei haben eine stärkere Berücksichtigung des bäuerlichen Rübenbaus verlangt. Sogar die im Verband der Kauf- rübenbauer» zusammengeschlossenen Zuckerrübenproduzenten setzen sich dafür ein, daß die Zuckersteuer- und Zuckcrprcispolitik auf die Kaufkraft der Verbraucher Rücksicht nehmen müssen. Der Er nährungsm ini st er der Landwirtschaft des neuen Adelskabinetts hat also sofort eine Aufgabe zu lösen, die sehr im Interesse der Landwirtschaft liegt. Die Wirkung der Butterzölle. Butierschwemme in Holland und Dänemark— Schädigung des deutschen Exports. 3n Holland ist soeben die Zwangsbcwirtschaslung sür Devisen beschlossen worden. Dieser für ein Land mit solchem Gold- und Devisenreichtum überraschend« Beschluß hat, wie der holländische Wirtschaftsminister vor der Kammer ausführte, den einzigen Zweck, den Außenhandel mit Deutschland zu„regulieren", d. h. die Einfuhr von Deutschland nach Holland zu drosseln. Das ist eine Folge der deutschen Butter- zollerhöhung vom Januar dieses Jahres, die der deutschen Landwirt- schaft nicht viel genützt, den deutschen Export aber jetzt schon sehr schwer geschädigt hat. Ueber die Wirkungen der Butterzollerhöhung auf die Preis- entwicklung in Deutschland und am Weltmarkt finde» wir im Mai- Heft der„Blätter für Landwirtschaftliche Markt- f o r s ch u n g" interessante Feststellungen. Die B u t t e r p r e i f e waren um die Jahreswende in der Welt auf einen feit Jahrzehnten nicht dagewesenen Tiesstand gesunken. Nach der Zollerhöhung stieg in Berlin der Butterprcis von 97 auf 135 Mark je Zentner bis Ende Februar. Diese Preissteigerung war aber nicht die unmittelbare Folge der Zollerhöhung, sondern eine Saisonerscheinung, wie sie jedes Jahr infolge der Futter- mittelknappheit und des verringerten Angebots aufzutreten pflegt. Tatsächlich sind dann auch die Berliner Butterpreise unter dem Druck steigenden Angebots und der sinkenden Nachfrage der breiten Massen, trotz der erhöhten Zölle, bis Ende Mai wieder stark, auf 199 Mark je Zentner, gesunken. Wenn die Maipreife um etwa 12 Proz. über den Januarpreisen liecjcn, dann ist das allerdings eine Auswirkung der Zollerhöhung. Die Preisentw cklung auf den Auslandsmärkten ist ver- schieden. Da die Nachfrage Deutschlands für den Wcltbuttermarkt von großer Bedeutung ist, war allgemein eine Senkung des Welt- butterpreisniocaus zu erwarten. Aber die schematische Kon- tingentierung der Einsuhr— jedes Land darf jährlich nur 5999 Tonnen zum niedrigsten Zollsag einführen; auf die Mehr- einfuhr ist in der Regel der doppelte Zoll zu zahlen— hat zu den merkwürdigsten Verschiebungen geführt. Die bishengen Hauptlieferanten müssen ihre Einfuhr erheblich einschränken, wäh- rend andere Länder, die bisher nicht 5999 Tonnen im Jahr ein- führten, von dieser Regelung profitieren. Gerade diese schematische Kontingentierung hat am meisten böses Blut erregt. Reichsbahnverkehr bleibt schlecht. Keine Eaisondelebung im April. Der Güterverkehr der Reichsbahn erreichte im Monat April einen in diesem Frühjahrsmonat bisher noch nicht gekannten Tiefstand. Die Erwartungen, daß sich endlich die saisonmäßige Verkehrsbesserung durchsetzen würde, blieben unerfüllt, und mit insgesamt 98 476 gestellten Wagen blieb die Verkehrssreguenz nahe- zu auf dem niedrigen Stande des März, während sie im Vergleich zum April 1931 um 14,8 Proz. zurückblieb. Der Personenverkehr konnte sich zwar Slnsang April durch den Osterverkehr etwas be- leben, flaute jedoch dann schnell ab. Die Betriebseinnahmen ergaben insgesamt 239,4 Mil- lionen Mark, denen Ausgaben von 398,4 Millionen Mark gegen- über stehen. Die Einnahmen blieben hinter dem Ergebnis des Vor- johres um 98 Millionen Mark zurück. Die Monatsrechnung schließt mit einer Mehrausgabe von 78 Millionen Mark ab. So ist in den Monaten Februar bis April die Einfuhr von Butter aus Dänemark von 7499 Tonnen im Jahre 1931 auf 4799 Tonnen im Jahre 1932, aus Holland von 4199 auf 1899 Tonnen, ans Finnland von 1699 auf 1199 Tonnen, aus «chweden von 2399 auf 999 Tonnen zurückgegangen. In der gleichen Zeit stieg die Einsuhr aus Lettland(von 1799 auf 2999 Tonnen), Estland(von 899 auf 1499 Tonnen), Litauen und Rußland. Die Hauptlieferantenländer haben aber für ihren»ach Deutschland ausgefallenen Export keine Ersatz Märkte finde» können. Die Folg« war, daß eine Butterschwcmnie eintrat und die Butter- preise in diesen Ländern stark fielen. Die Spanne zwischen dem Berliner Butterpreis und den Butterpreisen in diesen Ländern hat sich demzufolge stark erweitert. So st i e g d i e S p a n n e z w i s ch e n dem Berliner und dem Kopenhagener Preis— Dänemark führte 1931 das Sechsfache des Kontingents nach Deutsch- lanh aus!— von 47 Mark im Januar auf 192 Mark im Mm je Doppelzentner. Die Spanne zwischen den holländischen und den Berliner Preisen stier, in der gleichen Zeit von 5 auf 99 Mark je Doppelzentner. Aber bezeichnenderweisc ist der Unterschied zwischen den Preisen in Riga und Berlin ganz geringfügig, von 45 auf 55 Mark je Doppelzentner, gestiegen. Denn die steigende Butter- einfuhr aus Lettland— jetzt höher als die aus Holland!— hat zu steigenden Preisen am Rigaer Markt geführt, so daß das lettische Preisniveau für Butter zur Zeit das höchste der Welt ist. Daß diese aus der schematischen Kontiiigentieruna folgenden Wirkungen auf Deutschlands bisherige Hauptlieferanten oerärgernd wirken müssen, li«gt auf der Hand Gerade die am meisten benach- teiligten Länder sind aber Deutschlands beste Käufer. Im ersten Vierteljahr betrug die deutsche Aussuhr nach diesen Ländern 392 Mil- lionen Mark; das waren 61 Proz. der Ausfuhr von 1931 nach diesen Ländern zur gleichen Zeit. Die Aussuhr nach den durch die Butterzölle begünstigten Ländern machte im ersten Vierteljahr 1932— ohne Sowjetrußland, das in diesem Zusammenhang nicht zu berücksichtigen ist— 24 Millionen Mark(nur 45 Proz. der Vor- jahrsausfuhr) aus. Wenn ein Land wie Holland zu Repressalien greift, so ist das freilich auch töricht, aber man sollte auch etwas Verständnis für Holland aufbringen. Wieder 6'- Millionen Sack Kaffee vernichtet. Die aus Ria de Janeiro gemeldet wird, hat die brasilianise Regierung 6 565 641 Sack Kaffee vernichten lassen, um den aus dem Ueberschuß von Saffeevorrättn sich ergebenoen Rachteilen aus dem Dege zu gehen. 6 1.> Millionen Sack macht ungefähr aus jeden Deutschen, groß und klein, 20 Pfund Kassec, das Piersache des gesamten deutschen Jahresverbrauchs. Es lebe das kapitalistische System. Konzentration der englischen Stahlindustrie. Eine Folge der neuen Zölle? Zwischen zwei wichtigen englischen Gesellschaften der Stahl- industrie ist ein Jnteres'sengemeinschaftsvertrag zu- stunde gekommen, den man wohl als Vorstufe für die Bildung eines S t a h l t r u st s ansehen mutz. Bezeichnend ist, daß dieser Verttag über«ine„Zusammenarbeit"(d. h. also über Ausschaltung der Konkurrenz) in dem Moment abgeschlossen wird, nachdem gerade die englische Schwerindustrie den lange geforderten Z o l l s ch u tz erhalten hat. Diese konzentrationsanregende Wirkung der Zölle wird offiziell zugegeben. Es handelt sich einmal um die Stewards Lloyds Limited, eine Gesellschaft mit einem Kapital von 7,37 Millionen Pfund(bei heutigem Pfundkurs 114 Millionen Mark), die vor allem Röhren produziert und unter den Stahlproduzenten Mittel- englands führend ist. Die zweite Gesellschaft ist die United Steel Co. Limited mit einem Kapital von 6,65 Millionen Pfund(193 Millionen Mark). Sie produziert in erster Linie Eisenbahn Material; ihre Anlagen sollen zu den modernsten Englands gehören. Indufirieverbände berichten. Schuhproduktion auf 65,6 Millionen paar gesunken. Der Jahresbericht des Reichsverbandes der Deut- f ch e n Schuhindustrie stellt fest, daß im vergangenen Jahre die Ausnutzung der Leistungsfähigkeit der Betriebe auf 57,4 gegen 62,6 Proz. gesunken ist. Die Zahl der erwerbslosen Schuh- a r b e i t e r stieg im Durchschnitt von 24,1 aus 32,2 Proz, der organisierten Belegschastsmitgiieder. Die Kaufkraftschrumpfung in Deutschland hat die jährliche Produktionsmenge der Schuhindustrie von 79,6 auf 65,6 Millionen Paar verringert. Eine Gegenüberstellung mit dem guten Konjunkturjahr � 1927 zeigt, in welchem Umfange den breiten Massen die Möglichkeit genommen ist. ihren notwendigen Schuhbedarf zu decken. Zieht man von der Gesamtproduktion noch Uber 4 Millionen Paar exportierter Schuhe ab— die Einfuhr von Schuhen blieb 1931 verschwindend gering— so ergibt sich, daß im vergangenen Jahr pro Kopf der Be- völkerung nicht mehr ganz ein Paar Schuhe ver- braucht wurden, während 1927 der jährliche Schuhverbrauch pro Kops in Deutschland fast anderthalb Paar erreichte. Bern chleier Spielwarenexport. Der Reichsverband Deutscher Spielwaren- Industrieller bezeichnet die Lage dieser wichtigen Exportindu- strie nach wie vor als trostlos. Mit besonderem Nachdruck wird auf die vielfachen Exporterschwernisse in der ganzen Welt hingewiesen, die sich am schärfsten in England auswirken, wo eine Belastung von 60 bis 79 Proz. für deutsche Spielwareneinsuhr besteht. Auch die französischen Kontingentierungen haben für die Beschäftigung der Industrie schwere Folgen gehabt. Im vergangenen Jahre wurden noch Uber 15 999 Doppelzentner Spielwaren nach Frankreich ausgeführt, während das jetzige Kontingent die Exportmöglichkeiten zwangsweise aus wenig mehr als ein Drittel zurückgeschraubt hat. Da infolge der vernichteten Kaufkraft im In- land der deutsche Markt völlig versagt, ist der Wert der Gesamtproduktion im letzten Jahre bis auf etwa 199 Mil- lionen Mark gesunken, mährend noch 1927 der Produktionswcrt rund 229 Millionen Mark betrug. Belegschaftsschwund im Kessel- und Apparatebau. Der Bericht der Vereinigung der Deutschen Dampfkessel- und Apparats-Jnduftrie stellt fest, daß im letzten Jahr der Mengen- absatz von 139 999 auf 95 999 Tonnen gesunken ist. Infolge des völligen Ausfalls von Investitionen fei auf dem Inlandsmarkt der Absatz gänzlich ins Stocken geraten. Der Belegschaftsabbau hat dementsprechend einen sehr großen Umfang angenommen. So ist die Arbeiterzahl im Lause des vergangenen Jahres um 31 Proz. und die Zahl der beschäftigten Angestellten sogar um 36 Proz. ge- funken. Die Börsenhausse ist erledigt. Kräftige Befestigung be, den Bentenkurfen. Nach dem scharfen Rückschläge, den an der vorgestrigen Börse der Aktienmarkt erlitten hatte, hat sich die Beruhigung nach den Tagen der von der Spekulation in Szene gesetzten Hausse gestern weiter sortgesetzt. Die Börse bot auf dem Aktienmarkt gestern wieder ein völlig normales Bild. Zunächst eröffneten die Kurse der Standardwerte noch erheblich unter den gestrigen Sck'lußkursen. So wurden I. G. Farben nach 89X bis 88 Prozent gehandelt, konnten sich aber im weiteren Verlauf bis 89)4, erholen. Siemens u Halske befestigten sich nach schwachem Beginn gleichfalls leicht von 11614 auf 117, während Reichsbank-Anteile nach Steigerung des Kurses von 118 auf 129 bis 1 Uhr wieder auf 119 Prozent zurück- gingen. Ein sehr erfreuliches Bild bot heute der Rentcnmarkt, wo u. a. Pfandbriefe bis zu 2 Proz. im Kurse steigen konnten. In dieser Bewegung kommt am deutlichsten die völlige Beruhigung der Börse zum Ausdruck, und es bleibt nur zu hoffen, daß nicht dunkle und zweideutige Erklärungen der Regierung eine neue Unruhe erzeugen. 11 Milliarden Mark amerikanisches Defizit. Der Fehlbetrag des amerikanischen Haushalts beloust sich für die elf ersten Monate des gegenwärtigen Finanzjahres auf 2 684 959 446 Dollar oder mehr als 11 Milliarden Mark. Die Verzinsung des aus>öndischen Reichsbankkredils auf 5 Proz. herabgesetzt. Der Reichsbank ist es gelungen, bei der Erneuerung des internationalen Rediskomkredits eine Herabsetzung des bisherigen Zinsfußes von 6 auf 5 Proz. durchzusetzen. Fusion der vier Raisseiscn. Versicherungsgesellschaften. Die R e- g e n o Versicherungsgesellschaft des Rcichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genolfenschaften A.-G., die R e g e N o Lebens- versicherungsbank A.-G, die Raiffeisen Allgemeine Versicherungsgesellschaft A.-G., die Raiffeisen Lebensversicherungs dank A.-G. find zu zwei Gesellschaften fusioniert worden. Die Sachver- sicherungen werden auf die Regenn Raiffeisen Allgemeine Ver- sichcrungs A.-G., die Lebensversicherungen auf die Reaeno Roisscisen Lebensversicherungsbank A.-G. übergeführt. Die vier Gesellschaften hatten im Jahre 1931 eine Beitragscinnahme von insgesamt 9,8 Mil- lionen Mark und Schadensauszahlungen von 3,4 JRillionen Mark. Der Lebensversicherungsbestand betrug Ende des Jahres 165,5 Mil- lionen Mark. Schließung der Zigarrensabrik Henry Eloy? Wie Hanas aus Havanna meldet, soll die bekannte Zigarrenfabrik Henry Clay die Schließung ihrer Fabrik planen. Gegenwärtig seien von privater Regierungsseite Bemühungen im Gange, um diese Schließung zu vermeiden, durch die 29 999 Arbeiter brotlos würden. Mißerfolg der Rew-Zorker Oelkonserenz. Die Konferenz, die sich feit einiger Zeit mit der Stabilisierung der Petroleumweltmärkte beschäftigt, ist zu keinem Ergebnis gekommen. Wie verlautet, sinb keine weiteren Tagungen in Aussicht genommen worden Sozialistische ArbeitMlMNd Groß-Zer!m Einsendungen tür diese Änbn! nur an das Ingcnd>ketarial Berlin SW K8. Lindenstraße 2. narn 1 Treppe rechts. Arbeitsgemeinschaft Abraham: Margen Arbeitsfahrt nach Klein-Schänebeck. Tresfpunkt L Uhr Bahnhof Rahnsdorf, Ausgang. Thema:„Das ostafiatische Problcin". Die Erwerbslofen-Fra gebogen müssen, soweit bisher nicht geschehen, sofort von den Abteilungen zurürtgegeben werden. heute, Sonnabend. Ztottbusser Tor: Urbanstr. 167: Brettspielabend.— Britz: 18 Uhr Werbe- und Bildungsausschußsitzung, Aonsumkeller.— Balkan: Treffpunkt zur Fahrt 18 Uhr Bahnhof Weißcnsee.— Neukölln XI: Tresfpunkt zur Fahrt 2« Uhr Belchower Straße. Kosten 1 M. Werbebeziri Wedding: 18 Uhr Sprechstunde im Ledigenheim. Serbcbczirk Tempelhof, Aeltercngruppe: 28 Uhr pünktlich Götzstraße: „Tagespolitik"'. Erscheinen ist Pflicht.— Morgen Treffpunkt zur Fahrt 7 Uhr Bahnhof Tempelhof. Werbebezirk Reinickendorf: Gemeinsame Sitzung der SAI., Kinderfreunde, <36®., Jugendgruppen der Arbcitersportler und den Gruppen junger Partei- genossen lü>4 Uhr pünktlich im Heim Reinickendorf. Ost. Lindauer Straße, Baracke 2. Jede Organisation muß einen Vertreter entsenden.— Spieltruppe „Galgenvögel": 19'-6 Uhr Zusammenkunft im Heim Tegel, Schöneberger Str. Z. Erscheinen unbedingt Pflicht. Werbebezirk Paniow: 20 Uhr im Aonzerthauz Pankow, Marktplatz, Feier der Arbeiterwohlfahrt. Morgen, Sonntag, Treffpunkte für Fahrten. Syortplatz: 6 Uhr Bahnhof Tülonzstraße.— UaUplatz I: 6V1 Uhr Bahnhof j Schönhauser Allee.— Hasenheide: 6'� Uhr Kottdusser Tor.—«tegliZ I: 8 Uhr Rathaus. Wcrbebezirk Prenjzlauer Berg: Treffahrt nach Brieselang. Alle Gruppen treffen um 8 Uhr auf dem Äugendgelände ein, 8Va Uhr Besprechung der Wander- und Spielleiter.___ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner..Schwarz-Rot-Goid". Geschält» st flle: Berlin S. 14 Scbafticnftr 37—38 Hol 7 Ti Krouzberg: Sonntag, 5. Juni, Handbaümanns6?aft. Das Spiel findet nicht im Balkspari Rehberge, sondern im Schillerpark, Seestraße, Uhrzcit bleib: die gleiche.— Pankow(Ortsvcrcin): Sonnabend, t>,. Uhr, Treffpunkt aller Kameraden Pankc-Brückc, Schönholzer statt. Die 4. Juni, 11- Straße. Anzug: Zioil, schwarzer Binder. Beisetzung des Kameraden Fritz Löffler. Arbeiter-Samariter-Bund e. D., Äolonne Berlin. Geschäftsstelle: SRO. 43, Joftystr. 4. Telephon: E t Königstadt 5440. Montag, 6, Äaai. Bohnsdorf: Lokal Heimann, Waltersdorfer Straße 100. Kleingärtner: Geschäftsstelle, Tegeler Weg 43.— Dienstag, 7. Juni. Wilmersdorf: Lokal Mesek. Gasteiner Str. 28. Tempelhof: Lokal Lindisch. Mariendorf, Königstr. 44.— Donnerstag, 9. Juni. Wedding: Lokal Dume, Schulstr. 109. Charlottenburg: Jugendheim Rosinenstr. 4. Pankow: Montag, 13. Juni. Neukölln: Lckal Ferd. Sauer, Pannierstr. 34. Köpenick: Lokal Krüger, Schönerlinder Str. 3.— Weißensee: Lokal Bohccc!, Wilhelm f:r. �9. — Dienstag, 14. Juni. Mitte: Schule Gipsstraße.— Friedrichshain.: Lokal Busch, Dienstag, 21. Juni. Prennlauer.Berg: Schule Kastanienallee 81—83- Deutschs Gesellschaft für Pilzkunde. Pilzexkursion in die Rüdersdorier Wälder(Maipilzerrursiom Sonntag, 3. Äuni, unter Führung van Stndienrat Hennig. Treffpunkt 8� Uhr Bahnhof Friedrichshagen. Rückfahrt von Erkner. Gäste willkommen. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr. Pappelallee 13. Vortrag des Herrn Dr. F. Schiff:„Der Faschismus in der Antike". Gäste willkommen. Verband ehemaliger Polizeibeamten Preußen e. V.(Bepp), Sitz Berlin. Mit. gliederversammlung am Dienstag, 7 Juni, 20 Uhr, in der Bockorauerei, Fidicin- Maße 2—3. Ein wertvolles Äubiläumsgeschenk erhalten die Leser unserer Postbestellung aus Anlaß des öOfährigen Jubiläums des im ganzen Reich derannten Hauses Carl Wilhelm:, Bremen. Mit dem Prospekt, der dieser Postauflage beiliegt, ergeht die freundliche Einladung zur Mitfeier Die Teilnahme besteht in der Bestellung des vorzüglichen Äubiläums-Sortiments. Eine schöne und wertvolle Mesfingkassette im Werte von etwa 10 M. wird als Äubiläumsgeschenk gratis mitgeliefert. HMufic&X 144 /V> Verkauf soweit Vorrat! 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IVo»St man«tie lllucksi'? 24 IVlüNer iin Strandbad Wunnse« sind in Sorge um ihre Kinder— was fangt man mit Puppi und Peterle an, wenn man mal ein Stück hinaus. schwimmt oder sonst ein paar Stun* den Ruhe haben wilL Juvena hat auch an die vielen Mamas gedacht: Auf dem Kinderspielplatz des Strandhades behüten nette Juvena» Kindergärtnerinnen die Kleinen und Allerkleinsten, wenn die Mama sie für einige Zeit gut untergebracht wissen will Auf dem Juvena-Haus» boot gibt's Musih, Gymnastikkurse, Eisgetränke— wie immer. Besuch kostenlos für jeden Besitzer des juvena» Anzuges, der von RM 5.90 an in den großen Spezialgeschäften, Waren- u. Kaufhäusern zu haben ist : s-KiM tf■. KBSM? verHaufe Kothbcrbc jeder Art u. Größe. Riesenauswahl. Teilzahlung, tran». portable Kachelöfen, Badewanne n-Sejen, Sesselöfen. Die alte Firma Semmler u. Blenberg, Die», denerstraße 99. San >!n c?r" lAfi»Deullchen! nowitz f 7 6831 ssnd Preußischen Staatsanzei.I-—■ I Reich», get» nom 30. Mai t>. J. und in Nr.' 350 d»„- Berliner Biirfen.Zeitung� vom. ! 3l. Mai d. S. erfolgt. l Auslosungslisten sowie die für die ! fHn8L dor Piandbiies« bzw. Zertifi. täte erford-rlich-n Formulare Tiegen bei I den obigen Einlösungsstellan zur Ein. � Nchtnahms bzw. Entnahm- bereit. Berlin, den 2. Juni 1982. L, Bisenr. Tapeten Szillgi. Kolonie. streß, 9. lllSV»! W unseren wärmsten Dank. Für die Anteilnahme beim Hin» scheiden meines lisden Manne»| dankt herzitchst Minna»artteil Zablonstistraße 12 Anna omoner und Sohn. gule llWiMK MaolahaKÄÄf;; C. Röcker, Kerlin tlditBnbsrcerSttäBBSi. ROnlat1. 3381 HlBldungssiuciu, Wasens usw. IC nanmssciiineD Ben ig getrogene ifie' GrundsiUcKs- uemaiiie Pateutmalratzen „Primifsima" Me, tallbetten, Auslege- Matratzen. Walter Stargard-rstraß.«ckgrundstück gchtzeh» Kein Loden w Rudow Fturweg� Küchen lEckc Winaenwez.j 93.— bis 830,— 111,1 Quadratruten' Wetßlackschränke jgraß, graßer Obst | Fabrikneue 1_■_ Schranknäh maschl. 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