BERLIN Sonnabend 4. Zuni 1932 B 130 49. Lahrgang Erscheint tügllch außer Sonntags. Q M££ anjtigtnpeei«. stt cmfpaitijt aKiaimtitnefit so®f, Zuglci-t, Ädcad-uig-b- de-.V°rw°rti' B-jugsvrcls fir R§0/ g I Jf it t 4G Rcil-mcjcile 2.- M. Ermäßigungen«e» Tarif. D°stsidkckk°nt»: b-td' Äu tga den?s Pf vro Woche. 3.2ä M pro Moria, �." t.£// 9£.." � M m Dorwärlt-Berlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 37 sz«.- Der Verla, ttaoon S? Pf. monalttch rar Zuftellunz in« Haa«, im oorau« HA»£> gt /# JL /T/T&C/J /Tt /i L L�Tl-'OA ifl ViTf XiVTjf. dchäit«ich da« Rech» der Ablednun» aich,»cn-dmer Anj-iz-n»or! ladbar P o n d e i a g z.g? M. einschließlich«o Pf. PoNieilung«.\fK 99 �rO Si-dattlon und Errcdillonr Berlin EW K«, LindenNr z und 72 Pf. PostbefieUgebüdreiL F fM ff fternfprtdjer: Dönhoff(A 7) 292—297 Kriegserklärung Das Kabinett der Nazibarone enthüllt sich! Ein Kampf kabinett der Herren gegen das llolk! Oer Wortlaut der Kriegserklärung Das Kabinett der Barone will das Volk vor die Eni- scheidung stellen,„mit welchen Kräften es den Weg der Zukunft zu gehen gewillt ist". Die Antwort darauf lautet: Das Volk will den Weg der Zukunft nicht gehen mit den Mächten der Ver- gangenheit, nicht mit den Baronen, nicht mit dem feudalen cherrenklub und nicht mit dem Protektor dieser reaktionärsten Regierung, die Deutschland jemals gehabt hat, nicht mit Adolf Hitler! Die Masken find gefallen! Die Karten find aufgedeckt! Die Erklärung der regierenden Nazibarone ist eine einzige Kriegserklärung an das werktätige Volk. Die neue Regierung fordert die Zusammenfassung„aller aufbauwilligen und staatserhaltenden Kräfte" und schließt Das Auslöfungsdekret. Dem Reichstagspräsidenten L ö b c ist das ReichstagSauslösungsdekret gegen 1 Uhr zugegangen. Der Reichstag ist damit ausgelöst. Ter Termin für die Neuwahlen ist noch nicht sestgeseht. durch die folgenden Schimpfereien über Parlamentsdemo- kratie, Staatssozialismus, Marxismus, Atheismus, Kultur- bolfchewismus usw. alle die Kreise des Volkes von der Mit- arbeit aus, die die Republik aufgebaut und sich auf den Boden der Weimarer Verfassung gestellt haben. Diese Kräfte, die seit 1914 für die Verteidigung und die Wiederherstellung des vom Kaisertum zugrunde gerichteten Staatswesens die ungeheuersten Opfer gebracht haben, werden für nicht„aufbauwillig", nicht„staatserhaltend", nicht „national" erklärt. „Aufbauwillig",„staatserhaltend" und„national" sind dagegen d i e Leute, die Abgeordnete und Journalisten geg- nerischer Parteien niederschlagen und in den Parlamenten Saalschlachten veranstalten! Mit ihnen zusammen sollen die „unveränderlichen Grundsätze der christlichen Weltanschauung" durchgeführt werden! „Christentum der Etikette!" schrieb der Prälat K a a s dem Reichskanzler von Papen. Daß die Regierung trotzdem den Mut gefunden hat, sich für ihre schlechte Sache auf das Christentum zu berufen, müßte Staunen erregen, wenn es bei dieser Regierung überhaupt noch etwas gäbe, was Staunen erregen kann! Die Berufung auf den nationalen Gedanken und auf die christlichen Grundsätze durch diese Regierung ist der schlimmste Mißbrauch, der zu politischen Zwecken mit silt- lichen Werten getrieben werden kann. Gegen den„Wohlfahrtsstaat" predigt der re- gierende Herrenklub. Aber ist die Regierung Brüning nicht eben deshalb gestürzt worden, weil sie Wohltaten, die man von ihr forderte, verweigert hat? Weil sie den mehrfach bankerotten, mehrfach erfolglos subventionierten Großgrundbesitz des Ostens nicht weiter mit Mitteln, die den Aermsten genommen sind, über Wasser halten wollte, weil sie nicht genug Wohlfahrtsanstalt war für Junker und Barone, darum ist sie gestürzt worden! „Anpassung unseres staallichen Lebens an die Armut der Nation"— das ist dann wieder die andere Seite der Sache. Das ist die stehende Redensart aller derer, denen die Sozialoersicherung ein Dorn im Auge ist. Die neue Regierung will einen Teil der Notverord- n u n g e n. die die Regierung Brüning vorbereitet hat, in Kraft setzen. Nach dem Programm, das sie verkündet, kann man sich ungefähr vorstellen, auf welche Weise die Auswahl erfolgen wird. In einer der schwersten Stunden der vaterländischen Geschichte Übernimmt die neue Regierung ihr Amt. Das deutsche Volk steht in einer seelischen und materiellen Krise ohne Vorgang. Die Opfer, die von ihm verlangt werden, wenn der dornige Weg zur inneren und äußeren Freiheit mit Aussicht auf Erfolg gegangen werden soll, sind ungeheuer. Sie können nur er- tragen werden, wenn es gelingt, die seelischen Voraussetzungen durch eine Zusammenfassung aller aufbauwilligen und staatserhaltenden, kurzum aller nationalen Kräfte zu finden. Reichskanzler Brüning hat als erster den Mut gehabt, eine klare Bilaiz; der Lage zu fordern, in die uns in erster Linie der Versailler Vertrag und die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise wie auch die Mißwirtschaft der Parlamentsdemokratie gebracht haben. Diese Bilanz, die die heutige Regierung vorfindet, soll das deutsche Volk kennen: Die finanziellen Grundlagen des Reiches, Preußens und der Mehrzahl aller anderen Länder und Ge- meinden sind erschüttert. Keine der notwendigen grund- legenden Reformen, die Voraussetzung jeder Gesundung— Verwaltungsreform, Finanzreform, Anpassung unseres staatlichen Lebens an die Armut der Nation— ist über schwache Ansätze hinausge- kommen. Die Sozialversicherungen stehen vor dem Bankerott. Die ständig gewachsene Arbeitslosigkeit zehrt trotz allen Arbeitswillens der besten Kräfte am Marke des deutschen Volkes. Die Rachkriegsregierungen haben geglaubt, durch einen sich ständig steigernden Staatssozialismus die materiellen Sorgen dem Arbeitnehmer wie dem Arbeitgeber in weitem Maße abnehmen zu können. Sie haben den Staat zu einer Art wohlsahrlsanstalt zu machen versucht und damit die moralischen Kräfte der Nation geschwächt. Sie hoben ihm Ausgaben zuerteilt, die er seinem Wesen noch niemals erfüllen kann. Gerade hierdurch ist die Arbeitslosigkeit noch gesteigert worden. Der hieraus zwangsläufig folgenden moralischen Zennllrbung des deutschen Volkes, verschärft durch den unseligen gemeinschaftsfeindlichen Klassenkampf und vergrößert durch den K u l t u r b o l s ch e w i s m u s, der wie ein fressendes Gift die besten sittlichen Grundlagen der Nation zu vernichten droht, mutz in letzter Stunde Einhalt geboten werden. Zu tief ist schon in alle kulturellen Gebiete des öffentlichen Lebens die Zersetzung atheistisch-marxistischen Denkens einge- drungen, weil die christlichen Kräfte des Staates zu leicht z u Kompromissen bereit waren. Die Reinheit des öffentlichen Lebens kann nicht auf dem Wege der Kompromisse um der Parität willen bewahrt oder wiederhergestellt werden. Es muß eine klare Entscheidung darüber fallen, welche Kräfte gewillt sind, das neue Deutschland auf der Grundlage der unveränderlichen Grundsätze der ch r i st l i ch e n Weltanschauung aufbauen zu Helsen. Die Regierung, die in dieser Stunde, erfüllt von ihrer schweren Verantwortung vor Gott und der Notion, die Leitung der Geschicke des Landes übernimint, ist tief durchdrungen von dem Bewußtsein der Pflichten, die auf ihr liegen. Sie wird nicht zögern, den Kampf um die Erhaltung der Lebensgrundlagen des Volkes, insbesondere auch der w e r k t ä t i ge n Bevölkerung in Stadt und Land unver- zllglich aufzunehmen. Damit die Zahlungen der nächsten Tage und Wochen zur Auf- rechtcrhaltung des staatlichen Apparates geleistet werden können, ist die Regierung gezwungen, einen Teil der von der alten Regie- rung geplanten Notmaßnahmen zu erlassen. Im übrigen macht die Regierung in dieser Stunde keine Ver- sprechungen. Sie wird handeln, und man soll sie nach ihren Taten beurteilen. Auf außenpolitischem Gebiete ergeben sich die nächsten und wichtigsten Aufgaben der Reichsregierung aus den im Gange befindlichen oder bevorstehenden internationalen Verhandlungen über die großen Weltprobleme der Abrüstung, der Re- parationen und der allgemeinen Wirtschaftskrise. Bei allen diesen Problemen stehen höchste deutsche Lebensinteressen auf dem Spiele. Unser Ziel ist, in friedlichem Zusammenwirken mit den anderen Nationen unserem Vaterlande endlich volle Gleich- berechtigung, politische Freiheit und die Möglichkeit wirtschaftlicher Gesundung zu verschaffen. Rur ein gleichberechtigtes, freies und wirtschaftlich gesundes Deutschland kann zur Gesundung der Welt beitragen. Freilich können alle Bemühungen um die Wohlfahrt der Völker sich nur dann auswirken, wenn es gelingt, gleichzeitig die wirtschaftlichen Störungen auf dem Gebiete des Geld- und Kapitalverkchrs und des WarenauS- taufchcs. die gegenwärtig die Welt in Unruhe versetzen, zu beseitigen. Die Reichsregierung wird an allen Bestrebungen mitzuwirken bereit sein, die diesem Ziele dienen. Die Grundlage und Voraussetzung aber jeder wirksamen außenpolitischen Vertretung unserer nattonalen Interessen, über die es Meinungsverschiedenheiten unter Deutschen nicht gibt, ist die Herbei- führung der innenpolitischen Klarheit. Aus allen diesen Gründen hat sich der Herr Reichspräsident ent- schlössen, dem Antrage der Reichsregierung stattzugeben, den Reichstag aufzulösen. Die Nation wird vor die klare und eindeutige Ent- scheidung gestellt, mit welchen Kräften sie den Weg der Zukunft zu gehen gewillt ist. Die Regierung wird, unabhängig von Parteien, den Kamps für die seelische und wirtschaftliche Ge- sundung der Nation, für die Wiedergeburt des neuen Deutschland führen. Unter dem Dutzend platter Redensarten, die der Ver- fasssr aus der Hugenberg- und Hitler-Presse abgeschrieben bat, befindet sich natürlich auch der„g e m e i n s ch a f t s- f e i n d l ich e K l a s s e n k a m p f". Aber diese ganze Regierungserklärung ist weiter nichts als eine einzige Klaff cnkampferklä- rungvonoben. Wir setzen ihr die Klasfcnkampferklärung von unten entgegen. Der Kampf zwischen den Baronen und dem Volk muß ausgesochteu werden! Erst wenn daS hochmütige Herrentum endgültig besiegt ist. wird eine wirkliche Volksgemeinschaft möglich sein. Die Regierung, die diese(Erklärung erlassen hat. ist eine Regierung nach HitlerS Herzen. Die Barone wünschen, daß Nationalsoziali st en gewählt werden! GcbtihnendicAnt wort, die sie verdienen! Wahlen 17. Juli? Als wahrscheinlichster Wahltermin wird jetzt der 17. Juli genannt. 3>ie Sonderausgabe des„Vom&rls", die bereils geflern abend die Valfache dir ffieichstagsauilöfung rerbrcilele, rief überall flärkfles ünlereffe hervor Herriots Regierung gebildet Boncour Kriegsminister— painleve Lustfahrt— Oaladier Verkehrsminister Paris, 4. Juni. lEigenbericht.) Das Kabinett Herriot ist um Vj2 Uhr morgens gebildet worden. Herriot hat ausxcr der Ministerpräsi- dcntschaft das A u sz e n m i n i st e r i u m übernommen. Vizepräsident und Justizminister der Regierung ist der Radikale Senator Rene Renoult. Paul Boncour gehört der neuen Regierung als K r i e g s m i n i st e r an, P a i n l e b« ist Lustfahrtminister. Die Regierung setzt sich in der Hauptsache aus radikalen Ministern zusammen. Ihr gehören ferner einige Unabhängige Radikale und Sozialrepublikaner an. Die interessanteste Ernennung ist die D a l a d i e r s zum Ver- kehrsministsr. Daladier ist Führer des linken Flügels der Radika- len Partei und hat sich im Gegensatz zu Herriot stark für die Mit- arbeit der Sozialisten an der Regierung eingesetzt. Bei der Ab- stimmung über tie Antwort Herriots auf das sozialistische Pro- gramm hat er sich der Stimm« enthalten. Nachdem Daladier das Kriegsministerium abgeschlagen worden war, hatte er Herriot vor die Alternative gestellt, ihm das Verkehreministerium anzuvertrauen oder auf seine Mitarbeit zu verzichten. Wohl oder üi.«l mutzte sich Herriot fügen, um sein Amt als Ministerpräsident nicht gleich mit Differenzen in der Ravikalen Partei zu übernehmen. Die Bedeutung der Ernennung Daladiers liegt darin, datz er in zahlreichen Artikeln die Geschäftsführung der französischen Eisenbahngesellschaflen scharf kritisiert und die Annullierung des zwischen den Gesellschaften und dem Staat abgeschlossenen Vertrags zwecks Zurückkaufs der Eisen- bahnen verlangt hat. Daladier ist also Verteidiger der Verstaat- lichung der Eisenbahnen, die Herriot in seiner Antwort an die Sozialisten kategorisch abgelehnt hat. Er hat sich jedoch Herriot gegenüber verpflichten müssen, auf die Durchführung seines Planes zu verzichten. Aber er wird jedenfalls keine Maßnahmen ergreifen, die eine spätere Verstaatlichung erschweren. Die Anwesenheit Daladiers in der Regierung könnte daher zu einer Annäherung zwischen den Radikalen und Sozialisten beitragen, die vielleicht doch einmal zu einer effektiven Zusammenarbeit in der Regierung führt. Abgeordneter B o n n e t, der ursprünglich das Postministe- rium übernehmen sollte, wird Delegierter für die Lausanner Konfe- renz weiden. Das neue Kabinett wird sich am Dienstag der Kammer vorstellen. Die Wahl des radikalen Abgeordneten M i e l l e t zum ersten Vizepräsidenten der Kammer stellt eine Kundgebung gegen Tar- d i e u dar, bedeutet also, daß die Radikalen entschlosien sind, jede Zusamemnarbeit mit Tardieu und soiner Mehrheit abzulehnen. Miellet ist Abgeordneter von B e l f o r t- Stadt uird ein p e r s ö n- l i ch e r Feind T a r d i e u s, der ihn bei der Wahlkampagne im Jahrs 19Z8 öffentlich geohrfeigt hatte. Ein« zweite Niederlage erlitt Tardieu gestern dadurch, daß der Abgeordnete de Castellane, der seiner Partei angehört, nicht zum Vizepräsidenten der Kammer wiedergewählt wurde. Die neu« Regierung umfaßt 18 Minister und 11 Unterstaats- sekretäre. Fraktionsmätzig verteilen sich die Regierungsmit- glieder wie folgt: neun Radikale Abgeordnete(Herriot, Da- lädier, Chartemps, Berthod, Palmade, Dalimier, Leon Meyer, Du- rand unh Llueuille), ein Sozialrepublikaner(Painleo6), ein. rechts- stehender Sozialist(de Monzie), ein Mitglied der Radikalen Linken (Germain-Martin), ein Linksrepublikaner(Leygues). Von den fünf dem Kabinett angehörenden Senatoren sind vier bei der radikalen Stoatsfraktion eingeschrieben(Gardey, Renoult, Sarraut und Godard), während Paul Boncour bei keiner Partei eingeschrieben ist. Die Unterstaatssekretariate wurden zehn Abgeordneten und einem Senator übertragen. papens Außenpolitik. Mit gedämpfter Trommeln Klang. So provokatorisch und hochnäsig der Kampf gegen das eigene Volk angesagt wird, so v o r s ich t i g u nd ab- wägend ist die Umschreibung der außenpolitischen Ziele. Hier sind die neuen Herren um so leisetreterischer, als sie wissen, daß noch nie seit den wilhelminischen Zeiten eine deutsche Regierung so feindselig und mißtrauisch in der ganzen Welt aufgenommen worden ist wie ihre eigene. In der Tat, hier wird der Versuch gemacht, das Brü- ningsche Programm aufzunehmen:„Friedliches Zusammen- wirken mit den anderen Nationen",„völlige Gleichberechti- gung"— das war nicht nur Brünings, sondern auch Hermann Müllers und Strefemanns Programm. Man könnte allenfalls bemerken, daß die früheren deutschen Regierungen, deren Außenpolitik sich auf die Sozialdemo- kratie stützten, daß Freiheitsziel des deutschen Volkes mit stärkerer Entschiedenheit verkündeten, als es die Junker zu tun wagen. Und das ist kein Zufall: denn gie Herren vom Herren- klub wissen, daß sie erst das Vertrauen der Welt erringen müssen, das ihre Vorgänger in zwölfjährigem mühevollem Ringen in weiten Kreisen des Auslandes errungen hatten. Deshalb scheuen sie nicht den Versuch, in dem gleichen Augenblick, wo sie gegen den größten Teil des eigenen Volkes in den Kampf ziehen, dem Auslande gegenüber „Volksgemeinschaft" vorzutäuschen, indem sie betonen, daß es „über u nsere nationalen Interessen Meinungsverschieden- heiten unter Deutschen nicht gibt". Was die Regierung über ihre Außenpolitik verkündet hat, läßt sich eher von uns und dem Zentrum unterschreiben als von den sogenannten„nationalen" Parteien. Denn es ist scheinbar ein Bekenntnis zur Verständigungspolitik. Aber sollte es nur ein Lippenbekenntnis sein? Und wie reimt sich dieses Programm mit der I n t e r v e n t i o n s- Politik gegen Sowjstrußland zusammen, die Herr von Papen einst im Herrenklub entwickelt hat und die wir schärf- stcns ablehnen. Mit Recht unterstreicht die Erklärung die Notwendigkeit des wirtschaftlichen Zusammenwirkens der Völker und der Beseitigung der Unruhe in der Welt. Aber abgesehen da- von, daß eine Regierung, die unter dem Kommando der o st- elbischen Großagrarier gebildet worden ist, zweisel- los auf neue Schutzzölle zusteuert und damit den internatio- nalen Wirtschaftskampf steigern wird, ist die Unruhe in der Welt durch den Sturz Brünings nur gesteigert worden. Was der Welt not tut, ist gegenseitiges Vertrauen: dieses Vertrauen besitzt die neue Regierung im eigenen Lande so wenig, daß sie den Reichstag aufgelöst hat, weil sie sogar die Aussprache im Parlament scheute; und was das Vertrauen des Auslandes betrifft,— reden wir lieber nicht darüber! Ausschluß Hörsings. Aus dem Büro des Parteivorstandes wird uns mitgeteilt: Der Parteivorstand hat Otto H ö r s i n g am Freitag, dem 3. Juni, aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands aus- geschlossen. Eiarker Auftrieb der Rentenwerte. Weggeblasene Znflations-Hausfe, normale Bewegungen auf dem Aktienmarkt. Die heutige Sonnabendbörse zeigte in ihrer Entwicklung, datz die von der Spekulation unmittelbar nach dem Antritt der neuen Regierung entfesselte Jnflatlonshausse als erledigt anzusehen ist. Nachdem bereits im Verlauf der letzten beiden Börsentage die spekulativ aufgebauten Aktienkurse scharfen Rückschlägen ausgesetzt waren und sich wieder der Bewertung der vergangenen Woche an- gepatzt hatten, erfolgten heute auf Grund der niedrigeren Kurse Deckungen, die allgemein eine leichte Befestigung der Akttenwerte mit sich brachten. Lebhafteres Geschäft entwickelte sich auf dem JG.- F a r b e n- M a r k t, wo der Kurs 9Z� gegen SOVi erreichte. Auch Siemens u. Halske konnten mit 121� gegen 118:,'4 eine mehrprozentige Kurssteigerung verzeichnen. Reichsbank wurde gegen 1 Uhr mit 121 gegen 12l)s4 gehandelt. Harpener Berg- bau, die gestern einen Sonderauftrieb erlebten, erlitten einen Rück- schlag von 46 auf 44M. Der in den Tagen der Aktienhausse durch starte Abgaben er- schlitterte Rentenmarkt hat bereits in den beiden letzten Tagen sich kräftig erholen können. Auch die heutige Tendenz war ausgesprochen fest. Besonders bemerkenswert war die kräf- lige Kurssteigerung der Berliner Goldschätze, die von 56 auf 60 Prozent anzogen. Stark begehrt war ferner Berliner Verkehrs- anleihe, die 1?4 Prozent gewinnen konnte. Starke Rachfrage herrschte auch nach R e I ch s p o st- Schätzen(Schatzanweisungen), die 87 H oeg-n 88 Prozent erreichten. L)sr„Inhaber der Immunität". Kommunisten fchühen Goebbels vor Strafe. Vor dem Landgericht III sollte heute in 2. Instanz eine Ver- Handlung gegen Goebbels wegen Beleidigung des Vize- Polizeipräsidenten Dr. Weiß stattfinden. Er war vom Schöffen- gericht und vom Landgericht II wegen dieser Beleidigung und Auf- reizung zum Klassenhatz zu 2600 Mark Geldstrafe oerurteilt worden. Das Reichsgericht hat dann das Urteil aufgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an das Landgericht III verwiesen. Da aber der Landtag gestern mit kommunistischer Hilfe das Verfahren gegen Goebbels für die Dauer der Legislaturperiode auf- gehoben hat, war das Gericht gezwungen, die Verhandlung gegen ihn bis auf weiteres zu oertagen. Der Reichstag hatte seiner- zeit Goebbels Immunität ausgehoben. Er ist aber unterdessen auch Landtagsabgeordneter geworden und steht deshalb unter dem Schutz der Kommuniste" wiever Vemzetos Athen, 4. Juni.(Eigenbericht.) Die erst am 27. Mai in den Sattel gehobene Regierung P a p a n a st a s i a ist am Freitag zurückgetreten. Der Nachfolger des zurückgetretenen Ministerpräsidenten dürft« wahrscheinlich dessen Vorgänger Lenizelos sein. Das Gonntagswetter. Wechselnd wolkig— aber wärmer! Unter dem Einfluß kühler arktischer Luflmassen, die aus dem östlichen Ostseegcbiet vorgedrungen sind und unser Gebiet bis zur Mainlinie überflutet haben, hat sich das Wetter In den letzten 24 Stunden erheblich verschlechtert. Besonders In der letzten Rächt trat merkliche Abkühlung ein. Räch einem sonnigen vormitlag bewölkte sich der Himmel ziemlich stark. Der Amtliche Wellerdienst verzeichnet für den morgigen Sonntag folgende Prognose: wechselnd wolkig, teils heiter, wieder etwas wärmer, mäßige westliche winde. Im großen und ganzen bestehen für Sonntag keinerlei Regenbefürchtungen. Ueber der Ostsee lagert eine De- pression, an deren Westseite kalte Luftmassen südwärts vordrangen. Dieser Luftkörper war jedoch verhältnismäßig trocken. Ueber Süd- deutschland prallte die kalte mit der warmen Luft zusammen und es entstand allenthalben stärkere Bewölkung, die stellenweise auch zu leichten Regenfällen geführt hat. Zur Zeit steigt der Druck über Mitteleuropa langsam aber ständig. Das deutet auf eine allgemeine Wetterbesserung hin. Da sich die Temperaturgegensätze bald aus- gleichen dürften, ist mit einer Fortsetzung der Schönwetterperiode in den nächsten Tagen zu rechnen. Verkehrsunfall am Halleschen Tor. In der Belle-Alliance-Straße dicht am Halleschen Tor ereignete sich heute mittag ein schwerer Verkehrs Unfall. Der 13 Jahre alte Radfahrer Willi Kringel aus der Iunkersftratze 20 geriet mit seinem Fahrrad unter die Räder eines Lieferautos. Schwer- verletzt wurde der junge Mann ins Urbankrankenhaus gebracht. Oas Klugunglück in Johannisthal. Temmierwerke haben die Behörden vergeblich gewarnt Das Unglück auf dem Flugplatz Johannisthal dürfte den zuständigen Behörden noch Veranlassung geben, sich mit der Frage der Zulässigkeit von Kunstflügen über bewohnten Gegenden zu beschästigen Wie man jetzt erfährt, haben sowohl die Temmler-Werke wie auch eine Filmgesellschaft, die neben dieser chemischen Fabrik am Flugplatz Johannisthal ein Atelier besitzt, wiederholt in Eingaben Einspruch gegen Kunstflüge über diesen Gebäudeanlagen erhoben, wobei darauf hingewiesen wurde, datz ein Absturz bei dieser Luftakrobatik in Anbetracht der in den be- treffenden Gebäuden beschäftigten zahlreichen Personen unüberseh- bare Folgen haben müßte. Diese Warnungen haben sich nun durch das gestrige Unglück als nur zu berechtigt herausgestellt. Von den verunglückten Arbeiterinnen ist nur noch der Zustand des Fräulein Gertrud Marx ernst, die eine schwere G e- Hirnerschütterung erlitten hat. Die übrigen befinden sich sämtlich aus dem Wege der Besserung. Blitz tötet vier Personen. Nicht unter Bäumen Schuh suchen. Sangerhausen, 4. Zuni. Bei dem gestern nachmittag niedergegangenen Gewitter wurde der bljährige Berginvalide Reinhard B o l l r a t h aus Gonna mit seinem 15jährigen Sohn Paul vom Blitz erschlagen. Sie hatten sich in der Rühe de» Ortes unter eine Buche geflüchtet, in die der Blitz einschlug. Leide waren sofort tot.— Auch in der Umgebung von Kassel wurden vier mit Zeldarbcilen beschäftigte Frauen, die unter einem Birnbaum Schuh gesucht halten, vom Blitz getroffen. Zwei Frauen wurden gelötet, eine schwer und die vierte leicht verletzt. 45 Millionen Liter Wein überflüssig. Lissabon, 4. Juni. Die portugiesischen Winzer haben die Vernichtung von über 45 Millionen Liter minderwertigen Weines beschlossen, um bessere Absatzmöglichkeiten für die guten Weinmarken zu schassen. SW Mark Strafe für den„Angriff". Nazi-Krause wieder einmal ausgeblieben. Am Sonnabend stand vor der 4. Strafkammer des Land- gerichts I die Berusungsverhandlung gegen den verantwortlichen „Angriss"-Redakteur Willi Krause wegen Beleidigung des Londtagsadgeordneten K u t t n e r an. Bon der ersten Instanz mar Krause zu 300 M. Geldstrase oerurteilt worden. Hiergegen hatten der Angeklagte, der Staatsanwalt, wie auch der als Nebenkläger zugelassene Genosse Kuttner Berufung eingelegt. Krause war wieder einmal nicht erschienen. Das Gericht ver- war! daher seine Berufung und erhöhte im übrigen auf die Berufung des Staatsanwalts und des Nebenklägers hin die Strafe von 300 auf 800 M. Maßgebend hierfür waren die zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten sowie die Schwere der Be- leidigung. Die �öhmlinge jubeln. Festlicher Empfang des Bolivianers. München, 4. Juni. Im Hauptbahnhof versammelten sich am Sonnabendfrüh einige hundert Nationalsozialisten, um den S t a b s ch e s der SA. Rohm, zu empsangen. Bei der Einfahrt des Zuges stimmten sie das Horst- Wessel-Lied an. Sodann versuchten die Nationalsozialisten einen geschlossenen Zug zum Braunen Haus zu veranstalten. Ein Ueber» fallkommando vereitelte dieses Vorhaben. Ein Nationalsozialist, der im Besitz eines Schlagringes und eines im Griff fest- stehenden Messers war, wurde, wie die Polizeidirektion mit- teilt, festgenommen. Dsr Tod durch Chlorksli. Die Sachverständigen im Gistmordprozest Guben, 4. Zum. 3m Morbprozeh Zichm wurden gestern die medizinischen Sachverständigen vernommen. Nach einigen Fragen an den Lehrer Ziehm nach den letzten Lebensminuten des unglücklichen Jungen und an Dr. Kahlisch, der noch einmal seine Tätigkeit schildert und den medizinischen Tod, d. h. das Aufhören jeglicher Herz- und Pulstätigkeil, auf 1,50 Uhr festlegt, fragt Rechtsanwalt Dr. Ebersbach: Sie haben zweimal kurz nach der Tat protokollarisch festgelegt, dah bei Ihrem Eintreffen das Kind bereits völlig bewußtlos war, wie stimmt das mit Ihrer jetzigen Aussage überein? Dr. Kahlisch bezeichnet diese Entgegnung als Wortklauberei. Darauf entsteht ein scharfer Zusammenstoh zwischen Verteidiger. Staatsanwalt und Zeugen. Landgerichts- direktor Weiß schlichtet und sagt: Ich glaube, hier liegt ein Miß- Verständnis vor. Dr. Kahlisch erklärte, daß er in der Todes- nacht nicht auf die Uhr gesehen habe. Seine Angabe, daß der Tod um 1,3S Uhr eingetreten sei, beruhe auf einen Irrtum, jetzt halte er an 1,50 Uhr fest. Der Vorsitzende verkündet den Beschluß des Gericht-, daß Herr Ziehm wegen seiner verwandtschaftlichen Ver- Hältnisse unvereidigt bleibt, womit aber nicht seine Glaubwürdig- feit angezweifelt sein würde. Frau Ziehm will 1928 oder 1929 in Kunzendorf Chlorkali gekauft haben. Der Staatsanwalt holte aber gestern die Antwort der Apothekenbesitzer ein. Niemals kaufte Frau Ziehm dort Chlorkali. Als nächster Gutachter wird Medizinalrat Dr. Barten- Guben, der die Leiche obduziert hat, vernommen. Auf den ersten Blick, so sagte er, hätte er und seine Mitarbeiter eine V e r g i f- tung mit Chlorkali angenommen. Der Befund der Leichen- teile habe dieser Annahme recht gegeben. Ein organischer Herz- fehler, von dem Frau Ziehm gesprochen habe, log keinesfalls vor. Professor Dr. Brüning. Berlin ging zunächst auf die Ver- wendung des chlorsauren Kaliums ein. Es werde als Blitzlicht, zu Sprengstoff und als Gurgelmittel verwendet. Früher, bis vor 30 Jahren etwa, sei es ein beliebtes Mittel der Medizin für innere und äußere Anwendung gewesen. Auch diesem Sachver- ständigen ist Chlorkali noch nicht als Spülmittel bekannt gewesen. Im Irrigator stellte er trotz eingehendster chemischer Untersuchung kein Chlorkali fest, dagegen Spuren von Alaun und Kleesalz. In dem Rest des Preiselbeerkompottes habe sich keine Spur von chlor- saurem Kali gefunden. Am Montag sollen der Staatsanwalt und die Verteidiger sprechen. Die Urteilsverkündung wird für Dienstag oder Mittwoch erwartet. Auch ein Todesopfer der Nazis. 68jähriger sozialdemokratischer Arbeiter. Am 5. Mai kam es, wie erinnerlich, in Oderberg in der Mark zu einem Ueberfall auswärtiger Nationalsozia- listen auf das dortige Reichsbanner- und Arbeiter- verkehrslokal. Schon damals erregte das Vorgehen der Polizei gegen die über den Ueberfall mit Recht erregten Republi- kaner Oderbergs Empörung. Obwohl einwandfrei feststand, daß die Nationalsozialisten einen organisierten Ueberfall unternahmen, wurden die verhaskelen Nationalsozialisten sämtlich freigelassen, vier republikanische Arbeiter jedoch in Haft behalten und nach Freienwalde übergeführt. Ihre Verhaftung erfolgte nicht etwa, weil Verdunkelungsgefahr bestand, denn der Sachoerhalt war ganz eindeutig geklärt, sondern wegen Fluchtverdachts! Der unter den Verhafteten befindliche 68jährige sozialdemokra» tische Arbeiter Rau erkrankte im Untersuchungsgesängnis an Kopfrose. Rechtsanwalt Joachim stellte am 27 Mai Hastent- lassungsantrag, der jedoch trotz des Hinweises auf die bestehende akute Lebensgefahr erst am 2. Juni, also erst eine Woche später, zustimmend entschieden wurde. Rau wurde am 2. Juni nachmittags entlassen und verstarb am 3. Juni frühmorgens um 8 Uhr im Kreiskrankenhaus Angermünde. Schuld am Tode unseres Genossen Rau ist die völlig unzureichende ärztliche Versorgung in der Untersuchungshast und die verspätete Enllassung aus dem Gefängnis. Wie skandalös die Zustände im Bezirk der Staatsanwalt- schaft Prenzlau sind, ist daraus zu ersehen, dah Rau trotz der großen Infektionsgefahr mit zwei anderen Gefangenen in einer Zelle lag. Rechtsanwalt Joachim hat gegen die verantwortlichen Beamten Strafantrag wegen fahrlässiger Tötung durch eine Amts- Handlung gestellt und ihre Verhaftung wegen Verdunkelungsgefahr beantragt. Außerdem ist das preußische I u st i z m i n i st e- r i u m auf diesen unglaublichen Vorfall sofort hingewiesen und um entsprechende Untersuchung, insbesondere auch der Rolle des Ober- stoatsanwalts Hardt, gebeten worden. Musikalische Selbsterziehung Gchallplattenschau „Die Journalisten" 25mal. Diese Versommerlichung Gustav Freytags, die aus einem der wenigen deutschen Lustspiele eine Operette— Musik von Mackeben— gemacht hat, hat schon das erste Jubiläum erreicht. Hilperts letzte Neueinstudierung im Deut- schen Theater hat sich als erfolgreich erwiesen. Das gute Zusammen- spiel der Truppe hat sich seit der Premiere noch oerbessert. Eine Neubesetzung ist inzwischen eingetreten: Eduard v. Winter sie in spielt jetzt den Oberst. Aber in der Hauprolle ist alles beim alten geblieben. Harald P a u l s e n trägt das Ganze mit seinem Redakteur Bolz: er erfüllt alles mit seiner Ueberlegenheit und guten Laune. Ausgezeichnet sind wieder Felix B r e s s a r t als Schmock und Camilla S p> r a als die arme Verwandte. Otto W a l l b u r g macht aus dem Piepenbrink einen gemäßigten Spezialfall seines über- sprudelnden Typs. Dr. Rudolf Broda. Professor am Antioch College, Pellow Springs, Ohio, ist nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 51 Iahren gestorben. Dr. Broda, der der Sozialdemokratischen Partei nahestand, war Herausgeber der„Dokumente des Fort- schritts" und der„Politischen Briese" sowie Präsident des„Bundes für Organisierung des Fortschritts". Für den„Vorwärts" schrieb er seit einiger Zeit Beiträge, die sich vor allem mit der sozialpolitischen Entwicklung in USA. befaßten. Sein früher Tod wird von ollen bedauert, die seinen lauteren Charakter, seine Klugheit und seine Arbeitskraft kannten. ., Sntwürse sür«eue Druik«est-ltung" zeigt>er Bucho«werb-s°al Drei- bunditrahe ö, im Juni und Juli. Die Entwutse sind dai«rgebniz von �achkursen, die die Orttgrupxe Berlin im Bildunzdvcrband im letzten Wintechalbjahie durchführte. Die Arbeiten zeigen stark betonte Berufs- sreude und hochentwickeltes Können. Die Lusstelluna ist wochentags von g bis S Uhr(Sonnabends von 9 bis 8) und an den Sonntagen: 12. Juni. 22. Juni und 10. Juli 1632, von 11 bis 2 Uhr geöffnet Sieht man von den Fanatikern des Selbstmusizierens ab— die eine notwendige Reaktion«inseitig durchführen, die sich durch Uebersteigerung eines an sich sehr richtigen Prinzips um die tiefsten musikalischen Ergebnisse bringen muffen—, dann sind sich alle an Musik überhaupt Interessierten über Wert und Bedeutung der Schall- platten völlig einig. Seltsamerweise aber entspricht die Praxis nur in den seltensten Fällen dieser Erkenntnis: die richtige Anwendung der Platte ist eine nur von sehr wenigen geübte Kunst, die der breiten Masse zu ihrem eigenen Schaden so gut wie unbekannt ge- blieben ist. Worin besteht nun diese„richtige Anwendung"? Es gibt un- zählige pädagogische Verwendungsmöglichkeiten für Schallplatten in allen Arten von Schulen und in den allerverschiedensten Lehr- fächern, vom Musikunterricht ganz zu schweigen. Von all dem aber soll und kann hier nicht die Rede sein: hier geht es um die Einstellung des Laienhörers und um seine unerläßliche Selbst- erziehung. Eine Platte ist ja im Grunde nichts anderes als Kon- zertreproduktion: hier ist also wie dort die Gefahr der Passivität gegeben, eines ZuHörens, das auf die klangsinnlichen Reize stark reagiert, ohne sich viel um das Strukturelle, Geistige zu kümmern, das oft genug das Wertvollste eines Werkes in sich birgt, zumindest aber erst den Zugang zum eigentlichen Verständnis eröffnet. Ins- besondere in der Instrumentalmusik muß man sich viel erarbeiten. Gefühlsmäßiges Aufgeschlossensein allein genügt nicht, kanrt gar nicht genügen, um die in jedem Meisterwerk vorhandene Synthese aller musikalischen Elemente, um die in ihm beschlossene architek- tonische und geistige Leistung zu erfassen. Andererseits handelt es sich durchaus nicht um eine Geheimlehre, deren Beherrschung be- sondere Begabung und langes Studieren erforderte: mit relativ ganz wenigen Elementarbegriffen vermag man sich auch so kompli- zierte Formabläufe wie die einer Sonate, einer Symphonie beut- lich zu machen. Die paar Fachausdrücke wie Allegro, Polyphonie, Canon, Coda, Fuge usw. sind rasch erklärt und rasch verstanden: arbeitet man da konsequent, so ist man bald in der Lage, das Ge- heimnis der Form und damit das Schlüsselgeheimnis der Musik zu enträtseln. Es kommt nur darauf an. daß man das überhaupt will, dah man es nicht— im irrigen Glauben etwa an die All- macht des Gefühls in der Kunst— verschmäht, vor das Genießen das Lernen zu setzen: daß man versucht, verstandesgemäß zu er- fassen, was auf diese Weise erfaßbar ist(es bleibt noch genug des gedanklicher Logik Unerreichbaren). Das alles aber kann heute ohne Kenntnis der Notenschrift, ohne eigenes Spielenkönnen an Platten erlernt werden: es geschieht nur leider viel zu selten, da die meisten Menschen sie lediglich zu Unterhaltungszwecken mißbrauchen, so daß sich das Wort Beethovens an ihnen erfüllt: Tausende hätten Ver- kehr mit der Musik und hätten ihre Offenbarung doch nicht. Gesangsplatten. E. bringt einen gedrängten, vielleicht zu gedrängten Querschnitt aus„M a h a g o n n y", von Lotte L e n j a und großem Ensemble sehr anständig reproduziert. Prachwoll singt Jan K i e p u r a(ita- lienisch allerdings) zwei Arien aus„Tos ca":„Wie sich die Bilder gleichen" und„Es blitzen die Sterne"(O.): nicht minder pracht- voll Julius P a tz a k: Arien aus„Boheme" und dem„M ä d- chen aus dem goldenen Westen"(G.). Die gleichfalls italienische Wiedergabe zweier Arien aus Verdis„Don Carlos" durch Meto Seinemeyer(P.) ist ausgezeichnet, wenn auch etwas glanzlos vielleicht. Tannhäusers Romerzählung von Heinrich Knote gesungen(O.) bleibt unter dem gewohnten Niveau des großen Sängers. Recht gut dagegen die Feuerzauberplatte des Schallplatten-Volksverbandes(Wotan: Hans Rein mar). Die fabelhafte Koloratursopranistin Adele Kern erfreut durch den vir- tuos gesungenen Frühlingsstimmenwalzer(G.). Gleichfalls auf G. singt Leo S l e z a k„Verschwiegene Liebe" und„Verborgenheit" von Hugo Wolf, die zu seinen besten Plattenleistungen gehören. Solisten. Die Ausbeute an Solistenplatten ist gering. Wir haben von einer herrlichen Hubermann-Platte zu berichten(Mazurka von Zarzcitzky, ein„spanischer Tanz" von Sarasate O.), einer prachtvollen Feuermann-Platte(Air von Bach, eine Sere- nate des unvermeidlichen Popper, P.), und zwei Klavieraufnahmen: das wäre alles. Von den Klavierplatten ist keine recht befriedigend: Wilhelm K e m p f f(G.) und Franz O s b o r n(E.)— beide spielen Bach: unklar und überpedalisiert der eine, trocken und langweilig der andere, zu gültiger Synthese dringt keiner von ihnen vor. Orchester. Die Ausbeute an Orchesterplatten ist noch geringer: das erste der„Nocturne s" von Debussy, vom Philadelphia- orchester unter Stvkowski hervorragend gespielt(E.): Ravels „Bolero" unter Leitung des Komponisten vom Pariser L a- moureux-Orchester auf zwei G.-Platten prachtvoll wieder- gegeben— das ist wieder alles. Hier sei auch noch eine gute Kam- mermusikplatte des Schallplatten-Volksverbandes erwähnt: sie um- faßt die Canzonetta aus Msndelsohns Streichquartett opus 12 so- wie das Menuett aus dem Streichquintett von Boccherini. Unkerhaliung und Tanz. Das einzige Gebiet, auf dem die Produktion nicht stockt. Eine Jack-Hilton-Platte„Am Kamin"(G.) sowie zwei Volks- verband-Schallplatten„Im Traum hast du mir alles erlaubt" und „Schenk mir einen Tango Manuela" sind recht durchschnittlich. Biel amüsanter sind Aufnahmen von Marek Weber„Frauen sind die Sterne des Lebens"(E.), von Lajos B a r a n y„Komm mit mir nach Abbazzia"(G.) und— vor allem— von Barnabas v. G e c z y „Traum einer Nacht" sowie„Es war einmal und so wird's immer sein". Wer für zwei- und vierhändiges Jazzklavierspiel schwärmt, kann sich an einem mit„Funkgyinnastik" gekoppelten von Rio Geb- Hardt nett gespielten„Blues pathetique" erfreuen(G.). Auf Parlophon spielt das Hallerreoucorchester den Barbarasong und die Moritat aus der„Dreigroschenoper": gleichfalls auf P.— eine gute Unterhaltungsplatte— Edith L o r a n d unter dem Titel „Wiener Erinnerung" ein Potpourri Wiener Melodien von den im Prater endlich wieder blühenden Bäumen bis zum Deutsch- meistermarsch. �rnolci Walter. E. Elektrola: O.=- Odeon: G.--- Grammophon: P.— Parlophon. Lebendige Werie deutscher Volkskunst. Ausstellung im Warenhaus W?rtheim. Deutsche Volkskunst ist kein historisch abgeschlossener Begriff: sie lebt vielmehr ein so intensives Leben in der Gegenwart, daß ihr Hervortreten auf Ausstellungen den Stadtbewohner in höchstem Maße erstaunen muß. Was bei dieser bäuerlichen Kunslpsleg« am wohltuendsten auffällt, ist ihr ganz naiv in der Gegenwart orien- tierter Charakter. Es ist, bis auf einige selbstverständliche Aus- nahmen, die die Werktechnik mit sich bringt, durchaus kein roman- tisches Kleben an Altertümliches, das beim Hausfleiß der Lebenden den Ton angibt. In erster Linie bestimmt das Material und seine technische Verarbeitungsweise die Form, in ebenso hohem Grade der Gebrauchszweck: an dem Spielraum, den beide lassen, und der für die dekorative, farbige, stilistische Erscheinung der Arbeiten maß- gebend wird, hat aber moderne Form in weitestem Maße Anteil. Sie wird vermittelt durch ländliche Kunsthandwerkschulen, durch allgemeine Geschmackswandlung von großen Kunststätten her. und endlich durch den eigentümlichen Kultureinsluß der Jugendbewegung. die z. B. beim Jnstrumentenbau, bei volkstümlichen Möbeln und bei bedruckter Leinwand eine starke Einwirkung gezeitigt hat. Den überzeugenden Beweis für Theorie und Praxis dieser Volkskunst bietet gegenwärtig die große Ausstellung„Volks- tun st. Haussleiß und Handwerk" im ersten Stockwerk des Warenhauses Wertheim am Leipziger Platz. Direktor Hahm von unserem V o l k s k u n d e- M u s e u m hat mit der deutschen Volkskunstkommission und verwandten Vereinen eine Fülle von Material zusammengebracht(dessen Sammlung in den Händen des besten Kenners aller Werkstätten, Hans Kaiser, lag) und musterhaft in den Räumen bei Wertheim aufgestellt. Um den großen Festsaal mit einem großartigen Aufbau der Grundidee in auserlesenen Beispielen gruppieren sich die Fachausstellungen, teilweise durch Schauwerkstätten unterstutzt, in denen gesponnen, gebastelt, gedrechselt wird. Man kann dieses Hereintragen verborgener Haustätigkeiten ins Licht moderner Ausstellung trotz ein wenig Theatralik in Kauf nehmen, da der Zweck ein sehr guter ist: besseres Zusammenkommen von Stadt und Land. Man kann fast alles vom Fleck weg kaufen und es wird ein sehr intensiver Gebrauch davon gemacht. Es ist dabei nahezu sür jeden Geschmack und für jede- Bedürfnis gesorgt, vom primitivsten bis zum rafsiniertesten. Denn es handelt sich nicht um Kunstgewerbe, sondern um Gebrauchskunst im besten Sinne. Vom Küchengerät, Hausleinwand, Bauerntöpserei und Svietoeug bis zu den bezauberndsten Gläsern und Glastierchen, zum Halb- edelsteinschmuck von Idar und ostoreußischen Bernsteinketten, bis zur neu erwachten Vorliebe für Zinnschüsseln und bastüberzogene Strohkörbe, bis zu den köstlichsten Handwebereien der Hablikschen u. a. Werkstätten, die ganz im Geist der modernsten Kunstsormen arbeiten, findet man eine Fülle des Brauchbaren und des Schönen. ?aul Ldunicit. „Charleys Tante". Oresdener Gastspiel. In der K o m i s ch e n O p e r stattet uns die Dresdener Komödie ihren Besuch ab, offenbar als Dank für die vielen Gastspielreisen, die von Berlin au« in das übrige Deutschland unternommen werden. Ob das nötig war und ob es sich lohnt, das ist eine Frage, die an- gesichts der'heutigen Theaterverhältnisse nicht gestellt werden soll. Sicherlich würden wir s« was in Berlin auch zustande bringen. Di« Renovierung dieser nun schon bejahrten Burleske, die im Grund« ein Studentenulk ist und sich für die Aufführung durch begabte Dilettanten empfiehlt, wird erreicht durch die Einschaltung von Songs und Jazzmusik und durch allerlei Varietökünste(man klettert, man hüpft und unterstreicht durch Orchesterscherze). Die leise Parodierung, die immer mal wieder durchklingt, hätte ruhig ausgedehnt und noch stärker betont werden können. Das Beste an der Ausführung ist das flotte Tempo und die Verjugendlichung. Der Verkleidungsscherz, der uns einen Studenten als brasilianische Tante beschert, wird sonst von älteren Komikern gern ausgeführt. Hier legt ihn der Direktor der Truppe, Fritz Fischer, auf hübsche und stramme Jugendlichkeit an. So sind die Mädchen über den hübschen Jungen und die Männer über das hübsche Mädchen entzückt. Erich Fiedler und Wolf K e r ste n sind seine zu jedem Ulk aufgelegten Mitstudenten. Die weiblichen Rollen sind weniger gut besetzt bis auf die wirkliche Tante, die von Karla Holm gespielt wird. Die Fröhlichkeit, die von der Tante ausging, sprang auf das Publikum über. D. Unterhaltende Kulturgeschichte. Rundfunksendung aus Stuttgart. „Täglich Gift, ein bunter Abend rund um die täglichen Gifte oder vom Tee bis zum Alkohol." Was wird das schon sein? dachte man, als man diese Ankündigung im Funkprogramm las: eine der üblichen nicht sehr schmackhaften Resterverwerwngen wahrscheinlich, die italienischen Salat vortäuschen wollen. Der skeptische Hörer wurde aus das angenehmste enttäuscht. Die kleine reizende Sendung war mit sehr viel Kultur und Geschmack zusammengestellt: sie unter- hielt auf das wirkungsvollste mit dem spielerisch graziösen Schwung ihrer Darbiewngsfolge, und der Hörer merkte dabei gar nicht, daß er gleichzeitig eine Lektion In Kulturgeschichte bekam. Dr. Carl Elwenspoek, der das wirkungsvolle Manuskript zu- sammengestellt hatte, war weislich daraus bedacht gewesen, daß nicht nur Lob, sondern auch Verdammung der täglichen Gifte gesagt und gesungen wurde. Doch olles war wohl abgemessen oerteilt: es gab kein wild lärmendes Für und Wider, das geeignet war, auch die Hörer leidenschaftlich zu erhitzen, sondern nur gut gerundete An- schauung. Der Deutschlandsender verdient Dank dafür, daß er diese ungewöhnlich hübsche Veranstaltung aus Stuttgart übernahm. _— lr. Oie Entwürfe für das Reichsehrenmal. Heute werden in den Ausstellungshallen am Lehrter Bahnhof die in dem Wettbewerb um das Reichsebrenmal bei Bad Berka eingegangenen 1828 Entwürfe der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht. Aus der großen Zahl der Einsendungen werden zunächst 153 in die engere Wahl gestellt, hiervon nach nochmaliger Ueber- Prüfung 53 Arbeiten ausgewählt, aus denen dann zuletzt die 29 besten Entwürfe gefunden und mit einem Preise ausgestattet wur- den: 29 weitere Arbeiten erhielten Anerkennungspreise. Die Eni- scheidung, welcher Entwurf nun endgültig zur Ausführung gelangen wird, steht noch aus. Den letzten Ausschlag bei der Entscheidung wird die„durch die Not der Zeit gebotene Einfachheit" geben. Die Ausstellung ist vom 5. bis 26. Juni in der Zeit von 19 bis 7 Uhr geöffnet._ Ein vermach'nls d'Alberks. Eugen dÄlbert hat der Musiksektion der Preußischen Akademie der Künste, der er als Mitglied ange- hörte, ein Legat von 159 999 Schweizer Franken vermacht. Gerhart Hauptmann ist in Berlin eingetroffen, um mit der neuen Direktion des Schiller-Theaters über die Art der Inszenierung und musikalischen Bearbeitung seiner„Veriunkenen Glocke" zu spreche». mit der die kommende SpielzeU am 1. September eröffnet wird. Tariflohn ist verboten! Mit Konventionalstrafen gegen die Rechte der Landarbeiter. Der land- und forstwirtschaftliche Arbeitgeberverband der Provinzen Ober- und Niederschlesien hatte die Großgrundbesitzer S. und I.. Kreis Kreuzburg, wegen Nicht- Zahlung einer ihnen auferlegten Konventionalstrafe ver- klagt. Die Auserlegung der Straf« erfolgt« infolge der W e i g e- r u n g der beiden Großgrundbesitzer, einem zu Beginn dieses Jahres gefaßten Beschluß des genannten Verbandes Folge zu leisten, der die Mitglieder der Belegschaft ihres Betriebes verpflichtet, einen Revers zur Unterschrift vorzulegen, wonach sie sich bereit erklärt, im Jahre 1932 zu einem vom Arbeitgeberverband noch zu diktierenden Lohnsatz zu arbeiten. Der Vertreter der beiden oerklagten Großgrundbesitzer bezeich- nete im Laufe der Verhandlung das Verlangen des Arbeitgeber- Verbandes als unmoralisch und an Erpressung grenzend. Man habe sich bemüht, die Landarbeiter durch Drohung mit dem Verlust ihrer Arbeitsstelle zu zwingen, auf das ihnen gesetzlich ge- währte Tarifrecht zu verzichten. Selbst die schwere Not- läge der landwirtschaftlichen Betriebe entschuldige das nicht. Das Gericht war jedoch anderer Meinung. Es gab dem Antrag der Kläger statt. Wir sind der Meinung, daß hier ein Fehl- urteil vorliegt. Das Vorgehen des Arbeitgeberverbandes ist nicht nur unmoralisch, es ist gesetzwidrig. Die Unternehmer sind— solange wir nicht im Dritten Reich leben— gesetzlich verpflichtet, die Löhne zu zahlen, die entweder tariflich vereinbart oder durch die ordentlichen Schlichtungsinstanzcn verbindlich festgesetzt sind. Aber es scheint, daß gewisse Richter die Ereignisse vorwegnehmen und der' Meinung sind, Tarifverträge und Schlichtungsinstanzen sind keine gesetzlichen Einrichtungen mehr. Im übrigen ist das Vorgehen des Arbeitgeberoerbandes be- zeichnend genug. Es klärt alle, die es noch nicht wissen, darüber aus, was man von einer offenen oder getarnten Naziregierung zu erwarten Hot. Einheitsfront? Wie die Wirklichkeit aussieht. Der RGO. ist die Absicht, die Mitgliederversammlung des Ver- bandes der Maler am Freitag im Gewertschaftshaus durch„revolutionären" Klamauk zu sprengen, gründlich vorbeigelungen. Alle RGO.-Anhänger unter den Mitgliedern des Verbandes der Maler waren mobil gemacht worden, um in dieser Versammlung „der korrumpierten Gewerkschaftsbürokratie", wie es gestern in der „Roten Fahne" hieß, durch einen„oppositionellen" Korreferenten gehörig die Meinung sagen zu lassen. Das Gegenteil der von der RGO. beabsichtigten Wirkung trat jedoch ein. Der Appell der RGO. hatte etwa 29„oppositionelle" Verbandsmitglieder auf die Beine gebracht, die in der etwa 499 Besucher zählenden Versamm- lung kaum zu entdecken gewesen wären, wenn sie ihre Winzigkeit nicht durch alberne Zwischenrufs enthüllt hätten. Nachdem sich für den Antrag auf Zulassung eines Korreferenten nur 19 Hände erhoben hatten, konnte der Dresdener Beoollmächigte des Malerver- bandes Genosse Schulze sein Referat über den Kamps der Ge- werkschaften gegen die Krise halten, das den Beisall der erdrücken- den Mehrheit der Versammlung fand. In der Diskussion trugen einige kommunistische Schwätzer dazu bei, der Versammlung zu dokumentieren, wie durch und durch unehrlich das kommunisti- sche Einheitsfrontgeschrei ist. Nichts konnte die Bedeutungslosigkeit der sogenannten Oppa- sition im Malerverbond besser offenbaren als diese Versammlung. Jawohl, es gibt eine Einheitsfront, in der aber die moskowitischen Spalter nichts zu bestellen haben. verlängerter Tarifvertrag. Der Reichstarisvertrag für das Rauchtabak» und Schnupftabakgewerbe ist durch Einigung der Parteien erneuert worden. Den Tabakarbeiterverbänden ist es g e l u n- gen, die Verschlechterungsbestrebungen der Unternehmer zum allergrößten Teil abzuwehren. So sind die Anträge der Fabrikanten zu den Bestimmungen über die Arbeitszeit, zur Ueberstunden-, Sonntags-, Feiertags- und Nacht- arbeit glatt unter den Tisch gefallen. Auch aus der van ihnen ge- forderten bezirklichen Lohnregelung ist nichts geworden. Es bleibt bei der zentralen Festsetzung der Zeitlöhne, die in 7 Klassen mir rund l89 Orten keinerlei Kürzung erfahren. Nur in der Sonder- klasse mußte für 8 Orte eine Kürzung des Ortszuschlags von 59 auf 49 Proz. des Reichsgrundlohnes in Kauf genommen werden. Ebenso eine Bestimmung, wonach der Urlaubslohn sür das Urlaubs- jähr 1932 mit 79 Proz. auszuzahlen ist. Mit diesen Aenderungen gilt der bisherige Reichstarisvertrag zunächst bis zum 39. April 1933. �rügelpastor Gruber. Der Mißhanvlungstheoretiker im Waldhofpro eß. Im Zvaldhosprozeß sind gestern die Masken gefallen. Der Leiter der Erziehungsanstalt lvaldhos bei T e m p l i n, Herr Pfarrer G r u b e r, hat sich als Theoretiker der Mißhandlung von Zöglingen vorgestellt, als Prügelpsarrer von reinstem Wasser. Pfarrer Gruber hat geprügelt, an dieser Tatsache ist nicht zu rütteln, er hat sich ganz bewußt über das Züchtigungsverbot des Wohlfahrtsministeriums hinweggesetzt. Er hat sich nicht entblödst, das moderne„Erziehungsbeamtentum" zu beschimpfen und dem Landesjuxendamt Politisierung der Fürsorgeerziehung vorzuwerfen. Pfarrer Gruber erklärt: Die Anstaltserziehung muß jugendgemäh und wirklichkeitsnahe sein. Die heutige Jugend spricht aber nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit den Händen. Das Hand- greifliche ist ihr ganz besonders verständlich, somit auch die Form der äußerlichen Manifestation des Protestes des Un- willens bei dem Erzieher als Reaktion auf die Verfehlung des Zöglings. Die Prügelstrafe als wohlüberlegte Exekution ist zu ver- werfen, nicht aber selbst ein noch so hartes Anfassen des Jungen als unmittelbare Antwort auf die Missetat. Es handelt sich nicht um das Was der Strafe, sondern um das W i e. Die Auswahl der Mittel kann«benfowenig festgelegt wenden wie die pädagogische Situation, in der sie angewendet werden müssen. Di« Jungen selbst wollen geschlagen werden. Es ist unmöglich, bei diesen Jungen ohne Prügel auszukommen. Das Triebhafte ihres Wesens kann nur eingedämmt werden durch körperlich bedingte Unlustgefühle. Der Erlaß gegen die Prügelstrafe war ein Fehler, denn nun wissen die Jungen, daß sie nicht geschlagen werden dürfen und reizen des- halb den Lehrer so lange, bis er sich vergißt. Diesen Standpunkt hat Pfarrer Gruber auch in ungezählten Konferenzen seinen Er- ziehern eingebläut. Die Sicherheit, mit der Pfarrer Gruber das olles vorbringt oder vielmehr vom fertigen Manuskript abliest, verläßt ihn, als Staatsanwalt und Nebenkläger von ihrem Fragerccht Gebrauch machen. Ob dieser handgreifliche Protest des Unwillens auch bei Fluchtversuchen von Zöglingen oder bei Selbstmorden angebracht gewesen sei. Nein, sagt Pfarrer Gruber. Ob die„äußerliche Moni- festation" auch durch Latten, Schuhabsätze und Holzscheite doku- mentiert werden durste. Nein, sagt Pfarrer Eruber. Ob die Dezernentin, Frau Todenhagen, und Oberniagistratsrat Knauth ihn nicht wiederholt vor dem Angeklagten Franke gewarnt und ihn in einer ganzen Anzahl von Fällen darauf aufmerksam gemacht hoben, daß geprügelt worden sei und ob er nicht versprochen habe, Abhilfe zu schassen. Nein, sagt Pfarrer Gruber. Schriftlich sei ihm ein derartiger Bescheid nie zugegangen. Höchstens habe man ihm einen kameradschaftlichen Rat gegeben. Frau Todenhagen und Dr. Knauth hatten unter ihrem Eide das Gegenteil bekundet. Als dann R.-A. Dr. Löwenthal ihm vorhalten will, daß er in soundso vielen Fällen die Zöglinge selbst geprügelt habe, und der Vorsitzende ihn darauf aufmerksam macht, daß er, sofern er sich durch eine Antwort selbst der strafbaren Handlung bezichtigen sollte, die Aus- sage verweigern dürfe, da erklärt Pastor Gruber plötzlich, er sei wegen Uebermüdung nicht mehr imstande, der Verhandlung beizu- wohnen. Infolgedessen mußte die Verhandlung abgebrochen werden. Theater der Woche. Vom 5. bis 13. Luni 1932. Volksbühne: Theater am Bütowplah: Die goldene Uhr. Staatslheater. Gtaatsoper Unter den Linden: o., 7., 12. Die si�ilianische Vesper. 6. Zigeu- nerbaron. 8., 11. Ariadne auf Naxos, 9. Eine Nacht in Venedig, 10. Masken- ball, 13. Eon fan tutte. Staatliches Schauspielhaus: Egmont, 6. Urgötz, 7., 8., 9., 10., 12. Der Liebestrank, 11., 1-3. �cvpe vom Berge. Staatliches Schiller-Theater: 3., 6., 8., 9., 11., 13. Abschied von der Liebe; 7., 10., 12 Die Räuber. Städtische Oper Eharlottcnburg: 3., 11. Die Banditen,«. Die Afrikanerin, 7. Götterdämmerung. 8. Die Entführung aus dem Serail, 9. Der Troubadour, 10. Tiefland, 12. Aida, 13. Boheme. Thealer mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Die Journalisten.— Deutsches Künstler-Theater: Die Braut von Torozko.— Theater in der Gtrefemannstratze: Harfische.— Theater des Westens: Ganovenehre.— Lnstfpiclhaus: Herkulespillen.— Komische Oper: Eharlc.'is Tante.— Leffing-Theatcr: Madonna wo bist Du?.— Theater am Nollendorfplatz: Der Stänker.— Zentral-Theater: Frauen haben das gern.— Theater in der Behrenftratze: Der Tiefstapler.— Bolks-Theater„Reue Welt": Das Dreimäderlhaus.— Kleines Theater: Der Mann, den fein Gewissen trieb. — Rofc-Theater: Weekend im Paradies.— Gartenbüdne: Zigeunerliebe.— Schloßpark Theater: Der dunkle Punkt.— Pla.ia: Die Fledermaus.— Scala, Wintergarten: Internationales Variete. Nachmittagsvorstellungen: Rofe-Theater: 3., 12. Weekend im Paradies.— Gartenbühne: Konzert und Variete.— Plaza: Die Fledermaus.— Seala: Internationales Variete.— Wintergarten: p., JL, 12. Internatronales Variete Erstaufführungen der Woche: Sonntag, Staatsoper„S i z i l i a n i f ch e Vesper".— Sonnabend, Schauspielhaus; ,.8 evg» e vom 3>erg.e�. rirnnTV�iw:»* j;-.o £ Buch Friedrich IHichael: 3)ie gut empfohlene Iran Heda, ihr Dichter und Schriftsteller, die ihr im Solde der all- gewaltigen Filmindustrie steht und nach zugkräftigen Titeln sucht — hier ist er— d e r Titel! Ein guter Titel ist bekanntlich der halbe Stöfs. Er kann unter Umständen schon der Stoff selbst sein. Ich kann mir recht gut vorstellen, daß aus obengenanntem Titel jeder halbwegs gewandte Film- oder Luftspielautor, sosern er noch im Besitze seiner Schreibmaschine ist, innerhalb vierzehn Tagen auf „Auftrag" eine brillante Komödie machen kann. Es hätte auch ein Schriftsteller mit Charme, Witz und Schmiß um diesen Titel herum einen famosen Unterholtungsroman schreiben können. Was aber der Verfasser des Romans„Die gut empfohlene Frau" (erschienen bei Rütten u. Loening Verlag, Frankfurt a. M.) Fried- r i ch Michael geliefert hat, hat mit all den guten Eigenschaften des Unterhaltungsromans gar nichts gemein. Man mag zum Unterhaltungsroman im allgemeinen stehen wie man will. Er ist ober durchaus berechtigt, wenn er tatsächlich seinen Lesern Unterhaltung bietet und sie für wenige Stunden ihre Sorgen vergessen läßt. Das gleiche gilt für dos Unterhaltungsstück und den Amüsiersllm. Boraussetzung ist und bleibt natürlich immer: G e- s ch m a ck u n d H u m o r. Es ist eine große Kunst, keine„Kunst" zu machen, denn wie gesagt— es gehören Geschmack und Hunwr dazu. Wir vermissen nur allzuoft beides. Dagegen treffen wir um so öfter auf ein federgewandtes skrupelloses Drausgehertum, das mit Fäusten„unterhaltend" auf das Publikum einhämmert. Dazu ist der Verfasser dieses Buches zu schüchtern und zu gut erzogen. Er macht diskret Unterhaltung— und vor allem mit„literarischen" Mitteln. Aengstlich zieht er sich in die Zeit von 1825 zurück und biedermeiert in parfümgeschwängerten Salons, holprigen Post- kutschen, spießbürgerlich gemütlichen Gaschöfen herum, stellt uns da ein sensationslüsternes ehebrechendes und ehemüßiges Weibchen vor, dessen eigentlichstes Geschlechtsorgan der Kops ist— sie liebt mit dem Kopf, der kein Hirn hat— oh. ob, oh! Aber erst der Don Juan, in den sie sich verliebt! Wenn man Zeit und Geld genug hat, kann man leicht ein Don Juan sein, Ueberhaupt Zeit und Geld— dieser Ueberfluß ist das bestechendste Moment in diesem Buche, dem ein netter Einfall zugrunde liegt. Nämlich der, daß ein Mann seine Frau seinem geschätzten Nachfolger auf das wärmste empfiehlt und der Nachfolger darüber in Wut gerät. Aber was dann kommt, ist ein ziel- und einfaltsloses Umherirren in Psychologie und konstruier- ten Geschehnissen. Rein, dieser Zeit und Gesellschaftsschicht kann man nur mit Ironie und Satire beikommen, sie ernst nehmen, heißt sich selber lächerlich machen. Schreibt die Komödien unserer Zeit, die voll davon ist, gerade deshalb, well sie so von Tragik erfüllt ist, Macht gute Unterhaltung, wir alle brauchen sie, macht sie aber so. daß sie auch alle erheitert und gerade die Klassen, deren Alltag so wenig von Fröhlichkeit erfüllt ist. Das wäre eine Ausgabe für einen Dichter: die Traurigsten und Bedrücktesten lachen zu machen!, h'rivclriah üchtnesear. Rundfunk am Abend Sonnabend, den 4. Juni Berlin. 16.05 Unterbaltunpskonzert. 18.00 Die Erzählung der Woche(A. Mühr). 18.23 Amerikanischer Journalismus(A.A.Sander), 18.50 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.53 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Querschnitt durch die Oper:„Sizilianische 1 esper" (Schallpl.) 19.50 Zehn Minuten Sport(H. M. krause). 20.00 Aus München: Unter'm bayerischen Himmel. 21.10 Tagesund Sportnachrichten. 21.20 Kabarett. 22.23 Metter-. Tages- und Sportnachrichten. Alte und neue Tanzweisen. K ö n i g s.w u s t e r h a u s-e n. 16.00\ erschollene Vorläufer(Prof. H. Ph. W eitz). 16,30 Aus Hamburg: Xachmittags- konzert. 17.30 Wer soll Gymnastik treiben?(Dr. Pinoff und Frl. Großmann). 17.50 Was jeder über Unfälle im Wasser wissen müßte(H. Pott). 18.10 Haithabu, die verschollene Wickiuger Stadt(Stud.-Rat E, W eher). 18.30 Der Naturalismus in der Dichtung des 19. Jahrhunderts(Dr. R. Pechel). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Englisdi für Anfänger(Stud.-Rat W. Ohse und Lektor W. Mann). 19.30„Ich glaube an Gott"(Aussprache mit Prof. Dr. A. Schweitzer). 20.00 Aus dem Kurtheater Bad Homburg: Gastspiel des Südwestfunks. 22.20 W etter-, Tagesund Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Sonnlag, den 5. Juni Berlin. 6.00 Funkgymnastik. Friihkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.13 Rückblick auf die Marktlage. 8.25 Das Schwärmen der Bienen(K. Steinmetz). 8.53 Morgenfeier. 10.03 Wettervorhersage. 11.00 Mattia Battistini (Schallpl.) 11.30 Aus Leipzig: Bachkantate. 12.10 Ausschnitt aus der Gedächtnisfeier für Geh.-Rat Prof. Kahl. 12.30 Aus Königsberg: Mittagskonzert. 14.15 Märchen(Martha John). 14.45 Kindertypen und Jugendbücher(Dr. Margot Melchior). 13.15 Nachmittagskonzert. 16.13 Ernst Wurm: Eigene Prosa. 16.40 Nachmittagskonzert. 17.50 Ein Kriminalroman wird gedreht(Th. Bormann). 18.15 Tänze und Tanzlieder aus fünf Jahrhunderten. 18.55 Wasserballspiel zwischen der Deutschen Nationalmannschaft und Berlin(Am Mikrophon: E. Schnitze). 19.25 Tagesglossen(A. Kerr). 19.50 Sportnachrichten. 20.00 „Der kleine Herzog"(Komische Oper). 22.10 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Tanzmusik. Königswusterhausen. 11.00 Wilhelm Kiefer: eigene Werke. 12.15 Aus Leipzig; Gustav Adolf(Prof. Dr. E. Brandenburg). 14.13 Heiteres von der Jagd(W. Hochgreve). 16.15 Deutsdie Landschaften(Prof. E. Banse). 18.00 Geschäftsmoral(Mehrgespräch der„Jungen Generation"). 18.40 Gedichte von Hölderlin(Vilraa Mönckeberg). 19.30 Die Idee der politischen Freiheit(Prof. Dr. R. Sattschick). Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. % Pf. durch alle„V orwärts"-Boten oder die Postanstalten. weller für Berlin: Wechselnd wolkig und wieder eiwasjvär» mer, mäßige westliche Winde.— Für Deukschland: Im Süden weiterhin warm, im nördlichen Deutschland langsame Wieder- erwärmung. nirgends Ninderfchkäge von Bedeutung. Siciftu 1 Beilag«. Staats Tficafcr Sonnabend, den 4. Jani staatsooer unter öen Linden 20 Uhr Cavalleria rusticana Bajaszl Staatüdiauspielhaus iBodarnenmarkt. 20 ühr Oer LiebestranK Schiller-Theater Charlottenbura, 20 Uhr Die Räuber plAZa Nihi SAIes. EM. 5a.8u,Stgs; 2,5,815U. E 7 fei*!. 4031 Die F.edernians. Rose■ Theater Ont« Franktgrtir SlrtBi 13! Tel. f eiduel E 1 342! R.30 Uhr Weekend im Paradies Garcenbllhnc 5.30 Uhr Konzert u.Variete Zigeunerliebe VoiKsbUluie Thcatir am BOlowalatz «V. Uhr Die goldene Uhr Volkssiflck von E S z e p Regie: A. M. Rabenalt Stadl. Oper Charlottenburg Sismarckstraße 34. Sonnabend, 4. Juni Turnus I Die Banditen (Offen bach) Pfahl. Nikolai ewa, Eisinger. Griindgens, Burgwinkel, Westcr- raeier, Pechner. Egcnlarf, Govszar. Eandl, Heyer, Steier, Gomben, Fehcr Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhi P oer gufe Kamfän KAiitaflAlf'st in den meisten Zill 0 151£8 iVu! II qarrengesch. erhältl. C. Köck er. Berlin �IfflljBiiDerBcr� 1 zi- I Jti. 1 .. I TELA DER UNZERSTÖRBARE NEUZEITL. 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Daß stattdessen ein Prinz aus dem Hause Orleans, Ludwig Philippe, als„die beste aller Republiken" eingeschmuggelt wurde und als„Bürgerkönig" die Herrschaft der Finanzoligarchie und Großbourgeoisie mit seinem Hermelin deckte, erregte viel Enttäuschung, der die äußere und innere Politik seiner ersten Regierungsjahre neue Nahrung gab. Da das Wahlrecht, an die Steuerleistung geknüpft, auf 180 000 Privilegierte beschränkt blieb, murrten alle ausgeschlosienen Kleinbürger und Arbeiter immer heftiger, und da drakonische Strafen die unabhängige Presse trafen, überlegte man in den politischen Gesell- s ch a s t e n, die wie die der V o l k s s r« u n d e und die der M e n- s ch e n r e ch t e dem Regime Todfeindschaft schworen, andere Mittel des Widerstandes. Als der General Lamarque, der volkstüm- lichste Kammerredner der Opposition, im Sommer 18ZZ starb, bot sein auf den S. Juni angesetzte» Leichenbegängnis die günstigst« Gelegenheit zu einer großen Heerschau aller politisch Unzufriedene». Aber über den Kopf der anerkannten Führer der republikanischen Partei hinweg rüsteten Hitzköpfe aus jenen Gesellschaften für diesen Tag«inen bewaffneten Putsch. Legitimisten und Bonapor- tisten dachten ebenfalls den Anlaß zu benutzen, wühlten unter den Massen, verteilten Pistolen und Patronen, aber die Hauptmacht derer, die am Morgen dieses trüben, regnerischen Junitags auf- marschierten, bestand doch aus republikanischen Gegnern de» Bürgertums. Nur fehlten auch Lockspitzel der Regierung nicht, denn Ludwig Philipp, der jetzt einigermaßen fest im Sattel saß, konnte nichts willkommener sein, als die Möglichkeit, durch schonungslose Niederwerfung einer Revolte bei den legitimen Häsen Europas vergessen zu lassen, daß sein Thron aus dem Holz der Julibarrikaden gefertigt war. Gelassen richtete er sich denn auf eine Straßenschlacht«in, indem er Paris in ein Heerlager ver- wandelte. Auf dem Concordienplatz vier Schwadronen Karabiniers, eine Schwadron Dragoner an den Weinhallen, eine andere mit einem Bataillon Infanterie als Deckung des Rachauses, das 12. leichte Infanterieregiment den Zug auf dem Bastillenplatz er- wartend, die berittene Polizeitruppe der Munizipalgarde von der Präfektur bis zum Pantheon aufgereiht,«ine Abteilung im Bota- nischen Garten, das 6. Dragonerregiment vor der Kaserne des � Telestins bei den gesattelten Pferden, Militär im Louvre. Militär im Studentenoiertel, der Rest in den Kasernen in Alarmbereitschaft, insgesamt neun Infanterie- und acht Kavallerieregi- m e n t e r außer der Nationalgarde, 24 000 Mann, dazu die Gar- nisonen der Umgebung, Courbevoie, Saint Denis, Saint Eloud, Versailles, angewiesen, aus Befehl sofort noch Paris abzurücken. Im Zug, der sich von der Rue Saint Honorc quer durch die Stadt bewegte, marschierten Zehntausende, vielleicht Hundert- tausende, Bürger, Arbeiter, Studenten, Artilleristen der National- gorde, viele bewaffnet, oll« voll der Ahnung de» Kommenden. Auch die Abordnungen der politischen Flüchtling« au» noch unfteieren Ländern, Italiener, Spanier, Deutsche mit ihren Fahnen fehlten nicht. Als der Sarg auf dem Platz vor der Austerlitzbrücke nieder- gesetzt wurde, bedeckte er sich im Nu mit Trikoloren und fremden Fahnen:„darunter gewahrte man", vermerkt« der österreichisch« Botschafter Graf Apponyi.„polnisch« und die de» neuen Deutschland: rot, schwarz und golden". Bon einer Tribüne sprachen L a f a y« t t e und ander« Redner. Di« Schüler des militärisch organisierten Polytechnikum», di« schon 1830 auf den Barrikaden gefochten hatten und di« trotz strengen verbot» er- schienen, wurden mit stürmischen Rufen: Hoch di« Republik? begrüßt, aber noch ganz anders schlug es«in, als sich«in unb«kann- ter, geheimnisvoller, hagerer und bleicher Reiter, der«in« große rote Fahne mit der Inschrift: Freiheit oder Tod! trug, schweigend auf seinem Gaul durch di« Meng- bi, zur Estrade drängt«. Da» rote Fahnentuch, die Erinnerung an di« Schreckencherrschast der Großen Revolution heraufbeschwöreich, entsetzt« viele brav« Bürger, begeistert« aber alle, denen ein« Flamme im Blut brannte oder die nichts zu verlieren hatten, zu noch stürmischeren Hochniftn auf die Republik. Bald kam es zu den ersten unvermeidlichen Zusam- menstäßen mit der Staatsmacht. Dragoner, die der tatendurstige Polizeipräfekt vorgehen ließ, fühlten sich bedroht oder angegriften und zogen vom Leder, und da gleich darauf an anderer Stelle Dra- goner wild in harmlose und wehrlos« Bürger hineinritten, stob der Leichentondukt auseinander, der Schrei: Zu den Waffen! gellt« durch die engen, winkeligen Straßen der dichtbevölkerten Arbeiterviertel, und Barrikaden wuchsen an hundert Punkten au» dem Pflaster empor. In kurzem überflutete di« Empörung die aus- brechende feuerflüssige Lava die Hälft« von Pari»: Militärwachen, Bürgermeistereien, Zeughäuser, Wasfenfabriken waren von den Auf- ständischen überrannt und genommen: von allen Seiten wurde di« Polizeipräfektur«ingeschlossen, und schon überlegten di« ängstlicheren der Gewalthaber, wie der Marschall Soult, di« Räumung der Stadt. Aber wenn der mit Leitung der Operationen betraute Marschall Lob au. der Befehlshaber der Nationalgarde, die Nerven behielt, so erlitt die Sache der Republikaner auch einen schweren Stoß dadurch, daß die anerkannten Führer in nächtlicher Besprechung nach hitzigem Hin und Her zu dem Schluß kamen, daß di« Er- Hebung nutzlos und nicht zu unterstützen sei. So blieben die Insurgenten, alles namenlos« Streiter für«ine Idee, ohne Führung und Hilfe auf sich allein onge- wiesen und sahen sich in kleiner Zahl den immer wütenderen An- griffen einer stets wachsenden Truppenmacht gegenüber. Nach hef- tigen Rachtkämpsen, die die Straßen Montmartre und M-nilmon. tant„säuberten", behaupteten am Morgen des 6. Juni die Rebellen nur mehr den Bastillenplatz wie den Eingang der Sankt Antone- oorstadt, und vor allem war das Häusergewirr der Rue Saint- Martin, Rue Saint-Merri und Rue Aubry-le-Boucher ihre starke Zitadelle. Arbeiter verteidigten sich hier bis aufs äußerste, eine Handvoll gegen ganze Bataillone der Linienregimenter 1 und 42 und gegen die Nationalgarde, die, aus eigentumsfanatischen Spießern bestehend, von Wut gegen die„Teiler" ebenso trunken war wie von Wein: die Bewegung nahm hier, wie Professor Georges Weill in seiner„Geschichte der republikanischen Partei in Frank- reich" mit Recht sagt,„das Gepräge einer fast sozial-betonten Arbeiterrevolte" an. Jeden Schritt vorwärts mußte die Truppe mit blutigen Opfern erkaufen. Erst am Nachmittag, als Geschütze ein- griffen, wurde das Militär des Widerstandes Herr: unter schauer- lichem Gemetzel in den Häusern ging der Tag zu Ende: aus dem Kloster Saint-Merri, wo die letzte Patrone des Äufstandes verschossen worden war. wurden nur einundzwanzig Ueberlebende gefangen abgeführt. Harte Unterdrückungsmaßregeln folgten: Massenverhaftungen, Auflösung der unzuverlässigen Artillerie der Nationalgarde, Schließung des Polytechnikums und der Tierarzneischule, Derbot der oppositionellen Blätter, und di« Dechängung des Belagerungszustandes gab die Möglich- keit, wider Recht und Verfassung Kriegsgerichte mit der Ab- urteilung der Insurgenten zu betrauen. Aber da der Kassationshof nicht aus Knechten des Regimes, sondern aus aufrechten Richtern bestand, hob er die Urteile der Militärjustiz als ungesetzlich auf. Die bürgerlichen Gerichte sprachen viele der Angeschuldigten frei, während sie von den Teilnehmern des Ausstandes 15 für einen Monat bis zu zehn Jahren ins Gefängnis schickten: von den sieben Todesurteilen, die sie fällten, wurde keines vollstreckt. Die politische Wirkung dieses„Sieges" erlaubte dem triumphierenden Bürgerkönig ganz nach Belieben rechts zu steuern, beschränkte sich aber nicht auf Frankreich. Denn da das Land der Iulirevolution für die Regierungen jeden revolutionären Bei- geschmack verloren hatte, konnte sich die europäische Gegenrevolution nunmehr nach Herzenslust tummeln: die auf Niederknüppelung jeder freiheitlichen Regung berechneten Verordnungen des deutschen Bundestags vom 28. Juni und 5. Juli waren ohne den S. und 8. Juni in Paris nicht denkbar. Aber umsonst fielen jene todes- kühnen Männer nicht, vor denen Heinrich Hein« sich neigte:„Es war das beste Blut Frankreichs, welches in der Rue Saint-Martin ge- flössen, und ich glaube nicht, daß man bei den Thermopylen tapferer gefochten hat als am Eingange der Gäßchen Saint-Merri und Aubry-le-Boucher". Denn wenn diese Helden, von deren Aufopfe- rung manches Lied kündete, für die Republik stritten und starben, so ward sie sechzehn Jahre später durch die Februarrevolu- tion Wirklichkeit und ist heute, da der Jahrhunderttag jener Straßen- schlacht begangen werden kann, schon seit mehr als zwei Menschen- altern die nicht angezweifelte Staatsform Frankreichs. llermonn Wendel. Jlomuü derOmeanflugv 8in Qeipräch mit 3)r. 3)ornier Der Konstrukteur des Do X wurde anläßlich der Ozeanüber- fliegung seines Großslugbootes von unserem lusftahrtlichen Mitarbei- »er W. H a n u s ch k c während eines Fluges über dem Müggelsee -im Do X über die Aussichten eines Transozeanflugverkehrs interviewt. Frage: Wie denken Sie sich, Herr Doktor, die Entwicklung des kommenden Ozeanflugverkehrs? Antwort: Niemals mit Landflugzeugen, die durch Montage von Schwimmern evtl. zu provisorischen Seeflugzeugen befördert worden sind. Der Gedanke, Landflugzeuge über See zu verwenden, hat von Amerika aus Platz gegriffen, ist aber bei uns völlig falsch verstanden worden. Denn die Amerikaner faßten ihre diesbezüglichen Flüge selbst als sportliche Leistungen ohne realen Hindergrund auf, während für«inen regelmäßigen Lufwcrkehrsdienst in erster Linie Sicherheit und Wirtschaft- l i ch k e i t maßgebend sind. E» ist immer«in Wagnis, mit einer einmotorigen Landmaschine über größere Seestrecken zu fliegen: denn bei Motordefekten und bei sonstigen Zwischenfällen ist nicht nur die Besatzung, di« mit hohen Kosten herangebildet worden ist, sondern auch Passagiere und das Fluggerät als solches verloren, wenn nicht zufällig Hilfe von anderer Seite geleistet wird. Aus all« Fälle ist das Flugzeug in Verlust zu stellen. Das aber ist bei sogenannten Flugbooten nicht der Fall. Diese holten nicht nur «inen gehörigen Wellengang aus, bei dem jedes Schwimmerflugzeug kentern und also auch zu Bruch gehen würde, sondern können sich schwimmend tagelang aus dem Meere halten, wie viel« Beispiel« gezeigt haben. In dieser Zeit können sie sowohl notwendig gewordene Reparaturen ausführen und«venwell mit eigener Kraft den nächsten Hafen anlaufen, als auch durch ihre Funkeinrichtung der Außenwelt Kenntnis von ihrer Lage geben. Frag«: Auch ich bin Ihrer Auffassung gewesen, Herr Doktor, aber wie denken Sie über den Kostenpunkt, der doch seit einiger Zeit von vielen in den Vordergrund geschoben worden ist? Antwort: Die Kosten sind gewiß zu den nicht nebensäch- lichen Fragen zu zählen, denn, bedenken Sie, die propagierten kleinen einmotorigen Landflugzeug« kosten ebenso viel Orga- nisationsaufwendungen hinsichtlich Wetterdienst, Streckeneinteilung und Ueberwachung, wie der Do X, nehmen aber bei zwei bis vier Mann lPesatzung nur vier bis füns Passagiere von Küste zu Küste. Bei Verdoppelung der Besatzung eines größeren Flugbootes beispielsweise kann dieses aber die zehnfache Zahl an Flug- gasten über das Meer befördern. Das ist doch ein Gewinn an Wirtschaftlichkeit mit gleichzeitiger Erhöhung der Betriebssicherheit, wie sie«in Landflugzeug im Seeverkehr niemals aufweisen kann! Durch diesen Faktor aber verringern sich alle Nebenkosten wie Amortisation, Versicherungsgebühren usw. und helfen zu chrem Teil, den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten. Außerdem wird die Unterbringungsmöglichkeit auf einem Flugboot Hinsicht- lich Raumverteilung viel günstiger als in den eng begrenzten Spin- delrümpfen moderner amerikanischer Landflugzeuge, wo die Passa- gier« wie Sardinen in der Büchse sitzen müssen, stundenlang ohne die geringste Bewegungssreiheit. Bei Flügen über Ozeane an sich «in Unding. Frage: Wie denken Sie über di« Verwendung des Diesel- motors im Ozeanflugverkehr und wie beurteilen Sie seine heutigen Aussichten? Antwort: Der Diesel-Flugmotor wird unzweifelhaft den Fortschritt aus dem Gebiet« des Motorbaucs bringen, den wir für «inen billigen und dabei doch rentablen Transozeanverkehr brauchen. Leider wird meiner Meinung nach die Entwicklung eines be- triebssicheren, starkpferdigen Dieselmotors noch eine geraume Zeit dauern, di« wir im Interesse der Weiterarbeit am großen Ganzen nicht ungenutzt verstreichen lassen dürfen. Ich beschäftige mich daher seit langem mit der Entwicklung des Fernantriebs doppelter Motore mittels doppeltem Kegelrad-Vorgeleges auf eine Luftschraube und habe schon diesbezügliche Fortschritte ver- zeichnen können. Die Motoren will ich in dem Fall in den Haupt- flügel verlegen, wo sie besser gewartet werden können und nicht, auf di« Summ« umgerechnet, den großen überflüssigen Stirnwider- stand besitzen wie bei der jetzigen Anordnung über den Flächen. Von einer Unterbringung der Motoren im Schiffsrumpf halte ich persönlich nichts, da die Nachteile die wenigen Vorteile bei weitem überwiegen: Und um nochmals auf den Diesel zu kommen: sein Mehrgewicht gegenüber unseren heutigen Benzinmotoren gleicht sich erst bei Flügen von 8 bis 10 Stunden aus. sein« Vorzüge kommen erst voll zur Geltung bei Flügen von 20 bis 30 Stunden Dauer. Derartige Strecken ober haben wir heute in Europa noch nicht, sondern nur in USA. und im Südamerika-Verkehr. Frage: Wie denken Sie über«ine Zusammenarbeit de» Flugbootes mit dem Zeppelin im Ozeanflugverkehr? Antwort: Die Pläne hierüber sind nicht neu und gehen bis auf die Zeit zurück, in der die wirtschaftlichen Voraussetzungen günstiger waren: heute dürfte die mangelnde Frequenz infolge der Weltwirtschaftskrise das Projekt nicht mehr diskutabel erscheinen lassen. Frage: Wie beurteilen Sie die Weiterentwicklung des Groß- flugbootes oder Flugfchiffes über feine bisherigen Leistungsgrenzen hinaus? Antwort: Seit wir 1926 den Entwurf des ersten Do X fertiggestellt hatten, haben wir in fortwährender Arbeit täglich neue Erfahrungen aus allen Gebieten der Technik sammeln können. So gelang es uns, die beiden an Italien gelieferten Flugschiffe der Do-X-Klasse dem heutigen Stande der Technik entsprechend aus- zuführen. Diese beiden Flugschiffe besitzen bedeutend besser« Flugeigenschaften usw. als der Do X, das leuchtet«in, denn bei ihrem Bau haben wir die Unsumme an Erfahrungen, die wir mit Do X gesammelt haben, verwenden können. Ein heute von mir gebauter Do X würde ohne Zuladung 3000 bis 4000 Kilo» meter Reichweite bei 200 Kilometer Stunden» durchschnitt besitzen. Frage: Wo würden Ihre Verbesserungen beginnen? Antwort: Ich würde die Widerstände systematisch auf da» geringstzulässige Maß verringern, die tragende Fläche vergrößern und zu gleicher Zeit die Seitenverhältnisse verbessern, sodann würde ich, wie bereits erwähnt, die Motoren in die Flügel nehmen. Hier- durch bekäme der Do X nicht nur ein Plus von 30 Kilometer- Stunden, sondern erhielte andere günstige Start- und Steig- leistungen. Frage: Sind Sie auch der Meinung, daß einem Trans- ozeanpasfagierflugverkehr ein Post- und Frachtverkehr vorangehen sollte, der Erfahrungen und Vetriebsergebniss« sammelt für di« reibungslose Abwicklung des später folgenden Passa- gierverkehrs? Antwort: Jawohl, obgleich ich mir einen gemischten Der- kehr gut denken kann, bin ich doch der Ansicht, daß«in Post- und Frachtverkehr vorerst größere Aussicht auf Verwirklichung und, wenn möglich, Frequenz mit Rentabilität haben wird. Ein neuer Do X könnte beispielsweise Zwei bis drei Tonnen Post und Fracht nach Südamerika betriebssicher und schnell ohne weiteres befördern. Frage: Halten Sie die wirtschaftlichen Voraus» s e tz u n g e» dafür schon für gegeben? Antwort: Leider nein, aber wie man am Beispiel der See- schiffahrt gesehen hat, zieht ein geordneter Verkehr di« Frequenz im Lause der Zeit nach sich. Wir dürfen aber nicht tatenlos abwarten, bis das endlich der Fall ist, sondern müssen alles tun, um dafür zu sorgen, daß dieser Zeitpunkt bald eintritt, denn das ist volks- wirtschaftlich und weltwirtschaftlich richtiger und sichert uns einen Vorsprung vorm Ausland. Frage: Was ist Ihrer Meinung nach dazu unerläßlich, Herr Doktor? Antwort: Unerläßlich ist dazu die Heranbildung tüchtigen Bedienungspersonals, das bei der Reich- haltigkeit der in Frage stehenden Materie nicht von heute auf mor- gen, sondern nur in systematischer, überaus sorgfältiger Arbeit und Schulung ausgebildet werden muß. Frage: Ich weiß, Sie zielen auf die Fahrten des Z e p p e- l i n hin, die ja ebenfalls größtenteils auf Konto seiner zuverlässigen, aus hoher Stufe stehenden Mannschaftsausbildung beruht! Antwort: Ja, sehr richtig, Dr. E ck e n e r hat sein« Leute alle in verständnisvoller Aufbauarbeit so gut herangebildet, daß die Zeppelinbesatzung ihresgleichen auf der Welt nicht hat. Dasselbe müssen wir mit dem Bedienungspersonal unserer Ozeanflugschisf« machen, höchste Sorgfalt, höchststehende Qualifikation des einzelnen für seinen Posten kann man nur erzielen durch lange, systematisch« Ausbildung, sie verbürgt zum großen Teil die Betriebssicherheit des Unternehmens. Diese Ausbildung des Personals ober kann nur auf Seestrecke durch Einsatz von Flugschisfen überm Meer erfolgen, soll sie die aufgewendeten Mittel und Mühen vollgültig entgelte»! Das ausgebrannte Motorboot— oder wie komme ich um die Versicherungssumme? Ein Prozeß, den ein Berliner Wassersportler gegen eine Ber- stcherungsgesellschast wegen der Weigerung der Gesellschaft, die Versicherungssumme für ein abgebranntes Motorboot ,z u bezahlen, anstrengen mußte, hat einen Ausgang genommen, der geeignet ist, als Warnung für alle Eigner von Motorbooten, von Segel-, Paddel- und Ruderbooten, die mit einem Hilfsmotor ver- sehen sind, zu dienen. Ganz Kurz der Sachverhalt: Der Besitzer eines Borderkajüt- Motorboots von 11 Meter Länge fährt im Oktober vergangenen Jahres vom Hafen eines Berliner Segleroereins ab, um ein etwa vier Kilometer entfernt liegendes Ziel zu erreichen. Auf der Hälfte des Weges überrascht den allein auf dem Boot befindlichen Eigner ein schweres Unwetter. Er steuert das schützende Ufer an und setzt sein Boot dort mit der Spitze aufs Land, um das Unwetter ab- zuwarten. Beim Wiederingangbringen des Motors entsteht ein Vergaserbrand, der alsbald auf das Boot übergreift, so daß der Eigner, um sein Leben zu retten, achtern über Bord geht. Er alar- miert sofort die Feuerwehr; bis diese aber kommt, ist das Boot vollkommen ausgebrannt. Der Eigner beansprucht von der Ver- sicherungsgesellschaft den Ersatz des Bootes mit 8000 M., d. h. der vollen Persicherungssumme. Die Gesellschaft weigert sich, läßt durch ihre Sachverständigen den Fall untersuchen, zahlt die Summe nicht aus und läßt sich verklagen. Vor Gericht beruft sich die Gesellschaft auf den Paragraphen 89 dv Wasserpolizeiverordnung, der für motorisch angetriebene Wasser- fohrzeuge zwei Mann Besatzung vorschreibt, wenn das Boot„in Fahrt" ist. Der Kläger, so sagt die Gesellschaft, sei allein gefahren, hätte also gegen die WPO. verstoßen, und die Gesellschaft wäre nicht zum Schadenersatz verpflichtet. Den Einwand des Klägers, daß das Boot beim Ausbrechen des Vergaserbrandes„ohne Fahrt" mit der Spitze an Land auf Grund lag, ließ die Gesellschaft nicht gelten; das Abwarten des Unwetters mit stilliegendem Boot und stilliegendem Motor sei nur eine„vorübergehende Unterbrechung der ursprünglich beabsichtigten Fahrt" und deshalb im Sinne der WPO. als„Fahrt" zu betrachten. Der Gesellschaftsoertretsr. der diese Einwände machte, hat aber in einem von ihm selbst verfaßten, im Handel erhältlichen„Seglerischen Taschenwörter- b u ch" den Begriff„in Fahrt" wie folgt definiert:„In Fahrt ist ein Schiff, wenn es weder vor Anker liegt, noch auf Grund sitzt, weder mit einer Boje oder durch Leine mit dem Lande m Verbindung steht." Bei der Zlnwesenheit eines zweiten Mannes an Bord wäre, so sagt der Gesellschaftsvertreter weiter, ein Ablöschen des Vergaser- brande? eher möglich gewesen, der Besitzer hätte mehr Mut gehabt und wäre sicher nicht aus Angst vor dem Feuer so schnell über Bord gegangen. Das Gericht schloß sich den Darlegungen des Versiche- rungsvertreters an und wies die Klage kostenpflichtig a b. Es ist einfach unverständlich, daß Gericht und Gesellschafts- Vertreter den zweiten Absatz des Z 89 außer acht ließen, der besagt: „Die Wasserpolizeibehörde kann für kleine Kraftboote eine Be- mannung von nur einem Mann zulassen. Auch ist sie befugt, bei Kraftbooten, auf denen keine gewerbsmäßige noch sonst entgelt- liche Personenbeförderung stattfindet, hinsichtlich der Besatzung so- wohl von der Altersgrenze abzusehen als auch Personen weiblichen Geschlechts zuzulassen." Selbstverständlich wird der Geschädigte Be- rufung«inlegen. Die Entscheidung des Gerichts ist völlig unhallbar. Wenn jedes motorisch betriebene Wasserfahrzeug mit zwei Mann besetzt sein muß, so darf niemand mehr allein in einem Paddelboot mit einem Außenbordmotor fahren. Niemand darf etwa mit seiner Frau allein sein Segelboot mit einem kleinen Hilfsmotor fahren, wenn der Wind schlafen gegangen ist. Jeder, auch der finanziell schwächste Motor- bootsbesitzer muß einen zweiten Mann an Bord haben, will er sich nicht der Gefahr aussetzen, im Schadensfalle von der Versicherungs- gefellschaft und vor Gericht abgewiesen zu werden. Man muß durch- aus die Meinung vertreten, daß die Vorschriften der Wasserpolizei- Verordnung lediglich zu dem Zweck bestehen, den Verkehr auf dem Wasser zu sichern, nicht aber um den Versicherungsgesellschaften eine Handhabe zur Ablehnung von Schadenersatzansprüchen zu geben. Nichts davon steht in der WPO., deshalb ist es um so verwunderlicher, daß das Gericht wie oben dargelegt entschieden hat. Solange es motorisch angetriebene Soortfahrzeuge gibt, so lange ist in taufenden und aber tausenden Fällen ein Motorboot oder ein Segelboot oder ein Paddelboot nur von einem Mann, meist dem Besitzer, gefahren worden. Noch nie hat die Wasserpolizei deswegen einen Motorbootfahrer angehalten, weil er allein auf seinem Boot war. Es ist also hier unzweifelhaft ein Gewohnheitsrecht entstanden, das bei der Dauer seiner Wirksamkeit als Gesetz an- zusehen ist. In anderen Entscheidungen haben Gerichte das Be- stehen eines solchen Gewohnheitsrechtes durchaus anerkannt, im vorliegenden Falle ist das aber gänzlich außer Betracht gelassen worden— zum Schaden des klagenden Motorbootsbesitzers, der mit dem Boot sein Vermögen verlor. Die noch für diese» Jahr in Aussicht genommene Aenderung der Wasserpolizeiverordnung ist schon im Hinblick aus die vom Gericht angezogene Bestimmung dringend notwendig. Das, was sich im Laufe der Zeit als Gewohnheitsrecht herausgebildet hat, muß nunmehr seine gesetzliche Verankerung in der neuen Wasser- polizeiverordnung finden. * In dem Termin war die Stellungnahme des Sachverständigen der Versicherungsgesellschaft beachtenswert. Dieser Sachverständige, der als Agent der Gefellschaft die Versicherung mit dem Bootsbesitzer vor etwa zwei Jahren persönlich abschloß, indem er, der Sach- verständige, mit eigener Hand den Versicherungsvertrag aus- füllte und mit eigener Hand die Versicherungssumme mit 8000 Mark hineinschrieb, dieser selbe Sachverständige be- mangelte im Termin die Versicherungssumme als zu hoch und wollte das Boot höchstens 3300 Mark wert sein lassen, obschon die Gesell- schaft bis dahin stets für die vollen 8000 Mark die Versicherungs- Prämie einkassiert hatte.>1. 5- �pori am Sonntag Der Tag der Werbung für den Arbeitersport unter der älteren Einwohnerschaft ist der morgige Sonntag im Stadion am„Faulen See" in Hohenschönhausen. Die Altersriegen des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund werden von 9 Uhr an Gymnastik, Faustballspiele, Frauen- und Männerkämpfe vorführen. Die Ortsgruppe weißcnfee des„Sturmvogel" nimmt am heutigen Sonnabend in der Stadthalle Wsißensee, Pistoriusstraße, die Taufe eines selbsterbauten Segelflugzeugs vor. Bemerkenswert ist, daß dieser Apparat ausschließlich von Jugendlichen erbaut wurde. Beginn der Tause 20 Uhr. Die Taufrede hält der Verbandsvor- sitzende Binder. Berliner Arbeiterfchützen zur Gaumeisterfchaft. Der Arbeiter- schützenbund hält am Sonntag in Grünefeld seine diesjährige Gau- Meisterschaft im Kleinkaliberschießen ab. Die Beteiligung ist in diesem Jahre ganz erheblich stärker als in den Borjahren. Schon am Sonnabend werden eine große Anzahl Berliner Arbeiterschützen nach Grünefeld fahren, der Haupttcil folgt aber erst Sonntag früh per Rad. mit Lastwagen und per Bahn Am stärksten vertreten dürste diesmal die Abteilung Wedding sein, aber auch der Titel« Verteidiger Lichterfclde ist mit drei Mannschaften gut gerüstet, um seinen Titel in allen Klassen erfolgreich zu verteidigen. Als fein fchärffter Gegner wird Britz angesehen. Am schwächsten ist Char- lottenburg mit einer Mannschaft vertreten. Ueberraschungen könnten von den erstmalig teilnehmenden Ortsgruppen Falkensee und Teltow kommen Der Arbeilerfußballklub Weilstoh-Wagdeburg spielt am Sonn- tag um 17 Uhr gegen die Freie Sportvereinigung Teltow in Teltow, Platz in der Jahnstraße. Für das Spiel der zweiten Mannschaft sucht Teltow noch Gegner. Anruf heute ab 20 Uhr FI 4 Zchlen- dorf 2237. Arbeiter-Handball-Länderspiel Deutschland-Schweiz. Das schon lange für Hannover angesetzte Spiel gewinnt durch eine Gegenaktion der Deutschen Turnerschaft stark an Bedeutung. Die Deutsche Turnerschaft ist sich anscheinend der großen Zugkraft des Spiels auf da» hannoversche Sportpublikum bewußt geworden und hat als Gegenaktion kurzfristig das Endspiel um die DT.-Handballmeister- schaft für den gleichen Tag nach Hannover angesetzt. Das stört die Arbeitersportler in ihrer Werbetätigkeit nicht. Die zweite Halbzeit des Länderspiels(16.13 bis 16.43 Uhr) wird vom Norddeutschen Rundfunk(Norag) übertragen. Wer in Hannooer nicht selbst Zeuge des großen Spiels fein kann, der schalte um diese Zeit auf Welle 372,2«in. Die Schweizer spielen noch am 6. Juni in Bremerhaven, am 8. Juni in Bremen, am 10. Juni in Bielefeld und am 12. Juni in Minden. Morgen auf der Olympiabahn: Sieherkampf Deutschland— Ausland. In dem Bestreben, den Radsportfreunden durch interessante internationale Steherbegegnungen und neuartige Wertungsmethoden immer von neuem einen Anreiz zum Besuch der Radrennen zu geben, hat die Olympiabahn für das große Stehsrtreffen Deutschland- Ausland, bei dem die drei Deutschen Sawall, Hille und D e d e r i ch s auf die drei Ausländer Auguste W a m b st(Frankreich), Thollembeek(Belgien) und P r i e t o(Spanien) treffen, eine neue Austragsformel ausgearbeitet. Drei-Kilomeler-Rennen zu Ruhleben. Trabrennen über lange Distanz erfreuen sich beim Publikum immer besonderer Beliebtheit. Am Montag, 6. Juni, kommt in Ruhleben eine derartige interessante Konkurrenz in dem Drei-Kilometer-Rennen zur Entscheidung. Die Rennen beginnen um 16 Uhr. Arbeiter-?' ennis Fortgang der Serie— Tennis-Rot in Magdeburg Die Serienkämpfe der Arbeiter-Tennissportler im 1. Kreise wer- den morgen. Sonntag, weitergeführt. In der A.- G r u p p e für Frauen trifft die gute Mannschaft von Tennis-Rot Neukölln I auf den Gruppenschwächsten T.-R. Prenzlauer Berg I. Die langjährige Erfahrung der Neuköllner steht gegen den spielfreudigen Nachwuchs von Prenzlauer Berg. Ohne jede Punktaussicht wird Prenzlauer Berg an dem reifen Spiel von Neukölln viel lernen können. Das Treffen beginnt 9 Uhr im Volkspark Neukölln. Um 14 Uhr trifft in Fürstenwalde T.-R. Fürstenwalde I auf FTGB. I. Spielt Fürsten- walde mit Glück, kann es einige Punkte retten. T-R. Neukölln II spielt in der B-Gruppe für Frauen um 9 Uhr im Volkspark Neukölln gegen T.- R. Charlottenburg I, um aller Wahrscheinlichkeit nach zu siegen T.-R. Prenzlauer Berg II stößt um 9 Uhr auf FTGB. II. Das Spiel gilt als offen Die A-Gruppe für Männer weist nur ein Treffen duf. FT. Spandau spielt auf eigenem Platz um 9 Uhr gegen FTGB. I, um den weitaus größten Teil der Punkte abzugeben. Die B-Gruppe für Männer bringt vor allem um 9 Uhr im Volkspark Weißensee das Interessante Treffen vo T.-R. Weißense« I gegen T.-R. Prenz- lauer Berg I. Die Weißenseer verstehen zu kämpfen und werden sich aller Voraussicht nach behaupten. Das Treffen Charlottenburg I gegen Neukölln I fällt aus. In der L- Gruppe für Männer begegnen sich um 9 Uhr, Wexstraße, T.-R. Westen I und T.-R. Neu- kölln II. Westen dürfte sich auch bei diesem Spiel durchsetzen. Um 8 Uhr spielt am Gesundbrunnen T.-R. Gesundbrunnen II gegen T.-R. Prenzlauer Berg ll, um zu siegen. Im Volkspark Jungfernheid« treffen sich um 9 Uhr T.-R. Charlottenburg II und T.-R. Neu- kölln III. Das andere Treffen in der v-Gruppe für Männer sieht im Volkspark Nehberge um 9 Uhr FTGB. III gegen FT. Spandau II. Der Ausgang dieser beiden Treffen muh als ungewiß bezeichnet werden. T.-R. Groß-Berlin fährt mit 30 Spielern nach Magdeburg zur Austragung eines Vereinsspiels gegen die dortige Freie Tennis-Vereinigunz. Alle bisherigen Treffen zwischen diesen beiden Vereinen entschied immer T.-R. für sich. Das kommende Treffen ist als offen zu bezeichnen, da einige der besten Berliner ver- hindert sind. �rbeiterboxer im Ring Der Kairpfabend in Tegel Die Durchführung des 4. Kampsabends des„Ständigen Ringes" der bundestreuen Arbeiterboxer übernahm gestern die Freie Sportvereinigung„Tegel 1899" und hatte einen guten Publikumserfolg; der gezeigte Sport befriedigte vollauf. Zwei technisch fertige und recht flinke Gegner standen sich im Fliegengewicht gegenüber. Nach dem üblichen Abtasten in der ersten Runde brachte die zweite einen harten Schlagwechsel, und am Schluß der Runde gab Kloß- Tegel wegen einer Daumenverletzung den Kampf gegen B e r n d t- Lichtenberg auf. Mit dem langsamen Tempo eines Schwergewichtskampfes begannen die Weltergewichte Faul- Haber- L.-F. und N i ck i s ch- Tegel: N. hatte in den beiden ersten Runden mit seiner Linken ein kleines Plus, das aber nicht zu einem Siege reichte; das Schiedsgericht gab ein Unentschieden. Der Aus- scheidungskampf der beiden Tegeler Klubkameraden endete nach drei Runden mit einem schmeichelhaften Punktsieg von R e i n e l t über P o tz u w e i t. Die Mittelgewichte E Munter- Wedding und Koppen- Tegel gingen recht stark ins Zeug und trennten sich nach Ablauf der drei Runden mit einem Unentschieden. Mit dem gleichen Ergebnis trennten sich auch Reimers- Nordost und Peter- L.-F. im Halbschwergewichtskampf. Ringrichter war A. Munter-Wedding._ Domgörgen in Wien k. o. Schwere Niederlage des alten Meisters Für seine im Kampf um die Mittelgewichts-Europameisterschaft im August vergangenen Jahres erlittene Punktniederlage nahm Oesterreichs Meister Poldi Steinbach an Hein Dom- g ö r g e n- Köln gründlich Revanche. Vor zahlreichen Zuschauern lieferten sich beide im Hauptkampf einer Freiluftoeranstaltung in Wien einen interessanten Kamps, den Steinbach in der 7. Runde durch k. o. gewann. Der Deutsche begann sehr versprechend, in den beiden ersten Runden war er klar der Bessere. Man glaubte bereits an einen neuen Sieg Domgörgens, doch es kam anders. Steinbach griff mit dem Mute der Verzweiflung an, landete bei Domgörgen vor allem harte Kinntreffer, durch die er den Deutschen in der 3. Rund« bis„6". in der nächsten bis„9" zu Boden schicken und ihn schließlich in der siebenten Runde endgültig!, o. schlagen konnte. Ungeheurer Jubel brach los, die begeisterten Zuschauer stürmten den Ring und trugen ihren Landsmann auf Schultern in den Umkleideraum. kreibad Obcrsprcc Viele Berliner kennen das Freibad Oberspree noch nicht. Immerhin war es im vorigen Sommer die Erholungsstätte von über 100 000 Besuchern. Hinter dem 360 Meter langen Strand schließt sich ein wunderbares Waldgelände an. so daß sich derjenige, der das Bad zum ersten Male besucht, ganz erstaunt umsieht und beschließt, hier Stammgast zu bleiben. Das Bad, das dem Gesund- heitsamt Treptow untersteht, ist bequem mit den Straßenbahn- linien 93 oder 93 bis Baumschulenweg, dann umsteigen in die Straßenbahnlinie 91 oder mit der Stadtbahn(in Schöneweide um- steigen in den Pendelzug nach Oberspree-Spindlersfeld) zu erreichen. Es liegt neben dem altbekannten Ausflugsort Neptunshain. Bei allerbilligften Eintrittspreisen, Erwachsene 10 Pf., Erwerbslose und Kinder 3 Pf. und bei einem auf billigste Preise eingestellten Wirtschaftsbetrieb(der alte Brauch wird nicht gebrochen....!) wird da- Freibad Oberspree auch in diesem Sommer wieder das Ziel vieler Tausender sein, die Erholung und Ruhe suchen. Für die Sicherheit der Badenden sind genügend Rettungseinrichtungen vorhanden; ebenso stehen staatlich geprüfte Schwimmeister zur Ver- fügung. Wer das Bad neben all den anderen Freibädern noch nicht kennt, sollte es besuchen, denn der Besuch wird lohnend sein. Arbcitc«-S