BERLIN Sienstag 2. Mi 1932 10 Pf. )ir. 264 B 132 49. Zahrgana Erscheint täglich außer Sonntags. Zugleicd Ad-ndausgabr des„Borwärts' BejvgSvretS für beide Äusgaden 75 Pf. uro Docke. 3,25 M uro Moaai t der Proklamation der Fraktionsbeschlüsie ist es nicht getan. Wir müssen jetzt sichon die Konsequenzen ziehen und noch dem ersten den zweiten Schritt tun, bevor uns die weitere Entwicklung dazu zwingt. Denn darüber gibt es in eingeweihten Kreisen nur eine Meinung, daß der Schlag gegen das Kabinett Brüning, gegen die politische Vertretung der Katholiken über- Haupt gerichtet war. Was bei der Einflußnahme auf den Präsidenten im Vorjahre in Dietramszell und Heuer in Neudeck heimlich geschehen ist, das wurde in Württemberg bei den Verhandlungen über die Bitdung einer rein evangelischen Regierung bereits an der Oberfläche sichtbar: Die Zeiten der Hottentottenwahlen, die Zeiten der Bülow- Block-Wahlen kommen wieder. Ist da nicht Einigung über das Reich hin oberstes Gebot?" Diese bayerische Stimme wird von der„German! a" mit großer Freude wiedergegeben und daran der Wunsch geknüpft, daß die Einigung und Kräftekonzentration sich schon bei der Reichstagswahl auswirken möge. Die Wahl wird also eine große Auseinandersetzung zwischen Schwarz und Braun und Blau werden. Das Zentrum wird einen seiner erbittertsten Kämpfe um seine politische Stellung führen. Die Erinnerung an die Hottentottenwahlen stimmt in vieler Hinsicht! Wie 1907 tobt die Rechte gegen das Zentrum — und d i e Sozialdemokraten sollen nieder- geritten werden! Die reaktionären Kräfte von 1907 werden wieder lebendig— 14 Jahre nach der Flucht Wilhelms! Es ist die Aufgabe der Arbeiterschaft, diese Gespenster der Vergangenheit wieder zu verjagen, und dafür Sorge zu tragen, daß es ihnen ergeht wie Wilhelm II! Vor einem Beamienfchub. Im Reichsinnem und Zieichsernährungsmimsterium. Im Reichsimieirmmisterium wird am Dienstag eine Sitzung des neuen Reichsinnenministers F r e i h er r n von Gayl mit den leitenden Beamten stattfinden. Dabei wird voraussichtlich ent- schieden werden, ob und welche Aenderungen in den Lei- tungen der Abteilungen oorgenommen werden sollen. Im Reichsernährungsmini st erium dürste ebenfalls ein Wechsel der leitenden Beamten zu erwarten sein, da hier der Landbund vor allem gegen die Beamten vorgehen will, die dem Zentrum angehören, mit dem Ziel, aus diesem Ministerium für die Dauer ein reines L a n d b u n d- M i n i st e r i u m zu schassen. Die Großagrarier sommandieren Wie die„Kölnische Volkszeitung" von unterrichteter Seite er- fährt, soll sowohl wirtschaftlich wie politisch ein bedeutsamer Wechsel in leitenden Stellen 4>es Reichsernährungsministeriums bevorstehen. Der Staatssekretär Dr. Heukamp werde seinen Posten verlassen und dafür präsentiere der Reichslandbund den bisherigen Referenten für Ostfragen in der Hauptgeschäftsstelle des Reichsland- bundes in Berlin, Dr. S i e b u r g. Darüber hinaus werde für den Reichslandbund noch ein weiterer Ministerialdirektorposten frei- gemacht werden. Die für diesen Posten ausersehene Persönlichkeit sei vom Rcichslandbund noch nicht benannt. Bei der Neubesetzung dieser beiden Posten handle es sich um die Er- süllung der Forderungen, die Graf Kalckreuth als Präsi- dcnt des R e i ch s l a n d b u n d e s in der bekonnten Besprechung mit dem Reichskanzler von Papen erhoben hat. Der Reichs- l a n d b u n d werde als Gegenleistung das neue Reichskabinett tole- rieren bzw. unter st ützen. Franz von hoeßlin Oberleltcr der Breslauer Oper. Wie die Intendanz des Breslauer Stadttheaters mitteilt, ist Generalmusikdirektor von Hoeßlin als musikalischer Oberleiter der Breslauer Oper endgültig verpflichtet worden. Nach der Eröfsnwrgsreve von Heinrich Lorenz begrüßten die Vertreter der thüringischen Staatsregierimg, der Jenaer Oberbürgermeister, der Präsident der Thüringischen Staatsbank, der Vertreter des Reichswirtschaftsrats Bästfein und der der Raifseisen-Genossen- schaften die Jahrestagung der Konsumvereine und wünschten ihr einen erfolgreichen Verlaus. Für die Preußische Zentralgenossenschastskasse, deren Stellung für das gesamte Genossenschaftswesen immer bedeutungsvoller wird, machte Dr. Laufser bemerkenswerte Ausführungen. Die Genossenschaften seien eingebaut in das herrschende Wirtschasts- system und deshalb auch gefährdet durch alle Erschütterungen, die in diesem System eintreten. Das gelte besonders für die Konsum- vereine, hinter denen Volksschichten stehen, die wirtschaftlich nichts hinter sich haben als ihre Kaufkraft. Eine Gefahr bedeute auch jene politische Welle, die die Leistungen der Konsum- oereine nicht anerkennen wolle. Halte man sich das vor Augen, so könne man nur mit Bewunderung feststellen, wie bisher alle diese Gefahren überwunden worden sind. Das wollen sie! Zurück zum OreMassenivahlrecht? Auf dem Hamburger Berbandstag des Deutschnationalen Hand- lungsgehilsenvevbandes machte der wiedergewählte Verbandsvor- steher B e ch l y die folgende Enthüllung: „Die reaktionäre« Kreise seien bereit gewesen, die Politik Brünings zu unterstützen unter einer Be- dingung: die Beseitigung der Verbindlich- keitserklärung und der Schiedsgerichte. Arbcitsminister Stegerwald habe daraufhin erklärt: „Da fehlt ja nur noch eins, nämlich die Einführung des Dreiklasseu-Wahlrechts. Die Bestrebungen können nur eingeführt und durch- geführt werden über meine Leiche." Das Wort trifft ins Schwarze! Knechtung der Arbeiter, Wiederkehr des Herrenhauses der Junker, und das alte Dreiklassen- Wahlrecht, bei dem ein Bordellwirt ein tausendfaches Wahlrecht hat gegenüber dem Arbeiter! Das wollen sie— daran müssen wir sie hindern! Ein Ltniergang. Westarp-Gruppe beteiligt sich nicht am Reichstags- Wahlkampf. Wie das Nachrichtenbüro des VdZ. meldet, faßte eine erweiterte Fllhrertagung der Volkskonservativen Vereinigung. die ihre Verhandlungen am Montag in Berlin abschloß, folgende Entschließung: „Die Bolkskonservatioe Vereinigung lehnt es als außerparla- mentarische Gemeinschaft ab, ihren Namen und ihre Organisation bei Parlamentswahlen einzusetzen." Dieser Beschluß bedeutet, daß die Bolkskonservatioe Vereins- gung, die im bisherigen Reichstag durch die Abgeordneten Graf Westarp, Treoiranus, o. Lindeiner-Wildau und Lambach vertreten war, auf den Versuch verzichten will, von feiten der Reichsleitung aus und vor allem selbständig sich am kammenden Wahlkampf aktiv zu beteiligen. Es bleibt jedoch den örtlichen Gremien der Vereinigung überlassen, Fühlungnahmen mit parlamentarischen Parteien für den Wahlkampf aufzunehmen. Lord �othermere— für Hohenzottern!! llnd Eoty für deutsche Sozialreaktion! Die der Reichsregierung nahestehenden Agenturen sind krarnps- Haft bemüht aus der Weltpresse einige Säge herauszusieben, die für das Junkerkabinett nicht allzu unfreundlich sind. In Wirklichkeck ist die Beurteilung der deutschen Entwicklung überall einfach katastrophal. Im besonderen haben die Gerüchte, daß die Kreise hinter der neuen Regierung eine Restauration der Hohenzollerr.- Dynastie vorbereiten, die einmütige Em- porung der öffentlichen Meinung hervorgerufen. Diese Gerüchte, die die zuständigen Reichsstellen bisher nicht den Mut hatten, ein- deutig zu dementieren, weil die Kreise um den Herrenklub Für das Internationale Arbeitsamt wies der Der- liner Direktor Donau darauf hin, wie sehr der verstorbene Albert Thomas ein eifriger Genosienschastler gewesen sei und von der Ueberzeugung durchdrungen, daß genossenschaftliche Arbeck in ihrem Wesen friedliche Aufbauarbeit sei. Genossenschaftliche Arbeit sei Arbeit für den Frieden und bedeute legten Endes Arbeit für die soziale Gerechtigkeit. Für den A D G B., den A f A- B u n d und die Arbeiter- dank erklärte Schulze vom ADGB., er fühle sich aus der Tagung der Genossenschaften kaum als Gast, vielmehr als ein aufs engste Mitbeteiligter. Gewerkschafte» und Konsumvereine seien auf G c- deih und Verderb miteinander verbunden. Einen Höhepunkt des ersten Tages bildete die Red« des Vertreters der britischen Genossenschaften Lucas, der mit wärmsten Worten die deutschen Genossenschaftler der Verbunden- heit und des warmen Mitgefühls ihrer englischen Gesinnungsfreunde versicherte und mit der Betonung der großen geistigen Gemeinschaft der beiden Nationen den stürmischen Beifall der Versammollen saud. selber eifrig dafür Propaganda machen, werden in der ganzen Auslandspresse ausführlich wiedergegeben. Es ist nun bezeichnend, daß eine der Wilhelmstraße nahestehende Korrespondenz sich nicht entblödet, den berüchtigten Lord R o t h e r- m e r e ausführlich zu zitieren, der in seiner„Daily Mall", dem seit jeher deutschfeindlichsten aller englischen Blätter, aus rein reakiionären Gründen f ü r diese Lösung Propaganda macht. Darüber berichiet diese offiziöse Korrespondenz: „Rothermere glaubt voraussagen zu können, daß die im Ge- folge der wlrischasilichen Notlage aufgetretene seelische Spannung die künstige innenpolitische Entwicklung in Deutschland nachhaltig beeinflussen werde. Die Richtung dieser Entwicklung liegt für Rothermere fest: Das nach seiner Meinung in etwa 18 Mo- naten erreichte Ziel wird die Wiederausrichtung einer Hohenzoltern-Monarchie sein. Rothermere, dessen in dieser Richtung gehende Sympathien bekannt sind, macht sich zum Fürsprecher dieser Entwicklung mit der Begründung, daß„Monarchie gut für das Geschäft" sei. Die Existenz eines kaiserlichen Hofes werde vor allem dos Wirtschaftsleben Verlins, dos zur Zelk vollkommen danieder- liegt, befruchten.(!) Rothermere bemüht sich schließlich, seine politische Prophezeiung gegen etwa zu erwartende Widerstände von fetten Frankreichs zu verteidigen und meint, es sei am besten, den Dingen„ihren Lauf zu lassen". Rochermere benutzt den, übrigens sehr allgemein gehaltenen, Artikel auch zu einem Angriff auf die Sozialpolitik der gegenwärtigen englischen Regierung, die er als„Suppenküchenpolttik" kennzeichnet." In Frankreich gibt es e i n Blatt, das die„mutige" Atckehnung der„demagogischen" sozialpolitischen Experimente der Sozialdemo- kratie durch die Regierung von Pape» rühmte. Prompt wurde diese Stimme, sogar durch den Rundfunk verbreitet. Sie stammt von dem„Ami d u P e u p l e" des faschistischen Parfünifabrikantei« Coty. Die Regierung Papen-Schleicher kann sich also rühmen, zwei Fürsprecher im Auslande zu besitzen: in Frankreich F r a n? o i s Coty, in England Lord Rothermere. Das sind zufällig Immer die ärgste» Heßer gegen das deutsche Volk gewesen. Die eigene Arau angezündet. Geistesgestörter übergießt seine Frau mit Petroleum. Gelsenkirchen. 7. Juni.(Eigenbericht.) In Buer überschüttete' am Montagabend der Berginvalide H ö l s i n g, ein byjähriger Mann, in seiner Wohnung seine Che- srou mit Petroleum und zündete sie an. Die Frau glich im gleichen Augenblick einer F e u e r s ä u l e. Nachbarn oeranlaßien die Er- stickung der Flammen und die Ueberführung der lebensgefährlich verletzten Frau ins Krankenhaus. Hölsing gilt als geistesgestört. Eine Zunahme der Arbeitslosen in England ergibt sich aus der Zählung am 23. Mai mit 2 741 306 Arbeitslosen, 80124 mehr als am 23. April 1932. Das nennt sich Mrolsiarier als naiionalsozit Ein Blick auf das Mitgliederverzeichnis der nationalsozialistischen Fraktion des Preußischen Landtags zeigt mit aller Deut- lichkeit, welche untergeordnete Rolle die Arbeiter in der Hitler- Partei spielen. An der Spitze der Liste hätte eigentlich Prinz A u w i stehen müssen, aber wie das„System" auch hier wieder ist: es hat ihn in das gemeine Volk gesteckt, und erst nach einigem Suchen bemerkt man, daß der nationalsozialistische Landtagsabgeord- ncte„Prinz von Preußen August Wilhelm" sein„Arbester"leben in Potsdam-Sanssouci fristet. Glücklicherweise hast stch aber in seiner Nachbarschaft ein leibhastiger Freiherr auf, der Landwirt und Baumschulenbesitzer Johannes von Reibnitz aus Schlesien. Im übrigen sind der Zahl nach die Landwirte am stärksten in der nationalsozialistischen Landtagsfraktion vertreten. Das Verzeichnis nennt ihrer 32, wenig Bauern, um so mehr da- gegen Gutsbesitzer bis hinaus zum ausgewachsenen ostelbischen Junker. Dann kommen der Zahl nach etwa 30 Parteibeamte. Die Nationalsozialisten haben so lange auf die angeblichen Bonzen in der Sozialdemokratie geschimpft, bis sie selbst einen wirklichen Bonzenapparat von größtem Ausmaß aufgebaut hatten. Es ist frellich nicht immer leicht, den wirklichen Beruf der Bonzen vom Hakenkreuz zu erkennen. So nennen sich die Herren Goebbels und K u b e noch bescheiden„Schriftsteller", während doch alle Welt weiß, daß sie schon längst das nahrhafte Brot ihrer Partei essen. Bei Herrn Paul Schulz finden wir die Bezeich- nung Oberleutnant a. D., alleroings mit dem Zusatz, daß er bei einer richtigen Exzellenz von Adel wohnt. Eine wichtige Persönlich- keit scheint auch Herr Dr. jur Helmut Nikolai zu sein, der sich zwar erst Regierungsasiessor betitell, aber doch hinzufügt, daß er Leiter der innenpolitischen Abteilung der Reichsleitung der NSDAP. und im Braunen Haus in München zu erreichen sei. Nun marschieren die Handwerksmeister aller Arten mit 2l Mann auf, dazu neun selbständige Kaufleute: diese ncuerstandene Wirtschaftspartei wird sich gewiß beeilen, die Forde- rungen der Arbeiter zu erfüllen und insbesondere den Sozialismus durchzuführen! Jetzt aber die Elite dieser„Arbeiterpartei: Sech- Arbeiterpartei! zehn höhere Beamte sieben höhere Offizier«, dar- unter ein General, fünf Ingenieure und Architekten, drei Ober» förster, drei Pastoren. Die unteren Grade der freien Berufe werden durch drei Lehrer, vier Redakteure, zwei Aerzte und vier Rechts- anwälte vertreten. Und an der Schwelle zwischen Proletariat und Bourgeoisie schließlich noch sechs untere Beamte und fünf Angestellte. Ihrer Klasse nach gehörten sie wohl an die Seite der Arbeiter, chrer nationalsozialistischen Gesinnung nach aber werden sie mit Sicherheit die Interessen des Kapitals wahrnehmen. Endlich, endlich finden wir in dieser Berufsgliederung auch wirk- liche Arbeiter, zehn an der Zahl, zwei davon als Landarbeiter auf- geführt. Nehmen wir an, daß sie tatsächlich noch als Arbeiter tätig und noch nicht in die Sphäre des Parteibeamtentums aufgerückt sind, so ergibt sich das folgende Bild: Unter 10 2 Mann zählt di« nationalsozialistische Fraktion des Preußischen Landtags 1 0 A r- b e i t e r, das sind genau gerechnet 0,2 Prozent. Wer wollt« noch bestreiten, daß wir es mit einer wirklichen Arbeiterpartei zu tun haben? Noch schlimmer freilich sieht es in anderen Landtagen aus. Auch in der 43 Mann starten nationalsozialistischen Fraktion des Bayerischen Landtags stehen die Landwirte mit neun Ab- geordneten an der Spitze. Dann folgen die höheren Beamten mit sieben, die unteren Beamten mit sechs Mann. Auch hier wieder Redakteure, Parteibeamte, Schullehrer, Handwerksmeister, Kaufleute, Aerzte, früher« Offiziere in bunter Reihe, zuletzt noch zwei An- gestellte. Ein einziger Arbeiter hat sich in diese Gesellschaft verirrt, er bildet kaum ein halbes Prozent des ganzen Frak- tionsbestandes. Am vornehmsten geht es aber im Landtag von Anhalt zu, wo sich in der 15 Mann starken nationalsozialistischen Fraktion zwar Landwirte, Beamte, Rechtsanwälte, Parteibeamte, Vorarbeiter, Handwerksmeister und auch zwei Angestellte befinden, in die aber kein einziger wirklicher Arbeiter Eingang gefunden hat. Und das ist gewiß das treueste Abbild des künftigen Dritten Reichs! Ein aufgefrischter Ladenhüter. Propaganda der.Unpolitischen" zu den Elternbeiratswahlen Die kommenden Elternbeiratswahlen an den Berliner Schulen geben den Vertretern der sogenannten„Christlich-Unpolsti- schen" Gelegenheit zu einer Propaganda, die im Gegensatz zu dem gewählten Namen eine höchst politische, aber gar nicht ch r i st- liche Hetze gegen bie Sozialdemokratie und die Liste Schul- a u f b a u darstellt. Zugleich mit Einladungen zu Beranstaltungen der Christlich-Un- politischen wird durch die Post ein Flugblatt verbreitet, das alte, bereits öfters richtiggestellte Märchen der„Berliner Börsenzei- tung" aufwärmt. Es handelt sich um eine Veranstaltung einer pri- vaten Bereinigung, der„Roten Fanfaren", in Dessau. Bei dieser Veranstaltung kamen Verse zum Bortrag, bei denen es ein Streiten über den Geschmack nicht geben kann. Die Reaktion und an d«r Spitze die„Berliner Börsenzeitung" beeilten sich aber, für diese Ver- anstaltung die Sozialdemokratische Partei verantwortlich zu machen. Parkeivorstand, Arbeiterbildungsausschuh und Zugendausschuß des Ortsverelns Dessau stellten daraufhin fest, daß es sich bei der Aufführung um eine rein private Beranftaltnng handelte. Weder an der Vorberestung der Ausführung noch an der Auswahl des Stoffes noch an der Durchführung der Revue war die Partei oder sonst eine maßgebende Körperschaft der Arbeiterbewegung beteiligt. Zn- hall und Form der Revue entsprechen nach ausdrücklicher Feststellung im„Vorwärts" vielmehr in keiner Weife der sozialdemokra». scheu Auffassung. Die vor aller Welt geleistete Kulturarbeit, so heißt es, schütze die Sozialdemokratie davor, mit solchen Aufführun- gen in Verbindung gebracht zu werden. Auch die Behauptung der„Börsenzeitung", die Kinderfreunde hätten neunjährige Kinder in diese Revue geschickt, ist widerlegt. Tatsache ist, daß die Führer der Kinderfreunde Kinder, die mit ihren Eltern anwesend waren, zum B e r l a s s e n der Revue bewogen. Ein Angriff auf unser Dessauer Bruderblatt, das eine Aufforderung an alle gerichtet haben soll, diese Beranstaltung zu besuchen, ist gleichfalls schon richtiggestellt. Die Behauptungen der„Börsenzeitung" sind vor Wochen aus- führlich richtiggestellt worden. Trotzdem werden sie heut« von den Chnstlich-Unpolitischen zur Wahlhetze gegen die Liste Schulaufbau verwandt. Eine solche Kampfesweise verurteilt sich selbst. Sie wird, das hoffen wir, das Gegenteil des gewollten Zweckes er- reichen und schwankende Eltern oeranlassen, bei den Elternbeirats- wählen ihre Stimme der List«.zu geben, die allein eine freiheitliche, den berechtigten kulturellen Ansprüchen der Arbeiterklasse angemessene Gestaltung des Volksschulwesens gewährleistet: der List« Schul- a u f b a u. Plädoyer für Kohl im Gklarek-Prozeß. Im Sklarek-Prozeß plädierte heute der Verteidiger des Angeklagten Bürgermeister Kohl, Rechtsanwalt Dr. B r a u b a ch. Er vertrat einleitend den Standpunkt, daß die Wiederangliederung des berests einmal abgetrennten Verfahrens gegen den Angeklagten Kohl in prozessualer Hinsicht eine Unmöglichkeit darstelle. Der Verteidiger beantragte dann formell, den Beschluß des Gerichts vom 28. Mai, durch den das Verfahren gegen Kohl wieder angegliedert wurde. aufzuheben. Das Gericht zog sich sofort zur Entscheidung über diesen Antrag zurück, gegen den mir die Staatsanwaltschaft kurz Stellung genommen hatte, und kam schon nach wenigen Minuten mit einer ablehnenden Entscheidung zurück. Der Verteidiger setzte hieraus sein Plädoyer fort und wandte sich gegen die Ausführungen des Oberstaatsanwalts Freiherr von Steinäcker in seinem Schlußplädoyer, die er eine scharfe Kampf- ansage gegen das Parteibuchwesen unter Betonung der Zweck- Mäßigkeit akademischer Vorbildung nannte. Derartige politische Aus- führungen gegen die politischen Beamten gehörten nicht in den Gerichtssaal. Der Oberstaatsanwalt habe eine Differenzierung zwischen den alten Berussbeamten und den politischen Beamten aufgestellt, die nicht unwidersprochen bleiben dürfe. Dr. Braubach ging dann auf die einzelnen von der Anklage zur Last gelegten Straf- taten ein und kam zu dem Ergebnis,'daß sie nicht strafrechtlich, sondern höchstens disziplinarisch zu ahnden seien. Cr vertrat den Standpunkt, daß die Anklage nicht erwiesen sei und beantragt« des- halb Freisprechung. Todessturz eines Aeichsbeamien. Aus dem Fenster des ReichswirtschastsMinistenums. Aus einem Fenster des 4. Stocks im Reichswirtschaftsministerium in der Viktoriastraße 34 stürzte heute vormittag der 52 Jahre alle Minifterialamtmann Ernst Bucker aus Lichterfelde, Hindenburgdamm, in die Tiefe. Schwerverletzt wurde B. ins Krankenhaus gebracht, wo er kurz nach seiner Aufnahme starb. Ob Selbstmord oder Unglücksfall vorliegt, ist noch Gegenstand der krimiualpolizeilichen Ermittlung. Die Garbo siieht aus Hollywood... Es hat sich also herausgestellt, daß diese sellsame Frau nicht nur abseitig tut. sondern wirklich ist. Sie, die einzige, die m Hollywood allein spazieren ging, die stch nichts aus„society" machte und in einem wollenen Pullover auf den großartigsten Gesell- schaften erschien, di« abseits vom Rummel lebte und wahrscheinlich den ganzen Betrieb um sich herum oerachtete,— sie hat ihre Drohung wahr gemacht und ist aus Hollywood abgereist. Niemand weiß, wohin: sicherlich aber wird sie nach Schweden fahren und dort als Fräulein Gustavsson den faulen Kulissenzauber in�der herben Lust des Nordlands abzustäuben versuchen. Man sollte es nicht für möglich halten, daß heutzutage ein Mensch,«ine Frau, der Macht des Dollars gegenüber so kühl blieb wie sie. Eine Wochengage von sage und schreibe 14000 Dollars vermochte sie nicht zu reizen, unä> als der oberste Direktor ihrer Filmgesellschaft eigens aus New Port nach Kalifornien reiste, um ihr als dem größten Anziehungspunkt seiner Firma diese Riesengage anzubieten, lieh die Garbo ihn nicht einmal in ihre Garderobe. Aber es dürste doch wohl noch nicht an der Zeit sein, der Garbo «wen Nekrolog als Darstellerin zu schreiben. Sie wird sich erholen, vielleicht will sie auch endlich einmal ein« Zeitlang ihr Privatleben für sich haben, am Ende gar heiraten... Sie wird aber wieder spielen, kein Zweifel. Vielleicht im Winter, vielleicht in Jahresfrist. Sie ist noch zu jung, um sich künstlerisch selbst für immer brach- zulegen. Und immer wird man sie freudig ausnehmen. Denn ihre Erscheinung bedeutete in der allzu verflachten Well des Films auch dann eine Bereicherung, wenn das Mauuslript io schlecht war, wie meistens in Filmen, deren jchematifierlen Figuren sie Leben einzuhauchen hatte. In jedem dieser Bilder lebte das Einmalige ihrer Gestalt und ihres Charakters besonders eindringlich, weil der Film so wenig wirkliche Charakter« besitzt. Welch ein Ver- lust für die Lichtspielkunst, wenn diese wundervolle Frau ihr ein für allemal den Rücken kehren würde! K-L. Das Trauermal von Käihe Kollwih. Ausgestellt in der Nationalgalerie. In der offenen Eingangshalle zur Nationalgalerie sind die beiden Steinfiguren ausgestellt, die Käthe Kollwitz als Totenmal für den deutschen Soldatenfriedhof in Essen bei Dixmuiden(Belgien) geschaffen hat. Sie sind der Oesfentlichkeit bis zum 19. Juni zu- gänglich: später werden die wenigsten Gelegenheit haben, in dem abgelegenen flandrischen Dörfchen dieses einzig würdige Erinnerungs- mal an den Weltkrieg zu sehen. Es besteht allerdings die Absicht, die Gipsabgüsse nach dem eigenhändig ausgefichrten Modell für das Kronprinzenpalais zu erwerben. Doch ist die Ausführung in blau- grünem belgischen Granit(von den Bildhauern Diederich und Rhades ausgeführt) von einer so eigentümlichen Größe und Besonderheit der Wirkung, daß man diese Gelegenheit nicht versäumen sollte. Veranlassung zu diesem erhabensten Denkmal der Trauer war der Kriegstod des Sohnes von Frau Kollwitz: seit 1915 arbeitet sie an seiner Verwirklichung, seit sieben Jahren an der gegenwärtigen Form des knieenden Elternpaares. Reich und Preußen haben die Kosten des Originals und der Aufstellung als Ehrung der OOjährigen Künstlerin übernommen. Hier hat einmal der Staat sich vor der Kraft des Gemütes einer Begnadeten gebeugt und ihr den Auftrag erteill, für alle zu sprechen, indem sie ihr eigenes Geschick gestastete. Es sind zwei völlig getrennte Gestallen: der knienden Mutter steht der kniende Vater gegenüber, Raum zwischen sich, den das Grab des erschlagenen Sohnes in der Idee ausfüllen mag. Jede Gestalt ist für sich durchgebildet, in strenger Gefaßtheit der Mann, gebeugt und ganz in sich versunken die Frau. Die plastische Form ist in beiden gleich stark und bedeutend: Ausdruck des Gefübls und der plastischen Geschlossenheit sind mit einer großartigen Geberde vereinigt. Bor jeder Zeichnung von Käthe Kollwitz hat man das Empfinden, daß hier«in plastisches Genie spricht: in diesen Manumentalfiguren hat sie bewiesen, daß sie in Wahrheit zu den großen deutschen Bildhauern gehört. Das Zusammengefaßte der in ihren Schmerz gleichsam eingehüllten Gestallen drückt sich in der kompakten Masse des Steins aus, und es ist ebenso der höchste Aus- druck gesammelter Qual, der das Unersetzbare des Verlustes im tiefsten Herzen spüren läßt. Kein Totenmal seit Michelangelos Medicäergröbsrn hat Menfchenleid so erschütternd verkörpert. p. k. sab. Lendvai-Feier in der Philharmonie. Zum so. Geburtstag des Künstlers. Der Berliner Lendvai-Chor sowie der Berliner Volks- chor und fein Kinder- und Iugendchor haben sich zu- fammengetan, um einen Meister des Arbeiterchorgefangs, um Erwin Lenbvai an seinem 50. Geburtstag so zu ehren, wie man einen Schaffenden am schönsten ehrt: durch Wiedergabe seiner Werke. Walter H ä n e l spmch einen kurzen, aber um so herzlicheren Glück- wünsch und sprach sicherlich im Namen aller, die mit Lendvais Wirken und Werk seit Iahren, fest Jahrzehnten vertraut und ver- wachsen sind. Der Gefeierte ist ein außerordentlich vielseitiger Musiker, schrieb Klavierwerke, wertvolle Kantmermusik, eine Oper „Clga"— das stärkste aber gab er wohl in feinen.�.-capslla- Ehören: von denen nicht weniger als zwanzig an diesem Abend gesungen wurden, Jugendarbeiten und solche aus reiferen Tagen,«in brester Aufriß des chorischen Gesamtschaffens des Jubilars. Bon den frühen Werken ist die N i p p o n- S u i t e Op. 5(eine Chor-Suite für weibliche Stimmen nach altfapamschen Dichtungen, Notabene 1900, fünf Jahre also vor dem„Lied von der Erde" ent- standen) zweifellos das reizvollste: sie umfaßt acht überaus schwierige Chöre schwermütiger Stimmung, voll irrisierenden Farbenzaubers, voll des seidigen Schimmers impressionistischer Harmonik— ganz und gar ein Werk jenes Jahrzehnts vor dem Krieg. Die späteren — bei ihrer Beliebthest braucht dies eigentlich gar nicht besonders betont zu werden— find kraftvoller, wirklichkeitsnäher, dem Tat- willen verhaftet. Nirgends aber wird(zugunsten agitatorischen, auf- reizenden, hinreißenden Wirkens etwa) auf traditionell schönen Satz, auf kunstvollste Führung der Stinimen verzichtet, die sich viel eher zu achtstimmigem Satz auseinanderfalten als sich zu einstimmiger Wucht vereinigen. Im Arbeitergesang durchdringen sich von jeher Kunst und Weltanschauung: für Lendvaj ist die Kunst das Primäre. Auch als Bekenner bleibt er artistischer Musiker, auch als Arbeiter- chor-Komponist Meister einer Satztechnik, die ihm— dies ist dos Los aller Artistik— unmistelbare Wirkung freilich versagt. Dirigent des Volkschors war Ernst Zander. Die Anforde- rungen. die manche der Kompofstionen an die Leiftungsfähigkest de» Chors stellen, waren oft fast zu groß, um einwandfrei bewältigt werden zu können, soviel Mühe auch aufgewendet worden sein mag. Den Lendvai-Ehor lestete Georg Oskar Schumann mit beschwing- ter, suggestiver Zeichengebung, mit Ueberlegung und Ueberlegenheit: der Komponist war von seiner und seines Chores Leistung nicht um- sonst entzückt. A. W. Lenard IO Zahte. Heute wird Philipp Lenard 70 Jahre alt, ein Physiker. der weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt und geachtet ist, wie er ja auch für seine wissenschaftlichen Leistungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden. Geboren wurde er in der ungarischen Stadt Preßburg, unter seinen deutschen Lehrern sind Bunsen, Helmholtz und Heinrich Hertz. Bei dem letztgenannten wurde er Assistent. Seit 1907 wirkt er in Heidelberg als Professor der Experimentalphysik und gehört zu deren glänzendsten Vertretern. Von seinen zahlreichen Arbeiten sind vor allem zu nennen die be- rühmten Versuche über Kathodenstrahlen, die schönen elektrischen Enlladungserscheinungen in Vakuumröhren. Ihm gelang es zuerst. mittels sehr dünner in die Glaswand eingelasiensr Aluminium- plättchen(der sogenannten Lenardschen Fenster), die Strahlen aus der Röhre austreten zu lasten und im freien Luftraum zu studieren. wobei er sie als aus schnell bewegten elektrisch geladenen kleinsten Teilchen(Elektronen) bestehend erkannt«. Diese Arbeiten trugen erheblich zur Anerkennung der von Lorentz begründeten Elektronen- cheorie bei, die heute die Anschauungen über das Wesen der Elektri- zität beherrscht. In seinen theoretischen Anschauungen hält Lenard an der heute als unzulänglich erkannten mechanischen Naturauffassung fest, wo- nach alle Erscheinungen auf Bewegungen kleinster Tellchen beruhen müssen. Aus dieser Auffassung heraus will er auch nicht an dem Aether rütteln lassen, diesem„Schmerzenskind« der mechanischen Naturausfassung"(Planck). In der modernen Relativitätstheorie ist die Annahme eines Aethers mit mechanischen Eigenschaften frellich vollkommen überflüssig geworden. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Lenard bei aller Anerkennung, die er vielen Arbeiten Einsteins zollt, seiner Verallgemeinerung der Relativitätstheorie durchaus ab- lehnend gegenüber steht und sie geradezu leidenschaftlich bekämpft. Leidenschaftlichkeit trübt diesem ausgezeichneten Natursorfcher auch in anderen Dingen das Urteil. Er war unter den deutschen Professoren, die 1914 die Erklärung gegen die englischen Wissen- schaftler unterzeichneten. Auch öffentlich ist er in alldeutscher und völkischer Betätigung hervorgetreten. Lenard gehört zu dem Typ jener deutschen Professoren, von denen Einstein gelegentlich sagte, ihr Verhallen im Kriege habe bewiesen, daß man in politischen Dingen von ihnen nichts lernen könne, daß sie aber eines lernen müßte::„Maul halten." Dr. Bt. Gründgens— der kommende Wann. Zu der Meldung eines Mittagsblattes über Verhandlungen zwischen dem General- intendanten der Staatsthoater und Gustav Gründgens wird von der Generalintendanz bestätigt, daß solche stattgesunden haben mit dem Endziel, die bisherige Regietätigkeit des Herrn Gründgens an der S t a a t s o p e r auf die nächste Spielzeit zu verlängern und auf das Staatsschauspiel auszudehnen. Die Verhandlungen schweben noch.— Das Dementi bestätigt demnach im Grunde, was es berichtigen will. Ob Gründgens den Titel Intendant oder sonst einen bekommt, ist gleichgültig. Auf die Befugnisse kommt es an. Die bisherigeit Inszenierungen, die Gründgens in der Oper geleitet hat, hoben seine hervorragende Geeignetheit erwiesen. Er wird also seine Tätigkeit in Zukunft auch auf das Schauspielhaus ausdehnen. Das Schicksal des Potsdamer Schauspielhauses. Entgegen den Befürchtungen der Volksbühne, daß das Potsdamer Schauspielhaus wegen des verringerten Theaterzuschusses nur noch von Berliner Wanderbühnen bespielt werden könnte, erklärt jetzig die Theaterleitung, daß auch mit gekürztem Etat das Ensemble-Spiel aufrecht- erhallen bleibt. Allerdings werden nur zehn Schauspieler fest enga- giert gegen 18 im Vorjahr. Die fehlenden Rollen werden von Fall zu Fall besetzt. Heber Telepathie und Hellsehen spricht heute abend 8l4 Uhr im Hörsaal der 2. medizinischen Klinik(Schuwannstrane) Wilhelm G u b i s ch- Dresden in der„Gesellschast für wissenschaftliche Philosophie". Herr Gubisch wird die Experimente von Hornissen nachmachen und erklären. Der Verband der Schauspieler und Komparsen im Deutschen Film (Tachos veranstaltet Donnerstag, 8s4 Uhr, im Babylon- K i n o am Bülowplatz eine Wohllätigtsiizvvrstellung zugunsten seiner notleidenden Kollegen. Zur Lussühnmg gelangt„Die Fledermaus" unter Leitung von Felix Günther. Tagung des LGB. Am 9. und �0 Luni in Berlin. Nachdem die im Mai geplante Sitzung infolge des Wiedens von Albert Thomas vertagt werden mußte, tritt jetzt der Vorstand des I(3B. am 9. und 10. Juni in Berlin zusammen. Die Tagung wird sich mit den Ergebnissen der Ausschußsitzung des JOB. in Bern befassen und die weiteren Maßnahme» beraten, die sich aus der vom JGB. unlängst einberufenen Internationalen Gewerk- s6)aftskonferen? in Gens ergeben. Einen weiten Raum wird auch die Besprechung des Reparationsproblems in Zusammenhang mit dem dies- bezüglichen Antrag der Arbeitergruppc auf der letzten Internatio- nalen Arbeitskonferenz einnehmen. Außerdem steht die Besprechung des Entwurfs der Sozialpolitischen Richtlinien des IGB. und eines Erziehungsprogramms ans der Tagesordnung, ferner die Fragen des Vierländerkomitees und des A n t i k r i c g s- k o m i t e e s. An den Besprechungen werden alle Vorstandsmitglieder des IGB.: C i t r i n e- Großbritannien, I a c o b s e n- Dänemark, I o u h a u x- Frankreich, L e i p a r t- Deutschland, Mertens- Belgien, T a y e r l c- Tschechoslowakei und der Generalsekretär Schevenels teilnehmen. Was die Kirma versprach und nicht erfüllte. Im Betriebe der Kmüditorei H i l l b r i ch starb plötzlich während der Arbeit der dort seit 17 Jahren beschäftigt gewesene Hausdiener R. Die Firma schickte der Frau R. die Leiche ihres Mannes in einem Geschästsauto ins Haus. Die entsetzte Frau fragte nach der Todesursache und nach den näheren Ilmständen des Todesfalles. Man teilte ihr mit, ein Arzt habe Tod durch Herzschlag fest- gestellt. Die Firma zahlte an Frau R. 100 Mark als Beitrag zu den Beerdigungskosten und versprach, ihr außerdem noch einen Monatslohn des Verstorbenen— 160 Mark— zu zahlen. Frau R. konnte nicht glauben, daß ihr Mann an Herzschlag ge- storben sei. Sie ist der Meinung, daß es sich um einen B e- t rieb SU Ufa ll handelt, der durch mangelhafte, von der Firma verschuldete Betriebseinrichwngen hervorgerufen sei. Deshalb hat Frau R. die Firma beim Landgericht auf Schadenersatz ver- klagt. Die Klage wurde abgewiesen. Daß die bedauernswerte Frau ihr vermeintliches Recht vor Ge- richt gesucht hat. war für die Firma Hillbrich Veranlassung, ihr d i e versprochenen 100 Mark nicht zu zahlen. Nach der Behauptung der Frau R. soll ihr der Geschäftsführer der Firma nach dem Tode ihres Mannes versprochen haben, ihr eine Arbeits- st c l l c im Betriebe zu geben. Frau R. ist aber nicht eingestellt worden und der Geschästssührer denkt auch gar nicht daran es zu tun. Run forderte Frau R. durch Klage beim Arbeitsgericht, daß ihr. weil die Firma die versprochene Einstellung nicht bewirkt habe, die Kündigungsfrist mit 4ö Mark bezahlt werde. Der Geschästssührer Dr. P a p k e bestritt, der Klägerin eine Arbeitsstelle versprochen zu haben, er lehnte aber den ihn hierüber auferlegten Eid ab und schob ihn der Klägerin zu. Diese erklärte sich bereit, zu beschworen, daß ihr der Geschäftsführer die Einstellung zugesichert habe. Das Gericht unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats o. Podewils sah jedoch von der Eidesleistung der Klägerin ab und nahm ihre Angabe dadurch als erwiesen an, daß der Geschostsftihrer durch Ablehnung des Eides zu erkennen gegeben habe, daß er von der Wahrheit seiner Behauptung nicht überzeugt sei. Die Firma wurde zur Zahlung van 45 Mark verurteilt. Werksschiedsspruch für Rheinland-Westfalen. Kürzung deS Epihenlohns und Fortfall des Hausstandsgelds Dortmund, 7. Juni. In dem Lohnstreit bei den Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken in Rheinland und Westfalen wurde unter dem Vorsitz des stellvertretenden Schlichters für Westfalen folgender Schiedsspruch gefällt. 1. Mit Wirkung vom 1. Juni 1952 wird der Lohn des über 21 Jahre alten Facharbeiters in Ortsklasse A Gruppe 1 aus 8 0 bis 8 4 Vf. festgesetzt. Bei Errechnung der übrigen Lohnsätze wird der bisherige Schlüssel angewandt. 2. Das Hausstandsgeld kommt ab 1. Juni 1932 in Wegfall. Diese Regelung kann mit einmonatiger Frist erstmalig zum 31. Oktober 1932 gekündigt werden.(Erklärungsfrist bis 13. Juni.) Generalstreik in Portugal unterdrückt. Llm 2 proz. Lohnsteuer für einen Arbeitslosenfonds. Lissabon, 7. Juni. Die portugiesische Regierung hat den Versuch, einen General- streik in ganz Portugal durchzuführen, mit schärfsten Maßnahmen im Keime unterdrückt. Der Streik wurde als Protest gegen die neuen Steuern von 2 Proz. auf Löhne und Gehälter, die zur Bildung eines Arbeitsloseuunterstühungsfonds angeordnet wurden, ausgerufen. Da die Regierung alle Vorbeugungsmaß- nahmen getroffen hatte, kam es fast nirgends zu größeren Unruhen. Nur in Porto wurden energischere Versuche gemacht, den Streik durchzuführen. Dort wurde ein Mann in Straßengefechten g e- tötet und mehrere Personen verwundet. Die Regierungstruppen wurden mobilisiert. Die Soldaten holten die Straßenbahn- f ü h r e r aus ihren Wohnungen und zwangen sie mit gefälltem Bajonett, ihre Arbeit aufzunehmen. In allen Straßenbahnzügen wurden bewaffnete Wachen aufgestellt, die die normale Durch- führung des Dienstes zu überwachen hatten. Im Kampf gegen Streikbrecher. Paris. 7. Juni.(Eigenbericht.) In Port de Bouc bei Marseille kam es am Montag zu schweren Zusammen st äßen zwischen Dockarbeitern und Gendarmen. Die Arbeiter waren vor einigen Tagen in Streik ge- treten, weil sie mit einer Kürzung des Tageslohns um zwei Franken nicht einverstanden waren. Daraufhin hatten die Unternehmer Un- organisierte als Streikbrecher eingestellt, die unter dem Schutz von Gendarmen arbeiteten. Es kam zu einem Handgemenge zwischen den Dockern und den Gendarmen. Ein Dockarbeiter wurde durch einen Revolverschuß schwer verletzt. Verhandlung in der englischen Textilindustrie? London, 7. Juni. Der Zentralausschuß der Norchern Counties Textile Trades Federation befaßte sich mit dem Ereignis der von den verschiedenen Tcxtilgewerkschaften vorgenommenen Strcikabstimmungen. Für einen Streik wurden 88 603 Stimmen, dagegen 24 493 Stimmen abgegeben; für Verhandlungen mit den Arbeitgern 6 3 2 7 9 Stimmen, dagegen 29 967 Stimmen. Da sich also eine entschiedene Mehrheit für einen Streik, aber gleichzeitig auch für Verhandlungen mit den Unternehmern ausgesprochen hat, beschloß man, die Frage den einzelnen Gewerkschaften zur weiteren Begutachtung zu überweisen. fomdfunk: am Albencl Dienstag, den 7. Juni. Berlin: 16.t-» Qnerfchnitt durch die. Verwaltung der Weltstädte(Dr. K. Zielenziper). 16,40 Falscher Ton— falsches Deutsch(H. Meyer). 17.05 Dr. TJeberall er/ahlt. 17.23 Klaviermusik. 17.55 Bücherslunde(am Mikrophon: Dr. W. Hepemnnn). 18.25 Grenzlandsarbeit(Dr. Steinadler) 18.45 Drei Luftkapitäne berichten. 19.00 Slaa'suaiwälznng in Chile(Dr. Ilapemann) 19.10 Tän/e von einst, länze von heule. 21.00 lapps. und Sportnach richten. 21.10 Funkkalender. 22.10 Wetter-, i ages- und Sportnachrichten. Königs Wusterhausen: 16,30 Aus Leipzig: Vachmittagskonzert. 17.30 L'eber den Gesang der beimischen Singvögel(Dr. Heinroth). 18.00 Das Thema in der Instrumentalmusik(Prof. Dr. H. Mersmann). 19.30 Aus Frankfurt a. M.: ,.Die Geschichte des Affen Wun"(Hörspiel). 20,30 Gis Paris; Europäisches Konzert. 22.30 Vetter-. Tages- und Sportnachrichten. Spätkonzert. Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..A olksfunk'. monatL 96 Pf. durch alle ,.Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. TUeHet für Berlin: Wieder etwas wärmer, teils heiter, teils wolkig, trocken, schwache bis mähige westliche Winde.— Für Deutschland: Ueberall langsame Wiedererwärmung, nirgends mehr nennenswerte Niederschläge und vielfach heiter. Lcraniwortt. für die Ziedaltion; R'ch. Scrnftcin, Berlin: Anzeigen; Th. Eloiic, Berlin. Verlag: Vorwärts Berlag G, m. b. H., Berlin. Dru-t; Vorwärts Buch. druckcrei und Verlogsanftalt Paul Singer Co., Berlin SW 68 Lindenstr. 3 Hierzu 1 Beilage. «lssls Tfteafcr Oiestiag, den 7. Juni staaf soper Unter den linden 20 Uhr SizHianiscfte Vesper SlastlSdiSüSfieliiaas Geudarmcnmartt. 20 Uhr Der Liebestrank 1 Sähe Schiet. Bhf. 1 5ii.8K,Stgs. 2.5,8'511. E 7 Weicht.«31 [ B'e F.eflcrniaos.| Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die Räuber M\M Mer I»ic 81/« Uhr Journalisten Lustsp.nadiQustavFrejtag von Felix Jaaditan Musik; Theo Mackcbsn Repie: Heinz Hilpert VoiHsbimne Thsaler am Eülowc'at! «Vi Uhr Die golSene Cltr Volkssiiick von E. S z e p Regie; A. M. Rabenalt Staatl. Schiller-Iheakr 8 Uhr Die Räuber I Kling-Tbeater Täglich SV* Uhr Maäonna wo bis! Dü? Erika v. Thellmann. Genia Nikolajewna Theodor Loos Josef Wedorn Rose- ineater irsle Frankforter Strale 132 Ist Weiduel E 7 3422 8,30 Uhr Weekend im Paradies Gartenbliline 5.30 Uhr Konzert u. Variete ZiGeunerlietie HAiSJÄND WNMO Kesfanföut Berlins! Elkiiüi TAFEL PROGRAMM für die Zeit vom 7. bis 9. Jon! ©IO 0 Potsdamer Straße 38 In 80 innren um die Weit mit Dougrlaw FairbaukM.— Dio Wassertcufcl von llleflau mil l>ina C»ru1la, Paul llcidomann Jugendliche haben Zutritt Wochenl. ab 5 Uhr Kurfiir*f w- 7- 9' St* 7' s Uhr AxLiri UlSC stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Üorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Der Prinz von Arkadien mit Liane Haid. Willy Forst.— Tonboipi'ogsrannn Odeon, Potsdamer Str. 75 Drei von der Stempclstell© mit Fritz Jkantper«. Paul Kemp.— Verffesaen Sic bitte nicht die Antenne zu erden mit Kurt Milien.— Jugendliche haben Zotritt W. 5. 7, 9 Uhr Turmstraße 12 Ein toller Einfall mit Willy Fritpieh. Dorothea Wieck..>Iu\ Adalbert W. 5, 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 { PuttNajtc> Die Gräfin von klonte fliriato mit Briff, Helm, Rud. Förster. Im Beiprogramm: Das verlorene Paradies Den ganzen Tag geöffnet Unter<2en Linden 7V# m /; Täglich 5. 7. 9 Uhr i IVÜll Stgs. 3 Uhr: Juaendvorslell Berliner Str. 97. Großtonfüm: Ein toller Einfall mit Willy F ritsch. Äax Adalbert.— Tonbeiprogranim c MariendorF Ii Marlendorfer W. 7, 8.30, ■SU'IjI Tonlichtspielc So.5,7,8.30 Chausscestr. 305. Stg 3 Uhr: Jgd.-V. Der tolle Bomberg: mit von Schlettow.— Urw uldsy mpho- nie. Die grüne Hölle Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3. 5, 7. 9 Uhr Xju Donnerstag; Fr. Eaii� mit Elisabeth Bericner.— müde Tod mit Der W PnedricHstadt M Franziskaner Georgenslraße(Ecke Friedrichstraßel 9. 12. 3. 6, 9 Uhr Einmal möcht ich keine Sorgen haben .>lav Hansen 10.30. 1.30. 4.30, 7>0. 10.30 Uhr DI© Wassertoufel von Ilieflau \cucsfc Tonbild-Bcportasre f��Süd westen� Film-Palast Kammersäle TeltowerStr 1 W abSlä.So abätfcü Des großen Erfolges m e«, verlängere: Scbanghai-Exprciß i. Marlene Dia trieb— Webe, wenn er loegelaffsen mit Bnrian CZZE asten Primus-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Kreuzer Emden mit Werner Fuctterer. Louis Halph. Kenee Stobrawa Jugendliche haben Zulrili W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr U Schftneberg M Alhambra Hauptstraße 30 Variete Tonfilm 2 Großtonfilme: Das blaue Eicht mit Eeni Kiefenstahl.— Der Betteini udent mit Fritz Schulz Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W. 5. 7. 9 Uhr S 3. ö. 7. 9 Uhr Doppelprogramm: Die verliebte Firma mit 4». Fröhlich.— Es wird geheiratet mit Wzökc Hzukall q Wilmersdorf M A Wochcnt. 7, g�. ü. AtTWm Stg. 5. 7. 914 U. Kaiserallec. Ecke Berliner Straße Uraufführg.: Kuhle Womp«(Wem gehört die Welt) m- HerthaThiele. Ernst Busch, H. Werner-Kahle. Anna 71 ül! er- Linke. Hermann Krehan. Hartha Burchardt- — Gute# Tonfilmbeiprogramm Kronen-Lichtspiele Rhcinslraße 65. Beg. 7. 9 Uhr. Sbd., Stg. 5. 7. 9 Uhr Der Frechdachs m.W. Fritsch. Cum. Horn. Robert«— Gr. Beiprogramm ■"«gilt» j Titania-Palast Sg�'so.w. Steglitz, Schloßstr. 5. EckeGutsmuthsstr. Nur drei Tage: Neuaufführung Der blaue Engrel mit.Harlenc Dietrich. Emil ianninx«. Hans Albers.— Ton film- Beiprogramm Zeli Zehlendorf-Mltte M Beginn tägl 6, 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugend vorstell. Potsdamer Str 50 Der Fraucndiplomat mit �lax Hansen,.Hartha Egsgrcrth.— Ton bei Programm Germania-Palast Charlotlenburg. Wilmersdorfcr Str 53/54 Razzia in St. Pauli mil Rina Falckenberj?— Besserer Herr jtesucht zwecks... mit Sziike Szakall W. ab 5 Uhr Koablt A Wochenl. ab 6 Uhr nTlUSnOT Sonntags ab 5 Uhr Ferleberger S»r. 29. 2 Tonfilme: Kriminalreporter Holm mil Elga Brink— Die «eh webende.tungrfrau mit Sz. Szakall, Fr. Schulz— Tonw. W Südosten W Luisen- Theater 1:$ Vu. Reichenberaer Str 34. Jlarie Drehler in dem Tonfilm-Schauspiel Die fremde �lütter Ferner der Sensalions-Ausstatlungs-Film �ladam Satan Kant-Lichtspiele Kaulstr 54(an der Wilmersdorfer Str.) In SO.Minuten um die Welt mit Douglas Fairbanks— Ferner: Ein süßes Rehcimnis m- Hansi \tese W. ab 5 Uhr Schlüter-Theater tex"» u, Schlüterstr 1" Sonn 3 U: Jgd-V der Inf» mit-lae-k Holt.— Da«erden Weihe» zu Hyänen Jugendliehe haben Zutritt Stella-Palast"«nn"u. Köpenicker Straße 12—14 Ciretl T heimer. W. Fuetterer in dem Tonfilm Die Vier vom Bob 13 Ferner Ivan C'rawford in dem deutschen Tonfilm Irrwegre des Lebens (Alkoholschmuggler) Deutsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 4.15. 7. 9 U. Der Frechdachs mil Willy Fritsch, C'urailla Horn.— Ufakabarett 6.— Beiprogramm W Neukölln M Mercedes-Palast s'tb"®"; Hermannslr. 212 Nur noch drei Tage Bühnen-Gastspiel d. weltberühmten Kassner-Zauberschau— Ferner: O Variete- Attraktionen. Spieldauer 21/3 Stunden. Jugendl. Zutritt! — Ab Freitag; Kuhle Wampe Primus-Palast sonm.°b l u! Am Hermannplatz Urbanstr 72/76 Zwei himmelblaue Augren mit Ch. Ander, Thimig.— Der Boh (Mark Twain).— Freitag: Kreuzer Emden T repto w-Ste rn wa rte Donnerstag 8 Uhr: Das schöne Sehwabenlond(Füm). Schwarr- wald, Donautal, Allgäu. Bodenseo Osten German ia-Pa last Frankfurter Allee 314 Niemandsland Großtonfilm von Frieden und Völkerversöhnung Bühnengastspiel: Schönheits-Xackt-Revue Lucia Relieh Die Revue in 20 Bildern Wochentags 6.30, Sonntags ab 5 Uhr I nnn~PnlnQf Woch. 5 Uhr Luna-raiasi SonntabSUhr Gr Frankfurter Str. 121. Tonwoche In 80 Hinuten um die Welt m. Dougl. Fairbanks.— Durchlaucht amüsiert sich mit Kg. Alexander Schwarzer Adler au«"» W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Verlängert! Tonfilm; Gräfin v.üSonte Christo mit Brigitte Helm. Forster. Englisch— Tonbeiprogramm Viktoria-Theater sY�ibfu5 Frankfurter Allee 46. 2 Tonfilme: Hallo- Hallo, hier spricht Berlin.— Liebeskommando mit Dolly Haas c NcM-licMtenbcrg Kosmos-Lichtspiele Lückslr. 70 Wo. 6.45. 9 Uhr. Sonnt. 5. /, 9 Uhr Großtbnf.: Schofför Anloinette mit C'harl. Ander.— Liebe im Strandkorb.— Tonwoche W Friedricftsfelde M Kinn Rner/i Wochentags 6 Uhr IxlHO äJuSCfl Sonntags ab 5 Uhi AU-Friedrichsfelde 3 Die spanische Fliegre mit Fritz Schulz, Bird.— Gr Tonbeipr. Tonwoche Mysium" Beg.; Wochenl 5 Uhr Sonnt 3 Uhr Straßen der Weltstadt(.Unter- weltlilm).— Einmal möcht ich keine Sorten haben mit Humen Flora-LichtspieleL�T Wocht. 5.45, ca. 7. 8.45. Stg. ab 3 Uhr 3 Tonfilme; Ein Lied, ein Kuß. ein �lädel mit Fröhlich, Egr- fiserih.— Die große Liebe Königstadt-Palast sZ- Schönhauser Allee 10 Neue Direktion Der Frechdachs mil Willy Fritsch.— Der Stumme von Portici.— Oa-Tonwoche g worden B A IL****» Lf** Müllerstraße 136. Alnamora Ecke Seestraße W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Gr. Tonlustspiel; Der Frechdachs mit Willy Fritsch. Roberts, < am. Horn.— Lfa-Tonkobarctt Pharus-Lichtspiele Müllerslr. 142 Täglich 5, 7, 0 U. Sonntag ab 3 Uhr 2 Großtonfilme: Die Gräfin von Honte Christo mit Brig. Helm. Förster. Grundgrens.— Entfesseltes Afrika(Exped.-Großfilm) Pa last- Theater Z Ii l uur Breite Str. 2la. GroBlonlilm: Inter falscher Flache mit C'harl.»u.a. fiu.tav Fröhlich.— Tonbeiprograium Reinickendorf. Ost Beba-Licktspiele Residenzsir 124 W 6.45 o. 8.45 Uhr So 5. 7. 9 Uhr Stg, ö Uhr Jugend-V. Peter Volk der JUIIionendieb mit Willy Forst— Der Schel- dungsgrund fl Tegc'■ Filmpalast Tegel»iSkl" Wochenl.(j Uhr, Sonnt. 4.10 Uhr Sonntags 2 Uhr: Juaentlvorslellung Ein bißchen Eiebe für dich mit JJagd» Schneider. Herin. Thimfg— Tonbeiproeramm Bec W. 6. 8.30 Uhr tilmpalast Sias 4�.6�.844 0. Berliner Str 59 GroBtonfüm: Salto mortale mit Anna Sten.— Tonbeiprogr.— Tonwoche föeifoge Dienstag, 7. Juni 1932 frrJQmä StuUaubQaße Ja lor&dsdi Hausangestellte! Ein Weg kiii* Selbstfillte! Wir haben an Hand von praktischen Beispielen die Leiden and Nöte der Hausangestellten aufgezeigte Wir haben darauf hinge- wiesen, daß ein R e i ch s g e s e tz zur Regelung der Rechts und Pflichten der Hausangestellten, wie es von der Sozialdemokratischen Partei und den Gewerkschaften gefordert wird, und wie es dem Reichstag vorgelegt wurde, nicht zustande gekommen ist. Inzwischen hat sich das Kabinelt der Barone in den Sattel gesetzt. Die sin st er st e Sozialreaktion herrscht in Deutschland mit Hilse der Nationalsozialisten. Es ist zu erwarten, daß das, was die Arbeiterschaft an sozialem Recht seit der Novemberrevolution er- kämpft hat, den stärksten Belastungsproben ausgesetzt, wenn nicht zerstört wird. Die Situation hat sich also seit der Zeit, in der mit der Unter- suchung der Lage der Hausangestellten begonnen wurde, auch für die Hausangestellten weiter verschlechtert. Aber das ist kein Grund zum Verzweifeln. Jetzt gilt es erst recht, zu kämpfen! Zu kämpfen? Was kann schon so eine Hausangestellte der „Herrfchast" gegenüber ausrichten? Haben nicht gerade die von uns angefiihrten Fälle hundertprozentig bewiesen, daß die Hausangs- stellte ihrer Herrschaft aus Gnade und Ungnade ausgeliefert ist? Ja- wohl! Und doch: nein! Die einzelne ist schwach und machtlos. Tie Gcfnmtheit dagegen stellt eine Macht dar. Dos ist der Sinn des Volksstaates, das ist der Sinn der sozialen Demokratie, um die die Sozialdemokratische Partei und die Gewerk- schaften kämpfen und die die Herren Barone, die Großagrarier, die Großindustriellen und die Kapitalmagnaten mit Hilfe der National- sozialisten vernichten wollen, daß sich die Gesamtheit schützend vor die Rechte des einzelnen stellt, daß sie ihm diese Rechte erkämpft, wo das kapitalistische System sie ihm vorenthält! Deswegen jubelt ja ein großer Teil eurer„Herrschaften" den Baronen und National- sozialisten zu, weil er hofft, daß die Sozialrcaktion der vonPapen und Hitler eure Rechtlosigkeit endgültig besiegeln wird. Run gcrudc nicht! Hält man euch die Faust entgegen, zeigt ihnen tausend Fäuste! Aber seid klug. Der einzelne hat diese tausend Fäuste nicht, ihr habt sie erst, wenn ihr euch zusammenschließt. Wie ihr dos machen sollt? Hinein in die «ozialdcmokratischc Partei! ist die erste Porole. Die kommenden Reichstagswahlen bereits geben (Megenheit, in dieser Gemeinschaftsfront zu kämpfen. Die zweite Parole heißt: Hinein in die Organisation der Hausangestellten, in den Zentralvcrband der HauÄnngestellten Deutschlands! Der Zentralvsrband der Hausgsstellten Deutschlands ist eine Gruppe im Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Le- triebe und des Personen- und Warenverkehrs(Geschäftsstelle Berlin N. 24, Johannisstraße 14/13). Er gewährt seinen Mitgliedern in allen Lebenslagen Schutz und Hilfe. Sie finden Unter- stützung bei Krankheit und Erwerbslosigkeit. Es gibt hier eine Invaliden-, Notfall-, Sterbegeld-, Reise-, Streit- und Gemaßregelten- Unterstützung, eine Renten- und Pensionszuschußkasse. Dem Zentral- verband ist es zu verdanken, daß die schmachvollen Gesindeordnungen für die Dienstboten aufgehoben sind und den Hausangestellten die Möglichkeit gegeben ist, ihre berechtigten Ansprüche vor dem Ar- beitsgericht geltend zu machen. Allerdings, nichts würde es nutzen, wenn die Hausangestellte, rechtsunkundig oder schlecht de- raten, vor dem Arbeitsrichter ohne Rechtsbeistand erschiene. Ohne den Zentralverband, der schützend vor ihre Rechte tritt, ist es, wie die Praxis beweist, der Hausangestellten fast unmöglich, ihre Ansprüche beim Arbeitsgericht durchzusetzen. Wem man bedenkt, daß jede Woche fast 200 Fälle dieser Art vor dem Arbeitsgericht verhandelt werden, ist die Bedeutung des Rechtsschutzes für die Hausangestellte durch den Zentralverband klargestellt. Die meisten Nichtorganisierten Hausangestellten sind sich der Aussichtslosigkeit ihrer Klage selten bewußt. Die vielen abgewiesenen und verlorenen Klagen lassen dann die Hausangestellten verzweifeln und ihr trauriges Los als unabwendbares Schicksal hinnehmen. So kommt es auch, daß viele Hausangestellte, durch eine verlorene Klage enttäuscht und entmutigt, ihre berechtigten Ansprüche gar nicht mehr geltend machen und so unbewußt einem ausbeuterischen System Lorschub leisten. Das Recht des einzelnen ist demnach als Pflicht gegenüber der Gesamtheit zu betrachten. Dem Zentralverband ist es auch zu verdanken, daß die g e- werbsmäßige Stellenvermittlung aufgehört hat, die naturgemäß von ihren Inhabern vor allem als Erwerbsquelle betrachtet wurde. Eine Abart von privater Stellenvermittlung bilden allerdings jene Stellenangebote in Tageszeitungen, von denen wir zu Beginn der Serie eine Blütenlese gaben. Die Gesinnung, die aus ihnen spricht, ist unmißverständlich. Es wäre deshalb wichtig, daß freie Stellen, ehe die Hausangestellte sich bewirbt, so gut es in dieser Zeit geht, erst von Vertrauensleuten der Organisation über- prüft werden. So könnte mit der Zeit eine Uebersicht geschossen werden, die es dann ermöglichen würde, die Hausangestellte vor dem Arbeitsantritt in einem als unsozial und menschenunwürdig ge- führten Haushalt zu warnen. Es ist selbstverständlich, daß der Verband auch weiterhin für die Schaffung eines R e i ch s- H a u s g e h i l s i n n e n g e s e tz e s, in dem Arbeits- und Freizeit sowie Urlaub und Arbeitsschutz ge- regelt sind, unnachgiebig eintritt. Er ist bemüht, Tarifverträge abzu- schließen, in denen Löhne, Kostgeld usw. festgelegt sind. Er fordert die Einbeziehung der Hausgehilfinnen in die Unfallversicherung und die Errichtung von Hausgehilfinnenheimen für ftel- lungs- und wohnungslose Hausangestellte. Diese Heime sind von weittragender Bedeutung nir das maralische Wohl so vieler Mädchen. Wie oft irren stellungslose Mädchen ohne einen Pfennig Geld(gerade in Fällen, wo zwischen Arbeitgeber und Ar- beitnehmerin Differenzen vor dem Arbeitsgericht erst ausgetragen werden Guissen, bevor die Hausangestellte ihre finanziellen Ansprüche vergütet bekommt) obdachlos in der Großstadt umher und geraten, von Not und Verzweiflung getrieben, in Gefahr, sich der Prostitution in die Arme zu werfen! Weiter bemüht sich der Zentrawerband der Hausangestellten. seinen Mitgliedern durch eine planmäßig« Berufsausbildung das Fortkommen zu erleichtern. Gelingt es. eine systematische Ausbildung durchzusetzen, so könnte man damit dem Unfug des„Haustochter- Systems" ein Ende machen, das eine Ausbeutung wenig oder un- geschulter Hilfskräste ist. Ueberdies würde eine solche Klassifizierung der Hausangestellten den wirtschaftlichen Konkurrenzkampf erleichtern. Durch gesellige Zusammenkünfte ist der Verband bestrebt, die Freizeit der Hausangestellten sinnvoll auszufüllen. Wieviel Haus- angestellte wissen mit den Sttmden, in denen sie ausruhen und Kräfte sammeln sollen, etwas Richtiges anzufangen! Ohne Angehörige in der Großstadt, gerät ei» Teil der Hausangestellte» durch ihre Ver- einfamung in gefährliche Gesellschaft. Gerade diese Vereinsamung, die durch die gesellschaftliche und menschliche Isolierung in den Haus- halten gefördert wird, ist mancher Hausgehilfin zum Verhängnis geworden. Schon aus diesem Grunde ist ein Zusammenschluß not- wendig. Schließt euch zusammen! Das ist das Gebot, das auch das eigene Interesse diktiert. Ohne diesen Zusammenschluß seid ihr ein Spielball von Willkür und Laune, ohne diesen Zusammenschluß seid ihr im Kampf um euer Recht unterlegen! Denkt an die moralischen Schäden, die ihr erleidet, wenn ihr unausgesetzt gedemlltigt, in eurer persönlichen Frei- heit und Willensbestimmung eingeengt und fühlbar vcn seder Ge- meinschaft isoliert werdet! Eltern, wenn eure Kinder Hausangestellte werden, vergeßt nicht, sie rechtzeitig auf diesen Zusammenschluß aufmerksam zu machen und ihnen die Vorteile der Organisation, der ihr ja selbst so manches zu verdanken habt, auseinanderzusetzen! Der planmäßige Zusammenschluß ist die Voraus- sctznng zur Ücbcrwindung des sozialen Glends! Diktaiiu* dem Hungere? Itemerkimgeii zum Kabinett«1er ilaroue/ Von De. Julius Kloses Die ungeheure Arbeitslosigkeit hat gesundheitliche Schäden im Volke angerichtet, die sich in chrem ganzen Ausmaße noch immer nicht übersehen lassen. Millionen von Menschen leben unter fast ganz gleichen wirtschaftlichen Bedingungen, wie während der härtesten Kriegszeit. Wie verheerend die Arbeistlosigkeit die Volksgesundheit getrosten hat, wie die Keime für viele Krankheiten durch die soziale und wirtschaftliche Not gelegt werden, das haben hervorragende deutsche Aerzte und Kliniker in ihren Beiträgen zu meiner Denk- schrift„Arbeitslosigkeit: ein Problem der Volks- g e s u n d h e i t" dargelegt. Arbeitslosigkeit, schlechte Ernährung und Wohnungselend sind die drei Faktoren, die Millionen von Menschen gesundheitlich verelenden lassen. Ebenso wie in den schummstcn Kriesjahren sind es die Kinde r, die das schwerste Los zu tragen haben. Die Kindersterblichkeit ist allerdings nicht so groß, wie man erwarten sollte. Das hängt aber damit zusammen, daß die Eltern sich die Brocken vom Munde absparen, um ihre Kinder durch,;»- bringen, daß die Eltern für die Kinder hungern. Dagegen hat sich der Gesundheitszustand der Kinder in bcsorgnis- erregender Weise verschlechtert. Aus einem Bericht des preußischen Ministerialrats Dr. Koentg ergibt sich, daß in Preußen bei den Säuglingen und Kleinkindern seit dem Herbst 1931 eine Zunahme von Blutarnrut, Skrofulöse, Rachitis, Hautkrankheiten, Krätze und Nervosität zu beobachten ist. In zahlreichen Kreisen hat der Ernährungszustand der Kinder merkbar abgenommen. Die Fälle, daß Kinder ohne Frühstück in die Schule kommen, werden in steigendem Maße registriert. Die Wäsche und die Bekleidung der Kinder stnd wieder sehr mangelhaft geworden. Graß ist der Mangel an Betten und Bettwäsche. 40 Prozent der Volksschülcr besitzen kein eigenes Bett, sondern müssen zu zweit und zu dritt zusammenschlafen u. a. m. Kinder hungern!... Das ist Krieg! Der Hunger dringt aber auch in immer weitere Kreise der er- wachsenen Proletarier ein. Die schrumpfenden Leistungen der Sozialversicherung zwingen die Arbeitslosen, sich in ihrer Lebens- führung immer mehr einzuschränken Die Mieten werden nicht mehr ausgebracht, die Familien drängen sich in ungesunden, alten Klein- Wohnungen zusammen. Das Essen wird verschlechtert, nur das Not- wendigste, Kartoffeln und Brot, wird gekauft, für Fleisch, Milch, Fett und Gemüse reicht das Geld nicht. Von einer gesunden K o st ist keine Rede mehr, die Wirkungen der elenden Ernährung auf die Kinder kann man sich unschwer vorstellen. Die Kleidung ist minderwertig, kulturelle Ausgaben fallen vollständig weg. Noch schlimmer aber ist das Schicksal derjenigen, die auf die Wohlfahrtsfürsorge angewiesen sind oder aber überhaupt schutzlos dastchen. Hier herrscht der nackte Hunger! Die Zahl der Bettler, die von Haus zu Haus ziehen, der Straßen- und Hosmusikanten, der Schnürsenkelverkäufer usw. nimmt immer mehr zu. Die Menschen sind hungrig... und aus dem Hunger ergibt sich alles übrige: sie werden psychisch reizbar, sie besreien sich von„moralischen Hem- mungen", was aus der steil ansteigenden K r i m i n a l st a t i st i k kraß hervorgeht, sie gehen auf die Straße, um ihren Groll heraus- zuschreien. Und wenn der Staat gegen diese Hungererscheinungen keine anderen Hilfsmittel kennt, als den Gummiknüppel der Polizei, als gerichtliche Urteile wegen eines gestohlenen Brötchens, dann zeigt er, daß er des Hungers nicht mehr Herr werden kann. Der Hunger der Massen ist der Beweis dafür, daß wir noch immer in schlimmer Kriegszeit leben. Unser österreichisches Bruder- blatt, die„Wiener Arbeiterzeitung", veröffentlicht eben einen alarmierenden Bericht aus den ö st erreich! schen In- d u st r i e z e n t r e n, wo die Stillegung der großen Eisenbetriebe eine furchtbare Arbeitslosigkeit hervorgerufen hat. Aerzte haben den Gesundheitszustand der Arbeitslosen untersucht und etwas festgestellt, was wichtiger als alle Budgetziffern, ernster als jede Wirtschafts- stattstik ist: Tie Nahrung selbst derjenigen Arbeitslosen, die noch die Notstandshilfe bezichen, enthält um mindestens ein Drittel.Kalorien weniger, als zur(Erhaltung des menschlichen Körpers notwendig ist. Eine Nahrung ohne Fletsch, Fett, ohne Frischgemüse, frei von den für den menschlichen Körper unentbehrlichen Vitaminen! Die Tuberkulose steigt bedrohlich an! Fast alle Kinder der Arbettslosen sind rachitisch. Vierzigjährige Frauen, Mütter von kleinen Kindern, sehen wie Greisinnen aus. Das allerschlimmste steht noch bevor: wenn nicht ganz schnell Hllfe gebracht wird, so wird binnen wenigen Monaten in den österreichischen Arbeitslosenorten der Skorbut wüten, die furchtbare Krankheit, die wir in der Kriegszeit in den Kriegsgefangenenlagern gekannt haben. Der Hungerskorbut steht vor der Tür! Wenn einmal nicht mehr die letzte Hilfe, jene der Ge- meinden, möglich sein wird, dann kommt totsicher der Skorbut, die Hungerkrankheit, das langsame Verhungern! Die Bevölkerung er- innert sich fast mit Sehnsucht der Nachkriegsjahre mit der Nahnings» oushilfe des Auslandes! Steht es in unseren Hungerbezirten, in den Arbeftslosengebieten im Erz- und Riefengebirg«, in Schlesien, im Ruhrgobiet, in Beelin, anders? Auch hier Hunger, Hunger und wieder Hunger! Auch hier Verzweiflung bis zur Erschöpfung, volksgesundheitliche Rückschläge, Not und seelische Depression! Was aber wlrd getan, um dieser Verzweiflungsstimmung Herr zu werden? Es wird Polizei aufgeboten, es werden die Gerichte in Bewegung gesetzt. Und schließlich: über, dieses erschöpfte, verhungerte, psychisch und seelisch niederbrechende Arbeitslosenheer, das das ganze Volk durchsetzt, wird eine Regierung gesetzt, die aus Generälen, ostelbi- schen Junkern und Jntcressenvertretern der Schwer- i n d u st r i e besteht. In der Zeit des Hungers der Arbeiterschaft wird eine Regierung gebildet, in der nicht ein einziger Arbeiter- Vertreter vorhanden ist. Und die unverhllllte Absicht geht dahin, auch in den Ländern das Junker- und Militärregime durchzusetzen. Tos Volk hungert!(sine Negierung aber wird ge- bildet, die die Interessen eines winzigen Bruchteils der Vcvölkernng, der zahlenmäßig sich kaum errechnen läßt, allein vertritt. Weil einige Großagrarier sich dagegen wehrten, daß ihre bankerotten, schlecht bewirtschafteten und zum Zusammenbruch verurteilten Güter für soziale Siedlungszweckc aufgeteilt werden sollten, mußte das Kabinett Brüning gehen. Wenn man den Mut hat, den Hunger in Deutschland zu organi- sicren, dann kann man allerdings Autarkie treiben, dann kann man den oftelbischen Junkern die Sorge um das nackte Leben der Arbeitslosen und ihrer Familien übertragen. Wenn man den Mut hat, den'Hünger zu stabilisieren, dann kann man die Sozial- v e rs i ch e r u n g a b s ch a f s e n und an ihre Stelle irgendeine Art von Wohlfahrtssürsorgc einsetzen. Wenn man den Mut hat zu zeigen, daß das Wohlergehen der Großgrundbesitzer, Schwer- industriellen und Militärs über das Wohl des arbeitenden Volkes gestellt wird, dann vergrößere man den Hunger, indem man an die Stelle des rechtlichen Anspruchs der Arbeitenden aus Brot das Gnadenbrot setzt, dann ersetze man das Recht des Proletariats auf die Hilfe des Staats und der Gesellschaft durch eine Mittelalter- liche Charitas! Wie es heute in Deutschland steht, das hat der frühere Reichs- kan.zler Brüning in seiner Rede am 28. Mai d. I. gesagt:„Auch die Beschaffung von Ernährung und Bekleidung beginnt in Deutsch- land in ein bedrohliches Stadium zu treten." Die SVonjequenz, die aus dieser fürchterlichen Erkenntnis gezogen wurde, war diese reaktionäre Kabinettsumbildung, um die oftelbischen Junker zu sanieren! Das Volk hungert! Aber wichtiger war das Streben, die„nationalen Kräfte", die durch Militär, Zlgrarier und Schwer- industrie repräsentiert werden, in den Sattel zu bringen. Tiefes neue Kabinett mit seinen agrarischen, mili- tärischcn und industriellen Jinteressen. Prototyp der Adels- und Militärherrschaft, soll Verständnis für den Hunger der Massen aufbringen? Will es den Hunger bekämpfen mit seinen Autarkieplänen, die aus eine völlige Unterbindung der Einsuhr billiger Lebensmittel hinaus- laufen, mit seinen Absichten, die staatlichen Geldmittel statt dem hungernden Volke den bankerotten Großgrundbesitzern zuzuleiten? Will es den Hunger bekämpfen mit seinen nationalen Phrasen, mit seinen Plänen zur Vesettigung der Sozialversicherung, des letzten Rettungsankers Millionen arbeitsloser Hungriger? Soll etwa dieses volksfremde und volksfeindliche Kabinett das frühere Wort H i n d e n- burgs verwirklichen, daß„die Gefunderhallung des deutschen Volkes eine der wichtigsten staatlichen Aufgaben sei, da nur ein ge- sundes deutsches Volk aus der schweren Gegenwart den Weg in eine bessere Zukunft finden wird"? Es ist an der Zeit, an das Wort des großen Arztes Rudolf v. B i r ch o w zu erinnern, das in seiner Zeitschrift„Medizinische Reform" aus dem Jahre 1 8 4 8 zu lesen ist: „Wenn der Staat es zuläßt, daß durch irgendwelche Vorgänge, sei es des Himmels, sei es des täglichen Lebens, Bürger in die Lage gebracht werden, verhungern zu müssen, s o hört er recht- l i ch auf, S t a a t z u fein, er legalisiert den Diebstahl(die Selbst- hilf«) und beraubt sich jedes sittlichen Grundes, die Sicherheit der Personen oder des Eigentums zu wahren. Dasselbe ist der Fall, wenn er zuläßt, daß ein Bürger gezwungen wird, in einer Lage zu beharren, bei der seine Gesundheit nicht bestehen kann." lind Virchow war kein„Bolschewik". Wir leben heute in der Zeit eines Vormärzes, wir sind u m hundert Jahre zurückgeworfen. Virchows Kampf galt damals der Regierungspolitik, die die gesundheitliche Verelendung verschuldete, die am Hunger weiter Gebiete in Deutschland Schuld trug. Die Diktatur des Großagrariertums bedeutet Diktatur des Hungers, Diktatur der Rachitis, Diktatur der Tuberkulose, Diktatur der Prostitution und Diktatur der Selbstmorde! Sorgen wir dafür, daß durch die kommenden Reichstagswahlen diese furchtbaren Gefahren für das deutsche Proletariat abgewendet werden! Nur der Sieg der sozialen Demokratie kann dam deutschen Volke seelisch« und psychische Gesundung bsingen. So mu�te es kommen! „Deufsdier" Sport ohne deutsches Volk Das war also am Sonnabend und Sonntag das„Olympia- fest des deutschen Sportes!" Das war das große Fest im großen Grunewaldstadion, das für die Ausrichtung der deut- fchen Sportler-Delegation zur bürgerlichen Olympiade in Los Angeles noch einiges Geld einbringen sollte! Leere Bänke trotz riesiger Reklame, trotz Anwesenheit des Reichspräsidenten, trotz Uebernahme des Protektorats durch einen Sportpresjeoerband. Nichts vom Sport, vom„deutschen" Sport. Wäre die Polize» mit einigen ins Sportliche einschlagengen Vor- sührunge» nicht dagewesen, hätten die Motorradfahrer der Reichs- wehr nicht einen Reigen gefahren, wären nicht einige Kunst- und Segelflieger aufgetreten: das Olympiafest des deutschen Sportes wäre zu der langweiligsten Angelegenheit der Welt geworden. Seit Monaten, fast seit Jahren würgen nun die diversen Sport- „behörden" an der Olympiade herum. Man ist sich bewußt, daß man in Los Angeles kaum auf einen grünen Zweig kommen, ge- schweige denn Lorbeeren ernten wird. Aber sportliche Indifferenz und wirtschaftliche Notzeiten können den Reichsausschuß für Leibes- Übungen, diese Institution von Männern, die durchaus die Oeffent- lichkeit suchen, um sich selbst herauszustellen, nickt abbalten von dem Gedanken, Deutschland müsse durchaus nach Los Angeles. Wo ist denn der große olympische Gedanke im bürgerlichen deutschen Sportlager geblieben, der alles begeistern und zu jedem Opfer bereit machen soll? Warum setzte man Deutschlands Sportler, die etwas zu zeigen haben, bei dem Olympiafest nicht ein? Wo waren denn die vielen zehntausend bürgerlichen Sportler aus Berlin, wenn es galt, für den olympischen Gedanken und für die Delegation nach Los Angeles etwas herauszuholen? chat man mit der Ueberzüchtung der sportlichen Höchstleistungen den olympischen Gedanken so vor die Hunde gebracht, daß sich nicht einmal die Nächstinteressierten dafür zu begeistern vermögen? Was man am Sonnabend und am Sonntag im Grunewald- Stadion erlebte, war die Pleite des bürgerlichen Sportes und seines olympischen Gedankens! Da nutzt es nichts, wenn.ein Hugenbergblatt klagt: „Heilte will die Masse— das ist eine betrübliche, aber nicht wegzuleugnende Tatsache— Sensationen sehen, spannende Wettkämpfe und keine Schau— mag sie noch so großzügig, noch so imposant sein. Viel Aufwand ist somit nutzlos vertan worden, und dem Deutschen Olympiasonds dürfte kaum eine besonder« Summ« zugeflossen sein." Das ist es ja eben: Jahrelang hat sich der bürgerliche Rekord- spart von einer willfährigen Presse, die Geschäfte damit machen wollte, verherrlichen lassen! die Zuschauer haben nichts weiter ge- sehen als Rekorde. Rekorde und noch einmal Rekorde. Der Sport als Leibesllbung ist dabei vergessen worden. Man hat ihn nicht beachtet, man sah ihn nicht mehr: Geld verdiente man mit dem Sport. Und nun, wo man turnusgemäß wieder einmal auf den olympischen Gedanken zurückkommen muß, da versagt der bürger- liche Sport, da versagen die Spitzenkönner, da versagt die Organi- sation, die Sensationspresse, da versagen aber auch die Zuschauer- massen. Das Ende der Tragödie: Hundert Sportler, die auf der großen Stadionwiese ein wenig umherhüpfen und ein Militärkonzert mit Zapfenstreich! Rund herum aber leere Bänke! Fahrt wohl nach Los Angeles,„deutsche" Sportler vom Reichsausschuß für Leibes- Übungen! .Axdeiter-1" ennis Tennis-Roi schlägt Magdeburg 11:7— Hohe Niederlagen in der Serie Dos dritte Vereinstreffen zwischen„Tennis-Rot Groß- Berlin" und der„Freien Tennis-Vercinigung Mag- de bürg" konnte wiederum Tennis-Rot für sich entscheiden. Don 18 angesetzten Treffen fielen elf nach Berlin, sieben buchte Magde- bürg für sich. Magdeburg zeigte eine außerordentliche Formver- bejseruna, dazu kam, daß Berlin nicht alle Spitzenspieler zur Stelle haben konnte. Daß sich Tennis-Rot trotzdem so gut durchsetzen konnte, zeugt für seine gute Durchschnittsspielstärke. Die besten Leistungen von den Berlinern vollbrachten Rtüller und Schramm, die im Männer-Einzel die beiden sehr guten Magdeburger Spitzen- ipieler Bornkampf und Falk« in Dreisatzkämpfen meisterten. Auch Büttner-Berlin lieferte trotz seiner Niederlage ein vorzügliches Spiel. Ihm fehlt nur noch der letzte taktische Schliff. Die Berliner Frauen sind einwandfrei, besonders im Doppel, überlegen. Die letzten Berliner Serienspiele brachten durchweg hohe Siege. Wie bereits vorausgesagt, schlug in der.�-Gruppe fiir Frauen TR. Neukölln l die Mannschaft van TR. Prenzlauer Berg I mit 6: 0. FTGB. I Überwand die jung« Gruppe von TR. Fürsten- walde I ebenfalls mit 6: 0. Spielerfahrung siegte überlegen über d:e Serienneulinge. In der B-Gruppe für Frauen holte sich TR. Prenzlauer Berg II wortvolle Punkte von FTGB. II. Das Treffen endete 4: 0 für TR. Prenzlauer Berg. Die starke Mann- fchaft von FTGB. I konnte sich in der A-Grjppe für Männer gegen FT. Spandau I nur mit 4: 2 durchsetzen. Es erscheint nach diesem Resultat fraglich, ob FTGB. auch in diesem Jahr« den Gruppen- zweiten stellen wird. Ein« große Ueberraschung gab es in der B-Gruppe für Männer. TR. Weißensee I, eine Mannschaft mit nur jungen Spielern, schlug TR. Prenzlauer Berg I hoch mit(5:0. Wcißensee scheint nach seinen bisherigen Leistungen der Favorit der B-Gruppe zu fei». In der E-Gruppc für Männer setzte TR. Westen l sein« Siegesseric fort, in dem er TR. Neukölln mit (i;0 abfertigte. Zwischen Westen und TR. Gesundbrunnen II dürfte sich der Gruppenmeister entscheiden, denn letztere Mannschaft sicherte sich wiederum einen hohen Sieg. Sie schlug TR. Prenzlauer Berg II hoch mit 6: 0. Die D-Gruppe für Männer brachte nur ein Treffen. FT. Spandau II schlug überlegen FTGB. III mit 6:� Am Schießstand Gaumetsterschatten der Arbeücrschulzcn Die Arbeiterschützen führten in Grünefeld ihre dies- jährige G a u in e i ft e r j ch a f t im Kleinkaliberschiehen durch. Der Termin war sehr zeitig gewählt und die Leistungen lassen daher erkennen, daß die Mannschaften in dieser frühen Jahres- zeit noch nicht genügend trainiert sind. Um jo erfreulicher war die Beteiligung, di« alle bisherigen Gaumeisterschaften bei weitem übertraf. Erstmalig wurde nach der neuen Klaifencinteilung geschossen. In der.-V-Klasse gelang es dem Titelverteidiger Lichterfelde auch diesmal wieder, den Titel erfolgreich zu behaupten: mit 13 Punkten Borfprung wurde die Grünefelder.X-Mannschaft geschlagen. Der Sieg ist um so höher zu bewerten, als die Grünselder Mannschaften den Vorteil des eigenen Platzes hatten. Drifter in der A.-Klasse wurde Charlottenburg vor Britz. In d«r B-Klasse konnte Weddlng die Meisterschaft erringen vor Grünefeld, Charloftenburg und Lichterstlde. Di« Meisterschaft in der C-Klasse wurde wieder eine Beute von Lichterfelde, hier endete Wedding auf dem zweften Platz. Die Gaueinzelmeisterschaft wurde diesmal nicht besonders ausge- tragen, sondern durch die beste Schußleistung innerhalb der Mann- fchaft ermittelt. Dadurch ergaben sich folgende Resultate:.�-Klasse: Blandowski-Charlottenburg mit 149 vor Maschke-Lichterfelde mit 142 Punkten. B-Klasse: Römer-Grünefeld mit 138, L-Klasse: Sied- ler-Lichterfelde mit 133 Punkten. Die Gau-Ehrenscheibe fiel an Gag- stetter-Lichterfelde. ARBEITER. TUSSmiL Die letzten Spiele/ Hertha behauptet sich Hertha-Luckenwalde zeigte gestern in Wilmersdorf, daß ihr die Führerstelle nicht mehr zu nehmen ist. Klar und eindeutig beweist das Resultat, daß die Luckenwalder zur Zeit die spielstärkste Mann- fchaft ist, die in der Abteilung A. des vierten Bezirks vertreten ist. Bis zur Paus« lagen sie schon mit 2:1 in Führung, um nach d«m Wiederanstoß noch zwei weitere Erfolge zu erringen. Die Wilmers- dorfer setzten den Luckenwaldes wohl harten Widerstand entgegen, mußten aber ohne ihren Sturmführer die Ueberlegenheit Herthas anerkennen.— Weißensee konnte auf eigenem Platz zum erstenmal in der neuen Serie keinen Erfolg buchen: unentschieden 2: 2 trennten sie sich von der Reinickendorfer Eintracht. Auf der anderen«eite zeigte es sich aber, daß di« Reinickendorfer wieder sehr im Kommen begriffen sind.— Wacker 30 und Hoppegarten trennten sich nach interessantem und abwechselungsreichem Spiel beim Stande von 4: 3.— In Pankow sah es für die Freie Sportoereinigung bis zier Pause sehr schlecht aus. Di« Blankenburger, eigentlich als Punkte- liestranten erwartet, logen bei der Halbzeit schon mit 2: 1 in Füh- rung. Dann drehten die Pankower aber aus. Bald hieß es 2:2, dann sogar 4: 2 für Pankow. Das schien den Blankenburgern nicht zu passen, denn sie legten jetzt eine unnütze Härte ins Spiel. Trotz- dem blieben sie mit 7:2 geschlagen. Adler 08 wellt« wieder einmal außerhalb, Forst war gestern das Ziel. Mit crs atzgeschwächter Mannschaft traten sie dem Forster Meister beim Sportfest gegenüber. Mit 1:0 für Adler wurden die Sellen gewechselt. Nach dem Wiederanstoß zeigten die Pankower nur noch schwache Stürmerleistungen: einzig und allein der guten Hintermannschaft war es.zu verdanken, daß das Resultat beim Schlußpfiff nur 1: 1 lautete. Weiter« AcluUate: Illterboa gegen Luckenwalde 1 4:1.— Lichtenberg 2 gegen flouledotf 4:2.— Lichtenberg I 2 gegen Ret-WeiK 1 4:6.— Rot.Weih gegen Minerna 2 1:3.— Narmannia gegen Hansa 31 2:1.— Normannia 2 tegen Hansa 2 0:4.— Wilmersdorf 2 gegen Hertha 0:2.— Adler 2 gegen iorfigwald- 5:0.— Adler 3 gegen Borsigwalde 2 0:1.— Pankow 2 gegen Buch 3:3.— Rcrmannia Jugend gegen Adler 08 1:4.— Lichtenberg 1 Jugend gegen Eintracht-Reinickendorf 1:0.— Lichtenberg 2 Ingcnb gegen Ltaaken 1:2. — Hansa gegen Minerva 1:1.— Schülcrmannschaften: Lichtenberg I gegen Adler 08 0:3.— Adler 2 gegen Schöneberg 0:0. dZsnddsZ! Die FJGB.-Osten konnte am Sonntag mft allen drei Mann- schaften zweistellige Ergebnisse erreichen. Schon am Vormillog be- wies die dritte Mannschaft den großen Unterschied gegen FJGB- Westen 2. Mit 14: 0 stand der Sieg niemals in Frage. Die zweite Mannschaft holte dann am Nachmittag ein 15: 2(6: 1) gegen TSV.- Kaulsdorf 2 heraus. Kaulsdorf trat gegen früher bedeutend ge- schwächt an und wurde ganz zurückgedrängt. Zudem wurde sehr hilflos gespielt, so daß es Osten nicht schwer fiel, sich immer und immer durchzusetzen. Was die unteren Mannschaften konnten, mußte die erste Mann- fchaft auch schaffen, also wurde 15: 5(9:2) über TSV.-Kaulsdorf gewonnen. Es sei gleich vorweg bemerkt, daß Kaulrdorf nicht in diesem Maße schlechter war, lediglich das mangelhafte Sicllungs- spi«l und die ganz unplazierten Torwürse oerdarben viele Chancen. Die FJGB.-Stralau hatte sich die erstklassig« FJGB.-Nordost verpflichtet und mußt« ganz selbstverständlich durch das 13: 2 einen Klassenunterschied hinnehmen. der Woche In einem sehr matten Spiel behielt Neukölln gestern über Freiheit die Oberhand. Beide Mannschaften traten mit Ersatz für nicht abkömmliche Spieler an. ein Mangel, der sich bei den Wochentagsabendspielen vielleicht nie ganz vermeiden lassen wird. Freiheit begann reckt vielversprechend und oerlegte das Spiel gleich in des Gegners Hälfte, doch die Stürmer stellten sich vor dem Gegnertor stets so ungünstig und gedrängt, daß Neuköllns Abwehr leichte Mühe hatte, Klärung zu schassen. Auch Neuköllns Hinter- Mannschaft gelang es nicht, den gleichfalls zusammenhanglos spielen- den Sturm in geschlossenen Aktionen ins Spiel zu bringen. Licht- blicke boten lediglich einige technisch gute Durchbrüche des Neuköllner Mittelstürmers, der ssiner Mannschaft zur 2: 0°Führung bis zur Pause oerbals. In der zweiten Spielhälste fielen dann beide Mann- schaften gänzlich ab, wobei allerdings die verhältnismäßig niedrige Wassertemperotur erheblichen Anteil trug. Bei beiderseitig lustlos geführtem Spiel erzielte jede Partei je einen Erfolg, so daß sich das Schluhergebnis auf 3: 1 für Neukölln stellte. Morgen, Mittwoch, spielen in Neukölln im Vereinsbod des ASB. Möwe, an der Grenzallee, die Mannschaften von Union und Möwe. Gin Union-Eieg ist möglich, aber noch nicht sicher. Charlottenburg wird am gleichen Abend in der städtischen Badeanstalt Westend?u einem neue» Griolg über Wcihenscc kommen. Am Donnerslag obsoloiert Gharlottenburg ein weiteres ausstchtsreiches Sniel gegen Spandau in Spandaus Savelbad in der Wröhmännerftra-e. Neukölln wird am Freitag im öniel gegen seinen Orisnachbare» Möwe wahrscheinlich ein« knappe Niederlage hinnehmen miislrn. Beginn aller Spiele 19 Uhr. IKspntt erobert! Vor einiger Zeit wußte di«„Rote Fahne" triumphierend zu inelden, daß der Meister des Arbeiter-Athletenbundes Deutschlands im Mannjchaitsboxen„Ad l e r- S ta ß j u r t"— nachdem er bereits mehrfach gegen kommunistische Städtemaiiitzchasten gestartet war—, aus dem Bund auegeschlossen worden ist. Die Hoffnung, diesen Derein für di« Kommunisten zu ziehen, haben sich nun dank der glorreichen Führung der„Oppo" zerschlagen, das Häuflein ist jetzt in der Auflösung begrissen. Der so oft erfolgreiche Berein ist durch die Machenschaften der KPD. heute eine Ruine. Ein Teil der Mitglieder wollte offen zu„Rot-Sport", die anderen zu den bürger- lichen Verbänden. Durch einen Kampsabend mit einem bürgerlichen Verein wollten sie jetzt wieder ihre Kasse auffüllen, aber der Verband hat seinem Verein diesen Kampf verboten: damit ist der Zerfall des Vereins beschleunigt worden. Die besten Kämpfer und jahrelangen Bundesmeister Beyeler und Dippmann sind zu den Bürgerlichen übergelaufen. Der Rest wird ihnen bald folgen. ADAC-Motorboot- und Flugtag Am 3. Juli veranstaltet der ADAC, beim Potsdamer Luftschiff- Hafen auf dem Templiner See einen großen Motorboot- und Flugsporttag. Am Vormittag findet aus Grund einer neuartigen Ausschreibung, die eine Beteiligung aus breiler Basis ermöglicht, eine Zuoerlässigkeitsfahrt für Tourenboote rund um Potsdam statt. Zur gleichen Zett und unabhängig, davon, geht eine Langstrcckenfahrt für Außenbordmotorooole vor sich. Nachmittags schließt sich dann ein Rennen sür Schnell- und Außenbord-Rennboote sowie das erste deutsche Luftremien mit Wasjerslugzeugen, umrahmt von Segeljlug-Darbietungen an. Mit der Veranstaltung ist eine Plaketten-Zielsahrt des Gaues I des ADAC, verbunden. hernt Liegen beim„Sturmvogel« Sporiflieger- Ausbildung für 250 Mark Trog der Ungunst der Zeit ist es dem �„S t u r m v o g e l", Flugverband der Werktätigen e. V., Verlin SW 29, �>entralslug- h afen. gelungen, alle Vorbereitungen zu treffen, um in Kürze seine Verband sslieger schule auf dem Flugplatz Berlin-Johanms- tal zu eröffnen. Für die Ausbildung stehen vorläufig neun tflug- zeuge zur Verfügung. Räch den Bestimmungen mutz die gesamte Ausbildung min- destens 15 Fwgstur.den umfassen, wobei mindestens 60�Uebungs- fiüxe und 4 Außenlandungen neben den ersorderlichen Schulslugen nachgewiesen werden müssen. Zur Vorbereitung auf�die gesetzlich geforderte theoretische Prüfung sind im Lehrplan 120 �Stunden, und zwar W Stunden theoretischer Unterricht und 60 Stunden prak- tischer Werkstvtt-Unterricht vorgesehen. Die Ausbildungszeit wird im allgemeinen zwischen 1 und 2 Monaten liegen, je nachdem der Schüler ohne Berufsunterbrechung oder z. B. während seines llr- laubs ausgebildet werden soll. Unter dieser Voraussetzung kann erworben werden: Der Zwischensckein der Klasse A 1 sür 250,— Mk., der tiührcr- schein der Klasse A 1 für 425.— Mk., der Zwischenschein der Klasse A 2 für 325— Mk., der Führerschein der Klasse A 2 für 525— Mk. Zum Zwischenschein ist zu sagen, daß er im allgemeinen nur für die Dauer von 6 Monaten ausgestellt wird und für Flüge ohne Fluopaß auch außerhalb der Flughasen zone gilt. Die Bedingungen beweisen. daß der Sturmvogel im Rahmen des materiell Möglichen auch hier seinem Grundsatz treu geblieben ist. durch sehr niedrige Preise weitesten Kreisen den Zugang zum Motorflugsport zu ermöglichen. Hoffentlich wird das neue Unternehmen des„Siurmoogel" durch rege Teilnahm« unterstützt. Bietet es doch vielen sportbegeisterten, die bisher aus finanziellen Gründen dem praktischen Flugsport ent- sagen mußten, neue Möglichkeiten zur Verwirklichung ihrer Wünsche. Die Zuriüklegung der erforderlichen Geldsumme soll durch ein be- sonderes System von Sparscheinen noch erleichtert werden. Vier Segelflieger im Schlepp Zum erstenmal in der Geschichte des Segelflugs ist bei einer Flugveranstallung auf dem Flugplatz Schkeuditz bei Halle die Durchführung eines Vierer-Schleppzuges geglückt. Hinter dem als Schleppmaschine dienenden Motorflugzeug des Halleschen Kunstfliegers Walter Bönig waren, jedes durch besonderes Seil unmittelbar mit dem Schlerpflugzeug verbunden, vier Segelflugzeuge auf leichten Startwagen derart angeordnet, daß je zwei neben- einander flogen. Die nur 120?S> starke Maschine Bönings bracht« die vier Segelflugzeuge im zweimaligen Umfliegen des Flugplatzes bereits auf eine Höhe von etwa 150 Meter. Nach mehreren Kurven» flügen klinkten die vier Segelflugzeuge unabhängig voneinander die Seile aus und landeten nach einigen Schleifenslügen wohl- behalten auf dem Rollfeld. Arbe!ter»port am Funkturm Im Rahmen der Ausstellung„Sonne, Luft und Haus" auf dem Gelände am Funkturm steigt am kommenden Mittwoch um 18 Uhr die dritte Propagandaveranstaltung der Berliner Arbeitersportler. Den Reigen eröffneten vor 14 Tagen die Leichtathleten mit einem Hallenprogramm. In der Vorwoche trat die Freie Turnerschast Groß-Berlin mit 500 Männern, Frauen und Kindern vor die Oeffcntlichkeit. Morgen sind es die Frauen und Jungmädchen der Berliner Vereine, die einen Ausschnitt aus der neuzeitlichen Körper- pflege der Frauen bringen werden. Neben Massengymnastik nach Musik kommen die Festübungen zum Luckenwalder Kreissest zur Vor- führung Ferner sind Stafettenläufe und heitere Spiele vorgesehen. Die Schöneberger Sportlerinnen beschließen den Abend mit esizer Sonderoorführung nach Musik. Hofsenttich ist den Frauen besseres Wetter beschieden, wie den bisherigen Vereinen, damit einer recht großen Besucherzahl der Betrieb in den Arbeitersportvereinen vor- geführt werden kann. Der Erfinder des Rhönrades, Otto Feick, wird heute mft setner weltbekannten Rhönrad-Musterriege im Terrassengarten der Ber- liner Sommerschau von 19 bis 20 Uhr Spitzenleistungen zeigen. Freikärperkultur-Lichldild. und Filmoorirägc. Nacktkultur und Sexualerziehimg ist das Thema des ersten Lichtbildervortrages der Körperkuttuyschule Adolf Koch, Mittwoch, 8. Juni, im Städtischen Bild- und Filmamt, Levetzowstr. 2(nahe Hansaplatz).„Nackte Menschen in Luft und Sonne" lautet der Titel des zweften Abends: Freitag, 10. Juni, im gleichen Saal. Am zweiten Abend läuft ber Freikörpcrkullursi.lm. Referent an beiden Abenden: Genosie Adolf Koch. Die Unkostensätze betragen für Nichtverdiener. Jugendliche sowie geschlossene sozialistische Gruppen 0,30 M., sonst 0,50 M. Gäste dürfen durch Organisierte eingeführt werden. Als Ausweise gelten die Parteibücher, freigewertschaslliche Bücher, SAI., Natur- freunde und Arbeiter-Turn- und Sportbund. Die Karten sinb eine Stunde vor Beginn jeder Veranstaltung an der Abendkasse zu haben sowie im Vorverkauf: Frkörichstr. 218(Schulbüro). Bcjiekekartell Sreuzdcrg. Donnerstag, 9. Juni, 20 Uhr, Delegrertenschuug, Iugcndiieim Porckstr. Ii. Ausgabe des Material» zum Rast.— Vorstonb lO«! Ilbr»benba. ASV. ZNillnische Heide 2 lucht für 1. und 2. Elf zum Sonntag, 12. Juni, Gegner auf eigenem oder Gegners Platt. Anschrift an R. Ianoske, Neukölln, Brrtnelsdorfer Sir. 13. Angebote bis Freitag früh nur schriftlich. Freie tiontt'UsUn Gron-Seelin. Dienstag. 7. Juni, Training für An. siinger. Mittwoch, 8. Juni, Untersuchung beim Sportarzt. Treffpunkt 18 Uhr u at:gt>ofcrilrahe. Donnerslag. 0. Juni. Training der Regattamannschaften. Freiiaa.>0. Juni, 20 Uhr, Sitzung,„Zur Eiche", Neukölln, Naiser-Friedrich» Ecke Saalcstrahe. Wailrrivoriverein Fratcrnita». Uebungsabend jeden Mittwoch Bootshaus „Vorwärts". Sonnabend und Sonntag(11. und 12. Juni) Fahrt nach dem Möllens«. Jüngere Genossen ohne Boot werden noch aufgenommen. Boots» haus: Erkner, rrerftr. 7—14 lBootshaus Rüdiger). Sporrtcgcttind Frd weg 1925. Trainingsabend jeden Donnerstag, 20 Uhr, im Neglerhrini, Maxstr. 18. Mitglieder werden noch aufgenommen. Bezirk Luch. Dienstag, 7. Juni, 20 Uhr, Sportratssttzung bei eri.— Sonnabend. 18. Juni, 22 Uhr, Sonnenwendseier des Bezirks, ge. meinsam mit Partei und kio.derfreunden aus dem Platz am Röhrenlagcr.— Dienstag, 21. Juni, 20 Uhr, Vorstandssitzung des Bezirks de! Göpfert.— Dienstag, 28. Juni, 20 Uhr, autzercrder.tliche Versammlung bei Goxfert.— Sonn. tog, 3. Juli, Brzirksspieliag in Buch. Erwachsene: stopf, und Faustballspiele. stindcr: Kops, und BölkerbaNspielc. Taurifteu. Verein„Die Äaturircunde". Dienstag. 7. Juni Friedrichshain, Fronlfurter Allee 327(Ebert-Saali:„Das heutige Rußland."(Wagner).— «riedeuau, Offenbacher Str. 5-. Lustiger Abend.— Humboldthain: Stamm-Abt. Willdenowstiü ö: U.d.S.S.R.(Dr. Aienstock).— Hniuboldthain: Jugend. gruppe, Pank. Ecke Wiefenstr. Wir probe» zum 18. Juni.— Humboldthain, stindcrgrupvc Pank- Ecke Wiefenstr.: Lichtbildervortrag.— Bedding-Sciuud. biunnea. Willdenowstr. U.d.S.S.R.(Dr. Bienstock).— Norden, Sonnen» burger Str. 20: Lustiger Abend. Lerliner Humor.— Osten, Stammabtlg., Ebcrtnstr. 12: Faschismus und Arbeitersport.— Neukölln: Mustkgruppe, Flug- hafenstr. 08.- Ob-eichöneweibe, Lansener Str. 2.— Mittwoch. 8. Juni. Osten: Jugcndgeuppe Frankfurter Allee 307.— Donnerstag, 9. Juni. Naturkund. liche Abt. Iohannisstr. 15; Ardeitsabcnd.— Photo Arbeitsglmeinschaft Nowack, Jdhannisltr. 15.— Nosenthaler Vorstadt, Weinmeisterstr, 1047: Sezialislischer Ausbau.— Tiergarten. Leimte Sit. 18/19, Zimmer 1: Sozialhogiene