Morgenausgabe Nr. 262 A 135 49. Jahrgang WSchenlItch 75 Ps, monatlich 3.25 SR (davon 87 Pf monatlich für Austeilung ins Hausl NN voraus zahlbav Postbezug Z.87 M- einschließlich so Pl Psüzeiwngs- und 72 Pf. Postbestellge. «Uhren. Auslandsabonnement 5.85 M. rro Monat! tiir Länder mit ermäßigtem Drucksachenvorto<85 M. Lee.Zormarts' erscheint wochentäg- iich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Dil Abend". Illustrierte Sonntagsbeiiao, .Polt und Reit" Mr VevUner Vvttsbla« Oonnerstag 9 Juni 1932 Groß-Äerlm Iß pf. Auswärts 15 pt ®te c i n 1 p a l L Mllltmelerzelle dO Pf Rctlamezerle 2. M kleine An- zeigen" das fettgedruckte Wo« 20 Pf tzulässigzwei fechedruckteWortei.jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt lt. Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für ztoc: Worte. Arbeilsmartt Millimeter» zeile 25 Pf Familieilanzeigen Milli» meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenftrave 5 wachentäglich von 8>/, bis 17 Uhr Der Verlag behält sich dasRecht der Ab- lebnuna nicbtaenedmer Anzeigen vor' Jentvatorgan der Soziatdemoevatifwe« Partei Deutttdlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 fternfpr.: Dönboff(» 71 A2— 297. Telegramm-Adi.t Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto! Berlin 37 536.— Bankkontos Bankder Ardetier. Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3 Dt B.u.Disc.-Ges., Deposiicnk..I«rulaIemerSii 65-66. Volk,«sbr click! 5cksrkmsckei' und Barone beschimpfen das Volk. Die Nationalsozialisten haben ihre Maske abgeworfen! Sie tragen eine Regierung, in der ein G r a f, b i e r B a- r o n e und zwei gewöhnliche Adlige sitzen! Diese Regierung ist die Verkörperung aller reaktionären Kräfte. Ihre erste Tat war eine Kundgebung, in der sie den Abbau der sozialen Verpflichtungen des Staates ankündigen. Die Regierung der Barone hat in dieser Kundgebung von der „moralischen Zermürbung des Volkes" gesprochen. Sie hat die Nachkriegsregierungen beschuldigt, aus dem Staat eine Wohlfahrtsanstalt gemacht und damit die moralischen Kräfte des Volkes zerstört zu haben! Wir weisen diese Beschimpfung des deutschen Volkes durch die Regierung der Junker und Scharfmacher auf das schärfste zurück! Ist cs moralische Zcrmürbung, wenn sechs Mit- lioncn Arbeitslose und ihre Angehörigen ihr hartes Los, ihr Elend und ihre Not männlich tragen, ohne dcul Aufruhr und der Anarchie zu verfallen? Diese schweigende und leidende Millionenarmee— das ist das beste Zeugnis der moralischen Kraft desdeutschen Volkes, der Würde und der Disziplin der deutschen Arbeiterschaft. Dies Heer der Not darf nicht von Junkern und Scharfmachern mit Hilfe der Nationalsozialisten beschimpft werden! ?st es moralische Zermürbnng. wenn das deutsche Arbcitsvolk, seine Arbeiter, Angestellten und Beamten Milliardenopfer auf sich genommen und geleistet haben, um den Notleidenden zu helfen, um den völligen Zusammenbruch der Wirtschaft- lichcn und finanziellen Grundlagen des Lebens der Gemeinschaft zu verhindern? Diese zwei Jahre seit 1939 waren voll von Elend und Not, aber auch voll von Opfermut und Disziplin. Ist das moralische Zermllrbung? Es ist der Dank für die Opfer, daß die Regierung der Junker und Scharfmacher mit Hilfe der Nationalsozialisten das deutsche Arbeitsvolk diffamiert! Ungeheuerlicher und ungerechter ist noch nie ein beschimpfender Vorwurf gegen ein großes Volk erhoben worden! Niemals noch ist ein solcher Vorwurf gerade von denen erhoben worden, die am wenigsten Anlaß dazu hätten! Mit welchem Recht berufen Junker und Scharfmacher sich auf die Moral?. Die Zerstörung der moralisrhcn fträftc hat sich nirbt auf der Tcitc des Volkes gezeigt, sondern bei jenen Klassen, die jcht das Volk bcsrlftmpfen und bedrohen! Wehe diesen Klassen, wenn sie auf dem Höhepunkt des Zusainmenbruchs vor einem Jahre die ungeheuerliche Lüge von der marxistischen Mißwirtschaft, von der Zerstörung der moralischen Kräfte des Volkes zu erheben gewagt hätten! Der Bankerott der Großagrarier, der Jndustriefürsten und der Bankherren har die Fäulnis der kapitalistischen Moral enthüllt! Verbrechen auf Verbrechen sind im Laufe der letzten Jahre bekannt geworden! Die Liste der Zusammenbrüche in Industrie und Finanz war zum großen Teil eine Liste der schamlosesten Wirtschaftsverbrechen, gekrönt von den Namen Favag und Nordwolle? Wo waren damals die Bußprediger über die„moralische Zermürbung des Volkes? Wo waren die Nationalsozialisten, die Knechte der Scharfmacher und Großagrarier? Ter völlige Zerfall jeder Moral, die Miß- arhtung von Treu und Glauben, von Recht und Gesetz— er hat sich in der Klaffe der sogenannten Wirtschaftsführer gezeigt? Die ostekbischen Großagrarier, die Milliarden- betrüge er' alten haben auf Kosten des Volkes, die diese Be- träge leichtfertig nach Junkcrart verschleudert haben— sie gehören Seite an Seite mit den Wirtschafts- Verbrechern aus der Industrie. Diese Klassen sind es, die jetzt das deutsche Arbeitsvolk ungeheuerlich beschimpfen, die ihm die moralische Kraft ab- sprechen wollen! Mit ihnen die Nationalsozialisten, die die Regierung der Scharfmacher und Barone unterstützen! Wo war die Hetze gegen den Wohlfahrtsstaat, als die Jnduftricherzöge und F-inanzinagnatcn ge- meinfam nach der Hilfe des Staates geschrien haben? Viele Milliarden sind in Gestalt von Subven- tioncn, Krediten und Lsthilfc diesen Klassen zugc- flössen, und diese Milliarden sind bezahlt worden durch gewaltigste Qpser eines schwer kämpfenden Volkes! Tie tiefste Unmoral, das moralisch zersetzendste Element unserer Zeit— das ist die Begehrlichkeit dieser Schichten, gepaart mit ihrer tiefen Ber- logenheit und der krassen Undankbarkeit gegen- über dem eigenen Volke! Das deutsche Volk wäre wahrhast wert, beschimpft und verachtet zu werden, wenn es diese Beschimpfung durch die Vertreter einer bankerotten Welt ertragen würde! Die Ab- wehr der Volksbeschimpfung, der Kampf gegen die Regierung der Barone wie gegen ihre nationalsozialistischen Bundesgenossen ist ein Gebot der Ehre der Nation! Der Bankerott des Kapitalismus und seiner Führer hat das Volk ins Elend gestürzt! Keine nationalsozialistische Lüge vermag davon abzulenken! Die Schuldigen suchen nun die Schuld von sich abzuwälzen. Sie wollen das Elend der unschuldigen Opfer der Krise vergrößern. Sie wollen sich selbst retten, indem sie über den Hunger, die Not und das Elend der Erwerbslosen fühllos hinwegschreiten! Gegenüber dem Angriff der Schuldigen auf das Volk erklären wir laut: Wir bekennen uns zum Wohlfahrtsstaat! Wir bekennen uns zu dem Grundsatz, daß der Staat alles tun muß. um die Ansprüche des Ar- bcitsvolkes auf Lohn und Gehalt und die Unter- stützung der unschuldigen Opfer der Krise nnbc- dingt zu sichern? Wir bekennen uns zu dem Grundsab, daß der Staat das Leben und des Lebens Notdurft für alle seine Bürger gewährleisten muß? Wir bekennen uns zu dem Grundsatz, daß der Reiche opfern muß für den Armen? Das Glück und die Wohlfahrt der arbeitenden Klasse» eines Volkes sind die Voraussetzung seiner moralischen Kräfte und der Zweck des Staates! Wir wollen ein freies Volk, das seine Wirtschaft befreit aus dem verbrechen des Kapitalismus. Wir wollen eine Wirtschaftsordnung, die allen ein kultur- würdiges Dasein gewährleistet! Wir wollen die sozialistische Organisation der Wirtschaft? Wir wollen, daß die deutsche Nation aufrecht und angesehen dasteht unter den Völkern der Erde: frei nach außen und frei im Innern! Fort mit den Kräften der Reaktion? Fort mit denen, die das deutsche Volk beschimpfen und seine gewalligen Leistungen besudeln! Fort mit den Junkern und Scharsmachern, die von jeher das Unglück des deutschen Volkes gewesen sind! Zu diesem Kamps für Deutschlands Glück und Freiheit rufen wir das ganze Volk auf! Wir rufen dem gesamten Arbeitsvolke zu: Her zu unseren Fahnen! Her zum roten Banner des Sozialismus! Einheit aller Schassenden gegen Kapitalisinns und Reaktion? Es lebe die Sozialdemokratie? Etatausgleich in Preußen. Das Ofoich zahlt seine Schulden nicht— die Folge sind drückende Maßnahmen. Da das Reich sich außerstande erklärt, den Betrag von 199 Millionen-Mark, den es Preußen schuldet, setz: zu zahlen, hat sich die preußische Regierung gezwungen gesehen, a u f Grund der Notverordnung des Reichs- Präsidenten den Ausgleich des preußischen Etats vor- zunehmen. Es hat sich in den Verhandlungen mit dem Reich heraus- gestellt, daß die neue Reichsregierung nichts dazu tun wollte, den Etatsausgleich in Preußen zu erleichtern. Die V e r- a n t w o r l u n g für die N o t m a ß» a h m e n, die tat- sächlich Maßnahmen der letzten Not darstellen, und für ihre Auswirkungen fällt also aus das Reich! Die neue preußische Notverordnung steht unmittelbar vor ihrer Veröffentlichung. Wie der preußische Finanzminister Klepper gestern vor der Presse ausführte, wird sie folgende Bestimmungen enthalten: l Die 5) anszins st euer Verordnung wird in der Weise geändert, daß die Gemeinden eine Anweisung von!6l> Millio- Länderkonferenz Am Sonnabend findet in Berlin eine Länder- konfcrenz jtatt, zu der Herr von Pape» eingeladen hat. Es ist anzunehmen, daß während dieser Besprechung, die hauptsächlich finanziellen Fragen gelten soll, von den Länderregierungen st arte Töne gegen verschie- dene dunkle Pläne der Nazi-Barone falle» werden. neu Mark für bedürftige Mieter erhalten. Diese Maßnahme wirkt sich dahin aus, daß künftig nur noch Einkommen von 890 Mark jährlich von der Hauszinssteuer befreit bleiben, während die bis- herige Grenze bei dem Existenzminimum von 1200 Mark lag. 2. Mit Wirkung vom 1. Juli wird eine Schlachtsteuer eingeführt. Diese neue Steuer soll die Ausfälle, die bei den Ein- nahmen Preußens durch den Fortsall der 100 Millionen Mark Ausgleichszahlungen des Reiches entstanden sind, wettmachen. Der Tarif der Schlachtsteuer entspricht dem in Bayern gültigen Tarif, liegt also unter den in Sachsen gültigen Steuersätzen. Es bleiben danach Hausschlachtungen frei, serner Ferkel bis 30 Kilo. Schweine bis 75 Kilo werden mit 5 Mark, bis 125 Kilo mit 8 Mark und über 125 Kilo mit 10 Mark Steuer belegt. Die Tarife für die andere» Vieharten sind noch nicht bekannt. Der Finanzminister glaubt, daß die Fleischprcise hiervon nicht in Mitleidenschast gezogen werden, sondern daß bei der vorhandenen geringen Konsumkraft diese Steuer von dem Zwischenhandel und den Produzenten gelragen wird. 3. Von den Gehältern der preußischen Beamten werden bei verheirateten Beamten mit Kindern 2'A Prozent des Gehalts, bei ledigen Beamten und bei verheirateten ohne Kinder 5 Prozent des Gehalts e i n b e H a l t e n. Das gleiche gilt für die staatlichen Angestellten und für sämtliche Angestellten und Beamten der preußischen Gemeinden. Die Einbehaltung ist so gedacht, daß der Gehaltsanspruch aufrechterhalten bleibt. Die zurückbehaltenen Beträge werden monatlich mit Wirkung vom l. Juli 1937 nachbezahlt, also in der Form, daß der Betrag, der am 1. Juli 1932 einbehalten wurde, am l. Juli l937 zurückgezahlt wird. Um die Beamten sicherzustellen, wird für den Todesfall vor- gesehen, daß der gesamte Betrag dann sofort zurückgezahlt wird. Bei Angestellten wird der Gesamtbetrag nachbezahlt, falls der An- qofteUte vor 2tbl4i)f der fünf Zahr« ausscheidet, und Wenfalls sofort, wenn er ohne Berforgungeansprüche ausscheidet. Eine Uebertrag- barkeit dieser Ansprüche der Beamten an den Staat ist für die Dauer der Sperrfrist ausgeschlossen Durch diese Gehaltseinbe- baltung sollen 26 Millionen Mark eingespart werden, Diese Maßnahm« wird damit begründet, daß durch den Ruit» gang der Reichsüberweisungsstcuern und durch die verminderten Einnahmen aus der preußischen TrundvermogenS' steuer ein Defizit von SO Millionen entstanden ist. Nach den personellen Einsparungen verbleibt noch ein Defizit von 2-l Mil- lioncn, die durch neue Sachcinsparungcn gedeckt werden, Damit ist nach den Erklärungen des Finanzministers der materielle Ausgleich durchgeführt. Zur K a s s e n l a g e erklärte Dr, Klepper. daß sie aus lang» Sicht in Preußen sichergestellt sei und wenn nicht ganz unvorhergesehene Aenderungen der allgemeinen Lage eintreten, die Kafsenlage für die Dauer des Etatsjahres als gesichert angesehen'werden kann. Im übrigen dementierte der Mi- nister nachdrücklich die Gerüchte, wonach Preußen angeblich mit einem Bankcnkonsortium zur Ueberbrückung seiner schwierigen Kassenloge verhandelt habe, Der preußisch« Haushalt wird nicht durch Notverordnung in Kraft geseßt. vielmehr wird die preußische Regierung die Perant- Wartung hierfür dem Parlament überlassen, Die Verpflichtung des Geichs. Die Reichsregierung teilt mit: Am 7, Juni fand in der Reichskanzlei, eine Besprechung zwischen der Reichsregicrung und der preußischen Staatsregierung über die Frage der Durchführung des Ab- kommens statt, dos seinerzeit über eine Ausgleichszahlung des Reichs an Preußen in Höhe von lOO Millionen Reichsmark gegen Abtretung der preußischen Beteiligung an den Siedlungssinonzierungsinstituten getroffen wurde, Es bestand Einverständnis darüber, daß der frühere Reichs- sinanzminister Dietrich dem preußischen Finanzminister Klepper An- sang Mai dieses Jahres mitgeteilt hat, das Reich sei nicht in der Lage, die 100 Millionen Reichsmart ganz oder teilweise im lausenden Rechnungsjahr zu zahlen und daß demgemäß zwischen den beiden Finanzministern vorbehaltlich der Zustimmung der Kabinette eine Vereinbarung dahin ge- troffen sei, daß das Reich die 100 Millionen Reichsmark in fünf gleichen Jahresraten, beginnend mit dem 1. April 1 933, zahlen solle, Der Reichssinanzminister Gras Schwerin von Krosigk erklärte, das neue Kabinett sei bereit, dieser Abrede beizutreten. Von preu- ßischer Seite wurde demgegenüber die Stellungnahme des Kabinetts � vorbehalten. Der preußische Finanzminister gab die Erklärung ab, daß Preußen seine Maßnahmen zur Sicherung des Haushalts selb st treffen werde. Diese Maßnahmen würden den Haus- Haltsausgleich herbeiführen und die Kassenlage sicherstellen, Noch 5 583 000 Erwerbslose, Die Entlastung des Arbeitsmarktes bleibt schleppend. Auch in der zweiten Maihälstr hat nach dem seht vorliegenden Bericht der Reich»ansm vergangenen Zahr war hauptsächlich dadurch bedingt, daß neben der Saison- eutlasiung sich eine wenn auch geringe konjunklurelle Besserung durchseßl«. Zn den vergangenen Monaten aber ist die an sich schon geringe Saisoncnllaslung durch eine weitere lonjunk- Ivrellc Verschlechterung noch außerordentlich geschwächt worden. Da» traurige Ergebnis ist eine Arbeitslosenzahl von 5 583 000 Personen Ende Mai. Da eine Durchführung des bekannten Arbeitsbejchassungzprogromms durch den Stur; der Regierung Brüning gefährdet ist. das Siedlungsprogramm infolge der orohograrischen Querlreibereien überhaupt nichl zur Ausführung gelaugt, kann man der welkeren Entwicklung des Arbeilsmarkles nur mil größtem Pessimismus entgegensehen. In England weitere Verschlechterung. In den beiden leiten Monaten �70000 Arbeitslose mehr. Di« wachsende Arbeitslosigkeit hat in Großbritannien in politischen Kreisen große Erregung hervorgerufen. Schon im April hatte die Arbcitslcsigkeit um fast 83 000 Personen und im Moi, nach dem neuesten Ausweis, um mehr als 89 000 Personen zu- genommen. Die Gesamtzahl der Arbeitslosen erreicht jetzt nach der amtlichen Statistik rund 2,74 Millionen, zu denen jedoch einige 100 000 aus- gesteuerte weiblich« Erwerbslose hinzukommen, so daß die tatsächlich« Arbeilslosigkeit reichlich 3 Millionen Menschen umfaßt, Bei der geringeren Bevölkerungszahl in England entspricht dieser Stand der Erwerbslosigkeit etwa 4,5 Millionen Arbeitslosen in Deutschland, Zentrum gegen papen-Gchleicher Vorbereitung auf den Wahlkamps im Reichsparteivorstand. Gegen Pläne der Barone auf Preußen. Scharfer bayerischer Protest. Die Bäuerische Volkspartei- Korrespondenz schreibt zu den dunklen Plänen der Papenheimer und Schleicher aus Einsetzung eines S t a a l s k o m m i s s a r s i p Preußen: „Es hieße dos Verhältnis zwischen Reieb und Preußen und damit die nersossunasntäßiflen Beziehungen zwischen dem Reich und den Ländern überhaupt durch einen Staatsstreich van oben von Grund aus ändern. Ein derartiger Emgriss m die, stach lichen Rechte des größten deustchen Lande» van seilen he» Reiches würde eine Zerstörung der inneren Struktur der Reichsversassung bedeuten, wozu feine Reichsregierung»nd kein Reichspräsident befugt sind. Die Neubildung»iner parlamentarischen Regierung in den Länder» ist überall Sache llrrer Volk«- Vertretung. Eine Zlnweisung der Regierung an die geschästs- führende Landesregierung oder an die zur Regierungsbildung be rnssnen Landesparlamcnte entbehrt jeder rechtlichen Grundlage und kann unmöglich aus dem Exekutionsrecht des Reichspräsidenten ab- geleitet werden," Oer Kreund der Scharfmacher. Goebbels verteidigt das reaktionäre Kabinett der Barone Im„Angriss" hat sich Herr Goebbels zum Paladin der Regierung der Barone aufgeworfen. Er entrüstet sich über die deutliche Charakterisierung der aus den Schultern der Nationalsozialisten stehenden reaktionären Regierung im „Vorwärts": „Der„Vorwärts" hat den Wahlkampf mit einer V e r l e u m- dungskampagne begonnen, die dein in der Vergangenheit von der SPD, so ost beschworenen politischen Anstandsgefühl In der aufreizendsten Weise Hohn spricht. Das dröhnt nur so von Lügen und Verdrehungen," Weil wir den reaktionären Charakter der Regierung der Junker und Scharsmacher aufgedeckt haben— Lüge! Weil wir ihre arbeiterfeindlichen Pläne gegen die Sozialpolitik und die Erwerbslosen gebührend charakterisiert haben— Verdrehung! Herr Goebbels muß seine Anhänger über den wahren Charakter dieser Regierung belügen, weil sie nicht missen sollen, daß die Konsequenz der Nazipolitik die Regierung der Barone, der Junker und Scharfmacher ist! In derselben Nnminer des„Angriff" wird mitgeteilt, daß die gesamte Belegschaft der Neptun werft in Rostock ausgesperrt morden ist. weil sie sich gegen Lohnsenkung zur Wehr setzte! Es sind die Freunde Hit- I e r s. die die Arbeiter aussperren, und die Regierung der Barone ist ihre Regierung! Sie soll die Arbeiter ihnen schutzlos ausliefern! Die Arbeiter von Rostock haben eben noch nicht begrisfen. daß sie dem„unseligen, g c m e i n s ch a f t s f e i n d» lichen K l a s s e n k a m p f" huldigen, wenn sie nicht als orane Untmanen jode Kürzung ihres Lohnes in christlicher Demut hinnehmen, daß sie Zeugnis ablegen von der„Z e r. störung der moralischen Kräste im Volke". wenn sie so begehrlich sind, daß sie nicht mit weniger Lohn zufrieden sind! Die Frechheit der Unternehmer ist die Folge der Nazi- Politik, und das Kabinett der Barono ist ihr 5iahinett! sierr Goebbels aber nennt es Verleugnung und Lüge, wenn wir den Zusammenhang dieses Kabinetts mit den reaktionären Kräs- len zeigen! Dos ist leicht erklärlich: er gehört mit zur Partie, und die Arbeiter von Rostock, über die sein Blatt Krokooilstränen ver- gießt, können sich bei ihm bedanken! In der Sitzung de« Reichsparteivorstandeo der Deutschen Zentrumspartei wie« der Parteivorsitzende Dr. K a a s. wie e« in einem Bericht de« Parteivorstandes heißt, daraus hin. daß er»ach wie vor in unerschütterlicher Treue zu jenem Wanne stehe, der in den letzten Jahren der Exponent der deutschen Politik gewesen sei. Es komme jetzt weniger darauf aN, wer recht bekomme, als wer recht habe. Der Tag werde kommen, wo auch die Männer der heutigen Regie- rung einsehen würden, daß sie nicht nur einen Umweg eingeschlagen hätten, sondern Irrwege gegangen seien. Er habe nie«inen Zweifel darüber gelassen, bah er die plötzliche Beendigung d,r Arbeit des Kabinetts Brüning für einen schweren Fehler halte: jede halbe Lösung könne ober nur eine Forlstihrnng dieses Fehlers bedeuten. Reichskanzler o, D, Dr, Brüning, dem der Partei- vorstand eine lebhafte Kundgebung darbrachte, gab etnen eingehenden Bericht über die Ereignisse der letzten Zeit, der dann noch ergänzt wurde durch Ausführungen pes Abg, Zoos und des früheren Reichsaebeitsminlsters Stegerwald, Darg» schloß sich e-ne längere Aussprache Es wurde eine Entschließung gefaßt, in her es heißr: „Der ReichsparteivorsSand der Deutschen Zentntmspart»« he- kunaet in diesem Augenblick innenpolitischer Wirrnis und außen- politischer Bedrängnis sein überzeugte» und unerschütlertiches F e st h o l t e n o n den Grundlinien der Politik, die durch das staatspolitjsch« Wollen und Wirken de? bisherigen Reichskanzlers Dr. Brüning getennzeichnet sind In Besorgnis um dos Schicksal von Volk und Ration sieht der Reichsnarteivorstand die Linie» dieser stgaismännischen Aufbau- arbeit in einem besonders gefahrvollen Augenblick jäh unterbrochen und durch ein Experiment abgelöst, für das au« zwingenden Gründen unsererseits kelnerlei Mitverant- mgriung übernommen werden kann. Dem au« seinem Amt ausscheidenden Herrn Dr. Brüning, seinem treuen Mitarbeiter Dr, Stegerwald. der Parteileitung und der Reich»- tagsfrakiion spricht der ReichsparUivorstgOd sein dankbares Vertrauen aus. Der Vorstand erwartet von allen Organisationen und Freunden de-- Partei im Lande� daß sie oll-s tun, um in dem kommenden Wahlkamps die �äsingfrait des Zentrums zu steigern. Versuche, die Einheit und Geschlossenheit des Zentrums zu zersetzen und zu zersplittern, müssen rück- sschtslo» abgewiesen werden, Unser Kamps wird sich gegen diejenigen richten, welch- die politiich'pnrlamemorisch« Mit- »eranttvvrtung ablehnen zu einer Zeit, in der sie ihre Macht anspruch« angemeldet haben, um Kabinett«. zu reftimmen»nd zu zerstören'" Das preußisch« Regierun g»p-oiii«m wurde in dieser Sitzung mit keinem Wort gestreist Nuf Vöstchenjagd. än Rumänirn Hai der König hie Regierung Zogga havongejagt, 'In ihre Stell« ist ein Kabinett un'er Führung d«? SiebenNuraer« ?r. Bajda.Boinod getreten, Oos?!aziorgan kommanSiert den neuen Äeichspressechef. Als der neue Reichsprellechef van Kaukmann-Aiser schon ernannt war, verzeichnete der nationalsozialistische„A n- griff" als Gerücht, daß er sich um den Posten bemühe. Unter der Usherichrift„Aus Pöstchen-Jagd— Leute, die sich um» stellen wollen" schrieb er: „Dieser Herr von Kansmann-Asser ist Halhjude, stammt au» einer Franklurter südlichen Bankierianiilie, stand früher der Bayerischen Volkspartei nah«, war ein enger Mitarbeiter Strese- monns und wollte jetzt plötzlich sein nationale» Herz entdeckt haben." Herr von Kaufmann-Zlsser, der so vom„Angriff" begrüßt wurde, soll nun aus Befehl der Nazis„feinen Laden ausmisten". Der„Angriff" bezeichnet als die Beamten, die hinausgeworsen werden müßten:„Regierungsrat Cohn, Oberregierungsrat Rad- lauer, Oberregierungsrat Bi-rmann. Assessor Maus," Er charakterisiert sie:„Drei Marxisten, drei Juden, ein linker Zer- trümler," Es scheint, daß Freunde der Nazis i>n Amt und außerhalb des Amte» sehr eifrig auf P ö st ch« n j a g d sind! Rohm. Sin Kapitel zur„moralischen Zermurbuni, des Volkes". 5derr Rühm, der bisher den General von Schleicher mit seinem Besuch beehrte, ist unter dem Regime der Barone i n d e r Reichskanzlei empfangen worden. Der Zweck d«, Besuchs ist olsensichtlich: or hat Hitler» Befehl über die Aufhebung des SA,- Verbot» üherbracht, Die Perfönlichkeii des Herrn R ö h m ist hinreichend bekannt, Seine Veranlagung ist gerichtsnotorisch, seine Briese zeigen seinen Charakter, Dieser Mann wurde in der Reichskanzlei empfangen. unter einer Regierung, die es gewagt hat, dem Polle„moralische Z»rmürbung" zu unterstellen! Soll die Moral des Herrn Röhm vorbildlich werden? Ehrabschneider von Beruf! Neue gemeine Aerleumdung gegen den Verliner Polizeipräsidenten Die berussmäßigen Verleumder in der Hedemonnstraße haben einen neuen Lslgenfeldzug gegen sozialdemokratisch« und republikanische Staatsbeamte und Politiker eröffnet. Der Wahlkampf wird von dieser Seite mit dem Versuch begonnen, gemeinste'Lügenhetze zum Wählerkang einzusetzen, So oerösteiillichf der„Angriff" gestern abend unter der Ueberschrist„W e g mit Grzesinski und Weiß" einen Ar- tikel in großer Aufmachung, durch d«n da» Anjshen und die per» sönliche?ho» de» verldner Polizeipräsidenten Srzesmslsi m der übelsten Weile nerunglimp't werden sollen. Längst durch eidliche Zeugenaussagen als widerliche Perieurndungeü geiennzeichneie Behauptungen werden gegen besseres Wissen Niederholt, und zwar in einer Form, die die Verleumder vor straireckilicher Verfolgung schützen sost. In hämischer. Weise wird da- alte Märchen wieder auf- getischt, wonach der Polizeipräsident, als er noch preußischer Innen- minister war, bei einem in amtlicher Eigenschaft durchgeführten Besuch in Wien seine„Geliebte" mitgenommen Hobe, SolbstverständUch ist der Redaktion des„Angriss" bekannt, daß man es hier mit einer dicken Lüg» KU tun hat, denn bereit» am 3. April 19Z9 hat das preußische Staatsmini st«ri um ol»'Antwort aus eine Anfrage des nationalsozialistischen Abgeord- ueten Haaie erklärt: Alle Behauptungen über die Wiener Reise Grzesinskis hätten sich als unwahr erwiesen. Durch Zeug«n«id und vielfache eidliche Aussogen sowie durch die o m t- (ich« Bekundung der Wiener Polizeiverwaltung sind alle diese Behauptungen als böswillige Perle timdun- gen angeprangert worden, Das hindert die Nalionastozialisten nicht, diese längst wider- legten Behauplungen wieder ouszusrischen,"in so die Ehre eine» Manne» zu beschmutzen� dessen Lerdiensic um'Ausrechlerhaltung von Ruhe, Ordnung und Sicherheit in schwerste,, Zeile» im Interesse aller Staatsbürger die Geschichte noch zu würdigen haben w>rp, Der Berleumderortikel beschäftigt sich dann weiter mit dem Berliner Polizeivizepräsidenten Dr, Weiß, dem gleich- falls an die persönliche Ehre rührende„Versehlungen" unter- geschoben werden. Wie wir au» dem Polizeipräsidium«fahren, sind auch dies« Behauptungen al» gemeine Berleumdun- gen anzusehen. Man merkt die Absicht der Verleumder und er- kennt, wie verhaßt die beiden Männer den Reaktionären sind. Ein Schreckensurteil! Justiz mit der porleihin&e B r a u n f ch w e i g, s. Ziuni.(Eigenbericht.) Das Amtsgericht Praun schweig verurteilte einen Zungbannermonn. der im Perlauf einer Straßen, Prügelei mit provozierenden Razi-LchiUern einem per siloindps das Blüßenband abgerissen hatte, zu einem Jahr Gefängnis. Di« Perurtetlung er- folgte aus Antrag eines nationalsvzialkstischcn Dtgatsanwalts wegen„Strastcnraube s". Tos ungeheuerliche Urteil steht im krassen Gegensatz zu der Behandlung der braunschweigischcn Nazis, von' denen bis- her kein einziger abgeurteilt wurde, obwohl sie drei Tote und zahlreiche Schwerverletzte auf dem Gewissen haben. vom llnkcrgang der Volkspartei. Die bisherigen polkspartei- lichen Rsichttagsabgeordneten Hosbesitzer M euer zu Bei m und Staatssekretär z, D. S ch in i d(Düsseldorst sind aus der Deutschen Bolksparlei ausgerreten, Sie gehen zu den Deutschnattonalen, Herr Dinzeldey verhandelt krampkhast um«ine neue Parteigründuna. er hofft, rechte Staatsparteiler an sich zu ziehen. Hetze gegen Havas-Vertreter. Innenpolitische Vronnenvergistung im Hintergrund. Die katastrophale Stiwnmng des gesamten Auslandes gegenüber dem lZunker-Äabinett lähl die Ro6itspresse vor den außenpolitischen Mißerfolgen schon jetzt zittern, die sie für die nächste Zukunft voraussieht. Deshalb wird mit allen Kräften eine neue Dolchstoßlüge konstruiert: Schuld an der schlechten Ausnahme der Papen- Schleicher-Clique im Auslände, schuld air den— aus dem Hcrrenklub selbst stammenden— Gerüchten über eine geplante monarchistische Restauration, die lebhaste Beunruhi- gung im Auslande erzeugt haben, schuld an der kommenden diplomatischen Niederlage ist natürlich einzig und allein— die deutsche Sozialdemokratie! Wir t>nd daraus gefaßt, daß diese Lügen im kommenden Mohlkampf eine erhebliche Roll« spielen werden. Einen Vorgeschmack dieser infamen Verleumdungen bietet die„Berliner Börsen-Zeitung". Diese hetzt, offenbar nicht aus eigenem Antriebe, gegen den Berliner Vertreter der ihavas-Agentur, Herrn Lemercier, der beschuldigt wird, die bekannten Gerüchte über einen möglichen Rücktritt Hinden- Kurgs zwecks Ausrufung einer„Rcichsverwesersckiafr des Exkronprinzen wiedergegeben, aber das entsprechende De- menti Hindenburgs in einei� für die Verfassungstreue der Papen-Minister beleidigenden Form weitergeleitet zu haben, Das fchwerindustrielle Blatt fordert in dürren Worten d i e Ausweisung des französischen Korrespondenten, Wir haben daraufhin das Telegramm in der Pariser Presse vom Dienstag nachgelesen und festgestellt, daß es, nach einer Wiedergabe des Dementis, darin weiter heißt: „Soweit die persönlichen Absichten des Feldniarschalls von Hinbenburg in Frag« kommen, sind sie also klargestellt. Man wird bemerken, daß da« Dementi herausgegeben wurde a»i©rund einer Initiative des Staatsoberhauptes, daß aber die Regierung selbst nicht geglaubt hatte, den nachhaltigen(herilchten über eine nwnarchistischc Restauration entgeoentreten zu müsse», die in Deutschland im Umlauf sind und die einen so lebhajt«» und präzisen Widerhall in der bayerischen Press« gesunden Hoden. Sie hätte bei dieser Gelegenheit ihre Treue gegenüber der republikanischen Reichsoerfasfung bekunden können. Sie hat es n i ch t getan, ebenso wenig wie da« Wort„Verfassung" in ihrer on da» deutsche Volk gerichteten Erklärung vorkommt, Die Wahrheit scheint zu sei», daß die Kreise, die gegenwärtig die deutsche Politik beherrscheic. eine e n ts ch i c d e n monarchische Tendenz haben, daß aber noch niemand weiß, auf welche» lim« wegen der Thron der Hohenzollern wiederhergestellt werden könnte." Und deshalb der Schrei nach Ausweisung! Wir über» lassen es dem Berliner Havas-Pertreter, der, nach diesem Kommentar zu schließen, den Herren m der Wilhelmstraße geistig weit überlogen zu sein scheint, sich zur Wehr zu setze». Weit schlimmer und gemeiner ist aber der Versuch der „Börsen-Zeitung". den Genossen B r« i t s ch e t d als den Gewährsmann des Hovos-Vertrsters hinzustellen- Sic ist natürlich viel zu vorsichtig, ihn zu nennen, aber die Um- schmbung ist so deutlich, daß die juristische Handhabe für einen Srroiantrag wahrscheinlich dmch gegeben sein dünte. � Ans alle Fälle sei hiermit folgendes sestgestsllt� Seitdem Herr Lemercier in Berlin Hava» vertritt, also seit etwa Jahressrist, hat Breitscheid zu seinem Bedauern mit ihm im ganzen nur zweimal flüchtig gesprochen- Da» letzte Mal vor drei Monaten! Damit verliert di« gegen Herrn Lemercier gerichtete .Hetze ihren eigentlichen, nämlich ihren innerpolitischen Zweck Reichsbanner schließt Hörsing aus. Tagung von Bundesvorstand und Bundesrat Die Bundespressestelle des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold teilt mit: Am 8. Juni IWZ wurde bei einer Tagung des Bundesvorstandes und des Bundesrates zu Berlin einstimmig beschlossen, daß gegen den srüheren ersten Bimdcsvorsitzenden Hberprösihent n. D- Ptto 5? ö r s i n g und drei andere Bunbesmitglledcr das Ausschlußversahren einzuleiten(et. Di« Aussprache über die politische und wsttfchastliche Lage und die Ausgaben de» Reichsbanners ergab oöltige Itebereinstimmung der Bundesoertreter aus allen Gauen de» Reiche» mit dem Buiches- vorstand. Einstimmig wurde dem Kameraden Karl Hölter- mann für di« in den vergangene» Monaten geleistete Arbeit der Dank ausgesprochen und für die bevorstehenden Kämpie nneinge- schränkte» Vertrauen zugesichert. Zum Stellvertreter Karl Holter- mann» wurde der Reichstagsabgeordete Gustav Ferl- MazdeKtirg gewählt- Oer unparteiische Präsident. Wos Kerrl beanstandet~ was Plerrl dvrchtatzt Der notionalsozialistische Laadtaasprösident Kerrl hatte, wie wir mitteilten, vor einigen Tagen eine sozialdemokratische Anfrage bconstandet, weil darin die Bluttat von Dankau, die Er- mordung de» Arbeiters Vassy in Gegenwart'einer um Gnade bittenden Frau durch eine natianalsozialisttsche SA.-Horde mit den Worten„rohe Tat" gekennzeichnet worden war. Derselbe Präsident hat jetzt einen Ilrantrag(Nr. 175) seiner eigenen Parteigenossen ungehindert in Druch geheii lassen, in dem die vom preußischen Innenminister gegen die SA. erhobenen Anklagen oi»„ungeheuerliche Verleumdungen" be- zeichnet werden. Die viehisch« Mordlot von 311.'Banditen darf nicht oi» rdh bezeichnet werden, aber«in sozialdemokratischer preußischer Innen- nünister darf bsweislo» al? Verleumder beschimpft werden. Da» ist die Unparteilichkeit eine» Nazipräsidenten! TUzteror gegen Justiz. tzm sozialdemokrattschcr Antrag im Landtag. Im Preußischen Landtag hat die s a z i a k d« m o k r a t i s ch e Fraktion einen Antrag eingebracht, durch den das Staat»? Ministerium aufgefordert werden soll, die richterlichen und st a a t» a n m a> t l ich« n Beamten vor Einschuchterungsn und Bedrohungen wirksam zu schützen und di« llnabhängigkcit der Rech>»pslene auch in Zukunst für Preußen sicherzustellen. Zur Begründung heißt-s in dem Antrag: In der zweiten Sitzung des Preußischen Landtag» vom 25 Mai tllzz hat der Abg, Dc. greisl'r Beschwerde gssiihrt. daß Staats- anwälte in Totschlags- und Landfriedensbruchprozesssn gegen patio- nalsoziaiistjsche Angeklagt« die dem Bcweisergebnis entsprechenden Etrason trüge stelle>. Dormnhin Hot der Abg. K» b e, Vorsitzender der nationalsoziulistischeit Landtagtsraktion. geäußert: ..vi» preußischen Stoattanwäll, mußten zu Sv Proz. wegen Rechtsbruchs m den Anklagezustand versetzt werden." Diese Worte entsprechen der seit längerer Zeit von der natio- Preußen. „Wollen der Herr wieder auf seinem angestammten E>iße Platz nehmen!" „Renienjäger und Reurotiter. Nozi-Aerzte über Razi, i s. Das Gericht erklärte Butster, der bis zuletzi„bei Gcti und Ehrenwort" leugnete, sich selbst ongoschpssen zu haben, sitz einwand frei iibersührt. Der Razsvbgeordnete de» Hessischen Landtag»« e r n erhielt wegen Vorgehen» gegen das Schnßwasseitgesetz Z>0 Mark Gelbstroke. Kern hat Vnttler die zur Selbslnerstümmelling hemitzte Schuß»oike P?rft"ßert. Wieder einer.. Da» odeoffengencht m H a n n o v, r s ch, M i n d e n oerurteiit« einen lchemastgan SA., Führer in Hannoverich-Mmden. d«n Kqu'- mann Harald Friedrich, zu d r c'. P gch» n G« s q n g n i». Friedrich hotte den gleichen Trick wie Buttler angewandt: Cr hatte den Behörde» vor einiger Zeit einen Drohbrief zur Strasn«r> folgung vorgelegt, worin die„Rote Kommune" ihm den Tod inner- halb kurzer Frist ankündigte. Wenige Tage daraus meldete sich dann Friedrich bei der Polizei als„ubersallen". Er haste oinon R« s s e r- stich im linken Arm, den er mocheniang als Märtyrer in einer großen Binde zur Schau trug. Die Nachforschungen der Kriminal- polizei ergaben jedoch, daß Friedrich de» Drohbrief selber geschrieben, den Stich sich selbst mit' eigener Hand beigebracht hak.— Natürlich ist dort der Fall Friedrich von den Nationalsozialisten in Hannaversch-Vlinden fürchterlich zur Agitation gegen das„Rote Mordgesindel" ausgeschlachtet morden. E» ist charakteristiscki. dnß nationalsozialistische Seibstverstümme- lungen keine Einzelerscheinungen sind. nalsozialistischen Presse geübten Taktik, solche Richter und Staats- onwälte, hie in Prozessen gegen Nationalsozialisten nicht da» Partei- snieress« der Naiianalsazialisten, sondern den allgemeinen Rechts- ftandpunkt vertreten, durch Schimplworte und Drahun- gen einzuschüchtern. Hierfür ist in dem Buche„Justiz- däwmerung" eine Reihe markanter Beispiele aufgeführt. Durch die fortgesetzte Bedrohung pslichtgemäß handelnder Jnstizbeamter soll psscnbor erreicht werden, daß diese in Zukunft nicht mehr wagen. nach Pflicht und Gewissen ihre Funktionen als Richter bzw. Staats- anmalte zu erfüllen. Er will sich nicht festlegen. Oer zderr von Ods zur?�esiouration«frqqr London. 8. Jpni. Mgenberichl.) Wie der„D a i I y herald" berichtet, hatte seine Redaktion an den früheren Kronprinzen die lelrgraphische Ansrage gerichtet, ob er bei einer künftigen Reichspräsidenteuwahl eine Kandidatur annehmen»der ober als Anwärter aus den hohenzollernthron angesehen werden könne. Daraus hat der„Daily herald" au» Oels nachstehende A n t. wort erhalten, die man nicht gerade als eine Ableugnung der- artiger Absichten bezeichnen kann:„Ich werde meinem Lande dienen, so lange ich tebe. Wilhelm, Krön- prlnz." » Also auch dem Ausland gegenüber bedient sich der Crkronprinz eine, Titels, der ihm gesetzlich nicht zusteht. Cr Ist lediglich befugt. sich, genau wie seine»rüder...yrin, von Vreußeu" zu nennen. 3m übrigen ist diese Antwort kaum mehr ql, zweideuttg zu bezeichnen. Sie bildet vielmehr indirekt eine Bestätigung der in den Kreisen des Herrenklubs propagierten Reslauratians- plane. Oer Prozeß um die Hitter-Gelder. Vcrnehmuna bes Putschisien~Roif} München.$. Juni(Cigeicherichr.) In dem M ü n ch e n g x A b« l- P r o z« ß kam s» am Mittwoch wiehevhakt zu Zufamm»nstSb»n zwifch«i dem Gerkchts- porstyenbeu und der Verteidigung. Gleich zu Beginn stellt« einer der Verteidiger seit, daß verschieden» A k t e n st Ü ck« s« h l e n. ums von dem spä'er als Zeugen vernommenen llntersuchiingsrichter bestätigt werde,, mußte. Los Hauptergebnis war die Vernehmung des früheren bayerischen I» st i z m> n i st e r» Dr. Roth, der zur Zeit Generalstaatsanwait beim bayerischen Berwoltungsgerichtshos ist. Roth war mit Abel nach dem Hitler-Putsch End« 1923 Festung»- gesangener in Landsberg an, Lech. Er bestreite» heute, mit Abel jemals in engere,, Beziehungen gestanden und ihm erzählt zu habe», daß der berüchtigte Leutnant Braun der Mörder des Sozialdemokraten Gareis sei. Auch heute wisse er nach nicht, wer der Mörder war. Eine Reihe von Fragend« Verteidigung, deren Beantwortung durch de» Zsugep Licht in da, Dunkel der bayerischen Fememordassär« 1920/21 hätte bringen können, lehnte das Gericht ab, Rath märe z, B. sicheriich in der Lag« gewesen, Aus- kunst darüber zu geben, daß der Gareis-Mörder von der Münchener Pokizsidirektion(Pohner-Frick) sür sein« Flucht nach Ungarn mit einem falschen Paß ausgestattet wurde, Die Behauptung des Angeklagten, daß er während seiner Agententäligkeii für di» Rechtsradikalen in München miederholt Gast bei dem Erkronprinzen Rnpprecht mar, konnte im bisherige« Verlaus des Prozesses noch nicht geklärt werden. Auch Lndendaris kümmerte sich damals recht lebhnst um Abel und suchte ihn zweimal in seiner Wohnung aus. Der Fememörder Heine, wußte y>» Zeug» von den ausländischen Geldguellen Hitler, au, eigener Kenntnis nichts anzugeben. Arbeilsdienstpslicht in Oesterreich. Der östorreichische Ministerrat hat am Mittwoch die Vorlage eines Gesetzes üb« Einführung der �freiwilligen 21 r b s i t s d i« n st p f l i ch t»ach deutschem Muster verabschiedet, Zur Finanzierung dieses Projekts soll ein Kredit ovn 3 Millionen Schilling diene». Di« Arbeitsdienftpslicht soll m der Form durchgeführt werden� daß den zy der Arbeit per- wendeten Arbeitslosen eine täglich« Eitychädignng von zwei Schilling zugebilligt wird. vi« deutsche Lausanne. vcntschrist hat Außenminister u o» N e u- rath dem Außenamt in London überreicht: sie enthalt«ine Darstellung der Grunde der deutschen Zahlungsunfähigkeit. Es geht gegen die Arbeiter! Tarifvertrag und Arbeitslosenschuh will man beseitigen. Die„Deutjche Bergwerks-Zeitung" veröffentlicht in ihrer Nr. 132 vom 8. Juni einen Leitartikel, der die bezeichnende Ueberfchrift trägt: „Schwarzarbeit als Protest. Das Ende der gewerkschaftlichen Lohn- regulierung." Zunächst vergießt der Verfasser Krokodilstränen über den Abbau der Unterstützungssätze in der Arbeitslosenversicherung, der Krisen- und Wohlsohrtsfürsorge, ein Abbau, der übrigens noch weiter geht, als der Verfasser des Artikels anzunehmen scheint. Dieser Abbau der Unterstützungssätze, verbunden mit der langen Dauer der Ar- beitslosigken, zwinge geradezu den Arbeitslosen zur Schwarz- arbeit. Dann kommt ein logischer Kopfsprung, indem behauptet wird, daß die Schuld an diesem Ueberhandnehmen der Arbeitslosigkeit und der Schwarzarbeit die Gewerkschaften trügen, weil sie die Arbeitslosenunterstützung durchgesetzt hätten, um die Löhne möglichst hoch zu halten. Also nicht nicht die unwirtschaftliche Rationalisierung, die Mil- lionen und Milliarden verpulverte, um Arbeitslöhne„einzusparen", mit diesen eingesparten Arbeitslöhnen aber gleichzeitig den Absatz drosselte, nicht die kapitalistische Mißwirtschaft ist schuld an der Wirt- schastskrise, sondern schuld daran sind die Arbeiter, die sich gegen diese Mitzwirtschast zur Wehr setzen. Das Heilmittel, daß das Organ der Schwerindustriellen zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise vorschlägt, entspricht genau dem Krankheitserreger. Die Arbeitslosenversicherung soll beseitigt werden, die Tarifverträge müsse man„auflockern" und m Werkstarife umgestalten. „Der Grundgedanke dieser Vorschläge ist einerseits die V e r- b il l i g u n g der Arbeitslosenfürsorge und andererseits die Erleichterung von Lohnoerabredungen, die sich der Lage der einzelnen Unternehmen anpassen." Der Abbau der Unterstützungssätze hat, wie der Verfasser ganz richtig bemerkt, zur Schwarzarbeit geführt. Um diese Schwarzarbeit zu beseitigen, soll also die Arbeitslosenversicherung ganz beseitigt werden. Wir müssen gestehen, daß wir mit dieser Logik des Unter- nehmerorgans nicht mit können. Was nun die„Erleichterung van Lohnverabredungen" betrifft, das heißt auf gut deutsch die Erlaub- nis, die schon abgebauten Tariflöhne nochmals abzubauen, sie„der Lage der Einzelunternehmungcn anzupassen", so kann doch die Folge davon nur sein, daß die bis zur llnerträglichkeit gedrosselte Kauf- kraft der großen Masse der Berbaucher noch weiter gedrosselt wird. Es ist ohne weiteres begreiflich, daß die„Deuffche Bergwerks- Zeitung" viel mehr Interesse ausbringt für die Lage des Unter- nehmers als für die Lage des Arbeiters. Daß es aber den Unternehmern, volkswirtschaftlich gesehen, nicht besser gehen kann, wenn es der Arbeiterklasse schlcrbter geht, das zu begreifen über- steigt natürlich den Horizont eines Unternehmerorgans. Es kann auch nicht begreisen, daß die Schwarzarbeit, über deren Konkurrenz gegenüber dem Handwerksmeister das schwerindustrielle Organ weh- klagt, erst recht zunehmen muß, wenn der Versicherungs- charakter der Arbeitslosenunterstützung beseitigt und die Unterstützungssätze noch weiter abgebaut werden. Sicher ist nur, daß die Schwerindustriellen jetzt die Stunde für gekommen halten, um mit dem Tarifvertrag und der Ar- beitslosenversicherung auszuräumen. Darüber wiro aber in letzter Linie nicht die Regierung der Nazibarone entscheiden, auch wenn sie durch bürgerliche Generaldirektoren verstärkt ist, sondern das deutsch« Volk, dos am 31. Juli die Entscheidung in Händen haben wird, Die Kämpfe in Spanien. Anarchisten und Kommunisten als Handlanger der Reaktion. Wenn die spanischen Anarchisten einen Pakt mit den Feinden der Arbeiterklasse abgeschlossen hätten, so könnte ihr Verhalten sicherlich nicht schändlicher sein als es zur Zeit ist. Wohl ist die Demokratie an die Stelle der Diktatur getreten, sie wird jedoch in hohem Maße gefährdet, weil die Anarchisten jetzt wie früher außerstande sind, an die Stelle ihres Mystizismus eine auf die Wirklichkeit gerichtete Politik zu setzen. Dieses Unvermögen geht so weit, daß sie bewußt oder unbewußt zu den Handlangern der Reaktion werden und eine direkte Gefahr für die Republik darstellen. Die Liste ihrer sinn- und nutzlosen Quertreibereien ist unerschöpf- lich. Vor kurzer Zeit versuchten sie in Madrid das Haus des sozio- listischen Arbeitsministers und ehemaligen Sekretärs des spanischen Gcwerkschaftsbundes in Brand zu stecken. In Mataro, einer bedeutenden katalanischen Stadt in der Nähe von Barcelona, ver- suchten sie einen Generalstreil einzuleiten, und zwar zu dem ausge- sprochenen Zweck. die Enllossung der in der Tertilindustric beschäftigten Mitglieder der freien Gewerkschaslen zu bewirke». In Malaga verlangten in einer Fabrik der Metall- industrie 11) Anarchisten die Entlassung von 200 freien Gewerkschaftern. Da die Unternehmer nicht aus diese Forde- rung eingingen, traten die H a f e n- und Transportarbeiter, unter denen die Anarchisten stark vertreten sind, in den S y m- p a t h i e st r e i k. In der gleichen Stadt sind zahlreiche andere Zusammenstöße vorgekommen, die keine Behinderung fanden, da der Gouverneur dieser Stadt aus Haß gegen die freien Gewerkschaften die Anarchisten stützt. Sachverständige schätzen den Wert der nächsten Ernte, von der die Wirtschaftslage Spaniens entscheidend abhängen wird, auf 1,300 Millionen Pesetas. Die Regierung hat zahlreiche Maßnahmen geirofsen, um die Einbringung dieser Ernte sicher zu st e l l e n und für eine möglichst anständige Bezahlung der Land- a r b e i t e r zu sorgen. Unter Mithilfe der Regierung wurde zu diesem Zwecke versucht, für die Landwirtschaft einen sür das ganze Land geltenden Tarifvertrag abzuschließen. Die K o m m u n i st en und A n a r ch i st e n, die zu Beginn an diesen sür das gesamlwirrschaftliche Los des Landes so wichtigen Berhand- lungen teilnahmen, gingen nach kurzer Zeit zum Abschluß von Teil- Verträgen über und waren bestrebt, die ganzen Verhandlungen zu zersplittern. Da sie am diesem Gebiet ihr Ziel nicht vollständig erreichen konnten, beschlossen sie in der Provinz Sevilla, wo sie eine verhältnismäßig große Anhängerschaft habett, di« Einleitung eines„revolutionären" Generalstreiks. In einem bei dieser Gelegen- heit an die Arbeiterschast gerichteten Manifest setzten sie sich für den anarchistischen Gewerkschastsbund ein und forderten den allgemeinen Uebergang zum vollen Anarchismus. Im Zusammenhang mit diesen Zwischenfällen kam es zu jenen Untersuchungen der Behörden, bei denen Hunderte von Bomben entdeckt wurden. Der Streik selbst war ein völliger Mißerfolg. In letzter Zeit ist von den Presseagenturen auch die Einleitung eines Generalstreiks der Transportarbeiter ange- kündigt worden. Dieser Streik wurde nicht von den organisierten Arbeitern, sondern von den Eiscnbahngesellschaslen eingeleitet als Protest gegen finanzielle Maßnahmen der Regierung, oder mit anderen Worten: die Bewegung wurde von mon- a r ch i st i s ch e n Elementen begünstigt, um der Regierung Schmie- rigkeiten z» bereiten. Dos Zusammentreffen anarchistischer und Monarch! st ischer Umtriebe ist bezeichnend. Man darf sich in diesem Zusammenhang mit Recht fragen, woher das Geld für die anti-republikanischen Umtriebe kommt und wer die Tausenden von Bomben und Höllenmaschinen zahlt. Die sreigewerkschastliche spanische Landeszentrale, die den IGB. über diese Aktionen und ihre Hintergründe unterrichtet, teilt er- gänzend noch mit, daß alle Elemente, die im Besitz von Massen, Bomben usw. angetroffen werden und wegen sonstiger Umtriebe verfolgt werden müssen, der a n a r ch i st i s ch e n Landes- zentrale angehören. Abbau der Sozialpolitik! Vei den Beamten des Zirbsitsminifleriums fänat man an Im R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r i u m wollen die Scharf- macher ausräumen. So bringt der Hugenbergsche„Deutsche Schnell- dienst" eine Meldung, aus der klar hervorgeht, daß nun auch die! Ministerialdirektoren Weigert und G r i e s e r aus dem Ministe-! rium verdrängt werden sollen. Weigert ist der Hauptreferent für! die Arbeitslosenversicherung und Grieser für die Sozialversicherung. Sicherlich sollen aber die geplanten' Pcrjonaländerungcn nicht auf Siese beiden Herren und den Staats- fekretär G c i b, der seinen Abschied erbeten hat, beschränkt bleu en. Man möchte mit allem ausräumen, was im Laufe der letzten dreizehn Jahre im Reichearbeitsministerium aufgebaut worden ist, Die leitenden Beamten, die die Beschlüsse des Reichstags und der Regierungen durchgeführt haben, wie es ihre verdammte Pflicht mar, hält nian nicht für geeignet, oie Sozialpolitik der Republik wieder zu beseitigen. So nennt z. B. die„Deutsche Bergwerks- zeiiung" den Ministerialdirektor Dr. S i tz l e r, der politisch ziemlich weit rechts von der Sozialdemokratie stehen dürfte, den„sozialisti- schcn Schützer und Förderer des zwar nicht durch die Verfassung garantierten, aber durch die Verwaltungspraxis tatsächlich stabilisierten Gewerkschaftsmonopols der sogenannten drei anerkannten Gewerkschaftsrichtungen". Ein französisches Sprichwort jagt:„Wenn man seinen Hund umbringen will, sagt man, er hat die Tollwut." Die Beamten, denen man zum Vorwurf macht, die Politik der bisherigen Regie- rung nicht verhindert zu haben— wie konnten sie das?!—, werden einfach als„sozialistisch" abgestempelt. Daraus wird dann das „Recht" hergeleitet, sie in die Wüste zu schicken und an ihre Stelle Parteibuchbeamte aus dem Braunen Haus zu setzen, die dann die„Sozialpolitik" des Scharfmachertums zu betreiben haben. Womit, nebenbei bemerkt, den Beamten klar gemacht wird, was sie von einer Naziregierung zy erwarten hoben. Niemand wird auf den Trick der Regierung der Schlot- und 5lrautjunker hereinfallen Man beseitigt die Beamten des Reichsarbeitsministeriums, weil man die Sozialpolitik über- Haupt und damit auch dos Reichsarbeitsmini st erium beseitigen will. Erfolg in den Brauereien. Abschluß des Manteltarifvertraas. Die Verhandlungen über den Neuabschluß des Mantel- t a r i f v e r t r a g e s für die Berliner Brauereiarbeiter sind bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen. Die Brauereiuntcr- nehmer hatten, wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, anfänglich sehr weitgehende Verschlcchterungsan träge gestellt. To hatten sie unter anderem die Wiedereinführung der 18- Stunden-Woche gefordert, die Umwandlung der Wochen- löhne in Stundenlöhne, die Kürzung der Zuschläge sür Ueber stunden an Sonn- und Feiertagen sowie bei Nachtarbeit und noch einiges mehr. Die Verhandlungen haben schließlich dazu geführt, daß d i e 10-Stunden-Woche beibehalten wird, ebenso auch die Wochenlöhne nicht in Stundenlöhne umgewandelt sowie die lieber- stunden Zuschläge für Arbeit an Sonn- und Feiertagen und die Zu- schlüge bei Nachtarbeit nicht gekürzt werden. Hinsichtlich des II r- l a u b s soll während der Zeit der Geltungsdauer des Kurzarbeit?- abkommens je nach der Beschäftigungsdauer des einzelnen Brauerei- arbeiters eine Kürzung der Urlaubszeit um 1 bis 3 Tage eintreten. Weiter soll die Tarisbestimmung fortfallen, daß bei Ur- loubsantritt während der Wintermonate l bis 3 Tage Urlaub mehr gewährt werden als bei Sommerurlaub. Die Kürzung des Urlaubs um l bis 3 Tage soll jedoch erst sür die Urlaulispenodc des Jahres 1933 in Kraft treten. Im wesentlichen bleiben die alten Tarifbestimmungen unverändert. Der neue Manteltarif soll bis zum 31. Januar 1933 gelten. Die Funktionäre der Berliner Brauereiarbeiter nahmen gestern abend in einer stark besuchten Versammlung im„Hackeschen Ho'" zu dcnt Verhandlungsergebrns Stelluno. Nach einem eingehenden Bericht des Genossen Schmitz vom Verband der Nahrungsmittel- und Geträntearbeitcr über die Schwierigkeit der Verhandlungen und nach einer lebhaften Diskussion stimmten die Funktionär« dem Ver- Handlungsergebnis zu. Sie beauftragten aber gleichzeitig auch die Organisationsvertreter, nochmals mit den Brauereiuntsrnehmern zu verhandeln, um zu versuchen, die Wiederherstellung der günsti- geren Fassung über die Urlaubsgewährung im Winter sowie eine längere Tarifdauer als nur bis zum 31. Januar 1933 zu erreichen. Dieser Abschluß eines Konflikts, der zeitweise einen bedrohlichen Charakter annahm, zeigt, daß auch bei den Unternehmern die Ver- nunft sich durchzusetzen vermag. Allerdings unter einer Bedingung: daß sie es mit einem starken Verhandlungspartner zu tun haben. Ihrer Organisation allein verdanken die Brauerei- arbeiter diesen Erfolg. Freigewerkschastlicher Erfolg bei Llllstein Ergebnis der Arbeiterratswahl. Bei der Arbeiterratswahl in der All st ein A.-G., die in den letzten Togen statksand, siel die Entscheidung zugunsten der sreigcwerkschafllichen Liste, von 2SZS abgegebenen Stimmen erhielt die Liste 1 der freien Gewerkschaften 1702, während die RGO., die im vorigen Jahre 1844 Stimmen erhielt, diesmal nur noch 1102 Stimmen für sich zäh'en konnte. Damit ist dem nnhalkbarcn Anstand ein Ende gemacht, der durch die gleiche Zahl der Arbeiterralsjilze von achl gegen acht wirkliche positive Arbeit für die Arbeiterinteressen ausschloß, von den IS Arbeiterralssihen erhält die Liste 1 zehn und die RGO. sechs. Das ist trotz der wüsten Propaganda der Ueberrevotutionäre und Streikmacher um jeden Preis ein Sieg der Vernunft und der Organisation, der jeden sreigewerkschastlichen Arbeiter der Ullstein A.-G. anspornen wird, auch die letzten RGO.-Anhänger zu überzeugen, daß die Arbeiterinteressen nur von den Mitgliedern und Funktionären der freien Gewerkschaften vertreten werden. Vorwegnahme des Oriiien Reiches. Berliner Schneider-Zwangsinnung unterstellt sich Hitler. In Nr, 12 vom 4. Juni der„Deutschen Schneiderzeitung", amtliches Organ der Berliner Schneiderzwangsinnung, ist in Form eines Protokolls ein„Sitzungsbericht" einer Versammlung der„NS.-Verufsoerbindung, Gau Berlin der NSDAP., Organis. II, Fachgruppe Schneiderzunst" veröffentlicht. Der„Zunstwart" Wolter H a r t i g, der der Verfasser des Sitzungsberichtes ist, hat auch die Versammlung geleitet, in der ein gewisser„Pg. Dr. Splettstößer" einen Vortrag über„Stände- Parlament und Zunftwesen im Dritten Reich" hielt. Der Unsinn, den der Dr. Splettstößer verzapfte, interessiert uns nicht weiter. Selbstverständlich erzählte er den Pg, Schneidermeistern, was sie gerne hören wollten und zwar, daß der Nationalsozialismus„eine Neu- ordnung des Wirtschaftslebens durch Schaffung von Zünften(also etwas ganz Neues!), Berusskammern und Ständeparlamenten" her- beiführen werde. Es wird dann in dem Bericht die nächste Ver- sammlung angezeigt und dabei bemerkt, daß jeder erscheinen müsse oder eine begründete Entschuldigung an den Pg. Hartig einzusenden habe:„Diese Versammlung ist Dienst". Selbswerständlich ist es das gute Recht der Nazis, so viel Pro- paganda zu machen, wie sie nur können und wie ihnen die Groß- firmen, die die kleinen Schneidermeister ausbeuten, dazu Geld liesern, Aber es ist ein starkes Stück, daß hierzu die Zwangsinnung und ihr amtliches Organ mißbraucht wird. Vorläufig leben wir noch nicht im Dritten Reich, und deshalb empsehlen wir der Aufsichtsbehörde, hier einmal nach dem Rechten zu sehen. Daß es in der Kleiderzwangsinnung ziemlich kraus hergeht, ist uns bekannt. Ein derartiger Mißbrauch aber kann unmöglich geduldet werden! Konflikt in Ostoberschlefien. Die Unternehmer wollen Die Löhne kürzen. kattowitz, 8. Juni. In Königshütte fand eine Tagung der Betriebsräte der Eisen- Hütten statt, an der 60 Vertreter von 11 Hüttenwerken teilnahmen. Die Projekte der Unternehmer, die Akkordlöhne um 20 bis 25 Prozent zu kürzen, wurden besprochen. Es wurde be- schlössen, eine neue Konserenz gemeinsam mit den Betriebsräten der Kohlengruben abzuhalten, um im Kampf für die Beibehaltung der bisherigen Löhne zusammenzugehen. Lohnabbauwünsche der belgischen Unternehmer Brüssel, 8. Juni.(Eigenbericht.) Die paritätische Lohnkommission der belgischen Maschs- nenbauindustrie beriet am Mittwoch über die Forderung der Unternehmer auf eine allgemeine zehnpro- zentige Lohnherabsetzung. Die Arbeitervertreter erklär. ten sich bereit, für gewisse Arbeiterschichten eine Kürzung um 2 lf' Prozent, anzunehmen. Dieies Zugeständnis genügte den Unternehmern nicht. Die Beratungen wurden erfolglos ab- gebrochen. >�reie Gewerkschafts-Iugenb Berlin Heute, Donnerstag, 9. Juni. 19'. Uhr, tagen die Gruppen: Südosten: Jugendheim Neichenberger Str. 66. Rationalisierung und Gezv'rkschaften. — Tempelhof: Jugendheim, Lyzeum Germaniastr. 4—6. Der Zugang er- folgt durch den Eingang Götzstraße, auf der hinteren Seite der Schule. Theo Maret liest: Abenteur im Eismeer.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18—19. Kastner-�dend mit Martha John.— Staate«: Jugendheim der 17. Volks- schule, Gartenstadt..Kirchvlatz lEndhaltcstelle Autob is 81). Gewerkschaften und Iugendschutz.— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 16. Das lustige Puch.-- Tie lustige Schallplatte.— Landsberger Platz: Jugendheim Diestclmenerstr. 6. Lieder- und Spielabend.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Lichtenberg steht kapp.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Kampfliederabend. — Gesundbrnnnen: Jugendheim Rrte Schule. Gotenburgcr Str. 2. Alfred kommt zu uns.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. a(Nähe Bahnhof Spindlersfeld). Feuerwehr und Rettungswesen.— Scklestsches Ter: Jugend- heim Manteusfelstr. 7. FGI. in Wort und Bild,— Gewsrkschaitehausr Wir geben beden.— TsteN: Inaendheim Frankfurter Allee 897(Löns-Zimmer). Tic Entwicklungsgeschichte der deutschen freien Gewerkschaften.— Dir spielen ab 18 Uhr. Sudkreis: Treptower Park. Wiese 8. und im Bolksvark Neukölln.— Kreis Oderspree: Rohwiese.— Nordostkreis: Bolle-Sportplatz. Noroend.— Nordkreis: Spielwiese Bolkspark Rchberge.— Zugendgruppe des Deutschen Be- kleidungsarbeiter- und Textilarbeiter. Verbandes: Treptower Vark. Wiese 8.- Iuoendgruppe des Verbandes der Nabrungl-mittcl- und Getränkearbeiter: Neue Schönbauser Str. 4—",. Vortroa: Das Reichsbanner.— Iugendgruppe des Deutschen Baugewerk-bundes, Maurer: Bauabsnd im Jugendheim Großbeeren- straßc 96. ''v> ene-in'vpe Ces ster Anatftellten -»ll»».«»»»■■»rtnnj»».—! in«.»»'-v-rrer». mjus-** lw jay--»v-uwr.— �■-■,— «xVV teilte. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Norden: Jugendheim Lortzingstr. 19. Bortrag: Auf dem Wege zum Sozialismus. Referent: Racusin.— Pankow. Riederschönhausen: Jugendheim Görschstr. 14 lgroßes Zimmer). Wir senden eine Reportage.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Politisch.satirischer Abend.— Treptow: Jugendheim Elsen- straße 3(Privathaus). Kurzreferate über:„Demokratie oder Dicta-ur" und„Frei- williger Ä�eitsdienst oder Arbeitsdienstpflicht".— Die Freie Angestelltenban? e. G. m. b. H. tagt heute von 20 bis 22 Uhr im Verbandshaus.— Spiele im Freien: Heute ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Tiergarten. rr, Verantwortlich nii VoU.i? Victor Gch'U. tfniidv't.»haatltöfn; üktrcrtidiafi lHfflcgjng: 3. stinicr: tzruilli-I?» T_t. ool)B Srtifoiusti; fofcle« und öiinftiflcä; gri» Rutftobti Anzcigen: Th teloctc: sämtlich in Berlin, Berleg: Borwiirt».Berlag E, m, d, H, Berlin Druck: Vorwärls.Juchdruckerei und Jerlagsonstatt Baut Singer u To, Berlin SD. 68. Lindensirak« 3. Hierzu 2 Beilagen. ?Ir. ZS7» 4S. Iohrgang Oomterdfii«. 9. 3uni 1932 Die Gelenk-Straßenbahn Schwarzer V erkehrstag Autounglück auf der Heerstraße— 25 Verletzte beim Straßenbahnunglück Der gestrige Mittwoch war im wahrsten Sinne des Wortes ein schwarzer Tag im Berliner Verkehrsgetriebe. Wenige Stunden nach dem schweren Strahenbahnzusammenstoh am Potsdamer Bahnhof raste ein mit vier Personen besetztes p r i v a I a u t o auf der Heerstraße unweit der Stögenseebrücke einen etwa 7 bis S Meter hohen ilbhang hinunter. Ein Toter und drei Schwerver- letzte wurden unter den Trümmern des Wagens, der sich mehrmals überschlagen hatte, hervorgezogen. Der 48 Jahre alte Fabrikleiter F r i tz B o ck aus der Augsburger Straße befand sich mit drei Freunden auf der Fahrt nach Berlin. Kurz vor der Stößenseebrücke wollte B. ein anderes Fahrzeug in scharfem Tempo überholen. Dabei verlor er die Gewalt über die Steuerung, geriet auf die andere Straßenseite und raste die Böschung hinunter. Bei dem Sturz überschlug sich das Auto mehrmals und die Znsassen wurden unter den Trümmern begroben. Durch die Feuerwehr wurden die Verunglückten geborgen. Einer der Mitfahrenden, der 39 Jahre alte Kellner Karl Schmidt aus der Kaiser-Friedrich-Straße 47 in Charlottenburg, war bereits tot. Die anderen Verletzten, der Fabrikleiter Bock, der 43jährige Kellner Adolf P f i n g st aus der Bayreuthcr Straße 18, und der 41 jährige Max Wernicke aus der Knesebcckstraße, wurden durch die Feuerwehr ins Wilmersdorfer Hildegard-Krankenhaus über- geführt. Die Ausräumungsarbeiten an der Unfallstelle dauerten längere Zeit. 25 Verletzte. Das Straßenbahnunglück in der Stresemann- st r a ß e, über das wir im„Abend" bereits berichteten, hat nach den letzten polizeilichen Feststellungen insgesamt 25 Verletzte gefordert. In der Hauptsache haben die Verunglückten leichte Schnitt- und Quetschwunden sowie Nervenschocks erlitten. Die große Zahl der Verletzten wurde in den Rettungsstellen in der Eich- Horn- und Kronenstraße sowie im Elisabeth-Krankenhaus und in der Charite behandelt. Bis aus eine Frau Emilie K ä d i n g, die im Elisabethkrankenhaus daniederliegt, konnten die übrigen Verletzten sämtlich in ihre Wohnungen entlassen werden. Wie die Ermittlungen ergeben haben, ist das Unglück durch falsche Weiche» st ellung erfolgt. Die Straßenbahn der Linie 21 fuhr der aus entgegen- gefetzter Richtung kommenden Straßenbahn der Linie 24 in die Flanke. u- In der Eichborn st raße in Reinickendorf- W e st geriet gestern nachmittag der dreijährige Kurt E i ch l« r aus der Eichbornftraße 59 unter die Räder eines Lieferautos. Das Kind wurde auf der Stelle getötet. „Examen" bei der Kalschgeldsielle. Der Banknotenfälscher hat ohne Komplicen gearbeitet. 3n den gestrigen Vachmitlagsstunden ist die Untersuchung der Berliner Falschgeldslelle gegen den Bonknoiensälscher Waller Pohl so weit gediehen, daß man bereits von einem Abschluß der kriminal- polizeilichen Ermittlungen sprechen kann. Die letzte Vernehmung des Fälschers gestallele sich dabei zu einem interessanten Experiment, da Pähl den Beweis zu erbringen hatte, daß er die Fälschungen ohne Komplicen hergestellt hatte. Schon als die Rcichsbank und dadurch die Falschgeldstelle in der ersten Zeit des Auftauchens der Falsifikate einige Scheine in die Hände bekam, konnte man feststellen, daß sie technisch vorzüg- lich angefertigt waren. Als der Fälscher verhaftet werden konnte, legte er nach anfänglichem Leugnen das G e st ä n d n i s ab, die Roten allein angefertigt zu haben. Schon vorher waren von der Fakschgeldstelle in- und ausländische Geldfälscher zur Strecke gekracht worden, deren„Erzeugnisse" aber— mit denen des Kunst- malers Pohl verglichen— qualitativ nicht die hervorragende Technik! aufwiesen, wie sie P. angewandt hat. Man vermutete, daß der Fälscher in seiner Arbeit von Komplicen unterstützt worden war. Als er aber hartnäckig dabei blieb, die Falsifikate allein hergestellt zu haben, forderte man ihn auf, einig« besonders schwierige Methoden der Herstellung praktisch vorzuführen. P. war dazu sofort bereit und fertigle vor den Augen der Beamten einige Falsifikate an. die genau so gut waren wie die bisher angehaltenen Voten. Durch dieses„Examen" hat Pähl den Beweis erbracht, daß er ollein der Hersteller der falschen Scheine war. 800 Menschen in Seenot. Spanischer Dampfer auf Grund gelaufen K a p st a d t, Juni. Der spanisch«-tOOv-Tcmnen-Dampser„T e i d e" m-t 800 Passagieren an Bord ist im Golf v o n B i a f r a, 20 Meilen von der we st afrikanischen Küste entfernt, auf Grund gelaufen. Das Schiff be- findet sich in einer äußer st gefährlichenLage. T-r englische Dampfer„Appam" ist der„Teide" zu Hilse geeilt. Mehrere Barkassen von der Insel Fernando Po sind gleichfalls nach der Unfallstelle ausgelaufen. Die „Teide" ist ein 37 Jahre altes Schiff. Go werden Theater betrieben. Verurteilung wegen Kautioneibetruges. Die kurze Theaterdireklion Max Semmlers im Wallner- T h e a l e r halte gegen ihn jetzt vor dem Schöffengericht Schvncbcrg ein gerichtliches vachspiel wegen Betruges. Witangektagt war der Kaufmann Werner Götz. Temmler hatte am 15. November vorigen Jahres das Wallner- Theater genachtet. Schon am 17. Dezember mußte er den Theater- betrieb einstellen, da nicht einmal die Lichtreklame bezahlt werden konnte. Es ergab sich dann, daß eine Reihe von Leu-en, die als Kassierer und Garderobenpächter usw. angestellt worden waren, oder die Pachtverträge abgeschlossen hatten, um mehr oder weniger größere Summen geschädigt worden waren. Der K a s- siererposten war zweimal besetzt worden, und es war von einem der beiden Angestellten eine Kaution van 699 M. gestellt worden. Der Garderobenpächter hatte 3999 Mark gezahlt. und es war mit ihm ein Pachtvertrag bis Mai 1932 abgeschlossen worden, obwohl Temmler vom Polizeipräsidium nur eine vorläufige Spielerlaubnis bis Ende Dezember erhalten hatte. Der Angeklagte Temmler schob die Hauptschuld bei den Unregelmäßigkeiten aus den Mitangeklagten Götz. Er sei seit langen Iahren im Theaterbetrieb früher Ballettmeister und Regisseur gewesen, und er habe die„Ja- sephslegende" von Richard Strauß auf den deutschen Bühnen her- ausgebracht, ebenso ein anderes Werk von Richard Strauß an der Breslauer Oper. Durch Pircha», den Ausstaltungschcf des Berliner Staatstheaters, sei er angeregt worden, in Berlin Zlusstattungs- opern herauszubringen, und er habe zu diesem Zweck das Waliner- Theater gepachtet. Seine Absicht sei gewesen, mit anderen Theater- direktoren zusammenzuarbeiten, er sei aber im letzten Augenblick im Stich gelassen worden. So sei er dann mit Götz zusammenge- kommen, der versprochen hätte, den Theaterbetrieb aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Er Hobe»ilbt gewußt, daß Götz die Kau- tionen und Pachtgelder für den Theaterbetrieb verwendet habe. Rechtsanwalt Dr. Artur Feld hob hervor, daß Temmler als Theater- enthufiast sich um die geschästljä.en Dinge im allgemeinen weniger gekümmert habe. Das Schöffengericht verurteilte Semmler zu 1599 Mark Geldstrafe, dagegen Götz zu sechs Monaten Ge- f ä n g n i s. llm Geld und um ein Auto. Die Begründung des Todesurteils im Ziehm-Prozeß. koltbus, 8. Juni. In der Urteilsbegründung im Ziehm- Prozeß, der mit der Verurteilung der beiden Angeklagten zum Tode endete, wird u. a. folgendes ausgeführt: Das Gericht ist davon überzeugt, daß Frau Ladewig dem Kinde den tödlichen Trunk verabreicht hat, es har auch einwandfrei festgestellt, daß das chlorsaure Kali von Frau Ziehm besorgt wurde. Ebenso ist, das Gericht überzeugt, daß Frau Ziehm in Gemeinschait mit Frau Ladewig gehandelt hat. Als Motiv der Tat kommt bei Frau Ziehm in Frage Abneigung bis zum Exzeß gegen das Kind Hans Georg Ziehm, begründet dadurch, daß ihr der Junge im Wege war, daß er ihr immer wieder gefährlich werden konnte, daß er stets zum Vater hielt und ihm alles hinterbrachte, und schließlich deshalb, weil durch den Tod des Knaben Geld frei wurde. Frau Ziehm konnte so ihr Auto, an dem sie mit ganzer Seele hing, behalten. Wenn man sich fragt, ob es wert war, des- halb ein Menschenleben zu opfern, so müsse man beachten, daß Frau Ziehm verbrecherische Neigungen hatte. Die Motive, die zur Tat der Mutter, der Frau L a d e w i g. führten, liegen in der abgöttischen Liebe begründet, mit der sie an ihrer Tochter hing. Das Gericht will aus diesem Seit einigen Tagen wird in Berlin ein neuer Straßenbahnwagen probeweise gefahren, der in seiner Art sicherlich das Modernste auf diesem Gebiete darstellt. Es handelt sidi um einen sogenannten„Gelenkwage n", der oon der bekannten Waggonfabrik Christoph& Unmack in Niesky hergestellt wurde und dessen neuartige elektrische Ausrüstung die AEG lieferte. Der W agen soll auf dem demnächst im Haag stattfindenden Kongreß des Internationalen Vereins der Straßenbahnen, Kleinbahnen und öffentlichen Kraftfahrunternehmen vorgeführt werden. Das Hauptzeichen der Gelenkwagen besteht darin, daß sie geradezu„schlau genf örmig" um die Kurven laufen können. Die beiden Gelenke des neuen dreiteiligen Wagens sind besonders sorgfältig ausgebildet. Die Wagenteile sind durch Faltenbälge ziehharmonikamäßig miteinander verbunden. Die Dreiteilung des gesamten Wagens, die im Innern kaum auffällt, führt zur Verwendung von zwangsläufig gesteuerten Lenkachsen, durch die die Räder vollkommen einwandfrei ohne das sonst übliche neroenauf peitschende Quietsdien die Kurven passieren können. Die Probefahrt zeigte ein völlig stoßfreies, schnelles Anfahren und einen sehrkurzenBrems- w e g. Der Wagen, der mit vier 29-kW-Motoren ausgerüstet ist, meist wichtige Verbesserungen in der Abfederung, Lüftung und in der elektischen Ausrüstung auf. Allgemeines Interesse dürfte die Tatsache erwecken, daß eine Einrichtung eingebaut ist, durdi die jede Störung des Rundfunkempfangs vermieden wird. Der Wagen kann insgesamt 105 Personen befördern, für die 4 i Sitzplätze und 6 1 Stehplätze vorgesehen sind. Widdig ist die Tatsache, daß in diesem Wagen sowohl für den Fahrer ah auch für den Schaffner Sit z- plätze vorgesehen sind. Die Fahrgäste steigen an den Enden des Wagens ein und verlassen ihn in der Mille. Dadurch werden sie gezwungen, unier allen Umständen am Schaffner vorbeizugehen und das Fahrgeld zu eidrichten. Bekanntlich laufen auch in Berlin seit zwei Jahren zwei nach ähnlichem Prinzip gebaute Gelenkwagen. Die BVG. hat jedoch von der Einstellung weiterer Wagen Abstand genommen, da die großen Fahrzeuge audi eine ganz bestimmte Fahrgastzahl s tändig befördern müssen, um wirtschaftlich zu arbeilen. Dagegen dürfte sich der Gelenkzug für Ueberland bahnen ganz ausgezeichnet eignen. Hier liegt sein eigentliches Tätigkeitsfeld. wh&idii/tch ihteQäii; sie lehnt es ab,durch lliertmarken, Gutscheine oder Stickereien die Rauchen zu locken. juno V/ibmckt dcus Ujwd�aimi aller der Raucher zu he sitzen, welche allein auf hochuuertige Qualität und volles Format Wert legen. 55 Schulaufbau" für dein Kind Stadtschulrat Nydahl spricht vor den Elternbeiräten Vor den Berliner Ellernbeirälen sprach Sladlschulrat Nydahl anläßlich der bevorstehenden Ellern- beiralswahlen über den„Schuletal der Stadl Berlin". Dem Abbau des„Wohlfahrtsstaates", so sührte Nydahl aus, wird bald der Kulturabbau folgen. Den kulturellen Stand des deutschen Volkes auf die Vorkriegszeit herabzudrücken, ist offenbar die Absicht der neuen Reichsregierung. Der Kampf um die Schule ist also nichts anderes als eine politische Machtfrage. Was hat die Stadt Berlin auf dem Gebiets des Schulwesens geschaffen? Kurz und bündig gesagt: sie ist über die Leistungen und Forderungen des Staates weit hinausgegangen Zur EEternbefratswahl: Seht die Wählerlisten ein! BlI»»M|%Ec 44 Iii■ m■ lieeen die Wählerlisten an den Schulen ■ 4U| Ell9 U&m JfcäEli zur Einsicht aus. Alle Wahlberechtistcn müssen sich davon überzeugen ob sie in der Wähleriis'e eingetragen sind. An allen Schulen müssen von unseren Genossen die Wählerlisten abgeschrieben und für die Agitation nutzbar gemacht werden. Bis zum IÄ Juni mjjssen die Wahlvorschläge bei dem Wahlleiter,(nicht Schulleiter) eingereicht sein. und wenn jetzt, den allgemeinen Etateinschränkungen folgend, auch die Schulverwaltung Einschränkungen vornehmen muß, so werden tatsächlich nur gewisse Sonderleistungen abgebaut, auf die allerdings, das muß in diesem Zusammenhang gesagt werden, Berlin stolz war und immer noch sein kann. Wenn man bedenkt, daß vor dem Kriege besonders die Volksschulen die Stiefkinder der Verwaltung waren, so ist erfreulicherweise nachgeholt worden, was versäumt wurde. Noch im Jahre 1930 war der Schuletat mit 151 Millionen Mark höher als der Etat von ganz Württemberg und Baden. Im Jahre 1931 konnten allerdings nur noch 135 Millionen Mark verwaltet werden und im neuen Etat für das laufende Jahr ist die Summe auf 109 Millionen zusammengestrichen. Der neue Etat ist also un- zweifelhaft stark gekürzt. Aber nicht etwa beabsichtigter Kulturabbau sei, so betonte der Stadtschulrat, der Anlaß für diese Kürzung, son- dern die Notwendigkeit, die ins Ungeheure gewachsenen Unterstüt- zungen für die notleidende Bevölkerung aufzubringen. Bei der Herabsetzung des Schuletats ist zu berücksichtigen, daß Berlin den Zeitverhältnissen entsprechend nicht mehr so viel Schulneubauten auf- führen wird als bisher, und es ist weiter zu bedenken, daß die Kür- zungen der Beamtengehälter auch ganz wesentliche Summen aus- machen. Das ist kein„Bankerott des Berliner Schulwesens", wie Kommunisten und Nationalsozialisten gern behaupten. Die Erspar- nisse im Schulwesen sind aber auch durch einen erheblichen Schülerrückgang möglich gewesen; die Geburtenaus- fälle in den Kriegsjahren haben sich ausgewirkt. So haben z. B. die Berufsschulen fast die Hälfte der Schüler verloren. Die höheren Schulen haben gegen das Vorjahr 6000 verloren. Schon aus dieser Tatsache ergab sich die Möglichkeit, freiwerdende Schul- räume zu Volksschulen einzurichten oder sehr stark de- zimierte Schulen zusammenzulegen. Wenn auf diese Weise Schul- räume frei, oder Schulgebäude geschlossen wurden, schrien die Kom- munisten über„rigorose Schließung von Schulen durch den sozial- demokratischen Magistrat". lieber den Erlaß und die Herabsetzung des Schul- g e l d e s brachte Stadtschulrat Nydahl interessante Zahlen. Von den Schülern der höheren Schulen haben etwa 40 Prozent Frei- stellen, während in den staatlichen Instituten nur 20 Prozent diesen Vorzug genießen. Unter diesen 40 Prozent befindet sich eine große Anzahl von Kindern, deren Eltern den minderbemittelten Kreisen angehören. 75 Prozent der Schüler in den Ausbauschulen und 52 Prozent der Besucher in den Mittelschulen sind ebenfalls von der Zahlung des Schulgeldes befreit. Das wollen allerdings die Gegner des systematischen Schulaüfbaues nicht wissen: in ihrer Agi- tation verschweigen sie es jedenfalls mit Absicht. „Es sind keine Gelder für Lernmittel vorhanden", so schreien unsere Gegner! Noch sind alle Ansorderungen, sagte der Redner, befriedigt worden. Wenn die Haushaltsmitiel dafür gekürtz� wur- den, so hat das nicht zuletzt seinen Grund darin, daß viele Schulen sich mit der Zeit große Läger in Lernmitteln angelegt hatten, die sie aus Anweisung des Magistrate» jetzt ausbrauchen müssen. So erklärt sich der Rückgang dieses Elatstitels. Aehnlich oerhält es jich mit den für die Reinigung der Schulen ausgeworfenen Mittelsi. Wenn infolge des Schülerrückganges Schulen geschlossen werdest können, können auch die Reinigungskosten herabgesetzt werden. Stadtschulrat Nydahl schloß: Auch bei der starken Herab- s e tz u n g des Etats ist es möglich, einen geordneten Schulbetrieb und eine Schuloerwalturrg durchzuführen, die den kulturellen Erfordernissen der Neuzeit entsprechen. Allein durch die zielbewußte Arbeit der Sozialdemokratie im Roten hause ist es gelungen, das Schulwesen auf die höhe zu bringen, die wir vor uns haben, und die zu halten unsere ernste Absicht ist. Dazu kann die Bevölkerung Berlins beitragen, wenn sie bei den Elternbeiratswahlen der Liste„Schulaufbau" zum Siege verhilft. Der Vorsigende der Elternbeiräte, Genosse Schröder, gab am Schluß der Versammlung Richtlinien sür die Durchführung der Agitation und der Wahlen. Blutiger Zusammenstoß. Nazis gegen Kommunisten.— Fünf Verletzte. Am Bahnhof Zungfernheide und am Tegeler weg kam es gestern abend zwischen 20 und 2t Uhr mehrfach zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen hakenkreuzlern und kam- munisten. Den Anlaß zu den Zwischenfällen hatten die Nationalsozialisten gegeben, die ani Bahnhof Jungfernheide einen Kommunisten niedergestochen hatten. Einige Zeit später erschien ein größe. rer Trupp Kommunisten am Tegeler Weg, wo sich ein übel be- rüchtigtes Verkehrslokal der Hakenkreuzler befindet. Den National- sozialisten war das Herannahen des kommunistischen Trupps ofsen- bar gemeldet worden, denn aus der Straße hatten sich zahlreiche Nazis eingefunden, die mit den Kommunisten sofort in ein Hand- gemenge gerieten. Bei dieser Schlägerei wurden zwei Haken- k r e u z l« r und zwei Kommunisten durch Hiebe und Stiche verletzt. Zwei von ihnen mußten ebenso wie der niedergestochene Kommunist in das Westend-Krankenhaus gebrocht werden. Ein nationalsozialistischer Rädelsführer wurde festgenommen. Lehter Krampf. Dingeldey will eine neue Partei gründen. Am Dienstag hat im Demokratischen Klub der Le- gationsrat Freiherr von R i ch t h o f e n über die Notwendigkeit einer neuen Parteigrllndung gesprochen. Heber die Pläne dieser neuen Gruppe erfuhr man wesentliches aus dem Schlußwort des Hansabundpräsidenten Hermann Fischer. Die Gründung der neuen Partei wird besonders betrieben von Dingeldey, Fischer, Oberbürgermeister I a.r r e s und Herrn M o s i ch. Man ist energisch bestrebt, auch die Deutsche Staatspartei sür den neuen Laden zu gewinnen. Zu diesem Zweck wird seit längerer Zeit intensiv gegen den bisherigen Vizekanzler Dietrich gearbeitet. Aus der Ecke Hansabund— Dingeldey— Fischer ist ein planvolles Kesseltreiben gegen Dietrich inszeniert worden. Am Sonn- abend dieser Woche oder in den ersten Tagen der nächsten Woche soll der Gründungsakt vollzogen werden. Die Funktionäre und Mitglieder der Staatspartei versolgen diese Entwicklung mit großer Beunruhigung. Die Ortsgruppen der Staatspartei, die noch einiger- maßen Bedeutung haben, wie in Hamburg, Baden, Württemberg und Freistaat Sachsen, haben sich bereits schärfstens gegen die ge- plante Neugründung ausgesprochen. Grunde— mißverstandene Mutterliebe— ein Gnadengesuch für Frau Lodewig einreichen. Die Begründung spricht dann weiter von den Zusagstrafen für den Mordanschlag an Frau Winkler und der Verleitung zum Meineid in der Giftmordaffäre Krüger. Diese Strafen sind in eine Gesamtstrafe von einem Jahr sechs Monaten Zuchthaus zusammengezogen worden. Frau Ziehm erklärte nach Verkündung des Urteils, Revision einlegen zu wollen: sie war vollkommen ruhig. Lleberzogener Kredit. Aufstieg und Werdegang eines Großkaufmanns. Im Zeichen des Niederganges kaufmännischer Moral stand wieder eine Verhandlung vor dem Schnellschössengericht. Der Vertreter einer alten thüringischen Familie, der Großkaufmann Scheidcmandel, war wegen Betruges und Urkundenfälschung angeklagt. ' Bezeichnend ist der Lebensweg dieses Mannes. Als Beamter der Mitteldeutschen Creditbank trat er in Beziehungen zum Grafen Douglas, dem bekannten Inhaber von Kalibetrieben, wurde Direktor seiner zahlreichen Gesellschaften, lernte Ballin von der Hamburg- Amerika-Linie kennen und trat auf dessen Drängen bei A. C. Frei- ters u. Comp., einer der größten Exportfirmen Hamburgs,«in. wurde im Jahre 1907 Mitarbeiter des oberschlesischen Kohlen- Magnaten Friedländer-Fuld und arbeitete von 1912 bis 1920 bei Scherl. Im Jahre 1921 begründete er«ine Exportfirma und be- lieferte auf Grund von Verträgen mit dem Verbände deutscher Papierfabriken Italien mit Papier, auch Mussolinis Blatt„Popolo dJtalia, dem er auch persönlich vorgestellt wurde. Als die hohen Zollsätze das Geschäft mit Italien unmöglich machten, wurde er Mittelsmann für die Papierbelieferung bei Ullstein, Mosie und Scherl. Cr hatte bei der Deutschen Bant«inen Kredit in Höhe von 200000 bis 250 000 Mark, als Sicherheiten galten Hypotheken auf seine zwei Grundstücke. Durch große Verluste war der Angeklagte in finanziell« Schwierigkeiten geraten. Der Kredit, den ihm die Deutsche Bank gewährte, genügte ihm nicht. Er fand einen Ausweg, der bei seinem Werdegang unbegreiflich scheinen würde, wenn man nicht den allgemeinen Rückgang der kaufmänni- schen Moral mit in Rechnung ziehen wollte. Die Geldüberweisungen für die Papierlieferungen, die durch Scheidemandels Vermittlung von den Papierfabriken an Ullstein gemacht wurden, gingen von dieser Firma direkt an die Deutsche' Bank. Der Angeklagte über- sandte der Bank von Zeit zu Zeit Aufstellungen über die zu er- wartenden Geldüberweisungen. Nach der Höhe der Geldüber- Weisungen richtete sich der ihm gewährte Kredit. Scheidemandel be- stellte Formulare bei der Firma Ullstein und setzte Rechnungen auf. die bereits bezahlt waren, als hätte die Zahlung dieser Rech- nungen noch zu erfolgen. Er schrieb einfach«in späteres Datum hin. Die Deutsche Bank gewährte ihm auf Grund dieser von ihm selbst unterschriebenen und unterstempelten Rechnungen«inen höheren Kredit als er ihn sonst erhalten hätte. So trieb er es das ganze Jahr 1930 hindurch bis 1931. Ein entlassener Angestellter und sein geschiedener Schwiegersohn zeigten ihn schließlich bei der Bank und bei der Staatsanwaltschaft an. Ein Versuch, sich mit der Deutschen Bank zu verständigen, mißlang. In Zürich wurde er verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Die Schuld an die Deutsche Bank war unterdes auf 400000 M. angewachsen. Der Staatsanwalt beantragte wegen Urkundenfälschung und Betrugs 1K Jahre Gefängnis. Das Gericht verurteilte den An- geklagten zu 6 Monaten Gefängnis unter Zubilligung einer Bewährungsfrist. Der Haftbefehl wurde aufgehoben. In der Urteils- begründung hieß es u. a.: wenn der Angeklagte auch nicht die Ab- ficht gehabt haben mag, die Deutsche Bank zu schädigen, so hätte er sich jedenfalls sagen müssen, daß solch ein Schaden unter Um- ständen entstehen könnte. Im Augenblick sei er doch nicht imstande, seine Schuld abzutragen. Der Vortrag des spanischen Presseattaches Rodrigo, der für heute im Deutschausländischen Akademikerklub (Harnack-Haus) angesagt war, mußte wegen einer Dienstreise auf Donneretag, den 2 3. Juni, verschoben werden. Oberbürgermeister Dr. Sahm hat am Mittwoch seine Amts- gcschäfte, wenn auch zunächst im beschränkten Umfange, wieder auf- genommen.« Oska-r J&t* Äv 1 Aber es kommt nicht zur Ruhe. Es rast dahin wie ein durchgehendes Pferd. Es oerarbeitet die Geschehnisse des Tags zu wilden, galoppierenden Bildern. Der König träumt. Qualvolles träumt er. Prag brennt, die vielen Türme flackern wie pschene Fackeln. Ein ungeheuerlicher Kelch ist umgestürzt, Blut schießt aus ihm, wie aus dem klaffenden Hals eines Enthaupteten. Die ganze Moldau dampft davon, die Nase mag den rauchigen Nebel gar nicht mehr atmen. Scharen von waffenschwingenden Böhmen rennen gegen ihn an. Jeder schreit: Hus! Husl Bon irgendwo»in Stoß, der in eine unendliche Tiefe stößt. Als er zu sich kommt von dem höllischen Sturz, ist er wieder in Haft in jenem furchtbaren Hungerturm. Durst sitzt ihm wie eine Igelscharte im Halse. Er krallt sich in die Fugen der Quadern, vor Verzweiflung leckt er die feuchten Steine ab, bis ihm die Zunge blutet. Er sieht wieder die Augen der alten Frau auf sich gerichtet, der er zwei Söhne gelötet. Diese guten, prüfenden Mutteraugen, vor denen er das Spiel seines Lebens spielt! Einsatz: seine Freiheit. Triumph, er gewinnt! Er sitzt an einem weiß- gedeckten Tisch: er ißt wieder Brot, er trinkt wieder Wein, er spürt wieder Sonne, er hört wieder Wind, er sieht wieder Tiere und Menschen! Er weiß nicht mehr, was Hunger und Durst und Verlassenheit ist. Er kennt nicht mehr den Quäler- griff der schlaflosen Nacht. Er frißt sich wieder durch die Welt, wie«ine Schabe durch die Wolle. Eine Königsschabe, haha! Wo er sich durchfrißt, bleiben Lächer. Hat er nicht Flügel? Doch, er hat Flügel, so viele er will! Wieder ist die Böhmen- lanze da. Diesmal trifft ihn der Stoß nicht, er fliegt ihm davon. Er kehrt zurück, setzt sich keck auf die Spitze der Lanze. Jetzt kann er sia) die Kühnheit erlauben: denn sie ist ihm un- gefährlich geworden. Sein Bruder Wenzel grinst ihn an, dumm, idiotisch, hjnterhältig, so echt brüderlich! Nein, daß er diesem Stück Vieh die römische Krone genommen hat, dar- über braucht er sich wirklich keine Vorwürfe.zu machen. Höchstens darüber, daß er ihm— verdammt die zitternde Hand— doch nicht das weiße Pulver in den Wein gab! Böhmen könnte heute sein sein. Ha, die rauchenden Schmelz- öfen, aus denen in pfeifendem Strahl das flüssige Silber in die Barrenform fährt! Wieder ist die zustoßende Lanze da! Wieder brennt Prag. Wieder dampft die Moldau von Blut, das der ungeheuerliche umgestürzte Kelch über sie ausschüttet. Wieder treiben die Leichen wie Flößholz. Wieder �rennen die Scharen aufgerissenen Mundes an: Hus! Hus! Diesmal sind es nicht die Böhmen allein, die schreiend anrennen, diesmal rennen die Mähren mit, die Polen rennen, die Preußen rennen, die Litauer. Zahlreicher als Ameisenvölker rennen sie gegen ihn an, ein Wald voller Lanzen. Dieser verdammte Einauge vorn an der Spitze. Der schwarez Lederlappen, der ihm die halbe Stirne oerdeckt, flattert wie ein Wimpel. Schwarzes Wimpel, wer führt denn das? He, Kanzler, he, Kopist, das Wappenbuch! Schlagt nach, wer in der Ritter- fchaft das schwarze Wimpel führt! Eh, eh, jetzt bringt dieser Ungar statt des Wappenbuches eine Zustoßlanze! Nicht ein- mal bei den eigenen Leuten ist man sicher! Einen Schild! Einen Schild! Er kann doch nicht ewig rennen! Die Knie sind ihm jetzt schon knirschsandig. Die Lunge keucht! Einen Schild! Jetzt hat er's. Er hält die Anweisung des Ordens auf die achttausend Schildtaler dazwischen. Doch das Schwert des Einäugigen haut zu, schärfer, als feine verdammten Worte zugehauen haben! Hus! Hus! Immer nur Hus! Das trifft! Das zerschneidet! In zwei Fetzen zerslattert die Anweisung. Sie ist wertlos geworden. Aber sie hat wenigstens den Schlag abgefangen. Ohne Wucht, mit häßlichem Quietschlaut, prallt das böhmische Schwert an Sigmunds Brustpanzer ab. Mit dem gleichen häßlichen Ouietschlaut dreht sich die Tür in der Angel. Sigmund fährt schweißgebadet aus seinem Schrecktraum auf. Gewaltsam schüttelt er den letzten Rest Benommenheit aus den Augen. Wer kommt da? Es ist be- reits so dunkel im Zimmer, daß er nicht sehen kann, wer eingetreten ist. Er erkennt jedoch die dunkle Masse, die nach seinem Tisch strebt, am Schritt und an den lauten, schnaufen- den Bewegungen. Sigmund ist wiedsr hell wach und auf dem Sprung. „Wie war's, lieber Oheim?" Der Angeredete unterbricht seine Schritte. Er tostet nach einem Sessel, zieht- ihn polternd zu sich und setzt sich nicht minder polternd nieder. «Ihr habt ihn nicht weichgekriegt?!" «Den und weichkriegen!" lacht bissig der Pfalzgvaf.„Ein erzböhmischer Schädel ist das! Der wird immer härter, je mehr man ihn befährt und behämmert!" „Was sagte er?" „Immer das gleiche Lied: Bevor man mir einen Wider- ruf zumutet, soll man mich erst eines Irrtums überwinden! Belehrt man mich aus der Schrift eines Bessern, so will ich nicht zögern, mich in die gnädige Hand des Konzilrums zu ducken. So aber... na, du kennst doch den Moschus, den er bei solchen Gelegenheiten ausdüftet!" „Ein Unverbesserlicher!" „Sage das nicht, aber ein Unbelehrbarer, und das ist schlimmer! Kämpfe bei einem Scholasten gegen den Willen an, das ist alles unnütz und eitel, und wenn du mit tausend Feldschlangen schössest. Der Wille des Menschen ist ein starres Viehhorn, zu brechen unter Umständen, aber nie zu belehren, nie zu bekehren!" „Er drängt sich geradezu nach dem Scheiterhaufen, nicht?!" „Soweit das unsereins beurteilen kann, ja. Aber ich muß sagen, er stellt sich bei dieser Drängelei verhältnismäßig ge- schickt an. Jedenfalls so, daß das volle Maß der Schuld auf feine Gegner fällt und auf uns, vor allem auf dein gesalbtes Genick, Neffe Sigmund!" „Wennschon, was heißt hier Schuld? Die Geschichte fragt nur nach dem Ergebnis. Die Hauptsache ist, daß in Böhmen Ruhe eintritt, daß diese ewige Selbstzerfleischung aufhört. Dafür laß ich mir gern ein Schock Anwürfe ins Genick fallen. Die Wunde muß sich endlich schließen, die diese heillosen Re- bellen aufgerissen haben. Kann der morgige Scheiterhaufen die Blutung stillen, gut, hundert Hüffe mögen dann brennen!" „Ich an deiner Stelle würde mich schon dieses einen wegen besinnen!" „Warum auf einmal so bedenklich, Oheim?" „Was geht dich letzten Endes dieses Pfaffengezänke an?! Sei zufrieden, wenn deine Gefälle richtig einkommen!" „Auch die wären dahin, wenn die Sekte dieses Predi- kanten aufkäme! Verstehe, die Kirche kann sich mit keinem in Diskussionen einlassen, der an ihren Grundlagen rüttest, der Rüttler sei, wer er sei. Sie ist gezwungen, ihm im ge- eigneten Augenblick brennendes Pech auf die Finger zu schütten. Will sie selber nicht erledigt werden, so muß sie ihn erledigen, auf welche Art ist gleich, auch aus die un- nobelste." „Dann meinst du, die Väter tun dem Böhmen unrecht?� (Fortsetzung folgt�,. Kunfidiebflahl aufgeklärt. Einbruch in die Orangerie des Glienicker Schlosses. von veamlen der Potsdamer Kriminalpolizei wurde ein groher EinbruchindieOrangeriedesGlienicker Schlosses aufgeklärt, bei dem die Täter eine ziemlich grohe Beute an Kunst- gegenständen machten. Nach dem Einbruch waren in Potsdam und der Umgegend an verschiedenen Stellen Gegenstände aus dem Einbruch, wie etwa Fernrohre, Kupferstiche, Oelgemälde usw., im Handel aufgetaucht. Man ging diesen Spuren nach und stieß dabei auf einen Händler Max Nennhaus und einen gewissen M e d s c s s e l, die in den Verdacht gerieten, den Einbruch ausgeführt zu haben. Die Potsdamer Kriminalbeamten beobachteten jetzt die Leute und folgten ihnen in der vergangenen Nacht, als sie mit einem Handwagen durch den Park Babelsberg fuhren. Die Beamten hielten den Transport an, beschlagnahmten die vorgefundenen Gegenstände und nahmen Medfessel und Nennhaus fest. Auf dem Handwagen wurden zahl- reiche Kunstgegenstände vorgefunden, die sämtlich aus dem Einbruch stammen und zum Verkauf gelangen sollten. Zur Vvv-Jahrseier Sonntag nach Küstrin. Aus Anlaß der 7<1l)-Jahrfeier der Stadt K ü st r i n wird für den kommenden Sonnabend und Sonntag, 11. und 12. Juni, die Geltungsdauer der Sonntagsrückfahrkarten von Berlin nach Küstrin verlängert. Die Karten können bereits von morgens früh ab benutzt werden. Die Berliner Besucher der 7>X>-Iahrfeier können am Sonnabend zur Fahrt nach Küstrin also auch die Personenzüge 347 und 321, ab Bahnhof Friedrichstraße 6.31 und 10.00, sowie den Schnellzug V 1, ab Bahnhof Friedrichstrahe 9.2S Uhr, benutzen. Die Rückfahrt muß jedoch wie bisher spätestens am darauffolgenden Montag um 9 Uhr an- getreten werden. Am Sonnabend, 11. Juni, veranstalten die Pioniere auf der Oder Wasserspiele und u. a. ein Fischerstechen in historischen Kostümen. Ein großes Volksfest mit Fackelzug, Feuerwerk. Illumination und Zapfenstreich bildet den Abschluß des Tages. Am 12. Juni findet dann die offizielle Feier auf dem Marktplatz mit historischem Festzug statt. Billige Feriensahrl mit dem Kabinenschiss„B a l d u t" nach Hamburg. In der Zeit vom 19. bis 30. Juli 1932(12 Tage) ver- anstaltet der Bezirksausschuß für Arbeiterwohl- fahrt eine billige Ferienlahrt mit dem Motorkabinenjchiff„Bal- dur* nach der schönen Hafenstadt Hamburg. Das Schiff hat 200 Betten an Bord, elektrisches Licht und fließendes Wajchwasser in jeder Kabin«. Für Fahrt, Logis auf dem Schiff, achtmal Mittagessen, elfmal Morgen- und Abendkaffee oder-kakao beträgt der Preis für Erwachsen« 27 M., für Kinder(bis 14 Jahr) 20 M. Anfrage und Anmeldung an den Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt der Provinz Brandenburg, Berlin SW68, Lindenstmße 3, 1. Hof II. Allgemeine Wetterlage. 8.Juni �322,2däs. y« v�l kenlas.<5 heiwr.a halbbedeckr wolkig,•bedeckt'lkegen�Greupeln 'SchiwtsNeb«IRGewittec@Wi�still» Der größte Teil Deutschlands stand am Mittwoch unter dem Einfluß eines über den Ostseeländern liegenden Tiefe. Der Himmel war meist stärker bewölkt, und vielfach kamen Schauer vor. Die Luftzusuhr erfolgte meist aus Nordwesteuropa, weswegen es überall weiterhin kühl blieb; nirgends wurden 17 Grad überschritten. Die Zufuhr kalter Lust auf der Westseite des Ostseetiefs dürste zunächst nqch anhalten: später ist mit Annäherung eines Hochdruckausläufers von den britischen Inseln mit dem Abslauen dieser Luftströmung zu rechnen. ★ welteraussichlen für Berlin: Wechselnd wolkig, vereinzelt Schauer; weiterhin kühl mit mähigen nordwestlichen Winden.— Für Deutschland: Im Küstengebiet, besonders im Nordosten stark be- wölkt mit Regenschauern. In Mitteldeutschland wechselnd bewölkt und nur noch vereinzelt Schauer. Im Süden trocken, zeitweise heiter. Ueberall noch kühl. §port. Rennen zu Grunewald Mittwoch, 8. Juni. Tiergarten-Rennen: 1. Donna Valetta(Starosta); 2. Ilona: 3. Pilot; 4. Fauler Zauber. Toto: 33:10. Platz: 14, 27, 16, 14:10. Ferner liefen: Pontiac, Fliegenpilz, Mordskerl, Violett, Lucina, Vergißmeinnicht, Mafia, Gaticia Borgyeje. Edeltanne, Mack'z vor. Preis von Reu-Wefiend: 1. Valentino(Varga); 2. Praeter Propter; 3. Mitckeslern. Toto: 39:10. Platz: 22, 42:10. Ferner liefen: Orlese, Mll-, Wappenschild._,_ Ztadion-Rennen: 1. Tantris tNarr): 2. Willkoinm: 3. Cftatx; 4 Fandem Toto: 173:10. Platz: 32, 37, 19, 42:10. Ferner liefen: Patt, Priester, Herodias lbl. stehen), Ghaü, Pale, Vichv, Heuchler, MajordomuS. Preis der Waldschänke: 1. Gräfin Gertrud(Streit); 2. Paul Fentini«; 3. Melodie. Toto: 54:10. Drei liefen., n Podbielskl-Rennen: 1. Widerhall(Pretzner); S. Laotse? 8. Man« Lauste. Toto: 13:10. Drei liefen. Heerstraxe-Rennen: 1. Ottunc l-otreltl; 2. Blitz: 3. Ckrastt. Toto: 25:10. Platz: II. 12, 12:10. Ferner liefen: Glasbläser, Vormarsch. Läufer, Olat Kaiscrdamm-Renuen: 1 DratiSlavia(Tvehlan 2. Coblenu 3. Garde- oger; 4 Vckas Toto: 489:10. Platz: 56, 16, 19, 27:10. Ferner liefen: Livius, Lommcrnländcr, Perasperum, Lu?ow, Folcna, Terror, Oberstdlz, Creolin, Sesam, Pizzarro. Doppelwette: Tantriz— Otrune 702:10. iä V Am Dienstag, dem 7. Juni 1932. nachm. 2 Udr, entlchliet lanit nach längerem Leiden meln lieder Mann, unier guter Vater und Schwiegervater (Zustav Koßker im 70. Lebensjahr. Dies zeigen tiefbetrübt an KoHkei- Karl Kölker a. Frau Die Trauerfeier findet am Sonn- abend, dem Ii. Juni mittags 1 Uhr, im Krematorium Baumschulen- weg statt. Aditonä, Drahtor Heiler! Sonnabend, den 11. Znnt, 19 Ahr. im Lotnl Anschke, Mntkernstrnhe 14 launauIiteiieriloiiiereaT Tagesordnung wird in der Verfamm lung bekanntgegeben Ee ist Pflicht aller Zaunauffteller, sich an der Konferenz zu deteiligen. Mitgliedsbuch legitimiert'. Ackltllllü! AcklNinS! Ver HVilUllnSZMiiSUeaer! Freitag, de« I«. Juni 1222, abends 7 Uhr. Sitzung der Mittleren Orts verwaltunn. Ol« Ortsvciwaltung. NObel-Fabrfk Birke E.Qen m.b.H.Berlin, BoxhagenerS r.117 Laut Beschluß der Qeneralversamnv lung vom 24. April 1932 wird die Haft summe eines jeden Genössen von Mk. 2i00,— auf 30n Reichsmark herabgesetzt, die Gläubiger werden hiermit aufgefordert, sich beim Vorstand zu melden. Der Vorstand Henaann Welte, Karl Gebhardt Xltea.let. Lichtspiele ustv '42-4 4�"� LT.:1 j. mmm Resfaicant Berlins» BETRIEB 4 H KEMPIHSKI� STAU Tägl 5 u. Bij Uhr Fernando LINDER Jos Peanul'« Uflhtsas-Kfotfen AdiiEdilli Daros Will; Roten es«. Iflhi t-dln. Bhl. S«.0lr.St5i.t,S,8usi;. E 1 Weith. 4031 Die Fledermaus. SlfiditOper Charlottenburg Bismarcksttaße 34. Donnerstag, 9. Juni Turnus II DenrouDadour Onegin. Bindernagel, Hüsdj,'\oort, Tappolet Anfang 20 Uhr Ende �2,45 Uhr VoittsliUluie Thealer am BDIowolati SV» Uhr Die goldene Mir Volksnück von E. S z e p Regie: A. M. Rabenalt Stull. Sdiiller- Theater » Uhr Abschied von der Liebe Deutstbes Tbeater Die SV. Uhr Journalisten Luilsp.nadi Gustav Freiitag von Felix Joadiimion Musik: Theo Mackebeu Regie: Heinz Hilpert lening-Tlieatef Täglich SV. Uhr ffadonna wo bist Du? Erik« v. Thellmann. Luise Stäsel Theodor Löös Josef Wedorn Es geht um Ihre Gesundheit! 3ede Fusskrankheit fängt mit kleinen Beschwerden an. Veränderung des Knochengerüstes. Ballenbildung, Hornhaut und Hühneraugen— das sind die ersten Anzeichen. Aber dann treten eines Tages Schmerzen auf, die das Gehen und Stehen zur Qual machen und die Lebensfreude und Arbeitslust stark beeinträchtigen. Sorgen Sie rechtzeitig vor! Tragen Sie MEDICUS-Gesundheitsschuhe eine Annehmlichkeit für den gesunden. eine Wohltat für den kranken Fuss. Goldene Medaille 1930/31 auf der Internationalen Hyslene-Ausstelluna Dresden. 1000 Mk. Hauptsewlnn des Medlcus-Prelsaus- Schreibens„Verkaufen Sie Ihr Fuss- porträf erhielt Frl.AnniBiftner aus Derlln-Treptow. Die Obrlsen Gewinner werden brieflich be- nachrlchttst. UM Rose-Theater jroäi frankfurtir Stnli 137 Ig. Wgdiul t 7 3427 8.30 Uhr Weekend im Paradies denerstraße 99. Ian> nowitz E 7 6651. Wagner» Leiter, und Kasten. wagen, lose Räder, am billigsten und besten bei Wagner, Kopenickerstratze 71. Rlrnbaum. Schlafzimmer, poliert, moderne Ausführung, 1269 Mark; verliehen gewesen für 699 Mark, verkauft Moria Hirschowitz, Ekalitzerstrahe 25.� Berlichcn gewesene Möbel unter Preis. Kamerling, Kasta nlenallee 56(Ecke Fehrbelllnerstratz«).- Eouches, Patentmatratzen, Auflegematratzen, Metallbetten. Wal. ter, Stargarder. Pratze achtzehn. Kein Laden. | rsiiiTziisi' «allonrädee, fabrikneue, 33,—> 43,—, 55,-, 68,-, Werner, Adalbert- strgtze 9. Kottbusser Tor._* Fabrikneue Fahrräder 28,—, 33,-. 35,—, 49,—. 45,—. Machnow, Weinmeisterstr. 14. Gebrauchte Fahrräder 15,—, 20,-, 25,-, 80,—, 33,—. Machnow, Wcinmelsterstr. 14. HieidungsstlicHt. Wasens usui. Leihhaus Lowick, verkauft zu un» glaublich billigen Preisen wenig ge> tragen« sowie neue Herrengarderobe. Herren- u. Damen» pelze. Weitester Weg lohnt. Keine Lombardware. Prinzenstratze 195, ein, Treppe. j itanmascninBiTI Rähmaschinen, grotze Auswahl, Mark 85,— an. in Rundschiffchen und Centralbobbin 95,—. Machnow. Wein> meisterstratz, 14. MlIZ»,- Illtzll'UlllSIItS Pianos 159,- 299,—, B°ck>> steinviano. Schwech. tenpiano 259,—, ge> brauchte. Hercr. Prtnzenstratzt 99.' MSUSI «aiiio Das ist wirklich sensationell! Och verlause: Rohr. tllhl» 2M>! Korb. effel 2,-: Tische 8,—; Nachttische 8,—; Nutzbaum. tische 8,—; Metall. betten mit Drell» auflag« 15,—: Per. tikows 15,—: Wäsche- schränke 25,-: Waschtoiletten mit Marmor 45,—: einen Posten Schlaf. »immer, zurllckge. nommene, ISO,—. Extra-Angedote In Schlafzimmern. Speisezimmern und Herrenzimmern. alles zu halben Preisen. Schräger, Kastanienallee 43. Lm Hosgebäude. Radio, Eprechmaschinen. Netzanschlutzanlag«, lomplett mit Röh. re». Lautsprecher, anschlutztertig. 46.—, Lautsprecher 4,75, 7,39, vicrpoltg 13,—. 18,—. 2?,—. System 4.73, 6.39. Elektro. dosen 8.59, 3,50. Anoden, 100 Volt, 3,25, 4,40, 4,95. Netz- anoden 18.—. Basi. lermaterial. Sprech. Maschinen. Koffer. apparate 9,—, 12,—, 15,—. Schrankavpa, rate 28,-. 82,-. 35,—. 4'.-. 19 999 Werke 8.— 4,—. 6,— sowie alle» Zu. dehör billig. Mach. now. Weinmeister. stratze 14. und Thal. lottendurg, Kant. stratze 98. Ballonräder. fabrikneu. 34,—, an, mit Freiiaus und Rücktrittbremse setzt 42.—, 43.-. 55,-. Ballonräder Mark« Brennabor, 79,—, Ballonräder, Marke Stern, 68,—, 75,—, Arcona fetzt 95,—. Machnow, Wein» meisterstratze 14. Größtes Fahrrad» Haus Deutschlands. | zpsi't Merccdesfaltboote Zelte, Zubehör, Blilcherplatz 2. KsuMucliel Zabagebiit«, Piatinabiäll« Quecksilber Kinn» Metalle. Silber» fchmeizl Soidichmel. zerei. Christiouat, Köpenickerstratze 89. Haitestelle Adalbert» stratze Goidsmoenck, gahngebissc. Mün. zen, Uhren. Höchst» tzthlenb. Solokrell Aleianderstratze 8z, »eben Polizcipräsi» dtum.• Ohne Einsckreidrgeld vermillell Woh. nungsheid Reu« Könlgstratze acht» unddreitzig, direkt Alexanderplatz.» Ein Interlaken der Mark Die Mark Brandenburg hat ihre„Schweiz", sie hat ihr„Niirn- borg" und ihr„Rothenburg", warum also soll sie nicht auch ihr „Interlaken" haben. Der Schweizer Ort, der diesen Namen führt, liegt bekanntlich„zwischen den Seen", dem Thuner und dem Brienzer, dahen der Name. Die Mark aber hat gleich zwei Interlaken. Das eine heißt L y ch e n und ist wohl der großartigste Zwischen-dsn-Seen- Ort, den man sich denken kann, denn nicht weniger als vier Seen be- grenzen das Stadtchen. Aber auch das Städtchen Lindow, zwischen Neuruppin und Rheinsberg gelegen, erhebt den Anspruch, ein Jnter- laken zu sein. Es liegt zwischen drei Seen, und zwar so lieblich, so freundlich und be> aller Schlichtheit so einladend, daß man, einmal dagewesen, es nicht vergißt. Der eigentliche Stadtsee, an den sich der Ort anschmiegt, ist der W u tz s e e � hier entfaltet sich auch die Promenade der Sommer- frischler, die schon in recht beträchtlicher Anzahl alljährlich in Lindow einkehren. Sein Ufer birgt das einzige und sehr schöne Stückchen altmärkischer Romantik: die Ruine des Prämonstratenferklosters mit den mächtigen Granitplatten der Gräber der hier ruhenden „adligen Fräuleins". An dieser Stelle spielen wichtige Teile von Fontanes Roman„Stechlin". Das Kleinod wird behütet von mächtigen, selten schönen Bäumen. Wie denn Lindow eine Linden- stadt ist. Etwas abseits liegt der G u d e l a ck s e e, ein gewaltiges Wasserbecken, etwa so groß wie der Tegeler See. Hier ist die Sport- stätte für Einheimische und Fremde: Wasser- und Luftbad, Rudern und Segeln. Motorboote fahren nach allen Richtungen zu freund- lichen Raststätten. Hingegen hat der Wutzsee mit seinen hohen laub- waldbestandenen Usern und prächtigen Promenaden besondere lond- schaftliche Reize. Dem tüchtigen Fuhwanderer sei folgende lohnende Wanderung empfohlen. Mit bis Gransee geltender Sonntags- rückfahrkarte(3,20 M. 3. Klasse) bis Station Buberow vor Gransee fahren, zu Fuß über Meseberg an den Huwenowsee, weiter an einem stillen reizenden Fließ zum Wutzsee und an dessen Ufern nach Lindow. Gehzeit etwa drei Stunden. Der dritte der Lindower Seen ist der V i e l i tz s e e, ein ganz verträumter abseitiger Wasserwinkel, dessen Stunde nunmehr aber auch schlagen soll. Man scheint an seinen Ufern das Experiment von Saarow am Scharmützelsee wiederholen zu wollen. In dem Städtchen scheint ein modernerer Geist zu weben als sonst in märkischen Kleinstädten zu finden ist, und das berührt sympathisch. Viele werden das Wiederkommen nicht vergessen. Lindow ist übrigens eine richtige Spargel zentrale: 1000 Morgen Land werden mit diesem ungemein beliebten Frühgcmüse bebaut, aber fast die ganze Ernte geht nach Hamburg, das mehr als Berlin zahlt. Klosterruine Lindow Berlins neue Schupos. Vierhundert Beamte feierlich eingeführt. Es ist schon«ine mehrjährige Tradition, daß die neu nach Berlin kommenden jungen Polizeibeamten durch«inen F e st a k t in der Polizeiturnhalle in der Karlstraße feierlich ein- geführt werden. Zu dieser Feier waren gestern Polizeipräsident G r z e s i n s k i, Polizeioizepräfident Dr. Weiß, der Komman- deur der Schutzpolizei Heimannsberg und Polizeioberft G e n tz erschienen. Es sind diesmal etwa über 400 junge Anwärter, die von der Polizeischule Brandenburg im Mai nach Berlin gekommen sind. Vorgestellt werden auch die in letzter Zeit beförderten und nach Berlin versetzten Offiziere, etwa 100 an der Zahl. Polizeipräsident G r z e s i n s k i richtete an die neuen Mann- schaften und Offiziere eine sehr eindringliche Ansprache. Er hielt ihnen vor, daß sie bevorzugte Staatsbürger seien. Bon den über 2000 jungen Leuten, die sich nach Berlin zur Schutzpolizei beworben haben, sind knapp 400 zugelassen worden. Der Polizei- Präsident wies in seinen weiteren Ausführungen auf die hohen Pflichten hin, die mit dem Polizeiberuf verknüpft seien und warnt« die Beamten, im politisch- staatsfeindlichen Sinne sich zu betätigen. Höchste Pflicht eines Beamten sei es, sein Amt überall objektiv zu verwalten. Die Polizei habe die gesetzlichen Grundlagen zu schützen, den Weisungen der Regierung zu folgen und den Vorgesetzten unbedingt zu gehorchen. An die jungen Wacht- meister gerichtet, betonte der Polizeipräsident, daß der Gummiknüppel nicht das Wahrzeichen des Polizisten sei, sondern nur im Notfalle gebraucht werden dürfte. Der Polizei- Präsident verlangte in seinen weiteren Ausführungen von seinen jungen Polizeibeamten Selbstbewußtsein, nicht Selbstüberhebung, Selbstzucht, keine Großmannssucht, bescheidenes Zurücktreten, kein Hinausgehen über das, was die Polizei ist, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Die neuen zukommenden Offizier« bat der Polizeipräsident, den jungen Beamten Kameraden und Vater zu sein und alles zu tun, damit charaktervolle Staatsbürger aus ihnen würden und ehr- liche Diener am Staate. Der Polizeipräsident schloß seine Rede mit einem Hoch auf die deutsche Republik, unser schwergeprüftes Vaterland und Volk. Nach dem Deutschlandlied erfolgte dapn der A u s m a r s ch. Der Polizeipräsident nahm an der Tür der Turnhalle stehend auf der Straße den Vorbeimarsch der Schutzpolizei entgegen, an deren Spitze die Kapelle der Schutzpolizei schritt, gefolgt von den schwarz- rotgoldenen und schwarzweißen Fahnen der Berliner Polizei. Eine große Menschenmenge sah dem Aufzuge und dem Abmarsch der Polizei zu._ Die gestohlenen Goldmünzen. Einbruch in das Märkische Museum aufgeklärt. 3» der Nacht zum 20. April wurde im Märkischen Mu- s e u m ein schwerer Einbruch verübt, bei dem dem Täter eine ganze Anzahl ko st barer Goldmünzen aus den Zahren 17 0 l— 1$ 4 0 in die Hände fiel. Der Dieb hatte damals die Frech- heil. gleich daraus einer Berliner Zeitung den Einbruch telcphonisch zu melden. Dieser Einbruchsdiebstahl ist jetzt ausgeklärt worden. Der Dieb war mit einer Leiter, die er sich von einem in der Nähe gelegenen Bauplatz geholt hatte, in einen im hohen Erd- geschah gelegenen Saal eingedrungen. Er hatte dabei eine Butzen- scheide sowie eine kostbare Vase zertrümmert, die am Fenster stand. Bei den Nachforschungen der Kriminalpolizei stellte sich nun heraus, daß ein junger Mann bei einem Goldhändler im Westen Berlins kllln'ei'soos» dsr Eisernen Front am Donnerstag, dem 9. Juni, 193� Uhr, im.Clou", Mauerstraße 82 Vo-trag des Genossen Siegfried Aufhäuser, MdR.; „Die poiliisciie Lage und die Aufgaben der ArteiterKiasse" Zutritt nur gegen Vorzeigungder von den Organisationen herausgegebenen Legitimationskarten Kampfleitung Berlin der Eliernen Front. Münzen verkauft hatte. Er gab damals an, daß diese aus dem Besitz seines Vaters stammten und daß er jetzt in Not sei. Er unterzeichnete«ine Quittung mit dem Namen Martini. Die Polizei forschte weiter nach und kam jetzt aus zwei Diebe, die schon in Moabit saßen. Es ist ein Artur Martens und ein Fritz H. Beide wurden vor etwa vier Wochen auf frischer Tat ertappt, wie sie einen Automaten ausplünderten. Sie wurden jetzt beide zurück- geholt und verhört. Dabei gab Martens den Einbruch zu. Er hatte einen Teil der Münzen bei einem Händler in der Fried- richstraße verkauft, für den Absatz der übrigen hatte Fritz H. gesorgt. Mit den letzten Pserdedroschken durch All-Berlin. Um den alten Berliner Droschkenkutschern ein wenig zu helfen und gleichzeitig das Interesse für das historische Berlin zu beleben, veranstaltet Dr. Franz Leder er am Dienstag, 14. Juni, abends 8 Uhr, eine Pferde- droschkenfahrt durch Alt-Berlin mit sachgemäßen Erklärungen. Teil- nehmerkarten zum Preise von 1,23 M. in Limanns Großdestillation, Friedrichsgracht 60. bis zum 10. Juni. Die Fahrt beginnt am Spittelmarkt. Neue Sparkassen-Nebenstelle in Buckow-West. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat in Berlin-Buckow-West, Chausseestraße 42, eine weitere Nebenstelle eingerichtet. Sie wird von dem Kaufmann Herrn Ernst Grigat verwaltet. Einzahlungen von 1 M. an aus sämtliche Sparbücher der Sparkasse der Stadt Berlin werden in der neuen Nebenstelle entgegengenommen. Auch neue Sparbücher werden dort ausgefertigt. Ein neues Institut für ausländische und koloniale Forstwirtschaft ist an der Forstlichen Hochschule in Tharandt(Freistaat Sachsen) errichtet worden. Lehr- und Forsd)unasgebiete des neuen Instituts sind die forstlichen Verhältnisse des Auslandes und der Kolonien. Das Institut ist das einzige seiner Art in Deutschland. parteinachrichten�Mfür Groß-Berlm CtalcnSniiStn fät Dtctc ftubrit Nnb Xi fteta an Das«cjlrtsjetietanat Verl«» SW 68. Lindenstrahe i. i. Kot. 2 Trepven rechts, zu richte» Die Abteilungen, die noch nicht das Material für die Eltern- beiratswahlen abgeholl haben, werden dringend gebeten, das Material umgehend abzuholen. Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe? 5.»reis Arbcitcrdildunasschule. Donnerstag, S. Juni, Informationsabend iiber das Ärbcitsbcschafsungspra-zramm des IAA. um 20 Uhr im Keim Tilsiter Str. 4— ä. Starte Betcilrgung der Erwerbslosen und der Funk. tionare wird erwartet. U.»rcis. Freitag,»10. Juni, IS Uhr, bei Will, Martin-Luther-Str. 69, Versammlung aller erwerbslosen Genossinnen und Genossen. 18.»reis. Heute, 1Z Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder vor dem Keim des AEB. aus dem Sport, und Spielplatz Rennbahn, Renn- bahnstrasse. Die Vorgange im fernen Osten. Referent: Oswald Zienau. 8. Abt. Zusammenkunft iiiiigercr Parteimitglieder im Heim Gcnthiner Str. 17 am Freitag, dem 10. Juni, 20 Uhr. Polltische Lage und die Aufgaben der Arbeiterklasse. Referent: Dr. Hans Cohn. 74k. Abt. Unsere Mitgliederversammlung wird wegen der Elternbeiratswahlen vom 10. aus den 17. Juni vcrlchobcn. Näheres wird noch bekanntgegeben. 85. Abt. 1., 2. und 12. Bezirk. Zahlabend findet erst am 16. Juni statt. S., 9., 10. und 11. Bezirk. Zählabend heute, 20 Uhr, bei Wollenbcrg, Berliner Strabe 1.„Die Rcichstagswahl." 92., 93., 96. Abt. Elternversammlung der Parteigenossen der 52. und 54. welk- lichen Schulen Hertzbergplatz und Rillzardstratze am Freitag, dem 10. Juni, 20 Uhr, in der Hertzdergschule. 97. Abt. Freitag, 10. Juni, außerordentlich wichtige Funktionärsitzung an be- kannter Stelle. Neuwahl des Abteilungsleiters. 119. Abt. Sonnabend, 10. Juni, 19 Uhr, Elternbciratsbesprcchung bei Bartz, Mällendorsstr. 43. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Verlin. Die Helfer, die mit ins NcstfaUcnlager Blankensee gehen, treffen sich Sonntag, 12. Juni, 18 Uhr. zu einer wichtigen Besprechung mit Karl Pcters-Stralsund im Jugendheim Lindcnstr. Thema: Tech- f nischc und organisatorische Einrichtung des diesjährigen Lagers. Da diese Besprechung seh? wichtig ist, muy jeder Kreis vertreten sein. Prenzlauer Berg. Die Untersuchungen finden am Dienstag, dem � 14. Juni, statt. Achtung, Zeiten geändert! Viktor Adler 8� Uhr, Nordost 9 Uhr, Bauvolk 9� Uhr, Freiheit und Hermann Müller 19 Uhr, Hort 11 Uhr Eberswalder Str. 19. Die mitfahrenden Helfer werden ebenfalls unter» sucht. Mittwoch. IS. Juni. Folkenparlamcnt lSonnenburger Str. 29). Friedrichshain. Unser Kreisheim Mühlenstraße 39(Schule) ist täglich von 17 bis 19 Uhr geöffnet und steht den Abteilungen zur Verfügung wie folgt: Donnerstag Stralau, Freitag Paul Singer, Sonnabend Margarete Wengels. Einzelne Abteilungen müssen schnellstens die 19 Pf. Differenz der Versicherung beim Kreiskassierer bezahlen. Versicherung 19.12 ist noch von einigen Eltern zu entrichten. Meldungen für das Zelt» und Nestfalkenlager sofort. Die Frage- bogen müssen umgehend zurückgegeben werden. Abt. Stralau: Donnerstag treffen sich alle Rot. und Iungkalken 16i£ Uhr vor dem Heim. Paul Singer: Wir sind Freitag, 17 Uhr, im Kreisheim. Kreuzberq. Die Helferstafette mit der Helferinformation für Mai-Iuni geht heute weg. Dir bitten um schnellste Weitergabe. Reukölln. Jung, und Rote-Falken-Schwimmer treffen sich heute, Donners- tag, 17 Uhr. nor dem Freibad der Freien Schwimmer. Nichtschwimmer treffen sich heute. 19 Uhr, Stadtbad Gangboferstraße. Die Nestfolken aller Abteilungen treffen sich Freitag. 19. Juni, 17— 19 Uhr, in der Karl-Marx-Schule zum Ueben für die Werbeveranstaltung. * Die Tischler und Zimmerleute, die sich zum Aufbau des Zeltlagers am Ueder. fee zur Verfügung gestellt haben, melden sich noch heute vormittaa in unserer Geschäftsstelle, Lindenstr. 2. Die Baracken aus Lübeck sind angekommen; der Aufbau soll am Freitag beginnen. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei- Organisation 91. Abt. Unser Genosse Hermann Wiedemann, Flughafcnstr. 42, ist per- starben. Ebre seinem Andenken. Beerdigunp Freitag, 10. Juni, 13� Uhr, auf dem Städtischen Friedhof, Mariendarfer Weg. Um rege Beteiligung bittet der Borstand, 93. Abt. Sanntag, 5, Juni,»erstarb im Alter van 50 Iahren unsere treue Gcnasssn Emma Paul, Bulendarfer Str. 7, nach einem langen schweren Leiden. Ehre ihrem Andenken, Einäscherung Freitag, 10. Juni, 18'� Uhr, strematarium Paumschulenweg, Rege Beteiligung erwartet der Barstand. il m Sozialistische Arbeitmugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends-kretariat Berlin SW 63. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Proletarisches Orchester der TAI. Heute Gesamtprobe um 19� Uhr in bm KMS., Neukölln, Kaiser.Friedrich.Str. 219. heute, Donnerstag, 9. Juni, 1914 Uhr: Arnswalder Platz U: Schönlanker Str. 11. Bunter Abend.— Fallplatz T: Sonnenburger Str. 29. Sozialistische Erziehung.— Humaunplatz: Gleimstr. 33. Die Entstehung des italienischen Faschismus.— Nordosten II: Danziger Str. 62, B. 3. Leseabend.— Schönhauser Borstadt: Sonnenburger Str. 29. Abend mit den Kinderfreunden.— Audreasplatz 71 iR..F.): Brommystr. 1. Das Kommu» nistische Manifest, 2. Teil.— Haseaheide: Wassertorstr. 4. Heimabend.— Kott- bufler Tor: Urbanstr. 167. Mitgliederversammlung.— Söpeaicker viertel: Man- teufselstr. 4. Die neue Regierung.— Süden: Spiel und Sport. 18� Uhr Katz- bach.Sportplatz.— Südwesten: Spielen auf dem Katzbach-Spielplatz.— Schöne- berg III: Hauptstr. 15. Entwicklungstendenzen der kapitalistischen Wirtschaft, Tegel: Kirche und Sozialdemokratie. Werbebezirk Kreuzberg: 18 Uhr Katzbachplatz. Werbebezirk Reukölln: Erwerbslosenkursus. Treffpunkt 11 Uhr Sportplatz Sonnenallee. Vorträge, Vereine und Versammlungen G Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftssielle: Berlin S. 14, Sebastianstr, 87—88, Hof t St. Lichtenberg. Kameradschaft Mahlsdarf. Freitag, 10. Juni, 20 Uhr, -----.---.----"-wfste, anss.�.. eines Lampianfestes auf dem Platz am Bootshaus. Gäste willkammen.— Oranienburg. Freitag, 10. Juni, 29 Uhr, Mitgliederversammlung bei Breuer, MUHlenstratze,__ Zleichsbunb der Kriegsbeschädigte», Kriegsteilnehmer und Nriegerhiute». bliedenen, Ortsgruppe Westen, Bezirksversammlung und Zahlabend. Referent: Gauvarsstzender Kamerad P, Ebert, Ratianalhas, Bülawstr. 87, 20 Uhr, gemeine politische Lage. Zutritt siir jedermann. Gälte willkammen. Sozialistische Studentenschast Berlin. Die Mitgliederversammlung ist auf Freitag, 17. Juni, verschoben worden. Ort und Referent werden nach bekannt» gegeben. Sannabend, 11. Juni, 20 Uhr, im Bund, Albrechtstr. 11, Garten» Haus 2 Treppen, Schallplattenvvrfährung(Genosse Denicke), Aeichsvereinigung ehem. Keiegigesangener S. 93., Ortsgruppe Berlin- Norden l. Mitgliederversammlung gm 11. Juni, 20 Uhr, im Bereinslakgl „Wöhlertggrten", Pflugstr. 9, Ecke Wiihlertstratze, Gäste herzlich willkammen. SorlaUslisclier Esperanto-Buack. Gruppe Neukölln Mittwoch, den 8. Juni, v. 20-22 kl,, in der Rütli-Schule.— Kindergruppe Neukölln Mittwoch. den 8. Juni. v. 18-20 h„ in der Rütli-Schule.— Gruppe Reinickendorf Donnerstag, den 9. Juni, v 20—22 h., im lugendheini Lindauer StraBe(Holzbaracke)— Gruppe Centro Freitau. den 10. Juni, um 19.30 h., im Metaii- arbeiter-Verbandshaus Linienstr 83/85(Hing. Elsässer Straße). Temo: Tradu- kado.— Kindergruppe Libereco Freitag, den 10. Juni: Wir gehen schwimmen Renkonfigloko Orankesee antau la banejo je la 5a. 3m Traumland, Schönholz, hatte die Zizjarettenfabrik Haus Bergmann eine groß« GejeUfchiast kleiner Leute eingeladen, um ihnen«wen fröhlichen Nachmittag, gewürzt mit allerlei lieber- raschungen, zu bieten. Leider hatte das Wetter wieder mal gar kein Einsehen, und zum Festbeginn goß es in der Stadt fo hefiig, daß viele vorzogen daheim zu bleiben. Die Unentwegten wunden für ihren Wagemut reichlich belohnt durch Freifahrten auf den ver- fchiedenen Karussells, ermäßigten Eintritt zu sämtlichen Attraktionen, vor allem den Kinderzoo, Ballons, Mützen und Lampions Mit zunehmender Wetterbesserung erhöhte sich dann auch der Besuch, es kamen immerhin 2000 Freiballons zur Verteilung, und beim abendlichen Feuerwerk gab es ein vielstimmiges Ah! Für die be- gleitenden Mütter wurde im Rahmen einer Modenschau die prak- tische Verwertung der„Vergmann-Stickcreien" auf Strandanzügen, Morgenröcken, Kissen, Decken und Schals gezeigt. Fette Seife— gute Seile? In Hausfrauenkreisen neigt man bei der Be. urteilung des Wertes einer Seife, der Seifenpulver und der neuzeitlichen selbst. tätigen Waschmittel, gern ZU der Ansicht, dasi eine stark fetthaltige Seife ahne weiteres beste Qualität verhilrgc. Zwar erfüllt der Fettgehalt in einer Seife aber in einem Waschmittel eine wichtige Aufgabe, aber trotzdem hängt die Güte einer Leise oder eines Waschmittcls durchaus nicht allein von der Menge des Fett. säuregehaltes ab, sondern auch van der Qualität der verwandten Fette und weiter davon, ab diese Fettstoffe in dem richtigen für den Waschweit geeigneten Mischungsverhältnis zur Verarbeitung kommen. Durch Beimisdiung anderer wertvoller und den Waschprazeß günstig beeinflussender Bestandteile kann ferner die Qualität vo» Seifen und Waschmitteln ebenfalls stark verbessert werden, ein Umstand, der gerade bei der crhähtcn und zugleich die Wäsdie schanenden Rcinigungswirkung der modernen selbsttätigen Waschmittel in Erscheinung tritt. Endlich kommt es natürlich und in erster Linie auf die Qualität der verarbeitet-» Fettstoffe au, Di- Folgerung:„Fette Seife— gute Seife" ist nicht ahne weiteres berechtigt, sondern die Hausfrau muß heute in der Zeit der Not und des Sparens mehr denn je den Punkt der Qualität vor den der Quantität stelle», Sic darf ihr Urteil über den Wert einer Seife oder eipes Wasd, mittels nicht lediglich auf neuerdings häufig aufgedruckte zablenmätzige Angaben über den Fettgehalt begründen, sondern muß auf Grund idrer jähre. langen Erfahrungen mit bewährten Markenartikeln prüfen und kaufen, �% '(Zfi Eine interessante Aufgabe stellt Ihnen Schwarzkopf in seinem neuen Prospekt„Kopf zerbrochen"! Lassen Sie sich diesen Prospekt kostenlos im Fachgeschäft aushändigen: Preise winken für 5 Minuten Kopfzerbrechen I— Und gleichzeitig hören Sie Genaueres über„Haarglanz", die wissenschaftliche Vervollkommnung der Haarpflege:„Haarglanz" neutralisiert das Haar, erhält es straff, elastisch und gesund. Das Haar läßt sich leichter und haltbarer frisieren und erfreut Sie und andere durch seinen wundervollen Glanz I „Haarglanz" liegt jedem Beutel Schwarzkopf- Schaumpon bei. Weiße Packung 20 Pfg., grüne ExtraPackung und Extra- Blond mit Schaumbrille 27 Pfg. SCHWARZKOPF- HAARPFLEGE vollkommen durch# Haarglanz* Tlr 267• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Donnerstag. 9. Juni 19Z2 Liebesgaben für„Napen"heimer. Gpritbeimifchung soll verdoppelt werden.— Mahlgelder aus Volksausbeutung. Der Rcichswudbimd hat an die Reqiervng bereits die Farbe- rung nach Erhöhung des Butterzolls aus 100 Mark und die Einführung eines unsinnigen S ü d f r ü ch t e in o n o p o l s gerichtet. Jetzt stellen die Großagrarier an den ReichsenKihrungsminisier Freiherrn von Braun die andere Forderung nach Erhöhung der S P r i t- b e i m i s ch u n g zum Benzin auf 1? Prozent. Gegenwärtig beträgt die Bcimtschungsquote g Prozent. Der Reichsemährungsminister soll bereit sein, die Quote auf Ig bis 12 Prozent zu erhöhen. Die Spritmengen, die der Kraftverkehr nach Erhöhung der Beimischungsquote von den großagrarischen Kartoffel- dauern abzunehmen hätte, würde sich damit verdoppeln. In einer Zeit, wo das Auto wirklich— eben weil man den Treibstoff nicht mehr bezahlen kann—, wieder, wie in der Borkriegszeit, Luxusgegenstand wird und die Steuern, die dos Reich aus dem Autoverkehr zieht, von Monat zu Monat abnehmen, glaubt die neue Adelsregicrung es also verantworten zu können, den Großagrariern aus dem Kraftverkehr eine neue Liebesgabe von Z5 Millionen Mark zuschanzen zu dürfen. Betroffen wird der A u t o b u s v e r k e h r in den Großstädten, der Mann, der den Autobus benutzen muß, um seine Arbeitsstelle zu erreicher», der Geschäftsverkehr, schließlich der Mann, der sein Erspartes an ein Motorrad oder an ein Auto gelegt hat, um am Sonntag mit seiner Familie aus dem Dunst und der Qual der Großstädte schnell ins Freie zu gelangen. Andererseits, ja andererseits hört man Dinge, die die neuen Pläne in einem sehr eigentümlichen Licht erscheinen lassen. Immer wieder wird behauptet, daß die großen Spritbrcnne- reien sich bereit erklärt haben, an die Rechtsparteien, hauptsächlich an die Deutschnotionalen und an die sNationalsozialisten Mahl- beihilfen für die bevorstehenden Wahlen zu zahlen, wenn die Spritbeimischung. also die Liebesgaben an die Großagrarier, erhöht werden. Es soll da ein ganz bestimmter Schlüssel ausgearbeitet fein, in der Art, daß die Wahlhilfen sich mit jedem Prozent Bei» Mischungsquote steigern. Setzen also die Rechtsparteien bei dem neuen Ernährungsniinister eine höhere Quote durch, dann wieder behaupten, keine Steuern zahlen zu können, ihre Wahl- werden die Großagrarier, die keine Steuern zchilen und immer subsidien für chugenberg und chitler erhöhe». Diese Abniachungen werden natürlich dementiert. An der Richtigkeit ist aber nach früheren Erfahrungen kaum zu zweifeln. Dies die Hintergründe, warum eigentlich unsere Kraftverkehrs- Wirtschaft, der Sportler auf dem Motorrod»nd der Autofahrer auss neue bluten solle». Die Regierung Brüning hotte sich schon unter großagrarischem Druck aus den Weg der Spritbcimischung drängen lassen. Sie nahm damals für sich in Anspruch, daß das Branntwein- monopolamt von seine» ungeheueren Beständen— über 2 Millionen Hektoliter, die auf dem Wege der Spritbeimischung unmöglich zu beseitigen sind— befreit werden müsse. Eine z i c in l i ch faule Ausrede angesichts der Tatsache, daß man zu einer Zeit, wo nian mit der„Befreiung des Monopolamts" von feinen Borrätcn begann, die Subventionen an die großaararischen Kortofselliaiiern erhöhte, also, mit anderen Worten gcsagr, die Borröte wiederum steigerte. Heute läßt man den Borwand von der Befreiung des Monopolamts glattweg fallen. Als die Regierung Brüning sich für den Sprit- beimijchlungszwang einsangen ließ, gab sie das bestimmte Versprechen, für den Fall, daß die Beimischungsquotc weiter erhöht würde, der Uebcrnahmepreis um Ii) Mark zu senken wäre. heute bezahlt der Kraftverkehr für den Zwangssprit den irrsinnig hohen Preis von 50 Mark pro Hektoliter. Man muß dabei überlegen, daß man lOO Liter Benzin in Hamburg für Z bzw. 6 Mark bekommen kann! Man muß also den Subven- tionssprit der Großagrarier mit einer Summe bezahlen, für die man fast die zwölffochc Menge an Benzin einkaufen kann. Nach dem Verspreche» der Regierung Brüning müßte der Preis von 50 Mark auf 40 Mark gesenkt werden. Die Adelsregierung fühlt sich nicht an die Versprechungen Brünings gebunden. Also vcr- bleibt es bei 5 0 Mark! Die Kulissen fallen. Es kommt nicht mehr auf die„Be- freiung des Branntweinmonopolamts" von seinen Beständen, son- der» nur noch auf eine glatte Subvention an die Großgrund- besitzer an. Bis jetzt ist der Kraftverkehr durch die Spritbeimischi.ng schon mit etwa 52 Millionen Mark belastet. Durch die Erhöhung der Bei- mischungsquotc von 6 auf 10 bzw. 12 Prozent kommt eine neue Be- lastung um 35 Millionen Mark lxraus. Neben einem Zoll von 10,2 Pfennig steckt in dem heutigen Kenzinpreis für 1 Liter eine Belastung aus den, Bcimischungszwang in Höhe von Ich Pfennigen. Diese Be- lofliing wird durch die Qurtcncrhöhung um mindestens 2 Pfennig auf 3,8 Ptcnnig erhöht. Eine» Liter Benzin kann man heute in Hamburg für 4, im ungünstigsten Falle für 0 Pfennige kaufen. Die S p r i tb e l a st u n c> wird also in Zukunft fast den st e u« r- freien Einkaufspreis ausmachen. Das sind einfach un- erhörte Zustände. Tagung der Konsumvereine. Die Macht des Internationalen Genosfenschastsbundes. Im weiteren Verlauf der Jahrestagung des Z e n t r a l v e r- bandes deutscher Konsumvereine in Jena sprach das geschäftsführendc Vorstandsmitglied Vollrach-Klepzig über inter- nationale genossenschaftliche Angelegenheiten. Der Internationale Genossen schaftsbund, so führte der Redner aus, ist eine Organisation von gewaltigem Aus- maß. Mit f» Millionen Einzelmitgliedern und Angehörigen stellt er die imponierendste Organisation des gesamten Erdballs dar. Mehr als ZW) Millionen Erdbewohner können somit als unmittelbare und mittelbare Anhänger der internationalen Ge- nosfenschaslsbewegung gelten. Die Finanzlage des Internationalen Genosienschaftsbundes hat sich durch die Pfundabwerwng verschlechtert, da die Beiträge satzungsgemäß in Pfundwährung zu leisten waren. In der Frage des Verbotes der Nachtarbeit hat der französische Verband die Einberufung einer Konferenz der Bäckcreibctriebsfachleute der Konsumgenossenschaften nahegelegt. Diese Konserenz soll die Wir- kungen des Nachtbackverbotes auf die konsumgenossenschastlichen Bäckereibetriebe in den einzelnen Ländern untersuchen. Der nächste internationale Genossenschaftskongreß wird im nächsten Jahr voraussichtlich in London stattfinden. Es folgte das Referat von Walter Hoff über„das konfum- genossenschaftliche Fortbildungswesen". Der Redner führte aus: Auch unter den gegenwärtigen Schwierigkeiten dllrsen die Konsum- vereine in ihrer werbe- und Aufklärungsarbeit nicht erlahmen. Besonders notwendig ist Aufklärung über die wirt- schaftlichen Zusammenhänge und über dos Wesen und die Aufgaben der konsumgenossenschaftlichen Bewegung. Im letzten Jahr konnten 461 Genossenschasten insgesamt 16164 Werbevcranstoltun- gen abhalten, also 590 mehr als im vorhergehenden Jahr. In der Reichswerbewoche, die mit einem Zuwachs von 43 000 Mitgliedern einen großen Erfolg brachte, wurde besonderes Gewicht auf die Hauswerbung gelegt. lieber die Pensionskasse des Zentralverbandes berichtete Hugo B ä ft l e i n. Die Mitglicderzahl verringerte sich 1931 von 34 345 auf 34144. Mancher ältere Arbeiter und Angestellte, der in besseren Zeiten noch mit leichteren Arbeiten weiter- beschäftigt worden wäre, mußte die Einleitung des Rentenver- s a h r e n s hinnehmen. Nach dem Stand am Jahresschluß ergab sich eine gegen das Vorjahr um 900 000 aus rund 3 Millionen Mark erhöhte Rentensumme. Die Jahresrechnung zeigt Gesamt- einnahmen von rund 12 Millionen Mark, davon 2,88 Millionen Zinsen. Die Gesamtausgaben betrugen 4,56 Millionen, davon 2,57 Millionen Mark Kosten, 1,14 Millionen Beitragsrückzahlungsn und 168 000 Mark Verwaltungskosten. Die Kurssenkungen der Wertpapiere veranlaßten 676 000 Mark Abschreibungen. An 24 Ver- eine wurden 9,92 Millionen Mark Hiipothelcndarlchcn ausgezahlt. Das Vermögen von 42,08 Millionen ist mit 32,45 Millionen in Liypothckcn, 6,67 Millionen in Wertpapieren, 1,03 Millionen in Kommunaldorlehen und 1,30 Millionen als Bankguthaben an- gelegt. Schließlich gab Dr. Petersen ein aufschlußreiches Referat über die steuerliche und wirtschaftliche Auswirkung der Notverordnungen bei den Konsumgenossenschaften. Millionenverlust bei der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-A.-G. Die Depag sDeutsch-Amcrikanische Petroleum-A.-G.s, die im vorigen Jahre aus einem Reingewinn von 3,16 Mill. M. eine Dividende von 6 Proz. ausschüttete, schließt das Jahr 1931 mit einem Verlust von rund 2,60 Mill. M. ab. Die Gesellschaft vertreibt in großem llmsong inländische Produktion, u. a. auch Erzeugnisse der Leuna-Werke, während sie bei ihrem Import in enger Verbindung mit den Standard Oil-Konzern steht. Die er- hebliche Heraussetzung der Zollsätze mit der zwangsläufigen Preis- erhöhung für Treibstosse hat auf den schon ollgemein rückgängigen Absatz in verschärftem Maße gedrückt. Es lebe der Zollunfug! Wird die papen-?iegierung Zellstoffzölle einführen? Die Feldmühl«, Papier- und Zcllstoffwcrke A= G. in Odermünde bei-Stettin, legt für das Geschäfts- jähr 1931 einen verhältnismäßig günstigen Bericht vor. Zwar ist der ausgewiesene Reingewinn von 3,1 Mill. Mk. im Jahre 1930 auf 0,34 Mill. Mk. im Jahre 1931 zurückgegangen, so daß die Zlktionärc in diesem Jahre leer ausgehen(im Vorjahr 10 Proz. Dividende). Aber die Schulden der Gesellschaft sind in einem Ausmaß verringert und die Vorräte jo stark abgewertet worden, daß die Bilanz wesentlich günstiger gestaltet ist. Der Ausfall der Dividende ist also wesentlich auf eine vor-' sichtige Finanz- und Bilanzpolitik zurückzuführen. Der Umsatz ist im Jahre 1931 nur um 13 Proz. zurückgegangen, ein Ergebnis. das lediglich dem starken deutschen Papier- und Zellstoffexport zu danken ist. Um so merkwürdiger berichrt die Auslassung im Geschäftsbericht, daß die Entwertung der nordischen Währungen zu verstärktem Import nordischen Zellscoffes geführt habe.„Gegen diese unnatürliche Konkurrenz wird unsere Industrie völlig un- zureichend geschützt." Also auch noch Zölle auf Zellstoff?' Tatsächlich ist nach den amtlichen Ausweisen in den Monaten Januar bis April die Einfuhr von Zellstoff von 0,58 Millionen Kilogramm im Jahre 1931 auf 0,42 Millionen Kilogramm(um 30 Pro,;.) zurückgegangen: die Ausfuhr aber ist in der gleichen Zeit von 0,88 auf 1,01 Millionen Kilogramm(uin 15 Proz.) ge- stiegen! Geht die Frivolität deutscher Unternehmer jetzt schon so weit, auch bei sinkender Einfuhr und bei steigender Ausfuhr Zölle zu fordern? Oder glauben sie, daß die Adelsrcgierung jeden Jntercssentenwunsch unbesehen erfüllen wird? Auch ein Kapitalschnitt. Oie Echubert- uni» Salzer-Aktionäre erhalten das halbe Kapital ausgezahlt Bei der bekannten Chemnitzer Textiln.ischinenfabrik der Schubert und Salzer A.-G. hat sich die Wirtschaftskrise aus sehr eigenartige Weise ausgewirkt. Während sehr viele deutsche Unternehmungen insolge eingetretener Kapitalverluste eine Z u j a in m e n- streichung ihres Kapitals vornehmen, damit also auch die Aktiv »äre für Krisennerluste gerade stehen müssen, hat da? gciionnte Unternehmen jetzt beschlossen, das Aktienkapital zur Hälfte a n die "Aktionäre auszuzahlen»nd daraufhin das Kapital im Verhältnis 2: 1 ziisammenjulegen. Die«chubcrt Salzer A.-G. konnte in den Konjunkturjahrc» ihren Aktionären bis zu 16 Proz. Dividende zahlen und ihnen darüber hinaus auch noch Sondergeschenke durch verbilligten Aktienbezug machen. Für das Krisenjahr 1931 wurden noch 10 Proz. Dividende ausgeschüttet, für die l,75 Mill. M. Bargeld erforderlich waren. Danach verfügte die Gesellschaft noch über 20 M i I l. M. Bankguthaben, die jetzt bei der ver- ringerten Betriebstätigkeit zum großen Teil arbeitslos sind. Die Verwaltung ist daher auf den Gedanken versallen, einen Teil dieser riesigen vonkguthaben, nämlich 8,25 Millionen, an die Aktionäre bar auszuzahlen und dementsprechend das Kapital von 16.5 Mill. M. aus die Holste herabzusehen. Nach Durchführung dieser splendiden Maßnahmen würde die Schubert und Salzer A.-G. also noch über rund 1? Mill. vankguthabcn bei S,?5 Mill. M. Kapital verfügen. Dieser Vorgang ist im Hinblick aus die M a s s e n e n t l a s s u n- gen bei dem Unternehmen ein besonders krasser Fall für die Tot- fache, daß einige tausend Mann der Stammbeleg. s ch a s t aus die Straße gesetzt werden, ohne daß die Kapitalsbesitzer auch nur das geringste von der Krise zu spüren bekommen, im Gegenteil, in der allerschwersten Notzeit gänzlich überraschend die Halste ihres Kapitals in klingender Münze ausgezahlt erhalten. Der Großhandelsinder im Mai. Die vom Statistischcn Reichs- amt für den Monatsdurchschnitt Mai berechnete Großhandelsricht- zahl ist mit 97,2 gegenüber dem Vormonat um 1,2 v. H. gesunken. Wettbericht über Autoprobuktion. Neutschland hat seinen Autoexport im Lahre 1951 verdoppelt. Nachdem schon 1930 der Automobilbau aller Länder des Erd- balls um mehr als ein Drittel geringer war als 1929, hat das Jahr 19 31 nach einer in den Bereinigten Staaten veröfstnt- lichten amtlichen Statistik ein? weitere Verminderung um 2 6 Proz. gebracht. Es wurden insgesamt nur noch 3,04 Millio- nen Kraftwagen produziert gegenüber 6,28 Millionen im Jahre 1929. Es ist interessant, daß sich der Anteil der e u r o- päischen Länder, der 1929 weniger als 12 Proz. betragen hatte, sich bis 1931 auf sast 19 Proz. erhöhen konnte. Diese Steige- rung des europäischen Anteils ist eine Folge davon, daß die ameri- konische Automobilbauproduktion in stärkerem Maße zurückgegangen ist als in den übrigen Ländern. Wie bei anderen Industrien ist auch beim Automobilbau im vergangenen Jahr der Außenhandel wesentlich stärker gesunken als die Produktion, eine Folg« der zunehmenden Absperrung der wichtigsten Länder gegen die Einfuhr. Die gesamte Weltausfuhr von Automobilen aller Art ging von 376 000 auf 221 000 Fahrzeuge zurück, so daß sich der Anteil der Weltaus- fuhr an der Weltproduktion von 9,1 auf 7,3 Proz. veringerte. Die Vereinigten Staaten, deren Automobilerzeugung sich von 2,78 Millionen Fahrzeugen 1930 auf 1,97 Millionen 1931 veringerte, stehen allerdings auch 1931 unter den Automobillau- ländcrn der Welt mit einem Anteil von 78,6 Proz. noch immer bei weitem an der Spitze. Nur wenige Länder waren 1931 in der Lage, die Erzeugung zu st e i g e r n. Zu diesen Ländern gehört vor allein O e st e r»' reich, dessen Produktion von 3200 Fahrzeugen 1930 auf 4200 1931 stieg. Auch die Tschechoslowakei, die Schweiz und Schweden zeigen Steigerungen der Produktion, allerdings nur von geringerem Ilmsang. Zlußerordentlich stark ist dagegen die russische Automobilherstellung gestiegen, nämlich van knapp 8000 im Jahre 1930 auf über 23 000 im Jahr? 1931 Der englische Automobilbau ging 1931 nur um wenige Prozent zurück, nämlich von 235 009 auf 223 000, etwas stärker die sranzösischc Autamobilprodukticm von 231000 auf 197 000 Fahrzeuge. An vierter Stelle unter den automabilerzeugeiiden Ländern steht Kanada, obwohl sich die kanadische Produktiv» van 154 000 Wagen 1930 auf weniger als 83 000 im Jahre 1931 verringerte, Deutschland, dessen Automobilproduktion von 70000 aus 65009 zurückgegangen ist, also nur in verhältnismäßig geringem Ilmfang, folgt an fünfter Stelle. Wenn im allgemeinen die Auloaussuhr 1931 in noch stärkerem Maße gesunken ist als die Produktion, jo hat sich bei den einzel- nen Ländern die Entwicklung jedoch sehr ungleichmäßig voll- zogen. Bei einigen konnte nämlich die Aussuhr gegenüber dein Vorjahr gesteigert werden. Dies gilt für Frankieich, in noch viel stärkerem Maße aber für Deutschland, dessen Automobil- ausfuhr von 5700 Fahrzeugen im Jahre 1930 auf 11 200 im Jahre 1931 erhöht werden konnte. I6EN0 Die Zeilverhällnisse verlangen billige Artikel. Mouson TOj igcmo Shampoo hhj igimo RoSIBtCteitHS bringt sie in den hochwertigen Igemo-Erzeugnissen. Ver- 25v igimo Tbrt&tftiSeife. IS-! igimo ftaSIGrCteme langen Sie bei Ihrem Händler Igemo- Artikel und achten Igemc Hzsutcs'&ffie S&j igcmo Rasierseife Sie auf die blau-rote Packung. Igemo bedeutet wahrhalle SOj mw Hau tcr&me$$4 igemo ß&Sier&erre Qualität und Billigkeit. Zahnpaste Irn. ewo Mundwasser So l|l das Jßeben ä)ie Tragödie eines, der Arbeit bekam/ Ton Zriis Wlauske Ein trostloser, regentriefender Himmel hing wie ein schmutziger Sack über den Dächern der verräucherten Mietkasernen und lastete mit bleigrauer Schwere aus der Stadt. Unablässig spien die Wolken den Regen aus, den dann ein eiskalter Wind durch die Ströhen peitschte— und wo ein kleiner Park war oder ein« Laubenkolome, da roch es nach stisch umgegrabener Erde und auf den Wegen stand das Wasser in großen Pfützen. Büsche und Bäume hatten dicke Knospen, die kleinen grünen Spitzen der Schwertlilien froren und irgendwo grölte ein Lautsprecher:„-- Der Lä— ä— änz ist daaa!" Franz Zibell schob sich durch den Regen. Mit hochgeschlagenem Rackenkragen und beide Fäuste tief in den Taschen. Ihm fröstelte. Die Feuchtigkeit halte längst das dünn« Jackett durchzogen und die klitschnasse Hose klebte bei jedem Schritt an den Beinen sest. Der Wind schlug ihm den Regen ins Gesicht. Er zog die Schultern noch höher und stapste verbissen röeiter.— Links— rechts— links— rechts. Wie schön nnihte es sein, jetzt einen warmen Mantel anzuhaben, so einen, der den Regen abhält und unter dem die Jacke und die Hose trocken bleiben. Aber sein Junge, der Willi, brauchte so nötig etwas Warmes zum Anziehen und da hotte seine Frau den letzten Mantel zerschnitten und für ihn zurechtgemacht. Willi durste nicht frieren. Er hatte es an der Lunge. In der kleinen Brust pfiff und röchelte es— und manchmal drohte er unter einem furchtbaren Huslenanfall zu ersticken. „Vor ollen Dingen braucht das Kind gute Pfleg« und kräftiges Essen/ hatte der Arzt gesagt, bedauernd mit dem Kops geschüttelt und vxir gegangen. Zum Teufel— ja— das wußte er selber! Gutes, kräftiges Essen und vielleicht ein halbes Jahr zur Kur nach Davos— oder wenigstens eine sonnige Wohnung mit hellen, hohen, trockenen Zimmern und einem schönen Balkon, aus dem Willi seine Liegekur machen könnte. Dann war vielleicht Aussicht vorhanden, daß sich sein Zustand bessern könnte. Aber so?--- Franz Zibell fühlte es bitter in der Kehle aufsteigen. Er spuckte aus und fürchtete sich, den grausamen Gedanken zu Ende zu denken. Stapfte weiter mit nassen Sachen. Zwei Jahre Arbeitslosigkeit zermürben den krästigsten Menschen. Man fühlt sich ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Schaffenden, versucht zwar anfangs mit allen erdenklichen Mitteln Beschäftigung zu finden, gibt dann aber resigniert und müde sein aussichtsloses Bemühen auf und verliert zum Schluß den Glauben an die Menjch- lichkeit und das Dertrauen zu sich selbst. Man läßt sich eben treiben, bäumt sich, wie ein Tier im Todeskampfe, noch einige Male gegen das Schicksal auf— und verfällt danach in noch größere Berzweis- lung, deren Schlußakkord nur zu oft eine kurze Notiz in der Zeitung unter„Unglücksfälle und Selbstmorde" darstellt. Ganz so weit war es nun mit Zibell noch nicht. Gott sei Dank hatte er sich eine kleine Portion Lebensmut in diese schweinemäßigen Verhältnisse hinübergerettei, aber mehr und mehr bröckelle davon ab. Nun kam noch dazu, daß es mit seinem Sohn seit einem halben Jahr immer schlechter wurde. Manchmal schien er ziemlich gesund zu sein— doch gleich kam der immer schlimmer werdende Rückschlag und zerstörte rauh die kurze Freude. Heute morgen war der Anfall wieder besonders schwer gewesen. Mit fiebrigen roten Flecken aus den Backen lag er und rang nach Luft und ein schrecklicher Husten erschütterte den schmächtigen zehnjährigen Körper. Seine Frau saß mit geröteten Augen am Bett des Kindes und kühlte ihm die brennende Stirn. „Wo gehst du hin?" hatte sein Junge gefragt, als er sich die Mütze aussetzte, um nach dem Arbeitsnachweis zu gehen. Und er hatte ihm erzählt, daß er nun bald Arbeit bekomnmen werde und dann gäbe es mittags wieder schöne Suppen und Fleisch— und er bekäme einen neuen Anzug und neue Schuhe und dann würde er wieder ganz gesund werden. Das Kind hatte mit blanken Augen zugehört und froh gelächelt. „Ja-- Suppen— und Fleisch— einen großen Berg— ja— und dann werde ich wieder gesund.— Ja." Da hatte er sich umgedreht und war hinausgestürzt aus die Straße— in den Regen. Er konnte es nicht mehr aushalten in der dumpfen Stube, konnte nicht mehr den vertrauensvollen Ausdruck der Kinderaugen ertragen, die an seinen Lippen hingen und gläubig alles hinnahmen, was er, der Bater, sagte. Cr. stöhnte dumpf und verzweifelt in sich hinein.--- Zwei Jahre Arbeitslosigkeit zermürben Leib und Seele. Die Schuhe quietschten an den Füßen. Franz Zibell stopfte durch Wind und Regen, einer von den Millionen, die nach dem Ar- beitsnachweis kommen, ihre Stempelkarte zur Kontrolle abgeben und dann— schon gar nicht mehr enttäuscht— wieder nach Hause gehen. Heute geschah hier auf diesem Nachweis, der immer nach den Ausdünstungen der vielen Menschen roch, und der heute noch dazu von der stickigen Lust, die die feuchten Sachen ausströmten, erfüllt war, heute geschah hier ein Wunder. Wenigstens war Franz Zibell mähe daran, es für eins zu hatten. Er hatte feine- Karte abgegeben, der Beamte drückte den Tagesstempel auf, besah sich das Anmelde- datum und sagte dann, vergnügt mit den Augen blinzelnd:„Sagen Sie mal, würden Sie gerne Arbeit annehmen? Ich habe etwas für Sie!" Da hatte er plötzlich ein unsagbares Gefühl der Leere in seinem Kopf. Die Wände, die Fenster, die Aktenregale und Registratur- kästen begannen zu kreisen und zu schwanken. Und der Beamte sah so verschwomemn undeutlich aus, er fragte verschiedenes, dessen Sinn er nicht begreifen konnte— hörte wie sein Name und seine Wohnung ausgesprochen wurde. Vielleicht hatte er etwas geant- wartet. Er wußte es nicht. In seinem Gehirn hämmerte es: Arbeit! Arbeit! Dann stand er wieder aus der Straße, hatte krampfhaft fest in der Hand das Stückchen Papier, das ihm Arbeit und Brot versprach. Wieder und immer wieder las er sich den Schein durch, konnte es noch nicht richtig fassen, daß die furchtbare Zeit der Untätigkeit, die Zeit des Jammers vorbei fein sollte— und war dabei schon aus dem Weg« zu der aus dem Schein angegebenen Arbeitsstelle, um sich vorzustellen. Zu feiner Arbeitsstelle.. Wie sich das anhörte! Es hatte aufgehört zu regnen. Der Wind schob die dicken schwarz- grauen Wokkenmassen durcheinander und begann die Straßen ab- zutrocknen. Trapp— trapp— links— rechts gingen die Schritte und der Kopf und dos Herz hämmerten: Arbeit!— Arbeit!— Geld!— Endlich!--- „Also, dann kommen Sie morgen um sieben Uhr und melden sich unten beim Portier," hatte der Betriebsleiter gesagt und ihm seine Zeugnisse wiedergegeben, in die er sich sehr eingehend vertieft hatte.„Ihre Papiere behallen wir gleich hier." Als er nach Haus« ging, kam ihm das große Glück erst recht zum Bewußtsein. Er malte sich aus, wie er seine Frau am besten mit der freudigen Nachricht überraschen könnte und wie die Augen seines kranken Jungen strahlen würden. Immer länger und schneller wurden seine Schritte. Ihm war, als müßten ihm alle Menschen ansehen, daß er jetzt wieder arbetten durfte. Wie ein Schuljunge raste Franz Zibell die Treppen hinauf und blieb tiesatmend erst ein Weilchen stehen, ehe er auf den Knopf drückte und die Klingel kurz ihr zersprungenes Klick— Klick sagte.— Alles blieb ruhig.--- Wieder Klick— Klick.--- Er hörte, wie seine Frau die Stubentür zumachte, und— jetzt: öffnete sie langsam die Korridor- tür. Freudestrahlend trat er ein und nahm die Frau gleich auf dem dunklen Korridor in seine Arme.„Du, weiht du, was uns passiert ist?" scherzte er-- und hielt erschreckt inne; denn seine Frau weinte hemmungslos an seiner Brust--- unfähig, ein Wort zu sprechen. Verwirrt fragte er:„Was ist los-- Du!-- Sprich doch!" Keine Antwort.— Nur wimmerndes Weinen--„Mein-- Kind--!" Bei Franz Zibell brach ein« Welt zusammen. Er riß sich los und stolperte in die Stube. Da lag sein Sohn auf dem Bett-- tot-- kalt.— Ein unschukdiges Opfer. Einmal brüllt« Franz Zibell auf. Dann nahm ihm eine tiefe Bewußtlosigkeit für lange Stunden alle Sorgen und Gedanken. Muri �oberer: Wir find der Weg— ich bin ein Stück davon. Ich liege still am Schwellenholz, und wenn im Takt der kolbenstampfenden Maschine das Rad dem Ziel entgsgenrollt, dann kling ich leis und stolz. Ich nehme meine Bürde vom Kameraden hinter mir und geb sie dem, der vor mir steht Zo trag ich eine Last dem Ziel entgegen und bleibe selbst so fern davon, vom harten Schicksal angeschraubt am Weg, der in die Zukunft geht. Wer spricht von uns, Solang wir unsre Pflicht erfüllen: was wir bedeuten, ist so wenig— und so viel. Wir sind der Weg— ich bin ein Stück davon. Nur über uns erreicht das Rad sein Ziel. ZProritmneU in Frankreich Sin Rundgang/ Ton K. Arüger Die Kastanien stehen in strengen Reihen um ein großes Viereck. Den Marktplatz. In der Mitte ein Kriegerdenkmal. Kein Flammenschwert, kein Rocheschwur, kein sttahler.der Krieger mit heldischem Lorbeerkranz. Eine alte Mutter, die still die Hände faltet. Und am Sockel die einfache Inschrift„Unseren Toten" und die zwei so viel Leid bergenden Jahreszahlen. Das ist alles. Der Marktplatz. An der einen Seite des Marktplatzes die M a i r i«. Ein sonder- barer Schnörkelbau mit Eckchen, Erkern und Schwibbogen. Ueber dem Eingang die Fahne der Republik. Neben ihm der Kasten mit den amtlichen Veröffentlichungen..Limmermann Henry Dubais be- absichtigt Mademoisell« R«nee Ferry zu heiraten". Keiner hält hier an und liest. Di« Bürger wissen es längst, denn die Mundz«itung der Stadt ist schneller als jede amtliche Veröffentlichung. Seit Henry Dubois Mademoifelle Renäe Ferry dreimal sehr spät nach Hause brachte, ist die Sache perfekt. Und die Kastanien aus dem Marktplatz sind leider stumm, sonst würden sie noch obendrein die Bestätigung liefern zu dieser Heirat, denn in ihrem tiefen Schatten wurden die ersten Zärtlichketten zwischen Henry und Renee gerauscht. Aus dem Amtshaus schlurft der Gemeindediener hervor. Klebt ein neues Blatt in den Aushängekosten.„Der Kartoffelschädling Diophora ichweißnichtmehrwiewetter ist in unserem Kanton ausgetreten. Man nehm« zu seiner Bekämpfung sechs Eimer Wasser, vier Schaufeln gelöschten Kalk, rühre alles gut durch usw. usw." Einige Männer sehen sich das Papier an, schütteln den Kopf und gehen wetter. Sie haben ihre eigenen Mittel. Was die Herren am grünen Tisch in Paris da schon wieder ausgebrütet haben!„Man nehme zur Be- kämpfung...!"— neue Methoden einführen in Gros Ciillou du Trou sur la Mer! Di« Herren kennen den französischen Ackerbürger schlecht. Seit zwei Jahrhunderten wird hier ungelöschter Kalk ver- wendet, und dab«i soll es bleiben. Es bleibt überhaupt alles beim Alten. Der Markt zum Bei- spiel. Immer die gleichen Zinkeimer, Angelschnüre, Holzpanttnen, Leitern, Regenschirme und Hüte. Ein einziges Radiogeschäft ist in der Stadt, aber der Besitzer ist sowieso verdächtig, ein Ausländer zu sein. Er kommt auch wirtlich aus Paris. Außerdem ist er schon der Vierte. Di« anderen drei gingen elend zu Grunde. Und hier sind di« Eafes. Den Eafebesitzern gehts schon besser, aber auch sie können nicht allein von ihrem Laden leben. Der ein« macht nebenbei den Hagelversicherungsogenten, ist also schon von vorneherein als halber Betrüger entlarvt. Ein zweiter ist Vorstand einer politischen Partei. und das geht ja schließlich noch an. Seine Gesinnungsgenossen können bei ihm in aller Ruhe schon einmal einen Kaffee trinken, ohne befürchten zu müssen, er schütte ihnen kochende Salzsäur« da- zwischen. Andere Leute wiederum gehen ins dritte Cafe, wo die Rennberichte durchgetickt werden. Worunter aber die Qualität des hier verzapften Kaffees gelitten hat, weil der Besitzer doch die elektrische Tickermoschin« verzinsen muß. Guten Kaffee und Renn- berichte dazu—, alles für 30 Centimes, also acht deutsche Pfennige, das ist«in bißchen viel verlangt. Und das vierte Cafe? Ach, reden wir besser nicht viel davon, denn es ist gar übel beleumundet. Bis elf Uhr abends soll es sogar neulich geöffnet gewesen sein, und das ist doch einfach der Gipfel des Lasters. Seit zwei Jahrhunderten ist die Schlafensgehzeit für alle guten Bürger dieser Stadt neun Uhr, und darüber hinaus beginnt die schlimmste Perversion Wie kann die Jugend bis elf Uhr beim Kartenspiel sitzen, Wein trinken, singen und lustig sein? Wo sollen da die Renten herkommen, wenn nicht gespart wird? Und einen Ratfahrklub haben sie sogar gegründet, einen Musikverein und— die Welt geht unter!— einen Schwimmverein! Natürlich ist der Wirt daran schuld. Ganz sicher ist er es, denn seine Großeltern haben ja auch in diesem gottverdammten modernen Paris gewohnt, und der Sage noch soll sogar seine Großtante immer noch da an- sässig sein. Sie muh zwar bald neunzig Jahre auf dem Rücken haben, aber man kann nie wissen. Der Einfluß der Großstadt reicht weit, und man weiß in Gros Gaillou du Trog sur la Mer seit zwei Jahrhunderten: Was von Paris kommt, ist zuerst mal schlecht! Siehe gelöschter Kalk für die Kartoffeln! Und wenn es aber ausnohms- weife doch mal gut ist, dann ist sicher der gut« Abgeordnete mtt seinem in Gros Gaillou du Trou sur la Mer gestählten Provinz- gewissen der engelhast« Urheber dieses Guten. Ueberhaupt: der Abgeordnete! Der liebe Gott. Sollten die Franzosen jemals in di« Verlegenheit kommen, ihrem Gott ein Denkmal zu setzen, so kann für die beste Darstellung nur die Abbildung in Stein oder Marmor ihres Deputierten mtt der republikfarbenen Schärpe um den fairst geschwewen Bauch in Frage kommen. Alle Gebete der Stadt gehen zu ihm, alle Bittbries« werden an chn gerichtet, und daß man ihm nicht eine eigene Kirche zum persönlichen Kull errichtet, schettert nur an dem geizigen Spar- sinn der Bürger. Der Abgeordnete muß schlechtweg für alles sorgen. Für die Ausbesserung und Auskrautung des sogenannten Flusses zum Beispiel, der sich ob dieser sehr schmeichelliasten Bezeichnung noch armseliger und verschämter unter den Weiden cnttangwindet, als er es ohnehin schon tut. Oder für die Abhobelung der Bänke im Gymnasium, wo sich in den letzten zwei Iahren vier Schüler, darunter sogar der Sohn des Gemeindedieners, Holzsplttter in die Hosenböden gerissen haben. Gegen die Abhobelung der Schulbänke hat sich allerdings damals«in« starte Opposttion geregt, die mtt großem Papier- und Schreibaufwand nachwies, daß die vier spliuer- betroffenen Schüler zu den schlechtesten der Klasse gehörten, die sich vielleicht die Splitter mit Absicht eingerissen hatten, um dadurch zu «inigen Krankheitstagen zu kommen und die Examen schwänzen zu können.„Soll die Faulheit von vier Schülern der Republik 2300 Franken Hobelkosten verursachen?" Mit diesem knalligen Fragesatz auf grellbuntem Papier hat damals die Opposttion viel Rumor gemacht und es auch erreicht, daß die Bänke wirklich nicht gehobelt wurden. Si« wurden mtt blankem Linoleum belegt, was um 320 Franken billiger kam, und nun ist wieder Ruhe in der Stadt. Die vier Splitterkinder sind auch wirklich durchs Examen geprasiett. Das Leben geht seinen alten Trott wetter. Die Ruhe, fast Stillstand der Zeit— der erste und gewattigste Eindruck einer kleinen sranzösischen Stadt. Selbst die Kirchen- g l o ck e ist hier leiser als anderswo, und di« A u t o s... ach richtig, die Autos! In Gros Gaillou du Trou sur la Mer sind es genau fünf. Der Apotheker, der Schlächter, der Tierarzt, der Menschenarzt und ein Vauuntexnehmer. Als der große Krieg ausbrach, und Autos von der Militärverwaltung dringend angefordert wurden, waren die fünf Motorungeheuer der Stadl schon att und wurden als total untauglich zurückgewiesen, was sie aber nicht hindert, heute, nach siebzehn Jahren, noch fauchend und keuchend ihren Dienst zu tun Hupen haben sie alle nicht. Ist auch nicht nötig, denn sie machen allein einen höllischen Ratterkrach beim Fahren, der Motor spuckt und bockt und pufft und knallt— wozu also eine Hup«? Sparen, immer nur sparen! Und die Mütter benutzen die fünf Autos der Stadl als Schreckpopanz für di« Kinder.„Wenn du nicht artig bist, kommt das bös« töff-töff und nimmt dich mtt!" Das hilft dann selbst bei den allerstärksten Schreiern. Man feiert Feste... Und einen Geschichts-, Heimat- und Trachtenver- ein hat die Stadt auch. Sein Vorhandensein gibt sich durch Theatervorstellungen kund, die dreimal im Jahre stattfinden. Beim letzten Fest spiette man das erhebend« Drama„Friedrich der Schöne von Burgund in der Gefangenschast". Es war eine sehr erfolgreich« Vorstellung, bei der es gelang, den fünfundvierzigjährigen Haupt- lehrer der Stadt endlich unter die Haube einer Bürgerstochter zu bringen, ganz zu schweigen von dem neuen jungen Hilfslehrer, der der Apothekerstochter zufiel. Jetzt sind nur noch der junge Richter zu verheiraten, ein Angestellter der Bürgermeisterei und ein frisch etablierter Zahnarzt. Wartet nur, ihr jungen Taugenichtse, beim nächsten Trachtenfest wird man euch schon kriegen! Schäntt ihr euch nicht, unverheiratet in dieser ehrbaren Stadt herumzulaufen? Wie macht ihr das bloß? Und was nun die Trachten betrifst, so werden sie bis zum großen Fest im allgemeinen nur Sonntags hervorgeholt. Hier aller- dings bricht die Neuzeit mtt ihrem verderblichen Einfluß am schnellsten ein. Von unten angesangen bis zum Knie ist schon Paris, sozusagen mondänes Paris. Zierliche Halbschuhe und seidig« Strümpfe. Darüber dann ein schwerer Rock, das geschnürte Mieder und ein weißes, kokett gefälleltes Spitzenhäubchen. Es hat schwer gehalten, die Vorstandsdamen vom Trachtenverein so wett zu bringen. Seidenstrümpje und moderne Halbschuhe zuzulassen, aber im Interesse der heiratsfähigen Töchter gings dann doch. Und so hielt also vor Jahren der sex appeal seinen Einzug in die kleine Stadt. Neben den Trachtenfesten und den Theatervorstellungen des Ge- schichtsvereins gibt es aber noch ander« Feste in der Stadt, die immer wiederkehren. Das große Fest der Republik am 14. Juli wird natürlich von allen gefeiert, aber das zähll schon nicht mehr als Besonderhett. Es ist Tradition geworden, ist allen in Fleisch und Blut übergegangen. Aber zweimal im Jahre werden die berühmten Männer der Stadt geehrt, das heißt: auf jeden kommt im Jahr«ine Ehrung. Oder noch genauer ausgedrückt: Jede Heldenbüste kriegt einmal im Jahre einen neuen Lorbeerkranz umgehängt. Böse Zungen behaupten zwar, es wäre immer derselbe Kranz, aber das kann schon aus klimatischen Gründen schlecht möglich sein, weil die beiden berühmten Männer der Stadt zu ver- schiedenen Jahreszeiten Geburtstag hatten. Der Kaperkapttän Jean l« Terribl« am 14. März und der Heimatdichter Jacques l« Timid« am 4. September. Es ist also schon technisch unmöglich, den Marine- Ehrungskranz vom März auch im September für die Dichtkunst zu verwenden; die gärtnerisch geschulten Augen der Bürger würden den Betrug schon merken. Und diese Zeitereignisse bewegen die Stadl noch einmal außer- halb der Reihe. Dann stehen die Schulkinder vor den Büsten der berühmten Stadtsöhn« und singen das gleiche Lied wie seit Jahren, mit den gleichen hellen Kinderstimmchen und salschen Noten. Der Bürgermeister hätt die gleiche Rede wie alle seine Vorgänger und bleibt auch an der gleichen Stell« stecken, wo ihm dann der Lehrer das schlimme Wort„Vercingetorix* zuflüstern muß, über das alle Bürgermeister immer stolpern. Nachher bekommen di« Kinder Zuckerzeug geschenkt, und am Abend ist Fackelzug. Und der steinerne Dichter aus seinem Postament lächelt über seine Landsleute, die ihm vielleicht damals zu Lebzeiten nicht die Lust gegönnt haben und die seinen Gedankenflug in di« Weite miß- verstanden...