Morgenausgabe ?*[• 271 49. Jahrgang A 132 Döchenlllch 76 monatlich 3.25«Dl (davon 87 Pf. monatlich für Zustel» lung ins Haus) im voraus zahlbar Postbezug 3.97 OJl einschließlich 60 Pf V-üzeitungS' und 72 Pf.Postbestellge- »ühren. Auslandsabonnement S.S5 M vro Monat; für Länder mit ermäßigtem Drucksachenporto 4.66 M Der„Vorwärts� erscheint Wochentag» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„De? Abend". Illustrierte Sonntagsbeilaa» .Volk und �eit" VeAwev Vvttsblatt Sonnabend 11. 3uni 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Sie e t n 1 p ol t. aJItUlmeterjetl« 30 Ps. R-llomezeile 2.- 31„Steine Anzeigen" dos fettgebruefte Morl 20 PI. izuTaflig jtDCifettgebruiItrSDrtel.jebes weitere Bort 10 Ps. Nobott It. Torij. Worte Uber 15 Buchstoben zöhien für zwei Worte Arbeiismorkt Millimeter- zeiie 25 Ps. Fomiiienonzeigen Milli- meterzeiie 16 Ps. Anzeigenonnohme im Souplgeschost Lindenstroße S. wochentögiich oon 8>/, bis 17 tihr Der Per log behält sich dosRecht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor« JenSvawvgan der Sozialdemokratische« Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 krcrnspr.. Tönboss( A 7) 292— 297 Telegrainm-Adr.: Sozialdemokral Berlin Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 S3K.—BankkoMp:BankderArbelter, Angestellten und Beamten. Lindenstr. 3 Dt B.u.Dl«r..Gel.. Depostlenk.. Jerusalemer Str. 65, 6S Frick schützt Neurath! Die Baronsregierung vor Lausanne.- Der Voiksbetrug der Nazis enthüllt sich. Bayern gegen die Barone! Rieder mit der Kamarilla!— Der Regierungswechsel bedeutet Zerreißung des Volkes.— Kampfansage der Bayerischen Volkspartei. Ter regierungsoffiziöse..Angriff" teilt mit. daft der Vorsitzende des Austvärtigen Ausschusses die Ein« berufung des Ausschusses ablehnt. Tie national» sozialistische Partei lehnt demnach die l�inschal- tung des Parlaments vor der ltonfcrenz von Lausanne ab. sie übernimmt also für die llonserenz von Lau- sänne und ihr Ergebnis von vornherein die volle Verantwortung. * Nur noch wenige Tage trennen uns von dem Zusammen- tritt der Konferenz von Lausanne. Wäre Dr. Brüning noch Reichskanzler und Außenminister und würde er sich bei seiner Außenpolitik auf die Sozialdemokratie stützen, dann würden wir schon mitten in einem Hexensabbat von nationa- listischen Hetzereien stehen. Es würde kein Tag vergehen, an dem nicht die Rechtspresse Brandartikel und alle möglichen „Vaterländischen" Verbände Resolutionen veröffentlichen würden, in denen man die Reichsregierung im voraus auf unerfüllbare Forderungen festzulegen versuchte. Selbstverständlich würde dabei der übliche Rummel gegen die Kriegsschuldlüge nicht fehlen. Man würde von Brüning verlangt haben, daß er in Lausanne, ehe er über die eigentliche Materie überhaupt verhandle, die Streichung des Kriegsschuldartikels 231 fordere und durchsetze. Zweitens würde im voraus jedes Ergebnis, das keine sofortige Endläsung im Sinne der völligen Streichung aller Reparationen bringen würde— natürlich ganz unabhängig von den interalliierten Kriegsschulden—, als Landesverrats hingestellt werden. Nur ein„stolzes, deutsches Nein" käme für die Hitler- und Hugenberg-Presse in Frage gegenüber jeder Zwischenlösung oder gegen irgend- eine Verkoppelung der Reparationen mit den interalliierten Schulden an Amerika. Vermutlich würde auch noch die Aufrollung der O st- fragen— Danzig, Korridor, Oberschlesien, Memel, An- schluß— als gebieterische Pflicht der deutschen Delegation verlangt werden. Ebenso die Forderung einer unoerzüg- lichen, hundertprozentigen Ungleichung der Rüstungen nach oben oder nach unten, und was es sonst in der außenpolin- scheu Rüstkammer der Rechten an Forderungen noch gibt, die man bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit vorbringt und deren sofortige Erkämpfung als notwendig und möglich hingestellt wird. Ja, wenn Brüning noch Reichskanzler wäre dann gingen die Wellen der„nationalen" Erregung hoch! Aber er ist es nicht mehr. Statt seiner lenkt eine Re- gierung nach dem Herzen der„Siistein"-Bekämpfer die Ge- schicke Deutschlands, statt seiner fährt Herr von Popen, der „nationale Mann", nach Lausanne. Da braucht man sich nicht mehr so auszuregen. Kein Wort, keine Protestresolution über die Kriegsschuldlüge. keine Erwähnung der Ostfragen, kein hysterisches Geschrei mehr für eine sofortige Endlösung des Reparationsproblems. Meldungen aus London und aus Paris über den grund- sätzlichen Vorschlag einer allgemeinen Streichung der Reparationen unter der Voraussetzung einer Schulden st reichung durch Amerika wer- den durchaus ruhig wiedergegeben und sogar als hoff- nungsvolle Vorzeichen betrachtet. Die Endlösung ist gar nicht mehr so eilig— weil Brüning nicht mehr regiert. Bei Papen-Schleicher-Gayl werden sich auch Hitler und Hugenberg mit einer vorläufigen Regelung bis nach den amerikanischen Präsidentenwahlen be- gnüaen. Sogar das Wort„Tribute" kommt in der Rechts- presse immer seltener vor. Man fängt wieder an, sich an das Wort„Reparationen" zu gewöhnen Die Aenderung der Tonart bei den deutschen Nationalisten wird sogar schon von der französischen Presse schmunzelnd festgestellt. Elende Schwi ndler, erbärmliche Heuch- l e r! Ihre„nationale" Unnachgiebigkeit hatte nur den Zweck, die republikanischen Staatsmänner zu verleumden, ihre tatsächlichen Erfolge zu verkleinern oder gar als„Ver- rat an der Nation" hinzustellen. Jetzt, wo s i e die Verant- wortung tragen, sind sie ganz bescheiden, ganz kleinlaut, ganz realvo'iiisch geworden. Aber sie sollen sich nicht ein- bilden, daß das diutsche Volk diese Kursänderung der„na- tionalen" Kreise nicht merken wird. Dafürwerdenwlr schon sorgen! München, 10. Juni. In einer Massenkundgebung der Bayerischen Volkspartei, die am Freitagabend im Zirkusgebäude statt- fand, sprach der Parteiführer, Staatsrat Schaeffer. über die Lage im Reich. Er führte u. a. aus: Die erste Wirkung des Regierungswechsels fei Zerreißung des deutschen Volkes, Verbitkerung und Haß. In der entscheidenden Besprechung mit Reichskanzler Brüning scheine der Reichspräsident aus dem Standpunkt gestanden zu haben, daß überhaupt keine Notverordnungsmaßnahmen mehr von dem Kabinett Brüning getrofsen werden dürften und daß es auch keine Ergänzung der Reichsregierung mehr vornehmen dürfe. Das Kabinett Brüning habe indessen nur die Folgerungen daraus ziehen können. Aus der langen Unterredung der Herren Hitler und Göring mit dem Reichspräsidenten habe man nur die Tatsache gehört, daß Hitler sich geweigert habe, ossen in die Verantwortung im Reich einzutreten, und daß er Neuwahlen gefordert habe. Die Hoffnung Hitlers sei, die S1 Pro- zent für sich und seine Basallen zu erhalten, allein die Macht in die Hand zu nehmen und sie rücksichtslos zu gebrauchen Di« brutale Macht solle die schwere Aufgabe ersparen, durch die Leistung Ver- trauen zu erwerben. Mit aller Entschiedenheit müsse man sich dagegen wenden, daß die Reichstagsauflösung mit der Begründung versehen worden sei. daß der Reichstag dem politischen Millen des deutschen Volkes nicht mehr entspreche. Was das Volt wolle, habe in allerlehter Zeit erst die Reichspräsidentenwahl bewiesen, nämlich Millionen wollten bestimmt nicht, daß eine Parteiherrschast über Deutschland, eine Parteidiktalur Adolf hillers aufgerichtet werde. ■Parlamente hätten gewiß Fehler, aber das schlechteste Parlament sei tausendmal besser als irgendeine Kamarilla. Der Rus müsse sein: Dem deutschen Polke sein Recht! Rieder mit der Kamarilla! Die erste Regierungserklärung habe die Ziele und Pläne der neuen Regierung vollkommen verschwiegen. Sei der Sturz des Kabinetts Brüning schon ein ungeheurer staatspolitischer Fehler ge- wesen, so sei die Auslösung des Reichstages und die Ausschreibung eines neuen Wahlkampfes in diesen Zeiten eine Sünde. Der Sieg der Nationalsozialisten im nächsten Wahltamps wäre nichts anderes als ein Sieg der Inflation. Der Redner wandte sich dann dagegen, daß das neue. Reichskabinett in er st er Linie Viereinhalb Jahre ists her,— da erschien in der Neu- sahrsnummer der„Deutschen Iuristen-Zeitung" von 1928 ein Artikel des Senatsprästdenten a. D. B a u m b a ch, der den hellen Jubel der gesamten Rechten erregte.„Bankerott der Strafsustiz" lautete der vieloerheißende Titel. Mit gewaltigem Aufwand von Kraftworten verfocht Herr Baumbach die Be- hauptung, daß die Strafjustiz durch die Gnadenakte der Par- lamente aufgelöst werde. „Die Knochenerweichung ist die Krankheit unserer Zeit. Wir müssen wieder hart werden." Auf diesen Ton war der Baumbachsche Artikel abge- stellt, und er gipfelte in den häufig zitierten und noch häufiger mißbrauchten Worten: ..Die Strafsustiz ist zur Dirne der Politiker geworden. aus Adligen zusammengesetzt sei und die Bürgerlichen erst nachträglich herbeigeholt werden mußten. Man dürfe es dem Volke wirklich nicht übel nehmen, wenn es im Austreten des Kabinetts Schleicher-papen in erster Linie einen Sieg des Großkapitals und vielleicht auch einen Sieg des Großgrundbesitzes im deutschen Osten sehe. Es erscheine in diesen Tagen sehr notwendig, offen auszusprechen, daß der Wille der Bayerischen Volkspartei immer ein Kampf gegen Reaktion, ein Kampf gegen jede Mißachtung und Eni- rechtung auch der deutschen Arbeiterschaft sein werde! Die Regierungserklärung habe kein Wort enthalten von den Beziehungen zwischen Reich und Ländern. In Bayern sei in den schweren Jahren nach der Revolution die Fahne des deutschen Bundesstaates hochgehalten worden. Wer die Ge- schichte der Notoerordnungen kenne, der könne feststellen, daß die ersten Notverordnungen noch einen starken Zug hatten, in die Rechte der Länder einzugreifen, er könne auch feststellen, daß nur Bayern allein sich durchsetzen konnte, daß die letzten Notverordnungen immer schüchterner im Eingreifen in die Landesrechte geworden seien, bis sie zum Stillstand kamen. Alle diese Möglichkeiten seien im Augen- blick zerschlagen. Wolle sich der neue Reichskanzler wirklich Lorbeeren mit der Reichsreform holen? Nur so sei es verstündlich, daß er sich in die Regierungsbildung in Preußen hineinmenge. Der Reichskanzler möge es ja nicht wagen, dieses preußische Bei- spiel etwa in Bayern nachzuahmen und sich mit der bayerischen Regierungsbildung zu beschästigen. Es könnte sein, daß er mit aller Deutlichkeil auf die Grenzen verwiesen würde, die auch einem Reichskanzler den Ländern gegenüber gezogen seien. Bayern habe keinen Vertrauensmann im neuen Reichskabinett. Be! aller persönlichen und menschlichen Achtung vor deni Minister Gärtner— ein Vertreter und Vertrauens.mann Bayerns und des deutschen Südens im Kabinett sei er nicht und könne er nicht sein. In dieser Zeit, in der in Deutschland die Volksrechte zu schwinden drohen, müßte» die deutschen Länder für diese Rechte kämpfen. Notwendig sei es, daß die Länderregierungen ihren Ein- fluß im Reichsrat viel stärker zur Geltung brächten und so die politische Willensbildung im Reich beeinflußten. Der Reichsrat und die Staatsregierungen hätten heute die Ausgabe, mehr als bisher in den Pordergrund zu treten und das Reich daran zu erinnern, daß es nur auf den Ländern ausgebaut bestehen könne, heute sei es allen klar, daß die Länder die Schüher und Treuhänder des Polkes und der Polksrechte seien! Was Wunder, wenn in solchem Sumpf die Moderpflanze des Verbrechens blüht." Was war der Anlaß, daß eine wissenschaftliche Juristen- Zeitschrift solch breitmäuligem Gepolter ihre Spalten öffnete? Ein paar Fälle von Begnadigungen, die der Rechts- ausfchuß des Preußischen Landtags befürwortet hatte. Es wurde Herrn Baumbach sehr rasch ziffernmäßig nachgewiesen, daß die Zahl dieser Fälle zur Gesamtheit der Strafrechtspflege in einem verschwindenden Verhältnis stand. Die Rechtspresse blieb aber dabei: Das Parlament ruiniere die Justiz, es löse d'as Strafrecht in Nichts auf. Das ist viereinhalb Jahre her. Seitdem ist der Einfluß der R e ch t s p a r t e i e n in den Parlamenlen gewaltig ge- stiegen. Und was geschieht? Seitdem ist eine förmlich« Ende des Rechtsstaats? Rechtsanarchie als Kolge des Wachsens der Rechtsparteien. Landtag am 15. Juni. Noch keine Wahl des Mmstez Präsidenten. Rechtsanarchie eingerissen, die praktisch das E n d e d e s Rechtsstaates bedeutet. Das soeben im Rechtsausschuß des Preußischen Landtags von Nationalsozialisten und Deutschnationalen— mit chilse der kommunistischen Stimmen— durchgebrachte A m n e st i e- g e s e tz ist ein Musterbeispiel dieser Rechtsanarchie. Zunächst gewährt diese Amnestie für alle aus politischen Motiven be- gangenen Straftaten unterschiedslos völlige Straf- freiheit. Ob einer wegen Beleidigung zu 100 Mark G e l d- str a f e. ob er wegen Totschlags zu 13 Jahrsri Zuchthaus verurteilt worden ist— von der einen rvie von der an- deren Strafe braucht er nichts zu verbüßen. Gleich- gültig ist auch die Art, in der das Berbrechen begangen wurde. Mag der Täter z. B. besondere Grausamkeit und Roh- h e i t bei der Tötung eines Menschen an den Tag gelegt haben,— danach darf nicht gefragt werden!• Die Nazibande, die in Bankau den Landarbeiter Bassy in Gegenwart seiner Gnade flehenden Frau tottrampelte und die wehrlose Frau noch verhöhnte und mißhandelte, es geschieht ihnen nichts. Dabei besteht keinerlei Aussicht, daß etwa infolge dieser Amnestie die politischen Verbrechen oerschwinden oder ab- nehmen werden. Das ist auch garnichtdieAbsicktder Urheber. Die Regierung stellt fest, daß in den letzten anderthalb Jahren in Preußen. 9 0 Fälle von politischem Totschlag vorgekommen sind, davon allein 4 0 F ä l l e in den letzten fünf Monaten. Also eine gewaltige Zunahme gerade in allerjüngster Zeit! Die Amnestieväter lächeln hierzu und halten nicht einmal eine Antwort für notwendig. Sie wollen gar nicht, daß nun etwa politische Befriedung ein- träte. Sie wollen, daß die unerwartete Begnadigung von hundert und mehr politischen Totschlägern m ö g l i ch st v i e- len ihrer Anhänger den Mut gibt, es in der gleichen Weise zu versuchen. Es wird ibnen nichts passieren! Findet wirklich noch ein Gericht den Mut, sie zu verurteilen, so kommt eben die n ä ch st e Amnestie! Man geht noch einen Schritt weiter auf diesem Wege: dieses vom Rechtsausschuß verabschiedete Amnestiegesetz stellt sogar einen Amnestiewechsel auf die Z u k u nf t aus. Es ver- heißt Straffreiheit für Taten, die noch gar nicht b e- gangen sind. �Das Amnestiegesetz enthält tatsächlich die Klausel, daß es Straffreiheit gewährt für alle Taten, die bis zum Tage des Inkrafttretens des Gesetzes begangen worden sind. Um in Kraft zu treten, muß das Gesetz aber noch den Landtag— in zwei Lesungen— sowie den Staats« r a t passieren. Das erfordert sicher einige Wochen. In- zwischen verheißen die Amnestieväter ihren Anhängern:„Jetzt könnt ihr drauflos morden und wüten, es wird euch nichts passieren— denn bis zum Tage des Inkrafttretens fallen alle Taten noch unter das Amnestiegesetz." In einem Rechts- und Kulturstaat ist ein solches Bersprechen völliger Mordfreiheit >ür die Zukunft noch nicht dagewesen. Im„Rechtsstaat" der Nationalsozialisten und Deutschnationalen aber ist auch das möglich. Gegenüber dieser Ungeheuerlichkeit will es fast wenig be- sagen, wenn man in dieses Gesetz auch bleich ein paar Ver- fässungswidrigkeiten mit aufgenommen hat. Die Anwendung des Gesetzes liegt den ordentlichen Gerichten ob. Die Gerichte haben nachzuprüfen, ob der Wortlaut des Am- nestiegesetzes auf den jeweils vorliegenden Fall zutrifft. Trotz- dem setzen die Amnestieväter einen Parlamentsahs.schuß ein, in dem eine Mehrheit von RaziS und Kozis befugt fein soll, die richterlichen Entl�eiduvaen einfach aufzuheben bm abzuändern. Ein glatter Verstoß gegen die R e i ch s v e r s a s s u n g, die keine Eingriffe des Parlaments in die richterliche Tätigkeit gestattet. Aber selbst wenn man hier ein gnadenmäßiges Ermessen für vorliegend ansehen würde, so würde dieser Ausschuß einen Verstoß gegen die preußische Verfassung darstellen, nach der die Ein- stellung schwebender Verfahren nur auf Grund eines beson- deren Gesetzes durch die Staatsregierung erfolgen kann. Die Kozi-Nazimehrheit aber bat sich bei diesem Gesetz um Rechtsfragen überhaupt nicht gekümmert. Das ungewöhnte Machtgefühl, der Rausch des neuen Bewußtseins„Wir sind jetzt die Mehrheit" hatte sie trunken gemacht.„Sic vok», sie jubeo,...so will ich, so befehle ich", das war für die Mehrheit das Motto ihres Handelns. Bei den Nazis konnte man diesen Rausch verstehen, handelte es sich für sie doch um die Festigung und Legalisierung ihres Terrors. Die Kommu- nisten aber,— sie waren wieder einmal die blinden Weg- bereiter des Faschismus. Im Lande werden Gewerkschaft's- Häuser von Nazihorden demoliert, Versammlungen der Ar- bester auseinander geprügelt, die organisierten Landarbeiter und Funktionäre in den Dörfern und kleinen Städten werden bei Nacht überfallen und sind vielfach ihres Lebens nicht sicher. Derweil deklamieren die Kommunisten von„Einheitsfront", während sie praktisch in Einheitsfront mit dem F a s ch i s- m u s dessen Mörder und Henkersknechte be- gnädigen! Gewiß hätte die Sozialdemokratie den in den Gefäng- nifsen fitzenden Parteigenossen und Reichsbannerkameraden, die wegen Schlägereien, meist nur in Abwehr faschistischer Angriffe, zu harten Strafen verurteilt worden sind, gern ge- Holsen. Sie hat dies auch durch einen Antrag versucht, der ausdrücklich die zum Schutze der Republik tätlich Gewordenen begnadigen wollte. Das wurde abgelehnt— auch von den Kommunisten! Aber die Begnadigung ihrer Anhänger dadurch zu erkaufen, daß sie dem Faschismus unbegrenzte Mord- und Messerfreiheit gewährte, dazu konnte die Sozialdemokratie ihre Hand nicht bieten. Sie konnte nicht um der Beseitigung einiger noch so ungerechter Urteils willen einer restlosen Vernichtung der Rechtssicher- h e i t zustimmen. Was nutzt es denn, wenn für zwanzig aus dem Gefängnis befreite Parteigenossen hundert andere straffrei ermordet oder entzweigeschlagen werden! Denn so sieht die von den Faschisten mit Hilfe der Kom- munisten geschaffene Rechtslage aus. Es kann zwar noch einen Strich durch die Rechnung geben, falls der Staatsrat gegen dies die Rechtssicherheit vernichtende Gesetz Einspruch erheben sollte. Aber dies würde keinesfalls der Absicht der Amnestieväter entsprechen. Angesichts einer so gewissenlos handelnden Parlaments- Mehrheit ist die Frage, ob wir noch in einem Rechtsstaat leben, schwerlich zu bejahen. Von Interesse ist allerdings die Frage, ob die Herren Juristen, die P r o f e s s o r e n und Doktoren aller Grade, die sich vor vier Jahren wegen ein paar harmloser Einzelbegnadigungen so über alle Maßen ent- rüsteten, jetzt ein Wort der Abwehr gegen die völlige Auflösung des Rechtes finden werden. Wir glauben es nicht. Als vor einer Woche die Nazis im Preu- ßischen Landtag den tollsten Rechtsunfug verübten, als der Nazi-Anwall Freister vom Landtag verlangte, daß er Der Aellestenral des Preußischen Landtags beschloß am Freitag. die nächste Sitzung des Landtags am ZKiltwcch, dem 15. 3 u n i, stalisinden zu lassen. Aus die Tagesordnung werden gesetzt die Anträge auf Aushebung der preußischen Notverordnung und der aalionalsoziallstische Amnestiegeseh- eniwurf. Ein deutschnalionaler Antrag, aus die Tagesordnung der nächsten Sitzung auch die Wahl des Ministerpräsidenten zu sehen, wurde gegen die Antragsteller und das Zentrum abgelehnt. Der Landtag wird voraussichtlich nur am 15. und tö. Zum tagen. 3m verlaus der Sitzung ersuchten Sozialdemokraten und Zentrum, in Anbetracht der hessenwahlcn von einer Tagung vor dem 21. 3uni abzusehen. Dem wurde jedoch nicht enlsprocheu. Abg. S t e g e r(Z.) erklärte es deshalb für einen Bruch allen früheren Herkommens, daß man aus die Wünsche zweier großer Fraktionen, zur Hessenwahl frei zu haben, keine Rücksicht genommen hätte. Auch der Briefwechsel zwischen dem Reichskanzler und dem Landtagspräsidenten sei ein Bruch mit allen früher sorgfältig beobachteten Formen. Gegenüber Bayern würde der Herr Reichskanzler wahrscheinlich anders verfahren sein. Abg. H e i I m a n n(Soz.) erklärte, in dem Schreiben des Land- togspräsidenten an den stellvertretenden Ministerpräsidenten Hirt- siefer die Bemerkung über den Ministerpräsidenten Braun völlig u n v e r st ä n d l i ch zu finden. Ministerpräsident Braun sei in Berlin und habe einen Urlaub als Abgeordneter weder erbeten noch angetreten. Offenbar sei der Präsident Kerrl durch die Lektüre von Zeitungen zu der irrigen Auffassung gekommen, daß der Ministerpräsident sich zum Zwecke der Erholung ins Ausland be- geben hätte. Präsident Kerrl erwiderte, er habe allerdings in der Presse aller Richtungen gelesen, daß der Ministerpräsident Braun einen Urlaub angetreten hätte und habe nicht gewußt, daß Braun in Berlin sei.. Abg. L e i n e r t(Soz.) wies den Präsidenten darauf hin, daß ein Beschluß des Landtags bestünde, wonach keine Stelle des Landtags das Recht habe, in direkten Verkehr mit der Reichs- regierung zu treten. Aller Berkehr mit der Reichsregierung habe nach diesem Beschluß über die preußische Regierung zu gehen/ Nach einer längeren Aussprache über die Grenzen der Pflichten der Minister in bezug aus ihr Erscheinen vor dem Landtag schloß Prä- s i d e n t Kerrl die Aeltest-nratssitzung mit der Bemerkung, daß er auch nach der Aussprache an dem von ihm eingenommenen Standpunkt in allen Punkten festhalten müsse, wozu Abg. K o e n e n (Komm.) bemerkte, er sei aber mit diesem Standpunkt bezüglich des Reichskanzlers v. Papen in der Minderheit. Der Aeltestenausjchuß wird sich bei Beginn des kurzen Tagungs- abschnitts vom 15 und lg. Juni nochmals darüber schlüssig werden, ob die Wohl des Ministerpräsidcnien am 22 Jum auf die Tages- ordnung zu setzen sei. Kerrl sür die Barone. Ein Brief an i>en steilvertreten en Ministerpräsidenten. Der preußische Landtagspräsident Kerrl hat die deutsche Par- lamentsgeschichte bereichert, indem er einen P r e s s e e m p s a n g ver- anstaltele, was bisher wohl noch kem deutscher Parlamenlspräsident gemacht hat. Am frühen Freitagnachmittag teilte Herr Kerrl, noch vor der Sitzung des Aeltejtenrates mit, daß er an den stellver- tretenden preußischen Minifterpasidenlen Hirtsiefep einen Brief ge- schrieben habe. DarinsekundiertHerrKerrldem Herrn o o it P a-p e n, indem er diesem das Recht zuspricht, sich direkt an den Landtag-präsideMen zu wenden, fzätte der Reichskanzler an die preußische Staatsregierung geschrieben, so sagt Herr Kerrl, so würde dieser nur geschästsführenden Regierung nichleinmaldasRecht zur U e b e r m i t t l u n g dieses Schreidens zuerkannt worden sein. Er aber, der Landtagspräsident, sei vollkommen berechtigt, einen solchen Kanzlerbries zu empfangen, denn die Mi- Nisterpräsidentenwahl sei ein Akt der Legislative, und diese vertrete er, der Landtagspräsident. Außerdem ersucht er Herrn Hirtsiefer, ihm doch den Ausenthalt des preußischen Ministerpräsi- dcnten anzugeben, da der Landtagspräsidsnl beabsichtige, den Dreierausschuß einzuberufen. Dieser Verkündung fügte Herr Kerrl dann hinzu, Otto Braun brauche als Landtagsabgeordneter zu einem längeren als achttätigen Urlaub die Genehmigung des Hauses. Herr Kerrl hätte es aber so leicht. Otto BraunsBerliner Wohnung anzurufen, die im Landtagsverzeichnis steht, um den Aufenthalt des Ministerpäsidenten zu erfahren, der in Berlin in seiner Wohnung ist! Die Absicht, der Razipresjehetze Stöfs zu gehen, war ganz offensichtlich. Der Landtagspräsident Kerrl hat sich in die Differenzen zwischen der preußischen Regierung und dem Kabinett der Barone über den Brief Popens an Kerrl eingemischt. Er hat die Partei der Barone genommen— selbstverständlich. Er hat staatsrechtliche Deduktionen verzapft, die von grandioser Unkenntnis der Verfassung zeugen, er hat sich gebärdet, als sei er der Souverän Preußens. Diese privaten Deduktionen sind ohne Gewicht. Wesent- lich ist folgendes: Herr Kerrl hat sie vor Journalisten gegeben, er hat dazu auch ausländische Journalisten geladen. Der Nationalsozialist Kerrl bemüht sich also, diese rein innerpolitische Streitfrage, seine unbegründeten Angriffe auf die verfassungsmäßige Regierung in Preußen vor dem Forum des Zluslandes vorzutragen. Man nennt das: national. Herr Kerrl hat dies von Herrn Hitler gelernt. Schmutzige Voltsverhetzung. Ein schamloser Antrag der Nazis.— Nach fünf Minuten zurückgezogen. Die nationalsozialistische Landtagsfraktion hat gestern im Landtag einen Antrag eingebracht, den wir wester unten im Wortlaut abdrucken. Der Antrag wurde gleichzeitig den Nachrichtenbüros übergeben. Nach kürze st er Zeit wurde er wieder zurückgezogen,- und die Nachrichten- büros wurden beschworen, ihn nicht zu verbreiten. Der An- trag hat folgenden Wortlaut: „Aus der Presse ist zu sehen, daß der geschäftsführende Minister- Präsident in Preußen, Herr Otto Braun, der sein Erscheinen vor dem Landtag abgelehnt hat, Preußen verlassen hat und auf unbestimmte Zeit mit unbekanntem Ziele abgefahren ist. Diese Flucht aus der Verantwortung hat schwerste Beunruhi- gung in weiten Kreisen der Bevölkerung erregt, zumal nach weiteren Pressemeldungen auch andere sozialdemokratische Mitglieder des Kabinetts ihren Wohnsitz in Berlin verlassen wollen. Der Landtag wolle daher beschließen: 1. Bis zur Klärung der Neubildung der Regierung und bis zur Untersuchung der Zustände der preußischen"Staatsverwaltung und der preußischen Finanzen wird den geschästsführenden Ministern des Kabinetts Braun das Perlasfen des Freistaates Preußen untersagt. 2. Sämtliche geschästsführenden Minister des Kabinetts Braun haben sich dem Landtag jederzeit zur Verantwortung zur Verfügung zu halten." Dieser Antrag ist das schmutzigste und gewissenloseste an Volksbetrug und Volksverhetzung, das jemals von den Nationalsozialisten geleistet worden ist! In der Tatsache, daß die Nationalsozialisten diesen Antrag nach fünf Minuten zurückgezogen haben, liegt das Eingeständnis, daß sie sich selb st seinerSchmutzigkeitund Verlogenheit bewußt sind. Im übrigen sind die Voraussetzungen, von denen er aus- geht, aufgelegter Schwindel. Otto Braun ist in Berlin und er wie alle Minister seines Kabinetts haben keinerlei Verantwortung für die preußische Staatsverwaltung und die preußischen Finanzen, die zu den geordnetsten im Reiche zählen, zu scheuen. Straffreiheit im voraus. Was Nazis und Kozis im Ausschuß des preußenlandiages befchZießen. 3m Rechtsausschuh des preußischen Landtags wurde am Freitag mit den Stimmen der Rechten und der Kommunisten ein Antrag auf Freilassung der Bombenleger um Claus heim angenommen. Ausgenommen von diesem Antrag ist der Lombenleger Volk, gegen dessen hast- enklassung die Kommunisten skimm'en. Außerdem kam in der Sitzung des Rechtsausschusses ein kom» muniftifcher Antrag auf Amnestiegewährung für olle Verbrechen und Vergehen aus Z 218 zur Verhandlung. Namens der Sozial- demokratie erklärte Frau Abg. Kröger, daß die Sozialdemo- kratie sich grundsätzlich für die Begnadigung der Frauen einsetze, die sich gegen den§ 218 vergangen haben, aber nicht für die ge- werbsmäßigen Kurpfuscher und Abtreiber, die der kommunistische Antrag mit umfasse. Die Sozialdemokratie hatte deshalb einen An- trag gestellt, die letzteren aus dem Amnestiegesetz herauszulassen. Dieser Antrag wurde jedoch abgelehnt, wodurch es der Sozial- demokratie unmöglich gemacht wurde, für das Gesetz zu stimmen. Es verfiel gegen die Stimmen der Antragsteller der Ablehnung. Es folgte die zweite Lesung des am Donnerstag beschlossenen Amnestiegcsehes. Namens der Regierung hob Hlinisterial- kurzerhand in eine schwebende Gerichtsverhandlung eingreifen sollte, als Herr K u b e neunzig Prozent aller Staatsanwälte mit dem Zuchthaus bedrohte, da blieb die ganze Juristen- welt still. Das angebliche„Paladium" der Unabhängigkeit der Rechtspflege findet keine Verteidiger mehr, seitdem es zum erstenmal in der Geschichte der Republik ernsthaft bedroht ist— allerdings von rechts her! Sollten die Herren, nach deren Ansicht die Strafjustiz zur„Dirne der Politik" ge- worden ist, inzwischen selber zu stummen Knechten d e r D i k t a t u r geworden sein?! dlreklor Huber noch einmal die schweren Bedenken hervor, die dagegen bestehen, die Amnestie auf alle Verbrechen bis zum Tag? des Znkrasltrelens zu erstrecken. Dadurch werde ein Freibrief auf künftige noch zu begehende verbrechen ausgestellt. Bis zum Tage des 3nkrasltrclens des Gesetzes werde jeder Volltikcr vogelfrei sein, denn der Täler werde damit rechnen können, daß seine Tat noch uniec das Amnestie- geieb ialle. Der Antrag des Zentrums, wenigstens die Verbrechen gegen das Leben von der Amnestie auszunehmen, wurde wiederum eingebracht und wiederum von der Koalition Äozi-Nazi mit Zuzug der Deutsch- nationalen abgelehnt. De? von der Sozialdemokratie gestellte Antrag auf Erlaß einer Amnestie für wirsschastliche Notdelikle, der am Donnerstag in der ersten Lesung angenommen worden war, verfiel In der zweiten Lesung der Ablehnung. Das Zentrum stimmte diesmal dagegen, angeblich Infolge eines Versehens. Der Antrag wird' im Plenum von neuem gestellt werden. Die Nationalsozialistische „Arbelterparlel" stimmte unentwegt gegen die Begnadigung armer Leute, die aus Not geringfügige Vergehen begangen haben. Das hielt jedoch die Kommunisten nicht ab, ihrerseits nach wie vor für die Begnadigung der nallonalsozialistischen Arbeitermörder zu stimmen. Das interessante Ergebnis dieser Gesetzemacherei ist jedenfalls, daß nun nicht mehr nur Amnestien für die Vergangen- heit, sondern auch schon Amnestien für die Zukunft, für noch zu be- gehende Straftaten geschasfen werden Das ist das Ende jeden Rechts. Draußen im Lande überfallen die Nazihorden Gewerk- schastshäuser, Parteilokale, Reichsbannerkameraden. Die Kommu- nisten schwätzen von Einheitssront, aber im Landtag bewilligen sie dem faschistischen Banditentum Strassreiheit im oorausl Aufruf an die Republikaner. Geqen die Mächte der Vergangenheit Das Kart«ll der RepudUkanilchen Berbänt»? Deutichlands erläßt folgenden Ausruf: Der Zl Juli ist ein Tchickjalsrag des deutschen Volkes! Die Mächte des wilhelminischen Deutschlands stehen auf. um ihre Macht Wiederzugewinnen und ihre einseitige Klassenherrschaft aufzurichten' Osteibische Junker, rheinisch-westsälische Großindustrielle uno kaster- liche Generale wollen ihre einseitige Diktatur über Sil Millionen Deutsche errichten. Sie kämpfen in Todfeindschast gegen Demokra» ti». Parlament und sozialen Volksstaat im Bunde mit den Wähler- Massen Öitlers, mit den Millionen betörter und entwurzelter Schichten. Wenn es diesen Mächten einer feudalen Vergangenheit und einer zerrütteten Gegenwart gelingen sollte, in Deutschland zu siegen, so ist die Zukunft des oeutschen Volkes bedroht und dos Schicksal der Republik besiegelt! Darum rusl das Kartell der Republikanischen Verbände den Republikanern Deutschlands in diesen Schicksalswgen zu: Sorgt da- für, daß der Wahltag ein Tag der Volkserhebung gegen den Macht- willen schwerinoustrieller und feudaler Reaktionäre wird! Kämpft für den Frieden der Welt! Setzt alle Leidenschaft in diesen schwersten aller Wahlkämpse ein, um den Parteien des freien republikanischen Deutschlands zum Siege zu verhelfen! Schlagt die Vertreter der„nationalen" Kon- gerne, der feudalen Klubs und des ftaatsfeinolichen Faschismus! Zentrumsarbeiter gegen E»A. Verstä' kung katholischer Schuh- und Abwehrorganisationen Essen, 10. Juni. Im Essener Saalbau fand am Freitag eine Dertretertagung der westdeutschen katholischen Arbeitervereine statt, in der der zweite Vorsitzende der Zentrumspartei, Reichslagsabge- ordneter Zoos, über die politische Lage sprach. Zoos gab der skeptischen Beurteilung der Regierung von Papen durch das Zen- trum Ausdruck. Zn der Versammlung wurde eine Entschließung angenommen, die an den Reichsinnenminister. Freiherrn von Gayl, und an den geschäftssührcnden preußischen Znnenminister S e v c- ring gesandt wurde. Zn dieser Entschließung heißt es u. a.: „Die Vertreter der katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands befürchten von der Aufhebung des SA.- und SS.- Verbotes Ausschreitungen im bevorstehenden Wahlkampf. Sie werden deshalb mit gleichgerichteten Volksver- bänden ihre Schuh- und Abwehrorganisationen verstärken. Sie erwarten von den Mnistern Sicherung der staatsbürgerlichen Freiheit und schärfste Verfolgung aller, die sich dagegen vergehen." Vreiischeid stellt Gtrafantrag. Wer zuleht lach', lacht am besten. Die„Berliner B ö r s e n z e i t u n g" hatte behauptet, der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraltion, Genosse Dr. Brenscheid, Hab« dem Berliner Vertreter der f r a n z ö s r» s ch e n chavas-Agentur.cheutschseindliche" Jnsormatio» neu gegeben. Bei dieser Lügenmeldung war das Blatt so.,opr- sichtig", den Namen Brenscheids nicht direkt zu nennen, sondern ihn nur— in allerdings unoerkennbarer Form— zu umschreiben. Aber auch in solchen Fällen gibt das Reichspressegesetz eine Möglichkeit zum berichtigen. Die„Berliner Börsenzeitung" hat auch unverzüglich eine preßgesetzliche Berichtigung des Genossen Dr Breitscheid gebracht, m der er feststellt, daß er seit Monaten weder mündlich noch schrifllich Verbindung mit dem Vertreter der chavas-Agentur gehabt hat. Jetzt schämt sich die„Berliner Börsenzeitung" nicht. Breitscheid zu verhöhnen, weil er sich getroffen gefühlt habe, obwohl er nicht genannt gewesen sei. Sie findet den Vorgang„amüsant". Wir finden ihn nur ekelerregend, well selten so üble Verleumdungssucht mit Feigheit gepaart war. Die„Börsenzeitung" scheint sich für besonders schlau zu halten und vor dem Strafrichter sicher zu fühlen. Diesmal wird sich der Mangel an Gesetzeskenntnis aber rächen. Wegen der in den Behauptungen der„Berliner Bärsenzeitung" enthaltenen üblen Nachrede hat der Genosse Dr. Breitscheid gegen den verantwortlichen Redakteur des Blattes Strafantrag gestellt. Lügen über Weiß. Wie der regierungsosfiziöse.Angriff" beht. Das Parteiorgan der NSDAP., der„Angriff", bringt in Fort- setzung seiner verschiedenen ha'tlosen Angriffe gegen den Berliner Polizeioizepräsidentcn Dr. Weiß in einer Aucgat« vom Freitag, dem 10. Juni, einen Artikel in besonders sensationeller Aufmachung mit der Ueberschrist:„Dr. Bernhard Weiß will sich in Sicherheit bringen." Hierin wird behauptet, Dr. Weiß habe sich„um oen Posten eines Senatepräftdenten am Kammergericht beworben" Da aber der Kammergerichtepräsident Dr. Tigges heftig abgewinkt und den ihm zugedachten Zuwachs als unerwünscht bezeichnet habe, be- mühe sich Dr. Weiß nunmehr darum, lsenatspräsident beim Ober- Verwaltungsgericht zu werden. Diese Behauptungen sind, wie amtlich festgestellt wird, durch. weg und in jeder Hinsicht frei erfunden. Wenn die Nazis glauben, mit solchen Lügen Weiß fortekeln zu können, so irren sie sich gewaltig! Er wird, sehr zu ihrem Schmerz, ausdemPostenblelbenl Naihenau-Gedenkfeier. Am'lO. Jahrestag der Ermordung. Der Deutsche Republikanische Reichsbund und das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstalten anläßlich der 10. Wiederkehr des Todestages von Walter Rathenau im Plenarsizungsfaal des Reichstages am Freitag, dem 24. Juni d. I., abends 8 Uhr, eine würdige Gedenkfeier. Eintritt frei! Eintrittskarten sind zu beziehen durch die Ge- fchäftsstelle des Deutschen Revublikan'schen Reichsbundes, Berlin NW. 40, Kronprinzenuser IS. Fernsprecher A 2 Flora 5600. Die ennlisch-irischen Verhandlungen zwischen Macdonald und de Va'era sind nach zehnstündiger Dauer völlig ergebnislos abgebrochen und aus unbestimmte Zeit vertagt worden. Der irische Ministervrästdent hatte sich geweigert, in der Frage der Slb- schaffung des Treueides irgendwelche Konzessionen zu machen. Er ist noch am Nachm'ttag nach Dublin zurückgereist und wurde bei seiner Abfahrt, ebenso wie am Vormittag bei seiner Antunst, von in London anwesenden Iren stürmisch gefriert. Grundsätzliche Erklärung von Gayl:»Ich verbitte mir jeden Zweifel an meiner in die Hand des Herrn Reichspräsidenten gelobten Verfassungstreue und meiner angeborenen und selbsterworbenen monarchistischen Gesinnung." „?ani Nazi" in Preußen. Llngeheuerliche Lügen der Dsteichsleitung der AGNAP.— Gie verleugnet gewählte nationalsozialistische Landiagsabgeordnete! Die berüchtigte Methode des Braunen Hauses, unbequeme Wahrheiten glatt als Lüqen zu bezeichnen, hat zu einem furcht- baren Reinfall der Reichsleitung der NSDAP, geführt, der die verlogenen Methoden des Braunen Hauses totschlägt. In Nummer 244 veröffentlichten wir die folgende Notiz: JPam Nazi" in Preußen. Auch hier wird„aufgenordet". Angeregt durch das Beispiel der„Arbeiter-Zeitung", die die Wiener Kandidatenliste der Nazis unter die Lupe genommen hat. sendet uns ein Freund unseres Blattes einen Auszug aus der nationalsozialistischen Kandidatenliste zu den preußischen Landtags- wählen. Bei den folgenden Herren ist die Zugehörigkeit zur nordisch- germanischen Edelrasse schon aus ihren Namen ersichtlich: Adamczyk. Adameck, Czarnowski, Czimick, Gregorzdc, Jobski, Kilinski, Krawielitzki, Krzizek, Krzizok, KalisA, Mogunia, Opalka, Paltinat, Poladc, Potts ck, Potesta, Quelle, Rebitzki, Respondek, Robra, Rogansdx, Russek, Satzki, Slawik, Soika, Sossna, Trzeciak, Wockatz. Woyrtdu Diese Herren haben alle für die Partei kandidiert, die für germanisch« Rassenkultur schwärmt und die Aufnordung des deutschen Volkes betreibt. Die NSDAP, hat diese Feststellung zunächst hingenom- men. Gestern lasen wir nun im„Angriff" Nr. 120 den fol- genden schamlosen Ableugnungsversuch der Reichsleitung der NSDAP.: Sie lügen, sie lügen? Der„Vorwärts" veröffentlichte in seiner Ausgabe Nr. 244 eine Notiz„Panje Nazi in Preußen", worin er unwahr« Behaup- tungen über die Kandidatenliste der NSDAP, zum Preußischen Landtag ausstellte. Dazu stellt die Reichsleitung der Nationalsozia- listischen Deutschen Arbeiterpartei fest: C s ist unwahr, daß das verösfentlichte Namensverzeichnis der Kandidatenliste der NSDAR. zum Preußischen Landtag ent- nommen ist. Wahr ist, daß die Namen Adameck, Czarnowski. Czimick, Gregorz k. Jobski, Kilinski, Krzizek. Krzizok, Kalisch, Mogunia, Opalka, Paltinat, Polack, Pottack, Potesta, Ouella, Rebitzki, Respondek, Robra, Rogansch. Rusiek. Satzki, Soika, Sossna, Wockatz in keiner Liste der NSDAP, stehen und Träger dieser Namen von der NSDAP, zum Preußischen Landtag nicht auf- gestellt worden sind." Dazu haben wir folgendes zu erklären: Erstens: unstre Liste stemmt aus Iwni Ver-stcbnis der amtlich für die Landtagswahlen zugelassenen Kreis- und Landeswahlvorscbläge sowie der zugelassenen Berbindungs- und Anschlußerklärungen. Die Träaer dieser Namen stehen in den Listen der NSDAP, und haben zum Landlag kandidiert! Zweitens: nicht abgeleugnet aus unserer Liste sind die Nazikandidaten: Adamczik. Krawielitzki. Slawik, Trzeciak. Wonrsch. Davon sind Adamczik, Slawik und Woyrsch in den Land- tag gewäblt. Drittens: wir stehen nun die Kandidaien der Natio- nalsozialisten zum Preußischen Landtag vor, deren sich die Reichsleitung der NSDAP, offenbarschämt, weil sie sie nicht mebr kennen will: A d a m e k, Josef. Bochum. Wahlkreise 18, 25 Stelle auf der Liste: Czarnowski. Bruno. Hall«, Wk. 11, 7? Stelle; Czir- n i o k. Hermann, Stettin. Wk. 6. 2. Stelle, gewählt! Gregoczek, .�äuer, Hinbenburg, Wk. 9. 16. Stelle: Jobski. Karl, Rügen, Wk. 6. 14. Stelle; Kilinski. August Köln. Wk. 2V. 10. Stelle; Krzizok. Emanuel, Berlin, Wk. 2. 27. Stelle; K u l i s ch, Gustav. Breslau, Wk. 7, 5. Stelle, gewählt! M a g u n i a. Waldemar, Königsberg, Wk 1 2. Stelle, aewöbtt! Opalka, Eduard. Na- repthen. Wk. 1. 4. Stelle, gewäbtt! Paltinat, Hermann. Wk. 1, 10. Stelle, oewähll! Polack, Siegfried, Kottbus. Wk. 5, 17. Stelle; P o t t a g, Bruno, Sagan Wk. 8, 15. Stelle; Potesta, Fried- rich, Emmen. Wk. 16. 20. Stelle: Quells, Alfons. Duisburg, Wk. 22, 9. Stelle: Rebitzki. Helmut, Breslau. Wk. 7. 17. Stelle: Respondek, Alfred, Luckau, Wk. 5, 24. Stell«; Robra, Ernst, Molmeck, Wk. 11, 16. Stelle; R og au sch, Friedrich, Neustettin, Wk. 6. 2V. Stelle, Russek. Emil, Miechowitz, Wk. 9, 8. Stell«; Satzki. Robert, Ratibor, Wk. 9. 22. Stelle; Soika, Anton. Zulkowitz, Wk. 9, 25. Stelle; Sossna, Emil, Neiße, Wk. 9, 12. Stelle.; W o k a tz, Reichenbach, Wk. 8, 11. Stelle. Vierlens— und das beste komml zulekzl!— unter den Abgeleugneten befinden sich fünf gewählte nationalsozia- listische Landtagsabgeordnele! Die Naziabgeordneten Ezirniok.Kulisch, Ma- gunia, Opalka und Paltinat werden von der Reüizs- lestung der NSDAP, glatt verleugnet! Schämt mau sich ihrer. oder kennt die Reichöleitung der NSDAP, ihre eigenen Leute nicht? Es muß doch ein erhebendes Gefühl fein für die Abgeord» neten und Kandidaten der NSDAP., so kaltschnäuzig vom Braunen Hause beiseite geschoben zu werden, weil ihre Namen dem Rasseschwindel der NSDAP, ins Gesicht schlagen. W i r haben diese Liste nicht verösfentlidzt, weil wir die Träger dieser Namen für schlechtere Menschen oder schlechtere Deutsche hielten als die Träger eines sogenannten rein ger- manischen Namens. Wir wölken den Schwindel der Nazi- agitation treffen— und siehe da, wir haben ganz unbeabsich- tigt zugleich die abgrundtiefe Verlogenheit der Reichsleitung der NSDAP enthüllt! Die Leser des„Angriff" können die Namen der so abge- leugneten Naziabgeordneten in Fettdruck in Nr. 117 des„An- griff" vom 2ö. April 1932 nachlesen, wo sie als gewählt den Lesern vorgestellt werden. S o lügen sie! So kann nur lügen, wer vom moralischen Irresein ergriffen ist!____ Tardieu-Gruppe spaltet fich. Paris, 10. Ittni. Die sogenannte linksrepublikanische Partei, die bisher unter Führung T a r d i e u s das Kernstück der früheren Rechtsmehrheit bildete, hat sich gespalten. Nur eine Minderheit von etwa zwei Dutzend Abgeordneten billigte das scharfe Auftreten Tardieus gegen Herriot und feine Stimmabgabe gegen die neue Regierung, während etwa drei Dutzend Abgeordnete sich unter Führung der früheren Mi- nister Flandin und Pietri, die sich der Stimme enthalten hatten, selbständig gemacht haben. Die beiden Fraktionsflügel haben am Freitag bereits getrennt getagt. Es scheint, daß die Mehrheit der diktatorischen Führung durch Tardieu und seiner Unversöhnlich- lest müde ist und Anschluß an die neue Linksmehrheit suchen will. Wir erhasten folgende Berichtigung zu der Meldung„Wann hört das auf? SA.-Generalappell in der Grenzmark."(Nr. 162 des„Vorwärts" vom 7. April 1932) unter Berufung auf§ 11 des Pressegesetzes: Unwahr ist, daß in Prützenwalde ein regelrechter Gencralappell der gesamten nordgrenzmärkischen SA. stattgefunden hat. Wahr ist, daß auf dem Gut Prützenwalde, auf dem der SA.-Führer Marx bei Verwandten wohnt, eine Mitgliederzusammenkunft der im Kreise Schlochau liegenden SA.-Abteilungen stattgefunden hat. Un- wahr ist, daß die Mannschaften auf Lastautomobilen herangescyasft wurden. Wahr ist, daß wegen der bestehenden Vorschriften Last» wagen überhaupt nicht benutzt worden sind Unwahr ist. daß die Trupps in bekannter Weife ausgerüstet waren und das Gut durch regelrechte Posten gesichert wurde. Wahr ist. daß die SA.-Mitglieder normale Sportkleidung trugen, in keiner Weise ausgerüstet waren und daß Posten nicht gestellt worden sind Unwahr ist, haß bis in das nahegelegene Dorf Trommelwirbel und Kommar.dorufe bis in die späte Nacht zu hören waren. Wahr ist. daß Trommelwirbel überhaupt nicht geschlagen wurden. Unwahr ist. daß die Zusammen- ziehung einen Generalappell für den„Ernstfall" bedeutete. Wahr ist. daß es sich bei dieser Mitgliederzusammenkunft um Prüfung der politischen und sportlichen Schulung handelte. Unwahr ist, daß das Treiben der Nazihorden im Grenzgebiet täglich unerträglicher wird. Wahr ist, daß die SA. im Grenzgebiet ihren politischen Kampf aus dem Boden der Gesetze und ohne jede Gewalttat von sich aus führt. gez. K a s ch e. M. d. R. Schluß mit den Reparationen! Forderung des Internationalen Gewerkschastsbundes. Der Vorstand des Internationalen Gewerkschafts- b u n d e s nahm in seiner gestrigen Sitzung zunächst einstimmig die Entschließung über das Reparationsproblem an, in der es heißt: „Die— unter Außerachtlassung der vom Internationalen Ge- werkschastsbund schon vor mehr als 10 Jahren aufgestellten Forde- rungen— unternommenen Lösungsoersuchc der kapitalistischen Regierungen haben keine Resultate gezeitigt. Das Hoover- Feierjahr war eine Vertagung, aber keine L ö s u n g I Die Sachverständigen haben einmütig erklärt, daß Deutschland nicht mehr zahlungsfähig ist. Der Internationale Gewerkschaftsbund muß aber daran er- inner», daß er neben der auf die Streichung der Kriegs- schulden gerichteten Forderung immer betont hat, daß Deutschland ausschließlich zur Wiedergutmachung der in den zer- störten Gebieten verursachten Kriegsschäden verpflichtet ist: er bestätigt diesen Standpunkt. Der Internationale Gcwcrk- schastsbund hatte bereits in seinem Memorandum an die 4. Völkerbundsversammlung 1923 die Einsetzung eines neutralen Schiedsgerichts verlangt, dessen Autorität die immer noch bestehenden Streitfragen schon damals schlichten sollte. Die Widersprüche in der Bewertung der von Deutschland für die Wiedergutmachung geleisteten Zahlungen haben eine definitive Regelung der Frage erschwert und dadurch die Spannung zwischen den Völkern erhöht, statt daß ihre gegenseitigen Beziehungen in beiderseitigem Interesse der endlichen Befriedung Europas dienstbar gemacht wurden. Die Welt steht heute vor der nicht mehr ausschiebbaren Pslichi, das Reparalions- und Kriegsschuldenproblem endgültig zu lösen. um diese unheilvolle Quelle politischer Gefahren und wirtschaftlicher Katastrophen zu beseitigen. Die Konferenz von Lausanne darf deshalb weder ver- tagt werden, noch darf sie die Lösung der Probleme hinauszögern. Eine weitere Zuspitzung der Lage müßte die Folge der Verzögerung sein. Der Internationale Gewerkschaftsbund vertritt die Auffassung, daß es im Interesse des wirtschaftlichen wie politischen Friedens nur eine vernünftige Lösung gibt: Unter das Reparationsproblem muß der Schlußstrich geseht werden! Wenn jedoch die politischen Verhältnisse diese Endregelung ohne neue Verzögerungen nicht gestatten, so muß die Lausanner Konferenz wenigstens zu einem allgemeinen Moratorium von mindestens 19 Jahren gelangen, das die Möglichkeit schafft, die internationale Solidarität der Völker wiederherzustellen und an Stelle des Wirtschaftskrieges die Zusammenarbeit zu setzen, die allein den gemeinsamen Wiederausbau der Weltwirtschaft ermöglichen kann. Die Entschließung erinnert sodann an die Beschlüsse des Völker bundsrats und der Internationalen Arbeitskonferenz zu dieser Frage und verlangt zum Schluß„praktische Lösungen, die die Wiederankurbelung der Wirtschast aus der Grundlage gemeinschaftlicher Pläne ermöglichen", sowie daß„die Stimnie der Arbeiterschaft auf den Konferenzen, die mit der Lösung der bezeich- neten Probleme beauftragt sind, gehört wird". * Der Vorstand setzte darauf die Beratung des Entwurfs über das sozialpolitische Programm fort und beschlaß, es dem Sekretariat zur Umarbeitung zu überweisen. Die endgültige Redi- gierung wird der nächsten Vorstandssitzung zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Nach eingehender Prüfung der Tesamtlage wurde beschlossen, die Delegation nach dem Fernen Osten, an der der Vorsi�ende C i t r i n e und der Generalsekretär Schevenels teil- nehmen sollen, auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen. Be- stimmend für diesen Beschluß waren die bevorstehenden wichtigen internationalen Entscheidungen, die eine mehrmonatige Abwesenheit der führenden Persönlichkeiten des IGB. nicht gestatten, ferner die gespannte politische Lage im Fernen Osten selbst, die die Einberufung von Konferenzen zum mindesten erschweren würde. Entsprechend den Beschlüssen des Ausschusses auf seiner Berner Tagung beschloß der Vorstand, das Antikriegskomitee ein- zu berufen. Dazu werden geladen die Berufssekretariate der Transportarbeiter, der Bergarbeiter, der Metallarbeiter, der Fabrik- arbeiter und der öffentlichen Dienste. Ferner wird der General- sekretär des IGB. an den Beratungen teilnehmen. Der Antrag der Beamteninternationale auf for- melle Anerkennung durch den IGB. wurde ein ft immig ge- n e h m i g t. Die nächste Sitzung findet am 15. und 16. September statt. Sorgen der Bauarbeiter. ltm den Tariflohn.— Arbeitslose in die Gewerkschaft. Der Vorstand und der Beirat des Deutschen Bau- gewerksbundes nahmen dieser Tage in Berlin zum A b- schluß der Lohnbewegung des Baugewerbes Stellung. Der Bundesvorsitzende Bernhard nahm zu Beginn seines Berichtes über die Lohnbewegung und die Lage der Bauarbeiter auch mit einem Wort zu dem Anti-Sozialkurs derRegierung Pape n— Schleicher Stellung. Ein« Besserung der Wirtschasts- löge, besonders der im Baugewerbe, sei von dieser Regierung nicht zu erhoffen. Nach allem, was bis fetzt über die Pläne der neuen Regierung verlaute, die vor allem den„Wohlfahrtsstaat" abbrechen wolle, müßten sich die Bauarbeiter darauf gesaht machen, daß ihr schweres Los sich nur noch mehr verschlimmere. Die Lohnbewegung im Baugewerbe, betonte Bernhard, bat für die Tarifparteien nun einen gewissen Abschluß gefunden. Ii tzt kommt es darauf an, die A l l g e m e i n v e r b i n d l i ch k e i t für die Tariflöhne zu erreichen. Sie abzulehnen, liegt nach dem katastrophalen Abbau des Lohns wirklich kein Grund mehr vor. Auch die Außenseiter müssen wieder, wie das früher der Fall war, den tarislichen Bestimmungen unterstellt werden. Trotz der äußerst schwierigen Lage hat der Baugewerksbund nicht unerhebliche Summen an Streikunter st ützung gezahlt, weil viele Unternehmer sich sogar weigerten, die stark gesenkten Tariflöhne der Schiedssprüche anzuerkennen. Ueber die angeblich „unter Führung der NGO." durchgeführten Kämpfe während der Lohnbewegung hat der Vorstand des Bundes Erhebungen angestellt. Sie ergaben— wie es nicht anders zu erwarten war— daß die von der REO. angegebenen Ziffern über angeblich ausgezahlte Streik- Unterstützungen purer Schwindel sind. Ihre Streik- Unterstützung bestand in einigen Lebensmitteln und in der bettel- mäßigen Unterstützung von Streikenden aus Gulaschkanonen. N i r- gends hat die R G O. einen Erfolg erzielt. Ihr Ein- fluß bei den Bauarbeitern ist gleich Null. Die Finanzen des Bundes sind, wie Bernhard weiter mit- teilt, erklärlicherweise stark angespannt. Trotzdem sind sie g e s u.n d. In der Frage der Arbeitsbeschaffung war der Bund uner- müdlich tätig, und für die nächste Zeit hat er in seinem Kamps um die Beschafsting von Arbeit fiir die Bauarbeiter neue Schritte vor- bereitet. Um künftig auch Arbeitslose organisieren und be- treuen zu können, empfahl Bernhard, den unorganisierten Arbeits- losen die Möglichkeit zu geben, auch als Arbeitslose die Mit- gliedschast des Baugewerksbundes zu erwerben. Das fei schon im Hinblick auf die große Zahl baugewerblicher Arbeitsloser notwendig. Die unorganisierten Arbeitslosen müßten in die Gewerkschaften ein- gegliedert werden, damit sie sich für die gewerkschaftlichen Aufgaben interessieren und an dem Verbands- und Versammlungsleben teil- nehmen. In Uebereinstimmung mik diesen Anregungen beschloß der Beirat einmütig, Arbeitslosen und Arbeitern, die bei Pf lichtarbeit, im freiwilligen Arbeitsdienst oder sonst irgendwie in einem nicht regulären Arbeitsver- h ä l t n i s tätig find, die Möglichkeit zum Erwerb einer Jnterimsmitglieds�aft im Bunde zu geben, die später beim Eintritt in ein reguläres Arbeitsverhältnis in eine ordentliche Bundesmitgliedschaft umgewandelt wird. Zum freiwilligen Arbeitsdienst nahm der Bgirat von neuem Stellung, und zwar mit folgendem Ergebnis: Die Ver- suche, die für den freiwilligen Arbeitsdienst vorgeschriebene Z u- s ä tz l i ch k e i t zu mißachten, werden immer häufiger. Immer wieder und fast überall wird versucht, auch regelrechte Hoch- und Tiefbauarbeiten im freiwilligen Arbeitsdienst herzu- stellen und so den Bauarbeitern das ohnehin arg beschnittene Stückchen Brot zu nehmen. Immer wieder muß auf die U n w i r t- s ch a f t l i ch k e i t des Arbeitsdienstes hingewiesen werden. Ebenso ist festzustellen, daß die giwße Mehrheit der Arbeiterschaft den frei- willigen Arbeitsdienst ablehnt. Wenn zur Zeit Organisationen, die den Bauarbeitern nahestehen, f ü r den freiwilligen Arbeits- dienst Propaganda machen, so besteht für die Bauarbeiterorgani- sationen keinerlei Anlaß, ihre bisherige grundsätzliche Ablehnung aufzugeben. . Em Fehlspruch. 'Zum Streik in den Badeapparatefabriken. Im Streik der Klempner in den Badeapparatefabriken hat der Schlichtungsausfchuß jetzt einen Schiedsspruch gefällt. Die Badeapparateklempner hatten bisher einen Stundenlohn von 1.35 M., genau wie die Rohrleger in der Zentralheizungsindustrie. Der Schiedsspruch setzt diesen Stundenlohn mit einem Federstrich um 21� Prozent auf 1,06 M. herab. Die Akkordbasis, die bis jetzt immer genau so hoch wie der Stundenlohn war, soll bis zum 31. August um 14 Prozent gesenkt und dann wieder mit dem Stun- denlohn gleichgesetzt, also insgesamt um ebenfalls 21� Prozent auf 1,06 M. gesenkt werden. Für Arbeiten, die nicht im Akkord be- rechnet werden können, soll wie bisher ein Zuschlag von 10 Pf. je Stunde, mithin ein Stundenlohn von 1,16 M. gezahlt werden. Die Tatsache, daß für die Rohrleger in den Betrieben der Zentralheizungsindustrie vor kurzem ein Tarifstundenlohn von 1,16 Mark in freier Vereinbarung festgelegt wurde, der bis Ende März 1933 gilt und daß die Badeapparateklempner immer den gleichen Lohn wie die berufsoerwandten Rohrleger hatten, ist für Herrn Körner offenbar nebensächlich. Die bisher stets üb- lich« Aufnahme der Bestimmung, daß keine Maßregelupgen vorgenommen werden dürfen und der Streik nicht als Unter- b r e ch u n g des Arbeitsverhältnisses gilt, fehlt in dem Schieds- fpnich merkwürdigerweise ebenfalls. Die Badeapparatefabrikanten sollen aber nicht nur Gelegenheit erhalten, ihre Betriebe von den sogenannten mißliebigen Arbeitern zu säubern, sondern im Herbst schon wieder neue Abbauforderungen anmelden können, denn der Lohntaris foll nur bis zum 30. September gelten. Den gleichfalls von den Unternehmern gekündigten M a n t e l t a r i f hat der Schlichtungsausfchuß gnädigst bis zum 31. März 1933 un- verändert verlängert. Die fast restlos organisierten Badeapparateklempner haben gestern in einer Streikversammlung, die von allen Streikenden mit Ausnahme der Streitposten besucht war, den Schiedsspruch nach kurzer Debatte in geheimer Abstimmung ein st immig abgelehnt. Der Streik geht also unvermindert weiter: sein Mindestziel ist die Anerkennung der Vereinbaning, die für die Zentralheizungsindustrie getroffen worden ist. Bolschewiftische Logik. Für, weil gegen- gegen, weil für. „Nach den bisher unwidersprochen gebliebenen Mitteilungen bürgerlicher Blätter soll die Verbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen entweder ganz aufgehoben oder doch stark be- schränkt werden. Auch das ist eine Forderung der Nazis, die jetzt von der Papen-Regierung durchgeüihrt werden soll.. Es zeigt sich immer mehr, daß die Bourgeoisie jetzt einen Haupt- stoß gegen die gewerkschaftlichen Rechte des deut- schen Proletariats unternimmt... Die gewerkschaftlich organi- sierten Arbeiter müssen jetzt in allen Betrieben und Ortsgruppen Mitgliederversammlungen verlangen, sie müssen dafür kämp- f e n, daß die örtlichen Organisationen, die Zahlstellen und Be- triebsgruppen der Gewerkschaften eingesetzt werden gegen die Anschläge der Papen-Diktatur." Man reibt sich die Augen, liest diese Sätze noch einmal und kommt aus der Verwunderung nicht heraus, sie nicht etwa in irgend- einem„reformistischen" Gewerkschaftsblatt, fondern— in der „Roten Fahne" gedruckt zu sehen. Die„Rote Fahne" ruft zum Kampf gegen die Papen-Regierung aus, weil sie iml der tollsten Blüte des„Schlichtungsschwindels", der„streitäbwürgenden" Ver- bindlichkeitserklärung ausräumen will? Jahrelang ist das Schlichtungswesen von den Kommunisten be- rannt worden und nun, da die Regierung der Nazibarone die Koni- munisten an das Ziel ihrer scheinbaren Sehnsucht führen will, wollen sie das Himmelsgeschsnk auf einmal nicht! Sollte man etwa doch in letzter Stunde zu der Erkenntnis gekommen sein, daß das Sölzlichtungswesen, wenn es zur Zeit auch mißbraucht wird, eine Errungenschaft ist, die für viele Arbeiterkategorien schon' außerordentlich nützlich war und daß von dem Bestehen des Schlich- tungswesens auch das gesamte Tarifvertragswesen stark abhängig ist? Aber nein, der kommunistische Artikelschreiber kommt zu folgen- dem„logischen" Schluß: „Jetzt gilt es, für folgende �F o r d e r u n g c n zu kämpsen: Keine Teilnahme mehr an den Schlichterkammern, sondern direkte Verhandlungen zwischen von den Arbeitern selbst gewählten Taris- kommissionen und Unternehmern. Kollektive Arbeitsverträge, die von den selbstgewählten Tarifkommissionen abgeschlossen werden." Also ohne gewerkschaftliche Rückendeckung mit dem Unternehmer verhandeln, von ihm verlangen, Verträge mit Partnern abzuschließen, die niemand verantwortlich sind, das hält man im Augenblick in der KPD. für die„wichtigste Auf- gäbe" der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft. Kampf f ü r und gegen das Schlichtungswesen, Kampf f ü r und gegen den Tarifvertrag. Das ist bolschewistische Logik, mit der der gesunde Menschenverstand freilich nicht mitkann. Erfolg des ZdA. bei der„Sikioria". Kreigewerkschastliche Mehrheit. »In der vor einiger Zeit neugegründeten Aufwertungsabteilung der Versicherungsgesellschaft„Viktoria" fand am Freitag die Wahl eines Betriebsrats statt. Trotz der wüsten Hetze der Nazis und des sogenannten„Hausvereine" gegen die frei- gewerkschaftlichen Kandidaten konnte der Zcntralverband der An- gestellten einen schönen Wahlerfolg erzielen. Bon den ins- gesamt 292 abgegebenen Stimmen erhielt die Liste des ZdA. 158 Stimmen, also mehr als die Hälfte: für die Liste der Nazis wurden 64 Stimmen abgegeben, für die des„Hausvereins" 52 Stimmen und für die Liste des Deutschnationalen Handlungs- gehilfenverbandes(DHV.) 18 Stimmen. Bon den sieben Betriebs- röten sind demnach vier ZdA.-Mitglieder, zwei Nazis und ein Hausvereinsbruder. Die Deutschnationalen erhielten im Betriebs- rat überhaupt kein Mandat. Sie sind von den Nazis ganz auf- gefressen worden. Die Angestellten der Aufwertungzstelle der „Viktoria" haben durch diese Abstimmung jedenfalls klar zu er- kennen gegeben, daß sie den freigewerkfchaftlichen ZdA. als den besten Verfechter ihrer Interessen ansehen. Ein RGO.-Betriebsrat. Bei Anton& Alfred Lehmann, Riederschoneweide. In diesem Betriebe werden unter normalen Verhältnissen etwa 600 Arbeiter beschäftigt. Bei der Betriebsratswahl im vorigen Jahre gelang es der NGO., die Mehrheit zu„erobern". Sie besetzte den Vorsitz im Betriebs- und Arbeiterrat. Als erste revo- lutionäre Tat erkämpfte sich Fräulein S. das Recht von der Di- rcktion, aus der Angestelltcnkllche billiges Mittagessen zu bekommen. Als die Direktion die Akkordlohnsätze in der S tr i ck e r e i herabsetzte und dies durch Anschlag bekannt gab, rührte sich nichts bei den Revolutionären, obwohl nach dem Mantel- tarif Akkordlohnsätze nur unter Mitwirkung der gesetz- lichen Arbeitervertretung geändert werden können. Schließlich stinimten auch die„Revolutionäre" einem Antrag„der reformistischen Arbeiteroerräter" zu, das Arbeitsgericht zur Zurücknahme des Anschlags in der Strickerei anzurufen. Sie führten diesen einstimmig gefaßten Beschluß jedoch nicht aus, nachdem sie von der RGO.-Zentrale die Parole bekommen hatten, die Stricke- rinnen sollen st r e i t e n. Die Belegschaft forderte nunmehr in einer Versammlung die RGO.-„Führer" einstimmig auf, ihre Mandate niederzu- legen, wegen ihrer Unfähigkeit, die Interessen der Beleg- schaft zu vertreten. Allein die„Revolutionäre" klebten an ihren Aemlern, weshalb die Belegschaft sich gezwungen sah, beim Arbeits- gericht die Amtsentlassung des Arbeiterrats zu beantragen. Das Arbeitsgericht stellte fest, daß die Vorsitzende dieser Arbeitervertretung von den Aufgaben einer solchen nicht die geringste Ahnung habe. Sie hat schriftlichen Anträgen von mehr als einem Viertel der Mitglieder des Arbeiterrats auf Anberaumung einer Sitzung nicht stattgegeben: sie hat keinen Schrift- führer wählen und über keine Sitzung ein Protokoll aufnehmen lassen. Sie s ei unfähig, die ihr durch das Betriebsrätegefeg gegebenen Aufgaben zu erfüllen. Die Mitglieder des Arbeiterrats wurden ihrer Aemter enthoben. Gegen dieses vernichtende Urteil erhoben die„Revolutionäre" Beschwerde beim Landesarbeitsgericht. Lediglich eines formalen Verstoßes halber wurde die Entscheidung des Arbeits- gerichts aufgehoben. Die Notverordnung verhindert eine Neuwahl, so daß die NGO.-Vertretung weiterhin Gelegenheit hat, der Belegschaft ihre Unfähigkeit zu demonstrieren. Die Belegschaft, der sie ohnedies hinreichend bekannt ist, wird den Weg zur freigewerk- schaftlichen Organisation zurückfinden, und so wird die RGO.-Episode im Betriebe nicht ohne Erfolg bleiben. �reie Gewerkschafis-Iuaend Berlin Heute, Sonnabend. 11. Juni, finden folgende Veranstaltungen sta�t: Äordostkreis: Auf zur Wochenendzeltfahrt in die Dubrow.— Jugend- gruppe des Gesamtverbandes: Wochenendfahrt: Uetzdorf— Liepnitz- fee— Bogensee. Treffpunkt 18H Uhr Stettiner Vorortbahnhof.— Jugend- fltuppc des Deutschen Baugewerksbundes, Maurer, Spandan: Bauabend im Jugendheim Lindenufer.— Morgen, Sonntag: Südkreis: Erwerbslosenzeltfahrt nach Meißnershof. Vom 12. bis 19. Juni 1932. Iuaendaruppe ves Zentralverbandes der Anaesiellten Unser Singetreis iibt heute von 20 bis 22 Uhr im Jugendheim Til- fiter Str. t.— Spiel» im Freien: Heute ob 18 Uhr auf dem Sport- platz Humboldthain. Verantwortlich fiir Politik: Victor Schill; Kirtlchotl: S.«Iingelhöler; Scwcrkschaltsdewegung: 3. Steiper; Feuilleton: Dr. 3ohn Schilowski; Lokale» und sonstiges: Fr, tz»arstödt, Anzeigen: Th.©lotft; sämtlich in Berlin Verlag: Vorwärts. Verlag 41. Juni 1932 Zum T al der Löcknitz. Eine der lieblichsten Landschaften in der nächsten Nähe Berlins wird durch die muntere Locknitz gebildet. die ihre Wasser zum Teil aus den Seen bei Buckow in der Märkischen Schweiz empfängt In früheren Zeiten muß eine zusammenhängende Seenkette bestanden haben, die vom Schermützelsee bei Buckow über das Rote Luch, den Liebenberger und Bauernsee, den Möllen-, Peetz- und Werlsee zum Dämeritzsee führte Ab- seits dieser Seenkette und doch m Verbindung mit ihr hat sich die Läck- nitz ihren Weg gesucht, der durch Wald und Wiesen führt, Zum Besuch dieses Flußkleinods fahren wir nach Erkner. Hier gehen wir in südlicher Richtung unter der Bahnüberführung hindurch Nach etwa 1 Kilometer erreichen wir die links abbiegende Chaussee nach W e r l s e e. Nach' wenigen Minuten stehen wir aus der Löcknitzbrücke, die heute noch die Greilze zwischen dem Wald und dem weitgestrcckten Siedlungsgebiet von Erkner ist. Von der Brücke bietet sich ein herrlicher Blick auf die Mündung der Löcknitz in den F l a k e n s c e, der rechts von den Kranichsber- gen begrenzt wird, deren dunkelgrüne Gipfel ein Aussichtsturm über- ragt. Kurz hinter der Brücke führt rechts der prächtige L e i st i k o w- weg ab, der um den halbverlandeten W u p a tz s e e verläuft. Bald darauf passieren wir eine Brücke, die über den Kanal führt, der die Löcknitz mit dem Werlsee und damit auch mit dem Peetz- und Möllensee verbindet. Der Weg führt schließlich über den Kanal zurück nach Fa n g s ch I e u s e. Kurz hinter der Brücke finden wir links die vom Baugewerksbund für sein« Mitglieder errichtete, vor- bildlich gebaute Schule. Es ist ein wahres Glück daß das Nord- ufer des Werlsees, da? wir jetzt aufsuchen, noch nicht bebaut ist. In den legten Jahren ist gerade an diesen Sern eine überaus rege Bautätigkeit entfaltet worden, die durchaus nicht immer den Beifall der Erholungsuchenden gesunden hat. Vor allem ist es zu bedauern, daß gerade die Ufer dieser herrlichen Gewässer der All- gem«inkeit versperrt wurden. Inmitten des Werlsees liegt der baumbestandene Lind wall. Zwischen Werl- und Peetzsee liegt Grünheide, das wie alle übrigen Gemeinden dieses Seengebiets kommunalpolitisch zu Werlsee gehört. Wir passieren die Brücke über den Verbindungsgraben zwischen den beiden Seen und wandern am Süduser des Veegsees nach Altbuchhorst. Bis hierher verkehren von Erkner aus Motorboote und Postkraftwagcn. Hier beginnt der schönste Teil der Seenwanderung. petscheks Rachefeldzug. Gebeimrat Caros Enthüllungen über den Kohlenmagnaten. Der Familienstreit C a r 0— P e t s ch e t ist über den engen Rahmen einer persönlichen Abrechnung zwischen Schwiegervater und Schwiegersohn hinausgewachsen. Weil beide im Wirtschaftsleben eine so große Rolle spielen, erhält dieser Prozeß auch öffentliche Bedeu- tung. Von besonderem Interesse war die Charakteristik des Kohlen- Magnaten Ignaz P e t s ch e k und seines Geschäftsgebarens. Caro behauptet, daß Ignaz Petschck ihn zehn Jahre lang für seine Ge- schäfte mißbraucht habe. Als aber durch die Ehescheidungsfrage das Mißtrauen, das er gegen Ignaz Petschek schon längere Zeit gehabt, reale Unterlagen erholten habe und er hinter dessen Schliche ge- kommen sei, da habe Ignaz Petschek, weil er ihn s o einschätzte wie sich selbst, befürchtet, er würde von seinem Wissen gegen ihn Ge- brauch machen, und er habe deshalb gegen ihn einen„b a l k a- nischen Rachefeldzug" inszeniert. Ignaz Petschek sei ein Mensch von unglaublicher Skrupellosigkeit und Geldgiern wenn es nötig sei, gehe er über Leichen. Er schrecke vor keiner Untreue und vor keinem noch so verwerflichen Mittel zurück. Er könnte dafür zahllose Fälle anführen, wolle sich aber mit dreien begnügen. Ignaz Petschck habe ihm bei der Vertretung seiner Interessen im Reichs- wirtschaftsrat anläßlich des Streiks in der Braunkohlen- industrie falsche Unterlagen gegeben. Aus Grund dieser falschen Unterlagen habe er dann die Rot- wendigkeit der von Petschek durchgeführten Kohlenpreiserhöhung als Antwort aus die Erhöhung der Bergarbeiterlöhne im Jahre 1927 vertreten. Am Möllensee Am Nordufer des Möllensees entspringt eine Quell«, die das bekannte Taselwasier liesert, das als„Altbuchhorster Sprudel" bekannt ist. Die Wanderung um den Möllensee nimmt etwa zwei Stunden in Anspruch. Wer sie ersparen will, wendet sich gleich von Altbuchhorst in südöstlicher Richtung und erreicht auf herrlichem Waldwege die an der Löcknitz mitten im Hochwald gelegene Sied- lung Kleiner Wall. Wir überschreiten die Löcknitz und wan- dern nun in westlicher Richtung im Löcknitztal entlang. Wunder- same Waldeinsamkeit nimmt uns auf. Immer vom Fluß begleitet, erreichen wir bald die Försterei Schmalenberg. Nach etwa einer halben Stunde kreuzt die Chaussee zwischen Bahnhof Fang- schleuse und Grünheide unseren Weg. Von der Bahnstation Fangschleuse aus kann bereits die Heimfahrt mit der Vorort- bahn angetreten werden. Sonst aber wandern wir an der Löck- nig weiter entlang über Gottesbrück nach Erkner zurück. Wer den gesamten Löcknitzlauf kennen lernen will, muß sich auf eine lange Fußwanderung einstellen, die von Erkner über Kleiner Wall nach Kienbaum am M a x s e e entlang nach Hoppegar- t e n und von hier amRotenLuch entlang nach Buckow in der Märkischen Schweiz führt. Diese Wanderung, die einen der stillsten Teile der Mark erschließt, führt jedoch über eine Strecke von rund 3S Kilometer. Weglängen: Erkner— Altbuchhorst etwa 9 Kilometer; rund um den Möllensee etwa 7 Kilometer; Altbuchhorst— Kleiner Wall— Bahnhof Fangschleuse 7 Kilometer; Fangschleuse— Erkner 6 Kilometer. Petschek habe diese ungerechtfertigten Preiserhöhungen vor- genommen, ungeachtet des ungeheuren Elends, das durch den Berg- arbeiterstreik verursacht worden war. Durch seine Untreue habe auch die Grube„Eintracht" viele hunderttausend Mark verloren, die in seine Tasche geflossen seien. In dem bekannten Fall Ehrlich habe Petschek den Namen Caros mißbraucht, um durch Erpressung Auf- sichtsrat bei der„Ilse" zu werden. Bei der Belieferung Oesterreichs mit Braunkohlen habe er sich auf Kosten der Lieserungsgesellschaft, deren Mittelsmann er gewesen sei, in unredlicher Weise bereichert. Die Nebenkläger versuchten, Professor Caro bei dieser Darstellung zu unterbrechen. Der Staatsanwalt vertrat aber die Ansicht, daß die Schilderung dieser Tatsachen erforderlich sei, um die Feindschaft zwischen Petschek und dem Angeklagten zu verstehen. Nachdem Caro in dieser Weise seinem Herzen Luft gemacht hatte, mußte er wegen der M i t g i f t q u i t t u n g Rede und Antwort stehen. Er behauptete, sie im Jahre 1928 wiedergefunden zu haben; er habe sie nicht vorgelegt, weil er Ignaz Petschek in Eidesnot habe bringen wollen. Er habe sehen wollen, wie weit dieser in seinem Haß und in seiner Untreue ihm gegenüber gehen würde, ob er selbst bereit sein würde, zu beschwören, daß er die 499 990 Mark nicht er- halten habe. Er hätte es allerdings nicht zum Eide kommen lassen. Der Vorsitzende kann diese Psychologie nicht begreifen. Karl Wessel, der älteste und bekannteste Ansager und Mit- arbeiter der Berliner F u n t st u n d e, ist gestern nachmittag einer doppelseitigen Lungenentzündung erlegen. Wessel, der deni Berliner Rundfunk seit seiner Gründung angehörte, ist 54 Jahre alt geworden. Wendung im Waldhos-prozeß. Rechtsanwalt Löwenthal legt sein Mandat nieder. Templin. 19. Juni. Zu einer sensationellen Wendung ist es in den Nachmittags- stunden des Freitag gekommen. Der Vorsitzende gab zunächst be- könnt, daß das Gericht die von dem Vertreter des Nebenklägers, Rechtsanwalt L ö w e n t h a l, gestellten Beweisanträge, die die Unglaubwürdigkeit des Anstaltsleiters Grüber beweisen sollten, ablehnen müsse. Das Gericht stellte sich in der Begründung dabei aus den Standpunkt, daß es die Aussagen des Zeugen Grüber vollkommen ausschalte. Gegen diese Entscheidung protestierte Rechtsanwalt L ö w e n t h a l und auch die Staats- ! anwaltschaft Das Gericht war jedoch von seinem Beschluß � nicht abzubringen. Daraufhin legte Rechtsanwalt Löwen- thal die Vertretung des Nebenklägers Mieren- dorf nieder, da nunmehr keine Möglichkeit bestünde, irgend etwas Positives in der Prozeßführung zu erreichen, und verließ sofort den Gerichtssaal. Mit der Gesamturteilsverkündung dürfte vor Dienstag kaum gerechnet werden könnest. Professor Einstein als Zeuge. Ist die IAH. eine politische Organisation? In einer Moabiter Verhandlung erlebte man den seltenen Fall, Professor Ein st ein als Zeugen zu hören. Der Berteidi- ger einer Anzahl von Mitgliedern der IHA. hatte ihn zum Be- weis dafür geladen, daß die IAH. keine politische, geschweige denn eine kommunistische Organisation sei. Die Angeklagten waren in der ersten Instanz von der Anklage der Teilnahme an einer politi- schen Demonstration freigesprochen mit der Begründung, daß die IAH. keine politische Organisation darstelle. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das freisprechende Urteil Einspruch erhoben. Professor Einstein erklärte als Mitglied der IAH., daß die Arbeiterhilfe seiner Ansicht nach eine überparteiliche Organisation sei, rein charitative» Charakter trage und den Zweck habe, die Klassengegensätze zu über- brücken. Als ihm aber der Vorsitzende aus verschiedenen Druck- schriften der IAH. Zitate vorlas, aus dem sich der k o m m u- nistische Charakter der IAH. klar ergab, erklärte Professor Einstein, daß er das alles nicht gewußt habe. Er stehe jetzt unter dem Eindruck, daß es sich hier, wenigstens zum Teil, um eine politische Organisation handele. Auf Grund der wenigen Zitate wolle er sich aber einer endgültigen Meinungsäußerung ent- halten. Das Gericht kam zu einem F r e i s p r u ch aller Angeklagten Das Gericht konnte nicht feststellen, daß der gemeinsame Marsch der Mitglieder ein vorbotener Umzug im Sinne der Notverordnung gewesen sei, so daß es daher nicht notwendig war, die Frage zu prüfen, ob die IAH. einen politischen oder charitativen Charakter trag«.._ Falschgeld- Falschgeld! Aushebung einer Falschmünzerwerkstatt in Leipzig. Leipzig, 10. Juni. Seit einiger Zeit tauchten in Leipzig falsche Zünfmark- stücke auf, die sehr geschickt nachgeahmt waren. Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen führten zur Festnahme der Inhaberin einer Lebensmittelgroßhandlung und ihres G e- schästssührers in Leipzig-Lindenau. Man fand bei der Durchsuchung der Geschäfts- und Wohnräume gjnsn Beutel mit etwa 23 falschen Fllnfmarkstllcken und etwa 152 M. echtes Silbergeld. In einer als Werkstatt eingerichteten Garage wurde eine zur Herstellung der falschen Stücke verwendete große Friktionsspindelpresse mit Transmissionsantrieb, eine Halbspindelpresse und eine Platte aus legierten; Silber in der genauen Stärke der falschen Stücke vorgefunden. Das Plattensilbcr sollte zur Herstellung weiterer Falschstücke Verwendung finden. Bisher haben die Verhafteten für etwa 259 Reichs- mark Falsch stücke teils selbst, teils durch Angestellte, die nicht wußten, daß es sich um Falschgeld handelte, in den Verkehr gebracht. Ein an der Herstellung und Verbreitung beteiligter angeblicher Ernst Müller aus Dessau ist flüchtig. Typhus durch schlechtes Speiseeis. s l u t l g a r l, 19. Juni. Zn verschiedenen Orten des Oberamles herrenberg sind Typhuserkrankungcn sestgestelll worden, die auf den Genuß von schlechtem Speiseeis aus dem Markt in Ehningen zurückzuführen sind. Dort hatten Schulkinder bei zwei Händlern Eis gekauft, von 20 Schülern sind 14 erkrankt, davon neun schwer, fünf leichter. �uno immer gleich gute Hischung, immer volles Format, immer frisch! JO/UMft? lileil Juno der Inbegriff von etuias Höstlichem ist und soviel des Guten an edlen Tabaken bietet, daß sie auf wertvolle Zugaben, wie Gutscheine, Werlmarken oder Stickereien verzichten kann. KON Die lchte Rate. Einige BofschlägezurNeugestaltu-gdesAbzahlungSgeschZffs Ein Fall, den der„Vorwärts" vor einiger Zeit mitgeteilt hat, ist kennzeichnend für das ganze Abzahliingsgeichäflstoesen Es ist an sich wohl richtig, daß die Lieferfirma das Eigentum an den gelieferten Sachen behält, die erst nach Abzahlung der Schuld in das freie Eigentum des Käufers übergehen. Der Verkäufer hat ja einen Anspruch auf Schuß gegen Zahlungsunfähig- keit, die bei Wegfall der Sichcrungsbeftimmung sehr rasch einen weiten Umfang annehmen würde. Dagegen ist also an sich nichts einzuwenden. Um so mehr aber gegen die Praxis, wie sie sich herausgebildet hat. Sie führt häusig zum völligen Ruin auch des ehrlichen und— wenn ihm die genügende Zeit gelassen wird— schließlich auch noch zahlungsfähigen Käufers. Die gesetzliche Schugbeslimmung, daß dem Käufer die geleisteten Zahlungen anzurechnen sind, verschwindet in der Praxis vor der anderen, daß der eingetretene Minderwert der Sachen zu berücksichtigen ist. Es ist klar, daß gebrauchte Sachen nur noch einen ganz geringen Kaufwert besitzen. Die Sachen werden dann wie Trödlerware eingeschägt und somit fast gleich Null ange» rechnet. So kommt zumeist nicht der Betrag des noch fälligen An- teils des Kaufpreifes heraus. Die Abzahlungsfirma holt die Sachen wieder ab. Sie hat den größten Teil des Kaufpreises erhalten und dabei die gelieferten Sachen wieder in der Hand, natürlich in einem Zustand verminderten Wertes. Es gäbe ein ganz einfaches Mittel, um die Schäden aus Zahlungsrückständen— ganz vermeidlich sind sie leider nicht— auf das Mindestmaß zu verringern. Eine Ein- richtung zudem, die sich schon praktisch bewährt hat und nur gesetz- lich festzulegen ist, um großen Schaden und viel Unrecht zu oer- hindern. Bor dem Krieg wurde im Berliner Gewerkschastshaus eine Ausstellung von Wohnungseinrichtungen durch eine Firma ver- onstaltet. Zur Erleichterung der Anschaffung war hier auch die Ab- zahlung vorgesehen, aber in einer ganz neuen und eigenartigen Form, durch die dem gerügten Mißstand abgeholfen war. Danach wurde nämlich die Wohnungseinrichtung nicht als Ganzes ge- kauft, derart, daß sie als Ganzes für jeden und selbst den letzten Zahlungsrückstand haftete. Vielmehr galten die einzelnen Dinge als einzeln g eck a u f t, und jedes haftete nur für feinen eigene» Preis. Dabei waren sie nach ihrer Wichtig- keit geordnet. Durch die ersten Zahlungen wurden die Betten schuldfrei und pfandfrei. Dann kamen etwa Tisch, Schrank, Kücheneinrichtung, Stühle und zuletzt erst die minder dringlichen wie Sofa, Spiegel, Bilder. Hatte also jemand eine Einrichtung für sag« 1000 Mark gekauft, so vermindert« sich durch jede Zahlung die Zahl der verpfändeten, für den Rest der Schuld haftenden Gegenstände. War die Reihe an den Schrank gekommen, so konnten im Fall des Rückstandes nicht mehr die Betten haften usw. Ein verblüffend einfacher und der Sachlage dabei voll entsprechender Gedanke! Hier handelte es sich um eine gemeinnützige Einrichtung, die diese Form des Abzahlungsgeschäftes vorsah. Es ist kaum anzu- nehmen, daß viele Privatgeschäfte freiwillig auf den Zusatzgewinn, den die heutig« Rechtslage ihnen ermöglicht, verzichten werden. Deshalb gebietet sich eine gesetzliche Regelung. Es müßte dann etwa im Gesetz heißen r Die Gegenstände sind mit Bezeichnung des Preises jedes einzelnen zu verzeichnen. Die Reihenfolge unterliegt der Vereinbarung. Die gezahlten Raten werden in der vereinbarten Reihenfolge auf die gskaufteri Gegen- stände oerrechnet. Das Pfandrecht an jedem Gegenstand erlischt mit der Zahlung des dafür bestimmten Preises. Sollte über die Ange- messenheit der Anfetzung der einzelnen Preise ein Zweifel bestehen, so entscheidet das Gericht nach billigem Ermessen.(Damit soll ver- hindert werden, daß etwa durch Anletzung eines unverhältnismäßig hohen Preisanteils für den ersten Gegenstand der Zweck der Vor- schrift vereitelt würde.) Reisen nach Oesterreich. Für Kinder, die im Reisepaß der Eltern eingetragen sind, können wie für jede erwachsene Person je 20 0 Mark in bar über die Grenze mitgenommen werden. Ebenso gilt für im Reise- paß eingetragene Kinder die Bestimmung über die Mitnahme von ZahlunglSmitteln in Form von auf österreichische Schillingsbeträge lautenden Kreditbriefen. Namenseinlagebüchern der österreichischen Postsparkasie und Reiseschecke des österreichischen Verkehrsbllros. Diese Reiseschecks sind nunmehr in Stücken 4 50 und 100 österreichische Schilling bei allen Zweigstellen des Oesterreichischen Ver- Höhere Mieten für Arbeitslose Das Mißverhältnis zwischen Mieten und Einkommen Seitdem die Hauszinssteuer zugunsten des Hausbesitzes im Ab- bau begriffen ist, mehren sich die Stimmen, die darauf hinweisen, daß dieser Abbau gerade für die hilfsbedürftig st en Schichten der Bevölkerung mitdengröbstenHärten verbunden ist. Denn um den Betrag, um den die Hauszinssteuer zugunsten des Hausbefitzss gesenkt ist, steigt die Miete, und die zwanzigprozentige Senkung der Hauszinesteuer, die seit dem 1. April d. I. in Kraft ist, hat die etwa 8 Proz. betragende Mietsenkung, die mit der 4. Notverordnung für die Altwohnungen eingeführt wurde, sür die von der Zahlung der Hauszinssteuer befreiten Mieter wieder ausgeglichen. Bisher also haben gerade die Aermsten der Armen von der Mietsenkung keinen Vorteil. Es wäre allerdings möglich gewesen, diese Hörte zu vermeiden. Die 3. Notverordnung gab hierzu ausdrücklich die Möglichkeit, indem sie die Landesregierungen ermächtigte zu bestimmen, ob und in welcher Weise die Auswirkungen der Hauszinssteuersenkung für hilssbedürstige Mieter auszugleichen sind. Aber finanzpolitische Ge- sichtspunkte haben die Länder offenbar gehindert, von dieser Er- mächtigung Gebrauch zu machen. Diese wenig befriedigende Behandlung war indessen noch günstig im Vergleich zu dem, was nunmehr geplant wird. Der Finanz- minister will in seiner finanzpolitischen Bedrängnis nämlich nicht ein- mal mehr die Vergünstigungen aufrechterhalten, welche die bisherige Hauä.zsnssteueroerordnung vorsah. Wurde bisher von der Hauszins- fteuer befreit, wer als Lediger Einkünfte von nicht mehr als 1200 Mark im Jahr hatte(wozu für etwaige Familienmitglieder gewisse, allerdings nur geringe Zuschläge traten), so soll die Frei- grenze nunmehr auf 800 Mark herabgesetzt werden. Das bedeutet für eine Unzahl von Familien neue Lasten, und das dazu in einer Zeit, wo die Sätze der öffentlichen Wohsiahn weiterhin gesenkt werden. Ader es ist noch n'chl einmal gesagt, daß die Freigrenze von 800 Mark nun auch all denen eingeräumt wird, die in der Tat weniger als 800 Mark im Jahr zur Verfügung haben. Da die Ausschlachtung der Hauezinssteuer sehr erhebliche finanzielle Möglichkeiten bietet, wenn mir der nötigen Rigorosität vorgegangen wird, soll der Finanzminister beabsichngen, von diesen Möglich- keilen Gebrauch zu machen, indem er für die Summe, die in ganz Preußen an Nachlässen bewilligt werden darf, ein« Höchstsumm« fest- gesetzt. Gedacht tst dabei an einen Betrag von 160 Millionen Ptark. Dieser Betrag kann jedoch keinesfalls ausre'chen, um sämtliche Mieter, deren Einkünfte unter 800 Mark liegen, in den Genuß des Haus- zinssteuererlasies zu setzen, so daß die Freigrenze auf Umwegen noch weiter herabgedrückl wird. Außerordentlich bedenklich sind die Auswirkungen der Neurege- lung für den Wohnungsmarkt. Schon nach der 4. Notverordnung war zu beobachten, daß das Mietenn osau weit oberhalb dessen liegt, was der Bevölkerung zugemutet werden kann, und die seither ein- getretenen Lohnkürzungen haben das Mißverhältnis zwischen Miete und Einkommen noch größer gemacht. Di« Folge ist, daß die Nachfrage nach kleineren Wohnungen iinmer weiter steigt und einfach nicht mehr befriedigt werden kann. Durch die weitere Mietensteigerung, auf die die neue Regelung des Haus- zinssteuererlasies mietpolitisch gesehen hinausläuft, muh dieser an sich schon bedrohliche Zustand noch bedrohlicher werden. Zu allem lieber- fluß treten Mietschutz- und Reichsmietengeseg vom 1. April n. I. auch noch außer Kraft. Hat man sich das übetlegt? kehrsbüros in Berlin. München und Köln, sowie beim Mitteleuro- päischen Reisebüro in Berlin und allen leinen �'"''''''woertretun- gen im Deutschen Reich erhältlich. Oer Gymnasiast von 30 Jahren. Ein„Knadenfreund" verhastet Seit mehr als einem Jahre wurde von mehreren Staatsanwalt- schaften ein gefährlicher Sittlichkeitsverbrecher gesucht, der jetzt in der Person eines 30 Jahre alten Johann Scholz dingfest gemacht werden konnte. Sch. gibt sich stets als Vertreter aus, hat aber nie einen richtigen Beruf gehabt. Schon einmal war man ihm in einer Badeanstalt auf den Fersen. Im letzten Moment glückte ihm jedoch die Flucht. Sch. sprang durch ein Fenster ins Frei« und entkam, obwohl er sich einen Fuß verstaucht hatte. Er hatte keine Arbeit und trieb sich auf der Straße umher. Hier lockte er Jungens unter 14 Iahren an sich und nahm sie in seine Wohnung mit. Er hatte sich, trotz seiner 30 Jahre, ganz als Gnmnasiast gekleidet und trug auch Kniehose und S ch ü l e r m ü tz e. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch den Verkauf von Attphotos, die er selber anfertigte. Seine Opfer mußten sich auch dazu hergeben. Sch. wurde jetzt in der Stolpilchen Straße ermittelt und überraschend f e st g e n o m m e n. Er ist nach Moabit gebracht worden. Umstöllnnq des Wohsfahrtsam�K Krcuzberq. Die Betreuung der Unterstützungsempfänger durch das Wohl- fahrtsamt Kreuzberg ist ursprünglich ohne Rücksicht auf die Lage ihrer Wohnungen nach alphabetischer Ordnung durch eine gemeinsame Unterstützungsstelle im Hause Kottbusser Damm 23'26 erfolgt. Infolge der starken Zunahm« der Hilfsbcdürfiigen ist die Organisation des Wohlfahrtcamtes umgestellt und die bisherige Unterstützungsstelle unter Zugrundelegung der Grenzen der Wohl- iahrtskommissionsdtzirke in Zweigstellen aufgeteilt worden. Nach- dem im Frühjahr und Herbst 1931 je eine solch« Zweigstelle im .Hause Porckstraße 11 und Lindenstraße 13 errichtet worden ist, ist im April 1932 eine weitere Zweigstelle tm Schulgcbäud« Wrangel- straße 128 eröffnet und gleichzeitig die früher« zentrale Unter- stlltzungestells im Hause Kottbusser Damm 25/26 in ein« vierte Zweigstelle umgewandelt worden, so daß mmmehr im ganzen vier Zweigstellen vorhanden sind. Damit sind für die Hilfsbedürftigen die früher teilweise recht erheblichen und zeitraubenden Wege ab- gekürzt._ Billige Ferienfahri an die Nordsee. Vom 26 Juni bis 3 Juli nach Westeriand. Als nächste billig« Ferienreise für jedermann veranstaltet die Reichsbahndirektion Berlin vom 26. Juni bis 3. Juli ein« Jährt nach dem Nordieebad W e st e r l a n d auf Sylt. Die Hinfahrt erfolgt über den Hindenburgdamm, ab Berlin Lehrter Bahnhof 6.52 Uhr, an Westerland 16.46 Uhr. Auf der Rückfahrt über Helgoland wird bis Cuxhaven der Seebädcrdampfer benutzt Bon Cuxhaven aus bringt ein Sonderzug, der am 4. Juli um 4.08 Uhr aus dem Lehrter Bahnhof eintrifft, die Teilnehmer wieder nach Berlin. Die ganze Reise, einschließlich Bahn- und Dampferfahrt, Unter- kunft und Lerflegung(3 Mahlzeiten) in Westerland sowie Bedienung und Kurtaxe, tostet nur 83 M. bzw. 93,20 M. bei Benutzung der 2. Klasse. Der Kartenverkauf beginnt am 1 4. I u n i bei der Fahr- kartengusgabe Lehrter Bahnhof sowie bei den bekannten Ausgabe- stellen des Mitteleuropäischen Reisebüros(MER) im Potsdamer Bahnhof, Bahnhof Friedrichstrahe, Kaufhaus des Westens und Wertheim, Leipziger Straße. Der Männer- und gemischte Chor„Obcrspree" Baumschulenweq sMit- glied des Arbeiler-Sänger-Bundesl veranstalttt am Semmag, dem 12. Juni, ein Frühlingsfest im„Allen Eierhaus" in Treptow. Beginn 16 Uhr. Un- kostenbeitrag SO Pf. Cinc h-imatltche Stndicnlabrt an den Mittelrhein veranltaltet in der Zeit vom 2i. Juli bis 2. August 1932 die der Staatlichen Stelle für Naturdenlmals. pfleg« angegliederte„sludiengemeinschaf! filr wissenschaftliche Heimattunde". Die Fahrt wird hauotsächllck! unter lunstgeschichtlichen Gesschtepuntten aus- getilhrt, d-ch werden auch einige Tag« den Roturwissenschaften gewidmet sein. Teilnehmergebühr A> M. Anmeldung und nähere Auskunft bei der Defchtifts- stelle der Staatlichen Stelle fllr Naturdcnkmalspflege, Berlin-Echiineberg, Srunc. waldstr. 6—7. Allgemeine Detteraussichten für Berlin: Trocken und heiter mit weiterer Erwärmung, schwache südöstliche Winde.— Für Deutsch. land: Im ganzen Reiche trockene« und heiteres Wetter mit weiterem Temperaturanstieg. Osler»» TOwU AauHus. 10. Seit die Herren Kepka, Wenzel von Duba und Zizka von ihrem Besuch bei Hus zurück sind, versteht man in der steinernen Arche sein eigenes Wort nicht mehr. Lon den zwanzig Herren, die beisammen sind, schreit jeder auf den andern ein, lautstimmig, handfuchtlig, als ob alle schon stundenlang beim Weine säßen und nun gegen- seitig die Taubheit des Trunkes übergellen müßten. Dabei steht weder Kanne noch Becher auf den Tischen. Hus hat sie in Rausch und Ausruhr versetzt, Kepkas er- griffene und ergreifende Schilderung der letzten Begegnung. Er hat von der Ungebeugtheit und Slandhaftigkeit des Ma> gisters berichtet, aber auch von dem Strom bitterer Tränen, der ihm über die bleichen, abgezehrten Wangen floß. Doch auch von Hussens Hoffnung und Zuversicht hat er berichtet, von seinem letzten Wort:„Ich habe das Vertrauen, daß mich der Allmächtige aus meiner Feinde Hände retten könne!" Nun ist diese seltsame Atmosphäre da, die Übersiedends Seelen um sich verbreiten, jene erregte, geheimnisvoll ge- ladene Luft, gleichermaßen geeignet zur Hervorbringung großer Dinge als auch großer Verrücktheiten. Der Esel steht an der Türe, schiefen Kopfes, irgendeines Zurufs, irgendeines Befehles gewärtig. Vor dem Herd in der Küche sitzt Luzia, untätig die Hände im Schöße, und lauscht auf das Stimmeygewirr, das bald lauter, bald leiser durch die hölzerne Zwischenwand herüber- tönt. Eine dunkle Kümmernis bedrückt sie. Sie möchte weinen und weiß nicht warum. Sie möchte sich mit den Nägeln ins Fleisch fabren, tausend Schmerzen empfinden, und weiß nicht. warum. Sie möchte sich auf die Erde werfen, möchte sich mit ihrem Gesicht, wie eine Verzweifelte, tief, tief in die Erde ein- wühlen und weiß nicht warum. Schwer, behängt mit schmerz- hafter Last, pochl ihr das Herz im Leibe. Doch, wenn sie aus dem Worlfchwall von drüben Zizkas Stimme aufklingen hört, wird ihr auf einmal froher zumute und leichter. Sie oersteht zwar nicht, was der Ritter sagt. Aber schon der bloße Klang seiner Stimme tur ihr gut. Rein körperlich wird sie gepackt. Wieder ist das gleich« Gefühl da, wie bei der ersten Begenung: von starken Armen aufgehoben und in irgendeine Seligkeit hineingelragen zu werden. Ewig hätte sie- dieser lieben Stimme zuhören mögen, die so krast- voll und entschieden schließlich das Durcheinander bändigt. „Ruhe, lieben Brüder und Freunde! Ihr habt gehört, was Herr Kepka berichtete. Jan Hus wird fest bleiben, fest bis in den Tod. Doch, was soll uns iein Tod? Es ist wicht!- ger fllr uns und unser böhmisches Land, daß der Magister lebe. Er selber dürstet nach Leben. Ihr habt vernommen, daß er aus Errettung durch Gottes Allmacht vertraut. Ich weiß, Gott kann alles, sagen die Priester. Aber als Kriegsmann sage ich: Gott hat nichts dagegen, wenn der Mensch seinen göttlichen Absichten ein wenig entgegenkommt. Ich habe schon heute, gleich nach meiner Ankunft, gesagt und sage es wieder: die Rettung des Magisters liegt bei uns und nur bei uns, nirgendwo anders. Zu seiner Befreiung hatte ich drei Wege vorgeschlagen: den des Gesetzes, den der List, den der Gewalt. Der des Gesetzes, ist, ihr habt es gehört, unfruchtbar zu Ende gegangen. Bleiben übrig die beiden andexn. Hier meine zwei Fäuste, Brüder! Links halte ich List und Anschlag, rechts nichts als Gewalt. Was wollt ihr? Zögert nicht! Wählt!" Wieder geht das Toben des Wortes los: Wieder schreien zwanzig auseinander ein. Zwanzig Gesichter erhitzen sich. Meinung steht gegen Meinung im Streit. Aber wieder ist die junge klare Stimme Petr Cheleickys da, die den Lärm durchstößt und zerreißt, wie der Sonnenadler mit seinem Fittich die wallenden Dünste der Tiese: .�Herren, ihr schreit herunter von dem stolzen Turm eurer Ritterschaft! Cure Augen sind so nah an Schwert und Har» nisch gebunden, eure Ohren so versessen auf der Waffen Klang, daß ihr dieserhalb nichts anderes mehr sehet und hört! Dabei steht in der Bihlia, jenem Buch, das Jan Hus über alle Bücher der West stellt, groß und deutlich das Wort: Wer das Schwert führt, der wird durch das Schwert umkommen! Wer Blut vergießt, dessen Blut soll ebenfalls vergossen werden! Freit ihr Hus durch Zwanges Gewalt, begreift ihr denn nicht, daß ihr dadurch seine Recht verkehrt in Unrecht?! Wie nennt sich Magister Jan?: Ein Knecht in der Hoffnung Christi. Aber jegliche Knechtschaft und Nachfolge Christi— o möchtet ihr es euch in die Harnische ritzen!— besteht nicht im Schwert- schwingen, nicht darin, dem Diener des Malchus das Ohr ab- zuschlagen, nein. Christi Knechtschaft und Nachfolge vollzieht sich in Demut, Geduld und Gehorsam, in Frieden und in der Bereitwlligkeit zu guten Werken, in ehrlicher Gemeinschaft unter den Menschen des Nachfolgens. Kommt die geistliche und westliche Macht und bedrückt die Knechte Christi oder tötet sie gar um des Namens Christi willen, derart unschuldig leidend sind sie in der rechten Nachfolge des Heilandes. Wären die Ritter der Juden so vermessen gewesen, den Menschen- söhn seinem Kreuzestod zu entziehen, das Holz stünde ver- dorrt, und die West quälte sich noch Herne unerlöst. Belaßt also Jan Hus in seines Kerkers Zelle. Will Gott ihn retten, so kann er die Legionen seiner Engel senden, die ihn unversehrt halten, wie die drei Jünglinge im Feuerofen. Will er aber in seinem unerforschlichen Ratschluß nicht, daß der Kelch an Huß vorübergehe, nun, so rettet ihr ihn nicht, so rettet ihn ganz Böhmenland nicht von Flamme und Feuer!" Weiter kommt Petr nicht in seiner Rede. Entrüstung, Gehöhne, Gescheit und Geschimpfe decken ihn zu. Am lautesten ist Zizka.� , Leine Rede sei eine Schreiberrede, habe ich heute im Keller gesagt!" schreit er.„Aber nein, ich muß mich berichti- gen, es ist eine Ml'inmenrcde! Mächten dir dafür Fäuste in dein verdammtes Milchgesicht regnen!" Wahrscheinlich wäre dieser zornige Segenswunsch in Er- füllung gegangen, wenn nicht in diesem Augenblick der Tür- klopfer von draußen den Lärm und die Empörung überschalst hätte. Schon beim ersten Schlag schreckt der lauschende Esel auf. Beim zweiten ist er mit einem Satz aus dem Saal. Geistes- gegenwärtig zieht er den stumm gewordenen und gegen die Tür zurückgewichenen Ehelcicky mit und schiebt ihn zu Luzia in die Küche, rasch die Tür hinter ibm zuhauend. Da steht, nun der junge Mensch, aufgerührt bis ins Innerste, und drängt gewaltsam die aufsteigenden Tränen zurück. Der Kienspan an der Wand wandert flackernd über sein zerquältes, im tiefsten Schmerze verzogenes Gesicht, und mst der Flamme des Kienspans wandern auch zwei junge sechzehn- jährige Augen. Luzias Hände tasten ihn fragend an. Petr öffnet die Augen, die jetzt von Tränen fließen, und blickt in des Mädchens Gesicht. Er oersucht zu lächeln, als er ihre Teilnahme und Be- kümmernis sieht. »Find, ich weine um ein Nichts!"(Forts, folgt.) Eleg. Filz-> giocke •wie Abbilf'.ung a. ihn.Können Fesch« Sport- kappe mit ScMeifen- ffarnitar, Menrenobgobe vorbehallen Verkauf soweit Vorrat | Damen- Mantel aas gemustert reinwo Isner Qualität, ganz gefüttert aus reinwollenem Musseline. moderne Druokmuster. In grossen Weiten i �.0: rA\ Pr. SU. 69/M8X. ScßlauBigt« Abschrift. Urteil! ©lä Amtsgiricht Erlangen erkennt in der Prwatklagesoch« des Ehefredaktenrs des„BorwSrts" Friedrich Stampfer, Berlin, und des DeslbiiftefUhrere des ,.VrrmSrts''»Verlage» Theodor Glocke, Berlin, beide vertreten durch Rcchtoan. malt Dr. für. W. Matt in Nilrnbera, gcaen den Houvilehrer Alfred Äroii. Erlangen, oertreten durch Rechtsanmalt Dr. Ioanni, Erlangen, weaen Beleidi. gnna. in der Sffentlichcn Sigung vom iS. Februar 1SZZ, an der teilgenommen haben: l. Dberamtsrichter Eck, als Borsi�ender, 2. Retercndar Schneider, als flcllver. tretender Urkundsbeamter der« Uhr Kation na wo bist Du? Erika v Thelimann Luise Stösei Theo or Loos Josef Wedorn Rose- iheaier iroSe trankfunn Stradi 13' 'St. Wiidist r 7 342' «30 Uhr Weekend Im Paradies Gan enltüline \.V« Uhi Konzert u.Variete Zigeunerilebe mmm kMWIlP- Resfeiuaiit Berli ins Wie wärs mit Gymnastik? Im Straüdbad Wavnjea, auf dem Jurena- Hausboot und auf DaOb C und D gibts kostenlosen Gymnastik- Unterricht. Machen Sie mit, Sie lernen viel Neues! Gymnastik- Lehrerinnen zeigen Ihnen, wie Ihre Figurnocb beweglicher, biegsamer, ausdrucksvoller wird. Teilnahme am Gymnastik-Unterricht kostenlos liir jeden Besitzer des besonders straff und fesch sitzenden Juvena- Anzuges, der mit Teilnehmerkarte von R.M 5.90 an in den großen Spezialgeschäften, Waren- und Kaufhäusern zu haben ist. KLEINE ANZEIGEN iiiiiiuiiiiuiintiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiiitiiiiiuiiiiiii Preise: UberschrlfFswort 20 Pf., Textwort 10 Pf. Wiederholungsrabatt: 2 mal 5%, 8 mal 7Vi%, 12 mal 10%, oder 10�0 Worte Abschluß 10%, 2000 Worte 15%,- 000 Worte 20%. Annahme durch den Verlag, Undenstr. 3(Vi 9 bis 5 Uhr), sämtliche Vorwärts-Filialen u. Ausgabestellen, sowie alle Annoncen-Expeditionen uerHäuie Kochherd« feder Art u. Sriitze. Riesenauswahl. Teilzahlung, trans» portable KachelSfen, Badewonnen.Oefcn, Kesieliisen. Die alte Firma Temmler u. Blepbera. Dres. denerstratze 88. Jan. nowitz 8 7«851. Tapeten ZzMat. Kolonie- stratzc S. Kiiiiiiiagüiweiss. UFSZCllS UZIII. ©PPS1 ESPE HEU"« E 3 2 RENNE Einladung zur ordentlichen Vereins>(Generalversammlung), «i Zah-gang 1881. am Akittmach, bem IS Znnl 1932. nachmittags S'a Uhr. im Aihi In Oer wie,«nstraiz» öS, in Ver,»». Tagesordnung: 1. Iahreaberiwt(.'erichierftaner: Herr D e o r g 2t o a ck Poistvender); 2 Kaffenderich, schränke 23,—: Waschtoiletten mit Marmor 48,—; einen Posten Sckilof. zimmer. zurllckge» nomine n», 180,—. Extro. Angebot» in Schlofzimmern. Sveifezimmern und Herrenzimmern. olles zu halben i Breiten. Schräger, .Kastanienallee 43. Im Hofgebäude. Sewerkschastle» kaufen Mädel billig in der Mädelfadrik Slsässerstr. 8S-8«, oorn\ Trepp«, im Gewerkschastsdaus der Metallarbeiter. Teilzahluna bi« zu 12 Monaten ahn« Auffchiaa. Ballonräder, fabrikneue. 8.5,—, 48,—..55.—.«8.—. Werner, Adalbert- straß« 8, Kottbusser Tor. HSUW811Clm> stabaaedist», Plolinad'ölle Queckülber Kinn melalle, Silber. schmelze Soldichmel. zerei. Ebriftwnai Kbvenickerltratze 38 Sallestelle«dolbert, stratze Fahrrabaalauf� Kraus, Gr. Frgnk. furterstraß« S2. Hin'.. Ernaiungs- auteniliiit Sommerwohnung, herrlich an Wald gelegen, mit Aus» blick auf die Elbe, ! billig, beim Partei. genosien Paul Schädel, Känt, stein, Seideberg lS2. lS-ichflsch. Schweis parteinachrichien Groß-Berlin Tinlendunzen für diele Rubrik ftnd N cfizjj stet- an Das Beztrtsietretartat @ e< 1 1 n SO 68, Lindenitraße* 8 Hof. 2 Treppen recht», z» richte» Beginn aller Veranstaltungen I SV«> Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 7. und 8. Kreis. Juristische Sprechstunde findet am Sannabend, dem 11. Juni, von 17 bis 18 Uhr. im Jugendheim Rosinenftr. 4. statt. Gelegenheit zum Kirchenaustritt! 7. kreis. Am Sonntag, dem 12. Juni, treffen(Ich alle Kinder, Jugendliche, Sportler und Eltern beim„Fest der Arbeiterlinder" im Naturtheater im Volispark Iungfernheihe. Beginn pünktlich 14 Uhr. Im Anschluß gemein. sames Spielen, Planschen und Kaffeetrinken auf der Spielwiese. Ein. tritt für Erwachsene 20 Pf 28. Abt. Teilnehmer an der Landagitatton treffen stch Sonntag, pünktlich 5H Uhr, Ringbahnhof Schänhauser Allee(Eingava Schönhauser A!'»e), Führer: Kramme. Fahrkosten etwa 1,20 M, Rcae Beteiligung erwünscht, «0. Abt, Heute Zusammenkunit jüngerer Parteimitglieder an bekannter Steve. Vortragender: Franz Holtmann, 84. Abt. Sonntag, 10 Uhr Besprechung der SPD.-Elternbeiratcmitglieder der 28, und üS. weltlichen Schule, Schillerpromenade, bei Schräder, Stein- metzstr. 22. 119' Uchr, Elternbeiral-befprechung(8., 9., 22., 26., 83. Schule) und Bezir Em ü i) r gleichen Lokal Äbteilungsvorstanü Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Grofz-Berlin. Sharlottenburg. Wir treffen uns Sonntag, 18 Uhr. zu dem„Fest der Arbeiterkinder" Bahnhof Iungfernhcide, Schäneberg, Friebeuau-Lindenhof: Sonnabend und Sonntag 11./12.) Hclferarbcitsfahrt. Treffpunkt für Bahnkahrer 18 Uhr Bahn. of Ebersstraße, für Radfahrer 10 Uhr Bahnhof Papestraße. Neukölln, Abt. Lichtkämpfer. Iungfalken, Rote Falten und TAI.. „« Gruppe X. Gemeinsame Fahrt morgen, Sonntag. Treffpunkt um 7 Uhr Bahnhos Neukölln. Unkosten 80 Pf. Sportgeräte �mitbringen. Falken. kleidung. Friedrichshain. Unser Krei-Hkim Muhlenstr. 2V steh! in der Woche vom 18 bi« 19. Juni von 17 bis 19V1 Ubr wie folai zur Berkstgung: Montag: Martha Demning und Landsberger Platz.— Dienstag: Robert Blum.—■ Mittwoch! Nestfalken des Krelfe».— Donnerstag: Stralau und v"m Kreis alle Teilnehmer am Neftialken. und Feltlager.— Freitag: Paul Singer.— Sonnabend: Margarete Wsngels und Paul Singer lNestfalken). Abcndoeranftaltpngen von 20—22 Uhr: Dirnstag Kreishelfersttzung: Freitag ,"?,?°��Bmluna(Paul Singer).— Abt. Landsberger Platz. Montag, Ikrß Uhr, treffen stch alle Falten an der Falkenecke.— AM. Stralau. Montag, 20 Uhr. Elternverfammlung im!h?Im Soßlerstr.«2.— Abt. Landsberger Platz. Sonntag, lu, Uhr, Treffen zur Fahrt an der Falkenecke. Kosten 20 und 10 Pf. Ende 1810 Uhr. Treptow. Lauro de Bast«. Sonntag, 12. Juni, Wanderung nach der Königs. Heide. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhof Treptow, Bringt Esten und Getränke mit. Montag, 18, Juni, gemeinsamer Spielnochmittag mit Gruppe Thomas Münzer, Treffpunkt l« Uht Bahnhof Treptow. Alle Falken nehmen daran teil. Kreis Treptow. Alle Gruppenleiter Müllen sofort dem Kreisleiter die Teil. nehmer am gelt- und Nestfalkenlager melden. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Orcianifation lg«. Abt. Am Mittwoch verstarb unser Genosse Wilhelm Artner, Trützschler. straße 82, im 78. Lebensjahre, Ehre feinem Andenken. Einäscherung Montag, 18. Juni, 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Um rege Beteiligung bittet der Vorstand. Zur Elternbeirafswahl: Seht die WähSerlislen ein! &J3. g_ InaemS lieden die Wiblerlisten an den Schulen Illäül E9IS Uftm JUtll zur Einsicht aus. Alle Wahlberechtigten müssen sich davon Uberzeugen, ob sie in der Wähierlis'e eingetragen sind. An allen Schulen müssen von unseren Genossen die Wfihlerlls en abgeschrieben und tür die Agitation nutzbar gemach' werden. Bis zum ift Juni müssen die Wahlvorschläge bei dem Wahlleiter(nicht Schulleiter) eingereicht sein Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin A'»|«Ae Elnfendungen für tntse Nudrlk nur an das Iuqcnds-kretarial ..... L iamiffn Berlin SW 68 Llndenstraße 2 oorn l Treppe rechts heute, Sonnabend: Kottbusser Tor: Urbanstr. 1S7. Liederabend.—. Hvhensckänhauien: Spiel. trupp«„Junge Hammerichaft". Heben bei Gallas, Berliner Allee Ecke Lehder. straße,— Südwesten: Fohrt, Treffpunkt(ür Radfahrer 18 Uhr am„Borwärt«", für die anderen Genossen 18 Uhr Bklle.Alliance.Platz. Beobebezirk Wedding: Werbebezirksvorstandssitzung 18 Uhr Ledigenheim. Werbebezirk Neukölln: Spieltruppe. Prob« 17(4 Uhr Flughafenstr. 68. Morgen. Sonntag, Treffpunkt für fahrten: Sportpalast:« Uhr Bahnhof Blllowstraße,— Falkplatz 7: 7 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— köpenicker Viertel: 7 Uhr Görlitzer Bahnhof.— Britz: 7 Ubr Jahn. Ecke Rudower Straße. Werbebezirk Wedding: Treffpunkt für die Kinderfreunde-Treffahrt 7 Uhr Bahnhof Putlitzstraße. Werbebezirk Westen: Wir beteiligen uns geschlossen an dem Fest der Kinder- freunde im Boltspark Iungfernhetde, Bortrage, Vereine und Versammlungen Freirellaiäs« Gemeinde. Sonntag, 11 Uhr, Pappclallee 12, Bortraa des crrn H, Alflen: Der Faschismus und feine Stellung zu Kultur und Schule. äste willkommen. Dcrcinignna ehemaliger Krieasgcfangener, Ortsgruppe Berlin-Osten. Heute. 20 Uhr, im Restaurant Ioh, Iefchke, 0. 84, Tilsiter Str. 78. Trinkt Fachinger. In den weitesten Kreisen der Gesellschaft, besonders in Europa, ist Staatl, Fachingen außerordentlich beliebt und geschätzt. Seine vielen Anhänger liebe» an ihm neben seinen heilwirkenden Eigenschaften besonders auch den Wohlgeschmack und die erfrischende Wirkung. Die Z. Saison! Gedacht Ist sie für Schuhel Schon der Name sagt, daß Frühling, Sommer, Herbst und Winter nicht ausreichen, um die Schuhe zu kennzeichnen, die eben „Schuhe der 2. Saison" sind, Schuhe der 2. Saison sind aus besonders leichten, licht, und luftdurchlässigen Materialien Uber bequeme Formen und so elastisch hergestellt, daß ihr Tragen in der heißen Jahreszeit eine Erholung und Wohl, tat für die Füße bedeutet. Berlins billige Schuhhäuser„Der Schuhhof" oer. kaufen diese entzückend modellierten buntfarbigen Sommerschuhe zu solch billigen Preisen, daß jedermann sich den Nutzen und die Wohltat der Schuhe der 2, Saison leisten kann, Ferienfahrl ins Schwelzerland. In Basel, Bern oder Zürich stehen wir an den Pforten des Bergparadieses. Die Schweizerischen Bundesbahnen und di«. Autoposten bringen uns, wohin wir wollen. Ein dichtes Netz von"Schienenwegen verbindet die Talschaften des Landes unter- einander. Durch die Elektrifizierung ves Betriebes ist gröhte Sauberkeit gewährleistet. Nicht alle Eisenbahnen sind Bundes- bahnen. Aber auch von den Privatbahnen, der L ö t s ch b e r g- bahn(Spiez, Kandersteg, Brig) mit ihren 34 Tunnels, 22 Brücken und Viadukten und den Lawinenschutzgalerien muß mit der gleichen Anerkennung von ihren Erbauern geradezu mit Ehrfurcht gesprochen wenden angesichts der technischen Leistung, die hier vollbracht wurde. Es sind besonders noch die R h ä t i s ch e n Bahnen zu nennen, die bis in die chochtäler des Graubllndener Landes führen. Wer sich einmal durch das Albulatal tragen ließ, der trank, um mit den Worten des Dichters zu reden, von dem goldenen Uebersluß der Welt, dessen Seele wird in der Alltagsebene noch von den Ein- drücken bewegt und in einem beschwingten Rausch sein. Nicht un- erwähnt darf in diesem Zusammenhang die C h u r— A r o s a b a h n bleiben, die ein Wunderwerk für sich in einer Wunderwelt darstellt, ebenso die Berninabahn, die von St. Moritz über die Paß- höhe des Berninagebiets ins Veltlin über die italienische Grenze führt. Jede dieser Bahnen ist ein choheslied der Technik. Abgesehen von diesen größeren Entfernungen überbrückenden Bahnen gibt es eine große Anzahl von Bergbahnen, die sowohl als Zahnrad- wie als Seil- oder Schwebebahnen zu besonders schön gelegenen Ortschaften oder Aussichtspunkten führen. Die älteste ist die V i tz n a u— R i g i b a h n am Vierwaldstättersee, die höchste die Jungsraubahn, ein einzigartiges Werk moderner Ingenieur- kunst. Sie führt in die Regionen des ewigen Eises. Den ganzen Zauber des Hochgebirges zu erleben, ein Genuß, der früher nur geübten Bergsteigern unter Führung vorbehalten war, ist durch diese Schöpfung jedem gegeben. Den Eindruck eines überwältigen- den Landschaftsbildes hat man auch vom Muottas Muraigl, ober- halb Pontresinas, über die Seenkette des Oberengadins hinweg, jener heroischen Landschaft, die einen Mystiker wie Nietzsche in seinen Tiefen aufwühlte. Man muß die Schweiz erleben, wozu ihre Bahnen uns verhelfen, um so Ferienzeiten zu Höhepunkten zu machen. Bad Schandau(Sächsische Schwei,). Ein bedeutungsvoller Akt auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs in der Sächsischen Schweiz ist im benachbarten Kurort Schmilka vollzogen worden. Die von dem Bürgermeister Ritter, Bad Schandau, gegründete„Arbeits- gemeinschaft Sächsiiche Schweiz", die bisher nur eine lose Vereini- äung der Verkehrsinteressenten der Sächsischen Schweiz darstellte, hat auf ihrer 2. Tagung in diesem Jahre sich Satzungen gegeben und die Eintragung in das Vereinsregister beschlossen. Zweck der Arbeitsgemeinschaft ist es, durch gemeinsame�Werbung jedweder Art auf die landschaftlichen Schönheiten und Sehenswürdigkeiten des Gebietes hinzuweisen, auf die Verbesserung der vorhandenen Ver- kehrsmittel und Neubeschaffung bzw. Einrichtung solcher hinzu- arbeiten, die Unterkunft- und Vsrpslegeverhältmsse zu bessern und zu fördern, kurz alles zu tun, was ferner der Sächsischen Schweiz und der großen Zahl ihrer Besucher und Freunde dienlich ist. Bad Wiessee am Tegernsee. Das Jod- und Schwefelheilbad Wiessee hatte in den letzten Tagen einen außerordentlichen Zustrom an Gästen. Am 2. Juni muhte die sonst nur einfach im Anschluß an jeden Zug vom Bahnhos Gmund am Tegernsee nach Bad Wiessee verkehrende Krastpostlinie vierfach gefahren werden. Außerdem wurden alle verfügbaren Hotel- und Mietauto zur Be- sörderung der angekommenen Kurgäste nach Wiessee eingesetzt. Auskunft über Ostseebad Wisdroy(Wohnverhältnisse usw.) er- teilt der Besitzer der Villa„Wald und See", Gen. Blum, Misdroy, Neue Lindenstraße, Ecke Augustastraße. cferJli2tQmpficmt3ad Satzttmnn bei Katarrhen, Asthma, örippefolgen, Nierenleiden, picht und Zucker._ ültederin eigner Regie„ Sch/esisc/>er Hof das schönste Hotel Schlesiens Bezirk Breslau Hofe! Preußische K rone" Haus, Kynash" Fremdenheim, Elisenhof"neu mit fl. Wasser ausgestattet und umgebaut-/ Kurprospekfe durch die&a de v erwo/iun g Fichtelgebirgs 302-575m.ü.d.M. Saison-Apri! mif Oktober ....-. � � � � .xv.'r Neuzeitl.WaiserkurGntiait für»Lmtl. Kneipp'ichen Anwendungen+ geschuit. Badepersonal ♦ ganz'ähriger Betrieb* Vegetarische und Diätküchen* Rohkost Schwedische Heilgymnastik+ Massage ♦ Kneippsanatorium Bube+ erstklass. Haus+ Kurarzt; Dr. med, Hüll Herrliche Waldungen und Promenaden, Terra! nlturen, Licht-, Luft- u. Schwimmbad im Wald, Tennis- und Spielplatz. Kurhaus mit Konzert- und Lesesaal, große Wandelhalle. Kur-Kapelle Mai bis September, täglich Konzerte. Mittwoch und Samstag Tanzabend. Gute, preiswerte üntirkunft in Hotels, Gasthöfen und bei Privaten. Billige Pau$chalkur©n_ vom 1. 9. bis 1. 6, Prospekte u. Wohnungsliste unentgelti. durch Städt. Kurverwaltung. Ahlbeck Ostseebad Prospekte kostenlos durch die Badeverwaltung und alle Reisebüros \\\'■'/ \ nee»»«. Auch mit bescheidenen Mitteln können SieJhre fen<£jchwete verbringen» 6 ist nicht mehr ein Privileg beson- ÄW ders begüterter Oese/Ischdftskreise uch diesem I mit eilen Wundern der Hetur gesegneten Lende nm Zu reisen»Jn verständnisvoller Anpassung an die Weltwirtsdüftslage haben die Hotels und Pensionen die Preise gesenkt» Schon für 7.' Fanken erhatten Sie in guten Hotels volle Verpflegung»Die Aufstellung des Peiseplanes bereitet keine Schwierig keitenj. Jn deJt Schweis ist ntajt ub£\aJi am hiddig&n Ort/ Uberwältigendes an landschaftlichen Heizen bietet ein Aufenthalt im JVHOFRAVGtBIET: JnterlaUen mit kursaal und elegantem Schwimmbad, Crindeltvcsld (Schwimmbad) und Lauferbrunnen(Trümmelbach- fälle) in den Qletschertälem. Murren, Wengen(Schwimm- bäd) und Scheidegg auf blumigen Höhen; diese sechs Sommerfrischen und durch Bergbahnen mit den weübe- rühmten AussiWswarten Schynige Platte(Alpengarten) und Jungfraujoch( J4>5 7m) verbunden. Ruhebedürftige werden sich wohl fühlen in Gurnigel( 1159 m) von Bernaus bequem erreichbar, mit seinen wirksamen Schwefelquellen, oder in Leukerbad (1411m, Wallis), wo die Verbindung von Thermalwasser, Luft- und Sonnenkur von ausgezeichneter Heilwirkung ist. (Auskunft: Hotel- und Bädergesedschaft). Jn der schweizerischen Bundesstadt Bern wird der Fremde zunächst von der so originellen wie reichen Architektur gefesselt, die das bedeutsam kulturelle Leben vieler Jahrhunderte wiederspiegelt» Ctrossartige Aussicht auf die berner Alpen und Zentrum der Alpenfluge." Ätteäfe SJkWv: im Herzen der Sädisisdien Schweiz Preisabbau/ Prospekt Nr. A.8 durch Kurverwaltung und Reisebüros Auskunft und Prospekte über ermässigte Familien.— bi Hefte, Rundreisehefte, Oesellschafts fahrten, Cenerah abonnements, Pauschatkuren und Devisenbestimmungen durch alle Reiseagenturen und das K Binz auf Rügen Parteigenossen wohnen preiswert bei bester Verpflegung in der „Pension iugendglück" (unmitielbar am Strande) Besitzer: Altred und minna tubitz Bad-Nauheim das Herz'Hell'Bad der Well Parteigenossinnen und Genossen, die Bad-Nauheim aufsuchen, erhalten kostenlos Rat u. Auskunft von unserem paneiger össischenWohnungsnachweis: R. Wiedcrmann, 5ismarckplatz 5. Ortsgruppe Bad-Nauheim der SPD. Moorbad Pretzsch/Eibe • Das bewährte Heilbad Kurpauschale 85— RM. AMTLICHE REISEBUßEAU DER SCHWEIZERISCHEN BUNDESBAHNEN* BERUN-NW7-UNTER DEN UNDEN 57 Bad Elster Kurheim Villa Juyel tüc Parleigenossen und Republikaner PauschaUuren, billigste Preise 'Ruf u.a, Alwin Jugel. Parteiflenossen aufnähme, sehr gute Küche(5 Mahlzeilen), Garten mit Liegewiese direkt am Hause, nahe Wald und Bahnstation. Schwimmbad vorhanden. Pension 3,25 täglich, keine Nebenkosten Alberl Karges, Lufl- knrort Harriehausen(Harz). Nordseebad TÖNNING die herrhefte sommertrHche, die(ich jeder leiden Kann. Sonnige- Südstrand, gute Unterkunft, reichliche Verp legung, Pension von 3 RM. ab, keine Kurtaxe. Führer und Wohnungsnachweis durch die Bade- verwaltung, Markt 11. Osiseebad Misdroy Villa Wald und See 1 Min, von Strand u. Hochwald Vorzögt. Verpflegung. Vor- u Nachsa>on 4.— M. und 4.50 Hauptraiion 5.— M. und 5.50 Keine Zuschläge Gegen Herz- und GefäSerkrankungen Vergünstigungskuren für Minderbemittelte! Anfragen an die Kurverwaltung, für Berlin Auskunft Stresemannstraße 128 Telefon BI Kurfürst 1702 Gelenk-, Nerven-.lTOuep-' Krankheiten, Alters� erscheinunden heilt Bad LandecK in Schlesien (Radium-u.Moorbader pp.j Preise ermäßigt Pauschalkuren Auskunft u.Prospekte: � Städt. Badeverwa Itu ng � und Reisebüros. Nordseebad Die schönen Mecklenburgischen Ostsee bäd er Brunshauplen und Arendsee bieten Erholung, Heilung u. Abwechslung Strandbad— Kurbad �llenbad ErntäOigse Kurlaxe Ueber 150 modern eingerichtete Hotels, Pensionen und Fremdenheime.— MäQi ,e Preise. Vorzügliche mecklenburgische Küche.— Ausgedehnte Nadelwaldungen. Bildführer durch die Reisebüros u. durch die Badeverwalt. Brunshaupten u Arendsee(Meckl.) Tlr. 271• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 11. Juni 19Z2 „Anpassung an die Armut der Nation." Die„Wirtschastsführer" haben sie nicht nötig.— Pharisäer, die den Zöllnern predigen. Die neue Regierung der Zunker, des Mililärodels und der Großindustrie hat iy ihrem Aufruf die Anpassung unseres staatlichen Lebens an die Armut der Ration verlangt und steht im Begriff, den Aermsten der Armen, den Arbeitslosen. ihre heule schon kärglichsten Unterstühungen»och weiter abzubauen. Es erscheint angebracht, der in der Regierungserklärung gezogenen falschen Bilanz eine wahre Bilanz gegenüberzustellen, nämlich die, wie denn die h e r r s ch a f l s s ch i ch l e n jener Ber- armung der Ration sich angepaßt haben, die die Regierungserklärung dem angeblichen Slaatsfozialismus und angeb» lichen kvohlfahrtsstoat in die Schuhe zu schieben versucht. Die maßlose Schuldenaufnohme des Großgrundbesitzes hatte nicht nur unfähige Leitung zur Ursache, sondern in erheblichem Ilmsang auch die Ausrechtcrhaltung des feudalen Lebensstils. Die sogenannten Wirtschastsführer, die Leiter und Aufsichtsräte der Großunternehmungen, die ein gut Teil der deutschen Industrie in Grund und Boden gewirtschastet haben, haben sich gegenseitig phantastische Bezüge gewährt. aus denen neben einer verschwenderischen Lebensführung ihr gesellschaftlicher und politischer Ehrgeiz bestritten wurde. Die September-Notverordnung 1931 hatte die Möglichkeit zur sofortigen Kürzung aller Privatgehältcr über 1S0IX> Mark Mark, der Akkumulatorenfabrik Berlin 110 009 Mark. Bei den kleineren Gesellschaften sind Gehälter über 50 000 Mark gang und gäbe. Auch die Aussichlsratstantiemen verraten nichts von der Anpassung an die Armut der Ration: sie betragen zwar nicht mehr 100 000 Mark je Nase, die in den besten Jahren der Glanzstoffkonzern verteilte, sie erreichen aber bei Gesellschaften, die noch höhere Dividenden auszahlen, noch immer 10 000 bis 20 000, sogar 30 000 Mark und darüber. Bedenkt man, daß unsere Wirtschastsführer heute noch bis zu 20 Aufsichts- ratsmandate haben dürfen und daß man ferner durch Schaffung von Beiräten das Trinkgeldstiftem möglichst im vollen bisherigen Ilmsange aufrechterhält, so ergeben sich für unsere Wirtschaftskapitäne neben den Gehältern entsprechende„Neben- einnahmen". Herr Thyssen war bisher in 31, Herr Reinhart in 25, Herr Lübbert, der Wirtschaftsfachmann des Stahlhelms, in 18, Herr v. Stauß in 21 Aufsichtsräten vertreten. Das muß man mit jeweils 10 000 bis 30 000 Mark multiplizieren, um die Anpassung an die nationale Armut bei diesen Nebeneinnahmen festzustellen. Und wer am stärksten aus diesen Pfründen saugt, ist am reak- tionärsten, steht„hinter" der Feudalregierung und sinanziert Hitler. gegeben, die Gelegenheit zur Anpassung an die Armut der Nation war also gegeben! Wie sieht aber diese Anpassung nun aus? Unterlagen dafür sind durch die letzte Aktienrechts- Novelle gegeben, die vorschreibt, daß Bezüge des Vorstandes und der Aussichtsratsmitglieder im Geschäftsbericht ausgewiesen werden müssen. Ziffern sind erst für eine kleine Zahl von Gesellschaften bekannt, weil die Borschrift nicht für vor dem 31. Dezember 1931 abgeschlossene Berichte gilt. Aber schon hier wird möglichst versucht, die Angaben unter Verletzung der klaren gesetzlichen Vorschriften zu verschleiern. Hierbei ist noch zu berücksichtigen: Zahlreiche Unter- nehmungsleiter erhalten Zuwendungen in der Form von V e r- trauensspesen, Repräsentationszuschüssen, Dis» Positionsfonds usw.. die unter Generalunkosten verbucht wer- den und in den offiziell ausgewiesenen Bezügen nicht enthalten sind. Unsere Wirtschaftskapstäne beziehen ferner nicht bloß bei einer Unternehmung Gehalt und Tantiemen, sondern streichen darüber hinaus noch klei Konzern- oder anderen Unter- nehmungen erheblich« Tantiemen als Nebeneinkommen ein. Aber auch die verbleibenden eingestandenen Bezüge zeigen, mit welcher Rücksichtslosigkeit die kleine kapitalistische Oberschicht „ihren Lebensstandard" gewahrt hat. Diese Zusammenstellung ließe sich beliebig erweitern. Sie zeigt die fortbestehende groteske Uebersetzung der Direktionen der Groß- Unternehmungen und die noch immer anhallende phantastische lieber- bezahlung. Die beiden Spitzengesellschaften des Allianz-Konzerns hoben neben 24 Vorstandsmitgliedern noch 37 Direktoren, neben den zahlreichen Auftichtsräten noch Landesausschüsse mit insgesamt 81 Mitgliedern. Die Durchschnittsgehälter der Vorstands- Mitglieder belaufen sich bei der Mehrzahl der größeren Gesell- schaften auf 100 000 bis 150 000 Mark. In einem Vorstand gibt es sehr verschiedenartig be- zahlt« Direktoren: die Generaldirektoren, die ordentlichen Vor- stands- und die stellvertretenden Vorstandsmitglieder. Beim Vor- stand der JG. Farben befinden sich 21 ordentliche und 22 stell- vertretende Vorstandsmitglieder. Man kann annehmen, daß die Bezüge der leitenden Direktoren eine Viertelmillion Mark betragen oder noch darüber hinausgehen. Wenn schon beim Mannesmann-Konzern, dem kleinsten der schwcrindustriellen Konzerne, die Vorstandsbezüge fast eine Million betragen, wie viel« hunderUouscnde Mark werden die Herren Thyssen, Vögler, Reusch und die sonstigen schwerindu- striellen Finanziers der Nationalsozialistischen„Arbeiter"-Partei er- halten?! Das Durchschnittsgehalt der Vorstandsmitglieder der Deut- s ch e n Bank betrug fast 150 000 Mark, der C o m m e r z b a n k 100 000 Mark. Beide Bonken wurden vom Reich saniert! Die stramm nationalen Direktoren der Braunkohlenge- se lisch asten des Petschek-Konzerns und anderer Braunkohlen- konzerne erhalten als Minimum etwa 100 000 Mark. Darunter sind national zuverlässige Direktoren mit schärfster antisozialer Ein- stellung wohl überhaupt nicht zu haben, die die AngesteUtenschaft aus Stahlhelm und Nazis rekrutieren und für rücksichts- lose Kürzung der Löhne und Gehälter sorgen. Die Direktoren der Schubert u. Salzer A.-G. erhalten je säst 150 000 Mark, die Direktoren der Sarotti A.-G. 120 000 Zum Thema Reaktion und Hitler noch etwas Pikantes: Rekord-Tantiemen wurden bei der Akkumulatoren- fabrik Berlin gezahlt. Wer sind die Glücklichen? Von den 13 Aufsichtsratsmandaten hat allein 3 die Familie Q u a n d t besetzt: Werner Quandt-Pritzwall..Gerhard Ouandt-Wittstock und Dr. Günther Quandt, Wohnsitz ursprünglich Rittergut Severin, von dem aus Hitler seinen mecklenburgischen Wahlfeldzug führte, später Neubabelsberg und jüngstens Zürich(!). Die Fa- milie Quandt bezieht allein für ihre anstrengende Aufsichtsratstätig- keit bei der Akkumulatorenfabrik Berlin, die sie von Zürich. Pritz- walk und Wittstock aus ausüben, 120 000 Mark Austichtsrats- tantiemen! Der streng nationale Herr Dr. Günther Quandt übt von Zürich aus noch 18 andere Aufsichtsratsmandat« bei deutschen Gesellschaften aus. Dr. Günther Quandt-Zürich hat als Großaktionär dqr Akkumulatorenfabrik Berlin(er besitzt 15 Mil- lioncn von 20 Millionen Kapital) sich kürzlich 37 Prozent Dividende oder rund 51� Millionen Mark auszahlen lassen können. Seine Frau und die Politik hat er indessen Herrn Dr. Goebbels überlassen! Ein häusig sehr beträchtlicher Teil der Zuwendungen an die Leiter von Anternehmungen wird oft von vornherein über An- kosten verbucht. Auch auf Dieses System verstehen sich gerade die nationalen Herren sehr gut. Die Wintershall A.-G. hat bis 1929 fast 5 Millionen Mark aus dem Dispositionsfonds des Generaldirektors R o st e r g verausgabt und riesige Auswendungen der Direktion für politische Zwecke und Zuwendungen an die Presse über Geschäfts- Unkosten finanziert. Herr Rosterg hat schon im vergangenen Winter in Zeitungsaufsätzen die Naziregierung herbeigesehnt und die Auf- Hebung der verfassungsmäßigen Rechte der Arbeiterschaft gefordert. wollen wir noch mehr wissen über die wahren.sittlichen Grundlagen der Ratio n", wie sie uns hier vor Augen stehen und die die jetzige Regierung gegen das Gift de» Staats- soziolismus doch wohl wird verleidigen müssen? Roch mehr über die Anpassung der deutschen herrenschichlen an die Armut der Ration? Roch mehr über die moralische Zermürbung des deutschen Volkes, die nicht vom Reichtum, sondern von der Armut der Unter- stützten ausgeht? Sorge die Reichsregierung für Reinheit und nationalen Anstand bei den Pharisäern de» Kapitals, die ihr nahe- stehen. Ein leidendes Volt darf sich Ermahnungen zur Moral von dieser Regierung verbitten. Oer englische Eisenzoll. Von 10 Prozent auf Prozent erhöht. Das mit außerordentlichen vollmachten ausgestattete dreiköpfige Zolldirektorium, das May-Komitee. ha» dem britischen Schatzamt jetzt eine heraufsehung der englischen Roheisenzölle von 10 auf 33% Proz. vorgeschlagen. Bei der handel»polilischen Einstellung der gegenwärtigen englischen Regierung und der proteklio- nistischen Mehrheit des Unterhauses besteht kein Zweifel, daß die neue Zollerhöhung in nächster Zeit in Kraft geseht wird. Bei der letzten großen Zollnovelle vom 22. April waren die Roheisenzölle auf dem Stande des zehnprozentigcn Generaltarifs vom Februar 1932 gelassen worden, da das May-Komitee wegen der zwangsläufig eintretenden Belastung der eisenverarbeitenden Industrie vor einer weiteren Einfuhrerschwernis von Roheisen zurückschreckte. Die britische Schwerindustrie beantwortete diese Zu- rückHaltung mit heftigen Angriffen gegen das Komitee und die Regierung, die bei ihrem Zollprogramm die Stahlindustrie „einfach vergesse n" und ihre lebenswichtigen Interessen außer acht gelassen hätten. Dem anhaltenden Druck dieser auch in Eng- land mächtigen Wirtschastsgruppe Hot das Zolldirektorium jetzt nach- gegeben und die Roheisenzölle den Zollsätzen für Halb- und Fertig- fobrikate angepaßt. Man darf aus das Echo in der ver- arbeitenden Industrie Englands gespannt sein, denn daß das Zolldirektorium selbst mit einem Proteststurm rechnet, be- weist schon der Hinweis in dem veräsjentlichten Kommunique, daß eine„ungewöhnliche Preisverteuerung" zu einer W i e d e r a b- s ch a f f u n g der Eisenzölle zwingen würde. Daß der englischen Regierung bei ihren hochschutzzöllnerischen Maßnahmen selbst nicht ganz wohl ist, zeigt im übrigen sehr deutlich die Warnung des Handelsininifters an die Industrie, daß die Regierung nicht bcab- sichtige, den einzelnen Industriezweigen„F a u l h e i t s p r ä m i e n" zu geben, und daß sie bei offenkundiger Vernachlässigung der tech- nischen und kaufmännischen Betriebsfllhrung den Zollschutz wieder rückgängig machen würde. Das ist allerdings, wie die Erfahrung auf diesem Gebiet gezeigt hat, leichter gesagt als getan. 6 Prozent bei Wintershall. Oer letzte Kali-Abfchluß. Der mächtigste Konzern der deutschen Kaliindustrie, die von Rosterg geleitete Wintershall A.-G. in Berlin-Kasjel, veröfferrt- licht jetzt als letzte Großunteinehmung des Kalibergbaues Jahres- abschluß und Geschäftsbericht für 1931. Die Befürchtungen der Finanzkreise, die nach den überraschenden Riesenverlusten bei Burbach an den bevorstehenden Abschluß des Wintershall-Konzerns �geknüpft wurden, haben sich nicht erfüllt. Wintershall hat im Gegenteil die Krise gut über st an den und wesentliche Verluste sind aus der Konzernverschachtclung nicht ent- standen. Der Reingewinn hat sich von 16 aus 11,1 Mill. Mark ermäßigt: die Dividende bleibt mit 6 gegen 8 Proz. noch sehr ansehnlich. Der Absatz des Konzerns verringerte sich im Zusammenhang mit dem Umsatzrückgang des Kalisyndikates von 5,59 auf 3,98 Mill. Doppelzentner Reinkali. Auch bei den Nebenprodukten waren größere Lieferausfälle zu verzeichnen. Boll beschäftigt blieb da- gegen die Mischdüngerfabrik in Sondershausen. Durch schärfere Zusammenlegung der Betriebsstätten wurden 3 Werk« stillgelegt, wodurch sich die Belegschaft auf rund 4300 Mann verringerte. Aber auch diese Restbelegschast, der Ansang Januar der Lohn um 15 Proz. gekürzt wurde, hatte infolge Einlegung zahlreicher Feierschichten noch einen zusätzlichen Druck auf das Arbeitseinkommen zu erleiden. Demgegenüber legt die Verwaltung in ihrem Geschäftsbericht Wert auf die Feststellung, daß die Gesamtbezügo des vier- köpfigen Vorstandes im letzten Jahr einschließlich aller Nebenleistungen 251 420 M. betragen haben, während der 30köpfige Aufsichtsrat, dessen Tätigkeit bei derartigen Monopolunternehmungen auf das engste begrenzt bleibt, 300000 M., also je Kopf 10 000 M. an Tantiemen erhielt. Nach dem, was bei Wintershall in den letzten Jahren vorgegangen ist, möchten wir die Angabe, daß der Vorstand einschließlich aller Nebenleistungen nur 251 420 M. erhalten hat, bezweifeln. Wir haben seinerzeit, ohne daß wir berichtigt wurden, darauf hingewiesen, daß eine Revision bei Wintershall einen Sonderposten für Ausgaben festgestellt hat, bei denen sich u. a. phantastische Summen für Reisespesen des Generaldirektors befanden. Insgesamt waren es 5 Millionen Mark Ausgaben, deren Zwecke ziemlich dunkel waren, auch hinsichtlich der Verwendung für poli- tische Zwecke. Herr Rosterg ist ja auch als eifriger„Syftem"bekämpfer bekannt. Hohe Gewinne bei Deutsche Erdöl A.G. Nilanzklarheit nach wie vor verpönt. Die Deutsch« Erdöl A.-G., die mit einem Kapital van 100,4 Mill. arbeitet und als Besitzer und Kontrolleur der wichtig- sten deutschen Erdölvorkommen den möchtigsten Konzern in der deutschen Oelindustrie bildet, hat die Krise im vergangenen Jahr noch wenig zu spüren bekommen. Der G«jchästsgcwinn.hat sich von 16,3 aus 15 Mill. Mark verringert und nach Abzug van Unkosten und Abschreibungen wird ein Reingewinn von 4,70 gegen 5,54 Mill. Mark ausgewiesen, aus dem eine Dividende von 4 gegen 5 Proz. im Vorjahr gezahlt wird. In den Zechenbetrieben des Konzerns ist der Rückgang der Förderung im Gegensatz zu den anderen Ruhrzechen in sehr erträg- lichen Grenzen geblieben, denn er beträgt nur 9,4 Proz., während demgegenüber trotz zahlreicher Feierschichten die Belegschaft um 15 Proz. abgebaut wurde, woraus sich eine weitere be- deutende Leistungssteigerung je Mann und Schicht ergibt. In den Braunkohlenbetrieben hielten sich Förderung und Brikettproduktion auf dem Stand von 1930, während der Brikettabsatz sogar noch einem Zuwachs um 2 Proz. aufweist. Bei der von dem Unternehmen beherrschten Deutschen Petrolcum-Gesellschast ging die Rohölproduk- tion um 6 Proz. zurück. Auch in der vorliegenden Bilanz Hot die Verwaltung ihre bekannte Verschleiern ngs Methode bei- behalten und denkt gar nicht daran, den durch die Aktienrechts- Novelle erweiterten Publizitätsvorschrislen, die noch nicht in Kraft sind, nachzukommen. 'HWNt Bmnnenvorschriften durch das Fachinger ZentralbUro, Berlin 87, W8, Wilhelmstr. 55. Erhältlich in Mineralwasserhandlungen, Apotheken, Drogerien usw., sowie bei der Versandstelle der Staatsquellen Faohingen und Nioderselters, Berlin SW11, Schöneberger Straße 16a, Telephon:(B 2) LUtzow 8260—61, HMufik der S)almalmer Erlebnis Heller, sichtiger Märztag 1329. Wir liegen auf schmutzigen Planen am Heck des Dampfers„Ljubljana" der Susaker Jadranska Plovitba. Kurs Susak— Patras via Rab, Sibenik, Trogir, Split, Korcula, Dubrovnik— Gruz. Myrrenholz und Konserven an Bord. Und drei Dutzend Passagiere: Wir— ein Deutlcher und ein Ungar, arbeitslose Tramps— zwei bulgarische Juden in schmutzigen Kaf> tanen— Holzaufkäufer aus Sofia— vier Kroaten in Pumphosen mit breiten roten Nasen— Sibeniker Weinhändler— drei Polen mit Jockeimützen— verfrühte Touristen— fünf blutjunge Ungarinnen jugoslawischer Staatsangehörigkeit—„Sängerinnen sind sie nach den Passagierlisten— acht Gardemusiker des königlichen Gardemusikkorps aus Belgrad, zwei Griechen— Händler oder Spitzbuben, man weiß das nie genau— und junge Burschen— Fischer von Preko auf Uljain. Die See ist ruhig. Tiefblau und grün zuweilen. Steil springen Delphine aus den Fluten. Möven girren längs der Decks. Eine klare Sonne blinkt und sticht. Man wird durstig, faul und dösig. Das schüttere Stampfen der Maschinen schläfert. Wortfetzen dringen von mittschiffs nach hinten. Die Polen spekulieren auf billiges Quartier mit Kochgelegenheit in Dubrovnik. Die bulgarischen Juden hocken krumm beieinander, rechnend. Die Weinhändler lachen grell in einer sonnenschattigen Ecke. Die Griechen stehen bei den Sängerinnen. Sie wollen böhmische Horn» schnitzereien als gediegene Elfenbeinarbeiten an den Mann bringen. Schiffahrt über Tage schafft Freundschaften! Ein Offizier der Gardemusiker kommt vom Bug. Einer der Sängerinnen nickt er zu. Dann schlendern sie heckwärts auf und ab. Wir lauern auf ihr Gespräch. Da: .. und— darf man die Frage stellen— wo treten Sie auf?" „... dann in den Monaten April, Mai und Juni im Hotel „Slon" Dubrovnik... Aber... der Kapellmeister ist unser Oheim!..." Wir spitzen die Ohren: ..... Ah! Die Damen sind Schwestern?" „Wie man das so nimmt. Wir alle sind aus Subotitza. Freundinnen!... Was soll man machen?..." ..... Ist es erlaubt?..." Wir hören nur ein Flüstern upd Tuscheln. Später fernes Kichern. Aber auf einmal die Tänzerin ernst: „Bis nachts zwei Uhr sind wir beschäftigt! Dann sind wir müde. Oh! Sie verstehen: Wir sind unter dauernder Kontrolle. Sie wissen das ja!... Aber des Bormittags... nun, ich gehe baden!..." Die Tänzerin heißt Jlonke Gloac. Neunzehn Jahre alt. Schwarzhaarig. Gute Figur. Spricht drei Sprachen: Magyarisch, Serbo-Kroatisch und Italienisch. Täglich tanzt sie vor einem an- spruchslosen Publikum, vor Matrosen, Angestellten, Hafenarbeitern und Händlern. Tanzen? Ist das Tanz: Stündlich zwanzigmal im Rhythmus der Musik aufspringen und bewegungsvoll Tamburin schlagend eine» monotonen Refrain singen? Tanz als Broterwerb? Ist das Broterwerb? Zehn und mehr Stunden täglich Gäste unterhalten um bescheidenes Mittags- und Nachtmahl, bescheideneres Quartier und eine Tageseinnahme von fünfundzwanzig Dinare, wenn es gut geht? Mein Kamerad, der Ungar, kennt das. Er schaut der Tänzerin und dem Offizier, die sich entfernen, nach und sagt: „Ich kenne sie und ihn. Stephan und Jlonke. War dabei damals, als die Geige dem Tamburin unterlag. Das war in Sibenik im Jahre des Todes des großen Dimittrijew. Im Hotel„Slon" hatte Jlonke ihr erstes Engagement. Borher war sie... Kinder- Pflegerin bei einem deutschen Möbelfabrikanten in Bosnisch Beccreck.. Die Sehnsucht nach dem Leben trieb sie in die Falle. Einem„Onkel" gefiel sie. Nun ja, sie hat eine gute Stimme. Und, was mehr wert ist, sie ist jung und hübsch. Heute ist sie Gefangene ihrer Arbeit. Glaube nicht, daß sie noch an ihre Berufung als Tänzerin glaubt. Sie wird sich dem Milieu angepaßt haben. Sie wird gemußt haben! Damals in Sibenik war sie stolz!... Ob man das Mädel gewinnen kann?..." Ich schweige mich aus.. Soll erst der Kamerad sprechen: „Jedenfalls: Seinerzeit kam das Gardemusikkorps nach Sibenik, ein Platzkonzert zu geben. Wenige nur hörten die Klänge Smetanas und Beethovens Kompositionen. Die Kroaten interessieren sich nicht für Streichmusik. Abends dann, in der elften Stunde, verloren sich einige Musiker mit ihren Instrumenten in das Hotel„Slon". Diese Musiker— das mußt du wissen— sind ein wunderliches Völker- genlisch: Deutsche. Tschechen, Ungarn. Rumänen und nur wenige Jugoslawen. Der König der Jugoslawen liebt Streichmusik, und es gibt wenig jugoslawische Streichmusiker.. „Als die Musiker ihren Wein erhielten, beendete gerade Jlonke unter stürmischsten Beifall vieler Kroaten ihren Refraintanz. Viele- mals grüßte sie dankend noch den Tischen. Hernach ging sie, eine stolze, sieghaft« Fürstin, klingenden Lohn einzusammeln. Mancher Zehn-Dinare-Schein flog aus ihren Teller." „Am Tisch der Musiker gab es einen Zusammenstoß. Die..." Mein Kamerad schweigt. Jlonke und der Offizier kommen wieder näher. Wir hören die Tänzerin: „Stephan, tun Sie nicht so, als ob Sie das nicht alles wüßten! Wir kennen..." ..... Sie sind Jlonke?... Richtig... Jlonke!... Ach!" „... Ja, ich bin Jlonke!... Jlonke schon, aber nicht die Jlonke von Sibenik. Die ist tot! So wie die Kunst tot ist für uns! Die Jlonke von heute singt, tanzt und geht... baden!..." Der Offizier packt sie bei den Armen. Mein Kamerad springt auf: „Jlonke! Mädel!" Die Tänzerin dreht sich errötend um, lacht aus und zieht den Offizier mit sich fort. Langsam kommt mein Kamerad zurück. Sein Gesicht ist weiß, Schweißperlen stehen ihm in der Stirn. Er läßt sich neben mich fallen: „Das ist das Ende! Die Geige trumpft doch über das Tam- burin. Und ich wollte es nicht glauben!" Mich packt feine Erregung: „Sprich nicht in Rätseln! Zum Teufel, was ist mit der Geige und dem Tamburin? „In Sibenik glaubte Jlonke noch an ihr« Kunst... Die Musiker weigerten sich, für die Tänzerin und die kroatische Kapelle etwas bei- zutragen. Kurz, es kam zu einem Wettstreit zwischen den Garde- musikern des Königs und der Bauernkapelle. Jlonke gab den Aus- schlag. Ihre Anmut siegte über die lachenden Geigen der Musiker. Damals wurde Jlonkes Refraintanz zur vollendeten Kunst!" „Stephan, der Offizier, ist erster Geiger. In Sibenik machte Mehimi..° / Von JCerberl Steinhold er nach der Niederlage der Geige Jlonke einen Antrag. Sie wies ihn ab... Und nahm mich dafür!" „Zwei Monate waren wir glücklich. Bis ich weg muhte nach Szeged. Sie wollte nicht mit. Wir versprachen uns, aber..." Mein Kamerad seufzt auf: „Das Dasein ist ein Versprechen und NichtHalten!... Du sahst es: Jlonke will mich nicht kennen. Stephan ist der Sieger. Das will mir nicht in den Schädel!" Mein Kamerad wankt auf. Torkelnd geht er mittschiffs nach den Kabinen. Und er bleibt den Tag über allein. Um die neunte Stunde des Abends— helle Sterne sprangen in das Firmament— sehe ich ihn mit den Fischern von Preko sprechen. Inmitten der zungen Insel- bewohner begibt er sich nach dem Bug. Und da...: Leise, wie aus weiter Ferne kommend, steigt aus elf Männer- kehlen eines jener ernsten Lieder, die von der See, von den schweig- samen Bergen und von der Größe der Liebe singen. Tiefe, ge- tragene Töne klingen über das Schiff. Zu einer uralten Melodie dichten die Fischer singend neue Weisen. Und, nach einem dritten Vers— die Pasiagiere lauschen— in beschleunigtem Rhythmus, schwingt mein Kamerad ein Tamburin und tanzt. Tanzt! Tanzt für und um Jlonke. Die Fischer verstehen: stampfend singen sie den wilden Sang der Puhtaheimat meines Kameraden. Die Gegenwart ist ausgehoben Die See. die Sternen- nacht, die schwarze Schiff, alles ist versunken. Ueber die Vergangen- heit hebt sich die Sehnsucht nach der Zukunft Das Deck wird zum Tempel der Liebe. Hell springen die Schellen, rasend wird das Stampfen der Fischer Die Passagiere kommen näher. Die Sän- gerinnen zuvorderst. Und da ist Jlonke! Der Offizier Stephan will sie zurückhalten. Jedoch: sie reißt sich los. Schleppend kommt sie nach dem Kreis der Fischer. Ihre Augensterne strahlen. Die alte Jlonke von Sibenik erwacht! Man sieht Jlonke und meinen Kameraden den Tanz der Liebe tanzen! Sie tanzen bis zur Erschöpfung. Bis sie niederbrechen. Umschlungen, dann taumeln sie nach den Bänken an der Reling. Neuentags liegen wir zu dritt auf den schmutzigen Planen am Heck. Mein Kamerad lacht mir ins Gesicht: „Das Tamburin ist doch Sieger. So sagte mir Stephan, der Offizier und Geiger heute morgen. Er war ohne Bill... Ob er mir den Sieg gönnt?..." Jlonke antwortet: „Nicht das Tamburin oder die Geige sind die Sieger! Sieger allein ist die Liebe, die Liebe, geweckt durch die Musik der Heimat!" ßeburt der Südafrikaniichen Ilmion Ein Slapilel SiiHorie/ Von s. A. A. Atomj Kapstadt, Mitte Mai. 1. Ein Akt politischer Klugheit. Es ist nicht meine Absicht— liegt übrigens auch gar nicht im Interesse des Lesers—, in eine umfassende Schilderung aller jener Begebenheiten einzugehen, die am 31. Mai 1913 zur Proklamierung der Südafrikanischen Union geführt haben. Es genügt, wenn gesagt wird, daß damals ein Werk vollbracht worden ist, welches auch wir als einen„Akt großer politischer Weis- heit" zu erklären nicht anstehen— obschon wir sonst im Gebrauch dieser schmückenden Redewendung(wie es gemeiniglich bei Be- wertung diplomatischer Aktionen zu geschehen pflegt) überaus be- hutsam sein zu müssen glauben. Zwei Völker— Briten und Buren—, welche noch knapp ein Jahrzehnt zuvor im heftigsten Kampfe miteinander verwickelt waren, hatten sich hier in dem löblichen Wunsch zusammengefunden, endlich und endgültig die Streitaxt zu begraben und durch gemein- same Zielsetzung hinfort in Eintracht zum Wohle der neugeschaffenen Union in Südafrika zusammenzuwirken. Aber es waren nicht allein diese zwei verschiedenen Völker, zum Teil waren es auch die Glieder eines und desselben Volks stamme« oder die Bewohner eines und desselben Landes, die im englisch-burischen Kriege die Waffen gegen- einander geführt hatten. Vier besondere Staaten nahmen ursprünglich die Stelle der später ins Leben gerufenen Union ein: Transvaal, der Orange- Freistaat, die Kapkolonie und Natal. Von diesen standen die beiden ersteren unter burischen Herrschaft, während die beiden letzteren dem englischen Kolonialbesitze angehörten. Bezüglich der nationalen Gliederung ist zu bemerken, daß nur Natal und der Orange-Freistaat eine gewisse homogene Bevölkerung aufweisen. Dies in dem Sinne, daß die Einwohner Natals wesent- lich englisch, diejenigen des Orange-Freistaatcs wesentlich burisch sind. In Transvaal und der Kapkolonie hingegen waren stets die beiden Nationen stark vertreten. Einige Jahre vor Kriegsausbruch wurden in der Kapkolonie 233 333 Buren und 133 333 Personen bri- tischer Herkunft gezählt. Zur selben Zeit ungefähr befanden sich in Transvaal neben 71 333 Buren etwas über 32 333 Ein- wohnor englischer Abstammung. Geographisch zerrissen, politisch verfeindet, zudem mit einer national unorganisch gegliederten Bevölkerung versehen, mußte das Vierstaatenland in der Kriegszeit notwendig ein Bild trostlosesten Durcheinanders bieten. So waren wohl Großbritannien und die beiden Burenstoaten die eigentlichen kriegführenden Mächte. Aber es kam vor, daß Eng-. länder, die auf burischem Gebiete lebten, oder Buren, die in den englischen Provinzen zu Hause waren, zu den Waffen griffen, teils zum Schutze des eigenen Bodens, teils um mit den Stammes- genossen im feindlichen Lande gemeinsame Sache zu machen. Bruder- und Rebellenkämpse(letztere freilich weit mehr als erster«) spielten im Burenkrieg eine bedeutende Rolle. Dies erschwerte besonders die Versöhnungsaktion und machte ihre Durchführung zuweilen äußerst delikat und verwickelt. Re- bellen gelten in den Augen der Autoritäten stets als vogelfrei, und Stammesnenoffen, die in Fehde miteinander lagen, werden ein Gefühl der Bitternis und des Mißtrauens gegen den einstigen Wider- sacher kaum je ganz los werden. Daß nun allen Schwierigkeiten zum Trotz die Idee der„Union"- Bildung dennoch Wirklichkeit werden konnte, darf als Beweis mehr dafür dienen, mit welch tiefer Einsicht, staatsmännischcr Klugheit und überlegener Denkungsart man an die Lösung des Problems herangegangen war. 2. Besiegt und dennoch siegreich. Mit der Eroberung Transvaals und des Orange-Staates war die Burenfrage natürlich noch lange nicht erledigt. Ein Volk wie die Buren konnte man besiegen, aber nicht niederkriegen. Teuer genug ist ja dieser Sieg Großbritannien zu stehen gekommen. Denn nahezu drei volle Jahre(vom 13. Oktober 1893 bis 31. Mai 1932) hatte das Ringen gedauert. Dabei mußte England fast eine halbe Million Soldaten auf die Beine bringen, während den Buren, nach offiziellen Angaben, nicht mehr als 87 3 6S Mann(darunter 13338 Rebellen!) zur Verfügung standen. Die Kriegskosten beliefen sich für England aus über 223 Millionen Pfund lallo rund i'/i Milliarden Mark), welche nie zurückgezahlt worden sind. Schon früh brach sich daher die Erkenntnis Bahn, daß ein „milder" Friede der beste Friede sei. Von einer Annexion der er- oberten Gebiete glaubte freilich der britische Imperialismus nicht absehen zu sollen. Dies heischte die Goldminenpolitik, welche letzten Endes ja die ganze Kriegspolitik bestimmte. Und so wurden die beiden Burenrepubliken in zwei britische Kronkolonien verwandelt. Davon abgesehen aber wurde Milde und Nachgiebigkeit an den Tag gelegt. Große Aufmerksamkeit schenkte man vor allem dem Wiederaufbauwerk sowie der Frage der Wieder- beheimotunq aller derer, die im Kriege Haus und Hof verloren hatten Durch Gewährung von teilweise unverzinslichen Darlehen gedachte man außerdem die Voraussetzungen zur Wiederherstellung normaler Zustände im Lande zu schaffen. Ausbau des Eisenbahn- wesens und Errichtung von Bewässerungsanlagen sollten, durch Hebung von Wirtschaft und Verkehr, als weiterer Schritt nach der- selben Richtung dienen. Erwähnt sei noch besonders die anfangs 1933 gegründete Zollunion, welche außer unseren vier Pro- vinzen auch Südrhodesien sowie einige andere britische Besitzungen von Südafrika in sich einschloß. Dann kam die große Wendung, als Ende 1933 in Eng- land die konservative Regierung einer liberalen den Platz räumte und in den kurz darauf stattgehabten Parlamentswahlen die Niederlage der konservativen und der Sieg der liberalen Partei überwältigend dargetan wurde. Joseph Chamberlain, seit 1893 Kolonialsekretär und seitdem die treibende Kraft des groß- britischen Imperialismus, war bereits im Oktober 1333 gegangen. Nun herrschte eine Regierung,„die den Joseph nicht kannte". Und damit zugleich war eine Aera des Fortschritts und Aufschwungs für Südafrika angebrochen. Die neue Regierung in London war wesentlich dezentralist i s ch eingestellt. Obschon der imperialistische Rahmen, wie nicht anders zu erwarten war, völlig unberührt bleiben mußte, zeigte man sich fetzt gewillt, bei der Regelung interner Angelegenheiten den einzelnen Ländern weitgehendes Selbstbestimmungsrecht ein- zuräumen. So kam es, daß schon am 6. Dezember 1936 Transvaal, im Juni des folgenden Jahres die Orange-Kolonie eine Verfassung erhielt, die hier wie dort eine gesetzgebende Körperschaft mit einer d i e se r. g e g e n ü b e r verantwortlichen Regierung vorsah. Bloß für gewisse Punkte hatte sich London ein befonderes Kontrollrecht vorbehalten. 3. Die besiegten Sieger. Nun fragt es sich natürlich, wie burischerseits auf das englisch« Vorgehen reagiert wurde. Und da läßt sich nur eins sagen: einen feineren und vornehmeren Gegenpart hätte England sich kaum wünschen können. Wie im Felde hartnäckig und zäh, so zeigten sich die Buren geschmeidig und verträglich, sobald es ihnen darum zu tun war, sich ihre politischen Rechte zu sichern. Sie hatten sich mit den Tatsachen abgefunden: nunmehr kam es ihnen daraus an, sich den neuen Verhältnissen anzupassen und sie nach Kräften zu nutzen. Und nachdem sie im Kampf gegen England unterlegen waren, galt es fortan, in Gemeinschaft mit England für die Schaffung einer möglichst günstigen Situation zu wirken. Es waren die besten Köpfe unter den Buren, die so dachten: selbst Männer, die sich bis vor kurzem an den kriegerischen Aktionen beteiligt hatten. Bor allem war es Louis Bot ha, während des Krieges Oberkommandant der Burenarmee und feit Verleihung der Verfassung Transvaals Ministerpräsident, der sich entschieden für die Idee eines kooperativen Zusammengehens mit England ein- setzte. Allerdings unter der Voraussetzung vollkommener Gleich- stellung und Gleichberechtigung beider Volkselemente. Damit be- kannte sich Bocha zum Prinzip des binationalen Staates für Südafrika— in der Hoffnung, wohl einst die beiden Völker dahin zu haben, daß sie nur noch ein einiges Volk— die „A f r i k a n d e r"— bilden würden. Und während er im Lande das burische Element organisierte und zu einer eigenen Partei zu- sammenschloh, war er gleichzeitig bemüht, den Engländern— materiell und moralisch— goldene Brücken zu bauen. So geschah es( um nur ein Beispiel anzuführen), daß auf seine Veranlassung der 1933 gefundene C u l l i n a n— der größte Diamant der Welt— von der Transvaalregierung erworben und 1337 König Edward VI! als Geschenk übergeben wurde. Eine Geste, die viel Sympathie in der englischen Welt auslöste. Unstreitig hat Bothas kluge und maßvolle Politik nicht wenig zur Anbahnung besserer Beziehungen zwischen den bisher feindlichen Volkstellen bei- getragen. Inzwischen waren die Dinge für eine erneute Reform- a k t i o n reis geworden. Der wirtschaftliche Aufschwung, den das Land seit Kriegsende genommen hatte, ließ es wünschenswert er- scheinen, die vier Kolonien auch politisch in ein engeres Ver- hältnis zueinander zu bringen Wirklich fand man sich in London dazu bereit, die dahin zielenden Schritte zu unternehmen. Es war ursprünglich die Absicht, die vier Kolonien in eine Föderation — einen Staatenbund— zu vereinigen. Man ging indessen darüber hinaus und schuf schließlich eine Union: einen von einer Zentralregierung geleiteten Einheit? st aat. Man tat noch einen Schritt weiter, indem man, statt der kolonialen Abhängigkeit, dem neuen Staate den unabhängigen Status eines Dominions, gleich Kanada oder Australien, verlieh. Alles war fertig, das Unionspatent sogar mit des Königs Unter- schrift oersehen, am 23. September 1933. Jedoch wurde der 31. Mai 1313 als offizieller Tag der Unionsgründung bestimmt — eine besondere Aufmerksamkeit und sinnige Huldigung für das ehemals feindliche, nunmehr befreundete und verbündete Buren- voll. Denn am 31. Mai 1932 ward der Friede mit England ge- schloffen. So sollte damit bildlich zum Ausdruck gebracht werden. daß der Tag, der den Frieden, auch die Unionsschöpfung gebracht hat, und daß beide Ereignisie in Wahrheit einen organischen Fort- bildungsprozeß darstellten. Der 31. Mai wird seitdem in Südafrika als höchster nationaler Feiertag— Uniem-äaz'(Tag der Uniongründung) heißt man ihn— gefeiert.