Morgenausgabe Nr. 225 A 139 49.Iahrg'ng WZchentNch 75 PI. monatlich a,25 3JI (davon 87 P( monatlich für Zustellung ins Saus) im ooeaus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich so Pf. Psüzciwngs- und 72 Ps. Postbestellge« «tlhren. Auslandsadonnemeni s,s» M, «ro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druelsachenporto 4,65 M. Set„Sottoätts* erscheint wochenläg. Nch zweimal, Sonntags und Montag, einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Kandel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Eonntagsbeilaa» „Volt und Zeit" � f Verltner Svwsblatt Oiensiag 14, 3uni 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf, Sie einlpnlt Millimererzeile SO Pf, R-tlamezeile 2.- M„»leine Anzeigen" das settgedruckle Wort 20 Ps, izmassigzwei fettgedruckteWoriel.iedes weitere Wort lv Ps, Nabatt>t, Taris, Worte über lb Buchstaben zählen für zwei Worte, Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Ps, Familienanzeigen Millimererzeile lk Ps, Anzeigenannahme im Kauptgeschäsl Lindenstraße 5, wochentäglich von 8>/, bis>7 Uhr Der Verlag behält sich dasRecht der Ablehnung nichtgenehmer Anzeige» vori Jenttawesan der Sozialdemokratischen Vaetei Deutschlands Revaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönbofs(AT) 292— 297. Telegramm-Adr,; Sozialdemokrat Berlin, Vorwärts-Verlag G. m. b. H. 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Die Aussprache mit dem Reichspräsidenten hat— entgegen den offiziösen Versicherungen, daß eine weitgehende Ent- spannung im Verhältnis zwischen Reich und Ländern ein- getreten sei— keineswegs zu einer Entspannung geführt. Die„Bayerische Staatszeitung" veröffentlicht eine außerordentlich scharfe Erklärung gegen die kommende Not- Verordnung: „Sachtich sei festzustellen, daß von einer fühlbaren Ent- spannung im Verhältnis zwischen Reich und Ländern schwer- lich die Rede sein könne. Nach bayerischem Urteil habe die Reichsregierung nicht vermocht, die süddeutschen Bedenken gegen ihre einzelnen Maßnahmen oder Pläne zu zerstreuen. Zusammen- fassend sei für den Augenblick zu sagen, daß die süddeutschen Re- gierungen, insbesondere Bayern, für die neue Notverordnung jede Verantwortung ablehnen und insbesondere nicht die geringste Verantwortung übernehmen für gewisse Maß- nahmen in derselben, deren Durchführung ihnen nur mittels Gewalt möglich erscheint. DieungeheureVerantwortungderReichs- regierung ist dam.t bezeichnet— zugleich aber ist der ungeheuerliche Volksbetruq der National- sozialisten festgestellt, die diese Regierung tragen und die deshalb diese Notverordnung mit zu ver- antworten haben! Eine weitere Notverordnung soll das Verbot der SA., der chitlerschen Bürgerkriegsarmee, praktisch aufheben. Auch darüber ist in den Besprechungen beim Reichspräsidenten keinerlei Einigung erzielt worden. Darüber schreibt der „Bayerische Kurier": Vötlig ergebnislos fei die Aussprache über die Auf- Hebung des SA.- und SS.-Verbots verlausen. Die Reichsregierung glaube, ein Wiedererstehen dieser Organisationen werde zur all- gemeinen Beruhigung beitragen. Es sollte ermöglicht werden, die Jugend zu nichtmilitärischen Zwecken zur körperlichen Ertüchtigung und Schulung zusammenzufassen. Man denke also offenbar an eine Verwirklichung der Pläne des früheren Reichsinnenministers Groener. Davon versprächen sich die Mini st erpräsidenten Süddeutschlands nichts. Weil sie befürchteten, daß das Wiederauftauchen von Uniformen zu schweren Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit fiihren werde, hätten sie die Reichsregierung dringend aufgefordert,, ein allgemeines Verbot sämtlicher— auch der fegt noch vorhandenen— Organisationen zu erlassen. Daß die Reichsregierung sich dazu ent- schließen werde, dürfe als ziemlich ausgeschlossen angesehen werden. Ob und welche Folgerungen sich aus der Aufhebung des SA,-Verbots für Süddeutschland ergäben, hänge von dem Wortlaut der neuen Rotverordnung und ihrer Auslegung ab, Unter Umständen wäre es denkbar, daß die füd- deutschen Regierung mit eigenen Verordnungen eingriffen. Die Bindung des Kabinetts der Barone auf die Auf- Hebung des SA.-'Verbots hat eine offiziös inspirierte Stimme damit' verteidigt, daß diese Dinge nicht unter dem Gesichts- winke! Reich und Länder zu ssbsn seien, als vielmehr unter dem der p a r l a m e n t a r i s ch- p a r t e i p o l i t i s ch e n Lagerung, Das heißt: das Kabinett der Barone hat nichts hinter sich als die Sympathie der Hitler-Partei, und um sich diese Sympathie zu erhalten, muß es die Bürger- kriegsarmee Hitlers legalisieren! Herr Groener hat soeben in einer Erklärung fest- gestellt, daß der Grund für die Auflösung der SA. die G e- fährdung der Staatsautorität gewesen sei. Eine Regierung, die eine Frage der Staatsautorität unter dem Gesichtswinkel der parlamentarisch-parteipolitischen Lagerung sieht, ist eine reine Parteiregierung! Ihre Freunde bemühen sich im übrigen, sie weiter auf die Parteipläne der Nationalsozialisten festzulegen. So schreibt die„D e u t s ch e Z e i t u n g": „Daß der Staat sich im übrigen bei der Lösung der großen völkischen Zukunftsaufgoben— wir denken vor allem an die A r b e i t s d i e n st p f l ich t— in erster Reihe auf die großen, im Geiste der alten soldatischen Disziplin aus- gebauten nationalen Verbände stützen wird und nicht auf Reichsbanner und Rotfront, ist eine Selbstverständlichkeit, mit der sich die Novemberlinge und die schwarz-roten Massenkampf- Parteien abfinden müssen. Wenn in den nächsten Tagen die SA, wieder marschiert, beginnt der Wiederaufbau Deutschlands aus dem Geiste einer neuen nationalen Disziplin." Hier ist offen der Plan angedeutet, aus Hitlers Bürgerkriegsarmee eine staatliche Einrich- tung zu machen! Es ist ein Spiel mit dem Feuer, das hier getrieben wird,. ein überaus gefährliches Spül und das Ka- binett der Barone kommt ihm mit der Legalisierung der Hitlerschen Bürgerkriegsbanden entgegen! Die Erklärung Groeners. Der frühere Reichswehrminister Groener übergibt der Presse folgende Erklärung: „In einem Teile der Presse wird behauptet, daß die vom Ober- reichsanwalt festgestellte Unmöglichkeit, auf Grund der ausgefun- denen Befehle der nationalsozialistischen SA. über Grenzverteidi- gungsmaßnahmen ein Landesoerratsverfahren gegen Teile der SA. einzuleiten, der Verordnung des Reichspräsidenten über die Aus- löfung der SA, die Grundlage entzogen habe. Demgegenüber wird darauf hingewiesen, daß der einzige Verbotsgrund für die Auflösung der SA, die Gefahr für die Staats- a u t o r i t ä t war. In der Begründung für die Auflösung der nationalsozialistischen Sturmabteilungen heißt es ausdrücklich, daß der Ausgang der polizeilichen und gerichtlichen Verfahren nicht ab- gewartet zu werden brauche, „da die Auflösung der Organisationen aus staatspolitischen Gründen ersolgt und von dem Ergebnis der Untersuchung, ob und in welchem Amsange strafbare Handlungen einzelner begangen worden sind, völlig unabhängig ist." Die Anzeige wegen Landesverrats ist von der zuständigen Polizeibehörde ohne Beteiligung voi» Regierungsstellen erstattet worden. In politischen Kreisen rechnete man schon auf Grund des bekanntgewordenen Materials damit, daß der strafgesctzliche Tat- bestand des Landesverrats iin Sinne des§ 89 des Strafgesetzbuches nicht gegeben sei, weil eine solche Handlung nur dann strafbar ist, wenn sie während eines Krieges begangen wird. Demgemäß stellt auch der Oberreichsanwalt in seinem Einstellungsbescheid fest: „Soweit Teile der SA, der NSDAP, durch ihre ablehnende Stellungnahme gegen gewisse Grenzoerteidigungsmaßnahmen und durch Vorkehrungen, die sie für ihr Verhalten im Falle einer Be- drohung deutschen Gebietes durch fremde Mächte getroffen haben, etwa die Interessen der deutschen Landesverteidigung beeinträchtigt haben mögen, kommt eine landesverräterische Betätigung im Sinne des Strafgesetzbuches nicht in Frage, da die Voraussetzungen des § 89 StGB, nicht gegeben sind," Die Tatsache, daß eine solche Handlung strafrechtlich nicht erfaßt werden kann, ändert jedoch an der Beurteilung der Handlungsweise der Töter nichts. Berlin, 11. Juni 1932. gez. Groener, Reichsminister a, D, Geldgeber über Hitler. Die Schwerindustrie verlangt Ware für ihr Geld. Die„Deutsche B e r g w e r k s z e i t u n g", das führende schwerindustrielle Organ, richtet einen Appell an Hitler, der an Deut- lichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Das Blatt schreibt: „Höchstes Lob jedoch gebührt dem Agitator, der seine Gaben, aber auch das, was ihm versagt ist, richtig einzuschätzen weiß, und neidlos den Staatsmann gewähren läßt, nachdem er ihm die Waffe geschmiedet hat und zum Gebrauch bereit hält." Man kann dies mit anderen Worten auch so ausdrücken: Die schwerindustriellen Unternehmer erwarten, daß ihr in der Hitler- Bewegung investiertes Kapital sich auch rentiert. Ministerialrat Goslar in Ltrlaub. Der Gründer und Leiter der Pressestelle der preußischen Staatsregierung. Wie Ministerpräsident Otto Braun hat auch der Leiter der Pressestelle der preußischen Regierung, Ministerialrat Gos- l a r, einen längeren Urlaub angetreten. Es wird von der weiteren Entwicklung der politischen Verhältnisse abhängen, ob er in sein Amt zurückkehrt, Genosse Goslar hat vor 12!L> Jahren die Pressestelle der Staatsregierung und ein Jahr später auch den Amtlichen Preußischen Pressedienst begründet, Zentrum eröffnet den Wahlkampf. Brüning Spitzenkandidat in Hessen, Darmstadt, 13. Juni.(Eigenbericht,) Der ehemalige Reichskanzler Brüning wurde heute vom Landesausschuß der hessischen Zentrumspartei als Spitzenkan- didat für die Reichstagswahl aufgestellt. Staat und Armee. Heraus aus dem Halbdunkel! Voq Anton Erkelenz. Wer über den Ernst der politischen Lage in Deutschland und über die unvermeidlichen sozialen und politischen Aus- Wirkungen einer künstlich übersteigerten Deflationspolitik nachdachte, kam stets an einen Punkt, an dem es schwer wurde, die Lage mit den normalen Mitteln der Demokratie zu bewältigen. Für diesen Fall mußte eine stärkere Heran- ziehung der Präsidialgewalt und der Militärgewalt zum Schutz gegen einen gewaltsamen Umsturz der Verfassung und gegen einen Bürgerkrieg mit in Rechnung gesetzt werden. Daran werden auch die deutschen Militärs öfter gedacht haben. Sie werden sich— noch mehr als die Politiker— gesagt haben, daß eine solche Hineinziehung der Heeresmacht in die Tagespolitik gerade vom militärischen Gesichtspunkt aus ein verhängsiisvolles Uebel sein werde, das nur im höchsten Notfall zu rechtfertigen sei. Dieser militärische Eingriff mußte von jedem Gesichtspunkt aus folangewiemöglichvermieden werden. Wenn er unvermeidlich wurde, mußte er getan werden, nur um Nation, Reich und Verfassung zu retten. Jeder Schein, daß die Reichswehr zugunsten irgendwelcher politischen oder sozialen Strömung eingriff, war strengstens zu- vermeiden, Eine überragende Führung hätte in diesem Fall der Reichs- wehr einen großen moralischen Kredit und ein Ansehen ver- schaffen können, das manche Grundfehler politisierender Generäle der Vergangenheit ausgelöscht hätte. War die Stunde zum Eingriff der militärischen Macht da? Es wird niemand geben, der diese Frage bejahen kann. Daß das Kabinett Brüning wider Willen wahrscheinlich der Bahnbrecher der Gegenrevolution sein werde, haben außer- halb des Kabinetts selbst viele geahnt. Sie hätten gewünscht, Volksfront gegen Hitler- Barone! Oeffentliche Kundgebungen am Mittwoch, dem 1 S.Juni, 20 Uhr In der„Neuen Welt", Neukölln, Hasenheide 1 08 In den Spichern-Sälen, Spichernstr. 3 Im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain in den Pharus-Sälen, Müllerstr, 142 Redner: Clara Bohm-Schuch, E.Hamburger, Franz Künstler, Paula Kurgass, Carl Lltke, Toni Sender, Fr. Stampfer, Mlatbllde Wurm— Gestaltet diese Kundgebungen zu einer gewaltigen Abrechnung mit der Hitler-Reaktion! Nationalsozialistische Lügensabnk. Wie ein sozialdemokratischer Amtshauptmann verleumdet wird. daß diese Unklarheit schon früher beseitigt wurde. Daß gerade jetzt Brüning gehen mußte, wird nienmndem ein- leuchten: denn wenigstens in der Außenpolitik hatte er einige Aussichten eröffnet, die kein verantwortlicher Deutscher in den Wind schlagen durfte. Es scheint, als hätte sich die militärisch« Macht zur Uebernahme der politischen Verantwortung g e- drängt, als hätte sie ihre Stunde nicht ab» warten können. Sie hat sich in dem Aufruf des neuen Reichswehrministers deutlich an die Seite der Ratio- nalsozialiften gestellt, mischt sich also ein in den inner» politischen Machtkampf. Sie hat sich endlich auf eine Kabi» nettsbildung eingelassen, die deutlich eingestellt ist gegen die Arbeitnehmer, gegen die Demokratie, gegen die Armen, für die meist agrarische Oberschicht, für eine Politik, die bedenklich nach Restauration des alten Regimes riecht. Man lese zum Beispiel das Entsetzen Garvins im„Observer". Auch wenn man annimmt, daß die Führung der Reichs» wehr bei ihrer Handlungsweise noch andere oder vielleicht hauptsächlich andere Absichten verfolgt, so wird man nicht übersehen, daß sie diese drei großen Fehler begangen und mit zu verantworten hat. Hier erscheint die Armee als ein Instrument des Klassenkampfes von oben. Das wird ihr, der Nation und dem Staat keinesfalls gut bekommen. Darüber sollten die jetzt augenbliiklich mobilen Massen des Herrn nicht hinwegtäuschen. Sie werden die Gesetze der Geschichte nicht aufheben.- Nach dem Zusammenbruch im Weltkriege war es eine der wichtigsten Fragen nationalen und staatlichen Aufbaus, ob und inwieweit es gelingen werde, ein enges Zufam- Mengehörigkeitsgefühl zwischen Armee und Volk herzustellen. Daß dieses Zusammengehörigkeitsgefühl vor und im Kriege nicht bestand, war nicht zuletzt die Ursache des Zusammenbruchs. Die neudeutsche Machtpolitik Wilhelms II. war auf Sand gebaut. Man hat von beiden Seiten versucht, aus der furchtbaren Erfahrung zu lernen. G e ß l e r hat wenigstens in seinen ersten Jahren als Reichs- wehrminister in dieser Hinsicht zu wirken versucht, G r o e n e r hat aus der Erfahrung der Kriegszeit entscheidende Verdienste. Die in der Weimarer Koalition vertretenen Parteien und ihre Anhänger Habensich große Mühe gegeben, das Ver- hältnis zwischen Bürger und Landesverteidiger so zu ge- stallen, wie es der modernen Auffassung einer faeien Bürger- gesinnung entspricht, und haben dafür schwere Opfer gebracht. Das alles ging nicht ohne Reibungen und Rückschläge. Es mar verheerend, daß die führenden Militärs sich zwar solange „korrekt" verhielten, wie sie im Amt waren, aber schleunigst sich an allen nationalsozialistischen Demonstrationen beteilig- ten, wenn sie a. D. oder z. D waren... Eine noch ernstere Frage ist es, ob und inwieweit die Republikaner systematisch irregeführt worden sind in dem Glauben, die Führung versuche wenigstens, die Wehrmacht auf jeden Fall nicht zum Werkzeug politischer, gesellschaft- liäier. sozialer Reaktion werden zu lassen. Sie versuche, sie zum Träger allgemeiner Staatsgesinnung zu machen. Es gehört zum Wesen des Militärdienstes, im Felde den Gegner zu täuschen, ihn irre, zuführen, ihm Fallen zu stellen. Ist das auch im Lande selbst, gegen die eigenen Bürger geschehen? Schon über die größere Hälfte der Ministerzeit Geßlers muhte man die Ueberschrift stellen: W e r b e l ü g t w e n? Als vor einigen Monaten im„Vorwärts" S ch ö p f l i n seine ale- mannisch deutliche Absage an Schleicher schrieb, las man klar zwischen den Zeilen: hier spricht ein Mann, der sich größte Mühe gegeben hat, ein gesundes demokratisches Verstehen zwischen Bürger und Landesverteidiger zu pflegen, und er spricht, als habe erdiegrößteEnttäuschungfeines Lebens erlebt. Und nun. die neuen Erfahrungen? Soll die Reichswehr offen zum Instrument der alten gesellschaft- « lichen Privilegien, des Wohlfahrtsstaates der Junker werden? Dann wäre mehr zerstört als eine vierzehn- jährige A r b e i t, die van beiden Seiten ernst genommen und ernst betrieben wurde. Sollte man heute glauben, es käme auf das Volk nicht so sehr an? Soweit man Volk dabei nötig habe, sorg« die Mystik des Nationalsozialismus für alles? Mit Bajonetten kann man vielleicht äußerlich Ruhe halten. Aber in den schweren Notjahren, die noch vor uns stehen, gewinnt man damit nicht die Herzen eines Volkes. Es gibt aus den Nachkriegsjahren in Europa genug Beispiele. an denen man sich orientieren könnte. Müssen wir von 1932 ab noch einmal all die staatspolitischen Experimente durch- machen, die England und Frankreich vor 199 bis 299 Jahren schon gemacht? Man sieht nur noch nicht die Napoleons und den Cromwell! - Es'ist kein gesunder Staat möglich ohne ein klares Ver» hältnis zwischen Wehrmacht und Staat, der Unterord» nung der Wehrmacht unter die politische Führung. Ueberall, wo die Wehrmacht versucht, sich an die Stelle der Staatsmacht zu setzen, waren schwerste Er» schütterungen die unvenneidliche Folge. Der Weltkrieg hat das für Deutschland in gerade, zu tragischer Weise erwiesen. Die Armee ist nicht dazu da, die veralteten gesellschaftlichen An- schauungen der Armeeführer wieder aufzufrischen. Die Armee ist nicht dazu da. eine Junta der Armeeführer und ihrer Klasseninteressen zu sein. Nach den bitteren Erfahrungen der Kriegszeit ist deutliche Offenhell am Platze. Wo die Armee» Ein dreistes Stück nationalsozialistischer Hetze gegen die Sozialdemokratie in Mecklenburg-Schwe- rln muß niedriger gehängt werden: Unter der Ueberschrift: „So hauste die SfJD." und„T r o st lo s e Zinanzver- hält nisse im Amte Hägens w" weiß der„Angriff" von einer angeblich unglaublichen Zinanzmihwirtschafl in dem früher unter sozialdemokratischer Führung stehenden Amt hagenow sMecklenburg-Schwerinj zu berichten. Zn dem Ar- tikel wird behauptet, daß das Amt hagenow eine Schuldenlast von drei Millionen Mark habe und zwar mehr Schulden, als alle übrigen neun Acmter zusammen. Nun hat das Amt hagenow zwar nicht gerade drei Mil- lionen Mark Schulden, aber doch immerhin«ine Schuldenlast von L,7S Millionen Mark. Es war nämlich das einzige von den 19 meck- lenburgischen Aemtern, das in großzügiger Weise S i e d l u n g s- und Wohnungsbau-Politik betrieb und zu diesem Zwecke natürlich Gelder aufnehmen mußte. Den 2,7S Millionen Mark Schulden steht aber heute in den Siedlungen und sonstigen Einrichtungen des Amtes hagenow ein Vermögen gegen- über, das selbst bei vorsichtigster Bewertung erheblich größer ist als die Schuldenlast. Der frühere sozialdemokratische Amtshaupt- m a n ii Dr. Wohlers konnte übrigens Gelder für Zwecke des außerordentlichen Haushaltsplans überhaupt nur aufnehmen, weil auch die bürgerliche Fraktion der Amtsoersammlung zustimmte. Die Amtsordnung in Mecklenburg-Schwertn schreibt nämlich vor, daß die Amtsoersammlungen Beschlüsie über die Auf- nähme von Anleihen usw. nur mit Zweidrittelmehr» h e i t fassen können. In der Amtsversammlung des Amtes Hage- now waren aber von den 21 Amtsvorstehern nur 19 Sozialdemo- traten. Mit Ausnahme eines Kommunisten gehörten die übrigen Amtsvertreter sämtlich der bürgerlichen Fraktion an. Nur wenn diese Fraktion zustimmte, konnte eine Anleihe aufgenommen werden. führer Aufgaben übernehmen, die außerhalb ihrer Zuständig- keit liegen, da gibt es als erste Abwehr nur voll st es Licht der öffentlichen Meinung. Brünings geschichtliche Handlung ist nicht, wie er selbst zu glauben scheint, der Abbau des Reichshaushalts oder sonst ein Abbau. Das wird hinter dieser Krise nur als eine bescheidene, mehr negative politische Leistung gelten. Er hat durch seinen Rücktritt die dunklen Einflüsse an das Tageslicht gezogen und damit einen wichtigen Teil der politi» schen Entscheidungskämpse der Zukunft auf, gezeichnet. Rundfunk und presse. Das Kabinett der Barone politisiert den Rundfunk. Kautschutbestimmung gegen die presse. Die Regierung der Barone hat die Absicht, sich kräftig des Rundfunks zu bedienen, um für sich Reklame zu machen. Sie hat es auch nötig! Wenn man an die kommende Notverord- nung, an den Abbau der Erwerbslosenhilfe, den Abbau der Sozialversicherung und die Renten der Kriegsopfer denkt, so versteht man, daß diese Regierung sich verteidigen möchte! Sie hat sich vor dem Reichstag gedrückt und will nun im Rundfunk reden. Das ist bequemer, da kann nicht geant- wartet werden! Wir möchten uns aber von vornherein energisch verbitten, daß im Rundfunk im Stile der ersten Regierungeerkärung gegen das Volk und seine arbeitenden Klassen geredet wird! Die Anordnung des Innenministers über die Jnanspruch- nähme des Rundfunks lautet: „Die Reichsregierung behält sich vor. den Deutschen Rund- funk täglich«ine halbe Stunde nach Bevarf in An- spruch zu nehmen, um die Oeffentlichkeit über ihre Zie'e und Ab- sichten zu unterrichten. Für diese Sendungen, die vom Deutschland- sender ausgehen und von allen anderen deutschen Sendern übernommen werden müsien, kommt die Zeit zwischen 18.39 und 19.30 Uhr in Frage. Mit der Durchführung ist die„Dradag" be- auftragt warben." Wenn die Regierung Brüning im Bedarfsfall— wirklich selten genug!— sich des Rundfunks bedient hat, so hat sich ein Geheul und Gelärm von rechts erhoben, man hat sich nicht genug tun können im Gezeter über die Politi- f i e r u n g des R u n d f u n k s. Jetzt wird der Rundfunk sehr kräftig politisiert für die Zwecke einer ausgesprochen reaktiv» nären Parteiregierung, mit begeisterter Zustimmung jener Kreise, die bisher laut über eine angebliche Politisierung des Rundfunks gezetert haben. Wir wünschen den Herrschaften ein gutes Gedächtnis! Wir werden sie an ihre Begeisterung für diese Politisierung des Rundfunks erinnern! Der Reichsinnenminister Freiherr von Gayl hat ferner mitgeteilt, daß die Pressenotverordnung geändert wer- den soll. Eine Beschlagnahme von Zeitungen soll künftig überhaupt nicht mehr erfolgen. Wenn bisher Zeitungen ver- boten werden konnten mit der Begründung, daß sie öffent- licheSicherheit und Ordnung gefährdeten, so soll dieser Verbotsgrund für die Zukunft wegfallen. Dafür soll alsneuerVerbotsgrund gelten, wenn Zeitungen oder Zeitschriften lebenswichtige Interessen de» Reiches durch Veröffentlichung oder Verbreitung u n» Die meisten Anleihen wurden übrigens einstimmig oder fast ein- stimmig beschlossen. Die Aufnahme von Anleihen ist den mecklenburgischen Aemtern aber auch noch dadurch erschwert, daß Anleihen nur aufgenommen werden dürfen, wenn auch der sogenannte Landesoerwal- t u n g s r a t— ein Kontroll- und Ueberwachungsorgan des Staates — einem mit Zweidrittelmehrheit gefaßten Beschluß der Amtsoer- sammlung auf Aufnahme einer Anleihe zustimmt. Wenn der frühere sozialdemokratische Amtshauptmann des Amtes Hagenow für seine Siedlungs- und Arbeitsbefchassungs- politik sowohl die Zustimmung einer Zweidrittelmehrheit seiner Amtsoersammlung wie auch des Landesverwaltungsrats fand, dann ist damit der Beweis erbracht, daß von einer sozial- demokratischen Finanzmißwirtschafi keine Rede sein kann. Wie gesund die Finanzwirtschaft des Amtes Hagenow unter dem früheren sozialdemokratischen Amtshauptmann Dr. Wohlers war, geht auch aus den Abschlüssen der Haushaltsrechnungen des Amtes hervor. Die Haushaltsrechnung des Amtes Hagenow schloß in den Iahren 1927 bis 1931 stets mit einem wenn auch geringen Ueberschuß ab. Der Ueberschuh betrug im Jahre 1927: 1518 M., 1928: 3866 M.. 1929: 86-15 M., 1939: 12 836 M., 1931: 13 581 M. Interessant ist. daß im Gegensatz zu dem sozialdemokratisch geführten Amt Hagenow die bürgerlich geführten Nachbarämter Parchim und Ludwigslust mit Unterschüssen ab- schlössen Das Amt Parchim hatte z. B. im Jahre 1939 einen Unterschuh von 69 999 M.. da» Amt Ludwigslust tn den Jahren 1939 und 1931 insgesamt einen Unterschuß von 175 999 M. Der Artikel im„Angriff" ist also weiter nichts als der üblich« Versuch der Nazis, sich als die Reiniger und Retter hinzustellen: in Wirklichkeit war die Finanzwirtschaft im Amte Hagenow unter dem sozialdemokratischen Amtshauptmann Dr. Wohlers absolut ein- w a n d f r e i und ist geradezu als mustergültig anzusprechen. Wir werden sehen, was nun die nationalsozialistische Verwaltung tun wird! wahrer entstellter Nachrichten gefährden. Diese Bestimmung hat vor allem den Schutz der aus- wärtigen Interessen des Reichs und der Landes- Verteidigung im Auge. Die Verbolsfristen sollen um die Hälfte herabgejetzt werden. Hier soll eine außerordentlich gefährliche Kautschutbestimmung geschaffen werden! Die offiziöse Pressepolitik, die Denaturierung von unbequemen Ausland spressestimmen hat sich eben erst beim Amtsantritt des Kabinetts von Papen wieder in vollem Glänze gezeigt. Soll olles, was nicht in den Rahmen dieser unmöglichen Preffepolitik paßt, als„entstellte Nachricht" gewertet werden. oder soll damit gar ein Schutz für die neu uniformierte BürgerkrlegsarmeedesHerrnHitler geschaffen werden? Das würde ausgezeichnet zu den Befehlen paffen, die Hitler und die Seinen dem Kabinett der Barone erteilen! Gegen Kürzung der Kriegsrenien. Reichsbanner protestiert bei dem Reichspräsidenten. Der Gau Mittelschleflen des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold hat gegen die beabsichtigte neuerliche Kürzung der Kriegsrenten bei dem Reichspräsidenten von Hindenburg mit nachstehendem Tele- gramm entschiedenen Einspruch erhoben: Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Gau Mtttelschlesten, erhebt als Kriegsteilnehmer-Organisation Einspruch gegen die neuerliche Benächteiligung der Kriegskameraden und deren Witwen und Walsen durch die Notverordnung. Au» engster Verbundenheit mit unseren Frontkomeraden suhlen wir die Gewisienspflicht, für das Recht der Kriegsopfer, denen der Dank des Vaterlandes gewiß sein sollt«, furchllo« und entschieden einzutreten. Ltrieil im Abel-Prozeß. Drei Zahre Zuchthaus wegen schwerem Meineid. Nach mehrstündiger Beratung verkündete das Gericht Im Abel. Prozeß kurz nach 23 Uhr folgendes Urteil: Abel wird wegen schwerer Verbrechen des Meineidee zu einer Gesamtstrafe von drel Jahren Zuchthaus ab der er- littenen viermonatigen- Untersuchungshaft und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Das Gericht hält den Angeklagten in den verschiedenen An» klagepunkten für überführt. Es war die Frage zu prüfen, ob dem Angeklagten Z 51 zugebilligt werden könne. Diese Frage hat das Gericht sowohl auf. Grund des Sachverständigengutachtens wie auf Grund eigener Anschauung verneint. Die Frag«, ob Abel wissentlich oder fahrlässig gehandelt hat, wurde in ersterem Sinne bejaht, da der Angeklagt« Zeit hatte, sich die Sache zu überlegen. Straferschwerend wirkte, daß Abel schon wegen ähnlicher Delikte oorbestrast und sein Meineid schwere Presseangrifse auf Hitler zur Folge hatte, Ver Prozeß gegen den Deulschtumsbvnd ln Polen wird ueu aufgerollt. Der Oberste Gerichtshof in Warschau hat neue Verband- luna vor anderen Richtern in Posen angeordnet. In dem früheren Berfakren waren Abg. G r a e b e und weitere 19 Angeklagte zu Ge- fängnis zwischen sechs Monaten und einem Monat verurteilt worden. Die Schleicher-Partei. Eine Filiale des Nationalsozialismus. Der Dank des nationalen Deutschland. »Freue dich, wackerer Krieger, dein Blut ist nicht umsonst geflossen. Jetzt ist die natio- nale Regierung da, sie wird dir zeigen,... ...daßderStaat keine Wohlfahrts- anstatt ist. Darum: herunter Mit der Rente?" Vorbereitungen für Lausanne. Die Abmachungen zwischen Macdonald und Hernoi. Paris, 13. 3unl(CtgrnbctidjL) V'e sraozöjilch-engliichen Verhandlungen in Paris haben zu einer wesentlichen Wiederannäherung zwischen Frankreich und England gesührt. Es wäre aber salsch, diese Wiederannäherung als eine wiederauserslehung der Entente Eordigle oder als die Bildung einer französisch-englischen Einheitsfront gegen die übrigen Staaten Europas, besonders gegen Deutschland, auszulegen. Mocdonald und Herriol ha.en selbst in einer Erklärung an die presse diese Aussassung abgelehnt und die sranzäsische presse betont die» in ihren Kommentaren ausdrücklich. Ts handelt sich vlelmehr um ein« jranzösijch-eugllsche Verständigung über die VI«. lhode, die den anderen Mächten in Gens und Lausanne nicht auf- gezwungen, sondern empfohlen werden ioll, um zu einem besrie- digenden Ergebnis zu gelangen. Unsolgedessen werden Macdonald und Herriol die Delegierten der anderen Mächte vor Beginn der offiziellen Verhandlungen über ihre Besprechungen unterrichten. Wenn Macdonald in der Reparatlonsfrage in eine B e r l ä n- gerung de.s Moratorium»«ingewillizt hat, statt wie bis vor kurzem� ein« endgültige Streichung- der Reparationen zu r erlangen, so ist das darauf zurückzuführen, daß«r sich darüber klar geworden ist, daß angesichts der Haltung Amerikas in der Schuldenfrage kein« französische Regierung auf einen derartigen Vorschlag eingehen kann. Andererseits weiß man in Frankreich ganz genau, daß von Deutschland keine direkten Reparationszahlungen mehr z» erwarten sind. Deshalb will sich herriot mit einem voll- ständigen Moratorium einverstanden erklären, aber er will die von Deutschland im Haag übernommenen Verpflichtungen juristisch aufrechlerhallen wissen, um sich die Möglichkeit vorzubehalten, später»0» Deutschland einen Ausgleich auf einem anderen, vor allein wirt» schaftlichen Gebiet«, zu erlangen, falls die Vereinigten Staaten in- zwischen die Kriegsschulden nicht streichen sollten. Jedenfalls würde durch diese Lösung Deutschland faktisch, wenn auch nicht juristisch, seiner Zahlungsverpflichtungen entbunden werden. Ueber die Abrüftungsfrage scheinen die französischen und englischen Minister nicht sehr eingehend gesprochen zu haben. Sie sind sich aber darüber klar gewesen, daß alles getan werden muß, um der Abrüstungskonferenz einen Erfolg, wenn auch nur einen Teilerfolg, zu sichern. Auf welche Weise die» möglich ist. wird von dem guten Willen der anderen Staaten abhängen. Einige Blätter sprechen von einer Herabsetzung der Mllitärkredite, von einer Beschränkung oder einer Jnternationalisierung einer Anzahl besonders gefährlicher Ängrisfsmittel wie der Bombenflug- zeuge und schließlich von einem mehrjährigen Abrüstungswaffen- stillstand. Um die französische öffentliche Meinung zu beruhigen, hat Macdonald die Absicht, in Gens von den interessierten Mächten eine Erklärung unterzeichnen zu lassen, in der unter Berufung auf den Kellogg-Pakt jedes gewaltsam« Vorgehen gegen einen anderen Staat noch einmal verurteilt werden soll. •■■•.*■■■ Am Montag abend sind Macdonald, herriot, Sir John E rion und Paul Boncour noch einer gemeinsamen Reise in Genf «ingetroffen. * Auch das Reichskabinett beschäftigte sich am Montag. üt der Borbereitung der Lausanner Äonferenz. Noch eingehenden Darlegungen der beteiligten Reichsminister wurde eine völlige Ein- mütigkeit des Reichskabinetts über die van der deutschen Delegation einzunehmend« Haltung festgestollt. Die Stellvertretung des Reichskanzlers während seiner Abwesenheit in Lausanne übernimmt der Reichsinnenminister Frhr. v. G a y l. Das Bürgertum, soweit es noch nicht von der natio- nalsozialistischen Flut verschlungen ist, sucht verzweifelt nach rettenden Planten. Aber gerade diese Bemühungen zeigen deutlich seine Zerfahrenheit und seine politische Ber- ständnisloslgkeit. Ts lassen sich im wesentlichen zwei Gruppen unterscheiden. Die eine möchte durch eine allgemein-bürgerliche L i st e n v e r b i n d u n g bei den bevorstehenden Wahlen retten, was noch zu retten ist, die andere glaubt der völligen Vernichtung entrinnen zu können durch Grllndungeiner vollständig neuen Partei oder zum mindesten durch Auswechseln der bisherigen Firmenschilder. So haben die V o l k s p a r t e i l e r in Anhalt beschlossen, wieder einen Laden unter der alten nationalliberalen Bezeich- nung aufzumachen. Als ob damit noch ein.Hund hinter dem Ofen wegzulocken wäre! Wer sich von der Volkspartei abge- wandt hat, wird sich auch für den Nationalliberalismus nicht begeistern lassen, zumal da dieser Name bereits vor dem Kriege so kompromittiert war, daß man ihn nach der Revo- lution schleunigst verschwinden ließ. Professor horneffer in Gießen, der sich in den Kreisen der Großindustrie durch eine Reihe von höchst antisozialen Reden und Schriften bekannt und beliebt gemacht hat, hat am Sonntag in Essen eine neue Partei gegründet, die er in schöner Selbstironie„s o z i a l l i b e r a l e" taust. Auch das ist eine Totgeburt. Ernster zu nehmen mag der Versuch sein, der am Dienstag angestellt werden soll. Zu diesem Termin sind nach Berlin eine AnzahlvonRotabeln eingeladen worden, um die politlsche Lage zu besprechen und ebenfalls die Gründung einer neuen„Mittelpartei" vorzunehmen. Hinter dieser Aktion stehen der frühere Botschafter D r. S o l f, der Duisburger Oberbürgermeister I a r r e s, der Ehrenpräsident der Handwerkskammer Plate, der Geheime Justizrat W i l d h a g e n und angeblich Dr. E ck e n e r. Sieht man von Dr. Eckener ab, den man in dieser Gesellschaft gern ver- meiden möchte, so sind die Namen schon Programm genug. Nicht zuletzt der Justizrat W i l d h a g e n, denn dieser Herr Wildhagen hat im September vorigen Jahres als neu- gewählter Präsident des Juristentages eine w i l d n a t i o- nalistische Rede gehalten, in der er unter anderem von dem kommenden Tag der Rache gegenüber Frank- reich sprach. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier etwas geschaffen werden soll, was nicht viel mehr ist als eine neue Filiale des Nationalsozialismus, und was sich von der deutschnationalen Partei nur durch die Abneigung gegen die persönliche Diktatur H u g e n- b e r g s unterscheidet. Aus diesem Grunde klingt es denn auch sehr wahrscheinlich, wenn behauptet wird, daß das ganze Unternehmen sein Entstehen der Initiative eines sehr prominenten Mitgliedes der gegen- w ä rtige.n Regierung verdankt. Das Kabinett Papen wird nicht müde, zu. erklären, daß es jede.Parteipolitit ablehne, aber e-s möchte doch, wenn es sich irgend tun läßt, im neuen Reichstag eineMehrheit vorfinden und zu der soll ihm die Partei Jarres-Wildhagen zusammen mit Ratio- nalsozialisten und Deutschnationalen verhelfen. Daß das Zentrum sich an dem Experiment nicht be- teiligt, ist selbstverständlich. Aber auch der Christliche Volksdienst will seinen Weg allein weitergehen, und die Staatspartei hat am Sonntag mit erfreulicher Deutlichkeit die Grenze zwischen sich und den reaktionären Cliquen ge- zogen. So darf man annehmen, daß die Hofsnungen, die das Kabinett auf die— nun sagen wir einmal auf die Schleicher-Partei setzt, ebenso fehlschlagen werden wie vor zwei Iahren die Erwartungen, die Herr Dr. Brüning an die Gründung der Dolkskonservativen knüpfte- Die Heuchler! .Wir verlangen drakonische Znchihavssirasen." Im„Völkischen Beobachter" von Sonntag/Montag 12./!Z. Juni 1932 findet man In drei Zentimeter hohen Lettern folgende über mehrere Spalten gezogene Ueberschrift: „Wir verlangen drakonische Zuchthausstrafen für die vertierten ftPD.-Miirder! Die Ermordung des hiilersungen Hofsmann soll die Sühne finden." C» handelt sich, wie man aus dem Weiteren ersieht, um«inen Totschlag, der am 17. August 1931 im Südosten Berlins am Lausitzer Platz begangen wurde. Die Verhandlung gegen die Totschläger, die der Kommunistischen Partei angehören, hat am D o n n« r s t a g der vergangenen Woche begonnen und wird mit Beginn dieser Woche fortgesetzt. Am gleichen Tage, an dem die Verhandlung vor dem Schwurgericht beim Landgericht I begann, nahmen National- s pz i a l i st e n und K o m m u n i st« n in trauter Gemeinschaft jene Amnestievorlage im preußischen Rechteausschuß an. durch die allen polilischm Totschlägern volle SIraffreihell zugesichert wird. „Wir verlangen drakonische Zuchthaue st rasen..." __ daher der Name A m n« st t e I * Aus dem„Singrist" vom Sonnabend, dem 11. Juni: „Es besteht kein Zweifel mehr, daß die KPD. eine Organi- sotion von Verbrechern ist, die von Verbrechern geführt wird und Verbreche» verübt. Mit ihr muß jetzt unter Anwendung aller staatlichen Mittel Schluß gemacht werden. Das bolsche- wistifche Verbreche» muß vom Reich mit Stumpf und Stiel be- seitigt werden Legt man den Organisationen und Führern das Handwerk, zieht man sie wegen ihrer bereits begangenen ver- brechen vor Gerich» und bestrasi sie(o schnell und so gründlich, wie es das viele von ihnen vergossene Blut heischt, dann sind dieser Mardpartei die Gistzähne ausgebrochen." Amnestie— Amnestie— Amnestielll * Ans dem„Angriff" vom Montag, dem 13. Juni: „Die Zeilen sind vorbei, da man glaubte, die intellektuellen Urheber der Morde und Bluttoten mit Samthandschuhen anfassen zu müssen. Jetzt muß mit diesen Burschen i n e i n« r anderen Tonart geredet werden... Wir sind nicht gewillt, den unaufhörlichen Bürgerkrieg dieses in allen seinen Schichten verlumpten und verkommenen Verbrechergesin- d e l s noch länger zu ertragen. Wir sind nicht gewillt, noch länger unsere Leute aus Befehl der jüdischen Intellektuellen der APD. von vertierten Mördern hinschlachten zu losten. Und wir erklären hiermit, daß es der größte Teil des deutschen Volkes nicht ver- stehen würde, wenn man diesen infamen Strolch, diesen Verbrecher Wollenberg, wieder lausen ließe." Ha, welch mutige Sprache! Welch kraftvoller Ausdruck. Da» packt, das hypnotisiert! Und wie viele von den Lesern denken noch daran, derweil sie dies lesen, daß die NSDAP. Schulter an Schulter mit der KPD. in Preußen Amnestie für alles„verlumpte und ver- kommen« Berbrechergesindet", für alle„vertierten Mörder",«in- schließlich des„infamen Strolch Wollenberg" soeben beschlossen hat. Obwohl„der größte Teil des deutschen Boltes nicht verstehen würde, usw. usw." Der„Angriff" ist offensichtlich überzeugt, daß seine Leser nichts merken. Cr kennt ihre Dummheit, er weiß, daß die Spekulation aufdieabsolutsUrteilslosigteit national» sozialistisch verblödeter Masten die sicherste ist! Ernster Appell Hendersons. Ein Bericht über den Stand der Abrüstungskonferenz. Genf. 13. Jirni.(Eigenbericht.) Am Vorabend der beginnenden politischen Abrüstungsverhand- lungen benutzte henderson den Empfang einer Reihe von inter- nationalen Fnedeiisdelegationen zu einer Besprechung der bisherigen Konferenzarbeit und einem riclstung- weisenden- Appell au die Slaaizmäuner. Vor allem habe die Konferenz eine große Umbildung der W e l t m e> n u n g hervorgerufen. Keine verantwortlich« Person eines Lande» könne heut« mehr wagen, zu erklären, daß ihr eigene» Land genügend abgerüstet fei. Auch nicht jene Mächte mit den stärksten Grenzen und den furchtbarsten Zerstö- rungsmaschinerien, die noch gar nicht so lange behauptet hätten, freiwillig bis zur äußersten Grenz« ihrer Sicherheit abge- rüstet zu haben. Niemand könne auch mehr zu denken wagen, daß die einfache Begrenzung der Rüstungen auf ihren heutigen Stand ein unannehmbares Ergebnis darstellen müsse. Fühlbare und allgemeine Herabsetzung fei die Forderung der welimeiaung. Von den technischen Kommissionen hatten mindestens zwei wichtige Ergebnisse erzielt. Die Kommission für staatliche Rüstungs- ausgaben habe bewiesen, daß«ine wirksame budgetäre Be- grenzungsmethode praktisch aufgestellt und vürchgeführt werden könne und die Kommission für chemische Kamps- mittel habe nicht nur deren Abschaffung, sondern auch das Der- bot jeglicher Herstellung solcher Kampfmittel in Friedenszsiten beschlossen. Auch die unbefriedigenden Ver- Handlungen der Lanv-, See- und Luftkommissionen seien nicht um- sonst gewesen. Sie stellten eine notwendige Etappe dar, durch die zum einen oder anderen Zeitpunkt die Konserenz einmal Hab« gehen wüsten. Das beweise nur erneut, daß die Aüsfüh- rung d«r qualitativen Abrüstungebeschlüsse nicht d«n mllitä- rischen Sachverständigen, soavern den Politikern zukomme, die jetzt ein sichere» Feld für ihre"Entscheidungen vor stch hätten. Klar steh« vor der ganzen Welt, daß die Ergebnisse der Konferenz von den Regierungen abhängig seien. S&enn diese wünschten, auf dem Weg« der Abrüstung vorwärts zu kommen, dann seien sie heute in der öffentlichen Meinung ihrer Länder sämtlich in einer stör- keren Posstion als vor 4 Monaten. Die Konferenz könne auch nicht mehr auseinandergehen, ohne wirksame Maßnahmen gegen die privat« Herstellung und den Handel mit Waffen und Munition zu regeln. Nun sei dl« Zeil gekommen, wo die- großen Entscheidungen ge- troffen werden mühten und auch getrosten würde». Bei d«n Regierungen liege die volle Verantwortung stir den Erfolg der Konserenz und vor allem bei denen der großen Mächt«, die die wichtigsten Armeen der Welt besäßen.„Niemals seit 14 Jahren hat in den Händen der Staats- männer ein« solch« Macht gelegen, di« Ereignisse zirm Guten oder zum Bösen zu lenken", schloß Hendevson unter stärkstem Beifall. Ausländer in der Türkei dürfen nach einem Gesehbeschluh der Nationalversammlung eine Anzahl Berufe nicht mehr ausüben: bstrofsen sind besonders die russischen Flüchtlinge. Binnen sechs Monaten haben diese Ausländer einen erlaubten Beruf zu ergreifen. Dr. Blasiny, bisher tschechoslowakischer Gesandter in Rom. ist in gleicher Eigenschaft für Berlin ernannt worden. Die neue rumäoische Reglcruug hat Kammer und Senat auf- gelöst. Neuwohl der Kammer am 17. Juli, des Senat, 24. und 26. Juli. Wiederzusammentritt schon am 30. Lull. NSDAP, gegen Beamte. „Sanierung" auf Kosten der Sozialbeamten. Der„Angriff" erfährt„aus bester Quelle", daß der neue Reichsarbeitsminister S ch n e f f e r nicht der Meinung sei, daß es mit einer äußeren Reform der Sozialversicherung möglich ist, ihre Krise„über den Katastrophenpunkt" hinwegzubringen. Schuld an dieser Krise der Sozialversicherung sei„vor allem die übermäßige Aufblähung des Verwaltungsapparats". Dieser sei „zu einer wahren Domäne schwarzen und roten Parteibuchbeamten- tums gemacht worden", so daß die Verwaltungskosten dermaßen in die Höhe getrieben worden seien,„daß man durch geeignete Personal maßnahmen künftig fast ein Drittel davon ein- sparen könne". Durch diese Personalmaßnahmen würde so viel ein- gespart werden können, daß man überrascht sein würde,„in wie starkem Maße die jetzigen sozialen Leistungen aufrechterhalten werden können". Da der„Angriff" diesen Schwindel„aus bester Quelle", also offenbar vom neuen Reichsarbeitsminister selbst bezogen hat, ist es notwendig, sich mit ihm etwas näher zu befassen. Zunächst wollen wir den Umfang der Verwaltungskostcn in den ver- schiedcnen Zweigen der Sozialversicherung feststellen. Im Jahre 1930 betrug in der Krankenversicherung der Anteil der Verwaltungskosten 6,5 Proz. Wir geben hier die Durchschnittszisfer der verschiedenen Arten der Krankenversicherung, bemerken aber zu- gleich, daß erheblich über dem Durchschnitt die Verwaltungskosten bei den Krankenkassen liegen, wo es ein„rotes Parteibuchbeamten- tum" überhaupt nicht gibt, nämlich bei den Iunungskranken- lassen und auch bei den Betriebskrankenkasscn. In der Invalidenversicherung betrug der Anteil der Verwaltungskosten 3,95 Proz., in der A n g e st e l l t e n v e r s i ch e- r u n g 5,78 Proz. In der Knapp schaftsversicherung machten die Verwaltungskosten nur 3,77 Proz. aus. In der Arbeitslosenversicherung, die am stärksten umkämpft ist, war der Anteil der Verwaltungskosten 1930/31 sogar nur 3,5 Proz. Wenn man die Arbeitsvermittlung und die anderen Zweige der Reichsanstalt mit einbezieht, dann betrug der Anteil der Ver- waltungskosten 5,6 Proz. Erheblich höher als bei allen diesen Sozialversicherungs- zweigen war allerdings der Anteil der Verwaltungskosten in dem Zweige der Sozialversicherung, in dem der Einfluß der Versicherten vollständig ausgeschaltet ist, nämlich in der U n f a l l v e r- sich er un g. Hier erreichte er den außerordentlich hohen Prozent- satz von 13,34. Wenn also der neue, von den Nazis verteidigte Reichsarbeitsminister unter Ausschluß des„Parteibuchbeamten- tums", d. h. unter Ausschluß des Einflusses der Versicherten, die Personalmaßnahmen treffen will, dann kann man sich nach dem Vorbild der Unfallversicherung auf allerhand gefaßt machen. Wie sieht es aber in Wirklichkeit mit dem„Parteibuchbeamten- tum" aus? Nur in der Krankenversicherung, soweit es sich um All- gemeine Ortskrankenkassen und Ersatzkrankenkassen handelt, haben die Versicherten den entscheidenden Einfluß. In allen anderen Ver- sicherungszweigen ist der direkte Einfluß fast gänzlich ausgeschaltet oder aber ein sehr geringer. Von einer Selbstverwaltung kann meist gar nicht gesprochen werden. In der Regel herrscht da das B e- a m t e n t u m mit oder ohne Parteibuch, das von den Nazis be- sonders umschmeichelt wird, Es kann nicht bestritten werden, daß große Teile der Beamten auf den Schwindel der Nazis hereingefallen sind. Wenn die„beste Quelle" des„Angriff" stimmt, dann können sich diese Beamten auf allerlei gefaßt machen. Sicher ist, daß die Sozialbsamten, an deren Pflichttreue wir nicht im geringsten zweifeln und deren Interessen wir stets vertreten haben und auch weiter vertreten werden, sich auf ein großes Ausräumen, wie der„Angriff" sagt, gefaßt machen müssen, wenn das Hakenkreuz zur Herrschast gelangen sollte. Gesamtverband schafft Klarheit. Einig und entschlossen zum Kampf. Im Saale des Berliner Verbandshauses trat am 11. und 12. Juni der Beirat des Gesomtoerbandes zu seiner vierten Tagung zusammen. Genosse M ü n t n e r führt den Vorsitz. lieber„Wirtschaftskrise und Gesamtverband" sprach R e i ß n e r. Die Unternehmer und alle reaktionären Kreise benutzen die Not der Zeit, um die Rechte der Arbeiterschaft zu beschneiden oder zu be- seitigen. Der Gesamtverband hat sich trotz der schweren Zeit sehr gut gehalten. Der Mitgliederrllckgang ist verhältnismäßig gering. Die Organisation war in der Lage, trotz der Wirtschaftskrise auf die Gestaltung der Tarifverträge stärksten Einfluß zu nehmen. Zu den alten natürlichen Gegnern— den Unternehmern— sind neue Feinde gekommen. Die Arbeit, der Gewerkschaften wurde gestört durch die Grün- düng und Betätigung der REO. Zahlenmäßig war die Gründung der RGO. für die KPD. ein Mißerfolg. In einer Berliner Funktionärkonferenz der RGO. bezeichnete Graß- n i ck vom Zentralkomitee der KPD. die Gründung und Betätigung der RGO. alz eine große Pleite. Die Parole:...Heraus aus de» Gewerkschaften" habe sich als falsch erwiesen. Auf der anderen Seite ist der N a z i g e w e r k s ch a f t s a r b e i t Beachtung zu schenken, trotzdem die Erfolge dieser Partei auf gewerkschaftlichem Gebiet noch mäßiger sind als die der RGO. Einstimmig nahm der Beirat eine Entschließung an, in der es heißt: „Die Regierungserklärung des neuen Reichskabinetts Papen« Schleicher hat die Bedeutung einer offene» Kriegs- e r k l ä r u n g an die sozialistisch denkende und gewerkschaftlich orga- nisierte deutsche Arbeitnehmerschast... Dos Ziel dieser reaktionären Adelsherren, die nur durch das Anwachsender national- sozial! st ischen Bewegung in den Besitz der Regierungs» macht gelangen konnten, ist neben der Vernichtung der demokra- tischen Grundtagen unseres staatlichen Lebens die radikale Beseitigung der Ergebnisse der bisherigen sozialen Gesetzgebung, vor allem>edoch der Arbeitslosenversicherung, die Zerschlagung des Betriebsräte- und Tarisvertragsrechtcs und damit die Vernichtung icglichen Schutzes der Arbeitnehmer gegenüber den Willkürmethoden eines reaktionären Unternehmertums... Die 4. Beiratssigung des Gcsamlverbandes erklärt deshalb: Unsere Einheilssront ist die„Eiserne Front"! wer sür die nationalsozialistischen Betriebszellen oder die RGO. agitiert, stützt und fördert die Reaktion. Wir rufen die Rlitglieder des Gesamtverbandes auf, bei der bevorstehenden Reichstagswahl, deren Ausgong da» zukünftige Schicksal nicht nur der deutschen Arbeiterbewegung, sondern gleichermaßen auch das Schicksal des ganzen deutschen Volkes und Europas aus Zahre hinaus cnijcheidend beeinflussen wird, mit allen Kräften sür den Sieg der Sozialdemokratischen Partei einzutreten: denn der Sieg der So-ialdcmokralie ist gleichbedeutend mit der Niederlage der Papen-Regierung und ihres Verbündeten und Steigbügelhalters, � de» Hitler-Faschismus." lieber Tarif- und Lohnbewegungen sprach Paul Schulz. Im Jahre 1932 ist es trotz aller Widerstände und Wider- wärtigkeiten gelungen, für 354 000 Mitglieder einen Lohnabbau von 10 Pf. pro Stunde abzuwehren. Eingehend behandelt Schulz die lohnpolitische Situation. Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Arbeitsbeschafsung sei Kampf für die Sicherung und den Ausbau des Tarisrechts. Typisch sei, daß die KPD.>m Reichstag gegen die Arbeitsbeschaffungsanleihe gestimmt habe. In der Aussprache behandelte O r l o p p die Tarifbewegung der Gemeindearbeiter, Schreiber die Bewegung der Handels- und Transportarbeiter. Ein neues Reglement für die Führung von Tarifvertrags- und Lohnbewegungen wurde einstimmig beschlossen. lieber den Stand der Organisation berichteten Becker und P o l e n s k e, über Pressefragen Dittmer. Die Berichterstatter wiesen auf die starken Sparmaßnahmen hin. die in den Jahren 1931 und 1932 auf allen Gebieten der Ver- wallung beschlossen und durchgeführt wurden. Eingehend wurde über die Ursachen des Rücktritts leitender Funktionäre berichtet. Bei Abnahme der Jahres- abrechnung für 1931 hat der Verbandsvorstand festgestellt, daß«in- zelne Hauptfunktionäre des Verbandes Befugnisse über- s ch r i t t en haben. Die Ueberschrertung besteht darin, daß sie über die Anlage von Geldern verfügten, ohne entsprechend den Bestimmungen der Satzung die zuständigen Körperschaften zu be- fragen. Soweit Anschuldigungen wegen des Hausbaues erhoben wurden, ist festgestellt, daß die Voranschläge um etwa 10 Proz. überschritten worden sind: eu, Prozentsatz, der sich durchaus in den Grenzen hält, die als vertretbar angesehen werden können. Der finanzielle Stand der Organisation ist durchaus gesund Schumann. Nürnberg und R u p p e r t, bei denen der Ver- bandsvorstand die Ueberschreitung der Befugnisse feststellte, haben daraufhin dem Berbandsvorstand ihren Rücktritt von der Füh- rung der Geschäfte erklärt. Es sei ausdrücklich betont, daß ehrenrührige Vorwürfe gegen die von der Geschästssührung zurückgetretenen Kollegen nicht erhoben werden. Nach sehr eingehender Aussprache beschloß der Beirat, bis zum Verbandstag folgende Geschäftsverteilung: Vorsitzender: Fritz M ü n t n e r. Mit der weiteren Führung der Geschäste als Bor- sitzende werden beauftragt: Anton Reiß n er und Otto Becker. Hauptkassierer: August R e i tz. Borstandssekretär: Carl P o l e n s k e. Mit der Leitung der Reichsabtcilung A(Gemeindebetrieb«) wird an Stelle von Polenske Josef O r i o p p, mit der Leitung der Reichs- abteiluna C(Handel und Verkehr) an Stelle von August Reiß Otto Schreiber betraut. 2llle Beschlüsse in den Personalfragen wurden einstimmig gefaßt. Einstimmig beschlossen wurde die Verlegung des für Anfang November vorgesehenen Verbandstages auf einen späteren Zeitpunkt. R e i g berichtete über die finanzielle Lage der Orga- nisation. An Unterstützungen sind im Jahre 1931 über 12 Millionen Mark ausgezahlt worden. Die Abrechnung für das 1. Quartal 1932 zeigt ein weiteres An- wachsei, der Aufwendungen für die Opfer der Wirtschaftskrise. Den gewaltigen Anforderungen, im besonderen für Arbeitsloscnunter- stützung, stehen Mindereinnahmen an Beiträgen durch Lohn- und Gehaltskürzungen sowie durch Kurzarbeit gegenüber. Bon den Mitgliedern des Gesamtverbandes find zur Zeit 1 15 0 00 arbeitslos, 1 5 8000 Kurzarbeiter und 42000 Invaliden und Pensionäre. Nur die Hälfte der Mit- gliedschast zahlt zur Zeit volle Beiträge. Die voin Vorstand vor- geschlagenen Satzungsänderungen wurden zu einem erheblichen Teil einstimmig, zum Teil mit großer Mehrheit beschlossen. Die Tagung des Beirats, die in so ernster Zeit stattsand, zeigte in allen Entscheidungen und Beschlüssen den eisernen Willen der verantwortlichen Körperschaften, die Organisation über die Ge- fahren dieser Zeit hinwegzubringen und unerschüttert den Abwehr- kämpf gegen die Mächte der Reaktion zu führen. Die Werkmeister tagen. Ln Kampsstellung. Nach Konstituierung des Büros erstattete der Verbandsvor- sitzende Buschmann den in Nr. 265 des„Vorwärts" besproche- nen Geschäftsbericht. Bezugnehmend auf die große Arbeits- losigkeit sagte Buschmann, die Mehr- und Ueberarbeit sei keineswegs beseitigt. Den Sonntagsdienst eingerechnet, haben wir auch heule noch auf verschiedenen größeren Werken Arbeits- Zeiten bis zu 280 Stunden monatlich. Scharfe Kritik übte er an der Arbeits gerichtsbarkeit, besonders an der Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichts. Die Verwaltung des Deutschen Werkmeister-Verbandes ist äußerst umfangreich. Der Personalbestand wurde trog Zunahme des Geschäftsverkehrs eingeschränkt Die Eingliederung der st ellenlosen Kollegen in den Verband und die Gewährung einer angemessenen Stellen- losen-Unterstützung sei die Sorge, die der Verband heute habe. Die Schrumpfung der Wirtschaft zieht auch eine Schrumpfung im Verbände nach sich. Die Verhältnisse werden nicht besser sondern schlechter. Aus die veränderten Verhältnisse müsse sich der Verband einstellen und entsprechende Satzungsänderungen vornehmen." Der Verband befindet sich wie alle deutschen Gewerkschaften in einem gigantischen Abwehrkamps. Die politische und soziale Reaktion zeigt jetzt unverhüllt ihr Haupt. Die Nationalsoziali st ische Bewegung hat im Deutschen Wertmeister-Verband nicht Fuß fassen können. Der Verbandsvorstand nahm zu ihr von vornherein eine klare Stellung ein. Darum bekennt sich auch der Verband zur Eisernen Front. Die Verteidigung der Demokratie und der Weimarer Verfassung ist unbedingt erforderlich, weil sie Lebens- fragen für die Gewerkschaften und den Verband bedeuten. Das hebt keineswegs die parteipolitische Neutralität des Verbandes auf. Der Verbandsvorsitzende nimmt dann zu den Plänen zur Arbeitsbeschaffung Stellung, die er die dringendste Auf- gäbe seit Jahren nennt. Nach eifriger Diskussion zum Geschästsbericht erstattete der Verbandskassierer Gustav S ch n ö r i n g de» Kossenbericht. In der Nachmittagssitzung sprach Dr. C r o n e r über das Schicksal der Sozialversicherung. In seinem weit aus- holenden Referat erinnerte er zunächst an den Abwehrkamps der Gewerkschaften gegen den Abbau der Sozialversicherung, der be- sonders aus zwei Ziffern am eindringlichsten hervorgehe Für Für- sorgemaßnahmen aller Art einschließlich der Sozialversicherung sind 1929 insgesamt 9,3 Milliarde» ausgegeben worden, 1931 ober 9,8 Milliarden, obwohl im gleichen Zeitraum sich die Zahl der Unterstützten um 50 Prozent vermehrt hat. Im Mittel- punkt des Kampfes habe die Arbeitslosenversicherung gestanden, dcren� Existenz durch tue Krise besonders gefährdet fei. Die Gewerkschaften würden sich mit aller Kraft gegen eine Beetili- gung der Arbeitslosenversicherung wehren. Ihre Beseitigung käme einem gegenrevolutionären Akt größter Trangweite gleich. Das von den Nazis unterstützte Kabinett von Papen beabsichtige statt einer Sanierung einen radikalen Abbau der Sozialversicherung. Der zweite Vorstoß richte sich vor allem gegen das Kündigungs- s ch u tz g e s e tz für ältere Angestellte. Disziplin, Aktivität und Ge- schlossenheit bieten die Gewähr, daß es auch den Naziparolen nicht gelingen werde, der arbeitenden Bevölkerung ihre unveräußerlichen Menschenrechte zu rauben. Kein Streik im Kohlenhandel. Oer Schiedsspruch angenommen. Die Unternehmer im Berliner Kohlengroßhandel haben die Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches des Schlichtungsausschusses beantragt, der für alle Kohlenarbeiter einen Abbau der Löhne um 8 bis 10 Prozent vorsieht. Gestern ist bei dem Schlichter für den Bezirk Brandenburg über diesen Antrag verhandelt worden. Die Bemühungen des Schlichters, die Parteien zu einer günstigeren freien Vereinbarung zu bewegen, stießen auf den heftigsten Widerstand der Unternehmer. Die Verhandlungen wurden schließlich ergebnislos abgebrochen. Die in sämtlichen Betrieben des Berliner Kohlengroßhandels durchgeführte Urabstimmung hat die statutarisch notwendige Dreiviertelmehrheit für einen Streik nicht ergeben, so daß der Schiedsspruch auch für die Kohlenarbeiter als angenommen gilt. Ungeachtet der noch ausstehenden Entscheidung des Schlich- t e r s muß der Konflikt als endgültig beigelegt betrachtet werden. Scharfmacher in der Holzindustrie. Willkürlicher Abbau bei der Firma Hecht& Co. Die Erklärungen der Reichsregierung über den„W o h l- fahrtsstaat" stacheln den Ehrgeiz der Unternehmer im Betriebe zu neuen Taten an. Eine bekannte Firma der Berliner Holz- industrie, die Firma Hecht u. Co., die in den letzten Monaten i» Doppelschichten noch über 200 Arbeiter beschäftigte, hat von ihren Ange st eilten ultimativ unter Berufung auf die berüchtigte Unkostensenkung verlangt, daß sie mit einem sofortigen G e- haltsobbau von 15 bis 2 3 Proz. rückwirkend ab 1. Juni einverstanden sein sollen. Ohne Mitwirkung der Betriebsoertretung sollen die Gehälter einfach durch Diktat herabgesetzt werden. Als die Betriebsvertretung darauf aufmerksam machte, daß nach den gesetzlichen Bestimmungen bei einer Veränderung der Gehalts- bezüge die K ü n d i g u n g s f r i st e n des Einzelorbeitsvertrages oder des Kllndigungsschutzgeseftes eingehalten werden müssen, wurde ihr erklärt, daß dies überhaupt nicht mehr in Frage kommen könne. Diese gesetzlichen Bestimmungen seien eben die Hindernisse sür das Weiterbestehen der Betriebe und müßten un- bedingt beseitigt werden. Die Firma ist offenbar der etwas überstürzten Meinung, daß Hitler schon am Ruder sei. Diese Einstellung der Geschäftsleitung ist um so bemerke»?- werter, als sie bisher keine Gelegenheit versäumt hat, ihr„soziales" Verständnis zu betonen. Die Angestellten haben geschlossen diesen rigorosen Abbau ihrer an sich schon niedrigen Gehälter ein- st immig abgelehnt. Sie müssen aber erkennen, daß die Ab- wehr der reaktionären Unternehmerforderungen nur möglich ist durch einen restlosen Zusammenschluß in den zuständigen freigewerkschaft- lichen Organisationen. Heute, Dienstag, 14. Zuni, 19 Uhr. im Gewerkschaftshaus, Engel ufer 24—25, Versammlung aller im Einhcitsverband der Eisenbahner Deutschlands organisierten Parteigenossen. Tagesordnung: Die politische und organisatorische Lage der Eisenbahner im Reichsbahnbetrieb. Re- ferent: Parteigenosie Wilhelm Dresiel. Wir bitten alle Genossen, recht rege Propaganda zu entfalten. Gcwerkschafts- und Parteibuch legitimieren. Werbeausschuß der SPD.-Eisenbahuer. tz UTcki-f-t-M! f i � Treie Gewerkschaits-�ugenS Berlin Heute, Dienstag, 14. Juni, um IQU Uhr. tagen die Gruppen. Gewerk- werkschafrshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus. Gngelufer 24— 25. Henry Reiff erzählt Lausbubengeschichten.— Steglitz: Jugendheim FlemminHstr. 14k. Gutheit bringt Allerneuestes.— Spandan-Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz Sesburger Straße. Meine Rechte und Pflichten in der FGI.— Pankow: Jugendheim Kissinqenstr. 48, Zimmer 5. Pankow gestaltet selber.— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3(am Bhf. Treptow).— Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. 18. Die Gewerkschaften in Rußland und den skandinavischen Ländern.— Lichtenberg: Jugendheim Dossestr. 22. Wie stellt sich die NSDAP, zu den Gewerkschaften?— Reu-Licktenbera: Jugendheim Gunterstr. 44. Wie kommt man zu einer Weltanschauung?— Ostends: Lugend» heim Karlshorst. Treskowallee 44(Kantschule). Der Aufbau des ADGB.— Wedding: Jugendheim Willdenoroftr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. Warum muß sich der Lugendliche organisieren?— Schöneweide: Jugendheim Hasselwerderstrasse. Mädchenschule im Keller. Gewerkschaften und soziale Betriebspakitik.— Wir spielen ab 18 Ubr: Kreis Oberspree: Rehwiese: Rordostkreis: Sportplatz Einsame Pappel. Cantianstraße; Rordkreis: Evortplatz Humboldthain.— Iugendgruppe des Deutschen Baug'"verksbundes, Maurer: Charlottenburg:'Bauabend, Lugendheim Pestalozzistr. 40. .�uaendorupve Oes �entraiverdandes Ver Anoestellten •.y Hcutk, Dienstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Gnntcrstr.»t,.Kurzreferate:„Unier Verband, fein Ziel, feine Einrichtungen, feine Jugendarbeit,"— Nordwest: Jugendheim Lehrter Straße 16—19. Schallplattenabend:„Arbeiterdichtungen— Ärbeiterinnsil".— Gesundbrunnen: Jugendheim Schönstedtstr, 1. Aussprache: Was brachten uns die Preußenwahlen?. Leiter: Löwn.— Spiele im Freien ab 1« Ilhr auf dem Sportplatz Rchberge,— Handballer: Trainingsspiele auf dein Sportplatz Inn» ftiaßc in Neukölln, Verantwortlich siii PoUrik: Victor Schiff; Wirtschott:©, ylingelhöser! Gcwerkschaitsdewcgung: 3. Steiner: Feuilleton: Dr. John Schiiowsii: Lokales und Sonstiges: Fritz Sarftädti Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Perlag: Vorwärts.Perlag G m. H. Berlin Druck: Porwärt-.Kuchdruckerel und Berlagsanstalt Paul Singer u Ea. Berlin EW. K8. Lindenftraße 3, Hierzu 2 Beilagen. 1. Beilage des Bonvaris Nr. 275. 49. Jahrgang L.. VT-V-'Vv» KS OienSiag, 14. Zum 1932 Letiulespielen auk T reppe noch ein zweites Ueberfallkommando herbeigerufen werden. Erst dann konnte die Straße freigemacht und zwei 5)aupt- rädelsführer festgenommen werden. Berliner Kindern beim Spielen zu- zusehen, ist zur Sommerszeit eine der wenigen Möglichkeiten, sich ohne Geld- ausgaben köstlich zu amüsieren. Wo der Verkehr sich nicht zu toll gebärdet, hat die kleine Gesellschaft rasch einen Teil des Bürgersteiges besetzt. Dort freilich, wo ein Spielplatz zur Bersü- gung steht, erscheint das Spiel der Kin- der von oerwirrender Mannigfaltigkeit. Von den Kleinsten angefangen, die mit mehr oder weniger lauter Begeisterung im Sand buddeln, bis zu den„Großen", die alle Laufspiele bevorzugen, ist eine reiche Zwischenskala, die sich in ihren einzelnen Phasen am besten auf der Straße beobachten läßt.„Himmel und Hölle" dominiert als beliebtes Spiel. Aber auch„Hopse" und„Mutter, Mutter, wieviel Schritte darf ich gehen" findet immer wieder seine Anhänger. Das Pflaster ist mit Kreideeinteilungen bedeckt. Neben dem strengen Grundriß für„Himmel und Hölle" die ersten figürlichen Versuche, daneben schmeichelhafte Bemerkungen in steiler, ungelenker Schrift über noch gestern gute Freundinnen. Auf dem glatten Asphalt surren die Roller, Wettläuse werden veranstaltet und der Gewinn in Gefrorenes umgesetzt. Hier und da gibt's auch einen glücklichen, vielbeneideten Rollschuhläufer, von dem man in ganz seltenen Fällen sogar die Rollschuhe aus fünf Minuten geborgt be- kommt. Aber auch das S ch u l e s p i e l e n hat seine Anhänger. Aus den Stufen vor dem Hauseingang hat sich die Schülerschaft placiert, die in der Mehrzahl aus nicht schulpflichtigen Kindern besteht. Ihnen sieht man auf den ersten Blick den Ernst der Situation an:„nicht sür die Schule, sondern fürs Leben lernen wir", denkt man unwill- kürlich bei ihrem Anblick. Augensälllge Witze des Lehrers werden mit einem vorsichtigen Lachen quittiert. Der Lehrer muß Respektsperson bleiben, sonst hat die ganze Sache keinen Witz. Und die kleinen Mädchen mit dem kurzge- schnittenen Haar drücken die mitgebrachten Puppen eng an sich und hängen am Mund des Lehrers: denn S-bickc. das ii't eine sehr wichtige Angelegenheit. Strafanträge im Waidhof-Prozeß Prügelstrafe als Bestandteil einer Weltanschauung 5m Waldhofprozeß in P r e n z l a u beantragte der An- kläger gestern für den Angeklagten Franke neun Monate Ge- sängnis, für Stein drei Monate, fiir Küchemann einen Monat, für I a o p zwei Monate, für W e n d a drei Monate, für T e f ch l e r ein Jahr Gefängnis, für den Angeklagten K n u b l a u ch Freispruch. Zur Begründung seiner Strasanträge führte Staatsanwaltschastsral Dr. G ü t t l e r aus. daß die Anklage durch die Beweisaufnahme in vollem Maße bestätigt worden sei. Sie habe auch ergeben, daß in Waldhos die Prügelstrase gewissermaßen„weltanschaulich" betrieben worden sei! es handle sich darum, ob dieses System oder das der Milde in der Erziehung den Sieg davontragen soll. Das Prügeln ist aber durch das Ministerium für Volkswohlfahrt verboten-, die Anstalten haben sich danach zu richten. Der Staatsanwalt hat Recht. Die Beweisaufnahme hat nicht nur in vollem Umfange bestätigt, daß die Angeklagten in unmensch- licher Weise die ihnen anvertrauten Jungens mißhandelt haben, sondern sie hat auch ergeben, daß sie bewußt dem Prügelsystem ihres Herrn und Meisters, des Leiters der Anstalt, Pfarrer G r ü b e r, gefolgt sind. Die Bemühungen des Rechlsanivalts Sack, die Züch- tigungon in burschikoser Weise zu bagatellisieren, hätten ebenso- wenig Erfolg wie die Versuche, die jugendlichen Zeugen, die Opfer der Waldhoser Erziehung, einzuschüchtern. Man operierte auch, wie immer in solchen Prozessen mit den früheren Vorstrafen der jungen Leute, um sie als unglaubwürdig hinzustellen. Man lehnte es aber ab, die von R.-A. Dr. Löwenthal beantragten Zeugen zu laden, die bekunden sollten, wie Pfarrer Grüber sie geprügelt hat. Mit anderen Worten: Man hielt es für überflüssig, die Glaubwürdigkeit des Herrn Pfarrers nachzuprüfen, der im Gerichtssaol bestritten hatte, auch selbst geprügelt zu haben. Pfarrer Grüber ist aber heute noch Leiter von Waldhos. Die Vernehmung der vom Nebenkläger benannten Zeugen hätte vielleicht diesen Mann unschädlich gemacht. Nicht umsonst hat selbst der Staatsanwalt angesichts der Erklärung des Rechtsanwalts Dr. Löwenthal, daß er unter den gegebenen Umständen der Verhandlung nicht mehr bei- wohnen könne, erklärt, daß auch er gern gesehen hätte, wenn den Beweisanträgen in vollem Umsange stattgegeben worden wäre. Nicht unerwähnt bleiben darf das Gutachten des An- staltsarztes Dr. Triloff! auch er versuchte, die Jungens als unglaubwürdig hinzustellen. Dieser Anstaltsarzt hat es unter anderem fertiggebracht, die durch Knüppelschläge verursachte Quer- schung und Schwellung eines Armes in seinem Attest nicht als Mißhandlung zu bezeichnen. Daß aber nicht nur die Angeklagten, sondern noch andere Erzieher geprügelt haben ergab unter anderem die Aussage de? Erziehers Lachmann. Auf die Frage des Reben- klägers, ob er nicht selbst zwei Zöglinge mit einem dicken Knüppel über den Kops geschlagen habe, verweigerte er die Ausjage Er wußte, warum er das tat. Den Vorgang, wie drei Erzieher den lungenkranken Zögling Schulz abweckstelnd ins Gesicht ge- schlagen haben und dieser dann von Franke mit einem Lederriemen bearbeitet wurde, wollte er nicht gesehen haben. Das Gericht wird heute über die Angeklagten sein U'rteil fällen. Das Volk hat sein Urteil über die Anstalt Waldhos bereits längst gefällt.— Mag Pfarrer Grllber weiter Direktor bleibe» oder nicht— sür die Oefsentlichkeit ist er der P r ü g e l p f a r r e r Tausend gegen einen! Zwei Lleberfallkommandos mußten aufgeboten werden. Durch die unbegreifliche Unvernunft einer größeren Menschen- menge, die noch dazu von gewissenlosen Burschen ausgewiegelt wurde, kam gestern ein Schupobeamter in der Großen Frankfurter Straße in eine üble Situation. Der Beamte, der auf der Straße seinen Palrouillendienst versah, bemerkte vor dem Restaurant in dem Hause Nr. 142 mehrere Männer, die aufeinander ein- schlugen. Der Schupo versuchte die feindlichen Gruppen zu trennen. Die ganze Wut der Rowdys richtete sich nun gegen den Beamten und in seiner Bedrängnis mußte er fein Seitengewehr ziehen. In wenigen Minuten sammelten sich über tausend Menschen und für den Beamten war Schlimmstes zu besllrchten. Glücklicher- weise hatte ein Bewohner der Großen Frankfurter Straß? das Uebersallkommando telephonisch alarmiert. Da sich, die Menschen- menge aber vollkommen ungebärdig und zügellos benahm, mußte Die Polizei fieht zur Verfassung Antwort auf einen Antrag der Nazi-!.andtag6fraktion In einer stark besuchten Funktionärversammlung im großen Saale der Kammersäle nahmen die Berliner Funktionäre des Preußischen Polizeibeamten-Verbandes, des so- genannten Schrader-Verbandes, Stellung zu dem A n- trag der nationalsozialistischen Landtags fraktion, ihren Verband zu verbieten. Der Verbandsvorsitzende Schräder zeigte in eindringlichen Worten, daß die Versprechungen, die die Nazis allen Berufsgruppen, auch der Polizei, gemacht haben, ohne konkrete und bestimmte Programmpunkte für die Beamtenschaft sind und nur Agitationszweck haben. Nicht anders ist es auch mit dem Antrag der Nazi-Landtagsfraktion, der da fordert, den Verband aufzulösen und sein Vermögen zu beschlagnahmen. Die Koalitions- freiheit sowie alle Wohlsahrtseinrichtungen des Verbandes sind aber nach wie vor gesichert und die Nazis hoffen nur, mit ihrem Antrag Unruhe und Bestürzung in die Kreise der Polizeibeamten bringen zu können, um dann, wenn dies geschehen, ihre Zersetzungspolitik zu treiben. Schräder erklärt, oft von startem Beifall unterbrachen, daß seit dem Tage der Revolution der Verband unermüdlich seine Pflicht getan, sich sowohl für die Republik als auch für die Berufs- Nöte der Beamtenschaft eingesetzt habe und dies nach wie vor tun werde. Mit dem Appell, weiter treu'zur Demokratie, zur Republik und zum Verband zu stehen schloß er unter starkem Beifall seine Ausführungen. In der Diskussion wurde von allen Rednern im gleichen Sinne gesprochen und einmütig kam der Wille der Berliner Funktionäre zum Ausdruck, sich durch nichts, weder durch Angriffe noch durch Versprechungen der Nationalsozialisten, von ihrer bisherigen gerade» Linie abbringen zu lassen. In einer E n t sch l i e ß u n g, die ein- stimmig angenommen wurde, wird im wesentlichen betont, daß die Vertreter der rund 20 000 Berliner Poli.zeibeamten sich gegen die Behauptung, der Verband müßte aus Gründen der Sauberkeit und Moral aufgelöst werden, schärfstens protestieren. Aus innerster lieber- zeugung haben die Polizeibeamlen ihren Treuschwur aus die Reichs- Verfassung für die Republik geleistet und sich in der Verbands- bewegung zur demokratisch-republikanischen Staatsform bekannt: sie werden dies auch weiter tun. Weiter wird in der Entschließung erklärt, daß die Polizeibeamten mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln für-die Erhaltung der ihnen aus der Reichsverfassung— Artikel 124, IZO und 151— gewährleisteten staatsbürgerlichen Freiheiten»nd Rechte kämpfen werden. Go werden Vermögen gemacht. Äilliqer Einkauf in derSchweiz, teurer verkauf in'Oeutschtant» Leipzig, 13 Juni. Vor dem Gemeinsamen Leipziger Schöffengericht hatte sich der jetzige kaufmännische Vertreter, frühere Kapitänleutnant Kurt Hernmarck aus Leipzig wegen Vergehens nach den§*?? und 8 der Verordnung des Reichspräsidenten über die Devisen- bewirtschaftung vom 1. August 1031 zu verantworten. Wegen Gefährdung der Staatssicherheit war die Oessentlichteit ausge- schlössen. Hernmarck besaß aus einer Erbschaft und aus Erspartem ein Vermögen von 18000 Mark, um das er wegen der wirt- schaftlichen Entwicklung in Deutschland besorgt war. Er entschloß sich daher, dieses Vermögen über die Grenze zu schassen und in aus- ländischen Papieren nach seiner Auffassung sicher anzulegen. Mitte Februar 1032 suhr er nach Zürich, ohne die Genehmigung der Stelle zur Devisenbewirtschaftung oder der Reichsbank zur Ausführung von flüssigen Mitteln zu haben. In Zürich riet man ihm, nicht aus- ländische Effekten, sonder ndeutsche Wertpapiere zu kaufe» und sie, da die Kurse in der Schweiz viel niedriger waren als in Deutschland, mit gutem Gewinn i» Deutschland zu verkaufen. Tatsächlich verlauste er die in der Schweiz billig gekausten Papiere mit erheblichem Gewinn nach Erfurt und Leipzig. In der Folgezeit suhr er dann achtmal nach der Schweiz und brachte im ganzen 270 000 Mark Uber die Grenze, an denen er etwa 36 000 Mark verdiente. Der Staatsanwall beantragte ein Jahr drei Monate Zuchthaus und 270 000 Mark Geldstrafe. Das Gericht aber sah den Fall nicht als so schwerwiegend an und verurteilte Hernmarck zu acht Monaten Gefängnis und 37 000 Mark Geldstrafe, an deren Stelle im Falle der Ilneinbringlichkeit weitere iechs Monate Gefängnis treten sollen. Sechs Wochen gelten durch die Unter- suchungshaft als verbüßt. cheiden Sie sich dwutmfti/t tßutuf, dann haben Sie für niedrigen Preis eine voihuueptige Ü gare Hie in großem dicken Format und von köstlicher Frische. anno kdnn dieses ihren Freunden bieten, weil sie esedei Werl marken noch Gutscheine noch Stickereien bring!. Gibt es für Sie da eine andere(liatil? D er Geschwistertotschlag. Statt acht Jahre Zuchthaus fünf Jahre Gefängnis. Das Landgericht Frankfurt o. O. verurteille im Sep- tencher v. I. den Sljährigen Ernst W. wegen Totschlags an seinem Bruder und seiner Schwester zu 8 Jahren Zuchthaus. Das Reichsgericht hob aber das Urteil aus und verwies die Sache an das Landgericht II Berlin. So hatten Städter über einen Fall zu Gericht zu sitzen, der nur aus den besonderen ländlichen Berhältnissen zu verstehen war. Allerdings war der Angeklagte selbst mehr Städter als Land- Wirt. Als Fünfzehnjähriger oerließ er sein Baterhaus, wurde Schiffszimmermann und besaß zuletzt lahrelong einen gutgehenden Seifenladen in Berlin. Sein« Sehnsucht gehörte aber dem oäter- lichen Gut in Glienicke- Ausbau, das von dem ältesten Bruder August schlecht bewirtschaftet wurde. Ernst W. hing aber an der ererbten väterlichen Scholle mit so leidenschaftlicher Hingabe. daß er dem älteren Bruder Hals, so viel er konnte-, er gab Geld zum Ankauf von Pferden und Kühen und bezahlte laufende Rech- nungen. Das väterliche Erbe sollte nicht zugrunde gehen. Mit der Zeit hatte er 8000 Mark hineingesteckt. Und eines Tages ging er auf Augusts Vorschlag ein. das Gut ganz zu übernehmen. Seine Geschwister, der August, Emil und Emilie, sollten es aber bei ihm gut haben. Er schloß mit ihnen einen Ausgedinge» vertrag: Sie erhielten das Anrecht auf volle Beköstigung, freie Fuhren, Arznei, Kleidung usw. Das mochte jährlich allein 3000 M. Hypotheken kamen hinzu; auch einen Arbeiter mit 2000 M. über- nahm er. Falls er das Gut verkaufte, hatte er den Geschwistern 6000 M. bar auszuzahlen. Cr stockte das Haus auf, damit die Geschwister bessere Wohnungen hätten. Das kostete weitere 8000 M. Di« Geschwister, insbesondere Emil und Emilie konnten ez aber nicht verwmden, daß nun der Städter Herr auf dem Gute sein sollte: sie schikanierten den Bruder auf jede Weise, verkauften das Vieh ohne sein Wissen, vergifteten die Schwein« und Hühner, und strengten einen Prozeß nach dem anderen an. ins. besondere, als Ernst seit dem Jahre 1929 nicht mehr in der Lage war. für ihre Beköstigung zu sorgen. 18 Prozesse waren es in knapp fünf Jahren. Das Gut konnte die Lasten nicht tragen, es lief Gefahr, versteigert zu werden. Auf dem Ausbau herrschte Todfeindschaft. Ernst W. trug sich mit dem Gedanken, das Gut zu verkaufen. Wo sollte er aber die 0000 M. bares Geld hernehmen, um sie den Geschwistern auszuzahlen? Am 12. Januar o. I. wur- den dem W. zwei neue Klagen eingehändigt, am 1Z. März zwei weitere. Jetzt faßte er einen unheilvollen Entschluß. Er begab sich in das Zimmer seiner Geschwister und bat sie, zu unterschreiben, daß sie auf die 6000 M. verzichteten, wurde aber nur beschimpft. Sein Bruder Emil holte ein altes Gewehr, Ernst zog seinen Revol- ver und schoß, lief in die Küche, lud noch einmal seinen Revolver: Austakt zu den Elternbeiratswahlen. Niederlage der Nazi«! in Neuenhagen-Hoppegarten. Unter dem Deckmantel„CHristlich-unpolitisch" haben diesmal die Nazis den Wahlkampf um den Elternbeirat in Neuenhagen- Hoppegarten geführt. Die Herrschaften, die zur Abwechselung unter einer unpolitischen Maske die Elternschaft irreführen wollten, haben trotz eifriger Hilfe der Kirche eine schwere Niederlage erlebt. In dem aus dem Amt geschiedenen alten Elternbeirat besaßen die da- mals noch nicht nazioerfeuchten„Christlich-unpotitischen" mit sieben Mandaten gegen drei sozialdemokratische und ein kommunistisches die überwiegende Mehrheit. Am Sonntag hat die Neuenhagener Elternschaft den christlichen sowohl wie den unpolitischen Nazis ge- zeigt, daß sie nicht gewillt ist, die Volksschule zum Tummelplatz nationalsozialistischer Verhetzung zu machen. Von 292 abgege- denen Stimmen erhielt die christlich-unpolitische Liste 136 und 6 Mandate, die sozialdemokratische Liste„Schulaufbau"' 86 und 4 Mandate und die kommunistische Liste„Rote Einheitsfront" 71 Stimmen und 3 Mandate. Damit ist die Mehrheit der„christlich- unpolitischen" beseitigt und ihr Einfluß auf die Schule gebrochen. Wie provokatorisch die Nazis auftraten, zeigte ihr Benehmen im Wahllokal. Ihr Spitzenkandidat, der Sparkassenrendant Stroh- l ergriff auch ein Stemmeisen. Die Schwester Emilie trat ihm mit ! einer Axt entgegen. Nun schoß Ernst W. mehrmals und schlug m't ; dem Stemmeisen wie wild auf seine Geschwister ein. Schläge und Schüsse waren tödlich. Hinterher sagte W. von sich: Ich habe mich wie eine Bestie benommen. Vor Gericht zeigte Ernst W. tiefe Reue und konnte sich nicht erklären, wie es zu all dem gekommen war. Die Dorfbewohner stellten ihm aber das beste Zeugnis aus und der Staatsanwalt fand für feine Tat Verständnis und beantragte 6 Jahre Gefängnis. Das Gericht oerurteilte W. unter Zubilligung mildernder Umstände und Anrechnung der gesamten Untersuchungshaft zu 5 Jahren Ge- fängnis. gegen Hitler-Baronel Unsere nächsten Betrsebsveranstaltungen: AEG.-AckerstraCe. Dienstag, 14. Juni, 15� Uhr, Versammlung im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42: „Die freien Gewerkschaften im polltischen Kampf". Referent: Franz Künstler, M. d. R. SPD.-Fraktion des Bezirksamts Neukölln. Dienstag, 14. Juni, 19H Uhr, im Bürgersaal Neukölln, Bergstr. 147, SPD.-Fraktlons- versammlung;„Der Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterklasse". Referent: Dr. Richard Lohmann. Neuwahlen. Parteibuch ist zwecks Kontrolle mitzubringen. SPD.-Detriebsi'raktian des Arbeitsamts Mitte. Donnerstag, 16. Zum, 16H Uhr, im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40'41, Fraktionsversammlung.„Die politische Situation und die Aufgaben dar Arbeiterklasse". Referent: Bernhard Göring. BVG. Betriebshof 5 Nordend, Donnerstag, 16. Zuni, 19� Uhr, Lokal Sanssouci, Kalser-Wilhelm-Str. 42, Verbandsversammlung:„Politische und wirtschaftliche Lage". Referent; David Stetten lustizbeamte. Donnerstag, 16. Zun!, 16 Uhr, bei Brandis, Stralauer Str. 10, Fraktionsversammlung:„Politische Lage und die Justiz". Referent: Dr. Alfred Gurau. Siemens-Plania-V/erke A.-G. Freitag, 17. Zuni, 165-» Uhr, bei Schünemann, Lichtenberg, Moellendorffstr. 53/54, Hammer- Schaftsversammlung:„Der Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterschaft". Referent: Alfred Markwik. Nordsüdbahn, Werkstatt MUilerstraBe. Donnerstag, 16. Zuni, 16 Uhr, bei Grunewald, Kameruner Str. 19: Fraktionsversammlung:„Der Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Gottlieb Reese. w a l d begrüßte seine Gefolgschaft mit dem Hitlergruß und selbst ein Reichsbahnbeamter mit Dienstmütze und schwarz-rot-goldener Kokarde besaß die Unverschämtheit, den Wahloorstand mit.�zeil Hitler" zu begrüßen. Es wird wohl auch die Zeit nicht allzu fern sein, wo die Herrschaften merken werden, daß sie sich doch etwas voreilig„umgestellt" haben. Fall Eklarek--- Fall Tippelskirch. Im Sklarei-Prozeß brachte die Fortsetzung der Verteidigerreden das Plädoyer des Justizrats Dr. Werthauer für den Angeklagten Bürgermeister a. L. Schneider. Der Verteidiger bezeichnete den Fall Sklarek als keineswegs einzigartig. Er verglich ihn mit dem de- rüchtigten Fall Tippelskirch aus der Vorkriegszett, wobei nur der Unterschied bestehe, daß die Waren der SNareks prima gewesen wären im Vergleich zu den Schuhsohlen von Tippelskirch, die den deutschen Kolonialsoldaten nach drei Tagen von den Schuhen gefallen seien. Zu weiteren Vergleichen zog er den D e v a h e i m- Prozeß, den Raiffeisen-Prozeß und auch den Fall Kreuger heran. Unzutreffend iei auch die �Verallgemeinerung über einen„Berliner Sumpfs Schneider habe in keinem Fall pflichtwidrig gehandelt, und aus dieser Tatsache ergebe sich not» wendlgerweise sein« Freisprechung. Nazi als Kulturanarchisi. Er hat das Caputher Kunstwerk zerschlagen. Nor kurzem teilten wir mit. daß der bekannten Obstbau- gemeinde Caputh bei Potsdam ein wunderbares Kunstwerk, die.Lauernde" des Bildhauers Kuhnert-Char- lottenburg, der Gemeinde von Freunden geschenkt und öffentlich aufgestellt, nachts von brutaler Hand zerstört worden war. Die Empörung über diese sinnlose Zerstörung war in Caputh allgemein. Der einträchtigen Zusammenarbeit der Bevölkerung mit den ört- lichen Polizeiorganen und dem von der Landeskriminalstelle nach Caputh entsandten Kriminalbeamten Bürde ist es nun gelungen, die Täter zu ermitteln. Der Haupttärer ist— wen kann es noch befremden— natürlich wieder ein Nationalfozia- 1 i st, und zwar ein gewisser Erich Stoyke aus der Johann- Hus-Straße in Berlin" deflen Vater in Caputh ein Obstgrundstück hat und der sich seit einiger Zeit unangemeldet in Caputh aufhält. Stoyke hat sich zuletzt als Austräger des„Angriff" be- tätigt. Als Mittäter kommt ein ortsansässiger Schneider namens Luis Gramm in Frage, der stüher einmal Mitglied des Stahlhelm war. jetzt aber angeblich nicht organisiert sein soll. Beide haben die gemeine Tat nachts gemeinsam ausgeführt. Sie bedeckten das Bildwerk zunächst mit einem Tuch, damit die Schläge in der stillen Nacht nicht so deutlich hörbar waren, und dann zer- trümmerten sie in wilder Zerstörungswut das schöne Kunstwerk mit einem Zuschlaghammer. Di« Angelegenheit wird nunmehr den Staatsanwalt beschäf- tigen. Fest steht aber das eine heute schon, daß ein Angehöriger des angeblich urdeutschen Nationalsozialismus ein ganz aus deutschem schöpferischem Kunstempfinden ent- standenes Werk in sinnlosem Haß zerstört hat. Lagenviesen srei! Cine erfreuliche Maßnahme des Vczirtsamtes Wedding. Nur ein sehr geringer Teil der Berliner Bevölkerung wird in diesem Jahre während der Sommerferien verreisen oder auch nur in die weitere Umgebung Berlins fahren können. Das sozialdemo- kratisch geleitete Bezirksamt W e d d i n g beabsichtigt deshalb. Grünflächen in einzelnen Anlagen für die Bevölkerung zum Lagern freizugeben, und zwar Bürgerwiese Rehberge während der großen Ferien täglich außer Montags, Schiller- park vom 20. Mai ab am Mittwoch, Sonnabend und Sonntag jeder Woche, während der großen Ferien täglich, Humboldt- Hain während der großen Ferien am Mittwoch, Sonnabend und Sonntag jeder Woche. Sämtliche Lagerwiesen stehen der Bevölkerung an den ge- nannten Tagen von 9 bis 21 Uhr zur Verfügung. Für die Kleinen befinden sich im Humboldthain, Schillerpark und Volkspark Reh- berge Planschbecken Die Verwaltung rechnet bei der Freigabe mit der Einsicht der Besucher, die sicherlich gern mithelfen werden, die Anlagen sauber zu erhalten und vor Beschädigungen zu bewahren. Gern hätte die Parkverwaltung auch die Lagerwiesen im Volkspark Reh- berge und Humboldthain außerhalb der Ferien freigegeben: hier müsien aber große Flächen in diesem Jahre nachgesät werden, und es muß deshalb eine längere Schonzeit bis zum nächsten Jahre vor- gesehen werden. Autounglück in Westfalen. 12 Schwer» und 15 Leichtverlehle. Am Montagnachmittag ereignete sich in Hagen ein schweres Autounglück. Ein Lieferwagen mit Sängern aus S t e r k r a d e fauste aus unbekannter Ursache in der Selbecker Straße in einer Kurve die vier Meter hohe Uferböschung hinunter und überschlug sich. Soweit bisher festgestellt werden konnte, sind 27 Personen verlegt, darunter 10 bis 12 schwer. Die Ursache des Unglücks konnte noch nicht festgestellt werden, da der Chauffeur, der ebenfalls schwere Verlegungen erlitt, noch nicht vernehmungs- fähig ist. �_ Ungetreuer Sparkassenbeamter. Der Angestellte der Städ- tischen Sparkasse Solingen. Ernst Knecht, der Jahre hindurch Gelder veruntreut hatte, wurde zu 3H Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust oerurteilt. Knecht halte das Geld hauptsächlich aus Rennplätzen durchgebracht. De? T«£l*£«9 „Nein, voller Ernst, Pater Pirmin. Mit dem Böhmen ist es Matthäi am letzten. Der hört morgen das Hallelujah in Teufels Küche singen!" „wchad' um den Mann! Aus dem Hütt' was werden können! Hütt' ich seine Eabe gehabt, ich meine die des Wohl- redens, ich wäre längst schon Fürstabt, müßte nicht mehr aus Bettelfahrt, hätte hundert Faß Wein im Keller und bräuchte mich nicht mehr mit futterneidischen Scheißkerlen herumzu- quengeln.. Aber er verstand die Hauptstche nicht, der gute Hus!" „Welche Hauptsache?" „Das Augenzudrücken. Er hat geblasen, was ihn nicht brannte. Nun hat er den Salat. Merkt's euch, ihr siedigen Ketzer, nehmt es zur Warnung, beleidigt nie etwas Geistlichs!" „Warum nicht?" „O du von der Wurzel auf verdorbener Stockzahn, warum nicht! Darum, weil schon auf der ersten Seite der Bibel steht: Rühret keinen Mönch an, sonst knappen alle Kuttenzipfel bis nach Rom!" „Prost, Pater Pirmin!" „Prost! Prost!" Der alte Äettelmönch wird beinahe nicht mehr fertig mit Bescheidtun und Zutrinken. Uli Wüst bringt einen neuen Humpen. Der Pater schaut nachdenklich das Hambacher Blut an: „Es mußte so kommen. Es konnte kein anderes Ende nehmen. Wo Gott eine Kapelle hat, baut der Teufel fein Münster daneben. Und das Münster diefeö gelahrten Ma- gifters war groß. Ich Hab seinen Zulauf vor drei oder vier Jahren in Prag gesehen. Gewaltig war's. Gewaltig auch, wie er gegen den Papst als Antichrist geschrien." .Last du ihn denn verstanden?" fragte Vlarer, ein Dol- metsch des Olmützer Legaten. „Was soll ich ihn nicht verstehen, ich bin doch selber ein Böhm!" „Pater Pirmin ein Böhm!" lacht der Schulzheiri.„Jetzt begreif ich erst, warum's im Sprichwort heißt: Deutsche Fasten, welsche Andacht, eine schwäbische Nonne, eine polnifche Brücke und ein böhmischer Mönch gelten eine Bohne! Haha, Pcher Pinnin ein Böhm!" „Was ist da zu lachen, Ketzergäuche. Irgendwo muh ein jeder daheim sein, wenn er aus Mutterleib kommt. Was kann ich dafür, daß meine Wagel in Böhmerland gestanden: deine, du rotznäsig Einbein, stand wahrscheints in Narrenland!" „Du wolltest doch von deinem Hus erzählen!" „Ja, von seinem Papstgeschrei!"' „Von Prag!" „Schreit nicht gleich zu dreien auf einmal! Ich bin nicht taub. Denn wenn ich taub wär', Hütt' ich damals nicht gehört, wie nach einer seiner Predigten ein eisgrauer Bauer zu ihm kam und sprach: Mein lieber ehrlicher Herr Magister, sag uns doch auf böhmisch, was heißt denn ein Papst oder ein Kar- dinal? Du hast doch sicher schon manchen von ihnen gesehen, daß du in einemfort von ihnen predigst und redest. Sagt Magister Johannes: Mein lieber, guter Mann, ich habe weder Papst noch Kardinal gesehen und begehr sie auch nicht zu sehen. Der Bauer sagt: Warum dann predigst du von ihnen und lästerst den, den du nicht gesehen oder probiert hast? Ich bin, traun, einmal mit meinem Vater zu Rom wallfahrten gewesen und Hab den Papst gesehen und auch etliche Kardinäle. Ich meine, sie seien andächtige Leute, ich habe ihresgleichen nicht gesehen. Sagt Magister Johannes: Mein lieber Aster, dieweil sie dir also wohl gefallen, so zeuch wieder hin und bleib bei ihnen! Der Bauer sagt: Lieber Meister, ich bin nun alt und kann nicht so feindlich ipeit ziehen Du aber hast jüngere Beine, gehe du hinein, und was du allhier von ihnen kosest, schmier's ihnen dort ins Maul, sie werden dir halt ein Antwort drauf geben! Nun, der Magister brauchte gar nicht bis nach Rom. Er hat die heilige Stadt schon auf halbem Wege, nämlich hier in Konstanz, getroffen. Aber die Antwort, von der der einfältige Bauer sprach, ist genau so ausgefallen, als ob sie am Tiberstrande gegeben war- den wäre." „Du heM wohl?" „Das zwar nicht, ihr Liebden, ich habe bloß Heuschnupfen. Aber es ist mir so eng und zwäng in meiner Kutte." „Oho!" „Ja, oho! Oho, oho, es kommt die Zeit, ist ,zu merken. wo man gut tut, jedes seiner Worte auf die Goldwaage zu legen. Wie steht bei Matthäus geschrieben, nicht bei Matthäus am letzten, sondern im zehnten Kapitel, Vers siebenzehn und denen, die darauf folgen: Nehmet euch aber in acht vor den Menschen! Denn überantworten werden sie euch den Ge- richten, und in ihren Synagogen werden sie euch geißeln. Es wird aber ein Bruder den andern zum Tods überantworten, und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die eigenen Estern und sie dem Tode weihen. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein! Auf das Wort genau ist es Jan Hus ergangen. Seine Brü- der, seine eigenen Hausgenossen, haben ihn dem Tod in den Rachen gehauen!" „Vergiß aber ja nicht", schreit der Dolmetscher Blarer, ,chaß diese feine Brüder, die ihn ans Messer lieferten, durch- wegs Pfaffen waren, kein einziger Laie darunter!" „Jawohl!" schießt der Schneizenhöfer einen Bolzen,„in der West mag geschehen, was will, irgendwie stecken immer ein paar Pfaffen dahinter!" „Zuviel der Ehre", lachest Pater Pirmin schmerzlich,„wir sind wohl auch schuld, daß Tag und Nacht wird?" „Nein, daran seid ihr unschuldig. Das ist aber auch das einzige. Weiß Gott, wenn es in eurem Belieben stände, die Sonne scheinen zu machen, das gäbe teuere Sommer!" kräht Stössi. „Aber daß Hus brennen muß, daran haben du und deinesgleichen tüchtig mitgeholfen!" „Lästere mich und Sankt Franziski Orden nicht, geifern- des Einbein! Wenn du vielleicht die Predigermönche meinst, da könnte es stimmen. Aber an uns Büßern und Barfüßern ist noch kein Falsch und Tadel erfunden!" „Geh mir von der Krücke! Ob braune Kutte, ob schwarze, ob weiße! Aufs Futteral kommt's nicht an. Der Schelm ist jedesmal der gleiche, der drin steckt!" „Herr, vergib diesen Schandmäulern! Ihr Spatzenhirn weiß wirklich nicht, was ihre Köhlsrlippen tun!" „Wirklich, das wissen wir nicht, du bald platzende Master! Aber das wissen wir, die Ketzerprozesse hat nicht der Papst, sondern die habt ihr Mönche erfunden!" (Fortsetzung folgt.), Bernau und Küstrin fe'ern. Zwei Städte jubilieren Bernau stand Sonntag im Zeichen des 7l)0iährigen Stadt- jubiläums und des SOOjahrigen chuffüenjubiläums. Am Vormittag zog die geschichtliche Hussiten-Prozession von der Marienkirche � zu der gleichfalls aus dem frühen Mittelalter stammenden Georgen- kapelle. Die Prozession wurde vor ZOO Jahren zum Dank für die Errettung von den chussklen gestiftet und ist seitdem in jedem Jahr am Sankt-Georgen-Tag> dem Tag der Schlacht, vorgenommen war- den. In der Marienkirche fand am Schluh der Prozession ein Fest- gottesdienst statt. Den Nachmittag füllte der große historische Fest- z u g aus, der von den Bernauer Vereinen gestellt wurde und der in etwa 50 Gruppen die Geschichte der Stadt und die Gegenwart dar- stellte. Der Zug wurde auf dem Marttvlatz von den Spitzen der Behörden empfangen. Eine ungeheure Menschenmenge umsäumte den weiten Marktplatz. Unter starkem Zustrom von Fremden fanden am Sonnabend und Sonntag die chauptfestlichkeiten der 700-Jahr-Feier der Stadt Küstrin, der ehemaligen Hauptstadt der Neumark, statt. Die Feiern am Sonnabendabend wurden mit einem großen Feuerwerk sowie einer Schloßbeleuchtung und mit einem Zapfenstreich der Gar- n i s o n abgeschlossen. Am Sonntag bewegte sich ein F e st z u g durch die Straßen der Stadt nach dem Marktplatz, wo der Erste Bürger- meister S e c u r i u s die Festrede hielt und der Kommandant der Festung, Oberst von W e d d e r k o p, auf das freundschaftliche Ver- hältnis zwischen Bürgerschaft und Reichswehr hinwies. Meereswellen im Wannsesbad. Anlaßlich des Besuches der Deutschen Gesellschaft für Volksbäder e. V. im Strandbad Wannsee wurden zwei künstliche Wellenerzeugnngsapparate von ihren Konstrukteuren vorgeführt. Angeregt durch den Erfolg der Wellenanlagen in den Hallenbädern (Lunapark Berlin, Norderney u. a. m.) will man den Versuch machen, auch Freibäder mit Wellenerzeugungsanlagen auszurüsten. Es gibt zwei Wsllenarten, die stehende und die laufende Welle, von denen für Freibäder mit schwacher Strömung aus sanitären Grün- den die stärker durchgreifende Brandungswelle als die geeignetere erscheint. Die beiden vorgeführten Modelle zeigten erstmals den künstlichen Wellenerzeuger für stehende Wellen, ein keilförmiger Schwimmkörper, der mit der Spitze nach unten durch einen Kurbel- Mechanismus auf und ab bewegt wird. Es wird also die Oberfläche des Wassers in Schwingungen versetzt, ohne daß sich das Wasser selbst von der Stelle bewegt. Die Wellenanlage für laufende Wellen besteht aus einem Schwimmkörper, der an einem senkrechten Rahmengestell auf und ab bewegt wird: das Grundgestell legt man dahin, wo es nach den örtlichen Verhältnissen am besten liegt. Es wird durch Einlassen von Wasser abgesenkt und durch Einblasen van Luft(Motorradpumpe oder Kohlensäureflasche) wieder gehoben. Da es erwünscht ist, daß eine möglichst lange Uferstrecke Brandung be> kommt, wird man den Apparat möglichst nicht parallel zum Ufer legen, sondern in einem Winkel von etwa 45 Grad. Die beiden vor- geführten Modelle erweckten bei den Besuchern starkes Interesse; wenn nun der heimische Binnenstrand auch noch zum wogenden Meere werden sollte, dann würde ja das Strandbad Wannsee zum Non plus ultra einer Badegelegenheit werden. Theaterdirektor Aufticht verhaftet. In der Stettiner Devisenschiebungsaffäre ist am Sonnabend eine neu« sensationelle Festnahme erfolgt, und zwar wurde der Berliner Theaterdirektor Ernst Joseph A u s r i ch t in seiner Wohnung in der Landauer Straße 4 in Wilmersdorf durch Beamte der Zollfahndungs- stelle in Stettin in Haft genommen. Theaterdirektor Aufricht, der Inhaber der gleichnamigen Theater- und Filmproduktion, der früher das Theater am Schiffbauerdamm leitete, steht in dem Verdacht, mit der Devisenfchiebungsaffäre der„Sofaf" in Verbindung zu stehen._ Brautpaar bei'einem Verkehrsunglück getötet. Der Motorradfahrer Ewald Meyer aus Ahle bei Bünde, der mit seiner Braut Elli Oberpennig aus Ennigloh in Biel«- feld Verwandte besuchen wollte, stieß an einer Straßenkreuzung unmittelbar vor dem Ziel der Fahrt mit einem städtischen Autobus zusammen. Das junge Mädchen wurde auf der Stelle getötet, während der Bräutigam, der mit seiner Maschine eine längere Strecke von dem Autobus mitgeschleift wurde, so erhebliche Ver- letzungen erlitt, daß er auf dem Transport zum Krankenhaus starb. l\ FREIE WORT ■ SOZULOKMOKRATiSCHESOISKUSSIONSORQAM bringt»taU DAS AKTUELLSTE ZUM WAHLKAMPF BeMelle es noch heute bei der Botenfrau des„Vorwärts", In den Aus-- gabestellen oder direkt beim Vorwärts- Verlag GmbH., SW 68, LlndenstraBe 3 odor auf dem Postsmt(Postscitungaliate 1930, Seite 66) Ca kostet monatlich 85 Pf.. Während der Ferien- und Reisezeit ESa.mn der„Vorwärts" und der„Ahrnd" auf jede Dauer allerorts Ea bezogen werden Touristen und Wanderer fordern das Zentralorcan der Sozialdemokratischen Pa-tei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen. Zeitunffs- Kiosken und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler lassen sich den„Vorwärts" durch Postüberwetsunc nachsenden. Die Postbestellgebühren be'ragen nur 72 Pf. im Kalendermonat. Wird Nachsenduns un-er Streifband gewünscht, so beträgt das Porto Woche- tags 10 Pf. Sonnta-s 15 P.. Benachrichtigung an die Ausgabestelle oder an den Verlag möglichst e.ne Uocne vorher erbeten. Laubenkoloftisten PJ® in Groß-Berün wird der„Vorwärts" durch Boten zugestellt Genaue CÖB Bezeichrung der Laubenadresse Ist erforderlich. i uzdglich Porto Varia ng« vom Verlag Probenummern und Werbematariel gratis und portofrei Postabonnsntsn KM müssen die Machsendung unter- Beifügung von 50 Pf. in Marken 23 mindes«ns 2 Tage vor der Abreise schriftlich bei der bisherigen Ky Zustell-Postanstalt beantragen %/e>natftr bS ta�gs— �roiP*! SO#tl Berlin SW 65, Lindenstra�e J S« vorwärts" Verlag fermpr.A 7 Dönhoff 291.297 Meineid aus Freundschaft. 'Die Quittung vor Gericht— ein Zahr Zuchthaus. Zwischen den Eheleuten N. bestehen seit langem Differenzen. Sie tragen sich mit S ch e i d u n g s g e d a n k e n. Der Mann zecht eines Abends mit seinem Freund K. Nachts nimmt er ihn mit in feine Wohnung und macht ihm hier eine nicht mißzuverftehende Aufforderung in bezug auf feine eigene Ehefrau. Der Freund ist anständig und nüchtern genug, dieses Angebot auszuschlagen. Die Frau hat es aber gehört und ist entrüstet. Aus diesem Ehe- fcheidungsgrunde wird nichts. Der Mann findet aber einen a n- deren und reicht die Ehescheidungsklage ein. Die Frau erhebt Widerklage: der Mann habe sie in jener Nacht an seinen Freund verkuppeln wollen. Der Freund bestreitet das im Ehe- fcheidungsprozetz— unter dem Eid«. Er leistet einen glatten Meineid— weil ihn der Ehemann darum gebeten hat. Die Ehe wird geschieden, die Frau zur allein Schuldigen erklärt. Auch in der zweiten Instanz verliert sie den Prozeß: der Freund wieder- holt seinen Meineid. Dann aber packt ihn die Reue. Er begibt sich zur Frau und beichtet in Gegenwart ihrer Geschwister, falsch geschworen zu haben. Die geschiedene Frau erstattet Straf- anzeige; wie sollte sie sich anders helfen, wie sonst das Ehe- fcheidungsurteil anfechten? Vor dem Landgericht I steht ein zerknirschter Mensch und ver- flucht den Tag, an dem er den Bitten seines Freundes nachgegeben. Sein Geständnis Hüft ihm nichts, auch nicht die Reue, die er an den Tag legt. Das Gesetz kennt keine Milde, die Mindeststrafe ist ein Jahr Zuchthaus. Dazu kommt Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Absprechung der Eidesfähigkeit auf drei Jahre. Eine Entscheidung über die Bewährungsfrist wird trotz des An- träges des Verteidigers nicht getroffen. Man sieht es dem Der- urteilten an: er kann nicht verstehen, was mit ihm geschehen ist. 'Iv Menschen unter einem brechenden Ast Ein Kind getötet. Hamburg, IS. Juni. Auf dem Schulhof der früheren Realschule Weidenstieg hatten am Montagmittag Unterstützungsempfänger Aufstellung genommen, um ihre Unterstützung in Empfang zu nehmen. Ein durchgefaulter starker Ast einer in dem angrenzenden Hofe stehenden Akazie, der in den Schulhof hineinragte, fiel plötzlich auf die wartende Menge. Ein sieben Monate altes Kind, das auf dem Arm einer 7<)jährigen Frau faß, wurde am Kopf getroffen und getötet. Neun weitere Personen wurden verletzt und mußten in ein Krankenhaus überführt werden. Getier llrnenliain in Stahnsdorf. Am Sonntag hatte der Volks-Feuerbestattungsoerein zur Ein- weihung seines neuen Urnenhains auf dem Schöneberger Fried- Hof in Gütergotz bei Stahnsdorf geladen. Herr Carl Müller be- grüßte die Erschienenen im Namen des Vorstandes. Unter präch- tigen alten Bäumen, auf einer Insel der Abgeschiedenheit, ist der rechte Platz für die, die nach einem arbeitsreichen Leben hinüberschlummerten. Hier finden sie die Ruhe, die mancher von ihnen im Leben vergebens gesucht hat. Ein Zeichen des Dantes an die, die einst als Mitkämpfer für die gemeinsame Sache in den Reihen des Vereins standen, sagte der Redner, soll der Gedenkstein darstellen. Oberinspektor©übe vom Bezirksamt Schöneberg, dem der Fried- Hof untersteht, sprach kurz über die Gestaltung des Friedhofes und dankte besonders Obergärtner Wolfram für feine aufopferungs- volle Tätigkeit bei der Fertigstellung des Urnenhains. Gesangs- vortrage des Doppelquartetts des Vereins unter seinem Dirigenten Dr. S t r e l i tz e r gaben der Einweihungsfeier einen würdigen Rahmen. Der neue Urnenhain des Volks-Feuerbeftattungsvereins stellt, wie ein Rundgang zeigte, wohl einen der schönsten derartigen Plätze dar. Die architektonische Gestaltung und Gliederung der Urnen- platze fügt sich würdig dem Gesamtbild des Friedhofes ein. In der Mitte des 5iains steht, beschottet von einer Birke und umgeben von Ruhebänken, der Gedenkstein. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner„Schrvarz-Rot-Gold". S« I d) ä 1 1 s ft r 1 1 e! Berlin S. 14 eeddstianstr 57-38 Sot 2 St tSoutwtffanb: 3n den am Mittwoch. 15. 3uni, stattfindenden Der- fammtungen wird der Saalschu«, wie folgt hurdigefilhrt: Reue Welt: Orlsveretne Kreutberg und Reufölln. Saalbau Friedrichshai» t Orlsnereine MlMUeedeEfMWWWWWWM»»»»» (Lrisuereinl: All, Soortler haben von jegl ab regelmäßig zum Training zu er- fchetnen. Leitung: Oaufportfeiter.— Fried richshain, Kameradschaft Andreas: Kamerad Fritz Pfeifer ist verstorben. Einäscherung Mittwoch, IS. 3uni, 18 Uhr, (SertchtstraKe. Um rege Beteiligung wirb zebeteir. Verband Sherechtsresorm, Eitz Berlin, E.B. Oesfentliche ZZersammluna am Donnerstag, 16. Suni, 20 Uhr, in den Einsiedler. Bierhallen, Berlin C. 2, Neu« Promenade S—10. Vortrag Genosse Sung;„Die neue Regierung und die Ehe. rechtzresorm". Sbwehrfassee und Wwehrmargariue. Seit Jahren klagen die Spezial» gesckiäsle für Porzellan. Glas. HauS- und Küchengeräte über Veichäfls- schädigung durch das Zugabewesen. Von den Zugabegeschäften werden auf diese Weise Haushaltwaren in großem Um sauge abgesetzt. Die Spezial- gcschäfte für Glas und Porzellan teilen hierzu mit, daß sie zur Abwehr des ihnen erwachsenen Schadens setzt dazu übergegangen sind, ihrerseits Kaffee und Margarine, die vornehmlich mit Zugaben verlaust werden, ebenfalls in guter Llualtlät zu Einkaufspreisen an jedermann abzugeben. Tie Hausfrauen«erden über diesen Aassee- und Margarinekrieg nicht traurig sein, da sie dabei die lachenden Dritten sind. liisafsr, Lichtspiele ufw. 8MÄ.0per Charlottenburg Bismarckstraße 34 Dienstag. 14 Juni Turnus i|i Die Banditen Pfahl. Ei singer. Nikolaieyva, Hurg- winkel, Criindgens. Westermcier, Egenlauf. Pecbner Kandl, Steicr. Gombert, Heyer, Danske Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr Voliisüiltine rtuater am Bülowslat: 8"i Uhr Die goldene Dür Volkss'ück von E. S z e p Regie: A M. 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In Briefmarken von dar OPEKTA-GESEUSCHAFT M.B.H., KÖLN- RIEHL 268 Opekta Bein«w» Miehton poMtonnen Sin Jßeben in Armui Srinnerungen aus dem aUen Paris/ Ton Eugene ä)abU Vi ir setzen heute Dabits Sdiildernngen aus seiner Jugend fort. Wir zogen nach Montmartre, nach den Grandes-Carrieres. Lehewohl Portiersioge! Wir wohnten im fünften Stockwerk und schauten von unseren Fenstern auf einen schönen Horizont. Das war viele Jahre mein„Land". Und zugleich lernte ich mein neues Viertel kennen. Ich sah fast alle Straften: eng, gewunden wie bläuliche Adern, durch die das Leben pulsiert. Ich sah die Häuser mit ihren Dächern aus Zink oder Ziegeln und ihren Schornsteinen, die un- zähligen Mastdäumen glichen. Ich sah die Fabriken und Werkstätten, deren Glasfenster im Sommer funkelten. An der Grenze von Paris erstreckte sich die„Zone" mit den schmutzigen, zu-sammengestückten Baracken der Lumpensammler. Jenseits fing Saint-Quen an mit seinen hohen, von schwärzlichen Rauchwolken gekrönten Schorn- steinen, die bedrückender waren als echtes Gewölk. Dann Saint Denis. Dann ein Horizont von Hügeln, zu deren Füßen ich, nach Kennevilliers und Argenteuil hin, den Spiegel der Seme zu sehen glaubte. Dort lag jenes„Pariser Bossin", von dem man mir in der Schule erzählte. Meine Schule konnte ich hinter einer Reihe schöner Kastanienbäume sehen mit ihren weißen, von großen Fenstern durchbräche- nen Mauern und ihrem Dach aus Zink. Sie lag an der Kreuzung der Championnet- und der Poteaustroß«. Wenn ich hinging, sagte Mama zu mir:„Du weißt, ich kann vom Fenster aus sehen, ob du artig bist." Ich war artig. Ich aß in der Kantine, blieb bis sechs Uhr im Heim und kam dann endlich wieder auf die Straße. Am Donnerstag, unserm freien Nachmittag, bummelte ich auf den Festungswckllen heftttn. Ich blieb vor einem Zigeunerlager stehen. Die Tür des Wohnwagens stand offen, und ich bemerkte in dem fremdartigen Jrmenraum Kinder, die sich balgten, keifende Frauen mit glänzendschwarzen Haaren, Männer, die geschickt Weidenruten bogen und daraus Tische und Stühle anfertigten— ich wurde nicht müde, ihnen zuzuschauen. Ein wenig abseits knab- berte ein ausgemergelter Gaul das Gras ab. Dieses Schauspiel führte mich in eine freie Wunderwelt ein. Im Galopp lief ich weiter. Vor mir ein Labyrinth von Gräben, Bastionen, Wällen. Mit zerlumpten Kameraden tollte und tobte ich herum. Oder ich lag neben Männern, die, auf dem Kopf eine Mütze und an den Füßen Scgeltuchschuhe, sich an den Sommertagen von der Sonne rösten ließen. Oben, von den Wällen aus, gewahrte man das Tor von Clignaneourt, wo damals Kasernen gebaut wurden, und die Baracken des Flohmarktes, der Sonnabend, Sonntag und Montag geöffnet war. Der Wind brachte einen guten Fettgeruch herüber, aber manchmal auch den Geruch eines-im Gras« verwesen- den Tierleichnams. Ziemlich selten knirschten die Räder einer Tram- bahn auf, die nach den Vororten fuhr. Oder ein Leichenzug näherte sich vom Boulevard Ney, um den Friedhos von Saint-Qucn zu erreichen. Der Sarg hüpfte auf dem holprigen Pflaster, und Männer und Frauen folgten ihm wie eine in Verwirrung geratene Herde. Auf den verlassenen Festungswällen spielten wir Räuber, Gendarm und Einbrecher oder Wilddieb. Ein Kötl,«in dunkles Individuum, zog öfters«in eingekerbtes Messer aus seiner Tasche. Er zeigte uns ein Spiel, bei dem es sich darum handelte, die Klinge senkrecht in den Baden zu stoßen. Iii« gelang das fast nie, aber e r verstand sich wunderbar darauf, er konnte auch sein Messer wie «inen Pfeil in ein Brett schleudern. Er erzählte uns seltsame Ge- schichten mit Worten, die ich schlecht verstand. Aber ein Mädchen, das schallend darüber lachte, fiel ihm entzückt um den Hals. Ich hatte Beziehungen zu den Bewohnern der„Zone". Einige nahmen mich in ihrer Bretterhütte auf und ließen mich durch die Gänge ihres Gartens laufen oder zwischen den Porre- und Salat- besten herumspazieren so viel ich wollte. Ich betrachtete die Vergiß- meinnicht- und Asterneinfassungen, die ich nur aus den Blumen- lüden kannte. lind gegen Abend durfte ich den Garten sprengen. Der Brunnen war weit entfernt, in der Nähe des Ausfalltores von Poteau. Unermüdlich ging ich wohl zehnmal hin und her. Zur Bs- lohnung für meine Mühe gab man mir saure Stachelbeeren. Was für Tage! Ich kam mit roten Backen, die Haare voller Gräser nach Hause. Vor meinen Blicken schwebte noch das Bild eines Obstbaumes oder eines Gemüsegartens, denn Thymian, Peter- silie, Kerbel waren für mich fremdartige, beinähe exotisch« Gewächse. Ich spürte noch nachträglich einen starken, reinen Wind— fast einen Seewind um mein Viesicht wehen. Die Straßen waren nun weniger eng, die Häuser weniger hoch. Jenseits des Gürtels aus Eisen und Stein gab es ja einen freien Himmel, blühende Bäume und Felder, große Wolkengebilde und wirklich« Stürme— und endlich das Meer, auf dem ich„zu meinem Vergnügen" einst fahren würde. Aber ich fuhr niemals und hielt mich an meinem Viertel schab- los. Ich lenkte mein« Schritte gen Süden: die Butte Mont-Martre. Entweder nahm ich, um dahin zu gelangen, die Ruisseaustraße oder ich ging durch die Mont-Cenisstraße oder die Saulesstraße. Ich stieg hohe Treppen hinauf, in deren Mitte sich ein eisernes Geländer hin- zog. Ich setzte mich hin, ließ mich hinuntergleiten und stieg von neuem empor, ohne Atempause. Die Butte war damals noch nicht der Sitz einer„Freien Gemeinde" im Operettenstil, auch keine Attraktion für die fremden Touristen. Sie war ein dürftiger Winkel mit provinziellen Allüren, kleinen, fast einsamen Plätzen und einer dörflichen Kirche mit Mdrungenem Glockenturm. Blieb man vor Sacre-Coeur und der Statue des Ritters de la Barre stehen, der zum Tode verurteilt wurde, weil er eine Prozession nicht gegrüßt hatte, so hatte man einen freien Horizont. Die Kirch« Sacre-Coeur war noch nicht vollendet. Man konnte sich auf einem riesigen Bauplatz herumtummeln, Gerüste erklettern und so, hoch oben, Paris besser mit dem Blick erfassen. Eine ebenso unerreichbare und fern« Welt für mich wie das Meer... Mit den Rauchwolken zusammen stieg ein wirrer Lärm«mpor, Tön«, die mich bedrückten. Ich sah den Eifseltttrm, das Große Rad, den Dom der Invaliden, Notre-Dame-Biertel, die meinem Viertel fremd waren, und von denen meine Eltern mir kaum etwas erzählten, oder.doch nur wie von einer bürgerlichen, von der unsrigen ver- jchiedenen Welt, wohin mein Vater sich jeden Morgen begab, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Im Geiste sah ich trennende Grenzen, die zu übersteigen es mich damals durchaus nicht gelüstete. Ruhig kehrte ich Paris den Rücken und schlenderte dem Tertre- platz oder dem Iean-Baptiste-Clementplatz zu. Dort pflanzte ich mich hinter irgend einem Maler auf. Sie waren zu jener Zeit nicht sehr zahlreich und legten Wert aus ein romantisches Aussehen. Oft malten sie vor der Mühle de la Galette. Einer von ihnen hielt mir eines Tages, während er seine Palette abkratzte, einen Geschichtsvortrag: die Belagerung der Butte im Jahre 1813, dann im Jahre 1871 die Kommune und die Schießereien. Er erzählte mir auch vom Dorfe Montmartre, wo es drei Windmühlen gab. Aber das Stillstehen wurde mir bald unerträglich. Ich zog wieder los, rollte die Abhänge herunter, glitt die Geländer entlang. Es gab hier brachliegendes Terrain, Hügel aus morastiger Erde und Sandhllgel, verödete Steinbrüche, Schlammlöcher, Haufen von Abfällen, oerdächnge Gassen wie. zum Beispiel die Passage Saint-Vincent, kurz:«in« freie, er- stauntiche, chaotische Welt. In der Näh« des Constaittiu-Pecqueup» Platzes gab es sogar ein richtiges„Buschwerk" mit Baracken, Tan- nen, verwilderten Gärten, wo Arbeiter und Outcasts lebten. Dieses Montmartre erschien mir verführerisch Die Straßen waren inange.haft gerichtet und mangelhaft gepflastert, aber in den Gossen ließ das Wasser ein erquickendes Glucksen hören. An alten Mauern sproß Gras hervor, und hinter einer Tür, die ich keck auf- stieß, erblickte ich einen ruhigen Garten, dessen Alleen mit Buchs- bäum eingefaßt waren, der Laubengänge hatte und Stachelbeer sträucher, die von blühenden Akazienbäumen beschattet wurden. Ich vergaß die Menschen. Es schien mir, Paris vergesse sie auch. Auf l diesem Hügel war man in einem Himmel verloren.... Immerhin: man mußte wieder niedersteigen. Ich bog in eine von Bretterbuden einxesäuime Straße ein, wo Ansichtskarten und Heiligenkrimskrams verkauft wurden und gelangt« auf einen Plag. wo ich zögernd Halt machte. Manchmal war ich reich genug, um die Drahtseilbahn zu benutzen, die wie ein zusammengekauertes, vor- sichtiges Riesentier d«n Hügel heruntertapste. Oder ich wagte mich auf den Saittt-Pierreplatz. Eine spiralförmige Treppe mit einem kunstlosen Geländer führte zu einer Art Grotte, in der alle Gassen- buken noch Herzenslust im Chore brüllten. Dann kam ich auf den Place des Abbesses. und auch das war noch ein wenig die Provinz. Nun bog ich in die Lepicftraße ein. die voll von Obstkarren war, und schließlich landete ich auf dem Blancheplatz, unruhig, als wäre ich an der Grenze eines neuen Landes. Eine Mühle war dort, aber es war Moulin-Rouge, ein Platz, aber voller Wagenverkehr. Die Männer, und vor ollem die Frauen, die ich dort sah, hotten eine andere Haltung als jene in meinem Viertel. Alle waren gekleidet wie die Figuren in den Kata- logen, die mir die Portierfrau gab, wenn sie guter Laune war. Mit meiner Mütze, meiner schwarzen Alpakaschürze, meinen Holzpantinen, die auf dem Trottoir klapperten, war mir gar nicht wohl zumute und mir schien, die Polizisten beobachteten mich. Ich strich an den Wänden entlang, verlor jedoch nichts von den Vorgängen auf dem Boulevard. Er war breit, geräuschvoll, nahm das Leben auf wie ein großer Strom das Wasser seiner Zuflüsse aufnimmt. Er floß in der Richtung nach dem Elichyplatz, wo Omnibusse, Droschken und riechende Autos in ständiger Bewegung waren. Ich kam am Hyppo- drom vorbei. Während der Ausstellung von 1900 hatte ich dort, glaube ich, einem Wagenrennen beigewohnt. Jetzt drehte man hier Filme, und ich, nur gewohnt, am Donnerstag in einem Bums- Kintopp Kitsch zu sehen, wünschte, ich könnte an einem Sonntag mit meinen Eltern diesen riesigen Saal besuchen. Nun war ich auf der Caulaincourtbrücke. Ich betrachtet« di« Grabmonumente des Nordfriodhoses. Jedesmal blieb ich hier stehen, um da unten die Bronzestawe eines Mannes zu betrachten, dessen nackter Körper mit einem Schleier verhüllt war. Später erfuhr ich, daß dies das Grob des General Cavaignac und die Statue das Werk Rüdes war. Di« Unbeweglichkeit, die ruhige Festigkeit dieses Gesichts fesselt« meinen Blick wie das Bild des Todes, das. in jenen Zeiten nachts mich verfolgte. Ich hiell mich am Brückengeländer fest, ohne das brandende Leben um mich her wahrzunehmen. End- lich löste ich mich von diesem Schauspiel los und fand mich zurück in eine trübe Straße, die mich wie ein Strom bis in mein Viertel hinein mit sich führte. Dort wurde ich wieder fröhlich. Ich kannte di« kleiirsten Gassen, düster«, glitschige Possagen wie zum Beispiel die Sackgasse der „Große Bouteille". Ueberall hatte ich Freunde und Feinde, mit denen ich spielte oder mich herumschlug. Ich kam auf den Boulevard Beliard, da, wo die Stadtbahn gerade den Tunnel verläßt. Ich wartete bis ein Zug erschien, be- warf ihn mit Steinen und entfloh. Diese Stelle war ein Treffpunkt, von wo wir unter der Führung eines Kerls, der uns alle befehligte, hordenweise aufs Land zogen. Wir liefen hinter der Trambahn Trinitä— Lac-d'Enghien her, brachten es fertig, Hinte» heraufz»» klettern, sprangen kurz vor dem Bürgermeisteramt von Saint-Queen wieder ob und marschierten durch die Rosiersstraße, die nach der Seine siihrte. Am Ufer des Flusses, auf einer Insel, wo sich ein« Kneipe und die Baracke des Vaters Mahnt befanden, fischten wir winzige Fische, die wir in eine Blechbüchse warfen und abends triumphierend nach Paris brachten. Ganz in meiner Nähe, Jules-Joffrinplatz, erhob sich das Bürger» meisteramt, ein großes Gebäude mit wirren Linien und vielen Ver- zierungen, ähnlich den Bauwerken aus Schmalz, die die Flesscher mitunter in ihren Schaufenstern ausstellen. Die Kirche Notre-Dam« von Clignancourr war geradeüber, herb und kahl mit ihrem Glocken- türm, der sich in einem rauchigen Himmel verlor, und mit ihrem kümmerlichen Garten, den ein Zaun aus lanzenförmigen Eisen- stöben beschützte. Dort war in Wahrheit das Herz der vier Viertel, aus denen das Arrondisfement bestand. Man hörte es schlagen. Sonnabends folgte Landauer au? Landauer, große, blumengeschmückte, offene Wagen. Fröhliche, sonntäglich geputzte Hochzeitsgäste stiegen aus, eine Braut ganz in Weiß mit ihrem Schleier und ihrem Kleid mit langer Schleppe. An anderen Tagen— fast jeden Tag— hielten Leichenwagen vor der Kirche, deren Tor abwechselnd mit Draperien behangen oder kahl wie die eines Krankenhauses war. Armenleichen- wagen oder andere, mit Federschmuck und silbernem Wappen deko- rierte, machten hier Rast. Kränze und Blumensträuße schmückten den Bürgersteig. Gruppen in Schwarz füllten den Platz, und eine alte Frau ging von einem zum anderen— gebeugt, hüpfend. Das war„Poupoule", ein Weiblein, das dort lebte und von morgens bis abends mit chinesischer Tusche Postkarten zeichnet«, die es ebensowohl den Hochzeits- wie den Trauergesellschaften anbot. Die Wahlperiode rückte heran. Seit mehreren Wochen ver- unzierten große bunte Plakate die Mauern. Auf dem Heimweg von der Schul« zerrissen wir die Ankündigungen der Kandidaten, die unsere Eltern nicht guthießen. Mein Vater ging fast jeden Abend Tonton besuchen, der sich in einem Kaffeehause in der Lewrtstraße aufhielt. Einmal nahm er mich mit, und ich hörte die Namen Jaures, Baillant, Sembat. In eine dichte Rauchwolke gehüllt, stritt man an allen Tischen herum, und Faüstschläg« ließen die Untertasten erzittern. Der große Abend kam— noch Stunden, die die vier Viertel in eine ebenso heftige Aufregung oersetzt hatten wie der Tag des Nationalfestes. Auf dem Jules-Joffrin-Platz fand ich Tonton, der, von seinen Freunden umgeben, wild gestikulierte. Mein Vater war auch dabei, und noch etwa hundert Männer, die ihm glichen, und Frauen, die ein denrütiges Gesicht hatten wie meine Mutter. Alle trampelten, stritten für und gegen und waren in höchster Ungeduld. Inbrünstig schauten sie auf einen Leuchtstreifen, der hoch, oberhalb des Bürgermessteramts, angebracht war. Die Gesichter waren froh und hoffnungsvoll. Endlich liefen Namen und Zahlen über dos Transparent, schienen sich loszulösen und plötzlich wie Stein« aur die Menge herabzufallen. Schreie, Flüche, Pfiff« ertönten und, sellener, Beifallsklatschen. Es gab Zusammenstöße und Gegenstöße, der Welle ähnlich, die aus der Tief« heroorbrandet, um alles weg- zuspülen, die aber plötzlich ihre Kraft verliert und sich an Mauern bricht. Tonton ballte die Fäuste, murmelte Drohungen, redete von ,ch weiß nicht welchem Verrat. Das Bürgermeisteramt war wieder ein düsteres, offizielles Gebäude geworden, in das wir diesmal noch nicht unseren Einzug hatten sollten. Enttäuscht verlief sich die Menge langsam, Polizei zerstreut« sie, drängte sie nach ihrem Viertel zurück, wo jeder sein Haus und sein tägliches Leben wiederfand. Ich sah die Gesichter noch düsterer werden, sah Männer, die eine Stunde vorher noch die Arme gereckt hatten, kraftlos ihre Füße schleppen.„Das nächste Mal", sagte Tonton, die Faust gegen das Bürgermeisteraint erhoben, wo ein« farblose Fahne wehte. Aber niemand hörte mehr auf ihn: es war spät, am nächsten Tage mußte man arbeiten. „Das nächste Mal.. Dort, auf jenen festungsstarken Mauern sah ich, an einem Sommertage, im Jahre 1911, weiße Plakate, di« di« Generalmobilmachung verkündeten...(Schluß folgt.) Manstraum: Mfchicd K Schlag eine Minute nach Mitternacht: die romantische Abfahrts- stunde der großen Ozeandampfer aus ihren Docks längs der West- seit« Manhattans. „Fahrtklar!" brummt ungeduldig von der Kommandobrücke das dritte und letzte Signal, dumpf mahnend, schicksalsschwer. Soeben noch war es wie ein Fest an Bord. Auf einmal sind wir unser nur noch wenige, und trotz der Zurufe der Zurückbleibenden ist es sehr still um uns. Hunderte winken herüber von der grell erleuchteten Landungs- bahn. Blechern setzt die Schifsskapelle ein. Ein Fröhlichkeit vor- täuschender Marsch, der noch nie der Stimmung Abschiednehmender entsprochen hat. Schon hat sich das Schiff unmerklich leise in Bewegung gesetzt. Auf beiden Seiten nimmt die Erregung zu. Eine Minute lang herrscht ausgelassene Zirkusstimmung. Der blecherne Marsch paßt ganz gut. Lauter schallen die Zurufe, wilder schwenken Tücher und Hüte. Es werden immer mehr. Die Tücher verwandeln sich in immer bunteres Konfetti. Sind das alle Zauberkünstler da drüben? Grün, blau, rot. gelb kreist es in immer größeren Peripherien. Schon glaubt man, das Schiff fährt wieder zurück, so leibhaftig groß werden noch einmal die winkenden Menschen. Da verschiebt sich die Landungsbahn schräg nach links wie eine Drehbühne.— das Ganze gleicht jetzt einer Opernszene mit viel zu vielen Statisten, — im selben Augenblick schrumpfen die wild wirbelnden Kreise zu kleinen grünen, blauen, roten und gelben Bällen zusammen, die auf der plötzlich leer gewordenen Bühne elastisch auf- und ab- springen. Die Gesichter sind wie aus einer vielfarbigen Palette verwischt. Aus deinem Liebsten auf dieser Welt ist plötzlich ein winziges rosanes Etwas geworden. Du siehst noch, wie es aus der Ferne auf der erregten Flut seines ungestümen Herzchens bebt. Du kannst ihm nicht mehr zu Hilfe kommen. Du kannst sie nicht mehr auf- fangen, diese winzige, zarte Rosenknospe des Abschieds, die dieses Herz dir stürmisch nachwirft. Da erlischt strichweise die zurück- weichende, nachtumrahmte Bühne: die Kettentür der Landungsbahn hat sich als eiserner Vorhang vorgeschoben. Zugleich verlöschen die zitternden Wellenlichter um den Schiffs- rümpf. Eine Brise vom steien Hafen kräuselt die Wogen des North River. Die Elemente nehmen uns auf. Man fühlt: für einen jeden von uns hier an Bord ist irgendwie ein Kapitel zu Ende. Aus... Schluß... In der ersten Finsternis des neuen Lebens schweigen wir uns an. Nur die Mannschaft wird von Minute zu Minute sachlicher. Knappe Befehle der Ladungsofsiziere, leicht militärisch, wohltuend deutsch. Ich gehe auf das oberste Deck hinauf. An der Reeling steht schluchzend ein blutjunges, blondes Mädchen, das totbleiche Antlitz nach Manhattan zurückgewandt. Weiter am Heck beginnt ein strotzender Herr von etwa sechzig erfolgreichen Jahren gewaltig auf und ab zu marschieren. Er ist offenbar besorgt, daß er gleich in der ersten Nacht an Bord träumlos schläft. Zweifellos hat er sein Kapitel- glänzend abgeschlossen, und schon marschiert er sieg» Haft ins nächste hinein. Die vom Meere her anschwellende Flut bewegt den schwarzen Fluß. Der blecherne Marsch ist längst verstummt. Die dunkle Streichmusik der Elemente umrauscht uns. Die Sinfonie des Ab- schiede wird leise, nur wenigen hörbar, von den verborgenen Instru- menten der Nacht angestimmt. Die leeren, düster ragenden Geschäftsburgen Manhattans schieben sich kulissenhaft vorüber: Riesentrümmer nach einem noch schwelenden Wettbrande. Ueber der weichin sichtbaren Uhr des Para- mount Building durchzuckt das millionenkerzig plakatierte Nacht- leben New Ports den schmutzig dampfenden Broadway-Himmel. Jetzt passieren wir West Twelfth Street, wo wir uns vor genau einer Stunde im venezianischen Saal Walter Langdon McDermotts, emes der geistreichsten Schöngeister der Stadt, vom Abschiedsmahl erhoben. Vergeblich suchen meine Augen den kristallschimmernden, mit Tulpen und Märzbechern geschmückten Saal. Durch das Dunkel rufe ich den sestlichsn Freunden einen letzten Gruß zu. Da strahlt im Süden aus den mitternächtlich vermummten Steinmassen das Bell-Telephone-Building auf, eine licht- und ström- durchflutete moderne Pyramide. Tausende von elektrischen Lampen blitzen auf, Fahrstühle klettern wie auf eine Linie dressierte Leucht- käfer die dreißig Stockwerke auf und ob. Der Fluß weitet sich jetzt zum Hasen. Kleine Inseln schaukeln auf unruhigen Wogen. Scharfe Windstöße fegen über das Prome- nadendeck und treiben die letzten Passagiere in ihre Kabinen hinunter. Auch der sechzigjährige Herr poltert wuchtig nach unten zu gesundem Schlaf und immer gesünderem Erwachen. Er wird uns alle überleben. Selbst das blutjunge schluchzende Mädchen. Da gleitet aus der Luvseite, vor New Jersey, mit mahnend erhobener, längst ausgebrannter Fackel die Freiheitsstatue vor- über, ein graues, gigantisches Nachtgespenst im weit wallenden Faltenkleid, versteinertes Phantom eines nicht mehr glühenden Geistes, monumentales Reklamemannequin für einen längst ab- handen gekommenen Nationalartikel. Doch die Dame hat sich ent- schieden in mancher Hinsicht gelohnt, besonders auch für Frankreich. welches dem jungen Volke mit sicherem politsschen Instinkt sein eigenes Phrasengenie auf einige Jahrhunderte mit auf den Weg gab. Doch, bitte, nur jetzt keine Politik hier in nächtlicher Einsam- keit, allein mit den Elementen zur heiligen Stunde des Anbruchs des Meeres. Um frei hinauszublicken auf die hohe See, deren Pulsschlag bereits stark an unser Schiff dröhnt, gehe ich noch einmal hinauf auf das oberste Deck Doch ich bin nicht allein. Da steht noch immer, in sich gebeugt, das blonde Mädchen, das totbleiche Antlitz nach Manhattan zurückgewandt. Sie hat mich nicht bemerkt. Leise geh« ich bugwärts und atme tief den vom Meere wehenden Nachtwind. Aus dunkler Ferne dort vor mir, hinter den kommenden neun Nächten, überströmt mich nach langer Zell zum ersten Mal« wieder das ewige Wunder der Heimat: Deutschland. Jtr. 275• 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 14. Juni 1Y32 Kritik der Sozialversicherung. Lhre wirtschaftlichen Funktionen/ Gozialiftifche Wissenschaft meldet sich zum Wort. In diksen Tagen ist die erste Schrift der Sozialistischen Ver- cimgung für Wirtschasts- und Gesellschastssorschung„Die w i r t- schaftlichen Funktionen der Sozialversicherung" (Verlagsgesellschaft des ADGB., 136 Seiten) als Kolloktivarbeit'van acht sozialistischen Wissenschaftlern erschienen. Sie im Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gebührend anzukündi- gen, ist eine schöne, aber nicht leichte Aufgabe. Es ist zwar sicheres Gedankengut der modernen Geisteswelt— weit über die eigentliche Manische hinaus—. daß Karl Marx' „ökonomische K r i t i k d e s K a p i t a l s" die Umwandlung der individualistischen in die sozialistische Wirtschaftsoerfassung als eine dem kapitalistischen System selbst innewohnende Notwendigkeit nach- weist. Aber im sozialistischen Gedankengut klafft seit Karl Marx eine Lücke: die Politik der Arbeiterklasse wurde anders als das Kommunistische Manifest es voraussah und das geschah, weil die wirtschastliche und gesellschaftlich« Emanzipation der Arbeiterklasse andere Wege ging, als es Marxens revolutionäre politische Philosophie vorzeichnete. Ebenso alt ist das bedrückende Gefühl, daß der Arbeiterklasse zu diesen„anderen" Wegen bis heute die Theorie fehlt. Wir haben die ökonomische Kritik des Kapitals, die den Sozialismus als historische Notwendigkeit stabilisiert hat, aber wir haben, trotz der massenhaften Darstellungen zu diesen Erscheinungen, nach keine wissenschaftliche, die Politik der Arbeiterklasse zur Einheitlichkeit zwingende Nachweisung darüber, daß die Realpolitik beispiels- weis« der Gewerkschaften, Konsumvereine und der Sozioldemokrati- schen Partei das geeignete Instrument zur Herbeiführung des Sozialis- mus ist. Was fehlt, ist die durch ökonomische Kritik für die ganze Arbeiterklasse unerschütterlich gemachte Erkenntnis, daß die heute von der Arbeiterklasse angewandten realpolitischcn Methoden zur Erreichung des historisch revolutionären sozialistischen Zieles die einzig richtigen sind, was zum Ergebnis hoben müßte, daß politische Spaltungen der Arbeiterklasse, weil vor dem Verstände mit keinem Mittel zu rechtfertigen, auf die Dauer auch nicht möglich wären. Dieser Nachweis wäre auch für das zur realistischen Gewerk- schafts- und Parteipolitik gehörende Gebiet der Sozialversicherung und Sozialpolitik zu führen, womit für uns der Standort der Kritik für die hier zu besprechende Kollektivarbeit bestimmt ist. „Jür uns ist der Mensch.. Miiielpunki und Ziel alles Mirtschastens... Selbst wenn unter gewissen Umständen der Warenertrag der Wirt- schaft durch eine Einrichtung der Sozialversicherung eine Einbuße erlitte, so würden wir eine Ablehnung dieser Einrichtung(natürlich immer abgesehen von organisatorischen Mängeln) nur dann für gerechtfertigt halten, wenn die Minderung des volkswirtschaftlichen Ertrages so groß wäre, daß sie die durch die Sozialversicherung beabsichtigte Existenzstcherung des Menschen wieder in Frage stellte. An diesem Punkte scheiden sich die Geister..." Mit diesen Worten aus Dr. Hilde Oppenheimers Einführung scheint das Problem— Sozialversicherung als realistisches Instrument zum sozialistischen Ziel— richtig gestellt und zugleich das Kriterium richtig angegeben: die Grenzen für Aufwand und Ziele der Sozial- Versicherung— als Teil alles Wirtschaftens— sind nicht in der Gefährdung des Wirtschaftszieles nach kapitalistischen, sondern nach sozialistischen Gesichtspunkten zu erblicken. Dr. Ludwig Prell er, dem Verfasser des ersten Kapitels „Sozialversicherung und Arbeitsfähigkeit" gelingt in seiner hervorragenden, in den Farmulierungen besonders glück- lichen und mehr als ein Drittel des Kollektinwerkes umtasscnden Arbeit der Nochweis, daß die historische Entwicklung und die reale Wirksamkeit der Sozialversicherung die sozialistische Ziel- s e tz u n g rechtfertigen. Durch den Funktionswandel der Sozialversicherung von der schaden- heilenden zur schädenverhülenden und schließlich die künftige Arbeitskraft pflegenden Tätigkeit— bis hin zur Säuglingsfürsorge, zur Kapitalverwendung für den Wohnungsbau und zur Förderung der Wander- und Sportbcwe- gung ist hier aus der Erfahrung der Beweis erbrocht, daß eine Volkswirt schaftliche Bewirtschastung des Kapitals nur möglich ist, wenn diese zugleich die rationellste Menschenbewirt- schaftung in sich schließt. Dazu gibt Preller ein fast überwältigen- de» Peweismaterial. Im zweiten Kapitel„Sozialversicherung und Arbeitsmarkt" bc- handeln Dr. B.r o c ck e r und Dr. H a lasi die Wirkungen der Sozialversicherung— besonders der Arbeitslosenversicherung— auf das Angebot von Arbeitskrästen und die Bezahlung der Arbeitskraft. Indem Broccker nachweist, daß die Leistungen der Kranken-, Unfall- und Jnvaliditätsvcrsicherung vom Arbeitsmarkt Kranke oder crwerbsbeschränkte Personen fernhalten(Verringerung der Arbeiter- reservc) und die Arbeitslosenversicherung die Einhaltung der durch Tarifverträge festgelegten Arbeitsbedingungen fördert, wird die Funktion der Sozialversicherung als kollektivistisches Instrument zum Schutz der Arbeitskraft gegenüber einer rein privatkapitalistischen Tendenz des Wirtschas- tens deutlich herausgestellt. Halasi betont mit Recht, daß die lohn- schützende und äußerlich lohnerhöhendc Wirkung der Toziolverfichc- rung(Arbeitgeber- und Staatsbeiträge) in einem gewissen Grade auch ohne Sozialversicherung vorhanden wäre, da dann die ent- sprechenden Leistungen durch private oder staatliche Fürsorge bereit- gestellt werden müßten. Nach Halasi kann eine l o h n ü b e r- höhende Wirkung der S o z i a l„l o st e n" in dem Sinne, daß dadurch zusätzliche Arbeitslosigkeit erzeugt werde, nicht be- wiesen werde. Für Hilde Oppenheimers These, die Auswandsgrenze für die Sozialversicherung sei erst gegeben, wenn die von der Sozial- Versicherung erstrebte Eristenzsicherung des Arbc'ters selbst durch die Aufwandshöhe gefährdet werde, sind Halasis Untersuchungen eine wertvolle praktische Demonstration. Das von Dr. M a r s ch a k und Fritz N a p h t a l i bearbeitete dritte Kapitel„Sozialversicherung und Verbrauchsgestaltung" beweist die krisendämpsende und die Mirlschastlichkeit erhöhende Funktion der Sozialversüherung. Soweit' eine sozialistische Wirtschaft die Krisen beseitigen und auch Bedarfsdeckung und Verbrauch planmäßig gestalten will, wird die im technischen Sinne sozialisierende Tendenz der Sozialversicherung mit giitein Material als eine bisher noch wenig beachtete Erkennt- nis gesichert. Marschak weist nach, daß die Häufung der Sosial- leistungen in Krisenperioden(das gilt besonders für die Arbeits- losenversicherung) die Depression aus dem inneren Markt der Masse nverlira u chsartjkel mildert und die in der Krise durch Auftragsmangel entstehenden Leerlaufnerlustc vermindert, wodurch den Unternehmern bei der Arbeiisloienversicherung von 1925 bis lü.Zg nicht weniger als 49 Proz. ihrer Arbeitgeberbei- träge wieder eingespart wurden. Naphtali zeigt durch eine Zusammen- stellung sämtlicher Sachleistungen aller Versicherungszweige. daß ein Betrag von rund ein Fünftel des für freie Käufe auf dem Markt bereiten Arbcitnehmereinkommcns durch diese Sachle-itunaen eine i w a n g s- läufige Verbrauchsrichtung erhält, die durch ihre Plan- Mäßigkeit und Malsenhaftigkeit auch eine wirtschaftlichere Bedarfs- besriedigung ermöglicht. „Größe der(nersicherungsmäßigen) K a p i t a l b i l d u n g" und die..Weae der Kaintalverwendung" in der Sosialveriicherung behandelt im fünften Kapitel Dr. C r o n c r. Für 1925 bis 1939 wird die Kapitalbildung der Sozialversicherung (netto 3,5 bis 4 Milliarden) auf 19 Proz. der Kapitalbildung in Deutschland beziffert: davon waren 3,8 Milliarden in Wertpapieren, Darlehen, Hypotheken und eigenem Grundbesitz angelegt. Aus diesen hohen Beträgen schließt Croncr aus Einflußmöglichkeiten der Sozialversicherung auf die K a p i t a l l e n k u n g und sagt mit Recht, daß die Rücklagen der Sozialversicherung e r st dann richtig" angelegt sind, w-mn der Verwendungszweck dem Zweck der Sozialversicherung selbst dient, d. h. den Menschen und der menschlichen Arbeitskraft als Wirtschaftszweck zu dienen geeignet ist. Im fünften Kapitel„Sozialversicherung und Produktions- kosten" macht Dr E r n st R ö l t i n g die wichtige Feststellung, daß zoll- und kartellgeschützte Industrien auf dem Um- weg der Preisbildung für nicht geschützte Verbrouchcrindustrien auch „Soziallasten" ü b e r z u w ä l z e n in der Lage sein können. Nöl- ting setzt sich auch mit Lietz, Hnrnesscr und Hartz auseinander, die die staatliche Zwangsversicherung in mehr oder weniger verschiede- nen Formen durch ein Z w a n g s s p a r s y st c m(Jndividuolver- sicherung) ersetzen wollen. Hilde L p p e n h e i m e r schließt das Wert mit einer den Willen zur wissenschaftlichen Exaktheit fast zu sehr betonenden„Z u- s a m m e n f a s s u n g" der Ergebnisse. Unsere kurze Inhaltsangabe zeigt, daß hier ein trotz feines geringen Umsanges bedeutsames Werk vorliegt. Die Sozia- listische Vereinigung für Wirtschasts- und Gesellschastssorschung hat mit dieser ihrer ersten Publikation einen ausgezeichneten Start ge- sunden. Die Wissenschaft und vor ollem die ernste politische Publi» zistik können an diesem Werk sozialistischer Wissenschaftler, das die Sozialversicherung als unentbehrlich für das kapitalistische System und zugleich auch als zwangsläufigen Gehilfen zu dessen Ueberwindung erweist, nicht vorbei. Der Schlagwortvernebelung durch die Gegner der Sozialpolitik kann die Arbeiterklasse durch diese» Werk ein auf den neuesten Stand gebrachtes wissenschaftliches Er- kenntnisgut entgegenstellen. Freilich wird dem Leser das Durcharbeiten— trotz der Zahlen- beispiele und vielen Daten— nicht immer leicht falicn. Das liegt nicht nur daran, daß die Paragraphenwälder der So- zialversicherung und Sozialpolitik ein schlechtes Gelände für geistige Spaziergänge sind, und damit kommen wir zu unserer Aus- gangsbetrachtung zurück. Das Werk liest sich auch schwer, weil jeder der Verfasser mit der Schwierigkeit ringt, daß ihm die Bedeutung der Sozialnersiche- rung als realpolitifchcr Faktor für eine sozialistischc Wirtschaftspolitik gefühlsmäßig absolut Hör ist, daß er aber wegen des Mangels einer„ökonomisckcn Kritik der sozialistischen Realpolitik" sich an die Methoden der Bearbeitung des vorliegenden Materials erst herantasten muß, statt von ihnen ausgehen zu können. Wir stehen nicht an, das als einen Mangel des Buches zu bezeichnen. Indem wir das aber tun, zeigen wir nur von neuem die Lücke im sozio- listischen Erkenntnisgut au', von der wir eingangs sprachen, an der die Verfasser des Werkes aber unschuldig sind. Wir hoffen, daß die Soziali st ische Bereinigung für Wirtschaft?- und Gesellschastssorschung diese Lücke schließen wird. Sie würde damit den entscheidenden Schritt zur Verwirklichung des Sozialismus tun, soweit nur Wissenschaft und Fnrsäiung diese Em- scheidung herbeiführen können. G. Klingrlhofrr Llm den deutschen BuLterzoll. 'Oie Folgen in Holland linier Amsterdamer Mitarbcilcr meldet über die Folge,, des Butterkriegce:„Während nach der dnitschni Einfuhr- befchränkung für niederländische Butler der Preis für beste Inlands- butter zeitweilig auf 45 und 59 Cent<79 und 39 Pfennig) das Piund heruntergegangen war, machen sich die Folgen des Margarincvermischungsgcsetzcs, das für olle Mar- garinc einen Zusatz von mindestens 25 Proz. Naturbulter vorschreibt, bereits bemerkbar. Die Maraarinesabrikanlcii treten als Käufer von Naturbutter in steigendem Maße auf, die Nachfrage nimmt zu, und die Preise gehen allmählich in die Höhe. Augenblicklich bewegt sich der Preis für beste„'ederländische Inlandsbutter zwischen 69 ynd 65 Cent(1 M. bis 1,19 50!.) das Pfund, und ein weiteres Anziehen ist schon in den nächsten Tagen zu erwarten. Gleichzeitig wird auch der Margarinepreis langsam gesteigert. Damit hat die Regierung Ruys die Lasten der'Agrarkrise glück'ich auf die Schul- lern der ärmsten Verbraucher abgewälzt. Bei den Kammcrwahlen des nächsten Jahres wird d'c Sozialdemokratie, die in beiden Kam- mern geschlossen geoen das Gesetz stimmte, darauf zurückkommen." Es fei darauf hingewiesen, daß die Rechtsparteien in Deutsch- lar>d sich mit ähnlichen Prosckici, tragen(Margarincsteuer, Bei- Mischungszwang usw.). Die Kataftrophe in der Bauwirtschafi. Der Monat April brachle gegenüber März in der Vauwirlfchafl zwar eine Besserung, aber die Loge bleibt katastrophal. In den Groß- und Mitlelslädlen wurden niii 3234 Mahnungen fünf Zlrozenl mehr serliggeslellt als im März, aber um 6 6 Proz. weniger als im April vorigen Jahres. In den ersten vier Monaten 1932 blieb mit 14 199 Mahnungen der Zugang um 69 Proz. hinter dem vorjährigen zurück. Dabei waren im April 35 proz. aller neuen Mobnvngrn durch U m- bau alter Mahnungen entstanden. Die Zahl der begonnenen Mohnungsbauten ist van I22S im März aus 2994 im April(gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 39 Proz.), die Zahl der zum Bau genehmiglen Mahnungen von 1769'auf 346S gestiegen (gegenüber dem Vorjahr 27 Proz. tnenwer). Dividende nach der Sanierung. Daß zahlreiche Betriebe rcniabel arbeiten können, wenn nicht unangemessen hohe Kapitalansprüche künstlich aufrechterhalten werden, dasllr liescri der Abschluß der L u d w i g s h a s e n c r W a l z m ü h l e den Beweis, Das Unter» nehmen mußte zum Ausgleich des Verlustes vom Jahre 1939 saniert werden(Kapitalzusammcnlegung 5 zu 3), und schon für das Jahr 1931 kann eine Dividende von 6 Proz auf das Kapital von 2,2 Mil- lionen Mark verteilt werden. Im Geschäftsbericht wird an Schicles Getreidepolitik. belanders am Verinahlungszmanq für inländisches Getreide, scharfe Kritik geübt. mc neue HANDARBE IIS- ZIGARETTE DER DSTERR. TABAK-REGIE EROSA 4 � uni> 5� IN AUEN TABAKWARENGESCHÄFTEN ERHÄLTLICH Jahresabschlüsse. We lere Krisenbilanzen. Die Vereinigte Märkisch« Tuchfabriken A.-G. hat 1331 einen V e r l u st von 3,83 Mill. M. erlitten, der zum größeren Te-il durch Auslösung des Reservefonds gedeckt und mit 3,23 M. auf neue Rechnung vorgetragen wird. Die hauptsächlichsten Verlustquellen waren Entwertung des Warenlagers durch den Preis. stürz und verschiedene Zusammenbrüche bei Kunden. Die Gummiwerke Veritas A.-G., Berlin, die 1331 mit einem Verlust von 353 333 M. abgeschlossen hat, nimmt jetzt nach Genehmigung durch die Generaloersammlung eine Sanierung durch Zusammenlegung des Aktienkapitals im Verhältnis 5: 3 auf 3,73 Mill. M. vor. Auch in der Porzellanindustrie nehmen die Verlust- abschlösse zu. Die R o s e n t h a l u. Co. Porzellansabrik A.-G., die im vergangenen Jahr noch 5 Proz. Dividende ausschüttete, wird für «33l voraussichtlich eine Unterbilanz größeren Umfanges ausweisen. Auf der Tagesordnung der bevorstehenden Generaloersammlung ist die Zusammenlegung des Kapitals von 6 auf 4,8 Millionen Mark vorgesehen. Die Volkstedt er Porzellan A.-G. sieht sich in- folge eines Betriebsverlustes von 181 333 M. gleichfalls zu einer Sanierung gezwungen und schlägt eine Zusammenlegung des Kapitals im Verhältnis 3: 1 vor. Bei der P i t t l e r- Werkzeugmaschinenfabrik A.-G. in Leipzig haben große Ruhlandaufträge im letzten Jahr die Auftragsverluste aus dem Inland und dem übrigen Ausland noch einigermaßen aus- gleichen können. Die Gesellschaft, die bis 1333 hochrentabel war und in den beiden oorhergehnden Iahren noch Dividenden von 13 und 8 Proz. zahlten, stellt für 1331 zwar die Dividenden- Zahlungen ein, hat jedoch noch einen kleinen Reingewinn erzielen können. Die zum AEG-Konzern gehörende Europa-Schreibmaschinen A.- G. hat mit einem kleinen Ueberschuß ab- geschlossen. Der Betriebsgewinn verringerte sich von 4,2 auf 3,2 Mil- lionen Mark, jedoch konnten auch chandlungsunkosten und Steuern erheblich verringert werden. Bezeichnend ist, daß die Ausgaben für Propaganda um fast 63 Proz. gedrosselt wurden. Die öffentlichen Schulden Ende 1931. Steigerung im zweiten Halbiahr 1931 nur durch Stuhungs- maßnahmen. Im zweiten Maiheft von„Wirtschaft und Statistik" wird der Stand der öffentlichen Verschuldung am Ende 1331 mitgeteilt. Die Schuld des Reiches ist von Juli bis Dezember 1331 um 166,4 Millionen Mark, auf 11733,6 Millionen Mark ge- stiegen. Diese Steigerung ist ausschließlich auf Stützungen von Banken zurückzuführen. Da diese Stützungskredite am Ende des Jahres 477 Mill. Mark erreicht hatten, sind die für e i g e n t- liche Reichszwecke aufgenommenen Kredite tatsächlich stark— um etwa 333 Millionen Mark— vermindert worden. Die Schulden der deutschen Länder(ohne chansastädte) haben sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1331 um 53,2 Millionen Mark auf 2,3l Milliarden Mark erhöht. Diese Erhöhung ist vor allem bei Preußen erfolgt, wo neben der Unterstützung der Landesbank für die Rheinprovinz mit 62,5 Millionen Mark die Haushalts- fehlbeträge vorläufig durch Kredite finanziert wurden. Der Schuldenstand der drei Hansastädte beträgt 733 Millionen Mark. Die Verschuldung der Kommunen ist seit dem Aus- bruch der Kreditkrise ziemlich unverändert geblieben. Am Jahresende 1331 waren die Gemeinden mit mehr als 53 333 Ein- wohnern und die Provinzialverbände zusammen mit 6631,4 Millionen Mark oerschuldet. Während im Viertel- jähr von Juli bis September noch eine Zunahme um 18,5 Millionen Mark(vor allem für Stützungen von Landesbanken) zu ver- zeichnen war, ist von Oktober bis Dezember ein Rückgang von 12 Millionen Mark eingetreten, obwohl die Stadt Berlin im Herbst noch einen größeren Ueberbrückungskredit von 23 Mill. Mark aufgenommen hatte. Gewinne der Berlin-Gubener HutfaSrik Detriehe voll beschäftigt.— Erhöhte Vorräte. Daß die Berlin-Gubener Hutfabrik A.-G. vorm. A. Cohn. Guben, für das Geschäftsjahr 1331 die hohe Divi- dende von 8(im Vorjahr 12) Proz. auf ihr 6,3-MillionenMark- Kapital verteilen'kann, hatten wir bereits mitgeteilt. Der jetzt vorliegende Geschäftsbericht beschränkt sich leider auf die Wieder- holung bekannter Dinge, anstatt über den Verlauf des Geschäfts- jahres bei dem Unternehmen Aufschluß zu geben, obwohl im Auf- sichtsrat Herren vertreten sind, die in der Oeffentlichkeit für weitgehende„Publizität"(Offenlegung) eintreten! So erfährt man nicht, wie hoch der Umsatz war oder um wieviel Prozent er zurückging. Auch die Zahlen für die B e- s ch ä f t i g t e n werden nicht genannt. Es wird nur gesagt, daß die vorliegenden Aufträge eine Vollbeschäftigung der Be- triebe aus einen Monat garantieren. Selbst die bemerkens- werte Tatsache, daß die Vorräte trotz stark gesunkener Preise von 1,3 auf fast 2 Millionen Mark gestiegen sind, wird nicht er- läutert. Wahrscheinlich ist hier ein Teil der stillen Reserven akti- viert worden, die zur Dividendenzahlung herangezogen werden mußten. Außerdem scheint man Rohstoffe eingekauft zu haben, denn die Bankguthaben sind von 2,5 auf 1,4 Millionen Mark zurückgegangen. Die Forderungen ermäßigten sich von 3,3 auf 3,2 Millionen, die S ch u l d e n stärker von 1,7 auf 1,3 Millionen Mark. Die Erfolgsrechnung weist einen von 3,8 auf 3,5 Millionen Mark zurückgegangenen Reingewinn aus. Dab«, ist bemerkens- wert, daß der Hauptteil des Reingewinns auf Zinseinnahmen (3,3 Millionen Mark) entfällt, währeird der eigentliche Be- triebsgewinn von 3,5 auf 3,16 Millionen Mark sank. Abschluß der Deutschen Spiegelglas A.-G. Die Deutsche Spiegelglas A.-G., Freden(Hannover), wird be- herrscht von den Zeiß-Werken, Jena, die einen großen Teil der Produktion abnehmen dürsten. Der Roh gewinn ist nur von 1,35 Millionen Mark im Jahre 1333 aus 3,87 Millionen Mark im Jahre 1331 zurückgegangen. Da aber bei Effekten Kursverluste ein- traten, kann aus das Kapital von 4 Millionen Mark keine Dividende gezahlt werden. Ein Beispiel dafür, wie durch KarteUwirtschaft Ueberinoestition von Kapital künstlich er- zeugt wird: im Jahr« 1926 verkaufte dieses Unternehmen seine Spiegelglasquote an den Verein Deutscher Spiegelglasfabriken in Köln. Die geplante Kapitalrückzahlung unterblieb aber: statt dessen baute man mit dem Erlös neue Betriebsanlagen! Im Jahre 1333 gliederte sich die Deutsch« Spiegelglas A.-G. die Further Verein, bayr. Tafelglashütten G. m. b. H.. Mitterteich, an. In der Generaloersanimlung hörte man das be- merkenswerte Bekenntnis der Verwaltung, daß Vorzugs- aktien doch eine recht zweifelhaft« Einrichtung feien. Sie sollen hier— 53faches Stimmrecht!— im nächsten Jahre beseitigt werden. Stuieadungen tüi Ottlt Rudr» fttib B e 1 1 i a SW 68. üinbenftrafp 3 parieinachrichten�WMür Groß-Rerlin st«»»b bat fltjirtsjctrftami i.£>ot, 2 Treppe» recht», zu richte» Arbeiterbildunasschule. Der zentrale Nursu» Olk wird»ertagt bis nach ben ZIcichstagswahleu. Beginn aller Veranstaltungen 19� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! l. Kreis. l80. weltliche Schule, Augustltr. 67— 6S, selir wichtige ffraktions» fitzung Dienstag. 14. Juni, 20 Uhr, bei Arndt, Schriiderstr. 2. Aussprache Uber'Wahlvarschliige. Die Genossen ber l.. b., 6. und 7. Abteilung, deren Kinder dort zur Schule gehen, find verpflichtet, in der Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 4. Kreis. Heute«ünltlich 17 Uhr ssusammenlunft erwerbsloser Parteimitglieder im Altersheim Danziger Str. 62. ,.D!e neue Regierung und ihre v'raus. sichtliche Auswirkung auf wirtschaftlichem Gebiet". Referent Genosse Rogge. Musikalische Unterhaltung Dr. Waltgang Kerbcrth. 7. Kreis. Heute Sihung des engeren Vorstandes mit den Abteilungsleitern im ssuaendheim Rosinensir. 4. 12. kreis. Donnerstag, 16. Juni, lädt, Ubr, siulammenki'nkt erwerbsloser Parteimitglieder in der Schule Steglitz, Fricsenstratze.„Wir und die rote liinbeitssrent", Referent Bruno Liische. 26. Kreis. Donnerstag, 16. Juni, lä Uhr, Grwerhslosenzusommenkiinfte an folgenden Steden: T-ael nnb WI»tenau im Reichobanner.Rootshaus Tegel, ReiniSendari-Dsi: Schule Honnestratze, Referent Dr, Gerhard Luckow. Reinickendorf. West: AuKenfpielulasi, Referent Kurt Viainn. 8. Abt. Donnerstoa, 16. Juni, bei Rickert. wichtige s?"nktionär6tzung.— grei- tag, 17. Inni. 20 Uhr. Zusammenkunft ssingerer Rorteimltglieber im Heim Genthiner Str. 17.„Japan", Rkterent Daniel Vrolbo. 21. Abt. Der flir Mittwoch fesigesetzte Diskufsiansabenb fvr iilngere Parteimitglieder fällt wegen der Kundgebung in den Vharus-Gälen aus. 2Z. Abt. Di- Zulammenkunlt Illnaer-r Pa-wimitglieder am Mittwoch fällt zu- aunsten der Kundgebung in Pbarus-Sälen ans. 83. Ab'. Heute 20 Ubr Glkernverfammlung bei Wertalla, Hohenlohestr. 8. Aufstellung der Varschlaaslist«. 87. Abt. Am Mittwoch. 18. Juni, beteiliaen sich unsere Mitglieder an der Ver- lammlung in den Snichern-Sälen. Alle? mutz mobiliOert werden. 62. Abt. Bezirk Siewen-ktabt! Mittwoch. l8. Sunt, 26 Ubr, Mitglieberver- lammlung im. Seidekrug".„Politische Lage und die Aufgaben ber Arbelterschgft". R-kerenf Simon Katzenl'-in. 76. Abt. Mittwoch. 15. Suni. 20 Uhr, Mitgliederversammlung, Zahl, und DiskufOopagh�nd bei Schissina. 80. W. Mittwoch. 18. Sunt 20 Ubr. Zablabenh im Selwbolti.Gnmnasium, S-ichenlaal. Pen Suni und Sul> lassen die s�rauenabende aus. 82. Abt. Die flir den 15. Suni naige Mitgliederversammlung findet eine Woche sväter siatt. Dakar betoisigen sich asse Genossen an ber morgigen Kundgebung in ben Suichern-Ssil-n. 103. Abi, Danner'tog, 16. Suni. 20 Ubr. im Iuqendbeim Laufen« Etrasie. Zu. fammenkunit fsingerer Parteimitglieder.„Nationalsozialismus und Staat", R-ierent Sans Bauer. III. Abt. Zu ber beute 20 Uhr in der Schulaula veransialteten Glternv-rlamm- Iura isi dos Grschein-N ass« Genossen nnhed>nat er'orderlich.— Mittwoch 20 Uhr kurz«, ab« s-br wichtige ssunftionäriitzuna bei.Seimann. 110. Abt. asie siie Mittwoch vargesehene Mitgliedcrocrsammlung fällt zugunsten de- Öffentlichen Kundaebunaen aus. 139. A'-i. Bezirk Schnt-enbit'.fl-iniicr'"-: Donnerstag. 16, Suni, 20 Ubr. Mit, gliebcrncrlawmluna bei Beck, am ssluanlatz...Politische Lage und die Auf. gaben der Arbeiterklasse", Referent Hans Marx.# .??auenveranstafku!wen. 17. Kreis. Seute 20 Ubr bei Morl, Neu« Babnbofftr. 28. wichtige Funktionä- rinnensit-ung.— Dienstag, 21. Juni, Waldfest der Frauen im B»lkspark Wuhlbeid«. 9. nnb 13. Abt. Donne-stag, 16. Suni. in der Batzenbofer Brauerei, kieiner Soal. Turmstr. 21. W'rbeveranstaiiung...Trauen«wacht— b!» Reaktion bränot zur Macht". Referentin Dr. Judith Grllnfeld. Rezitationen der G-nofsin Martha Jahn. 110. Abt. Donnerstoa, 16. Juni. 20 Ubr. bei Werner, Känenickcr Str, 12». „Kampf um die Lebensrechte ber Arbeiterklasse", Refnentin Elvira Krllger. Bezirksausschuß für Arbeiierwoßlfahrk. 3. Kreis Webding. Abholen und Rlickaabe der Arbeit im Jugendheim am Dienstaa. 14, Juni, um 17 Uhr,— Sidunq des erweiterten Krsisausschusses um 18 Uhr in der Nähstube. Ehristianiastr. 38, am gleichen Tage. Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß-Ber'-n. Krcisleiter! Die gestern an euch abgegangenen Rundbriefe bitten |f wir ncch vor Freitag an eure Seifer weiterzugeben. ß KraiskalfiererkonfereBz Donnerstag, 16. Juni, 19 Uhr, in ber Ge. Neukölln: Heute, Dienstag, 17% Uhr, Sportplatz Sonnenalle«. Nachdem Heben für die Werbeoeranstaltung. Die Bollversammlung morgen, Mittwoch, findet nicht Scanner Straße, fenjern Ziethenstr. 58 statt. Abt. Köpenick: Mittwoch, 15. Juni. 16 Uhr. Generalpcc.be zur Sonnen. wendfeier im Heim Dahlwitzer Straße. Alle Falken� müssen kommen. An» Meldungen für die Sommerlager bei diel« Znsammenkunsl. Friedrichsbain: Heute 20 Uhr Kreishelfersitzung, Miihlcnstr..oO. Mlttwoch sind all« Ncstfalken von 17— lO'i Uhr im Heim Mlldlcnllratze. Rot. und Jung. fallen gehen zum Cportvlatz Friedrichshain. Donnerstag komme:', olle Teil» nehm« an Zell- und Nestfalkenlog« um 17 Uhr ins Ärcishcim. Feeitag 1? Uhr erscheinen all- Roten Fallen, soweit sie Räder haben, mit ihren Rädern Mühlen- stratze.— Abt. Marorrcle W-na-ls: Die für heule v-rgelehene Elternverfamm- lung fällt aus.— Abt. Paul Singer: Freitag 20 Uhr Elternoeemmmlung im Krcishcim Mübl-nstrasic.- Abt. Landsberger Platz: Die Radlergruvve der Roten Falken fährt Sonnahend nach dem Uedcrfee zur Sonnenwende der Natur- freude. Kesten 30 Vf. Alle anderen Fallen fahren Sonntag nach Köpenick. Kosten 20 und 10 Pf. Sterbetafel der Eroß-Verlluer parte«-Organisation schäftsstelle. fi;*; Vollversammlung der Z-ltlaa«hels» mit Kreis- und Abteilung«. . leitern Freitag, 17. Juni, 20 Uhr, in b« Schulaula Neukölln, Kaiser. Friedrich. Stratz! 4. Bedding! Unsere Kreiseltcrnverlammlung findet Dannerstag in b« Gemein» fchaftskstche, Uferstr. 15, um 20 Uhr statt. Krou, berg: Der Folkenrat tagt Mittwoch, 15. Juni, 18 Ubr. im Iugenbheim Wassertorftr. 4. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Am gleichen Tage Sitzung der Abteilungsleiter In der Jorckstratze. Der Kassierer ist bereits 10>� Uhr da. 32. Abt. Am 9. Sunt verstarb unl« Genosse und Rcichsbannerkamcrad Fritz Pfeiffer, Andreasstr, 42. Ebre i-inem Andenken! Einäscherung Mittwoch, 18 Uhr, Krematorium Gerichtstratze. Um rege Beteiligung wird gebeten. 114. Abi. Unl« Genosse Wilhelm Kretschmcr, Sim-n-Dach- Strotze 40, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Mittwoch, 15. Juni, 18 Uhr, auf dem Friedhof Bornitzsrraße. Sozialisiische Arbeite» illLelldGroß-Verlin Einiendnnqrn für diet» Rubrik nur an das Zugendl-leetariat Berlin SW 68 Lindenstrntz, 2 vorn I Treppe rechts «bteilunasleitee! Sorgt dafür, daß die Karlen zum„R- st" gegen sofortige Bezahlung lKarte 30 Pf.) abgeholt werden, gebt das Juli-Pr-gramm ab.(Bitte nur einseitig beschreiben, Referentenanforderung nicht vergessen!) heuie, Dienskag. 19� Uhr. Arkonavlatz: Elifabethkirchstr. 19:„Worum organisiere ich mich politisch?"— Gew-'rt'chaftsb-rNs: Kövenicker Str. 92:„Programm der S�D."— Rofentbalcr Vorstadt: Tieckstr. 13, Hof II:„Frauenfroa-'n".— Zentrum: Waisenstr. 13:..Ein» bcitssront".— Brunncnplatz: Bank. Ecke Wiesenstraße:..Geschichte der Arbeiter- bewegnng", I.— G?sundbrunn''n I: � Gotenburqer Str. 6:..Tagesn-llui'd'e Fraacn".— Scsundbrnnn-n II: Koloniestr. 3:„Aufbau unserer Organisation". — Aumboldthain: Vutbuiser Srr. 3:„Gesundes Svorttreiben".— Norden: Graun str. 19:„Die Karl-Mor'-.Schul-".— Schillerpark: Schöningstr. 17:„Warum �reikiirverkultur?"— Veddina: Dillden�wstr. 5. Raum 3:„Revvlutions. käm"fe". II.— W-ddina-Nord: Turin-r � Sc�troße:„R-ssifche Revolution". — W�dding, R.)?.: Turiner Ecke Seestraße: A''ßerordentliche M'�aliederner- s�mmluna.— Arnimn�otz: Sonni'nburak'r Straße: Bunter— Arnsnialder Pla«» I: Schönlank-r Str. 11, B. 3:..Entst�una und Entwickl"nq des M-nsfW. — Balkan- Wss-n�elstr. 2:. Freikörperkultur".— Hclmb�tzvl�: Kastonien» allee 81:..RnIMsche Rarteien", N.—.�ob-'ns'�ön''au''en: Dingest cidter Straße: Neue Gefellschait�sviele.— Nordosten I: Dannaer Str. 62, B. 3: ,.5I,'aend in epot", I.— Casel''r Str. 2:..Kamps um die meltl''che Schul-".— .�ak-nbeide: Wasserto'-str. 4: H-iterer Abend.— Süd-n: Borckstr. 11; Scholl- ulattenabend.— Südmeft-n? Lind-nstr. 4:„Der vre'�is'be Landtag in der Gfoonwart".— Friedenau: Offen��cher Str. vs:..Die Schulung in Gewerk» schast".— Schan-bl»r<' I; 5äauptstr. 15: Kamvsliede''abend.— N: Hauvtstr. 15:„Bürgerliche Ebe".— E�ar�ott-nbura: R�sinenstr. 4: Schallil"tten» abend.— Cbarlatten�r�.Bord: Kaiserin.-Angusta-Allee 97l>:„�gtteotti".— Westend: Snortplatz Westend:„Taaesvoliti?".— Steglitz I; Albr-chtstr. 47: KG�rettobend.— Lichtenrade: �-imabend fällt aua.— �-u-Temp-�of: Winta-n" strafe:„Arbeitsdi-niwslicht. freHillm-r Arbeitsdienst".— Britz: Ehausteestr. 48:„Sexuelle II.— Neukö�n I: Sander- Ecke �"«brecht» strad-:..Die 5ug-nd im n-Iifischen— N-'-kZlln II: S+-?nm-rrfr. 94; „Vu�chgesahr in der R-nublik".— Ne"?� jn: Kietbenstr. 58;„Die KRD."— N-"kZNn N': Kanner Straße:..D--"? Heidelbe'ra-r Nroaramm", I.— Neukölln vil: KMS.: Bunter Abend.— Neukölln IX: Wari-ndorfer Weg.„Gemein- schafts-rziebuna".— Neukölln X; Berastr.?9. R. 3:„Kulturpolitisches.— kölln XI: s?l"obafenftr. 68:..Was ist Sozialismus?"— Schän-'Neide II: in der Wublbeide.— KZnenick I: Grünauer Str. 5: �raaekastenab�n�.— KZve. nick Ik: Leseabi'nd im freien.— Kaulsdark: Ad-'lfstr. 25: T"rnen.— Lichtnub«rq. Nord: Sportabend Narmann''nnlatz.— Licht«"'bera.Ror��''st: Dastestr. 22: Lese- abend.— A-'r�-lda�i: Raonsfraste. �"pr�rdrheunt:..Unsere Ora--'nis�ti''n".— R-'inick—'dorf.Ost: Lindau er St'-"«-:„Politische Auasnrache".— Tegel: Schöne- berger Str. 3:..Arb-i�-di-nstuflicht— freimilli,??? A�dpifsdienst". Aauutstr. 13:..D-r Weltkrieg".— Bnchd"!,- Li-derab-'nd.— Karow? Grunds- berattr. 9:..?'�nfipb?espl"n".— Ni-derschönchav�u: Außenspiele.— Pankow I und TT: Görschstr. 14:„Diktatur oder Demokratie?" W�rb-�-irk Ost-'U" W'"-benbIeutesitzun«'.�Litou«'r Str. 18.— Die kür deute angesetzte Bild"na«obl""kesttzung muß umständehalber aus den 21. Juni, Litauer Straße 18, verlegt werden.____ wetteraussickiken für Berlin: Etwas kühler! teils heiter, teils wolkig, trocken, schwache norvöstliche Winde.— Für Dci'tichland: Jn der nordwestlichen Hä'fte Deutschlands im ganzen kühler, im Südosten des Reiches ftär-lere Bewölkung, im übrigen Reich« keine wesentliche Aenderung des bestehenden trockenen, heiteren und sommerlich warmen Wetters. ABWEHR Kaffee/ Margarine V, Pfd. RH 1.00. 1 Pfd. RM 0.35 unerreicht billig! Das Zugabewesen greift immer welter um sich. Zugegeben werden vor allen Dingen Haushaltwaren aller Art. Deshalb haben sich die Mitglieder unseres Verbandes gezwungen gesehen, inAbwehr desZugabewesens Kaffee und Margarine, die vornehmlich mit Zugaben verkauft werden, direkt einzukaufen und ohne jeden Nutzen an jedermann abzugeben. Abwehrkaffee und Abwehrmargarine— in Qualität und Geschmack gleich hervorragend— sind in den Haushaltswarengeschäften erhältlich. Reichsvarband Deutscher Spezialgeschäfte In Porzellan, Glas, Haus- u. Küchengeräten, E. V., Berlin. Im Zentrum zu haben bei P. Raddatz& Co Leipziger Str. 122-123 »wwwsyi 1 1' y W'W ipil SiggKWWBälLaaf'iMIkflHl OeutsdiEr MetailarliEitei-VEM Vei waltunguielle Berlio Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Einrichter k�rieUrick pkeiter geb. iü Juli 1872. am 6. Juni ge. ftorben Iii Die Einäscherung ftnbei am Mill» wow. dem 15 Juni. 8 Uhr, im Kre» mawrium Genchisiraße statt Am 12 Juni starb un[« Kollege, ber Arbeiter Lrnst Hempel Die Einäicherung findet am Donn- »erstaa oem 16 Juni 19 Uhr. im Kremaiorium Baumschulenweg, Kie. holzuratz«, stan. Ehr« ihre» Andenken! Reg» Beteiligung erwartet Hie ert»vervnltrzng. DEütsteWlarteiljftoöaiiii: Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme beim Heimgange meine» lieben Manne» sage ich auf diesem Wege allen Perwanblen. Freunden und Kollege», iowie dem Baugewerks» bund, meinen herzlichsten Dank. I-uiae Draeger geb. Witte nebst Kindern. Zionokirchstratze 8. tisuÄBetfehs'sssss: Kinderb� Polster, CheleeL, an Jeden. Teil* Katalog freL Rieenmöbelfabrik Sokl(Tbüx* Acblang L Aditanä! Banhleingner und Rohrleger ter Innanöshelrleöe! Donnerstag. Den 18. Funi. abends 7 Ahr, im Aofenthaler Oof. Hojen- tholer Strohe 11/12 Versammlung aller In den Innungtbcirieben bc- schäftiglen aowic»treikenden Bau-, Oat- nnd Waucrkltmpner, Rohrleger nod Heiter Tagesordnung! Der bi»h«ige Verlauf unseres Abwehr. tampfrs. Kollegen au» den bewilligten Betrieben! Seid Mann lilr-Mann zur Stelle! Die Sireilenden erwarten eure Solidaritäi und Hiife! Ohne Mitgliedsbuch oder Streikkarte keinen zutritll uie ttrelklettnng. Oonnernkag. den 16. Zunl, abends 7 Ahr,>m Lolol„Schlefllihe helnrnt�, Neue Friedrichstrohe 1 (nahe IannowitzdrUckel VerssrnmlunS Her Aatogen' und EleKlro- sdiwtifter sowie Sdiweieerinnen Tagesordnung/ L Die Ausbildung der Schweitzer in der Schweitzichuie Ehailottendurg z. Bericht stder die letzte Schweitzer- Prüfung. 3. Berdandsangelegenheüen und Vrr» Ich-ebene» Im Monat Juni findet eine Besicht!. gung der Schwettzichule statt. Der Tag wird w dei Beriammlung bekanntgegebrn. Mitgliedsbuch legilimi.rt Zahlreich« Beiuch wirb erwartet. Die Orltverwalhsng, KLEINE ANZEIGEN jedes Wort 10 Pf. Fettoed. ucktesWort 20 Pffl.(zuläsfls 2 fertQedrudtte Worte (Worte mit mehr als 15 Budistaben zahlen für? Worte) Annahme durch den Ver ag. Lmdenstr.3 (i/j9— i Uhr) sämtl. „ Vorwät ts"-FiUalen u.-Ausgabestellen, sovfe alle Annoncen-Expeditionen Radio Radio. Sprech inafchinen. Netzanlchlutzanlage. komplett mit Roh. ren. Lautsprecher. anlchiutzfcrtig. 46.—. Lautsprecher 4,78, 7,50. vierpolig 13.—. 18.—. 22.—. Snstem 4.78. 6,50 Elektro. dosen 3.50, 5.50. Anoden.>00 Volt. 3.25. 4.40. 4.95. Netz. anoden 13,—. Bast. I'rmaterial. Sprech. moschinen. Koffer- apparale 9,—, 12,—, 15,—, Schranfappa- rat« 28,—, 32,-, 35.—, 48,—. 10 000 Werke 3,— 4,—. 8,— sowie alle» Zu- dehär billig. 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