Morgenausgabe Nr. 272 Ä 140 4y.Iahrgang MchenMch 75 Ps, monatlich 3,25 311 (davon 87 Pf, monatlich für Austeilung ins Haus) im voraus zadlbai. Postbezug 3,87 im, einschließlich so Pf, P-ilzeitungs- und 72 Pf, Postbestellae- ealhren. Auslandsabonnement s,ss M. vro Monat; Nr Länder mit erniäßig- tem Druckfachenvorto«,ss Pi. Set„Sormörls* erscheint wochentäz» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlrn und im Sandel mit dem Titel„Der Abend Zllustrierte Eonntagsbeilaa, .Volt und 8«it* Berliner volKsblatt Mittwoch 15 3uni 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die e t n 1 p q 1 1 MMmeterzetle 30 Ps. Reklamezeile 2.- M...Kleine An- zeigen" das fettgedruckte Won 20 Vf. (zulässig zwei fettgedrullteWorte),iedes weitere Wort w Pf. Rabat! lt. Tarif. Worte Uber 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Vlillimetcr» zeile 25 Pf. Familienanzeigen Milli« meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3 wochentäglich von 8»/, bis 17 Uhr Der Bertas behält sich dasRecht der Ab- lehnung mcht genehmer Anzeigen vor' Isntvawrgan der SozialdemotvatisOen Partei DeuttGtands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(A T) 292— 297. Teligramin-Adr.: Sozialdemokrat Berlin, Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? SZK.— BankkomotBankderArbeller, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 8, Dt,B.u,DiZc.-G«s., Depositenk.. Zerui alemer Sir, llS Kv lnlspslsst SI8 klSI1d8SN8!SlU Die Notverordnung der Barone. Ungeheuere Verschärfung des Massenelends. H Die erste Notverordnung des Kabinetts von P a p e n ist verkündet. Mit einem Schrei des Entsetzens und der Empörung wird sie von den Massen des deutschen Volkes aufgenommen werden. Das also ist die Frucht der nationalsozialistischen Wahlsiege. So gedenkt das Kabinett zu regieren, das im Einverständnis mit Hitler ins Amt ge- kommen ist! Keine neuen Lasten für die Wohlhabenden, die Reichen! Aber noch mehr Not und Elend für die Armen, die Bedrängten! So beginnt das Dritte Reich! Eines muß man dem Kabinett der Barone lassen: Es hält mit der neuen Notverordnung alles, was es in seiner Regierungserklärung versprochen hat. Es hat versprochen, Schluß zu machen mit dem Staatssozialismus, des- halb führt es jetzt einen allgemeinen radikalen Renten- a b b a u durch. Es hat versprochen, daß der Staat aushören werde eine Wohlfahrtsanstalt zu sein, deshalb wer- den jetzt allein 566 Millionen bei der Ar b e i t s l o s e n- Unterstützung eingespart. Es hat die Anpassung an die Armut der Nation versprochen, deshalb bringt die neue Notverordnung SM Millionen Mark neue Massen- st e u e r n. Ja sogar das Versprechen, die christlichen Grundsätze zu wahren, wird eingehalten— denn für die Kirchensteuer wird in Zukunft der Lohn unbeschränkt pfändbar sein!! Für alle freilich, die den Versicherungen der Rechtspresse und der Nationalsozialisten in den letzten Wochen geglaubt haben, daß nun eine neue Epoche der Staatskunst anbrechen würde, ist diese Notverordnung eine niederschmetternde Ent- täuschung. Bisher hieß es in der gesamten bürgerlichen und Nazipresse: Schluß mit den Notverordnungen, Schluß mit den Steuererhöhungen! Jetzt wird die Politik der Notverordnungen und der Steuererhöhungen fortgesetzt mit Mitteln, die an brutaler Rücksichtslosigkeit alles bisherige weit in den Schatten stellen. Die neue Arbeitslosenabgabe ist nichts anderes als eine Verkoppelung der Krisenlohnsteuer mit der von Brüning geplanten Beschäftigtensteuer. Sie bringt eine Mehr- belastung von 1� Proz. auch für die kleinsten Einkommen und sieht weder Freigrenzen noch Staffelung vor. Sie ist in Wahrheit ein Arbeitslosenbeitrag, zu dem nur die Arbeitnehmer, nicht aber auch die Arbeitgeber herangezogen werden. Dazu kommt die Salzsteuer, die 6 Pf. für das Pfund beträgt und zehnmal mehr bringen soll als die alte Salzsteuer, die 1926 auf Betreiben der Sozialdemokraten auf- gehoben worden ist. Dazu kommt schließlich die Auf- Hebung der Freigrenze von 5666 Mark bei der Umsatz- st e u e r, eine Maßnahme, die den kleineen Gewerbetreiben- den und Landwirten zeigt, welche zarte Rücksichtnahme sie zu erwarten haben, wo das Hakenkreuz regiert. Alles in allem legt die neue Notoerordnung durch Steuer- erhöhungen und Sozialabbau den breiten Massen neue Lpser von rund 11/2 Milliarden auf. Die Arbeitslosenunterstützung hätte bei dem jetzigen Stande der Arbeitslosigkeit und bei den gegenwärtigen Renten einen Bedarf von 3'/' Milliarden verursacht. Jetzt sollen an den Unterstützungssätzen, die schon bis auf 50 Mark im Durchschnitt monatlich abgebaut waren und die jetzt auf den unerträglich niedrigen watz von 42,50 M. sinken, ins- gesamt 520 Millionen eingespart werden. Das geschieht durch einen Abbau der Sätze auf der ganzen Linie bei der Versicherung, der Kriscnsürsorge und der Wohl- fahrtspflcge. Bei der Arbeitslosenversicherung wird das Versicherungs- Prinzip praktisch aufgehoben, denn der Rechtsanspruch auf die Unterstützung wird von 20 Wochen aus 6 Wochen verkürzt. Diese Maßnahme wird durchgeführt, obgleich die Bersicherung nach dem bisherigen Stande sich finanziell selbst getragen hätte und in den letzten Monaten sogar bedeutende U e b e r- s ch ü s s e ansammeln konnte!— Neben der Arbeitslosenunterstützung werden die Leistungen der Sozialversiche- ru n g und die Kriegsbcschädigtenrcnten auss schärfste gesenkt. Bei der Invalidenversicherung, der Angestell- tenversicherung, der Knappschafts- und der Unfallversicherung wird ein allgemeiner Renten- abbau von 15 Proz. durchgeführt, der einen Unter- stützungsraub von mindestens 300 Millionen Mark bedeutet. Bei den Kriegsbeschädigten werden die Renten der Ledigen und der kinderlos Verheirateten um nicht weniger als ein Viertel gekürzt, so daß man etwa 70 Millionen Mark er- sparen kann. Der gesamte Sozialabbau bei der Arbeitslosenunter- stützung, der Sozialoersicherung und bei den Kriegsbeschädig- ten erreicht also die ungeheuerliche Summe von 900 Millionen Mark.' Dazu kommen die neuen Lasten: 400 Millionen Mark aus der Ärbeitslofenabgabe, 70 Millionen Mark aus der Salzstöuer, 100 bis 150 Millionen Mark aus der Umsatzsteuer, zusammen 570 bis 630 Millionen Mark. Das Gcsamtopfcr. das die Regierung Papcn den breiten Massen auszwingt, beträgt also rund iy2 Milliarden. Wo aber bleiben dieOpferderBesitzenden? Mit einiger Mühe entdeckt man, daß die Besitzenden ganze 45 Millionen mehr Krisen st euer ausbringen sollen, aber bei genauerem Zusehen stellt man zugleich fest, daß die A u f- bringungsumlage— das ist eine Sondervermögenssteuer der Großbetriebe— um 100 Millionen Mark abgebaut wird. Die breiten Massen sollen 1l4 Milliarden neue Opfer tragen, den Besitzenden aber werden 50 Millionen ge- schenkt. Früher gab es eine Ausrede gegen verschärfte Besitz- belastung: die drohende Kapitalflucht. Jetzt sind unsere Grenzen durch ein engmaschiges Netz von Devisenvorschriften und Steuerfluchtparagraphen geschlossen, und trotzdem werden die Besitzenden weder zu den neuen Steuerlasten noch zu den Abbaumaßnahmen herangezogen. Denn die Anpassung an die Armut der Nation braucht selbswerständlich nur bei den Ar- Frelheltsoplen! Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands rüstet zur größten aller Wahlschlachten. Kampfesmutig und entschlossen nimmt sie den Entscheidungskampf mit der Reaktion auf; nicht ermüdet, nicht entmutigt durch die schon hinter uns liegenden großen Kämpfe dieses Jahres. Allen Entbehrungen, aller Not und allem Terror zum Trotz harren die Massen, die dem Banner der deutschen Sozialdemokratie folgen, erneut in eiserner Front der schweren Aufgabe, vor welche die Auflösung des Reichstags sie stellt. Der Kampf erfordert nicht nur die Einsetzung aller Kräfte, er kostet auch Geld, viel Geld- Darum rufen wir allen Anhängern zu: Bringt das Freiheitsopfer! Niemand vergesse, daß dieser Kampf über.sein eigenes Dasein und die Zukunft des ganzen schaffenden Volkes entscheidet! Niemand verfehle, das gigantische Ringen des werktätigen Volkes für Freiheit, Menschenrecht und menschenwürdiges Dasein zu unterstützen. Zum Kriegführen gehört Geldl Schafft Munition herbei! Es werden für Berlin Marken für 0,50m, IM, SM und 10 Mark ausgegeben, deren Erwerb Ehrensache aller Gesinnungsfreunde ist. Wer nur wenig geben kann, gibt wenig, wer mehr hat, muß mehr opfern! Durch Erwerb und Besitz von Freiheitsmarken bezeugt jeder seine Verbundenheit mit der in heißester Wahlschlacht stehenden Partei des arbeitenden Volkes. Drei Pfeile auf den Marken des Freiheitsopfers sind das Symbol aller Freiheitskämpfer. Drei Pfeile fliegen dem Feind entgegen, der mit l-üge und Niedertracht den politischen Kampf führt. sind Symbol der Aktivität, der Disziplin und der Einigkeit. In ihren Zeichen kämpfen Drei Preise Bossen. Ä* D|!aSIa sind 1105 Symbol der Kampfentschlossenheit, der Treue und des Glaubens l/rei rreiie an den Sieg. Opfert auf dem Altar derFreiheit Bezirksverband der SPD Berlin Volksfront gegen Hitler- Barone! Oeffentliche Kundgebungen am Mittwoch, dem 15. Juni, 20 Uhr »M» l, j, �> t muimmmtmuiJsmmMBsaaBsmmBBmmBmmmaBamMamammmBBBmammi i>ii»i m der„Neuen Welt", Neukölln, Hasenheide 1 08 in den Spichern-SäSen, Spichernstr. 3 im Saalbau Friedrichshain, Am Friedrichshain in den Pharus-Sälen, SVIüüerstr. 142 Redner: Clara Bohm-Schuch, E.Hamburger, Franz Künstler, Paula Kurgass, Carl Litke, Toni Sender, Fr. Stampfer, Mathilde Wurm— Gestaltet diese Kundgebungen zu einer gewaltigen Abrechnung mit der Hitler- Reaktion! beitslosen und bei den Sozialrentnern, bei den Kriegs- beschädigten und bei den Wohlfahrtsempfängern durchgeführt zu werden, nicht aber bei den hohen Gehältern und Pensionen, bei den Kapitalisten und den Großagrariern. Die bitterste Enttäuschung aber bringt die Notverordnung den breiten Massen mit dem, was sie nicht enthält. Sie legt ihnen nicht nur Steuern von unerhörter Brutalität auf, sie führt nicht nur einen Sozialabbau auf der ganzen Linie durch, sie macht auch>' alle Hoffnung auf Arbeitsbeschaffung zunichte! Es gibt keine Anleihe für Arbeitsbeschaffung» es gibt keine staatliche Förderung des Wohnungsbaus, es gibt keine Erweiterung des Straßenbauprogramms! Nichts von all den Plänen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften, des Reichswirtschaftsrats und der Re- gierung Brüning, die 600 000 Menschen Arbeit verschaffen wollten, soll durchgeführt werden. Diese 600 000 werden jetzt mit leeren Versprechungen abgespeist und werden vergeblich auf Arbeit warten. Denn Arbeitsbeschaffung hätte vielleicht wie ein Rückfall in den Staatssozialismus ausgesehen, und das wollte die Regierung Papen unter allen Umständen ver- meiden. Diese erste Notverordnung des Kabinetts der Barone ist noch viel schlimmer als das, was Brüning geplant hatte. Brüning wollte wenigstens keine Zerschlagung der Arbeits- losenversicherung, keine Verkürzung der Unterstützung von 20 auf 6 Wochen und keine Einführung der Bedürftigkeits- Prüfung. Er wollte keinen Abbau bei den Sätzen der Wohlfahrtspflege und bei den Renten der Kriegsbeschädigten. Brüning wollte auch keine Wiedereinführung der Salz- steuer, keine Beseitigung der Umsatzsteuerfreigrenze und keine Halbierung der Aufbringungslast. Eine solche Nower- ordnung konnte nur von einer Regierung erlassen werden, die glaubt, überhaupt keine Rücksicht mehr auf die Massen des Volkes nehmen zu müssen. Die politische Notoerordnung, die die Aufhebung des SA.-Verbots und des Uniformverbots bringen soll, ist noch nicht erlassen. Es heißt, daß sich da doch einige Schwierig- keiten eingestellt haben. Deswegen soll aber nicht gestattet sein» die Zusammenhänge zu verdunkeln. Sobald die Nazis in ihren neuen Notoerordnungsjacken auftauchen, wird man sich dessen erinnern, was zusammen mit der Auf- Hebung des SA.-Verbots an neuen volksfeindlichen Maß- nahmen über die Massen gekommen ist. Oos Volk muß zahlen, wenn die SB. marschiert? Bayern hält am llniformverbsi fest. Süddeutfchland entschlossen gegen SA.-Terror. München, 14. tzum.(Eigenbericht.) Die bevorstehende Aushebung des Verbots der Hitlers chen Privatarmee und gleichzeitig des Uniform- Verbots durch Verordnung des Reichspräsidenten stellt die Regierun- gen der süddeutschen Länder vor schwere Entscheidungen. 'Allem Anschein nach sind sie nicht gewillt, das politische Leben und vor allem die Straße dem SA.-Terror wieder auszuliefern. Es ist deshalb damit zu rechnen, daß die süddeutschen Länder unter Be- rufung auf ihre Polizeihoheit zwar nichts gegen die Aushebung des SA.» und SS.-Berbots unternehmen werden, dafür aber aus ihrer verfassungsmäßigen Verantwortlichkeit für Ruhe und Ordnung in ihren Staaten das Uniform ver bot aufrecht erhalten. Bayern insbesondere wird darauf verweisen, daß sein Uniformverbot bereits seit Juni 19Zt bestand, das sich nicht gegen eine bestimnite politische Partei wandle, sondern generelle Gültigkeit hatte. In diesem Umfange wird auch nach Erlaß der neuen Notverordnung der bayerische Polizeiminister und mit ihm seine Kollegen von Württem- berg und Baden den in diesen Ländern vor dem 13. April bestehenden Zustand wieder herstellen. Die Bayerische Volkspartei-Korrespondenz schreibt zu der bevorstehenden Verordnung des Reichspräsidenten: „Diese Maßnahmen zeigen die neue Reichsregierung in ihrer vollendeten Abhängigkeit von den Wünschen der Nationalsoziali st ischen Partei. Dies ist der Preis, der mit Hitler für sein« tolerierende Haltung in der Geburtsstund« des Kabinetts Papen-Schleicher vereinbart worden ist. Dieses Zurück- weichen auf der ganzen Linie vor den Nat'onalsozialisten überrascht nicht, nachdem man sich längst zuvor der Freiheit des Handelns so vollkomnien begeben hatte. Es wird den neuen Männern der Reichs- regierung noch stärker und noch peinlicher zum Bewußtsein kommen, was es heißt, sich an eine revolutionäre Bewegung verkauft zu haben. Das Kompromiß mit Gegnern des bestehenden Staates zeigt mit er- schreckender Deutlichkeit, wie weit schon die Erschütterung staatlichen Denkens in Deutschland gediehen ist." Erhöhung der Holzzölle. Für die agrarischen Papenhcimer. Gleichzeitig mit der neuen Notverordnung wurden nach dem Versprechen des Reicheernährungsministers Freiherrn von Braun aus der Tagung des Landwirtschaftsrats die Holzzölle erhöhl. Soweit nur Handelsverträge dadurch nicht offen gebrochen würden, erfolgten Zollerhöhungen aus das Doppelte bis Dreleinhalbfache. Die Erhöhungen gelten für alle» Weichholz zum Bauen(auch Brennholz, Foucnier- und ZNöoelhoiz). Die Reichsregierung will olle noch bestehenden zollpolitischen Bindungen so bald wie möglich zu beseitigen versuchen. Notverordnung gegen Krisenopfer. Ungeheuerliche Abstriche am Gozialeiai. Die erste Notverordnung der Papen-Regierung, die gestern ver- öffentlicht wurde, gliedert sich in v i e r h a u p t a b s ch n i l l e. Die ersten beiden Abschnitte besassen sich mit der Arbeitelosenhilse, der Sozialversicherung und der Reichsversorgung. Die beiden kapilel enthalten einschneidendste Maßnahmen gegen Sozialrentner und Arbeltslose. Die Invaliden-, Angestellten, und knapp- schaftliche Pen sionsversicherung wird die Leistungen ganz allgemein auf den Stand von 1927 zurücksetzen. Im Durchschnitt ergibt sich eine Rentenkürzung auch bei den Itnfallrcntrn um 15 Proz. In der Invalidenversicherung werden die alten Renten um 6 Mark, bei den Witwen um 5 Mark und bei den Waisen um 4 Mark je Monat gekürzt, und bei den neuen Renten wird der Grundbetrag um 7 Mark je Monat abgebaut. Der Anteil der Witwen- und Waisenrenten an der Hauptrente— bisher sechs Zehntel— wird auf fünf Zehntel bzw. vier Zehntel gekürzt. Äluch dir Versorgung der Kriegsopfer ist schlver gedrosselt worden. Ledige und kinderlos« Kriegsbeschädigte mit einer Erwerbsfähigkeit bis zu SO Proz. werden in ihrem Rentenbezug um 20 Proz. ab- gebaut. Hierdurch sollen 4S Millionen Mark pro Jahr eingespart werden. Um den geschädigten Kriegsopfern die Berufung gegen zu harte Drosselungsmaßnahmen zu verleiden, wird diese durch Ein- sührung einer Verwaltungsgebühr außerordentlich verteuert und damit für viel« praktisch unmöglich gemacht. 520 Millionen werden den Arbeitslosen gestrichen. Das Kernstück dieser neuen Notverordnung ist der ungeheuerliche Raub an den Unterstützungssätzen der Erwerbslosen. Die Regierung rechnet mit einem Durchschnittssatz von S,9S Millionen Arbeitslosen im Jahr. Bei der bisherigen Regelung müßten zu Unterstützungs- zwecken 3-ZS7 Millionen Mark aufgebracht werden, und zwar: 984 Mill. Mark für die- Arbeitslosenversicherung(Alu) 1283,,., Krisenunterstützu�g(Krü) 1290,.. Wohlfahrtsunterstügung(Wolu). Die Notverordnung drosselt die Unterstützung�- leistungcn in der Alu um durchschnittlich 23 Proz. »nd führt die Vedürftigkeitsprüfung bereits noch sechs Wochen s!)— bisher nach zwanzig Wochen— ein, was Praktisch einer Beseitigung der B er st che- rungseinrichtung gleichkommt. Hierdurch werden 188 Millionen Mark eingespart. In der K r i s e n u n t e rst ütz u n g wird unbeschränkt die Be- dürstigkeitsprüfung eingeführt, ferner werden die Uuterstützungs- leiswngen um durchschnittlich 10 Proz. gesenkt. Di« Einsparung beträgt hier 117 Millionen Mark. Die um 13 Proz. gesenkten Wohlfahrtssätze werden als Höchstsätze(!!) eingeführt, womit weitere K7 Mil» lionen auflösten der Arbeitslosen eingespart werden. In der kommunalen Wohlsahrtsunterstützung werden durch den bereit» erwähnten ISprozentigen Abbau der Unterstützungsleistungen 1-18 Millionen Mark erspart. Nachdem also insgesamt 520 Millionen zu Lasten der Krisen- opfer eingespart wurden, verbleibt noch ein Aufwand für die Arbeitslosenunterstützung von 3,03 Milliarde» Mark, dem an Deckungsmitteln 2,63 Milliarden gegenüberstehen. Die Deckungs- mittel setzen sich wie folgt zusammen: 1. Die Beiträge aus der Alu......... 1083 Mill. M. 2. Der von den Gemeinden aufzubringende Betrag 680,•„ 3. Reichszuschuß............... 867 m, Oie Äeschästigtensteuer. Das danach verbleibende Defizit von rund 400 Mil- lionen wird durch eine neue Beschäftigten st euer gedeckt. Diese Steuer, die als„Abgabe zur Arbeitslosenhilse" bezeichnet wird, trifft alle Lohn- und Gehaltsempfänger, also auch die Beamten. Die Abgab« beträgt bei einem Arbeitseinkommen bis zu 123 Mark monatlich IL Proz., bis zu 300 Mark monatlich 2„5 Proz. Bei einem Einkommen zwischen 300 und 700 Mark monatlich beträgt die Abgab« für die ersten 300 Mark 2,5 Proz„ für die weiteren Beträge 5,75 Proz. Hier ist der Teil des Arbeits- entgeltes, der bei der Berechnung des Beitrages zur Arbeitslosen- Versicherung nicht berücksichtigt wird, mit der Höhe dieses Beitrages (3,2Z Proz.) zur Abgabe mit herangezogen worden. Bei Arbeits- einkommen zwischen 700. und 3000 Mark monatlich betragt die Abgabe von den ganzen Bezügen 5,75 Proz Wenn das Arbeitsentgelt im Monat 3000 Mark übersteigt, beträgt die Abgab« 6,5 Proz. Diese neue Beschäftigtensteuer bringt also zusätzliche Belastimg in der Form, daß die bei der bisherigen Ärisenlohnsteuer erhaltene Freigrenze bis zu 1500MarkL»hne>nkommen im Jahr wegfällt. Sämtliche übrigen Beschäftigten werden gegen- über der Krisenlohnsteuer mit anderthalb Prozent mehr belastet, und die Beamten, die infolge der mehrfachen Beamtengehalts- kürzungen von der Krisenlohnftcuer befreit waren, werden jetzt gleichfalls mit anderthalb Prozent zusätzlich belastet. Während sämtliche Arbeilnehmer, die schon durch mehrfachen Lohnabbau und Kurzarbeit In ihrem Lebensstandard außcrorkent- lich geschädigt wurden, mit einer zusätzlichen Steuer belastet werden, verschont die neue Notverordnung die besitzende Klasse mit diesen erhöhten Lasten. Die Krisensteuer der Veranlagten, zu denen neben den Lohn- cmpfängern über 16 000 Mark im Jahr die Einkommensbezieher aus freien Berufen, Kapitalvermögen, Hausbesitz und Gewerbe- betrieb gehören, wird nur insoweit herangezogen, als stall der bis- her vorgesehenen letzten Ratenzahlung im Oktober 1932 noch eine zweit« Ratenzahlung— ohne die erhöhten anderthalb Prozent— im Januar 1933 tritt. Sa?zsteuer und Umsatzsteuer. Zum Ausgleich des Haushalts für das Rechtiungsfahr 1932, der auf der Ausgaben- und Einnahmenseite mit 8,2 Milliarden Mark bilanziert, wird die C a l z st e u e r, die im Jahre 1926 durch das Steuermilderungsgesetz wieder abgeschafft worden war, neu eingeführt. Die Steuer ist außerordentlich hoch und beträgt 12 Pf. pro Kilo. Man errechnet für das laufende Etatsjahr einen Steuereingang von 40 Millionen und für ein ggnzes Jahr Einnahmen in Höhe von 70 Millionen Mark. Bei der U m f a tz st e u er wird die Freigrenze, dk jetzt 50p0 Mark beträgt, beseitigt. Diese Freigrenze wurde im Jahre 1931 eingeführt, da seinerzeit bei einer Umsatzsteuer von 0,85 Proz. die veranschlagte Einnahme von 40 Millionen den Arbeitsaufwand nicht lohnte. Nach der im Dezember erfolgten Heraufsetzung der Umsatzsteuer aus 2 Proz wird eine Mehreinnahme aus der Umsahsteuer im Betrage von 120 bis 1S0 Millionen Mark erwartet. Durch diese Mehreinnahmen hofft man, die S t c u e r a u s s a l l e, die bei der Umsatzsteuer infolge der fortschreitenden Wirtschast»- schrumpfung eingetreten sind, auszugleichen. Auf dem Gebiet der A u f b r i n g u n g s. u m l a g e(Reparä- tionsbelostung) tritt ein« SOprozentige Senkung der Zahlungen ein. Für das laufende Rechmungsjahr häiten nach dem Industriebankgesetz vom 31. März 1931 rund 200 Millionen erhoben werden müssen, von denen 80 Millionen Mark aus den Reichshaushait, SO Millionen Mark auf die Osthilse und 30 Millionen Mark auf gewerbliche Kredite«nlfallen sollten. Die höhe der Aufbrlngungsumloge wird durch die Rolverord- nung aus 100 Millionen Mark herabgesetzt, womit der Zndustrle und in erster Linie den großen Betrieben ein Steuergeschenk von 100 Millionen Mark in den Schoß geworfen wird! Arbeitsbeschaffung ohne Finanzierung. Die von Brüning geplante Prämienanleihe wird in der Notverordnung nicht erwähnt. Die in dem vierten Kapitel behandelte Arbeitsbeschaffung sieht eine Anzahl Pläne vor, deren Finanzierung völlig in der Lust schwebt. Die einzig positiven Bestimmungen, die in diesem Abschnitt ent- halten sind, gellen für die Wohnungsreparaturen und Wohnungsteilmigen, wo die Reichsregierung die zu diesem Zweck aufgenommenen Darlehen durch Zuschüsse verbilligen und ferner Bürgschaften aus derartigen Darlehen übernehmen will. Außerdem wird bei der Arbeitsbeschaffung die Planung von Straßenbauten, Wasserbauten und Meliorationen erwähnt, ohne daß aber hier Nicht» linien für die Finanzierung gegeben werden. Aus alle Fälle soll der freiwillig e Arbeitsdienst zu diesen Arbeiten in größerem Umfange herangezogen werden. Für den freiwilligen Arbeitsdienst hat die Regierung in den Etatsentwurs für 1932 20 Millionen und für die landwirtschaftlich« Siedlung 50 Millionen Mark neu eingestellt. Für die Finanzierung eines wirksamen Arbeits- beschaffungsprogramms kommen diese Beträge natürlich nicht in Frage. Pfändung von Lohn für Kirchensteuer. Um das Aufkommen aus der Kirchensteuer zu sichern, sieht die Notverordnung durch eine Aenderung der Reichsabgabenordnung vor, daß der Arbeits- und Dlenstlohn unbeschränkt psänd- bar ist, soweit ti sich um die Beitreibung direkter persönlicher Steuern aus den letzten drei Monaten Handell. Durch die Recht- Iprechung wurde bisher die Auffassung oertreten, daß auch bei der Beitreibung direkter Steuern der Arbeits- und Dienstlahn nur insoweit pfändbar sei, als er die Pfändungsgrenze übersteige. Rechispsiege und Verwaltung. Eine zweite Notoerordnung sieht Einschränkungen und Reformen auf dem Gebiet der Rechtspslege und Verwaltung vor. Sie bestimmt im wesentlichen, daß in der Strafrechtspflege in Zukunft gegen jedes Urteil des Amtsrichters oder des Schöffen- geristts nur noch ein Rechtsmittel, die Berufung oder die Revision, zulässig sei. In allen Sachen, in denen das Rechtsmittel der Be- rufung gegeben ist, in d«nen also der Sachverhall selbst zweimal vom Gericht untersucht werden kann, soll das Gericht den Umfang der Beweisaufnahme nach seinem freien Ermessen bestimmen. In Prioatklagesachen tritt, sosern nicht das Armenrecht bewilligt ist, das Gericht erst in Tätigkell, wenn ein Vorschuß ge- zahlt worden ist. Die Psändunysgrenze bei Löhnen jind Gehältern wird von 195 aus 165 Mark ermäßigt. Schließlich werden noch die Jahresgebühren für Patente für das zehnte und achtzehnte Patent- zahr durchschnittlich um 25 Proz. gesenkt. Brüning Spitzenkandidat tu Sachsen. Der Landesvorstand der sächsischen Zentrumspartei bat beschlossen, in allen drei sächsischen Wahlkreisen Listen aufzustellen, die an die Reichsliste der Zentrums- parte! angeschlossen werden. Reichskanzler a D. Dr. Brüning soll gebeten werden, die Spitzenkandidatur in den drei sächsischen Wahl- kreisen zu übernehmen. Dos neue Wemeldirektorium Dr. Schreiber, Sziegaud und Wal- gnhn hat vom Landtag«in Vertrauensvotum mit 19 Stim- men der Londwirlschaftepartei und der Volkspartei erhalten. Die Sozialdemokraten und die Litauer enthielten sich der Stimme; die drei Kommunisten stimmten dagegen. Oer Notverordnungs-Segen. »Asreinspazieri? In unserem natio- nalen Zie.ch gibt es keine Notverord- nungen mehr!" ,Man nur zur Begrüßung und zur Abkühlung!- Parole Nachgeben? Was Frankreich von Papen erwartet. Seit der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Frick dem Oenossen L r e i t s ch e i d mitgeteilt hat. daß er den sozial- demokratischen Antrag auf Cinberusung des Auswärtigen Aueschusses zunächst dem Außen- m i n i st e r D r. N e u r a t h unterbreitet habe, hat man nichts mehr von der Sache gehört. Inzwischen ist der Termin der Lausanner Konferenz herangeiommen, und so besteht keine Aussicht mehr, daß der Ausschuß vor der Konserenz über die reparationspolitischen Gedanken und Absichten der Regierung Papen unterrichtet wird. Das Kabinett und mit ihm die Nationalsozialisten'-smd einen großen Verlegenheit überhoben. Stellen wir NIM diesen Verzicht muf eine Allssprache vor dem Ausschuß mit der Dürftigkeit und Verschwommenheit der Wendungen zusammen, die das sogenannte Regierungspro» gramm über die auswörtige Politik enthielt, so haben wir wohl eine Erklärung sür die bemerkenswerten Auffassungen, die ein Teil der Pariser Presse von den Ideen und Plänen der neuen Männer in Deutschland hegt. Ihre Schweigsam- keit wird in Frankreich als Bereitwilligkeit zum Nachgeben aufgefaßt und das Pariser„Journal" deispiels- weise, glaubt sicher sein zu dürfen, daß die Taktik der deut- schen Unterhändler in Lausanne nicht mehr so starr seinwerdewieunter Brüning und daß der Reichs- kanzler Dr. Papen sich nur an die Realitäten halten und mit dem Erreichbaren sich zufrieden geben werde. Ob die Franzosen mit dieser Einschätzung des derzeitigen Reichskanzlers recht haben, wird sich bald herausstellen. Aber wir müssen schon sagen: es spricht manches dafür, daß cherr von Papen weit davon entfernt ist, in Lausanne den starken. Mann spielen zu wollen. Er möchte sich doch sein bekanntes außenpolitisches Konzept sicher nicht verderben. Gespannt dürfen wir dann aber darauf sein, wie sich die N a t i o n a l s o z i a l i st e n zu der größeren Geschmeidigkeit der von ihnen tolerierten Regierung stellen werden. Der Di« „starre" Brüning war ihnen doch bei weitem noch nicht starr genug. Werden sie nun Herrn von Papen einen Landes- oerräier schelten, wenn er nach Hause zurückkehrt, ohne sich— um mit Hitler zu reden— zu einer end gültigen aktiven Aus- einandersetzung mit Frankreich zusammengerafft zu haben? Oder ist in ihren Augen alles, was die Barone der nationalen Konzentration tun oder unterlassen, von vornherein über jeden Zweifel erhaben? Genfer Aus prache bis nach Lausanne veriaqi. Gens, 14. Januar.(Eigenbericht.) am DispstagnachmittaZ abgehaltene Sitzung des Büros der Abrüstungskonfsrcnz gipfelte in dem Bc- schlich, die Beratungen der Generalkommissilm erst wieder aufzunehmen, wenn aus den privaten Besprechungen der Staatsmänner Grundlagen für neu« politische Be- schlösse hervorgegangen seien. Man rechnet allgemein damit, daß die Wiederaufnahme wohl im Laufe der nächsten Woche erfolgen könne, nachdem die Konierenzarbcit von Lausanne vorübergehend auf die Sachverständigenausschiisse übergegangen sein wird. Betont wurde die Wichtigkeit der heutigen Sitzung schon durch die Anwesenheit der Delegationssührer. Für Deutschland nahm N a d o l n y teil, sür Frankreich H e r r i t> t und Paul B o n c o» r. für England Sir John Simon, sür Amerika G i b s o n, sür Italien G r a n d i, für Belgien H y m a n s und d e Brouckärc, sür Rußland Lunatscharski und für Spanien Madariaga. ♦ Der politische Sinn dieses Beschlusses ist offenbor der, daß man erst den Verlauf der„privaten" Lausanner Besprechungen abwarten will, die sich natürlich auch aus die Abrüstungsfrage erstrecken dürsten. Von der Möglichkeit einer all- gemeinen Annäherung zwischen Herriot, Mardonald und Pape» wird das weitere Schicksal der Abrüstungskonferenz abhängen. Eine Kundgebung der Reichsregierung. Iromme Sprüche zur bösen Tot. Die Regierung von Papen erläßt folgende Kund- gebung: Die Reichsregierung hat bei ihrem Amtsantritt den Willen betundeh die soziale, finanzlelle und wirtschaftliche Not Deutschlands durch organische neuaus bauende Maßnahmen zu bekämpfen. Die Bilanz, die die Regierung vorgefunden hat, zwingt sie, als ersten Schritt vor der Inangriffnahme ihres eir«ntllck«n Programms, die K a s s e n l a g e von Reich, Ländern und Ge- meinden vorläufig zu sichern und die Sozialversicherung vor dem tatsächlich drohenden Zusammenbruch zu retten. Werden diese notwendigen und unaufschiebbaren Voraussetzungen nicht er- füllt, so sind alle weiteren Maßregeln von Anfang an in Frage gestellt. Für die ersten N otmah n a h m e n Hot die Regierung an Vorbereitungen anknüpfen müssen, die schon das vorige Kabinett getroffen hatte. Da diese Maßnahmen jedoch nicht ausreich- ten, um Kassen und Finanzen zu sichern, ist die Reichsregierung genötigt, über sie hinauszugehen. Es sind infolgedessen weitere Abstriche am Reichshaushalt sowie an allen Ausgaben der öffentlichen Hand beschlossen worden. Es muß von der Auggaben- seit« her versucht werden, eine Gesundung der Kassen- und Finanz- läge herbeizuführen; denn die Erfahrungen der letzten Monat« haben gezeigt, daß Steuererhöhungen nicht mehr zu einer Verbesse- rung, sondern nur noch zu einer Verschlechterung der Einnahmen führen. Es bleibt also eine der wichtigsten Aufgaben, den gesamten Verwaltungsapparat Deutschlands weiter zu verbilligen. Das bringt zwangsläufig auch scharfe Einschränkungen auf dem Gebiete der Sozialversicherung mit sich, deren Existenz jetzt auf dem Spiel steht. Es ist eine schicksalhafte Entwicklung, daß es heute, nach einem halben Jahrhundert des Bestehens der Sozialgesetz- gebung, nicht mehr um die Höhe der Leistungen geht, sondern um ihre Erhaltung überhaupt. Die Reichsregierung, deren soziale Ge- sinnung in der von ihr vertretenen Weltanschauung begründet ist, würdigt in Ihrer ganzen entscheidenden Bedeutung die mit der Schöpfung des ersten Kanzlers des Deutschen Reiches begonnenen sozialen Einrichtungen, zu deren Erhaltung in dieser Stunde äußerster Rot an das Gemeinschaftsgefühl aller Deutschen neue hart« Ansorderungen gestellt werden müssen. Wenn die Reichsregierung heute zunächst den dringendste» Er- sordernissen der Stund« nachkommt, so betont sie besonders, daß sie nicht dieAbsicht hat, denWeg derErschließung neuer Einnahmequellen in Zukunft weiter zu beschreiten. Ihr Ziel ist, die deutsch« Wirtschast vernunft- gemäß, unter Ausschaltung künstlicher'Experimente, neu zu be> fruchten. Sie wird deshalb mit den auswärtigen Regierungen nach einer Läfung der Weltwirtschaftskrise suchen. Darüber hinaus hält es die Reichsregierung angesichts der ungeheuren Wirtschaftsnot für ihr« unabweisbare Pflicht, die Wirtsthastsenergie des eigenen Landes zu mobilisieren und in erhöhtem Maße für die Verwertung der brachliegenden Arbeitskräfte nutzbar zu machen. Die Regierung wird alles daransetzen, um neben der Pfleg« des Güteraustausches der Länder untereinander durch«ine zielbewußte Binnenmarktpolitik, insbesondere unter Zuhilfenahme des Arbeltsdienst««, durch ge- eignete Maßnahmen aus dem Gebiete der Siedlung und der bäuer- tichen Lered elu ngswirtschaft die deutsche Wirtschait einer allmäh- lichen Gesundung entgegenzuführen. Der Wille des deutschen Volkes, von der Geißel der Arbeits- losigkeit erlöst zu werden und die Hoffnung der jungen Generation, neu« Lebensgrundlagen zu finden, werden von der Regierung als »ine. für die Zukunft der Ration entscheidende Aufgabe mit allen Mitteln unterstützt werden.,-.. Das Ist ein Cütfchuldigungsgestammel und ein vergeb- lichev Versuch, durch Worte Tatsachen in ihr Gegentall zu verkehrsn. Wie kann die Regierung von„Gemeinschafls- gefühl" sprechen, da sie doch den Besitzenden überhaupt kein Opfer auferlegt! Wober nimmt sie den Mut, von Arbeits- beschaffung und Siedlung zu reden, da sie doch alle darauf zielenden konkreten Pläne zerschlagen hat. Sie will, sagt sie, die Wirtschaft„vernunftgemäß neu befruchten", aber von der V e r n u n f t, mit der das geschehen soll, sieht man nicht das geringste. Wir sehen nur eine überflüssige Verschärfung der Notverordnung darin, daß die Regierung dem Volk oben- drein noch so schlecht stilisierte Erklärungen zu lesen gibt! Goebbels droht papen. Man wird nervös. Bis gestern war die Nazipresse der Regierung Papen gegenüber sanft und freundlich wie ein Schäfchen auf der Weide. Gestern ließ der„Angriff" zum erstenmal wieder schärfere Töne hören. Daß der„V o r w ä r t s" noch nicht verboten und die SA. noch nicht wieder erlaubt ist, das kann Goebbels nicht ertragen.„Wir warnen die Reichsregie- rung! Wo bleiben die angekündigten Taten?"— so lauten die drohenden Ueberschriften und nicht weniger drohend ist der Text.„Wer die Macht hat, der muß sie auch verteidigen, und zwar mit allen gesetzlichen Mitteln, die ihm zu Gebote stehen...DemPackmuhmandieZähne. zeigen, das ist das einzige, was ihm imponiert"--- so belehrt Goebbels Herrn von Papen. Die Frage ist nur, wer das Pack ist. In einer Vorbesprechung der Notverordnung sagt der „Angriff", die Verordnung werde eine ungeheuere Er- b i t t e r u n g wecken, und die Regierung Papen sei i d e e n- los und hilflos. Das alles ist aber offenbar nur ein kleiner Erpressungsversuch, um die Aufhebung des SA.-Verbots zu beschleunigen. An eine Scheidung der jungen Ehe gerade in dem Augenblick, in dem dasersteKind.dieneueNot- Verordnung gekommen ist, ist ernstlich nicht zu denken. Keine Verlängerung der Bürgersieuer. Letzte?iate Ende Juni. Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, wird die B ü r> gersteuer, deren letzte Rate End« Juni fällig ist, nicht v e r- l ä n g e r t. Die Gemeinden hatten die Reichsregierung um die Ermächti- gung gebeten, die Bllrgersteuer in der bisberiqen Form weitere sechs Monate lang zu erheben. Die Reichsregierung hat sich jedoch aus den Standpunkt gestellt, daß die Gemeinden durch den ihnen gemäß der neuen Notverordnung vom Reich zufließenden Deteag von ö?0 Millionen Mark statt 230 Millionen Mark im Vorfahre in ihren Wchlsahrtsleistungen eine derartige Entlastung criahren. daß sie ohne die B ü r g- r st e u e r auskommen müssen. ; i ,i 3.-.fchuusr»omrmvlstcnprozetz. der jetzt läuft, sind unter Männern und Fr«l»n die Hauptangcklagten Beamte des höchsten Gericht». Grieser Staatssekretär. Der Nachfolger Gcibs im Keichsarbeitsministerium. Der Reichspräsident hat den Ministerialdirektor Dr. G r i e s« r zum Staatssekretär im Reichsarbeitsministerium ernannt. Grieser ist ß4 Jahr« alt, begann die berufliche Laufbahn im baye- rischen Richterdienst, trat ISOS in die Münchener Stadtverwaltung «in. wurde im Januar 1918 Erster Bürgermeister in Würzburg und kam im Noneniber 1929 in das Reichsarbeitsministerium, wo er zuletzt Ministerialdirektor für die nationale und internationale Sozialoersicherung und Wohlscchrtspsiez« war. Grieser gilt als ein über- zeugt« Anhänger der Sozialoersicherung, weshalb auch zunächst die Rede davon war, daß«r aus dem Arbeitsministerium aus- scheiden werde. Zu feinem Nachfolger ist der Ministerialrat Dr. K r o h n ernannt worden, der bisher die rechte Hand Grieser» war. Oer Wahlkampf im Rundfunk. FünfmiSzwanzig Minuten für jede Fraktion. Am Mittwoch erscheint der neue Erlaß des Reichsinnenminh'ters Freiherrn von Gayl über die Benutzung des Rundfunks durch die Parteien im Reichstagswahlkampf. Der Rundfunk wird jeder Partei, die im allen Reichstag Frattionestärke besaß, sür 2.5 Minuten zur Verfügung gestellt. Die Reden sollen an den sechs Wochentagen vor der Wahl gehalten werden. Die Reihensolg« der Reden wird folgendermaßen bestimmt: Zuerst spricht von den sich anmeldenden Fraktionen die schwächste, zum Schluß die stärkste Fraktion. Das Schlußwart am Sonnabend vor der Wahl, am 39. Jiüi,«hält daher die sozialdemokra- t i s ch e F r a k t i o n. Die Manuskripte müssen zehn Tage vorher eingereicht werden. Eine dreiste Lüge. Baron Eitz von Bübenach verleumdet Otto Braun. Der neugebackene nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Baron Eitz von Rübenach(ein Reffe des Reichsverkehrs- minister? und Postministers in der Regierung der Nazibarone) aus Wahn bei Köln hat eine schwere Verleumdung gegen Otto Braun verbrettet. Obwohl schon vorige Woche festgestellt wurde, daß Otto Braun sich in Berlin befindet und die Reichshauptstadt noch keine Stunde verlassen hat, wiederholte Baron Eltz von Rübenach in einer nationalsozialistischen Dcrsanunlung am Montagabend in Köln die dreiste Lüge, Braun habe Berlin verlassen. Man wisse nur nicht, wo er wäre, in der Schweiz, in Holland: man wijse auch nicht, wieviel er mitgenommen habe. Brandstister gegen Feuerwehr. Zentrumkisiimmen gegen die Amnestie. In der Kölnischen R o l k s z e c t u n g". im rheintschen Zentrum»organ, schreibt Prvfejsor Dr. Wilhelm Herschel über den � Amnestiea„trag der Radikalen in Preußen: „Was jetzt in Preutzen vorzugehen droht, ist nn Wesen nichts anderes, als wenn in einem Gemeindeparlament auf Antrag der Brandstifter dieAbschaffuna der Feuerwehr bes�osfen wird. Diese Amnestie wäre ein Unrecht gegenüber der Vergangen- heit, zugleich— und noch mehr— ein Freibrief fiir lünftige Rechtsbrecher, da diese selbstverständlich mit neuer Amnestierung rechnen und rechnen können." Ebenso nimmt auch die„G e r m a n i o" in schärfster Form gegen die Amnestie Stellung. Es dürfte danach im Plenum des Preußischen Landtages, wo die Amnestie am Mittwoch zur Per.. Handlung kommen soll, an der jchärssten Gegnerschaft des Zentrums nicht zu zweifeln sein, was freilich die Kozi-Nazi-Mehrheit nicht davon abhatten wird, diesen Rechtswahnsinn zu beschließe». ir die Einsatz aller Kräfte gegen Knechtung und Entrechtung Sei- Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes beschloß gestern folgende Kundgebung: Die programmatische Erklärung der neuen Reichsregierung ist eine offene Kampfansage an die gesamte deutsche Arbeiter- schafb Man muß weit zurückgehen in der deutschen Geschichte des letzten halben Jahrhunderts, um auf Regierungsäußerungen zu stoßen, die einen ähnlich reaktionären Geist verraten. Tie erinnert in ihrer Sprache und in ihrer Tendenz an die Zeiten des Kulturkampfes und des Iozia- listengesehes. Das neue Kabinett wird bezeichnet als eine Regierung der „nationalen Konzentration". Tatsächlich vertritt die neue Regierung die Gruppen des Voltes, die bewußt gegen eine Konzentration „aller aufbauenden und staatserhaltenden, kurzum aller nationalen Kräfte" in Deutschland gerichtet sind. Der Schutz und die Fortent- Wicklung der Weimarer Verfassung, die das Volk souverän erklärte, ist einer Regierung anvertraut, deren Verfassungsminister sich offen zur Monarchie als der besten Staatsform bekennt. Dieser Einstellung entspricht der Geist ihres Programms. Es ist der Geist des bewußten jilafseukanipfes von oben. Der angeblich„gemeinschaftsfeiirdliche" Klassenkampf, der der deutschen Arbeiterbewegung zum Vorwurf gemacht wird, ist nichts anderes als der gesellschaftliche Zustand während der Herrschaft des kapitalistischen Systems, das die Nation in soziale Klassen spaltet. Das Ziel der Arbeiterbewegung ist die Ueberwindung dieses Systems, die Beseitigung der Klassenscheidung und der Klassen- kämpfe. Die Arbeiterbewegung war und ist eine der großen schöpfe- rischen Energien der modernen deutschen Geschichte. Ihr Ziel war und ist, die deutsche Arbeiterschaft aus einer geknechteten Klaffe zu einer„nationalen Klaffe" zu machen, zu einem gleichberech- tigten Faktor im Leben der Nation. Ihr Ziel ist eine soziale Lebeusordnung unseres Volkes, in der die Verfassung der Wirtschast wie des Staates vom demokratischen Geist bestimmt und die Rechte der Gesamtheit ebenso gewahrt sind wie die Rechte des einzelnen. Ter Kampf der Arbeiterbewegung ist kein Hemmnis, fondern die Voraussetzung für den organischen Auf- bau eines sozialen deutschen Volksstaates, eines neuen Deutschlands. Für dieses Deutschland hat die deutsche Arbeiterschaft im Kriege ihr Leben eingesetzt. Sie hat die Männer gestellt, die nach dem Zusammenbruch in vorderster Linie den Kamps um die Einheit unseres Staates und die Freiheit unseres Volkes führten. Sie hat im Ruhrkampf fremder Willkür Halt geboten. Sie war abseits aller nationalen Phrasen die stärkste Stütze des deutschen Staates in allen Gefahren der Nachkriegszeit. H'S gibt keine nationale Konzentration ohne die � deutsche Arbeiterschaft. Die jetzige Regierung steht zu dem neuen Deutschland, zu dem Gedanken des sozialen Volksstaates in schärfstem Gegensatz. Sie verneint seine Grundlagen, die in der sozialen Gesetzgebung der Nachkriegszeit geschaffen worden sind. Jede Ministerrede beweist von neuem, daß die Regierung entschlossen ist, das deutsche Arbeits- und Sozialrecht zu beseitigen, das in der Weimarer Verfassung begründet ist. Sie wird sich an die Buch- st a b e n der Verfassung halten, um ihren G e i st desto gründlicher auszutreiben. Das ist der Sinn ihres angekündigten Kampfes gegen den „Staatssozialismus", gegen den Staat als„Wohlfahrtsanstalt". Indem sie diese Phrasen der nationalsozialistischen und deutschnationalcn Agitation übernimmt, macht sich die Regierung zum Wortführer der erklärten Feinde der Perfassung. Diesen arbeiterfeindlichen Parteien zuliebe, denen sie den Ehren- namen„nationale Bewegung" gibt, hat sie den Reichstag aufgelöst. Sie„schützt" die Verfassung, indem sie ihren Feinden Vorschub leistet. Angesichts der ungeheuren Opfer, die die Arbeiterschaft in den letzten Jahren mit einer in der ganzen Welt bewunderten Disziplin auf sich genommen hat. spricht die Regierung von„moralischer Zer- miirbung des deutschen Volkes". Sie will oen sogenannten„Staats- fozialismus" und die sozialen Leistungen an die Arbeitslosen, die Zlrbeitzinoaliden und Kranken für diese„Schwächung der morali- schen Kräfte der Nation" verantwortlich machen. Diese Sprache führt eine Negierung, die sich auf die Kreise der Großindustriellen, der Großagrarier und der pensionierten Offiziere und Generäle stützt, von denen die eine» Milliarden an Subventionen geschluckt haben, während die Mehrzahl der anderen im gesicherten Besitz ihrer Pen- sionen alle ihre Kräfte gegen die Verwirklichung des Volksstaates einsetzten. Das zeigt, in welchem Sinne diese Reichsregierung..den Kampf um die Erhaltung der Lebensgrundlagen der werktätigen Bevölke- rung" zu führen gedenkt. Weiteren Lohnabbau für die noch in Arbeit Stehen- den, weitere Kürzung der Renten für die Arbeits- losen und die Sozialrentner, Vernichtung des kollek- tiven Arbeitsrechts, mit einem Wort: soziale Entrechtung der Arbeiterschaft und rück- sichtslose Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen, gleichzeitig aber Schonung und Schutz der Besitzenden, insbesondere der Großagrarier— das ist der Sinn des neuen Kurses, der„grund- sätzlich neuen Richtung der Staatsführung!" Die Regierung beruft sich auf„die unveränderlichen Grundsätze der christlichen Weltanschauung", die sie zur Grundlage ihres neuen Deutschland machen will. Die„christliche Weltanschauung" dieser Regierung läßt sich auf die einfache Formel bringen:„Seid»ntertan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat" Die geistige Freiheit soll auf allen kulturellen Gc- bieten des öffentlichen Lebens in Knechtfcligkeit und Muckertum erstickt werden. Die Anpassung des staatlichen Lebens an die Armut der Nation soll durch die Anpassung des kulturellen Lebens an die geistige Armut der Kreise, auf die die Regierung sich stützt, bekräftigt und besiegelt werden. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands! Gegen diesen Gene- ralangrifs der sozialen und kulturellen Reaktion, gegen diese Regie- rung, die den Geist der Vergangenheit zu neuem Leben erwecken will, gegen diese Fanatiker des Rückschritts gilt es, alle Kräfte der Arbeiterschaft zu einmütigem Wider st and zusammenzufassen. Der frevelhafte Versuch, das Rad der Geschichte um ein halbes Jahrhundert zurückzudrehen, muß scheitern an der vereinten Kraft eures unbesiegbaren Willens. Gure Losung muß sein: Durch Ginigkeit und Disziplin zur Freiheit? Tagung des AOGB. Äie Kampffront ist klar und eindeutig Am Dienstag trat der Bundesausschuß des ADGB. zu seiner 7. Tagung in Berlin zusammen. L e i p a r t leitete die Beratungen mit einer Würdigung der großen Verdienste von Albert Thomas, des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes, ein. Der Verlust, den die inter- nationale Arbeiterbewegung mit dem Tod dieser ideenreichen und willensstarken Persönlichkeit erlitten hat, ist nicht zu ersetzen. Sein Tod ist tragisch für die gesamte Arbeiterbewegung gerade in dieser Zeit, in der die soziale Reaktion in allen Ländern sich zum Ansturm aus die Rechte und Errungenschaften der Arbeiterschaft anschickt. Leipart ging dann auf die Ereignisse der letzten Monate ein, seit die Gewerkschaften den Schrei nach Arbeitsbe- s ch a f f u n g erhoben haben. Er berichtete über die Beratungen der Spitzenorganisationen mit dem Kabinett Brüning, in denen mit großem Nachdruck von den Gewerkschaftsvertretern aller Rich- tungen zu den geplanten Notverordnungen Stellung genommen wurde. Insbesondere selben sie sich entschieden für die Er- Haltung der Arbeitslosenversicherung eingesetzt. Die Regierung Brüning hat nach ihrem Sturz in einer be- sonderen Erklärung daraus hingewiesen, daß sie ein Programnc zur Arbeilsbeschassung für b00 000 Arbeitslose vorbereitet und auch die Finanzierungssroge bereits geklärt habe. In den Berhandlungen mit den Gewerkschaften hatten die Gewerkschaftsvertreter nicht den Eindruck, daß die Pläne schon so weit gediehen waren, so nachdrücklich sich gerade die Gewerkschaften für die planmäßige Arbeitsbeschaffung eingesetzt haben. Es versteht sich von selbst, daß die Gewerkschaften an ihrem Programm der Arbeitsbeschaffung f c st h a I t c n. Sie werden dieses Programm auch gegenüber der neueK Regierung mit der gleichen Entschiedenheit vertreten, mit der sie sich auch weiterhin für die Arbeitszeit- Verkürzung einsetzen wollen. lieber die programmatische Erklärung der neuen Regierung braucht kein Wort verloren werden. In diesem Kreise ist niemand, der den„neuen Kurs" nicht auf das schärfste verurteilt. Der Bundesausschuß wird diese Tagung benutzen, um seine Auf- fassung von der grundsätzlichen Neuorientierung entschieden zum Ausdruck zu bringen. Ein neuer Wahlkamps steht bevor. Er:enrd mit größerer Heftigkeit geführt werden als je ein Wahlkampf bisher. Es müssen selbstverständlich von der gesamten Arbeiter- bewegung alle Kräfte angespannt werden, denn es ist ein Schicksalskampf der deutschen Arbeiter- schaft. Die Errungenschaften von Jahrzehnten stehen auf dem Spiele. Schlimme(Bundesvorstand) ergänzte die Ausführungen des Vorsitzenden durch einen Bericht über die Beschlüsse und Maß- nahmen der in der Eisernen Front zusammengefaßten Organisationen. Leipart teilt mit, daß die kommunistische Opposition und der Parteivorstand der SAP.— je für sich— an den Bundesvorstand Einladungen zur Errichtung der„Einheitsfront" der Arbeiter- schaft gerichtet haben. Der ADGB., hieß es in den Schreiben dieser Parteigruppen, sei berufen, die Initiative bei diesem Versuch zu ergreifen. Der Bundesvorstand sei jedoch der Auffassung, daß diese Gruppen am wenigsten berechtigt seien, nach einer„Einheitsfront" zu rufen, auch sei genügend klar, was sie darunter verstehen. Ein Eingehen auf ihre Anregungen sei nicht eher möglich, bevor nicht diese Partei. splitter durch ihr Verhalten bewiesen hätten, daß sie ihre sinnlosen Angriffe gegen die Gewerkschaften einzustellen gedenken. In der Diskussion wird diese Auffassung bekräftigt. Namentlich könne von einem Zusammenwirken mit den Parteigruppen von der KPD. bis zur SAP. solange keine Rede sein, wie sich hinter der Formel von der„Einheitsfront" nur eine andere Methode verbirgt, nach altem kommunistischen Rezept in die Geschlosseiheit der Gewerk- schasten einzubrechen. Bei dieser Geschlossenheit der Gewerkschaften liege die Gewähr für die Einheit des Kampfes der Arbeiterklasse. Dieser Standpunkt schließe nicht aus, daß die Gewerkschaften dem ehrlichen Einheitsstreben, das sich in der Arbeiterschaft rührt, ein aufmerksames Ohr leihen werden. Der große Ernst der politischen Situation wird in der Aus- spräche wiederholt betont. Zn den kommenden kämpfen werde die Arbeiterbewegung ihre Macht bis zum äußersten einsehen müssen, um die Gefahr zu bannen, die ihr von der Reaktion droht. Die Arbeiterschaft habe aber auch bewiesen, daß sie zu kämpfen wisse. Allseitig wird mit ruhiger Bestimmtheit die Ueberzeugung ausgesprochen, daß es der Arbeiterbewegung gelingen wird, die großen Kämpfe, denen sie entgegengeht, erfolgreich zu bestehen. Die Gewißheit, daß die Arbeiterbewegung allen ihren Feinden auf die Dauer an innerer Geschlossenheit und geistiger Schöpferkraft überlegen ist, bildet der Grundton der Aussprache. Der Be- reitschaft, alle Machtmittel der Arbeiterbewegung auszubieten, wird mit größter Entschiedenheit Ausdruck verliehen. Die Aussprache schloß mit der einmütigen Annahme der vom Bundesvorstand vorgelegten Kundgebung der Gewerk- s ch o f t e n gegen den angekündigten neuen Kurs der jetzigen Reichs- rcgierung. Leipart schloß die Aussprache mit folgenden Worten: Die Gewerkschaften haben auch in der heutigen Situation, auch gegen- über dieser Regierung keinen Grund, mit geringerem Vertrauen in ihre Kraft den kommenden Kämpfen entgegenzugehen. Die Kampf- front ist klar und eindeutig. Das Bewußtsein Dieser Tatsache wird der Energie und der Schwungkraft der Gewerkschaften einen neuen Austrieb geben. Einheitsfront? Zwei fragen an die KpO. Gestern abend sprach Genosse Künstler in einer Versamm- lung der AEK.-Ackerstraße über das aktuelle Thema:„Die freien Gewerkschaften im politischen Tageskampf." Nachdem er in großen Strichen die politische und wirtschaftliche Situation umrissen hatte, nahm er Stellung zu der von den K o m- m u n i st e n propagierten-Einheitsfront. Das Stichwort dieser Ausführungen gab ihm ein vor dem Versammlungseingang verbreitetes kommunistisches Flugblatt. In diesem Flugblatt wird gesagt: „Die Vorgänge im Landtag und in Frankfurt a. d. Oder, wo die Nazihorden die Gewerkschaitszebäude demolierten, und sozial- demokratische und kommunistische Arbeiter niederschlugen, sind für uns eine W o r n u n g." „Wenn dem so ist", sagte Genosse Künstler,„warum dann Einheitsfront in der Amnestiesrage von Nazis und KPD.? Die KPD. schützt nicht nur die Rohlinge- aus Sem Nazilager, fondern bewahrt sie auch noch vor dem Zugriff des Staatsanwalts. Ich will den koiranunistischen Einheitsfrontapostsln des ZK. die Frage stellen: 1. Sind die kommunistischen Führer bereit, um den Faschismus, diesen Todfeind der Arbeiterklasse, zu schlagen, während des Reichs- tagswahlkampfes sich dafür einzusetzen, einem Burgsrieden zwischen SPD. und KPD. zuzustimmen? Das heißt, alle Angriffe sind zu drosseln, ja, sollen bis zum 31. Juli unterbleiben. 2. Reden, wie die des Abg. Koenen im Landtag und in der Stadtverordnetenversammlung, gespickt mit Angriffen gegen die SPD., dürfen während des Reichstagswahlkampfes von keinem kommunistischen Redner wiederholt werden. Wer wirklich die Einheitsfront will, der kann diesen Vorschlägen ohne jede Umschweife restlos zustimmen. Die Antwort erfordert ein Nares Ja oder Nein. Die Einheitsfrontpropaganda als Manövrierzwecke zu gebrauchen, um die SPD. und freien Gewerk- schaften durch nutzlose Diskussionen zu lähmen und die Absicht, die sozialistischen Organisationen von innen aufzureiben, finden schärf- sten Widerstand bei allen Sozialdemokraten und freien Ge- werkschaftern." Unter lebhaftem Beifall schloß Künstler seine Ausführungen. In der Aussprache wurde das Wort nicht gewünscht, obwohl auch kommunistisch eingestellte Arbeiter anwesend waren. VerbmöticherNärung abgelehnt. Der badische Textilschiedsspruch bleibt unverbindlich. Wie bereits gemeldet, hatte der Schlichter für Baden einen Schiedsspruch für die badische Textilindustrie gefällt, der eine neue Lohnkürzung vorsah. Dieser Schiedsspruch wurde von den Unternehmern angenommen und seine Verbindlichkeit durch sie be- antragt. Die Textilarbeitergewerkschaften hatten ihn abgelehnt und beantragt, demselben die Verbindlichkeit zu ver- sagen. Entsprechend dem Antrage der Gewerkschaften ist der Schieds- spruch vom Reichsarbeitsminister nicht für verbindlich er- klärt worden. Zeche„de Wendel" will stillegen. Die 1300 bis 1500 Arbeitnehmer sollen stempeln gehen Hamm, 14. Juni. Die Verwaltung der Zeche„de Wendel" in Hamm hat der gc- samten Belegschaft und allen Angestellten vorsorglich zum nächsten Termin gekündigt. Gleichzeitig ist Anzeige beim Regierungs- Präsidenten in Arnsberg erfolgt, daß zum 1. A u g u st 1300 bis 1500 Arbeiter und Angestellte zur Entlassung kommen sollen. Be-, gründet wird diese Maßnahme mit hohen steuerlichen und sozialen Belastungen sowie der hohen Syndikatsumlage, die eine Rentabilität der Zeche unmöglich machten. Ein Z4stündiger Generalstreik in Buenos Aires wird heute von den Gewerkschaften durchgeführt, als Protest gegen die Säumigkeit der Prooinzbehörden bei der Regelung von Lohnstreitigkeiten, ins- besondere in der Konservenindustrie. Freie Gewerkschafts-Iugend Berlin Heute, Mittwoch, 13. Juni, um 19� Uhr, tagen die Gruppen: Süd. westen: Jugendheim Porckstr. 11(Fabrikgebäude).„Der Fünfjahres. plan."— Echöneberg: Jugendheim Hauptstr. 13(Gartenhaus). Kurz. referate über..Beruf und Freizeit".— Spandau-Neustadt: Jugendheim Lindenufer i. Bunter Abend.— Aordring: Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Wir feiern unfern 10. Geburtstag.— Deißenfee: Jugendheim Weißensee, Park- üraße 30.„Was tun die Gewerkschaften für den Iugendschug und die Jugend- fürsorge?"— Arnswaloer Platz: Jugendheim Schönlankcr Str. 11, Baracke 6. ..Unsere Polizei."— Neukölln: Jugendheim Bergstr. 29(Hof). Buntes Durch- einander.— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 68(U-Bahn Boddinstraße). ..Aus meinem Leben", von Bebel.— Humboldt: Jugendheim Graun- Ecke Lortzingstraße.„Warum feiern wir Sonnenwende?"— Schillerpark: Jugend- heim Schule Schöningstr. 17.„Der Konflikt Japan— China."— Tegel: Jugendheim Tegel, Schöneberger Str. 4. Theo Maret kommt.— Baumschulenweg: des Gesamtverbandes: Gesamtveranstaltung. Lichtbildervortrag:„Als Berliner Talschleicke mit der Strahlenfalle durch Nordtirol".— Iugendgrnppe des Deutschen Baugewerksbundes. Maurer: Bauabend in der Berufsschule Grün- thaler Str. 4—3, Zimmer 33. t luoendqruppe ees sZentralvepbandes ber Anaestettten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallee 81. Bunter Abend.— Potsdam-Nawawes: Jugendherberge Nowawes. Kurzreferate:„Kritik über ein Buch".— Nordost 1: Jugendheim Danziger Etr. 62(Baracke 3). Zwei Lehr- linge erzählen: l.„Meine Arbeit im Büro"(Clli Kornowski); 2.„Meine Arbeit bei der ZdA.-Uebungsfirma Sorgenfrei(Alfred Janssen).— Reinickendorf: Jugendheim Lindauer Str. 2(Baracke). Kurzreferate.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßlerstr. 61. Fahrtenabend.— KöpeniZ: Iugendbeim Dahlwitzer Straße 13(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Luftiger Abend.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1—4, Ecke Kanner Straße. Abend eigener Aus- gestaltung:„Die Dichtkunst des Mittelalters".— Südost: Jugendheim Man- tcuffelstr. 7. Vortrag:„Religion, Kirche und Arbeiterbewegung". Referent: Huhn.— Gchöneberg: Jugendheim Hauptstr. 13(Hofgebäude, Sachsenzimmer). Arbeitsgemeinschaft:„Unser Verband, unsere Jugendarbeit". Leitung: Esch- dach.— Charlottenburq: Jugendheim Spielhagenstr. 4. Vortrag:„Soziales Wandern". Referent: Decker.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Kurz- referate.— Die Versicherungsgesellschaft„Sorgenfrei" A.-G. tagt heute von 16—18 Uhr im Verbandshaus, Zimmer 24.— Sviele im Freien: Ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Humboldthain, Sportplatz Weißensee, Feld 3, und Sportplatz Friedrichshain. .............. II■■ IWII■■ I■■ I II■ I I II II II....... I»I I TU»I»....... I■ II Verantwortlich für Politik: Victor Schssf; Wirtschaft: G. Kliugelhöfer; Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiuer; Feuilleton: Dr. John Schitovski; Lokales und Sonstiges: Fritz Karstädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerek und Verlagsanstalt Paul Singer u, Co., Berlin EW. 68. Lindenstraße& Hierzu 2 Beilagen. Nr. 177* 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 4S. Juni 4932 Gartenheim für Erwerbslose Die Sommerarbeit der Notgemeinschaft Berlin— Arbeitslose helfen sich selbst Die im Winter von der Notgemeinschaft zur Errichtung von Heimen und Küchen für Enverbslofe begonnene Arbeit wird erfreulicherweise auch im Sommer fortgefeht. Das Hilfswerk der Arbeitslosen macht weitere Aortschritte. So haben sich die Erwerbslosen seht ein eigenes Gartenheim geschaffen. Die Heimräume des Winters wurden mit dem Wiedererwachen der Natur zu eng. Di« Gästeschar des Heims, Alte und Junge, sehnten sich hinaus in den Sonnenschein, wollten die Stunden in Licht und Luft verbringen. Dieser Wunsch, der sich in den Herzen aller Freunde regte, veranlaßte die Heimleitung, Ausschau nach einem geeigneten Gelände zur Errichtung eines Heimgartens zu halten. Unweit des Winterheims, in der Nähe des roten, weithin sichtbaren Volksschulbaues, lag ein einer Bankfirma gehörendes Ge- lande von knapp einem Morgen Größe. Die Verhandlungen. mit dem Besitzer verliefen erfolgreich, so daß schon m den ersten Tagen des Frühlings unsere jugendlichen Erwerbslosen mit Spaten, Hacke und Korren bewaffnet, mit der Urbarmachung des Geländes begannen. Auch die Alten blieben hinter den Jungen nicht zurück, und nicht lange dauerte es, bis sie, schon hoch in die Sechzig bis Siebzig hinein, den Jungen als Vor- bild dienend, sich an diesem Selbsthilfewerk betätigten. Bis zur Fertigstellung und Uebergabe waren 3500 Arbeitsstunden im Wege völlig ehrenamtlicher Arbeit für die Allgemeinheit geleistet worden. Arbeit gibt Hunger! Mit Unterstützung der dem Hilfswerk wohl- gesinnten Kreise war es möglich, abends nach getaner Arbeit den sleißig Schaffenden ein Stück Speck oder Wurst zu reichen. Sämtliche Einrichtungsgegenstände und Materialien zur Er- richtung des Heims, wie Drahtzaun, Straßenbahnwagen zum Auf- enthalt für Regentage, mehrere Autos voll Sträucher und Bäume, Pumpe, Schlauch, Grassamen, Blumen, Bänke, Liegestühle, Küchen- einrichtung, Farben, Holz und dergleichen mehr wurde in dankens- werter Weise in Form von Spenden der Notgemeinschaft zur Verfügung gestellt. Den Firmen und kommunalen Stellen gehört warmer Dank für ihr einsichtiges, vorbildliches Verhalten. Die Orts- einwohner verfolgten mit Interesse das rasch wachsende Werk. Junge, schwellende Grasfläche, wo einst Unrat und Schutt lag, eingebettet in Strauchnischen die Liegestühle für die Alten, in leuch- tendem Rot und sattem Grün die umgebauten Straßenbahnwagen, geziert von gespendetem Blumenschmuck. Unter starker Anteilnahme der Bevölkerung und im Beisein von Vertretern des Landes-Wohl- fahrts- und Jugendamts, des Gesundheitsamts der Stadt Berlin sowie Vertretern des Bezirksamts Treptow und der Berliner Presse wurde das Gartenheim im Kreise der zahlreich erschienen Alten und Jungen der öffentlichen Benutzung übergeben. Etwa 50 bis 60 ehrenamtlich tätige Helferinnen und Helfer sind während der Sommerzeit hier tätig. In einer Ansprache gedachte der Stadtverordnete L e m p e r t der fleißigen, hingebungsvollen Arbeit der Erbauer. Er rief alle auf, das Hilfswerk in Baum- schulenweg und darüber hinaus das Gesamtwerk der Notgemein- schaft ideell und materiell weiter zu unterstützen. Wir wollen hoffen, daß sein Mahnruf recht starken Erfolg haben wird. Berlins Reichsbanner gewappnet Die nächsten politischen Aufgaben.— Das Land wird erobert- Um Klarheit über die nächsten politischen Ausgaben des Reichsbanners zn schaffen, hatte der Gauvorsland des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Gau Ber- lln-B randenbnrg, seine sämtlichen Mitglieder, Kreis- führer und Gaufunktionäre zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenberufen. Unter Leitung des Gauvorsitzenden, Reichstagsabgeordneten Stelling, brachte die Tagung die eiserne Entschlossenheit und die Kampfesfreudigkeit zum Ausdruck, die Führer und Gefolgschaft des Reichsbanners erfüllt. Sowohl aus den Ausführungen Stellings wie aus den Darlegungen der zahlreichen Diskussionsredner sprach die Zuversicht von dem Endsieg der Freiheitsidee über Knechtseligkeit und Unterdrückung. Das Reichsbanner Berlin-Brandenburg wird seinen Aufklärungsfeldzug auf dem Lande fortsetzen. Es wird aber auch in Berlin die schon bei den letzten Wahlen gezeigte Aktivität noch erheblich steigern. An den Opserwillen und die Arbeitskraft des einzelnen Reichsbannerkameraden werden die kommenden Wochen unerhörte Anforderungen stellen. Aber die Arbeft wird freudigen Herzens in der Erkenntnis geleistet werden, daß das Interesse von Volk und Republik den Einsatz aller Kräfte bis zum äußersten erfordert. Im weiteren Verlauf der Tagung wurden wichtige Fragen organisatorischer Art, die Art der Land- agitafton sowie die Durchführung des freiwilligen Arbeitsdienstes besprochen. Volle Uebereinstimmung herrschte auch in der Erkennt- nis, daß in dem kommenden Entscheidungskampf innerhalb der Eisernen Front alle Organisationen der Arbeiterbewegung und die republikanischen Parteien aufs engste zusammenwirken müssen. Die Affäre bei der Fremdenpolizei. Voruntersuchung gegen acht Personen beantragt. In der Beslechungsassäre bei der Berliner Fremdenpolizei hat jetzt die Staatsanwaltschaft Boruntersuchung gegen acht der Beteiligung verdächtige Personen beantragt, und zwar gegen wein- berger, die Eheleute Zinkelstein. Lustig, Spie- g e u e r, den Rechtsbeistand Miller, sowie gegen den Polizei- inspektor Z r a n k und den kriminalsekretär G ö h m a n n vom Zremdenamt. Bei den beiden Beamten handelt es sich um den Verdacht der passiven Bestechung, bei den übrigen sechs Personen um den V e r» dacht des sortgesetzten Betruges, der Anstiftung zur Urkundenbcseitigung und-Vernichtung, sowie der aktiven Bestechung. Durch die Voruntersuchung soll sestgestellt werden, inwieweit die bisher in dieser Sache erhobenen Beschuldigungen zutreffen. An der Frau des Kriminalsekretärs Götzmann soll gestern an- geblich ein Erpressungsversuch von einer Person verübt worden sein, die mit der Veröffentlichung weiterer Verfehlungen des Beamten gedroht haben soll. Bisher konnte nicht festgestellt werden, ob es sich hier um eine ernstgemeinte Erpressung oder um eine Mystifikation handelte. Die Polizei ist in dieser Sache nicht bemüht worden. Polizei gegen Lügner. AaziS schießen- Reichsbanner wird beschuldigt. Vor einigen Tagen ging durch die nationalsozialistische und Rechtspresse die Mitteilung, daß bei politischen Zusammenstößen in Kamen bei Dortmund von Reichsbonnerleuten auf Polizei gc- schössen worden ist. Wie die Bundespressestelle des Reichsbanners mitteilt, entsprechen diese Nachrichten absolut nicht den Tatsachen. Die Polizei erklärt ausdrücklich und ist jederzeit bereit, zu bezeugen, daß von Reichsbannerleuten nicht geschossen worden ist. Dagegen war die Polizei gezwungen, van der Schußwaffe Gebrauch zu machen, um gegen die Horden der Nationalsozialisten vorzugehen, die Republi- kaner und Reichsbannerleute überfallen hatten. Das Llrteil im Waldhofprozeß. Gefährliche Körperverletzung mit Geldstrafe geahndet. T e m p l i n, 14. Juni. Räch mehrtägiger Berhandlung wurde am Mittwoch in dem Prozeß ivegen der bekannten Borgänge im Erziehungsheim woldhos das Urteil gefällt. Der Angeklagte Franke wurde wegen gefährlicher und einfacher Körperverletzung in fünf Fällen zu 330 Mk Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagten Stein und Knoblauch wurden freigesprochen, wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen wird der Angeklagte Küchemann zu 70 Mk., Z a a p wegen gefährlicher Körperverletzung in einem Falle zu 100 Mk. und wende wegen gefährlicher Körperlehung in einem Falle zu 60 Mk. verurteilt. Der Angeklagte T e s ch l e r erhält wegen Sitllichkeitsver- brechens in zwei Fällen und wegen Sittlichkeitsvergehens in einen, Falle ein Zahr Gefängnis. •k Das Urteil der Prenzlauer Strafkammer ist e»d- gültig. Es gibt dagegen keine Berufung. Höchstens Revision. Der Spruch des Gerichts befindet sich aber im Einklang mit der Ein- stellung des Vorsitzenden und der Richter, wie sie sich im Verlauf der Gerichtsverhandlung gezeigt und wie die Ablehnung der Beweis- anträge des Nebenklägers bewiesen hat. Es lag ihnen in keiner Weise daran, die unglaublichen Zustände in Waldhof darzulegen und sie öffentlich zu brandmarken. Die Milde des Urteils be- deutet nichts anderes, als daß die Zöglinge in den Anstal- ten der Inneren Mission den sa-distischen Gelüsten der Erzieher als Freiwild ausgeliefert werden. Das Gericht in N e u m ü n st e r. das vor zwei Jahren die Erzieher der Anstalt der Inneren Mission in Rickling zu Gefängnisstrafen ver- urteilte, hat mehr Verständnis für die Nöte der unglücklichen Inn- gen und mehr Achtung vor dem Erlaß des Wohlfahrtsministerium?, das die Prügelstrafe verbietet, bewiesen als die Prenzlauer Richter. Selbstmord im Landtag. Im Gebäude des Preußischen Landtages hat sich gestern abend der 50 Jahre alte Lehrer Bruno La Grange erschossen. Die Gründe zur Tat sind bis zur Stunde nach unbekannt. La Grange wurde auf der Herrentoilette um 19,45 Uhr mit einem Schläfeujchnß leblos aufgefunden. Der Lebensmüde gehörte der Sozialdemnkrati scheu Partei an und war stellvertretendes Mitglied des Preußischen Staatsrates. Achtung! Parteigenässische Werbe- und Reklame-Fachmänner werden gebeten, ihre Adresse möglichst umgehend dem Büro des Bezirksverbandes Berlin, SW. 68, Lindenstr. 3, ll. Hos, 2 Treppen, Zimmer 5, zu übermitteln. Paradies am Mühlendamm Wettstreit der Angler und Schwimmer an der Fischerbrücke Die Alt-Berliner Stadtteile sind plötzlich zu Sainmelpunkten zweier Sportarten geworden, die Angler treffen sich zwischen Mühlendamm und Fischerbrücke: die Schwimmer zwischen Klosterstraße und Jnselbrllcke. Man kann nicht gut behaupten, daß es früher üblich war, aus der Spree— soweit sie durch Berlin fließt— die Fische herauszuangeln. Erst die Not der Zeit ließ die Arbeitslosen mehr und mehr auf den Gedanken kommen, sich aus der Spree eine will- kommene Mahlzeit herauszufischen. Denn an Zeit gebricht es den Arbeitslosen ja nicht. Bereits um 4 Uhr morgens, gerade wenn die Drosseln ihr erstes Lied gesungen haben, beginnt an der Fischcrbrücke der Angelbetrieb. Wenige Zeit später stehen an der spitzen Ecke des Baumaterialienplatzes an die fünfzig Angler. Einer hat mit dem anderen Tuchfühlung, und wenn ihre Angelhaken von der Strömung zu weit abgetrieben find, müssen sie diese wie auf Kommando zusammen zurückwerfen, damit sich nicht die fünfzig Angelschnüre zu einem unentwirrbaren Knäuel verknoten. So amü- sant nun das Bild aussehen mag, wenn fünfzig kerzengerade aus- gerichtete Männer ihre Angelruten unverwandt in die Spree halten, so abträglich ist die drangvolle Enge dem Angelgeschäft: daß einer mal ein Fischlein fängt, kommt einem Lotteriespiel gleich. Jeder kann sich davon selbst überzeugen, indem er die Reihe entlang geht und den Anglern zu vorgerückter Stunde in die Netze schaut, schlaff und leer werden die Beutel im Sande liegen. Man kann noch weiter gehen und jene, scheint's für alle Ewigkeit berechnete Frage an die Jünger Pctris richten:„Na, Herr Nachbar, beißen sie?" Das würde nur den Erfolg haben, daß der am nächsten Stehende auf- sieht, eine süßsaure Miene macht und etwas leise und betrübt ant- wartet:„Zwölf Stunden stehe ich schon hier, jetzt ist's vier Uhr nach- mittags, und ich habe erst zwei kleine Plötzen." Diese Auskunft kommt der Wahrheit immerhin näher als das Anglerlatein, das neuerdings am Mühlendamm gesprochen wird. Da glänzen alten gesetzten Männern die Augen, wenn sie von jenem schon legendär gewordenen 20 Pfund schweren Karpfen erzählen, der im Rummelsburger See gefangen wurde, an der Friedrichs- gracht wieder war es ein dreipfündiger Blei, der nur mit Hängen und Würgen an Land gebracht werden konnte, und dann die Aale: „Mann, sehen Sie sich nach einem Gewitter unsere Aale an!" Bis ein lustiger Streit in vollem Gange ist und die Antiangler kommen: „Hiii, ick esse doch keen Fisch, den sie aus die Jauche hier gezogen haben. Die haben ja keen Jefchmack. Von Schöneweidc ab ist doch die Spree total verseucht."—„Hoho,"— feixen dann die Angler— „du hast ja keine Ahnung, in dem Modder hier unten fühlen sich die Fische gerade wohl." Bisweilen kommt die Polizei und macht Razzia. Dann werden die Angelbrüder, die keine Karte haben, aufgeschrieben. Die sogenannte kleine Angelkarte kostet 6 Mark und reicht von der Mllhlendaminschleuse bis Spandau, Eifenbahnbrückc. D i c große Angelkarte kost et 12 Mark plus 2 Mark für de» Fischereischein und reicht bis Brandenburg a. d. H. einschließlich aller Nebengewässer der Havel. Hinter der Sparkasse am Mühlendamm wird schon waidgerechter geangelt, nicht mehr gestippt. Da wird erst genau gelotet, dann der Kopf gewackelt über den Angelhaken, weil .es ein 11er ist, der wäre zu groß, und schließlich ruft es:„Paul, hast du einen 15er Haken da?" Darauf Paul:„Ne, Paul, aba en 13er kann ick dir jeden." Dann wird die Blechschachtel aufgemacht mit den Würmern, deren Schicksal nur noch darin besteht, als Köder auf die Haken gespießt zu werden. Den Reigen der Angler ergänzen die Schwimmer. Der Weg zu den Freibädern ist weit, und Häuserlücken längs der Spree gibt es genug. Die bekannteste ist zwischen Molkenmarkt uno Waisenbrücke, im Zuge der Klosterstraße, wo unter der Spree die U-Bah» donnert. Als seinerzeit die Bahn gebaut wurde, hat man die Häuser abgerissen, und auf den Trümmern verfallener Grund- mauern dehnt sich jetzt hier die Badewicse von Berlin C. Hundert- mal wird hier am Tage die Spree durchschwömmen, und wie ein Schwimmer in der Spree seiner 50 Zuschauer gewiß ist, so bleiben die Fußgänger auch anderorts stehen: an der Schleuse und bei den Anglern. Zwei-, dreihundert Menschen jedesmal. Berlin hat wieder Zeit. Wahl ohne Qual! Wenn man zwischen gleich teuren Dingen die Wahl haty nimmt man das Beste» Deshalb raucht der Berliner die neue„Gold Saba" nach dem alten OriginobRezepL Das Geld aus Amerika. Wüde Unordnung im Devaheim-Proze�©ufgededd. Wenn die Schupo spielt... Das Platzkonzert der Schupo auf dem Gen- darmenmarkt, das sich stets an das Aufziehen der Schupo- Wache am Brandenburger Tor anschlieht, erfreut sich bei allen Bevölkerungskreisen immer steigender Beliebtheit. Die Leute sind sehr böse, wenn aus technischen Gründen einmal das Aufziehen der Wache mit Musik— in der Regel zieht die Wache am Montag und Donnerstag(manchmal auch Sonntags) um 12 Uhr auf— unterbleiben muß. Eine Leserin des„Vorwärts", die am letzten Montag zu den Zu- Hörern des Platzkonzertes gehörte, sendet uns das solgende, nette Stimmungsbild über die mittägliche Feierstunde am Schiller-Denkmal. Das Schupo-Platzkonzert auf dem Gendarmenmarkt ist„aus- verkauft"! Die amphitheatralisch angeordneten„Sitzplätze" auf der großen Freitreppe des Schauspielhauses sind nicht einfach, sondern doppelt besetzt. Jeder sitzt halb auf des Nachbars Schoß, darum aber keine Feindschaft, alles quetscht sich sriedlich und ist„ganz Ohr". Sogar wenn sich immer noch einer dazwischendrängt, wird friedfertigst noch näher zusammengerückt: Gute Miene zum hübschen Spiel! Und das ist es wirklich. Vollzählig ist die Bläsermannschaft des Schupo-Orchesters da, mit Schmiß und Schwung tuten sie in Flöte und chorn, dann schwingt es sich wieder leise und wiegend durch den sonnerhellten Raum, und alles wiegt im Takt die Köpfe. Eine dichte Mauer derer, die bloß noch einen Stehplatz ergattern konnten, umschließt die Musiker, immer stoßen noch Neue hinzu, und wenn ein Musikstück zu Ende ist,, dann donnert ein Riesenapplaus los, daß die Wände des Schau- fpielhaufes neiderfüllt wackeln. Da fchmecken die reichlich dünn be- strichenen Stullen, die A n g e ft e l l t e in ihrer Mittagszeit hier verzehren, nochmal so gut und kräftig, da kriegen die Alten, die sich in den mittäglichen Sonnenstrahlen ihre müden Knochen wärmen, ein bißchen Freude... Berliner Schupo und Berliner Volk haben sich hier in einem überaus herzlichen Freundschaftsoechältnis zusammengefunden. Gchiffszusammenstoß im Nebel. Deutscher Ostafrikadampfer kehrt in ven Aafen zurück. Bremen, 14. Juni. Etwa 9 Meilen vom Norderney-Feuerschiff ereignete sich am Dienstag zwischen dem Motorschiff„Los Angeles" der Hapag, das von Nordamerika heimkehrte, und dem auslaufenden Dampfer „U f u k u m a" der deutschen Ostafrikalinie im Nebel ein schwerer Zusammen st oß. Während das Motorschiff geringe Beschädi- gungen davontrug, hat der Dampfer„Usukuma" feine Reise unter- krochen und ist in die Weser eingelaufen, um seine wesentlichen Be- schädigungen in Bremerhaven auszubessern. Einige Lloydscklepper sind zur chilfe ausgelaufen. Passagiere und Besatzung des Damp- fers„Usukuma" sind wohlbehalten. Kommunistisches Siück aus dem Totthaus. Fünf Dewaffnete schießen in Lapsnischen Club. Die Räume des 3-manischen Clubs in der Rl o tz st r. 3 1 waren gestern abend das Ziel einer Kommunisteugruppe, die dort nach Abgabe mehrerer Schüsse einen Teil der Einrichtung zertrümmerte. Um 19 Uhr erschienen in den Klubräumen fünf jüngere Leute, die sämtlich mit Pistolen bewaffnet waren. Bon den Anwesenden versuchten sich einige Japaner den Eindringlingen entgegenzustellen. Darauf feuerten die Kommunisten mehrere . Schüsse in die Luft ab, offenbar um damit zu zeigen, daß sie keinen Widerstand dulden würden. Dann zertrümmerten die Eindringlinge einen Teil des Mobilars und schlugen Geschirr und Glasgegenstände entzwei. Nachdem sie ihr Zerstörungswerk vollendet hatten, er- griffen die Täter die Flucht und hinterließen einen Zettel, der Drohungen gegen die Japaner enthielt und mit„RFB." unterzeichnet war. Als das alarmierte Ueberfallkommando in der Motzstraße eintraf, waren die kommunistischen Wandalen bereits wieder verschwunden. 409 Bleker kies abaestürzk. Am W a tz m a n n In den bayerischen Alpen stürzte die aus Hannover stammende Angestellte K u l e ck e tödlich ab. Die Unglückliche hatte ein Schneebrett losgetreten und war 499 Meter abgestürzt. Osk&V yjßf jretkg. 34 y � � ' f■ �*7/\gp „Jawohl, Stössi!" bekräftigte der Schneizenhöfer.„Diese verfressenen, versossenen, verhurten Mönche waren's, und der Teufel hat ihnen dabei die Laterne gehaltenl" „Wenn der Teufel die Mönche reitet, so reitet er sie eben rechtschaffen!" stichelt der Blarer. „O verderbende, zerscherbende Welt!" seufzt Pater Pir- min, die Augen zur schön geschnitzten Balkendecke erhoben. „Wie ging's uns armem Nachtrab Christi, wenn nicht das chambacher Blut und wenn nicht die guten Werke wären!" „Hört, hört! Die guten Werke! Aber nicht eure, sondern die der andern. Dafür habt ihr zwei chände, eine zum NeH- men und eine zum Behalten!" Die Runde lacht über Stössis Witz. „Der Gerechte muß viel leiden!" jammert der Mönch. „Besonders,. wenn er solch einen schweren Schnappsack trägt. Was hast du eigentlich darin, frommer Bater?" „Was wird groß drin sein", sagt frech der Stässi.„Bier Sachen, die sich gleichen, wie eine Nonnenfrommheit der an- dern: Raubgut, Judengut, Psaffengut, Klosterbeute!" „Beleidige den Geweihten des Herrn nicht, auf daß es dir nicht gehe wie Korah, dem Sohne Jishars, des Sohns Kahaths, des Sohns Levis, samt Dathan und Abgrim, den Söhnen Eliabs und On, dem Sohne Peleths, den Söhnen Rubens!" „Bon wegen der Rotte Korahs! Lenke nicht listig ab, Schwämmlein, oollgesogenes! Hand auf deine geschorene Platte, was ist drin im Sack?!" „Meine armselige Wegzehrung ist darin. Ich habe heut schon einen stattlichen Marsch getan." „Wo kommt dein ächzendes Gestänge her, wenn man es wissen darf?" „Gradenwegs aus Meßkirch." „Donnerwelterl" sagt Stössi und prüft sein« Waden» Im Devaheim-Prozetz wurden in der Dienstagverhandlung die! dem Kaufmann Gustav Holmar C l a u s s e n zur Last gelegten! Untreuehandlungen erörtert. Claussen wird darin beschuldigt, zum Schaden des Zentralausschusses der Inneren Mission bei der Ler- waltung der Auslandsanleihe 39 999 bis 49 999 Mark unterschlagen zu haben. Der Zentralausschuß für Innere Mission hatte im Jahre 1926'eine Amerikaanleihe in Höhe von 19,S Millionen Mark abgeschlossen. Für diesen Betrag trat die H i l f s- k a f s e als deutscher Treuhänder auf. Die Verteilung der Gelder, für deren Sicherheiten besondere Bedingungen gestellt waren, wurde durch einen Verteilungsausschuß geregelt, dessen Vor- Volksfront gegen Hifler-Baronei Unsere nächsten Betriebsveranstaitungen: SPD.-Eetriebsfraktion des Arbeitsamts Mitte. Donnerstag, 16. luni, 16M Uhr, im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40'41. Fraktionsversammlung.„Die politische Situation und die Aufgaben der Arbeiterklasse". Referent: Bernhard Göring. BVG. Betriebshof S Nordend. Donnerstag, 16. luni, 19k> Uhr, Lokal Sanssouci, Kaiser-Wilheim-Str. 42, Verbandsversammlung:„Politische und wirtschaftliche Lage". Referent: David Stetten lustizbeamte. Donnerstag, 16. luni, 16 Uhr, bei Brandis, Stralauer Str. 10, Fraktionsversammiung;„Politische Lage und die lustiz". Referent; Dr. Alfred Gurau. Sioirens-Flania-Werire A.-G. Freitag, 17. luni, 16Fi Uhr, bei Schünemann, Lichtenberg, Moellendorffstr. 53/54, Hammerschaftsversammlung:„Der Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterschaft". Referent: Alfred Markwitz. Nordsüdbahn, Werkstatt MQIIerstrafle. Donnerstag, 16. luni, 16 Uhr, bei Grunewald, Kameruner Str. 19: Fraktionsversammlung:„Der Kampf um den neuen Reichstag". Referent: GotMeb Reese. AEG. Treptow. Die Angestellten, die der SPD. angehören, treffen sich am Donnerstag, 16. luni, 16H Uhr, im Lokal„Zur Rennbahn", Elsenstraße, zu einer wichtigen Veranstaltung. Referent: Karl Dressel. Ein neuer Hochvsrraisprozeß. 24 Angeklagte vor dem Reichsgericht. Leipzig, 14. Juni. Bor dem vierten Strafsenat des Reichsgerichts begann ein großer Hochverratsprozeß gegen 24 Angeklagte aus Thüringen, Berlin und Breslau, denen zur Last gelegt wird, durch Beschaffung von Sprengstoffen, Herstellung von Sprengkörpern und Bildung von sogenannten Srrenazruppen, ferner durch Ansammlung von Waffen und Munition die auf den gewaltsamen Umstürz gerichteten Bor- bereiwngen der KPD. gefördert zu haben. Im Vordergrund des Prozesses steht der im Januar 1931 verübte Einbruch in das S p r e n g st o f f l a g e r des Kalkwerkes O e p i tz bei Pößneck in Thüringen, wo den Tätern 52, S Kilogramm Ammonit in die Hände fielen. Der Prozeß wird voraussichtlich drei bis vier Wochen dauern. Llniformierte SA. im Weinlokal. Vor dem Restaurant„Alter A e k a n i e r" in der Anhalt- straße hielten gestern abend etwa 13 bis 29 Prisatautos, denen sämtlich uniformierte S A.-L e u t e entstiegen, die sich in das Weinlokal begaben. Diese Auffahrt angeblich höherer Führer der SA. blieb natürlich nicht unbemerkt. Den Nazis muß in ihrer Uniform offenbar nicht recht wohl gewesen sein, denn schon nach muskeln, ob sie auch hart sind.„Bon Meßkirch! Allerhand Hochachtung! Das macht dir nicht einmal ein königlicher Bote nach, geschweige denn einer von der Stadt oder gar einer von uns." „Was hattest du in Meßkirch zu tun?" fragt neugierig der Blarer.„Kommt dort der Teufe! nicht selbst hin, daß er ausgerechnet dich als Stellvertreter sandte?" „Du unverschämter Wortauspelzer! Ich hatte Gott zu vertreten» nicht den Teufel! Dem höllischen Leviathan Hab ich eine Beute aus dem spitzzähnigcn Rachen gerissen. Einen armen Sünder Hab ich zum Sterben vorbereitet und ihn, neben der Kuhhaut hergehend, bis an den Galgen begleitet." „Wen denn?" „Das Iüdlein Gangolf: sie nannten ihn auch den Schellenkönig, weil er nicht mehr ganz recht war im Hirn. Nun hat feine Trübung ein Ende, und er ist als seliger Christ zum Himmel gefahren!" .Her Wangener Schellenkönig?" „Eben derselbe!" „Was hatte er bei den Meßkirchern ausgefressen?" „Das ist nicht mit einem Zungenschlag erzählt, vielwerte, allhier lauschende Versammelte. Um diese Geschichte in aller Ordnung auszubreiten und sie euch mit vollem Nachdruck ins Gemüt zu legen, ist etwas Anfeuchtung notwendig. Sankt Franziskus ist zwar ein guter Heiliger. Wie ich auch mit ihm teile, er schweigt still und sagt nichts. Aber es ist ihm heute nicht so gespendet worden, daß er für mich die Erlaub- ms zu einem dritten Humpen vermöchte.. „Gut, kein langes Gewinsel!" sagt der Schaffhauser. „Wüst, fahr dem Pater noch einen an, auf meine Kosten!" „Gott lohn's!" „Behalte deinen Vfaffentaler!" wehrt der Schaffhauser ab. Pater Pirmin läßt sich das nicht anfechten. Wohlgefällig aus seinen Schweinsritzen blinze'nd, schaut er zu, wie das Sonnenblut strahlig aus der Kanne des Wirts in seinen hin- geschobenen Humpen läufst „Ich Hab es gleich gewußt, Volk der Kirchenrenner, aber der schlechten Christen, es gibt doch noch barmherzige Sama- ritanen, die einen armen Reisenden, de? unter euch Räuber fällt, nicht unschuldig verschmachten lassen! Prost, meine Herren, prost! Also die Sache mit dem Schellenkönig. Wißt, die Meßkircher hatten auf ihrem Bann, Tiengen zu, einen uralten Zwetschenbaum stehen. Der war dick wie drei Mann..." I figcnbcr Pastor Cremer war. Als Ende 192S das amerikanische ! Geld nach Deutschland kam. war es schwer unterzubringen, weil in Deutschland der Zinsfuß erheblich gesunken war und sodann eine Reche von Verbänden un-d Anstalten von der Annahme der Dar- lehensbelräge zurücktrat, well ihnen das Geld zu� teuer geworden war. Man beschloß deshalb,«inen Teil des amerrkanifchen Geldes in Grundstücken anzulegen, und zwar bis zu einer Höhe von einer Million Mark. Diese Grundstückegeschäfte gingen zunächst sehr gut. Trotzdem mußte sich im Jahr« 1931 die Hilfskasse von der inzwischen gegründeten Bankabteilung wieder trennen, weil die Anlagen außer- halb in anderen Industriezweigen zu erheblichen Verlusten geführt hatten. Pastor C r e m er erklärte sich in seiner Eigenschaft als Bevollmächtigter für die Ausländsanleihe bereit, die Grundstücke für Rechnung der Ausländsanleihe zu übernehmen. In diese Zeit fällt die Berufung Claussens als Leiter der Auslandsabteilung durch den Rechtsanwalt W r o n k« r- F l a t o w, der der Vertrauens- mann der amerikanischen Banken war, die die Anleihe gegeben hatten. Rechtsanwalt Wronker hatte nun, wie Claussen dem Gericht er- klärte, ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die Buchhaltung der Auslandsabieiluug seil bahren in Unordnung sei, weil sie ein Buchhalter nebenamtlich geführt habe. Claussen erhob in der Verhandlung heftige Angriffe gegen die Hilfskasse, die die Au-landsgelder falsch angelegt und oer- wirtschaftet habe-, er machte Pastor Cremer den Vorwurf der Pflichtvergessenhett und erklärt«, daß bei der Hilfskasse drei M i l- lionen Mark Verluste entstanden seien, daß also der Fehl- betrag das Sechsfache des Kapitals der Gesellschaft(999 999 M.) ausgemacht habe. Die Abrechnung über die Verwendung der Gelder fei von der Hllfskaffe hinauegezögert worden, well fönst Konkurs hätte angemeldet werden müssen. U. a. sagte Claussen: Mir ist ja die Anleihe mit asten Belegen direkt räubermäßig fortgenommen und noch der Hilfskasse' gebracht worden. Direktor Liebchen gibt ja selbst zu, daß er Tausende von Papieren übernommen hat, die überall nachher w:e Fetzen herumlagcn. Die ganzen Belege wurden ja verstreut. Wir haben sogar Hypothekenbriefe im Heizungskeller gefunden. Wer weiß, was alles bei der Hufs» fasse gemacht worden ist. Das war ja da eine Hochschule der Fälschungen.(Bewegung.) Der Sachoerständige Ähren dt gab zu, daß Claussen sehr viel Arbeit zu leisten hatte, da die Bücher erst in Ordnung gebracht werden und Luchungen nachgetragen werden mußten. wenigen Minuten erschien die ganze Bande wieder auf der Straße, bestieg die Wagen und fuhr davon. Sicherlich Halen die Haken- kreuzler auch ihre Festnahme durch die Polizei befürchtet und haben aus diesem Grunds schleunigst die Flucht ergriffen. Neue Naziprovokaiionen. In den Edenfestsälen in der Kaiser-Friedrich-Straße in Ehar- lottenburg versuchte gestern abend eine größere Gruppe National- sozialisten in eine kommunistische Versammlung einzudringen. Es entspann sich eine Schlägerei, bei der die Hatenkreuzler den kürzeren zogen. Die Polizei schritt ein und nahm mehere Krakeeler fest.— In der Nähe des Dönhoffplages versuchten gestern abend Kommunisten einen Demonstrationszug zu bllden. Bevor es zu Aus- schreitungen kam, hatten Polizeiboamte den Zug zerstreut. Auch an mehreren anderen Stellen der Stadt gab es Reibereien zwischen politischen Gegnern, wobei einige Feststellungen erfolgten. An der Ecke Kant- und Wilmersdorfer Straße rotteten sich gestern abend etwa 159 Nationalsozialisten zusammen und belästigten Passanten in der unflätigsten Weise. Weitere Zwischenfälle konnten durch das rechtzeitige Einschreiten der Polizei verhindert werden. Triptower Tterowarte. Das große Fernrohr steht den Besuchern bei klarem Wetter von S Uhr nachmittag-, bis 11 Uhr abends zur Verfügung. Nachmittags wird der Planet Venus, von L bis 11 Uhr der Ricfcnplanet Jupiter mit seinen 4 größten Monden beobachtet. Der Mond ist bis 15. Juni ab 8 Uhr zu sehen. „Haha, wie du!" kräht der Stössi. _____ und krummastig, wie's eines alten Zwetschenbaums Brauch ist. Er würd wohl heute noch stehen und der Schellenkönig noch ungekenkt die Leute vexieren, wenn nicht vorigen Jahrs bei einem grausigen Donnerwetter ein Blitz ihn von oben bis unten zerspalten hätte. Dieser Blitz hat sich nachher als ein guter Zimmermann erwiesen, und als ein frommer noch obenda.zu: denn der Rest des Baums, der übrig blieb von dem Schlag, hatte die Gestalt eines Kreuzes. Schon das war ein Wunder. Run, umsonst sollte der Blitz seine Zimmer- mannsarbeit nicht verrichtet haben, und, um sie voll ausju- nützen, haben die Meßkircher den Herrgottsschnitzer aus Schaffhausen kommen lassen..." „Ich kenn ihn", unterbricht der Schaffhauser, ,Den Gmelin." „... Gut, den Gmelin. und der hat ihnen an ihren Zwetschenbaum einen Kruzifixus darangefchnitzt, der sich trog Barrabas sehen lassen kann. Landauf, landab gibt's keinen mit verzogenerem Gesicht der Schmerzen. Vier Wochen hat der Gmelin daran geschnitzt, und drei Gesellen hat er bei sich gehabt, und der neue Heiland hat darum den Meßkirchern einen ordentlichen Batzen Geld gekostet. Doch es war gut an- gelegt, dieses Geld für das Helltum, denn kaum sind zu dem neuen Meßkircher Kreuz die ersten Wallfahrer gekrochen ge- kommen, schon schmiß einer nach kurzem Gebet die Krücken weg, schrie.Geheilt! Gebeilt!', und die Meßkircher läuieten I-auckes. Von da ab lag der Weg zu den Wundern frei. Von allen Seiten sah man die frommen Seelen ziehn, die sich Hei- lung ihrer Gebresten erhofften. Die Doktoren wurden grün und gelb, so recht gallensüchtig über alles, was sich da tat; denn die Bauern rundum im Hegau schwärten seitdem nur noch auf die Meßkircher Kreuz-Medizin, und die Apotheke in Rudolfs Zelle, die konnte schon drei Monate hernach ein Schloß vor die Tür legen. Da kommt eines Tages der Wan- gener Gangolf gelaufen, der Schellenkönig, schaut das Kreuz stracks an und geht dran vorbei, ohne fein verdammtes gelbes Iudenhittlein zu ziehen. Da war der Bien mit einem Hui aus dem Kasten, nichts als drauflos auf den hinkigen, schiel- äugigen Juden. Ihr könnt euch denken, daß die Schmach niiht ungerochen blieb..." „Schab für jeden Hieb, der daneben ging!" „Hält's wahrhaftigen Gotis hinter dir nicht gesucht, Schneizenhöfer, mich freut dein Eifer.für den christlichen Glauben! l Fortsetzung folgt.) Deutschlands Volksbäder. Eine Tagung der Bäderfachleute.— Städtenot schafft Bädernot. Die 25. Tagung der Deutschen Sesellschafl! für Dolksbäder, die soeben im Harnock-Haus In Dahlem slallsand, blickte aus eine ZZzährige Arbeil dieser sür die[ Dolkegesundheil so wichligen Vere'nizung zurück. 1802 war in Berlin das erste Dolksbad errichtet, 1874 der erste Verein für Volksbäder geiildet worden. Bahnbrechend war der Mediziner Professor Oskar L a s s a r, der 1888 in einem Vortrag auf der Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte gesagt hat:„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad!" 1839 wurde die deutsche Gesellschaft für Voltsbäder begründet. Ist auch Lassars Forderung noch lange nicht verwirklicht, so sind wir dem Ziel doch viel näher, durch den Schwimmsport zum Teil schon darüber Hinaug gekommen. Einen großen Anteil Idaran har die deutsche Gesellschaft. Die diesjährige Tagung, die auf einen Tag zusammengedrängt war, bot eine Reihe wertvoller Vorträge. Der Geschäftsbericht des Generalsekretärs Geheimrat Voettger stand unter dem Zeichen der Not. Eine große Zahl Gemein- den ist ausgetreten. Eine Reihe Bcdeanlagen sind bereits einge- stellt und drohen zu versallem Rodner empfahl die Errichtung von Badestiftungen und Ausführung durch freiwillige Mitarbeit von Vereinsgenossen. Der neue Zweckbau freier Badeanstalten er- spart die Hälfte der Kosten, ohne der Schönheit zu entbehren. Rühmend gedachte der Redner des neuen Bades in Schone- b e r g und des Strandbades Wannsee. Unter den ver- liehenen Auszeichnungen waren Medaillen für Stadtrat v. Dri- galski und den Direktor C l a j u s in Wannfe«. Berliner Vo.ksbäder mustergültig. Ziele und Ersolge des Berliner Vyltsbade- wesens behandelte Stadtmsdizinalrat Dr. v. Drigalski. Das hygic- nisch früher oft bedenkliche Hallenbadewesen ist durch Einführung des Chlorverfahrens. das vor Uebertragung von Krankheiten fBinde- Hautentzündung) schützt, einwandfrei geworden. In Deutschland er- trinken jährlich 6000 Menschen. Darum hat Berlin das Schwimmen als S ch u l p f l i ch t f a ch eingeführt. 70 bis 80 Proz. erhallen das Freischwimmerzeugnis. Im Derhällnis zur Bevölkerung steht Berlin mit Schwimm- bädern unter den deutschen Slädlen erst an ZS. Stelle. Eine Schwimmhall« entfällt hier auf 287 000 Einwohner, in Hamburg auf 38 000 und in Gleiwitz auf 41 000 Einwohner. Neben 15 Hallenbädern gibt ss in Berlin 15 Strandbäder. Das Volks- bad Mitte ist dos schönste der Welt. Das gemeinsam« Baden der Geschlechter hat sich als einwandfrei erwiesen. Nötig ist der Schwimmunterricht sür alle. Schwimmen ist wertvoll für die Harmonie der Hormone, besonders wichtig für das Entwicklungs- alter, ein Mittel gegen Neurasthenie und für den Erwerbslosen ein Gegengewicht gegen die trübe Stimmung. Durch Baden werden Vitamine in der Haut geiildet. Zweifelhaft ist der Wert der Plontschbecken. Zuviel kalte Fußbäoer führen zu Mithlahr- «ntzündungen. Der Sportbetrieb hat trotz der Wirtlchaftelage Größe und Gewicht des Badenden gesteigert und di» Tul.erkirlose eingeschränkt. Di« Rachitis ist fast verschwunden. Erst in der l«tz- ten Zeit macht sich eine Nückentwicklung geltend. Heut? ist das Badewesen Volkssache. Groß sind die Verdienste der Vorkämpfer, furchtbar im Vergleich damit das Versagen der Wirtschafteführer. Verwaltungsamtmann S a m tl« b e n- Neukölln sprach über Einfluß der W i r t s ch a f t s n o t auf den Betrieb der Bäder und die möglichen Sparmaßnahmen. An Hand reichen Zahlenmaterials zeigte er die Abhängigkeit von Wet- ter und Wirtschaft. Er lehnt völlige Schließung ab. Zunahme Ger Besucher bringt unentgeltlicher Schwimmunterricht, der sich in Köln bewährt hat. Der Schulschwimmunterricht ist mit allen Kräften aufrechtzuerhalten, Verteuerung für Vereine abzu- lehnen. Der Badaverwolter muß mit dem Kämmerer kämpfen. Badereisen im Ruhrgebiet. Die Verwendung offener Binnengewässer für Badezwecke war der Gegenstand der Vorträge von Professor Wilhelm! und Professor Bruns- Geljenkirchsn. Sehr inter- essant war die besondere Darstellung der Verhältnisse im Ruhr- gebiet durch Professor Bruns, oas ein Sechzehntcl der Reichs!«- völkerung umfaßt, aber ein Viertel des Leitungswassers(das sinfo über 600 Millionen Kubikmeter), hauptsächlich für Zwecke der In- dustrie verbraucht. Von Arnsberg bis zur Mündung der Ruhr gibt es etwa 30 Wasserwerke Wasterwerk, Vad, Zuf'uß und Ab- wäss«r wechseln fortwährend, was großen technischen Aufwand er- gibt. Der Badebetrieb hat sich stark entwickelt. An schönen Tagen baden Hunderttausende. Bäder müssen mindestens einen halben Kilometer von kleineren, einen Kilometer von großen Ab- Wässerzuflüssen«ntfernt sein. Der ganze Lauf wird in drei Stau- seen zusammengefaßt, von denen zwei fertig sind. Dazu kommen die Staubecken der Neienslüsse. Becken für Trinkwasserentnahm« sind dem Badenden verschlossen. Zuletzt gab Ministerialrat Jmand in seinem Bericht: Hal» len- und Freischwimmanlaoen in preußischen Staatebädern zum Teil w«n!g Bekanntes. Er behanoelte das Hallenwellenbod in Norderney, das im Freien gelegene Warm- wasserfchwimmbad Schlangendad und das Freibad in Nenndorf bei Hannover mit interessanten Lichtbildern. Es schlössen sich Besichtigungen des neuen Volksbödes Scböneberg uno des Strand- bades Wannsee unter sachkundiger Führung an. Der Eindruck war vorzüglich. Namentlich Log« und Anlage das Bades Wanniee, das die Teilnehmer der Tagung in gastlicher Weise aufnahm, erreg-| ten Begeisterung. Der Verlauf der wertvollen Tagung zeigt, welch wichtige Auf- gaben der vielgeschmähte„Wohlfahrtsstaat" im Dienste von Kc> sundhell und Lebenswerten des xonz«n Volkes fortdauernd erfüllt. Die Leistungen des„Systems" im republikanischen Preußen und der vielgeschmähten Berliner Strdtoerwaltung können sich ü' erall sehen lassen und müssen den Gerechtdcnkenden wohl zum Nach- denken über die planmäßig betriebene Herabsetzung der bisherigen preußischen Verwaltung führen. Soontagsisaaderungcll in die schöne Mark. Im?luftrage des Dczicksamls Schöneberg führt der bekannte Kenner der Mark, Studienrat Dr. Krohn, auch auf der nächsten Wanderung am Sonntag, dem lg. Juni, am den Werbellinses. Abfahrt um g.A Uhr vom Etettiner Fernbahnhof bis Werbellin» fce. Ute abend, 8>4 Uhr, spricht Mr. W VV. Mann über das Buch von Norman Angell;„Unseen Assossins." Gäste, III ommen Neichsbund bUebcatn, San lich 20 Uhr, Mitglieberversaminlung i V . r- Refcrcnt: Herr Dr. Moses. M. d für Wal Ni-ma:„Das Boll hungert!" _____ beim Seestr. 57, Ecke Turiner Strahe, 50 bis IM Silben jeden Montag.— Sorbetten: Jugendheim 2an?iger Str. 62, 166 bis 146 Silben Redeslhrist jeden Dienstag: Wiederholungsiursus tiir Anfänger jeden Freltcg.— Aeu- kölln I: Aarl-Marx-Schule. Kaiser-Friedrich-Etr. 263—216, 46 bis 36 Silben leben Dienstag, 140 bis 220 Silben Redeschrift jeden Donnerstag, 36 bis 136 Silben jeden Freitag.— Zleuiolln II: Jugendheim Steinmetzstr. 34, Wederholungs- rursus für Anfänger.— Sämtliche Kurse deginnen um iO'-H Uhr. Wettere Auskunft erteilt gegen Einsendung uon Rückporto. Otto Wenghoefer. Vorsitzender, Velten i. d. Mark, Wühelmslr. 16a.— sieure 13(6 Uhr außerordentliche Mit- gliederpersammlung in Neukölln, Weichselstr. 8, Ideal-Kafino. Erscheinen aller Mitglieder Pflicht. Landsmannschaft der Schlezwig Holsiciner zu Berlin— 1892. Geschäftsstelle: S. 14, Prinzenstr. 61. Donnerstag, 16. Juni, 26 Uhr, im Dresdener Garten, Dreßdener Str. 45, Echleswig.Holsteiner Heimatabend. Aufnahme neuer Mit. glieder. Beridite. Abrechnungen. Sommerfest am 16. Juli. Ehrung des Landsmanns Wilhelm Steffen für I6jährige Mitgliedschaft. Bon 13 Uhr ab Ausstellung pon fast sämtlichen Städte, und Bäderfübrern non Echleswig-Holstein. Landsleute— Gäste— Damen und Herren willkommen. Verein der D-iefener zu Berlin. Mittwoch. 22. Juni, 20Vj Uhr, Monats. bei Landree, Gruner» Ecke Reue ssriedrichstraße. .:rb-nd der MerUhalleuhändler Deutichlands E. V. Oeffentliche Bersamm- lung aller am Hennigsdorser Wochenmarkt interessierten Käufer und Händler Dannerstag, 16. Juni, 13 Uhr, im„Goldenen Löwen", Hennigsdorf, Hauptstraße. Bereite dein« Marmeladen und Gelee, in 16 Minute». Da« neue Opekta- Kochbuch 1332 ist in 8. Auftage im eigenen Verlage der Opekta. Gesellschaft Köln- Riehl erschienen. Schon ein kurzer Blick in da» Dpekta.Kedibuch, das innerhalb 2t4 Jahren eine Gesamtauflage von 2 Millionen Eremplarcn erlebt hat, zeigt den großen Wert feines Inhaltes. Während die Häusfrauen früher nur in stundenlanger Kochung eine Marmelade oder ein Gelee bereiten konnten, kocht man jetzt mit Opekta Marmeladen aus jeder nur denkbaren Frucht in der kurzen Kochzcit pon 16 Minuten. I 8m Jßeben in Avmui Erinnerungen aus dem alten Paris/'Von Eugene 3)abH (Schluß�, Der Krieg hat eine ganze Welt verschlungen. Zum letztenmal habe ich mich nach ihr umgewendet, habe ich ihre Asche ausgerührt. Ich habe ein paar Bilder aus der Vergangenheit gefunden, undsut» lich und verwischt wie die Photographien meiner Großeltern. Ader ich neige mich nicht weinend über sie und auch nicht träumend. Meine Zärtlichkeit für ein beinahe schon verschwundenes Land ist noch wach. In der Entfernung will es uns scheinen, das Leben sei dort leichter gewesen als heute, die Not weniger unvermeidlich, der Haß weniger heftig. Ich habe mich meiner Spaziergänge erinnert, weiner ersten Freunde, lieber Gewohnheiten, und der Satz, den meine Mutter mitunter ausspricht, stieg mir auf die Lippen:„Wie leicht doch damals alles war!" Nun: nein!! Es war nicht leicht. Die Bengiftung war nur langsamer und machte empfindungslos. Ich bedauere nichts von dieser Vergangenheit, ich habe sie ja ein bißchen lieb gehabt.... Heute sind die Festungswäll« dem Erdboden gleichgeinacht. Lange bemühten sich Menschen, das Werk anderer Menschen zu zer- stören. Sie machten die Böschungen eben, füllten die Gräben aus und beluden Lastwagen mit Schutt, bis der Boden ausgeglichen war. Dann zichneten sie die Grundlinien einer neuen Stadt. Zwischen dem Ausfalltor von Poteau nd dem Tor von Clignaneourt recken sich jetzt Häuser aus Ziegelsteinen in die Höhe— ein riesiges trüb- seliges Viertel, das am Rande der„Zone" endigt und seinen unge- heuren Schatten auf verkümmerte Bäum« wirft, die ehemals den Wiederbeginn des Frühlings ankündigten. Daneben ist der Flohmarkt. Man findet dort nicht mehr jenes Durcheinander der früheren Tage, jene Auslagen unter freiein Himmel. Die Trödler sind in feste» Baracken untergebracht, und vornehme Leute und Antiquitätenhändler beugen sich über den alten Kram. Die Avenue Michelet hat sich nur wenig verändert mit ihren Kneipen, wo man in Oel Gebackenes aller Art und Seemuscheln ißt. Aber an den Tischen sitzen bärtige, verschlossene Männer, schweigsam, unruhig, in abgetragenen Uniformen, Juden oder Fremde. Der Wind trägt das Rollen der Eisenbahnzüge herüber, die Tön« einer Trompete. Und die Leichenwagen haben seit Jahren nicht aufge- hört, nach dem Friedhos von Soint-Ouen zu pilgern, den jetzt jener Friedhof der Lebenden begrenzt: die Fabrik. Ich irre auf den Fußwegen umher, zwischen Zäunen und Ba- rocken. Immer noch hausen Leute dort, verhärmt, empört, und doch an diesem kotbedeckten Boden klebend, immer neue Elendsbuden errichtend, die an die Zeit im Felds erinnern. Ueberau die gleiche Entfremdung. Auf den unbebauten Flächen der Butte-Montmartre und der Grandes-Carrieres, auf denen ich zu spielen pflegte, erheben sich strenge, trostlos« Mietskasernen. Fo- briken und Garagen. Der Boden ist hier„Gold wert", man gibt nicht einen Zoll breit preis. Die Häuser stoßen aneinander, bilden eine Hecke, verstecken die Sonne.— Im Frühling nur noch d.is Laubwerk der Kastanienbäum« und der Platanen, die auf den Boulevards aufgereiht stehen und ihre Wurzeln zwischen elektrischen und Gasonlogen in den Boden bohren. Nichts mehr von allem, da» van der Ewigkeit der Natur zeugt. Quecksilberlicht und Bogen- lampen kämpfen gegen die langen Winternächte ain Gerüche van Pech und Benzin, Ausdünstungen der Bars, Kneipen und Friseur- laden verdrängen den leichten Hauch des Frühlings. Einzig der Pariser Sonnner mit seiner niederdrückenden Hige weckt noch die Erinnerung an die Schwüle der Mittagsstunde in einer Ebene. Einig« Wegkreuzungen, Plätze, Boulevards, dann ein Netz von Straßen, wo die Häuser so anonym sind wie Soldaten in ihrer von Staub und Schmutz bedeckten Uniform. Ick, blicke zu Fenstern em- por, an denen Lunipen, Vogelbauer und, hinter trüben Scheiben, zerrissen« Gardinen hängen. Ich gehe weiter, an den Mauern ent- long. Schließlich gebe ich einer unbestimmten Regung nach, die mich treibt, entferntere Gassen mit noch älteren Häusern auszusuchen. Vor einem Fenster bleibe ich stehen. Ich sehe Blumentöpfe. Die Vorhänge schließen nicht dicht ab, ich blicke in das schlecht er- leuchtete Innere eines niedrigen Zimmers. In einer Ecke steht ein mit allerlei beladenes Büfett, durchgesessene Stühle stehen herum, eine eiserne Bettstell« ist da. Eine Frau klebt Kartons. Sie sieht nicht einen Augenblick auf. Ihre Hände führen methodisch wie eine Maschine alle Bewegungen aus. Sie arbeitet auf Stücklohn, hat -inen lächerlichen Verdienst, aber sie ist„zu Hause", dort an ihrem Qsen, auf dem das Mittagessen im eisernen Tops« schinort. Noch ein paar Schritte. In dunklen Stuben beobachte ich Greise— aus dem städtischen Altersheim. Sie beugen sich über irgendein vergilbtes Zeitungsblatt, über eine Katze, eine unnütze Arbeit, manchmal über ihre schon kalt und steif gewordenen Er- innerungen Der Abend konimt. Sie stehen auf, zünden eine Petroleumlampe an, deren rauchige Flamm« ein« elende Behausung beleuchtet. Das ist die Vergangenheit, eine Welt, die ausstirbt, und die man preisgibt. Ich gehe den Boulevard Ornano hinunter, den Boulevard Bordes— und ich stoße wieder auf die Gegenwart. Ein Wirbel. Ich höre alle Sprachen. Straßen erschließen sich mit Ge-' töse, ohne Himmel— aber braucht man denn einen Himmel? Das rote Feuer der Schilder besudelt ihn. Das Fleisch blutet im Schau- fenster eines Sck,-Pächters, Gemüse welken in der Auslage eines Gemüsehändlers. Ein Möbelgeschäft, eine Kneipe und, an jeder Straßenecke, zün großes Eafö, dessen Schenktisch hell ausglänzt. Gegen acht Uhr ertönen die Glocken der Kinos:„Palast",„Im- perial",„Eden". Man geht mit seiner Mütze hinein— wie in di« Fabrik. Ich gehe auch hinein, ohne ein bestimmtes Theater aus- zuwählen oder die Ankündigungen zu lesen. Ein Mantel aus Hitze hüllt alles ein, ein Schleier legt sich auf die Augen. Man atmet saure Gerüche ein, schlechte Parfüms, die Ausdünstungen einer Menge, die jeden Abend die Untergrundbahn füllt. Drei Stunden des Vergessens vielleicht— oder der Stumpfheit. Man flieht di« Einsamkeit, man läßt sich nach fernen Ländern entführen, man träumt von einem Leben ohne Knechtschaft. Und um Mitternacht ist man wieder auf dem speckglänzenden Pflaster, wo die Autoz. nun nicht mehr die Menschen hetzen. Man geht durch Straßen, die noch niemals so schwarz erschienen sind, man sieht, wie Türen sich nach Hausfluren öffnen, deren Feuchtigkeit und Küchengerüche die Luft verpesten. Der Fröhlichkeit ist die Müdigkeit gefolgt, tot sind die Träume. Sechs Stunden Schlaf— und das Erwachen, das Leben... So hat sich seit meiner Kindheit, dem Anschein zum Trotz, nichts eigentlich geändert. Derselbe Wirrwarr in den Stuben, dieselben Geräusche aus den Trcppenflurcn, dieselben Gerüche allerorten. Im Winter die Kälte, iin Sommer die Hitze. Ein nebeliger Himmel, ein regnerischer Himmel, ein bleierner Himmel.... Kein Entrinnen. Im Schlgfe vielleicht. Aber es gibt Wohnungen, wo das Ungeziefer das Schlafen vereitelt, wo der Mangel an Luft das Atmen zur Pein macht. Anderswo ist es das Gebrüll des Radios, dos Gezänk der Nachbarn, das Geschrei der Kinder, das die Träume zunichte macht. Run ja— die Zeiten sind hart, gewaltsam, der Schönheit bar. Man betrachtet nicht mehr den Hiinmel, hohe Häuser verbergen ihn. Man erhascht nicht mehr, in t>«r Tiefe des Schweigens, das leichte Raunen des Windes. Man findet nur noch Bäume, die» von eisernen Gittern umzingelt, geknebell im Boden stecken wie in Blumentöpfen — Gefangene auf Plätzen, die staubig sind wie Museen. Man be- trachtet die Landschaften auf den Plakaten der Eisenbahnlinien, und. an einem Frühlingssonntag zieht man los. Eingepfercht, wartet man auf den überfüllten Bahnhöfen. Herdenweife trottet man nach den Pseudodörfern und kehrt am Abend heim, beladen mit Zweigen, deren Saft überquillt.... Menschen, wie ich si« in meiner Kindheit gesehen habe, wie ich sie jetzt wieder sehe. Ich betrachte sie nicht mehr mit unschuldig neugierigem Gesicht, gehe nicht mehr hinter ihnen her, in der Hoffnung auf ein Abenteuer. Ich kenne ihre Krankheiten, ich teile ihren Haß und ihr« Mühsal. An den Abenden der Wahlen kommen wir auf dem Jules-Iofsrin-Platz zusammen, immer zwischen demselben Bürgermeisteramt und derselben Kirche. Tonton fehlt, wird nie mehr da sein, um unter unseren Niederlagen zu leide» und sich über unsere vergeblichen Siege zu freuen, aber seine Söhne— Männer. Abends sehe ich sie in dichten Reihen den Schlünden der Untergrundbahn entsteigen, dem Licht einer grünlichen, zuckenden Sonne entgegen. In den unterirdischen Gängen haben si« ihre Stadt durchkreuzt. Den ganzen Tag haben sie gearbeitet, und die Nacht führt sie, schwankend, trunken vom Lärm, zurück, verbirgt sie und stößt sie wieder in ihre Viertel hinein. Sie zerstreuen sich, biegen in die Straßen ab oder fangen an, ihre Läden zu schließen, verschwin- den in Hauseingängen mit schmutzigen dicken Wänden, Hotelkorri- doren, Arbeiterhäusern.... Sie sind zu Hause. Im Geiste begebe ich mich wieder aus die- selbe Reise, die ich antrat, wenn mir meine Mutter� austrug, die Treppen unseres Hauses hinaufzusteigen. Hundert Stuben, deren Reichtümer, die den Verfall und den enttäuschten Ehrgeiz verhcim- lichen sollen, mir bekannt sind, hundert Eßzimmer, deren kärglich« Ausstattung aus den Möbelgeschästen des Boulevard Barbes ich wiedererkenne, hundert Räume, in denen es nichts gibt als armselige, abgenutzte, durch den täglichen Gebrauch beschmutzte, vom Leben geschändete Gegenstände. Und mitten drin Frauen und Männer, di« sich am Abend wiederfinden, mit bleichen Lippen, denen das Lächeln fremd geworden, mit einer Stirn, die gedankenleer ist, mit müden Händen— Menschen, die essen und nach beendigter Mahlzeit zur Zeitung greifen. Dann schlafen sie ein, versinken in«inen dunklen Strom, der sie, auf den Umwegen eines trügerischen Vergnügens und des Alpdrucks, wieder den Ufern eines Tages zuführt, der den andern Tagen gleicht, und der ihre Mühe ausnutzt, um«in« noch ungeheuerlichere Welt zu schaffen, die sie zermalmen wird.... In einer Stadt, die sich umbildet, sich ausbläht, sich herausputzt, schleppt sich das jämmerliche Leben unverändert dahin— eine Stadt voller Vergangenheit und Kunst, die zu gierig ist, zu beschwert mit einer leichtfertigen Freude und mit nichtigen Reichtümern. Ich neige mich über sie ohne Zärtlichkeit, um aus dem Lachen das Stöhnen herauszuhören, um«inen Lichtschimmer in den dunklen Straßen aufleuchten zu sehen.... ein mann, der nicht mit Eine QeSchichte/ Von Elfe ItWhus Der Direktor faltete die Zeugnisse zusammen und reichte sie dem vor ihm Stehenden. „Es tut mir leid," sagte er.„Daß Si« was können, sagte mir der erste Blick in Ihr Gesicht. Ich habe einen Riecher für tüchtige Menschen. In normalen Verhältnissen hätte ich Sie so- fort hier behalten'. Aber jetzt ist es unmöglich. Wir bauen noch mehr ab."( Mergent steckte mit einer mechanischen Bewegung seine Pa- piere' in die Brusttasche.„Ich glaube, es wäre Zeit, eine nette Todesstrahlenmoschine für tüchtige Leute zu erfinden," sagte er bitter.„Tüchtigkeit ist für einen Arbeitslosen heute ein über- flüssiges Privatvergnügen." „Ra, na!" warf der Direktor begütigend«in, ab«r sein Be- sucher hatte schon das Büro verlassen. » Vierzehn Monate Arbeitslosigkeit. Das hieß vierzehn Monate unablässiges Suchen, Bitten, Bewerben, vierzehn Monate Hoffen und Enttäuschtsein, Bedauern und Zurückgewiesenwerden. Seine letzte Stellung hatte er in Essen gehabt. Roch seiner Entlassung hatte er in Düsseldorf, Köln, Mannheim, Leipzig, Bitterseld alle Werke, bei denen etwas Aussicht auf Arbeitsmöglichkeit vorhanden schien, ausgesucht und Hunderte von Bewerbungsschreiben versandt. Zweimak hatte man ihm begründete Hossming gemacht, ober immer hatte ein neues Anziehen der Krise seine Einstellung verhindert. Nun lief«r seit einer Wache in Berlin herum— ohne Erfolg. Mergent blieb stehen und betrachtete sich im Spiegel einer großen Schaufensterscheibe. Mit selbstquälerischem Sarkasmus musterte er den sorblosen, abgetragenen Hut, das lange Haar, das schlecht rasierte, magere Gesicht, den zu weiten, schäbigen Anzug, die schiefgetretenen Schuhe.„Wie ein Arbeitsloser eben aussieht," stellte er spöttisch lächelnd fest. Loni würde staunen, wenn sie den „großen Bruder" in diesem Aufzug erblickte, und erst der Herr Schwager, der ihm schon in guten Tagen nicht gewogen war, weil er seine Geschäft« ganz offen als Schiebereien bezeichnet hatte! Deshalb hatte Mergent auch bis heute kein Wort von seiner Stellungslosigkeit verlauten lassen und nur auf seltenen Karten an die Schwester mitgeteilt, es ginge ihm gut. Aber nun hatte diese Komödie keinen Zweck mehr. Er war einfach am Ende. Mit den paar Pfennigen in der T-asche war er reif für den Bettel und das Obdachlosenasyl. Seit Tagen hatte er nichts Warmes mehr in den Leib bekommen. Auf der Straße hatte er mit Schwindel- anfüllen zu kämpfen, und sein altes Leiden, schwere Kopfkrämpf«, überfielen ihn manchmal mit einer Heftigkeit, daß er glaubte, vor Schmerzen wahnsinnig zu werden. So ging das nicht mehr weiter. Erst einmal ausruhen, schlafen— dann konnte man weiter sehen. Die Unterkunst in seinem Hause konnte ihm der Schwager nicht verweigern. Machte er Schwierigkeiten, dann war immer noch seine Schwester da, die kleine Spielgefährtin seiner Jugend, die ihm erst durch ihre Ehe entfremdet worden war, als ihre Ver- gnügungssucht und ihr Luxusbedürfnis sie einen Mann wählen ließ, den er von Anfang an mit Mißtrauen betrachtete. Mergent fragte einen Verkehrspolizisten nach dem Weg. Wieder überfiel ihn ein Schwindelansall, aber er riß sich zusammen und erreichte endlich eine breite, von hohen Bäuinen eingefaßte Straße. Er drückte auf die Klingel des eleganten Neubaues. Mit leisem Surren öffnete sich die Haustür. Schwer atmend stieg er di« Treppen empor. Ein plötzlicher Schweißausbruch, eine Folge von Hunger, Schwäche und Erregung durchnäßte ihn und machte ihn frösteln. Wie durch einen Schleier sah er ein hübsches, junges Gesicht, das ihn mißtrauisch musterte. „Gnädige Frau ist nicht zu Hause", hörte er eine helle Stimme wie aus weiter Ferne sagen. Er muhte also eine Frage gestellt haben. Seltsam, daß er seine eigene Stimme gar nicht gehört hatte. Er kam erst wieder zu sich, als er unten im Hausflur stand und auf den läuferbelegten Fußboden starrte. Hier sich hinlegen können und schlafen, schlafen! Sehnsüchtig glitten seine Augen über das weiche Gewebe. Dann rafft« er sich mühsam zusammen und verließ das Haus. Von der Straße sah er zu den Fenstern des ersten Stockwerks empor. Die Balkontür stand weit offen, und ihm schien, als ver- berge sich ein Gesicht hinter dem weißen Vorhang, aber dos war wohl einer jener Schatten, die jetzt oft vor seinen Augen tanzten. Ganz langsam, mit kleinen Schritten ging er weiter. Dann blieb er stehen und wandte sich um. Er mußte doch wenigstens wissen, wann sie zurückkam. Vor dek Haustür wurde ihm schwarz vor den Augen. Er lehnte sich an die Houserwand und erwachte erst zum Bewußtsein, als sich die Tür öffnete und eine Hand ihn hastig hereinzag. Seine Schwester stand vor ihm. Mit entsetzten Augen sah sie ihn an. „Hansel! Um Gotteswillen. Ich hob« dich schon vom Fenster aus erkannt. Wie siehst du bloß aus!" Mergent war plötzlich ganz wach. Mit beiden Händen um- faßt« er die elegant behandschuhte Rechte der Schwester. „Loni", sagte er beschwörend,„seit über einem Jahr bin ich ohne Arbeit. Ich bin halb verhungert. Ich kann nicht mehr weiter. Vor allem muß ich ins Bett und schlafen. Du hast doch Platz." Aber die jung« Frau schüttest« erschreckt den Kopf.„Ich kann dich in diesem Zustand doch nicht mit hinaufnehmen," sogt« sie ver- stört mit einer zitternden Flüsterstimme.„Die Köchin und das Stubenmädchen sind oben. Was gäbe das für einen Klatsch im Hause. Und wenn mein Mann heute mittag nach Hause käme und dich so sähe!" Sie rang die Händ«. Mergent sauste das Blut in den Ohren. Cr hätte das geputzte Dämchen an die Wand schleudern mögen, und wenn sie tausendmal seine Schwester war. Er mußte alle Selbstbeherrschung aufbieten, um einer jäh ausbrechenden Wut Herr zu werden „Ich habe mir nichts zuschulden kommen lassen", sagte er zwischen den Zähnen.„Im Gegenteil. Ich habe glänzende Zeug- nisse und Empfehlungen.. Aber seine Schwester unterbrach ihn heftig, als von oben das Geräusch einer sich öffnenden Wohnungstür ertönte. Mit fliegen- den Fingern preßte sie ihm ihre kleine Ledertasche in die Hände. „Hier ist Geld. Geh in ein Hotel, kauf dir, was du brauchst! Ruf mich morgen vormittag an, gegen 11, da bin ich allein. Dann treffen wir uns." -i- Aber am nächsten Morgen wartete sie vergebens. Ihr Bruder hatte Berlin berests verlassen. In einem letzten Ausflammen von Lebenswillen und einem seltsamen, aus den Tiefen des Unter- bewußtfeins kommenden Gefühl, dem er sich nicht entziehen wollte noch konnte, hatte er den ersten Zug bestiegen, der nach Norden führte. In einem kleinen mecklenburgischen Dorf, aus dem fem Großvater einst vor mehr als hundert Iahren in die Stadt ge- wandert war, hatte er den Zug verlassen, hatte wie ein Ver- durstender die reine, warme, von Sonnenlicht durchglühte Lust ein- geatmet und 16 Stunden lang am Rande eines Kornfeldes ge» schlafen. Dann wanderte er von Hof zu Hof. Es war Erntezeit, und so bekam er gleich am ersten Tag Arbeit. Der Lohn war elend, das Essen schlecht und die Arbett schwer und ungewohnt. Aber in Mergent war eine nie gekannte Freude am Leben erwacht, die sich in unerbittlicher Zähigkett äußerte. So- bald die Feldarbeit es zuließ, machte er sich daran, sämtliche Geräte im Haus, die Werkzeug« und Maschinen, über deren schlechten Zu- stand er sich bereits am ersten Tag gewundert hatte, gründlich zu überholen. Schweigend und respektvoll verfolgte der Bauer die Neugeburt der alten, verrosteten Dreschmaschine, die er bereits als unbrauchbar beiseite gestellt hatte, und schweigend ließ er es zu, daß der neue Hausgenosse sich dem Hauswesen einfügte, als sei er immer hier gewesen. Er brachte da und dort Verbesserungen an, er baute eine neue Scheunentür, flickte das Dach und reparierte den Küchenherd. Und so kam es, daß der Hofbauer ihm eines Tages, als er mit den Kindern vor dem Haus« saß und unter lautem Jubel eine selbstgebaute Eisenbahn fahren ließ, die er ihnen schenkte, die Hand hinstreckte, um ihn aufzufordern, für immer dazubleiben. -i- Wochen formten sich zu Monaten, der Winter glitt über in den Frühling. Am Bach blühten die Weidenkätzchen, und aus dem Laub des vergangenen Jahres leuchteten die Schlüsselblumen. Blau und weit ruhte der Himmel über der grünenden Erde. Hans Mergent fuhr mit den beiden Gäulen vom Feld nach Hause. Schon von weitem sah er ein elegantes, rot gestrichenes Auto vor dem Hof stehen. Als er näher kam, stürzte ihm die Magd mit lächelnden. kugelrunden Augen entgegen. Besuch war da! Ein feiner Herr aus Berlin! So wie er war, in Holzschuhen und dem alten Arbettszeug, trat Mergent in die Stube. Ironisch musterte er den beleibten Herrn, der ihn entgeistert ansah. „Ich irre mich doch nicht!" sagte sein Schwager endlich ver- legen.„Mein armer Junge", fügte er in weinerlichem Ton hinzu, „du hättest doch wirklich einmal von dir etwas hören lassen sollen. Lonj hat mir alles erzählt. Sie war damals ganz oerzweifelt, aber man hat eben seine gesellschaftlichen Verpflichtungen, nicht wahr! Das arme Kind, sie hat ja ein so gutes Herz, jeden Morgen lag sie mir in den Ohren. Ich habe es mir ein tüchtiges Stück Geld kosten lassen, bis ich dich schließlich hier aufgetrieben habe, um dich... also was sagst du dazu, wenn ich dich meinen Kompagnon in spe nenne, hä?" Er rieb sich die Hände. Mergent lachte laut auf.„Tausend Donk, aber du mußt dir einen anderen Kompagnon suchen! Ich bleibe hier!" Der Bankier schlug die Hände zusammen.„Aber doch nicht für immer", meinte er entsetzt.„Du bist doch ein gebildeter Mensch, hast Kustur!" Draußen im Hof ertönte Kinderlachen. Mergent trat ans Fenster und blickte hinaus. Ein lichtblauer Himmel. Am Horizont dunkel und schattenhaft Wald. Endlos dehnten sich grünende Felder, fruchtbare Erde, aus der das Getreide zum Licht drängte. Er schloß die Augen, und es schien ihm, als ob die hellen Forben sich verdunkelten. Der Himmel wurde grau und düstsr, die weiten Felder verwandelten sich in Fabrikgelände und Hochhäuser. Auf den engen Straßen stauten sich Menschenströme. Fäuste hämmerten an die geschlossenen Tore der Fabriken:„Gebt Arbeit, Arbeit, wir verhungern!" Aber die Tore blieben geschlossen. Mergent legte seinem Schwager die von der Landarbeit ver- werkt« Hand auf die Schulter, „Fahre du zurück in das, was du Kultur nennst," sagt« er, „und grüße meine Schwester. Ich bleibe hier." Nr. 277* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 15. Juni 19Z2 Lltid jetzt weiter abwärts? Die neue Notverordnung wird nur Kaufkraft zerfiören und neue Arbeitslosigkeit erzeugen. Wirtschaftlich ist die Notverordnung der Papenregierung der größte Unfug, den man sich vorstellen kann. Keine neue Ar- beitslosigteit erzeugen, ist heute oberstes Gesetz. Nach Mög- lichkeit neue Arbeit schaffen, ist oberste Richtlinie der Wirt- schaftspolitik. Dazu dars unter keinen Umständen noch vorhandene Kaufkraft zerstört werden. Sonst geht es wirtschaftlich weiter abwärts. Selbstverständlich muß auch in Krisenzeiten der Staats- Haushalt in Ordnung bleiben. Wie in der Wirtschaft, so müssen auch im Staat Gehälter und Löhne weitergezahlt werden. Reichen die Steuereinnahmen nicht aus, so muß in der Krise in erster Linie das Vermögen und das hohe Einkommen heran- gezogen werden, aus denen in guten Zeiten Kapital gebildet wird. Besteuert man das Arbeitseinkommen, das immer voll ver- braucht wird, stärker, als etwa die Preise sinken, so wird auch Kaus- kraft zerstört und neue Arbeitslosigkeit erzeugt, besonders wenn die Steuern zur Erhaltung der Arbeitslosen dienen. Diesen einfachen, selbstverständlichen Grundsätzen spricht die neue Notverordnung Hohn. 500 Millionen Mark sollen von den bisher Unterstützten oller Arten weniger ausgegeben werden. Dafür gibt es vielleicht 150 000 Arbeitslose mehr, die Landwirtschaft wird noch niedrigere Preise erhalten, noch mehr Fabriken werden zu Schrott. Die zwei Millionen Jnvalidenrentner, die im Durchschnitt 35 Mark, in Worten:„Fünfunddreißig Mark", verzehren dursten, die Ruhegehaltsempfänger der Angestelltenversicherung, die Pen- sionäre der Knappschaft, sollen 15 Proz. im Durchschnitt weniger verzehren. Das wird etwa 50 000 Arbeitern und Angestellten das Brot tosten. Das ist die einfache nackte Bilanz des Unterstützungs- und Pensionsraubes— bei den Elendssätzen kann man die Kürzung nur Raub nennen. Die Bilanz der neuen Steuerpolitik ist nicht besser. Hätte man Vermögens- und Einkommensgrößen heran- gezogen, wobei nur neue Kapitalblldung unterblieben und bestehen- des Barvermögen als Notreseroe verbraucht worden wäre, so wäre die Kaufkraftbasis der industriellen Beschäftigung nicht verringert worden. Aber was geschieht? Die Steuerleistung aus den großen industriellen Betriebsver- mögen s A.-G. in Berlin. Die Gesellschaft hat im letzten Jahr einen Verlust von 2,89 Mill. Mark erlitten und sieht sich zu einer scharfen Sanierung gezwungen Das Stammkapital soll im Verhältnis 3: 1 zusammengelegt werden, also von 4.2 auf 14 Mill. Mark, so daß danach einschließlich der Vorzugsaktien ein Kapital von 2,7 Mill. Mark verbleibt. Mit Hilfe des dadurch ent- standenen Buchgewinnes in Höhe von 2,8 Mill. Mark wird der Jahresverlust abgedeckt. kmlendungrn für Ottfe Rubrik sind Berlin öS 68. Liubenstrab»> parieinachrichien Groß-Berlin stets au das Bezirlsfetretarlat i. bot, i Trevven recht».>u richte» Beginn aller Veranstaltungen IDMj Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 2. Krc't. Die für heute angesetzte Kreisvorstandssitzung fällt wegen der öffent. lichen Kundgebung au«. Weiter« Nachricht erfolgt., 4. und 5. Kreis. Sonntag. IS. Juni, ab 16 Uhr. Sommerfest im Gaalbau Friedrichshain. Doppelkonzert. Bühnenschau usw. Eintritt einschl. Steuer 50 Pf., auch an der Kasse. Eintritt für Erwerbslose und Jugendliche 20 Pf. Vorverkauf bei den Bezirksführern. Alle Anhänger der„Eisernen Front" sind zu diesem Sommerfest herzlich eingeladen. � � � � � 9. Kreis. Für die heute in den Spichern-Salen stattfindende Kundgeoung müssen Kreis, und Abteilungsbanner zur Stelle sein. Alle Parteimitglieder beteiligen sich an dieser Kundgebung.~ � 13. Kreis. Donnerstag. 16. Juni, 14'4 Uhr. im Jugendheim Tempelhof, Ein. gang Giftstrafjc. Erwerbslosenzusammenkunft. Unterhaltungs. und S viel. nachmittag.— Sonntag, 19. Juni, Dampferfahrt nach Kiegenhals. Abfahrt pünktlich 9 Uhr von 5er Schillinabrücke. Fahrkarten hin und zurück im Vorverkauf für Erwachsene 1,10, für Erwerbslose und Kinder 30 Pf. Die Bezirksführer werden gebeten, am Donnerstagabend abzurechnen. 17. Kreis. Der Kreis beteiligt sich heute an der Kundgebung im Caalbau 13. 8reisI�Äni Sonnabend. 18. Sunt, findet eine Sonnenwendfeier in Buch statt. Treffvunkt 21� Ubr vor dem Lokal Göyfert, am Bahnhof Buch. Um rege Beteiligung wird gebeten. 11. Abt. Donnerstag, 16. Juni. Funktionärkonferenz bei Scholz, Levetzowstr. 21. 18. Abt. Die beutiqe Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder fällt zugunsten der Kundgebung aus.. �, 24. Abt. Achtung. Bezirksfübrer? Abrechn"nq der Beitrags, und Maimarken bei den Gruvvenführern bis spätestens Mittwoch. 22. Juni.— Die(bruypen. fübrer werden gebeten, die Billetts zum Kreissommerfest bestimmt am Sonnabend, 16. Juni, beim Abt�ilunaskassierer abzurechnen. 30. Abt. 162. weltliche Schule. Danziger Gtrahe: Donnerstag. 16. Juni, 20 Uhr. Elternversammlung in der Aula...Elternbeiratswahlen und unsere Stellung zur weltlichen Schule", Rekerent Erich Mendicke. 38. Abt. Donnerstag. 16. Juni, Funktivnttrsitzunq bei Lemble. Schreinerstr. 38. 38. Abt. K»ute 18 Ubr Besvrech"ng und Vorlage der Kandidatenliste für die Elternbeiratswabl bei Bartusch. Friedenstr. 88. durch die Bezirksfübrer bzw. Obleute.— Freitag, 17. Juni. 20 Uhr, wichtige Funktionärsitzung bei Bortusch.... 48. Abt. Die Zusammenkunft der iiinaeren Barteimitolieder findet wegen der beutigen Kundgebung erst am Donnerstag. 23. Kuni. statt. 56. Abt. Donnerstag, 16. Juni, 20 Uhr, Funktionärverfammlung bei Lierfch, Kr'nLstr. 62. 57. Abt. Freitag, 17. Kuni, 20 Ubr, bei Dobrmann, Krumme Str. 32, Funk. ti�närsibunq. Abtoilunasv�rstand taat U, Stunde früher. 74. Gi-Vluna Zur b-utia-'n öffentlichen.K"n�gebung in den Svichern- Sälen t�eUen üch die B�rteimitoli-der um 19 Uhr am U'Babnhof Onkel. Toms.�ütte. Unsere näch�e MitoU-'�-'rversamn'l"ng findet erst am Mitt- w�ch, 2°. �"ni. statt. Näb-re Mitteilung ertolat noch. 86. Abt. Die ftir beute anaesebte Abteilungsversammlung fällt au«. Dafür beteiligen sich die Parteimitglieder restlos an der Kundgebung in den Suichern'Sälen. 83. Abt. Die Elternbeiräte und olle interessierten Senallen sind zur heutigen Elternverf'''M'�lung d-r Kinbertreundk um 20 Vb? Lokal �indenburg» bi-mm Ecke R�enKr-b- herzlich eingeladen. Referat. Lichtbilder: Unsere �erienl�oer. Einritt frei. 93. Abt. 10�. nnb 199. Sietzlnnn: Der Zablabend findet am 22. Juni sta�t. Treffpunkt zur heutigen Kundgebung um 181-4 Uhr an der Pump. st�tion. 96. Ah». Fi-eit-g, 17. Juni, wichtige Funktionärsitzung bei Lohann. Wipper. flratze 18—19. 195. at�. Fun'tinn?irsit"'ng Freitag. 17. I"ni bei Katerbau, Sedanstr. 10. Er- sch-tnen aller Funktionäre unbedingt Bflicht. 108». Abt. �onnerst�g. 16. Kuni. 20 Ubr. Mitgliederversammlung in der 6. Ba'se�sch'.zle. V�amannst''ohe.. Zeitsrng-n und K�nsumo-n�ffensch'-tt." 136. Abt. E>ie b-ntige Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder fällt zugunsten d-r öffentlichen Kundgebung aus. 134. Abt. Sonnabend, 18. Juni. 22 Uhr. S�nnenwendfeier. Treffpunkt 211�. Ubr am Babuh"? Buch. Ansprache des E-nossen.�ns Bauer. 139». Abt. Fr-itng. 17. Nuni. 20 Ubr. beteiUoen sich alle Barteimitolieder an der Beransi-ltung F�r�n Schulgemeinde im Schollenkrug, Hermsdorfer Straße. R-'terent Fritz Schmidt. 141. Atvf. Die für heute angesetzte Mitgliederversammlung fällt zugunsten der Kundgebung in ben Bbaru«-S"l-n aus.— Freitag, 17. Juni, bei Hoff- mann. Edelweißstr. 5. Funktionärsitzung. .? rauenvsranfkalfunoen. 5. Kreis. Acute 18H ilhr!?untti>-niirinnensiüunff im rieinen Saal des Saal. baues isrie�richsdain. Jede Abteilung muß vertreten fein. Die Besichtigung Lindenhof füllt aus. «.«reis. Freitag, 17. Sunt, 19% Uhr, FunktionSisinnenfitzung bei Rriig«, Grimmstr. 1..,.„. 7.«reis. Donnerstag, 19. Suni, 20 Uhr, Werbcoeransialtung in Form eines „Bunten Abends" im Türkjs-bcn Zell, Berliner ötr. 53. Rezitationen der Genossin Friede! Sall. Erlo-Kabarett. Mitwirkung der Sportler. Unkosten. beitrug 20 Pf. Gbste willkommen....,. 13.«reis. Die Genossinnen beteiligen sich heute an der«undgcbung In der Neuen Welt. Hasenhcide.— Sonntag, lg. Juni, Dampferfahrt nach Ziegen. hals zum Genossen Mörschel,«arten zum Preise von 1,10 M. sür ur- wachsen-, Erwerbslose und«inder 30 Pf., sind bei den Bczirlsführern zu haben, ftoffeclcdien mit Milch Liter 1 M. Guter Mittagstisck vorhanden. Erwerbslose Familien erholten auf dem D-mpser Bons lllr freies Kafsee. briihen. lKasfee ist mitzubringen.). � 19. Abt. Die Besichtigung der Milchwirtschaftsdctriebe der Stadt Berlin IN Weißensee, Giersstr. 1, findet am Donnerstag. Iii. Juni, 12 Uhr, statt, �.rcff. Punkt 11� Uhr vor der Tiir. Fabrgclegcnheit: Linie 8 bis Lichtenberger Straße, dann Fußweg Bufchallcs bis Girrsstrnsik 133. Abt. Freitag, 17. Suni, 20 Ubr. im Ingen itim Sundsbergstr. 9, Ecke Sxinolaftrnße.„«amvf der Arbeiterilasse um ihre Lebensrechte", Referentin Luis««ühl-r. M. d. L. Arbsiitsgemeinschafl der kinderfreundc Grofz-Berlin. «reiskassiererlonserenz morgen, Donnerstag. 19 Uhr, in der Se. fchäftsstelle. Kreutberg: Heule 18 Uhr Falkenratssißung im Seim Wassertsr. "Iii straße 1. Jede Abteilung muß vertreten sein. 20 Uhr Gruppen. !- Ät">! leitcrssßung im Heim Porckstr. II. Der Kassierer ist bereits um .-— i� uhr hg. Die Programme für unseren Filmabend müssen u». ..dingt abgerechnet werden. Außerdem miissen schon TeilzahliiNgeu für die Sommerlager geleistet werden. Die Abteilungsleiter bringen genaue Unterlagen der zu unterstilßenden Kinder mit. Lichtcrkcldc: Heute 2V Uhr Elteiuaerlamiiilung bei Rohde, Hinbenburgdamm Ecke Roonstraße. Referat»nd Lichtbilder: Unser Semmerlager. Rcilkölln: Vollversammlung der Zeltlagcrtcilnehmer heut», Mittwoch, 17% Uhr, im Heim Ziethensir. 58. Die Genossen, die bei dem Hclferkabarett mit. wirken, treffen ssch heute 20 Uhr in der Baracke. Schöncbcrg: Am Sonnabend. Id. Juni. Krcisfahrt zur Sonnenwende nach dem Päßsr Hinterfee, ffTSB..GeIaiide. Eitern sind eingeladen. Treffpunkt Sonnabend 18% ubr Babnhof Papcstraßc. 29. Kreis. Gruppe Tegel: Mittwoch. 1Z. Juni, 20 Uhr, im Jugendheim Schönebcrger Str. 8, Eltcrnarbcitsgemeinfchaft. Vollzähliges Erscheinen wird erwartet. Sterbetafel der Groß»Berliner Partei»Organisation 24a. Abt. Nach langem schweren Leiden verstarb im 58. Lebensjahre unsere Genossin Helene Köhler, Greifswaldcr Sir. 8VK. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung Donnerstag, 18. Suni, 18 Uhr, im»rematorium Eerichtstraße. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische Arbeitersugend Groß-Verlin Einiendunqen für d:el» Rubrik nur an da« Iugcndl-tretoriat Berlin SW 88 Lindensirnße 2 vorn I Trepve rechts Abteilungsleiter! Sorgt dafür, daß die Karten zum„Rast-- igegen sofortige Bezahlung. Karte 30 Pf.) reibt bald abgcbolt werden, liefert das Inli-Programm ab.(Einseitig beschreiben. Referentenanforderung nicht vergessen!) Boraazeige! Borssgendenlonscrenz Donnerstag, 23. Sunt, tm Bezirksamt Kreuzberg, Porckstr. 11. Nähere Angaben folgen heute, Mittwoch, 20 Uhr. Sclundbrunne», R. F.: Kolonieftr. 8: Still» Stunde— Hnmannplatz: Spielen aus dem„Exer".—«öpeuicker Viertel: Funltionärsißung fällt aus. Wir beteiligen uns an der Kundgebung in der Neuen Welt. Treffpunkt 10 Uhr Noter Treff.— Spanbau: Lindcnufer 1:„Aus großen Kämpfen der deutschen Arbeiterbewegung", l.— Steglitz I: Besuch der Partcimitaliederversommlung.— Adlcrshos: Bismarckflr. 1:„Untere Stellung zu den Nationalsozialisten und Kommunisten".— Bohnsdorf: Wachtelftr. 1:„Staatsformen".— Friedrich». Hage«: Bilbelmstr. 87: Bollstanz.— Kaulsdors: Adolfstr. 25: Auslvracheabcnd. — Lichtenberg-Mitte: Dosseftr. 22: Beteillanng an der Parteikundgebunq Treff. vunkt 19 Uhr Srünberger Platz.— Nen-Lichtcnbcrq: Svortabend.— Lichtenberg. Nord: Gunterstr. 44:„Moderne Erzirhuna".— Madlsdors: Melanchtbonstr. 63:' Fragekastcnabend.— Reinickendorf-West: Seidelstr. 1:„Unser Kampf um Jugendschutz und-recht". Werbebfirl Prenzlauer Berg: Borsitzendenkursus 20 Uhr Sonnenburger Straße 2V. Der Kursus findet trotz der Kundgebungen statt.—„Rate Rotte": Probe bei Goldschmidt, Stolpische Str. 38. Einige Genossinnen und Genossen können noch ausgenommen werden. Werbebciirk Osten: Die Teilnehmer der Stafetten zum 23. Suni(Sonnen. wendfeicr) üben auf dem Svortvlatz Friedrichshain. Keiner darf fehlen. Wcrdebeziri Kreuzberg: W..B..Porstandosizung 19% Uhr Urbanstr. 187. Wcrbcb-zirk Tcmpelhoi: W..B..MitaIiedeiverfammlung 20 Uhr Lgzeum Gütz. straße.„Einheitsfront", Referent Ernst Hoffmann. Wcrbebciirk Nenlölln: W..B..?orstandssitzung 18 Uhr Ganqhofcrstrasie. Wcrbebc»irk Reinickendorf: Lindauer Str. I: W.-B.-V.. Sitzung. Sämtliche Abteilungsleiter und Jugendbeiräte müssen erscheinen. rneaic? Miitwoch, den 15 joni staatsoiier unter cen Linaer 20 Üb, Slzlllanische Vesper Staatl.SdiausDiEltiaul Gendarraenmarkt. 20 Uhr Egmonl Schiller-Theater C�harlortenourc 20 Uhr itasiaiedvon der Liebe 1 nshi Sdil». Bhl. I iu.a'-.Stgs. 2,5,8iaü. E 7 Weidn. 4031 D e FeUermaus rergnupn� Re�aumni lierl ins •, tz.! r* ub'!! L Für laistungsfähigs Firmen u. Händler «ind noch einige Verkoufsttände m d«r am 2. Juli zu eröffnenden, modern ein- gerich'eten, 25l0 qm großen, Ver- kaulsstände fassenden Kaufhalle Wilmersdorf Dotmolder Straße 46 abzugeben Bevorzugt: Wild/ Geflügel Fische Feinkost/ Konserven Konfektion/ Textil Schuhwaren/ Blumen Wirtschaftsartikel Glas/ Porzellan Bazarartikel usw. Die Tagesmarkthalle vertugf über eigenen Auf Jbus-käuter-Zubnngerdienst. Anrns düngen von 9—6 Uhr Detmolder Str. 46 (t Uhr 15 Flora S434 Ceumen ers. Paul Graetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Croccrs usw. ra i.w.vw...i.,..!. HEUTE Mlfi'v/OC.-l JV» GRUNEWALD Amazo.ien-Jagdrennen Clianoncr.bur- Jismarckstraße Mittwoch, 15 Juni Turnus I FideEio Bindeina'el. Tiind. Burgw nkcl Oestal. Gultmann, Tappolet, Anfang 20 Uhr Ende gegen 22,45 U. VoUfsbünne T'ieatai am Bülswolati SV« Uhr Die SvlSeoe Ohr Volkssück von E. S z e p Regle A M. Rabenalt MMw iGeatür Die 8V« Uhi Journalisten Lustsp.oadiGuitavFreyta; von Folh Joadilmuin Musik: Ttieo Macktlnn Regie: Heinz Hilpert Neuauffiihrung! ü»«!ä NIKOLAI EKK Täglich 7. f. 15 7 U. Einheitspr.l.- M Mozartsaal jeder Art liefert preiswert Paul Gotletz vormals Robert Leyrr '�Tariannenstr. 3 F8. Oberbaum 1303 I mm-Ttotpf Täglich 8»,« Uhr ffa�onna wo fetsl Da? Erika v Thellmann Luise Stösel Theo or Loos Josef Wedorn Rose■ Theater 'nie Fnnktirtn Slnh<31 isi. Weiia! E 7 3427 «.30 Uhr Premiere öle eHerne wnSIrs« GanenbUhne 5.3" Uhr Ronzerfn. Variete ZiaeHnerilGhfi Am Sonniaa. dem IL. Juni, ver- schied nach Iliäaiaem schwerem Leiden unsere liebe Schwester Uargätkl« liiedeträn gzb. Sander im 54. Lebcns ahre Dies zeigen tiifbetrildt an Helene lliedhnrn geb. Sander, Alma Wiedermann geb. Eanoer Die Einäschrrung sind« Donner«. tag. den 16. Juni, mittags I: Uhr, im Krematorium Baum chulrnweg. Kieiholzsiraße. stall » sozitz>.or»>oie»risc:t4cs oie�vssioiesonaAn, dringt ateta DAS AKTUELLSTE ZUM WAHLKAMPF Bestelle es noch heute bei der Botenfrau des„Vorwärts", In den Ausgabestellen oder direkt beim Vorwfirts- Verlag GmbH., SW 68, LindenstraBe 3 oder auf dem Postamt(Postaeitungsliste 103Q, Seite 86) Ea kostet monntlich 8»3 Pf. zuzUglich Porto Verla ige vom Verlag Profaenummern und Werbematerial gratis und portofrei Nach kurzem, schwerem Leiden ent- schlief am Momäq. dem 13 Juni. meine tiede Frau, un ere qute Mutter. Schwester, Schwiegermutter. Schwä- gerin und T-.nte lilärZäkikZImzgeiliMiZi im 67. LedenssaHre. In tiefem Schmerz 'die fiialerdliebenen �ibee» Klefllrd Herminn Kieh'.lntz un-l Frau Erna geh Fieblg Ernst Knn-e und Frau Frieda geb. Kießling. Berlin SO-, Forster Str. 18 Die Elnälcherung findet am Freitag, dem 17 Juni.>/,I2 Ubr. im Krema» lorium Baum'chulenweg stalt. lleMei MUilrVeH Vei woltungsslclle Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Paul Kecker geb. 19 Januar 1881 am 18. Juni gestorben ist Die Einäscherung findet om Frei» tag. dem 17 Juni, mittags l2>/, Uhr. im Krematorium Gerichlslraße statt. Am 12 Juni starb unser Kollege. der Schlosser priedr?ch Koch geb 22 November 1888 Die Elnälcherung findet am Freitag dem i? Juni nachmittags 4 Uhr. im Kremaiotium Baumschulenwcg, Kie- holzliraße, statt. Ehre ihrem Andenken! Reg« Beteiligung erwartet £He Orisverwaltnnd, Raaio Am 12. September 1932, 1094 Uhr,'!» wird an Gerichtzstelle. Beriin-Lichter- 1 selbe, Rinqstraße 9,«immer 122. da,�, i im Drundbuche von Berlin.Iehlendorf, R-dioantaaeu Band 120. Blatt Nr. 3528.«ingelragene�g, Nirken on, Grundstück— Acker an der Teichstraße��,,� PJonot». — zwangsweise versteigert werden. l raten, billige Bieter haben auf Beilangen des Gläu. Preise, unvcrbind. bigers in der Regel eine Sicherheit von Porfllhrungen 10 v. H. des Bargebots in bar oder Czslasi Dresdener. Wertpapieren zu leisten. sstraße 99 kein La. Die Nochweisungen über Bezeichnung, den. Televh.: Jan. Lage und Größe ulw. können hier, Zimmer 20. eingesehen werden.— 12. K. 101.32.— Berlin-Lichterfelde, den 19. Mai 1932. Das Amtsgericht. nowitz 043a. | Famrägsr) Pallonräder, fabrikneue. 35,— 45,-, 55,-, 63,- Werner, Adalbert. I lin erncm| Ablturinm, Etnjahrigcs Dlrek. ior DrkFackelmann» Anstalt, Hohen» eollerndamm 198 Technische Privaifchule Bee- lin, Neanderstr, 3. Maschinenbau, Elek- trotechnik, Heizung, Hochbau, Tiefbau,• Sport Reparatur,, Maßschneiderei. Schmidt, Reinlcken» darf, Kamekestr. 19. B-kanntmachung. Der 35. Zlachtrag zur Satzung ist durch jw:""» Kottbusser das Obervcrsicherungsamt Berlin am- 7. Juni 1982 genehmigt worden. Durch diesen Zlachtrag werden die siZ 12, 20, 22, 27, 28, 34a und 109 der Satzung und Z 7 der Wahlordnung ge» ändert und die HZ 23, Zä, 33, Zä und 45a Piä-tner.Kelte der Satzung gestrichen. Die Satzung ist Zpxz�lität Mako. hierdurch den Lefttminungen der Vierten ,e[t.5 Keltbetlcn Verordnung des Herrn Reichsprllsiden. Schlafsäcke' Ma. ten zur Sicherung von Wirtschaft und tcatl Spritzdecken, Z Ftnanz-n vom 8. Dezember 1931(RGBl. I Nors-nninnn