BERLIN Mittwoch 15. Zum 1932 10 Pf. Ttr. 228 B 139 49. �iahraana erscheint tüglich außerEonntag«. Zugleich Adc»d-u«gade de«.Borwaet«' Bijugiveet« sin telde ausgaben 75 Pf. reo Woche. 5,25 M. uro QJfonai (baren»7 Dl. menaUich für Zustellung ins Haut) im eerau» latlbar vestbejug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Pestieituug«. und 72 Pf. Postbesteligebüdreii. Ptilltmeierjeiie 30 Pf. > Tarif. Pvstscheckfonte: r. 37 538.- Der Verla, genedmer auieigen vor' rlin SW W, Lindenste 3 i 7) 292-297 gm Aazisturm aus Mmisterwohnung Münchener Hitlerjugend gegen Ministerpräsidenten Dr. Held Oer Wahlkampf in Hessen Aus den verschiedensten Gegenden des Reichs hausen sich die Nachrichten über nationalsozialistische Ausschreitungen. Man meldet systematische Spren- gungen gegnerischer Versammlungen, Angriffe aus gegnerische Zeitungsgebäude, Fensterstürme gegen Synagogen usw. Einen Höhepunkt auf diesem Weg zum Dritten Reich scheinen aber die Vorgänge darzustellen, die sich gestern i n M ü n ch e n abgespielt haben. Von dort wird uns berichtet: München, t5. Juni<lax bloclickorl. müssen Farbe benennen! Lleberwachungsausschuß und Notverordnung: Der Erlaß der neuen Notverordnung wirft die Frage auf, ob der nach Artikel 35 der Reichsverfassung auch über die Auf- lösung des Reichstags hinaus bestehende Ausschuß zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung llleberwachungsausschuß) berechtigt ist, auf Grund des Artikels 48 erlassene N o t v e r o r d- nungen aufzuheben. Mit dieser Frage hat sich der Ueber- wachungsausschuß bereits am 6. August 1930 beschäftigt. Die Mehr- heit des Ausschusses hat damals einen Antrag Dr. Bell, Dr. Scholz, Dr. von Keudell, Meyer-Berlin, Drewitz, Emminger an- genommen: '.'.�'er Ausschuß erklärt sich zur Behandlung der eingebrachten Anträge, die Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten aufzu- heben oder für verfassungsunwidrig zu erklären, für u n z u- st ä n d l g." Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten angenommen. Sie hatten einen Beschluß des Aus- schusies verlangt, daß die Notverordnung der Reichsverfassung Die Hitter-Barone greisen an! Vlah für die Eozialreakiion' widerspricht. Allerdings wurde dabei anerkannt, daß dem Aus- fchuß nach der Reichsverfassung nicht die Befugnis zusteht, die Auf- Hebung der Verordnungen zu erzwingen, da er lediglich zur Wahrung der Rechte des Reichstags, nicht ober zur Kontrolle der Reichsregierung eingesetzt sei. Wenn also auch der Ueberwachungsausfchuß nicht in der Lage ist, die Plenarversammlung des Reichstags zu vertreten und an ihrer Stelle die Notoerordnungen aufzuheben, so erscheint es doch immerhin zulässig, daß der Ausschuß sich mit der Notverordnung beschäftigt. Ein Antrag auf Einberufung des Ueberwachungsausfchusfes ist von den Kommunisten ge- stellt worden. Vorsitzender des Ausschusses ist der nationalsozia- listische Abgeordnete S t r a ß e r. Die Geschäftsordnung des Reichstags enthält keine Bestimmun- gen, unter welchen Voraussetzungen auch eine Minderheit die Ein- bcrufung des Ausschusses verlangen kann. Für die Einberufung des Aeltestenrats genügt schon das Verlangen von drei Mitgliedern. Diese Bestimmung gilt sinngemäß auch für andere Ausschüsse. Herr Slraßer wird also Farbe bekennen müssen, ob die Nationalsozialisten sich schützend vor Herrn papen und seine Nolverord- nung stellen wollen! Die Sabotage der Abrüstung. Die Rüstungspresse an der Arbeit. Paris, 15. Juni.(Eigenbericht.) Die Genfer Berichterstatter des„Petit Parifien", des„Matin" und de»„Journal" nennen das neue deutsche Abrüstungsmemoran- dum ein Manöver, das die Unterstützung Italiens und Ruß- lands gefunden habe. Der„Matin" meldet dazu:„Gleich zu Be- ginn der Sitzung mußten sich die französische und die englische Delegation davon überzeugen, daß sich ein neuer Dreibund, bestehend aus Deutschland, Italien und Rußland, gegen sie gebildet habe. Da diese drei Regierungen die Absicht zu haben scheinen, sich einer Debatte in der Generalkommission zu entziehen, wäre es vielleicht bequem gewesen, diese Lösung anzunehmen. Das wäre aber nur ein Vorteil von kurzer Dauer gewesen, die ernsten Folgen wären bald zum Vorschein gekommen. Die ganze Abrüstungskonferenz hat sich einige Augenblicke in Gefahr befunden. Es war ein Begräbnis zu befürchten mit jener Aktionsfreiheit als Erbschaft, die die deutsche Delegation offen verlangt. Das Manöver ist vereitelt worden. Die Generaltommission wird ihre öffentlichen Arbeilen sobald wie möglich wieder aufnehmen." Im„Petit Parifien" heißt es:„Obgleich das deutsche Manöver der bisher von den deutschen Delegierten eingenommenen Haltung entspricht und im Grunde genommen nichts Neues bringt, hat es vor allem durch seine Form Erstaunen hervorgerufen. Dieser Antrag N a d o l n y entstellt vollkommen den Sinn der negativen Schlußfolgerungen, zu denen die technischen Kommissionen gelangt sind. Er beruft sich auf die Berichte dieser Kommission und auf die früheren Beschlüsse der Generalkommission, um unter dem Deckmantel der qualitaliven Abrüstung die Verallgemeinerung der Rüslungsbeichrönkungen zu fordern, die durch die Friedensverträge Deutschland und seinen früheren Ver- kündeten auferlegt worden sind. Frankreich konnte einen solchen Vorschlag natürlich(I) nicht ohne sofortige Vorbehalte durchgehen lassen. In einigen kurzen aber sehr deutlichen Sätzen hat H e r r i o t die Kontinuität der französischen Politik in Genf bekräftigt. Niemand hat sich über die Bedeutung dieser Warnung getäuscht, die umso beredter war, als sie jeder sofortigen Diskussion die Tür schloß. Außerdem mutz auch die Erregung betont werden, die das deutsche Manöver bei den Engländern und Amerikanern hervor- gerufen hat, die die Idee der qualitativen Abrüstung unterstützten, ohne daran zu denken, daß sie sich eines Tages gegen die angelsächsischen Interessen wenden könnte. Denn in seinem Vorschlga verlangt Nadolny die Abschaffung aller Linien- schiffe über 10 000 Tonnen, die genau 44 Proz. der amerikanischen Flotte ausmachen und die die amerikaniscken und englischen Dele- gierten stets als u n a n t a st b a r angesehen haben." Rundfunk veredeli. Gregor Straßer, der Gezähmte. Früher einmal galt Gregor Stratzer in seiner Partei als das radikale Rauhbein. Gestern aber hat er sich im Rundfunk als parfümierter Propagandaredner produziert. Man erfuhr aus seinem wohltemperierten Vortrag, daß nicht nur er, sondern die ganze NSDAP, aus lauter Tugenden zusammengesetzt ist, und von Edel- mut trieft.„Mannstum, Ehre, Freiheit, Autorität, Disziplin, Pflicht- gefühl" usw. sind bei ihr und nur bei ihr in jeder gewünschten Quantität vorhanden. Und dann ist sie natürlich ganz besonders„für Deutschland", während die andern bekanntlich gegen Deutschland sind. Sie bejaht einerseits— man denke—„den tiefsten Inhalt der Ar- beilerbewegung", sie verneint jedoch andererseits den Klassenkampf und den Marxismus. Sogar was die Juden betrifft, will sie zwar eine deutsche Führung ohne fremden Einfluß, aber beileibe„k eine Judenhetze".(Wer bloß gestern wieder in Breslau die Syna- gogenfenfter eingeschmissen hat?) Gregor Straßer hat sich gestern über dieses peinliche Thema so taktvoll ausgesprochen, daß man in jüdischen Kreisen aufs angenehmste davon berührt war. Auch für das Kriegführen ist er nicht, er kämpft gegen die Kriegsschuldlüge, die jeden Deutschen ächtet, aber wenn es sein muß, dann geht es eben wieder los mit SchwertgcNirr und Wogenprall. Was schließ- lich das soziale Problem betrifft, so tritt Straßer, wenn wir ihn recht verstehen, für eine gesunde Mischung von Sozialkapitalismus und Kapitalsoziolismus ein. Denn er ist immer so„mittendurch glatt wie'ein Aal"— das nannte man früher freilich nicht national- sozialistisch, sondern national liberal. Was die NSDAP, wirklich will, das hat Gregor Straßer mit keinem Wort verraten. Er tot gut daran! i- In W i e n versuchten Hatenkreuzlerbanden vor dem Funkgebäude Skandal zu machen, weil die Straßcr-Rede nicht übertragen wurde. Polizei trieb die Demonstranten auseinander. Fruchibares Land. Reichssendung„Ostpreußen". Man kann nicht sagen, daß diese Reichssendung„Ostpreußen", die von Königsberg verbreitet wurde, als Musterbeispiel für alle ähnlichen Darbietungen hingestellt zu werden verdiene; es gibt viele Möglichkeiten, ein Land, einen Landesteil im Hörbild anschaulich zu machen, wenn leider auch oft genug an allem vorbeigegangen wird. Königsberg wählte für feine Sendung eine dieser Möglichkeiten: deshalb gelang sie, obwohl nicht alle Einzelheiten gelungen waren. Absicht der Sendung war, das geistige Bild des Landes anzudeuten. Der oftpreußische Mensch erstand vor den Hörern nicht in anekdo- tenhafter, volkstllmelnder Verniedlichung, sondern gleichsam in seinen Urbildern, die seine wesenhaften Züge deutlich machen. Volkslied und Sage woben den Hintergrund, aus dem Geister wie E. T. A. Hoffmann, Herder, Hamann, Kant hervortraten. Menschen voll Phantasie und Geist, erfüllt von dunkel schwelenden Gefühlen und hell leuchtendem Verstand, fähig zur Hingabe, an das Werk, an den, an die Menschen. Lovis Corinth ist Ostpreuß« und Käthe Kollwitz; die Dichter Arno Holz, Walter Heymann, Alfred Brust, Agnes Miegel find Kinder diese» Bodens. Mancher wesentliche Anstoß ging von Ostpreußen aus für die gesamte künstlerische Entwicklung, und nicht nur für diese Fanni Lewald, die für die Frauenbewegung die Feder führte, und Rupp, der Begründer der ersten freireligiösen Gemeinde, wirkten hier. Aus der Begabung zur Treue, zur Liebe, die den schweren ostpreußischen Naturen besonders eigen ist, strömt ihre Kritik, die auch den Freund nicht schont, die auch den Gegner nicht vernichten will. Heimatliebe hat sich selten in einer Reichssendung stärker offen- bart als in dieser. Allerdings führte diese Liebe auch auf einige Irrwege: so, wenn man einfach Namen nannte und die Kenntnis ihrer Bedeutung beim Hörer als selbstverständlich voraussetzte.— Der Verfasser des Manuskriptes war Martin Borrmann. Für die Gesamtleitung und die musikalische Anordnung verdienen Dank E. W. Freihler und Prof. Dr. Müller-Blattau.—!e. Ein politischer Hellseher. Die Hellseherei in die Zukunft, die von den geschäftstüchtigen Gauklern betrieben wird, findet immer noch Gläubige. Würden Sie sich einmal die Mühe geben, einmal festzustellen, was von den früheren Voraussetzungen dieser Frechlinge eingetroffen ist, so wäre ihnen freilich jeder Kredit genommen. Aber wer gibt sich schon die Mühe. Bei Hanusien, der die Vernebelung der Gehirne am besten versteht, ist eine solche Untersuchung bereits einmal vorgenommen worden und siehe: nichts stimmte. Trotzdem orakelt er natürlich ruhig weiter. Der vor zwei Monaten in München gestorbene Kultursorfcher Max Kemmerich, der zwar eine„Geschichte der menschlichen Dummheit" geschrieben hatte, aber sich auch in Gefchichtskonstruk- tionen Prophezeiungen versuchte, hat gleichfalls ein völliges Fiasko in der Voraussicht erlitten. In dem 1921 erschienenen Buche„Die Berechnung der Geschichte und Deutschlands Zukunft" bemühte er sich, die politische Entwicklung in Deutschland vorauszusagen. Nach- dem wir xiunmehr den größten Teil des die Voraussage umfassenden Zeitraums hinter uns haben, dürfte eine kurze Wffzählung der Kemmerichschen Prophezeiungen inteöessieren. Für das Jahr 1922 war das Austreten eines neuen Zaren in Rußland und ein amerikanisch-japanischer Krieg angekündigt. 1923 sollte für Deutschland einen Bürgerkrieg und eine neue Monarchie bringen, 1926 einen deutschen Cromwell oder Napoleon und die Er- richtung einges deutschen Einheitsstaates. Im Jahre 1927 sollten wir die Hinrichtung des 1923 auf den Thron gekommenen Monarchen und 1931 eine neue Blüteperiode Deutschlands erleben. Die Prophc- zciungen reichen bis zum Jahre 1937, in welchem die deutsche Revo- lution beendet sein soll mit dem Ergebnis, daß Deutschland eine Föderatio-Monarchie wird. Aus einem Vergleich mit den tatsächlichen Ereignissen ergibt sich, daß von den bis zum Jahre 1931 reichenden Voraussagen nicht eine eingetroffen ist. Es zeich sich aber auch, daß die politische Ent- Wicklung sich jeglicher Berechnung entzieht. Wir leben in einer poli- tisch stark bewegten Zeit, und die Erinnerung an die Prophezeiungen Kemmerichs sollte Anlaß für jeden sein, auf dem Gebiete der Politik (und ebenso auf allen andern) allen Quacksalbern und Hellsehern jeden Kredit zu versagen. Der neue„Volksftmk", Heft 24, bringt wie immer Betrach- tungen über den Berliner und Deutschlandsender, die einen Durch- schnitt durch das Programm der Woche ergeben. Dem Fußball- spart ist eine Seite mit instruktiven Photos gewidmet, der aus der üblichen Schablone herausfallend« Film„Em« amerikanische Tra- gödie" wird besprochen� eine Bilderreportage über den Rummel und das Leben seiner Artisten gibt interessante Einzelheiten lvieder. Für den Radiobastler enthält das Heft interessante technische An- Weisungen: dem Schachspieler ist ein breiter Raum gewidmet. Die Frauen wird de» Roman„Milada, das Mädchen aus dem Rot- haus" und ein Bildauffatz über Sportbckleidung interessieren. Das Heft kostet im Einzelkauf 25 Pfennig, der Monatsbezug durch die Botenfrau des„Vorwärts" oder durch die Post 96 Pfennig. „Die Liebesparade", einer der charmantesten L u b I t s ch- Tonfilme mit der Musik von V. Schertzinger, wird im Ufa- Palast am Zoo aufs neue vorgeführt. Diese neue„Zähmung der Widerspenstigen" in Form eines Operettenkitsches verleugnet nirgends die geschickte Hand und die hohen artistischen Qualitäten des Regisseurs. Darstellerisch glänzen Maurice Chevalier und Jeanette MacDonald als das fürstliche Liebespaar. Ter rheinische Momitcc Wilhelm Millowitsch gastiert ab Mittwoch mit seinem Ensemble im Titania-Palast als Bühnenschau. Im Tonsilm- Programm:„Ein toller Einsall". Protest gegen die Gozialreaktion. Schluß der Tagung des Werkmeisterverbandes. Die Diskussion stand über dem Eindruck der gewaltigen Kund- gebung am Sonntagmorgen im Rosengarten in Mannheim. Ueber 4000 Werkmeisterkollegen haben daran teilgenommen. Neben lassen- technischen Fragen spielte die Werbearbeit eine wichtige Rolle. Immer wieder wurde schärfster Protest gegen die Pläne der neuen Reichsregierung laut. Ms Ergebnis der Aussprache kristallisierte sich deutlich ein festes unerschütterliches Vertrauen zur Verbandsführung heraus. Im Schlußwort ging der Verbandsvorsigende Buschmann noch einmal sorgfältig die Ausgaben des DWV. in der Krisenzeit durch. Die Notzeit verlangt, daß unser Hauptaugenmerk sich darauf richten muß, wie wir unseren Verband so schlagkräftig wie mög- l i ch erhalten. Buschmann wandte sich dann den sozialpolitischen Problemen zu. Einstimmig wurden zwei eingehende Entschließungen zur Sozialversicherung und Sozialpolitik sowie zum Tarisrecht ge- faßt. In der ersten Entschließung wird betont, daß die Werkmeister keine Wohltat vom Wohltatsstaat fordern, sondern ihr Recht im Rechts st aat. Den Zusatz zu dieser Entschließung, der nach Bekanntwerden des Inhalts der Notverordnung der neuen Regierung bekannt wurde, die sich gegen Notverordnungen erklärt hatte, gaben wir bereits im gestrigen„Abend" an der Spitze des Blattes wieder. Die Entschließung zum Tarifrecht warnt vor jedem Eingriff in das kollektivverlragsrecht und das Schlichtungswesen.„Jeder Ein- griff dagegen ist eine Kampfansage an die Gewerkschaften." Der Verbandsbeitrag wurde dem Gehaltsabbau und der Kurzarbeit der Mitglieder entsprechend auf Vorschlag der Ver- bandsleitung von 6 M. auf 4,50 M. herabgesetzt. Da die I n- validen unter st lltzung in ihrem bisherigen Umfange in der Lirisenzeit nicht ausrechterhallen werden kann, wurden Be- schlüsse gefaßt, die aus dieser Erkenntnis die erforderlichen Konfe- quenzen zogen. Ein Antrag des Verbandsvorstandes, der es ihm ermöglichen soll, bei schnellen Entschlüssen, besonders wenn die Gestaltung der Verbandsfinanzen eine Aenderung des Beitrages und der Leistung erforderlich machen, die Entscheidung auf einem zweckmäßigen und kurzen Wege herbei- zufichren, als das bisher möglich war, wurde mit wenigen Aenderungen angenominen. Im weiteren Verfolg der Verhandlungen wurde der Vor- onschlag genehmigt und die Mitglieder der verschiedenen Ausschüsse wiedergewählt. Als Tagungsort des nächsten Verbandstages wird Düsseldorf bestimmt. 1034 feiert der Deutsche Werkmeister- Verband sein SOjähriges Bestehen. Er wurde 1884 von Düsseldorfer Kollegen aus der Taufe gehoben. Wetter für Berlin: Vorwiegend heiter und am Tage warm mit nordwestlichen Winden.— Für Deutschland: Ueberall beständiges und trockenes Wetter ohne wesentliche Temperaturänderung. Mit Gummiknüppeln und Totschlägern. SA-Horden bei der Arbeit. Frankfurt a. R1., 14. Juni.(Eigenbericht.) In Anspach im Taunus veranstalten die Nazis mit Unterstützung von 300 meist aus Frankfurt a. M. stammenden SA.- und SS.-Leuten eine Kundgebung. Einige Arbeiter, die der Versammlung beiwohnen wollten, wurden von den Nazis mit Schlagringen, Gummiknüppeln und Tot- schlägern bearbeitet. Einer erlitt schwere Kopfverletzungen. Die Kundgebung wurde sogleich nach diesem Zwischenfall verboten. Bei einer Durchsuchung der faschistischen Mordbuben fand man drei Dolche. Es wird vermutet, daß eine ganze Reihe von Hiebwassen vorher beiseite geschasst worden war. Rundfunk am Abend Mittwoch, den 15. Juni 193Z Berlin: 16.03 Stimmungsbilder aus dem Spreewald. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.25 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.30 Zwei Wege für das junge Mädchen(Maria Alte- von Rhoeden). 17.30 Max Jungnickel: eigene Dichtungen. 18.05 Ein Tag in einer Lungenheilstätte(G. Jardio). 18.30 Rechtsfragen des Tages(Geh. Rat Prof. Dr. Bd. Heilfron). 18.33 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Reichsminister Frhr. v. Gayl und Reichsarbeitsminister H. Schaeffer sprechen. 19.40 Ostpreußen(Ob.-Präs. Dr. Siehr). 20.00 Aus Wien; Funkpotpourri. 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.15 Aus Wien: Das schönste Wiener Kind, die beste Jazz- komposition. Königs Wusterhausen: 16.00 Der junge Lehrer (Lehrer K. Higelke). 16.30 Aus Hamburg: Aachmittagskonzert. 17.30 Das unbekannte Frankreich(Ob.-Stud.-Dir. Dr. Ost). 18.00 Das Lochheimer Liederbuch(Dr. W. Wölbing). 18.35 Wetterbericht. 19.20 10 Jahre Allgemeiner Deutscher Be- amtenbung(Min.-Rat a. D. Falkenberg). Sonst; Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„\ orwärts"-Boten oder die-Postanstalten. eBuch Jlnrl Stabeuow: fjrotfe•Deiilfchc Karl Stabe now hat im Avalun-Verlag, Hellerau, unter dem Titel„Große Deutsche" ein« schöne Sammlung von Blldnissen herausgegeben. Das Buch zeigt in ganzseitigen Abbildungen die Köpfe von über hundert Deutschen, die für Geschichte und Kultur von Bedeutung sind. Stabenow hat sich bei der Auswahl der Bilder von einseitigen konfessionellen und politischen Bindungen freigehalten. Neben Heerführern und Staatsmännern begegnet man einer großen Reihe von Wissenschaftlern, Künstlern und Erfindern. Aus der jüngsten Zeit sind Freud, Max Planck, Einstein, Ebert und Hindenburg aufgenommen. Die Bedeutung großer Männer für die Geschichte wird sehr oft überschätzt, und ein falscher Heroenkult ist weit verbreitet: aber auch wer sich nicht zur individualistischen Ge- schichtsauffassung bekennt, wird gern einräumen, daß die Beschäfti- gung mit dem Schassen genialer Menschen etwas Wichtiges und Wertvolles ist. Stabenows Galerie hervorragender Deutscher gibt zu interessanten Vergleichen und Beobachtungen vielfache Anregun- gen. In dem Textteil des Buches werden knappe Mitteilungen über das Werk und die Bedeutung der Dargestellten gemacht. Der Reichskunstwart Edwin Redslob hat dem Buche ein Geleitwort mitgegeben. Der schön ausgestattete Band zeichnet sich durch einen mäßigen Preis aus. Leider werden heute auch 3,85 Mark für die meisten eine unerschwingliche Ausgabe sein. Dr. S. W. VerantworU. für die Redaltion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen! Th. Sloile, Berlin Verlig: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer Le Co.. Berlin SW 66. Lindenstr. 3. Hierzu 1 Beilage. Stsats Theater Mittwoch, den 15. Juni staatsoper unter den Linden 20 Uhr Sizitianfictie Vesper n Staatlidiaespielhaiis Gendarmenmarlrt. 20 Uhr E�rnonf Schiller-Theater Charlotten bürg. 20 Uhr A&sdiled von der Liebe yolKsbUlme lieater am Bülowalatz 8V* Uhr Die Doldene Uhr Volkss'ück von E. S z e p Regie: A. M. Rabenalt Rose■ Theater ircle frankfurter Strafe 13! Iii. Weidisil C! 3422 8.30 Uhr Premlere Die eiserne Inngfran OartenbUhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete Zioeunerllebe Nahe Sdiln. Bhf. 5u.8'-,SH!.2.B.B'5D. E 7 Weidit. 4031 Die F eüermaus. S(äd(.0per Charlottenburg Sismarckstraße 34. Mittwoch, 15. Juni Turnus Iii Fidelio BinderDaeel, frind, Burgwinkel. Destal, Guttmann, Tappolet, Anfang 20 Uhr Ende gegen 22,45 U. LeKinü-Theater Täglich 8Vi Uhr naaonna wo bist Da? Erika v. Thellmann Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn MMil IHM Die fMt Uhr Journalisten Lustsp.ssdiQustav freytag von fei» Joadiimson Musik: Ttieo Mackeben Regie: Heinz Hilpert BETRIEB /AA KEMPIHSKI�J »rT 8 Uhr 15. Flora 5484. Baadisaerl. Panl Graetz. Peter Sachse, Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers nsw. (Befchäfts-Jtnsmer* (Bezirk füden-Wejien Eduard Busse Ca. m.b.H. HerliD N 85, Tegeler Str. 13 n n Fernrai: Wedfllng D 6. 0573 Bauhlempnerei- Dadieindediung Gas-, Wasser-, gesundhellsledinlsdie Anlagen Wüm osienüNeander-Bad Tägl. geöffnet/ Boxhagener Str. 17 Neanderstraße 12 eenoosem Untersielizl Eure eigenen Betriebe! Deckt Euren Bedarf a. Urnen U.Grabdenkmälern nur in d, ttOinmOtThiittd OemeinnOtrig« Q. m. b. 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Was wissen Angestellte? Sie, junger Mann aus der Expedition!— Wisien Sie warum Sie an irgendeinem Montag fristlos entlassen werden? Nielleicht wirft die Pleite die erste» Schatte»? Vielleicht ist dem Chef seine Frau Gemahlin nicht bekomnien? Vielleicht duldet der Chef keine roten Krawatten?— Was geht vor hinter der fremden, gußeisernen Stirn? ??? „— Rrraus!— Auf Sie bin ich rein geschäftlich schon lange scharf!" Macht ist: wenn keiner fragen darf... Was wissen Angestellte? Ueberall Privatdiktatur in billigen Mustern. .... Pschschscht! Herr Diktator Meyer räuspert sich! Und die Bürosoldaten zittern im Dustern.... Was wissen Angestellte? Auch im politischen Geschäft zittern sie heute so. Nicht bloß bei Herrn Meyer im Büro. — Rein! Raus! Rein! Raus! Minister fliegen. Es regnet Entlassungen, Anschnauzer. Slrajen: —„... Das Staatsinteresse gebietet..." Iawoll, Herr Diktator hat schlecht geschlafen. Was geht vor hinter der fremden, gußeisernen Stirn? ??? Raus!— Auf Sie bin ich rein politisch schon lange scharf!" Macht ist: wenn keiner fragen darf... Ein freies Europa?— Man macht immer mehr ein Büro daraus. Mit Millionen von zitternden Angestellten! Die wissen von gar nichts. Die spenden dem Chef verlogenen Applaus. Und fünf Männeken teilen Schicksale aus. Stermann Tempel, W.d.lS.: (fyxücke, nicht Schtankc Qedanken anläßlich einer elsässischen Steise Ein stupider und brutaler Nationalismus verseucht die Seele Europas. Wie Wölfe starren die Völker Europas zähnefletschend einander an und warten daraus, daß irgendwo die Gittertllren der Grenzen aufgerissen werden, damit man sich von neuem an die Gurgel springen kann. Leben wir in einem Jahrhundert der Bestialität? Fast scheint es so. Unser Zug rollt auf Straßburg zu. Ueber dem Rhein wird im Dunst der Turm des Münsters sichtbar. Ein Erlebnis geht mir durch den Kopf. In einem Nest bei Bentheim, nahe der hollän- difchen Grenze, unterhält sich am Stammtisch des einzigen Hotels am Ort die gute Gesellschaft. Würdige ältere Leute, die sich per Herr Regierungsrat und Herr Doktor abwechselnd zuprosten. Man spricht vom Völkerbund. Ein Glatzkopf, goldene Kette über be- häbigem Bauch, liest aus der Zeitung vor. Alles lacht schallend. „Fein haben das die Japse in Schanghai gemacht. Brandbomben, das ist die Sprache, die man sprechen muß. Völkerbund? Diese Schwätzerl Bomben auf Genf! Das wäre das Richtige!" Alles wiehert und trinkt als Anerkennung einen besonders tiefen Schluck. Das Abendblatt, das ich mir erstanden habe, setzt das Thema fort. In Regensburg, so meldet es, wurde ein Knabe überfahren. Man bringt das schwerverletzte Kind in eine Klinik. Als der leitende Arzt, ein Hakenkreuzprofessor, hört, daß der Junge Mandelbaum heißt, weigert er sich, ihn zu behandeln! Er gehöre ja einer anderen Rasse an! Das genügt. Auf dem Wege zum Krankenhaus stirbt das Kind. So etwas kann in Deutschland passieren! Pfarrer haben aus ihrem Weihnachtsevangelium längst das Wort„Friede auf Erden!" gestrichen. Gmynasiasten, die sich zum Pazifismus bekennen, werden wie räudige 5)unde behandelt. Die Generation der Hakenkreuzler sinkt in die Barbarei zurück. Muß das so sein? Sind Menschen zweier Kullure», zweier Rassen nun einmal Feinde von Natur auf, zwischen deren Bluts- gruppen es eine Harmonie nicht geben kann? Das ist die Frage, die mich quält, während der Zug klirrend die Rheinbrllcke überfährt. Am anderen Ufer heißt Straßburg, heißt das Elsaß uns will- kommen. Das erste Wort, das uns von den Bretterwänden einer primitwen Badeanstalt grüßt, ist die Aufschrift„Kam; du Rhin". Es trifft uns wie ein Gertenhieb. Auf dem Bahnhof sind wir in Strasbcmrx. Nicht in Straßburg. Keine deutsche Bezeichnung, wohin immer man sich wendet. Nicht einmal eine Wechselstube. Französische Käppis der Eisen- bahner, Postler und Zöllner. Eine Unmenge Militär. Reklamen Pariser Magazine. Die großen hauptstädtischen Zeitungen werden ausgerufen. Man steht verlasse» da. Aus dem Nordbahnhof in Paris ist es nicht so stockfranzösisch wie hier aus dem Bahnsteig eine halbe Stunde jenseits des Rheins. An der Sperre wende ich mich an den Käppimann, der die Fahrkarten abnimmt.., Kordon, �lonzisur! L'hötel Westminster, s'il vous plAit!" Er sieht mich an und weist mich im besten Deutsch zurecht. Jedermann in Straßburg spricht deutsch, soweit er Ein- heimischer ist. Nicht nur die ältere Generation. Auch die ganze Schuljugend, die aus Volksschulen oder den Gymnasien heraus- strömt. Auch die kleinen Dreikäsehochs, die eben schwätzen können. In den Schulen lernen sie beide Sprachen. Auf den Straßen hört man von ihnen nur das gemütliche Elsässer Dütsch. Diese Stadt hat ein besonderes Schicksal. Schicht um Schicht lagert hier abwechselnd deutsche und französische Tradition, ger- flot Mer(poCcn Eine hCeine Szu&ammen&teiiung/ Ton Tlathan Qurdm In Polen herrschte immer Not. In wenigen Ländern Europas gab es selbst vor dem Kriege ein derartiges Elend wie in den kleinen Städten Polens und in den Arbeitervierteln der Großstädte Lodz. Warschau usw. Aber vor dem Kriege gab es wenigstens das Hinter- land Rußland. Davon lebte halb Polen. Die landwirtschaftlichen Er- Zeugnisse und die industriellen Produkte gingen zum größten Teil nach Rußland. Nach der Gründung der Republik Polen war das Land auf eigene Füße gestellt und fand keinen Abnehmer in der Welt, der Rußland ersetzen konnte. Seit 14 Iahren kämpft Polen gegen die Not, im letzten Jahr ist sie bis zur Unerträglichkeit ge- stiegen. Die Regierung Pilsudskis veröffentlicht zwar Statistiken, in denen es heißt, daß Polen nur 330 000 Arbeitslose habe, aber der Kenner weiß, daß das nur ein winziger Bruchteil der ohne Arbeit lebenden Menschen in Polen ist. Millionen Existenzen sind in Polen erschüttert, Millionen sind brotlos, die keine Arbeitslosenstatistik um- saßt und die somit keine offizielle Unterstützung bekommen! Gäbe es keine privaten Wohlfahrtsorgamsationen, so würden in diesem Teil Europas Tausende des Hungers sterben. Wir kennen die Elends- quartiere der europäischen Großstädte, wir kennen die furchtbare Not der Arbeitslosen in Amerika, aber nur wenige können sich die Lage in den Elendsquartieren der polnischen Städte vorstellen! In den Jndustriebezirken Polens raucht schon seit Monaten kein Schlot mehr, die meist kinderreichen Arbeiterfamilien müssen mit wenigen Zloty in der Woche auskommen. Kürzlich reiste eine ameri- konische Untersuchungskommission durch Polen. Sie stellte fest, daß in den Jndustriebezirken Zehntausende von Menschen nur einmal wöchentlich Mittag essen, obgleich die Produkte sehr billig sind und die Not die Bauern zwingt, z. B. Kühe für 24 Mark zu oerkaufen. Fleisch kann sich eben die große Masse der Bevölkerung nicht leisten. In Weißrußland herrscht unter den Ukrainern eine solche Not, daß ein polnischer Richter sich öffentlich weigerte, Lebensmitteldiebstahl zu bestrafen, da die Menschen gezwungen sind zu stehlen, um nicht zu verhungern. Fünf Minuten von den Luxusstraßen Warschaus, in nächster Nähe der hell beleuchteten Luxushotels, der Regierungs- paläste und der großen Geschäfte, die Warschau den Namen Klein- Paris gegeben haben, herrscht bitterste Not, von der besonders das Judenviertel betroffen ist. Die Handwerker und Kleinhändler haben dort jeden Verdienst verloren. Von der Regierung werden sie nicht als Arbeitslose, sondern noch immer als Steuerzahler behandelt. Es ist ein tägliches Bild, daß Gerichtsvollzieher aus den kleinen Woh- nungen der Elendsquartiere die letzten Möbel, die letzten Bettstellen zur Versteigerung fortbringen. Ausländer, die vom heutigen War- schau mehr als die Hauptstraße Marszalkowska kennen, nennen es nicht mehr Klein-Paris, fondern die„Stadt der Bettler". Die Polizei ist zwar angewiesen, jeden Bettler wegzujagen oder zu verhaften, man kann aber wohl gegen Hunderte vorgehen, jedoch nicht gegen Tausende und Zehntausende, die in Lumpen gekleidet die Straßen Warschaus bevölkern. Die Statistik der jüdischen Gemeinde von Warschau zeigt erschreckend, wie hoch die Zahl der Unterstützungsempfänger ist, und viele, sehr viele müssen abgewiesen werden. Im Arbeiterviertel von Warschau wurden in diesem Winter Nacht für Nacht Menschen erfroren aufgefunden, weil sie im strengen Frost, von Hunger ermottet, auf der Straße hinsanken, um zu sterben. Dazu kommt, daß im Armenviertel von Warschau eine schreckliche Woh- nungsnot herrscht und die Wirte rücksichtslos leden exmittieren, der die Monatsmiete nicht bezahlt. Man findet in jedem Wetter Fa- mitten unter den Weichselbrllcken sitzen oder sich in Hausfluren wärmen. Private Wohlfahrtsorganisationen haben Baracken für diese Armen hinter der Stadt errichten lassen, aber man hat kein Geld mehr, um die Baracken zu heizen. Der Sommer jetzt wird den Frost zwar hinwegnehmen, aber der Hunger bleibt und wird noch stärker. Kinderarbeit gab es immer in Polen, heute gibt es dazu noch Kindcrelend, und gewistenlose Menschen nutzen dieses Elend zu ihrem Borteil aus. Kinder als Arbeiter kosten wenig Geld, und so kann man in Warschau erschöpfte und von Hunger geplagte Kinder bis zu 14 Iahren sehen, die versuchen, als Lastträger wenigstens ein Stückchen Brot zu verdienen. Fast zusammenbrechend schleppen sie auf den schmalen Schultern schwere Kisten, die für einen Mann eine beachtliche Last wären. Daß die Eltern ihre eigenen Kinder zum Betteln in die Stadt schicken, ist kein« Neuigkeit mehr. Kaum ver- schwindet ein Polizist um die Ecke und schon stürzen die kleinen, abgerissenen Gestalten aus den Nebenstraßen und betteln, nicht um Geld, sondern um ein Stückchen Brot. In den anderen Städten Polens ist es nicht anders. Im Winter können die meisten Arbeiterfamilien ihre Kinder nicht zur Schule schicken, weil sie keine Kleidung besitzen. Ein polnischer Sozialdemo- krat sagte einmal, das Militär sollte von seinem vielen schönen Tuch den armen Kindern etwas abgeben. Aber da ging ein Sturm los, denn der Ausländer aus seinem Hotelfenster soll immer schöne saubere Uniformen sehen-, die armen Kinder vom Elendsviertel sieht er ja nicht! Ein ausländischer Wirtschaftsfachmann, ein abgebrühter Amerikaner, der sich sonst nicht sehr rühmen kann, soziales Gefühl zu besitzen, sagte in Amerika in einem Aortrag über Polen:„Glauben Sie mir, ich war eine Stunde im Annenquartier von Warschau, 10 Minuten nur sah ich eine Schule, in der Arbeiterkinder lernten, und keinen Bissen konnte ich in meinem Hotel herunterbringen!" Man sollte den Luxusreisenden mit den dicken Brieftaschen nicht nur die Luxusstraßcn zeigen, sondern auch die Rückansichten der großen Städte, vielleicht würde sich das Weltbild dann doch etwas ändern. manische und gallische Kultur übereinander. Gewalttätig hat 1918 der Triumph der Entente Straßburg in Ltrasbours umgewandelt. Im Selbstbewußtsein des Siegers überzog Frankreich mit dem glänzenden Firnis seiner Lebensform, seiner Sprache das Deutsch- tum dieser Zentrale des Elsaß. Alle Straßenschilder, alle Geschäfts- Inschriften bis hin zu den armseligsten Wäschereien und Küchen der uralten Viertel am Jll sind rein französisch. Nur für die histo- rischen Gassen um das Münster herum hat man doppelsprachige Namen wieder zugelassen, und so geht man immer noch in die Krämergasse und nicht in die rue merciere hinauf, um klopfenden Herzens das liöunder der Münsterfassade anzustaunen, das hier am Ende der engen Straßenzeile bis in die Wolken sich auftürmt. Deutsches Blut pulst durch die Adern dieses alten stolzen Stadt- körpers; ober das Gewand, in das er sich gekleidet hat, ist fran- zösisch. Und doch, bei aller Wesensverschiedenheit, bei aller Dick- köpfigkeit der alemannischen Bauernrasse und allem Selbstgefühl der französischen Verwaltung: man verträgt sich! Man kommt mit- einander aus. Friedlich stehen deutsche Schüler und französische Sol- daten nebeneinander. Vor dem Stadttheatcr warten die Riesen- autobusse des Karlsruher Staatstheaters, das hier vor übervollem Hause das„Weiße Röß'l" spielt, während auf dem Broglieplatz Pariser Offiziere, marokkanische Schützen und Touloner Matrosen auf und ab promenieren. Man beißt sich nicht. Während sich in Deutschland Hftlerjugend und Jungbanner erbitterte Schlachten liefern, leben hier zwei einander blutsfremde Völker wie vernünftige Ehegatten miteinander. Völkerhaß ist eben nicht ein Naturverhäng. nis, sondern eine Kulturentartung. Das Zersetzungsprodukt ! einer geistigen Verkümmerung, das Gegenteil von Volksgesundheit. Wenn allerdings das nationalistische Fieber in Deutschland immer gefährlichere Formen annimmt, so ganz gewiß deshalb, weil der Sumpf der Wirtschaftskatastrophe sein bester Nährboden ist. Man kann in Frankreich, man kann in Straßburg schon gelassener und verbindlicher sein, weil man mehr Arbeit hat. Im Straßen- bild sieht man nirgends die typischen Elendsgestalten der deutschen Erwerbslosen, sieht man keine Bettler, keine bankerotten Läden und darum— keine Hakenkreuze. Im Gegenteil, in den„Neuesten Nachrichten" werden spaltenlang Arbeitskräfte gesucht. Eine Er- scheinung, die uns wie ein Wunder dünkt. Eie öffentliche Versammlung der Sozialdemokratie in einem der größten Säle der Stadt atmet deshalb eine politische Kultur, die, verglichen mit der vergifteten Atmosphäre bei uns, sauber und erfrischend wirkt. Der Redner, zunächst gemütlichste heimische Mundart, dann unvermittelt elegantes und beschwingtes Französisch, berauscht sich und seine Zuhörer an seinen Gedanken- flügen über die Idee der Freiheft und der Humanität. Ich denke an eine Versammlung daheim: Saalschutz, Störungstrupps, geifernde Zwischenrufe, Hunger, Notverordnungen... da spricht sich? nicht ganz so einfach wie hier am Kleberplatz. Das Herz der Stadt ist das Münster. Romanische und gotische Frömmigkeit haben sich in ihm verschmolzen und ihrem Weltgefühl em Bekenntnis in den Weltenraum hineingeformt, dem sich der kleine Mensch da unten in Demut beugt. Erwin von Steinbach, der hier vor mehr als einem halben Jahrtausend tieffte germanische Mystik in Stein und Erz sichtbar machte, hat damit den Charakter dieser Stadt für immer festgelegt: sie gehört der deutschen Seele. Daran vermag auch der Priester nichts zu ändern, dessen französisch« Predigt unter den Gewölben verhallt. Fremd und barbarisch er- glänzt zu seilen des Chors die Statue der Jungfrau von Orleans, deren frischbronzierter Panzer im Licht von Glichbirnengirlanden er- strahlt. Glühbirnenarabesken im Münster zu Straßburg! Frank- reichs Generäle sollten ihren Kunstpatriotismus in ihren Kasinos abladen, nicht in Meister Erwins Dom. Oftelbifche Junker haben unter den Hohenzollern in diesen Straßen hochmütig den Eroberer gespielt. Pariser Offiziere äffen ihnen heute nach. Das Volk von Straßburg lehnt beide ob. Es weiß, daß ihm das Schicksal seiner Geschichte und seiner Lage«ine besondere Mission auferlegt hat: Brück« zu se'in zwischen zwei großen Völkern. fioethe gegen ßapen Ich armer Teufel, Herr Baron, Beneide Sie um Ihren Stand, Um Ihren Platz, so nah am Thron, Und um manch' schön' Stück Ackerland, Um Ihres Vaters festes Schloß, Um seine Wildbahn und Geschoß. Mich armen Teufel, Herr Baron, Beneiden Sie, so wie es scheint, Weil die Natur vom Knaben schon Mit mir es mütterlich gemeint. Ich ward mit leichtem Mut und Kopf Zwar arm, doch nicht ein armer Tropf. Nun dächt' ich, lieber Herr Baron, Wir ließens beide, wie wir sind, Sie blieben des Herrn Vaters Sohn Und ich blieb meiner Mutter Kind. Wir leben ohne Neid und Haß, Begehren nicht des andern Titel, Sie keinen Platz auf dem Parnaß, Und keinen ich in dem Kapitel. l.�us Wilhslm Meisters Lehr- jaire. III. Buch, 9, Kapitel.) Rund um Schmeling-ShaFkey Was die amerikanischen Experten sagen Schluß, daß Sharkey nur halb so gut zu sein braucht wie bei dem Kampf vor zwei Jahren, um Schmeling zu schlagen." Reklame als Orakel. Nur noch eine Woche trennt uns von dem W e l t m e i st e r- s ch a f t s k a m p s zwischen Max Schmeling und Jack S h a r- t e y. Am 21. Juni wird das neue Stadion auf Long Island seiner Bestimmung als Boxarena mit der Weltmeisterschaft übergeben werden. Im amerikanischen Boxsportlager ist der Streit der Mei- nungen um den vermutlichen Ausgang des Treffens heftiger denn je entbrannt. Aber im Gegensatz zum Jahre 1930 nimmt Schmeling diesmal eine ausgesprochene Favoriten- st e l l u n g ein. Der größte Teil der amerikanischen Boxsport- experten hat sich auf Schmeling festgelegt. So sagt Jack Dempsey von ihm:„Unterschätzt Schmeling nicht. Er ist ein großer Kämpfer, ein feiner Kerl und wird auch in dem bevorstehenden Kamps seinem Titel Ehre machen." James I. C o r b e t t, der jetzt Okjährige frühere Weltmeister, der sich den Titel am 17. September 1892 von John L. Sullivan holte, äußerte sich u. a.:„Schmeling, der kälteste und berechnendste Boxer der Zeit, kann durch k. o. gewinnen. Wenn er seine Rechte richtig los läßt. dann ist es vorbei mit Sharkey." Der Spanier Paolini, der eine Zeitlang seine Zelte in Sharkeys Trainingsquartier auf- geschlagen hatte, hat von Schmeling ebenfalls die bessere Meinung und brachte dies auch Sharkey gegenüber zum Ausdruck, mit dem Erfolge, daß es eine erregte Auseinandersetzung gab, die damit endete, daß Paolini sich eine andere Trainingsstätte aussuchte. Es gibt natürlich auch andere Meinungen. Dan Parker, einer der prominentesten amerikanischen Fachjournalisten, sagt zum Beispiel:„Beini letzten Ltampfe sah ich in der ersten Reihe und war den Kämpfern fast so nahe wie der Ringrichter. Es ist mir daher ganz unerklärlich, wie jemand sagen konnte, daß Schmeling gewonnen haben würde. Nach meiner Ansicht hatte Schmeling an dem Abend keine Chance. Ich komme auch heute wieder zu dem Mit etwas Aberglauben ist wohl jeder Sportsmann belastet. Bei den amerikanischen Boxweltmeisterschaften war es bisher immer so, daß die Reklameplakate als Orakel herhalten mußten. Derjenige, der links abgebildet war, war merkwürdigerweise immer der Ber- lierer. Das große Retlameplakat für den Schmeling-Sharkey- Kampf zeigt nun zum Erstaunen aller Schmeling zur Linken und Sharkey zur Rechten, und diese Tatsache hat in die Reihen der Schmeling-Anhänger eine empfindliche Bresche geschlagen. Nach einem Besuch in Schmelings Trainigsquartier war aber alles wieder anderer Meinung— fügt der Reklamechef ein! herabgesetzte Eintrittspreise. Oer Vorverkauf hat sich doch nicht in der erwarteten Weise an- gelassen, und die Madison Square Garden Corporation setzte schleu- nigst die Eintrittspreise herunter. Die billigsten der 86 000 Sitz- Plätze werden statt 3,4ö nur noch 2,50 Dollar kosten. Die renitente Hearsk-Presse. Der Madison Square Garden wollte die Weltmeisterschaft dies- mal für sich allein durchführen, ohne den New-Uorker Milchfonds am Ertrag zu beteiligen, hatte damit aber einen schweren Fehler be- gangen. Auf Betreiben von Frau hearst, der Präsidentin des Milchfonds, schwieg sich die gesamte, recht einflußreiche Hearst-Presse über den Kampf bisher aus. Dem„Garden" blieb also nichts übrig als klein beizugeben. Nun sind die Schreibersleute alle wieder da! Es wird weniger gehupt! Die neue Verordnung über den Kraftfahrzeug- verkehr, die mit ihrer Verkündung im Reichsgesetzblatt am 26. Mai in Kraft trat, bringt auch die Bestimmung, daß Krast- fahrer die hupe nur noch in Tätigkeit setzen dürfen, wenn durch das Kraftfahrzeug andere Wagen oder Fußgänger gefährdet wer- den. Die bloße Möglichkeit einer Gesährdung berechtigt nach der neuen Verordnung nicht zum hupen. Unter Gesährdung ver- steht der Gesetzgeber nicht die Tatsache, daß Automobile und Fuß- gänger gleichzeitig die Straße benutzen. Es hatte sich nämlich bei vielen Automobilisten der Brauch herausgebildet, daß sie von der hupe ganz übermäßig Gebrauch machten, nur um sich freie Fahrt zu sichern. Aus diesem Grunde ist es auch in Zukunft verboten, vor Straßenkreuzungen kräftig zu hupen, um dadurch andere Fahrzeuge, di« etwa aus den Nebenstraßen kommen könnten, aber noch nicht sichtbar sind, zu warnen. Gerade diese Uebung der Kraftfahrer hat unzweifelhaft zu viel Lärm geführt. Besonders zu nächtlicher Stunde, wenn der fast ruhende Straßenverkehr freie Bahn schuf, mochten die Kraftfahrer den Fuß nicht gerne vom Gashebel nehmen: sie betätigten dann die hupe schon lange vor jeder Straßenkreuzung, so daß also in eng- maschigen Straßenkarees ein fortgesetzter hupenlärm entstand. Das muß jetzt aufhören. Von Kreisen, die sich mit der Erziehung von Fuhrwerks- besitzern aller Arten und der Fußgänger befassen, wird der neuen Vorschrift eine große erzieherische Bedeutung beigemessen. Man glaubt, daß die Verkehrsdisziplin außerordentlich gehoben wird, weil das eine Mal die Krastfahrer am übertriebe- nen Gebrauch der hupe gehindert, zum andern di« Fußgänger sich danach richten müssen. Gerade so, wie sich die Krastfahrer auf die Wirksamkeit der hupe verließen, so gaben sich viele Fußgänger nicht die Mühe, beim Ileberschreiten eines Fahrdammes auf den Automobilverkehr gehörig zu achten. Sie verließen sich einfach darauf, daß herannahende Automobile schon zu gegebener Zeit ein Warnungssignal geben würden und daß sie sich dann schon noch würden in Sicherheit bringen können. Nach den neuen Vorschriften ist es auch verboten, Warnungs- zeichen abzugeben, um dem Kraftfahrzeug ein rascheres Vorwärts- •tommen zu ermöglichen. Bei Verkehrsstockungen, besonders an Straßenkreuzungen, haben bisher die Autos oft ein wahres hupen- konzert angestimmt, nur um den Vordermann oder den den Ver- kehr regelnden Polizeibeamten zu veranlassen, möglichst bald die Bahn freizumachen. Wer mit seinem Wagen die Absicht hat, ein vor ihm fahrendes Fuhrwerk zu überholen, darf ein Warnungs- zeichen geben, sofern nach Lage der Verhältnisse das Ueberholen zulässig ist. Aber auch hier muß sich der Kraftfahrer in Zukunft im Signalgeben etwas einschränken, denn es ist nicht gestattet, durch wütendes hupen die vorn fahrenden Fahrzeugführer zu veran- lassen, langsamer zu fahren. In diesem Zusammenhang wird an alle Fahrzeuglenker das Ersuchen gerichtet, stets möglichst dicht an die rechte Seite des Fahrdammes zu halten, dainit schneller Fahren- den da- Ueberholen möglich wird. Es liegt also im Interesse jeden Kraftfahrers, sich beim Ge- brauch der hupe mit den neuen Vorschriften bekanntzumachen und sie zu befolgen. Die anderen Wegebenuher aber müssen sich vor Augen halten, daß durch die Beschränkung der Warnungssignale der Lärm vermindert wird, sie aber andererseits die Verpflichtung haben, auf der Straße aufmerksamer zu sein. Niederlage bei. Mit diesem Sieg belegt der Berliner Pohlfuß den ersten Platz vor Jwanoff, Chiruchin, Krumm und Sa- sorski. Im Schwergewicht belegte der Lette Jaago nach seinem Siege über Poßhofs den ersten Platz. Die Ringkampfe im Sportpalast PohHuf; wirft Iwanoff Gestern wurden im Sportpalast die Schlußkämpfe des B e- rufsringer-Wettstrejts im Mittelgewicht ausgetragen; die ermittelten Sieger haben sich für di« kommenden Weltmeisterschaften die Start- berechtigung erworben. Den ersten Kampf trugen Krumin-Lett- land und Barothy-Ungarn aus. Nach einem wechselvollen Stand- und Bodenkampf kam der temperamentvolle Lette zu einem schönen Erfolg über den Ungarn; ein in der 38. Minute mit ganzer Kraft gefaßter Hüftschwung brachte den Gegner glatt für die Zeit auf die Schultern. Einen pausenlosen Kampf, der alle Phasen der Rmgkunst zeigte, lieferten sich Sasorski und Chiruchin. Mit einer Parade aus einen Ausheber gewann der Russe durch Eindrücken ver Brücke in der 27. Minute den Kampf, und damit den dritten Platz im Wettstreit. Die zum dritten Mal« antretenden Endgegner um den ersten Platz, P o h l f u ß und I w a n o s s, konnten den gebotenen Sport nicht mehr überbieten; beide ergänzten sich an Krast und Gewandtheit. Dieser erbitterte, längste Tournierkampf war lange offen und seine vorzeitige Niederlage verschuldete der Bulgare mit dem unvorsichtigen uno verderblichen„Aufdrehen" selbst. Der starke Berliner, der durch die Schule der Ar- beiter- Athleten ging, sing den trickreichen Jwanoff in der 63. Minute geschickt ab und brachte seinem Gegner die erste Schulter- ver fällige Klamauk Diesmal wieder von den Kommunisten „Arbeitersportler von ihren Plätzen oertrieben— der sozial- demokratische Schneider mobilisiert die Polizei!" Das schreibt die „Rote Fahne" über einen Artikel, in dem sie furchtbar auf den sozialdemokratischen Stadtrat Schneider in Neukölln schimpft, weil er angeblich kommunistische Sportvereine mit polizei- licher Gewalt aus dem Sportpark vertrieben hat. Was ist die Wahrheit? Dem Jugendpflegedezernat sind im Rahmen der allgemeinen Etateinschränkungen sowie in vielen andern Bezirken die Mittel für Saisonarbeiter auf den Sport- Plätzen gestrichen worden. Stadtrat Schneider wandte sich darauf- hin an die Sportverein« aller Richtungen mit der Bitte, gelegentliche leichte Arbeiten auf den Sportplätzen, die die Saisonarbeiter bisher verrichteten, selbst zu machen. Dazu sollte das Ausfegen der Um- kleiderüume, bei starker Hitze das Sprengen des Rasens und ein gelegentliches Walzen der Aschenbahnen gehören, also Arbeiten, die Sportler auf eigenen Plätzen stets selbst machen. Die bundestreuen Arbeitersportvereine erklärten sich sofort bereit, ihre Arbeitslosen für diese Notstandsarbeit, die doch nur der Erhaltung der Benutzungs- fähigkeit der Sportplätze dienen sollte, zur Verfügung zu stellen. Auch die bürgerlichen Sportvereine sagten zu, erklärten aber später, die vom Jugendamt b«i Nichtverrichtung der Arbeiten für den Trainings- tag verlangten 2 Mark zahlen zu wollen. Nur die Kommu- n i st e n weigerten sich, die Notstandsarbeiten zu verrichten und wollten auch die 2 Mark nicht zahlen. Daraufhin wurden sie von der Benutzung der Sportplätze, die für sie wie für all« andern Ber- eine im Bereich des Bezirksamts Neukölln unentgeltlich ist, ausgeschlossen. Gestern erzwangen s i e die Benutzung mit Gewalt, so daß dem Platzoerwalter nichts anderes übrig blieb, als die Sportanlagen durch Polizeibeamt« schützen zu lassen. Stadtrat Schneider war auf dem Sportplatz nicht anwesend. Das der einfache Sachverhalt. Die„Rote Fahne" fabelt davon, daß die ihr gesinnungsverwandten Sportler Entlassungen von städtischen Arbeitern verhüten wollten. Wie das Bezirksamt erklärt, kann von Entlassungen keine Rede sein, sondern nur davon, daß Saisonarbeiter nicht eingestellt werden konnten. Wenn sich die Kam- munisten für die von ihnen verlangte freiwillige gelegentliche Unter- Haltungsarbeit zu schade dünkten, hätten sie durch Zahlung der 2 M. zur Einstellung von Saisonarbeilern beitragen können. Es kam ihnen aber nicht darauf an, den Erwerbslosen zu helfen, sondern Klamauk zu machen. Das haben sie erreicht, und imn konnte die„Rote Fahne" wieder einen Brandartikel gegen Sozialdemokraten schreiben! Sonnenwende der El'Cik. Auf seinem großen, vereinseigenen Gelände bei Groß-Bestsn, der„Pätzer Sonnenheide", seiert der Freikörperkultur- bezirk der Freien Turnerschaft Groß-Berlin am Sonnabend, 18. Juni, seine Sonnenwende. Zu nächtlicher Stunde werden sich die sozialistischen Anhänger der Freikörperkultur- bewegung am flammenden Holzstoß oereinigen, um ihrer tiefen Naturoerbundenheit und ihrem„Willen zum Licht" Ausdruck zu ver- leihen. Die Feuerrede hält der Berliner Bezirksvorsitzende des Frei- denker-Verbandes, Fritz Schmidt. Umrahmt wird die Feier von Mufikoorträgen des verstärkten Orchesters des Bezirks, Rezitationen, Bewegung?- und Sprechchören. Die Singgruppe des Werbebezirks Tiergarten der SAJ. wird Kampflieder zu Gehör bringen. Neben den Freikörperkulwranhängcrn aus dem Lager des Arbeitersports werden an der Feier auch eine ganze Reihe von Gruppen der fozia- listischen Jugendverbände und die Arbeitersportler der nächstliegenden Ortschaften teilnehmen. Um bei der großen Besucherzahl allen Teil- nehmern Quartier verschaffen zu können, bittet die Geländeoerwal- tung um möglichst baldige Anmeldung in der Vereinsgeschäftsstelle, Berlin NO. 18, Lichtenberger Straße 3. Telephon E 3 Kgst. 3656. * Der Bezirk Reinickendorf des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege veranstaltet am 18. Juni seine Sonnenwendfeier auf der Insel Hasselwerder im Tegeler See. Ein reichhaltiges Programm kommt zur Durchführung. Im Wasserballspiel zwischen den Dampfer- brücken spielen Tegel und Hellas, die Paddelboote ziehen Tau; Be- wegungschöre und Tänze vervollständigen das Programm, dessen hauptteil auf der Insel Hasselwerder gezeigt wird. Zugendtreffen in Kalkberge. Der erste Bezirk im ersten Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes veranstaltet sein Bezirks- jugendtreffen am Sonnabend, 18. Juni, in Kalkberge. Ein Fackelzug wird die Veranstaltung eröffnen, Musikdarbietungen der Herzfelder Bundesgenossen, Gesanzsvorträge der örtlichen Arbeiter- gesangvereine, Rezitationen und Sprech- und Bewegungschöre folgen. Den Höhepunkt bildet das Abbrennen eines gewaltigen Sonnenwend- feuers und die Feuerrede des Bezirksjugendleiters Heinz Wagner. Am Sonntag findet dann ein Sportfest statt. Schwerathletik-Kampsabend. Am Freitag, 17. Juni, veranstaltet in der Turnhalle in Lichtenberg, Bürgerheimstraße, die Sportliche Vereinigung Lichtenberg-Friedrichsfelde 04 einen Kampfobend im Ringen gegen die Mannschaft des Sportklubs Tegel. Die erste Heber- Mannschaft der Sportvereinigung(Bundesmeister vom Arbeiter- Athleten-Bund Deutschlands) wird an diesem Abend Rekordversuche machen. Beginn der Kämpfe 20 Uhr. Trabrennen zu Ruhleben. Das Derbymeeftng nimmt Donners- tag, 16. Juni, in Ruhleben seinen Fortgang. Im Mittelpunkt sticht das Morig-Wall-Rennen, eine über die lange Strecke von 2600 Meter führende internationale Prüfung, die ein starkes Feld der besten Pferde an den Start bringt. Beginn der Veranstaltung 16 Uhr. Bcelirea gegangen ist bei dem Kartellsportsest am Sonnabend in Charlotten» bürg ein Portcmonnai. Inhalt ä bis 6 Mark, und ein Trauring L. P. gezeichnet, außerdem eine Fahrradkarte mit alter Adresse, Mindener Str. Z. Der ehrliche Finder wird gebeten, den Trauring abzugeben bei Alex Groth, Charlotten- bürg l, Vismarckstr. 22. Das Geld kann er als Finderlohn behalten. „___(.»inbcrturnaussibußssgung Mittwoch, 15. Juni, ISZ-, Uhr, lkrersge» lchästsstelle. Donnerstag, 16. Juni Sitzung des Technische» Ausschusses um nsh Uhr in der areisgeschästsstelle.— Verwaltungsausschußsitznng ebenda um 20 Uhr.— Spielleitersitzung Mittwoch, 15. Juni, Vereinsgeschästsslelle, Lichten» berqer Str. Z, 20 Uhr. Athletik-Sportklub, Hockcyabteilung. Heute, ab 17>4 Uhr, Training auf dem Sportplatz Laslerstraße. Freie Sportvereinigung Pankow. Donnerstag, 16. Juni, LOZH Uhr, Funk» tionärsttzung bei Lehmann, Mühlenstr. ZS. ZFD. Lichtenberg II sucht zur Pervollständigung der Schiilermannschaft noch einige Spieler. Parteigenossen und Sports, reunde, die gewillt sind, ihre Kinder den Fußballsport zuzuführen, schicken die Kinder Donnerstag, 16. Juni, ab 16 Uhr, nach dem Sportplatz in der Normannenstraße. Segelklnb Zratcrnitas. Sitzung 16. Juni im Clubheim in Köpenick, Wenden» schloßstr. 116—117. Neueintreiende zahlen während der Sommermonate kein Eintrittsgeld. Rätsel- Ecke des„Abend" uiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiimiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiiiiiimiiiiiiiiiuiitiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiimiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiHii Silbenkreuzworiratfel. A a an buch chat di do e en«r sor ju ke ko le Ii li log mi na»a no o on r« ri sa skan sum ti to tu u um vi zi.— W a a g e» recht: 1. Halbinsel im Norden Europas; 6. Halbedelstein: 7. Schiffstagebuch; 8. Glücksgöttin: 10. venezianischLr Maler(1477 bis 1576): 11. �Gestade: 13. Kanlon in der Schweiz: 15. weiblicher Vorname.— Senkrecht: 2. Zwiegespräch; 3. Sichtvermerk auf Pässen: 4. Verständigung mehrerer Parteien; 5. Erholungsanstalt: 8. Heugabel: 9. spanischer männlicher Vorname: 12. Maskenmantel; 14. Baum. sie. Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben oaaaaaaa dddd eee eeeeeee g h ii ll mm nn ooooo rrr rrrrsss tttttt m sind 18 Wörter von je drei Buchstaben zu bilden, deren Anlangsbuchstaben aneinandergereiht ein Sprichwort ergeben. Die Wörter bedeuten: 1. Säugetier; 2. Hausflur; 3. Titel; 4. Teil des Wagens; 5. Papageienart; 6. Ge- wäsier: 7. Zeitabschnitt; 8. Bündnis: 9, Getränk: 10. Fluh in Ruhland: 11. hoherpriefter; 12. Europäische Hauptstadt: 13. �Selten: 14. Fluß in Baden; 15. Sohn Noahs; 16. Handlung: 17. Schwur: 18. Lebensende.-— Kr.— Steigerung Ich bin ein Zeichen; Setz„er" am Schluß,— Schon bin ich ein Künstler. Wer knackt die Nuß.?? Königszug aft. Die richtige Lösung ergibt ein Gedicht von Wilhelm Busch. Auflösungen der letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Buchdruckerkunst; 9. Lehar; 11. Raab: 12. Jkate; 13. Apatin: 14. Eros: 15. Troika: 17. Nordsee; 18. Zosse: 19. Kant: 20. Kowno; 22. Temperament: 29. Mehl, 30. Ena, 31. Reti: 32. Reni; 33. Geibel; 34. Ossa; 35. et; 36. AG: 37. Lille; 39. Reichsoerfassung.— Senkrecht: I.Blitzableiter; 2. Chaos; 3. Drake: 4. Uri; 5. Canna; 6. Ebert: 7. Kiosk; 8. Teltow- kanal; 10. Apis: 16. Rollwagen; 21. Nachnahme: 23. Maggi; 24. Erich: 25. Rebus; 26 Ate; 27. Mille; 28. Tesla; 29. Mia; 32. Rolf: 38. zu. Buchstabenrätsel: 1. Sud; 2. Pol; 3. Ida: 4. Rot; 5. Dan; 6. Lid; 7. Eli; 8. Ria; 9. Man; 10. Arft 11. Ehe; 12, hos; 13. Lob: 14. Elf.— Spindlermühle. Arithmogriph. Schlüsselwörter: Angel, Aehre. Widder. Ute. Sagau.— Spruch: Was lange währt, wird gut.