Morgenausgabe Nr. 279 A 141 49. Jahrgang DSchentltch 78 PI, monatNch 3,28 M, (davon 87 Pf, monatlich für Zuftel- lung ins Hans) im voraus zadldar, Postbezug S,»7M, einschließlich«c> Pf. P- izeitungs- und 72 Pf, Postbestellge- »Uhren, Auslandsabonnemenl 8,88 St Uro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Drucksachenporto«,SS M. Der„Vorwärts� erscheint wochentäg- (ich zweimah Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Sandel mit dem Titel„Der Abend", Illustrierte Eonntagsbeilaa» »Voll und Seit" lr#> H, aSesüwsc VolSsbiatt Donnerstag 16. Zum 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 Pf. Die einlpalt. Mtllimeierzeile 38 Pf, Reklamezsile 2.— M„Ulein, An. zeigen" das fettgedruckte Wort SN Pf (zulässig zwei fetlaedruckteWorlebledes weitere Wort Ist Pf, Rabatt lt Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zweiPßorte, Arbeilsmarlt Millimeter» zeile 25 Pf. 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Bereits gestern erschienen die nationalsozia- listischen Abgeordneten des Landtags in der neuen Hitler- Uniform— den Notverordnungsjacken—, so daß das Plenum des Landtags auf der Rechten eher einer eng- tischen Armeeversammlung glich als einem deutschen Par- lament. Die Oeffentlichkeit hat das größte Interesse, im Zusam- menhang mit dem Wiederauftreten einer neu uniformierten SA. eine Reihe von Fragen geklärt zu sehen. Zunächst: wer bezahlt die Reuunisormierung der SA., deren kosten insgesamt aus niedrig gerechnet 15 Millionen Mark geschäht werden? Die Frage ist angesichts des ungeheu- ren Elends nur zu berechtigt! Weiter: besteht die Absicht, der SA. eine halbstaatliche Stellung zu geben? Sicher ist, daß eingehende Vorbesprechungen der SA.» Leitung mit Reichsbehörden über die künftige Gestaltung der Hitlerschen Privatarmee stattgefunden haben, die bis in die Einzelheiten gegangen sind. Ferner hat Hitler umerm Datum des 14. Juni eine Neuorganisation seines Stabes angeordnet. Man findet in dieser Anordnung nichts über den Stab der SA., wohl aber: Reichsinspektion I, Leiter Oberleutnant Paul Schulz. Der Organisator der söge- nannten„A r b e i t s k o m m a n d o s" von 1923 ist seit�län- gerer Zeit von Hitler als Organisator der„Arbeits- d i e n st p f l i ch t" vorgesehen. Ueber diese Dinge, die von brennendem Interesse sind, hat die„Deutsche Zeitung" vom 13. Juni eine Ver- öfsentlichung vorgenommen, in der sie sich rühmt, daß sie über die Absichten der Reichsstellen genau unterrichtet sei. In dieser außerordentlich sonderbaren Veröffentlichung heißt es: „Aus dem letzteren und aus der Verordnung vom 5, Mai ergibt sich, daß die Führer der SA. zunächst ihre Satzungen dem Reichs- minister zur Prüfung vorzulegen haben. Dabei dürften dann die notwendigen Verabredungen über alle Einzelheiten, insbesondere über die künftige Gliederung und Verwendung der S A. getroffen werden. An die Aufhebung des Uniformverbotes sind schon im voraus alle möglichen Gerüchte über angebliche amtliche Uniformierungspläne für die.SA. und SS. geknüpft worden. Davon kann natürlich keine Rede fein. Die zuständigen Stellen stehen vielmehr auf dem Standpunkt, daß es nach erfolgter Aufhebung des SA.-Verbotes Sache der SA.- Führung fei, die Uniformen zu bestimmen. Es dürste also zunächst die alte SA.- und SS.-Uniform beibehalten werden. Daß der Staat sich im übrigen bei der Lösung der großen völkische» Zukunftsausgaben— wir denken vor allem an die Ar- b e i ts d i e nst p f l ich t— in erster Reihe auf die großen, im Geiste der alte» soldatischen Disziplin ausgebauten nationalen Verbände stützen wird und nicht auf Reichebanner und Rotfront, ist eine Selbstverständlichkeit, mit der sich die Rovemberlinge und die schwarz-roten Massenkampiparteien abfinden müssen. Wenn in den nächsten Tagen die SA. wieder marschiert, beginnt der Wieder- ouibuu Deutschlands aus dein Geiste einer neue,, nationalen D i s z i p l i n" Die SA.-Führung hat inzwischen die Uniform m bestimmt, man konnte sie auf der Modenschau im Landtag besichtigen. Wer sie finanziert, ist eine andere Frage! Was heißt im übrigen Arbeitsdienstpflicht, so wie die SA.-Führung und die„Deutsche Zeitung" es auffaßt? Wir sehen von der Unmöglichkeit und Unsinnigkeit einer Arbeitsdienst Pflicht ab, und stellen nur fest: Arbeitsdienst- Pflicht setzt Allgemeinheit der Verpflichtung voraus. Eine sogenannte Arbeitsdienstpflicht, die, wie die„Deutsche Zeitung" andeutet, ausschließlichderSA. undetwa dem Stahlhelm eine halbstaaUiche oder staatliche Stel- lung gäbe, wäre nichts anderes als die Aufstellung einer faschistischen Miliz. In diesem Fall wäre es ganz klar, daß diese Arbeitsdienstpflicht, wie die„Deutsche Zeitung" sie auffaßt, mit Arbeit so wenig zu tun hat, wie seinerzeit die „Arbeitskommandos" des Oberleutnants Paul Schulz. Man spekuliert in den Kreisen, deren Sprachrohr die „Deutsche Zeitung" ist, auf eine braune Miliz, die als „Arbeiisdienstpslicht" getarnt werden soll. Die unvorsichtige Offenherzigkeit der„Deutschen Zeitung" läßt daran keinen Zweifel! Die Oeffentlichkeit hat ein Recht, zu erfahren, was diese Kreise zu solchen Hoffnungen und Erwartungen berechtigt! Diese Veröffentlichung der„Deutschen Zeitung" ist gefährlich, und die Reichsregierung sollte sich nicht durch sie kompromit- tieren lassen und sollte ihr entgegentreten! Da die Arbeitsdienstpflicht Zukunftsmusik ist, besteht die Möglichkeit, daß die SA. zum freiwilligen Arbeits- d i e n st kommandiert wird. Im freiwilligen Arbeitsdienst ist vorgesehen, daß die Behörden nicht nur für den Unterhalt, sondern auch für die K l e i d u n o der Arbeitsdienstwilligen aufkommen. Wir stellen also die eindeutige Frage: soll seht mit staatlichen Mitteln, die für den freiwilligen Arbeitsdienst ausgeworfen sind, die Privatarmee des Herrn Hitler besoldet und neu eingekleidet werden? Dies würde eine Finanzierung der Nationalsozialistischen Partei und ihrer Propaganda durch den Staat bedeuten! Dreißig Tage nach dem 31. Juli muß der neue Reichstag zusammentreten. Bleiben diese Fragen un- geklärt, so können sie im Reichstag oder in einem Unter- suchungsausschuß in vollster Oeffentlichkeit behandelt und geklärt werden! Die Frist, die sich das Kabinett der Barone mit der Reichstagsauflösung verschafft hat, ist nicht lang! Notverordnung unterschlagen! Die„Angnff"-Leser dürfen sie nicht erfahren. Der„A n g r i s f", das Berliner Organ der Ralionalsozialisten, hat gegenüber den Rolverordnnngen der Regierung Brüning die fettesten Schlagzeilen gebraucht.„Brünings Sozialraub" — so hieß es damals! Als vor einigen Tagen die Pläne der Sozial- reaktion durchzusickern begannen, hieß es im„Angriff" in fetler Balkenüberschrift:„Sanierung der Sozialversiche- r u n g". Und wie heißt es heute über die Rotverordnungen des Kabinetts der Barone? Da gibt es keine Schlagzeile, nichts von Sozialraub, nichts von Protesten: denn das Berliner Organ der Rationalsozialisten vom 15. lluni 19Z2 hat den Inhalt der Rotverordnung des Kabinetts der Barone seinen Lesern glatt unterschlagen! Richt ein einziges Morl über den Inhalt dieser Rotoerordnung! Die SA.-Proteten dürfen nicht erfahren, wie ihre Erwerbslofenunterstühung abgebaut wird. die ZNittelständler nicht, welche schweren Lasten das Kabinett der Barone mit Unterstützung der Rationalfozialisten ihnen auferlegte! Derstcckl aus der zweiten Seite des Blattes ohne fichtbaren Hinweis auf die Rotverordnung sindet man eine kurze Betrachtung unter der Ueberschrist:„Was wir dazu sagen." Was sie dazu sagen ist. daß sie nach wie vor eine abwartende Haltung gegenüber dem Kabinett der Barone einnehmen, und daß sie keinen Anlaß sehen, diese hallung zu ändern. Das ist das Geständnis der Tolerierung dieser Hungerverordnung. wenn sie sich auch den Anschein geben, als ob sie der Form nach ein Rein dazu sagen wollten. Darüber hinaus wird in Aussicht gestellt, daß das Verhältnis der Ratwnolsozialisten zum Kabinett der Barone noch intimer werden könne, wenn das Kabinett den Wünschen der Ralionalsozialisten willfährig sei! Das Berliner Organ der Rationalsozialisten hat damit aus das deutlichste den ungeheuren Volksbetrug der Rationalsozialisten entlarvt. Sie tragen die Verantwortung für diese Hungerverordnung, und sie werden dafür zur Rechenschast gezogen werden? Austakt in Lausanne. Die Prozedur Vereinbari.— Macdonald wird Konferenzpräsident. Lausanne. IS. Juni.(Eigenbericht.) Den Auftakt zur Lausanner Reparations- Konseren; bildete eine Besprechung der Vertreter der sechs einladenden Wächte Deutschland. England, Frankreich, Italien, Belgien und Japan über die Prozedur der feierlichen Eröffnungssitzung am Donnerstag vormittag. Das lakonische Kommunique, das unmittelbar danach der Presse verlesen wurde, teilt nur mit, daß W o t t a (Schweiz) die Begrüßungsrede und der Präsident der Konserenz eine Einleitungsrede halten werden, wie man darüber hinaus erfährt. ha« Wacdvnald aus Vorschlag Herriols angenommen, sich am Donnerstag zum Präsidenten der Konserenz wählen zu lassen. Cr wird in seiner Ansprache die Probleme umreißen, die endgültig das Programm der Beratungen bilden werden. Reben den sechs einladenden Wächten sind aus der Kon- screnz noch zwölf Länder vertreten: Polen, Portugal, Rumänien. Jugoslawien, Ungarn, Australien. Kanada. Bulgarien. Tschechoslowakei, Griechenland, Südafrika und Reuseeland. Daß Oe st er reich nicht eingeladen ist. wird dahin gedeutet, daß die Donausroge nicht zum Beratungsstoff gehöre« werde. Tatsächlich zeigt die vorliegende Liste auch nur Staaten, die noch mit der eigentlichen Reparationssrage allein zu tun haben. Oeutschlanvs Delegierte nicht optimistisch. Lausanne, 15. Juni.(Eigenbericht.) Der Reichskanzler, Außenminister von Neurath und Finanzminister Graf Schwerin von Krosigk legten kurz nach Abschluß der ersten Besprechung zwischen den einladenden Mächten der deutschen Presse die Richtlinien der deutschen Haltung in Lausanne dar. Sie kamen alle drei nicht über ganz allgemeine Sätze hinaus, wobei am interessantesten die Be- merkung des Reichskanzlers war, die jetzige Regierung werde die nationalen Notwendigkeiten mit der gleichen Festigkeit vertreten wie ihre Vorgänger. Demnach scheint von der stärkeren nationalen Haltung der jetzigen Regierung gegenüber dem Kabinett Brüning nach außen hin schon keine Rede mehr zu sein. Reichskanzler von Papen führte sich ein zwar als Neuling auf internationalen Konferenzen, er finde hier aber eine Reihe guter Bekannter aus dem Auslande, die ihm die Verhandlungen sehr erleichtern. Sein Kabinett werde die natio- nalen Notwendigkeiten mit der gleichen Festigkeit vertreten wie seine Vorgänger. Es müsse nicht nur ein Strich unter die Reparationen gezogen werden, sondern man müsse auch verständnisvoll die allgemeine Lag« mit den anderen Staatsmännern besprechen. Es handele sich dabei um eine Lage, die psychologisch keine Vertagun- gen mehr ermögliche, und Deutschland werde daraus drin- gen, eine umfassende Lösung siir die Probleme der Reparationen und der Wirffchast zu finden. Man müsse einen Austrieb schaffen, dafür seien alle Staatsmänner hier, nicht nur für Deutschland, sondern auch für Europa und die ganze Welt. Am Freitag werde die erste Arbeitssitzung der Konferenz sein, in der gleich der Reichs- kanzler den deutschen Standpunkt darlegen werde. Ueber viele Probleme gäbe es in Deutschland Meinungsverschiedenheiten, aber wenn auch die Deutschen durch innerpolitische Dinge und Nüancen sich unterschieden, über die Fragen, die in Lausanne zur Debatte ständen, gäbe es keine Meinungsverschiedenheiten. Reichsaußenmini st er von Reurath versicherte, daß das Kabinett den nationalen Interessen gerecht werde mit seiner Hol- tung in Lausanne. Von Paris her sei in den legten Tagen eine optimistische Auffassung geäußert worden, als wäre es leicht, hier in Lausanne Entscheidungen zu treffen. Er teile diesen Optimismus nicht, und es sei ein großer Fehler, wenn man- erwarte, daß schon in einigen Tagen hier ein greifbares Ergebnis erzielt werden könne. Von der Erkenntnis, daß die Reparationen nicht mehr gezahlt werden könnten, bis zur offiziellen Feststellung dieser Erkenntnis sei eben ein harter Weg. F i n a n z m i n i st e r von Krosigk knüpfte an seine gestern in Berlin der deutschen Press« gegebene Darstellung der finanziellen Sage an. Die Notverordnung solle nicht etwa Eindruck hier in Lausanne auf die fremden Staatsmänner machen, aber sie gebe die beste Illustration zu der Notwendigkeit, dah für Deutsch- land etwas getan werden muffe. Es feien hier doch zwei große Pro» bleme, das der Reparationen und das der Wirtschaft, untrennbar miteinander verbunden. We Konferenzen seien seither zu spät gekommen, um eine wirksame Erleichterung bringen zu können. Ob jetzt noch allein eine Regelung der Reparationsfrage genügen werde, iej sehr zweifelhaft. Deshalb müsse Deutschland bei den Wirtschafte- iragen sämtliche brennenden Probleme auswerfen und zu einer Lösung drängen. Ohne endgültige Regelung der Reparationen sei an eine Gefundung der Wirtschaft nicht zu denken! Aber ohne Lösung der Wirtschastsfrage sei gar kein« allgemeine Erholung der Welt möglich. Er teste die Besorgnis des deutschen Außenministers und habe keine optimistischen Erwartungen. Zwischenfall in Danzig. Llm den unanqemeldelen Desuch eines polnischen Torpedobootzerstörers. In Danzig hat sich gestern ein Zwischenfall ereignet, der schein- bar belanglos• ist, jedoch ernste diplomatische Folgen nach sich ziehen könnte. Eine britische Flottille weilt dort gegenwärtig zu Besuch. Ein polnischer Torpedobootzerstörer ist nun in Danzig eingelaufen, ohne sich bei den Danziger Hafenbchörden vorher anzumelden. Die Danziger Regierung hat dagegen P r o t e st erhoben und das polnisch« Kriegsschiff aufgefordert, den Hasen bis 2 Uhr mittags zu verlassen. Der polnische Kommissar für Danzig, Pape«, dem diese Be- schwerd« durch den Dölkerbundskommissar überreicht wurde, hat darauf geantwortet, daß das polnische Kriegsschiff lediglich erschienen wäre, um die englischen Schiffe zu begrüßen und daß Polen im übrigen die Bestimmungen des Danziger Senats über das Anlaufen des Hafens durch polnische Kriegsschiffe als ein- s e i t i g und daher als für Polen nicht bindend betrachte. Er lehnte es ab, die Forderung, daß das polnische Schiff Danzig bis um 2 Uhr verlassen müsse, überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Die Frag« des Anlaufens des Danziger Hafens durch polnische Kriegsschiffe hat den V ö l k e rb u n d s r a t wiederholt beschäftigt. Für Polen scheint es eine machtpolitische Frage geworden zu sein, sich ein freies Anlaufsrecht zu sichern. Inwieweit die bis- herige vorläufige Regelung vom Völkerbundsrat als bindend de- lrachtet wird, ist nicht recht klar. Polens Haltung zeigt jedensalls, daß man in Warschau das Bestehen einer solchen Regelung ver- neint. Die polnischen Marinebehörden scheinen den englischen Flottenbesuch zum Anlaß genommen zu haben, ihren ablehnenden Standpunkt gegenüber der bisherigen Regelung zu demonstrieren. Schamlose Jiazilüge. Sie suchen ein Alibi/ Dumme Erfindungen über Oito Wels. Der Berliner nationalsozialistische„Angriff" ver- breitet in seiner Nummer 124 vom IS. Juni lS32 eine schamlose Lüge gegen den Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, den Genossen Otto Wels. Der„Angriff" schreibt: „Es liegt uns in diesem Zusammenhange serner beispielsweise erne Aeußerung des Vorsitzenden der SPD., Genossen Wels. vor. die dieser am vergangenen Sonnabend in vertrau- tem Kreise machte. Hierbei rühmte sich Wels einem Profesior Z. und einem Direktor M. gegenüber ganz unmißverständlich, daß die SPD. die Absicht haoe, nach Aufhebung des SA.-Verbotes schwere Schlägereien und Ueberfälle zu provozieren. In deren Verlauf werde die preußische Polizei eine Reihe nationalsozialistischer Führer festsetzen und mit der politi- schen Unterstützung des süddeutschen Zentrums den Versuch machen, daß fürs erste die Reichstagswahl verhindert bzw. hinausgeschoben würde." Wir sind ermächtigt, aus das kategorischste zu erklären, daß diese Mittestung des„Angriff" von A bis Z aus den Fingern gesogen: st. Sie ist nicht nur frech erlogen, sondern auch dum m! Die Sozialdemokratische Partei hat nicht den mindesten Anlaß, die Gelegenheit zur Abrechnung mit dem Kabinelt der Barone und den hinter ihnen stehenden Nationalsozialisten in der Reichstagswahl zu scheuen. D'e Sozialdemokratische Partei hat nicht das mindeste Interesse daran, durch eine Hinausschiedung der Reichslagswahten diesem stockreaktionären Kabinett von Hitlers Gnaden die Möglich- lest zu längerem Leben und zu diktatorischer Machtausübung zu verschaffen. Bor allem aber: die Sozialdemokratische Partei denkt nicht daran, die Gelegenheit zur Abrechnung mit den National- sozialisten in der Rcichstagewahl sich entgehen zu lassest, nachdem die Hungernotverordnung dem Volke gezeigt hat, in welches Elend es mit Hilfe der Nationalsozialisten geführt werden soll. Den nationalsoziali st ischen Heuchlern und Volksbe- trügern wird die Maske vom Gesicht gerissen werden! Die. dreiste Lüge des„Angriff" erweckt eher den Verdacht, daß die Nationalsozialisten angesichts des katastrophalen Eindrucks der von ihnen zu verantwortenden Notverordnung dasselbe planen, was sie der Sozialdemokratie unterstellen und dah sie sich dafür durch Lügen ein Alibi zu verschaffen suchen. Kunkdebüi der papen-�egierung. Schwache Derteidiqunasversuche Um die stürmische Protestbewegung gegen den Unterstützungs- raub möglichst abzubiegen, hat die Regierung der Barone sich eine tägliche Propagadastund« im Rundfunk eingerichtet. Der gestrige Mittwochabend brachte die erste derartige Dariietung. Reichs» innenministsr und stellvertretender Reichskanzler Freiherr von G a y l sprach einleitende Worte, in denen er betonte, daß diese Regierung nicht im Namen einer Partei oder einer parlomentari- fchen Mehrheit spreche, sondern einzig und allein auf dem Vertrauen des Reichspräsidenten beruhe. Dann kün- digte er an, daß er am Freitagabend wieder sprechen werde u. a. über die Milderung der Notverordnung gegen politische Aus- jchreitunaen. Es folgte ein längerer Rechtfertigungsversuch der antisozialen Notverordnung durch den Reichsarbeitsminister S ch ä f s e r. Es war eine trocken-bürokratlsche Vorlesung. LlnsereAntwortaufdasHungerdiktat. Glänzende Kampfkundgebungen de7 Berliner sozialdemokratischen Arbeiierschast Die Berliner sozialdeui akratische Arbeiterschaft hat gestern in vier glänzenden Kundgebungen, ihre erste Ant- wort auf das Hungerdiktat der Regierung der Barone erteilt! Neue Welt: beide Säle überfüllt. Friedrichshain: wegen Ueberfüllung abgesperrt. Taufende auf der Straße! Pharusfäl«: großer und kleiner Saal überfüllt. Spichernsäle: wegen Ueberfüllung Polizeilich ab» gesperrt. Hunderte fanden keinen Einlaß mehr! Begeisterte, kampfesfrohe Stimmung in allen Ver» sammlungen! Tie Berliner sozialdemokratischen Arbeiter nehmen den Kampf gegen die Regierung von Hitlers Gnaden auf. Abrechnung mit der sozialen Reaktion, Abrechnung mit dem Volksbetrug der Nationalsozialisten heißt unsere Kampfparole! Vorwärts zum Angriff auf die Reaktion! Neukölln in Front. Der große Saal der Neuen Welt in der Hasenheide war schon lange vor 20 Uhr überfüllt. Ein zweiter Saal mußte freigege- den werden, um die Anströmenden zu fassen. Von der Bühne mahnten aus rotem Tuche die drei Pfeile der Eisernen Front. Berzeblich wird trotz Gaukelei und Volksbetrug der verbreche» rische Anschlag der Reaktion sein. Das bewies der stürmische Bei- fall, den die Ausführungen Toni Senders fanden, als sie die von Hitler unterstützte Regierung der Gespenster aus der Rumpelkammer geißelte und betonte, daß wir Sozialdemo- traten nicht müde werden, dem Balte die Wahrheit über diese anti- soziale Regierung zu sagen. Als dann Künstler die Perlon Hitlers charakterisierte und betonte, daß feine Tätigkeit der Arbeit des kleinsten sozialdemokratischen Funktionärs in den Betrieben nicht das Wasser reichen könnte, da durchbrauste ein Beifallssturm den Riesensaal. Oer Weddinq marschiert. Dos alte Versammlungslokal der Arbeiterschaft Wed- ding erlebte gestern eine seiner machtvollsten Kundgebungen. Nicht nur, daß beide Pharussäle schon vor Beginn der Versammlung polizeilich abgesperrt werden mußten, harrten noch zahlreich« Be- sucher im Garten bis zum Schluß aus, um sich von den Glück- lichen, die den beiden Reimern, Friedrich Stampfer und Mathilde Wurm, zugehört hatten, berichten zu lassen. Wäh- rend im Freien erregte Diskussionen über die neue Notverordnung und ihre Auswirkungen geführt wurden, standen in den Sälen Mann an Mann, um den Darlegungen der Referenten zu lauschen. Es waren die Proleten des Nordens, die hier versamwest waren, Und Tausende waren wieder gegangen, weit sie keinen Platz mehr gefunden hatten. Die Kampsbegeisteru!� gegen die bestehende Re- gierung und ihren nationalsozialistischen Anhang schwoll an, als Genosse Stampfer die erbitterte Opposition der Sozialdemokratie gegen den Raub aller Arbeiterrechte ansagte. Ein Sturm der Eni- rüstung fegte durch den Saal, als der Referent mütellte, daß im Landtag die kommumstisch-natioiralsozialistische Einheitsfront die Entlassung des Polizeipräsidenten Grzesinski mit einer Mehrheit beschlossen habe. Genossin Wurm schilderte unter allgemeiner Em- pörung die sozialen Drosselungsmahnahmen, die sich besonders für die Frauen katastrophal auswirken müssen. Kamp'begeisterung im Friedrichshain. Der riesige Versammlungsraum des Saalbau Friedrichs- Hain war bereits lange vor Beginn der Versammlung ü'oersüllt. Unaufhörlich strömten neue Masten hinzu, so daß der Saal �8 Uhr polizeilich geschlossen werden mußte. Kurz nach 8 Uhr erfolgte unter den Klängen des sozialistischen Kampfliedes:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit!" der Einmarsch der Banner der Partei und der leuchtend roten Fahnen der Jugend. Hinter dem rot umhangenen Rednerpult grüßte die Inschrift:„Eiserne Front". Als erster Redner sprach, von jubelndem Beifall begrüßt, Ge- nosse Karl Litke. Mit beißendem Spott rechnete Litke mit den sozialreaktionären Mahnahmen der Regierung der„Papenbarone" ab. Großes Gelächter ertönte, als er die Rolle der KPD. in Preu- ßen so charakterisierte, daß sie heute von der Opposition zur Tolerierung gekommen sei. Mann sprach die Genossin Bohm-Schuch begeisternde und anfeuernde Worte besonders zu den Frauen und zur Jugend. Abgehalsterie Kommunisten. Die Spichernsäle waren so überfüllt, daß das Lokal polizeilich geschlossen werden mußte. Di« Referenten Dr. Hamburger und Paula K u r g a ß nagelten die Tatsache fest, daß die Baronsregie- rung in allen Bevöikerungskreisen auf schärfsten Widerstand gestoßen ist, nur be! den Nazis nicht. Zu einem Zwischenfall kam es, als anwesend« Kommunisten Zwischenrufe machten, wer denn die neue Regierung berufen habe. Schlagfertig entgegnete ihnen der Referent unter dem Beifall der Versammlung:„Ohne Kommunisten kein Hindenburg 1825, ohne Kommunisten auch nicht das Ueberhandnehmen der faschistischen Gefahr." In scharfer Anklagerede reißen die Redner der Baronsregie- rung die Maske vom Gesicht. Die erste Lebensäußerung der Herren um von Schleicher sei die letzte Notverordnung und diese ist ein« einzige Kampfanlage an das werktätige Volt. Aber End« Juli sind Reichstagswahlen... l Hitler will nicht zahlen, ver geschäftige Leibanwalt Hitlers Frank II hat gegen die im Abelprozeh über Hitler wegen seiner Zeugnisverweigerung und seines ungebührlichen Benehmens verhängte Ordnungsftrase von 1000 M. Beschwerde eingelegt. DieErschüiierung desRechtsstaats Giraffreiheii für politischen Terror.— Landtagsdebatie um Amnestie. Zur Mittwocbsttzung des Preußischen Landtags, die Präsident Kerrl um 13Z� Uhr eröffnet, sind die Tribünen wiederum stark besetzt. Bevor das Haus in die Erledigung der Tagesordnung eintritt, bringt Abg. Kasper(Komm.) einen Antrag seiner Fraktion ein, der die Stoatsregierung auffordert, die Steuern der neuen Reichs- notoerordnuna und die Kürzung der Beamtengebälter in Preußen nicht durchzuführen. Weiter fordert der Antrag Wegsteuerung aller Einkommen über 12 000 M. und Verwendung der dadurch frei- werdenden Mittel für die Erwerbslosenunterstützung.— Die sofortige Behandlung des Antrages scheitert am Widerspruch der Deutschnationalen. Leere Aqiiationsaniräge. Die Beratungen werden zwecks Vornahme von Abstimmungen unterbrochen. Zunächst wird die namentliche Abstimmung über den Antrag der Kommunisten wiederholt, die in der letzten Sitzung des Landtages zur Beschlußunfähigkeil des Hauses geführt hatte. In dem Antrag wird die Staatsregierung ersucht, auf die Rcichsreaierung einzuwirken, die Zahlungen aus dem Vounq-Plan und die Zins- und Tilgungszahlungen aus der Dawes-Änleihe einzustellen, die Rcichsnotoerordnungcn auszuheben und alle Zölle zu beseitigen. Es werden nur 203 Karten abgegeben. Das Haus ist also wiederum beschlußunfähig. Die Kommunisten stimmten mit Ja, die Notionalsoziolisten gaben Enihaltungskartxn ab, alle übrigen Fraktionen stimmten nicht mit. Präsident Kerrl beraumt auf sofort eine neue Sitzung mit dem Rest der Tagesordnung an. In dieser neuen Sitzung werden die Abstimmungen fortgesetzt. Die kommunistischen Anträge aus Aufhebung des Versomm- lungs- und Demonstrationsverböts in Essen sowie auf Aufhebung des Verbots der Roten Jungfront und des Antifaschistenbundes werden abgelehnt. Es folgt dann die Abstimmung über den kommunistischen Antrag auf Annullierung der Abfindungsverträge mit deck Fiirstenhäusern, insbesondere den Hohenzollern und Landesverweisvnq des ebemaliaen Kronvrinzen und des Primen August Wilhelm von Preußen. Für die Ueberwcisunq des Antrages an den Hauntousschuh stimmen nur Sozialdemokraten und Zentrum. Bei der Abstimmung über den Antrag selbst stimmten nur die Kommu- nisten für den Antrag. Der kommunistische Antrag über ein Verbot des Einletzens der Polizei bei Streiks wird mit den Stimmen der Nationalsozialisten und Kommunisten sowie einiger Sozialdemokraten a n g e- n o m m e n. Gegen die StiiBmen der Sozialdemokraten und der Kommu- nisten wird ein kommunistischer Antrag abgelehnt, die deutsche Ab- orduung auf der Genfer Abrüstungskonferenz anzuweisen, den A b- rüstungsvorschlägen der Sowjetdelegation zuzu- stimmen Dagegen findet mit den Slimm->n der Kommunisten und der Nationalsozialisten der kommunistische Antrag Annahme, die Reichsreglerung zu ersuchen, den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund zu vollziehen, und das preußische Staatsministerium auszusordern, sofort alle Per- sammlungen und Kundgebungen unter freiem Himmel wieder zuzu- lassen. Einheitsfront Nazi— Kozi. In der auf sofort anberaumten neuen Sitzung wird mit 241 Stimmen der Kommunisten und der Nationalsozialisten gegen 152 Stimmen der nationalsozialistische Antrag angenommen, anläh- lich der Vorgänge beim Auszug der Stagerrak-Wache den VerNner Polizei präsidento« GrzestusN sofort zu euklasioa. den Polizeikommandeur H e i m a n n s b e r g vor ein Disziplinargericht zu stellen sowie die schuldigen Offiziere ihres Dienstes zu entheben. Vorher war durch eine Mehrheit aus Kommunisten, Sozialdemokraten und Zentrum die Bestimmung des Antrages, daß auch die schuldigen Mannschaften ihres Dienstes enthoben werden sollten, gestrichen worden. Ueber den nationalsozialistischen Antrag aus Erhebung der Anklage gegen die preußischen Staalsminister, die der Sozialdemokratischen Partei und der Deutscheu Staats- Partei angehören, vor dem Deutschen Staatsgerichtshof wird ebenfalls namentlich ab- gestimmt Für die Annahme des Antrages ist eine Z w e i d r i t t e l- mehrheit erforderlich. Abgegeben werden ober 399 gültige Stimmen, davon 195 für und 204 gegen den Antrag. Die Kommu- nisten stimmten dagegen. Der Antrag ist damit abgelehnt. Die Amnestiedebatte. Es folgt die zweite Beratung des vom Rechtsausschuß be- schlossenen Amnestiegesetzentwurfs, der im wesentlichen aus einen nationalsozialistischen Antrag zurückgeht. Hieraus nimmt Iustizminister Dr. Schmidt das Wort. In erster Linie muß ich. so führt der Minister aus, ein- dringlich warnen vor einer allzu weitgehenden Ausdehnung der Amnestie Die bisherigen Amnestiegesetze des Reichs und Preußens haben bis auf einen besonders gelagerten Fall im Reichstag davon abgesehen, Straffreiheit für die schwersten Verbrechen, wie schwere Körperverletzung, schwere Fälle von Raub und Ber- brechen gegen das Leben zu gewähren. Es handelt sich dabei zumeist um Straftaten, die im Streit der Parteien von Volksgenossen gegen» einander begangen wurden, und die die Oeffentlichkeit aus das ernsteste beunruhigten und immer wieder zu einem dringenden Apell an Polizei und Justiz führten, mit aller Schärfe gegen diese Gewaltakte einzuschreiten. Derartige Straftaten seien für eine Amnestie nicht geeignet. Allein im lausenden Jahre seien mindestens 40 schwere Bluttaten dieser Art zur Kenntnis des Justizministeriums gelangt. Angesichts solcher Zahlen müsse der ernste Zweifel erlaubt sein, ob ausreichende-Gründe dafür beständen, mit dem bisherigen Grundsatz zu brechen, die schwersten Straftoten, besonders die Tötungs- d e l i k t c, aus Amnestiegesetzen herauszunehmen. Die Amnestie- rung so schwerer Straiiaten kann nicht geeignet sein, der Aufrecht- erhaltung der Ruhe, Sicherheit und Ordnung sowie des Ansehens des Slaates zu dienen. Ich kann die ernste Sorge nicht unter- drücken, daß die AmnesHerung der Tötungsdelikie Hemmungen aus schallen muß. die tn einer Zeit, in der die Neigung zur Mißachtung de, Lebens de- politischen Gegners zunimmt, unentbehrlich sind und geradezu einen Anreiz für die Begebung weiterer gleichartiger Straf- taten bilden kann. Insgesamt würden unter das Amnestiegesetz in einer gegenwärtigen Form annähernd 39000 Personen ollen. Unter diesen Verurteilten oder Beschuldigten befinden ich, was ich besonders hervorheben will, 525 Personen, die wegen Mordes oder Totschlag verurteilt sind oder verfolgt werden slebbaftes Hört, hört! im Zentrum und bei den Soz.)..ferner 79 Personell die wegen schwerer Körperver- l e tz u n g, und 15 Personen, die wegen schweren Raubes sich strafbar gemacht haben. Rechnet man diese Zahlen auf, so ergibt Alie Kameraden. Nazilügner in der Zange. 7Iamen, die die RSNAP. beflrsiiet, in amtlichen Listen. Die sozlaldemokralische Araklicn Hai im Preußischen Land- tag den folgenden U r a n l r a g eingebrachi: „Am 26. Mai 1S32 veröffentlichte der„Abend", Spätausgabe des„Vorwärts", unter der Ueberschrist„P ä n t Nazi in Preußen" folgende Namen, die den nationalsozialistischen Kandi- datenlisten zu den preußischen Landtagswahlen vom 24. April 1832 entnommen waren: Adamczyt, Adameck, Czarnowski, Cziruick, Gregorzck, Jobfki, Kilinski, Krarrielißki, Krzizek, Krzizok, Kolisch, Mogunia, Opalka, Paltinat, Polack. Pottack, Potesta, Luella, Rebitzki, Respondek, Robra, Rogansch, Rusiek, Satzki, Slawik, Soika, Soßna, Trzeciak. Wockaß. Woyrsch. Hierzu erlief die- Reichslbitung der Rationalsozialistischen Deut- schon Arbeiterpartei folgende Erllörung: „Es ist unwahr, daß das veröffentlichte Namenverzeichnis der Kandidatenliste der NSDAP, zum Preußischen Landtag ent- nommen ist., Wahr ist, daß die Namen Adameck, Czarnowski, Cziruick, Gregorzk, Jobski, Kilinski, Krzizek, Krzirok, Kalisch, Mogunia, Opalka, Paltinat, Polack, Pottack, Potesta, Quella, Rebitzki, Respondek, Robra, Rogansch, Russek, Satzki, Soika, Soßna, Wokaiz in keiner Liste, der NSDAP, stehen und Träger dieser Namen von der NSDAP, zum Preußischen Landtag nickt aufgestellt sind." Demgegenüber ist festzustellen, daß aus Drucksache Nr. 1 des Preußischen Landtags Seile 43, im amtlichen Verzeichnis der Mitglieder des Preußischen Landtags folgende Mlglieder der Fraktion der NSDAP, verzeichnet sind: Adamczik. Czir- niok, kulisch. Magunia, Opalka, Paltinat. Ferner ist aus den veröffentlichten amtlichen Kandidatenlisten zur Preußenrvahl zu ersehen, daß von der NSDAP, folgslcke Kan- didaten aufgestellt waren, die, soweit nicht bereits gewählt, bei Fortfall von Vordermännern in den Landtag nachrücken können: Adamek(Wahlkreis 18, 2Z. Stelle). Czarnowski(Wahlkreis 11, 7. Stelle), Czirniok(Wahlkreis 6. 2. Stelle), Gregoczek(Wahlkreis 9. 16. Stelle), Jobski(Wahlkreis 6, 14. Stelle), Kilinski(Wahlkreis 26, 19. Stelle), Krzizok(Wahlkreis 2, 27. Stelle), Kalisch(Wahlkreis 7, 6. Stelle). Maguma(Wahlkreis 1, 2. Stelle), Opalka(Wahlkreis 1, 4. Stelle). Paltinat(Wahlkreis 1, 19. Stelle), Polack(Wahlkreis 5, 17. Stelle), Portag(Wahlkreis 8, IS. Stelle), Potesta(Wahlkreis 16, 29. Stelle), Quella(Wohlkreis 22, ö. Stelle). �Rebitzki(Wahlkreis 7, 17. Stelle), Respondek(Wahlkreis s, 24. Stelle), Robra(Wahl- kreis 11. 16. Stelle), Rogansch(Wahlkreis 6. 29. Stelle), Rusiek (Wahlkreis 9, 8. Stelle), Satzki(Wahlkreis 9, 22. Stelle), Soika (Wahlkreis 9. 25. Stelle), Soßna(Wahlkreis 9, 12. S-ellc). Wokotz (Wohlkreis 8. 11. Stelle). Die amtlichen Kandidatenlisten sowie das amtliche Mitglieder- Verzeichnis des Landtags flehen also in unlöslichem Widerspruch zu der Erklärung der ReiS)sleitung der NSDAP., wonach"Tröger dieser Nomen von der NSDAP, niemals als Kandidaten zum Preu- ßlschen Landlog oufgeslelll mordea sind. Wir beantragen deshalb: Der Landtag wolle beschließen: Das Slaalsmlniskerium wird beaufkragl, umgehend festzustellen, auf welche Weise die Träger der vorbezeichuclea Namen aus die Kandidatenliste der NSDAP, gelangt sind, Insbesondere auch, ob bei der Aufstellung der Kandidatenlisten irgendeine Fälschung oder Ver.sälschung oou Namen stattgefunden hat." sich, daß 619 Personen, denen besonders schwere Verbrechen zur Last elegt sind, und bei denen, soweit sie rechtskräftig verurteilt find, ie erkannten Strafen nach den mir zugegangenen Meldungen zum Teil mehrere Jahre Gefängnis oder Zuchthaus von zwei bis zwölf Jahren betragen, unter den Straferlaß fallen würden. Der Minister bittet um Annahme des Zentrums-Antrages, der vorschläat wenig- stens die Verbrechen gegen das Leben und die schweren Körperver- letzungen nicht zu amnestieren. Ob das Gesetz zustandekommt, wann es in Kraft trete, laste sich heute noch nicht absehen. Wenn der Landtag es in dritter Lesung beschließe, dürfe das Staatsministerium es noch nicht gleich ver- künden Dann muffe erst der Staatsrat gehört werden, der das Recht des Einspruchs habe. Erst wenn der Staatsrat von diesem Recht keinen Gebrauch mache, sei der Entwurf Gesetz. Zwischen der Schlußabstimmung im Landtag und dem endgültigen Inkrafttreten lägen hiernach zwei bis drei Wochen Für diesen ganzen Zeitraum wolle aber der Entwurf in der jekigen Fassung Straffreiheit gewähren für alle Straftaten aus politischen Beweggründen, sogar für Verbrechen gegen das Leben. Danach würde also ein Zeitraum geschaffen, in dem aus politischen Beweggründen Verbrechen gegen das Leben begangen werden könnten, ohne daß der Täler eine Bestrafung zu befürchten Hölle, unh er wolle nur darauf hinweisen, daß diese Zeit zusammenfalle mit der Vorbereitung der Reichstagswahl, olso einer Zeit höchster politischer Erregung. Der Minister bittet daher, die Praris aller bisherigen Amnestiegesetze zu beachten und einen Stichtag, z. B. den Tag der Schluhabstimmung im Landtag, einzusetzen. Besonders verfassungsrechtliche Bedenken äußert der Minister dann gegen den im Ausschuß neu eingefügten§ 6a, wonach ein sogenannter Amnestieausschuß vom Landtag eingesetzt werden soll zur Nachprüfung der gerichtlichen Entscheidungen. Dieser Ausschuß solle also eine den ordentlichen ßerichlen übergeordnete Instanz darstellen und die Entscheidungen der ordent- lichen Gerichte nachprüfen und abändern dürfen. Mit den verfastungsrechtlichen Vorschriften, die auch Ausnahme- gerichte sür unstatthaft erklären, sei die Einsetzung eines Landtags- ausschustes der erwähnten Art unvereinbar. Der Minister weist darauf bin, daß auch die Bestimmung ver- fassungsrechtlich nicht haltbar sei, die das S t a a t s m i n i st e- rium oerpflichten wolle, oem Ersuchen des Ausschusses statt- zugeben. Roch Artikel 54 der preußischen Verfassung habe vielmehr das Staatsministerium nach eigenem pslichtmäßigen Ermessen und mit eigener Verantwortlichkeit, die ihm auch der Landtag nicht abnehmen könne, über die Gewährung von Gnadcnerweisen zu entscheiden. Er empfehle daher, diesen Paragraphen ganz zu streichen, evtl. aber jedenfalls ibn im wesentlichen so zu gestalten, wie dies in dem preußischen Gesetz vom 26. Juli 1922 über die Gewährung von Strafsreiheit geschehen sei.(Lebhafter Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Dluhs lRsoz.) erklärt: Die Bedenken des Justizministers gegen die Amnestie sind nicht stichhaltig. Die Staatsautorität kann nicht durch eine Amnestie gefährdet werden, sondern einzig und allein durch die Mängel der Autoritätspersonen.(Sehr richtig! bei Nsoz.) Die Rechtssicherheit ist nach unserer Ansicht heute schon ziemlich restlos beseitigt, und es besteht überhauvt nicht mehr die Möglichkeit, nach dieser Richtung hin durch eine Amnestie noch etwas zu ge- fährden. Auch die Behauptung, daß die Amnestie den Terror fördern werde, ist nicht stichhaltig. Im Gegenteil ist das Vorhanden- sein von Terror lediglich ein Ausfluß der Schwäche der Staats- gemalt. Die Behauptung des Justüministers, daß der beantragte Amnestieausschuß der rechtlichen Grundlage entbehre, ist lediglich eine juristische Spitzfindigkeit, um eine chinausfchiebung des Amnestiegeseües zu erwirken. Wir sind nicht gewillt, durch der- ortige juristische Svitzsindigkeiten unsere CA.-Leute und Parteigenossen länger im Gefängnis schmachten zu lassen. Wir haben des- halb einen'Abänderungsanträg eingebracht, um diesen Einwen- düngen aus dem Wege zu gehen und eine Beschle>in'',ilng des Amnsstiegesetzes herbeizuiührsn. - Darauf niimni das Wort-•.,~ Abg. Kuttner der sich dagegen wendet, daß man Wer ernsthaste rechtliche Bs- denken mit der Bemerkung hinweggehen wolle, auf solche Spitz- findlgkeiten lassen wir uns nicht ein. Der Redner erklärt weiter: Ich bin nicht der Ansicht, daß«s sich be, diesem Gesetz um eine Rechtsfrage handelt. Tatsächlich liegt hier lediglich ein politischer Zweckmäßig keitshandel zwischen extremen Parteien vor, die die gegenwärtige Konjunktur, daß sie gemeinschastlich die Mehrheit haben, ausnutzen wollen(Un- ruh« bei den Nsoz.), um sich gegenseitig für begangene Straftaten Strafsreiheit zu oerschaffen.(Anhaltende Unruhe und Zwischenrufe bei den Nsoz.) Im Ausschuß haben die Nationalsozialisten lein fach- iiches Wort der Begründung für das Amnesliegefetz gesunden, hier im Plenum haben wir von Dr. MuHs gehört, das Anmejtiegesetz sei diktiert von einer höheren Gerechtigkeit.(Sehr richtig! bei den Nsoz.) Vor vierzehn Tagen haben wir an dieser Sielle eine ganz andere Belehrung über den Legriff der höhereu Gerechtigkeit erlebt.(Unruhe bei den Nsoz.) Vor vierzehn Tagen, am 3. Juni, hat nämlich Herr Dr. Freister in einer Polemik gegen das Zentrum gesagt:„Ist das Christentum, daß man jahrelang organisiertes Verbrechen ungeftrmt davon- kommen läßt? Nein!" Freister habe auch gesagt, daß das Ver- brechen in einem Volk nicht Überhandnehmen dürfe. Was ist denn nun eigentlich bei Ihnen höhere Gerechtigkeit? Es scheint sich auch hier zu zeigen, daß Sie(zu den Nsoz.) eine höhere Gerechtigkeit mit doppeltem Boden haben.(Lärm bei den Nsoz.) In Ihrer(zu den lldsoJ.) Presse ver- langen Sie drakonisch« Maßnahmen dann, wenn politische Ver- brechen gegen Ihre Leute begangen werden. So haben Sie jetzt wieder im„Angriss" geichrieben, das deutsch« Volk würde es nicht verstehen, wenn ein Verbrecher wie der kommunistische Redakteur Wollcnberg freigelassen würde. Das deutsche Volk kann das nicht verstehen, ober Sie(zu den Nsoz.) wollen ihn durch dos Amnestie- gesetz jreilasien.(Stürmische minutenlang dauernd« Lärmszenen bei den Nsoz.— Es gelingt dem Vizepräsidenten Witimaack kaum, dem Redner die Fortsetzung seiner Ausführungen zu erinöclichrn.) Als der Redner weiter ausführt, bei dem Amnesticgcsetz wolle jeder von den beiden Befürwortern der Freilassung von 49 999 politischen Verbrechern, nämlich sowohl Nationalsozialisten wie Koiinnunisten, den anderen Teil betrügen, erhebt sich am? neue langanhaltend«? Lärm der den Nsoz. In Wirtlichkeit, so sährt der Redner fori, wollten di« Nationalsozialisten nur ihre Verfahren eingestellt wissen. Die Kommunisten täten nur so, als ob die 49 990 vom Minister genannten poiit'schen Verurteilten lediglich oder überwiegend Kam- munisten seien. In der Tat trefse dies aber nicht zu. vielmehr sollten seht viele Naiionalsozialisten mit befreit werden, die ieilweise bis zu zwAf Zähren Zuchthaus erholten haben. (Rufe bei den Nsoz.: In Ihrem sogenannten Rechtsstaat!) Wir olauien, daß kein Ord-imngsstaat es unbestraft dulden darf, daß Mord, Raub. Schändung von Eotteshäufern und Friedhöfen be- gangen werden(Sehr wahr! bei den SeZh Wir geben den Kam« munisten zu, daß in manchen Fällen politisch« Vergehen aus der Rechten zu milde geahndet wurden.(Lärm bei den Nsoz.) Es ist aber unlooisch. deshalb auch noch die Verurteilten befreien zu wollen, die zu"Recht im Gefängnis sitzen.(Rufe bei den Komm.: Nieder mit der Klassenjustiz!) Dieser Aninestieentwurs verstößt gegen ,edss Gsrecbtigkeiizgefühl. lLarm bei den Nsoz. und Ruke: Unerhört!» Es ist kein Rechtrstandounkt, wem, mau, wie im vor- liegenten Entwurf,«ine jormalc Beleidigung und die Tötung eines Menschen aus die gleiche Stuse stellt.(Aichaltende Unruhe bei den Nsoz.— Vizepräsident Wittmaack ersucht wiederholt um Ruhe und nieini, daß insbesondere der Geschästssührer der nationalsozialistischen Fraktion, Abg. chinkler, sich ruhiger verhalten solle.) Der sogenannte Amncstieausfchuß setze allem die Krone aus. Dieser Aus- schuß solle einfach richterliche Urteile ausheben können: das fei auch in Rechtsbiältern, wie z. B. der„Kölnischen Zeitung", scharf gegeißelt worden. Der Redner ziiieri Ausführungen, die Senatspräsideni Baunibach vor vielen Jahren schon gegen die Am- nestie gemacht habe. Baumbach habe ansgeführl, daß diese Amnestie die Richter tief durchdringen müsse von dem Gefühl der Stnnlosig- keit ihres Tuns. Die SPD. wisic aber, daß die Nationalsozialisten die Amnestie nicht machten, damit die amnestierten Taten abnähmen, sondern damit diese Taten zunähmen.(Lärm bei den Nsoz.) Sic (zu den Nsoz.) wollen ja Amnestie aus diesem Grund« sogar aus Vorschuß geben. Wir Sozialdemokralen würden gern die Hand zu einer Amnestie geben, die dem allgemeinen Frieden dient, Ihre(zu den Nsoz!) Amnestie aber soll nicht dem allgemeinen Frieden dienen, sondern der Legalisierung des Terrors,(händeklalschen bei den So;.:— anhaliendcr Lärm bei den Nsoz.) Es gibt für uns keine Rechtfertigung für die Vernichtung des Lebens des anderen.(Anhaltender Lärm bei den Nsoz.) Wer jetzt den politischen Mord und Totschlag und die Körper- Verlegung straffrei läßt, der nimmt die moralische Verantwortung für alle Opfer auf sich, die noch fallen werden(Starker Beifall bei den Soz., Lochen und Zurufe bei den Nsoz.) Wenn in den nächsten Wochen abermals Dutzende von deutschen Wilburgern ermordet aus den Straßen liegen, dann kann niemand, der diese Amnestie beschlossen hol, beiseite treten und jagen: Ich bin unschuldig an diesem Blut! Wir Sozialdemokraten sind der Ansicht, daß iveit wichtiger eine Amnestie für diejenigen Personen wäre, die sonst unbescholten und anständig au? wirtschaftlicher Notstraffälli g' geworden sind.-Diese Menschen haben mehr Anspruch aus unser Mitleid.alz ein gewisses politisches Schlögertum. das sich auf den Straßen breit macht. Wenn ich Herrn M u h s richtig oerstanden habe, so hat er jetzt plötzlich von dieser Stelle aus für eins Notamnestie plädiert. Ich muß feststellen, daß im Bech'sausschnß die Nationalsozialisten in beiden Lesungen gegen unseren sozialdemokralischen Antrag gestimmt haben, der die Noldelikle begnadigen will.(Stürmisches hört! hört! links.) Herr Muhs hat setzt einen Antrag verlesen, den die Rational- soziallsten einbringen wollen. Als ich diesen Antrag hörte, habe ich mich gefragt, ob die Herren denn auch schon den Diebstahl g e> st i g e n Eigentums in die Amnestie einbeziehen wollen. (Große hsiterkeir.) Denn der von Herrn Muhs verlesene national- sozialistische Autrag war Wort für W o r k unser sozialdemokratischer Antrag.(Stürmische Heiterkeit und Unruhe.) Es ist allerdings verständlich, warum die Nationalsozialisten auf eine Notamnestie keinen besonderen Wert mehr legen. Die Not der Bevölkerung war für sie ein gutes Agatationsmatsrial— bis vorgestern! Seitdem aber die von den Nationalsozialisten tolerierte Legierung von Papen(Stürmische Zurufe bei den Nsoz.) die Not- Verordnung erlassen hat. seitdem hat die Not der Bevölkerung aufgehört, ein Agitatiousmittel sür sie zu sein.(Stürmischer Beifall bei den Soz., anhaltende Zurufe bei den Nsoz.— Zurufe bei den Soz.: Herr Präsident, hören Sie das nicht?) Kuttner sortfahrend: Meine Herren Frcaktionskollegen, ick» lehne es ab, mich unter den Schutz des jetzt amtierenden Prä- fidenten zu stellen.(Bravo!) Unsere Stellung zirm Gesetz ist folgende: Wenn wir auch dos Gesetz aus den erläuterten Gründen ablehnen, so werden wir doch die Anträge annehmen, die etwaige Verbesserungen des Gesetzes bedeuten. Wir sind allerdings der Ansicht, daß die vorliegenden Antröge, selbst wenn sie restlos an- genommen werden sollten, auch nicht ausreichen würden, um dem Gefetz feinen r u h e; e r st ö r c n d e n Charakter zu nehmen. Dieies Gesetz sollte nämlich jiicht„Gesetz zur Gewährung von Strif- freiheit" heißen, sondern„Schutzgesetz sür den politischen Terror".(Stürmischer Beifall und Händeklatschen bei den Soz., anhaltende Unruhe rechts.) Ganz gleich, wie dieses Gesetz ausfällt— ein Schutz- gesetz für den politischen Terror lehnen wir ab, ein Schutzgesetz, zu dem das Verhalten der Nationalsozialisten hier die richtige Unterstreichung bildet. Ob dieses Gesetz zu« Schutze des politischen Terrors angenommen wird oder nicht— wir Sozialdemokraten und die Eiserne Front werden uns nicht dem Terror beugen. Wenn eine Parlamentsmajorität der friedliebenden Bevölkerung den Schutz gegen Terror nimmt, daun ist diese Bevölke- rung berechtigt und verpflichtet, sich selbst zu schützen. In diesem Sinne werden wir handeln. Freiheit!(Stür- Mischer Beifall und Händeklatschen bei den Soz., an- dauernde Unruhe und Jurufe bei den Nsoz. Tie sozial» demokratische Fraktion erhebt sich wie ein Niann und stimmt in den Freiheitsruf ein.) Die Sitzung wird auf Donnerstag, 11 Uhr, vertagt. Gchaffers Bekenntnisse. Die Gewerkschaften beim �eichsarbeitsminister. Der neue Reichsarbeitsminister S ch ä f f e r hat die Spitzenver- bände der Gewerkschaften aller Richtungen zu einer Besprechung am Mittwoch eingeladen. Außer dem Minister wohnten Staatssekretär Grieser sowie die Ministerialdirektoren Sitzler und Wei- gert der Sitzung bei. Der Reichsarbeitsminister betonte einleitend sein Bedürsnis zur sofortigen und dauernden Fühlungnahme mit den Gewerkschaften. Er könne heute noch kein in die Einzelheiten gehendes Programni vorlegen, möchte jedoch die Wünsche der Gewerkschaslen entgegen- nehmen. Er stellte sich grundsätzlich auf den Boden des gelten- oen Arbeitsrechts, das die Anerkennung der Gewerkschaften und deren gleichberechtigte Mitwirkung in sich schließt. Das Tarif- recht und das Schlichtungswesen sollen erhalten bleiben, doch müsse der Staat die Lohnregelung mehr als bis- her den beteiligten Arbeitgebern und Arbeitnehmern überlassen; die staatliche Zwangsregelung der Löhne und GeHölter könne nur in Ausnahmefällen erfolgen. Die soziale Lage der Arbeiter und Angestellten solle erhalten werden, doch seien die Grenzen durch die allgemeine Wirtschaftslage eng gezogen.'Er halte einen nochmaligen Lohnabbau nicht für tragbar, und es müsse bei Meinungsverschiedenheiten geprüft werden, ob durch weitere Opfer der Lohn- und Gehaltsempfänger die Vermehrung der Arbeitslosigkeil verhindert werden könne. Die Verkürzung der Arbeitszeit solle durch baritä- tische Kommissionen bezirklich behandelt werden. Um die Arbeitslosenunterstützung sicherzustellen, sei die Kürzung der Sätze notwendig('?!) geworden. Der Grundsag oer Versicherung sei erhalten geblieben.(Widerspruch.) Der freiwillige Ar- b e i t s d i e n st für die Jugendlichen soll ausgebaut werden. Zur Sanierung der Invalidenversicherung sei die Kürzung der Renten notwendig geworden. An der Deckung des Fehlbetrags in der Knappschaft habe sich das Reich trotz seiner Finanz- schwierigkeilen beteiligt. Der Minister besprach dann die Kürzung in der A n g e st e l l t e n- und Unfallversicherung und die Gesamthaftung aller Versicherungsträger, wie sie in der Rotver- ordnung vorgesehen ist. Die Gerüchte über eine Zerschlagung des Reichsarbeitsministeriums feien unbegründet. Leiparl(ADGB.) führte aus, daß die Sozialpolitik im Augen-\ blick notwendiger denn je geworden sei. Die Erklärung des Reichs- kabinetts, daß der Staat keine Wohlfahrtsanstalt sein dürfe, werde als eine Herausforderung der Arbeite» und Angestellten empfunden. Das Versicherungsprinzip sei durch die Notoerordnung aufs schwerste erschüttert worden. Diese Notverordnung habe m i t sozialer Gerechtigkeit nicht mehr das mindeste zu tun. Leipart fragte, ob etwa bei den Andeulungen weiteren Lohnabbaues die gedrückten Löhne der Bauarbeiter noch weiter gesenkt werden sollen. Die Einrichtung paritätischer Kommissionen zur Herbeiführung der Vierzigstundenwoche könne kaum ernst genommen werden. Rur die generelle gesetzliche E'inführung der Vierzig- stundenwoche kann die Möglichkeit von vleueinstellun- gen eröffnen. Der Ernst der Lage werde auch von den Gewerkschaften durchaus gesehen. Die in der Notverordnung enthaltenen Maßnahmen mllß- ten jedoch die Lage noch weiter verschlimmern; die freien Gewerkschaften lehnten jede Verantwortung für die Folgen ab, die sich aus dieser Notoerordnung ergeben müssen tiegerwald(Ehrist!. Gewerkjch.): Di« Notverordnung sei eine einseitige Benachteiligung der Arbeitnehmer. Man vermisse konkrete Pläne des Reichsarbeitsministeriums für die Lohnpolitik. Die ausnahmsweise Anwendung der Verbindlichkeitserklärung lasse befürchten, daß die neue Regierung nur daitn eingreifen werde, wenn es im Interesse der U n t e r n e h-> m c r liegt. Aufhäuser(AfA-Bund) erklärt, daß die Anerkennung der! Gewerkschaften nicht darin bestehen könne, sie n a ch dem Erlaß solch unerhörter Notverordnungen nachträglich zu hstren. Der Sozialabba« in oer neuen Notverordnung hat alle Grenzen des Erträglichen überschritten und ist ein einziger Angriff auf die Kauftraft der Arbeiter und Angestellten. Bei der dauernden Nioellierung der Arbeitslosenunterstützungssätze seien die heutigen hohen Beiträge nicht niehr zu halten. Wir werden den kollektiven Willen der Mitgliedschaften wecken, um diese neue Notoerordnung zu beseitigen. Der soziale und der Lohnabbau müssen zur weiteren Verschärfung der Krise führen; zur Erhaltung der Sozialpolitik gibt es nur einen Aus- weg: nämlich daß der Staat ttinsluß, Führung und Verfügungsgewalt über die. Wirtschaft gewinnt. Lemmer(Gewerkschaftsring) wies daraus hin, daß die Mit- teilungen iuer die Zerschlagung des Reichsarbeitsministeriuins auf amtliche Pressekonferenzen zurückzuführen sind. Es iei beson- ders mißlich, daß die Arbeitsbeschaffung, für die aie Re- gierung Brüning bereits eine Vorlage vorbereitet hatte, in der neuen Notverordnung völlig vernachlässigt wird. Die Re- gierung sollte beachten: die Arbeiter- imd Angestelltengewerkschaften aller Richtungen sind in der Verurteilung des neuen Kurses und der Ablehming der Notverordnung völlig einmütig. Eggerl(ADGB.): Die Einschränkung des staatlichen Schlich- tungswesens und der dadurch zu erwartende Lohnabbau lägen i keineswegs im Gemeinwohl, sondern beoeuten Stärkung der� Unternehmerwillkür. Der Staat müsse, ob er wolle oder nicht, in die Wirtschaft eingreifen, zur Lenkung des Kreditstroms nach valkswirtschastlichen Gesichtspunkten, zur Kontrolle der Kar- teile und zur planmäßigen Gestaltung der Produktion übergehen. Es käme alles darauf an, durch Arbeitsbeschaffung die 6 Millionen Erwerbslosen wieder einzuschalten. In den durch die Notverordnung heraufbeschworenen Kämpfen werden die Gewerkschaften dabei sein. Der ZNinister verwies gegenüber der geübten Kritik auf die ungünstige wirtschaftliche Lage; die Notverordnung sei daraus zu erklären, daß keine anderen finanziellen Möglichkeiten zur Sanie- rung gegeben wären. Dos Wort van der Wohlfahrtsanstalt müsse so aufgefaßt werden, daß die Regierung den Willen zur Selbstver- antwortung wecken wolle. Der Reichsarbeitsminister wiederholte noch- mals, daß sich an dem Zusammenwirken mit den Gewerkschaften nichts ändern solle. Lhue die sozialen Ginrichtungen Deutschlands und ohne die Gewerkschaften wäre auch die wirtschaftliche Entwicklung des Aufstiegs in den zurückliegende» Iahren nicht denkbar gewesen. Mit dem Appell, die Gesamtinteressen Deutschlands über alles andere zu stellen, schloß der Minister die Besprechung. V Wenn der Reichsarbeitsminister erklärt, daß ohne die sozialen Einrichtungen und ohne die Gewerkschaften die wirtschaftliche Eni- Wicklung des Ausstiegs in den zurückliegenden Iahren nicht denk- bar sei, dann bedeutet die durch die Notverordnung bewirkte Zer- trümmerung der sozialen Einrichtungen, daß die Regierung der Nazibarone Deutschlands wirtschaftliche Entwick- lung st eil abwärts führt. Mit dem Hinweis darauf, daß ja die sozialen Einrichtungen an sich noch weiterbestehen, ist gar nichts bewiesen. Wenn irgendwo, kommt es in der Sozialpolitik auf die Qualität, d. h. auf die Leistung an. Eine Arbeitslosenversicherung, die 6H Proz. des Lohnes als Bei- trag nimmt, aber nur 6 Wochen lang ganz unzureichende Unter- stützungen zahlt, ist keine Arbeitslosenversicherung mehr. Ein Schlichtungswesen, das nur in Ausnahmefällen funktioniert, hat praktisch zu existieren aufgehört. Eine„Fürsorge", die Unter- stützungen zahlt, die zur Fristung des nackten Hungers nicht aus- reichen, ist keine Fürsorge. Wie auch Herr Schäffer das brutale Wort von der Wohlfahrtsanstalt auslegen mag, die Not- Verordnung sagt selbst mit furchtbarer Klarheit, wie es gemeint war. Daß keine andere finanzielle Möglichkeit vor- standen ist als die steuerliche Entlastung der Besitzenden, die Be- lastung der Arbeitenden und die Aushungerung der Bedürftigen, ist ein Bekenntnis, das alle verbindlichen Redensarten als innerlich unwahr kennzeichnet. Ob Herr Schäiser so gnädig sein will, die Gewerkschaften' an- zuerkennen, darauf kommt es nicht an. Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob das deutsche P o l k die sozialreaktionär« Politik anerkennt, die Herr Schäffer zu betreiben sich entschlossen hat. Für die erwerbslose Zugend. AOGB. fordert zusätzliche Maßnahmen. Im weiteren Verlauf der Tagung des Bundesausschusses des ADGB. berichtete S p l> e d t über die vom Bundesvorstand aus- gearbeiteten Richtlinien über die„A r b e i t s h i l s e für die erwerbslosen Jugendliche n". Diese Richtlinien behandeln im einzelnen die Frage der A r- beitsschulung, der Arbeitsgestaltung, der Arbeits- gebiete und der kollektiven Selbsthilfe. Es bedarf keiner Hervorhebung, daß die Gewerkschaften an ihrer ablehnenden hallung zur Arbeits-.,- dienstpflicht festhalten. Ihre allgemeine Stellungnahme zum freiwilligen Arbeits- dienst ist auf dem Krisenkongreh der Gewerkschaften wie in den Reichstagsverbavdlungen Anfang Mai von Eggert und Graß- mann präzisiert worden. v Bei der A r b e i t s f ch u I u n g handelt es sich um besonders Maßnahmen, insbesondere für zwei Gruppen von Jugendlichen, d'e Schulentlassenen, die keine Lehr- oder Arbeitsstätte finden können, und die beschäftigungslosen Lehrlinge, die arbeitslosen an- und ungelernten Jugendlichen. Für die erste Gruppe wird ein weiteres freiwilliges Schuljahr angestrebt. Für die bcschäftigungs- losen Lehrlinge wird an die Errichtung von S a m m e l l e h r- w e r k st ä t t e n gedacht. Für die arbeitslosen an- und ungelernten Jugendlichen soll ein zusätzlicher Berufsschul-Unter- r i ch t über die durch Ortssatzung festgelegten Wochenstundenzahl eingeiührt wenden. Was die A r b e i t s g e st a l t u n g angeht, so muß bei der Organisation der Arbeitshilfe für die erwerbslose Jugend die Beteiligung der Gewerkschaften sowohl an der zentralen als auch an der lokalen Verwaltung sicher- gestellt werden. Die Arbeiter, die im Rahmen der Arbeitshilse zu leisten sind, müssen gemeinnützig und zusätzlich sein. Die„kollektive Selbsthilfe", deren Gedanke auf An- regungcn von Prof. L e d e r e r beruh», hat den Zweck, jugcnd- lichen Erwerbslosen in stillgelegten Fabriken und Werkstätten Arbeit zu verschasjen und mit den Erzeugnissen dieser Arbeit Arbeitslose zu versorgen. Insbesondere kommen Betriebe in Be- tracht, in denen Gegenstände des täglichen Bedarfs, wie Bekleidung, Schuhwerk, Hausrat hergestellt werden. Ebenso muß an die Durch- sührung wohlfeiler Speisung gedacht werden. Wenn der Bundesvorstand sich dazu entschlossen hat, für die Funktionäre �mrch diese Richtlinien Anhaltspunkte für die praktische Entscheidung zu schaffen, so Hot er es gerade aus seiner krilifchen Einstellung zum freiwilligen Arbeitsdienst tun müssen. Es ist notwendig, im Interesse der für vorläufig un- absehbaren Zeit arbeitslosen Jugend ein praktisches Pro- g r a m m zu schaffen, um so mehr, als die arbeitslose Jugend in die Arbeit hineindrängt. Dabei ist im Auge Zu behalten, daß der freiwillige Arbeitsdienst begrenzt wird durch seine Wirtschaft- l i ch e Kostspieligkeit und die Beschränktheit der Mittel und den Mangel an wirklich wirtschaftlichen Arbeitsobjekten. Daher war der Bundesvorstand bestrebt, die s o z i a I p ä d a g o g i s ch e n Gesichtspunkte als die entscheidenden in den Vorder- grund zu stellen. In der eingehenden Debatte wurde hervorgehoben, daß der wirtschaftliche Nutzen der ini»reiwilligen Arbeitsdienst geleisteten Arbeit sehr gering i st. Man hob auch hervor, daß gerade unter der neuen Regierung besondere Vorsicht am Platze sei, da in ihren Kreisen vielfach der freiwillige Arbeilsdienst nur als Vorstufe zur Arbeilsdienstpflicht angesehen wird. Es wurde auch betont, daß der Begriff der Zu- s ä tz l i ch k e i t in der Praxis sehr schwer zu bestimmen ist. Auch kann die Geiahr nicht verkannt werden, daß der freiwillige Arbeits- dienst mißbraucht wird, um die Löhne zu drücken. Diese kritischen Einwände ändern aber nichts an der Tatsache, daß die Arbeitshilse für die erwerbslosen Jugendlichen eines der dringendsten Probleme der Zeit ist. Der freiwillig« Arbeitsdienst wird gleichsam zu der heute üblichen Form jugendpflegerischer Maß- nahmen. Leipart betonte, es handele sich selbstverständlich in keiner Weise um eine grundsätzliche Festlegung der Gewerkschaften für alle Zeit. Die Bedeutung des freiwilligen Arbeitsdienstes wird mit einer Besserung der wirtschaftlichen Lage geringer werden. Da aber jetzt von allen Seiten Vorschläge für die Gestaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes gemacht werden, die den Auffassungen der Gewerk- schatten nicht entsprechen, sind die Gewerkschaften dovpelt ver- pflichtet, Stellung zu nehmen und sich ihren praktischen Einfluß zu sichern. Im weiteren Verlaus der Aussprache kam auch zum Ausdruck, daß der freiwillige Arbellsdienst gar nicht so ausgebaut werden kann, daß er die reguläre Produktion radikal einengt oder gar aus- schallet. Dazu ist er, in größerem Maßstabe durchgeführt, zu un- wirtschaftlich. Da man aber vor der Talsache steht, daß die zwei Millionen Jugendlichen auf absehbare Zeit nicht in den normalen Produktionsprozeß eingeschaltet werden können, so muß man auf andere Weise durch eine konstruktive Idee Ab- Hilfe schaffen. Man muß gewissermaßen den Versuch machen, neben der freiem Wirtschaft eine andere aufzubauen, die von anderen Grundsätzen bestimmt wird, eine zusätzliche Wirt- s ch a s t s o r g a n i s a t i o>i für zusätzliche Versorgung. Nach einem Schlußwort von Spliedt wurde über die Rickit- linien in ihren einzelnen Teilen und im ganzen abgestimmt. Der Bundesausschuß nahm sie e i n st i in m i g an. Badeapparaie- Klempnerei erfolgreich. Geschlossenheit und Oisziplin setzen sich durch. Für die Berliner Badeapparat'e- Klempner war, mc im„Vorwärts" bereits mitgeteilt, ein Schiedsspruch gciallt worden, der einen Abbau des Kleinpncrlohnes von 1,35 auf 1,06 M., also um 21% Proz., und der Akkorde zunächst um 11 Proz. und ab 31. August um insgesamt gleichfalls 21 Proz. vorsah. Wach der einstimmigen Ablehnung dieses Schiedsspruches durch die sehr gut organisierten Arbeiter dieser Branche sahen sich die llnternchmer wohl oder übel gezwungen, neue Verhandlungen zur Beilegung des Streiks aufzunehmen. Bezüglich des M a n t e 1 t a r i f o e r t r a g e s, wo die Unternehmer neben dem Abbau des Urlaubs in allen Gruppen um min- bestens einen Tag und noch verschiedene andere Verschlechterungen gefordert hatten, mußten sie die Segel streichen. Der bisherige Mantel tarif wurde bis zum 31. März 1933 verlängert; es tritt lediglich für die gelernte» Arbeiter eine Aenderung der Urlaubsbezahlung insofern«in, als sie während der Urlaubszeit nicht mehr einen um 10 Pfennig höheren als den Tarifstundenlohn erhallen, sondern nur noch eine» um 4 Pfennig höheren Lohn. Dafür wird aber die Bestinmiung über die Abgeliung des Urlaubs beim Ausscheiden aus dem Betriebe vor dem Beginn der Urlaubs- Periode nicht unerheblich verbessert. Die Tarif st undenlöhne der Klempner werden von 1,35 aus 1,16 M. gesenki und nicht auf 93 Pfennig bzw. IM M.. wie es die Unternehmer anfänglich diktieren wollten, auch nicht auf 1,06 Mk., wie es der Schiedsspruch des Schlichmngsausschusfes vor- sah. Die Unternehmer haben sich auch bereit erklärt, für die an- gelernten und ungelernten Arbeiter, deren Löhne in dieser Branche noch nie tariflich geregelt waren, M i n d e st st u n d e n- löhne zu vereinbaren. Die Akkordpreise sollen anstatt um 21�Proz.. wie es der Schlichtungsausschuß für unbedingt notwendig hielt, bei drei Tarifpositionen um 13 Proz. und bei den übrigen Positionen um 10 Proz. gekürzt werden. Auch die Bestimmung, daß der Streik nicht als Arbeitsunterbrechung gilt und keine Maßregelungen vor- genömmen werden dürfen, die der Schlichtungsausfchuß ebenfalls in dem Schiedsspruch fehlen ließ, haben die Unternehmer i» die Ver- einbarung aufgenammen. Mantel- und Lohntarif sollen bis zum 31. März 1933 gelten. Die Badeapparate-Klempner haben in ihrer Streikverfaniinlung am Freirag die Annahme dieses Verhandlungsergebnisses und damit den Streikabbruch beschlossen. Die Badeapparate- Klempner beenden ihre Bewegung mit einem beachtenswerten Er- folg, den sie einzig und allein ihrer organisatorischen Geschlossenheit und Disziplin im Kampfe selbst zu verdanken haben. Kommuniftische Gchwindelmeldung. Vom Deutschen Metallarbeiter-Verband wird uns geschrieben: Das kommunistische Blatt„Die Welt am Abend" behauvtet in seiner Nummer vom 11. Juni d. I., daß in dem Verfahren wegen Devisen-Schiebung gegen Dr. S ch ö n h e r r sich herauzgestellt babe, daß der Deutsche Metallarbeiter-Verband von Sch. um Hundert- tausende geschädigt sei. Wir stellen fest, daß der Deutsche Metallarbeiter-Verband mit dieser Sache nichts zu tun hat und deshalb auch keine Verluits haben kann. Im Tarifkampf der graphischen Hilfsarbeiter wird heute eine entscheidende Versammlung(siehe Inserat) stattfinden. $m'e Gewerkschafts-�uqend Berlin deute, Donnerstag. 16. Juni, um 191 2 Uhr. tagen die Gruppen: Osten: Jpg- Neheim Frankfurter Allee 397, Lönszimmer. Das lustige Buch— die tige Schallplatte.— Südosten: Jugendheim Reichenberger Str. 66. Iule stellt sich vor.— Tempelhof: Jugendheim Lyzeum Germaniastr. 4—6. Der Zugang erfolgt durch den Eingang(Sötzstraße auf der Hinteren Seite der Schule. Lustiger Abend.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 18— 19.„Die moderne Arbeiterbewegung."— Staaken: Jugendheim 17. Volksschule, Gartenstodt, Kirch- platz. Endhaltestelle Autobus 31. Spiel» und Liederabend.— Schönhauser. Tor: Jugendheim Tieckstr. l8.„Etwas über unsere Polizei."— Landsberger Platz: Jugendheim Diestelmeyerstr. 0.„Volkswirtschaft", III.— Lichtenberg: Jugend. heim Dossestr. 22.„Der blühende Kaktus."— Ncu-Licktenberg: Jugendheim Gunterstr. 44.„Aus Deutschlands Tierwelt."— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotcnburger Str. 2.„Das Iugendprogramm der ADGB."— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5(Nähe Bbf. Spindlersfeld).„Freie Ge- werkschaften und andere Gewerkschaftsrichtungen."— Srhlesischee Tor: Jugend« heim Manteusfelstr. 7. Das luftige Buch— die lustige Schallplatte.— Gewerk. schaftshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus, Enaelufcr 24—25, Saal 11.„Wir und die gegnerischen Jugendorganisationen."— Wir spielen ab 18 Uhr: Nordost. kreis: Dollc-Sportvlatz, Nordend; Südkreis: Trevtower Park, Wiese 8, und im Volkspark Neukölln: Nordkreis: Spielwiese Volkspark Rehberge: Kreis Ober. spree: Rehwiese.— Ingendqrnvpe des Deutschen Tertilarbeitcroerbandes: Trcp. tcwer Park, Wiese 8.— Iugendoruppe des Deutschen Bekleidungsarbeiterver- bandes: Besichtigung einer Ausstellung in der höheren Teistillchule, Warschauer Straße 6— 7. Tressen pünktlich 18?� Uhr vor der Schule.— Iugendgruppe des Verbandes der Rahrungsmittel- und Geträvkearbeiter: Neue Schönhauser Straße 4— 5.„Alfred Gutheit."— Iugendgruppe des Deutschen Baugewerks- bundes. Maurer: Bauabend im Jugendheim Großbeerenstr. 96. £> �lwendorupve des Fentrolverbandes der Anaesteltten Heute, Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Norden: Iugindhkim Lur�mgstr. 19. Ausspracheabend.— Panlaw-Niederschö». bansen: öngendheii» Görschstr. 14 sgroyes Zimmer». Unsere Mädel haben das Wort.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str. IS. Brettspiele. Stegreif. spiele. Buntes Allerlei.— Treptow: Jugendheim Elseustr. 3 sPrivathaus». Bunter Abend.— Die„Freie Anaestelltenbanl e.®. m. b. S." tagt heute van 2s»— 22 Uhr im Verbandshaus.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr auf dem Sport. plag Tiergarten.— Heute findet um IS Uhr in unserem Berbandshause die Mit. gliederversommlung der Sportabteilnng statt. Berantwartlich fiii Politik: Victor Schiff; Kirtlchait:© Klingelhöfer; ©croerlschaitsveweguug: 3. Steiner: Feuilleton..?r. Zohn Schitowsii: Lokales und Sonstiges: Feig»aestädt; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich in Berlin. Perlag; Borwärts-Perlag standteilen aus Stahl hergestellt. Bon den Stahl« lamellen-Auhenwänden über die Tragteile der Innenwände bis zum Dachstuhl, den Türen und Fensterrahmen ist alles aus dem jetzt gegen choJz und Stein in Konturrenz tretenden neuen Werkstoff Natürlich mutzte man einen guten Isolierstoff dabei zu fjilse nehmen, und das ist Kork. Erst kommt Stahl, dann«ine Lusthülle. inmitten die K o r k s ch i ch t, dann wieder Luft und schltetzlich innen noch besonder« I s o l i e r p l a t t e n. Bei einem Modell ist der inner« Isolierstoss noch mit einer Putzdeckschicbt versehen, bei anderen Modellen mit Sperrholz. Es braucht sich also niemand Sorgen zu machen, wie er den Garderobenhaken anbringt. Dann hat man wieder auf Kork als Jsolationsmaterial verzichtet und dafür eine Asbest-Teer-Kombination gcnoinmen. Bon feiten der Stahlherren wird im übrigen versichert,-daß das chaus so schalldicht ist, dah man aus dem Dach selbst einen Platzregen nicht niederprasseln hört: outzerdem zeigt sich an den Wänden kern Schwitzwasser. Da es sich bei den Teilen des Stahlhauses um industriell vor« gerichtete Werkstücke handelt, ist die Montagezett eines solchen Hauses naturgemätz kurz. Sie schwankt zwischen zwei und sechs Tagen. Man weist auch darauf hin, dah bei dieser völlig industriali- sierten Bauweise ein« zuverlässige Kalkulation möglich ist. so daß es nachher nicht zu den meist unerquicklichen Auseinandersetzungen mit dem Bauherrn kommt. Die Preise de» Stahlhausbaues lassen allerdings— von der Geldtasche des Werktätigen aus gesehen � zu wünschen übrig. Ein Quadratmeter Wqndfläche stellt sich auf etwa 10 M. Das Modellhous, das 60 Quadratmeter überbauten Raum bei 47 Quadratmeter Zwtzflächs umfatzt, kostet 4700 M., und eine 20 Quadratmeter große Wohnlaube würde sich auf etwa 1200 M. stellen, jedesmal schlüsselfertig erstellt, allerdings ohne Fundament. Auf jeden Fall aber ist diese neuartige Bauwelse nicht nur für den Fachmann interessant: die Musterhäuser stehen aus dem Freigelände der Sommerschau am Funkturm. Eifersuchisiragödie in Buckow. Die Freundin niedergestochen und lebensgefährltch verletzt In Buckow-Ost, am Stieglitzweg 44. spielte sich gestern nach« mittag, eine blutige Eifersuchtstragödie ab. Dort wohnt bei ihren Eltern eine 19 Jahre alt« Hildegard Baum, die mit dem ZOjähri« gen Heinrich Fiedler befreundet ist. In letzter Zeit kam es zwischen den jungen Leuten wiederholt zu Auseinandersetzungen, da Fiedler in die Treue seiner Freundin Zweifel setzte. Auch gestern nach» mittag gerieten beide wieder in einen heftigen Wortwechsel. In größter Erregung zog Fiedler plötzlich ein Messer und stach auf das junge Mädchen ein. Hilde V. erlitt mehrere l e b e n s« gefährliche Perletzungen und wurde bewußtlos ins Neuköllner Krankenhaus überführt. Der Täter wurde festgenommen und in» Polizeipräsidium gebracht. Um einen Tote». Vor der Großen Potsdamer Strafkammer mußte sich der kommunistisch« Stadtverordnete Werkzeugmacher Richard Schultz aus Nowawes wegen übler Nachrede des Lehrers La Grange.der durch Selbstniord geendet hat, verantworten. Das Gericht unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig verurteilte den Angeklagten wegen übler Nachrede in einer Druckschrift zu z e h n Tagen Gefängnis. Der Vorsitzende hob hervor, daß ein Artikel im..Noten Pionier" dazu geeignet gewesen sei, die Ehre eine» Men« Ichen auf das schändlichst» zu mitzbrauchen. Eine Geldstrafe sei bei dieser schweren Beleidigung nicht am Platz«. lvttyVF-Mark-Gewlnn gc�ogen. Die Direktion der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie teilt mit: In der gestrigen Ziehung fiel ein 100 000-Mark i n n auf die Nummer 25? 250. Die erste Abteilung wird in Achtellosen im Rheinland, die zweite in Viertellosen m Han- nooer gespielt. Zrlm ohne ni Auswirkung dar neuen Notverordnung: Ausgleich das ütats unmöglich Der Lberbürgermcisker schlägt der Stadlverordnetcnver- sammluag vor. die Festsetzung des haushsllsxlanes bis zum Sepkember zu vertagen, da schon seht feststeht, daß ein Aus- gleich des Etals mlt den vom Reich durch die Roloerordnung zur Verfügung gestellten Rliktcln selbst bei schärfster Spar- samkeit unmöglich ist. Zu all der Erbitterung, mit der die Notverordnung des Kabi« netts der Barone von den unmittelbar davon betroffenen breiten Volksschichten aufgenommen worden ist, tritt die Enttäuschung aller deutschen lZemeinden, insonderheit der Groß, und Industriestädte. die eine durchgreifende Hilfe in ihren Finanz- und Kassennöten von dieser Notverordnung erwarteten und erwarten dursten. Wenn schon auf dem Gebiet des Unter st ützungswesens wieder Flick- werk statt Reform beabsichtigt war, so mußten die Flicken wenigstens ausreichen, um die schon jetzt deutlich sichtbaren Löcher in den Haushalten der Gemeinden zu stopfen. Das ist aber in keiner Weise der Fall. Schon jetzt kann gesagt werden, daß Berlin mit den ihm zur Verfügung gestellten Mitteln seinen Etat nicht balancieren kann. Selbst wenn die Durchführungsbestimmungen, die bei der vorliegenden, nur ganz und gar skizzenhaften Verordnung die Hauptsache sein werden, in allen Details zugunsten der Gemeinden ausfallen sollten, bleibt doch abermals ein Defizit von vielen Mil- lionen. Das kann nicht Wunder nehmen bel der rohen und ober- flächlichen Schätzungsmanier der R e i ch s r e g i e r u n g, hie aus der Notoerordnung selbst ersichtlich ist und die der R e i ch s- finanzminister vorgestern noch unterstrichen hat, als er auf einer Pressebesprechung da» Zahlenwerk der Verordnung zu be- gründen verbuchte. Wenn man von der Unterstützungssumme des Vorjahres als Grundlage ausgeht und darüber hinaus lediglich das Gesamtdefizit der Gemeinden im Vorjahre in Betracht zieht, so bleibt der riesige erhöhte Cinnahmeausfall der Städte im laufenden Jahre, der doch nicht nur die Ueberweisungssteuern be« trifft, völlig unberückfickitigt. Für Berlin find das allein SO Millionen, die der Voran- schlag für 1332 an Steuereinnahmen weniger einstellen muß als der Etat für 1931. Und hierzu treten die verminderten Einnahmen aus den städtischen Betrieben. Demgegenüber berechnet das Preußisch« Finanzministerium den gesamten Zuschuß für Berlin aus dem Suboentionsfond? der neuen Reichsnotoerordnung auf nur 96 Millionen, wovon unter Umständen noch«in Abzug für den zehnprozentigen Ausgleichsfonds, dessen Einrichtung den Ländern gestattet ist. abgehen soll. Das ist noch nicht einmal eine Sertoppw lung der Summe, die die Stadl im Vorjahr erhalten hat um die schon damals unter ungleich besseren Gesamtoerhaltnissen nicht au-- reichend war. Die Wohlfahrtsausgaben betragen bekannt- lich in Berlin allein 404 Millionen in diesem Etatssahre. Di» Zahl der Wohlfahrt-erwerbslosen. die au-ichließuch aus städtischen Mitteln unterstützt werden müssen, hat 280 000 überschritten, �rchan aus diesen wenigen Zahlen ist zu erkennen, daß das Defizit von 113 Mil- lionen aus den Mitteln, die die neue Notverordnung über das Vor- jähr hinaus zur Verfügung stellt, keinesfalls gedeckt werden kann. Und Mag! st rat und Stadtverordnetenversamm« lung sind sich in ihren langen Etatsberatungen darüber jedenfalls einig geworden, daß weitere Einschränkungen der Ausgaben schlsch- terdings nicht mehr verantwortet werden können. Jede Nachprüfung des Berliner Etats wird dasselbe Ergebnis haben. W c lange wird es noch gehen? So ist es zu verstehen, wenn der Mogistrat setzt der Stadt- verordnetenoersammlung empfiehlt, den Etat vorläufig nicht zu verabschieden, sondern zunächst die Aussührungs- bestimmungen der Notverordnung und die Entwicklung der nächsten Monate abzuwarten. Ob dte Stadtverordnetenversammlung diesem Vorschlage folgen wird, dürfte sich noch in dieser Woche entscheiden. Der Magistrat empfiehlt, lediglich die Höhe der R e a l st e u e r n durch einen Beschluß beider städtischen Körperschaften festzusetzen, um ein Eingreisen des Oberpräsidenten zu vermelden, das sonst nach dem Gesetz erforderlich wäre, da diese Steuern sür das laufend« Jahr bis zum 1. Juli spätestens beschlossen sein müssen. Die Haushaltwirtschaft soll dann nach dem Vorschlag de- Magistrats unter Zugrundelegung des Eiatsentwurfes weitergeführt werden, wobei Kurzungen, die der Haushalt-ausschuß der Stadtverordneten- vcrsamTÜlung bereits beschlossen hat, berücksichtigt werden sollen. Wie lange das Provisorium andauern muh, läßt sich noch nicht überblicken.-' Es steht fest, daß die Reichsnotoerordnung die erhoffte aus- reichende Hilf« für die bedrohliche Finanzlage der Städte und Ber- lins im besonderen nicht bringt, und daß auch die erwartete Erleich- terung der Kasienlage durch entsprechende Maßnahmen des Reiches nicht eintreten wird. Berlin muß also versuchen, solange e e geht, weiterhin aus eigener Kraft durchzukommen. Es ist aber sich und seiner Bevölkerung schuldig, laut und vernehmlich auf die- jenigen hinzuweisen, die die Verantwortung für alle Ge- fahren tragen, die sich aus dieser Sachlage entwickeln können. Liste„Gchulaufbau". Naziporole lautet: Chriftlich-unpolitifch. Nach der Gründung der nationalsozialistischen Elternbiinde r.ar damit zu rechnen, daß die Nationalsozialisten bei den Elternbeirats« wählen mit eigenen Listen auftreten würden. Wie die Christlich- Unpolitischen melden, wird das auf besondere Anweisung aus Mün« chen nichtges ch ehe n. Die Nationalsozialisten gaben ki» Parole aus: Wählt christlich-unpolltisch. In ihren Bersammlungen arbeiten sie bereits nach dieser Parole. Ihre Agitation ist auch hier noch zügelloser als bisher. Alle Lügen und Verleumdungm. die früher von chrisllich-unpssitischer Seite gegen die weltlichen Schulen verbreitet wurden, werden wieder aufgegriffen, Verdrehungen und Entstellungen moderner Schularbeit sind der Inhalt der Referu« der Naziredner, der.Kampf gegen das System" die stets wiederkehrende Floskel. Die Nationalsozialisten treten auch im christlich- unpolitischen Elternbund, der bisher eine Domäne der Deutschnationalen war, das Erbe der Deutschnationalen an. Kein denkender Arbeiter, kein Republikaner darf die Christlich- Unpolitischen unterstützen. Wir bringen nachstehend eicke Probe aus den Nazi-Flugblättern:„Marxistische Aersuchsschulen mit den Ten- denzen einer„freien Entwicklung vom Kinde aus", mit dem-.ffen ausgesprochenen Gedanken der Familienzersetzung, der Religions- Verhöhnung und des Landesverrats haben keinen Platz mehr im beut- schen Leben der Zukunft! Das Ziel aller Erziehung liegt in der Bedeutung des Rassischen, in der Bedeutung der Führerpersönlich- keit und im völkischen Wert der Wchrhaftigkett! Reinigt da» gesamte Erziehungswesen vom Marxismus!" Kurz und bündig heißt das: Erziehung zum Kanonen- f u t t e r, zum gehorsamen Untertanen, zur Unter- werfung unter„gottgewollte Abhängigkeiten". Arbeitereltern, erkennt die Gefahr! Wer christlich-unpoli- tisch wählt, wählt Nazis! Gebt die Antwort durch Auf- stellung von Listen„Schulaufbau". heule ist der lchle Termin! Die Listen müssen heute abend beim Wahloorstand(nicht beim Schul- leiter!) eingereicht sein. An jeder Schule eine Liste»Schulaufbau�. „Razzia im Lunapark." Die Berliner Kriminalpolizei hat sich wieder einrn il angesagt und läßt wie alljährlich am kommenden Sonnabend. dem 18. Juni, nachmittags im Lunapark vom Publikum wieder drei„schwere Jungens" suchen. Jeder B-sucher erhält einen Steck- bries mit Bildern, mit dem er sich dann auf die„Verbrecherjagd" ike- geben kann. Für die besten Ergebnisse sind insgesamt 1000 Mark Belohnung ausgesetzt. Bisher haben die Berliner, insbesondere die Berlinerinnen, eine bemerkenswert gute Spürnase gezeigt. Einmal waren es fünf, einmal acht und einmal sogar zwanzig Glückliche, die sich die Belohnimg teilen konnten. Der Eintrittspreis beträgt dies-. mal nur 75 Pfennig. Neben dem unterhaltsamen Wettbewerb gibt' es noch ein Feuerwerk, ein Konzert des Blasorchesters der Kriminal- Polizei und zahlreiche artistische Sensationen. Wokvi* «uHus. De? „Gegen Juden und Pfaffen allemal, allemal!" Pater Pirmin räuspert sich, irgendwie ist ihm etwas in den Schnaufhals, statt in den Schluckhals gekommen. Schließ- lich, nach zwei, drei guten Zügen Hambacher, hat er wieder die Stimme frei: „Noch am gleichen Tag ward der Schellenkönig dem Meß- kircher Nat zur Sühnung behandet:— Wie kommst du dazu, an unfsrm Heiland grußlos vorüber zu gehn? fragt ihn der Offizial. Wißt ihr, was der oerrückte Hund für eine Antwort gab?— Lielwsrte Herren, sagte er, was sollte ich da erst noch groß meinen Judenhut ztehn? Ich kenn ja euern Heiland noch aus der Zeit, da, er ein Zwetschenbaum war!" „HaHaHa! Hahaha!" „Ihr lacht, obgleich ihr unjüdisch seid! Auf alle Fälle, das kann ich euch sagen, ist dem Schellenkönig das Sachen bitter geworden. Heut tn der Früh, eine Stunde nach Auf- gang der Sonne, mußte er hangen. Doch alles, was recht ist, er erwies sich gegen uns Christen als Schalt bis zur letzten Sprosse der Galgenleiter. Wißt ihr, was er gesagt hat, als er zu oberst stand? Letzt alles, nur keinen Fehltritt, Gan- gölfchenl' Aber da hatte ihn auch schon Meister Philipp am Wickel." „Du sagtest doch vorhin, er sei als versöhnter Christ zum Himmel gefahren?! Wie reimt sich das mit seiner Schallhett zusammen?" „Als Christ ganz gewiß, denn im gleichen Augenblick, als ihm der Henker den Sack über den Kops zog, Hab ich ihm die Nottaufe gegeben!" „Das heiß ich den Teufe! geprellt!" „Das ist vernünftig geredet, Stössi. Teufel und Welt will beschissen sein, wozu saß ich sonst hier?!" „Brav, daß wir's wissen!" lacht der Schneizenhöfer.„Aber jetzt ruhig im Geist! Wirt komm her, hier klingelt Getdl" ,Lo. mer wend go!" sagt der Schaffhauser. IS. Die Wirkung der beiden letzten Klopferschläge auf das Durcheinander der böhmischen Herren ist verblüffend. Wie ein Tier, dem das Zuhaumesser des Metzgers die Gelenksehnen kappt, kippt plötzlich der Lärm um. Dieser über- gangslose Absturz vom vollsten Tumult in beinahe gvttes« häusliche Stille hat etwas Unnatürliches und Beängstigendes. Jeder Laut von der Diele her ist im Saale zu hören und nimmt in den überreizten Nerven der Lauschenden gigantische Formen an: der Schlursschritt des Esels, sein heiseres„Wer da?", der verrostete Schlüssel im Schloß, das Kreischen des Tors, das Wiederzuschließen und nachfolgende Einhängen des Balkens. Aller Augen sind gespannt auf die Tür gerichtet. Was für Ungutes wird kommen? Ein Stadtwappner? Ein Bote aus des Königs Kanzlei? Em Läufer der Väter? Doch die Herzen haben sich umsonst geängstigt, der zurück- gehaltene Atem kann wieder frei aus der Brust, Peter tritt ein, Kepkas Notar. „Herren!" sagt er hastig an Stelle einer Begrüßung, „was macht ihr für einen Heidenradau! Ich Hab euern Lärm schon vorn in der Gasse gehört! Dabei ist ein solcher Aufwand an Aufregung gar nicht mehr nötig! Was wir wollen, wäre geschafft!" „Nicht möglich!" „Es ist doch möglich! Diese Nacht noch wird Hu? frei!" „Wie ist..." „Nein, setzt mir nicht mit Fragen zu, jetzt nicht! Laßt euch an der Tatsache genügen, die spricht für sich selber. Mor- gen. wenn nach Sonnenausgang die Tore geöffnet werden, ist Hus bereits zwei Mellen aus der Stadt und in gutem Schirm auf dem Wegs nach Böhmen!" „Bruder, sag's nochmel!" „Hus frei und auf dem Wege nach Böhmen!" „Gott sei's getrommelt und gepfiffen!" jubelt Zista, „Langes Laster, wie hast du das in deinem Adookatenhirn bloß geschafft?! Sofort beichte, oder ich werde dich küssen!" Peter lacht: ,Lch bin kein Vartfreund! Dann lieber gebeichtet. Aber es ist wenig, nur dies!" Dabei machte er mit Daumen und Zeigefinger die Bewegung des Geldzählens.„Ich habe zum Glück eine Wallpforte erkundet, von wo aus die sonst un- erstürmbaren Zinnen dieses Konziliums zugänglich find. Die Einzelheiten werdet ihr erfahren, sobald ich mit der Umlags komme. Herren, tut morgen Geld in den Beutell" „Ich pflastere gerne ganz Konstanz mit Gold aus, wenn ich's vermöchte: nur hätt' ich den einen Wunsch, zur Stunde, da Jans Flucht bekannt wird, den Vätern in die verdutzten Bartwiesen zu sehen!" „Nichts leichter als das Herr Kepka. Gehe morgen in der Frühe, wenn die Glocken zusammenlämen, zur Sitzung ins Münster!" „Topp, wird gemacht! Wer kommt mit?" «Ich! Ich! Ich!" schreien alle. „Pst!" mahnt der Notar.„Nun eines, liebe Herren: Schweigen, Geduld und ruhiges Blut, und noch vor dem Nachrruf der Scharwache ins Quartier! Ich habe eine Ahnung, als ob es für jeden von uns gm sein würde, sich über seinen Verbleib in dieser Nacht ein paar einwandfreie Zeugen zu beschaffen." Kepkas Rat leuchtet ein. Sochzelinmal im Verlauf der nächsten Stunde schließt der Esel das Haustor auf und schaut prüfend in die dunkle Gasse. Sechzehnmal sagt das grämliche Gesicht:„Die Luft ist rein!" Seckzehnmal löst sich ein Schatten vom Haus und strebt mit raschen Schritten nach der belebteren Straße. Aber keiner dieser Schatten wird inne. daß ihm schon zwei Hausbreiten wester ein anderer Schatten folgt, getreu wie fein eigener. Peter, der Notar, kundig des Instruments der Prozesse, hätte den Herren gar nicht ans Herz zu legen brauchen, sich für diese kritische Nacht ein Alibi zu schaffen. Diese Sorge hat ihnen der Vogt der guten und getreuen Stadt Konstanz abgenommen. Sein Betrieb ist auf der Höhe, nicht einmal der Spitzeldien't der Kurie arbeitet besser. Ob Hans Hagen mit dem Dürgsrmei'ter im Rotskeller sitzt, ob er nachher ban- kettiert an König Sigmunds Tischen, er mag ruhig seinen Becher schwenken und heben, er weiß morgen, sobald er aus die Vogtei kommt, genau, wa und wie jeder der böhmischen Herren die Nacht vom fünften zum sechsten Juli verbracht hat. Wenn er will, kann er Herrn Iindrich sogar die ander:- halb Stunden im Lordell der Italienerinnen neben dem Schottenkloster vorrechnen. iForlsetzung folgt.) Die Eiserne Front ruft zum RAST am Sonntag, dem 26. Juni 1932, Im Grunewald-Stadion— Alle Genossinnen und Genossen beteiligen sich Einmarsch 16 Uhr Karten zum Preise von 50 Pfennig für Erwachsene und 30 Pfennig für Jugendliche und Erwerbslose sind bei unseren Parteifunktionären und im Büro des Bezirksverbandes, Llndenstr. 3, zu haben Gefälschte Sowjetdokumente Fälscher entlarvt und verhastet Der Vernehmungzrichter im Polizeipräsidium hak gegen einen persischen Dokumenlensälscher namens Abdul Ali Khan A f s ch a r unb einen slaalenlcsen Georg Jelagin haslbesehl wegen fortgcsckzlen Betruges, Zwchloerdachts und Berdunklungs- gefahr erlassen und ihre Ucbersührung in das Moabiler Unter. snchungsgesängnis veranlaßt. Ueber die Aälschertäligkeit der beiden, gegen die bemerkenswerterweise nicht von den geschädigten Bot. schasten, sondern von eigenen Landsleulen Anzeige erstattet worden ist, teilt der Polizeipräsident solgendes mit: Vor einiger Zeit tauchten in Berlin Schrist stücke poli- tischen Inhalts auf, die sich bei näherer Prüfung als g e> fälscht erwiesen. Die von der Politischen Polizei ein- geleiteten Ermittlungen führten auf die Spur von zwei Personen, die festgenommen wurden. Es handelt sich um den Perser Abdul Ali Khan Afschar und den staatenlosen Georg Ielagin, die in Berlin in der Straße Am Zirkus 4 wohnten. Die bei ihnen vorgenommenen Durchsuchungen förderten das Bsweismaterial für ihre Fälschertätigkeit zutage. Ln primitivster Weise fertigten sie der Wahrheit nicht entsprechende Berichte an, die sie mit einem selbstgesertigten Stempel versahen, um dem Schriftstück den An- schein der Echtheit zu geben. Im Lause der Zeit hallen sie bei zahlreichen diplomatischen Vertretungen des Aus- landes in Berlin vorgesprochen und dort ihr« Werk« angeboten. In vielen Fällen haben sie das gefälschte Schriitenmaterial absetzen können, in anderen Fällen wurde jedoch der Stempelschwindel ge- merkt und Afschar bzw. Jelagin, dessen Handschrist allmählich be- kannt geworden war. wurden abgewiesen. Da sie in einigen Einzel- fällen bis zu AXI ivd für ihre Schwindelberichte erhalten hatten. konnten sie hier ohne sonstigen Arbeitcverdienst leben. Es handelt sich bei den gefälschten Dokumenten um angebliche Berichte- über Geheimkuriere und Agenten der S o w j e t> U n i o n, iie von Afschar und Jelagin fabriziert und den in Berlin befindlichen diplomatischen Vertretungen angeboten wurden, die eine geraume Zeit an die Echtheit der Dokumente glaubten' und den Fälschern aufsaßen. In einer kaum g'au'.lichen Primitivität wurden die„Sowjel-Dokumente" hergestellt, die die Beiden meistens auf Postämtern oder in den Schreibialons großer Cafes und Restaurants ansenigten. Trog der plumpen Fälschungen tonnten die beiden chre Tätig. teit fast ein Jahr lang ausüben, da sich die getäuschten ausländi- schen Vertretungen aus begreiflichen Gründen hüteten, irgendwelche Schritte zu unternehmen. Ein Hauptabnehmer der gesässchten Dokuments war die hiesig« spanische Vertretung, der die Fälscher hauptsächlich vor der Revolution Berichte über die Abreise kommunistischer Agitatoren und Geheimkuriere verkauften. Auch Ja p o n und Frankreich wurden ausgiebig beliefert. Nur an die englische Botschaft trauren sich die Fälscher nicht heran, weil der zuständige Nachrichtenoffizier, ein Kapitän, als ein äußerst vor» sichtiger und geschickter Mann bekannt war. Volksfront ZSZSN Ritlsr-- voronsl Unssrs nLckstsn vstrssbsvsronstoitungyn: S?v..votriebstrs!ctivn des Arbeitsamts Mitte. Donnerstag, 16. Zum, 16H Uhr, Im Hackeschen Hof, Rosenthaler Str. 40'41. Fraktlonsversammlung.„Die politische Situation und die Aufgaben der Arbeiterklasse". Referent; Bernhard Görlng, BVG. Betriebshof 3 Nordend. Donnerstag, 16. Zuni, 1?!� Uhr, Lokal Sanssouci, Kaiser-Wilhelm-Str. 42, Verbandsversammlung:„Politische und wirtschaftliche Lage". Referent: David Stetten Justizbeamte. Donnerstag, 16. Zuni, 16 Uhr, bei Brandls, Stralauer Str. 10, Fraktionsversammlung:„Politische Lage und die Justiz". Referent: Dr. Alfred Gurau. Siemens-Plania-Werke A.-G. Freitag, 17. Juni, 16� Uhr, bei Schünemann, Lichtenberg, Moellendorffstr. 53/54, Hammel- Schaftsversammlung:„Der Kampf um die Lebensrechte der Arbalterschaft". Referent: Alfred Markwitz. NordsUdbahn, Werkstatt MülierstraOe. Donnerstag, 16. Juni, 16 Uhr, bei Grunewald, Kameruner Str. 19: Fraktionsversammlung;„Der Kampf um den neuen Reichstag". R e• f e r e n t; Gottlieb Reese. AEG. Treptow. Die Angestellten, die der SPD. angehören, treffen sich am Donnerstag, 16. Juni, 16)� Uhr, im Lokal„Zur Rennbahn", Elsenstraßa, zu einer wichtigen Veranstaltung. Referent: Karl Dressel. Ein geifieskrankerVatennörder Wie er seine Mutter der Anstiftung bezichtigt. Der Dater- und Gatten-Totschlaasprozeß Kendziora, der seit Sonnabend in Moabit verhandelt wird, gehört vielleicht mit zu dem Grausigsten, was man in Moabit erlebt hat. Bor den Richtern steht ein Geisteskranker, der trotz.sechswöchent- licher Beobachtung in der Lrrenanstall und trotz eines sachverstän- digengutachtens. das seine Unzurechnungssähigkell für höchstwahr- scheinlich hält, auf die Anklagebank gebracht worden ist. Vielleicht. well das im Interesse der Mutter liegt, die er beschuldigt, ihn zur Tat angestiftet zu haben. Wenn man ihn sprechen hört, besteht kein Zweifel mehr: Dieser Mensch Ist geisteskrank: er leidet am Jugendirrsinn. Bruno Kendziora bestreitet nicht, am 1ö. April vorigen Jahres tödliche Schüsse auf seinen Dater abgefeuert zu haben. Er fügt aber hinzu: Auch meine Mutter wollte auf Voter schießen, sie hat auch mir ins Herz gezielt, sie hat mich schon längst morden wollen. Ich stand in ihrem„Hetzbann", sie hat mich wahnsinnig gemacht, ebenso den Vater. Als ich an fenem Morgen in die Nähe des Hauses kam, stand sie am Fenster und„fluktuierte" auf mich. Wie in einer Narkose ging ich In ihr Zimmer. Die pachte Bewegungen: Schießenl schießen! Ich schoß, schoß, schoß. Das war alles der Hetzbann meiner Muller. Sie hat den Vater jahrelang gepeinigt, hat mich als ihr Werkzeug mißbraucht. Ich bin ihr unglückliches Opfer, ich bin unschuldig, sie hat den Vater ermordet. Jetzt ist mir alles klar. So spricht der Angeklagte fetzt vor Gericht. In seinen ersten Aussagen schilderte er aber das Martyrium der Mutter, fein eigenes und da» der Geschwister. Den Vater stellte er als den allein Schuldigen an allem Unglück hin. Nach dem 10. Juli hieß es aber plötzlich anders. Seinen ersten Lebenslauf wollte ex nicht mehr wahr haben. Er schrieb einen zweiten. In dem er alles ins Gegenteil verkehrte. Er schrieb Briefe an die Mutter, in denen er sie in der gemeinsten Weise beschimpfte Er richtete Schriftsätze an den Untersuchungsrichter, die gleichfalls von Beschuldigungen der Müller nur so strotzten. Er machte wirre Zeichnungen mit ebenso wirren Unterschriften, die ein« Rechtfertigung für sich und für den Vater darstellen sollten und die schlimmsten Beschimpfungen feiner Mutter enthielten. Nun sei der„H-tzbann" von ihm gewichen, nun sei er gesundet von der schweren Krankheit, in der er Jahre hindurch gelebt habe. Da» alles setzte der Angeklagte heftig grimassierend in großer Ausführlichkeit dem Gericht auseinander und bezichtigt die"Müller hohnlachend der Lüge. Die Mutter muh das alles weinend anhören. Wie soll sie sich gegen den tranken Sohn ver- teidigen? Ein graufizer Anblick! Soll die Mutter wirklich auf Grund von Aussagen diese» Geisteskranken oerurteill werden? Die Verhandlung dürfte kaum in dieser Woche zu Ende gehen. Mt den lehten pfsrdeöroschken... In der Linden» und B e u t h st r a ß« bot sich dieser Tage ein elgsnarriges Bild: Rund fünfzig Droschken, mit mehr oder minder zugkräftigen Rosinanten bespannt, hatten Aufstellung genommen. Pttld waren all» Kaleschen besetzt und da die Nachfrage größer war als das Angebot, mußten noch einige hinzugeinietet werden. Jedem Gefährt war ein munterer Junge beigegeben, dessen Aufgabe es war. den Mitfahrenden dos alte Berlin zu. erklären". lind" sie alle machten ihre Sache gut. Unser jiznger Freund, er hieß Barchel, gab sich erdenkliche Mühe, die Eigenart der Altstadt in das recht« Licht zu rücken und plauderte lustig an Hand geschichtlicher Daten über Berlins Vergangenhell. Versteht sich, daß der etwa drei- bis vierhundert Meter lange Zug überall Aufsehen erregte. Be- sonders in den asten Gassen staute sich alles. Leierkastenmänner, günstige Konjunktur witternd, waren schnell zur Stelle und Huben zum fröhlichen Konzert an. Vorher aber ließ zu Ehren des Zuges die Parochialkirch« ein Ertralied ertönen. Nach der zweistündigen Umfahrt erwarteten Alt-Verliner Lotale die Teilnehmer, wo jeder nach einmal Berliner Histori« studieren konnte. Und der Zweck des Ganzen? Dr. Franz Lederer, der Arrangeur der Ausfahrt, will das Publikum anregen, sich bei Besickstigungen des alten Berlins der Pferdedroschke zu bedienen, um so den not- leidenden Kutschern zu Helsen. Darüber hinaus soll das Interesse für das historische Berlin gehoben werden. Die Herren in Rosa. Am Konzertteich im Berliner Zoo, wo die hochbeinigen Flamingos nachdenklich von einem Bein aufs andere treten, ging es in diesen Tagen hoch her. Menschen standen erwartungsvoll herum und aller Augen blickten auf«ine große Kiste, die Photo- graphen hielten ihr« Kästen gezückt. Das graue„Mariechen", die Hühnergans— ihr männliches Geschlecht wurde erst lange nack Ihrer Tauf« erkannt—, versah strengen Aufsicht-dienst: hält durch brummiges Ksfchnarre die Neugierigen in respektvoller Entfernung und hielt den Schnabel gezückt gegen den aufdringlichen Kurbel- mann, der ihr immer wieder ins Gehege kam. Endlich ist es so weit, der Kistendeckel fliegt hoch und heraus stolpern die neuen Antömm» ling«: 2 0 rosenrote Flamingos, Kubaner von Nationali- tat.' In fliegender Haft streben sie dem kühlen, beruhigenden Naß zu, vergebens versucht der Wärter, den einen oder den anderen für ein paar Sekunden vor die Linse zu zwingen. Die Beine führen hierbei einen wilden Jazz auf. die Langhälse verschlingen sich schlangen» gleich. Die Artgenosien bleiben al» schwimmende Kavalkade in ab» wartender Hallung. Das dauert aber bloß Sekunden, dann lchwim» men die alten Weißen mit den neuen Roten einträchtig umher und schon ist auch eine flott» Konversation im Gange. Die Reisenden nehmen auch gleich ihre erst« Berliner Mahlzell zu sich, sie tauchen unter und fiscken sich ihr Lieblingsgericht. Die bereits vorhandenen Flamingos sind nordafrikanischer Herkunft, ihr Federnkleid Ist zart» rosa, fast weiß, allerdings sollen sie ursprünglich auch kräftiger ge» färbt gewesen sein, man führt das Verblassen aus die verändert« Lebensweise, auf Klima und Sonnenwirkung zurück. Flamingos leben in Salzlagunen an flachen Küsten ferner Länder, aber auch in Europa, so z. B- an der Rhonemündung. Aktivität im LiteratU'vkrtricb. Der Zentralvorteiverlgg I. H. W. Dietz Nachf., Linbenstr. 3. tritt anläßlich der bevorstehenden Wahlen mit einem umfassenden Solortprogramm zur Verbrettung der parteigenössischen Zeitschriften und Broschüren auf den Plan. Er sucht 1 l) 0 Kolporteure(stshe Inserat in der heutigen Nymmer). um all« Mittel und Wege für die Wohl nutzbar zu machen. Der„Wahre Ja- l o L", ba ob 1. Juli wieder wöchentlich zum Preise von nur 15 Pf. erscheinen wird, die„JRZ" sJllustrierte Republikanisch« Zeitung) sow'.e die„Frauen weil" werden in diesen Wochen ganz aus den Wohlkainps eingestellt sein. Ebenso die beiden neuen Pro- schüren des Digtz-Verlag?„Landmann erwach«" und„Kampf d«m Betriebsfaschismus" hervorragende Waffen in diesem Kampfe. Bei der Walther-Ralhenau-Gedcnkfeler, die der Deutsche Republikanische Reichsbund am Freitag, dem 24. Juni, abends 8 Uhr, im Plenarsitzunassaale des Reichstags abhält, wird die Festrede Graf Harry Keßler halten, der in diesem Jahre von der Walther-Rathenau-Gesellschaft den Preis für seine Raths- nau-Blagraphle erhallen hat. Fern«: wird Ministerialdirektor Dr. Brecht, Vorsitzender der Walther-Rathenau-Gesellschaft, sprechen. Den Vorsitz wird Oberbürgermeister Dr. Luppe. Nürn- berg, führen. Todesstrafe in Thüringen. Weimar, 15. Juni.(Eigenbericht.) Am Mittwoch früh um 5 Uhr wurde auf dem Hos« des Land- gsrichts in Weimar der 46 Jahre alte Landarbeiter Paul D a ß l e r hingerichtet. Daßler, der aus Schön-Gleina in Thürin- gen gebürtig war, hatte im August 1931 in Bucha bei Jena, wo er als landwirtschaftlicher Arbeiter tätig war, der achtsäbkigeu Tochter emer Landarbeitersamilie einen Zehnmarkschein abgenommen, da» kleine Mädchen vergewaltigt und es dann umgebracht. Nach der Tat ging Daßler in eine Wirtschaft und versuLelte das Geld.__ wekleraussichteu für Berlin. Am Tage warm, trocken und meist heiter, mäßige bis frische nordöstliche Winde.— Für Deutschland. Im Südosten Deutschlands rasche Wetterbesserung: im übrigen Reiche weiterhin trockenes""d bestandige, Wetter mit etwas tieferen Temperaturen. Sport. Rennen zu Grunewald. «ureliuS-Renveu. l. Markgraf(Satdik): L. Hamlet: 3. Henriette. Toto: 12: 10. Play: 11. 12: 10. Ferner liefen: Dounnifaner(4.), Landes- Herrscher, Thüringen. Zperrmat-Hii.dcnrcnnen. 1. Wotan(Dturphy): 2. Marcianus: 3. streit- cesco. Toto: 70:10. Play: 15, 11, 14:10. sterner liefen: stlanutta(4.), Vloraenrot, stestkönigin igef.), Spala. Toreto-Renncn. 1. Schnecireiben tPrinten): 2. Ala: 3. Glasbläser. Toto: 26: 10. Platz: 17, 36, 14: 10. Ferner liefen: Inge(4.), Roterbcrg, Preta, Kriegsslagge. Palll-Neitllin. 1. Pilot(O. Schmidt): 2. Traumkönig: 8. Obstblüte. Toto: 23: 10. Platz: 13, 32, 14: 10. Ferner liefen: Stilet<4.1, Porcius. Lrontes, Piolett, Intermezzo. stockcubach-Rennen. 1 Kchrpseifer(&. Streit): 2. Machtarel: 8. Meute: 4. Llpenslieger. Toio: 152:10. Plav: 87. 22, 28, 28: 10, sterner liefen: Agitator(gef., tot), Törin, Henvil, Honesra, Dpi, Rentmeister, Blanken- stetit.strvb.ral!, Moira._„._. Ama-onen-Jaadrennei». 1. Herakles(Wolfs): 2, Petronla: 3. n-clet. Slatzt j(4.), sterro-Renuen. 1. stlicgenpilz(Hehler): 2. Erasi: 3. Gardeiäger: 4. Marc-llina. Toto: 148: 10. Platz: 18, 13, 12, 15: 10. sterner liefen: Toto: 32; 10. P würmchen. Pastor lay: 16 20, 18: 10. Ferner liefen: St. Robert, Glüh- (4.), Letzter Lerluch, struttdSberg, Lohland. i. 1. stlicgenpiiz(Hehler): 2. Crasi: 3. Gardeiäger: ..____________ ow: 148:10. Platz: 18, 13, 12, 15:10. Ferner ltestn: Melampos, Belgrano Ma»'s vor, Goldfee, Pizzarro, Pontiac, Pandora (gef., tot), Lotte, Calcutta, Posse. �VSoziMMeArSeiterjugendGroß-Zerlin Siniendunaen Kit biete Stubrtt nur an da» Iugendtetretarial ttzerli» SV S8 Lindenstrahe 2 vorn 1 Treove recht« Prsletarttche, vrchest-r der LAZ.: Heute 1516 Uhr Defaintvrod« In der Ä2J15., Neukölln, Aaiser.Friedrich-Str. 208—210. Heute. Doanerskag. 20 Uhr. Brniinolatz! Treffpunkt IS',) Uhr Telepbanzelle.— Sliidrc-ep'an It. R. F: Srommygr. 1:„Baz Kainmunistische Manifest", III.— ÄafcnhcOie: Waffertor. strahe 4: Heimabend.— Stoftjuffcr Ijt: Urbanstr. 167: ,.Da? Recht der Jugend im Setrieb".— SäpcnHt» Äicrtel: ManteuffeJftr. 7:„Wie benehme ich mich IN der AL.?— Süden: Spiel und Sport 1644 Uhr Katzbach-Sportolatz,— Schöne- bera M: Hiruptstr. 16:„SozlaNstische Wirtschaft, IN.— SScftcnS: Sportplatz Westend:„Einführung in den Marriamt»«"— Tegel! Schönebcrger Str. S; „llrbeilerrport".— Jlitoa: Frundsbernstr. 9; Frozen und Antworten politischer Art.— Zchlendorf- Dahlem: Waldschule, Schllcffcnftrafj«:„Tagespolitik". Werbeboxirk Pren. lauer Berg: Mitgiiedernerfammlung IV-H Uhr im Alters- heim Dtmuigcr Str. 62. Genosse Kurt Löwenstein spricht über„Einheitsfront". L-rbeb-lirk vften: Vorstandssitzung mit Delegiertenverfammlung zur Neu- wähl non Vorstandsmitgliedern. Wcrbcbezirk jtreu-beeg! IS Uhr Katzbach-Platz. Werbebczirk Neukölln, Mädel-Ak.ipgruppe: Aussprach« über„Neue Weae der Mädelarbeit", 20 Uhr. Heim Steinmetzstr. 114.—„Der Querschnitt� trifft sich 16% Uhr ebendort. Alle müssen pünktlich erscheinen. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". 6, fchält»!«»>>«: Berlin 6. 14, Sedastianstr 37-88 Ho, 2 Si E-usorstaltti. geben Donnerstag und Sonnabend non 10 Uhr eh können sporttreibende Kameraden das Stadion an dej Avus be. nutzen. Alle sporttreibenden Kameraden melSen sich bei Höra oder Lindnsr. In den Abendstunden ist der Kauspartleiter aus dem Platz.— Basscrsportabteilung Tegel! Eonnabend, IS. Juni, Eonnenwendscier des Ärbeiter-Kulturkartclls auf der Intel Hasselwerder. Treffpunkt der 31WA. 19 Uhr um Bootshaus. Sammeln der Boote zur Rundfahrt 19>» Uhr Tegeler Semeindebasen. Söst« willkommen.— Fried, ichehain, Kamerodschatt Memel: Donnerstag, Z6. Sunt, 29 Uhr. Kamerad- fchaftsuersammlung bei Neumann, Gubener Str. 43. Referent Bürgermeister Mielitz._ Deutscher Etperanto-Bund E. V., Ortsgruppe Berlin. Freitag, 17. Juni, 29 Uhr. in Berlin Zi. 64. HocketG-r Markt 1(Konditorei), Esperantovortrag non Herrn Ministerialrat Dr. Ellerbeck. Erddks! Mai bsreiUn I ade Opekia 6*4««u» FrücHtcn gcwnonn«« .Rezept 3llt Pfund Erdbeeren und 3lk Pfund Zucker(doch keinesfalls weniger) ohne Wasser tum Kochen bringen und il) Minuten brau. senddurchkochen.Hierauf eine Mormalflasche Opekta „flüssig" tu 86 Pfg. sowie den Safl einer Zitrone hineinrühren u. sofort in Gläser füllen. Genaueste Koch- anweisung mit Hezepten liegt jeder Flasche hei. Vorsicht beim Opekta-Ein- kouf I Kicht tu verwechseln mit ähnlich lautenden Geliermitteln. Opekta ist nur echt mit dem damp- lenäen Ui-Mlnuten-Topf. Ac.ilung Rundiunkl SI« hören uns, ctis Sander Serlln Jaden Mlllwoehvormittag von 10.35 bli 10.50 Uhr don „10 Minuten für ole dar Opeleta- Zücha.— »ahr ir\lsrassanten lehrvortrag tartsehri'tllche Hausfrau" aus Kaiagtdurchgab«! Traeüon-Opaicta IstOpakta In Pulverform von gleich hö Qujiüit wla Opsüta flüssig. Sautel zu 23 PTg. für e: ? Pfd. Marmalad«, und Karions zu<5 Pfg. für alwa 4! i von gleich höhar r efwa W»»»....._______ Marmelada. 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Ber» billigte Karten zu 75 Pf. werden vor Beginn der Führung ausgegeben. Er. werbslose Genossen erhalten in ihren Stempelstellen auf Antrag Freikarten. Gäste willkommen. 6. Abt. Donnerstag, 16. Juni, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Dobrohlaw, Swinemünder Str. 11. Diskussionsabend:„Politische Lage". <7. Abt. Sonnabend, IS. Juni, 18 Uhr, Flugblattverbreitung von Siedentopf, Muskauer Str. 55, aus. 165. Abt. Alle noch ausstehenden roten Fahnen, auch die der Bezirksführer und Vorstandsmitglieder, sind umgehend an den Genossen Bomke abzuliefern. 166. Abt. Freitag, 17. Juni, im Lokal„Stadttheater", am Marktplatz, Eltern- Versammlung.„Die bevorstehenden Elternbeiratswahlen", Referent Studien. rat Genosse Gustav Westphal. S rauenveranstaltungen. 139. Abt. Freitag, 17. Juni, 20 Uhr, im Jugendheim Schäneberger Str. 3," Funktionärinnensitzung. Bezirksausschuh für llrbeiterwohlfahrt. 41. Kreis Prenzlauer Berg. Donnerstag, 16. Juni, lS>,z Uhr, Aktenerledigung im Bezirksamt, Danziger Str. 61, Zimmer 29. Sozialistische Studentenschaft Berlin. Heute, Donnerstag, 16. Juni, Führung durch die sozialhygienischen Ein- richtungen des Bezirks Prenzlauer Berg. Treffpunkt lizz Uhr Dunckerstr. 64, am Bahnhof Prenzlauer Allee.— Freitag. 17. Juni. Mitgliederappell aller sozialistischen Studenten 20 Uhr im Saal I des Gewerkschaftshauses, Engelufer. Redner: Reichstagsabgeordneter Genosse Aukhäuser. Thema:„Di« Aufgabe» der deutschen Sozialdemokratie in der gegenwärtigen Situation". 2.„Dte Pflichten der sozialistischen Studenten im jetzigen Wahlkampf". Mitgliedskarte ist zur Legitimation vorzuzeigen. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Grosz-Berlin. Heute, Donnerstag, 19 Uhr, Arciskassiererkonfereuz in der Ge- schäftsstclle, Lmdenstr. 2. straße 47. Sterbetafel der Groß«Berliner Partei-Organisation 19. Äbt. Am 13. Juni verstarb unser Genosse, der Dreher Paul Becker, Griinthaler Str. 71, im 72. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Ein- äscherung findet am Freitag, 17. Juni, I2y* Uhr, im Krematorium Gerichtstraße statt. Negc Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. 45. Äbt. Genosse Paul Opitz, Wiener Str. 68, ist verstorben. Ein- 17. Juni, 13! i Uhr, Baumschulenweg. Beteiligung der freien äscherung Freitag, 17. Iv Genossen ist Pflicht. I Theater, Lichtspiele usw. ffftafs Thcafer Donnerstag, den 16. Jan» staatsopsr unter den Linden 20 Uhr Cosi ffan tulte StutLSdiauspielhaiis Cindinnennirkt. 20 Uhr Jeppsvom Serie Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Absdiledvon der Liebe Sfüdi.Oper Charlottenburs Bismarcksrraße i4 Donnerstag, 16 Juni Furnus Ii Erstaufführung fiianni Sdiicdii (Pucclri) Friedrich. Hüscfa, Fidesser Pelrusdika Strawinsky• Ballett Abramowitsch.Ühlen, Sydow, Groke, 1 rank. FgenJaul Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr WM liieater lUe S'l, Uhi Journalisten lustlp.nadi Gustav Freylan von Felix Joateson Musik: Tiieo Madtebeu Begie: U�inz Hilpert I esüni-Tlieaiei Täglich 81/* Uhr hafionna wo hisi Du? Erika v. TheMmann Luise Stösel Theo or Loos Josef Wedorn Hill Rose- 1 heater irole frankturtir StraBe 13 l«i. Waidrnl E 1 342' 8.30 Uhr Die eiserne lunglrau Oartenbühne 5.3'J Uhr Konzert u. Variete zigeunerliebe ■UHAP«». � Liniritt DU Pfennig anz im freien FEUERWERK | 1 öonnabend: Krim. Preisbewerb j! Wer sind die Drei? mgnugungf Restaurant Uerlins KBilPINSKi GENOSSENSCHAFT BERLIN U.UMGEGEND E.G.M.B.H. GEG-Rauchtabake Feinschnitt Neue Sorte....... 5O-gr.Pak.40Pf, Grobschnitt Negardorf BB.. Negardorf Prima Nagerdorf Extra 100-g-Pak. 70 Pf. . 90„ . tio.. GEG-Zigarren Krüli- und Nittelschnitt Hamburger KrOII.... 50-g-Pak. 45 Pf. 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Tagesordnung: Der Kampf um den Relchslarlf. BeschiuB* fassung Uber zu ergreifende MaBnahmen Es ist Ehrenpflicht aller Hilfsarbeiteru.-arbeiterinnen, an der Versammlung teilzunehmen, denn es geht um das Wohl aller. Zutritt haben alle Hilfsarbeiter und -arbeiterinnen. Verbandsbuch ist als Legitimation vorzuzeigen. Der Ortsvorstand: O. Gloth. ' Achtung! Neu eingeführt: Erttkl. deutscher Wermut nTriCStlnC nur 0. 86 O.TO Erstkl. Dessertwein„Exquisit", gold, ca. 22%•. 1.65 1.35 Erstkl. Dessertwein„Edelklasse", rot. ca. 22%.1.65 1.35 Erstkl. Dessertwein„Rubin", süß. ca. 22%.... 1.85 1,46 Echter Douro Portwein„Special", süß, ca. 18%. 1.85 I.SO Beachten Sie, bitte, meine Plakate in den Fenstern. Prima deutsche Weißweine... Liter 0.60% Fl. O.SO Prima spanischer Rotwein....„ 1.00% Fl. 0.80 Echte rote und weiße Bordeauxweine... 1/l Fl. 1.50 an Original Tarragona„Spezial", süß. Liter 1.20% Fl. 0.95 Feurig süßer Südwein„Dunkelgold"„ 1.20% Fl. 0.95 Original Malaga„Spezial"....„ 1.35% Fi. 1.10 Original Dessertwein„Ita"....„ 1.40% Fl. 1.15 Original Ital. Vino Vermouth..„ 1.15% Fl. 0.95 Erstklassiger Pepsinwein, die%-Liter-Flasche 1.25 Obstdessertweine, nur erste Qualltaten, von O.TO p. Ltr. an Feinster Zitronensaft-Orangeade, der ganze Liter... 1.30 Feinster Himbeer- u» Kirschsaft,..... 1.45 Spaz-Angebol: ...'-H bei 42 000 Flasch. erstkl au.deitsclL.■■■_, Weißweine v�VPT. U Prima Nordhäuser Branntwein Erstklassiger Aquavit...... Feinster Weinbrand, Verschnitt*« Prima Getreidekorn, ca. 40%.. „ Weinbrand„Masue"... Feinster Jamaika-Rum, Verschnitt Prima Edelliköre 30%..... Erstlciassige Edelliköre, bis 38%. Sämtliche Preise verstehen Liter sich 2.25 2.50 2.85 3.20 3.80 3. TO 4.20 ohne % Fl. 1.85 % FL 2.00 % FI. 2.25 % FI. 2.50 % Fi. 2.95 % Fi. 2.90 Vi FL 2.45 % FL 3.25 Glas SoinmerlrlMfiie O.»*»„ iSäcbs. Schweiz) O*& v �£' dt: empfiehlt sich bestens. C- Prospekte durch Gemeindeverwaltung und die Geschäftsstelle| des»Vorwärts" Am 14. Juni 19)2 starb unerwartet meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwieger. und Großmutter A.UKU8te Dietrich geb. Basteck im 83. Lebensjahre. Im Namen der Stnterbliebenen Kai*! Dietrich und Kinder, Griinthaler Straße 15, Beerdigung: Freitag, den 17 Juni. nachm. 3�/2 Uhr. von der Halle des Städtischen Friedhofs Pankow 111, Schönholz. Bahnhofstrahe SMitoMzMrtitol! Verwaliunesmitgiieder! Freitag, Ben 17, Juni 1932, feine Sitzung der Mittleren Ortsverwaltung. Liquidationen müssen bis Dienstag, den St. Juni, beim Kollegen Barteleit eingereicht sein, de Ortsverwaltung. jonnerstüfl, den 16. Juni, nachmiitags 4 Uhr Eewinnauszug 3. Klasse 39. Preubisch-Südbeulsche Staats- Lotterie. Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer aus die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1. Ziehungstag 15. Juni 1932 In der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne»n 10000 M. 399191 4 Eewinn- ju 3000 M. 117847 319992 6 Gewinn- ju 2000 OT. 87019 105391 336298 24 Gewinne ,n 1000 M. 5233 40067 45648 47319 72798 35887 205343 213315 223660 239320 236430 393864 36 Gewinne ,n 800 M. 37797 60385 80123 92896 108441.154804 222399 233620 234061 254046 265295 321149 323114 326373 330015 332639 376610 394400 46 Gewinne ju 500 91t, 2903 34016 46939 60764 87469 126289 144564 145348 196421 197506 209916 215334 233402 248808294039 304447 305545 314289 349186 352197 354718 374097 382095 In ber heutigen Nachmittagsziebung wurden Gewinne über 400 M. gezogen 2 Gewinne ,n 100000 M. 257250 2 Gewinne zu 50000 9N. 34667 2 Gewinne zu 10000 92. 136186 4 Gewinne zu 5000 92. 30945 126097* 2 Gewinne zu 3000 92. 229771 6 Gewinn« ,u 2000 92. 227029 321836 389257 23 Gewinne ,u 1000 92. 33466 65268 82600 104749 113757 126647 136353 166389 257658 262550 303890 332274 382606 397938 38 Gewinne zu 800 92. 803 14733 21471 22453 24002 50969 68076 98206 148766 163544 196686 212466 264846 267501 319115 335903 3461 77 365558 383145„.„ 46 Gewinne zu 500 92. 60 8685 1 5064 60587 62983 68821 69465 76603 80773 123037 171727 211364 238821 239985 282356 331033 338161 363183 373826 374392 375481 381247 390731 Direkter Verkauf vom Faß vom kleinsten Quantum ab und Kostproben gratis in allen mit* versehenen Geschäften. BERLI N *N, Brunnenstraße 42 *N, Müllerstraße 144 *N, Chausseestraße 76 O, Koppenstraße 87 *N, Prenzlauer Allee 50 *N, Schivelbeiner Str. 6 *0. Petersburger Str. 42 *SO, Grünauer Str. 15 *SO. KöpenickerSt.1 34-35 *W, Martin-Luther-Str.86 •Steglitz: Schloßstr. 121 ♦Lankwitz; Charlottenstraße 34 *S, Bergmannstraße 11 •Charlottenburg: Wilmersdorfer Str. 157 •Neukölln; Berliner Str. 12, Hermannstraße 27 und Bergstr. 66 ♦Schöneberg. Kolonnenstraße 7 *Oberschöneweide;Wilhelminenhofstr.40 •Moabit; Gotzkowskystraße 31, Wilsnacker Straße 25 •Spandau: Potsdamer Straße 23 •Weißensee: Berliner Allee 247 ♦Tempelhof: Berliner Straße 152 •Pankow: Wollankstr. 98 •Lichtenberg; Wismarplatz 1 Reinickendorf; Markstraße 45 Schmargendorf: Berkaer Straße 5 Potsdam: Charlottenstraße 69 Eduard Süßkind uerKaiile Radio Tapeten Zzillat. Kolonie straf« 9. 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Llnd Hitler geht gegen die Kleinen/ Oer„Angriff" unterschlägt die Notverordnung! Die von den Nazis tolerierte Adelsregierung hat das Kunststück fertiggebracht, die breiten Massen aufs neue mit Hunderten von Millionen zu belasten. Auf der anderen Seite ergeben sich aber Steuergeschenke sürdie Kreise, die in WirNichkeit hinter der Adelsregierung stehen, Steuergeschenke für die grohe und schwere Industrie, Schonung der großen Vermögen, Schonung der hohen Einkommen. Es ist das alte Lied von den Großen und den kleinen. Dem Großen wird gegeben, dem kleinen wird genommen. Besonders schroff ist der Gegensatz zwischen der Großindustrie und dem kleinen Handwerker, dem kleinen Händ» l e r. Gerade die Schichten des Handwerks und des kleinen Handels stehen der Wirtschaftskrise ungeschützt gegenüber. Nächst der Arbeiterschaft hat die Wucht der Krise wohl diese Schichten am meisten getroffen. In einer Art Verzweiflungsstimmung haben sich weite Kreise des deutschen Handwerks und des kleinen Handels in Deutsch- kanld den Nechtsparteien zugewandt. Man lief Adolf Hitler nach. Man hielt es sozusagen für Existenzverteidigung, Hitler zu wählen. Nicht alle im deutschen Handwerk und im Handel sind nun von den Wunderrezepten Hitlers überzeugt. Aber man sagte sich, man müßte Hftlcr die große Chance geben, seine Versprechun- gen zu verwirklichen. Damit wirklich„alles anders" werde! Nun, mit der Negierung von Popen hat Hitler die große Chance erhalten. Was ist die Regierung von Popen fiir sich? Eine Hand voll Leute, die selbst des Reizes der Persönlichkeit ent- behren. Leute, die nicht einmal durch Erfahrung und Tatkraft über- zeugen. Di« Regierung der Barone kann sich aber aus die Partei Adolf Hit.ers stützen. Von Adolf Hitler hängt diese Regierung ab. Sie muß tun, was e r will. Wenn Hitler für die kleinen ist, hätte die Notverordnung es zeigen müssen. Was ist herausgekommen? Sehen wir beispielsweise aus die Verminderung der Aufbringungssteuer. Diese Steuer trifft die großen Bstriebsvermögen von 500000 M. und mehr. Sie sollte für das Jahr 1932 rund 200 Millionen Merk erbringen. Hier setzen die Steuergeschenke der Adelsregierung ein. Die Ausbringungssteuer wird halb'ert. Die großen Vermögen haben nicht mehr 200 Millionen Mark, die das Kabinett Brüning gefordert hatte, zu zahlen, sondern mir 100 Millionen Mark. Ein echtes rechtes Steuergeschenk für die Großen! Nun aber die K l e i ne n! Der Reichsfinanzminister des Kabinetts Brüning, Dr. Dietrich, hat sich im vorigen Jahr durch- gesetzt, daß solche Geschäftsleute, die pro Jahr nur einen Umsatz bis 5000 M. erzielen, von der Umsatzsteuer befreit bleiben. Man muß sich darüber klar sein: diese Regelung des Kabinetts Brümng war eine großzügige Hilfsaktion für das Gewerbe und den Handel. Zwei Prozent Umsatzsteuer— das macht für die umgesetzte Mark wenig aus. Aber für das ganze Jahr summieren sich die Posten. Der kleine Handwerker und der kleine Geschäststreibende werden die Erleichterungen, die das Kabinett Brüning gewährte, zu schätzen gewußt haben. Viele sind damit über das Gröbste hinweg- gekommen. Damit hat das Adelstabinett Schluß gemacht. Auch der Umsatz bis 5000 M. hat jetzt Umsatzsteuer zu zahlen. Dazu kommt: Früher mußten die Kleinen nur 0,85 Proz. zahlen. Heute sind es ' 2 Proz! Die Regierung nimmt an, daß die neue Regelung der Umsag- steuer bis 5000 M. Umsatz 150 bis 200 Millionen Mark einbringen wird. Um dergroßenundschwerenIndustrie, den Trusts und Konzernen, das Steuergeschenk von >00 Millionen Mark bei der Aurbringungssteuer machen zu können, werden die schwachen Schultern des Mittelstandes mit 200 Millionen Mark belastet. Dazu konnuen noch indirekte Härten. Durch die neue Nazinotvcrordnung wird das Volkseinkommen abermals »n, 1 ,5 Milliarden Mark gekürzt. Das werden wir bald im Geschäftslebcn merken. Wer sich bisher noch einen Anzug kaufen konnte, wird darauf verzichten müssen. Wer kann sich noch mit ruhigem Gewissen ein Glas Vier oder eine Zigarre leisten? Immer heißt es, die Ausgaben dem gekürzten Einkonunen anzupassen. Ueberall wird man die Einkmnmensschrumpfung merken. Gerode die kleinen Geschäftsleute werden die wiedereingeführte Umsatzsteuer tragen müssen, weil die Preise ja einen Aufschlag nicht mehr erlauben. Adolf Hitler hat nichts dagegen getan! Soweit die kleinen an ihn glaubten, sind sie belogen und betrogen worden. Er hat seine TNacht für die Großen eingesetzt. Aber die Dinge sind noch viel toller! Der„Angriss" hat in seiner gestrigen Nummer, obwohl die Notverordnung bereits 24 Stunden im Ivorllout vorlag. den Inhalt der Notverordnung seinen Lesern unterschlagen!!! Werdet ihr jetzt wach, ihr armen Kälber des Mittelstandes, die ihr mit solcher Begeisterung eure eigenen Metzger gewählt habt? „Getreidepreise herauf!" Oer Landbund forderi.— Verhandlungen.— Oie Nazis dafür! Zu den nächste« Tagen wird eine Besprechung beim Reichs- ernöhrungsminister stattfinden, in der noch Maßnahmen gesucht werden soll, um die Getreidepreise zu steigern. Eine diesbezügliche Forderung ist vom Rcichslandbund an de« neuen Reichsernährungsminister ergangen. Die Ding« liegen so, daß die kurze Jnflationshausse an den deutschen Produktenbörsen nichts brachte. Die Preistreiber hatten auf den Gctreidemärkten Pech. Dazu herrscht ein äußerst g ü n- stiges Getreidewetter. Man rechnet, zum mindesten für Deutschland, mit einer guten Getreideernte. Umfangreiche Getreide- ernten müsien natürlich auf den Preis drücken, und das trat auf den Getreidebörsen in den letzten beiden Wochen ein. Von Tag zu Tag ergaben sich sowohs für Roggen als auch für Weizen und besonders fiir die späteren Lieferungen ganz erheblich« Ab- s ch l ä g e. Es stellte sich heraus, daß die Landwirte, die vor etwa »ier bis sechs Wochen ihr Getreide verkauften, richtig spekuliert hatten. Sic haben noch Höchstpreise für Getreide erzielt. Dagegen sind die Landwirte, die im Juni und Juli, kurz vor der Ernte, mit noch höheren Preisen rechneten und nicht verkauften, gründlich rein- gefallen. Auch hat sich herausgestellt, daß die Getreidevor- röte in der Hand der Landwirtschaft und der ersten Hand größer sind, als man angenommen hatte. Die Großagrarier wollen sich mit diesen natürlichen Vorgängen nicht abfinden. Wofür hat man schließlich„seine" Regierung und„seinen" Rcichsernährungsminister? So ist es zu den ange- setzten Besprechungen im Reichsernährungsministerium gekommen. Ziel der Besprechungen ist: Getreidepreissteigerung auf jeden Fall! Das hohe Preisniveau für Getreide soll gehalten werden, ohne Rücksicht auf die Verbraucher und auf die Bäcker. Interessant sind die Mittel, die man für die weiteren Preis- steigerungen einsetzen will. Sie gehen vorzugsweise dahin, daß der Reichsernährungsminister eine weitere Weizeneinfuhr noch Deutschland sofort abstoppt. Man rechnet damit, daß mit Verknappung der Weizenversorgung die Getreidepreise dann allgemein gehalten werden können. Run liegen die Dinge so. daß die Weizeneinfuhrkontingente schon verteilt sind. Eine Unterbindung der Einfuhren ist tech nisch unmöglich und wird wirtschaftlich auch nicht billig sein. Andererseits genügen die Weizenbestände in Deutschland nicht. Nach einer Erhebung des Statistischen Rcichsamts, die am Mittwoch ver- öffentlicht worden ist, machen die Weizenbestände in Deutschland im Monat Mai bei Mühlen und Bäckern usw.. also die Bestände der sogenannten zweiten Hand, 318 000 Tonnen aus gegen 355 000 Tonnen im April und 452 000 Tonnen im Monat März. Die Ab- nahm« in den Wcizcnbeständen hat sich zwar verlangsamte immer- hin ist aber eine Menge abgegangen, die etwa dem Bedarf für einen halben Monat entspricht. Das b e w e i st die Unmöglichkeit. die Weizeneinsichr abzustoppen. Den Aermsten wird jetzt die Unterstützung gekürzt. Dos Brot könnte' etwas billiger werden. Das darf nicht fein. Dos wallen die Großagrarier nicht. Mir warnen! Wie stehen die Nazis zu den Forderungen des Landbundes? Wir lesen im„Angriss" vom Wittwoch. dem 15. Zuni, also von gestern: „Der Reichslondbund hol ein« Entschließung angenommen. in der er sich bereit erklärt, sein« Ersahrungen und seinen Rat für positive b a l d i g st einzuschlagende hilss- und Rettungs- wege nachdrücklich zur Verfügung zu stellen, um das vaterländische Erneuerungswerk nach Kräften zu fördern.— hassen wir, daß die Regierung von diesem Angebot auch Gebrauch macht..." „hassen wir, daß die Regierung von diesem Angebot auch Gebrauch macht." Ver„Angriff" macht sich die Forde. rungen des Landbundes ausdrücklich zu eigen!! Schlechter Maschinenbau im Mai. Der Verein Deutscher Maschinenbauanstalten meldet für den Monat Mai einen Rückgang der Aufträge und zwar im Inlands- und im Auslandsgeschäft. Während in den legten beiden Monaten ein gewisse Belebung eingetreten war, ist das Geschäft gegenwärtig wieder auf den Tiefstand des Vorjahres zurückgeworfen worden, als die Finanzkatastrophe einsetzte. Der Verein verweist darauf, daß die gegenwärtige Beschäfti- gung, etwa 30 Proz. der Normalbeschäftigung, zur Hälfte aus dem Export beruht. Jeder störende Eingriff in den Außen- Handel mühte unter den gegenwärtig, aufs äußerste gespannten Verhältnissen eine Katastrophe für die deutsche Wirtschaft bedeuten und den wichtigsten Binnenmarkt der deutschen Landwirt- schaft auss schwerste bedrohen. Diese Ausführungen der deutschen Maschinenbauindustrie zielen auf die wahnsinnigen Forderungen des Reichs- landbundes hin, die, wenn sie verwirklickit werden, den deutschen Außenhandel zerschlagen müssen. Wie die Nazis zu den For- derungen. des Reichslandbundes stehen, siehe oben unter„Getreide- preise herauf". Oer Linoleumstandal. 17 Mill. Sonderabschreibungen, vor allem au? Sarlino, ?ieim«i. Die Abschlüsse � der Gesellschaften der L i n o l e u m- U n i o n für das Jahr 1931 sind die Quittung für eine sinnlose Er- sparnispolitik, die als einziges wirtschaftliches Ziel das Monapol. das Preisdiktat auf dem europäischen Markte verfolgte. Die Deutsche Linoleum- Werke A.-G., aus dem Zusammen- schluß oller bedeutenden deutschen linternehmen entstanden, hat einen Teil ihrer Betriebe in Deutschland rücksichtslos stillgelegt und die Arbeiter auf die Straße gesetzt. Anstatt zu exportieren, be- teiligte man sich an zahlreichen Unternehmen des Auslandes: beim Ankauf der Beteiligungen war kein Kurs zu hoch. Die Spitze des europäischen Linoleumkonzerns ist die Continentole L i n o l e u m- U n i o n, Zürich, in die die Beteiligringen an den europäischen Werken eingebracht wurden: diese wiederum be- sitzen die Aktien der Union. Der Abschluß für 1931 steht im Zeichen der Pleite der iran» zösischen Gesellschaft Sarlino, Reims. Die Aktien dieses Unternehmens mußten restlos die Forderungen um ein Drittel abgeschrieben werden. Mit den Abschreibungen fiir das stillgelegte Werk in L i b a u belaufen sich die S o n d e r o b s ch r e i b u n g c n des Konzerns aus 17,1(im Vorjahr bereits 5,5) M i 1 l. M k.: die ordentlichen Abschreibungen sind mit 3,2 Mill. Mk. fast so hoch wie im Vorjahr(3,5 Mill. Mk). Bei einem Kapital von 55,5 Mill. Mk. ergibt sich ein B e r l u st von 16,8 Mill. M k., der auf die Konzerngesellschaften verteilt wird: die Union selbst trägt 5,7 Mill., aus die Deutsche Linoleum- Werke A.-G. kommen 6,05 Mill., auf die Slbweizer Gesellschaft