BERLIN Donnerstag 16. Zum 1932 10 Pf. Ar. 280 B 140 49. Iahrgans ErscheinttSslich außer Sonntags. AiiSltiit Ad»nvau««adc t rt.Seriearte" ScmafcrtK f 6 1 6rte« ilaigadk. 75 rro ffiodie, 3J5 9H ere TOcnai (tneen»7 Tr. menaUidi rut ZuNrllung bli Hau«) tm esraoi MtUiai.®« ft b nu 3 3,87 M. rtaschlirßliib 60 Pf. Doütrttnojl. and 72 Pf. Deftbrftrtlaebübtrn. Sjialcuiigajße x/eb An z etgenp rrt«: Die etnsvaltige Mtlltmeterieil« 20"VU Reklamezeile 2.— M Ermäßigungen nach Tarif.'Vostscheckkonto: Borwärtt-Berlag G. m. V. H.. Berlin Rr. 37 S36.- Ter Verlag behalt sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktion and Ervedttion: Berlin GW 68. Lindenkir s Fernsprecher: Dönhoff(A 7> 292—297 Aotverorönete SA! vWwH Aufhebung des Verbots— aber mit schweren Bedenken Von morgen ab darf also die SA. wieder marschieren! Von morgen ab darf sie wieder Uniform tragen! Die Notverordnung vom 11. Juni und die von heute bilden ein untrennbares Ganzes. Beide sind von einer Re- gierung erlassen, die sich auf N a t i o n a l s o z i a l i st e n und Deutschnationale stutzt. Von der Politik dieser Regie- rung ist die große Hunger-Nolverordnung e i n Bestandteil und die Aushebung des SA.-Berbots ein anderer. Für den politisch aufgeklärten Staatsbürger wird es in Zukunft unmöglich sein, einen Nationalsozialisten in Uniform zu sehen, ohne'an die Kürzung der Kriegsbeschä- digtenrente, oder an die Wiedereinführung der Salz- steuer, oder an den Raub, der an den Versicherten der Reichs- anstatt verübt worden ist, denken zu müssen. Die kleinen Geschäftsleute, die kleinen Landwirte werden durch den Anblick einer SA.-Uniform an die Totlache erinnert werden, daß fortab— als Dank dafür, daß sie bisher so brav nationalsozialistisch gewählt haben— auch der Umsatz unter 5000 Mark einer zweiprozentigen Umsatzsteuer unterliegen wird. Kurzum, jeder Staatsbürger wird sich beim Anblick einer SA.-Uniform unwillkürlich an dasjenige aus der Nowerord- nung vom 14. Juni erinnern, womit er gerade am freund- lichsten bedacht worden ist. Bon dieser nützlichen Wirkung abgesehen, ist die Auf- Hebung des SA.-Verbots ernStückausdemTollhaus. Zum erstenmal in der Geschichte ereignet sich der Fall, daß eine Organisation, die unzählige blutige Gewalttaten auf dem Gewissen hat, mit dem Recht, Uniform zu tragen, aus- gestattet wird. Dieser Vorgang ist so ungeheuerlich, daß ganz offenbar auch die gegenwärtigen Inhaber der Reichsgewalt ein ge- wisies Entsetzen vor ihm empfinden. Auch ihnen fehlt offen- bar nicht das Gefühl dafür, was angerichtet wurde, als man mit den Nationalsozialisten feste Bindungen einging. So erklärt sich auch das Schreiben des Reichs- p r ä s i d e n t e n, das von den schwersten Besorgnissen diktiert ist und den ganzen Widersinn der neuen Notoerordnung grell beleuchtet. Wenn man— mit gutem Gninde!— als Folge der neuen Verfügung Zustände befürchtet, die die Ver- hängung des Belagerungszustandes notwendig machen, so ist das eigentlich schon die schärfste Kritik, die an dieser Verfügung geübt werden kann. Durch die neue Notverordnung werden„politische Ver- bände, deren Mitglieder in geschlossener Ordnung aufzutreten pflegen", dem Reichsminister des Innern in solcher Weise unterstellt, daß dieser eigentlich ihr hoch st er Borge- s e tz t e r wird. Sie haben sich seinen Anordnungen zu fügen, tun sie es nicht, so werden sie aufgelöst. Der Reichsminister des Innern übernimmt damit für das Tun jener Verbände die volle Verantwortung, um die ihn niemand beneiden wird. Er übernimmt ganz be- sonders die Pflicht, sich gegenüber den verschiedenen Ver- bänden völlig unpartei ssch zu verhalten. Herr v. Gayl wird sich aber wohl selber fragen, ob nach den Erlebnissen der letzten Tage ein Vertrauen zur Unpartei- lichkeit dieser Regierung noch vorhanden sein kann. Und selbst wenn man bei Herrn v. Gayl den besten Willen vor- aussetzt, wer bürgt für den Nachfolger? Kann es nicht eines Tages so kommen, daß— das Reichsbanner aufgelöst wird, weil die SA. krawalliert? Jeder auch nur schüchterne Versuch, die Unparteilichkeit zu wahren, muß die Reichsregierung in Konflikt mit der Nationalsozialistischen Partei bringen. Woher will s i e die Kraft nehmen, diesen Konflikt durchzufechten? Ueber die Aufhebung des Uniformverbots sagt die amt- liche Begründung: Die Relchsregierung hat sich zu seiner Aufhebung nicht ohne Bedenken entschlossen. Sie erwartet, daß gerade die Wieder- .zulasiung der Unisorm die Führer in die Lage oersetzen wird, un- bedingt- Disziplin unter den Mitgliedern der Verbände zu halten. Sollt« sie sich hierin getäuscht sehen und die Wieder- zulasiung der sogenannten Parteiuniformen Zusammen stoße zwischen den Anhängern der gegnerischen Verbände zur Folge haben, so würde sie genötigt sein, mit scharfen Bestimmungen, zu denen ihr das oben erwähnte Aufsichtsrecht die Handhabe bietet, gegen die schuldigen Verbände einzuschreiten. Das ist nicht gerade die Sprache des guten Gewissens. Man hat Angst von den Geistern, die man gerufen hat, weil man nicht weiß, wie man sie wieder los wird. Die republikanisch gesinnte, verfassungstreue Bevölkerung ist entfernt von jedem Verdacht, Gewalttätigkeit zu wollen oder zu suchen. Ader sie wird sich auch keine ge- fallen lassen! Fürst eheißtes.nichtprovoziereit und sich nicht provozieren lassen, aber sich entschlossen selber zu helfen, wo die öffentliche Gewalt versagt! Der Inhalt der Notverordnung Die politische Notoerordnung trägt den Namen ..Notoerordnung gegen politische Ausschreitungen". Sie tritt an die Stelle der sieben früheren politischen Notverordnungen. Dem wesentlichen Inhalt noch handelt es sich bei der heutigen Notverordnung um eine Kodifizierung des politischen N o t r« ch t s. Alle Besttinnrungen früherer Notverordnungen, die in der heutigen Notoerordnung nicht enthalten sind, haben dem- nach keine Gültigkeit mehr. Infolgedessen ist in der heutigen Verordnung weder vom SA.- Verbot noch vom Uni- s o r in v e r b i) t irgendwie die Rede. Die Notverordnung tritt nach dem Tag« der Verkündung, also am morgigen Freitag, dem 17. Juni, in Kraft. Sie gliedert sich in vier Abschnitte. Der erste Abschnitt enthält B c st ii Innungen über Versammlungen und Auszüge. Der zweit« Abschnitt trägt die llcberschrift„Periodische Druckschriften". Der dritte Abschnitt befaßt sich mit den politischen Verbänden. Der vierte Abschnitt enthält die Strafbestimmungen, die zum Teil erheb- lich verschärst worden sind. Außerdem befinden sich im Anhang noch eine Reihe von Ueberleitungsvorschriften. Die Bürgerkriegsarmee darf marschieren. Die neue Notverordnung stellt die volle Demonstrations- f r e i h e i t wieder her. Sie nimmt den Landesbchörden die Mög- lickikeit. Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel sowie Laftwagenfahrten wegen Gerährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung von vornherein zu verbieten, soweit ein solches Verbot sich nicht auf die Reichsverfasiung stützt. Diese Bestimmung steht im engsten Zusammenhang mit der Aufhebung des SA.- Ver- bots und des Uniformverbots. Die SA. darf nicht nur wieder organisiert werden, sie darf nicht nur ihre neuen Uniformen zeigen, sie darf vielmehr auch marschieren! Die Notoerordnung enthält die Bestimmung, daß der Reichs- minister des Innern für das Reich oder für einzelne Länder ein Die neue Uniform „Schnike Uniform, wer bezahlt die nur?" �Dummer Kerl— 0u!" Demonstrationsverbot erlassen kann. Der Versuch der Wieder- Herstellung der Demonstrationssrecheit und der Wiederzulassung von Lastwageniahrten ist während des hessischen Wahlkampfes von der hessischen Regierung unternommen worden. (<0 hat sich sofort herausgestellt, daß die Bürger- kriegsarmce des Herrn Hitler diese Lockerung zu schamlosem blutigem Terror gegen politisch Anders- denkende mißbraucht hat. Die hessische Regierung hat sich deshalb gezwungen geiehen, De- monstrationen und Lastwagcnsuhrten wieder zu verbieten. Die neue Notoerordnung der Reichsregierung fällt der hessischen Re- gierung in den Arm. Man muh die ernsthafteste Befürchtung haben, daß am Freitag, Sonnabend und Sonntag in de» letzten Verwarnung— an wen? Ein(Schreiben des Zieichspräsidenien. Der Reichspräsident hat an den Reichsministcr des Innern Freiherrn von Gayl folgendes Schreiben ge- richtet: „Sehr geehrter Herr Reichsminister! Anbei über- sende ich Ihnen die von mir vollzogene Verordnung gegen politische Ausschreitungen zur Ver- öffentlichung. Ich habe die mir von der Reichsrcgierung vorgeschlagenen weitgehenden Milderungen der bis- herigen Vorschriften in dem Vertrauen darauf vorgc- nommen. daß der politische Meinungskampf in Deutsch- land sich künftig in ruhigeren Formen ab- spielen wird, und daß Gewalttätigkeiten unterbleiben. Sollte sich diese Erwartung nicht er- füllen, so bin ich entschlossen, mit allen mir ver- f a s s u n g s m ä ß i g z» st e h e n d e n Mitteln gegen Ausschreitungen jeder Art vorzugehen. Ich ermächtige Sie, diese meine Willensmcinung bekanntzugeben. Mit freundlichen Grüßen bin ich Ihr ergebener gez. von Hindenburg." Tagen des hessischen Wahlkampfes offen anarchische Zustände die Folge sein werden! Diese Befürchtungen gelten nicht nur für H e s s en! Wenn der Reichsminister des Innern nicht unmittelbar von dieser Kann- bestimmung Gebrauch macht, wird die volle Verantwortung für alles, was die Folge des öffentlichen geschlossenen Auftretens der Hitlerschen Bürgerkriegsarmee sein kann, ihm zur Last sollen! Dieser Teil der Notverordnung wird im übrigen voraussichtlich zu ernst haften Konflikten mit jenen süddeutschen Ländern führen, die klar zu erkennen gegeben haben, daß sie sich gegen den organisierten Terror der Hitlerschen Bürgerkriegsarme« selbst schützen werden. Die Behandlung der presse. In den Vorschriften über politische Ausschreitungen in periodischen Druckschriften wird die Verpflichtung zur vorherigen Vorlegung von Plakaten und Flugblästern aufgehoben. Die Gründe, die zu einem Verbot rechtsertigen, sind im wesentlichen früheren Notverordnungen entnommen. An die Stell« der Bestimmung, daß ein Verbot wegen Gefährdung der öffentllchen Sicherheit und Ordnung erfolgen kann, wie die Bestimmung, daß ein Verbot«folgen tan» auf Grund einer Veröffont» Matuska und die Geister Beginn der Zeugenvernehmung im Prozeß des Eisenbahnverbrechers lichung.dielebenswichtigeJnteressendesStaates dadurch gefährdet, daß unwahre oder entstellte Tatsachen behauptet oder verbreitet werden. Das ist eine überaus gefährliche Kautschutbeftimmung�die die Möglichkeit zur Unterdrückung selbst objektiv wahrhafter Kritik er- öffnet! Im übrigen werden die Derbotsfristen abgekürzt. Auflagenach- richten dürfen künftighin nur noch von Landesbehörden im Ein- vernehmen mit dem Reichsminister des Innern erfolgen. Die Verordnung. Die Verordnung des Reichspräsidenten gegen politische Aus- schreitungen vom 14. Juni 19Z2 Enthält in ihren fünf Abschnitten folgende Bestimmungen: Abschnitt I: Versammlungen und Aufzüge. Nach§ 1 können öffentliche polltische Versamm- lungen, sowie Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel aufgelöst werden, 1. wenn in ihnen zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechtsgültige Verordnungen oder die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen Anordnungen der ver- fuffungsmäßigsn Regierung oder der Behörden aufgefordert oder angereizt wird; 2. Organe, Einrichtungen, Behörden oder leitende Beamte des Staates beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden; 3. eine Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen, Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Ver- ehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden: 4. zu einer Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder ollgemein zu Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen aufgefordert oder an- gereizt wird.. Nach Z 2 ist die Polizeibehörde befugt, in jede öffentliche Versammlung Beauftragte zu entsenden. Die Be- auftragten müssen sich dem Leiter der Versammlung zu erkennen geben, der ihnen einen angemessenen Platz einräumen muß. Bei Verweigerung der Zulassung des Beauftragten kann die Versamm- lung aufgelöst werden. Nach Z 3 ist die Polizeibehörde verpflichtet, dem Leiter der Der» sammlung die Gründe für die Auflösung mitzuteilen, falls dieser das binnen drei Tagen beantragt. Die Auflösung kann nach den Bestimmungen des Landssrechts angefochten werden. Nach§ 4 kann der Reichsminister des Innern für das ganze Reichsgebiet oder einzelne Teile anordnen, daß öffent- liehe politische Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel: 1. der Ortspolizeibehörde vorher anzumelden sind; 2. verboten oder statt dessen unter einer Zluslage genehmigt werden können: 3. aufgelöst werden können, wenn sie nicht angemeldet oder wenn sie verboten sind, oder wenn von den Angaben der Anmeldung absichllich abgewichen, oder wenn einer Auflage zuwidergehandelt wird. Zuwiderhandlungen können mit Gefängnisstrafe und Geld- strafe geahndet werden. Abschnitt II: periodische Oruckschristen. Der§ 5 bestimmt, daß Schriftleiter und Verleger einer perio- dischen Druckschrift verpflichtet sind, amtliche Kundgebungen und amt- liche Entgegnungen(sogenannte Auflagenachrichten) unentgeltlich aufzunehmen. Oberste Landesbehörden können die Aufnahme einer Kundgebung nur im Einvernehmen mit dem Reichs- mini ft er des Innern verlangen.(Eine Beschränkung, die neu ist.) Der Abdruck hat u n v e r z ü g l i ch zu erfolgen, eine Stellungnahme zu einer Entgegnung ist in der gleichen Nummer unzulässig. Der Reichsminister des Innern kann über die Art und Weife des Abdrucks Vorschriften erlassen und die Zahlung einer Ver- gütung vorschreiben, wenn der Abdruck einen bestimmten Umfang überschreitet. § 6 enthält die Neuregelung der Verbotsgründe für periodische Druckschriften. Periodische Druckschristen können hier- nach oerboten werden: 1. wenn in ihnen zum Ungehorsam gegen Gesetze oder rechts- gültige Verordnungen oder die innerhalb ihrer Zuständigkeit ge- trofsenen Anordnungen der verfassungsmäßigen Regierung auf- gefordert oder angereizt wird: 2. wenn in ihnen Organe, Einrichtungen, Behörden oder leitende Beamte des Staates beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden: 3. wenn in ihnen eine Religionsgemeinschaft des öffentlichen Rechts, ihre Einrichtungen, Gebräuche oder Gegenstände ihrer religiösen Verehrung beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden: 4. wenn in ihnen eine Veröffentlichung enthalten ist. die lebenswichtige Zntercfsen des Staates dadurch gefährdet, daß un- wahre oder entstellte Taifachen behauptet oder verbreitet werden: ö. wenn als verantwortlicher Schriftleiter dem Verbot des Reichsgcsetzcs vom 4. März 1931 zuwider jemand bestellt oder benannt ist, der nicht oder nur mit besonderer Zustimmung oder Genehmigung strafrechtlich verfolgt werden kann: 6. wenn den Borschristen des A 5(Auflagenachricht) oder den dazu erlassenen Ausführungsvorschriften zuwidergehandelt wird. Die Verbotsdaucr darf bei Tageszeitungen 4 Woche», in anderen Fällen sechs Monate nicht überschreiten. Ein auf Grund des Republikschutzgesetzes erlassenes Verbot umfaßt auch sämtliche Kopfblätter sowie jede Er s a tz- d r u ck s ch r i f t. Nach Z 7 sind zuständig für den Erlaß von Verboten periodischer Druckschriften die obersten Landesbehärden oder die von ihnen bestimmten Stellen. Gegen das Verbot ist die Beschwerde an einen Senat des Reichsgerichts gegeben Die Beschwerde ist bei der Stelle einzureichen, gegen deren Anordnung sie gerichtet ist. Diese hat sie unverzüglich der Oberlandesbehörde vorzulegen. Hilft diese der Beschwerde nicht ab, so hat sie sie un- verzüglich an den Reichs mini st er des Innern weiterzu» leiten. Der Reichsminister des Innern kann der Beschwerde ab- helfen oder sie dem Senat des Reichsgerichts zur Entscheidung vor- legen. Gegen eine Entscheidung des Rcichsminifters des Innern kann die oberste Landesbehörde die Entscheidung des Senats des Reichsgerichts anrufen. Der Reichsminifter des Innern kann die oberste Landesbchörde um das Verbot einer periodischen Druckschrift ersuchen In Streitfällen kann die oberste Landcsbehörde, wenn sie einem solchen Ersuchen nicht entsprechen will, das Reichsgericht anrufen. Erklärt dieses das Verbot für nicht zulässig, so hat die oberste Landesbehörde dem Ersuchen sofort zu entsprechen. Nach 8 8 muß ein Verbot auf Grund dieser Verordnung oder des Republikschutzgesetzes ohne sachliche Nachprüfung sofort auf- gehoben werden, wenn die Beschwerde nicht spätestens am fünften Tage nach ihrer Cinlegung der Stelle zugeleitet ist, die sie dem Reichsgericht vorzulegen hat. Abschnitt IN: politische Verbände. §9. 1. polllifche Verbände, deren Milgsieder in g e- ich lossener Ordnung össenllich auszulreien pflegen, sind aus Verlangen des Relchsmlnisters des Innern verpflichtet, ihm ihre Satzvage« und sonstige« vestlmmunge« über ihre Wien, 1ö. Zuni. Der Prozeß gegen Sylvester Matuska wurde heule mit den Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Malueka macht einen ruhigen und frischen Eindruck. Er hat. ebenso wie in der vorigen Nacht, aus- gezeichnet gefchlafew. Er schenkt der Wett sein Herz. Heute morgen suchte ihn vor dem Derhandlungsbeginn fein Ver- teidiger Dr. E t t i n g e r auf. M a t u s k a erklärte ihm pathetisch, daß er gestern der Welt sein halbes Herz geschenkt habe und ihr heute die zweite Hälfte schenken wolle. Seine große Rede werde er erst am Schluß des Prozesses halten. Eine Enttäuschung schien Matuska allerdings erlebt zu haben, als er heute den Gerichtssaal betrat: die Inhaber der Platzkarten haben sich mit dem Erscheinen zur Verhandlung Zeit gelassen und als Matuska die breiten Lücken im Zuhörerraum erblickte, schüttelte er mißbilligend den Kopf. Dann begann das bei ihm übliche Mienenspiel: er zog Grimasien, mur- melte unverständliche Worte und schien zeitweise völlig geistes- abwesend. Das Gericht wird im Laufe des heutigen Tages 24 Zeugen vernehmen; unter ihnen befinden sich nur zwei Frauen, wie es überhaupt charakteristisch für diesen Prozeß ist, daß Frauen in chm fast gar keine Rolle spielen. Polizeikommisfar Dr. Böhm, der als Zeuge vernommen wurde, erklärte, daß er Matuska nach dessen Verhaftung wieder» holt verhört habe. Zuerst zeigte sich Matuska ruhig, dann wurde er von krampfartigen Zuständen befallen, zeigte sich ganz verzweifelt und sprach wirr durcheinander von Visionen und Geistererscheinungen. Ucberhaupt habe sich das Verhör zeitweilig stark in den Bahnen der vierten Dimension bewegt. Erst, als Matuska endlich zugab, daß diese Erzählungen auf freier Phantasie beruhen, habe man in seine Angaben Ordnung bringen können. Seine Schilderung der Vorgänge sei richtig ge- wesen. 20 Zahre unter Geisterdruck. Der Vorsitzende ruf nun noch einmal Sylvester Matuska vor und fragt ihn:„Sie haben uns gestern wiederholt hier von drei Geistern erzählt, die Sie beherrscht haben sollen: von einem Geist „Bergmann", dann„Dr. Meyer" und„Leo". Im Laufe des Ver- hörs haben Sie diese Angaben immer abgeschwächt, so daß die Geister sich schließlich in Nichts verflüchtigten. Erklären sie uns rnHi klipp und klar: Hallen Sie auch heute noch die Behauptung ausrecht, daß Sie unter dem Druck einer derartigen Perfönllchkcit gehandelt haben?" Matuska mit weinerlicher Stimme:„Natürlich halte ich aufrecht. Ich stehe seit 20 Iahren schon unter diesem Druck. Leo Schabenekt und Bergmann habe ich immer gesehen." Vors.:„Wer ist dieser Schabenski?" Angekl.:„Schabsnski ist ein Wundermann. Er hat sehr großen Eindruck auf mich gemacht. Immer hat er mich gerufen." Vors.:„Sie halten aljv die Behaup- tung von dem Geist aufrecht?" Matuska(sich an die Brust schlagend):„Bis in mein Grab." Vors.:„Dann wollen Sie aber zu der Erkenntnis gekommen sein, daß es nur ein Phantom war? Wann ist Ihnen diese Erkenntnis ausgedämmert?" Matuska: „Erst bei der Polizei. Dann war es zu spät." Staatsanwalt: „Warum halten Sie so große Stücke auf diesen Leo?" Matuska: „Er war ein wirklicher Wunderinann. Einsacher Arbeiter zuerst. hat aber jetzt große Fabriken und Hunderte von Patenten." Bor{.: „Haben Sie sich überzeugt, ob das auch richtig ist?" Matuska: „Jawohl, alles in den Zeitungen gestanden." Staatsanwalt: „Was hat denn Ihr Leo eigentlich erfunden?" Matuska:„Alles." Staatsanwalt:„Nennen Sie uns doch eine bestimmte Sache." Matuska:„Das weiß ich nicht." Dr. E t r i n g e r:„Sie haben ihm ja selbst ein Patent abgekauft. Wann haben Sie Leo kennen» gelernt?" Matuska:„Vor vier oder fünf Jahre. Erst vor kurzem ich ihn wiedergesehen." Das, Gericht schreitet nun zur Vernehmung des Zeugen Elemer Larvas, der in der Angelegenheit eine, gewisse Rolle spielt. Matuska hatte chm nämlich von Csantaoer, wo er kurz vor der Verübung des Anzbacher Attentats bei seinen Eltern wellte. einen Brief geschrieben, in dem er ihn ersuchte, er möge chn telegraphisch nach Wien berufen. Matuska wollte sich auf diese Weis« rechtzeiiig losmachen, um nach Wien fahren zu löunen und bei seinen Eltern Weihnachten nicht verbringen zu müssen. D a r v a s erklärt, daß er Matuska vor fünf Iahren kennen- gelernt und ihm als Dolmetscher bei der Durchführung seiner Häuser- transaktionen in Wien geholfen habe. Zur Zeit, als Matuska seine Attentate verübte, habe er mit chm in Berbindung gestanden. Es fiel dem Zeugen auf, daß Matuska, als er aus Deutschland(wo er das Iütcrboger Attentat inzwischen verübt hatte) zurückkehrte, sehr oersallen aussah. In der letzten Zeit war Matuska auch sehr nerckös und unruhig gewesen. Er konnte sich bei geschäftlichen Be- sprechungen keine zwei Minuten konzentrieren. Organisation und Tätigkeit vorzulegen und daran jede Aenderung vorzunehmen und jeder Auslage nachzukommen, die der Reichsminister des Innern zur Sicherung der Slaotsautorität für erforderlich hält. 2. Ob ein Verband diesen Vorschriften unterliegt, entscheidet endgültig der Reichsminister des Innern. 8 40. 1. Verbände, die einer Verpflichtung aus§ 9 nicht nachkommen, können vom Reichsminister des Innern a u f g e l ö sl werden. Der Reichsminister des Zonern kann dabei Bestimmungen über die Sicherstellung von Gegenständen tresfen, die sich zur Zeit der Auf- lösung im Besilf des ausgelösten Verbandes oder eines seiner Mit- glieder befinden und den Zwecken des Verbandes gedient haben oder zu diesen bestimmt gewesen sind. Z. Gegen die Anordnung der Auslösung ist binnen zwei Ivochen vom Tage der Zustellung ab dlx Beschwerde zulässig, die beim Reichsminifter des Innern einzureichen ist: sie hat keine aufschiebende Wirkung, lieber die Beschwerde entscheidet der noch 8 7 dieser Verordnung zuständige Senat des Reichsgerichts. Abschnitt IV: Strafbesiimmungen. Der Abschnitt IV enthält in den 8Z 11 bis 18 die Strafbestim- münzen für eine Reihe von Verstößen gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung. 8 11 bestimmt, daß mit Gesängnis nichtunter3Mo- n a t e n bestraft wird, wer öffentlich zu einer Gewalttat gegen eine bestimmte Person oder allgemein zu Gewalttätigkeiten gegen Personen oder Sachen auffordertoder anreizt, es sei denn, daß die Tat nach anderen Vorschristen bereits mtt einer höhe- ren Strafe bedroht ist. 8 12 bestimmt, daß auf Gefängnis nicht unter einem Monat, im Fall« der gefährlichen Körperverletzung jedoch auf Gefängnis nicht unter drei Monaten zu erkennen ist, wenn eine vorsätzliche Körperverletzung aus politischen Be- weggründen begangen ist. Mildernde Umstände dürfen in diesem Falle nicht zugebilligt werden. Z 13 bestimmt, daß mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestrast wird, wer eine Schußwaffe unbefugt führt oder eine Gewalttat mit ihr begeht oder androht. 8 14 bestimmt, daß mitGefängnis bestraft wird, wer einem auf Grund des Artikels 123 Abs. 2 der Reichsverfasiung erlasienen B e r sa m m l u n g s- oder A u s z u g s v e r b o t s zuwider- handelt, oder wer sich an einem Berband betelligt, der auf Grund des 8 10 aufgelöst worden ist. 8 15 bestimmt, daß mit Geldstrase bis zu 150 M. bestraft wird, wer als Veranstalter einer Versammlung dem Beauftragten der Polizei die Einräumung eines angemessenen Platzes verweigert, oder wer sich nach Erklärung der Auslösung nicht sofort entfernt. 8 16 bestimmt, daß die Herausgabe, der Verlag, der Druck und die Verbreitung einer periodischen Druckschrift, die verboten worden ist, mitGesängnisnichtunterdrei Monaten zu bestrafen ist. Außerdem kann auf Geldstrafe erkannt werden. 8 17 gestattet es der Polizei, Personen in polizei- liche Haft zu nehmen, die aus frischer Tat bei einem Ver- brechen oder Vergehen betroffen werden, das mittels einer Waffe begangen ist oder dessen Strafbarkeit durch u n b e- fugte? Führen einer Waffe begründet wird. Im Interesse der öffentlichen Sicherheit können solche Personen so lange fest- gehalten werden, als dies die össentliche Sicherheit erfordert. Die Polizeihaft ist aber aufzuheben, wenn die gerichtliche Untersuchungshaft verhängt ist oder wenn drei Monate seit der Inhostnahme oergangen sind. Gegen die polizeiliche Haft ist die Beschwerde im Dienstaufsichtsweg zulässig. Bestreitet der Verhaftete die Tot, so hat der Amtsrichter des Bezirks eine Eni- scheidung zu treffen. 8 18 setzt fest, daß das Verfahren nach§ 212 der Strasprozeß- ordnung auch dann zulässig ist, wenn der Beschuldigte sich weder freiwillig stellt noch infolge einer vorläufigen Festnahme dem Gericht vorgeführt wird. Bayerische Verbote bleiben. Anordnung der bayerischen Regierung. München. 16. Zuni. Amtlich wird mitgeteilt: Das am 10. Zull 19Z1 erlassene und durch Anordnung vom 30. März 1932 bis 30. September 1932 ver- längerte verbot von politischen Versammlungen unter freiem Himmel in Bayern einschließlich der Auf. Züge und Propaganda fahrten, gleichwie ob uniformiert oder nicht umformiert, bleibt durch die Notverordnung des Reichs- Präsidenten unberührt. politische Versammlungen unter freiem Himmel und polltische Aufzüge jeder Art sind also nach wie vor im Gcbiel des Freistaates Bayern verboten. Nach der neuen Notverordnung werden nun- mehr alle Zuwiderhandlungen gegen die aus Artikel 123, Absah 2. der Reicheversassung gestützken Anordnungen dieser Art und damit auch Zuwiderhandlungen gegen das bayerische Auszugsverbol m i t Gesäagnisbestrast. Ueber das Tragen von Uniformen bei bestimmten Anlässen werden für Bayern noch besondere polizeiliche vorschristen ergehen. preußisches Oemonskrationsverbot bleibt. Wie vom Rcichsinnenministerium milgeleilt wird, wird da» preußische Demonslrotionsverbot durch die neue Not- Verordnung gegen politische Aueschreilungen nicht berührt, da das Demonstrationsvcrbot in Preußen auf Grund einer vor- schrist der Reichsversassung erlassen worden ist. Äaden bleibt beim llniformverbot. Karlsruhe. 16. Zuni. wie amtlich mitgeteilt wird, hat der Minister des Innern mit Rücksicht aus die in Baden gegegebenen Verhältnisse entsprechend einer früheren badischen Regelung einallgemeinesUnlform- verbot ausgesprochen. Auch das in Baden bestehende v e m o n- strationsverbot bleibt durch die Reichsverordnung u a» berührt. Dos verbot von Geländeübungen ist bis auf weiteres verlängert worden. Baden lehni jede Beraniworiung ab. Die süddeutschen Länder und die Aushebung des E A«Verbots Karlsruhe, 16. Zuni. Siaatspräsident Dr. Schmitt erklärte heute vormittag den ver- tretern der presse, er habe in der Unterredung der süddeutschen Re- gierungsvertreter mit dem Reichspräsidenten in Gegenwart des Reichskanzlers über die Aufhebung des SA.-Verbols u. a. gesagt: Die Aushebung des SA.-Verbols schädige das Aasehen des Reichspräsidenten, weil er das Verbot erst vor kurzem erlassen habe. Wenn man in dem SA.-Vcrbot eine Einseitigkeit und deswegen eine Ungerechtigkeit erblicke, so sei das SA.-Verbot aus diesem Grunde nicht auszuheben, sondern aus alle militärähulichen verbände auszudehnen. Das badische Slaotsministcrium lehne einstimmig die Verantwortung sür die Ruhe in Baden bei Auf- Hebung des SA.-Verbots ab, weil Baden kein Militär und auch nicht genügend Polizei habe. Serade jetzt während der Wahl- zeit dürfe das verbot erst recht nicht ausgehoben werden. Aus eine besondere Frage bezüglich Feststellung des badischen Staatspräsidenten habe der Reichskanzler erklärt, es sei selbstver- ständlich, daß, wie auch das Reich entscheide, die Länder nicht gehindert seien, alle diejenigen Maßnahmen zu tresfen. die mit Rücksicht auf besondere örtliche Verhältnisse ersorde'riich seien. proletarischer Kulturwille Oer Deutsche Arbeiiersängerbund Die kapitalistische Gesellschaft kracht in allen Fugen. Ihr wirt- schaftlicher Vankrmt mitb durch die Zusammenbrüche großer Unter- nehmungen, der geistige durch die Nazibewegung charakterisiert. Sub- ventionen des Staates stützen Agrarier, Großindustrielle, Banken. In diesem Chaos stehen die proletarischen Organisationen. Sie konnten bisher in ihren Grundlagen erhalten bleiben, weil die Solidaritätsideologie sich kräftig genug erwies. Ein Einblick in den Geschäftsbericht des Deutschen Ar» beiter-Sängerbundes bestätigt das aufs neue. Der Be> richt umfaßt die Zeit von 1923 bis 1932. Selbstverständlich machen sich die Wirkungen der Krise bemerkbar. So sind die Beiträge des Geschäftsjahres 1931/32 um den Betrag für 27990 Mitglieder zurück- gegangen. Rund 442 999 M. sind dem Bund als Beiträge zugeflossen. Der Schutz der Chöre vorAuffllhrungsgebühren auf Grund des Urheberrechtes bringt die Hauptbelastung des Bundesetats mit rund 127 999 M. 28,6 Proz. aller Beitragseinnahmen müssen dem Musikschutzverband als Vertragsgebühren bezahlt werden. Um die Leistungsfähigkeit der Dirigenten der Arbeiterchöre zu fördern, beteiligte sich der Bund an den Staatlichen Chorleiterkursen durch Uebernahme der Fahr- und Tagegelder. Dies ergab eine Belastung von etwa 32 999 M. Aber auch die Schulung der F u n k t i o- n ä r e, die alljährlich in dem Ferienheim der Adefe in Friedrich- roda durch einwöchioe Kurse erfolgte, erscheint mit 17 999 M. im Etat. Aus diesen Zahlen ist die K u l t u r a r b e i t des Arbeiter- Sängsr-Bundes zu erkennen. Noch deullicher tritt das bei dem nur für die Mitglieder des DAS. eingerichteten Verlag in Erscheinung. Autoren(Kompo- nisten. Dichter, Bearbeiter, Uebersetzer), Notendruckereien— und die Mitglieder sind die Nutznießer dieser Einrichtung. Durch den eigenen Verlag kann den Arbeitersängern zu niedrigsten Preisen Material für den Chorbetrieb zur Verfügung gestellt werden. Auf diese Weise ist für die Wltoren die weiteste Verbreitung ihrer Ar- bellen möglich. Auch durch die gratis gelieferten Chöre, die in etwa 16 999 Partituren und 899 999 Stimmen verteilt wurden, wird die Verbreitung von neuen Liedmaterial wesentlich gefördert. Im Umsatz des eigenen Verlages machte sich die Krise am stärksten bemerkbar. Gegenüber dem Jahre 1929/39 ergibt sich für das Jahr 1931/32 eine Einnahmeminderung von rnud SS Proz. Auch beim Bezug der A r b e i t e r- S ä n g e r z e i t u n g ist ein Rückgang um etwa 2.� Proz. festzustellen. In diesen Zahlen zeigt sich die Auswirkung der Arbellslosigkell auf den DAS. Oft wird von den Chören über ein 69- bis 99prozentige Erwerbslosigkeit der Mitglieder berichtet. Wenn unter solchen Umständen der Durchschnittsm tglieder- bestand mit 42(gegenüber 52 je Verein im Jahre 1929) festgestellt werden kann, dann kann von erfolgreichem Widerstand der Ar- bciter-Sängerbewegung gegenüber dem Angriff der Krise gesprochen werden. Die G e f a m t m i t g l! e d e r z o h l wurde statistisch mit 188 737(darunter 69 94Z Frauen) für 4453 Vereine ermittelt. Die Jugendlichen(bis 29 Jahre) sind in dieser Zahl mit 17 894 (davon 319S weibliche) vertreten. Das Bestreben, auch die Kinder für den Chorbetrieb zu interessieren, hat zu 183 gemeldeten Kinder- ch ö r e n mit 11 967 Kindern(davon 7986 Mädchen) geführt. An unterstützenden Mitgliedern meldst die Statistik 126 135. Diese Fest- stellungen berechtigen sicher zu der in der jetzigen Notzeit erfreulichen Schlußfolgerung: die sozialistische Idee führt auch die singenden Proletarier zu einer achtunggebietenden Gemeinschaft. Es bleibt noch festzustellen, daß die Behörden trotz aller schönen Reden über die notwendige Kulturarbeit für diese Kulturgemeinschaft der Arbeller- sänger nur selten Unterstützungen übrig haben. Erwähnt sei auch, daß sich(neben der Wirtschaftskrise) die KPD. zur Aufgabe gestellt hatte, dem Arbeiter-Sängerbund Schwierigkellen zu bereiten. Allerdings hat der kommunistische Sängerbund Kampf- gemeinschaft bisher nur den Austritt von etwa 3999 bis 4999 Mit- gliedern erreichen können. Wenn die organisierte Arbeiterschaft sich grundsätzlich und praktisch zum Arbeiter-Sängerbund bekennt, dann wird auch die kommende Geschäftsperiode, trotz Wirtfchaftsnot und trotz Spallungsversuchen, den proletarischen Aufbauwillen nicht brechen können, wie er in der Tätigkell des Arbeiter-Sängerbundes zum Ausdruck kommt. XI. Lausanne eröffnet. Macdonalds programmrede. c a u s a a u e. 16. Juni.(Eigenbericht) Um 10 Uhr heule vormittag fand im würdig ausgeschmückten Fesksaal des Hotels Beau Rivage die feierliche Eröffnung s- ) i h u n g der Lausanncr Konferenz statt. Macdonalds Pro- grammrede zeigte deulllch. daß sich der Stoff der Beratungen auf Reparationen und Wellwirtschaslssragsn beschränken wird. Sie gab die Bereitschaft der Gläubigerländer zu verstehen, auch unter Opfern aus Zahlungen Deutschlands zu verzichten, und stellte als Preis des Verzichts in allgemeiner Form den Anspruch aus eine politische Ruheperiode aus. die wohl hauptsächlich e'n Verzicht Deutschlands darstellen soll, für eine bestimmte Zeil aus jede Revisionspolitik zu verzichten. Sofort zu Beginn der Sitzung schlug herriot im Namen der einladenden Länder vor, Macdonald zum Präsidenten der Konferenz zu wählen: unter starkem Beifall erfolgte die Wahl eiw stimmig. In einer Begrüßungsansprache schilderte Bundespräsident Motto- Schweiz die Last der Krise. Vom Erfolg der Lausanner Arbeit hänge auch das Schicksal der Abrüstungskonferenz im großen Umfange ab. In den Händen dieser Reparationskonferenz liege die Entscheidung über Wohlfahrt oder Vernichtung. Im Namen der Schweiz und aller Völker bringe er den Delegierten die heißesten Wünsche für einen vollen Erfolg dar. Rlacdonald sprach seinen Dank an die Schweiz aus für ihre Organisationsarbeit. Dann ver- ließ M o t t a als Nichtmitglied der Konferenz den Saal, während alle Delegierten sich erhoben. Seine große Programmrede begann Rlacdonald mit der Feststellung, die Augen der ganzen Welt feien, wie niemals zuvor, auf diese Konferenz gerichtet, in der Hoffnung auf Verstänoi- gungen zur Beendigung der Krise. Man stehe nahe vor einer Wellkatastrophe. Nichts sei kleiner als die Well, nichts geringer als«in System, das rundum zusammenstürze. In dieser Krise seien Frankreich, Italien, Deutschland, Amerika. England nicht vom Recht der Welt ausgeschlossen, habe man seither eine Politik verfolgt, welche die einfachsten Wirt- schoftsgesetze verletzt habe, so�müsse die gesunde Vernunft unweigerlich und ohne Zögern zu besteren Wegen führen und zur Verpflichtung, den Preis zu zahlen, den solche Irrungen gekostet hätten. Ueber eine der Ursachen des Niederganges, die finanzielle Erbschaft des Krieges, soweit sie Rückwirkung aus dis Weltwirtschaft habe, müsse man zu einer Verständigung kommen. Mac- donald unterstrich die Feststellungen der Baseler und Genfer Sachverständigen-Gutachten, die eine rasche Lösung der Reparationsfrage als unerläßlich« Voraussetzung für die Gesundung bezeichnet haben. Es handelt sich nicht nur um ein technisches, sondern um ein Problem weiter Prinzipien. Ein Prinzip dränge sich allen Teilnehmern auf, nämlich, daß Verpflichtungen nicht einseitig ausgesagt werden könnten. Wenn aber Zahlungsunfähigkeiten vermieden werden sollten, so müßte durch Verständigung festgestellt werden, daß alle Verpflichtungen unausführbar geworden feien. Bei jeder Verständigung müsse sede Partei den Tatsachen Rechnung tragen. Unter diesen Tatsachen handele es sich nicht nur um die Feststellung, ob Pläne unerträg- Nche Lasten ausgelöst hätten, sondern auch, in welchem Maße sie durch ihre wirtschaftliche und finanzielle Schwäche zu dem beklagens- werten Zustand der heutigen Welt beigetragen hätten. Die Arbeit der Konferenz müsse auch die Einflüsse umfassen. die an der Zerstörung aller arbeiteten. Europa könne hierin nicht allein handeln urd man müsse die Versicherung begrüßen, daß nach Beendigung der jetzigen Phase der Arbeiten die Vereinigten Staaten die Konferenz«rmutiat hätten zum Glauben an ihre Mitarbeit an einigen der größten Probleme. In Lausanne könne kein voller Erfolg möglich sein ohne den Er- folg der Abrüstungskonferenz. Es gelte eine Periode der dauer- haften politischen Ruhe herzustellen, in der die Völker nach Rege- lung ihrer Angelegenheiten nicht mehr durch die Furcht vor Krieg und Kriegsgerüchten verwirrt werden könnten. An einem Punkte der Konfercnzverhandlungen werde vermutlich diese Frage angepackt werden müssen. Die Völker warteten sehr darauf, selbst unter großen Opfern heroisch dem Rufe der Konferenz zu folgen. Er flehe daher die Konserenz an. nichts zu fürchten außer der Schwäche.(Stürmischer Beifall.) Die Konferenz wählte ein- stimmig Sir Maurice chankey zu ihrem Generalsekretär. cheut« nachmittag wird eine erneute Beratung der sechs einladenden Mächte das Arbeitsprogramm für die erste Arbeitssigung morgen früh aufstellen. Preußen bleibt fest. Gegen die dunklen Ziele staatsfeindlicher Elemente. Schon die Ankündigung von der Aufhebung des SA.-Derbotes hat bewirkt, daß überall im Reiche die Zlusschreitungen und lieber- fälle nationalsozialistischer Trupps lawinenhaft angewachsen sind. Mehr als einmal ist es vorgekommen, daß auch Polizei- b e a m t e tätlich von rechtsradikalen Elementen angegrifien wurden. Der preußische Innenminister Carl Severing hat sich deshalb veranlaßt gesehen, an die Regierungspräsidenten, Ober- Präsidenten und Polizeipräsidenten einen Erlaß zu richten, in dem es heißt: „Die gegenwärtige politische Lage und die infolge der politischen Ereignisse eingetretene vnklarheil der weiteren Ent- wicklvng bietet nach den Beobachtungen der letzten Tage an den verschiedensten Stellen des Slaatsgebieles staatsfeindlichen Elementen offenbar Anreiz und Gelegenheit, ihre dunklen Ziele durch SlLrunoen der öfsenllichen Sicherheit und Ordnung und verbrecherische Anschläge, wie Plünderungen und Uebersälle auf andere Staatsbürger und auf Polizeibeamle mit besonderer Hemmungslosigkeit zu verfolgen. Es ist die Pflicht der Polizei. dieses Treiben ans das aufmerksamste zu beobachten und ihm jederzeit— möglichst schon vorbeugend— mit allen, auch den schärfsten Rlilteln entgegenzutreten.- Der Innenminister weist dann darauf hin. daß die gesetzlichen Bestimmungen insbesondere durch die Notoerordnungen des Reichs- Präsidenten gegeben sind. Besonderes Augenmerk soll auf das Treiben ausländischer Elemente gelegt werden. Zum Schluß wird in dem Erlaß der Erwartung des Ministers Zlusdruck gegeben, daß die Leiter der Polizeibeamten sich im Bewußtsein ihrer Verant- wortung für die Aufgabe, die öffentliche Sicherheit und Ordnung vor Erschütterungen zu bewahren, persönlich in jeder Weise vorbildlich einsetzen. D« Ernst der Wirtichaftskrlse in Frankreich kommt nicht nur in der Zahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter zum Ausdruck, son- dern auch in der Zahl der wegen Belchöftiqungslosigkeit in ihre che mat zurückkehrenden Ausländer. Nach den Feststellungen des Arbeitsministemims haben in den ersten fünf Monaten des Jahres bereits über 69999 ausländische Arbeiter Frank- reich verlassen, während im ganzen Jahre 1931 nur 92 999 ausgewandert sind. L. Oernburg:„Die eiserne Zungfrau." Rose-Theater. Das Motiv der eisernen Jungfrau ist eiserner Theaterbestand vergangener Jahrzehnte, in denen man die schrullige und ranzig ge- wordene alte Jungser lediglich als Zielscheibe eines oft rohen chohns empfand. Damals war man weniger als unsere an Freud ge- schulte Zeit bestrebt, ihr Mitgefühl und psychologisches Verständnis entgegenzubringen. Das neueste Rose-Theater-Stllck wurzelt durch- aus in der alten Theaterpraris. Die eiserne Jungfrau ist in diesem Falle die Schwester eines Landpfarrers. Sie tobt, keusch bis auf die unbegehrten Knochen, durch die Zimmer, entrüstet sich moralisch, stänkert herum. Aber ihre Welt bricht zusammen: denn schließlich stellt sich heraus, daß so ungefähr niemand im Hause ist, der nicht ein von Folgen begleitetes Fehltrittchen begangen hätte, und sogar der Bruder selbst, der fromme Gottesmann, hat vor 38 Iahren einer Jungfrau ein Kind aufgehängt. Die Jungfrau von damals ist in- zwischen Großmutter geworden, aber eine smarte, lebenslustige, moralisch äußerst liberale. Und es kommt zu einem späten Eheglück. Ein paar Passagen, die nachdenklich gemeint sind, wirken pein- lich. Die Frage, ob erwachsene Menschen keusch leben sollen, ist nun heute wirklich kein Problem mehr, über das sich geistreiche Aphoris- men machen lassen. Um durch offene Türen zu gehen, brauche ich nicht den Kunstschlosser zu holen. Das andere ist handfestes, derbes Lustspiel, ohne Delikatesse und Charme, aber sicher im Griff und nicht ohne Blick für Bühnenwirksamkeit. Schauspielerisch steht der Abend im Zeichen der prächtigen Josesine D o r a, die nicht nur alles herausholt aus ihrer Alt- jungfernrolle, sondern auch vieles hineinträgt, was nicht drin steht. Wunderbar, wenn sie zuletzt, nach einem Leben des Räsonierens und Ouertreibens, an den Frivolitäten ringsum, genießerisch schmat- zend, Geschmack zu finden beginnt. Im übrigen bringt, auch wenn er in diesem besonderen Falle allzusehr karikiert, Armin Schweizer, diese in vielen Sätteln gerechte und immer zuverlässige Ensemble- stütze, als Ausbund von einem Klatschmaul, tüchtig Leben in die Lude. Sonst ist noch Hermine S t e r l e r als hochmoderne Groß- mutier zu erwähnen, während Carl de Vogt aus der undankbaren Landpastorrolle nicht viel zu machen vermochte. Hans Bauer. Oie Nazis ierrorisiersn ein Theater. Aus Kassel wird gemeldet: Die Direktion des„Kleinen Theaters- hatte für gestern abend und die folgenden Tage die Vorstellung des Schauspiels„D i e Waterloobrücke- angekündigt. Die hiesige Gauleitung der NSDAP, teilte darauf der Direktion mit, daß sie diese Aufführungen als eine öffentliche Provokation ansehe. Das„Kleine Theaterließ sich dadurch einschüchtern und entschloß sich, keine weiteren öffentlichen Aufführung des Stückes mehr stattfinden zu lassen. In Berlin ist dieses englische Schauspiel in Serienaufführungen gegeben worden, ohne daß irgend jemand Anstoß daran genommen hätte. Es ist ein ziemlich friedliches Stück, das die Liebesepisode eines englischen Urlaubers während des Krieges in London zum Inhalt hat. Weder wird gegen ikie Deutschen gehetzt, deren Luft- schiffe London unter Schrecken halten, noch ein« aufdringliche Anti- kriegspropaganda getrieben. Es ist also unverständlich, wieso die Nazigauleitung in dem Stück eine Gefährdung irgendwelcher Jnter- essen erblicken konnte, aber noch unverständlicher, daß eine Theater- direktion sich von einer unverantwortlichen Terroristengruppe ins Boxhorn jagen läßt. In diesem Fall wäre es, wenn je, Aufgabe der Polizei gewesen, die Besucher des Theaters vor den Nazi- indianern zu schützen. Leihgaben des L-mvre in der Rakionalgalerie. Ludwig Iusti hat die drei der Berliner Nationalgalerie gehörenden Werke Edouard Manets, die von der französischen Kunstverwaltung für die demnächst zu eröffnende große Manet-Ausstellung in Paris erbeten waren, unter der Bedingung zur Verfügung gestellt, daß der Louvre als Leihgaben für die Berliner Galerie einige Werke der- jenigen französischen Hauptmeister des 19. Jahrhunderts überläßt, die hier sonst fehlen. Daraufhin hat jetzt der Louvre drei hervor- ragende Werke aus feinem Besitz nach Berlin gesandt, und die Bilder erhielten soeben im ersten Stock der Nationalgalerie, in dem der französischen Kunst gewidmeten Ccksaal an der linken Seite, als Leihgaben ihren Platz. Es sind das Selbstbildn�""n«w- Louis David, dem Führer des französischen Klassizismus, der „Kürassier" von Theodore Gericault, das Bild er,iej im Profil, und der„Besfroi de Douai" von Camille Corot, eine Straßenlandschaft aus der nordfranzösischen Stadt. Die drei Ber- ltner Bilder Manets sind gestern nach Paris abgegangen. Garienbühne in der Großstadi. „Oer Mgimentspapa" in der„Aeuen Welt". Da sitzt man in einem schönen großen Garten mit altem Baum- bestand und läßt sich auf der Gartenbühne ein heiteres Stückchen vorspielen. Für den Juni ist es reichlich frisch, man möchte von einer Maikühle sprechen. Aber das Spiel auf der Bühne hilft einem darüber hinweg, und da serviert wird, kann man sich auch sonst dagegen schützen. Von der Großstadt spürt man hier gar nichts, aus dem großen Saal nebenan, in dem die Sozialdemo- kratie eine ausverkaufte Versammlung abhält, schallt nur ein paar- mal das Händeklatschen herüber; sonst ist es hier ganz still und lauschig. Ein großer gelber Mond steht am Himmel und spiett ohne Gaue mit. Er scheint direkt zur Inszenierung zu gehören, denn er wird von der Bühne aus apostrophiert. Die engag�inentslosen Künstler, die nun schon eine ganze Weile in der Kzasenheide auftreten, sind von lebhafter Spielfreude erfüllt. Sie lassen es sich nicht anmerken, daß sie einst bessere Tage und bessere Bühnen gesehen haben. Sie lassen es auch die Zuhörer nicht entgelten, daß ihrer nicht mehr sind. Inge van der Straten führt die Regie, und alles klappt großartig auf der Gartenbühne. Man hat den„N e g i m e n t s p a p a- wieder ausgegraben. eine Militärposse mit sehr viel Situationskomik, ein Re- pertoire aller gangbaren Bühnenscherze, das ohne besondere Mühe eine aotimilitaristische Spitze bekommen könnte. Viktor H o l l ä n- d e r s Musik und besonders seine Schlager von damals gefallen dem Publikum immer noch ausnehmend. Ein Sammellob allen Dar- stellern: Inge van der Straaten, Paul Rehkopf, Theo Stolzenberg, Heinz Beck, Kurt Münzer, Marie Fuchs und Maria Bohse. Im Publikum freut man sich, daß man hier für so billiges Geld auch ein- mal so gute Künstler zu hören bekommt.' v. Reue Petroleumselder in Rußland. Die Entdeckung großer Petroleumlager, durch die der Sowjetstaat zu dem bedeutendsten Lieferanten an Erdöl werden würde, ist in einer Sitzung der Mos- kauer Akademie der Wissenschaften bekanntgegeben worden. Unter- suchungen, die soeben vollendet sind, führten zu der Feststellung von drei neuen Petroleumgebieten, die ebenso reich sind wie die Felder des Kaukasus. Die jüngste Entdeckung wurde in dem Gebiet von B a s ch k i r i e n gemacht. Diese Felder scheinen eine Fort- setzung der Lager zu sein, die schon früher im Norden des Gebietes am Embafluß gefunden wurden. Das dritte der neuen Oelfelder liegt im U k t i n s k g e b i e t des nördlichen Ural. Die Leiter der russischen Petroleumindustrie planen die sofortige Erschließung dieser neuen Quellen. Das Institut für Arbeitsrecht hatte im April 1939 folgende Preisaufgabe gestellt:„Die Haftung aus Tarifverträgen nach deutschem Recht unter Berücksichtigung des österreichischen und schweizerischen Rechts" und dafür einen Preis von 1599 Mark ausgesetzt. Von den eingereichten Arbeiten ist die Arbeit des vr. jur. Karl Buchholz-Dessau mit einem Preis von 899 Mark ausgezeichnet worden. Den Arbeiten des *tud. jur. Karl Heinz Bclow-Berlin und vr. Zur. Prölß-Hamburg- Bergedorf ist eine ehrenvolle Erwähnung und je 159 Mark von dem Gesämtpreis zuerkannt worden. Amerikanische Stiftungen für die Äöltinger Universi'ät. Bei der Iahreefeier der Göttingcr Universität wurde mitgeteilt, J)aß der Eöttinger Universität von amerikanischer, noch ungenannter Seite ein Vermögen gestiftet wurde, dessen Zinsen jährlich 199 999 Mark be- tragen. Sie sollen für die Krebsforschung verwandt werden. Von der gleichen Seite wurde eine Summe zum Bau eines Erholung?- heims für Professoren und Studenten zur Verfügung gestellt. Die Rockefeller-Stiftung hat weiter 399 999 Mark zum Ausbau des In- stituts für anorganische Chemie gegeben. Roch ein Theater, das floriert. Am Stadttheater Würzburg er- fuhren die Einnahmen in der Spielzeit 1931/32 eine Steigerung von 13 Proz., die Besucherzahl stieg um 27 Proz., die Abonnentenzahl um 114 Proz. Die längste Brücke Afrikas. Kürzlich wurde bei Markardi in Nigeria eine Eisenbahn, und Straßenbrücke über den Benue, einem Rebensluß des Niger, eröffnet. Es ist die längste Brücke Afrikas: sie ist 774 Meter lang. Insgesamt kostet die Brücke 29 Millionen Mark. Rückgang der amerikanischen Filmproduktion. Die amerika- nijche Filmproduktion ist beträchtlich zurückgegangen. Während im Jahre 1939 799 Filme hergestellt wurden, belies sich die Film- poduktion im Jahre 1931 aus 559 und 1332 auf 359 Filme. Als Folge«des starken Rückganges der amerikanischen Filmproduktion wird eine Erhöhung der Fümpreise in der ganzen Welt angesehen. Tie Grohe Serlin« KunstauSstellnng ermäbigt den Eintrittspreis werktäglich aus 75 Ps. und Sonntags nach wie vor 59 Ps. Verbandstag der Arbeitsinvaliden. Im Kampf um die soziale Demokratie. Der 2. Verhandlringstag war den Fragen der Sozialpolitik ge- widmet. Im Mittelpunkt standen die Referate des Verbandsoor� figenden Genossen K a r st e n über den Stand der Sozialpolitik und das Referat des Ministerialrats Dr. M a i e r, Dresden, über Finanznot und öffentliche Fürsorge. Karsten erinnerte bei der Be- trachtung der hinter uns liegenden Zeit, daß die letzte Er- h ö h u n g der Invalidenrenten unter der Regierung Her- mann Müller durchgesetzt worden sei. Es müßte dagegen pro- testiert werden, daß man die Arbcst der Organisation für die Zcr- rüttung der Sozialpolitik verantwortlich machen wolle. Schuld an der Zerrüttung der Sozialpolitik seien in erster Linie Krieg, In- slation und fehlerhafte Maßnahmen in der Wirtschaftspolitik ge- wesen. Alle diese Dinge seien aber lediglich auf die unfähige kapitalistische Politik zurückzuführen. Es sei lächerliches Geschwätz, wenn Hitler jetzt be- stäuptet, die Arbesterschast habe 1918 ein geordnetes Staatswesen übernommen. Die Hitlerbewegung wird heute mit dem Gelde des Kapitals ausgehalten, weil die Kapitalisten die Nationalsozialisten als Stur ni bock gegen die deutsche Sozialpolitik benutzen. Es käme für alle Arbeiterorganisationen heute darauf an, mit allen Ärästen zu verhindern, daß diese Söldlinge des Kapitals die politische Macht in Deutschland bekommen. Nach einem Uebcrblick über die Finanzlage der Sozialpolitik wies Karsten aus das üble Schlagwort vom deutschen„Wohlsahrts- ftaat" hin, das jetztrzu den Argumenten der Reichsregierung gehört. Wenn die Regierung von Papen solche Phrasen ausspricht, so beweist sie damit nur. daß sie willens ist, einen noch stärkeren Abbau an den sozialen Bezügen der Hilfsbedürftigen in Deutschland vorzu- nchnien. Zur Sanierung der wichtigsten Versicherungszweige, die heute sich in der schlimmsten Gefahr befinden, ist es notwendig, un- bedingt für Erhöhung der Bersicherungseinnahmen Sorge zu tragen. Die Rsichsregierung muß auf alle Fälle mit ausreichenden Zu- schössen einspringen. Wie richtig die Verbandsforderung nach einer neuen Regelung des Beitragswesens in der Invalidenversicherung gewesen ist, das hat die nngenblickliche Krise überzeugend nach- gewiesen. Auf alle Fälle aber muß den Abbauplänen der Reaktion der ollerschärsste Widerstand entgegengesetzt werden. Karsten brachte zum Ausdruck, daß, wenn gehungert werden müsse, dann solle auch auf der ganzen Linie gehungert werden. Der Zentralverband habe bei großen politischen Kämpfen mit in der ersten Linie zu marschieren. Bei Ausrechterhaltung des Grund- satzes der parteipolitischen Neutralität müsse doch gesagt werden, daß die Arbeitsinvaliden nicht gewillt seien, sich von Hitler, Hugen- berg und Dingeldey einsangen zu lassen. Die kommenden Reichs- tagswahlen seien von außerordentlicher Bedeutung sür die Arbeits- invaliden. Es käme daraus an, der Regierung von Papen und ihrem reaktionären Anhang, den Nationalsozialisten, zu zeigen, daß wir gewillt sind, unsere Rechte mit Entschiedenheit zu verteidigen Die Aussührungen des Referenten sanden stürmischen Beisoll. In der Diskussion sprachen Stesses, Bochum, Nickel, Halle, Böttcher, Dresden, B e r g e r, München, Matthe», Kassel, R o s e n t h a l, Essen, und S t a m s, Heidelberg. Die durchaus sachlichen Ausführungen aller Diskussionsredner waren von dein ganzen Ernst der politischen Situation getragen. Sie ergaben aber auch gleichzeitig ein Bild vorbildlichster Geschlossenheit und Kampf- bereitschast in der Organisation. Die Diskussion erbrachte den Nachweis. daß die polstische Haltung des Verbandes in den Reihen des Verbandes selbst unbedingte Zustimmung fand. Ministerialrat Dr. M a i e r wies in seinem Referat daraus hin. daß zur Zeit in den Gemeinden bis zu 49 von 199 Einwohnern aus der Fürsorge unterstützt werden müssen. Die Fürsorgeunter- stützungsempfänger müssen mit einer Unlerstühmig von 7 bis 10 M. in der Woche auskommen. Furchtbares Elend und ein Leben ohne Freuden sind die Folgen. Für die Gemeinden ergeben sich auherordenllich« Etats- schwierigkeiten. Eine Besserung kann aber nicht durch Herabsetzung der Fürsorgeunterstützungen herbeigeführt werden. Ersparnisse müssen auf anderen Gebieten gemacht werden, und steuerliche Mög- lich ketten sind nachzuprüfen. In der Politik müsse der Grundsatz maßgebend sein, daß Einkommen und Vermögen nach ihrer Leistungsfähigkeit aus das stärkste herangezogen werden. Besser- gestellte Landesteile müßten die Lasten der ärmeren Landesteile mittragen. Unannehmbar sei auch das Verlangen, Arbeitslofenver- sicherung, Krisen- und Wohlsahrtserwerbslosensürsorge zusammen- zulegen. Die Arbeitslosenversicherung müsse von einer solchen Ver- einigung ausgeschlossen werden. Der Redner wandte sich ganz ent- schieden gegen die Beseitigung der gehobenen Fürsorge. Ebenso HU �|W o m C? 1 Morgen, Freitag, 20 UHi-j im Ccciliensaal llfiJfilg SSw der Kammersäle, Teltower Slralje 1—4 SPD.- Funktionärkonferenz Bestimmte und pünktlicfae Anwesenheit aller Funktionäre ist erfordernd). Das Bctr iebssekr etar i ai. lehnte er eine Einheitssürsorge sür das ganze Reich ab, da eine solche Vereinigung mehr Schlechtes als Gutes für die Hilss- bedürftigen bringen würde. Wenn es der deutschen Sozialpolitik im Lause der Jahre gelungen sei, inst zur Verlängerung des Lebens- asters der Arbeiterschaft beizutragen, so müsse aber jetzt eine Politik betrieben werden, die dieses Leben auch noch lebenswert erscheinen läßt. (Stürmischer Beifall.) In der Diskussion sprachen H o f m o n n, Berlin, R o h d e, Brandenburg, Krieg, Leipzig, B r u h n, Hannover, Stesses, Bochum, und Becker. Saargebiet. Auch diese Diskussion brachte den Nachweis der bedeutenden positiven Arbeit, die der Verband aus dem Gebiet der Fürsorge geleistet hat. Sie brachte aber auch gleich- zeitig den Willen zum Ausdruck, daß trotz der gewaltigen Finanz- not aller öffentlichen Körperschaften mit allen Mitteln um die Er- Haltung der gehobenen Fürsorge, wie überhaupt um die Erhaltung des heutigen Lebensniveaus, gekämpft werden muß. Der Verbandstag nahm dann«ine Entschließung an, in der es heißt:„Durch den starken Einiluß. den die Arbeiterschaft in der Nachkriegszeit auf die Gesetzgebung auszuüben in der Lage war. ist die soziale Gesetzgebung in ihren wesentlichen Grundziigen stark auf- und ausgebaut worden. Diese Sozialpolitik hat in außer- ordentlichem Maße dem Wiederaufbau der durch den Krieg zer- störten deutschen Volkswirtschaft gediem und der Arbesterschast die notwendigen sozialen Lebensbedingungen mst Erfolg zu sichern versucht.... Die Regierung Brüning ist darum gestürzt worden, weil sie trotz aller Gesetzesverschlechterungen den Wünschen der Reaktion längst nicht weit genug entgegengekommen ist. An ihrer Stelle regiert heut» ein Ministerium, zusammengesetzt in seiner Mehrzahl aus Adligen und im übrigen aus Vertretern der kapi- talistischen Klasse. Jeglicher Einsluß der Arbeiterschaft ist ausgeschaltet. Dieses absolut unsozial« Negierungsgebild« hat es sich zur Aufgabe gemacht, all die Errungenschaften der Nach- kriegszeit wieder zu beseitigen und die soziale Loge des arbei- teirden Standes in der schlimmsten Weise herunterzudrücken. Ganz offen gibt die neue Regierung von Popen dos zu. In ihrem Aufruf proklamiert sie„die Anpassung des stoat- lichen Lebens an die Armut der Nation". Sie behauptet fälschlicher- weise, daß der„Staat" zu einer„Wohlfahrtsanstalt" gemacht und daß durch die soziale Gesetzgebung die Arbeitslosigkeit gesteigert worden sei. Sie kündigt an. daß sie ihren Willen mit Notverord- nungen durchsetzen will. Ossener Staatsstreich der Reaktion droht. In dieser Zeit müssen olle staatserhaltenden sozialen Kräne zu einer eisernen Kampfesfront zusammengeschweißt werden. Die Ar- beilsinvalidenschast insbesondere Hot die Aufgabe, in dem Kampfe um die Erhaltung der sozialen Versicherung und der Fürsorge auch die letzten Kräfte aufzubieten. Das Regiment Papen will in der Sozialversicherung die Aus- gaben bis zum letzten drosseln. Wir wollen, daß den Arbeits- invaliden, den Unterstützungsempfängern und den Arbeitslosen die sozialen Lebensmäglichkeiten erhalten bleiben! Der Kampf der Arbeitsinvaliden um ihr Recht ist nur mit Erfolg zu führen durch eine geichlosjcn« machtvolle Organisation. Jetzt heißt es, den letzten Arbeitsinvaliden dem Verbände zuführen, um mit allen Kräften und Mitteln das Lcbensrecht der Arbeits- invaliden zu verteidigen! Oer freiwillige Arbeitsdienst. Stellungnahme der Ilugendverba'nde. Der Landesausschuß Brandenburg der deutschen Iugendoerbändc teilt mit, daß in dem Bericht im„Abend" vom 19. Juni einige Irrtümer enthalten sind. So hat der Vertreter des Landesarbcits- armes Brandenburg in keiner Weise die technische Nothilfe als Träger des freiwilligen Arbeitsdienstes empfohlen, wie er über- Haupt keine Organisation empfohlen hat, sondern auf Anfrage aus der Konferenz heraus erklärt, daß alle Organisationen, die die Vorbedingungen erfüllen, also auch die Teno, Träger des Dienstes sein können. Dr. V i e b a h n- Spandau forderte nicht„Rückkehr zur Primi- twstät" in der Lebensweise, er forderte auch nicht,„dem Arbeitslosen noch weitere Beschränkungen" aufzuerlegen, sondern er sowie die weiteren Redner betonten, daß gerade bei der Tätigkeit im Arbeits- lager darauf Wert zu legen ist, daß nicht nur gute Verpflegung verabreicht wird, sondern daß auch das kulturelle Niveau der Lagerteilnehmer erhöht wird. Er wie die weiteren Redner be- trachten den freiwilligen Arbeitsdienst als eine fozial-pädagogische Angelegenheit. Unter diesem Gesichtspunkt und nicht als„A b- k a p s e l u n g" gegen die Oeffentlichkeit sind die Arbeitslager anzu- sehen.„ Daß manche Redner zu verschiedenen Auffassungen kamen, er- gibt sich aus ihrer verschiedenen Einstellung und den ihnen vorliegen- den Ersahrungen. Es war gerade Aufgabe dieser Tagung, diese Verschiedenheiten herauszustellen und man darf den Rednern daraus keinen Vorwurf machen. Der Redner der freien Gewerkschaften, V o l l in e r h a u s, hat nicht betont, daß nur überbündischc Arbeit möglich sei, sondern daß der freiwillig» Arbeitsdienst auch durchaus von den einzelnen Organisationen geleistet werden kann." Wetter sür Berlin: Teils heiter, teils wolkig, kühle Nacht, am Tage wieder warm, um Nord schwankende Winde.— Für Deutschland: Im allgemeinen Fortdauer des trockenen, beständigen Westers,' im Osten vorübergehend Bewölkungszunahme, auch im Alpeiworlaist» noch bewölkt und strichweise Niederschlag.. LerantworU. tili die Redaktion: Stich. Bernstein. Berlin: Anzeigen: Zh. Stalle. Berlin. Bcrl ia: Vorwärts Verlag K. pi. b. H.. Berlin. Drnä: Vorwärts Buch- drueicrei und Veilagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SD 68 Lindenstr. Z. Hierzu I Beilage. �'Jbtseig (Bezirk Jlorden- Cften Fleisch Wurst Willy Msething Friedrichshagen, Friedrichsir. 97 billig gut Vhvc iMi HAUS t>sa puren guAUTATiMl Orünjflraße 23/2/1 �Köpenick am Sdilotfplala. 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Den Jüngeren ist noch ein gewisser Halt durch die Fortbildungsschule gegeben. Die Werk- Heime der Stadt Berlin, in denen Jugendliche in Wcrkkursen ausgebildet und weitergebildet werden, geben vielen Jugendlichen Schutz. Aber auch hier stehen bei weitem nicht genügend Plätze zur Verfügung. Wie leicht passiert es dann, daß die brachliegenden Kräfte in falsche Bahnen gelenkt werden, daß ein am Tage Harm- loser Junge nachts auf Einbrüche ausgeht, daß Fünfzehnjährige ge- wandte Taschendiebe werden, daß jugendliche Arbeitslose sich zu Cliquen zusammenschließen, die Unterweltvereinen nahestehen. Unterstützung gibt es gar nicht oder so wenig, daß sie nicht zum Leben reicht, unmöglich ist es, auch nur die geringsten Vergnügungen und Zerstreuungen zu besuchen. Dieses Gefühl des Ausgestoßen- s e i n S ist es vielleicht, das am meisten aus den jungen Menschen lastet. Jugend will helfen. Mitte Februar fand in der Nähe des Stettiner Bahnhofes, in einem Hinterhaus, einem früheren Fobrikgrundstück, ein Kostümfest unter dem Motto„Z i l l e- B a l l" statt, das unter den Kostümfesten dieses Winters wohl eine besondere Note hatte. Die Jungens und Mädels auf diesem Zillc-Ball brauchten kaum andere als ihre cige- nen Kleider anzuziehen, um kostümiert zu sein als echte Zille-Typen der Nachkriegszeit. Es wurde aus diesem Ball kein Wein und Sekt ausgeschenkt, und es spielten auch nicht die Wcintraub-Syncopators zum Tanze aus, aber die Schrammelkapelle genügte, und gegen den Durst gab es Zitronenlimonade. Das war. zwischen Stettiner Bahn- hos und Rojenthaler Platz, der Zille-Ball der„Z u g s ch a r e n", ein Arbeitskreis junger Menschen, die sich in einem Bezirk angesiedelt haben, der ein reiches Betätigungsfeld für soziale Arbeit bietet. Diese Organisation, die unter der Devise..Jugend Hilst der Jugend" soziale Arbeit leistet, hat sich aus einer Wandern ogclgruppe zur Wohlsahrtsorganisation entwickelt, sie leistet aus ihrem Gebiete sicher wertvolle und oft bahnbrechende Arbeit. Es ist in all dieser Arbeit sehr schwer, an die Jugend heranzu- kommen. Ein städtischer Fürforger erzählte mir, daß er die Jugend- lichen eigentlich doch npr ganz zufällig kennenlerne. Es sind be- sonders Waisenkinder, Amtsmündel. mit denen man sowieso schon zu tun hat. oder Jugendliche, die durch anonyme Meldungen nmn- Haft gemocht werde». In den iclienst?» Fällen melden sich die Jugendlichen selbst. Die„Zugscharen" versuchen nun. um zunächst einmal die Bekanntschaft zu machen und Einfluß zu gewinnen, einen Teil der Freizeit so mit den Jugendlichen zu oerbringen, wie sie es gewöhnt sind. Im Laufe der Zeit entsteht dann ein engeres Verhältnis zwischen den Helfern der„Zugscharen" und den Jugendlichen, sie kommen mit ihren Schwierigkeiten und man kann versuchen, ihnen zu Helsen. Die„offenen Abende" der„Zugscharen", zu denen jeder Zutritt hat, sind immer von einer großen Zahl Jugendlicher besucht, von denen die meisten regelmäßige Gäste sind. Hier haben sie Ge- legenheit, sich ein paar Sainden zu unterhalten. Tischtennis ist vor- Händen, Brettspiele, aber auch die gewöhnlichen Kartenspiele werden gemacht und einmal in der Woche findet auch ein Tanzabend statt. Früher hat man auch versucht, ihnen mit Volkstänzen zu kommen, alier da jand man bei den Jungen und Mädchen keine Gegenliebe. Mit Jugendbewegung wollen sie überhaupt nichts zu tun haben, die Hoffnung, die man früher hegte, daß die Jugend- lichen, angeregt durch die offenen Abende, sich allmählich eingliedern würden in die Zugscharengruppen, erfüllte sich nicht.(Die Zug- scharengruppen bestehen zum größten Teil aus den ehrenamtlichen Helfern der Arbeit.) Diese Art Jugend will keine festen Bindun- gen eingehen, keine Verpflichtungen übernehmen.. Sic besuchen die offnen Abende, treten später vielleicht auch dem„K l u b" bei, der aufgezogen wurde, um sie doch etwas stärker zu binden, aber mehr erreicht man kaum. Unter den vielen Jungen und Mädchen, die regelmäßige Gäste der„Zugscharcn" sind und in deren Heim den größten Teil ihrer Freizeit verbringen, sind viele, die von selbst herkommen. Andere werden eingeladen, ihre Adressen erhält man vom Jugendamt. Ein großer Teil sind auch Schutzaufsichten der Zugscharen, die etwa dreihundert laufende Schutzaufsichten führen. Auch in einem der proletarischen Bezirke Berlins ist man den Weg gegangen, gefährdete Jugendliche in einem Verein zusammen- zufassen und so durch den Zusammenschluß Stützpunkt für den ein- zelnen zu schaffen. Die Jugendlichen kommen auch hier fast jeden Abend zusammen, treiben Sport, Wandern, beschäftigen sich mit Handarbeiten oder Basteln und sind, obwohl ihnen vom Amt aus so gut wie keine materiellen Genüsse geboten werden können, eifrig bei der Sache. Auch in diesem Jugendvercin, der übrigens weit- gehende Selbstverwaltung hat, sieht man das Ziel darin, die Jugendliche» soweit zu erziehen, daß sie von sich aus den Weg zu einer freien Organisation finden. Iugendberatung. Es wäre aber falsch, anzunehmen, daß nur die„gefährdete" Jugend des Schutzes und der Hilf« bedarf Vor ein paar Jahren gab es einmal, im Anschluß an einen bekannten Gnmnasiastenprozeß und an das Attentat von Leiferde, heftige Diskussionen um die verwahr- loste, psychopachische und kriminelle Jugend. Bei allen diesen Dis- kussionen übersah man. daß auch die gesunde Jugend in den Reifejahren mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen hat. Die Jugend steht in manchen Fragen auch heute noch allein, ver- mag sich schwer einem Freunde anzuvertrauen und sucht lieber bei einer dritten Person Rat. Besuchen wir zwei dieser Beratung?- stellen. Im Büro des Reehtsanwalts Dr Beck, Friedrichftroße 59, wurde unter der Michllse von jungen Menschen aus den verschic- densten polllischen Lagern eine Jugendberatungsstelle eingerichtet, die aus dem Gedanken der Selbsthilfe der Jugend aufgebaut ist. Man will kein Wahltätigkeitsverein fein, sondern der Jugend durch Altersgenossen kameradschaftlich beistehen. und oft ist schon durch die bloße Aussprache geholfen. Eine Statistik zeigt, in welchen Angelegenheiten um Rat gefragt wurde: es ist nicht sehr überraschend, daß heute Berufssragen an erster Stelle stehen. Konflikte mit den Eltern oder Erziehern kommen dann gleich an zweiter Stelle. Sehr häufig ist natürlich Sexualbcra- t u n g. und zwar von Liebesgeschichten bis zu vorbeugenden Maß- ! nahmen und Geburtenregelung. Auch schwangere Mädchen kommen, die Unterbringung vor und nach der Geburt suchen und bei denen meist auch die Adoption des Kindes veranlaßt wird. Alle Rat- suchenden werden nach Wunsch von einem Jungen oder Mädel, die aus der Jugendbewegung kommen und die Jugend verstehen, in Empfang genommen und dann je nach der Art der Fälle einem ärztlichen oder juristischen Helfer übermiesen. Eine andere Beratungsstelle ist von der Iugendzentrale der Freien Gewerkschaften eingerichtet worden. Hier sind die Jugendorganisationen selbst Träger der Arbeit. Dr. E r n st H a a s e, der Leiter der Beratungsstelle, hat in einer vorzüglichen kleinen Schrift über die Arbeit, ihre Voraussetzungen und Ergeb- nissc berichtet.(„Die Seelenoerfassung der Jugendlichen.") Man sieht daraus, wie notwendig diese Beratungsstellen sind, auch für eine Jugend, die in den Organisarionen, in einem Gemeinschaftsleben aufwächst. Denn wenn bei der Arbeiterjugend durch ihre Stellung innerhalb der Arbeiterbewegung sich auch die Gegensätze zu den Er- wachsenen nicht so scharf ausprägen, ist der Widerstreit der Gene- rationen auch hier ein selbstverständlicher Vorgang und der Junge oder das Mädchen geht mit den Schwierigkeiten nicht zum Vater oder der Mutter, sondern zu einem selbstgewählten Vertrauten. Be- rufsschwierigkeiten, Konflikte auf der Arbeitsstelle oder zu Hause spielen auch hier eine große Rolle. Sexuelle Nöte, aber auch Pro- bleme wie die, ob sie in der Arbeit für die Bewsgung aufgehen oder persönlichen Erleben nachgehen sollen, führen sie hierher. Viele wertvolle Arbeit zum Besten des einzelnen, aber auch der Gemein- schaft wird hier geleistet. Eine Arbeit, die wirkliche Fürsorge, Füh- rung, aber nicht Bevormundung ist, und die dem Jugendlichen zur Selbstoerantwortung und zum Selbstvertrauen oerhilft. ClSK tft/ Vo« Boriö Skomorowfky- Varisi Der englische Sozialist H y n d m a n pflegte seine Freunde zu kragen, aus welche Weise sie zum Sozialismus gekommen seien. Was trieb sie zur kritischen Beurteilung und dann zur Ablehnung der Umwelt? War ihre Verwandlung das Resultat eines lang- dauernden und allmählichen Prozesses oder hatte sie ein uner- wartetes Ereignis plötzlich zu Sozialisten gemocht? Welche Menschen und Bücher hatten einen entscheidenden Einfluß aus sie ausgeübt? Eine ähniichc Umfrage hat vor kurzem Louis Levy unter den angesehensten Vertretern des sranzösischen Sozialismus ver- onstaltet Seine lebendigen und geistreichen Interviews wurden im Zentralorgan der Partei, im„Populaire", veröffentlicht und find jetzt als Buch erschienen: I�ouis Levy— Comment ils sont devenus socialistes(Wie sie Sozialisten wurden). Verlag des „Populaire", Paris, 1932. Die Idee solcher sozialistischen„Beichten" ist durchaus positiv zu bewerten. Ist es nicht wirtlich eine erstaunliche Tatsache, daß Menschen, getrennt durch Herkunft, Erziehung, frühere Ansichten, Charakter und Temperament, von den verschiedenen Ausgangs- punkten ausgehen und auf den ungleichen Wegen zum gleichen Ziel gelangen: dem Kampf um die soziale Befreiung der Arbeiterklasse? Zeugt nicht diese Anziehungskraft allein von der ungeheuren inneren Macht des proletarischen Sozialismus, der auch für die Angehörigen anderer sozialen Schichten die höchste moralische Wahrheit enthält? Muß man sich da wundern, daß er unter seinen Bannern die Millionenmassen der arbeitenden Menschheit vereinigt? Wenden wir uns der französischen Umfrage zu. Fünfzehn Ge- nassen wurden dem„Verhör" unterzogen: von den„Alten"— Bracke. G r o u ss i e r—, die bereits die 79 überschritten haben, bis herab zu der vierzigjährigen„Jugend"— Z y r o m s k y, Seat. Von den auch im Ausland wohlbekannten Sozialisten nennen wir Leon Blum und Paul Faure, Renaudel und Vincent Auriol, Comperc-Morel und S e v e r a c. In diesen flüchtigen Interviews treten die starken und die schwachen Seiten der französischen Bewegung sehr deutlich hervor. Vor allem ist die erstaunliche Verschiedenheit der Persönlich- leiten der Befragten wie auch der Wege, aus dem sie zum Sozialis- mus gekommen sind, zu erwähnen. Es gibt nicht zwei Biographien, die sich gleichen. Sie geben nicht das Schabloncnbild eines„Serien- Produkts" wieder, von dem die Kommunisten träumen, sondern schildern einen lebendigen Menschen, der aus den sozialen und ökonomischen Bedingungen seines Landes hervorgcwachsen ist. Zum Unterschied von den sozialistischen Parteien Deutschlands und Großbritanniens ist das proletarische Element in den Spitzen des französische» Sozialismus nur sehr schwach vertreten. Das ist zum großen Teil die Folge der völligen Isolierung der g c w c r k- s ch a f t l i ch e n und der politischen Organisation der franzö- fischen Arbeiterklasse voneinander: zwischen diesen zwei Formen der proletarischen Bewegung besteht keinerlei organischer Zusammen- hang, und das natürliche und fruchtbare Zusammenwirken ist auf diese Weise ausgeschlossen. Immerhin finden wir unter den Befragten den Sohn einer Arbeiterin, den Autodidakt B e d o u c e. heute Deputierter, der im Parlament als Autorität für finanzwirtschaftliche Fragen gilt: den „Erb"-Bergmann E v r a r d, der heute Deputierter und Führer der Arbeiterbewegung im Bezirk Pas-de-Calais ist, und schließlich den Textilarbeiter L e b a s, den Sekretär der größten Parteiföderation (Federation du Nord), de» Bürgermeister von Lille und ehemaligen Deputierten(er fiel in den Wahlen von 1928 durch infolge des Verrats der Kommunisten, die in der zweiten Wahl ihren Kandi- baten nicht zurückstellten und auf diese Weise den Erfolg des reaktiv- naren Kandidaten der Unternehmer ermöglichten). Die übrigen Führer gehören ihrer Herkunft nach der mittleren städtischen Bourgeoisie, den Intellektuellen, den Handwerkern, der Bauernschaft usw. an. Man darf nicht vergessen, daß es in Frank- reich vor allem diese demokratischen Schichten waren, die einige Revolutionen gemacht, vor 69 Jahren eine Republik geschaffen und sie gegen alle monarchistischen Angriffe zu schützen gewußt haben. Die Kinder haben ihre Väter natürlich überholt: zur politischen Gleichberechtigung, die bereits im Jahre 1789 verkündet wurde, wollten sie noch die ökonomische Gleichheit erkämpfen. Auf diese Weise ist der französische Sozialismus in großem Maße als logische Fortsetzung und Vollendung des republikanisch-demokratischen Ideals entstanden. Das tritt fast in allen Interviews deutlich zu- tage. Die Großväter und Väter der Soziakisten nahmen teil an der Re.volirtion von 1848, kEmpften gegen den Usurpator Napoleon III., waren in der konservativen Republik des letzten Drittels des vorigen Jahrhunderts in der Opposition als link- Republikaner und Radikale. Revolutionäre Erinnerungen und republikanische Gesinnungen waren feste Tradition in jenen Familien, in denen unsere Genossen geboren wurden und ihre ersten Eindrücke erhielten. Kein einziger von ihnen spricht von einem Kamps gegen die Eltern um seiner Idee willen. Im Gegenteil, manche von ihnen, die sich in die Reihen des Proletariats stellten, bekehrten auch ihre Väter dazu(eine ausgezeichnete Widerlegung des Sprichworts„das Huhn lernt von dem Ei doch. nie"). Jedenfalls war der französische Sozialismus in jenen Jahre», aus denen die Erinnerungen der Befragten stammen, der direkte Nachfolger des kleinbürgerlichen Radikalismus. Seit dieser Zeit ist so manches anders geworden. Die ökonomische Struktur des Landes hat sich in den letzten Jahrzehnten, vor allem auch unter dem Einfluß des Krieges, stark gewandelt. Eine neue Konstellation der sozialen Kräfte ist entstanden, insbesondere ist die Zahl und das Gewicht der Arbeiterschaft, ihr Klassenbewußtsein und ihre Organisation, außer- ordentlich gewachsen. Aber die h i st o r i s ch e Herkunft des französischen Sozialismus übt noch heute einen Einfluß aus seine Politik aus. Neben den Familientraditionen, die bis zur Großen Franzö- fischen Revolution zurückreichten, waren auch die Ereignisse des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens Frankreichs am Ende des vorigen und Anfang des 29. Jahrhunderts von großer Bedeutung für die Entwicklung der zukünftigen sozialistischen Führer. Nicht der Kampf des Proletariats um die Verbesserung seiner ökonomischen Lage, nicht der Klassenkampf in seiner unmittelbaren Auswirkung, sonderfi die Zusammen st öße sozialer Gruppen, die ihren Ausdruck im Kampf mit dem K l e r i k a l i s in u s, im Boulangismus, in der Affäre D r e y f u s, i» den Parla- nientswahlen usw. fanden, schufen einen günstigen Boden für den Marxismus, formten die Weltanschauung des sozialistischen Nach- Wuchses. Den größten theoretischen Einfluß hat zweifellos Karl Marx ausgeübt. Die reaktionären Publizisten haben ganz recht, wenn sie haßerfüllt diesen„verfluchten deutschen Juden" beschuldigen, die sozialistische„Ansteckung" nach Frankreich gebracht zu haben, lieber den Eindruck, den seine Werke hinterlassen haben, vor allem das „Kapital", die in der französischen Uedersetzung oder in den ver- kürzten Darstellungen und Wiedergaben Dcvilles, Lasargues u. a. gelesen wurden, berichten alle Genossen, nicht nur die, die bis heute„orthodoxe" Marxisten geblieben sind, sondern auch die. die wesentliche„Korrekturen" und„Abweichungen" in seine Lehre ge- bracht haben. Im Lichte der Marxschen Analyse der ökonomischen Wirklichkeit verwandelte sich das verschwommene Gemisch sentimen- talen Rebellentums, romantischen Blanquismus und jakobinischer Traditionen in den proletarischen, revolutionären Sozialismus. Keiner von den Befragten erwähnt außer dem Marxschen einen anderen ausländischen Einfluß. Mit Ausnahme von Jean L o n g u e t, dessen Zusammentressen mit Wilhelm Liebknecht, Keir-Ihardie und Lansbury durch seine internationale Abstammung (sein Vater war der Kommunard Charles Longuet, seine Mutter— Jenny Marx) zu erklären ist, entwickelten sich diese sranzösischen Sozialisten ganz„national". Es ist interessant, daß die Utopisten der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts— Saint-Simon, Fourier. Louis Blanc u. a.— in der geistigen Entwicklung dieser Genossen keinerlei Rolle gespielt haben. Auch Proudhon wird kaum genannt. Aber viele erwähnen den Hirten, Knecht, Bauern und Sozialphilo- sophen Benoit Malon. Das Werk dieses Autodidakten, .,8ocis.li«me integTal", das außerhalb Frankreich gänzlich unbekannt ist, war von großer Bedeutung für ihr sozialistisches Erwachen. Die Theoretiker des Syndikalismus, Corel und L a- g a r d e l l e einerseits und Emile Zola(mit seinem Roman „Germinal") andererseits, haben ebenfalls eine große Rolle in der Entwicklung mancher Genossen gespielt. Voller Liebe und Dankbarkeit werden die Namen von Jaurss und G u e s d e genannt, deren theoretische und praktisch-politische Tätigkeit von außerordentlicher Bedeutung für die heutige Gene- ratio» der französischen sozialistischen Führer war. Und nicht nur für die Führerschaft. Marx, Joures, Guesde— diese drei Namen sind heute zum Wahrzeichen für das französische Proletariat ge- worden, für alle zu ihm hinstrebenden Eleinente der arbeitenden Bevölkerung Frankreichs. .€S Faschistischer„Sport1 »Wir sind hier in Mailand, halten Sie die Schnauzer Im Meisterschaftsspiel des italienischen Fußball- m e i st e r s„Juventus Turin" mit„Ambrosiana"-Maiiand kam es zu schweren Schlägereien der Spieler und zur Verprügelung des testen italienischen Schiedsrichters. Der Berichterstatter der Berliner„F u ß b a l l- W o ch e" vom Deutschen Fußballbund be- richtet in der Ausgabe vom 8..Juni darüber ix. a.; „An ALemandi erging mehrmals der Ruf:„Gigi, räche Meazza!"„Gigi, gib die richtige Antwort!"„Gigi, brich Orst das Bein!" Ich stelle ausdrücklich fest, daß ich persönlich einen wild- gewordenen Mailänder, der neben mir saß, bat, solche gemeine Rufe zu unterlassen, worauf dieser Herr im Chor mit anderen mir antwortete: „Hallen Sie Ihre Schnauze, hier sind wlr In Mailand und weun Ihnen das nicht paßt, zerbrechen wir Ihnen die Rase!" Worauf ich als vernünftiger Diplomat meine Schnauze hielt..." „Nach Abpfisf", schreibt die„Fußball�Woche" weiter,„traten beide Mannschaften vor die Tri.üne und grüßten römisch. Der Schiedsrichter ging in der Mitte zweier Klubdirektoren der„Am- brofiana" der Kabine zu. Sofort nach dem Gruß fegten sich einige Ambrosianaspieler in Trab, so daß man glaubte, sie wollten schnell in der Kabine sein. Plöglich aber schwenkten sie vor dem Schiedsrichter. De Maria, der Südamerikaner, sprang wie eine kahe mit einem Sah aus diesen und schlug ihn mehrmals mit der Faust ins Gesicht. Nun entstand eioe srirchtbare Schlägerei! Es bildete sich eine Par- tei, die den Schiedsrichter schützen wollte, eine andere, die es ihm geben wollte. Im Laufschritt eilte eine Kompagnie Carabinieri herbei und trennte die Parteien...!" So sehr oerwunderlich ist die Geschichte weiter nicht. Es ge- hört zu den Grundsätzen des Faschismus, alles, was nicht feiner Meinung ist, niederzuschlagen und nicderzutrampeln. So geht es in Italien, so soll es in Deutschland werden: Ansätze dazu erleben wir ülerall beim Auftreten des faschistischen Gesindels schon jetzt Politische Auseinandersetzungen führt man mit Dolch, Schlagring und Pistole: warum soll es im Sport anders sein. Fragt sich nur. ob deutsche Arbeiter auch„diplomatisch die Schnauze halten" werden! Grenzen der Gastfreundschaft Der Pressedienst des Arbeitcr-Turn. und Sportbundes schreibt: Die Zeiten sind schwer und das Heer der GIob.trotter. die von der Gastfreundschaft der Mitmenschen leben, bevölkert die Landstraßen immer mehr. Sie sprechen bei Gesinnungsgenossen und Arbeiter- organifationen vor, um Unterstützungen zu erhalten, und berufen sich dabei auf ihre Zugehörigkeit zu diesen oder jenen Arbeiter- organisationen. Die Eastfreundschast der organisierten Arbeiter- schaft wird leider in zunehmendem Maße von Leuten auegenutzt, die nicht berechtigt sind, sich auf ihre Mitgliedschaft in den von ihnen genannten Arbeiterorganisationen zu berufen. Sie sind mitunter nicht nur ideologische, sondern auch organisierte Gegner der sozialistischen Arbeiter und Arbeitervereine. Solche Erfahrungen wurden u. a. auch von den Arbeiter-Turn- und Sportvereinen gemacht. Wer aus Wanderschaft geht, muß seine Organisationspapicre in Ordnung haben. Wenn in ihnen seit Monaten und Iahren die Mitgliedschaft durch besondere Abstempe- lungen, Bescheinigungen oder Erwerbelosenmarken nicht mehr nach- gewiesen werden kann, sind sie wertlos. Auf all« Fälle sind die Organijationsausweise von den Wanderern zur Ansicht zu oer- langen. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 16. Juni 1931 Berlin; 16.05 Konjunktur der Leihbibliothek(L. Rein)). 16 30 Konzert. 17.30 Die Speisekarte der Menschheit(Dr. H. Budzislawski). 17.50 Das Frauenkleid und wer es schaut (Gertrud Ditfridi, Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Damenschneiderei). 18.13 Gedenkstunde für Karl Wessel. 18.55 Die Funkstunde teilt mit... 19.00 Die nnan- ziellen Bestimmungen der Notverordnung(Staatssekretär Dr. Zarden). 19.10" Berlin und die Provinz(Dr. Helli Le- vinsrer und Dr. P Zucker). 19.35 Dichtungen von M. Mohr (H. George). 20.00 Johannes Brahms. 20.50 Tages- und Sportnachrichten. 21.00„Die Goldmacher(Hörspiel). 22.20 Hörbericht aus Lausanne(Dr. J. Räuscher). 22.35 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Populäres Orchesterkonzert. Königs Wusterhausen: 16.G0\ ier W ochen im | Mittelsduillandheim(Rektor F. Kir&ert). 17.30 Die �nlz- burger Protestanten in Ostpreußen(C. Meißner). 18.00 Musikalischer Zeitspiegel. 18.30 Spanisch für Fortgeschrittene (Gertrud van Evseren und Dr. F. Annesto) 18.55 Wetterbericht. 19.00 Wie schützt sich die Bevölkerung vor einem Luftangriff?(Präsident H. Paetsch). 19.20 Das Zusammenleben von Tieren und Pflanzen im Walde(Forstm. Junack). 19.35 Wird der russische Fünfjahrplan sein Ziel erreichen? (Prof. Dr. O. Auhagen). 21.00 Aus Bremen:..Die Böttcher- strafie". 22.35 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Aus Stuttgart: Nachtmusik. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk, monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Um die Handballmeisterschaft des Arbeiter-Turn- und Sporibundes Langsam neigen sich nun auch die Vorspiele um die Hand» ballmeisterschaft des Arbeiter-Turn- und Spörtbundes dem Ende entgegen. Bis auf den württembergischen sind alle anderen Kreismeister ermittelt. Die Kreismeister beginnen am Sonntag mit den erstgn Spielen um die Berbandemeisterschaften. Der ostdeutsche Verband, m dem auch Berlin durch „Volkssport Wedding" vertreten ist, hat noch Spielruhe. Die Weddinger, die auch im Vorjahr die Berbandsmeisterschast er- ringen konnten, gehen auch jetzt wieder als heißer Favorit in die Kämpfe. Im mitteldeutschen Verband ist der vorjährige Der- bandsmeister,„Vorwärts"-Ferm«rsleben, aus dem Rennen ge- worfen. Dieser große Schlag gelang ,.Fichte"-Halle, die damit auch ernsteste Anwartschast aus die Verioandsmeisterschast haben Die weiteren Kreisvertrcter sind Verein für Leileeübung Görlitz, Leip- zig-Paunsdors und Altenburg. Der erst« Kamps steigt am Sonn- tag in Görlitz zwischen Paunsdorf und dem Verein für Leibes- Übungen. Die Leipziger sollten hier den Sieger stellen. Auch im süddeutschen Verband ist der alte Verbunds- Meister mit im Rennen. Die Pfeddersheimer haben am Sonntag gegen«den Vertreter des hessisch-mirtelrheinischen Verbandes, Frank- furt-Bockenheim tn Frankfurt anzutreten, während in Nürnberg Nordbayerns Meister Wunsicdel gegen München-Schwabing spicrt. Währeno im ersten Spiel die Pfeddercheimer als Favoriten gelten, gehen in Nürnberg die Mllnchener als Endspielkandidat in den Kamps. Den Wunsiedelern fehlt noch die notwendige Routine, die zu derartigen Spielen unbedingt notwendig ist. Im Nordwest deutschen Verband ist der vorjährige Der- bandsmeister Hannover-Hainholz mit von der Partie. Die Hanno- veraner standen im Endspiel 1930 gegen Wien-Ottakring und ver- loren nur knapp mit 6: 5. Sie haben auch in diesem Jahre wie- der die Möglichkeit, stch bis zum Sässuß durchzuringen. Daran dürfte auch der Homburger Meister Rothenburgs ort nichts ändern können. Die beiden anderen Vertreter Schwarz-Gelb-Düsieldorf und Wachenhausen, die sich am Sonntag in Berka treffen, werden den beiden anderen wohl harten Widerstand entgegensetzen: den endgültigen Sieg der Hannoveraner werden sie jedoch nicht auf- halten können. Roch völlig ungeklärt liegen die Dinge im deutsch-öster- reich is che n Verband». Der vorjährige Meister Ottakring wird zwar wieder in den Endkämpfen erwartet, doch bringen erst die nächsten Spiele vollkommen« Gewißheit. Sporiliclhes Allerlei Fußball-Länderkämpse Deutschland— Oesterreich— Norwegen. Oer deutsche Arbeiter-Turn- und Sportbund hat zwei der besten Ländermannschaften in der Sozialistischen Arbeitersportinternationale zu Spielen gegen seine Löndermannschaft verpflichtet. Die Spiele mit Oesterreich finden statt am 2. Juli in Kassel und am L. Ii!li in Hannooer. Mit Norwegen wird in Schlesien gespielt, und zwar am 6. August in Breslau, 7. August in Waldenburg, und am 19. August in Beuchen.— Frage an die Berliner Fußballkreieleitung: Woran liegt es, daß Berlin nicht aud) einmal ausländische Arbeiterfußballer »u Gast hat? Die Äerliner Arbeitersportsreunde würden sicher dabei sein, wenn sie einmal etwas anderes als Serienspiele und noch mal Serienspiele vorgesetzt bekämen. Mit dem Geschrei darüber, daß alles zu den Spielen bürgerlicher Bereine läuft, ist es nicht getan. Was Waldenburg in Schlesien kann, sollte man in Berlin auch können! Hannover schlägt Fürth im Boxen. In der Vorrunde um die Bundesmeisterschaft im Mannschaftsboxen des Arbeiter- Athleten- Bundes standen sich am Sonntag der norddeutsche Meister „Sparta"-Hannover und der bayrische Meister.Lroftsportklub 1997" aus Fürth in Hannooer gegenüber. Nach einem recht Wechsel- vollen Berlauf siegte der ehemalige Bundesmeister Hannover Über die Aaste mit 11: 5 Punkten. Am Sonntag, 19. Juni, trifft der langjährige ostdeutsche Meister Weißwasser auf den mitteldeutschen Meister Gero. Speyer kämpft nun gegen Hannover die Zwischen- runde aus. Rdvanche Müller— Charles? Dem deutschen Schwergewidztsbox- meister Hein Müller-Köln wurde bekanntlich von Pierre Charles in Brüssel im Kampf um die Europameisterschaft in einem unoorschrifts- mäßigen Ring knapp geschlagen. Nach den Kontraklen verpflichtete sich der Belgier, seinen Titel im Siegessalle innerhalb von sechs Wochen in einem deutschen Ring gegen Müller zu verteidigen. Der Manager des Rheinländers weilte dieser�Tage in Berlin, um den Kampf in der Reichshauptstadt unterzubringen. Er hatte damit aber keinen Erfolg, da von beiden Boxern Börsen verlangt werden, die kein Veranstalter zahlen kann. Roch 2Z Pferde im Deukschen Derby. Bei der vierten Einsatz- Zahlung für das am 26. Juni auf der Bahn in Hamdurg-Hvrn zur Entscheidung gelangend« Deutsche Derby sind von 169 ur- sprünglich genannten noch 23 Pferde startberechtigt geblieben. Ein Reupeldtermin steht jedoch noch aus. Zahlenmäßig am stärksten ist der Stall M. I. Oppenheimer, der noch vier Pferde im Rennen beließ, vertreten. Das Gestüt Schienderhan verfügt noch über ein« dreiköpfige Streitmacht. Ausgeschieden ist natürlich nur, was von Hause aus keine Chancen haben konnte. Im einzelnen können den Kampf mn die 199 999 Mark vom 2499-Meter-Start aus aufrxhmen: Aristokrat, Lord Nelson(Gestüt Graditz), Orlese Uhr. Auffahrt vom Ssmcindehafen Tegel 20 Uhr. Dicnsrag, 21. Juni, 20 Uhr, Wonatsuer» sammlung bei Reutzner, Seestr, 02. Siiste willkommen. Freie Schwimmer llbarlottcaburg. Alle LamvionreigenfSwimmer treffen ssch Donnerstag, 18., Montag, 20., uicki Donnerstag, 28, Juni, im Vollsbad Sungfernhcide zur Uebungsstunde. Freitag, 24. Juni, ist im Lietzenfee unsere Derbeveranstaltung, Alles erscheint. Zettelvcrtciler um 18 Uhr ain Bootshaus am Lietzenfee. Beginn der Veranstaltung IS Uhr. Meldefchluü für Lucken» waldefahrer Sonnabend. 18. Juni, bei Cchmcling, Tauroggener Str. 44, Wafferkportoerein Frateraitas. Sitzung Freitag, 17. Juni, Restaurant „Sonnenuhr"(Oberbaumdrllckei. Touristenvercin„Die Taturfreunbe", Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, 18. Juni, Sonnenwendfeier am Uederfee. Autokarten 2 M,(Hin- und Rück- fahrt) in der Geschäftsstelle Iohannisftr. 14(Laden). Abfahrt 0 Uhr und von 14 bis 30 Uhr stündlich ab Geschäftsstelle. BSV. Borssgwalde fncht zum kommend-n Ssnntag Spiele für 1. und 2. Mannschaft auf Gegners Platz. Angebote: Freitag, 20 Uhr, unter T«g»l 2001. L.artcNbe'irk Schöneberq.Friedeaau. Vorläufige Anschrift: Rurt Werner, SchZneberg,.«-chenfriedbergstr. 8. Solidarität. Kraftfabrer. Touren Sonntag, 10. Juni. Abt. itreuzberg? Alt. Stahnsdorf. Start: 18. Juni, 18 Uhr. 10. Juni. 7 Uhr, Reichcnberacr Str, 01,— Abt. Friedrichshain: Sassenst-Hl bei Krotzzicthen. Start: 8 Uhr Landsberger Pl-'tz. — Abt. Norden: Uederfee. Start: 18. Juni 9 und 17 Uhr,>9. Juni um 7 Üb: Seestr. 62.— Abt Charlottenbura: Alt-Stabnsdorf. Start: 18 Juni um 19 Uhr Wilmersdorfer Str. 21.— Abt. Pankow: Welziger See, Start: 7 Uhr Pankow, Berliner Str. 80.— Abt. st ipenick: Alt.St"hnsdors. Start: 18, Juni um 2» llbr Bahnhof Grünau.— Abt, Temnclbof. Mariendars: Alt-Stahnsdorf. Start: 18, Juni um 22 Uhr Kurfürsten. Sit Schlltzenftratze, Freie Faltbootsabrer Berlin. Donnerstag. 18. Juni, 20 llbr. Grupve Barden: Jugendheim Brunnenplatz,— Gruppe Nordosten: Jugendheim Tbristburger Straste 7,— Gruppe Südosten: Iuacndheim Grob» Frankfurter Str. 10,— Gruppen Norden und Rvrdosten: Epietabind feden Mittmach. 18 Ubr, koimbaldt. Hain,— Funktionärsttznng Mcmog, 20. Juni, 20 Uhr,.„Für Lmde". Ufcrstr, 13. Arb-itrr-Sportk-a-lilnb Vorwärts. Troioingsabend f-oen Freitag um 20 Uhr in der Snortballe Aleran�rinenstr. 107. Gäste berzlich willkommen. Rudcrocrei» Tolleqia. Freitag, 17. Juni, leine Sitzung. Fahrtenanfetzung Eonnabend im Bootshaus. Am£ande des Schneckengeldes Die tropischen Urwälder und die sie umgebenden höher liegenden Gebirgs!ande bieten immer noch die stärksten Hemmnisse, aber auch die größten Ueberraschungen für eine eingehende Durchforschung. Paul W i r z gibt in seinem Buch„Im Lande des Schneckengeldes. Erinnerungen und Erlebnisse einer For- schungsreise ins Innere von Holländisch-Neuguinea"(Strecker u. Zchrö-der, Stuttgart, geh. 5 M, Leinen 6,50 M.) von den unge- heuren Mühen einer solchen Forschungsreis« einen lebendigen Ein- druck. Die Durchquerung der Urwälder und die Ucberwindung der Hochgebirge war nur möglich durch eine brutale Ausnutzung malaiischer und chinesischer Sträflinge, die mit einer an Sllavcrei grenzenden Grausamkeit zur Träxcrarbcit gepreßt wurden in einem Klima und unter Bedingungen, denen gegenüber die unbelasteten Europäer schon alle Kräfte anspannen mußien. Die von Wirz nritgeteilten Erlebnisse bringen Ueberroschimg noch Ueberraschung. Im Innern der Insel wurde ein Papuavolk entdeckt, zu dem noch nie Weiße vorgestoßen waren und das noch von der Zivilisation der Wrißen völlig unberührt lebt«. Die Papua stehen auf der Kulturstufe der Steinzeitmenschen, kennen entwickelten Ackerbau und Schweinezucht und wohnen in kleinen Dörfern in einfacher sozialer Stammesversassung. Erstaunlid) aber ist, daß diese unberührten Naturvölker einen regen Handel über dos Hochgebirge hinweg mit den eingeborenen Küstenbewohnern haben, bei dem sie ihre landwirtschaftlichen Produkt« gegen eine begehrt» Zchneckenart austauschen, die in ihrem Wirtschaftsleben die Rolle des Geldes spielt. Ein lebhafter, wohlorganisierter Handel baut sich auf diesem Geldbegrisf auf. Die sonst so beliebten Aus- taufchmittel der Weißen, wie Glas, Perlen, Spiegel, Acxte, Messer und dergleichen, werden von den Eingeborenen wie Firlefanz bei- seile gelegt. Die Produkte werden nur gegen das Schncckcngeld eingetauscht, obgleich diese Schncckenart an der Küste Neuguineas, allerdings viele mühevolle Tagesreisen übers Gebirge hinweg, zu hunderttausenden vorkommt. Die lebendig geschilderten Darstellungen geben nicht nur einen Einblick in dieses steinzeitliche Volt des Schneckengcldes, sie er- zählen auch von den Schrecknissen des Urwaldes, von den Leiden der Sträflinge, von der kolonisatorischen Ausbeutung Neuguineas und dem langsamen Untergang alles Naturhaften beim Vordringen europäischer Zivilisation. Leider sind statt sd:arfer photographischer Bilder dem Buche Hondzeichnungen beigegeben, die nur eine mäßige bildhaste Vorstellung vermitteln. Wilhelm Tietgens. Sf&a!« fei Tnealcr Donnerstag, den 16. joni siaalsoper untsr den Linden 20 Uhi €osi San tutte Slaaü.Siteiücltiaiis üeiiümumjtkt. 20 Uhr HiiÜlfüüMge ZtQh&e, auch bis 18 Monats-Raten Ifiaßkifa, Berlin W8.LeiD2lqerStP.122-123 Schiller-Theater Cbarlottenburg. 20 Uhr Absfflied von der Lieüe m S±lr, Bhl. ia.81. Stjs. 2,5.3I5U. E 1 Viida..031 SchvimraldmUel su&sifkfrmrsim. VolKsuüline Tiieater an Bülawalati EV« Uhr Die goldene Cfcr VolKss Qck von E S z e p Regie A M. Rabenau —„vw'SvrV MM IHM Die 8>/. Uhi Journalisten üritp.sidi Gustav Freyftg von Feüi Mimaon Musik: Tte Möckern Regie: llcmz Hilpert MM.Sper Chariouenburg iismarcksrraOe 34 Donnerstag, 16 Juni Turnu. I Erstaufführung Glanni Sdilcdii (Pnccini) Frieriridi, Hüsdi, Fidesser Petrusdika trawinsky- Ballen AbramowiisduUblcn. iydow, Grtike, Frank. Lgeoiaui Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr i eiMMO IRestaumnl Berlin«! Wiesen-Butler Wiesner& Co., N 58, Wörther Str . I> 4 Humboldt 10,5 mmca 3 GfoOdssliilelion zum weißen Hirsch 'JllUerslru$e lOö, ecke J>rinzen*lra$e Fraiist&eRstube— NittajstiscX 40 Pf. äutseptieate Biere Willy SeidlifX