Morgenausgabe Nr. 285 A 144 49. Jahrgang TZchentllch 78$t, monatlich 3,25 ÜJl (davon 87 Pf, monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar, Postbszug 3,87 M. einschließlich 80 Pf Iiettzeitungs- und 72 Pf, Postbestellge- »ühren, Duslandsadonnement S.8S M. Uro Monat! für Länder mil ermäßig- tem Druckfachenvorto 4.66 SBl ®et„Vorwärts" erscheint Wochentag- Ilch zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Eonntagsbeilag, .Boll und Zeit" � 9} Berliner volSSvlatt Sonntag 19 3uni 1932 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 pf. Die etnlpall. Milltmelerzelie»0 Pf. Reklamezeile 2.- M„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei settgedruckteBvrtei.Iedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt IL Tarif. Worte Uber IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- geile 2S Pf. Familienanzeigen Milli- meterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße Z. wochentäglich von 8>/, bis 17 Uhr Der Verlag behält sich dasRecht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vor> Jenteakorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenftr. 3 gernspr.! Dönbofs(A D 292—297. Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin Z7 536.—Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Lindenstr. 3. Dt.B.u.DiSc.-Ges., Det>ositenk.,Jerusalemer Str. 65/66. Schleicher verteidigt sich. Briefwechsel des Reichswehrministers mit Anton Erkelenz. Am 14. Juni erschien im„Vorwärts" ein Aufsatz des Genossen Anton Erkelenz mit der Ueberschrift„Staat und Armee. Heraus aus dem Halbdunkel!" Dieser Aufsatz hat den Reichswehrminister von Schleicher ver- anlaßt, an Genossen Erkelenz folgendes Schreiben zu richten: Der Reichswehrminister. Berlin W. 1». den 16. Juni 1932/ Königin-Augusta-Strahe 38— 42. Sehr geehrter Herr Erkelenz! Sie haben im„Vorwärts" vom 14. 6. 32 einen Artikel„Staat und Armee" erscheinen lassen, zu dem ich im Interesse der Wehr- macht Stellung nehmen muß. Meine Antwort wird mir durch die maßvolle Form Ihrer Darstellungen erleichtert, die wohltuend von der Masse desjenigen absticht, was jetzt allgemein während des Wahl- kampses geschrieben wird. Sic beginnen Ihren Artikel folgendermaßen: „Wer über den Ernst der politischen Lage in Deutschland... nachdachte, kam stets an einen Punkt, an dem es schwer wurde, die Lag- mit den normalen Mitteln der Demokratie zu bewältigen. Für diesen Fall mußte eine stärkere Heranziehung der Präsidial- gewalt und der Militärgewalt zum Schutz gegen-inen gemalt- lamen Umsturz der Verfassung und gegen einen Bürgerkrieg mit in Rechnung gesetzt werden. Daran wcrdcn auch die deutschen Mili- tärs öfter gedacht haben. Sie werden sich— noch mehr als die Politiker— gesagt haben, daß eine solche Hineinziehung der Heeresmacht iii bt'c Tagespolitik gerade vom militärischen Gesichts- punkt ans ein verhängnisvolle- liebet sein werde, das nur im höchsten Notfall zu rechtfertigen sei." Ich stimme mit diesen Ausführungen vollständig überein. Die Erwägung, daß der Einsatz der Wehrniacht im innerpolitischen Kamps unbedingt vermieden werden müsse, hat die Haltung der lei- tcndcn Persönlichkeiten der Wehrmacht in den letzten Monaten ganz besonders bestimmt. Um so mehr muß ich mich gegen Ihre Aussasiung wenden, als habe ein Eingriff der Wehrmacht in die Politik tatsächlich stattgesunden. Sie beweisen das nicht, aber Sie legen es Ihren weiteren Aus- führungen zugrunde. Nach Ihrer Auffassung hat sich die militärische Macht zur Uebernahme der politischen Verantwortung gedrängt, sie hat sich an die Seite der Nationalsozialisten gestellt, und sie hat sich aus die Bildung des heutigen Kabinetts„eingelassen". Die Armee erscheine jetzt als ein Instrument des Klassenkampfes von oben. Diese Auffassung ist vollkommen falsch. Durch welche Tatsachen. durch welche Beweise könnten Sie es belegen, daß die Wehrmacht in den politischen Kampf eingegriffen habe? Nach dem Ausscheiden mehrerer Minister aus dem Kabinett Brüning und nach dem Gesamtrücktritt dieses Kabinetts hat der Herr Reichs- Präsident die neue Reichsregierung nach seinen oerfassungs- mäßigen Gerechtsamen ernannt, und es ist eine Beleidigung für seine Person, ihm zu unterstellen, daß er sich bei diesen ganzen Vor- gängcn van etwas anderem hätte leiten lassen, als von seiner eige- nen Beurteilung der politischen Lage und seinem eigenen Gewissen. Falsch ist auch die Behauptung, in meinem Aufruf an die Reichs- wehr werde diese„an die Seite der Nationalsozialisten gestellt". Oder wollen Sie unter„denjenigen geistigen und physischen Kräften unse- res Volkes, welche die unentbehrliche Grundlage der Landesverteidi- gung bilden", nur die Nationalsozialisten verstehen? Die Reichswehr steht zu der jetzigen Reichsregierung in keinem anderen Verhältnis als zu jeder gesetzmäßigen Regierung des Deut- schen Reiches, nämlich dem ihres scharfen, aber unpolitischen und überparteilichen Machtmittels. Die Wehrmacht hat sich weder zur U-bernahme der politischen Verantwortung gedrängt, noch hat sie die politische Verantwortung übernommen Ich trete shrer Ueberzeugung bei. daß die Macht der Bajonelie allein als Grundlage einer Regierung nicht ausreiche. Einer Regierung, deren Vertrauensgrundlage im Volk dauernd ab- nimmt deren parlamentarische Basis mit den tatsächlichen Verhält- nissen im Volk nicht mehr übereinstimmt, würde auch die Berfügung über die Wehrmacht nichts nützen. Eine dauerhaste und produktive Regierung ist vielmehr nur möglich, wenn sie sich nicht gegen die Strömungen wendet, welche die Massen des Volkes erfüllen, sondern wenn sie es versteht, sich aus den lebendigen und zukunftsvollen Kräften des Volkes eine breite Vertrauensgrundloge zu schaffen. Diese Erwägungen sind so zwingend, daß si- allein genügen, um den Regierungswechsel, der sich jetzt in Deutschland vollzogen hat, zu begründen, und daß man zu seiner Erklärung nicht einen Eingriff der Wehrmacht in die Poli- tit anzunehmen braucht, der nie stattgesunden hat. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie den Lesern des„Vor- w ä r t s" von dieser Antwort Kenntnis geben würden und bin mit dem Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung Ihr sehr ergebener (gez.:) von Schleicher. Erkelenz antwortet. Aus diesen Brief des Reichswehrministers von Schleicher antwortete unser Mitarbeiter, Genosse Anton Erkelenz, mit folgenden Ausführungen: 18. Juni 1932. Herrn Reichsminister von Schleicher, Verlin. Sehr geehrter Herr Minister, Ihren Widerspruch gegen meinen Aufsatz im„V o r w ä r t s" begrüße ich, weil eine Klarstellung der strittigen Punkte von größtem nationalpolitischen und außenpolitischen Interesse ist. Deshalb bin ich Ihnen für Ihren Brief sehr verbunden. Die hauptsächlichste Meinungsverschiedenheit zwischen Ihren und meinen Darlegungen ist die: ich gehe davon aus, daß ein Eingriff der Wehrmacht in die Politik bereits stattgefunden hat. während Sie die politischen Vorgänge der letzten Wochen so er- klären, daß sie zur Verhinderung eines unerwünschten Eingriffs der Wehrmacht in die Politik geschehen seien. Diese Meinungsver- schiedenheit berührt einen der wichtigsten Kernpunkte der Lage. Sie bemängeln es. daß ich für meine Auffassung keine Beweise gegeben hätte. Ich be st reite keineswegs, daß Sie über die Vorgänge, die zu dem letzten Regierungs- Wechsel geführt haben, genauer unterrichtet sein müssen, als ich es sein kann. Was ich weiß, ist nicht mehr als das, was jeder aufmerksame Posttiker wissen muß. Der Sachverhalt ist, so gesehen, folgender: 1. Die Krise beginnt mit dem Verbot der SA. Das Verbot wird erlassen von einem Reichsminister des Innern, der seit Iahren Wehrminister war, der ein alter Soldat und Offizier ist, der in entscheidenden Stunden deutscher Geschichte entscheidende Aufgaben erfüllt hat. Von ihm ist eher zu viel als zu wenig Berücksichtigung des militärischen Gesichtspunktes, des Wehrwillens, zu erwarten. Trotzdem: er erläßt das Verbot. Cr wird nach einigen Tagen ver- anlaßt, seinen Abschied als Wehrmini st er zu nehmen. 2. Dem Herrn Reichspräsidenten wird eine Aktenfamm- lung überreicht, die ein gleiches Verbot des Reichsbanners rechtfertigen soll. Es wird seit Wochen in der Presse unwider- sprachen behauptet, daß ein Teil dieser Akten die Aktenzeichen des Reichswehrministeriums trage. Wobei zu beachten ist, daß selbst ein einigermaßen objektiv denkender Gegner des Reichs- banners anerkennen müßte, daß dieses weder militärisch, noch politisch, noch organisatorisch mit den SA.-Formationen verglichen werden kann. 3. Nachdem Sie Reichsminister wurden, erließen Sie einen Appell an die Wehrmacht, der unter den gegebenen Umständen nur als eine besondere Annäherung an die National- s o z i a l i st e n gedeutet werden kann..Sie wallen dem in Ihrem Brief zitierten Satz diese Deutung nicht gegeben wissen. Es erschiene mir außerordentlich wichtig, wenn gerade dieser Punkt geklärt werden könnte. 4. Meine Deutung dieses Satzes wird noch unterstrichen durch die allgemeine Erklärung der Reichsregierung, die nach Ihrem Appell an die Reichswehr veröifentlicht wurde. Diese Erklärung unterstreicht scharf und fundamental den Systemwechsel. Die Presse der ganzen Welt hat da? mit seltener Einmütigkeit festgestellt. Sie. Herr Minister, sind Mitglied dieser Regiening! Es wäre zur Zeit kein Wehrminister denkbar, der so ausge- sprachen die Armee vertritt wie Sie. Es spricht vieles dafür, daß dieses Kabinett mit I h r Werk ist. Wie man auch zu dem„System- Wechsel" stehen mag, sein Ziel ist eine Umlagerung der Machtoer- Hältnisse im Volte, im Staat, in der Verwaltung, viele glauben gar, in der Staatssorm. Ich bin zu sehr davon überzeugt, daß d i e Republik, d i e Demokratie und das Parlament die für Deutschlands Zukunft einzig mögliche Form der Regierung sind, als daß ich diesem Systemwechsel eine Cwigkeitsbedeutung beilegen möchte. Unbeschadet dessen: es wäre für die Wehrmacht verhängnisvoll, wenn sie den Millionen Republikanern als Tröger eines Systemwechsels er- scheinen möchte, der beseitigen will, wofür wir ein Leben lang vor und in der Republik gekämpft haben. Eine parteipolitische Bewegung kann sich ein derartiges Ziel stellen. Die Wehrmacht muß jeden Schein vermeiden, daß sie für einen solchen Systcmwechset mit verantwortlich sein könnte. Der Gedanke, daß jede im Volke wurzelnde Wehrmacht mit den Millionen Republi- kauern in seelisch enger Verbindung stehen muß, erscheint mir als unentbehrliche Grundlage jeder gesunden Wehrpolitik. Von dem Herrn Reichspräsidenten habe ich in meinem Aufsatz nicht gesprochen. Nach den ungeschriebenen Gewohnheiten der Demokratie hat man sich in erster Linie auseinanderzusetzen mit den verantwortlichen Ministern. Der Reichspräsident als höchster Vertreter der Nolksherrschast genießt nicht die Infallibilität, und letztlich untersteht auch-r der öffentlichen und der parlamentarischen Kritik. Mit Ihnen bin ich der Meinung, daß jede Regierung„sich aus den lebendigen und zukunstsvollen Kräften des Volkes«ine breite Vertrauensgrundlage schaffen" muß. In der Gegenwart ist dieser Ausdruck vieldeutig. Vicht alles, was laut und erregt austritt, ist„lebendig und zukunftsvoll". Der Politiker darf hier nicht das Opfer von Schichten werden, die durch Rot und Demagogie aufgepeitscht sind. Die Republi- k a n e r sind immer noch, ungünstig gerechnet, mehr als die Hälfte des deutschen Voltes. Sie vertreten Ideen, die sich immerhin schon seit tausend Iahren in den größten Staaten bewährt haben. Sie vertreten Ideen, aus denen letztlich auch jede moderne Wehrmacht entstanden ist. Schließlich waren Stein, d-r Politiker, u n d Schorn- Horst, der Soldat, doch Männer einer nationalen Auffassung. Und so bleibe ich bei der Ueberzeugung, daß in erster Linie die Republikaner die„lebendigen und zukunftsvollen Kräfte der Ration" sind. Ihrer dankenswerten Anregung, den Lesern des„Vor- w ä r t s" von Ihrer Antwort Kenntnis zu geben, bin ich gern ent- gegengekommen, indem ich Ihren Brief zugleich mit meiner Er- widerung der Redaktion des„Vorwärts" übermittelt habe. Ergebenft Ihr gez. Anton Erkelenz. Wir behalten uns vor, zu diesem politisch sehr bemerkens- werten Briefwechsel noch redaktionell Stellung zu nehmen. Einheitsfront! Ein Ziel- aber wo ist der Weg? Von RrioclrioU Ltawpksr. Bon der proletarischen Einheitsfront wird viel geredet, aber nicht alle, die von ihr reden, verbinden mit dem Wort eine genaue Vorstellung. Eine proletarische Einheitsfront kann dadurch entstehen, daß die Kommunisten Sozialdemokraten werden oder umgekehrt die Sozialdemokraten Kommu- nisten, aber die Herstellung einer solchen Einheitsfront wäre, wenn überhaupt, erst nach Iahren oder Jahrzehnten möglich — für die Gegenwart bedeutet sie nichts anderes als erbitterten Kampf der Parteien um die Führung des Prole- tariats, also das G e g e n t e i.l von Einheitsfront.' Immerhin ist der Weg zur Einheitsfront unter sozialdemokratischer Führung viel kürzer als der Weg zur Ein- heitsfront unter Führung der KPD.; denn die Zahl der sozialdemokratischen Arbeiter ist bekanntlich viel größer als die der kommunistischen. Es könnte leichter geschehen, daß die 4,6 Millionen kommunistischer Wähler von 1930 zur Sozialdemokratie kommen, als daß 8,6 Millionen sozialdem»- kratischer Wähler zur KPD. stoßen. Die Eiserne Front kann, rein zahlenmäßig gesehen, viel eher den Anspruch er- heben, die Einheitsfront des Proletariats darzustellen als die KPD. samt der NGO. Zuzugestehen ist trotzdem, daß das, was mit der Gegenwarts forderung nach der Einheitsfront gemeint ist, weder in der KPD. gegeben ist noch in der Sozialdemo- kratischen Partei. Die Einheitsfront|ür„später einmal" braucht uns also hier nicht weiter zu kummern. Das Problem ist die Ein- heitsfront von morgen. Die Einheitsfront von morgen ist nur möglich, wenn bei den Parteien der Wille vorhanden ist, sie zu bilden. Je nach der Intensität dieses Willens würde dann diese Einheitsfront entweder eine auf Dauer berechnete Frelheilsoplerl Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands röstet zur größten aller Wahlschlachten. Kampfesmutig und entschlossen nimmt sie den Entscheidungskampf mit der Reaktion auf; nicht ermüdet, nicht entmutigt durch die schon hinter uns liegenden großen Kämpfe dieses Jahres. Allen Entbehrungen, aller Not und allem Terror zum Trotz harren die Massen, die dem Banner der deutschen Sozialdemokratie folgen, erneut in eiserner Front der schweren Aufgabe, vor welche die Auflösung des Reichstags sie stellt. Der Kampf erfordert nicht nur die Einsetzung aller Kräfte, er kostet auch Geld, viel«e!d' Darum rufen wir allen Anhängern zu- Bringt das Freiheitsopferl Niemand vergesse, daß dieser Kampf über sein eigenes Dasein und die Zukunft des ganzen schaffenden Volkes entscheidet! Niemand verfehle, das gigantische Ringen des werktätigen Volkes für Freiheit, Menschenrecht und menschenwürdiges Dasein zu unterstützen. Zum Kriegfuhron gehört Geldl Schafft Munition herbeil Es werden für Berlin Marken für 0,50 M, IM, 5M und 10 Mark ausgegeben, deren Erwerb Ehrensache aller Gesinnungsfreunde ist. Wer nur wenig geben kann, gibt wenig, wer mehr hat, muß mehr opfern I Durch Erwerb und Besitz von Freiheitsmarken bezeugt jeder seine Verbundenheit mit der in heißester Wahlschlacht stehenden Partei des arbeitenden Volkes. Drei Pfeile auf den Marken des Freiheitsopfers sind das Symbol aller Freiheitskämpfer. Drei Pfeile fliegen dem Feind entgegen, der mit l.üge und Niedertracht den politischen Kampf führt. s'nc' Symbol der Aktivität, der Disziplin und der Einigkeit. In ihren Zeichen kämpfen L�rei rrene d[eMassen, Drei Pfeile S'nd das �ym':5C>l c,er �'"P�'���bssnhslt, der Treue und des Glaubens Opfert auf demAltarderFreiheit Bezirksverband der SPD Berlin MlionaWaMchtt Achismißbrauch. Amtsgericht gegen die Verfassung/ Beschränkung von Wahl- und Pressefreiheit mit einstweiligen Verfügungen. feste Phalanx oder eine losere Kombination auf Zeit dar» stellen. Die Einheitsfront der ersten Art ist nicht möglich, da die Gegensätze der grundsätzlichen Auffassungen viel zu groß sind. Es käme also nur eine losere Kombination auf Zeit in Frage. Aber auch die ist nur dann möglich, wenn man auf eine massive gegenseitige Bekämpfung, die mit Beschimpfungen und Berleumdungen ar- beitet, o e r z i ch t e t und sich über das beiderseitige Vorgehen in der nächsten Zeit einigermaßen verständigt. Um die Voraussetzungen für eine solche Einheitsfront— die allein mögliche— zu schaffen, bedarf es bei der Sozial- demokratie kaum einer Aenderung chres bisherigen Ver- Haltens. Ein Blick in unsere Presse zeigt, daß uns der Kampf gegen rechts alles ist und daß wir uns gegen die Kommunisten nur dann zur Wehr setzen, wenn sie uns in diesem Kampfe behiirdern. Es liegt bei den Kommunisten, die Polemik zum Stillstand zu bringen oder sie auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die Kommuni st en haben das aber bisher auf das schärf st e abgelehnt. Infolgedessen fehlt bisher auch die erste Boraussetzung für eine Verständigung über das beiderseitige taktische Ver- halten. & Nun ist zuzugeben, daß diese Verständigung etwas schwerer wäre, doch liegen auch hier die Schwierigkeiten nur bei den Kommunisten. Die Sozialdemokratie steht zu dem neuen System in allerschärfster Opposition: Tolerierungs- oder Koalitionsfragen gibt es zur Zeit nicht. Wohl aber besteht die Tatsache einer kommunistisch-national- sozialistischen Einheitsfront im. Preußischen Landtag, die ihre Spitze gegen die Sozialdemokratie richtet. Man denke nur an den nationalsozialistischen Antrag auf Absetzung Grzesinskss, der mit kommunistischer Hilfe angenommen wurde I Die Kommunisten, die am letzten Donnerstag in unseren Versammlungen auf dem Wedidng waren, können ihren Ge- nossen erzählen, wie dort die rein sachliche Mitteilung von der eben erfolgten Abstimmung im Landtag von den sozial- demokratischen Arbeitern aufgenommen wurde. Ich babe überhaupt den Eindruck, daß die Erbitterung über kommunistische Taten solcher Art bei den sozialdemokratischen Massen viel größer ist als bei den Führern. Die Kommu- nisten belügen sich selbst, wenn sie sich einreden, die sozial- demokratischen Arbeiter wären eigentlich bereit, jeden Tag zu ihnen überzulaufen, wenn nur die bösen Führer sie nicht mit List und Tücke daran hinderten. Wenn sich die sozialdemokratischen Führer zur Bildung einer Einheitsfront mit den Kommunisten bereiterklären wollten, ohne daß die Kommunisten auf.chre Schimpftaktik und auf ihre Kooperatton mit den Nazis verzichteten, so würden sie von den sozialdemokratischen Arbeitern davon- gejagt werden! * Man kann also die Sache drehen wie man will, die Einheitsfront ist nur denkbar als lose Kombination auf Zeit, und auch die ist nur möglich, wenn die Kommunisten darauf verzichten, über die Sozialdemokraten zu schimpfen und mit den Nationalsozialisten zu stimmen. Dieser Verzicht sollte aber den Kommunisten nicht schwer fallen, wenn sie sich überlegen, wie sich in den letzten Jahren die Dinge ge- ändert haben. Früher gab es für die KPD. nur ein Reservoir, aus dem sie schöpfen konnten, das war die Millionenmasse der sozialdemokratischen Wähler. Sie suchten daher durch schärfste Angriffe auf die Sozialdemokratie möglichst viele Wähler zu sich hinüberzuholen. Heute aber stehen leider auch in der NSDAP, große Massen von Proletariern, und zwar zum Teil solche, die es früher einmal mit der KPD. gehalten hatten. Der Versuch, diese verlorenen Anhänger zurückzugewinnen, müßte die KPD. eigentlich reizen und könnte ihre Kräfte in weitem Maße in Anspruch nehmen. Einer zielbewußten„antifaschistischen Aktion" wäre damit weit besser gedient als mit einem sturen Loshacken auf die Sozialdemokratie. Aehnliche Gedankengänge habe ich kürzlich in einer Rede in Hamburg entwickelt. Darauf hat Thälmann in einer Rede in Darmstadt geantwortet, ich hätte„von einer Ein- heitsfront kommunistischer und sozialdemokratischer Führer gefaselt". Eine Einheitsfront mit S e v e r i n g und H i l f e r- ding könne aber niemals zustande kommen. Schön, dann müssen eben die Arbeiter entscheiden, ob sie die besseren geisti- gen und moralischen Führerqualitäten bei Thälmann oder bei Severing und Hilferding finden, und erst wenn alle bei Thälmann sind, wird die„Einheitsfront" da fein, die Thal- mann will und die den Faschismus schlägt. So lange warten können wir nicht! Der Feind steht vor den Toren. In sechs Wochen fällt die Entscheidung. Wenn mix. Sozialdemokraten die Abwehr kommunistischer Angriffe auf das Notwendige beschränken und unsere ganze Kraft gegen das Hitler-Papen-System richten, so tun wir für die proletarische Einheitsfront alles, was wir tun können, und dieses Tun ist besser als bloßes Gerede. Wo mit dem Einsatz aller Kräfte der Kampf gegen den Faschismus geführt wird, wie w i r ihn führen, dort wächst die proletarische Einheitsfront! Oas Neichskabineit iagi. Sie Auswirkungen der politischen Notverordnung. Das Reichskabmett beschäftigte sich heute mit der außen- und innenpolitischen Lage. U. a. berichtete der Reichsinnenminister auch über die Maßnahmen der Länder bei Durchführung der Berornwmg des Herrn Reichspräsidenten vom 14. Juni d. I. gegen politisch« Ausschreitungen. Dos Reichskabinett war einmütig der Auffasiung, daß die mit der Verordnung begonnen« Politik energisch fort- zuführen ist.— Die Folgen der Notverordnung, die sich nach der Aufhebung des SA.-Verbotes im ganzen Reich in Krawallen und blutigen Zusammenstößen gezeigt haben, sind offenbar auch bei der Reichsregierung nicht ohne Eindruck geblieben. Die für den kom» wenden Mittwoch vom Reichsinnenminister einberufene Konferenz der Innenminister der Länder deutet jedenfalls darauf bin, daß die Auswüchse der Radikalen auch Herrn von Gayl die dringende Notwendigkeit einer sofortigen Aussprach« '' �n Ländermi-ister» nahegelegt haben. Unser Parteiorgan in Hall«, das„Hallesche Volksblatt", hat eine ein st»eilig« Verfügung erhallen, die der Gauleiter der NSDAP, im Gau Halle-Merse- bürg, Rudolf Jordan, als Antragsteller erwirkt hat. Diese einstweilige Verfügung ist erlösten worden vom Amts- gericht Halle a. d. S., Abteilung 27, Amtsgerichtsrat Vellemann. Nach dieser elnstwelligen Verfügung wird dem„Halleschen Volks- blatt" folgendes untersagt: 1. Die Salzsteuer al» Hitler. Steuer zu bezeichne». 2. Das herrschende System als System Hitler-Papen zu bezeichnen. Z. Zn irgendeiner Form zu behaupten. Hitler habe erklärt, daß es für das hungernde Volk noch zu viel Wohlfahrt gebe, und die Partei des Herrn Hitler stehe als die Partei der Reichen gegen die Armen, die Partei der fchlimmsten Betrüger des werktätigen Volkes, die Partei der plutokratie. Dem„Halleschen Vollsblatl" ist für jeden Fall der Zu- widerHandlung eine Geldstrafe von kbll Mark angedroht. Diese einstweilige Verfügung stellt einen glatten Mißbrauch Die Bluispur der Radikalen. Schwere Zusammenstöße im ganzen Reich. Bochum. 18. Juni.(Eigenbericht.) Durch das zahlreiche und provozierende Auftreten der SA., und SS.-Abteilungen ist es iu zahlreichen Stödten des Ruhegebiel» am Sonnabendabend zu größeren Unruhen gekommen. Zn Witten fanden schwere Zusammenstöße statt. Kommunisten warfen dort mit Steinen die Scheiben an der Gefchäsisslelle der NSDAP, ein. Als die Polizei eingriff, wurde ein Beamter durch Messerstiche erheblich verletzt. Die Be- amlen schössen daraufhin: ein Kommunist erhielt einen Oberschenkel. fchuß. Die Krawalle danern noch an. Za Herne kam es eben- fall» zu Zusammenstößen zwischen RaKonalsozialisteo und Kommu- nisten, wobei eia Nationalsozialist schwer verletzt wurde, vier Kom- munisten konnten verhaftet werden. Zahlreiche Verletzte in Stuttgart. Stuttgart, 18. Juni.(Eigenbericht.) Die von Kommunisten und Nationalsozialisten am Freitag in Stuttgart in verschiedenen Stadtteilen immer wie- der neu unternommenen Versuche, Stroßendemonstra- t i o n e n zu veranstalten, zogen sich bis nach Mitternacht hin. Dabei gab es eine gößere Zahl von Verletzten. Zwei National- sozialiften mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Bei der Schlägerei in einer von Nationalsozialisten veranstalteten Erwerbs- losenversammlung wurde auch ein Kriminalbeamter durch Messerstiche oerletzt. Im ganzen hat die Polizei 21 Verhaftun- gen vorgenommen. Die Nationalsozialisten beabsichtigen, gegen die Ausrechterhal- tung des Demonstrationsverbotes durch die würllembergische Regie- rung Klag« beim Verwaltungsgerichtshof zu erheben. Der Verlauf des Zivilrechts zum Eingriff in die verfassungsmäßig ge- währleistete Wahl- und Pressefreiheit dar. Sie ist ein Eingriff der Justiz in die Verfassung, wie er schlinmwr nicht gedacht werden kann! Selbstverständlich werden gegen diese einst- weilige Verfügung alle instanzenmäßigen Mittel angewandt werden! Dieser Fall zeigt ganz scharf, wie weit die Dinge iu der beut- scheu Zusllz gediehen sind. Bei solchen Leistungen wird kein Mensch mehr behaupten wollen, daß es«ine objektive Justiz m Deutschland gäbe! Di« Nationalsozialisten werden sich im übrigen getäuscht haben, wenn sie glauben, mit solchen Mitteln verhindern zu können, daß ihre Verantwortlichkeit für die Regierung Papen, wie für die Hunger» Notverordnung dieser Regierung dem Volke klargemacht wird. Diese einstwellige Verfügung zeigt, wie schuldbewußt sie sind und wie sehr sie ihre Entlarvung fürchten! Die vom Großkapital be- soldete Partei der Nationalsozialisten trägt vor dem ganzen Volte die Schuld an der Regierung der Barone, an dem Raub an den Erwerbslosen, den Sozialrentnern und den Kriegsopfern! des ersten Tages nach Aufhebung des Uniformverbotes hat jedoch gezeigt, daß wir geradezu anarchischen Zuständen ent- gegen gehen würden, wenn alle Schranken für eine vorbeugend» polizeiliche Tätigkeit fallen würden! Tumulte in Ludwigshafen. Ludwigshafeu, 18. Juni. Zu starken Zusammenrottungen von Kommunisten kam es gestern in der Bismarckstratze und in der Friesenheimer Straße vor einem Lokal der Nationalsozialisten. Auch sonst kam es wiederHoll zu Tumullen zwischen politischen Gegnern. Die allgemeine Ruhe tonnte erst nach Mitternacht wieder hergestellt werden. Die Polizei mußte fortgesetzt tätig sein, um die Ansammlungen zu zerstreuen und entstehende Schlägereien zu schlichten, wobei des ösleren auch vom Gummiknüppel Gebrauch gemacht werden mußte. Im nördlichen Stadlleil wurde die Polizei von der erregten Menge mll Psui-Rusen und Beleidigungen wie..Bluchund� empfangen. Aus einzelnen Fenstern wurden die Beamten mit Blumentöpfen und Flaschen beworfen, wobei drei Beamte leicht oerletzt wurden. Insgesamt wurden 25 Persoven se st genommen. Schießerei in Stettin. Stettin, 18. Juni. Am Sonnabendnachmittag wurde in der Mollkestraße ein Trupp uniformierter SA.-Leute von Kommunisten angegriffen, die auch mehrere Schüsse abgaben Ein großes Polizeiaufgebot räumte die Straße, wobei die Beamten von der Schußwaffe Gebrauch machten. Ob bei dem Zusammenstoß Personen verletzt worden sind, steht noch nicht fest Die Sozialistische Studentenschaft hielt am Freitag im Gewerk- schaftshaus ein« starkbesuchte Mitgliederversammlung ab, aus der Genosse Aushäuser über die politische Situation referierte. Am Mittwoch wieder Landtagssihung. Die Wohl des preußischen Ministerpräsidenten. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung des Preußischen Landtags am Mittwoch, 22. Juni, steht an erster Stelle die Beratung der nationalsozialistischen, kommunistischen und deutschnationalen An- träge aus Verabschiedung eines politischen Amns- st i e g e s e tz e s. Ferner enthält die Tagesordnung neben der endgültigen Wahl des Landtagspräsidenten und der Wahl des Minister» Präsidenten zahlreiche Anträge der deutschnationalen und der kommunistischen Fraktion, über die eine gemeinsame Beratung statt- finden soll. Reamtensolidarität mit dem Schroder-Verband. Der von den Nationalsozialisten im Preußischen Landtag einge- brachte Antrag aus Auflösung des Verbandes der preußischen Polizeibeamten, des sogenannten Schräder- Verbandes, war Gegenstand von Besprechungen im Hauptausschuß des Bezirkskortells Berlin des Deutschen Beamtenbundes. Dieser Hauptausfchuß, der 117000 Beamte zu vertreten hat, faßte eine Entschließung, in der er sich mit dem Protest des Schradsr-Ver- bandes gegen den Auslösungsantrag solidarisch erklärt und hinzufügt, er erwarte, daß die Volksvertreter die in der Verfassung gewährleisteten Rechte der Beamten wahren, und fordere aus diesem Grunde Ablehnung des nationalsozialistischen Antrages. Preußens Durchführungsbestimmungen 'Zw letzten politischen Notverordnung. Der preußische Minister des Innern hat am 16. Juni folgende erste Verordnung zur Verordnung des ReichspräsideMen gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932 erlassen, in der er die für das Verbot periodischer Druckschriften in Preußen zuständigen Stellen benennt: „Auf Grund des§ 7 Absatz 1 der Verordnung dez Reichs- Präsidenten gegen politische Ausschreitungen vom 14. Juni 1932 wird folgendes bestimmt: Außer mir, dem Minister des Innern, nls der obersten Landesbehörde, sind für Maßnahmen nach 8 7 der Berordnung die Oberpräsidenten für den Bereich ihrer Provinz, der Regierungspräsident von Sigmaringen für den Regierungs- bezirk Sigmaringen und der Polizeipräsident in Berlin für den Bezirk der Stadt Berlin zuständig. Die Zuständigkeit der Ober- Präsidenten, des Regierungspräsidenten in Sigmaringen und des Polizeipräsidenten in Berlin erstreckt sich auch auf das Verbot von Kopfblättern, soweit diese im Freistaat Preußen erscheinen und die das Verbot des Stammblattes veranlassenden Ausführungen gs- bracht haben." Krisenfürsorge. Neuregelung durch Berordnung. Die bisherige Verordnung über die Kriseniürsorge für Arbeitslose vom 23. Oktober 1931 wird mit dem 26. Juni außer Kraft gesetzt. An ihre Stelle tritt«in Erlaß des Reichsovbeitsministers, wonach die Abgrenzung des bisher zur Krisenfürsorge zugelassenen Personenkreises beibehalten wird. „Krisensürsorge erhallen in Zukunft nur Arbeitslose, die hilfsbedürftig sind." Wer die Arbeitslosenunterstützung aus der 36-Tage-Ver» s i ch e r u n g abgehoben hat. wird also erst aus seine Hilfsbedürftig' keit hin geprüft, bevor er weiter« Unterstützung bekommt. „Ob Hilfsbsdürftigkeit vorliegt, entscheidet sich nach den Vor- schriften für die allgemeine Fürsarg« in den Reichsgrundsätzen über Voraussetzung, Art und Maß der öffentlichen Fürsorg« in der Fasiung vom 1. August 1931 in Verbindung mit ß 15 der Reichs- grundsäge. Die Unterstützungssätze der Arbestslosenoersicherung gelte» auch für die Krisensürsorge. Sie sind Höchstsätze Im Rahmen dieser Sätze richtet sich das Maß der krisenunierstühung nach dem Grade der hilssbedürskigkeil. Die Unterstützung darf nicht höher sein als der Betrag, den der Arbeitslose in der öffentlichen Fürsorge zu erhalten HM«. Der Arbeitslose ist cm sich verpflichtet, jede Aenderung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse ohne Aufforderung dem Arbeitsamt anzuzeigen. Unterläßt er dies, so hat er zuviel gezahlte Unter- stützungsbeträg« zurückzuerstatten." Die G e s a m t h ö ch st d a u« r der verstcherungsmäßigsn Arbeitslosenunterstützung und der Krisenunterstützung beträgt nach wie vor zusammen 58 Wochen. Für Arbeitslos«, die das 4 0. Lebensjahr vollendet haben, kann der Vorsitzende des Arbeitsamts die Krisenunter- stützung für weiter« 13 Wochen gewähren, wenn die Lage des Arbestsmarktes dies erfordert. Der Vorsitzende des Arbeitsamts kann die Unter st ützungs- Höchstdauer beschränken, wenn die Lage des Arbeits- Marktes oder die örtlichen Verhältnisse dies angezeigt erscheinen lassen. Was die Durchführung der Krisenfürsorge anlangt, so wird d i e Hilssbedürftigteit in allen Fällen von der Gemeinde oder dem Gemeindeoerbande geprüft. Die Entscheidung über die Gewährung der Unterstützung liegt nach wie vor bei dem Vorsitzenden des Arbeitsamtes. Soweit jedoch die Gemeinde oder der Gemeindeverband die Bedürftigkeit oer- neint, ist der Vorsitzende des Arbeitsamtes an diese Beurleilung gebunden. Ueber das Zusammenwirken der Arbeitsämter mit den Gemeinden oder den Gemeindeverbänden ergeht noch eine besondere Anordnung. Der Erlaß tritt am 27. Juni 1932 in Kraft. Das Aiieniat gegen Dr. Luther. Siaateianwalt erhebt Anklage wegen Körperverletzung. Wegen des Attentats, das am 9. April auf dem Potsdamer Bahnhof gegen den Reichsbantpräsidenten Dr. Luther rerübt worden ist, hat jetzt die Staatsanwaltschaft Berlin nach Ali- schluß der Voruntersuchung Anklage gegen Dr Max Roosen und den Kaufmann Werner Kerischer wegen gemeinschaftlicher Körper- Verletzung mittels einer Waffe und Vergehen gegen das Schuß- waffengesetz erhoben. Beide Angeklagte befinden sich in Untersuchungsbaft. Landbundsührer bei hindenburg. Der Reichspräsident empsing am Sonnabend die Präsidenten des Reichs-Landbundes, Gras von Kolckreuth, Bethge, Lind und Willikens und die Direktoren Kriegs. heim und Dr. Siburg. Die Landbundführer haben bei dieser Unter- redung ihre Zollpläne zur Sprach« gebracht. Der lschcchoslowatische Gesondle Dr. Chvolkovsky stattete dem Reickspräsidenten seinen' Abschiedsbesuch ab. Der Reichspräsident dankte dem Gesandten sür seine fünfjährige Arbest und schenkte ihm sein Blld mit Autogramm im Silberrahmen. „Gruß' mich nicht Linier den Linden" „ZNik der Regierung von Papen hak die NSDAP. nicht das allermindefte zu tun." „Also, Herr von Popen, es bleibk bei unseren Ab- machungen: Sie geben uns die neue Uniform.. .„..dafür wird unsere Presse kein Wort gegen Ihre neuen Notoerordnungen, gegen die Renken- kürzungen und Steuerlasten schreiben." „Auf der Straße aber werde» wir nach wie vor ganz fremd hin." Die römischen Gchreckensurteile. parieiterror und Justiz. Locarno. 18. Juni.(Eigenbericht.) Am 15. und, 16 Juni hat man im safchistischen Ausnahmegericht in Rom nicht Rechr gtspiochen oder Recht zu sprechen versucht, sondern eine.Episode des Bürgerkrieges ausgetragen, zwischen der im Besitz des Staatsapparats befindlichen Partei und dem seiner Entrechtung bewußten Teil des italienischen Volkes. „Der liberale Staat verteidigt sich, der faschistisch« greift an", hat Mussolini einmal gesagt. Einen solchen Angriff, in den äußeren Formen einer Gerichtsoerhandlung, haben wir hier vor uns. Um die Tätigkeit der Truppe Bovone zu verstehen, muß man sich die politische �Lage in Italien klarmachen: keine Preßsreiheit, kein Koalition�- und Versammlungsrecht, strengste Leftrasung jeder Kritik, auch der telephonisch ii» Privatgespräc!)en geäußerten, Verbot aller politischen Parteien außer der faschistischen, Behandlung aller faschistischen Parteisunktionäre als öffentlich« Beamte, Auf- Hebung oller Rechtsgarantien für die Nichtinitglieder der saschistischen Partei. Unter diesen Umständen ist der Gedanke ausgetaucht, durch den Lärm der Explosionen aus die Not des Landes aufmerksam zu machen. In einem srcien Lande hätte ein derartiger Gedanke gar nicht auskommen dürfen. und die Sprach« der Bombe wäre völlig unverständlich gewesen. Bovone, ein 29jähriger MiiHlenbesitzer aus dem Piemont, gibt zu, vier Bomben in Bologna, drei in Turin und sechs in Genua zur Explosion gebrachr zu haben. Es waren Bomben mit Uhrwert: die nur zu demonstrativen Zwecken beabsichtigte Explosion war immer aus«ine Zeit verlegt, in der das betreffende Lokal leer war. Aus den beschlagnahmte» Briefen geht hervor, daß Bovone unglücklich darüber n>or, daß ein Wachtmeister in Bologna, der einen Sprengkörper untersuchte, dabei getötet wurde. Bei allen anderen Explosionen entstand, der Absicht des Täters ent- sprechend, nur Sachschaden. Bovone ist bereits am Morgen des 17. Juni hingerichtet worden. Von den beiden Mitangeklagten Booones war Enzo ein Handlanger und die Tänzerin Grete Blaha ein verliebtes Mädchen, das nach der Auffassung der Richter im Schwarzhemd seinen Geliebten hätte anzeigen müssen. Daß sie die» unterlassen, soll die Dreiundzwanzlgjährige mit dreißig Iahren Zuchlhau« büßen. Den anderen Gruppen legt man überhaupt t e i n e T a t zur Last, nur Vorbereitungen und Absichten. Der Kunst» maler Guido Mazzocchi, ein fünfundsünfzigjähriger Republikaner, kommt mit zehn Jahren Zuchthaus davon, weil er„Reue" an den Tag legt, mit welchem Artikel in diesem Prozeß nicht eben reichlich aufgewartet wird. Ein in Paris lebender Republikaner hätte ihn „Hasenfuß" gescholten, we-chalb«r sich entschloß, Sprengmaterial über die Grenze zu bringen. Die vierte und letzte Gruppe umsaßt vier Personen, von denen drei einander überhaupt nicht kennen. In dieser Gruppe könnte sich einer befinden, den die Polizei gut kennt. Im Auftrag eines Emi- grauten, des Anarchisten B i b b i, will der Angeklagte B e l l o n i, der sich Anarchist nennt, nach Italien gekommen sein, um ein Atten- tat gegen Mussolini zu machen, weil man ihm in Paris die Lage in Italien als'etwas Entsetzliches geschildert hatte. Die Bombe trug er in einem Thermophor bei sich, sie wurde aber bei der Grenzüber- schreitung aus der Schweiz beim Rahen von Grenzaufsehern in den See geworfen. Belloni will dann Italien anders gefunden haben als es ihn» geschildert worden war und hätte daher den Attentatsplan schon aufgegeben gehabt als er verhaftet wurde. Delfini, der zweite Angeklagte dieser Gruppe, ist Republikaner, erklärt, im Ge- jirngnis mißhandelt worden zu sein. Er ist nach Italien gekommen, um seiner Idee zu dienen und hat mit Belloni oerhandelt, mit dem gemeinsam er die Grenze ohne Papiere überschritten hat. Cr befindet sich in elendem Gesundtztitszilfiand«— eine Folge der... Verhöre! Der dritte Bng�klagie, M e lo n i. �kennt die beiden Borigen nicht, ist im Auftrag von IZnisliriv e Liberia nach Rom gekommen, um dort eine Geheimdruckerei zu errichten. Und ist von Paris aus an die Adresse Bellonis in Rom Via del Vantoggio, gewiesen wor- den. Dies« Adresi« dürfte die Polizei eher gekannt haben als Meloni. Der wird oerhaftet, sobald er sich in der angewiesenen Wohnung zeigt. Das gleiche geschieht dem Doktor G e r m a n i, der noch Rom geht, um über die heimliche Ausreise von Frau Matteotti und ihrer Kinder Fühlung zu nehmen. Er sollte Meloni Geld abliefern und wird verhaftet, sobald er die ihm in Paris angegebene Wohnung be- tritt, mit sofortigem Erschießen bedroht und sieben Tage bei Wasser und Brot ip Dunkelhaft gehalten. Hier ist also die Kette so: Belloni angeblicher Anarchist, kommt mit Geld, von dem er ,das Gefühl hat, es stamme vom Freimaurer orden" nach Rom mit Atten- tatsauftrag aus Paris. Cr wird faschistisch erleuchtet und gibt das Attentat auf. zu dem übrigens die in den See geworfene Bombe auch nicht das geeignete Werkzeug war. Die Polizei wird ihrerseits erleuchtet und verhaftet ihn und alles, was nach ihm in die Wohnung kommt Delfini, Meloni und German!. Wunder der gemeinsamen Adresse!< Germani hat mit der ganzen Sache nichts zu tun. Er Hot im Ausland gelebt, weil er, ein schwerer Kriegsbeschädigter, ein tüchtiger Arzt, im eigenen Lande keine Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes bekam, da er politisch nicht rückgrattos war. Daß er nach Rom gekommen war in der Hofsnung, Frau Matteotti ins Ausland zu bringen, interessierte das Gericht nicht: der Präsident sagte das ganz offen. Tatsachen interessieren nicht, wenn sie nicht in das Phantasiegebilde der Anklage passen. Germatn kannte die Leute van C-iustiÄ» e Libertä. Das genügt um ihn als ein„Wertzeug im Solde der Feinde Italiens" zu kenzeichnen— den Mann, der als Kriegsfreiwilliger wirklich im Krieg war, nicht nur die siebzehn Tage, die Mussolini in dem ungemütlichen Schützengraben oerbracht hat. Zehn Jahre Zuchthaus für Germani. Das Gericht weiß, daß er unschuldig ist. Da er aber schon 16 Monate in Untersuchungshast sitzt, warum sollte man ihn freilassen? Ueber der ganzen Verhanidlung schwebte die Angst vor der Pariser antifaschistischen„Sonzentrotion". Nun ist es zweifellos wahr: die Emigranten wollen das Regime in Italien stürzen, wie es die Mehrheit der Italiener stürzen möchte. Der Faschismus ist die Diktatur einer kleinen Minderheit. Das Bewußtsein dieser Tatsache macht ihn so ängstlich. Auf verfassungsmäßigem Wege kann man den Faschismus nicht zu Fall bringen, well es in Italien keine Verfassung mehr gibt. Man kann ab- warten, bis er von innen abfautt, wozu gute Vorarbeit da ist: man kann versuchen, ihn von außen zu stürzen. „Eine Bombe Ist wehr wert als Hunderl Reden", hat Biusjolini selbst geschrieben. tfls er das Attentat im. Theater in Buenos Aires.verherrlichte. So faschistisch denkt keiner von der Konzentration: faschistisch, durch Ströme von Blut, will keiner das heutige Regime stürzen. Zlber die Verbreitung antifaschistischer Literatur und Kundgebung antisaschistischer Gesinnung ist für die Emigration Recht und Pflicht. Eine Episode des ungleichen Kampfes waren die Verhandluttgs- tag« des 14. und 15. Juni: ein« weitere, der Prozeß gegen Sbar- d e l l o t t o, der wegen der Absicht eines?lttentats erschossen worden ist Der Faschismus verteidigt sein Rahrungsseld mit de» Mitteln, die ihm zu Gebote stehen. Er streut seine Drachensaat au», ein« Saat unendlichen Hajjes. die ausgehen wird. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 19. Juni. 6: Gymnastik Anschließend; Aus Hamburg: Hafenkonzert. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier. 10.05: Wettervorhersage. 11: Für die Kinder. 11.30; Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.10: Junge Lyrik. 12.20: Mittagskonzert. 14; Elternstunde. 14.30: Zitherorchesterkonzert, 15: Chorgesänge. 15.25: Aus Grünau: Von der großen Berliner Ruder-Regatta. 16.10; Blasorchesterkonzert. 17.40: Von den Bananeninseln zum Saum der Sahara. 18.10: Blasorchesterkonzert, 18.40: Eberhard König liest eigene Prosa. 19: Deutsche Volkslieder. 19.30: Hans-Christoph Kaergel liest eigene Prosa. 19.50: Sportnachrichten. 20: Abendkonzert. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, 20. Juni. 6' Punkgymnastik. Anschließend: Aus Breslau: Frühkonzert. 11.30: Aus Hannover: Schloßkonzert, 12.30; Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Aus Arbeit und Leben. 15.45: Glück und Unglück dreier Generationen. 16.05; Warum lachen die Menschen? 16.30: Klassische Klaviermusik. 17: Volkslieder. 17.30: Bücher für die Jugend. 17.50: Maschinenarbeit und Landarbeit. 18.10: Deutsches Recht im Spiegel deutscher Sprichwörter. 18.30; Der Philosoph als Politiker. 18.55: Die Funkstunde teilt mit.. 19: Stimme zum Tag. 19,10; Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15; Unterhaltungsmusik. 20.10: 1. Ergebnis des Wettbewerbs„Wer kann erzählen?" 21.20: Szenen aus Goethes„Faust" von Robert Schumann. III. Teil. Fausts Verklärung. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Dienstag, 21. Juni.% 6: Gymnastik. Anschließend: Aus Hamburg: Frühkonzert. 11.30: Aus Königsberg: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Aus Arbeit und Leben. 15.45: Graubünden 16.05: Johannes Schlaf zum 70. Geburtstag. 16.30; Orchesterkonzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50; Bücherstunde. 18.20: Von der bildenden Kunst. 18.30: Die Erhaltung eines gesunden Fußes. 18.55: Die Funkstunde teilt mit.... 19: Stimme zum Tag. 19.10; Tanzabend. 20.50: Tages- und Sportnachrichten. 21: Zwei Opern-Ouerschnitte. Nachts: Aus New York; Hörbericht vom Boxkampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht Schmeling-Sharkey. Mittwoch. 22. Juni. 6: Gymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 9: Von der Deutschen Welle: Schulfunk. 11.30; Aus Leipzig: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Aus Arbeit und Leben. 15.45: Violinsoli. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Der Hörer und sein Apparat. 16.55: Herwarth Waiden liest eigene Prosa 17.20: Zur Psychologie des musikalischen Gedächtnisses. 17,50: Jugendstunde. 18.15: Alle Musik für Orchester. 18.55: Die Funkstunde teilt mit.... 19: Stimme zum Tag. 19,10: Unterhaltungsmusik. 20:„Zwei lieben sich". Ein Funklustspiel, 21.40: Aus Dahlem: Sonnenwendfest der Schuljugend. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Tanzmusik. Donnerstag, 2:}. Juni. 6: Gymnastik. Anschließend: Aus Leipzig: Frühkonzert. 11.30: Aus Bremen: Konzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Aus Arbeit und Leben. 15.45: Die Wiege der menschlichen Kultur in Mesopotamien. 16.05; Deutsche Dichter ohne Namen. 16.30: Johann Christoph Bach(geb. 21. 6. 1732). 17.10: Alt-englische Violinmusik. 17.30; Hörbericht von der Ankunft eines deutschen Geschwaders in Danzig. 18: Hermann Noll liest eigene Skizzen. 18.10« Wichtige Kleinigkeiten. 18.30: Das Wochenende. 18.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.55; Die Funkstunde teilt mit.... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Zeitgenössische Chormusik. 19.35: Eine halbe Stunde Dr. Kaper— Walter Jurmann. 20: Aus Breslau: „Die Oder entlang". 21.20: Aus Königsberg: Sonnenwendfeier an der Grenze. 21.55: Aus Frankfurt a. M.:„Mawra". Buffo-Oper von Igor Strawinsky. 22.20: Politische Zeitungsschau. Anschließend; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Freitag, 24. Juni. 6: Gymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 11.30: Solistenkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Aus Arbeit und Leben. 15.45: Die Frau als Künstlerin. 16.05: Rückkehr zum Rade. 16.30; Unterhaltende Kammermusik. 17.35: Die junge Generation. 18.05: Wasser hat doch Balken— nur vorsichtig muß man sein. 18.30: Walther Rathenau zum 10jährigen Todestag. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19.10: Das neue Buch. 19.20: Eugen d'Albert. Cellokonzert. 19.50; Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.55: Wegweiser ins Wochenende. 20: Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht 20.20: Bunte Stunde. 21.10: Heitere Musik von heute. 22: Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.20: Zeitberichte. Danach: Aus Magdeburg; Populäres Orchesterkonzert. Sonnabend, 25. Juni. 6: Gymnastik. Anschließend: Aus Königsberg: Frühkonzert. 10: Ausschnitt aus der Reichsverbandstagung des deutschen Schlosser-, Maschinenbauer- und Kraftfahrzeugschlosser-Handwerks. 11.30: Aus Königsberg; Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Jugendstunde. 15.40: Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05: Nachmittagskonzert. 18: Für den Siedler und Kleingärtner. 18.15: Zum modernen Weltgefühl 18.35: Eine Viertelstunde Technik. 18.50: Mitteilungen des Arbeitsamtes, 18.55: Die Funkstunde teilt mit.... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Lula Mysz-Gmeiner singt. 19.35: Die Erzählung der Woche. 20: Blas- orchesterkonzert. 21.10: Aus Bad Hornburg: Großer bunter Abend. 22.20: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntajr, 19. Juni. 6: Uebertragung aus Berlin. Anschließend: Aus Hamburg: Hafenkonzert. Ab 8: Uebertragung aus Berlin. 11.30: Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.10: Zehn Minuten Lyrik. 12.20: Aus Berlin: Mittagskonzert. 14: Elternstunde. 14.30: Aus Berlin: Zitherorchesterkonzert. 15: Unbekannte Märchen von Oskar Wilde. 15.25; Uebertragung aus Berlin. 17.40: Junge Generation spricht. 18.20: Dichterstunde. 19: Aus Berlin: Deutsche Volkslieder. 19.30: Vortrag. Dcutschlandsender: 20: Aus Frankfurt a. M.:..Der tapfere Soldat" von Oskar Strauss, 22; Sommernachtsfest in Zell am See. 22.40: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Aus Zell am See: Tanzmusik. Montag, 20. Juni. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Strömungen in der ev. Theologie der Gegenwart 18: Querschnitt durch Zeitschriften. 18.30; Spanisch für Anfänger. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Aktuelle Stunde. 19.20: Stunde des Landwirts. 19.35: Das menschliche Lachen. Deutschlandsendcr: 20: Aus Hamburg: Das ffthelied der deutschen Bucht in fünf Schaubildern. 22: Wetter-, Tages- und Sport- r-achrichten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 21. Juni. 16.30: Aus Leipzig; Nachmittagskonzert. 17.30: Der Eros in der Dichtung der Gegenwart. 18: Das Thema in der Instrumentalmusik. 18.30: Englisch für Fortgeschrittene 18.55: Wetterbericht tür die Landwirtschaft. 19: Gedanken zur Zeit. 19.40: Technik und Persönlichkeit. 20:„Ich schwöre bei Gott.." Lehrspiel von Spitzer. Deutschlandsender: 20.25: Aus Braunschweig; Ausschnitt aus dem Chorkonzert des Deutschen Arbeiter-Sängerbundes e. V. 21: Aus Breslau:„Mittsommernacht". Dichtung für Musik 21.45: Aus Breslau: Unterhaltungsmusik. 22.20: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Aus Hamburg: Spätkonzert. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Mittwoch, 22. Juni. 16; Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Das unbekannte Frankreich. 18: Das Orchester und seine Instrumente. 18.30; Das Mittelalter und die Einheit der abendländischen Kultur. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Volkswirtschaftsfunk. 19.20: Stunde des Beamten. 19.40: Viertelstunde Funktechnik. Deutschlandsender: 20: Aus Leipzig:„Wo die Spree entspringt." Eine Hörfolge mit Musik. 21: Aus Leipzig* Bunte Stunde. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 23. Juni. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Die Kulturgeschichte des Tanzes. 18: Geheimnis des Kreisels. 18.30: Spanisch für Fortgeschrittene. 18.55: Wettechericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.20: Stunde des Landwirts. 19.35: Wird der russische Fünfjahres- plan sein Ziel erreichen? Deutschlandsender; 20; Aus Frankfurt a. M.:„Das Gespenst von Canterville" von Oskar Wilde. Anschließend Uebertagung aus Berlin. Freitag, 24. Juni. 16; Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30; Die Herkunft unserer wichtigsten Nutzpflanzen. 18; Seeräuber einst und jetzt. 18.30: Was versteht man unter einem Moratorium? 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.15: Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 19.35: Stunde der Arbelt. Deutschlandsender; 20: Worüber man in Amerika spricht. Aus Washington. 20.15: Aus Dresden: Der Ring der Nibelungen. Der Vorabend.„Das Rheingold", ein Bühnenfestspiel von Wagner. 22.30; Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend. 25. Juni. 16; Der Zeitungsroman und der Leser. 16.30; Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50: Geheimnis des Kreisels. 18.05: Die wichtigsten musikalischen Neuerscheinungen. 18.30: Erlebnis an der Zeichnung. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Englisch für Anfänger. 19.30: Stille Stunde. Deutschlandsender: 20: Aus Bad Hornburg: Großer bunter Abend. Anschließend Uebertragung aus Berlin. l Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Leranlw»rllich sür Politik:«irtor Schiss; Wirtschott:®.«lingcHöfet: Dcwerkschastsbewrgung: D. Steinet; Feuilleton: Dr. John Schiinw-Ii; Lokale, und Sonstiges: Fritz Karstäht; Anzeigen: Th. Glocke; sämtlich tn Berltn. Verlag: Borwarts.Perlag G- m. b. H.. Berlin. Druck: Vortvarts-Buchdruckeref und Verlagsanstalt Paul Eingtt u. Co.. Berlin SW. 68. Ltndenstraße 8. Hierzu 3 Beilage». v r n n /Aädchen-iOeid {wia Abo.), bleu oder rosa, bedruckter, kunslseide- ner Panama, Voile Unter- z ehbl sehen(Steig. 0,60., Länge 60 cm 4,90 Mädchen-Keid au« vorzuglich., bedrucktem Pikee, mit weissem Kragen und Puffärmeln, iStoiqerunq 0,40) Ä„ länge 55 cm..... 3,50 Waschanrug (wie Abbildung), hiko- iette, Trägerhöschen in blau, Einknöp bluse, weiss (Steigerung 0,35) Grösse 40....... 2,90 Rollbluse hellblau od. mode Waschpopeline, kurzer Aermei(Steige- rung0,20), Grösse U 1,10 WaschhosB, marineSohn, (Steiger. 0,20), Gr.O 0,75 Herren- Socken kräftige Baumwoil- qualitat, modern gemustert............ Sporthemd Po jeane, mifange- schnittanem Kragen, moderne Form, helle Kinder-Schuhe vorzücl. Fabrikat, verschiedene Färb., Schnur u. Spangenschuhe, Grösse 23 bis 26 2.95, 20-22 1,95 Son nenhöschen aeblömter Wasch- sfoff, rosa, hellblau«£ oder ml. Grösse 40 l/OU (b.Gr.60 Steig. 0,15) Sportkleid geslreift. kunstseidener Toila, kleidsame �»-- Form, Grösse 42-50 z,/ 0 Badeanzug reme Wolle, ,,Ju- vena" oder„Goldfisch", verschiedene Röcken-Ausschnitte, moderne Farben... Stranda n zug Reinleinen, weite Form, mit Jäckchen, 0-7� einfarbig.......... ö,/ ö Reise Vulkanfiber-Koffer weinrot, glatt, Packgurte. SSchutzecken,, QÄ 2ZugschlÖ35er, 60cm O/VU Frottierhandtuch griffige Jacquard- 7l/a//j'..regenbogen- farb. Längs- u. Quer,-j � bordüre. ca. 55/110 U,/ ö Badeanzug reine Wolle, mit halbtiefem Rückenausschnitt, hübsche Färb., vorzügl. Qualitätsfabrikat, Gr. 30 (Steigerung g,20) St ran d anzug einfarb.Poiostoff.für 3-4 Jahre(Steiger. tur je 2 Jahre 0,30) 1,95 1,80 Bilanz der Baugenossenschaft„Bauhütte Berlin" eGmbH, S 14, W allstr. 63, am 31. Dezember 1�31 Aktiva; RM Kasse.............. 1 192,82 Häuser.. 242 880,86 — 100'\- 241 880,86 Grundstück. 26 498,60 Passiva; RM Geschäftsguthaben 7 200, Reservefonds...... 6 940,03 Rückstellungen.... 28097,73 Hypotheken....... 21 000,— Darlehn........... 86 486,57 Wohnungsfürsorgegesellschaft...... 117 600,— Gewinn............ 2?47,96 269 572 28| Gewinn- und Verlnsl-Redmung Aufwendungen: RM Unkosten.......... 618,32 Zinsen............. 7 506,14 Erbpacht..........- 0.- Renarauren....... 632.13 Abs hreibung..... 1 000,— Gewinn............ 2 247,96 269 572 28 am 31. Dezember 1931 12 054,54 Mitgliederbewegung; Mitgliederbestand am 1. 1.1931.............. 24 Abgang im letzten Geschäftsjahr durch Tod 1 Zugang....................................-_ 0 Bestand am 3L XII. 1931..................... 23 Der Gesamtbetrag der Haftsumme beträgt 300,— RM je Mitglied, zusammen also................. RM 7 200,— Berlin, den 1 Juni 1932. Für den Aalsichtsrai: gez Felix Breiske Für den Vorstand: gez. Otto Hanke gz Herrn. Richter. Reist ins schöne Schlesien! in seine Hochgebirge: I»er-, rUesen-. Waldenburger, Eulen-, Giatzer, Alfvater-Gebirge— 1000 bis 1600 m hoch— das romnniische Vorgeb rge, die beiü �mten Heilbäder und Luifkurorfe, seine allertümllchen Städte, Burgen, Klöster. Jun. bis Dezember„Scfalesitcfae Tage 1??!", Ehrungen Gerharl Hauptmanns zu seinem 70. Geburlstage, Veranstaltungen schle- sischen Kunst- und Schrifttums, Sportveranstaltungen. Besucht Breslau! mit v elen Kunstwerken, prachtvolle Barockbauten(Universität, Matthiaskirche), Jahrhunderthailc mit zweiigrönter Kuppe, und Orgei der Weit. Billige Sonderzüge am 30. Juni, 1, 2. und 3. Juli. Scnrifl„Das stlfine Sßiteslen" M.Z6 bunt Bild, in Reisebüros u. Sonderzugschaltern. \ Anruf wegen Athotung: f 1 Jannowin 6611. Aufarbeitung von Daunendecken und Haarmatratzen. Prinzen-Str. EcUc Scbostion-Srrossg Wilmersdcrfer-Str.1E8 qd der Bismarck-Strosse Frankfurter- Allee _ 224_ Gr.-Besten (dcunb)iüct, Einfamilienhaus. Wald. 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Die Beerdigung hat bereits statt- gefunden Die Ori»verwsltnn<'. för Damen cl Herr e* Krfinder— Voiwärtsstrehcudo Hohe Geld-Beiolmung Näheres kostenlos durch F. Erdmano St Ca., Berlin SW 11. Denttihtolieitn'lleH Aditung! adtlang! General Versammlnnü Unsere ordentliche Generawer- fammlong für das 2. Quartal findet am S. August 1932 statt. Anträge dazu müssen bis spätestens den 2.)uU 1932. nachmittags 1 Ahr. im Besitze der Ortsoermat- tung sein. Die Wahlkörperversamminngeu merden in der Zeit vom IS. bis 30. Znü einschließlich abgehalten. Etmaige Aenmeldungen van Delegierten müssen bis zum 1. August erledigt merden. Dienstag, den 21. Juni, nachm. 5 Ahr. in den Arminhalleu. ftommanöantcnstratze 55/59 Brandten- Versammlung «ämilicher Met.llichlelfcr, Galv.nt- scure, Kratzer. Betzer, Brenner, Ver. zinner. Verzinker and aller tn der Sdilcftcrei ond Galvanik besdiÄf- tfgten Kolleginnen tjaflesotbnung: I. Zdhresdericht. 2 Diskuision. illliigliebsbud) legitimiert! Es ist Pflicht aller Kolleginnen und Kollegen, ju ericheinen. Mittwoch, den 22. Zuni. nachmitkogs 1 Ahr, im Aerbonds- stous. Ctnicnttc. 83-85, Zimmer 2 II, EisiiNer Strotz- 86 88,(Eingang B a Erwerbslosen- versammlang der ßotirieger und Heller Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchenangelegenheiten 2. Ver chiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert: .�ahlre'.cher Besuch wird erwartet. Donnerstag, den 23. Juni, abds. 7 Ahr. im Gemertichaftshaus, Engeluser 24 23(Grotzer Saal) Gemeinsame Versammlung der Rotirieser, Setter. San-. Z Las- und Wasserutempner Tagesordnung I. Perbonds- und Bronchenongelegen. besten Z. Berichiedenes. Mitgliedsbuch legitiuiiert. Zahlreicher Besuch wird erwartet. via Oitsvarvaltaaifc Nr. 2S5» 49. Jahrgang<�901*10(11*�5(Sonnfag/ 19. 3um 1932 Das Rätsei von Zwiebusch Berliner Schweiz erlebt einen Kriminalroman— Seltsame Gerüchte um die Wahrheit Sonst haben Zmiebusch und � heimnis von Zmiebusdi beginnt bei seinem Bauernbrot und endet oorläufig bei den dumpfen Schüssen, die durch den stillen Forst zwischen Schmöckwitz und Gosen krachten. Das Zwiebuscher Bauernbrot, das in Berlin gehandelt wird, ist nur eine Forspiegelung falscher Tatsachen, das gibt es gar nicht.„Ich habe davon auch schon gehört— sagt der einzige Bauer oon Zwiebusch, das nur drei Gehöfte hat, zwei Restaurants und eben diesen Bauern mit seinem Hof— wenn Ausflügler kommen, dann fragen sie, wo denn die Bäckerei wäre, die das Landbrot backt. Aber wir haben hier weder Bäcker, noch Schlächter, noch Schuster." Dafür aber sind d i e Toten oon Zwiebusch eine um so unheimlichere Wirklichkeit: zuerst der Herr Carl Grubert, Besitzer des Lokals ..y eu e Berliner Schwei z", den am 2. Februar 1932, abends um 5 Uhr, Mörderhände hinterrücks niederknallten, als er sich von Zwiebusch nach Schmöckwitz auf den Weg machte- Und am 13. Juni, abends um 7 Uhr, ging sein Hausdiener Waldemar W oll n y in den Freitod. An der gleichen Stelle, an der der tote Gastwirt gefunden murde,,jagte sich der 23 j ähri ge eine Kugel ins Herz. T rotz aller angestrengten Arbeit der Berliner Kriminalpolizei ist es bisher nicht gelungen,.den Mörder des Gastwirts zu entdecken, und seit am vergangenen Montag abermals Schüsse in der Berliner Schweiz krachten, gehen dunkle Gerüchte oon Ohr' zu Ohr. Dieser bezaubernde Landstrich mit dem blauen Wellenschlag des Seddinsees, den weißen, turmhohen Gosener Bergen. dem schweigenden B ald und der grünenden Flur, über der der Roggen im Winde wogt, diese Gegend, in der beinahe alles Schöne beieinander ist, birgt jetzt ihr tiefes Geheimnis. II er ist der Mörder? Aufregung um„Sperber". „Dos einen Tod ist des anderen Brot" meinen die Frauen aus der Nachbarschaft und nicken bedächtig mit dem Kopse dazu� Denn zur gleichen Stunde, da der Totengräber von Gosen für Waldemar Wollnu, den Selbstmörder, die Gruft aushebt, kommt fein Noch- folger daher.„Dann wollen wir mal unser Glück versuchen— sagt er— lange genug haben wir ja in Berlin auf dem Nachweis ge- fefsen" und schon ist er in seiner großen blauen Schürze vorüber- gehuscht. Heute am ersten Tage heißt es aufpassen, zumal der neue Herr Grubert, der für seinen toten Bruder jetzt das Geschäft führt, gerade dabei ist, dem jungen Mann das Bund kleiner, großer und größter Schlüssel zu erläutern. Auch alle anderen dienstbaren Geister sind emsig bei der Arbeit, es wird gefegt und geschrubbt, als sei morgen Hochzeitstagi die Frauen schleppen schwere Wassereimer herbei und scheuern Tische und Stühle, die Männer genieren sich ebenfalls nicht. Putzlappen und Wischtücher zu schwenken, bis plötz- lich alle- innehält, die Hand an die Stirn legt und Ausschau über den Seddin-See hält. An dessen jenseitigem Ufer ist ein Damp- fer aufgetaucht, der langsam durch die Wellen furcht, und vom Oeko- nom bis zur Toilettenfrau gelten nunmehr alle Wünsche und alle Hoffnungen dem Bug dieses Dampfers, der in seinem Kurs nur ja nicht von den Landungsstegen der Berliner Schweiz abweichen möge. „Das ist ein fremder Dampfer", sagt die Köchin!„er macht eine Rundfahrt", zweifelt ein Kellner; sein Kollege stellt fest, daß eine Schule auf dem Dampfer sitzt, der Mann vost der Luftschaukel aber drückt den Daumen und der Spielbudenbesitzer macht sich— ein Auge noch immer auf den nahenden Dampfer gerichtet— bereits dabei, feinen Tand aufzubauen. Bis endlich alle Zweifel schwinden, der Dampfer„Sperber" beidreht und während noch der Bootsmann das Tau um den Landebaum windet, steht der Herr Grubert schon auf dem Steg, um den kühnen Wasserfahrern aus Stralau-Rummels- bürg seinen Gruß zu entbieten. Kuno füttert Mische. Jetzt geht die Hölle los. Es werden wohl 500 Menschen sein, die wie die Besessenen über den schmalen Steg in- Lokal stürmen, um die Tische am Wasser zu belegen Nachdem alle Püffe ausgeteilt sind, beginnt Lichtenberg zu sprechen: Frau A. will sofort Kaffee kochen und denkt mit einem Liter auszukommen, Frau B. antwortet, daß sie keine Kaffeefchwester fei und Fleischbrühe trinken wird. Frau (£. stellt fest, daß Fleischbrühe Durst gibt. Frau D. stößt ihre mitge- brachte Malzbierslasche voll Milch um. Frau E. sagt, es märe unvernünftig, die Flasche offen hinzustellen, Frau D. fährt auf. was hier unvernünftig heiße, wenn sie trinken will, muß sie doch die Flasche aufmachen, Frau F beschwichtigt, e- ginge noch alles, denn Frau D. habe ein blaues Waschkleid an, dem die Milch nicht weiter Ein tragischer Irrtum. Polizeibeamter von Kameraden niedergeschossen. Bei einer Einbrecherverfolgung, die sich gestern gegen 18,30 Uhr im hause Friedrich st raße 113 abspielte, wurde der 35 Zahre alte Polizeioberwachtmeister Linus Meißner vom 3. Polizeirevier in der hannoverschen Straße durch einen verhängnisvollen Irrtum von eigenen Kameraden niedergeschossen. Mit einem lebensgefährlichen Lungen- und Bruftschuß wurde der Beamte ins Staatskrankenhaus gebracht. Im vierten Stockwerk des Haufes Friedrich st raße 113 hat die Witwe Th. eine größere Wohnung, zu der Eingänge über die Vorder- und Hintertreppe führen. Als Frau Th. gegen 18,3(1 Uhr heimkehrte und den Hinteraufgang benutzte, fand sie die Wohnungs- tür nur angelehnt vor. Als sie die Küche betrat, sah sich die Frau plötzlich einem Manne gegenüber, der fluchtartig die Wohnung ver- ließ. Frau Th. lief auf die Straße, wo sie den am Oranienburger Tor stationierten Verkehrsposten alarmierte. Der Be- amte eilte die Treppe hinauf und drang in die Wohnung ein. Zur gleichen Zeit waren zwei Beamte des zuständigen Re- v i e r s im Hause erschienen. Die beiden Polizisten begaben sich über den Vorderausgang nach oben. Als sie in der Wohnung Schritte hörten, glaubten sie einen der Einbrecher vor sich zu haben. Als ihre Anrufe durch die verschlossene Wohnungstür unbeantwortet blieben, schössen die Beamten durch die Tür. Zu spät wurde der furchtbare Irrtum bemerkt. Oberwachtmeister M e i ß- n e r, der die Anrufe nicht gehört haben muß, wurde von zwei Kugeln getroffen und niedergestreckt. Der Unglückliche wurde ins Staatskrankenhaus gebracht, wo er bewußtlos daniederliegt. — sagt ein Mann aus der Gegend— wir glauben aber nicht an den Racheakt. Es war schon ein Raubmord, als in der Abendstunde die Schüsie im Wald krachten. Nur war der Herr Grubert ein kräftiger, stattlicher Mann, er lief noch ein ganzes Stück, und da der Mörder nicht wußte, woran er war, lief auch er davon." Dieser Mord wäre für die Oeffentlichkeit so gut wie vergessen gewesen, wenn nicht am Montagabend der junge Wollny, nachdem er die Hunde gefüttert hatte, sich die Pistole seines Herrn eingesteckt und im nahen Wald sich eine Kugel durchs herz gejagt hätte. Denn an dem Selbst- mord Wollnys ist kein Zweifel; die Untersuchung der Kleider hat ergeben, daß er die Pistole aufgesetzt hatte und selbst in der Hand des Toten fand sich noch der Niederschlag des Pulverrauchs. Aber die Motive? Wollny war bereits drei Jahre lang in Zwiebusch, er hatte Kost und Logis, dazu wohl 50 oder 60 Mark Lohn im Monat, er war kein Saisonarbeiter, sondern auch im Winter draußen, abends beim Abräumen der vielen Tische in der großen Wirtschaft knauserten die Kellner nicht mit einem Trinkgeld für den Hausdiener, und dieser Mann läßt am Montag sein Abendbrot stehen, geht mit den beiden Hunden in den Wald, schießt, und winselnd stehen mit gesenkten Ohren und wedelndem Schweif die getreuen Tiere an der Leiche Waldemar Wollny-. Hat Wollny ein Geheimnis mit ins Grab nehmen wollen? Ein folgenschwerer Notschrei. Als die Mordkommission Wollnys Mansarde durchsuchte, fanden die Herren keinen Abschiedsbrief. Nur Briefe von der Mutter aus Gleiwitz waren da. Sie schrieb, daß es in Gleiwitz so schlecht ginge, sie, die Mutter, würde immer kränker und er, Waldemar, wäre nur noch ihre einzige Hoffnung. Wenn es ginge, dann möge er ihr doch 15 Mark schicken, damit sie sich am Leben erhalten könne. Das ist zweifellos ein Brief, der auch den hart- herzigsten Sohn mitleidig stimmen muß. und Waldemar Mölln? ging sofort zu seinem Ehef, ließ sich 20 Mark Vorschuß geben, trug sie nach Schmöckwitz aus die Post und.. dann schoß er sich tot. Man kann an das Leben Wollnys herangehen, von welcher' Seite man will, immer bleiben Lücken offen. Sicher wird das Gleiwitzer Wohlfahrts- amt einer armen, alten Frau auch 30 Mark im Monat zahlen.(Es hat sich übrigens durch polizeiliche Ermittlungen inzwischen heraus- gestellt, daß der Brief der Mutter übertrieben war.) Dazu kamen die 20 Mark von Waldemar W. Vielleicht waren noch andere Kinder da, jedenfalls hatte der junge Mann sofort ein Drittel seines Ein- kommens abgegeben, und als er die Postagentur in Schmöckwitz ver- ließ, mußte er sich gesagt haben: nun, fürs erste ist die ärgste Not gebannt. Später wird man weitersehen. Statt dessen schoß er sich tot. Der Obduktionsbefund loll übrigens ergeben haben, daß Wollny an einer unheilbaren Krankheit litt. Da den Unglücklichen diese Krankheit aber nicht sichtbar beschwerte, ist kaum anzunehmen, daß sie die Ursache seines Selbstmondes ge- wefen ist. In diese ganze Affäre spielen nun noch ein paar Schnaps- f l a f ch e» und einige Zigarrenkisten hinein. Sie sind verschwunden und niemand weiß, wo sie geblieben sind. Auf diesen Schnaps und diese Zigarren gründet sich bei den Leuten zwischen Gosen und Schmöckwitz eine verhältnismäßig plausible E r- Pressertheorie: Um Carl Gruberts Tod wissen danach zwei Mörder. Wollny war mit im Bunde und wurde von dem anderen erpreßt. Um sich seiner Gewissensqualen zu entledigen, jagte er sich eine Kugel ins Herz. Und kaum je noch wird man den Mörder finden, der feinen Mitwisser jetzt los ist. Aber, erklärte hierzu der Bruder Carl Grubert- der Polizei, an sich wären die gestohlenen Waren nur von geringem Wert und außerdem liegt nicht der leiseste Grund vor, den ordentlichen Wollny des Diebstahls zu beschuldigen. Diese Erklärung des Chefs ist eindeutig und die Erpressertheorie ist Von diesem Hause traten Grubert und Wollny den Todesweg an Sturm peitscht den Seddin-See a m t e n der Mordkommission in dem Dachstübchen des Hausdieners ihre Untersuchungen anstellten, mußten die Schweizer vom Seddin-See ihren Gästen gegenüber allzeit ein freundliches Ge- ficht aufsetzen und durften sich den Kummer nicht merken lassen. Der geheimnisvoUe Selbstmord. Als man in der Frühe des 3. Februar den toten Gastwirt Carl Grubert fand, hatte er seine Geldbörse noch bei sich und seine Uhr. Raubmörder— sagte man also— hätten sicher beides genommen, und so stand die Version vom Racheakt gar nicht so schlecht da.„Nun schaden kann.(Frau D. ist nämlich pudelnaß, ihr ist die Milch über den Schoß gekippt.) Frau G. teilt mit, daß sie und ihr Sproß Kuno sich nachher Kotelett und Spargel bestellen werden, worauf Frau H. meint, sie wäre nicht hinausgefahren, um die Budiker reich zu machen, aber eine Bockwurst soll ihr Heinzpeter auch haben.(Kleine Jungen, die einstmals Paul hießen, nennt man heute bekanntlich Benvenuto.) Sofern die Kleinen nun nicht die Spielbuden belagern, haben sie sich zur Spitze des Landungsstegs begeben, wo nach der Ankunft des ersten Dampfers jeden Vormittag da- große Massen- Meeting aller Plötzen und Barsche steigt. Keines der Kinder denkt daran, feine Butterbrote zu essen, sondern mit vollen Händen und jubelndem Geschrei fliegt das Brot ins Wasser. Die Fische können die Brocken gar nicht schlucken, sie nehmen sie erstmal quer ins Maul und schieben mit ihrer Beute ab. So legten am Tage nach dem Selbstmorde Wollnys nicht weniger als fünf Dampfer dort an und während noch die B e- nazischoizen und ihr Todesopfer. S© UeberfiSBe zyrscht gemacM. Das Berliner Blatt des Herrn Goebbels berichtete mehrfach über einen Feuerübersall angeblich kommunistischer Schützen aus einen Autobus der Linie 42, in dem sich Nationalsozia- listen befanden. Der vollbesetzte Autobus sei von Kommunisten, die im Hinterhalt lagen, mit einem Kugelregen überschüttet worden. Als das Ueberfalltommando eintraf, seien die feigen Mordschützen bereits verschwunden gewesen. Zwei Tage später be- nutzt das Naziblatt diesen Vorfall zu einer erneuten wüsten Hetze gegen die Polizei Der Ueberfallwagen sei an den Verbrechern vor- beigebraust, die noch aus der Straße standen und die„rauchenden Pistolen" in den Händen hielten. Wir haben uns die Mühe genommen, einige Tatzeugen zu hören, und was dabei herausgekommen ist, zeigt wieder einmal, wie das nationalsozialistische Blatt lügt. Am vergangenen Sonnabend kurz noch 23 Uhr hielt an der Endhaltestelle an der Heiners- dorfer Straße in Weißensee ein Autobus der Linie 42. Der Wagen war in der Hauptsache mit Nationalsoziali st en besetzt. Plötzlich ertönte von der gegenüberliegenden Straßen- feite ein Kommando und in wenigen Augenblicken leerte sich der Autobus. Die ganze Hitlerbande eilte auf die gegenüberliegende Straßenseite und nahm an der dort befindlichen Tankstelle Auf- stellung. Wenige Minuten daraus ertönten zahlreiche Schüsse. Die Detonationen kamen von der Tankstelle, andere Schüsse wurden nicht gehört. Von einer Kugel wurde ein Mann namens Bürde getroffen, der in der Heinersdorfer Straße auf dem Balkon stand. Die Kugel drang dem Unglücklichen in den Unter- leib und tags darauf starb er im Weißensser Krankenhaus. Als einige Zeit später das Ueberfallkvmmando anrückte, war von den angeblichen kommunistischen Schützen keine Spur zu entdecken. Ein bezeichnendes Licht auf die Verrohtheit der Hitlerburschen wirft noch folgende Begebenheit, die sich wenige Minuten nach dem tödlichen Schuß auf Bürde abspielte. Die Frau des Getroffenen kam topflos auf die Straße gestürzt und rief:„Wo wohnt hier der nach st e Arzt?" Das quittierte einer der Naziburschsn mit den Worten:„Wenn es ein Kommuni st gewesen ist— ist er jetzt bestimmt kein Kommunist mehr!" Eine andere Bewohnerin, eine alte Frau, die ebenfalls kurz nach der Schießerei den Flur betrekn wollte, sah einen schwarzen Gegen- stand auf der Erde liegen. Sie stieß mit dem Fuß dagegen und zu ihrem Schrecken erkannte sie eine Pistole. In ihrer Bestürzung rief die Frau ziemlich laut:„Herrgott— da liegt sa ein Revolver." Das wurde von einem Nazibengel gehört, der hinzustürzte, die Wajse an sich riß und schleunigst davonlief. Zwei Ehepaars, die gerade in dem Augenblick heimkehrten, als die Nazis den Autobus verliehen, geiieten wenige Minuten später in den Kugelregen. Die Schüsse kamen von den Nazis. Wie durch ein Wunder blieben die Leute, die in ein Haus- tor flüchteten, unverletzt. Raubüberfall im Butterladen. Zwei Täter nach Kampf festgenommen. In einer Butterfilials der Firma Schill in der Luisen- stratze 60 erschienen gestern abend kurz vor Ladenschluß zwei junge Burschen, um„einzukousen". Plötzlich zog einer der Burschen eine Pistole hervor und hiest die Berkäuserinnen mit der Waffe in Schach. Der Begleiter räumte inzwischen die L a d e n k a s s e aus, in der sich etwa 256 M. befanden. Mit der Beute liefen die Täter zum Hinterausgang hinaus, um zu slüchien: die Verkäuferinnen unter Hilferufen hinterher. Ein Passant stellte sich den beiden Räubern, die gerade den Hausflur verlassen wollten. entgegen. Es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf einer der Burschen auf den Mann einen Schuß abfeuerte, der glücklicherweise fehlging. Durch Boxhiebe machte der Passant die beiden kampsunfähig und übergab sie der Polizei. Di« Beute wurde ihnen wieder abgenommen. Die Kriminalpolizei glaubt, zwei Burschen gefaßt zu haben, die zu einer Kolonne gehören, die in letzter Zeit wiederhost mit großem Erfolge Kassenräubereien aus- geführt haben. drauf und dran, wie ein Kartenhaus zusammenzustürzen. Nur wird dadurch dos Dunkel um die Toten nicht heller. e- Carl Grubert wurde heimtückisch ermordet. Vier Monate später erschießt sich unter seltsamen Umständen sein Hausdiener Wollny. Die Berliner Mordkommission stellt als Ergebnis ihrer Ermittlungen fest, daß W mit dem Mord nichts tun hat. Die Gerüchte im Volt wollen das Gegenteil wissen. Der Täter allerdings war er nicht, am 2. Februar, abends 3 Uhr, war er in der Gastwirtschaft. Wollny wird keine Frage mehr beantworten. Aber wer stand nun an jenem eiskalten Februarabend hinter den Bäumen und wartete mit dem Schießprügel in der Hand darauf, Carl Grubert zu ermorden? Wo- her wußte der Mörder, daß Grubert um 3 Uhr abends zur Gast- wirtsversammlung nach Schmöckwitz gehen wird? Der Mörder scheint die Berliner Schweiz gut zu kennen... Mutter kämpft um ihr Kind. Wegen Kindesentführung zu i20 Mk Geldstrafe verurteilt. Das Schössengericht Charlottenburg verurteilte eine Mutter wegen st. i n d« s e n t s ü h r u n g zu 120 M. und die Großmutter zu 100 M. Geldstrafe. Der Vorsitzende führte in der Urteilsbegründung aus. daß man der Angeklagten menschliches Mitgefühl nicht versagen könne, sie habe zäh ihr Sind verteidigt gegen den Voter! Dr. B. hatte im Jahre 1920 die Tochter des Professors H. geheiratet unter der Bedingung oder, wie er vor Gericht sagt?, nur weil seine Schwiegermutter ihm ständigeZuschüss« versprochen hatte. Er übte auf einer Insel ärztlich« Praxis aus, litt an häufigen Nervenzusammenbrüchen, steuerte keinen Pfennig zum Haushalt bei und ließ sich ernähren, zuerst von den S ch w i e g e r- eltern, dann auch durch die Frau. Er zeigte sich lieblos zu dem kleinen Sohn und mißhandelte ihn und die Mutter im Jäh- zorn. Ms er dann in der Nähe von Berlin mit dem Geld« der Schwiegereltern ein Sanatorium erössnete, da brachte seine Frau in Erfahrung, daß er während der ganzen Jahre in Berlin«ine Zehn- zimmerwohnung unterhielt und auch eine gutgehende ärztliche Praxis besaß. Sie trennte sich von ihm. Er reichte die Scheidungsklage ein. Während des Prozesses blieb der Junge bei der Mutter. Kaum war die Scheidung ausgesprochen, da erwirkte der Mann eine einstweilige Verfügung um Herausgabe des Kindes. Er wollte nicht die' Unterhaltskosten zahlen, die schon während des Scheidungsprozesses bloß durch Pfändungen zu erreichen waren. �ietzt setzte der Kampf der Mutter um chr Kind ein. Um es dem lieblostn Vater nicht herauszugeben, zog sie von Ort zu Ort, hiest sich ganze drei Jahre vor dem Manne verborgen. Der erste Vormundschaftsrichter hatte gegen sie entschieden, sein Nachsolger f ü r sie. Der Junge sollte vorläufig bei der Mutter bleiben. Auch das Land- und das Kammergericht entschieden, daß sie es bis zum 1. Mai d. I. behalten dürfe. Der Junge sollt« den Vater von Zeit zu Zeit besuchen. Das Kind wollte schließlich diese Besuche nicht mehr machen: die Tante und auch der Vater beschimpften die Mutter. Nach dem 1. Mai entbrannte der Kamps von neuem. Der Vater erwirkte zum zweiten Male eine einstweilige Verfügung um Herausgabe des Knaben. Die Mutter hielt ihn wieder v e r- borgen. Sie wurde zusammen mit der Großmutter im Kammer- gericht verhaftet. Beide Frauen blieben sechs Tage in Hast. Der Junge, bereits Quintaner, las das in der Zeitung.„Jetzt ist Vater mein schlimmster Feind," erklärte er. Als dieser ihn beim letzten Besuch dabehielt, sprang er aus dem Fenster und zog sich dabei eine leichte Gehirnerschütterung und eine Verstauchung des Fußes zu. Als der Vater ihn mit Hilfe der Polizei von der Mutter holen wollte, entwich er. Der Kampf dauert auch jetzt noch fort. Die Mutter häll auch jetzt den Jungen verborgen bis zur Entscheidung ihrer Klage. Sie erklärte vor Gericht, sie sei bereit, jede Strafe anzunehmen, das Kind gebe sie nicht heraus. Der Berufsvormund sagte, daß man eine bessere Mutter nicht finden könne. Der Staatsanwalt hatte aber gegen dies« Mutter, die wie eine Löwin um ihr Kind kämpft, eine Gefängnisstrafe von einem Monat beantragt. Das Gericht begnügte sich mit den Geldstrafen. Führung durch Alt-Charlottenburg von E. TrinkauS Sonntaa, 19. Juni, 1914 Uhr, Am Lützow, gegenüber der Feuerwoche. Die silberne Hochzeit begeht beute das Ehepaar Paul und Marie Regel, Maldemarstr. 62 wohnhaft. R. ist treuer Abonnent des„Vor- wärts". Osk&r � NUS. 38«uftj\ v i&Txra „Das kann man, das kann man! Hus ist ein Schulfall für dieses Können. Er hat Gott zu seinem Steckenpferd ge- macht, und, siehe, wie hat er sich hineingeritten!" „Und dieser seiner Irrung weiß die Kirche keine andere Antwort als den Scheiterhaufen? Eminenz, die Augen der Welt sind auf Konstanz gerichtet. Fürchten die Väter nicht der West Urteil?" „Mitnichten, mitnichten, Domdekan! Die Kirche hat keine Furcht vor Leuten, die vernünftig denken!" „Eminenz! Petrus, der Kirche erster Oberster, sagt: Einer trage des andern Last! Christus, der Kirche König und Herr des Himmels, sagt: Wenn dein Bruder strauchelt, stütze ihn, daß er nicht falle! Gegenseitige Hilse soll also des Christen Schmuck und Zeichen sein. Was sehn wir statt dessen? Einer des andern Teufel, einer des andern Erdrückeb und Henker!" „Albrecht von Büttelsbach, das Recht liegt tief! Es ist all Ding viel anders, als es scheint. Die Schrift, aust die du dich berufft, ist der Welt Tod und Strick. Es steht in der Schrift auch anderes. Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen, sondern das Schwert! steht da. Es stehet auch vom Unkraut darin, das mit der Wurzel ausgereutet und ins höllische Feuer geworfen werden soll!" „Trotzdem, Eminenz, ich kann mir nicht helfen! Ein Scheiterhaufen in dieser Zeit und in dieser Stadt, ein Scheiterhaufen, angezündet vom Konzil, ist das Eingeständnis des Bankerotts der Kirche!" ,�)oho, Freund, wieso?" „Sie gibt damst zu: Ich, die Kirche, allhier verkörpert durch das heilige Konzilium, bin mit meiner Macht über die Gehirne am Ende!" „Glaubst du, Domdekan? Ich teile diese Ansicht nicht. Ich meine ganz im Gegenteil, die Kirche ist mit ihm Macht über die Gehirne erst am Anfang. Zudem, vergiß nicht, die Schafe, Einer beschuldigt den andern. Wie bei der Oevaheim verdient und verschwendet wurde. Die weitere Fortführuvq des Vevaheim-Vrozesses läßt die Geschäftsgebarung bei dieser kirchlichen heimstättengesellschas! in immer seltsamerem Lichte erscheinen. Die Vernehmung des Angeklagten C l a u s s e n, der bei dem Ienlralausschuß für Innere Mission eine führende Stellung einnahm, brachte zahlreiche Zwischenfälle. Claussen wird u. a. der Untreue zum Nachteil des Zentralausschusses in höhe von Z0 000 bis 40 000 M. beschuldigt. Auf ein Gut mit dem Namen Lupken war auf Veranlassung von Claussen von der Baugenossenschaft eine Zahlung von 10 9 00 0 M. geleistet worden. Direktor I e p p« l stellte einen Bar- scheck mit Blankountcrschrift aus, den Claussen auf den Betrag von 1 10000 M. einlöste. Die Frage ist nun. was aus den überschießenden 10 000 M. geworden ist. Claussen will sie der Bau- genosse'nschaft wieder gutgebracht haben, davon ist aber in den Akten nichts zu finden. Ebenso liegen die Dinge bei einer zweiten Summe in Höhe von 30 000 M. Als freilich der Staatsanwalt Claussen beschuldigte, 10 Proz. in die eigene Tasche verdient zu haben, sprang dieser erregt aus und sckrier Wie können Sie so etwas behaupten, Herr Staatsanwalt! Der Direktor Jeppel blieb bei seiner Bekundung, daß er die umstrittenen 10 000 M. nicht erhalten habe. Auch bei der Besprechung weiterer Kredite und Zahlungen, die von der Gesellschaft geleistet worden waren, kam es bei den Aus- sagen der Angeklagten zu heftigen Widersprüchen. Keiner will der Schuldige sein, jeder beteuert sein« vollkommene Schuldlosigkeit, und der eine schiebt dem andern die Verantwortung zu. Wie bei der Devaheim mit dem Gelde herumgeworfen wurde, das wurde wieder einmal klar, als man eine dreitägige Reise Claussens nach Amsterdam besprach, die im Interesse der Auslandsanleihe erfolgt war. Claussen hatte für diese Reise bei der die die Kirche zu weiden bestimmt ist, haben nicht nur Gehirne. sondern auch Herzen. Und auf diese kommt es hauptsächlich an. auf die armen, erdverängstigten, lebensgescheuchten, von Konflikten zerrissenen Herzen. Deshalb wird die Kirche ewig an der Macht fein!" „Ewig, Eminenz?" „Ewig, ewig! Das heißt, solange es Menschen gibt! Wo anders soll die Kreatur sich hinwinden als zur Kirche? Keinen anderen Ausweg hat die Erde. Wir find ihre Gefangenen. Die Kirche ist die einzige Pforte, die sich ins Jenseits öffnet. Darum wird sie ewig gestürmt werden." „Und Hus bei diesem Sturm, Eminenz?" „Sein Urteil ist gesprochen. Er hatte alles für Gott übrig, nichts für die Kirche!" „Das ist fein Verbrechen, Eminenz?" „Ja!" 14. Die Humpen sind umgestürzt; der Wein ist in Lachen über die breiten, zirbelholzenen Tafeln verschüttet. Längst sind die letzten Funken der Fackeln verstiebt, die Stimmen der Heimkehrenden verstummt, die Lustschreie der gekauften Dirnen verklungen. Die Stadt des Krames schläft und träumt Gewinn. Ueber den hochgegiebelten Dächern hängt als kühles, klares Rad der Iulimond. Breitflächig streut er das Licht, tief und eindringlich mall er die Schalten. Der See ist wach. Obwohl kein Wind geht, auch nicht der allerleichteste, schlagen dennoch die Wellen in einemfort aufpatschend an die langgezogenen Festungsmauern am Ufer. Weiter draußen, dem Horn zu, sind die Wasser sanfter. Dort ist die flachgeschwungene Schüssel des Sees aefüllt mit ge» schmolzenem Gold. Es glänzt und glitzert, glost und aleißt, als ob's aus dem Schatzhaus Muntprats wäre; selbst des BischofsMünze hat kein besseres. Die Sicht ist klar Auf Meilen in der Runde, bis an das jenseitige Ufer, liegt die Gegend so' hell wie am Tage, von keinem Nebel, von keiner Trübung behindert. Die Rebstecken auf dem Meeresburger Ufer scheinen sogar mit der Hand zu greifen zu sein. Wenigstens behauptet das der Stadtknecht Siräubele, der Schwab, in unverfälschtem Buchhornisch seinem Rottmann Andres Axt gegenüber, mit Baugenossenschaft den Betrag von 1000 M. als Spesen liquidiert. Der Staatsanwalt wies ihn da/auf hin, daß man mit der Hälfte dieses Betrages sehr anständig reisen und austreten könne. Es kam aber eben bei der Devaheim auf einen Hundert- markschein mehr oder weniger nicht an, da ja das Geld nicht aus der eigenen Tasche, sondern aus den Zuwendungen hauptsächlich der ösfentlichen Hand bezahlt wurde. Die Verhandlung wurde auf Dienstag vertagt. Gastragödie in Neukölln? In ihrer Wohnung in der Bergstraße 130 in Neukölln wurden gestern abend die 46 Jahre alte Frau Agnes M. und ihr lljähriger Sohn Helmut durch Gas vergiftet bewußtlos auf- gefunden. Die Wiederbelebungsversuche der Feuerwehr waren nur bei der Frau von Erfolg. Frau M. wurde ins Neuköllner Kranken- haus gebracht. Nach den polizeilichen Ermittlungeen liegt Selbst- mord vor. Die Tat wurde entdeckt, als der Mann gestern abend völlig ahnungslos heimkehrte. Nervenzerrüttung soll das Motiv zur Tat sein._ Die Opfer der„Cimbeline" Bisher 25 Tote und 50 Verletzte. Montreal. 18. Juni. Nach den letzten Feststellungen haben die drei Explosionen auf dem englischen Oeltankdampfer„Cimbeline" 23 Todesopfer ge- fordert. Die Zahl der Verletzten beträgt 3 0. Die Zahl der Opfer unter den Rettungsmannschaften ist besonders groß, weil die Explosionen in größeren Zeitabständen erfolgten. Der Führer der Feuerwehr und drei Feruerwehrleute sind tot. Die Bergungsarbeiten gestalteten sich äußerst schwierig. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, mit den Löschbovten eine weitere Ausbreitung der Feuersbrunst zu verhüten, da in der nächsten Näh« des brennenden Dampfers ein großes Oellager liegt. dem er gemeinsam die Mitternachtswache am Lucken- häusle schiebt. Der Axt ist auf einmal quick geworden. Und diese plötz- liche Lebendigkeit trotz den steifen, verwachten Knochen hat triftigen Grund. Im Gegensatz zu seinen schlechten Ohren hat er gute Augen. Am Tag sieht er scharf wie ein Sperber, in der Dämmerung wie ein Luchs, in der Nacht gar wie eine mausende Haselnußeule. So ist ihm nicht entgangen, daß in Sträubeles hinweisender Hand kurz wie ein Blitz eine grün- lechte Buddel aufleuchtet. Er denkt: Bei Sankt Josephs Hosenladen! Wo eine Buddel ist, ist auch etwas Gebranntes, zumindest bei Leuten in Wehr und Harnisch. Laut sagt er: „Hol mich der Teufel überzwerch und schwanzlos, wenn da kein Kirschwasser drin ist!" Dabei hustet er so mordsmäßig, als ob ihm die Gräte eines Kretzers im Rachen steckenge- blieben wäre. Doch ist es nur der Speichel der Gier, der ihm unvermutet in den unrechten Hals gekommen ist. Auf dies Husten hin hört der Schwab in seiner Unter- weisungsrede auf, setzt die bauchige Gutter an und nimmt einen tiefen Schluck. Dann streicht er sich schmatzend den dünnen Schnauzbart, der ihm gelb wie eine abgedörrte Peter- silie über den Mund hängt, sagt:„Hast recht geraten, langes Elend,'s ist wirklich Kirschwasser darin, sogar vom Vorlauf!" und gibt den Feuertrunk dem Sundgauer hinüber. Der Axt läßt sich flicht nötigen. Wie ein saufendes Huhn legt er andächtig den Kopf ins Genick und schaut die Sterne an. Seine Eisentappe stößt hinten ein paarmal merkbar auf den blechenen Halskragen. Das oerrät Schlucke von solcher Güte, daß der Sträubele schleunigst mii einem„Donnders- blechle!" zugreift, aus Angst, der lange Lattenhelland gießt. wenn man ihm nicht Einhalt tut, alles in seinen unersättlichen sundgauischen Schlund. Schnaps ist bei alten Wachtsoldaten eine angesehene Sache, er kommt noch ein gutes Stück vor der Pritschendirne. Er soll ihnen helfen, die Nacht hindurch die Augen offen zu halten: denn der Posten, an den sie gestellt sind, ist der wich- tigste in der ganzen Stadt, viel wichtiger, als die simple Srubenwache an einem der Tore. Der Schwab und der Sund- gauer regieren heute nacht die Sperrkette, die bis Sonnenauf- gang, bis die ersten Marktschiffe fahren, die Hafeneinfahrt ab- riegelt und so die Stadt gegen unerwünschten Besuch von der Seeseste her sichert. tFortsetzung folgt.) Arbeit für das Stadtparlament. Zwei Sitzungen in der kommenden Woche. Im MtMpimkt der am Donnerstag und Freitag der kommenden Woche stattfindenden ordentlichen und außerordent- lichen Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung steht wieder eine Vorlage betreffend den Stadthaushalts- plan für das Jahr lS32. Der M a g i st r a t hat bekanntlich beschlossen der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen die eigentliche Beschlußfassung über den Stadthaushaltsplan bis nach den Sommerscrien zu v e r- tagen Es ist jedoch erforderlich, bere'ts jetzt über die Regelung der R e a l st e u e r n und über die weitere Haushaltsführung zu beschließen. So sollen die Zuschläge zu den Realsteuern für 1L32 wie folgt festgesetzt werden: Als G r u n d st e u e r 312.5 Proz. Zuschlag zur staatlichen Grundvermögenssteuer; von den landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich und gärtnerisch genutzten Grundstücken nur 271,25 Proz. Als Gewerbesteuer 5l>l) Proz. des Steuergrund- betrage? nach dem Ertrage und 156» Proz. des Steuergrundbetraqss nach der Lohnsumme: außerdem haben die unter Z 43 der Gewerbeordnung fallenden Unternehmungen zu der zu entrichtenden Gewerbeertragssteuer als Zweigstellensteuer einen Zuschlag von 10 Proz. zu zahlen. Unter den 33 Punkten der Tagesordnung ist noch besonders erwähnenswert der sozialdemokratische Dringlichkeitsantrag, der die Bereit- und Sicherstellung von Geldmitteln zur Auszahlung aller UnterstützungsbetrLge einschließlich der Wohlfahrtsunterstützun- gen verlangt. Der Antrag konnte in der letzten Sitzung nicht be- handelt werden, well die Deutschnationalen Widerspruch erhoben hotten. Znternaiionale Fälfcherbande gesprengt Für 400 000 Mark Pfundnoten beschlagnahmt. Die Zusammenarbeit der internationalen Sriminalbehörden hak seht zur Sprengung einer gefährlichen Fälscherbande geführt, von der zwei Zllitglieder in Hannover beim Absah falscher 5-Pfundnoleu abgefaßt werden konnten. 3n ZUarseille ist ein wei- terer Komplize verhaftet worden, der für 400 000 Mark falsche Pfundnoten bei sich hatte. Durch den ZPCO. den Internationalen Polizeifunk— Ist gestern aus New Jork die Verhaftung des Bandenführers und fein Geständnis telegraphiert war- den. Wir erfahren über die Polizeiaktion folgende Einzelheiten: Bor einiger Zeit war bei der Berliner Falschgeldstelle ein Tele- gramm aus Wien eingetroffen, in dem mitgeteilt wurde, daß dort und auch in Budapest ein Fälscherkonsortium aufge- taucht war, das sich mit dem Absatz gefälschter englischer Banknoten beschäftigte. In Budapest konnten dreißig Stück in Caf6z und Hotels abgesetzt werden. Die Berliner Zentralstelle benachrichtigte nunmehr sämtliche deutschen Polizeibehörden. Das führte zur Verhaftung zweier Italiener in Hannover, die dort in ihrem Schlupfwinkel aufgestöbert wurden Die falschen Noten wollten sie von einem Unbekannten auf der„MauretanüT gekauft haben. Die internationalen Polizeibehörden arbeiteten wester an der Aufklärung der Riesenfälschungen. Die Ermittlungen führten zur Festnahme eines Mannes in Marseille, bei dem etwa 3600 Stück ö-Pfundnoten beschlagnahmt werden konnten. Die Pariser Polizei fahndete gleichfalls nach den anderen Mitgliedern der Bande. Inzwischen waren von der Kriminalpolizei in Hannover die Bilder der beiden Festgenommenen nach New Jork ge- 15V Robinsons in Not. Das Eiland zwischen Amerika und Afrika- Die britische Admiralität hat airgeordnet, daß wegen der Not- läge aus der Inselgruppe ,,T r i st a n da C u n h a" von nun an jährlich ein Kriegsschiif diesen südlichsten atlantischen Vorposten Europas anläuft, um dort Station zu machen. Die großen Segler schwingen im weiten Bogen durch den Atlantik, um mit der Westwindtrift direkt nach Indien oder Australien zu kommen In den scharfen Brisen der Trift segeln die Schiffe mit großer Fahrt, während neben und hinter ihnen die Wale ihre großen WassersontäNen in die Luft blasen. Das Schiff nähert sich einer merkwürdigen Inselgruppe. Es ist ein Robinson- land, die Inselgruppe„T r i st a n da C u n H a", Fksteneiland, das kaum hundert Jahre besiedelt ist. Die Felsengruppe besteht aus drei Inseln. Nur die größte und ergiebigste ist bewohnbar. Sie liegen fast in der Mitte zwischen den beiden größten Felsspitzen, die die Geschichte der Erdentdeckung nennt: Zwischen Kap Horn an der Südspitze Amerikas und dem Kap der guten Hoffnung, dem letzten Zipfel des schwarzen Erdteils. Die Inselgruppe zählt nicht mehr als 150 Einwohner, deren Vorfahren in der Zeit Napoleons aus Europa gekommen sind. Völlig isoliert, völlig vereinsamt leben diese 150 Insulaner. Vor dem Beschluß der britischen Admiralität ist es vorgekommen, daß vier Jahre lang kein Schiff an den Inseln angelegt hat. Die Be- wohner„Tristan da Eunhas" müssen alles, was sie zur Kleidung und zum Lebensunterhalt benötigen, selbst herstellen, an Ein- und Ausfuhr ist gar nicht zu denken. Batten, ein Geschenk Europas... Soweit vom Hasen aus das Auge ins Land der großen Insel blicken kann, ist nirgends ein Baum oder größerer Busch zu sehen. Bis tief in das Jnfelgsbirge ist das Land völlig baumkahl. Seit die ersten Siedler die Insel betraten, sind alle Baumbestände ausgerodet und für hausbauten und Feuerung?- zwecke verwandt worden, ohne daß man in der Lage war, die Wälder wieder aufzuforsten, holz ist deshalb der teuerste und seltenste Gebrauchsartikel. Allmonatlich ziehen richtige Expedstionen hoch hinauf ins Inselgebirge, um„Jagd auf Brennholz" zu machen. Die südliche Lage, nahe der Südpolarzone, und der vulkanische Boden machen das Land wenig ertragreich. Kaum der not- wendigste Lebensbedars an Brotfrüchten und Flachs wird gserntet. Dabei bedroht eine entsetzliche Landplage die Ernten: die Ratten, die gleichfalls aus Europa„eingewandert sind! Vor etwa vierzig Jahren kannte man diese Plage noch nicht. Aber nach der Siran- dung eines Seglers kamen die Ratten vom Wrack an Land, oer- mehrten sich mit unheimlicher Geschwindigkeit und verwüsten n-- immer wieder die käralicke Bratkruchtern»' <)ie Zmet opne. Der karge, stets gefährdete Bodenertrag, die notwendige Selbst- genügsamkeit der Insel, führte zu einer Art Gütergemeinschaft. Die Insulaner leben in patriarchalischen Hausgenossen- schaften zusammen. Alles, was der dürre Boden hergibt, wird gleichmäßig auf die wenigen Familien verteilt. Mit Goldwerten kann man bei ihnen kaum etwas kaufen oder handeln, denn ihnen fehlt das Verständnis für Gold- oder Geldwert« völlig. Dl« Insel- gruppe ist das einzige von Europäern besiedelte Land, in dem Gold kein Lebensfaktor ist. Die Bewohner„Tristan da Cunhas", die weder über Gold, noch über sonstige Ausfuhrartikel verfügen, bliebe» deshalb immer vom Weltverkehr unberührt. Lediglich das Mutter- land England, zu dessen Kolonien die Inseln gehören, schickte ab und zu«in Schiff um nach dem Rechten zu sehen. Stets brachte solch ein Bote Europas„Zivilisationsspenden" mit, die zu den komischsten Situationen Anlaß gaben. Einmal schickte ein Lord hundert Paar Eheringe, um damit die Jnsulanerehen zu sichern, aber die Bewohner wollen viel lieber Holz dafür haben. Später wurde ein Fonds in England geschaffen, damit die Insulaner zu Papier und Büchern kommen sollten. Das schien kulturfördernd zu sein, aber die also freundlich Bedachten wehrten sich sehr energisch dagegen; Rattengift, mit dem sie ihrer Landplage zu Leibe gehen konnten, erschien ihnen weit richtiger. So ist es in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu derartigen mißglückten Rettungsversuchen gekommen. Keiner hat geholfen, die Inselgruppe aus ihrer Weltisolierung herauszubringen. s a n d t worden, weil beide Fälscher in Brooklyn wohnhaft waren. Die New-Uorker Staatspolizei antwortete mit einem längeren Tele- gramm, in dem sie mitteilte, daß der Hersteller der Falsifikate. Harold Schock, verhaftet worden sei und ein umfassendes Ge- ständnie abgelegt haste. Kundgebung gegen Rentenroub und Hunqerdikiatur Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilnehmer und Krie.g erHinterbliebenen, Gau Berlin, veranstaltet am Dienstag, dem 21. Juli, IQ'/i Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide, eine öffentliche Kund- g e b u n g gegen die erneute Rentenkürzung durch die Fünfte Not- Verordnung. Referenten sind: Bundesvorsitzender Psändner Marcha H a r n o ß. K ut t n er. M. d. L., und L e m m e r, M. d. R. Die Not und Gefahr für die Rentenversorgung zwingt alle Opfer des Krieges, sich an dieser Kundgebung zu beteiligen. Eisenbahnertrcffen auf der Sommerscha«. Der Bund der Deutschen Reichsbahn-Turn- und Sportvereine veranstaltet zusammen mit dem Reichsverband der Eisenbahnvereine E. V., Kassel, heute im Terrassengarten der Berliner Sommerschau ein großes Eisenbahnertreffen. Die Veranstaltung beginnt pünktlich 14.45 Uhr mit dem Einmarsch der jugendlichen Sporsteilnehmer. Nach kurzen Begrühungsworten wird der Generaldirektor der Deutschen Räichsbahn-Gesellschaft, Dr. D o r p m ü l l e r, eine An- spräche an die Eisenbahnerjugend halten. Diese Rede wird ebenso wie die sich anschließenden Gesangvorträge von etwa 200 Eisen- bahnersängern durch Rundfunk übertragen. Semeiumrstöildlichc und nueutgeltliche Vorträge im Museum für Natur. kuute, Invalidenstr. 43. Mittwoch. 22. Juni, letzter Bortrag im Sommer» ihre Kefteine und Versteinerungen. U-BAHNHOf HERMANNPL. DER KARSTADT- BAHNHOF Fliegende Erdbeeren. Nachdem das Frischgemüse sich in vollem Umfang« den Markt erobert hat, beginnt jetzt der Aufmarsch der frühen Obstsorten. Für Salat und Rhabarber, teilweise auch für Kohlrabi, ist das Angebot übrigens so groß, daß diese Gemüsesorten teilweise gar nicht abgesetzt werden konnten. Sehr im Gegensatz zu Erdbeeren und K i r- s ch e n, die vorläufig noch in verhältnismäßig geringen Mengen und nur zu hohen Preisen am Markt sind. Hier wird erst anhaltendes warmes Wetter einen Wandel schaffen, das das Jnlandsobst zur vollen Reife gelangen läßt. Die ausländischen Erzeuger, die äugen- blicklich noch am Obstmarkt vorherrschen, müssen aber zusehen, ihr Gut so schnell wie möglich nach Berlin zu schaffen, damit die Ware nicht auf dem Transport verdirbt. Deshalb haben die Erdbeeren ein« sehr noble Fahrt hinter sich: von dem südholländischen Moor- gebiet und aus der Provinz Gelderland werden die Früchte jetzt per Flugzeug nach Deutschland verfrachtet. Dadurch sparen die Per- srachter etwa zwei Drittel an Fahrzeit, die die erdgebundenen Ver- kehrsmittel für die Fahrt von Holland nach Deutschland benötigen. Die L u f t- H a n l a hat unter diesen Umständen eine recht günstige Entwicklung ihres Frachtverkehrs aufzuweisen. Während alle anderen Verkehrsunternehmungen über einen starken Verkehrs- rückgang klagen, ist der Luftverkehr von diesem Rückgang einiger- maßen verschont geblieben. 1931 wurden von der Luft-Hansa nicht weniger als 2 SRI OVO Kilo Frachtgut befördert, das sind immerhin ungefähr 2S0 vollbeladene Eisenbahnwaggons. Es ist dem Lust- verkehr nämlich gelungen, wie man an dem Beispiel der Erd- beeren sieht, sich einzelne Gebiete des Eilgutverkehrs anzueignen. Bekannt ist ja, daß von Holland nicht nur leicht verderbliches Obst und Gemüse, sondern auch Blumen per Flugzeug verfrachtet wer- den. Bon Berlin aus treten wiederum Küken, die es sehr eilig haben, den Lustweg nach London an, sogar Rassehunde bilden ein wesent- liches Frachtgut im deutschen und internationalen Luftverkehr. Auch das Verfrachten von Ersatzteilen für Maschinen und Automobile spielt eine erhebliche Rolle im Luftverkehr: wie oft müssen wichtige Ersatzteile aus dem Auslande beschafft werden und wenn man diese mit der Eisenbahn herbeiholen wollte, müßten mitunter Fabrikabtei- lungen oder Automobile aus längere Zeit feiern. Ebenso hat es der Flugverkehr ermöglicht, Chemikalien, Impfstoffe und Serum außer- ordentlich schnell an den Bestimmungsort zu transportieren und als Kuriosum sei erwähnt, daß jüngst selbst wertvolle Modellkleider per Flugzeug verschickt wurden. Am Nachmittag noch war eine Moden- schau in Berlin, am nächsten Vormittag die gleiche bereits in London, das um 10 Uhr abends Tempelhof verlassende Berlin-Londoner Postslugzeug nahm die Kleider mit und traf um S.30 Uhr morgens in England ein. Kifch gegen Fleisch. 104 Pfund Fleisch, aber nur 20 Pfund Fisch pro Lahr. Seefischerei ist Urproduktion. Ebenso wie die Landwirtschast. erzeugt die Seefischerei aus dem Meer ihre Ernte, die um so wert- voller ist, als sie Nahrungsmittel bringt, die sonst eingeführt werden müßten. In den letzten Jahren betrugen die Gesamtanlandungen an Seefischen aus deutschen Fängen jährlich über 600 Millionen Pfund im Handelswerte von über 300 Millionen Mark. Daran sind die vor- handenen 356 Fischdampfer mit zwei Dritteln, die Kutterhochfee. fischerei mit dem restlichen Drittel beteiligt. Durch die deutsche See- Auch in der Schule aktion geführt, darum werben und stimmen alle Eltern am 26. Juni bei den Elternbei- � tß ratswahlen für die Liste DdU fischerei werden über 200000 Arbeitskräste beim Fang, bei der Aus- rüstung, in Netzfabriken, Eiswerken, Maschinenfabriken, beim Laden und Löschen, beim Auktionsbetrieb und Versand, im Fischhandel und schließlich in einer riesigen Berarbeitungsindustrie, beschäftigt. Der Fischverbrauch in Deutschland, der etwa 20 Pfund pro Kopf der Bevölkerung beträgt, ist gering im Vergleich zum Ver- brauch anderer Länder, besonders.gering aber auch im Vergleich zum Fleischkonsum, der heute 104 Pfund pro Kopf der Gesamtbevölkerung gegenüber 84 Pfund im Jahre 1924 beträgt und damit den Vorkriegsstand erreicht hat. Für die zweckmäßig« Ernährung ist die Seefisch- nahrung von besonderer Bedeutung, weil sie alle wichtigen Nähr- stoffe in leicht verdaulicher Form bietet und die Arbeitsfähigkeit fördert. Seefische enthalten in hochwertiger Form Eiweiß, Fett, Kohlehydrate, Mineralsalze, aber auch zahlreiche andere, für den Organismus wichtige Stoffe, deren Bedeutung erst in den letzten Jahren richtig gewürdigt worden ist, wie Lipoide, Cholesterin, Lezithin, die verschiedenen Arten von Vitaminen und in ausreichen- der Menge Phosphor, Eisen und Jod, von zahlreichen anderen Vor- zügen, die sich besonder s»i m Sommer auswirken, ganz ab- gesehen. Diese wertvollen Eigenschaften finden sich bei allen See- fischarten, ob es sich um Hering und Kabeljau handelt oder Merlan, Schellfisch, Scholle, Seehecht. Seelachs, Lengfisch oder Rotbarsch. Plaza. In der zweiten Monatshälfte herrscht unumschränkt Leo Jessels„S ch w a r z w a l d m ä d e l" unter der musikilischen Lei- tung von Franz Richard Haas. Jgo Guthmann in der Rolle als Domkapellmeister und Heidi Cisler als Lumpenprinzessin sind den Aufgaben gewachsen und singen sich munter in die amüsante Ge- schichte hinein. Mit ihnen die lustige Schar der anderen, die dem tausendfach erprobten Werk auch an dieser Stelle dankbare Zuhörer schaffen._ welleraussichten für Berlin: Weiterhin kühl, wechselnd bewölkt, noch einzelne leichte Regenfälle, schwache Winde aus nordwestlicher Richtung.— Für Deutschland: Im Südwesten und Süden trocken und inäfug warm. Im übrigen Reiche kühles, wolkiges Wetter mit einzelnen leichten Regsnfällen, jedoch im ganzen freundlicher als am Sonnabend. IILSoziMWeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen Nie diese Rubrik nur on dos Jugendsekretoriat Berlin SW 68. Lindenstroße 2. vorn l Treppe rechts. Zum„Rost-- om 26. Juni, im Grunewold-Stodion sind Korten>u 66 Ps. im vekretoriot erhältlich. Borsigendentonscren, Donnersiog, 23. Juni, 19H Uhr. im Sitzungssool des Rezirksomts Kreucherg, Porckstr. 11. Ohne Mitgliedsbuch und Ausweis kein Zutritt. heute. Sonntag: p 8 Uhr -end. Kursus: .Eoziolismus und Kultur.-- Referent Siinter H'einjj. Morgen, Montag. 20 Uhr. Hansa: Bochumer Str. 8b: Tagespolitik".— Moabit T: Daldenserftr. 20: Fragekasten.— Moabit II: Bremer Str. 70: Schallplattenabend.— Sportpalast: Genthiner Str. 17: Bunter Abend.— ArnimplaK: Sonnenburger Str. 20: Fünf. tionärversammlung.— Arnswalder Platz II: Schbnlanker Str. 11: Kurz. referote.— Folkplo» I: Sonnenburger«tr. 20:«cholpl-tten-ber».—§«»■ platz N: Sonnenburger Str. 20: Bunter Abend.— Humauuplatz: Glennstr. 33: „Disziplin in der SAI."- Nordosten II: Danziger Str. 62. B. 8:„Tages. polink".— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburger Str. 20:„ASB.-Rettung Ver- unglückter".— Andreasplatz. R. F.: Bromm�str. 1:„KPD. und Eeinheits- front".— Friedrichshaia: Diestelmeperstr. ö: Bunter Abend.— Luiseustadt: Wassertorstr. 4:„Unsere Sonnenwende".— Charlottenburg-Süd: Spreestra?e: „Wie beurteile ich ein Buch, einen Film, ein Theaterstück?"— Friedrichstclde: Außenspiele Schloßpark, 18 Uhr.— Buchholz: Turnen.— Pankow. R. F.: Kissingenstr. 48: Liederabend.- Reukölln XI: Alle Genossen treffen sich 19 Uhr Selchower Straße. Werbebezirk Tiergarten: Mitgliederversammlung 19� Uhr Heim Lehrter Straße 18—19...Einheitsfront." Redner Genosse Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Gerbebezirk Tcmpelhof: W..B.-Porstandssitzung 20 Uhr Lnzeum Götzstraße. Werbebezirk Wedding: Delegiertenkonferenz 19U Uhr Ledigenheim. Bortrage, Vereine und Versammlungen Reichsbanner ,,Schwarz-Rot-Goid-. Geschäftsstelle: Berlin S- 14 Sebaftionstr. 37— 38 Hof 2 Tr. Iungbanner Berlin: Wichtige gusammeakuust aller Kreissührer nnh Ortsvereinsführer des Berliner Iungbanners am Mittwoch, 22. Juni, 20 Uhr, im Haubüro.— Iungbanner Reukölln: Mittwoch, 22. Juni, pünktlich 20 Uhr, Versammlung im Jugendheim Reukölln, Kauner Straße. Pflichtvcranftaltung für alle Kameraden von 17—21 Iahren!— Prenzlauer Berg: Dienstag, 21. Inn:. Kameradschaftsversammlung in den bekannten Lokalen.— Alle Sportler treffen sich Montags um 20 Uhr in der Turnhalle, Dienstags, Donnerstags um 18 Uhr und Sonnabends um 16 Uhr auf dem Sportpla�. Alles muß zur Stelle sein.— Friedrichshain(Vortrupp): Mittwoch, 22. Juni, 19� Uhr, Jugendheim Ebertystr. 12.— Wilmersdorf: Sonntag, 26. Juni, Dampferfahrt nach Ziegenhals. Abfahrt 7� Uhr Weidendammbrücke. Fahr. preis 1,50 M. Kinder 60 Pf. Kameraden anderer Ortsvereine sind willkommen. — ReuköllN'Britz(Vortrupp): Mittwoch, 22. Juni, 19�4 Uhr, Jugendheim Berg. straße 29.— Pankow(Ortsverein): Montag, 20. Juni, 19�. Uhr, in gewohnter Turnhalle. Sportler in Sportkleidung. Teilnehmer zum Gepäckmarsch müssen unbedingt erscheinen.— Reinickendorf(Kameradschaft Seiligensee): Montag, 20. Juni, 20 Uhr, Mitgliederversammlung bei Otto Beck. Referent Kamerad Kreutlein, Vorstandswahl. Vollzähliges Erscheinen ist Pflicht. Sturmvogel, Flugverband der Werktätigen, e. V., Bezirksgruppe„Ost". Sitzung am Dienstag, 21. Juni, 20 Uhr, im Revaler Vereinshaus, Revaler Ecke Simon- Dach-Straße. Polizei.Sportverein Berlin Uebungsabende an allen im Polizeifchulaebäude, L-........______._____ fänger., Fortbildungs. und Redeschriftkurse. Auch für Zivile. Nriefkasten oerMdattion. W. S. 961. Io.— s 9. Londespersicherungsonstolt, Am Köllnischen Pork B. Der Antrog tonn schriftlich oder mündlich gestellt werden.— B. 36. Die Strecke bis Mittenwold(Boyern) Uder Augsburg ist 836 Kilometer long. Der Fohrpreis für Personenzüge betrögt 34 M. und erhöht sich durch den Schncllzug.Zuschlag ouf 36,39 M. Die Strecke über München ist 772 Kilometer long und tostet 31 M. ohne Schncllzug.Zuschlog. Das Gold der Ostsee. Eine intereisante Bern st ein-Sonder schau der Staat- lichen Vernstein-Manufaktur Königsberg„Das Gold der Ost- s e e" zeigt augenblicklich das Kaufhaus Rudolph K a r st a d t am Hermannplatz. Der Bernstein wird allein aus der Welt an der Samländischen Küste Ostpreußen gefunden: außerdem hat er den Vorzug der Materialechtheit und der Billigkeit. Ein Meisterwerk dieser ostpreußischen Handwerkskunst zeigt das Hauptstück der Aus- stellung: das Modell eines Hansaschifses um 1600 aus echtem Natur- bernstein. Zur Vollendung waren 46 Kilogramm Bernstein und 6000 Arbeitsstunden erforderlich. Dieses Modell, das in allen deut- schen Großstädten und im Ausland für Ostpreußens daniederliegen- des Handwerk werben soll, ist soeben von einer Ausstellung in London zurückgekehrt und soll 1933 ans der Weltausstellung m Chikago gezeigt werden.__ Auch das Basier hat seine Launen! Ansehen kann mon's ihm nicht— aber wenn beim Waschen die Lauge nicht schäumt, dann war ein unsichtbarer Feind am Werk. Er heißt Kalk, steckt in jedem harten Leitungswasser und ist«in Seifenfresser allerfchlimmster Sorte. Kluge Frauen geben daher vor Beigabe der Waschlauge einige Handvoll Henko-Bleich-Soda in den Waschkessel. Dadurch wird das Wasser wundervoll weich und die Lauge schäumt prächtig. Romane dsfükmtei' Autoren u.a.! Balzac, Brachvogel, Oanghoker, Grabein usw. Jeder Band gebunden nur (ßeAOJndjeh& tin&eJkcfjte fjüK Jamneb u. jSetie Damenwäsche Taghemden mit Stickerei, 3.00 1.35 Nachthemd farbiger Batist 1.95 Nachthemd Wäschestoff, Stickerei 3.75 Damen-Tasche Voll-Leder, Moirefutter O C u. Spiegel, 18 cm lang Blusen u. Röcke Damen-Sporthemd weißer Panama, mit Tasche 0.95 Damen-Bluse ä jour-Trikot, Kunstseide, pastellfarbig, V. 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Beilage des Vorwärts Gonniag> 19. Juni 1932 OieWahrheii über den„Wohlfahrtsstaa<" Oer Staat darf nur Wohlfahrtsanfialt für bankrotte Lunker und Wirtfchastsführer fein. Das Kabinett der Feudal- und Kopitalbarane hat in seiner Regierungserklärung von einer Degradierung des Staates zur „W o h l f a h r t s a n st a l t" zugunsten der Massen ge- sprachen:„Die Nachkrieg-regierungen haben geglaubt,-durch einen sich steigernden Staatssozialismus die materiellen Sorgen dein Arbeitnehmer wie den: Arbeitgeber abnehmen zu können: sie haben der» Staat zu einer Art Wohlsahrtsanstalt zu mächen gesucht und damit die moralischen Kräfte der Nation geschwächt," Was ist die Wahrheit? Nicht der sich steigernde Staatssozialismus, sondern die schleäste großkapitalistische Wirtschaftsführung hat die Krise in Deutschland zur Katastrophe gesteigert. Bei 5,5 Millionen Arbeitslosen und Z Millionen Kurzarbeitern, die in noch zu- nehmender furchtbarer Not sind, davon sprechen, daß der Staat den Arbeitnehmern allzu stark die materiellen Sorgen abgenommen Hab«, ist furchtbarer Hohn. Unter dem Kapitalismus ist eine Bc- freiung von der materiellen Not überhaupt nicht zu erreichen. Die sozialen Einrichtungen von heute sind größtenteils Schöpfungen der Borkriegszeit, die auch noch ihrem Ausbau seit lälh nicht entfernt eine menschenwürdige Existenz bei Krankheit, Unfall, Arbeits- Unfähigkeit und Arbeitslosigkeit gewährleisten. Sozialversicherung und Sozialpolitik sind als Sicherheitsveirtiie der kapitalistischen Ord- nung anerkannt. Die Machthaber von heute und morgen wollen diese sozialen' Einrichtungen zerschlagen und versuchen jetzt zur Recht- lertigung ihrer antisozialen Maßnahmen die Schuld des versagenden Kapitalismus dem„Wohlfahrtsstaat" anzuhängen! Die Wahrheit ist, daß unter der viel zu großen Abhängigkeit der Staatssiihrung vom Großkapital und vom Großgrundbesitz der Staat zur Wohlsahrtsanstalt für unfähige Großunternehmer und bankrotte Agrarier geworden ist. und daß zur Aufrechterhaltung dieses Systems jetzt auch die bescheidenen Sicherheitseinrichtungen der Arbeiter und Angestellten bis zur Unerträglichkeit eingeschränkt werden sollen. Das private R i si k o der kapitalistischen Wirtschaftshüh. rung, mit der man den Kapitalismus rechtfertigte, ist weitgehend zur Legende geworden. Nur noch der Gewinn wird als Privat- jache betrachtet, die Fehljchläge, die Berlufte, für die ohnehin die Massenmillionen durch Arbeitslosigkeit und Not büßen müssen, sind in immer größerem Umfang der Allgemeinheit ausgebürdet worden, Das ist die Arbeits- und Verantwortlichkeitsteilung, zu der sich die politisch einflußreichsten Gruppen, Großlapital und Großgrundbesitz, innerlich heute allein noch bekennen. Wohlsahrtsanstalt für die agrarischen Barone. Für die 11 000 osteltischen Großgrundbesitzer wurden in den letzten Jahren auf Grund von Staatsgesetzen ungeheure Summen geopfert. Als selbst die gewiß großbetriebsfreundlichen Fachleute der Brüning-Regierung Schiele und Schlange-Schönin- gen zugestehen mußten, daß diese ungeheuren Opfer mindestens für 3000 bankrotte Großgüter nutzlos waren und diese zur wirtschaftlichen Rettung des Ostens aufgesiedelt werden müssen, wurde die Regierung Brüning wegen ihres„A g r a r b o l s ch e w i s- m u s" gestürzt. Bei der geradezu unübersehbaren Zahl der Hilfsaktionen des Staates für die Landwirtschaft ein Bild von der Größenordnung subventionen sind allein die verlorenen Zuschüsse und Kredite für die Ostgebiete seit der Stabilisierung aus eine halbe Milliarde Mark zu schätzen. Hierzu kommen fast 700 Millionen Mark Bürgschaften der öffentlichen Hand für die Umschuldung. Bon den Schiebungen des Großgrundbesitzes bei der U m s ch u l- dungsaktion des Jahres 1928 hat erst jüngst der Rechnungs- Hof ein krasses Bild gegeben. Bon den 105 Millionen Umschul- dungsdarlehen ist heute schon ein großer Teil verloren. 2000 ost- elbischc Großgrundbesitzer, die Schnapsbrennereien besitzen, erhalten jährlich 80 Millionen Mark„Branntwein-Liebesgaben". Diese Liebesgaben sollen jetzt noch erhöht werden. Die Bauernschaft ging bei den Stützungsmaßnahmen der Osthilfe fast leer aus. Knapp 10 Pro.;, der Bauernwirtschafte.i, aber 70 Proz. der Großgrundbesitzer hatten im alten Ofthilfegebiet die Umschuldung beantragt. Knapp 10 Proz. der Bauern, aber nichr als 30 Proz. des Großgrundbesitzes haben sich unter das Siche- rungsverfahren geflüchtet. Lieferanten und Darlehensgläubiger dieser ostelbischen Großgrundbesitzer konnten sehen, wo sie blieben. Die beabsichtigte Siedlung wird geopfert, um die feudale Macht- stellung der Junker zu eichalten An dem Besitz der Junker, durch sinnlosen Betriebsluxus verwirtschaftet, durch unangemessenen Auf- wand und nicht zuletzt durch Unterstützungen des Stahlhelms und der Nationalsozialisten ausgehöhlt, darf nicht gerüttelt werden. Um diese Wohlfahrtsonstalt der Junker zu oerbergen, wird der Staat als Wohlfahrtsanstalt denunzieKrt. Wohlsahrtsanstalt der Wirtfchastsführer. Die Großindustrie hat sich gleichfalls in größtem Umfang die materiellen Sorgen vom Staat abnehmen lassen. Eine Unzahl von Jndustrieunternehmungen wird heute schon aus öffentlichen Mitteln von Reich, Ländern und Kommunen subventioniert. Die folgende Liste von Subventionen aus Mendelfohn:„Kapitalistisches Wirt- schaftschaos oder sozialistische Planwirtschaft", die noch nicht voll- ständig ist und sich täglich erweitert, spricht sür sich selbst: Subventionsliste allein für. die Industrie. Montanindustrie. Oberschles. Hüttenwerke A.-G.— Zinsloser Kredit und Kapitalverzicht..........•• Niederfchles. Bergbau A.-G.—. Kreditgarantic und Zins- zuschüfse Betrag der Sudveiilion m Mill. M 36,0 11,0 Pleß'sche Werke.— Kreditgarantie........ 2,0 Gedr. Mannesmann.— Bürgschaftsverlustc.... 9,5 Röchling-Konzern.— Kredit von Reich und Preußen.. 37,0 Mans-feld A.-G.(Kiipferbergbau).— Berlorene Zuschüsse und Darlehen............... 16,0 Gewerkschaft Mechernicher Werk« sBlleibergbau).— Zuschüsse und Kreditgarantien........... 4,0 Rheinisch- wcstf. Schwerindustrie Siegerländer Erzbergbau.— Verlorene Zuschüsse... 10,0 Ruhrbergbau.— Befreiung von den Beitrögen zur 'Arbeitslosenversicherung, jährlich........ 25,0 Benzol-Verband.— Zolls ubvention, jährlich..... 40,0 Chemie. I. G. Farbenindustrie.— Zollsubvention, jährlich... 15,0 für Benzingewinnung Steuererlaß........ 3,0 Maschinenindustrie und Werften. Bulkan-Werke Stettin.— Kreditgarantie, Zinszuschüsse, Bürgschaftsverlustc............. 15,0 Schichau, Elbing.— Bürgschaftsverluste....... 7,0 — Sani»rungsmittel............. 21,0 Verschiedene Werften.— Zuschüsse und Kredite von Kam- munen............... 10,0 Junkers-Werke, Dessau.— Bürgschaftsverluste des Reiches 13,5 — Neue Kredite des Reiches.......... 0,8 Hannoversche Maschinenbau A.-G.— Kreditgarantie des Reiches.................. 1,5 — Kreditgarantic von Hannover......... 0,8 Linke-Hofmann Werke, Breslau.— Kredit von Breslau 9,0 2l. Borsig, Berlin.— Reichskredit......... 1,2 I Union-Gießerei, Königsberg.— Bürgschaftsverlust... 1,0 otock Motorpflug.— Bürgschaftsverliift-....... 4,0 Traktorenindustrie.-— Ausfallbürgschaft vom Reich.. 15,0 Sächsischer Autotrust.— Kredit u. Zinszufchüsse v. Sachsen 6,0 Stoewer-Werke, Stettin.— Kredite der Stadt Stettin.. 1,1 Kommick A.-G., Königsberg.— Bürgschoftsverluste... 1,7 Schiffahrt. Großrecdereien.— Schissbaudarlehen von 1926.... 50,0 Norddeutscher Lloyd und Hapag.— Reichskredittz und Rpichsgarantie............... 70,0 Tankschiffbau.— Kreditgarantie.......... IIP Textilindustrie. Leinenindiistrie.— Kreditgarantie......... 7,0 Gebr. Elbers, Hagen.— Bürgschaftsoerlust...... 0,8 Weitaus die größten Tribute muß die Allgemeinheit der Schwerindustrie entrichten. Die Ueberteuerung der inlän- dischen Eisenpreise hat der Enqueteausschuß schon 1930 auf 150 Mil- lionen Mark jährlich geschätzt. Die Dritte Notoerordnung gab dem Ruhrbergbau die Befreiung von den Arbeitslosenbeiträgen, was einer Subvention von 25 Millionen jährlich entspricht. Die Ruhr- konzerne erhielten für ihre Erzbergwerke 10 Millionen Mark. Die inländischen Treibstofferzeuger, also wieder der Ruhrbergbau, aber auch der deutsche Chemietrust werden durch Niedrighaltung der inländischen Treibstoffabgabe jährlich mit Dutzenden von Mil- lionen subventioniert. Die Sanierung der Großreedereien Hapag und Lloyd hat das Reich mit 70 Millionen Mark in Anspruch genommen, außerdem sind 23 Millionen Abwrackhilfe zur Ber- nichtung von Schiffsraum vom Reich gewährt, nachdem man sich in den vergangenen Jahren vom Reich 18 Millionen Zinszuschüsse sür Schisfsneubauten zahlen ließ. Der deutsche Metallbergbau, durch die Weltbaisse der Metallpreise schwer bedroht, wird heute fast vollständig vom Staat Schallplattendämmerung! Bei Lindström eine M llion Verlust.- Eine falsch kalkulierte Gonderkonjunktur. Es zeigt sich, daß der Zusammenbruch der Deutschen Ultraphoa im vorigen Jahr nicht ein Sonderfall war. sondern daß jetzt die Sünden einer ganzen Jndustriebranche offenbar werden Die Privatkapitalisten waren eben auch hier nur fähig, in den guten Jahren den Rahm einer einmaligen Konjunktur abzuschöpfen dadurch, daß sie sür ihre Produkte Ueberpreisc »ahmen. Daß es sich bei der Schallplaltenkonjunktur der Jahre 1925 bis 1930 aber um einen einmaligen Stoßbedarf handelte, der auf alle Fälle zurückgehen muhte, wenn erst einmal die Freunde der„Trockenmusik" einen gewissen Bestand an Platten gekaust hatten, das erkannten die„Wirtschaftsführer" auch hier erst, als es zu spät war. Im Einstecken von Riesengewinnen hat sich in den vergangenen Jahren auch die Carl L i n d st r ö m A.-G. in Berlin hervor- getan Auf ihr 7-Mill.-Mark-KapitaI, dos zum größten Teil in Händen der Londoner Columbia C y. ist. Hot sie mehrere Male 20 Proz., im vorigen Jahre noch 12 Proz. Dividende verteilt, und die„S e l b st f i n a n z i e r u n g" de? Ausbaues der Anlagen wurde auch hier mit Erfolg betrieben. Ihre Aktien aufrechterhalten. Mansfeld und Mechernichcr Bleiwerke haben bisher etwa 20 Millionen Mark erhalten. Die Stolberger Zink-A.-G. und der Giesche-Konzern sollen jetzt auf dvei Jahre zinslose Sub- ventionen von 12 bis 15 Millionen Mark erhalten. Fahrzeugindustrie und Werften haben nach großen Fehlinvestitionen zusammen annähernd 100 Millionen Mark er- Kalten, von denen ein großer Teil verloren ist. Zur Rettung des Klredltwesens mußte das Reich die Großbanken stütze», die zum Teil aus eigener Schuld vor dem Zusammenbruch standen. Bon den Verlusten hat das Reich 400 Millionen übernehmen müssen. Rund 500 Millionen mußten an Kapital und Reserven vom Reich zur Verfügung gestellt werden. Ihre Rückzahlung ist zweifelhast. Das ist die Wohlfahrlsanftalt, die in Deutschland besteht. Diese Wohlsahrlsanstall wurde von„den Nachkriegsregierungen" Deutschlands in erster Linie gepflegt. Durch die Folgen dieser Wohl- fahrtspolit'k für bankrotte Agrarier und unfähige wirtschaftsführer wurden„die moralischen Kräfte der Nation" geschwächt. Aber noch mehr als die moralischen werden die materiellen Kräfte geschwächt. weil die materiellen Kräfte Deutschlands zur Aufrechterhaltung dieses wohlfohrtcftaotes nicht mehr ausreichen, werden die Grundlagen jeht angegriffen, die der Erhaltung der deutschen Arbeitskraft dienen, des wahrhaft kost barsten Gutes der deutschen Nation, wie sagte der bürgerliche und gutkopi- talistische Universitätsprosefsor Bonn von der deutschen Subventionspolitik, die er„Erfolgslofenfürsorge" nannte:„Die schwerste Bedrohung kommt nicht so sehr von der E r w e r b s l o f e n f ü r- sorge her als vielmehr von einem phantastischen System der E r- solgsloscnsürsorg e." Zhr sucht die Wahrheit vom Staat als Wohlsahrtsanstalt? hier ist die Wahrheit. Di? wohlsahrtsanstalt zugunsten der Massen ist eine Legende! erreichten iin Jahre 1929 in Berlin den p h a n- tastischen Kurs von 950 Prozent! Für das Geschäftsjahr 1931 wird jetzt ein Verlust von rund einer Million Mark ausgewiesen, da aus Forderungen und Warenbestände erhebliche Abschreibungen nötig waren. Hätte man nicht die Beteiligung an einer Amsterdamer Gesellschaft v e.r- kaufen können, dann wäre der Verlust noch bedeutend höher geworden Im laufenden Jahre ist der Absatz weiter zursick- gegangen. Der Großhandelsindex ist in der Woche zum 15. Juni weiter von 96,4 auf 96,0 Proz. gesunken.— Er wird nach der Notverord- nung des Baronenkabinetts, das von neuem Kaufkraft zerstört, nach weiter sinken. Die Zölle sür die Maschinenaussuhr. Eine neue Verordnung vom 16. Juni 1932 über die Ausfuhrzölle auf gebrauchte Ma- schinen sieht vor, daß der Höchstsatz von 800 Mark je Doppelzentner nur auf einige Spezialmaschinen der Feinmechanik und Textilindu- strie und bei der Ausfuhr ganzer Fabrikeinrichtungen erhoben wird. Gegen das Mietunrecht. Eine neue Eingabe der Mieter vereine. Die im Landesverband Preußen des Bundes Deutscher Mieter- oereine E. V.(Sitz Dresden) zusamengeschlossenen Mielerorganlsn- tionen haben auf Grund der Beschlüsse des Preußischen Landtags erneut in einer Eingab« an �en Landtag und die preußische R«gi«- rung zur Frage des Fortfalls der Hauszins st euer Stel- lung genommen. In Preußen würden von dieser Neuregelung über 4 Millionen, in Berlin allein über 700 000 hilfsbedürftige Mieter betroffen. Es sei damit zu rechnen, daß weite Kreise dieser Mieter am 1 Juli d. I. in Mietzinsverzug kommen und die Hauseigentümer mangels auereichender MicteingäNge die fälligen Steuer» nicht bezahlen können. Angesichts der anscheinend nicht übersehene» Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen wird an die Regierung iin Interesse der Erhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung die dringende Bitte gerichtet, entsprechend den Beschlüssen des Landtags die getroffene Regelung wieder aufzuheben, und den hilfsbedürftigen Mietern den Rechtsanspruch auf Befreiung von der Hauszinssteuer in der bisherigen Form zu belassen. Die getroffene Neuregelung stehe auch mit dem Ausgleich des preußischen Etat- fiii� 1932 in keinerlei Zusammenhang. Zur Vermeidung von Verzögerungen in der Bewilligung von Mietbeihils«» werde sämtlichen Mietern, die bisher einen Rechts- anfpruch auf Befreiung von der Hauszinssteuer hatten, und denen, welche am 1. Juli die volle Miete nicht entrichten können, g e- raten, sich im eigenen Interesse unverzüglich persönlich an die zu- ständigen Wohlsahrtsämter zu wenden. Es bestehe die Gefahr, daß die an Mietbeihilsen vorgesehenen Beträge bei weitem nicht aus- reichen, um eine ausreichende Unterstützung der betroffenen Mieter- kreise zu gewährleisten Auch Rütgers saniert. Herabsehung und Teilrückzahlung des Kapitals. Die R ü t g e r s w e r k e A.-G., Berlin, das führende Unternehmen der deutschen Teerindustrie, an dem auch die Stadt Berlin mit bedeutendein Aktienbesitz beteiligt ist, schreibt ihr Kapital herunter, um die Bilanzwerte den heutigen Verhältnissen anpassen zu können. Da die Gesellschaft aus dem Verkauf ihrer Beteiligung an der Deutschen Petroleum A.-G. über hohe Bankgut- haben verfügt, zahlt sie den Aktionären einen Teil ihrer Kapital- beteiligung in bar zurück. Von dem 80-Mill.-M.-Kapital werden zunächst 6,5 Mill. eigene Aktien eingezogen. Die nur mit 25 Prozent eingezahlten 8 Mill. M. Aktien müssen die Aktionäre(die D-D-Bank?) unent- zeitlich zurückgeben, so daß ein Kapital von 65,6 Mill. M. übrig bleibt. Die Namensaktien(8 Mill. M.) werden dann unter Umwandlung in Staminaktien im Verhältnis 4 z u 3 auf 6 Mill. M., die 57,5 Mill. Stammaktien im Verhältnis 2 z u 1 auf 28,75 Mill. M. zusammengelegt. Von dem herabgesetzten Stammkapital von 34,75 Mill. M. werden 20 Prozent in bar eingelöst, so daß ein Kapital von 27,8 Mill. M. schließlich übrig bleibt. Eine Aktie von 1000 Mark wird also zunächst auf den halben Wert, auf 500 Mark herabgeschrieben: davon erhält der Aktionär 20 Prozent oder 100 Mark in bar ausgezahlt, während die Aktie mit einem Nominalbetrag von 400 Mark weiterbestehen bleibt. In der Bilanz für 1931 erscheint nur der Einzug der eigenen Aktien von 6,5'Mill. M., die Zusammenschreibung des Kapitals wird erst in die Bilanz für 1932 eingesetzt werden. Das Geschäftsjahr 1931 schließt mit einem Betriebsver- l u st von 2,2 Mill. M. ab, der zum Teil aus dem Gewinnvortrag (1,6 Mill. M.) gedeckt wird. Beim Einzug der eigenen Aktien ent- steht ein Buchgewinn von 3,9 Mill. M., der zum Teil zur Per- luftdeckung, zum Teil zu Abschreibungen benutzt wird. In der Bilanz erscheinen die Vorräte infolgedessen mit nur 6,4 Mil- lionen M. gegen 12,4 Mill. M. im Vorjahr. Die Bankgut- haben und Kassenbestände sind infolge des oben erwähnten Aktienverkaufs von 2,7 auf 13,6 Mill. M. g e st i e g e n. Den Forderungen von 9,0(11,9) Mill. M. stehen Schulden von 5,6 (6,2) Mill. M. gegenüber. Das Hungersystem. Die neue„Arbeitslosenversicherung". ?n der Arbeitslosenversicherung ist bei der Neuregelung in ganz sinnloser Weise zurückgegrissen worden auf das Ortsklassen- s y st e m. das für Beamte gilt und das seinerzeit errechnet wurde aus Grund der D u r ch s ch n i t t s m i e t e n. Ein Arbeitsloser also, der in Berlin arbeitete, aber außerhalb von Berlin wohnt. wird bei der Unterstützung um 1 bis 2 Gruppen herabgestust, obwohl er dieselben Beiträge gezahlt hat wie der in Berlin Wohnende, und obwohl seine Lebens haltungsko st e n keines- wegs niedriger sind. Die Sinnlosigkeit dieses ganzen Systems geht auch daraus hervor, daß bei den Beamten das Ortsklaslensyftem nur sür die M i e t s z u s ch l ä g e maßgebend ist, nicht aber für das Grundgehalt. Hier aber wird die Unterstützung, mit der der Arbeits- lose seinen gesamten Unterhalt bestreiten soll, danach berechnet. In Orlen mit niedrigeren Lebenshaltungskosten sind im all- gemeinen die Lohne und Gehäller auch niedriger. Der Arbeüer und Angestellte zahlt also auch einen entsprechend niedrigeren Beürag und erhält dementsprechend ein« niedrigere Unterstützung. Die Not- Verordnung bestraft ihn aber nochmals, indem sie ihn nicht nur entsprechend seinem niedrigeren Einkommen eine niedrigere Unter» stützung gewährt, sondern darüber hinaus nochmals seilte Unter- stützung herabsetzt, wenn er in einer Ortsklasic wohnt mit mehr oder weniger als 10 000 Einwohnern. Zur untenstehenden Tabelle bemerken wir noch erläuternd, daß zur Sonderklasse und zur Ortsklasse A außer Berlin nur einige Großstädte gehören. Alle übrigen Städte gehören in die Orts- klassen B bis E. Derordnunq über Höhe der ArbeitSlosenunierstühung und über Durchführung öffentlicher Arbeiten. Lohn- kiasse Die U n t in Orten der Sonderklasse und der Ortsklasse A er stützung beträgt wöchentlich: in Orten der Ortsklasse B bis E mit mehr als 10000 Einwohnern mit 10 000 Einwohnern und weniger j mit! mit 6 j 5 mehr ZU | RM| RM i fi,60i fi,60 I 10,50 10,50 i[ 12,60 12,00 f 15, 60 15,60 I 17,40 17,40 :[ 17, 40119,20 ohne mit 1' mit 2 mit 3 mit 4 mit 5 mit 6 od mehr ohne chlagsberechtigten Angehörige 21,90 24,30 i 25,20 27,90 1 II III IV I V VI I VII> Villi IX 1 X XiJ Ein Arbeitsloser ohne zuschlagsberechtigte Slngehörige der unter- sten Lohnklasse soll mit 5.10 Uiark in der Woche sein Leben fristen. Hat er einen, zwei, drei, vier, fünf, sechs oder mehr Zuschlags- berechtigte Angehörige, dann bekommt er für alle zusammen 1)4 Mk. mehr, also 6.60 Mark in der Woche. Im höchsten Falle in der Orts- klasse A. Arbeitslose an Orten mit nicht mehr als 10 000 Einwohnern bekommen wöchentlich 4,50' Mark für sich und für sämtliche Angehörige, ob einen, sechs oder noch mehr, einen Zuschlag von 1,20 Mk., zusammen also höchstens 5,70 Mark. In den drei höchsten Lohn stufen erhalten die Arbeits- losen, die für die Arbeitslosenversicherung Beiträge geleistet haben, 11,70 Mark und für jeden zuschlagsberechtigten Angehörigen, bis zu sechs, je 2,70 Mark mehr: eine Familie mil fünf oder mehr Kindern 77, 00 Mark in der Woche. In Orlen der Ortsklasse B bis E mit mehr alz 10 000 Ein- mohnern, gehen die Unterstützungssätze der drei höchsten Lohnklosien um 1,80 bis 3,60 Mark zurück, in den Orten unter 10000 Einwohner um 3,30 bis zu 8,70 Mark in den beiden höchsten Lohnklasien, be- tragen also 8,40 Mark ohne zuschlagsberechtigte Angehörige und bis zu 19,20 Mark für Familien mit sechs und mehr zu- jchlagsberechtigt« Angehörige. Damit jedem Arbeitslosen zum Bewußtsem kommt, daß! er nicht mehr in einem„W o h ls a h r t s st a a t" l«bt, darf er sein SchKm- merleben bei diesen Sätzen nur 3 6 T a g« lang führen. Dann wind nachgeprüft, ob er im Sinne der Krisenfürsorge h i l f s h e- dürftig Ist. Ist er hilfsbedürftig, erhält er weiter Unterstützung. RM 1 RM.! RM � RM.| RM. j RM.| RM. 5,10; 6,80' 6,60 I 6,60| 6M I 6,60 6,60 6,—| 7,50 9.— 10,50 10,50 10,50 10,50 6,— 7,50 9— 10,50 110,50 10,50.10,50 j 14,40 14,40) 7,20 9,- 10,80 12,60 14,40 16,20 16,20 1 16,20; 18,— j 8,40 10,20 12,— 13,80 15,60: 17,40 19,20 9,90; 12,30 14.70 17,10 19,50: 21,90 24,30 | ÄM. 4,50 4,50 I 5 lob.tnefjr RM.' RM.• 5,70 5,70 8,10 8,10 9,60 0,60 (12,— 12,- 13,50 13,50 (13,50; 15,— 16,20j 18,— 16,201 18— 17,40 19,20 17,40; 19,20 Boin 27. Juni ab treten die neuen Abzüge in Kraft und er- greisen auch laufende Unterstützungssälle. Doch dürfe» bisher höhere Ünlerftützungen— unter Umständen, die noch näher bestimmt werden— noch bis zum 23. Juli 1932 weitergezahlt werden. 5 2 0 Millionen Mark werden den Arbeitslosen abgespart. davon 188 Millionen Mark allein in der Arbeitslosen- Versicherung. Die Leistungen der Arbestslosenversicherung werden um durch- schnittlich 23 Proz. gekürzt, die Sätze der K r i s e n u n t e r st ü g u» g um durchschnittlich 10 Proz. Hier werden 188 Millionen Mark ge- spart. Bei der Wohlfahrtsunterstützung, deren Sätze um 15.Proz. gesenkt wurden, werden 67 Millionen gespart. Es ist unmöglich, in einigen Sägen die Wirkungen dieser Spar- maßnahmen auf die von ihr Betroffenen in materieller und kultureller Beziehung zu schlldern. Gesetzesniachcr, die mit dein Rechen- stift derartige Ersparnisse vornehmen, müßten gezwungen sein, zuvor die Probe aufs Exempel zu machen, indem sie selber mit solchen Unterstützungen auch nur sechs Wochen lang vegetieren müßten. Sie wären dabei allerdings noch stark im Vorteil, da sie für Wäsche und Kleidung keine Zlufwendungen.zu machen hätten. Die Arbeitslosen aber müssen von den Unterstützungssätzen der Arbeitslosenversiche- rung, für die sie Beiträge leisteten, Wohnung. Kleidung und Nahrung bestreiten. Wie— dos ist für sie sin großes R ätsel,' dessen Löstrng man ihnen überläßt. Kampf diesem Hvngerjystetn! Tagung des ADÄ. Zu seinem jährigen Bestehen. Anläßlich des zehnjährigen Bestehens des Allgemeinen Deut- jchen Bsamtenbundes irat am 18. Juni sein Bundesausschuß zusammen, um sich nach emleitenden Referaten des Bundesvor» sitzenden Falkenberg und des Reichstagsabgeordneten .Dr. Völker in einaehenden.Beratungen mit den jüngsten Not- Verordnungen in Preußen und im Reich zu befassen. In einer einstimmig angenommenen Entschließung pro- testiert der Bundesauefchuß de, ADV. nachdrücklichst gegen die abermalige Belastung und Kürzung der Leamlengehälter und Ver- sorgungsbezüge, durch di« für die unteren und mittleren Gruppen eine nachgerade unerträgliche Lage geschaffen ist. Die neue Notverordnung des Reichs mit ihrer völligen Scho- nirng, ja teilmeijen Entlastung des Besitzes, mit ihrem weitgehenden Abbau der Sozialpolitik, mit einer einseitigen Belastung der arbct- lenden Schichten, kann von der freigewerkschoftlichen Beamtenschaft nur als eine Tal schlimmster Sozialreaktion beurteilt werden. Die selbst in ihrer materiellen und sozialen. Lage aufs schwerste beeinträchtigte Beamlenschasl erklärt, daß sie nicht länger gewillt ist, sich zum Objekt einer solchen Politik machen zu lassen, einer Politik, die aus der anderen Seite durch sortgesetzte Zollerhöhungen, durch Subventionen, Kredite und sonstige Liebes- gaben anderen Polkskreisen und Berufsständen trotz der Finanznot Hunderte von Millionen aus öffentlichen Mitteln zuwendet. In weilen Kreisen der Beamten und Pensionäre hat die Aus- Wirkung dieser Maßnahmen eine Stimmung erzeugt, aus der sich zwangsläufig eine Stärkung radlkalistischer,»aalsjeindlicher Ten- beuzen entwickeln muß. Diese Entwicklung liegt weder iip Interesse der Voltsgesamtheit noch der Beamtenschaft. Der Bundesausschuß erklärt, daß der ADA., seine Verbände und seine Mitglieder auch künftig e i N e m S y st e m K a m p f am Unser® werten Posta bonneraten werden gebeten, das Beiugsgeld für. den kommenden Monat zu bezahlen, sobald der Postbote die Quittung vorlegt, damit die regelmäßige Belieferung beim Monatswechsel keine unliebsame Unterbrechung erleidet FUr Abonnementserneuerungen nach dem 24 erhebt die Post eine VerspätungsgebUhr von 20 P, i VORWÄRTS- VERLAG G.M.B.H. sagen, das, in einseitiger Wahrung von Klasieninteressen, trotz amtlicher Beteuerungen über die berechtigten Forderungen der auf Grund der Weimarer Verfassung dem Staatsganzen verpflichteten Beamtenschaft zur Tagesordnung übergeht. Zugleich fordert der Bundssausschuß die Kollegen auf, durch aktive Mitarbeit tu der Einheitsfront aller Schassenden mitzuhelfen an der Herbeiführung gesunder Berhälinisse in Staat und Wirtschaft. In einer zweiten Entschließung, die nach einem Rest- rat des Leiters der Organisationsabteilung 21. Kunze angenommen wurde, lenkt der Bundesausschuß des ADB. die Aufmerksamkeit der Beamtenschaft aus die mit dem Anwachsen der politischen und wirtschaftlichen Reaktion immer offener zutage tretenden Angrisse auf die verelnlgungssreiheit der Beamten. UeberaU, wo die Nationalsozialistische Partei bisher zur Ncgierungs- macht gelangte, sind von ihr die schwersten Angriffe aus die in der Berfasiung garantierte Vereinigungsfreiheit unternommen worden. Gegen diese Angrifse auf die ÜZereinigungsfreiheit protestiert der 2lDB. mit aller Entschiedenheit. Er fordert die freiheitlich gesinnte Beanit« ii schast aus, gem einsam mit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter- und Angestelltenschaft zur Verteidigung ihrer Staatsbürgerrecht« den schärfsten Kampf gegen alle Gegner der republikanischen Reichsver» fassung und'derBereinigungsfreiheit zu führen. ckOIahre ROK. Oer Neichsverband Deutscher Kommunalbeamten. Der am 17. Juni 1922 in Leipzig gegründete Reichsverband Deutscher Komnmnalbeamten gehört dem Gesamtverband als Relchsfachgruppe an und dem Allgemeinen Deutschen Bcamtenbund als Beamtenorgaitiiation. In der zum zehnjährigen Bestehen der Organisation am Frestag im Hause des Gejamtver- bandes veranstalteten Zusammenkunft der Bertreter des RDK. und der.befreundeten Verbände gab G i l l m e i st e r einen Rückblick auf die Vsrhältnisie, die zum Austritt aus dem„Komba" und damit aus dem Deutschen Beamtenbund und zur Schanung einer eigenen Organifalion.der Beamten aus freigewerkschastlicher Grundlage führten. Insbesondere war es die durch den Eisenbahnerstreik auf- geworfene Frage des Streitrechts der Beamten, die zu einer Scherdung der Geister führte. Die freigewertfchaftlich« Kommunal- beamtenschaft will in enger Verbindung mü den kommunalen Arbeitern und 21 ngeft eilten wirken. Dem Kapitalismus alz gemeinsamem Gegner ist ein« gemeinsame Abwehr- und Angriffsfront gegenüberzustellen. Die bisherigen Erfolge stellen den besten Dank dar sür die Tätigkeit du Funktionäre du Verbandes. Vuskehr bei Bergmann. Betriebsabbriich oder Stillegung? Die Berliner Betriebe der Firma Bergmann-Elettrizitätswerk« in der See- und Hennigsdorfer Straße sollen voll» ständig, und das Metall- und Kabelwerk sowie die R e» paratur werk statte in Rosenthal teilweise stillgelegt werden. Zwischen der Betnebsvertretuiig und der Finna besteht ein Streit darüber, ob diese Beiriebseinschränkungen als Stillegung oder Betriebsabbruch anzusehen sind. Bei Betriebsabbrüchen muß di? Firma bis zur Entlassung der Belegschaft eine sechswöchige Sperrfrist einhalten, bei Stillegungen dagegen«ine vierwöchige. Die Firma Berg- mann ist der Slufsasiung, daß nicht nur die für sie günstigeren Stilleg ungsrorschriften in Frage kämen, sondern daß ihr auch unbedingt das Recht eingeräumt werden müsse, bereits vor dem Ablauf der gesetzlichen Sperrfrist Entlassungen vorzunehmen Der Oberpräsident der Mark Brandenburg hat ent- gegen der Ausfassung des Betriebsrats und der Gewerkschasten nur das Vorliegen einer Stillegung anerkannt, die Verkürzung der Sperrfristen jedoch abgelehnt. Gegen die Entscheidung des Ober- Präsidenten, daß es sich nur um eine Betriebsstillegung handele, haben die Gewerkschaften Beschwerde eingelegt. Durch die gänzliche Stillegung dcr Berliner Werke kommen 1000 Mann zur Entlassung und durch die Teilstillegung in Rosenthal 300 Mann, insgesamt werden also 1300 Arbeiler entlassen. In der letzten Betriebsversammlung, die zu den Stillegungsverhandlungen Stellung nahm, vertraten die kommunisti- schen Mitglieder des Betriebsrats so unsinnige Ansichten, daß sich jeder vernünftige Versammlungsteilnehmer fragen mußte, ob diese Berufsrevolutionäre noch ihre fünf Sinne beisammen haben. Wäh- rend die„reformistischen" Betriebsräte erklärten, daß sie alles daran setzen werden, um noch eine Abfindung für die Entlassenen zu erwirken, faselten die kommunistischen Mitglieder des Betriebs? rat von der Notwendigkeit der Bildung eines Einheitsausschusses, der Entlassung aller Werksdirektoren, der Beschlagnahme des Aktien- kapitols der Firma durch den Einheitsausschuß usw. Die Betriebsversammlung lehnte gegen acht Stimmen eine Ent- schließung mit diesen„Forderungen" ob. Die freien Gewerkschaften wurden verprlichtet, weiter im Einvernehmen mit den verant- wortungsbewußten Betriebsräten für die Wahrnehmung der Jnter- essen der Belegschaft zu sorgen. Einigung in den Berliner Brauereien. Der Tarifkonslikt in den Berliner Brauereien ist jetzt endgültig beigelegt. Die letzten Verhandlungen mit dein Verein Berliner Brauereien führten zu einer Verbesserung der Urlaubs- bedingungsn. Bei den über zehn Jahre im Dienst befindlichen Arbei- tern soll bei K u r z a r b e i t kein geringerer Urlaub als bisher ge- währt werden. Zu einer längeren Manteltarifdauer als bis zum 31. Januar 193 3 erklärten sich die Brauunternehmer allerdings nicht bereit, piest Tarifdauer ist insofern ein Knriosum. als die Kürzung des Urlaubs in der Form, wie sie jetzt oereickbort worden ist. erst nach dem I.April 1 9 3 3 in Kraft treten soll. Bei den Nachverhondlungen wurde auch der L o h n t a r i s unver'- ändert bis zum 31. Januar 1933 verlängert. Wie die!RGO. Einheiisfront macht. Sie fällt den graphischen Hilfsarbeitern in den Rücken. Bei der Kündigungsaktion der Hilfsarbeiter im Berliner Buch» druckgewerbe hat sich das sonderbare Schauspiel gezeigt, daß von den „revolutionären" und stets von„Kamps" triefenden kommunistischen RGO.-Anbetern die Kündigung nicht eingereicht wurde! Bon dem freigewerkschaftlich organisierten Hilfspersonal ist die Kündigung in ollen dafür ousorsehenen Betrieben r e st- l o s durchgeführt worden. Sollten nun die RGO.-Strategen etwa die Parole der„Roten Fahne" vom Freitag. 17. Juni, befolgen und den Buchdruckunter- nehmern ein.blutrünstige» Ultimatum" stellen? Damit bleibt dann aber noch immer für die RGO.-Strategen bestehen, daß sie die ein- heitliche Kündigungsaktion durchbrochen haben. und den graphischen Hilfsarbeitern in den Rücken gefallen sind. Ob dos nun„revolutionärer Mut" oder einfach Feigheit ist, wird die Arbeiterschaft entscheiden. Die graphische Hilfsarbeiterschast wird sich durch eine derartige „Einheitsfront" nicht von ihrem gerechten Kampf um die Erhaltung der reichstariflichen Lohn- und Arbeitsbedingungen beeinflussen lassen. Sie hat das auch gar nicht notwendig, den» die RGO. ist im graphischen Gewerbe viel zu bedeutungslos. Nur die Anweisungen des Verbandes der graphischen Hilfs- orbeiter und-arbeiterinnen sind zu besolgen! Oer �eichsserienverirag für die Töpfer. Nicht für verbindlich erklärt. Der seit dem 28. November 1924 für die Töpfer bestehende Reichsferienvertrog war von den Unterneh�itern zum 31 Dezember 1931 gekündigt worden. Durch die Notverordnung wurde dieser Vertrug bis zum 30. April 1932 verlängert. Die Reichsfachgruppen- leiiung der Töpfer und Fliesenleger im Deutschen Baugewerksbund versuchte auf dem Verhandlungswege w'eder zu einem Ferien« vertrag zu kommen. Da die Unternehmer Verhandlungen ab- lehnten, rief sie den Schlichter an. In einer Verhandlung vor dem Sonderschlichter Dr. Fried- l ä n d e r wurde der Ferienvertrag wieder In Kraft gesetzt, mit der Kürzung der Ferien um � Proz. Die Unternehmer lehnten den Spruch ab. die Fachgruppenleitung beantragte die Verdindlichkeit. Der neue Roichsarbeitsminister hat nun seiner sozial- feindlichen Einstellung dadurch Ausdruck oerliehen, indem er den Vertrag nicht für verbindlich erklärt hat. Der Minister ist also offenbar der Meinung, daß Arbeitnehmer keine Ferien brauchen. ! Sreie Gewerkschafts-�ugenö Berlin I Morgen, Montag, 20. Sunt: Jngendgruppe des Deutsch«» Baugeüxrk»- buiides, Maurer: Vauabend im Sugcnbljelm Dcssestro�e, ZUnmer 3. S I a( e r; Lauabent im Jugendheim Grohbcerensir. 96. M Iuoendaruppe des Äentrelverbondes der Auaestellten ®5l Morgen, Montag, finden folgende Veranstaltungen Natt: Weddtug: � Sugendheiw Turiner Ecke Seestraße. Schallplattenaben�: Arbeiter. dichtung und ArbeUermustk. Leiterin: Kohlmorgen.— Nordost U: Iugendheuo Schönlanker Str. 11. Bortrag:„Marx und Engels, zwei Arbeiterführer. Refe. rent: Dr. Schütte.— Weißen'ee: Jugendheim PUtoriusstr. 24. Vortrag: lebnisse einer Amerikareiee". Referent: Weigelt.~ Brii»: Stcidtischcs Jugend. beim(Rathaus). AN.Verlin.-r'lbenb.- brban Svgendbeim Hpbrecht. Ecke SanderUraßt'. Einer fcugi ans alle antworten.— Spiele in Freien: Ab 19 Uhr auf dem Dominicus.Spielplaß in Schöneberg und ab 18 Uhr im Lichteutorcec ÄteÄ»"« � � auf de» Die Eiserne Front ruft zum RAST am Sonntag, dem 26. Juni 1932, im Grunewaid-Stadion— Aile Genossinnen und Genossen beteiligen sich Einmarsch 16 Uhr— Karten zum Preise von 50 Pfennig für Erwachsene und 30 Pfennig fUr Jugendliche und Erwerbslose sind bei unseren Parteifunktionären und im Büro des Bezirksverbandes, Llndenstr. 3, zu haben Esa Groß-Berlin CiajCBtmngcn für otcfe Rvdrik find- B«* 1»» aa 68. Lindenst�ß« 1 l ftct* an da» Beztrlsfetretarfia ... Hof. Z Trappen reibt», zu richte» Achtung, Gtadtverordnetenfraktton. Die nächste Fraetionssitzung tagt ausnahmsweise am Montag, dem 20. Juni, 18 Uhr. an bekannter stelle. Beginn aller Veranstaltungen lS?� Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! heule, Sonntag, IS. Juni. t. und 5. flnis. Sonntag, 19. Juni, findet in den gcsapitcn Räumen des Eaesbaus!?ricdrichshaiu. Am FriedrichsKain Ä. unser Sommerfest statt. Programm: Großes Doppelkon�ert, Bühnen schau usw. Festredner: Karl Litte. M. d. R. Anfana 16 Uhr. Eintritt 50 Pf., aua) an der Kasse. Erwerbslose und Jugendliche 20 Pf., diese Karten sind nur bei den Bezirks. führern zu haben.-Alls Freunde der»Eisernen Front" sind hierzu herzlichst eingeladen. 4. Ärets. Die Eommerfestbilletts sind heute mit dem Genossen Döhnert um 17 Uhr im Saalbau abzurechnen. Aue nicht abgerechneten Billetts gelten als vertauft. 5. Kreis. Die Eommerfestbilletts sind heute mit dem Genossen Bey von 16 Uhr an im Eaalbau abzurechnen. Alle nicht abgerechneten Billetts gelten als verkauft. 57. Abt. Sonntag 10 Uhr, Montag 17—19 Uhr Fluqblattverbreitung von den Zahlabendlokalen aus.— Mittwoch, 22. Juni, Mitgliederversammlung, Schilter.Restaurant, Bismarckstr. 110.„Die Aufgaben der Arbeiterschaft in der politischen Krise". Referentin Marie Kunert, M. d. R. Morgen, Montag, 20. Zuni. 1. Ätel». Die Cchulodlevte und Elfernbeiräfe werden gebeten, die Flug. blätfer und dos Wahlmaterial nur Eltcrnbeiratswahl vom Zentraiwahl. lokal des fireifes, Clement, SapHienftr. 6, abiuholen. J. Äreis. Zu der Mitgliederverfammwng der 6110. im Jugendheim, Lehrter Straf, c 18, find dir liinaeren Parteimitglieder hemlubfi einaoladcn. Vortrag des Genossen Dr, Rurt Ldwenstein. M. d. R.: Einheitsfront. 7. Nrels Eharlottcnbura. Bezlrksverordneten-graktionsfitzung mit sämtlichen Blirgerdeputiertrn, 6itzungszimmer 1, Rathaus Charlotienburg. 1Z. Nrei» 20 Uhr an hekonnter Stelle Fraktiansfihung. 1«. Kreis. 2N Uhr bei Gallas Kreisoorfiandsfigung. 1». Kreis. Sreisvorftandsfihung mit den AdteilungsIeUern und den Führern der Eisernen Front an bekannter Stelle. 9.«bt. Zusammenkunft aller in der Wahlfahrtspflege amtlich und ehren. amtlich tätigen Denosfinnen und Genossen der Fader, Stephanltr. 11. Refe. rent Paul Krüger, 11«6t. Wir beteiligen uns an der Werbebezirksmitgliederversammlung der SAZ. im Jugendheim, Lehrter Str. 1809. Näheres Noli, des 2. Kreises. 2».«bt. 18 Uhr bei Kramer Arbeitsfihunq ,ur Sllernbeiratzwahl. 26.«bt. Funkiionärkonferen, bei Veinlich. 28.«bt. 29 Uhr Funktlanärkonfercnz bei Rechenbcrg. 29.«bt. Ab 19 Uhr Abreebnung der Veitrag»,»nb Maimarken bei Vuchhalz, Prenzlauer Alle« 182. Die Billett» zum Sommerfest milssdn am Sonntag im Saalbau Frledrichsbain abgerechnet werden. XL.«bt. 20 Uhr Funkt ronoruxung an bekannter Stelle. XI.«St. Funkt ronarlstiung Kadiner Str. 19. X».«it. Funktionärfitung bei Busch, Tilfiler Str. 27. 37.«it. Alle Funktionär« bei Raschke. Matternfir. 14. 71.«it. Vorltandsühung an bekannter Stille. 80.«bt. 20 Uhr bei Gürlich. Begasfir. l, Zusammeniunft süngercr Partei. Mitglieder: Kulwrorganisalionen der«rbetterschafr. Referent Dr, Paul Krisch«. 86.«bt. 29 Uhr Funkiionärfilzung bei Gärlii, Ehausseefir. 19. 99».«bt. 20 Uhr wichtige Funktionärsttzung IN der Kalle. 198». Abt. Ausgab« der Flugblätter für die gesamte Abteilung für die Eltern. beiratsnxibl bereit» Montag. 18 Uhr, bei Ei»ner, Kaiser. Wilhelm. Str. 3. 129.«bt. 1914 Uhr im Türklschsn gelt, Sitzung de« Abteilungsvorstanbe» mit den BezirlMhrern. 138. sab 143.«it. 20 Uhr im Jugendheim Heem»dorf, Roönstuaß«. Zusammen. kunst jüngerer Bartetmetglieder. Fortsetzung der Aideltzgemeinschaft de« Genossen Hernrfch Iakubowäu». SVNvachlsterende willkommen. vlenskag. 21. Zuist. i. kreis IT Uhr im Altersheim, Dmgziger Stil. 62, Zitfammenkmzft erwsrh». lofer PartermUglieder: Landarbeiter und Sozialismu». Referent Ernst Reumann, 3. Kref».«rbefterzp-hlfahrt 13 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Partei. Mitglieder im Heim. Tilfit-r Str. 4/5; Mitteleuropa— Donaustaaten. Referent Genosse Meifdelsohn. Unierhaltungsteil. 12. Kreis. Krcisvorstanhsfitzung an bekannter Stelle. 8.«bt. ZI Uhr Funltionärfitzung bei Dobrohlaw. Swinemiinder Sit. 11. 14.«bt. Bei Lauritzen, Putdusscr Str. 11. gusammenkgnft jüngerer Partei. Mitglieder. Referent I. P. Mauer. 16.«it. Bei Krüger. Hufstten» Eck- Schiringstrasse. Mttgliederpersammlung: Politisch« Lage und die Berfassunq. Referent Simon Katzenstcin. 33.«it. 19.45 Uhr Mitgliederversammlung in der Schuloula, Hohenlohe. strahe 10:«uf»um Kamvf gegen dt« Razi-Barone. Referent Robert Breuer. 114.«bt. 29 Uhr tn der Bibliothek, Weichfelstr. 28(Laden): Arbeit». befchaffungsprogramme der Gewerkschaften. Referent Dr. Hans Adler. Uli.«it. 19 Uhr bei Hiinpel äuherst wichtige Besprechung des«bfeilungsvor. ftandes mit den Gruppenleitern, 143.«it. Borstandsfitzung mit den Bezirk» filhrern beim Genossen Lehmann. Mklwoch. 22. Zuni. I.«Bt. Zahlabend Kohlow-Lindemann bei Klcment, Sophienstr. 6: Die Eni. Wicklung der deutschen politischen Parlelen und ber deutschen Sewerk. schatten. Aussprach«. Referent Genosse Zohansen. 3.«ht. Zahlabend« in den bekannte» Lokalen. 4.«bt. Bei Biauois, Stralauer Str. 19. Mitgliederoersamnilung: Politische Lage und die Aufgaben der Arbeiterklasse. Referent Georg Klautzner, M. d. L. 5.«bt. Zahladenbe: 196. und 198. Bez. b«i Perschke, G-orgenkirchstr. 14; Politische Lage. Referent Genosse Bdhmc. 297. Bez. bei Käding, Alte Schäindauser Str. 31. Referent Genosse I. Sirius. 6.«bt. Im Rofenthaler bof, Rofenfhaler Sir. 11/12, Mitgllederoersamm. lung: Kamps»m de» neuen Reichstag, Referent P. Schaffer. 7.«bt. Im Nordischen Hos, Invalidenstr. 126, Mitglioderversanunlung: Politische Lage und die Ausgaben der-Arbeiterklasse, Resereiiii» Klara Böhm- Schuck, M. b. R. 8.«bt. Im Rattonaihvs, Blllowstr.»7, Mitgliederversammlung: Politisch« Lage und die Ausgaben der Arbeiterklasse, Referent Genosse Schliestädt. 9.«bt. Zur Flugblatwerbreitting treffen sich unsere Frauen und arbeitslose Genossen>9>2, Uhr Ouixowstr, IIb. 19', Uhr Zahl- und Diskusstonsabend bei Hufendach, Perlebcrger Str. 64: Arbettsbeschafsungsprogramm, Res«. rent Gottlieb Reese. 1«.«it. Diskulfiousabeitd bei Sondow, Fl-nsburger Str. 3. lt.«bt. Alle ParieiwUglicder treffen fich 18 Uhr bei Scholz, Leoetzowstr. 21, zur Flugblattverbreitung.... � 14.«it. Im Swinemünder Sesellfchastsh-u«. Swinemünber Str. 42.«it. glleder-erfammlung: Politisch« Lage und die Aufgaben der«rbelterklasse. Referent Ehr. Schuinan.,.........„. 15.«bt. Zwei Miioli-derversammlungen: b-t Kurtomsli. F-ldstr, Z R-i-rent Richard Weimann: bei Müsch. Brunneustr. 140. Referent Mat Srllmeister. Thema: Politische Lage und die Aufgaden der Arbetterklass». 19.«it. PünlUich 19'/, Uhr Mitglied« eversammlung tu der.rot«. Schul«, Gotenburger Straße: Dlktatur ot�er Demokratie. Referent Mark Avra» pivw lisch. 20.«it. Bei Dadbert. Schulstr.«6, Mitgliederversannnlung: Die sp-ntsche Revolution Referent Otto Bach.__ 21.«bt. Bei Schräder, Matplaguetstr. IIIS. MitgNederversamwIuim: Poli. tische Lag, und die Ausgaben der Arbeiterklasse. Referent Richard Joachim. 22.«bt Im gelben Saal der Hochschulbrauerei, See» Eck» Amrumer a>ra,:s. MligliedSrvenammiung: Das Ardeiisbeschassungsprogram» de» ADGB. Referent Genosse Larnow. M. b. R. 23«bt 29 Uhr pünktlich Mitgliederversammlung im grotze» Saal der Hoch. !ch>llbra«l«rei, See» Ecke Amrumer Straße: Wirtschait». und Slaateiris«. Reserrniin Mari» Iuchac«, M. d. R. � 24«bt. Im Aitersbcim, Danziger Str. 62, Mitgliederversammlung: Poli. tisch« Lag« und die Ausgaben der Arbeltsrklan«. Referent Dr. Herbert 2» AM n kleinen Saal de» Saalbau» Fri«brich»hain Mitgiieberversaimn. lunn mif Gästen: Di, SPD. im Kampf für d>» Arbeiterschaft. Referent ??ra'is Künstler, M. d. 26, Abt� Im Arbeiler-Samariter-Bundeshaus, Iostpstv. 4, Mrtgliedttversamm« ' lung: Politische Laste und die Aufgaben der Arbeiterklasse. Neferent Dr. 2,«if'* In de/ SckMbuufcr Festsälen, Schönhauser Allee 12«. Mitglieder, Versammlung' Polittsche Loge und b>« Ausgaben der Arbeiterklasse Refe. rent Rar Hendemann. M. d L.- 1« Ubr Funitlonärssßung im gleichen 39.«bi1 In den Eafino-Festsälen. Pappelalle« 15. Mitgficturoersammlung: Politische Lage und die Ausgaben der Arbeiterklasse. Referent Siegfried 31.«bt. 20 Uhr in de: Schulaula. Schrnf>i.>ß-r Str. 7, Mitglledernerlomm. luug: Unser Kamps um den neuen Rctchetag. Reserent Dr. Richard Loh. 32«Bt"1 Bei Ewest, Große Frankfurter Str. 39, Mttgllederversaimnlung: Unser K«u»pf um den neuen Reichstag. Referent Erich Raddatz. 34. Abf. In der Litauer Sir, 18, Mitgliederversammlung: Politische Lage und die Ausgaben der Arbeiterklasse. Referent Dr. Tli. Cassau. 36. Abt. Mitgliederversammlung mit Gästen in der Schulaula, Petersburger Straße 1: Lichtbildervortrag des Genossen Stadtrai Günther: Abrüstung. Die Bczirksführer laben zu dieser Mitgliederversammlung besonders«in. 37. Abt. Im PetzenHofer, Landsberger Allee 25—27, Mitgliederversammlung: Die kommenden Wahlen. Referent Stadtrat Karl Schneider. 38. Abt, 29 Ubr Mitgliederversammlung mit eingeführten Gästen bei Ewest, Große Frankfurter Sir. 30: Die Volksbetrüger am Pranger! Was toleriert Herr Hitler? Referent Max Vrinitzcr, Die Genoffinnen und Genossen der Bezirke 183, 183, 195 treffen fich um 18 Uhr bei Späth. Seorgenkirchstr. 65. 41.«bt. Im Friescnschlößchen, Fricsenstr. 14, Miigliederversammlunq: Poli- tische Lage und die Aufgabe» der Arbeiterklasse. Referent Jockel Meier. 43. Abt. 20 Ubr Mttgliedervcrfammsung im Dresdener Garten, Dresdener Str. 45: Polittsche Lage und die Aufgaben der Arbeiterklasse. Referent Karl Litte. M, d, R. 51. Abt. Zohlabendc: bei Schellbach. Königin-Elifobeth.Str. 6. Referent F. Zimmermann: bei Iarnin, Sophie-Eharlotte-Str, 88, Referent Felix Fligg, im Lokal, Sophic-Charlottc-Sir. 78, Referent Hans Turß, im 4. Zahlabend spricht Genosse I. P, Maner, 53.«bt, 20 Uhr im„Nußbaum", Plrgenseestr. 12: Kampf um den neuen Reichstag. Referent Dr, Otto FricdlSnder, 55. Abt. 8. Gruppe Zahsabeud bei Schütz, Wallstr, 9g: Politische Lage und die Aufgaben der Arbeiterklasse, Referent Sans Marr. 9. Gruppe bei Reimer, Wilmersdorfer Str. 21 Ecke Kanalstraße: Einheitsfront. Referent Kar! Döbler. Volksfront gegen Hatler-Barone! Unsere Höchsten Partei- und Betriebsveranstaltungen: 47. Abt. Mittwoch, den 22. Juni, 20 Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 24/25, öffentliche Kundgebung „Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterklasse". Referent: Dr. Kurt Löwenstein, MdR. 8. Kreis— Spandau. Donnerstag, den 25. Zun!, 20 Uhr, in Koch's Bismarcksäle, Feldstraße 52, öffentliche Zungwählerversammlung.„Partei und Zugend". Referent: Max Westphal. Ehrich& Graeti. Dienstag, den 21. Zun!, 16,50 Uhr, bei Doeh- ling, Kiefholz- Ecke Elsenstraße.„Eiserne-Front-Versamm- lung". Referent: Hans Marx. A. E. G.— Treptow. Dienstag, den 21. Zun!, 16 Uhr, im Lokal Elsenstraße 115/116, Fraktionsversammlung mif Sympathl- sirenden.„Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Gottlieb Reese. Statistisches landesamt. Dienstag, den 21. Zun!, 20 Uhr, im „Dresdner Garten", Dresdner Straße 45, SPD.-Fraktionsver- sammlung.„Politische Lage und die Aufgaben der Arbeiterschaff". Referent: Stadtret Albert Horlitz. 57. Abt. 20 Uhr im Echillerfaal, Bismarckltr. 110. Mitgliederversammlung: Aufgaben■ der Arbeiterfäwft in der politische» Krise. Refuentin Mari« Kunert. M, d. R, 58. Abt. 20 llhr Diskusfionsadend im Rankehav«, Rankcstr, 4: Potttisch« Lag« und die Aufgaben der Arbeiterschaft. Referent Max Hesse/ 81,«it. 20 Uhr im Gesellschaftszimmer des Ratskellers Friedenau, Nicdfir, 9, Mitgliederversammlung: Politisch« Lage und die Aufgaben der Arbeiter» klalsc. Referent Dr. Fritz Eroner. 82. Abt. 20 Uhr bei Schcllhase, Ahornstr. 15», Mitgliedervcrsammlungt Kampf um den neuen Reichstag. Referent Fritz Schröder. 86.«bt, 20 Uhr in der Schulaula. Maricndorf, Königfttaßs, Mitglieder»«. iammlung: Volltische Lage und bt« Aufgaden der Atcheiterklasse. Referent Robert Bredow. 99.«it. 20 Uhr im Iugenhhcim Wlldenbrochstn, P, Kusammenkunft süngerer Pärteimirglied-r! Di: verfassungzn olittsche Siruntion. im Reich und fn Preußen. Referent Dr. Franz Nevmgnr� 96.«bt. Itj der EefcfiaE, Nagat- Ecke Ille, Straße, Zusammenkunft süngerer Parteimitglieder: Politische Lage und die Alstgaben der Arbeiterklasse. Referent Dr. Gerhard Kreyßfg. 97. Abt. gählabende In folgenden Lokalen: 99., 190. und 125. Bezirk bei Kutzki. Hermannstraß« Ecke Leinestraße. Reserent Dr. Milian Schümann. 128. und 134. Bezirk bei Gremfe, Nogat. Ecke Hermann stroße. Referent Genosse Eichberg, 129. und 139. Bezirk bei Helmle, Wartkplatz. Referent Genosse Simon Katzenstein. 131.. 132.. 133. Bezirk bei Krüger. Emser Sfr. 86. Referent Dr. Walter Groß. Thema: Der Kampf um den neuen Reichstag. 99.«bt. Im Keller Hannemannstr. 49, Zufammenkunst jüngerer ParUimit, alieder: Polittsche Lag« und Arb«ltsbefchaffunosvläne. Referent Dr. Decker. 199.«bt.«fA.Hof. Arbeitsgemeinschaft im Neu-Tivoli, Neu« Krugalle« 35: Wie gestalten wir eine erfolgreiche Wahlvropaganda? 123. Abt. 29 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Partelmitalieder. Lokal Hübner, Wilhelmstraße Ecke Bahnhofstraße: Die sozialen Verschlechterungen in der neuen Ziowerordnung. Referent Dr. I. Schtennger. 124. Abt. 20 llhr Mitgliederversammlung bei Anders. Bahnhofstr. 85/87: Pott» tisch« Lage und die Aufgaben der Arbeiterilasse. Referent Dr. Haubach. 131.«bt. 20 Uhr Zufommenfunft sstnaerer Parteimitglieder bei Zorge. Kaiser» weg 19: Kampf um den neuen Reichstag, Referent Hans Bauer. 139. Abt. 20 Ubr Mitgliederversammlung im Alten Krug, Hauvtstraße: Die Rot der Gemeinden. Referent Johannes Haß, Stodtverordnetenvorfieher. 159».«bt. 20 Uhr Elternversammlung bei Schmischi». Waidmannslust, Waid» Mannstr. 4, 140».«bt. 29 Uhr bei Heese, Reinickendorf-West, Berliner Str, 73. Mitglieder» Versammlung: Rußland und der Sozialismus. Referent Dr. Gregor Bienstock. 143.«bt. 29 Uhr hei Schmifchke. Waidmannstr. 4, veffenttlche Elternverfamm» lung. Referent Rektor Schröter. Donnerstag. ZZ. Zuni. 3.«reis. 16 Uhr an bekannter Stell« Zusammenkunft erwerbsloser Partei» nütglieder: Di« letzten Notverordnungen— politische Lag«. Referent Fritz Schmidt. 7. Krci». Bilbiingsausschuß. Sitzung im Jugendheim Rofinensir. 4. 43. Abt. 29 Uhr im Schuttheiß.Patzenhofer, Kaiserfoal, Aasenhcldc 23/31. Mit- gliederversammlung: Politische Lag« und die Aufgaben der Arbeiterklasse. Referent Dr. Julius Mos««. MdR...„. 46. uni 47.«bt. 20 Uhr jn ber Aula der 46. Gemelndeschul« Laufitzer Platz 9. Referent Rektor Walter Fischer,_,., 76.«bt. 20 Uhr bei Schmidt. Ebersstr. 18: Kampf Ilm den neuen Reichstag. Referent Georg Moderholtz, MdL. Freitag. 24. Zuni. 5. Kreis«ibeitcrdildung, schule. Führungen für Erwerbslos». Ein Studien- Spaziergang durch den Pari Friedrichshaln, Treffpunkt: Land»icrg«r Platz am A-iw. früh 8 Uhr. Lelwng Rektor Wotter. 8. Abt. 20 Uhr im Heim Genthiner Str. 17. Zusammenkunft süngerer Partei» Mitglieder: Droht ein neuer Krieg? Referent Dr. Hans Eohn. Schule Georgeukirchstraßc. Elternversammlung 20 Uhr, Bortag des Genossen Neudauer: Wählt Liste Schulaufbau. 167.«bt. 14 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Porleimitglieder Im Gemein- schastshaus Falienberg(Alter GiltShoD: Soziale oder bürgerlick« Republik. Referent Erich Wendicke. Arauenveranstattungen. 3 Kreis. Donners lag. 23. Juni. 19V> Uhr, in den Atlantiksllle», Bchm- siraße sBahnhof Gefundbrunnen): Frauen und Konsumgenossenschaft. Referent Geschaflsfübrer Genosse Böhm. 8. Kref«. Montag, 20. Juni, 20 Uhr, im Turm, immer, Ratskeller Rathaus Spandau. Potsdamer Straße: Kampf der Aibeiurschast um ihre Lebens- rechte. Rcferentln Else Stetnkühler. I. Krei», Mittwoch, 92. Juni, 16 Uhr. im Dahnhof»restaurani Wurzbacher, Bahnhof Grunewald, Wcrbevc-anstaitung. Bortrog der Genoffin Hertha (fjuttljelf. 17. Krel«. Dienstag, 21. Juni, Waldfest in der Wuhlhefd«. Zreffpunkt 14>/> Uhr Erfrischungshalle an der Planschwiese. Kalictochen. Ab 17>/- Uhr Bor- führumgen im Stobwn, R-iirarionen de» Genossen Hans Fuhrmann. Mit» Wirkung der SAI., KInderfrcunde und der FTGV.. 17. Krei«. 20. Krei». Dienstag, 21. Juni. Au»flug zum Tegeler See Näh« Forsthaus. Treffpunkt 1361 Uhr Endhaltestell» Tegel, ob 17", Uhr Kaffeiochen im Ni>jch,bannerbsot»hau» Uferstraße, 1 Liter 25 Pf. Anschließend 19 Uhr rbendort Kreinsrauenobend mit der 24, AM, zusammen Ansprach« der Genossin Susann« Räder-Großmann. Rezitationen der Genosstn Friede! 16. Abt. Montag. 20. Juni. Besichtigung der Milchwirtschaftsbetried« ber Stadt Berlin In Weißense», Siersstr. 1. Treffpunkt 5212 Uhr vor dem Sinaang. 17. Abt. Montag, 20. Juni, 15 Uhr.«affcciochen In der Walbhütt«. Plötzense«, Rorduser 22, neben dem Wassersportplatz. Rezitationen der Genosstn Elfriede Wollmann. 23.«bi. Montag. 20. Juni. 10«. Uhr. bei S-Intze,«arfusstr. 17: Unser Kamps für die Frelhett, Refcrentin Marie Knnert, MdR. 24. Adt. Dienetog. 21. Juni, Ausflug nach Tegel. Trekfpuuft zur gemeinsamen Fahr: i2>/> Uhr, Rathaus, Spandau er Straße. Die Tegeler Senoslwnen «mvarren un« um i8Ä llhr Endhaltestelle Tegel. Dann Spaziergang nach dem Walde, Spiele, Baden. Bon 17 Uhr ab Kaffeekochen im Sieichsbalmer» doolshaus Tegel. Abend« Vortrag und Rezitationen. Alle Genossinnen werden gebeten, sich restlos daran zu beteiligen. Auch die Genossinnen der anderen Abteilungen des Kreises sind herzlich eingeladen. 22». Abt. Montag, 29. Juni, 19>d Uhr. bei Wenzke, Carmen-Stzloa-Str. 51, Ecke Hosemannstraße: Heilerer Abend, Vortragende Margarete Walkotte, 44. Abt. Mittwoch, 22. Juni, Kaffekochcn im Volkspark Neukölln. Treffpunkt 15 Uhr Admiralbrückc. Nachzügler lin Volksparl. 54. Abt. Mittwoch, 22. Juni, 191/: Uhr, im Jugendheim Rosinenstr. 4: Wie diskutiere ich mit meinem Gegner? Referent Scinz Low!. 79. Abt. Mittwoch, 22. Juni, 19V> Uhr, bei Rennann, Sedanstr, 17: Unser Kamps für die Freiheit. Referentin Helene Schmitz, M. d. L. 84.«bt. Dienstag, 21. Juni, 29 Uhr, bei Lehmann, Ka>ser-W!lheIm»Str. 29/31: Kampf um die Lebensrechte der Arbeiterklasse. Referrui Dr. Milian Sckiömann. 86. Abt. Montag, 20. Juni, 14 Uhr, treffen sich die Genoffinnen zum gemein» samen Spazicraaug zur Genossin Steffen, Elmussce. Ecke Dorfsiraße, 93.«bt. Wontag. 29. Juni. I9'.a Ulzr, im Lokal Bärwinlel, Siedlung Dammweg. Steinbacksiroße: Sozialismus und Religion. Rcferentin Maria Arische. 94. Abt, Dienstag, 21. Juni, früh%8 Uhr, von der Tiiiclen-Brücke(Pamiier straße) Motorbootfahrt nach Grünkeide. Möllensee, Hin und zurück t,— Ml, 99. Abt. Bnckow. Donneistag, 23. Juni. 20 Uhr. bei Dietrich, Dorfstr. 1: Wohl. fahrtspflegc, Referent Genosse Richard Radnitz. 165. Abt. Mittwoch, 22, Juni, 29 Uhr, bei«aterbanm, Sedanstr. ,9t Wie diskutiere ich mit meinem Gegner? Referent Ernst Neumann. 108.«bt. Mittwoch. 22. Juni, Kafieefochen Sportplatz Eiche. 17 Uhr Vartta«>n> Saal. Rcferentin Marie Kuneri, MdR, Auch die anderen Abteilungen des Kreise» sind dazu eingeladen,.. 117.«bt. Zu der am LI, Juni statt findenden Kr-isveranswltung treffen fich die Genossinnen in der Hauptstt, 3 am Ardeitsbaus,,-.. 119.«bt. Die Genossinnen beteiligen sich restlos an dem graueuttefsen in der Wuhlbeib», Treffpunkt 14 llhr. Möllen dorsstraße Ecke Frankfurter Alle« an: 122».�««.� Der' für den 21. Juni angesetzte Frauenabend fällt wegen de» Kreis» waidsestes in der Buhlheide am gleichen Tage aus. Dir Genossinnen beteiligen sich Hiera» restlos,,... 129.«bt. Dienstag, 21. Juni, 19y. Uhr, im Türfischen Zeli. Breite Str. 14, Frauen im Kamps gegen die Roi, Referentin Eise u:leinfühler. 138,«bt. Dienstag. 21. Juni, Treffpunkt zum Krnsausslug 1-�> Uhr. Kaiser» platz. Näheres siehe Kreisnottz, Bezirksausschuß für Sozialistische Bildungsarbeil. spart Stadion zu haben..._., � Treptow'Gternwarte. Eintrittskarten zu Vorzugspreisen: zum Museum statt 50 Pf, 35 Pf., zum Vortrag: Saal l. bis 6. Reihe statt 59 Pf. 4« Ps., 7. bis 20. Reihe statt 79 Pf. 50 Ps,. Balkon 1. bis 3, Reihe statt lr- Mt, 60 Pf., Beobachtung mit dem großen Fernrohr statt 1.— M, 65 Ps,— Aus dein Programm:„Die Wunderwelt der Sternbaufen",„Der sonnige Harz und lachende» Leben",„Das Geheimnis der Rebeiwelten",„Norwegen, Island und Spitzbergen".„Amerika von heute",„Die heiligen drei Brunuen" Planetarium am Zaa. Vorzugskareen zum-preise von 69 P>. Bezirksausschuß für Arbeilerwohlfahrk. 5. Krei» Fricdrichshain. Arbeitern'ohlfahrt.<5ic morgen, 29. Juni, um 14ZH Uhr angesetzte Vrsichttauna des Hauses Kinderschutz Zehlcndorf muß um» stände halber ausfallen. Näheres wird später d-kanntgegeben, 136.«bt. Donnerstag. 23, Juni, pünktlich 20 Uhr. im Jugendheim, Lindauer Straße. Sitzung der Ardeiierwohlfahrt, Sozialistische Studentenschast Berlin. Montag. 20. Juni, 20 Uhr. im Bund. Albrechtstr. 11. Gth. 2 Tr. Redner kursus, Leitung Genosse Groß. Alittwoch, 22. Juni. Auospraäloabend mit Ge Nossen Dr. Speier über: Die sozialen Voraussetzungen des bisiorlschen Malerin lismus. 29 Uhr im Bund. Donnersiag,. 23. Juni, Ardeiisgemeinichaft übe. Sozialisierunasvroblcm. Leitung Gsuassc Prof. Dr. E. Lcdercr. 20 Uhr im Juno Sonnlag, 26/ Juni, Alle Genossen beteiligen sich am Rast. Treffpunkl wird noch angegeben. Sonntag.-3. Juli. Dampferfahrt nach Wollersdorfer Schleuse, Teilnehmerkarten für 1,10 M. bei den Funktionären und im Bund. Arbeitsgemeinschaft der kindersreunde Grosz-Berlin. Die„Sozialistisch- Erziehung" ist-bzuholc». 1. Krei, Mitte. Am Montaa, 20. Juni, 20 Uhr. Im Jugendheim Elisabethkirchstr. 19. Kreishelfervexsammlung. Fragebogen Mit. -______ �...... fesÄ" D/s'f4T iynY dringen. Jungs-Letz, die mit ind Zeltlager fahren, treffen sich MM Montag um 18 Uhr Im S>«-n!chclvi Elisaheihkirchslr. 19, Dl- R-tt- '.stttl.Semeinschaft mit Alfred Roack' ebenfalls Montag 18 Uhr JUS'»»!'«'« �ltt abelhkirckftr. 19. «ebdma- Am Donnereiaa, 23. Juni, kovimen alle ZeltlagerteUnehwer zum Wassersportplatz Plötzensee. Tr-sspunll 16 Uhr S-estr-ße. an der Hochichu!- brauereu Gesundheftsbozen find ausgefüllt mitzubringen, Badezeug vergessen. Bei Regenwetter im Jug-ndheim See» Eck- Zuriner Straße. Sprech. stunde für alle Lagerangelegenheiten Dienstag und Freitag von 16—18 Uhr beim Kreisleiter Otto Rietzner, Brüsseler Str. 39. »renzbera: Unser« Hclferkahrt fällt aus. Die Lagergenicinschasien tagen wie folgt: Alle Roten Falken, die am Uedersee-Lager teilnehmen, ireffen fia! Mittwoch 18 Uhr im Seim Wasscriorstr. l. Alle Jungfalkcn l,' Uhr Urban. straße 167. All- N-sifalken, die eine Woche ws Lager gehen, fteftcn sich M>" woch 17 Uhr Wasscriorfir. 4. Nesifalken, die noch Blankensee gehen, tresteu fich Mittwoch 17 Uhr Berckslr. 11. Alle Helfer, di, mit in die Lager gehen, nchmru an den Lagerqcmeinschasten teil.. Eh-rlott-nbura: Donnerstag, 23, Juni. Elicrilv-rsammlung der Jung, und Roten Falken lOZH Uhr im Heim Rosinenstr. 4. Kommen aller Eltern dringend erwünscht._. Steglitz. Abt. Albrechtstraß-: Dienstag l? Uhr Aibrechistr, 47.„Bedelttung unserer Sonnenwende."— Abi. Fricsenstraßc: Mittwoch I? Uhr Schule Friesen � straße.—«bk. Sichirrfeli«: oberrealschnlc Ringstr. 3. 17 Uhr. Mittwoch ,Foii sctzung.„Erfie Hilfe." Freitag Brettspiele. Sonntagsfahri muß des Regenwetters wegen ausfallen.— Abt. Lankwitz: Schule Schulstraße, 17 Uhr. Dien». tag:..Warum Kindersreunbe?" Donnerstag: Besprechung Juliprogramni. Neukölln: Wir veranstalten eine Zcitlaacrwerbeseler am Donnersiag, 23. Juni, 29 llhr. im Saalbau Bergstraße. Eintritt 29 und 50 Ps. Die Ge nasfinnen, die Turnhosen genäht haben, werden gebeten, diese in der Baracke abzuliefern.— Nestsattenhclfer: Zusammenkunft Montag 18 Uhr Baracke.— Zeltlagerhelfer: Montag I9>, Uhr ebenda. Die Tcilnehmerlisten find mitzubringen. 17.»reis Lichtenberg. Maniaa, 20. Juni, Helfersitzuna in der Bibliothek Weichselstraße. Alle Zcltlaaeranmeldungen mitbringen. Am Dienstag, 21. Jun,. beteiligen wir un« oeschlosse» am Kreis.Fraucntresfen Im Bolkepari Wuhlheide, — Mählsbors: Treffpunkt zum Fraueniressen in der Wuhlheide um 15>� Uhr an der Autobushaltestelle Hönower Straße. Hohenschönhausen: Montag, 20. Juni, von 17—19 Uhr Spielen in der' Dingelstädter Straße, 20. Kreis Reinickendorf: Die Meldebogen für das Feltlagcr für Falken und Helfer find umgehend in Wittenau, Am Hügel 7, abzugeben, Grüna»: Elternversammlung am Montag. 29. Juni, 19Zä Uhr. im Jugend- heim des Gemeinschaftshauses Fallenderg. Tagesordnung: 1. Bericht von den Pfingstfahrteu. 2. Aussprache. 3. Verschiedenes. Abonniert die Zeitung der Aand- und �ovfardeiter! Ich abonniere die volle Ausgabe des„V vrwärts",/ zweimal täglich frei ins Haus zum Preise von 3,23 Mk. pro; Monat(pro Woche 75 Pf.) Ich abonniere den„Sonntag-Vorwärts" zum< Preis« von 53 Pf. pro Monat. (Nichizutresfendes ist zu durchstreichen.) Name: Wohnung: ——-—-Slkotze Nr.. vorn bei. Hof— Quergeb.-t» Seitenfl.— Tr. links— rechts Ausfüllen und eiujenden an den Verlag des„vorwärts" Berlin Sw öS. Lindeuslrafje 3. DAMEN-KLEIDUNG Damen-Westen reine Wolle.mod..._ kurze Form, in vielen Farben... Stück 4,01/ Damen-Blusen eleg. Ausführg., m. Punktsticberei, Stück 7,0� Sportmäntel hell gemustert, mit n-7C Metallknöpfen................... Stück 9,/ 5 Morgenröcke waschcrtpe, in. japanischen Mustern, Kimono, Stück Ö/VU n iii, lürKnaben u.Mädchen. KOIIDIUSenmit kleinen Aermeln. � c weiss u. larbig, Gr. 7—10 1,50, Gr. 1—6 I ,4� Knaben-Waschhosen ans kleinkariert. 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Jemand rüttelte mich an den Schultern, immer schneller, immer schmerzhaster, bis ich endlich aufwachte. Da hörte ich auch schan das dröhnende Raubtiergebrüll der Sirenen und die gellenden Feuria-Rufe, da brauchte der Pensicrnsälteste, der mich geweckt hatte, nichts mehr zu erklären: es brannte... ich suchte im unklaren Lichte der Petroleumlampe nach meiner Uniform, denn ich gehörte der Schülerseuerwehr an, ich fand, während ich Beil und Leine umhing und den Helm festband, noch Zeit für einen raschen Blick auf Kalender und Uhr: siebenter März, sechs Uhr früh, ich sah, als ich aus dem Hause stürzte, hinter dem Aeltesten her, den Korb mit dem brennenden Pech vom Kirchturm her lodern, Richtung Norden, also Richtung Seminar— aber Unsinn, da lagen mehr Häuser, irgendein alter Ueberzieher vermutlich, der an irgendwas Feuer gefangen hatte... Erst im Torkeln über das Glatteis fand ich die Erklärung für den dumpfen, traurigen Druck, der die ganze Zeit hindurch meine Erregung gedämpft hatte: richtig, ich sollte ja entlassen werden... raussliegen.. heute oder morgen... der letzte Sonntag... der harmlose Ausflug mit Anna... auch getanzt, ja... gesehen worden... dieser Tage Konferenz... Ergebnis, da ich erst sech- zehn alt, nicht zweifelhaft.. Immer lauter, näher, gellender und dröhnender die Nebelhörner, die Rufe, immer mehr Miteilende neben mir, kurze Zurufe:„Morjn, Mostar... haste jehört, soll der Kästen brennä.. Blödsinn, son Schwein gibts jarnich... hahahoho.." Da liegt schon vor uns, grau entragend der weihen Vorgarten- fläche, der„Kasten": das königlich preußische Lehrerseminar. Rechts hinter der Turnhalle ist am Geräteschuppen die Sammelstelle: wir wollen schon einbiegen, werfen noch rasch einen Blick nach links, bleiben stehn, offenen Munds: wahrhaftig, Flammenfpiralen, Rauch- ballen aus splitternden Fenstern, wirre Rufe von Menschen über fast zärtlichem Knistern des Feuers: das Seminar brennt! Nun es Tatsache ist, versinkt jede Neigung zu Witzen, jede groß- mäulig schülerhafte Freude. Wir hängen alle an dem Gebäude, es ist ein altes Schloß der Herzöge von Sachsen, wunderschöne italieäi- sche Stukkaturen, edle Rokokosront, Deckengemälde von Friedrich des Großen Hofmaler Antoine Pesne— und gerade der linke Flügel brennt, der all diese Schätze in zwei Sälen birgt, in Aula und Speisesaal. Wenn man nur nicht rausfliegen-- „Alles ran! Ledereimer holen, Wasser aus der Elbe her! Brunnen durchgefroren, Saugrohr gebrochen! Die Steiger repa- deren!" Also reparieren... das schwere, schmierige Eisen geht durch die eben noch frostklamme Hand, Zangen, Schraubenschlüssel, Häm- mer— endlicht Dran an den Schlauch, rennen mit dem Schlauch hinüber zum toten Arm der Elbe, Hiebe mit den Beilen aufs Eis, Eintauchen ins endlich entstandene Loch— Pfeifenfignale hinüber zum Schloß, asthmatisches Seufzen der alten Pumpe, an deren beiden Holmen je zehn Seminaristen hängen, rhythmisches Rufen: ho— lupp. ho— lupp, und endlich, endlich, endlich— Wasser! Zunächst pumpe ich mit: und da kommen die Gedanken wieder, sie fluten auf und ab in mir im schnellen Hinundher der pumpenden Arme:„Wenn du rausfliegst— was dann? Daß du rausfliegst— ist. klar. Und dein Vater— ist herzkrank. Deine Karriere— verpfuscht" Inzwischen hat der Vorhof sich mit Menschen gefüllt, ist auch die städtische Feuerwehr da, haben sich die Fenster, aus denen die roten Säbel zucken, um einige vermehrt, und das Knistern ist lauter geworden, und manchmal dröhnts. Es find nun genug andere zum Pumpen da, wir Feuerwehrleute müssen, nein, dürfen hinein. Der Seminardirektor ist auch drin im Gebäude, er gibt sinnlose Anord- nungen, die ich sklavisch befolge: ich hoffe, ihm aufzufallen, einen wohlwollenden Blick von ihm zu erhaschen Ich bin bei denen, die eine wertvolle Urkunde retten von schon brennender Wand, auch bei denen, die, als sie den Flügel holen wollen, jäh vor einem lodernden Loch stehen, in das der Flügel klirrend und jammernd hineinbrach. Es ist umsonst, der Direktor bemerkt mich nicht unter den andern. Es ist berechnendes Heldentum, das wird er merken, das wird meine Lage höchstens verschlechtern... Inzwischen sind es drei Schlauchmündungen geworden, aus denen das Wasser gegen das Feuer zischt: eine davon übernehme ich. Die Flammen biegen sich unter den Peitschenschlägen des Wassers, manchmal werden sie mittendurchgeschnitten, aber daneben wachsen sie wieder zusammen. Es ist zu viel Holz im Gebäude, altes Holz, es ist nicht viel zu machen. Schade, daß es der Saal- flügel ist, nicht der Hauptbau, in dem die häßlichen Klassenzimmer sind und— und die Konserenzzimmer... Sieben Stimmen sind». Auf Doktorchen und auf den alten Schmus könnte ich ja vielleicht rechnen.- Die mögen mich gern und haben noch eine Ahnung davon, was Jungsein heißt, und daß es noch keine Sittenverderbnis ist, wenn man Sonntags mit der blonden Anna ein bißchen tanzen geht. Hupp— links den Strahl, sonst greift die kleine, niederträchtige FlammS da übers Nach zwei Stunden werde ich abgelöst. Die Treppen sind voll- kommen vereist, ich rutsche sie hinunter. Als ich unten ankomme, klopft mir jemand freundschaftlich aus die Schulter: der alte Schmus. Sein gutes, siebzigjähriges Gesicht lächelt in mein verschmiertes, ver- ängstetes.„Gut so, brav so. liebsten Mostar..." Vielleicht, wenn ich ihn jetzt bitte, bei der Konferenz-- ein gutes Wort für mich— Da kommt Henschke, der die zweite Schlauchleitung versah, die Treppe herab: da legt Schmus auch ihm die Hand auf die Schulter, wie mir, und sagt ihm dasselbe Lob wie mir: da ziehe ich gesenkten Kopfes ab, vorbei am Direktor, der an mir vorbeisieht: da lasse ich das Essen stehn, das man mir anbietet... Die zwei Stunden der Ruhe sind furchtbar. Die Gedanken mah- len schwerfällig schmerzend. Freilich, wer so seine vierzig Jahre in den gleichen Räumen unterrichtet, wie der alte Schmus— was ist dem der eine, der aus diesen Räumen hinausfliegt? Verdientermaßen noch dazu, verdientermaßen nach Pen nun einmal geltenden Bestim- münzen? Und doch, was heißt das für einen solchen, was heißt das für mich.. hinausfliegen... wie furchtbar... ins Wasser zehn...? Oder... gleich in die Flammen...? Quatsch mit Soße, Mensch, Fremdenlegion gibt ooch noch.. bloß der alte Herr, der alte Herr mit dem Herzknacks! Ob ich dem Kollegium die Gedichte vorlege, die ich für Anna gemacht habe? Damit sie sehn, wie... wie rein meine Gefühle sind...? Unsinn, die werden das grade sehn, die sind angesteckt vom widerlichen Grau ihrer Schulzimmer, die natürlich nicht abbrennen. Warum eigentlich nicht? Warum ver- brennt immer gerade das Schöne..? Eine unmäßige Wut steigt in mir hoch gegen diese Klassen, die nicht verbrennen wollen. Wie ich wieder auf den Hof trete, erkenne ich deutlich, daß vom Saalflügel nichts mehr zu retten fein wird: das Feuer hat im untersten Stock begonnen, das war das Schlimme: schon brannte der zweite Stock, nur die massive Steindecke unter dem dritten, wo die fünf Uebungsorgeln standen, hielt noch— wie lange? Ich kam am alten Schmus vorbei, er sah mich an, schüttelte langsam den schönen Greisenkopf und sagte:„Traurig, liebsten Mostar, tief- traurig!" Aber ich wußte, daß er die toten Mauern des Seminars meinte und nicht meine lebendige, in Angst wimmernde Seele, und haßte ihn darum. Wieder stehe ich auf meinem Posten, der inzwischen um nichts leichter wurde. Zuweilen verdeckt Qualm, jäh aufbauschend von unten, jede Sicht, beißt in den Augen, macht die Lunge röcheln. Ich stelle mich neben ein Fenster, der eisige Wind beißt mir ins Ohr, aber es dauert nicht lange, dann empfindet das Ohr nichts mehr— laß abfrieren in Gottes Namen, wenn ich nur atmen kann! Wenn man, hols der Deibel, auch nicht weiß, wozu... wenn auch fon bißchen Ersticken und Drübensein ganz nett wäre... netter als hier, wo man mit all seinem bißchen Glück abhängig ist von einem Vermerk in den Akten:„Der Anstalt verwiesen..." Akten! Das Wort dröhnt in meinen Ohren wie ein Schlag. Blitz- Haft, steht vor mir der Plan des Gebäudes. Wo der Hauptbau mit den Klassenzimmern an den brennenden Saalflügel stößt: genau da stehe ich. Und ich habe den zweiten Stock dieses Hauptbaues vor einem Uebergreifen der Flammen zu schützen. Wenn mir das— gesetzt den Fall— wenn mir das— etwa— nicht gelänge: dann würde vom Hauptbau zunächst ein schmaler Korridor brennen, und dann — die Aktenkammer, und dann— das Zimmer des Direktors, und dann— das Konferenzzimmer... In mir wehrt sich alles gegen mein denkendes Hirn. Mein beste- rer Wille veranlaßt meine Hände, den Wasserstrahl mit verdoppelter Aufmerksamkeit zu führen. Meine Augen verfolgen jede vorwitzige Flamme wie Erinnyen. Aber mein Hirn— mein Hirn macht nicht mit. Es zeigt mir. daß der schöne Teil dieses Gebäudes doch schon dahin ist: unwiderruflich dahin. Daß Werte mit den häßlichen Klassenzimmern nicht verloren gehen. Niemand wird geschädigt sein. Man wird wieder aufbauen, hier oder woanders, und man wird schöner bauen und moderner. Dann wird wieder Unterricht sein wie vorher: aber meine Untat und meine Strafe werden vielleicht— werden gewiß— müssen, müssen vergessen sein! Meine Hände beginnen zu zittern. Meine Augen sehen roten Dunst, der nicht nur von den Flammen unter mir kommt. Mein Herz schlägt in tollem Wirbel meines Denkens. Mein Verstand schafft sich Entschuldigungen. Die Menschen, denen diese Räume vielleicht Heimat sind, sind meine Feinde geworden, wollen meine Zukunft zerstören, zehn mich nichts an. Vom schönen Teil des Schlosses sind nur noch die alten, häßlich klingenden Uebungsorgeln da. Wenn ich den Strahl von der massiven Decke wegnehme, wird sie vielleicht, wird sie gewiß zusammenbrechen. Dann sind die Orgeln hin: um die ists nicht schade: das sind tote Dinge: aber ich lebe, und ich bin dadurch gerettet. Denn die Brandmauer muß mitstürzen beim Fall der Decke, und der Weg in den Hauptbau ist für die Flammen frei: der Weg zu den Klaffen, den Konferenzzimmern, den Akten... Ich atme tief auf, und ich bete— wahrhaftig, ich bete ein Stoß- gebet um Segen für dies Verbrechen— ich nehme den Wasserstrahl von der gefährdeten Decke weg und richte ihn gegen eine gleich- gültige Wand— und ich schaue zum Fenster hinaus auf den Hof, ich wage nicht hinzusehen, nein, das nicht, das wage ich nicht: mag da hinter mir geschehen, was will— ich habe es nicht gesehen. Ich — habe es nicht— gesehen— Herr— Direktor... Ich weiß nicht, wie lange ich so stehe. Wie lange ich den Qualm- gebilden zusehe, die in verschwommenem Wechsel vor dem Fenster vorbeiwehen. Manche wälzen sich schwer dahin wie Vorwelttiere, andere flattern leicht vorbei wie Vögel. Dazwischen sind manchmal Lücken, dann sieht man einen Ausschnitt des Hofes: zuweilen das Lehrerkollegium, das auf einem Platz versammelt steht und zum Dachstuhl hinaufblickt, zuweilen den alten Schmus, der sich abseits hält, zuweilen eine der Pumpen, an denen sie fieberhaft arbeiten. Es ist dunkel geworden, viele kleine Fackeln erhellen den Hof und die eine große, die ich auslöschen soll... Ein dröhnender Donner reißt meinen Kopf herum, ehe ich mich selbst daran hindern kann. Und ich sehe eine prasselnde Wolke Schutt stürzen in die lodernde Tiefe, so schwer, so groß, daß sie für einen Augenblick die Flammen erstickt: dann aber rasen sie wieder auf, auf in den Dachstuhl— denn die massive Decke ist eingestürzt... ist unter den Spieltischen der Orgeln weggesunken, die metallenen Prospektpfeifen glühen rot im Widerschein des Feuers, bald wird auch unter ihnen hohler Raum fein, bald werden auch sie brennend hinuntersausen... Aus schrägen Augenwinkeln, ganz scheu, blicke ich zur Brand- mauer— auch von ihr ist ein großes Dreieck abgebrochen, die Flam- men lecken hinüber zur Aktenkammer. Ich wende mich um, das Antlitz zugewandt diesem Dreieck: ich stelle mich meiner Tat. Ich richte. den Strahl aus diese Stelle und überzeuge mich, daß das umsonst ist. Der Strahl ist zu dünn, die Flamme zu stark. Wenn der Hauptbau gerettet werden soll, muß ich meinen Posten verlassen und alle Schläuche auf diese Stelle ein- wirken lassen. Aber ich verlasse meinen Posten nicht. Ich werde zu allem andern noch ein Lob dafür einheimsen, daß ich bis zuletzt auf meinem Posten ausgeharrt habe. Und ich lache laut und gellend in die Flammen... immer lauter, immer gellender, es hallt wider von den brennenden Wänden, es klingt wie ein zitterndes, hysterisch seufzendes Wimmern— ist das überhaupt noch mein Lachen, mein Wimmern, es wird so laut, so übermenschlich laut: ich schließe mir mit der einen Hand gewaltsam den Mund, aber es lacht weiter, es wimmert, dröhnt, gellt, heult immer, immer weiter— woher, woher um Himmels willen... Meine Augen suchen Rettung, irren hinunter zum Hof, der Qualm gibt endlich einen Ausschnitt frei, in den ich mich verbeiße mit hungrigen Blicken: es ist der Platz des Lehrerkollegiums, viele von ihnen weisen mit den Fingern nach oben— auf mich...? Nein, gottlob, über mich hinweg, auf die Orgeln— und da weiß ich mit einemmal: die Orgeln sind das, die da schreien, die mich an-. schreien, ich begreife sprunghaft: die heiße Luft hat sie erreicht, wie 9iuri Stöbert Tleubert: Arbeiterinnen am See... Am Wasser standen blasse Frauen... Von ihren Schultern nahmen sie die Bürden, Um furchtsam in den Wald zu schauen, Ob etwa Fremde kommen würden.... Sie fingen an, sich hastig zu entkleiden, Indes die Alten bei den Körben ruhten. Sie traten leuchtend aus dem Schutz der Weiden In die bewegten, morgenklaren Fluten. Sie gingen still mit Augen von Verträumten, Und lauschten wie aus ferne, ferne Grüße, Als Wellen sanft um ihre Glieder schäumten. Sie setzten immer weiter ihre nackten Füße— Indes die Alten mahnten, sich zu hüten— Bis nur die Brüste noch wie märchensüße Seerosen auf dem Wasserspiegel blühten... Die Alten hockten still am Strande Und sprachen über diese schweren Zeiten. Sie rechneten die Preise nach im Sande, Gerieten hier und da ins Streiten. Die Schultern schmerzten noch von ihren Lasten. Sie streckten sich und strichen ihre Haare, Die windzerwehten, aus der Stirn. Sie haßten Jetzt dumpf die Körbe mit der Ware. Sie schwiegen, aber bittere Gedanken Sich in die trüben Herzen krallten. Sie litten stumm und sahen regungslos den schlanken. Noch jungen Frauen zu, den badenden Gestalten... Wie Nixen, die aus Zauberreichen stiegen, So sah man sie»dem See entwallen. Das war ein schönes Schreiten, Leuchten, Wiegen. Sie fanden an sich selbst Gefallen. Die Alten zitterten beim Näherkommen Der Hüllenlosen, deren Traum sie kannten. Sie schämten sich und sannen wohl beklommen Entschwundnen Sommern nach, wo sie noch brannten... Die Mädchen traten, leicht und schön die Schritte, Von ihrer Jugend königlich getragen, Mit scheuem Scherz in die verstummte Mitte, Wie Götterbildnisse aus Griechentagen. Da sahn sie scharf auf jeder Stirne Falten. Da fanden sie, was sie noch niemals fanden. Den Herbst, den Tod schon an den Alten, Daß sie erschrocken, fremd vor ihnen standen. Die Alten ahnten, was sie so erschüttern, Erschrecken ließ, sie lächelten zerschlagen. Nun wußten sie von ihren eignen Müttern, Wohin sie ihre Schönheit werden tragen... * Noch nie war ihnen ihre Jugend so bewußt. Sie fühlten: Wir sind herrlich junge Weiber! Sie hüllten, namenloses Bangen in der Brust, In bunte Tuche ihr« schönen Leiber. Sa drückten niemals noch die schweren Lasten, Als sie dann wieder weiter wallten, Den Mauern zu, wo ihre Wangen blaßten Und ihre Haare grauten, wie den Wen... unmn SMYRNA-VELOUß BOUCLE TOURNAY-VELOUß aus bester Kornrngamwolte reinesHoargorn reine Wolle, Ptrser-HustermFronse mmm iw mmm m?m mmm Ptwkh. aus einem gewaltigen Blasebalg strSmt sie in die Pfeifen, und die Orgeln spielen mit vollem Werk, ein übermenschlicher Organist ent- zwingt ihnen ihr grauenhaft majestätisches Sterbelied, ein Organist, den ich, ich gerufen habe... wieder beginne ich zu lachen, es ist umsonst, die Orgeln sind lauter, da schreie ich, schreie aus voller, schmerzender Lunge, aber auch das ist klägliches Lallen gegen die hundertstimmig brüllenden und brausenden Orgeln... Da schweige ich, beiße die Lippen fest aufeinander. Mögen sie zittern, diese feigen Lippen: ich weiche nicht. Jetzt nicht mehr. In breiter Front schon fallen die Flammen durch das Loch in der Brandmauer den Hauptbau an Es wird heiß um mich, aber ich werde noch eine Weile aushalten. Dann, wenn es zu spät ist, werde ich Hilfe holen. Ich halte aus, denn was ich tue, tue ich niemandem zu Leide; tue ich nur mir zur Rettung. Mögen die Lippen zittern, das Herz jagen, die Orgeln heulen— ich halte aus. Aber endlich— endlich einmal könnten die Orgeln schon hin- unterstürzen und stumm werden. Wie lange sie sich halten und mich anheulen... Ich sehe wieder zum Hos hinunter. Der Rauch vorm Fenster ist so dicht und dick geworden, daß nur selten noch eine Lücke bleibt. Ich mutz lange warten, lange in das wirre Gewoge starren, das mich nicht ablenkt, und das mich quält. Endlich aber wird ein Flecklein frei, ich sehe hinunter— sehe genau— und beginne zu zittern: Drunten, abseits von den andern, steht der alte Schmus, hat die bebenden Greisenhände flach vor die Augen gelegt, und seine gebeugten Schultern zucken: der alte Schmus weint! Wirklich, er weint, weint mit seinen Orgeln, weint um die Heimat seiner siebzig Lebensjahre und seiner vierzig Wirkensjahre... Längst hat sich wieder Dunst zwischen ihn da unten und mich hier oben geschoben, aber ich sehe ihn immer noch, es ist das erstemal, daß ich einen so alten Mann weinen sehe, und weinen machen habe ihn— ich... Seine Heimat habe ich ihm zerstört, ein Viertel schon zerstört, der ganze Rest wird folgen, er wird noch viel zu weinen haben... „Nein!" schreie ich plötzlich in meinen Zynismus hinein aus einer tieferen Tiefe meines Innern,„nein!" Ich lege in rasender Elle den Schlauch so, daß der Strahl auch ohne meine haltende Hand die Richtung aufs Feuer wahrt, ich stolpere durch die dunklen Zim- mer der Treppe zu, ich rutsche diese vereiste Treppe hinunter ohne Rücksicht auf meine Knochen, ich schlage mir an einem Balken die Stirn blutig— aber ich bin schließlich unten, sehe ein paar Käme- raden auf mich zu eilen, schreie mit einer Stimme, so tonlos und doch so gellend, wie ich selbst sie noch nie gehört habe: „Rauf! Alle Wasser rauf zu mir! Das Feuer greift über! Rau- f!* Pfeifen, Rufen... vier, fünf Schlauchmündungen stechen aus dem Dunkel auf mich zu, folgen mir. der ich die Treppe wieder hin- aufklimme, die dunklen Zimmer wieder durchtaste, richten mit mir ihre schimmernden Klingen aus Wasser gegen die roten Soldaten, die durch die Bresche der Brandmauer springen, haun sie entzwei, schlagen sie langsam, langsam zurück... Als die brennende Mauer nur noch stinkende, schwarze Fläche ist, hört mit einem fürchterlichen, sich in tausend Tönen noch einmal bäumenden Schrei das Totenlied der Orgeln auf, ein Gewirr blin- kenden Metalls und sprühenden Holzes zischt in die Tiefe, dröhnt unten auf, kollert lange nach, als fielen riesige Schollen auf einen gewaltigen Sarg... dann naht eine Stille, eine unfaßliche Stille — das Ohr oermag das Knistern der Flammen noch nicht wieder zu hören. Jemand faßt mich an der Schulter, nimmt meine Hände vom Schlauch: ich werde abgelöst. Langsam, mühsam trotte ich die Stuben durch, gleite die Treppen hinunter: ich bin nichts als müde, hilflos und erinnerungslos müde. Unten erwartet mich einer:„Zum Alten kommen!" Ich folge ihm wortlos, hirnlos, ich weiß kaum, was ge- schieht. Der Direktor steht neben dem alten Schmus und stützt ihn: er grüßt mich, indem er den Hut zieht, und sagt mit seiner scharfen Stimme:„Sie haben das Seminar gerettet. Einstweilen danke ich Ihnen. Ich versichere Sie, daß man Ihnen das nicht vergessen wird; jetzt können Sie nach Hause gehen: schlafen Sie sich aus!" Der alte Schmus lächelt mir mit den Augen zu, in denen noch das Weinen ist, und lallt:„Brav, liebsten Mostar, sehr brav..." Ich bin so sehr müde: darum gibt es mir nur einen kleinen, schmerzhaften Stich der Scham: aber den überbraust die jubelnde Wucht der Freude. Ich gehe durch die Finsternis noch Hause: in meinen Schlaf loht noch eine kurze Weile das brennende Seminar und die heulenden Orgeln hallen hinein; dann aber ist weiches, samtenes Dunkel und streichelnde Stille und guter, schöner Schlummer. 3)er Nordpol liegt bei fflollymood. Ton A.£. Woodridge Otollywoo'd) Die Filmproduzenten sind der Ansicht, daß sie sich in Hollywood einen weit besser aussehenden Nordpol als den wirklichen her- stellen können. Um einen von Affen, Flußpferden, Riesenschlangen, Krokodilen und anderen Dschungeltieren bevölkerten Urwald zu filmen, müssen die Regisseure schon lange nicht mehr nach Afrika reisen. Die Hollywooder Wüste Sahara übertrifft die echte noch an Trostlosigkeit, und der Amazonenstrom und der Nil sehen schließlich auch nicht anders aus als der Sacramento, Kaliforniens träge dahinfließender Hauptftrom. Diese Meinung der Maßgebenden von Hollywood soll nun aus ihre Richtigkeit untersucht werden. Die Universal-Filmgesellschast rüstet eine Filmexpedition nach Grönland unter Führung Dr. Arnold Francks aus, die im Scheine des Nordlichtes einen Film„Eis- berg" aufnehmen soll. Die Metro-Goidwyn-Mayer-Produklions- gesellschoft entsendet ihren Regisseur W. S. van Dyke in die Arktis, von wo er Aufnahmen zu einem Spielfilm„Eskimo" mitbringen soll. Unter dem Eindruck dieser beiden Unternehmungen stellt man sich in Hollywood allseits die Frage:„Werden diese echten Polar- aufnahmen besser als die früheren künstlichen und auch nur halb- wegs so scharf sein wie die unter der Sonne Kalisorniens auf- genommenen?" Der Film„Helden der Lüfte", der einen aufregenden Flug zum Südpol über ganze Kontingents von Schnee und Eis und erbitterte Kämpfe mit wütenden Schneestürmen zeigte, wurde in der Haupt- fache auf dem Flugfelde von Arcadia in Kalifornien, 24 Kilometer von Los Angeles entfernt, und bei einer Hitze von etwa 35 Grad Celsius aufgenommen. Jack Holt, Ralph Graves, Fay Wray und die anderen Schauspieler waren in schwere Pelze gekleidet, so daß ihnen der Schweiß in die Stiefel strömte. Eis, Schnee und Schnee- stürme waren künstlich. Und doch bebten, als der Film aufgeführt wurde, die Zuschauer förmlich vor Kälte, als die in- glühender Sommerhitze aufgenommenen Szenen aus einer Schnee- und Eis- wüste an ihnen vorübsrrollten. Charlie Chaplins„Goldrausch", der in der Schneeland- schaft Alaskas zur Zeit der ersten Goldfunde spielt, wurde zum größten Teil auf Chaplins Besitzung in der La Brea Avenue in Hollywood ausgenommen. Die zu Tode erschöpften Männer, die, ihre Schlitten mit ihrem Hab und Gut hinter sich herziehend, über endlose Schneepsade taumelten und eisbedeckte Bergpässe erklommen, entfernten sich in Wirklichkeit nicht ran einer Hollywooder Szenerie, die nicht ausgedehnter als ein Häuserblock war. Der Dschungelsilm„Borne o"— etwa 3lX> Meter Film ausgenommen— wurde auf einem Hollywooder Grundstück der Universal, das in einen künstlichen, von einem Hydranten be- wässerten Sumpf umgewandelt worden war, ausgenommen. Die „Krokodile" waren Alligatoren aus einer Alligatorenfarm in Los Angelos. Der Film„T r a d e r Horn" wurde zum Teil in Mombasa in Afrika ausgenommen. Die meisten Szenen wurden zwar dort ge- dreht, aber gerade die dramatischesten Teile entstanden in einem künstlichen Dschungel in Hollywood, während die Abenteuer mit wilden Tieren zum großen Teil in einem Corral nahe der merikani- schen Grenze gefilmt wurden, wohin man die Tiere aus einem Zoologischen Garten in Los Angeles gebracht hatte.„T a r z a n, der Affenmensch"(ein neuer Afrika-Abenteuerfilm mit Jonny Weißmüller in der Hauptrolle) wurde im wesentlichen am Tolucasee, nördlich von Hollywood, aufgenommen. Wer diese Filme gesehen hat, der wird sich fragen, ob sie unter allen Umständen gewonnen hätten, wären sie in Alaska, in der Ant- orktis, im afrikanischen Urwald und nicht in Hollywood aufgenommen worden. Die Antwort ist zumindest zweifelhaft. Bor einigen Wochen kehrte der Regisseur King Bidor mit seinen Schauspielern, darunter auch Dolores del Rio, aus Hawai zurück, wo sie den Film„Paradiesvogel" gedreht hatten. Bald entdeckte er, daß noch einige zusätzliche Szenen gedreht und andere nochmals auf- genommen werden mutzten. Kehrten nun die Filmleute etwa zu diesem Zwecke nach Hawai zurück? Sie dachten gar nicht daran. Sie begaben sich auf die Catalinainsel an der südkalifornischen Küste und wenn der Film aufgeführt werden wird, dann wird wohl kein Zuschauer in der Lage sein anzugeben, welcher Teil auf Hawai und welcher in Kalifornien aufgenommen worden ist. Viele Leute vertreten bereits heute die Ansicht, daß Polarland- schasten, afrikanische Urwälder und Sandwüsten für Filmzwecke „naturechter" als in der Natur in Hollywood aufgenommen werden können. Die beiden Polarexpeditionen in der„Universal" und der „Metro-Goldwyn-Mayer" werden zur Klärung der Frage bei- zutragen haben: natürliche oder künstliche zzilmlandschan? (■Jluiorifiettc Uebersetzung oon Leo Korten.) tridi Toto: Wem Schneider geht Stempeln Der alltägliche, allstündliche Bankrott eines kleinen Gefchäits- mannes, wie anders nimmt er sich im Leben aus� als in einer Zei- tung. Er war so aufgeregt, jedenfalls, mein«chneider, als ich, um mich aufbügeln und ein b-hchen zufamniensticken zu lassen, zu ihm kam. als hätte ich das Geld für eine Bestellung in der Tasche.. stieß mit der Nadel gegen den Gasstrumpf und nähte unter abge- rissenen Erzählungebrocken wie wild an mir herum. Seit Ostern hatte er nicht«ine einzige Hof« ange-ertigt. Was kann er machen, so ein kleiner, alter Schneidermeister, in einer kleinen Wohnung, in einem alten Haus� ün tiefsten Norden. Wer noch Geld hat, geht zu einem größeren Schneidermeister, und wer keins hat, zum Konfektionär, sof«rn er nicht zur Wohlfahrt geht. Und was sind die Herren Konfektionäre, villenbesitzenden Konfektio- näre, denen iminer noch nichts abgeht, in den letzten paar Monaten für Halsabschneider geworden! Der Schneider zeigte mir einen sein- gearbeiteten seidenen Damenmantel: das Produkt oon zwei Tagen Näharbeit, in schlechter alter Zeit 4,70 M. wert, heute zahlt man 75 Pf. für die ganze Plage. Ich hatte gedacht, des Schneiders Töchterlein hätte den Mantel gefertigt, es war aber eine Fremde gewesen. Die Tochter war— das sind eben die Folgen des drohenden Bankrotts— mit einem Bräutigam verschwunden. Und mit der Tochter die Mutter. Und mit der Mutter der Lehrjunge von Sohn. Und mit dem Sohn eine ganz« Anzahl besserer Kleiderstofie und zwei klein« Kinder. Die übrigen Stoffe hat zum größten Tell ein Kunde aus der Eckkneipe (wo nur hauptsächlich mit den Augen gesprochen und viel unterm Tisch herumgezeigt wird) mitgehen lassen. Dort hatte der Meister sich über den drohenden Bankrott so lange zu trösten versucht, bis er da war. Jetzt tröstet er sich mit Büchern... ich traf ihn über einem tiefsinnigen Buche an... aber wie gesagt, mein Kommen benahm ihm die Sammlung und Ruhe. Der Wert meiner armseligen Kundschaft erschien mir in phan- tastischem Licht... und doch: oon mir allein kann kein Schneider leben; der Meister, was bleibt ihm anderes übrig, geht stempeln und ist froh, oaß das ihm übrig bleibt. Der Bankrotte kämpft mit einer unbezahlten Wohnungsrecynung und einem der allerschwersten Probleme, die mit Bankrott nichts zu tun haben. Sich im Alter, nach Jahren des wenn auch kaum glücklichen, so doch den ganzen Menschen ausfüllenden Familienlebens in der Einsamkeit wieder zurechtzufinden: nein, wohl zu fühlen, neue Beziehungen zu sich selbst zu finden. Ich weiß, wie man das macht, aber die tiefsten selbst- erlebten Erfahrungen kann man leider seinem MitNrsnschen nicht mitteilen, sonst könnte ich den über einsame Abende klagenden Meister so gut wieder zusammenflicken wie er mich. Da ich nicht über das nötige Geld verfügte, um mein� Rech- nung zu bezahlen, lud ich den Meister, der sich rasch in seine«vann- tagsklufr warf, auf eine Erfrischung ein, und wir nahmen sie unker Vermeidung der gefährlichen Ecke in einem neuen, solid kleinbürger- lichcn Restaurant, wo er gleich vor dem Wirt mit meiner miserab- len Kundschaft auch noch renommierte: denn wie zufrieden muß ein Kunde mit dem Schneider sein, wenn er ihn ausführt... und an der Theke zeigte mir der Meister als etwas Besonderes einen brotlosen Arzt(wir sind auch als Brotlose noch in Kategorien geteilt, und der Mann sieht sehr respektabel und aufgeräumt aus)... und dann plötzlich begannen des Meisters Augen zu leuchten und seine Meckerstimme bekam warme zufriedene Töne: als er nach der Uhr blickte und fand, daß es bald Zeit sei, sich aufs Rad zu schwingen und in sein Weekendzelt hinauszufahren. Wenn immer ers leidig ist, auf undankbare Kunden und Kinder zu warten, verläßt der Meister seine Motten und Klamotten und jagt wie König Lear über alle Stürme hinaus, Hinaue: zur Gesell- schaft der Naturfreunde. Dort legt er, der Kleider macht für Men- schen, die da denken, daß Kleider Leute machen, alle Kleider ab, um im höheren Sinn Mensch zu werden. Dort ist das Leben mit keiner Schere beschnitten. Dorthin, dorthin will ich mit dir, oh Meister, zieh». Süte VUwuwhfy werden die Leser von jetzt an in unseren Sonntagsangeboten finden. Trotz der stadtbekannten niedrigen Gadiel'schen Preise werden wir unter dem Titel „Das Sonderangebot der Woche" stets eine Serie ganz besonders billiger und wertvoller Ware bringen. Wir empfehlen, dieser Rubrik besondere Aufmerksamkeit zu schenken. 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