BERLIN Mntag 2«. 3uni 1932 10 Pf. Jir. 286 B 143 49. Zahrgana Erscheint täglich außer Sonntag«. Zllgleied AbeadauSgade des»Dorwärts�� Vetugsvret» für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3,25 M. pro Mona: (davou 67 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus »ablbar. vostbejug 3,97 M. einschlleßttch 60 Pf. Postjeitungs- und 72 Pf Postbestellgebübren. ,rli£r*u>aS& 21 n 4 c tg c n p t c i» i.it einspalttg» MlUtmelerjetle 50 Pf� Reklamejeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Rr. 27 536.- Der Verlag dehält(Ich das Reckt der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor Redaktton und Ervedttton: Berlin SWto. Ütndrnfti Kernsvrechei" Dönhoff(A 7) 99?— 297 Vormarsch in Hessen Die Sozialdemokratie gewinnt Stimmen und Mandate/ Keine Nazimehrheit/ Keine Mchtsmehrheit Die Landtagswlchl in Hessen hat Bedeutung als Vorblick aus die kommende Reichstagswahl— stärker als die Wahlen in Oldenburg und Mecklenburg. In Hessen gleicht die Slel- lung der Parteien dem Reichsdurchschnitt. Das Ergebnis ist: Sozialdemokratischer vormarscht Seine Razimehrheit! Seine Papen-Nehrheiti Das ist ein günstiger Ausblick aus die kommende Reichs- tagswahl! Wo ist die Mehrheit der Regierung der Barone? Jetzt gilt es nun, unseren Vormarsch zu verstärken, den Kampf gegen das Kabinett der Barone und gegen die hinter diesem Kabinett stehende Nationalsozialistische Partei zu verdoppeln! Das Wahlergebnis von Hessen darf nur ein Ausblick auf die kommende Reichstagswahl sein, kein getreues Abbild ihres Ergebnisses! Unser Vormarsch mutz weitergehen, die Bewegung, die im Gange ist, sich verstärken! Jetzt muß aus dem Stellungskrieg gegen die Reaktion der angriffsweise Bewegungskrieg werden! vorwärts zum Angriff aus die Reaktion! * D a r m st a d t, 20. Juni.(Eigenbericht.) Die Wahl in Hessen hat der Sozialdemokratie Gtimmgewinn und Mandatsgewinn gebracht. Sic hat im neuen Landtag 17 Mandate gegen 15 im alten Landtag. Tie Wahl hat der Hitlcr-Partei die von ihr erwartete absolut« Mehrheit nicht gebracht. Die Hitlerianer haben zwar auch ihre im November erhaltenen Stimmen noch um einige Prozent zu vermehren vermocht, jedoch sind ihnen von den 70 zu vergebenden Mandaten statt der erwarteten 30 Sivc nur 32 zugefallen. 54,2 Proz, der hessischen Wähler haben den'Nationalsozialisten auch diesmal die Gefolgschaft versagt. Der sozialdemokratische Erfolg ist erfreulich und bemerkenswert. Die Sozialdemokratie behauptete nicht nur ihre Stimmzifsern vom November 19Z1, sondern erhielt darüber hinaus weitere rund 5000 Stimmen und steigerte ihre Mandatsziffer entsprechend den Enwartungen von 13 auf 17 Sitzen. Katastrophal haben sich dagegen die K o m m u n i st e n geschlagen. Sie verloren rund 2 3<)()<) Stimmen und behaupteten von ihren bisherigen 10 Mandaten nur 7. Die Partei der Spalter um Seydewitz und Rosenfeld, die auch diesmal mit der kommunisti- schen Opposition marschierte, verlor nicht weniger als 30 Proz. der im November ausgebrachten Stimmen, indem sie von 23000 auf rund 11000 Stimmen zurückging und insolgedessen von den bisherigen zwei Mandaten nur eines erhalt. Aehnlich katastrophal ist der Perlust der„Nationalen Einheit?- l i st e", hinter der sich samtliche Spalter der Mitte, wie die Wirt- schaftspartei, das Landvolk und die Staatsparlei verstecken. Diese Parteien gingen von 47 443 Stimmen, die sie insgesamt im No- oember erhalten hatten, um fast die 5)ülfte, aus 24673 S t i m- wen zur ü ck. Das bedeutet einen Rückgang der Mandate von fünf auf zwei. Aster Voraussicht nach werden diese Mandate ein Volksparleiler und ein Angehöriger des Landvolk erhalten. Die Staarspartei geht voraussichtlich leer aus. Das Zentrum verlor rund 4000 Stimmen, behauptete jedoch seine bisherigen zehn Mandate. Das oortäusige amtliche Ergebnis lautet: Mandate .......... 172550(108 101) 17(15) Zentr...... 108 003(112 244) 10(10) Komm...... 82 051(100 700) 7(10) Spalterpartei.• 1 1 007( 23 108) 1( 2) Tnat...... 11207( 10 857) 1( 1) Natfo,..... 328 208(201183) 32(27) Hess. Dem.... 4 030( 4 013) 0( 0) Einheitsliste.. 24 075( 47 445) 2( 5) Das Ergebnis zeigt, dah der Gewinn der Nationalsozialisten in der Hauptsache wiederum, wie bei allen Wahlen der letzten Zeit, GA.-Aufruhr in München Mobilmachung gegen die Ministerprasidentenwohnung/ Sie wollten �923 spielen Das Braune Haus in München hat einen r e g e l r e ch- ten Aufruhr gegen die bayerische Regierung organisiert. Obwohl in Bayern ein Demonstrationsvorbot und ein Uniformoerbot besteht, hat eine regelrechte Mobilmachung auf zentralen Befehl stattgefunden, die SA. aus der Umgegend van München wurde auf München in Marsch gesetzt, in- geschlossenen, uniformierten Zügen versuchte sie gegen die Wohnung des Ministerpräsidenten vorzudringen. Mit einem Worte: es sollte 1923 gespielt werden! Wie 1923 wollte das Braune Haus der bayerischen Regierung beweisen, daß die Nationalsozialistische Partei auf das Gesetz pfeift und macht, was sie will! Man kann in diesem SA.-Aufruhr eine Parallele zu dem Aufmarsch von Hitlers Truppen auf dem Oberwiesenfeld sehen. Das war damals die Generalprobezum Nooemberputsch! Die Verantwortung der Reichsleitung der NSDAP, für den Münchener Aufruhr steht einwand- frei fest. Unter den Verhafteten befinden sich Führer der einschlägigen Spezialressorts aus dem Braunen Haus. Hier liegt ein ganz eklatanter Fall der Friedensverletzung und der Gesetzesverletzung vor, über den das Reichsinnen- Ministerium nicht hinwegsehen darf. Es ist nicht die Rede davon, daß es sich dabei um unkontrollierbare Gruppen ge- handelt habe, vielmehr ist die Bürgerkriegsarmee des Herrn Hitler ganz offiziell in die Erscheinung getreten! Wie 1 923! Vielleicht macht sich das Reichsinnen- Ministerium klar, was dieser Vergleich bedeutet, und welche Dfcichsgeld für Schwerindustrie. Oer Staat als Wohlfahrtsanstalt für Trustherren. Die Rcichsregierung, die das Wort geprägt hat, daß der Staat keine Wohtfahrtsanstalt sein dürfe, hat soeben einen Betrag von.' 0 Millkvnen Mark zur Sanierung der rheiniseh-westfälisehen Schwerindustrie ausgeworfen! Der Staat als Wohlfahrtsanstalt für die Trustherren? (Näheres siehe 4. Seite.) Zustände in Deutschland eintreten würde», wenn Hitlers Bürgerkriegsarmee den Versuch unternehmen sollte, den Novemberputsch von 1923 im Reichsmaßstab zu wiederholen! Unruhen im Regierungsviertel. München, 20. Juni.(Eigenbericht.) In München versuchten die Nationalsozialisten am Sonntag Masfendemonstrationcn gegen das bayerische Uniformverbot durchzuführen. Schon am frühen Morgen gab es in den Außenvierteln starke Ansammlungen und Kundgebungen uniformierter Trupps, die nach dem Zentrum der Stadt vorzurücken versuchten. Von den Außenbezirken Jrcising und Nymphenburg her versuch- ten starke Kolonnen in die Innenstadt vorzudringen, wurden jedoch schon im Anmarsch von der Polizei gestellt und aufgelöst. Auch o b e r b a y e r i s ch e SA.-Trup- Pen waren mit herangeholt worden, so daß es sich ganz offensichtlich um eine von der Zentralleitung befohlene Aktion handelte. Insbesondere litten die Demonstranten es auf die Wohnung des bayrischen Ministerpräsidenten abgesehen, dem ein„Sonntags- ständchen" gebracht werden sollte. Immer wieder ertönten Ruse: „Auf zu Held! Nieder mit Held!" Die Polizei hatte von den Ab- sichten der Nazis rechtzeitig Kenntnis erhalten, so daß auch hier die Demonstrationen im Keime erstickt werden konnte». Immer- hin gelang es größeren Trupps, das Gebäude des Ministerpräsi- diums zu erreichen, wo sie grölten und Drohungen gegen die bayc- rische Regierung ausstießen. Berittene Gendarmerie und starke Polizeikrusle grissen schars durch und zerstreuten die Demonstranten. Vielfach wurden Offiziere und Polizeibeamte bei der Säuberung der Straßen angespuckt. Insgesamt wurden 4 7 0 U n i s o r- mierte zwangsgestellt, unter ihnen zahlreiche Bonzen des Braunen Hauses, darunter in der Hauptsache Prinz en und Grafen. Die Verhafteten, gegen die das ge- richtliche Verfahren bereits eingeleitet ist, wurden gegen abend aus Kosten der bürgerlichen Mitte geht. Immerhin hat es den Anschein, als ob diesmal auch in Hessen, ähnlich wie beitst zweiten Wahlgang zur Reichspräsidemenwahl, zahlreiche Kommunist e n zu den Bundesbrüdern von rechts hinübergeivechsest sind. Die Frage der Regierungsbildung ist in Hessen durch das Ergebnis der gestrigen Wahlen nicht einsacher, sondern noch komplizierter geworden. Eine stabile Mehrheit>st nur zu bilden durch das Zusammenwirken ooß Nationatsozialisten und Zentrum, deren gegenseitiges Verhältnis heute schlechter ist denn je. Andererseits würden für den Fall, daß die zwei Abgeordneten der Einheitsliste sich mit den Deutschnatio- nalen auf die Seite der Nazis schlagen sollten, 33 Mandate der Rechten und der bürgerlichen Mitte die gleiche Zahl von Mandaten der übrigen Parteien gegenüberstehen. Angesichts dieser politisch- parlamentarischen Situation ble'bt das Zentrum in Hessen für eine Regierungsbildung auf parlamentarischer Grundlage ausschlaggebend. Der Wahltag selbst ist in Hessen, von kleineren Zwischenfällen abgesehen, ruhig verlaufen. In der Nacht zum Sonntag kam es jedoch insbesondere in Mainz zu schweren Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Mehrere Personen wurden so schwer verlegt, daß sie ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Günstige Aussichten für die Sozialdemokratie? Frankfurt a. III., 20 Juni.(Eigenbericht.) Zum Ergebnis der hessischen Landtagswahlen schreibt die „F r a n k f u r t e r Z e i t u n g" u. a.: Ergibt sich aus dem Ergebnis der gestrigen hessische» Wahlen eine Vorschau aus die konmienden Reichstagswahlen? Das ist schwer zu sagen. Die Partei Hitlers wird einen neuen Fortschritt bejubeln, aber auch die Sozialdemo- kraten haben zugenommen, und das Zentrum hat seine Stellung gehalten. Tie Sozialdemokraten dürfen ohne falschen Optimis- mus darauf rechnen, daß die Auswirkung ihrer Oppositionsstellung mit jeder neuen Woche der Die- gicrung Papen, wenn es so fortgeht wie bisher, sich verstärken wird. Gleichermaßen wird wohl auch das Zentrum damit rechnen, daß die propagandistische Wirkung seiner Opposition sich erst all- mählich einstellt. Jedes Prophezeien auf den 31. Juli verbietet sich ja heute schon dadurch, daß in den Wochen bis dahin es Voraussicht- lich nicht an lebhasten und vielleicht tief eingreifenden politischen Vorgängen, innen- und außenpolitischen, sehlen wird, lind wer wollte voraussagen, zu wessen Gunsten diese noch ungeschehenen Vorganze sich dann wohlpolsttsch auswirken würden? wieder freigelassen, nachdem Zivilkleidung für sie besargt wan Die Unifarmen wurden beschlagnahmt. Zu größeren Krawallen kam es, als abgedrängte National- sozialisten im Unioersitätsoiertel neue Demonstrationszüge bildeten. hier ging die Menge gegen die Polizei zum Angriff über, so daß die Schupo blankziehen muhle. Ein abgedrängter Beamter wurde von einer johlenden Menge ver- solgl, die sogar versuchte, in seine Wohnung einzudringen. Als eine Anzahl verhafteter SA.-Leute auf eine Polizeiwache abgeführt wurden, versuchte ein Hausen von Ivo SA.-Leulen die wache zu stürmen. Polizeiverstärkungen griffen ein und verhasteten nach kurzem Widerstand die ganze Bande. Der amtlich« Polizeibcricht sagt zu den gestrigen Unruhen: „In den Morgenstunden des Sonntag wurden die in München und zahlreichen Orten Oberbayerns wohnenden Angehörigen der SA. und SS. planmähig aufgerufen. Nach vorgefundenen Be- fehlen sollten sich die Leute in verkappter oder durch Ueberkleidung überdeckter Uniform in ihren Standquartieren und auf Alarm- platzen bis längstens 11 Uhr einfinden. Dort wurde ihnen der Befehl zu einer Demonstration vor der Wohnung des Ministerpräsidenten bekanntgegeben. In mehreren Fällen gelang es, die in den Standquartieren vec- sammelten SA.-Leute zfestzunehmen und damit der Demonstration fernzuhalten. Deren Unifbrmstücke wurden polizeilich gesichert. Ein von Moosburg über Freising in der Stärke von 160 Mann anrückender Zug größtenteils uniformierter Parteimitglieder wurde außerhalb von Freimann(Vorort von München) polizeilich gestellt. Die Teilnehmer wurden bis 3 Uhr nachmittags verwahrt und nach Wegnahme ihrer Uniformstücke unter polizeilicher Bedeckung aus dem Landwege gruppenweise abgeschoben. Gegen 12.Uhr rückten konzentrisch aus der ganzen Stadt einige 1000 Nationalsozialisten, größtenteils in Uniform, teils nur mit Hakenkreuzarmbinde versehen, gegen die Wohnung des Ministerpräsidenten in der Prinz-Regenten- Straße vor. Durch eingesetzte starke Polizeikräste zu Fuß und zu Pferd wurde diese Demonstration schon in der Entwicklung unterdrückt. Bei Aus- tösung dieser Demonstration wurden einige Offiziere und Beamte angespuckt. Abgedrängte Nationalsozialisten sammelten sich in der Ludwigstraße bei der Universität. Die dort durchgeführten Demon- strationen, bei denen auch ein Redner auftrat, fanden durch die nachrückende Polizei alsbald ein Ende. Im Abschluß bildeten sich in der Amalien- und Schellingstraße neuerdings Züge. In der Amalienstraß« wurden Nationalsozialiften gegen drei Polizeibeamte tätlich,-so daß die Polizei blankziehen und auch mit dem Gummiknüppel vorgehen mußte. Ein durch Faustschlag ins Gesicht verwundeter Beamter wurde von den Demon- stranten verfolgt� sogar in die Wohnung des Beamten nachzu- drängen wurde oersucht. Aus dem Zug in der Schellingstraße wurde gegen die Beamten ein Schuß abgefeuert. Auch hier mußte der Wider st and der Demon st ranten mit Gewalt ge- brachen werden. Als vier SA.-Leute in eine Polizeiwache ab- geführt wurden, drangen 90 Nationalsozialisten nach� sie wurden sämtlich festgenommen. Insgesamt wurden 47 0 Nationalsozialisten verhaftet, gegen die Anzeige erstattet ist. Die Festgenommenen wurden vor der Entlassung ihrer Uniformstücke entkleidet. Unter den Festgenommenen befanden sich folgende uniformierte Führer aus dem Braunen Haus: Prinz Waldeck, Graf Spretti, Graf Schwerin und Berkelman n." Vorbereitung zum Kamps! Unsere Reichstagskandidaten. Eine von bester Kampsstimmung erfüllte Bezirkskonserenz in Breslau, durch die der Organisationsplan für die kommenden Wahlen festgelegt wurde, stellte jolgende Kandidatenliste auf: 1. Paul Löbe, 2. Wcndemuth-Waldenburg, 3. Frau Ansorge, 4. Pohle-Striegau, 5. Ruffert-Breslau, 6. Otto Stamer. Liegnib Liegnih, 19. Juni. Für den Wahlkreis 8 wurde von der sozialdemokratischen Frak- tio» folgende Kandidatenliste zur Reichstagswahl ausgestellt: 1. Paul Löbe- Berlin, der auf Wunsch der Parteimit- glieder in allen drei schlesischen Wahlkreisen kandidieren wird, 2. O t t o Buchwitz-Görlitz, 3. Richard Meier- Berlin, 4. Anna Nemitz-Berlin, 5. Alfred Haude-Görlitz, 6. Karl Wußmann- Weißwasser(Oberlausitz), 7. Willi Brichta-Hirschberg, 8. Reinhold Fischer-Liegnitz, 9. Alfred Wolf-Görlitz, 19. Oskar Monsig-Sohra, tl. Otto Bogt-Bohrauseifersdorf, 12. Adelheid Schulz-Berlin, 13. Gustav Schulz-Görlitz. Thüringen. Weimar, 29. Juni.(Eigenbericht.) Unter starker Beteiligung fand am Sonntag, 19. Juni, in Jena der Bezirksparteitag der Sozialdemokratischen Partei für Groß- Thüringen statt. Der Bezirksparteitag ruft in einer Entschließung die Massen aus, gegen Junker, Prinzen, Schwerindustrielle und Generäle die Arbeiterfront unter Führung der Sozialdemokratie zu schließen. Für den Reichstag wurden als Kandidaten an aussichtsreicher Stelle aufgestellt die bis- hcrigen Reichstagsabgeordneten Frölich- Weimar, Dietrich- Erfurt, Mathilde Wurm- Berlin, Voigt- Meiningen. An Stelle der aus der Partei ausgeschlossenen SAP.-Abgeordneten Rosenscld und Siemsen wurden die Genossen Dr. Brill- Gotha und P e t r i ch- Gera aufgestellt. Baden. Osfenburg, 29. Juni. Aus dem Parteitag der badischen Sozialdemokratie am Sonntag wurden zur Reichstagswahl folgende Kandidaten aufgestellt: Minister a. D. A. R e m m e l e(an Stelle des bisherigen Abgeord- nelen S ch ö p f l i n, der auf seine Wiederaufstellung verzichtete), Schriftleiter E r n st Roth- Mannheim, Stefan Maier, i�guf- mann in Freiburg, Rechtsanwalt G. Veit- Karlsruhe, Parteisekre- tär A m a n n- Heidelberg, Schriftleiter L o h m a n n- Pforzheim, Frau Wehner- Mannheim. Landtagsabgeordneter Groß- Hans- Konstanz. Die rumänische Staatspolizei behauptet, eine kommunistische Ge- hcimorganisation ausgedeckt zu haben, deren Führer der Reichs- deutsche Gustav A r n o l d sei: die Berliner Polizei hätte bestätigt, daß er ein Agent der Komintern usw. seü Dazu erfahren wir jedoch, daß das Polizeipräsidium Berlin lediglich die Bukarester Anfrage nach der Echtheit des Arnoldfchen Passes wahrheitsgemäß bejaht hat. Der in Litauen verhaftete Reichsdeutsche Beckers soll geflüchtet sein. Während seine Frau im Wagen mit Gepäck die Zollgrenzstation Pillkoppen, Kreis Fischhausen, passierte, soll Beckers unbemerkt über die h a s f b c r g e entkommen und in Pillkoppen angelangt sein und seinem Rechtsanwalt in Kowno telegraphiert haben, daß er sich nach Berlin begeben werde. Blutiger Sonntag im Reich Lieber hundert Verletzte Köln, 20. Zum.(Eigenbericht.) Zn Köln hatten die Ralionalsoziolisten für Sonnlag durch Riesenplakate mit der Aufschrift„Die SA. marschiert im braunen Ehrenkleid" zu einer großen Demonstration ausgerufen, die jedoch verboten wurde. Trotzdem versuchten uniformierte Nationalsozialisten und Stahl- helmer in kleineren Trupps die Straßen zu beherrschen. Die ein- schreitenden Polizeibeamten wurden in der wüstesten Weise, wie „Bluthunde",„S e v e r i n g- K n e ch t e" usw., beschimpft und tätlich angegriffen. In der Abwehr machten die Beamten wiederholt vom Gummiknüppel und der Schußwaffe Gebrauch. Am Sonntagnachmiitag kam es vor dem Parteihaus der Nationalsozialisten in der Mittelstraße zu schweren Zusammenstößen. Als die Polizei Ansammlungen zerstreuen wollte, wurde sie aus dem Parleihaus der Nazis heraus beschossen und mit Stühlen, Bänken, Mromöbeln und mit anderen Gegen- ständen beworfen. Die Polizei sah sich schließlich veranlaßt, das chaus der Nazibanditen zu räumen und vorübergehend zu besetzen. E>A. maßt sich Polizeigewalt an. In Barmen verletzten Nationalsozialisten am Sonntag einen Kommunisten durch einen Messerstich schwer. An einer anderen Stelle wurden zwei Nationalsozialisten von Kommunisten überfallen und ebenfalls schwer oerletzt. Ein unbeteiligter Mann erhielt einen ch a l s s ch u ß. Am Sonntagmittag wurden in Barmen die Fensterscheiben der nationalsozialistischen Buchhandlung eingeworfen. Zm Verlauf des Tages nahm die Polizei zwei Nationalsozialisten fest, die die Frechheit hallen, Passanten nach Waffen zu untersuchen. In Elberfeld kam«s am Sonnabendabend und Sonntag ebenfalls zu Zusammenstößen. Etwa zehn Personen wurden verletzt ins Krankenhaus geschafft. Auch zwei Polizei- b e a m t e erlitten Verletzungen. In Iserlohn wurden während einer Schlägerei zwischen uniformierten Nationalsozialisten und Kommunisten drei chitlerianer verletzt. 25 Kommunisten wurden verhaftet. Neun waren im Besitz von Waffen. Scharfe Schüsse in Hagen. Rahkamps mit Messern und Seitengewehren. 40 Verletzte. Hägen i. w.. 29. Zuni. Zn den gestrigen Nachmittags- und Abendstunden kam es im Stadlteil Haspe zu schweren Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. wie die Polizei meldet, gingen die Gegner mit Latten. Stöcken, alten Seitengewehren und Messern auseinander los. Es wurden auch scharfe Schüsse gewechselt. Auf beiden Seiten wurden etwa 49 Perjonen verletzt, darunter fünf schwer. Die Polizei nahm fünf Personen fest. � Bochum. 29. Zuni.(Eigenbericht.) Zn mehreren Städten des Ruhrgebietes kam es am Sonnabendabend und in der Nacht zum Sonntag wiederum zu Zusammenstößen zwischen politischen Gegnern. Zahlreiche Personen wurden zum Teil schwer verletzt. In Dortmund entstand eine Schlägerei zwischen National- sozialisten und Reichsbannerleuten, in deren Verlauf ein National- fozialist schwer verletzt wurde. Als sich vor einem Verkehrslokal der SA. Neugierige ansammelten, um sich deren Treiben anzusehen, fuhr plötzlich ein vollbesetzter Lastwagen der SA. zum Zwecke einer Säuberungsaktion vor. Ein Zivilist gab zwei Schüsse auf die Menge ab. Das Nazirollkommando trieb dann die Neugierigen mit einem Gummiknüppel auseinander. Nach dieser Heldentat verschwand das Nazirowdylum im Laufschritt. In Langendreer wurde bei einem Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten ein Nationalsozialist schwer verletzt. Das Ucberfallkommando säuberte mit Schreckschüssen die Straßen. In Wanne kam es zu einer Schießerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Drei mit Hiebwaffen ausgerüstete Kam- munisten wurden festgenommen. In Bottrop entstand zwischen Kommunisten und National- sozialisten eine Schlägerei, in deren Verlauf zehn Schüsse fielen. Drei Kommunisten wurden schwer verletzt. Mainz. 29. Juni. In der Nacht zum Sonntag kam es hier zwischen politischen Gegnern verschiedentlich zu schweren Zusammenstößen. Ein Trupp Nationalsozialisten wurde in der Altstadt von Kommunisten über- fallen. Fünf Nationalsozialisten wurden verletzt. Zwei von chnen mußten mit Schußverletzungcn in das Krankenhaus geschafft werden, die übrigen hatten Messerstiche davongetragen. Auch zwei Kommu- nisten wurden durch Messerstiche verletzt. Bei Mombach wurde ein Trupp Nationalsozialisten von poli- tischen Gegnern, die aus Rädern vorbeifuhren, beschossen, hierbei erhielt ein Nationalsozialist einen Steckschuß. Die Polizei nahm eine Anzahl Verhaftungen vor. Tränengas und Revower. Hamburg, 29. Juni. Wie aus B r u n s b ü t t e l k o o g gemeldet wird, kam es an- läßlich einer nationalsozialistischen Kundgebung in Averlak Sonntag- abend zu einem schweren Zusammenstoß vor dem Hause eines Ar- beiters, wobei Steine, Schlagringe, Revolver und Tränen- g a s als Kampfmittel eine Rolle spielten. Zwei SA.-Leute und ein politisch Andersdenkender wurden verletzt. Nach Beendigung des Kampfes bot das Haus ein wüstes Bild der Zerstörung. Zwischen Nationalsoziallstcn und Kommunisten kam es gestern nachmittag vor dem Hasenkrankenhause zu einer Schlägerei, bei der ein Nationalsozialist durch einen Messerstich in den Rücken schwer verletzt wurde. Ein Nationalsozialist hatte mehrere Reooloerschüsse abgegeben, doch wurde anscheinend niemand getroffen. Ordnung?- Polizisten stellten die Ruhe wieder her. Mehrere Personen wurden festgenommen. 3wei Tote im Westen. Wuppertal, 29. Juni. Außer den bereits gemeldeten politischen Reibereien kam«s in der vergangenen Nacht zu einem schweren Ausammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Der Nationalsozialist Hans hillert aus Barmen erhielt einen Lungenschuß, dem er in den frühen Morgenstunden des Sonntag erlag. Auch sein Begleiter wurde durch einen Schuß verletzt. Noch während der Nacht gelang es der Polizei, die beiden Revolverhelden zu ermitteln und festzu- nehmen. Sie sind geständig. Aachen, 29. Juni. Ein Trupp Nationalsozialisten aus Basweiler hatte sich gestern nach Merkstein begeben, um die dortigen Nationalsozialisten zu ver- stärken. Auf dem Rückwege wurde die Gruppe von Kommunisten angegriffen. Einer wilden Schlägerei folgte bald ein Kugel- wechsel. Ein Nationalsozialist wurde durch einen Bauchschuß tödlich oerletzt. Schwer verwundet wurde ein anderer Teil- nehmer an der Schlägerei, vermutlich ein Kommunist, ins Kranken- Haus gebrocht. Ein Ueberfallkommando aus Aachen stellte die Ruhe wieder her. Berliner Polizei auf der Wacht. Berliner Nationalsozialisten, die am Sonntag angesichts der Schleicher-Rcgierung das preußische Demon st rationsver- b o t dadurch zu umgehen trachteten, daß sie auf Lastwagen mit An- hängern eine Propagandafahrt durch die Orte der nördlichen Pcri- pherie der Reichshauptstadt unternahmen, wurden, als sie von Oranienburg zurückkehrten, von der Polizei in Empfang genommen. Sännliche Nazis wurden zwangsgestellt und unter polizeilicher Bewachung zum Polizeipräsidium gebrocht. Sie werden sich vor dem Schnellrichter zu verantworte» haben. Zehn Lahre ADB. Die gestrige Zeier. Mit einer ernsten und schlichten Veranstaltung am Sonntagvor- mittag im Plenarsaal des Preußischen Staatsrals feierte der All- gemein« Deutsche Beamtenbund sein zehnjähriges Bestehen. Sstle maßgebenden Behörden, das Internationale Arbeitsamt, wie auch sämtliche befreundeten Organisationen, der Internationale Gcwerk- schaftsbund, der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund, der AfA- Bund usw. hatten Vertreter entsandt. Nicht oertreten war ledig- lich die n e u e R e i ch s r e g i e r u n g, die auch bereits ihr Mißfallen darüber geäußert hat, daß in den freigewerkschaftlichen Beamten- Zeitungen das Gegenteil von Begeisterung für ihren reaktionären Kurs laut wird. Der Vorsitzende des ADB., Genosse Falke nberg, wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß die moderne Beamten- bewegung vor allem in der Erkenntnis wurzele, daß auch der Beamte als Staatsbürger in seiner Funktion nicht losgelöst werden könne von dem politischen und wirtschaftlichen Entwicklungsprozeß. Beamte, die wissen, daß sie der umfassenden Proletarisierung breiter Volksschichten ebenfalls nicht ausweichen können, werden sich aus Selbst- erhaltungstrieb gemeinsam mit den Arbeiter- und Angestelltengewerk- schaften für die Erfüllung ihrer Forderungen einsetzen. Auch die Beamtenfchast müsse den Mut finden, vor aller Welt sich nicht nur zurFreiheitzubekennen, sondern auch für sie zu kämpfen». Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund wird auch im kommenden Jahrzehnt nicht anders handeln können, als die Beamten in diesem Sinne zu erziehen. Es folgte dann eine Reihe von Begrüßungsansprachen der Be- Hörden und Organisationsverkreter, denen sich ein instruktives Referat des Genossen Dr. V ö l t e r vom Vorstand des ADB. über das Werden, das Wesen und die Ziele der freigewerkschaftlichen Beamten- bewegung anschloß. Die Feier wurde eindrucksvoll umrahmt durch Gesangsdarbietungen des V o l k s ch o r s„O st"- W e i h e n s e e, unter Leitung seines Dirigenten Hans Kutta. Erläuterungen zur neuen Notverordnung Ueber den Inhalt der ersten Notverordnung der Reichsregierung von Papen-Schleicher ist soeben eine Sonderausgabe der AfA-Bundeszeitung erschienen, die in knopper und ver- ständlicher Weise die Aenderungen zur Arbeitslosenunterstützung, zur Invaliden-, Angestellten-, Knappschafts- und Unfallversicherung sowie zu den Steuer-, Finanz- und Rechtsfragen erläutert. Diese sachliche Darstellung des sehr unklaren Textes der neuen Notverordnung wird den Parteireserenten, Gewerkschafts- und Betriebsfunktionären in der Aufklärung und Propagandatätigkeit wertvolle Dienste leisten. Um die Anschaffung zu erleichtern, ist der Preis für diese Aus- gäbe der AfA-Bundeszeitung auf 19 Pf. herabgesetzt worden. Der Einzelvertrieb erfolgt durch die B u ch h a n d l u n g I. H. W. D i e tz Na chf.,„V o r w ä r t s"- H a u s, Lindenstraße 2. Größere Bestellungen von Organisationen sind zu richten an die Haupt- geschäftsstelle des AfA-Bundes. Berlin NW 49. Werftstraße 7. Fern- sprecher Hansa 9759. Organisationen erhalten noch einen Rabatt. Die Teilung Oberschlesiens. Zehnjähriges Gedenken. Soeben sind zehn Jahre um, seit Oberschlesien der Republik Polen übergeben worden ist. Die Volksabstimmung unter interalli- icrter Aufsicht und nach wüstem Terror der polnischen Chauvinisten hatte im ganzen Abstimmungsgebiet 62 Proz. für Deutschland und 3 8 Proz. für Polen ergeben. Der aus Vertretern Bel- giens, Brasiliens, China? und Spaniens bestehende Ausschuß des Völkerbundes und der Bölterbundsrat legten jedoch das g e- meindcweise Ergebnis zugrunde, was die Versailler Besttm- mungen nicht vorschreiben und schlug alle Gemeinden mit polni- scher Mehrheit zu Polen, damit aber auch die überwiegend deut- fchen Städte, die innerhalb dieses Gebietes lagen: so haben in der Stadt Kattowitz 85 Proz. für Deutschland gestimmt. Trotzdem kam sie zu Polen! Die Zerreißung des oberschlesischenJndustrie- g e b i e t e s hat wirtschaftlich die schlimmsten Folgen für beide Län- der gehabt: von der dauernden Vergiftung des deutsch-polnischen Verhältnisses gor nicht zu reden. Wie wenig selbst die Abstimmung«- zahlen der wirklichen Volksmeinung über die künftige Staatszugehörigkeit entsprach, geht schon daraus hervor, daß seither in Preußen bei einwandfreien Wahlen die oberschlesischen und sonstigen Polen nun schon jahrelang kein Landtagsmandat erlangt haben, wofür nur 49 999(zuletzt 59 999) Stimmen in einem Wahlkreis erforderlich wären, dagegen in Ostobcrschlesien bei jeder Wahl trotz überlstem Terror soviel deutsche Stimmen abgegeben worden sind, daß mehrere deutsche Abgeordnete gewählt werden solange nicht das Pilsudskilystem zum glatten Stimmendiebstahl und Mandatsraub gegriffen hat. Porteinachrichten. Frauenveranltaltungen. 24.l. Abb.' luag. Heut« 191- bei Wenzke, Carinen-Svlva-Str. 51, Heiterer Abend,—'gl. Ab. (eilung. Heute 29 Uhr Abteilungsfunktionärsttzung bei Schneider, Flughafenftr. 7. Probleme des Arbeitergesanges Aufiaki zur Bundes-Generalversammlung des DAG Unsere gesellschaftspolitisch problematische Zeit läßt auch für die Kunst mancherlei Probleme erstehen. Das betrifft in besonderem Maße die Kunstbetätigung des Proletariats. Hat doch die proleta- rische Klasse nicht nur der Gegenwart, sondern auch der Zukunft zu dienen. Es war daher eine Selbstverständlichkeit, daß vor den Pe- ratungen unserer Arbeitersänger eine prinzipielle Ausein- anderfetzung über Zeitprobleme der Musik erfolgte. Die Grundlage für diese Erörterungen bildete ein Vortrag des Ge> nassen B r o ß w i tz- Frankfurt a. M. über„Probleme des Arbeitergesanges". Genosse Vroßwitz gliederte die Etappen der Arbeit unserer prole- tarischen Sänger in drei Phasen: Erweckung zum Skulturbewußtsein, Eindringen in klassische Meisterwerke. Gestaltung eigener proletari- scher Kunstwerke. Die letzt: Epoche ist es, in der wir gegenwärtig zu wirken haben. Im Hinblick auf den mit dem wirtschaftlichen Zu- sammenbruch der bürgerlichen Klasse verbundenen geistigen und mo- ralischen Zusammenbruch ergibt sich für das Proletariat die be- sondere Aufgabe, Kulturträger überhaupt zu sein. Das Wort Schillers, daß erst den Menschen Essen und Trinken zu geben sei, daß erst die Blößen zu bedecken sind, um zur Menschenwürde zu gelangen, kann nur bedingt Grundlage unserer heutigen Arbeit sein. Wir können nicht warten, bis die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen sind— wir müssen inmitten der Not dem Proletariat den Weg zur Erkenntnis freimachen. Wenn in der heutigen Zeit von der Kulturkrisc überhaupt gesprochen wird, so hat die Arbeiterschaft sich dagegen zu wehren. Die Tätigkeit der Arbeiterkulturverbände beweist, daß nicht für das Proletariat, wohl aber für das Bürger- tum eine Kulturkrise besteht. Wir stehen am Anfang einer neuen Kulturepoche. In der Aussprache zeigte sich die klare Linie, die von den Funk- tionären des Arbeitersängerbundes für dessen Wirksamkeit einzuschla- gen ist. Der sozialistische Kampf verlangt die Einbeziehung der Kunst. Diese wird zum überwiegenden Test durch die Arbeiterchorbewegung vertreten. In der Zeit schwerster gesellschaftspolitischer Kämpfe er- gibt sich automatisch auch das Vorherrschen des Kampfliedes. Neben diesem bleibt auch die alte Musik, wie überhaupt das Kunst- werk. Werbemittel für die geistige Alarmierung der Arbeiterschaft. Für diese Werbearbeit sind alle propagandistischen Mittel von den Arbeiterchören einzusetzen. Also auch Sprech- und Bewegungschöre, die oft zur Einbeziehung der Sportler und Jugend in die Gemein- schaft kulturellen Schafsens führt. Werke wie„Kreuzzug der Ma- schine" und„W'r" sind dafür bester Beweis. Für die Arbeiterchor- bewegung werben aus der gesellschaftspolitischen Entwicklung immer wieder neue Probleme entstehen, die gelöst werden können, wenn die Chorarbeit dabei getragen wird van der Siegeszuver- ficht im Kampfe um den Sozialismus. Konstituierung und Begrüßung. Räch der Kon- stituierung am Sonnabend gaben Braunschweiger Chöre ein Konzert zur Begrüßung. Der Vertreter des Harzgaues, des Sängerkartclls Braunschweig des Bundesvorstandes, brachte zum Ausdruck, daß gerade die herrschenden politischen Verhältnisse in Braunschweig der Bundestagung besondere Bedeutung geben. Vom Vertreter des Bundesvorstandes wurden der Frcundschastsbekun- bung der Arbeiterschaft die aus der Braunschweiger Landeszeitung erkennbaren Feindseligkeiten des Bürgertums entgegengehalten. Die bürgerlichen Sänger denunzierten die Arbeitersänger als„Kultur- bolschewisten", die„der Herr Kultusminister den deutschen Sängern fernhalten möchte". Die Verhandlungen am Sonntag begannen mit Begrüßungen. Oberbürgermeister Böhme wies aus die kulturelle Vergangenheit Braunjchweigs hin, die gekennzeichnet ist durch die Namen Lessing, Raabe, Spohr, Abt, aber auch durch die vor etwa 1lX> Jahren in Braunschweig erfolgte Uraufführung von Goethes Faust. Daß er in Braunschweig«ine Kulturorganisation der Arbeiter begrüßen könne, bereite besondere Freude. Als Genosse dankt« er den Ar- beitersängern, daß sie gerade in dieser Zeit nach Braunschweig ge- kommen seien. Genosse W e st p h a l vom Parteivorstand erinnerte an den Kampf: Sieg der marxistischen Bewegung oder Triumph der antimarxistischen Front— das sei die Eickscheidungsfrage! An der Spitze unserer Front begeistert und begeisternd zu marschieren, ist die schwierige, aber erfolgoerheißendc Aufgabe der Arbeiter- sänger. Genosse R i e k e als Vertreter der Landtagsfraktion be- dauert, daß er die Arbeitersänger nicht in der Machtzeit der Braun- schweiger Arbeiterschaft begrüßen könne. Die Gegner hassen uns. daß wir die Herren von morgen wieder sein werden. Es sei be- dauerlich, Laß die Arbeiterschaft die Freihest erst nach deren Verlust als kostbares Gut erkennt. Die Genossen Fränkel-Wien, Wron- drejz- und Formanek-Tschechsi, Zeller-Schweiz, Hirtzel-EIsaß, Bela Schein-Ungarn und Alan D. Bush-England übermittelten die Grüße ihrer Arbeiterchorverbände an den DAS. bll. Lohannes Schlaf Zu seinem 70. Geburisiage Der deutsche Frühnaturalismus und die Berliner„Freie Bühne", der Streit um Arno Holz und Johannes Schlaf, um Hauptmann und S u d e r m a n n— es ist, als ob ein langes Zeitalter zwischen damals und heute läge. Und doch wird Johannes Schlaf, der Wegbereiter dieses aufgeregten, kämpf- erfüllten Werdens von 1890, in diesen Tagen(21. Juni) erst siebzig Jahre alt. Auch dieses tiefe, unsäglich rasche Versinken des eben noch Gewesenen veranschaulicht uns die weltgeschichtliche Zeitenwende, in der wir leben. Johannes Schlaf, der zu Unrecht Vergessene, möge uns vergegenwärtigen, wo wir im Dichterischen vor vierzig und dreißig Jahren standen. Damals rückte die um 1850, also während der großen deutschen Industrialisierungsepoche, geborene akademische Jugend in die Lite- ratur ein, und ihr ungetrübtes Auge sah, was die Väter nicht sehen wollten oder nicht mehr sehen konnten: den Vampir Kapitalismus, die leibliche und seelische Not des arbeitenden Menschen, die Er- starrung von Leben und Sittlichkeit zu Konvention, die versteinernde Maske des ganzen gesellschaftlichen Daseins. Der Jammer und die Verderbnis, die sich vor den jungen Leuten auftaten, rissen sie zur Gestaltung hin, und auch die Mittel der Darstellung wurden ihnen von der Zeit geboten: sie mußten wahr und sachlich sein wie die Naturwissenschaften, mußten so treu beobachten und so genau ex- perimentieren, so mikroskopisch exakt jede Einzelheit, �jedes verborgene Detail einsangen.„Die Kunst hat die Tendenz, wider die Natur zu sein", lehrte Arno Holz aus diesem Wollen, diesen Einsichten her- aus. und um seine Theorie durch das lebendige Beispiel zu belegen, verband er sich 1887 mit Johannes Schlaf zu gemeinsamer dichte- rischer Arbeit. Holz brachte für die Werke, die so entstanden— es waren die später unter dem Sammelnamen„Neue Gleise" oer- einigten Skizzenbände„Papa Hamlet" und„Die papiernc Passion" und das Drama„Familie S e l i ck e"— das hartnäckige Wollen, den kritischen Sinn und messerscharfen Verstand mit, Schlaf, die subtile Beobachtungskunst, die lyrische Weichheit und stimmungshafte Schmiegsamkeit. Dafür steckte aber auch in jedem der kleinen, handlungsloscn Novellchen, in jeder Szene des Schauspiels eine unheimlich konzentrierte Wirklichkeit, schnitt einige Sekunden oder Stunden aus dem Dasein gleichgültiger Menschen aus und er- füllte sie so zwingend mit suggestiver Lebenskrast, daß der Alltag tag darüber ins Monumentale emporwuchs— die Kunst war hier wirklich so schöpferstark wie die Natur. Aber es war auch gewiß, daß das in den„Neuen Gleisen" an- gewendete Verfahren, Sekunde für Sekunde, Gebärde um Gebärde mit entsagungsvoller Treue festzuhalten, keine Wiederholung oder gar mechanische Beibehattung vertrug, und so gingen Holz und Schlaf wieder auseinander: Holz dem Golgatha eines künstlerischen Kämpfers und Experimentators, Schlaf dem ebenso bitteren Wege eines Dichters und Denkers entgegen, der sinnt und spricht und troch- tet und allerwärts nur tauben Ohren, nur abweisend und unberühr- ten Gesichtern begegnet. Nur einmal noch fand er wirkliche Teil- nähme und Gehör: das war, als er den schmalen Büchern„In Dingsda" und„Frühling" Natur und Seelenstimmungen von berückender Feinheit und phantheistisch-erdfrommer Innigkeit bot. vollendete Prosagedichte, die selbst neben Whitmans„Grashalmen" nichts von ihrem zarten Glanz einbüßen.(Neuausgaben in der billi- gen Inselbücherei, Leipzig. Inselverlag.) Sonst aber vermochte er, es seiner launisch-ungerechten Zeit nicht mehr recht zu tun, ob er nun in dem virtuos gekonnten Drama„M e i st e r O e l z e" die natura- listische Stimmungskunst mit Handlung und charakterisierender Kraft zu verbinden strebte, ob er in einer drängenden Fülle von Romanen das Dekadenz-, dos Neue-Menschen-Problem und andere auf ihn ein- stürmende Fragen zu lösen trachtete, oder ob er in seltsamen astro- nomischen und philosophischen Schriften das kopernikanische System bekämpfte und dem religiösen Wollen neue Grundlagen suchte. Wieviel Schlafs abseits-eigenbrötlerisches Wesen und wieviel die Ab- kehr der Menschen dazu beigetragen haben, daß er sich so oft mit Gespenstern herumschlug, daß er von Unbefriedigung zu Unbefriedi- gung jagte und ernstem Wollen bisweisen nur halbes Können zu einen oermochte, entzieht sich unserm Wissen. Aber sicher ist, daß sich hier ein reicher und unermüdlich kämpfender Geist, ein Grübler und Gestalter hohen Ranges an stumpfer Gleichgültigkett wund und müde gerungen hat. Wäre s i e nicht gewesen, so brauchte man vielleicht nicht, um beim Klange des Namens Johannes Schlaf im Bilde zu sein, vierzig Jahre Literaturgeschichte zurückblättern. Dr. Alfred Kleinberg. Hatenkreuz-Llngehorsam. Goebbels' Äefehl zum Flaggen wurde nicht befolgt. Die Aufhebung des SA.- Verbots durch die Reichs- regierung von Papen-Freiherr von Gayl gab dem Berliner Ober- Häuptling der Nazis, Dr. Josef Goebbels, willkommene Gelegenheit, einen flammenden Aufruf an Sein Volt zu richten. Im„Angriff" konnte man lesen: „Hakenkreuzfahncn heraus! Das Sladlbild von Berlin muß ... eine einzige Demonstration des erwachenden Deutschland bieten." Dos„erwachende Berlin" sollte„seine braunen Kämpfer mit den Fahnen der deutschen Freiheit grüßen". Das erwachende Berlin Hot dies nicht getan, es hat scheinbar geschlafen. Die braunen Kämpfer wurden nur sehr kümmerlich begrüßt. Wer am Tage der preußischen Landtagswahl und an den beiden Hindenburg-Wahltagcn durch Berlin gegangen ist und nun am Hauptstichtag für die Begrüßung der wieder losgelassenen SA., dem Sonnabend, Vergleiche anstellte, der kam zu dem Schluß, daß die Zahl der Hakenkreuzslaggen kaum 5 Proz. der Zahlen von damals betrug. In den Arbeitervierteln Wedding, Neukölln und Friedrichs- Hain fast gor keine Fahne, in Moabit, Prenzlauer Berg und Kreuz- berg ab und an in jeder zweiten und dritten Sttaß� eine, zwei oder drei Fahnen, selbst der feudale Hakenkreuzwesten hätte mehr als kläglich geflaggt! Wären nicht die Heime und die ausgesproche- nen Verkehrslokale der Nazis gewesen, man hätte von dieser „einzigen Demonstration des erwachenden Deutschland" überhaupt nichts bemerkt. Herr Goebbels muß einen neuen geharnischten Befehl erlassen und ernste Rügen erteilen! Lokomotive gegen Eilzug. Zugunglück auf dem Stettiner Bahnhof. Auf dem Steikiner Fernbahuhof ereignete sich kurz nach Mitternacht ein Zusammenstoß zwischen zwei Lokomotive n, der glücklicherweise verhällnismähig glimpslich abgelaufen ist. Der Heizer keil des einfahrenden Zuges 142 Swine- münde— Berlin erlitt Seinverletzungen. S. wurde ins Lazarus- und später aus eigenen Wunsch in pankower Krankenhaus gebracht. Um 0,27 Uhr traf der Bäderzug aus Swinemünde auf dem Stettiner Zernbahnhof ein. Etwa 100 Meter vom Bahnsteig. wurde der Zug von einer L e e r l o k o w o t i v e gc- rammt. Durch den Zusammenprall wurde der Zührerstand des Eilzuges eingedrückt und der Heizer Seil mit dem linken Zuß eingeklemmt. Der Verunglückte konnte von hinzueilenden Bahnbeamten schnell befreit und abtransportiert werden. Im Krankenhaus stellten sich die Verletzungen als nicht gefährlich heraus. Eine Betriebs- fiörung ist durch den Zusammenstoß nicht eingetreten. wie die sofort von der Reichsbahndireklion eingeleitete Unter- suchung ergeben hat. Ist der Unfall durch einen bedauerlichen Irrtum verursacht worden. Der Führer einer Leerlokomotive, der mit seiner Maschine auf dem Lokomotivaus st ellungsgleig stand, bezog ein Signal des Zurufpostens auf sich und setzte sein Fahrzeug in Gang. Am Gleisübergang prallten dann die beiden Lokomotiven auseinander. Da die Geschwindigkeit aber sehr gering war, wurde größeres Unheil verhütet. Von den Fahrgästen des starkbesetzten Zuges ist niemand zu Schaden gekommen. Gefährlicher Brand in Eharlottenburg. Zweizimmerwohnung völlig vernichtet./ Eine Frau gerette k Durch ein außerordentlich gesährliches Feuer wurde heute vor- mittag in der Fritschestratze 77 in Eharlottenburg eine Zweizimmer- wohnung völlig vernichtet. Die Wohnungsinhaberin, eine Frau P k ö g e r, wurde von der Feuerwehr über einen Steckleitergang im letzten Augenblick in Sicherheit gebracht. Die Frau hatte unter der Einwirkung der Rauchgase bereits>das Bewußtsein verloren. Die Feuerwehr mußte aus mehreren Schlauchleitungen Wasser geben, um ein Wcitergreifen der Flammen zu verhindern. Durch den Brand wurde das ganze Haus in große Aufregung versetzt, da meterlange Flammen aus den Fenstern hervorschlugen und starker Qualm die Treppenhäuser ansüllte. Die Entstehungsursache des Brandes ist noch ungeklärt. Die Feuerwehr war mit den Auf- räumungsarbeiten an der Brandstelle mehrere Stunden lang be- schäftigt. Flucht aus dem Leben. Selbstmord eines verzweifelten Ehepaares. Im Hause wilhelm-Stolze-Straße 2 3 wurde heute vormittag eine Tragödie entdeckt. In ihrer Wohnung wurden dort der 44 Iahre alte Drogist Georg Schneider und feine um vier Iahre ältere Frau Helene tot ausgesunden. Vermutlich haben die Lebensmüden Zyankali eingenommen. Schneider betreibt seit Jahren im Hause Wilhelm-Stolze-Str. 23 eine Drogerie. Das Geschäft, das früher gut ging, wurde in den letzten Monaten immer schlechter und die Einnahmen reichten schließ- lich nicht mehr aus, um die Miete und die allerdringendsten Rech- nungen zu bezahlen. Wiederholt hatten die Eheleute zu Mietern im Hause Selbstmordgedanken geäußert. Als heute das Geschäft geschlossen blieb, schöpften Hausbewohner sofort Verdacht und alannierten die Kriminalpolizei. Als die Beamten in die über dem Laden gelegene Wohnung eindrangen, fanden sie Schneider und seine Frau in den Betten leblos auf. Die Wiederbelebungsoer- suche eines Arztes blieben ohne Erfolg. Nach dem ersten Befund ist der Tod durch Zyankali erfolgt. Eine Flasche, in der sich ein kleiner Rest der giftigen Flüssigkeit befand, wurde zur Unter- suchung beschlagnahmt. Die Leichen wurden ins Schauhaus gebracht. D-Ziig rast auf Postauto. Mer Schwer- und II Leichtverlehte. Altona, 20. Juni. Die Reichsbahndirektion Altona teilt mit:„Am Sonnlag vor- miilag S,44 Uhr stieß beim Bahnhof R o r d e r st a p e l an der Strecke Husum-Rendsburg der von Husum kommende D-Zug 977 aus dem nicht bewachten SIraßenüberganz mit einem stark befehlen, von kiel nach Tönning fahrenden postautobus zusammen. 21 Fahrgäste des postaulobus meldeten sich als verletzt, davon sind vier erheblich verletzt(Arm- oder Beinbrüche). Aerzlliche hilse war alsbald zur Stelle, auch der Rcichsbahnhilfszug aus Husum traf bereits ZS Minuten nach dem Unglück an der Unfallstelle ein. Die vier erheblicher Verletzten wurden mit dem fahrplanmäßigen Zuge nach kiel befördert und dort in ein Krankenhaus geschafft. Die übrigen verletzten konnten nach ärztlicher Versorgung die Reise sortsetzen. Die Schuld- frage ist noch nicht geklärt." „Das Kind." Ausstellung des Vereins Berliner Künstler. Man könnte eine schöne und vielseitig« Schau von Kinderbild- nissen zusammenbringen, auch wenn man sich aus Deutschland be- schränkte und auf die Zeit seit der psychologischen Darstellung des echten Kindes(an Stelle des Ehristkindes, der Putten und der recht unkindlichen Kinderporträts des 17. Jahrhunderts), also seit Phillip Otto Runges genialen Bildnissen. Deutung des Kind-Erlebnisses durch große Künstler, Angleichung ihrer eigenen Menschlichkeitsempfindung an das immer neue und tief« Geheimnis des seelischen Werdens aus dem Unbewußten hervor wäre der beglückende Sinn einer solchen Auswahl, für die fast alle großen Namen unserer Kunstgeschichte seit 1800 in Betracht kämen. Dies lag natürlich nicht im Bereich und ist der Absicht des Ver- eins Berliner Künstler. Seine Ausstellung„Dos Kind" greift etwa hundert Proben aus dem Schaffen"des letzten Menschenalters und dem Bezirk Berliner Kunst heraus, wie ein glücklicher Zufall sie bot. Immerhin reicht sie von ausgezeichneten und frühen Kinderbildern Slevogts, Corinths, Liebermanns, Dettmanns bis zu Carvallo-Schülein und Augusta v. Z i tz e w i g: mit diesen Namen sind auch die Höhepunkte der anziehenden Schau genannt und ihr bester Reiz, der eben doch in eigenwilliger Form und nicht in unbedingter Wiedergabe des Liebenswürdigen und Hilflosen der jungen Geschöpfe besteht. Es ließe sich viel über diese Gegensätze sogen und wie einige Künstler der mittleren Linie sie zu überbrücken verstehen: wozu man etwa die pikanten Bilder von Roßner, Mopp, E r i ck Richter, Ottilie Reyländer-Böhm, Adolf Männchen rechnen mag, wo sich das persönliche Ausdrucks- bestreben mit der Neigung zur Wiedergabe des sinnlichen Reizes die Waage hält. Das Gesamtniveau, durchaus anständiger Art, liegt auf der Linie einer populären Auffassung von Kinderanmut, wofür Reifferscheid, Ursula Bartning, Feyerabend, O r l i k und Spiro zu nennen wären. p. f. seh. Furlwängler in Bayreuth. Wilhelm Furtwänglor ist von seinem Posten als musikalischer Leiter der Bayreuther Festspiele für 1933 zurückgetreten. Der Grund liegt, wie Dr. Furtwänglcr mitteilt, in prinzipiellen Differenzen mit Frau Winifred Wagner, die im Gegen- satz zu den voriges Jahr mit ihm getroffenen Abmachungen die letzte Entscheidung auch in künstlerischen Dingen für sich allein be- ansprucht.— T o s c a n i n i wird bei den Bayreuther Festspielen 1933 die„Parsifal"- und„Meistersinger'-Porstellungen dirigieren. Eine wanet-Ausstellung wurde in paris anläßlich des 100. Geburtstages des Malers eröffnet. In der Ausstellung sind auch zahl- reiche aus deutschem Besitz stammende Manet-Bilder oertreten. Ein« Jnterieur-AuSftellung. Au» Anlaß seines bevorstehenden 80. Gc- burtstagcs hat der Lehrstuhl iur Baugeschichle an der Technischen Hochschule in Eharlottenburg eine Kollektivausstellung von 30 Interieurbildsrn aus Kirchen, Schlössern und Rathäusern deutscher Vergangenheit des Geschichte- malerS Wilhelm Beckmann im Architeltur-Museum der Hochschule veranstaltet. Sic ist vom 17. yüni bis 9. Juli(von l0— 15 llhr) uncnt- gcltlich geöffnet. In der Gcscllschajt sür wisseuschastlichc Philosophie spricht Dienstag, 8 Uhr(Schlunannsrr. LI). Dr. Hämmcrling über„Fortvfla»» zung, Alter« und Tod". Wohlfahrtsanstalt für die Schwerindustrie! Das Reich saniert Herrn Flick/ Hilfe für die Privatwirtschaft statt Verstaatlichung Was man seit langem, besonders aber seil dem Regierungswechsel erwarten durfte, ist seht eingetreten. Mit Rcichsgcldern soll die bankrotte rheinisch. we st sälische Schwcrindu- st r i e saniert werden. Zunächst handelt es sich um Herrn Friedrich Flick, den Beherrscher der Gelsenkirchener Bergwerks Zt.-G., die ihrerseits wieder die Herrschaft über die vereinigten Stahlwerke ausübt. Im Auslraae des Reiches soll die Dresdner Bank. die jeht dem Reich überwiegend gehört, 50 Millionen Gelsenkirchener Aktien kaufen. Der Kauspreis soll 20 Millionen Mark betragen. Mit diesen 20 Millionen Mark soll Herr Flick in die Lage verseht werden, Schulden bei inländischen und ausländischen Banken zurückzuzahlen. Das Geschäft soll bereits in den allernächsten Tagen zum Abschluß gebracht werden. Die Dinge liegen ossenbar so, dah Herrn Flick gewährte Kredite am l. Duli fällig sind— vielleicht sind es Auslandskredile— und bah Flicks Herrschast p l a h e n würde wenn Herr Flick nicht saniert wird. Man weiß, wie Herr Flick seine Herrschaft über die Vereinigten Stahlwerke„ausgebaut" hat. Er hat das berühmte Prinzip aller Spekulanten angewandt, durch Beleihung von Aktienpaketen und durch gleichzeitige Kurstreiberei immer größere Aktienpakete zu erwerben, bis ihm die Herrschast sicher war. Als die Kurse stürzten, war er zur Abdeckung der Kredite nicht sähigi die Pfänder ent- werteten sich, und die Stützungsbedürftigkeit sowohl für die Banken wie den Spekulanten trat ein. Es besteht auch seht wieder die Gefahr, daß Reichsgeldcr verschleudert werden. Wir stehen gewiß auf dem Standpunkt, daß die Schwerindustrie schon längst zur Verstaatlichung reif wäre. Es liegt aber gar kein Grund vor, daß Reichsgelder zur Sanierung von privaten Spekulanten verwendet werden und daß für eine zweifelhaft bleibende Einflußnahme des Reiches auf Teile der Schwerindustrie ein Preis gezahlt wird, in dem Steuergeschenke für Bankrotteure enthalten sind. Man wird gewiß in den nächsten Tagen das Argu- mcnt hören, es hätte eine Ueberfremdung verhindert werden müssen, nachdem auch holländische und sranzösische Kreise auf Gelsenkirchener Aktien Geld geliehen hatten und auch als Käufer für Gelsenkirchener Aktien aufgetreten sein sollen. Das Argument wäre aber falsch, denn das Ausland hat nur kleine Minoritätspakete beliehen! (?* würde ein Sturm der(Entrüstung durch Teutschland gehen, wenn das Reich Geld zur Ueberbezahlung Rundfunk derWochc Vom Schulfunk Der Schulfunk kann niemals eine Schule feini als solche wäre er in einem Lande mit allgemeiner Schulpflicht auch durchaus über- flüssig. Erfreulicherweise haben sich die Sendungen, die der Schul- funk der Deutschen Welle verbreitet, auch immer klarer von einer schulstundenmäßigen Ausmachung sortentwickelt, zu dem, was sie sein sollen: Ausschnitte aus Leben: nicht: Ausschnitte aus dem Leben, aus einer photographisch treuen vergangenen oder gegenwärtigen Wirklichkeit. So eng ist das Arbeitsgebiet des Schulfunks nicht. Auch jedes Kunstwerk ist, als Totalität gezeigt und betrachtet, Leben, es tänn aber auch zum Lehrstosf werden. Die Schule gibt Unterricht, der Schulfunk muß Anschauung geben. Diese Erkenntnis hat sich zweifellos durchgesetzt, wenn auch längst noch nicht alle wünschenswerten Folgerungen daraus gezogen werden. Vom Unterrichten, vom Ersatz-Schulunterricht ist man zwar abgekommen: die'Anschauung aber läßt, sowohl was die Wahl der Themen als auch die perspektivische Einstellung dazu anbelangt, noch manche Wünsche offen. Der Schulfunk ist sicher eins der dankbarsten Wirkungsgebiete für den Rundfunk. Jede Sendung kann hier nicht nur mit einer interessierten Aufnahme, sondern auch mit einer ganz bestimmten geistigen Resonanz rechnen. Es ist keine Frage, daß diese Tatsache sehr befruchtend für die Darbietungen gewirkt hat. Das ist besonders bei den Einzelvortrögsn zu merken. Der Redner, der, statt zum Hörer zu sprechen, einen Vortrag ins Mikrophon hält, ist in diesen Stunden selten, hier hat er eine bestimmte Altersgruppe von Schülern vor sich, denen er das erzählen darf, was er gerade für sie für wichtig hält. Er spricht zu ihnen nicht als Lehrer, sondern als Freund, der sie gleichsam über eine fix und fertig errichtete Brücke zu einem Ausflug ins Leben führt. Kunst, Musik, Landschaft, Menschen sprengen den Raum der Schulstube, weiten sie zur Welt. Ein weiser Lehrer wird dankbar dafür sein, wenn seine Schüler aus so anschauliche Weise zur Erkenntnis der Beweglichkeit dieser schwe- ren Wände gebracht werden: auch er wird dem Redner als Freund gegenübersitzen, der sich der Anregungen freut, die ihm helfen wer- den, seinen Schulunterricht zu bereichern. Denn was vor dem Mikrophon auch behandelt wird, die Aus- wertung muß der Schule überlassen bleiben. In den sünfund- zwanzig bis fllnfundvierzig Minuten kann immer nur gezeigt, nicht gelehrt werden: der Klang einer fremden Sprache aus fremdem Mund, Musik, Dichtung in künstlerischer Ausführung. Jede Dar- stellung, die aus Lehr- und Lesebüchern ersetzt werden kann, ist überflüssig. Es ist eigentlich erstaunlich, daß diese Erkenntnis beinahe immer aus den Einzelvorträgcn spricht, daß sie aber bisweilen in dem, seiner Form nach doch viel schulfremderen„Hörbild"— beim Dialog angefangen— zu fehlen scheint. Wer von den er- wachsenen Hörern in der vergangenen Woche zufällig die Sendung „Im Kampf um die Erforschung der Arktis" abgehört hat, erlebte ein Musterbeispiel einer guten Schulfunkscndung. Ein Lehrer erzählte von einer eigenen Jslandreise und bereitete damit die Aufnahmefähigkeit vor für Schallplattenausschnitte, aus denen die Stimmen berühmter Forscher einiges über die wirkliche Arktis, das in ewigem Eis begrabene Gebiet, sagten. In diesem organischen Ausbau erschienen die Männer und ihre Leistung nicht in heroisch- bengalischer Beleuchtung, sondern im klaren Schein der Wirklichkeit. Die echte Ehrfurcht, die der Bortragende vor ihrem Werk empfand, vor dieser, oft unter qualvoller Aufopferung und unter schwersten seelischen Depressionen geleisteteten wissenschaftlichen Arbeit, weckte er so im Hörer. Es ist schön, zu denken, daß solche Sendung über das ganze Land, bis in die entlegensten Schulstuben, greift und den Unterricht anregt und bereichert. Und es ist schön, wenn so aus Briefen und Berichten, die nicht überall zugänglich sind, Menschen aus Vergangenheit und Gegenwart lebendig werden, so daß ihre Namen, ihre Leistung sich zu Begriffen formen. Eine Ergänzung wäre hier grundsätzlich zu befürworten: Einbeziehung des gegen- wärtigen Literaturfchasfens in den Schulfunk durch V e r m i t t- l u n g von Dichtungen, die im gegebenen Fall sich durch einige, eine weiterführende Aussprache anregende Erläuterungen, erweitern ließe. Die Lesebücher, und nicht nur die von Volksschulen, sind da einigermaßen im Rückstand: auch wohl sehr viele Lehrer- bibliotheken. Wenn die Dichtungen von befähigten Vortragskünst- lern gesprochen werden und die Erläuterungen von Menschen, die den Werken und ihren Hörern das gleiche Verständnis entgegen- bringen, so könnten diese Stunden sehr bereichernd wirken. Das Hörbild im Schulfunk leidet bisweilen— so paradox das klingt— an seiner günstigen Form. Es erscheint naturgemäß immer belebt, und das täuscht seine Gestalter manchmal; sie halten es dann auch schon für lebendig. Ein Mehrgespräch läßt sich aber aus jedem Lesestück, ja aus jedem Lehrbuchabschnitt machen; hält man sich an die Worte und ihren Inhalt, so bleiben es doch eben Lesestücke, Lcrnstllcke, belastet mit dem Gewicht von zahllosen un- anschaulichen Einzelheiten, mit Zahlen und Beschreibungen, die wohl im Pensum einer Schule erarbeitet werden können, die aber im Schulfunk durchaus fehl am Platze sind. Auch das.Lebende Bild", das Wirklich keitz-Surrogat, sollte hier vermieden werden. Das bedeutet keine Ablehnung der „gestellten" Unterhaltung, die ja in den allermeisten Fällen für jedes Hörbild in Frage kommt und die in ihrer Konzentration hier als echter vom Hörer erlebt werden tänn als die photographisch treue Wirklichkeit, aus der sie herausdestilliert wurde. Aber es ist uner- läßlich, daß dieser Grundstoff in ausreichender Menge vorhanden ist. Die sremdsprachlichen Hörbilder konnten so wohl manchmal stärker in das heute des fremden Landes eindringen, be- sonders in den Sendungen für die Oberklassen, die durch Ausschnitte aus Zeitungen und Zeitschriften eine regelmäßige außerordentlich wertvolle Ergänzung für den Sprachunterricht bringen könnten. Alle diese Sendungen erscheinen als eine Art Erweiterung be- reits vorhandener Schulstunden. Ein Stoffgebiet des Schulfunks jedoch läßt sich nicht ohne weiteres lehrplanmäßig aussaugen: die menschenkundlichen Darbietungen. Das ist vielleicht der Grund, wes- halb sie so selten sind und meist nur andeutungsweise in volkskund- lichen Veranstaltungen auftauchen, hier möchte sie gewiß niemand entbehren, der Wert auf einen lebensverbundenen Schulfunk legt. Aber der Mensch und sein Alllag verschwinden hier leicht unter der Fülle der Gesichte, deren Buntheit aus die jugendlichen Hörer ein- dringt, und die nachfolgende Schulstunde wird eben aus technischen Gründen nicht immer geneigt sein, diesem Alltagsmenschen besondere Bedeutung beizulegen. Deshalb ist es notwendig, besondere Ver- anstaltungcn für solche Menschenkunde zu entwickeln, um die Schul- jugend mit ihren Volksgenossen aus allen Teilen des Landes, aus den verschiedensten Arbeitsgebieten zusammenzubringen; nicht, um ein Land, eine Arbeit anschaulich zu machen, sondern um den Lebensroum von Menschen zu zeigen. Nicht Stoff zum Lernen, sondern Anregung zum Verstehen— wenn man will: zum Forschen— müßte in diesen Stunden gegeben werden. Gehaltvoll in diesem Sinne war die Breslauer Schulfunk- sendung„Aus einer schlesischen Grub e". Der Stoff hatte hier den Leitgedanken der Sendung, die unter dem Sammeltitel „Aus dem Leben in Staat und Wirtschast" stand, überwältigt. Der Fragesteller, der, um den Arbeitsausbau zu zeigen, sich mit den ver- schiedenen Arbeiter- und Angestelltentypen unterhielt, die im Wal- denburgcr Bergbau tätig sind, bekam immer— dank seiner menschlichen Fragestellung— den Arbeitsbericht eines Menschen, der min- bestens auch ein Stück Lebensbericht war. Man sah den Menschen in dem einen Meter hohen Stollen sein Tagewerk oerrichten, heute acht Stunden unter Zuhilfenahme von Maschinen, früher zwölf Stunden mit einfachem Handwerkszeug. Die Anstrengung, sagte der Bergmann, ist in beiden Fällen die gleiche. Und jeder, der Steiger und der Obersteiger und der Mann am Förderkorb sprachen von der Arbeitsleistung, die geschafft werden muß, und immer wieder unaufgefordert von ihrer Verantwortung gegen die ihrer Aufsicht und Tätigkeit unterstellten Menschen. Denn überall lauert der Tod. Nur der Direktor sprach nur vom Ertrag und von seiner Verpflich- tung gegen die Bergbaugesellschaft, und auf eindringliches Bestagen ein wenig vom Arbeitssystem: in dieser letzten Unterredung war wirklich nur vom Leben der Wirtschaft, nicht mehr von dem des Menschen die Rede. Dieser Abschluß war richtig. Denn er rundete das Bild vom Arbeitsleben des Bergmannes. Ergänzend hätte man allerdings einige Berichte aus seinem privaten Leben gewünscht. Tc!i. von schwer! ndustrietlcn Aktien aufwenden würde. während für Arbeitsbeschaffung und Sozialversiche- rung kein Pfennig vorhanden ist, und die Unter- stüünngen der(Erwerbslosen in absolut unerträglicher Weise abgebaut werden! Die Rcichsregierung selbst soll der entscheidende Partner bei dem Geschäft sein, die Dresdner Bank ist nur das ausführende Organ. Wir sragen die Reichsregierung, zu welchem Kurs die Gelsenkirchener Aktien von der Dresdner Bank übernommen werden sollen? Wir sragen serner, ob der Reichsregierung bekannt ist, daß der Kurs der Gelsenkirchener Aktien in den letzten acht Wochen— während die Verhandlungen über das Geschäft liefen!— von 25 aus 43 P r o z. hinausgetrieben worden ist? Die Reichsregierung ist verpflichtet, der Oeffentlichkeit sofort volle Aufklärung über die Hintergründe, Absichten und Kosten der Transaktion zu geben. Ferner halten wir es für notwendig, daß der Ueberwachungsausjchußdes Reichstages vor dem definitiven Abschluß des Geschäftes informiert wird und feine Zu- stimnning zu geben hat. Er hätte auch zu untersuchen, weshalb dieses Geschäft jetzt überhaupt notwendig ist, nachdem gelegentlich der Bankcnsanierung im Februar, besonders der Danat- und der Dres- dener Bank, so große Beträge zur Verfügung gestellt worden sind, daß man die Abschreibung der bei den schwerindustriellen Beleihungs- geschäften entstandenen Verlust hätte erwarten müssen." Der Fall Flick zeigt von neuem die absolute Notwendigkeit der staatlichen Bankenkontrolle. Sämtliche Banken, die Flick gegen Aktienpakete Kredite gegeben haben, haben ohne gegenseitige Kenntnis gehandelt. Die Schwerindustrie ist zur Verstaatlichung reis! Mißbrauch des Rundfunks. Wo bleibt die Parität! Kaum hat der Nationalsozialist S t r a ß e r in der Deutschen Welle gesprochen, so folgt jetzt schon nach wenigen Tagen wieder eine nationalsozialistische Veranstaltung. Am Montag abend spricht der Oberst a. D. hierl über„Die National sozio- listen und die Arbeitsdien st Pflicht." Wo bleibt da die Parität? Wenn schon der Rund- funk für politische Vortröge freigegeben wird, dann kann das nicht einseitig zugunsten der Nationalsozialisten geschehen. Oder glaubt die Reichsregierung, daß wir uns schon im Dritten Reich befinden? Wo bleibt vor allem die Rücksicht aus die Hörer, die sich dafür bedanken, daß der Rundfunk ihr gutes Geld, das sie in Form der an sich schon recht hohen Rundfunkgebühren allmonatlich zahlen, für die nationalsozialistische Agitation oerwendet. Ungewöhnlich ist auch, wie das schon beim Straßer-Vortrag zu verzeichnen war, daß die Vorträge so schnell angesetzt werden. Alle sonstigen Sterblichen müssen mindestens 4 bis 6 Wochen, wenn nicht länger, warten, ehe ihr Vortrag in das Progranun eingereiht wird. Wozu diese verdächtige Eile? Sollte die Liebedienerei gegen« über den Nationalsozialisten soweit führen, daß man ihnen gar noch eine Vorzugsstellung im Rundfunk gegenüber allen anderen Kreisen einräumt, so müßte dagegen aus das schärfste protestiert werden. Der Straßer-Vortrag ging über alle deutschen Sender(mit Ausnahme von Stuttgart und München). Offenbar geschah auch dies auf„höhere" Anordnung, denn die Ueberwachungsaus- schüsse der einzelnen Sender sind gar nicht erst gefragt worden. Auch das ist sonst nur bei den offiziellen Sendungen der Reichsregierung oder Regierungsmitglieder üblich, die im Wege der sogenannten„Auslage" von allen Sendern übernommen werden müssen. Offenbar werden die Nationalsozialisten bei den zustöndi- gen Stellen schon als Träger der Regierung angesehen, so daß man ihnen die gleichen Vorrechte wie der Regierung gewährt. Nachdem die Reichsregierung die Sender bereits für eine Stunde jeden Tag beschlagnahmt hat, muß man es als einen krassen Mißbrauch des Rundfunks ansehen, daß man darüber hinaus auch noch den Nazis ähnliche Sonderrechte gibt. Wir verlangen gleiches Recht nach allen Seiten. 52. Abteilung. Achtung, heute abend Flugblattverbreitung von dem bekannten Lokal. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig und etwas wäryzer. Für Deutschland: Im Süden und Südosten stark bewölkt mit Regen- fällen. Im übrigen Reiche meist trockenes, mäßig warmes Wetter. Verantwortl. sik die Redaltion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlzg: Vorwärts Verlag G. m. l>. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- drnckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW K8. Lindenstr. d. Hierzu 1 Beilage. Sfaals 1% Thcalcr Montag, den 20. joni staatsoper unter den Linden 20 üht [avalleria füsütaoa- Bajazii Beschränkter Kartenverkauf SlzatLStepidhaus üendarmBnmarkt. 20 Uhr GeuhiossneVonitliang Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Absdiiefl von der Uetze bris. Flors 3434. BaudiiB tri. ul Graetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. PtA£A Nil« Silin, ßiif. ia.B'-.Släi. 2,S.a,5l). k 7 Weichs. 1031 Schwanwaldraäcifl OeDtsdies Iheater Die 8>/< Uhi Journalisten Ustsp.naJiQuftavFieyta; von falbt Jtadiiimon Mtisi*: Thon Madlaixo Repe; Heinz Hilperr. Siüdi.Oper Chariottenbur. .■3ismarckstraße Montag, 20. Juni Volksvorstellung Kein Kartenverkauf Carmsn Salvatini, Fk esser. Gura. Roth Anfang Uhr Ende gegen 33 Uhr VolKsbliiine Ttiealar am Btlowolatr S'/i Uhr Zum letzten Male Die Doldcne SJ'fir Morgen 8 Uhr Zum I. Male Geld ohne Arbeit Komödie von Alberto Colantuom Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: Günther Stark Staatsoper Unter den Linden Uh' Cevalierle raslicana Balazzl Rose-Theater Jnle Fraakforltr StraBe 13! 7,1.«ei»!, 1 k I 3«? 8.30 Uhr Die eiserne Inngfrau GartenbUhue 5.30 Uhr Konzert u. Variete Zlgeunerljehe Verein der Berliner Buchdrucker und Gchristgießer Mittwoch, 22. Juni 17 J4 Uhr in den Germania-prachtsöten, Shauffeestr. 110 Betriebsräte-Versammlung Tagesordnung: Nie Tarifbewegung der Buchdruck- Hilfsarbeiter. Zu dieser Versammlung haben nur die Betriebsräte des Verbandes der Deutschen Buchdrucker(Gau Berlin) Zutritt. Als Ausweis gilt die Legitimotions- karte für das Jahr 1932 mit dem Stempel Betriebs- ratsmitglied. Uin pünktliches Erscheinen ersucht Der Sauvorstand. Die Sprechstunden am Mittwoch von 16 bis 18 Uhr fallen aus I EHino-Tiieate Täglich SVt Uhr nadonna wo dist Bn? i Erika v. TheHmann Luise Stöse' Tneodor Loos I Josef Wedom 1 Reskifiint Berlins Vellage Montag, 20. Juni 1932 %niniil4nße Ju[oruräAk �Bismarcks großes Spiel 3)ie geheimen Tagebücher£udivig ffiambergers Als am 15. Juni 1888 die Neunundneunzig-Tage-Herrschaft Kaiser Friedrich I. zu Ende ging, wurde im Auftrage des Kran- Prinzen Willzelm, des nun designierten Kaisers, das Schloß des Talen van Gardehujaren umstellt und bewacht: man wollte den liberalen Ratgeber des soeben dahingegangenen Kaisers scstnehmen, das Gc- heimnis der 99 Tage enthüllen. Vergebens. Und doch gab es dieses „Geheimnis", nur daß die Tagebücher des liberalen Politikers Lud- wig Bamberger, die den Schlüssel zur Lösung jenes Geheim- nisses bedeuten, bis heute unbekannt geblieben sind. Während dreier Jahrzehnte, von 1867 bis 1897, hat Ludwig Bamberger zur eigenen inneren Rechenschaft, nicht zum Zwecke der Verösjentlichung, Aus- Zeichnungen gemacht, die der Herausgeber Dr. Ernst Feder mit Recht unter dein Titel:„Bismarcks großes Spiel" zu- sammenfaßt.(Sozietäts-Vcrlag, Frankfurt a. M. Mit Anlogen, Anmerkungen und Register 58Z Seiten.) Bainbergcrs Tagebücher werden in Zukunft zu den wichtigsten und bedeutungsvollsten Doku- mcnten gehören, die uns zur politischen und sozialen Geschichte des letzten Drittels des 19. Jahrhunderts überliefert worden sind. Die äußerst sachkundigen Anmerkungen des Herausgebers machen das Werk besonders wertvoll. Drei Jahrzehnte ist Ludwig Bamberger, der schon als Fünfund- zwanzigjähriger in der 48er Revolution den badifch-pfälzischen Aus- stand mitgemacht hatte, einer der Führer des deutschen Liberalismus gewesen; seine Tagebücher lassen die innere Wandlung des deutschen Liberalismus deutlich erkennen: aber ebenso ausschlußreich sind die neuen Dokumente für eine intime Kenntnis Bismarcks, in dessen un- mittelbarer Nähe Bamberger ost und lange geweilt hat. Nach der Revolution von 1848 lebte Bamberger zwanzig Jahre im Exil. Er widmete sich, durch seine Rechtskenntnis, sowie durch seine Familienverbindungen begünstigt, dem Bankfach. In England und von 1853 an in Paris arbeitete Dr. Bambergcr mit großem Er- folg in dem internationalen Bankhaus seiner Onkel Bischossshcim. Er wird finanziell unabhängig. Nach 1877, mehr als zwei Jahre nach dem Tode feiner Frau und nachdem er schon längst von Paris nach Berlin übersiedelt ist, schreibt er in seinen Tagebüchern:„Doch wenn man sich gar mit dem täglichen Brot herumschlagen müßte. Sei dankbar, daß dir dies erlassen ist!" Diese äußere Unabhängigkeit hat sicher die innere Freiheit Ludwig Bambergers stark be- dingt und die vielen Jahre, die er in Paris verbracht hatte, gaben ihm ein Kulturbewußtsein, das auch den entschiedenen Vorkämpfer für die deutsche Einheit nie seine europäische Verantwortung vergessen ließ. Mit dem Ausbruch des deutsch-französischen Krieges verließ Bamberger Frankreich und stellte sich Bisniarck zur Verfügung, der ihn während des Krieges für das Presse- und Verwaltungswesen des besetzten französischen Gebietes verwandte. Bnmberger konnte auf diese Weise die intime Geicchichtc des dciltsch-franzofi sehen Krieges von 1879/71 späteren Generationen überliefern. Im Mittelpunkt steht immer Bismarck, dessen Bild er mit der Feder des Meisters für alle Zeiten festhält. So schreibt Bamberger Anfang 1873 nach einem Empfang bei Bismarck:„Ich beob- achtete während des langen Gesprächs nach Tisch, da ich ihm gerade gegenüber saß, zum xten Male diese Züge. Die Stimme... ist eigentlich nicht so bedeutend, wie man gemeinhin annimmt. Sehr prononziert sind nur die stark vortretenden Stirnknochen über den Augen,... was besonders durch die starken, buschigen wilden Augen- brauen noch mehr ins Gewicht fällt. Die Fülle des Gehirns scheint mehr unter dem vordersten Teil der oberen Schädelpartic zu liegen. Die Nase beinahe mongolisch null: das Interessanteste und Charak- tcristischste ist der Mund. Unter dem Vorhang des Schnurrbartes kann man ihn stets nur teilweise beobachten. Bei seiner gewöhnlichen Plauderei erscheint etwas Weiches und stets leicht Lächelndes auf diesen weiten Lippen, aber unmittelbar dahinter liegt etwas gewalt- sam Zerreißendes, entschieden Raubtierisches. Dieser anmutig lächelnde leise Mund kann plötzlich sich austun und den Jnterlocutor (Gesprächspartner) verschlingen... Das Auge ist mißtrauisch- freundlich, lauernd-hell, kalt-blitzend, entschieden, nicht zu verraten, was dahinter vorgeht, außer wenn er was Bestimmtes mit Absicht zeigen will. Trotzdem er im Landtag zwei lange Reden gehalten, plaudert er von 5V* bis 8)4 Uhr ohne Unterlaß, hört nur auf sich und will nicht im Faden seiner Gedanken, die er abspinnt, irre ge- macht sein. Was ihm in den Kram paßt, schlägt er in sein Gespinst ein, was nicht, läßt er fallen. Dabei merkt man, daß alles, was er sagt, lange und oft von ihm durchdacht und ausgesponnen worden ist, daß er sich seine Gedankenwelt zurechtmacht, in der er lebt. Er hat sie mit Bildern reich geschmückt, die jeden Augenblick humoristisch ver- wendet werden. Besonders sind sie aus der Militärwissenschast und der Land- und Deichwirtschast entlehnt." Ludwig Bamberger, an den Ersahrungen des westlichen Par- l a m e n t a r i s m u s gereift, sieht in Bismarck„den großen Teufel", der Deutschland zu keiner inneren Selb stve ra nt wo rtu n g sich ent- wickeln läßt. „Er(Bismarck) desorganisiert nicht nur. wie bis- her", so notiert Bambcrger 1�78,..alle Organisation und Regierung, sondern die kümmerlichen staats- erhaltenden Elemente im Volk selbst. und bei der cnlgegenkommenden Disposition im Volk fragt man sich in.mer von neuem: ob nicht abermals alles zurückgehen werde, wie 1815 und 1848." Später, im Jahre 1884. sieht Barn- berger klar die Gründe, weshalb Bismarck mit den deutschen Par- teieu machen kann, was er will. Er schreibt:„Dieses deutsche Par- iament ist zu spät aus die Welt gekommen, als der Parlamentaris- mus bereits niederging," Bringt man diese Bemerkung mit einer anderen vom 7. August 1883 in Verbindung, so gewinnen Bam- bcrgcrs Einsichten geradezu prophetischen Charakter:„Der letzte„Economist"(eine englische Zeitschrift) hat einen merkwürdigen Artikel über Parlamentarismus gebracht mit ganz denselben Symptomen wie bei uns. Die Extrakte der Zeitungen werden kürzer, weil das Publikum weniger davon lesen will. Man nimmt Anstoß an der Länge und Unfruchtbarkeit der Debatten. Die Gefahr, daß ein- nwl bei einer kritischen Situation nach innen oder außen eine starke Hand dem Parlament vorgezogen werde, wächst: um so mehr als die Zer splitterung der Parteien die Bildung von Kabi- netten erschwert." Wenn die Bismarcksche Reichssührung vielfach(zuletzt von Beumelburg) als Vorbild für unsere heutigen parlamentarischen Schwierigkeiten gelten soll, so dürfen Bambcrgcrs Tagebücher gar manchem, der sich heute nach der„st a r k c n Hand" sehnt, über gewisse Begleitumstände eines diktatorischen Regiments aufklären können. Ein Beispiel: Ter Schwiegervater des Staatssekretärs Boettcher im Reichsamt des Innern muß als Direktor der Reichsbankfiliale eine Veruntreuung von einer Mit- lion decken. Boettcher verschafft seinem Verwandten den Betrag durch Hilfe von Bleichröder, Hansemann und Mendelsohn. Bismarck ersetzt seinem Staatssekretär die Million aus den Mitteln des Welfen- f o n d s, aus dem Bismarck ja auch bekanntlich dem bayerischen König bis zum Jahre 1884 jährlich 399 999 Mark für dessen Zustim- mung zum deutschen Kaisertum des preußischen Königs auszahlen ließ, wobei der Uebermittler der Summe, der Oberslallmeister des Bayernkönigs, Graf von Holnstein, eine Provision von zehn Prozent jeweils gleich einbehielt. Solcher Art sind die unvermeidlichen Begleitumstände einer Regierung der„starken Hand", die von keiner demokratischen Instanz kontrolliert wird! Zum unmitelbaren Gegenspieler von Bismarck wird Ludwig Bamberger während der kurzen Regierungszeit Friedrich 1. Kaiser Friedrich l. und seine Frau Viktoria, die Tochter der Königin Viktoria von England, standen von jeher in tiefstem Gegensatz zu Bismarck. Die Kaiserin formuliert diesen Gegensatz in einem Schreiben an ihre vertraute Freundin Frau von S t o ck m a r, die die Verbindung zu Bamberger hergestellt hatte.„Die liberale Partei mitsamt Kaiser Friedrich und seiner Witwe m U s s e n in den Staub — vor die ganze Nation(man sieht, wie die Kaiserin der deutschen Sprache nicht ganz sicher ist) und jeder und jede, die ihnen treu gewesen sind! Von ihnen allen darf nie ein Mensch wieder das Haupt erheben. Zu Erempel für alle nachfolgenden Regierenden— damit niemals wieder einer wage, den Versuch zu machen, liberal, tolerant, modern usw. zu regieren. Der Kulturstaat darf nicht geduldet werden,— nur der M i l i t ä r st a a t, Beamten- staat— P o l i z c i st a a t! Ein Kanzler, ein Ministerium muß regieren, auch ein absoluter und konservativer Kaiser, wenn e r will!—" Schärfer kann Bismarcks Regime kaum kritisiert werden, aber auch das Regime Wilhelm II. wird von dieser Kritik getroffen. Schon am 17. November 1888 schrieb die Kaiserin ebensalls an Frau von Stockmar: ..Krank wird er(Friedrich) immer noch ein viel besserer Kaiser als sein unreifer Sohn, wenn dieser auch noch so gesund ist." Aber trotz der Schwäche des todkranken Kaisers gelang es Bam- berger, den preußischen Innenminister Puttkammer, dem die Oeffentlichkeit konservative Wahlbeeinslussung vorwarf, zu stürzen. Niemals hat Bismarck erfahren, daß es Ludwig Bamberger war, der sein großes Spiel durchkreuzt hatte. Mit Bismarcks„Gedanken und Erinnerungen" und dem Brief- wechsel von Marx und Engels gehören„die geheimen Tagebücher" Ludwig Bambergers zu den aufschlußreichsten persönlichen Dokumen- ten des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eine heute verschwundene bürgerliche Kulturgesinnung spricht aus jeder Zeile dieses Buches: Ein tiefer, feiner, überlegener Geist, dessen starkes Selbstbewußtsein nur ganz selten einen leichten Anflug van Selbstgefälligkeit zeigt. Ludwig Bambergcr war, mit den Worten einer Freundin,„ein Europäer und ein gütiger, großartiger Mensch, der alles Niedrige weit hinter sich ließ." Der Herausgeber Dr. Ernst Feder hat den Tagebüchern eine Einleitung vorausgestellt, die ganz ausgezeichnet ist. Die deutsche und die europäische Ocsscntlichkeit muß Ernst Feder für dies schöne und würdige Buch danken, das nachhaltig sürdie heute bc- drohte Idee der Demokratie werben wird. P. Mayer. D». 5. ITeinberg: Mit besonderer Leidenschaft wird in der Gegenwart um eine Neugestaltung der S e x u a l e t h i k gekämpft. Die alten An- schauungen haben ihren Einfluß aus die Wirklichkeit weitgehend verloren. Am deutlichsten wird die Wandlung im Verhalten der jungen Generation. Sie hat alle Bindungen abgestreift, eine un- leugbare Tatfache, aus die der amerikanische Jugendrichter Lind- sey in seinen weit verbreiteten Büchern mit Nachdruck hingewiesen hat. Die Ursachen dieses Umwandlungsprozesses sind vielfach unter- sucht worden: sie liegen in den veränderten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen, in der geänderten Stellung der Frau, im Zusammenbruch der gesicherten bürgerlichen Weltanschauung und in den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung, die neue Ein- sichten in die Bedeutung des Geschlechtslebens sür das gesamte Leben vermittelt hat. Diese Faktoren haben die„Revolution der modernen Jugend" hervorgerufen und in ihrem Gang beschleunigt. Die tatsächlichen Wandlungen werden allgemein zugegeben, aber es herrscht Streit über die Bewertung der neuen Lage und über das, was angesichts dieser Tatsachen getan werden soll. Die Vertreter der„alten" Sexualethik sehen in den modernen Lebens- formen nur bedauerliche Auswüchse einer verderbten Zeit, sie halten die alten Anschauungen für die allein richtigen und lehnen daher Reformvarschläge ab, mag es sich nun um das Problem der Ab- treibung, um Erleichterung der Ehescheidung oder um neue Formen der Che(Kameradschckstsehe) handeln. Die Vertreter der„neuen" Sexualethik weisen dagegen darauf hin, daß Reformen notwendig sind, weil die bisherigen Regelungen das Produkt längst ver- gangener wirtschaftlicher und sozialer Zustände sind und weil da- her die bisherige Sexualethik und Ehegesetzgebung zu schweren Konflikten führen muh, die durch keinen Machtspruch zu beseitigen sind. Es handelt sich nicht darum, einfach die alten Bindungen zu beseitigen: denn ohne Regelungen müßte ein verderbliches Chaos entstehen. Die Serualreformer wollen eine bessere und g e- rechtere Neugestaltung, und sie weisen mit Recht darauf hin, daß die größere Freiheit dem einzelnen und der Gesamtheit auch größere Verantwortung auferlegen. Der Streit über diese wichtige Frage ist noch nicht entschieden: es ist klar, daß nur im Rahmen einer Ordnung des gesamten so- zialen Lebens auch das Problem der Sexualethik gelöst werden kann. Inzwischen reden die alte und die neue Richtung noch viel- fach aneinander vorbei: aus beiden Seiten wird der Gegner mit- unter verketzert, was zwar zu bedauern, aber noch begreiflich ist: denn die Sexualethik ist ein Teil der Lebensanfchauung, sie be- rührt weitgehende und wichtige Interessen. Es ist daher notwendig, daß diese Fragen immer wieder durchdacht und mit dem Bewußt- sein der Verantwortung behandelt werden. Eine gründliche Kennt- nis der Probleme ist das beste Mittel gegen vorschnelle Entscheidun- gen. Der Gießener Philosoph August Messer gibt in seinem neuen Buche„S e x u a l e t h i k"(Volksoerband der Bücherfreunde, Wegweifer-Verlag, Berlin, 266 Seiten) eine sehr wertvolle und be- sonnene Darstellung des ganzen Fragenkomplexes. Messer will nicht fertige Ergebnisse vermitteln, er versucht durch Darlegung der Probleme den Leser zum selbständigen Durchdenken und zu eigener Entscheidung anzuleiten. Das Buch beginnt mit grundlegenden Er- örterungen über die Ethik, es zeigt die wesentlichen Formen der Echik und gibt Richtlinien für eine verantwortliche Stellungnahme. In weiteren Kapiteln werden die Tatsachen über die Physiologie, die Hygiene und die Psychologie des Geschlechtslebens mitgeteilt: mit Recht stellt Messer fest, daß dieses Wissen um das Tatsächliche für jeden Entscheid notwendig ist. Zu den Grundfragen der Sexual- ethik wird in den beiden Haupttäpiteln„Geschlechtsleben und Sitt- lichkeit" und„Geschlechtsleben und Recht" Stellung genominen. Messer tritt sür«ine Neugestaltung auf Grund größerer Verant- wortlichkeit ein, aber er läßt abweichende Auffassungen in aus- reichendem Maße zu Worte kommen. Vor allem die katholische Ausfassung wird eingehend gewürdigt und auf ihre Voraussetzung geprüft. Die Vertreter der alten Richtung werden in wörtlichen Zitaten angeführt, so daß eine sachliche Auseinandersetzung mit ihren Argumenten erleichtert wird. Messer hebt hervor, daß die Beförderung der geschlechtlichen Sittlichkeit nicht möglich ist ohne Eintreten sür ausreichende Woh- nung, Arbeit und Erziehung im Geiste der Wahrhaftigkeit. Die Sexualethik ist ein philosophisches und individuelles, zugleich aber auch ein Teil des großen sozialen Problems. Auch dieses Buch von Messer zeichnet sich durch«ine vornehme, leicht verständliche Sprache aus, so daß man ihm weite Verbreitung wünschen muß. CliUBlfl' fiir Bilder-Sammler, sondern für Qualitäts-Raudier bestimmt, denn echt macedonische Tabake sind so teuer, aber auch so gut, daß»Zugaben«(?) weder möglich noch notwendig sind. Am brennenden Holzstoß Die Sonnenwendfeiern der Arbeitersportler Einen bei dem Wetter unerwarteten Erfolg brachte den Natur- freunden die diesjährige Sonnenwendfeier auf dem V e r- einsgelände am Uederfee. Allein aus Berlin waren 25 vollbesetzte Lastautos gekommen, dazu unzählige Radler und Wanderer, die die Eisenbahn bevorzugten. Aus der Umgegend— Eberswalde, Finow, Finowfurth— waren mindestens ebensoviel erschienen als aus Berlin. Bereits um 20 Uhr begann am Sonnabend das Konzert des Blasorchesters, um 22 Uhr folgten Kabarettdarbietungen der Gruppe Gesundbrunnen, Spießer» und Zeitsatyre unter starkem Beifall vor allem der Landbevölkerung bietend. Viel Beachtung fand an- schließend der Fackelreigen der Faltboote auf dem See. Das Sonnenwendspiel, dem nur noch die rechte Beweglichkeit im rhythmischen Ausdruck des Sprechchors fehlte, kündete von der Not des Proletariats, von Zusammenschluß, Kampf und Siegeszuversicht. In einer kurzen Schlußansprache wurde betont, daß Sonnenwend- feiern in dieser Zeit besonderen Charakter haben müssen. Die soziale und politische Reaktion schreitet voran. Da gilt nur ein Zusammenstehen in allen Orten, in Stadt und Land. Wo die polstische Pflicht wächst, gibt es auch für Naturfreunde kein Ausweichen, keine Flucht in die Natur, keine reinen Freudenfeiern. Sonnenwende wird Feierstunde und Kampsgelöbnis zugleich! Mit einem stürmisch aufgenommenen Hoch auf die internationale sozialistische Kamps- gemeinschast des Proletariats aller Länder schloß Lau die ein- drucksoolle Kundgebung. Der Sonntag brachte trotz vereinzelter Regenschauer auf dem von über ISO Zelten umbauten Platz Musikdarbietungen der Musik- gemeinschast, Gesang in kleinen Gruppen und in einer vorzüglich durchgeführten„Offenen Singstunde", Lanzenstechen der Fallboot- sahrer und von spielstarken Abteilungen getragene Faustballspiele sowie reges Badeleben. Lodernde Flammen «uf der Pätzer Sonnenheide Sonnenwende im Frsitörperkulturbezirk der Freien Durnerschaft Groß-Berlin! Aus allen Bezirken Berlins strömen sie herbei die Natur- und Schicksalsverbundenen: kein Weg ist ihnen zu weit, keine Stunde zu spät und als schon der Holzstoß in Flammen steht, kommen immer noch welche. Per Bahn, per Rad. dann knattert und rattert vollbeladen ein Lastauto an und lädt eine große Fuhre junger Gewerkschaftler aus. Die Männer tragen ihr „Federbett" auf dem Rücken, das hat so verdächtig lange, reichlich stachlige Federn und sieht fast wie Stroh aus: aber auch daraus läßt sichs gut ruhn. Mutter Hannchen hat bei der Strohsockausgabe alle Hände voll zu tun: da muß ökonomisch gewirtschaftet werden, ebenso wie mll den Gemeinschastsbetten, auf zwei Liegegelegenheiten kommen jeweils drei Mann und im Stroh rückt man ebenfalls dicht zusammen, was bei der kühlen Nacht sogar das einzig Richtige war. Aus ihrem Lagerplatz auf der großen Wiese hatten die K i n> derfreundc ihre Zeltstadt aufgebaut und bezogen, ein Stückchen weiter SAI. und Gewerkschaftsjugend und jeder Geländebcwohner nahm selbstverständlich gern und herzlich Gäste bei sich auf. Mit allen Vorbereitungen, Abkochen und Essen war es inzwischen ll Uhr geworden und es zog alles nach dem Festplatz, wo ein riesenhafter Holzstoß aufgebaut war.„Wir schreiten in der Sternennacht" tönte es als Auftakt aus jugendlichen Kehlen, der Singgruppe der SAI.. Werbebezirk Tiergarten. Mit flammender Begeisterung sprach Alfred Müller den Vorspruch beim Entzünden der Fackeln, dann spielte das Orchester des Freikörperkulturbezirkes die Serenade pathetique und wieder erklang Gesang, diesmal ein Kampflied des Proletariats. Rezitationen und Bewegungschöre leiteten über zur Feuerrcde von Fritz Schmidt, dem Bezirksvorsitzenden des Deutschen Freidenkeroerbandes. Er sprach von der Sonne, dem Feuer als Symbol des ewig Erneuernden, zum Licht und zur Frecheit führen- den Weltgeschehens, das uns vorangehen soll im Kampf um unser Menschenrecht. Wie ein tiefer, gemeinsamer Schwur, dies zu halten und vollbringen zu helfen, erscholl es dann in stiller Nacht bei loderndem Feuerschein aus vielen hundert Kehlen: Brüder zur Sonne, zur Freiheit! Und immer höher stieg die Flamme und immer Heller wurde chr Licht und das Leuchten und Lodern zog ein in die Herzen all derer, die sich um sie scharten. Flamme empor! Linst Kennbabn- jetzt Sportplatz Da wo einst die Trabrennen in Weißensee stattfanden, erhebt sich jetzt ein Heim der Arbeitersportler und der K i n d« r- freunde. Von dem Arbeiter-Elternbund Weißensee im ver- gangenen Jahr begonnen, übernahm das Arbeiter-Sportkartell die Vollendung. Mit nur wenig Mitteln wurde das Heim errichtet. Solidarität und Zusammengehörigkeitsgefühl aller Mitglieder ließ aber alle Hindernisse überwinden. So war es möglich, das Heim am letzten Sonnabend seiner Bestimmung zu übergeben. Verbunden wurde die Uebergabe mtt einer Sonnenwendfeier des Be- zirkskartells. In kurzen Worten schilderte der Vorsitzende des Elternbundes Janell das Werden des Heims und seine weiteren, ihm zugedachten Aufgaben. Unter den Klängen des Neuköllner Spielmannttupps ging es dann zum Holzstoß. Das Feuer wurde entzündet und eine große Hakenkreuzfahne war ein Opfer der Flammen geworden. Gesang der Kinderfreunde, des Volkschors Weißensee, Vorführungen der Spieltruppe der Sozialistischen Arbeiter-Jugend, sowie Einzeloorträge gaben der Feier den Rahmen. Ein Rundgang durch das Heim zeigte die geleistete Arbeit. Einem großen Aufenthaltsraum, in dem alle dem Kartell angeschlossenen Vereine und Abteilungen ihre Versammlungen abhalten werden, schließen sich helle und luftige Umkleideräume an. Während in einem Flügel die Küche untergebracht ist, befinden sich im anderen Flügel der Brause» und Baderaum. In diesem Zusammenhang sei noch einmal der ausdauernden Arbeit der beiden ältesten Mit- erbauer, der K8jährig«n Genossen Leinz und Vogt, gedacht, die den jüngeren ein leuchtendes Beispiel von Solidarität gaben. Von den Spielplatzen Arbeiter~Fii$ball und'Handball Die Arbeiter-Fußballer hatten mit ihrem gestrigen Serien- sonntag reichlich Pech. Das, was der Regen nicht schaffte, besorgte dann die Spielunsähigkeit der Plätze. So sielen einige Spiele gänzlich aus, während andere nur als Gesellschaftsspiele durchgeführt wurden. Bei den Serienspielen gab es harte Kämpfe. Der Fußballklub Nord, der auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee gegen Pa n k o w spielte, konnte wohl mit Z: 1 gewinnen, ver- diente dieses Resultat aber keinesfalls. Vom Beginn an legten sich die Pankower scharf ins Zeug: nach 10 Minuten konnten sie den ersten Treffer buchen, dem schon in kurzer Zeit der zweite folgte. Die Abseits-Entscheidung des Schiedsrichters bei diesem Tor wirkte auf die Pankower deprimierend. Nachdem die Seiten beim Stande von 2: 1 gewechselt waren, hatte Nord das Heft jederzeit in der Hand. Noch drei weitere Treffer stellten den Sieg sicher.— Ueber- raschend gut hielt sich Minerva gegen Hertha- Luckenwalde. Nur durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters, der einen Streitball in unmittelbarer Nähe des Tores gab, war es den Lucken- waidern möglich, mit 2:1 zu gewinnen. Hansa 31 und Eintracht-Reinickendorf tonnten nur ein Gesell- schaftsspiel austragen, da die Plätze unter Wasser standen. Ein schnell ausgebautes Reseroefeld neben den städtischen Plätzen ermög- lichte ein Gesellschaftsspiel, das mit dem Ergebnis von 1: 1 endete. Beide Mannschaften zeigten nur mäßige Leistungen.— Einen schönen Kampf lieferten sich Baumschulenweg und Eiche-Köpenick, den die Baumschulenweger mit 4: 1 gewinnen konnten. Die Baum- Ichulenweger stellten eine überraschend gute Hintermannschaft, in der der kleine Torwart besonders hervorragte. Lichtenberg II hotte sich den Neuling Borsigwalde verpflichtet. Nur knapp mit 2:1 konnten die Lichtenberger siegreich bleiben. Lichtenberg I und Baumschulenweg spielten am Sonnabend in Lichtenberg 6: 1. Weiter« Relaltirte: Adler 2 gegen Weißensee 2 lll: o. Adler 3 gegen Wli�-nsec 3 5: 2. Eintracht 2 gegen Hansa 2 0:2. Borsigwalde 2 gegen Hansa 3 1: 10. Lichtenberg j 2 gegen Baumschulenweg 2 6:2. Lichtenberg II Schüler gegen Hansa 1: 13. Baumschulenweg- Strausberg 9: 3 Sonntag nachmittag. Sportplatz Laskcrstraße, der Austragungs- ort des zweiten Vorrundenspieles um die Bezirksmeisterschait des ersten Bezirks im Handball: Ein großer See, der das Spiel nicht zuließ. Beide Mannschaften einigten sich, aus dem Platz der Baumschulenweger, die gegen Strausberg antraten, zu spielen. Da- durch hatten die Baumschulenweger schon ein großes Plus. Die Aussichten der Strausberger schmolzen noch mehr, als die Baum- schulenweger bereits in der ersten Minute den ersten Treffer buchen tonnten. Trotzdem gaben sich die Gäste nicht geschlagen. Die Straus- berger waren gegen den Vorsonntag gar nicht wiederzuerkennen. Gefährlich sahen die Angrisse aus, der Sturm rannte sich aber vor dem Tor der Baumschulenweger fest. In der neunten Minute konnten die Geringelten den zweiten Treffer erzielen. Auf beiden Sellen wurde dann auf Erfolg gespielt. Da ergriff Strausbergs Mittelstürmer die Gelegenheit, nutzte eine Schwäche der gegnerischen Hintermannschaft aus und sandte zum ersten Treffer ei». Nach wenigen Minuten war der Ausgleich hergestellt. Noch einigemal hatten die Strausberger Aussichten, weitere Erfolge zu buchen, zu langes Ballhalten und zu viel Zuspielen erstickte aber alles. Nach dem Seitenwechsel hatten die Strausberger wieder das Heft in der Hand. Schon nach drei Minuten schoß der Halbrechte scharf aufs Tor: der Torwart hatte den Ball bereits in der Hand, ließ ihn jedoch fallen, so daß er gemütlich ins Tor rollte. 3: 2 für Strausberg. Immer mehr wurden die Strausberger angefeuert. Da kam das Verhängnis. Bei einem Ball auf das Tor der Straus- berger machte der Schiedsrichter, der sonst das Spiel einwandfrei kettete, den Fehler, die Zuschauer(!) zu befragen, ob der Ball die Linie überschritten hätte. Dadurch kamen die Strausberger aus dem Konzept, in gleichmäßigen Abständen schickten die Baumschulweger den Ball noch sechsmal über die Linie. Darunter war so manches Tor, dos der Torwart hätte halten können. Manchmal warf er sich zu früh und manchmal zu spät, ober allemal war«in Tor ge- schössen. Mit 9: 3 blieben die Baumschulenweger sichere Sieger. Am kommenden Sonnabend findet ini Lichtcnberger Stadion das Entscheidungsspiel zwischen Stralau und Vaumschulenweg um die Bez i r k sine iste rfchaft statt. Der Sieger steigt dann in die erste Klasse auf. Beginn des Spiels 18 Uhr. Die Spiele der kommenden Wodie Der kommende Sonntag steht im Zeichen des Rcichsarbeiter- sporttages im Grunewoldstadion. Aus diesem Grunde finden viele Spiele an den Wochentagen statt. Am Dienstag um 18 Uhr auf dem Innplatz in Neukölln Volkssport Neukölln— FSL- Schweiffterne. Mittwoch: FT. Velten— Volkssport Wetding 3 um 19 Uhr in Velten. FSV.-Tegel— Volkssport Wedding um 19 Uhr. FTGB.-Nordost 3— FSB.-Pankow um 18.30 Uhr, Platz Exer. Freitag: FTGB.-Spandau— FSV.-Tegel um 18 Uhr in Tegel. Da» schönste Auto DieVcrunstaltung des Deutschen Reich i- Au coklubs Zum fünften Male veranstaltete gestern der republikanische Deutsche Reichsautoklub aus dem Flugplatz Tempelhos eine Schönheitskonkurrenz für Automobil». Schon von 10 Uhr vormittags ab fuhren die meisterlich ausge- statteten Wagen auf, die teils im Privatbesitz waren, zum anderen Teil von Automobllfabriken und Händlern vorgeführt wurden. Ge- legentlichc Regenschauer verwandelten den zementierten Platz vor den Hallen in einen See und die Pfleger hatten olle Hände voll zu tun, die Wagen zu putzen und immer wieder zu putzen. Der Nachmittag brachte dann aber das richtige Wetter, wenn auch der große Schwann des Publikums, der sich trotz Nichtbesitzes eines Autos dennoch für diese Erzeugnisse einer jetzt bestimmt nicht auf Rosen gebetteten In- dustrie interessiert, ausblieb. Der veranstaltende Klub hatte aber für ein ausgezeichnetes flug- und motorsportliches Pro- g r a m m gesorgt. Da gab es Kunstflüge der Piloten Leander, Bobbi Weiche! und Weitzel, Gcschwaderflüge des„Sturmvogel", Rennen zwischen Autos und Flugzeugen, Rollerwettbcwerbe für Kinder und Segelflugvorführungen. Der neue Flugzeugtyp der Heinkelwerke, das„A m p h i b i u m", zeigte sich zum ersten Male der Oeffentlichkeit. Es ist ein Flugzeug, das auf dem Lande und auf dem Wasser landen kann. Der Rumpf ist als Bootskörper ausgebildet, die Tragflächen haben ebenfalls kleine Schwimmkörper, die das Kippen verhindern. Das Fahrgestell für den Betrieb zu Lande ist mittels hydraulischer Vorrichtungen hochklappbar. Der Motor befindet sich wie beim Do X oben über den Kabinen und den Tragflächen: er leistet S00 PS und gibt dem Flugzeug eine Geschwindigkeit von 180 Kilometern Flüge und Lan- düngen klappten vorzüglich, einen Aufenthalt auf dem Wasser voll- führte das Amphibium vorher bei der Veranstaltung des Deutschen Motorjachlverbandes auf dem Templiner See bei Potsdam. Als„schönstes Auto von B«rlin" erkor das Publikum einen Zwölfzylinder Horch, den ein AutoHändler vorführen ließ. Von den Privatbesitzern holten sich Preise Marcell Wittrisch von Oer Staatsoper mit einem Austro-Daimler, die Filmschauspielerin Martha Eggert mit einem Horch und viele andere. Mit der«chönheitskon- kurrenz verbunden war eine Nachtwertungsfahrt., zu der Führer aus allen Teilen Deutschlands starteten. Di« Ergebnisse dieser sehr anstrengenden Zuverlässigkeitssahrt waren: Gondcrllasic, stcucr. und führericheinirne Wagen. Fabrikteam Hansa- Llond: Fahrer: Schräder, Mahler. 100 Kilometer gefahren, strafpunitsrei, nlasi-'u Wagen bis ISO« com. 1. Lehman«. Berlin, Republikanischer Molar- radklub, BMW.. 661 Punkte. 2. Kuiue-Berlin, Deutscher Reichsauto.KIub Berlin, BMW. 6« P. 3. Schonstein, DR AC., Breslau, Opel. 630 P. 4. Detert- Berlin. Opel, 64ö P. z. Hanncmcnn-Selt-w, DRAE.-Berlin, Opel, t>31 P. 6. Framm-Hamburg. Fiat, 620 P. �_____ ,. »lasse II. Wagen über 1.W0 ccm. 1. Dr. M-nnh-rmer, DRAC.-Bcrlrn, Eraham-Paige. 86a P. 2. Bernhard, DRAE.-Berlin, Pontiac. 8äa P. 3. Moschko- Nitz, DRAE.-Berlin, Lancia. 8ZI P. 4. Hobe. DRAE.-Berlin, Mercedes-Ben,, 853 P. 5. Engel-Suben, DRAE.-Frankfurt, Adler. 841 P. 6. Timus, DRAE.- Berlin. Fiat, 831 J3., »lasse III. Motorräder ohne Beiamge» über 350 cem, mti Beiwagen bis 300 arm. 1. Frohn-Berlin. RME., Opel m. 661 P. 2. Rowakowsi,.Berlin, Polttei-SB., D-Rad m. 645 P. 3. Run,I-r.Berlin, gundapp, 547 P. 4. Schmiegelt. Berlin, Bewag. SV-, D-Rad m. 39., 546 P. 5. Pilz-Berlrn, Bewag-SV.. P-uaot. 526 P. 6. Klemenz-Berlin, RME., MA. m. B.. 524 P. Klage IV.'Motorräder o. B. über 350 rem, m. 99. 500 ccm. 1. Bora- Berlin, Bcwaq-SL., BMW., 855 P. 2. Belkert-Eablonz. PSA. m. 39., 727 P. 3. Meier-Dcrlin, RME., Ardie o. 633 P. 4. Zielke-Berlin, REU.°. B., 635 P. 5. Kuhlmcier. DRAE.-Hannover, BMW. 322 P. 6. Burow. RME., Triumpf o. B., 274 P. Team-Preis: Opel-Tcam(Damen: Lcrch, Barczinski, Liebelt), alle DRAE. Damenpreis: Frau Halberstadt-Frankfurt a. M., Ford, 704 Punkte. „Der fällige Klamauk" Am Mittwoch vergangener Woche kennzeichneten wir die Weigc- rung der Mitglieder kommunistischer Sportvereine, im Neuköllner Sportpark einfache, leichte Arbeiten zur Erhaltung der Anlagen ge- lcgeMlich zu oerrichten, weil dem Jugendamt die Mtttel zur Ein- stellung von Saisonarbeitern gestrichen wurden. In einer ähnlichen Angelegenheit erzählt uns ein Arbeitersportler folgendes: Im Fr e l- bad Plötzen see wurde die im Freien befindlich« Wasserleitung vor den Kabinen der Schwimmvereine gesperrt, weil das über- laufende Wasser den losen Erdboden stark ausspülte. Der Verwalter des Freibades bat die Vereinsmitglieder, aus Steinen und Zement ein kleines Ablaufbecken unter dem Wasserhahn zu bauen, dann könne die Leitung wieder benutzt werden. Das Bezirksamt wollte man mit solchem Kleinkram nicht erst belasten. Zwei Mitglieder der bundes- treuen Bereine haben diese kleine Arbeit dann auch in kurzer Zeit gemacht; die Kommunisten lehnten ab. weil das„Arbeitsdienst" sei, den sie grundsätzlich verwürfen! Während der Arbett waren die bundestreucn„Maurer" allerlei Hänseleien durch die Kommunisten ausgesetzt: als aber das Becken fertig war und die Wasserlettung wieder Wasser gab. da waren die Kommunisten die ersten, die sie be- nutzten. Die Frage der Bundestreuen, ob sie nicht die Parteilinie durch die Benutzung von Einrichtungen, die im Arbeitsdienst her- gestellt sind, verbiegen würden, ließen die kommunistischen Prinzipien- reiter unbeantwortet. läecucc Spod i/ou ü&etcdi Earacciola fährt Rekord. Bei Training zum Großen Auto- preis von Lemberg, der auf einer 3 Kilometer langen Strecke durch die Straßen der Stadt am Sonntag ausgetragen wurde, konnte Rudolf Caracciola(Alfa Romeo) den bisherigen Rundenrekord von 2:10 Minuten verbessern, indem er am Sonnabend die Strecke in 2:02 zurücklegte. Das Rennen selbst gewann er auch, vor Stuck, der aufgeben mußte. Deutsche handballmeisterschasten. In Chemnitz wurden am Sonntag die Endspiele zur zweiten Deutschen Handballmeisterschast durchgeführt. Die neuen Meister sind der Polizeisportverein Weißen- fels durch einen 9: 2-(3: 2)-Sieg über den TSV. Herrnsheim- Worms und der SC. Charlottenburg bei den Frauen mit einem 4: 1-(2: 0)-Sieg über den vorjährigen Meister TB. Barwärts« Breslau. Die bürgerlichen Rudervereine hielten bei ihrer Regatta am Sonnabend und Sonntag in Grünau daran fest, einen Kaiservierer auszufahren. „Die Stunde" aus Dienstagabend verlegt! Die für den gestrigen Sonntag auf der Olympia-Radrennbahn angesetzten Rennen konnten infolge regnerischen Wetters nicht ausgetragen werden und kommen nunmehr mit der gleichen Besetzung Dienstag um 19 Uhr zum Austrag. 3n Strausberg beginnt am Dienstag das fünf Tage umfassende Sommcrmeeting. Die Veranstaltung beginnt um IS. 15 Uhr. Arbeiter-Dosserballvorschau. Heute, Montag, 19 Uhr. findet in Plötzensee ein Wasserballserienspiel statt. Es stehen sich die Mann- schaften von Hellas und Spandau gegenüber. Spandau wird trotz seiner bedeutenden Verbesserungen einer Niederlage kaum entgehen können. Reuer Schwcrathletikverein im Südosten. Am Dienstag. 21. Juni, eröffnet der neugegründcte„Athletik-Sportverein Britania 1932" seinen Uebungsbetrieb. Vorläufig soll erstmal der Boxsport gepflegt werden, dem in kurzer Zeit Ringen, Jiu-Jitsu und Gym- nostik folgen werden. Anschriften an Hans Hensel, Berlin O. 27. Kleine Markusstr. 12/13. Uebungsstunden Dienstags und Freitags van 20 bis 22 Uhr in der Turnhalle Köpenicker Str. 2. Nach den vielen Anfragen nach einen Schwerathletikoerein im Südosten Ber- lins ist mit dieser Gründung den Interessenten Gelegenheit geboten, sich in einem ihnen genehmen Arbeitersportverein auszubilden. Alle Gewerkschafts- und Parteigenossen sind freundlichst eingeladen. Rundfunk am Abend Montag, den 20. Juni Berlin; 16.03 Warum ladien die Menschen?(Prof. R. Müller-Freienfels, Stettin). 16.30 Klaviermusik. 17.00 Volkslieder. 17.30 Tierbücher(E. Wiechert). 17.50 Maschinenarbeit und Landarbeit(W. Föllmer). 18.10 Deutsches Recht im Spiegel deutscher Sprichwörter(Amtsgerichtsrat Dr. Lind). 18.30 Der Philosoph als Politiker(Dr. L. Marcuse). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15 Unterhaltungsmusik. 20.10 1.' Ergebnis des Wettbewerbs..Wer kann erzählen?"(Leitung: E. Koppen). 21.10 Tages- und Sportnachrichten. 21.20 Szenen aus�Goethes„Faust" von Robert Schumann(Dirigent: Prof. F. Schreker). 22.00 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanz-Musik. Königs Wusterhausen: i 64)0 Pädagogischer F unk (Schulrat A. Tschenfscher). 17.30 K. Barth und K. Heim (Priv.-Doz. Lic. Dr. Kunnech). 18.00 Querschnitt durch Zeitschriften(Dr. J. Traub). 18.30 Spanisch für Anfänger(Gertrud van Eyseren, Dr. F. Armesto). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Nationalsozialismus und Arbeitsdienstpflicht(Oberst a. D. Herl). 19.20 Stunde des Landwirts(Landw.-Rat H. Musielik). 19.35 Das menschliche Lachen(A. Auerbach). 20.00 Aus Hamburg: Deutsche Kütte. 22.00 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle MVorwärts"-Boten oder die Poslanstalten. I