BERLIN Donnerstag 23. Zum 1932 10 Pf. Ilr. 292 B 146 49. Jahrgang ErscheintrSgltch außer Sonntag«. Zugleicd Abendausgabe des.Vorwärts� Bczugsvreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche. 3.25 M. pro Mona« (davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus »adlbar. Postbejog 3.S7 M. einschließlich 60 Pf. PostjeitungS' und 7L Pf. Postbestellgebühren. iMtihütidb Anzebgenvret«: Die einspaltige Mtlltmeterjetle SV'vfw Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Lorwarts-Verlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen vor' Redaktton und Ervedttion: Berlin SW68. Lindenstr 3 Fernsprecher: Döndsst(A 7) 292—297 Ruf zur Besinnung! Das Rettungsprogramm der Gewerkschaften Sorgen der Regierung/ Das Falschspiei der KPD. Das Rettungsprogramm der Gewerk- fchaften, das heute morgen hier veröffentlicht wurde, ist ein Dokument von geschichtlicher Bedeutung, lind es ist— an alle Volksgenossen ohne Unterschied der Partei gerichtet— ein R u s zur Besinnung. Warum streiten Reich und Länder über kindische Uniformfragen, warum knallen nächtlicherweile durch alle Straßen Deutsch- lands Revolverschüsse, die von Unreifen auf Unreife abge- feuert werden, warum fallen Menschenopfer unerhört? Diese ganz sinnlos scheinenden Kämpfe sind eben die Oberflächen- erscheinungen einer furchtbaren Krise, die Wirtschaft, Gesellschaft und Staat in ihren Grundfesten erschüttert. Das Rettungsprogramm der Gewerkschaften stößt durch alle Nebendinge auf die tiefen Ursachen vor und zeigt den Weg aus der Verwirrung Jedermann und jede Organisation, die sich ernst mit dem großen Problem unserer Zeit beschäftigt, wird gezwungen sein, zu diesem Programm Stellung zu nehmen. Wir haben heute in Deutschland fünf Parteien, von denen nur noch eine, die deutschnationale, sich als grundsätzlich kapitalistisch und privatwirtschaftlich eingestellt zu erkennen gibt. Ihr Programm ist dem der Gewerkschaften geradewegs entgegen. Das gleiche läßt sich vom Zentrum nicht mehr behaupten, dessen sogenannter„Solidarismus" mit der sozialistischen Grundlinie des Rettungsprogramms doch schon einige Verwandtschaft aufweist. Die drei übrigen Parteien, die zusammen die ungeheure Mehrheit des deut- schen Volkes bilden, bekennen sich— sei es durch Taten oder nur durch Worte— zu einem irgendwie gearteten Sozia- l i s m u s. Für diesen Sozialismus scheint uns das Ret- tungsprogramm der Gewerkschaften der rechte Prüf- st e i n zu sein. Wer sich nicht wenigstens in den Hauptlinien und Grundforderungen zu ihm bekennt, der ist kein Sozialist, sondern treibt nur mit dem Namen des Sozialismus partei- politischen Mißbrauch. Das Rettungsprogramm der Gewerkschaften ist ein Ruf zur Besinnung und eine Aufforderung zu ehrlicher Gemein- schaftsarbeit im Dienste einer großen aufbauenden Idee. Das Volt braucht nicht Bürgerkriegsspiele, sondern Brot! * Die R e i ch s r e g i e r u n g, die in der Hauptsache damit beschäftigt ist, in ganz Deutschland ihrer geliebten SA. das Recht auf Uniform zu erkämpfen, hat dabei doch noch Zeit zu anderer staatserhaltender Arbeit. Sie hat den angekün- digten innerpolitischen Umschwung dadurch manifestiert, daß sie d e n„V o r w ä r t s" mit einer s o g e ir a n n t e n „Auflage" bedachte. Ungefähr zur gleichen Stunde kündigten die Schützlinge des Herrn von G a y l im„Angriff" ziemlich unverhohlen einen Sturm auf das„Vorwärts"-Haus in der Lindenstraße an. Aber das war wohl bloß ein neckisches Zusammentreffen! Zur Sache selbst sei folgendes festgestellt: Die Notverord- nung, die zur Rechtfertigung solcher Belästigungen dienen soll, richtet sich ihrem Sinn nach gegen jene unanständige Presse, die nach Art der heutigen nationalsozialistischen Re- gierungspresse arglistig Tatsachen unterdrückt. Der„Vor- wärts" hatte jedoch in derselben Nummer, in der er die beanstandete Karikatur brachte, den Inhalt derRegie- rungserklärung, deren Abdruck ihm jetzt aufgezwun- gen wurde, wiedergegeben. Der gegen uns geübte Zwang stellt sich unter solchen Umständen als bloße Schikane dar. Uebrigens scheinen— wie in anderen Dingen auch— die Meinungen innerhalb der Reichsregierung darüber, wie man mit dem Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei zu verkehren hat. geteill zu sein. Erst vor wenigen Tagen haben wir den Wunsch desHerrn vonSchleicher, seine Auffassungen den Lesern des„Vorwärts" darlegen zu dürfen, in loyalster Weise erfüllt. Wir sind auch in Zukunft gerne bereit, Zuschriften aus Regierungskreisen. die als solche gekennzeichnet smd und uns in angemessener Art über« Terror über Breslau (3A. kennt kein Aufmarschverbot- Schießereien und Krawalle Breslau. 23. 3uni.(Cigenberichl.) Die von der Brcslouer Naziprcsje in den letzten Tagen betriebene unerhörte hetze hat ihre Früchte getragen. Am Mittwochabend kam es in Breslau an vielen Stellen zu schweren Zusammenstößen, die bedauerlicherweise zahlreiche Opfer gefordert haben. Die Unruhen begonnen nachmittags gegen lS Uhr und dauerten über Mitternacht hinaus an. Der Sreslaucr Bevölkerung, die schon seit Wochen durch die fortgesetzten Baziausschreitungen beunruhigt wird. hat sich angesichts der Vorkommnisse eine ungeheure Erregung bemächtigt. * Die Zu-sommenstöße nahmen ihren Ausgang von der Nikolai- Vorstadt im Westen Breslaus. Auswärtige SA.-Leute. die auf Lastwagen transportiert wurden, bedrohten in der Friedrich-Wilhslm- Einspruch gegen Notamnestie. Ein Beschluß des Staatsrats. Der preußische Staatsrat Hot am Donnerslagnachmittag, entsprechend einem Antrag des versasfungsausschusses, mit 42 gegen 2 5 S I i m m e n der Sozialdemokraten und Kommunisten beschlossen, ' gegen das vom Landlag beschlossene Amnestiegesetz für vergehen aus wirtschaftlicher Bot Einspruch einzulegen. Infolge dieses Einspruches muh jetzt der Landtag das Gesetz mit Zweidrittelmehrheit verabschieden. Da für d i e s e s Gesetz die Zweidrittelmehrheit im Landtag vorhanden ist, wird durch den Einspruch des Staatsrats an dem Zustandekommen des Gesetzes nichts geändert. Straße von ihren Autos herab ihnen entgegenkommende Arbeiter- trupps mit Pistolen. In der Alsenstraße schoß gegen tg Ahr ein Nationalsozialist zwei Arbeiter über den Hausen. Der eine der beiden Arbeiter, ein Reichsbannermann, erhielt einen schweren.Herzstreisschuß, der andere einen Bauchschuß. Beide Bcr- letzte mußten sofort ins Krankenhaus geschafft und dort operiert werden. Den schicßwütigen Nazi ereilte sofort sein Schicksal. Die erbitterte Menge fiel über ihn her und richtete den feigen Schützen so zu, daß man ihn zusammen mit seinen Opfern in die Klinik bringen mußte. Eine Stunde später wurde am Christophoriplatz ein National- sozialist von unbekannten Tätern niedergeschlagen. Der hakenkreuzler erhielt ernstliche Wunden am Kopf und an der Schulter. Er wurde sogleich ins Krankenhaus übergeführt. Zwischen 20 und 21 Uhr entwickelte sich in der Uferstraße Plötz- lich eine Schießerei, bei der es wieder zwei Schwerverletzte gab. Der junge Reichsbannerkamcrad Günther, der Sohn des im März dieses Iahres von nationalsozialistischen Flugblallverleilern vor seiner Wohnungstür niedergeschossenen Sozialdemokaten Günther, erhielt einen schweren Brustschuß. Außerdem wurde eine Person namens Maczinak, über deren poli- tische Einstellung nichts bekannt ist, durch sieben Schüsse niedergestreckt. Beide Verletzte wurden nach ihrer Einliefe- rung sosort operiert, liegen aber noch in bedenklichem Zu- stand in der Universitätsklinik. Im nördlichen Breslau spielten sich wahre Bürgerkriegs- s z e n e n ab. Die Kommunisten löschten in mehreren Straßen die Lampen aus und sehten dann diese Straßen regelrecht unter ihren Terror. Zlnrückende Ueberfallkommandos wurden aus den Häusern mit mittelt werden, zu veröffentlichen. Wenn die Reichsregierung auf diese angemessene Art des Umgangs verzichten will, so wird sie damit ihrer eigenen Sache den schlechtesten Dienst erweisen. -i° Die Wahl eines faschistischen Landtagspräsidiums ist für die Kommunisten wieder einmal Gelegenheit, über die So- zialdemokratie herzufallen. Die„Rote Fahne" behauptet, daß auf das kommunistische Angebot, unter Verzicht auf eigene Kandidaturen, ein Präsidium aus Zentrum und Sozialdemokraten zu wählen, sich diese beiden Par- teien„in Schweigen gehüllt" hätten. Wenn man den Sitzungsbericht der„Roten Fahne" liest, so müßte man das allerdings glauben, denn in diesem ist außer dem Kommu- nisten Pieck kein anderer Redner erwähnt. In Wirklichkeit aber hat de? Führer der sozialdemokra- tischen Landtagsfraktion, Genosse Heilmann, zweimal das Wort ergriffen, sowohl vor wie nach der Sitzungspause. Genosse Heilmann hat beide Male mit nicht zu überbietender Deutlichkeit erklärt, daß die Sozialdemokratie — und zwar ohneirgendeineeigeneBedingung zu stellen— jederzeit bereit sei, für einen Kandidaten zu stimmen, durch dessen Wahl ein faschistisches Landtagspräsi- dium verhindert werden könne. Worauf es der Sozial- demokratie allein ankomme, sei die praktische S i ch e- rung einer solchen Mehrheit.— Diese Mehrheit kam nicht zustande, weil das Zentrum über die Abgabe weißer Stimmzettel hinaus sich zu einem positiven Handeln nicht entschließen konnte. Die Sozialdemokratie hat also nichts getan, um die Wahl eine» antifaschistischen Präsidenten zu verhindern. Sie hat im Gegenteil alles getan, eine solche Wahl zu ermöglichen, indem sie auf irgendwelche eigenen Bedingungen von vornherein verzichtet hat. Die wirkliche Einstellung der Kommunisten konnte man dagegen bei der N i ch t w i e d e r w a h l des Genossen Witt- m a a ck zum ersten Vizepräsidenten erkennen. Genosse Witt- maack hätte in der Stichwahl gewählt werden können, wenn die Kommuni st en für ihn gestimmt hätten. Statt dessen gaben die Kommunisten 53 ungültige Stimmzettel ab und ermöglichten so, daß der Deutschnationale von K r i e s, als Vertreter der kleinsten Landtagsfraktion, mit 182 der Rechten gegen Wittmaack gewählt wurde, der 174 Stimmen der Sozialdemokratie und der Mitte erhielt. Wollen uns die Kommunisten einmal klarmachen, aus welchem Grund sie Wittmaack zu Fall gebracht haben? Gestern haben wir das verbrecherische Spiel derkommunisten aufgedeckt und nachgewiesen, daß ihre sogenannte„antifaschistische Aktion" in Wirklichkeit nichts anderes als eine getarnte antisozialdemokratische Aktion ist. Die„Rote Fahne" sucht sich durch die übelsten Schimpfereien zu helfen, verschweigt aber ihren Lesern, daß wir für unsere Behauptung durch Abdruck eines geheimen Rundschreibens der ZK. den schlüssigen Beweis geliefert haben. Sie druckt das belastende Dokument nicht ab und beweist damit ihr Schuldbewußtsein. IVir wiederholen unsere Warnung: Sozialdemokraten! Laßt euch nicht von kommunistischen Strategen als Kanonenfutter mißbrauchen I Blumentöpfen und anderen Gegenständen beworfen. Die Polizei- beamten leuchteten daraufhin die Häuserfronten ab und machten von der Schußwaffe Gebrauch. Wiederum wurden mehrere Personen verletzt. Der vorläufige amtliche Polizeibericht teilt zu diesen Vor- kommnissen mit, daß sich an weiteren zehn Stellen schwere Schlägereien entwickelten. Im Verlauf der Auseinander- fetzungen gab es überall Verletzte, deren Zahl noch nicht ermittelt werden konnte. Bemerkenswert war, daß sich angesichts der national- sozialistischen Uebergriffe im Augenblick der Gefahr ein spontanes einmütiges Zusammenstehen der Arbeiterklasse zeigte. Die Faschisten stießen überall auf den geschlossenen Abwehrwillen der Breslauer Arbeiterschaft. Wie einwandfrei festgestellt wurde, waren am Mittwachabend mindestens 2000 bis 3000 SA.-Leute aus ganz Schlesien in Breslau zusammengezogen, und zwar aus Anlaß einer Versammlung der NSDAP, in der Jahrhunderthalle, in der Gottfried Feder und der berüchtigte Heines sprachen. Die SA. kümmerte sich in keiner weise um das Demonstrotions- verbol, auf das die Breslauer Polizeiverwaltung am Tage zuvor nochmals hingewiesen halle, sondern marschierte vor und nach der Versammlung einheitlich uniformiert und zum Teil mit Sturmgepäck, in geschlossenen Formationen auf. Die Polizei schritt, entgegen ihrer ausdrücklichen Ankündigung, nicht dagegen ein, sondern lieh die Hakenkreuzler gewähren. Die Rede des Reichstagsabgeordneten Heines in der Jahr- hunderthalle war eine Häufung von Unverschämtheiten, wie man sie in Breslau selbst bei diesen Demagogen noch nicht erlebt hat. Heines kündigte an, daß sich die SA. den„Terror der Roten" nicht mehr gefallen lassen wolle. In wenigen Togen werde die SA. feldmarschmäßig ausgerüstet erscheinen und die Straßen der schlestschen Hauptstadt von dem marxistischen Gesindel sreifegen. Die Jahre der Knechtschaft unter der Fahne Schwarz-Rot-Sens seien vorbei. Besonders gehässig hetzte Heines gegen die Polizei. Sobald Hitler die Macht habe, werde man sämtliche den National- sozialisten nicht genehme Polizeibeamte zum Teufel jagen. Während der Versammlung ereigneten sich mehrere Zwischen- solle. Ein Versammlungsteilnehmer, den man wohl für einen Spitzel hielt, wurde niedergeschlagen, mißhandelt und an den Füßen aus der Halle geschleift. Elf Opfer des Terrors. Breslau, 23. Zum.(Eigenbericht.) Die Polizei teilt amtlich mit. daß bei den Zusammenstößen am Mittwochabend insgesamt ll Personen zum größten Teil schwer verletzt wurden. Alle ll mußten den Krankenhäusern zugesührt werden. Festgenommen wurden insgesamt lS Personen. Außerdem verhastete die Polizei am Donnerstag in den frühen Morgenstunden noch mehrere Leute, die als Hauptbeleiligte in Frage kommen. Die verhaslelen wurden sämtlich bereits am Donnerstag- vormittag dem Schnellrichter vorgeführt. Infame Verleumdungen des Breslauer Reichs- banners. Ueber die gestrigen Breslauer Zusammenstöße ver- breiten die Nationalsozialisten die Nachricht, daß Polizei- b e a m t e und Nationalsozialisten von Reichsbannerleuten durch Messerstiche schwer verletzt worden seien. Hierzu erklärt die Breslauer Polizei ausdrücklich: Die Behaup- tungen. daß Polizeibeamte und Passanten durch Messerstiche verletzt worden seien, entsprechen nicht den Tatsachen. Nationalsozialistischer Sturmführer verhaftet. Breslau, 23. Juni.(Eigenbericht.) Im Berfolg ihrer(Ermittlungen hat die Polizei am Donnerstagvormittag als mutmaßlichen Täter, von dem am Mittwochabend in der Uferstraße der Neichsbannermann vliinther und der Nationalsozialist Marcinka niedergeschossen wurden, einen Nazi- sturmfiihrer n a m e n s> B r u d n y verhaftet. Brudny ist in Breslau seit langem als übler politischer Naushcld bekannt.(Er gehörte früher dem Rotfront- kämpferbund an und wurde vor wenigen Jahren wegen Unterschlagung in einem Arbeitersportvercin aus der NPD. ausgeschlossen. Verlustliste von gestern. Zwei Tote, dreißig Verlehte. In allen Teilen des Reiches dauern die politischen Unruhen an. In der Nähe von Osnabrück kam es bei einer Sonnen- ivendseier der Nationalsozialisten zu Zusammenstößen, wobei drei Personen durch Messerstiche schwer verletzt wurden. In Siegen fanden größere Ansammlungen in der Nähe des SA.-Heimes statt, so daß die Polizei mehrfach eingreifen mußte. Drei Schwer- und zwei Leichtverletzte wurden festgestellt. Zu blutigen Krawallen führten ferner Demonstrationsversuche der extremen Parteien in Sachsen, Anhalt und Holstein, wobei ein Toter und zehn Verletzte auf dem Platze blieben. In der Nähe von Sangershausen stießen SA.-Trupps mit Kommunisten zusammen, wobei sechs Nationalsozialisten verletzt wurden, davon vier schwer. Die Kommu- nisten brachten bei Eintreffen des Landjägsrkommandos ihre Ver- letzten beiseite. In Wandsbek feuerten Kommunisten aus Polizei, die das Feuer erwiderte. Sechs Kommuni st en wurden durch Schüsse verletzt. In Braunschweig wurde eine kleine Polizeistreife überfallen, wobei ein Beamter durch Schlagwerkzeuge schwer ver- wundet und ein Kommunist erschossen wurde. Weitere Unruhen werden aus Oldenburg, Mittel- und Westdeutschland gemeldet. Die Verluste betragen hier einen Toten und etwa zehn Verletzte. Nazi-Ausruhr in Frankfurt. Die Polizei greift energisch ein. F r a n k f u r t a. IN., 23. Zuni.(Eigenbericht.) Die Nazirowdys haben ihre Provokationen in der Nähe der Frantsurler Universität auch in den heutigen Vormittagsstunden sortgesetzt. Nachdem etwa 1000 uniformierte SA.- und S S.- L e u t e die zur Universität führenden Straßen beseht hatten, begannen sie. gegen das Universitätsgebäude vor- z u d r i n g e n. Durch energisches Vorgehen der Polizei. die besonders an der Viktoria-Allee mit Gummiknüppeln eingriff. wurden die Naziprovokaleure rasch zurückgedrängt. Die Polizei hat zahlreich« Verhaftungen vorgenommen. Der llnterrichtsbetrieb an der Universität konnte aufrechterhalten werden. SA. tobt durch die Nacht! Kommunist von Aazis niedergeschossen- Lteberfall auf Reichsbanner Trotz des erheblich verstärkten Ueberwachungsdienstes der Berliner Schupo ist es in den gestrigen Abendstunden und in der Nach! wieder mehrfach zu Schießereien gekommen. In besonderem INahc waren es S A.- L e u t e, die in mehreren Fällen Slraßenlerror verüblen. Eine regelrechte Straßcnschlacht lieferten sich Kommunisten und Nationalsozialisten in der Margareten st raße in Lichten- b e r g kurz nach Mitternacht. Die feindlichen Gruppen l>atten hin- ter Bäumen und in Haustor irischen Aufstellung ge- »ommen. Es ging dann plötzlich eine Knallerci los, wie sie die Gegend noch nicht erlebt hat. Ein 24 Jahre alter Otto Möller aus der Wilhelmstraße, der Mitglied der Kommunistischen Partei sein soll, wurde von den Nazis durch einen Kopfschuß lcbens- gefährlich verletzt. M. wurde ins Lichtenberger Hubertus- Krankenhaus eingeliefert. Als die Polizei mit mehreren Ueberfall- kommando-Wagen am Tatort eintraf, hatten die feindlichen Gruppen die Straße bereits geräumt. Auf dem Bürgerfteig verstreut wurden vier Armeepistolen 08, etwa 20 Schuß scharf« Mu- nition und zahlreiche leergeschossene Patronenhülsen gefunden. Auch in Mahlsdorf wurde ein schwer bewaffneter SA.- Mann gestern abend aus einer Versammlung heraus verhaftet. Der Bursche, ein 23jähriger Willi L., hatte in feinen Taschen einen Trommelrevoloer 9 Millimeter mit fünf scharfen Palronen und eine Dreysepistole mit 14 Patronen. Dieser SA.-Schütze gab bei seinem Verhör an, daß er sich so„armiert" habe, um kommunistische Angriffe erfolgreich abwehren zu können.— In der G al va n i° st raße Ecke Guerickestraße in Eharlottenburg entspann sich in der letzten Nacht eine weitere wilde Schießerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Etwa 15 bis 20 Schüsse wurden gewechselt. Als das Ueberfallkommando auftauchte, suchten die links- und rechts- radikalen Banditen ihr Heil in der Flucht. Orei Reichsbannerleute verleht. In der Hohenlohe st raße wurden gestern gegen 21.30 Uhr 10 Reichsbannerleute von 21 Hakenkreuzlern überfallen. Mit Koppelschlössern und Stahlrutcn schlugen die braunen Wege- lagerer aus die Reichsbannerleute ein. Drei Reichsbannerkome- raden erlitten erhebliche Verletzungen, so daß sie aus der nächsten Rettungsstelle verbunden werden mußten. Der ganze Nazi-Räuber- trupp wurde festgenommen und der Politischen Polizei übergeben. SA.'lteberfälle auf Passanten. In der Martin-Luther-Straße wurde gestern abend ein Radfahrer mit dem Fichte-Sportabzeichen von drei uniformierten SA.-Leuten vom Rade gerissen und verprügelt. Als ein harmloser Passant seiner Empörung über die Mißhandlungen des Wehrlosen durch die drei SA.-Banditen vernehmbar Luft machte, ließen die Strolche von ihrem ersten Opfer ab und sielen nun über den Mann her. Sie schlugen solange aus ihn ein, bis er bewußtlos zusammenbrach. Auf den am Boden Liegen- den traten die Rohlinge noch mit Stiefelabsätzen ein. Die Polizei nahm die Verfolgung der Banditen auf, die in die Kolibrisälc geflüchtet waren, wo etwa 250 Mann der SA. III, Sturm 45, ver- sammelt waren. Leider war es nicht möglich, sie hier aus der Menge herauszufinden. Ein Arbeiter, der mit seinem Rade vom Katholischen G e s e l l e n h a u s in der Wilhelmstrahe nach der P u t t k a m e r- st r a ß e fuhr, wurde von einem Nazi-Motorradfahrcr überholt. In dem Augenblick, als die beiden Fahrer auf gleicher Höhe waren, zog der Mann auf dem Soziussitz einen Totschläger hervor und hieb dem Radfahrer mit voller Wucht über den Hinter- köpf. Der Arzt auf der Rettungsstelle stellte zwei Kopfwunden fest. Die Täter waren zwei Burschen in SA.- Uniform mit Hakcnkreuzbindc. Was war die Ursache dieses völlig grundlosen heimtückischen Ueberfalles? Ofsentsichtlich schien den SA.-Leuten der junge Mensch „verdächtig", weil er in seiner Kleidung— offenem Heind, Breecheshosen und Windjack«— einem Mitglied der SAJ. ähnelte. Das genügte. In Wirklichkeit ist der Uebcrfallene weder Reichsbanner- mann noch Mitglied der Arbeiterjugend, er gehört auch keiner kommunistischen Organisation an. Er ist vielmehr Mitglied des Katholischen Gesellenbundes. Appell des Reichsbanners Alle Kameraden Sonntag ins Stadion! Der Gauvorstand des Reichsbanners Schwarx-Rot- Gold Gau Berlin-Brandenburg gibt filr sämtliche Mitglieder des Berliner Reichsbanners folgende Anordnung: Der Reichsarbeitersporttag am 2 6. Juni im Grunewaldstadion steht in diesem Jahre im Zeichen der Eisernen Front. Das Reichsbanner tritt zur gleichen Zeit um 15 Uhr zum Appell an und beteiligt sich nach diesem um 16 Uhr am Einmarsch der Eisernen Front in das Stadion in voller Stärke und mit allen Formationen. Antreten; 15 Uhr in Bundeskleldung mit voller Ausrüstung(Tornister usw.), mit sämtlichen Wimpeln, Orlsvereins- und Kameradschaflsfahnen, im Stadion rechte Seile hinter der Eiche. Aufstellung: Zum Appell In Linien zu 2 Gliedern. Vom rechten Flügel ab: Spielleute, Vortrupp, Jungba, Schüfe, Stafo, Sanitäter und Radfo. Kreisweise hintereinander: Osten, Süden, Westen, Norden. Die Wimpel und Fahnen bleiben in den Formationen. Zum Einmarsch in das Stadion in doppelter Gruppenkolonne in der gleichen Reihenfolge wie beim Appell. Zur Besprechung bitten wir die Kreis* und Ortsvereinsführer, bereits um 1 4 U h r im Stadion an der Eiche zu sein. Skandal im Landtag. Fahrkartenverleiher Lohfe beschimpft die Sozialdemokratie. Im Landtag kam es heute zu einem neuerlichen Skandal. Nach unwesentlichen Geschästsordnungsdebatten wurde der Antrag der Sozialdemokratie verhandelt, der dem Präsidenten Kerrl das Mißtrauen darüber ausdrückt, daß er zu jeiner Auseinandersetzung mit dem preußischen Staatsministerium die Vertreter der ausländischen Presse geladen und dadurch«inen Mangel an nationaler Würde gezeigt hat. Während der Begründung des Antrags durch den Genossen B u g d a h n vollführten die 160 Nationalsozialisten einen systematischen Lärm durch absichtlich laut geführte Gespräche, so daß der Redner nicht zu verstehen war. Der amtierende Vize- Präsident Haacke, der seinen nationalsozialistischen Partei- kollegen Kerrl zu Beginn dieses Punktes ablöste und zum ersten Male auf dem Präsidentenftuhl faß, schritt erst nach Beschwerde der sozialdemokratischen Fraktion und alsdann gänzlich unzulänglich gegen diesen Unfug ein. Zur Sache führte B u g d a h n aus, daß längere Ausführungen überflüssig seien. Die Besprechung Kerrls stand im Zusammenhang mit der Aufforderung des Reichskanzlers v. Papen, den Landtag möglichst bald zur Wahl des Ministerpräsidenten zu- sammenzuberijfen. Nachdem in der gestrigen Geschäftsordnungs- debatte der Führer der nationalsozialistischen Fraktion, Kube, d i e Wahl des Mini st erpräsidenten als„Affentheater" be zeichnet hat, könne er. der Redner, sich jede weitere Charak- teristik ersparen. Sodann erhielt das Wort für die Nationalsozialisten der aus dem Franzen-Fall bekannte Fahrkartenverlerher L o h s e. Er begann sofort mit einer wüsten Beschimpfung der Sozialdemokratischen Partei, die er„die Partei der Deserteure" nannte, die„uns die ganze Schweinerei eingebrockt hat". Zum Protest verließ die sozialdemokratische Fraktion geschlossen den Sitzungssaal. Der Vizepräsident Haacke schritt gegen seinen Fraktionskollegen nicht ein. Baumhoff nimmt an. In der heutigen Landtaasfitzung wurde bekannt, daß der zum zweiten Vizepräsidenten gewählte Zentrum sab geordnete B a u m h o f f fein Amt annehmen wird. Der deutsche kriegsschiffbesuch in Dm-zig hat progranungemäß heute früh mit dem Einlaufen der„Sch'esi.m" und zweier Torpedo- boote begonnen. Polen hatte schließlich die Anmeldung doch an Danzig weitergegeben, Polens Vertreter ist vorübergehend verreist. OeutscheOenkfchrifiinLausanne Keine Abschlußzahlung, aber WirtschastSverhandlung. Lausanne, 23. Juni.(Eigenbricht.) Von der deutschen Delegation wurde in Lausanne den anderen Delegationen eine Denkschrift überreicht, die in einem Teil der Presse irrtümlich als ein neuer Kompromihvorschlag bezeichnet worden ist. Wie von deutscher Seite versichert wird, enthält die Denkschrift lediglich jene Gedanken und Tatsachen, die der Reichs- kanzler bei seine? großen Aussprache mit MaeDonald mündlich vor- getragen hat. Ein Abschnttt darin, der vom Reichswirtschafts- minister W a r m b o l d abgefaßt ist, enthält eine Entgegnung aus den französischen Vorschlag der Abschluß- Zahlung für die Reparationen. Besonders wird darauf hingewiesen, daß jede neue hypothekarische Belastung der deutschen Wirtschaft wieder die Gläubigerländer selbst belasten müßte, da sie eine Fort- setzung der Kreditkrise bedeute. Ein weiterer Abschnitt ist dem irrtümlich als politische Friedensgarantie Deutschland» aus- gelegten Vorschlag einer engeren Verbindung zwischen Deutschland und seinen Gläubigern gewidmet. Deutjchland erklärt sich darin zu engerem Zusainmenarbeiten bereit, gegebenenfalls zu halbjährigen gemeinsame» Kabinettsbera- tungen mit den Regierungen Englands. Frank- reichs und Italiens, wenn auf dem Gebiet der Reparationen jetzt eine endgültige Lösung gesunden worden sei. Auf der Kompromißsuche. Lausanne. 23. Juni.(Eigenbericht.) In den Lausanner Verhandlungen ist man seit gestern in das Stadium praktischer Kompromißvorschläge eingetreten, denen An- regungen der englischen und belgischen Delegationen zugrunde liegen und deren schriftlicher Austausch bereits erfolgt ist. Di« wesentlichen Züge beider Vorschläge sind die Herbeiführung engerer wirkschastsverbindung mit gesteigertem Warenaustausch durch Senkung der Zollschranken und weit- gehendste Aufhebung der Einsuhrbeschränkungen. Dazu soll Deutschland keinerlei Hypothek für eine Ab- schlußzahlung auf die Reparationen sofort auferlegt, sondern nur eine Möglichkeit offengelassen werden, bei Wiedererlangung der deutschen Zahlungsfähigkeit durch die gesteigerte Warenausfuhr eine solche Schlußzahlung in Verhandlungen festsetzen zu können. lieber diese Pläne unterhielten sich heute vormittag der belgische Bankier F r a n e q u i und der Reichskanzler. Von deutscher Seite liegt noch keine Aeußerung zu diesem oder einem ähnlichen Kompromiß vor. Morgen vormittag wird endlich die so lange aufgeschobene Verhandlung Herriot-von Papen statt- finden. SiaaisgefahrlicheNazidsmonstraiionen Wichtiges Material der bayrischen Regierung. München, 23. Juni. Wie die„Münchener Neuesten Nachrichten" zu berichten wissen, soll Staatsminisler Stichel auf der gestrigen Konferenz der Innen- minister in Berlin eine sehr eingehende Begründung des erlassenen Ilniformverbots gegeben haben. Das Verbot gehe nicht lediglich auf die Vorfälle im Bayerijchen Landtag zurück, vielmehr habe d i e b a y e r t s ch e R e g i e- r u n g nationalsozialistisches Material in Händen, das der Konferenz mitgeteilt worden sei und aus dem die st a a t s- gefährlichen Ziele geplanter Demonstrationen eindeutig hervorgingen. Wie das Blatl weiter hört, soll am Freitagabend die Zlntwort der Länder im Reichsinnemninifterium erwartet werden. I?azi-Terrormaisrial an Hindenburg. Der Gau des Volksstaats Hessen des Reichsbanners Schwarz- Rot Gold übermittelte dem Reichspräsidenten telegraphisch eine außerordentlich umfangreiche Zusammenstellung von Einzel- mlleu nationalsozialistischen Terrors in Hessen. Der Reich'., ösideni teilte dem Rcichebanner mit, daß er da» ihm zugeleitete Material dem Rcichsministcr des Innern zur weiteren Veranlassung ül ergeben habe. Generalversammlung der Arbeilersänger Mitgliedsbuch- Klare Front Aus vcm Gcschästsbericht hatten wir bereits Mitteilungen über die Entwicklung des Arbeitersängerbundes veröffentlicht- Di« vom Genossen F c h s e l gegebene mündliche Ergänzung läßt erkennen. daß der durch die Krise bedingte Mitgliederrückgang sich bei den Männern mehr auswirkt als bei den Frauen. Der Konzertbstrieb leidet auch stark unter der Verbreitung mechanischer Musik. Beim Kassenbericht des Genossen � o e s t trat der Rückgang der Beiträge und des Berlagsumsatzes infolge der Arbeitslosigkeit klar zutage. Durch freiwillige Lohnreduktionen. Verlagssperre, Strei- chcn von Kursen wurde einigermaßen Ausgleich erzielt. Erfreulich ist der starke Umsatz der Chorsammlungen für Gemischten- und Männerchor. Im Bundesgebiet sind von der ersten etwa IlXIlKXZ, von der letzten rund 30 Mi Stimmbücher umgesetzt. Der Obmann des Künstlerischen Beirats, Genosse G u t t m a n n, konnte von der Herausgabe von kleinen Liedsammlungen berichten: 25 internatio- nale Volkslieder für Frauen, 12 Bekenntnislieder für Gemischten Chor, 26 heitere Männerchörc(mit Legleitung durch einzelne In» strumente). Aber auch Einzelausgaben von Liedern sind in größerer Zahl innerhalb der Geschäftsperiode möglich gewesen. Auch auf dem Gebiete der abend- und halbabendfüllenden Chororchesterwerke sind neun in Vertrieb genommen worden. Als kommende Arbeits- gebiete stellte Genosse Guttinann fest: Hebung der Kampfmusik, Steigerung ihres künstlerischen Wertes, aber auch Pflege des Volks- liebes, der volkstümlichen Lieder und der alten Meister. Voraus- setzung unseres Schaffens sei aber nicht nur Freundschaft, sondern auch Freiheit. Die Diskussion über die Berichte ließ schon erkennen, daß mancherlei Sparmaßnahmen durchgeführt werden müssen. Bei der Beratung der neuen Satzungen konzentrierte sich diese Stimmung in dem Beschluß: Der Bundesbeitrag wird von 80 auf 66 Pf. im Jahr herabgesetzt. Weitere Reduzierungen der Bezüge. Einstellen des Sängerführers und der Dirigenten« und auch der Funktionärkurse gelten als Ausgleich für den Ein- nahmeausfall. Weiter soll der für das 2. Bundessängerfest in Nürnberg bereits gezahlt« Festbeitrag in Höhe von rund 46 000 M. vom Bundesvorstand als Gutschrift der Gaue für zu zahlende Bundes- beitrage verwendet werden. Auch der noch bestehend« Hannoverfest. fand« kann in besonders ernsten Fällen verbraucht werden. Von diesem Fonds wurden dem Gau Rheinland zur Kostendeckung für den Denkstein des Zlrbeiterkomponisten G. A. Uthmann 3000 M. überwiesen. Wichtig für weitere Arbeit ist die Einführung eines für alle Bundesmitglieder gültigen Mitgliedsbuches. Ebenso die ab 1. Juli 1032 gültige Einführung einer besonderen Bundes« beftragsmarke, die vierteljährlich zu entnehmen ist. Dieser Versuch zur Zentralisierung im Arbeitersängerbund muß folgerichtig auch die satzungsgemäße Bestimmung mit sich bringen:„Dia dem Ar- beitersängerbund angehörenden Vereine können nicht gleich- zeitig einer weitere« Sängerorganisatton angc- schlössen sein. Das gilt auch für die aktiven Mitglieder der Ver- eine." Beschlossen wurde, das für 1033 vorgesehene 2. Bundessänger- fast„auf unbestimmte Zeit zu verschieben". Die Be- lastung durch die Musikschutzverträge löste Erbitterung aus. Das ist auch verständlich, wenn man bedenkt, daß ein Drittel sämtlicher Beiträge dem Musikschutzverband überwiesen werden muh. Daher auch die Kundgebung der Generalversammlung, den Bundesvorstand zu beauftragen,„mit aller Energie, eventuell mit Hilfe aller Or- ganisationsn, die an den Musikschutzvarband Gebühren zahlen, eine Minderung der Pauschalgebühren zu erreichen". Den Spaltern des Arbeitersängerbundes gab die Generaloersammlung die ge- bührende Antwort durch Annahme folgender Entschließung:„Die Generalversammlung verurteilt auf das schärfste die Handlungs- weise einzelner Chöre im Reiche, die zur Gründung eines zweiten Arbeitersängerbundes führte." lieber eine eingebrachte Entschlie- ßung, daß die neuen Satzungen„die Grundsätze der Demokratie verletzen", wurde einstimmig zur Tagesordnung übergegangen. Der Kampfgemeinschaft gab die Generalversammlung zu erkennen, daß diese„eine Sängerorganisation sei, der die Mitglieder des Arbeiter- sängerbundes nicht angehören können". Die Kommunisten glaub- ten. durch ein Flugblatt den Delegierten gute Ratschläge zu er. teilen. Der Inhalt des Flugblattes konnte ober unmöglich auf Funktionäre der Arbeiterbewegung wirken. Die Wahlen ergaben folgendes Resultat: Geschästsführender Vorstand die Genossen F« h s e l, K l a u d e r, alz Vorsitzende, Hoest als Kassierer. Kirch und Brauner als Sekretäre. Bei- siger im erweiterten Bundesvorstand die Genossinnen Ludwig- Paderborn, M e r z» Frankenthal, Z ä n k« r- Leipzig und die Ge- nassen Blankenfeld- Hamburg, Buckel- Stuttgart. Grobe- Erfurt, Schneider- Berlin. Künstlerischer Beirat die Genossen Guttmann, Hänel, Dießen. Mit der Wahl fanden die Arbeiten der 8. Bundesgeneralver- sammlung ihren Abschluß. Der Abend brachte einen Rundfunkvor- trag über„Entstehung und Entwicklung des Deutschen Arbeiter- sängerbundes" und, ebenfalls als Rundfunkübertragung, ein Kon- zcrt Braunschweiger Chöre. Es HsZdi prsisfle! An Hindenburg und Gayl. Breslau, 23. Juni.(Eigenbericht.) Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Gau Mittelschlesien, hat aus Anlaß der schweren blutigen Zusammenstöße, die sich am Mitt- woch abend m Breslau abspielten, ein P r o t e st t c l e g r a m m an den Reichspräsidenten gerichtet Ferner wurde ein Protesttelegramm, in dem ebenfalls um Maßnahmen gegen die SA.-Rowdys ersucht wird, an den Reichzinnenminister gesandt. Jtvischrei der Krankfurter llniversität. Frankfurt a. AI., 23. Juni.(Eigenbericht.) Die Frankfurter llniversität ist am Donnerstagvormittag bei strenger polizeilicher Türkontrolle wieder eröffnet worden. Sehr bemerkenswert ist die Schärfe eines Tele- g r a m m s, dos Rektor und Senat der Universität an den Reichs- Innenminister gerichtet haben:„Demonstration und Eindringen einer bewaffneten SZl.- Abteilung(Richtstudenten) in Uniform in die Universität hat zu blutigen Krawallen geführt. Rektor und Senat fordern gegen diese Bedrohung des Lehrbetriebes und des Friedens der Studentenschaft Hilfe und verlangen Schutz vor Ruhestörungen durch hochschulfremde politische Organisationen." Die zwei schwerverletzten soziolistischeu Studenten und der ebenfalls schwerverletzte kommunistische Student befinden sich außer Lebensgefahr. Die Verletzungen geschahen durch Stahlruten bzw. durch Schläge mit Fäusten, die mit Lederriemen und Schnallen umwickelt waren. Erpressung im Oevaheim-prozeß. Or. Ehrlich und Or. Spieker als Zeugen. Im Deooheim-Prozcß kam es zur sensationellen und stürmischen Vernehmung des Verlegers des„Jndustrie-Rurier". Otto Ehrlich. und seines Chefredakteur Spieker. Wie erinnerlich, war Spieker gezwungen, aus Veranlassung der Angeklagten in dem Siedlung:-- bankprozeß Hoest und Genossen die Gerichtsverhandlung, der er als Berichterstatter beiwohnte, zu verlassen, weil von ihm behauptet wurde, er sei an einen der Angeklagten mit dem Anliegen heran- getreten, gegen Zahlung von 40000 Mark über den Pro- zeß nicht zu berichten. Aehnlich liegen die Dinge auch in diesem Falle, es wird von den Angeklagte» I e p p e l und E r c m e r behaupter— und diese Behauptungen bilden den Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens bei der Staatsanwaltschaft—, daß Dr. Otto Ehrlich und Dr. Spieker an sie herangetreten seien mit dem Borschlag, das ihnen über Deva- heim zugegangene Material unbenutzt zu lassen, falls eine bestimmte Summe gezahlt würde. Sie sollen auch in Wirklichkeit 2 2000 M. erhalten haben. Cremer übergab die Angelegenheit seinem Anwalt, der an Ehrlich einen Brief richtete, der an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Dr. Jeppel trat zuerst in telephonischc Berbindung, dann auch in persönliche Fühlung mit Ehrlich. Das Ergebnis dieser Unterredung war, daß Jeppel einen Wechsel in Höhe von 30000 Mark ausschrieb. Im ganzen machte die Summe, die vereinbart wurde, 400 000 M. aus. Spicker gibt von dem Vorgang folgende Schilderung: Er stellt sich als früheres Mitglied des Hansabundes vor, in welcher Eigenschaft ihm zum erstenmal der Gedanke gekommen sei, daß man sich für die Vertretung gewisser wirtschaftlicher Interessen bezahlen lassen könne. In der Folgezeit habe er von dieser Idee reichlich Gebrauch gemacht. Jeppel habe ihm in Gegenwart von Spieker sofort den Vorschlag gemacht, gegen ein bestimmtes Honorar mit ihm für die Sanierung des Zentralausschusies und der Devaheim zu orbeilen. Er habe ihm in bewegten Worten sein Leid geklagt, daß Psarrer Cremer mit seinen Söhnen, Schwägern und Freunden voll und ganz den Zentrolausschuß und sämtliche Institutionen beherrsche und den Verbänden Zuteilungen zukommen lasse, weil diese drohten, widrigensalls die Werbung sür die Bausparkassen einzustellen. Er sei nur das Werkzeug des Psarrers Cremer und müsse mittun, um nicht um Stellung und Brot zu kommen. Als erste Rot« für die Mitarbeit ist der Wechsel in Hohe von 30 000 Mark ausgestellt worden. Der Angeklagte Jeppel erklärt dazu, daß feine ganze Unter- Haltung mit Dr. Ehrlich wie auch die Ausftclliuig des nicht ernst gemeinten Wechsels nur den Zweck gehabt hoben, Dr. Ehrlich und Dr. Spieker zu beruhigen, damit die Sanierungs- aktion durch die Donatbank nicht gestört werde. Ehrlich beteuert ober noch wie vor seine lauteren Motive: er behauptet, das un- schuldige Opfer eines Presfefeldzugez zu fein. In ähnlichem Sinne äußert sich auch Dr. Spieker. Weflen-Kolonne gesprengi. Zwei Mitglieder auf frischer Tat festgenommen. Durch die Aufmerksamkeit eine« Postbeamlen. der in der Sied- lung an der Laden- und Weslendollee wohnt. Ist es ge- glückt, eine Einbrecherkolonae dingfest zu machen. Die Diebe hallen eine Villa in der Oldenburgollee 16 heimgesucht. Gegen 4 Uhr wurden sie im Garten beim Einpacken der Leute beobachtet. Als dos Ueberfallkommando eintraf, flüchteten sie. Es gelang, zwei der Täter festzunehmen. Ein Mann und eine Frau sind entkommen. D'e Festgenommenen sind bekannte Einbrecher. Ein P o st b« a m t e r. der in der Postsiedlung an der Bundes- ollee wohnt, beobachtete vom Garten aus die Diebe auf dem Grund- stück und alarmierte das Ueberfallkommando. Di« Ueberraschten, unter denen auch eine Frau gesehen worden war, flüchteten durch die Badenallee und Bundesalle«. Es gelang, an der Heerstraße zwei von ihnen einzuholen. Die anderen entkamen in den bemal- beten Teil von Westend. Mit der Festnahm« dieser beiden Ein- brechcr will die Kriminalpolizei aus die Spur der größten Ein- brecherkolonne gekommen fein, die in der letzton Zeit Berlin un- sicher gemacht hat. Todessprung aus dem dritten Stock. Aus dem Fenster seiner im dritten Stockwerk des Hauses K o l o n i« st r a ß e 12 2 gelegenen Wohnung stürzte sich in der vergangenen Nacht der 46 Jahre alle Arbeiter Richard W. aus den Hof hinab. Mit zerschmetterten Gliedern wurde der Lebensmüde ins Krankenhaus gebracht, wo bei seiner Einlieferung nur noch der Tod festgestellt werden konnte.— In der W a i tz st r a ß e in Char- lottenburg spielte sich in den frühen Morgenstunde» ein anfregender Vorfall ab. Eine Frau versuchte sich in einem Nervenanfall aus dem dritten Stockwerk in die Tiefe zu stürzen. Dem Ehemann gelang es. die Kranke im letzten Augenblick vom Fenster zurück- zureißen. Die alarmiert« Feuerwehr hatte sicherhenshakber auf der Straße«in Sprungtuch ausgebreitet. Ist Aliern und Tod unvermeidbar? Dortrag von Or. Hämmerling. So fragte der junge Dahlemer Biologe Joachim Hämmer- l i n g, der auf Einladung der„Gesellschaft für wissenschaftliche Philosophie" über die die Menschheit seit je aufs brennendste inter- essierenden Fragen:„Fortpflanzung, Altern, Tod" die neuesten Ergebnisse der biologischen Wissenschaft vortrug. Bis um die Jahrhundertwende galt der Satz:„In allem Lebendigen steckt unentrinnbar der Keim des Tode?" für unbedingt gültig. Damals wühlte der große Biologe Weismann die Gemüter auf durch sein« aufsehenerregende Lehre von der„Potentiellen Unsterblichkeit der Einzeller". Deren Vererbungsmschanismus— die einfache Zweiteilung— und die Tatsache ihrer Einförmigkeit scheidet den Ein- zeller von der Welt der vielzelligen Lebewesen, für die nicht nur die Vielheit der Zellen als solche charakteristisch ist. sondern vor allem die vielseitige Differenzierung der einzelnen Zellgruppen nach dem Prinzip der Arbeitsteilung. Die Keimzeller find es, die die Kontiumtät des Lebens wahren: wie die Einzeller, die gewissermaßen noch ganz Keimzellen dar- stellen, sind auch sie unsterblich oder besser unbegrenzt lebensfähig. Die Körperzellen dagegen, deren ewiges Leben für den Fortbestand der Art ohne Belang ist, sind dem Tode verfallen. Die Unsterblich- keit der Keimzellen reicht hin, um die Dauer der Art für unendliche Zeiten zu garantieren. Ist ober, so fragt Hämmerling, der Schüler Hartmanns, dieses Schicksal der Vielzeller wirklich unentrinnbar? Oder gibt«»«ine Berufung dagegen, sind Bedingungen denkbar, unter denen auch die vielzelligen Lebewesen dem allgemeinen Verhängnis entgehen können? So überraschend, ja Paradox die Frage klingt, man kann sie auf Grund der neuesten experimentellen Forschung, insbesondere der Gewebezüchtung, in einer Reihe von Fällen bejahen. Um aber über das Problem des Todes das letzte Wort zu sprechen, ist es notwendig, zuvor von dem verursachenden Vorgang zu sprechen, der dem Tode vorangeht: dem Gespenst des Alterns. Biel ist es nicht, was wir über diese Frage bis heute ermittelt haben. Das liegt hauptsächlich an unserer fehlerhaften Fragestellung nach dem Altern des Gesamtorganismus, also des aller- kompliziertesten Systems überhaupt. Sinnvoll dagegen ist allein die Frage nach dem Altern der Zellen, der Bausteine des Organis- mus. Warum altert und stirbt die Zelle? Weil sie— so hatte Wcismonn geantwortet— so hoch und fein differenziert ist, daß sie sich notwendig beim Lebensprozeß„abnützen" muß. Tatsache ist zwar, so meint der Referent, daß alle differenzierten Zellen, solange sie im Vorband des Organismus oerbleiben, zugrunde gehen: ob sie aber wegen ihrer Differenzierung sterben, ist doch höchst zweifelhaft. Gegen diese Annahme sprechen sogar eine ganze Reihe höchst gewichtiger Tatsachen der Gewebezüchtung. Da ist zunächst jenes berühmt gewordene Zellensystem aus dem Herzen eines Huhns, also ein bereits differenziertes Gewebe, das bis heute 21 Jahre hindurch in dauernder Vermehrung gehalten werde, ohne daß die geringsten Anzeichen von Altern nachzuweisen sind. Diese Kultur kann sich also in oll« Ewigkeit erhalten. Ferner gelang es, noch weit differenziertere Zellen, z. B. Darmzellen zu kultivieren, die schon so weit differenziert waren, daß sie bereits die ihnen eigentümlichen Verdauungsfermente produzierten oder Zellen der Regenbogenhaut, die die Eigenschaft, Farbstoffe zu bilden, unbegrenzt beibehalten. Würden diese Zellen im Organismus verbleiben, so würden sie von einem bestimmte Zeitpunkt ab die Fähigkeit, sich zu teilen— das Zeichen der Jugend—, einbüßen. Aus dem Gefamwrganismu« herausgenommen und In Gewebekulturen bei dauernder Teilung er- halten, altern die Zellen nicht. Unter den Bedingungen der Ge- webekultur sind Alter und Tod für die Zellen auch der vielzelligen Organismen vermcidbar. Von hier aus, so meint der Vortragende, müsse sich auch einmal ein Weg finden lassen, da» Todes- und Ver- jüngungsproblem experimentell in Angriff zu nehmen und zu zeigen. wie bereits gealtert« Zellen zu verjüngen find. Dr. L. H. „Hamlei" aus Sowjeirussifch. Ein Moskauer Theater hat Shakespeares„Hamlet" in einer neuen Bearbeitung herausgebracht, die statt des grüblerischen melan- cholischen Dänenprinzen einen überaus lebhaften, von sich überzeugten jungen Mann auf die Bühne stellt, der weiß, was er wert ist, und entschlossen ist, sich Geltung zu verschaffen. Der neue Hamlet der Sowjetbühne ist ein gedrungener stämmiger Sportsmann, der mit dem philosophierenden Poeten des bourgeoisen Theaters nichts mehr zu tun hat. Der Geist seines Vaters ist natürlich als romantische Ausgeburt ausgemerzt. Der Geist ist Hamlet selbst, der vor seinen Freunden in der Rüstung seines Vater» erscheint und nach der Art eines Bauchredners auf sie einspricht. Die ganze Geisterszene dient nur dem Bemühen Hamlets, Horatio und die anderen zum Ausstand gegen seinen Onkel, der sich die Herrschaft angemaßt hat, aufzu- putschen. Ophelia ist eine alberne Kokette, die in der Rolle des „Vamp" all« Künste spielen läßt, um den Prinzen zur Heirat zu be> wegen. Polonius ist über die Aussicht, in die königliche Familie aus- genommen und der Schwiegervater eines richtiggehende» Prinzen zu werden, vollständig närrisch geworden. Die Bearbeiter, denen man die neue Version verdankt, behaup- ten, daß sie nicht» weiter getan haben, als Hamlet die ursprüngliche Gestalt wiederzugeben, ganz im Sinne der Absichten seines Dichters. Die traditionelle Vorstellung des Hamlet baue sich auf Grund falscher Voraussetzungen auf, die Generationen hindurch Geltung gehabt hätten. Die neue Version habe die Staubschichten des falschen Ham- letismus beseitigt, die nur die kapitalistische Kultur unter Fälschung von Shakespeares Absichten abgelagert haben. Gleichwohl haben sie sich zu diesem Zweck große Freiheiten erlaubt. E» sind ganze Szenen ausgemerzt und neu« eingeschoben worden. Rur wo das Shake- spearefche Original übernommen wurde, wurde auch der Text unver- ändert gelassen. Die neue Bearbeitung hat einen lebhaften Widerstreit der Meinungen ausgelöst, denn der russischen Intelligenz ist es mit dem Theater heiliger Ernst. Dom künstlerischen Standpunkt aus wird die Aufführung indessen einstimmig als eine der besten bezeichnet, die man in Moskau seit der Revolution gesehen hat. Spiel, Inszenierung und Begleitmusik seien über alles Lob erhaben. Das gleiche gelle für den Vertreter der Titelrolle, Gorunow, der als unvergleichlich ge- rühmt wird. Die Regie führte Nicolai P. Akimow, den man als den ebenbürtigen Nachfolger Stanislawskys bezeichnet. Filmreprisen. Der Stand unserer Tonfilmproduktion und der Rückgang der Filmbesucher haben in diesem Sommer dazu geführt, daß Filmreprisen auch in den Uraufführungstheatern an der Tages- ordnung sind. Sogar aus stumme Filme wird vielfach zurück- gegriffen. Im Capitol läuft wieder der K a r a m a s o w- Film(mit Kortner und Anna Sten), im Usa-Pavillon werden„Die Drei von der Tankstelle" vorgeführt. Die Titania nahm die Reprise von dem Elisaboth-Bergner-Film„Fräulein Else" vor. und seit kurzem werden wieder„Mädchen in Uniform" vorgeführt(Kammerlichtspiele), einer der größten deutschen Erfolge im Auslande ist das Musterstück eines Kollektivfilms. Im Ufa-Palast am Zoo wird der Alpensilm„Stürme über dem Mont- b l a n c" neu erprobt. Goethe in Japan. In dem Verlag Iwanami. Tokio, ist ein« umfangreiche Goethe-Festschrift erschienen, zu der Thomas Mann die Einführung geschrieben hat. Außer ihm ist auch Prof. Fritz Strich-Bern mit einem Beitrag vertreten, in der von japanischer Seite zehn Professoren von Ruf eine Darstellung des Gesamt- schaffene Goethes unternehmen. Der von dem Iapanisch-Dcutschen Kulturinstitut in Tokio herausgegebene stattliche Band ist in Japan als die bisher bedeutendste japanische Publikation über Goethe be- grüßt worden. In der klusstelluno„Lust, Tonne und Hau» siir Alle" zeigt Sonntag nachmittag 4 Uhr Berthe Krull mit ihrer Kindergruppc neue Tänze. I» der Städtischen Oper werden wegen des großen Ersolgez OffenbachS „Banditen außer am 2S., S8., auch noch am 30. d. M. gespielt. Sewoba. Gemeinnützige Mohnungsbaugenossenschast e. G. m. b.h., Teltow. Im„Vorwärts" vom 18. Juni wurde als Termin der ordentlichen Generalversammlung irrtümlich der 26. Juli 1032 angegeben, während die Versammlung bereit, am 26. Juni 1032 stattfindet.(Siehe auch Inserat.) Wahlagitation der RGO. Wo sie einsehen soll. Die jüngste Parole der NGO. befiehlt ihren Gruppen und Sektionen, sofort zur Mitgliederversammlung zusainmenzutreten und einen konkreten Äampfplan aufzustellen „Sofortiges herantreten an die Mitglieder und Organisationen der SPD. und des ZtDGB. im Gruppengebict zur Organisierung einheitlicher Kampfaktionen und zur Aufstellung der gemeinsamen Forderungen." Dos ist das erste. Daneben sollen die Erwerbslosen aufgeklärt, eine Massenmobilisierung für die kommunistischen Arbeits- bcschaffungsforderungcn und T e i l a k t i o n e n für die volle Aus- Zahlung der Unterstützungssätze und Sonderunterstützungcn unternommen werden. Massendelegationen sollen zu den Wohlfahrts- ämtern, zu Bürgermeistern und Fraktionssührcrn geschickt und M a s s e n a n t r ä g e auf Sondcrunterstützung. Mictbeihilfe, Kleidung und Schuhwerk bei den Wohlfahrtsämtern gestellt werden. Die Stempelstellen sollen durch Diskussionsgruppen, Sprechchöre und neue Agitatinnsmethoden mobilisiert werden. Breite Einheits- frantkampfausschüsse sollen gebildet„und an die Betriebe im Gruppenbetrieb zwecks Herstellung der gemeinsamen Kampf- front" herangetreten werden. Die jugendlichen Erwerbslosen sollen besonders bearbeitet werden. Und zum Schluß: Verbindung aller dieser Maßnahmen mit der großen antifaschistischen Aktion und der Mobilisierung aller Er- werbsloscn für die kommunistische W ä h l e r l i st e. Das NGO.-Anhängsel der KPD. mag tun, was diese für gut be- findet. Bei dem„sofortigen herantreten an die Mitglieder und Organisationen der SPD. und des A D G B." müssen die NGO.-Leute gewärtig sein, daß ihnen das„R u n d- schreiben Nr. 11" unter die Nase gehalten wird. Die„Jso- lierer" müssen deutlich merken, daß sie die Isolierten sind. Mit den Spaltern, die auch jetzt noch nichts anderes zu tun wissen, als ihre Spaltungsversuchc gegen Partei und Gewerkschaften im Kleinbetrieb weiterzuführen, haben wir nichts zu tun. Und wenn die„Einheitsfront"-Macher das immer noch nicht begriffen hoben sollten, muß es diesen harmlosen gründlich klargemacht werden, sobald sie an uns„herantreten". Jede Diskussion mit den gcwcrkschaftsfeindlichcn NGO.- und KPDisten ist zwecklos. Laßt die herantretenden Spalter stehen und abtreten! KünSigungsschuh der Gchwerbeschädigien. NeichSarbeitsgericht weist Llebergfisf zurück. Ein Schwerkriegsbeschädigter, der im oberschlesischen Kohlen- bergban bei der Preußag beschäftigt war, wurde gekiindigt. Das Vcrsorgungsamt hatte ihm seine Rente von 50 Proz. auf 30 Proz. „ermäßigt". Der so plötzlich zu einer erhöhten Arbeitsfähigkeit auf dem Papier gelangte Schwerbeschädigte erhob gegen den Bescheid des Versorgungsamts Einspruch und erreichte schließlich, daß er seine frühere Rente behält. Die Personalleitung hätte erst den Erfolg der Rechtsbeschwerdc abwarten müssen, bevor sie den Mann zur Entlassung brachte. Allerdings, sowohl das Arbeitsgericht wie das Landesarbeitsgericht klammerten sich an den Buchstaben und wiesen die Klage des Schwerbeschädigten aus Wiedereinstellung ab. Das Reichsarbeitsgericht verurteilte die Preußag, den Mann wieder einzustellen oder ihm seinen Lohn weiterzuzahlen. Die Be- klagte habe nach§ 13 des Schwerbcschädigtengeseges kein Recht gehabt den Kläger zu entlassen. Nach dem Bescheid des Versorgungsamtes habe er Rechtsbefchwcrd« erhoben und habe vom Versorgungsgericht erreicht, daß er wieder als Schwerkriegs- beschädigter anerkannt wurde. Die Kündigung des Klägers verstoße gegen die Bestimmungen des§ 13 des Schwcrbeschädigtengcsetzes und sei deshalb rechtsunwirksam. Di« Kosten des Rechtsstreits hat die Beklagte zu tragen.(RAG. 87/32.) Wenn der Schwerbeschädigte nicht den Schutz seiner freigcwerk- schaftlichen Organisation gehabt hätte, wäre es wahrscheinlich bei der Rentenkürzung und der Entlassung geblieben. Beiriebsräteschuh. Für den Gastwirtsbetrieb keine Ausnahme. Der Musiker Schr. war seit dem 1. Oktober 1930 Mitglied einer aus 10 Personen bestellenden Kapelle, die im„Hau s Vater- land" in Berlin konzertierte. Am 23. Dezember 1931 wurde der Kläger in den Angestelltenrat der Beklag- t e n gewählt. Am 28. Dezember 1931 kündigte ihn der Kapellmeister zum IS. Januar 1932. Das Einverständnis des Angestelltenrats der Beklagten zur Kündigung wurde nicht eingeholt. Der Kläger verlangt von der Beklagten Nachzahlung seines Gc- Halts für die Zeit vom 16. Januar bis zum 8. Februar 1932. Die Beklagte erwidert, nicht sie, sondern der Kapellmeister P. sei Arbeitgeber des Klägers gewesen. Es bestände auch kein einschlägiger Tarifvertrag für die Angestellten. Das Landesarbeitsgericht Berlin entschied zugunsten des Klä- gers. Die gegen das Urteil von der Beklagten eingelegte Revision wurde vom Reichsarbcitsgericht kostenpflichtig verworfen. Das Reichsorbeitsaericht stellte grundsätzlich fest, daß auch für die Betriebs- und Angcftelltenräte in den Berliner Schank- und Kaffeehausbetrieben das Kündigungsschutzgesetz rcchtswirksam sei. Es kann nicht dadurch umgangen werden, daß ein als Kapell- meifter beschäftigter Angestellter als Arbeitgeber ausgegeben wird. Regierungshilfe für Arbeitslose. Foi derung des Amerikanischen Gewerkschaftsbundeei. Obwohl der letzte Kongreß des Amerikanischen Gewerkschafts- bundes eine geregelte staatliche Arbeitslosenversicherung als dem Frciheitsempfindcn der amerikanischen Arbeiter widersprechend und die Auszahlung von Unterstützungen auf Grund einer staatlichen Versicherung als, A l m o s e n" dezeichnete, wendet sich nun Präsi- dcnt Green vom A. F. of L. mit aller Entschiedenheit dagegen, daß der Kongreß bei kritischster Lage sechs Monate lang tagte„ohne Gesetze im Interesse der Arbeitslosen, der von der Krise betroffenen Industrien und der in größter Armut lebenden Bauern angenommen zu haben"... „Nun ist die Lage schlimmer geworden und sie wird voraus- sichtlich noch schlimmer werden. Es ist die ausgesprochene Pflicht des Kongresses, Gesetze zugunsten von Hilfsfonds anzunehmen, um die augenblickliche Not der Arbeitslosen zu milder n." Mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten wurden auch die einzelnen Gewerkschastcn gezwungen, darauf hinzuwirken, daß der Kongreßbeschluß des Amerikanischen Ecwerkschaftsbundes in dieser Weise revidiert wurde. Wetter für Berlin: Noch meist wolkig ohne wesentliche Tempe- raturänderung. Schwache Winde aus nördlicher Richtung.— Für Deutschland: Im größten Teil Deutschlands trockenes und mäßig warmes Wetter. Im Nordosten Welterbcfserung. Im Alpenvorland noch zeitweise Regen. Verantwortl. für die Redaktion: Stich. Beellstei», Berlin; Änzclgen: Th. Eloike. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G.m.b.H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» druckerei und Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin SD KS. Lindenstr. Z. Kierni 1 Beilage. ZUealec Ltchispiele usi« —----- �--- ««SSt» 1% Tüföker Donnersiag, den 23. Jani staatsopsr unter den Linden I? Uhr Die Walküre d Uhr 19. Flora 3434. Raadien cn. Panl Craetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. StaatlSihaiispielhsiu Gendannenmarlrt. 20 Uhr ieppSvonM Sthlller Theater Charloitenburc 20 Uhr Die Räuber 1 flähe Sdiles. Bhf. 1 5u. 616.Stgs.2,5.8lSIJ. E 7 Weiths. 4031 Schwarzwaldmädel smm.vper Charlottenburß ßismarckstraße �4. Donnerstag, 23 Juni Turnus IV Peirusdika (Strawinsky) Abramowitsch, Uhlcn, Sydow, Groke, rrank, Egenlauf Glannl Sdiicdii (Paccinl) Friedrich, Fidesser, Hüsch Anfang 20 Uhr Ende geg 22.15 Uhr ßeatste Theater Letzte AufführuDgeu Die SVi Uhr Journalisten Ustsp.nadiGustivFreytag von Felix Joadiimson Musik; Thea Mackebeu Regie: Heinz Hilpert. VoibsbU&ne Theater am Bülewulat: SV» Uhr Geld ohne Arheif Komödie von \lberto Colajituoni Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: Günther Stark Rose- Theater Groll Frankfortsr Straße 132 Tel. Waidisei 1 1 3422 8.30 Uhr Sie eiserne fnngfmn O arten btthne 5.30 Uhr Konzert u. Variete ZigeunerlieUe Täglich S1!* Uhr Madonna wo bist Dn? Erika v. Thellmann. Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn GEWOBA Semeineiitzige utonnungsäau' senossenschatt eßm&H., Teltow Ordentliche Generalversammlung am 26. 3unt 1932, ootm. 81: Ahr. im Lokal hSrnisch in Zeltom. Tagesordnung: l. Geschäftsbericht: a) des Vorstandes und Äufsichisrates, bi Revistonsbericht. 2. Genehmigung der Bilanz und Gewinn. und Verlustrechnung sür 1931. 3. Entlastung des Vorstandes. 4. Anträge. 5. Bcschlußsassung über neue Eastungen. S. Neuwahl der ausscheidenden Aussichts. ratsmitglicdcr. Zur Teilnahme an der Generalner- sammlung sind die eingetragenen Genossen berechtigt. Der vorstand. Loppuch. H. Schulze. Hofsmann. Pictsch. Schmidt. � ßefdiäft$-Jbtjäger (Bezirk Jlorden-Cften ARBEITER! Deckt euren Bedarf In s! Eisenwaren, Werkzeugen, Haus- U.Küchengeräten bei ERNST WIESE Berlin O 34. ~ 1 N 1 v v 1 C— C3 C_, Frankfurter Allee 16 [R. 202 „Hawag" Heizung, Liiftung, Be- und Entwässerung �NOl8, Landsberger Str. 91, Tel.: Alex. 9 130/1� Großgarage Nordbahnhol J. 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Die Arbeit des Jugendherbergsver- bandes wird in 19 Gauen von 1682 Ortsgruppen geleistet, die der wandernden Jugend in ganz Deutschland 2114 Jugendher- bergen zur Verfügung halten. Die Neubautätigkeit mußte seit 1936 infolge der Wirtschaftskrise fast ganz eingestellt werden. Die meisten Staats- und Kommunalverbände strichen die Beihilsen für das Jugendherbergswerk und die Mittel zur Förderung für Schul- und Ferienwanderungen bis auf ein verschwindend kleines Maß zusammen. Das hat in sozialer Hinsicht bereits sehr betrübliche Folgen ge- habt, die sich bei der großstädtischen'Arbeitslosen- fugend gesundheitlich bald schwer auswirken dürften: die Volks- fchüler wandern immer weniger. Unter den Herbergsgästen stellten sie l92S mit 33 Proz. den größten Prozentsatz; 1936 waren nur noch 26 Proz. und 1931 noch ganze 17 Proz. der Wandergäste Volks- schüler, also ein Rückgang auf fast die Hälfte seit 1925! Wieviel Wandersehnsucht ist dabei den Aermsten unerfüllt geblieben, und wieviel Schaden an der Volksgesundheit wird die unabwendbare Folge sein: auch hier wieder ist die Jugend ein trauriges Opfer der kapitalistischen Wirtschaftsanarchie. Die absolute Besucherzahl der Jugendherbergen ist jedoch noch weiter gestiegen, und zwar für 1931 auf insgesamt 4 332 626 Ueber- nachtungen. Ein erheblicher Zuwachs ist durch die s ch u l e n t- lassenen Besucher zu verzeichnen. Ihre Anteilzisser beträgt jetzt 35 Proz. In dieser Zahl kommt zum Ausdruck, wie viele erwerbslose Jugendliche mit Hilfe der Jugendherbergen ihre Zuflucht zur Natur nehmen. Der Reichsverband hielt es für seine Pflicht, an seinem Teile nach Möglichkeit zur Milderung des barten Loses der Erwerbslosigkeit beizutragen. Für mehr als zwanzigjährige Erwerbslose räumte er das Kopfgeld der Jugend- lichen, also 26 bis 36 Pfennig pro Nacht, ein. Weiterhin empfahl er den Gauen und Ortsgruppen, von sich aus möglichst weitere Er- Mäßigungen zu gewähren. Auf dem Jugendherbergstag setzte sich Jugendpfleger Professor Schomburgk besonders warniherzig für den weiteren Ausbau der jugendlichen Erwerbslosenhilfe durch das Jugendherbergswesen ein: er forderte organisierte Erwerbslosenwande- r u n g e n mit Hilfe der Jugendverbände und die ständige Veron- sraltung von Freizeiten in den Jugendherbergen, die sich für Maßnahmen der Winterhilfe als besonders geeignet erwiesen haben. Leider wird den einzelnen Jugendlichen aber das häufige Ueber- nachten in den Jugendherbergen dadurch erschwert, daß der Jugend- herbergstag es ablehnte, pro Kopf mehr als 42 Ueber- nachtungen im Jahr zuzulassen. Damit verschließt sich das Jugendherbergswerk in unverantwortlicher Vogel-Strauß-Politik dem gefürchteten, aber damit nicht minder ernsten Problem der zahlreich herumvagabundierenden Jugend. Man sollte doch gerade angesichts der tatsächlich errungenen Großleistung, fast aus dem Nichts heraus im republikanischen Deutschland der Jugend über 2666 Wandererholungsstätten geschaffen zu haben, auch offen in Richtung der geistigen Wirkung bewußt danach handeln, daß da? Jugendherbergswerk eine im tiefsten Sinne pädagogische und kultu- relle Einrichtung für die ganze deutsche Jugend ist. Hunderttausende unserer ärmsten Brüder wandern heute heimatlos über die Land- straße; man soll nicht von den damit verbundenen Gefahren der Verwahrlosung, von bettelnden Tippelbrüdern sprechen, sonder» großzügig helfen und im Rahmen strenger Hausordnungen die Jugendherbergen als Heimstätten offen halten. Hoffen wir, daß der Vorstand des Jugendherbergsverbandes unter seiner bewährten Führung von Schirrmann, W. Münker und dem Genossen Ernst Albrecht bald positiv entscheidet, worüber in der ge- drängten Form einer Jahresversammlung nicht das letzte Wort gesprochen werden konnte. Erfreulich ist der besonders von den Vertretern der G e w e r k- schaftsjugend geförderte und gegen starken Widerstand durch- gesetzte Beschluß, auch den Herbergseltern Sitz und Stimme im Verwaltungsausschuß einzuräumen. Dazu betonte Ernst A l b r e ch t sehr richtig, daß die Herbergseltern die eigentlichen Schaffer am Werk mit der größten Verantwortung vor der Oeffent- lichkeit und in erzieherischer Hinsicht seien. Für die nächste Zeit steht allerdings zu befürchten, daß von der Reichsregierung auch das Jugendherbergswerk nicht viel Gutes zu erwarten haben wird; denn für die Herren Barone, die ja in Schlössern und Palästen wohnen und nicht mit dem Rucksack man- dern, sondern in Luxvsautos die Landstraßen verstauben, sind ja auch die Jugendherbergen unangenehme Einrich- tungen des„Wohlfahrtsstaate s". Der Kampf bei den Reichstagswahlen gegen den Regierungskurs des neuen„Dritten- Reichs-Systems" wird für die gesamte Jugend darum gehen, das große überparteiliche Jugendherbergswerk vor dem Zerfall zu retten und als stolzes Werk des republikanischen Deutschland zu erhalten. V?. Mkreö Werner: Rat?o» und Internationaie In der ersten Rundsunkrede des Nationalsozialisten Gregor S t r a ß e r wurde das„Organische" stark betont und mit ihm die Gcmzheit, nämlich Staat, Volk, Nation. Vom Individuum(dem einzelnen) wollte Straßer nichts wissen, dafür wurde der Begriff Staatsbürger gesetzt. Marxismus und Internationale wurden be- kämpft. Nun läßt sich trotz der geistigen Diktatur das Individuum, der einzelne, aber nicht wegdiskutieren. Auch der Staatsbürger, dieser einzelne, ist Individuum trotz Gregor Straßer. Erst viele einzelne Staatsbürger bilden den Staat.' Als Staatsvolk werden sie dann oft Nation genannt. Die Nation, wie sie der Sozialdemokrat sieht, hat allerdings ein anderes Gesicht als das Zerrbild national- sozialistischer Nation. Es klingt zwar sehr schön, wenn jemand seine Rede mit einem dreimaligen Bekenntnis zu Deutschland schließt, aber die anderen Völker, mit denen wir nun einmal in geistigem, kultu- rellem, wirtschaftlichem Zusammenhang stehen, verschwinden deshalb nicht von der Erdoberfläche. Wahrhaft sittliche Einstellung weist uns über das Nationale hinaus zum Völkergemeinschafts- und Menschheitsgedanken. Wir fordern ja gerade in sittlicher Einstellung Aufhebung von Tributen eines Volkes an andere Völker, Gleich- berechtigung, Abrüstung, friedliche Schlichtung. Wir machen den Franzosen den Vorwurf, daß sie diese sittliche Einstellung, die zu- gleich nützliche praktische Dienste leisten würde, oermissen lassen. So der Sozialismus. Der Nationalsozialismus will jene unsittliche Haltung der anderen durch eine noch unsittlichere deutsche Haltung übertrumpfen. Noch dazu mit unzulänglichen Mitteln. Im Gegensatz zum Nationalsozialismus wußten sich die besten Deutschen der Verantwortung der Nation ebenso wie der Menschheit gegenüber verhaftet. Mitleid, Liebe, menschliche Solidarität haben bei ihnen vor den politischen Grenzen niemals haltgemacht. Sie waren gute Deutsche und dabei in ihrem Denken und Schaffen inter- national. Kulturelles und wirtschaftliches Leben und damst die körperliche und seelische Existenz jedes Deutschen würde bei völligem Abschluß vom Ausland, bei„Autarkie" verkümmern. Autarkie, Selbstgenügsamkeit, heute von den falsche» Propheten als paradiefi- scher Zustand gerühmt, würde zu noch schlimmeren Entbehrungen führen, als sie heute schon auf den Massen lasten. Nation und Internationale, Nation und Mensch- h e i t sind bei ehrlicher Einstellung der Völker keine Gegen- s ä tz e. Beide Einheiten ergänzen einander. Der Sozialdemokrat liebt sein Volk und sein Land, aber, weil er sie liebt, weist er das Zerrbild des„deutschen Menschen", wie ihn der Nationalsozialist sieht, als Entstellung ab. Er weiß sich hierin mit den großen deut- schen Dichtern und Denkern eins. Der sozialdemokratische Kämpfer will Gleichberechtigung der Bürger, Gesinnungsfreiheit, geistige Aus- geschlossenhest für großes Geschehen in aller Welt. Rationalfazia- kistische Enge wirtschaftlicher und gesstiger Autarkie, der Selbstbe- schränkung, führt zur Verkümmerung. Diktatorische Kneckstschaft kann ein großes Kulturvolk für kurze Zeit ertragen. Endgültige Befreiung und Besserung des wirtschaftlichen und kulturellen Schick- sals wird erst dann eintreten, wenn sich die Völker in sittlicher Ge- sinnung zum demokratischen Sozialismus bekennen. Mira von Hollanöer-Munkh: Lernen und Begabung Daß jeder»och zulernen kann und, wenn er sich nur nicht mit Händen und Füßen dagegen spreizt, dauernd zulernt, das ist eine Feststellung, die recht geeignet dazu ist, die Welt, die eigene Existenz und die Mitmenschheit mit gesteigertem Optimismus anzusehen. Etwas zugelernt haben, macht immer Freude, einerlei ob es neues Wissen oder neues Können ist. Man spürt: Es wächst! Ich wachse! Wir wachsen! Es sind unbenützte Kräfte, lebendige Kräfte und interessantes Leben da, nicht nur müder, ausgeackerter, übervölkerter Boden. Wenn nur keiner mehr sagen wollte:„Das kann ich nicht!" Ich habe es noch nicht gelernt, sollte es heißen. Da steckt mehr Mut drin, und zum Lernen gehört zuallererst Mut, damit man wenigstens einmal an die Sachen wirklich herankommt. Was sich so alles an unklaren Gefühlen und ängstlichen Bedenken zwischen Mensch und Lernen schiebt, das ist viel schwieriger zu überwinden als die Schwierigkeiten des Lernens selbst. Bist du nur erst mal bei der eigentlichen Sache gelandet, dann merkst du es, wie leicht und natürlich es ist, zu lernen. Und die Ausdauer, die zum Lernen gehört? Was ist Ausdauer anderes als ein Mut, der auch Niederlagen überdauern kann. Keiner hat noch je was gelernt, das er sich nicht zu lernen zugetraut hat. Keiner hat sich ein Können erworben, der nicht gerade an seinem Noch-nicht-Können zu lernen bereit war. Jedes Lernen geht von den Grenzstellen aus. Das halb und halb Gekonnte und Gewußte muß befestigt und das Gekonnte so umgruppiert, so geschickt herangeholt werden, bis das Gebiet, das es zu erobern gilt, nach noch so viel mißglückten Versuchen schließlich doch umstellt und eingekreist ist. Dieser Lernvorgang wird, so es sich um ein Wissen handelt, Aperzipieren, und wo es sich um ein Tun handelt, Trainieren genannt. Und von den ersten Gehversuchen bis zu den höchsten Leistungen in Kunst und Wissen- schaft gibt es nur— bewußt oder unbewußt angewendet— diese Methode zur Erweiterung menschlicher Fähigkeiten. An dem zur Aperzeption und zum Training nötigen Vorrat an Gekonntem und Gekanntem ist jeder viel reicher, als es ihm so den Anschein hat, wenn er zuerst mit sehnsüchtigen und unentschlosse- nen Blicken den Abstand mißt zwischen sich und dem, was er zu lernen wünscht. Da sagt zum Beispiel einer:„Ich werde nie einen Strich zeichnen lernen!" und vergißt, daß er doch schreiben gelernt hat. Und ein anderer beteuert, er könne nichts Schweres heben, ober leichte und sogar mittelschwere Gegenstände, die lüpft er dennoch ganz gewandt. Wie weit ist es von m i t t e l s ch w e r bis schwer? Aus weiter Ferne her und mit einem.Hops ist freilich noch kein Berg erstiegen worden, und ohne Abrutscher auch nicht. Daß man vielleicht nicht bis ganz hoch oben hinauf auf die höchste Spitz« vom Berg kommen wird... Soll man etwa deshalb überhaupt unten bleiben? Und außerdem, wer will es so genau wissen, was die wirklich höchste Spitze überhaupt ist? Nun, man kann sich den Mut, das Leben und das Lernen auch mit solchen Erwägungen schwer machen. Die meisten Menschen aber wählen, um sich's schwer zu machen, die betreffende Begabung, die ihnen angeblich fehlt: Dabei weiß niemand was Genaues, was eigentlich Begabung ist, und wie und wann sie sich äußert. Vielleicht läßt sich diese Vokabel gerade so gut verwenden, wenn einer mit dem Lernen erst gar nicht beginnen will. Ich kannte eine reiche Frau, die war vorerst zu alledem un° begabt, wofür sie dann später erstaunliche Begabung zeigte, als sie ihr Geld verlor. Und dann kannte ich auch einen erstaunlich be- gabten lyrischen Dichter, dem schon manches schöne und sinnvolle Wortgebäude gelungen war. Eines Tages versagte sich ihm der seinem Genie entsprechende Reim auf„Uhu", er stellte deshalb fest, daß er für Worte mit„u" unbegabt sei, und von der Erkennt- nis ausgehend, mußte er das Dichten bald ganz sein lassen. Sskar /oerster: Reform, nicht Abbau! Rachwort zum Waldhofprozeh Da sind in der Fllrsorgeanstolt Wald Hof 14— 26jährige Zöglinge mit Prügeln, Fußtritten, wochenlanger Einzelhaft in„Besin- nungszellen" bedacht worden, damit, wie der angeklagte Erzieher Franke diese„Hilfsmaßnahmen" motiviert,„ihnen ihre Misse- taten zuni Bewußtsein kämen." Oder, wie dieser praktische Leiter der Anstalt dem Gericht erklärt:„um die Autorität der Erzieher aufrechtzuerhalten."' In diesen Aeußerungen wird deutlich die pädagogische Grund- Haltung der angeklagten Fürsorgeerzieher von Waldhof offenbar. Aus fremden Berufskreisen stammend, einem Lebenskreis angehörig, für den die Gesetze einer durch Alter und Tradition geheiligten Welt- ordnung unbeschränkte Geltung haben(vier von ihnen waren Landwirte), unberührt von pädagogischer Erfahrung und z. T. völlig ohne I«de Ausbildung ftir den Erzieherberus haben diese Erzieher versucht, die Ordnungen ihrer Welt auf junge Menschen zu übertragen, deren durch Milieu und Veranlagung geschaffene psychopathische Struktur jeder normalen erzieherischen Beeinflussung hemmend im Wege steht. Und was diese Erzieher, denen bei ihrer unvollkommenen Ausbildung solche psychologischen Sachverhalte verschlossen bleiben mußten, nicht auf dem Wege der altgewohnten patriarchalischen 'Autoritätserziehung erreichten, glaubten sie durch eine Art Ver- geltungspädagogik erzwingen zu müssen. So gelang es ihnen, mit Prügeln und Besinnuugshaft den letzten Rest sittlicher Hemmungen und einsichtiger Bereitwilligkeit in ihren Zöglingen völlig zu vernichten. Denn nirgends ist der„männliche Protest", jene Komponente des jugendlichen Selbstgefühls, stärker wirksam als im psychopathischen Jugendlichen. Die Sorge um die Autorität der Erzieher stand hier über der Sorge um das Vertrauensverlsiiltnis zwischen ihnen und den Jugendlichen, die wichtigste Voraussetzung jeder Erziehung. Man hat in der letzten Zeit oft über einen Abbau der Für- sorgeerziehung debattiert. Die Fürsorgeerziehung, das hat der Waldhof-Prozeß dargetan, bedarf der Reform, nicht der Drosselung! Längst hat ein neuer, auf Kameradschaft und Vertrauen gegründeter Gemeinsckzastsgeist Einzug gel>alten in den öffentlichen Schulen und Erziehungsanstalten. Rur ein großer Teil der Fürsorgeanstalten, und besonders der privaten, tft noch immer unberührt geblieben von dem pädagogischen Ausdruck des neuen Lebensgefühls und wandelt auf den alten Wegen einer Autoritäts- Pädagogik, die geeignet ist, in den Schwererziehbaren Haß und Opposition noch zu steigern, nicht aber das gesellschaftliche Pflicht- bewußtsein zu wecken. Hier tut dringend«ine Auffrischung der Erzieherschaft not. Es geht nicht an, Leute zu Fürsorge- crziehern zu machen, die weder eine gründliche Ausbildung, noch eine gerade hier unbedingt notwendige innere Berufung nachweisen können. Planmäßige Erzieherausbildung, Kenntnis der grundlegenden psychologischen Gesetze, und vor allem seelische Bereitschaft zum Erzicherberuf— das müssen die Grundsätze sein, nach denen ein« strenge Auslese unter den Anwärtern dieses verantwortungsvollen Berufes erfolgen muß. Und was den Abbau angeht: Es ist keine Ersparnis, wenn bei der Fürsorge ersparte Gelder später zur Vergrößerung der Gefängnisse und Strafan st alten ausgegeben werden müssen. Denn Fürsorgeerziehung ist vorbeugende Schutz- Maßnahme. Ihr Abbau bedeutet Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Vernachlässigung der ethischen Pflicht, der Verwahr- losung der Jugend zu steuern. l�cherverfolgung Wil „Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht...." Am Tage nach der Konfirmation seiner Tochter erhielt der Arbeiter M. in Deutsch-Thierau(Ostpr.) folgendes Schreiben des evangelischen Pfarramts: An Herrn Arbeiter Friedr. M.! In frevelndem Ungehorsam gegen di« strikte, in der ortsüblichen Sitte begründete Anordnung des zuständigen Pfarrers ist Frieda M. am gestrigen Tage sofort nach Schluß des Konfirmationsgottes- dienstes aus der Reihe der Eingesegneten entwichen, hat unerlaubt die Kirche verlassen, ohne sich am hl. Abendmahl danach laut An- ordnung und Pflicht zu beteiligen. Die Feststellung dieses unerhörten Vorgangs verursachte bei der anwesenden Gemeinde schwere Un- ruhe und eine öffentliche Störung des Gottesdienstes mit Nach- Wirkungen, die noch weiter zu behandeln sind. Wir stellen fest, daß Frieda M. und die etwa mitschuldigen An- gehörigen unter Verttauensbruch sich außerhalb der für hiesige Gemeinde rechtsgültig beschlossenen und behördlich bestätigten Kirchenordnung gestellt haben. Zugleich ist damit die Folgeerschei- nung der Konfirmation, und zwar die gesetzliche Gemeindemündig-� keit aufgehoben und infolge Verletzung des heil. Sakraments der vorgemerkte Name in der Liste der Beichtkinder gestrichen worden. Sollte noch Wert auf das Sakrament, den Konfirmationsfchein und dergl. gelegt werden, so ist vorher dazu ein schriftlicher Antrag an den Gemeindekirchenrat mit ausführlicher Rechtfertigung zu richten; derselbe wird dann das Weitere beschlußmäßig bestimmen; bis dahin alles anderweitige Erscheinen oder Anmelden, weil zweck- los, untersagt. Der Gemeindekirchenrat Deutfch-Thierou. R e i n h o l d, Pfarrer, Vorsitzender." Die 14jährige Frieda M., die aus familiären Gründen nach ihrer Einsegnung„unerlaubt aus der Kirche entwichen", ist somit in Acht und Bann getan. Und wo die Erlöserliebe des Evangeliums wallen soll, herrscht die Unduldsamkeit bürokratischer Weltfremdheit. O, Georg, Rund um den RAST. Am Sonntag im Grunewaldstadion Der diesjährige Reichs-Arbeiter-Sport-Tag am Sonntag, 2 6, Juni, wird auch vom rein sportlichen Gesichtspunkt aus manches Neue und Wertvolle bringen. Das erste wäre dabei das erstmalige Antreten der A r b e it e r s ch u tz e n am Sportsorum. Sie wollen gemeinsam mit ihren auswärtigen Freunden von ihrer erfolgreichen Arbeit Zeugnis ablegen. Ihr Programm bringt folgendes: lt> Uhr Städte- wettkampf Dresden— Berlin, Vor- und Rückkampf je Ist Schuß; l6 Uhr Mannschaftswettkampf. je S Schuß in den drei Anschlags- arten; 17 Uhr Einzelwettkampf, 5 Schuß stehend freihändig. Die Arbeiter- Athleten besetzen im Hauptprogramm für kurze Zeit wieder den Rasen. Ringen, Heben, Boxen und Jiu-Jitsu sollen von der Vielseitigkeit ihrer Arbeit zeugen. Das Ereignis des Tages ist für sie aber die Austragung der Ostdeutschen Meisterschaft im Ringen, die schon im Vorprogramm ein- gereiht ist. Mannschaften aus Breslau, Lätzen, Stolzenhagen, Weiß- Wasser und Berlin stehen dabei im Wettstreit. Auch die Turner wollen Zeugnis davon ablegen, daß die äUsste Sparte des Arbeitersports sich immer noch als sehr lebens- kräftig fühlt. An Reck, Barren und Pferd werden sie in Massen- darbietungen ihre Gewandtheit zeige». Dazu treten die AUers- turner an 8 Schwedcnbänken an. Frauen und Männer aus Prolcs, Volkssport Wedding und Neukölln und FTGB. Süden und Osten lassen vielversprechende Leistungen erwarten. Die Leichtathleten warten wie immer mit einem ganz großen Pro- gramm auf. ... im«! vor dem RAST. Als Auftakt zum Reichsarbeitersporttag veranstalten die Neu- köllner Bundesvereine eine Sportwerbewoche. Es finden folgende Veranstaltungen statt: Morgen, Freitag, werden ab 18 Uhr vom SB. Möwe an der Wildenbruchbrücke Wasserballspiele ausgetragen, ferner werden Rsttungsvorführungen und Reigenschwimmen gezeigt. Zur gleichen Zeit findet im Sportpark Neukölln, Platz 2, ein Abend- sportfest statt. Am Freitag veranstaltet der Krast-Turn-Verein Sparta 1896 in der Turnhalle Elbestraße 11/12 einen öffentlichen Uebungsabend. Der Verein zeigt im Ringen einen Kampf feiner ersten gegen die zweite Mannschaft, außerdem Vorführungen der Hobermannschaft, der Artistenspartc sowie Kämpfe im Ringen der Schiller und Jugend. Sonnenwende der Arbeiterwasfersahrer. Die Jugend der Wassersahrer im 1. Bezirk wird am Sonnabend. 25. Juni, am Müggeleck den„Tag der Jugend" begehen, der mit einer Sonnen- wendseier verbunden ist. Besucher fahren mit der Eisenbahn bis Wilhelmshagen, dann bis zum Restaurant„Neuer Krug", dort über- setzen und dann den Weg noch dem Osten am Wald entlang bis zur Wiese. Der Eintritt ist frei. Sonnenwendseier in Tegel. Die zum Sonnabend angesetzt ge- wesene Sonnenwendfeier des Kartells für Arbeitersport und Körper- pfleg« Reinickendorf findet nunmehr Sonnabend, 2ö. Juni, auf der Insel Hasselwerder im Tegeler See statt, um 19.30 Uhr steigt ein Wasserballspiel zwischen Hellas und Tegel neben der Badeanstalt. Anschließend Auffahrt der Missersportler, dann folgt die Sonnen- wendfeier auf der Insel Hasselwerder. Alle Pholographen. die beim»Rast" photographieren wollen, müssen sich bei Oehlschläger in der Hauptloge melden. Ohne Aus- weis kein Zutritt zum Jnnenraum. Die Freie Sport- und INufikvereinigung veranstaltet am Sonn- tag einen Familienausflug zum„Rast". Familien und Vereine, die daran teilnehmen wollen, finden sich um 8.39 Uhr am Reichskanzler- platz ein. Sharkey staunte über seinen Sieg! Proteste aus allen Kreisen Der neue Schwergewichtswettmeister Jack Sharkey. der über seinen Punktsieg ebenso überrascht war, wie der größte Teil aller Fachleute und Zuschauer, die den Kampf sahen, äußerte in einem Interview, daß Schmeling für ihn ein recht schwerer Gegner gewesen wäre. Er sei durch die sortgesetzten An- griffe derart zermürbt gewesen, daß er völlig mutlos geworden fei. An einen Punktsieg habe er nicht geglaubt und sei daher um so überraschter gewesen, als man ihn zum Sieger aus- rief. Er wäre selbstverständlich bereit, dem �Deutschen Revanche zu geben. Ueber den Zeitpunkt hüllte er sich ledoch in Stillschweigen und ließ nur durchblicken, daß man vor ollem die finanzielle Seite berücksichtigen müsse. Die Entscheidung des Kampfgerichts hat nicht nur in der Arena selbst das lebhafteste Befremden ausgelöst, sondern überall, wo die Hörer am Radio den Kampfverlauf verfolgten, gab es Enttäufchun- gen über den Richterspruch. Ganz Nordamerika, Kanada und die Südstaaten waren entrüstet über das Urteil. Besonders die kana- Kinder beim Sport Da» Neuköllner Schuhportfest Das muß man den Neuköllner Schulen lassen: sie verstehen es, einen engen Kontakt zwischen der Lehrerschaft und den Ellern zu schaffen. Zum letzten Schulsportfest hatten sich mehr jnte 15 000 Kinder mit ihren Eltern cingefuniden, um die von den Lehrern er- lernten sportlichen Leistungen zu sehen. Die gezeigten Darbietungen verdienen auch eimge Beachtung. Hauptsächlich umren es die Mädchen, die mit ihrem Bewegungschor die Begeisterung ihrer Kam«. radinnen und der Erwachsenen verdienten. Nach dem Liede: Wir sind die lustigen Holzhackerbuabn tanzten 3M Mädchen im gleich- mäßigen Takt. Etwas ausgefallen find nur die Knaben mit ihrem „lebendigen Rasen". Die Stafsettcn der Knaben und Mädchen brachten bei dem kleinen Volk immer wieder Begeisterung. Besonderes Interesse er- weckte aber die 15 mal 19»Meter-Stassel der höheren Knaben» schulen, die nach hartem Kamps von der Albrecht-Dürer-Oberreal- schule vor der Karl-Marx-Schule gewonnen wurde. Ein Handball- Blitzspiel von 2 mal 19 Minuten gewann die Albrecht-Dllrer-Mann- schaft gegen die Karl-Marx-Schule mit 3: 2. Eine Extrafreude wurde den Zuschauern durch das Entscheidungsspiel um die Schulfußball- Meisterschaft in Neukölln bereitet. Der Verteidiger des Meistertitels, die 15. Gemeindefchule, mußte gegen die 19. Schule antreten. Das, was hier geboten wurde, machte einem das Herz im Leibe lachen. In der Hauptsache waren ez gerade die Kleinsten der Kleinen bei der 15., die durch ihre sehr guten Leistungen entzückten. Wenn der kleine„Ete" mit dem Ball auf und davon ging, dann jubelten ihm seine Kameraden nur so zu. Mit 4: 1 blieb die 15. wieder siegreich. Bei den Staffeln wurden folgende Resultate erzielt: Erötinung,stalt°l der Knabrneollstchule»: Erster Lauf, 21.123. Schule, Zeit 3:37,4 Minuten. Zwei Irr Laus, 17. s-stul». 3:38,« Minuten. Dritter Lauf. Ifl. Schule. 3:44 Minuten.— in mal MI Meter RundenNafs-l für Mädchen- eolteschulen: Erster Lauf, 23. Schule. l:lö,4 Minuten. Zweiter Laus. V't.tM. Schul«. 1:17,4 Minuten.— Staffel» der verschiedenen Altersstufen der haheren Anabenschulen f3 Staffeln). Erste: Walter. Ralstenau-Gchule. Zeit 11:37 Minuten. Zweiter. Älbrecht.Diirer.Sdeirealschule. 12:00.3 Minuten.— 13 mal Inn Meter, Staffel der lidheren Knabenschulen für Zahrgann ISlfi und ältere: Erster Albrecht.Diirer.Lchule in 2:3», 7 Minuten. Zweiter Äarl.Marx. Schule in 3:03,4 Minuten._ Zehn Jahre Scgicrvcrcin Feier �er„Segler vereinigung Niederschöne weide" Die Segleroereinigung Niederschöneweide �feierte kürzlich das Fest des zehnjährigen Bestehens. Die Feier wurde eingeleitet durch eine Festsitzung, zu der der Verein den Vor- stand des Freien Seglerverbandes und Vertreter der Vereine der Gruppe Ost eingeladen hatte. In feiner Festrede schilderte der Vor- sitzende die Gründung des Vereins und sein wechselvolles Schicksal. Viermal wußte der Verein seinen Bootsplatz wechseln, ehe er endlich in Köpenick auf der Müller-Ecke fein ständiges Quartier fand. Hier ging der eigentliche Aufbau des Vereins vonstatten. Das schmucke Bootshaus, als Holzfachwerkbau errichtet, wurde von den Mitgliedern im Selbstbau hergestellt. Ebenso wurden die Bootsstege und der Booteschuppen im Arbeitsdienst gebaut. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß der Verein schon 1923 in den „Berliner Wettsegelverband" eingetreten ist und daß er damals belachte Verein des späteren„Freien Seglerverbandes" war. Im Laufe des Abends wurden vom Verbandsvorstand, vom Kreisleiter und den Vereinen die Glückwünsche überbracht. dische, aber auch die englische Presse kommentiert den Punktsieg des Amerikaners mit gemischten Gefühlen. Selbst der alte Muldoon von der Boxkommission, der nach der vor zwei Jahren erfolgten Disqualtsikation Sharkeys Schmelings ärgster Feind war, konnte trotz größter Zurückhaltung nicht verbergen, daß er einen anderen Spruch erwartet hätte. -1° Ostdeutschland siegt über den mitteldeutschen Meisler. In der Zwischenrunde um di« Bundesmeisterschaft im Mannschaftsboxen standen sich im Görlitzer Volkshaus der Meistsr der Ostdeutschen Gruppe Hansa, Weißwasser, und der mitteldeutsche Mannschafts- meister Vorwärt«, Gera, gegenüber. Die Ostdeutschen siegten mit 19: g Punkten. Die Endrunde bestreite» nun Hannover und Weiß- wasser.— Der Endkampf um die süddeutsche Gruppenmeistcrschaft im Ringen endete mit einem 9: 9 Punktsieg von Fürth üher Mann- heim— Freudenheim. Am folgenden Tage ging dos Fest schon früh weiter. Um 19 Uhr wurden zwei Neubauten getauft, di« von Sportgenosfen im Selbstbau hergestellt worden waren. Eine lü-Quadratmetcr- Wanderjolle und«ine lä-Quadratmeter-Wanderjolle wurden mit einem dreifachen„Gut Wind, Ahoi" dem nassen Element übergeben. Um 11 Uhr folgte dann die Hauptveranstaltung. Der Verein hatte zu einer Jubiläum, regatta alle Vereine der Kruppe Ost eingeladen und das Meldeergebnis war mit 89 Booten als sehr gut zu bezeichnen, um so mehr, als in den verschiedenen Klassen die alten Regattakaiwnen wieder einmal nach langer Zeit zum Kampfe an- traten. Da auch einige Neubauten darunter waren, so versprach die Regatta außerordentlich interessant zu werden. Ergebniff«! 30,Quadratm«t«r.AieIboot«, Stlafsc A; 8 23 Windspiel 2:14,16.— Älaffc B; L 33 Brandenburg 3:05,24.— Teurcnkreuzer. Zlasse C: A H Storni 2:12,14.— 20.Ouodratmeter.ÖiennlalIen. fltoff« A; Z 123 Avantl TT 2:11,23.— »taste B: Z 88 Greif 2:15,40.— SO.Quobralmclct.flietdoole:® 7 Sohiho 2:18,37. — H-Ouadratmeter. Rennjollen: M 173 Luzifer 2:27,24.— 13,2uodrotmeI«r. Wanderjollen: Li>40 Mener»ich 2:30.21.— lO.Quobcotmetet.iReimjoDen; T»8 Editb II 1:44,09.—>0.Ouadratmet«r.Wonderiollen: B 77 Mucii 1:47,38.— Iollenkreuzer: 2 Presto 3:03,56.— Ausgleichsjollen, fllaff« 9: rv 37> Miive 2:30,18.—»loste 10; nt 444 Pirat 1:43,30.—»laste 11; 6 Sonni 2:20,10. Regatta unter Schwarzrotöold! Auf der vbsrfpree bei Spindlersfekd fand die achte Früh- jahrs-Regatta für Kanu- und Rudersport des republikanischen Deutschen Wassersportverbandes, Gau Berlin-Branden- bürg statt. Gleichzeitig wurde«in Langstreckenfchwimmen über 1999 und 3999 Meter abgehalten. Die Beteiligung an der Regatta war trotz der schwierigen wirtschaftlichen AerlMnlfse äußerst stark. Zahl- reich« Vertreter der Reiche-, Staats- und Kommunalbehördon hiahmen an der Veranstaltung teil. Nachstehend einige Reluttate: Iungmann-Niemen-Vierer: 1. SB. Bewoo.— Junioren-Rieinen-Vierer: 1. Bewag 4:13,1; 2. Fortuna 4:13,5.— Danpelzmeier mit Steuermann: 1. Li- rnm 4:48: 2. Sortunn 5:2.— Einer ostne Steuermann: 1. Bewag.— Anfänger, Siiemen.«ere.r: 1. Bewag 3:10,5; 2. Onom 8:10,8.— Damen-Dopveljweier mit Steuermann: 1. Fortuna 4:1: 2. Bewag 4:1,4.— Ermunterungt-Bovoel-Saial: I. Freiweg 5:88; 2. Blauweist.Tegel 3:41.— Bungmann.Dovnel.Aaiak: 1. Blau- we:8-Tegel 5:32; 2.»o.nuilud Treptow 3:34.— dunioren-Doppel-Agjat: 1. Ronullud Treptow 5:7; 2. Blauweiß-Tegel 5:13.— Faltboot.Einer: 1. Blau- weist.Tegel 5:39: 2.»anuklub Treptow 8:1.— Renn-Slner: 1. Blanweist-Tegel 3:26: 2/Sportoeretniguna»ackedeil 5:81.— Steger im 3090.Meter.Schwi>nmen: 1. Bewag 33 Min.; 2. Gasag 47 Min.— Sieger im 199O,Meter.Schwimmen: 1. Bewag 22 Min.! 2. Bewag 22,13 Min. HUiutc Spod i/Ctu lifaudt Für die erwerbslosen Jugendlichen der Arbcitersportvereine veranstaltet der„Arbeiter-Rad- und Kroftfahrerbund Solidarität" ein« Tagesfohrt mit dem Fahrrad nach Tiefensee. Jeder teil- nehmende erwerbslose Jugendliche erhält ein Mittagessen. Treff- punkt am 24. Juni, 6 Uhr früh, am Bahnhof Landsberger Allee. Arbeiter-Hockeyspicl. Freitag. 24. Juni, findet auf Platz 2 im Neuköllner Stadion das Hockeyspiel zwischen Volkssport Neukölln II gegen Tempelhof FTGB. II statt „Solidarität" hat die Absichk, ln Hohenschönhausen eine Abkei- lung zu gründen. Alle Radsportfreunde, die die Gründung unter- stützen wollen, geben Ihre Adresse an K. Blendinger, Berlin, Pali- sadenstr. 33, ab. Spaltung im SC. Eharlottenburg. Desserenzen in der Ver- waltung des Sport-Elub Charlottenburg haben dazu geführt, daß di« Jugendleitung ihre Aemter zur Verfügung stellte und aus dem Klub austrat. Diesem Schritt haben sich fast die ganz« bei Potsdam— Berlin siegreich gewesene Jugendmannschaft und weitere Mitglieder angeschlossen. Die Ausgetretenen, unter denen sich alle, bekannte Mitglieder des SEE. befinden, wollen«inen neuen Verein unter dem Namen„SC. Phönix-Eharlottenburg" gründen. �rdeitertuhdancr suchen: Set Fnstdallkl-b Vetolina fuäit für kommende Sonnabende und Sonntage Spiele auf eigenem oder auf Gegners Platz für zwei Männerniannschaften. An- I geböte an A. Bengsch, Berlin-Niederschöneweide, Berliner Str. 119. Telephon , freitags ab 20 Uhr F 3 Oberfprec 0180 oder täglich F 3 Obecfpccc 3947. Die Freie Sportvereinigung Teltow sucht zum kommenden Sonnabend für �wei Männermannschaften Gegner auf eigenem Platz. Anrufe heute ab 20 Uhr u 4 Ihlendorf 2237. � w � �< BFT. Butab sucht zum Sonttabend. 25. yum, für erste Mannschaft Sptel auf Gegners Platz, für die dritte Mannschaft Spiel auf eigenem Platz oder um- gekehrt.' Angebote Donnerstag ab 20 Uhr unter E 5 Lichtenberg 2019. AFC. Vorwärts-Wedding sucht für Sonnabend, 25. 3um.� c-picle für die erste und zweite Mannschaft auf Gegners Platz. Anruf Freitag ab 20 Uhr v 6 7310..,. � � Minerva 28 sucht für den 2?. Juni und 2. Juli auf eigenem oder Gegners Platz Spiele für zwei Männermannschaften. Anrufe ZZeukölln 9777 oder an Willi Zier, Neukölln, Weserstr. 53._ Butode'?tc£u6 l/eeuitC' ieUeu mi: Spart»cteia Moabit. Treifpuntt»um Rast mit Spoittleidung lleichtatllleten und Spielet 81t Ilht Bstf. Bellevue; alle übrigen um 121� Uhr Bh. Beustelstraste. Toutiftenvetei?,..Die Naturfreunde-'. Freitag, 24. Juni. Pdoto-Arbeits- aemeinfchaft Sieukälln: Brrgstr. 29.— Photo-Arbeltsgrmrinfchait Franke: ?ohannisstr. 13.— Vdoto. Arbeitsgemeinschaft Osten: Frankfurter Rllee 307: Kegeusitste im Bild, Krfang.— Faltboot.Abteilung: Iohannisftr. 15: Pboto, -allerlei/— Sharlottenbura: corceftt. 30: Das heutige Rußland.— Britz: Chausteestr. 48, Rathaus: Sozialistische Er»!ehung sBortrag).— Treptow: Elfen- straste 3, am Bahnhof: Erste Hilfe auf Wanderungen.— Montag. 27. Jiiin. Malgemeinschast: Äanteufsclstr. 7.— Photo-Stammgruppe: Iobannisstr. 15: Lichtbilderoortrag:..Das Leben in der Raiur".— Fahrten Sonntag, 23. Zuni. Treffpunl, der Ortsgruppen zum Rast am Teufelssee, Grunewald. »artell für Brbeitersporl und»ärperpflege. An alle Bereine! Wer An- traasformulare für Fahrvrriorrmätzigung haben will, meldet sich in der(Sc- schaftsstelle des»artclls, OiazaretMirchstr. 46, bei Oehlschläger. Heiles Formular muh angefordert werden und vom Berein ausgefüllt an die Gefchäftsstelle ge- fandt werden. Durch das»artell gehen die Anträge dann»um Oberpräübimn. Sinsendungen durch die Bereine oder durch die Ortsausschüsse für Jugendpflege werden vom Oberpräsidium nicht derücklichtigt.. Freie Ruderer und»aauiahrer l. Kreis. Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, IN der Gefäiäftsstelle. Elfäster Str. 33. Besprechung aller Regattafunktionäre. Äartellbeziri KöpeniL. Rast.Plakate können noch empfangen werden. Ab. rechnuna der Eiulahkarte» bis Freitag, 24. Juni. Werbefest au der Admiralbrttcke. Teilnehmer treffen stch 18 Uhr auf dem Urhan-Lvortplatz»um Auskleiden. Beginn der Beranstallung 19 Uhr. Arbeiter-Schwimmpereia»eeu»ierg. Treffpunkt»um Rast Sonntag 12 Uhr »attbusser Tor. Mittwoch. 29. Juni, nach dem Baden. Bereinsnerfammlung. »artellie-ir! Friedrichshai». Zum Abendsportseft— Sonnenwende— heute adend Vereinsleiter 18 Uhr auf dem Sportplatz Friedrichshain vor dem Platz. bauschen Besprechung. Alle Mitglieder der Vereine treten um lOtzj Uhr in Sportkleidung am Steinhaus»um Einmarsch an.»inder besonder». Stellplatz für alle Aufführungen und Einmärsche immer Steinhau«, zu den Stafetten am Start. Pf». Prole,. Mittwoch»ursu« der Handballer auf Sportplatz Oft, 19 bis 21 Ubr. Donnerstag Sonnenwende, Friedrichshain.— Gruppe Dedding:»inder- abteilung jeden Dienstaa und Sonnabend Spielen in den Rehbergen(Stabion), 18 Uhr.— Ostgruppen: Zum Rast Treffpunkt Sonntag 10 Uhr Walchauer Brücke, Hochbahn. Bozc» im Freilnstring. Alle bundestreuen Arbeiterborer des 4.»reife» IBerUn und Brandenburg), die bei der großen Freiluftveranstalluna am 8. Juli mitwirken wollen, müssen ihre Startmeldung sofort an Willi Henze, Berlin O. 17, Stralauer Allee 17 kl, einsenden. Bollsfport Reutölln. Britz. Rast-Teilnehmer: Abfahrt Sonntag. 28. Juni, 9 Ubr, U-Bahnbof Rathaus. Probe»um Fahnenschwingen 11 Uhr im Stadion. Be»irkskartell Kreu»berg. Donnerstag, 23. Juni, sammeln sich die Mitglieder aller Bereine»um»artellwerbefrst 17% Uhr Spielplatz Am Urban. FTGB.,»anu-Bezirk. 23. Juni, 17Vi Uhr,»artellfest in Kreuzberg. Urban- Sportplatz. Eine kalhotifchc IteUgefchichle Der führende katholische Derlag Herder u. Co. in Freiburg i. Lr. gibt unter dem Titel„Geschichte der führenden Völker"«in« Weltgeschichte heraus. Das Werk ist so gedacht, daß eine Reihe van in sich al'geschlossenen Einzelbänden sich zu einer Einhsit zu- sammenfügen soll. Al? Mitarbeiter sind angesehene Fachgelehrt« gewonnen, und eine direkte katholische Propaganda wird, mind«st«nj bei den nichtreligiöscn Stoffen, vermieden. E» sei hier aus zwei Bände verwiesen, die auch dem nichtkatholischen und sozialistischen Leser wertvolles Material bieten. Ein Cinleitungsband behandelt den„Sinn der G e» schichte", gemäß der katholischen Weltanschauung von Dr. Joseph Bernhart dargelegt, und dann folgt die„U r- geschichte der Menschheit", eine Arbeit ersten Ranges aus der Feder von Hugo Obermaier, Professor an der Universität Madrid(931). Der in Spanien lebende deutsche Forscher ist bekannt durch seine Arbeiten über die älteste europäische Steinzeit, die ge- rode in den spanischen Höhlenmalereien so wunderbare Reste hinter- lassen hat. In ausgezeichneter Klarheit und umfassender Sach- kenntnis schildert Obermaier die Jahrtausende der vorgeschichtlichen Entwicklung. Bemerkenswert ist die scharfe Absage, die er den Phantasien gewisser Rassentheoretiker erteilt. Ein weiterer Band ist die Geschichte der„Römischen Republik" gewidmet(1932). Verfasser ist Professor Joseph Vogt an der Universität Würzburg. Auch Vogt vereint gründ- liche Kenntnis des Gegenstandes mit einem klaren und gefälligen Stil. Es ist wohl zurzeit das Buch, aus dem man den Stand der Forschung über jede Frage der Römischen Republik am besten ent- nehmen kann. Vogt berücksichtigt auch die wirtschaftliche und sozial« Entwicklung Roms, aber die eigentlich materialistische Problem- stellung vermeidet er. So lehnt er e, z. B. ab. den römischen „Willen zur Macht" aus den wirtschaftlichen Verhältnissen abzuleiten. sondern er sucht ihn rein ideologisch zu erklären. Solche Vorbehalte wird der materialistisch denkende Leser öfter gegen Vogt» Darstellung erheben. Aber für jeden, der heute Wissenschaft- lich über die Römische Geschichte arbeiten will, ist da» Buch von Vogt ein geradezu unentbehrliches Hilf, mittel. Arthur Rosenbergr. Rundfunk am Abend Donnerstag, den 23. jurfi. Berlin; 16.05 Deutsche Dickte r ohne Namen(Dr. L. Matthias). 16.30 j. Ch. Back. 17.10 Violinmusik. 17.30 Hör- bericht von