Morgenausgabe Nr. 295 A 149 49. Jahrgang WZchenMch TB Ut, monatlich s,2B M (davon 87 Pf monatlich für Austel« lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3.97 M. einschließlich 60 Pf. Peitzeitungs* und 72 Pf. Postbestellge- Lllhren. Auslandsabonnement 6.86 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Druckfachenvorw«.66 M. Her„Vorwärts� erscheint mochentäg. lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der.. Abends Illustrierte Sonntagsbeilage> .Voll und Z-it� Verttuer Vvttsbkatt Eonnabend 25. 3uni 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Vte etnlpalt MtllimelerzeUe 30 Ps. Ri-klamezeile 2.- M.„Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei fettgedruckteWortet.jedes weitere Wort 10 Pf. Rabalt It. Tarif Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- zeile 25 Pf. Familienanzeigen Millimeterzeile 16 Pf. 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Dem Reichspräsidenten kann nicht'entgangen sein, daß in den acht Tagen seitdem die schlimmsten Ausschreitungen stattgefunden haben. Man wird ihm auch nicht verheimlichen können, daß dabei durchaus nicht immer die Kommunisten die Angreifer gewesen sind. An manchen Orten, wie München, Köln usw. hat es blutige Gewalttaten ge- geben, bei denen Kommunisten überhaupt nicht in Erschei- nung getreten sind. Im übrigen genügt ein Blick in die nationalsozialistische Presse, um erkennen zu lassen, wo der llrsprung des durch ganz Deutschland rasenden Geistes der Gewalt zu suchen ist. Was gedenkt der Reichspräsident gegen solche Ausschreitungen zu unternehmen? Die Nationalsozialisten kämpfen jetzt um die volle Unter- werfung der Reichsregierung, die ja ohnehin von ihnen ab- hängig ist. Sie fordern die Kapitulation des Reiches, damit das Reich die Kapitulation der Länder erzwinge. Sie for- dern für Preußen, Bayern, Baden— kurz für alle Länder, in denen sie nicht regieren, weil sie dort nicht die Mehr- heit haben— Reichskommissare. Ihre parteiamtliche Korre- spondenz verlangt wörtlich:„die Verhängung des Aus- nahmezustandes im gesamten deutschen Staatsgebiet, ein rücksichtslos durchgeführtes Verbot der K P D. und ihrer Deckorganisationen, Säuberung der schwarzroten Polizeikräfte, insbesondere in Preußen". Warum gerade die KPD. verboten werden soll und nicht etwa die NSDAP., die es noch tiel toller treibt, wird weiter nicht begründet. Man redet nur noch in Diktaten und Ulti- maten, man befiehlt der Regierung„die Tat" und fügt drohend hinzu:„Bleibt sie auch jetzt wieder aus, dann wird die Entwicklung ihren Lauf nehmen müssen." Wie diese„Entwicklung" aussehen soll, wird von national. sozialistischen Rednern wie Goebbels und notionalsozia- listischen Zeitungen wie dem„Angriff" mit geradezu sadistischer Phantasie geschildert. Die Ausschreitungen sind da! Wo bleibt die Anwendung der dem Reichspräsidenten verfassungsmäßig zustehenden Mittel? Soll sie etwa darin bestehen, daß die Reichsregierung sich den Wünschen der Erzedenten immer wieder unterwirft? Diese Unterwerfung würde das Hineinschlittern in einen Krieg aller gegen alle bedeuten, sie würde Reich und Volk in ihren Lebensgrundlagen erschüttern, die Reichseinheit ge- fährden, von der Autorität des Staates auch nicht den klein- sten Rest übrig lassen. Am 10. April hat eine klare Volksmehrheit den Willen ausgesprochen, sich nicht von Hitler regieren zu lassen. Was die Nationalsozialisten jetzt anstreben, ist die gewaltsame Unterjochung dieser Voltsmehrheit. Diesem Zweck soll auch eine neue Notverordnung dienen, die den Ländern das Rückgrat brechen soll und deren Unter- Zeichnung man dem Reichspräsidenten zumutet. Wer sagt dem Reichspräsidenten, daß diese Unterschrift den Tod vieler Menschen bedeutet, ja, daß sie vielleicht den Untergang des Reiches bedeuten kann?! Bayerns Rechtsstandpunkt. Die Regierung geht vor den Landing.— Scharfe Warnung an die SA. München, 24. Juni. fErgenbericht.) Tie Antwort Bayerns an die Reichsregierung wurde am Freitag noch nicht abgeschickt. Tie Ver- zögerung ist verursacht durch eine Mitteilung des Reichs- innenministers, daß man in Berlin die Antwort der Länder erst bis Montagabend erwarte. Die bayerische Regierung wird ihren durchaus ablehnenden Standpunkt am Tonnabend dem Landtag in einer besonders dafür anberaumten Sißung bekanntgeben. Voraussichtlich wird dann der Landtag eine(Entschließung fassen, in der die Haltung der Regierung gebilligt und gegen die Vergewaltigung Bayerns durch die jetzige Reichsrcgicrung protestiert wird. Nach der„Bayerischen Volkspartei-Korrespondenz" sieht man in München voraus, daß das Reichskabinett Ansang nächster Woche zu Maßnahmen greifen wird, die durch eine brutale Verschie- bung der Rechtslage Bayern unter den politischen Willen der Reichsregierung beugen soll. Einen solchen Verordnungsakt der Reichsregierung würde man in Bayern als einen Akt der Ver- gewaltigung betrachten, auch dann, wenn er in eine zunächst gültiges Reichsrecht schaffende Rechtssorm gekleidet werde. Der bayerischen Staatsgewalt seien dann wohl vorerst die Hände ge- bunden. in der Uniform- und Demonstrationssrage ihre politischen und rechtlichen Auffassungen im Reich zur Geltung zu bringen. Dos könne sie aber nicht hindern, den stampf um ihr Recht und um ihre politische Ueberzeugung mit allen INilteln des Rechts in besonnener Abwehr und Gegenwehr weiterzuführen. Diesen Willen habe Staatsrat Schäffer bereits in einer östentlichen Versammlung bekundet. Seine Aufforderung, daß die Zeit ge- kommen sei. in der man wiederum an die Organisierung eines staatstreuen Feldschuges denken müsse, bewegte sich vollkommen aui dem Boden de? Rechts und der politischen Ver- tili cht. die es nicht zulassen könne, den ireien Slaatsbürger dem Terror irgendwelcher uniformierter Parteitruppen auszuliefern! Am Sonntag planen die Hitler- SA. wiederum Demonstrationen in allen größeren Städten Bayerns. Aür ihren Auszug in INünchen wollen sie angeblich rund Z0 000 Riann, einen Teil davon aus Rorddeulschlond, zusammenziehen. Gegen diese Absicht hat der bayerische Innenminister folgende össentl'iche Warnung erlassen: „Zn München sind Gerüchte im Umlauf, daß Anhänger der RSDAp. am nächsten Sonntag wieder in Form eines öffentlichen Auszuges demonstrieren wollen. Aus diesem Anlaß wird sestgestelll, daß das llnisormverbot und das Auszugsverbol zu Recht bestehen und auch am nächsten Sonntag unverändert in Geltung sein werden. Zuwiderhandlungen gegen diese Berbole sind st r a s b a r. Die Polizei wird Zuwiderhandlungen gegen diese Vorschriften mit Rachdruck entgegentreten. Dies gilt für Demonstrationsversuch« nicht nur in München, sondern auch an allen Orten Bayerns. Die sriedliebende Bevölkerung kann versichert sein, daß die Polizei pflichtgemäß für die Beachtung der bestehenden Vorschristen sorgen wird. Von der friedliebenden Bevölkerung muß aber auch erwartet werden, daß sie sich nicht als Mitläufer oder müßige Zuschauer an Demonslrations- versuchen beteiligt. Etwaige unangenehme Aolgen der Nichtbeachtung dieser Warnung hat sich jeder selbst zuzuschreibe n." Reichsinnenminister wird„unierrichtei". Nationalsozialisten fühlen sich terrorisiert. Eine Abordnung von Mitgliedern der n a t i o n a l s o z i a l i st i» scheu Fraktion des Preußischen Landtags begab sich heule in später Abenldstunde zu dem Reichsminister des Innern, um ihm aus den verschiedensten Gebieten zahlreiche Fälle von Uebersällen auf Parteiangehörigc mitzuteilen und darüber eingehen- des Material persönlich zu überreichen. Der Reichsminister des Innern nahm die Beschwerden entgegen und sagte zu, sich umgehend mit den Landesregierungen in Ber- bindung zu setzen. Wenn das so weitergeht... Landtag— ein wenig verrückt. Wenn das so weitergeht ein Vierteljahr, kommt das Delirium, das ist ganz klar! Der Preußische Landtag hält wieder einmal Nacht- s i tz u n g ab. Ohne jeden vernünftigen Grund. Früher waren solche Nachrsitzungen mitunter noiwendig, wenn irgend- eine Oppositionspartei Obstruktion machte und durch un- zählige Anträge auf namentliche Abstimmungen die Ver- Handlungen verschleppte. In diesem seltsamen Paria- ment aber macht niemand Obstruktion, höchstens kann man sagen: dieMehrheitmachtgegensichselberOb- struktion. Ihr Redebedürfnis ist einfach schrankenlos. Im Effekt kann man feststellen: je größer die Zahl der revo- lutionären Zlntiparlamentarier in einem Parlament wird, desto unendlicher dehnen sich die Sitzungen aus. Daher die abgrundtiefe Verachtung oller wilden Revolutionäre gegen die„Quasselbude". Sachlich vollbringt solch ein Parlament, in dem das Demagogentum herrscht, die wunderbarsten Lei- st u n g e n. So haben die Nationalsozialisten z. B. eine» van Schimpfereien sich überschlagenden Antrag eingebracht, der die sofortige Einleitung eines Disziplinarver- fahrens gegen Grzesinski, Weiß und eine Reihe von Polizeibeamten fordert. Außerdem haben dieselben Nationalsozialisten heute ein A m n e st i e g e s e tz in dritter Lesung angenommen, das auch sämtliche politischen Diszi- plinarstraftaten der Beamten umsaht und ausdrücklich er- klärt, daß wegen solcher Taten neue Verfahren nicht eröffnet werden dürfen. Die Staatsregierung soll also gegen Grzesinski auf Befehl der Nationalsozialisten ein Disziplinarverfahren einleiten, von den gleichen National- sozialisten aber wird die Einleitung dieses Verfahrens streng- stens untersagt! Solche Vorkommnisse sind keineswegs Seltenheiten in diesem Parlament, dessen Mehrheit nichts als hemmungslose Demagogie kennt. Man hat auch am Freitag beschlossen, d a ß alleEinkommen über 12 000 Mark radikal weg- zusteuern sind. Hier fiel allerdings den Nationalsozia- listen das Herz in die Hofen: mit allen Mitteln suchten sie die Abstimmung über diesen Antrag zu verhindern und ihn an den Hauptausschuß zurückzuverweisen. Das mißlang jedoch. Nunmehr versuchten sie, durch Obstruktion den Landtag be- schlußunfähig zu machen. Auch dies mißlang und der Antrag wurde angenommen, während die Nationalsozialisten an der Abstimmung nicht teilnahmen, weil sie aus Angst vor ihren kapitalistischen Geldgebern nicht für die Forderung zu stimmen wagten, die sie selbst einst aus Demagogie aufgestellt hatten! Nachdem aber die Wegst�ierung der Einkommen über 12 000 Mark beschlossen war, legte ein weiterer Land- tagsbeschluß einem Einkommen über 100 000 Mark noch eine Sondersteuer von 2 Proz. auf! So geht es in diesem Parlament herrlich zu. Alle Augen- blicke steigt ein F r e i s l e r, ein K u b e oder irgendein an- derer Demagoge aus die Tribüne und verlangt, daß über irgend etwas, was er verliest, ohne Beratung und ohne Aus- schußüberweisung abgestimmt werde. Das Gesetzemachen ist jetzt die beliebteste Angelegenheit geworden, daher schlägt auch ein Gesetz dem anderen ins Gesicht, und es werden Gesetze gemacht, deren Konsequenzen niemand übersieht. Bei dem erwähnten Amnestiegesetz kämpften die Rechtsparteien zu- nächst wie die Löwen gegen jede, auch die kleinste Einschray- kung der Beamtenamnestie. Im letzten Augenblick machte sie ein Regierungsoertreter darauf aufmerksam, daß in Aus- Wirkung ihres Gesetzes z. B. auch der rheinische S e p a- r a t i st e n f ü h r e r, der ehemalige Staatsanwalt Dorten, nicht nur in sein Amt wiedereingesetzt werden, sondern sogar noch sein Gehalt für zwölf Jahre nach- bezahlt erhalten müßte! Schnell wurde noch eine Aenderung eingeflickt, durch die die Separatisten von der Amnestie ausgenommen werden. Wer aber trotzdem noch alles darunter fällt, das ahnt heute kein Menfch,' dos werden erst die Auswirkungen zeigen! Inzwischen plätschern Reden und Reden, und man ge- denkt wieder einmal, das bis in die tiefe Nacht fortzusetzen. Tedrückt und bekümmert schleicht das Landtagspersonal herum, das infolge des gesetzgeberischen Wahnwitzes zwanzig stündige Arbeitszeiten absolvieren muß. Ein Teil der Landtagsbeamten war nach der Wahl sehr nazi- begeistert. Er bekommt die Segnungen des Dritten Reichs bereits zu kosten! Eine weitere Episode aus diesem„antiparlamentarischen" Parlament: Der Nationalsozialist Dr. Haupt äußert seine stolze Verachtung über die A n t r a g st e l l e r e i. Die habe ja g a r k e i n e n Z w e ck. Die Anträge wanderten entweder in den Papierkorb oder in einen Aktendeckel, beides sei gleich belanglos. Eine Stunde später tritt sein Kollege Dr. F r e i s l e r mit einem Dutzend neuer Anträge unter dem Arm auf die Tribüne, oerliest sie in ratterndem Eilzugstempo und verlangt, daß sämtliche Anträge noch auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung gestellt werden.— Trotz ihrer stolzen Verachtung für die Antragsfabrikation haben die Nationalsozialisten allein etwa drei Viertel aller Anträge und Anfragen eingebracht! Nachdem um Mll Uhr die Kulturdebattc endlich beendet ist, setzt ein neues Theater ein. Die Nationalsozialisten haben es nicht verwinden können, daß sie bei der Beratung des kommunistischen Antrages auf Wegbesteuerung der Ein- kommen über 12 000 M. durch ihre Sabotagemanöver eine schwere agitatorische Schlappe erlitten haben. Jetzt versuchen sie es mit einem demagogischen Gegenzug. Der eigentliche Antrag der Nationalsozialisten ist ein Sammelsurium demagogischer Forderungen. Er verlangt Einwirkung auf die Reichsregierung dahin, daß die Ein- kommensteuer unter Heraufsetzung der Freigrenze von 800 auf 2400 M. progressiv bis zu 80 Proz. gesteigert werde, ferner verlangt er Enteignung der Juden, Sicherstellung der Vermögen der„s o z i a l d e m o k r a t i- schen Bonzokratie" und Untersuchung, ob das Ver- mögen auf redliche Weife erworben sei. Unredlich erworbe- nes Vermögen soll in doppelter Höhe(!!) konfisziert werden. In dieser Art geht der Antrag weiter. Die Nationalsozialisten verlangen, daß der Antrag sofort auf die Tagesordnung gesetzt und ohne Debatte dem Haupt- ausschuß überwiesen wird. Unter stürmischer Heiterkeit ver- langt Pieck sofortige Beratung des nationalsozialistischen Antrags ohne Ausschußüberweisung. Auch hiermit ist alles einverstanden. Die Nationalsozialisten wollen jetzt sogar gleich über den Antrag, der noch nicht einmal vervielfältigt 'dem Hause vorliegt, sofort abstimmen lasten. Die Kommu- nisten verlangen aber eine Aussprache. Ihr Redner Pieck fragt die Nazis, warum sie eigentlich hen Umweg über die preußische Regierung machen. Als Tragpfeiler der Regie- rung Papen hätten es doch die Nazis in der Hand, d i e Regierung sofort zur Annahme ihrer Forderungen z u zwingen.— Auf Vorschlag des Präsidenten Kerrl wird schließlich der nationalsozialistische Antrag als letzter Punkt auf die heutige Tagesordnung gesetzt, er dürfte also i n d e n Morgen st unden zur Verhandlung gelangen. Dieser Landtag nimmt sich bereits selber nicht mehr » r n st. Oer Weg zur Rettung. Sammelt euch hinter dem Gewerkschaftsprogramm? Das Rettunasprogramm der Gewerkschaften hat größte Beachtung gefunoen. Die Organe der Kapitalisten sind darüber hergefallen, vor allem die D A Z., die deutlich ihre Furcht vor diesen allgemein verständlichen Forderungen des Sozialismus zeigt. Auf der anderen Seite leistet sich die„Rote F a h n e" den traurigen Streich, dies Programm, das für jeden klassenbewußten Arbeiter eine Selbstverständlichkeit ist und eme Darlegung des gem«infamen Ziels, mit dummen Berdrehungen zu bekämpfen. Sie schreibt: „Im„Rohmen des b c st e h e n d e n Wirtschaftssystems" sollen Atoßnahmen planwirtschaftlich cn Charakters durchgeführt werden. Die Schlüsselindustrien— Bergbau, Eisenindustrie, Grohchemie, Zementindustrie, die Energie- und Verkehrs- Wirtschaft— sollen„verstaatlicht" werde». Ein halbes Dutzend - Aemter— Zentrales Bantamt, Staatliches Kartell- und Monopol- nmt, staatliche Handelsmonopole, Außenhandelsmonopole, zentrale Planstelle— sollen de»„Einfluß des demokratischen Staates" aus die Wirtschaft sichern. Eine Konjunkturpolitik soll vom Staate getrieben werden, die auf die„Verhütung der Krisen" gerichtet ist: das sei dadurch zu erzielen, daß„die Massenkaufkraft systematisch gestärkt und die Kapitalbildung reguliert" werden. Es ergibt sich von selbst die Frage: Wer soll diese planwirtschaftlichen Maßnahmen durchführen?„Der demokratische Staat", antwortet das Programm.„Das Dokument ist an alle Volksgenosse» ohne Unterschied der Partei gerichtet", schreibt der gestrige„Abend"- Vorwärts.„Volksgenosse v. Hope» oder andere„Volksgenossen" in den Regierungen des kapitalistischen Deutschlands sollen diese Maßnahmen durchführen!" Das ist eine schamlose Verdrehung! Es ist sclbstverständ- lich. daß die Sammlung der demokratischen und sozialistischen Kräfte hinter diesem Programm zum Sturze der Re- gierung Papen Voraussetzung seiner Durchführung ist! Es ist selbstverständlich, daß die Regierung Papen ins Amt getreten ist, um den sozialistischen Weg zur Rettung zu verhindern! Es ist selbstverständlich, daß die Reaktion nieder- gekämpft werden muß, damit der rettende Weg beschritten werden kann! Die„Rote Fahne" aber sabotiert diesen Kampf! Und dann reden sie auch noch von— Einheitsfront! Wir hoffen, daß auch die kommunistischen Arbeiter diese Infamie der „Roten Fahne" durchschauen! Denn der Ruf an alle Volks- genossen ging nicht an Herrn von Papen, sondern anfiel Adolf beim Hochzeitsmahl. Wie die englische Presse mitteilt, soll Adolf Hitler bei der Hochzeit des schwedischen Kronprinzen Gustav Adolf mit Sybille Prinzessin von Sochsen-Coburg-Gotha als Gast gc- meiniam mit den deutschen Erfürsten teilnehmen. Hat Adolf bonapartistische Absichten oder will man in diesem Kreise eine Frau für ihn ausfindig machen, damit er standesgemäß wird? Eiertanz der Nazis. Sie stolpern über ihre eigenen Anträge. Di« Freitagsitzung des Preußische» Landtags war für die Nazifrattion ein Straf- g e r ich t, das sich draußen im Lande fortsetze« muß. Auf der Tagesordnung stand u. a. der Antrag über dl« Kon- fistation aller Einkommen von jährlich in ehr als 12 000 Mark. Bereits im Haushaltungsausschuß war dieser An- trag mit den Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten an- genommen worden, weil sich die samose National„sozialistilche"— „Arbeiter"partei der Stimme enthalten hatte. Jetzt siand der Antrag vor dem Plenum und heller Schweiß perlt« von�den Stirnen dieser„Arbeiter Vertreter" und„Sozia- l i st en". Ausgerechnet der von der sozialdemokratischen Fraktion entlarvte Advokat Dr. F r e i s l e r aus Kassel sollte die Lage retten. Mit Stemorstimme rief er in der Geschästsordnungsdebatte vom Podium herunter, er beantrage die Rückverweisung dieses Antrages an d en Ausschuß. Als ihm das Hohngelächter der Linken antwortete, brüllte er, die Nationalsozialisten ließen sich von nie- mand das Gesetz des Handelns vorschreiben. Sie mußten es sich aber doch gefallen lassen. Sofortige Abstimmung, und dazu eine namentliche, war der Gegen- antrag der Sozialdemokraten. Mit den Stimmen der ge> samten Linken und des größten Teils der Zentrumspartei wurde dem Antrag der Sozialdemokratie entsprochen. Es folgt die namentliche Abstimmung. Die Nazis sammeln sich um Goebbels und Kube und diskutieren und gestikulieren. Aber die Führer bleiben hart und Prinz A u w i lächelt frohgemut. D i e N a t i o n a l„s o z i a l i st e n", die H i t l e r s ch e„Ar- beiter" parte! stimmt nicht ab. Der Antrag wird mit l 4 1 Stimmen der SPD. und der KPD. an- genommen. 45 Abgeordnete sind dagegen und 34, zumeist Zen- trumsangchörige, haben weiße Karten abgegeben. Als das Ergebnis verkündet wird, erschallt stürmischer Beifall auf der linken Seite des Haufes, die Mitte lacht schadenfroh zu den entlarvt und begossen dasibenden Nazis, während die Hoinmunistcn einstimmen in ein kräftiges dreifaches:„Nieder mit den Soldknechten des Kapitals, nieder, nieder!" Den Amnestieantrag nehmen jedoch die Kommunisten treu vnd brav mit den gleichen Nazis und den Deutschnationalen an. In dritter Lesung ist damit dieses von den Deutschnationoien geänderte Amnestiegesetz angenommen. Nicht de- gnadigt werden alle Personen, die sich des Verbrechens gegen das Leben un8 der schweren Körperverletzung schuldig gemacht haben. Ferner: Landesverrat. Verrat militärischer Geheimnisse, Meineid. Vergehen gegen die Religion und gegen die Sprengstoff- g e s e tz e. Amnestierte und wegen ihres Vergehens entlassene B e- a m t e erhalten ihre Bezüge nachbezahlt, sofern diese Summe ein doppeltes Jahresgehalt nicht übersteigt. Für das Gesetz stimmen die Nazis, die KPD., die Deutschnalionalen und die Christlichsozialen. Slichtag sür das Gesetz ist der 15. Juni 1932. Hierauf wird die Kulturdebatt« fortgesetzt. Aglv Dr. tauschet(Z): Wir ha�en non dem nationalsozia- liftisHen Redner nur Kritik gehört, ober nicht dos große positive Neue Dafür hat vorhin Abg. Kube geäußert:..Uns ist Adolf Hitler der Jnbegriif unserer Weltanschauung." sHeiterkeit.) Die Nationalsozialisten haben viel vom positiven Christentum geredet. Aber zu dem gehört auch das Alte Testament. Sie verlangen die christliche Schule: aber die Reichsverfassung kennt nur die evan- aelische und die katholische Schule. Ihre christliche staatliche Zwangs- schule müßte, da der Staat einen dauernden Kriegszustand ja nicht vertragen kann, weitgehend nivelliert werden. Es käme dann im Effekt nicht nur die christliche Simultauschule der Liberalen, sondern einfach die religionslose Gemeinschaftsschule heraus. Jeder Gewissenszwang ist unmoralisch. Jede Verhöhnung oder Verspottung einer anderen Weltanschauung ist kulturlos. Ich fälle weder ein moralisches, noch em juristisches Urteil über andere Weltanschauungen: ober ich stelle einfach die Tatsache fest, daß Millionen Deutsche nicht auf christlicher Basis stehen. lind vor den Tatsachen muß man Respekt haben. sVeifall im Zentrum.» Abg. Dr. Stadler sDnat.»: Die deutschen Protestanten glauben allgemein, daß das Zentrum die Protestanten haßt. Dieser Glaube ist entstanden aus der Verbindung des Zentrums mit den Sozial- denwkraten. Abg. Dr. Haupt(Rsoz.i hält den Kommunisten vor, daß Karl Marx im Kommunistischen Manisest ausdrücklich den Arbeitszwong für alle sordert. Die Sozialdemokratie könne nur analytisch, d. h. zersetzend denken. Ihre drei Pfeile seien kein echtes Symbol, weil sie nur drei Organisationen darstellten und keinen Sinn verkörperten. (Lachen bei den Soz.) Abg. Schallock(Soz.): Ich habe nicht das Bedürfnis, Herrn Dr. Haupt über den Sinn der drei Pfeile aufzuklären.(Sehr gut! bei den Soz.) Ich lege nur kurz unsere Stellung zu den vorliegenden Anträgen dar: Die Sozloldemokrolie steht grundjähtich aus dem Boden gleicher Toleranz sür alle Weltanschauungen. Wir verwerfen jede Schmähung und Verletzung einer weltanschaulichen Ueberzeugung. Wir verwerfen aber auch olle Verbole und polizeilichen Zwangs- maßnahmen gegen Ideen. Alles, was man uns an antireligiöser Propaganda unterstellt, ist völlig frei erfunden und upwahr. Die hier in einer ganzen Serie von Anträgen behandelte sozialdcino- kra tische Gottlosenbewegung existiert nicht. Aber auch samt- liche Behauptungen und Zitate in den Anträgen, die angeblich den Deutschen Freidenkerverband betressen, sind frei erfunden. (Hört, hört! bei den Soz.) Die Aushebung der Konkordate lehnen wir ab, weil sie nach der Rechtslage dem Staat sehr viel Geld kosten würde. Die Sammelkossen und Ssammelschulen widersprechen nicht dein Reichsgesetz. Wir treten in vollem Ilmiang für das Eltern- recht ein, nicht wie die Deutschnatioiialen nur sür das Elternrecht einer bestimmten Richtung. Wir wollen Schuldienst und Schulaus- sichtsdienst den Angehörigen aller Weltanschauungen ofsenhalten. Wir anerkennen die Pflicht der Schule zur Pflege des Volk». tum«. Aber wir bejahen auch ihre Psiichl zur Pflege der inler- nationalen Gemeinschaft der Völker.' In diesem Sinne fordern wir übcreinstiminend mit der Rcichsver- fassung Schulunterricht im Geiste der Völkerversöhnung. Wir wollen die Schule freihalten von Völkerhaß und militärischem Drill.(Sehr gut! bei den Soz.) Schulgelder und Studiengelder sollen gemäß unseren Anträgen nach dem Vermögen ge- staffelt werden. Wir wehren uns gegen die Einschränkung der Schülerwanderunaen wie gegen den ganzen Kulturabba» unter der Parole der Sparsamkeil. Wir sind stolz daraui. daß die preu- ß i s ch e Republik bis zum Einbruch der Weltkrise trog furcht- bar schwerer Wirtschaftslage der Schule zu einem dauernden Auf- schwung verholjen hat. Wir wissen, daß unser Grimme sich leiden- schastlich gegen den Abbau namentlichbei derVolkss chu l e gewehrt hat.(Beifall bei den Soz.) In Brmmschweig und Thüringen haben die Nazi-Kultusminister die Zuaglehrer auf die Straße gemorfeu: in Preußen haben wir ihnen t0 Millionen Mark jährliche Unterstützung gezahlt. Die Sozialdemokratie wird weiter wie bisher für die kulturelle Hebung der breitesten Volksmassen arbeiten.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Dr. Lauscher(Ztr.): Heri�Dr. Stadler hat hier eme reine Nazirede gehalten. Ich gratuliere K>en Nationalsozialisten zu dem bevorstehenden Zuwachs. Aber vor vierzehn Tagen hat Herr Dr. Stadtler in Mülheim erklärt, die Nationalsozialisten seien ein Sauhausen, und er zittere vor dem Gedanken, daß sie allein zur Macht kommen könnten: es würde einen ungeheueren Rückschlag geben.(Hört, hört! und Heiterkeit.) Abg. Peperkorn(Nsaz.): Die deutsche Seele wird verhetzt durch Juden. Juden und immer wieder Juden.(Bravo! bei den Nsoz.) Deshalb sind wir Nationalsozialisten Antisemiten und bleiben in oll« Ewigkeit Antisemiten. Wir wollen der deutschen Seele ihr Lum pengewand abreißen. Erst dann kann man in einem neuen Staat der Autorität und des Gehorsams auch für den deutschen Leib sorgen.(Lebhafter Beifall bei den Nsoz.) Abg. Frau Dr. lvegscheider(Soz): „Ich bin ein Deutscher jüdischen Glaubens: meine Sprache ist deutsch,, meine Kultur ist deutsch und mein Glaube ist deutsch, und dieser Glaube ist stärker als jeder andere Glaube." Diese Sähe Walther Bathenaus, den heute vor zehn Jahren die Nationalisten gemeuchelt haben, erledigen die antisemitischen Tiradea des Herrn Peperkorn.(Großer Lärm bei den Nsoz.) Vizepräsident Hanke bittet die Sozialdemokraten, ihre Red- nerin nicht zu stören.(Lachen und laute Protestrufe bei den Soz.) Das deutsche Volk erträgt mit Heldenmut das schwere Schicksal der sechs Millionen Arbeitslosigkeit. Wir verbitten uns, daß Herr Peper- korn dieses Volk als innerlich verlumpt dezeichuet.(«stürmischer Beifall bei den Soz.) Verlumpung droht dem deutschen Volk höchstens von der nationalsozialistischen Agitation.(Sehr wahr! bei den Soz.) Herr Peperkorn hat versichert, seine Partei werde kein Judenpogrom machen, ober derselbe Abgeordnete hat im Wahlkamps erklärt, der sozialdemokratische Polizeipräsident Eagerstädt in Altona müsse hängen.(Lachen bei den Soz.) Also ist Herr Peperkorn gegen die Juden freundlicher als gegen sozialdemokratische gute Germanen.(Heiterkeit.) Wenn Herr Dr. Stadler heute erklärt hat, ein evangelischer Sozialdemokrat sei kein evangelischer Mensch, hat er damit bewiesen, daß die Deutschnationalen van der Toleranz, die wir feit 80 Jahren im Programm haben und betätigen, nichts begreisen. Jetzt müssen die Herren Nationalsozialisten zeigen, ob sie mit un» p r a k sii s ch e Kulturpolitik sür das Volk machen wollen. Wie stehen sie zur vierjährigen Grundschule? Wie stehen sie zu unseren Vorkehrungen gegen übereilte Jntellektualisierung der Jugend? Wie stehen sie zu unserer deutschen Oberschule? Wie stehen sie zu unserer Forderung nach einem Typus der Mittelschule, der nicht die ganze höhere Bildung vom Examen in zwei fremden Sprachen abhängig macht?(Sehr gut bei den Soz.) Wir verwersen die verschwommene Romantik ihrer kleinbürgerlichen Ideologie. Wir bauen ein« lebensnahe, vmweltverbunbene Pädagogik. Auch in der Kulturpolitik wird die Partei, die das Wort Sozialis- mu? dauernd wiederholt, aber vom Geist des Sozialismus nicht» begreift, noch zu spüren bekommen, wie schwer es ihr sein wird, den Worten Taten folgen zu lassen.(Lebhafter Beifall bei den So.z.) Die Debatte wird fortgesetzt. Löbe fiel« Straßer. Keine Kneiferei mehr möglich. Der Vorsitzende des Ueberwochungsausschusses des Reichstags, Abg. S't r a ß e r(Natsoz.), hat dem Reichstag noch immer keinen Bescheid über seine Absichten zukommen lassen. Nachdem setzt die Mehrheit der Parteien die Ein- b e r u s u n g des Ausschusses verlangt und die Kommunisten sich bereits beim Präsidenten darüber beschwert haben, daß bisher keine Antwort erteilt worden sei, hat am Freitag Reichstagspräsi- dent Löbe an den Abg. Straher ein Schreiben gerichtet, m dem er anfragt, ob und wann der Zlusschuß einberufen werde. Sollte auch aus dieses Schreiben keine oder eine negative Antwort eingehen, so beabsichtigl Präsiden! Löbe, da es einen stellvertretenden Vorsitzenden des Ueberwachungsausschusses nicht gibt, das älteste Mitglied des Ausschusses zu bitten, den Ausschuß einzuberufen. Die Llniform. Konflikt im Württembergischen Landtag. Stuttgart. 24. Juni. Bei der heutigen Sitzung de- Württembergischen Landtags kam es abermals zu erregten Szenen, als die nationalsoziali- stischen Abgeordneten wieder in Uniform erschienen. Der Zentrumsabgeordnete Bock beantragte die erneute Vertagung des Hauses, und zwar auf unbestimmte Zeit sowie Einberufung des Ausschusses sür Geschäftsordnungsfragen. Landtagspräsident Mergenthaler ließ die Anträge nicht zur Abstimmung zu, worauf die Abgeordneten de» Zentrums, der Demokraten, der SPD. und der Kommunisten den Sitzungssaal verließen. Dadurch wurde das Haus beschluß- unfähig. Der geschäftssührende Ausschuß des Landtags trat darauf zusammen, um sich mit der Frage zu befassen, ob das Tragen von Parteiunisormcn in den Sitzungen des Landtags zulässig sei. Der Ausschuß kam jedoch zu keinem Ergebnis, da ein Teil der Ausschuß- Mitglieder sich weigerte, zu verhandeln, ialange nationalsozialistische Abgeordnete in Porteiuniform anwesend seien. Die Nejchseinnahmen im Mai. Leichte Beiferung gegenüber tem Vorjahr. Die Einnahmen des Reiches erreichten im Monat Mai 541,1 Mill. M., und zwar entfallen hiervon auf die Besitz- und Verkehrs steuern 340,7 Mill. M. und aus die Zölle sowie die Verbrauchs st euern 200,4 Mill. M. In den entsprechenden Monaten des vorhergehenden Jahres gingen an Best'' und Verkehrssteuern 340.7 und an Zöllen und Verbrauchsabgaben 19l,4 Mill. M. ein. Insgesamt ist also im Mai 1932 die Gesamteinnahme des Reiches gegenüber Mai 1931 um 3 Mill. M. gestiegen. Die Nazi-Kloake. Widerliche Lügenhehe im„Angriff*.- Gerichtliches Einschreiten. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: Die nationalsozialistische Tageszeitung„Der Angriff" enthält in ihrer Freitognmnmer An- griffe gegen den Polizcivizcprösidenten Dr. Weiß, die in der IIn- gehsnsrlichkest des Tones und in der Univahrhaftigkeit des Sachverhalts nicht mehr zu überbieten sind. 11. 0. wird die Behauptung ausgestellt daß der Polizeivizepräsident die Kriminal- Polizei angewiesen Hobe, in Spielklubs begangen« strafbare Hand- langen nicht zu versolgem All« diese und ähnliche Behauptungen sind in vollem Umfange unwahr. Polizeivizepräsident Dr. Weiß hat bereits Strafantrag gestellt und der Polizeipräsident hat sich diesem Strafantrag angeschlossen. Weitere Maßnahmen gegen das genannte Blast behält sich der Polizeipräsident vor. * Die Freitagausgabe des„A n g r i f f" wurde auf g e r i ch t> l i ch e Anordnung wegen zweier Artikel mit schweren Angriffen gegen den Polizeipräsidenten Grzesinski und den Polizeivizepräsi- denten Dr. Weiß beschlagnahmt. Die Affäre Kleefeld. KeineEinwirkung des Zinanzministenums auf das Verfahren Der Präsident des Landesfinanzamts Berlin schickt uns folgende Zuschrift: „In einem Teil der hiesigen Presse ist die Steuerangelegenhcit des Kammerpräsidenten a. D. Kurt von Kleefeld behandelt worden. Es wird berichtigend darauf hingewiesen, daß das Berfahren gegen Herrn von Kleefeld im Rahmen der geseizliäsen Bestimmungen ausschließlich von den zuständigen Stellen, und zwar von dem Finanzamt Tiergarten und dem Landesfinanzamt Berlin, auf rein sachlicher Grundlage durchgeführt worden ist. Die M« h r st e u e r n sind durch den zuständigen Steuerausschuß f e st g e s e tz t worden. Irgendeine Einwirkung des Reichsfinanz» m i n i st e r i u m s auf die zuständigen Stellen hat in keinem Stadium des Verfahrens stattgefunden. Der steuer- lich« Erfolg entspricht der allgemeinen Praxis bei den Finanzämter» und ist durch keine Einwirkung von dritter Seite beeinträchtigt morden." Die Intervention des Herrn Werner von Alvensleben beim Reichsfinanzministerium ist also unbeachtet ge- blieben. Dem Andenken Waliher �athenaus. Eine Feier des Republikanischen Reichsbundes. Der deutsch« Republikanische Reichsbund ehrt« gestern durch ein« schlichte, würdige Feier im Plenarsaal des Reichstags dus Andenken Walter Rathenaus. Von Hortensien und Tannen- grün war das Rodnerpult umrahmt, vor einem Fahnenmast standen Zypressen. Getragene Musik ertönte, dann wurde, währeno sich die Versammlung erhob, das schwarzrotgoldene Banner der Republik aufgezogen, das einst den Sarg Walter Rathenou» bedeckte. Reichs- bannerkameraden mit umflorten Fahnen hielten Wache. Oberbürgermai ster Luppe-Nürnberg leitete hi« Fsier«in.»Rathenou hoste sich zum Kampfziel gesey». dem demo- krastschen und sozialen Gedanken des neuen Volkestaotes Leben zu verleihen und in der Außenpolitik Deutschland wieder vom Objekt zum mitwirkenden Subjekt zu machen. Da traf ihn aus blindem Rassenhaß und nationalistischer Verhetzung hie Kugel seiger Meuchel. mörder." In tiefdurchdochter Reve würdigte sodann Harry Graf Keßler die große umfassende Persönlichkeit Rathenaus: Schon vor dem Kriege hatte der Ermordete den dreisachen Druck erkannt, der polstisch, sozial und menschlich auf dem deutschen Volke lastete. Sein Ziel war die Freiheit des deutschen Menschen nach innen und außen. Er hat sein Opfer der Freiheit des deutschen Menschen schon gebracht. An uns ist es, ihm zu folgen. Für die Rathenau- Gesellschast sprach Ministerioldirektor Arnold Brecht.»Es ist unsere Aufgabe, in der Hingabe an den Staat dem Toten nachzu- eisern und wie er die enge Verbindung zwischen beruslichcn und seelischen Dingen zu erstreben. Ms er gegen die Verleumdung Deutschlands kämpfte, traf ihn selbst die Verleumdung in Deutsch- land. Er war Jude, aber hielt sich selbst und dem deutschen Volke die Treue. Heute empfinden wir Scham, daß ein Volk, in dem Lessing seinen„Nathan" schrieb, wieder vom Antisemitismus heim- gesucht wird. Verzweifeln wir nicht, sondern hoffen wir, daß auf die Passion ein Ostern solgt." Mit Dank und Gelöbnis schloß Oberbürgermeister Luppe die Feier,_ Revolverschühen und Messerhelden. Blutige Zusammenstöße im Westen. Dortmund, 24. Juni.(Eigenbericht) In Dortmund-Dorstseld kam es am Donnerstagabend, als Na- tionalsozialisten in einem kommunistischen Versammlungslokal eine Kundgebung veranstalten wollten, zu schweren Zusammenstößen zwischen den beiden Gegnern. Bei dem Anmarsch griffen die Kommunisten an. Es fielen ungesahr 3 5 Schüsse. Ein Nationalsozialist wurde ge- tötet, fünf Personen, darunter drei Nationalsozialisten, wurden schwerverletzt. Es ist noch nicht fsstgestellt, wer die National- sozialisten getötet hat. Es besteht die Möglichkeit, daß er von eigenen Parteigenossen erschosien wurde. Hamborn. 24. Juni.(Eigenbericht.) Am Donnerstagabend kam es im Stadtteil Marirloh nach 8 Uhr nzehrfach zu politischen Zusammenstößen, in deren Verlauf eine ganze Anzahl Schüsse siel. Ein Kommunist wurde gelStct, ein Na- tionalsozialist wuvde von Kommunisten durch vier Messerstiche in Köpf und Oberkörper schwer verletzt. Die Polizei mußte von der Schußwaffe und vom Gummiknüppel Gebrauch machen, ätz Per- sonen wurden verhaftet. Zusammenstöße in Leipzig. Leipzig. 24. Juni. Während und nach Schluß einer Versammlung, die gestern abend von der NSDAP, veranstaltet wurde, kam es auf der Straße zu Ansammlungen und Demonstrationen, die wiederholt von der Polizei unter Anwendung des Gummiknüppels zerstreut werden mußten. In der Nähe der Hildegardstraße wurden die Polizeikräste beschossen. Dabei wurde ein Beamter durch ewen Schuß in die rechte Hand verletzt. Weiter« D«rl«tzte wurden bisher nicht gemeldet. Heil Hitler! „Siehste Paul, dafür haben sie uns die Zfcnte gekürzt." Günstiger Verlauf in Lausanne. Aussprache über die deutsche Not. Die deutsch. französische Aussprache in Lausanne hat am Freitag, dem ersten Tag, einen von beiden Seiten als günstig bezeichneten verlaus genommen. Einer Vollversammlung beider Delegationen am Vormittag folgte eine zweite am Vach. mittag um 5.45 Uhr. der Herr von Papen nur zum Teil bel- wohnte, weil er um 18.40 Uhr nach verlin abreiste. Die Sitzung selbst dauerte bis 13.30 Uhr. Ueber die Verhandlungen wurde eine Kommunique heraus- gegeben, in dein es lzeißt:„Nach einem Expose des französischen Finanzministers fand ein Mernungsaustausch statt mit dem gleichen Bestreben, von beiden Seiten olle Element« des gestellten Problems von Grund auf zu studieren. Die nächste Sitzung findet ani Montagnachmittag 414 Uhr statt. Am Sonnabend werdeii die Fach- verständigen ihren Meinungsaustausch sortsetzen, um die Sitzung am Montag aussührlich vorzubereiten." Iii einer Besprechung mit deutschen Pressevertretern hob der deutsche Außenminister den freundschastlichen Geist der Aussprach« hervor. Daß am ersten Tag nicht viel herauskommen konnte, sei klar gewesen. Neben den Verhandlungen mit den Franzosen seien solche mit den Belgiern geführt worden. Der Reichssinanzminister erklärt«, er habe in den Besprechungen insbesondere nachdrücklich daraus hingewiesen, wie sich seit dem Sachverständigenbericht von Basel die Lage in Deutschland ver- s ch l e ch t e r t habe. Die Verschlechterung gelte für die Handele- bilanz, den Etat, die Wirtschast, die A r b e i t s l o s i g- k« i t u»d die D e v i s e n l a g e der Reichsbank. Er habe ferner nachgewiesen, daß die herabgesetzten Sätze der Arbeitstosenversiche- rung durch die letzte Notoerordnung einen Grad erreicht hätten, der zu schwersten sozialen Spannungen führen müsse. Wenn man be- rllcksichtigt, daß die Mehrzahl der Arbeitslosen sich mit diesen Sätzen nicht mehr erhalten könnte, dann könne man die Not und Spannung in Deutschland verstehen. Der s r a y z ö s i s ch c Fmanzminister habe die jetzige Not in Deutschland zwar anerkannt, aber noch dem Bericht von Basel darauf hingewiesen, daß mit der Behebung her Weltkrise auch die deutsche Äot gebannt sei und dann neue Möglichkeiten sür politische Zahlungen und Transfers in beschränktem Umfange austauchen könnten. Darüber habe es eine kurze Diskussion gegeben. Die Hauptsrage, ob sich ein Weg finden lasse zwischen der französischen Aussassnng einer S ch l u ß z a h- l u n g und der deutschen Aufsassung einer völligen Liquidierung der Reyarotionssrage im jetzigen Augenblick, werde erst am Man- tag in Angriff genommen werden. Man nimmt allgemein an. daß Herr von Popen und Hernot an der Montagfitznng teilnehmen werhen. Klagges und der Gchrader-Verband. Wird Herr von Gayl einer Entscheidung Groeners endlich Geltung verschaffen? Der frühere Rcichsinnenminister G raener ist bekanntlich während seiner Amtszeit vom Pplizeibeamten-Verbond und vom Deutschen Beamtenbund zum Eingreifen gegen den braun- schweigischcn Innenminister Klagges aufgefordert worden, weil dieser völlig versassungs- und gesetzwidrig d/n braun- schweigische» Polizeibeamten die Zugehörigkeit zum Landesverband der Polizeibeamten Broynschweigs(Schräder- Berband) verboten hatte. Merkwürdigerweise erfährt man erst jetzt, daß Groener der Beschwerde stattgegeben und Klagges ersucht hat, seine Maß- nahmen, die ungesetzlich seien, auszuheben. Bisher ist Klagzes dieler Ausforderung nicht gefolgt, wohl weil er hofft, daß Groeners Nachfolzer anders denkt und ihn stützt. Die Entscheidung Groener» gegen Klagges dürfte aber Anlaß geben, den Minister von Gayl aufzufordern, der Entscheidung seines Vorgängers Geltung zu v e r s ch a s s e n. Aufgeklärte„Reichsbannermordtai". Nazis erschlagen ihre eigenen Leute. Im Anschluß an die unerhörten Vorgänge in Langelsheim, wo Nationalsozialisten, mit Lastkrastwagen aus der ganzen Umgebung zusammengeholt, eine Versa nimlung der Eisernen Front zu sprengen versuchten, hatte die nationalsozialistische Presse, unterstützt von den übrigen nationalistischen Hetzblättern, berichtet, daß der SA.-Mann Rudolf Gelbke aus Kästorf bei Vorsselde von Reichsbannerleuten durch Hiebe mit einer Fahnenstange so schwer verletzt wurde, daß er verstarb. Der Gau Braunschweig des Reichsbannerz stellt demgegenüber fest, daß der ehemalige SA.-Mann Rudolf Gelbke nicht in Langels- heim war. Gelbke ist vielmehr aus einem Schützeniest in Kästorf von Nationalsozialisten, also von seinen eigenen Leuten. niedergeschlagen worden. Die Gauleitung des Reichs- banners hat gegen eine ganze Anzahl Nationalsozialisten, die an den, Ueberfall aus die Versammlung der Eisernen Front in Langels- heim beteiligt waren, Strafanzeige erstattet. Der Reichskanzler re'st heute abend nach Verlin. Reichskanzler von Pape» reist heute abend von Lausanne zur Berichterstattung nach Berlin. Er wird oqraussichtlich am Sonntagabend oder Mon« tag srüh wieder nach Lausanne zurückkehren. Der wert de» enleionetcn spanischen Hön'gsvermögen» beträgt rund 714 Millionen Peseten und soll für soziale, kulturelle und wohltätige Zwecke nutzbor gemacht werden. Etaatsoper Llnier den Linden. „Wiener Dlnt" von Johann Strauß Um ein Nichts von Handlung ein Rausch von Musik und Farbe. Ein« Aufführung, die sich sehen lassen kann. Ganz großer Abend. viel Applau». k. L. Nächtliche Schießerei in Berlin. Naziüberfall auf Reichsbanner. In den gestrigen Abendstunden kam es in Moabit, Steglitz und Friedenau zu schworen Zusammenstößen. Eine Rotte Haken- treuzler überfiel in der Eanovastraße in Friedenau einige Reichs- bannerleute. Ein Reichsbannerkomerod mußte schwer ver- letzt in das Augyste-Viktoria-Krankenhaiis gebrocht werden. Sechs Täter wurden festgenommen. In Steglitz liesertcn sich Kam- munisten und Nazis eine Revolverfchlocht, bei der über 2» Schüsse gewechselt wurden. Während die radikalen Gegner unverletzt blie- ben, wurde ein völlig unbeteiligter Passant schwer verletzt. 21 Nazis und 5 Kommunisten wurden festgenommen. In Moabit, in der Emdoner, Rostockcr und Wittstocker Straße kam es gegen 22 Uhr abermals zu bedrohlichen Ansammlungen sind kommunistischen Demonstrotionsoersiichen, so daß der Wasserwagen der Schupo eingesetzt worden mußte. Die Poli.iei hat mehrere Straßenzügc völlig abgesperrt. Ein neues Parteiorgan. In der Nazihochburg Gchweidnih. Der Unterbezirk Schwoidnitz-Reichenbach-Striegou der Sozialdemokratischen Partei hat im Einvernehmen mit dem Verlag der„Schlesischen Bergwacht" in Waldenburg die Heraus- gab« eines neuen Parteiblattes beschlossen. Das Blatt soll den' Namen„Schweidnitzer Volks zeitung" tragen und ab 1. Juli erscheinen. Die Gründung des neuen Organs wird, da Schweidnitz eine der übelsten Hochburgen der Nazipest in Schlesien ist. von der Arbeiterschaft des Unterbezirks freudig be- grüßt. Von Schweidnitz nahm die schiesische Hakenkreuzbswegung vor Jahren ihren Ausgang. Der Werbemonat der Sozialdemokratie hat in Schlesien bereit» recht ansehnliche Erfolge gebracht. So konnten in Groß-Breslau bis Mitte Juni der Partei 400 neue Mit- g l i e d e r zugeführt werden. Besonders erfreulich ist, daß ein großer Teil früherer Eckstein-Anhänger setzt zur Partei zurückkehrt. Der Unterbezirk Schweidnitz, zu dem die Kreise Reichen- bach-Schwcidnitz und Striegau gehören, meldet 280 neue Ausnahmen. Aehnlich günstige Berichte liegen aus anderen Teilen Schlesiens vor. Zu Kroatien wurden Gedenkfeiern zu Ehren der im Belgrader Parlament ermordeten Bauernführer Stefan Radiffch, Paul Ra- oitlch und Basaritschek abgehalten. In Brod zerstreute die Polizei Demonstranten, die einen wegen k o m in u n i st i s ch e r Pro- pagando Verurteilten aus dem Gefängnis zu befreien suchten. Ein Demonstrant wurde getötet. Bei einem anderen Zusammenstoß wurde ein Gendarm schwer verletzt. In Spalato wurden wegen feindseliger Rufe gegen die Regierung sechs Per- sonen verhaftet. Eine Offensive Tibets gegen China scheint einen größeren Teil der Provinz Sintschang in die Gewalt Tibets gebracht zu haben. Damit wiederholt sich der damals kaum bemerkt« Vorgang von 1010. Das neue„System". Armengelö.— Belastung der Gemeinden. Verteuerte Verwaltung. Feststellung der.fjilssbcdürstigkeit— das ist das neue Prinzip, das für die Regierung der Barone gegenüber den Arbeitslosen maßgebend ist. Mit diesem Prinzip wird die ganze Arbeitslosenunterstützung aus das Niveau der Armen- unter st ützung heruntergedrückt. Die Leidtragenden sind neben den Arbeitslosen aber auch die Gemeinden, von denen nicht zuletzt die Anregung zu diesem Experiment ausgegangen ist. Die Gemeinden können sich bei den Herren vom Städtetag bedanken. Ebenso ist mit der Per- quickung van Versicherung und gemeindlicher Fürsorgepflicht eine Verteuerung der Verwaltung verbunden. Diese Glanz- leistung einer„Reform" wird von der„G e w e r k s ch a f t s- zeitung", dem Organ des Allgemeinen Deutschen Gewcrkschafts- bundes, in ihrer soeben erschienenen neuesten Nummer scharf be- leuchtet. Die Dinge liegen, so betont die Gcwerkschastszeitung. nach der Neuordnung so, daß in zahlreichen Fällen, vielleicht sogar in der Mehrzahl der Fälle, die Gemeinden von der siebenten Woche ab, also noch während der Wochen der sogenannten„Versicherung?"- Leistung und während der Krisenunterstützung � neben der Arbeitslosenunterslühung zusählichc wohlsahrls- leistungen aus eigenen Mitteln werden geben müssen. Der„R i ch t s o tz" soll dazu dienen, die unterste Grenze dessen festzustellen, was nach Lage des Falles dem Hilfsbedürftigen unbedingt zu seiner oder zu seiner Familie Erhaltung zuzuwenden ist. Die von der Regierung angeordneten H ö ch st s ä tz e werden jedoch in zahlreichen Fällen um 30, 40 und mehr Proz. hinter dem Richtsatz zurück» bleiben. Der Arbeitslose wird selbstverständlich die Diffe» r e n z zwischen dem Richtsatz und der tatsächlichen Unterstützung als zusätzliche Wohlfohrtshilfe bei der Gemeinde anfordern. Die Ar- beitslosen haben dazu ein Recht, und sie müssen und sollen dieses Recht überall geltend machen. Was aber bis- her Ausnahme mar, wird nunmehr die Regel werden. Es kommt aber noch schlimmer. Künstig werden die Aus- gesteuerten, die bisher aus psychologischen Gründen nicht zur Wohlfahrt kamen, weil sie die Armcnfürsorge vermeiden wollten — man hat ihre Zahl auf 43 bis SO Proz. geschätzt—, sich sehr rasch der gemeindlichen Wohlfahrtspflege anvertrauen, weil sie ja schon vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an auf ihre Bedürsligkeit hin schonungslos durchleuchtet werden. Zeder Arbeitslose wird von vornherein zum Armenhäusler gestempelt. Das hat ober auch finanzielle Folgen für die Gemeinden. Geradezu ein Hohn auf Sparsamkeit ist der mit der Neuordnung verbundene, künstlich geschaffene Verwaltungswirr- warr. Neue kostspielige Instanzen entstehen. Vcrwaltungskon- flikte und Ueberschneidungen von Kompetenzen der verschiedensten Organe werden an der Tagesordnung sein. Schon jetzt jammern die Gemeinden darüber, daß sie die ihnen auserlegte Prüfung der Hilfsbedürftigkeit nicht ohne die Schaffung eines neuen großen Verwaltungsnp parates leisten können. Auf der anderen Seite können die Arbeitsämter, da sie für die Richtigkeit der auszuzahlenden Summen, deren 5zöhe von den Gemeinden zu berechnen ist, nach wie vor verantwortlich bleiben, ihren bisherigen Feststellungsapparat nicht ab. bauen.„Was werden wird", betont die Gelverkschastszeitung, „ist heute schon klar: eine unendlich verteuerte Verwaltung. die in zahlreichen Gemeinden verteufelt schlecht arbeiten wird. In Zukunft muß jeder Antrag eines Arbeitslosen bereits bei Bc- ginn seiner Arbeitslosigkeit doppelt ausgefüllt werden, da- mit einmal das Arbeitsamt die Feststellungen für die ersten sechs Wochen treffen und damit weiter die Gemeinde bis zum Ablauf der sechsten Woche ihre Feststellungen über die Hilfsbedün- tigkeit durchführen kann. Diese Arbeit wird auch geleistet werden müssen selbst für solche Arbeitslose, die vielleicht nicht einmal sechs Wochen arbeitslos bleiben. Ob die Gemeinde immer imstande sein wird, bereits bis zum Ablauf der sechsten Woche ihre Prüfung durch- zuführen, ist außerordentlich fraglich. Das Arbeilsaml darf nach Ablauf der sechsten Woche keinen Pfennig auszahlen, wenn nicht das Gutachten der Gemeinde über die Hilssbedürftigkeit des zu Unterstützenden vorliegt. Dieser Zustand wird sicher vielfach eintreten. Es bleibt dem Arbeitslosen dann nur der Weg. sich sofort an die Gemeinde zu wenden. Sie wird dann Unterstützung leisten müssen, ohne diese Leistung auf die Arbeitslosenversicherung oder. die Krisenfürsarge anrechnen zu können: also eine neu« Belastung der Gemeinde. Zu all dem kommt dann noch ein doppelter und drei- facher Apparat für die Rechtsprechung, ein undurch- sichtiges, kompliziertes und verwirrendes System im Streitverfahren um die Arbeitslosenversicherung.„Das, was die Regierung ge- schaffen hat", so schließt die„Gewcrtschaftszcitung" ihre interessante Betrachtung,„ist nicht nur unerträglich und im höchsten Grade un- sozial, es ist konstruktiv unsinnig und unhaltbar. Man staunt immer wieder, wie ein solches Monstrum das Licht der Welt erblicken konnte. Die Erklärung dafür ist nur, daß die neue Regie- rung kopflos, um der Kritik kritikloser Personen zu begegnen, ohne Ueberlcgung Formen schaffte, über die sie selbst nicht im klaren war." Kür die Oummen! 'Oer„Angriff" sorgt für Aufklärung Nachdem sich der nationalsozialistische„Angriff" zehn Tage lang um die Notverordnung der Regierung von Schleicher-von Gayl-von Popen gewunden und gedrückt hat, fühlt er sich bemüßigt, etwas kräftigere Töne anzuschlagen. Es geht bedenklich auf die Wahlen zu. Der Artikel beginnt folgendernmßcn: „Wieder einmal ist das schon längst zum blutige» yjnhn gewordene Wort vom„Dank des Vaterlandes" in aller Munde. Die Regierung Pape»(die übrigens, wie für die Dummen noch- mals wiederholt sei, mit der NSDAP, gor nichts zu tun hati hat den vom Kabinett Brüning aufgestellten Rekord im Erlaß von drückenden Notverordnungen weit unterbot« n." Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Besonders nicht zu der Be- merkung, die„für die Dumme n" bestimmt ist. Da der„An- griff" selbst sagt, daß nur die Dummen ihm glauben werden, daß die Regierung der Nazibarone nichts mit den Nazis zu tun hat, so bleibt uns nur übrig, zu unterstreichen, daß nach dem Ein- geständnis des Naziblattes die Regierung van Schleicher den arbeitenden Schichten, den Arbeitslosen, den Kriegsopfern und den Sozialrentnern Lasten auferlegt hat, die alles weit hinter sich lassen, was jemals von der Regierung Brüning geschehen ist. Wir wollen hoffen, daß diese Ausklärung des„Angriff" auf die Dummen, wie er seine Leser tituliert, den Eindruck nicht verfehlen wird! Vereinbarung der Bauklempner. Erfolgreicher Elreik Die in einer Branche vereinigten Bauklempner und Gas- • d Wosserrohrlcg»er der Betriebe der Berliner Klempner- und Jnstallateurinnung haben den Abbruch ihres Streiks beschlossen unter der Voraussetzung, daß auch die Mitglieder der Innung dem Ergebnis zustimmen, daß in den noch- maligen Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Kommissionen zustande gekommen ist. Dieses Verhandlungsergebnis wird zum! größten Teil den Forderungen gerecht, mit denen die Branche den Kampf gegen die Innungsmeister vor vier Wochen eröffnet hat. Die Innung hatte den Bauklempnern und Rohrlegcriz einen Stundenlohn van 1,03 Mark geboten, während für die Rohrleger in den Betrieben des Arbeitgebernerbandes der Zentralheizungs- induftrie und der gesundheitstechnischen Finnen, die seit Jahrzehnten schon die gleiche Entlohnung haben wie ihre Berufskollegen in den Innungsbetrisbcn, in freier Vereinbarung ein Stundenlohn von 1.16 Mark festgesetzt worden war. Die Innungsvertreter haben jetzt, wie es die Streikenden von Ansang an gefordert hatten, die mit dem Arbeitgeberverband der Zcntralheizungsindustrie getroffene Lohnvereinbarung auch für die Innungsbetriebe als bindend anerkannt, womit die Absicht der Kleinmeister, Lohnpolitik auf eigene Faust zu machen, vereitelt worden ist. Hinsichtlich der bisherigen Tarifbestimmungen über die Er- stattung des Fahrgeldes sowie der Fahr- und Laufzeit sind allerdings einige Aenderungen z u u n g u n st e n der Bauklempner eingetreten. Die Urlaubsregelung bleibt die gleiche wie bisher: eine geringe Verschlechterung tritt nur ein bei den Arbeitern, die zwei Jahre in einem Betriebe tätig sind und nur nach fünf anstatt wie bisher sechs Tage Urlaub erhalten. Lohn- und Mantel- tarisvertrag sollen bis zum 31. März 1933 gelten. Wann die Arbeit wieder ausgenommen wird, hängt von der Stellungnahme der Innungsversammlung zu dem Angebot ihrer Unterhändler ab. Die Preisgabe der unverschämten Abbauforderungen der Innungsmeister nach einem vierwöchigen Kamps der Klempner ist wieder ein Beweis für die Notwendigkeit und die Nützlichkeit der Organisation in den Zeiten der Krise. Eine gut organisierte und disziplinierte Arbeiterschaft kann auch in so ungünstigen Zeiten wie den augenblicklichen den Unternehmern Erfolge abtrotzen, wenn diese jetzt auch nur in der Abwehr von Verschlechterungen bestehen. Zugend und Arbeitsdienst. Bedingt für freiwilligen— gegen Arbeitsdienstzwang. Der Landesausschuß der deutschen Iugendoer- bände veranstaltet am Freitag eine Aussprache über den frei- willigen Arbeitsdienst. Der Geschäftsführer des Reichs- ausschusies, Maaß, referierte. Es sei nötig, die noch der jetzigen Gesetzgebung vorhandene Zersplitterung und Richtungslosigkeit des freiwilligen Arbeitsdienstes zu überwinden. Die Gesetzgebung müsse so gestaltet sein, daß die verschiedensten Arbeitsprojekte durchgeführt werden können, ober doch eine„Generallinie" gewahrt werde. Das bedeute nicht, daß aus dem freiwilligen Arbeitsdienst eine Ar- beitsdicn st pflicht werden müsse. Schon in der letzten Landes- ausschußtagung wurde von den meisten Rednern scharf gegen die etwa geplante Arbeitsdienstpflicht Stellung genommen. Der freiwillige Arbeitsdienst habe vor allem eine gesellschafts- pädagogische Funktion. Selbstverwaltung im Lager sei nötig, um zur Selbstverantwortung zu erziehen. Die Dauer der täglichen Ar- beitszeit müsse so beschränkt werden, daß jeder Träger des Dienstes seine Pflicht zur Durchführung der gesamtpädagogischen Aufgaben erfüllen kann. Die Arbeiten, wie jetzt schon gesetzlich festliegt, müssen zusätzlich und gemeinnützig sein. Sie müssen aber auch z w e ck v o l l entsprechend den gegenwärtigen Verhältnissen sein.' Maaß forderte weiter die Einrichtung eines sogenannten Reichsnotdienstes und Schaffung von Selbstverwaltungs- körpern im Bereich jedes Landesarbeitsamtes unter dem Namen „Heimatwerk". Im„Heimatwerk" sollen die Behörden sowie auch die sonstigen am freiwillioen Arbeitsdienst interessierten Organisa- tioncn zusammenwirken. Ihm müßte die entsprechende Beurteilung über die Eignung der Träger des Dienstes obliegen. Mehrere dem Landesausschuß angeschlossene Verbände haben sich inzwischen zu einer Arbeitsgemeinschaft mit der Bc- Zeichnung„Sozialer D i e n st für A r b e i t s h i l f c" zu- . s ammengeschlossen. Die Verbände, die zu dieser Arbeitsgemeinschaft ! gehören, vertreten im Bereich des Landesarbeitsamtsbezirks Bran- denburg über 200 000 jugendliche Mitglieder bis zum 25. Lebensjahr. von denen über die Hälfte arbeitslos fein dürste. proqramm des sozialen Dienstes für Arbeitshilfe. In dem Programm des Sozialen Dienstes für Arbeitshilse heißt es- Der FAD. ist kein Mittel, die Wirtschaftskrise zu beheben. Der FAD. kann nicht als Arbeitsbeschaffung betrachtet wer- den. da er keine zusätzliche Kaufkraft schafft. Der FAD. darf aus diesem Grunde keine Dauereinrichtung werden, er ist nur als ein Hilfsmittel in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu betrachten. Der FAD. kann nur als..Arbeitshilfe" im sozial- pädagogischen Sinne angesehen werden. Bei der Beschäftigung Arbeitsdienstwilliger im Rahmen der „Arbeitshilfe" sollen folgende Grundsätze gewahrt werden: Die Vermeidung jeglichen Zwanges. Zur Arbeitshilfe find alle jugendlichen Erwerbslosen bis zum 25. Lebensjahr zuzulassen. Arbeitszeit(höchstens 6 Stunden) und Arbeitseinteilung müssen so ge- regelt werden, daß neben der Arbeit Raum für Belehrung, Sport und sinnvolle Freizeitgestaltung bleibt. Die Freude an der Arbeit soll wieder geweckt und die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten erhalten werden. Die Führer der Arbeitsgemeinschaften sind so auszuwählen, daß sie volle Gewähr für die Durchführung der ge- meinschastlichen Arbeit im Geiste der Kameradschaft und der gegen- seitigen Hilfe bieten. Die Beschäftigten erhalten als Entschädigung angemessene Unterkunft und Verpflegung, etwa nötige Arbeits- kleidung sowie ein ensipi-echendes Taschengeld. A-cherdem sind sie gegen Krankheit, Unsall- und Invalidität zu versichern. Die Arbeiten, die im Rahmen der Arbeitshilse zu leisten sind, müssen gemeinnützig und zusätzlich sein. Es darf sich nur um Arbeiten handeln, die ohne den Einsatz der Arbeitshilse auf jeden Fall unterbleiben müßten. Die jetzige Reichsgutschrift bei volkswirtschastlich wertvollen Ar- beiten ist dahingehend umzuwandeln, daß jeder Arbeitsdienstwillige nach Beendigung seines Dienstes einen Gutschein in der vorgesehenen Höhe erhält, der es ihm ermöglicht, Ausstattungsgegenstände nach freier Wahl zu kaufen. Die Verheerungen der Krise. Wie es in der Metallindustrie Brandenburgs aussieht. Wie verheerend sich die Wirtschaftskrise nicht nur für die Ar- bciterschaft der Großstädte, sondern auch für die in den Provinz- städten mit stark industriellem Charakter auswirkt, wird mit er- schreckender Deutlichkeit in dem- Geschäftsbericht der Bezirksleitung Brandenburg des Deutschen Metall- arbeiterverbandes für das Jahr 1931 offenbar. Im Jahre 1928 gab es im Bezirk Brandenburg noch 494 Be- triebe mit mehr als fünf Arbeitern und Angestellten, die insgesamt 54 331 Personen beschäftigten. Im Jahre 1931 dagegen nur noch 444 Betriebe mit insgesamt 31 392 beschäftigten Personen. 43 Be- triebe mit 1294 Beschäst!g«en wurden im Berichtsjahr völlig still- gelegt. Der Geschäftsbericht der Bezirksleitung schätzt die Zahl der Ende 1931 beschäftigungslosen Metallarbeiter in der Pro- vinz Brandenburg aus etwa 40 Proz. Ganz besonders unheilvoll zeigt sich die Auswirkung der Wirtschaftskrise in Brandenburg an der Havel. In der Metallindustrie dieser Stadt waren 1928 etwa 1 4 000 Arbeiter und Angestellte tätig: Ende 1931 nach der Zah- lungseinstellung der Brennaborwerke waren es nur noch ganze 900 Personen. Der Mitgliederbe st and im Bezirk Brandenburg des Metallarbeiterverbandcs ist daher im Laufe des Berichtsjahres um 3512 oder 11,34 Proz. auf 27 452 Mitglieder zurückgegangen. An- gesichts der geradezu verhängnisvollen Entwicklung des Arbeits- markte? der Metallindustrie in der Provinz Brandenburg muß dieser Mitgliederrückgang, so bedauerlich er ist, doch als Verhältnis- mähig gering angesehen werden. Von der Bezirksleitung wurden im vorigen Jahr 7 4 Lohn- bewegungen, darunter 62 Abwehrbewegungen, mit insgesamt 131 782 Beteiligten gesührt, von denen 13 einen vollen Erfolg, 46 einen Teilerfolg und 15 keinen Erfolg hatten. Der Erfolg dieser Bewegungen bestand für 3609 Personen in einer Arbeitszeit- Verkürzung von 10 827 Stunden je Woche, für 3618 Personen in einer Lohnerhöhung von 923 M. je Woche und für 39231 Personen in der Abwehr eines Lohnabbaues von 93 458 Mark in der Woche. Die Organisation hat sich also auch im Bezirk Brandenburg des Metallarbeiterverbandes als ein zwar nicht unübersteigbares, aber doch sehr hohes Hindernis für die lohnabbauwütigen Unternehmer erwiesen. Oie Einheiisfront Entschließung der Bankangestellten. Die Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Berlin des All- gemeinen Verbandes der deutschen Bankangestellten nahm ein Reserat des Genossen Dr. Paul Hertz über die augenblickliche Lage und die freien Gewerkschaften entgegen. Unter besonderer Be- rücksichtigung der neuesten Notverordnung der Papen-Regierung schilderte der Redner die oppositionelle Stellung der Gewerkschaften gegen die jetzige Regierung und berührte darüber hinaus auf Grund eines vor der Versammlung verteilten Flugblattes der RGO. unsere Stellungnahme zur Einheitssront. Die„Opposition" in der Mitgliederversamnilung, die von dem Genossen Hertz treffend abgefertigt wurde, brachte insgesamt drei Resolutionen ein. Dies veranlaßte die Versammlungs- leifung, folgende Resolution unter Ablehnung aller anderen zur Beschlußnohme zu empfehlen: „Die Versammlung begrüßt den Ausruf der Freien Gewerkschaften zur Bildung der einheitlichen Abwehrfront gegen den Faschismus und gegen die Papen-Regierung und steht geschlossen hinter dieser Forderung. Sie fordert deshalb die gesamte Arbeiterklasse aus, durch Zusammenschluß in den freien Gewerkschaften die praktische Grundlage für diese Einheit?- front zu schassen." Diese Entschließung wurde gegen 11 Stimmen der Opposition angenommen. Sie ist kurz und bündig und kann als Muster- beispiel gelten zur Abweisung der Schliche kommunistischer„Ein- Heitsfront"-Mache. Pflichtarbeit. Unter welchen Umständen kann sie gefordert werden? Aus dem ganzen Reich kommen Beschwerden von Krisen- unter st ützungsempfängern, daß ihre Unterstützung von einer Pflichtarbeit abhängig gemacht wird. Leider besteht die Möglichkeit,„Pflichtarbeit" von Krisenunterstützten und jugendlichen Arbeitslosen zu verlangen. In Ausnahmefällen kann sogar die ver- sicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung von der Leistung einer Pflichtarbeit abhängig gemacht werden. Den Arbeitslosen dürfen nur solche Arbeiten zugewiesen werden, die 1 sonst überhaupt nicht oder nicht zu dieser Zeit oder nicht in diesem Umfange ausgeführt werden würden, 2. gemeinnützig sind, insbesondere hilfsbedürftigen Personen- kreisen zugute kommen, 3. ihnen nach ihrem Lebensalter, ihrem Gesundheitszustand und ihren häuslichen Verhältnissen zugemutet werden können, 4. ihre Vermittlung in Arbeit nicht gefährden, 5. ihnen keine Nachteile für ihr späteres Fortkommen bringen. Für Mehrauswendungen, die den Arbeitslosen bei ordnungsgemäßer Ausführung der zugewiesenen Arbeiten entstehen, Üt ihnen durch den Träger der Arbeit angemessene Entschödi-' g u n g zu gewähren. Die Höchstarbeitsdauer, die von den Arbeits- losen in einem bestimmten Zeitraum gefordert werden darf, muß in angemessenem Verhältnis zu der auf den gleichen Zeitraum ent- fallenden durchschnittlichen Arbeitslosenunterstützung stehen. fftme Gewerkschafts-Zustend Berlin Heute. Sonnabend. 23. Juni: Iugendgruppc des Deutschen Baugewerks- bundes, Maurer. Spandau: Bauabend im Jugendheim Lindonufer. Lugendgruppe des'Lentra.verbandes der Angestellten Apielc Im Freie»: Ab IS Uhr auf dem Sportplatz Humdoldthain. Ärraativorllich iiii-Bolilit: iUctot Sth'fi, WIrtscha'i: E> ftlinqclhofcr; Dewerkschastsbewegung: 3. Steiner; Feuilleto»; Serbert Lep>re; Lokales und Sonstiges: Fritz Ztorstädt, Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag E. m. b. Jp., Berlin. Druck: Lorwärts.Buchdruckerel und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindeustraße% Hierzu 2 Beilage». Nr. 295• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 25. Juni 4 932 Freiheitsscliwiir am Grade Rathenaus. machtvoller Aulmarsch des Reichsbanners an der Grabstätte des Ermordeten. Am 24. Juni 1924, �wei Jahre nach 0er Ermordung Walther Rathenaus, marschierte das Reichsbanner Tch wa r z- R o t- G o l d zum erstenmal in Berlin in ge- schlossenen Formationen auf. Der erste Aufmarsch der neu geschaffenen Schufetruppe der Republik ging hinaus an die Grabstätte des Mannes, der als Tank für seinen nationalen Befreiungskampf von Verhefeten nationalistischen Mordbuben meuchlings aus dem Hinterhalt nieder- geknallt worden war. Gestern, da sich der Tag der Gr- mordung zum zehnten Male jährte, marschierten die Reichsbannerkameraden nach langer Zeit wieder in Bundeskleidung und in geschlossenen Formationen auf, und wieder ging es durch die gleichen Straßen hinaus zu den« stillen Friedhof, der'Walthcr Rathenaus lefete Ruhe- ftätte geworden ist. Seit Bestehen de? Reichsbanners hatten die Kameraden Jahr für Jahr das Andenken des meuchlings Ernwrdeten und aller derer, die nach ihm als Kämpfer für Freiheit und Menschenwürde gemeiner Mordhetze zum Opfer fielen, durch eine würdige Feier an der Grab- statte geehrt. Aber nach niemals hatten Kampfentschlossenheit und Freiheitswille den Aufmarsch so ihren wuchtigen Stempel aufge- drückt, wie wir es gestern erlebten. Und noch niemals war die A n- teilnähme der Bevölkerung so stark wie gestern. Obwohl nur der Kreis Süden und die Ortsvereine Lichtenberg und Köpenick des Berliner Reichsbanners angetreten waren, marschierten über Z000 Kameraden in eiserner Disziplin, in Reih und Glied. Sie wurden begleitet von einer vieltausendköpfigen Menge vom Bahnhof Schöneweide bis zum Friedhof. Weitere Taufende umsäumten die Anmarschstrotzen. Kein Nazi Uetz sich blicken, und wo sie trotzdem dem Zuge begegneten, hatten sie sorgfältig Mäntel über ihre Notverordnungsjacken angelegt. Zum ersten Male hallten gestern auch durch Berliner Straßen die Freiheitsrufe der republikanischen Kämpfer. Das Demon- strationsverbot war für die Feier aufgehoben worden, aber den Musikkapellen war das Spielen nur bei der Trauerfeier selbst ge- stattet worden. Trotzdem war der Zug schon von weitem hörbar, weil aus Tausenden von Kehlen die alten Freiheitslieder ertönten. Immer wieder wurden die Reichsbannerleute auf ihrem Wege von der Bevölkerung mit spontanen Freiheitsrusen begrüßt. Die Tkauerfeier auf dem Friedhof. Auf dem Friedhof hatten die Reichsbannerkameraden und alle Mitmarschierenden auf der großen Wiese Aufstellung genommen. Ueüenksiein am Grabe Uathenaus in Oberschöneweide. Als die Trauermusik ertönt, entblößen sich die Häupter. Dann schallt feierlicher Gesang über die weite Versammlung. Der 9. Bezirk des Deutschen Arbeitersängerbundes singt die Hymne von Mehul. Dann spricht der stellvertretend« Vorsitzende des Gaues Berlin des Reichs- banners Dr. N o w a ck. Er weist daraus hin, daß noch niemals so viele Menschenmassen hier mit hinaus an die Grabstätte Walther Rathenaus gezogen seien, um mit den Kameraden vom Reichsbanner ein neues Bekenntnis zum Freiheitswillen abzulegen. Die Mordhetze, der Rahenau zum Opfer gefallen ist, fordert Tag für Tag neue Opfer. Im Zuge sind Reichsbannerkameraden mitmarschiert, die aus dem Wege nach Schöneweide in Neukölln von einer großen Uebermacht von Nationalsozialisten über- fallen worden sind. Wir haben es nicht nötig, in den Tock der SA.-Mordhetze zu verfallen, der den Straßenmord als ein Kampf- mittel der inneren Politik ansieht. Wir sagen aber- Wenn wir auch mit dem Mundwerk nicht so schreien und drohen wie die national- sozialistischen Mordhetzer, es könnte die Stunde kommen, da wir ihre Drohungen ernst nehmen. Und dann Gnade ihnen. In dem Zimmer, in dem Walther Rathcnau während des Krieges für das Deutschland, das er über alles liebt, wirkte, sitzt heute in der Hedemannstraße ein Mann, der die Nazimordhetze über Deutschland organisiert. Einer Mordhetze, die das Leben so vieler Kameraden gefordert hat. und um die wir in dieser Stunde mitrauern. Aus den Gräbern der meuchlings Erschlagenen und Gemordelen tönt uns der Ruf nach Freiheil entgegen. Freiheit ist ihre Forderung an uns. Freunde, Kameraden! Wir ge- loben, die Verpflichtung, die uns unsere Toten auferlegt haben, bis zum legten Mann getreulich zu erfüllen. Dr. Nowack schloß seine Rede mit dem Freiheitsruf, der. von allen tausendfach aufgenommen, als Gelöbnis und Mahnung zu- gleich über das weite Rund der Versammlung hallte. Ergriffen lauscht die Menge entblößten Hauptes dem Liede vom guten Käme- raden, während die mit TrouerslcK umwundenen Fahnen die Toten grüßen. Damit hat die erhebende Feier ihr Ende erreicht, die Reichsbannerformationen gruppieren-sich nun, um dann geschlossen bis zum Bahnhof Schöneweide zurückzumarschieren. Bürgerkrieg im Kleinen. Naziüberfall auf Reidisbanner.— Zwei Reidisbannerlcufe verletzt. 3n den gestrigen Abendstunden spielten sich an verschiedenen Stellen der Stadt wieder politische Schlägereien ab. 3n den meisten Fällen waren hakenkreuzler die Angreiser und auf ihr Blulkonlo kommt erneut ein Kommunist, der an der Ecke der Spree- und wallslrahe in Eharlottenburg niedergeschossen wurde. Fast zur gleichen Zeit übersielen am Kurfürsten- dämm zwischen Bahnhof Halensee und Zoachim-Friedrich-Straße eine größere Schar, uniformierter Ralionalfozialisien kleinere Trupps Reichsbannerleule, die aus dem Grunewald heimkehrten, wo sie das Rathenau-Tolenmal ausgesucht halten. Die Reichsbannerleute wurden von nationalsozialisti- schen Radfahrern und S A.- L e u t e n, die in Privatwagen heran- kamen, von allen Seiten umzingelt. Das Reichsbanner wehrte sich seiner Haut, bis mehrere Ueberfallkommandos eintrafen. Zwei Reichsbannerleute hatten Kopfverletzungen erlitten. Mehrere Festnahmen wurden vorgenommen. Später versuchten die braunen Wegelagerer wieder zu provozieren, die Polizei verhinderte weitere Ausschreitungen. An der Ecke Spree- und Wallstraße in Eharlottenburg fielen Nazis und Kommunisten übereinander her. Von den Natio- nalsozialisten wurden gegen die kommunistischen Gegner mehrere Schüsse abgefeuert. Der 24jährige Kommunist Willi Schulz aus der Wallstraße brach mit einem schweren Schulterschuß bewußt- los zusammen. Er wurde zusammen mit einem 23 Jahre alten Nazi Werner Bath aus der Zehlendorfer Straße in Lichter- felde(!), der Verletzungen durch Schläge erlitten hatte, ins Westend- krankenhaus gebracht. Als die Polizei an der Kampfstätte eingriff, hat'ten die nationalsozialistischen Schützen bereits das Weite gesucht. Fünf Kommunisten wurden der Politischen Polizei übergeben.— Weitere Schlägereien entspannen sich in der Rei nicken- dorfer Straße auf dem Wedding, in der L u i s e n st r a ß e, in der P e st a l o z z i st r a ß e in Eharlottenburg und in der Ei- s a ck st r a h e in Schöneberg. In einem Falle wurde ein Kommu- nist durch Messerstiche schwer verletzt. Es erfolgten zahlreiche Fest- nahmen. -I« Bei dem Nazillbersall am Kaiser-Friedrich-Platz in Neukölln, den Dr. Nowack bei seiner Rede am Grabe Rathenaus erwähnte, ist der Kamerad Rudolf Schulz nicht gefährlich verletzt worden. Er marschierte trog seiner Augenverletzung bis » zum Schluß im Zuge mit. Der feige Ueberfall wurde am hellichten Tage auf einem der belebtesten Plätze ausgeführt. Gegen Uhr befand sich Schulz auf seinem Rade auf der Fahrt nach seiner Wohnung. Er trug weder Reichsbannerunisorm noch ein republi- tonisches Abzeichen. Plötzlich stellte sich ihm eine Horde von 49 bis 59 Naziburschsn in den Weg, und mit dem Ruf:„Das ist auch einer von der Mordkommune" wurde er brutal niedergeschlagen. Nur dem Umstand, daß Zivilleute und Schutzpolizeibeamte schnell herbeieilten, ist es zu danken, daß Schlimmstes verhütet wurde. Die Auch in der Schule 7.7.°"�°.°! aktion geführt, darum werben und stimmen alle Eltern am 26. Juni bei den Eltern bei- ratswahlen für die Liste f y wCalUBa«lFDclU Polizei nahm mehrere der Burschen fest, darunter einen.Hans K o h l m a n n, der vor noch nicht langer Zeit als kommunistischer Wegelagerer in Neukölln bekannt war. Faiionaler Kulturbolschewismus. Naziterror in der Technischen Hochschule An der Berliner Technischen Hochschule ist es gestern zu schweren nation alsoziali st ischen Terror- a k t e n gekommen. Bereits morgens wurde ein nicht gezeichnetes, scheinbar„antifaschistisches" Flugblatt mit plumpen Angriffen gegen die Hochschulverwaltung von Nazistudenten zur Stimmungsmache heimlich herumgereicht; dieses Flugblatt, das man den linken Studenten unterzuschieben versuchte, stellte zweifellos eine national- sozialistische Provokation dar und eine bewußte, vorbereitete Fäl- schling! Als sich in einer Mittagspause die republikanischen Studenten in üblicher Weise im Lichthof versammelten und mit ihrem traditio- ncllen Gruß„Linksfront" nach der Pause wieder auf dem Wege in die Hörsäle befanden, wurde plötzlich aus dem Tcrrasfengang des dritten Stockwerks eine Rakete in die Tiefe geworfen, die mit lautem Getöse bei den republikanischen Studenten niederfiel. Zu gleicher Zeit drängten mit wildem Geheul von allen Seiten Nazi- studenlen in den Lichthos und schlugen planmäßig aus die auseinander gehenden republikanischen Studenten ein, die sie zum Teil in feiger Uebermacht aus die Straße drängten. Die ganze Aktion war vorbereitet. Dafür spricht außer dem gefälschten Flug- b l a t t vor allem die freche Lüge der„zufällig" in Massen anwesen- den Nazistudenten gegenüber dem Rektor, dllß die Rakete von den Republikanern selbst geworfen sei und sie nur die Ordnung hätten wiederherstellen wollen! Dabei ist durch unparteiische Zeugenaussage eines ausländischen Studenten, der dem Rektor sofort seinen Augen- zeugenbericht gab, ein Hakenkreuz ler als der Raketen- werfer erkannt. Er dürste sehr schnell ermittelt werden, falls die Hochschulverwaltung nur ernstlich an der Aufklärung des Nazi- terrors interessiert ist. Der Rektor, P r of e s s o r T ü b b e n, hat Wh sieben wnie&Semefa. daQ„Juno" den vollen Tabakuiert enthält. oÄw» Jimwr&n uui/t, weil unserer p «5», V* keine Wertmarken, Gutscheine oder Stickereien beigegeben werden. So handein uuir in Jhrem und unserem Jnteresse, una gerade darum stehen Millionen Raucher treu zu ihrerjunoi sich jedoch nach den skandalösen Vorfällen bei den Nazis für ihr „Eingreifen" bedankt! Der Rektor hat, wie uns mitgeteilt wird, nach den Krawallen die republikanischen Studentenführer zur fach- lichen Information nicht empfangen, mit der Begrün- dung, daß er keine Zeit habe, weil er sofort zum deutschen Kronprinzen fahren müsse! Derselbe Rektor hat u. a. den N a z i st u d e n t e n die Hörsäle zu Diskusfionsversammlungen zur Verfügung gestellt, sie den republikanischen Studenten aber oerweigert. Er hat geduldet, daß die Nazistudenten bei ihren Stehkonventen provokatorische Reden gegen„marxistische No» vemberverbrecher" hielten und mit„Hell Hiller!" auseinandergingen, während er den Linksfront-Gruß als eine die Ordnung störende Provokation bezeichnet hat! Rektor Tübben hat ab 1. Juli d. I. in der Hochschule sogenannte„Zwecksportkurse" angelegt, die von den Nazistudenten als willkommenes Bürgerkriegstraining begrüßt werden; im Rahmen dieses„Zwecksports", den Rektor Tübben aus unbekannten Mitteln finanziert, wird ab 8. Juli unter Roßbachs, des Putschisten, Leitung in Gasschutz geübt! Ist es ein Wunder, wenn skandalöse Vorfälle der geschilderten Art unter diesen Umständen für die nationalsozialistischen Urheber straflos verlaufen? SladHraushaii vorläufig geregell. Beratung im Rathaus.- Mehrheit tur Vertagung bis zum Herbst. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung macht« gestern Stadlkämmerer Asch(Soz.) anläßlich der B e- ratungen über den Stadthaushalt sehr beachtenswerte Ausführungen über die Auswirkungen der lehlen Itolverordnung der neuen Reichs regierung auf die städtische Haushaltwirtschast. Obschon im Augenblick eine vollständige Uebersicht noch nicht möglich sei, führte der Kämmerer aus, so sei aber mit aller Bestimmtheit festzustellen, daß die Kürzungen aller Renten die Stadt auf das schwerste beim Wohlfahrtsetat neu belasten. Abgesehen davon, daß die Zahlen, die das Reich bei der Festsetzung der Wohl- fahrtsunterstützungsempfänger hinsichtlich der Zahl und der Mittel angesetzt hat, zu niedrig sind, so sind die Zuweisungen an die Stadt völlig unzureichend. Durch die Kürzungen der Sozial-, Unfall-, der Kriegsbeschädigten- und der Waisenrenten werden viele Empfänger solcher Renten, die sich bisher, wenn auch notdürftig, mit diesen Renten am Leben erhielten, zu Wohlfahrtsunterstützungsempfän- gern. Sie fallen also der Stadt zur Last, d. h. sie bringen neue Be- lastungen. Neue Belastungen ergeben sich auch aus der Kürzung der Hauszins st euererlasse(die die preußische Regierung bekanntlich einführen mußte, weil die neue Reichsregierung Hilfe zur Balancierung des preußischen Etats nicht gewährte!). Nicht nur direkte finanzielle Belastungen werden neu auftreten; eine Ver- größerung des bestehenden Fürsorgebeamtensystems und der Aufbau eines neuen kommen dazu. Der Kämmerer schloß seine aufsehen- erregenden Mitteilungen mit der Feststellung, daß unter solchen Umständen wohl niemand an eine Entlastung des städtischen Etats durch Ne'Ichszuschüfse glaube. Er bat, die endgültige Verabschiedung des Etats bis zum Herbst zu vertagen und bis dahin dem Magistrat Vollmacht zu sparsamster Wirtschaft zu geben. In der Reihe der nun zu Wort kommenden Redner sprach als erster* Skadtv. Alatau(S03.), der folgend« Erklärung abgab: Die sozialdemokratische Fraktion stimmt der Vorlage des Ober- bürgermeisters zu. die Houshallsberatungen zu unterbrechen und den Magistrat zur Seschäftsführung im Rahmen des unterbreiteten Haushaltsplans und der in der 2. Beratung des Haushaltsausschusses gefaßten Beschlüsse zn ermächtigen. Sie wird alle Anträge ablehnen, die eine Veränderung der jetzt gefundenen vor- läufigen Grundlage bedeuten und die für den Herbst zu erwartende endgültige Gestaltung des Haushalts beeinträchtigen würden. Die Beratungen des Haushaltsausschusses haben erneut gezeigt, daß die städtische Verwaltung in ihren Einschränkungs- und S p a r m a ß- nahmen auf vielen Gebieten bis an die äußer st e Grenze des überhaupt noch Erträglichen gegangen ist. Bei wichtigen, für das Wohl der Bevölkerung, vor allem der arbeitenden Schichten, besonders bedeutsamen Aufgaben ist diese Grenze leider bereits allzuoft überschritten worden. Unter dem Druck der Haushalts- und Kassenlage sind zahlreiche Haushalts- Positionen erheblich gekürzt, andere nicht erhöht worden, obgleich die Zunahme der Not des Volkes dies verlangt hätte. Die sozialdemo- kratische Fraktion hat in einer Reihe von besonders wichtigen Fällen Anträge auf Erhöhung der Ausgabeansätze gestellt. Fast alle haben die Zustimmung des Ausschusses in zweiter Beratung gefunden. Wir erwarten, daß auch der Magistrat ihnen beitreten wird. Die Sorge der sozialdemokratischen Fraktion galt und gilt in erster Linie der Sicherstellung der notwendigen Lebensbedürfnisse für die große Masse der hilfsbedürftigen, vor allem der 3t>l><1(>l1 Wohlfahrtserwerbslosen, die in diesem Jahre von der Stadt Berlin nach den Angaben des Käm- merers betreut werden müssen. Die sozialdemokratische Fraktion hat es als ihre wichtigste Pflicht angesehen, auch unter teilweiser Zurückstellung der ihr notwendig erscheinenden Forderungen auf anderen Gebieten, die finanziellen Kräfte der Stadt auf die eine gewaltige Aufgabe zu konzentrieren: die Auszahlung der wohl- fahrtsunterstühungen unter allen Umständen und mit jedem Opfer sicherzustellen. Als der Magistrat der Stadtverordnetenversammlung den Haushaltsplan vorlegte, wurde mit einem Fehlbetrag von 113 Millionen Mark gerechnet, einem Defizit, dessen ausschließliche Ursache in der ständig zunehmenden Zahl der Arbeitslosen und ihren berechtigten Anforderungen an die Stadtkasse liegt. Für dieses Defizit hatte der Magistrat wie die Gesamtheit aller deutschen Städte die Hilfe des Reiches gefordert. Es ist unmöglich, daß die Gemeinden die Lasten der Weltwirtschaftskrise und der Erwerbs- losigkeit tragen, wenn man ihnen gleichzeitig die finanziellen Mittel versagt, die zur Bewältigung dieser Aufgabe erforderlich sind. Es war dem Drängen der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften endlich gelungen, die Regierung Brüning dazu zu Auf ins Grunewald-Stadion! Der Arbaitcr-Turn- und Sport-Bund veramialtet gemeinsam mit den Organisationen dar„Eisernen Front" am 2 6. 1 u n i im Grunewald-Stadion den diesjährigen Reichs- arbeiter-Sporttag. Der Beginn der offiziellen Veranstaltung setzt ein mit einem Aufmarsch der„Eisernen front" Im AnschiuB daran finden die sportlichen Darbietungen, Massengymnastik, Leichtathletik, Schwerathletik, Artistik, Radrennen, Turnen, Radreigen, statt. Um 18,30 Uhr Festspiel aller lugendgruppen der„Eisernen Front" unter Leitung von Martin Gleisner. Die Ansprache hält der Reichstagspräsident Paul LSbe Eintrittskarten zum Preise von 50 Pf. für Erwachsene und 30 Pf. für lugendliche und Erwerbslose sind in der Buchhandlung Dletz, Lindenstraße 2, im Bildungssekretariat der SPD., SW 68, Lindenstraße 3, im Gewerkschaftshaus, S0 16, Engelufer 24/25, Im Gaubüro des Reichsbanners, Sebastian- straße 34, und an der Kasse des Stadions zu erhalten.• bringen, ihre Bereitwilligkeit zur Hilfeleistung auszusprechen. Sie wollte diese Hilfe nicht nur geben durch einen erhöhten Zuschuß zu den kommunalen Fürsorgelasten und durch Ausweitung der ge- meindlichen Steuereinnahmen, sondern(unter dem Einfluß unserLr politischen Freunde im Reich) durch Auflegung einer Prämien- anleihe. durch Einleitung einer bauernfreundlichen Siedlungspolistk und durch Erschließung neuer Arbeitsmöglichkeiten. Diese Arbeits- Möglichkeiten hätten den wachsenden Zustrom zu den Arbeitsämtern endlich vermindern und einem großen Heer von Erwerbslosen neue Beschäftigung schaffen können. Die Regierung Brüning hatte die unlösbare Verknüpfung Deutschlands mit dem Weltmarkt erkannt. Der Wille zur Abwehr der wirtschaftszerrüttenden Tendenz zur Autarkie, zur Abwehr aller Versuche einer Währungsgefälirdung war festzustellen. Der Sturz des Kabinetts Brüning hat diese Hilfe für die Gemeinden zunächst zeit- lich verhängnisvoll verzögert. Gleichzeitig sind auch. durch die Auflösung des Reichstags und die eingeleitete politische und wirtschaftliche Entwicklung, die eine Rückentwicklung ist, neue schwere Störungen hervorgerufen und die Arbeitslosigkeit erneut gesteigert worden. Dazu kommt, daß nach den Erklärungen des Kämmerers die Summen, die die Stadt Berlin jetzt erhalten soll, wesentlich. hinter den berechtigten Forderungen und Erwartungen der Stadt zurückbleiben, so daß eine Sanierung des Gemeindehaus- Halts auf dieser Grundlage nicht möglich ist. Noch schlimmer aber ist es, daß durch die unverantwortliche lebenvernichtende Kürzung der Unterstützung in der Arbeitslosen- und Krisenfürsorge, durch die Abzüge von den Sozialrenten und durch die zahlreichen übrigen Bestimmungen auf fürsorgerischem Gebiete der Stadt unübersehbare neue Lasten auferlegt und eine Verwaltungsarbeit zugemutet wor- den ist. der die Organisation der städtischen Fürsorge zur Zeit nicht gewachsen sein kann und durch die in der Zeit höchster Not die Qualität der sürsorgerischen Arbeit unerträglich leiden muß. Für alle diese unsozialen, die Lebensinteressen Hunderttausender Einwohner der Stadt in der unerhörtesten Weise beeinträchtigenden Maßnahmen tragen die Reichsregierung und die hinter ihr stehenden Parteien, die Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen, die volle, nicht abwälzbare Verantwortung. Wir werden in den nächsten Wochen dafür sorgen, daß die Berliner Be- völkerung diese Zusammenhänge auf das genaueste kennenlernt und am 31. Juli diesen Feinden des„Wohlfahrtsstaates", die für Subventionen an ihre eigenen Freunde sehr empfänglich sind, die Quittung ertellt. Vom Oberbürgermeister, von dem Magistrat aber fordern und erwarten wir, daß alle Kräfte der Stadt angespannt werden, um trotz der verheerenden Wirkungen der Notverordnung der Regierung Papen die Fortführung der städtischen Wohlfahrts- pflege mindestens auf der bisherigen Grundlage sicherzustellen, und daß alle Verpflichtungen der Stadt zurückgestellt werden hinter die eine Pflicht: Hilfe zu gewähren den arbeitslos, krank und gebrechlich Gewordenen. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) In der fortgesetzten Debatte sprachen dann gestern noch die Stadto. Wisnewski(Komm.), v. Jecklin(Dnat.), Künzer(D.Vp.), Schubert(Staatsp.) und Lippert(Nfoz.). Mißglückter Raubzug. Lohngeldraub in Lichtenberg vereitelt. Ein dreister Raubüberfall, der glücklicherweise mißlungen ist. spielte sich gestern in Lichtenberg in der Siegfriedstr. 202 ab. Dort befindet sich die Merkzeugmaschinenfabrik uud Eisenbahn- signalbauanstalt Z. Sg. Gast. Als der Buchhalter der Fabrik, Otto Schmiedchen, der von einer Berliner Bank Lohngelder in höhe von 5300 211. abgehoben hatte, vor dem Fabrikgebäude aus dem Auto stieg, wurde er plötzlich von zwei jungen Burschen, die ihm anscheinend ausgelauert hatten, angefallen. Während ihm der eine mit einem Snüppei mehrere Hiebe über den Sops versetzte. suchte der andere ihm die Aktentasche, in der-sich das Geld befand. zu entreißen. Auf die Hilferufe des lleberfallenen eilten Passanten hinzu und die Täter ergriffen die Flucht, ohne die Tasche mit- nehmen zn können. Sie flüchteten zu einem In der Nähe haltenden Auto, in dem noch ein dritter junger 2Nann saß. und fuhren in nördlicher Richtung davon. Wv ß�mHus. Der Te&fe&fr Das gespenstische Geheul klopft selbst die härtesten Ge- wissen wach. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Haben sich die Pforten der Hölle aufgetan? Geht Satan heulend durch die Stadt am See und sucht, wen er verschlinge? Wer weiß, ob das nicht eines von Gottes furchtbaren Zeichen ist?! Vor- böte des Strafgericht über die im Schlamm des Weltlebens sich wühlenden Sünder? Ein Bangen faßt die Menschen mit würgenden Händen an. Angst springt auf, das Zittern der geängstigten Kreatur; die Seele bebt und windet sich. Es Hibt keine andere Rettung wider den Bösen als Gottes unendliche Gnade und den heiligen Christ! Beugt euch, ihr Herzen! Lasset uns beten! Fünftausend Hunde heulen in Konstanz, der Konziliums- stadt. Ein Mensch tappt durch die Nacht, das Geheule der Hunde wie eine Schleppe hinter sich herziehend. Der Henker ist's. Der Henker des Hus. 16. „Steh auf, Magister, steh auf! Du brauchst mich nicht so erschreckt anzusehen! Ich tu dir nichts, ich bestimmt nicht! Ich bin schon froh, wenn man mir nichts tut! Wie ich hier hin- i eingekommen bin. möchtest du wissen? Durch die dreifache Absperrung? Das ist eine Sache für sich, eine fein« Sache! Doch darüber läßt sich nachher noch sprechen. Erst müssen wir die Kette hier los sein, hörst du, die Kette! Zucke doch nicht!| Nein, wirklich, ich tu dir nichts! Nur stillhalten sollst du. sonst finde ich den Schlüssel nicht, der in das Schloß der Handschelle paßt. Schwer, so ein Ding, was? Und reichlich unbequem! Du hast ja blaue und rote Streifen! Immerhin, im Vergleich zum Dominikanerkloster, geht das noch. Dort, wo sie dich zuerst eingespundet hatten, war's noch schlimmer, was?! Ich vergeh den Tag mein Lebenlang nicht mehr, als sie dich dort rausschleppten. Da warst du kein Mensch mehr, Magister! Nein, ein Gespenst warst du! Rote, triefende, ent- zündete Augen, wie bei meiner Frau Anna, wenn sie wachen- lang in den Küchenrauch schaut. Das Gesicht schief gezogen vom Zahnweh und verschwollen, als hättest du Mumps oder Ziegenpeter. Schöner Ziegenpeter das, wenn die Kiefer eitern und die Zähne ausfallen, weil's wochenlang nichts anderes zu fressen gibt als die halbverfaülten Mönchssuppen, die dem Speisemeister selbst für die Sautränke zu schlecht sind! Vielleicht paßt der da, zeig mal! Nein, eine Idee kleiner! Und dann, Magister, wie sahst du damals aus! Wie aus einem Ehgraben gezogen, so dreckig! Deine Nägel waren gar keine Nägel mehr, sondern zu Krallen geworden, weil du nicht mehr imstande gewesen warst, sie ordentlich abzu- nagen. Der Bart war dir gewachsen wie bei einem Kapu- ziner, doch ärger als bei einem solchen wimmelte er von Läusen. Dein Gewand war verfault und verschimmeU. Wo man es anfaßte, brach es auseinander wie mürber Zunder. Das Fieber schüttelte dich und du hattest Mühe, dich die paar Schritte auf den Beinen zu hallen. Kein Wunder, daß du heute niemanden mehr kennst, der bei jenem Austritt mit dabei war. Jetzt siehst du besser aus. Weiß Gott, immer noch recht schmal und bleich und das Gesicht vom Nachtwachen zer- bissen. Aber, paß aus, sobald du erst mal ein paar Tage an der frischen Luft bist, wird sich alles beheben! Ja, der geht, das ist der richtige! So, nun reck dich und streck dich und reib das Gelenk, damit wieder ordentlich Blut hineinkommt! Ja, ich weiß, es tut meineidisch weh, verzieh nur das Gesicht! Aber was tut nicht weh in diesen Zeitläuften? Sei froh, daß! der Schmerz an einer Stelle sitzt, an die du rankannst! So, nun räum' mal alles zusammen, was mit soll! Nicht zuviel! Die Schwarte hier mußt du zurücklassen. Nein, wir können uns nicht die halbe Welt aufladen, wenn's auch zehnmal Gottes Wort ist! Gut, die Briefe können mit. Aber sonst, laß siegen, was liegt! Je weniger wir mit haben, um so besser werden wir laufen können, falls Not an den Mann kommt! Was, du willst nicht? Menschenskind, mach Spaß! Du willst hier sitzenbleiben? Du willst dich selber auf die Scheiter liesern?! Ich keuch mir die Lungen aus, ich klopfe mir das Hirn nach einer gangbaren Möglichkeit ab. ich traae meine eigene Haut zu Markte, und jetzl, wo alles geschafft ist, wo du nur einen Schritt zu tun brauchst, um in Freiheit zu sein, jetzt bockst du, jetzt winselst du zurück nach der Kette? Jetzt auf einmal willst du nicht?! So, du weißt nicht, wer ich bin? Hab ich denn meinen Namen nicht gesagt, als ich die Zellentüre aufschloß? Zagula heiß ich. Zagg Zagula. Kannst du mit diesem schönen Namen was anfangen? Doch schau mich mal gründlich an. Magister! Ich trag zwar keinen Bart mehr, aber als ich ihn noch hatte, da war ich der Mann, der dir in deinem Gefängnis bei den Prediger- mönchen Tinte, Feder und Pergament zuschob, damit du deinen Landsleuten schreiben konntest. Da war ich der Mann, der deine Wächter und ihre Frauen ölte. Da war ich der Mann, der die Briefe an Herrn Peter besorgte und umgekehrt. Leider hatte das Geschäft ein Ende, als Seine allerhöchste Heiligkeit mit dem Herrn mit der leeren Tasche und mit Ritter Molle nach Schaffhausen ausrückte. Damals wurden die Schlüssel deines Gewahrsams von den Dienern des Papstes dem Bischof von Konstanz und von diesem später dem von Riga übergeben. Der hatte seine Lettländer mit. Steife Hunde das, an die unsereins nicht heran kann, weil man diese gefrorene Froschsprache nicht versteht! Geld allein tut's bei diesen Knechten des Stumpfsinns nicht; die können ja keine Kirsche von einer Melone unterscheiden, ge- schweige denn einen Dickpfennig von einem Blaffert. Wenn es bei ihnen halbwegs kleben soll, muß man sie mit Wort- saft einpinseln. Gottlob, den Hab ich, den Hab ich! Aha, ich sehe an deinen Augssalten, Magister, du erkennst mich wieder. Du bist verständig, du wirst mir ein langes Gefrage ersparen! Wer mich schickt? Deine Freunde schicken mich, niemand anders. Wenn du's noch genauer wissen willst: dein Herr Peter schickt mich, der Notar. Eine treue Seele das, ganz unschreiberlich, darfst mir glauben! Also komm! Wir haben von hier aus keine vierhundert Schritte zu laufen. Was nachher gespielt werden soll? Tut mir leid, ich bin im einzelnen nicht unterrichtet. Ich Hab dich lediglich an einen Einauge abzugeben, an einen von der böhmischen Ritter- schaft mit schwarzer Stirnbinde. Treffpunkt beim geistlichen Klaghaus, ganz in der Nähe des brochenen Tors. Nein, die Kerze laß brennen! Es kann hier gar nicht hell genug sein, wenn du fort bist, Magister! So. stütz dich ruhig auf meinen ?1rm. falls dir das Laufen die ersten Schritte schwer fällt. Ich habe schon andere dran hängen gehabt, glaub mir; frei- (ich, noch keinen zog ich dem Tode so nah aus den Krallen. Hörst du, was die verdammten Hunde draußen von neuem Aufruhr machen?! Es ist nicht mit den Menschen genug, daß die Eosies Schöpfung wie Verrücktgewordene durch- heulen, jetzt fängt auch noch die unvernünftige Viehschaft an und jodelt Widerspruch und Empörung. Ja, wir leben in sauberen Tagen! Es muß doch noch etwas anderes da sein, was den Himmel hält, als nur allein unsere Tüchtigkeit und unser Glaube, sonst wäre er uns bestimmt schon mit voller Himmelswucht auf den Schädel gefallen! Hierher, Magister, hierher! (Fortsetzung folgt.) Sonöerveranstaliungen der Sommerschau. Das Kartell für Arbeitersport und Körper- pflege zeigt am Mittwoch im Terrassengarten der Sommerschau unter dem Motto„Frohe Stunden in Wald und Heide" Spiele und Volkstänze. Donnerstag veranstaltet die H e r t h a- F e i st- Schule eine„fröhliche Gymnastikstunde für jedermann". Für Sonntag, dem S. Juli, ist ein erstes großes Kinderfest aus dem Gartenausstellungsgelände vorgesehen. wetierauesichken für Berlin: Wolkig und mäßig warm, ohne Niederschläge von Bedeutung, westliche Winde.— jür Deutschland: Im Süden Besserung, im übrigen Reiche keine wesentliche Besserung. Partemachrichten für Groß-Berlm I%4a4a AmN Arn iiM Ha*«ü a4 Eiateaduageii für Diel« Rudrtt sind v er l i» LW SS. Ltodeuktrichc 2 ' stets-» Das Bezlrt-Ietrewrlat i. Hot. 2 Trevveu rechts,»u richt«» vormittags Kreis- und Abteilungsleiter? Sämtliche Fahnen und Bauner der Kreise und Ab- teilungen müssen am Tonntag. 26. Juni, um ISVs Uhr vor dem Haupteingang des Stadions Grunewald sein. Das Bezirkssekretariat. ★ Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangabe! 2. und 7. Kreis. Alle Eenosscn und Genossinnen, deren Kinder dis� weltliche Schule Waldenserstrasie besuchen, stellen sich am Wodltage von 8 bis 13 llhr der Wcchlleitung„lliste Schuloufbau" im Lokal Niederstraß. Emdener Ecke W-ldens-rstraße, zur Verfügung. Wahlausweise und Parteibuch nicht !!. Kreist gcntralwahllokal für die Elternbeiratswahl ab 11 llhr bei Bartusch, Friedenstr. 88. Wahlergebnis sofort nach dort. 7. und 8. Kreis. Heute, 17 bis 18 llhr. Juristische Svrechstunde im Jugend- heim Rostnenstr. 4.,Eelsgenheit zum Kirchenaustritt! ». Abt. Die Genossen treffen sich am Sonntag um 19H Uhr bei Hübner zur Wahlhilf-.„ m„ 21. Abt. Heute Abteilungsvorftandssitzung in der Geschäftsstelle. Zur Wahl- Hilfe für die Elternbeiratswahl am Sonntag, dem ZS. Juni, treffen sich die Mitglieder um 7v. Uhr beim Genossen Kroll, Utrechter Str. 21. 28. Abt. Treffpunkt zum Besuch des Rast Sonntag, 11 Uhr, U-Bahnhof Sen«. feldervlatz lMeher Straße)........„ 42. Abt. Zur Wahlhilfe treffen sich die Genossen Sonntagfrüh bei Hohlke, Berg. mannstr. 69. 53. Abt. Di- Wahlbelfer für die Elternbeiratswahlen treffen sich am Sonntag um stV? Uhr bei Lux, Huttenstraße. 77. Abt. Zur Wahlarbeit für die Elternbeiratswahlen Treffpunkt 8 Uhr bei Jürgens, Barbarostaftr. 5s. 81. Abt. An dem beutiaen Waldfest beteiligen sich auch das Reichsbanner und die Sportler. Alle Mitglieder sind bsrzlichst eingeladen. 85. Abt. Heute Sitzung des engeren Vorstandes in der Wohnung des Ge» nollen Klühs. Die Eltern der 1. Volksschule, Manteuffelstr. 66. mit an. geschlossenen Sammelklasscn(weltliche Schule) wählen nur„Einheitsliste proletarischer Schulaufbau". 92. Abt. Heute, ob 15 Uhr. holen die Bczirksfübrer die Einladungen zur Mit. gliederversammlung bei Wolff. Kaiser-Friedrich-Str. 173, ab. Sonntag, 26. Juni. 10:A Uhr, treffen sich die Helfer zur Elternbeiratswahl im Jäger- beim Wildenbruchstr. 83. 95. Abt. Die Wablleiter treffen sich Sonntag, s Uhr, bei Grieger, Lefsingstr. 9. 99. Abt. Zur Silke bei den Elternbeiratswahlen treffen sich die Genossen am Sonntag, dem 26. Juni, 74� Uhr, an folgenden Stellen: 147. und 148. Bez. bei Schmidt. Thausseestr. 27. 154. und 155. Bez. im B-rsammlungsraum Sannemannstr. 40. 156. bis 159. Bez. bei Tristram. Bllraerstr. 48— 49. Um I3>� Uhr Treffen zur Beteiligung am Rast. Alle Mitglieder sind zu dieser Zeit am U-Bahnhof Grenzallee zur aemeinsamen Fahrt. 168. Abt. Wir bitten olle Genossen, insbesondere Eltern, deren Kinder die?., 4., 5., 7. und Dorotbeenschule besuchen, sich zwecks Einteilung der Wahl» arbeit für die Elternbeiratswahlen am Sonntag um 7iH Uhr im Partei, heim. Schloßstr. 27, einzufinden. ArbLilsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-VerUn. Mitte. Di- Untersuchung der Zelt- und Nsstfalkenlagerteilnchmer findet Rontag. 27. Juni, statt. Alle treffen sich\2% Uhr vor dem Hause Waisenstr. 28. Am selben Tage findet 29 Uhr Elisabethiirch. bM')? straße 19 eine Elternocrsammlung aller Lagerfahrer statt. Alle wüssen erscheinen. Zum Rast treffen wir uns 13(1 Uhr U-Bahn- 'W'4- hoi Stadion. ' Tiergarten. Treffpunkte zur Pflichtveranstaltung des Rast sind: Nestsalken(über 3 Illhrel 8�, Uhr Kleiner Tiergarten, Jungfalken 8 Uhr Kleiner Tiergarten und Rote Falken IM Uhr Bahnhof Bellevue. Nestfalken- lager. Alle.Helfer kommen dlontag. 27. Juni, 20 Uhr, zu einer kurzen Be- sprechung nach dem Jugend! eim Lindenstr. 4. Kreu, berg. Abt. Bergmann. Montag, 27. Juni. Elternversammlung aller am Zeltlager teilnehmenden Falken der Gruppe Bergmann um 29 Uhr im Jugendheim Porckstr. 11. Abt. Kottbufier To«. Wir tkcffen uns Sonntag um iV> Uhr Kottbusser Tor, Falkcnecke. Essen, Getränke, 25 Pf. mitbringen. Eharlottenburq. Zum Rast treffen wir uns alle Sonntag, 14 Uhr, Sophie- Gharlotte»Vlatz. Falkenkleioung mit Falkenabzeichen. Nachzügler 15 Uhr vor dem Hauptportol. Schöncberg. Treffpunkt zum Waldfest der SBD. in Dahlem-Dorf bei Schilling. Gruppe Ferdinand Lassall-. 15(4 Uhr Schillervlatz. Nestsalken. Her- mann Müller. 15 Uhr Haupt, Ecke Mühlenstraße. Alle Eltern sind eingeladen. 12. Kreis Steglitz. Sonntag alle Abteilungen zum Rast. Treffpunkte: Steg- litz 8 Uhr Rote Sturmecke. Lichterfelde 7?� Uhr Händelplatz. Lankwitz 13� Uhr Kaifer.Wilhelm. Ecks Sepdlitzstroße. 13. Kreis Tempelhof. Sonntag, 26. Juni, 13� Uhr, Treffpunkt zum Rast am U-Bahnhof Ringbahnftraße. Donnerstag, 39. Juni, 9 Uhr, Untersuchung der Lagerteilnehmer in Mariendorf, Markgrafenstraße(Gesundheitshaus).— Eissnis Front gegen Hitler- Barone! Unsere nächste Partei- und Betriebsveranstaltung: Natior.alregistrierkssscn. Dienstag, den 28. Zun!, 16,50 Uhr, Betriebsversammlung im lokal Gambrinus, Neukölln, Kaiser- Friedrich-Straße Ecke Treptower Straße.„Der Kampf um den neuen Reichstag." Referent; Franz Künstler, MdR. BVG.— Nordsiid, Müüerstraße. Dienstag, den 28. Zun!, 16 Uhr, Belegschaffsversammlung im lokal Rieß, Müllerstraße 139.„Nazi-Barone und wir." Referent: Gottlieb Reese. S.Kreis— Spandau. Donnerstag, den 50. Zun!, 19,50 Uhr, öffentliche Kundgebung in der Oubiläumsturnhalle Spandau, Askanierring.„Der Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Erich Kuttnar, MdL C. Lorenz A.-G. Donnerstag, den 30. Zun!, 17 Uhr, Betriebsversammlung im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffel- straße 11/12.„Einheitsfront". Referent: Franz Künstler, MdR. Rote Falken Tempelhof. Dienstag, 28. Juni, 17(4 Uhr. Wie packen wir«inen Rucksack? Gruppe Weißeusee. Die Gruppe beteiligt sich am Zeltlager Uedersee. Alle Gltern, die gewillt sind, ihre Kinder zum Ferienlager mitzuschicken, ersuchen wir umgehend mit dem Kreisleiter Siegfried Kaiser, Hohenschönhausen, Am Faulen See 3, in Verbindung zu setzen. NeukSll». Abt. Lichtlämpfer und Kurt Eisner. Zeltlagerteilnehmer, Jung» fallen und Rote Falken, heute, Sonnabend, 17 Uhr, in der Baracke Besprechung aller Teilnehmer. Gesundheitsbogen mitbringen. Falkenrat. Wir tagen am Man. tag um l7ih Uhr I» der Baracke. Treptow. Lauro de Bosis. Montag, 27. Juni, Untersuchung der Zeltlager- ' aehmer. Treffpunkt 8 Uhr Bahnhos Treptow. Köpenick. Die Untersuchung i 13 Uhr, bei Dr.>W> ......"........" e Köpenick. Am Freitag, dem 1. Juli, Tagesordnung: Unsere Zeltlagerfahrten/ der Zeltlagerteilnehmer findet am Donnerstag, Heilbronn, Sutsnbergstraße,� statt. Nach Mög. lichieit Krankenschein mitbringen. Gruppe Köpenick. Am Freitag, dem 1. Juli, 29 llhr, findet im Parteizimmer, Schloßstr. 27, unsere Elternversammlung statt. Sterbetafel der Groß-Derliner Partei-Organisation 32. Abt. Am Dienstag, dem 21. Juni, verstarb plötzlich Genosse Lazar Pietzarski. Paul-Singer-Str. 65. Ehre feinem Andenken. Die Einäscherung findet am 25. Juni, 1944 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 141. Abt. Am Mittwoch, dem 22. Juni, verschied Genosse Joses Mechler. Der Genosse hat alle Kraft der Partei gewidmet. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 25. Juni, 14>4 Uhr, auf dem Friedhof in Pankow, Bahn. Hofstraße, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Z erlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das IugendWretariat Berlin SV 68 Lindenstraße 2. vorn l Treppe rechts. Morgen am RLlST. im Grunewald-Stadion beteiligen sich alle Genossinnen und Genosse». Treffpunkt 194tz llhr vor dem Sauptcingang des Stadion«. Für die Teilnehmer am Sprechchor ist der Eintritt frei. Alle Genosse», die uach der Probe(also nach t0>4 Uhr) komme», müsse» 39 Pf. Eintritt bezahle». Rote-FaUe». Kleidung, Fahnen mitbringe». heute Sonnabend. 25. Inni: Kottbusser Tor: Urbanstr. 167. Bunter Abend. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Bildungsausschußsitzung 29 Uhr Danziger Straße 62, B. 3. Wichtige Tagesordnung. Jede Gruppe muß»ertreten fein. Morgen, Sonnlag, Treffpunkte der Abteilungen zum RAST.: Gewerkschaftshaus: 744 Uhr Falkenecke.— Balkan: 9 Uhr Prenzlauer Allee. — Kopcnicker Viertel: 9V. Uhr Schlesifcher Bahnhof.— Neukölln II: 9 Uhr Bergstraße(Passage).— Schouewcide l: 7 Uhr Bahnhaf Schäneweide.— Schöne- weide II: 944 Uhr Bahnhaf Cchiineweide.— Werbebezirk Tiergarten: 9(4 Uhr Bahnhof Bellevuc. Sportpalast: 94b Uhr Bahnhof Bülowstraße.— Werbebezirk Tempclhaf: Hi Uhr Ringbahnhof Tempelhof.— Werbedezjrk Teltowkanal: Mantag, 27. Juni, Mitgliederversammlung im Heim Lichterfelde, Albrechtstr. 14a. Thema: Einheitefront. Redner: Erich Schmidt. Borträge, Vereine und Versammlungen Berel» der Thüringer z» Berlin. Sonnabend, 25. Juni, im Bereinslokal Würzburger Hofbräu, 294« Uhr. Manatsverfammluna. Deutichc Gesellschaft für Pilzkunde. Pilzexkursion am Sonntag, dem 26, Juni, in die Wälder zwischen Erkner und Rüdersdorf unter Führung von Studienrat Hennig. Abfahrt nach Erkner Bahnhof Friedrichstraße 7.49 Uhr, ab Stralau-Rummelsaurg 7.53 llhr, an Erkner 8.25 Uhr. Gäste willkommen. Jedem fei» gutes Recht auf eine gute Ziqarettel Das ist der ganze Sinn von Bergmann.„Klasse"— 4 Pfennig. Klaff«: die Güte! Klaffe: der Preis! Klaffe: die Iudiläumszugaben von lügahreHausBerg- mann! Die blumig stilisierten und farbenharmonisch abgestimmten Sticke- v e sind Sinnbilder für die Frischblumigkett -Pfennig-Zigarette Bergmann-„Klasse. Die r .... ,>ort., Film-, Trachten» und Märckienwelt sind Bcrgmann»„Klasse«giaarstte würdig namens Bergmann.„Alasse" Raucherin fei es überlassen,.. kultivierten Sinn an Bergmann-,.Klasse" selbst zu erproben! Tkeatsl-, Lichtspiele usw.' $fädi.Oper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Sonnabend, 25. Juni Turnus IV Die Banditen Frind, Nikolai ewa, Üsinger, Burpwinkel, Gründgens, Wester- meier. Egcnlauf Anfang 20 Uhr VoiKsouime Thuter am Bülowalati 84, Uhr Geld ohne Arbeil Komödie von Alberto Colaituonl Bearbeitet von R. A. Stemmle Regle: Günther Stark Osiitste Tüeatsr Autfiihrungcn 81/4 Uhr Jonrnalistes ustsp.naiiiüusiajfraytaü von Felix JoachinsM Musik: Theo Mackehea Regie: Heinr Hilpert. Alsxanderplatz Neu* König»tr.43 uerHMe ftathheebc jeder Art u. Größe, Riesenauswahl, Teilzahlung, trans» portable Kachelöfen, Badewannen-Oefen, Kesselösen. Die alte Firma Semmler u. Bleyberg, Dies» denerstraße 99. Jan- nowitz 8 7 665U_ Tapete» Zzillat. Koloniestraße 9. »isiislliizxzllieiis. Ufüsctis usui. Birnbaum- Schlafzimmer. poliert, modern« Ausführung, 1299 Mark; oerliehen gewesen für 699 !ari,»erkauft Moritz Hirschowiß. Skalitzerstraße 25. Küche» 95,- bis 859,-. Weißlackfchränke 35,-. Metallbett. stellen 29,—. Kamer» fing, Kostanienallee 56(Ecke Fehrbelli. nerstraß«.' Radio Fabrikneue, äußerlich etwas be lchädiate, hochwer, tige Radioapparate, tief unter dem Wenig getrage», Kaoaucrgarderobe___,___ W___ von Millionären,! Listenpreis, auch g« Aerzten, Anwälten.!gsn die kleinst- Mo. Fabelhaft billige natsrate. 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Das mag für unser Ohr, abgestumpft von einer harten Wirklichkeit, zu lyrisch klingen, unglaubhaft oder phantastisch, aber es war nüchterne Labo- ratoriumsarbeit, die uns diese Wunder erschloß. War nicht unser Verhältnis zu den Pflanzen immer etwas widerspruchsvoll? Wir freuen uns zwar ihrer duftenden und blüheij- den Schönheit, aber als sogenannte lebende Wesen haben wir sie nie ganz ernst genommen. In einem Botanikbuch, das noch keine 30 Jahre alt ist, heißt es lakonisch:„Pflanzen sind lebende Wesen ohne Empfindung". Eine unbegreifliche Vorstellung! Gibt es Leben ohne Empfindung!? Während die Botanik noch in öder Systematik verharrte und man die Pflanze als nützliches Futter oder hübschen Vasenschmuck betrachtete, wurde bereits August Strindberg, der tiefer in die Natur sah als mancher Zunftgelehrter, zu der Frage gedrängt:„Wo haben die Pflanzen ihre Nerven? Sylvarutn). Heute sind diese Dinge nicht mehr„dichterische Phantasie", son- dern eine Frage realer Forschung. Die verblüffenden Experimente des Inders B o f e eröffneten die Rehabilitierung der vegetabile» Welt. Und immer mehr drängt sich die Ueberzeugung auf, daß der Unterschied zwischen Tier und Pflanze nicht in dem Maße besteht, wie man früher annahm. Von diesen letzten, überraschenden For» schungsergebnissen soll hier in gedrängter Form einiges erzählt werden. * Prof. B a n c r o f t von der Cornell-Universität zeigt uns eine berauschte Pflanze. Er veranstaltete mit einer besonders empfind- famen Mimosenart einen kleinen Frühschoppen, und das Pflänzchen benahm sich genau so wie ein berauschter Mensch. Nach Einführung von Alkohol standen die Blätter zunächst aufrechter als sonst. Die Mimose muh sich in recht optimistischer Stimmung gefühlt haben wie etwa ein Zecher nach seinem ersten Glas. Aber bald folgte das nächste Stadium: die Bewegungen wurden tastend und unsicher. Alsdann schloffen sich die Blätter, hingen welk und müde hinab: Fräulein Pimose schlief ihren Rausch aus. Auch als �nan der Pflanze Aether zuführte, trat die uns be- kannte Reaktion ein. Sie war wie nakotisiert und zeigte nach dem Erwachen die typischen Nachwehen des Aetherrausches. Diese Cxperi- mente lassen sich nicht mit den üblichen Theorien vom Säftestrom erklären. Die Pflanze muß eine Art Nervensystem besitzen, sensible und motorische Nerven, ja, vielleicht auch ein gehirnartiges Zentrum. von wo das Schaltwerk reguliert wird. Sie muß muskelähnliche Gewebe in ihrem zarten Gefüge tragen, um ihre Blätter wie einen Fächer auf- und zuzuklappen, um Insekten festhalten zu können oder sich an Mauern entlang zü tasten. Auch auf elektrische Schwingungen reagieren Pflanzen mit gro- her Empfindlichkeit. Ihre Reizschwelle liegt sehr tief. Blitz, Radio- wellen oder an der Sonne vorbeiziehende Wolken werden wahr- genommen und registriert. Wie Froschschcnkel, deren Muskeln sich bei einem Stromstoß zusammenziehen, oerhält sich auch die Pflanze. Wenn man sie mit einer metallenen Nadel, die mit einem Clektroskop verbunden ist, berührt, so erhält man ein« ähnliche Erregungskurve wie bei Tieren, bei denen man ein Nervenende reizt. Elektrische Reaktionen ohne ein Nervensystem sind aber nicht denkbar! B a n c r o f t, ein Spezialist der modernen Kolloidchemie, glaubt, daß diese Vorgänge eine ähnliche Grundlage besitzen wie im tierischen Organismus. Sein Leitgedanke ist, daß Pflanzen und Tiere, be- sonders in ihrer Nervenstruitur, Kolloide enthalten, jene leimartigen Substanzen im Protoplasma, die sehr empfindlich gegen Schocks und ähnliche Einwirkungen find. Auch bei Pflanzen verändert sich die Kolloidstruktur'genau wie bei Tieren, und wenn eine Tulpe be- rauscht ist,„oerslocken" sich die Kolloide in ihr auf die gleiche Art wie im Gehirn eines Menschen, der über den Durst getrunken hat: die Leitfähigkeit der Nerven ist gestört. * Bemerkenswert sind die Feststellungen von Prof. Wagner sJnsbruck) über die Atmung höherer Pflanzen. Sie besitzen„Spalt- öffnungen" auf der Blatthaut, die nach dem Wasserdampfgehalt der Luft reguliert werden können und dem Austausch von Kohlensäure und Sauerstoff dienen. Diese sinnvollen„Lungenbläschen" sind Georg Scfiwars: Apokalypse von heule John Dos P a s s o s zählt zu den literarischen Avantgardisten Amerikas. Er gehört zu oer revolutionären Gruppe, die sich um die Zeitschrift„New Masses" sammelt. Männer wie Theodore Dreiser und Upton Sinclair sind die Apostel dieses jungen, kämpfenden Schrifttums. Ihre Jünger begnügen sich nicht mehr damit, die amerikanische Welt zu erklären und zu reformieren, sie wollen sie verändern. Wenn radikal sein heißt, einer Sache an die Wurzel gehen, dann ist Dos Paffos sicherlich ein Radikaler. Sein neues Werk„Aus den Trümmern"(S. Fischer, Verlag, Berlin), mit dem Untertitel„Roman zweier Kontinente" sprengt die überkommene europäische Form des Romans bis in ihre iesteft gefügten Fundainente. So wirkt beim flüchtigen Durchblättern der gCKI Buchseiten der Eindruck eines artistische» Kunststücks, einer snobistischen Kunst- sertigkeit, ein wenig abschreckend. Erst wer sich sestgelesen hat, merkt, wie organisch und unausweichlich dies« Technik zum angestrebten Ziel führt, wie sie aus der Konzeption des Autors entstand, und nicht umgekehrt, die Konzeption aus ihr. Vorauszustellen ist: dieser Roman hat keine durchlaufende Handlung. Er ist eine Vielfalt in sich abgeschlossener Erzählungen: a?er sie alle laufen auf einer Linie, dienen dem einen Zweck, der ist, das unbarmherzige Antlitz der zusammenbrechenden Welt zu enthüllen. Dos Passos fügt dieses abschreckenve Standbild des menschen- verschlingenden Baals aus tausendfältigem Material, wie es jeder Tag dieser anarchischen Katastrophen-Abfolge aufs neue ihm zu- trägt. Die Schicksale des einzelnen, des„Helden", im überlieferten Sinne, sind ihm nur Vorwand. Erst dadurch, daß er sie neben- einanderstellt, werden sie funktionell, bekommen sie ihre Bedeu- tung, läßt sich an ihnen der eigentliche Held vorführen: die aus den Fugen geratene, aus allen Nähten platzende Welt. Mit haarscharfer Präzision, mit gründlichstem Wissen, mit siche- ren Strichen und unbestechlichem Formgefühl stellt Dos Passos seine Figuren in das Schachspiel um Tod oder Leben. Mögen sie Namen tragen wie Roosevelt, Morgan, Wilson, mögen es namenlose Ge- stalten aus der Menge, ein Matrose, eine Rote-Kreuz-Schwester, ein Soldat, ein Revolutionär, ein Student sein. Mit unerbittlicher Wahrheitswut spürt dieser Anatom mit seinen literarischen Scal» ler&flatme heute?/ Ton Georg Qrau äußerst dicht angeordnet, in manchen Fällen bis über 700 auf einen Ouadratmillimeter Blattsläche. Von„pflanzlichen Wärmestuben" erzählt Cornell Schmitt im„Kosmos". Wenn man ein Thermometer in den Blütenkelch einer Sonnenblume versenkt, so findet man dort eine um etwa fünf Grad höhere Temperatur als in der umgebenden Luft. Diese Wärm�, die durch die Atmung der Pflanze entsteht, dient vielleicht der An- lockung von Insekten, kann aber auch eine zwangsläufige Erscheinung im vegetabilen Chemismus sein— ohne besondere Hintergründe. Die Lichtreaktionen der Pflanzen, auch Hcliotropismus genannt, wurden neuerdings von Dr. Johnston in Washington eingehend untersucht. Auch dieser„Lichtsehnsucht" liegt eine gewisse Nerven- tätigkeit zugrunde, die ihren Sitz in den äußersten Spitzen der die Knospen umhüllenden Blätter hat. Es wurde festgestellt, daß der erste Millimeter der äußersten Blattspitze 160 mal so empfindlich wie der zweite und 1800 mal wie der dritte ist. Man schnitt diese Spitzen ab, und die Pflanze machte den Eindruck, als wäre sie ihres Augenlichtes beraubt worden: ihre Halme wuchsen nicht mehr dem Lichte zu wie vorher. Man experimentierte auch mit verschiedenen Farben, um die Wellenlänge im Spektrum zu ermitteln, die von der Pflanze bevorzugt wird, und fand, daß ihre große Sehnsucht Blau ist. * Höchst seltsam benehmen sich Pflanzen bei Gasvergiftungen. Ein blühender Rosenstrauch unter eine mit Gas gefüllte Glocke gebracht, welkt sofort und läßt bald seine Blätter fallen. Besonders empfindlich ist die Tomate, deren Blätter schon zusammenklappen, wenn in der Lust die geringste Spur von Gas enthalten ist. Man beabsichtigt daher, die Tomate als„Gasriecher" in Bergwerten oder Untersee- booten zu benutzen, da sie noch sensitiver ist als die Kanarienvögel, die man bisher zu diesem Zweck gebrauchte. Bartholomäus /f• f � Bomuud: t/f Ji IKcl Endlich! Ein englischer Regierungsbeamter, ein ruhiger statio- vierter Afrikamann, gibt seine longjährigen Erfahrungen mit diesen wild hereinbrechenden, ruhelosen Afrikaforschern zum besten,.. Jahraus, jahrein hotte der gute Afrikamann das zweifelhafte Vergnügen, für die Sicherheit dieser männlichen und weiblichen Reisewüstlinge sorgen zu müssen, sie mit dem notwendigen Reiserequisit zu versehen, das sie niemals mitbringen, sie als Ehren- gäste zu bewirten und ihren unmahgebenden Meinungen zu lau- schen, sie den eingeborenen Häuptlingen und Emiren vorzustellen, die sie anflegeln, sie zu bemuttern, wenn sie sich durch ihre Unvor- sichtigkeit Krankheiten zuziehen... und für ihr Benehmen und ihre Berichte zu erröten. Er weiß, er weiß... Da bewundern wir Ofenhocker also den Wagemut der einsam (wie wir denken) die Wildnis durchstreifenden Abenteurer: und nun hört man, daß niemals so ein Asrika„forscher" allein reist, nicht für einen einzigen Tag oder ein« einzige Nacht, außer wenn er eine internationale Grenze passiert: Da wird er wie ein Ein- schreibepaket fürsorglich von Hand zu Hand gereicht, dos heißt von einer Regierung der anderen übergeben. Die Regierung des Landes, in dem sich der tapfer umherstiefelnde„Forscher" befindet, läßt ihn immer und überall von einem eingeborenen Interpreten begleiten, der wird ihm gratis aufgedrängt, damit der Mann kein Unheil stiftet, eventuell verläßt sogar ein weißer Beamter seinen Posten und führt den Forscher auf„Forschungsreisen" herum, damit nur ja alles glatt vonstattcn geht. Das hat natürlich seine guten Gründe. Afrika ist gerade so notdürftig zur Ruhe gekommen, zwischen den P. T. Großmächten aufgeteilt, es wird dort friedlich geherrscht, und jede Macht wünscht ungestört ihre Steuern einzuziehen und die Früchte ihrer kriege- rischen Bemühungen zu ernten. Natürlich läßt sich,, ganz gleich, ob Weiß oder Schwarz, niemand gerne besteuern: es kommt daher ge- legentlich zu Gehorsamsverweigerungen und Gewalttätigkeiten gegen Steuereinzieher: Da Strafexpeditionen für heutige Verhältnisse viel zu teuer kommen, verfährt man nach einem raffiniert ausgedachten pellen und Sonden den feinsten Verästelungen ihrer Nervenstränge und Blutbahnen nach. Immer schmerzlicher, immer zwingender überzeugen die Bilder und Formulierungen dieses.Schriftstellers, der mit eiskaltem Intellekt den morbiden Organismus unserer Zeit seziert. Ist bei Dos Passos das Gefühl bewußt verbannt? Längst gilt es nicht mehr, die Herzen, sondern den Verstand zu rühren, wie Ernst Glaeser gesagt hat. Dos Passos bleibt Herr und Meister, auch wenn Lava kocht und brodelt, wenn Gesteinstrllmmer oulka- nischer Eruptionen durch die Luft wirbeln, wenn die alte Welt in Trümmer birst und ihre moralischen Anschauungen und Sitten- gesetze, die Klassen ihrer Gesellschaft und ihre wirtschaftliche Pro- duktion„ gegeneinanderprallen mit der Wucht krepierender Geschosse. Hart und mitleidslos dreht der Autor seine wildbemegte Schau mit allen ihren Widersprüchen am Auge des Lesers vorüber. Nichts bleibt dem unerbittlich wachen Kamera-Auge dieses Buches ver- borgen, unermüdlich läßt die Welt-Wochenschau Bild um Bild in irrem Taumel vorbei-, durcheinanderrollen: Zwei Kontinente, die auf Abbruch zu verkaufen sind, wenn nicht die Arbeiterklasse bald zum Neubau schreitet. Dieser Schrisffteller ist kein Lieferant von buntgesärbten und schön garnierten Unterhaltungswaren. Seine geistige Potenz stellt erhebliche Ansprüche an sein Publikum. Neugierige seien gewarnt! Aber wer seine Zeit nicht nur mitleben, sondern ersassen will, wer vom Dichter eine Verdichtung erwartet, der lese diese Apokalypse von heute, in der alle Wunden zweier Kontinente, Amerikas und Europas, so weit aufklaffen, daß sie mit keinem sanstrosigen Pflaster mehr zu verkleben sind, Uns sind diese Lasten auf den Buckel gepackt. Wir essen und trinken tagtäglich die Bitternisse einer nur vom Prosit bestimmten Gesellschaft, einer Ordnung, die längst keine mehr ist. Wir brauchen Ankläger, Rufer, Berkünder wie Dos Passos, soll zwischen dm Trümmern neues Leben ans Licht steigen. Für den Rcknan von gestern gibt es keinen gesellschaftlichen Standort mehr. In der Zeit der Auflösung, des Zerfalls, der Neuorientierung muß der Roman- der Gesellschaftskritiker werden, oder er bleibt ein leerer Spaß- und Zerstreuungsmacher. Zur Kritik der monopolkapitalistischen Welt mit ihrer verwirrcriden Welfalt, ihren irrsinnigen Strömen und Kegenströmen, hat John Dos Passos die richtige Romantechnik gefunden. Paul Baudischs Ueberfegung ist ihm kongenial. Dr. C r o o k« r von dem bekannten Boye« Thompson Institut, der diese Versuche leitete, machte die seltsame Feststellung, daß die Pflanzen nicht in jeder Lage gleich empfindlich sind. Auf den Kopf oder seitlich gestellt, vertragen sie doppelt soviel Gas wie ausrecht, bevor sie welken. In der Pflanze muß also eine Art Schwermecha- nismus wirken, der je nach Lage der Zellenstruktur die Gasauf- nähme oder-empfindlichkeit beeinflußt. Näheres über dieses Phä- nomcn weiß man noch nicht. * Die Wand, die wir bisher zwischen Tier und Pflanze errichteten, entpuppt sich heute als wissenschaftliches Vorurteil. Beobachten wir eine fressende Amöbe, eine auf Beute lauernde Seerose, ja, irgend- eines der niederen Tiere bei der Nahrungsaufnahme, so ist es auch nichts anderes als bei einer fleischfressenden Pflanze. Diese besitzt Härchen oder Fühler, die bei der leisesten Berührung mit dem Opfer wie echte sensible Nerven reagieren. Sie telegraphieren den motorischen Nerven: schließt die Muskeln, eine fette Fliege ist da! Und schon klappen die Tore zu. Der Bissen wird dann mittels einer Flüssigkeit verdaut, die den Verdauungssästen tierischer Mägen recht ähnlich ist. Unser Vorurteil gegen die Pflanze beruht wohl Haupt- sächlich auf ihrer Unbeweglichkeit.„Aber wenn wirklich die Fähig- keit, den Platz zu wechseln, eine höhere Existenz bedeutete, müßte man Vögel und Insekten für außerordentlich begabt halten und die Zoosporen der Alge auf eine höhere Stufe stellen als die Orchideen." Das sagte Strindberg, und mit diesem Einwurf hat er gewiß recht. Auch Pflanzen leben, empfinden, fühlen. Vielleicht ttagen sie auch ein schlagendes Herz in chrem schlanken Leib, wie B o s e be- hauptet. Er will durch millionenfache Vergrößerung diese Herz- schlüge sichtbar gemacht haben. Wie märchenhaft ist diese Vorstellung: in jeder dustenden Blüte schlägt ein winziges Herz! Festgestellt wurde auch, daß die Pflanzen wie alle lebenden Wesen nicht gleich- mähig, sondern in Schüben wachsen, daß sie rhytmisch pulsierend an Größe zunehmen. Die Prinzipien des Lebens sind eben überoll die gleichen: alles in der Natur sind nur Variationen eines einzigen Grundthemas! I.1, 1. 9)er Jlfrlkaforfcher IdC llf» wird durchrönigi Isolationsprozeß: eine Art Quarantäne wird über einen Distritt, dann über einen Stamm, später ein Dorf, dann einen bestimmten Haushalt verhängt, bis der Uebeltäter lokalisiert respektive fest- gestellt ist. Dann schleift man ihn plötzlich eines Nachts heraus und läßt der„Gerechtigkeit" freien Lauf. Diese feingesponnenen Fäden zertritt der plumpe Fuß des Forschungsreisenden. Er tappst immer gerade dort hin, wo man ihn nicht brauchen kann, wo es gärt, ein religiöser Krieg gepredigt wird, Stammesgrenzendispute obwalten, und da er mit den ört- lichen Etiketteregeln nicht verstaut ist und alles eher als Zartgefühl und Takt besitzt, bringt er die Bombe leicht zum Platzen. In seiner Gier zu„erforschen", zertrampelt er frisch aufgestreuten Gebetsand. drängt sich mit seiner Reporterkamera in Privaffestlichkeiten ein, unterbricht religiöse Zeremonien, um über den Kaufpreis des Priestergewandes zu feilschen, kichert in beleidigender Weise über alteingestammte Sitten und Gebräuche und revanchiert sich auf die Gastgeschenke der Häuptlinge entweder unzulänglich oder bezahlt für das angetriebene Vieh, als ob der Häuptling damit ein Geschäft zu machen beabsichtige. Kurz und guf-.-, der hier so dicke tuende Afrikaforscher ist da unten weniger in Äbfahr als er vielmehr für die Ansässigen Gefahren heraufbeschwört. Die ansässigen Afrikaweißen studieren daher den ankommenden Afrikaforscher während der ersten zwee, drei Tage, in denen sie ihn mit allem Eßbaren und Trinkbaren zu traktieren haben, genau, um herauszufinden, was für Schnitzer er machen dürfte und welches besondere Unheil er anrichten könnte. Die Nationalität der Afrika- forscher— meint Mister Best, dieser beste Mister— spielt eine geringe Rolle ihren allgemeinen Eigenschaften gegenüber, als welche da sind: Hilflosigkeit und Unerfahrenheit, eine freudige Bereitschaft zu borgen ohne zurückzuzahlen, eine halb amüsierte, halb ver- ärgerte Stellungnahme unverstandenen Phänomenen gegenüber und eine erstaunliche Beharrlichkeit, auf vorgefaßten falschen Meinungen zu verharren. Vollgestopft mit Räubergeschichten von wilden Gefahren, sen- sationellen Errettungen aus den Klauen des Todes, hat sich der» Afrikaforscher bis an die Zähne bewaffnet und kommt mit einer übermäßigen Ladung überflüssiger �inge an, während es ihm an allem Notwendigen(namentlich Kampausrüstungen) fehlt Sein Mangel an vernünftigen Vorbereitungen und an Kamperfahrungen — dies« Leute haben ost in ihrem eigenen Lande keine drei Nächte im Freien verbracht— trägt die Hauptschuld an den Strapazen, die der Afrikaforscher tatsächlich durchmacht und die er nur durch die Abwesenheit jeder wirklichen Gefahr in solchem Ausmaß zu ertragen vermag. Die eine große Gefahr, die den Afrikaforscher bedräut. ist, daß er sein Buch nicht anbringt— aus dem einfachen Grund, weil Afrika bereits erforscht ist. In den letzten zwei- tausend Jahren hat man beinahe alles entdeckt von mythischen menschlichen Monstern bis zu menschensressenden Zwergen. Aber noch immer ist Nachfrage da. Was soll er tun, der arme Afrika- forscher? Wo immer er hinkommt, ist der zu erforschende Kontinent von unserer verdammten Kultur beleckt. Staatsvisiten. Gegenbesuche, Smokinggeplauder, Tanzvergnügen, Luxuszllge, Autos, Motorräder, Traktoren. Selbst die Neger enttäuschen durch ihr Wetter- und Erntegerede, wenn sie Farmersleute sind, und als Händler sprechen sie wie alle Händler vom Markt und den Preisen. Kann man aus dergleichen Dingen ein zugkräftiges Afrikabuch machen? Nein. Also setzt sich der Afrikaforscher dramatisch in Szene. Er erzählt nichts von seinen guten Tagen, von der genossenen Hilfe und Führung, er überbetont gewisse Charakteristiken des Landes und ignoriert andere gänzlich. Natürlich verbleiben auch in diesen Tagen der„Schutz"herrschast den Eingeborenen(und Löwen) einige restliche Freiheiten. Da heißt es einsetzen. Die Eingeborenen tanzen gern mal dann und wann, von der religiösen Bedeutung des Tages ganz abgesehen... und natürlich: wo es Löwen gibt, wird gebrüllt. In den Asrikabüchern sind alle diese Geschehnisse düster, bedrohlich, ominös. Der Dorftanz (anständiger als bei uns) wird zum orgiastischen Ritual. Das Löwengebrüll— das einer ehrenvollen Erwähnung wert ist, wenn der Löwe bei Stimme ist und sich nicht überfressen hat— wird symbolisiert, wird zum„Schrei des dunklen Afrika"...„der Schrei der reißenden Tiere hallt in der urwäldlichen Wildnis wider und der urwäldliche Mensch kriecht zitternd in seine Groshütte oder sucht Schutz in Baum oder Höhle", Der ansässige Weiße hat sich mit technischen, landwirtschastlichen und sorstwirtschastlichen Problemen zu beschäftigen Seine Beobach- tungen sind zutreffend, seine Ansichten zu gesund, um Furore zu machen. Das bleibt dem Afrikaforscher überlassen... TJf. 295• 49 Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 25. Juni 4932 Unternehmer und Papen-Ziegierong Eine Tagung des �eichsverbandes der Oeuifchen Industrie. In den legten Tagen haben Präsidium. Vorstand und 5iaupt-' ausschuß des Reichsoerbandes der Deutschen Industrie Tagungen abgehalten, deren äußerer Rahmen durch den Ausfall der Vorträge � des Reichskanzlers und des Reichsbankpräsidenten freilich befcheide- ner ausfiel, als er gedacht war. Die vom Reichsverband über die Tagung herausgegebenen Mitteilungen enttäuschen aber auch alle diejenigen, die von der führenden Organisation der deutschen Unter-! nehmer eine Stellungnahme zum Regierungswechsel und zu der! gegenwärtigen, auch das Wirtschaftsleben ernst bedrohenden p o l i- I tischen Unsicherheit in Deutschland erwarteten. Für die! Außenpolitik erhält die Papen-Regierung in der Abrüstungs- und in der Reparationsfrage ein unbeschränktes Vertrauensvotum. In der Innen-, Wirtfchafts- und Sozialpolitik ist dem Reichsverband der Deutschen Industrie offenbar alles willkommen, was die Papen- Regierung an Maßnahmen zur Förderung des kurzsichtigen Unternehmerinteresses unternommen hat oder noch unter- nehmen könnte. Der Reichsverband begrüßt es, daß die Papen-Regierung einen grundsätzlichen Trennungsstrich gegenüber allen Bestrebungen ziehen will, die st a a t s s o z i a l i st i s ch genannt werden, und verlangt, daß die Reichsregierung auch entsprechend handelt. Den Drosselungsmahnahmen der letzten Notverordnung wird zugestimmt. Aber es genüge nicht, so heißt es, die Nichterhebung neuer Steuern nur zu oersprechen. Demgegenüber sei eine endgültige Gesundung der Kassen- und Finanzlage nur durch eine organische Senkung der Ausgaben möglich, die durch eine großzügige Ver- waltungsreform und eine Reform der Sozialversicherung erfolgen müsse. Zur Vergrößerung des deutschen Produktions- und Handels- volumens gehöre in erster Linie eine Senkung aller Fak- toren der Produktionskosten, womit also auch weiteren Lohnsenkungen das Wort gesprochen wird. Komisch wirkt unter den jetzigen Verhältnissen die Versicherung, daß der Reichsverband der Deutschen Industrie nach wie vor jede Art von Subvention wie auch jede Maßnahme entschieden ablehne, die aus eine „Soziolisierung der Verluste" hinauslaufe. Wenn die Reichs- regierung unter organischem Umbau der Wirtschast die Beseitigung aller die individualistische Wirtschaftsordnung verfälschenden Fesseln der Nachkriegszeit verstehe, so sei der Reichsverband damit ein- verstanden. „Dagegen müßte sich die deutsche Industrie einem organischen Umbau der Wirtschaft im Sinne zunehmender und ausgesprochener Autarkietendenzen oder im Sinne der bewußten Preisgabe exportwirtschaftlicher Interessen zugunsten einer zu weitgehenden Bevorzugung einzelner Wirtschaftszweige ent- schieden zur wehr sehen." Die deutsche Handelspolitik dürfe nicht zu einem Mittel gemocht werden, sich auf Kosten der Exportwirtschaft einseitig gewisser un- bequemer Bindungen zu entledigen. Selbstverständlich tritt der Reichsverband mit allem Nachdruck für die Aufrechterhaltung des Privatwirtschaft- lichen Systems ein. Soweit die Wirtschaft selbst für Fehler verantwortlich zu machen sei, habe sie auch selber die Pflicht, diese auszumerzen. Zu diesem Zweck sei die deutsche Industrie bereit, mit der Regierung Hand in Hand zu arbeiten. Zur Frage der Arbeitsbeschaffung soll gemeinsam mit der Ver- einigung der deutschen Arbeitgeber-Vcrbände ein Ausschuß gebildet werden. Zur Kartellfrage machte Müller-Oerlinghauscn unter dem merkwürdigen Vortragstitel„Koalitionsfreiheit des Unternehmers" einige Ausführungen, die beachtenswert scheinen. Noch den Grundrechten der Reichsverfassung sei nicht nur die Koalilionssreiheit aus dem Lohn- und Arbeitsgebiet, sondern auch die wirtschaftliche Koalitionsfreiheit des Unternehmers und des Konsumenten zu gewährleisten. Diese umfassende Koalitionsfreiheit fei ein notwendiges und unentbehrliches Mittel zur Aus- rechterhaltung unserer Gütererzeugung und-Verteilung. Staatliche Zwangsmaßnahmen seien grundsätzlich zu bekämpfen, gleichgültig, ob sie die Preise und die Löhne beträfen. Wenn die Kartellaussicht lediglich den Mißbrauch wirtschaftlicher Macht- stellungen bekämpfe, so werde sie den Reichsoerbond immer an ihrer Seit« finden. Eine solche Ausgabe könne die Kartellstelle des Reichs- Verbandes aber nur dann erfüllen, wenn in den Reihen der Industrie die notwendige Selbstdisziplin herrsche. Wirtschastsruin»w« Besitzerhaltung Oer gefährdete �ealkredii.— Eine Llntersuchung des Konjukturinstituts. In das Verhältnis von Gläubiger und Schuldner hat vor allem die Dezcinber-Noweror.trtung eingegriffen. Zinssenkunz, Vollstreckungsschutz, Sicherheitsversahren u. a. m. sollten die Schuldner vor dem Zugriff der Gläubiger schützen, zumal die Häufung von Zwangs- Versteigerungen zu einem für unangemessen gehaltenen Tturz der Werte geführt hätte. Gegen diese weitreichenden Bestimmungen haben vor allem die Gläubiger der Osthtlfegebiete— Handwerker, Einzelhandel, Geber von Personalkredit— protestiert, da nun auf sie die Not der Schuldner übertragen sei. In diesen Fragenkomplex — soweit er den Grundkredit betrifft— einige Klarheit zu bringen, unternimmt eine Untersuchung„Der Immobiliarkredit" von Dr. K o k o t k i e w i c z, die als Sonderheft der Vierteljahrs- hefte zur Konjunkturforschung erschienen ist(Verlag Reimar Hobbing). Die deutsche Wirtschaft war im Jahre ISIZ mit insgesamt 117,S, im Jahre 1931 mit insgesamt 93,6 Milliarden Mark verschuldet. Davon entfielen auf den Immobiliarkredit (Hypotheken) im Jahre 1913 62,2, im Jahre 1931 34,7 Mit- liarden Mark(hiervon 7,4 Milliarden Aufwertungshypotheten). Diese Hypotheken wurden zb 60 Prozent früher wie jetzt als Anstasts- Hypotheken(von Hypothekenbanken, Sparkassen, Versicherungen und öffentlich-rechtlichen Kreditanstalten) gegeben. Der Anteil der von Privatleuten gegebenen Hypotheken ist von 40 auf 20 Prozent zurück- gegangen, in der Nachinflationszeit wurden 20 Prozent der Hypo- theken aus Hauszinsfteuern und anderen äffeMlichen Mitteln ge- geben. Die öffentlich-rechtlichen Landschaften, Pfandbriefanstalten, Landesbanken usw. und die Träger der staatlichen Zwangsversiche- rung sind jetzt bedeutend stärker als in der Vorkriegszeit am Real- kredit beteiligt. Die Gesamtsumme der landwirtschaftlichen Hypotheken belief sich Ende 1931 auf 7,65 Milliarden Mark (davon 1,8 Milliarden Aufwertung) gegen 13,0 Milliarden im Jahr« 1913: die Gesaintsumme der städtischen Hypotheken Ende 1931 auf 27,1 Milliarden Mark(5,6 Milliarden Aufwertung) gegen 49,2 Milliarden Ende 1913. Mit aller Deutlichkeit wird festgestellt, daß die Ausnahme von Hypolhekenkredit in der Landwirtschaft vielfach unverantwortlich war, solange eine Ueberwachung durch die Kreditgeber fehlte. Nach Feststellungen des Konjunkturinstituts stehen 8,8 Milliarden Mark Krediten(in den Jahren 1924 bis 1928) nur 2,4 Milliarden Sach- kapital gegenüber. Der. größere Teil, nämlich 4,4 Milliarden, ist zu fremden Zwecken verwandt worden, entweder für ge- werbliche Betriebe oder für die Ausstattung von Söhnen und Töchtern oder zur Finanzierung von Betriebsverlusten. Die jähr- lich st e i g e n d e n Zinslasten trafen zusammen mit sinken- den Verkaufserlösen. Auf die gesamten Schulden der Landwirtschost(Hypothekar- und Personalkredit), die für Ansang 1932 auf 11,8 Milliarden Mark berechnet werden, sind im Wirt- schastsjahr 1931/32(1. Juli bis 30. Juni) 1010 Millionen Mark Zinsen zu zahlen: für das. Kalenderjahr 1932 werden sie nach dem Erlaß der Notoerordnungen�aus 850 Millionen Mark veranschlagt. D'ese Zinszahlungen machen für 1931/3? etwa 17 proz., für dos Kalenderjahr 193? etwa 13 proz. der geschützten Verkaufserlöse aus, während es 19?6?7 erst S proz. waren. Die rückständigen Zinsen wachsen immer stärker an, die besorgten Gläubiger wollen ihr Kapital zurückhaben(von schlechten wie von gesunden Betrieben), aber der Vollstreckungsschutz verhindert vorläufig(auf 9 Monate) fast jedes Vorgehen gegen die Schuldner. Der Besitz- Wechsel und damit die Anpassung der Grundstiickspreise an den kapitalistischen Ertrag wind verhindert und damit auch die end- gültige Bereinigung Für die Lage des städtischen Immobiliarkredits ist die Entwicklung der Arbeitseinkommen van ausschlaggebender Bedeutung. Diese sind aber im Jahre 1931 etwa 25 bis 30 Proz. niedriger als im Jahre 1929 gewesen, während die Mieten annähernd gleich blieben. Der Anteil des Volkseinkommens, der für die wohnungs- Nutzung verwendet werden mußte, ist von 10 proz. im Jahre 1930 auf 14 bis 17 proz. im Jahre 1931 gestiegen! er ist im ersten Vierteljahr 193? noch weiter gestiegen, obwohl die Mieten inzwischen gesenkt wurden! Die Mietsenkung zu Anfang dieses Jahres konnte nicht annähernd den Einkommensausfall der Mieter ausgleichen. Der Mieteaufwand dürfte sich um 750 Mill. Mark, das sind 9 Proz. des Mieteaufwandes von 1931(8,3 Milliarden Mark), ermäßigt haben. Di« Hausbesitzer erfuhren eine Entlastung aus der Zins- senkung(auch für AuswertungshypoHeken!) und aus der Ermäßi- gung der Hauszinssteuer. Der Druck auf die Mieter hält aber an, so daß auch für die Hausbesitzer die Hypothekenlasten(27,1 Milliar- den Hypotheken) immer drückender werden. Große Fehler sind im Geschästshausbesih begangen worden. Auch hier wurde die Rente der guten Jahre als unabänderlich an- gesehen, und vielfach wurden Hypotheken aufgenommen, um mit diesen Geldern neue Geschäftshäuser zu kaufen, weil man auf Wert- steigerungen spekulierte. Die Untersuchung kommt zu dem Schluß, daß die Krisen- folgen jetzt verschärst wirksam werden, weil alle Be- teiligten— Kreditgeber und-nehmer, in Stadt und Land— die Ertragsmöglichkeiten falsch eingeschätzt hätten. Letzten Endes müßten die Preise auf den kapitalisierten Ertrag zu- rückgehen: sie würden dann„teilweise wesentlich unter den Beträgen liegen, die der Beleihung in den vergangenen Iahren zugrunde ge- legt worden sind". Eine Verlängerung des Vollstreckungsschutzes würde die Gläubiger Hort treffen und müßte wohl staatliche Maß- nahmen zugunsten der Gläubiger nach sich ziehen. Der einseitige Schutz der Schuldner verstärke die Gefahr, daß die Zinsen auf land- wirtschaftliche und städtische Hypotheken so zögernd oder überhaupt nicht gezahlt würden, so daß die Realkreditinstitute viel» leicht bald nicht mehr die Zinsen auf die ausgegebenen Pfandbrieie zahlen könnten. Märkisches Elektrizitätswerk. Wieder 49 pro;. Dividende.— Absah an Kleinabnehmer gestiegen Die Märkisches Elektrizitätswerk A.-G., Ber» l i n, hat ihr Versorgungsgebiet, das bis dahin vor ollem Bran- denburg und Teile von Schlesien, der Provinz Grenzmark und von Pommern umfaßte im Jahre 1931 durch Uebernahme der Strom- Versorgung von Mecklenburg-Schwerin wesentlich erwei- tern können. Der Stromabsatz ist daher nur um 2,3 Proz. gegen- über dem Vorjahre auf 513,6 Mill. Kilowattstunden zurückgegangen. Rechnet man die neu hinzugekommenen Gebiete ab. so beträgt der Rückgang auch nur 5 Proz., bleibt also unter dem Reichsdurchschnitt. Dieses günstige Ergebnis erklärt sich dar- aus, daß der Absatz an die Industrie(Rückgang 9 Proz.) einen klei- neren Anteil als bei anderen Stromversorgungsunternehmen aus- macht, vor allem aber daraus, daß der Absatz an die Klein- abnehmer um 11 Proz. gestiegen ist. Der Kleinabnehmer- tarif lag laut Geschäftsbericht um 34 Proz. unter den Vorkriegs- preisen. In diesem Jahre sind die Tarife weiter ermäßigt worden. Das Kapital, das sich ganz in Händen der Provinz Bran- denburg. des Freistaates Mecklenburg-Schwerin und der versorg- ten Landkreise befindet, wurde von 50 auf 65 Mill. Mark erhöht. Die Clektrizitätsanlagen erhöhten sich durch Ausbau des Kraft- Werkes F i n k c nh e r d von 46,8 auf 53,9 Mill. Mark, dos Leitungsnetz von 96,8 auf 102,2 Mill. Mark. Die Beträge für die Uebernahme der neuen Aktien sind noch nicht eingezahlt, woraus sich vor allem die Erhöhung der Schulden von 29,8 auf 50,0 Mill. Mark erklärt. Neben dein Abschreibungsfonds von 109,8 Mill. Mark und dem gesetzlichen Reservefonds von 5 Mill Mark werden Snnderrückstcllungcn von 19,3 Mill. Mark ausgewiesen. Der Rohgewinn ist von 26.8 auf 30,1 Mill. Mark gestiegen, vor allem infolge Zinszahlungen auf die ausstehenden Kapitalbeträge. Bei erhöhten Zlbschrcibungen(von 17,1 auf 17,9 Mill. Mark) wird ein von 5,1 aus 6,9 Mill. Mark erhöhter Reingewinn ausgewiesen, aus dem wieder 10 Proz. Dividctzdr ge- zahlt werden. Sachsens Krasiwirischast. Gtromabsah der AG. Sächsische Werke um 9 proz. qesunken Der sächsische Staat hat feine Interessen an der Elektrizitäts- wlrtscha't in der A.- G. Sächsische Werke(Kapital 100 Mil- lionen Mark) zusammengefaßt. Diese versorgt, zum Teil durch Tochtergesellschaften, s a st ganz Sachsen mit elektrischem Strom, der nahezu restlos in eigenen Kraftwerken erzeugt wird.-Die ge- förderten Kohlen der Bergiverksbetricbe(vor allem Braunkohle) werden liberwiegend den Kraftwerken zugeführt. Im Jahre 1931 ist der Stromabsatz der A.-G. Sächsische Werke von 789 auf 715 Millionen Kilowattstunden, also um 9,4 Proz., zurückgegangen. Der Rückgang war also stärker als bei den preußischen Staatsunternehmcn, der Prcag, bei der er mit 4,7 Proz. nur gerade halb so stark mar: allerdings ist im Reichs- durchschnitt der Stromabsatz um 12 Proz. zurückgegangen. Die Betriebseinnahmen des Jahres 1931 waren mit 29,2 Millionen Mark kaum geringer als im Vorjahr<29,3 Millionen Mark). Aber die s o n st ig e n Einnahmen(im Vorjahr 4,5 Millionen Mark) sind fast verschwunden. Wenn auch die Ausgaben ermäßigt werden konnten, ist der Reingewinn doch von 5,4 auf 0,8 Mil- lionen Mark zurückgegangen, zumal die Zuweisung zum Erneuerungs- fonds von 12,4 aus 13,2 Millionen erhöht wurde. In der Bilanz erscheinen sämtliche Anlagen mit 343,5 Mil- lionen Mark, darunter Elektrizitätsanlagen mit 226,4 Millionen Mark. Die Beteiligungen haben sich von 21,6 auf 24,6 Millionen, Ihr« OMÜiai QMLgAlJig. ihr; c�iJLdu ac)�alfiaaLs- . Rariti! tüxe Is�sspg futdjst ük lücht. �eMrnü WWM bdüiite W« VantguchÄben»cm 16,0 auf 16,6 Millionen Mark erhöht, l»ZH- rend die sonstigen Forderungen von 20,8 auf 18,4 Millionen Mark zurückgingen. Wieder Millionenverlust bei Adler. Verhältnismäßig gute Beschäftigung. Die Adlerwerke norm. Heinrich Kleyer 2l.•©., Frankfurt a. M., die erst im Jahre 1329 eine Sanierung durch- machten, weisen für das Geschäftsjahr 1931 einen neuen Verlast l>onl,7SMill.M. aus, nachdem das Vorjahr mit einem geringen Reingewinn von 0,1 Mill. M- abgeschlossen hatte. Angesichts der Zersplitterung der deutschen Automobilproduktion ist das Ergebnis nicht überraschend, vielleicht sogar noch einigermaßen günstig, da die stillen Reserven(Unterbewertung der Bestände) noch oor» Händen sein sollen. Der Umsatz ist von 58 auf 38,5 Mill. M. zurückgegangen, be- trug also das Anderchalbfache des Kapitals.(26 Mill. M.) Die ordentlichen Abschreibungen sind von 2,3 auf 1,3 Mill. M. ermäßigt worden; nach Auflösung des Kontos„Wertberichtigungen" mit 5 Mill. M. erscheinen die Anlagen mit 22(27,8) Mill. M. Die ge> samten Vorräte sind nur von 7,5 aus 7,0 Mill. M. zurückgegangen. Zur Zeit wird der Absatz in Automobilen, Schreibmaschinen und Fahrrädern als zufriedenstellend bezeichnet. Die Gesamt- b e l e g s ch a f t wird mit etwa 3000 Mann angegeben, die eine wöchentliche Arbeitszeit zwischen 40 und 48 Stunden hätten. Es liege ein großer Auftragsbestand vor; die Nachfrage, besonders nach dem 1,5-Liter-Wagen, sei gut. Auch... Feiern ohne Meyer! Rückläufiger Absah.- 55 Filialen aufgegeben. Die Hermann Meyer u. Co. A.- G., Berlin, hat im letzten Vierteljahr des Geschäftsjahres 1931 die Folgen der starken Ar- beitslosigkeit und der Kaufkraftverminderung in einem erheblichen Absatzrückgang zu spüren bekommen. Vor allem litt der Um- satz in Spirituosen, während das Geschäft mit anderen Waren(Wein, Fruchtsaft, Konserven) erträglich war. Auch bei den Tochtergesellschaften, vor allem bei der Berliner G a st st ä t t e n- Gesellschaft, war die Entwicklung schlecht. Man sah stch des- halb gezwungen, 35 unrentable Filialen aufzulösen. Die Aus- sichten für das laufende Jahr werden ungünstig beurteilt. Aus den Preissenkungen ist ein Verlust von 0,4 Mill. Mark entstanden, der allerdings zum Teil In dos Jahr 1932 fällt. Durch Einzug von 0,25 Mill. Mark eigener Aktien wird das Kapi- tal von 2,8 auf 2,52 Mill. Mark herabgesetzt. Dabei entsteht ein Buchgewinn von etwa 100 000 M. Dem Reservefonds werden 0,2 Mill. Mark entnommen. Diese Beträge werden zu Sonder- abschreibungen verwandt. In der Bilanz stehen 0,9 Mill. Mark Forderungen etwa 0,5 Mill. Mark Schulden gegenüber. Warenbestände erscheinen mit 0,65(Vorjahr 0,8) Mill. Mark. Der Abschluß endet ohne Gewinn und Verlust. Auch die Erzeugung der Deutschen Walzwerke hat sich Im Wal erhöhl. Die arbeitstägliche Produktion ist gegenüber April von 15 469 auf 21 014 Tonnen gestiegen und hat damit auch die arbeits- tägliche Erzeugung vom Mai vorigen Jahres mit 20 630 Tonnen überschritten. Diese Entwicklung entspricht derjenigen bei Roheisen und Stahl und ist auf die Sonderaufträge für Rußland zurückzuführen. Eine preußische Novelle zur Schlachtsteuer ermächtigt den preußischen Finanzminisier, die im Schlachtsteuergesetz vorgesehene A u s g l e i ch s st e u e r für die Fleischeinfuhr aus außerpreußischen Ländern durch Gegenseitigkeitsvereinbarungen mit anderen deut- sehen Länvern, die ebenfalls eine Schlachtsteuer haben, zu beseitigen. Aufträge für Eschweiler Bergwerks. Herein. Die Hüttenabteilung des Eschweiler Bergwerks-Vereins- Kohlscheid hat einen Austrag auf 400 To. Cisenkonstruktionen für ein Kesselhaus in Lothringen erhalten, wodurch 100 Arbeiter für etwa drei Monate Beschäftigung erhalten. Ferner schweben Verhandlungen über Schrauben- lieferungen. 3m 3uli 50 Praz. Devisenzuteilung. Der Reichswirtschafts- minister hat angeordnet, daß die Importeure für Juli 1932 den Höchstbetrag ihrer allgemeinen Genehmigungen nur bis zur Höhe von 50 Proz. in Anspruch nehmen dürfen." Reise zeitgemäß! Wem in diesem Jahr noch 100 Mark für die Urlaubsreis« zur Verfügung stehen und die nötige freie Zeit dazu, der hat gewiß kein Recht sich zu beklagen. Aber vielleicht begräbt er doch mit einem kleinen schmerzlichen Seufzer manche seit Monaten zärllich gehegten Reisepläne; denn wer Reiseerfahrung hat, der weiß, daß unter- wegs hundert Mark doch eine recht bescheidene Summe sind für den, dessen nicht mehr ganz junge Glieder einigen Anspruch an gute Betten und sonstige Bequemlichkeiten stellen. Muh solch Urlaubs- reisender sich nun in einem ihm vielleicht von Wochenendfahrten längst bekannten billigen Winkel verkriechen, um wenigstens die so dringend erforderliche Erholung heimzubringen? In einem Vortrag im Programm der Funkstunde„Reise zeit- gemäß!" schüttete Franz F. Schwarzenstein eine heitere Fülle von 100-Mark-Reisevorschlägen aus, die allen, die diese Summe freimachen können,«ine bunte Ferienwell auftaten. Freilich, wenn man eine Gesellschaftssahrt nach Rügen oder in den Schwarz- wald mitmacht, so hat man für 70 oder 92 M. nur 8 oder 7 Reise- tage, während man allein selbst eine Reise ins Rheinland für KX) M. 14 Tage ausdehnen kann. Mit der Urlaubskarte kostet die Fahrt Berlin— Köln 42 M.> und für eine Pauschale von 47 M. gibt es bereits im Rheinland zwei Wochen Pension und Unterkunst, für 67,50 M. drei Wochen. Auch in Sachsen, in Oberbayern, Württem- berg, Baden und im Harz gelten ähnliche Mindestpreise: in größeren Kurorten, ebenso in Thüringen, liegen sie etwas höher. Pauschal- preise aber kann man heute überall finden, und dadurch hat man die Möglichkeit, das zur Verfügung stehende Reisegeld richtig ein- zuteilen. In den sächsischen Moor- und Solbädern Pretzsch, Düben und Dürrenberg wird man sogar einschließlich Reisegeld von und nach Berlin einen 14tägigen Kuraufenthalt mit 100 M. bestreiten können. Für den Berliner, der das Glück hat, über längere Ferien zu verfügen, wird, wegen der Fahrgeldersparnis, die Mark das Reise- ziel bleiben müssen. Sie ist größer und unbekannter, als viele ahnen, und für 3 bis 4 M. findet man überall Pensiom Der Redner zählle soviel« Orte und Möglichkeiten auf, daß er keinem Hörer Zeit zu einigermaßen ausführlichen Notizen ließ: aber dafür gab er ihm den tröstlichen Eindruck, daß die Reisemöglichkeiten für den Besitzer von 100 M. nahezu unerschöpflich sind— und den zweckdienlichen Hinweis auf die Auskunftshereitschast von Reise- und Verkehrsbüros._ Kleinstadt am Aiederrhein. Wir sind am Niederrhein und die atmend bewegt« Wasierfläche, die die Ufer des Wiesenlandes hinaufgreift und langsam zu Tal wandert, ist der Strom, der Rheim Viel hat er hinter sich. Zu- letzt kam er an Duisburg-Ruhrort, Homberg und Hamborn vor- bei, sah Eisenwerke, dampfende Hallen, Hochöfen und den Horizont von Schloten, wie von Zaunpfählen umstellt— trug die Schifte, die unter der Last der Kohlen, der roten und blauen Erze tief in ihn einsanken, schluckte Metall- und Kohlenstaub, Abwässer und Laugen und nun, da er an der kleinen Stadt Orsoy vor- beikommt, hat er das alles verdaut. Glatt und reinlich fließt er dahin und die Sonne wirst grell aufzuckende Strahlen über ihn. Vom Strom her ist nicht viel von der Stadt zu fehem Am Ende des Wiesenvorlandes steigen Dämme auf und über sie hinaus schauen außer zwei Kirchtürmen kaum«in paar bläuliche Dächer. Außerdem schließt die grüne Wand des Lindenwalles Orsoy ein und läßt nur die Rheinseit« frei. Durch die Wossertor« in die Stadt kommend, steht man zwei Reihen einstöckiger Häuser in einer kopfsteingepflasterten Straß«, an deren Ende ein plumper, weiß- gekalkter Lau mit einem großen Tor darin steht, und da ist die Stadt denn wieder zu Ende. Kreisrund geht der Wall um sie herum und die zwei Hauptstraßen liegen wie ein Kreuz darin. Auch die Seitengäßchen sind regelmäßig verteilt: ein sauberer Festung»- plan. Und Orsoy am Niederrhein war früher«ine Festung. Heute ist sie freilich seit hundert Jahren ihrer Wichtigkeit beraubt. Na- poleon ließ ihre Befestigungen, von denen sie all die Jahrhunderte nichts als Not und Drangsal gehabt hatte, schleifen und dann wuchsen die Linden aus den Wällen. Sonntag um Sonntag legen viele Dampfer mit bunten Fähn- chen und Musik in Orsoy an. Tausende von Menschen steigen aus, schlendern durch die paar Straßen, betrachten und photographieren das alte einfache Rathaus mit seinem Treppengiebel, die Patrizier- Häuser mit den hohen Schiebefenstern, die schiefen Fachwerkhäuser an der Stadtmauer, das Kuhtor, das Zollhaus und den runden, zerschossenen Pulverturm. Hinaus in die Wiesen vor den Wällen gehen die Menschen, fahren Kahn auf dem schöngebuchteten See, dem Kuhteich, sehen der Ankunft von Paddlern, Seglern und Ruderern in dem kleinen Hafen zu, nehmen Platz auf den Terrasse» am Rhein oder in den gemütlichen alten Wirtschaften mitten in der Stadt. Die kleine Stadt Orsoy liegt da in der Sonne, ihre Häuser sind schief und ihr Pflaster sst holperig, aber sie nimmt das Leben, das von ollen Seiten in sie einströmt, freundlich auf. Dampfer, Autos und Motorräder bringen viele herbei. Noch sst das alte Orsoy nicht ganz und gar versunken und vergessen. Der Keftturm von Wangerooge, das alchistorifche Wahrzeichen der Nordseeinsel Wangerooge, zu Ansang des Weltkrieges gesprengt, wird noch in diesem Jahre wieder auf- gebaut, nachdem es in jahrelanger, mühseliger Arbeit endlich gelungen ist, die für den Vau erforderliche Summe zu beschaffen. Die Grundsteinlegung findet in den letzten Tagen des Monats Juli statt. Die vielen Besucher Wangerooges, die sich auch für diese Saison wieder meldeten, werden Ge- legenheit haben, an der Grundstein- legung teilzunehmen. Bad Salzungen(Thür. Wald) hat trotz seiner den Durchschnstt überschreitenden Gebührensenkungen, denen sich auch das Be- herbungsgewerbe anschloß, seinen Ausbau großzügig weitergeführt. Im Badehaus« wurden eine Anzahl Kohlensäure-Schaumbäder- Einrichtungen eingerichtet. Daneben soll jetzt die Wirkung der heil- kräftigen Solebäder, soweit die Ergänzung angebracht ist, durch Sonnenbäder unterstützt werden. Das Luft- und Lichtbad wird zur Zeit am Ufer der Werra und in unmittelbarer Nähe der Gradier- werke errichtet. Bad Landeck in Schlesien nimmt unter den Radium-Kurorten eine Sonderstellung ein. Di« eigenartige Kombination, die in dem gleichzeitigen Vorhandensein von Radium-Emanation und Schwefe! bei einer Ursprungstemperatur der Quellen von rund 28 Grad Celsius gegeben ist, läßt es verständlich erscheinen, daß die Erfolg» strengster wissenschaftlicher Nachprüfung standgehalten haben. Für die chronisch entzündlichen Frauenkrankheiten und für die verschiedenen Formen rheumatischer und g i ch t i s ch e r Erkrankungen des Bewegungsapparates liegen solch« Untersuchungen abgeschlossen vor. Die blutdrucksenkende und Harn- treibende Wirkung der Quellen ist zur Zeit Gegenstand exakter Nachprüfung. Hiermit hängt wohl die günstige Beeinflussung be- ginnender Alterserscheinungen durch die Landecker Thermen zusammen. Auch bei den verschiedensten Nerven- leiden funktioneller und organsscher Nätur bewähren stch diese Heilquellen. Bad Grund(Ober harz). auf Vermittlung des Deutschen Bäderverbandes eingeführten Pauschal-Auf enthalte(2 Wochen 64 oder 75 M.) mit den Pauschal-Heilkuren(3 Wochen 116 oder 139 M.) verwechselt werden. Beide Pauschalen enthalten Wohnung, Pension und Kurtaxablösung: nur die Pauschalheilkur auch ärztliche Be- Handlung und Heilbäder oder Inhalationen. Die Pauschal-Auf- entHalle sind für Erholungsbedürftige, die keine Bäder zu nehmen brauchen, oder für die Begleiter von Heilungsuchenden gedacht. Aus Anfragen ist zu ersehen, daß die JJiztempfichttJßad SaM>m/i/i bei Katarrhen, Asthma. Orippefo/gen. Nierenleiden, Qichf und Zucker._ Wieder in eigner Regie„ Schtestscher Hof Bezirk Breslau das schönste Hotel Schlesiens Hofe!.Preußische Krone' Haus. Kynasl' rremdenheim. Elisenhof neu mit fl. 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