BERLIN Sonnabend 25. Zum 1932 10 Pf. Nr. 296 B 148 49. Jahrgang ErscheinttSglich außer Sonntag«. Zugleicd Abendausgabe des»Vorwärts�. BezugSvrets für beide Ausgaben TS Vf. pro Woche. 3,25 M. pro Monal (davon 67 Pf. monatlich rür Zustellung tnS Haus) im voraus rablbar. P o st b e j u g 3.97 M. einschließlich 60 Pf. Postjeitungs. und 72 Pf. Vostbestellgebüdren. yMoiWXLth AnzetgenpretS: Die einspaltige Mtlltmeterjeile 50 Reklamezeile 2.— M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Rr. 37 536.- Der Verlag behält stch daS Recht der Ablehnung nicht genehmer Anzeigen voU» Redaktion und Ervedttton: Berlin SW 68. Lindenstr 3 Fernsprecher: Donb�ff(A 7) 292—297 Bayern an Hindenburg Beschluß des Landtags: Llltimatum der papen-Regierung abgelehnt München, 25. Juni. fC>"iflcttbcrtchf.) In einer gemcinsnmcn 5iundncbunfl haben die b a y e- rischc Ztaatsrcgierung und der Landtag ju dem Ultimatum der RcichsregierunA Ztellung gc- nommen und die Forderung des Ncichsinncnministers, das Uniform- und Tcmonstrationsvcrbot bis spätestens 27. Juni aufzuheben, mit aller(Entschiedenheit und schärfe abgelehnt. Tic eigens dazu anberaumte Zitumg des Landtages war kurz und würdig. Minister- Präsident Tr. Held verlas eine Erklärung, die eingangs betonte, daß die bayerische LtaatSrcgicrung das Vcr- langen des Reichsinncnministers dem Ernst der Lage entsprechend sorgfältig und ohne jede Voreingenommen- hcit geprüft habe. Nach eingehenden Veratungen habe das chesamtministerium aus rechtlichen und sachlichen Erwägungen ein st immig die Ablehnung b c- schlössen. Dann befaßt sich die Erklärung mit der Rechtsgrundlage. der bayerischen Anordnungen, die u n b e st r i t t e n und auch von keiner Seite angezweifelt worden sei. Ein Beweis dafür sei auch die Tatsache, daß der Rcichsinnenministcr fein Verlangen nicht in i t dem R e i ch s r e ch t begründet habe, sondern nur mit dem Hinweis, daß die bayerischen Verbote mit der gegenwärti- gen Rcichspolitik nicht in Einklang ständen. Im besonderen weist die Erklärung darauf hin, daß dank der Maß- nahmen der bayerischen Regierung die Ordnung und Sicherheit im Lande Bayern wie kaum in einem anderen deutschen Gebiet bisher gewährleistet und politischen Gewalttätigkeiten und Umsturzversuchen ein starker Riegel vorgeschoben wäre. Run solle dieser Instand beseitigt und durch Aushebung der Verbote die Straßen den politischen Leidenschaften freigegeben werden. Tamit würbe eine der wichtigsten Grundlagen für das LSciterbestchen der öffentlichen Sicherheit erschüttert, das Leben der Staatsbürger gefährdet, die politische Zerrissenheit des deutschen Volkes vertieft, das Wirt- schaftsleben noch mehr erschüttert und die Not der Massen noch vergrößert werden. Tic Verantwortung, die die Neichsregierung für ihre Entschlüsse zu tragen habe, sei vor dem Gewissen der Nation und der Ge- schichte außerordentlich schwer. Abschließend heißt es in der Regierungserklärung, daß Bayern uiwerbrüchlich auf dem Boden der Reichsvsrfassung stehe und sich in seiner Treue zum deutschen Vaterland von keinem anderen Reichsteil übertreffen lasse. Die bayerische Regierung sei fest cnt- schlössen, im Rahmen der Rcichsvcrfassung und des Reichsrechts mit allen Mitteln und mit aller Schärfe gegen jeden Bruch der Rechtsordnung und im besonderen gegen alle Versuche einzuschreiten, die öffentliche Ordnung und Sicherheit zu gefährden. Oer Landtag hinter der Regierung. 3n Abwesenheit der Deulschnationalen— die Nazis sind bekanntlich�, ausgeschlossen— und gegen den Widerspruch der Kam- munisten nahm der Landtag ohne Debatte daraus eine Entschließung an, in der es heißt: „Der Bayerische Landtag unterstützt die Staatsregierung mit aller Entschiedenheit in dem Bestreben, den inneren Frieden zu gewährleisten. Ein Eingriff des Reiches, der diese Schutzmaß- nahmen zerschlagen würde, wäre weder vom Standpunkt des Rechts aus zu begriinden, noch würde er der staatlichen Verpslichtung ent- sprechen, Unruhe und Gefährdung von Menschenleben zu vechindern. Tie Vegründung eines solchen Eingriffs könnte nur in NLetsichten auf parteipolitische Wünsche einer einzigen Gruppe gesehen werden, die höher eingeschäht würden als das Polizeiliche Hohcitsrccht der Länder und als ihre Pflicht, für den Schuh der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu sorgen. Der Bayerische Landtag billigt es, daß die Staatsregierung an dem van ihr erlassenen Verbot scsthält, sich gegen solche Eingriffe wendet und entschlossen ist. Terror und Gewalttaten mit allen staatlichen Machtmitteln abzuwenden. Der Bayerische Landtag weiß sich mit Liebeserklärung an Krankreich. Von Popen im Namen der ganzen deutschen fechten. (Fortsetzung auf der 2. Seite.) Paris, 25. 3uni. fEigcnbericht.) Reichskanzler von Papen hat dem Ehcsredokleur des „IN a l i n" in einer Unterredung folgende Erklärung über die am Freitag statlgefundenen deutsch-französischen Verhandlungen abgegeben: „3ch freue mich über diesen Tag. den ich mit einer gewissen Ungeduld erwartete und der mir und der deutschen Delegation erlauben sollte, mich frei und direkt mit dem Ehef der französischen Regierung und mit der französischen Delegation auszusprechen. Uch kann Thnen nur wiederholen, was ich zu herriot gesagt habe: Zch erkenne als erster an, daß bei der Liquidierung der Reparationen Fvirnkrcich ein Anreclit auf eine(lompcnsation hat. Wenn ich materiell in der Lage wäre, diese Kompensation in Form einer Geldsumme anzubieten, würde ich dies freudigen Herzens tun. Aber da es mir unmöglich ist, bitte ich. diese Kompensation gemeinsam auf einem anderen Gebiet, und zwar aus wirtschaftlichem im Rahmen der wirtschaftlichen Reorganisation Wittel- curopas zu suchen. Wenn man mir sagt: Za, aber Amerika, ant- worte ich, daß. falls wir das europäische Haus gemeinsam in Ord- nung bringen können, Amerika unmöglich sich weigern kann, einen Stein für dieses Wiederaufbauwcrk beizutragen. 3ch füge hinzu, daß ich heute— was meine Vorgänger nicht sagen konnten— alle nationalen Kräfte Teutschlands vertrete. Frankreich hat also in meiner Person für den Abschluß einer deutsch-französischen Verständigung die Garantie, daß ganz Deutschland da» unterzeichnen würde, was ich unterzeichne. Frankreich hat bisher bei unseren gegenseitigen Wiederannäherungsversuchen nur mit der Linken zu tun gehabt. Hat es nicht ein Interesse daran, heute die Rechte, d. h. das ganze Deutschland, für diese Wiederannäherung zu hoben?" Der„Matin" bemerkt zu dieser Erklärung, es sei für den Augenblick besser, sie ohne jeden Kommentar wiederzugeben. Offenbar ist ihm, wie man in Berlin zu sagen pflegt, die Spucke weggeblieben, was man bei dem mehr als über- raschenden Inhalt der Erklärung wohl verstehen kann. Auch wir möchten uns, solange nähere Aufklärungen fehlen, einer ausführlichen Erörterung enthalten und uns zunächst auf eine einzige Feststellung beschränken: Wenn Herr von Papen behauptet, er sei von den„natio- nalen Kräften", d. h. von den Nationalsozialisten und Dcutschnationalen, beauftragt, Frankreich für den Verzicht auf Reparationen freudigen Herzens eine Kom- �Ule zum Reichs- Arbeifer- Sporft- Tag Morgen Grunewald-Stadion IG Uhr spricht p e n f a t i o n anzubieten, so steht es uns nicht an. die Wahrheit dieses Kanzlerwortes anzuzweifeln. Ein gleich- gerichteter Auftrag der Sozialdemokratie für Herrn von Papen besteht jedoch nicht! dtmfenkürsmnq! t Vor den Anschlagsäulen, an denen die Höhe der Renten- liirzungen bekanntgegeben wurde, kam es zu größeren Menschen- anfammlungen und heftigen Diskussionen. Lleberfall auf Bankhaus. Mit vorgehaltener Pistole 2000 Mark erbeutet. Ein unerhört dreister lleberfall nach Ehitagocr Muster spielte sich heute vormittag um zehn Uhr in dem Pankhaus Voening in der Jägerstraße 45,46 ab. Zwei junge Burschen drangen mit vorgehaltc- nen Pistolen in die Bankräumc ein. Während einer von ihnen die'Angestellten in Schach hielt und aufforderte, sich mit dem Gesicht zur Wand zu stellen, sprang der andere über den Tisch, verlangte die Herausgabe der Geldschrankschlüssel und schloß dann den Geldschrank auf. Er entnahm ihm einen Parket rag von rund 2 6 6 6 Mark und mehrere wertvolle goldene Schmucksachen. Tarauf flüchteten die Näuber, die 'Angestellten auf ihrem Rückzug ständig ncit den Pistolen bedrohend. Sie bestiegen zwei auf der Straße stehende Räder und entkamen, ohne daß im Augenblick Passanten auf sie aufmerksam geworden waren. polnische presseversolgung. Redakteur Hubert Schray von der „Kattowitzcr Zeitung" ist wegen eines Artikels über polnische Boykottmaßnahmen gegen Danzig(„Verächtlichmachung staatlicher Einrichtungen") zu 11 Monaten Gesang- n i s verurteilt. Der Staatsanwalt hatte zwei Jahre beantragt. Die Untersuchungshaft(feit 3. Juni) wird nicht angerechnet. Berufung ist eingelegt. Lange Nacht Ein Possenspiel des � Als der Preußische Landlag seine Dauersitzung schloß, war aus Freitag Sonnabend geworden, die Uhr zeigte'A6 Uhr. In der Ge- schichte der Parlamente ist die lange Nacht der französischen Ratio- nalversammlung von 1789 berühmt: in dieser Nacht wurden samt- liche Privilegien des Adels aufgehoben. Aber— Karl Marx hat es geschrieben— in der Geschichte wiederholen sich wohl Vorgänge, doch die Tragödie spielt sich das zweite Mal als Posse ab. So war es in dem von der Kozi-Nazi-Mehrheit beherrschten Preußenparlament. Es wurde auch alles mögliche ab- geschafft, aufgehoben, konfisziert und enteignet, ein Reich des Jubels geschaffen— aufdemPapier! Während die Beschlüsse der französischen Nationalversammlung, als sie gesaßt murden, unmittelbare Wirklichkeit waren, sind die Beschlüsse des preußischen Landtags vom Freitag- Sonnabend noch nicht einmal das Papier wert, aus dem sie stehen. Betrachtet man sich nämlich das Krön- und Schaujuwel, den nationalsozialistischen Urantrag auf Aenderung der Einkommen- besteuerung usw., so findet inan, daß dieser Antrag nichts ist als eine höfliche Bitte, die der Preußische Landtag auf dem Umweg über die Preußenregierung der Reichsrcgierung unterbreitet! Die Reichsregierung von Papen dürste sang- und klanglos dieses ganze Schau- stück, um derentwillen ein Parlament bis in die Morgenstunden tagte, in ihren Papierkorb versenken. Einige Teile des Antrages richten sich auch an die Preußen- regierung direkt: die Beschlagnahme des Vermögens der Ostjuden, des Vermögens„sämtlicher Parteibuchbeamten" shaben die jungen Leute eine Vorstellung!) usw. Nur würde jede Preußenregierung, die diese Anträge ausführen wollte, sich st r a f b a r machen, da jeder Antrag gegen ungezählte Artikel der Keichsversosiung verstößt. Eines ist übrigens typisch: die Enteignung von Ostjuden und Partei- buchbeamten und sonstigen„Bonzen" hat die Nazimehrhcit, die am Schluß der Sitzung den Landtag beherrschte(das gesamte Zentrum hatte sich aus Protest gegen den Unsinn entfernt), init flurra angenommen. Zur Fürstenenteignung dagegen hat es nicht gelangt! Ein entsprechender kommunistischer Gegen- ontrag wurde von der Rechten niedergestimmt. Die französische Revolution enteignete Adel und Fürsten! Die„deutsche" Revolution enteignet alles mögliche, nur die Fürsten und Standesherren läßt sie ungeschoren! Bei ein paar anderen Dingen fielen die Nazis mit ihrer Demagogie herein. Ihr Antrag, daß die Preußenregierung durch feierliche S ä u l e n a n s ch l ä g e aufgefordert werden solle, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten. wurde ihnen vergällt durch die Einbeziehung der ihnen verbündeten Regierung von Papen in diese Forderung. Ebenso erging es ihnen mit einem Antrag, das Vermögen der am Barmat- und Sklarek-Skandal kompromittierten Persönlichkeiten zu beschlagnahmen. hier wurden von der Linken nämlich noch die Fälle Raisscisen und Devaheim eingefügt. Wenn die Nazis direkt dagegen gestimmt hätten, so wäre das ja zu auffällig gewesen. Die Sozialdemokratie tat den Nationalsozialisten nicht den Gefallen, nur aus dem Grunde gegen den ganzen Antrag zu in Preußen! szi-Nazi-parlamenis stimmen, weil sie dessen demagogischen Schwindelchorakter genau erkannte. Solange im Prcußenparlamcnt noch eine Mehrheit vor- Händen war, die zu positiver Arbeit gewillt, unsinnig« Demagagru- künststückchen verhinderte, solange hat die Sozialdemokratie mit aller Kraft das Parlament— auch um den Preis der Unpopularität— arbeitsfähig gehalten. In dem jetzigen N a z i- K o z i- H a u s ist ein solches Bemühen doch von vornherein aussichtslos, eine Haltung wie in dem früheren Parlament kann dem Staat und der Gesamtheit nichts mehr nützen. Genau so, wie die Sozialdemokratie dem kommunistischen Antrag auf Wegbesteuerung der Einkommen über 12 000 M. zugestimmt hat. genau hat sie auch dem nationalsozialistischen Antrag auf Staffelung der Reichseinkommensteuer bis zu 80 Proz. unter Wahrung einer Freigrenze von 2400 M. nach unten zugestimmt. Die Sozialdemokratie weih zwar, daß diese Anträge nur die Luft erschüttern, aber sie denkt nicht daran, den Gegnern den billigen agitato- rijchen Borwand zu lassen, daß die Sozialdemokratie gegen alle diese wohltaten sei. daß sie der Bevölkerung diese schönen Dinge nicht gönne, daß sie die Bekämpfung des Kapitalismus— wenn auch nur wegen der phantastisch unzureichenden Mittel— ablehne! Natürlich hat die Sozialdemokratie gegen die rein hetzerischen. antisemitischen und gegen die Parteibuchbeamten gerichteten Teile des Antrags gestimmt. Mit aller Deutlichkeit muß noch einmal wiederholt werden, daß der ganze nationalsozialistische Antrag nur ein Verlegen- heitsmanöoer war, das verdecken sollte, daß die Nazis den kommunistischen Antrag auf Fortbesteuerung der Einkommen über 12 000 M. mit allen Schikanen bekämpft hatten. Festgehakten werden muß auch der demagogische Kniff, daß sie ihre Anträge an die unzuständige Preußenregicrung gerichtet haben, daß sie sich da- gegen hüten, ihre Forderungen der unter ihrem Einfluß stehenden Papen-Regierung aufzuzwingen! Das Preußen-Parlament bot in dieser langen Nacht, die eine Nacht in jedem Sinne war. ein Bild parlamentarischen Tiefstands. über das ein Engländer oder Franzose einfach in Entsetzen geraten wäre. Diese Nacht hat die vollendete Unfähigkeit der Nazi, demagogie enthüllt, irgend etwas Positives aus ihrer neu- gewonnenen Parlamentsmacht zu gestalten. Sie haben einen Tummelplatz ödester Schwätzerei und wirkungsloser Antrags- fabrikation aus dem Parlament gemacht. Sie weigern sich, eine Regierung zu bilden, sie weigern sich, praktisch wirksame Gesetze zu machen. Dabei zeigt das Präsidium aus zwei Nazis, einem Deutschnationalen und einem Zentrumsmann, wie die Machtver- Hältnisse dieses Landtags liegen. Die neue Macht, die das Präsi- dium unter Ausschaltung der Opposition besetzt hat— sie kann nicht das geringste Positive schassen. Sie bekennt sich zur absoluten Ohnmacht! wollt ihr im Reiche dasselbe, ihr braucht am ZI. Zuli nur einen ähnlichen Reichstag zu wählen! Diensthundführer der Schupo stieß auf einem Streifgange in der Nähe der Waldpromenade aus mehrere Männer, die einen Draht- zäun, der erst am Tage zuvor an einem Grundstück angebracht war, abrollten. Als die Beamten die Männer anriefen, flüchteten sie in den Wald hinein. Die Beamten schickten die chundc nach, die die Diebe stellen sollten. Einer der Diebe zog sein Messer und stach auf de» chund„Strom" ein. Die Schlagader wurde aufgeschnitten und der Hund verblutete. Der Messerstecher ist entkommen. Ein zweiter Hund stellte den anderen Dieb. Llmsturz in Giam. Militär gegen Absolutismus. London, 25. Juni.(Eigenbericht.) Ein erfolgreicher Militärputsch hat in Sian» die absolute Monarchie gestürzt. Mehrere Prinzen, Minister und hohe Beamte wurden verhaftet. Tie neuen Macht- Haber proklamierten die konstitutionelle Monarchie. Bayern an Hindenburg. der Staats rszimmg einig, daß die Erfüllung dieser Aufgabe nicht nur zum Schutze der staatsbürgerlichen Freiheit in Bayern not- wendig ist, sondern auch im gut verstandenen Interesse des ganzen deutschen Vaterlandes liegt." Protest bei Hindenburg. bleich, zeitig hat die bayerische Regierung dem Reichspräsidenten Hindenburg die Stellungnahme Bayerns in einem besonderen Schreiben mitgeteilt. Es enthält die dringende Bitte, der Reichs- Präsident möge aus die Entschlüsse der Reichsregierung dahin wirken, daß die Bedürfnisse der Länder den Interessen einer Partei vorangestellt würden, nnd schließt mit der Hoffnung, daß dem Lande Bayern auch in Zukunft die Aufrechterhaltung der Ord- nnng nnd Sicherheit nicht unmöglich gemacht wird. Hitler heht. Hitler hat am Freitag in, Zirkus Krone in München gesprochen und Oel ins Feuer gegossen. Er hat kein Wort gegen die Regierung Papen nnd gegen die Hung«r notoer- ordnung gesprochen, dafür zum Bürgerkrieg gehetzt. In seiner Rede wies er auf die Ausweisung �der nationalsozialistischen Fraktion aus dein Bayerischen Landlag hin und erklärte unter stür- inischein Beifall, daß sich die Partei„diese Methode der Recht- Iprechung" nicht mehr gefallen lasse» würde. „Wir sind entschlossen," so erklärte er,„entweder durch das Reich unser Recht zu bekommen, oder einen Zustand herbei- zuführen, der die lliimöglichtcit dieses Borgehens jedem ein- deutig beweist. Wir werden in Oldenburg und M e ck l e n- bürg genau das tun, was die Bayerische Voltspartei i» Bayern macht. Dann muh das Reich eingreifen und das rechtswidrige Ver- halten der schwarzen und roten Parteien korrigieren." Nazibefehle an das Kabinett. Die Olationalsozialisten haben Deputationen zum Reichsinnen- minister Freiherrn von Gayl geschickt, um sich— über Terror zu beschweren. Freiherr von Goyl, der f ü r d i e F ii h r e r des Zentrums keine Zeit lockte, hat sie sofort empfangen. Er hat, wie der Pressedienst der NSDAP, mitteilt, ihnen die Aushebung des Demonstrationsoerbots in ganz Deutschland bis spätestens Mitt- woch zugesagt und„den preußischen Innenminister zur Bericht- «rstattung besohle n". So sieht S e o e r i n g gerade ans, als ob er sich von dein Freiherrn von Gayl befehlen ließe! Trotz dieser Unterwürfigkeit sind die Nazis noch zur v o r g e- setzte» Behörde gegangen, nämlich zum Reichswehr- m i u i st e r i u in, und dort hat ihnen— immer nach ihrem eigenen Bericht— der Ehef des Ministeramts, also Schleichers Nachfolger— zugesagt, daß entsprechende Maßnahmen gegen den Terror er- solgen würden. Woraus mau schließen kann, daß der Chef des Ministeramts im Rcichswehrministerium der Borgesetzte des Kabinetts ist. Di« Kompetenzverteilung in dieser Regierung ist wunder- bar! Noch wunderbarer ist, wie dies Kabinett willig auf jeden Befehl der Nazis hört! Gtraßenterror hält an. Wieder zahlreiche Verletzte im Reich. Duisburg. 2o. Juni. Die Beerdigung des Kommunisten Bischof, der einer bei poli- tischen Auseinandersetzungen erlittenen Stichverletzung erlegen war, »ersuchten die Kommunisten zu einem großen Propagandazug zu gestalten. Aus allen umliegenden Städten waren Parteianhänger in Duisburg zusammengeströmt. Man schätzte die Menge auf 10 000 bis 12 000 Personen, darunter viele Frauen und Kinder. Als eine Schalmcienkapelle verbotene Lieder des Rotfront- kämpfcrbundes spielte, versuchte die Polizei, die Kapelle abzudrängen. Hierbei gingen die Kommunisten mit Stöcken und Steinen gegen die Beamten vor. Auch einige Schüsse wurden abgegeben. Daraus erwiderte die Polizei das Feuer und ging mit dein Gummiknüppel vor. Zwei Kommunisten wurden schwer, eine Anzahl leichter verletzt. Dtoichsbanner- Sportler überfallen. Mehrere Verletzte. Minden i. W., 2ö. Juni.(Eigenbericht.) Am Freitagabend kam es hier zu einem blutigen Zusammen- stoß zwischen Reichsbannerleuten und'Nationaisozialislen. M e h- rcrc Reichsbamnerleute und ein SA.-Führer wurden schwer v«rletzt. Die Reichsbannerleut« befanden sich nach einem Handballspiel aus dem Heimweg. Sic stießen unterwegs auf Nationalsozialisten. Als sie die Nazis erblickten, kehrten sie um. An dein Ausgang des Weges wurden sie jedoch von dem berüchtigten n a t i o n n l s o z i a- listisch«» II e b c r f a l l a u t o in Empfang genommen. Die In- sasseiz des Autos sielen über die wenigen Reichsbaniierlcutc her. Es fielen von iKnioiialsozialiftischer Seite mehrere Schüsse, die jedoch ihr Ziel versehlten. Daraufhin wurden die Reichsbannerleute mit Ziegelsteinen und Schlagwcrkzeugen bearbeitet. politische Zusammenstöße im Rheinland. Ratingen bei Düsseldorf. 25. Juni. Zwischen Nationalsozialisten und einem Trupp Kommunisten tan, es zu einem Kainpf, in dessen Berlous auch einige Schüsse fielen, durch die zwei Kommunisten schwer, und zwar der eine durch einen Brust-, der andere durch einen Untcrschenkelschuß, verletzt wurden. Von den Nationalsozialisten wurden mehrere durch Stcinwürf« ver- letzt. Als die Polizei am Tatort ankai», waren die Streitenden bereits verschwunden. vorlmund, 25. Juni. Die Ratioiiaisozialisten hatte» Freiiagabeud in Lindcnhorst eine özscntlichc Versammlung einberufen. Als gegen 8 Uhr ein aus Lünen kommender Lieferwagen mit 30 Lünencr Nationalsozialisten vor dem Verasminliingslokal eintraf, wurde dos Auto von de» Kommunisten, die sich angesammelt hatten, umgeworfen. Fünf Nationalsozialisten trugen dabei schwere Verletzung«» davon, die übrigen 25 Insassen wurden leicht oerletzt. Aazi-Terror in der Hochbahn! Reichsbannermann wird zum Zuq hinausqeprügelt. Ein unerhörter Vorfall spielte sich heute mittag in der Hoch- bahn ab. Ei» größerer Trupp des SA.-Sturms 90 bestieg am Gleisdreieck einen in Richtung Warschauer Brücke fahrenden Hachbahnzug. Der in dem Abteil sitzende Reichsbannermann M. aus Schöneberg wurde von den Hokenkreuzlern sofort angepöbelt und aufgefordert, seine Abzeichen abzu- legen. Als der Rcichsbannerkamerad sich selbstverständlich weigerte, der Ausforderung der braunen Gesellen nachzukommen, fielen mehrere über ihn her und rissen ihm das Abzeichen vom Rock. Einige Burschen riefen:„Werft doch den Strolch zum Zug hinaus!" Inzwischen war der Zug auf dem Hochbahnhof Möckernbrücke angelangt. Dem Reichsbannermann blieb nichts weiter übrig, als das Abteil zu verlassen, um noch Schlimmerem zu entgehen. Beim Hinausgehen schlugen die Nazis mit den Fäusten nach hinterrücks auf den Reichsbannermann ein. Leider mar es den Bohnhofsbeamten nicht mebr möglich, einzugreifen, da sich der Zug bereits wieder in Bewegung gesetzt hatte. Aeue Nevifenassare. Für 5 Millionen Mark Wertpapiere verschoben. In«iner aufgedeckten großen D«vis«nasfäre des eh«- maligen Großbonkangestellten S e d l m a y e r, bei der es sich nach den bisherigen Feststellungen um di« Verschiebung von Wertpapier«» im Werte von fünf Millionen Mark handelt, sind verjchie- dene Verhaftungen erfolgt. Ein aus München stammender Kauf- mann N e ii h a u s e r, her in Passa» festgenommen wurde und nach Berlin gebracht wird, soll der eigentliche Zubringer gewesen sein, der in riesigen Mengen deutsche Wertpapiere aus dem Auslande. und zwar hauptsächlich aus der Schweiz, nach Deutschland brachte. Hier trat dann S-edlmayer in Aktion, um über die Konten seiner Braut und anderer Angehöriger, die bei einer Berliner Großbank unterhalten wurden, diese aus ausländischem Besitz stammenden Wertpapiere als angeblichen Jnlandbesitz zu verkaufen. Diese Trans- aktionen wurden mit Hilfe eines mittleren Berliner Bank- geschäfts durchgeführt. Sedlmayer ist im»ntersiichungsgefängnis Moabit in den Hungerstreik getreten. Oiensthund bei Verfolgung erstochen. Bei der Verfolgung flüchtender Diebe in Mahls- dorf wurde in der vergangenen Nacht der Diensthund„Strom" „n icdergestochcn und getötet. Eine Doppclstreise der, Nach dem königlichen Sommersitz Huahin ist ein Kriegsschiff ob- gesandt worden, um den Z8jährigen König P r a j a d h i p o k, der sich mit der Königin Rambai Barni dort aufhält, nach der Haupt- stodt Bangkok zurückzubringen. Auch der P o l i z e i ch e f von Bangkok wurde verhaftet. Bisher ist der Chef des General- st a b e s das einzige Todesopfer des Aufstandes. Den Aufstand hatte die Marine mit Unterstützung eines Teils der Armee durchgeführt: sie haben eine neue„V o l k s p a r t e i" gebildet, deren nunmehr erreichtes Ziel es war, den König seiner absoluten Macht zu entkleiden. Die revolutionäre Bewegung wurde ausgelöst durch die schwere Wirtschaftskrise. Vor einigen Monaten wurde aus Spargründen eine große Anzahl O s s i z i e r e und Staatsbeamte entlassen. Dazu kamen wesent- liche S t e u e r e r h ö h u n g e n. Schließlich habe sogar der Finonzbeirat Sir Eduard Cook sich veranlaßt gesehen, sein Amt niederzulegen und dem König zu erklären, daß seine Anwesen- heit in Bangkok überflüssig geworden sei, Verbot des„Angriff". Wegen der Soebbelsschen Hetze. Aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Zurtl 193Z.§ 6 Abs. 1 Ziffer 1 und 2, ist der„Augrisf" einschließlich aller Kopfblätter mit sosortiger Wirkung bis zum ZV. Juni einschließlich verboten worden. ml das FraiheitsoDfer! Erwer&i die Freiiieitsrnarken für 0,15. 0.50. 1.-. 5,- und 10.- mark. Postscheckzahiungen sind zu leisten auf das Postscnackkonto: Berlin 14157. Adolf Holz. Kasslerer Freiheit will erkämpft sein! Opfert deshalb! Epilog zum M Geistige Grundlagen. Es ist das gute Recht, es ist im Sinn ihrer Ausgabe die Pflicht der„Internationalen Gesellschaft für neue Musik", nur das zur Aufführung zu bringen, was ihr fortschrittlich, unkonventionell und interessant genug erscheint. Es ist daher eigentlich selbstverständlich, daß es sich bei ihren musikfestlichen Aufführungen nicht um einen Querschnitt durch die zeitgenössische Produktion, lediglich vielmehr um einen Ueberblick über die Leistungen einer Avantgarde handelt, daß hier nicht die Musik unserer Zeit, sondern ein aus ihr sorg- fällig ausgewählter Ausschnitt zu Worte kommt.„Neue Kunst" ist heute freilich längst keine rein artistische Frage mehr— hier aber ging es um nichts als überspitzte Artistik: und da diese zwar wahr- lich nicht das Neue schlechthin ist, scheint es uns wichtiger, von den geistigen Grundlagen dieser Entwicklung zu reden, statt den einzel- nen Werken als eine sonderbare Art Taufpate ein paar liebens- würdige Worte mit auf den Lebensweg zu geben. Immer wieder drängt sich die Frage auf, was das eigentlich alles bedeute: diese Umwertung aller musikalischen Werte, diese infernalische Freude an der Ueberwindung der Musik durch ihre eigenen, durch musikalische Mittel? Eine Musik, deren oberstes Staatsgrundgesetz zu lauten scheint, sie dürfe nicht klingen? Eine Kunst, die sich unhistorisch gebärdet, durch die Kraft des Gegensatzes zu allem Gewordenen aber(von dem sie lebt) geradezu historisch versklavt erscheint? Die sich einbildet, revolutionär zu sein, in ihrer eisigen Lereinsamung aber nichts ist als sterile Reaktion? Was sind dies für seltsame Ideen, die soviel junge, begabte, hosfnungs- volle Köpfe zu mühevoller Arbeit bringen, die erfolglos bleibt trotz allen Iournalistengcschwätzcs, trotz jener Fortschrittler um jeden Preis und„Jasager" von bemitleidenswerter Profession. Man hört Werke für Orchester, Kammerorchester, verschiedene kammermusikalischc Besetzungen, die fast alle im Technischen stecken- geblieben scheinen und sich zum Kunstwerk ungefähr verhalten wie ein Karton zu einem Gemälde: die im höheren Sinn experimen- tieren, statt Resultate zu geben. Offenbar wollen sie eine organisch nicht mehr gegebene Entwicklung erzwingen: ihre geistige Grundlage ist der zutiefst falsche Satz: Kunst wäre ein absoluter Wert und ihre absolute Entwicklung allgemein verbindlich. Sie ist es nicht. Wer spürte es nicht am lebendigen Leibe und in tiefstem Schmerz!... Diese Leute halsen die Romantik wie den bösen Geist und sind doch crzromantisch im cntscheidcnstcn Punkt: sie schreiben für ein imagi- näres Publikum, das sie niemals haben werden aus Gründen, die keineswegs nur auf musikalischem Gebiete liegen. Sie gehen nicht vom Material aus, das die Form bedingt, die dann allenfalls eine Idee repräsentiert: sie gehen von der Idee aus, die ihre Form bestimmt und gelangen so zu ihrem Material. Sie schreiben gar nicht Musik, sondern Musikgeschichte. Revolutionär(und notwendig) ist der Künstler, dem nicht die Einsamkeit, dem die Gemeinsamkeit am cherzen liegt. Viese wissen es schon und arbeiten an neuen Grundlagen, arbeite» Grundrisse aus für Gebäude der Zukunst: in Wien merkte man nichts davon: hier wurden lediglich seltsame und unwesentliche Zierate an den Turmzinnen alter längst fertiger Paläste ausgeführt... Für den Künstler spielen technische Fragen naturgemäß die größte Rolle. Das Publikum aber geht es gar nichts an, ob da ttmas in Zwölstontcchnik, im untehmatischen Stil oder Viertelton- system geschrieben ist: weder Technik noch Stil sind da von Vedeu- tung, sondern lediglich die synthetische Kraft dahinter, dasjenige. warum es Kunst gab von je,„nenne es Glück, cherz, Liebe, Gott, ich habe keinen Namcn dafür"... Nur van diesem Gesichtspunkt aus sollen die Werke selbst betrachtet werden: da jedes andere Kriterium versagt. »sikfest in Wien Orchester. Eine langweilig lärmende Tanzsuitc von Claude D e l v i n- court, ein kontrast- und konturloses Geigenkonzert von Karel ch a b a machen ebenso wenig Eindruck wie ein epigonenhaft ge- schwötzlges Geigenkonzert von Jerzy F i t e l b e r g. ein Ständchen Eduard Erdmanns oder eine im Instrumentalen sehr geschickte Sinfonie für Blechblnsinstrumente und Schlagzeug von Hans I e l l i n c k(der begabt genug ist, eigeneres, ernsteres zu voll- bringen). Robert Gerhards„Katalanische Lieder" mischen Volks- und Kunstmusik, ohne daß die Rechnung glatt aufginge. Interessanter zwei Klavierkonzerte: Klavierkonzert Nummer zwei von Norbert von H a n n e n h e i m, ein Stück voll kalter Leiden- schast, unbestreitbarem Intellekt, aber ebenso unbestreitbarer Ge- staltungskraft: sowie Lopatnikofss zweites Klavierkonzert. Es verfügt mehr über rhythmische als thematisch« Kraft, ist bei oll seinem musikantischen Elan mehr gemacht als gewachsen und weist einen erstaunlich stimmungsvollen Mittelsatz auf. Ernest Ansermet dirigierte eine Innominata Conrad Becks, ein klar gegliedertes, sympathisches und begabtes, wenn auch stilistisch nicht einheitliches Stück: Karel Anccrl das„Vorspiel zu einer altgriechischen Tra- gödie" im Vierteltonsystem von Myroslav P o n c— neben K r e n e k s wunderbarem Liederzyklus„Durch die Nacht" Zweifel- los das einzige Wert voll ursprünglicher Gewalt, voll größter symthetischer Kraft, das da überhaupt zu hören war. Kammermusik. Ueberflüssig. all die Werke und Autoren aufzuzählen: die wenigsten sind des Erwähnens wert. Von Arlhur B l i ß kam ein schönes impressionistisch gesärbtes Quintett für Oboe und Streicher zur Auffiihrung, bei dem sich Leon Gooßens als schlechthin wunder- voller Oboist erwies. Sympathisch, wenn auch vieldeutig und unsin- heitlich ein Werk M a l i p i e r o s„Cantari alla Madrigalesca". Eine Flötensonote Fidelio F i n k e s, eine Bratschensonote von Walter Leigh sind trostlos durchschnittliches Handwerk. Die Klaviersonate von Julius Schloß zergrübelt und ze.rquält. Zer- faserung des Materials ohne konstruktive Verdienste, fragwürdig im Ernst, viel fragwürdiger nach in der Parodie. Nicht viel anderes ist von Leopold Spinners Streichtrio zu sagen: Schatten und Gespenster sind dos alles der ursprünglichen musikalischen Charak- tere: die erscheinen gleichsam auf anderer Ebene, durch Intellekt filtriert... Tiefsinn und Trauer rinnt aus diesen klangseindlichen Klanggcweben, aus diesem musikalischen Nihilismus. Arbeitersinfoniekonzert und Ausklang. Im Rahinen der Wiener Arbeitersinfoniekonzerte— einer seit 1905 bestehenden verdienstvollen Organisation, die musikalischer Er- Ziehung der Arbeiterschaft mit der Förderung neuen Musizierwillens vereint— dirigierte Anton Webern Mahlers zweite Sinfonie, Schönbergs Chor„Friede auf Erden" chessen große Schwierig- keiten der Chor der sozialdemokratischen Kunststelle vorbildlich meisterte), Schön bergs„Musik zu einer Lichtspielszene" sowie Bergs„Weinarie", von Ruzena Herlinger prachtvoll interpretiert. Ein Konzert, das von Aufbau, Arbeit, Leistungsfähigkeit der Organisation schönes Zeugnis ablegte und alle begeisterte, die hier aus den Schattenreichen der Abstraktion ins Sonnenreich des Klangs, in das strahlende Gebiet der klingenden Musik Zurückgeführt wurden. Hier stand man wieder— bei Mahler und Schönberg— am Au?- gangspunkt des Weges: mit stärkerem und begründeterem Zweifel als vorher, ob es der in die Zukunft wäre... Arnold Walter. SA. tobt weiter! Schwere lleberfälle auf Gastwirtschaften. Zahlreiche Verletzte. 3n den späten Nachtstunden waren die Hitler-Garden wieder aus dem Posten, um harmlose Passanten zu überfallen. 3n einem Falle wurde in Tempclhof von 40 Nationalsozialisten versucht, eine Gaslwirkschast zu stürmen. In der Ordcnsmeisterstraße Ecks Fricdrich-Wilhelm-Straßc in Tempelhof befindet sich das Lokal von Karutz. In der Gastwirt- schaft verkehren hauptsächlich Arbeiter. Gegen'Ai Uhr ertönte auf der Straße� plötzlich ein Pfeifensignal und unmittelbar darauf setzte gegen die Schaufensterscheiben ein B o m b a r d c m e n t in i t f a u st- großen kleinen ein. Sämtliche Scheiben wurden zertrümmert. Als einige Gäste auf die Straße eilten, wurden sie von etwa 40 uniformierten Nationalsozialisten überfallen. Mit Koppelschlössern, Ltahlrulen und Totschlägern wurde aus die wenigen Männer eingeschlagen. Sechs Gäste erlitten schwere Kopsverlehungen. ■sie mußten zur nächsten Rettungsstelle gebracht werden, wo ihnen Notverbände angelegt wurden. Das telephonisch alarmierte lieber- sallkommando kam leider zu spät. Nach Beobachtungen von Passan- ten, sind die Hakenkreuzler in Richtung Steglitz geflüchtet. Der Trupp wurde bereits gegen 22.30 Uhr in der Mariendorfer Straße, unweit des Bahnhoies Mariendon, beobachtet. Auf das Konto derselben Gruppe scheinen noch mehrere Uebersälle zu kommen, die sich in der vchildhornstraße in Steglitz abspielten. So wurde DkS! Pfeile Der erste Pfeil heißt: Aktivität! Sieh rühren und werben von früh bis spät! Der zweite Pfeil heißt; Disziplin! Zu Zucht und Straffheit sich erziehn! Der dritte Pfeil heißt: Einigkeit! Eisern die Front in schwerster Zeit! gegen 2 Uhr ein Passant niedergeschlagen. Der Wehrlose erlitt schwere Augenverletzungen.— Einige Zeit zuvor war ein K o m- munist von Nationalsozialisten niedergeschlagen worden. Die Täter maren�in einem Privatauto geflüchtet. Ein zufällig des Weges kommendes Strcisenauto der Schupo nahm die Ver- folg ung der Autobanditen aus. In der Fcuerbachstraße wurde der Wagen eingeholt. Bis auf den Chauffeur waren die anderen Täter jedoch verschwunden. Der Nazichausseur wurde fest- genommen und das Auto sichergestellt. In der Seitentaschc des 'Autos wurde eine Mehrladcpistole mit fünf Schuß scharfer Munition gefunden.— 3n der Prenzlauer Allee slachen vier hakenkreuzler einen Passanten nieder. Mit einem schweren Kopfstich wurde der Ueberfallene zur Rettungsstelle und später ins Krankenhaus ge- bracht. Durch das provokatorische Austreten der Hakenkreuzler in der Albrecht st raßc in Steglitz— besonders eine„Eisdiele" an der Ecke Albrecht- und 5ieesestraße ist der allabendliche Sammelpunkt der SA.-Leute— sind auch gestern abend wieder Schlägereien eMstanden. Die Polizei sollte dieser Gefahrenecke ganz besondere Aufmerksamkeit widmen. Liebestragödie in Marzahn. Zwei Selbstmorde aus enttäuschten Mä'dchenhoffnungen Anter der schweren Beschuldigung, zwei Frauen er- mordet zu baden, war. wie wir bereit» mitgeteilt hatten, am Freitag der 32 3ahre olle Bauunternehmer Bruno Matthe aus Marzahn seslgenommen worden. Es war Matthe vorgeworfen worden, seine wirlschastcrin. die?K 3ahre alte Anna p o- tomski, die am lä. Bim 193? verstarb, vergiftet zu haben. Weiter wurde ihm vorgeworfen, die 26 3ahre alte Wirtschafterin Charlotte p l a u h e, die jetzt in seiner Wohnung schwer krank aufgefunden wurde, ebenfalls vergiftet zu haben. Gerüchte, die in der Gegend kursieren, veranlaßten die Polizei cinzuschreiien und M. vorläufig sestzunehmen. Nach den bisherigen Ermittlungen komm« bei Matthe Mord nicht in Frage. Die beiden Mädchen sind zu dem Entschluß, Selbstmord zu begehen, offenbar gekommen, weil sie sich durch Matthe in ihren Ehehoffnungen betrogen sahen. Matthe befindet sich seit geraumer Zeit in einer gesicherten Stellung bei einem großen Bauuniernehmen. Er hatte eines Tages Anna Potowski kennengelernt, die Krankenschwester war und als Wirtschafterin in seine Dienste trat. Dos Verhältnis zwischen beiden gestaltete sich sehr gut. Anna P. wurde Mutter eines Kindes von ihm. Eines Tages bekam Bruno M. von seiner Firma den Auftrag, in Ostpreußen größere Bauten auszuführen. Est blieb lange Zeit weg. In Ostpreußen traf er zusöllig Charlotte Plautze, eine alte Jugendbekanntschaft von ihm, die auch seine CUern kannte. Das junge Mädchen war damals ohne Beschäftigung und bat Bruno M., ihr eine Stellung zu besorgen, fragte ihn sogar direkt, ob er sie nicht mit nach Berlin nehmen möchte. Dem Baumeister ging es gut, und er nahm Charlotte mit. In das Verhältnis mit?lnna Potowski trat jetzt durch das Er- scheinen der Charlotte P. eine Trübung ein. die nach kurzer Zeit mit dem Selbstntord des Mädchens endete. Mit Recht hatte dos Mädchen damit gerechnet, daß der Mann, von dem sie ein Kind hatte, sie heiraten werde. In dem anderen Mädchen sah sie ihre Rivalin. Als Bruno M. eines Tages nicht zu Hause war, nahm sie Beronal und vergiftete sich. Sterbend fand Matth« die Mutter seines Kindes, und auf dem Sterbebett nahm sie ihm das Versprechen ob, die Charlotte P. nicht zu heiraten. Bruno M. gab das Versprechen und war in einer Zwangslage, da auch Char- lotte hoffte, von ihm geheiratet zu werden. Es hieß irrtümlich, doß er sich in>t Charlotte P. verlobt haben sollte. Das trifjt aber nicht zu, weil sich Bruno M. an sein der Sterbenden ge- gebenes Versprechen hielt. Ansang der Woche ernfsnote er dem Mädchen, daß es in Kürze ausziehen müsse, weil er sich jetzt mit einer anderen Frau v e r h c i r a t en wolle. Die Verlobung mit der Dritten sollte am Sonnabend stattfinden. Zlls Charlotte P. diese Worte van dem Baumeister hörte, war sie bestürzt und faßte den Entschluß. aus dem Leben zu scheiden. Von demselben Verona!, dos die Krankenschwester Anno Potowski benutzt hotte, nahm auch sie jetzt eine Dosis und legte sich zu Bett. Der Baumeister war in Ge- schäften unterwegs. Am Freitagnachmittag sahen Leute den kleinen Jungen des BauGsisters weinend im Garten stehen. Sie fragten ihn nach der Ursache und hörten von dem Kleinen, daß d a s M ä d- chen Charlotte tot fein sollte. Als die Nachbarn in das sbaus eindrangen, fanden sie Charlotte P. noch lebend vor. Der Arzt sorgte für Ueberbringung ins Krankenhaus. Diese Angaben, die der Baumeister bei der Mordinspektion machte, scheinen tatsächlich zuzutreffen. „Wiener Blui." Strauß in der Staatsoper. „Wiener Blut!" In jedem Takt, in jeder Note pulsiert es. Bald strömt es breit wie ein Strom im Flußbett warmer satter Melodien. bald rauscht es leidenschaftlich, geradezu aufrührerisch, kecke schmissige Zweiviertel-Takt-Rhythmen wechseln mit dem immer wieder rhythmisch und melodisch apart nuancierten Dreivierteltakt, den der Meister des Walzers wie keiner zu einer hohen Kunstsorm des Rhythmus erhoben hat. Diese Fülle von Einfällen! Diese Grazie, Eleganz und vor allem diese unbändige Fröhlichkeit eines Musikantenherzens, sie zwingen uns immer wieder in den Bann ihres höchst angenehmen suggestiven Einflusses. Was das Libretto betrifft, das diesem„Wiener Blut" zugrunde liegt, so ist es ebenso schwach und nichtig wie die anderen Text- bücher, mit denen sich Strauß abmühen muhte und die ja auch zum größten Teil Schuld daran trugen, daß die meisten seiner Operetten durchsielen und bis in jüngster Zeit verschollen blieben.„Wiener Blut" ist eine aristokratische Ehe- und Liebesirrungen- und-ver- wirrungengeschichts. ähnlich wie die der„Fledermaus" und irgend- wie auch dem„Figaro" verwandt. Das Werk bezieht seine Bühnen- lebendigkeit einzig und ollein aus der Musik, die über Platcheiten und Läppischkeit des Textes immer wieder geschickt hinwegtäuscht. Wenn dieser offensichtlich- Mangel der Textunterlage gerade gestern nicht allzusehr fühlbar war. so ist dies einem Gutteil der qanz vortrefflichen Ausführung zuzuschreiben. Die Staatsoper hat es sich sehr angelegen sein lassen, dieses Werk so herauszustellen, daß man es nicht allein als eine geschäftliche Rettungsaktion hin- zunehmen hat. Eine glanzvolle Besetzung, eine äußerst präzise und fcindurchgearbeitetc Aufführung sowohl in musikalischer als auch in szenischer Hinsicht bereitete'dem Werke«inen enthusiastischen Publikumserfolg. Vera Schwarz, als betrogene, liebende und mit Humor verzeihende Gattin, stimmlich und darstellerisch auf voller Höhe. Marcell W i t t r i s ch, leider ein völlig unzulänglicher Schau- spielcr, aber ein Tenor mit ungewöhnlichen Stimmitteln und einer Gesannskultur, die bestes belcanto italienischer Schule ist. Magaret« Slezak, die Demoiselle und da?„G'spusi" des gräflichen Don Juans, eine würdige Dritte im„Ehebunde" und Sängerterzett. Luise Ullrich als Probiermomfell und tugendbclaftetes Wiener Mädel. Der Treffer des Abends. Ein Vollbluttalent, wie es schon lange nicht mehr über die Bretter der Berliner Theater getobt hat. Im Gegensatz zu den uns sattsam bekonnten sugendlichen Naiven, die so gerne in unbeholfener Kindlichkeit machen— unroutiniert, vom Theater besessen, aber nicht verdorben. Oskar Karlweiß wie immer von einer herzbezwingenden Sympathie und bestem Humor. Waldemar Henke und Leopold Hainifch, zwei alte Herren, deren jugendlicher Uebermut die Lacher auf seiner Seite hat. Kleiber am Dirigentenpult hott aus dem vortrefflichen Orchester jede Feinheit und Schönheit des Werkes heraus. Dr. Kurt Singer, der Regisseur, a. G., hat ein Musterbeispiel für vollendete Opcrninszenierungskunst geschaffen. Die Bühnenbilder von Benno v. Arent vervollständigen den Gesamteindruck des Abends zu stärkster Wirkung. F. L. Gletscherspuren im tropischen Amerika. Wie aus Peru gemeldet wird, hat die deutsche Anden-Expedition unter Leitung von Dr. Borchers ihre Arbeiten mit gutem Erfolge aufgenommen.— Im nördlichen Teil der bisher kaum erforschten Cordillera-Blanca hat die Expedition eiszeitliche Gletscherablagerungen entdeckt. Die Geologen können sich dies nur schwer erklären, da Peru zwischen dem Aequator und dem 20. Grad südlicher Breite liegt. Das Vorhanden- sein von Spuren der Eiszeit in Gebieten wie Peru könnte entweder dadurch erklärt werden, daß sich die Erdachse verlagert hat oder aber, daß die Kontinente—- wie es die Wegenersche Kantinentalvcrschic- bungstheorie lehrt— gewandert sind: danach müßte das Gebiet, in dem die Spuren der Eiszeit gefunden wurden, früher weiter südlich gelegen haben.— Von größtem Interesse für die Archäologen dürfte es sein, daß die Anden-Expedition eine Reihe von Inkabauten ge- funden hat, Der Hawai-Film im Planetarium nochmals«crlängerk. Wie es in H a w a i, der paradiesisch schönen Insel aussieht, erfährt man im Planetarium am Zoo durch die spannenden Ausführungen Pater Linnemanns über Land und Leute dieses Erdenflecks und durch den fesselnden Film:„Hawai, das Paradies der S ü d f e e". den der Pater selbst aufgenommen hat. Das astrono- mische Vorprogramm behandelt das Thema:„Abschied vom Abend- stern". Dieses reichhaltige Programm hat so großen Anklang beim Publikum gefunden, daß der Film noch einmal verlängert wer- den mußte und täglich in vier Vorführungen reichen Beifall erntet. Der Film wird nur noch bis zum Sonntag, dem 26. Juni, vor- geführt. Die Vorführungen finden wie gewöhnlich um 3, 5, 7 und 9«Ihr statt. Filmreprijen. Der Terra-Filin„Der Ander e" mit Fritz Kortner, Köche von Ragy und Heinrich George in den Hauptrollen wird wieder im Marmor haus gezeigt.— Der Tonsilm„D e r kleine Seitensprung" mit Renate Müller in der Hauptrolle und Hermann Thirnig und Hans Braufewettcr wird im U T. Kur- fürstendamm in'Neuaufführung gebracht. To« Schiller-Theater unter der neuen Tirektion. Ta-Z Schiller-Theatcr eröffnet an, 1. September die neue Spielzeit. Fritz Hirsch, der neue kimstlerische Leiter, will die Tradition des Hauses fortsetzen. Die Zu> saminenilelluna des Spielplans, die Bildung eines festen Ensembles, an dessen Spitze H. T. Kenter als Spielleiter steht, sollen«ine innige Verbin- dung mit den alten Freunden und Abonnenten wieder herstelle». Die Er- ösfnungsvorstcllling ist eine Neuaussuhrung von G. Hauptmanns Märchen- droma„D i e versunkene G l o ck e". zugleich gedacht als Ehrung seines 70. Geburtstages. Es folgen dann als Uraussübrung ein Bolkzstüli Bruno Wellcnkamps„Theres geht vorüber": die Berliner Erstaufsührüng des Schauspiels„Der 18. O k t o d e r" von Walter Erich Schäfer, dos Berliner Voltsstuck„Hallo! Nur Mut!" von Kurt Eorrinth:„D e r Widerspen st igen Zähmung" von Shakespeare, in der Bearbeitung von Hans Rothe(mit Lucic Mannheim!: Schillers„Kabale und Lieb e": Ludwig Fuldas dramatisckics Märchen„Der T a l i s m a n", als Festaussührung für den 70. Geburtstag des Dichters!„P l a tz u n d S i c g", Gescllschastskomödie nach Wallacc von Hans Rothe: und um die Weihnachts- zeit ein Singspiel des bekannten Komponisten Robert Stolz„W e n n die kleinen V c i l ch e n b l ü h e n". Tic Eintrittspreise betragen 1 bis 6 M. einschl. Garderobe und Programm. Preise im Abonnement: 75 Pf. bis 3 M. Außerdem werden Hefte ausgegeben mit zehn Eintrittskarten zum halben Kassenpreis, die nicht an einem bestimmten Tag gebunden sind. Die Johannes-Schlaf-Feier zum 70. Geburtstag des Dichters beginnt Sonntag, 11.30 Ubr. im Tbeater am Bülowplatz im Beisein des Dichters. Dr. Artbur E l o e s s e r hält die Festrede. Eduard V o n W i n t e r- st e i n liest aus den Werken von Johannes Schlaf vor und Bruno E i s n e r beginnt und schließt die Feier mit Musikstücken. Karten werden unentgelt- lich an der Kasse des Theaters und durch die Geschäftsstelle der Bolksbilhn«, Linienstr. 227, ausgegeben. Einheitsfront gegen Faschisten Oie Arbeiterschast muß sich restlos zusammenschließen Durch die Arkcitcrschaft geht eine tiefe Welle der Sehnsucht nach gemeinsamem Kampf gegen die s a s ch i- st i s ch e Gefahr. Jeder politisch Denkende begreift, daß n u r die Arbeiterklasse imstande ist, den Faschismus zu schlagen, und daß die Arbeiterschaft nur dann dazu imstande sein wird, wenn sie auch gemeinsam marschiert und gemeinsam zuschlagt. Seit die KPD. existiert, hat sie von Zeit zu Zeit immer wieder die Parole der„Einheitsfront" propagiert, um besser ihre Spaltungsarbeit maskieren zu können. Nun tönt der Ruf nach Einheitsfront, nach einer wirklichen Einheitsfront mit dem konkreten Ziele dex Niederwerfung des Faschismus ans den Reihen ihrer eigenen AnHanger und Nachläufer. Die Sozialdemokratie und die sozialdemokratische Arbeiterschaft haben immer bedauert, daß es zu einer Spaltung der Arbeiterschast gekommen ist, und alle Anstrengungen gemacht, um diese Spaltung zu uberwinden. Der Wille nach einheitlicher Kampssührung weckt also innerhalb der sozialdemokratischen Arbeiterschast ein lebhaftes Echo. So wurde auf Vorschlag eines sozialdemokratischen Arbeiters von einer außerordentlich stark besuchten Belcgschaftsversammlung des Kabelwerkes Obcrschöncwcide eine Entschließung angenommen, die zur praktischen Verwirklichung der gemeinsamen Abwehr bei der bevorstehenden Reichstagswahl eine L i st e n v e r- b i n d u n g zwischen SPD. und KPD. vorschlägt. Dagegen stimmten allerdings die dreißig oder vierzig eingeschriebenen Mitglieder der KPD. Die übrigen 700 stimmten dafür. Ein ähnlicher Vorgang spielte sich in der N A G.- O b c r- schöncweide ab. Auch dort wurde eine Entschließung ange- Nammen, in der u. a. für die kommenden Reichstagswahlen eine gemeinsame R e i ch s l i st e zur Verwertung der Reststimmen zwischen SPD. und KPD. verlangt wird. Gegen diese„Abirrung" polemisierte die„Rote Fahne" auf das heftigste, weil, wie sie sagt, „die proletarische Einheitsaktion zur Niederwerfung des S y st e m s (ganz im Nazijargon spricht die„Rote Fahne" hier vom „S y st c m") nur möglich ist gegen die sozialdcmo- kratische» Fiihrer..." Von einem uns unbekannten Werner Kleinste über werden Listen an die Betriebsräte verschickt zur Einzeichnung, um den ADGB. zu veranlassen,„die Schaffung eines einheitlichen linken Wahlblocks SPD.-KPD. bzw. Listenverbindung" herbeizuführen. In einer Versammlung, die ein angeblicher„Einhcitsausschuß" siir die Hauptwerkstatt im Wagenbauwcrk der BVG. einberufen halte, wurde von einem Bclegschaitsmitglied gleichfalls ein Vor- schlag gemacht, der dahin geht, den gehässigen Kampf gegen die Sozialdemokratie restlos einzustellen, Ausrufe zu unterlassen, die von irgendwelchen angeblichen Einheitsausschüssen, die keinerlei Verantwortung haben, lanciert werden und schließlich eine Ver- bindung der Reichslisten für die Reichstagswahl zwischen SPD. und KPD. herbeiführen. 99 Proz. der Bersammlungsbesuchcr waren Kommunisten. Der Vorschlag wurde daher a b g e- lehnt. Wer aber noch daran Zweiscl hegen sollte, wie es die KPD. wirklich meint, dem dürsten die Ausführungen Thäl manns in einem Leitartikel der„Roten Fahne" vom Sonnabend völlige Klar- heit geben. Da heißt es: „Anlifaschistische Aktion— das heißt unermüdliche tägliche Ent- larvung der schmählichen Verräterrolle der Führer der SPD. und des ADGV.. die sich gerade jeßt als die schmuhigsten Helfer des Faschismus ossenbaren." Das ist also die„antifaschistische Aktion" der KPD.! Sic be- steht darin,„unermüdlich" und„täglich" gegen die Sozialdemo- kratie und die freien Gewerkschaften zu schimpfen und zu Hetzen. Genosse K ü n st l e r hat in einer Belegschastsversanmilung der AEG.-Ackerstraßc erklärt, daß die Sozialdemokratie zur Nieder- wcrfung des Faschismus bereit wäre, sich für ein gemeinsames Vorgehen gegen die Faschisten einzusetzen unter der Voraus- sctzung allerdings, daß bis zum 31. Juli alle gegenseitigen An- griffe zwischen KPD. und SPD. unterbleiben. Dieser Vor- schlag, der in Form einer Frage an die KPD. gestellt wurde, ist bis heute ohne Antwort geblieben. Die Erklärung Thälmanns in der„Roten Fahne" gibt Aufschluß dariiber, wie sich die KPD. die Einheitsfront vorstellt. Einheitsfront im Landtag und im Reichstag mit den Faschisten gegen die Sozialdemokratie,„unermüdliche" und„tägliche" V c r l e u m- dungskampagne gegen Sozialdemokratie und freie Gewerk- schaftcn. Damit ist klargestellt, daß es eine Einheitsfront der Arbeiterklasse gegen den Faschismus nur außerhalb der K P D. geben kann. Diese Einheitsfront ist die Eiserne Front. Ein kleiner Irrtum. Was so nebenbei passieren kann. Unsere Feststellung über die grobe Fälschung von zwei Briefen des Steinarbeitervcrbandes, die die„Ro!e Fahne" beging, versucht dieses Blatt dadurch zu vertuschen, daß es die Fälschung wiederholt. Gleichzeitig versucht es seinen Lesern einzureden, daß ihr„ein kleiner Irrtum" unterlaufen sei, weil„bei dem ange- führten Rundschreiben" es sich nicht um einen Streik der Stein- s e tz e r, sondern der S t e i n m e tz e gehandelt Hab«. Zunächst berichtigen wir den„kleinen Irrtum", daß es sich nicht um ein Rundschreibe n, sondern um einen B r ie f des Per- bandsvorsitzcndcn an die Berliner Orisverwaitung des Steinarbeiter- Verbandes handelt. Es war wohl auch nur ein„kleiner Irrtum", wenn die„Rate Fahne" die Wort«„gemeinsame Versammlung" um- fälschte in„Verkettung der jetzigen Lage". Es war auch nur ein kleiner Irrtum, wenn die„Rote Fahne" das Wort„Arbeit" um- sälschte in„Arbeitervermögen" und aus den Worten„indirekte Ar- beitslofenunterstützung" die Worte„verwirklichte Arbeitslosenoer- sicherung". Das sind so kleine„Irrtümer, die man begeht, wenn man, wie Thälmann schreibt, täglich und unermüdlich die Sozial- demokratie und die freien Gewerkschaften verleumden muß. Or. Ehrlich im Oevaheim-prozeß. Eine Berichtigung. Dr. Ehrlich, der Herausgeber des„I n d u st r i e- Courier", der vom Generaldirektor Ieppel in der Devaheim- Angelegenheit für wirtschastspolitische Mitarbeit ein Teilhonorar in höhe von 22 000 Mark erhalten hat und gegen den bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Erpressung schwebt, schickt uns über seine Aussage in der Devaheim-Gerichts- Verhandlung eine Berichtigung. Es sei unwahr, daß der«christlcitcr Dr. Spicker die Gerichts- Verhandlung im Prozeß Hoest und Genossen veranlassen m u ß t e: er habe sie vielmehr freiwillig verlassen. Das stimmt. Das Gericht hatte den Antrag des Angeklagten Herrmai, n, Dr. Spieker als Berichterstatter aus dem Gerichtssaal zu weisen, dahin beant- wartet,-daß kein�Grund vorliege, zu dem Antrag Stellung zu nehmen, da Dr. Spieker bereits den Saal freiwillig verlassen habe. Es sei unwahr, daß Dr. Spicker sich als früheres Mitglied des Hansahundes bei seiner Vernehmung im Dcoaheim-Prozeß vor- gestellt habe. Das stimmt. Gemeint war Dr. Ehrlich. Es sei unwahr, daß der jetzt angeklagte Pfarrer Krcmcr durch seinen Anwalt an den„Jndustrie-Couricr" einen Brief gerichtet habe, der„an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ". Wahr sei dagegen, daß der Anwalt D. Kremers den„Jndustrie-Courier" davor gewarnt l>abe, unwahre Tatsachen zu veröffentlichen. Es fei unwahr, daß die Dinge im Devaheim-Prozcß ähnlich lägen wie bei den Vorwürfen des Angeklagten Hermann. Im Falle Devaheim sei der damalige Generaldirektor Ieppel unaufgefordert an den„Jndustrie-Courier" herangetreten, um ihn um seine Mit- arbeit zu bitten. Das letzte stimmt nicht. Generaldirektor Ieppel hat sich mit Dr. Ehrlich erst nach Empfang des bewußten Schreibens in Ver- vindung gefetzt. Jepel sprach in der Verhandlung von Erpressung. Näheres wird ja das Ermittlungsverfahren ergeben. Llngetreuer Versicherungsdirektor. Unterschlagungen bei evangelischer Versicherung. Wiesbaden, 23. Juni. Vor dem Erweiterten Schöffengericht begann der Prozeß gegen den früheren Leiter der Wiesbadener Evangelischen Versicherungs zentrale, Adolf Bender, wegen Betruges, Untreue und Urkundenfälschung. Bender hatte bei der Evangelischen Bersicherungszentrale etwa 30 000 Mark unterschlagen, war im Dezember mit einer Sekretärin, seinem Kind und dem Kind seiner Begleiterin nach Jtaliei, geflüchtet und wurde später ausgeliefert. Vor Gericht gab Bender die Veruntreuung zu. Es wirkte aber sensationell, als er angab, von den unterschlagenen Geldern dem Rechtsanwalt WrlU Boecker, der für ihn seinen Ehescheidungsprozeß führte, etwa 40000 Mark gegeben zu haben. Boecker, gegen den auch ein Verfahren wegen Beihilfe zur Untreue imd Gebühren- Überforderung schwebt und der sich ebenfalls in Untersuchungshaft befindet, bezeichnet die Behauptungen Benders als univahr. Er will nur etwa 2300 Nlark erhalten haben. Bender behauptet aber, er habe von Boecker über alle Beträge Quittungen erhalten und diese Quittungen dem Rechtsanwalt mit anderen Belegen vor seiner Flucht zur Aufbewahrung übergeben. Welter für Verlin: Wechselnd wolkig mit Neigung zu einzelnen leichten Regenschauern, weiterhin zienilich kühl, mäßige bis frische westliche Winde. Für Deutschland: Im Süden trockenes, zeitweise heiteres uich ctwa�,.nxarurexe.K Wetter, jmftjbrigcn Reiche veränderlich mit einzelnen Regenschauern. 38. Abt. Morgen, Sonntag, Wahlhelfer und-Helferinnen für die.Eltcrnbeiratswahlen melden sich Rankestraße 4, chof links. Wahlzeit 8—4 Uhr. 3n unserem Bericht über den Raziüberfall am Saiser-Friedrich- Plah muß es heißen, daß der Kamerad Rudolf Schulz nicht u n- gefährlich verletzt worden ist. £ Buch Pnul Tillich: JCegel und Qoelhe In einer kleinen Schrift vereinigt Paul T i l l i ch zwei Ge- denkrcden, die der Vergegcnwärtigung von Hegels und Goethes Werk gewidmet sind.(Hegel und Goethe. Zwei Gedenk- reden. Verlag I. C. B. Mohr, Tübingen 1932, 48 Seiten.) Der Vortrag über Hegel ist vor allem dem jungen Hegel gewidmet, dessen Schriften seit Wilhelm Diltheys großartigem Alters- werk über die„Die I u g e n d g e s ch i ch t e Hegels" als der Schlüssel für dos Verständnis des reifen Werkes des Meisters bilden. Hegels Jugendschriften sind ebenso wie die Werke des reisen Hegel keine leichte Lektüre, aber Tillich ist es gelungen, auf wenigen Seiten die wesentlichsten Linien des frühen Hegelf'chen Weltbildes nachzuzeichnen und sie in den umfassenderen Zusammenhang der deutscheu Geistesgeschichte einzuordnen. Schon dcru junge Hegel zeigt die rcal-dialcktische Auffassung des mcnschlachen Handelns, deren eigentlicher Vollstrecker und Vollender dann später Karl Marx wurde.„Als Marx", so schreibt Tillich,„mit Hegel und zugleich gegen Hegel diese Selbstentzweiung des Lebens der abend- ländischen Menschheit entdeckte, wurde er zum echtesten Vollstrecker des jungen Hegel. Er löste die vorzeitige Slinthesc auf, die der späte Hegel— nicht mehr in Einheit mit den wirklichen Kräften seiner Zeit— formuliert hatte und wies zugleich auf die Mög- lichkeit einer tieferen, dauernderen Versöhnung hin, als Hegel sie gedacht hat." Aehnlich wie bei Marx zeigt auch das Weltbild des jungen Hegel eine stärkere Bewegtheit und Offenheit Spricht sich in Hegels System eine Epoche in ihrer universalen Breite aus. so ist Goethes Gestalt und Werk Ausdruck einer einmaligen, unwieder- holbaren menschlichen Erfüllung. Tillich stellt diesen Unterschied des Philosophen und des Dichters klar heraus-„Hegel ist weniger als Goethe für die Deutung und Formung des Einzellebens, mehr als Goethe für die Deutung und das Schicksal eines Volkes maßgebend geworden." Aber beide Richtungen menschlicher Gestaltungen sind kaum je so umfassend und tics erfüllt worden. Tillichs Schritt bringt Größe und Grenze von Zzegels und Goethes Werk zu klarer An» schauung. J. P. dl. Rundfunk am Abend Sonnabend, den 25. Juni. Berlin: 16.03 Nadimittagskonzert. 17.30 3 cm der "OO-Jabr-Peipr Oranienburgs. 18.00 Kanindien/udit und -pflege(A. Jokisdil. 18.13 Zum modernen Zeitgefühl (G. Benu). 18.33 Viertelstunde Technik(Ing. J. Boehmer). 18.50 Mitteilungen des Arbeilsamles. 18.33 Die f unk-Stunde teilt mit. 19.00 Stimme /um lag. 19.10 Lnla Mysz-Gmeiner singt. 19.33 Die Erzählung der Z oche(R. Arnheim). 20.00 Blasordiester-Konzert. 21.00 Tages- und Sportnachrichten. 21.10 Aus Bad Homburg; Bunter Abend. 22.20 Zetter-, Tages- und.Sportnachrichten. Tanz-Musik. Königs Wusterhausen: 16.00 Der Zeitungsroman und der Leser(P. Palineu). 16.30 Aus Hamburg: Nadt- mitlagskon/ert. 17.30 Zähne und Beruf(Dr. Guttraann). 17.50 Geheimnis des Kreisels(Stud.-Rat Thiel). 18.05 Musikalische Zochenschau(II. Gutmann. Dr. Rosenberg). 18.30 Z ilhelm Busch<33 33 auerl. 18.33 33 etterbericht. 19.00 Englisch für Anfänger(Stud.-Rat 33. Ohse. Lektor 33. Mann). 1 9.30 Stille Stunde:„Himmel und Erde". 20.00 Aus Bad Homburg: Bunter Abend. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„3 olksfunk". monatl. % Pf. durch alle„3 orwärts"-Botcn und die Postanstalten. Sonntag, den 26. Juni. Berlin: 6.00 Gymnastik. Trühkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.20 Hausfrau und Landwirt (Dipl.-Landwirt K. 33. 3Iöhring. Dr. Hedwig Auspitz). 8.53 Morgenfeier. 10.03 33 ettercorhersage. 10.45 3 on der 700- Jahr-Feier der Stadt Oranienburg, 11.30 Aus Leipzig: Bach- Kantate. 12.03 IL Fritsche: Eigene Lyrik. 12.13 Aus Leipzig: Mittaghkonzert. 14.00 Das Elternhans als Pflegestätte unserer Jugend(Oberstnd.-Dir. Dr. Reiske). 14.30 Chormusik. 13.00 ..Pjotr"(Hörspiel nach Klabuntl). 13.30 Nadimitfagskonzert. 16.43 Aus Hamburg-Horn: Das Deutsche Derby(Am Mikrofon: J. Lehmann, H. G. Marek). 17.30 Vom Singtreffen 1932. 18.20 Quedlinlrurg(Am Mikrofon: Alfred Braun). 18.30 Klaviermusik. 19.25 H. Nüditern: Aus eigenen 33'erken. 19.30 Sportnachrichten. 20.00 Komische Oper„Surcouf". Zetter-. Tages- und Sportnachrichten. lanz-Mnsik. Königs wusternausen: 10.00 Aus Kufsteiu: Orgel- Konzert. 10.43 Thüringen(Dr. E. Diesel). 12.05 Katharina llolger: Lyrik. 14.30 Eichendorff und Annette von Droste- Hülshoff(Dr. H. Michaelis). 13.00 Aegyptisdie Bauernhochzeit(Lola LaiKlau-33 egner). 13.30 Fortschritt, Zivilisation und Kultur(Eine Auseinandersetzung der jungen Gene- ratipn). 16.13 Aus Gelsenkirchen: 30 Jahre evangelische Arbeitervereine. 18.00 Aus Dresden;„Die 33 alküre". 19.00 Alice Fliegel: Eigene Dichtungen. 19.30 Aus Stuttgart: Hörfolge: Dämmerschoppen bei Lutter und 33 egner. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„3 orwärts"-Boten und die Postanstalten. Theater der Woche Vom 26. Juni bis 4. Juli. Volksbühne: Theal» am Snlomplafc;(Selb ohne Arbeit. Sfaalstheater. Gtäbtüche Oper Charlattcnburg: 26. Lohengrin, 27. Täc Lntiübrung aus hem Serail, 28.,.70. Die Banditen, 29. Petruscha— Gianni Schicchi. Ab l. 7. ge. schloffen. Ttaatsoper Unter den Linden: 26. Siegfried, 27. Der Mgeunerbaron, 28., 1. Sizilianische Besver, 29. cSötterdämmcrung, 20., 2.,:>., 4. Wiener Blut. Staatliches Schauspielhaus: 26., 27., 28., 29., 20., 1., 3. Icppc vom Berge, 2. Prinz Friedrich von Homburg, 4. geschlossen. Theater mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Bis 80. Journalisten. Die Komödie: Ab 1. Clarencc und die Nutznießer.— Deutsches Künstler. Theater: Caramba.— Theater des Westens: Blume von Hawai.— Lustspiel' haus: Ein toller Einfall.— komische Oper: Eharleys Tante.— Lessing.Thcater: Madonna, wo bist du?— Theater am Rollcndorfplatz: Frühling in Heide!- berg.— Zentral-Theater: Im weißen Nöss'l.— Theater in der Behrenstrastc: Der Tiefstavlcr.— kleines Theater: Der Raub der Sabinerinnen.— Rose- Theater: Die eiserne Jungfrau: Gartcnbiihne: Drei arme kleine Mädels.— Naturtheater Friedrichshagcn: 26. lSy2 Uhr Meineidbauer.— Scala, Winter» garten: Internationales Variete. Theater mit wechselndem Spielplan: Plaza: Bis 30. Schmarzroaldmädel. Ab 1. Ein Walzertraum. Rachmittagsnorstcllungen: Voltsdühne, Theater am Bülowplatz: 3. Geld ohne Arbeit.— Rose-Theater: 3.. 18 Uhr. Die eiserne Jungfrau: Garrcnbühne: Konzert und Variete.— Naturtheater Fricdrichshaqcn: 26., 16 Uhr, Hansel und Gretel.— Seala: Inter. nationales Variete.— Wintergarten: 26. 6., 2. und 3. 7. Internationales Barietö. Erstaufführungen der Wache: Rantag, Rosc-Thcatcr:„Drei arme kleine Mädel s". Freitag, Komödie:„Clarencc und die N u tz» i e b c r." Vcrantwortl. sur die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. ISIoite. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag Cr in. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlogsonstolt Paul Singer& Co.. Berlin SS 6S. Lindeustr. 3. Hierzu 1 Beilage. Staats Thealcr Sonnabend, den 25. Joni Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Ariadne auf Naxos Staatl.Sdiauspielhaus Gendarmenmarkt. - 20 Uhr Jeppe vom Berge Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Absdiied von der Liebe i pi, Aza I(Ute SdilR. Bh(. I 1 Su.r'.SIgs. Z.S.l15!!. I E? Wiidis. 4031 I I Srhwarrv aldmädel I VoiMsMittne Tliealer am Bölowolat; »>/« Uhr! Geld ohne Arbeit Komödie von Alberto Colantuonl Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: Günther Stark Stadl. Oper Charlottenburg BistnarckstraBe 34. Sonnabend, 25, Juni Turnus IV Die Banditen l'rind, Nikolaiewa, La Singer, Burewinkel. Gründgens, Wester- meiex, Egenlauf Anfang 20 Uhr Ende gegen 23 Uhr Seitts Mer Letzte Aufführungen I>le 8V« Uhr Journalisten Lustsp.nadi Gustav Fresta; von Felix Joadiimson Musik: Theo Madebeo Regie: Heinz Hilpert. I mm-fueatet Täglich»9« Uhr Madonna wo bist Du? Erika v. Thellmann Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn u unr 15. Nora 3434 Räumen eri. Paul Graefz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. SDDflafiend u. Sonnlag|e 2 Vorstellg 4 u. 815 Uhr. 4 Uhr kleine Preise. Rose- Theater jreli Ftuklirtii Straße(Z! Tel. Weidnel k! 3421 8.30 Uhr Die eiserne InnDlran GartcnhUhnp ä.30 Uhr Komert u.Variete Zloeunerliefte S tn der Gesamtauflage des»Vorwärts* sind besonder« wirksax» und trotzdeis sehr billig! Sonntag, 26. Jani, nachm 3 Uhr Großer Preis von Ruhleben ..... DrrMmil) Sonnabend, 25. Juni 1932 r. SpUauXtaAtJe* IbfimüA Gerhart Herrmann Mostar— Geschichte der Woche Das Kind des Feindes Ein Waisenbauskind aus der östcrrcichisckcn Ttadt W. wurde im Jahre im Rahmen einer Äindcrhilssaktian in ein belgisches Torf verschickt. Bon dort kani es nicht zurück. Erst jetzt haben sich die Kcglcitumstandc des merkwürdigen Falles ausgeklärt. Am cinundzwanzigsten Juni fuhr der Kindertransport aus W. ab: ein ganzer, langer Zug voll ausgehungerter, skrofulöser, hohläugiger Kinder; darunter Emmy Klemens, hungriger, hohl- äugiger noch als die hundert anderen— mein Gott— man schrieb neunzehnhundertzweiundzwanzig, es war fast das bitterste der Nach- kriegsjahre, auch in den Waisenhäusern gab es schmale, allzu schmale Kost. Nun aber, drei Tage später, sitzt die Sechsjährige in der räumigen, kahlen und dennoch so warmen und'behaglichcn flämischen Bauernstube, sitzt vor einer Tafel, die voll märchenhafter Genüsse steht, ist hungriger denn je und kann doch nichts essen vor Fremd- heit, Erregung, Fassungslosigkeit; kann auch auf keine Frage ant- warten, weil die Bäuerin, welche sie aufnahm, nicht Deutsch und Emmy nicht Flämisch versteht, könnte auch nicht anworten, wenn man sich verstünde: alles zu neu noch, zu seltsam, zu andersartig... Und nun kommt sogar noch Besuch! Eine Frau um die dreißig, mit herbem, zerlittencm Gesicht.„Ist das euer Bochckind?" fragt sie wenig freundlich.„Jawohl. Ist doch ein liebes Ding, wie? Und so verhungert!" antwortet die Bäuerin.„Schon. Aber.. „Solltest die Sache vergessen!" unterbricht die Acltere rasch.„Ist doch kein Krieg mehr!"„Nein. Aber meinen Mann habe ich noch nicht wieder."„Solltest trotzdem vergessen!" Die Frau macht eine hart verneinende Kopfbewcgung. Sie sieht die blecherne Erkennungsmarke, die noch auf des Kindes Brust baumelt; nimmt sie in die chand, achtet nicht auf das Erschrecken der Sechsjährigen, die die Feindschaft empfindet, ohne zu verstehen; liest den eingestanzten Namen:„Emmy Klemens, geb. 2Ü. IV. 1916"— und wird plötzlich blaß, ihre zitternde chand läßt die Marke fallen; verabschiedet sich fast grußlos, schreitet, nein, taumelt die Dorfstraßc entlang... Mein Gott— so eine Marke hat sie doch schon einmal in der chand gehabt...? So eine Marke— die hing auf der bloßen Brust eines Mannes, verborgen unter feldgrauer Uniform, welche sie aufgeknöpft hatte... der Mann ließ es sich gefallen, mußte es sich ja gefallen lassen, der Boche, ab er wollte oder nicht, lag ja im Sterben, oho... lag im dunklen Keller ihres kleinen Hauses, ihr Mann war auch dabei, der stand und reinigte mit fanatischem Lächeln sein Gewehr... Geschah ihm recht, dem Boche, was hatten sie hier zu suchen, er und alle die andern? Na, einer weniger, war gut so... Nun rasch ab die Marke, daß sie nicht etwa gefunden wurde— nur rasch einen Blick auf den Namen; Max Klemens, dann Zahlen und Buchstaben, die den Truppenteil bezeichneten— nun rasch unter den Mauerstein im Boden, der lose war; und in wenigen Stunden war Nacht, dann würde man auch den toten Mann aus dem Keller bringen, und sie sollten sehen, die Boches, ob sie Andre etwas würden beweisen können... Die Frau streicht sich über die Augen. Sic steht vor ihrem Hause. Es ist noch das gleiche Haus... ist ja hier nicht wie drüben in Frankreich, wo sie alles zusammengeschossen haben, die Baches ... Aber vielleicht— aber gewiß hat sie sich geirrt. Vielleicht aewiß war der Name nur ähnlich, nicht gleich. Sonst wäre ja dies Mnd— sein Kind... Er hatte ihr ja dvch einmal eine Photo- graphie gezeigt, seine Frau war daraus mit einem Kind, einem Säugling noch, und er hatte gesagt; Maria und Emmy. und hatte gelacht... Und sie hatte freundlich getan, oh, das mußte man ja, damit sie sicher wurden... Gleich nochsehen unter dem Stein, da mußte es ja noch liegen, das Stück Blech; nur um gewiß zu fein, daß es ein Irrtum war,.. Seltsam: ihr graut etwas vor dem Düster des Kellers: zum erstenmal. Sie sieht sich scheu um, als sie den Stein hebt, mit zitternden Fingern die Marke dreht, im ungewissen Halblicht die Buchstaben entziffert. Dann muß sie sich auf die Treppenstufe setzen, die Knie werden ihr schwach: es stimmt____„Max Klemens" ... und eben bei der Bäuerin:„Emmy Klemens"... Also doch. Also doch. Und was bedeutet das nun für sie? Es braucht sie nichts an- zugchen, nein. Aber ist es nicht das Kind des Mannes, um dessent- willen sie ihren Andre an die Wand gestellt haben, drei Tage später, obwohl er nichts gestanden hatte... aber sie hätten ihn überführt, sagte sie... War es nicht das Kind des Mannes, um deffentwillen sie nun ohne Mann war seit fünf Jahren, ohne Mann und ohne Kind, um deffentwillen sie leben mußte von der schäbigen Rente, die man den Kriegerhinterbliebenen zahlte, und vom Waschen für fremde Leute? War es nicht sein Kind, ein Bochckind, des gleichen Haffes wert wie der Vater? Hatte sie ihn nicht in sich hinein- gefressen, diesen Haß, fünf Jahre lang— von keinem verstanden, weil sie alle Flamen waren und nicht Wallonen wie sie und ihr Mann, weil sie gar nicht wußten, wie man Haffen kann... Und konnte man nun nicht diesem Haß Futter geben, ihn nähren und stillen mit dem Fleisch und dem Blut dieses Kindes...? Oh, man würde sehen, man würde sehen. Man würde vorerst freund- lich sein zu der Kleinen, sie in sein Haus ziehen, mit Lockungen und Zärtlichkeiten und Süßigkeiten. Und dann...? Man würde sehen, man würde sehen... „Komm, Emmy, ich will dir etwas Schönes zeigen!" Germaine zieht Emmy in ihr Haus. Sie streicht mit der hartgearbeitetcn Hand über den blonden Kopf— sie inuß sich immer einen Ruck geben, nicht, um überhaupt es zu tun, sondern um es nicht gar— gern zu tun... Es tut ihr wohl, dies Streicheln über einen Kinder- köpf, sie ist eine Frau und hat kein Kind, da ist das so... aber es darf ihr nicht wohl tun, es darf nicht. Es ist sein Kind... Oh, für heute hat sie sich etwas Feines ausgedacht! Geldstücke will sie Emmy zum Spielen geben, und darunter soll sich die Erken- nungsmarke des Vaters befinden, und Emmy soll spielen mit der Erkennungsmarke ihres Vaters, den sie, Germaine, und ihr Andre getötet haben, Sie kann ja noch nicht lesen, die Sechsjährige, es ist ungefährlich, aber für Germaine wird es eine Freude sein, eine ganz seltsame und besondere Freude. Und in den Keller wird sie das Kind führen, damit es spiele an der Stelle, an der sein Vater starb. Oh, man muß es verstehen, sich zu rächen, man muß es langsam tun und sorgsam, es muß eine lange und feine Rache fein. Vorerst ist Emmy in der kleinen Stube. Es ist eine enge und düstere Stube, die Fenster sind fast immer verhangen, denn Ger- Maine wäscht den ganzen Tag im Keller oder bei anderen Leuten� die Luft ist abgestanden, es ist Schlasluft. Aber wie nun das Kind darin steht, ist es mit cinemmal heller, das kommt, weil das Blond- haar der Kleinen dos Licht auf sich sammelt und spiegelt: und es riecht gut im Zimmer, denn Emmy hat bisher im Heu gespielt, so duftet es nach Gras und kindlicher Gesundheit... Es ist dumm, das zugeben zu müssen; es sollte umgekehrt sein; ein Schatten sollte das Kind sein in ihrem Leben, den man beseitigen muß; nun ist es ein Licht in ihrer Stube Aber das darf so nicht bleiben, das wird so nicht bleiben. Denn das Bild Andres blickt von der Wand, drohend, fordernd... „Hier hast du Münzen zum Spidlen, Emmy!" sagt Germaine zu dem Kind, das schon in den drei Wochen des Hierseins etwas Flämisch gelernt hat— und es gehört beinahe Tapferkeit dazu, das zu sagen. Nun sieht sie zu, wie Emmy die blinkenden Stücke vor sich hinlegt— jetzt— jetzt ist die stumpf schimmernde Blech- münze dran. Aber wie Emmy danach greisen will, reißt Germaines Hand das Blech rasch fort— ganz von selbst hat die Hand das getan, ganz eigenmächtig, Germaines schmerzendes Hirn hat es nicht hindern können, und die fest geschlossene Hand gibt die Münze auch nicht zurück,.. „Warum kriege ich die nicht?" fragt Emmy und zeigt auf die geschlossene Hand. „Ach, es ist— es ist ein Andenken!" antwortet Germaine müh- sam und gibt das blecherne Ding nicht heraus. „Es sah aus wie die Marken, die wir im Waisenhaus haben", meint Emmy leichthin. Aber das Wort„Waisenhaus" trifft Ger- maine. Gewiß: sie ist Witwe um des toten Boche willen. Aber Emmy ist im Waisenhaus, um— kaum wagt sie's zu denken—, um Andres willen... Germaine blickt schüchtern und um Vergebung bittend zu dem Bild auf und streicht verstohlen über den blonden Kopf... „Du könntest mir Emmy eigentlich für ein paar Tage herüber- geben", sagt Germaine zur Bäuerin.„Ich bin so allein und würde mich freuen und"— sie stockt—„und gut zu ihm sein." Die Bäuerin ist's zufrieden; sie hat eh genug zu tun; und wenn's die Kleine da gut hat— obwohl es seltsam ist, wie die Gcrmaine sich gewandelt hat... Emmy zieht zu Gcrmaine. Sie hat es gut da— aber zuweilen bekommt sie Angst. Dann ist Germaine so jäh, so hart, so seltsam. Doch geht das immer rasch vorbei. Und viel allein ist Emmy auch; denn wenn Gcrmaine im Keller wäscht, darf Emmy nie hinunter; obwohl doch Gcrmaine Emmy gerade darum zu sich nahm, um nicht allein zu sein. Und man kann wohl neugierig werden, was es denn da unten besonderes gibt. Eines Tages bringt die Bäuerin ein Schreiben zu Germainc: es enthält das Datum der Wicdcrabreise des Kindertransports und das Ersuchen, das Gastkind am Bahnhof der nächsten Stadt abzu- geben.„Das kann ich ja für dich tun!" meint Germaine, und ihre Stimme zittert. Und die Bäuerin ist auch das zufrieden. Aber als der Tag der Abreise heran ist, bringt Gcrmaine Emmy nicht zur Bahn.„Ich habe Erlaubnis bekommen, es noch länger zu behalten", sagt sie zu der erstaunten Bäuerin. Das ist aber gar nicht wahr. Sondern Gcrmaine hat zu der Erkcnnungs- marke unter dem Stein im Keller eine zweite getan, die Marke mit dem Mädchennamen— das ist ihre Erlaubnis... Für Emmy Klemens ist das Ganze längst selbstverständlich geworden: das Bleiben in Flandern und bei Germaine, welche ihre Mutter ist. Nur mit einer Erinnerung wird sie nicht fertig: da hat einmal die Neugierde in ihr gesiegt, und sie ist m den Keller gegangen, während Germainc unten wusch. Und da hat Germainc große entsetzte Augen bekommen und plötzlich zu weinen begonnen und Emmy umarmt und ihr unter vielen Schluchzen eine lange Gc- schichte erzählt und schließlich zwei Blechmarken vorgewiesen— aber alles, was sie sagte, hat sie französisch gesagt und wohl gar nicht daran gedacht, daß Emmy das nicht verstand; vielleicht hat Ger- maine sich all das auch wohl selbst erzählt, vielleicht mußte es nur heraus, damit Gcrmaine selbst es verstand; jedenfalls hat sie nach- her gelacht, laut und leicht und hell wie ein Kind, und das Jähe, Düstere, Seltsame, das zuvor manchmal über ihr lag, ist von da ab weggewesen. Endlich, nach zehn Jahren, sind Nachforschungen aus W. bis in das kleine Dorf gedrungen. Und dann hat man Germainc das Kind gern, sehr gern gelassen. Und überdies hat sich dabei heraus- gestellt, daß Emmys Vater nie im Kriege gewesen war, und man hat Germaine gesagt, daß es in Oesterreich sehr, sehr viele Leute namens Klemens gibt. Germaine hat seltsam gelächelt, als sie das hörte— aber sie ist dennoch zum Gendarmen gegangen und hat ihm gesagt, daß Andre nicht, wie sie früher angegeben hatte, un- schuldig erschossen worden sei, sondern daß er einen deutschen Sol- daten als Franktireur getötet habe, mit ihrem Wissen. Und der Gendarm hat gesagt, ihr werde deswegen nichts geschehen; aber es gebe da eine Lifte, die enthielte die„Kriegsverbrcchen" der Deut- schen; davon werde man de» Fall Andre nun streichen müssen. „Ja", hat Germainc nur gesagt,„es ist ja gut, daß das alles vorbei ist"— und ist nach Hause gegangen zu dem Kind, das ihr Kind geworden ist. Der Hering kommt! Fischfang bei Rügen—'Von Hermann Fraude Bon den vielen Reisenden und Wanderern, die im Frühsommcr Rügen und die Ostsee besuchen, wissen sicher nur die wenigste», welch eine Ernte die zahlreichen kleinen Fischerboote schon gc« macht haben, lind wenn im Mai die Groxstadtfraucn auf den Märkten die Fülle der Heringe und der anderen Fische sehen, wenn die Reichsfischwochc uni nene Freunde der nahrhaften.yost wirbt, denken cbcnsallS nur wenige an die interessanten Borgänge beim Fischfang, wie sie Hermann Fraude in den Rügknschcn Heimatbüchern des Waltcr-Krohh-BerlageS(Bergen aus Rügeni so anschaulich schildert.«t. Das zeitige Frühjahr bringt den Hering, wenn er dem Laich- triebe folgend, die tiefe Ostsee verläßt und in dichten Rudeln den Küsten zustrebt. Mächtige Fänge sind in den Reusen gemacht wor- den, Tausende von Wall. Es sind noch im letzten Menschenalter so viel Fische in der Reuse gewesen, daß das Netz nicht zu heben wor. Man hat an langen Stangen Sensen befestigen müssen, um das Netz aufzuschneiden. Von allen Völkern Europas waren vor dem Kriege die Deut- schen die größten Heringsverbraucher. Zu den 230 600 Faß Salzheringen, die uvsere eigene Heringsfischereislotte mit 283 Schiffen sing, haben wir noch iV* Millionen Faß zugekauft und daneben noch über V/.-. Millionen Doppelzentner grüne 5ieringe vom Ausland bezogen. Diese Zahlen gelten für das Jahr 1911. Der einst oft gering geschätzte Hering hat bescheidenen Kaufleuten gar den Spottnamen„Heringsbändiger" eingetragen, wie einst der ostindische Psefser im Mittelalter den reichen„Pfefsersäckcn" den Säckel füllte. Der Hering macht allein 60 Prozent allen Fischsanges aus. Alle übrigen Fische zusammeng'enommen liefern nur 40 Prozent. Der Hering ist eben der M a s s e n v a g a b u n d des Meeres. Wenn unter dem Drängen- des Laichtriebes sich die mächtigen Heringszllge aus die Tiefsee in die Fjorde heineinwälzen, zusammengeballt durch das enger werdende Gewässer, geängstigt von zahlreichen Thun- fischen, Delphinen und Walen, dann drängen sich die Millionen von Fischen zu einer dichten Masse zusammen. Das Waffer scheint über ihnen zu kochen. Die glänzenden Fischleiber geben einen hellen Schein. Die Mövcn fliegen wie helle Rauchwolken darüber her. In kleinerem Maßstabe kennt auch der Rügensche Fischer diese Erscheinung der wandernden Heringsstümen. Oft genug sind sie vom Lande beobachtet und dann in den bereitliegenden Booten mit dem Garn umstellt worden. Die am Tage ziehenden Schwärme, „de Dagstümen", sind seltener. Wenn einer naht, darf man ja nicht mit dem Finger auf ihn zeigen. Während die Fischer in die Boote stürzen und rudern, was die Kräfte vermögen, bleibt„d e Make r", das ist so eine Art Garnmeister, ein Oberster von den Fischern, am Lande, und läßt den Stümen nicht aus den Augen. Durch Zeichen lenkt er den Kurs der Bote.„De Stümen güng weg", heißt es dann,„wi kregen blot den Schwanz un harren doch 500 Wall int Garn." Oder:„To Binz foten wi«ns den ganzen Stüm, dunn ret bat Garn entzwei." Der Hering macht auch für Rügen weit über die Hälfte des Gesamtfanges aus. Der Netzfischer muß in beständiger Fühlung mit dem Hering leben, indem er bald hier, bald dort Stichproben macht, einmal seine Netze tief, ein andermal hock), hier auf tiefen Grund, dort aus flachen Grund setzt, wie die Temperatur es vorschreibt, heute eng. waWg«. morgen weitmaschige, oder Ausammenstellungen aus den verschieden weiten Netzen probiert. Und ein L o t t e r i e s p i e l bleibt es doch: Von den 30 Meter langen und 3 Meter breiten Netzen find immer bis 8 eng aneinander und zu einem„Tier" oder „Lenk" vereinigt. Zuweilen hat sich der Hering auf ein Netz her- aufgedrängt, daß dieses dick voll sitzt,„as ob in jede Masch en sitt", während die anderen Netze desselben„Tiers" leer sind, Bei der Treibnetzfischerei kann das in einer halben Stunde geschehen. Eben hat man die Netze noch aufgehoben, Sie sind leer. In ein paar Minuten können sie so dick vallsitzen, daß man nicht alle Fische bergen kann. Wie gerade die Heringszüge ziehen! Es ist auf ein und dem- selben Netz verschieden. Bald sitzen die Heringe alle oben dicht bei dicht am„Flottsimm", bald sind sie am„Grundsimm". Wer will das so genau tressen. Setzt man aus zu flachen Grund und der Wind geht über Nacht um, dann wickelt sich das ganze Netz zu einem Strick zusammen, scheuert sich an steinigem Grunde entzwei, und der Fischer stellt morgens mit Trauer fest:„Js all upt Reep slan." Hat er's aber gut getroffen, dann findet er aber alles silberglänzend voll blinkender Fischlcibcr. Mit dem Hering zusammen fangen sich seine Begleiter, Mai- fische, Dorsche, Schnäpel, und auch sehr zahlreiche Lachse bis zu einem Gewicht von 20 Pfund. Gelegentlich sind schon Störe in der Reuse gewesen, zuweilen gar Delphine und Seehunde. Das gab ein wildes Platschen im Hinterteil der Reuse, in der Totenkammer, da muhte erst ein krästiger Schlag auf den Kopf das Netz vor Zer- reißen schützen. Im Mai sieht es eigenartig aus, wenn sich Mengen von langschnäbligen H o r n f i s ch e n in aalartiger Gewandtheit im Kumm umherschlängeln. Auch sonst wird allerlei Fischwerk mit- gefangen, Steinbutten, Hechte, Flundern, Barsche, Plötze u. a. In den Reusen bekommt man auch gelegentlich die seltensten Fische zu sehen: Welsquappen, Grundel, Butterfische, Merlan, Aland, Döbel, Nagelrochen und Seeskorpione. Die großen Heringsreusen waren seinerzeit die zuver- lässigsten Lieferanten für die S a l z h ä u s e r. Als vor 30 Jahren noch der Hering an Ort und Stelle eingesalzen wurde, ging es vor diesen den Tag über lebhast her. Die Fischer brachten die Heringe an Land und schütteten sie auf Hausen. Damals wurden die Heringe noch nicht gezählt, sondern mit Halbtonnen gemessen. Frauen und Kinder hockten vor dem Hausen, um die Fische auszu- nehmen. Die fertigen Fische holte„de Saltner" ab, warf sie in seine„Drüsche", den großen, mit Wasser und Salz gefüllten Trog. Nach niehrmaligem Umpacken in Salzschichten hielt dann der „S ch e l l h e r i n g" seinen Auszug in die östliche Welt Polens und Rußlands. Trotz der großen Fänge ging es armselig zu. Der Fischer be- kam 4 Pfennige für das Wall, die Frauen fürs Ausweiden 3 Pfennige. Die Fischer trauern diesen Zeiten nicht nach.„Kern Minsch har Geld", sagten die Alten. Sie konnten kaum ihre Haus- mieten bezahlen. Und doch spendet die Ostsee großen Reichtum, der allerdings in harter Arbeit erkämpft werden muß. Zusammen liefern die Rügenschen Gewässer für über 2 Millionen Mark Fische im Jahr. Nicht ganz eine Million kommt davon aus den Hering, 400 000 Mark aus den Aal. 200 000 Mark auf die Flunder. Der Rest ver- teilt sich aus die übrigen Fische. Arbeitersport in Front! Die Eiserne Front marschiert morgen im Grunewald-Stadion Arbeitersportlcr ziehen morgen zu Tausenden hinaus ins Grunewald-Stadion, um dort mit Abertausenden von Mannern und Frauen, von Jungen und Mädel aus der Berliner Arbeiterbewegung das bedeutendste Arbeitersportfest des Jahres, den Reichs-Arbeiterfport-Tag, zu feiern. Mit ihnen kämpfen Vertreter des Arbeitersports aus anderen Orten, aus Breslau, Dresden, Lätzen, Stolzenhagen und Weitzwasser, nicht um einem individuellen Sportstrehen nachzujagen, sondern um ihre Verbunden- heit kundzuiiin und in edlem Wettstreit der Mannschaften unterein- ander Gemeinschastswertungen ihrer sportlichen Arbeit zu erzielen. Absicht des Arbeitersports war es nie. Rekorde zu züchten. Das überließ man den Bürgerlichen. Arbeitersportler wollten immer schon ihre Klassengenossen für Sport und Körperkultur begeistern, damit der sozialistischen Bewegung ein auch körperlich lebendiges und ge- sundes Geschlecht heranwachsen konnte. Nicht immer konnte dabei bei allen der Selbstzweck ausgeschaltet werden. Lange Zeit hielten sich viele zurück, glaubten ein Sonder- dasein führen zu können ohne gewerkschaftliche Verpflichtungen und politische Bindung. Das ist vorbei. Die Arbeitersportler sind tängsl eingereiht in die große Front des kämpfenden Proletariats. Ihre Arbeit stählt für den Kampf des Tages und den Kampf der Klasse gegen erne ungerechte und überlebte Gesellschaftsordnung. Und lebendige Kräfte im Klassenkampf brauchen wir heute mehr denn je. Auch aus der sportpolitischen Situation erwachsen den Sport- lern heute Verpflichtungen zur Aktivität. In den Reihen der bürger- lichen Sportorganisationen kriselt es. Viele ihrer Sportführer haben sich offen oder verdeckt dem Nationalsozialismus oer- schrieben. Die Mitgliedschaften schwanken noch. Demokratische Elemente„stören" immer wieder den„parteipolitisch neutralen" Sportfrieden, weil sie sich die Abschwenkung nach rechts nicht gefallen lassen wollen. Klassenbewußte Arbeiter aber sollten daraus die Konsequenz ziehen und solchen Verbänden endgültig den Rücken kehren. Der RAST, im Grunewald-Stadion wird ihnen heute be- weisen, daß dort mindestens ebenso wertvolle und ernste sportliche Arbeit geleistet wird. Links von uns haben die K o m m u n i st e n einen eigenen Laden aufgezogen, nachdem es ihnen trotz aller Fraktionsspielereien nicht gelungen ist, die Arbeitersportbewegung vor ihren Parteikarren zu spannen. Wir lassen sie unter sich. Die Besinnung wird viele bald wieder zurückführen in das große Lager des sozialistischen Arbeitersports. Die Mitgliedschaften in den anderen Massenorganisationen der Arbeiterschaft haben die besonderen Werte der Arbeitersporttätigkeit erkannt. Aus den politischen Gefahren der Zeit entstand schnell eine gesunde gegenseitige Annäherung. In der„Eisernen Froni" wurden die orgonisalorischen Fundamente des gemeinsamen Kampfes gebildet. Partei. Gewerkschaften. Reichsbanner, äugend und Arbeitersport stehen heute in geeinigter Front, bereit, allen An- stürmen der Reaktion und des Faschismus auch mit allen Mitteln entgegenzutreten. Aus dieser Kampfverbundenheit ergeben sich gegen- seitigc Verpflichtungen der Solidarität bei Einzelaufmärschen. Der RAST, wird daher auch die Eiserne Front auf den Beinen finden zu gemeinsamem Aufmarsch, zu gemeinsamer Demonstration gegen die sozialreaktionären Machenschaften der Iunkerkliquen, der Schlot- barone und ihrer nationalsozialistischen Helfershelfer, zu gemeinsamer Kundgebung für Freiheit. Menschentum und sozialistischer Weltordnung! Aefaitec-WasseefaM Charlotjenburg-Neukölin 10:0 Lichten berg-Freihcit 4:1/ Hellas-Weffjemee 7:3 Die Charlottenburger Freien Schwimmer hoben nun gc- merkt, daß Meisterschaften erkämpft sein wollen. Daß Neukölln nicht die Mannschaft ist. von der man eine Ueberroschung erwanen konnte— die Art, in der Charlottenburg seinen Gegner überfuhr, überzeugte vom Vorhandenfein von Schnelligkeit, Technik und Tak- tik. Die Neuköllner taten, was sie konnten, aber das reichte gegen diesen Gegner nicht«us. Freiheit trat gegen Lichtenberg unvollständig an und hatte trotz des verhaltenen Spiels seines Gegners kein« Gewinn- chancc. Freiheit und Neukölln sind die Mannschaften, denen es augenblicklich nur an der rechten Leitung fehlt, das Spielermaterial ist gut. Hellas gegen W e i ß e n f e e, das war ein Kampf, an dem man sein« Freud« haben konnte. Abgesehen vom Spielschluß. Da waren sie beide abgekämpft und krampften. Aber das verblaßte gegen die übrige Spielzeit. Beide Mannschafte» wußten, um was es ging. Hellas hatte bei einer Niederlage den Anschluß an Char- lottenburg oerpatzt und Weißensee hatte Charlottenburg überraschend geschlagen. Kurzum, dos Spiel brachte auf beiden Seiten hölliges Aufpassen auf jede Aktion des Gegners. Zu Durchbrüchen kam es äußerst selten und zu Erfolgen aus solchen Anlässen nur einmal. Bielmehr war es größtenteils ein Kampf raffinierter Ballabgabe. Blendende Kombinationen vor den Toren führten zu wechselnden Erfolgen, decken die Schlußleute machtlos gegenüberstanden. 4:? für Hellas zum Seitenwechsel, Erst in der zweiten Spielhälfte ent- wickelte sich ein offeneres Fcldspiel und da war Hellas die glück- kichere Mannschaft. Zahlenmäßig wird der Hellassieg den Leistungen der Weißenseer nicht ganz gerecht. Heute. Sonnabend, spielen: Möwe gegen Lichtenberg in Neukölln und Charlottenburg gegen Freiheit in Westend. Möwe kann knapper, Charlottenburg wird überlegener Sieger sein. Spiel- beginn 19 Ilhr. So sagt das Reichsgericht: „Der ATSB. ist nicht parteipolitisch" Jetzt liegt auch das Reichsgerichtsurteil gegen den kommunistischen Sportverband im Fall der Freien Turnerschast P e n i g i. S. in seinem vollen Wortlaut vor. Es Handelte sich darum, daß die Kommunisten den Anspruch erhoben, der alte Arbeiter-Turn- und Sportbund zu sein. Gegen das Urteil des Landgerichts zugunsten des Arbeiter-Turn- und Sportbundes c. V. hatte der kommunistische Sportverband Berufung beim Oberlandes- gericht eingelegt, war abgewiesen worden und reichte Revision beim Reichsgericht ein. Das Reichsgericht lehnte die Revision ab und stellte in seinen Entscheidungsgründen u. a. fest: „Der Vorwurf der Revision, daß das Berufungsgericht die ein- zelnen Vorgänge, die zur Eintragung des ATSpB. ins Vereins- register geführt haben, nicht erschöpfend erörtert habe, ist nicht be- gründet. Auf die Behauptung der Beklagten, daß sie ihrerseits die Politisierung des Bundes verhindern und diesen als überparteiisch- neutralen Verein hätten erhalten wollen, brauchte die Urteils- begründung nicht ausdrücklich einzugehen: denn sie enthält die mit dieser Behauptung nicht vereinbare Darlegung, daß die bisherigen Satzungen des Bundes zwar in der Fassung geändert worden sind, daß damit aber eine grundsätzliche Acnderung der Einstellung des Bundes nicht verbunden war. Im einzelnen hält das Lerusungs- gericht folgendes für erwiesen: Der ATSpB. war zwar klassen- mäßig im Sinne der arbeitenden Bevölkerung, aber doch nicht parteipolitisch eingestellt. Hauptzweck des Bundes war viel- mehr eine den Bedürfnissen der Arbeiter angepaßte sportliche Betätigung seiner Mitglieder. Er st die von den Beklagten vertretene Richtung im Bund suchte die ihm an- gehörenden Arbeitersportvereine als Mittel zu parteipolitischem Wirken zu benutzen, und die Be- klagten bestätigen diese oppositionelle Haltung dadurch, daß sie am 4. Januar 1939 den Anschluß der Fr. T. an die politisch radikale I. G. herbeiführten und die Verbindung mit dem Bund lösten." Das ist die Einheitsfront! Brutaler Ueberfali auf einen Sozialdemokraten In Klein-Wanzleben bei Magdeburg hielten die Leute vom Kommunistischen Sportoerband am 12. Juni ein miserabel organisiertes Sportfest ab. Für die Rotsportler aus der Umgehung war weder für Unterkunft noch für Verpflegung aus- reichend gesorgt, so daß sich schließlich Sozialdemo- traten— gegen die das Sportfest gerichtet war— der obdachlosen und hungrigen Kommuni st ensportler an- nahmen und ihnen praktische Solidarität bewiesen. Die Empörungsberichte aus Rotsportkreisen an die kommunistische„Tri- büne" in Magdeburg hat dieses Blatt selbstverständlich nicht ver- öffentlicht. Am Dienstag nach der Veranstaltung hielt die Wanzlebener Schicßsparte des Kommunistischen Sportverbandcs eine Versamm- lung ab, in der es bei der Aussprache über den Sonntag zu einer Schlägerei kam, bei der 1ö Rotsportlcr ihre eigenen Genossen blutig schlugen. Im Nebenzimmer saß der Vorsitzende der Orts.- gruppc der Sozialdemokratischen Partei, Ernst W i I k c, der zu einem Bekannten äußerte:„Das ist ein Verhalten. 15 Mann fallen über einen her, und zwar über den eigenen Parteifreund!" Das hatte ein schlagender Rotsportler gehört, und nun siel die ganze Meute über Wille her. der mit Stühlen, Biergläsern und Flaschen. Messern und einem schweren Zigarrenabschneider in unmenschlichster Art zueinerblutigenMassezusammen- geschlagen und gestochen wurde. Wille mußte sofort ins Krankenhaus gebracht werden, wo er am anderen Morgen die Be- finnung noch nicht wiedererlangt hatte, und es steht nicht fest, ob er mit dem Leben davonkommt. So zeigt sich die Einheitsfront der Rotsportler gegenüber Ar- beitern in der Praxis. Mit bürgerlichen Sportlern dagegen haben die Leute vom kommunistischen Sportverband ein inniges Freund- schaftsverhältnis. Mit diesen tragen sie Freundschaftsspiele aus, begrüßen sich gegenseitig mit Hipp-Hipp-Hurra und mit Rot-Sport, und die kommunistischen Blätter wissen nicht genug zu schreiben über» diese Verbrüderungsaktionen. Man ist im Kommunistischen Sportverband auf einen nicht mehr zu unterbietenden moralischen Tiefstand angelangt, wenn man überhaupt noch von Moral sprechen kann. Kein Wunder, daß anständige und überzeugt proletarisch eingestellt« Menschen von„Rot-Sport" nichts wissen wollen. Die neue �nglersiedhang In Heiligensee ist das Terrain gesichert Die vor kurzem im„Abend" veröffentlichten Aufrufe dos Arbeiter-Anglsr-Bundes Deutschlands zum Zusammenschluß aller Siedlungslustigen, die sich besonders für Wassergrundstllcke inter- eflieren, führten zu dem Erfolg, daß die Finanzierung in befrie- digender Weife erledigt wurde. Dadurch war es der Bundesleitung möglich, das in Aussicht genommene Gelände in Heiligensee bei Tegel billig zu erwerben. Nachdem die Zahl der Bewerber für den ersten Grundstücks- komplex von Iß Morgen ausreicht, sind weitere Verhandlungen ab- geschlossen, um bei genügender und sofortiger Beteiligung weiteren 119 Siedlungslustigen Gelände zu geben. Es scheint möglich, schon im Oktober dieses Jahres die ersten 39 Häuschen nach eigenem Modell erstehen zu lassen. Für die erste Siedlung kommt nur ein Typ in Frage, der allerdings, je nach verlangtem Raum, größer oder kleiner sein kann. Auf der zweiten Siedlung können sich dann diejenigen zusammenfinden, denen der zweite in Aussicht genommene Typ mehr zusagt. Gärten, mindestens 599 Quadratmeter bis zu einem halben Morgen groß, schöne Wege, Uferpromenaden sollen dem Ganzen ein freundliches und anheimelndes Bild geben. Auch an einen Badeplatz, an Spielplätze und Kahnanlagen ist vor- sorglich gedacht. Wenn das gesamte Projekt zur vorstädtischen Kleinjiedlung des Arbciter-Angler-Bundes verwirklicht werden konnte, würden etwa 399 Einfamilienhäuser erstehen. Auch ein Stück Arbeitsbeschaffungsprogramm, bei dem billiger Kredit der beste Förderer sein dürfte. Hand in Hand mit den freien Gewerk- schasten, der Sozialdemokratischen Partei und der Zentralkommission sür Arbeitersport und Körperpflege wird der Arbeiter-Angler-Bund praktische Vorarbeit leisten. Ein besonderer Vorzug dieses Unternehmens liegt darin, daß ! durch diese Sicherstellung der kleinen Spargroschen der Wirtschaft wieder Geld zugeführt wird. Es wäre wirklich Ausgabe der zu- ständigen Behörden, hierbei jede Unterstützung zu gewähren. jäziuzc Sp&d vu* ü&ecM Der Berliner Arbeilersußballmeisler„Eintracht-Reinickendorf" spielt heute, Sonnabend, auf dem städtischen Sportplatz Reinicken- dors, Platz 4, um 18 Uhr gegen seinen alten Meisterschastsrivalen Lichtenberg 1. Der Platzbesitzer dürfte große Mühe haben, gegen die zur Zeit spielstarken Lichtenberger ein Plus zu erzielen. Arbeiker-Fußball in Charlottenburg. Die Fußballspieler des Be- zirks Charlottenburz der Freien Turnerschaft Groß-Berlin haben ihr Training jeden Mittwoch ab 18 Uhr auf dem Sportplatz„Westend". Spandauer Chaussee. Sitzung jeden Freitag, 29 Uhr, bei Iamin, Sophie-Charlotte-Str. 88. Anschrift: Fritz Dyloirg. Ebereichenallee 26. Zur Vervollständigung einer weiteren Mannschaft sind Neu- anmeldungen erwünscht. Internationale Arbeitersportseste. Beim internationalen Spon- fest des Vereins Dresden-Cotta belegte der Budapester Läufer Nemeth im 5990-Meter-Lauf in 16 Min. 4 Sek. den zweiten Platz. Erster wurde Wagner-Leipzig in 15 Min. 54.5 Sek.— Am 25jährigen Jubiläumsschwimmfest des Vereins für volkstümlichen Wassersport Dresden beteiligten sich auch Arbeitcrschwimmer aus Aussig und Teplitz(Tschechoslowakei). Das Wasserballspiel Dresden- West— Aussig gewann Dresden mit 5: 3. Großer Preis von Ruhleben. Eine der bedeutendsten Prüfungen nach dem Deutschen Traberderby kommt morgen in dem Großen Preis von Ruhleben zur Entscheidung. Die Rennen beginnen um 3 Uhr. � Sechs von dreiundadhrfzig In der Zeitschrift„Wurf und Ziel" der Arbeiter-Turn» und Sportbundes lesen wir:„Einhundertundsechzehn Mitglieder zählt unser Verein. Davon sind 33 im schulpflichtigen Alter. Die übrigen 83 olles Genossinnen und Genossen, die im Erwerbsleben stehen. Das heißt, gestanden haben. Es sind alles Menschen, die von ihrer Hände Arbeit, soweit ihnen die heutige Zeit dazu Gelegenheit gibt. Dreiundochtzig Menschen im arbeitefähigen Alter. Bon diesen 83 Personen haben ganze— sechs noch Arbeit. Ganz« sechs können noch ihrem Beruf nachgehen. Sechs von dreiundochtzig. 77 Men- scheu empfangen Erwerbslosen-, Krisen- oder Wohlfahrtsunter- stützung— sechs empfangen Lohn. Wenn die erste Mannschaft der Handballer antritt— elf Mann ohne Arbeit, in der zweiten Mann- schaft zwei„Glückliche", die anderen vier finden wir im sonstigen Vereinsbetrieb. Das ganze Vereinsleben steht im Zeichen dieser Verhältnisse. Das ganze Spiel- und Turnleben wird eingeengt, auf engen Raum gedrängt. Turnhallen und Platzmieten drücken ge- waltig auf die Vereine. Zum Teil werden sie unaufdringlich, woher sollen die Vereine die Gelder nehmen. Es gibt ja Vereine, die schlimmer dran sind als wir. Aber die Sorgen sind dieselben. Für jeden einzelnen, ob hier oder dort im Verein, muß ein Wort an Geltung gewinnen: Solidarität! Mehr denn je muß uns das Gemeinsame unseres Wollen? zusammenketten. Mehr denn je müssen wir aufeinander Rücksicht nehmen. Heute muß jeder den Beweis erbringen, ob er Genosse, ein kommender neuer Mensch ist. Heute muß jeder den Beweis erbringen, inwieweit sozialistische Gc- sinnung in ihm lebt. Ein Wort gilt: Solidarität! Zusammenhalt. Heute sind es noch sechs von 83. Wieviel von 83 sind es morgen? Wer weiß es? Die Losung aber bleibt immer: Solidarität! Ge- flnnung!_ Kennzeichen für gehörlose Radfahrer Di« gehörlosen oder schwerhörigen Radfahrer sind den Gefahre» der Straße in weit höherem Maße ausgesetzt, als anders Wege- benutzen Sie dürfen die gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten trogen, aber diese Binde hat sich sür Radfahrer nicht so gut bewährt, wie sür die Fußgänger. Die Haltung der Arme beim Er- fassen der Lenkstange bringt in den meisten Fällen die Armbinde aus dem Sehkrcis der dem Radfahrer folgenden Fahrzeuglenker. Auf Wunsch der Vereine taubstumnrer Radfahrer hat der Bund Deutscher Radfahrer ein dreieckiges Schild geschaffen, das auf gelbem Grunde die drei schwarzen Punkte zeigt. Dieses Schild wird am Hinteren Rahmen des Fahrrades angebracht und kann von keinem, dem Radfahrer folgenden Fahrzcuglenker übersehen werden. Die Schilder werden vom Bund Deutscher Radfahrer in Berlin NW 6, Schiffbauerdamm 19, auch an NichtMitglieder zum Selbstkostenpreis abgegeben. Ringen um die ostdeutsche Meisterschaft Auf dem diesjährigen Reichs-Arbeitsr-Sport-Tag im Grunewald-Stadion wird der Endkampf um die ostdeutsche Ringermeisterschast des Arbeiter-Achletenbundes ausge- tragen. Bereits um 9 Uhr vormittags beginnen die Kämpfe zwischen den Kreismeistern Breslau, Weißwasier, Stolzenhagen und Berlin (Alt-Wedding). Bei den Hauptkämpfen am Nachmittag wird dann der neue Meister verkündet werden. Buitdeticeae, ieäct* mi: «rb>!it»'Sch>>t>«i>-Svill>, OH«atn»pt SPctltn. Stefstrnnft nun Saft im Spott. forum. Eingang am Echwimmbafftn, VjlV Mir. Heut«, Sonnabend, 18% Uhr. Anhalter Bahnhof.—«bt. WcdMng. Treffpunkt zum Saft Sonntag, las Uhr, Bahnhof Wedding. Sperenberg: Miidchen-Zehntage-Ferienfahrt. Nachmeldungen noch möglich in der Sefchaftssielle Lounfe-Seiiter.Sing 21(Schiftan). SliSP. Friedrichkfelde. Saft, Abfahrt 12.80 Uhr vom Bahnhof Lichtenberg. Zriedrichzfelde. Tauristenperein„Die Naturfreunde-, Ortegruppe Berlin. Alle» zum Saft: Treffpunkt, in Uhr. Teufelssee. Geschlossener Ahn-arsch. 18 Uhr. Fahnen mit. bringen! Nachzügler, 1.8.8» Uhr, an der Padbielskieiche im Stadion zum Ein- marsch. Solidarität, Äraftfahrer. Die Korsofahrt zum Saft findet nicht statt. Die Abteilungen fahren van ihren Startlrkalen. Dazu starten die Abt. Kreuzberg, H'j Uhr, Seichenberger Str. dl; Abt. Friedriehshain, IN.: Uhr, Landsberger Bist,! Abt, Norden, Ilza Uhr, Seeitr. 62: Abt. Ebarlottenburg, U'j Uhr, Wilmersdoifer Str. 21: Abt. Pankow, INb Ubr. Berliner Etr, 88: Aht. Köpenick, II Uhr, Friedrichshaaenrr Straße: Abt. Tempelhof.Mariendorf, 11 Uhr. Kurfilrste». Ecke Schllhenftraße. Arbritsgememfchaft für Forftschutz und Naturkunde S. B. 18«. Arle. Wanderung. Sonnabend. 26. Juni. Bespch tiet Pelztierfarm in Berlin-Briz, Grilner Weg«. Treffpunkt vor dem Eingang der Farm pilnktlich 17n Ubr. Im Anschluß Äitglied-rpeisammlung in einem Seftaurant nahe der Farm. Mit. glieder 2» Pf., Giifte 8» Pi. »II« Arbeiter und Ansestelite haben das ßechl auf Befreiung von der Mitslledschafl bei einer PtllchlkrankenicaBse(«517RVO.) durch Übertritt sur Kranken- u. Sterbekasse für das Deutsche Reich (Lichterfelder Ersatzkasse lür sämtliche Berufszvveice V a Q.) Auskunft und Prospekte kostenlos und unverbindlich durch die Hauptverwaltung: Berlin H 24, Oranienburger Strafe 67