Morgenausgabe Nr. 299 A 151 49. Jahrgang WSchentNch TB Pf, monawch 3,28 M (davon 87 Pf, monatlich für Zustel- lung in» Haus) im voraus zalilbar, Poiib-zuz 3.97 M.-inschli-ßlich 60 Pf. P»»zelMngs- und 72 Pf. Postbestellas- Äthren.Auslandsabonnement6.ss M. vro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporto a.SB M. Per„Vorwärts' erscheint wochentäz» lich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für BerKn und im Kandel mit dem Titel„Der Abend'. Illustriert« Eonnragsbeilag« .Volt und Zeit' ZZerliner volksvlatt Dienstag 28. 2un> 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Die etnfpalt. Millimelerzetle 30 Pf. Rsllamezeile 2.— M.„Äleine Am zeigen" das fettgedruckte Wort 20 Pf. (zulässig zwei settgedruckteWortel, jedes weitere Wort 10 Pf. Rabatt lt. Tarif. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeter- zeils 25 Pf. Familienanzeigen Milli- mcterzeile 16 Pf. Anzeigenannahme im Kauptgefchäft Lindenstraße Z, wochentäglich von Sü, bis l7 Uhr Der Verlag behält sich dasRecht der Ab- lehnung nicht genehmer Anzeigen vor« Jentvalovgan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 Fernspr.: Dönhoff(� T) 292—297. Telegraimn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: BsrlinZ? SZK.— BankkoMo: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3. Dt.B.u.Dtsc.-Ges., Depositenl., Jerusalemer Str. KS/KS. veiitsrt»«» W äliler innen und Wähler? In dem harten Ringen der Arbeiterklasse und aller freiheitlich denkenden Volksschichten Deutschlands gegen Knechtschaft und Diktatur ist der 31. Juli ein Tag von entscheidender Bedeutung. Militaristen und Nationalisten nehmen einen neuen Anlauf, die Gewalt zu ergreifen, um sie zur Zerschlagung der Demokratie, zur Entrechtung der breiten Massen, zu ihrer politischen und wirtschaftlichen Knechtung zu mißbrauchen. Sie stürzten die Regierung Brüning nicht um etwas Besseres an ihre Stelle zu setzen," nicht um dem Volke in schwerer Zeit mehr Einfluß auf Staat und Wirtschaft zu verschaffen, sondern um es ganz auszuschließen und einem Kabinett des Adels, des Großgrundbesitzes und des Schwerkapitals an die Macht zu verhelfen,< Diese Regierung hat in ihren ersten Verlautbarungen dem„Wohlfahrtsstaat" und dem „Staatssozialismus" den Krieg erklärt und damit bekundet, daß ihre„grundsätzliche neue Richtung der Volksführung" gegen die Volksschichten gerichtet sein soll, die sich in den 14 Jahren nach dem Zusammenbruch des alten Regimes die Staatsbürgerrechte der Demokratie und eine beschränkte soziale Fürsorge errungen hatten. Die Bildung dieser volksfeindlichen Regierung wurde nur möglich auf den Schultern der sogenannten Nationalsozialistischen Arbeiterpartei, die durch ihre Führer Hitler und Görin g die Tolerierung des Kabinetts Rapen gegen gewisse Gegenleistungen versprach. Die Regierung löste auf ihren Wunsch den Reichstag auf, sie überließ ihnen den Rundfunk für ihre Propaganda, sie stellte die von Groener verbotene Prlvatarraee Hitlers wieder her, sie gab ihr das Recht, Uniform zu tragen und zu demonstrieren. Zahlen aber muß das Volk! Die Regierung Rapen hat ihrer Kriegserklärung an den„Wohlfahrtsstaat" sehr rasch die Tat folgen lassen in Gestalt einer neuen Notverordnung, die alle bisherigen an Härte weit übertrifft. Sie hat den Opfern des Krieges, den Witwen und Waisen, den Opfern der Arbeit, den Invaliden, den Opfern der Krise, den Arbeitslosen, die kärglichen Renten erbarmungslos gekürzt. Sie hat dem Beamten, dem Handwerker, dem Kaufmann, dem Käufer neue Abgaben aufgebürdet. Sic hat den noch Arbeitenden die ganze neue Last auferlegt, den Reichen aber neue Steuergeschenke gegeben. Sie hat die Pläne zur Arbeitsbeschaffung und zu einer gerechten Arbeitsverteilung zu Fall gebracht. Gegen die Taten dieser Regierung und ihre Stützen in der sogenannten Nationalsozialistischen Arbeiterpartei rufen wir zum Kampf: Wir kämpfen für die Aufhebung der Notverordnung, Wir kämpfen für die Erhaltung und Sicherung des Rechts auf Arbeitslosenversicherung Wir wollen die Jugendlichen und die langfristigen Arbeitslosen vor materiellem Elend und seelischer Verzweiflung schützen! Sie sollen in gegenseitiger Arbeitshilfe, in stillgelegten Betrieben für sich selbst die notwendigen Bedarfsgegenstände zur Ergänzung ihrer Unterstützung herstellen. Wir kämpfen für Arbeitsbeschaffung aus öffentlichen Mitteln, für gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden, für rasche Durchführung der Siedlungen, ohne dem lebensunfähigen Großgrundbesitz neue Geschenke zu machen und damit den Siedler zu belasten. Wir kämpfen für gerechte Verteilung der Lasten nach der Leistungsfähigkeit. Anstatt die kleinsten Einkommen aufs brutalste der neuen Arbeitslosenabgabe zu unterwerfen, müssen die hohen Einkommen durch einen kräftigen Zuschlag zur Einkommen- und Körperschaftssteuer zu den Sanierungsopfern herangezogen werden. Anstatt die Lebenshaltung breitester Volksschichten durch den Sozialabbau auf der ganzen Linie unter das Existenzminimum herabzudrücken, müssen endlich die hohen Vermögen durch eine wesentliche Erhöhung der Vermögens- und Erbschaftssteuer erfaßt werden. Anstatt den lebensnotwendigsten Massenverbrauch durch Salzsteuer und Umsatzsteuer aufs schwerste zu belasten, muß der Luxusverbrauch einer umfassenden Luxusbesteuerung unterworfen werden. Wir kämpfen aber auch für eine Außenpolitik der friedlichen Verständigung auf dem Boden des gleichen Rechts für alle. Elend zusammengebrochen sind alle nationalistischen Anklagen gegen die internationale Politik der Sozialdemokratie; denn es hat sich gezeigt, daß auch die Regierung Papen, die Regierung der„nationalen Konzentration", über keine anderen Mittel verfügt als die von der Sozialdemokratie empfohlenen. Die Sozialdemokratie hat in geduldiger Arbeit die Lasten des verlorenen Krieges dem deutschen Volke zu erleichtern versucht. Sic hat als erste die Forderung nach der Streichung der internationalen Kriegsschulden erhoben und für diese Forderung im Interesse des deutschen Volkes in der ganzen Welt um Verständnis geworben. Ihre Politik der Verständigung mit Frankreich wurde als schlapp, feige, undeutsch, ja geradezu landesverräterisch hingestellt. Indem auch die Regierung der„nationalen Konzentration", die Regierung Papen, den Weg der Verständigung mit Frankreich beschritt, hat sie wider Willen den schamlosen Betrug der nationalsozialistischen Demagogen entlarvt. Die Tätigkeit der Regierung Papen beginnt weiten Volkskreisen die Augen zu öffnen über die Wirkung nationalsozialistischer Erfolge. Je größer diese Erfolge waren, um so zerrütteter wurde die Wirtschaftslage, um so eher faßte die Regierung den Mut, die Lebenslage der Armen noch weiter zu verkümmern. Diese Erkenntnis gilt es in die Köpfe der Millionen zu hämmern, die unter den heutigen Zuständen leiden und die sich irreführen ließen. Es gilt aber auch die Erkenntnis zu verbreiten, daß die kapitalistische Wirtschaft ihren Höhepunkt überschritten hat, daß sie nicht imstande ist, ihre Aufgabe zu erfüllen, daß sie die Menschen nicht mehr ernähren, bekleiden, behausen kann, daß sie von einer neuen höheren Wirtschaftsform abgelöst werden muß. In voller Uebereinstimmung mit den Gewerkschafften fordern wir Umbau der Wirtschafft. Die Staatsmacht muß planmäßig in den Dienst der Umwandlung der kapitalistischen Profitwirtschaft in eine sozialistische Bedarfswirtschaft gestellt werden. Nur so kann das Elend abgewehrt und der Jugend die Hoffnung auf eine neue Lebensaufgabe gegeben werden! In diesen Kämpfen zweier Weltanschauungen zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Knechtschaft und Freiheit, zwischen Kapitalismus und Sozialismus ist der 31. Juli ein Entscheidungstag. Deshalb: Mit erhöhter Aktivität, Disziplin und Einigkeit in den Kampf! Die Pfeile der Freiheit sollen die Feinde des Volkes treffen. Die deutsche Arbeiterklasse läßt sich nicht überwinden. Sie wird allen Gewalten zum Trotz ihre große geschichtliche Mission erfüllen. Volk pib acht! Brüder wacht! Kämpft für Demokratie und Sozialismus! Berlin, den 28. Juni 1932. Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 9 von Gayl sagt:„Noch nicht!" Die Sozialdemokratie warnt den Neichsinnenminister. Die Mlglieder des Sozialdemokratischen Parteivor. siandes Erispi�n, D i t t m a n, Vogel und S t a m p- f e r sprachen am Montagabend beim Reichsinnenminister von Gayl vor, um ihm die Beschwerden über den Terror der SA., die in dem Brief des Parteivorslandes an den Reichspräsidenten erhoben wurden, im einzelnen vor- zutragen. Sie überreichten dem Minister zwei umfangreiche Mappen, in denen terroristische Handlungen der Rational- sozialislen in sehr zahlreichen Fällen einwandfrei nachgewiesen werden. Es handelt sich dabei fast ausschließlich um Fälle, die sich nach der Aufhebung des SA.-Verbotes ereignet haben. Der Minister sagte die Prüfung des Materials zu. 2m Falle des Angriffs auf das„Vorwärts"- Gebäude konnten sich die Vertreter der Sozialdemo- kratischen Partei auf ein nationalsozialistisches Flugblatt be- rufen, aus dem klar hervorgeht, daß die Rationalsozialisten die Angreifer waren. Schließlich stellten sie den Minister vor die präzise Frage, ob er die im Brief des Reichspräsidenten umschriebenen Voraussehungen für ein„Vorgehen mit allen verfassungsmäßigen Mitteln" gegen solche Ausschreilungen als gegeben betrachtet. Der Minister erwiderte, daß dies noch nicht der Fall sei. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei erklärten zum Schluß der Unterredung, die etwas über eine Stunde dauerte, daß ein weiteres Dulden des uniformierten Terrors der SA. zu Folgen zu führen drohe, für die niemand die Ver- antwortung übernehmen könne. Die neue Noiverordnung. Vor der Aufhebung des Semonstrationsverbotes. Die neue Notoerordnung des Reichspräsidenten wird voraus- sichtlich heute mittag veröffentlicht werden. Die Notoer- ordnung wird die Bestimmung enthalten, daß die Uniform- und Domonstrationsverbote im ganzen Reiche aufgehoben werden. Die Länderpolizeibehördsn sollen aber, wie es heißt, er- mächtigt werden, örtlich und unter besonderen Bedingungen Aus- »ahmebestimmungen zu erlassen. Ferner wird eine Ausführungsverordnung zum§ 4 der Notverordnung vom 14. Juni ergehen, durch die eine Anmeldepflicht für Demonstrationen eingeführt wird, um zu verhindern, daß gleich- zeitig und an derselben Stelle Kundgebungen feindlicher Parteien erfolgen können. polizeiminister der Länder in Berlin. Völlige Llebereinstimmung in politischen Fragen. Die Amtliche Preußische Press« stell« teilt mit: Die größte Anzahl der leitenden Länderminister ist heute, den 27. Juni, auf Einladung Preußens in Berlin zusammengetreten, um politische Fragen von besonderer Bedeutung zu erörtern. Die Konserenz ergab eine volle llebereinstimmung der Er- schienenen. Weitere Sitzungen gleicher Art sind von Fall zu Fall je nach Bedarf in Aussicht genommen. Die Grenze. Eine Warnung Grzesinskis. Magdeburg, 27. Zuni. �Eigenbericht.) Auf dcm Rcichsarbeitersporttag im Reiche-banner- stadion hielt der Berliner Polizeipräsident Grze- s i n s k i eine Ansprache, in der er gegenüber den Trohun- gen des Goebbels erklärte, wenn die ZA. versuche, sich das Aecht auf die Straße zu nehmen, werde Polizei und Staatsgewalt da sein, und die Herren der ZA. würden trotz ihrer offenen und geheimen Verbündeten sich noch immer die tlopfe einrennen. Wenn sie weiter von viotwchr redeten, dann sollten sie wissen, daß an dem Tage, wo die ZA. gegen Gesetz und Aecht sich ein Recht auf die Ztraßc nähmen, allen Staatsbürgern, also auch für dir Eiserne Front das Recht der Notwehr gegeben sein werde. „Ich setze mit Nachdruck hinzu, daß an dcm Tage, wo die Eiserne Front das Recht der Notwehr gegen die Nationalsozialisten in Anspruch nimmt, es keine TA. mehr geben wird." Tic Eiserne Front habe bisher Geduld gezeigt, aber Geduld dürfe nicht mit Schwäche verwechselt werden! Deshalb erklären wir,„wenn es zu ernsten Auseinander- setzungen kommt, dann wird die Eiserne Front handeln und nicht rede n." Im Kampf um die Landesverfassung. Braunschweiger Sozialdemokratie ruft Staatsgerichtshof an Braunschweig. 27. Juni.(Eigenbericht.) Durch eine Klage der sozialdemokratischen Landtagsfraktion vsim Staalsgerichtshof soll der Bruch der Landesverfassung und die Bergowaltigung der Minderheit des Parlaments durch die jetzige Regierungsmehrheit gesühnt werden. Wie seinerzeit gemeldet, hatten sich am 18. Mai d. I. die sozial- demokratischen Abgeordneten mit dem grundlos ausgeschlossenen Ab- geordneten Thielemann solidarisch erklärt und das Plenum beschlußunfähig gemacht. Obwohl die Boschlußunfähigkeit feststand, setzte sich der nationalsozialistische Landtagspräsident und die natio- nalsozialistischen rechtsbürgerlichen Parteien über Geschäfts- ordnung und Verfassung hinweg und beschlossen die Gesetze. Der Rechtsbeistond des Braunschweigischen Landtag?, der Landsyndrkus Klaue verweigerte seine Unterschrift unter das Proto- koll der Verhandlungen des Rumpfparlaments und erklärte die ge- tätigten Beschlüsse für rechtsungültig. Trotzdem lehnte die Rechtsmehrheit die von der SPD.-Fraktion geforderte Wiederholung der Abstimmungen ab, so daß nunmehr der Staatsgerichts- Hof angerufen werden mußte. Lächerliche Nazibeschwerden. Auch in Sachsen sollen die Paragraphen helfen. Dresden, 27. Juni.(Eigenbericht.) Eine schwere Niederlage haben die Nazis vor dem sächsischen Oberverwaltungsgericht erlitten. Sie oersuchten ihre Blamage beim Volksentscheid über die Landtagsauflösung, der trotz kommunistischer und deutschnationoler Hilfe daneben gelang, dadurch auszugleichen, daß sie eine Anfechtungsklage beim Oberoerwaltungs- gericht als Wahlprüfungsgericht erhoben und beantragten, die Ab- stimmung für ungültig zu erklären. Sie brachten eine Menge größtenteils gänzlich haltlosen Materials über angebliche Wahlbeein- flussung auch durch Behörden usw. vor. In der öffentlichen Ver- Handlung vor dem Oberverwaltungsgericht wurde auf Grund der Auskünfte der Behörden festgestellt, daß der größte Teil der Beschwerden gänzlich unbegründet sei. Demgemäß erklärte das Oberverwaltungsgericht nach mehrstündiger Beratung die Abstimmung über den Volksentscheid für gültig. Es sei nicht die Mehrzahl der Abstimmungsberechtigten erreicht worden. Damit sei der Volksentscheid gescheitert. Mit langer Nase zog der sächsische Nazihäuptling Dr. Fritzsch ab. SA. schießt weiter! LleberfaU auf eine Sonnenwendfeier in Limbach-Rusdorf. Chemnitz, 27. Zuni.(Eigenbericht.) Die blutigen AebersSlle der Rationalsoziali st en aus die Teilnehmer an der Sonnenwendseier der Sozialistischen Arbeiterjugend in Limbach-Rusdorf spielten sich, wie Augenzeugen berichken, wie solgi ab: Schon beim Abbrennen des höhenfeuers wurde ein Atiental aus die Zugend versucht. Zn dem Holzstoß, der angebrannt werden sollte, Halle ein Razi-Strauchrltler 20 scharfe Patronen versteckt. Rur der Vorsicht und der Gewissenhastigkeil der für das höhenfener Verantwortlichen ist es zu danken, daß es nicht hier zu Unfällen kam. Die Leitung verständigte die Polizei, die die patro- nen an sich nahm. Auf dem eingezäunten Sportplatz in Rusdorf war ein großes Zelllager mit Z5 Zeiten ausgebaut, in dem für ekwa 500 Teilnehmer Platz geschossen war. kurz nach ein Uhr nachts beobachielen Ange- hörige des Zungbanners, die die Rachlwache durchführten, in un- mittelbarer Röhe des Lagers eine Reihe herumschleichender Ge- stallen. Als man versuchte sie zu stellen, rissen sie aus und eröfsne- Laßt keinen heraus aus Sitzungen, aus Versammlungen, aus Kundgebungen, aus Festveranstaltungen, aus jeder sonstigen Zusammenkunft, bevor er nicht sichtbar das Freiheitszeichen trügt. die drei PfeiSe! lcn auf ihre Verfolger ein starkes Feuer. Die Zungbannerleute warfen sich schnell zu Boden, so daß keiner getroffen wurde. Später wurden an dieser Stelle IS Patronenhülsen gesunden. Ein zweiter, noch gemeinerer Ueberfall auf das Zeltlager erfolgte kurz nach 4 Uhr morgens. Ein geschlossenes personenaulo, in dem sich fünf uniformierte Razibanditen befanden, fuhr dicht an die Rachiwachcn heran und schoß auf die Zungbannerleute. Ein Zungbanner- mann wurde durch einen Schuß in den Oberarm schwer ver- letzt. Es wurden etwa 20 Schüsse gezählt. Die ausgesundenen pa- tronenhülsen zeigen, daß ans drei verschiedenen Kalibern geschossen wurde. Ein Reichsbannerkamerad wurde auf der Straße nach Rusdorf von 40 Rationalsozlalisken überfallen. Die Razls zogen den Reichs- bannermann vom Rad und schlugen ihn nieder. Dem verletzten stahlen die Razis den Photoapparat. Zn der Rächt zum Sonntag wollten zwei Samariter eine kranke Fron nach Hause transportieren. An der Apotheke in Limbach wurde aus die durch Armbinde und Mütze kenntlichen Samariter ein Feuernberfall verübt. Die Rationalsozialisten gaben etwa zehn Schüsse ab. Ein Passant wurde durch einen Unterschenkelschnß verletzt.• ♦ 3m Verlaus der Schießerei, in der ein EHemmtzer Zungbannermann getötet wurde, ist festgestellt worden, daß etwa 25 SS.-Leute, sämtlich mit großen Armeepislolen ausgerüstet, aus die marschierenden jungen Menschen geschossen haben. Als zwei Sameraden den verwundeten Marek aufhoben, um Ihn in ein benachbartes Haus zu tragen, wurde auch auf sie geschossen. Ein kammunistischer Arbeiter wurde durch einen Bauchschuß verletzt. Mit letzter Kraft hielt er sich an einem Zaun fest. Ein SS.-Mann sprang auf ihn zu und schlug mii einem schweren Elsenknüppel aus den Verletzten ein. der blutüberströmt und bewußtlos zusammenbrach. Der schwerverletzte Chemnitzer Reichsbannerkomerod Marek. dem ein Schuß den Oberkiefer und die Mundhöhle verstümmelte und der weitere schwere Verletzungen erlitten halte, starb in den Armen seiner Kameraden in einem Hausflur, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war. Als das Chemnitzer Ueberfallkommando eintraf, wurden zu- erst die Arbeiter und Ueberfollenen nach Waffen durchsucht! So ging tastbare Zeit verloren, die von den Mordgesellen selbstverständlich ausgenutzt wurde. Trotzdem gelang es nicht allen SA.- und S S.Banditen, ihre Schußwassen in Sicherheit zu bringen. Einigen Razis konnten Revolver abgenommen werden. Die Blutspur des Terrors. Am Sonntag 5 Tote und über'tvv Verwundete. Wir haben bereits im gestrigen„Abend" die Verlust- liste des lebten Sonntags mitgeteilt. Infolge mehrerer verspätet eingegangener Meldungen erhöht sich diese Verlustliste des blutigen Straßenterrors auf insgesamt fünf Tote und über INN Verwundete. Mannheim, 27. Juni. Ii» nahen Ketsch, einer kommunistischen Hochburg, hielt die NSDAP, am Sonnabendabend eine Versammlung ab, zu der auch SA.-Leute hinzugezogen worden waren. Vorsorglich waren vierzig Schutzpolizeibeamte aus Heidelberg sowie die gesamte Gendarmerie des Schweginger Bezirks nach Ketsch gelegt worden. Als in der Versammlung Kommunisten, von denen viele mit ihren Fronen erschienen waren, die Internationale sangen und einer von ihnen aus den Tisch stieg, um eine Rede zu halten, kam es zu einer schweren Schlägerei, bei der mit Stuhlbeinen. Bier- gläsern usw. aufeinander eingeschlagen wurde. Polizei und Gen- darmerie trennte die feindlichen Parteien. Etwa 3 0 Personen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Die Versammlung konnte schließlich zu Ende geführt werden, jedoch muhten die Ra- tionalsozialisten' u n t e r polizeilicher Deckung weggebracht werden. Kommunisten gegen Landjäger. Fünf Personen schwer, eine Anzahl leicht ver�ht. Wittenberge, 27. Juni. In Werben a. d. Elbe kam es gestern zu blutigen Zusammen- stoßen zwischen Kommunisten und der Polizei, in deren Verlauf fünf Personen schwer ve rletzt wurden. Die Ortsgruppe Werben des kommunistischen Landarbeiterver- bandes hatte zu gestern die Weihe ihres Banners vorgesehen, die jedoch vom Regierungspräsidenten verboten worden war. Trotz des Verbots hatten di« Kommunisten 800 Mann aus der Umgegend zu» fammengezogen und durch den kommunistischen Reichstagsabgeord- neten Redlich die Weihe in einein Lokal vornehmen lassen. Nach dem Festakt traten sie vor dem Lokal an und entrollten die Fahne. Als sie auf Ersuchen der Polizei nicht eingezogen wund« und die Beamten gegen die Demonstranten vorgingen, kam es zu einem großen Tumult. Von allen Seiten drangen die Kommunisten auf die Landjäger ein und schlugen drei von ihnen zu Boden: zwei Beamte gaben in höchster Notwehr Schreckschüsse ab. Da sie weiter angegriffen wurden, mußten sie scharfe Schüsse abgeben, durch die die Arbeiter Gebet und Täufer aus Wittenberg« verletzt wurden. Die Polizei sperrte die Elbbrllcke ab und untersucht« die nach Wittenberge heimkehrenden Kommunisten nach Waffen. Hierbei wurden noch zahlreiche Verletzte se st ge stell t. Die beiden schwer verwundeten Kommunisten wurden in das Wittenberger Krankenhaus gebrocht. Die'Verletzungen der drei Landjäger sind nichtlebensgesährlich. � poetische Bluttat in Vohwinkel. Vohwinkel, 27. Juni. In der vergangenen Nacht wurde in der Nähe des Bahnhofs der kommunistische Arbeiter Sjlaus von politischen Gegnern erschossen. Heute morgen wurde ein Nationalsozialist in Uniform von den Brüdern des Erschossenen angehalten. Der Nationalsozialist zog einen Revolver und legte aus seine Widersacher an. Als die Waffe versagte, oersuchte er zu fliehen, wurde jedoch von Straßenpaffanten eingeholt und der Polizei übergeben. Zusammenstöße in Vorpommern. , Franzburg. 27. Juni. Anläßlich einer kommunistischen öffentlichen Kundgebung kam es zwischen Kommunisten nnd Nationalsozialisten zu einer Schlä- gerei. Der Nationalsozialist Neuenfeld aus Stettin wurde mit schweren Kopfverletzungen und Rippenbrüchen vom Platz getragen. Popens Rache. Oer Zoll der„Kölnischen Volkszeitung�. Wie wir bereits berichteten, plant die Reichsregierung energische Maßnahmen gegen die„Kölnische Volks- z e i tu n g* wegen eines scharfen Angriffes auf die Person des Reichskanzlers von Papen im Zusammenhang mit seinem„M a t i n"- I n t e r v i e w. 3m welcher Form sich dieser offizielle Racheakt an dem führenden Organ der Partei, die Herrn von Papen ausgestoßen hat, vollziehen wird, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Die Empörung der Wilhelmstraße richtet sich vor allem dagegen, daß die„Kölnische Volkszeitung" es gewagt hat, im voraus das erwartete Dementi gegen das„Matin"-JntervieV dadurch zu entkräften, daß sie das Gegendementi des Chefredakteurs Stephane Lauzanne mit besonderem Nach- und Fettdruck veröffentlicht hat. Unbekümmert also um das inzwischen erfolgte Dementi des Kanzlers, das übri- gens reichlich schwammig und unsicher war, hat das Kölner Zentrumsblatt die Forderung erhoben:„Fort mit diesem Reichskanzler!" und dabei in einem Lausanner Bericht die in Rechts kreisen gefallene Aeußerung wiedergegeben: „Dieser Kanzler i st eine K a t a st r o p h e." Wie kann man sich unterstehen, so erklären die zu- ständigen Stellen, an dem Wort eines deutschen Reichs- kanzlers zu zweifeln und der Darstellung eines f r a n z ö s i- schen Chefredakteurs den Vorzug zu geben? Das fei eine „Verächtlichmachung" des Reichskanzlers, gegen die einge- schritten werden müsse. Wir haben keinerlei besondere Sympathie weder für den„Matin", der seit 3ahresf:rist wieder völlig im nationa- listischen Fahrwassere segelt, noch für seinen Chefredakteur, der sich bisher nicht gerade durch ein besonderes Verständnis für die Lage Deutschlands ausgezeichnet hat. Daß Herr von Papen seine Herzensergüsse gerade diesem Blatt und diesem Manne geschenkt hat, ist seine Sache. Das ist eben die höhere Diplomatie des ersten wirklich nationalen Reichs- kanzlers seit 14 Jahren und es wäre vermessen, wenn wir, die wir in den höheren Herrenklubsphären nicht verkehren, an der Unfehlbarkeit solcher Initiativen zweifeln würden. Aber wir wissen auch, daß der keineswegs sympathische Herr Stephane Lauzanne ein Journalist von Rang und Welt- ruf ist, der in Europa schon ein Vierteljahrhundert lang be- kannt war, bevor man in Deutschland entdeckt hatte, daß es einen Staatsmann gebe, der Franz von Papen heißt. Und wenn dieser Journalist, der ein Renomee zu verlieren hat, ausdrücklich versichert, daß er sich die Worte Popens habe dreimal wiederholen lassen, bevor er sie— in abgeschwächter Form— wiedergab, dam» ist es reichlich unvorsichtig und abgeschmackt, wenn die Wilhelmstraße eine Art Majestäts- beleidigung darin erblickt, daß man der verlegenen Ent- gegnung eines Deuffchen, und wäre er auch ein leibhafter Reichskanzler, nicht hundertprozentig Glauben schenkt. Würde sich Herr von Papen in Lausanne in seinem Ver- kehr mit Ausländern nicht ausschließlich der französischen Sprache bedienen, in der er mit vielgerühmter Grazie plau- dert, wäre ein„Mißverständnis" möglich gewesen. Eher ist denkbar, daß er nach den vielen Interviews, die er den französischen(nicht den deutschen) Journalisten gewährt hat, sich nicht mehr ganz zurechtfindet, denn auch das beste Ge- dächtnis hat seine Grenzen. Wie dem auch sei: das Malheur, das nun einmal passiert ist, läßt sich mit nachträglichen Zeitungsverboten nicht einrenken, sondern nur noch verschlimmern. Uebcrdies und außerdem: gibt es in der Reichskanzlei und im Auswärtigen Amt keinen Menschen, der Herrn von Papen beibringt, wie ein Staatsinann— und das ist er doch wohl seit seiner Ernennung zum Reichskanzler— Interviews gibt? Bei einiger Kenntnis der geltenden Regeln und Gepflogenheiten wäre ein solcher Hereinfall ganz Rn- möglich gewesen! Hugenbergs Trennungsstrich. Eine Philippika an die Nationalsozialisten. Auf der„R e i ch s f ü h r e r t a g u n g" der Deutschnatignalen Volkspartei hat Herr Hugenberg sich eingehend mit den Natip- nalsozialisten auseinandergesetzt. Danach ist von der Harzburger Front auch nicht ein Atom mehr übrig geblieben. Herr Hugenberg muß feststellen, daß dem Nationalsozialismus leider vollkommen d i e Staatsidec fehle und er sich daher mit dem Problem Repu- blik oder Monarchie noch nicht habe auseinandersetzen können. Tiefe wirtschaftliche Gegensätze trennten die Deutsch- nationalen von den Nationalsozialisten, und wenn nicht die Deutsch- nationale Partei als starker Faktor in der erhofften nationalen Mehrheit stehe, würde eine Entwicklung schwer abzu- biegen sein, die als eine der g e f ä h r l i ch st e n anzusehen sei, die dem deutschen Volk überhaupt beschieden sein könne, nämlich ein Zusammengehen zwischen Nationalsozialismus und Zentrum. Heute sei eine Entwicklung eingetreten, die die Deutschnationalen nicht im Auge gehabt hätten, als sie sich mit dem Nationalsozialismus zusammengetan hätten. Zu diesem Klagegesang bemerkt das„Berliner Tage- b l a t t" sehr treffend, daß Hugenberg die Verantwortung für seine eigenen Taten von sich abzuwälzen suche und fährt dann fort: „Leider wird ihm das in den Augen aller objektiv Denkenden noch durch die Tatsache erschwert, daß seine Presse den National sozialismus schelt und o l s in unübertrefflicher Weise begünstigt, hät- e~r b e r für i h n w i r k t. Das gebt so weit, daß seine Blätter jede nationalsozialistische Mordtat, jeden Uebersall, jede Ausschreitung der Hakenkreuzler entweder verschweigen oder in einen Uebersall von Reichs- bamierleuten, Sozialdemokraten und Kommunisten verdrehen. Während wir anderen selbstverständlich auch kommunistische Roheitsakte verzeichnen, gibt es für die Leser der Hugenberg- Presse nur ei n e„rote" M o r d h e tz e, die SA.-Kameraden werden immer nur schändlich überfallen. Der„T o g" beispielsweise stellt auch das Eindringen der Nationalsozialisten i n d e n Hof des„Vorwärts"- Gebäudes so dar, als hätten die Reichsbannerleute im„Vorwärts" den vorbtiziehenden Gegnern aufgelauert und sie beschossen, wobei er den amtlichen B e- richt einfach unterdrückt." Wie bei Herrn Hugenberg hat es auch bei der schwer- i n d u-st r i e l l e n Presse ein böses Erwachen gegeben, nachdem die Nazis mit ihren wilden Agitationsanträpen im Landtag aus der Reihe getanzt sind. Man beginnt in den Kreisen des Großkapitals und seiner Press« einzusehen, daß die„nationale Er- Neuerung" etwas anders ausschaut, als man sich vorgestellt hat und fürchtet für die investierten Millionengelder. Aber weder die späte Einsicht noch dir Angst um die verpulverten Millionen befreit diese Kreise von der Verantwortung, die „nationale Erneuerung", so wie sie sich jetzt in ihrer ganzen ab- schreckenden Form osfenbart, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln hochgezüchtet zu hoben. Die arme, Überfallene E>A. (Zum Uebersall aus das„Borwärts"-SebSud«) „Aur weiter!- Bis in den vierten Hof sind wir die Angegriffenen!" Verschärfung in Lausanne. Aach der Berliner Reife des Kanzlers. Lausanne, 27. Juni. sEigenbericht.) In t»er am Montagnachmittag abgehaltenen B e- sprechung zwischen den Delegationen Deutschlands und Frankreichs, die über drei Stunden dauerte, erläuterte Finanzminister Schwerin von Krosigk die Gründe sür die völlige Streichung der Reparationen und erklärte die deutschen Anregungen für eine besondere Teilnahme Teutschlands an den Wiederausbauplänen in Europa. Ter gräfliche Finanz- minister argumentierte ähnlich wie vormittags vor der deutschen Presse. Der Reichskanzler ergänzte die Ausführungen des Finanzministcrs, wobei er besonders den zweiten Teil des deutschen Programm», insbesondere die postti- ven Möglichkeiten für eine anderweitige Entschädigung der Reparationsgläubiger durch«ine gemeinsame Arbeit in Europa hervorhob. H e r r i o t erklärte noch einmal, warum er Pen fran- zösischen Standpunkt voll aufrechterhalte» müsse. Frank- reich sei nicht in der Lage, eine vollkommene Streichung der Reparationen ins Auge zu fassen und müsse sich vor- behalten, seine Meinung zu den in der Sihung aus- geführten deutschen Aufbauvorschlägen zu einem späteren Zeitpunkt festzustellen. Papen wird schneidig. Lausanne. 27. Zuni.(Eigenbericht.) Reichskanzler von Papen war nach Abschluß der Sitzung mit der französischen Delegation sehr gereizt. Ossevbar hatte man ihn in Verlin ordentlich national aufgeputscht. Die Sturzgerüchte der Rechtspresse wegen des Znterviews des„fllalin" hallen das übrige getan, kurz, seine Sprache in der Sihung war gegenüber den abwartenden Franzosen so prononzierl schneidig. daß herriot sich daraus beschränkte, im Nomen Frankreichs Ver- Währung einzulegen. Aus o«n wenigen Stichworten, die der Reichskanzler der deut- schen Presse abgehackt hinwarf, geht die brüske Abwendung von seiner konzilianten Haltung am Anfang der Konferenz schon mit aller Deutlichkeit hervor. Die Konserenz, so habe er nachdrück- sich ausgesührt, habe die unerhörte Chance, die Irrtümer des Nach- krieges wieder gutzumachen. Das System der Reparationen mllsie verschwinden. Die deutsche Regierung werde keine Unterschrift mehr leisten, von der sie heule schon überzeugt sei. sie nicht einhalten zu können. Dafür habe er die Ausführungen des Finanzministers über das Programm des europäischen Wiederausbaues scharf unterstrichen. Bei diesem Wiederaufbau werde das deutsch-französische Verhältnis eine ganz besondere Rolle spielen. Zuerst müsse das Vertrauen in der Welt wiederhergestellt werden. Dies sei in erster Linie die Aufgabe der Siegermächt« und nicht Deutschlands. Den Mißersolg der eigenen Methode, die so srenndlich wie mög- sich begann, um im entscheidenden Augenblick die sachlichen Gegen- säge noch durch ein schneidigeres Austreten im Sinn« der inner- politischen Austraggeber zwecklos zu verschärfen, suchten dann Reichskanzler und Außenminister aus einen Zwischenfall abzuladen. Bekanntlich hatte der Reichssinanzininister von Krosigk bereits am Lormittag die deutsche Presse über seine Darlegungen sür die Nachmittagsverhandlungen unterrichtet. Selbstverständlich brachte die Agftice Havas kurz nach Beginn der Berstungen einen Auszug aus den Meldungen der Berliner Presse nach Lausanne, wo diese Darstellung, leider entstellt, noch während der Aussührungen von Krosigk herumgereicht wurde. Aon Papen und von Neurath machten nun den deutschen Pressevertretern Vor- würfe, daß sie d�ese Mitteilungen dem Havas-Vertreter in Lausanne weitergegeben hatten. Als sich die Vertreter Berliner Blätter dagegen verwahrten, konnte man sich eines Lächelns über die llnbeholfenheit der deutschen Delegierten nicht erwehren. Sie lzatten die gewiß sreundlichc Absicht gehobt, der Presse ent- gegenzuloinmen, aber keine Ahnung davon, daß die Mit- teilungen doch bis nach. 4,30 Uhr nachmittags schon wieder in Lausanne sein müßten. Und dieses Havae-Telegramm soll nun der Grund für die merkliche Erkaltung der sranzösischen Ver- Handlungspartner sein, die doch gerade im Augenblick seines Auf- touchens die wirklichen Aussührungen des deutschen Finanz- Ministers anhören konnten. Selbst wenn man diesen A b- lenkungsversuch ernst nehmen wollte, müßte man noch asiem Vorgegangenen die Folgen der verfrühten Mitteilungen an die Presse doch wiederum der Delegation selber zuschreiben. von Papen und Herriot werden jeder sür sich heute Macdonold über, den Stand der Verhandlungen informieren. Von der morgigen Aussprache zu Vieren, also Deutschland. Frankreich. England und Italien wird es abhängen, ob die für Mittwoch angesetzte deutsch- französische Beratung das letzte Wort Frankreichs oder noch irgend- einen positiven Ausweg bringen wird. Oer Tag von Versailles. Aufruf des republikanischen Studentenverbandes. Der republikanische Deutsche Studentcnverband veröffentlicht zum Tage der Unterzeichnung von Versailles eine Er- klärung, die wir in ihren wesentlichen Teilen, wie solgt, wieder- geben: „Trotz aller drängenden Sorgen der Gegenwart darf der Tag der Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktates nicht und«- achtet vorübergehen. Ist doch die sinnlose Selbstzersleischung aller Völker im Wettkriege und dieser sogenannte Friedensvertrag von Versailles, der den Krieg mit wirtschaftlichen Mitteln ver. längerte, die wesentliche Ursache der geistigen und Wirt- schastlichen Zerrüttung der Wett. Bis zum heutigen Tage ist das im Versailler Vertrag gegebene feierliche Versprechen einer militärischen Abrüstung aller Nationen nicht erfüllt worden. Gerade die Jugend sieht darin mehr als einen vertraglichen Anspruch: sie fordert die Ab- rüstung als moralisches Recht und als Ausdruck ihres nationalen und interngtionalen Lebenswillens. Noch immer ist ims deutsche Volk nach dem historisch-unwahren Wortlaut des Versailler Friedensvertrages mit dem Makel der Alleinschuld am Weltkriege behaftet. Auch hiergegen legt die deutsche Jugend immer und immer' wieder feierliche Verwahrung ein, weil sie van dem unerschütterlichen Willen geistiger Verständi- gung aller Völker beseelt ist. Dieser Protest deutscher republikanischer Jugend hat nichts gemein mit chauvinistischen Kundgebungen und Demonstrationen eines verhetzten, ungeistig radikalisierten Teils der deutschen Stu- dentenschaft. Die staatsbewußten republikanischen Stüde n- t e n, vereint im Deutschen Studentenverband, lehnen es entschieden ab, mit phrasenhaften, haßerfüllten Zielen vor die Oesfentlichkeit zu treten. Es gilt, mehr denn je vor der Welt«ll« aufbauwilligen Kräfte der Deutschen Republik zur Ueberwindung des Geistes�von Versailles zu sammeln, im demokratischen Geiste der Völkerverständigung zu dienen und fortzuschreiten auf dein Wege, den Rathena», Strefemann, Hermann Müller und Brll- ning gewiesen haben. Organisiert den Frieden! Schluß mit Ver- sailles: Keine Welt ohne Deutschland, kein Deutsch- land ohne die Welt! Llnsere Kandidaten. Für die Wahlkreise Oüsfeldorf-Ost und-West. Düsseldorf. 27. Juni.(Eigenbericht.) Der außerordentliche Bezirksparteitag Niederrhein stellte fol- gende Kandidaten für die Reichstagswahl auf: Für Düsieldors-Ost Dr. Rudolf H i l f e r d i n g- Berlin. Lore A g n e s- Düsseldors. Roberl D a u m- Wuppertal; für Düsseldorf-West Paul Gerlach. Düsseldorf, Johann Thab o.r- Krefeld und Alfred Schatz- Oberhausen. Abgeordneler Dr. Millelmann gestorben. Der frühere Reichs- tagsabgcordnete Dr. Mittelmann ist in einer Klinik in Düsseldorf gestorben. Dr. Mittelmann war lange Jahre Reichstagsabgeordneter der Deutschen Volkspartei für den Wahlkreis Pommern. Gewerkschastliche Kulturarbeit. Nahrungsmittel- und Getränkearbeiterverband Arbeitslosigkeit und Lohnkürzung haben den Konsum der breiten Massen scharf eingeschränkt. Wer will sich da wundern. wenn auch bei den Nahrungsmittel- und Getränke- a r b e i t e r n Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zunehmen. Ende Dezember wurden 11578 arbeitslose und 4 3 0 9 7 in Kurzarbeit stehende Derbandsmitglieder sestgestellt. Stark hat die Kurzarbeit vor allem in den Brauereien um sich gegriffen, wodurch allerdings die Arbeitslosigkeit erheblich ein- geschränkt worden ist. In den handwerklichen Gewerbegruppen, wie Bäckerei, Konditorei, Fleischerei und Metzgerei, hat die Ueberhandnahme der Lehrlingshaltung zur Steige- rung der Arbeitslosigkeit noch ein übriges getan. Das gesetzliche Verbot der Nachtarbeit in den Bäckereien war scharfen Angriffen ausgesetzt. Sie konnten dank der Unterstützung des ADGB. und der Sozialdemokratischen Partei abgewehrt werden. Gegen die zunehmende steuerliche Belastung in der Brauindustrie wurde die Organisation wiederHoll bei der Regierung vorstellig. Eine Senkung der Biersteuersätze ist erst Anfang des Jahres durchgekämpft worden. Abwehrkämpfe muhten in 1036 Fällen geführt werden: erfaßt wurden davon 353 489 Beschäftigte. In den allermeisten Fällen wurde bei den Verhandlungen eine Einigung erzielt. All- gemcinverbindlich erklärt wurden Manteltarisverträge mit 89 254 Beschäftigten. Für 172 933 Personen wurde die Verschlechte- rung des Lohns und sonstiger Arbeitsbedingungen abgewehrt. Vor allem war die Organisation erfolgreich in ihrem Kamps um die Er- Haltung der Ferien und der Lohnzahlung in Krank- heitsfällen: 60 000 Personen hatten davon unmittelbaren Ge- winn. Die durchschnittliche Lohnkürzung betrug bei den Arbeitern 2,85 M. und bei den Arbeiterinnen 1,92 M. pro Woche. 211 Tarife konnten für 72 716 Personen neu abge- s ch l o s s e n werden. Eiche des Jahres 1931 bestanden 1043 Tarifverträge für 74 434 Betriebe mit Z47 673 Beschäftigten. Wichtige tarifliche Erfolge wurden trotz des unerhörten An- sturms der Unternehmer fe st gehalten: für 44666 Per s o n e n wurde eine Arbeitszeit unter 48 Stunden wöchentlich vereinbart. Ueberstundenzuschläge erhalten 236 298 Per sonen, Zuschläge für Sonntagsarbeit bis zu 50 Proz. bekommen 225 196 Personen, Zuschläge für Nachtarbeit bis zu 50 Proz. be ziehen 204 938 Personen, jährliche Ferien bis zu 18 Tagen erhalten 246 501 Personen, und die Bezahlung des Lohns in Krankheits- fällen bis zum Höchstausmaß von 8 Wochen ist für 235 652 Per sonen tariflich geregelt: davon wird der Lohn bis zu zwei Wochen für 44,6 Proz. und bis zu 4 Wochen für 34,5 Proz. aller den Tarifen unterstellten Personen weitergezahlt. Große Bedeutung legte die Organisation der Jugend beweg ung bei. In 104 Orten bestehen Lehrlings- und Jugend abteilungen. Der Gesamtbestand der organisierten Lehrlinge und Jugendlichen betrug am Jahresende 6753: darunter sind die Lehr- linge in den Bäckereien und Konditoreien als die stärkste Gruppe vertreten. Fast 6 Millionen Mark für Unterstützungen wurden ausgewendet, davon über 2 Millionen Mark für Arbeits- lose, 900 000 M. für Kranke, 1 754 000 M. für Invalid« und 273 000 M. für Sterbeunterstlltzung. Für die neu beschlossene Aus- steusrunterstützung wurden 22 600 M. und für den Rechtsschutz 91 000 M. ausgegeben. Die Lohnbewegungen und Streiks erforderten über eine halbe Million Mark. Dazu kommen dann noch viele hunderttausend Mark, die bei den Arbeits- gerichten an rückständigem oder einbehaltenem Tariflohn m i t Erfolg ausgeklagt werden tonnten. Die Einheitsorganisation der Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie hat im Krisenjahr 1931 ihren Mann gestanden. Dem Unternehmertum gelang es nicht, feine Pläne auf Zertrümme- rung der gesetzlichen Arbeiterschutzbestimmungen und der bestehenden Tarifverträge zu verwirklichen. Umgekehrt erreichte die Organi- sation eine weitere Sicherung der Vertragsbestimmungen und teil- weise sogar noch beachtliche Verbesserungen der Lohn- und Arbeits- bedingungen. Der Verband bewies, daß er mit Erfolg für seine Mitglieder kämpft und arbeitet. Albert Thomas' Nachfolger. Vor der Entscheidung des Berwaltungsrates des IAA. Am Donnerstag tritt der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes in Genf zusam- men. Er wird zunächst dem verstorbenen Direktor Albert Thomas eine Gedächtnisfeier widmen. Die eigentliche Arbeitstagung beginnt am 1. Juli. In ihrem Mittelpunkt steht die dringend gewordene Wahl eines Nachfolgers für Albert Thomas. Als Kandidaten werden genannt: in erster Linie der dänische Finanzminister B r a m s n e a s, der amtierende Vizedirektor des Amtes Butler� schließlich wird auch Hendrik de Man ge- n a n n t. Bramsneas ist seit längerer Zeit u. a. auch Mitglied des Verwaltungsrats des IAA. Als Sozial- Politiker erfreut er sich eines guten Rufes. Ursprünglich Buch- drucker, hat er an der Universität von Kopenhagen studiert und es zum Professor der Sozialwissenschaft gebracht. Es wäre sehr zu wünschen, wenn der Verwaltungsrat in seiner bevorstehenden Tagung die Nachfolgerschaft von Albert Thomas entschiede. Eine Vertagung der Wahl würde be- sonders jetzt kaum zu rechtfertigen sein. Die gewiß großen Schwierigkeiten angesichts der Vielgestaltigkeit der Interessen und Meinungen würden nicht geringer werden, wenn man der Entscheidung auswiche. Jedenfalls wird der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes bei dieser Entscheidung eine gewichtige Tat- sache im Auge behalten müssen: In das Internationale Ar- beitsamt kann unmöglich ein Mann zum Leiter berufen werden, der nicht die Zu st im m ung der Ver- treter der Arbeiterschaft erhält.' Es ist an sich eine fast paradoxe Erscheinung, daß die leitenden Persönlichkeiten des Völkerbundes der zünftigen Diplomatie entnommen sind, die selbst dem eigentlichen Ziel des Völkerbundes nur skeptisch gegenübersteht. Wenn aber zum Leiter der Abteilung des Völkerbundes, deren ausdrück- liche Aufgabe die Organisierung des Schutzes der Arbeit ist, eine Persönlichkeit berufen würde, der die Arbeiterschaft mit Mißtrauen gegenübersteht, eine Persönlichkeit, die die Sozial- Politik nur als notwendiges Uebel betrachtet, so würde das von der gesamten Arbeiterschaft aller Richtungen als ein Schlag ins Gesicht empfunden werden. Hier handelt es sich nicht darum, zu entscheiden, welches Maß von Sozialpolitik in den einzelnen Ländern und im internationalen Maßstab erreichbar ist. Das ist in erster Linie eine Machtfrage, die zwischen den Jnteressenvertretun- gen der Arbeiter und der Unternehmer in den einzelnen Ländern ausgetragen wird. Bei der Besetzung des Direktor- Postens handelt es sich vor allem um die moralische G e n u g t u u n g, die der Arbeiterschaft gegeben werden muß, daß auch sie innerhalb des Völkerbundes das Recht hat mit- zuwirken. Der Posten des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes ist die sichtbarste Stelle für dieses Recht. Man kann die Arbeiterschaft jetzt nicht davon ausschließen, ohne sie nicht gleichzeitig degradieren zu wollen. Ausländische Arbeiter in Preußen. Starke Abnahme, insbesondere bei den Polen. Wie das Preußische Statistische Landesamt in Nr. 24 der .Statistischen Korrespondenz" mitteilt, waren im Jahre 1931 in Preußen insgesamt 133352 ausländische Arbeiter beschäftigt(gegenüber 185 780 im Jahre 1930 und etwa 8 7 5000 im Preußen alten Umfangs in den Jahren kurz vor dem Kriege). Nach der Art der von der Deutschen Arbeiterzentrale ausge- gebenen Ausweispapiere hatten davon 97 078 Arbeiter den B e- freiungsschein, den hauptsächlich Arbeiter nichtdeutscher Staatsangehörigkeit, die schon seit langer Zeit im Lande ansässig oder hier geboren sind, erhalten, und nur 35 763 die Legiti- m a t i o n s k a r t e, die für solche ausländischen Arbeiter ausge- geben wird, denen nur für eine b e st i m m t e Zeit der Aufenthalt genehmigt wurde: in erster Linie kommen hierfür die aus den Ost- staaten, insbesondere aus Polen kommenden Landarbeiter in Betracht. Nach der Staatsangehörigkeit entfällt der stärkste An- teil auf Polen(48 453 Arbeiter-- 36,3 Proz.). Es folgen mit 26 732(20,0 Proz.) die Tschechoslowakei, mit 20124 (15,1 Proz.) die Niederlande, mit 7405<5,6 Proz.) O e st e r- reich und mit 5706(4,3 Proz.) Jugoslawien. Die Nieder- länder sind fast ausschließlich Inhaber von Besreiungsscheinen und arbeiten zum größten Teil in der Industrie. Dies erklärt sich daraus, daß auch die niederländischen Behörden die Beschäftigung deutscher Arbeitskräfte in Holland gestatten: zudem ist ein großer Teil der niederländischen Arbeiter seit Jahrzehnten in Deutschland ansässig oder hier geboren und spricht, wie die Volkszählung von 1925 ergeben hat, deutsch. Bei den tschechoslowakischen, österreichischen und schweizerischen Staatsange- hörigen handelt es sich fast ausschließlich um D e u t s ch st ä m m i g e. Die wenigsten Inhaber von Befreiungsscheinen befinden sich unter den Polen. Gegenüber den Jahren 1925/28 sind— mit Ausnahme der schweizerischen Arbeiter— die Zahlen der ausländischen Ar- beiter aller Staatsangehörigkeiten zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang bei den polnischen Arbeitern, wo er über die Hälfte der Zahl von 1925�28 beträgt. Von den ausländischen Arbeitern waren 60 187, das sind 45,1 Proz., in der Landwirtschaft und 73 165, das sind 54,9 Proz., in n i ch t landwirtschaftlichen Betrieben und in häuslichen Diensten beschäftigt. Die Einschränkung der Ausländerbeschäftigung erfolgte hauptsächlich bei den Landarbeitern. Bei ihnen waren 1931 57,0 Proz. der Zahl in den Jahren 1925/28 beschäftigt, bei den nichtlandwirtschaftlichen Arbeitern beträgt der Satz 79,2 Proz. Unerhörter Lohndruck. Eine Herausforderung der Oeffentlichkeit. Die Verhandlungen zur Erneuerung des zum 31. Juli 1932 auf- gekündigten Rcichstarifvertrages für die Zigarren- Herstellung, die in Oeynhausen stattfanden, sind e r- g e b n i s l o s verlaufen. Bei einem durchschnittlichen Wochen- verdien st von 18,74 M., wie er sich nach den Angaben der Tabakberufsgenossenschast im allergünstigsten Fall für einen Voll- a r b e i t e r ergibt, wollen die Zigarrensabrikanten— abgesehen von dem in Aussicht gestellten Abbau einer Reihe von Ortszuschlägen— die Zeitlohnsätze bis über 20 Proz. und die Stücklohnsätze bis über 30 Proz. kürzen! Außerdem fordern sie bis auf weiteres die Beseitigung der tariflichen Ferienbestimmungen und damit der Ferien überhaupt. Diese unerhörten Zumutungen sind einer Herausforderung der Oeffentlichkeit. Die Tabakarbellerverbände haben jede weitere Lohnkürzung so- wie die Beseitigung der tariflichen Ferienbestimmungen mit Eni- schiedenheit zurückgewiesen. Sie verlangen mit guten Gründen eine Festsetzung höherer Zeitlöhne für qualifizierte und an Maschinen beschäftigte Arbeiter und Arbeiterinnen sowie bis zum Eintritt besserer wirtschaftlicher Verhältnisse eine wöchentliche Höchst- arbeitszeit von 36 Stunden. Da eine Verständigung nicht erzielt werden konnte, haben die Gewerkschaften das Reichsarbeitsminifterium um die Ein- leitung eines Schlichtungsverfahrens und die Be- stellung eines Schlichters ersucht. Die Huiarbeiier in der Krise. Nur noch ein Drittel ist voll beschäftigt. Für die Hutarbeiter und-arbeiterinnen hat es schon lange keine guten Konjunkturjahre mehr gegeben: so schlecht wie im vorigen Jahre war die Beschäftigungslage ober noch niemals. Der Rückgang des Beschäftigungsgrades, der durch die„hutlose Mode" bereits seit Jahren zu verzeichnen ist, wurde im vorigen Jahre noch erheblich verschärft durch die Hutlosigkeit, die unzähligen Männern und Frauen durch langanhaltendc Arbeitslosigkeit oder unzureichenden Verdienst aufgezwungen worden ist. Wie der Deutsche 5?ut- arbeiterverband in seinem soeben erschienene» Jahresbericht 1931 mitteilt, waren im M o n a t e d u r ch s ch n i t t des vorigen Jahres nur 33 Prozent s e i n e r M i t g l i e d e r V o l l a r b e i t e r, dagegen 24 Prozent Kurzarbeiter und 43 Prozent Arbeitslose. Bei dieser trostlosen Arbeitsmarktlage war es für die Hutfabri- kanten sozusagen eine Selbstverständlichkeit, zum Herbst des Berichts- jahres alle Lohntarife zu kündigen und mit Verfchlech- terungsanträgen aufzuwarten, die sich von denen der ärgsten Scharf- macher in den übrigen Industrien nicht unterschieden. Dem Hut- arbeiterverbond gelang es zwar nicht, den Lohnabbau ganz abzu- wehren: er konnte aber, wie in dem Jahresbericht besonders betont wird, erreichen, daß die Löhne in der Hutindustrie nicht in dem Maße abgebaut wurden, wie die Fabrikanten es erwartet hatten. Der Vorstand des Hutarbeiterverbandcs bemerkt zu dem Kapitel Lohnabbau weiter, daß den Hutfabrikanten der Lohnabbau bestimmt nicht so leicht gefallen und vor allem nicht in dem Umfange ge- lungen wäre, wenn ihnen nicht das Reichsarbeitsmini- st e r i u m bereitwilligst Hilfe geleistet hätte. Die Mitgliederbewegung ist durch de» Rückgang der Beschäftigung natürlich auch nachteilig beeinflußt worden. Durch die lange Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sind.1512 Mitglieder oder 9 Prozent der Gesamtmitglicdschaft abtrünnig geworden, so daß der Hutarbeiterverband Ende 1931 insgesamt 15 228 Mitglieder, dar- unter 9 422 weibliche, zählte. Die schwere Krise spiegelt sich auch im K a s s c n a b s ch l u ß wider. Die Gesamtausgaben in Höhe von 409 215 Mk. ü b e r st i e g e n die Gesamteinnahmen um 24 322 Mk. Für Unter st ützungen allein wurden 238 409 Mk. ausgegeben. Recht aufschlußreich sind die Angaben über die Wahl der Betriebsvertretungen in der Hutindustrie. Bon den 590 im vorigen Jahre gewählten Arbeiterräten, darunter 243 weiblichen, gehörten 557, darunter wiederum 229 weibliche, dem H u t a r b e i- terverband und anderen freien Gewerkschaften an: nur 13 Ar- beiterratsmitglieder in der gesamten deutschen Hutindustrie waren unorganisiert. 400 Versammlungen gegen die Nazis. Der Einheitsverband der Eisenbahner führt zur Zeit im ganzen Reich einen scharfen Vorstoß gegen die Nazis. Im mitteldeutschen Bezirk wurden z. B. etwa hundert glänzend besuchte Versammlungen veranstaltet. Ihr Thema lautete:„Wer kann die Eisenbahner retten? Der National- sozialismus oder die Arbeit der freien Gewerkschaften?" Die Führer der Nazibetriebszellen bei der Reichsbahn waren überall mit der ausdrücklichen Zusicherung unbeschränkter Redezeit eingeladen worden, aber nur in der ersten in Halle ab- gehaltenen Massenversammlung hatten sie den Mut, sich zu einer geistigen Auseinandersetzung zu stellen. Sie fielen bei den Eisen- bahnern glatt ab: denn diese haben die Hohlheit der Hitler-Redens- arten durchschaut. Eine geistige Auseinandersetzung können die Nazis mit den Gewerkschaften nicht riskieren. Sie wissen das auch, vor allem wissen das die im Dunkeln bleibenden Drahtzieher der Hitler-Partei, und darum war von allem Anfang an ihre Taktik nur auf Kr a- wall, Mord und Totschlag eingestellt. Arbeitsbeschaffung im Gartenbau. Entschließung der Notgemeinfchast. Die Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Gärtnergewerbes, darunter auch die Reichsfachgruppe Gärtnerei im Gcfamtverband, bilden eine Notgemeinschaft des deutschen Garten- baus, die sich insbesondere die Arbeitsbeschaffung ange- legen sein läßt. In einer Entschließung zu dieser Frage wird erklärt, daß der Gartenbau im wesentlichen auf allgemeine Maß- nahmen zur Beschaffung von. Arbeit angewiesen ist. Die Notgemeinschaft betont, daß die gärtnerischen Arbeitnehmer für verschiedene von Reich, Staat und Gemeinden in Angriff ge- nommene Arbeitsbeschaffungspläne eine besondere Eignung mit- bringen, und daß sie deshalb vorzugsweise bedacht werden sollten. Im besonderen gilt das für Siedlungsarbeiten, Ur- barmachung von Moor- und Oedländereien, Aufforstun- gen usw. „Auch aus Gründen möglichster Arbeitsergiebigkeit erscheint das Verlangen berechtigt, daß bei den allgemeinen Bodenkulturarbeiten ein bestimmter Teil von Gärtnern und angelernten Arbeitern — etwa ein Viertel bis ein Drittel der Gesamtbelegschaft— Arbeitsmöglichkeit erhält. Auch für die Beschäftigung von Wohl- fahrtserwerbslosen in den Garten- und Parkanlagen der Gemeinden wird diese Forderung durch die Notgemeinschaft des deutschen Gartenbaus erhoben und nachdrücklichst unterstützt. Gärtnerische Beratung und Mitarbeit durch erwerbslos ge- wordene Gartenbaubeamten, Gartenarchitekten und Techniker in allen mit der Siedlung im Zusammenhang stehenden Fragen, bei der Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen im gesamten Gartenbau und auf manchen anderen Gebieten liegt gewiß im all- gemeinen Interesse. Deshalb sind auch solche gärtnerischen An- gestellten bei der Arbeitsbeschaffung bevorzugt zu berücksichtigen." Achtung, Bauarbeiter! Hiermit verhängen wir über die Firma Paul Witt, Töpfermeister, Oberschöneweide, Wilhejlminenhof- straße 5, wegen Nichtanerkennung der tariflichen Bestimmungen die Sperre. Die Firma Witt führt auf der Baustelle H o l z m a n n, Hohenschönhausen, Töpferarbeiten aus. Deutscher Baugewerksbund, Baugcwcrkschaft Berlin, Fachgruppe der Töpfer. 3m Kölner Hasen hatten am Montag die Aushilfsarbeiter und am Donnerstag die ständigen Hafenarbeiter die Arbeit eingestellt. Nach einer Aussprache vor dem Schlichter wurden die Differenzen beigelegt. Die Lohnkürzung um 4 bis 5 Proz. soll nicht vor dem 1. Juli vorgenommen werden. Der Rahmentarif läuft bis Jahres- schluß. EPD.-Fraktiou®nsn*tfc Tegel. Mittwoch, 29. Juni, noch Arbeits. W gj schluß, im Lokal„Zum Bären", Berliner Str. 40, Ecke Egellsstraße, Frak- Sj DI tionssitzung. Parteibuch legitimiert. Der Arattionsvorstand. i?! "T-f t M II II M I 41 II' I I I 1 M M l~r~l I I[-4=�� Iugendgruppe des ZentralverbanDes der Angestellten Heute, Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Gunterftr. 44. Aussprache:„Proletarische Jugendbewegung, ihre Geschichte und ihre Zukunft".— Nordwest: Jugendheim Lehrter Etr. 18— 19. Bortrag:„Die Frau und der Sozialismus". Referent Boenig.— Gesund» brnnnen: Jugendheim Schonstedtstr. 1. Aussprache:„Taaespolitische Rund» schau".— Spiele im Freien ab 18 Uhr auf dem Sportplan Rehberge.— Hand- baller: Trainingsspiele aus dem Eportplag Innstratzc in Neukölln. Tlftreie Gewerkschafts-Iugend Berlin t Heute 191a Uhr tagen die Gruppen: Sewerkschaftshaus: Jugendheim Gewerkschaftshaus, Snaeluser 24— 25.„Schutzpolizei und Bolksstaat."— Steglitz: Jugendheim Flemmingstr. 14K. Wir lesen aus dem Buch„Die Eiserne Ferse.— Spandau-Wilhelmstadt: Jugendheim Sportplatz Seeburgcr Straße. Lichtbildervortrag:„Heinrich Zille".— Pankow: Jugendheim Kissingen» straße 48, Zimmer ö.„Der organisatorische Aufbau der FGI."— Treptow: Jugendheim Elsenstr. 3(am Bhf. Treptow).„Das Internationale Arbeitsamt in Gens."— Frankfurter Allee: Jugendheim Litauer Str. l8.„Arbeitsgerichts» sitzung."— Lichtenderg: Jugendheim Doffestr. 22. Tranen, Abend.— Rc«, Lichten» bera: Jugendheim Gunter str. i4.„Die iranzosifche Fremdenlegion."— Ostcudc: Jugenddeim itorlshorst, Treskowallee 44 lKantschule). Julc kommt.— Bedding: Jugendheim Willdcnowftr. Ö, 2 Treppen. Zimmer 11. Die Mädchen gestalten den Abend aus. Titel:„Wird schon werden".— Schoneweide: Jugendheim Hasselwerderstroße, Mädchenschule in> Keller.„Arbeilsgerichtssitzung.— Wir spielen ab ab 18 Uhr:»reis Oberlpre«: Rehwiese: RarbosNreis: Sportplatz Einsame Pappel, Cantianstraße: Rorbkrei,: Sportplatz Humboldthain.— Jngeabgruppe des Deutschen Baugcwerksbundes, Maurer, Tharlottenburg: Bau- abend, Jugendheim Pestalozzistr. 49. Verantwortlich lllr Politik: Pieto, Schstt: Wirtschutt: G.»liugelhöser: Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Leporc: Lokales und Sonstiges: Fritz lt-rstädt, Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin. Berlag: Borwärts-Berlag G. in. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts-Buchdruckerek und Berlagsanftalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68, Lindenstraße<1 Hierzu 3 Beilagen. I Nr. ZSS» 4». Zahrgang©iensfuji, 28. Juni 1932 Heute Sklarek-Uricil. Alle fühlen sich gänz-ich unschuldig.— Leos grohe Rede. 3tn Zklarek-Prozeh hatten gestern sämtliche Angeklagten bis auf die Sklarek-Buchhalter Lehmann und Tuch das l e h I e Wort erhalten. Wie der Vorsihende, Amtsgerichtsrat Kehner, mitteilte, werden heute Lehmann und Tuch zu Worte kommen, und im Anschluß daran wird um ll Uhr am 124. Verhandlungslag das llrtekl im Sklarek-Prozeh oerkündet werden. Der vorletzte Tag des Sklarek-Prozesses hatte eine» starken Andrang von Publikum zur Folge. Sämtliche Angeklagten waren zur Stelle. Leo Sklarek erhielt das letzte Wort. Er hatte zwar ein ausgearbeitetes Manuskript von etwa 20 Seiten bei sich, wich aber bei seiner Rede ersichtlich von dem Manuskript ab und sprach ziemlich zusammenhanglos. Zunächst wandte er sich gegen den Vor- wurf der Staatsanwaltschaft, daß er gefühlsroh sei und behauptete, daß er immer ein gutmütiger und hilfsbereiter Mensch gewesen sei. Auch für die Arbeiter und Angestellten habe er sich immer eingesetzt und habe auf Bürgermeister Schneider eingewirkt, daß Exmissionen unterblieben. Seinen Bruder Max bezeichnete er wieder als den Napoleon, der er nicht nur jetzt auf dem Krankenbett, sondern auch schon in der Untersuchungshaft gewesen sei, wo er durch seine Ver- bindungen Erleichterungen gehabt hätte. Dann wandte er sich gegen den Mitangeklagten Stadtrat G ä b e l, dessen Verteidiger behauptet hätte, er sei durch die Sklareks verführt worden.„Lieber Otto, nimm mir das nicht übel, aber du Haft damals auch Austern gegessen und bist in die Lokale wie„Lidelle" und„Barberina" gegangen." Dos größte Unglück sei gewesen, daß man Kieburg kennengelernt habe. Kieburg habe sich, wie alle Einkäufer, Provisionsgelder zahlen lassen. Auf den Verkehr mit der Stadtbank eingehend, wandte sich Leo Sklarek dann gegen den Stadtbankdirektor Ho ff mann und meinte, wenn dieser in Untersuchungshaft gesessen hätte, dann hätte er sicherlich ausgepackt und die Hintergründe des Sklarek-Kre- dits geschildert. Weiter beschäftigte sich Sklarek mit Stadtrat Busch, Kommerzienrat H a b e r l a nd und dem Straßenbahn- direkter L ü d t k e. In dem Sklarek-Prozeß, so meinte er dann, seien viele Meineide geschworen worden. Wenn er, Leo Sklarek, ober in den Disziplinarverfahren als Zeuge gehört würde, dann werde er die reine Wahrheit sagen. Was Max mit Schmitt und Oberbürgermeister Böß vereinbart habe, werde wohl ein ewiges Eieheimnis bleiben, wenn es nicht gelänge, Max auf die Anklage- bank zu bringen. Der Antrag des Oberstaatsanwalts sei ganz furchtbor, denn er, Leo Sklarek, hätte nie geahnt, daß er sich irgend- wie strafbar gemacht hätte. Zum Schluß sagte er:„Sollte ich mich strafbar gemacht hoben, was mir nicht zum Bewußtsein gekommen ist, so bitte ich das Gericht, zu bedenken, daß ich Frau und Kinder habe." Willi Sklarek, der sich wesentlich kürzer faßte und viel ruhiger war, sagte, der einzig berechtigte Vorwurf, den man ihm machen könne, sei, daß er leichtsinnig gelebt habe. Daran seien aber nicht die acht Angeklagten allein schuld, sondern der Kreis sei viel größer gewesen. Willi Sklarek bestritt ganz entschieden, irgend- welches Geld beiseite gebracht zu haben und betonte, daß er nichts Strafbares begangen habe. Der Angeklagte Stadtbankdirektor Schmitt schloß sich den Ausführungen seines Verteidigers an, erklärte, seine makellose dienst- liche Vergangenheit gebe die Gewähr dafür, daß er sich nicht habe bestechen lassen und keine Pflichtwidrigkeiten begangen habe, und bat um ein freisprechendes Urteil. Der Angeklagte Statdbankdirektor H o f f m a n n erklärte, daß er seine Pflicht bis aufs äußerste erfüllt habe und sich nie etwas hätte zuschulden kommen lassen. Er sei ein vollständig unschuldiger Mensch und bitte um seine Freisprechung Der Angeklagte Bürgermeister Kohl betonte, daß er während seiner langen kommunalen Tätigkeit nur das Interesse der Stadt im Auge gehabt habe. Er habe von den Sklareks keine Zuwen- düngen erhallen, sondern sich das Haus aus den eigenen Erspar- nisscn seines arbeitsreichen Lebens gekauft. Er habe auch keine Pflichtwidrigkeiten begangen und stehe deshalb vor sich selbst rein da. Auch er bat um einen Freispruch. Die übrigen Angeklagten, Stadtamtmann S a k o l o f s k i, Stadt- rat K ä b e l, Stadtrat D e g n e r, Bürgermeister Schneider und Buchprüfer L u d i n g gaben ähnliche Erklärungen ab. Auch sie hielten sich alle für unschuldig und baten um Freisprechung. Kommt Max Sklarek nicht mehr vor Gericht? Der Verteidiger von Max Sklarek hat nunmehr die Ein- stellung des Verfahrens gegen Max Sklarek auf Grund des 8 20? der Strafprozeßordnung beantragt. Dieser Paragraph bezieht sich nach seinem Wortlaut nur auf die Fälle, in denen das Verfahren eingestellt werden muß, weil der Angeklagte geisteskrank ist. In der strafprozessualen Praxis ist dieser Paragraph aber auch wiederholt dann angewandt worden, wenn ein Angeklagter wegen seiner Krankheit nicht verhandlungsfähig ist und die Schwere der Erkrankung die Möglichkeit ausschließt, daß er jemals wieder ver- handlungsfähig werden könnte. Reichsbsnnvi' in Bereitschalt. Der Appell im Stadion.- Stärkt die Schutztruppe der Republik! Mir die Fünfzigtausend, die am Sonntag hinaus zum Grunewald- Stadion gekommen waren, wurde der Reichsarbeitcr sporttag zu einem erhebenden Erlebnis, weil er durch das Zusammenwirken aller in der Eisernen Front zusammengeschlossenen Orga- nisationen die Einigkeit, Disziplin und Bereitschaft der Berliner Arbeiterschaft neu dokumentierte. Den Zehn- taufenden, die nach der mitreißenden Rede Paul Lobes mit hochgereckter Faust den Freiheitsgruß aus- brachten, war diese Handlung nicht nur Symbol, sondern heiliger Schwur, bis zum letzten für die Freiheit zu kämpfen. Wenn die grenzenlose wirtschaftliche Not es nicht so manchem unmöglich gemacht hätte niithinauszu- ziehen, so hätte das Stadion doppelt so groß sein können, und es hätte nicht alle zu fassen vermocht. Es war kein Zufall, daß die Kameraden des Reichs- b a n n e r s bei ihrem Einmarsch mit den Genosien der Eisernen Front besonders stürmisch begrüßt worden. Wir sehen, welche wichtigen Aufgaben die Schutztruppe der Republik gerade jetzt zu erfüllen hat, da die nationalsozialistischen Volksverhctzer den Brudermord über Deutschland gebracht haben. Das Reichs- b a n n e r neben Partei, Gewerkschaften und Arbeitersportorgani- sation zu st ä r k e n, erscheint im Augenblick mit als die wichtigste Aufgabe der republikanischen Arbeiterbewegung. Die Mannschaften der aktiven Berliner Reichsbannerkameraden hatten eine Stunde vor Beginn des eigentlichen Festes Aufstellung genommen. Punkt 15 Uhr nahm der Bundessührer Karl Hölter- mann mit dem gesamten G a u v o r st a n d den Appell ab. So oft der Arm Höltermanns in die Höhe flog, brauste ihm beim Ab- schreiten der Fronten aus Hunderten von Kehlen begeistert der Freiheitsruf entgegen. Der Bundessührer konnte sich davon überzeugen, daß das Berliner Reichsbanner über glänzendes Mcnschenmaterial verfügt. Gewiß, in der Einheitlichkeit der Uniform hätten die aus- marschierten Formqtionen mit den neu eingekleideten SA.-Trupps mit ihren Rotoerordnungsjacken nicht bis zum letzten kon- kurrieren können. Und wir sind stolz darauf! Der Reichs- bannerkamerad in der abgetragenen Windjacke schaut mit V e r a ch- tu n g auf den SA.-Mann mit der„verliehenen" Uniform. Er weiß nur zu gut, daß dieser mit seiner„Uniform" sein politisches Frei- h e i t s r e ch t verkauft. Nach dem Appell formierte sich der Z u g, an dessen Spitze gleich hinter den Spielleuten unter Führung des technischen Leiters Arthur Neidhardt der Gauvorstand mit Hölter mann in der Mitte marschierte, darunter auch der Vorsitzende der Berliner Sozialdemo- kratie, Franz Künstler, in der Bundeskleidung des Reichsbanners. Krieg im Dunkel. Nazischlägereien in allen Stadtteilen. 3n den letzten 24 Stunden haben d i e SA.- Trupps ihren Slraßenterror sorlgeseht. 3n den meisten Fällen ist es der Polizei gelungen, die angreifenden hakenkreuzler festzunehmen, bevor es zu schweren blutigen Auseinandersetzungen kommen konnte. In der B a r f u s st r a ß e im Norden Berlins versuchte eine größere Schar Nationalsozialisten in ein Lokal einzudringen. Bei dem Handgemenge erlitten zwei Parteigenossen Ver- letzungen, so daß sie auf der nächsten Rettungsstelle behandelt werden mußten. Die Mehrzahl der nationalsozialistischen Angreiser konnte vom Uebcrfallkommando festgenommen werden. In der I d e a l p a s f a g e in Neukölln wurden von Nationalsozialisten die Fensterscheiben unseres Parteibüros einge- w o r f e n. Drei der Fensterskllirmer konnten vors der Polizei in Haft genommen werden. In der Umgebung des Bülowbogens kam es in der vor- letzten Nacht zwischen Nazis und Kommunisten zu einem regelrechten Kleinkrieg, bei dem von beiben Seiten geschossen wunde.— In der Berliner Straße in Tempelhof wurde ein harmloser Passant von Nazis niedergeschlagen. Fünf Nazis konnten von der Polizei ergriffen werden.— Montag früh, kurz vor 3 Uhr, wurden aus einer Autodrofchke in der Rubens- st r a ß e in Schöneberg auf ein KPD.-Lokal zahlreiche Schüsse abgefeuert. Die Scheiben gingen in Trümmer, oerletzt wurde jedoch niemand. Die Täter entkamen.— In der Seestraße wurden Sonntagnacht mehrere Rcichsbannerleute von Haken- kreuzlern überfallen, die aus ihrem Verkehrslokal, mit Stühlen, Biergläsern und Flaschen bewaffnet, auf die Straße liefen und aus die Reichsbannerleute einschlugen. Die rechtzeitig auf dem Kampfpatz erschienene Polizei nahm mehrere Nazis fest, flazis wieder gegen Polizeibeamte. SA-Sturm auf früheres KPD-Lokal in Steglitz In der Düppelstraße in Steglitz kam es gestern abend zu einer Schlägerei zwischen Zialionalsozialisten und Kommunisten. Durch das rechtzeitige Einschreiten der Polizei wurde schlimmeres Unheil verhütet. Als mehrere SA.-Krakeeler zwangsgestellt werden sollten, drangen SA.- Leute auf die Beamten ein und versuchten. ihren Kumpanen dadurch zur Flucht zu verhelfen. Einer der Burschen, der die Beamten in ihrer Amtshandlung behindert halte, konnte festgenommen werden. Um 21.30 Uhr stürmte ein SA.-Trupp das frühere KPD.-Ver- kehrslokal am Cormerplatz in Steglitz. Mehrere Schaufenster- scheiden und die Tür des Restaurants wurden von de» national- sozialistischen Vandalen zertrümmert. Da sich in der Gastwirtschaft keine Kommunisten befanden, zogen die Burschen wieder ab. Ein Teilnehmer an diesem„Rachefeldzug" wurde später festgenommen. Selbstmord zweier Berliner Bankiers. Mit Gist und Revolver. Die Nachricht von den Selbstmorden zweier Berliner Bankiers hat in Bankkreisen erhebliches Aufsehen hervorge- rufen. Am Sonnabend erschoß sich, wie erst jetzt bekannt wird, der 51 Jahre alte Bankier Robert L. in einem Hotel Unter den Linden. Einen Tag zuvor war der Bankier Siegfried B. an einer Verona!» vergistung, nachdem er einige Tage in einer Klinik gelegen hatte, gestorben. Es war zunächst der Verdacht aufgetaucht, daß die Selbstmorde mit verfehlten geschäftlichen Transaktionen in Verbindung stehen würden.-Das hat sich bei der Untersuchung jedoch als irrig heraus- gestellt. L. hat offenbar im Alkoholrausch zur Waffe gegriffen, nach- dem er vorher ins kleinste seine Hinterlassenschast geregelt hatte. In einem Abschiedsbrief erklärt der Lebensmüde, daß er dem Alkohol unterlegen sei und deshalb in den Tod gehen werde. Der Bankier B., Mitinhaber eines Bankhauses in der City, hat die Tat vermutlich in einem Nervenanfall infolge Arbeitsüberlastung begangen. B. wurde in der vorigen Woche in seinem Schlafzimmer bewußtlos aufgefunden. Man schaffte ihn in eine Berliner Klinik, wo eine Veronalvergistung festgestellt wurd«. Hilfe konnte dem Lebensmüden leider nicht mehr gebracht werden. Reue Sparkassennebenstclle in Wittenau. Die Spärkasse der Stadt Berlin hat in Berlin-Wittenau, Oranienburger Str. 218, eine Nebenstelle eingerichtet. Verwalter ist der Kolonialwarenhändler Herr Franz Martens. Die Nebenstelle nimmt Einzahlungen von 1 M. an auf jedes Sparbuch der Sparkasse der Stadt Berlin ent- gegen. Sie fertigt auch selbst neue Sparbücher aus. Sturuk jde& JageA geh&zi jde/L SUmse! Gleichgültig uuo. gleichgültig ujann, immer und überall treffen Sie auf die gute Das sind Tatsachen, die stärker als Worte dafür sprechen, daß unser Grundsatz: „ Alles für die Qualität" und nichts für Wertmarken, Gutscheine oder Stickereien, von der Rauchera/elt anerkennt wird. Juno wirkt nur durch ihre Güte! LfNON Der Nazi-Gewährsmann! Ein Retrüger und Schwindler. Eine mehrtägige Verhandlung vor dem Schöffengericht Char» lottenburg enthüllte das wahre Gesicht eines Gewährmannes der Nationalsozialisten, des Herrn Julius S ch l i ch t i n g. Man erfuhr, was für ein Individuum das Material zu einer widerlichen Hetze gegen S e v e r i n g geliefert hatte. Unter der Maske eines Biedermannes hatte er es verstanden, seinen Freunden jahrelang Sand in die Augen zu streuen, unter Mißbrauch ihrer Namen Schwindeleien zu begehen, um, endlich entlarvt, zu den Feinden seiner früheren Freunde hinüberzuwechseln. Herr Julius Schlichting befaß ein gutgehendes Installation»- geschäft. Er ließ sich in Spekulationen ein, lebte über seine Mittel, es ging mit ihm bergab, er war schließlich nicht imstande, seinen Angestellten die Gehälter zu zahlen, gab aber seine Lebensweise nicht auf, sondern setzte sie fort auf Kosten seiner Mitmenschen, die er in der skrupellosesten Weise betrog, selbst vor Kaution»- und Heiratsschwindel schreckte er nicht zurück. Unter der Vor- spiegelung, heiraten zu wollen, und Vortäuschung, er sei geschieden, näherte er sich einer Frau B. und brachte sie um ihre ganzen Er- sparnisse in Höhe von 3S00 M. Als alles das nicht mehr ausreichte, ließ er sich vom Stahl- Helm, dessen Mitglied er geworden war, einen Lager- vermalter empfehlen, ließ sich von diesem in Form einer Kaution ein größeres Darlehen geben, vier Wochen später erklärte er, ihm nicht da» vereinbarte Gehalt zahlen zu können. Sein Geld sah der Mann nicht wieder. Aehnlich oerfuhr er mit G., den er als „Akquisiteur gegen ein Darlehen" von 4500 M. engagierte. Viele Zehnlausende von Mark flössen durch andere Betrügereien in seine Taschen. Seinen Friseur brachte er um dessen ganzes Vermögen, in zehn Tagen sollte das Geld zurückgezahlt sein; er habe vom Staat 78 000 M. zu erhalten, erklärte er; die Plauener Sparkasse habe ihm 200 000 M. zugesagt, in Wirklichkeit schuldete er dieser 180 000 M. Der Staatsanwalt hob die gemeine Gesinnung des An- geklagten hervor, auch den Umstand, daß er sich vor dem Gericht nicht entblödst habe, die Leute, die er in unglaublichster Weise ge- schädigt, ja selbst vollkommen ruiniert habe, in der unflätigsten Weise anzugreifen. Das Gericht verurteilte den sauberen Herrn wegen Betruges in zwanzig Fällen, Pfandbruches in vier Fällen, wegen Pfandbruches in Tateinheit mit Unterschlagung in fünf Fällen zu einer Gesamtstrafe von zwei Iahxen Gefängnis und wegen der gemeinen Gesinnung zur Aberkennung der bürgerlichen Ehren- rechte auf die Dauer von drei Iahren. Von einem Haftbefehl wurde abgesehen. So sehen Gewährsleute der Nationalsozialisten aus! Jeder sei ein Lebensretter! Wie in den Badeanstalten der Berliner Polizei gearbeitet wird. Großseuer! Gefährliche Oachstuhlbrände in Neukölln und in Charlottenburg. Zu den gestrigen Nachmitkagsstunden war die Jeuerwehr mit der Bekämpfung zweier großer Dachstuhlbrände längere Zeit beschäftigt. Der erste Feueralarm kam aus der Schillerstraße 75 in Char- lottenburg. Dort war gegen 13 Uhr im Dachstuhl des Quer- gebäudes aus unbekannter Ursache Feuer entstanden, das rasch um sich griff und auf den Seitenflügel übersprang. Vier Schlauchleitungen größter Kaliber mutzten in Tätigkeit gesetzt werden, um die Flammen, die eine weitere Ausdehnung zu ge- Winnen drohten, einzukreisen. Starker Rauch erschwerte die Lösch- oktion. Durch herabdringende Wasiermassen ist in den oberen Etagen schwerer Schaden entstanden. Die Ablöschungs- und Aufräumungs- arbeiten waren erst in den späten Nachmittagsstunden beendet. Um 18.47 Uhr traf die zweite Feuermeldung aus der Böhm!» schen Straße 31—32 in Neukölln ein. Dort war gleichfalls der Dach- stuhl des langgestreckten Eckhauses in Brand geraten. Als die alar- mierten Feuerwehren an der Brandstelle eintrafen, hatte das Feuer, das an Bodengerümpel und dem trockenen Dachgebälk reiche Nah- rung fand, bereits weit um sich gegriffen. Etwa 250 bi« 300 Qua- dratmeter Dachstuhl brannten herunter. Als Entstehungsursache ist Selbstentzündung festgestellt worden. Die Leute, die vorgeben. Deutschland„erneuern" zu wollen, haben es soweit gebracht, daß ein eoiarteter politischer Bruderkamps jeden Tag mehrere Menschenopfer fordert. Ein Menschenleben gilt den gewerbsmäßigen volksoerheßern nicht viel. Die Polizei, als die Hüterin über Leben und Sicherheit der Staatsbürger, hat in diesen unruhigen Zeiten ihren Rettungsdienst besonders ausgebaut. Einen Ausschnitt aus dieser Arbeit schildert der nachstehende Artikel. Jeder Polizeibeamte ein Schwimmer, jeder Polizeibeamte ein Retter, das ist das Ziel der Schwimmausbildung in der Schutz- polizei Berlin. Jeder Polizeibeamts muß und soll so weit im Schwimmen und Retten vorgebildet sein, daß er, wenn es sein mutz, in voller Uniform einem Ertrinkenden nachspringen und Hilfe bringen kann. Gerade Berlin mit seinen vielen Wasserstraßen und der wasserreichen Umgebung bringt die Polizeibeamten fast tag. lich in die Lage, einem Ertrinkenden Rettung bringen zu müssen. Daß die Schutzpolizei auch hier ihren Mann stcht, davon zeugen die Rettungsmedaillen, die im Laufe der Zeit viele Be- amte der Schutzpolizei erwerben konnten und die mit besonderem Stolz getragen werden. Wenn auch im Winterhalbjahr die Schwimmausblldung nie ganz ruht, so herrscht doch gerade in den Sommermonaten Hochbe- trieb in den vom Polizeipräsidium gemieteten Badean st alten. Ein beängstigendes Gewimmel herrscht in einer solchen Badeanstalt. Man sieht es den Beamten an, daß ihnen dieser Dienst besonderen Spaß macht. Da übt der junge Bereitschaftebeamte neben dem älteren Revierbeamten, der schon seine Kinder mit zum Schwimmen bringt. Wie geht nun die Schwimmausbildung vor sich? Die Leine und die Angel, die vielen von der M i l i t ä r d i e n st z« i t als wahre Marterinstrumente in Erinnerung sein werden, sind streng verpönt. Nur da, wo kein flaches Wasser vorhanden ist, sind sie noch vereinzelt im Gebrauch. Aber auch hier gibt es kein Tauchen und unnötige Ueberanstrengung, denn nur der Beamte wird auch im vorgeschrittenen Alter das Schwimmen erlernen, der das Per- trauen zum Wasser gewinnt. Im seichten Wasser übt der Beamte unter Anleitung von Kameraden, die als Schwimmlehrer ge- eignet find, so lange, bis er tatsächlich schwimmen kann. Die nächste Etappe ist das Schwimmen mit Schwimmkorken im freien Wasser. In verhältnismäßig kurzer Zeit ist der Schwimmschüler dann so weit, daß er die vorgeschriebene Viertelstunde schwimmen kann und damit das Frsischwimmerzeugnis erwirbt. Ist die Ausbildung zum Freischwimmer in verhältnismäßig kurzer Zeit zu erreichen, so erfordert die Ausbildung zupz Retter mehr Zeit und für den Schwimmlehrer viel Geduld, denn der Retter muß ein unbedingt sicherer Kleider- und Rückenschwimmer sein. Hier geht es ohne kräftiges Wasserschlucken meist nicht ab. Der Schüler soll sich aber auch von den sehr unangenehmen Umklamme- rungsgriffen Ertrinkender befreien können. Da sich diese Befrei- ungsgriffe aber unter Wasser abspielen, muß er auch Tauchen lernen. Der Minister des Innern hat hier ganz besondere Ueoungen vorgeschrieben, die jeder Polizeibeamte in jedem Jahr neu ablegen muß. Darüber hinaus hat das Kommando der Schutz- polizei noch einen Schwimm-Mehrkampf ausgeschrieben. Diesen Schwimm-Mehrkampf gewinnt die Dienststelle, die die meisten Rettungsschwimmer ausbildet. Neben dieser Ausbildung veranstaltet das Kommando der Schutzpolizei S ch w i m m- W e t t k ä m p f e für die fortgeschrittenen Schwimmer. Wer Gelegenheit hatte, diesen Wettkämpfen beizu- wohnen, der konnte feststellen, daß die Polizeibeamten auch im spart- lichen Wettkampf Leistungen zeigen, die weit über dem Durchschnitt liegen. Die nächsten Schwimm-Wettkämpfe finden am Mittwoch in der Polizei-Badeanstalt in Spandau. Schäferstraße, statt. Der Eintritt zu der Veranstaltung, die am Nachmittag be- ginnt, ist f r e i. Ernähre dich modern! Aber erst müssen die Arbeiter wieder Geld haben. Kürzlich trat die Reichsarbeitsgemeinschaft zur Förderung der Volksernährung vor eine breitere Oeffentlichkeit. Diese Reichs- arbeitsgemeinschaft ist eine Spitzenorganisation von Verbänden und Vereinigungen, die an der Aufklärung über richtige Ernährung interessiert sind. Am Mittwoch beginnt in Verlin eine Tagung dieser Arbeitsgemeinschaft, auf der alle einschlägigen Themen behandelt werden. Zusammen mit der Tagung läuft cm Curopahaus eine ent- sprechende Ausstellung über die Grundfragen moderner Ernährung. Es Handell dabei aber nicht um eine einseitige Rohkostpropaganda, sondern jedem Nahrungsmittel steht es frei, für seine Güte zu werben. Scharf stehen sich die Fleisch- und die Pflanzenköstler gegen- über, wobei die Vegetarier sehr sinnfällig darstellen, wieviel mehr eingefangenen Sonnenschein der Mensch bei basenreicher Pflanzenkost zu sich nimmt Ohne daß man nun im einzelnen Stellung nimmt, bleibt der Vorzug dieser Reichsarbettsgemeinschaft, daß sie endlich die Fragen zweckmäßiger Ernährung vor einem größeren Publikum stellt. Denn bei allem Fortschritt unserer Technik sind die Mechoden der Essenzubereitung meistens besonders im Arbetterhaushalt, wo man Maschinen und neue Kochgeräte nicht anschaffen konnte, immer noch die gleichen geblieben wie zu Urgroßvaters Zeiten. In einem Vortrog wurde übrigens bemerkt, daß man heute nicht mehr nur die 6 Millionen Erwerbslosen einsetzen darf, sondern besser von 14 Millionen Erwerbsbeschränkten zu sprechen hat. Man wies also erfreulicherweise darauf hin, daß bei einer richtigen Er- nährung die taufenden Massen auch Geld im Portemonnaie haben müssen. Wieder zwei tödliche Verkehrsunfälle. Gestern ereigneten sich wieder zahlreiche schwere Verkehrsunfälle. Am Treptower Park wurde die 69 Jahre alte Perta Hein aus der Elsenstraße 51 von einem Auto überfahren. Dil» Verunglückte wurde ins Urbantrantenhaus gebracht, wo die Aerzte bei der Einlieferung nur noch den Tod feststellen konnten.— An der Ecke Kurfürstendamm und Nestorstraße geriet der Opernsänger Dr. phil. Richard Banasch aus der Sybelstraße 40 in Charlottenburg unter die Räder eines Prioatautos. B. wurde ins Martin-Luther-Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zell nach seiner Einlieferung starb.— An der Ecke Gormann- und Mulackstraße wurden zwei Pasianten von einer Autodroschke überfahren. Di« Verunglückten, der 57 Jahre alte Ge- schäftsmann Emil Enderlein aus Freienwalde a. d. Oder und der 51jährige Tischler Josef Normann aus der Prinzenstraße 46 fanden im Krankenhaus am Friedrichshain Aufnahme. Oanziger Kaufmannsiragödie. Großvruckereibesiher geht mit Familie in den Tod. D a n z l g. 27. lluni. Gestern früh wurde der in Danzig wohlbekannte Sausmann Gerhard Dlx, der Besitzer der Großdruckerel Dix u. Co. in vanzig, zusammen mit seiner Irau und seinen beiden Kindern mit Gas vergiftet tot aufgefunden, wie aus einem hinter- lassenen Brief hervorgeht, hat Dix, der im Alter von 46 Jahren stand, im Einverständnis mit seiner 4ljährigen Ehefrau die Tat aus wirtschaftlicher Rot und wegen Krankheit in der Iamilie be- gangen. Die Sinder, ein Knabe von elf Jahren und ein achtjähriges Mädchen, tonnten ebenso wie die Ellern nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden._ Kopenhagen— Berlin in zwei Stunde«. Wie die Lufthansa mittellt, ist die Junkers G 38, D 2500, am gestrigen Montag in den regelmäßigen Dienst auf der Strecke Berlin— Hannooer— Amsterdam— London eingesetzt worden, nachdem sie von einem Flug nach Kopenhagen zurückgekehrt ist, wo sie an einem Flugtag teilnahm. Bei dem Rückflug legte sie die Strecke Kopenhagen— Berlin in zwei Stunden zurück. Oskar WöKrlc Iau Hus. Der XvteitZay Das Schottentor schmeißt ja ordentlich Licht aus. Hoffent- lich sieht mich keiner hier. Ah, du bist's, Totenfischer?! Eia, Glenk, wie hast du mein empfindliches Gemüt durch deine Nahuna erschreckt! Wohin willst du? An den Rhein? Jetzt, zu dieser hundsheulenden Zeit? Treibt wohl irgendwo wieder ein Toter an? Was, du hast's im Gefühl, wenn es einen gegen die Pfähle schwemmt? Höre, wie lange bleibt ein rechtschaffen Ertrunkener unten im Tang? So, volle neun Tage? Das ist eine verdammt lange Zeit! Ich möchte nicht neun Tage im Rheinwasser schwimmen, nein, ich nicht, ich bestimmt nicht! Nein, wenn schon gestorben sein muß, lieber gleich auf der Stelle hin sein, kein langes Quälen und Sichwehren! So ein Herzschlag, verstehst du, Glenk, das wäre etwas Reelles! Fort, weg, mitten aus dem Betrieb raus! Wenn die andern noch tafelnd am Tisch sitzen, still die Türe aufmachen, ade, meine Herren, ich marschier jetzt in ein anderes Zimmer! Haha, hoffentlich ist's nicht so ver- wanzt und so verungeziefert wie mein altes! Sonst wäre ja der Umzug sozusagen zwecklos! Was, es gibt auch welche, die gar nicht untergehen, sondern die wie ein Kort die stillen Wasser beschwimmen? Was, du träumst jedesmal, wenn dich ein Toter an deine Arbeit ruft? He, so sage, was hast du heute geträumt? Hast du etwa mich davonschwimmen sehen? Hier, mein samtenes, rotenschwarzes Wams? Rein? Nicht? Dann hätt' ich also noch mal Schwein gehabt! Wa», sagst du, hat dein heutiger Traumtoter an? Ein gelbes Wams? Ob du dich diesmal nicht irrst, Totenfischer?-Wer trägt hier in Konstanz ein gelbes Wams, wenn's nicht ein Iuü ist, und ein Iud, Glenk, soviel mußt du wissen, bringt sich nicht selber um. Der säuft nicht freiwillig Rheinwasser. Ein Jude hat zuviel Mores vor Abrahams Schoß, die Well ist ihm sicherer. Ein gelbes Wams, du beharrst darauf? Nur eines gibt es in Konstanz, Glenk, und das gehört einem hell- äugigen Milchgesicht bei den Böhmen, einem Jungen aus Prag, dem Herrn Kepka bedienstet. Aber der Junge schläft zur Zeit in der steinernen Arche im Knappenbett und wird wohl im Traum an einer Jungfer Brust schwimmen, aber nicht im Rhein, vorausgesetzt, daß ihn das Hundsgeheule nicht aufgeweckt hat. Bleib mir vom Leib mit den Träumen, Glenk! Träume sind Schäume! Falls du es noch nicht ge- wüßt haben solltest, so wirst du es heute an deinem Gelb- wämsigen sehen! Nein, ich komm nicht weiter mit, Toten- fischer, ich schwenke hier ab, zum Klaghaus hinüber. Ich Hab in dieser Gegend noch was Lebendiges zu fischen. Hahaha, nein, nicht wie du meinst; kein Vergnügen, nichts Unter- röckiges, hundertprozentiges Geschäft. Wie seiltänzerhaft der Kerl da auf dem Mondstreifen dahinschwebt! Er sieht mit seinem Vierecksschädel und dem gemaserten Gesicht selber aus wie ein Ertrunkener. Kein Wunder, daß fem Gestell alle Wasserleichen anzieht wie ein Magnet die Eisenfeilspäne. Ein Totenmagnet! Pfui Teufel, ich möchte nichts mit ihm zu tun haben! Ins Leben wollen wir, Zagg, nicht wahr, alter Bursche, ins Leben! Ins Leben! Pst! Herr! Ritter! Ja, er ist's; er trägt die lederne Binde. Jawohl, gut Freund, Ritter! Jawohl, mich schickt der Notar. Wo mein Mann ist? Der Hus? Vorm Turm Sankt Paul steht er und schreit: .Leronym! Ieronym!" Nein, ich bin kein Schurke! Die heilige Jungfrau kann es bezeugen, Ritter! Ich Hab ihn aus der Zelle geholt; ich habe alles gehalten, was ich dem Notar versprach. Es war nicht leicht. Ich Hab ihn blind und taub reden müssen, bis er überhaupt mitkam. Aber diese verdammten Hunde, die seit einer Stunde heulen, müssen ihn glattwegs verrückt gemacht haben. Was? Nicht einmal, zehnmal Hab ich ihm gesagt, daß man hier beim Klaghaus auf ihn wartet. Nein, er ließ sich nicht abbringen, er mußte unter allen Umständen erst zum Turme Sankt Paul. Nein, wie komm ich dazu? Soll ich mir seinetwegen die Scharwache auf den Hals laden? Nein. Ritter, so weit geht meine Menschenfreundlichkeit doch nicht. Schließlich hat man noch was zu verlieren. Herr. Man hat Frau und Kinder, denen man sich erhalten muß. Komm, Ritter, ich habe dem Turmbrüller gesagt, ich würde dich holen! Sicher steht er noch da. Was du mit ihm machst, ist deine Sache. Mein Auftrag war. ihn heil bei den Barfüßern raus- bringen. Das Hab ich getan. Du bist so still, Ritter?! Du zweifelst wohl? Ich schwöre dir, daß ich nicht lüge! Hus ist frei! Hier, siehe, diese Hand hier hat seine Kette aufge- schlössen! Diese Hand hier, diese Versammlung von fünf Fingern, hat ihn aus seinem Kerker hinausgeführt! Gehe zum Turme Sankt Paul! Nein, nein, ich locke dich m keine Falle, weder dich, noch einen der andern Böhmen! Nein. nein, dreimal nein, ich habe an keinem von euch als ein Judas gehandeft! Nein! Nein! Nein! Mann, Ritter, stier mich nicht so an! Laß deine Wehr stecken! Ich schwöre dir auf den Knien, ich sage die Wahrheit, die reine Wahrheit: Hus ist frei! Nein, großer Gott, Ritter, du kannst nicht so grausam sein! Was Hab ich dir getan, daß du mein Hand- gelenk brichst?! Tu das Messer weg! Tu es weg, sag ich, oder ich schreie um Hilfe! Ich schreie Mordio, daß die Welt einbricht! Mordio! Weg! Weg! Nicht! Nicht! Nicht!..." 17. Noch immer beheulen die Hunde des Henkers Weg. Es ist inzwischen im nächtlichen Konstanz tagtoller Lärm und Tumult geworden, nicht anders, als ob ein feindlicher Heerhaufen mitwegs der Rheinbrllcke stünde. Trotz dem strengen Verbot des Rats, zu nachtschlafender Zeit auf die Gassen zu laufen, verlassen die Bürge? die Häuser. Jeder möchte wissen, was los ist. Mit Laternen, vorn an die Spitzen langer Stecken gehängt, leuchten die Verwegensten des Nachtvolkes die dunklen Hofecken, Keller- hälfe und Ehgräben ab. Doch ohne Erfolg; die Ursache des Aufruhrs der Hunde läßt sich nirgends entdecken. Amman Weikli sitzt bereits im Breiten Haus am Henker- steg mit seinen drei Gesellen beim Nachtmahl, um sich für die Anstrengungen des kommenden Tages zu stärken. Seine Wut hat sich gelegt, fest er den ersten Becher Rannfaller runierschüttete. Wo Wein sich setzt, da steigen die Gedanken. Iegt ist der Graubünder sogar imstande, sich über das teuf- lische Geheule draußen zu freuen. Eine solche Begrüßung wie durch diese Höllenorgel ist noch nie einem Menschen zuteil geworden! Noch einer freut sich an dunkler Stelle über das Hunde- aeheul: Freiherr Jürgen vom End, der mit einem seiner Knechte dabei ist. die Konstanzer Pfandkammer aufzu- sprengen So ein Brecheisen macht Lärm, wenn es eine eisenbeschlagene Tür aus dem Schloß wuchtet. Aber dieser Diebslärm geht unter in dem der Hunde. (Fortsetzung folgt.) Das drückende Pflastergeld. Die schweren Sorgen der Siedler/ Die hohen Anliegerbeiirage. Zahlreiche Zuschriften und häufige Besuche von Siedlern in unserer Redaktion geben uns Veranlassung, die Oeffentlichkeit auf die schweren Sorgen hinzuweisen, von denen der Siedler bedrückt wird. Namentlich in den Außensiedlungen ist es außerordentlich mühsam, weiterzukommen oder sich auch nur über Wasser zu halten. Die chinderniss« sind groß, und es ist gut, sie bekanntzugeben, damit Enttäuschungen vermieden werden. Sehr oft können Minderbemittelte oder gar Arbeitslose das Geld nicht aufbringen, das von der öffentlichen Hand als Anlisgebeitrag verlangt wird. An ungepflasterten Straßen zu bauen, wird nicht erlaubt. Wenn man aber zurückschaut, was geschaffen wurde, so muh man zugeben, daß trotz aller Schwierigkeiten die Leistung groß ist. Schauen wir nach dem Berliner Osten! Schon lange vor dem Kriege waren Biesdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf und Kietemal von Siedlern befetzt, die sich aus eigener Kraft einen Garten schufen. Wo früher nichts als Sand oder trockene Heide und zum Teil sumpfige Wiesen waren, da sind heute Obstbäume, Gemüse und Kartoffeln angebaut. Dazu waren Fleiß, Zähigkeit und auch Geld notwendig. Aber es gelang, Ueberschwemmung, Krieg und Inflation zu überwinden. Früher betrug nach einer Darstellung, die uns zu- geht, beispielsweise in Kaulsdorf-Süd in der Ulmenftraße der Preis für ein Grundstück von 20 Meter Straßenfront mit Pflasterung 600 Mark. Die Kosten sind durch die Vorschriften Groß-Berlins über die Straßenpflasterung fchr in die Höhe geklettert und be- laufen sich in der Birkenstraße bei 5M Meter Asphalt heute für«in Grundstück von gleicher Straßenfront auf 1720 Mark. In der Ulmenftraße sind die Unkosten für Granitpflaster in acht Meter Breite bei zwanzig Meter Straßenfront mit Regenwasserabzug 1200 Mark hoch, in der Birkenstraße bei Asphaltbelag von 514 Meter Vreite, aber bei gleichfalls 20 Meter Straßenfront 3440 Mark mit Rsgenwafferabzug. Das ist für die Siedler untragbar. Man bedenke, daß sich in der Gegend weder Fabriken noch große Geschäftshäuser befinden. Bei den Siedlern erhebt sich des- halb die Frage: Weshalb müssen wir Straßen bauen für ungeheuer schwere Lastautos, die, von einzelnen Durchgangsstraßen abgesehen, niemals hier durchkommen? Die Ulmenftraße ist mit Granit ge- pflastert, das Pflaster ist 20 Jahre alt und trotz starker Benutzung auch durch Lastautos noch vollkommen intakt. Ein Leser schlägt uns nun vor, aus Gründen der Arbeits- b e f ch a f f u n g und um eine für den Anwohner tragbare Pflaste- rung zu erreichen, Granit zu benutzen. Granit haben wir in Schlesien, in Striegau ist eine Pflastersteinindustrie, die zur Zeit brachliegt. Es braucht wie beim Asphalt kein Geld ins Ausland geschickt zu werden. Sand ist auch reichlich vorhanden. Viele Siedler warten auf die Bauerlaubnis, das würde den Arbeitsmarkt gleich- falls beleben. Die Siedler sind zum größten Teil in der Pflaster- k a f f e, die anderen werden beitreten oder bezahlen, wenn die Straße gebaut wird. Die Siedlungen in Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf sind über 40 Jahre alt, der Bebauungsplan liegt vor, Gas, Wasser und Elektrizität sind meist vorhanden. Also: Heran ans Bauen, heran an die Arbeit! Aeußerste Vorficht bei Grundstückskäufen? Der Baukommissar der Stadt Berlin weist nochmals dar- auf hin, daß beim Erwerb neuparzellierten Geländes zum Zwecke der Bebauung äußer st e Vorsicht am Platze ist. Nicht selten liegt für das von den Siedlern zu bebauende Gelände ein amtlicher Bebauungsplan, der die örtlichen Gesamtinteressen für die künftige Bebauung festlegt, noch gar nicht vor. Ohne diese Gewißheit kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, einen Geländekauf vorzunehmen, bevor nicht beim zuständigen Bezirksamt eine defini- tive Auskunft über die Bebauungsplanverhältnisse eingeholt worden ist. Nur dann kann der Siedler vor der unangenehmen Ueber- raschung, keine Bauerlaubnis für das von ihm erworbene Gelände zu erhalten, sowie vor Schäden bewahrt bleiben. So fing es am Sonnabend an! „Lltid was sagt Hindenburg dazu?" Ein Parteigenosse, der, wie er sagt, Augenzeuge des„Vorspiels" der Sonnabendsreignisse gewesen, schreibt uns: „Am Sonnabendnachmittag um 4.1S Uhr kam ich aus einem Lokal am Belle-Alliance-Platz heraus. Plötzlich hörte ich vom inne- ren Platz her, der mir durch fein Buschwerk verborgen war. Rufe und Schreie. Unmittelbar darauf sah ich kleine Mädchen mit allen Anzeichen der Angst und des Entsetzens, ihr Spielzeug in der Hand, vom Platz her über die Straße in der Richtung zum Halle- fchen Tor flüchten. Ich ging nun zum Eingang des Platzes und sah jetzt in der Richtung der Friedrichstraße eine Anzahl brauner Nazi- gestalten aufgelöst und im Eilschritt sich davonmachen. In diesem Augenblick trat eine alte, bürgerlich aussehende Frau, hellauf wei- nend, auf mich zu und rief aus:„Mein Gott, was soll denn nur aus unserem lieben deutschen Bater- land werden, wenn das so weitergeht. So ein armer Mensch, hat niemanden etwas getan und wird von den rohen Patronen einfach totgeschla- g e n." Indem die Frau das sagt, kommt von dem Platz eine zweite ältere Frau, gleichfalls weinend und vollkommen fassungslos auf uns zu. Sie will sprechen, findet aber keine Worte. Die hellen Tränen liefen ihr über die Wange. Endlich stößt sie hervor:„Das ... das kann man... nicht mehr aushalten, diese Nazi sind ja schlimmer als die wilden Tier e". Ein Kreis bildet sich um uns. Auch ein Heer Nazi ohne Uni- form, aber an ihren Abzeichen kenntlich, treten hinzu, verhalten sich jedoch ruhig. Run erfährt man folgendes: Auf dem Belle-Älliance- Platz hat ein junger Mensch mit dem Abzeichen der drei Pfeile gestanden. Plötzlich— kein Mensch weiß wo sie herkamen— stürmte eine Gruppe Hitler-Soldaten über den Platz und fielen, als sie des jungen Menschen ansichtig wurden, ohne wei- teres über ihn her, bearbeiteten ihn im Angesicht der alten Frauen und der Kinder mit Koppeln, Schlagringen und mitgeführten Stei- nsn. so daß er wie tot zu Boden stürzte. Diese Berichte wurden mir wieder ununterbrochen von empörten Zurufen der Umstehenden: „Das muh aufhören! So geht es nicht weiter! Wir können uns doch nicht auf offener Straße abschlachten lassen! Was sagt Hindenburg dazu? u. a. Wir sahen jetzt einen Schupo tapfer über den Platz kommen. In seinem Arm hing, mehr als daß er selber ging, der Ueberfallene, der Kopf eine einzige blutige verquollene Masse. Auf seinem Rockauf- schlag aber blinkt« das Zeichen der Dreipfeile. Ich sah mich um, sah die weinenden alten Frauen, konnte nicht mehr an mich halten und rief: „Da seht ihr, Volksgenossen, wohin uns die Nazi führen. Sie eini- gen nicht die Nation, sie zertrümmern sie!" Neben mir stand ein Mann, der die Faust ballte und die Worte herausstieß:„Jetzt muß ein Ende fein. Wir halten es nicht mehr aus." Tonfilm im Planetarium. Das Planetarium am Zoo hat ein Tönfilmgerät ein- gebaut. Dadurch wird die Arbeit dieses volksbildenden Unternehmens erheblich gefördert. Das Planetarium leistet feit einem Jahre mit seinen Kulturfilmoorführungen, die regelmäßig von einem astrono- Eiserne Front gegen Hitler-Barone! Unsere nSchslen Partei- und Betrlebsvaranstaltungen: Nationalreglstrierkassen. Dienstag, den 28. luni, 16,30 Uhr, Betriebsversammlung im Lokal Gambrinus, Neukölln, 1(aiser- Friedrich-Straße Ecke Treptower Straße.„Der Kampf um den neuen Reichstag." Referent: Franz Künstler, MdR. BVG.— Nordsüd, MUilerstraBe. Dienstag, den 28. luni, 16 Uhr, Belegschaftsversammlung Im Lokal Rieß, Müllerstraße 139.„Nazi-Barone und wir." Referent: Gottlieb Reese. 8. Kreis— Spandau. Donnerstag, den 30. Ounl, 19,30 Uhr, öffentliche Kundgebung in der Oubiläumsturnhalie Spandau, Askanierring.„Der Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Erich Kuttner, MdL C. lorenx A.-G. Donnerstag, den 30. 3uni, 17 Uhr, Betriebsversammlung im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffel- straße 11/12.„Einheitsfront" Referent: Franz Künstler, MdR. Knorrbremse. Donnerstag, 30. luni, 16. Uhr, SPD.-Fraktionsver- sammlung mit Sympathisierenden im Lokal„Zum Treffpunkt", Boxhagener Ecke Bahnhofstraße.„Der Freiheitskampf dar Arbeiterschaft". Referent; Hans Marx. IS. Abt. Freitag, 1. lull, 19J4 Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, öffentliche Kundgebung. „Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent Robert Bredow, MdL. leewe-Gesfürel und Typegraph. Donnerstag, den 30. luni, 165� Uhr, Fraktionsversammlung bei Sturz, Huttenstraße 9. „Polizei und Arbeiterschaft". Referent Ernst Hildebrandt. Afü-Arbeiter beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 2. lull, 19 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62, Fraktionsversammlung.„Kampf der Arbeiterschaft um ihre Lebensrechte". Referent Gottlieb Reese. mischen Vortrag eingeleitet werden, wertvolle Bildungsarbeit. Das neu« Tonfilmgerät ermöglicht es, jetzt auch Kulturtonfilme vor- zuführen. Als ersten Tonfilm zeigt das Planetarium„Rang o", einen der besten Tierfilms, die wir haben. Der Film läuft vom 28. Juni bis zum 10. Juli; es folgt vom 12. bis zun» 24. Juli„Das blaue Licht". Das astronomisch« Vorprogramm zu den» Film „Rango" behandelt den durchsichtigen Abendstern. Die Vorführungen finden täglich außer Montags um 3, S, 7 und 9 Uhr statt. welteraussichten für Berlin: Warm, trocken und heiter, schwache nach Süd drehende Winde.— Für Deutschland: Ueberall beständiges und sommerlich warmes Wetter; später im Westen aufkommende Gewittern«igung. parteinachnchten fürGroß-Berlin Einsendungen säe diese Rudrtt sind N e r l t» SB SS. Lindeuttraß« 3. stet» nn da» Sezirttsetretartat i. Kos, 2 Trennen recht«, jn richte« Beginn aller Veranstaltungen 19% Uhr, sofern keine besondere Zeitangab«! Lortrag: „VIT iu �lUII QW..14 W'„ Sericht OOQt Bezirkstag. * 1. Nrei». Donnerstag. 80. Sunt, Sitzung der neuaewiihlten Elternbeiräte bei illement, Sophienstr. 6.„Die Aufgaben der Elternbeiräte", Referent Genosse Schmidt. 4. Sreis. Heute 17 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder im Altersheim, Danziger Str. 02.„Politische Lage und die Aufgaben der Arbeiterklasse� Referent Alfred Markwitz. Rezitationen Maria Zanke. 12. strei«. Sämtliche Adressen der neugewählten Elternbeiräte und die ein- gereichten Listen dem Genossen ffengler, Kardenweg 0, sofort einreichen. 1ö.«reis. Donnerstag, 80. Juni, 20 Uhr, an bekannter Stelle, Kreisoorstands. fitzung. 20..«kreis. Donnerstag, 30. Juni, 15 Uhr, Zusammenkünfte erwerbsloser Partei. Mitglieder an folgenden Stellen� Rernirlendorf.vst: Schule Koppestratze. Rezitationen der Genosfin Martha John. Reinickendorf. West: Außenspiel. platz. Rezitationen der Genossin Elfriede Wollmann. Tegel und Wittenau im Reichsbanner.Bootshaus Tegel. 24. Abt. Mittwoch, 20. Juni, Danziger Str. 02, Gruppe iunger Parteigenossen, 88. Abt. Vortrag:„Unser Kampf gegen die Nazis", Referent Genosse Gntzling. onnerstag, 80. Juni, Funktionärversammlung bei Lojack, Bl 20 Uhr, im Parteiheim, Schloßstr. 27, zur Flugblattverbreituna. 120. Abt. Freitag, l. Juli, 20 Uhr, an bekannter Stelle, Funktionärsttzung. sondere Einladungen erfolgen nicht. eym«. lbtl Donnerstag, 80. Juni. 10 Uhr, Vorstandssitzung, 20 Uhr wichtige Funktionärkonferenz bei Bartusch, Friedenstr. 80. 84. Abt. Donnerstag, 80. Juni, 20 Uhr, bei, Lehmann, Kaiser. Wilhelm- Strasse 20—81, wichtige Funktionärkonferenz. Erscheinen aller ist Pflicht. 104. Abt. Mittwoch, 20. Juni, 20 Uhr, Sitzung sämtlicher Funktionäre an be- kannter Stelle. 108. und 108». Abt. Die erwerbslosen Genossen treffen sich Mittwoch, 20. Juni, Be. sondere Einladungen erfolgen nicht. 124. Abt. Mittwoch, 20. Juni, ausserordentlich« Funktionärsitzung an bekannter Stelle. Frauenveranskallungen. 4. ikrei». Di« Funktionärinnensitzung bei Klug findet umständehalber erst am Donnerstag, 80. Juni, statt. 08. Abt. Donnerstag, 80. Juni, 20 Uhr, Frauenabend her Sandmann, West. fälische Str. 42.„Ernste und heitere Rezitationen" der Genossin Margarets 118. Abt-�Mittwoch, 20. Juni, lOV» Uhr, im Tivoli. Weichselstr. 0.„Blitzlichter und Lichtbücke", Bortraaender: Hanns H. Ramm. 128. Abt. Donnerstag, 80. Juni, treffen wir UN» zum gemeinsamen Abmarsch nach jiaulsdorf.Süd 18 Uhr Dorfstrasse bei Lokal Escherich. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlsahrt. 100. Abt. Arbeiterwohlsahrt. Mittwoch, 20. Juni, 20 Uhr, im Jugendheim Friedrichshagen, wichtige Besprechung über Wohlfahrtspflege. Sozialistische Studentenschaft Berlin. Dienstaa, 28. Juni, 20 Uhr, im Bund, Albrechtstr. 11, Gartenhaus N: Suristische Arbeitsgemeinschaft über Sowjetrecht. Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr, im Bund, Prof. Lederer:„Sozialisierungsprobleme". Sonntag. 3. Juli, Motor- bootfofirt nach Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 7� Uhr Reederei Schmidt, Märkisches Ufer, zwischen Iannowitz. und WaisenbrUcke. Karten zu 1,10 M. bei den Funktionären. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde Groh-Berlin. Letzter Termin für die Abgabe des Kreis-Zeltlagermaterial» morgen, Mittwoch, in der Zeit von 14—17 tlhr. Der Hclserausweis ist am Eingang des Vorwärts. Gebäudes vorzuzeigen. Wl Ritte: Eltern! Falken, die noch an unseren Ferienlagern teil- nehmen wollen, können bis spätestens 1. Juli bei Gen. Funke, M Adalbertstr. II, angemeldet werden. /y/' Tiergarten: Elternversammlung für die Zelt, und Restfalkenlager» teilnehme! Dienstag 18 Uhr Heim Waldcnserstrasse. Untersuchung Mittwoch lllh Uhr Paersch, Essener Str. 4. Sreuzberg: Heute 20 Uhr Kreishslfersitzung im Heim Porckstr. 11. Kassen. geschäfte ab 10 Uhr. Untersuchung aller Falken und Helfer, die an den Sommerlagern teilnehmen, am Donneretag, 80. Juni, Mädels 171h Uhr, Jnngen» 18 Uhr, im Gesundheitshaus am Urban.— Olestfalken.Lagcrgemein. fchast Blankensee: Morgen, Mittwoch, 17ZH Uhr, für Falken, Borckstr. 11. Eltern mstssen unbedingt um Itzl/j Uhr kommen.' Papier und Bleistift mitbringen. Sterbetafel der Groß-berliner Partei-Organisation 87. Abt. Unser Genosse Heinrich Mllncheberg, Ebertpstr. 18, ist am Freitag, 24. Juni, nach schwerem Leiden verstorben. Ehre seinem Andenken! 88 Jahre hat der Verstorbene der Partei angehört. Die Einäscherung findet am Mittwoch, 20. Juni, um 18>4 Uhr, im Krematorium Gerichtstr. 87—88 statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 48. Abt. Am 24. Juni verstarb nach längerer Krankheit unser tätiger Ge- nosse Julius Radllnz. Wir werden denselben stets ehrend gedenken! Einäscherung Dienstag, 28. Juni, 17ZH Uhr, in Baumschulenweg. Rege Beteili- gung wird erwartet. 108. Abt. Am Sonnabend, 18. Juni, verstarb unser Genosse Alfred Linow im Krankenhaus Nordend. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am 22. Juni stattgefunden. 128. Abt. Am 28. Juni verschied unser Genosse Johannes Schatte, Kaifer.ssriedrich-Str. 7. Ehre seinem Andenken! Beerdigung Mittwoch, 20. Juni, liV> Uhr, von der Kapelle des Friedhofe« Schönholzer Heide, Bahnhof. strasse, aus. Um rege Beteiligung wird gebeten. Ii W Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Jugendselretarial Berlin SW 08. Lindenstrasse 2. vorn 1 Treppe rechts. Abteilungsleiter, gebt das Iuli.Programm ab! Heule, Dienstag, 20 Uhr: Arkonaplatz: Elisabethkirchftr. 10:„Arbeiter, und bürgerlicher Sport".— Köllnischer Park: Waisenstr. 18: Brettspielabend.— Rosenthaler Borstadt: Tieck» strasse 18:„Arbeiterdichter".— Zentrum: Waisenstr. 18; Heimabend.— Brunnen» platz: Pank. Ecke Wicsenstrasse: Bunter Abend.— Gesundbrunnen l: Goten. burger Str. 8:„Wie stehen wir zur Landesverteidigung?"— Gesundbrunnen II: Kolonicstr. 8:„Gewerkschaften in der Krise".— Humboldthain: Putbusser Strasse 8:„Mai-Reichstag'.— Norden: Lortzingstr. 10:„Mädel in der SAJ."— Tchillerpark: Schäningstr. 17:„Polnischer Reichstag".— Wcdding: Willdenow- strasse 5, Raum 3:„Der Kampf in Preussen".— Wcdding, Nord: Turiner Ecke Seestrasse: Bunter Abend.— Wedding, R. F.: Turincr Ecke Ssestrasse:„Tages. Politik".— Arnimplatz: Treffpunkt zur Funktionärkonfercnz 10H Uhr.— Arns- malder Platz l: Beteiligung an der W.-B.-Funktionärkonferenz. Treffpunkt 10th Uhr am Elpsium.— Balkan: Wir beteiligen uns geschlossen an der W.-B.- Funktionärkonferenz.— Hobenschönhausen: Dingelstädter Strasse: Bunter Abend. --Nordosten I: Danziger Str. 82:„Tagespolitik".— Wcissenlee: Cafeler Str. 2: „Wir und der Faschismus".— Safenheide: Wasssrtorstr. 4: Wir diskutieren mit unseren Eltern.— Reichenberger Biertel: Reichenderger Str. 88, v. I:„Tages. Politik".— Süden: Horckstr. 11: Brettspielabend.— Südwesten: Lindenstr. 4: „Tagespolitik".— Eharlottenburg: Rostnenstr. 4;„Zersplitterung der Arbeiter- bewegung".— Eharlottenburg-Rorb: Kaiserin.Augusta.Allee 07b:..Taaes. Politik".- Westend: Sportplatz Westend:„Tagespolitik".- Lichtcrfelde: Albrechtstr. 14a: Funktionävversammlung.— Steglitz I; Albrech tstr. 47:„Sexuelle Fragen".— Lichtenrade: Roonstrasse, Feuerwehrdepot:„Politische Lage".— Reu. Tempelhof: Wintgensstrasse: Lustiges Monatsende.— Schöneweide II: Spielen in der Wuhlheide.— Bohnsdorf: Wachtelstr. 1: Funktionärversammlung.— Köpenick l: Kahnfahrt.— Köpenick lt: Dahlwitzer Str. 15: Frageabend.— Kaulsdorf: Adolfstr. 23: Turnen.— Lichtenberg. Nord: Sportplatz Normannen. strasse.— Lichtenberg. Nordwest: Dossestr. 22: Heimabend.— Hermsdorf: Roon» strasse, Feuerwehrdepot:„Der Konflikt im Osten".— Rcinickendorf-Ost: Lindauer Strasse 1: Bunter Abend.— Tegel: Schöncberger Str. 8:..Tarifrecht".— Wittenau: Hauptstr. 13:„Die freien Gewerkschaften".— Buchbolz:„Warum ge. hört das Jungproletariat in die SAJ.?"— Karow: Frundsbergstr. 0:„Fremd. Wörter".— Niederschönhaufenr Aussensvielabend.— Neukölln IV und IX: 10 Uhr Phs. Heimannstrasse zur W-'B.'Mitgliederversammlung. SSG. Tegel-Reinickendorf: 1714 Uhr Schöneberger Str. 3: Referat de» Ge- Nossen Biaing. Werbedeeir« Prenzlauer Berg: Funktionärkonferenz 10'4 Ubr Aula Duncker. nrass? 64. Interessierte Mitglieder haben Zutritt. Mitgliedsbücher mitbringe». Werbebezirk Scköncberg: Hauptsir. IS: lO», Uhr:„Aufgaben der Arbeiter. klasse und die politische Loge". Referent Genosse G. Reese. Werbeiezirrk Neukölln: Mitgliederversammlung 20 Uhr Walther Rathenau. Schule, Boddinstr. 85:„Einheitsfront". Redner: Erich Schmidt. Mitglieds. biicher mitbringen. Werbebezirk Oberspree: Morgen 20 Uhr Mitgliederversammlung,'Laufener Straße:„Emheltsfront". Redner: Erich Schmidt. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäft» stell«: Berlin S. 14. Sebastionstr. 87—88 Hot? Tr. G Iunabanner Berlin. Sehr wichtig« Zusammenkunft aller Führer ' des Berliuer Jungbanner, mit den Jungba-Kreisfübrern am Mitt. wach, dem 20. Juni. 20� Uhr, im Sauiüro. Fehlen muss beim Gaujugend- führer schriftlich entschuldigt werden.— Neulö'ln. Britz: Mittwoch, 20. Juni, 20 Uhr, 1. Kameradschaft, 1. Zug, Mitgliederversammlung bei Schulz, Reuter. strasse 47. Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin. Geschäflssfell«: P. Schneider, Berlin NO. 55, huselandstr. 31. Arbeitsgemeinschaft des Männer- und Gemischten Chors Tempslbof- Mariendorf, Männer und Gemischter Chor Friedenau-Steglitz. Mitglied des DASB., Ehormeister Otto Schumacher. Dienstag, 28. Juni, 10$[ Uhr, Stadt- park Steglitz, Freiluftkonzert. Bereinigung sozialdemokratischer Juristen. Donnerstag, 80. Juni, 20 Uhr, im Pschorrbräu, Tauentzien. Ecke Rankestrasse, Vortragsabend. Redner Genosse Rolf Reventlow. Thema:„Staat und Gewerkschaften in Italien". Freie Rationale Schülerschaft Berlin-Rord. Dienstag, 28. Juni, 17 Uhr, Ziegelstr. 8 1. Kamerad Fritz Edgar:„Was wollen wir vom Staat?" Deukaier HetaliarbeUer'Verband. Vonnerslog, den 30. Fun), nachm. S Uhr. In Ewalds Vereinshan», Skaliher Skraste 126 Brandien-Versaitimlana der Graveure und Ziseleure Tagesordnung: I. Borlrag de» Kollegen Radtte:.Wie entsteht eine sieitung?" 2 Diskussion. 8. Branchenangelegenheiten Ohne Mitgliedsbuch kein gutrttt!— Es ist Pflicht aller Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen._ vonnerokag. den 30. Juni, abend» 7 Ahr. im Sihnngsfaal de» Verbandshans«», Elsässor S kratz« SS/SS, Eingang B Versammlunä aller Schmiede aas den Graft-, Mittel-, Fahrwerks-, Brauerei- und Innangsbetrieben, sowie sdmtUcher der Sdbmiedebrandse angeschlossenen Kaross-rlearbeiler Tagesordnung: 1. Bortrag über:„Sozialversicherung und Rotverord- nung." Referent. Kollege Paul gippel.— 2. Branchen» und Verbands- angelegenhetten Mitgliedsbuch legitimiert:— Zahlreicher Besuch wird erwartet. vannersiag, den ZO. Znni, abends 7 Uhr, im Parterresaal de» ver» bandshonse». EisSsser Strotze SS/SS. Eingang B Brandten'Versaminiung der Vau- n. GeldsdiranKsdilosser Tagesordnung l. Bericht der Branchenleitung. 2. Diskufston 8. Berfchiedenes. PiitgliedsbuÄ:egitimi«rl.— In Anbetracht, der wichtigen Tagesordnung ist vollzähliges Erscheinen notwendig 0ie OrlsTerwaltang. 3)er Diampf um die WwrH Ds» Bekenntnis eines Qenolfen/ Von Wfax töarlhel Hans Weidner, einer der Wandelsterne der sozialen Revolution, erzählte von seiner Kindheit. Wir hatten uns vor dem Krieg in Zürich und nach dem Krieg in Moskau befreundet. Zwischen der kühlen Gerechtigkeit der Stadt Zürich und der fanatischen Be- harrlichkeit der Stadt Moskau ging der Pendelschlag seines Lebens. Was gab seinem Leben den großen Anstoß zu dem weitausholenden Pendelschlage? Was stieß ihn nach der linken Seite der Arbeiter- klasse? Die frühen Jahre hatte er ausschließlich mit bürgerlichen Menschen verbracht. Sein Vater war der Mitbegründer des ersten politischen Arbeiteroereins in Zürich gewesen, aber er hielt die Kinder selbst von der Politik fern. Der Knabe, ein empfindsamer Junge, hatte jahrelang nur mit Büchern, Zeitungen und ihren Ge- ' stalten gelebt. Und nun kam die große Frage seiner Berufswohl, die auch seine Umgebung ernst bewegte. Er hatte sich schon lange entschieden. Zuerst wollte er Arbeitersekretär werden, dann aber überwäl- tigte ihn der Gedanke, Arbeiter zu sein, Arbeiter unter den Ge- nassen und Kameraden, ein Gleicher unter den Gleichen. Die Mutter aber träumte von einem unerhörten Aufstieg in die Gipfel- weit der herrschenden Klasse und erklärte, der Mensch müsse daran denken, für das Leben zu lernen und sich für den Kampf ums Dasein zu rüsten. Und das Arsenal in diesem Kampfe sei das Gymnasium, der Sieg in diesem Kampfe aber der Ruhm und das gesicherte Dasein. Weidner lächelte in der Erinnerung an jene Auseinander- fetzungen mit der Mutter und sagte: Die Seele, die bekanntlich keine Begriffe kennt, hat vom prak- tischen Leben erst recht keinen. Für sie war das Problem der wirt- schaftlichen Erhaltung nur der willkommene Anlaß, endlich mal den bisher nur geträumten Sozialismus zu erleben und für ihn zu kämpfen. Wie aber sah die sozialistische Selbsterhaltung mitten in der feindlichen Umwelt aus? Nun, ganz einfach: Kampf ums Dasein! Dafür war man ja Darwinist. Und ich empfand unter Kampf ums Dasein ohne weiteres den Kampf ums Dasein der Gesellschaft, natürlich der sozialistischen Gesellschaft! „Wenn du dir am Abend eines jeden Tages sagen kannst, daß du an diesem Tage alles getan hast, die Revolution anzufeuern oder wenigstens den Kapitalismus zu stören und zu schwächen, dann hast du deine Pflicht erfüllt", sagte ich mir. Und weiter for- muliert« ich: „Aus dieser erfüllten Pflicht, mein Lieber, ergibt sich ohne weiteres das selbstverständliche Recht auf Leben. Dein Kampf für den Sozialismus gibt dir das heiligste soziale Eigentumsrecht auf eine Wurst mit'Brot und ein Zimmer für die Nacht. Jeder, der dir diese wohlverdiente Wurst verweigert, ist ein Dieb, dem du klar machen sollst, daß schon die Bibel das Stehlen verbietet." Das war alles ganz gut und schön, und an Würsten fehlte es in Zürich auch nicht. Sie hingen in langen Ketten an allen Fleischer- lüden, brieten gegen zwölf Uhr mittags auf zehntausend Brat- pfannen, winkten in allen Größen und Oualitäsen aus jedem Restaurant. Mir blieb also nur die Qual der Wahl unter soviel Ueberflutz. Eine dieser Würste war mein unbestrittenes Privateigentum— denn für Konsummittel blieb ja das Privateigentum unangetastet—, aber welche von den hunderttausend Würsten gehörte mir? Das war das große Problem, denn jede der Würste hatte natürlich schon einen Eigentümer, der sein Recht am Eigentum herleitete von den Gesetzen der kapitalistischen Verteilung, die ich ja bekämpfen wollte. Einer dieser Wursteigentümer war also ein Dieb, der mir meine Wurst widerrechtlich vorenthält. Das war doch sonnenklar. Aber wer war es nun? Die Antwort meiner Seele war schön und rührend in ihrer Einfalt: „Jeder, der zwei oder mehr Würste sein eigen nennt!" Oder, vom Einzelfall der Mittagswurst zum Generalfall der Lebens- crhaltung überzugehen:„Jeder, der mehr hat als ich, ist mein Schuldner!" Und solche Leute gab es doch massenhaft! Meine Bedürfnisse waren gering und lagen unter dem sozialen Durchschnitt. Es blieb noch die Möglichkeit, was sage ich, die große Wahr- scheinlichkeit blieb bestehen, daß der Herr Wursteigentümer mein Eigentumsrecht an seiner zweiten Wurst nicht anerkannte. Nun, dann war er eben in einem Rechtsirrtum befangen, den ich vor dem Tribunal unserer Vernunft rasch und sicher ausklären würde. Mein Bewcismatcrial war ja erdrückend! Sollte er aber, trotz seiner Unfähigkeit zu jedem Gegenbeweis, das Urteil nicht anerkennen, dann war er ein abgestempelter Dieb, und mir blieben alle Mittel der Gewalt, der List und der Ueber- raschung, um zu der Wurst zu kommen, die von Rechtes wegen die meinige war. Und diesem Endkampf um die Wurst mit allen Mitteln sah die Seele mit größter Spannung entgegen. Vielleicht ging ich in dem Kampfe unter? Das schreckte mich nicht. Es war doch entschieden besser und schöner, in diesem Kampfe als Opfer zu fallen, viel besser war es, dafür zu sterben, als an der Tuberkulose, am Krebs, an der Verkalkung oder an einer anderen der üblichen Todesarten. Sterben muß man doch zuletzt immer, so bedauerlich das auch ist. Auf jeden Fall aber, so sagte ich mir, wäre es eine unverzeih- liche Feigheit, wenn ich aus Furcht vor Gefahr und Untergang mich abhalten ließ, nicht alle Kräfte einzusetzen. Dazu war ich ja verpflichtet! Wenn ich nicht meine Pflicht tat, wie konnte ich es von den anderen verlangen? Das alles, so hirnverbrannt es� in die Begriffe des Verstandes übersetzt, aussieht, das alles war mir damals bei der Frage der Berufswahl seelensonnenklare Selbstverständlichkeit. Dagegen kannte man einfach nichts einwenden als ein paar klägliche Stammeleien der sogenannten praktischen Lebcnsklugheit, die olle beim näheren Zusehen immer das als Voraussetzung enthielten, was sie hätten beweisen sollen. Was tat es dann zur Sache, wenn eine Bande gemeiner Diebe mir den ehrlich verdienten Lohn vorenthielt? Da bin ich doch nicht schuld! Wenn der von Räubern ausgeplünderte Wanderer betteln gehen muß oder verhungert, wer wird i h m daraus einen Vorwurf machen? Er brauchte sich nicht in Gefahr zu begeben, ist dos einzige, was man ihm sagen konnte. Aber: wenn er den gefährlichen Weg in Ausübung eines Berufs gehen mußte? Aber nun kam der Verstand und warf erst leichte Nebel und dann immer dichtere Wolkenfchwaden in den blauen Lebenshimmel. Der Verstand hatte neben der Seele noch einen zweiten Herrn be- kommen, den er dienen sollte und der ihm stets gebieterisch seine Wünsche und Launen mitteilte. Dieser zweite Herr war der Trieb, der persönliche Selbsterhal- tungstrieb. Aber er existierte für mich ja noch nicht und konnte also auch nicht ins Hirn eindringen und den Verstand sür sich in Marsch setzen. Das, was der Verstand al» seinen zweiten Herrn empfand, war in Wirklichkeit der auf mich bedachte Selbsterhaltungs- trieb meiner Angehörigen und Freunde. Sie machten sich Kopfschmerzen, wie ich denn einst leben könne. Und vor ihnen mußte ich eine Rechtfertigung haben, wenn sie mich fragten oder auch nicht fragten, was noch drückender war. Konnte ich ihnen von meinen Seelenwünschen sprechen? Das wäre ja Wahnsinn gewesen oder höchstens gut genug, daraus eine soziale Ballode zu machen. Welcher Schmerz für die Mutter, wenn ich ihr in harten, klirrenden und schneidend scharfen Verstandesbegrifsen hätte sagen sollen, auf welche phantastische Art meine Seele den Kampf ums Dasein auslegte! Gibt es ein tieferes Leid für eine Mutter als die Gewißheit, daß ihr Lieblingskind entweder den Verstand verloren oder geradenwegs in die Laufbahn des Gelegenheitsarbeiters, Va- ganten, Bettlers oder Verbrechers hineinsteuert? Nein, das konnte ich der Mutter nicht antun, und so ging ich manchmal auf ihre Vorschläge scheinbar ein und besprach mit ihr die Vorteile und Nachteile dieses oder jenes bürgerlichen Berufes, ganz als ob... Mein Selbsterhaltungstrieb regte sich zum erstenmal an einem Apriltag abends um sechs Uhr in Neuenburg. Ich war damals zwanzig Jahre alt und hatte den ganzen Tag nichts gegessen, weil ich keinen Rappen Geld mehr besaß. Riesenstark erwachte der Trieb und verlangte, ich solle entweder in einem Geschäft einbrechen oder, noch besser, in ein Restaurant gehen und nach dem Essen dem Wirt erklären: „Ich hatte Hunger, aber kein Geld!" Mochte dann der Verstand mit dem Wirt die Aussprache fort- setzen, er, der Trieb, war befriedigt und kümmerte sich nicht mehr um die Angelegenheit. Er war eben wie jeder Trieb an sich: ohne Gedächtnis und nur dem Augenblick lebend. Nur wenn er Hunger fühlte oder vergeblich ein Nachtlager suchte oder in zerrissenen Schuhen an den nassen Füßen fror, nur dann machte er sich auf und schlug alles kurz und klein. Die Seele lebte nach eigenen Gesetzen und begriff nicht, wie man über„Sein und Nichtsein" welterschütternd monologisieren konnte. Sie fand Hamlet vielmehr zwerchfellerschütternd: „Gott, kommt der Mensch sich wichtig vor! Ms ob„Sein oder Nichtsein" überhaupt eine Frage wäre! Da könnte sich ja jeder Ochse noch einmal aus die Hinterbeine stellen und das tief- erschütternde Universum daran erinnern, daß„Sein oder Nichtsein" (nicht des Universums, sondern nur des Ochsen!) hier in Frage käme." Der Verstand fand es ganz in Ordnung, wenn der Selbst- erhaltungstrieb sich aufbäumte, wenn er hungerte, fror oder kein Bett fand. Er beglückwünschte ihn zu der Revolte, sehr im Gegen- satz zum Geschlechtstrieb, dessen Zuckungen ihn tief erschreckten. „Nimm, was du brauchst", sagte der Verstand,„aber du mußt es wirklich notwendiger brauchen als der, dem du es wegnimmst. Und nimm es keine Minute früher als du es brauchst." Diese Gespäche aber zwischen Verstand und Trieb wurden natürlich noch nicht geführt, als ich das Elternhaus bewohnte. Der Selbsterhaltungstrieb hatte sozusagen noch nie einen Laut von sich gegeben. Der Konflikt damals war ein Konflikt zwischen Gebieten, die benachbart in der Seele lagen: dem Gesellschaftsinteresse einer- seits und dem unabweisbaren Einzelmitleid mit den Angehörigen, die meinetwegen schlecht schliefen. So war es: ich redete meinen Selbstcrhaltungsplänen etwa so zu wie der Arzt, der einem aufgegebenen Kranken um so energischer die Heilung verspricht, je unmöglicher sie wird. Vielleicht spreche ich zuviel von der Seele? Ich bin Politiker, und das ist letzten Endes Arbeit an einer Seele durch eine andere. Wer im Kommunistischen Manifest zum Beispiel die Worte nur als Verstandesbegriffe auffaßt, könnte den Beweis versuchen, daß Karl Marx den Klassenkämpfen vollkommen objektiv, unbeteiligt gegenüberstand: ein kluger Verstand, der aus- rechnet, daß im Kriege zwischen Honduras und Guatemala die Leute von Honduras geschlagen werden, und der deshalb den Kauf von Staatspapieren von Guatemala als vorteilhaft empfiehlt. Der Stil ist der Ausdruck einer Seele und wirkt seelenhaft. Die algebraischen Formeln haben keinen Stil. Aus dem Manisest spricht eine gigantische Seele zur Seele eines anderen Giganten. Jawohl, die Seele ist ein Faktor der Politik. Verstandesbegriffe passen für ihre Tatsachen wie geliehene Papiere sür den politischen Flüchtling: wenn man das Signalement prüft, wird er verhaftet. Prüft man es nicht, muß der Unglückliche dennoch die Schulden bezahlen, die seinem Paß irgendwo an- gekreidet sind. Siehst du, das alles, das Materielle, das Geistige und das Seelische, das alles muß zusammenschmelzen und ist die Grundlage des Sieges für den Kampf um die Wurst! breite bei Bieren 3>as Seelenproblem im Tierreich/ Ton 3)r. emp Bergmann Ist das Tier treu? Man könnte mit der Gegenfrage kommen: Ist denn der Mensch treu? In dieser Zeit, in der wir den Begriff der Treue im öffentlichen wie im privaten Leben so sehr wanken sehen, wendet man sich unwillkürlich dem Tier zu und sucht hier gleichsam nach den Ursprüngen unserer besten Gefühle. Dazu aber gehört nun einmal in allererster Linie die Treue. Was Liebe ist, läßt sich sehr schwer sagen, sie ist ein so allgemeiner Begriff, gleich- zeitig auch wieder so speziell— man denke an die erotische Liebe—' daß sich gerade für das Tier bedeutende Schwierigkeiten bei dem Versuch einer Definition dieses Gefühls ergeben. Aber das ist jedenfalls sicher: Wo es T r e u e gibt, echte Treue, da muß auch Liebe vörhanden fein. Denn was es fönst noch an Treue beim Menschen gibt, ist Prinzipientreue, also das Festhalten an einer Idee, einem Prinzip, weil ich es nun einmal gefaßt habe, auch wenn ich vielleicht meine Ansicht inzwischen längst verändert habe: ich glaube es mir selbst schuldig zu sein, an dem einmal veralteten Prinzip festzuhalten und würde mich sonst nicht mehr achten können usw. Vielleicht ist solche Treue im Grunde ziemlich töricht. Sicher ist jedenfalls, daß das Tier sie nicht kennen kann. Bei ihm kann es nur Treue geben, wo es so etwas wie Liebe gibt. Gibt es das beim Tier? Die Frage ist keineswegs so leicht zu beantworten. Sie hängt davon ab, ob man im Tier ein Wesen sieht, das ähnlich wie der Mensch denken und fühlen kann, wenn auch in noch so ver- ringertem Grad«, oder aber ob man es als eine Art Automat ansieht, der rein m«chanistjsch auf die Reize der Außenwelt reagiert. Die Wissenschost hat lange genug diese letztere Auffassung vertreten. Allmählich aber bricht sich doch niehr und mehr die Auffassung Bahn, daß man wirkliche Tierpsychologie ohne Annahme einer Art Seele treiben kann, das heißt also, daß man dem Tier echte seelische Phänomene, wie Denken und Fühlen, zubilligen muß. Aber es wäre nun ein Fehler, wieder in die vorwissenschaftliche Porpular- Meinung zurückzufallen, und alles was das Tier tut, nach Analogie der menschlichen Psyche erklären zu wollen. Diesen Fehler hat zum Beispiel auch der berühmte Alfred Brehm allzuoft begangen, was den Wert seiner sonst hervorragenden und noch heute zuvcr- lässigen Beobachtungen beeinträchtigt. Ein typisches Beispiel solcher Uebertreibung ins Anthropomorphe, das heißt ins Allzumenschliche, stellen etwa auch die bekannten Erzählungen des Försters von seinem klugen Hund dar, und jene Jagdgeschichten, wie sie der Sonntagsjäger berichtet. Eins ist klar: Wir müssen natürlich alles, was am Tier Dressur ist, von vornherein bei unserer Betrachtung ausschalten. Wenn ich einen Hund mit einem Leckerbissen belohne, weil er Gegenständ«, die ms Wasser geworfen werden, brav apportiert hat, so erziehe ich das Tier gewissermaßen zum Egoisten. Rettet der Hund nun etwa einmal ein Kind aus dem Wasser, so ist es ganz klar, daß hier von Treue, Mitleid, Opferbereitschast oder dergleichen gar keine Rede sein kann. Sowie das Tier weiß, daß der Effekt seines Handelns etwas Angenehmes ist, kann von echtem Gefühl nicht mehr gesprochen werden. Das scheint selbstver- ständlich, ober im Leben finden sich immer wieder Verwechslungen dieser Art. So kannte ich einen Hund, ainen kleinen Rehpinscher, der scheinbar mit rührender Liebe an seinem Herrn hing, ihn begleitete und noch Möglichkeit nicht von seinem Schoß wich. Scheinbar also rührende Treue und Anhänglichkeit. In Wahrheit keine Spur davon: Das Tier war einfach von feinem Herrn maßlos verwöhnt worden. Wenn Herrchen aß, bekam der Hund seine gute Hälfte davon. Bekam er sie aber einmal nicht, so kläffte er seinen Herrn wütend an und schnappte sogar nach ihm. Das ist schon ein außerordentlicher Grad von Egoismus und Treulosigkeit, aber frei- lich hatte der Herr sein Tier durch die unglaubliche Verwöhnung förmlich dazu erzogen. Natürlich ist auch der A r t ch a r a k t e r bei Beurteilung von Charaktereigenschaften wesentlich. Es ist bekannt, daß Hund und Katze verschiedenen Charakter haben. Die Katzcnarten haben ihren Lebensgewohnheiten entsprechend eine andere Psyche als die Hunde- arten. Aber auch in den Grenzen der Art sind die verschiedenen Unterarten verschieden zu beurteilen. Das Wesen der Bulldogge ist ein anderes als das des Windhundes oder des Pudels. Aber nicht nur da»: Jedes Individuum zeigt wieder, wie schon der Tier- freund weiß, eine ganz bestimmten Charakter. Bon den sechs Jungen einer Hündin zeigt sich schon in der ersten Zeit des Leben« bei jedem der Kleinen ein besonderes Wesen, besondere Gewohn- heiten, eben ein bestimmter Charakter. Zwischen Hund und Hund ist ein großer Unterschied. Im Rundfunk berichtete kürzlich ein bekannter Tierkenner über zwei Hunde derselben Rasse aus�dem gleichen Wurf, die er besaß. Beide wurden mit der gleichen Sorg- falt gepflegt. Bei dem einen war es unmöglich, ihn auch nur einen Tag zu Bekannten zu geben, wenn der Herr einmal verreiste. Dos Tier war nur mit Gewalt von seinem Besitzer zu trennen und suchte so bald wie möglich von den Fremden, die chn natürlich glänzend behandelten, wegzulaufen. Er war dort kaum zu bewegen, irgend- welches Futter anzunehmen. Hier kann von echter Liebe und darauf beruhender echter Treue gesprochen werden. Keine anderen Gründe als solche echten Gefühle können ins Treffen geführt werden. Denn die Behandlung bei den Fremden, die dem Hund zudem meist keine Unbekannten waren, war so gut wie zu Hause beim Herrn. Aber das echte Gefühl für den, den dos Tier kannte und mit ihm zu leben gewohnt war, blieb bei noch so guter Behandlung unbefriedigt. Und nun der andere Hund, der stets die gleiche gute Behandlung vom Beginn seines Lebens an ersahren hatte. Eines Tages sah sich der Herr genötigt, das Tier zu verkaufen. Mit Schrecken sah er dem Augenblick entgegen, wo der Hund abgeholt werden sollte. Er war entschlossen, in ein anderes Zimmer zu gehen, um feinem Liebling nicht nachzublicken, wenn er von dem neuen Herrn fortgeführt würde. Aber es kam ganz anders. Der Hund, der immer ein Aller- we l t s f r e u n d gewesen war, der sich über jeden Besuch gleicher- maßen gefreut hatte, ging sofort vergnügt mit, als man ihm bedeutete, er solle einen Spaziergang mit dem Fremden machen. Keine Spur von Angst oder Trauer. Und das nicht nur, weil man ihn etwa zu einem Spaziergang überredet hatte. Auch im Haufe des neuen Besitzers war er von Anfang an vergnügt und munter und zeigte keinerlei Sehnsucht nach seinem früheren Herrn. Besuchte ihn dieser einmal, so zeigte er sich so erfreut wie mit jedem anderen Besuch auch. Dos war also der Bruder von dem, der vorher genannt wurde. Der Charakter entscheidet beim Menschen wie beim Tier. Endlich noch ein Beispiel zur Treue zwischen Tier und Tier. Häufige Beobachtungen haben gezeigt, daß es Liebe und Treue auch zwischen Tieren gibt, wiederum aber auch, daß man solches Verhalten keineswegs verallgemeinern darf. Zwischen den Ehepartnern ist im Tierreich— freilich nur bei den höheren Tieren, bei denen allein es überhaupt echte Gefühle gibt— eheliche Treue häufig beobachtet worden, dann auch freilich wieder vollkommene Untreue. Auch hier sind Artchoraktsr, aber auch persönlicher Charakter maßgebend. Auch Freundschaft und Treue zwischen Tieren verschiedener Art, die sich aneinander gewöhnt haben, ist vielfach bekannt. Wie weit Treue zwischen Tieren gehen kann, zeigt ein Beispiel, das der bekannte Tierkenner und Gartendirektor Dr. Knottnerus-Meyer erzählt. Eines Tages war von einem Elefantenpaar„er" krank und„sie" allein, imstande, ihr Heu zu fressen. Er durfte keins bekommen, um eine Reizung einer bösen Wunde zu verhindern. Da brachte eines Abends„Greti" kurz ent- schloffen ihrem„Toto" einen guten Rüffel voll Heu und legte es por ihm hin. Der Beobachter erklärt selbst, daß er diesen einmaligen Fall kaum einem anderen glauben würde, wenn er ihn nicht mit eigenen Augen gesehen hätte. So vorsichtig man also bei der Beurteilung tierischer Hand- lungen sein muß, und um so mehr, je höher die seelischen Leistungen sind, die das Tier scheinbar aufweist, so kann doch nach allem kein Zweifel sein, daß das Tier echtes Gefühl kennt, also auch eins der höchsten, die echte Treue. Schaltet man bei Wissenschaft- licher Beobachtung alle Fehlerquellen sorgfältig aus, so bleibt doch ein erfreulicher Rest übrig, der das Vorhandensein von echter Treue in der Tierpsyche unzweifelhaft erweist. Und von diesem Rest wäre es ein Fehler und durchaus unwissenschaftlich, wollte man ver- suchen, ihn durch künstliche Hypothesen wegzudiskutieren, nur um etwa die Theorie vom Tier als Automaten aufrechtzuerhalten. Es war nur die Seelenlosigkeit der Menschen einer bestimmten Zeit, die im Tier die Seele, das Menfchenartige übersehen konnte. TU. 199* 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts OienStag> 2S. Juni 1932 Dietrich über das Klick-Geschäst. Seine Erklärungen machen die Sache kaum klarer und nicht besser. Der frühere RsichsfinanMimster Dietrich, der mit Friedrich Flick das Geschäft abgeschlossen hat, hat auf einer Wahlkreisoer- samrnlung in Baden Aufklärungen über das Flick-Geschäst gegeben, soweit er da�u ermächtigt worden ist. Zum Geschäft selbst sagte er im wesentlichen folgendes: „Was jetzt geschehen ist für die Eisen- und Kohlenindustrie, hängt zuförderst wieder zusammen damit, daß auch hier eine ungeheure Verschachtelung vorhanden ist, die ihre letzten finanziellen Ausstrahlungen wieder in der Verpflichtung vieler Großbanken und vieler mittlerer Banken hat. Maßgebend war die einfache Tat- fache, daß die Charloltenhülle nicht mehr imstande war, eine Bilanz zu machen. so daß bei einem Bankerott dieser das ganze kunstvolle Gebäude der Großkonzerne, die irgendwie damit in Beziehungen standen und stehen, ins Wanken geraten wäre, auch die Oberfchlesifche Montan- industrie und die Oesterreichische Alpine Montangesellschaft. Hundert- tausende von Menschen wären bei einem so gigantischen Zusammen- bruch auf die Straße gekommen. Aus diesen volkswirtschaftlichen Beweggründen hat dann das Reich durch den von mir unterzeichneten Vertrag Herrn Flick geschluckt und von ihm die Substanz gefordert. Diese Haltung war um so gebotener, als in der Tat Gefahren von anderer Seite in Verzug waren. Es muß klargestellt werden, wer Herr über diese Machtgruppe monopolistischen Gepräges sein solle. Der Einfluß des Reiches ist, gemessen an der Größe des Objekts, für eine durchaus nicht zu hohe Summe erreicht worden, und volkswirtschaftlich ist diese Einflußnahme um so mehr vertretbar, als diese Sanierung erfolgt ist oder erfolgen soll in der Hauptsache durch Abdeckung von Schulden bei Banken, die ihrerseits wieder vom Reiche abhängig stnd. Sich auf den Bewertungsmaßstab der Börse zu berufen, ist ab- wegig, da die Börse heute kein vollwertiger Marktplatz mehr ist, und da zudem doch nicht nur ein Partner zu berücksichtigen wgr. Es ergibt sich, daß die Aktion, die unter dem Schlagwort Gelsenkirchen jetzt erörtert wird, genau so zwangsläufig notwendig geworden war wie die Sanierung der Großbanken und des Schiffahrtstrust. Bei diesen einwandfrei monopolistischen Unternehmungen war das Reich zur Einflußnahme unabweisbar genötigt/ Im übrigen beruft sich Dietrich auf die van ihm verfolgte Politik, die innerlich ungesunden Turmbauten der monopolisierten Betriebe in einer volkswirtschaftlich möglichst unschädlichen Farm zu> liquidieren und freie Bahn für mittlere selbständige Wirtschaften zu schaffen, nachdem die Zeit der aufgeblähten Konzerne und Trusts sich rasch vollende. Durch diese Erklärungen des ehemaligen Finanzminifters Dietrich ist dos Flick-Gejchäft nicht wesentlich klarer geworden, und nach der finanziellen Seite hin erscheint es auch nicht wesentlich besser. Drei Dinge werden von Dietrich festgestellt: Bon Aus- landsdruck und Ueberfreindung wird nicht gesprochen(dunkel ist freilich von anderen Partnern die Rede), die Eharlottenhütte war vollständig pleite, und endlich sollte auch den Banken geholfen werden. Wenn aber die Charlollenhütte und Flick pleite waren, warum ließ man sie nicht offen pleite gehen? Es hätte dann ein Bermögcn-ftalus aufgestellt und immer noch die Entscheidung getroffen werden können, daß und in welchem Umfange aus volks- oder sozialwirtschaftlichen Gründen ein Ein- greifen des Staates unvermeidlich war. Eine Stillegung der Bc- triebe wäre auch dann vermcidbar gewesen, es hätte auch dann Vorsorge gegenüber den Banken getroffen werden können, der Reichseinfluß auf die Schwerindustrie hätte nicht geringer zu werden brauchen, Flicks eigene Substanz wäre wirklich heran- gezogen worden, und das Ergebnis von allem wäre gewesen, daß man zu den Gclsenkirchcn-Aktien eben erheblich billiger gekommen wäre. Diese Dinge sind so selbstverständlich, daß kein anderer Schluß übrig bleibt als der, daß Dietrich jetzt in der Tat noch nicht ermächtigt ist, die volle Wahrheit zu jagen. Damit bleibt es bei unserer wiederholt ausgesprochenen Forde- rung, daß der O e f f e n t l i ch k e i t und in c r st e r Linie dem Ueberwachung sausschuß des Reichstags von der jetzigen Reichsrcgierung voller Einblick in die Zusammenhänge gc- geben wird. Dazu besteht uin so mehr Veranlassung, als nach einer Feststellung der„Kölnischen Zeitung" es die jetzige Rcichsregie- rung war. die den ehemaligen Reichsfinanzminister zu feinen Teil- erklärungen ermächtigt hat. Sanierung der Ewald-pleite. 70 Millionen Bankschulden- Fast nur für Fehlanlagen. Daß die Finanzlage bei der Gewerkschaft Ewald, einem der größten Bergbauunternehmcn des Ruhrgebiets, katastrophal ist, war seit einem Jahr bekannt. Sehr zögernd gehen die beteiligten Kreise an die Sanierung. Jetzt Hot man beschlossen, eine„Berg- werks- A.-G. Ewald, Herten i. W/, zu gründen, in die die Gewerkschaft Ewald als Ganzes eingebracht werden soll. Der Fall Ewald ist ein typisches Beispiel dafür, wie die geradezu leichtfertige Finanz- und Geschästspolitik der„Wirtschasts- führer" an sich glänzende Unternehmen ruiniert. Als die technische Rationalisierung im Bergbau die große Mode war, hat Ewald eine große, moderne Doppelschochtanlage gebaut und die von Ewald beherrschte Gewerkschaft König Ludwig ebenfalls. Das olles ge> schah ohne einen Pfennig eigenes Kapital, son- dern mit kurzfristigen(!) Bankschulden, die bei dem ganzen Ewold-Konzern wenig st ens 70 Mil- lionen Mark ausmachen. Die kreditgebenden Banken— Deutsche Bank und Disconto-Gesellfchaft und Simon Hirschland, Essen— haben freilich nicht weniger leichtfertig gehandelt. Die Folge der Neubauten war zunächst die Stillegung der alten Anlagen. Dann stellte sich heraus, daß die neuen Anlagen nicht v o ll ausgenutzt werden konnten, so daß sie stark unrentabel wurden— und im Juli vorigen Jahres hat die Gewerkschaft Ewald ihren neuen Doppelschocht stillgelegt' An eine Schuldentilgung war natürlich nicht zu denken. Die Gründung der neuen Gesellschaft kann bestenfalls als Anfang einer Sanierung bezeichnet werden. Die Gesellschaft wird ein Kapital von IS Millionen Mark hoben. Davon über- nehmen die DD-Bank und Simon Hischland, Essen, je ö Millionen Mark in Aukrechnung gegen ebensoviel Forderungen. Weitere s 4,5 Millionen Mark Aktien werden gegen die ZOOO Kuxe der Gewerkschaft Ewald(also je l Kux(500 Mark Aktien) getauscht. Die restlichen IL Millionen Mark Aktien sollen zum Umtausch der im freien Verkehr befindlichen 500 König-Ludw-g-Kuxe verwandt werden. Die im Besitz von Ewald befindlichen König-Ludwig-Kuxe werden voll ab ge schrieben! Die Schulden des Ewold-Konzerns werden also nach dieser Transaktion immer nach mehr als bO Millionen Mark betragen. Die Bonken sollen sich verpflichtet haben, mit ihren For- derungen fünf Jahre stillzuhalten und die Zinsen zu ermäßigen. Während die Gewerkschaft Ewald in die neue A.-G. umge- wandelt wird, wobei die Kapitalmehrheit aus die Banken übergeht, bleibt die Gewerkschaft König Ludwig vorläufig bestehen: ihr Beirieb aber wird auf 50 Jahre an die Ewald A.-G. verpachtet. Die Stick st offabrik von Ewald, deren Bau und Betrieb den Cwald-Konzern stark belostet hat, wird nicht verkauft, da man auf spätere Rentabilität hofft. Obwohl die Gruben ihre Syndikalsquote nur zu 54 Pro z. ausnutzen, glaubt man, daß für die Fort- führung der Betriebe kein neues Kapital nötig ist. Wie aber die hohen Schulden abgetragen werden sollen, darüber hüllt man sich in Schweigen. Verlust bei Gchlesische Zement A.-G. Die Schlesifche Portland-Zementinduftrie A.-G. in Oppeln, deren Kapitalmehrheit in Händen von Schult- heiß-Patzenhofer liegt, weist für dos Geschäftsjahr(951 einen Verlust von 0,5 Mill. Mark aus, der sich durch den Gewinnvor- trag auf 0,24 Mill. Mark ermäßigt. Das 27-Mill.-Mark-Kapital bleibt infolgedessen dividendenlos(im Vorjahr 8 Proz.). Dieses Ergebnis ist immer noch überraschend g ü n st i g. Denn der Absatz ist weiter stark, mengenmäßig um 25 Proz. und wert- mäßig um 35 Proz., zurückgegangen. Außerdem war die Abschluß- rechnung durch die V e r g l ei ch s z a h l u n g an die A.-G. für Ver- kehrswesen(Jndustriebau-Skandol!) von(,8 Mill. Mark und die Ausgleichszahlung an die Tochtergesellschaften Prüfling und Adler in Höhe von 0,( Mill. Mark belastet. Ohne diese Zahlungen wäre also ein erheblicher Gewinn entstanden: bei dem miserablen Zementabsatz wäre das überraschend, wenn man nicht wüßte, daß seit Jahren die Zementkartelle ungerechtfertigt hohe Preise für ihre Produkte nahmen. Verkehrswesen-Konzern. Hohe Sonderabschreibunqen.- Sanierung bei Lenz u.<5o. Die A.-G. für Verkehrswesen, Berlin, die über (00 Klcinbohngesellschaften Deutschlands beherrscht, hat Pech mit ihren Beteiligungen an Baugesellschaften. Der Skandal um In- dustriebau Held-Francke ist ja noch günstig ausgegangen, da die Gegenseite(Schlesifche Portland Zement) den Kaufpreis zurück- gezahlt hat. Jetzt mußte die Allgemeine Baugesellschaft Len; u. C o., die letzte der Beteiligungs-Baugescllschasten, eine Zusom- menlegung des Kapitals im Verhältnis 5 zu( von 6 auf(,2 Millio- nen Mark beschließen. Es sind so viel Außenstände eingefroren, daß die Abschreibungen auf insgesamt 5,5 Millionen Mark erhöht wurden. Das Kapital wird auf 3 Millionen Mark wieder- erhöht: die neuen Aktien übernimmt die A.-G. für Verkehrswesen. Diese hatte die Lenz-Aktien zu 9 4 Proz. im Vorjahr be- wertet und muß sie also jetzt aus 20 Proz. herobschreiben. Dos macht, da sie die Mehrheit des Lenz-Kapitals besitzt, einen B e- trag von mehreren Millionen Mark aus. Auch sonst hat sich Herrn Lübberts Zuversicht vom vorigen Jahre, daß die „Abschreibungspolitik beendet" sei, in keiner Weise als berechtigt erwiesen Die Gesamiabschreibungen wurden von 2,1 aus 9,5 Millionen Mark erhöht. Dazu werden der gesamte Geschästsüberschuh von 4,4 Millionen Mark(davon find 2,2 Millionen Mark Gewinnvortrag aus dem Vorjahre), der Buch- gewinn aus der Einziehung eigener Aktien von 5.7 Millionen Mark und ein Teil des Reservefonds im Betrage von(,? Millionen Mark verwandt. Eingezogen werden 14 Millionen Mark eigene 2l k t i e n, so daß das Kapital von 50 auf 50 Millionen Mark ermaßigt wird. Will Mansfeld VersiaaSlichunq? Auf der Generalversammlung der Mansfeld A.-G., die gestern in Leipzig stattfand, kündigte der Generaldirektor Stahl an, daß man rechtzeitig bei Reich und Preußen die L e r l ä n g e r u n g der Subventionen für den Kupserbergbau beantragen werde. Dabei sagte Herr Stahl, daß die Opferbereitschast der'Aktionäre im Interesse der Erhaltung der Substanzwerte und der Weiterbe- schäftjgung der Belegschaft seine„natürliche Grenze" finde in- der Rücksicht auf die Lebenssähigkeit des Gcsamtuntcrnehmcns, insbesondere seiner gesunden Glieder. Es sei die Frage zu entschei. den.„ob und unter welchen Bedingungen die Weitcrführung dieser Betriebe überhaupt noch im R 9ij m e n eines privaten Unternehmens möglich und zweckmäßig ist". Was mit diesen zweisellos absichtlich unklar gehaltenen Sätzen gemeint ist, ist nicht ganz klar. Anscheinend aber trägt sich die Mansfeld-Verwoltung mit dem Gedanken, die verlust» bringenden Bergbaubetriebe dem Staat zu über» lassen, die rentablen verarbeitenden Betriebe(Walzmerk, Messing» wert) aber privatim fortzuführen. Eine solche Regelung wider- spräche den bisherigen Subventionsbedingungen: denn der Ueber- jchuß der verarbeitenden Werke muß zum Teil die Unterbilanz des Bergbaus ausgleichen. Auch im Interesse des Gesamtunternchmens liegt eine solche Trennung zweifellos nicht. Was nun die„Opfer der Aktionäre" betrifst: bisher haben sie nur aus die Dividende, d. h. auf eine Verzinsung ihres Kapitals verzichtet. Wenn die Substanz der Anlagen erhalten blieb, dann infolge der unerhörten Loknopser der Be- legschast und der hohen Subventianszahlungen vom Reich und von Preußen(für das Jahr(951 ollein 0,5 Mill. Mark). Lohnnpier und Subventionen allein haben bisher ver- hindert, daß das 50-Mill.-M.-Kapital nicht restlos verlorengegangen ist. Wenn die Aktionäre nun nach mit Ansprüchen kommen, die über die bisherigen Subventionen hinausgehen, so ist das einigermaßen grotesk. Es scheint, als ob das böse Beispiel der Flick-Sanierung hier den Appetit angeregt hat. lieber eine Verstaatlichung der gesamten Mansfeld A.-G. ließe sich reden: bei Zusammenrechnung und Geltendmachung der gezahlten Sub- lü Hcutd schcifjH's! Linderung der schweren Arbelisnoi durcb Rückkebr zum Handwerk. Die Peru*« Handarbeitsiigart+ t'« erweckt den traditionellen QualitatsbegriH dadurch, dafz sie«kxcb sorglältige Handarbett tn den altgewohnten, edlen Tabakmis�hunger* hergestellt ist. HcutäAJÄelfozlg&ceäefii dhc keifi ckc cUuJLsch&H. Wutsckufi! ventionssummen dürfte nicht mehr viel übrigbleiben. Aber den Aktionären irgendwie ihr K a p i t a l r i s i k o für den Kupfer- Bergbau allein abzunehmen, damit sie ungestört die Rente aus den Fabrikationsbetrieben einstecken können, darüber darf über- Haupt nicht verhandelt werden! Stützung des Erzbergbaus. Das Reich soll eingreifen. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Eine in einem Teil der Berliner Abendpresse vom 24. Juni enthaltene Notiz, aus der herausgelesen werden könnt«, daß die bei der Hilfsaktion der öffentlichen Hand für den Metallerzbergbau entstandenen Schwierigkeiten auf preußische Widerstände zurückzuführen seien, veranlaßt den Amtlichen Preußischen Presse- dienst zu der Erklärung, daß eine solche Auslegung den Tat- fachen nicht entsprechen würde. Vielmehr ist das Reich von Preußen auf die Notwendigkeit einer Hilfe für den Metallerzbergbau überhaupt erst aufmerksam gemacht worden, indem Preußen in einer eingehenden Denkschrift dem Reich die notwendigen Unterlagen für eine solche Stützung und die Wege hierfür dargelegt hat. Bei dem dringenden Reichs- interesse an diesen Maßnahmen— es sei nur hingewiesen aus die devisen-, arbeits- und wehrpolitischen Notwendigkeiten— hat das Reich diese Vorschläge sogleich aufgegriffen und die Bereit- stellung entsprechender Etatsmittel in Aussicht genommen. Di« oben angegebenen Gründe für die Aufrechterhaltung des Metallerzbergbaues treffen natürlich für die Betriebe der öf- f e n t l i ch e n Hand in g l e i ch« r W« i s« wie für die Privat- betriebe zu. Deshalb hat Preußen sowohl im Reichsrat als auch der Reichsregisrung gegenüber die Auffassung vertreten, daß die unbedingt notwendige Unterstützung des deutschen Erzbergbaues ohne Unterschied, ob es sich um private oder öffentlich« Betriebe handelt, ausschließlich Sache der Reichsregierung sei und daß so schnell wie möglich die notwendigen Mittel zur Ver- fügung gestellt werden müßten. Auffchlußreiche Generalversammlung. Die Reserven der Deutschen Erdöl. Aus der Generalversammlung der Deutsche Erdöl A.- G., Berlin, brachten einige Aktionärsanfragen einigen Ausschluß über die Bilanzziffern. Die Deutsche Erdöl hat ein Kapital von 100 M i l l. Mark und ist eines der größten deutschen Bergwerks- ünternehmen. Alle Anlagen stehen mit einer Ziffer, mit 70,8 Will. Mark, die Beteiligungen mit 38,4 Mill. Mark— dar- unter sind 9S Proz. des Kapitals der Deutschen Petroleum-A.-G.— zu Buch. Aus dem von SL auf 4,7 Mill. Mark zurückgegangenen Reingewinn wird eine Dividende von 4 Proz. oerteilt. Auf die Vorwürfe der Aktionäre, daß die Bilanz allzu summa- risch aufgemacht sei, zumal im nächsten Jahr doch laut Gesetz Einzel- Ziffern gegeben werden müßten, erfolgte die Auskunft, daß in den Forderungen(17,6 Mill.) etwa 7 Mill. Mark Bankguthaben, in den Schulden(18,6 Mill.) aber 10,8 Mill. Mark Rück- st e l l u n g e n enthalten(außer der gesetzlichen Rücklage von 10 Mill. Mark!) seien. Die Bankguthaben hätten sich inzwischen auf 11 Mill. Mark erhöht. Merkwürdigerweise kam kein Aktionär auf den Gedanken, daß diese Rückstellungen(10 Proz. des Kapitals!) eine erheblich höhere Dividendenzahlung zugelassen hätten. Mit Recht wurden die Borstandsgehälter— durchschnittlich 116 000 M. je Kopf!— als viel zu hoch kritisiert. Natür- lich hatte die Verwaltung für solche Kritik wenig Verständnis. Da die Opposition sich auf wenig Stimmen beschränkte, ist sie allerdings nicht in der Lage, hier eine„Anpassung an die Armut der Nation" zu erzwingen. Protest gegen Buiterzollpolitik. Eine durch die deussche Butterzollpolitik geschädigte Gruppe von nach Dänemark exportierenden deutschen Industrien hat eine „Deutsch-dänische Wirtschaftsvereinigung" gegrün- det, um die geschädigten Interessen gemeinsam zu vertreten. In einer Entschließung wird die Reichsregierung um sofortige und energische Maßnahmen ersucht, um den für deutsche Waren gesperrten dänischen Markt wieder zu öffnen. Im Interesse der mit Dänemark arbeitenden Betriebe mit ihrer großen Arbeiterzahl müsse eine Grundlage geschaffen werden, daß die viele Millionen betragenden Aufträge erhalten und durchgeführt werden können. Oeutsch-Vulgarischer Handelsvertrag unterzeichnet. Nach vierwöchigen Verhandlungen wurde in Sofia der deutsch- bulgarische Handelsvertrag unterzeichnet, der auf der Grundlage der M e i st b e g ü n st i g u n g beruht. Deutschland gewährt Zollermäßigungen für bestimmte bulgarische Agrarerzeug- nisse, besonders Mais, Weizen und Futtergerste, wofür Bulgarien Zollermäßigungen für deutsche Jndustrieprodukte zugesteht. Es ist erfreulich, daß es in der gegenwärtigen Handels- politischen Wüste der Welt zum Abschluß dieses Vertrages kam. 700 DEM TYPHUS-TRÄGER! /|�Der Tod folgt seinen Spuren! Würger, Kindesmorderl Die Fliege trägt an ihrem schmutzigen, borstigen Körper die tödlichen Keime des Typhus, der Tausende jährlich dahinrafft! Aufgewachsen an Stätten des Unrats, schleicht sie sich in Ihr Heim und vergiftet Ihre Nahrung mit todbringenden Keimen. FHT- überall bekannt- ist das beste Mittel, um Fliegen, Mücken, Schnaken und alle lästigen Insekten schnell und sicher zu töten. Achten Sie auf den Flit- Soldaten auf der gelben Kanne mit dem schwarzen Band. Nur in der plombierten Kanne ist FHT erhältlich. «»als Mk. Theater Dienstag, den 28. Jnnl staatsoper unter den Linden 20 Uhr Slzlllanlsche Vesper StaatLSduuspielhaus Gsodarnenmarkt. 20 Uhr leppe vom BerUe Schlller-Theatef Chariottenbory. 20 Uhr E�monf Tfigl. 5 u.«i. Uhr Letzte 3 Taget Fernando LINDER Jm Psanut's MBIiesus-iffchM Ada& Eddie Dam Willi Rosea an. ii.KMtgs.&M"». Nur noch| 3 T a gr o! Der tldele Bauer. Deiitsdies Mr Letzte Aufführungen Die»-/. Uhr Journalisten lustsp.nadi Gustav Freytag von Felis Joadiimson Masit: Tbee Matkebea Regie: Heinz Hilpert. I KtiM-Tlmatei Täglich 81/« Uhr Naäonna wo Mit Da? Erika v. Thellmann, Luise Stösei Theodor Loos Josef Wedorn Rose- ineater Crol« frutturtir Streit 132 fei. WaidHil E 1 3*23 8.30 Uhr Die eherne Innglrau Crarteubtlhnc 5J0 Uhr Konzert u.Variete Premiere Oral arme kleine Mädels VoUisbttiuie Theater am BQIovplat: 8V4 Uhr Geldohne Arbeli Komödie von Alberto ColantaosI Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: OOnther Stark StädLOper Charlottenburg BismarckstraBe 34. Dienstag, 28. Juni Turnus I ßerTroiiDadour Bindernagel. Amer- ling, Noon. hüsch, Tappolet Anfang 20 Uhr Ende 22,45 Uhr WM n Mj 8 Dir is. Flora 3434. Baudien orl. 1 Paul Graetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. R�swut Berlins PARK Erfinder— Torwartestrebende Hohe Geld-Belohnung Näheres kostenlos durch F. Erdmann£ Co», Berlin SW 11. Der V I llUUllIUUU■ arrengesch. erhalt). C. Böcker, Berlin SuimeDlieraer Strafte 22, Kflutosi. 3881 finle Kapitän KaulabaU"* ,"i,n J Ahtienoesellsfiiaft für Msme Produkte vormals H. Sdioidemandel, Berlin. Bilanz•Konto per 90. September 1931. Aktiva Berliner Grundstück............ Auswärt. Grundstücke. Gebäude, Maschinen, Fuhrpark, Utensilien........... Patente, Büro- u. Labor.-Elnricht...... Wertpapiere u. Beteiligungen....... Bankguthaben............... Guthaben bei Tochtergesellschaften..>. Verschiedene Schuldner........». Barbestand................. Wechseibestand.............. Waren- u. Material-Vorräte Avale.............. gMSW.Rö Pawhra Aktienkapital................ Reservefonds................ Hypotheken................ Unbehobene Dividenden.......... Akzepte.................. Bankschulden............... Schulden an Tochtergesellschaften.... Langfristige Schulden........... Verschiedene Gläubiger.......... Wertberichiigungs-Konto.......... Avale.............. 2 093 154.95 RM 150 000 2000 000 1 5 378 895 3« 522 793 427 1 291 549 32 743 71 93 479 87 1 887 148 86 12 012 768 I 40 RM z 5 580 000 1- 558 000- 18 547 1 90 3 865 I 50 142 063! 52! 3 211 ISS, 63] I 343 108 I 221 106 599 1 93 799 395 70 250 0004-•! Berlin, den 20. Mai 1932 12 012 768) 40 Der Vorstand. U>> MM.-'■?. X- Einer schweren, heimthekisdien Krankheit erlag gestern Herr Reichsminister a. D. Dr. jur., Dr. Ing. h. c. Ernst Scholz Vorsitzender der Verbandsversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und des Aufsichtsrats der Deutschen Girozentrale— Deutschen Kommunalbank Die deutsche Sparkassen- und Giroorganisation betrauert den Verlust einer Führerpersönlichkeit von hohem Rang. Der Verewigte war der letzte Vorsitzende des Deutschen Sparkassenverbandes und hat in dieser Eigenschaft an dem Zustandekommen des Einheitsverbandes im Jahre 1924 hervorragenden Anteil. Die hohe Wertschätzung seiner Persönlichkeit und die Anerkennung seiner großen Verdienste fand ihren nach außen sichtbaren Ausdruck in der einstimmigen Wahl zum Vorsitzenden der Verbandsversammlung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, ein Amt, das er bis ru seinem Tode innehatte. Bahnbrechend war seine zielbewußte Arbeit auf dem Gebiete des kommunalen Finanzwesens. Die bereits 1908 von ihm ins Leben gerufene Geldvermittlungsstelle des Deutschen Städtetages hat Reichsminister a. D. Dr. Dr. Scholz auf die Deutsche Girozentrale übergeführt und damit die Bestrebungen zur Verbesserung des Kommunalkredits zu einem entscheidenden Teil verwirklichen helfen. Als Vorsitzender des Verwaltungsrats und des späteren Aufsichtsrats der Deutschen Girozentrale— Deutschen Kommunalbank— hat er die Entwicklung der zentralen Kommunalhank nachhaltig gefördert. Die hervorragenden Gaben des Verstandes und des Herzens, seine vornehme Gesinnung und sein großes taktisches Geschick haben Reichsminister a. D. Dr. Dr. Scholz in besonderem Maße befähigst, überall den Ausgleich der Interessen, die Verständigung über das gemeinsame Ziel herbeizuführen. Seine großen Verdienste um den Aufbau und die Ausgestaltung der Sparkassen- und Giroorganisationen in der ebenso schwierigen wie entscheidenden Periode der letzten Jahrzehnte werden unvergessen bleiben. Fortleben wird aber auch bei allen, die den Verewigten kannten, die Erinnerung an den liebenswürdigen Menschen. Berlin, den 27. Juni 1932. Namens des Vorstandes des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und des Direktoriums der Deutschen Girozentrale-Deutschen Kommunalbank Der Präsident Dr. Kleiner Danksagung! Für die beim Tode meines Mannes, des GesohSitsführers Adolf Harndf erwiesene Teilnahme spreche ich im Namen der Hinterbliebenen meinen aufrichtigen Bank ans. Emma Harndt geb. Peege DedÄ MMM-WNS VeiwahnngMlelle Berlin Berichtigung Sie Einäscherung des Kollegen Ivan Kotke findet am Mittwoch, dem 29. Juni, nachmittags 3)4 Uhr, im Ätema- toriurn Wilmersdorf, statt Rege Beteiligung erwartet vfe Ortrrerwaltmifi. Fsnrradar Gebrauchte 'Freilaufrädel 15,—, 20,—. 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