Morgenausgabe Nr. 301 A 152 49.Iahrgang Wöclientlich 75 Pf. monatlich 3,25 M. (davon 87 Pf. monatlich für Zustel. lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbestellae. bühren. Auslandsabonnement 6,6531!. pro Monat; für Länder mit ermäßig. tem Drucksachcnporto 4,65 M. Der„Vorwärts" erscheint Wochentag- lich zweimal, Sonntags und Mon- tags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit". mm Veettuer Vottsvlatt Mittwoch 29. 3uni 1932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Jentraloegan der Sozialdemosvatischen kartet R e d a k ti o n u nd V e rl a g: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 M b � Postlchkckkomo:Berlln37SZS.— BanKomo-BankderArbelter.ÄngesteM«-, und Kernspi l Dönhoff Nevolte der Radikalen geaen Herriot. Paris. 28. Zum. Die Haltung herriots in Lausanne, die zu einem Abbruch der Konserenz führen kann, hat bei einem großen Teil der radikalen Kammersroktion starke Verstimmung hervorgerufen, weil sie nicht dem Programm der Radikalen Partei in der Reparations- frage entspricht. Infolgedessen ist am Dienstag in der Kammer unter Führung einiger dem linken Flügel der Partei angehörenden Radikalen e'ne kleine Palastrevolution gegen Herriol ausgebrochen, die zu einer entscheidenden Mendung aus der Lausanner Konferenz und zu inaerpolitijchen Schwierigkeiten Anlaß geben kann. Die radikale Fraktion trat am Vormittag zusammen. Sie nahm zunächst einen Bericht des Vorsitzenden Francois Albert über dessen Unterredung mit herriot über die Lausanner und die Genfer Konserenz entgegen. Zm Anschluß daran gab der Abgeordnete 7lo- garo, der wie Francois Albert dem linken Flügel angehört, einen kurzen lleberblick über das Reparationsproblem. Er erklärte, die Erfahrung beweise, daß. vom rein finanziellen Standpunkt betrachtet. die regelmäßige Zahlung von großen Summen für eine lange Reihe von Zahren unmöglich sei. Vom politischen Standpunk» aus, so betonte Rogaro, sei es heute für Frankreich das beste, sich seiner eigenen Auslandsschulden zu entledigen. Frankreich könne sich zugleich dem englischen Standpunkt anschließen und die logische und stärkste Stellung gegenüber seinen Gläubigern einnehmen. Frank- reich sei dazu berechtigt, den Vorschlag des Präsidenten hoover an Amerika zurückzuverweisen. Die Tatsache, daß bei der Ausarbeitung des Joung-Planes Frankreich ausgesordert worden sei, ein Opfer zu bringen, das dem Amerikas proportional gleichwertig sei, gebe ihm das Recht, den Vorschlag hoovers aus eigene Rechnung zu übernehmen. Diese Ausführungen fanden bei der großen RIehrheil der Fraktion eine günstige Ausnahme. Es wurde daraus beschlossen, in einer Rachmittagssihung den Abg. Bergery über das Reparations- und Abrüstungsproblem zu hören. Die Rachmittagssihung nahm teilweise einen erregten Verlaus. Bergery, Rogaro und Francois Albert traten für den sogenannten„Schwamm strich über die Reparationen" ein und beantragten, daß eine Delegation zu Herrlot entsandt werde, um ihm von diesem Standpunkt Rlitteilung zu machen. Die Abgeordneten Lamoureux und Fribourg bekämpften diese Auffassung und billigten die Haltung der Regierung in der Reparationssrage. Da im Verlaus der Vormittagssitzung die dem rechten Flügel der Partei angehörenden Abgeordneten mobilisiert waren, wurde die Entsendung einer Abordnung zu herriot abgelehnt und als Abschluß der Debatte die sogenannte einfache Resolution. für die kein Wortlaut besteht, zugunsten der Regierung angenommen. Einer solchen Resolution wird jedoch in den Kammerdebalten im allgemeinen die Bedeutung eines verschleierten Mißtrauensvotums beigelegt. Der Vorstoß des linken Flügels der Radikalen ist also nicht ganz ohne Ergebnis geblieben. Er erwartet von ihm insofern eine gewisse Wirkung aus herriot, als er den Ministerpräsidenten dazu veranlassen wird, seine Haltung etwas zu mäßigen, da er sonst leicht einem neuen Angriff ausgesetzt werden könnte. Keine Herabsetzung der Auslandsschulden. Die Reichsregicrung dementiert wiederholt die Gerüchte, daß die deutschen Auslandsschulden oder ihre Verzinsung herabgesetzt werden sollen, was angeblich in dem gleichen Maße geschehen sollte, wie die deutschen Warenpreise gefallen sind. Hetze zum Staatsstreich. Man fordert Verhaftung der einzelstaatlichen Polizeiminister. homburci. SS. Juni.(Eigenbericht.) Die„Hamburger Nachrichten" veröfsentlichsn einen Offenen Brief an den Reichskanzler von Popen, in dem diefer aufgefordert ivird, die vollziehende Gewalt den militärischen Stellen zu über. tragen und die Minister der rebellierenden Länder zu verhaften! Die entscheidenden Stellen des Offenen Briefes, dessen Forderungen wahr- scheinlich ihren Ursprung nicht in der Redoktion der„Hamburger Nachrichten" haben, lauten: „Ganz auherordentlich bedenklich wird Sie, Herr Reichskanzler. das Komplott stimmen, das anscheinend in den letzten Tagen in Berlin von dem geschüftsführenden proutzlschen Ministerpräsidenten angezettelt wurde. Wenn man die darüber erschienenen Meldungen in der Presse verfolgt, so kann man. sich des Eindrucks nicht erwehren. dah da in Berlin Dinge getrieben werden, di« ein den gesetzlichen Tatbestand der Vorbereitung des Hochverrats sehr eng auslegender Staatsanwalt zum Anlaß nehmen könnte, von Amts wegen einzugreifen. Sollte dazu aber das Vorgehen der preußischen Regierung nicht ausreichen, dann steht zu hoffen, daß der Landtag von feinem Recht des Artikel» 28 Absatz 1 der preußischen Verfassung Gebrauch macht und die M i n i st e r unter Anklage stellt. Für Sie, Herr Reichskanzler, und die von Ihnen geführte Reichsregierung erhebt sich die Frage, wie lange Sie sich diesen o s s e n e n widerstand gegen Ihre Maßnahmen gefallen lassen wollen. vergessen Sie nicht, daß e» sich hier um eine Machtprobe Handell. au» der Sie unbedingt al» erster Sieger hervorgehen müssen. Sie werden also, wenn die Länderregierungen unbelehrbar sind, vom verhandeln zum Handeln übergehen müssen. Die öffentliche Ruhe und Ordnung im Deutschen Reich ist erheblich gefährdet und Sie werden nicht mehr darum herumkommen, dem Herrn Reichspräsidenten nahezulegen, in den rebellierenden Ländern einen Reichskommissar einzusehen, der die Bürgschaft dafür bietet, daß der Wille der Reichsregierung zur Geltung kommt und die von den Länderregierungcn in gleicher weife wie von den Kommunisten gestörte öffentliche Ruhe und Ordnung wieder hergestellt wird. Die Autorität des Re'chcs darf nicht länger Spielboll der Länder bleiben. Es scheint uns bereits für die Einsehung ziviler Reichskommissare zu spät zu sein. Die vollziehende Ge- wall in den Ländern muh den militärischen Stet- len übertragen werden. E'ne andere Frage, die ernstlich zu erwägen wäre, ist, ob die Herren Reichskommistare ihre zweifellos segensreiche Tätigkeit nicht damit beginnen sollen, di« Herren Minister der rebellierenden Länder zu verhasten. Es würde auf diese Weise am schnellsten die öffentliche Ruhe und Ordnung wieder hergestellt."» * Die Grobschlächtigkeit, mit der hier die Wünsche der reaktio« nären Kreise vorgetragen werden, könnte zu der Annahme führen, als wenn es sich um nicht ernstzunehmendez Gerede handle. Eine solche Annahme aber erscheint uns im Hinblick auf die Vorgänge der'letzten Zeit nicht angebracht. Es liegt vielmehr die Vermutung nahe, daß bestimmte Zirkel sich absichtlich eines außerhalb Berlins erscheinenden Blattes bedienen, um ihre Pläne in die Oefsentlichkeit zu lancieren. An die Reichsregierung ist deshalb die Frag« zu richten, was sie gegen die in diesem ossenen Brief erhobene unver» blümte Aufforderung zum Staatsstreich und gegen die gegen die Länoer ausgefprocheiie unverschämte Verdächtigung zu'tun gedenkt, besonders, nachdem die Reichsregierung in der Auflagennachricht an die Berliner„BZ. am Mittag" zum Ausdruck gebracht hat, daß es in dieser Zeit, in der die für Deutschland lebenswichtigen außen- politischen Verhandlungen ein Zurücktreten aller innerpolitifchen Gegensätze fordern, besondere Pflicht c«r verantwortungsbewußten Presse sei, ihre Veröffentlichungen jeden sensationellen Charakters zu entkleiden, der unter Entstellung der Tatsachen zu einer Ver- schärfung der Gegensätze führen müsse. Ergänzungsverordnung unterzeichnet. Innenminister Gayl bei Hindenburg. Der Reichspräsident empfing am TienKtag den Reichs- minister deeü Innern zum Vortrag über die schwebenden politischen Fr a g e n. Räch der Besprechung unterzeichnete der Reichspräsident die au- gekündigte Ergänzungsverordnung zur Notverordnung vom 14. Juni, mit der Hitlers Privatarmee wieder offiziell gestattet wurde. Drei Tote in Gtaßfurt. Schwere Unruhen bei einem Vegräbnio. S k a h s n r 1. 28. Zun!. Bei der Beerdigung eines Kommunisten, der am Freitag voriger Woche von einem Rationalsozialisten erschossen worden war, kam e» heule mittag zu schweren Zusammenstößen mik der Poltzel. Diese wollte einen nach Tausenden zählenden Demonstra- l i o n s z u g auslösen, wurde dabei aber von der Wenge derart be- drängt, daß sie von der Waffe Gebrauch machte. Drei Demon- stranten wurden getötet, sieben schwer und eine weitere Anzahl leichter verletzt. Rur unser größter Wühe gelang es der Polizei, die aus Bern- bürg in Anhalt Verstärkung erhalten hatte, die Ruhe wiederherzustellen. Straßenschlacht in Neuthen. Beulhen. 28. Juni.(Eigenbericht.) Bei einem schweren Zusammenstoß wurden siim Rational- sozialisten und ein Kommunist erheblich verletzt. Die streiten- den Gruppen benutzten Dolche, Stahlrulen und Knüppel. Die Ursackz« dieserZusommenstöße liegt in der gesteigertenErregung dcrArbeiter- bevölkerung über die frechen Provokationen der Hakenkreuzler, die nachweisbar die Absicht hatten, das Nolkshaus zu stürmen Der oerletzte Kommunist K r a ß n y, bei dem ein Dolch gefunden worden sein soll, ist als angeblicher Rädelsführer verhaftet worden. Unruhen in Wuppertal. Wuppertal, 25. Juni. Ein Zusammenstoß zwischen Polizeibeamten und Angehörigen einer kommunistischen Selbstschutzorganisation ereignete sich in der vergangenen Nacht in der Siedlung an der Zzolzstraße. Dabei wur- den nach vorausgegangenem K u g e l w c ch s e l, bei dem jedoch nie- mand oerletzt wurde, 6 Personen zwangsgestellt, darunter e i n e Frau in Männerkleidung. Mehrere Hieb- und Stich- wasssn. in deren Besitz die Festgenommenen betroffen worden waren, wurden beschlagnahmt. Ein Todesopfer der Kölner Krawal'e. Köln, 28. Juni. Der bei den Ausschreitungen am 13 Juni am Apostel-Markt durch einen Schuß ve.etzte 40jährige Kaufmann Kichne ist gestern im Bürgerhospital an einer Emboli« gestorben. Auch m Leipzig ein Todesopfer. Leipzig, 28. Juni. Wie das Polizeipräsidium zp den Borgängen am Montagabend mitteilt, wurde durch einen Schuß ein SZjähriger Invalide in die Lunge getroffen. Er starb auf dem Transport ins Krnnkenhaus. 25 Personen wurden in Haft genommen unb dem Polizeipräsidium zugeführt. schlimmsten, wenn auch noch kein Zuchthausurteil gegen die Schuldigen gefällt wurde. Hier handelte es sich allerdings nicht um jüdische Sklareks, sondern um gut ch r i st- lich-eoangelische und ebenso gut deutschnatio- n a l e Größen, wie den langjährigen Abgeordneten und ZZize- Präsidenten des Reichstags, Justizrat Dietrich-Prenzlau. oder den deutschnationalen Landtagsabgeordneten Egge» brecht-Scelmann. Von ü h r e n Taten weiß man im Lager der auf Korruptionssuche eingeschworenen„Reiniger des öffentlichen Lebens" herzlich wenig zu sagen. Welch ein Geschrei wilder moralischer Empörung würde sich dort erheben, wenn etwa ein republikanischer Ge- sinnung Verdächtiger ihm anvertraute fremde Gelder in einem— Massagesalon verlieren würde! Im Falle Dietrich-Prenzlau aber schweigt die deutschnationale Moral in allen Sprachen der Erde! Oder— um ein anderes zu erwähnen— wie steht es mit dem Skandal um die allerchkistlichsten Pastoren und Missio- nare, die im"Sumpf der Devaheime stecken geblieben sind? Wo war„das System", das solche Blüten gezüchtet bätte? Von den großen Korruptionsaffären der Kriegs- und Nachkriegszeiten ganz zu schweigen. Der„Fall Sklarek" ist mit all seinen Begleitumständen nichts anderes gewesen, als zahlreiche„Fälle" ähnlicher Art, die man zu allen Zeiten und in allen„Systemen" schon erlebt hat. Ein Skandal liegt aber vor, nicht allein, was die jetzt Verurteilten betrifft, sondern auch in bezug auf die planmäßige Vergiftung der öffentlichen Meinung, die in ihrem Gefolge schritt. Man kann nicht über die Einzelheiten des Urteils sprechen, ohne daran zu denken, daß es nur möglich wurde durch die Vorteile„des Systems", das die öffentliche Aufdeckung gesellschaftlicher Schäden jederzeit ermöglicht. Im„System" der Monarchie wurden wirk- liche Skandale, die bis in die höchsten Gesellschaftskreise reich- tcn, geflissentlich unterdrückt. Sozialdemokratische Redakteure, die solche Dinge der Oefsentlichkeit übergaben, wurden einge- sperrt. In den„Systemen" der Diktatur ist es nicht besser, sondern meist schlimmer. In der vielgescholtenen Demo- k r a t i e aber ist es möglich, wirkliche Schädlinge jederzeit anzuprangern— sofern nicht Notverordnungen mit Presse- verboten drohen— und wirkliche Schäden durch öffentliche Kritik zu beseitigen. Daß das im Fall Sklarek gelang, ist ein Zeichen für das demokratische System. Es wird seine Stärke beweisen, wenn es alle ähnliche Skandale a u s g e- merzt und beseitigt haben wird. Nazis schützen papen. Eine interessante Abstimmung im Sachsenlonk». D r e s d e n. 28. Zum.(Eigenbericht.) Der Sächsische Landtag nahm am Dienstag nach teilweise sehr stürmischer Aussprache in namentlicher Abstimmung mit U Stimmen der SPD. und der KPD. gegen 27 Stimmen der meisten bürgerlichen Parteien bei einigen Stimmenthaltungen einen Antrag an, in dem die Regierung beauftragt wird, der Reichsregierung gegen- über da» schärfste Mißtrauen des Sächsischen Landtage« zu bekunden. Die Rationalsoziolisten hatten sichvorderAbstsm- mung entfernt und demaskierten sich dadurch wieder einmal. Einstimmig angenommen wurde ferner ein s o; i a l d e m o- kratischer Antrag, in dem die Regierung aufgefordert wird, bei der Reichsregierung und im Reichsrat gegen die Roloerordnung der Regierung von Papen schärfsten Einspruch zu erheben, mit dem besonderen Ziel, die Kürzung der Unterstützungssätze bei der Arbeits- losen- und Krifenfürsorge rückgängig zu machen und alle Maß- nahmen, die eine Belastung der unteren Volksschichten mit sich bringen, zu unterbinden. Ferner soll sich die Regierung mit allen Mitteln einer weiteren Herabsetzung der Fürsorgerichtsähe wider- fetzen. Sachsens Not und Adelsregierung. Dresden. 28. Juni.(Eigenbericht.) Der Rechnungsausfchuß des Sächsischen Landtags lehnte am Dienstag mit den Stimmen der Sozialdemokraten, KPD. und Staatspartei einen zwischen Regierung und evangelischer Kirche ab- geschlossenen Vergleich über die Staatslei st ungen an die evangelisch- lutherische Landeskirche als zu un- günstig für den Staat ab. Im Haushaltsausschuß A des Landtages erklärte der Innen- und Arbeitsminister Richter bei der Beratung des Wohlfahrtshaus- lzaltsplanes, die Reichsnotverordnung vom lö. Juni fei für Sachsen e-ne katastrophale Mahnahme. Die Kürzung der Sozial- renten werde den Aufwand an Unterstützungen der Bezirksfürforge- verbände beträchtlich erhöhen, fo daß lediglich eine Verschiebung der Lasten eintrete. Allein bei der Landesversicherungsanstalt rechne man mit einer Minderausgabe für Renten von etwa 20 Millionen. Die Reichsverordnung habe die Arbeitslosen- und Krifenunter- stützungen zum großen Teil sogar unter die Sätze der Wohl- fohrtsunterstützung herabgesetzt. Die sächsischen Richtsätze sür die Wohlfahrtshilfe vertrügen keinerlei Senkung mehr. Anderer- seits komme auch keine Steigerung in Frage. Die sächsische Regie- rung habe neuerdings eine Länderbesprechung im Reichsarbeits- Ministerium über diese Frage angeregt, um das Schlimmste abzu- wenden. Schließlich teilte der sächsische Innenminister noch mit, daß das Reich entgegen früheren Jahren für Schulkinderfpeifung keine Mittel mehr zur Verfügung stelle. NeutscherNolmsischer in Genf gestorben Or. Norden Opfer eine«! llnalücks. Aus Genf wird gemeldet: Das Mitglied der deutschen Delegation auf der Abrüstungskonferenz, Dr. Fritz Rorden, der am Sonntag auf einem Spazier- gang von einem Motorrodfahrer angefahren wurde, ist gestern feinen schweren Verletzungen erlegen. Dr. lliorden, der Mitglied der Sozioldeinokratl- scheu Parte! war, arbeitete seit sechs Jahren als Wissenschaft- licher Hilfsarbeiter im Auswärtigen Amt und hat fast an sämtlichen Konserenzen der Nachkriegszeit als Dolmetscher der Reichs- regierung mitgewirkt. Er war ein h e r v o r r a g e n d e r I u r i st, als der beste deutsche Kenner des französischen und namentlich des belgischen Rechts allgemein anerkannt. Als Sohn deutscher Eltern war er in Belgien aufgewachsen, daher sein« besonderen Sprach, und Spezialkenntnisse. 4 CirOilt jeden, der die drei Pfeile der Eisernen Front trägt, mit dem Gruße aller Freiheitsfreunde! Grüßt ihn mit dem Zeichen der erhobenen Faust und mit dem Kampfruf der Republikaner: „FREIHEITI" mammmmmmmmmm—mmmmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Massenkundgebung in Breslau. Lobe und Hoegner sprechen vor Künszehntausend. Breslau, 28. Juni.(Eigenbericht.) Die Riesenkundgebungen der Eisernen Front m Breslau steigern sich in ihrer Wucht. Als am Dienstag abend Paul L ö b e und. Staatsanwalt Dr. 5? o e g n e r- München im Messehof sprachen, waren etwa 15 000 Menschen anwesend. Der Terror der Bürgerkriegstruppen des Fememörders Heines hat also erfreulicherweise inzwischen weitere Tauseirde von Bewohnern der schlesischen Hauptstadt zur politischen Besinnung gebracht. Genosse Dr. H o e g n e r kennzeichnet« das Kabinett von Papen als den Versuch, der durch das Volksurteil vom 9. November 1918 aus ihrer Macht gejagten preußischen Adelskaste, dem ihnen ver- haßten Volksstaat und der von ihm ausgebauten Sozialpolitik den Garaus zu machen. Die Herren in der Wilheimstraße würden je- doch sehr bald bemerken, daß der deutsche Arbeiter nicht das Last- tier sei, dem man alles aufbürden könne. Zum Konflikt zwischen Layern und der Reichsregierung erklärte Genosse Dr. Hoegner unter tosendem Beifall, daß die Drohuugen des Reichsinnenministers den Bayern nicht im geringsten imponieren könnten. Man würde den Reichskommissar gern nach München kommen lassen, wenn er etwa das Schuhplattlern und Schnadahüpfeln erlernen wolle. Man werde ihm aber, falls er oerfassungs mäßige Rechte antasten würde, zeigen, wo der bayerische Zimmermann da» Loch gelassen habe. Di» bayerische Sozialdemokratie beabsichtige, die Münchener Regierung so lange zu unterstützen, wie sie die Weimarer Verfassung achte und treu zum Reiche stehe. Genosse Paul Lobe, von der Breslauer Arbeiterschaft jubelnd degrüßt, betonte, die Zeit der bloßen Verteidigung sei vor- bei, es gelte jetzt, den Gegner in die Zangen der Eisernen Front zu nehmen. Genosse Lobe schloß: So lange noch ein einziger Reichs- bannermonn die geballte Faust zum Himmel reckt, ist die deutsch« Freiheit nicht verloren! Unmittelbar nach der Kundgebung der Eisernen Front im Messe- hos wurde am Dienstagabend gegen 22 Uhr in den Anlagen an der Paßbrücke in Breslau ein Reichsbannermann von drei Männern, deren politische Zugehörigkeit noch nicht ermittelt werden konnte, überfallen. Der Reichsbannerkamerad erhielt während der sich entspinnenden Schlägerei einen Stich in die Hand. Zehn Personen wurden festgenommen. Bauernausruhr bei Versteigerung. Sturm auf Nathaus.- Fünf Schußverletzte. Pforzheim. 28. Juni. Zu einem regelrechten Dauernausruhr kam es im Laufe des Montag in der Gemeinde Göbrichen, als bei einem Landwirt eine Zwangsversteigerung vorgenommen werden sollte. Da die auf mehrere hundert angewachsene Menge gegen den Gerichts- Vollzieher eine drohende Haltung einnahm, wurde das Pforzheimer Uebersallkommondo herbeigerufen, das den Landwirt, dessen Sohn und einig« Demonstranten verhaftete. Aus das Gerücht hin, daß die Verhasteten nach Pforzheim ge- bracht werden sollten, rotteten sich gegen Abend große Menschen- mengen vor dcin Rathaus zusammen und versuchten, das Gebäude zu stürmen. Ein um 9 Uhr eintreffender Bereitschaftswagen der Pforzheimer Polizei wurde mit Steinen und Holzstücken beworfen. Es kam zu einem regelrechten Stusm auf das Rathausgebäude, wo- bei die Fensterscheiben und Dachziegel zertrümmert wurden. Die Polizei war gegen die Menge machtlos und mußte wieder zurück- gezogen werden. Ein um 10 Uhr abends eintreffendes starkes Schutzpolizei- ausgebot wurde am Ortseingang, der von den Dorfbewohnern verbarrikadiert worden war, mit einem Hagel von Steinen und Brettern empfangen. Plötzlich fielen auch Schüsse. Die Be- amten machten gleichsaU« von der Schußwaffe Gebrauch, wobei ein Landwirt und vier weiter« Personen, darunter eine ältere Frau, verwundet wurden Auch mehrere Polizeibeamte wurden durch Steinwürse verletzt. Schließlich konnte die Polizei die Straße räumen, woraus die Beamten die Verhasteten mitnahmen und in rascher Fahrt das Dorf verließen. Janhagel demonstriert. Propaganda gegen Versailles? Wer am Dienstag abend gegen 7� Uhr an der Ecke Unter den Linden und Friedrichstrotze stand, und es waren, wie immer an dieser Stelle und um diese Zeit, zahlreiche Aus- länder im Publikum, der wurde Zeuge beschämender V o r g ä n g e, die sich im Anschluß an die nationalsozia- listische Lustgarten-Demonstration gegen Versailles abspielten, Eine mehrtausendköpfige Menge von meist jugendlichen Demonstranten, nur zum geringen Teil Studenten, größten- teils ausgesprochen nationalsoziali st ischer Jan- Hagel, viele davon in Notvcrordmmgsjacken und mit Vräuten, durchbrach gröhlend und johlend die Bannmeile und versuchte, gegen den Pariser Platz vorzudringen, Ihre Absicht war anscheinend, vor der französischen Botschaft zu randalieren. Die zunächst überrumpelten Polizeitetten mußten etliche hundert Demonstranten über die Friedrichstraße hin- aus vordringen lassen und vermochten erst nach und nach die Linden abzuriegeln und zu säubern. Besonders renitente Krakeeler, die der Polizei Widerstand leisteten, machten mit dem Gummiknüppel Bekanntschaft. mehrere wurden verhaftet und von ihren Gesinnungsgenossen beim Abtransport nach dem Alexanderplatz mit dem Hitler- Gruß stürmisch gefeiert. Die angebliche Propagandakund- gebung gegen Versailles artete schließlich in einer bewußten Auflehnung gegen das Bannmeilengesetz und in einer niedrigen antisemitischen Radauhetze aus, Heute wird die gesamte Rechtspresse Entrüstung darüber markieren, daß die Polizei gegen das„nationale" Berlin mit dem Gummiknüppel vorgegangen ist. Hätten Kommunisten in ähnlicher Zahl und mit gleicher Radaulust die Bannmeile durchbrochen, dann würden die gleichen Blätter bemängeln, daß zur Wahrung der Staatsautorität nicht einfach in die Menge hineingeschossen worden sei. Mit dem Kampf gegen das Friedensdiktat von Versailles haben solche Vorgänge, bei denen lumpenproletarische Elemente tonangebend sind, die noch vor Jahresfrist„Rot Front!" hochleben ließen und jetzt„Heil Hitler!" gröhlen, nicht das mindeste zu tun. Sie wirken auf jeden anständigen Menschen, und wohl nicht zuletzt auf die zahlreichen ausländ!- schen Zeugen, nur ekelerregend und bestimmt nicht im Sinne einer Unterstützung der deutschen Revisions- bestrebungen. Wir hätten nur gewünscht, daß Herr von G a y l selber Zeuge dieser Vorgänge gewesen wäre. Dann würde auch er zu der Ueberzeugung gelangt sein, daß die nationalsozialistische Bewegung auf die von ihren Führern so oft beschworene Legalität pfeift und daß die übelsten Elemente, in Uni- formen gesteckt und auf die Straße losgelassen, es fertig bringen, sogar nationale Belange durch ihr Auftreten zu kompromittieren. Daß auf der eigentlichen Kundgebung der Nationalsozia- list A l f r e d R o s e n b e r g das große Wort führen und in seiner Rede über den toten HermannMüller verächtlich sprechen durste, paßt sehr gut zum übrigen Bild. Er meinte, daß die Unterzeichner des Vertrages von der politischen Bühne hätten verschwinden müssen, statt dessen sei einer später noch zum Reichskanzler ernannt worden. Wer ist der Landesverräter, der ihn dazu ernannt hat? Hieß der nicht Reichspräsident von Hindenburg? Herr von G a r> l kann auf seine Schützlinge stolz sein. Heute soll die neue Notverordnung erscheinen, die die süd- deutschen Länder zwingen joll, die Nationalsozialisten in Uni- form demonstrieren zu lassen. Die Szenen von gestern abend waren das würdige Vorspiel dazu. Wenn die sozialdemokra- tischen Arbeiter zu vielen Hunderttausenden im Lustgarten demonstrieren, dann achten sie die Gesetze, achten sie die Be- dingungen, unter denen ihre Demonstration zugelassen worden ist. Wenn aber ein paar tausend nationalistische Schreihälse die Erlaubnis zu einer Kundgebung erhalten, dann miß- brauchen sie diese Erlaubnis sofort zu einer Durchbrechung der gesetzlichen Bestimmungen und zur Störung der öffent- lichen Ruhe und Ordnung. Für diese Elemente setzt sich die Reichsregierung ein. Diese Elemente unterstützt sie im Kampfe gegen die Polizei- gewalt der Länderl Gbardoloiios Bomben. Tarchianis klares Alibi. Locarno, 27. Juni.(Eigenbericht.) Die Hauptausbeute der Prozesse vor dem Ausnahmegericht in Rom ist diesmal nicht Hinrichtung und Zuchthaus, sondern die angebliche Uebersührung der Persönlichkeiten der antifaschistischen Kon- zentration, zu Bombenattentaten angestiftet zu haben. Der Anarchist Sbardolotto, der erschossen worden ist, ohne«ine Zeile hinterlassen und ein Wort mit einem Menschen gewechselt zu haben, hat vor Gericht ausgesagt, er hätte die B o m b e n am 4. November in Paris dem Rechtsanwalt T a r ch i a n i, früheren ersten politischen Redakteur des Mailänder„Corriere della Sera", am Bahnhof zu- rückgegeben. Es liegt uns fern, dem Mann, der sterben mußte, ohne ein Wort sagen zu können über das, was in der geheimen Borunter- suchung geschehen ist, den Vorwurf der Lüge zu machen: man mag ihm Bilder gezeigt haben, durch die er den Mann der Bomben als Tarchiani identifizierte, oder man mag ihm anderes angetan haben, was jedes Denken und Identifizieren aufhebt. Sicher ist, daß seine Aussage falsch ist. Tarchiani selbst schreibt uns darüber wie folgt: „Den Prozeßberichten der faschistischen Zeitungen mit den angeb- lichen Enthüllungen Sbardolottos bin ich in der Lage, ein unwider- legbares Alibi entgegenzusetzen, soweit mein Name genannt wird. In der Voruntersuchung und während der Hauptoerhandlung hat Sbardolotto erklärt, er hätte am 4. November 1NZ1 aus der Gare du Nord in Paris mir die von Rom zurückgebrachten Bomben über- geben. Die Zeitungen bringen eine halbe Spalte über die Einzel- heiten dieser Ilebergabe. Ich bin nun in'der Lage, durch Zeugen und durch tägliche Briefe mit den Poststempeln zu beweisen, daß ich v o m 2 8. Oktober bis zum 2 7. November 198! beständig in Deutschland war(Frankfurt, Berlin. Nürnberg, München und dann im Gefängnis in Konstanz), um den zweiten Flug B a s s a n e s i s vorzubereiten. Wie kann man also behaupten, daß Sbardolotto mir durch Can- tarelli nach Paris hätte schreiben lassen und mich am 4. November auf dem Pariser Nordbahnhos getroffen hätte? Es liegt auf der Hand, daß ich nicht allen angeblichen Eni- hiillungen aus Rom, die sich auf unbewiesene Behauptungen stützen, ein solches sachlich dokumentiertes Dementi entgegenstellen kann. Aber was bleibt von der Konitruktion der faschistisäien Polizei und de? Ausnahmegerichts übrig, wenn sich ein so grundlegender Umstand durch ein derart unumstößliches Alibi umstoßen läßt? gez. Alberto Tarchiani." Geschichte eines Dompteurs. „Ich lasse euch jetzt aus dem Käfig, meine Tiere, aber natürlich erwarte ich, daß ihr euch ganz gesittet und dressiert benehmen werdet." „Herr Dompteur, sperren Sie diese Bestien wieder ein! Sehen Sie nicht, wie sie die Menschen anfallen." „Noch halte ich den Zeitpunkt nicht für gekommen." Etat vor dem Reichsrat. Verkündung durch Notverordnung.— Brecht antwortet Herriot. Der Reichsrat erledigte in seiner Plenarsitzung am Mittwoch den Reichshaushaltsplan für 1332. Gcneralberichterstatter Ministerialdirektor Dr. Brecht wies darauf hin. daß der Fehl- betrag aller Lorjahrc jetzt mil insgesamt lbüsi Millionen Mark in einer Summe ausgewiesen werde. Diese Entwicklung der Fehl- betrage brauche in einer solchen Krisenzeit nicht zu«r- schrecken, falls für die Zukunft eine gesunde Entwicklung gesichert wäre. Das sei aber leider trotz aller Ersparnismaßnahmen noch nicht der Fall. Die fundierte Reichsschuld habe am Zt. März tgZZ 10.4 Mil. llarden Mark betragen einschließlich der 287 Millionen Schah- onweisungen für die Sanierung der Banken. Das sei trotzdem nur ZZ Millionen Mark mehr" als im Vorjahr, hinzu kämen noch rund 1,7 Milliarden schwebende Schulden, so daß die Reichsschulden zusammen 12.1 Milliarden Mark betragen hallen. Weiter» groß« Schulden in Milliordenhöh« habe da? Reich außerdem an die Länder, namentlich infolge der slebernahm« der Eisenbahnen. Bei der schweren Lage der von den Reserven entblößten Länder hätten die Reichsratsausschüsse in das Haushaltsgsjetz die Bestirn- mung gebracht, daß 73 Millionen Mark Vorzugsaktien auf die für die Üebcrtragung der Eisenbahnen zu entschädigenden Länder oer- teilt werden sollten. Die vom Reich übernommenen Bürgschaften beliesen sich auf 1,5 Milliarde,, Mark vder rund 883 Millionen mehr als im Oktober 1333. Die Dermchruiig entfalle mit rund 3 53 Millionen auf die Bankenaaranticn, 375 Millionen auf Exportaarantien, insbesondere Rußlandgeschäste, und 100 Millionen aus umichuldungsgarantien. Die tatsächlich« Inanspruchnahme aus den Bürgschaften habe seit 1927 ins» gesamt 73 Millionen betragen, davon 33 Millionen für Winzer- kredile und 15 Millionen für RoggenstützungskSufe-, sie s« für Exportkredit« nur geringfügig gewesen. Der Eeneralberichterstatter flocht dann namens des Reichs- raies eine Antwort an den französische,, Ministerpräsidenten Herriot mit folgenden Worten ein: Im Ausland begegnet man oft der Borstellung, die auch in Lausanne beredte,, Ausrduck gefunden hat, daß unsere inneren Schulden, weil sie«rheblich geringer seien als die Englands und Frankreichs, uns eine Vorzugsstellung im internationalen Wettbewerb einräumen kpnnten. Das ist leider ein Irrtum. Unsere inneren Kriegs- und Vorkriegsichuldcn waren ebenso hoch oder höher als die Englands und Frankreichs. weil mehr als 100 Milliarden Goldmark solcher Schulden sind durch die Znslaiion und minimale Ausweriung niedergeschlagen worden. Glaubt denn irgend jemand in der Welt, daß ein Staat oder Volk durch einen solchen Borgang den lieben Gott um die Kriegskosten betrügen könnte? Dadurch ist zwar das Reich als Schuldner e n t l a st e t, aber in genau demselben Maße die Bevölkerung finanziell verarmt. Diese Verarmung geht leider noch erheblich über die unmittelbare sinonzielle Wirkung hinaus, weil sie andere Werte mitgerissen hat. Denn alle großen Objekte, die keinen internationalen Markt haben, namentlich Grundstücke, sind infolge der Verarmung und Kapilalnot nur nock zu geringen Preisen oerkäuflich, also entwertet. Ein beträchtlicher u.eil der Zinslast kehrt außerdem in Form gesteigerter'Wohlsahrtslasten wieder. In Deutschland ist daher vielfach die umgekehrte Ansicht verbreitet, daß wir bessere Wettbewerber wären, wenn wir unsere inneren Schulden weniger rücksichtslos gestrichen hätten. Ausführlich erörtert Dr. Brecht dann den Umfang der Erspar- nisse im Etat. Nur der kleinere Teil von den Ersparnissen entfall« auf die Reparanoncn. Auch ohne Reparationen würden die Ausgaben 1932 gegen 1933 und 1928 noch um 23 Proz. gesenkt. Die gesamten Neltoausgaben des Reiches umfaßten 1932 rund 8,173 Milliarden, von denen 1.873 Milliarden auf die Ausgaben für die Liquidation des Krieges entfielen, weilere 1,347 Milliarden verteilten sich auf den S ch u l d e n d i e» st und die Ausgaben der Finonzoerwaltung einschließlich der Per- sorgung. wobei die legieren Ausgaben mit 405 Millionen eingesetzt seien. Für Reich und Länder verblieben danach 4,953 Milliarden. Ucberweisungen an die Länder und Gemeinden seien in Höhe von 2,961 Milliarden vorgesehen, einschließlich 652 Millionen für Wohl- fahrtsbeihilfen. 1933 wurden noch 3,246 Milliarden, 1928 sogar 3,623 Milliarden an die Länder und Gemeinden überwiesen. Für die engeren Sachaufgaben des Reiches verblieben mithin 1.995 Milliarden. Damit"bleibe dem Reich für seine engeren Auegaben zusammen weniger als Frankreich, England oder Amerika jedes allein für ihre Wehrmacht ausgeben. Wesentlich schiimmer hätten sich noch die Einnahmen der Länder und Gemeinden entwickelt. Die Steuerüberweisungen des Reich? an Preußen seien beispielsweise für 1332 gegen 1330 und 1328 um fast 43 Proz. gesunken. Entsprechend liege es bei allen Ländern. Der Rcichsrat sei nicht in der Lage gewesen, über die Bestimmungen zur Gestaltung der Einnahmen zu beschließen, weil bereits erlassene Ausnahmeverordnungen vorlagen. Die Stcucrschätzungen des Reiches bei der Umsatzsteuer seien für di« letzten 233 Millionen äußer st zweifelhaft: aqch bei der Lohnsteuer und anderen verdienten die Schätzungen ein Fragezeichen. Angesicht» der entscheidenden Rolle, die im Gesamtbild« der össenllichen Finanzen die Unterstützung der Arbeitslosen spiele. habe Preußen folgenden Antrag gestellt: „Durch Senkung der Unterstützungssätze kann eine entscheidende Verminderung dieser hohen Ausgaben nicht erzielt werden, ganz abgesthen von der Frage, ob die bisher verordneten Herab- legungen erträglich sind. Die Reichsregierung wird daher ersucht:). umgehend die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um eine ander« Verteilung her vorhandenen. Arbeit durch Kürzung der Arbeitszeit unter Rückführung der Arbeitslosen auf die dadurch sreiwerdenden Arbeitsplätze herbeizuführen und dabei die erforderlichen?lusnahlnen besonderen Richtlinien und im einzelnen Falle der ortlichen Stelle vorzubehalten: 2. die dadurch freiwerdenden Mittel zur zusätzlichenArbeitsbeschaffung, insbesondere auf dem Gebiete der Siedlung, zur Rückgängigmachung besonders harter Kürzungen und zur Senkung von überhöhten Abgaben zu verwenden, soweit der Zlusgleich des Haushalts dies zuläßt." Die Aussprache konnle mit Rücksicht auf die Kürze der Zeit nicht zu einem Ergebnis geführt werden. Preußen habe sich datier damit begnügt, den Antrag als Material zu überreichen. Zur Osthilfe führte der Generalberichlerflatter aus, daß die Reichsregierung geglaubt habe, die Vorschriften des Osthilfe- geietzes nicht durchführen zu können. Die Reichsratsaus- sei) st s s e hatten beschlossen, die Ansätze für die Ostsiedlung um 12 Millionen, für Lastenerleichterung und izrachtenerleichterung um je eine Million, für sonstige Maßnahmen um je drei Millionen, ferner für den Westfonds um zwei Millionen zu erhöhen. Der Staatssekretär im Reichsfinanzmimsteriiini Z a rd e n gab darauf namens der Reichsregierung folgende Erklärung ab: Der Etat war zum größten Teil von der früheren Reichsregierung dem Reichsrat zugeleitet worden. Die jetzige Reichsregierung hat die wenigen Einjeletats, die noch fehlten, darunter insbesondere den der allgemeinen Finanzoerwaltung, unter Berücksichtigung der Be- stimmungen der Notoerordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni nachgereicht. Sie dankt dem Reichsrat für die schnelle Vcr- abschiedung des Etats.» Da die bisherige vorläufige Regelung am 30. Zum abläuft und eine Verabschiedung durch den neuen Reichstag erst in Rionaien möglich wäre, wird ihn die Reichsregierung vorbehaltlich der Feststellung als Gesetz jetzt als Plan durch Rotverordnung in Krost sehen. Dabei behält sie sich die Stellungnahme zu den einzelnen im Reichs- rat beschlossenen Änderungen vor, wird aber, soweit es möglich ist, den Wünschen des Reichsrats Rechnung tragen. Mit dem Etat find die Arbeiten, die die frühere Reichsregierung eingeleitet und die jetzig» Regierung zur Ausrechterhaltung einer geordneten Finanz- und Kassenwirtschast durchzuführen hatte, im wesentlichen zum Ab- schluß gebracht worden. Die Reichsregierung wird sich nun- mehr den organisatorischen Aufgaben, die sie sich gestellt hat, und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuwenden. Sobald die deutsch« Delegation aus Lausanne zurückgekehrt ist, wird die Reichsregierung in entscheidende Beratungen über die gesamte Materie, die während der vergangen«» vierzehn Tage bereite in Angriff genommen worden ist, eintreten und die entsprechenden Maßnahmen"bekanntgeben. Da aus der Mitte des Rcichsrats keinerlei Wortmeldungen vor- lagen, wurde der R e i ch s e t a t ohne weitere Abstimmung als vom Reichsrat angenommen sestgestellt. Aemterwahl in Mecklenburg. Sozialdemokratischer Bürgermeister wiedergewählt. Malchow i. M.. 27. Juni.(Eigenbericht.) Am Sonnlag wurde der sozialdemokratische Bürgermeister Dr. Ellinger mit 1141 Stimmen wiedergewählt: auf den Kam- mumsten entfielen 321 und aus den Nazi, dessen Kandidatur übrigens für ungültig erklärt worden war, 363 Stimmen. � Bei den Amtsratswahlen in Mecklenburg-Strelitz ist gegen die jüngste Landtaaswahl die Wahlbeteiligung»o» 87 auf 57 Proz. zu- rückgegangen. Die D e u t s ch n a t i o» a I e n aber verloren im Per- gleich zu den legten Landtagswahlen durchweg über die Hälft« ihrer Stimmen, und davon nur einen Teil an die Nazis. Das Nazi-System. Keine Sozialversicherung- Keine Gewerkschaften- Hungerlöhne und Zwangsarbeit. Die nationalsozialistischen Agitationsredner sind selten um Lugen verlegen, wenn sie in Arbeiterversammlungen aufgefordert werden, Farbe zu bekennen, was im„Dritten Reich" mit den(Bemerk- schaffen, den Tarifverträgen, der Sozialversiche- r u n g usw. geschehen soll. Von den Versprechungen, die ihre Führer, oder besser gesagt, Verführer den arbeiterfeindlichen In- dustriellen, Juntern, monarchistischen Generälen und sonstigen Vor- kriegsleuchten gegeben haben, erfahren die Naziproleten überhaupt nichts. Für die Auseinandersetzungen mit den Nazis haben diese selbst in den letzten Jahren und Monaten so guten Agitationsstoff ge- liefert, daß man ihnen nur den Spiegel vorzuhalten braucht. So heißt es zwar in dem Organisationsplan für die Be- triebszellen der NSDAP., daß der Nationalsozialismus den Gewerkschaftsgedanken an sich als einen gesunden und berechtigten Gedanken betrachte und der nationalsozialistische Wiederaufbau die Gewerkschaften als wichtige Faktoren anerkenne. Aber dieser in Broschürenform herausgegebene Organisationsplan ist n u r f ü r d i � N a z i p r o l e t e n in den Betrieben bestimmt. Der Nationalsozialist Hans Held aber schreibt in der Monatsschrift„Der Meister", die die nationalsozialistischen Arbeiter kaum lesen dürften: „Wir Nationalsozialisten zerschlagen euch die Organisation der Arbeiterschaft. Wir zerschlagen euch die lvewcrkschaften. Tarum müßt ihr Unternehmer und l�rostkapitalisten uns das Necht geben, in unserer Agitation uns dem Geiste der Arbeiterschaft anzupassen. Wenn wir von der Verstaatlichung des Grund und Bodens reden, so meinen wir daS nicht so. Wenn wir gegen das Kapital reden, so brauchen wir dieses Propaganda mittel, um die Leute an uns heranzuziehen. Die Hauptsache ist, daß wir die Leute haben, damit sie auS dem Marxismus gelöst werden!" Wenn auch nicht so grobschlächtig, so doch aber nicht minder deutlich erklärte der nationalsozialistische Reichsbetriebs- z e l l e n l e i t e r, der Reichstagsabgeordnete der NSDAP. S ch u- mann im nationalsozialistischen„Arbeitertum" vom\5. September 1931: „Es ist selbstverständlich, daß die freien Gewerkschaften als eifrige Verfechter des Klassenkampsgedankens von uns glatt ab- gelehnt werden."' Die Beschränkung dieser Erklärung auf die freien Gewerkschaften ist nur eine Maskierung des Willens zur Vernichtung aller Ge- werkschaften, denn in Erinnerung sind noch sehr deutlich die drei Fragen, die der„Deutsche" am II. Oktober 1931 an Hitler richtete und von denen die erste hieß: „Herr Hitler, haben Sic schwerindustriellen Führern die Er- klärung abgegeben, daß Sie mit Ihrer Partei gegen Gewerkschaften und Tarifverträge sind?" Aus diese Fragen bekam der„Deutsche" bekanntlich keine Ant- wort. Er wiederholte deshalb am 29. Oktober 1931 die drei Fragen und führte zur Begründung dafür noch an, daß ihm die Frage- ftellung deshalb besonders ernst sei, weil ihm von zuverlässiger Seite berichtet wurde, Hitler habe der Srhwerindustrie zugesagt, seine Partei gegen Tarifvertrag und Gewerkschaften anzusehen. Daraufhin gab nicht Hitler, sondern Gregor Straßer folgende „empörte" Antwort, die aber ein Eingeständnis ist: „Der Führer einer siegreichen Partei lehnt es ab und unser jüngstes, einfachstes Parteimitglied lehnt es ebenfalls ab, Fragen von Politikern eines abwirtschaftenden erfolglosen S y st e m s zu beantworten." lieber das Tarif- und Koalitionsrecht sowie die Lohngestaltung im Dritten Reich gibt es ebenfalls eine ganze Reihe von mehr oder minder parteiamtlichen Voraussagen. So verschickte z. B. die Reichsführerschule der Nazis unter der Dienstnummer 969/31 an die SA.-Führer die Inhaltsangabe von drei Vorträgen aus dem bisherigen Lehrgang der Reichsfllhrerschule als Hilfsmittel für die weitere Schulung der SA. In einem dieser Vorträge heißt es über die Regelung der gesamten Arbeitsverhältnisse im Dritten Reich: „Die grundsählichen Anordnungen werden auf dem Geheswege vom Staat erlassen, die Einzelheiten über Urlaub, Lohn usw. werden hier festgescht. Grundsah: Keine Tarifverträge wie heute, sondern Gxistcnz- Minimum. Aussperrung und Streik werden nicht geduldet. Tic Arbeitslosenversiche- r u n g wird nicht auf dem Wege der heutigen Geseh- gebung ausgeführt. Die Einsparungen hierfür erfolgen auf ein persönliches Konto. Dies steht dem einzelnen zur Verfügung bei Krankheit, bei Niederkunft der Frau, bei Ansiedlung." Dieser Vortragsinhalt deckt sich auch vollkommen mit den Aus- führungen des Hauptmanns Dr. Otto Wagner,„Wirtfchaftssach- verständiger" der NSDAP., aus einer Unternehmertagung am 7. November 1931 in Düsseldorf. Wagner sprach hier von dem „Sozialismus" der Nazis, der von jedem Wirtschaftler angenommen werden könne. Er redete weiter von der Notwendigkeit der Arbeitsdienstpflicht, damit der Jugend wieder einmal bei- gebracht wird,„daß es noch ein Oben und ein Unten g i b t." Nach weiteren Ausführungen, in denen er die grundfätz- liche Gegnerschaft der Nazis gegen die Sozial- Versicherung usw. betonte, erklärte Dr. Otto Wagner wörtlich: „Wir Nationalsozialisten sind keineswegs Anhänger des heutigen larifsyftems." Ganz deutlich wurde das Düsseldorfer Naziblatt„Die Volks- parole", als es am 22. Mai 1931 schrieb: „Die Frage:„Tarifverträge im Tritten Reich" dürfte also insofern beantwortet sein, als wir d i e Tarifverträge als schädliches Produkt einer nicht im Fnteresse der Volksgesamtheit liegenden Zwiespältigkeit grundsählich ablehnen... Für Löhne und Gehälter wird nur ein einziger Tarif fest- gescht, der das Existenzminimum bezeichnet. Dieses Existenzminimum ist so niedrig festzusehe«» das, hierüber ein möglichst großer Raum für die Eni- Wicklung des Leistungslohnes zur Verfügung steht." Und daß es gegen eine derartige Festsetzung von Hungerlöhnen kein Ausbegehren geben darf, wird in der gleichen Ausgabe dieses Hitler-Blattcs mit folgenden Worten bestätigt: „Die gewaltsame Erzwingung einer Forderung, mag sie be- rechtigt sein oder nicht, durch passive Resistenz, Streik oder andere gewaltsame Maßnahmen widerspricht den Interessen der Volksgesamtheit und zerstört den Staat. Sie ist deshalb im n a t i o- nalsozialistischen Staat nicht gestattet und wird gerichtlich b e st r a f t." Diese Aeußerungen eröffnen für die Arbeiterschaft im„Dritten Reich" jedenfalls ganz andere Perspektiven als die Beteuerungen und demagogischen Verrenkungen der Naziredner in den Versamm- lungen der Arbeiterschaft, die ihnen zum Stimmenfang dienen sollen. Ihr Wohlfahrtsstaat! Geschäft mit dem Hunger. Es spricht Bände, wenn ausgerechnet ein Blatt wie die„Deutsche Bergwerkszeitung", das Organ der Grubenbarone, jetzt bereits einen förmlichen Alarmartikel unter der Ueberschrift„M obilmachung für den Winter" losläßt. Dieselben Herrschaften, die den Abbau des Wohlfahrtsstaates»ordern, die kein Wort des Protestes gegen die Ueberfteigerung der Notverordnungspolitik in der Arbeitslosen- frage gesunden haben, schildern mit fast tränenerstickter Stimme jetzt bereits die Not des kommenden Winters. „Die Unterstützungssätze", so sagt das Organ der Zechenbarone, „haben in allen drei Sparten der Arbeitslosenhilfe eine der- artige Tiefe erreicht, daß man mit offizieller Erlaubnis von Elendssätzen sprechen kann. Im Sommer mögen die durch diese Kürzungen bedingten Entbehrungen und Nöte noch einiger- maßen crtragbar sein: der Winter muß sie außerordentlich ver- schärfen." Im vergangenen Winter habe eine großzügige private Initiative eingegriffen, um die schwere Not der arbeitslosen Be- völkerungskreise zu lindern. Angesichts der Verschlechterung der Lage reiche jedoch eine solche rein private Initiative zur Unter- stützung der Arbeitslosen im bevorstehenden Winter nicht mehr aus. Um so dringender werde damit die Pflicht des Reiches und aller geeigneten Behörden, rechtzeitig eine Art Mobilmachung unter weitest gebender Einschaltung der privaten Initiative gegen die Not des bevorstehenden Winters durchzuführen. In der Hauptsache werde es darauf ankommen, den notleidenden Arbeitslosenfamilien einen verbilligten Bezug von Kohle. Kartoffeln und Mehl zu vermitteln. Eine zusätzliche Finanzierung der Hilfsleistungen aus öffentlichen Mitteln soll jedoch nach dem Vorschlag des Grubenorgans nicht in Frage kommen. Infolgedessen müsse sich das Reich rechtzeitig mit den Produzenten- und Handels- k r e l s e n für die wichtigsten Bedarfsartikel der Arbeitslosen in Verbindung setzen, um auf anderem Weg eine wirksame Unter- stützung der Arbeitslosen sicherzustellen, sei es, daß man gestatte, einen Teilder Steuern und Abgaben in Naturalien zu leisten, oder daß sich andere Möglichkeiten bieten, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Also keine„zusätzliche Finanzierung aus öffentlichen Mitteln". Diese sind nur de» Flick und anderen Großverdienern, den Trust- Magnaten und Ostjunkern zu reservieren. Für Proleten keinen Wohlfahrtsstaat! Diesen die„private I n i- tiative" von Wohltätigkeitsvereinen. Man liefere ihnen statt der Unterstützung Kartoffeln, Kohle und Mehl. Was braucht so ein Prolete mehr? Aber der Staat soll beileibe sich nicht einmischen, sondern sich dieserhalb mit den„Produzenten und Handelskreisen" in Verbin- dung setzen, die noch nie verschmäht haben, auch an den Aermsten Geld zu oerdienen. Und außerdem könnten die Zechendesiger noch einen Extragewinn dabei machen: der Staat bekommt keine Steuern und sie werden ihre Kohlenoorräte los. Und da man die Schweine- zucht einschränken will, um die Preis« hochzuhalten, was soll mit den vielen Futterkartoffeln werden, wenn die private„Wohl- tätigkeit" sich nicht der Arbeitslosen annehmen würde? Aber schnell, nur schnell! Zwar steht nicht der Winter vor der Tür, aber bis zu den Wahlen sind es nur noch etwas über vier Wochen. Und die könnten sehr wohl das Geschäft vermasseln. Für die Einheitsfront. Kommunistische Arbeiter für ehrlichen Kampf. In einer von 300 Arbeitern und Angestellten besuchten Beleg- schaftsversammlung der Nationalregistrierkassen-Ge- sc lisch oft sprach gestern abend Genosse Künstler über das Thema„Reichstagswahl und Einheitsfront". In eineinhalbftündigen Darlegungen schilderte Künstler die politische Situation und die gegenwärtigen Aufgaben der Arbeiterklasse. Besonderes Interesse fanden seine Ausführungen über die Frage der Einheitsfront. In der Diskussion nahmen auch Kommunisten das Wart. Eine von den Kommunisten vorgelegte Entschließung zur Einheits- front mit der Forderung nach einem sofortigen 24stündi- gen General st reik wurde gegen die Stimme des Antrag- stellers abgelehnt. Gegen eine Stimme fand die vom Ge- nassen Künstler vorgelegte Entschließung Annahme: „Die Belegschaft der Firma Nationalregistrierkassen Neukölln fordert von allen Arbeiterorganisationen eine ehrliche Ein- heits front des Proletariats. Sie erkennt die Grundlage ge- geben in den beiden Fragen des Kollegen Künstler vom 14. Juni und erwartet eine baldige bejahende Antwort durch die KPD." Auch Kommunisten stimmten für diese Entschließung. Immer mehr setzt sich bei allen sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeitern die Ausfassung durch, daß die wirkliche Einheitsfront nur geschaffen werden kann, wenn sofort alle gegenseitigen Angriffe unterbleiben. Die Thesen Thälmanns vom 25. Juni fanden in der Versammlung keine Gegenliebe. Konsiikt bei der Salamander A.-G. Reparaturbedürftige Reparaturwerkstatt. Die bekannte Schuhfabrik Salamander A.- G., die in Kornwest heim ihren Hauptbetrieb hat und unter anderm in Berlin zahlreiche Verkaufsstellen besitzt, hat seit einigen Monaten in Berlin eine Reparat urwerk st att eröffnet, in der gegen- wärtig etwa hundert Personen beschäftigt sind. Der Zentral- verband der Schuhmacher befindet sich augenblicklich in Unterhandlungen, um in diesem immerhin bedeutenden Betrieb ge- regelte Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu schaffen. Mit Recht wird von der Arbeiterschaft über das U e b e r- stunden Unwesen geklagt, das auch mit den gesetzlichen Be- stimmungen nicht in Einklang gebracht werden kann. Auch in der Behandlung des Personals scheint manches verbesierungs- bedürftig zu sein Der Betriebsleiter, der sich gern seines Christen- tums rühmt, geht mit dem Personal nicht gerade sehr christlich um. Es ist von der Direktion wohl Abhilfe zugesagt worden, bisher hat sich jedoch nichts an den kritisierten Zuständen gebessert. Diese höchst reparaturbedürftigen Zustände der Reparatur- Werkstatt der Salamander A.-G. würden wahrscheinlich nicht so ein- gerissen sein, wenn die Belegschaft es zum großen Teil nicht bis vor kurzem versäumt hätte, sich auch ihrer Organisation, dem Zentraloerband der �Schuhmacher, anzuschließen. Seit einiger Zeit ist jedoch in diesem'Punkt eine Wendung eingetreten, so daß mit der wachsenden organisatorischen Stärke der Druck, den die Ge- werkschast auszuüben vermag, sich gleichfalls verstärken wird. Zeniralverband der Schuhmacher tagt. Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann. In Mainz ist der 24. ordentliche Verbandstag des Zentralverbandes der Schuhmacher zusammengetreten. Im Mittelpunkt seiner Beratungen steht wie zur Zeit fast allen Ge- werkschaften u. a. auch die Beitrags- und Unter st ützungs- frage. Auf der einen Seite unerhörte Einkommensver- Minderung durch Kurzarbeit oder teilweise Arbeitslosigkeit, auf der andern Seite die Notwendigkeit der Hilfeleistung für die Mitglieder. Dem begreiflichen Rur nach Erleichterung im Bei- tragswcsen steht die Frage gegenüber, wie weit der Verband gehen darf, um beides: feine Kampfkraft und feine Unter- ftützungsfähigkeit nicht zu erschütter». Der Zentralverband der Schuhmacher hat sich in den Krisenjahren gut gehalten. Die Vermögensbildung des Verbandes ist g ü n st i g. 1925 hatte er 1 Million Mark Vermögen, 1931 betrug die Vermögenssumme, die Rücklagen für die Jnvalidenunterstützung eingeschlossen, 4400000 M. oder 74,10 M. auf den Kopf. Im Jahre 1931 wurden ausgegeben an Unter- ft ü tz u n g e n 1 16 8 0 0 0 M. Die finanzielle Führung der Or- ganisation kann sich also auch im Vergleich mit anderen Verbänden sehr wohl sehen lassen. Ein vorgetäuschter Sieg. Die„Rote Fahne" vom Dienstag veröffentlicht einen angeblich eigenen Drahtbericht aus Düsseldorf, wonach bei den U r- wählen zum Verbandstag des Deutschen Metallarbeiter-Verbandes die„Opposition" 480, die„Reformisten" 226 Stimmen erhalten hätten. Allerdings sei dieses erst das Ergebnis aus zehn von 14 Wahllokalen. Wie uns vom Deutschen Metallarbeiter-Verband mitgeteilt wird, ist das Ergebnis der Wahl der Delegierten zum Verbandstag in Düsseldorf folgendes: Sozialdemokratische Freigewerkschafter 662 Stimmen, kommunistische„Opposition" 517. Zu bemerken ist noch, daß die Stimmen der kommunistischen„Opposition" deshalb u n- gültig sind, weil die Kommunisten bei der Aufstellung der Kandidaten in der Generalversammlung v o l l st ä n d l g a b f i e l e n. Es gibt also nur eine Kandidatenliste und es gibt vor allen Dingen keinen Sieg der kommunistischen„Opposition". Einheltslohn der Klempner und Rohrleger. Erfolgreicher Kampf des Metallarbeiterverbandes. Der Tarifftreit der Berliner Bauklempner sowie der Gas- und Wasserrohrleger der Jnnungsb et riebe ist jetzt endgültig beigelegt. Nachdem eine Streikverfamm- lung der Klempner ihre Zustimmung zu dem Verhandlungsergebnis gegeben, das im wesentlichen den Forderungen der Streikenden cnt- sprach, hat jetzt auch eine Vollversammlung der Mitglieder der Ber- liner Klempner- und Jnstallateurinnung dem Verhandlungsergebnis ihre Zustimmung gegeben. Die Arbeit ist daraufhin zum größten Teil am Dienstag wieder aufgenommen worden. Nur in wenigen Betrieben, wo aus betriebstechnischen Gründen oder wegen kleinerer Differenzen die sofortige Arbeitsaufnahme nicht möglich war, soll erst heute mit der Arbeit wieder begannen werden. Durch die Beendigung der Klempnerbewegung in den Jnnungsbetrieben find nunmehr für das gesamte Rohrleger- und Klempnergewerbe Berlins die Lohn- und Arbeitsbedingungen wieder einheitlich bis zum 31. März 1933 geregelt. Keine Gehaltskürzungen in Amerika. In den V e r e i n i g t e n Staaten hat das Repräsentanten- Haus die vom Senat angenommene Vorlage auf generelle Gehaltskürzung der Beamten von 5 Proz. abgelehnt. Annahme fand dagegen H o o v e r s Vorlage, wonach alle Beamte mit über 1000 Dollar Jahresgehalt jährlich einen Monat und monat- lich fünf Tage unbezahlten Urlaub nehmen müssen. Achtung, Bauarbeiter! Hiermit verhängen wir Uber die Firma W a l I n i g, Töpfermeister, wegen Nichtanerkennung der tarif- lichen Bestimmungen die Sperre. Die Firma Wallnig führt auf der Baustelle Holzmann, Hohenschönhausen, Töpferarbeiten aus. Deutscher Baugewerksbund, Baugewerkschaft Berlin, Fachgruppe der Töpfer. t Freie Gewerkschafts-Zugend Verlin Heute, Mittwoch, 29. Juni, um 19'<. Uhr, tagen die Gruppen: Güd- westen: Jugendheim Porckstr. 11(Fabrikgebäude).„Aus der Geschichte der Arbeiterbewegung."— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15 (Gartenhaus).„Die Frau als Kameradin. Mutter und Kämpferin."— Spandau- Neustadt: Jugendheim Lindenufer 1. Liederabend.— Nordring: Jugendheim Sonnenburger Str. 20. Toternste Kurzgeschichten.— Weißensee: Jugendheim Weißensee, Parkstr. 36.„Die FGI. in Lichtbildern."— Arnswalder Platz: Jugendheim Nastenburger Str. 14. Lustige zwei Stunden.— Neukölln: Jugend- heim Bergstr. 29«Hof). Wir berichten die Zeitungen.— Flughafen: Jugendheim Flughafenstr. 68(U-Bahn Boddinstraße). Reihenvortrag:„Die Arbeiterbewegung als Produkt des Kapitalismus."— Humboldt: Jugendheim Graun- Ecke Lortzingstraße. Signal auf Fahrt.— Schillerpark: Jugendheim Schule Schöning- strage 17.„Lohn, Preis und Profit."— Tegel: Jugendheim Teckel, Schöneberger Straße 4. Wir gehen spazieren.— Baumschulenweg: Jugendheim Baumschulen- wey, Ernststr. 16. Abendspaziergang.— Wir spiele» ab 18 Uhr: Nordtreis: Spielwiese Echillerpark. Ostkreis: Sportplätze Treptower Part, Wiese 1, und Friedrichshain, Platz Nr. 4.— Jugendgruppe des Deutschen Baugewerksbundes: Maurer: Bauabend in der Berufsschule, Grünthaler Str. 4— 5, Zimmer 33. t Zuqendciruppe des Äentraiverbandes öer Ai'aestellten Heute, Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt: Potsdam-Rowa- wes: Jugendherberge Nowawc- Bortrag:„Soll und Haben der An- gestellten im Roman und in der Wirllichteit". Referent: Heilbrunn.— Lchou» hauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienallce dl. Portrag:„Körper- kultur im Wandel der Zeiten". Reicrcnt: Wcigelt.— Nordost l: Jugendheim Danziger Str. 62(Baracke Z). Wir lernen neue Lieder unter Leitung von Fritz Wcisstock.— Reinickendorf: Aussprache:„Unsere Berbandssatzung". Leitung: Schäfer.— Stralau: Zugendheim der Schule Gotzlerstr. 6l. Vortrag:„Warum freie Kewcrlschasten?" Referent: Weisstock.— Köpenick: Zugendheim Dahlwitzer Straste lä lGasanstali am Bahnhof Köpenick).„Tagespolitische Rundschau."— Rcntölla: Jugendheim Böhmische Str. l— I, Ecke Kanner Strafte. Neuzeitliche Literatur.— Südost: Zugendheim Manteuffelstr. 7. Reu-Berliuer Abend.— Schönebcrg: Jugendheim Hauptstr. lä(Hofgeböude, Sachienzimmeri. Vortraa: „Zm Lande Mussolinis". Referent: Mocller.— Eharlottenburg: Jugendheim Spielhagenstr. t. Wir lesen aus Werken von Arbciterschriftstellern.— Spandau: Jugendheim Lindenufer 1. Vortrag:„Kunst auf Reisen",„ikrlebnisse mit einem Wandertheater". Referent: Maret.— Die Verstcheruugsaescllschast„Sorgen- frei" A.-S. tagt heute von 16—18 Uhr im Verbandshaus, Zimmer 24.— Spiele im Freien: Ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Humboldthain, Spartplatz Weißensee, Feld ä, und Sportplatz Fricdrichshain. Verantwortlich kill Politik: Victor Sch'H, Wirtfchatt:®. Klingelhöier: vcwrrkfchaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: Herbert Lepsre: Lokale, und Sonstiges: Fritz Karstadt: Anzeigen: Th. Glocke: sämtlich in Berlin Verlag: Vorwörts-Verlag G. m. b. H.. Berlin Druck: Vorwärts-Juchdruckeret und Verlagsanftalt Paul Singer u. To. Berlin SW. 68, Lüidenftraße 4 Hierzu 2 Beilagen. ( Ulr. 301* 49. Jahrgang -1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 29. Juni 1932 Nazi-Mob gegen Polizei. Radaustudenten versuchen Bannmeile zu durchbrechen 3m Lustgarten fand gestern am späten Nachmittag eine Kundgebung studentischer Korporationen gegen den v e r s a i l I e r Vertrag statt, die durch den Ausmarsch der hitlerschen S A. genügend gekennzeichnet war. An dieser Versammlung be- teiligten sich auch die Sudetendeutschcn und ähnliche Ver- bände. Während die Kundgebung selbst bis aus einige belanglose Zwischensälle ziemlich ruhig verlies, zeigten sich die nationalsoziali- stischen Radaustudenten und ihr Anhang wieder einmal von ihrer „besten Seite". Es war angeordnet worden, dah nach dem Abmarsch der studentischen Gruppen der Zug am Platz der Oper aufgelöst werden sollte. Die Menge kümmerte sich um die polizeilichen Anordnungen, offenbar noch ausgewiegelt durch verantwortungslose Elemente, überhaupt nicht. Ein größerer Demonstrationszug drang gegen die Linden vor und durchbrach die Bannmeile. Der Polizeikordon wurde von den Krakeelern überrannt. In wenigen Minuten waren jedoch Verstärkungen zur Stelle und Schupobeamte mit Karabinern sorgten in kurzer Zeit dafür, daß die nationalsozialistischen Radau- studenten das Weite suchten. Die größten Schreier waren plötzlich verschwunden und die Zone innerhalb des verletzten Bannkreises war sehr schnell studenten- und nazirein! Wieder einmal haben sich die Radaustudenten und ihr SA.- Anhang schwere Uebergriffe gegen Schupobeamte zuschulden kommen lassen.. Mit Stöcken schlugen die meist jugendlichen studierenden Lümmels, für deren Studium das Volk durch seine Steuern hunderttausende aufbringen muß und unter denen sich bestimmt viele befinden, die später einmal als Richter und Staatsanwalt die Autorität des Staats zu wahren haben, auf die Beamten ein. Leider konnte in dem herrschenden Durcheinander nur ein Stockschläger, der einen Schupobeamten durch einen hieb über den Kopf erheblich ver- letzt hatte, fe st genommen werden. Eine Reihe von Rädels- führern und Aufwieglern wurden zwangsgestellt und der Politischen Polizei übergeben. Unisormierte Nationalsozialisten machten immer wieder den Versuch, sich zu sammeln. Von neuem ging die Polizei gegen sie vor, immer wieder trat der Gummiknüppel in Aktion, weil vielfach Widerstand geleistet wurde, und so kam es in der zu dieser Zeit ohnehin stark belebten Gegend der Innenstadt zu langondauernden Krawallen und Ruhestörungen. Die hakenkreuzler, die erst langsam vom Bahnhof Friedrichstraße nach der Weidendammbrücke zu abgedrängt werden konnten, be- grüßten die auf den Polizeilastwagen abgeführten Zwangsgestellten mit lauten Heilrufen und als Ausdruck ihrer besonderen akademischen Bildung die Polizeibeamten mit wüstem Gejohle und Geschimpfe. Allmählich glich die ganze Gegend in der Umgebung der Kreuzung der Linden- und Friedrichstraße einem Heerlager der Polizei, die angesichts der sich immer wieder erneuernden Demonstrationsversuche in der Bannmeile, zu der auch die Friedrichstraße gehört, ent- sprechende Vorkehrungen traf. Im großen und ganzen war durch das energische Eingreifen der Polizei die Ruhe bald wiederhergestellt. * Wie uns aus studentischen Kreisen mitgeteilt wird, drang ein Teil der Demonstranten, zum großen Teil Personen, die keine Ausweise hatten, sogar in die Universität ein.„Rache"-Schreie ertönten. Man scheint für heute allerhand in der Universität vor- zuhaben. Die Provokationen des nationalsozialistischen Mobs fanden kühlste Ablehnung durch die republikanische, disziplinierte Studenten- schaft._ Sie Hausen wie die Wilden. Tlaziroheit am Planufer. Wie sehr sich das Treiben der losgelassenen SA. in Berlin zu einer schlechthin unerträglichen Plage auswächst, beweist neben vielen anderen Meldungen ein Vorgang, der uns aus deni Bezirk Kreuzberg berichtet wird. Ein älterer Arbeiter hatte vor einem Lokal einen Wortwechsel. Plötzlich stürmten aus der geger.lüberliegenden Verkehrskneipe der SA., P l a n u f e r 2 6, ein Nazimann, der in der Gegend bereits seit längerer Zeit als R a u s b o l d bekannt ist, auf den Arbeiter und schlug ihm mit beiden Fäusten ins Genick. Anwohner, die auf die Straße gekommen waren, gaben ihrer Empörung Ausdruck. Einige von ihnen, darunter sogar Frauen, griffen ein, um den Nationalsozialisten, der wie wild auf den älteren Mann einschlug, zu beruhigen. Sofort stürzte sich der Rowdy auf die Frauen und Männer. Erst das alarmierte Ueberfallkommando konnte Ordnung schaffen und den Mann festnehmen. In der Gegend ist die Ent- rüstung über das gefährliche Treiben allgemein. Wie lange noch SA.- Terror in Steglitz? Schon seit Tagen treiben die braunen Horden Hitlers in Steglitz einen kaum mehr zu überbietenden Straßenterror. Seit an der Ecke Albrecht- und Heesestraße vor etwa vier Wochen eine„Deutsche Eisdiele" ihr Lokal eröffnet hat, ist diese Ecke der allabendliche Treffpunkt der SA.-Terror- und Schläger- kolonnen. Die Braunhemden treiben sich dort aus der Straße herum, und sehr häusig kommt es zu bösen Zwischenfällen. Diese „Eisdiele" ist zweifellos häufig der Ausgangspunkt der national- sozialistischen„Expeditionen" mit Dolch und Pistole auf gegnerische Restaurants und harmlose Passanten, wie die Vorfälle der letzten drei Nächte bewiesen haben. Auf Grund zuverlässiger Beobachtungen ist festgestellt worden, daß in dieser„Deutschen Eisdiele" Trupps von 26 bis 46 Mann zusammenkommen und dann plötzlich möglichst unaufsällig abrücken. Energisches polizeiliches Durchgreifen würde wahrscheinlich sehr bald Ruhe und Ordnung stiften. Sind Juden vogelfrei? Furchtbare Folgen der nationalsozialistischen Mordhehe. Das Landgericht I fällte am Dienstagnachmitlag das Urteil gegen den 17jährigen Zepernick und den ZZjährigen R ü h l o w. die angeklagt waren, am 2. Februar d. 3. am Zouragehändler Meyerhardt einen Raubmord begangen zu haben. Leide wurden wegen gemeinschasttichen Totschlages in Toteinheit mit versuchtem schweren Raub und gemeinschaftlicher Unterschlagung verurteilt, und zwar der jugendliche Zepernick zu S 3ahrcn 1 Monat Gefängnis, und Rühlow zu 12 Kahren 1 Monat Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 5 Kahren. * Zwei junge Menschenleben haben sich durch ihre Tat selbst ruiniert. Die schweren Strafen sollen eine Sühne sein für das von ihnen vernichtete Leben. Was aber diese Bluttat aus der Zahl vieler ähnlichen, die man in der letzten Zeit erlebt hat, ganz be- sonders heraushebt, ist, daß sie der n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e n Ideologie entsprungen, daß sie mit die Folge der hemmungslosen Judenhetze darstellt, die tagein, tagaus auf die Hirne der jugendlichen Anhänger der Nazi und der SA. ihre verheerende Wirkung ausübt. Sowohl Zepernick als auch Rühlow gehörten früher dem Bismarckbund an, der eine als Bannerträger, der andere als Kameradschaftsführer-, beide schlugen sich später zu den Nazis. Zepernick war auch zeilweilig in der SA. Rühlow inter- essierte sich sanatisch für Politik, erschien in der Fortbildungsschule mit dem Hakenkreuz geschmückt, und man war gezwungen, gegen ihn disziplinarisch vorzugehen. Vor Gericht sagten beide, in Tränen aufgelöst:„W ir dachten uns, Meyerhardt ist ein Jude, er saugt die Arbeiter aus, ihm kann mqn Geld wegnehmen. Dem sollte man was zeigen Und für die plötzliche Ernüchterung, Ange- ficht zu Angesicht mit dem Opfer, hatte Rühlow folgende Erklärung: Wir verloren plötzlich den Mut und die Nerven, wir hatten uns gedacht, wir würden einen Mann mit einer Hakennase vor uns sehen, ein geiziges Gesicht. Statt dessen sahen wir ein gutes Gesicht. Deshalb rief ich:„Das ist er nicht!" Das ist also die Vorstellung, die diese sonst wahrscheinlich nicht schlimmen jungen Burschen durch die Schuld der menschenfeindlichen nationalsozialistischen Pressehetze von ihren jüdischen Volksgenossen haben: sie glauben, daß Juden gegenüber alles erlaubt ist, selbst Raub und Totschlag. Von den Kurfürstendammkrawallen zu den Bluttaten in der Milastraße führt eine gerade Linie... Brand im Opernhaus Hannover. Aach zwei Stunden gelöscht.- Großer Sachschaden. Hannover, 28. Juni. Aus bisher noch unbekannter Ursache brach heute nachmittag in der Herrengarderobe des Städtischen Opernhauses ein Brand aus, der sich rasch aus- breitete und den südlichen Teil des Gebäudes in mächtige Aauchwoiken hüllte. Tie sofort alarmierte Feuerwehr machte sich mit einem großen Aufgebot an die B e- kämpfung deS Brandes. Der Brand konnte dank dem tatkräftigen Eingreifen der Feuer- wehr bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit, in insgesamt zwei Stunden, gelöscht werden. In den im Zwischenstock des Slldflügels gelegenen Garderobenräumen für die Künstler war, soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, ein Feuer entstanden, das in den dort lagernden Magazingegenständen, Girlanden usw., reiche Nah- r u n g fand. Die sofort verständigte Feuerwehr war in wenigen Minuten an Ort und Stelle und griff den Brand mit mehreren Motorspritzen und zahlreichen Schlauchleitungen an, so daß es in kurzer Zeit gelang, den Brandherd abzuriegeln und die Flammen zu ersticken. Es wurden große Wassermengen in die Räume geworfen, wodurch die weitere Ausdehnung des Feuers verhindert wurde. Der Schaden läßt sich noch nicht übersehen: es handelt sich zumeist um Wasserschäden. Wegen der ungeheuren Qualmentwicklung mußten die Feuerwehrleute die Rauchhelme aufsetzen. Einige Leute wurden wegen Rauchvergiftung fortgetragen. Der Zuschauerraum und das Bühnenhaus des Theaters blieben von dem Feuer unberührt. Die Hauptgefahr bestand darin, daß der Brand aus die Restaurationsräume übergreifen würde, vor Brandschaden konnten diese zwar bewahrt werden, doch haben sie durch Wasser stark gelitten. Ueber die Entstehungsursache läßt sich noch nichts Genaues sagen. Ltnwetter über Rumänien. 40 Menschen um«! Leben gekommen Bukarest, 28. 3uni.(Eigenbericht.) Die seit Sonntag ununterbrochen über ganz Rumänien niedergehenden Unwetter haben weite Teile des Landes, besonders Bessarabien, die Bukowina und Moldau, überschwemmt. Alarmierende Gerüchte kommen aus dem nördlichen Teil der Provinz Moldau, der völlig unter Wasser steht und von der Umwelt isoliert ist. wegen der ständig steigenden Fluten der Flüsse Moldau und Siret, die über die Ufer getreten sind, mußten die Stadt Roman und die umliegenden Dörfer geräumt werden. Tausende von Familien sind obdachlos und hausen in Zeltlagern, die vom Militär ausgeschlagen wurden. Die einlaufenden Berichte melden unbeschreibliche Szenen der Verzweiflung. Die Zahl der Menschenopfer wächst ständig. Bisher dürsten über 40 Personen ums Leben gekommen sein. 3n dem Dorfe Blagesti wurden ganze Familien von den einstürzen- den Häusern erschlagen. Die Saaten in den überschwemmten Gebieten sind vollständig vernichtet. Knfotge des Hochwassers sind die meisten Eisenbahnlinien, darunter auch die über die Bukowina lausenden Fernzüge nach dem Westen, außer Verkehr gesetzt. Die vielfach wolkenbruchartigen Regengüsse dauern an. Raubüberfall auf Woermann-Kaffe. Räuber mit 50 000 Mark Beute entkommen. Hamburg, 28. Juni. Auf das in der Reichenstraße belegene Vermalt ungs- gebäude der Woermann-Linie wurde in der Mittags- stunde ein verwegener Raubübersall verübt. In den Kassenraum, in dem sich vor dem Schalter nur eine einzelne Dame aufhielt, drangen drei Banditen mit vorgehaltenen Revolvern ein und erpreßten von dem überraschten Kassierer die gesamten für die Lohnzahlung bestimmten Gelder, etwa 56 666 M. Die Räuber be- stiegen dann ein vor der Tür haltendes Auto und entkamen un- erkannt. Gchiffsunglück im Kanal. Unterseeboot rammt Vergnügungsdampfer. London, 28. Juni. Der englische Vergnügungsdampser„P r e m i e r", der 266 Reisende an Bord hatte, wurde im Kanal von dem englischen Unterseeboot„R a i n b o w" gerammt. Während die„Rain- bow" nur leicht beschädigt wurde, erhielt die„Premier" ein großes Leck direkt über der Wasserlinie, so daß sofort Wasser in den Schiffskörper einströmte. Offiziere und Besatzung konnten jedoch eine Panik oerhindern. Das Unterseeboot nahm die Frauen und Kinder auf, während die Männer von Admiralitätsbarkassen an Bord genommen wurden. Innerhalb kurzer Zeit war das Rettungswerk durchgeführt. Der Vergnügungsdampser wurde abgeschleppt. Rentenkürzung bereits am 29. Juni. Die Nachrichten st elle des Reichspo st ministe- r i u m s teilt mit: Nach der Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 ruht mit Wirkung vom 1. Juli 1932 an monat- lich bei den Invalidenrenten der Betrag von 6 M., bei den Witwen- und Witwerrentcn der Betrag von 5 M., bei den Waisen- renten der Betrag von 4 M. für jede Waise. Die Postanstalten müssen daher die Invaliden-, Witwen- und Waisenrenten bereits bei der Zahlung am 29. Juni um die genannten Beträge kürzen. Die Zahlbeamten sind verpflichtet, die Rentenempfangsscheine auf den gekürzten Betrag abzuändern, wenn dies nicht schon durch den Rentenempfänger geschehen ist. Haftbefehl qegen Matthe. Der Vernehmungsrichter im Polizeipräsidium hat gegen den Bauunternehmer Matthe aus Marzahn wegen schwerer Urkundenfälschung und Betruges Haftbefehl erlassen. Matthe war, wie mitgeteilt, unter dem Verdacht, seine zwei Wirt- schafterinnen nacheinander im Laufe dieses Jahres durch Verona! vergiftet zu haben, festgenommen worden. Dieser Verdacht erwies sich aber als unbegründet. Dagegen konnte im Laufe der Unter- suchung gegen Matthe sestgestellt werden, daß er in seiner beruf- lichen Eigenschaft sich mehrfach der Urkundenfälschung schuldig ge- macht hat. Erfolge sind nie dem Zufall zu verdanken, sondern dem Können und der Leistung. Darum der überragende Erfolg der neuen„Gold Saba" nach dem alten Original-Rezept □GS Rundlunk gegen Die Tasung des ftri Die verSaderle politische Situatton verpslichlet die Sozialdemokratie, den Kampf um den Rundfunk noch energischer zu sichren als bisher. Auf der Reichstagung des Arbeiter-Radio-Bundes wurde nach den Referaten der Genosien Vaake und Falken- b e r g die beweislose Behauptung der gegenwärtigen Reichsregie- rung widerlegt, daß„das marxistisch-acheislische Denken die Dolks- kultur zerfetze". In diesem Zusammenhang steht auch die im Reichsrat abgegebene Erklärung des jetzigen Reichsministers des Innern, in der Herr o. G a y l„die Betonung und Pflege deutschen Geistes und die Ausmerzung alles undeutschen, fremden Einflusses im Rundfunk" ankündigte. Die Konferenz war sich einig, daß hinter den Absichten des Ministers, deren Verwirklichung bereits versucht wird, nichts weiter steht als der Wunsch, zugunsten der Rationalsozialisten jeden fortschritt- lichen Geist, besonders ober die Kulturarbeit der freien Arbeiterbewegung, auch im Rundfunk unmöglich zu machen. Die Arbeiterschaft ist jedoch nicht gesonnen, sich als Rundfunkhörer minderen Rechtes behandeln zu lassen. Die Tagung stellt deshalb mit aller Entschiedenheit die Forderung einer wirk- lichen Ueberparteilichkeit des Rundfunks erneut und ruft alle freiheitlich gesinnten Bolkskreise, vor allem die sozialistische Be- völkerung, auf zum Kampf für gleiches Recht im Rundfunk.'In diesem Kulturkampf ist die Zusammenfassung aller fortschrittlichen Kräfte des Volkes in der Hörerfront des Arbeiter- Radio-Bundes dringend notwendig. In einer besonderen Entschließung protestierte die Reichstagung„aufs schärfste gegen die Verhinderung einer bereits genehmigten Feierstunde des Deutschen Freidenkerverbandes im Berliner Rund- funk durch den Einspruch des Reichsministeriums des Innern. Sie fordert die Aufhebung des gegen den Deutschen Freidenkeroerband gerichteten Erlasses, der über den Kopf der Länderregierun- gen hinweg vom Reichsministerium des Innern herausgegeben wurde und alle Veranstallungen des Deulschen Freidenkerverbandes im Rundfunk verbiekel. Diese Ausnahmebehandlung der freigeistigen Kräfte steht im Widerspruch zur Reichsversassung und zu den im Rundfunk geltenden Bestimmungen. Da die Kirche im Rundfunk ihre Anschauungen in weitem Ausmaße vertreten kann, muß das gleiche Recht auch für den Deutschen Freidenkerverband und der ihm nahestehenden Hörerkreise Geltung haben. Reichstagsabgeordneter Genosse Hertz, Mitglied dos Postver- waltungsrats, berichtete über die Organisation des Rundfunks und über die Gebühren, die es einem großen Teil der Bevölkerung um möglich machen, an den Cmpfangsdarbietungen teilzunehmen. die Verfassung. eiier-nadio-Bondes. Bon den Vertretern der Wirtschaft wurde bisher eine allgemeine Senkung der Gebühren unmöglich gemacht: aber auch Rotionalsoziallsteu und Kommunisten verhinderken eine Senkung der Gebühren Im Rahmen der Iteberfchüsse, die bisher der Reichspost zufließen. Erreichen ließ sich dagegen die Gebührenbefreiung für eine bestimmte Kategorie erwerbsloser Hörer. Ein erst kürzlich gleichfalls vom Genossen Hertz gestellter Antrag will erreichen, daß alle Erwerbslosen, die infolge der Notverordnung auf Grund der Bedürftigkeitsprüfung Unter- stützung beziehen, von den Gebühren befreit werden. Der Arbeiter-Radio-Bund hast es, da der Rundfunk mehr und mehr das einzige Kulturmittel der verarmten Bevölkerung wird, für seine Pflicht, darauf hinzuwirken, daß die Ueberschllsse aus den Rund- funkgebühren zu möglichst weitgehender Gebührenbefreiung verwendet werden. Die Reichstagung fordert deshalb,„daß der Erlaß der Rundfunkgebühren auf alle Notleidenden ausgedehnt wird. Zu diesen Notleidenden gehören alle Arbeitslosen, alle Wohlfahrls- empfänger, alle Sozialrentner und alle anderen Kreise. Außerdem ist eine allmähliche Herabsetzung der allgemeinen Gebühren anzu- streben, sofern die Ueberschüsse das zulassen und die Leistungen da- durch nicht beeinträchtigt werden". Am Schluß der Tagung, deren Vertraulichkeit nur zum Teil aufgehoben wurde, nahmen die Delegierten die„Richtlinien der Freien Funkzentrale und des Arbeiter-Radio- Bundes" an, die für die Rundfunkarbeit aller sozialistischen Ver- bände maßgeblich sein wird, da in der Freien Funkzentrale neben Partei, Gewerkschaften und Arbeiter-Radio-Bund all« Kultur- organisationen vertreten sind. Die„Richtlinien" treten u. a. ein für eine paritätische Berücksichtigung aller politischen Bewegungen im Rundfunkprogramm, für stärkste Rücksichtnahme auf die geistigen Interessen der werktätigen Bevölkerung, für Aktualisierung der Programme im Sinne der Weimarer Verfassung als dem Grundgesetz des Reiches und der Länder. Durch die Zuspitzung der politischen Auseiaandersetzungen ist eine restlose Zusammenfassung aller Arbeiterorganisationen zu gemeinsamer Ruadsunkarbeit, Aktivierung der Hörer. Bildung von hörgemeinschaftea, Stärkung des Arbeiler-Radio-Vuades und verschärfte Propaganda für den„Volksfunk" notwendig, der als vorzüglich ausgestattete Funkzeitschrift von allen Republi- kanern gelesen werden muß. Der zweite Bundesvorsttzende, Wil- Helm H o f f m a n n, schloß die Tagung des Arbeiter-Radio-Bundes, die auch für den Rundfunk von einschneidender Bedeutung wird, mit einem Freiheitsruf für die Eiserne Front der werktätigen und republikanischen Rundfunkhörer. Oeutfchuaiionale schimpfen. Und Nazis blamieren sich im EtaStparlament. Die gestrige Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich weiter mit dem Haushaltsplan für 193 2. Die einzelnen Fraktionen nutzten dabei den ihnen verbliebenen Rest der Redezeit weidlich aus, so daß um 5s 10 Uhr noch kein Ende der Sitzung abzu- sehen war. Der Kommunist Koenen forderte den Magistrat auf, so zu schreien, wie es die Großkapitalisten tun, dann würde die Stadt Berlin von der Reichsregierung hinsichtlich der finanziellen Zuwei- jungen auch besser bedacht werden. Aber das könne der Magistrat nicht, weil er der typische Vertreter des Großkapitals sei. Das Rettungsprogramm der freien Gewerkschaften bezeichnete der Redner als Zukunftsdemagogie, die an die der Nationalsozialisten heran- reiche. Der Deutschnationale von I.ecklin sprach von dem„Wahn der Kollektivierung und der Sozialisierung, der die Stadt Berlin erfaßt" hätte und der alle Mittel, der Not zu begegnen, unwirksam mache, erging sich in Schimpfereien auf die bürgerliche Linke und die Sozialdemokratie. Die Deutschnationalen lehnten deshalb jede Verantwortung für den Etat ab. Stadtverordneter K ü n z e r (DVp.) erklärte die Zustimmung seiner Fraktion zu der Ermächti» gungsvorlage für den Magistrat. Stadtverordneter Schubert (Staatspartei) erklärte, daß er dem Magistrat nicht den Vorwurf machen könne, an der finanziellen Not der Stadt schuld zu haben. Im Gegenteil müsse man dem Oberbürgermeister zuerkennen, daß er zeitig genug auf die Gefahren, in der sich die Stadt Berlin in finanzieller Hinsicht befindet, aufmerksam gemacht hat. Die Staats- parteiler werden für die Ermächtigungsvorlage stimmen, weil sie zu dem Magistrat das Vertrauen haben, daß er im Sinne der Vor- läge wirtschaften wird. Die Staatsparteiler werden für die Er- mächtigungsvorlage stimmen, weil sie zu dem Magistrat das Der- trauen haben, daß er im Sinne der Vorlage wirtschaften wird. Den Deukschnalionalen machte Schubert den Vorwurf, daß sie oft genug mit den Kommunisten zusammen abgestimmt und da- durch vieles, was der Magistrat und die positiv arbeitenden Stadlverordnetenfraktionen aufbauten, wieder zu Fall gebracht hätten. Schließlich sprachen noch der Stadtverordnete L i p p e r t für die Nationalsozialisten, der jede Verantwortung seiner Partei für die Regierung Papen ablehnte, was stürmische Heiterkeit hervorrief. Oberbürgermeister Sahm verteidigte den Magistrat, indem er erklärte, daß die Vorstellungen bei der Reichsregierung nicht nur Scheinoppofltion gewesen sei. Das Reich hätte jetzt endlich an- erkannt, daß die Sorge um die städtischen Finanzen auch die Sorge der Reichsregierung sein müßte. Von einem diktatorischen Vor- gehen des Magistrats bis zur endgültigen Verabschiedung des Haushaltsplanes könne keine Rede sein. Der Magistrat trete im Gegenteil nach wie vor für die Erhaltung der Selbstverwaltung«in. In der fortgesetzten Debatte sprachen dann Kommunisten und Nationalsozialisten. Ein Nazi namens Matschuck sprach über Kultur- fragen, wie er sie versteht und meint«, die Nationalsozialisten seien keine Kunstbanausen: deswegen hätten sie das Recht, festzustellen, daß an der Städtischen Oper eine jüdisch-marxistische Tendenz vor- herrsche(Stürmische Heiterkeit). Ein neuer Dirigent an der Städtischen Oper habe gelegentlich einer Aufführung ein Tempo vor- gelegt, das man nur als jüdische Hast bezeichnen könne(Erneute Heiterkeit). Im Dritten Reich wäre es für immer vorbei mit der jüdischen Kunst. Der nachfolgende nationalsozialistische Redner brachte es dann fertig, so provozierende Ausführungen zu machen, daß der Vor- sieher haß die Sitzung auf kurze Zeit vertagen mußte. Er gab folgendes von sich, was wieder einmal große Heiterkeit er- regte:„Die Forderung nach durchgreifendem Luftschutz gegen Gas- angriffe schließe nicht das Eintreten der Nationalsozialisten für die Erwerbslosen aus." Nach der Rede des Deutschnationalen Krüger vertagte der Vorsteher die weitere Beratung auf Donnerstag. Das Reichskommissariat für die Osthilfe hat seine Diensträums vom Hause Wilhelmstraße 77 heute nach dem Hause Wilhelm- straße 62(Berlin W. 8) verlegt. Fernsprecher: Jäger �1 0017. Die Räume des Reichskommissariats im Hause Wilhelmstraße 61a verbleiben zunächst dort. Wieder ging ein treuer Kämpfer dahin. Die 3. Abteilung der Berliner Sozialdemokratie Hot einen alten treuen Kämpfer verloren Der Genosse Karl B u ch m a n n, der in wenigen Monaten das achtzigste Lebensjahr vollendet hätte, ist unerwartet vom Tode dahingerafft worden. Er war einer von der alten Garde. Unter dem Sozialistengesetz hat er als Vertrauens- mann in der Naunynstraße für die Sozialdemokratie gewirkt und ist durch manche Haussuchung schikaniert worden. Lange Zeit war er Abteilungsleiter. Der Fahne der Sozialdemokratie hat er stets die Treue bewahrt. Für die freie Hilfskasse der Drechsler war er jahrlang als Kassierer tätig. Nichts konnte den Genossen Buch- mann in seinem Vertrauen zu unserer Sache wankend machen. Un- erschütterliches Pflichtbewußtsein war sein Lebensinhalt. Die kühle Ruhe, mit der er alles beurteilte, bewahrte ihn vor allen Schwan- kungen. Trotz seines hohen Alters gab es keine Abteilungsver- sammlung, in der er nicht zugegen gewesen wäre. An allem politi- schen Geschehen nahm er bis zuletzt lebhaften Anteil. Ihm nach- streben muß unser aller Wille sein. Die Einäscherung findet Mittwoch, den 29. Juli, im Krematorium Gerichtstraße um 17 Uhr statt. Katzensckutz und Voielschuh. Sonnabend, 2., und Sonntag. 3. Juli, findet im Berliner Zoo zum ersten Male in Berlin eine Ausstellung„Katzenschutz und Logelschutz" statt. Diese Ausstellung, auf der die schönsten Katzen zu sehen sein werden, steht im Zeichen der Aufklärung und will dazu beitragen,«ine der brennendsten Fragen des Tier- fchutzes, nämlich die des Katzen- und Vogelschutzes zu lösen. Die Ausstellung gibt einen Ueberblick über die zahlreichen Erfindungen und Präparate, die im Laufe der Zeit erfunden worden sind, um die Feindschaft zwischen Katzen- und Vogelfreunden'zu beenden. Die Ausstellung ist an beiden Tagen von 9 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Die Eröffnung der Ausstellung findet Sonnabend, 2. Juli, 12 Uhr, statt. Vlassenkonzerk der Schumannschen Ehöre im Taazring des Volksparts Rehbsrge. Am Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, veranstalten die unter der Leitung des bekannten Chormeisters Georg Oskar Schumann stehenden Vereine des Deutschen Arbetter�Sänger- bundee, Sängerchor Verlin 1900, Berliner Lendvai-Chor, Neuköllner Sängerchor, im Tanzring des Volksparks Rehberge ein ö f f e n t- liches Freikonzert. Zum Vorttag gelangen eine Reihe alter und neuer Volks- und Wanderlieder. MtSS. /U.rar /Vi/v ,7' 46 rkj�J � Der Grimmensteiner hat die Arbeit fein eingefädelt, ob» wohl sie sein erster Einbruch ist und gar nicht rittermähig. Diesmal geht es um keine bürgermeisterlichen Schindeln, die er klauen will: diesmal geht es um die in der städtischen Pfandleihe liegenden Barren Goldes und Silber, um das Münzblech, uno vor allem um die mit köstlichen Steinen geschmückten Reichskleinodien, die der ewig geldbedürftige König vor einigen Wochen den Konstanzern versetzt hat. Für eine solche Beute lohnt es schon, bis an den Bauch durch die faulen, stinkigen Schlammwasser des Stadtgrabens zu waten, auf allen Vieren durch den Unflat der Ehgräben zu kriechen. Vom Strauchdieb zum Hausdieb ist nur ein Schritt, wenn auch in den Augen ehrenfester Leute kein kleiner. Ritter Jörg hat ihn gelassen getan, ohne die geringste Spur von Gewissensbissen. Ein armer Teufel, und wenn er zehn- mal ritterbürtig ist, kann sich moralische Anwandlungen nicht leisten. Die sind gut für solche, die so viel besitzen, daß sich ihre Moral auch auszahlt. Cfin kahlgefressener Habenichts dagegen, der gezwungen ist, von der Hand in den Mund zu leben, der nimmt, wo es glimmt! Kann's der vom End bei den Konstanzern Pseffersäcken finden, dann zugegriffen, zehn- mal für einmal! Diese städtischen Gewölbeverrotzer, diese Schurken und Halunken, haben es ihrerseits auch nur Bauern und Rittern abbstroaen. Ihnen das ihre wegzunehmen, ist also kein Diebstahl, sondern einfach Selbsthilfe, ein Akt des Ausgleichs. Zudem:' die Güter der Welt stehen nur den Herren zu: nirgendwo in Gottes Wort ist auch nur eine Silbe von Zünftlern und Bürgern zu lesen. Der Grimmen- steiner Burgvfaffe hat ihm das mehr als hundertmal unter Herbetung salbungsvoller lateinischer Sprüche versichert. Ritter Jörg verstand sie zwar nicht: dennoch klangen sie feinem Ohre gut. Doch trotz genügend echischer Untermauerung seines Vor» Habens geht der vom End recht besonnen und vorsichtig zu Werke. Er weiß genau, wenn er auf frischer Tat ertappt wird, ist ein Strick fällig, sei's auch nur einer aus geflachte- nsr Weide. Die Konstanzer zucken nicht zurück vor eines Edelmanns Hals: im Gegenteil, sie drücken einen solchen mit ganz besonderem Vergnügen zu. Nicht umsonst hat, als sie den vom Kyfenefels hängten, der Vogt unterm Hochgericht herausgesprudelt, an einem solchen Tage wie diesem bedaure er beinahe, nicht als geschworener Nachrichter zur Welt ge- kommen zu sein. Nun, Vögtlein von Konstanz, laß dir ge- sagt sein: der vom Grimmenstein ist keiner vom Kyfenefels! Der wird dir mit dem Pfandgut entlaufen, noch eh' der nahende Tag fein erstes Band über die Uferbörde legt! Und. Stadtratte im Harnisch, du sollst nicht mal wissen, woher der Schlag gekommen ist: denn das Brecheisen, das nachher als Indiz in der Pfandkammer liegen bleiben wird, ist kein grimmensteinisches, sondern ein schmiedezünftenes, ein konstanzisches, eigens zu diesem Behufs beim Meister Hans Kölblin am Äkerturm geklaut... Hans Hagen, der Vogt der guten und getreuen Stadt Konstanz, ahnt nichts von diesen Gedanken, mit denen ihn der einbrechende Ritter behängt. Grimmenstein liegt ihm augenblicklich fern. Ihn drucken andere Sorgen. Das hätte er sich nicht träumen lassen, daß diese Banketinacht bei Sig- mund ein derartiges Ende nehmen würde. Seit er zurück ist— er half erst noch, den angesoffenen Pfalzgrafen Ludwig in den„Salmen" bringen und ihn seiner blonden Kebsin be- handen— hat er kein Auge geschlossen. Ihn brauchte nicht der gespenstische Hundschor auf die Beine zu bringen; das Geheul in seinem Innern hiest ihn die ganze Zeit über wach. Jede Einzecheit aus dem großen Saal des„goldnen Schwerts" ist in ihm lebendig: der riesige Herrentisch mit den hundertfünfzig Geladenen. Ein prunkvolles Mahl war da aufgefahren, vier Gänge zu je acht Gerichten, alles auf vergoldeten und silbernen Platten! Nicht nur für Mund und Schlund war gesorgt; damit Aug und Ohr nicht zu kurz kamen, wurde während des Essens das Spiel von der Jung- frau Maria aufgeführt, die den Heiland im Stalle von Bethlehem gebiert und dem die heiligen drei Königs Melchior. Kaspar und Balthasar Geschenke aus Morgenland bringen. Das Schönste bei dem frommen Spiel, und auch das Aufregendste, war der Stern aus purem Golde, der vor den drei Königen an einem dünnen Eisendraht herging. Zum Schluß wurde dargestellt, wie der König Herodes den drei ! Königen nachsendet und wie er von seinen Landsknechten der Erstgeborenen metzeln läßt. Noch grillt und schrillt dem Vogt das Geschrei dieser Säuglinge im Ohr, wie sie sich unter den blutigen Soldatenmessern winden und schinden. Noch sieht er vor sich den Tantener Fürstbischof, der ihm gegenüber saß und den ein Schlagfluß fällte in eben dem Augenblick, als er sich vorbeugte, um die angestellte Kinder- Metzelei besser sehen und hören zu können; denn im lang- jährigen Dienst der Kirche waren seine Augen etwas kurz und seine Ohren harthörig geworden. Dieser Fürstbischof aber, den da der Tod angetreten hatte mitten aus der prunkvollsten Tafel, mitten aus dem schönsten Spiel, mitten aus der heitersten Ergötzung heraus, der war ein gar umfänglicher Herr gewesen, an die dreiein- halb prallgefüllter Kornsäcke Gewicht; ein Herr, der die Last seines Bauchs nur mit Geschnauf und Gepust trug, so etwa, als ob siedendes Wasser in ihm fei, dessen Dampf den Deckel ablüpft. Es war jedoch kein Wasser, das in dem dicken, geist- lichen Herrn sott, nein, in ihm sott die Luft des Lebens und die Lust der Welt. Denn dieser Fürstbischof liebte die flüch- tigen Dinge des Daseins mehr als alle sichern Verheißungen des Himmels. Sein Gaumen konnte jeden Wein unter- scheiden, mochte er an der grünen Mosel gewachsen sein oder an den Hängen des rauschenden Rheins. Auch was bei den Welschen wuchs, kannte er, auch den Trunk, der aus Hispanisn und Griechenland kam, den Wein aus Asia und aus dem mohrischen Land. Seine großen, gelben Zähne bissen am liebsten in Kapaunenfleisch, und es gab nichts in aller Länder Küche und Keller, was er je unversucht gelassen hätte. Drei welsche Suppenschmiede standen zu seinem Be- fehl, ganz abgesehen von der Zahl der Bratenwender, und sein Säckelmeister war ein geplagter, geärgerter Mann: denn außer dem fürstbischöflichen Troß war auch noch genug gelderverschlchgendes Weibervolk da, das der hochwürdigste Hyrr neben seinen Kapaunen verbrauchte. So hatte er die Stunden vor dem Bankett bei der berühmten Buhlerin Jmperia verbracht. Offenbar hatte er des Guten zuviel ge- tan bei dieser Luststunde: seine Adern waren doch schon alt und voll Kalk und hielten den Ansturm des jagenden Bluts nicht mehr aus. So fiel er denn hin wie ein Klotz, als er aus seinem Sessel aufstand, um die Landsknechtmetzelei der unschuldigen Kinder besser zu sehen und zu hören. (Fortsetzung folgt.) Das Problem der Freizeit ist heute, im Zeitalter der Arbeits- losigleit und Kurzarbeit, von ganz besonderer Bedeutung. Vor allem für den Arbeiter kann die richtig angewandte Freizeit un° gezählte Schäden und Mängel der Arbeit im Betriebe ausgleichem kann sein Lebensalter, feine Gesundheit und damit feine Arbeits- Möglichkeit ganz beträchtlich beeinflussen. Aber auch der Arbeits- lose und der Kurzarbeiter müssen ein Interesse daran haben, zu wissen, was Freizeit, richtig angewandt, für sie bedeuten kann. Es ist deshalb sehr zu begrühen, daß die zur Zeit in Berlin statt- findende Ausstellung„Sonne, Luft und chaus für alle" eine be- sondere Gruppe der Ermüdungsforschung und der Freizeitgestaltung gewidmet hat, die völlig aus dem Leben des Arbeiters herausgewachsen ist. Kein Wunder, daß gerade diese Gruppe außerordentlich starken Zuspruch findet und daß viele Be- rufstätige, die sonst nie Zeit hatten, an sich zu denken und den Ursachen ihrer Ermüdung nachzugehen, hier lange oerweilen und die Schau mit großem Interesse im einzelnen verfolgen. Was sonst nur in dicken Schmökern oder in Fachzeitschriften zu finden ist, das wird hier in glücklicher Zusammenfassung von Theorie und Praxis gezeigt. (ZrmüdunßSgiffe. Zunächst wird ein Arbettstag in Bildern dargestellt. Nach einer kurzen Sammlung nimmt ein Mensch seine Arbeit aus, er kommt in Schwung, erklimmt den Höhepunkt ermüdet, sehnt sich nach Ruhe Wie ist dieses Nachlassen der Arbeitskraft und der Ar- beitsfreude zu erklären? Die Ausstellung erläutert es durch einen Hinweis auf die Arbeit des Hobelns. So wie sich beim Hobeln in der Schreiner Werkstatt Späne, Abfallstoffe bilden, genau so ent- stehen auch im menschlichen Körper schädliche Zwischenprodukte, Verbrennungsschlacken, Abfallstoffe. Sie verursachen die Ermüdung. Die gefährlichsten Ermüdungsstosfe sind Milchsäure und Phos- p h o r s ä u r e. Sie häufen sich immer mehr an, je länger die Ar- beit dauert, je weniger Pausen eingelegt werden. Der betreffende Mensch fühll sich erschöpft, seine Muskeln werden schlaff, die Nerven versagen, das Herz klopft schmerzhaft, die Atem- und Pulstätigkeit beschleunigt sich. Dieser Zustand steigert sich auf die Dauer bis zur Uebermüdung, die Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, starke Reizbar- keit hervorruft und endlich bis zu völliger Erschöpfung, die bis zum Tode führen kann. Die Ausstellung zeigt diesen Vorgang am Bei- spiel einer Lawine, die zu Tal rollt und immer mehr anschwillt, immer mehr verheerend und zerstörend wirkt. Sie zeigt ferner am Beispiel einer Maschine, in die Sand gestreut wurde, wie ein er- müdeter Mensch arbeitet. Die Maschine zerreibt sich selbst— der Mensch richtet sich selbst zugrunde. Scheinbare Abhilfe. Viele helfen sich über die Müdigkeit hinweg, indem sie starken Kaffee oder Tee zu sich nehmen oder zu Zigaretten und Zigarren greifen. Auch diese Handlungsweise wird von der Ausstellung treff- lich erläutert. Ein großes Bild zeigt einen Arbeiter, der das Sicher- heiteventtl seiner Maschine zubindet, damit er sein Warnsignal nicht mehr hören muß. Genau das gleiche tut der starke Raucher, der Kaffe- und Teetrinker, der das Warnsignal seiner Ermüdung zum Schweigen bringen will. Aber nicht nur Ermüdung und Erschöp- fung, sondern auch Berufsunlust und Ueberdruß können solche Warnsignale sein, die Beachtung verdienen. Die Ausstellung weist in diesem Zusammenhang die Unternehmer warnend auf die Folgen einer zu langen Arbeitszeit hin sie geißelt auch die Einführung von Ueberstunden, in denen die meisten Unfälle passieren. Ein Er- müdungsmesser, der zur allgemeinen Benutzung aufgestellt ist. er- möglicht es jedem Besucher, den Grad seiner Ermüdung selbst zu messen. Unzweckmäßige Kleidung, schlechte Beleuchtung, Lärm, schmutzige Kleider, schmutzige Haut, schlechte, zu heiße oder zu schwüle Luft drücken die Leistungsfähigkeit besonders herab. Dazu kommen noch die Folgen einer schlechten, unzureichenden Ernährung. Eli.E:E: Wie soll nun der Arbeiter sein Tagewerk ausführen, wie soll er sich erholen? Die Ausstellung zeigt einen Menschen, der sich in einer Röhre eingekapselt hat und nichts sieht und hört von der Außenwelt: Ein Beispiel, wie man es nicht machen soll. Jeder Arbeiter, gleichgültig, welchen Beruf er ausübt, soll vielmehr offene Eiserne Front gegen Hitler- Barone i Unser« nüchsten Partei- und Betriebsveranstaltungen: 8. Kreis— Spandau. Donnerstag, den 30. Juni, 19,30 Uhr, öffentliche Kundgebung in der Jubiläumsturnhalle Spandau, Askanierring.„Der Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Erich Kuttner, MdL C. Lorenz A.-G. Donnerstag, den 30. Juni, 17 Uhr, Betriebsversammlung im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffel- straße 11/12.„Einheitsfront" Referent: Franz Künstler, MdR. Knorrbremse. Donnerstag, 30. Juni, 16. Uhr, SPD.-Fraktionsver- sammiung mit Sympathisierenden im Lokal„Zum Treffpunkt", Boxhagener Ecke Bahnhofstraße.„Der Freiheitskampf der Arbeiterschaft". Referent; Hans Marx. 15. Abt. Freitag, 1. Juli, 19H Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, öffentliche Kundgebung. „Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent Robert Bredow, MdL. Loewe-Gesfiirel und Typograph. Donnerstag, den 30. Juni, 16'A Uhr, Fraktionsversammlung bei Sturz, Huttenstraße 9. „Polizei und Arbeiterschaft". Referent Ernst Hildebrandt. Aiii-Arbeiter beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 2. Juli, 19 Uhr, Im Altersheim Danziger Str. 62, Fraktionsversammlung.„Kampf der Arbeiterschaft um ihre Lebensrechte". Referent Gottlieb Reese. Sinne für die Schönheit des Lebens und der Natur behalten und sich nicht abschließen. Die Arbeit soll ausgeführt werden ohne Hast, mit konzentrierter Aufmerksamkeit, voll Ruhe und Ueberlegung. Rechtzeitig müssen Pausen eingelegt werden. Zur Ausscheidung der Ermüdungsgifte ist vor allem immer wieder Sauerstoff not- wendig. Die Freizeit jedes Arbeiters muß deshalb den Sauer- stoffmangel der Wochentage durch verstärkte Sauer st ofszufuhr wieder auszugleichen suchen. Die Ausstellung gibt eine Fülle von Ratschlägen für die verschiedensten Berufe. Bewegungsspiele, Rudern, Schwimmen, Wandern für alle geistigen Berufe, leichte Gymnastik des gesamten Körpers und Ruhe in frischer Luft für Schwerarbeiter, einen völligen Ruhetag wöchent- lich für alle Landarbeiter. Sie zeigt die richtige Ausnutzung des Sonntags, der nicht im Wirtshaus, sondern in der freien Natur verbracht werden soll: Sonnabends früh zu Bett, Sonntags früh aufstehen, wandern, mittags ausgiebig ruhen. Nur auf diese und ähnliche Weise kann der Arbeiter Borräte an Energie ansammeln, die er heute mehr als jemals braucht. Die typischen Ermüdungskrankheiten von Plätterinnen, Haus- frauen, Verkäufern, Kellnern, kurz, aller derer, die ihre Füße sehr stark, vor allem durch langes Stehen, beanspruchen, sind Sehnen- erkrankungen, geringe Widerstandskraft der Aderwände, Krampf- ädern, Plattfuß, Sehnenscheidenentzündungen. Eine starke Zu- nähme haben nervöse Erkrankungen Im Zeitalter einer über- triebenen Rationalisierung gefunden. Auch hier weist die Aus- ftellung die Unternehmer warnend darauf hin, daß mechanische, eintönige Arbeit besonders ermüdend ist und besondere Pausen und Freizeiten als Gegengewicht erfordert. „DrehscheiSenHeWohner." „Am 1. Mai, nachmittag», stürzte sich in Berlin eine Mutter mtt zwei Kindern, die sie fest an sich gebunden hatte, den Tod suchend, von der Potsdamer Brücke in den Schiffahrtskanal. Ein zufällig vorüberkommender Feuerwehroffizier rettete Frau und Kinder. Die Frau erklärte, daß sie die Verzweiflung zu diesem Schritte gezwungen hätte, indem es ihr trotz aller Bemühungen vom 1. April ab noch nicht möglich gewesen wäre, eine Wohnung zu finden." Zeichen der Zeit, könnte man denken. Aber es handelt sich hier um eine Zeitungsnotiz, die aus dem Jahre— 1872 stammt! Grauenhaft war das Wohnungselend der Armen im Frühjahr 1872 in Berlin, in dem kleinen Berlin vor sechzig Jahren, das noch nicht die erste Million der Einwohner erreicht hatte. Eintausend- fünfhundert Familien wurden damals beim Osterumzuge obdachlos. Vier von den Exmittierten nehmen sich das Leben. Die übrigen suchen im Asyl, in Remisen, Holzkellern, Ställen, Böden Unterkunft. Viele Gruppen hausen auf freiem Felde, so auf dem Exerzierplatze an der Schönhauser Allee. „Baracken-, Waggon-, Höhlen-, Tonnen- und Zellenbewohner" gelten bald, wie ein Zeitgenosse schreibt, als„dem Berliner Volksbewußt- sein einverleibt". Schließlich tauchte aber eine Art jener Unglücklichen aus, die selbst in diese schauerliche Liste sich nicht einreihen ließen. Das waren die„D r e h f ch e i b e n b e w o h n e r". Unter den Dreh- scheiden der Berliner Bahnhöfe hatten Obdachlose, die keinen anderen Unterschlupf finden konnten, eine Zuflucht gesucht! Und es können nicht wenige gewesen fein. Unter einer einzigen Drehscheibe des Potsdamer Bahnhofs am Hafenbecken entdeckte man gleichzeitig ein ganzes Dutzend dieser Heimatlosen!„Die„K r e u z- Z e i t u n g" aber klagt zur selben Stunde, daß es in Berlin nicht genug Kirchen gebe", stellt selbst eine gut bürgerliche FamUienzeitfchrift mit Ent- rüstung fest. Das Elend der„L a ub e n k o l o n i st en" aus den siebziger Jahren ist noch ziemlich bekannt. Aber Höhlen-, Tonnen- und Dreh- scheibenbswohner— das gab's in Verlin vor sechzig Jahren, in der „guten alten Zeit", nach dem Kriege von 1870/71, der doch für Deutschland siegreich ausgegangen war. Und trotzdem hat sich in sechs Jahrzehnten die Erkenntnis noch nicht durchgesetzt: daß kein Kriegsglüch und keine äußere Machtentfaltung solche menschen- unwürdigen Zustände au» der Welt schaffen können, fondern nur eine gerechte Wirtschaftsordnung, wie sie die Soziyl- demokratie und die freien Gewerkschaften herbeizuführen wünschen. Groß ist die Gefahr, daß wir erneut in Zustände hinabgletten. wie sie oben geschildert werden.___ Süasiler. Selbsthilfe! Die„Vereinigung der Kunstfreunde Buch und Umgebung" veranstaltet vom Sonntag, dem 3. Juli, an, im Schloßpark Buch, sonntäglich nachmittags ZZ6 Uhr, Freilicht- Theatervorstellungen. Die Berliner Stadtgüterverwaltung hat den von der Orangerie im Schloßpark Buch gelegenen Platz, der etwa 2000 Personen faßt, kostenlos zur Verfügung gestellt.— Als Eröffnungsvorstellung werden Nicolais„lustige Weiber von W i n d s o r" unter musikalischer Leitung von Dr. Felix Günther gegeben. Die Preise sind auf 1, 1,50 und 2 M. festgesetzt.— Kartenverkauf bei A. Werlheim und in den Vororten an den üb- lichen Stellen. Auskünste erteill die Vereinigung der Kunstfreunde Buch und Umgebung, ss 2 Oliva S642. Jahresbericht des Iugendherbergsverbandes. Der Gau Berlin und Mark Brandenburg im Reichsverband für Deutsche Jugendherbergen hielt vor Kurzem in dem 700jährigen Küstrin seine Jahrestagung ab. Als Ergänzung zu dem Berichte über den Besuch in den märkischen Jugendherbergen im Jahre 1031 gibt er jetzt Bericht über die Zusammenarbeit mit den Behörden. Der O b e r p r ä s i d e n t der Provinz Branden- bürg und die Regierungspräsidenten in Potsdam und Frankfurt an der Oder bewiesen dem Jugendherbergsoerband weiterhin auf- richtiges Wohlwollen, das der Oberpräsident dadurch bewies, daß er aus den staatlichen Jugendpflegemitteln dem Verbände 2000 M. zusätzlich zur Verfügung stellte Das preußische V o l k s w o h l- fahrtsmini st erium überwies über die Provinzialverwalwng 7000 M., die Brandenburgische Prooinzialverwaltung kürzte ihren Betrag infolge ihrer großen Notlage von 25 000 auf 20 000 M. Diese verhältnismäßig geringe Kürzung ist auch darauf zurückzu- führen, daß Landesdirektor Dr. Swart als Vorsitzender des Gaues Mark Brandenburg des Jugendherbergsverbandes eine ideiters Kürzung nicht für tragbar hielt. Es wurden weiter 12 800 M. für bestimmte Jugendherbergen bewilligt. Die Stadt Verlin kiirzte ihren Beitrag von 23 000 auf 17 500 M., die Landesversiche- rungsanstalt Berlin von 10 000 auf 5000 M. Die Landesversiche- rungsanstatt Brandenburg zahlte 3000 M. Beitrag und gab 7500 M. zum Ausbau der Jugendherbergen Peitz, Vietz und„Dat Löwinghus" in Lüdersdorf, Kreis Angermünde Für die gleiche Jugendherberge gab der Provinzialtonferoawr der Provinz Branden- bürg, Prof Dr Blunck. 2000 M. aus feinen Mitteln. Die Beiträge der Kreise, Stadt- und Landgemeinden sanken von 31 399 M. im Jahre 1930 auf 22184 M. im Jahre 1931. Die Beiträge der j Krankenkassen von, 4915 M. im Jahre 1930 auf 4501 M. im Jahre 1931. Je 200 M. zum Ausbau der Jugendherbergen Templin gaben der Regierungspräsident in Potsdam und der Kreis und die Stadt Templist. Neue Jugendherbergen sind erttstanden in AI truppin, Lehnitz bei Oranienburg, Hohenlychen, Lüdersdorf, Kreis Angermünde, Rauen bei Fürstenwalde, Templin, Sttaupitz im Spreewald, Balz bei Vietz, Züllichau, Zehdenick, Lautawerk(N.-L.) und Potsdam- Pfingstberg. Geschlossen wurde die Jugendherberge 7 in Branden- bürg an der Havel, Ruderoereinshaus, ferner die Jugendherberge Neuwedell. Eine ALhraaa durch AU-Berlia, schwdlcrschcs Waisenhaus, Nicolai. Körner. Hau«, Hellig-geistkapell«, Bovletttnteüa macht Dr. Franz Ledrrer Frei- tag. L Juli, 20 Uhr, SpiUelmarft. 300 Kilowatt aus einer Genöeröhre. Während noch vor wenigen Jahren in unseren Rundfunksendern fast ausschließlich Sendcrohren von nur 2,5 kvV-Leistung verwendet wurden, sind in den legten Jahren durch die immer größer werden- den Sendeleistungen die Einheiten der Senderöhren immer gewaltiger geworden. Bor noch gar nicht allzu langer Zeit wurde die wasier- gekühlte 40 lcVV-Röhre als eine besonder» technische Leistung be- trachtet, und es folgte dann vor noch nicht Jahresfrist die 150 klV- Röhre, die z. B. in allen deutschen Großsendern, die sich im Bau befinden, verwendet wird. Damit ist die Entwicklung aber nicht beendet. T e! e f u n k e n hat gerade die ersten 300 kW wassergekühlten Röhren hergestellt, die bemerkenswerte Abmessungen aufweisen: Ihre Höhe beträgt 1,70 Meter, und sie braucht einen Heizstrom von etwa 1800 Amp. bei einer Heizspannung von etwa 17 Volt. Das entspricht einem Heizungsverbrauch von rund 30 kW, was aber in Anbetracht der Nutzleistung von 300 kW gering ist. Die Heizung erfolgt bei diesen Röhren indirekt in der Art wie die modernen Röhren unserer Radio-Empfänger. Die Anodenspan- nung beträgt 12 000 Volt, der Anodenstrom, also der Emissionsstrom, erreicht den hohen Betrag von 150 Amp. Um einen Vergleich zu haben: Der Emissionsstrom in einer gewöhnlichen Empfangsröhre beträgt nur wenige tausendstel Amp. Exhibitionist festgenommen. Vor der Berussschule in der Pettenkoferstraße hatte gestern mittag ein 33 Jahre alter Mann Aufstellugg genom- men und belästigte durch sein Verhalten die Schülerinnen. Als man ihn feststellen wollte, versuchte er zu flüchten, wurde aber eingeholt und festgenommen. Er ist der Kriminalpolizei schon längere Zeit als krankhaft veranlagter Mensch bekannt. Billige llrlaubsiage! Die Allgemeine Deutsche Gesellschaft für Ferien- und Erholungsheime m. b. H., Sitz Jena, Marienftr. 4, teilt mit: Gezwungen durch die heutige Zeit haben wir die Pen- sionspreise in unseren Heimen ab 5. Juni erneut ermäßigt. Sie betragen jetzt 3,50 bis 4 M. Außerdem gewähren wir noch 3 Proz. Rückvergütung, die für den nächsten Aufenthalt guigeschrieben werden, so daß der eigentliche Preis für die Pension nur 3,40 bis 3,90 M. ausmacht. Unsere Heime haben nur Einzelzimmer mit 1, 2 und 3 Betten. Die Ausstattung ist angenehm. Die Lage der Heime reizvoll. Fordern Sie bitte unseren Prospekt, wir über- senden ihn gern(kostenlos) und erteilen bereitwilligst Auskunft. wetferauefichten für Berl'n: Ein wenig kühler, aber zeitweise noch schwül: teils wolkig, teils heiter, Neigung zu einzelnen Regen- fällen und Gewittern: Windorehung auf West.— Für Deulfch- land: Im Osten noch heiter und sehr warm, in Mittel- und West- deutschland vielfach Gewitterbildung und ein wenrg niedrigeren Temperaturen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Lerlin Einsendungen iitr diese Rubrik nur an da« gugendl-lietariak Berlin LW 68 Lindenslrage 2 vorn I Tcevve recht». Abteilungsleiter, gebt sosort da» guli.Prvgramm at! Sesunden auf dem Rast im Erunewald-Stadion 1 Schliissel. Abzuholen vom Sekretariat. Heute, Mittwoch, 20 Uhr: Humannplatz! Spielen auf dem„Erer".— Aadreasplatz, R. F.! Spielen im Friedrichshain.— Balieuplatz: Sportplatz Friedrichshain.— Spauoau- Linden. user 1:„Sozialistische Internationale".— Tempelhos: Lyzeum lsötzstraße:„Was ich im Sefänani» sah".—«dler»hos! Bismarckstr. 1:„Lebensresorm".— Bahn». dors: Wochtelstr. l:„Staatsformen".— Faltenberg: Gutshof:„Warum arbeit«. los?"—»aulsdors: Adolsstr. 25: Heimabend.— Lichtenberg-Ritte: Dossestr. 22: „Tagespolitik".— Reu-Lichtenberg: Sportabend.— Lichtenberg-Nord: Gunter- stratze 44:„Das Arbeitibelchassungsprogramm der Gewerkschaften".— Mahl«» dors: Melanchihonstr. SS: Mitgliederversammlung.— Reiaickendors-West: Seidel- straße l:„Taaespolitii". Werbebezirt Prenzlauer Berg: Vorsttzendenkursus 20 Uhr Sonnenburger Straße 20. Alle Gruppen müssen oertreten sein. Werbetezirl Kreuzberg: W.-B..P. nur mit 1. Vorsitzenden, Urbanstr. 167. Werbeezirk vberspree: Mitgliederversammlung, Lausener Straße:„Einheit«. front", Referent Erich Schmidt. parteinachrichten für Groß-Berlm Einiendungen für diese Rubrik sind � Berlin EW 68. Lindenstratz« S. stet» an das Bezirkssekretartat 2. Kot. 2 Treppen recht», zu richten Die Vereinigung sozialdemokratischer Juristen veranstaltet am Donnerstag, Zd. Zun!, 2g Uhr, im Pschorrbräu-Restaurant, Taueutzien- Ecke Rankestraße, einen Vortragsabend. Redner ist der Genosse Rolf Reventloui, Redakteur der„Volksmacht", Breslau. Thema: „Staat und Gewerkschaften tu Stalten". Beginn aller Veranstaltungen 19V-! Mir. sosern keine besondere Zeitangabe! 2. Kreis. Bildungsausschuß: Donnerstag, Z0. Juni, Sitzung bei Hllbner, Wilsnacker Str. 34. 3. Kreis. Donnerstag, 34. Juni, 16 Uhr, Zusammenkunft erwerbsloser Partei- Mitglieder an bekannter Stelle.„Die letzten Notoerordnungen", Referent Genosse Rohde.— Kreispersammlung der Elternbeiräte Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, bei Sorgatz, Uferstr. 12.„Die Tätigkeit des Elternbeirats", Referent Rektor Wendicke. 15. Kreis. Kreisoorstandssitzung bereits heute, Mittwoch, 23. Juni, an be. lannter Stelle. „in, I------- i -l. i■ b— wwllr-U-ft- IT i 1- ■]■''jf— T 1 i-'Vf"*"pt*•- Y'"" ifrTFT'g.JüiJ-. iferärm— 18. Kreis. Sonntag, 3. Juli, 13 Uhr, findet im Schloßpark Weißen. see ein großes Volksfest unter Mitwirkung der Sportorganisation statt. � Ansprache de» Genossen Franz Künstler, M. d. R. Eintritt 33 Pf., M Kinder frei. Hierzu ladet der Kreisoorstand auch die Parteimitglieder i-- der anderen Kreise herzlich ei». 4.«bt. Freitag, 1. Juli, wichtig» Funktionärsitzung bei Brandis, Stralauer Straße 13. I. Abt. Mittwoch, 2». Juni, Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Made »Vsstz Ftezept SVr Pfund Erdbeeren und Pfund Zucker(doch keinesfalls weniger) ohne Wasser zum Kochen bringen und 10 Minuten brausend durchkochen. Hierauf eine Normalflasche Opekta „flüssig" zu 86 Pfg. sowie den Saft einer Zitrone hineinrühren u. sofort In Gläser füllen. Genaueste Koch- anweisang mit Rezepten liegt jeder Flasche bei. Vorsicht beim Opekta-Ein- kau/1 Nicht zu verwechseln mit ähnlich lautenden Geliermitteln. Opekta ist nur echt mit dem dampfenden 10-Minuten-Topf. Aadiung! Rundi'unkl SIs daran Uber die Sender Berlin Jeden Miilwochvormiliag eon 10.35 bis 10.50 Uhr den sehr Inlarossanian Lehrvcdraj„10 Minuten für dl« forljchrittllchp Hausfrau"«us der Opakta-KUche.— Rezeptdurchgabel Tradran-Opakta Ist Opakta In Pulvarform von gleich hoher Qualltat wie Opekta(lUtsIg. Bautal zu 23 Pfg. für etwa 2 Pfd. Marmelade, und Kartons zu 45 Pfg. für etwa 4 Pfd. Marmelade. Genaue Rezepte liegen jeder Packung bei. fisailigot Kochbuch mit Uber 100 ausführlichen Rezepten für Marmeladen, Gelees, Tortenubergüsse, Eli und SUOspelsan In den Geschäften erhältlich oder gegen Voreinsendung von 20 Pfg. In Briefmarken von der OPEKTA-GESElLSCHAFf M. B.H., KÖLN- RIEHL 205 Opokt« I» oiiao Dragerian und UbanomiltalgaicUlttan Opekta Bein«us FrCcMen gewonnen SoBtofila», Swmemllnder Str. 11.„Tagesvolitische Fragen".— Bonners- tag, 30. Juni, 18 Uhr, Vorslandssitzung bei Dobrohlaw, 20 Uhr Funktionär- sibung. 17. Abi. Die Marlenbestände müssen umgehend beim Genossen Höhne ab- gerechnet werden. 1«. Abt. Heute Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder in der Schönstedt- 31. Abt? Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr, erhalten die Bezirksführer im Partei» lokal Beitragsmarken für Monat Juli. Eventuell Vertreter schicken, da der Kassierer ab Freitag beurlaubt. 48. Abt. Heute 18 Uhr bei Keller, Fürstenstr. 1, Verteilung der Häuserblock- zeitungen. 80. Abt. Freitag, 1. Juli, löse Uhr, Vorstandssttzung bei Eürlich, 20 Uhr erweiterte Vorstandssitzung. 83. Abt. Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Birkenwäldchen, Manteufselstratze.„Der Freiheitskampf und der wirtschaftliche Aufbau", Referent Dr. Otto Suhr. 91. Abt. Unser bewährter Funktionär Emil Wiese, Fontanestr. 29, wird am Donnerstag 70 Jahre alt. Wir wünschen unserem alten Funktionär noch einen ruhigen Lebensabend. 92. Abt. Mittwoch, 29. Juni, im Lokal ILgerheim, Wildenbruchstr. 81, Zu- fammenkunft jüngerer Parteigenosse»,„unsere Agitationsarbeit", Referent Willi Wolfs.— Donnerstag, 30. Juni, Mitgliederversammlung, Aula der Karl-Marx. Schule, Kaiser. Friedrich. Str. 208— 210.„Unser Kamps gegen Hitler.Baroue", Referent Kurt Heinig, M. d. R. 93. Abt. Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr, bei Keil, Prinz-Handjern-Str. 38, wichtige Sitzung des Abteilungsvorstandes mit den Bezirksführern und Bezirkskassterern. 100. Abt. Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr pünktlich, in der Schule wichtige Mitgliederversammlung. 108. und 108a. Abt. Heute, Mittwoch, 29. Juni, 8 Uhr, treffen sich die erwerbs- losen Parteigenossen in der Schlotzstr. 27 zur Flugblattverbreitung. 122. Abt. Heute 20 Uhr wichtige Funktionärsttzung bei Porath. Das Erscheinen| aller Funktionäre einschließlich der Bezirkskassterer ist unbedingt erforderlich. 123. Abt. Heute 20 Uhr Zahlabend der 1. Unterabteilung bei Stärke, Ehar. lotteuburg Ecke Tassostraße. Wichtige Tagesordnung. 131. Abt. Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Zahlabend des 3. Bezirks bei Laude», Uhlandstr. 41.„Wie diskutiere ich mit meinem Gegner?" Referent I. P. Maner. Jrauenoeranftalfungen. 1. Kreis. Freitag, 1. Juli, 19% Uhr, Funktionärinnensitzung bei Mathia, Linienstr. 29. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlsahrt. 1. Kreis Mitte. Sonnabend, 2. Juli, 15 Uhr, Besichtigung des Griinen Hauses in Tegel, Hermsdorfer Str. 21. Treffpunkt um 15 Uhr pünktlich vor dem Haufe. Fahrverbindung: Straßenbahnen 27, 28. 137. Abt. Reinickendorf.West. Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Sitzung der Arbeiter- wohlfahrt im Volkshaus. Alle Helfer(innen) der Arbeiterwohlfahrt sind dazu eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Restfalkeulager Blankensee! Zur Erlangung der Fahrpreis- ermäßigung müßt ihr die Gesundheitsscheine der Nestfalken oder eine namentliche Liste derselben umgehend in der Geschäftsstelle ab- Mltte, Abt. Fritz Wilke: Unsere Gruppenabende fallen wegen iWMW Schließung des Jugendheims bis 1. August aus, desgleichen die Turnabende. Krcuzberg: Falken, die noch Decken verschicken wollen, können dieselben heute zwischen 1 und 5 Uhr im Materialschuppen Lindenftr. 3, Eingang Alte Jakob- straße, abliefern.— Lagergemeiuschaften! Alle Lagerteilnebmer müssen daran � teilnehmen. Rote Falken: 18 Uhr Wassertorstr. 4. Iungfalken: 18 Uhr Urban- i . Oraße 167. Nestfalken Blankensee: 17 Uhr Yorckftr. 11. Nestsalken Uefcerfee «achttägige): 17 Uhr Wassertorstr. 4.,., Neukölln: Vollversammlung aller Zeltlagerteilnehmer heute, Mittwoch, 171/» Uhr, Seim Bergstr. 29. � � r. � Abt. Wcißensee: Anmeldungen für das Ferienlager Uedersee sind umgehend an Genossen Siegfried Kaiser, Hohenschönhausen. Am Faulensee 3, oder im Jugendheim Laseler Str. 2 abzugeben.— Abt. Hohenschönhausen: Donnerstag alles pünktlich zum Ueben im Jugendheim Freienwalder Straße. Tempelhof: Morgen, Donnerstag, 9 Uhr, Untersuchung aller Lagerteil. nehmer in Mariendorf, Markgrafenstraße(Gesundheitshaus). Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 54. Abt. Unser Genosse E r n st? o st ist am Sonnabend, 25.� Juni, ver. starben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, 1. Juli, 18� Uhr, im Krematorium Gerichtstraße. Um rege Beteiligung wird gebeten. 57. Abt. Unser Genosse Ernst Hansmann, Krumme Str. 48, ist nach 30jähriger Mitgliedschaft für immer von uns gegangen. Ehre seinem An- denken! Trauerfcier Donnerstag, 30. Juni, 15 Uhr. im Krematorium Wilmers- dorf, Berliner Straße. 90. Abt. Am 25. Juni verstarb nach langer Krankheit unsere Genossin Anna Kablitz. Neukölln, Donaustr. 18, im 42. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, 30. Juni, 13V; Uhr, auf dem Neuköllner Gemeindefriedhof, Macicndorfer Weg, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Alles auf den Kopf yestellt! Lesen Sie den Schwarzkopf-Prospekt„Kopf zer- brachen", der im Fachgeschäft kostenlos für Sie bereit liegt! Auf diesen Kopf : sind gestellt: eine interessante Aufgabe. Barpreise und die leichte Möglichkeit, i durch„Haarglanz" prachtvolles Haar zu bekommen und zu bewahren! Theater, Lichtspiele usw. Staats Thfatcr Mittwoch, den 29. Joni staatsoper unter den linden 18>/, Uhr Götterdämmerung Staatlidiausoielhaus Gendannmmaitt. 20 Uhr leppc vom Serge Schiller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die Räuber VoiKsbfUine Thealer an ÜOlowplatz SVe Uhr Geld ohne Arbeil Komödie von Alberto Colantaonl Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: flünther Stark SlädLOper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Mittwoch, 29. Juni Turnus 1 Petrusdika Abcamowitsch.Uhlen, Sydow, Croke, Egenlauf, Sori-e Giannl Sdiicdii Friedrich, Hüsch, Fidesser Anfang 20 Uhr Ende 22,15 Uhr MMn Theater Letzte Aufführungen JDie 8'/« Uhi Journalisten lustsp.radiGustav Freytag von Felix Joadilmson Musik: Theo Mackebeo Regie: Heinz Hilpert. plAza 5 u. B15, Stgs. 2,5, 815 U.| Nur nochf 2 T a q e' Schwarzwaldmädel I I essing-Theater Täglich 8% Uhr Pladonna wo bist Du? Erika v. Thellmann Luise Stösei Theodor Loos Josef Wedorn Kapelle Roös: Tanz-Konzert Nachmitt. u. abends Zimmer I Bett v. RM. 5.- ar 2 Betten v.RM.10..an Hotel- Frühstück kompl. RH. 1.50 BertinBahno Hotel EXCELSIOR. Rose-Theater SroGi Frankfarttr SlraBe 13? Tsi. Weidnal E'/ 341! 8.30 Uhr Die eiserne Inndtran Garrenbtthne 5.30 Uhr Konzert u.Varlete Drei anue kleine Mädels 8 u&r 1 3. Flora 3434. Kauinen en. Paul Graetz. Peter Sachse. Jenny& Piccolo. Crocers& Crocers usw. // auch gegen 12 Monats-Raten MaMah Berlin W 66. leipiitzer Strasse 122/123 Zehlendorfer Strafte 5 Nalargarlen TierparK Kinderbelusti&ingen DeuttUallaMeMleH AditunDl Betrifft Reditsabtellungl Aus Anlaß Oer Einäscherung des Koll. Münchederg ist die Rechtsabteilung heute, Mittwoch, nur bis 0 llhr geöffnei. Wir bitten dieses zu beachten. Die Orliverwaltang. «M Metallarheiter-VerhaDii Verwaltangsslelie Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Dreher Franz Hintze geb. 24, April 1874, am 25. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mitl» wach, dem 29. Juni. 19"/, Uhr, im Krematorium Gerichtstraß- statt. Am 20. Juni starb unser Kollege. der Schlosser Bnril Sankowsky geb. 17. November 1878. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. Juni, 141« Uhr, von der Leichenhalle des»I. Gemeindestied- Hofes Pankow, Bahnhofstr., aus statt Ehre ihrem Andenken. Rege Beteiligung erwartet l>le Ortsverveltantz. Am 26. Juni entschlief noch langem schwerem Leiden mein lieber Mann, mein herzensguter Vater, Onkel und Schwager Ernst Hansmann im 60. Lebensjahre. In tiefer Trauer Rosina Hanimann, geb. Säubert Charlotte Haasmann Eharlottenburg, Krumme Straße 48. Einäscherung findet Donnerstag, den 30. Juni, 13 Uhr, im Krematoriuni Wilmersdorf, Berliner Sir 101. statt, ..(MGfaH" Gemeinnützige AKtien-Geseiiscnart für Angestenien-Heimstatten Vermögens-Aufstellung Postscheck- und Bankguthaben Wertpapiere... Schuldner: Vermögen Kassenbestand............... a) Forderungen an Tochtergesellschaften Fo" b) Sonstige Darlehen an Hypotheken: 'orderungen Tochtergesellschaften Mk. 2 339 187.36 .. 2 291 485.80 Mark 132 580.31 [ 783 109.93 6 837,70 4 630 673,16 587 581.05 at Tochtergesellschaften...................... Mk. 2 859 192.53 b) Sonstige Hypotheken...................... 1 ThO 909.3s 4 620 101.91 Beteiligungen......_.............................................. 1 510 020.— Vermieteter Hausbesitz Grundstücke.................................. Mk. 9 666 260,97 Gebäude.................... Mk. 89 498 253.60 Abschreibungen bis 1930...... 1 799 377.46 Mk. 87 09« 876,14 1 373 331.81 86 325 544.33 95 991 805,30 Abschreibung 1931.... Noch aufzulasssende Siedlungen: Grundstücke.................................... Mk. 2 469 193,33 Gebäude........................................ 16 794 316.25 19 263 509,58 Im Bau befindliche Siedlungen: Grundstücke.................................. Mk. 5 060 062.10 Baukosten....................................., 56 651 231,26 61 711 293.30 Verwaltungs- und Dienstgebäude: Grundstücke................................. Mk. Gebäude....................... Mk. 490 941.97 Abschreibung bis 1930........ 43 389.79 467 846,30 Abschreibung 1931 Unbebautes Gelände.. Einrichtungsgegenstände ''' ibu Mk. 447 552.18 19 735.77 427 816.41 Mk. 33 617,10 .. 33 616,10 895 662,71 2 494 440.68 1.— 195 438.51 1 221,— Abschreibung Rückständige Mieten Hinterlegungen.................................. Weif ergeleitete RfA.-Hypotheken................................ 26 878 276,83 Wechselobligo.................................. Mk. 4 197 241,50 Bürgschaften...................................... 5 960 963,08 Hinterlegungen.................................... 1 295 178.71 220 702 553.03 Schulden Aktienkapital........ Ordentliche Rücklage................ Bürgschnfts-Kücklage................... Rücksleiluiigen: Instandhaitungsrückstellung........ Mieterückstellung.................... Siedlungsrückstellung............... Heimag-Bewertungsrückstellung____ Tilgungsrückstellung................... Abschreibungsrückstellung............. Baurrcksteilungen und Barsicherheiten Mk. 539 357,49 ,. 343 729.76 .. 500 000.-- ,. 264 078.08 Mark 6 000 000.— 711 706.51 350 000,— 1 647 165 33 ................... 121 273.09 .................... 76 437.82 ..................... 963 223.52 Zwischenkredite.................................................. 21 331 200,25 Gläubiger: a) Tochtergesellschaften...................... Mk. 1 162 282.48 b) Sonstige...................................... 2 992 969.08 4 155 251.56 Schuldwechsel................................................... 1 407 821.26 Darlehen R. f. A................................................. 107 388.67 Schuldverschreibungen............................................ 1 432 804.58 Hypotheken: auf vermieteten Hausbesitz.................. Mk. 91 636 234,80 Tilgung bis 1930.........................._ 569<>41.99 Tilgung 1931 auf aufzulassende Siedlungen Mk. 91 066 592.81 477 839.25 90 588 753.56 17 639 104.10 45 016 937,68 512 207.16 1 685 515.25 40 713.96 auf im Bau befindliche noch nicht abgerechnete Siedlungen auf Verwaltungs- und Dienstgebäude.......................... auf unbebautes Gelände...................................... Vorausbezahlte Mieten............................................ Weitergeleitete RfA.-Hypotheken................................ 26 873 276.83 Wechselobligo.................................... Mk. 4 197 241,50 Bürgschaften...................................... 5 960 963 08 Hinterlegungen.................................... 1 295 178.71 Gewinn- Vortrag 1930 ./. Verlast 1931 Gewinn......... 52 713.06 15 941,16 36 771,90 220 702.553,03 Gewinn- und Verlust-Rechnung Verlust Mark Unkosten........................................................ 2 071 744.21 Abschreibungen: a/Verwaltungs- und Dienstgebäude.............. Mk. 19 735,77 a/Einricfatung..................................... 33 616.10 a/Beteiligungen..................................■■ 2 054.90.- 55 406,77 Zinsen............................................................ 3 602 150,39 Vermieteter Hausbesitz: Ausgaben für Hypothekenzinsen. Steuern, Lasten. Verwaltungskosten.................. Mk. 8 520 908.23 Abschreibungen................................ 785 193.81 9 306 102,04 Gewinnvortrag 1930.............................. Mk. 52 713,06 ./. Verlust 1931.................................. 15 941.16 Gewinn.......................................................... 36 771.90 15 072 175,31 Aktienkapital: 30 A-Aktien 30 B-„ 5541 D-.. 1 596 Stimmen— Mk. 322 700.— 2 400..—„ 136 300,— 55 410.-.. 5 541 000.- 5601 Aktien 59 406 Stimmen Mk. 6 000 000.- Berlin, den 20. Juni 1932. Für den Aufsichtsrat: Gez: Walter Hannemann, Krug, M. Greger. Gewinn Mark Gewinn-Vortrag I.Januar 1931.................................. 52 713.06 Bauleitungs- und sonstige Erträge.............................. 1 815 318.63 Beteiligungs-Erträge.......................................... 58 036.50 Zinseinnahmen aus Zwisdienkredifen und Hypotheken........ 3 797,109,65 Vermieteter Hausbesitz: Einnahmen.................................................... 9 348 997.47 J 15 072 175.31 Berlin, den 31. Dezember 1931/14. Juni 1932. GAQPAH Gemeinnützige Aktien-Gesellschaft für Angestellten-Heimsfätten Der Vorstand:(gez. Arnold Knoblauch, Dr. Bord ihn. Dr. Steggewentz, Gerlachi. Der vorstehende Jahresabschluß(B'lanz und Gewinn- und Verlustrechnungl sowie die Geschäftsbücher und Schriften der Gagfah sind von uns geprüft. Auf Grund unserer Prüfung und der uns vom Vorstand gegebenen Nachweise und Aufklärungen bestätigen wir, daß 3er Jahresabschluß den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Berlin, den 24. Juni 1932. Treuhand-Gesellschaft für deutsche Atbcit Gesellschaft mit beschränkter Haftung. '(gez. Osterwald t, i. a. Frost). Nach kurzem schwerem Leiden ver- schied am 25. Juni mein lieber Mann, unser guter Vater Nrnst Tost im 62. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Rosa Tost. Die Einäscherung findet am Freitag. dem 1. Juli. 6t/» Uhr, im Kremalorium Gerichtstraße statt. JUERGEN5 Alexanderplatz Neue Königstr.43 Unser Vorstandskollege, der Herrenmaßschneider Ernst Hansmann ist im Alter von 60 Jahren am Sonntag früh nach längerem Leiden an einer Herzkrankheit gestorben. Der Verstorbene ist 34 Jahre Mitglied unseres Verbandes und seit 1903, seit der Sitzverlegung von Stuttgart nach Berlin, ununterbrochen unbesoldetes Mitglied der Zentralleitung gewesen. Bis zum Eintritt der Erkrankung Funktionär seiner Branche in der Filiale Berlin, war der Verstorbene ein rühriger und gewissenhafter Mitarbeiter aus der alten Gewerkschaftsschule, auf dessen Treue und Zuverlässigkeit sich die Bewegung in jeder Stunde stützen konnte. Wir verlieren in dem Heimgegangenen einen ernsten und zielbewußten Mitarbeiter von offenem und lauterm Charakter, dessen Verdienste wir stets in Dankbarkeit gedenken. Berlin, den 28. Juni 1932. Deutscher Bekleidungs- Arbeiter- Verband Zentralleitung Die Einäscherung findet am Donnerstag, dem 30. Juni 1932, um 15 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Straße 100-103, statt. Die Haftpflichtsumme aller Genossen | beträgt RM. 210,0.1. Die Anzahl aller Ii Genossen 7. Hat sich mithin nicht • vermehrt oder vermindert. F. Falleien. Franz Schultz. Leihhaus Lowick! verkauft zu unglaublich billigen Preisen wenig getragene sowie neue Herrengarderobe. Herren- u. Damen- pelze. Weitester Weg lohnt. Keine Lombardware. Prinzenftraße wö. eine Trepp«. MLUSl Schlafzimmer OöO.- bis 1100,—. Dielengurnitur 19,— bis 95,—. Kamer. ling, Kastanienallee 56(Ecke Fehrbellt nerstraßel r r.— 71--.| Goldschmuck, FssllPPSslgP IlZahngebisse. Mlln- '—— Izen, Uhren, Höchst- Ballonräder, zchlend. Soldkrell fabrikneue 35,— Älexanderstrahe 8a, 45,—, 55.—, 68,—, neben Polizeipräst. Werner, straße 9 Tor. Adalbert-sdium. Kottbussei vsplen. LauDB und BalUon Möbelabgabe, modern, für Herren, Damen, Maßgarde robe. Lew», Alexanderstraße So. G Pumpen, Filter, Rohren, Schläuche Armaturen, Spritzpumpen m, komplett ab 22,50, Neubauwohnung Saugepumpen ab931, mit dem die Subvemionslisten der Reichsregierung abschlössen, noch ganz erhebliche Beträge vor allem durch Bürgschaften des Reiches als neue Belastung hinzu- gekommen waren. Bei dem normalen Verlauf hätte die Oeffcntlich- keit von diesen Lasten frühestens im Frühjahr 1933 erfahren. Wie notwendig die sozialdemokratische Forderung nach sofortiger Klar- heit gewesen ist, zeigt die Tatsache, daß jetzt allein an Bürgschaftsverpslichlungen des Reichs für die Zeit vom 1. Oktober 1931 bis 1. April 1932 ein Rettozuwachs von rund 315 Millionen Mark zu verzeichnen ist. Am 1. Oktober 1939 betrugen die gesamten Bürg- schaften des Reichs 684 Millionen Mark, und von diesem Betrag sind bis zum 31. März 1932 425,6 Millionen erloschen. In der gleichen Zeit sind aber für rund 1,7 Milliarden Mark Garantieverpflichtungen vom Reich neu übernommen worden. Der Wohlfahrtsstaat hat also für das Bankkapital, iür In- dustrie und Landwirtschaft nicht schlecht gesorgr. Besonders interessant ist die Entwicklung der Bürgschaften des Reichs zwischen dem 1. Oktober 1931 und dem 31. März 1932. In dieser Zeit sind die Bürgschaften für die Landwirtschaft von 93,3 auf 268,8 Millionen gestiegen.>13,6 Mil- lionen Mark von diesem Betrag entfallen allein auf O st h i l f e- k r e d i t e. Weitere 15 Millionen haben für R o g g e n st ü tz u n g s- k ä u f e und Weizenaufkauf Verwendung gefunden. Außerdem haben sich die Bürgschaften siir Düngemittelkredite von 9,4 auf 57,3 Millionen Mark erhöht. Die Bürgschaften für Handel und Gewerbe betrugen am 31. März 1932 689,2 Millionen, das sind 4l,6 Millionen Mark weniger, als am 1. Oktober 1931. Der Rückgang ist hauptsächlich auf eine Verminderung der Bürgfchaftslasten des Reichs im Außenhandelsgeschäft und hier besonders im Russen- geschäft während des Winters 1931/32 zurückzuführen. Die Bürg- schaften im S ch i f s a h r t s- und Verkehrswesen haben sich bis zum 31. März 1932 um 24 Millionen auf 75,7 Millionen Mark erhöht. Diese 24 Millionen entfallen auf die Reedereien, die bekanntlich auch nach dem 31. März 1932 noch einmal eine sehr erhebliche Bürgschaft von der Reichsregierung erhalten hoben. Der stärkste Rückgang der Bürgschaften hat bezeichnenderweise im TBohnungs- und Siedlungswesen stattgesunden, wo am 31. März 1932 nur noch 175,9 Millionen Mark Bürgschaften bestanden gegen 229,9 Millionen Mark am 1. Oktober 1931. Bei den Banken, für die das Reich am 1. Oktober 1931 für etwa 547,2 Millionen Mark Bürgschaftsoerpslichtungen laufen hatte, haben sich diese Verpflichtungen des Reichs auf etwa 748.5 Willionen Mark erhöht. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil eine Ausfallbürgschaft des Reichs für die Darmstädter und National- bank offiziell nur„nach roher Schätzung" mit rund 499 Millionen Mark bewertet wird. Die Entwicklung der Bankensubventionen und der Bürgschaften des Reichs für Banken ist ms Illustration zu dem Wort vom Wohl- fahrtsstaat besonders treffend. Nach dem Stand von Anfang April >932 hat das Reich durch Beteiligung. Kredite. Bürgschaften und sonstige Zuschüsse folgende Beträge im deutschen Bankwesen investiert: in Millionen Mark insgesamt Bürgschaften Dresdner Bank, Darmstädter und National- bank und Deutsche Orienlbank..- 984,5 497,7 Norddeutsche Kreditbank(früher I. F. Schro- der, Bremen)............ 138 88 Garantie- und Akzeptbank......... 83 66 Commerz- und Privatbank........ 7-, 2— Landesbank für die Rheinprovinz..... 64,9— Allgemeine Deutsche Cleditanstalt..... 16 Deutsche Girozentrale......... 100 100 Berliner Bank für chandel und Grundbesitz. 21 21 Gewerbliche Kreditgenossenschaften..... 47,6 47,6 Verschiedene Banken.........■>8,7_ 18,7 Zusammen 1550,0 749,0 Die Beteiligungen des Reiches, die es als Gegenleistung für diesen enormen Zuschußbelrag bei den versch'edenen Bankinstituten erhalten hat, belausen sich insgesamt aus nur 234 ZNillionen ZNark, von denen aber allein 68 Millionen Mark aus die Garantie- und ?lkzeptbank entsollen, die nicht zu den bereits vor der Krise bestehenden Privatbanken gehört. Garantien von fast 2 Milliarden Mark bedeuten für die Finanzen des Reichs und für die Reichskasse eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Zu einer Zeit, in der die Rcichsbürgschasten wesentlich niedriger, die iinanziellen Möglichkeiten des Reichs ober unvergleichlich besser waren als heute, ist schon auf Antrag der Sozialdemo- k r a t i e ein R ü ck l a g e s o n d s für das erhebliche Risiko ge- bildet worden, das mit der Uebernahme der Bürgschaften verbunden ist. Tatsächlich hat sich der Rücklagefonds als sehr nützlich erwiesen. 89 Millionen Mark Ausfälle bei Reichsbürg- schaften sind insgesamt bereits abgedeckt worden. Für das Jahr 1932 ist die Erhöhung des Risikofonds auf 29 Millionen Mark vor- gesehen. Es ist aber mehr als zweiselhast. ob dieser Betrag auch nur annähernd zur Abdeckung etwa entstehender Verluste ausreichen wird. Denn nebe» den rund 2 Milliarden bereits übernommenen Bürgschaften hat das Reich aus früheren Jahren noch die Ermächti- gung. sür weitere 1,7 Milliarden Mark Bürgschaften Zu über- nehmen. Offiziell wird zwar erklärt, daß„jetzt geprüft werden müsse, welche von diesen Ermächtigungen nunmehr für erledigt er- klärt werden könne"; aber solange diese Prüfung nicht abgeschlossen ist, bestehen noch ungeahnte Möglichkeiten für die Reichsregierung, weiter klassische Beispiele sür die Berechtigung ihres Wortes vom Wohlfahrtsstaal zu liefern. Die direkten Varfubvcvtioncn des Reichs in Jorm von Darlehen an private Unternehmungen, die man schon oft Hot in den«(Hornstein schreiben müssen, sind zwischen dem Ottober 1931 und dem März>932 von 856.5 auf 589,5 Millionen Mark g e- stiegen. Von der Erhöhung entfallen auf Wohnungsfürsorge und Siedlung 13,4 Millionen, auf Landwirtschast und Ernährung 11,1 Millionen und aus Verkehrswesen 5 Millionen Mark. Es unter- liegt keinem Zweifel, daß zahlreiche dieser Reichsdarlehen kaum jemals zurückgezahlt werden dürften. Wenn man daher prüft, welche Garantieermöchtigungen noch aufrechterhalten werden sollen, wird man zweckmäßigerweise gleichzeitig die Schuldner des Reichs einmal genau ansehen. Es wäre nämlich ehrlicher, den größten Teil der Reichsdarlehen so zu nennen, wie sie wirklich heißen müssen, nämlich verlorene Zuschüsse. ?luch bei dieser Gelegenheit wird die Reichsrcgierung feststellen können, daß den größten Nutzen vom Wohlfahrt?- stoat nicht die Arbeiter und Angestellten haben, die sür ihre Beiträge zur Sozialversicherung versicherungsmäßige Leistungen verlangen, wenn sie in Not kommen, sondern di» Jnter- essenten aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und Bankwesen, die den Staat im Falle einer Wirtschaftsdepression als bequeme Sub- vcntionsquclle anzapften. Reichsverireier bei der Schiffahrt. Generalverfonimlunq des Nordlioyd. In Bremen fand gestern die Generalversammlung des Nord- deutschen Lloyd statt, die die vorgeschlagene Sanierung debattenlos genehmigte, was angesichts des großen Entgegen- kommens des Reiches nicht weiter verwunderlich ist. Der Vor- sitzende, Präsident H e i n e k c n, mies daraus hin, daß zur Zeit 3 1 Prozent der deutschen Flotte und 25 Prozent der Flotte des Nordlloyd aufgelegt seien. Die Durchführung des Ab- wrackprogramms sei unbedingt notwendig. Der neue A u f s i ch t s r a t, der auch zugleich der der Hapog ist, besteht aus 28 Mitgliedern. Davon find 8 Vertreter der b r e m i- s ch e n, 8 Vertreter der H a m b u r g i s ch e n, 8 Vertreter der s o n st i g e n Wirtschaft, so daß nur vier Plätze sür Beauf- tragte der Reichsrcgierung übrigbleiben. Es sind dies: Staatssekretär a. D. Bergmann: Staatsminister o. D. Dr. D c r» b u r q: Dr. Otto Fischer(Reichskreditanstalt) und Reichsminister a. D von G u e r a r d. Hier, wie in allen ähnlichen Fällen, ist also das Reich durchaus ungenügend vertreten, obwohl die Schiffahrt?- Verwaltungen ganz offenbar mit weiteren Subventionen rechnen. Wir wollen wenigstens Haffen, daß die Stimmen der Reichsver- treter im Aufsichtsrat entscheidendes Gewicht hoben, und daß diese Herren in den wichtigsten Arbeitsausschüssen(Finanzausschuß) die Führung haben. Günstiger Tietz-Abschluß. 6 proz Dividende.- Umsatz mengenmäßia nicht gesunken. Geschäftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1931(I. Februar 1931 bis 31 Januar 1932) der Leonhard T i e tz A.- G.. Köln, zeigen ein verhältnismäßig so günstiges Bild, wie man es nach dem allgemeinen Umsatzrückgang und nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten bei dem Frankfurter Warenhaus Wronker nicht er- warten konnte. Bei Leonhard Tietz ist der Umsatz von 295.6 M i ll. MarkimJahre 1 939 auf 178, 6Mil l. Markim Jahre 1931, also um nicht ganz 13 Praz., zurückgegangen. Da man für die gleiche Zeit mit einem Preisrückgang van etwa 12 Praz. rechnen muß. ist olsa mengenmäßig der Umsatz fast gehalten worden. Uebrigens ist der Umsatz in den großen Warenhäusern nach Feststellungen de? Warenhausverbandc? wertmäßig um fast 29 Proz. gesunken, so daß Tietz in dieser Gruppe besonders gut dasteht. Der Rohgewinn ist nur wenig, von 64,9 auf 62,2 Mill. Mark zurückgegangen, dem eine Ermäßigung der Unkosten um 1,1 Mill. Mark gegenübersteht. Da die Steuern und die Zinsen um je 9,4 Mill. stiegen und die Abschreibungen von 2,8 aus 3,5 Mill. Mark erhöht wurden, ging der Reingewinn von 36 auf 2,3 Mill Mark zurück. Es wird eine Dividende von 6 Proz. gezahlt. Durch Einzug van eigenen Aktien im Betrage von 6 Mill. Mark wird das Kapital von 37,9 auf 31,9 Mill. Mark herabgesetzt. Die Bezüge des Vorstandes werden mit 898 519 Mark an- gegeben, das find jeKops durchschnittlich 199 999 Mark! Sie„werden sich im laufenden Jahre ermäßigen". Im übrigen scheint die Tietz-Verwaltung die Natoerordnungsbestimmungen nicht genau gelesen zu haben: sie setzt als Aufsichtsratsbezüge im abgelaufenen Jahr die— noch nicht beschlossene und gezahlte!— Tantieme für 1931(70 900 M.) ein, während die Tantieme für 1 939(165 990 M.) auszuweisen war. Beschäftigt waren am 31. Januar 14752 Angestellte und Arbeiter, das sind 6 Proz. weniger als im Vorjahr, trotz des mengenmäßig gehaltenen Umsatzes. Abschluß der Gagsah. Sautätigkeit im Jahre auf ein Viertel zurückgegangen. Von der Drosselung der Wohnungsbautätigkeit ist im Jahre 1931 auch die Gemeinnützige A.- G. für Angestellten- Heimstätten, Berlin, betroffen worden. An der Gagfah, die die Finanzierung von Wohnungsbauten und die Verwaltung der sertiggestellten Wohnungen betreibt, sind neben öffentlichen Instituten die A n g e st c l l t e n v e r b ä n d e jeder Richtung beteiltgt. Bis Ende 1931 hat die Gagfah in ganz Deutschland 462 Siedlungen mit 28 283 Wohnungen hergestellt. Im Jahre 1931 konnte der Bau yon nur> 5 43 Woh- n u n g e n begonnen werden, während es im Jahre zuvor noch 6157 Wohnungen waren. Die Verbindung der Gagfah mit der Rcichsversichernnqsanftolt für Angestellte hätte die Beschaffung erst- stelliger Hypotheken für ein großes Bauprogramm ermöglicht, ober die Drosselung der öfscntlichen Mittel sür die n a ch st e l l i g e n Hypotheken machte solche Pläne unmöglich. Da in das Jahr 1931 eine Anzahl begonnener Bauten aus dem Jahre 1939 übernommen waren, stellte sich die Zahl der im Jahre 1931 sertiggc st eilten Wohnungen auf 6909, während 1304 Wohnungen erst im lausenden Jahre fertig werden. lieber ein geplantes neues Banprogramm werden keine Ziffernangaben gemacht. Personalabbau und Gehaltssenkungen bei ihren Mietern wirken natürlich aus die Gagsah weiter. Bei ihr und ihren Tochter- gesellschasten waren Ende des Jahres 2,4 Proz. des Mietesolls oder 9,28 Mill. Mk. rückständig. Davon wurden 68 999 Mk. als Ver- l u st ausgebucht. Auch die Z i n s r ü ck st ä n d e der Eigenheimbesitzer wachsen ollmählich an. In der Bilanz erscheint der vermietete Hausbesitz mit 96.9 Mill. M., fertige Siedlungen machen 19,3 Mill. M., im Bau besindliebe Siedlungen 61,7 Mill. M. aus. Das sind zu- s a m m c n l 7 7, 9 M i l l. M., denen Hypotheken schulden von 15 5.4 Mill. M. und Zwischenkredite von 21,3 Mill. M. gegenüberstehen. Auf den vermieteten Hausbesitz wurden 1,4 b'lill. M.(also etwa 1,5 Proz.) abgeschrieben: dazu mußte allerdings das Heimag-Rückstellungskonto von 1,1 auf 9,3 Mill. M. ermäßigt werden. Das Geschäftsjahr 1931 schließt mit einem kleinen Verlust von 16099 M., durch den sich der Gewinn-Vortrag aus 37 999 M. ermäßigt. Das 6-Mill.-M.- Kapital bleibt daher ohne Dividende(im Vorjahr 5 Proz.). Die Bewag berichiet. Rückgang des Stromabsatzes/ Tarifsenkung für elektrische Küchen. In der gestrigen Generalversammlung der Berliner Städtische Elektrizitätswerke Akt.-Ges.(Bewag) wurde der Jahresabschluß für das Geschäfisjahr 1931 genehmigt und dem Vorstand und Auf- fichtsrat Entlastung erteilt. Das Aktienkapital der Bewag von 15 Millionen ging 1931 auf die neugegründete Berliner Kraft- und L i ch t- A.> G. über, wodurch auch die Voraussetzun- gen sür das Steuer-Privileg wegsielen. Dies erklärt die erheb- liche Steigerung des Postens Steuern in der Gewinn- und Verlustrechnung. Im Geschäftsjahr 1931 wurden von der Bewag 1213.5 Mill. Kilowattstunden(1939: 1290,6 Mill.) verkauft. Der Rückgang gegen- über dem Vorjahre um rund 6 Proz. liegt unter dem sür die Ge- sanitheit der deutschen Elektrizitätswerke festgestellten Durchschnitt. Der Absatzrückgang beträgt bei den Hochspannungs abnehmern 9,5 Proz., bei den N i e d c r j p a n n u n g s abiichnicrn rund 7 Proz. Verhältnismäßig konstant ist die Abgabe von Fahrstrom an die Berliner 8-Bahn und an die BVG. geblieben. Bei der BVG. hat jedoch eine Umlagerung der Stromabgobe von der Straßen- bahn auf die U-Bahn stattgefunden. Die Bewag-Kraftwerke erzeugten 947,3 Mill. Kilowattstunden(1939; 1956,4 Mill.). An F r c m d st r o m wurden bezogen 476,3 Mill. Kilowattstunden<1930: 441.9 Mill.). Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse stieg im Berichtsjahr die Zahl der eingebauten Zähler um rund 72 999 auf 1 921 327. Da auch heute noch ein erheblicher Prozent- satz der Berliner Wohnungen ohne elektrischen Anschluß ist, wird auch im kommenden Jahre mit einer, ipenn auch verminderten, weiteren Zunahme der Abnehmerzahl zu rechnen sein. Das E l e k t r i s s i m a- Teilzahlungsgeschäft hat 191909 Finanzierungsanträge gegen 134 990 im Vorjahr bearbeitet. Die Gewinn- und V e r l n st r e ch n u n g schließt mit einem Brutto-lleberschuß von 51,6 Mill. M. ab. Dieser Betrag wird satzungsgemaß an die'Aktionärin, die Berliner Kraft- und Licht-Aktiengefellschaft, ausgeschüttet, die daraus die Abschreibungen für die von der Bewag gepachteten Betriebsanlagen und die Um- satzsteuer auf die Umsätze der Bewag zu bestreiten Hot. Der ver- bleibende Rest wird nach Deckung der Kosten für die Gowinnver- teilung und die Konzesfinnsabgabe an die Stadt Berlin verwandt. Das Ergebnis der bisher abgerechneten Monate des neuen Jahres liegt etwa 12,5 Proz. unter dem des Jahres 1931. Um di« Anwendung der Elektrizität zu Wärmezwecken zu erreichen. wurde in der gemeinsamen Aussichtsratssigung der Bewag und der BKL. beschlossen, den Strompreis des Tarifes für die Belieferung von Elcktroküchen in Haushaltungen van 10 aus 8 Pf. je Kilowatt- stunde zu ermäßigen. Neue Ruhrgasenttäuschung. 7,3 Millionen Gesamiverluste. Das Jahr 1931 hat für die Ruhrgas A.-G., die einst zur Er- oberung Deutschlands für die Zeche nfernver- f o r g u n g ausgezogen ist, neue Enttäuschungen gebracht. Die Wirtschaftskrise tat ein übriges, um die Folgen des Fehlgedankens noch peinlicher zu machen. Der Ausbau des Leitungsnetzes wird jetzt als a b g e- schloffen erklärt. Die Hoffnungen, im Süden nach Hessen und im Osten über die Elbe vorzudringen, sind also endgültig begraben. Das Leitungsnetz wurde noch um 130 auf 933 Kilometer erweitert. der Absatz ist aber nur von 718 auf 796 Millionen Kubikmeter gestiegen, das heißt um rund 11 Proz, während im Jahre>939 die Absatzsteigerung noch 79 Proz. betrug. Der Voranschlag für 1931 mit rund 900 Millionen Kubikmeter ist nicht entfernt erreicht, ganz zu schweigen von der früheren Hoffnung, im Jahre 1931 eine Milliarde Kubikmeter abzusetzen. Ebenso wenig erfreulich ist das finanzielle Ergebnis. Im Absatz an eigentliche Verbraucher außerhalb der Konzernwerke hat sich der Ueberschuß aus dem Gasgeschäft je Kubikmeter zwar erhöht, aber die Zinslosten für die enormen Anlagekasten— der Wert der Anlagen erscheint in der Bilanz mit rund 69 Millionen Mark— und die Vermehrung der Ilnkosten und Steuern haben diese Ertragsbesserung iast aniqezehrt Auch 1931 tonnte nur ein relativ kleiner Teil der erforderlichen Abschreibungen oerdient werden. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt einen neuen Verlust von 1,97 Millionen Mark gegenüber einem Verlust von 1,75 Millionen im Jahre 1939. Der Verlustvortrag hat sich jetzt auf 7,3 Millionen Mark erhöht. Im Jahre 1932 haben die ersten fünf Monate nur durch die Rusienailsträqe, d. h. durch stärkere Gaslieserungen an die Konzernsirmen. keinen neuen übermäßigen?lbsotzrückgang gebracht. Es wurden 318 Millionen Kubikmeter gegen 327 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres abgesetzt. Doirohlaw, Swmemünder Sit. 11.„Tagespolitische ffragm".— Donners, tag, 30. Juni, 18 Uhr, Vorstandssitzung bei Dobrohlaw, 30 Uhr Funktionär» ptzung. 17. Abt. Die Markenbestände müssen umgehend beim Genossen Höhne ab- gerechnet werden. 18. Abt. Heute Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder in der Schönstedt. strahe 1. 31. Abt. Donnerstag, 30. Jnni, 20 Uhr, erhalten die Bezirksführer im Partei. lokal Beitragsmarken für Monat Juli. Eventuell Vertreter schicken, da der Kassierer ab Freitag beurlaubt. 48. Abt. Heute 18 Uhr bei Keller, Fürstenstr. 1, Verteilung der Häuserblock- Übt. Freitag, 1. Juli, 18sb Uhr, Vorstandssitzung bei Gütlich, 20 Uhr erweiterte Vorstandssitzung. 83. Abt. Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Mitgliederversammlung im Birkcnwäldchcn, Manteuffelstrasie.„Der Freiheitskampf und der wirtschaftliche Ausbau", Referent Dr. Otto Suhr. 91. Abt. Unser bewährter Funktionär Emil Wiese, Fontanestr. 29, wird am Donnerstag 70 Jahre alt. Wir wünschen unserem alten Funktionär noch einen ruhigen Lebensabend. 92. Abt. Mittwoch, 29. Juni, im Lokal Iägerhcim, Wildenbruchstr. 81. Zu» sammenkunft jüngerer Parteigenossen.„Unsere Agitationsarbeit", Referent Willi Wolfs.— Donnerstag, 30. Juni, Mitgliederversammlung, Aula der Karl.Marx.Schule, Kaiscr-Friedrich-Str. 208—210.„Unser Kampf gegen Hitler-Barone", Referent Kurt Heinig, M. d. R. 93. Abt. Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr, bei Keil, Prinz-Handjerp.Str. 38, wichtige Sitzung des Abteilungsvorstandes mit den Bczirksführern und Bcziriskassierern. 100. Abt. Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr pünktlich, in der Schule wichtige Mitgliederversammlung. 108. und 108a. Abt. Heute, Mittwoch, 29. Juni, 8 Uhr. treffen sich die erwerbs» losen Parteigenossen in der Schlojjstr. 27 zur Flugblattverbrcitung. 122. Abt. Heute 20 Uhr wichtige Funktionärsitzung bei Porath. Da» Erscheinen| aller Funktionäre einschlictzlich der Bezirkskassicrer ist unbedingt erforderlich. 123. Abt. Heute 20 Uhr Zahlabend der 1. Unterabteilung bei Stärke, Chat. lottenburg Ecke Tassostratze. Wichtige Tagesordnung. 131. Abt. Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Zahlabend des ö. Bezirks bei Lauden, Uhlandstr. 41.„Wie diskutiere ich mit meinem Gegner?" Referent I. P. Mayer. Frauenveranstaltungen. 1. Kreis. Freitag, 1. Juli, 19>,tz Uhr, Funktionärinnensitzung bei Mathia, Linienstr. 29. Bezirksausschuh für Arbeiterwohlfahrt. 1. Kreis Mitte. Sonnabend, 2. Juli, 1»? Uhr, Besichtigung des Grünen Hauses in Tegel, Hermsdorfer Str. 21. Treffpunkt um 15 Uhr pünktlich vor dem Haufe. Fahrverbindung: Straßenbahnen 27, 28. 137. Abt. Rcinickendorf-West. Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Sitzung der Arbeiter- mohlfahrt im Volkshaus. Alle Helfer(innen) der Arbeiterwohlfahrt sind dazu eingeladen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-BerUn. Restfaltenlager Blankensee! Zur Erlangung der Fahrpreis- ermäßiguvg müßt ihr die Gesundheitsscheine der Nestfalken oder eine namentliche Liste derselben umgehend in der Geschäftsstelle ab- liefern. Mitte, Abt. Fritz Wilke: Unsere Gruppenabende fallen wcgey WM Schließung des Jugendheims bis 1. August aus, desgleichen die Turnabende. i Kreuzberg: Falken, die noch Decken verschicken wollen, können dieselben heute I zwischen 4 und 5 Uhr im Materialschuppen Lindenftr. 3, Eingang Alte Jakob-\ straße, abliefern.— Lagergemciuschasten! Alle Lagerteilnehmer müssen daran- teilnehmen. Rote Falken: 18 Uhr Wassertorstr. 4. Iungfalken: 18 Uhr Urban-> straße 107. Nestfalken Blankensee! 17 Uhr Porckstr. 11. N-stfalk-n Uederse« (achttägiges! 17 Uhr Wassertorstr. 4...... Neukölln! Vollversammlung aller Zeltlagerteilnehmcr heute, Mittwoch, 1712, Uhr. Seim Bergstr. 29. Abt. Wcitzensee: Anmeldungen für das Ferienlager Uedersee sind umgehend an Genossen Siegfried Kaiser. Sohcnschönhauscn, Am Faulensec 3, oder im Jugendheim Caseler Str. 2 abzugeben.— Abt. Hohenschönhausen: Donnerstag alles pünktlich zum Ucben im Jugendheim Freicnwalder Straße. Tempelhosi Morgen. Donnerstag, 9 Uhr, Untersuchung aller Lagerteil. nehmet in Maricndors, Markgrasenstratzc(Gesundheitshausj. Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 34. Abt. Unser Genosse Ernst? o st ist am Sonnabend, 23.� Juni, verstorben. Ehre seinem Andenken. Einäscherung am Freitag, I. Juli, 18(2 Uhr, im Krematorium Gerichtstratze. Um rege Beteiligung wird gebeten. 37. Abt. Unser Genosse Ernst Hansmann. Krumme Str. 48, ist nach 30jShrigcr Mitgliedschaft für immer von uns gegangen. Ehre seinem An» denken! Trauerfcier Donnerstag, 30. Juni, 13 Uhr. im Krematorium Wilmers» darf, Berliner Straße. 90. Abt. Am 23. Juni verstarb nach langer Krankhelt un,ere Genossin Anna K a b I i tz. Neukölln. Donaustr. 18, im 42. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, 30. Juni, 131.2 Uhr, auf dem Neuköllner Gemcindesriedhof, Mariendorfer Weg, statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. Alles auf den Kopf gestellt! Lesen Sie den Schwarzkopf.Prospekt„Kopf zer» brochen". der im Fachgeschäft kostenlos für Sie bereit liegt! Auf diesen Kopf sind gestellt: eine interessante Ausgabe, Barpreise und die leichte Möglichkeit, durch„Haarglanz" prachtvolles Haar zu bekommen und zu bewahren! Mlllvod», den 29, Juni Staatsoper unter den Linden 18 V« Uhr Götterdämmerung StaatLSdiausoltlliaus ümlarnunmeitl. 20 Uhr jeppe vom Berge Sthlller-Theater Charlottenburg. 20 Uhr Die Räuber Tfigl. 5 u. 8' Uhr Fernando Linder 2Daros,W.Roseo usw. VoUtsbUbne Ttieater am Bölowplatz »>/« Uhr Geld ohne Arbeif Komödie von Alberto Colantuoni Bearbeitet von R. A. Stemmle siegle: Günther Stark srndLOper Charlottenburg Bismarckstraße 34. Mittwoch, 29. Juni Turnus 1 Petrusdika Abcamo wif s di. U b len, Sydow, Groke, Egenlauf, Sorjre Glannl Sdilcdii Friedricfa, Hüsdi, Fidesser Anfang 20 Uhr Ende 22,15 Uhr Deutsdies Theater Letzte Aufführungen Die 8'/« Uhr Journalisten Lustsp.nadi Gustav Freytag von Felix Jeadiimson Musik; Theo Mackebeo Regie: Heinz Hilpert. plAza 5 u. ß13, Stgs. 2,5.815 U. Nur noch* 2 T a fl e* Sthwarrwalötnädel Lessing-Theater Täglich 81/* Uhr Madonna wo blsf Dn? Erika v. Thellmann Luise Stösei Theodor Loos Josef Wedorn Kapelle Roös: Tanz-Konzert Nachmltt. u. aüenör Zimmer I Bett v. UM. 5.. ar 2 Betten v.RM.10,.«ii Höfel-FrühstOck kompl. RH. 1.50 Berlin" Anh I Bahnlt. Hotel EXCELSIOR. Rose- Tliealer GraGi frankierter StraBe lZ! Tel. Weidnal E) 341! 8.30 Uhr Die eiserne Innglran Gartenbllhue 5.30 Uhr Konzert u.Varlete Drei arme kleine Mädels und Sonntage Berlins schönstes KINDERFEST ouf dem gesamten Ausstellungsgelände der SOMMERSCHAU „Sonne, Luftu. HausfurAlle'' am Funkturm WintQr • Garten• 8 Uhr 1 3. Flora 3434. Räumen en. Paul Graetz. Peter Sachse. 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Rege Beteiligung erwartet Dir Drtsvervaltnnsi. Am 26. Juni entschlief nach langem schwerem Leiben mein lieber Mann. mein herzensguter Vater, Onkel und Schwager Ernst Hansmann im 60. Lebensjahre. In tiefer Trauer Roein« Hanimann, geb. Täubert Charlotte Hausmann Charlottenburg, Krumme Straße 48. Einäscherung findet Donnerstag, den 30. Juni, 13 Uhr, im Krematorium Wilmersdorf, Berliner Slr 101. statt. „GAGFAH" Gemeinnützige Aktien-Geseüscnart für Angesfeiüen-Heimstätten Vermögens-Aufstellung VerrnGgen Postscheck- und Kassenbestand................................ Bankguthaben.................................................... Wertpapiere...................................................... Schuldner: a) Forderungen an Tochtergesellschaften.... Mk. 2.339 187..% b) Sonstige Forderungen........................ 2 291 4S5.80 Darlehen an Tochtergesellschaften.............................. Hypotheken: a) Tochtergesellschaften...................... Mk. 2 859 192,53 b) Sonstige Hypotheken...................... i 700 909.% Beteiligungen.................................................... Vermieteter Hausbesitz Grundstücke.................................. Mk. 9 666 260,97 Gebäude.................... Mk. 89 498 253.60 Abschreibungen bis 1930..... 1 709 377.46 Mark 132 580.31 1 783 109.93 6 837,70 4 630 673.16 587 581.05 4 620 101.91 1 510 020,— Mk. 87 698 876.14 1 373 331.81 Abschreibung 1931...... Noch aufzulasssende Siedlungen: Grundstücke.................................... Mk. 2 469 193.33 Gebäude...................................... Im Bau betindlidie Siedlungen: Grundstüdce.....!............................ Mk. 5 060 062.10 Baukosten....................................% 651 231.20 Verwaltungs- und Dienstgebände: Grundstücke................................. Mk. 467 846,30 Gebäude....................... Mk. 490 941.97 Abschreibung bis 1930........ 43 389.79 86 325 544.33 95 991 805.30 19 263 509,58 61 711 293.30 Mk. 447 552.18 19 735.77 427 816,41 Abschreibung 1931....... Unbebautes Gelände.............................................. Einrichtungsgegenstände.......................... Mk. 33 617. 10 Absdireivung.................................... 33 616.10 Rückständige Mieten.............................................. Hinterlegungen.................................................. Weitergeleitete RfA.-Hypotheken................................ Wechselobligo.................................. Mk. 4 197 241,50 Bürgschaften...................................... 5 960 963.08 Hinterlegungen.................................... 1 295 178.71 895 662.71 2 494 440.68 1.— 195 438.51 1 221.— 26 878 276,83 220 702 553.03 Aktienkapital......... Ordeniliche Rücklage........ Bürgsdinfts-Kücklage.......... Rückstellungen: Instandhaltungsrückstellung Schulden ........ Mk. 539 357.49 Mieterückstellung.................................. 343 729.76 Siedlungsrückstellung............................ 500 000,— Heimag-Bcwertungsrückstellung................. 2»4 07*. OS Tilgungsrückstellnng............................................. Abschreibungsrückstellung........................................ Bnurücksteilungen und Barsicherheiten.......................... Zwischenkredite.................................................. Glaubiger: a) Tochtergesellschaften...................... Mk. 1 162 282.48 b) Sonstige...................................... 2 992 969.08 Schnldwechsel................................................... Darlehen R. f. A................................................. Schuldverschreibungen............................................ Hypotheken: auf\ ermieteten Hausbesitz.................. Mk. 91 636 234,80 Tilgung bis 1930........................ 5h9ft41.9J Mk. 91 066 592.81 ....... 477 839.25 Tilgung 1931..................... auf aufzulassende Siedlungen...................._.............. auf im Bau befindliche noch nicht abgerechnete Siedlungen auf Verwaltungs- und Dienstgebäude.......................... auf unbebautes Gelände...................................... Vorausbezahlte Mieten............................................ Weitergeleitete RfA.-Hypotheken................................ Wechselobligo................%................... Mk. 4 197 241.50 Bürgschaften.................................... 5 960 963.08 Hinterlegungen.................................... 1 295 178,71 Gewinn- Vortrag 1930.............................. 52 713.06 ./. Verlust 1931.................................... 15 941.16 Gewinn............................................................ Mark 6 000 000.— 711 706,51 350 000,— 1 647 165 33 121 273.09 76 437.82 963 223.52 21 331 200,25 4 155 251.56 1 407 821,26 107 388.67 1 432 804.58 90 588 753.56 17 639 104.10 45 016 937.68 512 207.16 1 685 515.25 40 713.96 26 873 276.83 36 771.90 220 702.553.03 Gewinn- und Verlust-Rechnung Verlost Unkosten........................................................ Abschreibungen: a/ Verwaltungs- und Dienstgebäude.............. Mk. 19 735.77 a/Einrichiung....................................... 33 616.10 a/Beteiligungen................................ 2 054.90. Zinsen............................................................ 3 Mark 071 744.21 55 406,77 602 150.39 Vermieteter Hausbesitz: Ausgaben für Hypothekenzinsen. Steuern, Lasten. Verwaftuiigskösten.................. Mk. 8 520 908,23 Abschreibungen................................ 785 193.81 9 306 102,04 Gewinnvortrag 1930.............................. Mk. 52 713,06 ./. Verlust 1931.................................. 15 941.16 Gewinn............................-................................ 36 771,90 15 072 175.31 Aktienkapital: 30 A-Aktien 30 B-.. 5541 D-.. 5601 1 596 Stimmen= Mk. 322 700.— 2 400..—.. 136 300.— 53 410.— 5 541 000,— Mk. f) 000 000,- Aktien 59 406 Stimmen Berlin, den 20. Juni 1932. Für den Aufsichtsraf: Gez: Walter Hannemann, Krug, M. Greger. Gewinn Gewinn-Vortrag 1. Januar 1931.................................. Bauleitungs- und sonstige Erträge.............................. 1 Beteiligungs-Erträge........................................... Zinseinnahmen aus Zwischenkrediten und Hypotheken........ 3 Vermieteter Hausbesitz: Einnahmen.................................................... 9 Mark 52 713.06 815 318.63 38 036.50 797,109,65 348 997,47 : •...... vi 15 072 175.31 Berlin, den 31. Dezember 1931/14. Juni 1932. GAGfAH Gemeinnützige Aktien-Geselhchaft ffirAngesiellten-Heimsiätlen Der Vorstand:(gez. Arnold Knoblauch, Dr. Bordihn, Dr. Steggewentz, Gerlach). Der vorstehende Jahresabschluß(B'lanz und Gewinn- und Verlustrechnung) sowie die Geschäftsbücher und Schriften der Gagfah sind von uns geprüft. Auf Grund unserer Prüfung und der uns vom Vorstand gegebenen Nachweise und Aufklärungen bestätigen wir, daß der Jahresabschluß den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Berlin, den 24. Juni 1932. Treuhand-GeselUcfaafl für deutsdie Atbeii GeielUchaft mit betchränkier Haftung. '(gez. Osterwoldt, i. a. Frost). Nach kurzem schwerem Leiden ver- schied am 25. Juni mein lieber Mann, unser guter Bater Lmsl Tost im 62. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Uosa Tost. Die Einäscherung findet am Freitag. dem l. Juli. 6-/» Uhr, in> Kremalorium Gerichtstratze statt. JUERGEN5 Alexanderplatz Neue Königstr.4-3 Unser Vorstandst ollege, der Herrenmaßschneider Ernst Hansaann ist im Alter von 60 Jahren am Sonntag früh nach längerem Leiden an einer Herzkrankheit gestorben. Der Verstorbene ist 34 Jahre Mitglied unseres Verbandes und seit 1903, seit der Sitzverlegung von Stuttgart nach Berlin, ununterbrochen unbesoldetes Mitglied der Zentralleitung gewesen. Bis zum Eintritt der Erkrankung Funktionär seiner Branche in der Filiale Berlin, war der Verstorbene ein rühriger und gewissenhafter Mitarbeiter aus der alten Gewerkschaftsschule, auf dessen Treue und Zuverlässigkeit sich die Bewegung in jeder Stunde stützen konnte. Wir verlieren in dem Heimgegangenen einen ernsten und zielbewußten Mitarbeiter von offenem und lanterm Charakter, dessen Verdienste wir stets in Dankbarkeit gedenken. Berlin, den 28. Juni 1932. Deutscher Bekleidungs- Arbeiter- Verband Zentralleitung Die Haftpflichtsumme aller Genossen beträgt RM. 210,0». Die Anzahl aller | Genossen 7. Hat sich m.thin nicht vermehrt oder vermindert. F. Fallesen. Franz Scfanliz. Leihhaus Lowick! verkauft zu un» glaublich billigen Preisen wenig ge» tragene sowie neue Herrengarderobe. Herren- u. Damen- pelze. 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Iuni 1932 Wohlfahrtsansialt für wen? Eine Antwort aus den Gubventions- und Garantielisisn des Michshaushalts. Als im Frühjahr 193 2 dem Reichshaushaltsousschuß Mit- teilungen über die Darlehen und Bürgschaften des Reichs an private Unternehmungen gemacht wurden, forderte die Sozial- demokratie sofort, daß diese Anqaben auf den Stand vom 1. April 1932 gebracht würden. Der Grund hierfür war, daß zwischen dem 1. Oktober 19 31, mit dem die Suboentionslisten der Reichsregierung abschlössen, noch ganz erhebliche Belrägc vor allem durch Bürgschaften des Reiches als neue Belastung hinzu- gekommen waren. Bei dem normalen Verlauf hatte die Oefsentlich- keit von diesen Lasten frühestens im Frühjahr 1933 erfahren. Wie notwendig die sozialdemokratische Förderung nach sofortiger Klar- heit gewesen ist, zeigt die Tatsache, daß jetzt allein an Bürgschaflsvrrpslichlungen des Reichs für die Zeit vom 1. Oktober 1931 bis 1. April 1932 ein Rettozuwochs von rund 31S Millionen Mark zu verzeichnen ist. Am 1. Oktober 1930 betrugen die gesamten Bürg- schaften des Reichs 654 Millionen Mark, und von diesem Betrag sind bis zum 31. März 1932 425,6 Millionen erloschen. In der gleichen Zeit sind aber für rund 1,7 Milliarden Mark Garantieverpflichtungen vom Reich neu übernommen worden. Der Wohlfahrtsstaat hat also für dos Bankkapital, iür In- duftrie und Landwirtschaft nicht schlecht geforgi. Besonders interessant ist die Entwicklung der Bürgschaften des Reichs zwischen dem 1. Oktober 1931 und dem 31. März 1932. In dieser Zeit sind die Bürgschaften für die Landwirtschaft von 9 3,3 auf 268,8 Millionen gestiegen. 1 13,6 Mil- lionen Mark von diesem Betrog entfallen ollein auf O st h i l f e- k r e d i t e. Weitere 15 Millionen haben für R o g g e n st ü tz u n g s- k ö u s e und Weizenaufkaus Verwendung gesunden. Außerdem haben sich die Bürgschasten siir Düngemittelkredite von 0,4 auf 57,3 Millionen Mark erhöht. Die Bürgschaften für Handel und Gewerbe betrugen am 31. März 1932 689,2 Millionen, das sind 41,6 Mil- lionen Mark weniger, als am 1. Oktober 1931. Der Rückgang ist hauptsächlich auf eine Verminderung der Bürgschastslasten des Reichs im Außenhandelsgeschäft und hier besonders im Russen- geschäft während des Winters 1931/32 zurückzuführen. Die Bürg- schaften im S ch i f f a h r t s- und Verkehrswesen haben sich bis zum 31. März 1932 um 24 Millionen auf 75,7 Millionen Mark erhöht. Diese 24 Millionen entfallen auf die Reedereien, die bekanntlich auch nach dem 31. März 1932 noch einmal eine sehr erhebliche Bürgschaft von der Reichsregierung erhalten haben. Der stärkste Rückgang der Bürgschaften hat bezeichnenderweise im Mohnungs- und Siedlungswesen stattgefunden, wo am 31. März 1932 nur»och 175,9 Millionen Mark Bürgschaften bestanden gegen 220,9 Millionen Mark am 1. Oktober 1931. Bei den Banken, für die das Reich am 1. Oktober 1931 für etwa 547,2 Millionen Mark Bürgfchastsverpslichtungen laufen hatte, haben sich diese Verpflichtungen des Reichs auf etwa 748,5 Willionen Mark erhöht. Genaue Zahlen gibt es nicht, weil eine Ausfallbürgschaft des Reichs für die Darmstädter und National- bank offiziell nur„nach roher Schätzung" mit rund 400 Millionen Mark bewertet wird. Die Entwicklung der Bankensubventionen und der Bürgschaften des Reichs für Banken ist ms Illustration zu dem Wort vom Wohl- fahrtsftaat besonders treffend. Nach dem Stand von Anfang April 1932 hat das Reich durch Beteiligung, Kredite, Bürgschaften und sonstige Zuschüsse folgende Beträge im deutschen Bankwesen investiert: ln Millionen Mark insgesamt bürgschasten Dresdner Bank, Darmstädter und National- bank und Deutsche Orienlbank..... 984,5 407,7 Norddeutsche Kreditbank(früher I. F. Schrö- der, Bremen)............ 138 88 Garantie- und Akzeptbank......... 83 66 Commerz- und Privatbank........ 7-, 2— Landesbank für die Rheinprovinz..... 64,0— Allgemeine Deutsche Creditanstalt..... 16— Deutsche Girozentrale......... 100 100 Berliner Bank für chandel und Grundbesitz. 21 21 Gewerbliche Kreditgenossenschaften..... 47,6 47,6 Verschiedene Banken.......... 18,7_ 18,7 Zusammen 1550,0 749,0 Die Beteiligungen des Reiches, die es als Gegenleistung für dieser» enormen Zuschußbetrag bei den versch'edenen Bankinstituten erhalten hat, belausen sich insgesamt aus nur 234 Tstillionen Mark. von denen aber allein 65 Millionen Mark auf die Garantie- und Akzeptbank entfallen, die nicht zu den bereits vor der Krise bestehenden Privatbanken gehört. Garantien von fast 2 Milliarden Mark bedeuten für die Finanzen des Reichs und für die Reichskasje eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Zu einer Zeit, in der die Reichsbürgschasten wesentlich niedriger, die finanziellen Möglichkeiten des Reichs aber unvergleichlich besser waren als heute, ist schon auf Antrag der Sozialdemo- kratie ein Rücklagcfands für das erhebliche Risiko gc- bildet worden, das mit der Uebernahme der Bürzschaften verbunden ist. Tatsächlich hat sich der Rücklagcsonds als sehr nützlich erwiesen. 8 0 Millionen Mark Ausfälle bei Reichsbürg- schaften sind insgesamt bereits abgedeckt worden. Für das Jahr 1932 ist die Erhöhung des Risikofonds auf 20 Millionen Mark vorgesehen. Es ist aber mehr als zweifelhaft, ob dieser Betrag auch nur annähernd zur Abdeckung etwa entstehender Verluste ausreichen wird. Denn neben den rund 2 Milliarden bereits übernommenen Bürgschasten Hot das Reich aus früheren Jahren noch die Ermächti- gung, für weitere 1,7 Milliarden Mark Bürgschaften Zu übernehmen. Offiziell wird zwar erklärt, daß„jetzt geprüft werden müsse, welche von diesen Ermächtigungen nunmehr für erledigt er- klärt werden könne"', ober solange diese Prüfung nicht abgeschlossen ist, bestehen noch ungeahnte Möglichkeiten für die Reichsregierung, weiter klassische Beispiele siir die Berechtigung ihres Warles vom Wohlfahrtsstaat zu liefern, Die direkten Varsubvcvtioucn des Reichs in Form von Darlehen an private Unternehmungen, die man schon oft hat in den Schornstein schreiben müssen, sind zwischen dem Ottober 1931 und dem März 1932 von 856,5 aus 889,5 Millionen Mark g e- stiegen. Von der Erhöhung entfallen auf Wohnungsfürsorge und Siedlung 13,4 Millionen, auf Landwirtschast und Ernährung 11,1 Millionen und aus Verkehrswesen 5 Millionen Mark. Es unter- liegt keinem Zweifel, daß zahlreiche dieser Reichsdorlehen kaum jemals zurückgezahlt werden dürsten. Wenn man daher prüft, welche Garantieermächtigungcn nach aufrechterhalten werden sollen, wird man zweckmäßigerweise gleichzeitig die Schuldner des Reichs einmal genau ansehen. Es wäre nämlich ehrlicher, den größten Teil der Reichsdarlehen so zu nennen, wie sie wirklich heißen müssen, nämlich verlorene Zuschüsse. 2luch bei dieser Gelegenheit wird die Reichsregierung feststellen können, daß den größten Nutzen vom Wohlfahrt?- staat nicht die Arbeiter und Ange st eilten haben, die für ihre Beiträge zur Sozialversicherung versicherungsmäßige Leistungen verlangen, wenn sie in Not kommen, sondern die Intcr- essenten aus Industrie, Handel, Landwirtschaft und Bankwesen, die den Staat im Falle einer Wirtschastsdepression als bequeme Sub- ventionsquelle anzapften. Neichsverireier bei der Schiffahrt. Genefalversommlunq des fRordlioyd. In Bremen fand gestern die Generalversammlung des Norddeutschen Lloyd statt, die die vorgeschlagene Sanierung debattenlos genehmigte, was angesichts des großen Entgegen- kommen? des Reiches nicht weiter verwunderlich ist. Der Vor- sitzende, Präsident H e i n e k e n, wies darauf hin, daß zur Zeit 3 l Prozent der deutschen Flotte und 25 Prozent der Flotte des Nordlloyd aufgelegt seien. Die Durchführung des Ab- wrackprogromms fei unbedingt notwendig. Der neue A u f s i ch t s r a t. der auch zugleich der der Hapog ist, besteht aus 28 Mitgliedern. Davon find 8 Vertreter der b r e m i- scheu, 8 Vertreter der Hamburgischen, 8 Vertreter der s o n st i g e n Wirtschaft, so daß nur vier Plätze für Beouf- tragte der Reichsregierung übrigbleiben. Es sind dies: Staatssekretär a. D. Bergmann: Staatsministcr a. D. Dr. D e r» b u r g, Dr. Otto Fischer(Reichskreditanstalt) und Reichsminister a. D von G u e r a r d. Hier, wie in allen ähnlichen Fällen, ist also das Reich durchaus ungenügend vertreten, obwohl die Schissahrts- Verwaltungen ganz offenbar mit welteren Subventionen rechnen. Wir wollen wenigstens hoffen, daß die Stimmen der Rcichsver- treter im Aufsichtsrat entscheidendes Gewicht haben, und daß diese Herren in den wichtigsten Arbeitsausschüssen(Finanzausschuß) die Führung haben. Günstiger Tietz-Abfchluß. 6 proz Dividende.- Umfaß menzenmä'ßiq nicht aefunken. Geschäftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1931(l. Fe- bruar 193l bis 31 Januar 19321 der Leonhard Tietz A.- G., Köln, zeigen ein verhältnismäßig so günstiges Bild, wie man es nach dem allgemeinen Umsatzrückgang und nach Bekanntwerden der Schwierigkeiten bei dem Frankfurter Warenhaus Wronker nicht er- warten konnte. Bei Leonhard Tietz ist der Umsatz von 205,6 Mill. MarkimIahre 1930auf 1 78,6 Mill. Mark im Jahre 1931, also um nicht ganz 13 Proz., zurückgegangen. Da man für die gleiche Zeit mit einem Preisrückgang von etwa 12 Proz. rechnen muß. ist also mengenmäßig der Umsatz fast gehalten worden. Ilebrigens ist der Umsatz in den großen Warenhäusern nach Feststellungen des Warenhausverbandes wertmäßig um fast 20 Proz. gesunken, so daß Tietz in dieser Gruppe besonders gut dasteht. Der R o h g e w i n n ist nur wenig, van 64,0 auf 62,2 Mill. Mark zurückgegangen, dem eine Ermäßigung der Unkosten um 1,1 Mill. Mark gegenübersteht. Da die Steuern und die Zinsen um je 0,4 Mill. stiegen und die Abschreibungen von 2,8 auf 3,5 Mill. Mark erhöht wurden, ging der Reingewinn von 3.6 aus 2,3 Mill. Mark zurück. Es wird eine Dividende von 6 Proz. gezahlt. Durch Einzug van eigenen Aktien im Betrage von 6 Mill. Mark wird das Kapital von 37,0 auf 31,0 Mill. Mark herabgesetzt. Die Bezüge des Vorstandes werden mit 898 510 Mark an- gegeben, das find je Kopf durchschnittlich 100 000 Mark! Sie„werden sich im laufenden Jahre ermäßigen". Im übrigen scheint die Tietz-Berwaltung die Notoerordnungsbestimmungen nicht genau gelesen zu haben: sie setzt als Aufsichtsratsbezüge im abgelaufenen Jahr die— noch nicht beschlossene und gezahlte!— Tantieme für 1931(70000 M.) ein. während die Tantieme für 1 93 0(165 000 M.) auszuweisen war. Beschäftigt waren am 31. Januar 14 752 Angestellte und Arbeiter, das sind 6 Proz. weniger als im Vorjahr, trotz des mengenmäßig gehaltenen Umsatzes. Abschluß der Gagsah. Saukätigkeit im Fahre 1931 auf ein Viertel zurückgegangen. Von der Drosselung der Wohnungsbautätigkeit ist im Jahre 1931 auch die Gemeinnützige A.- G. für A n g e st e l l t e n- H e i m st ä t t e n, Berlin, betroffen worden. An der Gagfah, die die Finanzierung van Wohnungsbauten und die Verwaltung der sertiggestellten Wohnungen betreibt, sind neben öffentlichen Instituten die A n g e st c l l t e n v e r b ä n d e jeder Richtung beteiligt. Bis Ende 1931 hat die Gagfah in ganz Deutschland 462 Siedlungen init 28 283 Wohnungen hergestellt. Im Jahre 1931 konnte der Bau yon nur 1 5 43 Woh- nungen begonnen werden, während es im Jahre zuvor noch 6157 Wohnungen waren. Die Verbindung der Gagfah mit der Rcichsversicherunqsanstolt für Angestellte hätte die Beschaffung erst- ftclliger Hypotheken für ein großes Bauprogramm ermöglicht, ober die Drosselung der öffentlichen Mittel für die n a ch st e l l i g e n Hypotheken machte solche Pläne unmöglich. Da in das Jahr 1931 eine Anzahl begonnener Bauten aus dem Jahre 1930 übernommen waren, stellte sich die Zahl der im Jahre 1931 fertigge st eilten Wohnungen aus 6000, während 1304 Wohnungen erst im lausenden Jahre fertig werden. lieber ein geplantes neues Bauprogramm werden keine Zifsernangaben gemocht. Personalabbau und Gehaltssenkungen bei ihre» Mietern wirken natürlich aus die Gagfah weiter. Bei ihr und ihren Tochter- gesellschaften waren Ende des Jahres 2,4 Proz. des Mietesolls oder 0,28 Mill. Mk. rückständig. Davon wurden 68 000 Mk. als Ver- l u st ausgebucht. Auch die Z i n s r ü ck st ä n d c der Eigenheimbesitzer wachsen allmählich an. In der Bilanz erscheint der vermietete Hausbesitz mit 96.0 Mill. M.. fertige Siedlungen machen 19,3 Mill. M., im Bau befindticbe Siedlungen 61,7 Mill. M. aus. Das find zu- f a in m c n 17 7,0 Mill. M., denen Hypothekcnschulden von 15 5,4 Mill. M. und Zwischenkredite von 21,3 Mill. M. gegenüber st ehe». Auf den vermieteten Hausbesitz wurden l,4 Mill. M.(also etwa 1,5 Proz.) abgeschrieben: dazu mußte allerdings das Heimag-Rückstellungskonto von 1,1 auf 0,3 Mill. M. ermäßigt werden. Das Geschäftsjahr 1931 schließt mit einem kleinen Verlust von 16000 M., durch den sich der Gewinn-Vortrag aus 37 090 M. ermäßigt. Das 6-Mill.-M.- i Kapital bleibt daher ohne Dividende(im Vorjahr 5 Proz.). Die Bewag berichtet. Rückgang des Gtromahsatzes/ Tarifsenkung für elektrische Küchen. In der gestrigen Generalversammlung der Berliner Städtische Elektrizitätswerke Akt.-Ges.(Bewag) wurde der Jahresabschluß für das Geschäftsjahr 1931 genehmigt und dem Vorstand und Auf- fichtsrat Entlastung erteilt. Das Aktienkapital der Bewag van 15 Millionen ging 1931 auf die neugegründete Berliner Kraft- und L i ch t- A.- G. über, wodurch auch die Voraussetzungen für das Steuer-Privileg wegfielen. Dies erklärt die erheb- liche Steigerung des Postens Steuern in der Gewinn- und Verluftrcchnung. Im Geschäftsjahr 1931 wurden von der Bewag 1213,5 Mill. Kilowattstunden(1930: 1290,6 Mill.) verkaust. Der Rückgang gegenüber dem Vorjahre um rund 6 Proz. liegt unter dem für die Ge- samtheit der deutschen Elektrizitätswerke festgestellten Durchschnitt. Der Absatzrllckgang beträgt bei den Hochspan nungs abnehmcrn 9,5 Proz., bei den N i e d e r j p a n n u n g s abnehmern rund 7 Proz. Verhältnismäßig konstant ist die Abgabe van Fahrstrom an die Berliner 55-Bahn und an die BVG. geblieben. Bei der BVG. hat jedoch eine Ilmlagerung der Stromabgabe von der Straßen- bahn auf die(.'-Bahn stattgesunden. Die Bewag-Kraftwerke erzeugten 947,3 Mill. Kilowattstunden(1930; 1056,4 Mill.). An Fremdstrom wurden bezogen 476,3 Mill. Kilowattstviideii<1930: 441.0 Mill.). Trotz der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse stieg im Berichtsjahr die Zahl der eingebauten Zähler um rund 72 000 auf 1021 327. Da auch heute noch ein erheblicher Prozent- jag der Berliner Wohnungen ohne elektrischen Anschluß ist, wird auch im kommenden Jahre mit einer, tzienn auch verminderten, weiteren Zunahme der Abnehmerzahl zu rechnen sein. Das E l e k t r i s f i m a- Teilzahlungsgeschäft hat 101000 Finaiizicrungsanlräge gegen 134 000 im Vorjahr bearbeitet. Die Gewinn- und V e r l u st r e ch n u n g schließt mit einem Brutto-IIeberschuß von 51,6 Mill. M. ab. Dieser Betrag wird satzungsgcmäß an die Aktionärin, die Berliner Kraft- und Licht-Aktiengesellschaft, ausgeschüttet, die daraus die Abschreibungen für die von der Bewag gepachteten Betriebsonlagen und die Um- satzsteuer auf die Umsätze der Bewag zu bestreiten Hot. Der ver- bleibende Rest wird nach Deckung der Kosten für die Gcwiniiver- tcilung und die Konzessinnsabgabe an die Stadt Berlin verwandt. Das Ergebnis der bisher abgerechneten Monate des neuen Jahres liegt etwa 12.5 Proz. unter dem de? Jahres 1931. Ilm die Anwendung der Elektrizität zu Wärmezwecken zu erreichen, wurde in der gemeinsamen Aussichtsratssitzung der Bewag und der BKL. beschlossen, den Strompreis des Tarifes für die Belieferung von Elektroküchen in Haushaltungen von 10 aus 8 Pf. je Kilowatt- stunde zu ermäßigen. Neue Ruhrgasenttäuschung. 7,3 Millionen Gesamtverluste. Das Jahr 1931 hat für die Ruhrgas A.-G-, die einst zur Er- oberung Deutschlands für die Zeche nfernver- f o r g u n g ausgezogen ist, neue Enttäuschungen gebracht. Die Wirtschaftskrise tat ein übriges, um die Folgen des Fehlgedankens noch peinlicher zu machen. Der Ausbau des Leitungsnetzes wird jetzt als a b g e- schlössen erklärt. Die Hoffnungen, im Süden nach Hessen und im Osten über die Elbe vorzudringen, sind also endgültig begraben. Das Leitungsnetz wurde noch um 130 auf 933 Kilometer erweitert. der Absatz ist aber nur von 718 auf 796 Millionen Kubikmeter gestiegen, das heißt um rund 11 Proz, während im Jahre 1930 die Absatzsteigerung noch 70 Proz. betrug. Der Voranschlag für 1931 mit rund 900 Millionen Kubikmeter ist nicht entfernt erreicht, ganz zu schweigen von der früheren Hoffnung, im Jahre 1931 eine Milliarde Kubikmeter abzusetzen. Ebenso wenig erfreulich ist das finanzielle Ergebnis. Im Absatz an eigentliche Verbraucher außerhalb der Konzernwerke hat sich der Ileberschuß aus dem Gasgeschäft je Kubikmeter zwar erhöht, aber die Zinslosten für die enormen Anlagekoften— der Wert der Anlagen erscheint in der Bilanz mit rund 69 Millionen Mark— und die Vermehrung der Unkosten und Steuern haben diese Erlragsbesserung fast ausgezehrt Auch 1931 konnte nur ein relativ kleiner Teil der erforderlichen Abschreibungen verdient werden. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt einen neuen Verlust von 1,97 Millionen Mark gegenüber einem Verlust von 1,75 Millionen im Jahre 1930. Der Verlustvortrag hat sich jetzt auf 7,3 Millionen Mark erhöht. Im Jahre 1932 hoben die ersten fünf Monate nur durch die Riisscnoustriige, d. h. durch stärkere Gaslieferungen an die Konzernfirmcn. keinen neuen übermäßigen Zlbsatzrückgang gebracht. Es wurden 318 Millionen Kubikmeter gegen 327 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres abgesetzt. Die fterrakoUler Groteske/ Ton Shirt SehmeHster Der Chemiker Dr. Haku» saß in seinem Laboratorium und ärgerte sich. Er hatte sein« Sunde dazu: sein Haarfärbemittel ging nicht mehr, denn man trug jetzt Naturfarben; sein Buseneniwick- lungs- und-feftigungsmittel war bei den Damen tabu— man bevorzugte jetzt schlank; selbst sein Brünettol, das ihn noch in jedem Sommer herausgerissen hotte, fand in diesem keinen Anklang, man legte sich lieber in die Sonne und ließ sich braun brennen, denn das kostete nichts, und Zeit hotten ja alle Leute. „Die Welt ist ganz verrückt geworden", brummte Dr. Hokus verdrießlich vor sich hin.„Ich werde angeln gehen, das beruhigt die Nerven!" Er nahm sein Angelzeug aus dem Schrank und den Spaten aus der Gerätekammer, um im Vorgarten nach ein paar Regen- würmern zu graben. Es hatte kürzlich geregnet, die Erde war noch ganz braun und glänzend: bei dem ersten Spatenstich wimmelte es bereits von den begehrten Ködern. Dr. Hokus wollte schon be- ginnen, die glatten Würmer in seine Blechbüchs« zu sammeln, als er sich plötzlich an den Kopf schlug, die Büchse mit gewöhnlicher Erde vollstopft« und spornstreichs damit in sein Laboratorium rannte. Dann begann er zu destillieren, zu filtrieren, zu stampfen, zu mischen, zu schütteln, schließlich zu schwenken und— ein behag- liches Schmunzeln kroch über sein Gesicht. Er arbeitete noch eine ganze Weile weiter, still und geschäftig, bis der Abend kam. * Am Stammtisch im Restaurant„Zur bunten Kuh" saßen be- reits der Arzt Dr. Pokus und der Reklamefachmann Fidibus. Das Bier wollte ihnen nicht schmecken, die Zigarre auch nicht recht; sie litten an der gleichen Krankheit wie alle— die Geschäfte gingen nicht. „Da kommt Hokus", sagte plötzlich Fidibus.„Nun können wir das Klagelied im Trio weitersingen." Aber Dr. Hokus strahlte übers ganze Gesicht, als«r seine Freunde begrüßte. „Was grinst du denn so, Hokus?" fragte Dr. Pokus.„Hast du das große Los gewonnen?" „Vielleicht", antwortete Dr. Hokus. Er faßte geheimnisvoll in seine Tasche, zog ein sorgfältig in Papier gewickeltes Päckchen her- aus und ließ vom Kellner ein Glas Wasser bringen. Die beiden anderen guckten gespannt zu, als Dr. Hokus nun ein Stück des geheimnisvollen Inhalts abbrach, ins Wasier tat und umrührte. „Was habe ich drin?" fragte er. „Dreckwasser!" sagte Fidibus unoerfroren. Dr. Pokus schüttelte nur den Kopf:„Was weiß ich?" „Kostet mal!" sagte Dr. Hokus. Die beiden tranken, sahen sich an.„Hml" äußerte Dr. Pokus, und„gar nicht so übel!" Fidibus. „Nun bitte, kostet das mal", sagte Dr. Hokus und holte ein anderes Pockchen aus der Tasche, dessen Inhalt wie Schokolade aitssah. „Bißchen viel Sand in der Schokolade", meinte Fidibus und knirscht« mit den Zähnen. Aber Dr. Pokus machte wieder nur „Hm!", und das war immerhin schon ein Zeichen von Anerkennung, denn er war eine zugeknöpfte Natur. „Daß ihr mir nicht vor Wonne um den Hals fallt", fing jetzt Dr. Hokus wieder an,„macht nur eure Unkenntnis. Was ihr hier vor euch habt, ist die größte Entdeckung dieses Jahrhunderts. Ich nenne sie die Terrakost" „Terrakost? Komisch!" sagte Fidibus.„Klingt ja wie Terrarium." „Hängt auch damit zusammen, Fidibus. Menschenskinder. be- greift ihr denn nicht, ich habe heute entdeckt, daß man Erde essen kann." „Tut ein Indianerstamm in Nordamerika schon lange, wenn'» sonst nichts anderes gibt", bemerkte Dr. Pokus. Fidibus wurde jetzt aufmerksam.„Ist das wahr, Pokus? Das ist ja die herrlichste Reklamemöglichkeit von der Welt! Indianer- stamm kennt schon längst die wunderbare Heil- und Ernährung»- kraft der Erde! Hokus! Mensch! Ich begreif«! Wir begründen die Terrakostler, eine neue Zunft Fanatiker! Mensch, das bringt Geld! Geld! Geld! Und wir drei vereinigen uns zur Terrakost G. m. b. H. Dr. Hokus, Dr. Pokus und Fidibus! Herrlich! Herrlich!" „Noch eins", meinte Dr. Hokus.„Ich habe in der Erde da, Terramin entdekt, eine Substanz, wenn ich so sagen darf, von un- erhört körperkräftigenden Wirkungen. Wahrscheinlich ist es der Stosf, auf den sich jegliches Wachstum aufbaut. Pokus, du mußt die Sache an deinen Patienten ausprobieren und«in Gutachten schreiben." Sie saßen noch lang« beisammen und debattierten mit heißen Köpfen. Hokus mußte immer neue Terraminlimonade mischen und den Sand in der Terraschokolade bemerkten sie kaum noch. e- Dr. Hokus hatte nicht zuviel prophezeit. Einesteils kosteten die neuen Terranahrungsmittel nur einen Bruchteil der sonstigen pflanzlichen und tierischen Produkte, andererseits fielen die Gut- achten des Dr. Pokus glänzend aus, und nicht zum wenigsten war Fidibus ein so hervorragender Propagandaches, daß die Anhänger- schast der Terrakostler, wie sie sich wirklich nannten, von Tag zu Tag wuchs, �e'onder« Terrakostgeschäft« wurden in allen Stadt- teilen eingerichtet, die Warenhäuser gliederten besondere Terrakost- abteilungen an, Terrakostspeisehäuser, die die raffiniertesten Terra- kostplatten zusammenzustellen verstanden, entstanden in allen Straßen, besonders aber in den vornehmeren Stadtteilen. Wie es in Deutschland nicht anders zu erwarten ist, gab's na- türlich bald Splitterkostler, wenn ich mich so ausdrücken darf: da sonderten sich die reinen Tonkostler ab, die Lehmkostler, die Humus- kostler, die Kiesschlucker, und sie machten Dr. Hokus für eine be- sondere Diät oft Kopfschmerzen genug. Einige ganz Konsequente waren sogar schon so weit gegangen, in Erdhütten zu leben und an den Wänden zu knabbern, während sie ausschließlich garantiert reine Asbestkleidung trugen. Aber das führe doch am Ende zu weit, meinten die Gemäßigteren. Aber auch die Konsequenten fanden täglich neue Anhänger. Widersacher und Spötter fanden sich frellich auch die Menge, und in Wort und Vers und Bild wurden die„Dreckftesser" durch den Kakao gezogen. Aber da sollte man Fidibus hören, wenn er von Mutter Erde, unser aller Erhalterin loslegte! Sagte nicht in der Bibel schon Gott zur Schlange: Auf dem Bauche sollst du kriechen und Erde esien dein Lebelang!? Das war fteilich ein Fluch ge- wesen. Aber wie hatte der Fluch sich bewährt! Man sollte nur ein- mal in die Tropen gehen: das zahlreichste Getier seien die Schlangen. Ist es nicht sine Schande und eines Menschen unwürdig, Fleisch toter Tiere und toter Pflanzen, die ja nicht weniger Lebe- wesen sind, zu verschlingen? In allen ist der göttliche Funke, und ihr sreßt sie auf! Nein, die Erde selbst, die alle erhält, soll auch uns erhalten! Hier, probieren Sie die Nahrungsmittel aus dem Terrakostinstitut Dr. Hokus, Dr. Pokus und Fidibus. Probieren Sie und beachten Sie die Preise, dann sind Sie Anhänger unserer wahrhaft kulturvollen Bestrebungen! So sprach er und ließ sich nicht ins Bockshorn jagen. Und die Terrakost G. m. b. H. Dr. Hokus, Dr. Pokus und Fidi- bus florierte mit jedem Tag besser. » Die drei Gründer saßen wieder einmal an ihrem Stammtisch in der„Bunten Kuh" und freuten sich am Blühen ihres Unternehmens. Lieber Gott, ein Glas Bier und eine Zigarre waren ihnen dabei zu gönnen, obfchon die auch von pflanzlichen Stoffen herrühren. Sie saßen an ihrem Stammtisch ja auch ziemlich gedeckt. „Eigentlich komisch, wie die Zusammenhänge spielen", sagte Dr. Hokus gedankenvoll.„Wäre mirs damals nicht so schlecht ge- gangen, daß ich angeln wollte, um meine Nerven zu beruhigen, wäre ich wohl kaum auf die Regenwürmer gekommen." „Wieso Regenwürmer?" fragte Fidibus. „Nun, ich brauchte Regenwürmer als Angelköder, und beim Sammeln fiel mir plötzlich ein, daß die Biester ja von Erde leben und sich glänzend dabei stehen. Und daraus kam dann wie ein Blitz die Terrakostidee." Fidibus staunte. „Kleiner Irrtum!" warf Dr. Pokus ein.„Die Regenwürmer freisen vermoderte Pslanzenkeile und erzeugen Humus wie alle Lebe- wesen mehr oder weniger." Jetzt staunte Dr. Hokus.„Ist. dos wahr?" „Klar", entgegnete Dr. Pokus.„Kein Tier lebt von Erde, nur die Pflanzen zersetzen sie und bauen sich daraus auf." „Na egal", sagte Fidibus gelangwellt.„Hauptsache, unser Ge- schaft geht. Ober, bringen Sie mal die Speisekarte!" „Die Terrakostkarte?" fragte der Ober eilfertig„Torfmull- strudel mit Kieselklößchen heute besonders zu empfehlen!" „Pfui Deibel!" brummte Fidibus vor sich hin und sah den Ober von der Seite an.„Können Sie den Schnabel halten?... Dreimal Gänsebraten mit Rotkraut und Brattartofieln.— Die Herren sind doch einverstanden?" Die Herren waren es. Die Wahlkmmim Sine ländliche Qefchichte/ Ton C. 9». Stiesgen Im Dorfe nannten sie ihn den Verrückten. Ein Granatsplitter hatte sein rechtes Auge zerfetzt und Chirurgen hatten jahrelang an seinem Schädel herumgehämmert und gebohrt, bis er auf einem Auge blind und als Hundertprozentiger entlassen wurde. Er wußte, daß man mit Fingern auf ihn zeigte. Wurde ihm der Spott zuviel, rief er mit geballter Faust zurück:„Es ist noch nicht aller Tage Abend!" Man sah ihn stundenlang am Wege sitzen, das eine Auge an- gesttengt über eine Zeitung geöffnet, die nur die kleinen Bauern im Dorfe lasen. Einige Wochen vor der Wahl lief bei der Post ein Paket an Hinrichs Adresse ein. Als er ging, die Sendung in Empfang zu nehmen, spottete der Bürgermeister, der mit einer Gruppe dicker Landjunker auf dem Markte stand:„He, Hinrichs, schickt das der Onkel aus Amerika? Fällt davon nichts für uns ab?" „Davon sollt ihr beizeiten genug bekommen!" rief Lucien gleich- mutig zurück. Brüllendes Gelächter schallte hinter ihm her. * Am anderen Morgen, beim ersten Hahnenschrei, klebten an allen Türen und Toren der Ställe und Scheunen, der Herrenhäuser und Katen leuchtende Plakate mit breiten Lettern: ..AUF ZUR WAHL!" Jeder Telegraphenmast, jeder Kilometerstein ins Dorf hinein und hinaus bis in die umliegenden Ortschaften riefen auf zur Wahl. An allen Brunnen, sogar an den alten Linden vor der Bürger- meisterei leuchteten die Wahlaufrufe. Ueberall im Dorfe standen und lasen die Landarbeiter die Plakate. Die Knechte blieben vor der Stalltür stehen, ehe sie die Pferde schirrten und die Mädchen stellten ihre Melkeimer nieder, um begierig zu studieren. Aufgeregt rannte der Bürgermeister hin und her „Was tun? Was tun?" Um die Mittagszeit preschten sämtliche Einspänner der Herren Junker aus der Umgegend hin zur Bürgermeisterei. Der Krugwirt bekam alle Hände voll zu tun. Bi» Mitternacht saßen Bürgermeister und Junker hinter ver- schlossenen Türen und beratschlagten. „Da kann nur eines helfen und das wird Furore machen!", wisperte der magere Apotheker seine Schlauheit dem Grafen Speck- schnuffel ins Ohr. „Famos!— Famos!" schrien und brüllten die Herren, als der Apotheker fein Geheimnis in Vorschlag brachte. * Am Sonntag vor der Wahl kam auf der nahegelegenen Eisen- bahnstation ein erobertes Geschütz, eine Kanon«, eine sogenannte Kriegstrophäe an. Sämtliche chauvinistischen Vereine des Kreises waren mit ihren Fahnen und Führern aufgeboten, das Siegeszeichen mit Trommeln und Trompeten in das Dorf zu bringen. Der Bürgermeister schlachtete das schwerste Schwein. Der Bauernbund spendierte einen fetten Bullen. Der Apotheker gab zweihundert Liter Wein. Der Krugwirt baute Zelte auf dem Markt. Böllerschüsse verkündeten die Einfahrt der Kanone in das Dorf. Die Junker mtt Käppis im Specknacken krähten wie die Hähne über den Marktplatz. Sie sprangen wie kollernde Puter um das Ge- schütz, das auf seinen morschen Rädern wie eine Drehorgel über das Pflaster holperte. Vor der Bürgermeisterei starrte das verrostete Riesenmaul in den blauen Himmel. Als die Reihe der Redner ausschwadroniert hotte und die Herren zum Imbiß in der Bürgermeisterei verschwanden, sprang Hinrichs vor das Geschütz. Die Adern quollen ihm um Stirn und Hals, und in der Sprache und Gebärde der Bauern zeigte er auf seine leere Augenhöhle und auf das Geschütz: „Volksgenossen! Das hier ist das Mordwerkzeug, das mir das Auge aus dem Schädel riß! Alle Kriege, die entstanden und entstehen, sind die Schandtat und das Verbrechen jener, die be- fehlen, in diesem Zeichen zu wählen! Mit meinem ausgerissenen Auge und mit eurem Schweiß und Blut wollen sie weiter Ka- nonen und Kriegsgewinne erobern! Um unserer Kinder willen ver- hindert und erwürgt die Lüge, die ewig unser Elend will! Geht hin zur Wahl, indem ihr jene niederstimmt, die euch befchlen, im Zeichen des Brudermordes zu wählen! Nieder mit jenen, die diese Kanone in das Dorf gebracht! Daß ihr es wißt, sie locken mit Wein und Braten! Hier trinkt und ißt sich jeder sein Gericht! In diesem Augenblick gibt es für uns nur einen Ruf: Nieder mit den Kriegshetzern!" Ein Für und Wider bewegte die Menge auf dem Platze. Aber der Keil war zu spüren, den Hinrichs in die Bevölkerung hinein- trieb. Ein großer Teil der Dorfbewohner zeigte Hinrichs offene Sympachie und ging nach Haus. * Das Wahllokal des Kreises war die Bürgermeisterei. Mit Ab- ficht hatte man die Kanone dort aufgestellt. Drei Tage vor der Wahl glänzte das eroberte Geschütz im frischen Lackanstrich. Hinrichs rannte Tag und Nacht von Haus zu Haus, dorfein, dorfaus bis zur entlegensten Kate. Am Tage vor der Wahl lagen frühmorgens neue Flugblätter auf allen Tischen in den Gesinde- stuben. Unter jede Tür. hinter jede Fensterlade war sorgsam ein- Blatt geschoben. So verschaffte sich Hinrichs das letzte Wort. ti Die Herren waren ihrer Sache sicher. Sie machten sich über die Lauferei des Verrückten lustig. Ihre Wahlkanone war zu gut placiert. -i- „Morgen ist Wahl!" riefen lachend die Landarbeiter Hinrichs zu, als sie am Abend in das Dorf heimkehrten. „Ein Wetter zieht auf!" zwinkerte Hinrichs den Arbeitern zu und zeigte auf den Himmel, der die Sonne in Schwefelwolken er- stickte. Die stechende Hitze des Tages wurde zur schwülen, drückenden Nacht. An Stelle der Sterne loderten feuerschleudernde Blitze über die Höhen. Peitschende Donnerschläge zerrissen die Atmosphäre. Fenster und Türen lagen unter Schloß und Riegel. Kein Hund wogte sich aus seiner Hüttc. Im strömenden Regen schlich sich Hin- richs die Lindenreihe am Markt entlang hin zum Geschütz. Er schob die Steine von den Rädern der Kanone weg, hob den Lafetten- schwänz, schwenkte ihn hin und her und rollte das Geschütz die Dorf- straße hinab dem Steinbruch zu. Dann, wenige Schritte vor dem Ziel ließ er sie los, daß sie krachend den steilen Hang hinunterschoß und im tiefen Teich des Steinbruchs aufschäumend versank. Der Sonntag brachte schönes Wetter und einen Abgeordneten, der für eroberte Kanonen kein Interesse hat. ITlarie Vherefe: Stil giÜCtT Stell Als ich neulich in Aegypten war, habe ich wirklich etwas ganz Ungewöhnliches gesehen. Also die Sache war zum Schießen. Tat- sächlich zum Kugeln. Ich kann mich heute noch nicht beruhigen. Ich starrte hin. Ich ging näher. Ich ging drum rum. Ich machte Glotzaugen. Ich ließ den Mund offen stehn. Ich war einfach baff. Was war das? Was hatte das Kind auf dem Kopf? Es war in einem Stadtteil von Kairo, in den der Fremde nur uneigentlich hinkommt. Setzt man sich in eine verkehrte Elektrische, steigt an der verkehrten Haltestelle aus und geht in der oerkehrten Richtung weiter, dann kommt man hin. Erst gibt es nichts als Mauern: dann kommt eine Unmenge Eselsmist. Dem geht man nach. Dann geht man immer richtig, kommt irgendwo hin, wo etwas los ist. Zu irgendeinem Ziel. Nun kam plötzlich ein Platz mit parken- den Eseln und Kamelen, und dann, ein ganz großer Platz voll Staub und Mörtel, voll Arabern, Eseln, Kamelen, Schafen, Fliegen, Körben, Säcken, Hühnern, Hunden, Weibern, Kindern, Bündeln, Krügen... die hatten sich hier niedergelassen, häuslich eingerichtet. Dieser Platz war ihr Heim. Ihr« vier Wände. Kinder in Lumpen. Oder gleich ganz ohne. Alles kugeft über- einander, aufeinander, untereinander, durcheinander. Und da war der kleine Junge, der etwas abseits stand, bei ein paar Ziegen. Ziegen, wie es sie nur dort unten gibt, mit solch riesigen Eutern, daß die Sache schon beinahe unanständig wird. Dahin hatte ich ge« guckt— und dann sah ich auf einmal auf den Kopf des Jungen... Nein, also wirtlich, was ist das, was hat der da auf dem Kopf? Ein ganzer Turmbau, fast so groß wie der halbe Knirps. Ein rich- tiges, leibhaftiges, lebendige« Huhn— mit Lumpen fest umwickelt, so daß es sich wie in einem Starrkrampf befindet—, war dem Jungen auf den Kops gelegt und kunstgerecht darauf festgebunden worden. Nur der würgende Hals und die Krallen des Huhnes be- wegten sich ein bißchen, und die Augen blinzelten. Und dann spielte der Junge wieder mit den andern, niemand schien an ihm etwas Sehenswertes zu sehen außer mir. Was war das mit dem Huhn? Ein Araber, der etwas firan- zösisch konnte, erklärte es mir. Es gibt in Aegypten eine ganz niederträchtige Hautkrankheit, eine Kopshautentzündung— das beste Gegenmittel ist Wärme und zwar ganz genau die Temperatur einer brutwütigen Henne. Ihr mögt in Europa eine Wärmslasche nehmen, ein elektrisches Heizkissen, alles Unsinn, ohne Wirkung, Ersatz. Der Hühnerbauch als Wärmflasche ist nicht zu ersetzen. Bequem, prak- tisch, hygienisch, sparsam im Gebrauch. Es geht nichts über erprobte, alte Hausmittel. Wenn ich also einen guten Rat geben kann..- Der Erfolg gibt Recht. Die Aegypter hoben recht. Ich habe es beobachtet. Bei der Ankunft in Amerika werden alle Emigranten peinlichst ärztlich untersucht. Südländer mit Hautkrankheiten werden abgewiesen, Aegypter mit Kopfkrankhnten werden als mit einer unheilbaren Krankheit behaftet zurückgeschickt: die amerikanische Chemie kennt kein Gegenmittel. Zu Hause in Aegypten bindet Mutter dem Heimgekehrten für ein paar Tage ein Huhn auf den Kopf, und der ganze Schaden ist geheilt. Aber das tun sie nicht in Ellis-Island, dazu sind sie einfach zu trotzig. Eines weiß ich bestimmt: sollte ich je einmal solch eine Krank- heit auf dem Kopfe kriegen, ich gehe bestimmt nicht zum Arzt und bestimmt nicht in die Apotheke. Ich binde mir bestimmt ein Huhn auf den Kopf. Ilcberhaupt werde ich von heute ob nie wieder eine Wärmeflasche benützen, sondern«in Huhn Die Sache ist doch wirk- lich höchst plausibel.