Morgenausgabe Nr. 303 A 153 -ty.Iahrgang Wöchentlich 75 Pf. monatlich 3,25 M. tdavo» 87 Pf. monatlich für Iuftel. lung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbczug Z,g7 M. einschließlich SO Pf. Postzcitungs- und 72Pf. Postbestellae» bühren. Auslandsabonnement 5,653)1. pro Monat; für Lander mit ermäßig. tem Druetsachenporto t,65 M. ?cr„Vorwärts" erscheint Wochentag. lich zweimal, Conntags und Man. tags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Ter Abend". Illustrierte Lonntagsbeilage„Volk und Zeit". Donnerstag 30. Juni 3932 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Berliner Volksblatt Bentvawesan der SozialdemoSeattfchen Vartei DeitttchlRÜs Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 fternspi.: Dönhoff s� 7)292—207. Telegramm-Adi.: Sozia Demokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto; Berlins? SöS.— Banftonto: BankderArbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S, Dt.B.u.Diic.-Gef., Deposttent., Jerufalemer Str. ftVfÄ Meixi zeige dich, Llm das„Vorwärts"- Verbot. Preußen entscheidet heute.- Presseknebelung zum Schuhe Hitlers? Außer dem„Vorwärts"-Verbot verlangt die Negierung von Pape» auch das Verbot der„ßlolni- scheu Volkszeitung", des.Hauptorgans der rheini- schen Zentrumspartei, auf fünf Tage. Tas Zchrei- den, das der Reichsminister des Innern deshalb an den Preußischen Innenminister gerichtet hat, gibt als Grund für das Verbot der„Kölnischen Volks- zeitung" deren scharfe Kritik an der Lau sanner Tätigkeit des Herrn von Pape» an. Ter preußische Innenminister wird, wie wir er- fahren, seine Entscheidung über beide Berbotsan- IxKgr. Int hed SSziwascvSiÄfjS kanntgeben. Zollte das preußische Innenmini- stcrium zu einem ablehnenden Bescheid gelangen, so würde die Zache zur Entscheidung an das Reichsgericht gehen. Für das Verbot des„Vorwärts", das die Regierung von Papen fordert, darf man ihr wenigstens e i n Kompliment machen: das Kompliment der vollendeten Uneigen- n ü tz i g k e i t. Denn sie fordert, wenn man die Sache in ihrem politischen Kern betrachtet, dieses Verbot nicht für sich, sondern im Interesse ihres Bundesgenossen Adolf Hitler. Um Hitler vor der allerdings peinlichsten Ent- l a r v u n g zu schützen, muh der unbequeme„Vorwärts" ver- boten werden. Die Regierung von Papen bedarf zum mindesten keiner Entlarvung. Sie ist so e i n d e.u t i g reaktionär, daß niemand von ihr etwas anderes erwartet hat als unsoziale Gesetze. Niemand hat je geglaubt, daß die Erwählten des H e r r e n k l u b s in die Lage eines Unfall- r e n t n e r s oder einer Kriegerwitwe sich einfühlen könnten. Der Entlarvung dagegen bedarf die hinter- hältige und doppelzüngige Politik Adolf Hitlers, der. solange republikanische Regierungen amRuder waren, überströmte von Phrasen des Mitgefühls für die Armen und Bedrückten, dessen Herz sich aber jäh verhärtet hat, seitdem die Regierung von Papen am Ruder ist. Unerhörte Lasten, wie von keiner Regierung zuvor, werden dem Volk auferlegt. Adolf Hitlers Presse schweigt dazu oder windet sich in unverbindlichen Redensarten. Verzweif- lungsausbrüche der Armen und Aermsten konnte man bei der Auszahlung der gekürzten Renten erleben. Das ist für Adolf Hitlers Partei jetzt nebensächlich, Hauptsache: man hat die SA. wieder, die neuen Uniformen und die Aufhebung des Demonstrationsverbotes. Für das Recht der Braunhemden, die friedliche Bevölkerung verprügeln zu dürfen, können— das ist der tiefste Sinn der Politik der NSDAP.— ruhig ein paar Millionen Kriegsopfer, In- validen, Arbeitslose im Elend versinken. Für die 30 Silberlinge seiner Parteiunisorm hat der nationalsozialistische Judas das werktätige Volk verraten. Das und nichts anderes haben unser Extrablatt und unsere Karikatur ausdrücken sollen. Also nichts, was die Reichsregierung von Papen irgendwie„böswillig verächtlich" macht. Warum�auch? Die Reichsregierung hat g a n z k o n- s e q u e n t im Sinne ihrer ersten Ankündigung ge- bandelt, in der sie sich zu dem Grundsatz bekannte, daß der Staat keine Wohlfahrtsanstalt sei. Man mag ihre Gesetze brutal, unsozial, scharfmacherisch nennen, aber man kann nicht sagen, daß die Reichsregierung das Volk über ihre Absichten getäuscht hat. Getäuscht hat das Volk die Partei Adolf Hitlers! Und das gestehen wir zu, in dem Sinne bekennen wir uns „schuldig". Diesen Volksbetrug zu entlarven, diese Partei der Verachtung preiszugeben, die soziales Mitgefühl heuchelte, bevor sie an die Macht gelangte, das betrachten wir als unsere vornehm st e Aufgabe, von der wir uns durch niemanden abbringen lassen. Immer wieder werden wir dem brutalen faschistischen Machtwillen die schlechtsitzende Maske sozialer Empfindsamkeit vom Gesicht reißen. Aber einstweilen gibt es kein Gesetz und keine Notverordnung, die die Verächtlichmachung Adolf Hitlers und seiner Partei verbietet. Das dürfte auch die preußische Regierung einsehen. Die preußische Regierung dürfte aus der Erkenntnis ihrer führenden Männer, die im Gegensatz zu den meisten Herren der Reichsregierung auf eine langjährige politische Laufbahn zurückblicken können, Verständnis dafür haben, daß die Spitze unserer An- griffe sich nicht gegen die Reichsregierung, sondern gegen die Hitler-Partei gerichtet hat, daß wir nichts weiter sagen wollten, gesagt haben und immer wieder sagen werden als: Für die Zulassung seiner Privatarmee toleriert Hitler das Kabinett von Papen, duldet er Notverordnungen. Rentenkürzungen, unsoziale Steuern, gegen die er eine SturmflutdesProtestes entfesselt hätte, wenn sie statt des Namens von Papen etwa den Namen Brüning als Unterschrift getragen hätten. Das sagen wir— und wir dürfen es sagen nach Jetzt zeige dich, rotes Berlin! Arn Montag demonstriert das rote Berlin im Lustgarten. Hunderttausende sagen:„Endlich!" Hunderttausenden fällt ein Druck von ihrer Seele:„A m Montag wird demonstriert!" Also eine Lustgarten-Demonstration mehr? Hein und abermals nein! Das soll viel mehr sein, als eine jener Veranstaltungen, die von Zeit xu Zeit von den verschiedenen Parteien veranstaltet werden! Es soll eine Kundgebung werden, di� einen Wendepunkt in der deutschen Geschichte aufzeigt. Alle, die dabei waren, sollen später einmal sagen können:„Von da an ist es wieder anders geworden!" Ganz Deutschland, die ganze Welt sollen den Schritt und den Schrei dieser Massen hören, die für die Freiheit marschieren! Wer gegen die Hitler-Barone demonstrieren - will, kommt mit! Wer gegen die Hungersnotverordnung der Papen-Regierung protestieren will, kommt mit! Wer gegen den Terror der SA.- Banden protestieren will, kommt mit! Kein Mißton, kein Streit, keine Disziplinlosigkeit darf die einheitliehe Macht dieser Manifestation stören. Arbeiter, steht zusammen im Zeichen der drei Pfeile: Aktivität, Disziplin und Einigkeit! Hunderttausende haben darauf gewartet. Nun Ist es Zelt! Die Eiserne Front ruft! Jetzt zeige dich, rotes Berlin! geltendem Recht. Freilich dürften wir es nicht sagen, wenn heute schon das sogenannte„Recht" des Dritten Reiches gelten würde. Aber wir nehmen an, daß das Reichsgericht, an das wahrscheinlich die Sache zur Entscheidung gehen wird, nach geltendemRecht und Gesetz urteilen wird. Jedenfalls— eins wissen wir schon jetzt: das Volk oersteht den Sinn unserer politischen Agitation, das Volk, das heute schon beim Anblick der„Notverordnungsjacken", wie der Volksmund in richtigem Instinkt sie getauft hat, den Spottreim singt: SA. hat neue Tressen, Das Volk hat nichts zu fressen! Ein Wort noch über die willkürliche Hereinziehuug des Reichspräsidenten in die offizielle Begründung des „Vorwärts"-Verbotes. Wir verwahren uns auf das schärfste gegen diesen neuen Versuch der nach parlamentarisch-demo- kratischem Recht allein verantwortlichen Reichs- minister, sich hinter die breite Figur des Staatsober- Hauptes zu verstecken. Diese Taktik ist weder tapfer noch zulässig. Richtig ist nur, daß die Regierung von Papen, die das Vertrauen keiner Partei besitzt und von der sogar die ihr am nächsten stehenden Deutschnationalen und National- sozialisten aus taktischen Gründen sich zu distanzieren bemüht sind, das Vertrauen Hindenburgs genießt, der sie ja als „Präsidialkabinett" eingesetzt hat. Aber es grenzt an Miß- brauch mit dem Namen und der Person des Reichspräsi- denten, wenn die Regierung bei jeder passenden und un- passenden Gelegenheit das Staatsoberhaupt als Kugelfang vorschiebt, um unbequemen Kritiken an ihren Handlungen und Unterlassungen vorzubeugen oder gar um Zeitun�sverbote zu begründen. Sollten wir es einmal für nötig halten, gegen den Reichspräsidenten persönlich wegen einer bestimmten Handlung Vorwürfe zu erheben, wird es u n s nicht an Mut fehlen, ihn ausdrücklich zu nennen. Wir fordern aber, daß auch die Reichsregierung den Mut aufbringt, für ihre Taten geradezustehen und daß sie in Zukunft solch wenig würdiges Spiel mit der Person Paul von Hindenburgs unterläßt. Länderrechi„im Einzelfall". Die neuen Notverordnungen. Den neuen Notverordnungen über das Uniformtragen und die Demonstrationsfreiheit merkt man deutlich den Kummer an, mit dem sie erlassen worden sind. SA. fordert drohend Uniform- und Demonstrationsfreiheit in ganz Deutschland. Die Reichsregierung konzediert sie, stößt damit die süddeutschen Regierungen vor den Kopf— und schafft dann doch wieder Ausnahmen, weil sie selber fühlt, welche Ungeheuerlichkeit sie zu tun im Begriff ist. Die Länder- regierungen sind also jetzt außerstande, Uniform- und Demon- strationsverbote von sich aus für ihr ganzes Gebiet zu er- lassen, sie können aber„im Einzelfall" Verbote aus- sprechen. Wie oft solche„Einzelfälle" eintreten werden, kann man sich leicht vorstellen. Bedeuten die neuen Verordnungen für Süddeutsch- land ein Minus an staatlichen Hoheitsrechten, so bedeuten sie hinwiederum für Preußen ein Plus an Möglichkeiten zum Einschreiten. Preußen hatte bis jetzt überhaupt keine Mög- lichkeit, Uniformoerbote zu erlassen, weil ihm alle rechtlichen Stützen dafür weggeschlagen waren. Jetzt hat es aber wieder für Uniformverbote„im Einzelfall� eine rechtliche Grundlage. Allerdings müssen sich die Länderregierungen darauf gefaßt machen, daß dann wieder die Reichsregierung dazwischen fährt und alles wieder anders wird. Aber jetzt wird nun ein- mal in Deutschland sohin-undherreaiert, und wenn einem dabei auch etwas schwindlig wird, schließlich gewöhnt man sich an alles! Das Echo aus Köln. 3um Verbotsantrag gegen die„Kölnische Volkszeitung". Die„Kölnische v o l k s z e i t u n g" schreibt zu dein Antrag des Reichsinnenminifkers, das Blatt aus fünf Tage zu oerbieten, u. a. folgende»: „Cs ist kein Zufall, daß eines der ersten Opfer des neuen Systems die.Kölnische Nolkszeitung" werden soll, die in diesen Tagen mehr denn je ihre Mission als Dolmetscherin der Stimmung des wirtschaftlich und politisch gleich wichtigen westlichen Landesteils zu erfüllen bestrebt ist. Wir haben uns im Laufe einer langen Geschichte wahrlich nicht den Ruf eines radikalen oder zu Extremen neigenden Blattes erworben. Wenn in diesen auch von anderer Seit« als gemäßigt anerkannten Spalten nunmehr Stimmen laut werden, deren Klangfarbe manchem ungewohnt ist, so kann man den Herren in Berlin doch nur empfehlen, einmal den Untergründen der völlig veränderten Stimmung und Haltung weiter Kreise der Bevölkerung eine Viertelstunde des Nachdenkens zu widmen, ehe sie den Mechanismus der Notverordnung in Bewegung setzen. Die Herren haben die Macht, uns fünf Tage zum Schweigen zu verurteilen, aber sie machen damit das neue System nicht ver- ständlicher, wohl aber deutlicher. Die„Kölnische Dolkszeitung" hat die Gerichte im Lause vieler Jahrzehnte nur ganz selten zu behelligen brauchen, öster hat sich schon die Notwendigkeit der Aus- einandersetzung mit behördlichen Stellen, deutschen und aus- ländischen, herausgestellt und zwar immer dann, wenn in Deutsch- land irgend etwas nicht in Ordnung war. Mehr als der Regierung vielleicht zum Bewußtsein gekommen ist, liegt in ihrer Drohung ein BeweisfürdieSpannung, unter der gegenwärtig die innere Politik Deutschlands steht." Notverordnung und Rechtspflege. Was wird aus Sonderkammern und Schnellschöffengericht. Die Papen-Notoerordnung rüttelt die Gerichtsverfassung durcheinander. Sie greift mit einem Federstrich in die Rechtsgarantien des Angeklagten ein, beschränkt ihn in der Beweis- crhebung, indem sie deren Ausmaß dem Gericht überläßt, bringt ihn in vielen Fällen um die Rechtsmittel der Berusung und der Revision, räumt von neuem dem Berufsrichter«ine Borzugs- stellung ein und schraubt das Laienelement auf ein Mindestmaß zurück. An Stelle der erweiterten Schöffengerichte, die aus zwei Berus?- und zwei Laienrichtern bestanven, treten für«in« groß« Anzahl von Sachen die Strafkammern mit drei Berufs- und zwei Laienrichtern. Dos geschieht aus Ersparnisgründen! Auf die gleichen Gründe hat sich auch Emwinger bei der Zerstörung der Schwurgerichte berufen. In Wirklichkeit war es nur ein Vorwand, um mit diesen verhaßten Volksgerichten Schluß zu machen. Es gibt Leute, die der Meinung sind, baß auch die erweiterten Schöffen- gerichte, die sich in weiten Bolkskreisen des besten Vertrauens er- jreuen, so manchem Iustizreaktionär ein Dorn im Auge sind. Die Aufhebung der erweiterten Schöffengerichte wird aber zu einer «eiteren Entfremdung der Justiz beitragen. Die ge- Engere Feierlichkeit dieser Gerichte, ihre größere Näh« zum Angeklagten, die Verteilung der Verantwortung auf bloß <,wei Berufsrichter und die intensivere Teilnahme der Schöffen bildete einen nicht zu unterschätzenden Vorzug gegenüber den Straf- kammern, die jetzt an ihre Stell« treten sollen! Für Berlin hat aber die Aufhebung der erweiterten Schössen- gerichte noch spezielle böse Folgen. Laut Gerichtsverfassungsgesetz war es möglich, bestimmte Schössengerichte mit Sonderauf» gaben zu betrauen. So gab es in Berlin Sonderkammern für die Verkehrssachen, Rauschgiftsachen, Sittlichkeitsvergehen, für Falschspieler, Toschendiebe und Kuppelei, für unlauteren Weit- bewerb und Devisenvergehen, für Bankdepot- unk» Börsensachen. Di« Sittlichkeit-prozesse forderten vom Vorsitzenden die Fähigkeit, Kinder zu befragen, ihre Aussagen richtig zu werten und auch Ber- ständnis für das abnorme Seelenleben der Angeklagten aufzubringen. Ganz besondere Kenntnisse mußte der Richter besitzen bei der Be- urteilung der komplizierten Verkehrssachen und der noch kompli- zierteren Bank-, Depot- und Devisensachen. Eine Welt für sich stellten die Kokainisten und die Morphinisten dar: immer wieder tauchten dieselben Gestalten vor Gericht aus, dieselben Lokale traten in Erscheinung. Und der Umstand, daß aus ganz Berlin die Sachen vor die Sonderkammer kamen, ermöglichten intensivere Berbrechen» bekämpfung und einheitliche Rechtsprechung. Ein Zusammenlegen der Sachen innerhalb der drei Landgerichte ist gerichte- verfossungsgcsetzlich nicht möglich. So wird wieder eine Z e r- splitterung der Sachen und eine Uneinheitlichkeil in deren rechtlichen wie tatsächlichen Beurteilung eintreten. Sollte man nicht endlich aus wirklichen Ersparnisrücksichten die seit langem er- sehnte Zusammenlegung der drei Landgerichte durchführen? Eine große Schädigung bedeutet die Notverordnung auch für da» Schnellschöffengericht. E» waren Bemühungen im Gange, dieses Gericht, das sich bewährt hat, auszubauen, ihm sämt- liche Sachen im Gebiete von Groß-Berlin zuzuführen, sofern sie sich für schnelle Aburteilung eigneten. Durch die Uebernahm« einer ganzen Reihe von Sachen durch die Strafkammern wird nun statt dessen die Tätigkeit des Schnellschöffengerichts«ingeschränkt. Auch in rein technischer Hinsicht werden für das Schöffen- gericht. das vo» nun an mit« i n« ni Beruserichter besetzt sein wird, Schwierigkeiten entstehen. Wie soll der Richter gleichzeitig die Verhandlung leiten und selbst die für die spätere Urteilsbegrün- dung notwendigen Niederschriften machen? Das gilt ganz besonders sür das Schnellschöffengericht, wo dem Richter kein« Vernehmung«- Protokolle der Zeugen vorliegen! Dies nur einige wenige Bedenken gegen die von Popen»ot- verordnete Rechtspflege. Es gibt derer aber noch mehr. Man kann sich des Eindruck? nicht erwehren, daß hier sehr übereilt ge- handelt wurde. Daß diese Notoerordnung die Not der Rechts» psleg» vergrößert, unterliegt keinem Zweifel! Einheitsfront in Eifenach. Zwischen Nazis und Kommunisten. Da» Einheitsfrontmanöver der KPD. erfährt da- durch eine weitere Charakterisierung, daß der Eisenacher kommunistische Erwerbslosenausschuß an die Nationalsozialisten zum Zwecke einer gemeinsamen Demonstration herangetreten ist. Di« National- sozialistin haben«ine grundsätzliche Zusage erteilt. Daraufhin sind Roxi» und Nazi» in Verhandlung»,,»ingetreten. Kämpferund Kämpf erinnen der Eisernen Front! Ihr habt seit Jahrzehnten den Kamp! iür die Einheit und Freiheit Deutschlands geführt. In euren Herzen lebte selbst noch in den letzten Jahren der Entbehrung und Bitterkeit die Hoffnung auf den sozialen Volksstaat, auf ein neues Deutschland. Ihr habt seine Grundlagen geschaffen. Ihr wolltet es ausbauen zu einer Heimat für alle Deutschen. Statt dessen kam die Not. In allen Ländern der Welt stieg die Flut der Arbeitslosigkeit, In Deutschland feiern Millionen und aber Millionen Hände. Ihr Schicksal ist Armut und Hunger. Die letzte Notverordnung der getarnten Hitler-Regierung überantwortete die Arbeitslosen der Armenpflege. Selbst den OpferndcsKrieges und den Invaliden derArbeit wurde die kümmerliche Rente gekürzt, Die letzten Wochen zeigten euch, was das„Dritte Reich" bringen wird. Wer nichts besitzt, ist vogelirei. Wer wenig hat, dem soll auch das wenige genommen werden. Wer viel hat, dem hilft der Staat. Zugleich mit den neuen Uniformen der SA. sind den Arbeitern, Angestellten und Beamten neue Notverordnungsjacken verpaßt worden. Das schaffende Volk in Stadt und Land trägt die graue Uniform des Elends. Der Preis, den das neue Kabinett für die Toierlerung an Hitler zu zahlen hatte, war die Auflösung des Reichstagas, die Aufhebung das eben erlassenen Verbotes der Hitierschan Privatarmee und die Auslieferung Preußens an die Nationalsozialisten. Die braune Garde Hitlers marschiert wieder und durchbricht alle Schranken der Ordnung. Ermutigt durch die Reichsregierung und auf deren Versprechungen pochend, ist die SA, zum offenen Kampfe gegen einzelne Landesregierungen angetreten, um sie unter ihre Botmäßigkeit zu zwingen. So kündigt sich das„Dritte Reich" an, in dem die Todfeinde des werktätigen Volkes nach ihrer Willkür herrschen wollen, das Deutschland, in dem es zweierlei Recht und zwei Nationen gibt: die Nation der Bevorrechteten und die Nation der Hungerlöhncr und Almosenempfänger. Für die arbeitende Masse die Hungerpaitsche! Für die großen Kapitalisten in Stadt und Land die„Wohlfahrtsunterstützung" der Subventionen! Für die Schergen des Kapitals neue Uniformen! Darin erschöpft sich die Kunst der neuen Regierung, die sich berufen fühlt, Deutschland wirtschaftlich und moralisch wieder aufzurichten. Die Regierung, die heute das Steuer des Reiches in Händen hält, mißachtet den Willen der überwältigenden Mehrheit des Volkes, die am 13. März und 10. April für Hindenburg stimmte, um Demokratie und Republik zu retten. Sie stützt sich aui die Kräfte, die die Gewalt auf ihre Fahnen geschrieben haben und tagtäglich mit kaum zu überbietender Brutalität den Bürgerkrieg schüren. Wo Gewalt vor Recht geht, gibt es keine Freiheit und keine Sicherheit. Der Sieg der Gegenrevolution würde euch wehrlos denen preisgeben, die aus dem Kriege nichts gelernt haben, als auf Volksgenosser zu schießen. Männer und Frauen der Eisernen Front! Dahin darf es nicht kommen. Deutschland darf nicht der Diktatur einer politisch unfähigen Clique ausgeliefert werden. Es muß verhindert werden, daß sich die SA. zum Herrn der Straße macht und den letzten Rest staatsbürgerlicher Freiheit zertrampelt. Der Kamp! gegen diese Feinde des Volksstaates und ihre Bürgerkriegsgarden ist eure geschichtliche Aufgabe. Es ist ein Kampf um eure Freiheit. Dar 31= JiiH ist afn Schicksalstag Im Freiheitskampfe des deutschen Volkes. Männer und Frauen des schaHenden Volkes! Setzt ench zur Wehr gegen die Verknechtung, kämpft gegen die vereinten Kräfte der Reaktion! Schart euch um das Freiheitsbanner der Eisernen Front I Schmückt euch mit den Symbolen des Kampfes! Tragt die drei Pfeile durch die Straßen, in die Betriebe, aui das Land hinaus! Millionenfach brause euer Freiheitsruf durch Stadt und Land, die Freunde weckend, die Feinde schreckend! Ihr werdet siegen, wenn ihr einig seid! �eichskampfleituns der Eisernen Front. Bayerns Standpunkt. „politische Hintergründe" der neuen Notverordnung. München, 29. Juni.(Eigenbericht.) Das Inkrafttreten der neuen Notverordnung machte sich im Münchener Straßenbild am Mittwoch nur wenig bemerk- bar. Uniformierte Hakenkreuzler waren nur vereinzelt zu sehen. Dagegen war der Betrieb vor dem Braunen Haus sehr lebhaft. In den Nachmittagsstunden sammelten sich viele Neugierige vor dem Palais an, dessen Wachen zum erstenmal seit dem 10. Juli vorigen Jahre» ihre braunen Kostüme wieder angelegt hatten. Der scharf ablehnende Standpunkt der bayerischen Regierung gegenüber der neuen Notverordnung kommt in der ofsiziösen Staatszeitung zum Ausdruck, die in einem Leitartikel schreibt: „Was bis zur Stunde von der Mehrheit der bayerischen und der süddeutschen Bevölkerung sür gut befunden und sür die Auf- rechterhaltung der öffentlichen Ordnung sür zweckmäßig gehalten wurde, ist vom Reichsinnenministerium so auffällig desavouiert worden, daß der politische Hintergrund dieser Mahnahme de» Reiches klar zutage tritt, um so mehr, als sie sich in der Haupt- fache gegen jene Länder richtet, in denen die blutigen Krawalle, unter denen seit langem das ganz norddeutsche Reichsgebiet leidet, V. Pepen(ordert verbot Und Ihrl Werbt für den Vorworts! Tausende von neuen Abonnenten sind darauf die beste Antwortl nicht vorgekommen sind. Die neue Notverordnung ist und bleibt ein schwerer Eingriff in die Polizeihoheit der Länder. Ihre einzelnen Bestimmungen sind so geartet, daß der vollzogene Einbruch in das Recht der Länder diesen zunächst schwerste Fesseln anlegt. Sie öffnen dem neuen, ordinären, politischen Gassenbubenton alle Schleusen. Ein besonders schwerer Mangel ist die unklare Festlegung des Instanzenweges für zu erwartende Rechtsbeschwerden. Wir gehen schweren Zeilen entgegen, Zeiten, die vielleicht mit Blut ihr An- denken in die neuere deutsche Geschichte einschreiben werden. Um im Rahmen des Möglichen wenigsten» vom bayerischen Staats- gebiet die Krawallpolitik der Straße fernzuhalten, erwächst nun für die bayerischen verantwortlichen Stellen die selbstverständliche Pslicht, die Bestimmungen dieser Notverordnung, solange sie nicht zu beseitigen ist, so auszuschöpfen, daß die Staatsautorität keinen weiteren Schaden leidet als den. der ihr von oben herab schon zugefügt worden ist." lieber die nächsten Absichten der bayerischen Regierung schreibt die Bayerische Bolkspartei-Korrespondenz:„Bayern hat den ihm vom Reich aufgezwungenen politischen Konslikt bisher aus einer völlig einwandfreien Rechtsbasis durchgefochten, und es denkt nicht daran, seinen Gegenspielern den Gefallen zu tun. in Zukunft seiner Dolitik die absolut einwandfreie rechtliche llnlermauerung zu entziehen. Nachdem nunmehr die Mahnahmen der Reichsregic- rung bekannt sind, wird sich ein bayerischer Ministerrat demnächst mit der Frage befassen, wie unter den oeränderten Rechtsverhält- nisten trotz der eingetretenen Erschwerungen unter allen Umständen die Ruhe und Sicherheit im Lande gewährleistet werden kann. Es handelt sich hierbei auch um die Pflicht der Regierung, v a r s o r g- liche Maßnahmen zu treffen, die es verhindern, daß d>e Straß« dem politischen Terror irgendeiner politischen Partei au»- geliefert wird." Nazi-Waffenschmuggei. Sechs Verhofiungen durch die niederländische Polizei. Amsterdam. 2g. Zuni.(Eigenbericht.) Ein grofcer nationalsozialistischer Waffen- schmvggel wurde am Mttwoch von der niederländischen Sriminalpolizei in vaals an der limburgischen Grenze aufgedeckt. Seit langer Zeit sind nach den polizeilichen Jeststel- luvgen Waffen und Munition in Autos nach Deutschland geschafft worden. Seit Monaten bestand be- reits Verdacht, aber die Autos wußten stets auf deutsches Ge- biet zu entkommen. Der Waffenhandel wurde von einer Or- ganisaNon betrieben, die Zweigstellen in Rotterdam, Amster- dam. Maastricht und vaals unterhielt. Am Mittwoch wurden sechs an dem Schmuggel beteiligte Personen verhaftet. Wie weiter mitgeteilt wird, wüsten monatelang große Mengen Waffen über die Grenze geschafft worden sein. Die verhafteten Personen stammen aus Amsterdam, Rotter- dam und Vaals. Die Amsterdamer Kriminalpolizei erhielt schon vor mehreren Monaten Kenntnis von Unterhandlungen. die v> Amsterdam zweck» Lieferung von Waffen nach Deustchland geführt wurden. Die damalige Transaktion kam indesten nicht zustande, da man sich über den preis nicht einigen konnte. Auf Grund der jehigen Verhaftungen wird die Untersuchung in erweitertem Umfang fortgesetzt. Erfüllter Wunfchtraum. Di«.Hamburger Nochrichtm" fordern die Reichsregierung onf, die Minister der Länder unter Anklage zu stellen. Tragödie der Kleinstaaterei. Das Alutbegräbnis von Gtaßfurt. Skatzsurt. 29. Juni.(Eigenbericht.) Die blutigen Vorkommnisse bei der Beerdigung des von Mtionalsozialiften erschossenen Kommunisten L e i n u n g stellen sich nicht zuletzt heraus als ein Ergebnis der sinnlosen deutschen Klein- st a a t e r e i. Ohne den Umstand, dah dicht an Stahfurt vorbei die anhaltinische Landesgrenze läuft, wäre es nämlich nie- mals zu den Zusammenstößen und dem Blutvergießen gekommen. So aber war die Lage folgende: Der Friedhof der Bergarbeiter- stadt Statzfurt liegt etwa 29 bis 26 Minuten von der Stadt entfernt aus anhaltinischem Gelände. In Preußen besteht— oder bestand bis zu der gestrigen Notoerordnung der Papen-Regierung— das allgemeine Demonstrativnsverbot, in Anhalt be- stand es nicht. Infolgedessen tonnten die Kommunisten in Anhalt eine erlaubte Demonstration organisieren, die beim Uebertritt über die preußische Grenze zu einer verbotenen werden mußte. Dieser Umstand war allerdings von den Behörden rechtzeitig ins Auge gefaßt. Der Bürgermeister von Staßfurt, der sozialdemo- kratische Landtagsabgeordnete Kasten, hatte am Tage vor der De- erdigung die kommunistischen Führer zu einer Besprechung bestellt und ihnen klargemacht, daß der Zug auf der Rückkehr in preußisches Gebiet ausgelöst werden müsie. Es sollte dies in der Form ge- schehen, daß die Musik aushörte zu spielen und die Teilnehmer sickz statt in geschlossenem Zuge in aufgelöster Ordnung weiter- bewegen sollten. Es sollten dann auch kein« gemeinschaftlichen Ge- sänge. Sprechchöre. Rufe usw. mehr stattfinden. Die» ist von den kommunistischen Führern zugesagt worden. Es scheint jedoch, daß diese ihre Anhänger nicht in der Hand behielten, zumal 800 bis 1000 Personen von außerhalb zu dem Leichenbegängnis aufgeboten waren. Als der Zug, vom Friedhof heimkehrend, die preußische Grenze erreichte, wurde er trotz der Aus- sorderung der Polizei nicht aufgelost, die Polizeibeamten wurden ****}'—vi* fi-nUbem verlief hier 0l» Sorye Nock ol,r»r»'lick.®i» t Polizei— preußische wie anyöltinische— veschränkt« sich darauf, die Massen von dem in der Nähe der Grenze gelegenen Nazi- heim fernzuhalten, da» der Ausgangspunkt der Krawalle gewesen war, bei dem der beerdigte Leinung den Tod gefunden hatte. Durch die Abriegelung des Naziheims wurde erreicht, daß hier neue Zu- sammenstöße, zu denen es sonst unfehlbar gekommen wäre, ver- mieden wurden. Die anhaltinische Polizei— wieder ein kleinstaatliches Charakteristikum— beschränkte ihre Tätigkeit auf das a n> h a l t i n i s ch e Gebiet. Der Demonstrationszug erreichte infolgedessen, in Viererreihen geordnet, ungehindert den Mittelpunkt der Stadt Staßfurt und demonstrierte am Rathaus vorbei. Erst als etwa die vordersten 300 Mann das Rathaus passiert hatten, wobei sie Schmähruf« aus- stießen und sangen, griff die Polizei von neuem ein und verlangte nun energisch Auflösung des Zuges. Di« Staßfurter Pvltzei hatte nur eine Stärke von 14 Mann, zu denen noch 10 Landjäger des Kreises als Berstärkung aufgeboten waren. Kaum zeigte sich die Polizei wieder, als von den Demonstranten neue Beschimpfungen und Drohungen laut wurden. Die Polizei verhaftet« einige der lautesten Schreier, die jedoch von der Menge bis auf einen wieder befreit wurden, hierdurch kam es zum ersten Handgemenge. Als die Polizei in Bedrängnis geriet, gaben die Landjäger etwa zehn Schreckschüsse in die Luft ab. Leider wurde diese Warnung von der Menge nicht ernst genommen. Es sielen einige Pistolenschüsse, deren Urheber nicht festgestellt sind, die Menge drang auf die Landjäger ein, umringte sie und versuchte ihnen die Karabiner zu e n t r e i ß e n. In dieser Lage gaben die Landjäger etwa vier bis fünf scharfe Schüsse ln die Menge ab, die sehr traurige Folgen hatten: Zehn Personen fielen nieder, ein Getroffener war sofort tot, zwei weitere starben un- mittelbar darauf. Die sieben anderen liegen mehr oder weniger schwer verletzt im Krankenhau». Auf Grund des§ 14 des Polizeigesetzes hat der Bürgermeister K a st e n all« Ansammlungen und Demonstrationen im Etadtinnern verboten, ebenso«ine Versammlung, zu der die Kommunisten durch Flugblätter ohne Unterschrift eingeladen haben. Die Staats- anwaltfchaft hat«ine Untersuchung eingeleitet und einige Führer der Kommunisten in Haft genommen. So ergehe es allen, die sich weigern, oppositionelle Zeitungen zu verbieten Einigung in Lausanne? Aber nur über die Reparationssrage. Das schuhlose Nraunschweig. Scharfer Appell des Reichsb mners an Hindenburg. Lraunschweig, 29. Juni.(Eigenbericht.) Di« Gauleitung Braunschweig des Reichsbanner» Schwarz- Rot-Goid sandte heute abend folgendes Protesttelegramm an den Reichspräsidenten: „Unter den Augen der Polizei werden fast täglich R e p u b l i- kan«r überfallen uno niedergeschlagen. Erst gestern wieder wurden drei Reichsbannerführer von 30 SA.-Leuten auf offener Straße angefallen und verletzt. Die Polizei ist nicht mit der nötigen Schärfe gegen die Angreifer vorgegangen. Aehn- liche Meldungen aus der Stadt und dem Lande Vraunschweig häufen sich in der letzte» Zeit. Wir erwarten Maßnahmen gegen den Terror der Nationalsozialisten und gegen das passiv« Verhalten der Polizei." Lausanne, 30. 3uni, 1 Uhr narhtS.(Eigenbericht.) Wie aus Kreisen der Konferenzteilnehmer mit Bestimmtheit versichert wird, ist mit einer e n d g n l» tigcn Einigung in der RcparationS» frage, unter vorläufiger Ausschaltung aller politischen Streitfragen, die an die Genfer Ab- rüstungskonferenz überwiesen werden sollen, noch in dieser Nacht zu rechnen. Macdonald schildert die Lage. Lausanne, 29. Juni.(Eigenbericht.) In der heutigen Rachmittagssitznug der sechs ein- ladenden Mächte gab Macdonald von den bisherigen Konfcrcnzergebnifsen einen lieberblick, dem die Bedeutung einer Kundgebung von größter Trag- weite zukommt. Zunächst habe man mit dem ersten Problem der Tagesordnung begonnen, nämlich den R e» parationen. Leider könne er noch keine erfolgte «rrixanofg-mg mUtifTtiii. AI tfc'e'm ST« e Tlnkgret» bestehe aber bei allen Konferenzteilnehmern über fol» gende Punkte deS Baseler Sachverständigenberichtes: t. Transferzahlungen in einem für da» Zahluags- glelcheewicht schädlichen Umfange können nur die Krise verschärfen. 2. Die Befreiung eines Schuldnerlande» von einer untragbaren Last kann fast die Wirkung einer Uebertragung dieser Last auf da» Gläubigerland haben, die es in seiner Eigenschaft als Schuldner seinerseits nicht tragen kann. Z. Die Anpassung aller Regierungsfchulden, Reparationen oder anderen Kriegsschulden an die bestehende verwlrrie well- s i t u a t i o n muß ohne Verzug erfolgen, wenn neue« Unglück vermieden werden soll, und ist der unerläßliche Schrill zur Wiederherstellung des Vertrauens als Bedeutung der wirtschaftlichen Slabililät und des Friedens. 4. Trotzdem Deutschland die Slabililäl seiner wäh- r u n g energisch verleidigt, sind Schritte nötig, um einen D a n e r- erfolg dieser INoßnohmen zu sichern. Da» feien die Grundlagen der causonner Arbeit, wan sei auch einig in der Ueberzeugung. dah die Lausanner Konserenz in etwa» Konkretem und, soweit als möglich. Endgültigem enden müsse, unbeschadet der Anerkenntnis, dah dies einer W e l t r e g e- l u n g unter Einschluß der Vereinizien Slaaten angepaßt werden mühte. Di? Regelung müsse die Wiederherstellung de» Vertrauens ermöglichen, dos unerläßlich fei für die Wiederbelebung von Ared'i und Handel. Künstliche Tronsferzahlungen. welche das lnlernattonale Gleichgewicht der Zahlungsbilanzen stören, sollten. wenn überhaupt, dann nur erfolgen durch den normalen An- laus de» internationalen Handel» und innerhalb dessen ceistung»- sählgkeit. Endlich herrsche noch Uebereinstimmung darüber, daß die deutsche Regierung gegenwärtig nicht zahlen könne. E» entspreche der allgemeinen Aufsajsung. daß in Etappe« vorgegangen werden müßte. Die erste feien die Reparationen In Lausanne,-'T über Abrüstung, politische Verständigungen usw. werde die Laufanner Konferenz eine allgemeine Erklärung«bgebeu dahin, dah seder alle» tun werde, um in den folgenden Rlonalen olles für solche Verständigungen zu tun, daß aber die Regelung der Reparationen nicht vertagt werden könne bis nach der vollständigen Erreichung solcher Verständigungen. Die Zeil dränge, so schloß Macdonald, wegen 0 l l a w a. wegen Herriols Vudgelarbelt, und weil er selbst am 5. oder b. Zuli wieder in London sein müsse. Er sehe keinen Grund, warum man nicht zu endgültigen Entscheidungen in Lausanne kommen und den Mechanismus errichten könnte für die Fortsetzung der Arbeit aus einem weiteren Felde unker Fühlungnahme mit Amerika wegen dessen Beteiligung. Er sehe keinen Grund dafür, daß die Lausanner Arbeit nicht anfangs der nächsten Woche erledigt werden könne. papen?— Zum Piepen! Entdeckungen eines Hugenberg-Züngers. Die festgefahrene Lage aus der Lausanner Konferenz bereitet der nationalistischen Presse arge Verlegenheiten. Früher hotte man uns erzählt: es brauche nur eine nationale Regierung zu kommen und ordentlich mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, dann würden die Gegner schon in sämtliche verfügbaren Mause- löcher kriechen, und mit einer Handbewegung würden die nationalen Männer den Versailler Pertrag zerreißen! Nun ist die nationale Regierung da— und nicht» von alledem geschieht. Deswegen hat sich die schwerindustrielle„DAZ." bereits eine neue„Dolchstoßlegende" aus den Fingern gesogen, wonach die internationalen Demokraten, Pazifisten und ähnliches Gelichter den französischen Ministerpräsidenten Herriot heimlich gegen Herrn von Papen aufgehetzt hätten!— Aus andere Weise versuchen«s die Herren vom Hause Hugenberg. Da sie große nationale Taten und Erfolg« des Herrn von Papen nicht zu melden vermögen, erfinden sie solche. Die Hugenberg-Press« erschien am Mittwochnachmittag auf einheitliche Anweisung mit folgenden Schlagzeilen: Papen sordert Persailles-Revision— Aetzt verhandelt er mit Herriot! Endlich nach 1Z Iahren sordert ein deutscher Kanzler Beseitigung der schmachvollen, entehrenden Bedingungen im versailler Diktat. Was ist los? Nichts weiter, als daß Herr von Papen erklärt hat: Das Vertrauen der Welt könne nur dann wiederhergestellt werden, wenn die Siegermächte sich entschließen würden, die Unter- icheidung Deutschlands von den Siegerstaaten, wie sie der Versailler Vertrag ausspricht, zugunsten der Gleichberechtigung zu beseitigen. Das hat ungefähr feit 13 Jahren jeder deutsch« Reichskanzler und jeder Außenminister gefordert! Es soll sicherem Bernehmen nach sogar deutsche Staatsmänner gegeben haben, die auf diesem Gebiet recht achtbare praktische Erfolge— lange vor Herrn von Papen— erzielt haben. So soll z. B. unter einem gewissen Außenminister Stresemann die Aufnahme Deutschlands— als glsichberschtigts« Mitglied in den Völkerbund vollzogen worden sein. Haben die Hugenberg-Aünger damal» aus den Ohren gesessen? Sie hoben sich damals wohl nach antikem Vorbild Wachs in die Ohren gestopft. Jedenfalls ist die Glori- fizierung ihres Papen wegen einer platten und belanglosen Selb st Verständlichkeit— zum Piepen! SA. lauert auf. Neue Terrorakte in Breslau. Breslau. 29. Juni. Am Dienstagabend kam e» noch der Versammlung der Eisernen Front im Messehof an verschiedenen Stellen der Stadt zu Zusammenstößen. SA.-Schlägerkolonnen hatten sich auf die Lauer gelegt und überfielen mehrfach heimkehrende Rcichsbannerleut«. Drei Reichsbannerkameraden wurden durch Messerstich« verletzt, ein SA.-Monn wurde mit Kopfverletzung sortgeschafst. Nazis gegen Kommunisten. Frankfurt a. M.. 29. Juni.(Eigenbericht.) In Gelnhausen bei Hanau kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und Kom- munisten. Ein Fackelzug uniformierter Nazis verursachte innerhalb der Bevölkerung große Erregung. Di« Reibereien setzten sich später aus der Landstraße nach dem Dorfe Roth zu fort, wo es am Dorf- eingang zu schweren Ausschreitungen kom. Hier wurde ein SA.- Mann aus einem benachbarten Dorf durch Messerstich« leben»- gefährlich oerletzt. Außerdem erlitten ander« Teilnehmer an der Schlägerei leichtere Verletzungen. Die Polizei verhaftete drei Personen. Da» südslawische Kabinett Ist zurückgetreten. Al» Ministerpräsi- dent an Stelle Marinkowitsch' wird der bisherige Handelsminister Dr. Kramer und als Außenminister der derzeitige Hofminister I e f t i t s ch genannt. Die spanische Republik greift durch. Am Montag dieser Woche hat ein Bataillonskommandeur während der Schlußansprach« an die Kriegsschüler verächtliche Aeußerungen über die Republik gemacht. Dafür wurden am Dienstag der G c n e r a l st a b s ch e j Goded so- wie die K o m m a n d e u r e der Madrider Division und ersten Brigade zur Disposition gestellt. Aufhebung des Rechiszustandes. Das Razi-Gystem in der Sozialversicherung. Der Staat ist keine Wohlsahrtsanstalt. Bisher war jedes Rechtsverfahre n in der Sozialver- ficherung gebührenfrei. Die letzte Notverordnung hat u. a. der Reichsregierung die Ermächtigung gegeben, im Verfahren vor den Sozialversicherungs- und Versorgungsbehörden dem Rechtsmittelkläger bei der Einlegung der Berufung, der Revision und des Rekurses die Entrichtung einer Gc- b ü h r aufzuerlegen, und zwar mit der Wirkung, daß das Rechts- mittel als nicht eingelegt gilt, wenn die Gebühr nicht in einer bestimmten Frist gezahlt ist. Eine Verordnung über die Erhebung einer derartigen Gebühr ist zur Zeit im Reichsarbeitsministerium in Arbeit. Wie wir hören, beabsichtigt man, zwischen fünf und zehn Mark Gebühren zu erheben. Die Bewilligung des Armenrechls für Gebühren in einem Sozial- verficherungsstreit soll grundsätzlich ausgeschlossen sein. weil man„höheren Ortes" auf dem Standpunkt steht, daß dann jede Einlegung eines Rechtsmittelgesuches mit einem Gesuch auf Bewilligung des Armenrechts verbunden sein dürfte, denn es sind ja alles zumindest Unbemittelte, die in diesem Zweige der Rechts- pflege prozessieren werden. Würde die Möglichkeit der Bewilligung eines Armenrechts bestehen, so müßte man es in den allermeisten Fällen auch bewilligen. In jedem Kulturstaat ist es die vornehmste Aufgabe des Staates, dafür Sorge zu tragen, daß auch der Aermste zu seinem Rechte kommen kann. Es bleibt dem Kabinett der Barone vorbehalten, einen„Rechts- zustand" in der deutschen Sozialversicherung einzuführen, bei dem nicht der Recht bekommt, der Recht hat, sondern nur der, der das Geld hat, um überhaupt klagen zu können. Der 8 7, Ziffer 2, des Artikels 5 der Notverordnung vom \4. Juni ermächtigt wohl die Reichsregierung, eine Gebühr im Rechtsmittelverfahren vor den Versicherungsbehörden zu erheben, er verpflichtet sie aber nicht dazu, sagt nichts über die Höhe der Gebühr und auch nichts darüber, daß der Kläger nicht das A r m e n r e ch t für sich in Anspruch nehmen darf. Wenn man also jetzt in der angedeuteten Weise zu verfahren gedenkt, so ist das eine ungeheure Verschärfung der Rotverordnung. Man kann ohne weiteres verstehen, daß die Spruchbehörden entlastet werden müssen. Was aber macht die Notverordnung? Durch die generelle Einführung der Bcdürstigkeitsprüsung in der Arbeitslosenversicherung st e i g e r t sie die Streitfälle ungeheuer, was notwendig zu einer weiteren Belastung der bereits über- lasteten Spruchbehörden führen muß. Und nun sucht die Notver- ordnung die Sturzwelle von Einsprüchen, unter denen die Spruch- behörden ersaufen müssen, dadurch einzudämmen, daß sie eine für Arbeitslose so gut wie unerschwingliche Gebühr vorschreibt, von der unter keinen Umständen abgegangen werden darf. Was wird die Folge sein? Der abgewiesene Arbeitslose wird sagen:„Wäre ich ein Betrüger, ein Schieber, ein Räuber und Mörder, dann könnte ich auf Armenrccht klagen. Da ich aber ein ehrlicher Mensch bin, der das Unglück hat, arbeitslos zu sein, so gibt es für mich kein Armenrechl, also überhaupt kein Recht." Der Staat soll eben— nach der offiziellen Erklärung der Regierung der Nazibarone— keine Wohlsahrtsanstalt sein. Jedenfalls nicht für Arme. Wir brauchen wohl nicht zu betonen, daß wir eine derartige Regelung für unmöglich und unhaltbar ansehen. Verein- fachung— jawohl! Darum keine Bedürftigkeits- Prüfung in der Arbeitslosenversicherung und Zu- sammenlegung der Krisen- und Wohlfahrtsfürsorge. Aber„Berein- fachung" auf Kosten der Aermsten, auf Kosten der Gemeinden, aus Kosten des Rechts selbst— das ist zu einfach. Wenn die Reichs- regierung glauben sollte, daß sie mit derartigen Methoden zur Be- ruhigung beiträgt und für die össentliche Ordnung und Sicherheit sorgt, so wird sie durch die Tatsachen bald von dem Gegenteil belehrt werden. Diese Kulturschande muß verschwinden! Das neue„System". Wer fpari, soll dafür besirast werden. Die gewerkschaftlichen Spitzenverbände aller Richtungen haben an den Reichsarbeitsminister folgende Eingabe gerichtet: „Bei Erörterungen über den Begriff der Hilfsbedürftig- k e i t im Vorstand der Reichsanstalt wurde die Frage ausgeworfen, ob in Zukunft die gewerkschaftliche Arbeitslosen- u n t e r st ü tz u n g so wie bisher ohne Einfluß auf die gesetzliche Leistung ist. Bei SSr Besprechung der Frag« wurde festgestellt, daß die Praxis jetzt bei Prüfung der Hilfsbedürftigkeit zwar verschieden sei, überwiegend jedoch(in Preußen z. B. allgemein) jede Ein- nähme angerechnet wird, also auch die gewerkschastliche Arbeitslosenunterstützung zu einer Kürzung der gesetzlichen Arbeitslosenunterstützung führen würde. Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß die Gewerkschaf- ten nicht gewillt sind, zu den unerträglichen Kürzungen, die den Arbeitslosen bereits durch die letzte Notverordnung zugemutet wer- den, noch den Verlust der gewerkschaftlichen Unterstützung zu tragen. Die Gewerkschaften sind auch nicht gewillt, diese Lasten zugunsten der durch Beiträge erworbenen Ansprüche zu über- nehmen, sondern würden gezwungen sein, 'hre bisherigen Leistungen einzustellen, wenn die Anrechnung erfolgt. Es sei auch noch besonders darauf hingewiesen, daß es sich bei den von den Gewerkschaften gezahlten Unterstützungen um frei- willige Leistungen handelt, auf die ein eigentlicher Rechtsan- spruch der Mitglieder nicht besteht. Um die weitgehende Beunruhigung, die bereits eingetreten ist, zu beseitigen, bitten wir, uns baldigst davon in Kenntnis setzen zu wollen, ob der Herr Reichsarbeitsminister gewillt ist, die Nicht- anrechenbarkeit der gewerkschaftlichen Arbeitslojenunter- stützung auszusprechen." Die Anrechnung der Unterstützungen der Gewerkschaften würde weder die Reichsanstalt noch Reich oder Länder entlasten. Es wäre ja heller Wahnsinn, wenn die Gewerkschaften ein« Unterstützung zahlen würden, die nur zur Entziehung der öffentlichen Unter- stützung führen könnte. Aber darüber hinaus würde eine derartige Praxis allem ins Gesicht schlagen, was die Kreise, auf die sich die Reichsregierung stützt, bisher vertreten haben! Die Feinde der So- zialversicherung predigen die individuelle Sparsamkeit, um nicht in Zeiten der Not die öffentlich« Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen. Die gewerkschaftlich Organisierten haben sich eine derartige Spar- kasse angelegt, wenn sie auch kollektiver Art ist. Und nun sollen sie dafür bestraft werden? Die Folge eines derartigen„Systems" würde wohl zunächst zu einer Entlastung der Gewerkschaften führen. Gleich- zeitig müßte aber eine ungeheure Verbitterung Platz greifen, deren Folgen ganz unabsehbar sind. Kampfruf aus Mainz. Die Gewerkschaften sind die Einheitsfront. Der 24. Ordentliche Verbandstag des Zentralver- bandes der Schuhmacher, der gegenwärtig in Mainz tagt, ist von 7l Teilnehmern besucht: von S4 Delegierten, 9 Bezirts- leiteru und 8 Vorstandsmitgliedern. Anwesend sind auch zahlreiche ausländische und deutsche Gäste, die in Mainz bereits als Vertreter der Internationalen Zentralkommission für die Schuh- und Leder- industrie getagt haben. Den Austakt zum Verbandstag gab eine sehr temperamentvolle Rede des Verbandsvorsitzenden Simon, die der Tagung gewisser- maßen die Richtlinie gab. Simons Rede steigerte sich nach einem herzlichen Wort ehrenden Gedenkens für den verstorbenen W i l- Helm Bock, den Senior und Gründer des Verbandes, zu einer leidenschaftlichen Anklage gegen die furchtbaren Schä- den des kapitalistischen Systems. Mit besonderer Schärfe wandte sich Simon gegen die neuen Lohnabbau- bestrebungen der Unternehmer der Schuhindustrie und er richtete an den Verbandstag den Ruf: „Itnler keinen Umständen eine weitere Verschlechterung des Lohns!" Simon trat für höchste Aktivität und Geschlossenheit ein und betonte unter starkem Beifall: die Einheitsfront ist da: sie ist für jeden Arbeiter, der die Zeichen der Zeit begriffen hat, ver- körpert in den deutschen Gewerkschaftsorganisationen. Die ausländischen Gäste— es sprachen Kanka-Wien, Chester-London, Roux-Frankreich, Carlsson-Schweden, Larsen- Kopenhagen, Grundersen-Oslo und Valchar-Tschechoslowakei— gaben ein Bild der Krise in ihren Ländern, und in ihren Reden lam die Bewunderung der ausländischen Gewerkschaften für den heroischen Freiheitskampf der deutschen Ar- b e i t e r s ch a f t zum Ausdruck. Im Namen der deutschen Gäste sprach Franz S p l i e d t vom ADGB. Er nahm sich vor allem die Papen-Phrase vom„Wohl- fahrtsstaat" vor und erklärte mit Nachdruck und unter Beifall: die „gottgewollte organische Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer" kennen wir. Gegenüber den Perspektiven, die uns hier von der Regierung der Hitler-Barone eröffnet werden, haben wir die Nerven und den klaren Blick zu behalten. So schwer die Probleme auch sein mögen, wir müssen hindurch und wir kommen hindurch. Den Bericht des Vorstandes erstattete Max Lex, der zweite Verbandsvorsitzende. Das Jahrbuch 1931 des Zentralverbandes der Schuh- wacher, das noch rechtzeitig zum Verbandstag herausgekommen ist, entrollt von der B e s ch ä f t i g u n g s l a g e in der Schuhindustrie ein erschütterndes Bild. Seit 1927 ist die Zahl der Arbeiter und Arbeiterinnen in der gesamten deutschen Schuhindustrie u m 42734 Personen zurückgegangen, nämlich von 114 852 Beschäftigten auf 72118. Noch deutlicher als durch diese Zahl wird die gewaltige Verschlechterung der Arbeitsmarktlage durch eine Gegenüberstellung der Prozentsätze der Vollarbeiter, Kurzarbeiter und Arbeitslosen des Schuhmacherverbandes in den Jahren 1927 und 1931. Im Jahresdurchschnitt 1927 waren von den Verbands- Mitgliedern 79,6 Proz. Vollarbeiter, 19,9 Proz. Kurzarbeiter und nur 9,6 Proz. Arbeitslose, im Jahresdurchschnitt 1931 dagegen 24,3 Proz Vollarbeiter, 43,5 Proz. Kurzarbeiter und 32,2 Proz. Arbeitslose. Bezeichnend ist aber auch, daß die Produktion von 1927 bis 1930 nur um 10 Proz. zurückgegangen war, die Zahl der arbeitslosen Schuharbeiter aber in der gleichen Zeit um 14,6 Proz. und die der Kurzarbeiter um 18,1 Proz. gestiegen, die Zahl der vollarbeiler hingegen um 43 Proz. zurückgegangen ist. Gut gehalten haben sich in dieser Krije nur sehr wenig Be- triebe; am besten haben die Firmen Slgke u. To.(Salamander) in Kornwestheim und Tack u. Co. in Burg bei Magdeburg ab- geschnitten, die ihre Betriebe 1931 in dem gleichen Umfange wie im Jahre zuvor weiterführen konnten. Viele Betriebe der Schuh- industrie sind abgebrochen oder teilweise und auch gänzlich st i l l g e l e g t worden; einige davon wurden nach mehreren Monaten wieder eröffnet, aber mit erheblich verringerter Beleg- schaftszahl. In 28 kleineren Orten der Schuhindustrie zum Beispiel sind die Belegschaften bis auf den letzten Mann arbeits- los.— Die Auswirkung dieser trostlosen Beschäftigungslage auf die Mitgliederbewegung des Schuhmacherverbandes, die in dem Sinken des Mitgliederbestandes um 5985 aus 59 917 bis zum Schluß des Berichtsjahres zum Ausdruck kommt, ist erfreulicher- weise nicht so stark, wie es in den Kreisen der Funktionäre der Organisation befürchtet wurde. Beachtung verdient auch die Tat- fache, daß der Rückgang bei den weiblichen Mitgliedern, die ungefähr 45 Proz. der Gesamtmitgliedschaft darstellen, sowohl zahlenmäßig als auch prozentual nur sehr wenig größer ist als bei den männlichen Verbandsmitgliedern, ein Beweis dafür, daß der Gedanke der gewerkschaftlichen Organisation auch unter den Arbeiterinnen schon tief verwurzelt ist. Der Kassenabschluß zeigt, daß die finanzielle Kraft des Zentralverbandes der Schuhmacher noch ungebrochen ist. Die Beitragseinnahmen sind zwar gegenüber dem Jahre 1930 weiter erheblich zurückgegangen, während auf der anderen Seite die Aus- gaben für Unterstützungen gestiegen sind; trotzdem hat sich aber das Verbandsvermögen infolge sparsamster Verwaltung um rund 180 000 M. auf 4438447 M. erhöht. Der gesamte Auf- wand an Unter st lltzungen war mit insgesamt 1,19 Millionen Mark, von denen allein 575 000 M. auf die Arbeitslosenunterstützung entfielen, um 4,7 Proz. höher als 1930. Der Zentralverband der Schuhmacher darf ebenso wie alle anderen freien Gewerkschaften für sich in Anspruch nehmen, auch in finanzieller Hinsicht seinen Mitgliedern in den Zeiten schwerster Bedrängnis ein treuer Helfer gewesen zu sein. Der Verbandsvorstand hat jedenfalls auf dem Verbandstag keine Kritik zu fürchten. In der Aussprache über den Vorstandsbericht brachten fast olle Redner ihre Zustimmung zur Tarispolitik des Verbandsvor stände? zum Ausdruck. Jeder weitere Lohn- abbau wurde scharf abgelehnt. Aeuer �eichstarif der Dachdecker. Im Dachdeckergewerbe wurde auf Grund eines Schiedsspruches ein Reichstarisvertrag abgeschlossen. Er ist dieser Tage durch U r a b st i m m u n g von den Arbeitern im Dachdeckergewerbe angenommen worden. Da auch die Unter- nehmer, mit deren Stimmen der Schiedsspruch gefällt worden ist, zustimmten, tritt der Reichstarifvertrag am 1. Juli 1932 in Kraft. Der neue Vertrag bringt eine Regelung der Löhne in dem Sinne, daß zu den Bauarbeiterlöhnen Zuschläge von drei und vier Pfennig pro Stunde kommen. Weitere Sonderzulagen, wie Fahrgeldentschädigung, Ueberlandzulagen, müssen in den B e- z i r k e n geregelt werden. Die Junggesellenlöhne sind reichstarif- vertraglich wie folgt geregelt: 80 Proz. des Gesellenlohnes im 1. Jahr nach beendeter Lehrzeit, 85 Proz. im 2, Jahr und 90 Proz. im 3, Jahr. Die übrigen Bestimmungen des Reichstarifvertrages sind nur wenig verändert worden— wo es geschehen ist, selbstver- ständlich nicht zugunsten der Arbeitnehmer. So wurde u. a. für 1932 der Urlaub sistiert. Der Vertrag läuft bis zum 15. März 1933; er kann erstmalig am 1ö. Dezember 1932 aeki'mdiat werden. Zurückgenommene Kündigungen. Lm Harzbergbau. Die Preußische Bergwerks- und Hütten A.-G. sowie die B r a u n s ch w e i g G. m.b.H. haben, wie wir aus Ver- waltungskreisen der P r e u ß a g hören, die sür den 1. Juli dieses Jahres a usgesprochenen Kündigungen in Ober- und Unter- harzer Betrieben zurückgenommen, nachdem der Reichsrat in seiner letzten Sitzung einstimmig beschlossen hat, eine Subvention von 8 Millionen Mark zur Stützung des gesamten deutschen Metall- erzbergbaues in den Reichsetat einzusetzen. Die Harzer Berglyte sind in Preußen nicht vergessen worden. Hier ist der Wohlfahrtsstaat noch nicht abgebaut. fftm'e Gewerkschafts-ZuaenS Vsrlin Heute, Donnerstag, 30. Juni, um 19 M; Uhr, tagen die Gruppen: Osten: Jugendheim Frankfurter Allee 307, Lönsjzimmer.„Das Mädel in der FGJ."— Südosten: Jugendheim Reichenberger Str. 66.„Wirtschafts- krife— Arbeitsbeschaffung."— Tempelhof: Jugendheim Lyzeum Germania- straße 4—6. Der Zugang erfolgt durch den Eingang Götzstraße, auf der hinteren Seite der Schule. Literarischer Abend.— Moabit: Jugendheim Lehrter Straße 16—19. Wir besuchen Gruppe Siemensstadt.— Staaken: Jugendheim 17. Volksschule, Gartenstadt, Kirchplatz, Endhaltestelle Autobus 31.— Schönhauser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18.„Marx und die Gewerkschaften."— Lands- bcrger Platz: Jugendheim Diestelmeyerstr. 5. Zehn-Minuten-Referate.— Lichtenberg: Jugendheim Dosseftr. 22. Aufgepaßt. Mädels! Wir Burschen haben das Wort.— Reu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44.„Der Konflikt im Fernen Osten und der Völkerbund."— Gesundbrunnen: Jugendheim Rote Schule, Gotenburger Str. 2. Bunter Abend.— Köpenick: Jugendheim Grünauer Str. 5 (Nähe Bhf. Spindlersfeld). Volkstanzabend.— Schlcfisckes Tor: Jugendheim Manteuffelstr. 7. Dialektabend.— Gewerkschaftshaus: Wir gehen baden.— Sicmensstadt: Jugendheim Schule Siemensstadt, Schulstr. 14—15. Neue Spiele. — Wir spielen ab 18 Uhr: Rordostkrcis: Bolle-Sportplatz, Nordend; Südkreis: Treptower Park, Wiese 8, und im Volkspark Neukölln; Nordkreis: Spielwiese Volksvark Rehberge; Kreis Oberspree: Rehwiese.— Iugendgruppe des Deutschen Bclleidungsarbeitcrverbandes: Treptower Park, Wiese 8.— Iugendgruppe des Deutschen Textilarbeiterverbandes: Engelufer 24—25, Aufgang». 3 Treppen, Sitzungssaal. Gruppenabend.— Iugendgruppe des Verbandes der Nabrungs- mittel-' und Getränkcarbeiter: Neue Schönhauser Str. 4—5. Ein lustiges Monats. ende, ausgestaltet von unserer Iugendgruppe.— Iugendgruppe des Deutschen Baugewerksbuudes, Maurer: Bauabend im Jugendheim Großbcerenstr. 96. Juaendoruppe des?entrolverbande6 Per Anqeftellken Heute, Donnerstag, finden folgende Peranstaltungen statt: Norden: Jugendheim Lortzingstr, Iii Abend eigener Ausgestaltung.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Str, Iii, Arbeitsgemeinschaft:„Jugend im Recht", Referent: Dr, Lcwinsli.— Treptam: Jugendheim iklsenstr. 3 lPrioat» haus). Aussprache:„Was uns von unseren Gegnern trennt", Leitung: Weis- stock.— Die Freie Aiigestclltcnbanl e. G. m. u. H." tagt heute van 20—22 Uhr im Verbandshaus.— Spiele im Freien ab 18 Uhr auf dem Sportplatz Tier- garten. Verantwortlich für Politik: Victor Schisi: Wirtschaft: G. Klingelhöscr! Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Scrberi Lcpvre; Lokales und Sonstiges: Fritz ZIarstädt, Aiiiieigen: Th. Glocke: samtlich in Berlin. Verlag: Vorwarls.Verlag G. IN. h. H.. Berlin Druck: Lorwärls. Buchdruckers und Verlagsanstalt Paul Singer u Co. Berlin SB. 68. Lindenstratze 3, Hierzu 2 Beilage«. Niedrigste Kassepreise Schlaf-, Speise-, Herrenzimmer Küchen-, Polster-, Einzelmöbel USCH Hackeschef Markt 4(Nahe Bahnh. Börse) Eigene Großfabrikation seit 1876 Langfristige Zahlungsbedingungen Frachtfreie Lieferung Deutschland Kostenlose Lagerung Jllustrlerter Katalog V gratis Rlgaer Straße 71(U.Bahn: Samariterstraße} Nr. 303• 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Donnerstage 30. Juni 4932 Hauszinssieuer und Mieter. Ein neuer Erlaf? des preufjiseben Finanzministers. Die bisherigen Bestimmungen über den Erlaß von Hauszins- steuerbeträgen sind bekanntlich durch die preußische Notverordnung in vollem Umfange aufgehoben worden. Der preußische Staat hat den Fürsorgeverbänden lGemeinden) 160 Millionen Mark zur Ber- fügung gestellt, damit diese von sich aus hilfsbedürstige Mieter unterstützen. Grundsätzlich also entscheidet die Hilfsbedürftig- kelt des Mieters, ob ihm eine Mietbeihilfe gewährt wird. Während früher ein Erlaß der Hauszinssteuer gewährt wurde für einen Mieter, dessen Einkommen 1200 Mark nicht überschritt, entscheidet jetzt allein die Hilssbedürftigkeit, nicht, wie es zuerst hieß, die Einkommensgrenze von 800 Mark. Der Hausbesitzer soll in allen Fällen grundsätzlich die volle Hauszinssteuer abführen. Der hilfsbedürftige Mieter muß sicb an das Wohlfahrtsamt wenden. Die Wohlfahrtsämter haben auch in Zukunft die Mietbeihilfen wie bisher nicht an die Hilfsbedürftigen, sondern an die Haus- wirte zur Auszahlung zu bringen, mit dem einzigen Unterschiede, daß diese Mietbeihilfen sich jetzt sim Falle der Hilssbedürstigkeit) um die Hauszinssteuerbeträge erhöhen. Da die Bearbeitung der entsprechenden Anträge bei den Wohlfahrtsämtern eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, hat der preußische Finanzminister folgende Llebergangsregelung erlassen: Für den Monat Juli dürfen die Hausbesitzer wie bisher für diejenigen Mieter, denen Hauszinssteuererlaß gewährt war, die Hauszinssteuer vorläufig absetzen. Die Mieter müssen aber bei den Wohlfahrtsämtern Anträge auf Bewilligung der Hauszinssteuer- beträge stellen. Gibt das Wohlfahrtsamt diesen Anträgen statt, dann hat das Wohlfahrtsamt die Beträge(für Juli) an die Haus- eigentümer und diese haben sie an die Steuerämter zu überweisen. Lehnt das Wohlfahrtsamt einen Antrag ab, dann wird die Haus- zinssteuer für Juli niedergeschlagen. Für spätere Monate muß der Mieter die Hauszinssteuer selbst zahlen. Sollte eine erstinstanzliche Entscheidung des Wohlfahrtsamtes im Juli nicht erfolgen, dann kann unter Umständen den Hauseigentümern die Zahlung der Haus- zinssteuer auch für den Monat A u g u st gestundet werden. Abgesehen von dieser Uebergangsregelung findet sich in dem Erlaß eine wichtige neue Best immun g. Dem Hauseigen- tümer wird in Zukunft die Stundung oder Niederschlagung der Hauszinssteuer nur dann gewährt, wenn er nachweist, daß er weder vom Wohlfahrtsamt noch durch gerichtliche Zwangsmaßnahmen vom Mieter selbst die geschuldete Hauszinssteuer erhalten konnte. Die T r a g w e i te dieser Bestimmung ist noch nicht zu übersehen, aber es ist zu befürchten, daß sie zu zahlreichen erfolglosen Klagen und zu einer unnötigen Verärgerung von Mieter und Vermieter führen wird.— Zu bedauern bleibt, daß die ohne- hin überlasteten Wohlfahrtsämter durch diese Bestimmungen(be- sonders durch die Uebergangsregelung) eine neue, große Arbeits- last übertragen erhalten. Das eine steht hiernach für alle in Zweifel und Unruhe g e- ratene Mieter fest: Durch diese Regelung ist für die Mieter, deren Hilfsbedürftigkeit anerkannt oder abgelehnt worden ist. erreicht, daß für den MonatJuli keine Aende- rung in ihren tatsächlichen Mietzahlungen ein- tritt und sie Zeit für eine etwa nötige Umstellung, insbesondere hinsichtlich eines Wohnungswechsels gewinnen. Zur Erleichterung des Wohnungswechsels können Hilfsbedürftigen Umzugsbeihilfen von den Bezirksfürsorgeverbänden gewährt werden. Solange sie rechtlich oder tatsächlich insbesondere durch das Fehlen geeigneter Wohnungen gehindert sind, eine andere angemessene Wohnung zu finden, sind die Berhältnisse des Einzelfalls, darunter auch der tat- sächliche Wohnungsaufwand für die Bemessung der Mietbeihilfe, gegebenenfalls über den im Richtsatz hinaus dafür vorgesehenen Be- trag zu berücksichtigen. Was schließlich das Kündigungsrecht anbelangt, so bestimmt sich das Kündigungsrecht des Mieters in erster Linie nach dem Mietvertrag, in zweiter Linie nach 8 565 BGB. Der Schutz des Mieters und das Zusammenwirken der Ge- richte mit den Fürsorgebehörden ergibt sich aus den§§ 3 und 16 des Mieterschutzgesetzes. Um Heize gegen Berliner Schupo Kommandeur Keimannsberg entlarvt Provokateure. Polizeikommandeur Heimannsberg, der bei den Zusammenstößen, die sich am Dienstag im Anschluß an die Sludenlen- tundgebung im Lnstoarlen Unter den Linden zutrugen, anwesend war, wandte sich gestern energisch gegen die Darstellung über diese Vorränge in einem Teil der Rechtspresse. in ioaip!tir\rtvrwr»>mir einigen Blättern in einer Weise angegriffen worden, die unzu- t r ä g l i ch und nicht weiter zulässig sei. Bei den Aus- jchreitunoen, die sich an die Lustgarten-Kundgebung geknüpft hätten, müsse vor allem bedacht werden, daß es sich hier nicht um eine nationale Beron staltung gehandelt habe, sondern um eine rein parteipolitische Agitation, die mit der vorher stattgefundenen Kundgebung nicht das geringste zu tun gehabt habe. Wenn behauptet werde, daß 20 Studenten rücksichtslos mit dem Gummiknüppel bearbeitet worden seien, nachdem sie von der Polizei in die Bannmeile gedrängt worden wären, so e n t s p r e ch c das nicht den Tatsachen. Alle diejenigen, die sich aus polizeiliche Zlufsorderung hin nicht sofort entfernt hätten, seien gewaltsam entfernt worden. Es sei aber unwahr, daß die Polizei ab- sichtlich alte Leute und Kinder mißhandelt habe. Wenn trotzdem Nichtbeteiligte gelitten hätten, so sei das aus diejenigen zurückzuführen, die rücksichtslos Frauen und Kinder vorgeschickt hätten, während sie selbst seige im Hintergründe geblieben wären. Artikel, wie sie beispielsweise kürzlich im„Angrifs" gestanden hätten, verfolgten offenbar den Zweck, die Führung der Polizei kopsscheu zu machen. Es könne aber oersichert werden, daß die polizei- liche Führung gerade durch derartige Berössenttichungen in Zukunst d i e Z ü g e l nur noch fester in dieHand neh- men werde. Die Polizei werde alle Versuche, die geeignet seien, Ruhe und Ordnung zu stören, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln unterdrücken. Er, Heimannsberg, könne sich aber vorstellen, daß, wenn die Presse in der bisherigen Weife mit ihren Angriffen gegen die Polizei fortfahren werde, einmal der Tag komme, wo die Gegen- jätze aufeinander prallten. Keine Partei könne für sich ein Sonder- r-cku in Anlvrueb n-bmeri. Bei den Zwischcnsälle», die sich anläßlich des Aufzuges der Skagerrak-Wache seinerzeit ereignet hätten, habe die Polizei bereits größte Zurückhaltung geübt, aber die Bor- gänge Unter den Linden und in den anliegenden Straßen über- stiegen olles, was bisher in dieser Hinsicht zu verzeichnen gewesen sei. Fünf Verlehie bei Siraßenbahnunfall. Scheiben einer Straßenbahn durch Lastzug zertrümmert. An der Kreuzung Müller- und Loyenstrahe im Norden Berlins ereignete sich gestern vormittag ein seltsamer Strahenunsall, bei dem 5 Fahrgäste eines Straßenbahnwagens der Linie 27 verletzt wurden. Gegen �lO Uhr wollte ein Lastfahrzeug, das mit einem Leiter- gerüst beladen war, in die Seitenstraße einbiegen. Dabei streiften die über den Lastwagen hinausragenden Gerllststangen den An- Hänger der Straßenbahn und zertrümmerten sämtliche Scheiben. Ueber die erschreckten Fahrgäste prasselte ein Hagel von Glassplittern nieder. Fünf Personen erlitten Verletzungen. Während sich vier Ver- letzte in privatärztliche Behandlung begaben, mußte eine 31 Jahre alte Frau Emma Iahte aus der Rauschstraße 51 in Borsigwalde zur nächsten Rettungsstelle gebracht werden. Durch den Unglücksfall entstand eine Verkehrsstörung von 10 Minuten. Die Potsdamer Schmiergelder Weitere Enthüllungen in dem Bestechungsskandal. Gegen den Potsdamer Stadtbauamtmann Rudolf K i e s l i n g, der sich vor dem Potsdamer Schöffengericht mit drei weiteren An- geklagten wegen schwerer Bestechung verantworten muß, werden neue Bestechungssälle bekannt. Glaubte man bisher, daß Kiesling allein bei dem„Durchstich- komplex" Schmiergelder von dem ebenfalls angeklagten Tiefbauunternehmer Dübner erhalten hatte, so wird jetzt bekannt, daß er solche auch von mehreren Steinlieseranten erhalten hat. Die Stadt Potsdam benötigte seinerzeit für etwa 250 000 M. Pflastersteine. Der inzwischen verstorbene Stadtbaurat Fischer, der bei Bekanntgabe der Korruption Selbstmord beging, hatte diese hohe Steinlieferung nicht ausschreiben lassen, sondern drei Fabri- kanten übergeben. Diese Steinbruchbesitzer haben dem Angeklagten Kiesling zahlreiche Schmiergelder zukommen lassen. Selbst als der famose Stadtbauamtmann eine Badereise unternahm, erhielt er von einem Steinlieferanten so nebenbei 900 M. Erholungsgeld in das Bad nachgesandt. Zu dem morgigen Prozeß, der etwa zwei Wochen dauern wird, sind 30 Zeugen und eine Anzahl Sachverständiger geladen. Oer Fuchs predigt den Hühnern. Die Arbeitslosenunterstützung soll fallen. Ausgerechnet Hugenbergs Deutschnationale hatten zu gestern eine Rentnerversammlung nach den Spichern-Sälen am Nürnberger Platz einberufen. Ausgerechnet an jenem Tage, an dem zum ersten Male die Rentenkürzungen der Papen- Regierung in Kraft traten. Und ausgerechnet traten in dem schwarzweißrot drapierten Saal als Redner die Vertreter des Verbandes der Haus- und Grund- besitzervereine Groß-Berlin, der deutschnationale Landtagsabgeordnete Mentz und der deutschnationale ehemalige Reichstagsabgeordnete Steinhoff auf. Wer also von vornherein geringe Hoffnung hatte, auch nur etwas gegen den Rentenraub der Baronsregierung zu hören, der hatte sich den Weg vergeblich gemacht. Genau wie die Nazis schweigen die Deutschnationalen über die Taten der jetzigen Regie- rung. Dafür wurde um so mehr über den Marxismus ge- schimpft. Erzberger muhte auferstehen, die Bonzen mußten her- halten. Und dann ließ man ein wenig die Katze aus dem Sack: Arbeitslosenunterstützung wird es in Hugenbergs Reich nicht mehr geben, sondern für die Unterstützung muß Zwangsarbeit geleistet werden. Alle Wohlfahrtsempsänger werden geteilt in verschämte und unverschämte Arme. Die unverschämten müssen weiter aufs Wohlfahrtsamt gehen, den verschämt-kaifertreuen aber bringt der Briefträger jeden Ersten die gebratenen Gänse ins Haus. Der Hausbesitzervertreter Mentz ließ sich dann noch besonders über seinen berüchtigten Plakatkrieg aus, den er in den Berliner Mietskasernen angezettelt hat. Aber die Herren am Vorstandstisch machten sehr lange Gesichter, als plötzlich den Opfern der Papen-Regierung die Demagogie der Hausbesitzer zu viel wurde, und der Ruf erscholl: Was habt ihr den Fürsten an den Hals geworfen? Man hatte es mit einem Male sehr eilig, und ohne eine Diskussion zuzulasien, schloß man die Versammlung. Es wäre ihnen auch heimgeleuchtet worden. Die Abrechnung kommt nach: Am 31. Juli. Wieder drei Gchulbrandstistungen. Bisher keine Spur von dem Täter. Erst kürzlich berichtete der„V o r w ä r t s" über mehrere Schulhausbrände. Zn allen Fällen konnte seftgestellt werden, daß verbrecherische Hände ihre Hand im Spiele hallen. 3m Norden Berlins nahmen die Lrandstistungen ihren Ansang. 3eht Hot der unbekannte Täter seine Tätigkeit nach dem Südwesten verlegt. Der erste Feueralarm kam am Mittwoch aus der Weser- st r a ß e 13 in Neukölln, wo der Bücherschrank in einem Klassen- zimmer lichterloh brannte. Der Schulhausmeister unternahm so- fort Löschversuche und verhinderte dadurch eine größere Zlusdehnung des Brandes. Eine Stunde später lief auf der Hauptfeuerwehr- wache aus der G e m e i n d e s ch u l e in der D i e f f e n b a ch- st r a ß e 51 die Nachricht ein, daß ein Klassenzimmer brenn«. Auch in diesem Falle hatte der Brandstifter das Feuer im Lehrmittel- schrank angelegt. Eine weitere Stund« später bemerkte der Schul- Hausmeister der Gemeindeschule in der W a s s e r t o r st r a ß e 4 Feuerschein und Rauch im Schulgebäude. Die alarmiert« Feuenvehr konnte das Feuer, das den Inhalt eines Bücherschrankes restlos ver- nichtet hatte, schnell niederkämpfen. Die raffinierte Art des Täters, der es in ausfallend geschickter HO Jeds&nni- ü£e«a£t twtfangi. das sind Tatsachen, auf die stolz sein kann. Der Kenner bevorzugt diese Cigerette, weil sie auf Zugabe von UJ erlmarken, Gutscheinen oder Stickereien verzichtet, dafür aber etwas bietet, was Jedes Raucherherz erfreut: Stets fabrikfrische, gleichgute Qualität und volles Format! Weise versteht, unbemerkt Zutritt zu den Schulgebäuden zu er- langen, läßt an der Vermutung, daß es sich um einen Geisteskranken handelt, berechtigte Zweisel auskommen. Die Kriminalpolizei konnte dem Verbrecher bisher nicht beikommen. GA.-Lteberfall auf Lugendgenoffen. Immer sind die Strolche bewaffnet und immer schießen sie. Wie uns aus W e I h e n s e e bsrichket wird, unternahmen gestern abend SA.- Leute aus Jugendgenosscn, die vom Sportplah.Fauler See" in Weißensee heimkehrten, einen hinterhältigen Aeberjall. Als die Jugendgenossen dieFalkenbergerStraße passier. ten, stürzten aus der SA..Kaserne zahlreiche SA.-Leute auf die Straße und drangen auf die jungen Leute ein. Die Nazibanditen hatten aber die Rechnung ohne das Reichsbanner gemacht. Einig« Rsichsbannerkameraden nämlich, die gleichfalls vom Sporl» platz nach Hause gingen, kamen gerade hinzu, als sich die Nazimeute auf die Jugendgenosien stürzen wollte. Jetzt ergriffen die Braun» Hemden die Flucht, gaben aber auf die Reichsbanner- kameraden sechs Schüsse ob und zogen sich dann in ihr SA.-Loch, das sie Kaserne nennen, zurück. Glücklicherweise traf kein« nationalsozialistische Mörderkugel einen Reichsbannerkameraden oder Jugendgenossen. Vom alarmierten Ueberfallkommando wurden fünf Hakenkreuzler fe st genommen und der Politischen Polizei übergeben. Mehrere Reichsbannerleute wurden gleichfalls als Zeugen mit ins Präsidium genommen. Bereits am Montag wurde Reichsbannerleuten ein U e b e r- fall von den SA.- Banditen angedroht. Besonders auf einen Kameraden haben es die Strolche abgesehen, den sie gelegent- lich.fertigmachen" wollen. Aazis gegen vierjährigen Lungen. Weil er ein schwarzrotgoldenes Kahnchen trug. Die sozialdemokratische Reichstagsabgeordnet- Adele Schreiber- Krieger schreibt uns: Eine mir gut bekannte junge Mutter besuchte mit ihren Eltern und ihrem noch nicht vier jährigen Jungen das Arbeiter-Sportfest. Der Junge erhielt ein schwarzrotgoldenes Papierfähnchen geschenkt und trug es selig in der Hand. Da gegen Abend das Kind müde wurde, nahm es die Mutter auf den Arm und ging ihren Eltern etwas voraus, um rascher ihre in Spandau gelegene Wohnung zu erreichen. Ein Trupp von etwa 10 Nationalsozialisten umringte plötzlich die Frau und schrie sie an: sie möge das schwarzrotgoldene Fähnchen, das das Kind immer noch in der Hand hatte, zerreißen. Sie er. widerte:„Ich zerreiße die Fahne nicht, wenn Sie sie durchaus zer- reißen wollen, dann müssen Sie es selbst tun!" Hierauf wollten die nationalsozialistischen Helden dem Kinde das Fähnchen entreißen— der Junge fing aber, im Kampf um sein Spielzeug, so laut zu schreien an, daß die Umstehenden, die glaubten, das Kind werde ge- schlagen, eine drohende Haltung einnahmen. Erst dann stellten die Nazis ihre politische Heldentat ein! Die junge Mutter fragt:„Täglich, auch gestern, sah ich auf den Straßen in Mengen Nationalsozialisten mit Hakenkreuzsahnen und Hakenkreuzarmbinden, die unangefochten ihren Weg gehen. Eine Frau aber mit einem kleinen Kind auf dem Arm überfällt man, weil das Kind ein Fähnchen in den deutschen Reichsfarben in der Hand hat. Ich gehöre keiner Partei an, habe mich bis jetzt wenig um Politik gekümmert, aber meine EUern und ich find empört, daß man friedliche Menschen in dieser Weise anpöbelt. Wir wissen setzt, was wir von den Nationalsozialisten zu erwarten haben." Großer Dachstuhlbrand in Steglitz. Im D a ch st u h l des Hauses Amfortasweg 11, unweit der Birkbuschstraße in Steglitz, brach in den gestrigen Abend- stunden aus noch unbekannter Ursache Feuer aus, das bei der Entdeckung bereits so großen Umfang gewonnen hatte, daß der Alarm„Mittelfeuer" gegeben werden mußte. Drei Lösch- züge griffen unter Leitung des Oberbaurates Footh In die Be- kämpfung des Feuers mit vier Schlauchleitungen ein. Ein großer Teil des Dachstuhles ist trotz aller Anstrengungen der Feuerwehr niedergebrannt. Die Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten waren erst gegen Mitternacht beendet. ver Prozeft um die Uli Dr. Petsdieks widersprechende Aussagen. Ztlaa würde dem Prozeß Caro— peifchet nicht gerecht, wollte man nicht das Derhaudlungsergebnis wenigstens von Zelt zu Zeit registrieren. Ts geht hier eben um mehr als einen Familienstreit zwischen dem tschcchischea kohienmagnalen pelschek und dem deutschen Gelehrten und Stickslosfindustrielleo Caro. öns- ! besondere die deutsche Oeffentlichkcit ist nicht ganz uninteressiert an dem Gesicht der Familie petschrk, dieser S00sachen Willi o- näre, die die deutsche Lraunkohlenindustrie in einer Weise beherrschen. daß dies bereits mehr als einmal Gegenstand öffentlicher Crörternngen war und auch heute noch ist. Die viestägige Vernehmung des Professors Caro, der ein vernichtend wirkendes Bild von dem alten Jgnaz P e t s ch e k gemall hatte, brachte keine Klarheit in die mysteriöse Angelegenheit der verschwundenen Mitgiftguittung, deren Fälschung dem Angeklagten vorgeworfen wird. Wozu hat er Reproduktionen angefertigt? Weshalb hatte er das Original seinem polnischen An- wall übergeben? Gibt es tatsächlich Leute, die die Qutttung gesehen haben sollen? Was dahinter steckt, wird die Beweisaufnahme zeigen. Allerdings: der 7Sjährig« Jgnaz Petschek wird, wie wir schon mit- teilten, die Reise von Aussig nach Berlin nicht machen können. Sani- tätsrat Dr Leppmann, der ihn auf Veranlassung von Caros Ver- teidiger Professor Dr. Alsberg untersucht hat, gab sein Gutachten dahin ab, daß es sich bei Jgnaz Petschek nur noch um ein künstlich erhallenes Leben handle, das jeden Augenblick gefährdet sei. Man F Dreipfeil heraus! Seit Jahren haben die Nationalsozialisten in Gemeinschaft mit völkischen BUnden versucht, ein unbestreitbar heidnisch- oslasiatisches Symbol, das Hakenkreuz, zum Abzeichen ihrer angeblich deutsch-germanischen Ziele und Bestrebungen zu machen. Wer aufmerksam die SiraBe beobachtet, kann feststellen, dsB alle anderen nationalen Abzeichen gegenüber dem Hakenkreuz immer mehr verschwinden. Das Hakenkreuz soll die Straße beherrschen und dem politisch schwankenden oder indifferenten Bürgertum den Glauben beibringen, daO es nur dieses und kein anderes Abzeichen mehr gibt Plötzlich ist aber ein ganz neues Symbol da, der blitzende, funkelnde Dreipfeil, das Abzeichen aller demokratisch-republikanischen Sozialisten. Und wo sich zwei mit diesem Zeichen sehen, da klingt hell und zuversichtlich der Ruf Freiheit und wie zum Schwur stößt die geballte Faust in die Luft Zehntausende, Hunderttaueende, Millionen müssen das Zeichen der neuen deutschen Freiheit, den' leuchtenden Dreipfeil tragen. Keiner darf sich ausschließen, dem es Ernst ist um Volksstaat, Verfassung und soziales Recht und Gesetz. Schon hat der Gegner, der Nationalsozialist, das Zeichen mit dem Blut seines Trügers gerötet, schon sind Opfer gefallen. Das darf nicht sehrecken. Nun erst rechtl Jeder, der den Dreipfeil trägt, ist ein Kämpfer für Wahrheit und Freiheit, Ordnung und Frieden, Brot und Recht Wer möchte für diese herrlichen Ideale nicht kämpfen? Heraus mit dem Dreipfeil l ■ muh mit dem Sohn Dr. Ernst Petschek vorliebnehmen. Seine Vernehmung hat bereits zwei Verhandlungstage ausgefüllt: sie ge- staltete sich für ihn vorläufig wenig günstig. Wie war es nun mit der Mitgift in Höhe von 400 000 Mark, die er von Prof. Caro erhalten haben soll, und wie mit seinen eigenen Einnahmequellen? Hier verwickelt sich Dr. Ernst Petschek in Widersprüche. Jgnaz Petschek habe bei seiner Heirat mit sein Konto drei Millionen Mark eingezahlt. Von den Zinsen aus diesem Kapital habe er seine Haushaltungstosten bestritten. Die drei Mllio- nen Mark sind unbekannt wohin verschwunden. Wahrscheinlich sind sie während der Inflation der Entwertung verfallen. Der Vorsitzende kann es nicht begreifen, daß man sich für den Verbleib von drei Millionen nicht interessiert haben sollte. Und wie war es mit der Mitgift? Beim Staatsanwalt und in der Voruntersuchung hat Dr. Ernst Peifchet behauptet, eine Mitgift sei nie versprochen worden und man habe über eine solche auch nie gesprochen. Vor Gericht muß er zugeben, daß er mit seinem Schwiegervater zu einem gewissen Zeitpunkt wohl über die Mitgift gesprochen habe. Die Mit- gift in Höhe von 300 000 Mark müsse aber zu einer Zeit gegeben worden sein, da diese nicht mehr als 30 000 Mark in Goldwert ausgemacht habe. Auch bayerische Stick st osf-Aktien in Höhe von 100 000 Mark habe er als Mitgift erhalten, die Aktien seien beim Schwiegervater in Aufbewahrung geblieben. Bei der Dar- stellung dieser so wichtigen Tatsachen gibt der Nebenkläger, wie Prof. Alsberg feststellt, fünf verschiedeneDarstellungen. Zu heftigen Auseinandersetzungen kommt es bei der Zwischenvernehmung des Ersten Staatsanwalts beim Kammer- gericht Reimer, der von vornherein überzeugt war, daß mit Prof. Caro irgend etwas nicht stimme: fein Mißtrauen gegen ihn steigerte sich, als die versprochene Reproduktion der Quittung nicht vorgelegt wurde. Diese Stellungnahme gegen den Angeklagten, von der Herr Reimer auch dem Anzeigenden Dr. Petschek gegenüber keinen Hehl machte, ruft bei der Verteidigung den stärk- sten Widerspruch hervor. Die Vernehmung des Dr. Petschek dürfte noch manchen Sitzungstag ausfüllen. Güierzugkaiastrophe im Gaargebiet. Zug durchbricht ein Kantinendach. Saarbrücken, 29. Juni. Am Dienstagvormtttag ereignete sich bei der zu der Rom« bacher Hütte gehörenden Grube Orne in Lothringen«in schwerer Unglücksfall. Wahrscheinlich infolge Dersagens der Brems« brachte man einen aus Maschine und sechs mit Erz beladenen Wagen bestehenden Zug nicht zum Hallen, so daß er auf das Notgleis geriet und schließlich auf dem Doch der Kantine landete, das mll großem Getöse zusammenbrach. Die gesamten Stallungen wurden durch den Anprall zertrümmert. Ein Arbeiter, der ahnungslos im Lette gelegen hatte, kam wie durch ein Wunder mit nur leichteren Verletzungen davon: die Maschine kam kaum einen Meter v»r seinem Bett zum Stehen. Einige Arbeiter, die sich in der Kantine aufhielren, wurden mit schweren Verletzungen unter den Trümmern hervorgezogen. Drei von ihnen wurden s»sort ins Krankenhaus gebracht. Ein Bremser, der die Gefahr erkannt hatte, hielt sich mit aller Kraft in feinem Bremshäuschen fest und kam mit heiler Haut davon. Ein zweiter Bremser sprang vorher ab und verletzte sich schwer._ Ein Schuß ins Herz. Ein Kind beim Spiel mit einer Lustbüchse erschossen. Zn Dresden-Tfchernih wurde ein lljährlger S n a b e von einem gleichaltrigen Kameraden, der mit einer C u f(• büchfe nach einer Scheibe schoß, getötet. Ein unvermittelt losgegangener Schuß traf das Sind ins Herz. AauHus. De? ls�xte�ery Es gab eine kurze Verwirrung. Doch der König erhob seine Stimme und beruhigte die Gäste, und eilfertige Diener kamen und setzten den Entseelten so in seinen Pfühl zurück, als ob er noch lebte und tafle. In Anwesenheit des Toten waren Schauspiel und Bankett weitergegangen. Frei- lich, der Bogt muß sich eingestehen, er hat von diesem Augen- blick an nichts mehr von der Veranstaltung gehabt, weder vom Spiel, noch vom Wein, noch vom Essen. Nicht einmal mehr vom Gespräch, das der König in leutseligster Weise mit dem Bürgermeister führte und das für ihn als Vogt von höchster Wichtigkeit war, weil es sich um längst gewünschte städtische Freiheiten handelte. Aber jetzt, wo er in einem fort den toten Mann im Sitz gegenüber anstarren mußte, wo er sah, wie sich die hellen Haare auf den Totenhänden aufzu- sträuben anfingen wie die Borsten einer Bürste, wo er sah, wie die Leichenstarre an der Arbeit war, aus dem verwüste- ten Gesicht eine Maske des Grauens zu punzen, was kümmerte ihn da noch groß, ob die Stadt den roten Zagel quer übers Wappen bekam, ob sie künftighin im Felde eigene Trompeter halten durfte oder nicht, ob ihr gestattet wurde, ihre Briefe mit rotem Wachs zu siegeln statt mit gelbem? Angesichts des toten Gastes fiel dem Vogt Hus ein, den er morgen auf den Brühl hinaus zu eskortieren hatte. Eigent- lich ging ihm nicht so sehr der Böhme im Kopf herum, als des Böhmen Henker. Denn das würde Stoff für ein Schildaer Meisterstück abgeben, Fasinachtfutter für die mißgünstigen, spottsiuytigen Stadtwesen und Landschaften rundum, wenn morgen der arme Sünder da wäre, der Nachrichter jedoch nicht. Nun, jetzt kann er in diesem Punkte beruhigt sein: der Wachtmeister hat ihm gleich nach der Ankunft des Ratsbootes den Luckmann geschickt. Der Ketzer wird also morgen nach allen Regeln der Kunst auf der Brandscheuer zur Hölle sichren! Inzwischen sind jedoch auch ärgerliche Meldungen ein- gegangen. Die Scharwache hat auf der Brücke zu den Predigermönchen den Gerichtsfürsprech Dohrbagge erstochen aufgefunden und ihn in die Fraischkammer geschafft. Als Täter wurde Binz, der Hilfsschreiber der Stadt, beigebracht. Da hört doch alle Gemütlichkeit auf! Außerdem gibt's Staub und Stieb bei den Barfüßern. Der Waibel, der von diesem Lärmen berichtete, wußte zwar nichts Bestimmtes: aber er brachte das Gerücht, der Böhme fei entlaufen. Nun, das Gefängnis bei den Barfüßern geht ihn, den Vogt, und die Stadt nichts an, das untersteht dem Bischof von Riga. Doch da er die böhmischen Herren diese Nacht sowieso unter Be- schattung hat, wird es gut sein, er sucht den Bürgermeister auf und bespricht sich mit ihm. An Schlaf ist ja bei dieser verteufelten Hundsjaulerei doch nicht zu denken. Herr Johann von Schwarzach freut sich herzlich, als er den Vogt sieht. Auf diese Weise entrinnt er wenigstens dem unaufhörlichen lästigen Gesäge seines Ehedrachens, der immer wieder herüberkorchelt, was wohl das andauernde Heulen der Hunde bedeute? Das Bankett im„goldnen Schwert" ist dem Bürgermeister sichtlich ungut bekommen. Er sagt des- halb erklärend: „Ich glaub hast, Vogt, ich Hab mit dem Wein eine schwarze Spinne verschluckt. Die drängt jetzt nach außen. Schon dreimal bin ich am Speikübel gewesen!" Der Vogt meint: „Deine schwarze Spinne ist wohl dieser tote Fürstbischof gewesen. Da konnte einem der schönste Rotwein verleiden! Ging mir selber nicht anders. Noch jetzt, wenn ich dran denke, dreht mir eine fremde Faust die Kutrel um!" Die Bürgermeisterin nebenan nimmt es ungnädig auf, daß ihr Ehegesponst ihr nicht antwortet. Lauter, als nötig wäre, läßt sie ihren Unmut entlaufen: „Sowas schimpft sich Bürgermeister und ist nicht im- stände, nachts im eigenen Hause für Ruhe und Ordnung zu sorgen! Nicht mal die Hünd kann er kommandieren, noch viel weniger die halben Hünd. die Menschen!" Herr Johann kriegt Zorn in den Kopf. Wenn er schon abgekanzelt werden soll, dann nicht vor dem Vogt! Er hört mit dem Bartzupfen auf und will eben eine gepfefferte Ant- wort geben, da dröhnt draußen der Klopfer. „Ist der Vogt da?" keucht, sich überjagend, eines Schar- Wächters Stimme. „Was ist los. Mann?" fragt Hans Hagen und öffnet selber die Tür. „Wieder einer erstochen! Beim geistlichen Klaghaus hat ihn eine Streife gefunden." «Wer ist's?" „Bei uns kennt ihn keiner. Aber er hatte ein Stadt- zeichen bei sich!" Dabei reicht der Scharwächter eine Kette mit einem Metallschildchen. Der Vogt tritt zum Licht, um die Stanzung zu lesen. „Nummer neunzehn!" sagt er langsam und schaut den Bürgermeister an. „Was?" fragt der und melkt wieder fein Barteuter. „Nummer neunzehn? Etwa der, welcher dir heute die Planung anbrachte?" „Der und kein anderer! Doch, fort mit Schaden! Er ist gut hin. Bloß von meiner Seite aus wieder mal vorbei- gedacht!" „Wieso?" „Bei dem Kerl hätt' ich auf Rad oder Galgen gewettet, zehn gegen eins, nie auf einen ehrlichen Tod durch Dolch oder Messer! „Da siehst du, wie man sich irren kann!" meckert Herr Johann. Der Scharwächter ist fort: der Vogt hat ihn durch ein anerkennendes, kurzes„Wohl! Wohl!" verabschiedet. „Was tun im Sturm?" Das ist Herrn Johanns Lieblingswort, sobald er selber nicht Rat weiß. „Lärm schlagen, nichts anderes!" Der Bürgermeister kann nicht sofort antworten. Der tote Fürstbischof kommt chm wieder hoch Herr Johann muß ein viertes Mal an den Speikübel. 18. Himer einem Wall dunkler Geranien blinkt ein gelber Totenkopf. Der lahme Domdekan sitzt am Fenster seines Zimmers und starrt hinunter auf den Münsterplatz. Schon manche schlaflose Nacht verbrachte er so, schaute ins Dunkel und lauschte auf die Ateu-üge der schlummernden Stadt. (Fortsetzung folgt-) Nazi-Sührsr als Betrüger. Eine arme Putzfrau um ihre Ersparnisse gebracht. Bor dem Schöffengericht Kaiserslautern hatte sich der Der- waltungstnspektor Max Schneider wegen enter ganzen Serie von gemeinen Vergehen- Verbrechen tm Anch schwere Privat- Urkundenfälschung und Betrug, zu verantworten. Schneider war bis zur Aufdeckung seiner gemeinen Taten ein anerkannter Führer der Nazis, der sich nicht genug damit tun konnte, auf die„korrupte Republik� und das„System" bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zu schimpfen. In keiner Naziversammlung fehlte der ehrenwerte Mann, den die NSDAP. erst fallen ließ, als schon die Spaden von den Dächern seine Der- fehlungen pfiffen. Das widerlichste seiner Vergehen war ohne Zweifel der Betrug an einer armen Putzfrau, deren Spargroschen in Höhe von über 500 Mark er auf der Staatsbank anzulegen versprach, die Summe aber unterschlug und für sich verbrauchte. Das Sericht sprach im Hinblick auf die schweren Vergehen des Anzoklagtsn eine Zuchthausstrafe von 16 Monaten und eine Geldstrafe von 1000 Mark aus. papageienkrankheii in BeHin? Aeheimnisvotter Todesfall im Moabiter Krankenhaus. Die Papageienkrankheit, die schon im Sommer 1930 Opfer for- derte und direkt zu einer Art Psychose führte, scheint wieder auf- zutreten. Im Moabiter Kronkenhaus ist dieser Tage ein Zimmermann Gallert aus der Belziger Straße 63 gestorben, der dort unter nicht erkennbaren Krankheitserscheinungen eingeliefert worden ist. Die Aerzte nehmen zwar als Todesursache Lungenent- zündung an, jedoch wird von zuständiger Stelle der Stadt erklärt, daß der nicht unbegründete Verdacht der Psittakosis, also der Papa- geienkrankheit, bestehe. Gallert hatte nämlich seit kurzer Zeit einen frisch importierten Papagei sich angeschafft. Der Ver- dacht der Papageienkrankheit wird auch durch die eigenartig« Tat- fache oerstärkt, daß Frau G. ebenfalls unter eigenartigen Krank- heit-erscheinungen ins Auguste-Viktoria-Kran kenhaus in Schöneberg geschafft worden ist. Der zuständige Kreisarzt hat die Beschlag- nähme des Papageies angeordnet, der im Robert-Koch-Institut untersucht wird. Das Ergebnis dieser Untersuchung ist erst in eini- gen Tagen zu erwarten. V!er Menschen erirunken. Der starke Badebetrieb bei dem sehr warmen Wetter hat wieder ewige Todesopfer gefordert. Am Großschiffahrts» w e g in Charlottenburg, unweit der Schleuse, ging der 31 Jahre alte Anton G o l i j e w s k i aus der Stromstraße 42 in Moabit beim Baden plötzlich unter. Schwimmer versuchten den Manu zu retten, die Suche blieb jedoch erfolglos. Von der inzwischen alarmierten Feuerwehr wurde G. nach kurzer Zeit geborgen. Ein hinzugerusener Arzt stellte den Tod infolge Herzschlages fest.— In der Nähe des Klubhauses„Siemens" ertrank im Slößensee der Löjährige Schuhmacher Johannes B e l o o ß aus der Landsberger Straße 84. Die Leiche wurde von Wassersportlern herausgesischt.— Im Tegeler See, am Jagen 64, ertrank gestern ein etwa 20 bis 22 Jahre alter Mann. Der Ertrunkene, der keine Papiere bei sich führte, hatte sich mit Ausflüglern angefreundet und als Erich Hein vorgestellt. Die Polizei ist mit den notwendigen Ermittlungen noch beschäftigt.— Im Humboldthafen verlor der lljährige Schüler Lothar K o n r a d aus Moabit beim Spielen im Wasser den Boden unter den Füßen und gwg unter. Ehe man dem Kinde zur Hilfe kommen konnte, war es ertrunken. Gklareks melden Revision an. 7!ach einem halben Jahr erst schristliche Urteilsbegrundu-g Die Verteidiger der verurteilten Gebrüder Willi und Leo Sklarek haben nach einer Rücksprache mit den Angeklagten im Untersuchungsgefängnis in Moabit die Revision gegen das Urteil in vollem Umfange wegen Verletzung formeller und ma- terieller Rechtsformen im Verfahren angemeldet. Willi Sklarek befindet sich wegen seiner schweren Zuckerkrank- heit noch im Lazarett des Untersuchungsgefängnisses, während Leo im Untersuchungsgefängnis selbst sitzt. Auch der Verteidiger des verurteilten Bürgermeisters Kohl hat Revision angemeldet, und zwar wird hauptsächlich in diesem Fall die Wiederangliederung des Verfahrens nach der erfolgten Abtrennung wegen der Vergiftung Kohls gerügt, ferner die Tatsache, daß nach Ansicht des Verteidigers das Gericht beim letzten Wort des Angeklagten bereits zu einem wesentlichen Teil mit der Beratung des Urteils fertig war. Wie wir hören, beabsichtigt die Staatsanwaltschaft bisher nicht, von dem Rechtsmittel der Revision Gebrauch zu machen. Die ausführliche Begründung der Revision wird von den Verteidigern erst nach Vorliegen der schriftlichen Urteils- gründe erfolgen, die kaum angesichts der umfangreichen Prozeß- materie vor einem halben Jahr vorliegen werden. Während Amtsgerichtsrat Keßner und die anderen Mitglieder des Gerichts nunmehr ihren Urlaub antreten, fällt dem Berichterstatter des Sklarek-Gerichts die Aufgabe der schriftlichen Formulierung der Urteilsgründe zu. Zur Frage der Folgen des Sklarek-Prozesfes für die beteiligten Beamten erfahren wir von der zuständigen Stelle der Stadt Berlin folgendes: Das Urteil muß zunächst rechtskräftig werden. Diejenigen Be- amten, die von ihrem Amt suspendiert sind, bleiben bis zu diesem Termin suspendiert. Diejenigen Beamten, denen die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Aemter durch das Urteil abgesprochen worden ist, verlieren ihr Amt erst am Tage der Rechtskräftigkeit des Urteils ab. Erst von diesem Tage ab sind sie gleichsam aus dem Beamtenstand herausgehoben ohne Gehalt und Pension. Solange aber ein Revisionsverfahren schwebt, kann das Urteil nicht rechtskräftig werden. Es wird erst dann rechtskräftig, wenn das Reichsgericht über die Revision entschieden hat. Für alle diese Be- amten wird nach der Rechtskräftigteit des Urteils das schwebende Disziplinarverfahren überflüssig. Für die Stadtbankdirektoren Schmitt und Hoffmann ruht das Disziplinarverfahren auch solange, bis das Urteil rechtskräftig ist: ihnen ist die Fähigkeit, Be- amter zu sein, nicht abgesprochen worden. Gegen sie wird also das Disziplinarverfahren eröffnet werden, sobald das Urteil rechtskräftig ist. Schließlich wird jetzt das Disziplinarver- fahren gegen diejenigen Beamten fortgeführt, gegen die im Sklarek- Prozeß keine Anklage erhoben war, die aber durch die Vorgänge dieses Prozesses irgendwie belastet waren. Mörderin ihrer Kinder. Die Schreckenstat einer Irrsinnigen. Darmstadt, 29. Juni. In Walldorf hat eine Irrsinnige mit einem Brotmesser ihren beiden Kindern von eineinhalb und drei Jahren die Hälse durchgeschnitten. Die Frau stand dann mit dem blutigen Messer in der Hand am Fenster und gestikuliert« Als der arbeitelose Ehe- mann nach Haus« kam. macht« er die Gendarmerie mobil, da sich niemand in das Haus hineintraute. Als die Gendarmen eintrafen, ließ sich die Frau wider Erwarten ohne Widerstand abführen. Die Täterin war schon früher wegen Geistesstörung in einer Anstalt untergebracht. Auch jetzt wieder sollte ihre Ueberführung stattfinden. Da der Mann aber arbeitslos war und kein Ge l d hatte, mußte, ehe oie Behörde eingriff und die Frau erneut internierte. erst„die Gemeingefährlichkeit bewiesen" werden, was nun in so furchtbarer und nicht mehr gutzumachender Weise geschehen ist. Hungersnot in Polen. Bauern fehlt Brotgetreide und Lebensmittel. Warschau, 29. Zuni. s Eigenbericht.) Zu den vier nordöstlichen Wojewodschaften von Polen und in einem Teil von O st g a li z i e n sind infolge der Agrarkrise solche Rolzustände unter der Landbevölkerung einge- treten, daß jetzt selbst die Regierungspresse bereils von der Gefahr einer drohenden Hungersnot spricht. Die Bauern haben ihre Ernten bereits im letzten herbst verkauft und im Frühjahr knapp noch Saatgut gehabt. Zeht fehlt es an Brotgetreide und ollen anderen Lebensmitteln zur Ernährung der Bevölkerung. Der polnische Ministerrat hat deshalb beschlossen, sofort Rolstandsmaß- nahmen einzuführen und insbesondere Mehl in den hungergebieten zu verteilen. Llnweiier in Rordwestbeutschland. Drei Tote und mehrere Verletzte durch Blitzschlag. Münster, 29. Juni. Die Osnabrücker Gegend und Oldenburg wurden am Dienstag von einem schweren Gewitter heimgesucht. Bei Laxten(Kreis Lingen) schlug der Blitz in das Haus der Witwe Storm und tötete die neunjährige Tochter der Witwe. Bei einem Hofbesitzer im Kreis Melle zündete der Blitz den von zwei Familien bewohnten Kotten an. Bei den Rettungsarbeiten wurden vier Personen leicht und ein R e i ch s w e h r s o l d a t der dort einquartierten Reichswehr aus Münster schwer verletzt. Im Kreise Hümmling wurden Arbeiter, die mit Arbeiten im dortigen Siedlungsgebiet beschäftigt waren, von einem schweren Ge- wifter überrascht. Zwei Arbeiter wurden vom Blitz getroffen und sofort getötet, während ein anderer Arbeiter schwere Lähmungen erlitt. Die neue Fabrkarlenhalle auf dem Görliher Bahnhof wird am Freitag. 1. Juli, früh, nach Beendigung des Umbaues eröffnet. Bon dann ab wird der Zugang zu den Fernzügen und zur Gepäck- annähme wieder durch die Vorhalle in der Wiener Straße vermittelt. Xscb leneem schwerem Leiden entschlief sanft 6ma~ lieh w'i ege rfnll fi5r, 1' ri"s�wäglTm und Tante franziska ffiebensiieii geb. Wagner im 64. Lebensjahr. Dies zeigt liefbetrübt an im Namen der Hinterbliebenen Otto Hebenstreif Be rlln-Lieh tenberg, Köpenicker Chaussee 63a Die Einäscherung findet am Freitag, dem f. luii, 18 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg, Kief- holzstraße. statt auch bis f S Mon«at s- Raten Berlin Wß.LeipziqerStrasse 122-123 Nach langet Ätanti)cit verschied am 23. Juni meine liebe Frau, Mutier und Srazntutter Else Pulbrecht verwitwete Aatrcm im 47. Lebenejahte. In tiefet Trauer J. Falbrecht, Pankow. Heynstr. 20 Die Sinüscherung findet am Frei- tag, dem i.Iuli. 12 Übt, im fttema- totmnt©etitstittofie statt. vor der aiifeist Haidartick besorgen! Vorgezeichnete, spottbillig! 100 Gramm Wolle oder Kunstseide 60 Pf. Kandaibeitsblatt gratis Flach& Engel JerusalemerStr.18/20 DemsMMailiMeM Adilungt st di lang! Ter waltnigsmilglieäer! Freitag, den X. Juli 1932,(eine Sitzung der Mittleren Lrtsverwaltung. «aroiserle-kuvllttonSre. Freitag, den 1. 3falL nett, mittags 6 Ahr, im Lokal Snagestratze 30 Sitzung Tagesordnung: L Bericht von unserer Berhandlung vor dem Schüchtungsausschuß be» treffs Manteitarif. 2. Dtsinifion. Alle Fünft lonätc haben bestimmt zu erscheinen. Die Oitiverwaltang. | uerHSüie| Taveten Ttillat. Kolonie. Rrafie 9. INMI Kombi n ations- möbel, Schreibschränke In Eiche und Nutz bäum, HO,— Mark, moderne Kommoden usw. billigst. Moritz Hirschowitz, Sfa litzerstratze�2Z.__' Verliehen gewesene Möbel unter Preis. Kamerling, Kasta nienaüec 56(Ecke Fehrbellinerstratze)/ Ferien- fonderaugebot! Preise wie noch nie! Schlafzimmer, Mo- H W I mmsomm| IT- 180 breit 369,-,.*■. Speisezimmer, Eiche,! Nähmasch.uea. SM« itsMn- KanlaBaHJSiÄ: C. Röcker, Berlin uatsüDerger Strafte 22. 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Es gibt immer noch eine ganze Menge Leute, die Angst vor der Sprech- und Hörmuschel des Telephons haben, höchst ungerne damit hantieren, und wenn sie mal ans Telephon gerufen werden, überhaupt nichts verstehen und losschreien, daß man es ohne Telephon mühelos vom Halleschen Tor bis zum Potsdamer Platz hören könnte, während der Teilnehmer am anderen Ende leider gar nichts versteht. Für alle, die gewissermaßen mit einem Telephonkomplex behaftet sind oder die gerne etwas mehr über dieses nützliche Instrument wissen möchten, hat die R e i ch s p o st jetzt einen Vortrag einge- richtet, einen einstündigen Kursus über das Wesen der Telephonie, ihre Trundlagen und Voraussetzungen, wie das Telephon entstanden ist und was alles damit zusammenhängt. Man erfährt, wie sich seit 1876, als der Amerikaner Graham Bell seinen Apparat auf der Hundertjahrausstellung in Philadelphia zeigte, wo die epochemachende Erfindung übrigens zunächst gar nicht beachtet wurde, der Apparat im Laufe der Zeit entwickelt und bis zu seiner heutigen Form vollendet hat. 1877, als die Kunde von dem neuen Apparat nach Deutschland kam, sprach man nur von dem neuen „amerikanischen Schwindel", und man wollte lange Zeit nicht glauben, daß es möglich sei, sich durch den Draht über eine größere Entfernung zu verständigen. Ja, wenn es noch ein Rohr gewesen wäre, ober durch den geschlossenen Draht zu sprechen, das wollte niemandem einleuchten. So war es denn kein Wunder, daß der Generalpostmeister Stephan, der das Telephon einführte, die größten Schwierigkeiten überwinden mußte. Der Postmeister von Branden- bürg wehrte sich mit Händen und Füßen, als eines Tages eine Kommission kam, die das Telephon an den Draht nach Berlin an» schließen wollte, um die Verständigungsmöglichkeiten auszuprobieren. Der brave Postmeister glaubte, Schwindler wollten ihn neppen. Aber immerhin ist Deutschland das erste Land, das den Fern- sprechet in den öffentlichen Telegraphenbetrieb einstellte. Gegen Ende des Jahres 1877 hatte man bereits 16 Telegraphenanstalten unter Benutzung des Fernsprechers neu eingerichtet. Und das erste deutsche Ortsfernsprechnetz wurde 1881 in Berlin angelegt, versuchsweise mit ganzen acht Teilnehmern, deren Zahl jedoch noch im selben Jahre auf 458 stieg. In den letzten Jahren ist man mit der Einrichtung der Selbstwähler wieder einen Schritt weiter, die nächste Entwicklung dürfte dann die drahtlose Telephonie sein. Dieser letzte Schritt wurde zwischen Kopenhagen und Stockholm bereits vollzogen, die Ein- wohner der beiden Städte können schon seit 1926 drahtlos mitein- ander sprechen. Man kann sich auch davon überzeugen, wie die Gesprächszählung bei den neuen SA.- Betrieben(das heißt„S e l b st a n- s ch l u ß") vor sich geht. Falschzählungen sind dabei eigentlich aus- geschlossen, damit werden nun wohl auch die Klagen über zuviel auf- geschriebene Gespräche verstummen. Aber auch andere postalische Einrichtungen lernt man näher kennen, so die Anlage der Rohrpost, die ständig verbessert wird. Mit dem größten Interesse folgen die Hörer jedoch den experimentellen Erläuterungen, die den theoretischen Vortrag ergänzen. Verständnisinnig nicken alle, wenn es schön akzentuiert aus dem Lautsprecher tönt, mit oder ohne Verstärker:„Die Welt wird alt und wieder jung, der Mensch hofft immer Verbesserung." Ein täglich wechselnder Film, der Anlagen der Reichspost in unterhaltsamer Form zeigt, beschließt die inter- essanten Vorführungen, die täglich(außer Mittwoch und Sonnabend), 11.39 Uhr, im Reichspo st museum, Leipziger Ecke Mauerstraße, gehalten werden. Der Eintritt ist frei. Eiserne Front gegen Hitler- Barone 9 Untere nächsten Partei- und Belriebsveranstaltungen: S.Kreis— Spandau. Donnerstag, den 30. luni, 19,30 Uhr, öffentliche Kundgebung in der lubiläumsturnhalle Spandau, Askanierring.„Der Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Erich Kuttner, MdL C. Lorenz A.-G. Donnerstag, den 30. luni, 17 Uhr, Betriebsversammlung im Birkenwäldchen, Tempelhof, Manteuffel- straße 11/12.„Einheitsfront". Referent: Franz Künstler, MdR. Knorrbremse. Donnerstag, 30. luni, 16. Uhr, SPD.-Fraktionsversammlung mit Sympathisierenden im Lokal„Zum Treffpunkt", Boxhagener Ecke Bahnhofstraße.„Der Freiheitskampf der Arbeiterschaft". Referent: Hans Marx. 14. und 15. Abt. Freitag, 1. luli, 19'A Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, öffentliche Kundgebung. „Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent Robert Bredow, MdL. Loewe-Gesfürel und Typograph. Donnerstag, den 30. Zun!, 16)4 Uhr, Fraktionsversammlung bei Sturz, Huttenstraße 9. „Polizei und Arbeiterschaft". Referent Ernst Hildebrandt. AfU-Arbeiter beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 2. Zuli, 19 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62, Fraktionsversammlung.„Kampf der Arbeiterschaft um ihre Lebensrechte". Referent Gottlieb Reese. Krankenkassenangestellte. Freitag, 1. Zuli, 16K Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftshauses, Engelufer 25,„Eiserne-Front- Versammlung".„Vernichtung oder Aufbau der Sozialversicherung." Referent Hugo Brenke vom Hauptvorstand des ZdA. A. E. G. Turbine. Donnerstag, 30. Zuni, 15 Uhr, im Lokal Oehl- schläger, Berlichingenstr. 5, Fraktionsversammlung.„Die Front gegen den Faschismus." 85. Abt Sonntag, 3. Zuli, 15�- Uhr, im„Birkenwäldchen", Tempelhof, Manteuffelstr., öffentliche Kundgebung. Konzert. Referat des Genossen Fritz Schröder„Sozialistisches oder faschistisches Deutschland". Iinflct Sur: Utfmnfrt. 167; Splclaltnb.— Ääpeniäet Blctlel: SJanteuffelftt. Ti „Unsere Stellung zur Roten Sin>>eitsfront�. Friedenau: Offenbacher Str. Sa: Funktionärschung.— Schöneberg II: Hauptstr. IS: Funktionärsitzung.— Schöne- bera III: Hauptstr. 15:„Politische Rundschau".— Westend: Sportplatz Westend: „Die Krise und die Gewerkschaften".— Tegel: Schöneberger Str. 3:„Frei. körperkultur".— Karow: Frundsbergstr. S:„Was haben die Gewerkschaften bis jetzt geleistet?" Werbebezirk»reuzberg: Achtung, Fahrt der erwerbslosen Funktionäre! Treffpunkt 7 Uhr Bahn, sowie Radfahrer Spreewaldplatz(Görlitzer Bahnhof). Werbebezirk Renköll», Mädel-Aktiogruppe: Alle müssen erscheinen 2V Uhr Steinmetzstr. 114. Die Spielgruppe„Der Querschnitt" probt ebenfalls dort, 19tH Uhr. Sämtliche Texte mitbringen. Werbebezirk Lichtenberg, Spielgruppe„Rote Funker": Heim Karlshorst, Uebungsabend. Werbebrzirk Pankow: Mitgliederversammlung Igt/H Uhr.„Einheitsfront", Referent Erich Schmidt. Werbebezirk Osten: Mitgliederversammlung morgen, Freitag, 1914 Uhr, Tilsiter Strasse 4— 6.„Einheitsfront", Referent Fritz Erler. Werbebezirk Kreuzberg: Mitgliederversammlung Dienstag, S. Juli, 20 Uhr, Aula Mantsufselstr. 7.„Einheitsfront", Referent Erich Schmidt. Werbebezirk Müggelsee: Mitgliederversammlung Dienstag, 5. Juli, 1914 ühr, Köpenick, Dahlwitzer Str. 15.„Einheitsfront", Referent Fritz Erler. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". G e i ch s f t s st e 1 1 Berlin S. 14, Sebastionstr. 37—38 Hot I Tr. Kreuzberg, 9. Zug: Donnerstag. 30. Juni, 20 Uhr, Mitgliederver- sammlung bei Eichhol,, Euvrnstr. 22.— Lichtenberg: Donnerstag, 30. Juni, 19 Uhr, Iunba, Sportplatz am Friedrichshain. Turnzeug mitbringen. Freitag, 1. Juli. 20 Uhr, Mitqliederverfammlungen der Kameradschaften Box. bogen, Gustav Tempel, Traveplatz, Rummelsburg in den bekannten Lokrlen. Kam. Mahlsdorf bei Anders, Bahnhofstrasse. Vortrag der Kameraden Wagner und Böhme. Esperantogruppe Berlin-Rorden: Jasmunder Str. 3, Iasmunder Vereins- Haus. Heute, 20 Uhr. Uebungen, Konversation. Geselliges Beisammensein. Gäste willkommen._ �. Vereinigte Verbände heimattreuer Oberschlefier-. V., Ortsgruppen Norden I, Norden m, Nordwest und Reinickendorf. Sonntag, 15 Uhr, im Garten der Schultheiss-Vatzenhofer Brauerei, Chausseestr. 64, grosses Werbefest anlasslich der lOfährigen Wiederkehr der Abtrennung Ost-Oberschlesiens. Gartenkonzert, aus- geführt von einer Original-Bergmannskapelle. Eintritt 40 Pf. Deutsche Kakteen-Gesellschast E. V. Sonntag. 3. Juli, Führung durch die Kakteenkulturen der Firma Georg Klimpe!, Berlin-Mahlsdorf-Süd, Bülowstrasse, 10 Uhr._ Weitcrausstchlen für Berlin: Zeitweise heiter, aber nur nläßist warm; Winde nach Süd drehend.— Für Deutschland: Im Oste?! noch wolkig mit einzelnen Gewitterregen, im größeren Teil des übrigen Reiches trocken und im Westen neue Erwärmung. Ein neuer Stern! Ein wahres Wunder der Wirklichkeit! Denn auch der hellichte Tag vermag diese Strahlkraft nicht auszulöschen.„Vrienta-Stern! a-o nannte man diese Neuerscheinung in der Welt der Zigarette. Schon 214 Ptett uge genügen,„Orienta-Stern ganz nahe, sa mitten in Ihr Gesichtsfeld zu Der Wert.Gutschein im Orienta.Etern. Inserat verschafft Ihnen übrigens dieses ereignisvolle Vergnügen noch viel billiger: schon für 3 Pfennige 4 Stuck „Orienta. Stern", die deutsche Volkszigarette aus edlen Orienttabaken: 500 000 Zigarillos für die Arbeitslosen Berlins spendete die Inhaberin der Zigarrcnfabrik Loeser u. Wolfs. Frau Lucia Loeser, aus Anlass der soeben er- reichten Konsumzahl von 100 Millionen der bekannten L.-u.-B.-Marke: Donna Lucia. Die 500 000 Zigarillos werden in diesen Tagen den Wohlfahrtsämtern zur Verteilung zugestellt. Theater, | Lichtfpieleufw. Hochstaplerstreich mit Travellerschecks. Berliner Danken um Tausende betrogen. Bei den Zentral st ellen und Filialen einzelner B e r- liner Großbanken hat in den letzten Tagen ein Mann, dessen Paß auf den Namen R. B l u m b e r g ausgestellt war, Traveller- (Reise-)Schecks der American Bankers Association in Washington vorgelegt, die auf die First National Bank of Greenwich ausgestellt waren und hier in Berlin in Beträgen von 400, 600 und 1000 Dollar eingelöst wurden. Nachforschungen ergaben, daß die Reiseschecks der Corporation in Washington aus den Tresors gestohlen waren. Die Kriminalpolizei hat die Jagd nach dem Hoch- stapler aufgenommen. Bei dem Betrüger handelt es sich um einen Mann von etwa 40 Jahren. Bei Vorlage der Schecks behauptete Blumberg, sie von der First National Bank in Greenwich gekauft zu haben. Es handelte sich um Blankoschecks. B. hatte davon f ü r 20600 Dollar bei sich. Es konnte noch nicht festgestellt werden, wo überall Schecks dieser Art vorgelegt und eingelöst wurden: sie gehen zunächst ihren regulären Weg nach Washington zurück, so daß es noch eine ganze Zeit dauern wird, ehe man fest- stellen kann, bei welchen Banken der Hochstapler aufgetaucht ist. Wieder ging einer dahin... Wieder hat der Tod einen alten Kämpfer sür den Sozialismus aus dem Kreise der Lebenden gerissen. Ernst Tost, der in Char- lottenburg seine ganze Kraft der sozialistischen Arbeiterbewegung hingab, hat sich in der Berliner Bewegung einen guten Namen ge- sichert. Der Verstorbene war mehrere Jahre der Vertreter der Ctstirlottenburger Arbeiterschaft im Stadtparloment, serner war er mehrere Ilkhre Parteisekretär und Vorsitzender der 64. Abteilung. Die Partei wird Ernst Tost ein ehrendes Andenken bewahren. Gefängnis für Republik-Bcschimpfung. Vor dem Schössengericht Lauenburg wurde der nationalsozia- listische Mühlenpächter Paul Zielte aus Wierschutzin zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Zielte äußerte anläßlich einer poli- tischen Auseinandersetzung mit Republikanern:„Ich sch... auf die deutsche Republik." Vor Geriäst stritt er— ohne Erfolg zu haben— ab, die Republik beschimpft zu haben. Mord in Bernau. Am Mittwochmittag wurde in Bernau die Ehefrau des Ar- beiters Doberan erdrosselt im Bett aufgefunden. Die Frau war gefesselt, um ihren Hals befand sich eine Schlinge aus Kupfer- d r a h t. An der Leiche festgestellte Kratzwunden wiesen darauf hin, daß der Tat ein heftiger Kampf zwischen dem Mörder und seinem Opfer vorausgegangen war. Der Erfolg der Liste„Schulaufbau" an der Karl-Marx-Schule. In unserem Bericht über den Ausgang der Elternbeiratswahlen hatte sich ein Druckfehler eingestellt. Es heißt dort: Die gestrigen Elternbeiratswahlen brachten der Liste Schulausbau an der größten weltlichen Schule Deutschlands einen ausdrucksvollen Erfolg. Es muß aber heißen:„... an der größten höheren Schule Deutsch- lands. Es handelt sich um die K a r l- M a r x- S ch u l e in Neu- kölln, wo die Liste Schulaufbau zwei Drittel der Mandate er- obert hat. Der italienische Lustsohrtminister Balbo traf gestern im Flug- Hafen Tempelhof ein, wurde vom Ministerialdirektor Brandenburg vom Reichsverkehrsministerium empfangen und begab sich mit Herrn Brandenburg sofort ins Hotel Ejpianad« zum Frühstück. Einfendungen für vicfe Rubrik sind B c 1 1 i n SW 68, Liudenstrasse 3, Groß-Verlm stet» an da» Bezirksfekretariat i. Hof. 2 Treppen recht», zu richten Voittsbilhne Tlieater am BQIowplalz SV* Uhr Geld ohne Arheil Komödie von Alberto Colantuoni Bearbeitet von ß A Stemmlß. Regie: Günther Stark Beginn aller Veranstalturigen Illsb Uhr. sofern keine besondere Zettangabe! 3.»reis. Die für Freitag, 1. Juli, angefetzte Elternbeiratsverfammlung findet umständehalber nicht statt. 13. Kreis. Donnerstag, 3». Juni, 14*4 Uhr, treffen sich die erwerbslosen Ge- nossen an der Eisenacher Ecke Chausseestraße zum Besuch der Gen. Becker. 6. Abt. Donnerstag, 39. Juni, 29 Uhr, Funktionärsitzung, Vorstand 1 Stunde früher. 8. Abt. Donnerstag, 39. Juni, 29 Uhr, im Heim Genthiner Str. 17, Zu. fammenkunft jüngerer Parteimitglieder.„Wir bauen den Sozialismus", Referent Bruno 3leumann. Abt. Freitag, 1. Juli, Uhr, letzter Abend Arbeitsgemeinschaft Bern. stein über das Parteiprogramm für die jüngeren Parteimitglieder. Abt. Freitag, 1. Juli, Funktionärsitzung bei Pohst, Lvchener Str. 193. Abt. Freitag, 1. Juli, 18 Uhr. bei Schuster, Chamissoplatz, wichtige Zu. fammenkunft. Abt. Die übliche Funktionärsitzung findet am Freitag nicht statt. Benachrichtigung erfolgt noch. Abt. Freitag. 1. Juli, 19 Uhr, findet vor der Mitgliederversammlung eine Sitzung des erweiterten Vorstandes im genannten Lokal statt. Abt. Freitag, 19�4 Uhr. Funktionärversammlung bei Stein, Sanderstr. 19. Abt. Donnerstag, 39. Juni, 29 Uhr pünktlich, in der Schule wichtige Mit- gliederversammlung. Abt. Freitag, 1. Juli, an bekannter Stelle, Vorstandssitzung. Bbt� Donnerstag, 39. Juni, Vorstands, und Funktionärsitzung an bekannter Juli, Vorstandssitzung mit den Bezirksführern an be- Frauenveranstalkungen. Kreis Funktionärinnensitzung am Freitag, 1. Juli, 19% Uhr, bei Zepke, Ebertystr. 7, Ecke Heidenseldstraße. Wichtige Besprechung. Jede Abteilung muh vertreten sein. Kreis. Freitag, 29 Uhr, Funktionärinnensitzung bei Will, Martin. Luther. Straße 69. Erscheinen aller Funttionärinnen ist Pflicht. Arbeiksgemeinschafk der kinderfreunde Grofz-Verlin. Die Abrechnung für die Lagerteilnehmer muß spätestens bis Frei. | tag, 19 Uhr, abgeschlossen sein. Geschirr ist für beide Lager nicht mitzubringen. Jeder Falke •r. nimmt sich nur seinen Becher zum Mundspülen mit. Ij Nestfalkenlager! Abfahrt nach Blankensee Montag, 4. Juni, '0 9.42 Uhr, ab Lehrter Bahnhof. Treffen 9 Uhr Abfahrtseite. * Kreuzberg: Heute Untersuchung aller Lagerteilnehmer. Mädels 17� Uhr, Iungens 18 Uhr. Eharlottenburg: Die Eltern, die für die Ferienfahrt noch nicht abgerechnet haben, müssen es bis Freitag, l. Juli, zwischen 17—29 Uhr tun, da sonst die Kinder nicht mitgenommen werden können. Neukölln: Elternobleutesitzung heute, 18 Uhr, Baracke. Vorstandssitzung mit Gruppenführern 29 Uhr ebenda. Arbeitsdienst für Falken und Helfer heute, Donnerstag. Falken 19 Uhr, Falken 14 Uhr in der Baracke. Nähzeug mit. bringen. 20. Kreis. Heute, Donnerstag, 19 Uhr, kommen alle Falken und Helfer, die ins Z-Utlcifrr gehen, bei Pannwitz, Wittenau, Am Hügel 7, zusammen. Er- scheinen ist Pflicht. 19. 30. 41. 78. 85. 89. 100. 101. 114. 143. 5. 11. 8mak.vper Ckarlonendurfc Bismarcksiraße 34. Donnerstag, 39. Juni Turnus I Die Banditen Frind, Eisinger. Nikolaiewa, Hurg- winkel. Griindgens. Westerm c i er.Hge n lau f Kandl, Gombert, Gonszar, Pediner, Heyer, Steier, Danske Anfang 20 Uhr Ende 23 Uhr Staals Wer findet die„Juvena-Tante?" Es handelt sich um die beliebte Juvena-Kindergärtnerin vom Strandbad Wannsee, deren Bild Sie heute auf dem Titelblatt der Berliner Illustrirten sehen und die Juvena für die Ferien der Kurverwaltung von Swinernnnde 7'»r Verfügung steift. Diese Juvcna- Tanle erscheint Donnerstag. Frei lag und Sonnabend persönlich zu jeder vollen Stunde in der ßadeabteilung jeweils eines der Geschäfte, die Juvena-Anzüge führen. Wer sie zuerst erkennt und mit den Worten begrüßt:,.Guten Tag, Juvena-Tante44, erhält von ihr einen Gutschein für einen Bade- oder Strand- Anzug:. ilsd Stelle. Abt. Freitag, 1. kannter Stelle. Sterbetafel der Groß-Derlincr Partei-Organisation 93. Abt. Unser Genosse Hermann Borchert, Schwarzastr. 3s, ist am Sonntag, 26. Juni, plötzlich verstorben. Die Beerdigung findet am Donnerstag, 39. Juni, 16 Uhr, auf dem Neuen Iakobi-Kirchhof, Hermannstraße, statt. Rege Beteiligung erwartet der Abteilungsvorstand. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verlin Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends-ckretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Gefunden auf dem Rast im Grunewald-Stadion 1 Schlüssel. Abzuholen vom Sekretariat. Heute, Donnerstag, 20 Uhr: Arnswaldcr Plap II: Schänlvvtcr Str. 11, B. 3: Kurzreferate:„Wie wird die Welt regiert:"— Falkplass II: öannenburger Str. 20: Funltiovärssssung.— Humannplatz: Gleimstr. 33— 35: Lustiges Monatsende.— Nordosten II: Danziger Strasse 62, B. III:„Ausländische Arbeiterbewegungen".— Schönhauser Vorstadt: Sonnenburger Str. 20: Lustiger Abend.— Andrcasplatz, R. F.: Brommystr. 1: Mitgliederversammlung.— Hasenherd«: Wassertorstr. 4: Heimabend.— Kott- rnevler Donnerstag, den 30. Juni Staatsoper unter den Linden 20 Uhr U/ia ier Biut SlaatLSdiaumielhaus Oendarmenmarkt. 20 Uhr leppe vom Serge Tfigl. 5 u. 8% ühr Heute letzterTagl Fernando LINDER Joe Peanut's 14 Rtiesus-Ätfcren Ada& bdsie Darcs Will) iL. Stil Iis* Juli getchlossenl Schiller-Theater Charlotten bürg, 20 Uhr Egmorn |5il. 61. Stg:. 2.5,015li." Heute letzter Tag! Schwarzwaldraädel »SN« Re�aumq} Berlirvs Dsutstties Mer Kaute zum letzten Male: •»ie s'i. uhi Journalisten lustsp.naitiCustav Freylag von Felix Joadiimsan Musik: Theo Mackeben Regie: Heinz Hilpert. I mm-Tlieaier Rose-Theater i aglich 8>/i Uhi flaäonna wo im.' Du? Erika v. Thellmann Luise Stösel lheonor Loos Joset Wedorr iroäe FranHanef Straße 13 •ei. Wüchse, t/ 342/ 8.30 Uhr Die eiserne| langfrau GartenbUhne 630 Uhr � Konzen u.Varieti heute 3 1 2 Drei arme kleine MälieL Einlritt 50. iennig Tanz im Freien- 3 Tonz-Flächen 1 Heute Feuerwerk) In der I.Juli-Nacht(Freitag) 1 Verwandlung einesZiegenbodcs 1 schönen Jüngling. AfillCH WELLENBADS GRADITZ- RENNEN RENNEN Man Unserer heutigen Auslage liegt eln Prospekt der Firma Hermana TleU, Berlin bei, woraus wir unser« Leser besonder» hwweiseu. Jlf. 303 ♦ 49. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Vonnersiag, 30. Juni 4932 Falsch angegebene Airektorenbezüge De? klare Wortlaut des Gesehes wird mißachtet. Die Generalversammlung der Homburg-Amerika- Linie führte im Gegensatz zu der des Norddeutschen Lloyd zu stundenlangen Diskussionen. Eine ziemlich erhebliche Zahl von Kleinaktionären wollte sich mit der Kopitalzusammenlegung (3 zu l) nicht einverstanden erklären. Sie verlangten, datz die Banken aus einen Teil chrer Kapital- und Zinssorderungen verzichteten i sie übten Kritik an vielen Motznahmen der Ver- waltung und vor allem an den zu hohen Borstands- g e h ä st e r n. Es wurde der(spater abgelehnte) Antrag gestellt, daß kein Direktor mehr als ZllfZOO M. Gesamt-Iahres- gehott beziehen dürfte, solange weniger als vier Prozent Dividende oerteilt werde. Die Berwaltungsoorschläge und die Sanierung »urden schließlich gegen den protokollierten Protest der Klein- aktionäre beschlossen. Den Bau von zwei Motorschifsen verteidigte die Ber- waltung damit, daß die Westindicnsahrt nur mit modernen Schissen rentabel betrieben werden könne: im übrigen sei der Bauaustrag nach Zustimmung der Reichsregierung im Interesse der Weiter- beschtistigung von B l o h m u. Boß erteilt worden. Aus die Kritik an den hohen Vorstandsgehältern antwortete Generaldirektor E u n o mit großer Gereiztheit, wobei ihm zwei bemerkenswerte Aeußerungen entschlüpften. Nach den: Bericht des„Berliner Tageblatt" sagte er, er hol» „auch in den besten Jahren noch nicht die Hälfte des ost genannten Betrages von KOOOOO M. von der Hopag erhalten". Noch nicht die Hälfte? Also knapp ZOOltlXI M.! Aber es kommt noc'' besser. Cuno hat weiter ausgeführt, in diesem Jahre seien die Auf- Wendungen für Vorstand und Aufsichtsrat mit 360 000 M. im Geschäftsbericht angegeben: dazu kämen noch Reisespesen, Repräsen- tationsgelder usw. in etwa gleicher Höhe. Also haben vorstand und Aussichksrok nicht 360 000 IN., sondern 7Z0 000 M. erhallen! Die Mitteilung im Geschäftsbericht ist nicht nur eine glatte Irre- f ü h r u n g der Oessentlichkeit, sie ist auch ein ossener V e r st o ß gegen die Aktienrechtsnooelle vom l9. September 193l. Diese verlangt nämlich, daß sämtliche Zahlungen(Grund und Bezeichnung spielen keine Rolle) anzugeben sind. Der neugeschassene ij 2ß0a Absatz III Ziffer 6 lautet:„In dem Geschäftsbericht sind ferner Angaben zu machen über die Gesamtbezüge der Mit- glieder des Vorstandes und die der Mitglieder des Aufsichtsrats (Geholt: Vergütungen, die in einem Anteil am Iahresgewinn be- stehen: Aufwandsentschädigungen; Provisionen und Nebenlei st ungen jeder Ar t)." Der Wortlaut läßt nicht den geringsten Zweifel und wird auch allgemein nicht anders ausgelegt: jeder an Vorstand und Aufsichtsrat gezahlte Pfennig ist anzugeben! Ferner verlangt das Gesetz den Ausweis getrennt für Vorstand und Aufsichtsrat, eine Vorschrift, die allerdings vielen Verwaltungen zu unangenehm ist, so daß sie nur eine Ziffer angehen. wir haben schon früher daraus hingewiesen, daß die Publizität in den Geschäftsberichten der Großschiffahrt sehr zu wünschen übrig läßt, was sich die Hapag hier geleistet hat, ist einfach ein Skandal, der um so übler ist. als die hopag ganz selbstverständlich Steuer- gelder in riesigen Willionenbeträgen in Anspruch nimmt. Neue Reichssubventionen. «Sechs Millionen Mark für Zink- und Bleibergwerke. Die Entscheidung über die Subventionierung der Zink- und Bleibergwerke scheint gefallen zu sein. Wie wir erfahren, will da? Reich für die verbleibenden neun Monate des Rechnung?» jahres 13 3 2 einen Betrag von 6 Millionen Mark zur Ausrecht» erhaltung des Betriebes in den Zink- und Bleibergwerken— hauptsächlich im Harz und Oberschlesien— oerwenden. Die sechs M'llia- nen sollen als rückzahlbares Darlehen gewährt werden, dos je- doch unverzinslich ist, und zwar nur an Bergwerks-, nicht an Hüttenbetriebe. Ferner soll die Reichshilfe nur Privatbetrieben zugute kommen, d. h. Stolberger Zink, Giefches Erben und Schlesi- sche Bergwerks- und Hütten A.-G. Die nächste Folge dieses Entschlusses ist die Erledigung der Frage des Zinkzolles. Die Belieferung der deutschen Verbraucher kann ohne ollgemeine Zollverteuerung erfolgen. Aber der Preis ist hoch: Wieder erhalten Privatbetriebe eine Subvention, bei der es zweifelhaft ist, ob sie trotz ihres Kreditcharakters jemals zurückgezahlt wird. Mindestens dos Zinsgeschenk ist eine reine Sub- vention. Wir fordern auch hier, wo soziale Gründe die Sub- vention erträglicher scheinen lassen als in anderen Fällen, daß über die subventionierten Betriebe bei der Verteilung und Verwendung der Subvention die schärfste Kontrolle ausgeübt wird. Es ist charakteristisch für die jetzige Reichsregierung, daß sie den Auswand von Steuergeldern des Reiches in der Form von Subventionen nur an privatkapitalistische Unternehmungen zugesteht. Die Staatsbetriebe Preußens und Braunschweigs, bei denen die sozialen Gründe ebenso zwingend wie bei den Privatbetrieben, befinden sich in einer ebenso schlechten Lage wie die jetzt subventionierten private» Betriebe. Dabei ist die Finanzlage der Länder denkbar schlecht. Die Reichsregicrung setzt sich auch in Widerspruch zu den Beschlüssen des R e i ch s r a t s. Der Reichsrat wollte eine Erhöhung des Betrages von sechs auf acht Millionen, um auf diesem Wege die preußischen und braunschwcigischen Betriebe nicht schlechter zu behandeln. Es ist nicht Schuld der Belegschaften, wenn sie in dem einen Falle in einem privaten und im anderen Falle in einem össentlichen Betriebe arbeiten müssen. Dennoch werden sie gezüchtigt. Die Reichs- regierung muß für die verschiedene Behandlung der beiden Be- triebsgruppen auch die politische Verantwortung übernehmen. Oesterreichs Wirtschafisnot. Oer Geschäfisbericht der Alpinen Montangefellschast. Der Geschäftsbericht der Oesterreichisch-Alpinen Montangesellschoft gibt ein Bild von Oesterreichs Wirt- schaftsnot, das bei der Bedeutung dieses schwerindustriellen Werkes als typisch angesehen werden muß. Von dem 60-Millionen- Schilling-Kapital(ein Schilling gleich S2 Pfennig) befinden sich 66 Proz. im Besitz der Vereinigten Stahlwerke. Durch das Flick-Geschäft hat das Deutsche Reich mit der Herrschaft über den Stahloerein auch mittelbar Einfluß auf dieses einzige schwerinduftriclle linternehmen Oesterreichs gewonnen. Die Verwal- tung der Alpinen Montan hat ja in unangenehmer Weise durch die Finanzierung der österreichischen Heimwehr und Hakenkreuz- ler von sich reden gemacht. Das Geschäftsjahr 1931 stand naturgemäß unter dem Einfluß de» Zusammenbruchs der Oefterreichischen K r e d i t a n st a l t im Mai 1331. Die Arbeitslosigkeit erreichte auch in Oesterreich eine Re- kordhöhe. Der direkte Export der Alpinen Montan sank um 56 Proz., der Verkauf zum indirekten Export um 23 Proz. gegen- über dem Vorjahr. Der Gesamtumsatz des Unternehmens war von 136 Millionen Schilling im Jahre 1923 auf 105 Millionen im Jahre 1930 zurückgegangen und sank im Berichtsjahr weiter o u f 76 Millionen Schilling oder um 28 Proz. Obwohl ein Teil dieses Rückganges auf den P r e i s f a l l zu» rückzuführen ist, so daß die mengenmäßige Beschäftigung um weniger als 28 Proz. sich verschlechtert hat, ist der Abbau von Arbeitern und Angestellten mit 33 Proz. weit darüber hinausgegan- gen. Die Zahl der Arbeiter ermäßigte sich von 10 400 auf 6900, die der Angestellten von 1017 auf 687. Es muß also eine erhebliche Leistungssteigerung eingetreten sein. Der Geschäftsüberschuß von 4,5 Millionen Schilling wurde zu Abschreibungen aus die Anlagen verwandt. Diese stehen mit 88,3, die Mobilien mit 21,7, die Vorräte mit 13,5 Millionen Schilling zu Buch. Forderungen von 12,3 Millionen Schilling stehen Schulden von 19,3 Millionen Mark gegenüber. Rücklagen sind mit 34.4 Millionen oerzeichnet, langfristige Schulden mit 32,7 Millio- nen Schilling. Iniernaiionaie preiseniWickwna. Die folgenden Zahlen, die wir einer amtlichen ainerikanischen Berechnung(veröffentlicht in den„Commerce Reports" vom 13. Juni 1332) entnehmen, zeigt, daß in Deutschland der Preisrückaang(Groß- Handelspreise) noch immer einen erheblich geringeren Ilmfang hat als in sast allen übrigen Ländern. Die Angaben beziehen sich auf den April 1932. Vcränderung in Proz. o„ n o Gegenüber Gegenüber dem ÄprU U-Zl dem April lSao Vereinigte Staaten.........—12,4—27,2 Belgien..............—17,3—30,6 Knngda.............— 8,2— 25,4 Frankreich............—18,7—19,9 Deulschiand............—13,5—73.3 Japan............— 6,9—.'3,6 Niederlande............—21,6—54,1 Polen...............—11,5—22.8 Großbritannien..........— 3.1—17,2 tm Tiefer'Cfrrfr-fTnki IflfF zwei Länder vorhonden. bei denen der Preisrückgang geringer war als in Deutschland: Frankreich und Großbritannien. Es ist jedoch zu berücksichtigen, daß in Frankreich schon bei Beginn der Krise der Preisstand relativ niedrig war und daß in Großbritannien der tatsächliche Preisrück- gang infolge der Entwertung der Währung erheblich größer war, als in hen Indexziffern zum Ausdruck kommt. �ariellpreise ab Juli wieder frei. Die in der Notverordnung vom 8. Dezember 1931 ausgesprochene Sperrfrist gegen eine Erhöhung der Kartellpreise läuft am 1. Juli ab, da die in der Notverordnung vorgesehene Ver- längerung nicht ausgesprochen worden ist. Rechtlich besteht also kein Hindernis, daß die Kartelle mit ihren Preisen wieder machen, was sie wollen. Der Reichswirtschaftsminifter hat aber an die Spitzenverbände der Unternehmer ein Schreiben gerichtet mit der Erwartung, daß trotz des Ablaufes der Sperririft bei der Festsetzung der Kartellpreise darauf Rücksicht genommen wird, daß die jetzige Wirtschaitsloge einen niedrigen Preis erfordere. Bei allen gegen diesen Grundsatz verstoßenden Preisbindungen müßten auf Grund der Kartellverordnung vom 26. Juli 1930 Gegenmah» nahmen ergriffen werden. Ob das was nützt? Hohe Versicherungsgewinne. Bei Auszahlungen aus Todesfälle 23 proz. auf Selbstmord Auch der Victoria-Versicherungs-Konzern hat, wie fast olle Ver- sicherungsuntcrnehmen, unter der Krise n i ch t zu leiden. Die Haupt- gesellschaft, die Victoria zu Berlin. Allgemeine Ver- s i ch e r u n g s- A.- G., besitzt das Kapital der Victoria am Rhein, Allgemeine Versicherungs-?l.-G., der Victoria am Rhein, Feuer- und Tronsport-Verficherungs-?l.-G., und der Victoria-Rückversicherungs- A.-G. ganz und das Kapital der Victoria Feueroersicherungs-A.-G. zum größten Teile. Dieser Aktienbesitz ist verhältnismäßig hoch, zu 300 und 400 Proz., bewertet worden. Die Victoria zu Berlin verteilt für dos Geschäftsjahr 1931 auf ihr 3-Millionen-Mark-Kopital wieder eine Dividende von 18 P r o z. Neben den regulären Abschreibungen von 2,7 Millionen Mark wurden So nderabsch reib ungen von 2,4 Millionen Mark vorgenommen. Der gesamte Lebensversicherungsbestanb hat sich auf 1265 Millionen Mark erhöht. Im Geschäftsbericht wird auf die erschreckende Zunahme der Selbstmorde— ein böses Zeichen für die Wirtschaftsnot— hingewiesen. Im Jahre 1929 kamen nur 5,4 Proz. der Zahlungen für Todesfälle auf Selbstmorde, im Jahre 1931 waren es f a st 23 P r o z. In der Bilanz werden H y p o t h e- k e n mit 131 Millionen Mark, Bankguthaben mit 16,1 Millionen Mark ausgewiesen: die Prömienreservcn sind auf 191,2, Ge- winnreserven auf 29,7 gestiegen, sonstige Reserven betrogen 21,4 Mil» lionen Mark. Die Bictoria-Feuer-Bersicherung erhöht ihre Dividende sogar von 26 auf 30 Proz. Auffällig ist, daß Kursgewinne von 0,8 Millionen Mark in die Gewinnrechnung ein- gestellt wurden, ohne die ein Verlustabschluß entstanden wäre: eine Erläuterung dazu wird nicht gegeben. Die Victoria-Rück- Versicherung zahlt wieder 19 Proz. Dividende. Die Victoria am Rhein Allgemeine hat einen Lebensversicherungsbestand von 252 Millionen Mark. Sie zahlt wieder eine Dividende von 29 Proz.(auf die L-Aktien). Die Victoria am Rhein, Feuer- und Transportversicherung, erhöht die Dividende sogar von 31 a u f 34 P r o z.(auf die V-Aktien). Oer Anbau von Getreide im?�eich. Weizenanbaufläche seit 1930 um mehr als ein Viertel vergrößert. Nach Feststellungen des Statistischen Reichsamts sind i m ganzen Reich mit Winterroggen 4,38 Mill. Hektar, mit Sommerroggen 68 000 Hektar bebaut worden. Gegenüber dem Vorjahr ist der Roggenanbau wieder um 82 000 Hektar oder 1,9 Proz. gestiegen. Mit Winterweizen wurden 1,97 Mill. Hektar, mit Sommerweizen 0,3 Mill. Hektar bestellt, das sind gegen- über dem Vorjahr insgesamt 0,1 Mill. Hektar oder 5 Proz. mehr. Seit dem Jahre 1930 ist der Weizenanbau um 0,5 Mill. Hekkqr oder 2 8 Proz. ausgedehnt worden, während der Roggenanbau um 0,26 Mill. Hektar oder 5,6 Proz. abnahm. Der Haferonbau ist um 4,7 Proz.(0,16 Mill. Hektar) zurückgegangen. während der Gerstenanbau geringfügig um 3,4 Proz. oder 50 000 Hektar ausgedehnt wurde. Die Finanzlage bei Lunkers. Die jetzt vorliegenden Berichte der Deutschen Remsions- und Treuhand A.-G hat bei den Junkers Flugzeugwerken die Aktiven aus 9,75 und die Passiven auf 6,87 Millionen festgestellt, so daß das Reinvermögen 2,87 Millionen Mark beträgt. Die Bilanz der Junkers Motorenwerks ergibt Aktiven von 3,37 und Pafsievcn von 3,30 Millionen Mark. Di« Henschel A.-G. in Kassel verhandelt nüt der Leitung der Junkers Motorenwerke über eine Beteiligung. keine Subvention für die AEG. Eine Verwaltungserklärung der AEG. bezeichnet die umlaufenden Gerüchte von einer bevor- stehenden Hilieleistung des Reiches bei der AEG. als vollkom- men aus d e r L u f t gegriffen. Das Unternehmen� sei zur Zeit sehr flüssig und bedürfe keinerlei Stützung oder Subventionen. zumal auch das Effektenportefeuille in Ordnung fei. Schacht der Große. Er dient Gregor Gtraßer, dem Kleinen.— Er wartet auf das Dritte Reich. Dr. Schachts Ehrgeiz war immer groß. Cr hofft jetzt auf das Dritte Reich. Aber daß Schachts Ehrgeiz auf diesem Wege sich dar- auf beschränkt, Gregor Straßers bescheidener Kommentator zu sein, ist eine neue Ueberraschung dieses mit Ueberraschungen nicht sparenden Mannes. Er hat auf einer niedersächsischen In- dustrietagung in Kassel gesprochen, und wir zitieren nach den Mitteilungen des Conti-Nachrichtenbüros: Der Protest der Wirtschaftskreise gegen die Aussaugung durch das bisherige Wirtschaftssystem, so meint Schacht, sei nie über lendenlahme Resolutionen hinausgekommen. Die nationalen Kräfte, die jetzt ans Werk gelang en müßten, gäben für eine erfolgreiche Wirtschaftsführung erst die bis dahin nicht vor- handene Voraussetzung. Kapitalismus und Sozialismus seinen keine Gegensätze. Die Einführung der 40-Stunden-Woche oder gar der Dreitogearbeitswoche sei ein schlimmer Verstoß gegen die Verdienst- Möglichkeiten des Arbeiters. Die Wiederher st ellung der freien Lohnpolitik und die Lohnfestsetzung nach der in- dividuellen Verschiedenheit der Betriebe seien das einzig wirklich durchgreifende Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Schacht spricht auch von der Geistesarmut anderer. Es sei ein Zeichen von Geistesarmut und ein Mißbrauch mit einem der kost- borsten politischen Güter, mit dem Vertrauen des Volkes zu seiner Staatsleitung(man sieht. Schachts Vertrauen zu Pape» ist sehr groß. D Red.), daß unsere Demagogen immer und immer wieder mit nichts anderem ihre politische Propaganda betreiben zu sollen glauben als mit dem Schreckgespenst der Inflation.(Nein, Herr Feder will sie nicht. Schacht sogt es doch!) Laut und ausdrücklich schloß sich Schacht der„immer wieder gehörten Versicherung" an, daß die deutsche Währung völlig stabil sei. Es fehle Deutschland nicht an Geld, sondern an Kapital, das erarbeitet und erspart werden müsse. Unwirsch bemerkt er freilich, daß die Beschränkung der Einkommenshöhe unwirtschaftlich und unsittlich s e i.(Das gilt natürlich nicht für Kürzung der Unterstützungen der Arbeitslosen und der Invaliden- und Kriegshinterbliebenenrenten. D. Red.) In die Zinsgestaltung einzugreifen, läge auch kein Grund vor, wenn man von Staats wegen in die Preisregelung und Lohn- gestaltung eingreife. Obwohl sich Schacht theoretisch scharf gegen das Schlagwort von der Autarkie ausspricht, kommt er doch zu der Feststellung, daß es unzutreffend sei, daß man im Außenhandel unsere Waren nicht kaufen würde, wenn wir nicht auch als Abnehmer auftreten würden. Auch das Ausland würde nicht leichten Herzens auf unsere hoch- wcrtige» Jndustrieerzeugnisse verzichten.(Wir fürchten noch dem holländischen und dänischen Beispiel, daß sich das Ausland nicht als Wohlfohrtsanstalt für den deutschen Export betrachtet. D. Red.) Natürlich ist Schacht auch für W e h r h a f t i g k e i t. Den Be- strebungen unserer Gegner,„uns mit allen Mitteln niederzureißen", könne nur mit einer starken Wehrhaftigkeit und einem entschlossenen Wehrwillen und zum anderen nur damit begegnet werden, daß mir dem Ausland begreiflich machen, daß der eigene wirtschaftliche Vor- teil mit dem des Nachbarn Hand in Hand geht. Müssen wir ausdrücklich sagen, daß diese Rede Schachts, der sich doch offenbar für einen der kommenden Männer holt,»tsw, Zuversicht auf dos Dritte Reich auch nicht erhöhen kann» Caiüina SUfiorifche Wovelle ton Jßucifer i. Ein Schrei gellt durch die Stille der Nacht und verhallt in den leeren Straßen. Eilige Schatten verschwinden um die nächste Ecke. Auf der Erde liegt stumm und reglos ein menschlicher Körper. Nach wenigen Minuten passiert die Nachtwache die Stelle, glitscht in einer Blutlache aus, fällt beinahe vornüber auf den Toten. Mord! Der wievielte schon in wenigen Wochen?! Kein Mensch mehr zweifelt, daß diese Verbrechen von einer einzigen chapd ge- schehen, die sich vieler, fremder Hände bedient, um sich nicht selbst zu beflecken. Was kann der Grund dieser Verbrechen sein? Wer leiht seinen Arm dazu? Für welchen Preis? Weiß man etwa, weshalb diese Morde geschehen, kennt man gar die Mörder und kann sie dennoch nicht fassen, um sie zur Verantwortung zu ziehen? Oder will man sie nicht fassen? Was geht hier vor? Kaum wagt sich noch ein Bürger nachts allein auf die Straße. Aengstlich hütet er sich, seine Meinung zu äußern. In seinen Schlaf brechen Hilfe- und Todesschreie ein und rauben ihm Ruhe und Nervenkraft. Was soll der Bürger von der Staatsgewalt, von der höheren Ordnung denken, da er schutzloses Freiwild für eine Bande wüster Mordgesellen geworden ist! Trotzdem schweigt der Bürger und führt nicht laute Klage. Angst um sein Leben drückt ihm die Kehle zu. Er wartet, wartet... Wartet auf die Macht, die von ihm als Staatsbürger Vertrauen verlangt, hält Disziplin, weil man ihm immer wieder gesagt hat, daß der Staat es ist, der der Gewalt der Empörung die Gewalt der Ord- nung entgegensetzen wird. Sein Leben, reich an Arbeit und Ent- behrungen, hat ihn stark gemacht. Er hat in diesem Leben gelernt, Unrecht zu ertragen, um nicht selbst Unrecht zu begehen. Seine Antwort an jene, die ihm seine Rechte rauben wollen, besteht in der überlegenen Haltung. Also heißt es auch diesmal: Disziplin! Aber wie lange noch...? 2. Ein Mann geht über die Straße. Bald hasten seine Schritte, bald schleichen sie behutsam und unsicher wie die einer Raubkatze. Sein Gesicht ist leichenblaß wie nach vielen schlaflosen Nächten. Un- heimlich dieser Blick aus schwarzen stechenden Augen. Viele grüßen ihn. Meist junge Leute. Wechseln mit ihm einen verständnisvollen Blick. Er scheint sie kaum zu beachten. Geht seines Wegs, mag mancher Kopf sich zögernd nach ihm drehen und mancher scheue Blick ihn streifen. Lucius Catilina ist's, wenn nicht alle Zeichen trügen, zukünftiger Herr des Staates(was die Götter verhüten mögen!). Den Nachsatz laut auszusprechen, hütet sich, wem sein Leben lieb ist. Denn Catalina erfährt alles, was man über ihn spricht.. Tausend Ohren hat er und ebensoviel Hände, die blind seinen Befehlen ge- horchen. Und diese Hände sind gefürchtet. Catilina, wenn auch noch nicht Herr des Staates, hat bereits eine Macht hinter sich, die ihn in mehr als einem Sinn zum Herrn der Situation macht. Was ist leichter als in einem Staate, der von Kriegen und wirtschaftlichen Krisen zermürbt ist, Scharen von Hoff- nung-losen und Verzweifelten zu finden! Und leichter noch als dies, all diesen Müden und Entgleisten eine glorreiche Zukunft vorzu- gaukeln! Die Aussicht auf besseres Leben schafft Anhänger! Das trügerische Wort gesetzt an die Stelle der Tat und du bist Sieger! Wer prüft Wahrheit und Gesinnung unter gleißendem Wamse! Catilina— wie er es auch iijrmer macht, er wird es anders machen. Und das ist alles. Das Volk? Es kann nur besser für die Notgeplagten werden. Keine Schulden mehr haben. Sich satt essen können... Das muß man ihnen sagen und man hat sie.� Die Soldaten, die, seit wieder Frieden ist, keine Soldaten mehr sind und trotzdem keine bürgerliche Arbeit finden, wissen, daß mit Catilina wieder ihr Kriegshandwerk zu Ansehen und Ehren gelangen wird. Und alle die, die nichts erwerben und nichts besitzen, sie alle haben ihre große Chance, Besitzende zu werden, ohne erst Besitz er- werben zu müssen. Wird Catilina halten, was er ihnen verspricht? Was er nicht hält, man wird sich's selbst nehmen. Laßt erst den Mann regieren— dann wird man schon die Fäuste zeigen, die ihn emporgehoben haben! Aber hält er nicht, was er verspricht? Da gibt es Fressen, Saufen, Weiber. Wer jung und mutig ist, einen Dreck zu verlieren hat und deshalb nur gewinnen kann, der komme zu Catilina! Catilina ist schlau. Er spielt mit Begriffen wie ein Jongleur mit Gummibällen. Er ist ein Meister des Tricks. Er weiß, daß auch gelehrtestes Publikum sich von einfachsten Tricks verblüffen läßt. Worauf es immer und überall ankommt, ist, daß man gut schwindeln kann.„Wir wollen Ehren, Aemter, Besitz"? Gefehlt So spricht kein Catilina.„Ihr werdet zu Ehren, Aemtern und Besitz gelangen, wenn ihr eure Pflicht gegenüber dem Vaterlande getan habt, und deshalb müßt ihr mir folgen, wenn ihr euer Vaterland liebt!" Das ist es, was er sagt. So also erhebt er das Vaterland zum höheren Zwecke seiner ehrgeizigen Pläne. Die unreife Jugend, die lebenshungrig und tatendurstig in Scharen zu ihm läuft, glaubt willig seinen Worten. Nun krönt ihre Ausschweifungen, denen sie Catalina zuführt, ein Ideal. Und für dieses Ideal sind sie bereit, zu morden, mag es sich um harm- lose Bürger handeln oder um die beiden Konsuln Lucius Cotta und Lucius Torquatus, die„Feinde des Vaterlandes und der Nation", wie sie Catilina nannte. Der Jugend geht es ums Baterland, Catilina um die Konsular- gewalt und dem Adel, der das Geld hergibt, um bii Vernichtung der römischen Republik. 3. Der Anschlag auf die Konsuln Cotta und Torquatus mißglückt? Er müßte nicht Lucius Catilina heißen, wenn er sich da- durch ins Boxhorn jagen ließe! Und Catilina trommelt seine Partei- gänger zusammen und hält folgende Rede: „Weshalb ist unser erster Angriff auf den Staat mißlungen? Erstens, weil wir oerraten wurden. Zweitens, weil unser Unter- nehmen nicht genügend vorbereitet war. Verrat und Unzulänglich- keit! Fehler, die auf unserer Seite liegen. Sie dürfen nicht mehr geschehen, und deshalb müssen wir sie bekämpfen. Hätte ich nicht eure Entschlossenheit und Treue gegen mich erkannt, hätte ich dieses große, herrliche Unternehmen nie gewagt. Daß es in unseren Reihen trotzdem Unentschlossen« gab, die, feig geworden, zu Verrätern an unserer Sache wurden— das hätte ich allerdings auch erkennen müssen. Ich sage nicht, daß dieser Verrat mit Absicht geschah. Nein. Er ist aus menschlicher Schwäche geboren. Ihr werdet vielleicht schon gehört haben, daß die Wissenschaft der Heilkunst ein sonderbares, aber sicheres Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten gefunden hat. Sie treibt die Krankheit mit der gleichen Krankheit aus dem mensch- lichen Körper. Von diesem Prinzip ausgehend, will ich fortan die Schwäche der Unentfchlossenheit.mit der Schwäche der Furcht austreiben. Ihr sollt alle wisien. daß von jetzt ab jeder Verrat dem Verräter das Leben kostet. Ihr schwört mir nicht nur unbedingte Treue, sondern auch, daß ihr jeden, den ihr treulos gegen mich und euch findet, dafür mit dem Tode bestraft. Was die Unzulänglichkeit unserer Vorbereitungen betrifft, so ist es nun Sache, an alle diejenigen zu appellieren, die sich schon einmal bereit erklärten, unser Unternehmen mit Geldmitteln zu unterstützen und zu fördern. Wir brauchen Geld und Waffen! Ehe ich aber zum offenen Bürgerkriege schreite, will ich noch- mals oersuchen, auf dem Boden der Legalität euren, der auch mein Wille ist, durchzusetzen. Ich bewerbe mich um dos Konsulat. Sollte es mir auch diesmal nicht gelingen..." 4. Nein, es gelang nicht! Die Bürger Roms haben anders ent- schieden. Was kümmerts Catilina! Der Wunsch des Volkes? Friede, Freiheit, Sicherheit und Aufbau? Weg damit! Nur eins gibt's: den nationalen Willen des Herrn Catilina. Niederlage? Herr Catilina versucht nur mit um so erhöhterem Eifer die unteren und untersten Schichten der Bevölkerung Roms auf seine Seite zu bekommen, indem er sich als wahrer Freund und Befteier der Armen und Unterdrückten aufspielt. Er sagt den Reichen Kampf an und läßt sich gleichzeitig von ihnen Geld geben. das sie ihm auch gerne zu Verfügung stellen, da sie sich über Catilinas wahre Gesinnung durchaus im klaren sind. Keinen Augen- blick zweifeln sie daran, daß Catilina die Massen bloß als Schlacht- opfer für seinen Putsch braucht. Und der Adel Roms, der hinter- hältigs Feind der römischen Republik, erblickt in Catilinas Unter- nehmen die große Chance, die alten Vorrechte zurückzuerobern. Wenn die Barone auch nicht öffentlich seiner Wahl zum Konsul zu- gestimmt haben, so sind ihre Sympathien doch ungeteilt auf der Seite des Umstürzlers. Gewiß, sie haben gegen ihn Marcus Tullius Cicero, diesen einfachen Mann aus dem Volke, und den Gajus Antonius gewählt. Weshalb sich auch als offenen Feind des Staates exponieren! Und Catilina mochte ruhig spüren, daß ohne Geld und Adel nichts zu machen ist. Sie wollen ihn sich oerpflichten, indem sie ihn von sich abhängig machen. Catilina durchschaut die Politik des Adels.„Hoppla", denkt er, „ob Barone, ob Proleten, nehmt mich nur immer für euch in An- spruch, letzten Endes seid ihr meine Steigbügelhalter. und bin ich erst oben, dann könnt ihr mir allesamt den Buckel 'runterrutschenl Wer die Macht hat, fragt nicht danach, wer sie ihm gegeben hat!" So will sich einer des anderen als Werkzeug bedienen. So prellt) schon ein Dieb den anderen um die Beute, ehe sie noch gestohlen ist. 6. Catilina trifft alle Vorbereitungen zu einem Staatsstreich. Er schafft sich eine Garde, bewaffnet sie bis an die Zähne und sorgt dafür, daß sie stets bereit und schlagfertig dasteht. Im ganzen Lande organisiert er den Bürgerkrieg. Tag und Nacht ist er auf den Beinen, reist von Ort zu Ort, spricht hier und spricht dort und putscht Partei- gänger wie Sturmabteilungen gründlich auf. Aber weder Umsicht noch Tüchtigkeit bringen das Unternehmen vom Fleck. Denn während er hastig und zappelig wie ein Insekt umherschwärmt, durchkreuzt einen seiner Pläne nach dem andern mit Ruhe und Gelassenheit der einfache Mann aus dem Volke ohne Ahnen und aristokratische Würde: der Konsul Marcus Tullius Cicero. Flink setzt sich Catilina mit seinen Anhängern in Verbindung und erklärt ihnen nachdrücklichst, daß etwas geschehen müsse, um die Sache in Schwung zu bringen. Vor allem, meine Lieben: das wich- tigste Hindernis beseitigen, diesen Marcus Tullius Cicero! Aber siehe da! Bestürzt und unentschlossen steht die Schar der treuen Ritter vor dem mordlustigen Oberhaupt der Verschwörung und muntert sich gegenseitig durch Blicke auf, die heroische Tat für das Vaterland zu begehen. Sollen sie für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen? Was an Greifbarem hat er ihnen gegeben,' dieser Herr Catilina, daß es schon der Mühe wert wäre, für die große, gemeinsame Sache seinen Kopf zu riskieren! Catilina stutzt. Catilina überlegt. Soll er sie an ihren Eid er- innern? Er schweigt, um nicht als einziger dieses umhsimliche Schweigen aller zu unterbrechen. Das Spiel verloren? O Wunder, zwei Jünglinge, unbescholten, ftisch von der Schulbank her, treten vor und bieten ihm ihre Dienste an. Gesiegt! Und Catilina, Lucius Catilina wirst sich in die Brust und oerdonnert die Feiglinge. Belämmert ziehen sie ab, sich gegen- seitig ihre Mut- und Treulosigkeit vorwerfend. " Der nächste Morgen. Zwei junge Menschen, reine Toren von Catilinas Gnaden, pirschen sich an die Wohnung dieses Herrn Cicerg heran. Klopfenden Herzens. Lauschen und wittern und— werden von einem Hausschutz, der weiß, was gespielt wird, gebührend emp- fangen. Durch die Mitte ab und aus— auch dieses Mal! Und wieder Verrat! Wer ist der Verräter? Catilinas angeborenes Mißtrauen stei- gert sich ins Krankhafte. Er läßt seine Freunde einen vom andern bespitzeln, macht ihnen insgeheim für ihre dunklen Dienste ver- lockende Versprechungen und fördert auf diese Art die Korruption in seiner Partei.(Schluß folgt.) WeUimtergmig im kleinen ffiefuch in einer modernen Hexenküche/ Don Sgon Xarfen Wir haben in letzter Zeit wiederholt aus die neuesten Versuche der Atomzertrümnierung und ihre Bedeutung für die Wissenschaft hingewiesen. Hier folgt ein Gang durch ein Labora- torium, in dem die Atomzertrümmerung betrieben wird. Ein leeres Grundstück in der Koloniestraße. Zwischen Müll- Haufen, Holzlagern, Kleingärten führt der Weg hindurch zu einem uralten Häuschen mit zerfallendem Putz.„R a d i o l y t- I n st i- tut für Atomforschung" steht auf einem Schild. Das Schicksal scheint stiefmütterlich mit der Wissenschaft umzugehen. Hier arbeitet der junge Chemiker von Bohndorfs mit seinen Freunden Karl und Elisabeth Weidlich seit Iahren — fast könnte man sagen: Tag und Nacht. Was treiben sie? Sie wollen Atome zertrümmern. Das ist keine einfache Sache, die Physiker aller Länder bemühen sich schon längst darum— aber Erfolge, die eine Ausnutzungsmöglichkeit im großen bieten, sind bisher noch nicht erzielt worden. * Vor dreizehn Iahren wurde zum erstenmal durch die aufsehen- erregenden Versuche des englischen Physikers Lord Rutherford die klassische Vorstellung vom Wesen der Atome erschüttert.„Atom": das heißt Neinstes, unteilbares Partikelchen der Materie. Aber auch das Atom ist nicht unteilbar, hat sich herausgestellt: man kann es zertrümmern, wiederum zerlegen in noch winzigere Teilchen. Verschiedene Stoffe, so das Radium, zertrümmern sich ständig selbst durch Wstoßung solcher Teilchen: eine Erscheinung, die man „Radioaktivität" nennt und die bekanntlich starke Wirkung auf den menschlichen Organismus ausübt— heilend, im Uebermaß jedoch höchst gefährlich. Die Radium st rahlen— so bezeichnet man das unaufhörliche Bombardement kleinster Materiesplitter— haben sich insbesondere bei Krebsleiden als Heilmittel durchgesetzt. Leider ist die Quantität des auf der Erde vorhandenen Radiums zu gering im Verhältnis zur Zahl derer, die dieses Heilmittels be- dürfen. Nun zeigte der„Altmeister der Atomzertrümmerung", Lord Rutherford, schon 1919, daß die radioaktiven Alpha- Strahlen, die bei diesen Stoffzerfalls-Vorgängen ausgesandt werden, auch die Kerne anderer, nicht radioaktiver Atome durch ihr Bombardement zu zertrümmern vermögen: die„beschossenen" Atome werden zum Ausschleudern von Wasserstoffteilchen in sehr hoher Geschwindigkeit gezwungen. Dieser Vorgang ist es, den man unter Womzertrümmerung versteht. Die Forschung bemüht sich nun darum, die Zahl der zertrümmerungssähigen Stoffe zu ver- gröhern und Mittel zur Atomzertrümmerung zu finden, die eine Regulierung der Energie und Schnelligkeit des„Bombardements" erlauben. Warum ist gerade dieses Forschungsgebiet so reizvoll? Was geht es uns an, wenn im Mikrokosmos sich Katastrophen vollziehen? Die Antwort ist sehr einfach: die beim Materiezerfall freiwerdenden Kräfte sind um ein Vielfaches größer als die beim Experiment auf- gewandte Energie— also eine moderne Abart des?arpetuuw mobile- WunschtraumF: Kraft aus dem Nichts. Zweitens aber zeigt sich die Möglichkeit, aus dem'einen Grundstoff durch Umwand- lung seiner Atome und Gewinnung der beim Stoffzerfall entstehen- den„Abbauprodukte" einen anderen zu schaffen— also genau die gleiche Idee, wie sie in vagen Umrisien seit jeher den Gold- machern vorschwebte! Nur daß hier keine ewig laufenden Uhren und keine Goldbarren geschaffen werden sollen, sondern Kräfte und Stoffe, die unendlich wichtiger und wertvoller sind. * Nach dieser theoretischen Belehrung führt uns Herr von Bahn- dorff in das Laboratorium. Mft Gesichtsmaske, Bleffchürze und Gummihandschuhen geschützt, Maschinenmenschen nicht unähnlich, betreten wir den Schuppen, der als Laboratorium eingerichtet worden ist— ein Unikum an Primitivität: ein für das Laienauge chaotisches Durcheinander von Kesseln, Drähten, Apparaten, Glas- röhren, Schalttafeln unter löcherigem Holzdach, durch das der Regen sickert: viele Geräte sichtlich selbst gebaut, au» alten Einzelleilen zusammengebastelt. Bohndorfs tritt an eine der großen Schalttafeln, beginnt an den Knöpfen zu drehen, die Hebel einzuschalten. Eine Funkenstrecke zischt aus. Ein Motor fängt zu surren an. Plötzlich: ohren- betäubendes Knattern, Hochjpannungsblitze knallen durch den Raum, eine dicke Ouarzröhre leuchtet in blendendem Grün auf: Bohndorfs hält eine Metallplatte in die Nähe der Ouarzröhre— und auf der Platte zucken winzige Lichtsunken: alles in allem ein unheimliches Schauspiel, unwahrscheinlich wie ein« utopische Hexenküche aus einem. Zukunktsfilw.-...,—. Man erklärt uns Sinn und Zweck der Anlage. Was wir mit- erlebt haben, ist eine Atomzertrümmerung. Einige hunderttausend Volt sind erzeugt worden. Metalle, in Nebelform gebracht, zirkulieren durch Vakuumröhren. Der Stofsabbau selbst vollzieht sich in der grünleuchtenden Ouarzröhre. Quecksilber, Aluminium, Kupfer, Blei— also auch schwere Metalle— lassen sich auf diese Weise mit Hilfe höchstkonzentrierter Strahlenenergie zersetzen: natürlich nur in winzigsten Mengen, Bruchteilen von Milligramm, denn bis zur Atomzertrümmerung am laufenden Band ist es noch weit. Zudem wäre ein derartiges„Großver- fahren" nicht ungefährlich— denn die Atomzertrümme- r u n g ist eine Art an st eckende Krankheit, und die Stoffe, die von ihr erfaßt werden, bauen sich unter Umständen so radikal ob, daß von ihrer ursprünglichen Form nichts mehr übrig bleibt: also eine Art Weltuntergang im kleinen. Zum Glück ist ein wirk- licher Weltuntergang, etwa hervorgerufen durch einen unvorsichtigen Atomzertrümmerer, deshalb schwer möglich, weil ständig eine An- fangsenergie zur Durchführung des Abbauprozesses geliefert werden muß. * Interessante Perspektiven, so erklärt uns Herr von Bohndorfs, eröffnen sich auf diesem noch wenig erforschten Gebiet. Man weiß, daß die Abbau st rahlung von Gold zum Teil wirkungs- voller ist als'sogar die des Radiums, und daß es durchaus möglich erscheint, einen Stoff künstlich zu erzeugen, der das seltene Radium ersetzt und an Heilwert sogar übertrifft. Wie alle wisienschastlichen Forffchritte, so wird auch dieser ständig bedroht vom Heer der Schwindler, Bluffer und Scharlatane, die stets als erste ihren unlauteren Gewinn gus neuen Erkennt- nisien zu schlagen verstehen. Man tut gut daran, die Oefsentlichkeit immer wieder nachdrücklichst darauf hinzuweisen. Arabilche Sprichwörter Wenn die Eule ihm was einbringen würde, würde der Jäger sie nicht übergehen(Eulen werden in Arabien nicht geschossen). Wenn man den Hund zur Jagd treiben muß, verzichte man lieber auf den Hund und auf seine Jagd. Jedes Schaf hängt an seinem eigenen Knöchel(die geschlachteten Hammel werden an chren Knöcheln aufgehängt). Dem Skorpion nahe nicht, bei der Schlange schlafe und träume. Von draußen haben sie schöne weiße Kleider, von innen sind sie voll Unrat(dieser Ausspruch wird meistens auf unbeliebt« Christen angewandt).- Ein Dieb, der im Hause ist(ein Hausdieb), kann nicht bewacht werden. Mit dem Sturze des Gelehrten stürzt die Well. Er hat kein Hemd, aber er muß seidene Hosenträger haben. Steck' dich nicht zwischen die Zwiebel und ihre Schale, du wirst nur ihren schlechten Gestank abbekommen. Man kann nicht zwei Melonen in einer Hand tragen. Eine Rose macht keinen Frühling. Ein fauler Apfel verdirbt 20 frische Aepfel, aber Zg ftische Aepfel können keinen faulen Apfel gesund machen. In der Ebene ist selbst der Hügel ein Berg. w Gib dein Brot dem Bäcker, auch wenn er die Hälfte davon stiehll(das bedeutet, wende dich stets an einen Fachmann).