Morgenausgabe Nr. 305 A 154 49. Jahrgang Wöchentlich 7S Pf., Hümatlich 3,25 M. (tanon 87 Pf. monatlich für Zuftsl- lunz ins Haus) im voraus zalflbar. Poltbezug 3.97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Postbeftellge- bithren. Auslandsabonnement 5.65 M. pro Monat; für Lander mit ermäßig- tem Drucksachenporto. 4,65 M. Jet Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Erfaß. Erfcheinungsweiseund Anzeigenpreise steh« am Schluß des redaktionellen Teils. Secttnc« Vottsbla« Freitag 1. 3uli 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 Pf. 1 Äentralorgan der SoziawemokvaMwe« Vavtei Deuttchia?» Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstr. 3 ksernspr.i Dönhoff(A T) ZW— 237. Telegrannn-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlaa G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 87 SSE.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. Z. Dt.B.u.Dißc.-Gel., Deposrtenk., Jerusalemer Str. KS/KS. nitlsr sntlsrvt! VolKsvsi'i'stsnscKsr Pakt mit dem Herrenklub. Durch Herrn von Gleichen enthüllt. Die Reichsregierung bedroht den„Vorwärts" mit einem> Verbot, weil wir den politischen Zusammenhang zwischen der| Hungernotverordnung vom 14. Juni und den Notverord- nungsjacken der Hitlerschen Bürgertriegsbanden festgestellt haben. Es ist nicht nur ein politischer Zusammenhang! Es ist ein regelrechter Pakt geschlossen worden zwischen den Leuten vom Deutschen Herrenklub, aus dem die Regierung von Schleicher— von P a p e n hervorgegangen ist und Adolf Hitler! lieber diesen Pakt liegen zwei wichtige Dokumente vor, die der Demokratische Zeitungsdienst veröffentlicht. Es handelt sich um Rundschreiben, die der D e u t s ch e H e r r e n- k l u b an„politisch und gesellschaftlich einflußreiche Herren- gesellschaften" im Reiche versandt hat. Hier sind die Dokumente: Berlin TD. 9. Arieör>ch-Ebert-S>raße 15. Fernsprecher Zlora A 2 1701. Rundschreiben Nr. 5/1932.« Anliegend übersende ich eine Auswahl von Bressesiimmen. in denen die Bildung der neuen Beichsregierung mit der Arbeil des Oeulschen herrenklubs und des Ringes in Verbindung gebrachk wird. Unsere Freunde werden selbst wissen, was an diesen varslellungen Dichtung und Wahrheit ist. Zum Tatsächlichen ist zu bemerken, daß vau den Mitgliedern des neuen Kabinetts der Reichskanzler selbst Wilglied des Direktoriums des DhK. ist. und daß sowohl Herr von Broun wie Herr von Gayl ebenfalls Mitglieder des Klubs sind. Reichswehrminister van Schleicher gehört einem mit uns im Gastverkehr stehenden Klub an. und der neue Reichsfinanzmini st er verkehrt eben- fall» häufiger bei uns. Unsere Gesamtbeurteilung des Kabinetts van Papen wellen die Herren aus dem„Ring" entnehmen. Vielleicht interesstert es ober, außerdem die Rundfunkrede kennenzulernen, die Herr von Gleichen am Abend nach Beendigung der Kabinettsbildung gehalten hat. Ebenso süge ich einen Brief in Abschrift bei. mit dem Herr von Gleichen einem bekannten Dublizisten. der zur Zeit im Ausland weilt, seine Beurteilung der Lage geschrieben hol. Bei den kommenden Reichslagswahlen wird es gerade für die uns nächststehende« Kreise schwierig sein, sich für eine der bestehenden parlamentarischen Parteien zu entscheiden. Um so wichtiger ist die Ausgabe unseres Kreises, im Lande Verständnis zu erwecken für die Rotwendigkeit und das autonome Recht des seht gebildeten Präsidialkabinetts. Eine solche allgemeine Zustimmung schließt die Kritik an einzelnen Persönlich- keilen ebensowenig aus. wie sie die weitere geistige Mitarbeit an den sachlichen Aufgaben beeinträchtigen darf, die dieser Regierung zur Lösung gestellt sind. Angesichts der Wahrscheinlichkeit, daß daS Kabinett von PaPen-Schleicher in den Wahlen vorn 3 1. Juli voraussichtlich keine tragfähigc Mehrheit finden wird, wird die Wirksamkeit politisch und gesellschaftlich einflußreicher Kreise, wie sie die H e r r e n g e s e l l- schaffen im Lande darstellen, für die Regierung von besonderer Notwendigkeit sein. Rosenberger. * In der oben genannten Darstellung des Herrn von Gleichen, die vom 6. Juni datiert, heißt es: „Ich will unserem Freund Pape« nicht zunahetreten. wenn ich ihn vor allem als vermittelnden vorsihenden des Kabinetts ansehe, der die Ausgabe hat. auch Interpret der sachlichen wünsche und 7/bsich>en einzelner Ressortminister gegenüber Schleicher zu sein. Schon dos vorhergehende Sobine« Brüning war durch die Initiative Schleichers unter seiner unmittelbaren Mit- Wirkung gebildet worden. Aber Schleicher hol keine Gewalt über da» Kabinett behalten, hat dann seinen Einfluß an Brüning vor- I loren, demgegenüber er sich auch nicht sachlich zu behaupten verstand. | Rachdem Brüning den entscheidenden Fehler gemacht halte, dem Rate nicht zu folgen, und rechtzeitig den weg für die Wiederwahl hindenburgs den nationalen Kreisen gegenüber freizugeben, war seine Abberufung, nicht sein Rücktritt, nur eine Frage der Zeit. Dabei haben die entscheidenden Stellen immer gewollt, daß Brüning in einem neuen Kabinett als Außenminister wieder erscheint. Da Brüning aber seinen Rücktritt im Zustande der Gereiztheit erklärte, ist die Bitte Hindenburgs. daß er das Außenministerium weiter übernehmen möchte, von ihm abgelehnt worden. Das neue Kabinett wird nicht nur von den Nazi toleriert, sondern hat die ausdrückliche Zustimmung des„Kührers.' Das neue Kabinett ist auch kein Uebergangs- kabinett, wie die Presse fälschlich berichtet, sondern wird wohl vom neuen Reichstage, wenigstens von seiner voraussichtlich stärksten Partei, so wie es ist, bestätigt werden. Dafür werden den Nazis die Länder überlassen und es bestehen auch wegen Preußen Abmachungen, d. h. über die Einsetzung eines bewährten Mannes als Ministerpräsident oder als Reichskommissar, Ilmorganisation der inneren Verwaltung unter star- kcr Mitwirkung der nationalsozialistischen Kräfte. Zugegeben ist. daß das Ganze ausgesprochene Züge des Zw- provisicrten zeigt. Weiter zugegeben ist. daß das wirtschafls- Ministerium durch Warmbold beseht, eine Belastung be- deutet und daß auch der Ersatz eines politischen Finanzministers durch Graf Schwerin-Krosigk nicht befriedigt. Ich brauche nicht zu bemerken, daß ich Zleuroth. Gayl und Braun für sehr gut halte. Bedauerlich ist aber der Verzicht auf einen autorisierten R e i ch s p r e s s e ch e s. Ich bin natürlich auch abwartend, was dos praktische Arbeilen des Kabinetts betrifft. Man muh an die Reformen herangehen und hat keinen Mann, der wie Luther die Konzeption eines umfafsenden Planes besitzt und auch die Kraft, ihn durchzusetzen. Aber Ich nehme an. daß sich Luther diesem Kabinett gegenüber inhaltlich durchsehen wird und er hat sich sa bereits durchgesetzt gegenüber dem van Schleicher und den Rational- sozialisten geäußerten Wunsch, ihn durch Schacht erseht zu sehen." Es folgt nunmehr noch ein außenpolitischer Passus, auf dessen Wiedergabe ausdrücklich verzichtet wird, um diesem Kabinett nicht noch außenpolitische Schwierigkeiten zu be- reiten. * Di« Entlarvung Hitlers und seiner volksverräte- rischen Partei schreitet unaufhaltsam vorwärts, nichts kann ihre Entlarvung mehr aufhalten! Kein Zeitungsverbot und keine heuchlerischen Ableugnungs- versuche der Nationalsozialisten! Hier ist eine Darlegung von wohlunterrichteter Seite. Herr von Gleichen, M't- begründer des Deutschen Herrenklubs, Vertrauter der Männer der Reichsregierung war es, der am Abend der Kabinettsbildung im Rundfunk die neue Regierung gefeiert und ihre Absichten erläutert hat, noch ehe die Regierung selbst gesprochen hatte! Dieser Mann zeigt: Die„H e r r e n" im Lande, die Großagrarier und Groß- Unternehmer, als einzige Stütze dieser Regierung gegen das Volk. Herrn von Schleicher, der seine Einwirkung beim Sturze Brünings bisher öffentlich bestritten hat, in der Rolle des Diktators. Herrn von Papen als Scheinkanzler gegenüber dem Diktator. Herrn Hitler aber als den Bundesgenossen des Herrenklubs. der feine ausdrückliche Zustimmung zu dieser Regierung, also auch zu ihren Notverordnun- gen gegeben hat! Mit heuchlerischen volksbetrügerischen Lügen und Phrasen des Mitgefühls hat die Nationalsozialistische Partei versucht, ihre Verantwortlichkeit für die Hungernotverordnung vom 14. Juni 1S32 von sich abzuwälzen! Sie hat die Regierung von Schleicher-von Papen verleugnet, sie hat ge- schworen, daß sie mit dieser Regierung nichts zu tun habe. Das alles ist nun als dreister Schwindel entlarvt! Hier steht es schwarz auf weiß: „Das neue Kabinett wird nicht nur von den Nazis toleriert, sondern hat die ausdrückliche Zustimmung des„Führers". Wer will es in Zukunft noch wagen, den politischen Zusammenhang zwischen der Hungernotverordnung und der Aufhebung des Uniformverbots zu bestreiten? Für die Aufhebung des Demonstrationsverbots, für die neuen SA.-Uniformen hat Hitler die kümmerliche Existenz der Aermsten an die Reaktion der„Herren" verkauft! Die Armen, deren Flüche gegen die Hungeroerordnung bei der Auszahlung der gekürzten Renten laut werden, die Erwerbs- losen, die nicht mehr wissen, wie sie nach der Kürzung der Unterstützung ihre Familien ernähren sollen, alle, die den Druck der ungerechten und harten neuen Steuern empfinden, die wissen: das haben sie Hitler zu verdanken! Sie leiden mit feiner ausdrücklichen Zustimmung! Damit Hitlers SA. neue Uniformen zeigen kann, hat Hitler den volksverräterischen Pakt mit dem Deutschen Herrenklub geschlossen! Diesen Volksverrat werden wir an- prangern, bis der letzte Mann und die letzte Frau in Deutsch- land es wissen, wem sie das Elend durch die Hungernot- Verordnung verdanken! Hitler trägt die volle Berantworlung für die Kürzung Jetzt zeige dich, rötet Berlin! Zum Massenaufmarsch im Lustgarten am Montag Der Ruf der Eisernen Front zu einer gewaltigen antifaschistischen Kundgebung am Montag, 17� Uhr, im Lustgarten hat überall im werktätigen Berlin stürmische Zustimmung gefunden. Alle Anzeichen lassen darauf schließen, daß es zu einem Massenaufmarsch von noch nie erlebtem Umfange kommen wird. Die bewährte Disziplin der Berliner Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß die Veranstaltung trotz ihres Massencharakters ohne Störung und ohne Mißklang verlaufen wird. Programm und Sammelplätze werden noch bekanntgegeben der Renten der Kriegsbeschädigten, der Arbeitsinoatiden, der Witwen und Waisen! Hitler trägt die volle Verantwortung für den Unter- stühungsraub an den Erwerbslosen, für die Zertrümmerung der Arbeitslosenoerficherung, für die Kürzung der Wohl- fahrksunkerstühungsn! Hitler trägt die volle Verantwortung für die ungerechte Besteuerung aller arbeitenden Schichten und die Freilassung der Besitzenden! Hitler trägt die Verantwortung für die Solzsteuer, für die Bedrückung der kleinen Gewerbetreibenden durch die Ab- änderung der Umsatzsteuer! Sein« Verantwortlichkeit ist vollkommen klargestellt, die schandbaren Ableugnungsversuchs ferner Partei sind rssllo? zerstört! Es kann ihn niemand mehr retten davor, daß alle Opfer der hungernotverordmxng vom 14. Juni 1932 ihm ihre Empörung und Verachtung über seinen Volksverrat ins Gesicht schreien! Wahrheiten, die so unumstößlich feststehen, lassen sich nicht unterdrücken. Das Kabinett der Barone, das diese hungernotverord» nung über das deutsche Volk verhängt hat, hat die aus- drückliche Zustimmung Adolf Hitlers! Diese Notverordnung der Regierung Schleicher« Pape« vom 14. Juni 1832 wird deshalb im Volke hinfort nicht mehr die Hungernotverordnung heißen. sondern die Hitler-Notverordnung! Spaniens Sozialisten helfen uns! Eine sponiane Atiion internationaler Solidarität. Aus Madrid erreicht uns die erfreuliche und erhebende Nachricht, daß der Vorstand der Sozialistischen Partei Spaniens ganz aus freien Stücken eine große ung der deutschen So> evorstehenden Reichstagswahl- Aktion zur Unter st ü zialdemokratie im kämpf eingeleitet hat. Das Zentralorgan der spanischen Sozialisten.„EI Soeialista", veröffentlicht an der Spitze seiner Ausgabe vom 25. Juni einen Aufruf der Parteiexekutive zugunsten der deutschen Sozialdemokratie. Darin wird zunächst auf die Tragweite des bevor- stehenden Kampfes zwischen Sozialismus und Faschismus, zwischen Weimarer Verfassung und monarchistisch-milita- ristischer Reaktion hingewiesen. Sodann heißt es: „Der Vorstand der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens, durchdrungen von der hohen politischen Bedeutung des gewaltigen Wahlkampfes, der in Deutschland bevorsteht, hat beschlossen, den deutschen Genossen einen Beweis der Solidarität des spanischen Sozialismus zu erbringen. Zu diesem Zweck wird eine Sammlung eingeleitet, die der Vor- stand mit der Summe von 1000 2tL eröffnet. Alle sozialistischen Organisationen und olle Einzelmitglieder werden aufgefordert, sich an dieser Aktion durch Beiträge zu beteiligen." Der Aufruf schließt mit der Bekundung der Solidarität des spanischen mit dem deutschen Sozialismus im Kampfe zum Schutz der Demokratie, von dessen Ausgang nicht nur die deutsche Freiheit, sondern auch der europäische Frieden abhängt. In ihrer mehr als 60jährigen Geschichte hat die deutsche Sozialdemokratie viele erhebende Beweise internationaler Solidarität erhalten. Im allgemeinen war es vor allem die deutsche Partei, die dank ihrer organisatorischen Stärke in der Lage war, ausländischen Bruderparteien in kritischen Zeiten finanzielle Hilfe zu leisten. Sie hat das gerne getan und wird es auch in Zukunft im Rahmen ihrer Kräfte immer wieder tun. Die Aktion der spanischen Genossen, die ganz aus freien Stücken unternommen worden ist, erfolgt aus dem gleichen Gefühl heraus, das auch die„W iener Arbeiter- zsitung" kürzlich mit den Worten zum Ausdruck brachte: „Am 31. Juli entscheidet sich das Schicksal der W e l t." Selbstverständlich wird auch die deutsch« Arbeiterschaft in der gleichen Erkenntnis des hohen Einsatzes ihre Pflicht erfüllen. Denn vor den spanischen Arbeitern, die ihre Groschen nach Deutschland schicken, um uns im Kampfe gegen die faschistische Reaktion zu unterstützen, müßte sich jeder deutsche Arbeiter schämen, der nicht für die eigene Partei das tun würde, wozu er in der Lage ist. Um den Llberwachungsausfchuß Die Sabotage des Vorsitzenden Straßer. Genosse Dittmonn schreibt uns: Der Ueberwachungsausschuß ist nach feiner Konsti- tuierung in der Nationalversammlung erst wieder nach der Reichstagswahl von 1920 zusammengetreten. In seiner Sitzung vom 27. Juli 1920 faßte er den einstimmigen Be- schluß, daßderAusschußeinzuberusenist.wenn zwei Mitglieder es beantragen. Das Protokoll mit diesem Beschluß ist von dem damaligen Schriftführer, dchn deutschnationalen Abgeordneten B r u h n, handschriftlich ge- ichrieben und von dem damaligen Vorsitzenden, dem sozial- demokratischen Abgeordneten M e e r f e l"d. gegengezeichnet. Unter Berufung auf diesen einstimmig gefaßten" Beschlutz haben ein Jahr später, am 24. August 1921, die unabhängigen Abgeordneten Dittmann und Dr. Rosenfeld schriftlich be- antragt, den Ausschuß einzuberufen, damit er Stellung nehmen könne zum Ausnahmezustand in Bayern. Das Schriftstück befindet sich bei den Akten des Ausschusses. Aus Grund dieses Antrages wurde der Ausschuß für den 2. Sep- tember 1921 und folgende Tage einberufen. In der Folge- zeit ist der Ausschuß a u s In itiative seines Bor- i i tz e n d e n oder auf Wunsch der Reichsregieruna zusammengetreten, wenn sie die Zustimmung zu unaufschieb- baren Maßnahmen brauchte. Der Beschluß des Ueberwachungsausschusses, wonach der Vorsitzende ihn auf Antrag von zwei Mitgliedern einberufen muß, ist nicht aufgehoben und gilt daher auch heute noch, denn der Ueberwachungsausschuß ist gleich dem Aus- wärtigen Ausschuß ein permanenter Ausschuß, unabhängig von Legislaturperioden und Reichstagsauflösungen. Der jetzige Vorsitzende des Ueberwachungsausschusses, der nationalsozialistische Abgeordnete Gregor Straßer, war also bereits zur Einberufung des Ausschusses verpflichtet, als sie von den sozialdemokratischen Mitgliedern be- antragt war. Obwohl inzwischen auch die Ausschußmitglieder des Zentrums, der Stoatspartei und der Kommunisten den gleichen Antrag gestellt und sich damit eine Mehrheit für den Zusammentritt des Ausschusses erklärt hat, sträubt Herr Straßer sich noch immer, seiner Pflicht nachzukommen. Es wird Sache des Ausschusses sein, zu dieser Sabotage Stellung zu nehmen und nötigenfalls einen anderen Vor- sitzenden zu wählen. Wird Knck auch kneifen? Die kommunistischen Mitglieder des Zluswäriigen Ausschusses des Reichstages haben in einem Schreiben an den Ausschutzvorsigen- den Dr. F r i ck(N a t s o z.) die(Einberufung des Auswärtigen Ausschusses oerlangt, und zwar mit der Tagesordnung: Bericht über die Konferenz von Lausanne und Stellungnahme zu den Interviews, die Reichskanzler von Papen den Vertretern des„Figaro" und des „Molin" gegeben hat. Di« Sazialdemokraten haben bereits vor der Konserenz von Lausanne den Antrag auf Einberufung des Auswärtigen Ausschusses gestellt und werden sich selbstverständlich auch jetzt für die Einbe- rufung einsetzen. Regierung Papen pumpt. ileberbrückungskredit für das Mich: 125 Millionen. Wie verloulet, haben zwischen dem Reich und einem i n- ländischen Bankenkonsorkinm unter Führung der Reichcbonk Verhandlungen über einen Ueberbrückungs- kredit siatigefvnden. die am Donnerstagnachmittag zum Ab- schluß führten. Das vankenkonfortium gewährt dem Reich danach einen Ileberbrückungskredit von 1Z5 Millionen. Dieser Ileber- brückungskredil ist vor allem dazu bestimmt, für den 3 u l i- Ultimo wegen der geringeren Steuereingänge als Kossen- «mshttse zu dienen. Dresdens Eiserne Front! Sie zeigt den Fotverordnungsjackm. daß sie da ist! Dresden, zo. Zuni.(Elgenbertcht.) Um den Rakionalsozialisten, die großspurig einen Ausmarsch de« S000 Braunhemden angekündigt hatten, die Stärke der Eisernen Fron« entgegenzustellen, zogen am Mittwoch 15 000 Ordner. Sportler. Gewertschoster und Reichsbonnerleute durch die Straßen Dresdens. Der Marsch gestaltete sich zu einem wahren Tr'umphzug, da die republikanische Bevölkerung, von den unerhörten Terrorakten der kiakenkreuzler bis aufs Blut gereizt, überall in spontane S-nnpathie- kundgebungsn ausbrach. Die Siräßen der Stadt standen im Zeiche« der drei Btette: der Freiheiizgruh dröhnte non den kzänisrfronien mider. Die Tettnehmerzohi, kann, die Spalisrb'ldenden eingerechnet. auf ZO 000 geschäht werden. presseorgamsation gegen Gayl. Sinfpriich gegen das Verbot der„Kölnischen Volkszeitvng* Köln, ZO. Juni Die Arbsitsgemeinschaft der Rheinischen Presse Hot am Don- nerstag an den preußischen Minister des Innern das nachstehende Telegramm gerichtet: ..Die Arbeitsgememschast der Rheinischen Presse al? berufene Vertreterin der rheinischen Zeitungsverleger und Redakteure erhebt entschiedenen Einspruch gegen das nom Reichsminister, des Innern an den preußischen Minister des Innern gerichtet« Ersuchen, die„Kölnische Volkszeitung" auf fünf Tage zu verbieten." In einer aussührlichen Begründung dieses Einspruchs wird zum Schluß gesagt:„Eine.Handhabung der Verordnung, die eine derartige Betätigung der Presse durch Verbot bekämpft, ist für die Presse unmöglich. Sie würde der Erfüllung ihrer B e- rufs p fli cht direkt entgegenstehen." Popen kommt zur Berichterstattung. Der Reichskanzler wwd Freitag oder Sonnabend auf einen Tag von Lausanne nach Berlin kommen, um den Reichspräsidenten über den Stand der dortigen Verhandlungen zu unterrichten. Noch keine Einigung. Herriot nach Paris überstürzt abgereist. Lausaune. 30. Juni.(Eigenbericht.') Dan DpnnerKtag über wechselte der Stand der V e r» Handlunge« im ReParationSkomitee der Konferenz. In der Nachtsitzung am Mittwoch war man zu einem konkreten Angebot a» Deutschland gekommen, das indessen abgelehnt wurde. Auch der Versuch vom Donnerstagvormittag und seine Fort- setzung am Nachmittag bis vier Uhr, bei Anwesenheit der Deutsche« einen Lösungsversuch zusammenzubringe«, fährte zu keiuem Erfolg. Darauf tagten die fünf Gläubigerländer allein weiter. Um sechs Uhr machte Herriot de« Reichskanzler in seinem Hotel Mitteilung vou dem Ergebnis der Beratungen. Nach deutscher Mit- teilung war bis Donnerstagabend noch kein Borschlag präsentiert, der die Zustimmung der deutscheu Regierung sin&en könnte. In einer Nachtfitzung werden die Beratungen fort. gesetzt, und zwar unter Beteiligung Deutschlands. Herriot fährt am Donnerstagabend elf Uhr nach Paris. Er kehrt am Sonnabendvormittag wieder nach Lausanne zurück. Diese überstürzte Reise soll mit einem neue« Weg zusammenhängen, den Herriot für die Lösung der Reparationsfrage vorzuschlagen angekündigt hat. Der Reichskanzler beabsichtigt bis mindestens am Sonnabend nach Abschluß der Beratungen in Lausanne zu bleiben. Alle Meldungen über dentsche Angebote werde» von der deutschen Delegation dementiert. Es sei überhaupt noch kein Angebot von deutscher Seite gemacht worden. Lediglich habe stets eine Prüfung der Augebote der füuf Mächte stattgefuuden. Das Programm der Weliwirffchastskonferenz. Das Wirtschaftskomitee der Lausonner Konferenz unter dem Borsitz des belgischen Außenministers hymans hat seine Arbe't am Donnerstag abgeschlossen und einen Bericht an die sechs ein. ladenden Mächte fertiggestellt. In dem Bericht wird die Bildung zweier Kommissionen zur Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz emp- sohlen. Di« eine Kammission soll Finanzftagen, die andere Wirt- schastsfragen behandeln. Jede der sechs einladenden Mächte soll einen Vertreter in jedes Komitee entsenden. Der Völkerbund soll ousge- fordert werden, je drei Vertreter für beide Kommissionen zu bestellen. und zwar Mitglieder solcher Länder, die nicht zu den sechs einladen- den Mächten gehören. Eine Einladung an die Bereinigten Staaten von Amerika fall ergehen, je ein Mitglied für beiSe Kommissionen zu ernennen. An Beratungsgegenständen für beide Kommissionen werden vorgeschlagen: die Geld- und Kredit- Politik, die Einschränkung des Gold- und Deoisenaus- t a u s ch e s, die Einschränkung der Zollgrenzen, der Tarife und der Preise. Für den Tagungsort ist kein Vorschlag gemacht. Wie man in Paris die Lage darsteltt. Paris. SO. Juni.(Eigenbericht> Tue Pariser Donnerstag-Abendblätter sind in der Beurteilung der Lausanner Konferenz weit vorsichtiger, als es die Morgen- zettungsn am gleichen Tage waren. Man hält es für wenig wahr- fcheinl'ch, so schreibt der„T emp s", daß die deutsche Delegation ermächtigt sei. eine Regelung der Reparotionssrage anzunehmen, di- nicht eine endgültige darstellt, weil die vorgesehene Regelung von der zukünftigen Zustimmung der Dereinigten Staaten abhängt. Der chava s- Korrespondent berichtet, daß die Donnersiag-Vormittagsitzung des Büro? noch zu keinem Beschluß gekommen sei Es handele sich darum, die Höhe d Summe und die Modalitäten des Ab- kommen? festzulegen. Man bemühe sich einen französisch- englischen Plan aufzustellen, der non den anderen Gläubigern gebilligt werde und den Deutschland dann anzunehmen oder abzv- lehnen hätte Der Reichsfinanzminister habe in der Vormittags- sitzung wieder ern st hafte Einwände erhoben und es be- srätige sich, daß die aus Berlin eingetroffenen Instruktionen die Aufgabe der deutschen Unterhändler erschweren und die Initiative der anderen einschränke. Der„P a r i s T o i r" schreibt zu der deutschen Bedingung über die Revision der Artikel S und 8 des Vsrfailler Vertrages, es handele sich darum, wie weit Frankreich sich auf diese Forderungen ein- lassen werde. E? scheine, daß sich auf ftanzösischer Seite ein g- wisser Meinungsumschwung vollzogen habe. Die sranzö- sische Delegation sei nach den in Lausanne umlaufenden Gerüchten dem Abrüstungsoorschlag Hoovers jetzt günstiger gestimmt. Aber wenn man daraus schließen wolle, daß Frankreich Deutschland die Gleichberechtigung auf dem Gebiet der Rüstungen geben werde, gehe man zu weil. Man könne daraus rechnen, daß Herriot nicht schwach «erden würde. Die beiden nationalistischen Zeitungen„L! b e r 1 4" und „Journal de? D« b a t?" sind mit Herriot nicht zufrieden S'« erklären, er habe sich aus eine Kombination eingelassen, aus der nur Ungünstiges für Frankreich herauskommen könne. Sie fordern Herriot auf. endgültig Lausanne zu verlassen. Msenfinanztransaküon in England 30 Milliarden Kriegsanleihe werden konveriiert. London, 30. Zuni. Der Schoßkanzler Ehamberlain gab am Donnerstogabend im Unterhaus den großen Aonnertierungsplan für die fünf- prazenlige englische Kriegsanleihe bekannt, von der nunmehr zwei Milliarden Pfund Sterling(etwa ZO Milliarde« Mark) ausstehen. Chamberlain erklärte, die Regierung werde die Anleihe am 1. Dezember 19Z2 jedem zurückzahlen, der sich von heute in drei Monaten entschließe, den Antrag aus Zurück- Zahlung zu stellen. Alle Anträge müssen bis zum 30. September gestellt sein. Die Besitzer der Anleihe würden jedoch zu gleicher Zeit äus- gefordert, die Anleihe zu anderen Bedingungen neu zu zeichnen, und die Regierung hoffe, daß die große Masse der Anlechebesitzer der Aufforderung, di« Anleihe weiter zu zeichnen, folgen werde. Das Schatzamt werde in Ueberelnstimmung mit den Anküadi- gungen des Prospekts den fälligen Teil der Anleihe am l. Dezember 1932 zurückzahlen. Die wichtigsten Aenderungen sind folgende: Die Zinsen werden vom 1. Dezember 19ZZ ob 3� Proz. im Fahre betragen. weiter wird die Regierung die Anleihe jederzett nach dem l. Dezember 1932 zurückzahlbar macheu und ferner wird der Jlam tu»Z�pro- zenkige Kriegsanleihe" umgeänderl. Die Zinsen werden nach wie vor ohne Einkommensteuerabzug gezahlt werden. Auch die weiteren Steuervorteile für die Auleihe werden bestehen bleiben. Anleihe- besitz«, die die Absicht haben, weiter die Anleihe beizubehalten, wer- den einen Bonus von einem Pfund auf 100 Pfund ausgezahlt er- hatten. Es ist dies die größte Finanztransaktion, die bisher se in der Welt vorgenommen worden ist. ch Der Plan, den der englische Finanzminister dem Parla- ment unterbreitet hat. läuft darauf hinaus, Großbritannien die drückende Last der inneren Schulden zu er- leichtern. Die Zinsen für die Kriegsanleihen erforderten bis- her jährlich 100 Millionen Pfund, also nach dem heutigen Pfundwert rund 1.5 Milliarden Goldmark. Nach der Konvertierung wird der britische Haushalt 4 5 0 M i l- lionen Goldmark jährlich an Zinsen sparen. Der Anlage des Chamberlainschen Finanzplanes nach handelt es sich nicht um eine Zwangskonver- t i e r u n g, d. h. eine durch Gesetz verkündete Zinssenkung, sondern um eine Zinssenkung, bei der die englische Regierung sich soweit auf den Patriotismus des kapitalkräftigen englischen Publikums verläßt, daß sie sicher ist. die Auszahlungsbeträge voll wieder zu dem niedrigeren Zinssatz der bleuen L�prozentigen Kriegsanleihe" hereinzubekommen. Oer llmversitatsskandal. Vi« Tiotionaljoziolisten fordern Entfernung der jüdischen e eine einzige Ent- schuld'gung vor den eigentlichen Urhebern der gonzen Maß- nähmen und eine ängstliche Verteidigung gegen d'e An- griffe, die wegen der angeblich zögernden sialtung des Reichs- kabinetts gegen die„rebellischen" Länder an die Adresse des Reich?- Innenministers gerichtet worden feien. Gegenüber der Darstellung, daß einige Länderregierungen od- geneigt gewesen seien, ihre allgemeinen Umzugs- und Unisorrnrerbote aufzuheben, bemerkt das genannte Blatt, dys Reichsinnenministerium müßte wissen, daß dt« Länder, die die Pläne der Reichsregie- rung grundsätzlich als falsch bezeichnet hätten, nahezu neun Zehntel des ganzen Reiches darstellten. Der Ver- such, die Verantwortung für die öffentliche Ruhe und Ordnung trotz der stärksten Einschränkungen ihrer Polizechoheit den Ländern zuzuschieben, sei ein Vorgehen, das die Länder einmütig ablehnen würden. Die Verantwortung für alles Blut, dos im Reich nach der Beseitigung der allgemeinen Umzugs- und Uniform- verböte der Länder fließen werde, treffe voll und ganz die Reichs- regierung und niemals die Länder, deren fürsorglich« Maßnahmen für die ösfentl'che Sicherheit rücksichtslos beseitigt worden seien. Eiserne Front läßt sich nicht pwvozieren. Der Naziavfmarsch in Oessav. Dessau. 30. Juni(Eigenbericht.) Am 2 und 3. Juli sollen in Dessau 2000 0 uniformierte auswärtige S A.. L e u t e ausmarschieren. Dem Dessauer Ober- bürgermerster wurde von dem Naziministerpräsidenten für die beiden Tage das Kommando über die städtische Polizei entzogen und dem Razikommandeur die Landespolizei übergeben. Die Leitung der SA. darf in den Straßen einen Ordnungsdienst versehen. Die Leitung der Eisernen Front Hot anläßlich des SA.-Trefiens in«wem Aufruf die Parole ausgegeben: Fenster zu und Straßen leer. Alle Angehörige der Arbeiterbewegung werden aufgefordert, sich unbedingt von Zusammenstößen fernzuhalten. Die Verant- wortung für den Schutz der der Arbeiterschaft gehörenden Gebäude ist in einer besonderen Unterredung nrst den Polizeibehörden der Polizei auferlegt worden. Deutscher Bericht über Lausanne. Ilon erwartet neve Dorschläge. Lausanne. Z0. Zunl. e r l. vor einigen Tagen hat er einige» darüber im Rundsiznk gesagt, und wenn auch die Nachricht, daß hiert als R e i ch s k o w. m i s s a r für den Arbeitsdienst in Aussicht genommen worden sei, demensiert worden ist, so kann damit die Tatsache nicht bestritten«erden, daß er selbst sich für den kommenden Mann hält. Die Oesfen.tlich keit hat deshalb das stärkste Interesse daran zu wissen. wie Oberst chierl sich den künftigen Arbeitsdienst vor» stellt. War er rm Rundfunk noch recht zurückhaltend, so hat er sich ausführlicher darüber bereits am 23. Mai 1932 auf einer Beranstal- tung der Reichsarbsitsgemeinschaft für deutsche Arbeitsdienstpflicht in Berlin geäußert Er selbst spricht von einem„Arbeits- Heer". Der Arbeitsdienst, der zwei Jahre zu betragen hätte. soll zwischen dem 17. und 30. Lebensjahre liegen. „Die Einberufung des Arbeitsdienstpflichtigen soll noch vorheriger ärztlicher Musterung und Prüfung der Gesuche um Zurückstellung oder Lesreiuno durch die Ersotzbehörden erfolgen, die aus Vertretern de? Arbeitsdienste? und der Ver- waltungsbehörden zusammengesetzt sindn Die zwessährige Dienstpflicht gilt allerdings nur. wie Im att-n preußischen Heere, für die Proleten. ..Aerzte, Ingenieure, Techniker und Angehörige sonstiger Bs- rufe", also olles, was zu„Besitz und Bildung" gehört, soll nur ein Jahr praktisch, da? zweite Jahr aber„als Spezialisten ob- dienen". Es gibt allerdings noch«ine weitere Ausnahme. hören wir: „Der deutsche Arbeltsdienst'it eine Ehrenpflicht der deutschen Volksgenossen. Angehörige des jüdischen Volkes haben mit dieser deutschen Angelegenheit nichts zu tun. Den Kindern Israels wird diese? vermutlich gar nicht unangenehm sein. Allerdings hätten sie. ebenso wie die übrigen deutschen Staatsangehörigen, die wegen körperlicher llntaugstchkeit oder aus Grund besonderer börgerlicher Verhälinisse von der Ableistung der Arbeitsdienstpslicht befreit werden, eine Arbeitssteuer zu entrichten, die so zu bemessen wäre, daß die Befreiung vom Arbeitsdienst nicht als besonderer Vorteil empfunden wird. Ich denke an einen Zuschlag zur Einkommen st euer in höhe von 10 Proz. der Steuer. Diese Arbeitssteuer wäre bis zum 50. Lebensjahr zu entrichten." Es fehlte nur noch, daß nach diesem Judenzins auch noch die anderen mittelalterlichen Abgaben eingeführt werdep, wie das Wegegeld, das Afchenmonopol, das Rinderfuttergeld. den Wachszins, und damit auch kein Zweifel an der Wiederkehr der feudalen Zu- stände bestehe, auch noch das Recht auf die erste Nacht. Mag der Judenzins nur scherzhaft gemeint sein, so sind die nationalsozialistischen Pläne auf Beseitigung aller staats- bürgerlichen und sozialen Rechte der arbeitenden Klassen viel ernschafter zu nehmen. Wörtlich erklärt Herr hierl: ..Die arbeitsrechtlichen Bestimmungen über Tarif. Arbeitszeit usw. finden bei dem Arbeitsdienst natürlich keine Verwendung... Der Arbelispflichtige erhält keine« Lohn, sondern Unterkunst. volle Verpflegung. Kleidung. Wäsche und ein tägliches Taschengeld von 30 bl? 50 Pfennig. Die durch Liberalismus und Marxis- mus bestimmte materialistische Auffassung, die jede Arbeit unter dem Gesichtswinkel des G e ld v e rd i e n e n s betrachtet, muß au» den Köpfen verschwinden." Das Geldverdienen soll also weiter das Borrecht des Kapitals und seiner nationalsozialistischen Schildhalter bleiben. Der„Gesicht». winket" gilt nur, solange es sich um Arbeiter handelt. Beim Groß- grundbesitz, b« der Schwerindustrie, bei den vielen Großoerdienern. die der Nationalsozialistischen Partei angehören oder ihr nahestehen. kommt er selbswerstondlich nicht zur Anwendung. Der von Herrn hierl aufgestellte Organisationsplon des Arbeitsheeres sieht so aus: An der Spitze soll ein Reichsminister für Arbeitsdienst stehen. Das Reichs- gebiet wird in 30 Jnspektionsbezirke eingeteilt, die von drei bis vier Generalinspektoren kontrolliert werden. Jede Inspektion ist in 10 bis 15 Arbeitsgruppen«ingeteilt, von denen jede wieder 10 bis 15 Arbeitsabteilungen umfaßt. Zede Inspektion soll durchschnittlich 30 000 Mann stark sein, so daß also das ganze Arbeitsheer 900 000 Mann betragen soll. Die oberen Kommondobehörden haben selbstverständlich ihre Stäbe mit Kommandeuren, Gehilfen. Aerzten, Kassenverwaltern und Kanzleipersonal. Di« unterste Arb e it s a b t e! l u n g soll so aussehen: 1 Führer, i Stellvertreter. 1 Verwalter, 1 Ouartiermeister. 1 Sportwart. 15 Truppenführer. 1 heilgehifte, 20 Vormänner. 4 Spielleute, 170 Reichsarbeiter(jus. 215 Köpfe) Das fest« Gerippe der Organisation des Arbeitsdienstes soll dos Stammpersonal bilden.„Die Führer des Arbeitsdienstes müssen tatkräftige Persönlichkeiten sein, die verstehen. sich ihren Untergebenen gegenüber unbedingt durchzusetzen und schärf st« Zucht und Ordnung aus- r e cht z u h o lten." Da? Stammpersonal soll sich aus verab- schiedet«» Beamten und Offizieren, Versorgungsanwärtern der Wehrmacht und Landespolizei und Angehörigen freier Berufe, be- fonders der Landwirtschaft und Technik zusammensetzen. Jeder Ver- such einer Sabotage des Arbeitsdienstes soll rücksichtslos unterdrückt werden. In dem nationalsozialistischen Gesetzent- wurs zur Einführung der allgemeinen Arbeitsdienstpslicht heißt e? darüber: § 16: Wer sich der Arbeitsdienstpflicht vorsätzlich und rechtswidrig entzogen hat oder wer der Einberufung zum Arbeitsdienst vorsätzlich und rechtswidrig nicht Folge leistet, wird nach der vom Reichskanzler zu erlassenden Slrofrechtsordnuvg des deutschen Arbeitsdienstes bestrafl. § 19; Am Tage ihrer Musterung sind die zur Musterung Bs- rufenen Angehörige des deutschen Arbeitsdienstes und unterstehen den für diesen geltenden Gesetzen und Bestimmungen. § 30: Wer es unternimmt, in der Oestentlichkeit in Wort, Schrift, Bild oder in anderer Weise den deutschen Arbeitsdienst verächtlich zu machen ody sonst herabzuwürdigen, wird mit Ge- fängnis nicht unter 3 Monaten bestrast. Wer einen Arbeitsdienstpslichtigen ausreizt, der Einberufung zum Arbeitsdienst nicht Folge zu leisten, oder wer einen An- gehörigen des Arbeitsdienstes aufreizt, eine Widersetzlichkeit. Ge- horsamsverweigerung, Meuterei oder Werkschädigung(Sabotage) zu begehen, wird mit Zuchthaus bestraft. Damit nicht genug, sollen für schwerbestraste oder besonders widersätzliche Arbeitsdienstpflichtige eigene..Besserungs- abteilungen" gebildet werden. Die Arbeitssolldaten dürfen sich parteipolitisch nicht betätigen, für sie sollen dieselben Bestimmungen wie für die Wehrmacht Anwendung finden, das Wahlrecht wird ihnen also entzogen.„Dem Vorgesetzten muß selbstverständlich Strosgewalt nach den Bestimmungen einer Dienst- strafordnung zugebilligt werden." Für schwere Vergehen und Ver- brechen ist, wie wir noch erfahren, bereits eine besondere Straf- rechts- und Strafgerichtsordnung für den Arbeitsdienst bereits ent- worsen. So also soll die Armee des Dritten Reiches aus- sehen.„Mit Anschlägen äußerer und innerer Feinde zur Störung des Werkes ist zu rechnen", erklärt der Oberst hierl zum Schluß. Gegen den innere« Feind da» Zuchthaus und die braune Armee, gegen den äußeren Feind ein neuer srisch-frShlicher Weltkrieg! Revision Saphengst vom Reichsgericht verworfen. Der dritte Strafsenat des Reichsgerichts hat am Donnerstag die Revision des Elektrotechnikers und Schriftstellers Alfred Kaphengst gegen das Urteil des Schwurgerichtes Altona vom 23. Januar 1932 ver- warfen. Kaphengst war wegen gemeinschaftlichen Verbrechen? gegen das SpPNgftoffgesetz bei den Öldenburger Bombenattentoten zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Rußland und Ehino? Der chinesische Delegierte Wang Hot den Leiter der Ostobteilung im Außenkommisfariat, Koslowski, den Vorschlag unterbreitet, einen russisch-chlnesischen Nichtangriffspakt abzuschließen und da- mit die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Län- der» wieder herzustelleu. I Nazis und Sozialrentner. Die herrlichen Zeiten des„Dritten Reichs". D'e Sozialrentner haben am Mittwoch, als sie vor den Schaltern der Postämter ihre durch die chitler-Notoerordnung vom 14. Juni gekürzten Renten in Empfang nahmen, weder„cheil chitler!", noch „Es lebe die Regierung der Nazibarone!" gerufen. Nationalfoziali- stische Wanderredner versuchten auf den Rentenzahlstellen die Wogen der Erregung auf das„System" abzulenken. Die geschröpften Rentner sagten diesen Demagogen aber überall so unverblümte Wahrheiten, daß sie es vorzogen, schnellstens wieder Leine zu ziehen. Im„Dritten Reich" wird es solche Entrüstungsstürme auf den Postämtern überhaupt nicht mehr geben, weil das Problem der Sozialoersicherung von den Nazis dann mit einem Schlage„gelöst" wird. Der nationalsozialistische Schriftsteller Ernst Mann erklärt in seinem Buch„Vom Eliteheer zum Schwertadel": „Verdoppelung der Volkszahl, der Gesunden, ist binnen 25 Jahren unter der Voraussetzung möglich, daß der gesunde Volkskern von den kranken» be- la st enden Elementen befreit wird. Der Vernichtung der Ballastexistenzen stehen heutzutage keinerlei technische Schwierigkeiten, aber immer noch moralische entgegen. Es ist zwar dem Arzte gestattet, jegliche Cperatiouen am Einzelmenschen vor» zunehmen, doch wird er durch Gesetzgebung verhindert, chronische Seuchenherde im Volke durch Vernichtung der Seuchenträger zu zerstören... Solche ch i r u r» gischen Eingriffe in daS Volksganze sind dringende Forderungen der Zeit. Wir dürfen die Vernichtung lebensunwcrten Lebens nicht der nächsten Generation zuschieben.. Wenn die Nazis auch versucht haben, diesen Hitlerschen General- stqhsarzt in spe abzuschütteln, so gibt es aber noch eine ganze An- zahl anderer Kronzeugen, die sich über die Sozialversicherung im Dritten Reich auch recht offenherzig geäußert hoben. Der national- sozialistische Abgeordnete Merk führte im Badischen Landtag am 20. Februar 1930 aus: „Es ist nicht angebracht, für Unheilbare, für Krüp- Pel und Sieche Millionen von Mark aus der Allgemein. heit herauszunehmen." Eine autorative Ergänzung zu den Ausführungen des badischen Landtagsabgeordneten Merk war der Ausspruch des..Gewerkschafts- referenten" der NSDAP., Adolf Wagner, in einer Versammlung in München am 4. Juli 1930: „Die Sozialgesetzgebung ist eine der größten räube- vischen Erpressungen an den Besitzenden." Aufschlußreich war auch das Schweigen Hitlers auf die drei Fragen, die„Der Deutsche" am 11. Oktober 1931 an ihn richtete und von denen die zweite lautete:„Haben Sie die Absicht, gemein- sam mit Herrn Hugenberg nach den Rezepten von Hartz und Bang die deutsche Sozialversicherung zu zerschlagen?" Nicht mißzuverstehen ist es auch, wenn Herr Wolter Darre von der Landwirtschaftsobteilung der NSDAP, in seinem Buche „Neuodel aus Blut und Boden" auf Seite 51 schreibt: „Liberalismus und Marxismus haben es auf dem Gewissen, wenn heute in unserem Volkskörper die Gesetze deS LebenS mißachtet und verspottet werden. Nur so läßt eS sich erklären, daß ein Volk von der hochwertigen Begabungsveranlagung wie das deutsche den Wahnsinn hat, die Gesunden für die Minderwertigen arbeiten zu lassen und durch eine ausgiebige— angeblich soziale— Gesetz- gebung auch noch dafür Sorge zu tragen, daß einem Untermenschentum die weite st en Lebens- Möglichkeiten bleibe n." Radikal aufgeräumt wird im„Dritten Reich" natürlich auch mit den Arbeitslosen, denen schon vor der Wahl durch die Hitler- Notverordnung der Brotkorb höher gehängt wird. Mit Ausnahme der beschäftigungslosen Prinzen und Generäle sind diese Arbeitslosen nur Menschen, für die die nationalsoziolistische„Lau- sitzer Zeitung" vom 26. Mai 1931 nur die Worte übrig hat: „M illionen Faulenzer gehe» stempeln, weil daS bequemer ist als zu arbeiten." Wenn also im Dritten Reich die Rentenempfänger und Arbeits- losen wirklich nicht kurzerhand ins Jenseits befördert werden sollten, dann dürften sie ober bestimmt eines zwar langsameren, ober nicht weniger sicheren Hungertodes sterben. Aber aüch für dieses kommende Massenelend ist schon eine Formel gefunden. Goebbels, Reichspropagondaleiter der NSDAP, und Chefredakteur des„An- griff", schrieb im vorigen Jahr in der Septembernummer des „Blitz", einer nationalsozialistischen Zeitschrift für die Berliner Metallindustrie in einem Artikel„Der vierte Stand und seine Sendung" folgende Sätze: „Der Hunger ist staatenbildend. Hunger und Liebe sind die beiden Kräfte, die Geschichte seit Ewigkeit gestalten und gestalten werden. To verbindet der Nationalsozialismus den Willen zum neuen Staat mit dem Hunger der breiten Gefolgschaft und mit der leidenschaftlichen Liebe derer, die darüber hinauswachsen. Nichts ist dümmer, als zu glauben, der Hunger sei etwas Materialistisches." Die Arbeiterschaft muß dafür sorgen, daß diese ebenso reaktio- nären wie verrückten Träume nicht in Erfüllung gehen, Sorge jeder dafür, daß diese Ziele und Absichten der Nazis, zu deren Ber- wirklichung die Notverordnung erst den Anfang macht, ollen be- kannt werden, die aus einem Gefühl berechtigter Unzufriedenheit heraus bisher den Nazis ihre Stimme gaben. Ein Erlaß des Reichsarbeitsministers. Gewerkschastshilfe wird nicht angerechnet. Amtlich wird mitgeteilt: An den Reichsarbeilsminister ist die Frage herangebracht worden, ob in der Arbeitslosenoerjicherung und in der Srisensürsorge bei Prüfung der Hilfsbedürftigkeit Unter- stühungea. die auf Grund eigener Vorsorge für den Fall der Arbeits- lofigkeit bezogen werden, zu berücksichtigen find. Der Reichsarbeits- minister hat bereits in einem Erlaß vom 29. Juni 1932 darauf hingewiesen, daß keine Bedenken bestehen, solche Unterstützungen in der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge bei der Prüfung der hilssbedürstigkeit und bei der Bemessung der Leistungen außer Ansatz zu lassen. Damit erledigt sich die Eingabe der gewerkschaftlichen Spitzen- verbände für die Anrechnung der gewerkschaftlichen Arbeitslosen- Unterstützung bei Prüfung der hilfsbedürfligkeil. „Einheitsfront." KPD. Hand in Hand mit Papen. Während die KPD. in Eisenach mit den National- sozialisten die Einheitsfront herstellt und mit ihnen eine gemeinsame Demonstration veranstaltet, demon- striert in Berlin das Zentralorgan der KPD. täglich, wie es die Einheitsfront versteht, die die KPD. als„neue" Parole verbreiten läßt. Es würde eine Verschwendung sein, wollten wir auf alle Ber- leumdungen antworten,, die die kommunistische Presse gegen Ge- werkschaften und die Sozialidemokratische Partei vom Stapel läßt. Notwendig ist es aber, von Zeit zu Zeit an einem Beispiel zu zeigen, wie die KPD. Hand in Hand mit den Nazis und der Reak- tion gegen die Eiserne Front arbeitet. Zu dem Schreiben der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen an den Reichsarbeitsminister, in dem gegen die Anrechnung der gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung protestiert und damit gedroht wird, daß die Gewerkschaften die Auszahlung der Unter- stützungen e i n st e l l e n würden, falls den Organisierten die öffentlichen Unterstützungen gekürzt werde, schreibt die„Rote Fahne": „Es entsteht also ein Hand-in-Hand-Spielen der Papen- Regierung und der protestierenden Gewerkschaftsführer. Wir kennen das Spiel hinter den Kulissen nicht. Wir stellen aber fest: Millionen Gewerkschaftsmitgliedern wird ihr wohlerworbenes Recht auf gewerkschaftliche Unterstützung genommen. Die Gewcrk- schaftsführer finden sich damit ohne eine einzige Kampfmaßnahme ab und erklären, sie stellen die bisherigen Leistungen ein." Die Mitteilung des Reichsarbeitsministers als Antwort auf das Protestschreiben der Spitzenorganisationen zeigt, wie dieses angeb- liche Hand-in-Hand-Spielen in Wirklichkeit aussieht. Die„Rote Fahne" findet nicht ein Wort des Protestes oder der Kritik gegen die Llbsicht, die gewerkschaftlich Organisierten dadurch zu ent- rechten, daß man ihnen ihre durch eigene Beitragszahlung erwor- bsne Unterstützung anrechnet auf die öffentliche Unterstützung in der Arbeitslosen- oder in der Krisenfürsorge. Für sie ist diese Absicht nur die erwünschte Gelegenheit, um gegen die Gewerkschaften in in- famer Weise zu hetzen. Die Empörung der Arbeiter und Arbeite- rinnen gegen die Naziregierung, die ihnen ihre gewerkschaftlichen Rechts zu nehmen beabsichtigte, soll abgelenkt werden gegen die Gewerkschaften. Hier zeigt sich wieder einmal, wer mit der Regierung der Nozibarone Hand in Hand arbeitet und mit wem die KPD. eine Einheitsfront bildet. Es ist ja sicher, daß im übrigen die Organisationen der söge- nannten REO. nicht in die Verlegenheit kommen werden, die Zahlung von Arbeitslosenunterstützungen einzustellen. Bei der RGO. haben nur die Bonzen ein Recht auf Unterstützung, nicht ober die Arbeitslosen. Das kommunistische Zentralorgan faselt von„Kamps- maßnahmen", die ergriffen werden müssen. Auch hierüber braucht sich die RGO. den Kopf nicht zu zerbrechen. Man wird deshalb auch vergebens in dem Artikel, der eine einzige Hetze gegen die Gewerk- schaffen ist, auch nur eine Andeutung darüber finden, welcher Art diese Kampfmaßnahmen sein sollen. Es gab nur eine wirksame Maßnohme: Die Drohung, die Zahlung von Unterstützungen einzustellen und damit den Zorn und die Empörung der Arbeiterschaft gegen die Regierung der Nazi- barone zu richten. Dos paßte dem kommunistischen Zentralorgan gar nicht. Deshalb kommt es der Regierung zu Hilfe und versucht gegen die Gewerkschaften zu hetzen. Der Erlaß des Reichsorbeitsministers zeigt, daß die Drohung der Gewerkschaften gewirkt hat, und daß man in Regierungskreisen mit Recht den Ein- fluß der KPD. auf die organisierte Arbeiterschaft sehr niedrig einschätzt. Lllbnchi schimpft— und drücki sich. Die Arbeiter antworten: Freiheit! Seit drei Jahren war keine Belegschastsversommlung der Firma Lorenz A.-G. so stark besucht wie die gestrige. Die Kommunisten beherrschten nämlich bis vor kurzer Zeit diesen Betrieb. Genosse Künstler war gekommen, um der Belegschaft die Notwendigkeit einer wirklichen und echten proletarischen Einheitsfront zu empfehlen. Die Kommunisten hatten kurz vorher eine Erwerbslosenoersammlung einberufen und wollten die Besucher dieser Versammlung in die Belegschaftsver- sammlung einschmuggeln. Das gelang ihnen aber nicht. Im Garten konnten sie bei geöffneten Fenstern den Worten von Franz Künstler lauschen. B e g e i st e r t stimmte die Mehrheit der Versammlung Künstler zu. Die Kommunisten wagten nicht einen Zwischenruf. Künstler forderte von dem anwesenden kommunistischen Bezirks- sekretär Walter Ulbricht eine klipp und klare Antwort bezüglich des Einstellens aller Angriffe auf die Sozialdemokratie im Kampf gegen den Faschismus. Die Versammlung hatte mit Zustimmung Künstlers Ulbricht eine einstündige Rede zugebilligt, um endlich die Beantwortung der Fragen über Einheitsfront zu hören. Unter lebhaftem Unwillen der Mehrheit der Versammlung drückte sich Ulbricht um eine klare Stellungnahme herum. Er wiederholte aber unsachliche Angriffe auf die SPD. und dokumentierte damit, daß die Kommunisten die Einheitsfront gegen Hitler sabotieren. Da eine Diskussion nicht gewünscht wurde, verzichtete Künstler auf das Schlußwort, well die Rede Ulbrichts diesen und die KPD. selbst richtet. Die Belegschaft gab Ulbricht die richtige Antwort, indem sie am Schluß der Versammlung begeistert dreimal den Ruf der Eisernen Front anstimmte:„Freiheit!" TPD.-Buchdrucker! Fraktionssitzung in folgenden Bezirken: 5. Bezirk: Sonnabend, 2. Juli. 20 Uhr, im Reichcnberger Hof. Reichenbcrger Strohe 117: S. Bezirk: Montag. 4.?uli, 19 Uhr, im Lokal Schneider, Kreuzdergstr. 2: 8. Bezirk: Sonnabend. 2. Juli, 20 Uhr, bei Kutzki, Hermannstr. 7Z. Sehr wichtige Tagesordnung. Vollzähliges Erscheinen W erforderlich. Der Zialtiousoorstaud.=" >ftrcic Gewerkschafts-Iugend Berlin > Heute, Freitag, 1. Juli, um 1!»., 1� tagen die�Gruppen: Süden: f Jugendheim Äasiertorstr. 9. Heimöesvrechung und„Aktuelle Fragen".— Tbarlottenburg: Jugendheim Egreeftr. 30. Hcimbefprechung.— Nord- rina: Jugendheim Schule Sonnenburger Str. 20. Heimbesprechung. Verbands- buchkontrolle.— Reuköllu: Jugendheim Treptower Str. 96.„Die Familie von gestern, heute und morgen."— Hermannplatz: Jugendheim Sanderstr. 11, Ecke Hobrcchtstraße. Heimbesprechung. Allerlei Kurzweil.— Aeppelinplatz: Jugend. heim Turiner Ecke Seestraße. Heimbesprechung. Anschließend.Nationale Kon. zentration und Gewerkschaften.— Reinickendorf-Oft: Jugendheim Lindauer Straße«Barocken). Heimbesprechung und Ausspracheabend.— Adlershos: Jugendheim Adlershof, Bismarckstr. 1. Wir feiern unseren 2. Geburtstag.— Flughafen: Jugendheim Schule Mariendorfer Weg 6�—70.„Nattonale Juqent». bewegung."— Prenzlauer Berg: Jugendheim Gleimstr. 35 Heimbesprechung. Unsere zukünftige Gruppenarbeit.— Wedding: Jugendheim Willdenowstr. 5, 2 Treppen, Zimmer 11. Heimbesprechung. Anschließend Diskusston über das Iugendprogramm des ADGD.— Wir spielen ab 18 Uhr: Rordostkreis: Sport. platz am Faulen See. Buschallee: Rordkreis: Spielwiese im Bolkspark Rehberge. — Gruppeuleiterfitzung M4 Uhr im Saal 11 Gewertschaftshaus.— Musikgrvpp« Nord: 19*3 Uhr Jugendheim Graun. Ecke Lortzingstraße. )uqendgruppe des Zentralverbandes der Angestellten sKf! Heute, Freitag, finden folgende B-ranstältungen statt: Südwest: Jugend. heim Borckstr. 11 12. Hof. Suergebäude I Treppe, Zimmer Ä). Lieder. Rehberge, Svartploti Schönhauser Allee(Einsame Pappel!, Platz 2K Bollspark Neukölln(Rodelbahn).— Sportobteilung: Trainilmsabend ab 18 Uhr auf d-m Sportplatz Normannenstroße in Lichtenberg(Futzballer) und Sportplatz Eantian» (trotze(Handballer und Leichtathleten). Der„Vorwärts" erscheint wochenräglich zweimal. Sonntags und Montag» einmal, die Adendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend", Zllustrierte Sonntagsbeilage„Boll und Zeit". Anzeigenpreis«: Die ernspalt. Millimeterzeile Z0 Pf.. Reklomezeile „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort 10 Pf.(zuläfstg zwei fettgedruckte Worts) jedes weiter- Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Wort« über id Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarkt Millimeterzeile SS Pf. Familienanzeigen Millimeter- zeil« IS Pf. Anzeigenannahm« im Hauptgeschäft Lindeustratze 3, wochentäglich von 8V> bis 17 Uhr. Der Verlag behätt sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Dietor Schiff; Wirtschaft: S. stlingelhöfer; und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenftratz« 4 Hierzu 2 Beilage». WEDTHEIM Lebensmittel fei PTHk i i 1&D K 1 i<»<»•"*• KnlnnfolwaMn KonMNV«-, o™ Zusendung von 5 M an. Obst, Gemüse u. leicht verderbliche Artikel werden nicht zugesandt Friscfaes Fleisch Kalbskamm...?sun-i 0.36 Kalbskeule o.Haxe.o. Big. 0.56 Kalbskotelett.. Pfund 0.68 Kalbsroulade gerollt, Pfd. 0.78 Kalbsschnitzel. Pfand 0.88 Mastochsen-Fleisch Pfd. 0.38 Schweineschulter Pfund 0.48 Schweineleber. Pfund 0.66 Kaßlerkamm u. Schuft 0.64 ia Berliner Bratwurst Pfd. 0.68 Kalbskopf m.Hitn, Zg. St. 0.88 Rinderherzen Rinderbacke. Rinderlunge. Euter..... Gehacktes.. Schweinekopf. . Pfund 0.44 , Pfund 0.46 , Pfund 0.18 > Pfund 0.18 i Pfund 0.50 . Pfund 0.18 Kalbs* Haxe m Obst Erdbeeren Aprikosen Tomaten. Pfirsiche. Blaubeeren Bananen. Zitronen.. . Pfund 0.24 . Pfund 0.25 . Pfund 0.24 . Pfund 0.24 » Pfund 0.35 2 Pfnnd 0.45 . 3 Pfund 0.58 Wurst Hausmacher-Sülzwurst 0.52 Dampf- u. Fleischw. Pfd. 0.68 Landleberwurst Pfd. 0.98 0.75 Mettwurst Braunscbw. Art 0.78 Schinkenpolnische Pfd. 0.94 Bierwurst.... Pfund 0.94 Feine Leberwurst. 1.08 0.95 Holst.Zervelat u. Salami 1.06 Teewurst u. Filetwurst 1.14 Speck mager 0.88 fett Pfd. 0.68 Schinkenspeck in I Stück 1.12 Gemüse Junger Wirsingkohl Pfd. 0.06 JungerWeißkohl. Pfd. 0.06 Junge Schoten. 2 Pfd. 0.15 Grüne Gurken. Stück an 0.10 Salat..... 3 Köpfe 0.10 Blumenkohl Kopf von an 0.14 Radieschen.. 5 Bund 0.10 Käse Camembert vollf. Scbacbt. 0.18 Harzerkäse ca. I-Pfd.-Pak. 0.26 Frühstückskäse 5 Stück 0.28 Blockkäse Tils. Art, halbf. 0.44 Limburger vollf. 0.74 halbf. 0.46 Edamer u. Holländer Pfd. 0.66 Tilsiter, Steinbuscher 0.66 Briekäse vollfett. Pfund 0,58 Margarine.... Pfund 0.25 Molkereibutter.. Pfund 1.06 Markenbutter..Pfund 1.34 Fische Seelachs ganze Fische, Pfd. 0.1 1 Kabeljau ganze Fische, Pfd. 0.14 Fisch-Filet. Pftmdv. an 0.14 Schellfisch... Pfund 0.14 Brätschollen. 2 Pfund 0.25 Lebende Schleie Pfund 0.84 Leb. Krebse 10 St. v. an 0.48 Räucherwaren Bücklinge.... Pfund 0.32 Schellfisch... Pfund 0.24 Seelachs.... Pfund 0.28 Flundern, Makrelen Pfd. 0.32 Aale Pfd. an 1.40 Bund v. an 0.20 Maties*Äk 0.20 Kartoffeln 5"� 0.36 Kolonialwaren Reisgrieß....Pfund 0.17 Hartgrieß.... Pfund 0.24 Bruchreis...»Pfund 0.11 Tatelreis.. Pfund 0.14 0.20 Hatertlocken.. Pfund 0.23 Sago Pfd. 0.32 Tapioka 0.58 Pudding-Pulver Vanille- u. Mandelgeschmack, Pfd. 0.38 Frisch gebrannter Kaffee Pfund 1.90 bis 3,40 WaS«'/ Flasctv ohne Gta. Apfelwein Rackles Urquell 0.30 1931 Obermoseler... 0.60 1933 Niersteiner... 0L0 1928 Mand. Rosengarten 1.1 5 1929 Altenbambg. Rotbg. 1.30 1928 Kreuznacher Forst 1,55 1928 Caseler Pichler.1.60 Himb. u. Kirschsaft 1.10 1.30 Jnlunnistiesniizin Ltr.0.68 5 Ltr.3.25 Maikammerer 0.77 5Ltr.3.60 Orangeade% Fl, 0.90 ff. 1.45 Fruchtsektm.*St.v.Fl 0.981.25 Konserven v. Apfelmus weiß.•■• O-ff Pflaumen.% Dose 0.38 0.58 Williams.-Birnen halbeFr,1.05 Kalifornische Pfirsiche 1.15 Schnitt- u.Br.-Bohnen I 0.48 Gem. Gemüse mittelfein 0.95 Gem. Gemüse sehr tein 1.50 Junge Erbsen mittelfein 0.74 Kaiserschoten.... 1.15 Konfitüre Vj Eimer. Viertr.0.68 Erdbeer., Aprik., Orange 1.10 Geflügel Frische Hühner. Pfund 0.74 Brathühner... Pfund 0.32 Wolgahühner.. Pfund 0.53 Poulets gefroren. Pfund 0.74 Tauben..... Stück 0L3 Junge Gänse frisch. Pfd. 0.84 Wildschwein Li»« Back. Kmü« ptund 0.68 0.88 0.88 RehfleischPfd.0.78 1.18 1.28 "518 Mohrrüben 4 Bd. Stachelbeeren A j- reife, Phmd Nr. 305» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Kreltag, 1. Juli 1932 Polizei gegen KrawalMcnlen! Universität auch Freitag geschlossen. Nach Oer Schließung de r Universität, die übrigens auch auf den Freitag ausgedehnt ist, versuchten die Nazistudenten in der Dorotheenstrage einen Demonstrationszug zu bilden. Johlend marschierten die Burschen in Richtung Unter den Linden. Sosort eingesetzte Schupo trieb die Krakeeler mit dem Gummiknüppel auseinander und nahm mehrere Rädelsführer fest. Die Polizei hält die Umgebung der Universität unter scharfer Beob- ochtung, um Zwischenfälle im Keime zu ersticken. Tinige Zeit später, etwa gegen 15 Uhr, sammelten sich in der Dorotheenstratze und Unioersitätsstraße abermals etwa 300 Radaustudenten und zogen unter Absingung des„chorst-Wessel-Liedes" in nördlicher Richtung weiter. Als die Polizei einschritt, machten die Krakeeler zunächst Anstalten, Widerstand zu leisten. Die Skandal- macher muhten mit dem Gummiknüppel auseinandergetrieben werden. Auch für den heutigen Freitag hat die Polizei Borsorge ge- troffen, daß die Linden nicht wieder von nationalsozialistischen Radaustudenten zum Schauplatz übelster Provokationen und Rem- peleien gemacht werden. Erklärung der Sozialistischen Studenienschast. Die Borgänge der letzten Tage an der Berliner Universität haben bewiesen, daß die bisherige Bormachtstellung der Nazistudenten durch das einheitliche Borgehen aller linksgerichteten Studenten gebrochen ist. Die Nazis können es heute nicht mehr wagen, einfach über sozial- demokratische und kommunistische Studenten herzufallen. Bei den gestrigen Krawallen hatten die linken Studenten zwar einige Ber- letzte, es gelang ihnen aber, die Angriffe der Nazis zurückzuschlagen. Nach Schließung der Universität verließen die linksgerichteten Studen- ten in einem geschlossenen, machtvollen Zuge die Hochschule. Um ihren Willen zu bekunden, auch fernerhin jegliche Störun- gen zu vermeiden, hat die Sozialistische Studentenschaft heute dem Rektor der Universität eine Erklärung übermittelt, in der es u. a. heißt:„Die Sozialistische Studentenschast bekennt sich nach wie vor zum Prinzip der Lehr- und Lernfreiheit, für deren Aufrechterhaltung an den Hochschulen sie sich mit allen Kräften ein- setzt. Daher sind wir wie bisher gewillt, zur Vermeidung jeglicher Störungen an der Hochschule beizutragen. Stets haben wir es ab- gelehnt, in der Universität politische Gegensätze mit Gewalt auszu- tragen. Auch heute wieder erklären wir uns bereit, vor der gesamten Studentenschaft mit unseren Gegnern geistige Auseinandersetzungen zu pflegen. Die Sozialistische Swdentenschaft ist davon überzeugt, daß die wirklichen politischen Entscheidungen heute nicht an der Hoch- schule fallen. Wir stehen in diesen Wochen fest in der Front der deutschen Sozialdemokratie. Dieser Aufgabe erwiesen wir einen schlechten Dienst, wenn wir uns an Krawallen jeglicher Art beteiligen würden. Wir halten es vielmehr für unsere Pflicht, in unermüdlicher Aufklärungsarbeit unter der Berliner Studentenschaft für unsere Ziele zu werben. Diese Vereinbarung ist für alle Mitglieder der Sozialistischen Studentenschaft verpflichtend. Wir erklären aber ausdrücklich, daß wir uns daran nicht mehr ge- bunden fühlen, wenn andere Gruppen entgegen ihrer Verpflichtung gegen diese verstoßen. Im Falle erneuter Provokationen und Terror- akte wird die Sozialistische Studentenschaft ihre Rechte aus eigener Kraft zu vertreten wissen." Kein Heus ohne den„vorwärts". Die messenuerbreitung unserer EMreausgebe.- Wir sorgen tor Auimsrung. Der„V o r w ä r t s", den die Regierung der Barone v e r- boten sehen will, war gestern abend in den Händen aller Berliner Arbeiter. In mehreren Hunderttausend Exem- plaren wurde, wie schon so oft in den letzten Wochen, eine Extra- ausgäbe des Zentralorgans der Sozialdemokratie aus den Plätzen und Straßen Berlins und besonders natürlich in den Arbeiter- vierteln von den freiwilligen Helfern der Eisernen Front verteilt. Da gab es kein Haus, in dem gestern abend nicht ein Exemplar des „Vorwärts"-Flugblattes gewesen wäre. Noch immer nicht hat sich in den Arbeiterbezirken die Empörung über den brutalen Rentenraub gelegt.„Was, deswegen will man■ den„Vorwärts" verbieten, weil er die Wahrheit über unser Elend geschrieben hat?" riefen die alten Unterstützungsempfänger, die sich seit langem keine Zeitung mehr kaufen können und die den Beweis lieferten, wie notwendig und wirkungsvoll die gestrige Aktion der Eisernen Front war. Da hatte es gerade noch gefehlt, daß sich die Nazis in ihren Notverordnungsjacken eine ihrer übelsten Provokationen erlaubten. Am Bahnhof Gesundbrunnen war die Verteilung des„Vorwärts" bereits am späten Nachmittag beendet, als einige Zeit daraus die Nazis aufmarschierten und den Wortlaut jener Blutrede zu ver- teilen begannen, die Goebbels vor kurzem im Sportpalast gehalten hat. Gegen 8 Uhr kommt ein Arbeiter vom Bahnhos, erhält das Naziblatt in die Hände gesteckt, beginnt zu lesen und sagt:„Das ist ja alles Schwindel." Sofort begann der Berteilertrupp auf den Arbeiter einzuschlagen. Im Nu eilten andere Arbeiter hinzu, denn am Bahnhof Gesundbrunnen ist es noch nicht so weit, daß Arbeiter sich einfach niederschlagen lassen, aber der Polizeidoppelposten trennte bereits den Knäuel, verhaftete jedoch unverständlicher- weise den angegriffenen Arbeiter. Den Mann, der sich erlaubt hatte, seine Zweifel am Dritten Reich aufrecht, wie es sich gehört, zu bekennen. Inzwischen hatte man aus dem Nazilokal „Zur Zugspitze" die SA. alarmiert, die nun uniformiert über den Gesundbrunnen stolzierte. Als die SA. gegen 8 Uhr die Christianiastraße erreicht hatte, begann sie einzelne, allein gehende Arbeiter niederzuschlagen. Auf die Nachricht von diesem Ueberfall hin eilten die Gesundbrunner und teilweise auch die Pankower Arbeiter sofort zur Christianiastraße, und die Nazis machten, daß sie in den„G l a s k a st e n"(Schmidts Festsäle) in der Prinzenallee kamen, wo sie für gestern eine Versammlung angesetzt hatten. Diese Versammlung war einberufen, um das rote Soldiner Viertel zu provozieren. Die Arbeiter machten ihnen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Um 9 Uhr saß die SA. noch muttcr- seelenallein in dem Tanzsaal und wartete vergeblich auf die Massen, die nicht kamen. Diese standen vielmehr aus der Straße. und riefen: Der Wedding ist nicht Steglitz. Der Wedding hat gestern bewiesen, daß er den Nazihorden ein Paroli bieten wird. Am Montag marschiert der Wedding mit dem arbeitenden Berlin zum Lustgarten. Die Nacht war bereits herein- gebrochen, da blinkten gestern überall noch die drei Pfeile, und die Fäuste ballten sich zum Gruß„Freiheit!" Kein Hakenkreuz wagte sich mehr auf die Straße! Mutter ertränkt ihr Kind. Aus Angst, die Stellung zu verlieren. Nach achtmonatigen Ermittlungsarbeiten ist jetzt ein Kindes- m o r d aufgeklärt worden, der im Oktober vergangenen Jahres be- gangen wurde. Die 20 Jahre alte Hausangestellte Anna A. wurde als die Mutter des ermordeten Kindes ermittelt und festgenommen. Sie legte ein Geständnis ab, das 14 Tage alte Mädchen im Leh- n i tz s e e ertränkt zu haben. Die Mutter Anna A., die in einem Fremdenlogis in der Eichen- dorffttraße beschäftigt war, hatte am 19. September dem Mädchen das Leben gegeben. Die Frau wurde aus dem Krankenhaus ent- lassen und nahm die Kleine mit. Sie hatte erzählt, daß sie eine Bekannte in Breslau habe, zu der sie reisen wolle und der sie das Kind schenken werde. In Wirklichkeit hatte sie aber das Kind im Lehnitzsee ertränkt. Als sich die Fürsorge um die Kleine küm- mern wollte, erzählte Anna das Märchen von der Frau in Breslau. Nachforschungen ergaben, daß die Angaben nicht zutrafen. Anna wurde festgenommen und verhört. Dabei legte sie das Geständnis ab, das Mädchen getötet zü haben. Sie will in einer seelischen Depression gehandelt haben. Sie hatte Angst, ihre Stellung zu verlieren. Oi/w (mm edelsi&i Ömtti-'Wydkm 0 ftuhnämischy1 Mkchittg, © guJw dmtsckerTifakdtbeä: Siese%tmssebmg&t erfüllt ORIENTII STEH. mz deutschz%lks$ijgdMÜe- 4 Stüde 10$ Saa ephdlten, 5(6 QümdUa tup 54 unißp sübgdM des beigefügteil'WetägjüUchem&s. HeKulzeit Sie die Selegeiduüt, so- bilUg in den(Besitz diese/- (üüüMs-Zigdedim m geldngeit u.ldsen Sie neck, keute den/ itdxJvsteke/äeji Gutschein bei SÜigdeeenhÜMlJe/ ein. UJent' Gutschein Np.aiov.o.(£«%&?«.?. Qegm tfbgdMe dieses 9idsdieks u.Zeklmg im 5d erhdüen in jedem, Kigdmugesdüft 4„0pienta StePh � v.10$ mii 9M od.olm Mdstck. OfieKtoL" ZigdPdteMjtibtHk S. m. b. 3?.(D/iesden,- Die Acrmstcn klagen an! Rentenempfänger� quittiert den Rentenraub /Abredmung am Si Juli ..Durch Verordnung des Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 werden die lausenden Renten aus der Invalidenversicherung mit Wirkung vom Monat Zuli 1932 an: a) bei Znvolidenrentnern<3. 6. 2L) um 6.— Mark: b) bei Witwen und Witwern tw. wk.) um S.— Mark: c) bei Waisen(0.) um 4/— Mark für jede Waise eines Stammes für den Monat gekürzt." So steht es angeschlagen in den P o st ä m t e r n, bei denen die Sozialrentner, Männer und Frauen, die Invaliden, die Witwen, die Waisen ihre schon bisher kärglich genug bemessenen Renten ab- holen. So ist es bestimmt noch der Notverordnung der Regierung von Popen. Das, was man jetzt an den Togen der Auszahlung in Neukölln in der Donoustraße erlebte, das hat sich überall im deutschen Vaterlande abgespielt. Ueberall ist die Frage laut ge- worden, überall ist die Anklage erhoben worden: Warum quält man uns so? Do kommen Menschen an mit dem Selbstsahrer. Sie sind im Betrieb zu Krüppeln geworden. Da werden Blinde geleitet, von einem Bekonnten oder von einem treuen chunde Sie sind im Betrieb erblindet. Do kommen die Frauen, alt, verbraucht, ver- härmt, verhungert. Der Betrieb hat ihnen die Männer geraubt. Und diese Menschen erfahren jetzt, daß ihnen, die sür 30, 40, SO M. im Monat kümmerlich leben. Mann für Mann. Frau für Frau, 6 M. abgezogen werden. Die alten Männer, mit dem zerfurchten Gesicht, mit dem zerschlissenen Anzug, mit den zerlatschten Schuhen, sind nicht Mitglieder vom Deutschen.kjerrenklub, und diese alten Frauen, denen man die Lebensarbeit ansieht, dem schaffenden Manne ein halbwegs trauliches cheim zu schaffen und Proletarierkinder groß- zuziehen, sie gehören keinem nationalen Frauenbund an. Von 32,60 M. 6 M. weniger, da bleiben noch 26,60 M., das sind Abzüge, die bis zu 15 Proz. gehen, ja, die bei den Invalidenrenten 20 bis 30 Proz. erreichen. Wem geben diese Aermsten der Armen die Schuld? Es läßt sich nicht drumherum reden, es brauchen nur wörtlich die Aeußerungen dieser geschlagenen Menschen wieder- gegeben werden. «-Soll ich denn nicht mehr leben?'' Eme alte Frau fängt bitterlich zu weinen an.„Ich bin jetzt 73 Jahre. Mein Mann ist im Betrieb verunglückt. Jetzt gehen wieder 5 M. ab. Wovon soll ich denn Miete zahlen? Wovon soll ich leben? Soll ich denn nicht mehr leben?" Ein Mann mit einem lahmen Bein, der hinter ihr steht, meint ärgerlich:„Ja, aber Hitlers Uniformen, die werden spazieren geführt!" Diese Menschen, die der Ueberzeugung sind, um ihr Recht betrogen zu sein, geben aus ihrer Kümmernis heraus dem klaren und bestimmten Gefühl Ausdruck, daß sie hungern und umkommen müssen, damit „Herr Hitler an die Regierung kommen kann." Aber der Zorn der Betrogenen richtet sich nicht nur gegen die Nationalsozialisten, sondern auch gegen die Kommunisten. Einem Manne, der kommu- nistische Propaganda machen will, wird ins Gesicht gesagt:„Ja, wem verdanken wir es denn mit, daß das alles jetzt so ist? Doch nur euch, die ihr die Nazis immer unterstützt habt! Ihr habt doch erst den Nazis auf die Beine geholfen!" Die Beamten haben einen schweren Dienst. Wahrlich, die Beamten und Angestellten, die den Dienst an den Auszahlungsstellen der Post versehen, haben keinen leichten Dienst. Es bedarf einer engelsgleichen Geduld, um mit diesen Aermsten der Armen, mit diesen von bitterster Not Geschlagenen in Ruhe und Frieden auszukommen. Wir haben in Neukölln die Beobachtung machen können, daß sich die Beamten der Schwere ihrer Pflicht voll bewußt'sind. Man merkt es, daß diese gleichfalls in ihren Bezügen gekürzten Menschen hinter dem Schalter im Herzen aus der Seite der alten Leute stehen, denen sie den Kummer der Kürzung einer Rente, die wohlerworben ist, bereiten müssen. Der Andrang ist ungeheuer. Der Mann, der vor dem Hause steht, hat harte Arbeit. Er versieht sie mit Würde und mit einem Humor, der auch über trübe Stunden hinweghilft. Da sogt er zu einer Frau:„Ja, Mutterken. ich würde Sie ja gerne als erste durchlassen, aber denn würden die anderen olle schimpfen. Und det wollen Sie doch och nicht." Aber sobald er Unfallverletzte be- merkt, ruft er: Vorkommen! Als freilich eiiz. Mann mit einem kläffenden Terrier herankommt, da zieht er sich mit den Worten aus der Verlegenheit:„Der kann nich mit rin. Der hat keene Stiebeln an, und ohne Stiebeln ist der Eintritt verboten." Den Blinden und am Gehen Behinderten wird das Anstehen erspart: Ein Beamter kommt heraus, nimmt ihnen die Rentenbescheinigung ob und zählt ihnen dos Geld auf. Alte Leute, die durch ein Nerven- leiden am Schreiben behindert sind, werden von einem Beamten betreut, der ihnen die Mühe des Unterschreibens abnimmt. Man muß es miterleben, man muß so ein altes Mütterchen gesehen hoben, das kaum noch blicken und laufen kann und dem dann der Beamte die paar allzuwenigen Silberstücke in die Hand zählt! «-Oer eiserne Witte Der Mntner gehört in die Eiserne Front." So heißt es in einem Flugblatt, das vom„Zentroloerband der Arbeitsinoaliden und Witwen Deutschlands" vor den Aus- zahlungsstellen oerteilt wurde. Das entspricht aber auch der ollge- meinen Stimmung der durch die Notverordnung der Regierung von Popen so schwer getroffenen Rentenempfänger. Weniger viel- leicht aus politischer Erkenntnis, als aus dem sicheren Instinkt des Getretenen sogen sich diese Opfer der Arbeit: Das nationalfozia- lislische Lürgerkriegsheer Hillers darf frei herumlaufen und Uni- formen tragen, wir müssen kuschen, uns raubt man beinahe das Letzte. Der Appell zur Pflichterfüllung hat stärksten Widerhall ge- funden: „Sorgt dafür, daß diese Regrerung nach den Neuwahlen am 31. Juli nicht weiter im Amte bleiben kann! Laßt Ehrlichkeit und soziales Recht siegen!" Berlin ohne Etat. Stadlparlamcnl verladt die Berafwiden.- Der Nagislrai ist ermfiMgi... Die Berliner Stadtverordnetenversammlung hat gestern die endgültige Verabschiedung des Stadthaus- haltplanes bis zum Herbst vertagt. Bis dahin ist der Magistrat ermächtigt, unter Berücksichtigung der Be- schlüsse des Haushaltsausschusses auf das sparsamste zu wirtschaften. Es ist das erstemal, daß der Etat der Stadt Berlin nicht zum Abschluß gebracht wird. Wenn auch in den letzten Iahren die Etat- beratungen infolge der stets stärker werdenden Not immer schwie- riger wurden, so ist bisher doch stets der Etat von der Stadtver- tretung oerabschiedet worden. Die Unübersichtlichkeit der Wirtschaft- lichen Verhältnisse hat es dieses Mal aber geboten erscheinen lassen, mit der endgültigen Erledigung bis zum Herbst zu warten. Um die Verwaltung Berlins, von der letzten Endes das Wohl und Wehe der gesamten Bevölkerung, auch der Erwerbslosen und Wohlfahrts- betreuten, abhäng., nicht ins Stocken kommen zu lassen, hat eine Mehrheit der Versammlung, bestehend aus Sozialdemokraten, den Staatsparteilern, der Fraktion der Deutschen Volkspartei, den Wirtschaftsparteilern, dem Zentrum und dem Christlichen Dolks- dienst, gestern dem Magistrat die oben erwähnte Ermächtigung erteilt. Dem Magistrot konnte um so eher auch ohne endgültige Verabschiedung des Haushaltsplans Gelegenheit zum Weiterwirt- fchaften gegeben werden, als irgendwelche Befürchtungen, daß er etwa seine Kompetenzen überschreiten könnte, bei der angespannten Finanzlage der Stadt nicht bestehen. In wochenlangen Vorberawngen war der Haushaltsplan vom Haushaltausschuß bearbeitet worden. Wie in den Vor- jähren, so waren auch diesmal wieder die Kommunisten und die Deutschnationalen dabei, wenn es galt, Anträge zu stellen, an deren Verwirklichung in der gegenwärtigen Zeit auch nicht im entferntesten gedacht werden kann. Die Nationalsozialisten waren selbstverständlich mit von der Partie. Während die Kommunisten nicht nur ver- langten, daß die aus Crsparnisrücksichten zusammengestrichenen Etat- titel über die in den Vorjahren beobachtete Höhe hinaus erhöht wer- den, waren den Deutschnationalen die Aufwendungen der Stadt be- sonders auf sozialem Gebiete immer noch viel zu hoch. Die sozialdemokratische Stadtverordnetenfraktion hat sich be- müht, das Möglichste zu erreichen. Sie war sich allerdings dabei be- wüßt, daß die außerordentlichen Notzeiten außerordentliche Ein- sparungen notwendig machen, sie kann aber für sich in Anspruch nehmen, durch ihre positive Mitwirkung an der städtischen Ver- waltungsarbeit in den besseren Vorjahren so viel erreicht zu haben, daß die Stadt Berlin tatsächlich auf vielen Gebieten heute noch vorbildlich für andere Städte Preußens, ja des Reiches ist. Die gestern abgehaltene Sitzung der Stadtverordneten hatte über 206 Anträge der Kommunisten, 21 der Deutschnationalen und 33 der Nationalsozialisten abzustimmen. Diese Fraktionen hatten die im Haushaltausschuß abgelehnten Anträge wieder im Plenum einge- bracht. Unter der zielbewußten Leitung de? Vorstehers Genossen Haß wurde die schwierige Abstimmungsarbeit in knapp zwei Stun- den bewältigt wobei sogar 18mal namentlich abgestimmt wurde. Wie wenig ernst es die Kommunisten mit ihren eigenen Anträgen nahmen, beweist die Feststellung, daß von den 56 k o m m u n i st'» s ch e n Stadtverordneten 25 fehlten. Das Haus war auch soust nicht gerade stark besetzt. Unter den kommunistischen Anträgen sielen besonders aus die Forderungen nach der Besteuerung der Vermögen und der Wegsteuerung der jährlichen Einkommen über 12 000 M. Die kommunistischen Stadtverordneten hatten sich dabei offenbox die Antrage ihrer Genossen aus dem Preußischen Landtag zum Vorbild genommen, was schon darin zum Ausdruck kam, daß sie ganz allgemein die Forderung nach der Erjajsung solcher Ver- mögenswerte und Einkommen stellten. Die sozialdemokratische Fraktion konnte den kommunistischen wie auch den deutschnationalen und den nationalsozialistischen Antragstellern mit Rücksicht auf ihre Absicht, positive Arbeit in der Verwaltung der Stadt zu leisten. nicht den Gefallen tun, sür diese Anträge zu stimmen. Mit großer Mehrheit wurde schließlich noch der Antrag der Sozialdemokraten angenommen, der den Oberbürgermeister ersucht, in geeigneter Weise, auch durch Vorstelligwerden bei ollen in Betracht kommenden Stellen dafür zu sorgen, daß die Mittel zur Auszahlung aller llntersliihungsbeträge in der im Haushalt für 1932 vorgesehenen höhe trotz der angekündigten kürzungsmahnah- men der jetzigen Reichsregierung bereitgestellt und ausgezahlt werden. Damit hat die Berliner Stadtverordnetenversammlung wieber ein gut Stück Verwaltungsarbeit geleistet. Sie konnte es um so mehr, als gerade die sozialdemokratische Fraktion in allen Situa- tionen darauf bedacht war, das Prinzip der Selbftverwltung nicht antosten zu lassen. Im September werden die Stadtverordneten die Sitzungen wieder aufnehmen. � Großes Kinderfest aus der Berliner Sommerschan. Für Sonn- ta g, de n 3. Ju l i, den ersten Feriensonntag, bringt die Sommer- schau„Sonne, Luft und Haus für alle!" ollen Daheimgebliebenen eine angenehme Ueberrafchung. Auf dem gefamien Ausstellungs- gelände gelangt an diesem Tage ein großes Kinderfest zur Durchführung, dessen Programmgestaltung auch den Erwachsenen viel bietet, z. B. ein großes japanisches Tagesfeuerwerk, übrigens das erste seit vielen Jahren wieder in Berlin. Weiterhin findet ein K i n d e r w e t t b e w e r b, der mit zahlreichen Preisen dotiert ist, statt. Die Sieger können freie Ferien- aufenthalte an der See und im Gebirge gewinnen. US. Ikr XvfctcJtasg Eigentlich sind das seine schönsten Stunden. Er kommt sich vor wie in einer Sänfte, mit unsichtbaren Fäden an die Sterne gehängt, lautlos von diesen fortgetragen, hoch über allen Wirbeln des Irdischen in der Unendlichkeit schwebend. Alles ist gewichtslos geworden, frei. Auf diesen Fahrten ver- sinkt die Erde unter ihm zu einem Nichts; Händel und Menschenwirren werden wesenlos. Sogar den eigenen brest- haften, oft so schmerzenden Leib spürt Albrecht von Büttels- dach in solchen Stunden nicht mehr. Uebrig bleibt von ihm nur das, was er seine Anschauung nennt, sein innerer Mensch, und der ruht aus und hält Zwiesprache mit dem Ewigen. Die Seele tastet sich zu ihrem Gegenpart; der Hall sucht auf den Widerhall. Eins will Zwei fein, Zwei Eins. Das ist das tiefste Geheimnis dieses nächtlichen Erlebens. Die jahrelange Einsamkeit hat den Dekan erkennen lassen, daß des Menschen Heiligstes nicht in Tempeln und Kirchen liejjt, sondern in ihm selbst. Und diese Erkenntnis hat ihn mild gemacht und abhold dem Streit. Doch heute hat er nicht den Frieden dieser gesegneten Stunden. Heute schwebt die Kammer seines Zimmers nicht als Sternensänfte hoch in der Bläue der Unendlichkeit, heute ist er mit ehernen Banden an die jammernde, heulende Erde gekettet. Die Qual des Aufruhrs in seinem Innern ist lauter als das mitternächtliche ohrenzerreißende Geheule der Hunde; noch immer dröhnt in ihm das Echo seines Gesprächs mit dem Kardinal von Ostia nach. Der Dekan vermag den Umschwung in der Haltung seines Gastes nicht zu fassen. Dieser Mann, der seit dem Be- ginn des Konziliums unter seinem Dache wohnt, den er in dieser Zeit als einen der lautersten Diener Ehristi verehren lernte, dieser Fürst der Kirche, an dem er bisher noch nie einen Makel erfunden, wirst auf einmal alles das ab, was ihn überragend machte und heraushob aus der Schar der Zweckmenschen. Ueberraschend zeigt sich, daß seine Toleranz, in hundert Gesprächen verkündet, nichts ist als ein trügender Mantel. Uiwerhüllt gibt der Vizekanzler de» heiligen römischen Stuhles zu, daß ihm die Kirche wichtiger ist als Gott. Armes Hus! Deine Gotteskindschaft wird dir als das schärfste Verbrechen angerechnet! Du wirst sterben, weil du Gott mehr fürchtest als eine Gesellschaft streitender, keifender, uneiniger Priester. Du wirst sterben, nicht, weil du sie be- schuldigt hast, sondern weil sie deine Beschuldigungen nicht widerlegen können. Gott vergißt, Hus; der größte Teil seiner Diener dagegen oergißt nie. besonders nicht Kränkung und Unbill. Sie sagen„Demut vor Gott" und meinen: Kriechen und Kleintum vor sich und ihresgleichen. Der Totenkopf hinter den Geranien lächelt bitter. Seine Stimmung paßt wundersam zum Geheul der Hunde rundum. Er muß an die Diener der Kirche hier im Bistum Konstanz denken: über 17 000 Stück zählt die Diözese, darunter an die 7000 Weltgeistliche. Ins einzelne gerechnet gibt das für jeden Ort zehn Mönche und Pfaffen. Wieviel darunter werden wirkliche Priester sein und nicht nur Mietlinge? Es ist schon so: Wenn der Klerus schreit, um die Rechte Gottes zu verteidigen, so meint er in Wahrheit seine eigenen Rechte. Gott hat nicht nötig, daß in seinem Auftrag geschrien wird und gezetert. Gott ist am wirksamsten in der Verbor- genheit des Herzens und in der Stille. Doch die Diener der Kirche sind schon lange darauf aus, sich einen Gott nach ihrer Artung zu bilden. So gewiß ist, daß Regentropfen, wenn sie sich einen Gott vorstellen könnten, Nässe als seine wesentlichste Eigenschaft angeben würden, so gewiß ist, daß viele Diener der Kirche sich einen Gott schaffen, der ihnen gleicht, einen Ueberpfaffen, der wütet und schnaubt, wenn ihnen und ihren Gerechtsamen irgendein Eintrag geschieht. Einen Gott des Zuhauens und der Rache schaffen sie sich, einen Gott der Strafe und der Vergeltung, einen Gott, der dicht unter der Rinde des Irdischen sitzt, einen harten Gott, einen mensch- lichen Gott. Armer Hu«, du wirst ein Opfer selbstgerechter Kleriker und ihrer selbstgerechten Einstellung! Solange du lediglich die Sünden und Schwächen der Laien geißeltest, so lange war an dir alles Gottes Feuer, Flamme der Reinigung, und somit verdienstlich und gut! Sobald du dir aber bestallen ließest, die Pfaffheit an ihre Verderbnis zu mahnen, sobald du verkündetest, daß leider ein Teil der Priesterschaft mehr den Kot dieser Welt liebe, denn Christum, sobald du diese Verderber mit den richtigen Namen nanntest: untaugliche Priester, Beischläfer. Habsüchtige, Ehebrecher. Geschäfts- mäßige, Verbrecher, Hus, von dieser Stund an warst du ein Zänker und Stänker, ja, mehr als das, zuletzt nannten ste dich ganz offen einen Ketzer und Anwalt und Abgesandten des Teufels. Armer Hus! Du wagtest es, die Worte Hugos von St. Viktor nachzusprechen, daß der Großteil unserer Priester geistig leer und verdorben wäre, dafür aber voll des Suffs und der Schlemmerei; daß sie nur für das Irdische Sinn und Geschmack hätten; daß man sie wohl ständig auf den Gassen, aber um so seltener in den Kirchen sehe; daß sie faul und träge seien, Fehl und Sünde des Menschen zu erkennen, eifrig dagegen in der Auffindung der Spur eines Hasen; daß sie mehr Hunde um sich hätten, als Arme; daß sie eben diesen Armen das Brot entzögen, um damit die Hunde zu füttern; daß sie eifriger bei Trinkgelagen dienten als beim Altar; daß sie zahlreichere Diener als Schüler hätten; daß ihr Bett prächtiger fei als ihre Kirche, ihr Tisch besser zubereitet als ihr Altar, ihr Trinkgeschirr kostbarer als ihr Kelch, ihr Pferd teurer als ihr Meßbuch, ihre Kappe schöner als ihr Meß- ornat, ihr Hemd feiner als die Albe, und, das ärgste, daß ihre Leintücher sauberer seien als ihre Korporale, worauf sie den Leib Christi legen! Armes Hus! Du hast vor allem Volk gepredigt, daß die großen Prälaten, wie Papst, Kardinäle und die Hofpriester, einzig und allein mit der öffentlichen Versteigerung von Kirchenpfründen beschäftigt seien; daß die Bischöfe und die Erzbischöfe dagegen vollauf mit ihren ausgedehnten Herr- fchaften zu tun hätten; daß die Domherren sich einen guten Tag machten und lebten wie die Vögel im Hanfsamen; daß die Meßstecher keine Predigten hielten, sondern bloß ihre Messe abfertigten und die übrige Zeit schliefen oder in den Wirtshäusern spielten oder sich sonstwie unterhielten; daß die reichen Mönche sich absperrten und sich mästeten; seien sie aber Bettelmönche, so strichen sie herum und suchten dem Volk soviel als möglich abzulügen. Armer Hus! Du hast des weiteren gesagt, unsere Päpste und Nachfolger Petri hätten sich zu Henkern und Scharf- xichtern durchgewunden. Einen treuen Christen würden sie einen Ketzer heißen und ihn verbrennen auf dem Scheiter- Haufen. Armer Hus! Du hast ihnen Gott vorgehalten, und das trifft sie vielleicht am tiessten, weil sie ihn nicht haben. Du hast die große Wahrheit ausgesprochen, daß kein Ding, auch nicht alle erschaffenen Dinge zusammen, jemals die menschliche Seele völlig befriedigen kann. Das vermag nur Gott allein. In ihm ruhen die Heiligen zuletzt aus! (Fortsetzung folgt.) Schluß mit de Wie sie provozieren unc Der braune Terror, der seil der Aushebung des SA.- Verbotes durch die Regierung von Pape»- Ireiherr von Gayl täglich wächst, wird durch zwei Berichte dokumentiert, die wir im Auszug wiedergeben. In Kaulsdors kam es vorgestern gegen 20 Uhr in der Adoisstraße zu einem Ueberfoll von Nationalsozialisten aus das in der Schule gelegene Jugendheim, in.dem die Kinder- s r e u n d e tagten. Mehrere der„Notverordnungsjacken" drangen gewaltsam in den Raum ein. Das von dritter Seite alarmierte Ueberfollkommando erschien, vor dem die Nationalsozialisten on- gaben, sie wären von zwei Arbeiterjugendmitglie- dern provoziert worden. Das Uebersallkommando nahm drei Personen sest. Wie wir jetzt erfahren, konnte die Polizei am vorigen Mittwoch durch Zufall einen N a z i u b e r j a l l aus eine SPD.- Versammlung in Mahlsdors rechtzeitig verhindern. Dort beobachtete ein Doppelposten der Schupo, wie jemand ohne Licht auf dem Biirgersteig suhr und in einem Nazilokal verschwand. Die Beamten solgten ihm, um seine Personalien festzustellen. Zu ihrer Ueberraschung sahen sie, wie er eine P i st o l e anderen zu- schieben wollte. Sie sagten rasch zu. Aus der Strage versuchte der festgenommene, eine weitere Pistole wegzuwerfen. Die sofort vor- genommene Durchsuchung förderte noch viele Schuh Pistolen- munition zutage. Wie die Ermittlungen ergaben, war vom Nazi- lokal aus ein Ueberfoll auf die am gleichen Tage stattfindende SPD.-Versammlung geplant. Der Festgenommene ist der 2Zjährige Willi Löchler aus Mahlsdorf. tn Nazlierror! Ueberfäüe vorbereiten. lieber ein anderes Erlebnis mit Notverordnungjocken schreibt uns ein Leser:„Ich fuhr am Mittwochabend kurz nach 12 Uhr vom Untergrundbahnhof Alexanderplatz in Richtung Danziger Strage. Dabei geriet ich mit meiner Frau in einen mit Nationalsozialisten besetzten Wageik. Als sie unsere Abzeichen sahen, wurden die Nazis sofort frech. Sie forderten von uns die Entfernung der Ab- zeichen, weil sie in der Mehrheit seien. Wir dursten nicht wagen. unsere Abzeichen zu zeigen, wenn die Nazis Versammlungen hätten, wir dursten nicht wagen, mit unseren Abzeichen Ziige zu besteigen. in denen sich Nazis befinden, wir hätten nicht zu provozieren. sondern muhten aus den nächsten Zug warten und ähnliche in der üblichen Flegelmanicr vorgebrachte Forderungen. Sie öjfneten unterwegs die Tür des Wagens und forderten: Abzeichen herunter! Wir haben natürlich dieser Forderung nicht entsprochen, und durch unser bestimmtes Auftreten beruhigten sich schlieglich auch die braunen Helden." Im Interesse der anständigen Bevölkerung muh mit allem Nach- druck gefordert werden, dag die U-Bahnzüge, vor allem in den Abendstunden und bei Bersammlungen der Nazis, scharf über- wacht werden. Rotsalls muh dem Bahnhofspersonol ausgegeben werden. Trupps von Razigesindel nicht gemeinsam jähren zu lassen. Zur Entlastung der Zugbeamten müssen schlieglich besonders geeig- nete Ileberwachungsbeamte, etwa entsprechend der Bahnpolizei, ein- gesetzt werden. Auf keinen Fall aber dürfen ähnliche Vorkommnisse in Zukunft geduldet werden Die Verantwortlichen sollten auch daran denken, dag Berlin einen Ruf als Fremden st adt zu verlieren hat. Selbstmord Bruno Kästners. Am Fensterkreuz seines Hotelzimmers erhängt aufgefunden. Wie das Berliner Polizeipräsidium mitteilt, hat der Berliner Schauspieler Bruno K a st n e r in Bad Kreuznach seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. Man nimmt an, dag wirt- fchaftliche Sorgen ihn in den Tod getrieben haben. Bruno Kastner gehörte noch vor wenigen Iahren zu den be- liebtesten und bestbezahlten Filmdorstellern Deutschlands. Gestern kriih ober fand man ihn in seinem Hotelzimmer erhängt auf. Auf dem Tisch lag ein?l b s ch i e d s b r i e f, der an seine Frau, die Kabarettistin Liesel Thiersch, gerichtet war und von der Polizei in Verwahrung genommen wurde. Bruno Kästners Leiche wurde beschlagnahmt und in das Schauhous in Kreuznach gebracht. Die Tragödie des erst 42jährigen Mannes ist die Tragödie so mancher Filmgröhe von ehemals, die sich noch dem Auskommen des Tonfilms nicht behaupten konnte und einen jähen Sturz von der höchsten Höhe des künstlerischen Ruhms erleben muhte. Bruno Kastner empfand diesen Sturz um so schmerzlicher, als er beim Film eine erstaunlich rasche Karriere gemacht hatte. Er begann, wie so mancher Filmstar, als Bühnendorsteller. Ein Jahr lang trat er in Harburg an der Elbe auf, dann engagierten ihn Meinhardt und Bernauer noch Berlin, wo er ein ganzes Jahrzehnt auftrat— b>» Asta Nielsen den charmanten jungen Künstler entdeckte und ihm den Eingang in den Film verschaffte. Bruno Kastner entwickelte sich bald zu einem der strahlendsten Sterne des deutschen Film- Himmel». In zahllosen großen Filmen spielte er tragende Rollen: sein Lächeln Var ebenso berühmt, wie es später das Lächeln Harry Liedtkes und Willy Fritschs geworden war. Mit dem Einbruch der Tonfilmaro mutzte auch Bruno Kostner den schmerzlichen Abschied von der flimmernden Leinwand nehmen. Das Publikum hotte feinen«instigen Liebling bald vergehen. Mientat auf dem Friedhof. Schüsse auf den Ziektor der Wiener Universität. Wien, 30. Juni. Während der Enthüllung einer Gedenktafel für Professor Tr. Wettstein auf dem Wiener Zentralfricdhof wurde auf den neugewählten Rettor der Wiener Univer- sität, Professor Dr. Lthenio Abel, ein Attentat verübt. bei dem der Rektor jedoch unverletzt blieb. Professor Dr. Abel hielt gerade die Gedenkrede, als aus dem Zu- hörerkreis der außerordentliche Professor der Zoologie, Dr. Karl Camilla Schneider, vorsprang und einen Schutz auf den Rektor abgab. Er wollte noch einen zweiten Schutz abfeuern, als der Bürgermeister von Wien, Abgeordneter S e i tz, ihm die Hand niederschlug. Tr. Schneider wurde sofort verhaftet. Bei seiner Ver- nehmung erklärte er, über seine Gründe sich erst vor dem Gericht ausspocchen zu wollen. Professor Schneider hatte in der letzten Zeit Pamphlete gegen eine angeblich on der Universität herrschende Clique verfatzt und fühlte sich anscheinend unterdrückt. (Bereits im größten Teil der Abendausgab« gemeldet.) Brandleger in Schulen. Großfeuer im paulfen-liealgymnasium./ Tloch keine Spur. Seit etwa zehn Tagen dringt ein Brand st ifter in die Räume Berliner Schulen ein und legt dort Feuer an. Erst gestern war der Bursche wieder in zwei Fällen erfolgreich tätig. Während bisher größerer Schaden durch die rechtzeitige Entdeckung der Brandherde ver- hütet werden konnte, hat der gewissenlose Bursche gestern nachmittag in dem Paulsen-Realghmnasium in der Arndtstratze Ost in Steglitz zum ersten größeren Schlage ausgeholt. Ter modern eingerichtete Zeichensaal der Schule brannte mit seinem ganzen Inhalt völlig aus. Ter Schaden ist erheblich. Der Brand wurde kurz nach 18 Uhr vom Schulhausmeister be- merkt. Aus den Fenstern des Zeichensaales im Obergeschoß drangen plötzlich dichte Oualmwolken hervor. Als die Feuerwehr unter Leitung des Oberbaurotes Berg anrückte, brannte der Zeichen- saal in seiner ganzen Ausdehnung bereits lichterloh. Vier Lösch- Züge griffen mit drei Schlauchleitungen in die Bekämpfung des Brandes ein. Ueber eine mechanische Leiter und das Treppenhaus drangen die sämtlich mit Rauchschutzhelmcn ausge- rüsteten Feuerwehrbeamten nach oben vor. Durch starkes Wasser- geben wurde das Feuer nach einstündiger Löschtötigkeit erstickt. Bei den Aufräumungsarbeiten wurden vier Brandherde ent- deckt. Zwei Schränke waren in Brand gesteckt worden und außer- dem hotte der gefährliche Brandstifter an den beiden Längsseiten � des Zeichensaales zwei große Scheiterhaufen aus Papier, Lumpen und Holz aufgeschichtet und angezündet. Wie der Direktor des Gymnasiums erklärt, ist die Schule gestern um 11 Uhr geschlossen worden und seit dieser Zeit hat niemand mehr das Gebäude betreten. Sämtliche Türen waren verschlossen. Der Täter muß ein geschickter Einbrecher sein, der sich heimlich einge- schlichen und die Türen offenbar mit Nachschlüsseln mühelos ge- öffnet hat. Eine knappe Stund« zuvor war die Friedenauer Feuerwehr in der 1 8. G e m e i n d e s ch u l e in der Albestroße 31— 33 tätig, wo anscheinend derselbe Brandstifter Feuer gelegt hatte. In diesem Falle konnte der Brand im Keime erstickt werden An die Tasel eine? Klossenzimmer? hotte der Täter geschrieben:„Rot Front— alles muß oerbrennen." Vielleicht will der Bursche die Polizei da- durch aus eine falsche Fahrte locken. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittelungen ausgenommen. Mariendorfer Bluttat vor der Aufklärung. Wenige Tage vor Pfingsten drangen drei bewaffnete Van- diten in dos Restaurant von Tiepelmann in der Großbeerenstraße 6-t in M a r i e n d o r f ein und raubten mehrere hundert Mark. Aus iiserne Front gegen Hitler-Barone! Untere nächsten Partei- und Beiriebtveranttallungen; 14. und 15. Abt. Freitag, 1. Juli, 19>i Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42, öffentliche Kundgebung. „Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent Robert Bredow, MdL. Alü-Arbeiter beim Bezirksamt Prenzlauer Berg. Sonnabend, 2. Juli, 19 Uhr, im Altersheim Danziger Str. 62, Fraktionsversammlung.„Kampf der Arbeiterschaft um ihre Lebens- rechte". Referent Gottlieb Reese. Krankenkatsenangestellle. Freitag, 1. Juli, 16H Uhr, im großen Saal des Gowerkschaflshauses, Engelufer 25,„Eiserne-Front- Versammlung"„Vernichtung oder Aufbau der Sozialversicherung." Referent Hugo Brenke vom Haupfvorstand des ZdA. 85. Abt. Sonntag, Z Juli, 15M Uhr, im„Birkenwäldchen" Tempelhof, Manteuffelstr., öffentliche Kundgebung. Konzert. Referat des Genossen Fritz Schröder„Sozialistisches oder faschistisches Deutschland". 18. Kreis. Sonntag, i. Juli, 15 Uhr, findet im Schloßpark Weißensee ein großes Volksfest unter Mitwirkung der Sportorganisation statt. Ansprache des Genossen Franz Künstler, M d. R. Eintritt 30 Pf., Kinder frei. Hierzu ladet der Kreisvorstand auch die Parteimitglieder der anderen Kreise herzlich ein. „Berek". Belegschaftsversammlung für alle beschaffigten Arbeiter und Angestellten am Sonntag, 3. Juli, vormittags pünktlich 10 Uhr, im Dresdner Garten, Dresdener Str. 45: „Politische Situation und die Aufgaben der Arbeiterklasse". Referent: Franz Künstler, M d. R 59. Abt. Dienstag, S.Juli, 19Vi Uhr, Wählerversammlung in Tiefwerder, Lokal Schulz, Dorfstr. 5:„Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Max Brinitzer. SPD.-Werbeausschuß der Post- und Telegraphenbeamten. Dienstag, S.Juli, 20K Uhr, Versammlung im Lokal Heiles, Prenzlauer Allee 239:„Marxismus oder Sozialismus?" Referent; Gottlieb Reese. ! Bezirksamt Wedding. Mittwoch, 6. Juli, 16 Uhr:„Eiserne-Front- Kundgebung" in der Versuchs- und Lehrbrauerei, Amrumer Ecke Seestraße.„Es muß anders werdenl" Referent; Genosse Oltersdorf. S.Kreis-Spandau. Mittwoch, 6. Juli, 18 Uhr, öffentliche Rentnerversammlung bei Koch, Feldstr. 2;„Was hat der Rentner von der Papen- Regierung zu erwarten?" Referent: A. Karsten, M. d. R. AEG. BrunnenstraOe. Donnerstag, 7. Juli, 15H Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42; freigewerkschaftliche Betriebsversammlung mit Sympathisierenden. „Gewerkschaften und Reichstagswahl". Referent: Fritz Köcher. der Flucht schössen die Täter einen Gast nieder und verletzten ihn tödlich. Roch wochenlangen Bemühungen hat die Polizei jetzt drei Burschen festgenommen, die ollem 2lnschein nach die Tat ausge- fuhrt haben. Es handelt sich um einen 22 Jahre alten Herbert H., einen 24jährigen Rudi W. und einen 26 Jahre alten Kurt K. Die beiden ersten sind bereits oorbestrost und hielten sich verborgen, um sich ihrer Gefängnisstrafe zu entziehen. In den letzten Togen konnte das Kleeblatt an verschiedenen Stellen der Stadt dingfest gemocht werden. Llnbarmherzige Paragraphen. TZ Monate Zuchthaus für 200 Mark. Der Paragraph kehrt sich nicht an die Not der Zeit, er kennt keine mildernden Umstände... Gleich vielen seiner Berufskollegen sollte das der Poftaushelser N. trotz der warnenden Beispiele an sich selbst ersahren. Wegen Unterschlagung von 200 M. mutzte er auf dreizehn Monate ins Zuchthaus. N. wurde während des Krieges vierzehnjähriger P o st- a u s h e l f e r. Sechzehn Jahre long versah er tadellos seinen Dienst. Er heiratete, wurde Vater zweier Kinder, das Geholt, das früher reichte, wurde knapp: aber auch nie rührte sich in ihm der Ge- danke, sich an die anvertrauten Postsachen zu vergreifen. Dann kam aber die erste Notverordnung. Um die Not zu lindern, versuchte sich N. im Wetten. Seine Einsätze waren niedrig— und doch zu hoch für ihn. Er verlor, die Not wurde noch größer. Eine? Tages entfernte er von einem Briefbündel die Siegel, entnahm einem Einschreibebrief 100 M., setzte die Siegel wieder auf und verbrauchte das Geld für seine Familie. Seine Tat reute ihn, er schleppte das Geheimnis wie eine schwere Last mit sich, war glücklich, daß sie un- entdeckt geblieben. Nie wieder wollte er ähnliches tun. Aber eine Notverordnung folgte auf die andere. Nach Abzug der Miete blieben ihm weniger als 80 M. Es war kaum möglich, noch damit auszukommen. Und wieder wettete er und wieder verlor er und wieder vergriff er sich an Geldbriefen, ein-, zwei-, drei-, bis sechsmal, immer in steter Angst, gefaßt zu werden. Und eines Tages wurde er ertappt. Im ganzen hatte er wieder 100 M. erbeutet. Die Reue vor Gericht kam wie immer zu s p ä t. Die Mindest- strafe für jeden Fall der Unterschlagung mußte ein Jahr Zuchthaus betrogen. So erhielt er für den vorherigen Fall ein Jahr und für die sechs späteren Fälle, als fortgesetzte Handlung, ein zweites Jahr Zuchthaus. Beide Strafen wurden zu einer Gesamtstrafe von drei- zehn Monaten zusammengezogen. N. nahm das Urteil sofort an. Das Gericht stellte ihm für einen Teil der Strafe Bewährungsfrist in Aussicht. Gchtipo vom Minister ausgezeichnet. Der preußische Minister des Innern, Earl Severing, hat dieser Tage durch Erlaß den jungen Polizeiwachtmeister Renner von der Berittenen Schupo-Jnspektion in Anerkennung der von ihm in den?lusscheidungskämpsen für den olympischen Fünfkamps gezeigten außerordentlichen Leistungen zum P o l i z e i- O b e r< Wachtmeister befördert. Der Polizeipräsident hat dem tüchtigen Beamten seine besondere Anerkennung zu der Besörde- rung ausgesprochen. » Die Oberwachtmeister B a l k e, Erich Schulz und T i e tz e vom 42. Revier sowie die Wachtmeister Ernst P o h l m a n n, August Elbing, Lichtenfcld, Arno Z i e r a u, der Ober- Wachtmeister Karl Zabel und Hauptwachtmeister Sell meyer, sämtlich von der Kraftwagenstreife der 3. Schupo-Jnspektion Nord, sind vom Polizeipräsidenten Grzejinski sür mutiges und um- sichtiges Verhalten im Dienst besonders belobigt worden. i.öi8ts was! Wer mehr bietet als andere hat Erfolg. Das ist die Erklärung für den großen Erfolg der neuen„Gold Soba" nach dem alten Original- Rezept. Licht und Lust dem Großstadtmenschen. Das neue Sonnenbad im Waldpark Wuhlheide. Von dichten Waldpslanzungen umgeben, vor Staub und Wind geschützt, liegt im Volks- und Waldpark Wuhlheide nahe der Karlshorster Chaussee das neue L i ch t- L u f t- B a d. Im Laufe der letzten Jahre zusammen mit dem Ausbau von Promenaden- wegen und neuen Waldpflanzungen angelegt, sind jetzt die um- gebenden dichten Tannen- und Birkengehölze sowie der grüne Rasen einer stillen Waldwiese herangewachsen. So ist es möglich geworden, die Gesamtanlage mit einem Plansch- und Badebecken und einem schönen Sandstrande jetzt der Bevölkerung gegen eine geringe Benutzungsgebühr zu übergeben. Terrassenanlagen mit Tischen und Stühlen unter schattigen Bäumen laden zum Verweilen ein und bieten einen schönen lieber- blick aus das bunte Treiber», das sich bald hier entwickeln wird. Die windgeschützte Lage, bedingt durch einen hohen Umgangsweg. kleine Seitenterrassen und dichte Waldpflanzungen ist ein beson- derer Vorzug dieser Anlage. Hier soll der Körper des Großstadt- menschen gesunden in Licht. Luft und Sonne. Mit dem Beginn der Ferienzeit wird groß und klein, alt und jung eine Erholungsstätte finden, die hinweghelfen soll über die Sorgen dieser Zeit. Möge die Bevölkerung selbst alles daransetzen, ihr Eigentum zu schützen und zu erhalten. Auch diese Anlagen sind wie der gesamte Wald- park Wuhlheide mit Hilfe der Wohlfahrtserwerbslosen geschaffen. Der Entwurf der Anlagen wie" die Ausführung lag in den Händen des Gartenamts Treptow. Oer tödliche Schlag gegen die Mietsenkung. Die Regierung für SA.-Aufbau. Papen-Gayl, verzichtete auf die Arbeitsbeschaffung vermittels Prämienanleihe und verfetzte da- mit dem Wohnungsneubau und der damit Hand in Hand gehenden Mietsenkung einen tödlichen Schlag. Nr. 4/1932 der Jmormations- blätter über die Tätigkeit der deutschen Sozialdemokratie in Woh- nungs- und Mieterfragen ,.W ohnungsbau und Miete" weist nach, daß Mietsenkung insbesondere für Neubauwohnungen ebenso wie Wohnungsneubau notwendig und möglich ist. Indirekt, aber desto überzeugender, tritt der reaktionäre und misterfeindliche Charakter der Baronsregierung gegenüber der mieterfreundlichsn Haltung der Sozialdemokratie in den Vordergrund. Im Interesse der Aufklärung der Mieter wäre es dringend erwünscht, wenn „Wohnungsbau und Miete"(Werbe-Abteilung der SPD.. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3) mehr denn je verbreitet wird. /. Uhr Geld ohne Arheil Komödie von Alberto Colantuoni Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: Günther Stark fliymenspenffön jeder Art liefert preiswert Paul£olletz vormals Robert Mejroi Marlannenstr. 3 Fg. Oberbauin 1303 I ercins-Tliea!» Täglich 8>/. Uhr Madonna wo bis! Du? Erika v. Thellmann, Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn Rose- 1 üeater Oral! frankfurtir Uralt I Z? l-l. AüAul 5 1 3421 8.30 Uhr Die eiserne fnndlran Gartenbtthne 5.30 Uhr Konzert u.Varlete Drei arme kleine Mädels fefimj üerjH Tktemtg�eia ri-Ävns IS.— 19. JiSli, Dom« 2U8.1®a. j■ »! -" 42 000 Flasch. I erstkiass. deutsch. f Weißweine Prima Nordhäuser Branntwein,. I Erstklassiger Aquavit...... Feinster Weinbrand, Verschnitt*»* Prima Getreidekorn, ca. 40%.. „ Weinbrand„Masue"... Feinster Jamaika-Rum, Verschnitt Prima Edelliköre 30%..... Erstklassige Edelliköre, bis 38%. Sämtliche Preise verstehen 2.8Ö 3.20 3.80 3. TO % Fl. % Fl. Vi Fl. Vi FI. sich Glas BERLIN •N, Brunnenstraße 42 •N, Müllerstraße 144 *Nt Chausseestraße 76 O. Koppenstraße 87 •N. Prenzlauer Allee 50 *N. Schivelbeiner Str. 6 *0, Petersburger Str. 42 *SO, Grünauer Str. 15 •SO, Köpen ickerSt.1 34-35 *W, Martln-Luther-Str.86 •Steglitz: Schloßstr. 121 •Lankwitz: Charlotten- straße 34 •S, Bergmannstraße 11 «!.v�v'• ÄA> AÄ'.':V:'..• Ucv* /.'.*/»•* Eduard Süßkind Tripctinp" l-iter Vi Fi. Erttkl. deutscher Wermut))IIICjIIIIC nur 0.85 0.70 Erstkl. Dessertwein„Exquisit", gold, ca. 22%•• 1 LS 1.35 Erstkl. Dessertwein„Edelklasse", rot, ca. 22%, 1.65 1.35 Erstkl. Dessertwein„Rubin", süß, ca. 22%.... 1.85 1.45 Echter Douro Portwein„Special", süß, ca. 18%. 1.85 1.50 Beachten Sie, bitte, meine Plakate in den Fenstern. Prima deutsche Weißweine... Liter 0.60% FI. 0.50 Prima spanischer Rotwein...... 1.00% FI. 0.80 Echte rote und weiße Bordeauxweine... Vi FL I.BOan Original Tarragona„Spezial", süß. Liter 1.20% Fl. 0.95 Feurig süßer Südwein„Dunkelgold"„ 1,20% FI. 0.95 Original Malaga„Spezial"....„ 1.35% FI. 1.1 O Original Dessertwein„Ita"....„ 1.40% FI. 1.15 Origieal Ital, Vino Vermouth..„ 1.15% Fl, 0.95 Erstklassiger Pepsinwein, die%-Uter-Flasche 1.25 Obstdessertweine, nur erste Qualitäten, von 0.70 p. Ltr. an Feinster Zitronensaft-Orangeade, der ganze Liter...1.30 Feinster Himbeer- u. Kirschsaft,„„..... 1.45 ipez.-Än'nsli'oLT VICTORIA zu BERLIN ALLGEMEINE VERSICHEEUNGS-ACTIEN- GESELLSCHAFT Bilanz für das Qesdiäftijahr 1931. Aktiva Forderungen an die Aktionäre tür noch nicht eingezahltes Aktienkapital. Grundbesitz.......... Hypotheken............... Schuldscheinforderungen gegen öffentliche Körperschaften................. Wertpapiere............... Darlehen an Versicherte.. Beteiligungen an anderen Versicherungsunternehmungen................. Guthaben bei Banken u a. Außenstände bei Agenten. Teilprämien, fällig 1932... Rückständige Zinsen und Mieten................... Bare Kasse u. Postscheckguthaben................ Aufwertungsfonds......... Sonstiges..............— RM. 21 846.097 130.941.482 1 750.000 32.?25.836 28.845.955 4.831.960 18.394 892 12.494 384 19 601.138 4.510615 207.964 166.911.749 6.409 557 Passiva Grundkapital...... Gesetzlicher Reservefonds Prämienreserven u. Ueber- träge............. Schadenreserven... Gewinnreserven.... Verwaltungskostenrücklage.......... Sonstige Reserven. Guthaben von Banken u. a. Aufwertungsreserve....... Sonstiges. Ueberschuß RM. 3 000.000 1.2UOOOO 191.663.595 4.063 814 29 693.377 448 971.629 448.971 629 Aus dem Ueberschuß wurden den mit Gewinnanteil Versicherten der Lebensversicherungs- Abteilungen RM. 10 348.920 zugewiesen; es beträgt die Dividende in der Abteilung der größeren Lebensversicherungen für die Versicherungen nach dem alten und dem Bm Gewinnplan 3% nach dem Gewinnplan Bo/n.............. 2,4% von der bedingungsgemäßen Summe der gezahlten gewinnberechtigten Prämien und in der Lebensversicherung ohne Untersuchung(O U) 11% der Jahresprämie. | Dername[ Linoleum Lzillat. Kolonie. strafie g. 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Die Berliner Wasserversorgung liegt zu f a st 9 0 P r o z. rein in st ä d t i s ch e r chanb. Im Jahre 1931 wurden 3,42 Millionen Einwohner der Reichshauptstadt von den Berliner Städtischen Wasser- werken A.-G. versorgt, die im Auftrage der Stadt Berlin auf Grund eines Pachtvertrages die gesamten städtischen Wasseranlagen be- wirtschaftet und auch die Gebühren für die Stadtentwässerung ein- zuziehen hat. Der Wassergewinnung dienen 12 große Werke, von denen aus nicht weniger als 3739 Kilometer Rohrleitungen der Wasserversorgung dienen, so daß auf jeden der versorgten Berliner 1 Meter Rohrleitung entfällt, Vemerkenswerterweise ist die Zahl der Versorgten und zwar durch einen Rückgang der Berliner Bevölkerung gegenüber dem Zahre 1930 um 47 716 zurückgegangen. Die Zahl der Grund- slücksanschlüsse, d. h. der Wasserobnehmer, halte sich dagegen Ende 1931 gegenüber dem Vorjahr um 1819 aus 92 847 erhöht. Das der Städtischen Wasserwerke A,-G, zur Bewirtschaftung über- tragene Vermögen hatte Ende 1931 einen Buchwert von 116,3 Millionen Mark, wovon auf das Rohrnetz allein 50'A Millionen Mark entfielen. Die Berliner Städtische Wasserwerke A,-G. hat für das Jahr 1931 jetzt ihren Gefchäftsber'icht vorgelegt, Die Reinwasserförderung betrug 176,2 Millionen Kubikmeter, was gegenüber 1936 einen Rückgang um 5,3 Proz, entspricht. Der Wasserverkauf durch Wassermesser ist gegenüber dem Vorjahr von 167,5 auf 161,3 Millionen Kubikmeter gesunken, was in erster Linie auf den Minderverbrauch in den industriellen und gewerblichen Betrieben zurückzuführen ist, aber auch darauf, daß der letzte Sommer„ungünstig", d. h, in diesem Falle weniger heiß war. Die höchste Tageslei st ung wurde bemerkenswerter- weise nicht im Hochsommer, sondern am 29, Mai 1931 mit rund 755 666 Kubikmeter erreicht gegenüber einer'Höchstleistung von 819 666 Kubikmeter im Jahre 1936. Im Jahresmittel betrug die Höchstbeanspruchung rund 416 666 Kubikmeter gegen 492 666 Kubikmeter im Vorjahr. Auf den Kops der Bevölkerung betrug der Wasserverbrauch im Jahresdurchschnitt 13ö Liter gegen 142 im Vorjahr. Er betrug am Tag der h ö ch st e n Förderung 226 Liter gegenüber 236 im Vorjahr uns am Tage der niedrigsten Förderung 87 Liter gegenüber 81 Liter im Vorjahr. Die Differenzen sind also außer- ordentlich groß und man sieht, daß auch die Wasserversorgung der Städte sehr ernste Spitzenprobleme zu lösen hat, Die Preispolitik wunde im Jahre 1931 durch die Finanznot der Stadt Berlin ungünstig beeinflußt. Zu- gunsten der Stadt mußte auf den Lieserungstarif für Private von 26 Pf. ein Zuschlag von 5 Pf. erhoben werden und aus den Liefe- runospreis für öffentliche Zwecke von 18 Pf. ein Zuschlag von 4 Pf. Dennoch blieb die städtische Wasserversorgung erheblich billiger als die der privaten Charlottenburger Wasser- werke A,-G,, da nicht nur der Tarif niedriger ist, sondern vor allem auch keinerlei Gebühren oder Aufschläge irgendwelcher Art erhoben werden. Die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt trotz des Rückganges in der Wasserversorgung, und zwar, infolge der zu- gunsten der Stadt erhobenen Ausschläge, eine Steigerung der Ein- nahmen. Die Einnahmen aus dem Wasserverkauf sind von 32,4 auf 34,6 Millionen Mark gestiegen. Die Gesamteinnahmen haben sich von 32,8 aus 34,8 Millionen Mark erhöht. Die B e t r i e b s k o st e n sind auf der anderen Seite von 11,1 auf 16,7 Millionen Mark zurückgegangen, die Abgaben an die Stadt haben sich aber von 13,4 auf 15,5 Millionen Mark erhöht. Auch Zinszahlungen und Tilgungsbeträge sind von 2,66 auf 2,76 Millionen, Steuern und Abgaben sogar von 6,69 auf 1,86 Millionen Mark gestiegen, wovon allein aus mehr gezahlte Gewerbesteuern 887 666 Mark entfallen, Di« Abschreibungssätze wurden verringert, die Abschreibungssumme von 4,61 auf 2:71 Millionen Mark gesenkt. Die Zahl des beschäftigten Personals erfuhr eine Ver- ringerung, Ende Dezember 1931 waren 636 kaufmännische und technische Angestellte tätig gegen 656 im Vorjahr. Davon wurden außertariflich nur 15 Personen bezahlt. Di« Zahl der beschäftigten Arbeiter ist insgesamt von 1263 aus 1157 zurückgegangen. Die Summe der gezahlten Gehälter sank von 3,87 auf 3,53 Millionen, die Summe der gezahlt«n Löhne von 4,33 auf 3,93 Millionen Mark. Ab 26, Januar 1931 wurde an Stelle der 48stündi'gen die 44 ständige Arbeitswoche ein- geführt. Die durch die Lohnsenkungen erzielten Ersparnisse im Betrage von rund 362 666 Mark wurden an die Stadt Berlin abgeführt. Die drei Mitglieder des V o r st a n d e s haben nn Jahre 1931 an Gehalt und Tantieme insgesamt 122 614 Mark erhallen. Im neuen Jahre 1932 z«igte sich deutlich ein weiteres Sinken des Wasserverbrauchs. Bemerkenswerterweife hat sich auch der Zahlungseingang verschlechtert, und der Ausfall durch nicht eintreibbare Rechnungen ist größer geworden. Auio-Llnion Chemnitz. Gründung vollzogen.- 4500 Arbeiter und Angestellte. Die Generalversammlungen der A u d i w e r k e A,-G„ Zwickau, der Horchwerke A,-G,, Zwickau, und der Zschopauer Motorenwerke I. S. Rasmussen A,-G., Zschopau(DKW,), haben die Fusionsoerträge genehmigt, so daß die Gründung der Auto-Union A,-G., Chemnitz, vollzogen. Die aufnehmende Gesellschaft war DKW,, die zum Umtausch der Aktien ihr Kapital auf 14,5 Millionen Mark erhöhte. Von den Wanderer- Werken wird die Automobilabteilung gepachtet, so daß dieser Autotrust in der Lage ist, alle Kraftfahrzeuge vom Motorrad über den Klein- und Mittelwagen bis zum Luxuswagen herzustellen, Die Führung hatte bei dieser ersten, längst notwendigen Zu- sammenfassung der deutschen Automobilfabrikation die ö f f e n t- l i ch e Hand— die Dresdner Bank, die Sächsische Staatsbank und die Kommunen, die früher schon mit Subventionen eingegriffen hatten. Unter den zehn Aufsichtsratsmitgliedern sind zwei Vertreter der beiden Staatsbanken(sie führen den Vorsitz)>>iid zwei Ober- bürgermeister, In der Eröffnungsbilanz erscheinen alle Anlagen und Einrichtungen mit rund 26 Millionen Mark, Forderungen mit 4,6 Millionen und Bankguthaben mit 3,8 Millionen Mark, Die vorsichtig bewerteten Vorräte(12,6 Millionen Mark) enthalten 4,3 Millionen Mar? Fertigfabrikate, 4,6 Millionen Halbfabrikate, 1,2 Millionen Rohmaterialien und 3,1 Millionen Mark Ersatzteile, Diese Werte haben sich nach reichlichen Abschreibungen ergeben, Auf der Passivseite stehen neben 14,5 Millionen Mark Aktienkapital 1,2 Millionen Mark Reserven, 11,5 Millionen Obligationen und 16,3 Millionen Mark Schulden und Akzepte, Betrieb und Verkaus der fusionierten Unternehmungen ist mit Wirkung ab 1. November 1931 auf die Auto-Union überge- gangen: die Autoabteilung von Wanderer.ist am 1. Januar über- nommen worden. Bis 36. April 1932 war seit diesen Anfangsdaten ein Umsatz von 26 Millionen Mark zu verzeichnen. Im ganzen Jahre 1931 erzielten die Betriebe der Auto-Union einen Umsatz von 66 Millionen Mark. Beschäftigt werden zur Zeit etwa 4566 Arbeiter und Angestellte. Sanierung bei Wanderer. Die Wanderer-Werke A,-G,, Schönau bei Chem- nitz, weist für die Zeit bis zum 31. Dezember 1931 einen V e r l u st von 6,9 Millionen Mark aus. Da die Verwaltung erhebliche Ab- schreibungen auf Anlagen und Forderungen für nötig hält, um du: l Unternehmen wieder rentabel zu gestalten, soll das Kapital im Ver- hältnis 2 zu 1 von 15,6 auf 7,8 Millionen Mark zusammen- gelegt werden, Buchgewinne aus der Zusammenlegung und offene Reserven ermöglichen Sonderabschreibungen in Höhe von 8,7 Millionen Mark. Diese Kapitalzusammenlegung sei auch deshalb nötig, weil die Verpachtung der Automobilabteilung an die Auto-Union eine Halbierung des Umsatzes für Wanderer bedeute. Die Pro- d u k t i o n der Wanderer-Werke wird sich in Zukunft auf die Her- stellung von Fahrrädern, Büromaschinen und Werkzeugmaschinen beschränken. Lebenshaltungsindex �2-1,4 Prozent. Das Statistische Reichsamt teilt mit: „Die Reichsindexziffer für die Lebenshaltungs- kosten(Ernährung. Wohnung. Heizung, Beleuchtung, Bekleidung und sonstiger Bedarf) beläust sich für den Durchschnitt des Monats Juni 1932 aus 121,4 gegenüber 121,1 im Vormonat. Sie ist somit um 6,2 Proz, gestiegen. Es hat sich erhöht tri« Indexziffer für Ernährung um 6,6 Proz, aus 113,4, zurückgegangen sind die Index- Ziffern für Bekleidung um 6,5 Proz. aus 117,2, sonstiger Bedarf um 6,4 Proz. auf 165,69. Unverändert geblieben sind die Index- Ziffern für Wohnung mit 121,4 und für Heizung und Beleuchtung mit 133,8. Innerhalb der Bedarssgruppe Ernährung haben die Preise für Gemüse, Eier und Kartoffeln angezogen. Zurückgegangen sind hauptsächlich die Preise für Butter und Milch," Der Konjunkturrückgang hält an Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung. Das Institut für Konjunkturforschung weist daraus hin, daß, je mehr sich die Saisonbelebung der Wirtschaft ihrem Ende nähert, „der Konjunkturrückgang der Beschäftigung so gut wie unvermittelt anhält". Die ganze Bewegung beruht vorzugsweise aus der unheimlichen Kürzung des M a s s e n e i n t o m- mens und den Autarlisbestrebungen in aller Welt. In den P r o d u k t i o n s g ü t e r i n d u st r i e n hat sich, ähn- lich wie im Jahr vorher, der konjunkturelle Rückgang verlangsamt. Das gilt aber nur für einige Zweige. So ist die Beschäftigung in der Eroßeisenindustri«, in den Eisengießereien, im Maschinen-, Dampfkessel- und Waggonbau leicht gestiegen. Auch in der Elektro- Industrie ist die Beschäftigung z. B. im Mai nicht mehr so scharf gesunken wie in den vorangegangenen Monaten. Ganz katastrophal sieht es in der Vauwirt- s ch a s t aus. Schon im Mai ist die Saisonbelebung so gut wie ganz zum Abschluß gekommen. Die saisonmäßige Zunahme der Beschäftigung war in diesem Jahr nur halb so groß wie im Jahr vorher. Die Betriebe der Bauwirtschast sind augenblicklich nur zu 13,4 Proz. ihrer Leistungsfähigkeit beschäftigt. Auch im Fahr- z e u g b a u blieb die Belebung in allen Zweigen schwächer als im Frühjahr 1931, Stärker setzt sich der Konjunkturrückgang in den Verbrauchs- güterindustrien durch.„Die fortschreitende Einkommens- Minderung und die wachsenden Exportschwierigkeiten haben", so unterstreicht das Institut,„in den letzten Monaten immer mehr gezwungen, die Beschäftigung stark zu drosseln," Während sich im Frühjahr 1931 eine beträchtliche Belebung durchsetzen konnte, sinkt seit Ende vorigen Jahres die Beschäftigung ununterbrochen. Das trifft vor allem auf die T« x t i l i n d u st r i e zu. In den Rahrungs- mittel- und Genußmittelindustrien hat sich allerdings der seit Ende vorigen Jahres zu beobachtende scharfe Rückgang im Mai nicht fort- gesetzt._ Was foll das? Ein privater Llnterfuchungsausschuss für Sie Flick- Affäre? Wie der„Deutsche Handelsdienst" meldet, will die Reichsregierung einen kleinen Ausschuß von„unabhängigen Persönlich- keiten" ernennen, der die Vorgeschichte des Uebcrgangs des Flick- schen Gelsenkirchen-Pakets auf das Reich„einwandfrei" klären soll. Wir sind über diese Meldung aufs höchste erstaunt. Die Reichsregierung ist über die Flick-Ang«leg«nheit dem U e b e r- wachungsausschuß des Reichstags Auflärung schuldig, der schon längst hätte einberufen werden müssen. Was hier ein Ausschuh unabhängiger Persönlichkeiten soll, ist uns absolut schleierhaft. Für das Flick-Geschäst stehen Steuergelder. des Reichs gerade, über deren Verwendung nach der Verfassung der Reichstag zu bestimmen und die Reichsregierung Aufklärung zu geben hat. Wir hoffen, daß die Information des„Deutschen Han- delsdienstes" falsch ist und oerlangen Klarstellung, Kupferkartell aufgeflogen. Das Internationale Kupferkartell ist durch die Austrittserklärung von mehreren Mitgliedern gesprengt worden. Es ist auch hier so gewesen: wenn die Monopolisten sich über den Anteil an dem schmal gewordenen Absatz und Gewinn nicht einigen können, dann hält kein Kärtellvertrag, dann kommt's zum „ruinösen" Konkurrenzkampf. Fast sechs Jahre lang hat das Internationale Kupfer- kartell bestanden und ein Musterbeispiel für brutale Monopolpreis- Politik geliefert. Der Preis für ein englisches Pfund Kupfer wurde von 12,37 Dollarcents im Juni 1927 auf 21,26 Dollarccnts im März 1929 hinaufgetrieben. Dann kam der Käuferstreik und die Weltwirtschaftskrise— der Kupferpreis ist bis auf 5,25 Cents gesunken, das ist der niedrigste Preis, der je in der Wirtschafts- geschichte zu verzeichnen war. Die Konkurrenz der Produzenten untereinander wird den Preis weiter drücken, Bezeichnend ist, daß der Anlaß zur Sprengung des Kartells die Einführung der amerikanischen Kupserzölle war. Die Kupfer- einfuhr aus Südamerika, Kanada und Europa war damit unmöglich gemacht. Die nordamerikanischen Produzenten wollten aber auf den Export aus den Vereinigten Staaten nicht verzichten— so war der Krach unvermeidlich. guieReife SALAMANDER übemu Imamander ►.•5.- -y-? Calllltta 9£ifiorifche Wovelle mn£uci{er V, 8. Ihr wollt die Geschichte dieses zweimaligen Verrats wissen? Öuintus Turins war ein junger Mann aus gutem Hause. Der Reichtum seiner Familie sörderte ebenso seine Laster wie seine Karriere. Aber der Reichtum langte bei weitem nicht, seine Laster zu befriedigen. So wurde er zum Verbrecher. Der Senat, dem et angehörte, stieß ihn aus. Curius hotte mit einer Dame aus der sogenannten besten Ge- sellschaft ein Liebesverhältnis. Diese Dame, F u l o i a genannt, hielt weniger auf ihren guten Ruf als auf den für ihre Gesellschaftskreise unentbehrlichen Luxus. Als Curius' Geldmittel erschöpft waren, schwand auch die Sympathie Fulvias für ihn. Da begann er zu prahlen und ihr goldene Berge zu versprechen. Versagte auch dieses Mittel, drohte er sie zu ermorden. Fulvia lacht« ihn aus. Das reizte unseren edlen Herrn Curius nur noch mehr, und in feinem blindwütenden Drang, sich wichtig zu machen, plauderte er aus der Schule. Cr, der wohledle Quintus Curius, gehöre der Verschwörung Catilinas an. Tausend Dolche standen ihm zur Verfügung. Sie solle es nur wagen, ihn fallen zu lassen, dann... Die Dam« Fulvia tat sehr eingeschüchtert. Doch kaum hatte der allzustürmische Kavalier sie verlassen, als sie sich auch schon mit dem Senat in Verbindung setzte, um ihn von der Verschwörung zu unter- richten. So ging der erste Staatsstreich Catilinas in die Binsen. Da» vornehme Dämchen war zynisch genug, um Curius gegen- über aus ihrem Verrate kein Geheimnis zu machen. Erst ohrfeigte Herr Curius sie und hielt ihr eine jener großartigen vater- ländischen Standpauken, wie er sie von Catilina gehört hatte, und dann ließ er sich von der klugen Geliebten bekehren. „Mensch", sagte sie,„was ich kann, kannst du auch. Tus und du machst dich beim Senat wieder beliebt! Oder zweifelst du etwa daran, geliebtes Aefschen, daß das Gewisse dem Ungewissen und dem guten Gewissen vorzuziehen ist?" Herr Curius zweifelte nicht. Und so wurde auch der zweite An- schlag Catilinas verraten. Aber wie? Konnte sich Catilina nicht rühmen, tausend Ohren und tausend Augen und ebenso viel Fäuste zu haben, die Verräter beseitigen? Hatte er. Aber welches Spitzelsystem welches Verschwörers auch immer versagt nicht da, wo die selbstgewollte Korruption sich an seinen eigenen Tisch setzt. Rein, Catilina hatte keine Ahnung. 7. Cicero antwortet auf das rechtzeitig verhinderte Attentat mit der Verhängung des Standrechtes. Er mobilisiert das Heer gegen die Ausrührer. Aber auch Catilina läßt in der Provinz seine Trup- pen zu den Massen greifen. Wenn es auch nicht zum offenen Kampf kommt, wird doch das ganze Land in einen Zustand versetzt, der weder Krieg noch Frieden ist. Die von Kriegen ohnedies bis aufs Mark geplünderte Bürgerschaft verlangt nach Ruhe und Frieden. Genug davon, nicht mehr seines Lebens sicher zu sein! Genug von den Mordgesellen, die erst den einzelnen mit Dolch und Schlagring oersolgtens.md jetzt die Gesamtheit vernichten wollen! Genug von Waffen, Militär und Krieg! Wir wollen Brot und Frieden und keine politischen Abenteuer! Das Volk pocht auf sein Recht. Dieses Recht tritt Catilina mit Füßen. Er hetzt weiter zum Bürgermord. Obgleich er als Hochoer- räter vor den Senat geladen wird. „W ie lange noch, Catilina, will st du unsere Geduld mißbrauchen?" erhebt Cicero die Anklage gegen ihn.„Wie lange noch soll deine Tollheit ihr Gespött mit uns treiben? Wie lange noch soll diese zügellose Frechheit ihr Haupt erheben? O Zeiten! O Sitten! Der Senat durchschaut die Mordpolitik dieses Menschen, und trotzdem kommt ebenderselbe Mensch in den Senat, nimmt an der Sitzung teil und bestimmt und bezeichnet mit seinen Blicken jeden einzelnen von uns zum Schlachtopfer feiner Mordwut. Wo in aller Welt sind wir? Welche Staatsverfassung hoben wir, daß sich in unserer Mitte Leute befinden können, die aus unser aller Untergang, die aus die Vernichtung des Systems, ja der ganzen römischen Republik sinnen?! Darf zu wiederholten Malen ein einziger Mensch die gesamte Existenz des Staates gefährden?" Catilina antwortet darauf nicht frei und offen, wie es die Ehrenhaftigkeit im Kampfe politischer Gegensätze ersordert, sondern leugnet sein« Schuld:„Glaubt doch nicht alles so ohne weiteres! Ich, der ich aus so angesehener Familie stamme, ich, der ich mir so viele Verdienste um das römische Volk erworben habe, ich soll den Unter- gang der Republik wünschen, während dieser Plebejer da sich als ihren Retter aufspielt?!" Seine Schmähungen gegen Cicero häufen sich. Da bricht ein Sturm der Entrüstung los. Die Anklage gegen ihn verdichtet sich zu einem einzigen Wutschrei. Catilina ballt die Fäuste. Er stampft mit den Füßen. Cr schreit in die tobende Entrüstung hinein:„Run denn, weil ich von allen Seiten umringt und von meinen Feinden dem Abgrund zugetrieben werde, so will ich den Brand, der mich ver- Nichten soll, unter den Trümmern des Staates ersticken!" Noch in dieser Nacht reist Catilina in die Provinz, um den Marsch aus die Hauptstadt zu inszenieren. Besonnene Parteigenossen versuchen im letzten Augenblick mit dem Senat legal zu verhandeln, um Zugeständnisse zu erzielen. Der Senat ist zu Verhandlungen bereit unter der Bedingung, daß Cati- lina sreiwillig in die Verbannung geht. Abgelehnt! erklären die Um- stürzler. Und Catilina erhält Zuzug von jenen, die lieber die Repu- blik in Verwirrung sehen, als selbst ihre Machtposition zu gefährden. Wer immer von diesen das allgemeine Wohl vorschützt, kämpft um die eigene Stellung. Siegt Catilina? 8. Verschwörer und Umstürzler siegen nur dann, wenn die Regierungen ihnen nicht«ntgegentre- ten. Und die römische Republik griff zu! Ein dritter Versuch des Verschwörers Catilina? Zugepackt! Wes immer man von den Verschworenen habhaft werden kann, wird ver- haftet und als Hochverräter vor den Senat gestellt. Beantragt für sie alle ist die Todesstrafe. Da dämmerts unter der Masse der Mitläufer.„Politischer Ehr- geizling" flüstert man sich zu.„Vobanquespielerl", schallt es lauter. „Scharlatan I Volksoerderber!" ruft man wütend. „Wie lange noch, Catilina..." Man ballt die-Fäust«. Verhaftet wird, wes immer man von den Verschwotenen Hab- hast werden kann, und als Hochverräter vor den Senat gestellt. Di« T o d«» st r a f« ist für sie alle beantragt. Da erhebt sich(ahnte er sein späteres Schicksal?) Gajus Julius Cäsar: „Senatoren! Jeder von uns muß sich freimachen von Haß und Gunst, Groll und Mitleid, wollen wir das Richtige sehen. Solche Regungen stehen der Vernunft im Wege. Noch niemand hat zu gleicher Zeit seinen Leidenschaften nachgegeben und für seinen wah- r« Vorteil gesorgt. Gibt man der Vernunft Raum, ist sie von unserem Herzen Besitz er- Vernunft verliert alle Gewalt. mächtig. Hat aber die Leidenschaft griffen, so herrscht sie. und die Ein« große Menge von Monarchien und Republiken könnt« ich am führen, die durch Groll oder durch Mitleid sich hinreihen ließen, un- glückliche Entscheidungen zu treffen. Ich persönlich bin überzeugt, daß keine Strafe für die Schandtaten jener Staatsverbrecher zu groß ist. Aber die meisten Menschen denken nur an das zuletzt Geschehene, vergessen das Verbrechen und beschwatzen die Strafe, wenn diese zu hart ausfiel. Aber, so höre ich fragen, wer wird denn das Ur- teil gegen Hochverräter tadeln? Da antworte ich: Die Zeit, die ver- änderten Umstände! Ueberlegt wohl, was ihr für die Zukunst für andere zur Regel macht! Kommt einmal die Herrschaft in die Hände Unwissender oder nicht Rechtschaffener, dann wenden wir jene neuen Maßregeln, die Schuldigen gegenüber berechtigt waren, ohne Be- rechtigung auch auf Unschuldige an." Gegen Cäsars milde Strafanträge stellt sich C a t o, als man ihn um seine Meinung befragt: „Senatoren! Ganz anderer Meinung bin ich, wenn ich die Um- stände sowie unsere gefährliche Lage ins Auge fasse. E» geht nicht mehr um Bestrafung dieser Leute, die das Leben jedes einzelnen Bürgers gefährdet haben, sondern die Sachlage erfordert von uns, Sicherung gegen die Umstürzler. Alle anderen Verbrechen mag man b e st r a se n. wenn sie geschehen sind, diesem aber muß man vorbeugen, denn wenn es einmal geschehen ist, nimmt man ver- gebens zu den Gerichten seine Zuflucht. Ist es damit getan, wenn wir diese Staatsverbrecher aus der Stadt verbannen und in Einzel- Haft halten, natürlich aus der Besorgnis, sie möchten, wenn sie in Rom blieben, von ihren Mitverschworenen mit Gewalt befreit werden?! Als ob es nur in der Hauptstadt und nicht im ganzen Lande von solchen Elementen wimmelte! Wenn also gefürchtet wird, daß sie gefährlich werden könnten, dann ist die vorgeschlagene Maß- nähme fruchtlos. Wenn man aber zu einer Zeit, wo jedermann in so großer Besorgnis ist, allein ohne Furcht ist wie Cäsar, nun, so muß ich um so mehr für mich und sür euch in Sorge sein. Drum seid versichert: Mit eurem Urteil entscheidet ihr über Catilinas ganze Verschwörung. Ie energischer ihr dabei seid, um so mehr wird ihnen der Mut sinken. Merken sie euch nur die geringste Schwäche an, sogleich werden sie mit unverminderter Frechheit ihr zerstöreri- sches Werk fortsetzen und zu Ende führen. Denkt doch nicht, daß unser Staat nur durch Waffengewalt großgemacht wurde. Was uns wieder groß und stark machen kann, sind Tätigkeit im Innern und ein Geist, der über der Sache steht und nicht durch Schuldbewußt- sein oder Leidenschaft getrübt ist. Zauber� ihr noch immer und seid unschlüssig, was ihr mit Feinden machen sollt, die man innerhalb der Mauern ergriffen hat?! Aus Trägheit und Schwache zögert ihr, indem immer einer auf den andern wartet, den Staat aus dieser Gefahr zu retten. Catilina ist mit seinem Heere auf dem Morsch nach Rom, den anderen Teil haben wir innerhalb unserer Stadt, weder Rüstungen noch Beratungen können geheimgehalten werden. Um so mehr tut Eile not. Antwortet den Putschisten mit Maßnahmen, deren Grad und Härte eure Verantwortung bestimmen soll!" 9. Während man in Rom über die Verschwörer zu Gericht saß. traf Catilina bei seinen Truppen in der Provinz die letzten Vor» bereitungen zum Bürgerkrieg. Als unter seinem Heer die Niederlage in der Hauptstadt bekannt wurde, fielen auch hier die Vernünftige- ren von Catilina ab. Nur Fanatiker und Desperados oersuchten in ossener Schlacht nochmals ihr Glück, das sie sich selbst mit ihrem Leben nicht erkämpfen konnten. Mit ihnen fiel Catilina. Wir wissen nicht, ob er topfer gekämpft hat. Das eine aber steht fest: nie und nimmer war er ein Held, ebensowenig wie er als solcher für sein Vaterland gefallen ist. Denn die wahren Helden des Vaterlandes machen sich nicht durch Uniformen und Waffen als solche den Bürgern erkenntlich und vor allem nicht dadurch, daß sie die Massen gegen ihr Vaterland richten. Ueber zweitausend Jahre sind seit dem Staatsstreich Catilina» vergongen. Und wir was haben wir aus der Geschichte gelernt? Wie lange noch, Catisina...7! QeumUen der ftiefe tKleine Gefchichte der Erdbeben/ Ton 3)r. J. Weinberg In Mexiko wackelte der Boden. Ein Teil fc«r Häuser von M a n za n i l l o und Colins stürzte zusammen, Sturmfluten überrannten die Küste, mehr als SOO Menschen starben Den Erdbebentod unter Trümmern eingeklemmt, von Rauch- und Staub- wölken erstickt. Es ging diesmal gnädig ab. Es war ja- nur eins der etwa 10 Erdbeben, die täglich statt- finden. Vielleicht Stärke 8 oder g nach der Skala von Mercalli mit der Bezeichnung:„Festgebaute Häuser stürzen ein." Im Jahre 1993 waren noch Rudolphs„Katalog" im ganzen 4789 makro- seismische Stöße, rund 13 pro Tag. Vielleicht nicht alle von solcher Stärke, von solchem Ausmaße, wie etwa jener vom 1. November 1755, der binnen 5— fünf— Minuten ganz Lissabon in einen Trümmerhaufen verwandelt« und 99 999 Menschen darunter begrub. Es gibt auch kleine Erderschütterungen, so geringfügig, daß kaum«in leises Zittern des Bodens verspürt wird, daß nur die feinen Instrumente die seismischen Stationen, deren es gegenwärtig etwa 399 auf der Erde gibt, von der Bewegung Notiz nehmen. Dennoch: Eigentlich gehört es zum Seeleninoentar des Men- schen, daß der Boden sest und unerschütterlich ist. Und daß grimmig- stes, morksrierendes Entsetzen ins Gebein fährt, wenn die Grund- feste unseres Daseins zu wanken beginnt. Aber das mit der Un- erschütterlichkeit des Bodens ist nicht mehr als ein holder Traum. Im Laufe langer Beobachtungszeiträume wurden bis 1998 etwa 171 43 4 Erdbeben gezählt(Montessus de Ballore,„Tas Trewbiemeats cie terre"). Davon entfallen auf die tertiäre Foltenzone in Eurasien(Sierra Nevada, Atlas, Alpen, Karpathen. Äppeninen, Balkan, Kleinasien. Kaukasus, Iran, Himalaya, west- liches Hintcrindien) rund 99 999, d. s. 52,6 Proz. Die pazifische Foltenzone, die allerdings von anderen Geographen den Beinamen der stärksten Schütterzon« erhallen hat, also Antillen, westamerikani- sches Hochland, Kamtschatka, ostasiatische Inselbögen, australischer Insel- bogen von Neuguinea bis Neuseeland kommt bei dieser Zählung mit rund 86 999, d. f. 35,5 Proz., erst an zweiter Stelle. Und die ganze übrige Erde teilt sich in den Rest, nämlich 8,9 Proz., was freilich immer noch die stattliche Anzahl von rund 15 999 Beben bedeutet. Europa ist der am stärssten heimgesuchte Kontinent. Don den vorerwähnten 99 999 entfallen auf Europa 89 315 und davon wieder tresfen rund 87 Proz. auf die tertiären Gebiete, also Alpen, Appe- ninen, Sierra Nevada, Balkan, Karpathen. Das sind also solche Länder, in denen die Gebirgsbildung noch nicht zu End« ist, in denen die großen Schollen noch nicht zur Ruhe gelangt sind. Das Entsetzlichste an den Erdbeben ist ihre absolute Unbe- st i m m t h e i t, wenn man von den zweifelhaften Beobachtungen bei den Haustieren absieht, aus deren Verhalten man glaubte An- kürrdigungen entnehmen zu können. Weder der Zeitpunkt, in dem die Erschütterungen beginnen, noch jener, in dem sie aufhören, ist jemals genau zu fixieren. In P h o k i s in Griechenland z B. dauerte eine seismische Periode(griechisch: Seismo— Ich erschüttere) von 1879 bis 1873; sie hatte rund 29 999 einzelne Stöße und richtete verhältnismäßig sehr wenig Schaden an Das rheinische Erd- beben von 1848 dagegen hatte nur einen Stoß, jenes von C a- r a c a s vom 26. März 1812 nur drei Stöße. Gewöhnlich besteht ein ganzes Erdbeben aus einer Reihe von kleineren und mittleren Stößen, die den eigentlichen Hauptstößen vorangehen oder folgen. Das Erdbeben, das am 25. Dezember 1919 Messina völlig zerstörte und 89 999(nach anderer Version 139 999) Todesopfer forderte, hatte nur einen sehr starken Hauptstoß von 19 Sekunden Dauer, das Nochbeben dauerte nur etwa 8 Stunden. Auf das Calabrische Erdbeben von 1786 dagegen kam die Erde ein volles Jahrzehnt nicht zur Ruhe. Und Japan befindet sich ge- wissermaßen dauernd im Erdbebenzustand. Es muß im Mittel jähr- lich 699 Beben über sich ergehen lassen und alle 2% Jahre etwa mit einer zerstörenden Katastrophe rechnen. Auch Deutschland ist nicht erdbebensrej. In der Ver- gangenheit haben viele stattgefunden, z. B. in Basel, den Rhein ent- »8 PRIITAOi lang, hn Vogtlands im Trzgebirg«, in der Schwäbischen Alb und naturlich auch im Alpenonteil. Zum Glück sind es nie Leben von erheblicher Stärke. Katastrophen wie San Franziska (18. April 1908) oder V a l p a ra i s o» Sa n t> a g o(16. August 1906) oder endlich die letzten großen Beben in Japan haben Deutsch- land nie heimgesucht. Dennoch: Lebhast« Bewegungen wurden 1869— 1873 im Ervbebenschwarm von Grohgerau(etwa 690 im ganzen) beobachtet. Immer aber sind die Beben in Deutschland lokajisiert. Ausdehnungen der Schütterflächen und Zerstörungen in erheblichem Ausmaße kommen kaum vor. Ganz anders die Beben anderwärts: In I a p a n umfaßte z. B. die Schütterfläch« 1891 insgesamt 243 055 Quadratkilometer, also etn Gebiet halb so groß wie Deutschland. Das Laibacher Be> den von 1895 wurde in einer Ausdehnung von 712 970 Quadrat- kilometer verspürt. Das ist so viel wie Deutschland und England zusammen. Das oft indische Beben von 1897 hotte in eineni Gebiet von 377 000 Quadratkilometer(so groß wie ganz Preußen) ernst« Beschädigungen verursacht: verspürt wurde es in über 3,12 Millionen Quadratkilometer. Auch das erwähnte Liffabonner Be> den wunde über 2,6 Millionen Quadratkilometer hin verspürt. In solchen Fällen spricht man von W e l t b e b e n. Es ist zu vermuten, daß das Hypozentrum solcher Weltbeben etwa 200 Kilometer unter- halb der Erdoberfläche liegt.(Hypozentrum ist der Ausgangspunkt der Erschütterung. Mit Epizentrum bezeichnet man jenen Ort, wo dieselben auf der Erdoberfläche in Erscheinung treten.) Die Erd- bebenwellen selbst pflanzen sich vom Hypozentrum zum Epizentrum und auf den übrigen befallenen Strecken mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit(marimal 31,7, minimal 3,8 Kilometer stürtdlich) fort. Etwas Definitives läßt sich darüber nicht sagen. Jedes Beben hat seine Individualität. Auch die Ursachen sind sehr mannigfach. Gegenwärtig unter- scheidet man drei Kategorien: Vulkanische(eventuell kryptooulka- nische), Einsturz- und Dislokations- Beben. Natürlich sind die Grenzen stets fließend. Es kann sich immer nur darum han- dein, daß die eine oder andere Ursache überwiegt. Vulkanische Beben— sie rühren vom Rumoren in den Lavonestern her. Einsturzb«b«n— Einstürze von riesigen Hohlräumen unter der Erdoberfläche, die das Walser nach und nach ausgewaschen hat. Millionen von Wassertropfen fallen als Regen oder Tau auf den Boden, dringen in ihn ein, sichern durch Spalten, Runsen, Klüfte abwärts, und auf dem Wege zum großen Grundwasserozean nimmt jsder dieser Tropfen ein Milligrämmchen Kalk mit, das er vom Felsgerüste loslöst. Milliarden von Milligrämmchen werden nach und nach zu Millionen Tonnen. Die Erde hat eben Zeit! Und so entstehen Hohlräume, erst kleine, dann immer größere, auf Stalag- liten und Stalagmiten gestützte, mächtig ausgewölbte Dome, Grot- ten, Riesenhöhlen von Kilometern Erdstreckung. Schließlich drückt die immer mächtigere Deckenlast die Stützpfeiler ab, sie splittern, knicken zusammen, donnernd stürzt das ganze Gewölbe.... So entstehen die Erdbeben im K a r st, in der Rauhen Alb, überhaupt in vielen Gebieten auf Kalkgrundloge. Man könnte diese Einsturzbeben mit den Dislokations» beben zusammenfassen unb sie„tektonisch" nennen. Denn auch die letzteren sind Vorgänge im Bau der Erdrinde, in der Verlagerung. Hebung, Senkung, Kegeneinanderprcssung, Aneinanderaufrichtung der großen Erdschollen, die die Kontinente und Teile davon bilden, vor sich gehen. Zwischen diesen Schollen liegen die großen Grobenbrüche(Rheintal, Tanganjika, Rotes Meer usw.), an deren Rändern sich die jüngsten Gebirge aufgefaltet haben. Daß derartige große Bewegungen nicht ohne örtliche Erschütterungen vor sich gehen, ist selbstverständlich. Und deshalb sind jene Gegen- den, in denen noch heute die gebirgsbildenden Kräfte am Werke sind, am stärksten von Erobeben heimgesucht. Wenn sich an einer solchen Schollenbruchstelle noch ein M a g m a n e st befindet, so kann es vulkanische Eruptionen und Erdbeben zusammen geben, wohl die fürchterlichsten Naturkatastrophen, die Menschenleib und Menschen- geist über sich ergehen lassen müssen. Schutzmittel gegen Erdbeben gibt es nicht. Abgesehen von der Unbestimmtheit des Eintritts sind auch die Arten der Bodenbewe- gungen durchaus verschieben. Das eine Mal ist es nur«in senk- rechter Stoß, das andere Mal wieder ist es ein gewissermaßen wellenförmiges Fortrollen des Bodens(3 bis 10 Meter hohe Wellen beobachtete man 1891 in Zlkafaka) oder es sind Zer- reißungen des Bodens unter gleichzeitiger Verschiebung der ein- zelnen Stücke gegen- und übereinander. Die einzige Möglichkeit, die grimmigsten Folgen abzuwehren, ist: leichte Bauart der Häuser, damit deren Trümmer beim Einsturz geringe Wucht besitzen Ansonst ist der Mensch den typhonischen Gewalten wehrlos ausgeliefert. Vielleicht soll er an ihnen lernen, daß die gegenseitige Hilfsbereitschaft und Verständigung zwischen den Völkern ein Cle- ment des Weltenplanes ist? .Karl Quenstei: Ohsens letmle£iebe Henrik Ibsen dachte von den Frauen sehr hoch. Namentlich verehrte er die tüchtigen, tätigen Frauen, die guten, hilfsbereiten Kameradinnen. Für sogenannte Salondamen hatte er gor nichts übrig. Eine seiner schönsten Mädchengestalten ist Thora Bratsberg (in dem Lustspiel„Der Bund der Jugend"). Sie ist, wie es in dem Stücke heißt,„tief und still und treu". Wir treffen diesen Typus bei ihm des öfteren. Es sei nur erinnert an Asta Allmers(„Klein Eyolf"), Ella Rentheim(„John Gabriel Vorkman") und Irene („Wenn wir Toten erwachen"). Auch Hilde Mangel, die wir in der „Frau vom Meere" als spöttischen, sich ewig mokierenden Backfisch kennenlernen, und die wir dann im„Baumeister Solneß" wieder- finden, ist trotz chrer burschikosen Art tief und still und treu. Sie liebt den Baumeister, aber sie bringt es doch nicht übers Herz, ihn seiner Gattin wegzunehmen. Das Urbild Hildes war«ine junge Wienerin, namens Emilie L a r d a ch. Sie war 1871 geboren und zählte, als sie mit dem 61jährigen Ibsen zusammentraf, 18 Jahre. Der bekannt« Literatur- Historiker Georg Brandes hat die Briefe des Dichters an sie her- ausgegeben. Man hat sich über diese„Indiskretion" aufgeregt: wie mir scheint, ohne Grund. Da« Verhältnis Ibsens zu der Achtzehn- jährigen ähnelt dem Goethes zu Marianne von Willemer. Es war genau ebenso zart und innig. Warum soll man nicht davon sprechen? . Ibsen lernte die junge Wienerin im Spätsonimer 1889 kennen, und zwar in G o s s e n s a ß in Tirol. Emilie weilte dort mit ihrer Mutter. Der Eindruck, den dos innerlich vornehme Mädchen auf den Dichter machte, muß tief und nachhaltig gewesen sein. In ihr Stammbuch schreibt er die verräterischen Wort«:„Hohes, schmerz- liches Glück— um das Unerreichbare zu ringen". Er schenkt ihr sein Bild und setzt aus die Rückseite die entsagende Widmung:„An die Maisonne eines Septemberlebens— in Tirol". Da» war am 27. September 1889.'Anfang Oktober ist der Dichter schon wieder in München. Er hat Emilie Bardach niemals wiedergesehen. Es ist sehr schwer, sich über solche zarten Beziehungen auszu- sprechen. Daß Ibsen das jung« Mädchen wirklich geliebt hat, ver- raten die wenigen Briefe an sie nur allzu deutlich. ,Llch, liebes Fräulein," schreibt er am 15. Oktober 1889,„Sie schreiben so reizend in Ihrem letzten— nein, nein, Gott behüte— in Ihrem vorigen Brief schreiben Sie so reizend:„Aber Fräulein bin ich nicht für Sie". Also— liebes Kind—, denn das sind Sie doch jedenfalls für mich— sagen Sie mal—, erinnern Sie sich, daß wir einmal über Dummheiten und Tollheiten sprachen? Oder richtiger gejagt, ich sprach allerlei darüber. Dann Übernahmen Sie, liebes Kind, die Lehrerrolle und bemerkten in Ihrer leisen, melodischen, weit dahin- schauenden Weise, daß es doch immer ein Unterschied zwischen Dummheit und Tollheit sei. Nun freilich, davon hatte ich schon im voraus eine Ahnung. Aber diese Episode, wie alles übrige, ist doch in meiner Erinnerung. Denn ich muß immer und immer darüber grübeln: War es eine Dummheit oder war es eine Tollheit, daß wir einander entgegengekommen sind? Oder war es sowohl eine Dummheit wie eine Tollheit? Oder war es keins von beiden?... Ich glaube, das letzte wird doch das einzig Stichhaltige sein. Es war einfach eine Naturnotwendigkeit. Und es war ein Fatum zugleich." Der Brief schließt:„Tausendmal gute Nacht, Ihr stets ergebener H. I." Man fühlt aus diesen Worten, wie der alternde Dichter leidet und— seiner Natur nach— grübelt. Allmählich sindet er sich zu seiner Dichtung zurück. Am 19. No- oember schreibt er:„Sie wissen ja, daß Sie immer in meinen Ge- danken sind und bleiben werden. Ein reger brieflicher Verkehr ist von meiner Seite«ine Unmöglichkeit." Er sei— so erklärt er— eifrig bei der Arbeit. Doch:„Dichten ist schön: aber die Wirklichkeit kann dann und wann noch viel schöner sein". Am 6. Dezember packt ihn die Erinnerung wieder stärker.„Wie lebendig steht Ihre liebliche Erscheinung in meiner Erinnerung! In ineiner Phantasie sehe ich Sie immer mit Perlen geschmückt." „Als eine liebliche Sommererscheinung," so schreibt er am 22. De- zember,„habe ich Sie, meine liebe Prinzessin, kennengelernt." Aber schon meldet sich eine leise Entfremdung:„Aufrichtig gesagt, liebe Prinzessin,— in vielen entscheidenden Beziehungen stehen wir doch einander sehr fremd gegenüber". Am 30. Dezember dankt Ibsen dem Mädchen für ihr Bild mit folgenden Worten:„Ihr schönes, reizendes, so sprechend ähnliches Bild hat mir eine unbeschreibliche Freude bereitet. Ich danke Ihnen dafür tausendmal und so recht von Herzen". Am 6. Februar 1890 bittet er sie dann, ihn zu vergessen.„Sie haben andere Aufgaben in Ihrem jungen Leben zu verfolgen, an- deren Stimmungen sich hinzugeben. Und ich kann mich nie durch ein briefliches Verhältnis befriedigt fühlen." Zum 70. Geburtstag des Dichters(Ende März 1898) sandte Emilie Bardach einen telegraphischen Glückwunsch und eine» Brief. Ibsen schickte ihr daraufhin sein Bild und schrieb folgende Zeilen dazu:„Herzlich liebes Fräulein——! Empfangen Sic meinen innigsten Dank für Ihren Brief. Der Sommer in Gossenjaß war der glücklichste, schönste in meinem ganzen Leben. Woge kaum daran zu denken. Und muß es doch immer wieder.— Immer! Ihr treu ergebener Henrik Ibsen." Daß der Dichter das liebliche Mädchen nicht vergessen konnte, beweist die Gestalt der Irene(„Wenn wir Toten erwachen"), die deutlich die Züge der Wienerin trägt. Und wenn Ibsen in diesem seinem letzten Werk« klagt, er habe über dem Dichten das Leben versäumt— sollte er da nicht auch an die schöne und doch so schmerz- liche Episode in Gossensaß gedacht haben? Bswahirfs Qua Ifta ten ■.- zu 5 e n s a t i o n s- P r e i s en Rohnessel zirka 7 0 c ni droit Meter ■w Rohnessel zirka 7 8cm Kreit Meter 28 Rohnessel zirka 14 0cm Kreit Meier 55 N Rohnessel zirka '60 cm Kreit' Meter 88 4S Berliner SlBdiische ElektrlzmerKe aki.-Obs. Bilanz am 31. Dezemher 1931 Vermögen Kasse. Postscheck- und Bankgut- haben in laufender Rechnung.. Materialien.......... Wertpapiere und Beteiligungen., Wechsel..... Forderungen davon: a) Konzern-Gesellschaften.... 2 006 970,67 b) Bankguthaben.. 38 450 000.— c) Sonst. Forderungen 19 756 032.06 Kapitalverpflichtung der Berliner Kraft- u. Licht-Aktiengesellschaft Vorauszahlungen auf Versicherungen Int.Tilgungsfonds f.d. Frankenanleihe Disagio der 6% Dollar-Anleihe v. 1930 Auf das Spezial-Fehster achten! Menaenabaabe vorbehalten Kein Verkauf an Wiederverkäufer Il l-l l Ii Usi AH N HOF H ERMAN NPL'ATZ DER K- A'R 5 T A D T-- B A H N HO F ' P.ZM-M K. $»'«•$,- 1■ r-■-> Ar!-r Verbindlichkeiten Aktienkapital......... Gesetzlicher Reservefonds.... 7%Frankenanleihe v.l925(Tilg.b.l940) 6es oder der Eintrittskarte. I. Abt. Unsere langjährige Frauenleiterin, Genossin Schncidewind, Kleine Auguftstr. 7a, kann heute auf eine 25jShrige Parteizugehörigkeit zuräck. blicken. Wir wilnfchcn der Jubilarin, daß Sie noch lange fiir die Partei wirken und werben kann. 5. Abt. Am Sonnabend, 2. Juli, feiern Genosse und Genossin Plankiwicz, Lothringer Str. 38, ihre Silberhochzeit. Alle Parteimitglieder gratulieren herzlichst. 24a. Abt. Freitag, 1. Juli, 17—23 Uhr, BezirksfUhrer zur Markenausgabe bei Köhler. »S. Abt. Sonnabend, 2. Juli, Zusammenkunft bei Pommerening, Berliner Straße 133. 33. Abt. Freitag, 1. Juli, 23 Uhr, Sißung des engeren Vorstandes mit den Bezirksfllhrcrn bei Görlitz, Ehausseestr. 13. »7. Abt. Freitag, 1. Juli, 23 Uhr, Funktionärsitzung an bekannter Stelle. 123. Abt. Freitag, 1. Juli, 23 Uhr, an bekannter Stelle, Funktionärsitzung. Dezirksillhrer 13'� Uhr. 134. Abt. Freitag, 1. Juli, 23 Uhr, Vorstandssitzung mit sämtlichen Funktio» nären, Delegierten, Bctriebsvertraucnsleuten. Frauenveranstalkungen. 1. Kreis. Sonntag, 3. Juli, Frauentreffcn verbunden mit Kaffeekochen auf dem Sportplatz des Reichsbanners Schwarz.Rot-Gold in Friedrichsfelde, Upftallweg. Musik, Tanz, Kinderbelustigungen, sonstige Darbietungen, Rczi- tationcn Elsricde Wollmann, Ansprache der Genossin Käthe Kern, Fackelzug. Gäste herzlichst willkommen. kL. Xl-Sio, Sonntag, den i. Juli, IS Uhr, tm Sdilobpark Welljen»ee . c« T-'* x 4. unter Mllwirkunä der Sporiorganisattonen grOIJCS V OiKSlCSI Ansprache des Gen. Franz Künstler, MdR. Vorher, 14 Uhr, Propaganda-Festzug Abmarsch Prenzl. Allee, EckeGusi.-Adolf-Str./ Eintr. 30 Pf., Kinder frei Erwerbslose, Fahcendelegaiioncn der Abteilungen und Kreise treil 2. Kreis. Die Abteilungsleiterinnnen werden gebeten, die Damvferkarten bis Sonnabend bei der Genossin Jordan abzurechnen. 6. Kreis. Karten für die Dampferfahrt nach Ziegenhals sind zu haben bei Krüger, Erimmstr. 1. Arbeiisgemeinfchaft der kinderfreunde Groh-Verlin. Zeltlagcrsahrcr: Abfahrt Montag, 4. Juli, 8 Uhr, Waisenbrückc. Rrstsalirnlagcr Blankcnsrcl Abfahrt Montag, 4. Juli, 9.42 Uhr. s Treffpunkt S Uhr vor dem Lehrter Bahnhof, Abfahrtfcite. Heute, Freitag, sind die Dampferkarten in der Geschäftsstelle ab» zuholen. Die Ausgabe erfolgt nach Abrechnung der Logerbeiträge. Fricdrichshain! Heute, 17 Uhr, erscheinen alle Teilnehmer am Zelt» � und Nestialkeulagcr zum Abschiedsabend im Kreisbeim. Während der Ferien fallen sämtliche Abteilungsveranstaltungen in den Jugendheimen aus. Das Krcishcim Miihlenstr. 53 ist während der Ferien täglich von 9— 17 Uhr geöffnet. Die Gebühr beträgt pro Woche 53 Pf., dafür erhalten die Kinder zweimal täglich Getränke. Anmeldungen täglich im Krcisheim. Heute, 23 Uhr, findet eins kurze Kreisvorstandssttzung im Krcishcim statt. Kreuzberg: Heute, 9— 11 Uhr, Abrechnung der Lagerbeiträge in der Ee. fchäftsstelle.— Ab Montag sind alle Gruppen geschlossen. Der Wiederbeginn der Eruppenveranstaltungen wird durch den„Vorwärts" bekanntgegeben. Die Kinder treffen sich während der großen Ferien mit ihren Helfern täglich auf dem Urban-Sp ortplatz in der Zeit von 9—12 und von 14—17 Uhr. Abt. Obcrfchöncweide: Heute, 17 Uhr, auf der Wiese der Rennbahn, bei Regenwetter um 18 Uhr im Jugendheim, kommen alle Falken zur Verabschiedung der Zcltlagcrteilnehmcr. Neukölln: Nestfalken Blankensee heute, 17 Uhr, Sportplatz Sonnenallee.— Abt. Lichtkämpfer und Kurt Eisner: Iungfalkcn sZeltlagerteilnehmer) sind heute, 17 Uhr, Sonnenallee. AbkeNungsmlkgliederversammlungen heuke, Freitag. 2t> Uhri Sterbetafel der Groß-Berliner Partei-Organisation 24. Abt. Am 28. Juni verstarb unser Genosse Karl Wersuhn, Rasten- burger Str. 1. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, 2. Juli, um 13>,z Uhr, auf dem Zentralfriedhos Friedrichsfelde statt. Um rege Beteiligung wird gebeten. 39. Abt. Am 27. Juni verstarb unser lieber Genosse Paul Ehrenberg im 71. Lebensjahre. Einäscherung Sonnabend, 13 Uhr, Gerichtstraße. 139. Abt. Tegel. Am 27. Juni verstarb unser Genosse Gustav Bretzke, Berliner Str. 7— 8. Ehre seinem Andenken! Trauerfeier am Sonnabend, 2. Juli, 19M> Uhr, im Krematorium Eerichtstraße. Um rege Beteiligung wird gebeten. I'I i SozialistisSeArbeiterjugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugendfekretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Abteilungskassierer! Rechnet ab, holt die Iuli.„Arbeiterjugend". B.-A.. Sitzung heute, 19% Uhr pünktlich, Lindenstr. 4. Funktioaärkonferenz Montag, 4. Juli, 19� Uhr pünktlich, im Sitzungssaal des Bezirksamts Kreuzberg, Vorckstr. 11. Vortrag des Genossen Dr. Männchen über„Arbeiterklasse und Krieg". Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Arkonaplatz: Tieckstr. 18.- Rofenthaler Vorstadt: Tieckstr. 18, n— Irnlnim!-TOnifi-nftr. 18.— flünia: Jochumer Str. So.— Moabit 1: Waldenser. Hohenschönhausen: Freicnwaldcr Str. 6.— Nordosten l: Danzigcr otr. b..- «eißcns-e: Caseler Str. 2.- Friedenau: Difenbacher Str. 5».- SHailottem bürg: Rosinenstr. 4.- Lichterfeldc: Albrechtstr 14a.- Treptow: Elscnltr 3— Falkcnbcrg: Gutshof.— Köpenick I: Grünauer Str. 5.— Köpenick� l�l: D ah lwrtzer mitbringen.)— Wittenau: Hauptstr. 13. * Köllnischer Park: Waisenstr. 18: Bunter Abend.— Gesundbrunnen N: Koloniestr. 8:„Tagespolitik".- Falkplatz I: Funktionärsitzung bei Werner Hoffmann, Wichertsrr. 44.— Südwesten? 19V. Uhr A rbe: t s g e m eins ch a s t. Lankwitz: Schulstraße:„Kommunistisches Manifest".— Neukölln II: Sportplatz� Platz 6.— Neukölln III: Ziethenstr. 58: Seimabend.— Neukölln IV: Sportabend. Platz 6.— Reukölln VII: Sportplatz.— Neukölln IX: Schule Mariendorser Weg: „Bürgerlicher und Arbeitersport".— Neukölln X: Sportplatz, 18 Uhr.— Neu- kvlin XI: 18 Uhr Sportvlatz. Platz 6.— Baumschulenweg: Crnststr. 16:„Dtc Machtmittel der Bürgerlichen im Kampf gegen die Arbeiterklasse",!. schone- weide II: Berliner Str. 31:„Kapitalismus und Krise".— Bohnsdorf: Wachtel. strafe 1: Liederabend.— Lichtcnbcrg.Ncrd: Guntersir. 44: Liederabend.— Mohlsdorf: Spiel und Sport. Wcrbebezirk Osten: Mitgliederversammlung, Heim Tilsiter Str. 4— 6.„Ein. heitsfront", Referent Fritz Erlcr Werbebezirk Wcdding: W.-B.-V.-Konferenz morgen, Sonnabend. 17 Uhr, Schönstedtstr. 1. Werbebezirk Reinickendorf: Der für Sonntag angesetzte Spiel- und Sport- nachmittag muß ausfallen.__ Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schivarz-Rot-Gold" Gelchäkts stalle: Berlin S 14 Scbaftionftr 37—38 Hot 2 Tr Kreis Süden- Wichtige Kreisfunktionärkonfcrcnz Dienstag, 5. Juli, 20 Uhr, im Restaurant Schultheiß, Hasenheide 22—31. Teilnehmer. zahl bestimmen die Ortsvereine auf Grund des Rundschreibens.— Mitte, 5. Kameradschaft: Freitag, 1. Juli, 20 Uhr. Versammlung. Rofenthaler Hof.— Baumschulenweg-AsA-Hof(Kameradschaft): Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Mitglieder» Versammlung bei Borgmann. Kiefholzstraße. Referat des Kreisführers Meier.— Wassersportabteilung, Zug Köpenick: Sonntag. 3. Juli, 13 Uhr, 2 Bundesregatta des ATSB. in Grünau. Eintrittskarten im Bootshaus erhältlich. Zentralverband der Arbeitsinvaliden und Witwen Deutschlands, Gau Groß» BerUn. Freitag. 1. Juli. Kreuzberg II: Lokal Wollschläger, Adalbertskr. 2.— Kreuzberg Iii: Reichenberger Hos, Reichenberger Str. 147, 17 Uhr.— Reinicken- dors-Weft: Volkshaus, Scharnweberstr. 115.— Tegel: Lokal Lehnhardt, Ber- liner Str. 84. Arbeitsgemeinschaft für Forftschutz und Naturkunde E. V. 185. Arfo-Wande- rung: Sonntag, 3. Juli, Wanderung Alt-Glienicke(Besichtigung des Alters- bcims)— Falkenberg— Bohnsdorf— Falkenhorst— Grünau, 10 Kilometer. Führung: Fräulein E. Stadelhofs. Tressen 9 Uhr an der Kirche in Ali-Glienicke(von Berlin nach Bahnstation Ädlershos-Alt-Glienicke und dann Elektrische Bahn Linie 84. Mitglieder und Gäste frei. Verband ehem. Poli�eibcamten Preußen e. V.(Vepp), Sitz Berlin. Mit- gliederversammlung am Montag, 4. Juli, 20 Uhr, in der Bockbrauerei, Fidicin- straße 2—3. 8ori's!ist!5ckei' Espersnto-Kund. Gruppe Norden fArbeiisIose) Freitag, den 1, Juli, v 2.3) bis 4.30. Bibliothek Dunckerstr 63.— Gruppe Zentrum Freitaa. den 1. Juli, um 19.30, im Metallarbeiter-Verbandshaus Liniensir 83/85 (Eing. Elsässer Straße;. Temo: Luda-vespero. Engllsh Convcsational Club founded 1878. Meetings every Friday 8 p. m, Gate König, Leipziger Straße 117/118 Lecturer: Miß Großkopf on:„Pearls and Tears". Guests, Ladies& Gentlemen. are welcome. Wetteraussichten für Berlin: Trocken, meist heiter, warm, mäßige Südwinde.— Für Deutschland: Ueberall warm und meist heiter, nur im Westen Gewitterneigung. pesi»» mie Freitag und Sonnaöend.- Die Zusendung von lebenamltteln ertolgt bei Bestellung von 3,03 Mark an.— Fleisch und laicht verderbliche Waren sind vom Vartand ausgeschioasen. Obst und Gemüse Aprikosen................... Ptd. 0,25 Erdbeeren.............. Pfd. von 0,24 Blaubeeren................. pid. 0,35 Stachelbeeren............. pid. 0,15 Tafeltipfel................ 2 Ptd. 0,65 Zitronen................ Dtzd. von 0,48 Tomaten..................... pm. 0,24 Kohlrabi............. Mandel von 0,10 Neuer Wirsingkohl 2 Pid 0,18 Neuer Weisskohl.......» pm. 0,18 Radieschen............ S Bund 0,10 Salat...................... 3 Kopf 0,10 Grüne Gurken...... stick von 0,10 Neue Zwiebeln........... pm. 0,10 Ptlaumen m0.28 Konserven do« Stangenspargel atuk........ 1,45 Stangenspargel mitMi....... 1,35 Stangenspargcl dtn»......... 1,00 Brechspargel mitui........... 1,05 Brechspargel dsn............ 0,00 Brechspargel ku» Absekaitte 0,85 Junge Erbsen.................. 0,65 Gem. Gemüse mutaifein...... 0,95 Leipziger Allerlei,.......... 0,62 Karotten........ 0,28 Apfelmus....................... 0,48 Fische/Räucherwar. "Merlan i.ganz.,in.K.>Pld. 0, 11 •Schellfisch mltKopf, PM. 0,14 'Kabeljau!;r.,o.K.i.,g.,Pfd. 0,14 •Kabeljaufilet... Pfd. von 0,19 •Bratschollen..... 2 PM. 0,25 •Rotbars............. Pfd. 0,23 'Lebende Schleie..PM. 0,84 Schellfisch gerinch., Pfd. 0.24 Seelachs geränoliert, Ptd. 0,28 Seeaal ger&ncbert...Pfd. 0,42 Rotbars geräacliert...Pfd. 0,42 Heringssalat........ Pfd. 0,60 Fleischsalat......... Ptd. 0,60 Saure Gurken....Stack 0.06 Fettheringo f. Tom., Dose 0,35 Sardinen....... 3 Dosen 0,83 Lachs in Stacken, PM. von 1,10 Aale eerinchert, PM. von 1,40 Salatöi........... Fasche 0,60 'in all. Hauaam auiser Andreasstr. Wildschwein-(1 CQ 1 Bläftor........ PM. U,üO Wiidschwein- RUckan...PM. von vf Wildschwein' | Keulen........ Pfd. w, Span. AprH(ose|t Aanaaki, mod. BascheBgstnlonmg, Btttck Bosuchstaschen oder Derbvtascben, echt I�der. In vielen Farben, mit aparte Kottengriti.............. BMi Gummidecken abwaschbar, für Haus. Garten a. Balkon geeignet, habiche backte Dinckmust.. m. färb. Süsche ein- gefasat, ca. 90/126 cm, St. ObSti, 41 1 ea. BO/W)............ ,..B«ok Vf' Wurstwaren 163 Landleberwurst........... pm. 0,75 Jagdwurst................... pm. 0,78 Fleischwurst................. pm. 0,68 Speckwurst.................. pm. 0,65 ff. Leberwurst.............. pm. 0,S5 Mettwurst Brannschw. Art..PM. 0,78 Knoblauchwurst.......... pm. 0,84 Schinkenpolnische....... pm. 0,94 ff. Teewurst................. pm. 0,98 Zervelat und Salami.„.Pfd. 1,06 Wiener....................... pm. 0,88 Dampfwurst................ pm. 0,68 Schinkenspeck............. pm. 1,12 Sülzwurst.................. pid. 0,65 Königsberger Fleck.„.Dose 0,45 Löffelerbsen mit Speck.... Dose 0,60 Bohnen mit Rindfleisch..... Dose 0,60 Dosen-Würstchen..... 5 Paar 0,65 KoSonialwaren Bruchreis..................... pm. 0,11 Tafelreis...................... pm. 0,14 Bassin-Reis................. pm. 0,16 Hartgriess................... pm. 0,24 WeizengHess.............. pm. 0,26 Sago.......................... pm. 0,32 Eier-Bandnudeln.......... pm. 0,35 Eier-Fadennudeln........ pm. 0,44 Bruchmakkaroni.......... pm. 0,35 Kakao stark entölt........... PM. 0,58 Gebrannte Gerste....... pm. 0,20 Kaffee..................... pm-t. 1,90 Weine und Fruchtsäfte Speziai-Apfel wein Liter herb, zur Kur und Bowle..... 0,3L 3,50 Rheinpf. Weisswein... 0,58 5,50 Liter! 5 Liter Johannisbeerwein.... 0,68 3,25 Griech.Muskat 3«s-°n»«is 1,20 5,75 Deutscher Weinbrandibgeiag.Qnai.i 1 Ltr, 4,20 S Ltr. 20,00 Qnal. II Ltr. 3,50 Himbeersaft mit Hafünade eingekocht, grosse Sektflascheljl 0 Qnalit. I'si FL 1 ,25 Preise obne Flasche Domen-PuOover mit'l, Äermeln und anderstarb. 4 4 K Einsatzen, viele Farben, Btflck I w Badetrikots reine'S SäC Wolle, schwer gestrickt, Stflck aCg 09 Frottier-Handfücher m gute Qualität, ca. 48/130 cm, St. Schlüpfer Charmausa achwera Qualität........ Stack 0,95 Damen-Strohhüte moderne Glocken, in dgnkci 4%"VK and bell, gatea Gedeckt, ßtttck Wf#9