BERLIN zrettag 13u« 1932 B 153 19. Jahrgang Redaktion u. Expedition: Berlin SW«8, Lindenstr.L Tel. �7 Dönhoff 292—287 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abendnu-gabe de»„Vorwärts". Bezugsorei» l 2 r b e i d e A u« g a b e n 75 Pf. pro Woche, S,Z5 M. pro Monat(davon 57 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug z,g7 M. einschließlich 80 Pf. Postzeitungs. und 72 Pf. Postbestellgebllhren. luzeigenpreiS: Di« Isplt. Millt- meterzeile 30 Pf. Di« Reilamezeil« tostet 2 Marl. Rabatte n. Tarif. Um rote Berlin marscttieri am ftloniag 18 Ulir Sonnia�: Arbeiter- Ruder- Rettatta Orunaii und ¥oBkskundgebung Weißensee Wir werden verboten! Reidisgeridit erklart das l'lebot tür„zulässig". In der Angelegenheit des vom Rcichsinnen» minister von Göhl geforderten Verbots des..Vor» wörtS" hat der Vierte Ztrafsenat dcS Reichsgerichts am I. Juli unter dem Vorsitz des«enatspräfidenten Dr. Büngcr folgenden Beschluß gefaßt: Das Verbot wird für zulässig er- klärt. Ter Senat ist der Auffassung, das» die in t�ragc kommenden Artikel geeignet sind, den Reichs» Präsidenten und die Rcichsrcgicrung verächtlich zu machen, zudem aber auch lebenswichtige in- und außenpolitische Interessen zu gefährden. Der Senat hält zumal in der jetzigen Zeit einen wirksamen Schutz dieser Interessen für unbedingt erforderlich. Uebcr die Frage cincS Verbots der..Kölnischen VolkSzcitung" ist heute noch nicht verhandelt worden. Das Verbot tritt selbstverständlich erst in Krast, nach- dem die Entscheidung dem Verlag formell zugestellt ist. Staatsrat gegen Amnestiegefeh Verfassungsminister Gay! für das Gesetz! Im preußischen Staatsrat wurde heute mittag über das vom Landtag angenommene Amnestiegeseh abgestimmt. Das Zentrum, die Staatspartei und die Sozialdemokraten stimmten geschlossen gegen das Gesetz, die Vertreter der Voltspartei und der Deutschnationalen stimmten nicht einheitlich. Außerordentliches Aussehen erregle es. daß der Reichsinnenminister Freiherr v o n G a y l in namentlicher Abstimmung s ü r das Amnestiegeseh. so wie es der Landtag beschlossen hat. stimmte, wonach selbst der Separatistensührer Dorten straffrei erklärt wurde. Die Einspruchserhebung wurde mit S0 gegen Ig Stimmen beschlossen. Rur die Kommunisten stimmten geschlossen gegen den Einspruch. Die von der Rechten gebildete Arbeitsgemeinschaft halte sich gespalten. Eine Witwe schreibt an den Vorwärts: ..Ich habe bis jetzt 12,6 0 Mark Invaliden» g e l d erhalten. Bekomme nur die Hälfte der Invaliden- rcnte, weil ich 32 Mark Wittvenrcnte bezog. Meine Witwenrente wurde jetzt um 5 Mark gekürzt, Sic 12 M. Invalidenrente aber obendrein um die Hälfte, um 6 Mark. Das ist ja etwas ganz Ungeheuer- liches! Von den-14,60 Mark im Monat hat man mir nur noch 33.60 Mark für den ganzen Monat gelassen. Denen, die 30 Mark Rente bekommen, werden nur 3 M. abgezogen. Könnten denn die Abzüge nicht wenigstens gestaffelt werden'k Bin 63 Jahre alt, ich bin ganz verzweifelt!" Der Abzug von S Mark trifft die Witwen schon schwer genug. Daß man ihnen obendrein noch die halbe Invalidenrente um den vollen Notvergrdnungssatz von K Mark kürzt, ist ein Skandal! Die Auswirkung der Hitler- Rotverordnung sorgt dafür, den Witwen den Unterschied klar zu machen zwischen dem„W o h l» sahrtsstaat" und dem von Hitler tolerierten neuen System der Baronsregierung. Noch nicht— sagt Herr von Gayl! 2 Toie, 4 Gchwerverlehie- GA.-ÄZaffen beschlagnahmt Hattingen, 1. Juli.(Eigenbericht.) Bei der Rückkehr von Nationalsozialisten von einer Beerdigung in Wattenscheid kam es am Donnerstagabend zu einer Schlägerei mit Kommunisten. Dabei entwickelte sich ein Feuergefecht, in dessen Verlauf ein Kommunist getötet wurde. Zwei Kommunisten und drei Nationalsozialisten wurden schwer verletzt. Ein schwerverletzter Kommunist ist im Laufe der Nacht ge- st o r b e n. Damit erhöht sich die Zahl der Toten auf zwei. Tie Nationalsozialisten, die auf Lastkraftwagen von Wattenscheid heimkehrten, stammen aus Witten, Hagen, Gevelsberg, ja sogar aus dem Siegerland. Eine Menge Hieb- und Schußwaffen wurden beschlagnahmt. Fünf Personen wurden fe st genommen. Ein feiger nationalsozialistlscher Mörder. Köln, 1. Juli.(Eigenbericht.) Vor einem haus am lürmchenswall in Köln wurde in der vergangenen Rächt von einem Rlotorradsahrer in eine Menschengruppe geschossen. Ein verheirateter Mann. Vater von zwei Kindern, blieb schwer getroffen auf der Straße liegen. Er ist aus dem Transport ins Krankenhaus g e st o r b e n. Durch die Schüsse wurden noch zwei andere Männer verletzt. Der Motorradfahrer, der Rationalsoziali st sein soll, fühlte sich durch eine Gruppe linksorientierter Männer bedroht. Er rief:„Straße frei!" und feuerte sofort vier Schüsse ab. Dann Geschäft ist Geschäft! Wie der Handel zustande kam. sprang er aus sein Motorrad und fuhr in schnellster Fahrt davon. Da der Täter bekannt ist, kann man mit seiner baldigen Ver- hastung rechnen. Aeue Opfer. SA. schießt auf Arbeiter. Frankfurt(Oder). 1. 3uU.(Eigenbericht.) Die Rationalsozialisten, die bereits in der ersten Zuniwoche einen Sturm auf das Gewerkschaftshaus ausführten und dort alle Fensterscheiben zerstörten, marschierten gestern abend entgegen ausdrücklichem verbot uniformiert und in geschlossenem Zuge durch die Mißmannstrahe. Dort befindet sich der Häuserblock der Baugenossenschaft Dewoba, in welchem viele Mitglieder der Eisernen Front wohnen. Als das Aebersallkommando der Polizei gegen die Ralionalsozialislen vorging, schössen letztere scharf und brachten dem Arbeiter Fritz B a l z e r einen Steckschuß ins Becken bei, während der Arbeiter Bernhard Z w i e s a u unter Stahlrutenschlägen, Bauch- t r i t t e n und Messer st ichen bewußtlos zusammenbrach. Beide Verletzte liegen in bedenklichem Zustande im Krankenhaus. Die Polizei erklärt, daß die Schuld ausschließlich die Rationalsozialisten trissl, die trotz des mehrmals wiederholten Verbots marschiert sind. Mordhetzer Goebbels. „Gehenkt wird doch".- Er will Papen verleugnen. Kiel, 1. Juli. Der Reichspropagandachef der NSDAP., Dr. Joseph Goebbels, sprach Donnerstagabend in Kiel in der Nordostseehalle und erklärte, mit der gegenwärtigen Regierung hätten die National- sozialisten n i ch t s z u t u n. Die NSDAP, toleriere kein Kabinett, das nicht von den Nationalsozialisten besetzt sei. Die Nazibewegung bleibe legal bis zur letzten Minute, aber:„Gehenkt wird doch!" -n Die Behauptung, daß die Razis mit der Regierung papen nichts zu tun haben, ist als Zwecklüge entlarvt. Die Regierung Papen-Schleicher ist die von Hitler nicht nur tolerierte, sondern ausdrücklich anerkannte Regierung der Ralionalsozia- listen. Nazis überfallen Herrenklub. Damen und Diplomaten verdroschen. Wien, 1. Juli.(Eigenbericht. Die wiener Razis sind von der Rcichssührerschast und den sonstigen Osass noch zu weit enlsernt. um bereits zu wissen, daß man zwar aus Arbeiter und Republikaner losschlagen muß. aber vor einem feudalen Herrenklub stramm zu grüßen hat. Es gibt da in Wien einen feudalen Golfklub, natürlich mit englischem Ramen. In der vergangenen Rächt hielten diese Herr- schaslen, die auch im Hochsommer Wien nicht verlassen können, ein Fest ab. Das Klubheim ist eine der Villen in dem ehemals kaiserlichen, jetzt staatlichen Lainzer Tierpark, der sich meilenweit über Berg und Tal zieht. Um?Z Uhr erschienen etwa 50 neue Gäste, zwar ohne Einladung, dafür aber mit hakenkreuzbinden, Knüppeln und Totschlägern. Rasch wurden verandasenster und Tafelgeschirr zertrümmert und die Stühle in ihre Bestandteile zerlegt, um die Zahl der Hiebwaffen zu vergrößern. Und schon gings über die Festteilnehmer her, denen eine entsprechend starke SA.-Torsperre die Fluch» ver- wehrt«. Unter den Verprügelten und zum Teil erhebNch Verletzten sind der rumänische Gesandte Vrediceunu, seine Nichte, aber auch der faschistische königlich Italienische Militär» attache und seine Arau, sowie zwei Herren von der USA.» Gesandtschaft. Al» die alarmierten Gendarmen erschienen, war die„Straf- erpedition" längst verschwunden und die Retwngsgesellschast hatte die Opfer bereits abtransportiert. Möglicherweise wird die Mißhandlung so prominenter Leute und noch dazu ausländischer Diplomaten die Vürger-Regierung in Wien zu einer leichten Aenderung ihrer Meinung von dieser Art politischer Partei bestimmen. Arbeiter gegen Mordterror. Wuchtige Demonstration in Chemnitz. CTtzemnitz, 1. Juli.(Eigenbericht.) Am Tonnerstag wurde in Ehemnitz der am Sonntag in Limbach-RuSdorf von Nationalsozialisten erschossene 1 7jährige I u n g b a n n e r m a n n N u d o l f Marek eingeäschert. Die Beteiligung der Ehemniher Arbeiter- schaft an der Trauerkundgebung war überwältigend. An dem Trauerzug nahmen etwa lOvtit) Menschen teil. Tie Straßen loaren von einer dichten Menschen- mauer umsäumt. Auch die Kommunistische Partei hatte ihre Anhänger gesammelt und schloß sich dem Trauerzug der Organisationen der Eisernen Front an. Am Abend veranstalteten das Reichsbanner und die Sozialistische Arbeiterjugend eine Trauerkundgcbnng im Kaufmännischen Vereinslzauo, an der auch die Eltern und die nächsten verwandten des Ermordeten teil- nahmen. Die überfüllte Kundgebung gestaltete sich zu einer wuchtigen Demonstration gegen den nationalsozia- listischen Mordtcrror. Am Garge des Freiheitskämpfers. Zehntausende neigen sich vor dem toten Zungbannermann. T h e m n i h, 1. Zuli. sEigenbecichl.) Die Beerdigung des am Sonntag bei den blutigen Uebersällen der Nationalsozialisten in Limbach erschossenen Zungbanncr- kameraden M a r e ck fand gestern im Chemnitzer Krematorium statt. Mehr als l<1 000 Menschen zogen in stundenlangem Zuge an dem Krematorium vorüber. Am Abend veranstaltete das Reichsbanner und die SA3. eine grohe gemeinsame Trauerfeier, bei der namens des Bundesvorstandes Redakteur Osterroth- Magdeburg vor mehr als 4000 Menschen sprach. Noosevelt vor dem Ziel. Isahe an der Zweidrittelmehrheit im Demokraten-Kongreß. Chlkago, 1. Zuni. Sei der ersten Abstimmung über den präsidentschastskandi- dalen aus dem demokratisch eu Parteitag erhielt R o o s e- velt KKK Stimmen. Das sind lOZ Stimmen weniger als die verlangte Zweidrittelmehrheit. S m i l h erhielt?0l und G a r n e r 90 Stimmen. „Vorwarts"-Verboi und Ausland. Holland wundert sich. Amsterdam, 1. Juli.(Eigenbericht.) Zum drohenden Verbot des„Vorwärts" schreibt der Amsterdamer„Telcgraaf", daß die Maßnahmen, die die Reichs- regierung gegen zwei so angesehene Zeitungen, wie den„Vorwärts" und die„Kölnische Volkszeitung" verlangt, eine bedenkliche Erschei- nung bedeute. Die große Uneinigkeit, die in Deutschland bestehe, werde damit plöglich sonnenklar. Die preußische Regierung könne das Ansuchen des Reichs nicht ausführen, ohne sich selbst einen schlag ins Gesicht zu geben. Auch andere große niederländische Blätter geben ihrem Befremden über die Pressepolilik der neuen Rcichsregicrung unverhohlen Ausdruck. -i° Das Syndikat der sozialistischen Journalisten Belgiens be- kündete dem„V o r w ä r t s" durch ein Telegramm seine brüderliche Solidarität. Bootskatastrophe in Köpenick. Boot abgesunken.— Vier Znsassen ertrunken. Ein folgenschweres Bootsunglück ereignete sich heule nacht gegen � 12 Uhr aus dem Langen See in Köpenick. Dort schlug zwischen Schmetterlingshorst und Rlarienlust ein mit vier Männern, einer Zrau und einem Kind besetztes Außenbordmotorboot infolge Motordefekts um. während es zwei der Insassen gelang, sich schwimmend zu retlen, konnte die 34 Jahre alte Ehesrau Magdalena K r o o p aus Oberschöneweide, Wuhlheide 216, nur noch als Leiche an» Ufer gezogen werden. Die zwei anderen Männer und das Kind sind jedoch bisher trotz sofort ausgenommener Suche des wasser- schuhes und der Zeuerwehr noch nicht geborgen worden. Die Namen der Toten. 'tms Leben gekommen sind bei der Bootskatostrophei die 34 Jahre alte Frau Magdalene K r o o p aus Oberschöneweide, Wuhlheide 216: deren 12jährige Tochter Dorothea: der 30 Jahre alte Ernst B r a ch o w aus der Gubener Straße 10 in Berlin O.: der 30 Jahre alte Paul H o f f m a n n aus der Breslauer Straße 3a in Berlin O. Di« Wasserpolizei ist im Verein mit der Kriminalpolizei bemüht, die Urjachen des schweren Unglücks zu klären. Bisher konnte nur festgestellt werden, daß das Boot plötzlich voll Wasser lief urtd in kurzer Zeit unterging. Entweder ist das Boot über- lastet gewesen oder aber— und diese Vermutung scheint der wahren Ursache näherzukommen— der Bootskörper ist durch einen Schraubcndefekt derart beschädigt worden, daß die Seitenwand durchschlagen wurde. Leider gestalteten sich die Rettungsarbeiten infolge der Dunkel- heit, obgleich von verschiedenen Seiten Hilse hinzueilte, anßerordent- lich schwierig. Frau Kroop konnte nach wenigen Minuten gerettet wirden. Infolge der furchtbaren Ausregung scheint die Frau jedoch einen Herzschlag erlitten zu haben, denn als sie an Land gebracht wurde, war sie bereits tot. Die Unsallstelle liegt auf dem Langen See zwischen den Zlusflugslakalen„Schmetterlingsharst" und .Marienlust". Heute soll ein Lokaltermin abgehalten und der ge- sunkene Bootskörper gehoben werden. Das Heerlager von Oessau Neuauflage des Blutsonntags von Brauufchweig? Dessau» 1. Juli.(Eigenbericht.) Tie Nationalsozialisten Planen für den 3. und!3. Juli in Dessau ein sogenanntes Mitteldeutsches Tressen, für das bereits bei der Polizei die Anmeldung für 30 00Y auswärtige SA»»Leute vorliegt. Es muß daher befürchtet werden» daß es an diesen beiden Tagen in Dessau zu ebenso schlimmen oder noch schlim- meren Zusammenstößen kommt als seiner- zeit in Braunschweig. Die Gefahr ist um so größer» als der nationalsozialistische Ministerpräsident von Anhalt Frehberg dem demokratischen Ober- bürgermeister Hesse in Dessau für die beiden Tage das Kommando über die städtische Polizei entzogen und sie der Landespolizei unterstellt hat» über die er den Oberbefehl ausübt. Weiterhin wird die Gefahr vergrößert dadurch» daß der nationalsozialistische Ministerpräsident der Leitung der SA. zugestanden hat, die SA.-Leute dürften während der beiden großen De- monstrationszüge„in Zusammenarbeit mit der Polizei Ordnungsdienst ausüben". Die Sozialdemokratische Partei hat infolgedessen B o r st e l l u n g e n erhoben sowohl bei der Polizei- bchörde der Stadt Dessau und beim Ministerpräsidenten Frehberg als auch beim Reichsinnenminister. Der Reichs- innenminister Freiherr von G a y l empfing im Verlauf dieser Aktion am Donnerstagnachmittag den Reichstags- abgeordneten Genossen Leger, der dem Reichsinnen» minister über diese Besorgnisse der Arbcikcr- bevölkern ng und der gesamten republikanischen Ein- Wohnerschaft Mitteilungen machte. Der Reichsinnen- minister versprach» sich noch einmal persönlich mit dem Ministerpräsidenten Frehberg in Anhalt in Berbin- dung zu setzen. Leider lassen die K o m>n u n i st e n auch diese Ange- legenheit nicht vorübergehen, ohne Zersplitterung in die Arbeiterschaft hineinzutragen. Während die Ortskamps- leitung der Eisernen Front den im„Vorwärts" bereits erwähnten Aufruf erlassen hat:„Fenster zu und Straßen leer?" verbreiten die Kommunisten ein Flugblatt» in dem sie mit dürren Worten zu Gewalt- tätigkeiten gegen die natürlich in Ucbcrmacht an- rückenden Nationalsozialisten auffordern. Bei der zahlenmäßigen Schiväche der Kommunisten in Anhalt ist nicht anzunehmen» daß diese Parole Erfolg hat. Sie sei nur registriert als ein neuer Beweis dafür» wie wenig ernst es den Kommunisten mit einer wirklichen Einheits- front der Arbeiterschaft ist. Neuer plan in Lausanne Einigungsaussichten sehr gering Lausanne, l. Juli(Eigenbericht). Auch heut« gingen die Beratungen der süns Gläubigermöchte bis 12 Uhr 30 weiter ohne Beteiligung Deutschlands. Den Deutschen soll am Nachmittag der neue Vorschlag in einer Sechser- sitzung unterbreitet werden. Der bisherige Plan der Gläubiger dürfte sehr wesentliche Aenderungen erfahren bezüglich der söge- nannten Unsicherheitssaktoren, ohne deren Beseitigung Deutschland keine Regelung anzunehmen erklärt. Ohne Berück- sichtigung der Borbelastungen Deutschlands durch die Dawcs- und Joung-Anleihen sowie seiner Schulden an Amerika und der Nach- Zahlungen aus dem Hoover-Moratorium sah der Gläubigervorschlag bisher so aus: Bedingte Zusage der Annullierung der Reparationsansprüche gegen Berpslichtung Deutschlands. 1. in einem zu bildenden Gemeinschastsfonds eine größere Summe einzuzahlen: 2. sich zur Zahlung einer R e st s u m m e zu verpflichten, die als Ausgleichsumme für die Zahlungen an Amerika gedacht ist: 3. eine Schutz klau sei zu unterschreiben, in der weitere Zahlungen vorgesehen werden sollen, falls Amerika von seinen europäischen Schuldnern einen größeren Betrag ver- langen sollte, als diese Restsumme darstellt. Es wird vermutet, daß der neue Weg Herriots darin besteht, die Rückversicherungssummc für die Ablösung der Bereinigten Staaten durch Verzicht auf die sogenannte Untrennbar- k e i t von Reparationen und interalliierten Schulden abzutrennen, um den Weg für eine reine Reparationslösung freizumachen. Deutsche Aufrüstunq wird abgelehnt. Paris, l. Juli.(Eigenbericht.) Die Pariser Presse beurteilt die Aussichten der Lausanner Kon- ferenz wieder recht pessimistisch. Der„Petit Parisien" sogt: Ein einziger Punkt sei bisher erreicht worden. Die Deutschen hätten das Prinzip der Regelung des Reparationsproblems mit Hilfe einer Abfindungssumme angenommen. Zlber jeder Versuch, den Reichsfinanzminister zu veranlassen, die Summe zu nennen. deren Zahlung Deutschland übernehmen würde, sei vergeblich ge- blieben. Der Reichssinanzminister wolle»nrch sein Schiveigen wahrscheinlich Zeit gewinnen, in der Hoffnung, die Furcht vor einem möglichen Mißerfolg werde Macdonald veranlassen, seine Haltung zu ändern. Die deutsche Forderung nach Gleichberechtigung auf militärischem Gebiet, betonen der„Matin" und andere Blätter, habe der eng- lisch« Schahkanzler Chomberloin sofort als unannehmbar be- zeichne«. Macdonald Hobe hinzugefügt:„Lcnisnnne ist Lausanne. Wir haben uns hier nicht mit der Abrüfwng zu beichästigen, die in Genf behandelt wird." Das wichtigste Ergebnis vom Donnerstag, versichert„Petit Parisien", sei die Verständigung zwischen den frühe- ren Alliierten. Wenn sich die deutsche Haltung nicht im letzten Augenblick ändere, laufe die Konferenz Gefahr, mit einer vielleicht großsprecherischen, aber ziemlich vagen Erklärung abgeschlossen zu werden. Herrioi sagt: Die Franzosen können beruhigt sein. Paris, l. Inst. Ministerpräsident Herriot ist heute früh in Paris«ingetroffen: er erklärte den Journalisten:„Die sranzösische Delegation ist sehr ruhig. Sie weiß, was sie will, und die Franzosen können genau so ruhig bleiben, wie wir. ver 4. Senat des Reishsgericms wird in der kommenden Woche Uber den Antrag der Regierung v. Rapen entscheiden, aoi lüitl Tass den„Vorwärts" zu verbieten Wie entscheidest Du? Du entscheidest gegen die Regierung der Hitler- Barone, indem du(ür jeden angedrohten Verbotstag einen neuen Abonnenten des„Vorwärts" wirbst. Has Itaiksiirteiä Sagtet: in jed�rüeüerfanriiiie gehört der„Vorurärts" Oer Frauenmord in Bernau. Oer Ehemann unter dringendem Verdacht verhastet. Unier dem dringenden verdacht, seine 27 Jahre alte Ehesrau Eharlolte geborene Bergmann ermordert zu haben, wurde gestern abend der 30 Jahre alle Lagerverwaller Fritz Doberan in der hohensteinstrahc 20 in Bernau festgenommen. D. bestreitet, mit der Blultat etwas zu tun zu haben. Er selbst kann sich den Tod seiner Frau nicht erklären. Im Laufe der Nacht wurde Doberan von Polizeibeamten nach Berlin gebracht, um hier dem Untersuchungsrichter vorgeführt zu werden. Am Mittwoch gegen drei Uhr wurde Frau D. von ihrem Ehemann in der gemeinschaftlichen Wohnung in der 5iohenstein> straße 30 aufgefunden. Die Frau lag angekleidet, es fehlten nur Schuhe und Strümpfe, tot auf dem Bett. Sie hatte um den Hals eine Schlinge, die aus einer Zuckerschnur gedreht war. Die erste Annahme ging dahin, daß die Frau sich selbst mit der Schnur er- würgt hatte. Der Ehemann war über den Tod seiner Frau äußerst unglücklich. Doch bald tauchten allerlei Vermutungen auf. Man glaubte nicht mehr an einen Selbstmord. Es war auch tatsächlich kein Grund vorhanden, der die Frau zu der Tat getrieben haben kann. Doberan wohnte mit ihr im Hause der Schwiegereltern, die Eigentümer des Grundstückes sind. Diese waren nach Binz aus Rügen gereist, uin dort seine Eltern zu besuchen. Doberan hatte eine gutbezahlte Stellung inne. Wirtschaftliche Sorgen hatte das Paar nicht. Die beiden jungen Leute waren seit zwei Jahren ver- heiratet. Kinder waren aus der Ehe noch nicht hervorgegangen. 32 Grad! Heute der bisher heißeste Tag in diesem Zahr. Unter dem Einfluß südlicher winde und der starken Sonnenstrahlung sind seit einigen Tage» in Berlin geradezu tropische Temperaluren zu verzeichnen, von 22 Grad um S Uhr früh stieg die Quecksilbersäule bis um t Uhr auf 32 Grad im Schallen. Damit ist in diesem Jahre die bisher höchste Temperatur zu verzeichnen. In den Nachmittagsstunden stieg dos Therinometer unaufhalt- sam weiter— kurzum: über Berlin lastete Hundstagshitze! Diese Tropentemperaturen dürfte» allem Anscheine nach am S o n n- abend durch stärkere Gewitter einen Rückgang erfahren. Da- mit ist jedoch keineswegs gesagt, daß sich der augenblickliche Witte- rungscharakter grundlegend andern wird. Wie der Amtliche Wetter- dienst auf Anfrage initteilt, solle» morgen verbreitete Gewitter auf- treten, die durch den Vorstoß kühler Luftmassen aus dem Westen verursacht werden. Da sich aber gleichzeitig ein Barometeranstieg bemerkbar macht, wird die Eintrübung von nicht allzulanger Dauer sein. Für Sonntag wird die Prognose voraussichtlich lauten: mäßig warm, teils heiter— teils wolkig! EntsehlicherTod eines Brückenspringers Auch ein Opfer der Not. Köln, l. Juli.(Eigenbericht.) Aus der Nol der Zeil werden alle möglichen versuche des Geld- verdienen» geboren. So kann man in Köln seil einem Jahr die sogenannten Brücke nspringer beobachten, die sich gegen flrn? psennigsammlungen vor einem neugierigen Publikum von der Slrahenbasi» der Dom- und heerbrücke als Kunstspringer vrodu- zieren. Am Donnerslog forderte dieses Brückenspringen ein Tode»- o p f e r. Ein Springer tauchte nicht wieder aus. Seine Leich« konnte noch nicht gesunden werden. Die vorher veranstalte»? Samm- luug halte l.SO Mark ergeben. Flugzeug aus 80 Meter Höhe abgestürzt. Gelsenkirchen. 1. Juli.(Eigenbericht.) Am Donnerstag nach 20 Uhr stürzte ein Flugzeug der Essener Fluggesellschaft über dem Flughafen Gclsenkirchcn aus 80 Meter Höhe ab. Das Flugzeug wurde total zertrümmert. Die Insassen wurden lebensgefährlich oerletzt. Die beleidigte Reichswehr.' Ein überflüssiger Prozeß. Simone Ter«:„Wie die andern" Auch ein Friedensdrama Paris, Anfang Inli. Simone T e r g, die Toditer des verstorbenen Direktors der unabstängigen Linkszeitung„Oeuvre", hat ein Stück geschrieben, das soeben anfgesührt wurde i„Wie die andern", und das ein einziger Aufschrei gegen die zum Krieg hetzenden Pressegiraten ist, Simone Tery ist selbst Journalistin, und sie kennt das Getriebe in den kapitalistischen Zeitungen.— Wir sind im Jahre IglM. Der Rcdaktionssaal der Zeitung „Frieden in Europa" erhalt die Nachricht, daß die.fjitler-Leuts in den polnischen Korridor eingebrochen seien. Keiner weih, wo Danzig liegt und was der Korridor bedeutet. Nur der Redakteur Pierre Savin begreift die Wichtigkeit der Nachricht. Seine Kollegen be- austragen ihn, einen beruhigenden Artikel für die morgige Nummer von„Frieden in Europa" zu schreiben, eine Aufgabe, die der junge Pazifist gerne erfüllt. Aber plötzlich erfährt man, dah der Direktor der Zeitung im Gegenteil einen Hctzartikel wünscht.„Sie brauchen nur alle positiven Sätze in Ihrem Artikel zu verneinen und aus den negativen das Nein zu streichen", sagt man Pierre Savin. Dieser weigert sich. Bei der Wahl zwischen Gewissen und Pflicht folgt er seiner inneren Stimme und wird fristlos entlassen. „Der Direktor!" hallt es plötzlich durch die Redaktionsstube. Brav wie Schulkinder lausen die Redakteure an ihren Platz und arbeiten. Man hört nur die Schritte des Mächtigen näherkommen i man sieht ihn nicht— als der Vorhang über dem ersten Akt fällt. Zu Beginn des zweiten Aktes tritt der Tyrann persönlich vor uns. Egoistisch und habsüchtig lebt er fernab von der Menge, die er verachtet und verführt. Er telephoniert. Der Direktor hebt nur den Hörer ab und ruft ein Wort in den Apparat:„Nein." Dann hängt er wieder an. Man meldet ihm, der Minister telephoniere ihm. Er schreit noch lauter:„Nein!" in den Apparat. Seine Angestellten behandelt er wie der vollendete Despot. Er kennt keinen Widerstand gegen seine Wünsche. Da kommt plötzlich von hinten, ohne anzuklopfen, ein kleiner, schmächtiger, schmutzig aussehender Mann in das Arbeitszimmer des Direktors mit dem Hut aus dem Kopf und setzt sich auf den Stuhl des Herrn.„Ich will", sagt er, „dah die Zeitung morgen einen Artikel für Schutzzoll bringe. Sie hat lange genug gegen den Schutzzoll geschrieben. Ich bin Mar- garinefobrikant und erziele dann höhere Preise."— Der Direktor weigert sich.„Vergessen Sie", fragt der kleine Mann weiter,„dah ich 50 Millionen in die Zeitung gesteckt habe? Glauben Sie, dah ich das für nichts getan habe?" Der Direktor versteht die Frage, und die beiden verständige» sich: morgen wird der Artikel für den Schutzzoll erscheinen. Pierre Savin, der mutige junge Redakteur, der noch Ideale hat. erscheint vor dem Herrn, der über ihn lacht und sich mit der Palizei verständigt, Pierre Savin, den Idealisten, der in der Zeitung „Frieden in Europa" sür den Frieden schreiben wollte, ins Irren- haus zu stecken.— Im letzten Akt sind wir im Irrenhaus. Vor den Irren schwärmt Pierre Savin begeistert für den Weltfrieden. Dos Theaterpublikum und vor allem die Pariser sozialistische Jugend, die einen Massenbesuch des Stückes organisierte, klatschten rasend Beifall. Die Irrenärzte sehen im Irrenhaus immer nur Schwerkranke und halten auch Pierre Savin für total verrückt, besonders da er gegen den Krieg spricht. Der Direktor besucht Savin im Irrenhaus und bietet ihm die Freiheit und eine wunderbare Stellung an, wenn er„vernünftig" wird.„Noch in diesem Haus bin ich freier als Sic". antwortet ihm Pierre Savin ablehnend. Viermal kommt der Direktor, und beim viertenmal gibt schließ- lich Pierre Savin aus Sehnsucht nach seiner Geliebten nach. Er ist „wie die andern". Einer der Irren belauscht dies Gespräch und lacht erschreckend und laut auf. Dieses Lachen des Irrenhäuslers zeigt uns, wie herrlich weit wir es mit dem Frieden in Europa gebracht haben. K. L. Vor dem Schöffengericht Charlottenburg begann heute morgen unter Vorsitz des Landgerichtsrats Tiemann eine Verhandlung gegen den Herausgeber der„Weltbühne", Karl von O s s i e tz k y. Es wird ihm zur Last gelegt, die Reichswehr beleidigt zu haben. Ossietzky wurde aus dem Gefängnis Tegel vorgeführt: er verbüßt dort anderthalb Jahre Gefängnis auf Grund des Reichsgerichts- Urteils wegen angeblichen Landesverrats durch einen„Weltbühnen"- Artikel. Gegenstand der heutigen Verhandlung ist ein Artikel von Jgnaz Wrobel, betitelt:„Der bewachte Kriegsschauplatz" vom 4. August vorigen Jahres. Rückschauend auf den Weltkrieg wird darin gesagt: „Krieg ist Mord, Soldaten sind Mörder." Dieser Ausspruch gab dem Reichswehrministerium Anlaß zu einem Strafantrag wegen Beleidigung der Reichswehr. Zu Beginn der Verhandlung stellte Rechtsanwalt Dr. Apfel den Antrag aus Vertagung. Angesichts der bevorstehenden Amnestie würden in einer großen Anzahl von Sachen, die voraussichtlich unter die Amnestie fallen, die Termine vertagt, ja, selbst Unter- suchungsgefangene entlassen. Es liege kein Grund vor, in diesem Falle eine Ausnahme zu machen. Zudem sei der Angeklagte seinem ordentlichen Richter entzogen worden. Der reguläre Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Schmitz, habe die Verhandlung auf den 1. Juli festgesetzt, den Tag, an dem er seinen Urlaub anzutreten beabsichtigt. Wohl um der Notwendigkeit enthoben zu sein, in der Sache de» Vorsitz zu führen. Der Angeklagte selbst erklärte, seine Verteidigung habe die Amnestie nicht herangezogen, damit er hier durch eine Hintertür aus der Verantwortung entschlüpfen könne. Er sei bereit, für den Artikel, mit dessen Inhalt er sich identifiziere, geradezustehen. Nach Ablehnung des Vertagungsantrages gab Ossietzky seine Erklärung zur Sache selbst ab: Seit 1312, seit Beginn meiner politischen Tätigkeit, stehe ich im Angriff gegen den Krieg. Der mir zur Last gelegte Ausspruch der „Weltbühne" entspringt also nicht einem Zufall, sondern entspricht ganz meiner Auffassung. Ich kenne den Krieg aus persönlicher An- schauung, wenn auch nicht als Kriegsdienstfähiger, so habe ich ihn als arbeitsverwendungsfähig an der vordersten Front bei Verdun und an der Somme mitgemacht. Tucholsky, den Verfasser des inkriminierten Artikels, der unter dem Pseudonym Jgnaz Wrobel seit 1913 sich in zahlreichen Glasten in der„Weltbühne" gegen den Krieg geäußert hat, kenne ich seit dieser Zeit. Seine Aus- sassung fällt vollkommen mit meiner zusammen. Auch seine Aeuße- rung ist nicht als eine zufällige zu betrachten. Der Ausspruch„Sol- daten sind Mörder" stellt keine juri st ische. Bezichtigung dar. Es ist nicht gesagt worden, d i e Soldaten sind Mörder. Es ist nicht von deutschen, französischen, englischen Soldaten gesprochen worden, sondern von Soldaten in abstrakter Form. Der Zeitpunkt, an dem der Artikel erschienen ist, schließt jede Strosbarkeit ans. Die „Weltbühne" hat stets zum l. August, zum Antikriegstag. rück- schauende Artikel über den Weltkrieg gebracht. So war auch in diesem Artikel nicht von der Reichswehr die Rede, sondern von Soldaten in vergangenen Kriegen. Das erhellt ganz besonders aus der Zitierung der Enzyklika des Pap st es Benedikt XV., in der es unter anderm vom Welt- krieg hieß: Es sei„eine Schlächterei, die bereits seit einem Jahre die Welt entehre". In der ganzen Weltliteratur, schon beim Chinesen Laotse, wie beim deutschen Philosophen Kant wird dos Soldatenhandwerk als Mord, werden die Soldaten als Mörder bezeichnet. Auf die Vorhaltung des Vorsitzenden, daß ja die Reichswehr die Fortsetzung des früheren Heeres darstelle und sie auch in der Lage kommen könne, Menschen töten zu mästen, er- widert der Angeklagte: es werde stets betont, die Reichswehr sei nur ein Berteidigungswerkzeug, es werde heute in der Praxis allgemein ein Unterschied zwischen Verteidigungs- und An- griffskricgen gemacht. Gerade diese Unterscheidung sei es, die solchen Männern wie Boncour die Möglichkeit gebe, sich als Pazi- fisten zu bezeichnen. Aus den Vorhalt des Vorsitzenden, ob sich nicht irgend ein Frontsoldat durch den Artikel beleidigt fühlen könnte, erwidert der Angeklagte, es sei bezeichnend, daß keiner von den Frontsoldaten- verbänden gegen den Artikel Einspruch erhoben, sondern blos das Reichswehrministerium Strafantrag gestellt habe. Rechtsanwalt Dr. O l d e n bringt die Enzyklika des P a p st« s Benedikt XV. zur Verlesung. Rechtsanwalt Dr. Apfel wiederholt feine Anträge über die Heranziehung des früher gegen Ossietzky erfolgten Urteils. Das Gericht lehnt sämtliche Beweisanträge ab! Staatsanwalt Herf beantragte 6 Monate Gefängnis. Gerirud Hanna. 25 Jahre im Dienste des ADGB. Auf dem Kölner Gewerkschaftskongreß berichtete die General- kommistion der Gewerkschaften Deutschlands, sie habe die A g i- tation unter den Arbeiterinnen zu fördern gesucht, indem sie einem Agitationskomitee der Frauen in ihrem Büro einen Raum zur Verfügung stellte. Der Generalkommission war dies von einer Seite zum Vorwurf gemacht worden. Dem 6. Gewerkschaftskongreß in Hamburg 1308 berichtete die Generalkommistion, daß sie am 1. Oktober 1305 ein Arbeiterin- nensekretariat errichtet und Ida A l t m a n n als Sekretärin gewählt habe. Am 1. Juli 1307 trat Gertrud Hanna in das Büro der Generalkommistion ein, und als Ida Altmann von ihrem Posten am 1. März 1309 zurücktrat, wurde die Genossin Hanna als ihre Nachfolgerin gewühlt, Gertrud Hanna hatte zuvor in ihrer Berufsorganisation, in, Verbände der graphischen Hilfsarbeiter, der vorwiegend weibliche Mitglieder umfaßt, gewerkschaflliche Erfahrungen gesammelt. Un- ermlldlich betrieb sie die Aufrüttelung und Aufklärung der Ar- beiterinnen, wie sie auch besonders für den gesundheitlichen und gewerblichen Arbeiterinnenschutz eintrat. Einen großen Fortschritt bedeutete es, als die„Gewerkschaftliche Frauen- z e i t u n g" herausgegeben werden konnte, mitten in der Kriegs- zeit, im Januar 1315, wo die Frauenarbeit immer mehr die Arbeit der Männer ersetzen mußte. Die Genossin Hanno war als Rs> dakteurin der Frauenzeitung erfolgreich bemüht, das Blatt der Arbeiterinnenbewegung dienstbar zu machen. Nach dem Kriege wurde Gertrud Hanna in den Landtag gewählt, und erst vor einem Monat trat sie dort beredt sür die Arbcitsbeschasfung und die Arbeitszeitverkürzung ein. Wir hoffen, daß es unserer bewährten Genossin noch lange ver- gönnt ist, erfolgreich auf dem Gebiete der gewerkschaftlichen Frauen- Bewegung zu wirken. Das Rätsel des Nebels gelöst. Künstliche Vernichtung des Rebels gelungen. Professor Dr. A. Wigand vom Meteorologischen Institut der Universität in Hamburg hat nach langjährigen Arbeiten und Ver- suchen bedeutsame Erfolge auf dem Gebiete der künstlichen Nebel- Vernichtung erzielt. Der Nebel ist seit Jahrhunderten für die Schiff- fahrt eine große Gefahr, unter der besonders England stark zu leiden hat. Aber auch auf dem Ozean ist der Nebel eine Quelle der größten Unsicherheit. Es wurden gerade in der letzten Zeit zahlreiche Mittel ersonnen, um die Schisse gegen die Gefahren des Nebels zu sichern. Hauptsächlich hat nmn sich der infraroten Strahlen bedient, die zwar unsichtbar sind, aber den Nebel durch- dringen und von Schiff zu Schisf selbst im größten Nebeldruck Zeichen geben können. Viel wichtiger als diese Maßnahmen zum Schutze der Schiffe gegen Zusammenstöße mästen ober Mittel sein. um den Nebel zu vernichten, zumal auch die Fliegerei und Luftschiffahrt durch den Nebel aus« schwerste gefährdet werden. Dazu war es erforderlich, die Natur des Nebels zu be- stimmen. Professor Wigand har festgestellt, daß Nebel durch elek- irische Ladung entsteht. Die Atmosphäre muß sehr stark elektrisch ge- laden sein, wenn Nebelwetter, besonders der trockene Nebel, sich geltend machen soll.„Trocken" wird er dadurch, daß die kleinen Tröpfchen des Wasserdampfes, die sich in der Luft befinden, sehr stark elektrisch gelade» sind. Es entsteht aus diese Weise in der Luft ein elektrisches Feld, das die einzelnen Wastertröpfchen schön beisammenhält. Sie können sich durch diese trennende Kraft der elektrischen Felder nicht vereinigen. Dadurch sind sie verhindert, als nasser Nebel oder Regen herabzufallen. Wenn die Annahme von der elektrischen Ladung der Wasser- tröpfchen bei Nebel richtig war. dann mußten Experimente, die in dieser Richtung lagen, auch beweiskräftig werden können. Zugleich mußte es möglich sein, mit Hilfe geeigneter Experimente den Nebel zu vernichten. Prof. Wigand machte nun zahlreiche Versuche mit elektrisch geladenem Wasser. Das Wasser, das in den Nebel hinein- gestäubt wurde, hatte eine elektrische Ladung erhalten, die der des Nebels entgegengesetzt war. Der Ausgang der Versuche zeigte, daß die Theorie Wigands vom Wesen der Nebel richtig war. Kaumwardas entgegengesetzte elektrische Wasser in den Nebel zerstäubt worden, als die elektrische Ladung der Lust geringer wurde und damit auch die Dichte des Nebels sofort ganz auffällig verschwand. Wir haben in der Natur oft erlebt, daß die Straßen der Stadt von einem sehr dichten Nebel erfüllt waren. Plötzlich begann die Dichte anscheinend ganz ohne Grund abzunehmen und schließlich verschwand der Nebel völlig. Jetzt wisten wir, daß daran elektrische Ladungen schuld waren. Nach diesen Erfahrungen wird es möglich sein, mit Verhältnis- mäßig geringen Mitteln Nebel künstlich zu vernichten. Noch sind bisher die Versuche nicht abgeschlossen. Zum Beweise der Richtig- keit der Theorie wurden sie in kleinem Maßstabe vorgenommen. Jetzt sollen sie in großem Umfange durchgeführt werden, um fest- zustellen, wie großer Mittel es bedarf, um Nebel von verschiedener Dichte zu zerstreuen. Oer Oichier ahnte es voraus. Ignorabimus-Tragödie in Wien. Dem Revolverattentat, das der Wiener Universitätsprosefsor Camilla Schneider aus den Rektor Prof. Abel verübte, lag ein wissen- schastlichcr Konflikt, oder vielmehr der Konflikt zwischen Wissenschast und Oktultismus zugrunde. Der Attentäter, Prof. Schneider, war seit Jahrzehnten den Lockungen des Spiritismus erlegen, er experimentierte mit einem Medium, versuchte Gedankenübertragungen usw. Er ivar überzeugt, mit diesen Experimenten der Wisseirschaft ein neues Reich erschlossen zu haben und wütete gegen seine Kollegen, die diese Art„Wissenschaft" nicht anerkennen und ihr an der Universi- tät keinen Raum geben wallten. Den Rektor haßte der Attentäter besonders deswegen, weil dieser sich geweigert hatte, ein Kolleg über Spiritismus und Okkultismus an der Universität zuzulassen. Interessant ist, daß bereits vorzwanzigIahren ein deut- scher Dichter genau den gleichen Konjlikt zwischen realistischer Wissen- schaft und okkultiststchem Glauben in einem monumentalen Drama dargestellt hat, das leider wegen seines gigantischen Aus- maßes(die Aufsührung würde 8 Stunden beanspruchen) von der Bühne ausgeschlossen ist. Der Dichter ist der verstorbene Arno Holz. Sein im Jahre 1312 erschienenes Drama„Ignorabimus" (Wir werden es niemals wisten) stellt den Rektor der Berliner Uni- oerfität, den darwiniftifch-naturwissenschaftlich orientierten Professor Dr. Dusroy-Regnier(Erinnerung an Dubais-Raymond) gegenüber seinem Halbbruder, den Okkultisten Dr. Ludwig Brodcrscn, und seinem Schwiegersohn, den Prof. Dr. Dorninger, der sich durch Brodersens spiritistische Experimente von der Naturwissenschaft zum Spiritisnms bekehren läßt. Um die Wahrheit und die Nichtwahrheit der neuen Erkenntnis geht«in großer Teil des Konflikts, während gleichzeitig eine seit drei Generationen sich hinziehende Familientragödie ihren tragischen Ausgang nimmt. In dem von Zlrno Holz dargestellten Konflikt tauchen sogar genaue Einzelheiten der Wiener Tro- gödie aus: der Streit zwischen den Halbbrüdern Dufroy und Bro- dersen hat sich u. a. deswegen besonders zugespitzt, weil Dufroy als Universitätsrektor die spiritistische Doktorarbeit, mit der Brodersen sich habilitieren wollte, schroff abgelehnt hat. Der Kämpf zwischen Wissenschast und Spiritismus ist in dem Holz'sche» Drama bis in die tiefsten Untergründe des Problems durch- geführt. Er bleibt, wiewohl Holz uns zwingt, an die Echtheit gewisser spiritistischer Phänoniene zu glauben, letzten Endes unentschieden und über ollen steht das trostlose„Ignorabimus"—„Wir werden es niemals wissen!" In der bei I. H. W. Dietz erschienenen Gesamtausgabe der Werke von Arno Holz füllt das Drama„Ignorabimus" mit über 500 Seiten Umfang den sechsten Band. Institut für Mikrophonforschung. Die wachsende Bedeutung mechanischer Musikübertragungs» Möglichkeiten stellt den Musikstudenten vor eine Fülle neuer Auf» gaben und zum Teil noch ungelöster Probleme. In richtiger Er- kenntnis dieser Sachlage wurde im Klindworth-Scharwenka-Kon- seroatorium— das sich mit musikalischer Film- und Rundfunk- technik schon seit Jahren befaßt— ein Institut für Mikrophon- forschung errichtet, das künstlerischen wie wissenschaftlichen Jnter- essen gleicherweise dienen soll. Vor allem verfügt es(dank der Unterstützung durch die Industrie) über die modernsten Moschinen und Apparate, so daß Hos Wichtigste: die praktische Ausbildung für Rundfunk, Schallplatte und Tonfilm in jeder wünschenswerten Hinsicht gewährleistet erscheint. Der Lehrplan des„Instituts" ist äußerst reichhaltig: Aufnahmepraxis, Bild und Tonschnitt, Ton- regie und Tonfilmdramaturgie sind hier ebenso vertreten wie Ge- sang- und Sprecherziehung, Komposition und Instrumentation sür das Mikrophon: akustische, musikalische und historische Kurse ver- vollständigen den lückenlosen pädagogischen Aufbau. Das Institut steht unter Leitung von Direktor Robitschek sowie seines Stell- Vertreters Dr. Kurt London. Die Razis gründen eigenen Lichtspielthealerverband. Der B e r- band der Lichtspieltheater Bcrlin-Brandenburg stellt fest: Anläßlich einer jüngst slattgesundenen Verbandsver- sammlung wurde ein von nationalsozialistischen Gesichtspunkten ge- tragener Antrag auf Aenderung des seit Jahren bewährten Stimm- rechts abgelehnt. Die weitaus überwiegende Mehrheit der Ver- bandsmitglieder lieht in ihrer Organisation eine politisch und reli- giös völlig neutrale rein wirtschaftliche Interessenvertretung. Der Verband besteht seit 22 Jahren als einzige zuständige zentrale Interessenvertretung der unabhängigen Lichtspieltheater für den Be- reich von Groß-Berlin und der Provinz Brandenburg. Er umsaßt 208 Mitglieder mit 270 Betrieben und 120 000 Sitzplätzen. Die nationalsozialistisch orientierten Mitglieder, die am 30. September aus dem Verbände ausscheiden wollen, betreiben nur 23— vorwiegend kleinere— Lichtspieltheater mit insgesamt 6513 Sitzplätzen, so daß ihr Ausscheiden bedeutungslos ist. Der Berlin-Branden- burger Verband ist dem Reichsverband deutscher Lichtspieltheater- besitzcr angeschlossen, der ebenfalls nach wie vor eine vollkommen politisch neutrale Organisation darstellt. Professor Reinhold krohn gestorben. Der Nestor des Lehr- körpers der Danziger Technischen Hochschule und zugleich der Nestor des deutschen Stahl- und Brückenbaus, ReinholdKrohn, ist am Mittwoch im Alter von fast 80 Jahren in Danzig gestorben. Noch lang- jähriger Tätigkeit in der Brückenbauanstalt Sterkrade wurde er 1304 an die neu eröffnete Technische Hochschule in Danzig berufen. Krohn hat u. a. gebaut die Norder Elbbrücke und die Hochbrücke über den Nord-Oßsec-Kanal, die Rheinbrücke bei Düsseldors, den großen Bogen der Berner Zlare-Brücke und die riesige Hellings- 'Anlage der Germania-Wcrft in Kiel. Der Urheberrechtscnlwurs im Buchhandel erschienen. Der m> Reichsjustizministerium ausgearbeitete Entwurf eines Gesetzes über das Urheberrecht an Werken der Literatur, der Kunst und der Photographie ist nebst Begründung im Buchhandel erschienen(Aus- lieferung bei Walter de(ßruyter u. Co., Berlin und Leipzig). Der österreichische Entwurf ist gleichzeitig veröffentlicht worden. Die Universitäk Dorpat feiert am 30. Juni und 1. Jyli ihr 300jährigcs Bestehen. Die Preußische Akademie der Wissenschaften Hot ihr aus diesem Anlaß ein Glückwunschschreiben überreicht, in dem die langen fruchtbaren Beziehungen zwischen Dorpat und ollen deiitschen Universitäten gewürdigt und ihr weiteres Gedeihen ge- wünscht wird. Erklärung zu obigen Bildern Sportjacke sehr beliebt, fesche Form, gute Qualität 5 SheMamSmanftel vollveit geschnitten, ganz geklittert 9 ?Ole?Ok!ei0 fesch, aus kunstseidenem �farocain, in modernen Mustern mit Flügelärmeln, weißer kunst- 4490 seidener Marocainweste mit Plisseegarnierung.... II SpOftkleid elegant, aus kunstseidenem Marocain, in schönen Paslellfarhen. mit reicher Biesenverarbeitung, ��150 zum Durchknöpfen, bis Größe 50..........!• 10 SONDERTAGE DER DAMENKONFEKTION Damenspsttkleider ngo Jugendlich, aus gestreifter Waschkunstseide mit Herrenrcvcrs, Rock in Falten gelegt................. Sportkleider flott, aus Waschcoltelö in schönen Pastellfarben mit Herrenrevers, doppelreihig bis Größe 50.......... 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Ssr.akall \V. 5, 7, 9 Uhr S. 3. 5, 7. 9 Uhr Odeon, Potsdamer Str. 75 Ein toller Einfall mit Willy Frltsch, Max Adalbert, ICosy Barsony W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Turmstraße 12 Kreuzer Emden mit E Kalph. W Fuetterer. Ch. W Kayser Für Jugendliche freigegeben! W. 5, 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) Kuhle Wampe— Außerdem: Der Herr der Wildnis, Abenteuer in 8 Akten. Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 Uhr Westen Unter den Linden Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3. 5. 7 9 Uhr Ariane mit Elisabeth Uergnek% Rudolf Forster— Tonwoohe Beiprogramm c Friedrichstadt Franziskaner Georgenstraße(Ecke Friedrichs traße") 9. 12. 3. 6. 9 Uhr Leichtsinnige Jugend mit CJamilla Horn 10.30, 1.30. 4.30. 7. Ml, 10.30 Uhr Das blaue Lieht mit Leni Riefenstahl* \eueste Tonbild-Keportage Primus-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr Frau Lehmanns Töchter mit IL Xiesc, II. Thiele, E. Eiste., Fritz Kampers W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15, 7.15, 9.15 Uhr Südwesten 3 Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1. W. ab oMi, S. ab 5U. Es geht um alles mit Verebes, Albertini, Folo— Liebesabenteuer auf llaivai Knrfiiret W' 7-«> S'« 5. 7. 9 üllr nunursc Slg. 3 ütr: Jgd.-Vorsl. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Frankenstein— Ein harmloser Fall mit ttzakall— Lumpengesindel Titln Ii w- 6�' 9. S. 5. ß'/ä, 9 ilUOll stgs 3 Uhr: Jugend vorslell Berliner Str. 97 Großlonfilm: Es geht um alles mit Luc. Albertini, Folo— Der Schrei der Sehnsucht, Großtierf. I HarBendorf M H/Irt /* Mariendorfer Wr. 7. 9 lfIUmiji Tonliehtspiele S. o, 7, 9 Chausseesir. 305. Slg 3 Uhr: Jgd.-V, Razzia in St. Pauli— Kismot mil Dita Parlo. Gust. Fröhlich ����cfiöneberg���p Alhambra iwnm Hauptstraße 30 Zwei Herzen Im Dreivierteltakt mit Gr. Theimer, Janssen — llallelula Jugendliche haben Zutritt Titania Schöneberg Hauptstr 49 W 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7, 9 Uhr Tom rechnet ab mit Tom Mix — Fat u. Fataehon: Schritt und Tritt Jugendliche haben Zutritt Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinslraße H5 Beg 7 9 Uhr Sbd Slg a, /, 9 Uhr Mamsell X'itouehe mit Anny Ondra. G. Alexander. Karlweis— Gutes Heiprogramm Wilmersdorf Ä t*: 11 tn Wochent. 7, 9% U. AiTtüttl stg. 5,?. 914 U. Kaiserallee. Ecke Berliner Straße Neuauff.I Die große Tonfilmoperette Der lächelnde Leutnant mil M. Chevalier. Regie: E. Lubitseh. Nach d, Operelte Walzertraum. Musik v. Oskar Strauß— Tonf ümbeipr. ■ Stegllt, M Titania-Palast �Lo.au. Steglitz, Schloßslr. 5. EckeGulsrauthsslr, Neuaufführung d. gr. Ufa-Tonfilmes: Der Kongreß tanzt mit Lillan llarvey. W Frltsch.<.\'eidf. Lil Dago ver— Tonfilmbeipr. Zeli ZehlendorF-MItte Beginn tägl. 5. 7. 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugendvorslell Potsdamer Str. 50 Zwei in einem Auto m. Magda Schneider. R. Romanowski— Heiprogramm Charlottenburg German ia-Palast Charloltenburg, Wilmersdorfer Str 53/54 Der Sänger von Sevilla mit Ramon Xovarro, Dor. Jordan. Rence Adoree W. 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstr 54(an der Wilmersdorf er Str.) Ein toller Einfall mit Willy Frltsch, Max Adalbert, Rosy Harsony, Dorothea Wieck W. 5. 7. 9 Uhr S. 3, 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater bS" u' Schlülerslr. 17 Sonnt. 3 ü.: Jgd.-V. Der Frechdachs m. W. Frltsch. Roberts— Razzia in St. Pauli Moabit >1«•#«««« At/ Wochent. ab 6 Uhr ATlUSilOT Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 2J. Tonlustspiel: Der tolle Homberg — Die heiligen drei Brunnen mit Luis Trenker— Tonwoohe Südosten Laisen-Theater �abVu Reichen berger Str. 34. Ein toller Einfall Willy Fritsch. Dor. Wieck llilfc, üebcrfall! (Alarm um Mitternacht) mit G. Maurus, Hans Stuwe Stella-Palast 5Uur. Köpenicker Straße 12—14 Der Sensations-Tonfilm: „Frankenstein Ferner: Gurt Hois. Dolly Haas in dem Tonfilm Schwank: Ein steinreicher Mann Treptow Deatsch-Ämerik. Theater Köpenicker Str. 68. Beg. 5, 7. 9 Uhr Ein toller Einfall mit Willy Fritsch— Tonkabarett— Tonlustspiel W Neukölln M Mercedes-Palast u! Hermannstr. 212. 2 Großtonfilme: Tom Mix: Tom rechnet ab— Kavaliere vom Kurfürstendamm Primus-Palast son'Ä�'u. Am Hermannplatz. Urbansir. 72/76 Der Sänger von Sevilla mit Ramon Xovarro— DI© 5 verfluchten Gentlemen mit Camilla Horn Treptow-Sternwarte Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr; Die helligen drei Brunnen. Ein Luis-Trenker-Film ■_ 9 Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent. ab 6.30, Sonnt, ab 5 Uhr Zwei Tonfilme Nach mehrmalig. Verbot freigegeben: Kuhle Wampe (Wem gehört die Welt?) Ferner: Ch. Th. Dreye» s mystisches Tonfilmwerk „Vampyr" ��FrlodMcbsfoido��� Kino Bäsch ÄÄEK Alt-Fricdrichsfelde 3 Unter falscher Flagge mit CK Susa, G. Fröhlich— Das geheimnisvolle Haus(Rätselhaft« Angelegenheit)— Tonwoche > WordOEten M AVit**%*#•«" Prenzlauer „Llysitttn Allee 56 Wochent. ab 6.30, Sonnt, ab 4 Uhr Tom Mix: Tom rechnet ab— Bühne; Nacktrevue Lncla Relieh Lana-Palast wi-isuhr Gr. Frankfurter Str. 121. Tonwoche Bühne: Lucia Relieh Xaekt- revue— Film: Tom Mix: Tom rechnet ab— Heiprogramm— Szöke Szakall Schwarzer Adler W. 5. 7. 9 Uhr S. 3. 5. 7. 9 Uhr Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel mit Martha Eggert— Tom Mix: Tom rechnet ab Jugendliche haben Zutritt Viktoria-Theater s�ocahb 3a u5 Frankfurier Allee 44. Zwei Tonfilme; Krlminalreponer Holm— Schofför Antoinette mit Chorlotte Ander Kosmos-Lichtspiele Lückstraße 70, W.%7, 9 Uhr. Stg. 5, ca. 7. Uhr Ein Lied, ein Kuß. ein Mädel mit Martha Eggertb, Fröhlich — Tonbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Flora-Lichtspiele Mu�otn1 Wocht. 5.45. ca. 7. 8.45. Stg. ab 3 Uhr 2 Tonfilme: Der Prinz von Arkadien mit Liane Haid. Willi Forst— Casanova wider Willen mit Huster Keaton ■ Wor<""■ Alhambra KÄ.34 Wochent. ab 5 Uhr. Sonnt, ab 3 Uhr Tonfilm: Tom Mix: Tom rechnet ab— Der Feldherrnhügel mit Roda Roda— Jugendliche Zutritt ■ Pankow■ Palast-Theater Breite Str. 21a. Wo. 7, 8.30, Sonnt, ab 4.30 Uhr Her tolle Bombers mit von Schietton, A. Sandrock n. a. — Frankenstein > Reinlclcetwlprf-Ost> Beba-Lichtspiele Residenzsir. 124 W. 6.46 o. 8.45 Uhr So. 5. 7, 9 Uhr Stg. 3 Uhr Jugend- V. Der blaue Engel mit Marlen« Dietrich, Jannings. Albers Gr. Beiprogramm Beilage Freitag, i. Juli 1932 MAftmO %älauxga£e Je* IbutasA CCCiee£ßexi-(ftoififioCj t Hon§exeH$eH... Alles im Leben hat doch mal«in Ende: Der Frieden hat mal«in Ende. Das Geld hat ein Ende. Bloß die Diplomaten finden kein Ende... Alles im Leben hat doch feine Grenzen. Ein Land hat feine Grenzen. Die Geduld hat ihre Grenzen. Bloß die Konferenzen— die kennen keine Grenzen... Und während die Herrn das große Ganze beraten, Di« Pleite, das Menü, das Ziel der Nationen— Trieft die Zeitung von Tränen und Unglückstaten: 1. Das Kabinett v. Papen entdeckt fein Herz fürs Volk. 2. Dreitausend Arbeitslose öffnen den Gashahn... 3. Die Konferenz tritt erneut zusammen. Und die Herrn reden bis in die Morgenstunde Und haben viel Optimismus im Munde. Alles im Leben hat doch mal Erfolg. Ein Bettler hat mal Erfolg. Ein Bankier hat mal Erfolg. Bloß die schönen Reden haben keinen Erfolg... Alles im Leben kracht doch mal zusammen. Ein System kracht zusammen. Ein Mensch kracht zusammen. Bloß die grünen Tische— krachen nicht zusammen... Und während die Herrn das große Ganze beraten, Die Kanonen, das Menü, das Ziel der Nationen, Trieft die Zeitung von Blut und von Unglückstaten: 1. Das Personal des Modehauses M. sucht billigen Tod in der Spree. 2. Die SA. veranstaltet dafür: Modenschaumitanschließendem Blutbad. 3. Di« Konferenz tritt erneut zusammen. Und die Herrn reden bis in die Morgenstunde Und haben schöne Leitartikel im Munde. Was ist der Haken bei Konferenzen? Der Mangel an sichtbaren Konsequenzen... Wir sehn immer bloß eine Konsequenz: Nämlich die nächste Konferenz. Gehen Menschen und Länder und Welten zugrunde— Immer mit der Ruhe! Immer mit der Ruhe!!! Konferenzen überleben alles um eine Stunde. J)eut&cfie& HeCdenium/ deut&che£fixe? Aus Hamburg wird uns geschrieben: Ich stelle Ihnen beifolgenden Artikel zum Abdruck zur Ver- sugung, weil ich die Heuchelei chauvinistisch-nationalistischer Kreise als über die Maßen unanständig empfinde. Ohne irgendeiner Partei anzugehören, trieb es mich spontan— einfach als Deutsche— Kritik an einer geistigen Einstellung zu üben, die, wenn sie einmal die wirkliche Oberhand gewönne, eine ungeheure Verwirrung im Volke anrichten müßte, sofern sie es nicht schon getan hat, und deren Ueberhandnehmen aus unserem deutschen Volke nichts als eine scheinheilige Pharisäer- g e s e l l s ch a f t machen müßte, aufgetakelt mit dem unechten Pe- griff der„Deutschen Ehre" wie sie einige Chauvinisten-Häuptlingc verstehen. Man kann gewiß, gerade weil man neutral eingestellt ist, an jeder Partei alles mögliche aussetzen, aber schlimmer als alle klei- neu und großen Fehler ist dieses Konglomerat von Heuchelei, Scheinheiligkeit und einer mit tönenden Phrasen verbrämten T e- sinnungslosigkeit, das die chauvinistischen Kreise aus- zeichnet. Ich glaube, daß man sich in der ganzen Welt über einen be- stimmten Ehrbegriff klar sein dürste— ich meine, jenen gewissen mythischen Ehrbegriff, der nichts mit einer xbeliebigen Privatehre zu tun hat, sondern der zu allen Zeiten und für alle Völker gleicher- maßen seine Bedeutung hatte. Das Verdienst, diesen Ehrbegriff zum erstenmal so grauenhaft und heuchlerisch verfälscht zu haben, dürfen— nach beigefügten Ausführungen— wohl unsere Chauvinisten für sich in Anspruch nehmen und man wird deshalb auch wohl kaum umhin können, ihre anderen Handlungen einmal unter diesem Aspekt zu sehen. Ich hoffe, trotz Rosenberg, daß sich aus diesem Geist nicht eines Tages unsere deutsche und europäische Zukunft entscheiden wird, denn das Ende müßte grauenvoll sein. ★ Der Artikel der Schreiberin hat folgenden Wortlaut: Ich lese im„Völkischen Beobachter" vom 16. Juni in einem Artikel, der die wertvollen Eigenschaften eines Buches und seines Verfassers anpreist, folgendes: „Der„Illustrierte Beobachter" wird in einer der nächsten Folgen dos Tagebuch eines Deutschen bringen, den das Schicksal nach Ruß- land verschlug und den die Not zum Geheimagenten der G P 11. macht." Dann weiter aus der Einleitung des Verfassers, eine» gewissen Willy Melchert: „Erstens will ich mir mein Gewissen erleichtern, das mich bei der Erinnerung quält, als Geheimagent(und wenn es auch aus Furcht vor dem Erschießen war) den roten Mördern ge- dient zu haben."(Die eingeklammerten Worte sind Original.) Nun— ich frage mich: Was würde wohl geschehen sein, wenn die gegnerische Presse es gewagt hätte, etwa folgende Meldung zu bringen: „Ein Nationalsozialist oder ein deutscher Rationalist, der mit der NSDAP, sympathisiert, in sowjetrussischen Diensten— als Ge- Heimagent der GPU." Würde nicht die gesamte nationalistisch-chauvinistische Presse Zeter und Mordio geschrien haben? Würden nicht alle„Lügen- abwehrstellen" in Tätigkeit gesetzt worden sein, weinend und Eni- rüstuug heuchelnd ob solcher ungeheuren Verleumdung und Ver- logenheit? Sicherlich würde es eidesstattliche Erklärungen en mzsz« geregnet haben, mit gegenteiligen Versicherungen. So aber schämt sich dieselbe Presse offensichtlich nicht, die Be- richte von irgendwelchen feigen Individuen zu bringen, die, weil J)a& c Cine(pataßeC/ 1? Das ist nun schon sehr lange her, da wurde es dem lieben Gott von Tag zu Tag klarer, daß die Krone seiner Schöpfung, die Men- scheu, ganz schrecklich dumm waren. Heute sagt man, dummer als es die Polizei erlaubt, aber Polizei gabs damals noch nicht, und darum konnte man das auch nicht sagen. Jedoch das mit der Dumm- heit hatte seine Richtigkeit. Es hatte gleich mit der Apfelgeschichte im Paradies angefangen, nachher erschlug Kain seinen Bruder Abel und mußte mit dem Kainszeichen herumlaufen, und dann ging das so weiter: es gab keinen Menschen, der nicht einen Haufen Dumm- heiten produzierte, und diese häßlichen Hausen lagen dann überall aus Gottes schöner Erde herum und verschandelten sie: und es war ja nun nicht so, daß solch ein Haufen Dummheit verschwand, wenn der betreffende Mensch, der ihn hingesetzt hatte, starb, sondern der blieb liegen bis in alle Ewigkeit. Und als die Menschen immer mehr wurden, konnte man kaum noch treten vor lauter Dummheiten, die im Wege lagen. „Sie lernen auch nichts dazu", klagte der liebe Gott,„immer machen sie wieder denselben Blödsinn! Was sangen wir bloß damit an? Wir können diese scheußlichen Haufen doch nicht immer weiter so herumliegen lassen?" „Laß sie ins Meer versenken", schlug der Teufel vor. Aber der liebe Gott wollte nicht: die Sintflut lag ihm noch schwer in den Gliedern. Damals hatte er ja beinahe alles Vernich- tet, weil er die Schlechtigkeit in der Welt ausrotten wollte. Und hinterher war er erst darauf gekommen, daß alles bloß Dummheit gewesen war, und hatte sich überzeugen müssen, daß gegen Dumm- heit die Götter selbst vergebens kämpfen. Und nun war alles wie zuvor. Und dos Meer würde überlaufen, wenn oll diese Brocken hineingeworfen wurden, und wieder würde es Ueberschwemmung geben, die alles ertränkte. Ihm graute davor. Ich glaube, es war ein Offizier der himmlischen Heerschar, der auf den glücklichen Gedanken kam, das Paradies durch die Dumm- heit der Menschen abzusperren, indem man sie davor aufeinander- häufte. Man sparte dadurch die Cherubimwache, und dann ergab es ja auch geradezu eine tiefere Bedeutung... Der liebe Gott wurde ganz vergnügt bei diesem guten Vor- schlag und traf sofort seine Maßnahmen. Was einmal von früher her auf der Erde an Dummheitsbrocken hcrumlag, ließ er zu- lex dbummfieit n Hütt ScfimeCt$c* sammentragen und als Fundament gewissermaßen rings um das Paradies aufschütten. Für die Zukunft gab er es den Menschen ein, daß sie ihre Dummheiten(natürlich ahnten sie es nicht, daß es Dummheiten sein könnten, im Gegenteil!) selbständig auf den ein- mal angefangenen Grundstock niederlegten. Inzwischen sind die Jahrtausende dahingegangen, die Menschen haben sich vermehrt, daß es kaum zu glauben ist, aber die Dumm- heiten sind die gleichen geblieben: der Wall um das Paradies, das man jetzt nicht mehr Paradies, sondern„Land der goldenen Freiheit" nennt, ist ein Gebirge geworden, rauh, zerklüftet, von Nebeln um- wogt, die Spitzen mit ewigem Schnee bedeckt. Und die Menschen bauen unermüdlich weiter und türmen das Gebirge immer höher. Die Herrschsüchtigen und die Hochmütigen stehen ganz oben auf den eisigen Gipfeln, achten weder Sturm noch Frost, und bauen sie höher: die Eiteln polieren die Gletscher, um sich darin zu spiegeln, die Habsüchtigen wälzen Blöcke heran, die Geizigen graben Schluch- ten und andere Verstecke, die Diebischen schleppen Brocken auf Brocken zu den Geröllfeldern,— alle sind sie unermüdlich tätig, glauben Wunder was sie schaffen, und verbauen sich doch nur den Weg zum Land der goldenen Freiheit, in dem sie aber alle für ihr Leben gern sein möchten. Aus Neid und Zwietracht werden Schroffen und Zacken, und die Herz- und Lieblosen ebenen weite öde Hochflächen. An einer besonders wüsten Stelle treiben Okkultisten und Spiritisten, Wahr- sager und Hellseher ihr düsteres Wesen. Was sie hinterlassen ist ein unwegsamer, stinkender Morast. Aber die Pedanten säen allent- halben Paragraphen. Die gehen auch aus dem dürrsten Boden auf, freilich was daraus wächst sind Dornenhecken, in denen die hängen- bleiben, die den Weg ins Land der goldenen Freiheit suchen, nach dem sie die anderen Fährnisse, die die Dummheit aufgebaut hat, überwanden. Alle hundert Jahr soll es sich einmal ereignen, daß ein Mensch hinüberkommt. Denn es gibt einen Weg über das schlimme Gebirge, und der Auserwählte geht ihn hocherhobenen Hauptes und mit ge- schlossenen Augen. Aber ob es ein Glück für ihn ist, weiß man auch nicht. Denn so schön das Land der goldenen Freiheit ist, so ist er doch ganz allein dort, und man sagt ja wohl, daß der Mensch vieles entbehren könne, nur den Menschen nicht. sie heldenhaft um ihr teures Leben bangten—„aus Furcht vor dem Erschießen"— in den Dienst ihrer, wie diese Presse jeden Tag schreit, allerniedertröchtigsten und ruchlosesten Feinde, traten, in den Dienst der roten Mörder, wie der Verfasser sie selbst gern und frei- willig bezeichnet. Wahrscheinlich deckt sich solche Persidie und Feigheit weitest- gehend mit dem Begriff der„d e u t s ch e n E h r e", wie gewisse chauvinistische„nationalistische" Kreise sie verstehen und täglich heuchlerisch und salbungsvoll propagieren. Man denke: der„Völkische Beobachter" vom 9. Juni geriet außer Rand und Band über das angeblich schmachvolle Ver- halten eines Zollpostens, der einige sich auf einer Sonntagsreise be- findliche belgische Soldaten in Uniform unter Zurücklassung ihrer Waffen, die Grenze passieren lieh, zum Besuch eines kleinen beut- fchen Grenzortes. Anläßlich dieser weltaufregenden Begebenheit ver- kündete diese Zeitung emphatisch: „An die deutsche Grenze gehören Beamte, denen gelehrt worden ist, daß ein Grenzposten lieber am Platze stirbt, als eine fremde Uniform durch den Schlagbaum zu lassen." Eine Lappalie wird fast zu einer Lebensfrage der Nation auf- gebauscht, während man an einem zu allen Zeiten und bei allen Völkern gleichermaßen verachteten, feigen und gemeinen Ge- sinnungsverrat nichts auszusetzen hat, sondern ihn im Gegenteil voll und ganz versteht und bei seinen Lesern dafür um Verständnis wirbt. Man geniert sich nicht, im weiteren Teil des Artikels von „grandiosen Erlebnissen" zu sprechen und wünscht, daß das Tagebuch seine Wirkung tun möge. Kein Sowjet würde wahrscheinlich einen derartigen Gesinnungs- verrat begehen, einzig und allein, um sein armseliges Leben zu retten und kein Mensch, der überhaupt noch einen Funken Ehre in sich trögt, würde es vermutlich wagen, einen einmal begangenen Verrat dieser Art durch Breittreten vor der Oeffentlichkeit und durch jene unglaubliche Entschuldigung ins Groteske zu steigern: er habe ihn aus Furcht vor dem Erschießen begangen. Ich möchte einmal wissen, bei welchem Volke des Altertums oder der Neuzeit eine solche„Rechtfertigung" etwas anderes als tiefste Verachtung hervorgerufen hätte, rcsp. hervorrufen würde. Deshalb dürfte es in der ganzen Welt einzig dastehen, daß eine solche Gesinnungslosigkeit nicht nur keine entrüstete Ablehnung, sondern ganz im Gegenteil noch weitestgehendes Verständnis, öffent- liche Befürwortung und wahrscheinlich auch noch angemessene Honorierung findet(wonach das schlechte Gewissen hoffentlich wieder beruhigt sein dürfte) mit dem einfachen Hinweis:„den die Not (nämlich die Feigheit und Angst vorm Erschießen) zum Geheim- agenten der GPU. machte". Als ob so etwas die natürlichste Sache von der Welt wäre. Und bei wem findet ein solches schamloses Verhalten diese Be- fürworwng? Bei Menschen, deren jedes dritte Wort„E h r e" ist, die an- geben, überhaupt nur noch für diesen Zentralbegrisf zu kämpfen und zu leben, die einem Zöllner anraten, eher am Platz zu sterben, als eine fremde Uniform, deren Träger auf einem harmlosen Sonn- tagsausflug begriffen ist, durch den Schlagbaum zu lassen. Ich gehöre keiner Partei an. Aber meine Vorfahren haben seit Generationen diesem Land, das unsere Heimat seit Urgedenken ist, gedient und zu Hause aufbewahrt hängen die Uniformen von vier Generationen, angefangen von den Befreiungskriegen. Der letzte Träger fiel als Kriegssteiwilliger in Rußland. Ich darf also wohl die Ehre für mich in Anspruch nehmen, deutsch zu sein, wenn ich auch nicht parteiamtlich abgestempelt bin. Als deutscher Mensch aber muß ich sagen: Ich bin erschüttert über«inen solchen Grad von Gesinnungslosigkeit, Heuchelei und Feigheit, wie er in den eingangs zitierten Worten zum Ausdruck kommt. Wie sagt A. Rosenberg in seinem Mythos des 20. Jahr- Hunderts: „Aus der Art der Wertring des Ehrbegriffs wird sich auch unjere ganze deutsche, unsere europäische Zukunft entscheiden." Ich fürchte, man wird nach dem hier Angeführten dieser Zu- kunft kaum eine günstige Prognose stellen können. Wenn dieses Gemisch aus Gesinnungslosigkeit, Feigheit und einem Mangel jeglicher Empfindung für ein solches schamloses Ver- halten„deutsche Ehre" sein soll, so müßte man sich schämen, ein Deutscher zu sein. HaxC fiflatx t tißex die �xcifteit dex(fixere Kein Mensch bekämpft die Freiheit: er bekämpft höchstens die Freiheit der anderen. Jede Art der Freiheit hat daher immer existiert, nur einmal als besonderes Vorrecht, das andere Mal als allgemeines Recht. Die Frage hat erst jetzt einen konsequenten Sinn er- halten. Es fragt sich nicht, ob die Pressefreiheit existieren solle, denn sie existiert immer. Es fragt sich, ob die Pressefreiheit das Privilegium einzelner Menschen oder ob sie das Privilegium des menschlichen Geistes ist? Es fragt sich, ob das Unrecht der einen Seite sein soll, was das Recht der anderen ist? Es fragt sich, ob die„Freiheit des Geistes" mehr Recht hat als„die Frei- heiten gegen den Geist"? Wenn man von zwei Arten der Presse sprechen will, so müssen diese Unterschiede aus dem Wesen der Presse selbst, nicht aus Rück- sichten, die außerhalb ihrer liegen, genommen sein. Zensierte Presse oder freie Presse, eine von beiden, mutz die gute oder die schlechte Presse sein. Eben darüber wird ja debattiert, ob die zensierte Presse oder die freie Presse gut oder schlecht sind, d. h. ob es dem Wesen der Presse entspricht, eine freie oder unfreie Existenz zu haben. Die schlechte Presse zur Widerlegung der freien Presse machen, ist behaupten, daß die freie Presse schlecht und die zensierte Presse gut sei, was eben zu beweisen war. Das Wesen der freien Presse ist das charaktervolle, vernünftige, sittliche Wesen der Freiheit. Der Charakter der zensierten Presse ist das charakterlose Unwesen der Unfreiheit, sie ist ein zivilisiertes Ungeheuer, eine parfümierte Mißgeburt. Wir haben gezeigt, wie das Preßgesetz«in Recht und das Zensurgesetz ein Unrecht ist. Die Zensur gesteht aber selbst, daß sie kein Selbstzweck, daß sie nichts an und für sich Gutes sei, daß sie also auf dem Prinzip beruht:„Der Zweck heiligt die Mittel." Aber ein Zweck, der unheiliger Mittel bedarf, ist kein heiliger Zweck, und könnte nicht auch die Presse den Grundsatz adoptieren und pochen:„Der Zweck heiligt die Mittel?" Meint es aber die Zensur ehrlich, so will sie die Willkür verhüten und mächt die Willkür zum Gesetz. Sie kann keiner Ge- fahr vorbeugen, die größer wäre als sie selbst. Die Lebensgefahr für jedes Wesen besteht darin, sich selbst zu verlieren. Die Un- sreiheit ist daher die eigentliche Todesgefahr für den Menschen. Einstweilen, von den sittlichen Konsequenzen abgesehen, so bedenkt, daß ihr die Vorzüge der freien Presse nicht genießen könnt, ohne ihre Unbequemlichkeiten zu tolerieren. Ihr könnt die Rose nicht pflücken ohne ihre Dornen! Und was verliert ihr an der freien Presse? Die freie Presse ist das überall offene Auge des Volksgeistes, das verkörperte Vertrauen eines Volkes zu sich selbst, das sprechende Band, das den einzelnen mit dem Staat und der Welt verknüpft, die inkorporierte Kultur, welche die materiellen Kämpfe zu geistigen Kämpfen verklärt und ihre rohe stoffliche Gestalt idealisiert. Sie ist die rücksichtslose Beichte eines Volkes vor sich selbst, und bekanntlich ist die Kraft des Bekenntnisses erlösend. Sie ist der geistige Spiegel, in dem ein Volk sich selbst erblickt, und Selbstbeschauung ist die erste Bedingung der Weisheit. Sie ist der Staatsgeist, der sich in jede Hütte kolportieren läßt, wohlfeiler als materielles Gas. Sie ist allseitig, allgegenwärtig, allwissend. Sie ist die ideale Welt� die stets aus der wirklichen quillt und, ein immer reicherer Geist, neu beseelend in sie zurückströmt. Arbeiter-Wochencedspld© Fußball/ Handball/ Tennis Noch immer haben bie Fußballer mit ihren Serienspielen feine Ruhe. Am kommenden Sonntag veranstaltet der zweite Bezirk auf dem Exerzierplatz in der Schönhauser Allee, Platz hinter der Mauer, ein Spielfest, an dem die»och ausstehenden Spiele zur Austragung gelangen. Um lb Uhr spielen Saxonia und Eintracht und um 17,45 Uhr Nord und Adler 08, Hauptsächlich das letzte Treffen wird von besonderer Bedeutung sein, Adler hat bisher noch kein Serienspiel verloren, wogegen Nord bereits zwei- mal unentschieden und einmal verloren gespielt hat. Ans eigenem Platz werden die Nordleute den Pankowern einen zähen Kampf liefern, der auch die Entscheidung um die Bezirksführung bringen wird. Aber auch das Spiel Saxonia gegen Eintracht ist von Inter- esse,— Der vierte Bezirk hat noch Hochbetrieb, Der Spitzen- reiter der Tabelle in Abteilung A hat einen schweren Gang vor, muß er hoch nach Luckenwalde zu Hertha 11. Die Herthaner, die nur mit einem Punkt hinter Teltow und Luckenwalde I stehen, haben die größte Aussicht, sich weiter nach vorn zu bringen, Lucken- walde I hat auf eigenem Platz in der Hetzheide gegen Schöneberg einen leichten Stand. Im Neuköllner Stadion, Platz 6, erwartet der Volkesport Neukölln die fünfte Abteilung der Luckenwalder, Weiter« Spiele: Friedersdorf gepr» Eichr-Bohnsdorf.— Silt-Gtalinsdorf Argen diche 2.— flogel qrgrn Herlprldr.— Storkow argen Lichtenberg 1,— tgorfer SO gegen ASB. ReukiMn,— Frohe Stunde gegen Hoppegarten.— Rot. Beiß gegen Fichte Dahme gegen Briick,— Luitenwaldr 3 gegen Mofter Zinna.— Treuenbrießen gegen Ruhlsdorf,— Zugendmanufchaften: Minerva gegen Teltow,— Nowawes gegen Borsigwalde,— Normannia gegen Drewitz,— Bilmersdorf gegen Lichtenberg i 2,— Hanfa gegen Schöneberg,— Ketzin gegen Eintracht. Reiniciendorf,— Fortuna gegen Adler Utz.— Fortuna 2 gegen Lichten» berg 1.— Schlilermannschafte»: Minerva gegen Fosse».— Spandau gegen Elstal.— Hansa gegen Schöneberg.— Pankow gegen Cladow,— Werlsee gegen Lichtenberg l.—. Köllnische Heide gegen Normannia,— Saronla gegen For- tuna 2.— Saxonia 2 gegen Fortuna 2,— Adler Ob gegen Fortuna 1.— Adler 08 2 gegen Fortuna 4. Veginn der Spiele: Erste Mannerinannfck>aften 17 Uhr, Vorher spielen se» weil» die zweiten und dritten Mannschaften, Fugend» und Schillermannschafte» vormittags 10 bzw. 11 Uhr. Der Lichlenberger Fußballklub„Normannia" sucht zum Sann- abend, 2. Juli, Gegner für zweite Mannschast auf eigenem Platz, Angebote heute, Freitag, ab 19 Uhr, unter E 5 3205. Handball am ersten Julisonntag Im ersten Bezirk ist dem Blitzturnier in Reh selbe an dem FSV,-Strausberg, ATV,-Werlsee, der Veranstalter und der TSU.-Koulsdorf 2 beteiligt sind, Bedeutung beizumessen. Für die dortigen Freunde werden die Kurzspiele etwas Neues sein. Die Endplacierung dürfte in der vorgenannten Reihenfolge die Spiel- stärke der Mannschaften richtig angebe», Beginn des Turniers 14 Uhr, Vorher um 13 Uhr stehen sich Rehselde 2 und FSV,- Strausberg 2 gegenüber,— Auf dem Eichenplatz in der Wenden- fchloßstraße erwarten die Köpenicker Frauen die von Nowawes um 15 Uhr. Für 15 Uhr ist die Begegnung der Iugendmannschaften von Köpenick und dem TSV.-Kaulkdorf und für 17 Uhr Köpenick 2 gegen TSV,-Kaulsdorf vereinbart,— Sport-Club 30 gegen Kleingärtner Charlottenburg 2 um 15 Uhr, Platz Schönhauser Slllee. FSV,-Pankow gegen Kleingärtner Charlottenburg um 10 Uhr Platz Kissingenstraße. FTGB.-Buch gegen SlTV,-Schenkendorf um 15 Uhr in Buch. FT,-Bötzow 2 gegen ZlTV.-Freiheit-Schönwalde um 15 Uhr in Bötzow, Frauen: Baumwerder gegen Kleingärtner Charlottenburg um 15 Uhr Insel Baumwerder.— Im 4. Bezirk veranstaltet die FTGB.-Lankwitz auf dem Platz in der Marienselder Straße ein Blitzturiner. Beteiligt sind FT,-Großbesten. FSV,- Teltow, FT.-Klausdorf und der Veranstalter. Beginn 15 Uhr.— AIV.-Ruhlsdorf 2 gegen ATV,-Sputendorf um 14 Uhr, FTGB,- Lankwitz 2 gegen FTGB,-Baumschulenweg 2 um 13,45 Uhr. Spielplan am Sonnabend. Eiche-Köpenick gegen Volkssport Neukölln um 19.30 Uhr Eiche- platz, FTGB,-Karlshorst gegen Volkssport Neukölln 2 um 19 Uhr Platz Tresckowallee,— FT,-Schönow gegen ASV.-Rotweiß um 19,30 in Schönow, FSV,-Teltow gegen FTSV.-Nowawes um 19,30 in Teltow,— FTGB.-Süden 3 gegen FTGB.-Südost um 19,30 Uhr Urbanplatz, /ie&eäez-leftHls Fortgang der Serienkampte— Vtcrsiädtekampf in Leipzig Die K r e i s m e i st o r s ch a f t für Frauen und Männer in der /i-Gruppe dürfte bereits entschieden sein. Tennis-Rot Friedrichs- Hain hat sich, wie in den beiden Vorjahren, die Spitze gesichert. Am kommenden Sonntag findet in der- Gruppe Frauen nur ein Treffen statt. TR,-Lichtenberg I spielt um 9 Uhr aus eigenem Platz im Stadion Lichtenberg gegen TR,-Prenzlauer Berg I. Mit weitem Vorsprung wird Lichtenberg den Sieger stellen.— K-Gruppe Frauen: TR,-Neukölln II— TR.-Westen I, 9 Uhr, Volkspark Neukölln, Das Treffen ist von besonderem Inter- esse, da beide Mannschaften den gleichen Punktstand aufweisen. Es ist schwer, den Sieger vorauszusagen, da die Spielstärke recht schwankend ist, FTGB, II— Charlottenburg I, 9 Uhr, Volkspark Rehberge, Wenn TR,-Charlottenburg vollzählig antritt, könnten sie da» Treffen für sich entscheiden,— In der- G r u p p e Männer findet ebenfalls nur ein Treffen statt. TR,-Lichten- berg l wird TR,-Weddiug I um 9 Uhr im Stadion Lichtenberg sechs Punkte abnehinen. Wedding wind dafür von den Lichten- bergern durch ihre bekannte„Gastfreundschast" entschädigt werden,— N-Gruppe Männer: TR,-Prenzlauer Berg I ist um 14 Uhr im Jriedrichshain Gast von TR.-Friedrichshain II. Friedrichshain wird hart um Verbesserung seines Tabellenstandes kämpfen und den Sieger stellen,— L- G r u p p e Männer: TR.- Prenzlauer Berg II— TR,-Lichtenberg II, 9 Uhr, Exer. Lichtenberg dürste sich glatt durchsetzen,— ll- G r u p p e Männer: FTGB. III spielt um 9 Uhr im Valkspark Rehberge gegen TR,-Prenzlauer Berg III. Nach den bisherigen Entscheidungen zu urteilen, kann sich Prenzlauer Berg überlegen zeigen, Tennis Rot Groß-Berlln spielt mit einer Vereinsmannschaft van vier Frauen und vier Männern am kommenden Sonntag in Leipzig gegen Eiche-Leip.zlg, FTV, Dresden und FTV, Magd«- bürg. Dieser V i e r- S t ä d t e-M a n n i ch a s t s k a m p s findet besonderes Interesse, da vier spielstarke Vereine, die stärksten im Arbeiter-TurN- und Sportbund, um den Punktsieg kämpfen werden. Jede Mannschast hat in zwei Tagen dreißig Spiele auszutragen, der Kampf verlangt also großes Stehvermögen der einzelnen Spieler, Ueberraschungen liegen in der Lust, der Sieger kann nicht vorausgesagt werden. Gespielt wird in allen im Tennis üblichen Konkurrenzen, Die beteiligten Vereine haben ihre besten Einzel- und Doppelspieler herausgestellt. Hicbard Koppiseb's Jubiläum IS Jahre Dienst am Arbeitersport Am 1, Juli vollendet Richard K o p p i s ch- Leipzig da» 28. Jahr seiner Anstellung im Arbeiter-Turn- und Spartbund Deeitschlands an führender Stelle, Der Jubilar ist in Arbeitersportkreise,, eine recht populäre Persönlichkeit, Nicht zuletzt sein unverwüstlicher Humor und seine bei ollen Gelegenheiten bekundete Solidarität und Hllfsbereitschast, aber auch seine Kenntnisse auf technischem Gebiet haben ihm die Liebe und die Anerkennung seiner Sportgenossen eingebracht. Von Berns Holzbildhauer, ging er noch beendeter Lehre in die Fremde, Nach der Militärzeit ließ er sich wieder in Berlin nieder, wo er im Herbst 1893 die 2. Abteilung des Turnvereins Fichte gründen half, Zum Vereinssunktionär berusen, war er auch bald im Bezirk und im Kreis tätig. Bereits 1895 besuchte er Im Auftrage seiner Berliner Vereinsgenossen den 2, Bundestag ln Rlagdeburg»nd der Bundestag 1907 in Stuttgart wählte ihn zum Lull des turn- wart, so daß er am 1. Juli nach Leipzig übersiedelte. Mit seiner Arbeit In dieser zentralen Stelle schuf er die Grundlage für die heutige Spielbewegung im Arbeiter-Iurn- und Sportbund. Neben dem derzeitige,, Bundesschulleiter Benedix war er der Verantwortliche für die technischen Angelegenheiten, Aus dem Kriege zurück- gekehrt hielt Koppisch 1919 das Referat über die sportpolitische Tätigkeit des Bundes, und in der Folgezeit stellte ihm die immer mehr zunehmende Spielbewegung weitgehende Aufgaben, die er in mustergültiger Weise löste. Als im Jahre 1924 di« Fußballspielbewegung eine eigene Leitung bekam, trat er zur Redaktion des Bundes über, wurde Schriftleiter der„Freien Sportwoche", Herausgeber des Pressedienstes und später auch des Internationalen Pressedienstes der Sozialiftischen Arbeitersportinternotionale, Als Förderer der Welthilfssprache Esperanto unter den Arbeitersportlern hat sich Richard Koppisch große Verdienste erworben. Der Jubilar ist weit über die Grenzen seines eigentlichen Arbeitsgebietes hinaus ein bekannter Freund und Mitstreiter in der Arbeiterbewegung geworden. In zahllosen Versammlungen, politischen Kundgebungen und Tagungen hat er das Wort ergriffen und durch seine zündende Rhetorik, oft aber auch durch seinen lebendigen Humor seine Auffassung vertreten. Iiiwergessen wird allen Teilnehmern des Bundestages im Jahre 1928 sein Austreten gegen die Kommunisten bleiben. Auf diesem B»,ndestag ging es darum, ob die als Parteimitglieder geschlossen austretenden kom- munistvschen Delegierten und ihre Hintermänner und Mondatgeber de» Arbeiter-Turn- und Sportbund zu einer Institution der Kom- »munistischei, Partei machen konnten oder nicht. Koppisch ging damals mit jugendlichem Feuereifer gegen die Zerstörer der Aundeseinheit vor: er hielt den jungen Leuten aus der kom- munistischen Partei, zentrale vor, daß die Zeiten vorbei feien, in denen die Funktionär« des Bundes nicht nur mit ibrer anderen politischen Meinung zurückbielten, sondern auch um des lieben Friedens willen selbst das Parteiabzeichen ablegten, Äoppisch setzt« sich mit aller Energie dafür ein, daß die kommunistischen Schädlinge aus dem Bunde entfernt würden, wenn sie sich nicht den be- stehenden Bundesgesetzen onpassen wallen oder können. So hat der Jubilar seit 25 Jahren gewirkt»nd geschaslt für die Arbeilersportbemegimg. Er war nie Pessimist; stets bejahte er da? Leben und fand sich mit Unannehmlichkeiten schnell ab. Die deutsche und die inlernatioimle Arbeiterspartbewegung dankt ihm niel und sie entbietet ihm zu seinem Jubiläum die kräftigsten Freiheitsgrüße, btaturfreunde am Kaiserdamm In zwangloser Form zeigten im Rahmen der Veranstaltungen des Kartells für Arbeitersport und Körperpilege aus der Ausstellung „Sonne, Luft und Haus" die Naturfreunde einiges vom Wander- leben. Aus einem allgemeinen Lagerleben auf dem Rosen vor dem Terrassengarten entwickelte sich ein lautes Treiben: Fanstball, VGkerball und sonstige Spiele, Voltstänze vor den schnell errichteten Zelten, Ein Sprechchor brachte Erläulernng und gute Rezitationen. Gute Aufnahme fanden auch die Musik- und Gesangsdarbietungen der Gruppen Friedrichshain und Treptow, Einfache Wanderlieder schallten über den Platz— auch so kann man für den Arbeiterspart werben. Tour de France" Die Nationalmennschaften stehen fest Für die bedeutendste und schwerste Prüfung der Straßensahrer, die vom 6, bis 31. Juli stattfindende französische Rundfahrt, sind die fünf Nationalmannschaften setzt endgültig zusammengestellt worden, und zwar wie folgt: Deutschland: Kutschbach, R. Risch, Umbcnhoucr, M. Bulla, H, Sieronski, K. Stocpel, L. Geyer und Thierbach. Italien: Di Paco, Pesenti, Morelli, Canozza, Gestri, Camusso, Marchisio»nd Oreechia. Frankreich: Leducqu, Le Caloez, Eh. Pelifsier, Peglion, M. Bi-dot, Archambaud, Speicher und Lapebie, Schweiz: Albert Büchi, Alfred Biichi, 21. Erne, E, Hofer, R, Pipoz, G. An� tenen, A. Bula und W. Blatlmann. Belgien: Demuysere. Schepers, Ronsse, G. Lemaire, G, Loncke, I. Aerts. F. Bonduel und A, Haemerlinck. In der Touristenklasse liegen schon mehr als 140 Meldungen vor, darunter auch die der drei Deutschen Herma m Müller, Olböter und Altenburger, wahrend die Gesamtsumme der Prämien bisher auf 073 000 Franken angewachsen ist, ButedesimiC teäeM. mi: RZP. Hella«. Heute, Freitag, Mitgliederversammlung in Plötzensee bei Dreners(WaldhUttc) um 20l,2 Uhr.__, ,, Tauristcnorrein„Die Siaturfreundc", dm dugcnöheim Charlottenburg, Epreestr, 00, spricht heute, Freitag, Dr. Max Hodann über: Da« neue Rußland. Gaste willkommen,..... »artellbezirk Reulölln. Montag, i. Juli, Delegicrtensitzung um 20 Uhr bei Echabeiko, Weichsel» Eck« Donausträßc. � Lolkssport Reukölin-Beitz.-Alucilungsz-itungswarte holen Mitteilungsblätter vom Sonnenplatz ab, Kartelldczirl Treptow. Kartcllsttzung im Juli fällt aus. R-dsahm„Solidarität", GeschttftssteS», Planufer M, Touren fllr Sonn» tag ,3. Juli. Tiergarten: Frauensee. Start 3 Uhr, Kroll, BUlowstr. 35. Kreuz» berg: Werlsee-Grunheider Strand, Hlart 3,30 Uhr, Rhade, D-.efsendachstr, 35, Liepnitzsee, Start 3 Uhr: Müggelschlaß. Start 13 Uhr'beide Mariannenplatzl. scc, Start 5 Uhr. Bahnhof Baumschnlcnweg, Neukölln: 2, Juli Rachtlahrt»um Wcrbclinsee, Start 24 Uhr: 3, duli»adktour«erlsee, Start 5.30 Uhr(beide Start« Hohenxollernplatzl, Weißens««: Die Abteilung Weißens««� beteiligt nch am Volksfest der SPD. im Schloßpark, Alle Genossen und Genossinnen, welche am Sonntag keine Tour fahre», werden gebeten, die Abteilung bei der Korso- fahrt um 14 Uhr von der Spitze Prenzlauer Allce Ecke Heinersdorfer Straße ,u nntcrstützcn. Für alle Korsoteilnrbmer freier Eintritt, sonst 30 Pfennig, Er» werbslosc frei. Der Genosse Ahlberg(Olymoiamelsterf tritt beim Voltsfest mit seiner Bicrer-Kunstgruppc auf. Alle Rodballmannfchasten, welche zu den Aus. trogungen der Scchscr-Serienspiele gemeldet haben, müssen am Sonntag ollnkt» lich 8 Uhr auf dem Sportplatz in Lankwitz sein socrlängerte Seodlitzstr.). In den nachdenannle» Sitzungen letzter Termin zum srelcn Eintrltt bei Soli: Tiergarten: l, duli.Rickcrt, Steinmetzstr, 36», Kreuzberg: 5, Juli, Lock, Schönlsinsir, 5. Rarianncnvlatz: 0, duli,, Forstcrstr. T Prenzlauer Berg: 7. duli, Zelt, Kopenhaacncr Str. 17. Wedding:"~...... Friedrichshain: I. duli, Horn, Zorndorfcr Str, Dderstr, 18, Köpenick: 7, Juli, Stippekohl, Schönerliuder«tr. 5. Weißensee: l. Juli, Nagel, Pistoriusstr, 27, Charlottenburg: I. duli, Reimer, Wilmers» Wedding: 5, Znli, Schreiber, Txiftstr, 63. 0. Lichtenberg: 8. Juli, Henkel, HtstimüonrSWWWWWWWWW..... .doofer Str. 21, Schöneberg: 5, Juli, Ebersftr, 18, Steglitz. Lichterfelde: 0, Juli, Virkbulchstr, 90. Tempelbof-Maricndorl: l. Juli. Königstr. 44. Mahlsdork: 3, duli. Anders, Bahnhofstr. 37. Kaulsdorf: 2, duli, Altkaulsdork Ccke Dorf» straße, Treptow-Baumichulenweg: 5. Jult, Marirntal, Baumschulenstr, 64. Moabit: o. duli Schmidt Wiclesstr. 17. Neukölln: 7. Juli, Kaiser.Frudrich» Str. 171,172.. Wilmersdorf: 6. Juli, Straß, Detmolder Str. 52, Oberschöne- weide: 8, Juli, Wilhelminenhoiftr, 04. Rcnnfahrer-Mitte: 1, duli, Seideist, Seidelsir, 23. Wannsce: 2. Juli, Lindenhos, Alle Sitzungen beginnen 20 Uhr. Solidarität, Krastsahrcr. Touren für Sonntag, 3, Juli. Abt, Kreuzberg: Stärttzsee. Start: 7 Uhr Reicheuberger Str, 91.— Abt, Friedrichshain: Fuchs» jagd, Start: 6 Uhr Landsberger Platz,— Abt, Norden: Weißer See bei Hammer. Start: 6 und 8 Uhr Seestr, 62.— Adt, Charlottenburg: Beetz- Sommerfeld. Start: 7 Uhr Wilmersdorser Str. gl.— Abt. Lichtenberg: Springs»». Start: 3 Uhr Odcrstr. 18.— Abt, Pankow: Frauensec. Start: 6 Uhr Pankow, Ber- liner Str, 36.— Abt. Tempelbof-Marieirdors: Kallnchen, Stark, 6 Uhr Kur» forsten. Ecke Schützcnstraße,— Versammlungen: Abt, Krcuzbcrg: l, Juli, 20 Uhr, Reichcnberger Str. Ol.— Adt. Friedrichshain: 1. Juli, 30 Uhr, Straus- bergcr Str. 3e— Abt. Norden: 1. Juli, 20 Uhr, Seestr, 62.— Abt, Charlotten» bürg: 1. Juli, 20 Uhr, Wilmersdorser Str, 2l,— Abt. stöpenick: 5. Juli, 20 Uhr, Kaiser-Wilhelm-Str. 3, „Freie Rudcroercinigung 1913". Jeden Freitag, 20 Uhr, Sitzung Im Strand» schloß, Oberschöneweidc, Kaiserslraßc 4. Sonntag, 3. Juli, Rezottanachseier im Bootshau«. Bei« Rast im Stadion stnd vier Eturmfahnen de» Arbeiter.Turn» und Svortbniides mit dem Bundcsabzcichrn und zw«! Sturmfahnen des Kartells. rotes Tuch mit kleiner Stickerei: Kartell für Ol, u. fl, Berlin, jedenfalls von anderen Organisationen oder Vereinen irrtümlich mitgenommen worden. Wir bitten mitzuteilen, wo und wann diese Fahnen abgeholt«erden können. Mit» teilung an Erich Dadbert, Berlin N. 20, Wicscnstraßc 31 17, Auslogcn werden erstattet. .. ,, üfsion! Die für M v n t a g nngesetzte Sitzunst findet wegen der Demonstrativn erst am Dienstag um dieselbe Achtung,' et weg Zeit statt. „Volk und Zeil", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Rundfunk am Abend Freitag« den 1. Juli 16.05 Zelinmal Olympisciie Spiele(K. Berlin: 16.05 Zehnmal Olympische Spiele(K. Doerry). 16.30 LJnterhaltung'snuisik. t 7.35 Dr. LeJjerall erzählt» 17.55 Das neue Buch. 18.05 O. Baum: Eigene Prosa.(8.25 Audi märkisdier Süden lockt(Dr. M. Sommer). 18.33 Die Funk- sfunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Lieder. 19.40 Mitteiliingeri des Arbeitsamtes. 19.45 Ordieslerkonzert. 20.33 Wegweiser ins Wodienende. 20.40 Bnmanlisdie Stunde. 21.23 Tages- und Sportnachrichten. 21.33 Aus London; Mililfir- kon/ert. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs wusterhau-en; 16.00 Hat das Bild noch eine Berechtigung?(Dr. A. Behne.) 16.30 Aus Leipzig: Nadi- nuttagskonzert. 17.30 Der Herrsdiaftsgedanke(Gabriele Hartenstein). 18.00 Biblisdie Klaviersonate von J. Kuhnau (F. K. Hoefert). 18.30 Schlagworte zur Wirtschaftskrise (H. H. Hirsdistein). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Aktuelle Stunde. 19.15 Wissensdiaftlidier Vortrag für Aerzte, 19.33 Proletarisierte Sdiauspieler(E. Lind). 20.00 Aus München: Konzert. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfnnk", monati. 96 Pf. duroi alle orwärfs"-Boien oder die Postanstalten. Verantwortl. für die Redaktion: Stich. Bernstein, ntm Berlin, Verlag: Vorwärt» Verlag<9, IN. b. H., Berlin. drnckcrei und Verlagsanstalt Paul Singer&<£o, Hierzu 1 Benag«, Sellin; Anzeigen: Th, Black«. Ii», Druck: Vorwärts Buch. «erlin SW 66, Lindenstr. 1 Stoffe für Leib- und Bettwüsche, Sommerstoffe aller Art V«rkau((>elt 8—5 Uhr. Sonnabends 8—3 Uhr Klalder- enllldi SM) und teidensteffe aller Art Machanische Feinweberei Adl8rshofA.-G.B,9r,,n'Ad§crs,,of,Äd58r9es,e" 265 ■ QeqanUber Stadtbahn. Ftrnm.: Adienhof 237. 238. 248 XheAlet. Liclilsptcle usw S&ats Theater f rettag, den 1. jali staatsoper unier den Linden 20 um SUflianfsche Vesper SlutlSdiausiiielltttis Geodanneninirkt. 20 Uhr leppe vom Berge Schiller-Theater Charlottenburs. LeuteVorsWlIg. 2u Uhr Egmcftf VOiKSUlIhli« Ihsater am BQIowDlal! 8Vl Uhr Geld chne ärhstl Komödie von Alberto CoIantHoni Bearbeitet von A. Stemmle Regle OBnther Stark Rose- Theater inle rrsjMurtrr Itrali II! 16.«lelönei i I»11 8.JO Uhr vie eiserne EoRäfrau («artenbUline 5.30 Uhr Konzert u.VQüeie Drei arme kleine Mädel: kstiä S41»!. Sj.8".SttU.i E 7 WeiAs. 4031. Einwaizertreum awu. jeder Art liefert preiswert Paul Golleti vormals Robert Meyer Marlannenstr. 3 F& Obarbau« 1303 mwm Miugung* nesfawaif Serlins BEThltli« K KEMPIHSKI�J s I em-Tiisat» Täglich äV. Uhr Ffaüonna wo bist Vu? Erika v. Thellmann, Luise Stöael Theodor Loos Josef Wedorn Ouiftunui Düböii u UeKIomrmdrKm Sprhöl v,l Ab Äperialifa# Conrad Müller Am 28. Juni verstarb im blührn- den Aller von 38 Jahren unser allleils verehrter Mitarbeiter und Kollege, der Schrtftsetzer Karl Wersukn In dem Beellordenen verlieren wir einen wahrhalt vordüdlichen Kollegen und Genossen mit aus» aezeichneten Charakierelgenschastsn Alle, die ihn kannten, verehrten ihn infolge leine» imuwc freundlichen, lebenslrohen Wesen»,seinerGeradheit, Offenherzigkeit und steten Htlssbereil» schaft. Trauernd urg» ehrend werden wir seiner stet« gedenken, Berlin, den I. Juli ISZ2 Gesdratiileltaiitz and Penenal der Verwärt»- Bodidrackerei Beerdigung: Sonnabend, 2. Z: I D e Uhr, auf dem gentral-Fried Uli. Lichtenög,»Fricdrichsselde, Gudrunstr, a Garkn* I 8 dkr I! Flen 3434 Rauchen erlaubt Beate Premiere! Henry Bender Kurt Lilien Else Ward Impekoven, Falkner, Behmer In einem von Hermann Peiner Inezenierten 8ket«ch von Karl Motl tt 8 Blackstreaks William Berner Favorit-Trio 5 Pallos-Ladies Souzette & Caisser lennttwt» u. Sonntag|» 2 Varel»! lg. 4 Uhr u. euhr 15. 4Uhr klein»