BERLIN Sonnabend 2. Zuli 1932 B 154 19. Jahrgang Redaktion u. Expedition: verlm SW 68, Sinbcnftr, 3 XeL A7 Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Zugleich Abenöausgab« bts„Borwärt»'. Bezugsprei« für beide aufgaben 75 Pf. pro Woche, 3,25 M. pro SDIonot(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung in» Hau») im voraus zahlbar. Postbezug 3,87 M. einschließlich M Pf. Postzeitung», und 72 Pf. Postbestellgebühren. Anzeigenpreis: Di- Ifplt Milli- meterzeile 30 Pf. Di« Retlamezeil« tostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. Jetzt Vorspiel zu Montag. Das Aanner der Freiheit entrollt. Heute mittag I Uhr wurde am„Vorwärts"°Haus die Fahne der Eisernen Front feierlich entrollt. Tie Belegschaft des Partcihaufcs und die Pasfanten der Lindenstraßc begrützten das slampf- banncr mit brausenden FrciheitSrufen. Ter Gesang der Internationale schloff die kurze« aber eindrucksvolle Fahnenweihe ab. Schuß nach hinten! Bei Hugenberg kann man es gar nicht erwarten. Wir haben heute morgen gszeigt. welches Echo das Verbot des „Vorwärts" im Ausland gesunden hat. In Deutschland geht es der Rechtspresse noch nicht schnell genug! Die Hugenbergpreise tobt, daß wir heute morgen noch erschienen sind, und es laßt sich voraussehen, daß sie heute abend noch mehr toben wird. Besonders der„L o k a l- A n z e i g e r" des Hugenberg-Äonzerns erregt sich darüber, daß das Verbot noch nicht in Krast getreten ist: „Aber Herr Seoering hat offenbar die Absicht, sich hinter den bürokratischen Instanzenweg zu verschanzen. Er will die Zustellung des schriftlichen Urteils abwarten, und wenn man dem trauen darf, was man in politischen Kreisen raunt, will er den Berliner Polizeipräsidenten Grzesinski dann gleichfalls schriftlich benachrichtigen, daß er den„Vorwärts" zu verbieten habe. Dar- über, hofft man, könnte es Montag oder gar Dienstag werden. Diese seltsame Auslegung des Begriffes„sofort", während dem geschästsführenden preußischen Innenminister Herrn Severing der Inhalt des Reichsgerichtsurteils selbstverständlich seit der dritten Nachmtttoqsstunde gestern bekannt ist, scheint die Reichsregierung stillschweigend dulden zu wollen." Wozu diese unanständige Ha st? Glaubt man im „Lokol-Anzeiger", daß der preußische Minister des Innern auf Zeitungsnachrichten hin ahne jede korrekte amtliche Benachrichtigung das von der Reichsregierung geforderte Verbot in Kraft setzen werde? Das ist eine seltsame Auffassung von anrtlicher Korrektheit, es zeugt von einer Laxheit der Rechtsoiffsassung, die nur ins Drille Reich paßt! Diese Laxheit der Rechtsaufsassung stimmt ausgezeichnet zur Laxheit der politischen Moral in der Hugenbergpresse. In derselben Notiz begeht der„Lokal-Anzeiger", in der Absicht, gegen den„Vorwärts" zu hetzen, eine drei st e Fälschung an einem .,Vorwärts"-Zitat. Das ob des Verbots freudig erregte rechtsradikale Publikum, das den Augenblick der„Hinrichtung" gar nicht erwarten kann und laut lärmt:„Wann wird endlich geköpft?", hat noch gar nicht gemerkt, welchen Schlag das Kabinett der Barone mit diesem Verbot gegen sich selbst gesichrt hat. Diesem Publikum empsehleir wir, über die folgenden Sätze der„Deutschen Allgemeinen Zeitung" nachzudenken: „Der ganze Fall ist weder für die Presse noch für die Reichsregierung erfreulich. Denn wenn man schon glaubte, ein Verbot nicht vermeiden zu können, so dürfte es im Interesse der Staatsautorität keinesfalls auf Eis ge- legt werden, sondern mußte sofort erfolgen. Die Reichs- regierung hat aber tagelang gewartet, bis sie sich zu chrem Schritt bei Preußen entschloß. Sie hat in korrektester Achtung vor den bestehenden Kompetenzen, dem Sozialdemokraten Severing Gelegenheit gegeben, in einer Erwiderung öffentlich gegen die Auffassung des Reichskab'netts und für dos Zentralorgan seiner Parrei Stellung zu nehmen. Durch diese zögernde Haltung ist die politische Wirkung, die beabsichtigt sein mochte, soft in ihr Gegenteil verkehrt worden." Der Schuß ist noch hinten losgegangen! Wer es heute noch n-cht gemerkt hat, dem werden schon noch die Augen auf» und über- gehen! Kimdgebiing der SPD. am Montag, dem 4. Juli 1932, im Lustgarten Ansprachen: Dittmann und Stampfer Stadtbezirke Wedding, Mitte, Reinickendorf und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Grenzstraße(Humboldthain), Spitze des Zuges Brunnenstra6e, Marsch durch Brunnen-, Elsässer-,Artiileriestr.,A. Kupfergraben, Museumstr., Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Elsässerstr., dann Weinbergsweg, Kastanienallee. Zionskirchplatz, Swinemünder, Ramler-, Brunnen-, Grenzstr, Stadtbezirke Prenzlauer Berg, WeiBensee, Pankow und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr, Danziger Straße(Mittelpromenade), Spitze des Zuges Winsstr. Marsch durch Danziger, Weißenburger Str., Schönhauser Allee, Dragoner-, Roch-, Neue Friedrich-, Museumstr., Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Dragonerstr., dann Lothringer Str., Prenzlauer Allee, Marienburger, Winsstr. Stadtbezirke Friedrichshain, Lichtenberg, Treptow, Köpenick und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Küstriner Platz, Spitze Fruchtstr. Marsch durch Frucht-, Friedenstr., Prenzlauer Berg und Allee, Lothringer, Weydinger-, Kaiser-Wilhelm-Str., Lustgarten. Rückmarsch: Kaiser-Wilhelm-, Weydinger-, Linien-, Neue König-, Gollnow-, Landsberger, Weber-, Gr. Frankfurter, Fruchtstr., Küstriner Platz. Stadbezirke Kreuzberg, Neukölln und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe; Antreten: 16,30 Uhr, Fontane-Promenade, Spitze Urbanstr. Marsch durch Urban-, Baerwald-, Prinzen-, Dresdener, Neue Roß-, Breite Straße, Schloßplatz, Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Dresdener Straße, dann Oranienplatz und-straße, Mariannen-, Graefestr,, Hasenheide, Fontane-Promenade. Stadtbezirke Tempelhof, Schöneberg, Zehlendorf, Wilmersdorf, Steglitz und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Hornstraße, Spitze Yorckstraße. Marsch durch Yorck-, Gneisenau-, Zossener Str. und Brücke, Alte Jakob-, Neuenburger, Linden-, Markgrafen-, Französische, Werderstr., An der Stechbahn, Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Markgrafenstr., dann Junker-, Ritter-, Alexandrinen-, Brachvogel-, Mittenwalder, Gneisenau-, Yorck-, Hornstr. Stadtbezirke Charlottenburg, Tiergarten, Spandau und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Kleiner Tiergarten, Spitze Stromstraße, Marsch durch Alt-Moabit, Invaliden-, Hessische, Hannoversche, Elsässerstr. und weiter wie Zug Grenzstraße. Rückmarsch: Wie Anmarsch. Jetzt erst recht, rotes Berlin! AiiswertoWschivindel im Wahlkampf Das neueste Täuschungsmanöver der Aazis Llrieile über das„Verbot". „Um Hitler zu gefallen." Prag, 2. Juli.(Eigenbericht.) Zum„Vorwärts"-Verbot meldet das„Prager Tage- blatt". daß das Reichsgericht diesmal schnelle Arbeit ge- liefert hat. Das sozialdemokratische„Pravo Lidu" sagt, diese Entscheidung sei ein neuer Beweis, daß die Papen-Regierung lange Hände hat und sie zu gebrauchen versteht, solange sie sich noch an der Macht hält, um Hitler zu gefallen. Baron Gayl ver- folgte ein doppeltes Ziel: sich für die Zeit der Wahl der sozial- demokratischen Kritik zu entledigen und Severings Stellung zu untergraben. Die Regierung hat dem Druck der Junker nachge- geben. Es ist eine Kriegserklärung an die fozialdemokrati- sche Arbeiterschaft und wird die drohenden Konflikte in Deutschland beschleunigen. Schließlich bemerkt das Blatt, daß es derselbe Baron Gayl ist. der für die unerhörte Amnestie gestimmt hat, durch die alle politischen Strolche freigelassen werden und ihnen im voraus St'-aflosigkeit garantiert werden sollte. Die Stimme der Sozialisten. Leon Blum schreibt im„Populaire":„Wird Genf den Bolkern die erste Genugtuung geben, die sie wünschen? Werden die Konflikte in Lausanne gelöst werden und wird die Konferenz endlich an ihre wesentliche Aufgabe, die Wiederausrichtung Europas, herangehen können? Das Ergebnis wird vor allem von dem Grad des überzeugenden Druckes abhängen, den die öffentliche Meinung auf die Regierungen ausüben wird. Es gibt eine freie öffentliche Meinung in England und Frankreich. Besteht sie noch in Deutschland? Das Kabinett der Barone bemüht sich, die öffentliche Meinung unter dem Regime einer despotischen Willkür zu ersticken, für da» das drohende Verbot de»„vorwärts" einer der Vorboten ist. Aber weder das Deutschland der Barone noch irgendein anderer Staat kann heute mit der öffentlichen Wcltmeinung und mit dem Weltgewissen den Kampf aufnehmen. Das ist ein neues Zeichen unserer Zeit." * In unserei.. langen Kommentar zu den Auslandsstimmen in der heutigen Morgenausgabe hat sich ein Druckfehler eingeschlichen: Es sollte heißen, daß diese Auslandsstimmen von der offiziösen Telegraphen- A g e n tu r— gemeint war damit ZVTB.— selbst- verständlich totgeschwiegen werden. Daraus wurde die„Tele- graphen-Union". Bon letzterer, die übrigens neuerdings ebenfalls stark offiziösen Charakter trägt, hat man erst recht nicht erwarten können, daß sie solche Pressekommentare weitergibt. Lleberfall auf„Vorwärts"- Austrager! Vazistrolche sind immer bewaffnet. Schwer bewaffnete Nation alsozialiftische Wege- i a g e r e r überfielen am Sonnabend frich in der L i b o u e r Straße im Osten Berlins einen„B o r w ä r t»"- Z e i tu n g s- a u s t r ä g e r. Etwa lv uniformierte SA.-Leute umzingelten den Genossen und versuchten ihm mit erhobenen P i st o l e n die Zeitungen zu entreißen. Dieser hinterhältige Uebersall, der an dem Widerstand des Zeitungsausträgers und dem Eingreifen mehrerer Passanten scheiterte, zeigt wieder einmal die Wegelagerermethoden der SA. Bom alarmierten llcbersallkommando konnten noch sechs Nazis sestgenommen und der Politischen Polizei übergeben werden. Leider war es den bewaffneten Rowdys gelungen, zu entkommen. » Die Notoerordnungsfacken werden immer unverschämter. Als heute früh gegen lO Uhr der zweite Kreisleiter der sozialdemokra- tischen Organisation in Köpenick, Genosse K l a t t, auf dem Wege zum?lmtsgericht Mitte die Michaelkirchstraße passierte, wnrde er von -wei'Nationalsozialisten angefallen, die versuchte,� ihm das Abzeichen der Eisernen Front zu entreißen. Genosse Klatt verfolgte die Burschen und ließ sie polizeilich festnehmen. Sie wurden dem Polizeipräsidium zugeführt. * Arn Sparrplatz auf dem W e d d i n g kam es in der Nacht zum Sonnabend gegen 1 Uhr früh zu einem Feuergesecht zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. Als Polizeibeamte eingriffen, suchten die Links- und Rechtsradikalen ihr Heil in der Flucht. Verletzt wurde niemand. Bei der schweren Schießerei in der Neuen H o ch st r a ß e, unweit des Weddings, sind insgesamt sechs Personen, Nazis mid Kommunisten, durch Schüsse und Messerstiche verletzt worden. «oieben an dem blutigen Zwischenfall Beteiligte— zum großen Teil Mänirer, die in ganz anderen Stadtgegenden wohnen— wurden festgenommen. Die eigentlichen Schützen scheinen entkommen zu sein. Unruhen dauern an. Schießerei im liuhrgebiet. Duisburg. 2. Juli. Zu einer schweren Schlägerei zwischen Kommunisten und Natio- nalsazialisten kam es gestern abend gegen 10 Uhr im Stadtteil Warn- hcimerort. Es fielen mehrere Schüsse. Bier Personen wurden ver- letzt, davon eine schwer. Auch in Bremen mehrere Todesopfer. Bremen, 2. Juli. Die Unruhen im Stadtteil Gröpelingen anläßlich einer national- sozialistischen Versanimlung setzten sich im Laufe des gestrigen 'Abends fort, so daß die Polizei sich gezwungen sah, eine energische Säiiberungsaktion vorzunehmen. Einige Straßen wurden durch Drahtverhaue abgesperrt. Vier Personen wurden schwer verletzt, acht Personen leicht verwundet. Ein Nationalsozialist liegt im Sterben. SA.-Kolonne feuert. Itzehoe, 2. Juli.(Eigenbericht.) In der Nähe von Lunden kam es in de» heutigen Morgen- stunden zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Von den Nationalsozialisten wurde eine Reihe Schüsse abgegeben, durch ldi« drei Kommunisten verwundet morden sind. Ein Komniunist mußte mit einem lebensgefährlichen Bauchschuß ins Krankenhaus eingeliefert werden. Im jugoslawischen Ossizierskomplotlprozeß hat das Oberste Mili- targericht das Todesurteil gegen den Leutnant Atanaskevic de- st a t i g t, das gegen den Leutnant'Altater in 20 Jahre Zuchthaus umgewandelt. Die übrigen Zuchthausstrajen wurden in geringe Gefängnisstrafen umgewandelt. Ein zu 10 Jahren verurteilter Leut- nank wurde freigesprochen. Immer wenn die Reaktion„kurz vor der Uebernahme der Macht" steht, versucht sie es mit einem besonders zugkräftigen Schwindel, um die politisch weniger orientierte Bevölkerung zur Stimmenabgabe für sich zu gewinnen. Wir erinnern uns noch des Aufwertungsschwindels der Deütschnationalen im Dezember-Wahl- kämpf 1324.„Wählt uns— und eine hundertprozentige Auf- wertung ist sicher", so schrien es die deutschnationalen Agitatoren seinerzeit in die überfüllten Versammlungsräume. Jeder sozial- demokratische Diskussionsredner, der diesen Schwindel richtigstellte, wurde in der gemeinsten Weise als Gegner der Aufwertung her- untergerissen. Heute wissen alle diese betrogenen Sparer, wie diese „deutsche" und„nationale" Partei an ihnen gehandelt hat. Die Deutschnationalen aber umgehen noch heute jede Dis- kussion über diese ihre Handlungsweise. Dasür aber versuchen es jetzt die Nazis in diesem Wahlkampf mit demselben Schwindel. Sie treten aber nicht offen damit hervor, sondern sie haben dafür eine besondere Fachgruppe geschaffen, die in der Oefsentlichkeit als nationalsozialistische Spezialgruppe nicht zu er-, kennen ist. Sie nennt sich ganz unpolitisch.�Interessengemeinschaft der Sparer und Jnslationsgeschädigten", Sitz Berlin. Diese Interessengemeinschaft will aber nicht nur die schon ein- mal betrogenen Sparer aus ihren Parteileim locken, sondern sie will sich auch noch die Notlage der A n g e st e l l t e n zunutze machen. um sich billige Parteiagitation für den Wahlkamps zu schassen. In den Provinzzeitungen erschienen vor 10 Tagen In- serate, in denen diese Interessengemeinschaft Personen zur lieber- nähme ihrer Geschäftsstellen suchte. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß die Zlngebote recht zahlreich gewesen sind. Wie erstaunt aber waren solche Bewerber, als sie vor zwei Tagen dann folgende Ant- wort auf ihr Bewerbungsschreiben erhielten: Interessengemeinschaft der Kleinrentner u. Jnslationsgeschädigten. Berlin SW61, den 28. Juni 1932. Tempelhofer Ufer 16-. Sehr geehrter Herr! Die Durcharbeitung der zahlreichen Bewerbungsschreiben für eine Position in unserer Interessengemeinschaft konnte erst jetzt be- endet werden. Die große Zahl der Angebote macht unsere Ent- scheidung besonders schwierig. Wir möchten uns auch bei der Spe- zialtätigkeit in unserer Organisation nicht ohne weiteres aus Zeug- nisse verlassen, die doch im allgemeinen aus anderen Tätigkeits- feldern herstammen. Wir möchten Ihnen daher vor unserer endgültigen Entschließung Englands Unanzlransakiion. Börsenhausse und pfundschwäche. Die überraschende Nachricht von der konverlierung der englischen Kriegsanleihe auf einen Zinssatz von V/i gegen bisher 5 Proz. hat an der Londoner Börse wie auch in ausländischen Zinanzkreisen größte Erregung hervorgerufen. Diese Erregung ist verständlich, denn e» handelt sich bei der englischen Kriegsanleihe um einen Beirag von Z0 Milliarden Goldmark, also u m ein Drittel der gesamten inneren Verschuldung Großbritanniens. Die erste Nachricht über diesen Plan Neville Eharnberlains hat an der Londoner Börse ein« stürmisch« Hausse auf dem Anleihemarkt ausgelöst. Dies ist auch ganz natürlich, denn die Zins- senkung der Kriegsanleihe auf 3)4 Proz. steigert den Wert der übrigen Zlnleihen, deren Zinssatz jetzt höher liegt als die Verzinsung der Kriegsanleihe. Man darf sich aber durch diese Hausse nicht darüber täuschen lassen, daß der Erfolg dieser außerordentlich eingreifenden Trans- aktion noch sehr sraglich ist. Große Bestände der Kriegsanleihe be- finde» sich bei Beamten, Sparkossen und Versicherungsgesellschaften, die im großen und ganzen die Erwartungen des Finanzmimsters nicht enttäuschen und ihre Zustimmung zur Zinskonverticrung geben werden. Außerdem aber befinden sich die Kriegsanleihepapiere in den Händen von drei Millionen Besitzern. Die Anleihe ist also, wie die alte deutsche Kriegsanleihe, ein ausgesprochenes Volkspapier. Es ist aber keineswegs sicher, daß diese Millionen Besitzer durchweg die Anleihe zu dem niedrigen Zinsfuß hinnehmen, vielmehr besteht die Gefahr, daß zahlreiche Besitzer sich vom Staate auszahlen lassen und damit zunächst den Staatssäckel er- h e b l i ch b« l a st« n. Die größte Gefahr liegt zweifellos bei den ausländischen Besitzern, in deren Händen sich Wert« von etwa 4,S Milliarden Goldmark befinden. Diese ausländische» Besitzer haben durch die Abwertung des Pfundes bereits reichlich 25 Proz. ihres Kapitals verloren, und es wird schwer halten, die verärgerten Kapi- talisten des Auslandes— in erster Linie Amerikaner— zur Annahm« der konvertierten Anleche zu bringen. Hier werden ganz zweifellos massenhafte Kündigungen und Auszah- lungen stattfinden. Bereits gestern war das Pfund international sehr schwach, und es liegt auf der Hand, daß bei den riesigen Beträgen, für die«in« Kündigungsgesahr besieht, der Kurs des englisch«» Pfundes sehr starken Angriffen ausgesetzt sein wird. Raubüberfall im Tiergarten. Ein Wiener Kaufmann beraubt und niedergestochen. Unter besonders tragischen Umständen ist ein Miener kons- mann im nächtlichen Tiergarten da» Opfer von Verbrechern geworden. die über ihn herfielen und ihn im Kamps um sein Geld in rohefter weise ein Auge ausstachen. Der Kaufmann Leopold K a j e w s k i aus Wien befand sich auf der Reife von Bonn nach seiner Heimatstadt Wien und wollte nur einige Tage in Berlin Rast machen, um sich die Um- g e b n n g en anzusehen. Als er in der Nacht zum Sonnabend gegen 12 Uhr arglos durch den Tiergarten ging, wurde er an der Großen Querallee unweit der Bellevueallee oon zwei un- bekannten Männern überfallen. Die Burschen traten an ihn heran und forderten ihn auf, sofort sein Geld herauszugeben. As der Kaufmann sich weigert« und Anstallen traf, sich zur Wehr zu setzen, sielen die beiden Strolche über ihn her. Während der eine mit einem Schlagring auf den Mann einschlug, zog der andere ein Messer und traf Kajewski in das linke Auge. Schwergetroffen brach der Ueberfallenc zufanunen. Die Räuber beugten sich jetzt über ihn. entrissen ihm die Brieftasche, die über 200 Mark Bargeld enthielt, den Reisepaß sowie goldene die Möglichkeit geben, Ihre Eignung an einer Sonderausgabe zu erproben und zu beweisen. Unsere Organisation beteiligt sich au den Reichstagswahlen als Aachgruppenliste der Nationalsozialisten. Andere Fachgruppen haben sich uns angeschlossen. Soweit diese Spezialisten, die auf dem Stimmzettel hinter den Nationalsozialisten als Nr. 2-, 2b usw. aufgeführt werden, kein eigenes Man- dat erringen, werden diese Stimmen d?m Rcichswahlvorschlag der Nationalsozialisten hinzugerechnet, so daß nicht eine einzige Stimme zersplittert oder verloren geht. Wir übersenden Ihnen in der Anlage 2 Kreiswahlvor- schlüge, und zwar den Reichswahlvorschlag Nationalsozialistische Kleinrentner, Inflationsgeschädigte und Vorkriegsgeldbesiher sowie einen weiteren Kreiswahlvorschlag der uns angeschlossenen Gruppen. Ihre Ausgabe besteht nun darin, sich zu Inte r- c s s c n t e n zu begeben und diese zu veranlassen, sich in beide Kreis- wahivorschläge eigenhändig einzutragen. Ehemänner dürfen nicht für ihre Frauen mitunterzeichnen, vielmehr sollen sich Ehefrauen unter Hinzufügung ihres Geburtsnamens s e l b st eintragen. Alle Unterzeichner müssen aus derselben Stadt stammen, sobald Sie die vorgesehenen 2 5 Unterschriften auf beiden Listen gesammelt haben, gehen Sie zu dem W a h l a m t Ihres dortigen Magistrats uüd lassen sich dort die aeineindebehöroliche Bescheinigung, die auf der Rückseite des Wahlvorschlagcs vorgesehen ist, ausfertigen. Sodann wollen Sie die Listen unverzüglich an uns einsenden. Anschrift: Herrn Abgeordn. a. D. Hans Beer. Berlin SW 61, Tempelhofer Ufer 16-, Wir bekennen offen, daß unsere Entscheidung über die uns zugegangenen Zlngebote nicht unwesentlich davon abhängen w'rd, welcher der Bewerber diese Probeorbeit besonders schnell und korrekt durchführt. Wir brauchen die Wahlvorschläge in wenigen Tagen. Hochachtungsvoll Jnteresiengemeinschast der Kleinrentner und Jnslationsgeschädigten. gez. Hans Beer. gez. Erich Preukschak. Tie ungeheure Zahl nationalsozialistischer Partei Konzen genüat also nicht,— öder ist sie nicht befähigt?— um die Kleinrentner und Jnflationsopfer einzufangen. Dazu müssen besondere Angestellte berufen werden, die ohne Hakenkreuz zu den alten Leuten kommen, um sie gebührend einzuseijen. Wir geben diesen Täuschungsplan der Oesfentlichkeit bekannt, damit die ohnehin Geschädigt«» vor weiteren Enttäuschunzen be- wahrt bleiben. Di« H i t l e r- B e r o r d n u n g hat den Aermsten bereits Opfer genug auferlegt. Uhr und Kette. Nachdem sie ihren, Opfer noch einige Fußtritte osr- fetzt hatten, flüchteten sie. Auf die lauten Hilferufe des lieber- fallenen eilte eine Schupostreife herbei. Die flüchtend«» Täter ivoren aber quer durch den dunklen Busch gelaufen, so daß sie leider nicht inehr eingeholt werden konnten. Der Uebersallen« wurde sofort nach der Augenklinik in der Ziegeistraße gebracht. Der Messerstich hat das linke Auge verletzt: es dürste kaum noch zu retten sein. Leider kann auch hier der Ueberfallenc die Räuber nicht genau beschreiben. Eine Zeitlang hat im nächtlichen Tiergarten oerkaltnismahig Ruhe geherrscht und man hörte nichts von Ueberfallen. Der ver- stärkte Streifengong der Schupo hatte das lichtscheue Gesindel verjagt. In der letzten Zeit mehren sich aber wieder die Ueberfäll«. Das bedauerliche Attentat aus den Wiener Kaufmann war be- sonders tragisch Gelbstmord eines Hakenkreuzlers. Früh um 4 tthr ein Toter im Grunewald aufgefunden. An einem Querweg der Teufelsseechoussee im Grunewald wurde am Sonnabend früh um 4 Uhr die Leiche eines yn- bekannten Mannes gefunden. Da die ersten Feststellungen am Tat- ort zunächst den Verdacht eines Verbrechens aufkommen ließen, wurde die Mordkommission unter Kommissar Draeger alarmiert. Eine genauere Prüfung der Einzecheiten deutet aber darauf hin, baß der Unbekannte Selbstmord verübt hat. Die Waffe wurde in etwa zwei Meter Entfernung gefunden. Nach dem Schuß war der Mann anscheinend getaumelt, ehe er zusammenbrach. Die Mord- kornmission, die die Leiche untersuchte, konnte nicht feststellen, daß der Mann etwa beraubt war. Der Tote ist etwa 30 Jahre alt, 1,78 Meter groß, hat langes, nach hinten gekämmtes blondes Haar und eine Stirnglatze. Er trug einen blauen Anzug. die Hofe war mit einem Gurt gehalten. Die Krawatte war mit einem Klemmer, der den Buchstaben 11 trägt, am Hemd festgehalten. Die Taschentücher waren E. S. gezeichnet. Im Aufschlag de« Rock«? trug der Mann das Hakenkrenzab zeichen. Die Leiche wnrde ins Schauhmis gebracht Pastor Cremer etwas unpäßlich. Bleibt zu Haufe und ruht sich aus. Der Deoaheim-Prozeß wäre heute morgen um ein Haar aufgeflogen, da der Angeklagte Pastor D. E r e m e r nicht «rschienen war und seine Verteidiger, Justizrot Marwitz und Rechte anroalt Dr. Möhring, unvorsichterweise mitteilten, daß er erkrankt sei und zu Bett liege. Nach einigem Hin und Her zwischen den Verteidigern, dem Vorsitzenden und dem Staatsanwaltschaftsrat— es drohie nämlich eine Vertagung des Prozesses um zehn Tag«, eine Abtrennung des Verjahrcns und eine gerichtsärztiiche Unter- suchung— sah die Sache plötzlich ganz anders aus. Herr Cremer war niir sehr leicht unpäßlich, hält« also bei einiger Willens» anstrengung kommen können, mochte ober wohl nicht kommen, und so kam für da? Protokoll eine Erklärung zustande, daß Pastor Cremer wegen leichter Erkrankung nicht er sä) einen wolle, ledoch verhondlungsfähig sei und nur freiwillig fernbleibe. Do? Gericht hielt sein Erscheinen für nicht erforderlich, so daß man ohne Bertagung auskam. Man hat den lebhaften Wunsch, daß in deutschen Landen allen Angeklagten, die mal wegen irgendeiner harmlosen Unpäßlichkeit keine Lust haben, an Gerichtsstatt zu«r- scheinen, mit demselben menschlichen Verständnis und derselben Nachsicht begegnet werbe wie Pastor Eremer. HNO(lholera- Opfer in Kanton. Nanking, l. Juli. Ja Kanton sind im Lause einer vZoche 600 Personen an Cholera gestorben. Die Epidemie greift noch weiter vm fich. Nazi-Anhalt gegen das Reich. Offener DerfaffungSkonflikt mit Hilfe der„Deutsch- nationalen". Dessau, 2. 3uli. sEigenbericht.) Zu Anhalt wird der reaktionäre Regierungskurs mit jedem Tage deutlicher. Zu der gestrigen Sihung des Anhaltischen Landtage? er- klärte der nationalsozialistische Ministerpräsident auf einige deutsch- nationale Anträge, das Staalsministerium habe angeordnet, dah Fei er» von Staatsbehörden und Schulen am versassungs- tage nicht stattfinden dürfen. Ferner seien die Behörden darauf hingewiesen worden, daß die bisher geübte Dienstein- schränkung und die B e s l a g g u n g von Dienstgebäuden am Verfassungstage in Wegfall komme! Der Razi-Minislerpräsidenl kündigte weiter eine Verordnung an, wonach in Zukunft eine Beslaggung der staatlichen Ge- bände nicht mehr in den Reichssarben. sondern nur noch in den anhaltischen Landesfarben erfolgen dürfe. Zm Gegensatz zum Verfassungstage, der an den Schulen Anhalts nicht Ernsthaste Versicherung Winterprogramm her Funkstunde VorSrag des Dr. Flefch v.OAiL „Die NSDAP, steht in schärfster Opposition zur Reichs« regierung, und wer's nicht glaubt, der- wird verboten!" mehr gefeiert werden darf, soll dagegen nach einer weiteren Mit- »eilung des Raziministerprösidenten künftig der Reformationstag an den evangelischen Schulen schulfrei bleiben, Zm weiteren verlaus der Landtazssitzung erfolgte die Beratung eines sozialdemokratischen Antrages, der die Stillegung der Raffinerie in Dessau betraf. Durch die Stillegung dieses Trust- be triebe? sind lSOV Arbeiter und Angestellte brotlos geworden. Die sozioldemokralifche Anfrage verlangt klare Auskunst darüber, ob die Raziregierung bereit fei, im Zntereffe der brotlosen Arbeiter und Angestellten den Punkt lZ de» n a t i o n a l s o z i a- listischen Programms;u verwirklichen, wonach alle b e- rejts«ergesellschastelen Trust betriebe zu ver- staatlichen sind. Der nationalsozialistische Ministerpräsident redete sich in einer gewundenen Erklärung damit heraus, daß man erst ab- warten müsse, bis der Rationalsozialismu» im Reiche die Macht habe. Auf den Sänken der nationalsozialistischen Abgeordnelen herrschte während dieser Verhandlung betretenes Schweigen. „Angriff" auf dem Rückzug. Er fürchtet sich vor dem Gericht. Der nationalsozialistische„Angriff" hat schmutzige Verleum- dung gegen den Polizeivizepräsidenten T r z e s i n s k i und den Vizepräsidenten Dr. Weiß veröffentlicht. Das Blatt mit diesen Verleumdungen ist gerichtlich beschlagnahmt, der„Angriff" aus fünf Tage verboten worden, außerdem haben Grzesinski und Weiß Strafantrag wegen verleumderischer Beleidi- gung gestellt. Der„Angriff" vom Freitag hat neue Verleumdungen gegen Dr. Weiß veröffentlicht, ganz nach Bevolverblottmonier, wobei«r in den wesentlichsten Punkten zurückgewichen ist und damit seine vorherigen Verleumdungen preisgegeben hat. In dieser Nummer schreit der„Angrifs" laut nach der gerichtlichen Austragung der B-leidigungsNage— aber er stellt sich nur so, denn in- Zwischen bemühen sich seine Freunde, die Verantwortlichen der Ver- urteilung zu entziehe»! Dl? notionolsozialistische preußische Landtogssraktion hat im Landtag einen llranlrag Rr. 4Z2 eingebracht, in dem das Staats- Ministerium ersucht wird. Grzesinski und weiß zu ersuchen, den Strasantrag gegen den..Angriff" zurückzuziehen! Begründung: Durch den Strasantrag würde das führende Oppo- fitionsblatt behindert! Erst verleumden sie aus das dreckigste, dann wollen sie den Ver- leumdeten verbieten, ihre Ehie Z» schützen! Die ganze Schmutzigkeit der nationalsozialistischen Gesinnung liegt in dieser Methode! Bürgermeisterwahl in Eislebcn. In der Stadt Eisleben, die in der letzten Zeit durck» wiederholte Uebergrifje der Nationalsozialisten haujiger genannt werden muhte, wurde der L i n k s d e m o k r a t und 2. Gauvorsitzende des Reichsbanners von Thüringen, der Zljährige Recht-anwast Dr. jur. Appell fCisenoch) als gemein- iamer Kandidat der Sozialdemokraten, der Staatspartei und des Zentrums zum Bürgermeister gewählt. Bei Stimmenthaltung der KPD. erlangte Dr. Appell bereits im ersten Wahlgang die ob- solute Mehrheit. persisches Blutgericht. In Teheran sind 32 angebliche Spione verurteilt worden, davon die Mehrzahl R e g i e r u n g s- beamte: vier zum Tode und die übrigen zu schweren Gesang- nisstrafen. Der Intendant der Funkstunde Dr. F l e s ch sprach über das Programm des Rundfunks im kommenden Winter: sprach über organisatorische Aenderungen und insbesondere musikalische Pläne, die interessant genug sind, um bemerkt und vermerkt, um auf ihre Ausführung und Auswirkung hin festgehalten und untersucht zu werden. Das Organisatorische zunächst: die literarische und Schauspielabteilung einerseits, sowie die musikalische und Opern- abteilung andererseits werden zusammengezogen— es gibt fortan nur mehr je eine Abteilung für das literarische und musikalische Programm unter den bisherigen Leitern Braun und B r o n s- geest kommen vom 1. Juli an— der eine als Oberspielleiter, erster Sprecher und Reporter, der andere als Oberspielleiter mit dem Auftrag,„die Beziehungen zwischen Oper und Funk enger zu ge- stalten"— zur Intendanz. Der Intendant selbst führt die ressort- mäßig ausgelöste Aktuelle Abteilung— eine Verantwortung, um die ihn in diesen Zeiten wohl niemand sehr beneiden wird. Bei aller Einsicht in das Schwierige seiner Position: sollte er die Abteilung der aktuellen Reaktion zu überantworten versuchen, wird er sich aus leidenschaftlichen Widerspruch und schärfsten Kampf gesaßt machen müssen. Was dos musikalische Programm anlangt, sind die Philharmoniker(wie bereits gemeldet) zu zwanzig Konzerten verpflichtet: ferner solle» drei Abonnementskonzerte unter Furt- w ä n g l e r sowie die von ihm geleiteten Volkskonzerte über- tragen werden. Generalmusikdirektor des Rundfunks ist Eugen Joch um— erstaunlich jung, zweifellos begabt, wird er doch eigentlich erst zu beweisen haben, ab ihm diese große Stellung ge- bührt. Seidlcr-Winckler bleibt dem Rundfunk als Kapell- meister weiter verbunden. Drei große Pianisten: Schnabel, Fischer, Kempsf werden(von dem Geiger Kulentamff unterstützt) einen Beethooen-Zyklus durchsühren. Endlich sollen— neben Ueb ertragungen aus den Berliner Opernhäusern— Opern- aufführungen aus dem Reich gesendet werden,„um die Vernichtung der Provinztheater als unmöglich erscheinen zu lasten". Der Intendant kündigte ferner als Hauptplan des kommenden Winters eine» Zyklus„B s r l i n" an, sprach über den Ausbau des Studios sowie über die sozialen Aufgaben des Rundfunks. Wenig. sehr wenig hörte man von den Sendespielen(hier soll das Pro- gramm erst später bekannt gegeben werden): gar nichts über das, was uns das Wichtigste dünkt: üt/er die Stellung des Rundfunks zu dem Gedanken künstlerischer Autarkie, der immer mächtiger und ge- fährlicher wird, der sich immer unverschämter zu äußern wagt. Da- von freilich enthielten die goldenen Worte des Intendanten kein Sterbenswörtchen. Das Erbe der Väter— das erst durch Neuerwerbcn uns Besitz wird— das Erbe der Generationen vor uns, von dem er sprach, das Erbe deutscher Kultur: das ist, an welche erlauchten Namen man sich auch erinnern möge, alles andere als Autarkie, als„deutsch- stämmige" Inzucht und arische Kontingentierung. Erbe deytscher Kultur: das war von je das herrliche Ausgeschlossensein für olle wahrhaft große Dinge dieser Welt und noch der entferntesten Völker, das ist alles andere als borniertes Sichabschließen und Alleinbleiben- wollen. Der Rundfunk unter Autarkiegedanken— das wäre ein Ausgeben seiner selbst und seiner Sendung. Der vielberühmte „Spiegel der Zeit"— er reflektierte dann nicht mehr das Gesicht der Gegenwart, die Grimassen vielmehr eines geistlosen Haufens, der sich nicht nur politisch, der sich zu seinem Unglück auch geistig maßlos überschätzt. „Mensch ohne Namen." Llfa-palast am Zoo. Die seltsamen Schicksale, die im Gefolge des Krieges über die Menschen hereingebrochen sind, werden uns noch lange beschäftigen. Der Film hat bereits einige herausgegriffen, aber zum erstenmal langt er in dem„Menschen ohne Namen" nach weiteren Zielen und größerer Gestaltung aus. Werner K r a u ß, zur Zett unser größter Schauspieler, durch seinen„Hauptmann von Köpenick", durch seine tragend« Rolle in Hauptmanns„Vor Sonnenunter- gang" im Mittelpunkt des Theaterinteresses stehend, ist wie keiner berufen, dem Kriegsopfer, das den Kampf um seinen Namen, um seine Frau und seine Fabrik aufnimmt, größeres menschliches In- teresfe zu geben. Vor dem Kriege war er in Berlin glücklicher Familienvater und Besitzer einer Automobilfabrik. Im Kriege ge- rät er in russische Gefangenschaft und ist durch einen Gasangriff für viele Jahre seines Gedächtnisses beraubt. Aber eines Tages gibt ihm eine oeutsche Zeitschrift mit Bildern aus Berlin das Bewußt- fein seiner Vergangenheit zurück. Als er nach Berlin zurückkehrt, will ihn niemand mehr kennen: weder der Freund, der sein Nach- folger in der Fabrik und in der Ehe geworden ist, noch die Frau, noch die alten Bekannten. Er ist für tot erklärt, und in dem«nd- losen, aufreibenden Kampf mit der Bürokratie und der Justiz unter- liegt er. Er bekommt einen neuen Namen und wäre verloren, wenn nicht helfende Mächte ihn stützen und emporheben würden. Der Monuskriptversasfer Robert L i e b m a n n hat nicht den Mut zum trogischen Ausgong gehabt, wie er auch nicht die Klippen d»r Unwahrscheinlichkeiten umgangen hat. Leute aus dem Boll nehmen sich des Unglücklichen an: hier herrscht größere Verbundenheit und zugreisende Hilse. D>« stellungslose Stenotypistin schenkt ihm ihr mitleidiges Herz, ja, sie stiehlt für ihn dos Gels für«ine Patent- anmeldung, und sieh« da, das Glück ist dem Armen hold, obwohl er alles Frühere verloren hat, wird neue Liebe einen neuen Namen und neuen Reichtum dank seiner Crjindung gewinnen. Die Schwächen der Handlung liegen aus oer Hand, menn der Film trotzdem nickst bloß interessiert, sondern alle Gefühle der An- teilnähme an dem Geschick des Unglücklichen auslöst, so ist«s das Verdienst von Werner Krau ß. Er macht die Figur glaubhast, das Pathos des vom Schicksal Versolgten klingt echt und berechtigt. Alles Menschliche wird in oieser Gestalt lebendig. Mit großem Güick sind die Nebenfiguren besetzt. Eine prachtvolle Type ist der Prooisionsagent des Julius Falk enstein, der sich des Unglück- lichen teilnehmend annimmt. Entzückend auch Fritz G r ü n b a u m als Winkelkonsulent, ganz Feuer und Flamme mit seiner ganzen Schnoddrigkeit und seinem Mutterwitz für den Fall und— seine Provision. Maria B a r d ist als die Stenotypistin die richtige Mischung von Herz und Kcßheit. Farbloser, wenn auch keineswegs fchobtonenhaft sind die Figuren der Gegenseite: Mathias Wie- mann, Helene T h i m i g und Hertl)a Thiele sowie Eduard von Winter st ein(Ämtsrichter). Die Regie von Gustav U c i ck y schwelgt in Fabrikintcrieurs mit laufenden Moschinen und Berliner Vertehrsbildern. Ein paarmal trifft sie den Nagel aus den Kaps, so, wenn uns die riesige Kartothek der Kriegsopfer leib- hastig erleben läßt oder das ewige Treppauf und Treppab des ge- plagte» Mannes sinnfällig vorführt, der vergeblich sein Recht sucht. Das Ufa-Symphonieorchcster hatte sich zu Ehren des Tages unter das Szepter von Max van Schillings gestellt. D. „Oer Gänger von Sevilla." Bavana«Lichtspiele. Ramon N o v a r r o, der von der schwärmerischen Verehrung der unreifen und überreifen Backfische fast erdrückte Filmliebling, ging eines Tages, ohne jede Aufmachung, zu einem Allgewaltigen der amerikanischen Filmindustrie. Er bat diesen Mann, der unwider- sprachen als der größte Entdecker des Filmnachwuchfes galt, um eine Probeaufnahme. Der Allmächtige betrachtete den Bittenden gar nicht, sondern brüllte den bescheidenen Jüngling an:„O, Sie Stückchen Malheur, was bilden Sie sich ein, das Publikum würde sich vor Lachen krümmen, wenn es Ihr Gesicht auf der Leinwand sähe." Der Angebrüllte lächelte wirklich verführerisch, machte eine seiner eleganten Verbeugungen und sagte:„Ich hin Ramon Rovarro." Der schreikrästige Mann aber erblaßte: denn er wußte, meine Gegner haben eine Wette gewonnen und ich bin als maßgebender Entdecker erledigt. Mit den amerikanischen Entdeckungen ist und bleibt das eben eine heikle Sache. Sie entdecken tatsächlich« Begabungen, um sie dann entweder in eine Schablone zu zwängen oder sie durch schlechte Manuskripte in Grund und Boden zu wirtschaften. Kann doch die amerikanischen Textbücher auf die Dauer sich kein europäisches Volk gefallen lasten. So hat auch dieser Sänger von Sevilla wieder ein derartig kitschiges Manuskript, daß nuin gar nicht anders kann, als den Schauspielern sein herzlichstes Beilerd auszudrücken. Muß doch hier der arme Ramon Nooarro als burschikoser junger Mann zentnerweise Seelenschmerz tragen, bevor er ein Sänger wrrd und ein seinetwegen aus dem Kloster entwichenes junges Mädchen heiraten kann. Der Film wirkt besonders peinlich, weil die Aäneri- koner sich an ein seelisches Problem wagen, das sie gar nicht erfasten. Wenn der Regisseur Charles B r a b i n nicht weiter kann, dann fängt er mit der Farbe an, und so müssen wir auch noch szenenweise den Film koloriert ertragen. Mit dem Liede einer Nacht kann dieser Film sich nicht im eutserntesten vergleichen: denn Nooarro, der Held des Films Ben Hur, der schon auf amerikanischen Opernbühnen seinen Mann stand, kommt hier als Sänger nicht zur Geltung. Höchstwahrscheinlich singt ein Ersatzmann. e. b. Ludwig Hirschfeld: ,Oas fchweöischeZündholz� Gastspiel im Kleinen Thealer. Wehe, der darauf tippt, daß hinter dem Titel„Das schwedische Zündholz" sich ein Kreuger-Motiv verberge. Nein, es geschehen in diesem Stück keinerlei ansregende und keinerlei aktuelle Sachen. „Das schwedische Zündholz" ist kein Symbol für eine» Weltdetrug, sondern— was bleibt dann schon übrig!— ein blondes Fräulein aus Stockholm, das in den Haushalt eines Berliner Schriftstellers hereinschneit und mit dessen Haushälterin und dessen geschiedener Frau aus zweiter Ehe einen Konkurrenzkampf ausficht. Schließlich ziehen das Zündholz und die geschiedene grau sich zurück und dem Schriftsteller oerbleibt seine Haushälterin, eine massive und beherzte � Dame. Aphorismen werden geprägt wie etwa dieser:„Die Ehe est ein Karussell: es wird einem übel, wenn man drin fitzt" Und so ist das ganze Lustspielchen: brav und bieder und frei von dem verwers- lichen Bestreben. Originalitätshascherei zu treiben. Die erfreulich« Kehrseite ist, daß man sich über Geschmacklosigkeiten und Schnoddiste- reien nicht zu äußern brauchl und daß das Handwerkliche gut be- herrscht wird. Ein Stück aus dem Geistesbczirk, in dem Ludwig Fulda tonangebend ist und in dem Hermann Vahrs„Konzert" wohl noch immer den literarischen Gipselpunkt darstellt. Joseph Plaut spielt samos das fahrige Nervenbündel oon maschlappigem Schriftsteller. Dann gibt bloß noch eine Rolle etwas her: die der Haushälterin, die mit aller erforderlichen Rabustheit ausgezeichnet von Else R e v a l verkörpert wird. Carla Diedt, Elinor Billler und Harry Studt füllen in den anderen Rollen mit Anstand ihren Platz aus. U. B. 4703 deutsche Zeitungen. Das soeben in neuer Auslage erschienene„Handbuch der Deut- schen Tagespresse", das vom„Deutschen Institut für Zeitungs- künde" herausgegeben wird, verzeichnet eine beträchtlich höhere Zahl von Zeitungen als früher angegeben wurden. Die neue Zählung umfaßt 4703 deutsche Zeitungen, mährend man früher etwa 3360 zusammengebracht hatte. Die Erhöhung der Ziffer liegt einmal darin, daß neben de» selbständigen Haupt- Zeitungen, deren Ziffer um lv Proz. auf 3723 erhöht werden tonnte, auch die Nebenausgaben mit einer Anzahl von 050 gezählt wurden. Das Institut für Zeitungskunde konnte durch eine umfassende lim- frage, bei der von SOOv Fragebogen 70 Proz. beantwortet wurden, eine viel größere Genauigkeit erreichen als sie früher möglich war, da man sich nur auf Kataloge und Handbücher stützte. Von den 4703 Zeitungen sind 976 Parteizeitungen, 64, deren Richtung nicht einzuordnen ist, und 387 Zeitungen ohne Richtungsangabe. Die k l e i n st e A u f l ap e hat eine Nebenausgabe mit SS Stück, die Hoch st aus läge beträgt SSO 950 Stück. Die deutschen Archilekken bei der Umgestaltung Moskaus. Gegenüber den einseitigen Mitteilungen üiber dos neue Moskau. die in Deutschland verbreitet wurden, teilt Prof. Hannes Meyer, der frühere Leiter des Dessouer Bauhauses, der„Bauwelt" mit, daß drei deutsche Architekten von sieben überhaupt Leiter derjenigen „Brigaden" sind, mü denen die Stadtplanvcrwaltung des Mastonjets Verträge zur Aufstelluna der Entwürfe zum Geucralbelxiuungsplan geschlossen hat. Es sind oer frühere Stadtbaurat von Frankfurt a. M., Ernst May, Prof. Hannes Meyer und der Architekt Kurt Meyer, früher in Köln. Verlangt wurden Generalschemota von Groß- Moskau im Maßstab I: 50 000 und l: 2S 000, sowie Detailschemata der Wohnquortiere. Der Technische Rot der Stadtplanverwaltung Hot die sieben Entwürfe im Mosscwjet zur öffentlichen Erörterung gestellt, die sehr lebhaft sein wird, weil alle sieben Arbeiten die Aufgabe grundverschieden lösen. Das Bebauuogsgeläude hat un- gelähr 40 Kilometer Durchmesser, die eigentliche Stadtfläche ergibt etwa 22 000 bis 26 000 Hektar. Die Bevölkerung ist mit 4 Millionen angenommen. Bei der Rekonstruktion können 60 Proz. der alten Gebäude entfernt werden. Vier neue Znseln entdeckt. Noch ein«, Mitteilung des Peters- burger arktischen Instituts ist eine drahtlose Meldung von der Hooker- Insel im Polarkreis eingetrofsen, die die Entdeckung von vier neuen bisher unbekannten Inseln, 13 Kilometer im Norden der Hayes-Hälb- insel, die nordwestlich von Grönland liegt, verkündet. Die Entdeckung ist einer Expedition gelungen, die unter Leitung des Meteorologen Teplutoft und des Geotogen Jwantschuk steht. All« vier Inseln sind wahrscheinlich vulkanischen Ursprungs. Invalidenrentner, wehrt euch! Es gibt noch Möglichkeiten dazu. Di« Notschreie der Bezieher von Witwenrenten, die da- neden die halbe Invalidenrente aus eigener Versicherung als Zusatz- rente beziehen oder umgekehrt, sind verursacht durch«ine meiner Ansicht nach falsche Auslegung der Bestimmungen der neuen Notverordnung durch den Versicherungsträger. Die Zusatzrenten sind in dieser Verordnung nicht ge- n a n n t. Sie werden bei neuen Anträgen seit dem 1. Januar 1932 bekanntlich nicht mehr bewilligt. Die Auslegung, daß auch die Zusatzrenken zu kürzen sind. hätke nur dann Berechtigung, wenn sie als selbstversländliche Znvalidenrenten gelten und nicht als ein Teil einer Znvolidcn- rente oder einer Invaliden-Witwenrente. Diese Zusotzrenten sind gewährt worden nach Z 1318 der Reichs- vcrsicherungsordnung. Danach erhielt, wer gleichzeitig einen Anspruch auf Invalidenrente aus eigener Versicherung und auf Invaliden-Witwen rente aus der Versicherung des verstorbenen Ehegatten hatte, die h ö ch st e Rente und von der zweiten die Hälfte als Zusatz rente. Letztere ist deshalb nur ein- Teil der Invalidenrente oder Jnvaliden-Witwenrente. Eine doppelt« Kürzung dieses Teils halte ich deshalb für vollkommen falsch. Wäre jedoch die Zusatzrcnte nicht als Teil der Izauptrente anzusehen, dann müßte auch, wenn deshalb eine besondere Kürzung zulässig wäre, die Rente, nach der die Zusatzrente berechnet ist, als Ganzes angesehen und davon der Betrag von Z oder 6 M. abgezogen werden. Da die Zusatzrcnte nur die Hälfte dieser ohne Bestehen des zweiten Anspruchs voll zu zahlenden Rente ist, könnte schlimmstenfalls auch nur die Hälfte des Betrages von 5 oder 6 M. in Abzug gebracht werden. Sowohl die günstigste Auslegung der am 1. Juli Gesetz ge- wordenen Bestimmungen als auch die andere weniger günstige hat mindestens die gleiche Berechtigung als die Auslegung der Ver- sicherungsträger. Diese sind bei solchen derartigen Streitfragen ebenso Streitpartei wie die Rentenbezieher. Wer entscheidet? In der Verordnung ist ausdrücklich bestimmt, daß ein Rechtsmittel nicht stattfindet. Das ist hineingefüigt worden, um die Anrufung der Versicherungs- behörden in zweiselsjreien Fällen unmöglich zu machen. Es gibt aber noch einen anderen Weg. Die Versicherungsträger hoben sich nach den gesetzlichen Bestimmungen zu richten. Tun sie es nicht, dann ist die Beschwerde an da» Reichsversicherungsamt zulässig. das auch Aussichtsbehörde ist. Außerdem kann das Reichsversicherungsamt gemäß§ 171Sa der Reichsversicherungsordnung über gesetzliche Vorschriften von grundsätzlicher Bedeutung, deren Auslegung noch nicht festgestellt ist, eine grundsätzliche Entscheidung fällen, auch wenn kein Einzel- fall dazu«ine Veranlassung gibt. Es wird versucht, eine solch« grundsätzliche Entscheidung herbeizuführen. Die Ausführungen im Artikel„Aufhebung des Rechtszustandes" in Nr. 393 des„Vorwärts" beruhen, soweit darin die Arbeits- losenoersicherung genannt ist, meiner Ansicht nach auf einem Miß- Verständnis. Die neue Verordnung ermächtigt den Reichs- arbeitsminister zwar, sür die Rechtsmittel bei Berufungen, Revi- sionen und Rekursen in Streitfällen, die die S o z i a l ve r s i ch e- r u n g und die Versorgung betreffen, Gebühren sestzusetzen. Das gilt aber nicht für die Arbeitslosenversicherung, die in der Verordnung unter Kapitel I behandelt ist, das keine solche Bestimmung enchält. Daß die entsprechenden Bestimmungen in den Kapiteln 11 und III auch für Kapitel 1 gelten sollen, ist nirgends gesagt. Eine solche Auslegung erscheint außerdem auch deshalb nicht angängig, weil das Rechtsmittel des Einspruchs, das bei Anrufung des Spruchausschusses in der Arbeitslosenversicherung gegeben ist, nicht genannt wird. Der Ausschluß des Rechtsweges kann und darf nicht dazu führen, die verschlechterten Bestimmungen der Sozialoersicherung und Versorgung noch weiter verschlechtern zu lassen durch noch ungünstigere Auslegungen. Deshalb sollte jeder Rentenbezieher in zweiselhasten Fällen den Rat von Fachleuten einholen. Die Arbeitersekrelariate besonder» werden sicher mit Rat und Tat behitslich sein. Verschlechterungen durch ungünstige Auslegungen abzuwehren! H. Backhaus. Oer DMV. setzt sich durch Ln Leipzig und aus den Geeschiffswersten Seit langem versuchen die Leipziger Metallindu- st r i e l l e n, die Löhne der Leipziger Metallarbeiter auf das Ni- veau der ollgemeinen sächsischen Metallindustrie herabzudrucken. Das ist ihnen bisher nicht gelungen. Ein Schiedsspruch, der vor einigen Wochen gefällt wurde, entsprach nun diesem Bestreben der Unternehmer, ging sogar teilweise darüber hinaus. Der Schieds- spruch wurde von den Unternehmern angenommen, von den Arbeitern abgelehnt, jedoch nicht für verbindlich erklärt. Darauf erließen die Unternehmer einen Anschlag in den Be- trieben, der die Sätze des Schiedsspruchs durch Diktat in Wirk- samkeit setzte. Auf dieses Diktat antworteten die Arbeiter mit der Drohung, unter diesen Umständen die Arbeit zu ver- weigern. Die Verhandlungen, die darauf unter dem Vorsitz des Leipziger Oberbürgermeisters G ö r d e l e r stattfanden, endeten schließlich mit einer Vereinbarung, wonach der Lohnabbau in zwei Etappen vorgenommen wird, aber auch in der zweiten Etappe, die am 1. September in Kraft tritt, sowohl beim Einstellungslohn wie beim sogenannten Mittellohn um einen Pfennig höher ist als das Lohn- diktat. Ferner ist eine nicht unwesentliche Verbesserung der Ferien- Vergütung und der Lehrlingsentlohnung erreicht worden. In der U r a b st i m m u n g wurde dieses Ergebnis mit Mehr- heit abgelehnt, jedoch reicht die Mehrheit nicht zu der statutarischen Dreiviertelmehrheit für einen Streik aus, so daß das Abkommen als angenommen gilt. Auf den S e e j ch i f f s w c r f t e n, wo die Arbeitsmarktlage besonders trostlos ist, sollten die ohnehin schon außerordentlich nie- drigen Löhne noch weiter abgebaut werden. Es kam jedoch ein Schiedsspruch nicht zustande, weil der Vorschlag des Schlichters den Unternehmern nicht weit, genug, den Arbeitern aber zu weit ging. Darauf setzten die Unternehmer ab 1. Juni durch Anschlag ihr Lohn- diktat durch. Lediglich in Vegesack und in Rostock beschlossen die Arbeiter, sich dem Diktat nicht zu fügen und wurden deshalb ausgesperrt. Inzwischen hat sich die Arbeitsmarktlage auf der Germania- werft in Kiel und in den Deuffchen Werken soweit gebessert, daß die Arbeiter zum Angriff übergehen konnten. Auch hier drdhte es zu einem Arbeitskampf zu kommen. Dä außerdem der Kampf in Vegesack und Rostock mit ungebrochener Schärfe vom Deutschen Metallarbeiter-Verband fortgeführt wurde, kam es zu zentralen Verhandlungen. Diese Verhandlungen führten dazu, daß in Hamburg der Lohn der Gelernten um einen Pfennig, der Un- gelernten um 2 Pfennig ab 1. Juli erhöht wurde, während in den anderen Orten der Lohn sür die Gelernten um 2 Pfennig und für die Ungelernten um 3 Pfennig wieder erhöht worden ist. -» Der Borgong zeigt, daß auch in diesen außerordentlich un- günstigen Zeiten eine gut« und starke Gewerkschaft sich durchzusetzen vermag. Wie Butlers Wahl zustande kam. Genf,?. Zuli.(Eigenbericht.) Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes in Genf hat am Freitagabend, nachdem die Vertagung der Wahl eines Rachsolgers für den verstorbenen Direktor Albert Thomas aus Oktober mit 11 zu 11 Stimmen abgelehnt war. wie bereits gemeldet, den stellvertretenden Direktor Butler mit 21 von 2 4 Stimmen zum Direktor des Internationalen Arbeitsamtes gewählt. Betrügerischer Gehaltsabbau. Kurzarbeit als Vorwand. Vom Zentralrerband der Angestellten wird uns geschrieben: Bekanntlich haben die Angestellten unzähliger Betriebe ein hohes Maß gewerkschaftlicher Solidarität dadurch bewiesen, daß sie durch Abschluß von Kurzarbeitsverträgen geplante Eni- lassungen verhinderten und so einzelnen zugedachte Opfer gemeinsam trugen. Daß von Unternehmerseite eine derartige Selbstlosigkeit niemals begriffen, geschweige denn geachtet werden würde, war zwar vorauszusehen: Erscheinungen, wie sie sich in letzter Zeit jedoch immer häufiger abspielen, fordern zu aller- schärfstem Protest heraus. In vielen Betrieben Hot man bei Festsetzung des Umfanges der Kurzarbeit dafür Sorge getragen, die bisherige Arbeitszeit so weit wie irgend möglich zu reduzieren. Sobald nun durch Belebung des Geschäfts eine stärkere Belastung eintrat oder— was auch nicht selten der Fall war— trotz der Kurzarbeit Kündigungen vorgenommen wurden, ergab sich, daß die Arbeit in der ge- kürzten Zeit nicht mehr bewältigt werden konnte. Was dann wieder- um nicht etwa zur Aufhebung der Kurzarbeit führte, sondern zu deutlichen Verlautbarungen der Geschästsleitungen, daß„die Arbeit eben zu schaffen sei". Tatsache ist also heute, daß in vielen Fällen bei durch Kurz- arbeit verringerten Geholkern die volle Arbeitszeit abgeleistet wer- den muß. Daß bei der trostlosen Lage des Arbeitsmarkte? kein An- gestellter es wagen wird, die Kurzarbeit einzuhalten und dadurch mit seinen Arbeiten in Rückstand zu kommen, hat man mit in die Rechnung gesetzt. Leider können sich die Unternehmer unter dem heutigen Regime derartige Frechheiten erlauben— ohne dabei irgendeiner Gefahr ausgesetzt zu sein. Allerdings werden die Angestellten am 31. Juli durch Wahl der Liste 1 ihre Abwehr bekunden. KpO. für Aushungerung der Arbeitslosen. Gewerkschaftliche Unterstützung soll doch angerechnet werden. Krampshaft bemüht sich die„Rote Fahne", dem Reichsarbeits- minister und den Arbeitsämtern einzureden, daß die Anrechnung der gewerkschaftlichen Arbeitslosenunterstützung bei der Prüfung der Bedürftigkeit vorgenommen werden könnte, trotz des gegenteiligen Erlasses des Reichsarbeitsministers. In der„Roten Fahne" nimmt man ossenbar an, daß ein Erlaß eine? Rcichsarbeitsministers un- gefähr so gehalten und ausgelegt wird wie ein Angebot der KPD., eine Einheitsfront gegen den Faschismus zu bilden. Das Blatt behauptet zunächst, die Bemerkung de? Reichsarbeits- Ministers, die Eingabe der Gewerkschaften sei mit dem Erlaß erledigt, sei von uns gemacht worden, und fügt hinzu: „Es besteht aber gar kein Zweisel, daß der Erlaß des Reichsarbeitsminislers dem Vorgehen der Behörden, die mit der Prüfung der Hilssbedürftigkeit beauftragt sind, Tür und Tor öffnet. Der Erlaß des Reichsarbeitsministers macht es den Be- Hörden möglich, nach Gutdünken die gewerkschaftliche Er- werbslosenunterstützung anzurechnen oder nicht." Die„Rote Fahne" kennt diesen Erlaß gar nicht. Sie kennt nur die Mitteilung, die darüber vom Reichsorbeitsministerium veröffentlicht worden ist. Nach dieser Mitteilung soll an der bis- herigen Praxis nichts geändert werden. Trotzdem bemüht sich das Blatt, die Arbeitsämter gegen die Arbeitslosen aufzuputschen. So kommt dieses Organ einer angeblichen Arbeiterpartei aus blindem Haß gegen die Gewerkschaften schließlich dazu,«in« Aushungerung?» Politik gegen die Arbettslosen zu empfehlen. Wir hangen niedriger. Berlin? Sammerschau Sindersest bei ieder witkerung. Da? Sonntag, 3. Juli, 14 Uhr, beginnende groß« Kinderfest aus der Ber- liner Sommerschau wird auch bei ungunstiger Witterung stattfinden. Für die Veranstaltung steht im Regensall t*« groß«, als Festhall« hergerichtete Hall« IV. zur Verfügung. Schlägerei im Wiener Rathaus. Ein Sozialdemokrat schwer verletzt. Wien. 2. Juli. Im Wiener Landtag kam es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Sozialdemokraten und Nationalsozialisten, deren Fraktion?- sührer Frauenseld eine Rede hielt, ohne daß ihm das Wort erteilt worden war. Er griff den Landtagspräsidenten Dr. Danneberg hejtig an, was zur Folge hatte, daß es zwi- schen Sozialdemokraten und Nazis zu einem Handgemenge kam. Dabei wurde ein sozialdemokratischer Abgeordneter am Auge schwer verletzt. Verdunkelung des Lleberfalls auf den Golfklub. Wien, 2. Juli. Wegen des Ueberfalles auf den Golfklub wurden vier Personen oerhastet. Der Landesdienst der Nationalsozialisten Partei erklärt, daß noch deren„Erhebungen" eine Parteidienststelle mit diesen Vorfällen nicht in Zusammenhang stehe. parte-Volksfest in Weißensee. Im Schloßpark Weißensee wird am Sonntag. 3. Juli, der 18. Kreis fein diesjähriges Sommerfest zu einer großen Kund- g e b u n g gestalten. Der Propagandamarsch beginnt um 14 Uhr von der Prenzlauer Promenade, Ecke Guslav-Adolf-Stroße. Von IS Uhr ab rollt im Schloßgarten ein abwechselungsreiches Pro- gramm ab. Die Reichsbanncrkapelle Weißensee, der Weißenseer Volkschor, die Spieltruppe„Junge Hammerschaft", ferner die Tur- ner, Schwimmer, Ballspielcr und Radfahrer, darunter auch der Olympiademeister Ahlberg, werden sür gute Unterhaltung sorgen. Die Ansprache hält Genosse Franz Künstler. Abends findet auf dem Weißen See ein großes Fackelreigenschwimmen des„Freien Volkssport Weißensee" statt. Für die Unterhaltung der Kinder ist ebenfalls gut gesorgt. Der Eintritt beträgt nur 39 Pf., Kinder srei. Die Fahnendelegotionen aller Kreise und Abteilungen und die am Festzug sich beteiligenden erwerbslosen Parteimitglieder haben sreien Eintritt. Der Unlerbezirk Riederbarnim der SAI. veranstaltet am 2 und 3. Juli in der östlichen Vorortgemeindc Werlsee seine diesjährige Sonnenwende mit anschließendem I u g e n d t a g. In enger Verbundenheit beteiligen sich vier Werbezirke des Bezirksverbandes Berlin mit ihren Fanfarenspielmannszügen, die Parteiortsgruppen aus dem östlichen Teil des Kreises Niedcrbarnim fowie�die Vereine des 1. Bezirks im 1. Kreis des Arbeiter-Turn- und wportbundcs. Sonntagoormittag findet im Restaurant„Vater Fielitz" im Ortsteil Grünheide eine proletarische Morgenfeier statt. Die große Massen- demonstration am Sonntagnachmittag leitet die wuchtige Kundgebung ein, in der Reichstagspräsident Paul Löbe als Freund der Jugend zur Jugend sprechen wird. Die nationalsozialistische„Rheinsront" verbalen. Die bayerische Polizeidirektion Kaiserslautern Hot auf Grund eines Artikels.,Se- paration für Ordnungsliebe" in der nationalsozialistischen„Rhein- front" diese Zeitung aus die Dauer von fünf Tagen verboten. Wetter sür Verlin. Teils heiter, teils wolkig, keine Nieder- schläae von Bedeutung, geringe Wiedererwärm una, ivestliche Wirde. Für Deutschland. Allgemein mäßig warm, bei wechselnder Be- wökkung.___ Theater der Woche Vom 3. Juli bis 11. Juli Volksbühne: Theater am BiUowplatz: Bis 9. Geld ohne Arbeit. Staatstheater. Staatsoper Unter den Linden: bis 7. Wiener Blut. Die Etaatsoper bleibt vom s:. Juli bis einschließlich 31. August 1932 geschloss-n. Schauspielhaus: 3. Ieppe vom Berge. Ab 4. Juli bis 26. August geschlossen. Theater mit festem Spielplan: Kurfürstendawm. Theater: Gonoven-Ehre.— Die Komödie: Ab Glarence 1 und die Nutznießer.— Zentral. Theater: Bis 6. Im weißen Nösi'l. Ab 7. Der ! fröhliche Weinberg.— Rose.Theater: Die eiserne Jungfrau.— Gartenbühne: j Drei arme kleine Mädels.— Lesfing'Theater: Madonna, wo bist du?— Theater j des Westens: Die Blume von Hawai.— Theater am Rollendorfplatz: Frühling in Heidelberg.— Kleines Theater iInternationales Theater): Das schwedische Zündholz.— Theater in der Behrenstraße: Der Tiefstapler.— Plaza: Ein Dalzertraum. Rachmiltagsvorsiellungen: Zentral. Theater: Ist. Im weißen Röss'l.— Rose-Tbeater: Ist. 15 Uhr. Die eiserne Jungfrau.— Garteubühne: Konzert und Variete. Erstaufführungen der Woche: Die»«tog. Komödie: Clar-ni-, und dk Nutznießer.— Soontisiij. Zentral-Tlieater: Der fröhliche Weinberg.— Sonnabend. R»» naissance-Theater: Fräulrin Frau. Berantwortl. für die Redaktion: Stich. Bernstei». Berlin; Anzeigen: DH. Glocke, Berlin. Derlag: Borwärts Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwart, Buch» druckerei und Berlagsanltall Paul Singer Sc Co.. Berlin SW«6. Lindenstr. i Hierzu 1 Beilage. Xltetilez. Lidilspiele Staats Theater Sonnabend, den t. Jnll Staatsoper unter den linden 20 Uhi Wiener Blut Stistliteüielluu! Cndiranmirkt. 20 Uhr Priu Friedfidi Sthlllef-Theater Charlottenburg. Geschlossen ÜSbt Ullas. BM. 5«.d1J.Stis.2.5.!«ü. E 7 Wiidn.(031 Einwaizutnum Biumeßspenuen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz rarmal* Robart Uajtt Marian aioaistr. 3 FC Ohortiaiam 1309 Votiisutinne Iliutir an Ulovplati SV, Uhr Geld ohne Arbeit Komödie von Alberto Colantuoni. Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: Gflotber Stark ö Uhr is. Flora 3434 Räumen SN. Wieder 12 neue Attrak tio nen SonnaBend u. Soamao i« Z Vorstella 4 n. 8.19 UBr. 4 nnr kleine Preise, Rose- Theater injü« Fraattartn SlraSa 13: ib. Waüluil i � 347. ".30 Uhr Sie eiserne Inngfran CiartenbUhne 5.30 Uhr Konzert u. Variete Drei irme kleine Mädels I im-fligaier Täglich SV, Uhr Piaüonna wo bist Da? Erika v. Thellmann, Luise Stösel Theodor Looa Josef Wedorn s-. (Beilage Sonnabend, 2. Juli 1932 SprAbmö SjininnifnStJa[ofmadt Gerhart Herrmann Mostar<— Die Geschichte der Woche Der Gasometer In Döbeln retteten zwei Arbeiter die Stadt vor unabsch- barem Unheil... Viele Türme hat die Stadt und viele Glocken. Hell und dünn klingen die kleinen Glocken, und nur in den Gassen, die ihren Türmen zunächst sind, hört man sie; dumpf und mächtig hallte die große Glocke der Stadtkirche, und bis in die benachbarten Dörfer hinein dröhnt ihre Stimme. Aber die allergrößte Glocke läutet nicht; die allergrößte Glocke ist stumm... Die hängt nicht im Glockenstuhl, diese größte Glocke, die schwimmt auf Wasser; die hört nicht den Wind rauschen zwischen ihren stählernen Wänden, zu ihr findet nicht die Lust, welche die Menschen atmen, und welch« das Leben ist— die hält gefangen in ihrem Zehnmeterrund jene Lust, die sich die Menschen erschufen, die Flamme wird und Gift ist: das Gas... Mitten in der Stadt steht der runde, eiserne Turm, der sie birgt. Die Menschen, die vorübergehen, beachten sie nicht, lieben sie nicht und verabscheuen sie nicht; nur manchmal, wenn in der Lust ringsum ein stechender Geruch ist, blicken sie hinüber in flüchtiger Angst; in der schnell vergessenen Gewißheit, daß sie den Tod ge- fesselt hält, daß etwas wie eine ständige Drohung in dem nüchternen Namen liegt, den sie trägt: Gasometer... Manchmal aber finden sich doch Menschen, die ihren Turm erklimmen. Aus den schmalen eisernen Leitern klettern sie hinauf, bis sie an jener Stelle stehen, an der vielleicht eine Klammer sich gelockert hat. Mit Schweißapparaten gehen sie der Klammer zu Leibe, bis sie wieder fest ist, damit die stumme Riesenglocke sich wieder heben und senken könne über ihrem Wasserbecken, damit die Menschen weiter ihre Speisen warm machen können und ihre Stuben hell... Heute sind es zwei Arbeiter, die an der stummen Glocke schassen. Ihre Schweißapparate zischen; im blauroten Schimmer der schie- ßenden Flamme bindet sich Eisen an Eisen. »Gleich sind wir fertig", sagte der eine— da schreit der zweit« auf:„Zurück! zu— rrückl!" Und in seine Worte hinein saust ein heller, rauschender Ton— sein entsetztes Gesicht leuchtet im seit- jamen Licht einer spitz aus dem Eisenkörper rasenden Flamm«— jähes Begreifen: eine Nietnaht riß, das Gas strömt aus, hat sich entzündet an dem Feuer des Schweißapparats— die stumme Glocke singt, singt ihr Lied vom Tode; ausbricht die gefesselte Kraft mit namenloser Gewalt!... Erster Gedanke: Flucht, Flucht!... Erste, gejagte Schritte die Leitern hinab! Alarm schlagen, ranholen die Feuerwehr! Da, im Hinunterjagen, sehen sie die Straßen der Stadt; die spitzen Giebel der Häuser; den sanften Rauch der Schornsteine; den Frieden ringsum; den Frieden, der noch ein, zwei Minuten sein kann— dann wird, muß die Explosion kommen, lange ehe die Wehr heran sein kann; dann wird ringsum nichts sein als Trümmer und Fetzen und Wimmern und Schreien... Sie wenden sich beide, wie aus ein unhörbares Kommando. Sie klimmen die Leitern wieder hinauf. Sie treten heran an die sausende Flamme, die noch schmal, spitz ist— noch!! Noch zwei Minuten lang, wenn man sie gewähren läßt— dann wird die Niet- naht sich weiten, die Flamme sich stärken, dann wird das Ende fein... Sie allein haben das Schicksal dieser Stadt in der Hand, sie allein, zwei Arbeiter, vier Augen, vier Hände, vier Füße, zwei Hirne— es ist nicht viel, aber es muh eingesetzt werden! „Wasser!" schreit der ein«;„Lehm!" brüllt der andere zurück. Sie rasen die Leitern abwärts. Sie klimmen sie wieder hinauf, einen Wassereimer trägt der eine, eine Kiste mit Lehm der andere, und einer hat Zeit gefunden, die Scheibe am Feuermelder einzuschlagen. Das Wasser klatscht gegen die Eisenwand, haut die Flamme zurück, für einen kleinen Moment— er genügt, um zwei Hände voll Lehm in die gerissene Stelle zu pressen. Wieder hinab, wieder hinauf mit Wasser— wieder der flüchtige Sieg über die Flamme, wieder das hastige Ueberdecken mit Lehm... Sie ersticken die Flamme nicht, nein. Das geht über das Der- mögen der vier Hände und der vier Beine. Aber sie darf nicht größer werden, wenigstens nicht größer werden. Sie wird auch nicht größer— noch nicht... Die Minuten gehen und sind wie Stunden. Menschen sammeln sich, blicken, schreien entsetzt hinaus, Frauen reißen unten Kinder ar. sich, fliehen. Die beiden sehen es nicht, hören es nicht, haben nicht Zeit zum Sehen und Hören. Hinab, hinauf, hinab, hinaus. Polizei kommt, sperrt ab, in weitem, weitem Umkreis. Häuser werden geräumt, Menschen rasen aus den Türen, sinnlose Sachen in den Armen, stehen fern, ganz fern, so weit, daß die Stichflamme aussieht wie ein Kerzenlicht, und wie Motten die beiden Menschen, die immer wieder heranstürzen... Und doch ist sie größer geworden, die Flamme. Sie sind zu schwach, die beiden. Zwei Helden, aber zu schwach gegen diese eine Flamme, gegen die gespeicherte Kraft der stummen Glocke, die zu sprechen begann. Dennoch: sie lassen nicht ab. Sie holen weiter Wasser, sie pressen weiter Lehm in die Fuge. Sie fliehen nicht... Da, endlich: die Feuerwehr! Das ist das erste, was sie ver- nehmen von all dem Lärm: das Hupen, Klingeln, Signalpfeifen— sie haben ja darauf gewartet diese Viertelstunde hindurch, die eine Ewigkeit war. Nun aber wird gleich mehr Wasser da sein, mächtiges Wasser, vom Motor gepreßt durch Schläuche, angreifend mit Schnelle und Kraft, nicht geschleppt und gegossen von den paar schwachen Händen. Nur noch ein paar Sekunden aushalten— nur noch ein paar Sekunden... Aber sind denn das nur Sekunden? Nein, das sind wieder Minuten— bis das Saugrohr im Brunnen ist; bis der Motor anspringt; bis die Steiger heran sind... Die beiden rasen, klimmen, schleppen weiter hinauf und hinab. Ihre Lungen pfeifen und schmerzen. In ihren Augen brennt der Schweiß. Ihre Füße verfehlen manchmal die Sprossen der Eisenleiter. Die Gelenke der Hände wollen versagen. Dürfen aber nicht, dürfen mcht. Nicht nur des eigenen Lebens wegen. Da sind eben die Gassen ringsum, die nun leer sind, die warten aus ihre Bewohner... die sind fern, diese Bewohner, Militär ist alarmiert und dringt ein und schleppt heraus, andere Feuerwehren lärmen heran— zu spät, zu spät, wenn die beiden da oben versagen!... Und doch werden die Wasser- eimer so schwer, so maßlos schwer, es ist, als wären das gar keine Wassereimer mehr, als trügen sie dies« ganze Stadt mit all ihren Häusern, ihren Menschen, ihrem stillen Glück und ihrer zitternden Angst in den schwachen vier Händen... Es ist, als schreie diese ganze Stadt ihre Verzweiflung ins Sausen der Stichflamme hinein, als läute aus der Riesenglocke das Mahnen von zwanzigtausend Menschen, der Hilferuf der zwanzigtausend da unten an die zwei hier oben: Haltet aus! Haltet aus!! Haltet aus!!! Jetzt aber— jetzt, endlich, endlich: Pfiffe— Kommandos— wieder Pfiffe: die Steiger der Feuer- wehr, die sich längst postiert haben, werden jäh zurückgerissen von der Wucht des Wassers, das durch die Schläuche jagt und hinaus- zuckt wie lauter blitzende Säbel, losschlägt gegen die Stichflamme— die windet sich, eine rote Schlange, die von schnellen Schlägen ge- troffen wird und sich bäumt und windet und doch nicht zu töten ist... Immer mehr Wehren rasen heran. Jetzt ist sogar Dresden schon da— jetzt Leipzig— jetzt Chemnitz. Sie brauchen nicht ein- zugreifen, können abseits stehenbleiben. Die Döbelner Wehr be- streitet allein den uralten Kampf zwischen Wasser und Feuer, zwischen den Schwertern aus den Schlauchenden und der Schlange. die aus der Wand der stummen Glocke züngelt. Langsam, langsam wird der Schein des Feuers röter, sanfter, zittriger. Und nach einer Stunde ist die Flamme tot, das Gas wieder gefangen und gefesselt, die Todesglocke wieder stumm... Die Menschen kehren heim in ihre Häuser. Di« Lampen flam- inen aus in den Stuben; das gleiche Gas leuchtet den Menschen, das sie eben fressen wollte. Es ist gezähmt wieder, es ist wieder zum Segen geworden. Längst schon sind vom eisernen Turm zwei Menschen herab- geklettert: auf wankenden Füßen, mit Händen, die kaum noch greisen können, mit Herzen, die wild und schmerzhast schlagen, mit Atemstößen, die pfeifen, mit Augen, die brennen. Sie haben beide Brandwunden, hier und da, das haben sie gar nicht bemerkt im wilden Schuften um das Leben einer Stadt— nun aber tun sie bitter weh. Man drückt ihnen die Hände, es sind Frauen da, die umarmen sie, und haben Tränen dabei in den Augen. Die beiden aber, die sie Helden nennen, wollen nichts als schlafen. Sie möchten nichts als nach Haufe gehen, wie sie immer von der Arbeit nach Hause gehen, nur müder noch. Und indes die Feuerwehren wieder abrücken und die letzten von denen, die noch an der Brandstätte ausharrten, den allerletzten Blick werfen auf den Gasturm, der breit, schwarz und gespenstisch in den abendblauen Himmel ragt; indes die Menschen, die ihre Wohnungen schon geräumt hatten, mit verliebten Augen ihre vier Wände streicheln im Glück des Wiederbejitzes; indes die Stadtkirche mit ihrem Abend- läuten den Sieg des Friedens oerkündet über den Angriff der geknechteten Kraft in der stummen Glocke— indessen schlafen zwei Arbeiter den guten Schlaf derer, welche Helden sind aus Pflicht. Das grosse Mordspiel in der Arena Noch immerStierkämpfe Noch imnier gibt es in Spanien Stierkämpfe und noch immer glaubt man sie gesehen haben zu müssen. Um 5 Uhr geht es los, aber um 4 Uhr ist der Platz vor dem „Torro" schon belebt. Da rücken die wilden Billetthändler an, die genau wissen, daß an der Kasse nichts mehr zu holen ist; da kom- men die Kissenverkäuser, die für 15 Centimes(5 Pf.) ein mit Pa- pier ausgestopftes Kissen verkaufen, weil man doch nicht stunden- lang auf dem Stein sitzen kann; da erscheinen die Bonbon-, Fächer- und Programmverkäufer. Dann tauchen die ersten Besucher auf und zugleich füllt sich der Platz mit Neugierigen, die der Ankunft hzw„Asricionados",(Liebhaher des Stierkampfes) aus besseren Ständen zusehen wollen. Einst hak'es zum gesellschaftlichen„Schick" gehört, so ein Liebhaber des Stierkampfes, zu sein und nach Wog- lichkeit zur.Prachtentfaltung beim Stierkampf beizutragen. Heute ist die„gute Gesellschaft" teils aus der Republik verschwunden, teils hält sie sich den Volksvergnügungen fern, und die Menge der Stier- kampfbesucher ist bedeutend prunkloser geworden. Schon vor fünf Uhr ist das ganze Amphitheater voll. Auf der teureren Schatten- feite sitzt„das bessere Publikum", einige mondän« Frauen und Herren in guter Kleidung. Auf der bedeutend billigeren Sonnen- seite, wo es oft unbehaglich heiß ist und die Sonne direkt in die Augen sticht, sitzt das Proletariat, Arbeiter in ihren blauen Arbeits- kitteln und Leinenschuhen ohne Ledersohle und ihre Frauen in etwas grellen Kleidern. Sie scheinen häufige Zuschauer des Stierkampfes zu sein und sühlen sich hier wie zu Hause. Die Fächer-, Bonbon-, Programm- und Wasseroerkäufer winden sich zwischen den Beinen der Zuschauer, steigen über die Bänke und krabbeln unter den Sitzen hindurch. Man sitzt so eng, daß jeder die Knie eines anderen im Rücken spürt. Die Ruse der Verkäufer durchkreuzen das lebhaste Gespräch der Kenner aller Stände, die noch schnell ihre Erwartun- gen und Befürchtungen zum Ausdruck bringen. Wie bekannt, ist der Stierkampf kein einfaches Abmurksen der Stiere, sondern es gehört sich, daß die Tötung auf ein« besondere, ja, künstlerische Art vor sich geht, wobei die Gesahr, der sich die Pikadore, die Ban- dalleros und die Matador« mit mehr oder weniger Grazie aus- setzen, das Vergnügen würzt. lim 5 Uhr erschallt Musik, und alle Teilnehmer des bevorstehen- den Schauspiels ziehen in feierlichem Zuge und in hergebrachter Ordnung durch die Arena. Do sind nun die schön kostümierten Männer, die die Stiere mit roten Tüchern, mit Lanzen und Ban- Veras in Wut und Raserei bringen und der Macht des Toreros übermitteln sollen. Dann sind noch die Pikadore da hoch zu Roß, aus elenden Pferden, auf deren Leben keiner mehr fünf Pfennige setzen würde. Und mitten im Zuge ein Gespann, das bald im wilden Tempo den Stierkadaver durch die Arena schleifen wird. Ja, alle Teilnehmer des großen Mordspiels ziehen durch die Arena— bis auf die eigentlichen„Feinde". Die sechs Stiere, die man hier zur größten Freude der Menge vom Leben in den Tod befördern wird, sind noch«ingesperrt und verharren im Dunkel. Das Publikum kennt sie noch nicht. Es hat nur gehört oder ge- lesen, wo sie gezüchtet wurden, wo sie weideten, welches Ausmaß und Gewicht, und vor allen Dingen, welchen„Charakter" sie haben. Man hofft, es werden die„Richtigen" sein, solche, die eine recht reizbare, wutschäumende Gemütsart haben und sich nicht leicht aus dem Felde schlagen lassen. Europäische Aphoristiker Artur Schopenhauer Die Weisheit, welche in einem Menschen bloß theoretisch da ist, ohne praktisch zu werden, gleicht der gefüllten Rose, welche durch Farbe und Geruch andere ergötzt, ober abfällt, ohne Frucht ange- setzt zu haben. Keine Rose ohne Dornen.— Aber manche Dornen ohne Rose. Das Wort des Menschen ist das dauerhafteste Materiol. Hat ein Dichter seine flüchtigste Empfindung in ihr richtig angepaßten Worten verkörpert, so lebt sie in diesen Jahrtausende hindurch, und wird in jedem empfänglichen Leser aufs neue rege. von Grietei, Der feierliche Zug ist nun vorüber. Wieder erschallt Musik, und endlich ist das Tier in der Arena. Ein großes, schwarzes, wuchtiges Tier, das beim Lichte stutzt und lossoust. Schön ist das Licht der Welt! Was nachher kommt, wer hat es nicht schon im Film gesehen? Die Menschen in der Arena entfalten all ihre Grazie und ihre ganze Waghalsigkeit, um das Tier kunstgerecht zu behandeln und nicht da- bei auf seine Hörner zu geraten. Di« Menschen im Zuschauerraum werden zu Bestien, die die Menschen und das Tier aufeinander hetzen. Die Pferde können kein« Grazie und keinen Mut entwickeln. Sie bieten nur das Schauspiel der verreckenden Kreatur, wobei man sagt, daß der Stierkampf vom Fortschritt auch schon berührt sei, denn die Pferde werden durch Lederumhüllungen geschützt, die den aufgeschlitzten Bauch und oie heraushängenden Eingeweide etwas weniger sichtbar machen. Die Stiere aber sind letztens ofsensichtlich etwas degeneriert. Sie haben wenig nationales Temperament; sie sind schlapp und richtige Spaßverderber. Da entweicht so ein Tier, ermattet durch Blutverlust, den Menschen, anstatt sich auf sie zu stürzen. Es will nicht mehr mitmachen. Ein wunder Stier ist so- gar bei einem solchen Entweichen an den Kadaver des eben von ihm aufgespießten Pferdes gelangt und legt sich friedlich daneben, um in aller Ruhe zu verrecken. Das war nun eine ganz schlimme Sache. Da standen all die blanken Jungens, bereit, das Tier zu reizen. Da stand der Matador und wartete auf seinen großen Augenblick, und das Tier durchkreuzte nun alle seine Absichten und Pläne. Es mußte einfach erledigt werden, anstatt im ritterlichen Kampfe zu erliegen. Doch der Groll des Publikums galt nicht nur dem Tier. Die taufendgesichtige Bestie aus den Stufen des Amphitheaters mar mit dem Stierkämpfer und seinen Helfershelfern nicht zufrieden. Wütende Ruse, Schmährufe und Pfisse bewiesen, daß man nicht gewillt war, sich das alles gefallen zu lassen. Kam man denn hierher, um ein Tier friedlich verrecken zu sehen? Das Gruseln des Toreros wollte man spüren und mit ihm zugleich den Sieg des Menschen über das Tier erleben. „Fahr' in dein Dorf zurück, du Stümper!" rief man, und das konnte nur diesem blutjungen, grazilen Toreador gelten, denn dos große, schwarze Tier hatte bereits ausgespielt, wurde soeben durch die Arena geschleift. Der arme Junge aber, der hier den Beweis seiner Meisterschaft ablegen sollte, der von Triumph, Reichtum, Frauengunst geträumt hatte, ging gesenkten Hauptes aus der Arena. Schimpjworte und Sitzkissen flogen ihm nach, denn er war nicht nur ein Nichtskönner, ein grüner Bengel, ein Schamloser, ein Dieb ihrer Zeit und ihres Geldes; er war auch kein mannbarer Mann, kein Held, kein Spanier. Gewiß, ich Hab« am gleichen Tage noch einen Matador gesehen. der sich die Gunst der Menge zu erobern wußte. Er hat nicht nur sein Leben tausendfach gewagt, sondern auch den Stier mit einem „wunderschönen" Stich erledigt, ritterlich und human. Er ging um die Arena, verneigte sich, lächelte; man winkte ihm zu; weiße Tücher wehten; Kosenamen wurden ihm zugerufen. Sein Stern stieg auf. lind der große schwarze Stier, der ihm zum Ruhm und der Menge zum Genuß verholfcn hatte, wurde inzwischen herauskutschiert, nachdem zwei tote Pferde, seine Opfer, schon beseitigt worden waren. Die Sonne stach, die vielen bunten Fächer bewegten sich erregt. die Menge schwitzte, lobte, tadelte, kaufte sich Waren, um ihren Durst zu stillen, vielleicht auch, um ihre Erregung zu meistern Ich schaute mich um. Rohe und gutmütige Gesichter zugleich. Das war es also, das spanische Volk? Das gleiche Volk, dos den armen und edlen Ritter Don Quixote zu seinem Nationalhelden erhoben hatte? Ist wirklich der Stierkampf eine rein spanische Angelegen- heit? Gönnen wir den Spaniern die Zusicherung, daß die unver- gleichliche Grazie der Pikadore, Bandalleros und Motadore echt spanisch ist. Ab«r der tiere Sinn, das allgemein Menschlich-Un- menschliche der Sache? Es läßt sich nicht leugnen: jedes Volk, auch das nördlichst«, hät in seiner Art seinen Stierkampf In Deutsch- land scheint er in jüngster Zeit vielfach in die Versammlungssäle und Parlomentsgebäude verlegt zu sein. Lopdw Kramstyk. p HHW..»MW.. aw.w.»w pp Am Montag, 4. Juli, 13 Uhr, demonstriert die Eiserne Front im Lustgarten gegen das Verbot PiiicMinranstaitungi Mies tritt etil- Keiner den tehieni Sport am Sonntag IBetbefeff des 2. Bezirks. Der 2- Bezirk im 1. Kreise des Arbeit«r-Turn» und Sportbundes veranstaltet am Sonntag von ZV Uhr vormittags ab auf dem früheren Exerzierplaj; an der Schön- lmuser Allee ein Bezirksspielfest zur Werbung für den Arbeiter- Fußball. Der Vormittag gehört den Schülern. Saxonia, Fortuna und Adler 08 treten mit mehreren Mannschaften an. In der Jugend- klasse tst Fortuna einer Einladung von WI«r 08 gefolgt. Der Nach- mittag bringt Serienspiele, die entscheidend für den Stand im ganzen Kreisgebiet sein werden. Bezirksmeister, Kreismeister und ehemali- ger Bundesmeister sind in der Werbung vereinigt, chansa 31 trifft auf Fortuna, Eintracht auf die oerstärkte Mannschaft von Saxonia, Adler auf Nord 32. Buch. Rönigenlal. Schwanebcck. Dem Volt« gilt's, wenn wir zu spielen scheinen, heißt die Porole der Bucher Arbeitersportler zum Sonntag, wo sie auf dem Platz am Röhrenlager(am Bahnhof Buch)«inen Spieltag veranstalten. Träger der Veranstaltung ist die FTGB., Bezirk Buch, die in dem reichhaltigen Programm viele Gäste hat. Beginn morgens 10 Uhr: chandball der Kinder, Bucht gegen Charlottenburg I. Es folgen Völkerball der Kinder, Buch- Turner— 5kindersrsunde: Handball der Kinder. Buch ll— Chorlottenburg II; Kopfball für Erwachsene, Buch l— Buch II; dann Mittagspause. Wiederbeginn 14 Uhr mit einem Fußballspiel Buch ll— Vorwärts II. Es folgen Handball, Buch—Schenkendorf und anschließenid noch drei Fußballspiel« in verkürzter Zeit mit einer Trostrunde für die Verlierer aus dem ersten und zweiten Spiel. Heut«, Sonnabend, treffen sich schon die Fußballer Buchs zu einem Sommernachtsball im Lokal Langer, Neu-Buch, Heinestraße. Ein- tritt 50 Pf. Beginn 20 Uhr. Zm Aiittelpunkt der Rennen aus der Berliner Grunewaldbahn steht eine der beliebten Steherprüfungen: das mit 6800 Mark aus- gestattete, über 3000 Meter führende Engelbert-Fürstenberg-Rennen. Di« Rennen beginnen um 15 Uhr. Beginn der Abend-Irabrennen in lNoriendorf. Am Montag, 4. Juli, siedelt der Berliner Trabrennsport auf vier Wochen nach Mariendorf über, wo di« beliebten Abendrennen ihren Ansang nehm««. Die Rennen beginnen um 18 Uhr und werden bei elek- irischer Beleuchtung beendet. Wassersport überail Hochbetrieb auf den Gewässern La» größte Ereignis im Wassersport ist die morgen in Grünau nar de« Rsgaltatribünen stattfindende 2. Sunde, regatta de» Urbeitsr-Turn- und Sporlbunde?. Ruderer und Sanufahrer aus dem Rheinland, den praninzen Sachsen, Hannover. Westfalen und Pommern, au» Hamburg. Bayern, dem Freistaat Sachsen und fast allen Berliner vereinen werden sich in 10 Rennen gegenüberstehen. Berlin» Eiserne Front wird bei den Arbeiterruderern zu Gast sein, die Regattarede hält der Bundesführer de, Reichsbanners Hölter- mann. Beginn der Rennen 13 Uhr. kreie Segler sut der Müggcl Die größte sportliche Veranstaltung des Freien Segler- Verbandes ist olljährlich die Berliner S o m m e r w o ch«, die in diesem Jahr« vom 3. bis 10. Juli auf dem Müggelsee statt- findet. Die Boote der Verein«, die im Westen Berlins beheimatet sind, werden heute durch die Stadt nach dem Müggelsee geschleppt und worden diese Schleppfohrt, wie in jedem Jahre, zu einer wirkungsvollen Propaganda für den Arbcitersegeisport benutzen. Die Freien Segler Müggelsee und der Seglerverein Rahnsdorf treffen bereits alle Vorbereitungen, um die vielen Fahrzeuge unter- zubringen. Fast 170 Boote haben zu den drei Wettfahrten ge- meidet. Den interessantesten Sport werden diesmal die lö-Ouadrat- meter-Wanderjollsn tiefern, weil sie nicht nur die nieisten Neubauten aufzuweisen haben, sondern auch mit 31 Meldungen die bestbesetztc Klasse darstellen. Damit wird dieses praktische und stabile Boot die etwa» kurzlebig« und damit teuere Rennjolle endgültig überflügelt haben, die lange Jahre die am besten besetzte Klasse darstellte. Trotzdem wird sie noch mit 22 Booten vertreten sein, die wie die Wanderjollen in zwei Klassen starten werden. Auch bei den 10-O»adratmeter-Booten hat die Winderjolle mit 18 Meldungen die Rennjolle, die 17 Meldungen auszuweisen hat, überholt. Sehr gut besetzt ist auch die 20-Quadratmeter-Rennjoll«, die bei den, zu erwartenden leichten Wind die schnellsten Boote sein werden und mit 15 Fohrzeugen in zwei Klassen starten. Diesmal werden auch drei 20-Quadratmeter-Jollenkreuzer mitfahren, die heute ein kost- spieliges Boot darstellen, dos für den Arbestersegler schwer zu erwerben ist. Das weitaus best« Meldeeraebnis Hot der Seglernersin Rahnsdorf aufzuweisen, der mit 22 Booten fast seinen gesamten Bootsbestond zur Wettfahrt schickt. Beachtenswert sind auch die Meldungen der Tourenseglcr Grünau niit 22, der Freie» Segler Müggelsee mit 19. und der Toursnsegler Tegel mit 15 Booten. Im ganzen werden 23 Vereine bei den Wettfahrten oertreten sein. Der Start findet vor dem Restaurant Müggelschlößchen an den Sonn- tagen um 11 Uhr und am Sonnabend, dem 9. Juli, um 15 Uhr, statt. Er wird auch vom Stadtpart Friedrichshagen am Eingang des Spreetunnels gut zu verfolgen sein. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird sich am Sonntag der Müggelsee, der bei den letzten Tisrbstwettsahrten den Freien Seglern viel Schaden zugsfügt hatte, von seiner besten Seite zeigen und der Stander de, Freien Segler- Verbandes, der rote Ball im weißen Feld, wird während der Sommervzokbe dos Feld beherrschen. Jcr ADAC, in Tcmplm aj« oom Allgemeinen Deutschen Automobil» Club aus dem Templiner See beim Potsdamer Luftfchlff» Hafen am Sonntag zur Durchführung kommende ADAC.» Motorboot, und Flugfporttag hat reges Jnterefl« ge« fundsn. Für die erstmalig ausgeschriebene Zuiverläfsigkeitsfahrt für Motorboote„Rund um Potsdam" liegen über 50 Metdungen vor. Diese Zu o e r l ä ss ig t e i ts s a hrt, die wie die automobilistischen Zuverlässigkeitssahrten organisiert wird, stellt einen neuartigen Vev- such dar, die Tourenboote einer Prüfung auf ihre Ziwerlässigkeit und auf die Führereigenschasten des Bootsführers zu unterziehen. Der Start erfolgt um 9 Uhr in Nedlitz, Schweizerhaus. Der erste Fahrtabschnitt führt durch den Sacrow-Paretzer Kanal— Weißen See— Schlänitzsee bis zur Einmündung des Sacrow-Paretzer Kanals in die Potsdamer Havel. Für diesen 12,6 Kilometer langen Fahrt- abschnitt haben die Teilnehmer die durch die wasserpolizeilickzen Vor- schriften festgelegte Geschwindigkeit von 8 Kilometer einzuhalten. Am Ende dieses Zestabschnittes liegt eine Zestkontrolle. Für den zweiten Fahrtabschnitt— durch die Potsdamer Havel, �stzwielowsee nach dem Templiner See— haben die Boote mit einer Geschwindig- keit. die 10 Proz. unter ihrer Höchstgeschwindigkeit liegt, zu fahren. Für Ueber- oder Unterschreitung werden Punkte gegeben. Wer 30 Minuten nach seiner Sollsahrzeit eine Kontrolle passiert, scheidet aus. Für die am Vormittag und am Nachmittag auf dem Templiner See stattfindenden Schnellboot- und Autbordrennen liegen ebenfalls zahlreiche Anmeldungen der bekanntesten Motorboattohrer vor. Ein Wasserflugzeug rennen mit 4 Heinkel-Tiesdeckern, Type H E 5, Segelschleppflüge, Fallschirmabsprünge und eine Plaketten- ziekfahrt des Gaues 1 nach dem Luftschtffhafen ergänzen das um- sangreiche Programm des Tages. Das„Goldene Rad" Aus der Geschichte des klassischen Rennens Morgen wird auf der O l y m p i a b a h n das größte klastisch« Rennen des Jahres...Das goldene Rad", ausgesahren. Beim Rückblick aus die Geschichte des deutschen Radsports muß man immer wieder feststellen, daß kein Steherwettbewerb so reich an Tradition ist wie das Goldene Rad. Zum ersten Male wurde es im Jahre 1898 auf der nun längst verschwundenen Radrennbahn Sportpark Friedenau ausgefahren. Der Sieg fiel damals an den Franzosen Bouhours, der den Engländer Chase, den Berliner Alfred Köcher, den Münchener Josef Fischer und den Belgier Saint Hubert hinter sich ließ. Damals wurde die Führungsmalchine nach nicht motorisch be- trieben, vielwehr versah«in von Menschen getretener Mehrsitzer den Führungsdienst. Im folgenden Jahre gewann der Engländer Chase da» Rennen. Und hier war«5 auch, wo man zum ersten Male den Motorzweisitzer als Führungsmaschine probierte. Der Münchener R o b l belegte in diesem Rennen den zweiten Platz vor dem Franzosen Leßna den Münchener Kannamüller und den beiden Berlinern Hartwig und Köcher. Nachdem im Jahre 1900 Eduard Taylor sich als Sieger plaziert hatte, konnte Bouhours 1901 sich zum zweiten Mal« in die Siegerliste eintragen. Dann kam die große Zeit Thaddäus R o b l s. In den Jahren 1902, 1903, 1904 und 1905 riß er jedesmal den Sieg an sich. Nachdem 1906 und 1907 der Holländer Dickentmann und der Franzose Guignard da- große Rennen gewonnen hatten, war es wieder Robl, der 1908 Siezer wurde. 1909 folgte der Belgier Karel B er bist und 1910 Fritz Theile. Robl konnte hier nicht mehr antreten. Er war auf dem Stetttner Flugfeld töolich abgestürzt. Wurden die klastischen Rennen bis zu dem Jahrs 1904 auf der Friedenauer Bahn ausgetragen, so war später bis zum Jahre 1910 die alte Steglitzer Bahn die Kampfstätte. Räch dem Berschwinden der Steglitzer Bahn ging da» Goldene Rad nach einem von Guignard auf der Rennbahn im Botanischen Garten gewonnenen Rennen mit wenigen Unterbrechungen auf die neu erstanden« Olympia-Rädrennbahn über, wo sich in den solgentden Jahren Janke, Saldow, Lewanow. Guignard, der Frank- furter Weiß und der Belgier L i n a r t behaupteten. Nach der durch Kriegsausbruch bedingten Pause im Radsport- betrieb wußte ein neuer Mann sich bemerkbar zu machen: Walter Sa wall. Bold war Sawall der Motoldor der Plötzenseer Bahn, der es verstand, in bestechender Manier mehrere Male das Goldene Rad zu gewinnen. Nachdem in den Jahren 1930 und 1931 der Kölner Kr« wer auf der Olympiabahn gegen Sawall dominieren konnte, wird Sawall, der ja auch in diesem Jahr« mit van der Partie ist, alles daran setzen, die Niederlage der letzten Jahre gut- zumachen. AefaUee-kJosseedaU Spandau— Neukölln 7:5 /Wei�cnsee— Freiheit! 1:1 Freiheit wartete am Donnerstag in W e i ß c n s e e gegen seinen Ortsrivalen einmal mehr mit. einer recht schwachen Gesamt- leistung aus. Dos Eigentümliche dabei ist, daß die Mannschaft ihrem Gegner zu Beginn ein überraschend ausgeglichenes Feldspiel lieferte. Doch olle Erfolgsmöglichkeiten wurden durch das völlig planlose Stellungsjpiel der Stürmer zunichte gemacht. Weißens« hotte unter diesen Umständen leichtes Spiel, und die wie immer ausgezeichnet kombinierenden Stürmer wenig Mühe, oft erfolgreich zu lein. Die Frcihett-Monnichast ist von ihrem zu Beginn der Serie gezeigten Können beträchtlich entfernt. Spandau hotte am gleichen Abend die Neuköllner zu Horben xur 13 Uhr in Grünau Gast und konnte einen ziemlich glücklichen Sieg erringen. Bei Spielen gleichwertiger Gegner kommen die Spieler oft in die Ver- suchung, sich durch körperliches Spiel unerlaubte VorteUe zu ver- schaffen. So auch ln diesem Kampf. Der Schiedsrichter griff aber sehr energisch durch und sorgte für einen einwandfreien Verlauf des Spieles. Spandau hatte leichte Vorteile im Sturm, die zum knappen Siege reichten. Neuköllns Leistung war wieder uneinheitlich. Recht guten Spiclmomenten standen solche ziemlich planlosen Zuspiels gegenüber. Schwächen zeigte vor ollem die Verteidigung. Das für gestern vorgesehene Spiel zwischen Neukölln und Union wurde von Union abgesagt und aus den kommenden Dienstag verlegt. Segelklub wemmeisterhorn e. v. Bootsplatz: Weinmeifterhorn bei Pichelsdorf. Die im vergangenen W-tter geschossene neue Steg- anlage gibt die Möglichkeit, noch eine Anzahl Mitglieder aufzunehmen.' Als Jugendpflege treibende Bereine sind auch Jugendliche sehr willkomnien. Der Monatsbeitrag beträgt 0,50 M- ohne Boot, für aktive Mitglieder 3 M. Der Bootsstand betrügt monatlich 4,50 M. Der Segelklub Weinmeisterhorn will den im Monat Juli eintretenden Sportgenosien eine besondere Vergünstigung zukommen lassen. In diesem Monat wollen wir von der Zahlung des Eintritts- gekdez absehen. Buudedteuz l'ueiue ieäeu mi: ZTGB. Patzer Sonncntzelb«. Jeden Sonnabend Trslleunkt der Jugend tu? gemeinsamen Fahrt IS?, Uhr Bahnhof Stralau-Rummeloburg. Eingang Sonn- lagstrahe. Meldunzen siir den Kinderausenthalt werden nur bis zum 5. Juli angenommen in der G-s. Frertag. 15.?ul», Ser-insverfammlung bei»oh«, Berltner Siratz». Funktronärfitzunz fällt im ?uli au». Polk»I»ort veitzenf««. Sonntag. 3. Juli, müssen all« Mitglieder an dem Festzug der SPD. anlätzlich de» Boltssefte» teilnehmen Treffpunkt 13 Uhr Badeanstalt. ASB. Kell»,. Montag. 4. Juli, all« Mitglieder»um Luftgarten. Treffpunkt 16 14 Uhr ln der Erenzsiratze. Di» P«rein,z«ll»n find von 13 Uhr ab ge- schlössen. All« Wasserhalllviele fallen au». Auderverein Porwärt, Berlin. Antreten zur Demonstration SPontoa. 18H Uhr, stilstriner Platz. Mannsch-ft«grupp-n möglichst in.stnlehos», Sackest und blauer Mutze. Sportler-S»abertsch»f4 Lichtenberg. Die am Montag angefetzte Perlamm» lung findet trotz der Lustgarteniundgedung ftott. Alle»' mutz»m 20 Uhr zur Stalle sein. »artell sS-»rdeitersvort und»örperpflegc, Brenzlaner»erg. Sportler marschleren am Montag in Sportkleidung zur Demonstration auf. Umfleide. räum wird am Montag am Lammelpunkt bekanntgegeben. Wir sammeln un» schon um 18.10 Uhr am Tran»par-nt de,«tartell«. Erscheinen ist Pflicht. Rundfunk am Abend Sonnabend« den 2. Juli Berlin:(6.05 Orchesterkonzert. 18.00 J. Nacht: Aphorismen. 18.15 Als deutscher Student in Frankreich(Cand. jur- J. Lissner). 18.33 Die Erzählung der Woche(P. Flamm). 18.55 Die Funkstunde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Lieder. 19.40 10 Minuten Sport(R. J. Hoke). 19.55 Mitlei] ungen des Arbeitsamtes. 20.00 Köln: Lustiger Abend. 22.45 Wetter-, Tages, und Sportnachrichten. Tanzmusik. Könifswusterhausen; 16.00 Garibaldi, der italienische Freiheitsheld(Arch.-Ral Dr. J. Julves). 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Ueber die Herkunft des Lebens(Ober-Reg.-Rat Dr. Bogusat). 17.50 SO Jahre Kieler Woche fKäthe. Bruns). 18.03 Musikalische Wochenschau fDr. H. Strobel). 18.30 Ludwig Richter, Wilhelm Busih, Heinrich Zille(W. Wauer). 18.55 Wellerbericht 19.00 Kausalität und Wahrscheinlichkeit(Prof. Dr. H. Reichenbach). 19.30 Die Wunderfrage(Superintendent Görnandt). Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle„Vorwärts". Bolen oder die Postanstalten. Sonntag, den 3. Juli Berlin: 6.00 Flinkgymnastik. Fruhkonzert. 8.00 Mitteilungen für den Landwirt 8.20 Tagesfragen der Schädlingsbekämpfung(Ober-Reg.-Rat Dr. M. Schwartz). 8.55.Morgenfeier. 10.05 V\ ettervorbersage. 11.00 Märchen(Lotte Hansen). 11.30 Bach-Kantate. 12.00 J. Hiisch; Lyrik. 12.10 Mittagskonzert. 14.00 EUernsorgen der Schule— Schulsorgen der Eltern(Lehrer Dittmann).' 14.30 Klaviermusik. 15.00 In zehn Stunden nach New York(Oberleutnant a. D. Haeussler). 15.20 Konzert des Deutschen Arbeiter-Mandolinisten-Bundes, Konzertgem. Prenzlauer Berg-Wedding. 16.29 Stralsund (Quersdinilt). 1 7.00 Aus Hannover: Ausschnitt aus den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. 17.43 Kammermusik. 18.30 Programm der Aktuellen Abteilung. 19.00 Orchesterkonzert. 20.23 Ausschnitt aus dem Dauerrennen um„Das Goldene Rad". 20.45 Aus Dresden;„Siegfried", Bühnenfestspiel von Richard Wagner. 22.10 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanzmusik. Königs Wusterhausen: 11.00 R. Steiner: Eigene Prosa 12.10 Gerda von Below: Lyrik 14.30 Hymnen- 13,00 Der Fachredakteur'B. Jonas».' 18.30 Grosse Dirigenten (Dr. N. Feinberg). 19.00 Reise in Deutschland(Dr. H. Eddel- büttel. Sonst Berliner Programm. Vollitändige» Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle orwärts-Boten oder die Poetanstalten.