Morgenausgabe Jlr. 300 A 15ö IQ. Jahrgang Wöchentlich 75 Pf., monatlich 3,25 M. ldaoan 87 Pf, monatlich für Zufiel» lung ins vaus> im voraus zahlbar. Postbezug 3,37 M. einschließlich 80 Pf. PoilzeiNings» und 72 Pf. Postbestellge» bühren. Auslandsabonnement 5,85 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig» tem Drucksachenporto 4,85 M. Dei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht kein Anspruch der Abonnenten auf Ersaß. Erscheinungsweise und Anzeigenpreise siehe am Schluß des redaktionellen Teils. 4 Veriiner Voltsvlatt Jetttvawvsan der Sozialdemokratische« Oavtei Deutschi Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 Nernspr.: Dönhoff(A T) 293—297. Telegr-nmn.Adr.: Sozialdemokrat Berlin. (Sonntag 3. �uli 1931 Groß-Äerlin 15 Pf. Auswärts 20 Pf. Jsm JSJ' Vorwärts-Verlaa G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlins? SZS.— Banvonto: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. S, Dt.B.u.DiSc..G«1., Depositent.,JertrsaleinerStr.KS»K6 Wi�kn mai'lclilki'l Sellin Etzen Mißwirtschaft und Gewalt! Gegen die Hitler- Papen- Regierung I 1BI8. meldet: „Der Polizeipräsident von Verlin hat das Erscheinen des „vorwärts" auf Grund der Ikotverordnung vom 14. 3uni für die Zeit vom 4. bis einschließlich 8. Juli verboten." T«s Verbot erfolgt bekanntlich infolge eines U r- teils des Reichsgerichts, das der Polizeipräsi- dent. gleichgültig wie er innerlich zu ihm steht, auszu- führen verpflichtet ist. Die nächste Nummer des..Vorwärts" erscheint Sonn- abend. S. Juli, morgens. Morgen wird der„V o r w ä r t s" also nicht mehr erscheinen können, weil die Hitler-Papen-Regie- r u n g ihm für fünf Tage den Mund geschlossen hat. Morgen aber auch werden Hunderttausende von Berliner Arbeitern aufmarschieren, um die Reichshauptstadt und ganz Deutschland zum Kampf gegen die sozialreaktio- näre Mißwirtschaft der Hitler-Papen-Regierung auf- zurufen. Das Straßenbild, aus dem unser Blatt verschwun- den sein wird, wird von unseren roten Fahnen mit den drei Freiheitspfeilen belebt sein. So manifestiert sich die unzerstörbare Kraft der sozial i st ischen Arbeiterbewegung. Die Kommunisten rufen zu einer Kundgebung am heutigen Tage auf, zu der sie auf Plakaten und in ihrer Presse auch die sozialdemokratischen Arbeiter einladen. W i r haben an die kommunistischen Arbeiter nicht die gleiche Einladung gerichtet, zumal wir davon überzeugt sind, daß das Erscheinen unserer Anhänger vollkommen ausreicht, um den Lustgarten zu füllen. Jedoch haben wir schon in unserer ersten Ankündigung zum Ausdruck gebracht, daß uns jeder willkommen ist, der mit uns gegen die Hitler- Papen-Wirtfchaft demonstrieren will. Wir fügen hinzu, daß sich unsere Kundgebung ausschließlich gegen den �eind richtet, der rechts steht, und daß jede Polemik gegen sonstige Parteien. im besonderen auch gegen die KPD», unterlassen werden wird. Arbeiter, die Kommunisten sind oder mit der KPD. sympathisieren, werden nichts zu hören bekommen, was ihre Gefühle verletzt, oder ihren Protest herausfordert. Um- gekehrt muß man nach allen bisherigen Erfahrungen er- warten, daß die KPD. die sozialdemokratischen Arbeiter nur deshalb einladet, weil sie ihnen noch einmal erklären will, was für eine schändliche Partei diese verruchte SPD. ist. Aber dieses Spiel ist für die sozialdemokratischen Arbeiter nicht mehr neu genug, um unterhaltend zu sein— und außerdem werden sie ihre Kraft morgen besser brauchen. Die Kundgebung von morgen ist der erste große Auf- marsch der Berliner Sozialdemokratie zum neuen Wahl- kämpf. Was dieser Wahlkampf bedeutet, das hat die Wiener „Arbeiterzeitung"— aus größerer Entfernung klarer sehend — schärfer als wir ausgesprochen. „Am 31. Juli entscheidet sich das Schicksal d e r W e l t." Im Gegensatz dazu war in deutschen Kommunisten- blättern zu lesen, am 31. Juli entscheide sich„gar nichts", der Stimmzettel habe überhaupt keine politische Be- deutung, und das Streben der Sozialdemokratie nach mög- lichst vielen Stimmen sei bloße„Mandatsjägerei". Das klingt fast wie aus Spartakus' alten Tagen, da man beschloß, sich an Parlamentswahlen überhaupt nicht zu beteiligen, es ist aber reichlich unlogisch aus dem Munde einer Partei, die auch um Stimmen wirbt, also auch„Mandate jagt". Wir halten diese Theorie von der Bedeutungslosigkeit des Stimmzettels für höchst gefährlich und für voll- kommen falsch. Daß es neben den Stimmenzahlen, die bei Wahlen erreicht werden, auch noch andere Mächte gibt, härtere und brutalere, das weiß jedes Kind. Aber ebenso weiß jedes Kind, daß der Nationalsozialismus seine Siege eben dem Stimmzettel verdankt und daß das Postament, auf dem Adolf Hitler steht, ein großer Haufen von Stimm- zetteln ist. Gelingt es am 31. Juli gegen diesen national- sozialistischen Stimmzettelberg wirksam vorzustoßen, dann beginnt für Adolf Hitler der große Rutsch nach unten. Darum wird die NSDAP, ihre ganzen ungeheuren Geldmittel— die noch immer aus unbekannten Quellen unerschöpflich zu fließen scheinen— dazu verwenden, ihre Stimmenzahl zu halten oder zu steigern. Es ist verhängnisvoll falsch, wenn in einer solchen Situation eine Linkspartei über die angeb- liche„Bedeutungslosigkeit des Stimmzettels" philosophiert. So trübsinniges Philosophieren ist kein Zeichen von Kampfesfreude und Zuversicht. Kampfesfreude und Zuversicht durchströmen heute aber den Körper der Sozialdemokratischen Partei. Sie lassen alle Pulse schneller schlagen und alle Augen heller glänzen. Mit Stolz ist sich jeder Sozialdemokrat dessen bewußt, daß es nur eine Kraft gibt, die imstande ist, den Kampf gegen die faschistische Hitler-Demagogie aufzunehmen— das ist d i e Sozialdemokratische Partei! Zeit seltsamer Kontraste! Während infolge des Ausschei- dens der Sozialdemokratie aus der politischen Macht Renten und Unterstützungen bis tief unter die Hungergrenze sinken, Not und Sorge übermächtig werden, loht doch in Millionen Herzen eine jubelnde Freude auf: die F r e u d e a m K a m p s und mit ihr der G l a u b e a n d e n S i e g! Im Zeichen dieser Freude und dieses Glaubens werden wir morgen marschieren. Wir marschieren gegen den Feind, der rechts steht! Wir marschieren gegen das»Hunger rcgi- mcnt, das Hitler- Regiment! Wir marschieren gegen das»Hakenkreuz, das Judaskrcuz des Bolksvcrrats! Wir marschieren für den Tieg der Menschlichkeit und der Freiheit! Wir marschieren für den Sozia- lismus! Wir marschieren, wir marschieren unsc- rem Ziel entgegen— keine Macht wird uns aus die Dauer aushalten. Ikr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht! Unser die Welt trotz alledem! Berlin marschiert! Zur Massenkundgebung Montag, 4. Juli Von Bruno Schöniank. Berlin ist kein Herrenklubsessel! Berlin ist die brodelnde Masse. Berlin ist der Hochdruck im Kessel, Berlin ist die Arbeiterklasse! Kein braunes Haus, kein Herrenhaus! Berlin fegt selbst den Spuk hinaus. Berlin marschiert im Sommerbrand, Berlin ruft hell ins deutsche Land: Freiheit! Drei Pfeile auf blutroten Fahnen, Drei Pfeile auf Kitteln wir tragen. Drei Pfeile, den Weg uns zu bahnen, Drei Pfeile, den Feind zu verjagen. Kein seidener Frack, kein Hitlerrock, Kein Ordensstern, kein Bütteistock! Berlin marschiert, hebt hoch die Faust. Berlin marschiert, sein Kampfruf braust: Freiheit! Berlin ist kein Platz für Verschworne. Berlin ist die fiebernde Masse. Berlin will nicht Hochwohlgeborne, Berlin will die Arbeiterklasse! Aktivität und Einigkeit, In Disziplin zum Kampf bereit! Berlin marschiert im Massenschritt. Takt und Takt! Marschieret mit! Freiheit! �uSmarsdipSaiB 1. Beilage, 2. Seite Die Eiserne Front marschiert! Massenveranstaltungen im ganzen Reich. An diesem Sonnlag beginnt die Eiserne Front mit INassen» Veranstaltungen, Kundgebungen und Demonstrationen, deren Zahl 1000 weit übertrifft, den Kampf für die bevorstehende Reichstagswahl. Reichsbanner und Eiserne Front sind nicht gewillt, nach Wiederherstellung der Demonstrationsfreiheit der hitlerschen privatarmee die Straße zu überlassen. Gerade die Demonstrationssreiheil wird sich propagandistisch gegen ihre heutigen Verfechter auswirken, wie schon in der Vergangenheit, so werden auch die kommenden Demonstrationen zeigen, daß die Republik ganz andere wenschenmassen auszubringen vermag, als die Rationalsozialisten. Für das Reichsbanner ist der kommende Sonntag in vielen Teilen des Reiches der erste Appell der wiedererstandenen S ch u f o. Das Austreten dieser disziplinierten Formalionen, der„Soldaten der Republi k", wird den Rationalsozialisten zeigen, daß ihr Traum vom Dritten Reich niemals Wirklichkeit werden kann. Der Ausmarsch der vereinigten Formationen von Reichsbanner und Gewerkschaften, Arbeitersportlern und Sozialdemokratischer Partei wird aber auch dem letzten Kommunisten klar machen, daß die einzige Front, die wirklich schützt gegen Faschismus und Bürgerkrieg, die Eiserne Front ist. 3n ganz Deutschland wird am Sonntag in den Straßen der Großstädte von den Marschkolonnen, ans dem Lande und in den Dörfern von den Propagandatruppen der Eisernen Front der Kampfruf„Freiheit!" erschallen. Er wird weiter- klingen bis zum Wahltag und unter dem Kampssymbol der drei eisernen Pfeile den Sieg erringen. Eiserne Front gegen Hitler. Große Kundgebungen in München am kommenden(Sonntag München. 2. Juli. Am kommenden Sonntag, an dem die Nationalsozialisten ihren Gautag in München abhalten und Hitler nachmittags bei einer Massenversammlung sprechen wird, veranstaltet die Eiserne Front vormittags 9.30 Uhr eine Massendemonstration für die srei organisierte Arbeiterschaft. An der Demonstration wer» den sich die Gewerkschaften, die Sozialdemokratische Partei, das Reichsbanner sowie der Arbeiter-Sportbund und das Kultur-Kartell beteiligen. Sittliche Verlumpung! Was Vazischuste der Mutter unseres ermordeten Lungbannerkameraden schrieben. Kürzlich übersielen, wie schon berichlel, Tlationalsozialifien in Limbach bei Chenmih ein Zelklager des Reichsbanners und der SAZ. Der Reichsbannerkawerad M a r e ck wurde erschossen. lZ Personen schwer und viele leicht verleht. Zlm Tage der Bei- sehung des erschossenen Kameraden, bei der Zehntauseade dem toten Kameraden die lehte Ehre erwiesen, erhielt die Mutter von unbetonntea Schusten einen Bries solgenden Inhalt«: „Herzlichen Glückwunsch, das, der Landesverräter tot ist. Erst wenn sämtliche Lumpen-Genossen den gleichen Weg gegangen sind, wird es endlich in Teutschland besser werden, denn erst seit der Plebs regiert» von dem wir unS alles gefallen lassen mußten, sind wir ins Elend gekommen. Dreimal hurrah, wenn so«in Auswuchs verschwindet!" Dies Dokument sittlicher Verlumpung ist nicht mehr zu überbieten. Es erinnert an die vriefe und Telephonate ähnlichen Inhalts, mit denen die Mutter des ermordeten Walther Rathenau nach dem Tode ihres Sohnes bedrängt wurde. Das Gesindel bleibt doch flets dasselbe! Reichsrat gegen Kabinett. Papen-Regierung übergeht wichtige Reichsratsbeschlüsse. Die Reichsregierung hat die Beschlüsse des Reichsrats zum Reichshaushalt fast vollständig ignoriert. Sie hat entgegen dem Beschluß des Reichsrats eine große Anzahl neuer Plan- stellen für Beamte eingestellt, obwohl der Reichsrat daraus hinge- wiesen hat, daß es nicht Aufgabe einer Notverordnung sein kann, in Zeiten strengster Ersparnisse„zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" neue Beamten- st e l l e n ohne Zustimmung von Reichsrat und Reichstag zu schaffen. Damit hätte man bis zum ordentlichen Haushalt warten können und muffen. Am bedenklichsten aber ist die Tatsache, daß die Reichsregierung das Osthilfegesetz nicht ausgeführt und insbesondere die Ostpreußen s i e d l u n g gerade jetzt, wo dieses Mittel der Arbeitsbefchafsting von größter Bedeutung ist, von den gesetzlich vorgeschriebenen Sl) Millionen Mark auf 30 Millionen Mark herabgesetzt. Die Reichsregierung führt auch den einstimmigen Be- lchluh des Reichsrats, jedenfalls noch weitere 12 Millionen Mark hierfür einzustellen, nicht aus. Dabei besteht das Osthilfegesetz fort. Wenn dieses Gesetz nichr ausgeführt werden soll, muh es zuvor geändert werden. Die Umschuldung soll nach dem Osthilfegesetz in der Regel davon abhängig gemacht werden, daß der Grundstücks- besitzer Land für Siedlungszwecke abgibt. Die Nichtausführung der Siedlungsbestimmungen usw. ist um so bedauerlicher, als auch die Mittel der Industriebank für die Umschuldung, die ihr aus der In- dustrieumlage zufließen sollten, durch da« Steuergeschenk an die In- dustrie von 120 auf 00 Millionen Mark vermindert war- den sind. Der Hauptgedanke der Arbeitsbeschaffung, die Siedlung, hat durch diese Gestaltung einen starken Stoß erhallen. Die Reichsregserung hat serner die Zuteilung von 70 MUionen Mark Vorzugsaktien an die zur Entschädigung für ihre dem Reich 'iberlassenen Eisenbahnen berechtigten Länder gestrichen, ebenso ie vom Reichsrat eingestellten 200 000 Mark für Erziehungsbei- gilfen an Minderbemittelte. Rur die Einsetzung von 200 000 Mark für den Glaspalast in München und von weiteren 85 000 Mark für die technische Nothilse wurde genehmigt. Die Länder hatten zur Deckung der erhöhten Ansätze der Sied- lung usw. beschlossen, in diesem Jahre 20 Millionen Mark für die Einlösung von Rentenmarkscheinen zu streichen. Es erschien, so heißt es in dem Beschluß,„dem Reichsrat möglich, die weit fortgeschrittene Tilgung der Rentenmarkscheine in diesem Notjahre zu unterbrechen zugunsten von Maßnahmen, die in der Hauptsache, wie die Siedlung, arbeitsbeschaffend wirken sollen". Die Reichsregiernng hat mit den Ansähen für die Siedlung auch diese Deckung abgelehnt. Während sie für andere Arbeltsbeschaffung, Straßenbau und Wasser- strahen erheblich höhere Summen im Wege de» Kredit» flüssig machen will, führt sie die noch wichtigere Ostpreuhenstedlung trotz der gesetzlichen Aorschriften nicht durch. In Kreisen des Reich, rats hat diese Nichtachtung der Reichsrats- beschlüsie schwere Berstimmung hervorgerufen. All« Länder und alle preußischen Provinzen hatten den meisten Beschlüssen, in»- besondere über den Osten und Westen, zugestimmt. Zurück zur Partei! Geschlossener llebertritt der sächsischen Alt-Sozialdemokraten Dresden. 2- Juli. Der Landesarbeitsausschuh der SPD. Sachsen gibt bekannt, daß sich die Alte Sozialdemokratische Partei(ASP.) ent- schlössen habe, ihre Mitglieder wieder in die Sozialdemokratisch« Partei zurückzusühren, da die Meinungsverschiedenheiten, die vor einigen Iahren die Trennung herbeigeführt haben, kein« Rolle mehr spielten. Der Landesarbeitsausschuh Hobe ein st immig beschlossen, dem Uebertritt der Mitglieder der ASP. zur Sozialdemokratischen Partei zuzustimmen. Fünfzig Pfennig für Wilhelm. Llnd noch dazu in Perleberg. Perleberg. 2. Juli. Bei der letzten Zwangsversteigerung hatten drei Gerichtsvoll- zieher und das Finanzamt Sachen zum Verkauf angeboten. Der Einladung waren etwa 80 Personen gefolgt. Unter anderem wurde auch ein velgemälde, Wilhelm II. dar- stellend, angeboten, ein riesiger Schinken. Hierauf wurde ein An- gebot von 50 Pfennig(!!) gemocht, obwohl die Taxe 10 Work be- trug. Nach den Ausführungen des Gerichtsvollziehers sollte der Rahmen allein 10 Mark wert sein. Trotzdem hat niemand mehr al» 50 Pfennig für Wilhelm II. geboten. Hohenzollern sind also nicht einmal in Perleberg mehr gefragt. Staatsanwaltichast meldet Revision im Ossiehky-Prozeß an. DI« �laolsanwaitfchait hat gsgon den Freispruch Earl von Ossietzkys von der Anklage der Reichswehrbeisidigung R e ais i a n angemeldet. Listenverbindung mit der KPD.? Was würde dabei herauskommen? Zum Thema Listenverbindung schreibt uns Genosse Ditt- mann: Gegenwärtig wird viel über Listenoerbindung zur Reichstags» wähl geredet und geschriebene Ausschlaggebend ist dabei der Ge- danke, daß keine Stimme verloren gehen dürfe, die gegen den Faschismus abgegeben wird. Aus dieser Erwägung wird auch eine Listenoerbindung zwischen der Sozialdemokra- tischen und der Kommunistischen Partei propagiert. Wer das tut. kennt die wahlgesetzlichen Bestimmungen nicht. Listen- Verbindung zwischen zwei großen Parteien kann das Gegenteil des erstrebten Zweckes herbeiführen, wie sich bei der letzten Reichs- togswahl gezeigt hat! Damals haben Sozialdemokraten und Kom- munisten zusammen 2 20 Mandate(143 SPD. und 77 KPD.) erzielt. Hätten sie damals Listenverbindung gemacht, so hätten sie zusammen nur 218 Mandate bekommen, also ein Mandat weniger! Wie ist das möglich? Run, nach dem Wahlgesetz entfällt be- kanntlich aus je 60 000 Stimmen ein Mandat. Verbleibt jedoch auf der Reichsliste«in Rest von mehr als 30 000 Stimmen, so«ntsällt auf diesen Rest«in weiteres Mandat. Bei der letzten Wahl verblieb für die sozialdemokratische Partei ein Rest von 55 343 Stimmen, auf die von den 142 Vollmandaten noch ein zusätzliches, das 143 Mandat entfiel. Ebenso war ee bei den Kom- munisten. Zu den 76 kommunistischen Vollmandaten kam auf einen Stimmenrest von 30 178 Stimmen ein weiteres, das 77. Mandat. Wären die Reststimmen der beiden Parteien auf einer gemeinsamen Reichsliste vereinigt gewesen, so hätten sie zusammen 85 522 Stim- men gebracht. Diese Stimmenzahl hätte gereicht für ein Voll- Mandat von 60 000 Stimmen, aber auf den dann verbleibenden Rest von 25 522 Stimmen(mehr als 30 000 wären erforderlich g«- wefen), wäre kein Mandat mehr entfallen. Das wäre bei einer Listenoerbindung zwischen SPD. und KPD. herausgekommen, statt einer Stärkmig also eine Schwächung der„marxistischen Front". Listenverbindung hat nur Zweck für klein« Parteien, die ihre Bezirtslisten an die Reichsliste einer großen Partei anschließen, um überhaupt ihre Stimmen auswerten zu können. Auf eine Reichsliste können nur nämlich nur soviel Mandate zugeteilt werden, als auf die augefchloffenen Bezirksiisten entfallen sind. Behält z. B. eine kleine Partei nur 2 Mandate in den Bezirken, so kann sie auch nur 2 Mandate auf ihre Reichsliste bekommen, selbst wenn sie auf dieser noch Stimmen für 6 Mandate mehr hätte. Diese Mehr- stimmen, also 4 mal 60 000— 240 000 gehen einfach verloren. Ver- zichtet aber diese tieine Partei aus eine eigene Reichsliste und schließt chre Bezirkslisten an die Reichsliste einer großen Partei an, so kann sie auch die 240 000 mehr Stimmen auf der fremden Reichsliste in Mandate ummünzen. Bekanntlich hat die Stoatspartei bei der letzten Preußenwahl 4 Mandate verloren, weil sie keine Listen- Verbindung mit einer großen Partei gesucht hatte. Deshalb bemüht sich die Staatspartei jetzt bei der Reichstagswahl, eine Listenoerbin- dung herzustellen, die es ihr ermöglicht, ihre Stimmen restlos in Mandate auszuwerten. Eine solche Listenoerbindung ist an sich ein rein wahltechnischer Vorgang und braucht die beiden Parteien, die sie eingehen, politisch in keiner Weise aneinander zu binden oder füreinander verantwortlich zu machen. Bei der letzten Preußenwahl haben die Kommunisten die Bezirkslisten einer Partei der Inflationsgsschädigten und Kleinrentner an ihre Landesliste an- geschlossen und andere Parteien sind ähnlich verfahren. Wer jetzt jede Stimme einer kleinen Partei gegen den Faschismus auswerten will, kann in der Listenverbindung das geeignete Mittel dafür sehen. Aber eine Listenverbindung zwischen zwei großen Parteien, wie SPD. und KPD, die beide genügend Mandate in den Bezirken er- halten, um die Stimmen auf ihren eigenen Reichslisten voll aus- werten zu können, hat keinen Sinn, kann sogar— wie das Beispiel der letzten Reichstagswahl lehrt— direkten Schaden bringen I Einigung unter den Gläubigern. Aur Italien macht noch Einwendungen.— Sonntag Verhandlungen mit papen. Lausanne, 2. Juli.(Eigenbericht.) Wieder ist ein Tag der Lausanner Konserenz ohne ficht- bare Entscheidung vergangen. Der Sonnabendvormittag brachte Einzelunterredungen zwischen Reichsaußenminister von Neurath und Macdonald, die einer Orientierung des Deutschen über den Stand der Gläubigerverhandlungen galt, sowie zwischen Macdonald und Herriot. Am Nachmittag konnte nach Aeußerung Herriots endlich die englisch-französische Einigung hergestellt werden. Darauf unterbreiteten Mocdonald und Herriot den drei anderen Mächten ihren Vorschlag Dieser Vorschlag soll nach franzZsischev Anvab-n eine end- gültige Ablösungszahlung venischlaad« von etwa über 4 Milliarden vorsehen, die v a ch einem Erholunggmorg- torium von mehreren Zahren kommerzialisiert werden soll. Gleich. zeitig soll aus die Sicherheitsklausel für die interalliierten Kriegs- schulden an Amerika verzichtet werden, da man jede Bezugnahme auf Amerikas spätere Haltung und jeden llnsicherheitsfaktor für Deutschland vermeiden will. Offenbar hält man auch noch den anderen Plan bereit, der für den Fall der Unmöglichkeit einer Einigung mit Deutschland am Sonnabendvormittag bestand. Danach würde Deutschland ein Ab- kommen über die Reparativnsregelung vorgeschlagen werden, das in Lausonn« nur paraphiert wird. Da man erwartet, daß die Ratifikationen durch die Parlamente und Regierungen mehrere Monate in Anspruch nehmen werden, hätte man Zeit, aus die amerikanische Präsidentenwahl zu warten und aus eine eventuelle Entscheidung de« Repräsentantenhaus«,. Nach Paraphierung eines Uebereinkommens würde tste Lausanner Konferenz unter Einsetzung eine» Ausschusses bis Dezember vsttagt. So bliebe das Lausanner Moratorium in Kraft. Dieser Plan ist allerdings durch die hoffnungsvollere Stimmung de» Nochmittags stark in den Hintergrund getreten. Für Sonntag oormtttag 8 Uhr hat Macdonald den Reichs- kanzler zu sich gebeten, um ihm den gemeinsamen Plan der fünf Gläubigermächte zu übergeben. Um 11� Uhr ist eine Sitzung de, Büros anberaumt, an der die Deutschen je nach dem Ausgang der Unterhaltung von Popens mit Macdonald teünehmen werden. In den Berhandlungen der Gläubigermächte selbst ist bis jetzt noch keine vollkommene Einigung erzielt, da Italien noch Einwen- düngen macht gegenüber der. Höhe der Gesamtsumme und der Benachteiligung Italiens durch den Verteilungsschlüssel. Washington warnt vor Äerquicknng mit der Schuldenfrage. Washtagkou. 2 Juli- Di« Versuch« geipisier Delegationen rn Lausanne, die endgültig« Lösung der Reparationssrage von der Haltung der Vereinigten Staaten abhängig zu machen, werden in hiesigen amtlichen Kreisen als sehr unklug angesehen. Von hoher Regierungsseite wird erklärt, es sei die übereinstimmende Ansicht von Regierung und Kongreß, daß Europa zunächst die Reparationsfrage erledigen müsse. E r st dann könne Amerika sich mit den einzelnen Schuldnerstaaten über«ine Ordnung der Verpflichtungen dieser Staaten ins Beneh- men setzen. Jeder Versuch, die Reparationen und die Kriegsschulden In«in« so enge Verbindung zu bringen, würde«ine äußerst un- günstig« Wirkung in der amerikanischen öffentlichen Meinung haben und von der Regierung nicht als„endgültig« Re- g e l u n g" der Reparationssrage betrachtet werden können. Von der korrekten Haltung der deutschen Delegation wurde hier mit Be- friedigung Kenntnis genommen, und die Bereitwilligkeit zu einer neuen Prüfung der Kriegsschulden nach den November- wählen wurde mit dem Hinweis i n s o r m e l l in Aussicht gestellt, daß beide Parteiprogramme die Reuregelung nicht aus- geschlossen hätten. Bedingung sei jedoch: Erledigung der Re- parations frage. »FREIHEIT!44 A:„Was war denn das?" B:„So grüßen sieh Jetzt die Republikaner." C:„Das hört man jetzt allenthalben, man merkt plötzlich, daß es auch noch andere Leute als Hakenkreuzler gibt." So wirht unser Oruß auf die Beudikerung. GeSsrauoii! ihn unahiisssg! Er Besteht aus: EllglllBEüäiH FAUST | und dem lauten Ruf;| FHEIHEITI 44 Ein Oemenii der Zentrumspariei. Keine Listenverbindung mit der Staatspartei. Das Reichsgeneralsekretariat der Deutschen Zentrum«- Partei teitt mit: „In der Presse wird von einer Listenoerbindung Zentrum- Staatspartei gesprochen. Diese Mitteilung ist unwahr. Mtt der Staatspartei hat das Zentrum keinerlei Bereinbarungen getrofssn. Die Zentrumspartei hat am 1. Juli ihren Reichswahloorschlag bestimmt und ihn der Oesfentlichkeit mitgeteilt. Aus der Zusammen- setzuug des Reichswahlvorschlages ersieht die Oesfentlichkeit, daß n u r Mitglieder der Zentrumspartei aus der Reichsliste auf- gestellt sind. Di« Beschlüsse des Zentrum» sind als endgültig an- zusehen.__ Die Beschästigiensteuer. Eine Mitteilung des Reichsfinanzministers. Mit Wirkung vom 1. Juli 1832 wird an Stelle der Krisen- lohnsteuer eine Abgabe zur Arbeitslosenhilfe erhoben, die sämtliche Lohn- und Gehaltsempfänger trifft, an den B r u t t o a r b« i t s- lohn anknüpft und gestaffelt ist. Die Abgabe, die durch die Arbeitgeber von dem Bruttoarbeits- lohn einbehalten wird, verwalten, soweit es sich um sozialversicherte Personen handelt, die Krankenkassen, soweit es sich um Personen handelt, die nicht der Sozialversicherung unterliegen(z. B. Beamte. private Arbeitnehmer mit mehr als 700 M. Monatsarbeitslohn) die Finanzämter. Am 17. und 18. Juni 1832 sind die Durchführungsbestimmungen von den beteiligten Reichsministerien erlösten und in sämtlicken Amtsblättern veröffentlicht worden. Etwa noch erforderliche Aus- künste können bei den Krankenkasien und den Finanzämtern«in- Schölt werden. Eine Wochenchronik des„Vorwärts". „EinheiisfroKt!" Zur Aufklärung eines Mißverständnisses. Von Anton Erkelenz. Alle Errungenschaften eines jahrzehntelangen Kampfes um F�iheit der Arbeiter, um Demokratie stehen in ernstester Gefahr. Gefährlicher als die Junker und ihr Anhang ist die von Not und Verzweiflung aufgepeitschte nationalsozialistische Bewegung. Das sind die Sklaven, die ihre eigene Freiheit und Gleichberechtigung zerschlagen aus Blindheit, aus Wahn. Das ist die Leidenschaft der Toren! Es war geradezu ein Treppenwitz der Weltgeschichte, daß die K o m m u n i st e n im Preußischen Landtag die ersten waren, die in offener Saalschlacht die..Handschrift" des Nationalsozialismus kennenlernten. Die Kommunisten, die Feinde der Demokratie, die Anbeter der Diktatur und der Gewalt, flüchteten sich unter den Schutz der von Severing geleiteten Polizei der Demokratie!... Alle Gegner der Demokratie von links werden heulen und zähneklappern, wenn die Diktatoren von rechts einmal freies Spiel haben. Es ist kein Wunder, daß in hundert- taufenden kommunistischen Arbeiterköpfen der Gedanke ent- steht: Was wird morgen unser Schicksal sein, wenn die wütend gewordene Hitler-Armee einmal losgelassen wird? In diesem" Lager hat man sich bisher darauf ver- lasten, daß die Demokratie Meinungsfreiheit und Gleich- berechtigung gewährt und sichert. Wenn der Schutzwall der Demokratie fällt, stehen sie ungeschützt der Knute allen Feinden der Freiheit gegenüber. Sie sind die ersten Opfer, die fallen... Aus diesen einfachen Erwägungen entsteht der G e- danke derEinheitsfront in den Betrieben, auch bei nicht wenigen Intellektuellen. Schriftstellern, Dichtern, die manchmal gerne über die Demokratie sich mokieren, sie aber als Lebenselement nötig gebrauchen. Das ist eine gesunde Schockwirkung gegenüber der drohenden Lebensgefahr. Am deutlichsten fühlen das die Arbeiter in den Betrieben, gerade diejenigen, die sonst dem Einfluß der KPD. und der NGO. unterstehen. Nun hilft das Maulspitzen nichts mehr. Erst wenn man ein Recht verlieren soll, ahnt man, was es wert war. Insofern ist der Ruf nach Einheitsfront zur Sicherung der Demokratie ein Naturlaut, ein Hilfeschrei und ist deshalb stark. Es ist nicht zu erwarten, daß die Führung der KPD.� sich diesem Rufe anschließt. Sie wird den Kampf hauptsächlich gegen die Demokratie richten. Sie wird es der Sozialdemokratie überlassen, die Freiheit, vielleicht das Leben der Kommunisten zu sichern. Sie mißbraucht das heiße Ge- fühl nach der Einheitsfront zum Schutze der Menschenrechte aller, zu neuen taktischen Kniffen gegen die Sozialdemokratie. Ein verächtliches Gewerbe! Insofern muß man unterscheiden zwischen dem Ruf nach der Einheitsfront, der aus dem Herzen derjenigen kommt, die die Lebensarbeit von drei Generationen deutscher Arbeiterbewegung retten wollen, und dem anderen Ruf nach„Einheitsfront, der nur ein Stückchen ist aus dem taktischen Pokerspiel einer kammunisti- schen Parteiführung, die keine politischen Ideen hat, gehabt hat und haben wird. So haben sich auch die Unterzeichner eines verbreiteten Aufrufs die Einheitsfront gedacht, jenes Aufrufs, der mit den Worten beginnt�„Die Vernichtung aller persönlichen und politischen F�echeit Deutsche lands steht unmittelbar bevor." Niemand von ihnen will die F a ls ch s p i ele rsi und Spalterei der kommunistischen Parteileitung decken. Jeder von ihnen denkt an den großen Wall gegen die Feinde der deutschen Freiheit. Diesen zweifachen Sinn des Wortes Einheitsfront wird man herausstellen müssen. Das eine ist eine große auf- bauende Idee, das andere ist ein falsches Spiel. Das eine zeigt die weitgeöffneten Tore der Sozial- demokratie und zahllose Arbeiter, die den Weg zur Einheitsftont der Demokratie zurückfinden. Das andere be- deutet eine weitere Schwächung der Kräfte der Freiheit zu Nutzen aller Feinde des Volkes. So, und n u r s o muß man den Schrei nach Einheits- front verstehen. Und das Schicksal der Freiheit für alle steht auf des Messers Schneide! Skandalöse Gaboiage. Hessische Poststelle verweigert Anruf des tlebersall- tommandos. Darmstadi, 2. Juli.(Eigenbericht.) In vffenhain bei Alzey in Rheinhessen wurden sieben An- gehörige des Reichsbanners, die von einer Gerichtsver- Handlung in Alzey kamen, vonNationalsozialistenüber- fallen und zum Teil schwer verletzt. Die Posthilf-stelle in Offenhain brachte es fertig, die Benutzung des Telephons zur Benachrichtigung des Ueberfallkommando» und der Behörden zu oerweigern. Siraffreiheii als Prämie. Rur SA.-Derbrecher sollen amnestiert werden. Lraunschweig. 2. Juli.(Eigenbericht.) Im Hauptausschuß des Braunschweigischon Landtags brachten heute die Nazis und die ihnen hörige bürgerliche Rechte einen ge- meinsamen„A m n e st i« a n t r a g" ,in, der noch toller al» in Preußen einseitig Straffreiheit für alle rechts- radikalen Verbrecher verlangt. Von der Amnestie sollen ausdrücklich alle diejenigen �Taten ausgenommen sein, die„aus einer Gesinnung heraus begangen sind, die die Voltsgemein- fchaft durch klassenkämpferisch« oder internationale Bestrebungen ge- fährden". Neben diesem Passus, der praktisch die Ausschließung aller links- stehenden Verurteilten und Angeklagten bedeutet, wird die Straf- sreiheit noch bei bewußter planmäßiger Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit, mithin bei besonders rohen Taten mit niedriger Gesinnung oerweigert. Da die Nazis zusammen mit den bürgerlichen Parteien im Aus- fchuß die Mehrheit haben, dürfte die Annahm« dieser Amnestie» Verhöhnung gesichert sein. Ex-König Manuel von Portugal ist am Sonnabend plötzlich bei London an Atemnot gestorben. Mit 19 Iahren wurde er König nach der Ermordung feines Baters und feines Bruders bei einem Attentat, aber schon nach Jahren durch eine siegreiche Revolution entthront. Da er keine Nachkommen hinterläßt, hat die monarchistische Bewegung in Portugal nunmehr keinen Thronprätendenten. WMWZ wird abgeschlagen. des Reichsgerichts 2, Juli:.. die jedoch auf bewährte Art beseitigt werden. In den gestrigen späten Abendstunden wurden von nationalsozialistischen Haufen im Norden und Osten der Stadt auf vier KPD.-Verkehrslokale hinter- hältige Feuerüberfälle verübt. Nach den bis- her vorliegenden Meldungen hat es nicht nur Schwer» verletzte, sondern auch Tote gegeben. Zu allen Fällen fuhren die nelionalsozialisiischen Terrorbanden in Privakwagen und Motorrädern vor den kommu- nislischen Lokalen vor und seuerlen blindlings In die Gast- wirlschaflen hinein. Der erste Feuerüberfall erfolgte kurz vor Mitter- nacht in der Gottschedstraße 26. Die hakenkreuzler seuerlen au« einem Aukv etwa 10 bis 15 Schüsse ab und rasten dann ia wilder Fahrt davon. Zu dem Lokal, das starken Besuch hakte, entstand eine Panik. Zwei Frauen. Else Knecht aus der Bornsmannstraße 3 und Berta Oaberkow aus der Gottschedstraße ll erlitten schwere Bauch- und Oberschenkclschüsse. Die Schwerverlehlen wurden über die Rettungsstelle in der Badstrahe nach dem Virchow-Srankenhau« gebracht. Die weiteren Feuerüberfälle der Rotionalsozialisten ans kom- munistische verkehrslokale trugen sich ia der Oudenarder Straße 27. in der P r i n z e n a l l e e. auf dem Gesundbrunnen, in der V o ig t st r a h e im Osten Berlins, In der Rathaus- st r a ß e In Mariendors und in der R u b e n s st r a ß e 5 4 in Schöneberg zu. 3n allen Fällen benutzten die nationalsozialistischen Schützen Privatwagen oder Motorräder. Die Täter feuerten jedesmal in die Lokale und rasten dann mit Vollgas davon. Es wurden in der Hauptsache Maschinenpistolen und Repellerplstolen 08 benutzt. Bei dem Feuerüberfall in der Rubens- Fünf Tage werden wir schweigen müssen, damit wir es nicht sagen können. Aber ihr, ihr werdet reden! Unermüdüch, unerbittlich werdet ihr es verkünden: Die Regierung Rapen-Schleicher- Ciavl ist eine Regierung von Hitiers Gnaden! Für alles, was sie tut, trägt Hitler die Verantwortung. Denn: ohne Hitler kein Rapen! Die Regierung der Barone führt Hitlers Befehle aus. Dafür toleriert Hitler diese Regierung, ihre Notverordnungen, ihre Außenpolitik, ihre Attentate auf das Volkswohl und auf die Volksrechte. Weitersagen!- während wir schweigen müssen I m'., J■'-�15— BMHHBMBBeBB.m.WHIRilWtftH'P i-K— 28. Zum: Ein Verbot des„Vorwärts" stößt zunächst auf Hindernisse.. 4. Juli: Die Antwort der Verliner Arbeiterschaft! straße wurden vier Täter, die von Zwei Motorrädern aus. das Feuer auf dag KPD.-Lokal eröffnet hatten, von einem Patrouillen- wogen der Schupo verfolgt und gestellt. Die Bursche« wurden der Politischen Polizei über- geben. Die Unzahl der Feuerüberfälle läßt auf ein systematisches Borgehe» schließen. Die Polizei hofft durch ein scharfes Verhör der Festgenommenen herauszubekommen, wo der Plan zu der Geueralaktion gegen die kommunistischen Lokale gefaßt worden»ist und wer die Uvberfalle organisiert hat. Zu später Stunde werden die Rsmea von zwei weiteren Schwerverletzten bekannt. Bei dem Feuerüberfall ans das KPD.- Lokal von ttoch in der Oudenarder Straße 26 erlitt der Arbeiter Hermann Sostin einen Beckenschuß und der Arbeiter Thomas ans der Hcnningsdorfer Straße zwei Armschüffe. Zn der Voigtstraße jg wurden auf das Lokal von B u e f f e r von einem Motorrad mit Beiwagen etwa ein Dutzend Schüsse abgefeuert. Ein Schwer- und zwei Leicht- verletzte wurden ins Sronkenhaus gebracht, wie es heißt, ist der Schwerverletzte kurz nach feiner Einlieferung gestorben. Räch den bisher vorliegenden Zeugenaussagen sind zu den Schreckenstaten der nationalsozialistischen Mörder ein Renn- wagen mit der Kennummer 80038 und ein M o lo r r a d mit der Seuuummer 2743 benutzt worden. Ein wagen war, völlig ohne Kennzeichen und eine andere zur Tat benutzte Maschine war«in RSU-Fabrikat mit rotem Tank und schwarz abgesetzt. * Herr von Gayl, ist das noch nicht genug? Rechisschuh bleibt gewährleistet. Aufruf der bayerischen Regierung. München, 2. Juli.(Eigenbericht.) In einem Aufruf an die Bevölkerung, mit dem die bayerische Regierung nach außen hin zunächst die zweite politische Rotverordnungsaktion der Papen-Regierung abschließen will, wird noch einmal festgestellt, daß nunmehr die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung im Lande aufs äußerste erschwert sei. Trotzdem werde die Regierung mit dem Einsatz der ihr zu Gebote stehenden Mittel allen Störungsversuchen mit Entschiedercheit entgegentreten. Der Aufruf schließt mit einem Appell an die politischen Parteien und Verbände, im Interesse des inneren Friedens auf den öffentlichen Straßen und Plätzen Herausforderungen Andersdenkender und Aus- schreitungen zu vermeiden und sagt zum Schluß:„Bayern wird und muß ein Rechtsstaat bleiben, in dem das Recht und der Schutz dereigenen Meinung jedem im Rahmen der allge- meinen Gesetze gewährleistet ist." Münchens Unanznoi. Wohlfahrtsausgaben machen Einsparungen illusorisch. Der Rechnungsabschluß 1931 der Stadt München, der am Donnerstag im Münchener Stadtrat behandelt wurde, schließt mit einem Fehlbetrag von 4,5 Millionen Mark ab. Der Fehlbetrag wird durch«inen in zehn Jahresraten zu tilgenden Anleiheoorschuß in gleicher Höhe gedeckt. Der Haushaltsplan 1932 schließt mit einem ungedeckten Fehlbetrag in Höhe von ruird 16 Mil- lionen Mark ab. Die Gesamteinnahmen betragen rund 201 Millio- nen Mark, die Gesamtausgaben rund 217,9 Millionen Mark. Es wurde festgestellt, daß die Arbeit der städtischen Sparkommission durch die Minderung der Steuereinnahmen sowie der Einnahmen der städtischen Werke und durch die nahezu 6 Millionen Mark be- tragende Ausgadensteigerung für Wohlfahrtszwecke illusorisch ge- worden ist, so daß ein ausgeglichener Haushalt nicht erreicht werde» konnte. Blutnacht in Berlin. Das Nazimoiorkorvs mordei/ Gystemaiifche Feuerüberfälle au? KpO.- Lokale. Wochenprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 3. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend aus Hamburg: Hafenkonzert. 8: Für den Landwirt. 8.55: Morgenfeier, 10.05: Wettervorhersage. II; Für die Kinder. 11.30: Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12: Junge Lyrik. 12.10: Mittagskonzert. 14: Elternstunde. 14.30: Klaviermusik. 15; in zehn Stunden nach New York. 15.20: Mandolinenorchester-Konzert. 16.20: Stralsund(Querschnitt durch eine Stadt). 17: Aus Hannover: Ausschnitt aus den deutschen Leichtathletik- Meisterschaften. 17.45: Kammermusik. 18.30: Programm der Aktuellen Abteilung. 19; Orchesterkonzert. 20.25: Von der Olympia-Radrennbahn: Ausschnitt aus dem Dauerrennen um..Das Goldene Rad". 20.45: Aus der Staatsoper, Dresden*„Siegfried", ein Bühnenfestspiel von Richard Wagner. 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Tanzmusik. Montag, 4. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend aus Breslau: Frühkonzert. 11.30: Aus Hannover: Schloßkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Erinnerung an Leberecht Hühnchen und Heinrich Seidel. 15.40: Fischerei auf hoher See und an den Küsten. 16.05: Zinsgesetze in früheren Jahrhunderten. 16.30: Harfenmusik. 17.10: Triptychon von Heinrich Kaminski. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Neues Recht in der Angestelltenversicherung. 18.15: Axel Eggebrecht liest eigene Prosa. 18.30: Unterhaltungsmusik. 18.55; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Unterhaltungsmusik. 19.35: Die Reisestunde. 20; Aus Nürnberg: Bunte Stunde. 21.10; Kammertrio. 22.15: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30: Aus Leipzig: Unterhaltungskonzert. Dienstag, 5. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend aus Hannover: Frühkonzert. 11.30: Aus Königsberg: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20; Gedanken über den Ursprung der Menschheit. 15.40: Aus dem englischen Verfassungswesen. 16.05; Das Dramatische Im Film. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.30; Mitteilungen des Arbeitsamtes. 17.35: Jugendstunde. 18: Bücherstundc. 18.20: Tanz- und Unterhaltungsmusik. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Die Stimme zum Tag. 19.10; Chorgesänge. 19.35: Stand und Fragen der Abrüstungskonferenz. 20: Emanuel Feuermann spielt, 20.40; Aus dem Schall-Archiv der Funkstunde. 21.10: Tages- und Sportnachrichten. 21.20: Orchesterkonzert. 22.15: Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 6. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend Frühkonzert. 11.30: Aus Leipzig: Mittags- konzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20; Lieder und Duette. 15.40; Kunstbetrachtung und Kunstgenuß. 16.05: Hörbericht aus einer Modeschulc. 16.30: Jugendstunde. 16.50: Alma Johanna König liest eigene Dichtungen. 17.15: Arbeitsbeschaffung— eine systematische Darstellung. 17.40: Schallplattenkonzert. 18.55: Die Funkstunde teilt mit.. 19: Stimme zum Tag. 19.10; Zur Ausreise der deutschen Olympiamannschaft. 19.30; Aus Leipzig: Aus Operetten. 20.30:„Dem Verklärten." Hymnische Rhapsodie. 21.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 21.20; Funkkalender. 22.10: Politische Zeitungsschau. Danach Tanzmusik. Donnerstag, 7. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend aus Leipzig: Frühkonzert. 11.30: Aus Bremen: Konzert. 12.40; Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert, 15.20: Sachlichkeit und Uebertreibung in der Mode. 15.40: Sprecherziehung und Rundfunk-Versuchsstelle. 16.05: Menschenkenner. 16.30: Tänze für Violine und Klavier. 17.30: Jugendstunde. 17.55: Deutsche Handelsbilanz. 18.20: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 18.25; Heinrich Mann liest aus einem unveröffentlichten Werk. 18.55: Die Funk-Stunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Tanzabend. 20.45:„Anabasis" von Ernst Qlaeser und Wolf- gang Weyrauch. 22.05: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach Abendunterhaltung. Freitag, 8. Juli. 6; Gymnastik Anschließend Frühkonzert. 11.30: Solistenkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Frauen und Völkerschicksale. 15.40: Autorität. 16.05: Vom alten Deutsch-Ost-Afrika. 16.30: Unterhaltungsmusik. 17.40; Jugendstunde. 18; Das neue Buch. 18.10: Von der bildenden Kunst. 18.20; Zehn Minuten Funkhilfe. 18.30; China und Japan in Gegensatz und Einheit. 18.55: Die Funk-Stunde teilt mit... 19; Stimme zum Tag. 19.10: Notgemeinschaft der Artisten der Internationalen Artistenloge. 19.55; Wegweiser ins Wochenende. 20:„Euryanthe", Oper von Weber. Danach Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.20: Aus Washington: Worüber man in Amerika spricht. Anschließend Unterhaltungs- und Tanzmusik. Sonnabend, 9. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend aus Königsberg: Frühkonzert. 11.30; Aus Königsberg: Mittagskonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14; Schallplattenkonzert. 15.20: Kinderkalender. 15.40: Akademiker und Arbeitslosigkeit. 16.05: Orchesterkonzert. 17.50: Die Erzählung der Woche. 18.10: Programm der Aktuellen Abteilung. 18.30: Für den Siedler und Kleingärtner. 18.45; Die Funkstunde teilt mit... 18.50; Stimme zum Tag. 19: Beethovenkonzert. 19.20: Aus dem Weser-Stadion. Bremen: Ausschnitt aus dem Abschiedssportfest der deutschen Olympia-Mannschaft. 19.50: Aus Königsberg: „Ostpreußen", Wälder und Seen. 20.35: Louis Graveur singt in dem großen Funkpotpourri„Ost-West". 22.05: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 3. Juli. 6; Uebertragung aus Berlin. Anschließend aus Hamburg; Hafenkonzert. 8: Uebertragung aus Berlin. 11: Dichterstunde. 11.30: Aus Leipzig: Bach Kantate. 12: Zehn Minuten Lyrik. 12.10; Aus Berlin: Mittagskonzert. 14: Elternstunde. 14.30: Alte und neue Hymnen. 15: Menschen im Beruf: Der Fachredakteur. 15.20: Uebertragung aus Berlin, 17: Aus Hannover: Ausschnitt aus den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. 17.45: Unterhaltungsmusik. 18.15: Musiker-Studien. 18.40: Reise in Deutschland. 19: Uebertragung au.> Berlin. 20.45: Aus Dresden:„Siegfried", ein Bühnenfestspiel von Richard Wagner. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Montag, 4. Juli. 16: Pädagogischer Funk. 16.30; Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Die große* Philosophen als Erzieher. 18: Erlebnis an der Zeichnung. 18.30: Vom deutschen Handwerk. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtscahft. 19: Aktuelle Stunde. 19.20: Stunde des Lan-dwirts. 19.35: Reiseeindrücke aus Ostasien. 20.20: Deutschlandsender: Aus Wien: Volkstümliches Konzert. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 5. Juli. 16; Frauenstunde. 16.30: Aus Leipzig; Nachmittagskonzert. 17.30: Die Kulturgeschichte des Tanzes. 18: Der Laie und das Klavier. 18.30; Alte und moderne Trugschlüsse, ein Kapitel aus der Logik. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.20: Falsche Berufsromantik. 19.35; Technik und Persönlichkeit. 20; Deutschlandsender: Aus Gleiwitz: „Pajaz führt." Volkskundlicher Streifzug durch Oberschlesien. 21.15: Aus München; Aus der Jugendzeit Carl Maria von Webers. 22.15; Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Anschließend aus Hamburg: Spätkonzert. Mittwoch, 6. Juli. 16; Neue Wege der französischen Psychologie. 16.30: Aus Hamburg; Nachmittagskonzert. 17.30; Streifzüge durch das Bürgerliche Gesetzbuch. 18: Das Orchester und seine Instrumente 18.30: Biologische Beobachtungen am Meeresstrande. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Volkswirtschaftsfunk. 19.20: Stunde des Beamten. 19.40: Viertelstunde Funfpechnik. 20: Deutschlandsenüer; Aus Hamburg. Militärkonzert. 21: Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. 21.10; Aus Breslau:„Scheherezade 1932", Hörspiel mit Schallplatten von Leo Matthias. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Donnerstag, 7. Juli. 16: Die Schule im Dienste der Brandverhütung. 16.30: Aus Berlin; Nachmittagskonzert. 17.30: Baltischer Barock. 18: Moderne Violinpädagogik. 18.30; Sozial- und Wirtschaftsethik des Alten Testaments. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.20: Stunde des Landwirts. 19.35: Völkerhaß als Massenwahn. 20: Deutschlandsender: Aus Stuttgart:„Der Vetter von Dingsda", Operette von Künneke. 22: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.20: Aus Stuttgart: Neue Streichquartette schwäbischer Komponisten. 23.30: Aus Mannheim: Volksmusik. Freitag, 8. Juli. 16: Das Werk von Käthe Kollwitz(zum 65. Geburtstage"!. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 17.30: Die byzantinische Kunst. 18: Serenadenmusik des 18. Jahrhunderts. 18.30: Volkswirtschaftsfunk. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.15: Wissenschaftlicher Vor- tiag für Zahnärzte. 19.35: Stunde der Arbeit. Anschließend Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 9. Juli. 16: Eine Reise durch die Alpen vor 500 Jahren. 16.30: Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30; Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50: Die deutsche Nordseelandschaft. 18.05: Musikalische Wochenschau. 18.30: Forschung und Heldentum. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19; Wahrscheinlichkeit und Kausalität 19.30: Stille Stunde. 20: Aus Köln: Lustiger Abend. Anschließend Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.35; Aus Stuttgart: Nachtkonzert. Gewerkschaftliches siehe 3. Beilage. Der„Vorwärls" erschein! wochenläglich zweimal, Sanntags und Montags einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend", Illustrierte Sonntagsbeilage„Volk und Zeit", Anzeigenpreise: Die einspalt, Millimeterzeile 30 Pf,, Reklamezeile 2— „Kleine Anzeigen" das fettgedruckte Wort Zl> Pf, izulässig zwei fettgedruckte Borte) jedes weitere Wort 10 Pf, Rabatt laut Tarif, Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worts, Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf, Familienanzeigen Millimeter» zeile is Pf, Anzeigenannahme im Hauptgeschäft Lindenstraße 3. wochentäglich von 8'/, bis 17 Uhr. Der Berlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge> nehmer Anzeigen vor! Verantwortlich für Politik: Victor Schifft Wirtschaft: IS, Klingelhöser; Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner; Feuilleton: Herbert Lcpsre: Lokales und Sonstiges: Frig Karstadt; Anzeigen: Th, Glocke! sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts.Verkag G, m, b, H., Kerlin, Druck: Vorwäris-Buchdruckeret und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co., Berlin SW. KS. Lindenstraße 1 Hierzu i Beilagen. Menganabgab* vorbehalten DAS HAUS DER 60 SPEZIALABTEILUNGEN GEGRÜNDET 1815• BERLIN C2• SPANOAUER STRASSE• KÖNIGSTRASSE 'Pavxellen und. VPcbnungen •V::;";:-;? Einfamilienhäuser (evtl. für 2 Familien) zum l.Okt d. Js zu vermieten. 3V, Zimmer, Bad, ca. 400 qm Garten Stall, monatlich 77.— Mk. Arbeiter- Baugenossenschaft„Paradies' Berlin- Bohnsdorf, Paradicsstralje 8. Telephon: F3, Grünau 6337. Am Volkspark Mariendorf in herrlicher, staubfreier Lage erhalten Sie Z�Zlmmerwohnung: von 85 M. Monatsmiete an 3„ 95„ 3«/,..„ 120.. 4>/z.. TU 140..„ einschl. Zentralheizung u. Warmwasserversorgung Keinerlei Umlagen Hetungsliüro; Eisenacner Me ßGeh- Wlinuten vom BahnhofGrünauj d�sTad.Gu�AcKejoo rfubnis. �ne�d- ren**6 Keine Provisionen. führung mö ftJsKun«- tmii Ruscne. Grünau. . 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Generalversammlungen lieben es aber nicht, Verlustabschlüsse zu diskutieren, und so rufen diese Männer die Sekretärin und sagen ihr:„h räulein Mein icke, ich habe hier eine Adresse. Rufen Sie bitte dort an und fragen Sie, wann ich kommen kann. Prompt wird die Verbindung hergestellt, und wenige Minuten später gibt die Sekretärin Bescheid: ,.F-r ä u I e i n Astra Logia läßt Herrn Direktor um 12 ihr bitten." Und pünktlich, als könnte er die Schulstunde versäumen, sitzt der Mann zur verabredeten Zeit bei der Astrologin. Dieser Mann, der sonst zwischen sehr hausbackenen Marktnotizen für Elektrolytkupfer lebt, der über den Bruchteil von Pfennigen in seinen Kalkulationen brütet, damit ihm die Konkurrenz nicht noch den letzten Auftrag wegschnappt dieser Mann wird plötzlich zum kleinen Kind. Er nennt seinen Geburtstag, muß überlegen, in welcher Stunde seine Geburt erfolgte, muß die rechte Hand auf den Tisch legen, damit die Handlinien gedeutet werden, er läßt allen möglichen Hokuspokus über sich ergehen, und wenn diese Männer nachher zurückkommen, meinen sie, Scherz beiseite:„Also bis 1934 soll es uns noch schlecht gehen, aber 1935 geht's uns wieder gut!" Wie im großen die„Astrologen" vom Wittenbergplatz die Kapitalrentner schröpfen, so sucht man im kleinen am N e 1 1 e l- beckplntz den Armenrentnern das Geld aus der Tasche zu ziehen. An den Rentenzahltagen stehen vor den Postämtern ganze Reihen von„Astrologen", die für ihre fertig hektographierte Weisheit 5(1 Pf. verlangen. Da kommen sie aber bei den Arbeitern schön an:„Was, wir haben kein Geld für Brot, und die oerlangen 50 Pf. für ihren Duatjch, das ist ja die höhe!" Recht haben die Leute vom Nettelbeckplatz. Braune Verbündete. Es war an einem naßkalten herbstabend des Jahres 1929. Da steht in dem nüchternen Klassenzimmer eines Berliner Gymnasiums ein untersetzter, schmächtiger Mann vor einer dürstigen Gemeinde. Die gespendeten Groschen der 10, 12 Besucher vermögen nicht ein- mal die Reklamekosten zu decken, die den hohlwangigen Mann die Einberufung dieser Sitzung gekostet hat. Er hätte besser daran ge- tan, seinen zweistündigen Vortrag über Chiromantie und Phreno- logie vor dem Spiegel seines Kämmerleins zu halten. Die Zeit war eben noch zu gesund, um C h a r l a t a n e n ein Tätigkeitsfeld zu bieten. Aber in dem Maße, wie die materiellen Bedingungen unseres Lebens Stück um Stück zerbröckeln, wachsen die Aussichten für Leute, die es oerstehen, sich als Messias zu kostümieren. Jener Mann, der vor drei Jahren noch tauben Ohren predigte, der froh gewesen wäre, wenn er jeden Abend nur eine Hand voll von seinen Traktätchen verkauft hätte, sitzt heute vielleicht im Port- S a i d- K a i r o- Expreß und besieht sich ein bißchen Aegypten, er promeniert im dalmatinischen R a g u s a und läßt in Venedig den lieben Gott einen guten Mann sein. Als der erste dieser Zunft stand Weißenberg auf und machte sich zum Verbündeten Hitlers. In dessen Fußtapfen traten die anderen, und wer sich heute einen Zeitungskiosk ansieht, findet nicht mehr zurecht vor Wahrsager-, Hellseher-, Sterndeuter- und was weiß noch für Zestungen. Diese Leute schöpfen jetzt den Rahm der Hitler- Konjunktur ab. Wenn Teddy Thälmann Trumpf wäre, würden sie mit der linken Hand schreiben, heute aber liest man in diesen Blättern folgendes: „Noch ehe das Jahr 1932 zu Ende geht, werden die dunklen Mächte vor leeren Sälen und leeren Kassen stehen und taube Wände werden vor den Stimmen der Verräter das erwachende Volk schützen. Die wahre deutsche Revolution, die Erhebung der Gerechtigkeit gegen die ausländischen Bedrücker und gegen ihre inländischen Schergen, gegen die ganze imperialistische Welt be- ginnt, gegen jene Welt des Unrechts, die aus alle Ewigkeit ein ehrbares Volk van höchster Kultur zu Sklaven erniedrigen will." Das ist„Astrologie" von 1 932 1 Oer schwarze Mann an der Wand. So könnte man spaltenlang zitieren. Alle„Sterndeuter" sind plötzlich zu geriebenen Geschäftsleuten geworden, und der Strom ihrer Konjunktur ist ja auch breit genug, um nach Dummen zu fischen. Nachgerade werden diese Leute aber gemeingefährlich. Man sehe sich nur die Ueberschristen dieser Blätter an. hier eine kleine Auslese der letzten Woche: Iviederaufrichtung des hohenzollern-kaiferhauscs? Die Gefahren des ZI. Zuli! Der letzte Akt auf dem Boden der Weimarer Verfassung! Panikstimmung nach der Wahl! Nazi-Diktatur? Gefahr droht der warf! Das Spiel mit der Inflation wirkt dabei am aufreizendsten. Es bedurfte unendlicher Mühe, nach dem Bankenkrach vom 13. Juli vorigen Jahres das Vertrauen der Massen zu den Sparkassen wiederherzustellen. Wer noch einen Notgroschcn hatte, steckte ihn in den Strumpf, aber trug ihn nicht mehr aus die Sparkasse. Ganz langsam ebbte schließlich das Verstecken der Groschen in den Spar- strümpfen wieder ob. Trotzdem zittern die Massen heute noch vor einer Inflation. Diese Stimmung machen sich bestimmte„Stern- deuter" zunutze und in einem Blatt läßt ein solcher folgendes Orakel los: „Die fatalen Signaturen vom 12. bis 13. Juni 1931 brachten, wie bekannt, die Bankenschließungen und Zahlungseinstellungen. Der Reichsmark wäre also beinahe der Todesstoß versetzt worden, hätte die Regierung nicht mit Notverordnungen eingegriffen, so wäre das Schlimmste zu besürchten gewesen.. Mit März 1932 trat Saturn(Transit) in einen günstigen Sextil-Aspekt zu Merkur, was nochmals Gefahren, durch Refor- men und Verordnungen, beseitigte. Seit Mai ist dieser Saturn nun rückläufig und bleibt es bis Mitte November 1932. Es sind also Erschütterungen der Reichsmark zu erwarten. Wieder werden Notverordnungen� radikale Sparmaßnahmen und Reformen kom- men müssen, um das Schlimmste abzuwehren. Ziehen wir das Deutfchland-Horoskop mit ein, so wirken sich vor allem mit Juli- August kritische Satur-Uranus-Ouadraturen aus, die sinanzielle Krisen bringen.„In diesem Kauderwelsch geht es dann weiter, bis es heißt„so daß wir kritischen, aber auch entscheidungsvollen Monaten entgegensehen müssen". Die berüchtigten Kettenbriefe, die bisweilen Unzurech- nungsfähige in die Welt setzen, sind ein Kinderspiel gegenüber der- artigen Prophezeiungen. «-Einkauf von größeren Tieren.. Entsprechend der Konjunktur sind rund 80 Prozent vom Raum dieser Blätter sogenannt„p o l i t i s ch". heute schon steht in diesen Blättern die Zusammensetzung des kommenden Reichstages drin. Das Schema, das sich die Sterngucker dafür zurechtgelegt haben, ist herzlich einfach: links vom Zentrum wird alles in die Pfanne gehauen, Sieger bleiben die Nazis. Was man früher brachte: Rat- schlüge gegen Verstopfung, Fingerzeige von Gesundbetern, Anleitun- gen zum Lotteriespielen usw., das ist völlig in den Hintergrund ge- treten. Nur nebenbei wird noch mitgeteilt, was man zum Beispiel am heutigen Sonntag anstellen soll. Es heißt da vom 3. Juli: „Gut für Aussaat von Spinat und Wintersalat. Einkauf von größeren Tieren, gut für Fischzucht, Schweinezucht. Aussaat von Pflanzen, die sich reich vermehren sollen." Morgen, Montag, kraucht man am besten ins Mauseloch, denn vom 4. Juli heißt es: „Nichts übereilen. Pläne werden durchkreuzk. Ungünstig für Sport. Aussaal von winlerpjlanzen." Als Zugabe gibt es dann meist noch die Horoskope von Lenin, Stalin oder T r o tz k i. Deren Leben steht allgemein unter einem sehr ungünstigen Stern, aber so dunkel die Zukunft aller Marxisten ist, so hell wird die Sonne im Dritten Reich scheinen. Die„Sterndeuter" haben die Konjunktur erfaßt. Gegenüber diesen gemeingefährlichen Elaboraten nach dem Staatsanwalt rufen, hieße diese Blätter etwas zu ernst nehmen. Es scheint, daß Kalt- wasserheilan st alten genügen würden. uorwäris" unier iterboteHnute. fius der Geschichte des Zentraiorsans der deutschen soziaidemoHratie. „An die Abonnenten des„Vorwärts"." Durch Verfügung des Oberkommandos in den Marken vom 26. Juni ist das Erscheinen des„Vorwärts" wegen der Kundgebung des deutschen Parteivorstandes„Sozialdemo- kratie und Frieden" bis auf weiteres verboten worden. Berlin SW. 68, den 26. Juni 1915. Redaktion und Verlag des„Vorwärts". Nachdem in der wilhelminischen Zeit gegen den„V o r- w ä r t s" so mancher Prozeß wegen Majestätsbeleidigung und Der„Vorwärts" verboten! Eure Antwort; Massenauimarsdi aeaen Fasihlsmus u. Kneärtung Heute: Bundes- Regatta Grünau 13 Uhr. Ansprache; Karl Höltermann Partei-Volksfest Weißensee 14 Uhr. Antreten: Prenzlauer Promenade, Ecke Gustav-Adolf-Straße. 15 Uhr; Schloßgarten. Ansprache: Franz Künstler. Montag: Lustgarten! Antreten: 1S.30 Uhr. Ansprachen: Wilhelm Ditt- mann, Friedrich Stampfer. Autmarschplan umstehend. Genossen, Kameraden! Wir kämpfen für die Freiheit! Es lebe unser Sieg! anderer Vergehen gegen den Ungeist des Obrigkeitsstaates geführt war, wurde das Zentralorgan der Sozialdemokratie am 27. Juni 1915 unter dem Kriegszustand zum ersten Male verboten. Wir hatten den Aufruf des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands veröffentlicht, in dem es heißt:„Die Reichstags- fraktion und der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie haben stets einmütig die Eroberungs- und Annektionspolitik be- kämpft. Wir erheben erneut den schärfsten Protest gegen alle Be- strebungen und Kundgebungen zugunsten der Annektion fremder Landesteile und der Vergewaltigung anderer Völker. Das Volk will keine Annektionen, das Volk will den Frieden." Das durfte unter der Herrschaft der Generalität nicht ausgesprochen werden, deshalb erfolgte das Verbot. Es währte bis zum 2. Juli 1915. Der Krieg wütete weiter. Im Januar 1918 war im verbündeten Oesterreich-Ungarn ein Streik ausgebrochen, dessen Bekannt- werden in Deutschland durch die herrschenden wilhelminischen Generale verhindert werden sollte. Der„Vorwärts" war nicht ge- willt, sich einen Maulkorb anlegen zu lassen, und am 21. Januar veröffentlichte er einen Artikel, in dem er seiner Genugtuung Aus- druck gab, daß die öfterreichisch-ungarische Regierung anscheinend gewillt sei,„auf den Willen des Volkes gestützt, eine starke Politik, eine starke Friedenspolitik zu treiben". Der„Vorwärts" verlangte von der kaiserlich deutschen Regierung, das gleiche zu tun und stellte die Frage:„Oesterreich, Ungarn, Rußland und das deutsche Volk sind sich über den Frieden einig, nur die deutsche Regierung macht nicht mit?" In der gleichen Nummer oeröffent- lichte der„Vorwärts" eine Rede des österreichischen Genossen Viktor Adler, in der sich dieser gegen die Verhandlungsmethoden von Brest-Litowsk wandte. Er nahm damals die gleiche Stellung ein, die von der Sozialdemokratie 15 Monate später gegenüber den Verhandlungsmethoden von Versailles und St. Germain eingenommen worden ist. Der„Vorwärts" wurde daraufhin von der Militärgewalt verboten, aber die Macht der Sozialdemokratie war damals schon stark genug, um eine Aufhebung des Verbots bereits nach einem Tage zu erzwingen. Wenige Tage darauf erfolgte im Zusammenhang mit dem Berliner Metallarbeiterstreik ein neues Verbot, das aber auch wieder nach drei Tagen aufgehoben wurde. »Vorwärts" wird im besehten Haus gedruckt. Bevor es in der deutschen Republik der Regierung Papen- Schleicher-Gayl vergönnt war, den„Vorwärts" zu verbieten, hat das Zentralorgon der Sozialdemokratischen Partei schon einmal unter der Knute des Verbots gestanden. Das war unter der Putschregierung des Generallandschaftsdirek- t o r s Kapp. Am 13. März 1922 erschien unser Blatt unter der AVOUkULISO� BOUCLE Perser-Musler m Fronse reines Hoorgarn T0URNAY-VEL0UR reine UtollePerser-MusiermFranse SOASOiOQSÖiiP iftSöift) ttcXT-. 32057. 3 ist?. 235>5. JCöL 'wmm wm mmm ? mmm ■jMSKwAafl ßfüiÄÄÄt veberschrift:„Sie Republik in Gefahr' Am gleichen Tage marschierte die Truppe der Marinebrigade Ehrhardt durch das Brandenburger Tor in Kerlin ein, die Presse wurde rigoros unterdrückte Zwei Tage später aber wurde die OeffentlichkeU durch eine Extraausgabe des„vorwärts" überrascht. Sie trug die Ueberschriften:„Vor dem Ende, Das Reich zur Reichs- regierung(womit selbstverständlich nicht die Putschregierung Kapp gemeint war!)." Die Extraausgabe des„Vorwärts" brachte die Nachrichten, die einen baldigen Zusammenbruch der Kapp- Regierung wahrscheinlich erscheinen ließen. Wie aber war diese Nummer zustande gekommen? Am Sonntag, dem 14. März, gingen einige Redakteure, als wäre nichts geschehen, in da» von den Meuterern besetzte Haus des„Vorwärts" und stellten zusammen mit freiwilligem Personal au» dem technischen Betrieb die Extra- ausgäbe her, die zum schärfsten Kamps gegen die Kapp-Regierung aufforderte. Als 1S(>00 Exemplare gedruckt waren, roch der über- wachende Hauptmann Lunte und hielt den Druck an. Die fertig- gestellte Auflage war aber inzwischen schon über die Mauern nach der Alten Jakob st raße expediert worden, weitere ZOOM Exemplare wurden in einer anderen Druckerei sertiggestellt. Diese Sonderausgabe de,„Vorwärts" trug mit dazu bei. den Kapp- Putsch zum Scheitern zu bringen. Ein Artikel, der nach der Niederlage der Käppi st en erschien, sagt mit Humor: „Unsere ehrgeizigen Pläne, eine Millionenauslage, ein Rollen- lassen bis zum letzten Atemzuge der Akkumulatoren, sind leider nicht in Erfüllung gegangen. Der Herr Hauptmann unserer ver- ehrten Besatzung hörte den erdbebenartigen Lärm der Rotations- Maschinen, sah sich ein Exemplar an, las die Ueberschrist„Vor dem Ende" und begriff merkwürdigerweise, daß damit nicht das Ende der Republik, sondern das Ende des verbrecherischen Aben- teuer? gemeint war." Am 18. März 1920 verkündete der„Vorwärts" mit Stolz: Sieg des Volkes. Sieg de» Volkes! Das ist auch heute unser Ziel. Wir haben dafür schon unter Bismarck und Wilhelm II. siegreich ge- kämpft, wir überstanden den Belagerung»zu stand und überwanden Kapp. Wir werden auch die Regierung von Papen» von Schleicher-von G a y l überstehen! Neuer Gchulbrand! Noch immer keine Spur von dem geheimnisvollen Täter. In den Räumen des früheren Kleist-Lhzeums in der Bremer Straße 69/7V war gestern nachmittag der Schulbrand st ifter wieder einmal erfolgreich an der Arbeit. Der Täter verschaffte sich in den Städtische« Kinderhort Einlaß und sehte in der Küche mehrere Schränke in Brand. Durch die rechtzeitige Entdeckung des Brandes war eS der alarmierten Feuerwehr in kurzer Zeit möglich, die Flammen zu ersticken. Trotz aller Bemühungen der Berliner Kriminalpolizei konnte der Verbrecherische Bursche, der Berlin nun schon seit 14 Tagen beunruhigt und mit seinen Brandlegungen mit einer beispiellosen Frechheit zu Werke geht, noch immer nicht gefaßt werden. Es bleibt schwül. langsame Aufheiterung. Die Eintrübung, die in der Nacht zum Sonnabend ein- setzte und während des gestrigen Tages zum größten Teil anhielt, hat bereits wieder ein schnelles Ende erreicht. Fast über das ganze Reich macht sich ein anhaltender Druckanstieg bemerkbar und nur in einem Teil Ostdeutschlands dürfte heute noch Regen fallen. Im Süden Deutschlands klärt sich das Wetter bereits wieder auf, nachdem gestern und vorgestern heftige Niederschläge zu ver- zeichnen waren. Für den heutigen Sonntag ist nach einer Mitteilung de. Amtlichen Wetterdienstes mit ganz annehmbarem Wetter zu rechnen. Es wird größtenteils heiter fein und die Mittagstempera- turen werden höher als am Sonnabend liegen. Kundgebimg der SPD. am Montag, dem 4. Juli 1932, im Lustgarten Ansprachen: Ditimann und Stampfer Stadtbezirke Wedding, Mitte, Reinickendorf und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Qrenzstraße(Humboldthain), Spitze des Zuges Brunnenstraße, Marsch durch Brunnen-, Elsässer',Artilleriestr„A. Kupfergraben, Museumstr., Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Elsässerstr., dann Weinbergsweg, Kastanienallee. Zionskirchplatz, Swinemünder, Ramler-, Brunnen-, Grenzstr. Stadtbezirke Prenzlauer Berg, Weißensee, Pankow und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16.30 Uhr, Danziger Straße(Mittelpromenade), Spitze des Zuges Winsstr. Marsch durch Danziger, Weißenburger Str., Schönhauser Allee, Dragoner-, Roch-, Neue Friedrich-, Museumstr., Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Dragonerstr., dann Lothringer Str., Prenzlauer Allee, Marienburger, Winsstr. Stadtbezirke Friedrichshain, Lichtenberg, Treptow, Köpenick und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Küsträner Platz, Spitze Fruchtstr. Marsch durch Frucht-, Friedenstr., Prenzlauer Berg und Allee, Lothringer, Weydinger-, Kaiser-Wilhelm-Str., Lustgarten. Rückmarsch: Kaiser-Wilhelm-, Weydinger-, Linien-, Neue König-, Gollnow-, Landsberger, Weber-, Gr. Frankfurter, Fruchtstr., Küstriner Platz. Stadbezirke Kreuzberg, Neukölln und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Fontane-Promenade, Spitze Urbanstr. Marsch durch Urban-, Baerwald-, Prinzen-, Dresdener, Neue Roß-, Breite Straße, Schloßplatz, Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Dresdener Straße, dann Oranienplatz und-straße, Mariannen-, Graefestr., Hasenheide, Fontane-Promenade. Stadtbezirke Tempeihof, Schöneberg, Zehiendorf, Wilmersdorf, Steglitz und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Hornstraße, Spitze Yorckstraße. Marsch durch Yorck-, Gneisenau-, Zossener Str. und Brücke, Alte Jakob-, Neuenburger, Linden-, Markgrafen-, Französische, Werderstr., An der Stechbahn, Lustgarten. Rückmarsch: Wie Anmarsch bis Markgrafenstr., dann Junker-, Ritter-, Alexandrmen-, Brachvogel-, Mittenwalder, Gneisenau-, Yorck-, Hornstr. Stadtbezirke Charlottenburg, Tiergarten, Spandau und alle in diesen Bezirken liegenden Betriebe: Antreten: 16,30 Uhr, Kleiner Tiergarten, Spitze Stromstraße. Marsch durch Alt-Moabit, Invaliden-, Hessische, Hannoversche, Elsässerstr. und weiter wie Zug Grenzstraße. Rückmarsch: Wie Anmarsch. Jetzt erst recht, rotes Berlin! OakA* TVokrle. «mHus. SkT IsWsZSA Petr steht auf, die Feder in der Hand, und durchschreitet einige Male das Zimmer. Doch seine Unruhe wird nicht kleiner: im Gegenteil, je mehr er sich müht, sie zu unter- drücken, desto mehr schwillt sie und quillt sie. Mißmutig legt Petr den Eanskiel hin. Er ist gewohnt, alle Dinge, auch diejenigen, die aus dem Gemüte kommen, mit dem Verstände zu ordnen, eh' er ihnen in sich selber Raum läßt. In seiner Seele soll nichts Wirres, nichts Dunkles, nichts Ungeklärtes sein. Für den Augenblick versagt seine Methode. Er wird des Angstgefühls, das drän- gender und zwängender sein Herz bekreist, nicht Meister. Er weiß nicht, was es bedeutet. Nur Vergleiche kann er ziehen: ihm ist zumute, als schritte er irgendeinem Hinterhalt ent- gegen, als lauere eine unbekannte Gefahr auf ihn. Da, er spürt es, sie ist ganz nahe! Sein Herz zuckt auf wie eine Wünschelrute, wenn sie aus die Mutung trifft! Doch, hat es Zweck, sich von einer dunklen, unbestimmten Furcht schrecken und fressen zu lassen?! Nein, ein Christ geht ent- schieden auf die Geister los, die sich melden! Petr stößt die Tür zum Saal auf. Nichts ist da als vier Streifen gebrochenen Monds, welche die an der Kaminwand aufaehängten Brünnen und Waffen begleißen. Der große Tisch ist da mit Bechern unb Kannen. Brotkrumen und Resten verschütteten Weins, und mitten auf dem Tisch eine Ratte, aufgeteilt in Blau und Silber, die aber gar keine Miene macht, davonzuspringen und in ihr Ratten- loch zu huschen, fondern die sich auf die Hinterfüße stellt, einen Ranft in den maushast hochgehobenen Pfoten, und behend wandernden Auges die Absicht des späten Besuchers erkundet. Ihre Schnauzenhaare sind glänzender Silberdraht. Rein, hier sitzt die Gefahr nicht. So behutsam als mög- lich macht Petr die Tür zu, um die Schmauserin nicht zu er» schrecken. Er durchspäht die Küche— nichts. Er durchstreift den Keller, tastet sich durch den Schacht hinüber in den geheimen Saal— nichts. Er schnuppert alle Winkel aus wie ein Hund, der Witterung nimmt— vergeblich. Doch, als er vorschlürft gegen die Haustür, da meldet sich dieses unangenehm zuckende Gefühl wieder, dieser Schlag ins Herz aus dem Unsichtbaren. Gleichzeitig jagt ihm ein Kälteschauer den Rücken hinunter und macht ihm sofort wieder siedendheiß. Ah, dieser jähe Schauer reißt ihm ebenso jäh die Binde von den Augen! Petr weiß plötzlich, was dieses rasende Durcheinander von Frost und Hitze bedeutet. In den Iahren des Askese und der Ablötung seines Körpers hat er gelernt, auf die Sprache eines jeden Nerves zu achten. Was er jetzt über seinen Rücken rieseln spürt, heißt Blut... Fünf Minuten später hat er den auf der Staffel zu- sammengebrochenen Ritter ins Haus hineingezogen und die Last in die Küche geschleppt. Er oersucht, den Ohnmächtigen auf die Herdbank zu setzen. Es gelingt ihm nicht: jedesmal, wenn er glaubt, es geschafft zu haben, sinkt der Ritter wieder rasselnd in sich zusammen. Es bleibt Petr nichts übrig, als ihn auf dem Estrich liegen zu lassen und Licht zu holen. Als er aus der Kammer wiederkommt und Zizka ins Gesicht leuchtet, erschrickt er so, daß ihm der Wachsstock aus den Fingern knallt. Das ist ja kein Gesicht mehr, was da aus dem schwarzen Panzer herausschaut, das ist ein einziges Stück zerrissenes, blutiges Fleisch. Petr wird schlecht dabei, die Knie reiten unter ihm weg. Eh' er an die Wand fällt, vermag er gerade noch zu schreien:„Luzia!" Das ist das letzte, was er von der Welt vernimmt, seine eigene Stimme, dann schwinden ihm die Sinne. 20. Man könnte den Mann in der Zelle auf die Fost?r spannen, man könnte ihm die Beine aus den Hüftkacheln, die Arme aus den Achseln verrenken, man könnte ihm die Zehen- nögel mit Zangen ausreißen, man könnte ihm jede Qual der Erde antun, die schrecklichste, die zungenlösendste, dennoch wüßte er nicht zu sagen, wie er in sein Gefängnis zurück- gekommen ist. War dieser Turm von Sankt Paul, aus dem Ieronyms Aufschrei seinem Rufen Antwort gab, vielleicht gar kein steinerner Klotz, sondern einer aus Nervenquadern, ein Traumturm? War Ieronyms Schrei nur ein Traumschrei, ein Irrhall seines armen, gemarterten Hirns? War sein Nachtwandel durch die Gassen dorthin"'»lischt gar kein wirkliches Schreiten, sondern nur ein Schreiten im Traum, ein Traumwandel? Waren die Häscher, die ihm nachsetzten und vor deren totschlägerischem Grimm er keine andere Zuflucht wußte, als zurück in fein Loch, etwa keine wirtlichen Häscher? War er vielleicht im Traum geflohen vor schreienden Traumesbütteln? Er weiß es nicht. Häutete man ihn lebendig ab, risse man ihm das Fleisch mit glühenden Zangen aus dem Leib, pfstzte man es ihm in großen Flüren von den Schenkeln, er würde nicht be- kennen können, wie er zurückgekommen ist. Er weiß nur: Wahn und Wirklichkeit wehen in seinem Hirn wirr durcheinander. Er bringt in diesem Augenblick nicht Kraft genug auf, um Ordnung zu schaffen. Er muß warten, bis sich der ärgste Sturm der Seele gelegt hat. Aber das weiß er, diese Kette hier ist keine Traumkette. Sie klirrt und rasselt, wenn er sie in die Hand nimmt-, echtes Eisen ist sie und gewichtig und schwer. Verrostet ist sie, von der Farbe eingetrockneten Bluts, und wenn er die brennende Zunge darauf bringt, so schmeckt sie wie Vitter- salz, vom Uebermaß der auf sie vergossenen Tränen. Diese Kette hielt bisher seine Hände gefesselt. Hier, in seine Handgelenke, hat sie sich eingepreßt; er fühlt noch die Striemen. Doch jetzt sind seine Hände entfesselt und frei! Also ist das Ganze doch nicht nur Traum und Erdichtung gewesen: dieser schiefhüftige, unaufhörlich redende Mensch war kein Trugblld seines Gehirns, sondern wirklich! Es dauert eine Weile, bis der Mann in der Zelle sich dies klargemacht hat. Dann aber stößt er einen Schrei aus wie ein Kriegsknecht, dem mit voller Wucht eine Ritterlanze durch den Leid rennt. Das ist das Ende! Er darf nicht weiterdenken, er spürt es, nicht denken, Herz, nicht denken! Wenn er weiterdenkt, wird er wahnsinnig. Das wäre das, was seine Widersacher wollten! Nein, nur das nicht! Er muß seinen Kopf behalten: denn der Kampf, der ihm bevorsteht, die letzte Verteidigung des Worts, verlangt Klar- heit und volle Herrschaft über seine Sinne. Wie soll er sich sonst der Meute erwehren?! Darum, Herz, nicht denken, nicht denken! Aber beten! Aus den unausdenkbaren Tiefen des Herzens, als ein Verlorener, schreit er zu Gott um Hilfe: „Gib uns Kraft, o Herre Christ, um deinetwillen in den greulichen Tod zu gehen! Amen!"(Fortsetzung folgt.) Berlins Siedlungspolüik. Ein Vortrag des Stadtrats Heuer. Gestern hielt der Gründungsdezernent der Stadt Berlin, Stadtrat Genosse Dr. heuer, in der Ausstellungshalle eiu Referat über die Siedlungs. und Grundstücks' palillt der Stadt Berlin. Bei den s i« d l u n g s f ü h i g o n Gebieten, die sich in städtischem Besitz befinden, handele es sich um Flächen von mehr als 2000 Hektar, d- h. rund 20 Millionen Quadratmeter, die einen be- deutenden Vermögensteil der Stadt ausmachen. Diese Gebiete stehen in ihrer �Gesamtheit grundsätzlich für Siedlungszwecke zur Ver- fügung, Sie wären ausreichend, um mehreren 10 000 Siedlern eine eigens Siedlungsstelle zu verschaffen, falls ein derartiger Bedarf sich einstellen sollte. Das Siedlungsgelände liegt überwiegend in den westlichen und südlichen Außenbezirken, und zwar Haupt- sächlich in Neukölln. Spandau, Köpenick und Bies- d v r f. Für die Stadt sei die Abgabe von Siedlunzsgelände insofern van Bedeutung, als dadurch in großem Umfange eine Entlastung der städtischen Finanzen eintrete, da das Gelände fast ausfchließ- lich gegen Barzahlung verkauft werde. Dies« Entlastung sei um so mehr erwünscht, als bei der schon aus anderen Gründen sehr schwie- rigen Finanzlage naturgemäß ein Zuschuß von rund 10 Millionen Mark an die Grundstücksverwaltung von Kämmerer nur schwer ge- leistet werden könne. Dieser Zuschuß ergebe sich aus der Verzinsung größerer Siedlungsflächen, aus den Zinsen für die hochwertigen Gelände der Altstadt, die zu Verkehrszwecken in früheren erworben wurden. Die städtisch- Grundstückspolitik gehe grundsätzlich dahin, «inen Teil des städtischen Grundbesitzes zu veräußern, und zwar neben dem Siedlungsgelände auch Grundstücke in den Innen- bezirken. Deshalb könne jedoch noch nicht von einem„Ausverkauf de, städtischen Grundbesitzes" gesprochen werden, da der Verkauf sehr vorsichtig getätigt werde. Der städtische Grundbesitz habe, ab- gesehen von Dauerwäldern oder Rieselfeldern sowie der Kranken- Häuser, Schulen und Verwaltungsgebäude, noch«inen Wert von etwa 300 Millionen Mark, denen nur eine Belastung von etwa der Hälfte dieser Summe gegenüberstehe. Es sei also Aufgabe der städtischen Grundstückspolitik, diesen wertvollen Besitz zu erhalten und in seiner Rentabilität zu bessern. Eheiragödie am Schloß Bellevue. Mit dem Rasiermesser gegen die Ehefrau. Lm Bark des Schlosses Bellevue versuchte am Sonnabendmittag der 32 Iqhre alte Lehrer Walter H i l g e s seine um drei Jahre jüngere Frau Käte mit einem Rasiermesser zu töten. Es kam zu einem verzweifelten Handgemenge, bei dem Frau H. einen lebensgefährlichen Halsschnitt erlitt. Die Unglückliche fand im Moabiter Krankenhaus Aufnahme.— Frau H. hatte sich von ihrem Mann, der in Wittenau wohnt, wegen Chezwistigkeiten ge- trennt. Der Mann hotte wiederholt versucht, eine Aussprache her- beizusühren. Für Sonnabend hatte sich nun das Ehepaar im Schloßpark zu einer Aussprache verabredet. Anstatt zu einer Aus- söhnung kam es aber zu einem erneuten Streit. In großer Er- regung zog HIlges ein Rasiermesser hervor und stürzte sich damit auf sein« Frau, die zu fliehen versuchte. Dem Rasenden gelang es. die Wehrlose zu packen und mit dem Messer einen furchtbaren Schnitt am Halse beizubringen. Der Täter wurde von der Polizei festgenommen. Lm Hoiel erhangi. Das seltsame Gefchwisterpaar. Gestern mittag wurde in einem Hotel am Anhalter Bahnhof eine Tragödie entdeckt. Dort hatte sich die angeblich 40 Jahre alte Irene F. aus Frankfurt a. d. O. erhängt. Sie war am Freitagabend mit ihrem angeblichen Bruder Gustav F. in dem Hotel erschienen. Beide hatten zwei Zimmer gemietet. Gustav F. ent- sernte sich spät abends aus dem Hotel. Gestern mittag wurde die Frau tot aufgefunden. Die beiden Leute hatten sich im Hotel als Geschwister aus- gegeben. Obwohl von ihnen zwei Zimmer gemietet wurden, hatten sie nur eins benutzt. Sie gingen dann beide zusammen fort mit dem Bemerken, daß sie zu Abend essen wollten. Nachdem sie zurück- kamen, entsernte sich der angebliche Gustav F. wlsvec, um eine Besorgung zu machen. Er ist von dort nicht mehr zurückgekommen. Man fand bei der Frau eine Tasche, in der noch ein Stück Schnur und eine Schere lag. Beide Personen haben sich wahrscheikllich falscher Namen bedient. Aufzeichnungen sind nicht hinterlassen worden. Der verschwundene Mann konnte ebenfalls noch nicht er- mittest werden. ZlMleiBtst im Amtsgeridit Qiarlottenbürg. KsMsiWWM mi �aitäantin nisäe�eschossen,- SslbsSmcrä das Täters. Im Amtsgericht Charlsttenburg in der K a n t st r a tz e 7 S spielte sich in den späten Nachmittags- stunden des Sonnabends«ine Schreckensszene ab. Im Sitzungssaal 202 fand eine Verhandlung in einem Ge- schäftsstreit statt. Als der Vorsitzende gegen 18.30 Uhr den vereinbarten Vergleich gerade bekanntgeben wollte. zog der Beklagte, ei« ISjähriger Kaufmann Gustav Tonnenberg aus der Dahlmann st raste IS. plötzlich eine Pistole hervor und schoß auf die Klägerin, eine 37 Jahre alte Frau Else Döring aus der West- fälische« Straße 53, und ihren Anwalt. Dr. Josef Hartmann, aus der Potsdamer Straße 95, Frau Döring und Dr. Hartmann stürzten schwer getroffen zu Boden. Noch ehe her im Saal anwesende Justizwachtmeister über- sehen konnte, was eigentlich geschehen war. hatte der Töter die Waffe bereit» gegen sich gerichtet und abgedrückt. Mit einem Albsrt GrzeslnsH! und Paul mieiüz sprechen Senntag, 10, JuH, SO Uhr, Sportplatz Friedrichshain, auf dem Werbefmt desJungbanners Beginn des Festes 16 Uhr. Eintritt 25 Pfannig, ab 20 Uhr freier Eintritt luvend verteidigt die Freiheit! Schläfenschuß sank Sonnenberg lchlos zusammen. Durch das Restungsamt wurden die Schwerverletzten ms Wilmersdorfer Hildegardkrankeichaus übergeführt. Sonnenberg war bei seiner Einlieferung bereits tot. Rechtsanwall Hartmann starb eine Stunde nach seiner Ausnahme, obgleich die Aerzte nichts zur Rettung des Juristen unversucht gelassen hatten. Frau Döring liegt mit einem lebensgefährlichen Bauchschuß danieder. Ob sie mit dem Leben davonkommen wird, ist fraglich. Heber den entsetzlichen Vorfall im Amtsgericht erfahren wir noch folgende Einzelheiten: Der Kaufmann Sonnenberg stand srüher mit Frau D. in geschäftlicher Verbindung. Wie es heißt, hatte sich Frau D. an dem Unternehmen Sonnenbergs-r- es handelt sich um eine Seifenfabrik finanziell beteiligt. Der Betrieb wurde geschloffen und später machte Frau Döring gegen Sonnen- berg noch Ansprüche gellend. Es kam zu einer Klage gegen S- und schon mehrfach war in der Angelegenheit vor dem Amtsgericht per- handelt worden. Die Parteien kamen zu keiner Einigung, und am gestrigen Sonnabend war in der Sache abermals vor dem Amts- gericht in Eharlottenburg-in Termin anberaumt worden. Di« Sitzung fand im kleinen Saal 202 statt. Nach langwierigem Hin und Her versucht« der Anwatt der Frau Döring einen Vergleich herbeizuführen. Nach einiger Ueberlegung ging Sonnenberg auf den Vorschlag des gegnerischen Anwallez ein und das Gericht formulierte den Vergleich. Als der Vorsitzende das Schriftstück noch einmal verlesen wollte, um es später durch die Unterschriften der gegnerischen Parteien anerkennen und beglaubigen zu lassen, ereignet« sich zum Entsetzen aller Anwesenden der blutige Vorfall. Spnnenberg sprang plötzlich auf. zog blitzschnell ein« Pistole aus de? Tasche und feuert« zuerst auf den Rechtsanwalt Dr. Hattmann. Die zweite Kugel traf Frau Döring und dann jagte sich Sonnenberg ehe es noch jemand verhindern konnte, selbst eine Kugel in die Schläfe. Die Schießerei kam völlig überraschend, da nach dem geschlvsse« nen Vergleich alles in bester Ordnung schien. Olsenbar ist Spnnen- berg, der die Forderung der Klägerin zuerst mit aller Hartnäckigkeit bestritten halle, sein Schritt wieder leid geworden, und in einem Nervenanfall dürste er zur Waffe gegriffen haben. Die Leichen sind von der Staatsanwallschast beschlagnahmt worden. Wetier für zehn Tage. Die Staatliche Forschungsstill« für langfristige Witterung», vorhersage in Frankfurt a. M. tritt am Montag, 4. Juli, Versuchs- weise zum erstenmal mst ihren Wettervorhersagen für zehn Tage an die Oesfentlichkeitt Zweimal in der Woche, Dienstag und Freitag vor- mittag, werden diese Borhersagen von den Wetterdienststellen und Landeswetterwarten durch Presse und Nundsunk der All- gemeinheit zur Verfügung gestellt. Ihre Dauer ist vorerst aus die Hochsommermonate Juli und August beschränkt. Die Boraus- sagen sind gültig für ganz Deutschland mtt einstweiliger Aus- nähme von Ostpreußen, Schlesien und des unmittelbaren Alpenvorlandes. Es kann sich bei diesem erstmaligen Ver- such großen Maßstabs natürlich nur um deifW i t t e r u N g»- charakter im großen ganzen handeln, nicht um das Wetter bestimmter Tage und Orte, doch werden, soweit dies möglich ist, auch größere Bezirke in ihrem Witterungscharakter umschrieben. Für den Sommerreiseoerkehr und die Kurorte werden die Voraus» sagen jedenfalls von größtem Interesse sein. Auch Leineweber zahlungsunfähig. Auch die seit 1888 bestehende Berliner Bekleidungsfirma B. Leineweber, die 1931 in ihren Werkstätten und Läden noch fast 700(zuletzt 420) Personen beschäftigte, hat jetzt ihre Zahlungen ein- stellen müssen. Es wird ein Vergleich angestrebt; das Geschäft wird fortgeführt Hoffentlich gelangt die dauernde Aufrecht- erhaltung des Bettiebs. Englisch— Französisch— richtixe,«evtsch. gm Suis beginnen neue Eprochenkurse für Anfänger und Fortgeschrstien« bei Senosfin Heß, W. 50, Cpichernstr. 16, SN). III sUntergrundbabn Nürnberger Platz). Anmeldungen — auch schriftlich— bis zum 5. Juli täglich 17—20 Uhr. munl und Demonsiralionsfreiheit. Der Berliner Polizeipräsident Alberl Grze- s i n s k i, dem es mit der gesamten Pollzei zu danken ist. daß trotz der Nazihetze und der großen wirtschaftlichen Not Ruhe und Ordnung in der Reichshauptstadt aufrecht erhalten wer- den können, äußert sich zu der durch die Wiederherstellung der Demonstralioassreihelt neu geschaffenen Lage. Seine Mahnungen. Terrormaßnahmen zu unterlassen und Disziplin zu üben, Ist besonders an die Anhänger der radi- kalen Parteien gerichtet. Für Sozialdemokraten ist Disziplin seit jeher eine Selbstverständlichkeit Der Polizeipräsident erklärt: Nachdem durch tie Notverordnung des Herrn Reichspräsidenten vom 14. Juni 1932 die allgemeine Demonstrationsfreiheit wieder hergestellt worden ist, muß erwartet werden, daß Die Staatsbürger von ihrem Demonstrationsrecht in einer Weise Gebrauch machen, die jede Behinderung oder Belästigung Andersdenkender ausschließt. Die in der Notoerordnung vorgesehene Anmeldungsfrist von 48 Stunden muß von allen Beranstallern genau innegehalten werden. Die Polizei wird dem Bedürfnis nach Aufzügen und Kundgebungen unter freiem Himmel in möglichst großem Umfang Rechnung tragen und eine Beschränkung nur eintreten lasten, wo sicherheitspolizeiliche Gründe das unumgänglich notwendig machen. So wird von leiten der Polizei z. B. dafür ge- sorgt werden, daß gegnerische Demonstrationen in keinem Fall in örtlicher Nähe gleichzeitig stattfinden. Zentrale Demonstrationen für Berlin können grundsätzlich an einem Tage nur einem Ver- anstaller bewilligt werden. Vom Publikum wird erwartet, daß es die Demonstrationsfreiheit dadurch achtet, baß es Belästigungen oder Angriffe auf die Demonstranten unter allen Umständen unterläßt. Der Versammlungsfreiheit wird nach Möglichkeit keine polizeiliche Schranke gesetzt werden, Störungen oder gar Sprengungen von Versammlungen dürfen auf keinen Fall erfolgen. Es wird auss neue darauf hingewiesen, daß den Patteien eigene Veranstaltungen nicht gestattet werden können, wenn ihre Anhänger in erkennbarer Absicht Bersammlungen Anderedenkender zu stören oder gar zu sprengen versucht haben. Von jeder Parteileitung kann verlangt und erwartet werden, daß sie ihre Anhänger von Terrormaß» nahmen gegen Andersdenkende abhält und sie zu der not» wendigen Disziplin erzieht. Lleberall Lautsprecher im Lustgarten. Die Neden werden von allen platzen zu hören fcin. Am M o n t a g um 13 Uhr werden wir stn L u st g a r t« n eine Kundgebung erleben, wie sie Berlin noch nicht gesehen hat Es ist dafür Sorge getragen, daß die Reden auf dem Platz und den an- stoßenden Straßen deutlich zu hören sein werden. Immer wieder beobachtet man bei den Massenkundgebungen im Lustganen, daß die Demonstranten au» Gewohnheit von der Zeit her, da es noch keine Lautsprecheranlagen gab, möglichst nach vorn zur Rednertribüne hindrängen. Hier vor der Schloßterrasse entsteht dann meist ein gefährliches Gedränge. Das muß bei dieser Maffen- veranstattung am Montag verhütet werden. Das dichte Zu» sammenballen der Massen hat mefftens zur Folge, daß zahlreiche Demonstrationsteilnehmer ohnmächtig umsinken. Für die Arbettersamanter ist es dann immer schr schwer, manchmal sogar unmöglich, in kurzer Zeit an die Unfallstelle zu gelangen, um den Bewußtlosen zu helfen. Die Lautsprecheranlagen sind so aufgestellt daß sie nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Nebenstraßen die Reden deutlich wiedergeben. Es ist notwendig, daß sich alle von unnötigem Drängen fernhalten. Die bewährte Disziplin der Berliner Arbeiterschaft wird dafür sorgen, daß die Veranstaltung trog ihres Massencharakters ohne Störung und ahne Wißtlaug ver» lausen wird! Neuer Großrundfunkfender in Tegel. Nachdem die Verhandlungen des Neichspostmtnisterium» mit dem Reichswehrmini st erium wegen Ankauf» eine» ge» eigneten Geländes in Berlin-Tegel nunmehr zum Abschluß gelangt sind, wird mit dem Vau des Berliner Großrund- sunksenders auf dem Tegeler Schießplatz alsbald begonnen werden. Mit der Fertigstellung des Großsenders kann im Frühjahr 1933 gerechnet werden. vfenand Berlin 50 Köuenlckerstr.TI \ troli itaiteraOer Diegia.-n ei iohl« -—8S Brdteslnifpfieqe SCHIIHHOF lin Kstr.11 ♦ Wi 1 me rsdo rfe rskr.lir ♦7\j r ni skr.45 liüllerstr.143a«Spcndau,Breitesffasse22 fetztouch am Alexanderpialz.Kcmiqsfc29 Derschlag mit dem Bierseidel. Mildes Llrteil für einen gemeingefährlichen Rohling. Wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung verurteilte dos Schöffengericht Schöneberg den 24jährigen Klempner Erwin Mao ß zu der in Anbetracht des besonders rohen Falles und der schweren Folgen außerordentlich milden Strafe von 1 Jahr 3 Mona- ten Gefängnis. Maaß war am 18. Februar kurz vor 3 Uhr nachts in die Gast- Wirtschaft„Zum Jhlo" in der Berliner Straße beim Hermannplatz eingekehrt. Als er das zweite Glas Bier verlangte, erhielt er es, aber mit der Weifung. sich zu beeilen, da pünktlich um 3 Uhr ge- schloffen würde. Obwohl mehrmals Feierabend geboten wurde. kehrte er sich nicht daran und blieb ruhig sitzen. Schließlich trat der Gastwirt Ihlenfeld an ihn heran, faßte ihn gleich an den Arm und bedeutete ihm, daß er jetzt gehen müsse. Maaß sprang aus und schlug dem Ga st wirt das dicke Henkelglos mit solcher Wucht in das Auge, daß das Glas zersplitterte. Das Auge des getroffenen Ihlenfeld lief aus, und Glassplitter drangen in die Stirn. Der Wirt war gezwungen, sein Geschäft aufzugeben, da er mit einem Auge den starken Betrieb seiner Gastwirtschaft nicht mehr leiten kann. Der Angeklagte behauptete, daß er nur die Absicht gehabt habe, dem Mann das Bier ins Gesicht zu schütten. Zeugen bekundeten aber, daß er absichtlich auf das Auge gezielt habe. Maaß ist bereits zweimal wegen Roheitsdelikten vor- b e st r a f t, und aus einem der Vorurteile wurde festgestellt, daß er in diesem Falle jemandem mit der Faust ins Auge geschlagen hatte, so daß ein starker Bluterguß eintrat. Das Schöffengericht nahm lediglich wegen der Jugend des Angeklagten davon Abstand, auf eine Zuchthausstrafe zu erkennen. Oer erste fliegende Schornsteinfeger. Den Angestellten des Berliner Flughafens bot sich beim Ein- tieften der planmäßigen Maschine aus Dessau ein nicht alltägliches Bild. Der Kabine des Flugzeugs entstieg zum allgemeinen Erstaunen «in S ch o r n st« i n f e g e r in voller„Kriegsbemalung", mit Zylinder, Leiter, schwarzem Dreß und den sonstigen Kehrutensilien, mit denen Schornsteinfeger im allgemeinen die Dächer, aber nicht die Flugzeug- zu besteigen pflegen. Es handelte sich um die Aus- tragung einer Wette, die der Schornsteinfeger Fink aus Dessau abge- schlössen hotte. Er dürste wahrscheinlich der erste fliegende Schorn- steinfeger Deutschlands sein. Die Großen Aerlen im Agg. Zu Beginn der Großen Ferien sei darauf hingewiesen, daß für die in Berlin Bleibenden der Zoologi- sche Garten durch seine Monatskarten eine oute Möglichkeit zur Er- holung. Unterhaltung und Belehrung im Grünen bietet. An allen Zoo-Schältcrn können Monatskarten mit vierwöchiger Geltung vom Tage der Lösung ob zum Preise von 10 Mark für Erwachsene und von 5 Mark für Kinder bis zu 16 Jahren gelöst werden. Auch die Jahreskarten für den Zoo sind verbilligt worden, und zwar auf 2S Mark für Erwachsene und auf IS Mark für Kinder. Für das Aquarium kosten die Jahreskarten 10 Mark bzw. 5 Mark. Segelflugvorführungen In Tempelhof. Im Rahmen der Luft- fahrtwerbewoche werden am Sonntag, dem 3. Juli, von 16 Uhr an Segelflugvorführungen durchgeführt. Während des Nachmittags ist auch Gelegenheit zu Rundflügen über Berlin zum Preise von 6 M. Eintritt auf alle Plätze 30 Pf. Brfidte zwischen den Völkern. feriensdiuien mii AuslausdisdtUlern.- Werivoiic ArbeU. Trotz aller Nöte der Zeit wird auch in diesem Jahre das Werk der konationalen Erziehung, über das wir in den letzten Jahren ausführlich berichteten, mit Tatkraft fortgesetzt. In vier Ländern, in Spanien, England, Frankreich und Deutschland, wird man unter dem Protektorat der spanischen und französischen Regierung und der Städte London und Berlin Ferienschulen errichten. In diesen Schulen lebt und arbeitet eine Anzahl gut vorberei- leter Schüler oder Schülerinnen aus Deutschland mit einer eben- solchen Anzahl von Schülern oder Schülerinnen in Frankreich, lünsors werten Leserund Freunde werden gebeten, in Gaststätten, Hotels, Pensionen, Lesehallen, bei den Zeitungsverkaufsstellen sowohl in Groß-Berlin als auch im Reich bei jeder Gelegenheit den „Vorwärts" zu verlangen. Das Parteiinteresse fordert, überall und ständig für unsere Presse zu werben und das Auslegen Oes Zentralorgans der SPD. in allen Verkehrsstätten zu veranlassen. Wo der„Vorwärts" noch nicht erhältlich sein sollte oder nicht ausliegt, bitten wir um Benachrichtigung Vorwärts Verlag G.m.b.H., Bln., SW68, Lindenstraße 3. Fernspr.: A7, Dönhoff 292/97 England oder Spanien zusammen. Die Schüler und Schülerinnen werden von ausgesuchten Lehrkräften aus den beteiligten Ländern betreut und unterrichtet. Die Schulen, die in Frankreich errichtet werden, haben ihren Sitz in Beronne, Saint Quentin und Douai. Die Gäste der Stadt London leben mit ihren englischen Kameraden und Kameradinnen in der unmittelbaren Näh« der englischen Haupt- stodt. Interessant ist es, daß die deutsch-spanische Ferienschule ihren Sitz im Schlosse La G r a n j a haben wird, das auch Sommerresidenz des Präsidenten der spanischen Republik, Z a m o r a, ist. Für die Schulen in Deutschland sind im deutsch-französischen Kursus in der Zeit vom 14. Juli bis zum 13. August für Kitaben das Heim der Ortskrankenkass« in Brandenburg a. d. Havel und das eoan- gelische Bundeshaus an der Woltersdorfer Schleuse, für Mädchen die Heime Dr. Pannwitz in Hohenlychen vorgesehen. In der Zeit vom 23. Juli bis zum 20. August dienen dem deutsch-englischen Austausch für Knaben das Alumnat in Strausberg und für Mädchen das Viktoriaheim der Kirchengemeinde Sankt Michael in Falken- berg i. d. Mark, während unsere spanischen Gäste in der staatlichen Bildungsanstalt in Potsdam betreut werden. Anerkennenswerter- weise haben die Gemeinden Falkenberg, Freienwalde, Hohenlychen, Potsdam, Brandenburg und Woltersdorf der Arbeit der ko- nationalen Erziehung ein ebenso reges Interesse entgegengebracht wie die Städte der französischen und spanischen Provinzen. Für Deutschland stand die Berliner Schulbehörde beim Werke der Ferienschule Pate, aber bisher haben auch die Reichsbehörden und vor allem die preußische Kulturoerwallung dem übernationalen Werke lebhaftes Interesse entgegengebracht. Aus den vielen ehe- maiigen Schülern und aus der Elternschaft heraus enftland vor ungefähr zwei Jahren die Gesellschaft für konationoie Erziehung, die sich zum Ziel setzte, für das über die Grenzen hinaus gültige Werk als einem Zweig der allgemeinen Schulerziehung stützend und fördernd einzutreten. Krankenkassenangestellte in der Eisernen Front. Die Krankenkassenangestellten Berlins bekundeten in einer von ca. 1200 Personen besuchten Versammlung im Gewerkschastshaus ihre Verbundenheit für die Eiserne Front. Genosse Brenks vom Verbandsvorstand des ZdA. wies die gegen die Kasscnangestellten von Naziseite erhobenen Vorwürfe energisch zurück. Den von der Junkerregierung gemachten Ausfällen gegen die S o z i a l v e r- f i ch e r u n g stellte er an Hand eines ausführlichen Zahlenmaterials eine Schilderung der wirklichen Verhältnisse entgegen. Die Versamm- lung bekräftigte die Aufforderung des Kollegen Schmolinsky, nur Versammlungen zu besuchen, die der ZdA. und die Eiserne Front einberufen. Ebenso beifällig wie die Darlegungen der beiden ersten Redner wurden auch die Aeußerungen des Genossen R ü d i- g e r aufgenommen, der die Anwesenden aufforderte, bei jeder Ge- legenheit das Abzeichen der Eisernen Front zu zeigen und für deren finanzielle Stärkung zu sorgen. Deutsch-amerikanische Sänger in Berlin. Gelegentlich ihres Aufenthaltes in Berlin wurde die Reise- gesellschaft des deutsch-amerikanischen Brooklyner Sängervereins „A r i o n" namens der Vereinigung Karl Schurz durch Dr. Draeger begrüßt, der in einer Ansprache die Schwierigkeiten aufzeigte, unter denen Deutschland und in besonders starkem Maße die deutsche Jugend leidet. Wenn nicht mit dem absoluten Willen, wirkliche Aus- bauarbeit zu leisten, von allen Völkern gemeinsam an die Be- kämpfung der Ursachen der wirtschaftlichen Weltkrise herangegangen würde, könne eine Besserung nicht kommen. Für Deutschland und Amerika lägen keinerlei Hinderungsgründe für eine solche auf- bauende vertrauensvolle Zusammenarbeit vor, zumal die Bürger deutscher Abstammung eine wertvolle Brück« dar- stellen könnten. Dr. S e y f a r t h dankte als Führer der Reise- gesellschaft für diesen Gruß. heule Sommerschau-Kinderfesl bei jeder Witterung. Dos Sonn- tag, 3. Juli, um 14 Uhr beginnende große Kinderfest auf der Berliner Sommerschau wird auch bei ungünstiger Witterung statt- finden. Für die Veranstaltung steht im Regenfall die große als Festhalle hergerichtste Halle IV zur Verfügung. Die Kinderwett- bewerbe werden— natürlich nur bei ungünstiger Witterung— nicht im Funkturmgarten, sondern in der gedeckten über 600 Meter langen Pergola stattfinden. WOTHkidl Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstr. Rosenthaler Str. Moritzplatz In dieser Woche Wasch vvaatn- IfoäSS Kunstseide bedruckt. Meter 61 bedruckt, Meter Woll- Musselin bedruckt, viele Muster, 80 cm br. Kunstseide bedruckt, elegante Agfa-Travis- Qualität, licht-, luft- u. waschecht Pf. Pf. Bastseide reine Seide, naturfarbig, Meter Crepe Frisia Seide mit Kunstseide, für Sport u. Reise, Meter Marocain bedruckt, gute Kunstseide, moderne Muster, Meter txtfui'pxeise 1.25 1.45 2.25 3.35 5.90 V__ I——-J verschiedene I CS C£ Ii 0 MI Cl Ausführungen jj � Taghemd j Handstickerei u. echte Klöppel-Spitze■ ex 9 Nachthemd mit Handstickerei und echter% Klöppel-Spitze, dazu passend ��e9\x Strand- Anzug ac blau Batist, mit Garnitur#09 Mädchenhemd CO- mit Stickerei, 40 cm Pfm Knabenhemd CK, halsfrei, 40 cm Trenchcoat»r Knabe» mode od. blau, für ca. 2-14 J., f. ca. 2 J. (Jede weitere Größe 60 Pf. mehr) Lodenmantel«N>. oliv Strichloden, f. ca. 2-14 J., f. ca. 2 J. 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Kräuselstoff, Länge 60 bis HO cm Länge 60 cm Badekoffer Duc, abwaschbar, 45 cm 3.90, 42 cm 3.50, 39 cm Hutschachtel für Damenhüte, Duc, mit Traggriff, 40 cm 3.90, 35 cm Handkoffer 4.90 8.75 2.60 2.85 3.50 Auto-Duc, mit Vulcan-Ecken, Ledergriff, mr�k 1? 75 cm 7.90, 70 cm 7.25, 65 cm Ein Posten Damen-Kostüme ye SO 29 39 gute Qualitäten/ moderne Ausführungen, ganz gefüttert» � M M Nr. 309- 49. Jahrgang U« ��0 Sonntag, Z. Juli 1932 rise der Handelspolitik. Oer Krieg zwischen Gläubiger- und Gchuldnerländern muß liquidiert werden. Die R e i ch s k r e d i t ST-®. hat für Ende Juni wieder ihren herkömmlichen Halbjahresbericht veröffentlicht. Im Anhang des Berichtes befindet sich eine Tabelle. In dieser Tabelle werden 45 Welthandelsländer aufgeführt— die Statistik kennt im ganzen 48—, die im Laufe eines Jahres nicht weniger als rund 200 gesetzliche Maßnahmen mit behördlichen Einfuhr- regelungen, einseitigen Zollerhöhungen, Währungsoeränderungen, Devisensperren und Beschäftigungsoerboten veranlaßt haben. In dem vorigen Halbjahrsbericht der Reichskredit A.-G. zum Jahresende 1031 war von dem zwischen den Gläubiger- und Schuldnerländern aus- gebrochenen Kriege die Rede gewesen, dessen Inhalt diese phantasti- schen Störungen des Weltverkehrs darstellen. In dem neuen Halb- jahrsbericht wird die Liquidation dieses Krieges gefordert, und die Wege werden dazu aufgewiesen. Die Bedeutung dieses Berichtes liegt darin, daß der tiefe Sinn der gegenwärtigen Weltkrise der Handelspolitik aufgezeigt wird. Die zerstörenden Wirkungen dieser Krise seien schon so groß, daß ein wirklicher Abbau der Handelshemmnisse kaum anders als durch eine weitgehende Abschreibung der internationalen Kapitaleanlagen möglich sei. Wie die einzelnen Volkswirtschaften nur durch ehrliche Realisierung der bereits eingetretenen privatwirtschaftlichen Verluste wieder vor- wärts kommen könnten, so wird auch für die ganze Weltwirtschaft die Realisierung der effektiven Verluste zwischen den Gläubiger- und Schuldnerländern gefordert. In dem Bericht heißt es! Die lange Dauer des Gläubiger-Schuldnerkriegs führt mehr und mehr dazu, die Marktfreiheit und den Wettbewerb durch Staatsverhandlungen zu ersetzen oder auch durch einseitige Maßnahmen auszuschalten und damit die Fähigkeit von Schuldnerländern, Zahlungen an das Ausland zu leisten, vom Ergebnis diplomatischer Verhandlungen oder politischer Entschlüsse der Abnehmerländer abhängig zu machen. Die Schuldner- l ä n d e r werden außer st ande gesetzt, die Verantwortung für die künftige Erfüllung ihrer Verpflichtungen zu übernehmen. Je länger die Politik des„Rette sich wer kann" andauere, um so enger ziehen sich die Grenzen, innerhalb deren Zahlungen an das Ausland geleistet werden können, am so geringer wird der Werl der Kapitalanlagen im Ausland. In dem Kapttel über den Außenhandel wird über Deutsch» land gesagt: Mtt dem Uebergang vom System des Wettbewerb« im welt- wirtschaftlichen Verkehr zum System diplomatischer Verhandlungen oevsiegte eine der stärksten Quellen, aus denen Deutschland in den vergangenen Jahren schöpfte, um seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Auslande zu erfüllen, schwand die Reserve dahin, die Sicherheit bot, daß Deutschland seine unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten aufgenommenen Verpflichtungen auch fernerhin würde erfüllen können. In dem Kapitel über den Kapitalmarkt heißt es über die Praxis und das Ziel der auch international notwendigen Bereinigung: In erster Linie ist es notwendig, den von der Rückzahlung kurzfristiger Verpflichtungen ausgehenden Druck zu mildern und diese in einer Höh«, die der Fähigkeit der Schuldner- länder zu Zahlungen an das Ausland angepaßt ist, zu k o n s o l i» d i e r e n(langfristig zu machen). Man könne den Gläubigern eine Ablösung durch den Kapitalmarkt erleichtern und Einrichtungen schaffen, um die Schulden marktfähiger und ablösbarer zu machen, als sie es jetzt find. Neben der Konsolidierung der kurz- friftigen Schulden könne auch eine Anpassung der aus den lang» fristigen Verbindlichkeiten herrührenden Iahresverpflichtungen not- wendig sein. Jede Regelung aber müsse zum Ziel« haben, die jährliche Leistung der Schuldner der Möglichkeit, internationale Zah- lungsmittel zu erwerben, anzupassen. Nur so könne die Gefahr von Kapitalabziehungen außerhalb der laufenden Tilgungen und damit eine zweite Katastrophe in den internationalen Schulden- und Handelsbeziehungen vermieden werden. Erst dann auch dürften die verhängnisvollen Beschränkungen aufgehoben werden, die dem Zahlungs- und Handelsverkehr von den Schuldner- wie von den Gläubigerländern in der Abwehr gegenseitiger Bedrohung auferlegt worden sind. Freilich würde jede Anpassung der kommerziellen internationalen Schuldoerhältnisse an die veränderte Leistungsfähigkeit der Schuldnerländer unvollkommen und ohne Bestand sein, wenn nicht zuvor der Streit um die Reparationen aus der Welt geschafft und die Reparationszahlungen beseitigt würden. Zu den Versuchen, in fast allen großen Ländern durch Kredit- ausweitungen die Krtsenlösung zu fördern, nimmt der Bericht in bemerkenswert skeptischer Weise Stellung: Die Mitwirkung der Banken bei der großen Volkswirtschaft- lichen Aufgabe, die Beschäftigung zu erhöhen, hänge von dem Vertrauen der Kapitalbesitzer zu den Banken ab. Die Banken können die von ihnen auszuleihenden Kapitalien vermehren, wenn ste die Anziehungskraft, die sie auf die Kapitalien ausüben, erhöhen. Jedes Verlangen nach einer allgemeinen Krediterweiterung, die zum Maßstäbe nicht die Güte der Ausleihungen und die Fruchtbarkeit der ausgeliehenen Kapitalien habe, wecke bei den Bankeinlegern Besorgnis für ihre den Banken anvertrauten Kapitalien und führe schließlich statt zur Kreditausweitung in Wirklichkeit zur Kredit. einschränkung. In dem den Bericht abschließenden Ausblick heißt es: Je länger die Anpassung hinausgeschoben wird, um so teurer werde für alle Beteiligten der Preis der Anpassung. Die Entwick- lung des Außenhandels der meisten Schuldnerländer zeige die Ge> fahren an, die aus der Hinausschiebung der unvermeidlichen Cnt» lastung den ausländischen Kapitalanlagen in allen Schuldncrländern entstehen.„Entweder wird ein Weg gefunden, der die An- passung des deutschen Ausfuhrüberschusses an die für die Erfüllung der deutschen Auslandsverpflichtungen notwendige Größe gestattet, oder es muß«in Weg gesucht werden, der diese Verpflichtungen dem zu Zahlungen an das Ausland verfüg» baren Ueberschuß anpaßt... Zugleich wird, sowohl um die Zu- sammenarbeit innerhalb der eigenen Volkswirtschaft zu erleichtern als auch um die Voraussetzungen einer Konsolidierung kurzfristiger Verbindlichkeiten und einer Anpassung der ausländischen Zahlung;- Verpflichtungen an die Zahlungsmöglichkeiten zu schaffen, eine Aus- einandersetzung zwischen inländischen Gläubi- gern und inländischen Schuldnern vielfach notwendig werden." *- Soweit der Mechanismus des kapitalistischen Systems noch wirksam ist oder wieder wirksam wird, zeigt der Bericht sicher den wahrscheinlichen und auch wünschbaren Weg der Entwicklung. In der Tat ist die gegenseitige Absperrung der Völker so teuer, daß das in der Weltwirtschaft angelegte Kapital als Folge der Absperrung schwere Verluste wird tragen müssen. Aber in der inneren Politik der Staaten gehen schon jetzt die schwersten Kämpfe darum, wer die verlustreichen Folgen aus diesem Weltunfug tragen soll, und es ist eben das zu lösende Problem, ob überhaupt der kapitalistische Mechanismus wieder zu normaler Aunklion kommen kann. Das gilt besonders für Deutschland, wo der Staat, d. h. der Steuerzahler, schon die allerschwersten Privatwirtschaft- lichen Verluste übernehmen und die ungewollte Herrschaft über Banken, Schiffahrt und Schwerindustrie antreten mußte. An der ganz großen und. wie wir glauben, heute tatsächlich mindestens in Deutschland gestellten Frage, wie das Wirtschaftsleben ohne grundlegenden Umbau von der privat- zur sozialwirtschaftlichen Initiative noch aufrecht- erhalten werden soll, gehen die Ueberlegungen der Reichs- kredit A.-G. vorbei, und darin beruht ihr sehr großer Mangel. Es fehli nur Arbeit! Geld ist genug da/ Der Neichsbankausweis von EndeIyni Der Reichsbankausweis vom 30. Juni zeigt von neuem die groß« in Deutschland herrschende Geldslüssigkeit. Trotz des Halb- jahrs-Ultimos war die Inanspruchnahme der Reichs- bank sehr gering. Die Wechselbestände stiegen um 231,8 auf 3100,4, die Lombarddarlehen um 158,8 auf 261,3 Mill. M. Die Reichsschatzwechselbestände blieben fast unverändert. Die unverzinslichen Gelder auf Gironkonto nahmen sogar um 72,3 auf 472,7 Mill. M. zu. Der Notenumlauf stieg entsprechend um 267,3 auf 3984,2 Mill. M., der an Rentenbankscheinen um 14,3 auf 411,6 Mil- lionen M. Die Deoisenbilanz blieb auch in der vergangenen Woche im Gleichgewicht. Die Goldbestände vermehrten sich um 8,8 aus 832,2 Mill. M., die deikungsfähigen Devisen nahmen um 8L auf 129,7 Mill. M. ab. Die umlausenden Noten zum Juniende zu 24,1 gegen 2Z,9 Proz. in der Vorwoche gedeckt. Neue Zollerhöhungen. Auf Schweineschmalz und Speck! Der Rcichsernährungsminister Freiherr von Braun hat auf Grund der allgemeinen zollpolitischen Ermächtigung der Regierung die bisher geltenden niedrigeren Z w i s ch e n z ö l l e auf Schweineschmalz und Speck aufgehoben. Es gelten jetzt die Sätze des deutsch-schwedischen Handelsvertrages, womit eine Erhöhung des Zollsatzes bei Schmalz von 6 auf 10 und bei Speck von 14 auf 20 Mark je Doppelzentner verknüpft ist. In der amtlichen Mit- teilung wird folgende Begründung gegeben:„Ausgehend von dem entschlossenen Willen, die katastrophale Lage der bäuerlichen Veredelungswirtschaft erträglich zu gestalten und damit den wichtig- sten Faktor des auch für die Industrie unentbehrlichen und ent- scheidenden Vinnenmarktes wieder zu stärken, hat die Reichsregierung als ersten Schritt die sofortige Aufhebung der Zwischenzölle für Speck und Schmolz beschlossen." Diese Maßnahme des von den Agrariern eingesetzten Adels- kabinetts ist keine U e b e r r a f ch u n g. Es wäre freilich eine Ueberrafchung gewesen, wenn sie ein Ausfluh wirtschaftlicher Weis- h e i t wäre. Das kann sie ober nicht sein, und jedes Wort der den Zollerhöhungen gegebenen Begründung ist falsch. Gerade in diesen Tagen ist in den„Blättern für landwirtschaft- liche Marktforschung" in der sehr sachverständigen Arbeit von Dr. Hanau nachgewiesen worden, daß angesichts der jetzigen und bekanntlich ja noch rückgängigen Einkommensverhältniff« der Massen m Deutschland auch die vollkommenste agrarische Diktatur unfähig wäre, auf einem anderen Weg als dem der Stärkung der Massen- kaufkraft die Preisoerhältnisse für Veredlungsprodukt« zu verbessern. Mit diesen Zollerhöhungen täuscht die Regierung der Barone also die Landwirtschaft selbst. Die einzige Folg« kann sein, daß besonders bei Schweineschmalz eine Verteuerung der billigsten amerikanischen Sorten eintritt. Wer davon einen Mehrverbrauch der teueren inländischen Sorten erwartet, der irrt sich. Freilich wird auch sicher das Ziel verfolgt, die Tendenz der allmählich sichtbar werdenden Besserung der Schweine. preise zu verstärken. Aber allmählich weiß jedes Kind in Deutschland, daß die zu erwartende allmähliche Steigerung der Schweinepreise nur mit der geringeren Aufzucht zusammenhängt, die tatsächlich jetzt festzustellen ist. Bei noch sinkenden Einkommens- Verhältnissen der Massen aber diese natürlichen Tendenzen gewaltsam verstärken zu wollen, kann nur eine Einschränkung des Schweine- flcischvcrbrauchs zur Folge haben, womit auch die Erlöse der Land- Wirtschaft sich nicht erhöhen können. Dieselbe Regierung hat aber die Erlöse eben noch durch die Erhöhung des Maispreises verkümmert! So bleibt auch hier nur eine neue Schädigung des Exporte und eine neue Verschärfung de« sozia- len Elends übrig. Bon den 82000 Doppelzentnern Speck im Werte von nur 5 Millionen Mark, die in den ersten fünf Monaten dieses Jahres nach Deutschland eingeführt worden sind, kamen nicht weniger als 77 000 Doppelzentner aus Holland, dem besten Ab- nehmer unserer industriellen Produkte. Um dieser 5 Millionen Mark willen wird von neuem der für die Beschäftigung der beut- schen Arbeiterschaft so wichtig« holländische Exportmarkt in Gesahr gebracht. Was kostete Katzenellenbogen? Oer Gchultheiß-Konzern schreibt nicht weniger als 85 Millionen ab. Die Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei A.-G.. Berlin, legt jetzt ihre Sanierungsbilanz vom 31. August 1931 und den Bericht für das Geschäftsjahr vom 1. September 1930 bis 31. August 1931 vor. Diese Bilanz ist die erste, die die Gesamt- Ziffern der fusionierten Unternehmungen Ostwerke und Schult- heiß-Patzenhofer enthält; sie weist zugleich die Kosten für die spekulative Aera Katzenellenbogen mit Abschreibungen in Höhe von 8S Millionen Mark aus. Daß diese Aera das glänzendste Brauerei- unternehmen Deutschlands all ihrer gewaltigen Reserven beraubt hat, ist bekannt; daß darüber hinaus die Aktionäre auf zwei Fünftel ihres Kapitalanspruchs oder auf insgesamt 19,6 Mil- lionen Mark verzichten müssen, hatten wir bereits am 16. Juni mitgeteilt. Dabei hat das Brauereigeschäft trotz des Absatzrllck- ganges um 22,7 Proz.— der Rückgang entspricht etwa den der anderen Brauereien—, einen Ueberschuß von 9,2 Millionen Mark (im Vorjahr 10,4 Millionen) gebracht, freilich unter Ermäßigung der ordentlichen Abschreibungen von 7,1 auf 2,7 Millionen Mark. Eine Dividende von IS Proz. hätte man also auch unter normalen Umständen nicht verteilen können. Durch die Einnahmen und B e- teiligungen in Höhe von 2,3 Millionen Park erhöhte sich der Gesamtüberschuß auf fast 12 Millionen Mark. Das ist der erste Posten, der für Abschreibungen zur Ver- fügung stand. Aus der Herabsetzung des umlaufenden Kapitals im Verhältnis S zu 3 ergibt sich ein B u ch g e w i n n von 19,6 Mil- lionen Mark. Ein weiterer Buchgewinn von 8 Millionen Mark ent- steht dadurch, daß die Banken für einen Teil ihrer Forderungen aus den Aktienankäufen Genußscheine übernehmen, die mit 6 Proz. zu verzinsen sind. Stille Reserven standen in Höhe von 20,0 Millionen Mark zur Verfügung, ferner der Buchgewinn aus der Fusion mit 20,8 Mllionen Mark. Schließlich wurden der gesetzlichen Reserve 3,0 Millionen Mark entnommen. Diese Posten zusammen ergaben Einnahmen von 85,5 Millionen Mark, die völlig für außerordentliche Abschreibungen draufge- gangen sind. Und nun die Abschreibungen selbst: Katzenellen- bogen hatte bekanntlich 14,6 Millionen Mark Schultheiß-Aktien von den verschiedenen Banken für 41,4 Millionen Mark a n- kaufen lassen. Der Verlust aus diesem„Geschäft" beträgt 26,8 Millionen Mark, der sich durch den Buchgewinn aus Aktien» rückkauf auf 22,6 Millionen Mark ermäßigt. Zu diesem Posten kommen Abschreibungen auf Beteiligungen, Wert- papiere, Forderungen in Höhe von 62,8 Millionen Mark— macht zusammen 85,4 Millionen Mark. Die Zusammensetzung des zweiten Abschreibungspostens (62,8 Millionen) ist nicht uninteresiant: die Beteiligungen er» scheinen in der Bilanz nur noch mit 26,4 Millionen Mark— die Abschreibungen auf diesen Posten aber betragen 28,1 Millionen Mark. Davon entfallen auf frühere Ostwerkebeteiligungen 15,4 Mil- lionen Mark, auf ftüher« Schultheiß-Beteiligungen 6,85 Millionen (fast ausschließlich Kahlbaum) und auf verschieden« G. m. b. H. SB Millionen Mark. Viel grotesker erscheint das Konto Wert- papiere. Zn der Bilanz ist es mil OL Millionen Mark bewerlel, abgeschrieben aber wurden rund IS Millionen Mark, die im wesentlichen aus die famose holländische Tochtergesellschaft Jlufria zu rechnen sind. Und die Forderungen gegen Konzerngesellschasten er- scheinen in der Bilanz mit 3,9 Millionen Mark, nach Abschrei- bungen von 15 Millionen Mark auf zwei Spritgesell- schaften Katzenellenbogens und die Effekten-Konsortium G� m. b. H. Zurückgestellt wurde für Verluste, die erst im nächsten Ge- schästsjohr zu verrechnen sind, ein Betrag von 2,1 Millionen Mark. In der Bilanz erscheint das Aktienkapital mit 41,4 (früher 75) Millionen Mark Stammaktien und 15 Millionen Mark Vorzugsaktien. Auf diese haben die Banken noch einen Betrag von 11,25 Millionen Mark zu zahlen. Der Reservefonds von 5,64 Millionen Mark macht 10 Proz. des Kapitals aus. Unter den Schulden sind die bei Brauereien stets bedeutenden Guthaben der Kunden von 29,2 auf 24,9 Millionen Mark, die Guthaben der A n g e st e l l t e n von 5,9 auf 5,3 Millionen Mark zurückge- gangen; im laufenden Jahre sind weitere erhebliche Guthabend«- träge abgezogen worden. Reben einem Pfundkredit von 10.2 Mil- lionen Mark erscheinen Bankschulden von 35,3 Millionen Mark, die sich im laufenden Jahre bereits auf 26,9 Millionen Mark ermäßigt haben und im wesentlichen die Restschulden auf Katzenellenbogens Aktienkäufe darstellen. Die verschiedenen Wohl- fahrtsfonds haben sich auf 3,9 Millionen Mark ermäßigt, da sie stärker durch Pensionierungen von Arbeitern und Beamten be- ansprucht wurden. Auf der Aktivseite sind sämtliche Anlagen mit 68,85 Mil- lionen Mark, darunter Grundstücke und Gebäude mit 54,4 Millionen Mark bewertet. Die Vorräte enthalten keine st i l l e n Reserven mehr; sie sind deshalb mit 13,7 Millionen Mark viel h ö h e r als im Borjahre(5,9 Millionen Mark) ausgewiesen. Darlehen betragen 16,9 Millionen Mark, Forderungen insgesamt 10,0 Millionen Mark, Kasse und Bankguthaben 8,4 Millionen Mark. Man darf gespannt sein, ob mit diesen gewaltigen Abschreibun- gen die Werte soweit ermäßigt worden sind, daß das Unter- nehmen wieder rentabel arbeitet. Der Abfotzrückgong in den ab- gelaufenen zehn Monaten des Geschäftsjahres hat sich fortge- setzt, trotz der Biersteuer- und Bierpreissenkung. Die Verwaltung bekennt sich jetzt auch zu der Ansicht, daß nur eine Besserung der Konjunktur den Bierabsatz heben kann. Oer Kugellager-Erfinder gestorben. In Echweinfurt ist gestern der Fabrikant und Sportsmann Ernst Sachs, Geheunrat und Ehrendoktor, mit 65 Jahren gestorben. Er war der Begründer der Kugellagerfabrik Fichtel u. Sachs und vor allem der Erfinder des Kugellagers und der Frei- lausnabe für Fahrräder. Er hatte sein« Eltern sich nicht aus- gesucht, lernt« als Feinmechaniker und begründete mit seinem Sozius Fichtel und 2 Gesellen die erste Kugellagerfabrik der Weit in Schweinfurt, in der 8000 Mann beschäftigt waren, als schließlich im Jahr« 1929 mit der ganzen dentschen Kugellagerindustrie auch die Schweinfurter Kugellagerfabrik in dem bekannten schwedischen Trust aufging. Seine Erfindung blieb bis zuletzt sein« Leidenschast. 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Ebertystr. 18 Beutsdiei Uiariuüer-llgrbaDu Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Anschläger Georg Kassubek geb. 30 September 1884, am 30. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenke«. Die OrtsrerwaUun�. Zeltlendorfer Slrahe S NatargarteR TterparK HlnderbeiustiSungen Theater, Lichtspiele usw. »laatt TUralcr Sonntag, den i. Joll Staatsoper unter den Linden 20 Uhr Wiener Blut SlaalüdmitlbiDs GndaranDuitt LetzteVorstellg. 20 Uhr jeppe vom»erge Schlllef-Theater Charl Ottenburg. Geschlossen 5n.8l5.Stg.2.5.8,6U. Tel: E7 Weldiul M31 Nahe Schles.Bhf. Ein WälZCrträUIIl PtÄZA yoiüsbültne Theater am BOIewalatr 3V. und 8". Uhr Geld ohne Arhell Komödie von Alberto Colantuoni Bearbeitet von R. A. Stemmle Regie: Gönthcr Stark I Kling-IlieatBr Täglich SV. Uhr Madonna wo blsl Dn? Erika v. Thellmann. Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn Rose- IHeater jnSe Frnktirtir Stnat lZZ Iii. 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In Versammlungen unb ähnlichen dem Stimmenfang dienenden Schaustellungen wird von den Naziagitatoren zwar oft bestritten, daß ihre„Fuhrer" nicht Mussolini kopieren, sondern einen ganz urwüchsigen.�deutschen nationalen Sozialismus" verwirklichen wollen; diese Beteuerungen stehen aber im schärfsten Gegensatz zu dem, was die Osafs und ihr Oberosaf Hitler von ihrer Bewegung gesagt haben. Der Ueberläufer Otto Straß er berichtet in seiner Schrift „Ministersessel oder Revolution" über ein Gespräch mit Hitler am 22. Mai 1930, in dessen Verlauf Hitler zu ihm sagte: „wir haben ja ein Vorbild, das wir ohne weiteres annehmen können, den Faschismus. Genau so, wie die Faschisten dies bereits durchgeführt haben, werden auch in unserem nationalsozialistischen Staat Unternehmertum und Arbeiterschaft gleichberechtigt nebeneinander stehen, während der starke Staat bei Streitigkeiten die Entscheidung fällt und dafür sorgt, daß nicht Wirtschaftskämpfe das Leben der Nation gefährden." Wie es mit den Rechten der Arbeiterschaft in dem zum„Bor- bild" erwählte» Staat Italien aussieht, dafür liefert der winder- Heilsbericht der Arbeilergruppe aus der lb. Internationalen Arbeitskonseren; in Gens recht aufschlußreiches Material. Dieser Minder- Heilsbericht wurde vorgelegt, nachdem gegen die Stimmen der Arbeitergruppe der Beschluß gesaßt worden war, daß der„Ar- beiteroertreter" Italiens von der sogenannten Vorschlags- kommission in eine oder mehrere Kommissionen delegiert werden kann, wenn er, was bisher infolge des Protestes der Arbeitergruppe immer der Fall war, in keine Kommission gewählt wurde. lieber diese zwangsweise aufgedrängte Mitarbeit des Faschisten ist allerdings noch nicht das letzte Wort gesprochen, da der Friedens- vertrag ausdrücklich die Anerkennung des Grundsahes der Gewerkschastssreiheit vorsieht. Diese Gewerkschaftsfreiheit gibt es aber in Italien nicht. In Italien sind die Arbetterzwangsorganisationcn, Syndi- kate genannt, weiter nichts als die ausführenden Organe des Staates bzw. der Partei. Die Funktionärposten in der Gewerkschaft werden ausschließlich mit Sekretären besetzt, die von der Regierung ernannt werden. Die Gewerkschaftssekretäre sind also nur Per- trauensleute der Regierung, nicht aber Vertrauensleute der Arbeiterschaft. In dem Minderheitsbericht der Arbeitergruppe auf der 16. Internationalen Arbeitskonferenz ist zum Beweise dieser Be- hauptung eine Fülle von Tatsachenmaterial zusammengetragen, das gerade jetzt Beachtung verdient. So hat z. B. der italienische Justiz- minister R o c c o. der Urheber der faschistischen Gewerkschaftsgesetz- gebung, im Jahre 1931 bei einem Vortrag über das Korporations- wesen an der Bocconi-Universität in Mailand erklärt, daß das faschistische Regime die Gewerkschaftsbewegung in den Staat eingebaut und diese Bewegung, die früher international und„eine soziale Gefahr" gewesen sei, zu einer„nationalen" um- gewandelt. Der Präsident des obersten Gerichtshofes, der höchste italienische Richter, Senator Silvio L o n g h i, gab in einer Rede, die er am 7 Januar 1932 anläßlich des Beginns des neuen Gerichtsjahrs hielt, folgende Erklärung ab: „Die staatlich anerkannte Gewerkschaft führt nicht den Willen einer Klasse aus. sie ist keine politische Vertretung. sondern sie ist nur ein Exekutivorgan des Staates, der die Gewerkschaft aus vielen Gründen, die in ihm selbst liegen, be- nützt." Der Wirtschafts- und Korporationsminister Bottai gab noch viel deutlicher die staatliche Abhängigkeit und Unterwürfigkeit der faschistischen Gewerkschaften in einer Rede am 31. August 1931 in Rom zu. indem er erklärte: „Die Gewerkschaftsbewegung dient dem Staat als ein politisches Instrument; sie ist Mittel faschistischer Politik, und wenn ich erkläre, daß die korporativen Verbände politische Per- bände seien, so meine ich damit selbstverständlich nicht, daß diese politischen Verbände etwa etwas anderes wären als diejenigen, die von der faschistischen Partei geleitet werden. Die Gewerkschafts- bewegung ist ein manövrierender Flügel der Partei." Der Minderheitsbericht der Arbeitergruppe erinnert auch noch einmal an den„Ukas" des faschistischen Regimes vom vorigen Jahr, durch den die öffentlichen Angestellten, Professoren, Lehrer und Ar- beiter der Staatsbetriebe aller gewerkschaftlichen Rechte beraubt wurden, indem man deren Gewerkschaften in Organisationen um- wandelte, die direkt dem Parteisekretariat unterstellt wurden, damit das„kulturelle, moralische und physische Wohl" so- wie die Bildung des„faschistischen Bewußtseins" gefördert wird. Wie„selbständig" die Gewerkschaften in Italien sind, ging auch aus einem Artikel der faschistischen Zeitung„Jl Lavoro" vom 12. März 1932 hervor, in dem dieser„Utas" kommentiert wurde und der die alles sagende Ueberschrift trug:„Auf Befehl der Partei." Für die Knebelung der Wahlfreiheit der italienischen Ardeiter in„ihren" Gewerkschaften führt der Minderheitsbericht noch eine ganze Anzahl anderer Beweise an, darunter einige Veröffentlichun- gen der faschistischen Partei, also amtliches Material. So schrieb z. B. das Pressebüro der faschistischen Partei einmal: „Der Parteisekretär hat Ferdinand N e g r i n i, den Sekretär des Nationalen Faschistischen Verbandes der Angestellten in Staatsbetrieben, entlassen und Bramante C u c i n i, Mit- glied des Parlaments, zum außerordentlichen Kommissär ernannt." Am 6. Januar 1932 veröffentlichte der Sekretär der faschistischen Partei, Achille S t a r a c e, eine Erklärung, in der er in bezug aus die Gewerkschaftsführer ankündigte, daß er„nach Erhalt von Be- fehlen des Duce darangehen wolle, eine durchgreifende Veränderung im Personenstande durchzuführen, welche von den verantwortlichen Personen(das sind die Tonangeber in der faschistischen Partei) als für das Wohl der Bewegung unerläßlich erachtet werde." Genau solche„Gewerkschaften" würde irgendeine Figur Hitlers nach dem Anbruch der„Dritten Reichs" bei uns in Deutsch- lond aufziehen, damit einige Tausende von nationalsozialistischen Bonzenanwärtern versorgt werden können. Was die Kommunistische Partei bisher vergeblich versucht hat, nämlich aus den freien Ge- werkschaften eine Filiale ihrer Partei zu machen, würde im„Dritte» Reich" mit Hilfe der staatlichen Machtmittel sehr bald durchgeführt sein, natürlich im Sinne des Oberstkommandierenden der SA. Die freiheitliche deutsche Arbeitnehmerschast wird durch ihre Stimmabgabe am 31. Iuli mit dafür sorgen, daß unsere Gewerkschaftsbewegung nicht eine Beute der braunen Truppen der obge- takelten Prinzen, Generäle und ähnlicher„geborener Arbeiter- und Gewerkschaftsführer" wird! »VK U-Bahn- Verkehr und-Unterhaltung tritt geschlossen zur Lustgarten-Demonstration • in Dienstkleidung in der Hornstraße an. „Sozialpolitik." Wie Hilgenberg sie auffaßt. Wir wollen hier mit all denen nicht streiten, die Herrn Huge.v berg nicht für einen Politiker halten, sondern nur feststellen, daß er sich selber nicht für einen Sozialpolitiker hält. Da Herr Hugen» berg nun aber einmal der Führer der Deutschnationalen Volks» partei ist, hat er für sie einen Wahlaufruf veröffentlicht, worin er auch zur Sozialpolitik Stellung nehmen mußte. In dem von ihm proklamierten„Jdeenkampf" des Unternehmertums, kann Herr Hugenberg sein Verhältnis zur Sozialpolitik natürlich nur als schärffter, grundsätzlicher Gegner der Sozialpolitik finden. Dies unverblümt, klar unid deutlich zu bekennen, das wäre selbst für einen Wahlaufruf der Deutschnationalen nicht empfehlens» wert. Deshalb schreibt der E r b m o n a r ch i st Hugenberg: „Sozial ist, wer Arbeit schafft, wirkliche Sozialpolitik ist nur gegen den Sozialismus zu machen." Wer Arbeit schafft? Nun, das kapitalistisch« System hat die Arbeit zu einem großen Teil abgeschafft. Das ganze stillegende Unternehmertum ist demnach unsozial. Das ist durchaus zutreffend, auch wenn man diesen Hugenberg-Maß- stab nicht gelten lassen kann. Sozialpolitik aber gegen den Sozialismus zu machen, das ist Spiegelfechterei. Wer wirkliche Sozialpolitik betreiben will, kann es nur m i t dem Sozialismus tun. Wer je- doch Hugenberg-Sozialpolitik machen will, der kann sie freilich nur gegen den Sozialismus machen. Was dabei herauskommt, ist das schroffste Gegenteil von Sozialpolitik, im besten Falle elendes P f u s ch w c r k. ,. Herr Hugenberg hat nicht einmal von Bismarck in diesem Punkte gelernt. Am 31. Juli müssen wir mit dafür sorgen, daß Herr Hugen- berg und seinesgleichen nicht ist die Verlegenheit kommt„Sozial- Politik zu machen." Arbeiisbefchaffungsprogramm. Auch vom Landgemeindetag gefordert. Der Gesamtoorftand des Deutschen Landgemeindetages faßte in seiner Sitzung am 2. Iuli in Koblenz eine Entschließung, die u. a. besagt: „Eine wirksame Bekämpfung der aus der Arbeitslosigkeit ent- stehenden Hilfsbedürftigkeit kann niemals durch die Arbeitslosen- fllrsorge, sondern nur durch eine möglichst weitgehende Arbeitsbeschassung stattfinden, bei der zahlreiche Arbeitslose zu vollem Lohne Be- schäftigung finden und damit zu einer Belebung der Wirtschaft bei- tragen. Die Arbeitsbeschaffung muß von der Reichsregierung im Benehmen mit den kommunalen Spitzenverbänden schnellstens plan- mäßig vorbereitet und— nötigenfalls durch neue Wege der Kredit- befchaffung— in Angriff genommen werden. Wenn es nicht ge- lingt, einen erheblichen Teil der über 5 Millionen Arbeitslosen wieder in den Arbeitsprozeß zurückzuführen und dadurch das Unter- stützungswesen erheblich einzuschränken, wird der jetzt bei einer Reihe von Gemeinden bereits eingetretene Zusammenbruch allge- mein werden." Die Entschließung wendet sich dann gegen die Forderung des Landkreistages,„die Landkreise zum Unterbau der Reichs- und Staatsverwaltung auf dem Lande auszugestalten", als unzweck- mäßig und mit der deutschen Selbstverwaltung unvereinbar. „Eine richtig aufgebaute, den Erfordernissen einer klaren und sparsamen Wirtschaft entsprechende Verwaltungsreform kann und darf nur dahin gehen, die deutschen Gemeinden als Urzellen des Staates und der Selbstverwaltung zu erhalten und zu stärken, die Gemeindeverbände jedoch auf ihre ursprünglichen Auf- gaben zu beschränken." Von der siebenien Woche ab... Was bekommt der„Hilfsbedürftige" tatsächlich? Pompös verkündet der Reichsarbeitsminister in seiner Ver- ordnung über die Unterstützungssätze in der Arbeitslosenversicherung, daß nach der Aussteuerung aus der versicherungsmäßigen Arbeits- lofenunterstützung, also nach 6 Wochen Bezugszeit, dieselben Unterstützungssätze bei Hilfsbedürftigen in Kraft bleiben wie in der Versicherung. Allerdings nunmehr als Höchstsätze. Der Laie mag glauben, daß damit auch„die Hilfsbedürf- t i g e n" zwischen 4,50 und 27,90 M. wöchentlich bekommen werden. Für den Fachmann kommt ein solcher Glaube gar nicht in Frage. Vach der Arbeitslosenunlerslühung für 36 Tage bekommen alle Arbeitslosen nur noch die stark verkürzten wohlsahrtssöhe und das sind fast immer nur— Pfennige. In der letzten Nummer der„Gewerkschaftszeitung" des ADGB. wird festgehalten, daß die in jedem Falle von der siebenten Wache ob maßgeblichen Wohlsahrtssätze vor der Kürzung durch die letzte Notverordnung in 48 Großstädten betragen haben: für Einzelpersonen mit eigene in Haushalt: monatlich unter 33 Mark in 13 Großstädten „ 35„„ 3„ 36-37„„13 38—40. 14 „ über 40„, 5, für ein Ehepaar: monatlich unter 50 Mark in 7 Großstädten „ 50—53„„ 9„ 54—56„ 16 57—60.. 10 , über 60,, 6, Kinderzuschläge: monatlich unter 13 Mark in 13 Großstädten 13-14„„ 26 15-16... 7 über 16 ,.„2 Das sind die Ziffern von 48 Großstädten. Man stelle sich nun einmal die der Klein- und Mi t t e l st ä d t e vor, von dem flachen Lande ganz zu schweigen. Bleibt man aber bei diesen Sätzen, ohne Berücksichtigung der Kürzungen, die inzwischen erfolgt sind, so könnte ein Arbeitsloser nach 6 Wochen Unterstützungsbezug und ein Krisenunterstiitzter, wenn er ledig ohne eigenen Haushalt ist, in jedem Falle nie mehr als 5,50 Mark die Woche bekommen. Hat er seinen eigenen Haushalt, steigt der Satz im Höchst- falle auf 8,50 M. Der Höchstsatz von 11,70 M. aus der Tabelle der Arbeitslosenversicherung wird praktisch nie in Frage kommen, da die Bestimmung verlangt, daß für diese Kategorie Arbeitsloser nie mehr gezahlt werden darf als der gemeindliche Richtsatz. Ein Ehepaar mit einem Kind kann im höchstfalle 15.10 711. und nie die auf dem Papier stehenden 17,10 M. bekommen. Umgekehrt begrenzen aber die von der Regierung angeordneten Höchstsätze die Unterstützungshöhe dort, wo die Richtsätze höher liegen, nämlich bei Unterstützten mit vielen unterhaltsberechtigten Familienangehörigen. Dieser Personenkreis stände sich in der ge- meindlichen Fürsorge in vielen Fällen bedeutend besser als nun nach den Höchstsätzen des Herrn Reichsarbeitsministers. Am s ch l e ch t e st e n werden sich die allerärmsten, kinderreichsten Familien aus dem Lande und in der Stadt stehen, wenn der Unter- haltsverpslichtete auch bei Arbeit nur ein sehr geringes Einkommen hatte, denn in den unteren Lohngruppen ist die Abweichung der Höchstsätze von den Richtsätzen am stärksten. Schlecht gespielte Entrüstung. Demagogie der„Einheitsfront"-Macher. Bei unserer sachlichen Kritik der doppelten Abzüge be: den Witwentrenten wiesen wir darauf hin, daß die Rentenempfänger. durchweg alte Leute, bei der kommenden Reichstagswahl durch ihre Stimme für die Liste 1 ihrer Meinung über die Nowerordnungs- Politik des neuen Systems deutlich Ausdruck geben und mithelfen können, diese Notverordnungen zu beseitigen. Die„Rote Fahne" kreischt, wir hätten damit die Natverord- nungsopfer„verhöhnt". Ja, glauben denn die kommunistischen Ionnenheond Leinen Opanke m. bunten Bollenriem., Gummisohle u- Abs. fffeise Opanken in vielen Aus- fünrungen und frohen farbkombinetioiwa...» .Ewheitsfront'-Demagygsn, wir würden die alten Frauen und Manner auffordern, sich zu kommunistischen Demonstra» tionen und Parolen mißbrauchen zu lassen? Der kommunistisch« ,.Cinheitsfront"»Leim ist denn doch zu dick aufgestrichen, als daß vernünftige Menschen damit einzufangen sind. Wir verstehen den Zlerger des Kommunistenblattes darüber, daß„Der Wend" einen besonderen Auswuchs der Notoerordnung gegen die Rentner zuerst aufzeigte, doch wir können ihm nicht helfen. Die Organisation der Arbeitsinvaliden wird samt der sozial- demokratischen Partei alles daran fetzen, die Interessen der Sozial- rentner wirksam zu verfechten. Die„Einheit»sront"-Mach«r können darüber unbesorgt sein. Wir sind darin einig, daß der Kampf notwendig ist zum Sieg. Allein, der kommunistische Krampf ist noch lange nicht Kampf und wenn er sich noch so hysterisch austobt. Immer mehr Wohlsahrtserwerbslose. Auch auf dem Lande. Trotz des Sommers ist in den deutschen Landkreisen die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen weiter gestiegen. Am 31. Mai 1932 wurden Sl0 000 wohlsahrtserwerbslose aus dem Lande gezählt, was gegen den Vormonat eine Steigerung um nahezu 2 Proz. be- deutet— in der günstigsten Jahreszeit. Noch im Mai 1931 war eine Abnahme um 2 Proz. der Wohlfahrtserwerbslosen zu ver- zeichnen gewesen. Gegen das Vorjahr beträgt die Zunahme der auf die Wohl- fahrtsunterstützung angewiesenen Arbeitslosen 136 Proz. *1200 Bergarbeiier vor der Entlassung. Die Zechenverwaltung der Niederrheinischen Lergwerks A.-G. in Moers, hat ihren 1200 Arbeitern zum 13. Juli gekündigt. Sie hofft durch eine Klärung ihrer Stillegungsangelegenheit im Preußi- fchen Landtag die Entlassung vernieiden zu können. Einigung aus den Geefchiffswersten. Morgen wird die Arbeit wieder aufgenommen. Hamburg. 2. Juli. Nachdem die Delegiertenoersammlung der deutschen Werftorbei- ter sowie die Urabstimmungen in den einzelnen Betrieben die An- nähme des Lohntürzungsvorschlags der norddeutschen Gruppe der Metallindustriellen angenommen haben, wird die Arbeit auf den be- streikten Werften in Rostock und Vegesack am Montag wieder auf- genommen. Nazis und Gewerkschafken. In unserer Ausgabe vom Mittwoch morgen zitierten wir u. a. einen gewissen Hans Held, und zwar auf Grund einer Propagandabroschüre des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes:„Einigkeit ist das Gebot der Stunde". Wie wir in- zwischen festgestellt haben, ist dieser Held ein Völkischer, also Nicht Mitglied der NSDAP., der selbst nur wb eingestellt sind wiedergibt, wie die Nazis «chtuag, der«rbiitisSrsolg« beim Wohlfahrtsamt j-, Reukölll»! Mittwoch, Ifl Uhr, bei Frank, Anzengruberstr- 2, treffen B sich alle S«nagen zu einer wichtigen Besprechung. Mitgliedsbuch mit. bringen. Der Fraltionsoorstand. ngsn. tz Freie GeWerkschaftS'Zugend Berlin Morgen. Montag, ab � lS't Uhr: Lchillerxarl: g; ehrt Turin er T Kauft Parzellen! 50 Prozent Rabatt! Kleine 2lnzahlung! Bequeme Teilzahlung! Nie wiederkehrende Gelegenheit! usw. liest man.— Und in der Tot: wer flüssiges Geld hat, kann es vorteilhaft anlegen. Auf eigenem Grund zu wirtschaften und den Boden nutzbringend zu bearbeiten: das ist das Ziel, was den Siedlern und die es werden wollen, beim Kauf einer Parzelle vor- schwebt. Und die Bearbeitung des Bodens bezweckt doch nichts anderes, als den Kulturpflanzen diejenige Erleichterung zu schaffen, die sie zum Aufbau und Gedeihen unbedingt haben müssen. Denn wer seinen Garten nicht sachgemäß bearbeitet und düngt, kann nicht von ihm verlangen, daß er Früchte bringt. Nur Gehalt an Feinerde. Der Boden wird auch bezeichnet als die lebenserfüllte Ver- Witterungshaut der Erde. Sie entsteht aus den festen und lockeren Gesteinen der Erdoberfläche, die dem Einfluß des organischen Lebens und der Verwitterung ausgesetzt sind. Der zum Gartenbau benutzte Boden ist ein Gemenge von gröberen Gesteinstrümmern, Humus. Licht, Wasser und Pflanzennährstoff«. Man unterscheidet Steinböden. Sandböden, Lehmböden und Tonböden. Die Frucht- barkeit eines Bodens hängt im wesentlichen vom Gehalt an Eiserne Front gegen Kitler- Barone! Unswro nächsten Partei- und Betriebsveranttaltungen: 85. Abt. Sonntag, 3. luli, 15M Uhr, Im„BirkenwSIdchen" Tempelhof, Manteuffelstr., öffentliche Kundgebung. Konzert. Referat des Genossen Fritz Schröder;„Sozialistisches oder faschistisches Deutschland". 18. Kreit. Sonntag, 3. luli, 15 Uhr, findet im Schloßpark Weißensee ein großes Volksfest unter Mitwirkung der Sportorganisation statt. Ansprache des Genossen Franz Künstler, M. d. R. Eintritt 30 Pf., Kinder frei. Hierzu ladet der Kreisvorstand auch die Parteimitglieder der anderen Kreise herzlich ein. „Berek". Belegschaftsversammlung für alle beschäftigten Arbeiter und Angestellten am Sonntag, 3. Juli, vormittags pünktlich 10 Uhr, im Dresdner Garten, Dresdener Str. 45: „Politische Situation und die Aufgaben der Arbeiterklasse". Referent: Franz Künstler, M. d. R. 59. Abt. Dienstag, 5. 3uli, 19H Uhr, Wählerversammlung In Tiefwerder, Lokal Schulz, Dorfsfr. 5i„Kampf um den neuen Reichstag". Referent: Max Brinitzer. SPD.-Werbeausschuß der Post- und Teiegraphenbeamten. Dienstag, 5. luli, 20K Uhr, Versammlung im Lokal Heiles, Prenzlauer Alles 239:„Marxismus oder Nationalsozialismus?— Was Ist überhaupt Marxismus?" Referent: Gottlieb Reese. Bezirksami Wedding. Mittwoch, 6. lull, 16 Uhr:„Eiserne-Front- Kundgebung" In der Versuchs- und Lehrbrauerei, Amrumer Ecke Seestraßa.„Es muß anders werdenl" Referent: Genosse Oltersdorf. 8, Kreis-Spandau. Mittwoch, 6. luli, 18 Uhr, öffentliche Rentner- Versammlung bei Koch, Feldstr. 2:„Was hat der Rentner von der Papan- Regierung zu erwarten?" Referent: A. Karsten, M. d. R. AEO-Trepiow. Mittwoch, den 6. lull 16K Uhr, Angestellten- vereommlung bei Wolfram, Treptow, Am Treptower Park 20, „Warum Kampf gegen den Faschismus?". Referent: Karl Dresse)- AEG. Brunnenstraße. Donnerstag, 7. luli, 15M Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünder Str. 42: freigewerkschaftliche Betriebsversammlung mit Sympathisierenden. „Gewerkschaften und Reichstagswahl". Referent: Fritz Köcher. Angestellte der Sozialversicherung. Massenversammlung der „Eisernen Front" am Donnerstag, dem 7. Duli, 19K Uhr, Im großen Saal der„Neuen Welt", Hasenheide,„Massenentlassung der Angestellten der Sozialversicherung?". Referenten: Siegfried Aufhäuser, Vorsitzender des AfA- Bundes, Robert Bredow, Karl LItke, Fritz Schröder. Sorgt für Massenbeteiligung! Feinerd« ab. Di6se Feinerde enthält in wechselnd« Menge tonige Stoffe, welche die Eigenschaft haben, die wichtigsten Pslanzennährswff«, Stickstoff, Kali und Phosphorsäure, chemisch zu binden. In Berlins Umgebung ist der leichte Sandboden vorherrschend. Leicht deshalb bezeichnet, well er der Bearbeitung, dem Eindringen der Wurzeln, der Luft und des Wassers keinen Widerstand entgegensetzt. Der Sand lockert und erwärmt den Boden. Der Sandboden ist in der Hauptsache trocken, weil durch» lassend für das Wasser: der Sand vermag das Wasser nicht zurück- zuhalten, und es entsteht daher die rasche Verdunstung. Die Wärme nimmt der Sandboden rasch auf und strahlt sie langsam wieder aus; er entbehrt des Zusammenhalts und bildet keine Schollen. Organische Dünger zersetzen sich leicht im Sandboden: Gründünger, Kompost, flüssiger Dünger und in Abständen geringe Mengen Stalldung (am besten Kuhdungs sind für Sandboden der geeignete Dung. Also, des Guten auf einmal nicht zu viel: denn der Boden ist nicht um seiner selbst willen, nicht um der Bodenerschöpfung willen, sondern um der Pflanzen willen zu düngen. Und doppelt ist diese Fach- regel bei Sandböden zu beachten. Er hat nicht die Eigenschaft. Nährstoffe für spätere Jahre aufzusparen: er verbraucht rest» los alles im selben Jahre. Auch ist auf eine sorgfältige Folge der Kulluren zu achten. Wechselnder Gemüseanbau, keine alljährliche einseitige Beschickung mit Stalldung. Eine Auenahm« ist bei den Blattgemüsen zu machen, hier kann frische Düngung nutzbringend sein. Die Wurzelgemüse bestellt man dagegen aus im Vorjahre gedüngter Fläche. Im allgemeinen genügt es, wenn alle drei Jahre frisch gedüngt wird: inzwischen holen wir nach mit Kunstdünger: Kalk, Kali, Phoephorsäur« und bestellen Hülsenfrüchte. Die schwerste und zeitraubendste Arbeft bei Sandboden ist dt« Bewässerung, doppelt schwer, wenn Wasserleitung und Gartenschlauch fehlen, wo mittels Pumpe und Wassertragen die Be» Wässerung erfolgen muh. Ein Hauptgartengerät ist bei Sandboden die W a l z e: sie mutz fleißig zum Zusammendrücken gebraucht werden. Derfahren wir so sachgemäß, so werden wir aus unserem von Fremden so viel bespöttelten Sandboden mit der Zeit einen er- tragfähigen Boden erhalten, der sich getrost mit Lehm- und Ton» boden messen kann. Nachbestellungen. Es können, wenn es Zeit, Raum und Geld zulassen, noch Erbsen und Bohnen gelegt werden. Spätkohlpflaitzen werden noch gesetzt: Rot- und Weißkohl auf 50 bis 60 Zentimeter, Rosenkohl auf 60 bis 70 Zentimeter und Blumenkohl aui 80 Zentimeter Entfernung. Diese Freiräume müssen auf alle Fälle innegehalten werden, denn Kohlarlen brauchen zur Ciftsaltung genügend Frei» räum. Die Freiflächen nutzt Man durch Anpflanzung von Kopf- salat und Kohlrabi aus. Auch die Anpflanzung von ausgezogenen Zwiebeln lohnt sich. Ebenfalls können im Mistbeet erstarkte Gurken- und Tomatenpflanzen bestellt werden: letztere auf gut gedüngtem Boden. Bei trockener Witterung sind die Beete feucht zu halten; das Unkrautjäten, hacken und häufeln ist nicht zu vergessen: gut g s h a ck t.i st h a l b..g.e d ü ti g t. Diese Regel.ist erprobt und trifft für. alle Iahr'esMe« und alle BSden zu... �. Fünf Jahre Shlter Jnseldamm. In dieiem Somm« kann der Damm, d« die Insel Sylt mit dem Festlortd« verbindet, auf ein fünfjährige« Bestehen zurückblicken. Am 1. Juni 1927 wurde das gewaltige, 11 Kilometer lang» Bau» werk nach vierjähriger Arbeit«ingeweiht und«hielt den Nomen hindenburgdamm. Der bedeutendste Vorteil des Dammes ist die Erleichterung der Reise nach den Nordseebädern der Insel Sylt, Westerland, Wenningstedt und Kampen, die seit seinem Bestehen einen sichtbaren Aufschwung genommen haben. volkssommersest d« Kleiagarfenkolonlen„Gut« will«". Ost» elbiea" und„Roseneck" in Leih. Tristweg. Das Fest wird am 10. Juli abgehalten. Der Eintrittspreis beträgt für Er» wachseNe 40 Pf., für Erwerbslose und Kinder 20 Pf. einschttetzlich Steuer. ßeiji gißt es kein SLegetn mehrt Die Preise Kaden den Tiefsland erreicht! Wir bringen diese Woche AnSebOtC von außerge wöhnl. Preis Würdigkeit! Also auf zu GADIEL! Beachten Sie unser „Softder-Gftgeßot der Woeße u Für Wind und Wetter: Wasserdichte Lackmäntel aus guten Stötten, bester Schutt gegen Regen, in»Ilen Größen vorrätig für Damen 12: mit Rundgurt und stoffbes. Kragen ■och In gr. 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Hof, 2 Steppen recht», zu rfchtaa Beginn aller Veranstattnngen Itoü Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! Heute. Sonnlag, 3. Juli: 12. Kreis, Die Gene Isen vom Bildungsausschuß treffen ftch um 10 Uhr im Schloßpori. ebenso die Funllioniire zur totkriistlgen Hille und kurzen Besprechung, Montag, 4. Juli: l. Kreis. Nach Schluß der Demonstration trifft sich der engere Areisoorstanb mit den Abtsüung-Ieiiern bei Lohann, Briiderstr. 12,— Bilbungsausschuß 20 Uhr wichtige Sitzung ebenfalls bei Lohann, Vertreter der Sportler. Zugend, Laienspieler und kinderfreunde mtlssen anwesend sein. 64. äfbt. Ksgen der Demonstration fällt die ZUngerenzusammenkunfr au«. 98. Abt. Die Parteimitglieder treffen sich zur Demonstration IZ Uhr bei Teich, Knesebeckstr. l3ö. Dienstag, 5. Juli: 5. Stcis«rbeitetmohllahrt. 15 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimit. glieder im Heim, Tilfiter Str. 4 ü: Innenpolitische Ins— Sottlieb Reese, Rezitationen der Denosfin Elftiede 7. fttei»«hatlottenbur«.■"" deputierten 19 W Referent enburg. Bezirksoerordnetenfraktion mit sämtlichen Bürger» Uhr, Sitzungszimmer 1. Rathaus Tharlottenburg, Wegen der Demonstration fällt die ssrakttonssttzung am Montag aus. 14. Stets. Abteilungsleiterbesprechung. Jede Abteilung muß pertreten fein. Beginn bereits IS Uhr. Ausgegebene Arbeitslofenliften mitbringen. 7. Abi Funktion!! rfltzung bei BSewalde, Echlegelstr. 8, Vorstand l Stunde frllher. 24. Abt. ffunktionärsttzung bei Heibutzki, Danztger Sw 27. Abt. Funliionärntzung bei Zeuge, Milastratze, 39. Abt. Funktionärsttzung bei Topp, Alte Iatobstr, 1. Straße. Abrechnung. Mittwoch, 6. Juli: 17. Kreis. In der Aula,«arkaue an der Müllendorffstraße. Kreismitglteder» Versammlung: Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse und die kommenden Reichstaaswahlen. Referent Dr. Rur: Löwenstein, M. d. R. 18. Kreis. M Ubr im Schloßpaoillon, Berliner Allee 205/219, Kreismitglieder» Versammlung: Die kommenden Reichstagswahlen. Referent Erich Suttner, M. d. L. Gäste willkommen. 5. Abt. ssunktionärkonferenz bei Mathia, Linienstr. 80. 18. Abt. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder, Schänstedtstr. 1: Wahl- Propaganda. Pünktliches Erscheinen ist Pflicht. 22. Abs. Zusammenkunft jüngerer Parteimitglieder bei Bartsch, Fvhrer Straße 7: Rußland oon heute. Referent Dt. I. Schlesinger. 90. Abt. 30 llhr Zusainnienkunst jüngerer Parteimitglieder bei Jahn, Fulda» Elke Weferiiraße: Politische Lage und di« Aufgaden der Arbeltertlafss. Referent Dr. Gurfand. 101. Abt. Funktionärsttzung bei Manz, Kiesholzstr. 21. 107. und IUI. Abt. Mitgliederversammlung im Semeinschaftshaus der Darten» stadt: Reichstagswahl 1032. Referent Dr. Richard Mifchler. 108a. Abt. 20 Uhr Mitgliederversuinmlung in der 5. Volksschule, Borgmann. strahe: Ausgaben der Arbeiterklasse die kommenden Wahlen. �WW Referent Karl Wermüth. 115. Abt. Funktionärsttzung bei Stdber. 181. Abt. SO Uhr Zusammenkunft fitngerer Parteimitglieder im Iuaendheim, SIndenstr. 47: Politisch« Lage und die Ausgaben der Arbeiterklasse. Refe. reut Paul Bernstein. 187. Abt. Miigliederverfainatluna bei Heese. Berliner Str. 73; Politische Lage und die Ausgaben der Arbeiterklasse. Referent Mar Brinitzer. 141. Abt. Bei Hpffmann, Ebelweißfu. 5, Mltglieberversammlung: Politische Laar und die Ausgaben b«r Arbeltertlasse. Referent Max Fechner, M. d. 2. lle Einwohner bsr Abteilung, die sich im„Eisernen Buch" eingetragen >, find hierzu eingeladen. haben. jierzu«ingeli psrtsivskersnsn! X!l« Parielgenassan, dl« vor und wtdrsnd des Sa2lalfsteng«s*txes für dl« Partei titig waren, werden mit Ihren Faaülier. trsundUchtt«n- galadan tu«inam gemütlichen Kafffeekochen am Sonnabend« dem 9. Juli« nachmittags um 4 Uhr Im Alten Eierhluschen(Inhabar Bieter) in Treptow. Katfee» kochen freil I.A.: Wilhalm Grandel Abonniert die Zeitung der Hand- und Kopfarbeiter! Ich abonniere die volle Ausgabe des. D o r w S r t s zweimal täglich frei ins Haus zum Preise von 8,25 Mk. pro Monat(pro Woche 75 Pf.) Ich abonniere den.Sonntag-VorwSrts' zum Preise oon 55 Pf. pro Monat. (Nichtzutreffendes ist zu durchstreichen.) Name: Wohnung: -Strohe Nr.. vorn- Hof— Quergeb.— Seitenfl.— It. link»— rechts Ausfüllen und einsenden an den Verlag de».vorwärt»" Lerlin SM öS. Lindenstrahe 3. Donnerstag, 7. Juli: 2. Kreis. In den Armfnlushallen, Bremer Str. 72. Kreismltgliebemerfatwn. lung: Unser Kamps. Referent Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Die Mit» glicdsbUcher sind unter allen Umstäitben mitzubringen. UL Rtele. Die Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder findet erst am 14. Juli statt. 18. Kreis. 15 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder im Sport. und Jugendheim der bnnbestreuen Sportler und der Partei Weißenfee, Renndahngelande, Rennbahnstraße: Die kommenden Wahlen. Referent Alfred Markwitz. 20. Kreis. 15 Uhr gufammenkllnfte erwerbsloser Parteimiiglieder an fol» «enden Stellen: Tegel und Wittenau im Reichsbannerbootshaus Tegel. Vortragende Elftiede Wollmann. Reinickendorf.Ost In der Barade, Lin» bauet Straße. Referent Sans Man. Reimdendorf.West Außensptelplag. Referent Dr. DeeHard Ludow. 1. Abi. Funfttonäesitzung bei 5' 12. Abt. Die Zusammenkunft 14. Juli statt. 21. Funfttonäesitzung bei Klement, Sophienstr. 8. jüngerer Parteimiiglieder findet erst am Abt. Außerordentlich« Mitgliederversammlung Im Schraderbaus, Mal. plaoueistr. 16; Politische Lage und die Ausgaben der Arbeiterklasse. Refe» rem Richard Joachim. 58. Abt. 20 Uhr Borstandssttzung mit gahlabendleitern bei Sur, Suttenstvaße. Freitag, S. Juli: 120. Abt. 20 Uhr bei Tempel, Prinzenallee 45, Mitgliederperfammlung: Ziefrelungskampf der Arbeiteeklaste. Referent Dr. Saubach. 141. Abt. Funttionärsttzung bei Hofsmann, Sdelweißstr. 5. Der Frauenveranstaltungen. Juli. 1. Kreis. selbe, Upftällwe«/ Pfafif, Tanz,______ Ansprache der Eeuosstn Käthe Heute, Sonntag, 8. rn aus dem Sportplatz des Reid Frauentreffen, banners Echwarz-Rot-Sold. inderbelustigungen. Kern. Rezitationen verbunden mit Kaffee- _____ Friedrichs. sonstige Dardletun» gen. Anspraiye der wenofstn Käthe Kern, Sie, Nationen der Denosfin Etfrtade Wollmqnn. Fadelzug. Gäste herzlichst willlommen. 3. Kreis. Mittwoch, 6. Juli, Dampferfahrt nach der Pfauenlnfel, Anlegen Echildhorn. Abfahrt 8 Ubr Lefstugbrstcke. Karten zum Preis« von 70 PI sind bei der Genossin Jordan zu haben. 8. Kreis Mittwoch, 6. Juli, Ausflug nach Konvadshöhe, Lokal Waldfrieden, Habicht» und Milanstraße Ede, Haltestelle der Straßenbahn 28. Ab U Uhr Treffpunkt der Abteilungen im Lokal. Nachzügler ebenfalls bort. Kaifeekochen große Kanne 60 Pf. 7. Stets, Montag, 4. Juli, nach der Demonstration im Jugendheim, Rosinen.. ftrcjje 4, FunLionarinnensitzung. 11 Kreis. Dienstag. 5. Juli, Funkt tonärinnensttzung an bekannter Stell«. 20. Kreis. Dienstag. 8. Juli, Utz» llbr. Kaffeelochen ito Reichsbannerboow» hau« Tegel, llferfcraßs. Um 18 Uhr Funkttonärtunensitzung km glsiche« 12. Wt Der Fraueaahend findet wegen der Dsmonstpation«est gm Montag 11. SuB, flott, 11 Übt. Me Ganofstiaisn beteNge» sich am«uastag o« Btittwoch. 1 Juli. Näheres smhsNoti, d«s 1 Srnleo. 21.«dt. Donnorstag, 7. Zult, 14 Ubr, treffen ivtr ans bet Kroll»um Sao» giergang in die Heide. Kaffeerast. Während der letzten 24 Stunden kam Deuffchland in den Be» reich kühlerer, ozeanischer Lustmassen, die aus der Südseite einer bei Island gelegenen Depression ostwärts vordrangen. Nur im Osten de» Reiches, der am Sonnabend noch zeitweise von warmen südlichen Winden überweht wurde, beobachtete man noch Temperaturen über 25 Crad. Im übrigen Deutschland lagen die Höchsttemperaturen meist beträchtlich unter diesem Wert. Der Einbruch der Ozeanluft führt« vielfach zu Regen und Gewittern. Länger anhaltende und ergiebige Regenfälle trasen allerdings nur in Süddeutschlond und in den südlichen Teilen Mitteldeutschlands aus. Innerhalb der kühleren Luft über West- und Mitteleuropa begann da« Barometer kräftig zu steigen: diese Tatsache deutet auf einen Porstoh des Azorenhoch» nach Nordosten hin: sein« Ausläufer dürsten auch unser Wetter beeinflussen. Wetterausfichten für Ssrlla. Teils heiler, teils walkin. kein« Mederschläg» von Bedeutung: aeringe Wiedettrwärmung, westliche Wind».— Für Deutschland. Augemein mäßig warm, im Osten und Südosten noch vielfach trüb« und regnerisch, im übrigen Reiche wechselnd bewölkt und meist trocken. t&WS Militär und Politik. Das Kartell der Republikanischen Verbände Deutschlande veranstaltete in Berlin einen Ausspracheabend, bei dem Universitätsprofessor Dr. Hobohm über„Armee und Politik". Haupt- mann a. D. Willy Meyer über„Luftfahrt und Politik" und Polizeioberst a. D. Schützinger über„Die Gefahren eines militari- schon Ausnahmezustandes" sprachen. Di« Debatte ergab volle Ein» mütigkeit über die Notwendigkeit der Abwehrbereitschaft der republikanischen Linken gegen alle Dittaturversuch« von rechts und einer restlosen Cntpolitisierung der Wehrmacht. Die»Juristische Sprechstunde" findet am Montag, den 4. Juli, der Demonstration wegen von 15—16 Uhr statt. Allgemeine Wetterlage. VIER WIRRE von WELTRUF SCHLÜSSEN SICH ZUSAMMEN- EIN ZIEL: QUALITÄT UND WIRTSCHAFTLICHKEIT EIN PROGRAMM: VOM.KLEINEN BIS ZUM QRttSSTEN KRAFTFAHRZEUG 22. Abt. Die Genossinnen treffen sich Donnerztag, 7. Juli, ab 1Z Uhr. im Restaurant Spielmicfe mm Kaffeekochen. 23. Abt. Mittwoch, 6. Zuli, beteiligen wir uns am Krcisausflug nach Tegel» ort. Näheres siehe Notiz des 3. Kreises. Treffpunkt 1t> Uhr Ofener» Ecke MUllerftrasie. 37. Abt. Montag. 4. Juli, 20 Uhr, bei Dohrmann, Krumme Str. 32: Wie diskutiere ich mit meinem Gegner? Referent Walter Raue. S4. Abt. Dienstag, 5. Juli, Dampferpartie nach Rauchfangswerder. Treff» Punkt 9 Uhr am Lankwisier Hafen, Kaifer-Wilhelm-Strahe. Wir fahren auf Ermäßigungsschein. Erwachsene 1 M., Kinder 50 Vf. 33. Abt. Der für Montag vorgesehene Spaziergang fällt zugunsten der De- monstration aus. Alle Genossinnen beteiligen sich hieran. 93. Abt. Mittwoch, 6. Juli, 14 Uhr, Kaffeekochen, Volkssportplaß Eonnenallee. >09. Abt. Die©cnofsinnen treffen sich Montag, 4. Juli, zur gemeinsamen Abfahrt zur Demonstration'.'-10 Uhr Bahnhof Friedrichshagcn. Erwerbs. lose Genossinnen bekommen das frahrgeld erseht. >>0. Abt. Donnerstag, 7. Juli, 15 Uhr, Kaffeekochen des Konsums Im Lokal Eportdenkmal. Alle Genossinnen beteiligen sich hieran. 128. Abt. Mittwoch. 0. Juli, lg'/- Uhr, bei Lehmann, Maximilian» Ecke Milhlcnstraße: Wie diskutiere ich mit meinem Gegner? Referent Heinz Löwi.. 136. Abt. Donnerstag, 7. Juli, 20 Uhr, Diskussionsabend in der Baracke, Lin» dauer Straße. 137. Abt. Wir beteiligen uns am Dienstag, 5. Juli, am Kreiskaffeekoche». Treffpunkt zum gemeinsamen Laufen 14 Uhr Klix- Ecke Scharnweberstraßc. 138. Abt. Dienstag, 5. Juli, Beteiligung am Krciskaffeckochen. Näheres siehe Notiz des 20. Kreises. Treffpunkt 14 Uhr am Kaiserplaß. Die Karten für die 1. Dampferfahrt sind ausverkauft. Bezirksausschuß für Arbeiierwohlsahri. 4 Kreis Prenzlauer Berg. Mittwoch, 6. Juli, Besichtigung der Kinderheil» anstatt Buch. Treffpunkt 2 Uhr Bahnhof Buch. Fahrverbindung mit der Borortbahn bis Bahnhof Buch oder Autobus 42 bis Endstation. 9. Kreis Wilmersdorf Arbeiterwohlfahrt. Dienstag, 5. Juli, 20 Uhr, im Biktoriagarten, Vortrag des Genossen Cteinhöfcl: Hauszinsftcuer und Notverordnung. Sozialistische Skudentenschasl Berlin. Montag, 4 Juli, geschlossene Teilnahme mit fhohnrn am Lustgarten» Aufmarsch. Treffpunkt pünktlich 17 Uhr Gendarmcnmarkt. Arbeiksgemeinschaft der kinderfreunde Groß-Berlin. llcderse-.Fahr-rl Abfahrt 8 Uhr Waisenbrücke..�.Bahnstation Iannowißbrücke). Treffpunkt 7fh Uhr vor dem Markuchen Museum. ,«l-nkcnse-.Fahrer! Abfahrt 9.42 Uhr Lehrter Bahnhof. Treff» ,„1 punkt 9 Uhr Abfahrtseite. " Prenzlauer Berg: Di- Abstrichentnahme bei den Z.Wochen. Fahrern M findet am 7. Juli, bei den ll.Wochen.Fahrern und N-stfalken am m& 14. Juli, 9 Uhr, im Gesundheitsamt, Prenzlauer Allee 78, Zimmer>7, statt. Autofahrkarten für Elternsahrten am 24. Juli bis 15. Juli bei Lücke, Stolpische Str. 19, Telephon: Weidendamm 4922, täglich bis 15% Uhr, bestellen und bezahle». Spielen auf dem Excr in den Ferien ad 17 Uhr. Krcuzbcrg: Alle Falken, die nur kürzere Zeit in den Sommerlagern oder bei Verwandten bleiben, können täglich in der Zeit von 9— 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr auf dem Urban-Sportplaß mit Heinz Hopka zu Spielen zusammen» komnien. Anmeldungen für eine Autofahrt der Eltern zum Besuchstag nach dem Uedcrsce an Frieda Schmidt, Oppelner Str. 4—5. Tempelhos: Zeltlager Tempelhos 0% Uhr Untergrundbahn Tempclhof. Nestfalke» 9 Uhr Abfahrtseite Lehrter Bahnhof. Rcntälln, Helferkreis: Wir beteiligen uns geschlossen an der Demonstration 10% Uhr Fontanepromenade. Arbeitsstunde nachdem. Alle Abteilungen sorgen dafür, daß die ausstehenden Lagerbeiträge umgehend abgerechnet werden. Abt. Grünau: Dienstag, 5. Juli, Baden. Treffpunkt 13% Uhr an der Grünauer Fähre Köpenick: trinken. 2 Donnerstag Sö2ii'S!83ll88vklU3§ rar Arbeiterwoimahrt Fursorger(tnnen) FunKtionäre der Arbelterwohllahrt! Mittwoch, 6. Juli, 20 Uhr, in Kliems Festsälen, Neukölln, Hasenheide 13, kleiner Saal Kampf der Notverordnung! Referenten: Gen. Dr. Ernst Hamburger, MdL. Genossin Luise Schröder, MdR.— Einlaß nur gegen Parteibuch. SozialistischeArbeitmugendGroß-Verlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das Iugends-kretariat Berlin SW 08. Lindcnstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. Morgen, �8 Uhr: Kundgebung im Lustgarten! Keiner darf fehlen I Alle Genossen gehen in Falkcntracht zum»ächstgelegcncn Treffpunkt der Partei. -i- Im Anschluß an die Kundgebung treffen sich alle Funktionäre und inter» esfierten Mitglieder aus dem Gendarmenmarlt. Wir gehen gemeinsam zur Funktionärkonferenz nach der Borckstr. 11. Bortrag des Genossen Dr. Männchen über„Arbeiterklasse und Krieg". Mitgliedsbuch vorzeigen. » Arbeitsgemeinschaft Abraham: Der Kursus„Wirtschaftslehre" fällt morgen aus. Letzter Kursusabend Montag, 11. Juli, Lindenstr. 3, 19?� Uhr. heute, Sonntag. Werbebezirke Prenzlauer Berg und Osten: Ueben der gesamten Spieler der ehemaligen Tambourkapellen heute, 29 Uhr, Danziger Str. 62. Erscheinen aller notwendig, da eventuell Mitwirkung an der Lustgarten-Demonstration. W-rbcbczixk Neukölln: Die Propagandafahrt aller Radsahrer muß umstände» halber auf den nächsten Sonntag verlegt werden. Berbcbezirt Reinickendorf: Der angefetzte Spiel» und Sportnachmittag muß ausfallen. Neukölln vi: 8H Uhr Hertzbergplatz, K.'Heide. Morgen, Montag, nach der Kundgebung. haus': Moabit Tischtennis.,— ,>W--------------------- WWW. (ontetenz.— Ariiswatder Platz II: Funltionärkonferenz.— Humannplatz: Glcimftr. 35: Mitgliederversammlung.— Nordosten II: Danziger Straße: Mit, gliederversammlung. iee: f samml___...______________„____________ torstr. 4: Mitgliederversammlung.— Reichen bergcr Viertel: Funktionärkonferenz.— Pankow, R. F.: Kissingenstr. 48: Mitgliederversammlung. Berbebczirk Reukölla:„Der Querschnitt" probt pünktlich 19% Uhr Berg. .erbebezirt Krenzberg: Dienstag, 20 Uhr. Mitgliederoerfammlung, Aula Manteuffelstr. 7.„Einheitsfront", Referent Erich Schmidt. Mitgliedsbuch vor» zeigen. Weebebezirk Müggelsee: Dienstag, 19% Uhr, Mitgliederversammlung, Dahl» witzer Str. 15.„Einheitsfront", Referent Fritz Erler. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwar;-Rot-Go!d". G e> ch S s t s st» I I e: Berlin S. 14. Scbastianstr. 37—38. Ho« 2 Tr. Kreis Osten: Montag, 4. Juli, 20 Uhr. Funltionärversammlung im Eewerkschaftshaus, Saal 1.— Mitte: Äameradschaftsvcrsammlungcn Dienstag, 5. Juli, 20 Uhr. l. Kameradschaft: Sophienstr. 5, bei Element. 3 Kameradschaft: Köpcnicker Str. 55». 0. Kameradschaft: Chausseestr. 29. bei Feldmann.— Mittwoch, 0. Juli, 4. Kameradschaft bei Brandis, Stralaner Straße 10.— Tiergarten, 2. Kameradschaft: Montag, 4. Juli, 20' Uhr, Mitgliederversammlung bei Sandow. Flensburgcr Str. 3. Referent Kamerad Dr. Nowack:„Freiwilliger Arbeitsdienst". Buchkontrolle. Pflicht!— Prenz» lauer Berg: Alle Sportler treffen sich Montags um 20 Uhr in der Turnhalle, Dienstags, Donnerstags um 18 Uhr und Sonnabends um 10 Uhr aui dem Sportplatz. Alles muß zur Stelle fein.— Frisdrichshain, Bortruvp: Mittwoch, 0. Juli. 1944 Uhr, Jugendheim Ebertoftr. 12.— Krenzberg: Mitglicderverwmm» lungen Dienstag. 5. Juli. 20 Uhr. 1. Zug bei Sephak, Willibald»Aleris-Str. 5. Zug 4 bei Grllndler, Zimmerstraßc. Zug 5: Ritterstr. 1. Zug 0 bei Wolf, Graeiestr. 20.— Mittwoch, 0. Juli, Zug 2 bei Krevp, Planufer 75. �Zug 3 der Schneider, Kreuzbergstr. 1. Zug 7_Dci Bartsch.~ Siedcntopf, Muskauer Str. 35.— Rculölln-Britz. 19% Uhr, Jugendheim Bergstr. 29. orster Str. 17. Zug 8 bei lortrupp: Mittwoch, 0. Juli, Polizeisportverein Berlin e. B., Abt. Einheitskurzschrift. Regelmäßige vedungsabende an allen Wochentagen, außer Sonnabends, von 19%— 21% Uhr, im Polizeischulgcbäude, Hannoversche Str. 28—30, 2. Stock, Zimmer 10. An- fänger», Fortbildungs» und Redeschriftkurse. Die großen Tage der Ausnahmepreise für Ausnahmezcitc« im Warenhaus S. Joseph u. Eo., Neukölln. Berliner Str. 51—55, haben begonnen. Dieser wirk» lich volkstümliche Sonderverkauf ist ein Ereignis von größter wirtschaftlicher Bedeutung. Die sensationell billigen Preise übertrefsen die kühnsten Erwar» tungen. In vorderster Reihe dieser Ueberraschungen stehen die 10 Sonder. tage der Damenkonfektion mit folgenden Beispielen: Sommer» k l e i d e r aus Zefir für 1,50, Sportklcider aus Panama sogar bis Größe 50 für 1,95, Damenmäntel in kleinen Größen für 2,90, zum gleichen Preis ein fescher Sportrock aus Popeline und entzückende Damenblusen aus kunstscidenem Maroeain für 4,90. Die beliebten Oelhautmäntel kosten nur 9,75. Mit diesen Abteilungen wetteifert die Abteilung Kleider und Seidenstoffe und bringt folgende Schlager: Waschmun'eline, neue Druckmustcr, Meter für 0,45 und 0,28. Waschkunstseide, entzückend bedruckt. Meter für 0,48 und 0,36. Woll» Musseline, modern bedruckt, Meter für 0,95 und 0,05. Staunen muß man, wenn man in der Gardinenabteilung Landhausgardinen in guter Ausführung dos Meter iür 0,25 und eine Bettdecke aus Etamine mit reicher Verarbeitung für 1,75 siebt. Geradezu Sensationen sieht man in den Abteilungen Damen- und Badewäsche. 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Das kann in diesen Tagen denn drohen? ?ch lege mich längs, ein wenig to slapen, lind bin getrost: Di« Regierung von Pagen Besorgt derweil die Agitation. Denn das steht unerschütterlich' fest: Zehn Auflagen schaffen uns nicht soviel Stimmen, Wie wir mit jedem Tage erklimmen, Den Gott Herrn Pagen regieren läßt. Er hat erreicht, daß der letzte begreift. — Trotz aller Hitlerschen Nebelphrasen, Trotz nationalem Trompetenblasen— Woher in Deutschland der Wind jetzt pfeift. „Der Staat ist keine Wohlfahrtsanstalt!"— Das war, zum Teufel, offen und bündig. Solch reicher Boden bleibt weiter fündig, Der hat unschätzbaren Goldgehalt. Bleibt Papen, kommt kein Mensch in Gefahr, In der Zeit des Verbots von uns abzuschwenken. Denn er wirkt kräftiger auf das Denken, Als unferm Bemühen je möglich war. Herr Papen sorgt, wenn fünf Tage vergeh'», Daß eure Gefühle drob nicht verblassen: Er hat euch die Notverordnung gelassen Als Mahnungszeichen!— Auf Wiederseh'n! Jonathan. fflr. Jofef ttefnberg: Itie ich aufgenordet wurde Es pumperte an der Türe meines Schlafzimmers. Ich fuhr halb auf, brummte mürrisch:„Herein!" und wollte mich wieder umdrehen. Der Geldbriesträger kam doch nicht mitten in der Nacht... Der kam überhaupt nicht. Und zum Stempeln war es noch zu früh. Das Arbeitsamt schlief auch noch. Da polterten schwere Tritte auf dem Holzboden. Ein« Gestalt in schwarzem Mantel stand vor meinem Bett. Sie sah aus wie ein Schutzmann aus Hildburghausen. Sie rüttelt« mich auf. Miß- mutig glotzte ich sie an. Sie Hielt mir«inen Umschlag hin, und wie eine Grammophonplatte schnarrte sie:„Volksgenosse! Sofort lesen!" „Ist gut", sagt« ich und wollle weiterschlafen. „Ist nicht gut! Sofort lesen!" schmetterte es neben nur.„Deutsch- land ist erwacht! Volksgenosse erwache!" Verärgert nahm ich den Umschlag. Aus dem Bogen, den ich auseinanderfaltete, stand ganz rechts oben:„3. Reich" .Lesen!" schnarrt« die Grammophonplatteichimme. Und ich las:„Da Sic sich bisher der Behebung Ihrer elenden Rassenmischung dauernd entzogen haben, werden Sie hiedurch auf- gefordert, sich sofort im Ausnordungsamt, Adolfplatz Nr. 1, früher Heil- und Pflegeanstalt, einzufinden, widrigenfalls Sie durch den Ueberbringer zwangsweise vorgeführt werden. Widerstand wird mit Käpferollen nicht unter fünf Iahren bestraft." Die Unterschrift konnte ich nicht lesen. Ich zitierte Goethe. Man wird mir ohne eidesstattliche Ver- sicherung glauben, daß das Zitat nicht aus Tasso war. Da riß mich die Gestalt aus dem Berte und— was sollte ich machen? Ich ging mit... * Wir standen vor dem großen Gebäude am Adolfplatz.„Aus- nordungsamt" stand darüber. Rechts neben der Inschrift über der Türe grinst« ein Schimpanse mit Negerlippen und Glotzaugen herunter. Eine Nase hotte er wie drei Erzväterkongregationen. lieber ihm, von Davidsternen umrahmt, leuchtete in roten Buchstaben das Wort„V o r h e r". Aus der anderen Seite strahlte im Rahmen hellglänzender Hakenkreuzchen ein Kopf, dessen nordisch« Schönheit selbst Apollo hätte vor Neid platzen lassen. Darüber leuchtet« es: „Nachher!" Ich vermutete, Adolf, wie ihn keiner kennt, hatte selbst Modell gesessen dazu. Die Gestalt schleppte mich viele Gänge entlang und verlud mich in«inen Fahrstuhl, der lawinenartig abwärts sauste. Ich weiß nur, daß sich meine Augen an ungeheur vielen Hakenkreuzen und Türen vorübertasten mußten. Dann wurde ich in«in Zimmer gestoßen. Da war ein grüner Tisch mit schwarzweißroter Hakenkreuzschärpe. Dahimer saß ein Mensch mit dem arischen Profil des Pg. G o e b- b e l s, aber umrahmt von wabernder Lohe brandroter Haare. Aus den arischen Nüstern krochen wie zwei Flammen rote, gesträubte Schnurrbartbüschel: ein Barbarosso-Fußsack walll« nieder, und zwischen diesem Gestrüpp flimnierte ein vergoldetes Hakenkreuz, sinnig umrandet von zwei stilisierten Donnerkeilen. Auf dem Kopfe sah«in blecherner Helm mit Adlerflügeln. Mein Dompteur salu- tierte: ,Lell! Ich bringe hier einen Halbsemiten!" Wotans Reinkarnation griff nach dem in prima Schweinsleder gebundenen Kodex, blättert« ein wenig und sagt«— jeder rheinisch« Zoll«in Wolvater:„Mittelstark, zweimal oernebeln, Prosilarchttekt, wasserstoffsemmelblond, Seeleninoentar Garnitur II, ohne Fort- Pflanzung." Mein Dompteur klappte die Hacken zusammen, schnarrte:„Hell!" und führte mich wieder hinaus. Zuerst wurde ich in einen Raum geführt, über dessen Eingangs- tür ein Hakenkreuzschild„Plattfußvsredelung" prangt«. Das ging sehr schnell. Eine«hmtrgelscheibe holte blitzschnell die Plattheit an den Füßen weg. Ehe ich imr„Heul!" sagen konnte. Dann ging es weiter in die Vsrnebelungszelle. Ich war eingefleischter Marxist gewesen. Als ich in der Zelle saß, begann es um mich herum zu prafsetn. Phrasen klatschten um meine Ohren. aus denen ich immer wieder heraushörte:„Wahrer Sozialismus" und„Tod dem Marxismus!". Und dann roch es fade, süßlich nach Industriesubvention. Immer dichter schwirrten die Wortwolken, bis sich schließlich dicke, undurchdringliche Nebel über mein Hirn legten. Nun war ich reif fürs Seeleninventar. Das kam auch gleich nach. Di« nächst« offen« Züz üeß mich te d« Apotheteuraum Skalpell: Z)S8 SiOTOfkop Wenn der Mensch gar nicht Mt.hr weiter weiß, läßt er sich ein Horoskop stellen. Denn er glaubt mit Hilfe der Sterne seine Zu- kunst, sein Liebesleben sowie seine Finanzen überblicken zu können. Horoskope— die zeitgemäße Mode! Nach langjähriger Pleite entschloß auch ich mich, den bekannten Sterndeuter K. fReichsverband deutscher Sterndeuter) aufzusuchen. Schon an der Flurtür sprang mir sein Schild entgegen:„Horoskope für alle Bekenntnisse!" Auf mein Klingeln erschien der Meister persönlich. Zu meinem Erstaunen trug er einen festen Verband um den Kops. Mit matter Stimme bat er mich in sein Sprechzimmer, das außer den Horoskopen berühmter Zeitgenossen bloß noch ein zer- trümmerte? Sofa und einen eingeschlagenen Wandspiegel enthielt. „Merkwürdig!" sagte ich.„Hot hier eine Schlacht stattgefunden?" „Im Gegenteil!" sprach der Meister.„Ein paar Nazis haben sich soeben ihr Horoskop stellen lassen! Zuerst ging alles ganz gut. Ich erläuterte den Herren die verschiedenen Sternenbilder und plötzlich gab's bei der„Venus" Krach." „Wiese gerade bei der Venus?" fragte ich. „Die Herren schrien, die Venus wäre keine deutsche Jungfrau, sondern eine welsche Nutte! Sie wäre bei deutschen Horoskopen durch den Hauptmann von Röhm zu ersetzen. Als ich den Herren die Unmöglichkeit dieser Neubesetzung klarmachen wollte, begannen sie eine Keilerei mit meinem alten Sofa. Schließlich riefen sie, Sterne (einschließlich Filmsterne) wären— wie alles andere in Deutsch- land— eine jüdische Erfindung. Dann verließen sie geschlossen das Lokal unter Absingung des Loreleyliedes chres Pg. Goebbels..." „Haben Sie immer so wilde Kundschaft?" fragte ich teilnehmend. „O, ich beliefere auch erste Kreise!" erwiderte der Meister. „Große Polttik... Neulich war Stalin da. Stalin persönlich. Mer auch da ging es leider nicht ohne eine Gehirnerschütterung meinerseits ab. Seitdem deute ich die Sterne nochmal so gut... Stalin schlug mir nämlich schon zu Beginn dsr Sitzung die Volks- prachtausgobe des Fünfjahresplans auf den Kopf..." „Was brachte Väterchen Rußland denn so in Wut?" erkundigte ich mich. „Er verlangte, daß sein Sternbild aus lauter Sowsetsternen be- stehe! Was die Leute alles wollen heutzutage! Die alten Gestirns waren ihm nicht klassenbewußt genug!" „Diese Russen!" sagte ich bewundernd. „Total meschugge!" bestättgte der Sterndeuter für alle Bekennt- nisse.„Väterchen schwor noch auf der Treppe, er werde sofort eine Fabrik zur Erzeugung eines elektrischen proletarischen Sternen- Himmels errichten. Zum Export natürlich... Dieser verdammte rote Handel! Alles wollen sie besser herstellen als Gott!" „Sie kriegen aber was zu hören!" beneidete ich den Horo- skopisten. „Nur kein Neid!" beruhigte er mich.„Womit die Leute einen so plagen! Kommt da gestern die Gottin eines unserer neuen Minister und will wissen, ob Herr v. Papen«ine günstige Kon- stitution habe! Sie meinte natürlich: Konstellation!" „Natürlich!" sagte ich.„Na, und wie stehts mit Herrn v. Papen?" „Wen interessierte Herr v. Papen?" erwiderte der Stern- deuter mürrisch.„Ich habe natürlich in aller Eile seinen astrologi- schen Befund zusammengestellt. Na, so was von Bild! Dos find schon keine Sterne mehr. Das sind schon direkt Unsterns.." „Apropos Unsterns!" unterbrach ich den Meister.„Hat Hitler sich denn noch kein Horoskop stellen lassen?" „Das Horoskop des Führers befindet sich in einem Sonder- räum!" sprach der Sternkieker schlicht.„Eintritt 50 Mark. Partei- genossen das Doppelte!" „Wir können nicht zahlen! Ich werde nicht zahlen!" schrie ich. „Brüllen Sie doch nicht so!" sagte der Meister und zuckte nervös zusammen.„Diese deutsche Kundschaft wird von Tag zu Tag uner- träglicher. Jeder denkt, bei mir ist Lausanne... Na, kommen Sie schon gratis rein!" Nachdem ich mir noch 50 Pfennig zuzahlen ließ, betrat ich das Sternenzimmer Hitlers. Auf einem Altar aus deutschem Genueser Marmor lag ein riesiges Blatt Papier. Rechts an der Wand hing der Oeldruck des Führers, daneben eine kleine Postkarte des Pg. Goethe. Völkische Beobachter standen in Scharen herum und starrten wie gebannt auf das große weiße Blatt. „Nanu!" rief ich.„Was soll dos heißen? Ein leeres Blatt Papier? Keine Zeichen, keine Linie, kein Schicksal? Und dafür machen Sie hier Altäre mit Entree auf? Herr, dos ist kein natio- nales Horoskop, das ist Schwindel, groß aufgemachter S ch w i n- d e l l" „Na eben!" sprach der Meister...„Im übrigen, wollen Sie sich nicht endlich ihr Horoskop stellen lassen?" „Danke!" erwiderte ich mit autarkischer Stimme.„Die deutsche Zukunft kann sich jeder Deutsche auch ohne Sie ausmalen!" 3)as 3eU der<8iere und lllenfchen (nor>elle/ Ton Jochen Jüepper Die Wälder der Insel lagen starr und gewaltig unter der Last der Sonne. Es war dunkel in ihnen. Nur manchmal spürte man «in hastiges, lautloses Aufblitzen von Farben und Federn, das sofort wieder schwand. Das durchsichtige Meer war silberweih gegen die gedämpften grünen Ufer der Insel abgegrenzt. Aus seinem Grund« leuchteten die blühenden Korallenstöcke auf. Federfische, deren Schwärm« sich oft in einem sanft ausschlagenden Wellenkamm zer- lösten, kreisten goldgepanzert, himmelblau« und violette Bänder hinter sich herziehend. Zarte, schlanke, nilgrüne und psauenblaue Paare schwebten aus einer Grotte von Korallenzweigen empor, jagten sich selig, schwangen sich voneinander und begegneten sich in den sprühenden, goldenen Lichtgarben chres Liebesspiels. Auf das Ufer der umkosten Insel waren Scharen von kleinen behenden Honigvögeln, funkelnden Kolibris un!d grauen Fruchttauben nieder- geschwebt in Sonne und Blüten und Grün. Duftwogen der hell- roten Hibiskus, der Krotons mit den bunten Blättern und der Koleus, die man zu Kränzen flechten kann, zogen durch die still«, sonnengesättigte Lust. Aber die Duftwogen brachen sich an den glühenden und kahlen Mauern der Quarantäne von Manila. Die flachen, gelben Gebäude, die steinernen Wälle, die Sandgräben des Lepraheims schnitten ein leeres, hartes Viereck in die sanften, üppigen Hänge zwischen Meer und Stadt und Wald. In dieser Lepraquarantäne von Manila war alles Grauen der Welt kaserniert, war alle Furchtbarkeit. Sehnsucht, Verworfenheit und Verzweiflung zueinandergedrängt. Es gab Tage in diesen glühenden Höfen und heißen Hallen, von denen die Mauern erfüllt waren von einem Schluchzen der Verzweiflung. Tage, an denen niemand sprach oder weinte oder schrie, sondern nur einer den anderen anstiert« mit plötzlich geschärftem Sinn für das Anwachsen lebendiger Verwesung. Es war, als hätte ein eigenes Leben der Seele und Hirne aufgehört— als lebte dort ein verstümmelter Klumpen Körper in einer Angst, einer Stumpfheit, einem Er- stickungsgesühl blutend und modernd hin. Die Maßlosigkeit der Machitz« hatte diese seltsame und grauen- volle Verschmelzung gesteigert und beschleunigt. Es war nicht immer so gewesen: aber seit kein neuer Kranker mehr zu chnen ausgestoßen worden war, hatte sich jenes dumpfe Gleichmaß mehr und mehr über die Leprakranken ausgebreitet. Früher war noch manchmal eine Bewegung über sie gekommen, wenn ein Neuer sich wieder die Hände wund schlug anden Toren des Hofes— ein Neuer, dsr es nicht fassen wollte, daß er unter diese verzweifelte Rotte der Zerstörten gehören sollte, nur weil ein paar blau« Flecken auf seiner Brust tanzten und ein Geschwür sich durch, seine Rippen fraß. Dann tonnte es geschehen, daß der Aelleste unter den Leprokranken,«in malaiischer Fischer, sich neben den Neuen stellte und mit seinen blutigen Armstümpfen, aus denen Skelettfinger ragten, fast lautlos an die Tore trommelt«... Immer war dann eine Verwirrung und Zerspaltung über die Menge des Elends gekommen, und es hatten welche geschrien, aus den Ecken und von den Matten her:„Ich bin auch noch nicht wie ihr—„Der Fischer soll weggehen, der Fischer soll still sein—" Und wenn dann die anderen wimmerten, war der stolze Tagale herausgetreten, hatte den greisen Fischer mit sich geschleppt, in den Schatten gebettet, und chm die drei gesunden, weihen Finger seiner rechten Hand wie zur Kühlung auf die eiternde Stirn gelegt. Der Stolze war der Kränkste unter ihnen, weil sein Bewußtsein stärker und klarer war als das aller anderen. Und so zeigte er ein« Haltung und zeigte Gesten, als könnte ihr« Hohett die Verwesung und den Ekel seiner vernichteten Leibes vergessen machen. Immer hatte dann der greise Fischer zu stammeln begonnen von dem, was seine Er- innerung zuletzt erfüllt hatte: wie er auf der Fischjagd sein« rechte Hand verlor, wie fast allen Fischern dieser Inseln von Samar bis Mindoro und Masbat« geschieht, und wie er alle seine Hoffnungen setzte auf seine Linke. Die aber wurde faulig wie ein Fisch im heißen Sande, und er konnte die Fische nicht mehr jagen und nur am Wasser stehen und auf ihre Liebesspiele starren, bis ihn di« Männer weg- holten und auswiesen. Als der Fischer starb, zuckend vor Übergraß aufbrechenden Wunden, kam den jungen unter den aussätzigen Männern«in Wiederklang seiner zerrisienen Erzählung ins Gedächtnis— vom Liebesspiel, von den Fischen, die farbige Bänder hinter sich her- ziehen. Und in ihren Worten wurden daraus Bänder im Haar eines Mädchens. Sie schufen«in Mädchen, wie sie auf den Inseln leben, mit Augen, die reif und dunkel und verschleiert glänzen, ohne Scham und voller Tiefe, Freude und Erwartung,— schufen es alle gemeinsam, in kranken, wirren Worten, in der entsetzlichen Sprache des Leides, di« sie alle erdacht und sich«ingehämmert und zur Gewohnheit gemocht hatten. Zugleich wie ein Raub und«in Opfer aus ihrer aller Sprachen war sie gebildet zum Verständnis der Männer, die Tagalen waren und Malaien, Jlokäner und Ne- gritos, Japaner, Kreolen, Europäer, Mestizen und Chinesen. Als der Stolze das Mädchen über den Männern wachsen sah in die flimmernde Luft des übersonnten Tages hinein, faßte ihn in seiner Klarheit namenlos« Angst. Denn die Männer stöhnten, wim- stolpern. Lauter kleine Gläschen waren da ringsum. Mühsam«nt- zifferte ich: Antttariföl, Antitlafsenkampfferum, Liquor Herr-im- Hause, Unguentum: Nur-für-den-Profit, Pilulä: Hungerlohn, Tabletten: Antibonzin, Spiritus: Parier-oder-Flieg! Ich bekam Spritzen, Anfchmierungen, Einreibungen, mußte gurgeln, schlucken— mein Magen drehte sich um, ich klappte zu- sammen. Als ich vollends eine große Dosis Zensurtinktur und ein paar Kilo.Lusch-Dich-Schwein" intus hatte, wurde ich zum Profil- a r ch i t e k t e n geschleppt. „Böse Sache!" murmelte dieser Herr.„Starke semito-diiwrische Wölbung, ostische Spitze, westisch« Knorpel. Na— wird hoffent- lich gehen!" Er hobelte, sägte, bohrte, kniff an meinem armen Riecher her- um, legte Winkelmesser an, ließ mir das Senkblei vor der Nase tanzen— und dann schickte er mich weiter zum Behaarung«- k o m m i s s a r. Nun folgte die schmerzlichste Sache. Goldblond gab es nur für Führer bis einschließlich zwetten Grad«s. Alles übrige bekam nur semmelblond. Zuerst wurden mir die Haare radikal ob- geschoren. Ich fürchtete schon, es ginge zum Äöpferollen. Aber dann wund« da» Semmellllondfuperaxyd darüber geschmiert, und mm wurden alle Haarwurzeln einzeln mit kleinen Zünglein herousge- zogen. Ich hörte all« Einherier im Walhall singen-- ich wollte brüllen— nein!— mit nordischem Seeleninoentar ausgestattet, brauchte ich nicht mehr zu brüllen. Da mußte ich handeln wie ein Berserker. Ich begann also von meiner neuen Innenausstattung Gebrauch zu machen und als ich den ersten Hieb austeilte, ertönte ein fürchterlicher Knall--- • Die Lampe vom Nachttisch war mit dem Wasserglas gleicher Herkunft eine Verschwisterung am Boden eingegangen, zu welcher Rassenmischung mich der Aschenbecher seinen Inhalt beisteuerte, in- des die Zündholzschachtel selig wie ein Gondoliere hinter einem Liebespaar auf den Wasserfluten einherschaukelt«. Und meine Frau sagte: „Du solltest eigentlich nicht immer so viele harte Eier zu Abend essen. Da träumt man so schwer!" Ich erwiderte sanft: „Die Eier sind es nicht. Nur. Gunthers Rassenlehr« Hab« ich vor dem Einschlafen gelesen. Ich werde es bestimmt nicht wieder ttinl" Merten, örohten vor sich hin:„Wir wollen Frauen— wir wollen das Mädchen... wir wollen Frauen— warum ist die Mauer—?" Der Stolze beschwor sie, der Stolze schmeichelte ihnen, er ver- lachte sie. Da drängten sie ihre siechen Leiber gegen ihn und starrten ihn mit ihren kranken, zerfressenen Augen wie Rasende an. Der Stolze flehte, der Stolze drohte, und seine Zunge wurde ihm schmerz- Haft trocken, denn alle Glut der Sonne schien sich unheilvoll über die Quarantäne von Manila zu sammeln und aufzuspeichern. Aber der Stolze trat von neuem vor das Haupttor, gegen das die Männer wie zum Ansturm standen, und redete zu ihnen wie zu Kindern und wie man ein Tier beruhigt. Sie müßten alles vergessen, was draußen wäre— müßten daran denken, wie Frauen sich vor ihnen entsetzen würden. Aber das Murren wuchs nur an. Di« Wärter und die Pfleger, alle, die sich für die Leprakranken opferten, hörten es in der Müdigkeit des schwülen Mittags nicht, daß dieser Jammer nicht die gewohnte Klage unsäglich Leidender war. Den Stolzen schauderte es, weil er begriff, daß die Männer um ihn nicht mehr an dem Ungewöhnlichen, Abseitigen des Fluches litten, der über sie geworfen war, sondern daß sie auffchrien unter der Verzweiflung, daß ihre Körper, ein Spott aller Verwesung, in gesunden und natürlichen Trieben weiterleben mußten. Da gab er ihnen Versprechungen, da riet er ihnen. Er werde es den Pfle> gern zurufen und die sollten es weiterschreiben an die Konsuln und Gouverneure, an die Minister, Aerzte und Rechtslehrer, sie müßten den Aussätzigen die Ehe freigeben, die unfruchtbare Ehe, ein grauen» volle», armseliges, totes, ein unendlich großes Gllick der Liebe zwischen Verwesenden. Wie sollte er die Entfesselten und Verzweifelten zu Ueberlsgung, zu Geduld bringen? Sie vermuteten in ihm nur noch den Feind, der sie verraten könnte. Als der Stolze in einem Winkel geknebelt lag, ging von seinen früheren Worten etwas wie Beruhigung auf die Leprosen über. Das hatte ihnen eingeleuchtet, daß es für sie nur die tranken Frauen aus der Weiberguarantäne gab. Viele wurden darüber stumpf und dachten in dem Ekel vor sich selbst nicht mehr an den Ausbruch, an Gewalt und an Raub. Viele aber sehnten sich nur danach, bewahrte und gesunde Menschen, schöne und junge, zu umarmen und zu küssen mit dem entsetzlichsten Judaskuß entmenschter Rache. In den anderen kam eine Art von Ueberlegung auf, daß sie die Unruhigsten unter sich hinderten, im Augenblick loszubrechen. Die Ueberlegung kam ihnen von einer Wolke her. Ueber der Mauer der Quarantäne, dort wo das Meer liegen mußte, zirkelte sich eine Wolkenwand seltsam scharf und weiß ab. Es war den Männern offenbar, daß sie auf die Insel, daß sie auf Manila zukam. Die Wolke wurde den Aussätzigen wie eine Fahne, wurde wie eine Uhr, nach der man sich richtet, wie«in Wegweiser, der«inen leitet. Manche unter ihnen wußten es jetzt wie in einer plötzlichen List und flüsterten es weiter wie eine gefährliche und beglückende, heimliche Weisheit, daß die Stadt Manila, die fern von den Lsprakranken arbeitete, liebte, handelte, sich bereicherte und er- träzliche Leiden litt, wie sie auch über alle blühenden Menschen kommen— daß die Stadt Manila jetzt nur auf diese Wolke achten würde. Fetzen rissen sich los und flatterten mit der Eile des wachsen- den Windes voran. Die Menschen von Manila stauten sich am Ufer. Die Wolke, hoch am Nachmittagshimmel stehend, lastete mit schwerem Druck auf ihnen; sie benahm ihnen den Atem und warf schwüle Dämmerung über ihnen aus. Dann brach es los in tosenden Windstößen, breiten, schrägen Regenstrahlen, sich steigernder Hitze und zuckenden Blitzen. Die Menschen, vom Ufer hinweggeflüchtet, hockten zusammen. Die Aussätzigen hatten die ermatteten Wächter überwältigt und die Tore gesprengt, ohne daß der Aufruhr und das Getöse des heißen Sturmes«inen Laut davon aufgenommen hätten. Aber unter den Leprosen selbst entspann sich ein wilder Kampf. Einer, sieben, alle wußten es, alle wußten es ganz genau, daß zu wenig Frauen für sie da waren und daß sie Feinde waren, einer dem anderen. Die jungen Aussätzigen rotteten sich zusammen, schlugen die alten in Winkel, Türen, Gänge zurück und rissen sich aus gespensti- schen Verschlingungen der Ueberwältigten los. Sie behingen sich mit abgerissenen Blumen und Blätterwerk, mit roten Hibiskusblüten und steckten steife, weiße Frangipanen ms blutverklebte Haar. Sie sanken ins Dunkel der vorzeitigen Finsternis ein— sich schiebend, durcheinanderspringend. Ihre Bewegungen schienen Tier« nachzu- ahmen. Die schrillen Stimmen psalmodierten. Aneinandergeschlagene Aeste skandierten den Gesang:„Wir wollen Frauen, wir wollen Frauen." Die hatten es vernommen, bereiteten sich vor, schwerfällig und voll Hast. Die Frauen fielen ihnen entgegen wie schwer und sterbend. Die Angst, das Wissen, eine unerträgliche Betäubung durch das Unwetter, eine maßlose Spannung und Erwartung hatte die Frauen sich in den Pfeilernischen zusammendrängen lassen, seit der Aufruhr in der Männerquarantäne durch die Mauern vernehmbar wurde. Viele Frauen waren halbnackt und hatten ihre Wunden auch mit den Blumen und Blättern ihrer Krankengärten bchangen. Sie bogen sich in die Knie, sie sanken unter die Männer— ein unlösbares Gemenge wälzte sich dem Walde zu, wie siegestrunken und' schamlos flüchtend in einem. Di« zurückgestoßenen Greisinnen fielen in sich zusammen. Mächtige Bäume des Waldes waren vom Unwetter aus den Wurzeln gedreht. Die warme sumpfige Erde war von gierigem Regen so durchweicht, daß die Aussätzigen bis zum Knie in ihr ver- sanken. Aber mit jedem Schritt, den sie sich vorwärts quälten, ge- mannen sie festeren Boden, bis sie so hoch gestiegen waren, daß das Wasser herabströmte, ohne die Erde in der stürzenden Eil« noch zer- wühlen und auflösen zu können. Zerstreute Wolkenlappen jagten weit droben, aber der Himmel wurde licht. Die Sonne, nah am Versinken, trat noch einmal hervor. Wie anmutige und hoheitsoolle Zeichen der Schönheit und des Sieges standen Palmen schwarz vor dem gelben Sonnenuntergang. Die befruchtete Erde dampste in warmem Nebel dem Südseeabend entgegen. In erstem Mondlicht atmete ruhig das Meer. Falter und Insekten schwebten zwischen Wald und Küste, die Liebesfunken der Leuchtkäfer glitzerten sprühend durch die Dunkelheit. Blaue, rote und topasfarbene Bänder von Scharen und Schwärmsn der Abendschmetterlinge durchleuchteten die Nacht wie Ströme von Stille und Glanz. öitan SCeilbul: Stß lldlll Itll QHillOVßt* Wenn ein Schriftsteller arbeitet, will er nicht gestört sein. Jeden Besuch, auch den liebsten, verbittet er sich— den liebsten am drin» gendsten gar! Sie kam aber dennoch, kam im braunweiß gewürfelten Pull» over. Eine Käferin, von so süßen, ausgeglichenen Maßen, daß der Schriftsteller, von ihrer Grazie gleichsam geknebelt, nicht die ge- ringste Bewegung oersuchen noch eine Ansprache halten konnte, um sie auf seinen heroischen Willen zur Einsamkeit aufmerksam zu machen. Er konnte an Gegenwehr, geschweige an Angriff nicht ein- mal denken. So war diese Kleine. Sie war unter der Zeitschrist hervorgekommen, die gerade neben dem Manuskript des Schrift- stellers lag, und der Schriftsteller hielt sie im Anfang für eine Laus. Aber das war nur Verfolgungswahn— eine Laus, jeder weiß das, kommt niemals in braunweißem Pullover, sie sucht auch ge- meinhin unter und auf einer Zeitschrift nichts. Die kleine Käferin lief von unten über die Seite quer hoch, und der Schriftsteller kon- statierte lächelnd mit jeder Zeile, um welche sie, wie auf einer Terrasse, höher gelangte, welche Hindernisie die Käferin mühelos, ohne jeglichen Anlauf, im Krabbeln nahm! Sie lief zunächst durch die„nationale Bewegung", dann durch„ganz Frankreich", darauf mitten durch„einen Ausnahmezustand", sodann durch„eine Zwei- drittelmajorität"— all das, ohne sich im geringsten zu fürchten; sie lief(der Schriftsteller sah es mit Schaudern) mitten durch„ver- schieden« Landtagsabgeordnete" hindurch, durch„den Neubau des Staates" und durch viele mehr oder minder gefährliche Dinge. Sie trabte eilig über den„Klafsenhaß" hinweg, überwand ohne sichtlich« Mühe„die Alpen", umging dann aber austalligerweise„die Re- formbewegung gewisser Kreise", stutzte kurz vor„den Rechts- Parteien", um einen Bogen um sie zu vollführen, kroch dann aber mit alter Sicherheit quer durch„die unerhörtesten Zustände", lief einen Augenblick später durch„die Riviera", darauf über„Palmen" und dann über einen Stadtverordneten. Sie wäre wohl bald auf der obersten Stufe ihrer Terrasse gewesen. Aber da mußte ihr persönliches Schicksal es wollen, daß sie wieder in einer Kurve— „nur die angestrengteste Arbeit" umging. In diesem Augenblick er- wachte der Schriftsteller aus seiner verzückten Bettachtung der käferlichen Laufbahn... „Käferin", sagte der Schriftsteller(ihre selbstgenügsame, einsame Lebensweife hatte ihn endlich denn doch über ihre zweifelsfrei unverdächtige FamLienabstammung belehrt)—„Sie oder ich". So sagte der Schriftsteller. Die Käferin lief aber von der belichteten Seite der Zeitschrift auf den dunklen Umschlag hinunter, als wäre ihr der Spaziergang im Hellen über so viel brennende Dinge nun doch nicht besonders bekommen. Sie krabbelte sichtlich beruhigt im Schatten über das braunrote Papier— aber der Schriftsteller, aus seinen Gründen gegen die Kleine, die ihn gefessest hielt, heftig erbost, kehrte die braunrote Seite ins Licht, und nun lief sie, immerhin etwas erregt, über lauter bedeutende Namen. Schließlich erreichte sie glücklich das Ende, bog landeskundig um das inzwischen ge- schlössen« Heft herum— bei dieser halsbrecherischen Wendung zitterte der Schriftsteller in Wahrheit um sie. Aber als sie dann auf- atmend begann, über die Bücherreklamen zu wandern, fand sie sich plötzlich wieder im Licht. Daraus machte sie wieder Beine. Ihr Herz schien zu zittern. Offenbar halle sie keine Zlhnung. was das Schicksal mtt ihrer fraglos nicht überaus wichtigen Persönlichkeit vorhaben konnte, daß es sie immer und immer wieder ins Licht kommandierte, aus dem ihr mit aller Gewalt nicht zu fliehen gelang. Irgend etwas Neues, Furchtbares, Grausames, sicherlich der Natur sehr Entgegen- gesetztes hinderte sie(die kleine Person, der sonst alles glückte), dies- mal zu tun, was sie wollte. Aber schon gab es des llebermächttgen, Unbekannten, Unfaßbaren mehr: Eine glatte, der Käferin einfach widerliche Masse, von starker Ausdünstung, seltsamer Boden- beschaffenhett und umfangreicher Höhe und Breite stand da— plötzlich, wie in einem Moment aus der Luft in den Boden gewachsen. Dies war des Schriftstellers Fingernagel, auf den er sie laden wollte. Aber die Kleine stand still. Nein, auf solche verdächtigen Sachen ließ sie sich ganz gewiß nicht mehr ein. Sie war ja kein unerfahrenes Kind. Solch eine Einladung anzunehmen, verbot ihr nicht nur der Instinkt, sie hatte auch von dem schrecklichen Tod eines Familienmitgliedes gehört, das sich auf unbekannte Gebiete gewagt und dort von einer furchtbaren Macht erschlagen, zerquesscht, zermust worden war. Die kleine Käferin stand also still, tat keinen Schritt und wartete ab. Als sich aber die seltsame Masse über die Fläche hin zu bewegen begann, lief sie, wie unsichtbar angebunden, in Kurven und Schleifen hinter ihr her. Wo die Masse hielt, blieb auch die Käferin, schnuppernd, dicht vor ihr stehen. Es war, als ob sie sich selber, höchst mißtrauisch, fragte: Sollt' ich's am Ende doch tun? Da wurde plötzlich die ganze Zeitschrift emporgehoben, es wurde dunkler, die Käferin begann schon, sich deswegen zu steuen; dann wurde es warm, die Käferin freute sich noch mehr;— aber dann wurde es kalt, puh, katt, entsetzlich und bitter katt.— Und plötzlich geschah unter der Zeitschrift ein gollgewaltiger Weltfwß, die Käferin schoß ins Stockdunkle hinein, hinab— ins Feuchte, ins Kalte.— Der Kleinen vergingen die Sinne. So hat der Schriftsteller die nette Person, die ihn mit ihrer zierlichen Schönheit im emsigen Schaffen störte, durch«in energisches Knipsen unter dem Heft in die kalte Nacht befördert. Aber darum ging es mst seiner Arbett nun doch noch nicht weiter. Er saß vor der Lampe. Kein Laut war im Raum. Nur unter dem Fenster vom Heizungskörper kam manchmal«in Tropfen, ein klagender Laut.— Sie oder ich— dachte der Schriftsteller—, das ist die Losung dieser Welt: Käserin, Sie oder ich. Und sie war so überaus zierlich gewesen, geschaffen, um eines Lebens Freude zu fein. Der Schriftsteller ging ans Fenster und lauschte hinaus. Nein, nichts, kein Seufzer. Nur der Wind in der Nähe, und in der Ferne Ge- räusche der Stadt. Er schloß die doppelten Flügel fest, es war kalt. Und fein letzter Trost war nur der Gedanke: Sie hatte ja den warmen Pullover angehabt. vruek»"'"-••. J Q 1 Panana-.48 I Woii-HüSsell®e_ ge i K! r.'rN» WtzKLM 1.45 c*, 150 cm•••», Ww-ÄM 1.85 1,90 �TSoSTb«»-••••>••'* aC w5 ms-'« 5,so «zzWM 14,80 Be9ante"RieSdet2850 taafc« farbig Ba"»* mit MiU»-. ■Blende iL 1 1 Däflien-Wänfpi moderaaa l,1C" f™ 18.00 1 Ksme Mäntel * o,SO 2 2.50 8.50 täZ","! s-»«. -.............. _................. 20 SO fttoKHaesWeil J 2. so i.7b. •"""»ig""Ujf - roao«.,, a t .WsvcMer ----'mmmutAM.. i' POTffi, '_'7o 1 Sueroeaäet'Z8' NÄWm«J: Setotbinto--' 0 äSilr-"•£ SSH!S««~r|| Ustsrieken......„„ ......... 2.75 •Khioransua] hochwertige /) Aa/ fO'elirit