Morgenausgabe 7lr.310/319 A 152 49. Jahrgang Wöchentlich 7S Pf., monatlich z�s M. (davon 87 Pf. monatlich für Zuftel. lung ins Haus> im voraus zahlbar. Postbezug Z�7 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf.Poftbestellge- biihren. Auslandsabonnement 6, SS M. pro Monat; für Lander mit ermäßig- tem Drucksachenporto 4.6S M. Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer Gewalt besteht lein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. » Erscheinungsweiseund Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaktionellen Teils. Verttner VvVsblatt Eonnabend 9. Zuli 1932 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. Jentralovgan der Goziaidemokvattschen Partei Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstr. 3 rtl ft Postschecklonto: Berlins? 586.— Banaonto: Bankder Arbeiter,»ngestellten und fternspr.: Dönhoff(A 7) 292—297. Telegrannn-Adr.! Sozialdemokrat Berlin.»VU»»Ug Hl. v.•V* Beamten, Lindenstr. Z, Dt.B.u.DiSc..Gef., Deposttenk., Jerusalemer Str. Kö/KS. «Vorwärts zur Freiheit!" Carl Severing. Naeh Ablauf der Verbotsfrist erscheint heute morgen der„Vorwärts" wieder. Klarer als durch alle schrift» liehen und mündlichen Hinweise hat sich während seines Nichterscheinens gezeigt, dah der„Vorwärts" im Kranze der Berliner Presse eine Ttellung von besonderer Wich- tsgteit einnimmt. Tie beruht auf der jahrzehntelangen Arbeit der Zeitung und heute vor allem darauf, dah der „Vorwärts" das Sprachrohr des maßgebenden republi- kanisch-demokratischen und sozialistischen Volksteils in Deutschland und in der Reichshauptstadt ist. Dieser Teil deS arbeitenden und politisch orientierten Berlins hat das Fehlen des Vorkämpfers der Freiheit auch wegen der Umstände, die zum Verbot geführt haben, schmerzhaft vermißt und wird das Wieder- erscheinen des Blattes freudig begrüßen. Albert Grzesinski. Aus dem Getriebe der Wahlversammlungen grüße ich den wieder freigewordcnen„Vorwärts"! Möge meine Beobachtung im Lande auch für ihn zu- treffen: Jede Repressalie, jedes Verbot per- mehrt unsere Anhänger, unsere Mitkämpfer und unsere Leser, feuert die Kampfcslust der bis- herigen zu doppeltem Eifer an. Berliner, macht euer Organ zum einflußreichsten der Hauptstadt gegen drohende Ltnechtschaft, für die selbsterrungenc Freiheit. Euer Paul Lobe. Aufruf! An die freiheitlich gesinnte Bevölkerung Berlins! Für Sonnabend, den 9. Juli, rufen die Nationalsozialisten zu einer Kundgebung im Lustgarten auf. Wie uns mitgeteilt wird, zieht die Nationalsozialistische Partei aus allen Teilen der Provinz Brandenburg und angrenzenden Bezirke Mecklenburgs ihre Anhänger zu dieser Kundgebung nach Berlin zusammen, weil sie nicht in der Lage ist, in Berlin aus eigener Kraft eine große wuchtige Veranstaltung durchzuführen. Das freiheitlich gesinnte Berlin kehrt dieser Gesellschaft den Rücken zu. Das freiheitlich gesinnte Berlin nimmt keinen Anteil an der Demonstration des faschistischen Terrors und des blutigen Bürgerkrieges. Deshalb: Kein Arbeiter, kein Angestellter, kein Angehöriger des werktätigen Volkes beachtet die Demonstration der Nationalsozialisten. Die Parole lautet: Haltet euch von den Straßen fern! Schließt die Fenster! Haltet Disziplin! Laßt euch nicht provozieren! Verständigung siegt! OaS Ergebnis von Lausanne: Ende der Reparationen. Lausanne, 8. Juli.(Eigenbericht.) Am Freitag nachmittag kurz vor 13 Uhr ist die Eini- gung zwischen Deutschland und Frankreich erfolgt. Die sechs einladenden Mächte beschlossen daraufhin, um Ll Uhr abends eine öffentliche Vollversammlung der.Konferenz und am Sonnabend vormittag ll) Uhr die feierliche Schlußsitzung mit der llnterzeichnung abzu- halten. Der Vertrag beginnt mit einer Präambel, die den Verlauf der Konferenz schildert, einen Hinweis auf die Eröffnungssitzung ent- hält und an das Moratorium vom 16. Juni erinnert. Das eigent- liche Vertragswerk besteht aus fünf Teilen; 1. Das Abkommen der Gläubiger mit Deutschland. 2. Uebergangsmaßnahmen bis zum In- krafttreten. 3. Protokoll der Aussetzung der Ostrepa- r a t i o n e n bis zum IS. Dezember. 4. Entschließmw über b e- schleunigten Aufbau der oft- und zentraleuropaischen Wirt- scherst. 5. Entschließung über die Einladungen und den Vor- bereitungsausschuß für die W e l t w i r t s ch a f t s k o n f e r e n z. Materiell besagt das Gläubigcrabkommen mit Deutschland; Deutschland erhall ein Totalmoralorium von drei Jahren. Da- nach hat es die Verpflichtung, drei Milliarden Reichsmark zu bezahlen, die in?orm von Reichsschuldverschreibungen der B3Z. in Basel als Treuhänder übergeben werden. Vom 1. Juni 1935 an können diese Schuldverschreibungen kommcr- zialisiert, d. h. zum Verkauf auf den verschiedenen Geldmärkten auf- gelegt werden in dem Maße, wie es die K r c d i t l a g e Deutsch- lands gestattet und nachdem das wirtschaftliche Gleichgewicht Zum Wiedererschcinen des„Vorwärts" der Re. daktwn und den Lesern ein herzliches„Glück auf!" Die gut unterrichtete, von der Liebe zur Mit- arbeit am Staatsaufbau und von hohem Vcrantwor- tungsbewußtsein geleitete Presse ist die beste Gehilfin der Regierungsmänner. Ich stand über zehn Jahre in Amtsstellen des Reiches und Preußens und halte mich darum für befugt, dem„Vorwärts" zu be- scheinigcn, daß er die Arbeitender Regicrun- gen des Reiches und Preußens stctsnachbcstcn Kräften gefördert hat. Er hat an der Arbeit der Kabinette mit deutschnationalen Männern anerkannt, was anzuerkennen war, und am Kabinett Hermann Müller freimütig getadelt, was nach feiner Meinung Tadel und Widerspruch verdiente. Seine Polemiken erschöpften sich nicht in unfrucht- barer Verneinung, sie zeigten zugleich andere, bessere Wege. Wenn ein Blatt dieser Art zum Feiern ver- urteilt ist—„verurteilt" in des Wortes ver- wcgenster Bedeutung—, dann ist das nicht nur eine Unbequemlichkeit für die Leser, sondern auch ein Vertu st für den Staat. Darum gerade b e- glückwünsche ich den„Vorwärts" zur wieder- gewonnenen Freiheit, die ich mit ihm beharrlich ver- teidigen werde, weil ich der Meinung bin» daß die Ausübung sachlicher, dem Staatswohl dienender Kritik nicht unterbunden werden darf, wenn anders Staat und Volk nicht den größten Schaden erleiden sollen. Die parteipolitische Seite des Verbots zu würdi- gen, ist nicht meines Amtes. Aber soviel möchte ich doch sagen: Wir stehen in einem Wahlkampf, dessen Ausgang für Deutschlands künftiges Geschick von beispielloser Bedeutung sein wird. Das e r z w u n- gene fünftägige Schweigen des„Vorwärts" ist in dieser Situation aufrüttelnder, als lange Artikel und Ausführungen sein können. Und der Effekt? Reue Leser» neue Kämpfer! Denn weder Drohungen radikaler Parteien, noch Verbote von Parteizeitungen können die kampfentschlossene und schicksalserprobte organisierte deutsche Arbeiterschaft schrecken. Sie wird ihre Kräfte verdoppeln, ihren Eifer verstärken mit der Losung: Bei seinem Wiedererscheinen begrüßen und b e g l ü ck w ü n s ch e n die Berliner Sozial- demokraten ihren„Vorwärts". Herr v. Gayl kann durch das Verbot unserer Zeitung nicht die Liebe und Treue der Sozialdemokraten zu ihrem Blatt verbieten. Diese Liebe sichert dem„Vorwärts" neuen Aufstieg und Erfolg. „Vorwärts" jetzt und immer„Vorwärts"! kranS Künstler. Deutschlands wisderhirgestellt(ft. Die Begebung der Reichsanleihe auf den auswärtigen Märkten kann immer nur in einer Höhe er- folgen, die jeweils der tatsächlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands entspricht. Der Erlös steht den Gläubigern zur Verfügung, über feine Verteilung müssen sie selbst entscheiden. Nur für die Beträge, die untergebracht sind, bezahlt Deutschland S Proz. Verzinsung und 1 Proz, Tilgung, Für die Ausgabe der Schuldverschreibungen muh ein Mindestkurs von W Proz, erzielt werden. Sämtliche Schuldverschreibungen, die nach Ab lauf von 12 Jahren noch nicht abgesetzt sind, verfallen. Sollte em Mindestauegabekurs von 90 Proz. nicht erzielt werden können, lo kann er herabg«setzt werden durch einen Beschluß mit Zwei drittelmehrheit des Verwaltungsrats der BIZ. Gleichzeitig mit der Hinterlegung der Reichsschuldverschreibungen werden die<60 Mil lionen Reichsbahnobligationen, die bei der BIZ. für die ungeschützte Poung-Plan-Annuität aus dem Hoover-Moratorium hinterlegt werden mußten, an Deutschland zurückgegeben Desgleichen die 6S Millionen G o l d d« p o t s, die als Garantie für die deutsche Währung bei der BIZ, hinterlegt sind, Herr v. P o p e n. der nach Lausanne gefahren war. um für die Politik der„nationalen Konzentration" einen Sieg zu erfechten, ist mit einem schönen Erfolg der Er« füllungspolitit heimgekehrt. Lausanne sollte eine Wegscheide sein. Es ist aber ein Meilenstein geworden an der langen und beschwerlichen Straße, die in Versailles be ginnt, über London nach Locarno und dem Haag führt und an der die Grabmäler Erzbergers und Rathenaus stehen. Von den 132 Milliarden, die Deutschland nach dem Londoner Ultimatum von 1920 zu zahlen hatte, sind jetzt nur noch 3 übriggeblieben, die aber auch nicht sofort zu zahlen sind, sondern erst dann, wenn Deutschland wieder zahlungs fähig ist. Alle bisherigen Reparationspläne, einschließlich des vielbefchrienen Doung-Planes, sind damit erledigt, alle Sanktionsmöglichkeiten sind ausgeschlossen, die Souveränität der Reichsbahn und der Reichsbank sind wiederhergestellt. Damit ist noch einmal bewiesen, daß es überhaupt keine Möglichkeit einer Außenpolitik gibt außer der V e r ft ä n d i g u n g s p o l i t i k. Wer Außenpolitik treibt und nicht ganz gewissenlos ist, der kommt zwangsläufig auf ihre Wege. Lausanne lehrt es! Man darf der deutschen Delegation die Anerkennung nicht versagen, daß sie nicht die Gewissenlosigkeit besaß, die Konferenz scheitern zu lassen. Davon abgesehen hat sie an ihrem Glück nicht viel Verdienst. Sie erntete die Früchte der von der deutschen Sozialdemokratie ge- leisteten Aufklärungsarbeit. Sie zog Gewinn aus dem Wahlsieg des französischen Sozialismus, der seinem Vaterland ehrlich dient, indem er unabhängig von innenpolitischen Konstellationen der Sache der deutsch-franzö« fischen Verständigung dient. Ganz besonders aber kam ihr der große Weltbankrott, die offenkundige Zahlungs- Unfähigkeit Deutschlands zugute. Mit soviel günstigem Wind in den Segeln kam die deutsche Delegation— obwohl sie kstäftig nach der entgegengesetzten Seite ruderte— dennoch in den Hafen. Man kann der Delegation kemem Igorwurf daraus machen, daß sie um eine kleine Restzahlung nicht herumge- kommen ist. Ein leiser Hauch der Komik fehlt freilich auch diesem Vorgang nicht! Hatte sich doch der linketolerierte Brüning auf 0,0 versteift, während sich der Nationalkonzen- trierte Papen immerhin zur Zahlung von 3 000 000 000 M. versteht! Gänzlich unverständlich bleibt jedoch die Groteske, die um die„politischen Bedingungen" aufgeführt wurde. Die sogenannte„K r i e g s s ch u l d f r a g e" ist praktisch längst erledigt und belanglos. Die„We h r f r e i» h e i t" steht aber in geradem Gegensatz zu der in Genf ge- forderten Abrüstung, die doch— für alle— das Gegenteil von„Wehrfreiheit" ist. Allgemeine Abrüstung, nicht allge- meine Aufrüstung ist die Parole! Mit dem Begriff der „Wehrfreiheit" sind gewisse konfuse Pläne einer deutsch« französischen Politik gegen Rußland verbunden, Pläne, gegen die sich die Sozialdemokratie bis zum äußersten zur Wehr setzen wird. Alles in allem, in Lausanne hat die V e r st ä n d i- gungspolitik über den Unverstand gesiegt. Der Un- oerstand bestätigt seine Niederlage, indem er in der Rechts- presse gegen die deutsche Delegation ein furchtbares Ge- brüll erhebt. Mit dieser sinnlosen, nur aus Wahldemagogie bestimmten Haltung beweist die Rechte noch einmal ihre ab- jolute Verantwortungslosigkeit und Regierungsunfähigkeit. Die Deutsche Sozialdemokratie wird— unbeschadet ihrer schärfsten Opposition gegen das Kabinett der Hitler-Barone— das Ergebnis der Konferenz von Lausanne objektiv würdigen. Kuntrede des Reichskanzlers. In seiner gestrigen Funkrede sagt« Reichskanzler v. Papen den„deutschen Frauen und deutschen Männern" u. a. folgendes: In dieser historischen Stunde ist für Parteipolitik kein Raum. Denn je größer das zu behandelnde Problem ist, um so freier, um so höher muß der Standpunkt sein, von dem man aus an die Lösung einer so schweren Aufgabe herantritt. In Lausanne geht es um das Schicksal des deutschen Volkes und mit ihm um die Zukunft der abendländischen Welt. Wir gingen an die Arbeit in dem Bewußtsein, Führer eine« Volkes zu sein, das um feine wirtschaftliche und nationale Freiheit einen sieg» reichen Kampf zu führen bereit ist. Unsere Aufgabe war, die Vergangenheit zu liquidieren und für di« Zukunft das deutsche Volk von dem ungeheuren Druck zu be» freien, der jede wirtjchaftliche Tätigkeit lähmte, jede Aufbauarbeit störte, der den Kampf aller gegen all« bedeutete. Es galt, die Lebensgrundlagen zu schaffen, die der Nation den geistigen, kulturellen und wirtschasttichen Wiederaufstieg ermöglichen. Die Welt war sich seit langem darüber klar geworden, daß jeder konstruktive Gedanke für die Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher und politischer Beziehungen unter de« Völkern Europa» und der Welt so lange nicht zu verwictUche« sein würde, so lange in irgendeiner Form die destruktive Tendenz cinseiliger Tribulzohlungen ohne Gegenleistung fortbestand. Trogdem zeigte sich sehr bald während der Lausanner Verlzand- langen, daß der Weg von dieser Erkenntnis bis zu dem klaren Entschluß, sie zu beseitigen, sehr wert und sehr schwer wqx. Kür hie Wiederherstellung des Vertrauens in der weitesten Weine Front „Der BorwartS verboten!" Das war und ist eine Weltsensation. Mit vollem Recht. Nackt und bloß steht die reaktionäre ReichKreglerung vor dem Forum der politischen Welt. Mit dem Verbot beb..Bor» wärtS" hat die Regierung von Papen sich einen Denkstein gesetzt, der ihr eigeneb Leben weit über» dauern wird. „Kampf dem Wohlfahrtsstaat!", nach dieser ihrer Parole handelte sie beim Angriff gegen den „Vorwärts", den unermüdlichen Vorkämpfer für die Wohlfahrt deö Volkes. Es war ein Schlag gegen das Volk selbst und wurde von ihm alS solcher empfunden. To hat er die Massen alarmiert, sie mit neuer Abwehr- und AngriffSkraft erfüllt für die unvergänglichen Rechte des Volkes. „VolkSrecht gegen Herrenrecht!" Darum geht setzt der Kampf. Die Zukunft wird die Wahrheit deS Wortes erweisen:„Umsonst, ihr Herren, kein Halten mehr"... Vorwärts für die Freiheit! Otto Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion des entsprechend der Forderung Hitlers aufgelösten Reichs- tags sende ich dem„Vorwärts bei seinem Wieder- erscheinen herzlichste Grüße und Wünsche. Ich hoffe, daß gerade das Verbot dazu beigetragen hat, die Arbeiterschaft von der dringenden Notwendigkeit zu überzeugen, das Blatt, das für ihre Sache kämpft, mit allen Kräften zu unterstützen. Ter„Vorwärts" wird, davon sind wir alle überzeugt, trotz aller Bedrohungen fortfahren, die Wahrheit auszusprechen, und die Wahrheit wird immer stärker sein als die Ge- walten, die sie unterdrücken wollen. Kuctalt Breitscheid. Freie Presse ist Auge, Qhr und Stimme der Demo- kratie. Das„Vorwärts"-Vcrbot war ein Vcrkrüppe- lungsversuch, gegen den wir uns mit aller Kraft wehren. Wir beugen uns dem Terror nicht— weder dem legalen noch dem illegalen.„Freiheit!" ist unser Gruß dem wiedererscheincnden„Vorwärts". Mit dem„Vorwärts" für die Freiheit! Kar! Höltermann. Auch die Ärbeitersportler rufen dem„Vorwärts" zu seinem Wiedererscheinen am Start ein kräftiges„Frei- heit!" zu. Hn den fünf Tagen, die ihn das Kabinett der Varone „schwarzgestellt" hatte, hat er hoffentlich so gut trat- niert. daß er am 3l. Juli alle Gegner schlagen und die sozialdemokratische Staffel sicher durchs Ziel bringen wird. Freiheit! friiz Wildung- Der„Vorwärts" war verboten, weil er die polftisch« Verantwortung Adolf Hitlers für die Hungernotverord- «ung ausgesprochen hatte. Die deutsche Arbeiterklasse hat aber gelernt, auch im verbotene«„Vorwärts" zu lesen, denn vi« Wahrheit läßt sich nicht verbieten. Unaufrichtigkeit mag ein Grundrecht des Dritte« Reiches sein, aber der„Vorwärts" wird als Künder der Wahrheit sieghaft bleiben trotz alledem und alledem. Siegfried Auf häuser. Wir sozialdemokratischen Frauen begrüßen unseren „Vorwärts" mit unserem Gruß Freiheit! Wir Frauen wissen es: Der Wille der Baronsregie- rung, das Volk Politisch zu entrechten, bedient sich auch des Mittels der Unterdrückung der Meinungsfreiheit. Damit aber kommt die Reaktion bei uns nicht zu ihrem Ziel. Wir Frauen danken dem„Vorwärts" besonders für sein unerschrockenes Eintreten für alle Unterdrückten und Leidenden, wir danken ihm für seinen mutigen Kampf gegen Gewalt und blutigen Terror! Marie juchacz. Unbeirrt durch Verbote weiter im Jntereffe der Arbeitnehmer tätig zu sein, sei Ehren« sache des heute erstmalig wieder erscheinenden „Vorwärts".- Freiheit! Allgemeiner Deutscher Qc werkschaftsbund Ortsaustdmtz Berlin. Allgemeiner freier Angestelltenbund. Oriskariell Berlin. Allgemeiner Deutscher Beamtenbund. Bezirktaussdbuh Berlin. Form waren wir bereit, eine allerletzte Kraft- anstrengung zu machen. Für diese« Ziel haben wir über drei Wochen lanz schwer gekämpft. Wir sind hart und unnach« gt eb t g geblieben. weil wir di« große Kot in Deutschland kaoalea, weil wir»an den Hoffnungen so vieler Arbeitsloser wußten, weil wir dt« Verantwortung fühlten für 65 Millionen Menschen und weil wir klar waren, daß jede» Abweichen von unserer Linie Deutschland und der Welt nur tiefer ins Unglück dringen würde� Folgen eines Scheitern« dieser Konferenz, die völlig Hoffnung»- lose Zerstörung des letzte» Vertrauen» in den ge- sunden Sinn der Staatsmänner, diese Folgen waren aber so groß und unübersehbar, daß immer wieder zerrissene Fäden neu geknüpft werden mußten. An dieser Stelle spricht der Reichskanzler der Heimat den Dank der deutschen Regierung au» für da» mustergültige Verhalten des gesamten deutschen Volkes in diesen schweren Wochen, das der Regierung die Kraft und den Mut gegeben habe, unverzagt zu kämpfen. Dann sagte der Kanzler: Der Bruch dieser Konferenz würde jeden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland u n m ö g« l i ch gemacht haben. Dt« Nichlberemigung der Reparationsfrage würde Deutschland in den Abgrund gestoßen, die Schuld des Scheitern« den Ring der Sisgermächte wieder um uns geschlossen haben. Nach Darstellung des Vertragsinihalts, den wir an anderer Stelle bringen, führte der Reichskanzler aus: Die endgültige Beseitigung der Reparationen stellt unsere Unab- hängigkeit in wirtschaftlicher und finanzieller Hinsicht vollkommen wieder her, sie beseitigt olle Bindungen, die bisher noch aus dem Doung-Plan bestanden. Das Reich gewinnt die voll« Souveränität über Reichsbahn und Reichsbank zurück. In wirtschaftlicher Hinsicht wird dies« Lösung den deutschen Kredit neu fundieren und damit ein« der wesentlichsten Voraussetzungen für die Erholung der deutschen Wirtschaft schaffen. Polilisch bedeutet das Ergebnis der Lausanner Konserenz den Beginn einer neuen Vera unter den Völkern. Die Endanstrengung der deutschen Regierung hat den Sinn, einen letzten Beweis unseres festen Willens zu geben, für di« witt- schaftliche Wiederausrichtung der Welt unsere Kraft einzusetzen, unser« Kraft so weil es die eigene Lag« uns gestattet. Wer, das spreche ich in dein vollen Bewußtsein meiner hohen Verantwortung als Rsgierungschef aus. diese letzte Kraftanstrengung wird nur dann ihren Sinn und ihren inneren Wert haben, wenn die weiteren Auswirkungen der hier getroffenen Vereinbarungen zu einer Klärung derjenigen politischen Fragen führen, die die Rechte des deutschen Volkes heute nach einengen. 3m Namen Deutschlands melde ich schon heute erneut den Anspruch vor der ganzen Welt an. als Volk mil gleichen Rechten und mit gleichen Pflichten in der ganzen Welt behandelt zu werden. Diese Fragen, besonders die der Kriegsschuld und der Wehrfreiheit, find zwischen den Staatsmännern eingehend erörtert worden. Wenn heute auch noch nicht all« Nationen zu einer Anerkennung unserer Rechte bereit sind, so sind diese, die deutsche Ehre betreffenden Fragen nun vor dem Weltforum aufgeworfen. Der neue Zeitabschnitt, der heute für das deutsche Volk beginnt, di« nun wiederhergestellt« wirtschaftlich« Freiheit und die Unabhängigkeit von den anderen Ländern werden es der deutschen Regierung ermöglichen, nun auch die politische Freiheit zu erkämpfen. Unser Weg von der heute erreichten wirtschaftlichen Liquidierung des Krieges wird und muß zum Frieden in Ehren führen. Darin weiß sich heut« di« deutsche Regierung mit dem gesamten deutschen Volk einig. I Erfüllungspolitiker Papen. Nvkqeheul des Ztechtsradikalismus gegen sein eigenes nationalfonzentrierte« Kabinett. Di« Presse des Rechtsradikalismus hat gestern abend nach ihrer alten Gepflogenheit über das Ergebnis von Lausann« getobt, und zugleich gegen da» nationalkonzentrierte Kabinett v. Popen. Wir kennen diese Töne! Hier einige Kostproben: „Deutsche Zeitung":„Rückzug vor Frankreich. Un» möglich« Lngstlösung. In diesem Sinn« aber war« jedes Kompromiß auf dem Boden von L«rsaille» ge- wachssn,«ins politische Verzichtlei st ung, ganz gleich, ob es auf«ine„Kompensation" oder«inen„Wirffchaftsausgleich", einen„Beitrag" oder einen„Zuschuß", ein„Lösegeld" oder eine „Schlußzahlung" hinausläuft. Darum aber wäre auch dieses Kam» promiß— man sollte es meinen— unannehmbar, grundsätzlich unannehmbar, und parlamentarisch unannehmbar." „Nachtausgabe":„Wie es zum Nachgeben kam. Di« deuffchs Delegation darf sich nicht wundern, daß in Lausann««in« Art fröhlicher Stimmung der Franzosen und ihr«? Trabanten über den„Rückzug der Deutschen" besteht." „ftreuz-Zeilung" au» Lausanne:„Begreiflicherweise hat der gestrige Tag in allen deutschen Kreisen hier starte Eni- täusch ung hervorgerufen. In Deutschland wird es sicherlich nicht anders sein." „Deutsche Tageszeitung":„Das Ergebni, von Lau- sann«, wie es sich nach den letzten Meldungen abzeichnet und wohl kaum noch wesentlich ändern wird, kann begreiflicher- weise keineswegs unseren Beifall finde». Es be- deutet rund heraus gesagt die Fortsetzung politischer Zahlungen ohne wirtschaftlichen Gegenwert und ohne die Herstellung derjenigen politischen Voraussetzungen, die man deutscherseits mit Recht als für ihre Aufbringung notwendig bezeichnet hat." Das genügt! Die Herrschaften sollen nur nicht vergessen, daß sie für die Abmachungen ihrer nationalkonzentrierten Regierung geradestehen müssen! Brüning und papen. Der„Deutsche" schreibt:„Das Scheitern der politi- schen deutschen Forderungen in Lausanne steht nunmehr fest. Diese Forderungen liefen hinaus aus eine so- zusagen offizielle Streichung des Kriegsfchuld-Paragraphen und die Beseitigung der Abrüstungs-Bestimmungen für Deutschland, also auf das deutsche Recht der Rüstungsgleichheit. Wir haben in den ver- gangenen Monaten wiederholt darauf hingewiesen, daß die Kreise. die an einem Sturz Brüning» arbeiteten, mit französischen Politikern und Wirtschaftlern verhandelten. Es wurde von ihnen versichert, eine PerstäiüZigung inst Frankreich, eine„Generalbereini- gung" aller Schwierigkeiten sei sozusagen perfekt. NurBrünlng stände noch im Wege. Die Verständigung werde sogar, so wurde versichert, bis zu einem militärischen Ueberein- kommen und einer Rückgabe des polnischen Kor» ridor» gehen. Ohne Zweifel ist Herr von Pape» mst g r o ß« n Hofsnungen nach Lausanne gefahren. Er hat die Methode des VerHandelns gewählt, an Stelle des klaren und harten Neins, das Brüning ausgesprochen hatte. Brüning schätzte offenbar die Fran- zosen richtig«in und wußte, daß Kompromisse mit ihnen nicht möglich seien. Di« Franzosen haben verhandelt, aber in ihrer Weise, die wir seit Jahrzehnten kennen. Das Ergebnis ist das Scheitern der deutschen politischen Forderungen. Und wenn es nicht auch zum Schestern der Konferenz kommt, so ist es lck»iglich der deutschen Delegation zu verdanken, die nun noch einmal ein letztes Zahlungsangebot gemacht hat." Die Feier des Erfolges. Minifleireoen in der Rachtfihung Laukann». 5 CWi- D'e BollStriammwng der Könierenz begann Punkt öl Ubr im Fssfscicf des Hotels Leaurivage. Präsident Maedonald jagte in jeiner PegrätzungerlSd« u. a., daß auch noch andere Pflichten die Stactsmänner in ihren Landern erwarten. Verschiedene der Daku- wente konnten noch nicht fertiggestellt werden, manch« noch nicht verteilt werden, und dadurch haben einzelne ideiegiene sie noch nicht lesen können. Maedonald schlug daher Pertagung um ein- «tunde oder auf Sonnabend früh ö Uhr vor. Die Mehrzahl der Delegierten, darunter der deutsche Reichskanzler und der franzö- fische Ministerpräsident, waren für eine bloße Unterbrechung von einer Stund«. Abcndsitzungen der Volikonferenz. Die zweite Vollsitzung hat beschlossen, den eingeladenen Mächten ein« Frist bis zur Unterzeichnung der Verträge zu geben, um eine genau» Prüsung zu ermöglichen. Di« sechs einladenden Mächt» nahmen daraus ohne Erklärungen das ganze Vertragswerk an, das Sonnabendvsrmittag unterzeichnet werden wird. Rumänien. Jugoslawien, Griechenland und Portugal gaben Erklärungen ab. daß sie das Vsrtragswerk prüfen würden im Geiste der Solidarität und der Rechte, die ihnen garantiert seien. herriok gab unter atemloser Still« seiner Freude über den Erfolg der ge> meinsamen Arbeit Ausdruck. Um da« Ausmaß des Erreichten zu ermessen, müsse man bedenken, daß der Gewalt die Türe zugeschlagen worden sei, die Konferenz ihr Programm erfüllt habe nicht durch ?lufzwingen eines Willens einem anderen, sondern Mit dem Willen der Zusammenarbeit und der geduldigen Vorbereitung einer besseren gemeinsamen Zukunft. Die Franzosen hälken aus dieser Konferenz mit tiefster Lewe- gung die Schilderung der Leiden de» deutschen Volte» gehört. mit dem sie in Freundschaft leben wollten. Es hänge von den Völkern ab, wie die Arbeit der Regierungen sein werde. Der Geist von Lausanne müsse siegen. Nachdem so lange ein« Politik betrieben worden sei, die die Völker getrennt Hab«, müsse endlich das Verbindend« allein gesucht werden. Möge dazu alle Versammelten gemeinsam der Geist der schönsten Warte ver- binden, die je gesprochen worden seien: Fried« auf Erden allen, die guten Willens find. Der englische Schatzkanzler Chamberlai« betonte besonder«, daß seine Delegation stolz sei, an einer Arbelt mit- gewirkt zu haben, die eine bessere Zukunft für alle Völker bringen werde. Reichskanzler von Papen erklärt«, ihn hätten Herriot« Warte tief bewegt, er hoffe, daß mit Lausanns«in Wend«puntt«ingetreten fei für all« Zweige de« nationalen und internationalen Lebens. Da« erste Ziel der Kon. terenz sei erreicht. Die Reparationen seien endgültig beseitigt, da« End« der politischen Zahlungen gekommen. Di» st ä r t st e Wurzel der Weltwirtschaftskrise sei damit durch- schlagen. Unerläßlich bleib« ee, diesen Weg fortzusetzen. Für den dauernden Erfolg müßten zwei Voraussetzungen erfüllt werden, nämlich tatkräftig die wirtschaftlichen Hindernisse nach zu beseitigen und dann die politische Entspannung herbeizuführen, wa« die Voraussetzung für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten der Völker sei. Alle Probleme der Politik mühten mit dems«lb«n Geiste gelöst werden wie die wirtschaftlichen Fragen tN Lausanne. Er erkenne willig an, daß dl« Gläubiger Deutschland« groß« Opfer gebracht häklea. Deutschland selbst Hab, auch Opfer gebracht und sei bi« an die äußerste Grenze seiner Leisdmgsfähigkeit gegangen. Die Konferenz sei gewiß mit ihm der Ueberzeugung gewesen, daß durch endgültige Lösung mehr gewonnen werde als durch Beharren auf den früheren Formen. Die Einigung sei die Frucht der gemeinsamen Erkenntnis, daß jeder Gedanke eines Aufbaues zerstört werde, wenn die zer- störende Tendenz von Zahlungen ohne Gegenleistung nicht beseitigt werde. Deutschland stelle sich willig an die Seite der anderen Völker, um mit ihnen gemeinsam den Aufbau zu beginnen. Dazu habe das deutsche Volt den festesten Willen. Die Einigkeit von Lausaune werde die Einigkeit für die Zukunft verbürgen. Aus der Entwicklung falle man lernen, daß auch die nach schwebenden Fragen so rasch wie möglich gelöst werden müßten und nur rasch« und mutige Entschlüsse di« Frucht, die man erwartet, bringen könnten. Di« politische Befriedung könne nur eintreten, wenn da» deutsch« Volk unter den Völkern mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten steht. Er schließe mit der Dersicherung, daß Deutschland mitarbeiten werde am wirtschaftlichen Wiederaufbau der Weit. In diesem Sinne werde di« Konserenz von Lausanne der Beginn einer neuen Aera im Leben der Völker sein. Herriot teilt Küsse aus? LausaanH- 8. Juli. sEigenbericht.) Der Konferenzpräsident Macdonald hat um 2 Uhr nachmittags der internationalen Presse die vollzogene Einigung in der Repara- twnssrage mitgeteilt. Der französische Finanzminister(Sermain. Martin machte den Vertretern der Presse über die erfolgte Regelung der deutschen Schlußzahlungen genauere Mitteilungen. Allgemein wurde das Ergebnis mit Zeichen lebhafter Befriedigung begrüßt— nur die Deutschen blieben zurückhaltend. Während die deutsche Delegation ohne jede Erklärung das Hotel Beau Rivage verließ, kam Herriot in freudigster Stimmung in die Halle zu den Jour» nalisten: Er erklärte:„Ich will aus Freude eine Französin und eine Deutsche küssen." Darauf küßte er eine französische und eine deutsche Journalistin. Keine Listenverbindung. Erledigung überflüssigen Geredes. In der Sorge, daß nach den Erfahrungen der Preußen- wcchl bei der bevorstehenden Reichstagswahl staatsparteiliche Stimmen verloren gehen können, war von staatsparteilicher Seite beim Borstand der Sozialdemokratischen Partei ange- fragt worden, ob die Sozialdemokratie zu einer Listenverbm- dung mit der Staatspartei bereit sei. Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hatte sich dazu grundsätz- lichbereiterklärt unter der Voraussetzuna, daß es sich lediglich um eine rein wahltechnische Abmachung ohne jede politische Bindung handle zu dem einzigen Zwecke, alle Wöhlerstimmen der Staatspartei restlos in Mandate umsetzen zu können, um die antifaschistischen Stimmen im Reichstage zu vermehren. Die Weiteroerfolgung dieser rQfie der internationale. AMer-Zeitmg ÄenirclorZan der Sozialdemokrotie Deutscsiösterreichs W i e n, 8.)ull. Od« Echo, da» da« Verbot de$„VorwÜrU" in der toiia- iUtisehen Pretse der gansen Well und Uberall dort gekundan hat. wo das Gefühl fUr die Freiheit de« Wortes noch nicht erstorben ist, beweist, welche Wertschülzung das Blatt genießt, das die Faschisten und die Barone hassen, weil es die Sache der Arbeiter vertritt. Noch wichtiger ist das Echo, das das Verbot des„Vorwärts" in den Reihen der deutsehen Arbeiter selbst hervorgerufen hat Mit freudiger Bewunderung verzeichnen wir das große Aufreeken mit geballter Faust zur Freiheit, das durch den Riesenkörper der deutschen Arbeiterschaft geht. Einige Tage habt Ihr schwelgen müssen, aber wie Ihr selbst es vorausgesagt habt; lauter haben die Hunderttausende gesprochen, die in diesen Tagen und in den kommenden Wochen in Deutschland ihre Stimmen für die Freiheit gegen Faschismus und Willkür erheben. Mit ganzem Herzen sind wir in diesem Kampf an Eurer Seite. Uns eint der gemeinsame Feind, uns eint der Ruf, der Wille, den Ihr seit vierzig lahren trotz vorübergehender Unterdrückung ttolz im Namenttchllde führt. Die Parole bleibt: Vorwärts! „Arbeitor-Zeitung", Wien. LE POPULAIRE £1: zz: Orfena da Fiirtl Soelsllsto(S. F. L O) Paris, 8. Juli. Wir begrüßen freudig das Wiedererscheinen des„Vorwärts", der nun seinen guten sozialistischen Kampf gegen alle Kräfte und Formen der Reaktion fortsetzt. Leon Bium, Compere-Morel. Pallfe l|traM London, 8. Juli. Euer Kampf für Freiheit der Presse wird bewundert von allen, denen Gerechtigkeit am Herzen liegt Wir senden Euch zu Eurem Wiedererscheinen nach der Unterdrückung durch Kräfte, die vorübergehend an der Macht sind, unsem Glückwunsch. Die Freiheit hat manche Feinde in allen Ländern, aber wir sind überzeugt, Ihr werdet immer die glänzende Tradition Eurer Vergangenheit fortsetzen. Redaktion das„Daily Herald". « Ktm out u noPLt u», Le Peuple ORGANE OUOT1BIEN Dt LA DEMOCRATIE SOCIAUSTt BrUssel, 8. Juli. Im Namen der sozialistischen Presse Belgiens begrüße Ich das Wiedererscheinen des Kampforgans dar deutschen Sozialdemokratie. Sein Schweigen während fünf Tagen raubte uns die lebendige Verbundenheit mit jenen deutschen Kräften, die, Inmitten von Schwierigkeiten ohne Zahl, die Republik, den Frieden und den Sozialismus aufrichten. Seid In Eurem Kampfe gegen den Cäsarismus und gegen die Feinde der Freiheit und des Friedens der lebhaften Sympathie der belgischen Sozialisten versichert A. Wauters Chefredakteur des„Peuple". HET VOLK Amsterdam, 8. Juli. Ein Volk, in dem die Leidenschaft zur Freiheit glüht, bricht jedes Joch; eine Klasse, die in Selbstbeherrschung erzogen ist, Uberwindet selbst die Zersetzung. Heil dir, Träger von Feuer und Kraft, du bist unbesiegbar. , Redaktion von„Het Volk". Jocial-Demokraten Srihnö SlßhcO vmöerskoh Kopenhagen, 8. Juli. Die sozialdemokratische Presse Dänemarks grüßt den „Vorwärts" bei seinem Wiedererscheinen auf der Kampffront der Arbeiterklasse. Früher versuchte Bismarck den deutschen Soziaiismus niederzuringen, heute versuchen seine Nachahmer dieses Experiment zu wiederholen. Wir sind aber völlig Uberzeugt, daß der„Vorwärts" und die deutsche Sozialdemokratie aus diesem Kampf als Sieger hervorgehen werden. Es lebe der„Vorwärts", es lebe die Internationale, es lebe der Sozialismus! „Soeialdemokraten", Kopenhagen H. P. Soerensen, M. Hoerdum, Carl A. Andersen. EL SOC5AMSTA® Madrid, 8. Juli.(Funktelcgramm.) Die spanische Arbeiterklasse unter Führung der„Union general trabajadores" mit 1 200 000 Mitgliedern und die Sozialistische Partei Spaniens, die stärkste Fraktion des Parlaments mit 120 Abgeordneten, erklären sich solidarisch mit dem Zen- tralorgan der großen deutschen Sozialdemokratie, das durch die Regierung der Barone verboten wurde. Es lebe die deutsche Sozialdemokratie! Es lebe die sozialistische Presse Deutschlands! Es lebe die sozialistische Internationale! „Ei Soclalista", Madrid. OBÖ Warschau. 8.Jult. Tief empört wegen des unerhörten Attentats der Rapen» Hitler-Regierung auf den„Vorwärts", grüßen wir das Wieder. erscheinen des Sprachrohrs der deutschen Sozialdemokratie Möge es der glorreichen deutschen Sozialdemokratie bald gelingen, dem Faschismus den Todesstoß zu versetzen! Vorstand der PPS. und„Robotnlk"# PRAVO LIDU Prag, 8. Juli. Die tschechoslowakische Arbeiterklasse verfolgt mit auf- richtigen Sympathien Euren Kampf mit der Reaktion. Haltet fest an der kröftigsten Waffe, welche die Arbeiterschaft hat, das ist die Tagespresse, das Ist der„V e r w ä r ts", welcher nach kurzen erzwungenen Ferien sich wieder in die ersten Reihen der Eisernen Front stellt, begleitet von den herzlichsten Grüßen aller Parteien der Internationale. Stivin. „Pravo Lidu", Prag Frage Hat sich dadurch erübrigt, daß der Zentralvorstand der Deutschen Staatspartei am Donnerstagabend beschlossen Hat. ohne Listenverbindung selbständig in den Waylkampf ein- zutreten. Mehrere kleine politische Gruppen der Linken mit teils sektenhaftem Einschlag, die sich von größeren Par» teien abgespalten haben, rufen jetzt laut nach Sammlung aller Wählerstimmen gegen den Faschismus. Sie machen den großen Parteien sogar Vorschläge für eine„proletarische Ein- heitsliste". Dabei hindert sie niemand, ihre Stimmen an eine Reichsliste einer großen Partei anzuschließen. Nach den gesetzlichen Bestimmungen kann das sogar gegen den Willen der betreffenden großen Partei geschehen. Zwischen großen Parteien wie Sozialdemokratie und KPD., die in den Wahlkreisen genügend Mandate er- halten, um ihre Reststimmen auf der Reichsliste voll aus- nutzen zu können, hat eine Listenverbindung überhaupt keinen Sinn: sie kann möglicherweise sogar zum Ver- lust eines Mandats führen. Außerdem hat die Kommu- nistische Partei bekanntlich erklärt, daß sie mit der Sozial- demokratischen Pärtei nicht zusammengehen werde. Nunmehr dürfte das Gerede über Lift erledigt sein._ tenverbindung wohl Thüringer Landtag einberufen. Abstimmung über den sozialdemokratischen Auflösungsantrag Weimar, 8. Juli. Der Thüringische Landtag ist auf kommenden Freitag, den IS. Juli, zur Beratung des sozialdemokratischen Aus- lösungsantrag« sinberufen worden. Beseitigung des Presseknebels. Forderung des Reichsverbandes der Deutschen presse. Der Geschäftsführende Vorstand des Reichsverbandes der Deutschen Presse hat am Donnerstag folgende Entschließung gefaßt: „Die deutsche Presse steht vor den ersten Zeitnngtz- verboten auf Grund der neuen Notverordnung vom 14. Juni 1932. chne zu den Tatbestünden, die zu diesen Verbote» geführt haben, politisch Stellung zu nehmen, erklärt der Reichoverband der Deutschen Presse, in dem die Redakteure von deutschen Tageszeitungen der ver- schiedensten politischen Richtungen zusamutengefastt sind. von neuem, daß Zeitungsverbote weder ge» eignet noch erforderlich sind, um staatliche Notwendigkeiten zu sichern. Trotz der vorgenommenen Abänderungen bildet di« Verordnung in ihrer neuen Fassung eine schwere Gefahr für die Unabhängigkeit der verant- Wartung« bewußten Presse, die ein unentbehrlicher Faktor der politischen Meinungsbildung ist und darum einem wichtigen Lebensinteresse der Nation ent. spricht. Der Reichsverband der Deutscheu Presse fordert deshalb erneut die Beseitigung von Bestimmungen. die in ihrer Auswirkung zweischneidig sind und eine mit dem Grundsatz der Pressefreiheit unvereinbare B e. lastung der deutsche» Presse in ideeller und materieller Hinficht darstellen." Irrenhaus Landtag. Die Nazifraktion— eine deutsche Kulturschande/ Wollt ihr das auch im Reichstag? Der Preußische Landtag hat in dieser Woche wieder einmal von Mittwoch bis Freitag getagt. Erster Beratungsgegenstand waren Berichte des Handelsausschusses über Bergwerksstillegungen und Bergarbeiterfragen. Wer sich etwa einbildete, daß in den drei Tagen dieser erste sachliche Berotungsgegenstand erledigt worden wäre, irrt sich gründlich: weder dieser noch ein anderer Gegenstand ist zur Verabschiedung gelangt. Man hat drei Tage lang geredet, ge- schimpft, gedroht und gesungen, und geschafft hat man Null Komma Nichts. Toll dos im neuen Reichstag auch so werden? Wollt ihr das nicht, dann wählt sozialdemokratisch? Geradezu ein Musterbeispiel, wie ein Parlament nicht arbeiten soll, war die Freitagsitzung. Auf der Tagesordnung standen die er- wohnten Bergarbeitersragen und die politische Amnestie, gegen die der Staatsrat Einspruch erhoben hotte. Geredet wurde über den Tod des Polizeioberleutnants Moaß, über ein in Hameln verbreitetes sozialdemokratisches Flugblatt und über einen in Frankfurt am Main verhafteten Naziabgeordneten. Dazwischen auch über den Lohntarif der Kellner im Landtagsrestaurant. Den größten Teil der Sitzung nahmen Vertagungen ein, die beschlossen wurden, um einen Minister herbeizurufen oder notwendig wurden, weil man wegen des Radaus nicht weiterkommen konnte. ?m Vergleich zu diesem Preußischen Landtag ist jedes Irren- hau»«ine Stätte hoher Vernunft. Torgt dafür, das« der neue Reichstag nicht wird wie dieser Landtag? Die Debatte besteht in der Hauptsache aus Schimpf- und Drohwarten. Die Nationalsozialisten berauschen sich an dem geschichtlichen Beispiel, daß den Richtern nach der Schlacht im Teuto- burger Wald die Zungen ausgerissen worden seien. Oder an der Ankündigung, daß sie nach ihrer Machtergreifung Grezesinski so lange mit Gummiknüppeln bearbeiten würden, bis er sich halbtot auf dem Straßenpflaster winde. Die Ankündigung, daß sie über die sozialdemokratische Fraktion her- fallen würden, erfolgt seitens der Nationalsozialisten ungefähr alle Viertelstunde. Zurufe wie„I u d e n j u n g e n", Hunde- söhne".„Schweine" und dergleichen brechen überhaupt nicht ob. Selbstverständlich, daß man die herbeizitierten Minister nieder- zubrüllen versucht. Wollt ihr einen Reichstag der Roheit und Ge- meinhcit? Pber oll diese ekelhafte Roheit und Gemeinheit, die «in wirkliches menschliches Wesen kaum zu ertragen vermag, macht eben das Parlament völlig leistungsunfähig. Nach fünf Stunden flog das Parlament auf, ohne auch nur einen einzigen positiven Beschluß gefaßt zu haben. Von den auf der Tagesordnung stehenden Bergarbeiterfragen wurde überhaupt nicht eine Silbe ge- sprachen, und von den dutzendweis vorliegenden Anträgen nicht ein einziger abgestimmt. Die einzige Abstimmung, die vor- genommen wurde, galt dem Einspruch des Staatsrats gegen die politische Amnestie. Diesen Einspruch kann der Landtag mit Zweidrittelmehrheit zurückweisen. Hätte den National- sozialisten irgend etwas daran gelegen, die Amn-sti« zustande zu bringen, wäre es natürlich ein Leichtes gewesen, die beanstandeten Bestimmungen, besonders beamtenrechtlicher Art, auszumerzen und dadurch dem Gesetz eine überwältigende Mehrheit zu sichern. Statt dessen versuchten sie aussichtslos, Zentrum und Sozialdemokraten durch immer tollere Schimpfereien und Drohwortc einzuschüchtern. Und als das nichts half und die Zwei- drittelmehrheit zur Zurückweisung des Einspruchs nicht erzielt wurde, sprengten sie die Sitzung mit Krach. Unmittelbar vor der Abstimmung über das seinerzeit von der Sozialdemokratie be- antragt« Amnestiegesetz über kleine Notdelikte. An der Freilassung dieser armen Teufel hallen die Heil-Hitler-Zünglinge kein Interesse mehr! Präsident Kerrl ließ inoffiziell die Fraktionen wissen, daß er nun nicht mehr die Absicht habe, vor den Reichstagswahlen den Landtag einzuberufen. Infolgedessen beantragten natürlich die Kom- munisten sofort, ihn baldigst wieder zusammentreten zu lassen. Am Mittwoch soll darüber der Aeltestenrat entscheiden. Man könne selbst in der Wahlzeit einen Wiederzusammentritt des Landtages befür- warten, wenn er nur etwas schaffen, statt schimpfen wollte. Aber so?! In seinem berühmten Daily-Telegraph-Interview hat Wilhelm der Letzte von den Engländern gesagt, sie seien verrückt, total verrückt, verrückt wie die INärzhasen. Genau so ist der preußische Landtag! Run sorgt dafür, daß der neue Reichstag besser wird? Wählt Sozialdemokraten! Keine Amnestie! Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Lohse(Nfoz.) die Behauptung eines sozialdemokratischen Flugblatts in Hameln, daß nationalsozialistische Abgeordnete sozialdemokratischen weiblichen Abgeovdneten als Antwort auf den Hinweis, daß ihre Söhne im Kriege gefallen seien, geantwortet hätten:„Ihr dummen Ziegen, dafür wurden sie euch ja gemacht!" fllr un- wahr und verleumderisch. Für diese Wahllügen der SPT. werden wir uns hier an der Fraktion schadlos halten. (Stürmischer Beifall bei den Nsoz.) Abg. hinkler(Nsoz.) wird zur Ordnung gerufen wegen des Zurufs:„Die Amnestie wird euch teuer zu stehen kommen, ihr Brüder!" Andere Nationalsozialisten rufen:„Judenjungen. Hundesöhne". Ein Nationalsozialist wird zur Ordnung ge- rufen, weil er einem sozialdemokratischen Abgeordneten zuruft: „Das Schwein grinst noch!" Abg. Hossmann(Komm.) beantragt, die Regierung aufzu- fordern, dem Personal im Landtagsrestaurant die gleichen sonder- tariflichen Bezahlungen zu gewähren wie früher. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Iustizminiffer Dr. Schmidt legt Verwahrung gegen die Beschimpfungen ein, die von National- sozialisten in der früheren Anmestiedebatte gegen Richter und'An- waltskammern ausgestoßen seien. Die Richter täten nach Derfassung und Gesetz unparteiisch ihr« Pflicht.(Großer Lärm bei den Nsoz.) Abg. Dr. Freister(Nsoz.) wiederholt die bereits früher vom Abg. Kube ausgestoßenen Beschimpfungen gegen die„Juden- jungen" in den Anwaltskammern. Was die Anwalts- kammern schrieben, sei den Nationalsozialisten völlig egal. Sie hätten nur dos Vertrauen der Juden, nicht idos der Deutschen. Aba. Kube(Nsoz.): Der lächerliche Preußisch« Richterverein würbe verdammt schnell schweigen, wen« wir seine Mitglieder einmal der berechtigten Wut der breiten Massen preisgäben. Leute wie Tchmiü, «iegert und Ohnesorgc schänden bewußt das deutsche Recht. Der Lump Stenig ist ein niederträchtiger Provokateur. Im Teutoburger Wald haben die Germanen den römischen Richtern die Zunge ausgerissen und ihnen zugerufen:„Jetzt zische Naller, wenn du kannst!" Die Richter sollten sich nicht zu sehr auf die eingetretene Milderung der Ilmgangsformen verlassen.(Stiir- mischer Beifall bei den Nsoz.) Der Staatsrat, der gegen die Amnestie Einspruch erHoden hat, ist nur eine Leichen- kämme r von 1?2?. Entweder geht heute tue Amnestie durch oder der Landtag fliegt auf.(Erneuter stürmischer Beifall bei den Nsoz.) Justizminister Dr. Schmidt versucht, gegen die Tonart der Ausführungen des Abg. Kube zu protestieren, wirö aber nieder- geschrien. Präs. Kerrl hebt die Sitzung auf. » Nach Wiedereröffnung der Sitzung beantragen die Nationalsozialisten die Herbeiruf ung des Ministers S e v e r i n g. Der Polizeipräsident van Frankfurt o. Main, der Sozialdemokrat S t« i n b e r g, habe einen nationalsozialistischen Abgeordneten verhaftet, um ihn an der Teilnahme an der heutigen Abstimmung zu hindern. Steinberg gehöre ins Zucht- haus. Dem nationalsozialistischen Abgeordneten sei auf Staats- tasten ein Flugzeug nach Berlin zur Verfügung zu stelle». Die Herbeirufung des Ministers wird gegen Zentrum und Sozialdemokraten beschlossen und die Sitzung bis zu seinem Er- scheinen unterbrochen. Bei Wieidereröfsnung der Sitzung ist Minister Severing noch nicht anwesend. Abg. Dr. Freister(Nsoz.) verliest einen Brief, den angeblich Polizeioberleutnant Maaß an die nationalsozialistische Landtagsfraktion wegen schwerer Ausschreitungen eines Polizei- majors Meyer und sonstiger Gewalttätigkeiten von Schutzpolizei- beamten geschrieben ha». Bor wenigen Tagen habe man Maaß schwer verwundet ausgeiunden und heute sei er im Staatskranken- haus gestorben. Ein Selbstmord sei ausgeschlossen. Grzesinski, Weiß und Heimannsberg hätten politische Mörder gedungen, um die Schandtaten ihres kor- rupten Systems zu verdecken. (Großer Lärm bei den Nsoz.— Drohrufe gegen Grzesinski.) Abg. Grzesinski(Soz.): Dies« Behauptung ist so ungeheuerlich, daß ich es für unmöglich gehalten hätte, daß«in preußischer Abgeordneter zu derartigen Unterstellungen greift.(Großer Lärm und wilde Erregung bei den Nsoz.) Mein Kommandeur Heimannsberg hat den Polizeiober- leutnant Maaß chesonders geschätzt und auf die Nachricht von seiner schweren Verwundung ihm sofort«inen Krankenbesuch abgestattet. Alle Behauptungen des Abg. Freisler sind unwahr, einfach schon deswegen, weil sie gar nicht wahr sein können.(Stürmischer Beifall bei den Soz.) Abg. kube(Nsoz.) macht sich die Behauptung zu eigen, daß Maaß im Auftrag« der Polizeileitung von Berlin erinordet wor- den sei. Die Angelegenheit wird dem Polizeiuntersuchungsausschuß überwiesen. Abg. Dr. von Vinlerscldt(Dnat.): Es kann in Preußen nicht anders werden, ehe wir nicht einen neuen Ministerpräsidenten wählen. Wir beantragen, daß morgen wenigstens der Versuch da- zu gemacht wird. � Präs. kerrl: Darüber werde am Schluß der Sitzung ab- stimmen lassen(Heiterkeit.) � Die Sitzung wird bis zum Eintreffen des Ministers Severing vertagt. -i- Nach Wiedereröffnung der Sitzung fragt Präs. kerrl, ob der Minister in der Lage sei, über �die Verhaftung eines nationalsozialistischen Abgeordneten in Frankfurt am Main Auskunst zu erteilen. Minister Severinq: Durch Anruf des Direktors beim Lartdtag bin ich heute nach- mittag 2.55 Uhr telephonisch von den: Variali verständigt worden Ich habe leider nicht gewußt, daß der hier vorliegende national- sozialistische'Autrag grob« Besch! mpiungcn meiner Bc> amten. insbesondere de? erkrankten und seit 14 Tagen nicht iin Amt befindlichen Polizeipräsidenten«teinberg enthielt. Sonst hätte ich von vornherein abgelehnt, mich mit der An- gelegenheit zu befassen. (Sehr gut! bei den Soz.: großer Lärm bei den Nsoz.) Ich appelliere an Ihren politischen Verstand.(Oho! bei den Nsoz.)— Heiterkeit links.) Kein Staatswesen, gleichviel welcher Verfassung, kann sich gefallen lassen, daß sein Beamtenkörper desorganisiert wird. So- lange ihnen nicht Mißgriss« nachgewiesen sind, stelle ich mich schützend vor meine Beamten.(Lebhafter Beifall bei den Soz. und im Zentrum.) Ich trage für sie die Veramwortung und ich trage sie sreudigen Herzens.(Stürmischer Beifall bei den Soz.) Der in Frage stehende nationalsozialistische Abge- ordnete ist heute vormittag an der Spitze eines nicht genehmigten Demonstrationszuges festgenommen wor- den. Das ist mit Fug und Recht geschehen. (Lebhafter Beifall bei den Soz.)— Großer Lärm bei den Nsoz, der sich erneuert, als der Zentrumsabgeordnete Diel den Nsoz. zu- ruft:„Haben Sie gar kein Verständnis für Ritterlichkeit?) Immer- hin war dieses Vergehen nicht so schwer, daß es notwendig machte, einen Abgeordneten der parlamentarischen Arbeit zu entziehen. Ich habe daher die Freilassung angeordnet.(Zu- rus bei den Nsoz.: Und wie kommt er nach Berlin?) Das ist seine und Ihr« Sache. Daß ich dem Herrn Abgeordneten auf Staatskosten ein Flugzeug verschaffe, das können Sie meinetwegen von jedem Menschen in Europa erwarten, nur n-cht von Karl Severing.(Stürmischer, langanhaltender Beifall bei den Soz.) Hierauf kommt es zur Abstimmung über den Einspruch des Staatsrats gegen die Amnestiegesetze. Es wenden 401 Karten ab- gegeben. Die zur Zurückweisung des Einspruchs des Staats» rats erforderliche Zweidrittelmehrheit betrüge 268. Mit Fa stimmen 2�4, mit Nein 157 Abgeordnete (Zentrum und Sozialdemokraten). Die Zweidrittel. Mehrheit ist also nicht erreicht.(Pfuirufe bei den Kommunisten und Nationalsozialisten.) Abg. kube(Nsoz.): Wir hoben weder an der Weiterb«ratung der Amnestiefrage, noch überhaupt an den Beratungen dieses Land- tags ein weiteres Interesse. Wir gehen jetzt ins Volk. Heil Hitler! Di« Nationalsozialisten stimmen in die Heilrufe auf Hitler ein und sangen dann an zu singen. Präs. Kerrl verläßt den P r ä s i d e n t e n st u h l. Die Kommunisten intonieren die Jnter- nationale, und es sindet für längere Zeit ein Wettsingen statt. Damit ist die Sitzung beendet. „Ihr dummen Ziegen!" Die Razis wollen sich herauslügen.— Sie sind überführi. Die sozialdemokratische preußische Landtagsfraktion gibt folgende Erklärung ab: Der Abgeordnete L o h s e hat sich in der Landtagssihung des Frei- tag in einer Erklärung außerhalb der Tagesordnung mi« einem nach seiner Angabe in Hameln verbreilelen Flugblatt beschäftigt, in dem behauptet wor. nationalsozialistische Abgeordnet? hätten weiblichen sozialdemokratischen Abgeordneten noch dem Hinweis aus den Opfer- tod ihrer Söhne im Krieg erwidert: „Ihr dummen Ziegen, dafür wurden sie euch ja gemacht?" Lohse hat diesen Zuruf für verleumderisch erfunden erklärt. Demgegenüber stellt die sozialdemokratische Landlagsfraktion fest- 3n der sünften Sitzung des Preußischen Landtags vom Z. Zum lg3Z wurde, als der sozialdemokratische Redner Abg. Drügemüller erklärte:„Sie können uns national nicht beleidigen" von national- sozialistischen Abgeordneten, insbesondere dem Abg. Ahlemann. wiederholt gerufen:„Ihr Landesverräter!" Daraus entspann sich ein Wortwechsel zwischen einer Gruppe nationalsozia- l i st i s ch e r Abgeordneter, die sich um Ahlemann scharten, und einigen Frauen der sozialdemokratischen Fraktion. Die Abg. Frau B o l l m a n n, deren damals lSjähriger Sohn Walter am IS. April ISIS an der westfronl gesallen ist, wurde von nalionalsozialislischen Abgeordnelen mit dem Gegenrus bedacht:„was versteht 3hr Weiber von P o l i ti k!" Die Abg. Frau Kahler, deren damals Zljähriger Sohn am 22. 3uni 1917 an der Ostfronl verletzt wurde, rief:„Aber unsere 3 u n g e n dursten wir hergeben!" Daraus kam aus der bezeichneten Gruppe die Antwort: „Ihr dummen Ziegen, dafür find sie euch ja ge- macht worden." Dieser Zuruf ist von einer ganzen Anzahl weiblicher Rlitglieder der sozialdemokratischen Fraktion gehört worden. Die weiblichen Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion haben ihn daher mit Ramensunlerschrift der Oesfentlichkeit bekanntgegeben. Unmittelbar nach dem Vorgang, der ivegen der ungeheuerlichen Art, wie deutsche Mütter beschimpft wurden, bei den Ohrenzeugen heftige Empörung auslöste, wurde der Gesamlsraktion von dem Tal- bestand Mitteilung gemacht. Die sozialdemokratischen Abgeordneten, die den Zuruf selbst gehört haben, sind bereit, die Richtig- keit dieser Jachdarstellung jederzeit mit ihrem Eid zu bekräftigen. 3m übrigen sei daraus verwiesen, daß über den Vorgang in zahlreichen Tageszeitungen berichtet worden ist, so im Zeiher„Volks- boten" Nr. 146 vom 24. 3uni 19Z2. im hannoverschen„Volkswillen" Nr. 147 vom 25. 3uni 1932 und in der„Rheinischen Zeitung" in Köln Nr. 147 vom 24. 3uni 1932. Diese Berichte sind von nattonal- sozialistischer Seile In keiner weise beslrilken worden. Die SA. gegen Polizei. Schwere Zusammenstöße in Frankfurt a. M. In Frankfurt a. M. kam es am Freitag zu Zusammen- stößen zwischen Nazis und der Polizei. Im Anschluß an das Begräbnis eines kürzlich erschossenen SA.» Mannes formierten Frankfurter Nationalsozialisten, die durch Last- wagentransporte von auswärts verstärkt worden waren,«inen nicht angemeldeten starken Demonstrationszug durch das Stadtinnere. Am Wendelplatz stießen die Demonstranten«inen Polizeioffizier mit acht Beamten zur Seite, die vergeblich die Auflösung des Zuges forderten. Die SA.-Leute schnallten auf Kommando die Schulter- riemen ab und schafften sich Platz, indem sie auf die Beamten«in- schlugen. Der Demonstrationszug widersetzte sich auch allen späteren polizeilichen Anordnungen. In Mannschaftswagen vorübersahrende Beamte wurden wüst beschimpft und Zuschauer, die abfällige Be- merkungen machten, mit Schulterriemen zu Boden geschlagen und mit Füßen getreten. Die Polizei war machtlos. Immer wieder formierten sich die SA.-Leute und stießen die sich ihnen entgegen- stellenden Polizeibeamten zur Seite. Erst an der„Alten Brücke" löste sich der geschlossene Zug aus. Unter lautem Schreien und unter Beschimpfungen gegen die Polizei marschierten die Nazis nach der Zeil. Hier mehrten sich die Uebersälle auf politische Gegner. Als die Trupps auf dem Börsenplatz eintrafen, ordnete die Polizei die sofortige Räumung des Platzes an. Auch hier leisteten die SA.» Leute Widerstand, setzten sich auf den Boden und sangen ihre Kampslieder. Im Anschluß an die Demonstration wurde gegen 13 Uhr auf dem Frankfurter Flugplatz, kurz vor der Abfahrt des Flugzeuges nach Berlin, der nationalsozialistische Landtagsabgeord- nete Beckerle verhaftet. Er war der Anführer der ver» botenen Demonstration. Der„VorwÄrls" erscheint wochentäglich zweimal, Sonntags und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Sanntagsbeilage„Voll und Jett". Anzeigenpreise: Die«inspait. Millimeterzeil« 30 Pf., Rellamezeiie Z— M. „ttl-iae Anzeigen" das fettgedruckte Wort so Pf.«zulässig zwei fettgedruckte Worte) jedes weitere Wort>0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über is Buchstaben zählen für zwei Worte. Arbeitsmarlt Millimelerzeii« SS Pf. Famiiienanzeigen Millimeter- zeile IS Pf. Anzeigrnannahme im Hauptgeschäft Lindenftraße Z, wochentäglich von SV, bis 17 Uhr. Der Verlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- nehmer Anzeigen oorl Verantwortlich für Politik: Victor Wirtschaft:®. Slingelhöser: Gewerkschaftsbewegung: Z. Stcinrr: Feuilleton: Herbert Lepdr«: Lokale» und sonstiges: Frig ttarftädt, Anzeigen: Th. Stocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts-Verlag S. m. b. H.. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 68. Lindenstraß«& Hierzu 5 Beilagen. Tfr. 310/31 9» 49. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts 6>onnabend> 9. Juli 1932 toieitwziideniiiZ durch den Fläming ABte Stadt im alten Land Eines der eigenartigsten Gebiete der Mark Brandenburg ist öer Fläming. Es ist eine Landschast, die keine dichte Besiedlung oerträgt. In harter Arbeit hat hier der Mensch um sein Dasein gerungen. Viele Dorfnamen, die heute noch erhalten sind, bezeichnen einstige Siedlungen, die oerlassen wurden, weil sie in nahrungs- armem Boden lagen, der aller Arbeit zum Trotz nicht einmal das Mm Leben Notwendige bot. Die Hochfläche des Fläming, die uns die Eiszeit bescherte, ist eine herbe Landschaft geblieben, die jeden Wanderer, der einsam zwischen Wald und Wiese seine Wege sucht, gefangen nimmt. Die Eisenbahn gibt für eine Reise in den Fläming Sonntags- rückfahrkarten aus. Bog den Fernbahnhöfen der Stadtbahn aus fahren wir nach B e l z i g. Eindrucksvoll ist das Bild dieser märki- schen Kleinstadt, die von der alten Burg Eisenhart beherrscht wird. Um diese Burg herum, die schon 949 urkundlich erwähnt wird, entstand die Stadt, die heute etwa 4909 Einwohner zählt. Vielleicht hatten aber auch schon die Wenden an dieser strategisch wichtigen Stelle vor der Gründung der Burg gesiedelt. Schon wenige Schritte nach dem Verlassen des Bahnhofs entdecken wir den Bergfried der Burg, der noch aus dem Mittelalter erhalten blieb. Der Weg führt an der alten Postsäul« vorüber, die bereits auf dem Gelände des baulich mit Belzig eng verbundenen Dorfes Sandberg steht. Hier führte die alte Poststraße von Zerbst über Wiesenburg nach Brandenburg vorüber. Bald stehen wir vor dem schön gewölbten Tor, zu dem eine Zugbrücke über den Wallgraben hingeleitet. Links breitet eine alte Linde ihre Zweige aus. Im Hofe wenden wir uns links und besteigen den„Butter- türm" genannten Bergfried, von dessen Höhe bei gutem Wetter ein prächtiger Rundblick sowohl die Anlage der Stadt als auch die weitere Umgebung bis nach Wiesenburg hin, unserem heutigen Wanderziel, erkennen läßt. Im Mittelpunkt der Stadt liegt der Marktplatz. Etwas abseits die aus dem 13. Jahrhundert stammend« Marienkirche, die 1850 erneuert wurde. Turm und Mittelschiff sind aus starkem Mauerwerk gebildet. Der aufmerksame Beobachter entdeckt winzige Fenster: hier verteidigten sich die Bewohner in un- ruhigen Zeiten. Die Wehrkirche war ebenso wie die Burg Zufluchts- ort beim Anrücken seindlicher Truppen. Und Belzig hat viele Kriegsnöte erlebt. U. a. wurde die Burg 1406 zerstört. Die roten Giebeldächer der Stadt erinnern noch an die„gute" alte Zeit, die so viel Ungemach und Unfrieden kannte. Nach Westen hin entdecken wir die flache, von einer Windmühle gekrönte Erhebung des Hagel- berges, der mit seiner Höhe von 201 Meter über dem Meere der höchste Punkt des Fläming ist. Links davon am fernen Horizont ragt der spitzhelmige Bergsried der Wiesenburg aus. Dazwischen das wellige, von ärmlichem Wald und Ackerland durchzogene Ge- lände des Fläming. Auch die Burganloge ist von hier gut zu erkennen. Der siebenkantige Burgring ist noch gut erhalten. Die vorhandenen Gebäude selbst dienen heute als Amtsgericht. Nach dem Verlassen der Burg entdecken wir in den Anlagen die kleine Briccius-Kapelle. Nach einem kurzen Rundgang durch die kleine Stadt, deren Bewohner neben Ackerbau vor allem Ton» industrie betreiben, gehen wir durch die Wiesenburger Straße über die Brücke. Bei der Wegteilung biegen wir links ab und erreichen kurz daraus den rechts abzweigenden Weg zum Grünen Grund, der in westlicher Richtung zum Fahrweg nach Hagelsberg führt. Eine echte Heidelandschaft umgibt uns. Nach sechs Kilometer grüßen die Häuser von Hagelsberg. Bald stehen wir neben der alten Windmühle, die ihre Flügel einsam in den Himmel reckt. Nördlich von Hagclsberg erinnert das sogenannte Borussia-Denkmal an die Schlacht, die hier am 27. August 1813 geschlagen wurde. Nach etwa drei Kilometer erreichen wir das Gut S ch m e r w i tz, das über einen wundervollen Park verfügt, den wir durchschreiten. Alsbald erreichen wir den Fahrweg, der von Benken nach Wiesen- bürg führt. Nach einer halben Stunde haben wir das etwa 2000 Einwohner zählende Dorf mit seinen auf den Fremdenverkehr eingerichteten Gaststätten erreicht. Das Schloß ist alljährlich das Ziel vieler Besucher. Die alte Burganlag« wird schon 1161 erwähnt. Auch hier ist nur der Bergfried aus dem Mittelalter erhalten ge- blieben. Eine reich verzierte Brück« führt über den Burggraben durch das Männekentor. Der von alten Gebäuden umgebene Burg- Hof, den das dichte Grün hochgewachsener Kastanien überragt, zeigt als kostbaren Schmuck einen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Renaissonccbrunnen, in dem Helles Wasser sprudelt. Die Besichtigung des Innern ist im allgemeinen nicht erlaubt. Vom 48 Meter hohen Bergfried hat man auch hier eine herrliche Rundsicht. Eine besondere Zierde ist der Park, in dem viele fremdländische Pflanzen gepsiegt werden. Der Bahnhof Wiesenburg liegt etwa eine halbe Stunde in südwestlicher Richtung. Von hier treten wir die Heimfahrt an. Wer noch einen zweiten Tag im Fläming bleiben will, wandere durch die Coswiger Straße. Gleich hinter den letzten Häusern zweigt links ein Fahrweg ab, der über die Eisenbahn und bald darauf durch Hochwald nach W e l s i g k e und von hier auf der Chaussee nach G r u b o führt. Vor der Kirche zweigt wieder«in Fahrweg rechts ab, der uns zum Dorfe Raben und bald darauf zur Burg Raben ft ein geleitet. Von hier wandern wir über Eingang zur Burg Eisenhart bei Belzig Klein-Marzehns nach Garrey und dringen nun zu den berühmten Rummeln vor, die eine Eigenart des Flämings bilden. Man glaubt sich in«ine völlig neue Landschaft versetzt: Gebirgssormationen inmitten der Mark. Durch die Neuen- dorfer Rummel kommen wir über Neuendorf nach Nie- m e g k. Von hier treten wir die Heimfahrt an. Entfernungen: Belzig— Wiesenburg 13 Kilometer, Wiesenburg— Rabenstein 13 Kilometer, Rabenstein— Niemegk(Bahnhof) etwa 15 Kilometer. Nazi-Terror in der U-Bahn. Wie lange noch?- Die„aufbauwilligen Kräfte". Dem„Vorwärts" wird geschrieben: Am Donnerstag haben die Träger der Notverordnungsjacken an verschiedenen Stellen der Stadt ihren„Aufbauwillen" in folgender Weise bekundet: Mittags gegen WA Uhr stiegen in die Untergrundbahn, Station Friedrichstadt, in die letzten beiden Wagen 25 uniformierte Nazis ein. Einer unserer Genossen stand unmittelbar neben einem Trupp von ihnen und sah, wie einer von diesen einem Kommunisten, der das Anti-Fa-Abzeichen trug, dasselbe vom Leibe riß mit der Be- merkung"„sowas wird in ganz Berlin nicht getragen". Fahrgästen, die sich darüber empörten, erklärten die braunen Helden, daß sie doch nach Palästina auswandern sollten, hier in Deutschland hätten sie nichts zu suchen. Unser Genosse, der mit dem Eisernen-Front- Abzeichen daneben stand und an den sie sich nicht heranwagten, sprang auf Station Kochstraßc sofort aus dem Wagen und holte die Beamten der BVG. herbei, um die Täter dieses Ueberfalls feststellen zu lassen. Als er den Täter bezeichnete, bestritt dieser Held und die übrigen Nazis die Tat. Aus den anderen Wagen und aus diesem selbst drängten sich nun sämtliche Nazis zusammen und drängten die Beamten und unseren Genossen unter wüsten Beschimpfungen und Drohungen heraus. Darauf wurde sofort durchtelephoniert, damit die Helden auf der nächsten Station gefaßt werden. Ob das geschehen ist, haben wir nicht erfahren können. Der zweite Vorfall spielte sich um 4 Uhr auf Station Möckern- straße in ähnlicher Weise ab, wo auch 25 Nazis den Wagen besetzt hatten und einen Genossen, der in der Mitte des Wagens stand, um- ringten, ihm das Eiferne-Front-Abzeichen abnahmen, ihn festhiesten und bedrohten. Ein Reichsbannermann, der dem Genossen helfen wollte, wurde ebenfalls bedroht. Der dritte Vorfall ereignete sich ungefähr um die gleiche Zeit in der Untergundbahn auf Station Schönleinstraße. Hier wurde ein be- kannter Genosse von 20 Nazis bedrängt und man versuchte, ihm das Abzeichen abzureißen, was jedoch nicht gelang. Hier griffen die Beamten durch und ließen 5 Mann feststellen, was sich jedoch recht schwierig gestaltete, da die Polizei erst nach 20 Minuten erschien. Diese drei von uns genannten Fälle passierten also in kurzer Zeit in der Hoch- und Untergrundbahn, was der Vermutung Raum gibt, daß die Sache ganz planmäßig organisiert war. Es wird Aufgabe der BVG. fein, die friedliebenden Fahr- gäste und Bürger vor dem Terror der Nazibanden besser zu schützen, als das hier besonders im ersten Fall in Erscheinung trat, wo die Beamten ihr passives Verhalten damit entschuldigten, daß sie sich doch von den Nazis nicht verprügeln lassen könnten. Oachstuhlbrand in der Schönhauser Allee. Die Feuerwehr wurde gestern abend nach der Schönhauser Allee 137 alarmiert, wo im D a ch st u h i des langgestreckten Wohnhauses Feuer ausgebrochen war. Drei Löschzüge rückten zur Bekämpfung des Brandes, der in kurzer Zeit nahezu den gesamten Dachstuhl ergriffen hatte, an. Ueber zwei mechanische Leitern und über die völlig verqualmten Treppenhäuser wurde das Flammen- meer mit vier Schlauchleitungen bekämpft. Nach zweistündiger Tätigkeit war das Feuer eingedämmt. Die französische Ü-Bootkatastrophe Bisher 62 Opfer festgestellt Paris, 8. Juli. Der Untergang des französischen Unterseebootes „Promethee" hat in ganz Frankreich ungeheure Be- stürzung hervorgerufen. Ter Kommandant des Schiffes, der mit sechs anderen Mitgliedern der Be- fatzung gerettet werden konnte, erklärte bei seinem Ein- treffen in Eherbourg, daß ihm der Perlust seines Schiffes völlig rätselhaft sei. Er habe sich mit einigen Ingenieuren und Matrosen auf Deck befunden, als er plötzlich den Boden unter den Füßen verloren habe. Schon tvenige Sekunden später sei das U-Boot unter der Wasserober- fläche verschwunden gewesen und er selbst mit den anderen auf Teck befindlichen Mannschaften ins Meer gestürzt. Tie Zahl der mit der„P r o m e t h e e" auf den Meeres- grund gerissenen Besatzung beträgt nach den letzten An- gaben KS. Ter Hafenkommandant von Eherbourg hat sofort nach Bekanntwerden des Unglücks alle Maßnahmen getroffen, um zu versuchen, die möglicherweise doch noch lebendenJnsassenzuretten. Noch am Tonners- tagabend sind einige U-Boote und Zerstörer ausgelaufen, um die Lage des U-Bootes festzustellen. Freitagvormittag werden außerdem mehrere Wasserflugzeuge und ein Fesselballon eingesetzt werden. Marineminister Leygues hat angeordnet, daß kein Mittel unversucht bleiben soll, die möglicherweise lebend eingeschlossene Besatzung zu retten. Das Schiff, das 1S3Y vom Stapel lief, war erst im Dezember vorigen Jahres ausgerüstet worden und hatte die ersten Versuchsfahrten gemacht. Es gehörte zum Flottenbauprogramm li>37 und stellte die fünfte Einheit eines Prototyps dar, der sich aus den U-Booten „Protee",„Pegase",„Phönix" uud„Fersee" zusammen- setzt. In Marinekreisen betont man, daß die„Promethee" dkie guie CigcneHe, die immer hält, was sie verspricht, Schaffenskraft und Lebensfreude spendet. � bleibt die Marke aller derer, die hohe Ansprüche an eine Ci gar eile stellen, Um sie voll erfüllen 211 Rönnen. muß Juimo Zugaben in Form von Gutscheinen, Wertm ctrken und Stickereien ausschließen. Juno ist immer frisch md birgt im vollen Format köstliche Qualität. 6 SIÜCK ZOi efncä der modernsten U-Boote der französischen Martne gewesen sei. Lleber den Untergang. werden folgende Einzelheiten bekannt: Das U-Boot war am Donners- tag unter der Kontrolle einer Reihe Ingenieure der Schneider- Creuzot-Werke zu einer Uebungsfahrt auf der Höhe von Cherbourg ausgelaufen, als es ganz plötzlich absackte. Der Kommandant, der sich mit d r e i I n g e n i e u r e n im Turm aufhielt, sowie vier Matrosen, die sich aus Deck befanden, konnten von einem in der Nähe kreuzenden Fifchdampfer Mfgenonnnen werden. Sie wurden sofort in das Marinekrankenhaus in Chsrbourg übergeführt. Die Ursache der Katastrophe ist noch unbekannt und dürfte auch erst nach der Hebung des Schiffes klar werden. In 25 Meter Tiefe. Paris, 8. Juli. Nach einer Mitteilung des Marineministeriums hat der Aviso „Mletre" die Lage des gesunkenen Unterseebootes„Promethee" fest- stellen können. Das Look befindet sich sieben Meilen nördlich von Cap Lern in 75 Meter Tiefe. Der Aviso hat auch die Telephon- b o j« der„Promethee" gefunden, die vielleicht noch mit dem Unter- seeboot verbunden ist. Auch soll man das Aufsteigen von Luftblasen aus dem Wasser in der Nähe der Unglücksstätte bemerkt haben. Der französische Marineminister hat den in London befindlichen Kapitän der Bergungsdampfer„Artiglio" und„Rostro", von denen der eine sich zur Zeit in Brest, der andere in Le Havre befindet, telephonisch gebeten, die beiden Schiffe für die Rettungsarbeiten zur Verfügung zu stellen, was zugesagt worden ist. Die beiden B e r» gungsdampfer haben Weisung erhalten, nach der Bucht von Cherbourg auszulaufen. Außerdem hat der fran- zösische Marineminister angeordnet, daß der im Hafen von Toulon stationierte Tiefseetaucher sich sofort nach Cherbourg begibt. Die Liste der Vermißten umfaßt 6 2 Namen, einen Leutnant zur See, 40 Deckoffiziere und Mannschaften, einen Marineingenieur, drei Marinemonteure, 12 Werftarbeiter, einen Zioilingenieur der Firma Creuzot und vier Arbeiter dieser Rüstungsfirma. Nazihetze mit einem Toten Ungeheuerliche Beschuldigungen gegen den Polizeipräsidenten Zoo muß billiger werden! Eine ost geäußerte Anregung aus dem Leserkreis. Mit Recht heißt es. daß Tiere Freude machen. Aber dieses Wort erhält«inen bitteren Beigeschmack, wenn ein Familienvater unseren Berliner Zoo mit seinen Kindern besuchen will. Leider nämlich sind die Eintrittspreise auch heute noch so hoch, daß man fast in Versuchung kommt, zu glauben, die Zoo-Leitung wüßte nichts von den wirtschaftlichen Nöten der Mehrheit der Berliner Be- völkerung. Im allgemeinen beträgt der Eintrittspreis ILO Mark, wobei Kinder über 16 Jahre keinerlei Ermäßigung haben. Die Kosten steigen aber noch ganz gewaltig, wenn man z. B. das interessante und lehrreiche Aquarium besuchen will, wo der Eintrittspreis 1 Mark bzw. 50 Pf. beträgt, oder aber die Tiersondsrfchau für SO oder 30 Pfennige hinzurechnet. Immer wieder hört man die Frage aus dem Publikum:„Warum paßt sich der Zoo mit seinen Eintrittspreisen den Verhältnissen der Zeit nicht an?" Gerode in unserer Notzeit ist weitgehendes Entgegenkommen dringendes Gebot. Die billigen Sonntage sind derart überfüllt, daß von einem Genuß bei einem Zoobesuch kaum noch die Rede sein kann. Das hat der letzte billige Sonntag wieder gezeigt. Millionen Berliner Arbeiter und Angestellte haben den Wunsch, mit ihren Familien zu ertrag- lichen Preisen den Zoo besuchen zu können. Sie sagen sich, daß der Zoo nicht nur für die Dauerkartenbesitzer und die Aktionäre da sei, sondern in erster Linie den Massen des Berliner Publikums dienen müsse. In jeder Woche müßten deshalb zwei Zoonachmittage für höchstens 30 Pfennig der Berliner Bevölkerung zur Verfügung stehen. E i n billiger Sonntag im Monat genügt ganz bestimmt nicht. Auch die sogenannten billigen Sonnabende reichen nicht aus. Direktion und Aufsichtsrat der Zoo-AG. werden hoffentlich dies« Anregungen endlich berücksichtigen. Am Donnerstagvormittag kam der Schupo-Oberleuwanl 5 riß Maaß aus tragische Weise ums Leben. Als er allein in seinem Dienstzimmer in der Polizeiinspekiion Schöneberg in der Gothaer Straße weilte, ertönte plötzlich ein Schuß. Im Nebenzimmer weilende Schupobeamke eilien hinzu und sandeu Maaß mit einer schweren Schußwunde auf. ITC. wurde sofort ins Staatskrankenhaus überführt, wo er bald darauf seiner schweren Verletzung erlog. Wie die sofort angestellte Untersuchung einwandfrei ergab, hat der Offizier eigene Unvorsichtigkeit mit dem Leben büßen müssen. Maah hatte ossenbar seine Dienstpiskole kontrolliert und dabei war ein Schuß losgegangen. Die Kugel drang in die rechte Augenhöhle und trat am Hinterkopf wieder aus. Der Tod dieses Unglücklichen wurde gestern im preußischen Landtag von dem berüchtigten Naziabgeordneten Dr. F r e i h l e r zu einer un- erhörten Hetze gegen die Leitung der Berliner Polizei, im besonderen gegen den Polizeipräsidenten Grzesinski benutzt. Areihler verstieg sich zu der unglaublichen und unerhörten Behauptung, Polizeipräsident Dr. Weiß hätten Mörder gedungen, die den Schupo-Ofsizier in seinem Zimmer niederschossen. Oer Polizeipräsident erklärt dazu: „In der gestrigen Landtagssitzung haben die Nationalsozialisten durch den Abg. Dr. F r e i ß l e r in einem Urantrag und einer Be- gründung dazu behauptet, daß ihnen der in diesen Tagen durch einen Unglücksfall tödlich verunglückte Polizeioberleutnant Maaß M a- t e r i a l über vorschriftswidriges Verhallen von Polizerbeamten überfandt habe. Die Nationalsozialisten behaupten weiter, daß die Polizei davon Kenntnis erhalten und bereits eine Verhaftung vor- genommen habe. Ferner äußerten sie den Verdacht, daß die Führer der Berliner Polizei Polizeipräsident Grzesinski und Vize- Präsident Dr. Weiß politische Morde zum Mittel der Verdunkelung ihrer rechtswidrigen Methoden gemacht haben. In seiner Eigenschaft als Abgeordneter hat der Polizeipräsident in der Landtags- sigung bereits auf die Ungeheuerlichkeit der Beschuldigungen hingewiesen und sie als jeder Grundlage entbehrend gekennzeichnet. Erst aus dem Mundo des Abg. Dr. Freißler ist bekannt geworden, daß der Polizeivberleutnant Maaß sich an die nationalsozialistische Landtagsfraktion gewandt haben soll. In Zusammenhang mit der Materialbeschaffung für den in Frage kommenden Untersuchungs- ausschuß des Landtages sind selbstverständlich auch keine Wer- Haftungen vorgenommen. Ferner ist nach den Ermtttlungen der zuständigen Kriminalpolizei absolut sicher, daß der Tod des Polizei- oberleutnants Maaß durch einen Unglücksfall, dessen Ur- fache er selbst war, herbeigeführt worden ist. Polizeioberleutnant Maaß war bei der P o l i z e i- I n- spektion Wilmersdorf, wo er an Stelle eines beurlaubten Offiziers vorübergehend tätig war, am Donnerstag, dem 7. Juli d. I., vormittags, in seinem Dienstzimmer allein. Wahrscheinlich hat er sich von dem Zustande seiner Dienstpistole, die er erst vor wenigen Tagen erhalten hatte, überzeugen wollen. Dabei ist der Unglücksfall eingetreten. Die in den Nebenzimmern anwesenden Beamten fanden den Polizeioberleutnant Maaß in seinem Dienst- zimmer mit einer schweren Schußverlegung— Einschuß rechtes Auge, Ausschuß Hinterkopf— auf dem Fußboden liegend vor. Der Schwerverletzte wurde auf Veranlassung des sofort erschienenen Kreisarztes in schon bewußtlosem Zustande in das Staatskrankenhaus gebracht, wo er am gleichen Tage nachmittags gegen 1Z.30 Uhr in Gegenwart seiner Frau, einem Kameraden, zwei Aerzten und zwei Santtätsbeamten st o r b. Es kann nicht scharf genug gebrandmarkt werden, daß ein so tiestrauriger und dabei absolut klar liegender Unglücksfall zu einer Aufhetzung gegen hohe Staatsbeamte mißbraucht wird, wie dies im Landtag durch den Redner der Nationalsozialistischen Partei ge- schehen ist. Polizeioberleutnant Maaß ist ein stets sehr gut beur- teilter, ruhiger, von allen Vorgesetzten geschätzter und im besten Ein- vernehmen mit ihnen stehender Offizier gewesen, dessen Tod gerade auch wegen des tragischen Umstandes, unter dem er erfolgte, von allen auf das tiefste beklagt wird." Wildwest auf der Landstraße. Schießerei in Wannsee.— Llnbeteiiigter schwer verletzt. In den gestrigen Morgenstunden wurde vor der Wache in Wanusee ein verdächtiges Auko angehalten, das aus Potsdam kam. Zwei Männer konnten nach kurzer Gegenwehr von den Schupos überwältigt werden, ein dritter ftllchlete in den Wald. Die Beamten feuerten und trafen einen llnbeteiligkea, den 53 Iahre alten Kutscher Emil p a r n e m a n n. der in der Königsiraße in wannsee wohnt. Die beiden Festgenommenen werden verdächtigt. Lastautos auf der Chaussee zwischen Geltow und Baumgarten- brück überfallen und ausgeplündert zu haben. Auf der Chaussee zwischen Geltow und Baumgartenbrück wurde am Donnerstag von noch unbekannten Tätern ein Lastauto b e- raubt. Die Räuber hatten den Wagen mit einem Auto verfolgt. Einer war abgesprungen, hatte sich unter dem Plan verkrochen und warf während der Fahrt Kolli und Pakete ab, die von seinen im Auto nachfolgenden Komplicen aufgelesen wurden. Der Führer des Lastzuges hatte später den Diebstahl gemerkt und bei der Land- jägerei Anzeige erstattet. Die Straßen in Wannsee wurden ab- gesperrt, als ein Privatwagen, der die Nummer I A 67 755 trug, die Kette durchbrach. Sofort wurden mehrere Schüsse abgegeben und der Wagen hielt jetzt. Als die Beamten hinzueillen, sprangen drei Männer heraus. Zwei tonnten nach kurzem Widerstand über- wältigt und festgenommen werden, der dritte flüchtete durch die Anlagen in den Wald nach dem Kleinen Wannsee hinzu. Trotz mehrerer Schüsse blieb er nicht stehen. Der 53 Jahre alte Kutscher Emil P a r n e m a n n, der die Vorfälle beobachtet hatte, war dem Räuber ebenfalls nachgelaufen. In der Aufregung hat ein ver- folgender Polizeibeamter ihn für den Täter gehalten und rief ihm zu:„Stehen bleiben! Hände hoch!" Parnemann, der glaubte, daß die Rufe dem Räuber galten, den er ja mtt verfolgte, achtete nicht weiter darauf. Der Beamte feuerte und schwerverletzt brach P. zu- sammen. In der allgemeinen Verwirrung, die jetzt entstand, konnte der Dieb entkommen. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus„Wald frieden" gebracht. Die Festgenommenen sind ein 41 Jahre alter Chauffeur Wilhelm Koschitzky aus der Strelitzer Straße 24 in Berlin und der 31 Jahre alte Kaufmann Saul Celinker aus Warschau, der in Berlin kein« Wohnung hat. Ehrengericht gegen Rechtsanwalt Or. �rey. Gegen den Berliner Rechtsanwalt Dr. Frey hat der Gen«rol- staatsanwalt beim Kammergericht Anklage erhoben. Dr. Frey wird zum Borwurf gemacht, sich in der Angelegenheit S t i n n e s(Prof. Alsberg)— Rechtsanwalt G la d e nicht standesgemäß verhalten zu haben. Die Verhandlung gegen Dr. Frey wird vor dem Ehren- gericht der Anwaltskammer stattfinden. Gegen Dr. Frey schweben auch noch zwei wettere ehrengerichtliche Ermittlungsoerfahren. Das ein« bezieht sich auf einen Vorfall im Devaheim-Prozeß, in dem bekannt wurde, daß ein Betrag von 8000 M. Schweigegeldern über das Büro des Rechtsanwalts Dr. Frey an eine Berliner Wochen- zeitung gelangt fei. Ein weiteres Berfahren gegen Dr. Frey bezieht sich auf Erörterungen, die in dem Berliner Rundfunkprozeß zutage traten und in denen der Name Dr. Freys verschiedenllich in eigen- artigem Zusammenhangs genannt wurde. heute Rundfunkvorlrag über die Erwerbslosensiedlung. Reichs- kommissar Dr. S a a s s e n spricht über die Weiterführung der vor- städtischen Kleinsiedlung heute abend 19 Uhr über alle deutschen Sender. Osk&v ItöKrU « US- fcfcfc&r# 21. Genagelte Schuhe beHallen das Pflaster. Hans Hagen, der Bogt der guten und getreuen Stadt Konstanz, hat es eilig, noch vor Anbruch der Morgendämme- rung seinen letzten Rundgang zu machen. Während er so vor sich hinmarschiert, zieht er den Schlußstrich dieser Nacht: Den Pfalzgrafen Ludwig glücklich nach Hause gebracht (die Mühsal wird sich hei anderer Gelegenheit mal auszahlen; das Weibsbild, das da den Hausgeist macht, hat so seltsam gelüstige Augen!); den Nachrichter von Ueberlingen noch rechtzeitig hineinbekommen(da muß dem Konziliumssyndikat klargemacht werden, daß das ein Kunststück war!); die Ritter vom Twiel schlafen auf den Strohbünden im„Aberhaken." die Reste ihrer Mordsräusche aus(wie werden die winseln, wenn der Kleine Rat morgen jeden von der Großmanns- bände zu drei Pfund Heller Buße verknackt!); im Bordell Sankt Agathen sind zwei verdächtige Juden mit Abenteuer- wäre angehalten worden(es bewährt sich also doch, daß die Polizei mit den Kuppelvätern und den Puffmüttern unter einer Decke steckt!); zwei Erstochene liegen in der Fraisch- kammer(die haben beide genug fürs Murren, der Gerichts» fürsprech Doyrbagge sowohl, als auch der Bigilant Nummer 19, der noch im Tod wie grinsend die Zähne bleckt!); der Mörder des Dohrbagge, Binz, ist gleich noch der Tat ge- fänalich eingebracht worden und trägt schon die Eisen(das wird morgen im Kleinen Rat eine große Ueberraschung geben! Schad um den Riesenkerl, man hätt' ihm eigentlich am Abend im Ratskeller gleich das Stechmesser wegnehmen müssen! Der war sonst so weichmütig, es konnte keine Laus melken!); dem Mörder des andern, einem Einaug, sind die Scharwächter scharf auf der Spur(na, vielleicht schafft eine Haussuchung in der Arche Klarheit, der Vogt hat so seine eigenen Gedanken darüber, doch muß er erst abwarten, bis die noch ausstehenden Kundschafter Meldung erstattet haben); das Wichtigste aber: bei den Barfüßern ist in letzter Minute der Ausbruch des gefangenen Hus vereitelt worden(der Waibel hat demnach mit dem vermeldeten Gerücht doch recht gehabt. Nun, jetzt sind statt der mit e�nem Schlafwein er- ledigten Bischofsknechte neue Wachen eingesetzt, Stadt- wappner! Da soll der Gans ein zweites Mal das Weglaufen vergehen!); fünf Böhmen, die sich ohne Laternen am Stadt- graben umhertrieben, sind festgesetzt, darunter einer mit einem verdächtigen Kleidersack(da braucht man nicht erst Vogt zu sein, um den Fünfen versuchte Eefangenenbefreiung auf den Kopf zuzusagen!); außerdem hat der Alarm geklappt (vor dem Krach, den die Zünfte beim Aufziehen machten, hat sich sogar der elende Hundslärm verkrochen!) Ein feiner Alarm! Vinnen einer Viertelstunde waren die Geschlechter und die Zünfte vollzählig an ihren Sammelstellen! Damit wäre wieder einmal der Beweis geliefert, daß das Stadt- regiment fest in einer Hand ist. Bei diesem Gedanken kann der Vogt ein triumphierendes Lächeln nicht unterdrücken. Da schallt ein Haltruf und das„Werda?!" aus dem Dunkel. „Gut Konstanz!" antwortet der Vogt. „Parole?" „Sankt Peter und Paul!" „Gut! Passiert!" Der Vogt tritt heran. Der Posten nimmt die Hellebarde zurück und geht, da er den Stadtvogt erkennt, grätschbeinig in Grußstellung. „Torwache bei den Barfüßern!" meldet der Soldat. „Belegt mir drei Rotten und einem Wachtmeister. Auf Wache und Posten seit der Uebernahme nichts Neues!" „Nichts" „N— ein!" Dieses Nein kommt aber so zögernd, daß der Logt noch einmal nachfragt:„Gar nichts. Tröndle?" „Doch, ein wenig schon, sozusagen..." «Was denn?" „Eine prüglige Geschicht, Vogt! Da war einer da, so ein rechter Leisetreter. Ich Hab ihn erst gar nicht kommen hören. Einen schwarzen Radmantel hat er angehabt und die Kapp bis tief in die Augen gezogen. Der hat Spaß gemacht, Vogt!" „Was hat er denn gewollt?" „Das wollt' ich auch wissen, Vogt. Da, zum Hus hat er neingewollt, gradaus zum Hus. Herrle, Hab ich zu dem Rad- Mantel gesagt, das geht fein nicht, so mir nichts, dir nichts zu einem Gefangenen hinein. Zu einem Gefangenen über- dies, der diese Nacht sowieso schon mal halber durch die Lappen war. Da heißt's doppelt aufgepaßt! Wenn du rein- willst. Herrle, Hab ich gesagt, dann mußt am hellen Tag kommen, und einen Schein mußt mitbringen, was Perga- mentenes, was Geschriebenes, was Gesiegeltes, etwas, was der Wachtmeister lesen kann, sonst hilft dir kein Gottfried, nicht mal der mit dem langen Nagel!" „Was hat der Mann daraufhin gesagt?" „Ich brauch keinen Schein, hat er gesagt, ich nicht! Mir hat's ziemlich baselstädtisch geraucht, als ich das gehört Hab, Vogt! Aber noch ließ ich mir nichts anmerken! Nur ein wenig spitz Hab ich gesagt: Warum, Herrle, solltest ausgerech- net du keinen Schein brauchen? Bist du etwa der König selber?— Hast's verraten, hast's verraten! hat da der Ge- spaßige gesagt, ich bin tatsächlich der König! Hahaha, da Hab ich gelacht, Vogt, daß mir Bauch und Schlauch wackelten. Soll ich denn nicht lachen, Vogt, so ein krumm und rothaarig Laster kommt mitten in der Nacht und gibt sich dem Tröndle gegenüber als der König aus! Hoho, had ich gesagt, als ich halbwegs fertig war mit dem Lachen, du bist mit deinem Nachtspaß bei mir grad beim Rechten! Da müßt' es in Konstanz gar viele Könige geben, wenn jeder Hagseicher kommen kann und sagen: Hast's gradaus verraten, ich bin der König! Mich kannst nicht verkohlen, Herrle, mich nicht! Ich heiß der Tröndle und ich bin aus Allfchwil, und wenn du einen Allschwiler auf den Arm nehmen willst und schaukeln, Herrle, da mußt du noch viel früher aufstehen als heute, und vor allem mußt du dir deine Hosen mit der Beiß- zange anziehen!" „Dann?" „Dann ist das Herrle saugrob geworden, Vogt! Ge- schimpft hat's wie ein Rohrspatz, das Gesicht ist mir jetzt noch naß von der vielen Speuzeten, mit dem Fuß hat's aufge- stampft, das Nußknackermäule, gradaus geschellt, und, was das Schönste war. Bogt, in einemfort hat's mir mit der Faust unter der Ras' rumgefuchtelt! Na. wer den Tröndle näher kennt, der weiß, grad das unter der Nasrumfuchteln mag er gern leiden! Da kann der alte Kronensohn fuchs- teufelswild werden, bei so was! Ein Bauer, dem der Burg- waibel die letzte Sau aus dem Stall holt, ist die sanfte Ja- Hanna dagegen! Weg da. Herrle. Hab ich gesagt, weg da mit deiner weißen Faust aus dasiger Gegend! Hier unter meinem Schnauzer ist Konstanzer Gebiet, Hab ich gesagt, verstehst du. Herrle, wenn ich auch zehnmal aus Allschwil bin und nicht aus Konstanz! Aber meinst du. Vogt, der gespäßige freche Kerle war' daraufhin gegangen? Nicht einen Filzlaus- schritt! Platz dem König! hat er geschrien, hat mich am Aermel gepackt, hat mich auf die Seit gerissen und hat mit Gewalt durch das Tor rein wollen!"(Fortsetzung folgt.) Kinderlachen in Berliner Wäldern Hochbetrieb auf den Berliner Außenspielplätzen Hochbetrieb auf den Berliner Außenspielplätzen! Der Grunewald und der Treptower Plänterwald, die Wuhlheide, der Bucher Forst und die Iungfernheide hallen wider von fröhlichem Kinderlachen: Berliner Ferienkinder aus Erholung in den Berliner Wäldern. Frühmorgens, nachdem sie sich im Schulhof ge- sammelt haben, entführt sie die Straßen- oder Untergrundbahn aus dem staubigen, stickigen, gefährlichen Straßengewühl, aus den sonnenlosen Hinterhöfen der elterlichen Behausung hinaus ins Freie zu Spiel und Erholung. Erster Punkt der Tagesordnung: Frühstück. In Riesen- tesieln brodeln Kaffee oder Kakao, alles tritt mit dem Eßnapf an, die„Ober vom Dienst" ergreifen den Schöpfer und füllen ein: dazu werden Schrippen„gefaßt" und das schmeckt dann! Wenn das Frühstückstöpfchen leer und sauber ist, dann geht es ans Spielen. Da bilden sich unter den Größeren Hand- und Fußballmannschaften, Turn- und Läuferriegen, die Kleinen vergnügen sich am Buddel- platz mit Kuchenbacken, mit Waldspielen und Reigenhüpfen. Es gibt aber auch welche, die gerne der Ruhe pflegen und sich, mit einem Schmöker bewaffnet, ins Gras legen. Man läßt jedes Kind tun, was ihm Freude macht und wobei es sich eben am wohlsten fühlt, das gehört ja mit zur körperlichen und vor allem zur see- lischen Erholung. In den Iungens sitzt fast durchweg ein starker sportlicher Ehrgeiz: da findet eben in der prallsten Sonnen- glut ein Läuferwettkampf statt, und angefeuert von einem dichten Kreis Kameraden flitzen die Bengels, was ihre kleinen Beine und Lungen nur hergeben. Großes Iubelgefchrei begrüßt Otto, der als erster durch- Ziel kam und sich jetzt stolz in seine Siegerbrust wirft. Das beliebtest« Spiel, an dem sich unbedingt alle beteiligen, ist das Planschen und Schwimmen, und an den Spielplätzen, die Bade- gelegenheit besitzen, begibt sich die ganze Corona an warmen Tagen freudigst in die kühlenden Fluten. Wo das Wasser fehlt, wird mit dem großen Gartenschlauch gearbeitet, das ist erst recht ein M o r d s h a l l o. Um 12 Uhr ruft der Gong zum Mittagessen: auch eine äußerst beliebte Beschäftigung. Eine allgemeine Rundfrage: Was gibt es heute? Viele haben sich bereits beim Frühstück über das Mittagessen orientiert. Blaubeeren mit Pudding!„Fein", ertönt ein viel- stimmiger Chor,„heute hat die Köchin einmal besonders gute Wahl getroffen."„Besser als der olle, dicke Reis von gestern", raunt der kleine Georg seinem Freunde zu, der befriedigt-verständnisvoll mit dem Kopf dazu nickt. Es wird g u t und vor allem reichlich ge- kocht, die Kinder sollen satt werden, man kann zwei-, wenn- ganz gut geht, sogar dreimal aufgetan kriegen. Nach dem Essen allgemeine Geschirrwäsche und dann heißt es„Absolute" halten. Die Ruhe ist für ein bis zwei Stunden das vornehmste Gebot, es soll möglichst geschlafen, zumindest aber Still- schweigen geübt worden. Richtig schlafen tun eigentlich die wenigsten, dazu sind sie zu lebendig. Es finden sich kleine, leise geführte Kon- versationszirkel zusammen, ebenso Kartenspielklubs. Viele lesen, manche gucken in die Luft und besehen sich das sonnige Firmament. Wenn die Ruhezeit vorüber ist, gibt's schon wieder bald Kaffee, näher und näher ertönt die Motormelodie des Bäckerautos, zu dessen Empfang die Bedienungsmannschaft mit großen Waschkörben bereit- steht, um die Schrippen zu übernehmen. Und wieder kreist der Schöpflöffel in der Runde... Nachher wird weitergespielt: jetzt am Nachmittag, wo die kleine Gesellschaft von der vielen Bewegung schon etwas müde ist, wird mehr im Sitzen die Zeit vertrieben. Gertruds erste Dampferfahrt. Da erzählt die kleine Gertrud leuchtenden Auges von ihrer gestrigen ersten Dampferfahrt, teils wird sie bewundert und beneidet, zum Teil auch wieder übertrumpft.„Ooch, du bist det erste- mal aufs Wasser gefahren, Trude? Na, ick vielleicht schon die zehn- Berlins Polizeipresident Albert BrzesinsM spricht mit Bilrgermsisier Paul mislitz auf dem Werbefest des Jungbanners Sonntag, den 10. Juli, Sportplatz Friedrichshain Antreten des Festzuges 14,30 Uhr Küstriner Platz. Eintritt 25 Pfennig. Für Reichsbannerkameraden in Bundeskleidung freierEintritt. Ab 20 Uhr zu der großen Abendfeier Eintritt für Jedermqnn. Jugend heraus! Verteidigt die Freiheit! geschlüpft, kleine, eitle Damen bauen ihren Miniawrtrumeau auf und machen sich„hübsch". Dann formt sich der Zug und die große, kleine Gefellschaft zieht singend zur Haltestelle, wo die Sonderfahrt-Wagen bereits ihrer harren. Es ist dies ja nur eine bescheidene Sommersreude, trotzdem erholen sich die Kinder sehr gut und voll Stolz berichtet der Spielplatzleiter:„Vier und auch noch mehr Pfund nehmen manche zu, rote Bäckchen und blanke Augen kriegen sie aber alle. Leider muhte im Rahmen der Notzeit auch hier allerhand eingespart werden: man hat die Kinderzahl für die einzelnen Plätze stark reduziert, dafür erhält allerdings ein größerer Prozentsatz Kinder, deren Bedürftig- keit nachgewiesen werden konnte, Freiplätze." mal, wenn nich mehr", meint da eine kleine blasse Rotblonde und im gleichen Augenblick fällt die Bewundererjchar von Gertrud ab, um sich ihrer Rivalin zuzuwenden. Inzwischen ist auch der„Wald- reinigungsdienst" in Aktion getreten, freiwillige Arbeitsdienstpflicht zum Aufheben von Papieren und anderen Dingen, die nichts auf dem Waldboden zu suchen haben. Der langausgeschossene Gerhard hat be- sondere Liebe und Eignung fijr diese Tätigkeit: er macht das mit einer Fixigkeit und Akkuratesse, die ihresgleichen sucht und möchte am liebsten das ganze, große Revier alleine besorgen. Die Zeit zum Ausbruch naht. Jedes schnürt sein Bündel, Decken werden gerollt, kleine Zelte abgebrochen, vom Badetrikot wird in Hemd und Hose Deutsch-dänischer Kmderaustausch. Nach Beendigung des Weltkrieges, besonders vom Jahre 1920 an, hat ein lebhafter Kinderaustausch zwischen den einzelnen Staaten stattgefunden. An diesem Austausch beteiligten sich in hohem Maße Dänemark und Schweden als erste, später schlössen sich die west- lichen Staaten an. Während in der Hauptsache bisher der Aus- tausch zwischen Schülern der höheren Schulen stattfand, hat sich allmählich der Gedanke Bahn gebrochen, auch Schülern von Volts- schulen diese Freude zu verschaffen. So hat sich z. B. an der 3 9. V o l k s s ch u l e(weltl.) in Lichten- berg ein Elternausschuß gebildet, um den Kinderaustausch mit Dänemark in die Wege zu leiten. Der Leiter der Schule, Rektor Sydow, der die dänische Sprache genügend beherrscht, wurde be- auftragt, den schriftlichen Verkehr mit den dänischen Stellen aufzu- nehmen. Mit dem Arbejdernes Oplysningsverband in Aarhus, der in Dänemark den Gedanken aufgenommen hat, ist es gelungen, den Austausch zum Mschluß zu bringen. Und zwar derart, daß 20 deutsche Kinder mit den dänischen Kindern in Aarhus auf 8 Tage zusammentreffen. 20 dänische Kinder kommen dann nach Berlin und bleiben 4 Wochen in den deutschen Quartieren. Mit Beginn der vierten Woche treffen die deutschen Kinder wieder in Berlin ein, sie haben dann Gelegenheit, während einer Woche die zu Beginn der Reise in Aarhus geschlossene Freundschaft zu vertiefen. Um den dänischen Kindern recht viel von Berlin und Umgegend zu zeigen, hat sich die 117. Abt. bereit erklärt, dem Elternausschuß helfend und unterstützend beizustehen. Es ist geplant. den Kindern, die im Alier von 13 bis 16 Jahren sind, das Rathaus. das Reichstagsgebäude, Alt-Berlin, einige Museen, die Ausstellung am Funkturm, ein Warenhaus, den Flughafen, Strandbad Wann- fee, Zoo und Aquarium zu zeigen. Bon der Umgegend werden sie in der Hauptsache Potsdam, die Müggelberge und die Rüdersdorfer Kalkberge zu sehen bekommen. Es ist zu hosten, daß dieser erste Austausch sich in jeder Hinsicht glatt abwickelt, dann werden in späteren Iahren sicher weitere folgen, zur Freude aller beteiligten Kinder und auch der Eltern. Bor den Angen seiner Familie ertrunken. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich gestern Abend gegen 7 Uhr am Demmeritz- See. In der sogenannten Pferdeschwemme in Wilhelmshagen hatte der 34jährige Eisenbahnbeamte Johanne» H e p n e r aus der Roonstraße 15 in Wilhelmshagen mit seiner Familie gebadet, und als er sich kurz vor dem Aufbruch noch ein. mal ins Wasser begab, fiel er plötzlich dicht am Ufer um und wurde von der Strömung zunächst weiter hinausgetragen. 3)er Sfreuische Werkmeisier-Verband �Düsseldorf ist die einzige freigewerkschaftiiche Berufsorganisation der Werkmeister und ähnlicher technischer Betriebsangestellten beiderlei Geschiechts in Industrie, Handel, Bergbau, Landwirtschaft, der See- und Fluflschlffahrt und den Staats- und Gemeindebetrieben. £r aahlle an seine ITlilglieder im Söhre 19S1 an UnlcrsFöfaungcn: Invaliden...,. Notlagen..«•• Rechtsschutz, Rechtsberatung, Rechtsgutachten usw..... Stellenlosen.... Streik u. Maßregelung Witwen Waisen Jubiläumsfonds.,« Sonst. Unterstützungen Sterbegeld..... Brandschäden.... Durch die Krankenkasse...... 787 819,02 RM. 336 520,74„ 31 734,91 3 287 712,67 34 383,72 34 535,52 1 550,60 33 292,72 11 547,90 523 893,89 15 746,14 3 779 433,00 FürdieKollegen| erstritten 1 610 220 RM. Insgesamt 8 878170,83 RM. Im Bereich des Landesarbeitsamts Brandenburg befindet sith die Bezirksgeschäftsstelle: SSerlin W 62, Wurfürglemlr. III, 1 Zeleion: SB s Sarbarossa 2542 (für die£ausil2: Wollbus, Wüslriner Sir. 21,<5elefon: 3978) ilnddfeTeräe defÜMB. RirieMrboOnr moderne Muster /g SA M.9.50,7.— ,6.— ,5.-, Flanell-Hosen verschiedene Muster fS CA M 9.75, 8.50, 7.50, 6.50,■«■ÜU wasch-Hosen uni und gestreift 4 AE M. 4.95. 3.75, 2.50,■■«Hl Anzno-Hosen haltbare Stoffe, dunkle TK Farbe M. 9.-, 7.75, 5.50 O« f W gestreilte Hosen I dunkel- u. mitielgrau, M. 13.-, 9 50, 7-, A RA 6.-, 5.-, 3.50,£.311 Xeichle Sommer SKleidung Wasch Saccos hell- und dunkelfarbig A RA M. 5.75, 4.50, 3.25,£.3U Ulster- Saccos scnwarz blau, grau, modefarbig, /| RA M. 10�0, 9—, 650,>1.3(1 Bekleidungshaus Baer Sohn Co. Chausseestraße 29 ma Der Deutsche Daugewemsbund ist die freie Gewerkschaft der gelernten und ungelernten Bauarbeiter Er umfaßt die Poliere und Schachtmeister, die Maurer, Putzer, Stukkateure, Betonarbeiter, Tiefbauarbeiter aller Art, Dachdecker, Töpfer, Glaser und alle aus diesen Berufsgruppen hervorgegangenen Spezialberufe, sowie alle zu diesen Berufen gehörigen Hilfsarbeiter und Lehrlinge. 370000 Mitglieder scharen sich trotz jahrelanger furchtbarer Erwerbslosigkeit um das Banner des Deutschen Baugewerksbundes. Der Deutsche Baugewerksbund hat seine in Not geratenen Mitglieder in den drei Krisenjahren 1929 bis 1931 insgesamt mit 37 Millionen Reichsmark unterstützt. Der Deutsche Baugewerksbund kämpft Kr Arbeitsbeschaffung und auskömmlichen Lohn, für Erhaltung des Arbeits- und Tarifrechts, für planmäßige Wirt- schaff und gegen Verschlechterung der Sozialversicherung.' Der Deutsche Baugewerksbund kämpft m der Ehernen Front für die Freiheit der Arbeiterklasse und gegen die Zerschlagung des Wohlfahrtsstaates. Werbt für euren Bund, die wehre Ein- heitsorgenisetion aller Bauarbeiterl Bundesvorstand:BerlinSW68,Friedrichstr.5-6.Baugewerks RH SOQQO w-SIOOOCJ ä RÄHWOLK! lose M. RM jOiacksbriefe�R Posc�bühr u, Lut. 30P<.|mlt S Losen w'M „ AUGUST HEiriZ Ohne ADZUQ Berlin W 8, Friedrlchetraße 83 zahlbar Postscheckkonto Berlin 40 221 I Fernspr. A 2 Flora 5872 1 •HMMHIUUMaMMNnMIMIWUMU Alle Gewinne DER ZENTRALVERBAND DER ANGESTELLTEN ist die einzige freigewerkschaftliche Angestellten-Organisation für Handlungsgehilfen und B ü r o a n g e s t e 1 1 1 e O r t s v e rw a 1 1 u n g Berlin SW48 Hedemannstraße 12 Ruhige Sommerfrische wamsbersa ä: Bequemer Ausgangspunkt nach d Saale- ■alsperre- Gute hürgeri und billige Verpflegung. Auskunft d. den Verkehisverein Bad Elster Kurheim. Villa Jugei für Partctg-noi'tcn und Repudliecn« Paulthaüurcn. d> 1 1 i g st, Preise. 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Bon Popen wird die Unterschrift geben zu einem Vertragswert, das durch den wirtschaftlichen Unfug der Reparationen unvermeidlich geworden ist, das aber die sogenannte nationale Re- gierung Deutschlands nur formell in der letzten Phase zu Ende ge- führt hat. Sachlich und politisch ist die Lösung gerade durch das „System� vorbereitet worden, zu dessen Bekämpfung die Regierung von Papen berufen wurde. Von Papen hat doppeltes Glück: er profitiert von einer weltwirtschaftlich unhaltbar gewordenen Situ- ation und darf vom Sessel des gestürzten Brüning das Ende der Reparationen verkünden. Die Lausanner Konferenz hat vom 16. Juni bis zum 8. Juli ge- dauert. Macdonald sprach gleich am Ansang das Wort von den unausführbar gewordenen Verträgen und hat sofort Vorschläge ge- fordert, die kühn sein müssen, weil sie der ganzen Welt Hilfe bringen müssen. Die Welt war sich vorher einig geworden, daß mit den Reparationen reiner Tisch gemacht werden mutz. Es hat sich nur noch darum gehandelt, ob und welche Restzahlung von Deutschland geleistet wird und ob Deutschland die Kriegsschuldlüge und die Un- gleichheit bei den Rüstungen, di eim Versailler Vertrag verankert sind, beseitigen kann. Das Entscheidende blieb schließlich, da es um Geld ging, d i e Höhe der letzten von Deutschland zu zahlenden Beträge. Die Franzosen forderten inoffiziell zunächst die Zahlung der ungeschützten Annuitäten von jährlich 66l) Millionen Mark. Bald kam Herriots grundsätzlicher Verzicht darauf und di« Forderung der Begebung von 6 Milliarden Mark Reichsbohnobligationen in dem Zeitpunkt, in welchem ein internationaler Ausschuß Deutschland wieder für zah- lungsfähig erklären würde. Das widersprach schon völlig Brünings Erklärungen. Die deutsche Delegation lehnte ab. nachdem in Berlin ihr nationaler Rücken gesteift worden ist und erklärte sich nur zur Zahlung eines bestimmten, relativ niedrigen Betrages in eine euro- päische Wiederaufbaukasse bereit, wenn die Frage der Kriegsschuld und die Ungleichheit der Rüstungen zugunsten Deutschlands ge- löst wird. Von diesem Punkte an haben die Franzosen in ihrer Forderung nachgelassen, und die deutsche Delegation hat Zugeständnisse gemacht. Die Gläubigermächte ermäßigten ihre Forderungen auf 4 Milliarden Reichsobligationen, Deutschland bietet dakaufhin 2 Milliarden. Schließlich wird die Entscheidung am 5. Juli durch einen Vor- schlag Macdonalds, der im wesentlichen aus einen Plan des englischen Wirtschaftssachverständigen Layton zurückgeht, vorbereitet. Dieser Plan sieht vor, daß Deutschland erstens noch das gestundete Hoover-Jahr nachzuzahlen hat, also keine wirklichen neuen Repara- tionen mehr übernimmt, und zweitens«ine Milliarde Mark in die europäische Wiederaufbaukasse einzahlt. Dagegen dauert der sran- zösische und deutsche Widerstand noch etwas fort: am 8. Juli kann aber die Einigung verkünde werden. Der Inhalt der Vereinbarungen ist folgender: Deutschland zahlt die im Hoover-Jahr gestundete Annuität. Zukünftige Reparationen gibt es nicht mehr. Deutschland zahlt zweitens rund eine Milliarde in die Wiederaufbaukasse, die an finan- ziell zerrüttete, südosteuropäische Länder Kredite gewähren soll. Ins- gesamt handelt es sich um eine Summe von nominell drei Mil- liarden Mark. Deutschland zahlt aber nicht sofort, sondern frühestens erfolgt der Zahlungsbeginn nach drei Jahren. Außerdem zahlt auch dann Deutschland nicht die drei Milliarden auf einmal, sondern in der Form einer langfristigen Tilgung— wahrscheinlich 37 Jahre � einer Anleihe. Deutschland gibt für drei Milliarden Mark Reichsschuldverschrei- bungen heraus. Der erste Teil(Höhe noch unbekannt) wird auf dem internationalen Kapitalmarkt begeben, wenn bei fünfprozentiger Verzinsung ein neunzigprozentiger Kurs erreicht wird. Der zweite Tell wird begeben, wenn bei fünfprozentiger Verzinsung ein Kurs von 95 Prozent von den kaufenden Kapitalisten gezahlt wird. Darin steckt für Deutschland eine Sicherung. Die fünf Prozent Kursunter- schied sind der Ausdruck dafür, daß Deutschlands Wirtschaftslage, die die Grundlage für Deutschlands Kredit ist, sich gebessert haben muß, bevor der zweite Teil der Anleihe begeben werden darf. Die Zins- zahlung zuzüglich ein Prozent Tilgung beginnt für Deutschland erst nach drei Jahren. Wenn innerhalb von zwölf Jahren ein Teil der Anleihe nicht begeben werden kann, fällt dieser Teil der deutschen Anleiheschuld weg und ist erledigt. Die politischen Fragen werden nur teilweise gelöst. Das Kapitel VIII des Versailler Vertrags, das die Reparationen auf der Grundlage der festgestellten Kriegsschuld regelt, wird einfach durch den Lausanner Vertrag ersetzt. Ein juristisches Hilfsmittel ra- diert also die Kriegsschuldfrage aus, ohne daß eine Erklärung der früheren Kriegsgegner zu erfolgen braucht. Aus die Lösung der Frage der Ungleichheit der Rüstungen(die deutsche Diskrimination in der Wehrsrage) wird für jetzt verzichtet, da diese Entscheidungen den Genfer Verhandlungen zu überlassen sind. Die wirtschaftliche Weltbedeutung der Einigung von Lau- 1 sänne kann nicht überschätzt werden. Das internationale Vertrauen wird im Wirtschaftsleben viel mehr gestärkt werden, als«s den Summen der in Zukunft unterbleibenden Reparationszahlungen ent- spricht. In erster Linie wird eine politische Beruhigung in der ganzen Welt eintreten, sodann kann man viel ernster als bisher an die Abrüftungsfragen herangehen. Schließlich verbessern sich ganz außer- ordentlich die Aussichten der Weltwirtschaftskonferenz in London, auf der man der noch immer zunehmenden Absperrung der Völker gegeneinander zu Leibe gehen will. Für Deutschland freilich wird jetzt alles darauf ankommen, daß man auch rücksichtslos die finanzielle Bereinigung in der In- dustrie und in den bankerotten Teilen der Landwirtschaft durchführt. Die innerpolitische Konsequenz des unverdienten außenpolitischen Ersolges der Regierung Papen wird sein, wenn Deutschland auch wirtschaftlich von der Lausanner Einigung profitieren soll, daß die Regierung der Feudalbarone dazu gezwungen wird, einer fortschritt- lichen und wirklich ausbauenden Wirtschaftspolitik den Weg frei zu machen. An der innerpolitischen Aufgabe des 31.'Juli hat Lausanne nichts geändert. Bauern hört zu! Oie ganze bäuerliche Veredlungswirtschast steht und fällt mit der Maffenkaufkrast. Das Institut für Konjunkturforschung veröffentlicht ein neues Sonderheft über„Verbrauchseinkommen und Land- Wirtschaft— Einkommen und Fleischverbrauch" in Gemeinschaft mit der Reichsforschungsstelle für landwirtschaft- liches Marktwefcn. In den Hauptteilen stammt die Arbeit voü dem sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Dr. B a a d e, dem Leiter der Reichsforschungsstelle. Eine Spezialarbeit von Dr. Bauer über Fleischverbrauch und Massenhau4halt ist angefügt. Di« neue Arbeit des Konjunkturforschungsinstituts hat den Vorteil, in einem Augenblick zu erscheinen, wo gerade die Fleischpreisfrage durch neue Zollexperimente äußerst aktuell geworden ist. Früher hieß es immer, wenn der Bauer Geld hat, dann hat's auch die ganze Welt. Das war richtig, als Deutschland überwiegend Agrarland war, als drei Viertel der deutschen Bevölkerung vom Ackerbau lebten, also vor gut 100 Jahren. Heute ist Deutschland überwiegend Industrieland. Der städtische werktätige Verbrauch ist der bestimmende Faktor geworden. Die Derbraucherkraft der Arbeiter ist heute entscheidend für Absah und Preisbildung. Daraus hat sich die neue Erkenntnis geprägt, wonach A r- beiternot Bauerntod ist. Das Einkommen der Arbeiter- schaft bestimmt auch das Einkommen der Landwirtschaft: Bei Massenelend und kargen Löhnen Muß auch der Bauer darben und stöhnen. Laßt auch den Arbeiter verdienen und leben, Dann wird der Acker wieder Segen geben. Was soll die Verhetzung des Landes gegen die Stadt? Erhält der Arbeiter anständige Löhne, dann kann er gerechte Preise zahlen. Weshalb verleumden die Nazis aber Sozialdemo- kratie und Gewerkschaften, die für anständige Löhne kämpfen, als Zerstörer der Wirtschaft und Feinde der Landwirtschaft? Warum sagen sie nichts gegen den Schwer- und Großkapitalismus, der immer wieder Lohn- und Gehaltsabbau fordert und Märkte und Preise ruiniert? Warum sagt man nichts von dem Zusammenhang zwischen anständigem Lohn und gerechtem Preis? In der Arbeit des Konjunkturforschungsinstituts wird zunächst auf die Tendenz der zunehmenden agrarischen Selb st- Versorgung Deutschlands hingewiesen. Der eigentliche agrarische Einfuhrüberschuß, ausschließlich der nicht im Inland e r- zeugbaren Waren, ist von 3,6 Milliarden Mark im Jahre 1927 auf 1,2 Milliardeti zurückgegangen. Diese Entlastung der Außen- Handelsbilanz ist zum weit überwiegenden Teil, nach der Baadischen Berechnung zu vier Fünfteln, auf einen mengenmäßigen Einfuhr- rückgang zurückzuführen, der im wesentlichen durch inländische Mehrerzeugung ausgeglichen worden ist. Die Untersuchung glaubt feststellen zu können, daß auf den wichtigsten Gebieten die Lebens- mittelverforgung mengenmäßig keinen Verbrauchs- rückgang zu verzeichnen hat. Wobei allerdings, insbesondere bei den höherwertigen Lebensmitteln, sich innerhalb der Konsu- mentenschichten sehr beträchtliche Verschiebungen vollzogen haben dürften. Diejenigen Gruppen, die in ihrem Einkommen kaum Einbußen erlitten haben, werden auf Grund eines höheren Realeinkommens imstande sein, sich besser und reichlicher als früher zu ernähren. Die Landbevölkerung dürfte ferner bei den schlechten Preisen einen größeren Teil der Produktion als früher verbrauchen. Andererseits fällt die große Masse der Kurzarbeiter und Arbeitslosen mit ihrem minimalen Einkommen als Konsu- menten vielfach aus. Die deutsche Lebensmittelversorgung ist also in erheblichem Umfang der Selbstversorgung angenähert. Aus dieser neuen Situa- tion der annähernden Selbstversorgung ergeben sich jedoch wichtige Konsequenzen für die Absatz- und Preisverhält- nifse der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Hur solange noch Zuschußbedarf an Lebensmitteln besteht. können die Zölle die Preise erhöhen, sobald aber kein Einsuhr- bedarf mehr besteht, können auch durch' Zollmahnahmen die Preise nicht mehr erhöht werden. Das Einkommen der n i ch t l a n d w i r t s ch a f t l i ch e n Bevölkerung wird zum entscheidenden Faktor, die Massenkauskraft wird zum wichtigsten Be> stimmungsgrund für�die Preisbildung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Der Zusammenhang wird zahlenmäßig schlagend für die Fleischversorgung belegt. Die Fleischversorgung wird bereits zu 99 Proz. aus der heimischen Produktion bestritten. Da Schlacht- vieh nicht magazinierl werden kann, mußte die marktreif gewordene Produktion auch verkauft werden. Die gesteigerte Jnlandsproduktion mußte untergebracht werden. So kommt es, daß trotz der gewal- tigen Wirtschafts- und Einkommensschrumpfung der inländische Fleischabsatz mengenmäßig nicht zurückgegangen ist. Die gewaltigen Ka u f k r a f t a u s f ä l l e der Verbrauchermassen bewirkten aber einen entsprechenden Rückgang in den Fleisch- und Viehpreisen. Die Preise mußten so stark sinken, daß es der Bevölkerung trotz Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, Gehalts- und Lohnabbau noch möglich war, die angebotene Fleisch- menge zu kaufen. Nach eingehenden Berechnungen ist seit 1929 der Wertumsatz bei mengenmäßig gleichbleibender Fleischversorgung um 2 Milliarden Mark zurückgegangen. Die recht aufschlußreiche Analyse der Haushaltsrechnungen der Arbeiter und Angestellten von Dr. Bauer zeigt, wie stark gerade die Ausgaben der Arbeitnehmerschaft für den Fleischoerbrauch von ihrem Einkommen abhängig sind. Die schlechtest entlohnten Gruppen können ihren haushall nur ganz unzureichend und mil billigsten Aleichqualilälen versorgen. Der Fleischkonsum ist nur halb so hoch wie der der höchstbezahlten Arbeiter- und Angestelltengruppen. Mit jeder Steigerung des Einkommens können auch die Ausgaben für Flöifch erhöht werden. Je niedriger das Einkommen wird, I � C j rr i r t j � l• w IV I L � E E D E L S O R T E 5«••-.■' Z-ZT» v--■...»rf'.v.-»...>?' • n' f;V•:•....•••'...: _ m.- � II > MM AW ff 1 A#V T C EIN NEUGESCHAFFENER QUALITÄTSBEGRIFF: HANDARBEITSZIGARETTEN 4 0.5� desto stärker oerengt sich der Spielraum für den Fleischverbrauch. Nahezu die gleiche Bewegung gilt, wie an einer Stelle der Arbeit erwähnt wird, auch für die anderen tierischen Erzeugnisse, für Milch, Molkereiprodukte und Eier. Man findet also in der Untersuchung bestätigt, daß die ge» samte bäuerliche V e r e d e l u n g s w i r ts ch a f t mit der Masfenkaufkraft steht und fällt. Ohne Stärkung der Arbeitseinkommen ist auch keine Hebung der Erlöse der Landwirt- schaft zu erreichen. Es besteht eine unlösliche Schicksalsoerbunden» heit zwischen Stadt und Land, ein« nicht ausschaltbar« Abhängig- keit der Lage der Bauernschaft und der Lage der Jndustriebevölke- rung. Schon aus diesem Zusammenhang heraus, der in der Krise sichtbarer denn je geworden ist, sollte die Bauernschaft nicht länger in der falschen Frontstellung gegen die organisierte Arbeiterschaft verharren. Der Kaufkrafimord. Die Konsumvereine im Mai. Der Zentralverein Deutscher Konsumvereine meldet für den Monat Mai einen neuen Rückgang des durchschnitt- lichen Umsatzes pro Mitglied gegenüber April von 24,91 auf 22,88 Mark. Wenn der Mai-Umsatz auch noch über den von Januar und Februar d. I. liegt, so ist der Rückgang gegenüber März und April doch wieder recht beträchtlich. Diese ganze Entwicklung ist die Folge des Kaufkraftmordes, der nun schon seit Jahren andauert und durch die Hitler-Notverordnung noch verschärft werden wird. Gegenüber dem Mai vorigen Jahres ist ein Umsatzrückgang je Mitglied um fast 28 Proz. zu verzeichnen. Wenn auch ein erheb- licher Teil dieses wertmäßigen Umsatzrückganges auf Preis» f e n k u n g e n zurückzufichren ist, so sind doch die Mitglieder immer weniger in der Lage, nachdem fast die Hälfte van ihnen erwerbs» los ist, in dem selben Maße einzukaufen wie früher. An der T r eue der Mitglieder fehlt es nicht, es fehlt an ihrer Kauffähigkeit. Was für die Konsumvereine gilt, gilt heute für den ganzen Handel, die Kleinkaufleute und das Handwerk. Auch sie werden neue Hitler-Notverordnung spüren. Aeußerster politischer Kampf ist gegen den neuen systematischen Kaufkraftmord nötig! Gchwenndustnelle Mißwirischast. Auch die Kwald-Eanierung war nur mit Staatechilse möglich? Mit der skandalösen Mißwirtschaft bei der Gewerkschaft Ewald und der von dieser beherrschten Gewerkschaft König Ludwig haben wir uns schon wiederholt beschäftigt. Der Fall Ewald ist t y pi s ch für die unsinnige Rationalisierungspolitit und die leichtsinnige Finanzwirtschaft der schwerindustriellen Wirtschafts- fuhrer. Das von den Jntersssenisn hart angegriffene Urteil des Enquete-Ausschusses, daß die Schwerindustrie den Ausbau ihrer Anlagen ohne Rückficht auf den erreichbaren Absatz über zedes vernunftige Maß hinausgetrieben habe, und zwar sehr oft mit kurz- fristigen Krediten, dieses Urteil wird hier durchaus bestätigt. Bei Ewald und König Ludwig beliefen sich die kurzfristi. gen Schulden Ende Dezember 1981 auf 90 Millionen Mark, darunter 66 Millionen Mark Bankschulden. Ein Teil der Schächte (auch der neuen!) wurde wieder st i l l g e l e g t: die Beteiligungs- guote am Ruhrsyndikat wird zur Zeit zu einem Drittel ausgenutzt, Die Kokereien find zu 20 Proz., die Stickstoffanlagen noch nich zu 35 Proz. beschäftigt. Die B e l e g s ch a f t s z i f f e r ist von 13000 Mtf. 7 500 Mann zurückgegangen. Die Betriebsverluste bei König Ludwig haben sich auf 6.6 Millionen Mark erhöhft die Sonderabschreibungen werden auf 14 Millionen Mark beziffert, so daß der größte Teil des Kapitals(25 Millionen Mark) verloren ist. B e i C w a l d s i n d die Betriebsverluste auf 8,0 Millionen Mark an» gestiegen, zu denen wenigstens 15 Millionen Mark Abschreibungen kommen. Auch hier ist das Ka- pital(32 Millionen Mark) zu drei Vierteln verloren. Für die Sanierung mußten die Gläubiger große Opfer bringen— und, wie man erst jetzt erfährt, die öffentliche Hand. Ohne die Mitwirkung von Regierung, Reichsbank und Bankenkommissar wäre der Samerunasplan überhaupt nicht zu» stände gekommen! Diesig Plan sieht die Gründung einer neuen Ewald?l.-G vor, die die Gewerkschaft Ewald als Ganzes übernimmt und König Ludwig pachtet. Von ihrem 16>Millionen-Mark-Kapital übernehmen die DD.-Bank und Simon Hirschland, Essen, je fünf Millionen Mark gegen den gleichen Betrag ihrer Forderungen. Von den Forderungen gegen Ewald werden 20 Millionen Mark in iangiristige, von den gegen König Ludwig werden lO Millionen Mark in loiogsnstigc umgewandelt. Das gleiche tut die Westfalen- dank, Bochum, mit einer Forderung von 5 Millionen Mark. Der Rest der Bankschlllden wird aus 5 Jahre gestundet! olle keinkschulden werden mit 4 Proz. verzinst. Die anderen Schulden (Lieferungen, Restkaufgelder) fallen aus Betriebs über- s ch ü s s e n in fünf Iahren getilgt werden. Und die Belastung der öffenilichen Hand? Zunächst hat die Reichsbahn aus Fxochtftundungen vier Millionen Mark zu er- halt'N! diese wären also„in fünf Jahren aus Betviebsüberschüfsen' zu tilgen— und wenn die Belriebsüberschüsse ausbleiben? Auch 'merfür find wohl nur 4 Proz. Zinsen zu zahlen. Dann hat sich das Reich bereit erklären müssen, auf alle Steuern aus Anlaß der Ilmgründung zu verzichten— von Preußen erhofft man dasselbe! Und schließlich wird der größte Teil der stillgehalten en Bankkredits von der Reichsbank im Wege des Rediskonts zur Versiigung gesl-llt werden, da sonst das Bankhaus Hirschland, Essen, in erheb- liche Schwierigkeiten gekommen wäre, Reichsbahn im Mai. Im Monat Mai hat sich der Güterverkehr bei der Reichsbahngesellschast— größere Verfrachtung von Frisch- gemüse, Baustosfen usw.— etjpas belebt. Auch im Reiseverkehr trat eine Besserung ein. Die Einnahmen liegen im Monat Mai auch um 13 Millionen Mark höher als im Monat April, jedoch um 98 Millionen Mark niedriger als im Mai 1931 und um 210 Millio- nen Mark niedriger als im Mai 1929. Die Beschäftigtenzahl, Be- amt« und Aushilfsarbeiter, steigerte von 613 362 Köpfen im April auf 618125 im Mai. Waren die Löhne schuld? Warum falsche Nationalisierung die Krise verschärfte. Dos Konjunkturforschungsinstitut wirst in einem Sonderheft („Stand und Ursachen der Arbeitslosigkeit in Deutschland") die Frage nach der Derantwortlichkeit für die Fehlrationalifierung in den letzten Jahren auf. Wenn auch nicht unmittelbar, so wird ober doch recht deutlich die Unternehmerauf- fassung übernommen, daß die Rationalisierung erst durch„wider- spruchsoolle Wirtschaftspolitik", durch„kaufkraftpolitifche Lohn- wellen" zur Fehlinvestition wurde. Dadurch wird diese Auffassung aber um nichts richtiger. Zunächst die Rationalisierung selbst, die in den Dar- stellungen des Konjunkturforschungsinstituts einer besonderen Be> Handlung unterzogen wird. Die Ding« liegen so, daß im Jahr« 1930 ein« um 10 Proz. höhere Produktion erzielt w«rden konnte als im Jahre 1926, wogegen sich die Zahl der g« I« i st e- ten Arbeits st unden um fast 5 Proz. vsrminderte. Die Erfolge der Rationalisierung sind also zweifelsfrei. Das wird auch in der Darstellung nicht geleugnet; aber man will mit oller Gewalt „differenzieren", um den Nachweis zu erbringen, daß z. B. die Lohnerhöhungen in den Derbrauchsgüterinduftrien während der hinter uns liegenden Hochkonjunktur ungerechtfertigt und fchäd- lich gewesen seien. So läge z. B. tn der Großindustrie, in der Eisenproduktion, im Bergbau, in der Cisenverarbeitung, im Maschinenbau usw. eine Lefftung-steigerung in der Zeit von 1926 bis 1930 um 15 bis 25 Proz. vor, in der Papierindustrie, im Nahrungsmittelgewerb« und in der Textilindustrie, also in wichtigsten Konsumgüterindustrien, nur eine Leistungssteigerung von 10 Proz. Eiserne Front gegen Hitler- Barone! Untere nechtten Partei- und Betrlebiveranttaltungen: Bezirksamt Wilmersdorf. Montag, 11. Juli, 19 Uhr, im lokal Kulka, Wilmersdorf, lauenburger Str. 21, Fraktions- und Hammerschaftsversammlung der städtischen Arbeiter, Angestellten:„Welche Verschlechterung in der Lebenshaltung steht der Arbeiter- und Angestelltenschaft durch die Barons- und Grafenregierung noch bevor?" Referent; Stadtrat Carl Schnefder. Soziale Baubetriebe Berlins. Gemeinsame Betriebsversammlung der Belegschaften der sozialen Baubetriebe Berlins am Montag, 11. lull, 16H Uhr, im Berliner Gewerkschaftshaus, Engelufer. Referent: Emil Barth. liehtenrade. Montag, 11. luli, 20 Uhr, Organisation der „Eisernen Front" bei Rohrmann, Lichtenrade, Hilbertstr. 19: „Der Freiheitskampf der Arbeiterschaft". Referent: Max Brinitzer. Osram D. Dienstag, 12. lull, 14H Uhr und 16H Uhr, zwei „Eiserne-Front"-Versammlungen im Lokal Stock, Warschauer Platz:„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse". Referent: Karl Litke, MdR. 84. Abt., Mariendorf. Dienstag, 12 lull. Frauentreffen im Lokal „Süd", Lankwitz, Brottenroder Str. 18. Mitwirkende Margarete Walkotte. Treffpunkt für Mariendorf 14 Uhr Dorf- Ecke •Rathausstraße.•• 7.•« 17. Kreis, Lichtenberg. Dienstag, 12. Juli,-IPK Uhr, öffentliche Frauenkur, dgetung in der Schulaula Lichtenberg, Marktstraße;„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referentin: Gertrud Hanna, MdL. Mitwirkung des Ebert-Manz- Ouartetts. Ambi-Cudd. Dienstag, 12. Juli, 17 Uhr, im Lokal„Einsiedlsr", Johannisthal, Sterndamm, allgemeine Betriebsversammlung: „Die Ursachen der Arbeitslosigkeit und die Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung". Referent: Kurt Heinig, MdR. Arbeitsamt Berlin-Nordost. Dienstag, 12. Juli, 16K Uhr, Kundgebung der„Eisernen Front" in der Brauerei Willner, Pankow, Berliner Str. 80 82;„Die Krise der Sozialpolitik— unsere Schicksalsfrage". Referent: Fritz Schröder. Borsig-Bstriebe'(BLW.) Tegel. Dienstag, 12 Juli, 16Hi Uhr, im „Alten Krug", Tegel, Hauptstraße, Belegschqftsversamm- lung;„Der Schicksalskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent: Otto Meier, MdL 40. Abt., Spandau. Dienstag, 12 Juli, 19!� Uhr, Wählerversammlung im„Tivoli", Spandau, Seeburger Str. 26. Referent: Dr. Helmuih Klotz. Arbeitsamt Nord. Dienstag, 12. Juli, 17 Uhr, im gelben Saal der Hochschulbrauerai, See- Ecke Amrumer Straße, Kundgebung der„Eisernen Front";„Unser Kampf für die Freiheit". Referent: Dr. Haubach. Angestellte und Kandelshiltsarbelter der Firma Karstadt A.-G-, Kermannplatz. Dienstag, 12 Juli, 19H Uhr, Kundgebung der „Eisernen Front" im Gartensaal von Kliem, Hasenheide: „Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent: Siegfried Aufhäuser, MdR. 98. Abt., Neukölln. Mittwoch, 15, Juli, 19H Uhr, in der Schulaula Mariendorfer Weg öffentliche Kundgebung„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referentin: Luise Kähler, MdL. 55. Abt., Charlottenburg. Mittwoch, 13. Juli, 19K Uhr, im Türkischen Zelt, CharTottenburg, Berliner Str. 55, öffentliche Versammlung„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent: Stadtrat Carl Schneider. 95. Abt., Neukölln. Mittwoch, 13. Juli 19K Uhr, im Lokal„Bärwinkel", Siedlung Dammweg, Steinbockstraße, öffentliche Versammlung:„Die kommenden Wahlen". Referent: Genosse Stieglitz. 109. Abt., Friedrichshagen. Mittwoch, 15. Juli, 19H Uhr, im „Stadttheater' öffentliche Kundgebung„Der Befreiunas- kämpf der Arbeiterklasse". Referent: Anton Reißner, MdR. * Die„Eiserne Front" Neuköllns marschiert! Werktätige Neuköllnsl Sozialdemokraten, Arbeiterjugend, Reichsbanner, Gewerkschaftler, Arbeitersportierl Heraus zur Massendemonstration am Montag, dem 11 Juli 1 932, gegen Naziterror— für die Freiheit der Werktätigen Sammel- plötze: 6 Uhr Boddinplatr, Hertzbergplatz, Warthestraße A b• marsch; 6.30 Uhr Reuterplatz. Schluß: Kranoldplatz. Ansprache Gen. Dr. Kurt Löwenstein, MdR. Sorgt für Massenbeteiligung! Dies« Differenzierung ist— wir erinnern nur an die Um- wälzungen in der Textilindustrie— äußerst willkürlich. Wenn die Derbrauchsgüterinduistrien selbfwefftändlich nicht in dem Maße mit der Elektrifizierung. Großmaschinen usw. arbeiten konnten wie die Großindustrie, so haben sie dennoch ihre neuen Arbeitsmoschinen erhalten. Im übrigen ergab sich in diesen Industrien dieselbe, viel- fach noch eine stärkere Steigerung des Arbeitstaks, des Arbeits- temps wie anderswo. Gegenüber der Leistungssteigerung stellen sich die A u s w: r- kungsn der Fehlrationalifierung auf die Ar- beits markte wie folgt dar: Allein für die Industrie nimmt dos Konjunkturforfchungsinstitut die Avbeitslofenzahl während der Krise 1926 mit 1.6 Millionen an. Vis 1930 vermehrte sich die Ar- beitslofigkeit um 600 060 Mann durch Nachschub der Jugendlichen (natürlicher Zuwachs), um 500 000 Mann durch Berminderung der Produktion und des Absatzes und schließlich u>m 1 Million Per- f an e n durch Rationalist e run g. durch Leistungssteigerung. Diese Wirkungen brauchten nicht in Erscheinung zu treten, wenn man vernünftig rationalisiert hätte. Nun stellt das Konjunkturinstitut selbst fest, daß jede Rationali- sierung ihr Ziel der Senkung der Gestehungskosten nur auf dem Weg« der Absatzsteigerung erreichen kann, deren Voraus- setzung die Senkung der Verkaufspreise ist. Selbstver- ständlich muß die Hereinholung der Rationalisierungskosten durch ge- senkte Preise und damit größeren Umsatz besonders im In- l a n d stattfinden. Di« Industrie in Deutschland, die zurzeit der Hochkonjunktur höchstens 15 Proz. ihrer ganzen Produktion exportiert«, konzentriert« sich im Anschluß an die Rationalisierung aller auf eine Steige- rung des Exports, auf einen Verkauf der mehr und billiger erzeugten Waren ins Ausland. Das sollte Absatzsteigerung bringen. Das deutsch« Publikum kennt das z. B. aus der Effenwirffchaft her, die Eisen in Deuffchland heute noch doppelt und dreifach so teuer verkaust als Eisen nach dem Ausland. Diese Exportierung unter Hochhaltung der Inlandspreis«(Deuffchland blieb bis Ende 1931 das teuerste Land der Welt!) scheiterte. Damit scheiterte auch die deuffche Rationalisierung. Der Fluch der deuffchen Rationalisierung war, daß man durch Verbilligung der Warenpreise nicht den nötigen Absag im Land« selbst schaffte. Das Konjunkturforschungsinstitut stellt sich auf den Standpunkt, daß die idealste Form einer Beteiligung der?lrbeiterschast an den Rotionalisierungsgewinneii wohl die Preissenkung gewesen wäre. Gerode diese Preissenkung haben die Gewerkschaften gefordert: als sich der Widerstand der Kartelle und Trusts zu stark ermies. Mußte sich ganz von selbst bas Ventil noch der Lohiffeite öffnen. Das Konjunktur» forfchungsinstitut gibt selbst zu, daß die Nominollohnsteigerung während der 5)ochkonjunktur— dabei wird bemerkenswerterweise U. a. auf die offizielle Agrarpolitik mit ihren protektionistlschsn Preissteigerungen verwiesen— im Endeffekt zu keiner Steigerung der Realkaufkrast führte: in Wirklichkeit hat auch die in der Rationalisierung szei t in Deutschland vor sich gehende Steigerung des Reallshnniveau? gegenüber dem Porkriegs- stand mu dem Niveau in anderen Industrieländern nicht Schritt halten können. Di« Lohnpolitik muß also als Krifenuriache aus- fallen. Di« Feblrationalffienrng Hyt-Milliarden gekostet und Hot d'?- Wirtschostskrise matzlos verschärft. Schlimm wurden die Verhält-.. nisse, als man die Fehlrationalisierung durch über- mäßigen Lohnabbau ausgleichen wollte. Während nach der Krise von 1926 die Arbeitslosigkeit aus. Grund steigender Löhne ausgeglichen wex�en konnte, trieb der übermäßige Lohnabbau die Arbeitslosigkeit, die Folg« der Fehlrationalisierung, erst auf die Spitze. Bis Hapag qebefichiigi". Wir haben vor dem Verbot des„Borwart?", am 30. Juni. auf Grund von im„Berliner Tageblatt" wiedergegsbensn Ausfüh- rungen de» Generaldirektors Wilhelm Cuno der Hapog in der Hapag-Generalverfammlung festgestellt, ijafe die Direktarenbezüge von der Hapag falsch angegeben sein müssen Generaldirektor Euno sendet uns folgend« Berichtigung, die wir wunschgemäß veröffent- lichen: „Unwahr ist, daß der Vorstand und Aufsichtsrat der Hom- burg-Amerika-Linie 720 000 M. erholten haben, und daß daher die Mitteilung im Geschäftsbericht, noch welcher die Gesamt- bezüge der Mitglieder des Vorstandes und Auffichtsrates im Jghre 1931 368 260.22 M. betragen hoben, einen Verstoß gegen die Aktisnrechtnovelle vom 19. September 1931 enthält. Wahr ist vielmehr, daß der Vorstand und Aufsichtsrat, wt« im Jodrssbericht für 1931 angegeben, Gesamtbezuge von 363 260,22 M gehobt haben, und daß die anders in der Genexal- Versammlung genannte Summe von 370 000 M Teilbeträge der Handlungsunkosten, welche in der Gewinn- und Verluftrechnung o»?gewiesen sind, darstellen und Vergütungen für bar« ausgewiesen pno, oarsteuen uno Lergutungsn für bare ?lu slogen lediglich zefchäftltcher'Art sämtlicher Angestellten der Hamburg-Amerika-Lini« in In- und Zluslynde umfassen." Wir haben festgestellt, daß Generaldirektor Euno dem..Ber- liner Tageblatt" eine Berichtigung nicht gesandt hat. Wir geben im folgend� den enffprechenden Teil de? genannten Bericht? im Wortlaut. Danach hyt Euno gesagt: „D'e verschiedentlich angebrachten Behauptungen über die Hohe seiner Bezüge ipies Euno in großer Erregung zurück Er habe auch in den besten Jahren noch nicht die Hälfte des oft ge- nannten Betrages von 600 000 M. von der Hapag erhalten In diesem Jahr« seien die Aufwendungen für Vorstand und Aufsichtsrat mit 360 000 M. im Geschäftsbericht angegeben, dazu kämen noch Reisespesen. Repräsentation z. g e l d e r usw. in gleicher Höh e." Wer lesen kann, wird den Widerspruch zwischen dieser Fest- stellung de?„Berliner Tageblatt«?" und der berichtigenden Lehaup- tung Cunvs, daß es sich um„Vergütungen für bore Auslagen ledig- lich geschäftlicher Art sämtlicher Angestellten" handelt, nicht lösen können. Wenn Euno richtig berichffgt, warum berichtigt er nicht dys„Berliner Tageblatt"? Oer Absturz der Weltflieger. Die Piloten nur geringfügig verletzt.- Das Flugzeug zertrümmert. MoStau(übet ftotooo), 8. Juli. D«©cnecalfrfretSr Ver Gesellschaft Lfsoaviachim, Maliuowski, hat von der Leitung der weihrussischen Ge» sellschaft Lssoaviachiu» zu der Notlandung der Welt» flieger eiu Telegramm auS Minsk erhalten, in dem es heiht, dah das amerikanische Flugzeug mit G r i f f i n und Mattern in der Nacht zum Donnerstag bei Bor» risow notgelandet ist. Die bisherigen amtlichen Mel- düngen besagen, das? die Verletzungen der beiden Flieger nur geringfügiger Natur sind. Matter» soll mit leichten Quetschungen davongekommen sein. Malinowski bat alle Filialen der Gesellschaft angewiesen, sofort Hilfe zu leisten und das Flugzeug abzuschlepven. Db das Flug« zeug nach Minsk oder nach Tmolenfk geschafft wird, steht noch nicht fest. Malino-wski hat beide Flieger tztegraphisch eingeladen, noch Moskau zu ftmrmcn. Aus Minsk hat sich ein Arzt nach Borrisom begeben, um den Fliegern, wenn nötig, ärztliche Hill« zu leisten. Erfahrungen tn der Sächsischen Schweiz Ferienreisende, beachtet die Gesetze des Auslandes! Ein soeben aus seinem Urlaub heimgekehrter Leser schreibt uns i Di« sächsische Schweiz ist ein gern besuchtes Ferienziel für un- zählige Berliner. Es ist nur schade, daß die Mehrzahl der Hotel, und Ga st Hausbesitzer völlig national- sozialistisch eingestellt ist. Es wäre aber verkehrt, wenn die Republikaner diese wirklich schöne Gegend meiden würden. Nun erst recht hin, aber erkundigt euch vo-r der Ouartiernohme bei der örtlichen Partei-, Gewerkschasts- oder Konsumstelle, wes Geistes Kind euer Wirt ist. Besucht die Hotels, Gast- und Logierhäuser und Privotpensionen derer, die treu zur Republik stehen. Jeder Besucher der Sächsischen Schweiz wird wahrscheinlich auch einmal oder öfter die Böhmische Schweiz mit chren Naturschönheiten aussuchen. Vorsicht aber im Grenzverkehr! Deutschland erlaubt dem Reisenden, 200 M. mit über die Grenze zu nehmkn. Die Tschechoslowakei dagegen hat eine noch schärsere Devisenordnung wie wir und läßt nur lZö M. wieder hinaus. Ständige Reibereien an der Grenze zeigen, daß diese Bestimmungen überhaupt nicht' bekannt sind. Immer wieder passiert es, daß der hannlose deutsche Ferienreisende, der nach herrnskretschen fährt, um mal ein echtes„Pilsener" zu genehmigen oder den Edmundsklamm zu besuchen, bei der Ausreise aus der Tschechoslowakei von den tschechischen Gren.zbeamten an- geholten und nach seinem Devisenbestand gesrogt wird. Wenn nun einer seine ganze Reisebarschaft bei sich Hot und womöglich ahnungs- las angibt, daß er 160 bis 190 M. in der Tasche hat, nimmt man ihm meist prompt den Betrog ob, der 12-� M. übersteigt, weil es die dortige Gesetzgebung so verlangt. Die Beamten an sich sind böslich und korrekt und müssen natürlich das machen, was idr« Regierung im„Jmereffe der Förderung des Fremdenverkehrs" an- geordnet Hot.• In diesem Zusammenhange sei noch ein anderer Umstand er- wähnt. In den tschechischen Hotels und Gaststätten und bis Aussig ipeist man genau so teuer wie...in den deutschen aus der anderen seit« der Grenze. Textilwaren, Schuhe usw. sind nicht billiger als. bei uns Wirklich billig sind nur noch die Gewerk- schaftshäuser und mit Einschränkung der tschechoslowakisch« Konsum(GEG.). Unerwähnt soll nicht bleiben, daß man auch bis nach?lussig hinaus in allen Retiraden der Gaststätten und an den Wänden der öfsentlichen Bedursnisanstallen riesigen haken» kreuzzeichnungen und Hcil-Hitler-Parolen sinden kann. Wirklich ein sauberes Deutschtum, dos die braun-arisäien Helden- junglinge vertreten.' Treffen der Tchreber-Ingend am Funkturm. Auf der Berliner Sommerschau am Funkturm wird am Bonn- tag, dem 10. Juli, ein großes zentrale? Jugendtreffen der Schreberjugend des Provinzialverbandes Groß- Berlin E. B. im Rsichsnerbond der Klsingartenversine Deutsch- lands E. V. stattfinden. Nicht weniger als ZSOO S chr« b e r- jugendliche im Alter von 5 bis 20 Iahren werden gegen 14 Uhr mit dem Ausmarsch auf dem Wissenoval im Terrassen- gorren, nach Altersgruppen geordnet, beginnen. Die Kinder wer- den von etwa 400 Spielleitern und den dazugehörigen Bann«rdep>üationen der Verein« begleitet. Die Jugend wird dann, in verschiedene Altersgruppen getrennt. Wesen und Eigenort der Schreberjugendpslege in Form des Spiel- und Uebungsbetriebe? zeigen, Freiübungen und Bewegusigstonze, den verschiedenen Altern angepaßt, werden zur Durchführung gelangen. Mit diesem Jugendtreffen wird der großen Allgemeinheit ein interessanter Ein- blich in die beachtenswert« Schreberjugendpslege geboten. Ferner wird, bereits am Sonnobendnochmlttog beginnend, eine Führer- Gesamtverband marschbereit Eine Riesenversammking im„Clou". Die Berliner Arbeiterschaft ist von einer kampsbegeiste- r u n g erfüllt, die ia der vergangenheil nur wenige Beispiele haben dürste. Dos zeigte sich nach der einzigartigen Kundgebung der Eisernen Front im Lustgarten auch Im Elan bei einer Kundgebung der hommerschasten des Gesamtverbandes. Die Veranstaltung war der Appell der antifaschistischen Kampf- formotionen des Gesamtverbandes vor ihrem Einsatz zum Haupt- stoß gegen den reaktionären Klüngel, der die vorwärtsstrebende Ar- beiterschaft wieder vollständig rechtlos machen möchte. Der„Clou" ■n Während der Ferien- und Reisezeit ■ kann der„Vorwärts" und der„Abend" auf iede Dauer allerorts berogen werden Touristen und Wanderer B fordern das Zentralorgan der Sozialdemokratischen Partei Deutsehlands bei den Bahnhofsbuchhandlungen. Zeitungs- Kiosken und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler i lassen sich den„Vorwärts" durch Postüberweisupg nachsenden. Die Postbestellgebühren betragen nur 72 PI. im Kalendermonat. Wird Nachsendung unter Streifband gewünscht, so beträgt das Porto Wochentags 10 Pf., Sonntags 15 Pf. Benachrichtigung an die Ausgabestelle oder an den Verlag möglichst eine Woche vorher erbeten. Laubenkolonisten in Oroß-Berlin wird der„Vorwärts" durch Boten zugestellt Genaue Bezeichnung- der Laubenadresse ist erforderlich. Postabonnenten i müssen die Nachsendung unter Beifügung von 50 Pf. in Marken mindestens 2 Tage vor der Ahreise schriftlich bei der bisherigen Zustell-Postanstalt beantragen. f. r«\mr ü f.4 c„\f O Z* 1 51 fl Berlin SW 65, Liodensfrafte 5 V 5-JS WariSS'Vel say»rn.pr. A 7 osnhott zsz.znr bot am Donnerstag abend ein prächtiges Bild der Aktivität, Diszi» plin und Einigkeit der im Gesamwerband organisierten Arbeiter der öffentlichen und privaten Betriebe Berlins. Mehr als 5l1W) arbeit- borte Fäuste schnellten zum Freiheit-Gruß empor, als unter Vorantritt der Jugend mit ihren roten Fahnen die Hammerschafts- führer die Banner der Sektionen und Betriebe auf die Bühne trugen und ins Scheinwerferlicht rückten. Viele dieser Bonner hoben schon andere Volksnerderber als Adolf Hitler und andere Regie- rungen als die der Nazibarone kommen und gehen, gefehep. Im Mittelpunkt der Kundgebung stand eine zündende Rede des Presse- referenten im Berliner Polizeipräsidium, Genossen Dr. h a u b a ch. die an Deutlichkeit gegenüber den Mord- und Staatsstreichdrohun- gen der Führer der braunen Terrorbanden nichts zu wünschen übrig ließ. Genosse Haubach kennzeichnete einleitend das„Führer- tum" in der Nationalsozialistischen Partei, das dem deutschen Volk« den Patriotismus beibringen will, selbst aber zum nicht unerheb- lichen Teil aus Auslandern oder ehemaligen Ausländern besteht Den Generälen, die neben diesen„echten Deutschen" in der National sozialistischen„Arbeiterpartei" eine führende Rolle hoben, erklären die deutschen Arbeiter:„Wie man einen Krieg verliert, das babt ihr Generäle im Hitler-Lagsr uns gezeigt. Wie man aber einen Frieden gewinnt, das werden wir euch zeigen!" Gegenüber den Drohungen des Herrn Goebbels, die SA. werde sich das Recht auf die Straße nebmen, wenn einem der Naziführer ein Haar gekrümmt werden sollte, wiederholte der Redner die Wort« des Berliner Polizeipräsidenten G r z e s i n? k i auf dem Reichs- arbeiter-Sporttag in Magdeburg:„An dem Tage, wo die SA gegen Gesetz und Recht sich ein Recht auf die Straße nehme, ist für die gesamte staatstreue Bevölkerung da? Recht der Notwehr ge- geben. An dem Tage, wo die Eiserne Front das Recht der Not- wehr gegen die Nationalsozialisten in Anspruch nimmt, wird es in Deutschland keine SA. mehr geben." Genosse Haubach betonte weiter, daß das keine Drohungen seien, sondern lediglich Fest- st e l l u n g e n. Gegenüber den blutrünstigen Reden eines Hitler und eines Goebbels könne die Arbeiterschaft nicht mehr länger schweigen. Aus diesem Grunde erkläre auch er vor aller Oefsent- lichkeit:„In dem Augenblick, wo die Faschisten den Kampf mit der freiheitliebenden Arbeiterschaft wollen, werden sie die Führer der Arbeiterschaft nicht in Schweden, Holland oder sonstwo finden, sondern mit der Arbeiterschast aus der Straße, und den ganzen an- ständigen Teil der Beamtenschaft dazu." Der Schlußsatz des Redners:„Der Faschismus wird geschlagen, weil es die Eiserne Front so will", wurde mit dem gleichen tosenden Beifall quittiert, mit dem seine anfeuernde Rede oftmals unterbrochen worden war. linier donnernden Freiheitsrusen weihte dann Genosse Oltersdorf im Namen der Bezirks- und Orts- Verwaltung die Sturmfahne der hammerschaften des Gesamtver- bandes, um sie den hommerschaftsführern zu treuen Händen zu überreichen. Eine kernige Ansprache des Genossen Reißner vom 5>auptvorstand des Gesamtverbandes, in der er noch einmal die Ziele der vorwärtsstrebenden Arbeiterschaft in diesem schwersten oller bisherigen Wahlkämpfe umriß, schloß die gewaltige Kund- gebung. die durch packende Rezitationen Martha John? sowie durch flotte Märsche de? Musikkorp? und des Spielmannszuges des Weddinger Reichsbanners wirkungsvolle Umrahmung gestmden hatte. t a g u n z der Schreberjugend stattfinden, aus der auch dos Pro- blem der Neschästigtutg von erwerbslosen Jugendlichen eingehend behandelt werden soll. Die Devaheim-Biianzen. vereidigter Bücherrevisor als unvereidigter Zeuge. Im Verlauf der Verhandlung im Devaheim-Prozeß wurde der vereidigte Bücherrevisor Berger aus Mülheim, der früher für die Baugenossenschaft in Mülheim tätig war, als Zeuge vernommen. Bon 1926 an bis zum Zusammenbruch der Baugenossenschaft hatte er am Ende eines jeden Jahres die Bilanzen aufzustellen, und zwar auf Grund der Unterlagen, die ihm der Aufsichtsratsoorsitzende Paul Ieppel zuleitete. Ende 1929 habe er. Berger, seststellen müssen, daß die Konten „Berlin" und„Mülheim" der Baugenossenschaften nicht überein- stimmten und daß sich eine Vifsereaz In einer höhe van etwa einer halben ZNillloa Mark ergab. Direktor Kocks Hobe ihn darauf noch Berlin geschickt, um dies« Dif- ferenzen zu klären, zu denen übrigens auch das Konto„Auslands- anlsihe" gehört habe. Am dritten Tage seines Berliner Aufenhalte» sei aber Paul Ieppel bei ihm erschienen und habe ihn aufgefordert, wieder nach Hause ,nach Mülheim, zu fahren, denn er, Ieppel, werde dos weitere übernehmen. Angeblich in der Befürchtung, daß er unter diesen Umständen für seine Mebrorbeit nicht honoriert werden würde, ist dann der Bücherrevisor auch totsächlich nach Mülheim zurückgekeht, hat ober dann, wie er in der gestrigen Verhandlung zugeben mußte, trotz dieser Unstimmigkeiten die Vi- lonz unterschrieben und der Generalversammlung vorgelegt. Allerding? will er die Unterschrift nur unter der Bedingung geleistet hoben, daß die Differenzen zwischen den beanstandeten Konten noch nachträglich bereinigt würden. Vors.:„In ihrer Eigenschaft als beeidigter Bücherrevisor haben Sie also eine Bilanz unterschrieben, in der sich wesentliche Unstimmigkeiten befanden. Das ist doch eine recht eigenartige Auffassung von Ihrer Pflicht." Zeuge B« r g e r: „Ich hotte Kochs und Paul Ieppel vollstes Vertrauen geschenkt und glaubte, daß die Abwicklung der Geschäfte durchaus reell war." Im Anschluß daran kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen zwischen dem Zeugen und den Büchersachverständigen wegen der Auffassung, die Berger über eine Belanzaufstellung be- kündete. Di« Sochverstärrdigen machten ihm zahlreiche Vorholte, auf die der Zeuge schließlich die Antwort schuldig blieb, so daß der Vor- sitzende ihn darauf aufmerksam mochte, daß er vor Gericht nicht» verschweigen dürfe. Zur Frage seiner Vereidigung machte Staats- anwqltschaftsrat Dr. Eichholz geltend, daß aus dieser Zeugenaussage klar hervorgebe, daß Berger unter dem erheblichen Verdacht der Mitschuld bzw. der Begünstigung der Bilanzverschleierung bei der- Baugenossenschaft stehe. Das Gericht ließ diesen Zeugen dann auch wegen de? Verdachts der Mittäterschaft bzw. der Begünstigung un- vereidigt. Die Verhandlung wurde schließlich auf Sonnabend früh vertagt. Reuer Zugang Zum Bahnhof„Alex". Eröffnung am 12 Juli. Wie die Reichsbohndircktion Berlin mitteilt, ist jetzt der vor- letzte Bauabschnitt der umfangreichen Umbauorbeiten am Bahn- hos Alexanderplatz fertiggestellt. Am 12. Juli wird die neue Zugangstreppe und d'ie Fahrkartenausgabe an der Ecke Panorama- und Dircksensiraße dem Verkehr übergehen Der letzte Bauabschnitt umfaßt die Fertigstellung der Schalterholle für den Stadt-, Ring- und Vorortverkehr an der Unterführung der Königstroße. Auf brtB W-tsiertrez»ach Scthbtirg und tzuhrf mit httn Sfofsr- fchincnfd)ttf„Baldur" vom L bis 13. Zlugust. Fahrtunterbrechung-n zur Besichtigung von Tangertnünd-, zum Besuch der Liinsbuzger Heid«, Besuch der Reuler-Festung Dömitz, entl. wird guch die GEE.-Zündhalzfabrik in Lauen- bürg besichtigt. Fahrptet» einschließlich Bett in den Fwei-Betten-Aadinen 28 M. vro Bett, in Bechs-B-tten-siabinen nra Person 24 cht., in Zwölf. Betten. Sabinen pza Person 20 M., in der Fünfzehn-Betten-Aabinc vre P-rsan 18 M Aües Naher« in der Gefchaitsflell«, pechannisftr. 14, täglich nsn 9 iU 19 Uhr, Sennabends von 9 bis 13 llhr: Fernsprecher: v t 4177. mit Meyer' s reinen Fruchtsäften gemischt- das zeitgemäße Getränk! Himbeersaft.... 7, Flasche Kirschsaft..... 7, Flasche Zitronenmost.. 7 Flasche Orangeade•••• 7 Flasche 1.05 72Flasche 1.05 72 Flasche 1.05 7. Flasche 1.1 5 72 Flasche Pr.1«. ahn. Ola> 0.60 0.60 0.60 0.65 Kein« Felor w skn? Moy�f Diskussion im Sirandbad. Geschäft, dumpfe chintechöfe und großstädtische Ueberheblichkeit scheinen mit den kästigen Kleidern abgelegt. Ballspiel, Sonnen- bräune und vergessendes Faulenzen war wichtiger als alles andere. Aber die politischen Verhältnisse stnd mit ihrer ganzen Er- regung nun auch in diese friedlichen Oasen eingedrungen. Bor em paar Tagen badete ich draußen in Wamrsee und es war knallvoll wie immer. Langsam ging ich über die Terrasse und betrachtete das Gewimmel von braunen Körpern und bunten Badeanzügen zwischen Sand und Wasser. Plötzlich erregtes Geschrei und drunten steht ein aufgeregtes Häuflein Männer und Weiblein beisammen. Was konnte es wohl geben? Wollten gutgelaunte Hofsänger ein paar Schlager singen oder sollten Pyramiden gestellt werden? Aehnliche Dinge hatte ich schon hier mitgemacht. Jedenfalls eilte ich hinunter, um die kleine Neugierde zu befriedigen. Aber ganz so harmlos, wie ich es mir gedacht hatte, war es nicht. Offen stehen sich verschiedene Gruppen gegeneinander und jetzt brüllt einer seinem Gegenüber zu: „Nein, das ganze System muß geändert werden, sonst kriegen wir bald überhaupt nichts mehr zu fressen." „Na ja, mein Söhnchen," meint der andere,„die Regierung Papen gibt uns ja einen Vorgeschmack. Für die Proleten wird es dann jedenfalls nur noch schlechter." Nun drängt sich ein Dritter heran, die Arme über die Brust verschränkt und sich so in eine kraftvolle Positur setzend:„Nur ein Sowjetdeuffchland kann uns aus dem Dreck helfen, vorher wird es nicht anders," meint er mit einer Bärenstimm«. „Na und in Rußland, gibt es da nicht auch schon wieder weniger Brot?" wird ihm entgegengehalten.„Quatschkopf, wer hat dir denn das wieder eingetrichtert?" brüllt der Sowjetoerteidiger. Die Umstehenden hören halb belustigt, halb gelangweilt zu. Niemand ist zum Streit aufgelegt, gerade davor will man ja draußen seine Ruhe haben. Aber irgendwie müssen die Knallköpfe aneinander- geraten sein, und wer weiß, wie es noch ausgegangen wäre, wenn nicht ein einsetzender Regenschauer die Gegner unter die schützen- den Vorhallen zerstreut hätte. Einige diskutieren hier noch weiter. „Lauter Barone und Grafen, da sind wir ja bald wieder bei Wilhelm angelangt," meint einer. Der Hitlerprophet hat sich aber derweil zur Stärkung in die Bierstube geflüchtet. Die Versammlung der Badeengel. f l'.rlin•"«««"» BberI,r0 ° rkwerks. Wohnungen und ElNFAmilien-Hauser. |„ Ihren u"''•"*eneh"* ZM durch Unaui.._ ner 1. Oktober P eventuell euch früher»der.pater TU vermieten Sämtliche eihfk>- g°rht�n,4 Zlm., Olonheli- ab gj 50 i z" 62.50 lü- ztrhelm-" 68_ --ZS.50 � 103.— i �'.MUhT'zwtVwawhh. 1 1)4 Zlm.. Otanhelza- ab 60 5(| ';; 74.— 1 Berlin NO, 1, Zlm.. Olaniielz». ab 68.� Frlt*- Beuter- Allee AS Sonntal» f A-14 jaekeletreOe 10,•" der I Cviva- StrsBc, wochen- l 5vri-11. Mittwochs auBer- Vi». Sonntax» 1*-"| Mahd«. KSpenlcker TandetraOe 1A2.«OHch 10-13, Freltaj« 16-1» Verwaltu r» gl OrellstraOe 3 9 täcllch 9—13 Krug, c* tu".,------ 82.— 3?""" � Pankow, Kaieer-Frled- Pankow, Kaleer- Fried- rich.8traße 49, rieh-Straße,_ üilich, auch Sonnui« -— ofenhelzg. ab 64.—»» " 77.60 �" 85.40 E.NFAÄ.Sro. 80 18, K.,.-»;»'•»» ......... 2 Zlm., 1"_ 3)4- m eosis- II. Tennis-Sciiuiie zum Schnüren. 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Griesers Andeutungen sind an einigen Stellen dunkel wie ein Orakel. Daß Grieser in der Krankenoersicherung nur eine Kon- zentration innerhalb der Kajsenarten anstrebt, ist nichts Neues. Wenn er bei den Krankenkassen das Optimum der Verwaltungstätig- keit bei Kassen mittlerer Größe sucht, so paßt das schlecht zu den Forderungen der Nazis, den Stützen der Reichsregierungi denn diese fordern ja nichts anderes als eine berufsständige Ver- sicherung mit dem Ziel einer Bildung möglichst kleiner Kranken- kassen. Tie stimmen auch hier— wie nicht anders zu erwarten— mit den Unternehmern überein. Für echie Einheiisfront. Die KPD. ist dagegen. Gestern fand eine sehr gut besuchte Belegschaftsversammlung der Firma Stock-Marienfelde statt, wo bisher die KPD. noch eine große Rolle spielte oder zu spielen versuchte. Genossin Kate K e rn schilderte die politische Läge und zeigte die Äuswirkun- gen der Hitler-Papen-Regierung auf dem Gebiet der Sozialversicherung und der Arbeitsbeschaffung auf. Der Arbeiter- ratsvorsitzende Genosse G e b e l sprach über Betriebsereignisse und wies die unehrlichen Einheitsfrontmanöver der KPI.- und der RGO.-Vertreter im Betrieb Stock aufs schärfste zurück. Trotz demagogischer Diskussionsreden kommunistischer Ver- treter nahm die Versammlung folgende von der Referentin vor- gelegte Resolution gegen zwei Stimmen an. „Die in der heutigen Betriebsversammlung von der Firma Stock anwesenden Kollegen und Kolleginnen rufen alle Arbeiter und Angestellten auf zum gemeinsamen Kampf gegen d e n F a s ch i s m u s. Sie richten an die KPD. und an die„Rote Fahne" die Forderung, endlich Schluß zu machen mit der Hetze gegen die sozialdemokratischen Führer. Der Einheitsfront im Kampf muß der Weg gebahnt werden durch Einstellung der An- griffe zwischen KPD. und SPD. Im Reichstagswahlkampf muß unser« ganze Kraft sich gegen den Faschismus richten." Em« von drei Kommunisten eingebracht« Entschließung, die sich gegen den Beschluß de? Borstandes der Sozialdemokratischen Bortet und die Kundgebung des ADGB. und gegen ein« Einstellung der Kritik an der Politik der SPD.-Führer wendete, war damit von vornherein abgelehnt. Einheitsfront der Verleumdung. Gemeinsomer Kampf der Ilozis und Kozis. Dl« Nationalsozialisten und die Kommunisten richten ihre kon- zentrischen Angriffe gegen die Eiserne Front, und in dieser natürlich in erster Linie gegen die Sozialdemokratische Partei und gegen die freien Gewerkschaften. Das ist nicht neu. Es ist auch nicht neu, wenn diese Angriffe unter der Maske„Einheitsfront" erfolgen. Es ist mit der Einheitsfront der Arbeiterklasse schon so oft Schindluder von den Feinden der Einheitsfront getrieben worden, daß ihr« ehrlichen Anhänger mißtrauisch werden, wenn jemand von der Einheitsfront spricht. Da der„Vorwärts" auf fünf Tage von der Regierung der Nazibarone oerboten war, konnte sich das edle Brüderpaar, der „Angriff" und die„Rote Fahne", ungehindert austoben. Das Nazi- organ setzt« sich u. a. in seiner Nummer vom 5. Juli mit der Kund- gebung der gewerkschaftlichen Spitzenorganisationen gegen die Natio- nalsozialisten und die von diesen getragene Reichsregierung aus- einander und wirft den Gewerkschaften vor, zwei Jahre lang das „System Brüning" gestützt zu haben. Der„Angriff" möchte dann glauben machen, er führe gegen die Notverordnung der Hitler- Popen-Regierung den„schärfsten Kampf" und fügt hinzu: „Wir führen J)i«sen Kamps bis ans Ende und kennen dabei keine politischen Sympathien und Antipachien. Sache der Ge- werkschaften aber wird es sein, uns in diesem Kampf zu unter- stützen und sich von jenen Parteien zu lösen, die nur dann für die Recht« des Arbeiters eintreten, wenn sie sich poli- tische Vorteile davon versprechen." Darauf hakt nun die„Rote Fahne" vom 7. Juli«in. Sie be» houptet. der„Angriff" habe den Gewerkschaften«in Einheit«- srontangebot gemacht, und„zitiert" zum Beweis« die von uns wiedergegebenen Zeilen. Sie„zitiert" sie aber folgdender- maßen: „Wir kennen keine politischen Sympathien und Antipathien Sache der Gewerkschaften wird es sein, uns... zu unterstützen." In diesem Sinne geht es dann spaltenlang weiter, um zu be- weisen, ersten, daß die Gewerkschaften und die Sozialdemokratische Partei mit den Nazis ein Herz und eine Seele seien, und zweitens, um den gewerkschaftlich Organisierten die Notwendigkeit der Ein- heitsfront nachzuweisen. Es gibt keine Verleumdung, so schmutzig sie auch sei, die in der kommunistischen Presse nicht gegen die Vertrauensleute der gewerk- schaftlich und politisch organisierten Arbeiterschaft erhoben würde und die nicht von den Nationalsozialisten und chrer Presse ent- sprechend ausgeschlachtet würde. Diese Einheitsfront der Verleumdung wird die organisierte Arbeiterschaft in ihrem Beschlüsse nur bestärken, alle Kräfte zur Niederwerfung der sozialen Reaktion einzusetzen. Verbindlicher Schiedsspruch. Streik und Streikabbruch in den Hasenbetrieben. lieber den im„Vorwärts" bereits mitgeteilten S ch i e d s- spruch für die Berliner Hafen» und Speicherei-Be- triebe, der ab 1. Juli in zwei Etappen einen Lohnobbau um 9,3 Proz. für die ständigen und 12 Proz. für die unständigen Arbeiter vorsieht, war am Mittwoch in allen Hafen- und Speicherei- betrieben eine U r a b st i m m u n g durchgeführt worden. Diese Ab- stimmung hatte mit großer Mehrheit den Streikbeschluß erge- ben, der am Freitag in die Tat umgesetzt wurde. Die Unternehmer hatten aber den Schiedsspruch angenommen und seine Verbind- licherklorung beantragt, die gestern vom Schlichter für den Bezirk Brandenburg ausgesprochen worden ist. Der Schiedsspruch wurde nur insofern geändert, als der Lohnabbau nicht am 1. Juli, sondern erst am 9. Juli in Kraft tritt. Die Geltungsdauer des neuen Lohnabkommens, die vom Schlichtungsausschuß bis zum 31. De- zember d. I. befristet worden war, ist nicht geändert worden. Nach der Derbindlicherklärung des Schiedsspruches wurde zwischen den Tarifparteien noch die Vereinbarung getroffen, daß die Arbeit in allen Betrieben am Sonnabend früh wieder aufgenommen wird, der eintägige Streik nicht als Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses gilt und"keine Maßregelungen erfolgen dürfen. Bankiarifverirag verlängeri. Llnverändert bis M. Dezember. wie der Allgemeine verband der deutschen Bankangestellten mitteilt, haben Verhandlungen mit dem Reichsverband der Bank- leltung dazu geführt, daß der R e i ch» t a r I f v e r t r a g für das deutsche Bankgewerbe unverändert fortgesetzt wird. Die parkelen vereinbarten, daß der Tarifvertrag erstmalig zum Zl. Dezember d. 3. unter Znnehollung der dreimonatigen Frist gekündigt werden kann. Wer ist parteibnchbeamier? Erfurt. 8. Juli In einer nalionalsozialistischsn Beamtenversammlung erklärte der Reichspropagandaleiter der RSDAP> für Beamten- fragen, Oberzoyfekretär Neef, bei den Nationalsozialisten sei Grundsatz, daß der Berufsbeamte nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck sei. Mithin wäre auch die Ernennung Hit- lers zum Regierungsrat kein Akt des Parteibuchbeamten- tums, sondern eben Mittel zum Zweck und daher zu recht- fertigen. Etwas über 199 anwesende Beamte klatschten dazu Bei- fall, nachdem sie gleichermaßen gejubelt hatten, als Neef perkündet hatte, daß die RSVAP. die lZo öoo Parteibuchbeomlen beseitigen wolle. Bergarbeiierstreik in Velgien. Brüssel. S. Juli. Ueber den Ausbruch des Bergarbeiterftreils in der Dorinage wird berichtet, daß die im Mittelpunkt des Gebiets liegenden großen Zechen zuerst von der Arbeitseinstellung betroffen wurden. Die Ar- beiter dieser Betriebe marschierten dann zu den übrigen großen Werken und erzwangen dort gleichfalls die Arbeitsniederlegung. Auch in das Gebiet von Charleroi hat die Streikbewegung in- zwischen übergegriffen und gewinnt dort mehr und mehr an Boden. Auch die dortigen Industriewerke mußten ebenso wie die in der Borinage schließen. Der Minister für Industrie und Arbeit, Heyman, teilte in der Kammer mit. daß«r die Leiter der Bergwerk« und Vertreter der Streikenden für morgen zu einer Konferenz«ingeladen habe. Er hoffe, daß man zu einer Verständigung gelangen werde. Bei diesem Streik handelt es sich um«inen Lohnkonflikt. T»Areie Gewertfchafts-Zugend Berlin cute, Eonnabend. fl. Juli, finden folgende Beranstaltunaen statt: Ldlreis: Kceiaradsahrt nach Klein-Söris. Treffpunkt IS Uhr Bahn- Hof Neukistln.— Gruppe SBciheafce: achttägige Zeltlagerfahrt vom SfiMrots: Aceiaradfahrt nach Klein-Äöris. Treffpunkt 1« Uhr Bahn. Iln.— Gruppe Weißeufce:"....... Echwarzesee Ii« zur Schorfheide(9. bi« 17. Juli) @Iugendgruppe des Zentralverdanves der Angestellten Spiele im Freien: Hb 18 Uhr auf dem Sportplatz Humboldthain.— Unser Singekrei« Übt heute von Z9 bis 22 Uhr im Jugendheim Tilstter Straße Sir.<. parieinachrichten/�sfür Groß-Berlin Siufeadungen für Vtefe Rubrik find Berlin SW«8. Lindenstraß« 8. stets an das Bezirtsfetretariat e. Hof. 2 Treppen rechts, zu richte» Beginn aller Veranstaltungen 19ü» Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! 7. Srers. Heute, 11 Uhr, Berfammlung ermerbslofer Parteigenossen NN Su- gendheim Rostnenftr- 4. Paiteiduch ist vorzuzeigen. 7. und 8. Kreis. Seilte letzte Iuristifcke Sprechstunde vor den Eerlchtsferren von 17 bis 18 Uhr im Jugendheim Rosinenstr. 4. Gelegenheit zum Airchenaustritt!__,. 85. Abt. Sämtliche Parteimitglieder tieften sich heute um 17>� Uhr bei Pommerening, Berliner Str. 1V0. 19 Vj Uhr Funktionärversammlung im gleichen Lokal. Hierzu find alle Gruppenführer, Areisvertreter, Betriebs- funktionäre und Hammerfchaftsführer eingeladen. 94. Abt. Heute Funktionärfltzung bei Schräder, Steinmetzstr. 52. Mitgliedsbuch der Partei mitbringen. 97. Abt. Heute. 18 Uhr. Bezirksführerbcsprcchung bei Arüger. Emser Str. 85. 92a. Abt. Heute, 18 Uhr,„Eisernes Haus". Alle müssen erscheinen. 198. Abt. Heute. 15 Uhr, treffen sich alle Mitglieder zur Flugblattverbreitung. Aällnische Vorstadt bei Bewart. Rudower Str. 8. Aietz(Alt) Dorstadt im Parteiheim, Schlotzstr. 27. 124. Abt. Sonntag, 10. Juli, 8 Uhr, bei Anders, Appell der Eisernen Front. Alle Genossen müssen erscheinen. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Graß-Berlin. Zentrale. Der nächste Transport zum Zeltlager geht ab: Sonn- � tag. 10. Juli. Bahnhof Gesundbrunnen pünktlich Si� Uhr für die ? Teilnehmer aus Pankow und Wedding. Leitung: Genosse Metzner. K Lindenstr. 2 um 8 Ii, Uhr für all« übrigen Teilnehmer. Leitung: Genosse Echerr. Gruppe Aüpenick. Zeltlagerfahrer treffen sich Sonntag, 748 Uhr, am Bahnhof Aüpenick. Zurück Sonnabend, 16. Juli. Vorträge, Vereine und Versammlungen Reichsbanner„Schwarz-Rok-Goid-. Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastionstr. 37— 38. Hof 2 Tr. Iungbanuer Berlin! Sonntag. 14*2 Uhr, Antreten Küstriner Platz. Gemeinsamer Marsch zum Inngbanner-Werbefest auf dem Sport- platz Friedrichshain. Für Kameraden in Bundesklcidnng freier Eintritt.— ed � �..... �"i a~i.. i; i.4 irr.« Of*.«.-*«,.». 441 f 4. Cht tl o Tni-« Vereins zweck» Teilnahme an der Beranftäliung des Iunzbas am Äüstriner Platz.— Tcmpelhof fAameradfchaftf. Sonnabend, 19. Juli, 17%g Uhr, Treffpunkt bei Pommerening. Ohne BundssNeidung. Genossen, tragt I■ V ver» ltefert eure Parteibuchhandlung I. H. W. Dietz Nachf., Lindenstr. 3. Flit-Eremc. Neu. Flit ist aller Welt bekannt als. das unübertroffen« Jnfektenvertilgungsmittel im geschlossenen Raum. Draußen freilich konnten Stechmücken und Fliegen nach Lust ihren Blutdurst stille» an Männlein und Fräulein, die im Sommer wandern, lagern, angeln oder jagen wollten. 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Seit vielen Jahren ehrenamtliches Mitglied der Spartenkommission der Vor- ricbter, hat er vor längerer Zeit die Leitung dieser Sparte übernommen und hat seine umfangreichen Kenntnisse im Interesse unserer Kollegen bestens verwertet.— Heben der Tätigkeit in unserer Organisation war er lange Jahre bis zuletzt als zweiter Kassierer der Zentral-Kranken- und Begräbniskasse der Buchbinder tätig. Unserem Freund Kreiienberg sind wir vielen Dank schuldig und werden sein Andenken in Ehren halten. Ortsverwalhing Berlin. Zentral-Kranken- und Begräbnlikasse, Verwaltungsstelle Berlin. Die Einäscherung findet heute Sonnabend, den 9. Juli, nachm. 4 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. y..."-•U1'«fe--A r.-Lt v'-'.b:5,5'.- Pumpen MoälanHSCo. Ponpmfabrii Berlin N SS bioidundorftr StraBi 95. 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Im Namen der Hinterbliebenen Geschwister Pflanz Neffe Karlchen und Nichte Martha Berlin 034, den 8 Juli 1933 Frankfurter Allee 329 Die Sinäfcherung findet am Montag, dem II- Juli, nachm. 8»/, Uhr, uu Krematorium Gerichtstraße stalt. Deutscher Freidenker-Verband E.V. Haupt- und Bezirksgeschäftsstelle: Berlin SW 29, Gnelsenanstraße 41 Werde Freidenker In der Organisa- ition der 600 000' Nach dreimonatiger Mitgliedschaft und bei tödlichen Unglücksfällen sofort: Kostenlose Feuer-Bestattung Allen Berwandlen, Freunden und Parteigenassen, die dem lieben Eni- fchlafenen Ernst Tost die leßte Ehre erwiesen haben, unseren herzilchstcu Dank. Rosa Tost and Kinder NW 87, Helmhalgsir. 13. HZtzAblöHC*** $ Der Senofie % Adolf Szymanski G Berlin N 51. Fehrbelliner Str. 3 V feiert am Spnnadend. dem 9. Juli, i® seinen 60.(Petmrlatag in kör» H Veriicher und geistiger Frische. L? Bekanntmachung. Die in der Zeit vom 1. Januar bis 31. März 1931 verlegten Pfänder sind oersieigerl worden. Heber- fchüffe sind bis zum 4. Ja- nuar 1933 abzuheben. Staatliches Leihamt. »»»»«SVO»« Monatsbeitrag: Gruppe A 1. bis 18. Lebensjahr........ 0,20 RM Gruppe B 18. bis 50. Lebensjahr 12 Beitragsjahre 0,60 RM Gruppe C 50. bis 60. Lebensjahr 20 Beitragsjahre 1,00 RM Gruppe E(Altersmitglieder über 60 Jahre) zahlen die Selbstkosten einer Einäscherung in Höhe von 150,— RM, die innerhalb von 2 Jahren in Raten gezahlt werden können Gruppe F Kulturgruppe........... 0,25 RM umfaßt Mitglieder aller Altersstufen, die an den Bestattungseinrichtungen des Verbandes nicht teilnehmen Pflegestätte der Sozialistischen\ Welt- anschauung Für ein proletarisch- sozialistisches i Gemeinschaftsleben i Kirchenaustritt l Bedingung Eintrittsgeld: für alle Gruppen......... 0,60 RM Aufnahraestellen: Bei sämtlichen Hauskassierern, In den durch Plakataushang kenntlich gemachten Lokalen und in der Bezirksgeschäftsstelle: Berlin SW 29, Gnelsenaustraße 41. i Freie Entwicklung von Kunstl Wissenschaft! 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S Bund 0,10 Salat................ 3 Kopf 0,10 Grüne Gurken sttiok Ton 0,10 Neue Zwiebeln„...Pfd.0,10 Puffbohnen........... pid. 0,14 Neue Kartoffeln..s Pfd. 0,22 Bonanen.« 0,24 Junse Möhren pjg Schoten 0,20 Konserven Junge Erbsen fein........ Gemüseerbsen.......... Junge Karotten.......... Karotten in Streifen....... Gem. Gemüse mitteifein.. Leipziger Allerlei....... Apfelmus.................. Span. Aprikosen>/,Fr... Birnen'i, Frnoht............ Reineclauden............ Preisseibeeren.......... Hawai-Ananasg Scheiben Pflaumen ganze Fr., M-Stein Kürbis in Essig und Zncker *li Dose 0,98 0,58 0,58 0,28 0,95 0,82 0,48 0,88 0,75 0,98 0,85 1,25 0,50 0,39 Menge nabgabevorbsbalt. Verkauf se«. Vorrat. - Untere Lebensmittel-Abteilung, untersteh. der ständigen Kontrolle und Autsicht eines Nahrungsmlttelchemlkers o. ein. Tierarztes. Fische� Räucherwor. 'Seelachs gross, o. Kopf, Im ganzen, Pfd. 0,10 'Merlani. ganz., m. Kopf, Pfd. 0,10 'Kabeljau gr.,o.K.,i.g, Pfd. 0,10 'Schellfisch mit Kopf...Pfd. 0,12 *Kabel|aufilet....pfd.Ton 0,18 'Schleie lebend.......... Pfd. 0,84 Bücklinge......... Pfd. von 0,30 Rtiucherherlnge...8tflek 0,12 Matjesheringe... 3 Stack 0,20 Lachs in Stacken....Pfd. von 1,10 Heringssalat.......... ptd. 0,60 Fleischsalat........... Pfd. 0,60 Saure Gurken...... stock 0,05 FettheringeinTomat.Dooo 0,28 Sardinen........... s Dosen 0,88 Salatöl...... Vs-Dtr.-Flasche 0,60 * In allen HAusern ausser Andreas ttraese. Kolonialwaren Bruchreis............... Pfd. 0,11 Tafelreis............... Pfd. 0,14 Bassin-Reis........... ptd 0,16 Hartweizengriess...pfd. 0,24 Weizengriess........ pm. 0,26 Perlsago............... Pfd. 0,32 Eier-Bandnudeln....Pfd. 0,35 Eiermakkaroni....... Pfd. 0,39 Eier-Sternchen...... ptd. 0,42 Kaffee............... Pfd.,. 1,90 Kakao lose, stark entölt, Pfd. 0,58 chiiltzebl,08 GrUliiienois Camembert....Schachtel Harzer................. Pfd. Allgäuer tw/,.......... Pfd. Steinbuscher......... Pfd. Emmenthaler«'.Schachtel Briekäse vourett...Pfd.von Edamer vollfett........ Pfd. Kolländer vollfett..... Pfd. Tilsiter vollfett......... Pfd. Dän. Schweizer an, Pfd. BlockkäseTiisftATtapi. pm. Schweizer............ Pfd. Allerfeinste deutsche Markenbutter....... Pfd. Allerfeinste deutsche Molkereibutter..... Pfd. Molkereibutter..... Pfd. Kokosfett........... 3 Pfd. Bratenschmalz..... Pfd. Margarine....... Pfd. von 1,34 1,28 1,06 0,88 0,42 0,25 Johannisbeeren j] lg Preise obne Flasche. Fürst Bismarck-Quelle „Apfelperle">i,Fi. 0,45 Speierling-Apfel->| pl Wein naturrein...... 0,58 31er Oberhaardt. 0,68 29erLiebfraumiich1,25 30er Kreuznacher Kronenberg Biesl2,10 Spez.- Apfelwein v, Ltr. naturrein, herb, zur Kur 0j38 I Rhpf. Weisswein 0,58 Moselwein in oehr. puter Qualität........ 0|95 Johannisbeerw. 0,68 Dtsch. Weinbrand 4,20 Rum-V«r«chn./40t,Ur. 4,00 Weine U.Spirituosen bei 25FI. 0,42 10 FL 5,50 6,50 12,- Frisches Fleisch Kalbskamm o.Big� Pfd. von 0,42 Kalbsköu36bis9Pfd.schwer. ganz oder geteilt..... Pfand von 0j6B Schweinebaucho Big�Pfd 0,58 Schweinekamm..... Pfd. 0,78 Schweineschinken mit Bein............. Pfand von 0,72 Eisbein mit Spitzbein, gepökelt, Pfd. 0,34 Hammelfleisch. Pfd. von 0,63 SchmorfieischKeiiieaKn..Pfd.«. 0,74 Suppenfleisch....ptd. von 0,44 Gulasch................ Ptd. 0,68 Bratfetf................ Pfd. 0,58 Rinderleber.......... Pfd. 0,64 Lungen................. Pfd. 0,28 Herzen.................. Pfd. 0,38 Backen................. Pfd. 0,38 Euter.................... Pfd. 0,20 Schweinenieren..... Ffd 0,48 Urm.<.0,72 Wurstwaren Landleberwurst..... Pfd. 0,78 Jagdwurst............. Pfd. 0,82 Fieischwurst.......... Pfd. 0,72 Speckwurst........... Pfd. 0,68 ff. Leberwurst........ Pfd. 0,88 Mettwurst Braguob«.«rt..Ptd, 0,84 Knoblauchwurst....Pfd. 0,84 Schinkenpolnische.. Pfd. 0,94 ff. Teewurst........... Pfd. 0,98 Zervelat u. Salami.. Pfd. 1,06 Wiener................. Pfd. 0,88 Dampfwurst.......... pid. 0,68 Schinkenspeck....... Pfd. 1,18 Sülzwurst.............. Pfd. 0,65 Gemischte Marmelade 0,68 Pflaumenkonfitüre....0,95 Aprikosen................. 1,10 Orange..................... 1,10 Erdbeer.................... 1,10 166 Wild und Geflügel Hühner frisch.......Pfd. von"p'* Enten___ gefroren____ Pfd. von U,55 Rehblätter. Pfd. von D, 78 Wildschwein-. Blätter...... Pfund 0,68 Wildschwein-... Rücken..... Pfund UyOu Wildschwein-... Keulen...... Pfund C,oO PROGRAMM für die Zeit vom 9. bis 11. Juli I N O F E L PROGRAMM für die Zeit vom 9. bis H. Juli Q\0\Q) Potsdamer Straße 38 B» war einmal ein Walzer mit Martha Eggerth, B. v. Goth— Aüßerd: BoÄampf Schraellng �»harkey Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Für Jugendliche freigegeben! Odeon, Potsdamer Str. 75 E» geht um alle» mit Claire Rommer. Euciano Albertinl, Ernst Verebe» und das gnte Beiprogramm Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Turmstraße 12 Der Feldherrnhügel mit Beda Roda— AuBerdem: Boxkampf Schmeling— Sharkey Für Jugendliche freigegeben! Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Alexanderstraße 39-40 (Passage) In 80 Minuten um die Welt mit Douglas Fairbanks— Außerdem Durchlaucht amüsiert sich mit Elen Deycr», G Alexander Den ganzen Tag geöffnet. S. ab 3 Uhr W Unter den Unden M Die Kamera unden h Täglich 3, 5, 7 9 Uhr Di© seltsamen Erlebnisse des David Grey(Vampyr).— Beiprogramm— Tinwoch© c Friedrichstadt Franziskaner Borgens traße(Ecke Friedrichstraße) 9, 12. 3.«. 9 Uhr Der weiße Rausch mit L. Rlefenstahl, H. Schneider u. a. 10.30, 1.30. 4.30. 7 H), 10�0 Uhr Die Ehe Film nach Van de Ve|de mit einleitendem Vortrag Heneste Tonbild-Reportage w( Primas-Palast Potsdamer Str 19 Ecke Margaretenstr. Frau Eehmanns Töchter mit Hansi Niese, Hertha Thiele, Else Elster, Fritz Kampers W. 5.15, 7.15, 9.15 Uhr S. 3.15, 5.15. 7.15. 9.15 Uhr > Südwesten Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 W. ab 6.30 S. ah 5 U. Ein süßes Geheimnis— Niemandsland, Schicksal zwischen den Fronten. > TempelhoF Kiirfürtf w- 7' 9' St8 5' 7» 9 ÜIlr liUTfUrSl stg. 3 Uhr: Jgd.-Vorst. Dorfstraße 22. Ecke Berliner Straße Die große Liebe mit Hansi Niese— Boxkampf Schmeling — Sharkey TVfi/i/; w. 6%, 9. S. 5, 6%. 9 1 IVO II Slps. 3 Uhr: Jucendvorstell Berliner Str. 97. 2 Großtonfilme: Tom rechnet ab mit Tom Mix — Lügen auf Rügen mit Maria Solveg, Robert» W MariendorrM W /Lf_ f• Mariendorfer Wo. 7» 9, IrdU'lJl Tonlichtspiele So. 5, 7, 9 Chausseesir. 305. Stg 3 Uhr: Jgd.-V. Kitty schwindelt sich ins Glück— Es geht um alles mit Luc. Albertinl > Schöneberg Alhambra Tonn im Hauptstraße 30. 2 Tonfilme: Liebesparado mit Maurice Chevalier— Cyankali,§ 218 mit Grete Mosheim Titania Schöneberg Hauptstr. 49. W, 5. 7, 9 Uhr S. 3, 5, 7. 9 Uhr Boxkampf Schmeling— Sharkey— Razzia In St. Pauli— Großtanfilm— Beiprogramm Kronen-Lichtspiele Rbeinslratte 65 Beg 7 9 Uhr Sbd., Stg 5. 7. 9 Uhr Rädchen zum Heliaten mit, Renate Tlüiler, Herrn- Thimlg — Toobciprogranun WilmersdorF A Wochent. 7. 9U ü. Atrium Stg. 5, 7. 914 U. Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Schmeling— Sharkey Original- Tonfilm vom Weltmeisterkampf— Ferner Uraufführung: Kaeernon- bot and Blechmusik ■ stngilti m Titania-Palast Steglitz, Schloßstr- 5. EckeGutsmuthsstr. Schmeling— Sharkey, Tonfilm vom Weltmeisterschaftskaropf über alle Runden.— Ferner: Flucht von der Teufelsinsel mit Ronald Colman in dem deutschsprachigen Tonfilm 7-1: Beginn tägl. 5, 7, 9 Uhr Ci€li stg, 3 Uhr Jugendvorstell Potsdamer Str 50 Kreuzer Emden, Heldenlied der deutsch. Marine— Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt > Charlottenburg W Germania-Palast Charlottenburg, Wilmersdorf er Str 53/54 Frankenstein'— Lachendes Leben. Der sensationelle Nacktkultur-Film Wochent. ab 5 Uhr, Sonnt, ab 3 Uhr Kant-Lichtspiele Kantstr 54(an der Wilmersdorfer Str.) Ein Tango für dich mit Fee Malten, Willy Forst W. 5. 7. 9 Uhr 5. 3. 5. 7. 9 Uhr Schlüter-Theater ßcgim,90' Schlöterstr 17 Sonnt 3 U: Jgd V Prinz von Arkadien mit Liane Haid— Eine Nacht im Grandbotel mit Eggertb Moabit Wochent. ab 6 Uhr ATlUSnOT Sonntags ab 5 Uhr Perleberger Str. 29 2 Tonfilme: Razzia in St. Pauli mit Szöke Szakall— Besserer Herr ge sucht... Südosten Luisen-Theater J;|b Reichen berger Str. 34. Der Sensations-Tonfilm Frankenstein Ferner Curt Bois, Dolly Haas in dem Tonfilraschwank Ein steinreicher Mann Stella-Palast � s�u. Köpenicker Straße 12—14 Gnst. Fröhlich. Martha Eggert in der Tonfilm-Operette Ein Lied, ein Kuß, ein Mädel Ferner Schmeling— Sharkey Original-Tonfilm-Bericht Jugendliche haben Zutritt Deatsch-Amerik. Theater Köpenicker Str. 68 5.30 6.30, 7.50, 9 Frankenstein, der Grusel-Film— Schofför Antoinette mit Char lotte Ander Neukölln Mercedes-Palast$ 6.b'59u; Hermannstr 212 Boxkampf Schmeling— Sharkey— Buffalo Bill, I. u. II. Teil 24 Akte. Jugendliche haben Zutritt Primas-Palast s-,nnThab65'u Am Hermannplal? Urhanslr'2/76 Boxkampf Schmeling— Sharkey— Der Gefangene von Schön brunn— Jugendl Zutritt Treptow-Sternwarte Sonnabend 8, Sonntag 4, 6. 8 Uhr; In den Dolomiten Bin Naturgroßfilm ■■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent. ab 6.30, Sonnt, ab 5 Uhr 2 Tonfilme: Der sensationelle Weltmeisterschaftskampf Schmeling— Sharkey Original- Aufnahmen aller 16 Runden Ferner Es geht um alles mit Luc. Albertinl, Eddie Polo, Ernst Verebes Lana-Palast Yönm Jhüuhr Gr Frankfurter Str. 121 Tonnoche Schmeling— Sharkey» Kampf — Bü.: Der schöne Wilhelm mit W. Milowitsch Kino Busch s!Ä1S85u£ Alt-Friedrichsfelde 3 Tonwoche Der Frauendipiomat mit Rax Bansen, Hartha Eggerfh— Tonbeiprogramm „Elysiam" ftÄ» Wochent ab 6� Uhr Sonnt, ab 4 Uhr Boxkampf Schmeling— Sharkey— Afrika-Tonfilm: Trader Horn Schwarzer Adler aiÄ W 5. 7. 9 Uhr S 3 5. 7 9 Uhr Der Frechdachs mit Willy Fritsch, Roberts, Cam. Horn — Boxkampf Schmeling— Sharkey— Tonwoche Viktoria-Theater" r5 Frankfurter Allee 48 Tonlustspiel: Ein toller Einfall mit Willy Fritsch, P. Hörbiger— Neues Tonkabarett M Weu-Alchtenberg"b Kosm os- Lieh tsp iele Lückslr 70 Emelka-Tonwochc W.%7, 9 Uhr. Stg 5. 7. 9 Uhr Kuhle Wampe. Ein Film, der das Leben zeigt— Reichh- Tonbeipr. Flo ra-Lichtspiele mÄTT "Wochl. 5.45. ca 7. 8.45 Stg ab 3 Uhr Skandal In der Parkstraße— Die heilige Flamme mit Gnst. Fröhlich A Ihambra �usSrlnl34' Wochent. ab 5 Uhr Sonnt, ab 3 Uhr Schmeling— Sharkey— In 80 Minuten um die Welt mit Douglas Fairbanks Jugendliche haben Zutritt � Pankow> Palast-Theater Breite Straße 21a. Jugcndl. Zutritt Wo. 7. 8.30. Sonnt, ab 4.30 Uhr Einmal möcht' Ich keine Sorgen haben— Pat, Patachon: Schritt und Tritt A Belnlcke>idorf«Ost fr Beba-Lichtspiele Residenzsir 124 W 6.45 a. 8.45 Uhr So 5. 7. 9 Uhr Stg 3 Uhr Jugend-V. Das Flötenkonzert von Sans. soucl mit Otto GcbUhr— Graß. Beiprogramm �r. 31 0/319* 49. Jahrgang 4. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 9. Zuli 1932 Wieder Krawall im Zigeunerlager. Ein"Zigeuner nievergestochen. ?n einem Zigeunerlager in der Hauptstr. 12 in R e i n i ck e n- d o r f» O st gerieten Mitglieder des Stammes miteinander in eine schwere Schlagerer Der Zigeuner fticnopos Schmidt erhielt mehrere Messerstiche in Kops und Rücken. Schwerverletzt mutzte er ins Reinickendorfer Kronkenhaus gebracht werden. Als die Polizei erschien und die Streitenden trennte, war der Toter, der Zigeuner Ruwald H a n st e i n, bereits geflüchtet. GA. als Straßenplage Ein Deutscher, der in Zürich wohnt, aber die Sommerwochen bei seinen Angehörigen in Berlin verbringt, ging in diesen Tagen durch die Friedrichstraße. Als Sozialdemokrat trug er das Freiheitsabzeichen der drei Pssile. Plötzlich rempelte ihn ein SA.-Mann an und ritz ihm sein Abzeichen ab Sein Vater und seine Schwester, mit denen er zusammen war, gaben ihrer Empörung Ausdruck. Rede und Gegenrede folgten einander, und der Nationalsozialist erklarte wörtlich-„Wir haben hier das Standrecht in Berlin auszuüben und dagegen kann auch die Polizei nichts machen." Die Schwester holte einen Schutzpolizisten, auf dem Revier wurde der Name des SA.-Mannes festgestellt. Er trug eine Schrcckschutzpistole bei sich. Mit Recht weist unser Eewährsmnan darauf hin, daß ein solches Betragen für dos A n- sehen Berlins als Fremdenstadt die schlimmsten Folgen haben muh._ Oer Spandauer Wochenmarki wird verlegt. Seit Iahren drangt der Polizeipräsident aus Verlegung des Wochenmarktes au? der A l t st o d t Spandau. Zur Zeit wird der Markt in der Moritz-, Iüden- und Charlottenstratze abgehalten. Diese Straßen sind derart eng, daß bei Bränden in dieser Gegend während der Marktzeiten die Anfahrt von Feuerwehrsahrzeugen nur unter großem Zeitverlust möglich ist. Außerdem wird aus sanitären Gründen die Verlegung des Marktes für erforderlich ge- halten. In den schmalen Straßen machen sich die Gerüche des Fisch- und Käsemarktes und der Abfälle verschiedener Art besonders in der heißen Jahreszeit recht unliebsam bemerkbar. Das B s- z i r k s a m t und die Bezirksversommlung Spandau haben daher beschlossen, den Markt aus der Altstadt nach dem alten Feuer- w e h r p l a tz an der Achenbach- und Friedrichstraße zu verlegen. Die Zentrale Morktverwaltung befürwortet dringend die Verlegung des Marktes Die Kosten für die Verrichtung des neuen Markt- Platzes sind nach Ueberprüsung der Kostenanschläge durch die Zentrale Tiefbauverwaltung aus insgesamt 28 000 M. veranschlagt. Es wird beantragt, diese Mittel aus dem Markterneuerungsfonds des Bezirks Spandau, der 36 327,34 M. beträgt und inzwischen an den Betriebsmittelfonds der Stadthauptkasse abgeführt worden ist, freizugeben. Der Mogistrat hat der Verlegung des Marktes und der Freigabe der Mittel in chöhe von 28 000 M. aus dem Markterneuerungsfonds des Bezirks Spandau zugestimmt Der Oberbürgermeister bittet die Stadtverordnetenversammlung in einer Vorlage um ihre Zustimmung Allgemeine Wetterlage. S.vJuU �932,abd3.S ©MoHterlstO hBitsr,(>iialbbedsckr 3»vtiVig,Si3dec!tt«l?a;sirAGr3up9ln ;=?febe!,llG3¥-iitec@V/in[lsiille Auch am Freitag bestand im großen Teil Deutschlands stark wolkiger bis trüber chimmel. Nur im Küstengebiet war es meist heiter� dorr stiegen auch die Temperaturen am höchsten, meist bis 23 Grad. Im bewölkten Gebiet erreichte das Thermometer dagegen nur etwa 21 Grad. Das heitere Wetter nördlich von unserm Bezirk dürste sich bald weiter nach Süden ausbreiten, da jetzt das Auf- gleiten der südöstlichen Lust über den kühleren Deutschland be- deckenden Lustkörper aufgehört zu haben scheint. Weltcraussichten für Berlin: Etwas wärmer; teils heiter, teils wolkig; schwache Winde aus nördlichen Richtungen.— Für Deutschland; Im Süden noch meist stark bewölkt und vereinzelt etwas Regen, im übrigen Reiche im ganzen etwas wärmeres, teils wolkiges, teils heiteres Wetter._ Mit der BVG. in die Mark. Jeden Sonntag fahren abwechselnd vom Bahnhof Zoo um 11 und 13 Uhr Ausfürgswagen nach Fichten- grund-Friedrichsthal, Mellensee, dem Liepnitzsee, Bötz- und Samith- See. Fahrkarten nur am Wagen. Auskunst und Kortenverkauf bei der Verkehrsabteiluna der BVG., Berlin W. 9, Köthener Str. 17, Zimmer 51, Fernruf: B 2 Llltzow 9014— 9019, Apparat 117. Montag, 11. Juli, 1914 Uhr, im Saal 1, de» Gewerkschaftthautes, Engelufer 24/25,: lasaueiitelliierParfcirefereitten Vortrag des Reichslagsabgeordnelen Paul Hertz:„Der Enischei- dungskampf der deutschen Arbeiterklatse". Zutritt nur mit dem Einladungsschreiben und dem Partei- mitgiiedsbuch. Da» Bezirkssekretariaf. Der KindeSmorder vor dem Uutersuchnngsrichtcr.. Der 28 Jahre alte Mörder Ernst Kästner aus Hennigsdorf, der in den Nachmiltagsstunden des 5. Juli die s ü n s j ä h r i g c Tochter Käte des Arbeiters Zabel aus der Rathenaustrahe 9 in ganz furchtbarer Weise ermordete, wurde gestern dem Moabitcr Untersuchungsrickiter vorgeführt. Die Untersuchung der Kriminal- Polizei ist damit abgeschlossen. K. blieb auch dem Richter gegenüber bei seinen bisherigen Angaben. Während er über die Zeiten vor dem grauenhaften Morde genaue Schilderungen geben konnte. schwieg er, sobald von seiner Begegnung mit dem unglücklichen Kind gesprochen wurde. Er will sich auf nichts besinnen Können. Die besondere Tragik dieses Geschehens liegt darin, daß der Bursche sein Opfer anlocken konnte, obgleich seine Eltern das Kind eindringlich!» gewarnt hatten. Die Anklage gegen Küßner lautet auf Mord Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Zerlm Einsendungen für diese Rubrik nur an das IugekldWretariat Berlin SW 68. Lindenstraße 2. vorn 1 Treppe rechts. heule. Sonnabend, 9. Juli. 4Ir»>mplatz� Zeltsohrt noch Nauen. Treffpunkt Radfahrer 19 Uhr, Gruppe 20 Uhr Bahnhof Schönhauser Allee.— Ztottbufser Tor: Brcttspielabend Urban- straße 107. Werbebezirk Neukölln:„Der Querschnitt" probt pünktlich 19!- Uhr im Heim Bcrgstr. 29. Morgen Treffpunkt aller Radfahrer pünktlich 7 Uhr Schönstedt. Ecke Berliner Straße. Werbcbezirk Lichtenb-rg: Werbebezirksvorstandssitzung in der Bibliothek.— Morgen Antreten II Uhr Rustrincr Platz. Werbebezirk Pankow: Radfahrerdcmonstration. Antreten 17zh Uhr Blanken- bürg bei Klug. Morgen, Sonntag. 10. Juli. Schönhauser Vorstadt: Treffpunkt zur Werbcbezirkstreffahrt 5u Uhr Schön. Häuser Allee. Fahrgeld 70 Pk.— Südwesten: Fahrt nach Brieselang. Treff- punkt 0 Uhr Bclle-Alliance-Platz. Wcrbebeiirk Osten: Iugendbemonstration gemeinsam mit den be-! M freundeten Jugendorganisationen mit anschließender Kundgebung auf c-?. dem Sportplatz Friedrichshain. Redner: Albert Grzesinski, Bürger.- D Meister Mielitz. Sportliche Wettkömvfe. Antreten zur Demonstration � 14V4 Uhr Küstriner Platz, Falkentracht. ge Werbe bezirk Wcdding: Alle Funktionäre müssen um 21 Uhr im Heim See- straße sein. Besprechung der Autofahrt, da Aenderuna notwendig. Werbcbezirk Prenzlauer Berg: Ägitationsfahrt nach Nauen. Treffpunkt für Radfahrer 0>4 Uhr Elnfium, für die Gruppen OZh Uhr Bahnhof Prenzlauer Allee. Falkentracht, Fahnen und Wimpel mitbringen. Briefkasten ver�stevattion. vie dungW WWW. WWWW zuständiges Bezirkswahlamt aus. 3. Wir verweisen auf den am 3. Juli im „Vorwärts" erschienenen Artikel„Listenverbindung". DER EIHHEITSVERBAND DER EISEHRAHHER DEUTSCHLANDS ist die einzige Organisation, die die Interessen der Eisenbahner(Arbeiter und Beamten) wirksam zu vertreten in der Lage ist! ZENTRALE: BERLIN W50. RANKESTRASSE 4 Alle Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie finden ihre Interessenvertretungen im Deutschen BeKleadungsarbelter-Uerband Filialen in 250 Städten des Reiches Zentrale: Berlin, Neue Winterfeldtstresse 14 -.V-. -Mm Der Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe- Angestellten ist die wirtschaftliche Interessenvertretung aller Angestellten im Gastwirtsgewerbe/ Vorzügliche Ünterstützungseinrichtungen/ Freiwillige Sterbekasse/ Zweigstellen in 146 Städten des Reiches Hauptgeschäftsstelle: Berlin N 24, Elsässer Straße 86-88 SÄ*«» BANK UND SPARKASSE ALLER ARBEITNEHMER IST DIE ■ - J-vK. BANK DER ARBEITER ANGESTELLTEN UND BEAMTEN S * ■' M 5k:: ZENTRALE: 514 MXRKiSCHES UFER32 WALLSTRASSE 62,65 DEPOSITENKASSE SW6S. LINDENSTRASSE 3 c*uc*fh Far&eniabriHen Beraer s Ullrlb. 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Den Lehren unserer großen Vorkämpfer getreu führen wir die Abwehr gegen den kapitalistischen Terror mit den großen Machtmitteln der freien Gewerkschaften. Eine der Säulen des ADGB. ist der Gesamtuerbund Großorganisation der 700000 Wir wollen den Segen der Kultur, freiheitlichen Geistes, technischen Fortschritts der arbeitenden Menschheit dienstbar machen! Darum folgt dem Funkspruch an Alle! werde! mithämpier des Gesamtuerbandes! � OkfMfite-Jtnjeiger � Neu! Neu! Chamotte-Kadielöfen in farbiger Glasur, 35 cm breit, 35 cm tief, 135 cm hoch, mit Rostfeuerung nur 62,40 RM. sind zu haben bei der Berliner Töpferhütte G. m. b. H. Berlin SO. 36, Schlesischestr. 42 Fernsprecher Amt F. 8, Oberbaum 0319 Fliesenarbeit— Baukeramik Haben Sie Bedarf In; Berrendarderobe(ieriiß und nadi Mab)» BeroisKleidunß, Herrenarliltel, ßeidisbanner-üQsrQstunä, so emuliebll sidi Friiz Hamburg Sdcs�lldz. SdaBoOsdrcaOe 102/103 Fah r ve r b I n d u n g: Autobus 5 und 20, Straßenbahn: 40, 43, 74, 174, 77, 177. Blinde. 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Einer tanzt in der Nacht, Deutsche Kunst, du kannst ruhig schlafen! Ringsum ist stockfinstre Nacht, Du wirst stückweis zur Strecke gebracht, Jetzt wird Stubenreinheit gefordert! Dichter werden zum Slrammstehn beordert: National-Funk!— National-Film!— Geist ist bekanntlich sremdstämmig-marxistischer Dreh... Das ist das deutsche Kunst-WC. Und das stänkert bei Tag und bei Nacht..., Wir haben es weit zurückgebracht: Keine Freiheit. Kein Brot. Stunk. Straßenschlacht. Die Kultur begibt sich gähnend zur Nacht Doch bei uns heißt sowas: Deutschland erwacht!!!— DUilhe Wölb ritz Su ihrem 65. Qeburlslag Käthe K o l l w i tz, die geniale Gestalterin der Mütterlichkeit, wurde am 8, Juli 65 Jahre. Für ihre tief innerliche Kunst hat sie die entscheidenden Anregungen im Königsberger Elternhaus erhalten, denn ihr Vater, der Maurermeister Karl Schmidt, war Leiter und Prediger jener Gemeinde, die sein Schwiegervater, der erste freireligiöse Pfarrer Deutschlands, Julis R u p p, gegründet hatte, So wohnte von väterlicher und mütterlicher Seite her religiöse Kraft in ihr, und diese hat sich in ihrer Kunst offenbart, die ein gewaltiges Bekenntnis der Menschenliebe und des Eintretens für die Armen und Schwachen, besonders für die Mütter und Kinder geworden ist, Diese religiöse Grundlage ihres Schaffens ist von ArthurBonus in einer schönen Abhandlung aufgezeigt worden, Den entscheidenden Anstoß zu der Richtung, die sie dann mit so leidenschaftlicher Folgerichtigkeit in ihrem Werk ausgebildet hat, er- hielt sie, als sie nach mannigfachen Kunststudien 18!M dem Arzt Dr. Karl K o l l w i tz nach Berlin folgte und im Norden Berlins sich unter dem Proletariervolk in dem Hause ansiedelte, in dem sie noch heute lebt. Derselbe Geist der Menschenliebe, der ihren Mann als Armenarzt sein Leben den Kranken opfern ließ, strömte in ihre Radierungen, und besonders war es die Kunst G e r h a r t Hauptmanns, die Welt seiner„Weber", die sie zur bildnerischen Gestaltung desselben Motivs in ihrem berühmt gewordenen Zyklus anregte. Armut und Leid, Geburt und Tod wurden die ewigen Probleme, die sie mit einer ebenso echt weiblichen wie echt künst- lerischen Krast in unvergeßlichen Gestaltungen formte. Von der Radierung, in der sie ihr Größtes geleistet, wandte sie sich der Malerei und besonders der Plastik zu. Einen neuen Gehalt erhielt ihr Schaffen, als der Tod, den sie so oft gebildet, in ihr persönliches Leben trat: ihr Sohn Peter fiel in der Nacht vom 22. zum 23, Oktober 1914 als Kriegsfreiwilliger bei Dixmuiden. Än einem Brief an Bonus bekennt sie, daß dieses Erlebnis sie„beschenkt" habe, und erzählt einen rührenden Zug, der ein Licht auf den Urgrund ihres ganzen Schassens wirst.„Ich hatte immer das Gefühl, besonders früher, wenn ich an der plastischen Arbeit für ihn arbeitete, daß er mithilft. Als er sieben Jahre' alt war und ich die Radierung machte:„Die Frau mit dem toten Kind", zeichnete ich mich selbst, ihn im Arm haltend, im Spiegel, Das war sehr anstrengend und ich mußte stöhnen. Da sagte sein Kinderstimmchen tröstend:„Sei man still, Mutter, es wird auch sehr schön... 8. 3)eulfche Sosialiften Wilhelm Weitling(1808�-1871). Die Freiheit oller müht ihr verlangen, die Freiheit aller ohne Ausnahme.— Diche aber ist nur mittels der Aushebung des Eigentums— und Erbrechts, mittels der Abschaffung.des Geldes und der Wiedereinführung der Gemeinschaft aller Erdengüter mög° lich. Der ganze übrige politische Trödelmarkt sind nur Nebensachen zu dieser Hauptsache. Seht auf England, ihr Blinden, die ihr glaubt, mit der Preßsreiheit sei in kurzer Zeit alles gewonnen. Schon seit 150 Jahren erfreut sich dieses Volk der vollständigsten Preßsreiheit, so vollständig, wie sie nur irgend im Geldsystem möglich ist, und doch ist das arme Volk dieses Landes weniger aufgeklärt als die ärmste Volksklasie in Deutschland, doch sterben noch 150 unter den Wohltaten der Preßsreiheit verlebten Jahren die Menschen Hungers, Und schon vor 300 Jahren war das Elend und die Armur in Eng- land groß-, schon seit dieser Zeit ist die Armensteuer eingeführt und immer mehr erhöht worden. Sollen wir darum die Preßsreiheit ver- langen, statt der allgemeinen Freiheit überhaupt? Salz verlangen. bevor man uns das Brot unserer Freiheit gebracht hat? Seht euch um im Kreis! Allen denen, welche Salz verlangen, mangelt es nicht an der nötigsten Speise, wie euch. Für sie ist schon gedeckt: uns ober fehlt es an der nötigsten Mahlzeit, welche die gütige Natur für uns alle bestellt hat. Haben wir einmal diese, dann wird uns auch das Salz: haben wir einmal die allgemeinen Freiheiten, dann brauchen wir auch die verschiedenen vom System der Täuschung er- sonnenen besonderen Freiheiten nicht zu verlangen. Besondere Freiheiten ober gibt es nur im System der Ungleichheit, worin der am sreiesten ist, der das meiste Geld hat. WoMiäler �Kleines SEeHbild/ Von Xolar fflolland Der schwindende Tag hatte die breite mit duftenden Rasen- bändern und weitkronigen Bäumen bestandene Promenade des Badeortes in der Süße einer warmen, geheimnisdunklen Sommer- nacht zurückgelassen, und die Kurgäste� nahmen die Gelegenheit wahr, sich einzeln oder in kleinen Gruppen mit behutsamen Schritten über die flachen Wege zu ergehen.' „Wie Schemen durch ein Lied schwebend.. ," meinte Dr. Alling- haus, mit einem Blick über die Schatten, die gleich ihm unter den Bäumen wandelten, der Stille der Nacht lauschten und ihr Sprechen zu einem ehrfürchtigen Flüstern verheimlichten. In weiten Abständen hielten die Laternen ein für den heutigen Abend anscheinend besonders mildes Licht unter sich auf die Straße. Die Seelen der kranken und gesunden Kurgenießenden sollten auf- brechen und im Nachttau genesen: dieses Rezept war im Bade- Prospekt empfohlen und wurde in Form eines traditionellen zwei- stündigen Trotts rund ury das blumengeschmückte Mittelbeet der Promenade allabendlich getreulich befolgt, Die Kurkapelle hatte heute ihren„klassischen Abend" dem ver- ständigen Teil des Publikunis verabfolgt, und die aufgerührten sensibelsten Seelen nachtschatteten in harmonischen Verwandtschafts- bündnissen bis tief in die Schlafzeit hinein durch die gewohnte Runde, „Mir ist, als müßte ich vor einem Gott die Beichte ablegen, so zaghaft und hoffnungsvoll zugleich.. ," hauchte Fräulein Bergson, von des Doktors Arm geleitet, Konsul Reichmann und Gemahlin, Gäste der gleichen Pension wie die beiden ebengenannten Sympathieoerbundenen, schritten neben ihnen und wetteiferten mit ihnen um den tiefsten Genuß der Nacht- stimmung. Nicht Buße, nicht Erniedrigung— widersprach Herr Reichmann mit sorgsam gekleideten Worten: sondern Erhöhung, Be- sreiung gäbe ihm die Nacht. Ja, das Geschenk einer solchen Nacht trage für ihn die Vergebung alles vielleicht Getanen von vornherein in sich. „Aber dieses Erlebnis ist zu groß, zu viel, um es allein zu trogen— ," betete das schlanke, blonde Fräulein, und Dr. Alling- haus pflichtete stumm bei. Schließlich waren die vier wohlgekleideten und körpergepflegten Personen aus den Gipfel des faßbaren Gefühls getaumelt— da glimmte wenige Schritte seitlich von ihnen in einer Villa an der Promenade ein matter Lichtschimmer im Fenster auf, und gleich darauf erklang ein meisterhaftes Pianospiel, das sich in schwester- licher Verbundenheit in die Tiefe der Nacht hinaus sang. Die Vier konnten nicht anders, als am Zaun des Vorgartens stehen zu bleiben und dort vor dem zarten Lichtsviel des matt be- leuchteten Blattwerks der Büsche im Eindruck eines unerhörten Er- lebnisses zu ersterben, für das es keine Worte mehr gibt. Konsul Reichmann verstand sich auf den erlesensten Genuß der berühmtesten Speisekarten, doch dieser nächtige Zauber erschütterte den Schatz seiner Erfahrungen, Ebenso erging es seinen Leidensgesährten, Wie in der Einmütigkeit einer SelbMlleqktll>n zageu�sie sich benommen en die' Schatten der PromentWrdtilMle zurvck�'suchten Abstand zum Herd dieses Erlebnisbrandes zu gewinnen und halsen sich gegenseitig aus den Schlüchten der Verwirrung, „Man muß etwas Gutes tun, man muß diese Last von Schön- heit von der Seele abtragen, Herr Konsul, verehrte gnädige Frau, hier reichen Worte nicht aus,, ," stammelte fassungslos der zur Eleganz durchgemagecte Dr.. Allinghaus,„Was sind wir Einzelne, Herr Konsul, ich beschwöre Sie, was find wir Einzelne, was bedeuten unsere armseligen Stünden, wo man eine Menschheit braucht, um dieses Erlebnis zu fassen!" „Es ist abgrundtief— ," ließ die gnädige Frau ihre Stimme abgründen und schloß ihre säckchengepolsterten Augen, „Ja, abgrundtief, Emma— abgrundtief. Ich fühle mich nicht O mehr. Ich habe mich verloren. Bin mir gleichgültig geworden: mir als Menschen, jawohl, mir als Menschen, den ich bis heute vl�: Ihnen darstellte. Ich gebe es freimütig zu, Herr Doktor— denn Sie haben das entscheidende Wort auszusprechen gewagt— diese Last muß man von sich abtragen. Ich bin bereit, alles von mir zu geben.. ," seine Stimme drohte auf,„ich will alles von mir geben, mich klein und geringfügig machen— ich kann nicht anders— Emma, weife mir Menschen zu, denen ich Gutes tun kann. Sag dem Kindermädchen, daß es uns morgen vom Pastor dieses Ortes die nötigen Tips geben läßt. Versprich mir, daß du es hinschickst. Dem Ehrenwort, Emma. Man muß seinen Lebensstandard verringern, sonst wird man von der Last eines solchen Erlebnisses erdrückt. Ich prophezeie es dir, Emma, einmal wird der Genuß für einen einzigen Menschen zu groß werden. Schaffen wir uns Freunde, schaffen wir uns beizeiten Teilhaber des Glücks!" Seine volle Stimme kämpfte mühsam gegen den Ueberschwang der Erregung an. Die Vier hatte es wieder magisch an den erlsuch- teten singenden Gartenslcck hingezogen, wo sie dastanden wie träch- tige Aehren mit zugeneigten Köpfen und die Hände von sich streckten, als wollten sie ihre Reichtümer auf die Armen der Menschheit ob- fließen lassen. Da brach eine verzagte Stimme neben dem Gebüsch vor:„Eine milde Gabe bitte, die Herrschaften— für ein Stückchen Brot... ich bitte..." Und vor ihnen tauchte das Gesicht eines Bettlers in den Licht- schein. Die Vier fielen aus allen Wolken, torkelten in der Ernüchterung zusammen, die Erscheinung des Menschen vor Entsetzen und Staunen, Ueberraschung und Aerger gleichsam mit Augen und Mund ver- schlingen wollend. „Ich bitte..." Als erster klappte Konsul Reichmann seine gepflegte Mundpartie zu und drehte sich aus den Absätzen ostentativ herum mit einem schnarrenden: „Ekelhaft sowas,. ," Auf dieses Signal hin flüchteten die Vier in einem Schatten- ballen in die Nacht Der Bettler war Abweisungen gewohnt, ließ sich langsam aus derz. steinernen� Bord dx? Zaunes nieder, hing den Kopf vornüber ubd duselte beim Lied de? Pianos in einen vorübergehenden Schlaf, 9ilaus&rmgsheim: M>eiiijche IMlufik in Sin ffieiirag mur inneren Handlung der lapanifchen ifiuUur Em Wunder hat sich in Japan begeben. Nicht von einem Tag zum andern, sondern im Lauf eines halben Jahrhunderts— in Wahrheit ein Wunder: oder ist es keins, wenn«in Orchester, in dem nur Japaner sitzen, Symphonien von Beethoven, Brahms, Mahler spielt, oder wenn ein japanischer Schülerchor Bachs H-Moll-Messe, oder, in deutscher Sprache, Haydns „Schöpfung" singt? So weit ist es gekommen: in Tokio, um es mit einem Wort zu sagen, sind die Meisterwerke unserer Musik heimisch geworden: japanische Musiker vermitteln sie japanischen Hörern, Daß sie es vermögen, doch mehr noch, wie sie es vermögen, wie sie die größten und anspruchvollsten Ausgaben geistig und tech- nisch bewältigen, und wie aufmerksam hingegeben, mit wieviel Ernst, Liebe und Verständnis die Zuhörenden bei der Sache sind, erfüllt, als wäre es immer die ihre gewesen—: man muß das einmal miterlebt haben, um das Wunder, das hier Wirklichkeit wird, in seiner ganzen Unglaublichkeit zu ermessen und dennoch ganz zu glauben. Die Lleberlieferimg. Kaum glaubhaft in der Tat, vergegenwärtigen wir uns die geographische Lage Japans: am äußersten Rande des Ostens, sozu- sagen am Ende der Welt: denn weiter östlich, auf der anderen Seite des Ozeans, beginnt der Westen, Amerika. Hier endet, an der kali- fornischen Küste, die Herrschaft der westlichen Lebensformen und -normen: bis hierher erstreckt sich, den halben Erdkreis umspannend, der Bereich der europäisch-amerikanischen Kulturgememschast. Aber von der westlichsten Metropole der westlichen Kultur, San Fran- zisko, ist das japanische Jnselreich durch die unermeßliche Weite des Pazifischen Weltmeers getrennt: von Europa durch den Riesenblock des asiatischen Kontinents: China, Sibirien. Auch kulturell bildet es gewissermaßen eine Insel in der asiatischen Wekt, an deren Grenze es ausgerichtet ist. Gewiß, abendländische Musik, um nur davon zu reden, dringt auch in andere Teile von Asien, Honzerte im Stil der unseren gäbe es auch in indischen, chinesischen Städten zu hören: doch wer hört sie, wer gibt sie? Das S y m p h o n i e- O r ch e st e r von Schanghai, unter den wenigen des asiatischen Festlands als das beste gerühmt, ist ein buntes Europäergemisch, und es spielt fast nur für ein Zusallspublikum zugereister Ausländer,: die Musik bleibt fremder. Import für Fremde. In Japan hat'sie Wutzel gch schlagen, sie wächst gleichsam in den Boden, und ei bringt sie neu hervor. So wundersame Fruchtbarkeit hat er sich nicht leicht ab- ringen lassen: denn die eigene Musik dieses Landes, vor mehr als tausend Jahren aus Korea eingeführt, bodenständig geworden in ständiger Pflege und als historisches Kunstgut der Nation gehütet, — von europäischer Musik scheint die altjapanische noch weiter ent- fernt als Tokio von den Zentren europäischer Musikkultur, Diese altjapanische Tonkunst, überlieferte Urmusik des Ostens sozusagen, kunstvoll und primitiv zugleich, bietet in sich kaum eine Möglichkeit der Entwicklung und gewiß keine nach unseren Begriffen und in einer Richtung, die in unsere Welt, die Welt Bachs und Beethovens, wiese. Um in dieser heimisch zu werden, oder zunächst, um sich darin zurechtzufinden, und um überhaupt unsere Musik zu erlernen— zu„erlernen" im wörtlichsten und im weitesten Sinne—, dazu haben die Japaner, ohne Voraussetzung, ganz von vorne anfangen müssen. Es war ein langer, mühevoller Weg, den sie bis heute zurückgelegt haben: die Schwierigkeiten, die sie zu überwinden hatten, übersteigen jede Vorstellung, Aber ein vorläufiges Ziel ist erreicht: erworbenes Wissen und Können recht- fertigt ihren Anspruch, sich am Gewagtesten zu erproben. Ein vor- läufiges Ziel nur: denn in der Kunst, die keinen Stillstand kennt, bleibt der Weg des Lernens ein Weg ohne Ende; mit fester Ziel- richtung, doch nie erreichbarem Ziel: der unbeirrbar Vorwärts- strebende trägt es gleichsam ewig vor sich her. Das gilt für den Einzelnen, und es gilt hier für. die Gesamtheit eines Volkes: für die Gesamcheit, auch wenn, selbstverständlich, nicht die gesamte Beoölke- rung an der Besitzergreifung unserer Musik tätig mitwirkt noch an ihrem Besitz unmittelbar Teil hat. West-Orieytiertittg.> Die erfolgsichere Unbeirrbarkeit, mit der die musikstudierende und musiktreibende Jugend Japans— denn der musikalische Fort- schritt ist hier, von Generation zu Generation, vor allem eine Sache der Jugend— sich das Ihre erarbeitet, ist ohne Zweifel im Charakter dieser starken Rasse begründet: in ihrem gesunden Selbst- vertrauen, ihrer Beharrlichkeit, Geduld, zähen Ausdauer. Aber so wenig die Japaner, von ihrer Musik ausgehend, je an unsere hätten gelangen können, die jene in Wahrheit woder fortsetzt noch ablöst— (sie bestehen, mit unterschiedlichen sozialen Funktionen, jede für sich, wie verschiedene Sprachen und Religionen nebeneinander zu bestehen vermögen)—, so wenig ist das entschlossene Interesse, da- sie dieser widmen, ausschließlich künstlerischen Ursprungs oder über- Haupt ursprünglich künstlerischer Art, Die Aneignung der„west- lichen" Musik— nebenbei bemerkt, geistige Aneignung und also alles Andere als ein Wegnehmen: ein Aufnehmen vielmehr, ein Empfangen, das zugleich immer Eindringen und williges Sich- hingeben ist—, dieser Vorgang planmäßiger Assimilierung bildet gewiß einen wichtigen Abschnitt auch in der Kunstgeschichte Japans und in der Geschichte der Weltmusik: aber seine Erklärung fände sich nicht in den begrifflichen Grenzen der Musikwelt und ihrer Kunstgesetze. Zu verstehen ist das alles nur als Teil und Er- scheinung eines tiefer fundierten Geschehens, einer auf viel breiteren Basis angelegten Aktion, von der insgesamt das japanische Volk ersaßt ist: zu verstehen nur im Zusammenhang mit einem Prozeß Was giM es Heues? Sin fßlick in die&or{chung Unser Schicksal hon« an den Hormonen, jenen rätselhaften �Botenstoffen", die von den Drüsen mit innerer Sekretion produziert und sorgsam abgemessen ins Blut geschickt werden. Nur ein Mißton. ein Tröpschen zu viel oder zu wenig, und die ganze Melodie ist oer- dorben. Dies gilt besonders für den Hirnanhang(Hypophyse), der mit seinen nerschiedenen Hormonen— man hat bereits sechs ent- deckt— im Brennpunkt der Forschung steht. So gelang es Prof. Evans von der Kalisornia-Unioersitot, die Wachstumshormone des Hirnanhangs als gesondertes Präparat her- zustellen. Er konnte dadurch beliebig da? Wachstum einiger Tiere beeinflussen; auch ein junges, in ihrer Größe zurückgebliebenes Mädchen wuchs nach Einführung dieses Elixiers um zehn Zentimeter. Sensationell ist bei diesem Ergebnis, daß sich bereits der Mikado für diesen Zaubersast interessiert, um aus seinen kleinen gelben Soldaten „lange Kerls" machen zu lassen. Tragikomödie der Wissenschaft! Der Hirnanhang ist aber außerdem die Quelle g e s ch l e ch t s. bestimmender Hormone, mit deren Entdeckung besonders die Namen Z o n d e k und A s ch h« i m verknüpft sind. Wie tiefgreifend der Einfluß dieser Hormone ist, zeigt am besten ein hübsche? Beispiel aus dem jüngst erschienenen letzten Band des empfehlenswerten und instruktiven Wertes:„Das Leben d«s Menschen" von Dr. Fritz Kahn(Franckhsche Verlogshandlung). Eine winzige Rhesusäffin, die noch niemals Jung« hatte, bekam nach Einführung von Vorderlappenhormonen plötzlich so intensive Muttergefühle, daß sie ständig ein Meerschweinchen, dos fast ebenso groß war wie sie selbst, als„Adoptivkind" mit sich umherschleppte. Ueber die Miliz, die auch ein« verkappte Drüse vorstellt, ver- öffentlicht Dr. E. S ch l i e p h a k e von der Universität Jena wichtige Tatsachen. Er fand dort einen Stoff— von ihm Proslen ge- nannt— der in Wechselwirkung zu anderen Hormonen steht und im Haushalt unseres Körpers ein kräftiges Wort mitzureden hat. Proslen regt die Freßzellen des Blutes an und unterftützr dadurch die Krank- heitsabwehr; außerdem wirkt es bei der Regulierung der Magen- säure mit. »» « Auch die Bakteriologie Hot auf ihren Streifzügen im Reich der Allerkleinsten neue Einblicke gewonnen. Da wimmelt es in einer Welt, unsichtbar dem bloßen Menschenauge, phantastisch an Formen- reichtum, imbegreijlich an Vermehrungskraft. So züchtete der russische Prof. Metalnikoni wahrend 20 Jahren 8lW1 Generationen Pantoffeltierchen aus einem einzigen Individuum. Es entstanden täglich ein bis zwei Generationen, und wenn alle Teiistücke am Leben geblieben wären und die Nahrung gereicht hätte, würde aus einem der Infusorien(ll.l bis 0,3 Millimeter lang> nach 40 Togen ein Haufen von einem Kubikmeter entstanden sein und nach vier Monaten— eine Erdkugel. Aber die Natur sorgt dafür, daß weder die Bäume in den Himmel wachsen, noch die Infusorien die Erde Überschwemmen. Ueberall stellen sich dieser Mikroweit unerbittliche Feind« yegen- über. So entdeckt« Pros. Lehmann von der Würzburger Uni- versität(wie hie„Umschau" berichtet), daß sich Bakt«rien schlecht mit dem Linoleum vertragen. Er machte 500 Vorsuche, wohei jeder Bakterienanstrich 250 000 bis 300 000 Keime pro 20 Quadratzentimeter enthielt. Bei mittlerer Temperatur wurden die Keime inner- halb von 24 Stunden abgetötet. Diese Rakt«rienfeii�>lichkeit de? Linoleums, die auf das Linoxyn des Leinöls zurückzujühren ist, zeigt seine hygienische Bedeutung. Eine neu« interessante„Hinrichiungsart" für Bakterien wird aus Amerika berichtet. Eins vernickelte Röhre wird auf elektromagnetische Weise in Schwingungen versetzt und in die zu entkeimende Flüssig- keit, etwa Milch, gestellt. Die Impuls« dieser Schwingungen— sie haben die Länge von Schallwellen— bombardieren die empfindlichen Mikrowesen, bis sie zugrunde gehen. Diese Methode, mit der man eine Sterilisierung von 80 Proz. und mehr erzielte, ha� vor dem Pasteurisieren den Vorteil, daß die zu entkeimende Flüssig- keit nicht erhitzt zu werden braucht, was oft die Qualität beein- flußt. Mittels dieser Schallwellen gelang es, 25 Liter Milch in einer Stunde zu sterilisieren. Ein anderes Verfahren, um Bakterien in Lebensmitteln, die weder chemischen Prozessen noch Hitze ausgesetzt werden dürfen, zu töten, besteht darin, daß die betreffenden Stoffe einem starken Druck von Kohlendioxyd ausgesetzt werden. Durch dos plötzlich« Fortnehmen des Druckes platzen die Bakterien, so daß das Protoplasma ihrer zerstörten Zellstruktur in einsr unschädlichen Kolloidolform zurückbleibt. Auch Impfstoffe sollen sich auf diese Waise besser herstellen lassen als mittels des üblichen Hitzverfahrens. Sucht die Bakteriologie noch neuen Abwehrmögltchkeiten gegen eine gefährliche Kleinwelt, so besorgt das die Kriminalistik gegen eins im Format ungleich größere Verbrecherwelt. Daher seien auch aus diesem Gebiet, das bei der ansteigenden Kriminalität so bedeutsam ist, ein paar Einzelheiten berichtet Um jede Spur zu verwischen, ist es bei der amerikanischen Unterwelt üblich, nur Waffen mit ausgeseilter Fabrik» nummer bei sich zu tragen. Der Chemiker bekommt jetzt da? kaum glaubliche Kunststück fertig, die gesuchte Zahl auf dem blank» geseilten Stahl wieder erscheinen zu lassen. Es klingt so ein» fach wie das Ei des Kolumbus. Wenn nämlich in der Fabrik die Nummer eingeschlagen oder eingeprägt wird, pressen sich sämtliche darunterliegende Stahlteilchen zusammen Aetzt man jetzt die be- treffende Stelle mit Kupferchlorid, so erscheint die Nummer. denn die sich einsressende Säure färbt die zusammengepreßten Stahl- moleküle anders wie die Umgebung. Ein neues Verfahren, Fingerabdrücke ohne das umständ» liche Photographieren abnehmen zu können, wurde jetzt von der Lyoner Polizei eingeführt. Auf den entdeckten Fingerabdruck wird mit einem weichen Pinsel Graphit- oder Aluminiumstaub auf- getrogen und darüber eine kollodiumartige Flüssigkeit gegossen. Diese trocknet sofort und läßt sich leicht von jedem Gegenstand als Folie abziehen Auf ihr ist wie auf einem Film der Fingerabdruck schärfer als auf einer Photographie verewigt. Eine ähnliche Methode wird jetzt auch von der deutschen Polizei angewendet. Eine äußerst sinnvolle Einrichtung im Kamps gegen da» Bandenwesen hat die New-Porker Polizei eingeführt. Sie lüHt durch die ganze Stadt Patrouillenwagen lausen, die durch Radio mit einer Zentrale auf dem Präsidium verbunden sind. Jeder Wagen hat seine Rufnummer und läßt sich auf diese Weise dirigieren. »« « Zum Abschluß ein paar aktuelle Forschungsergebnisse, die wohl jeden angehen. Dr. L a i r d von der Colgate-Universstät hat mittels interessanter Experimente nachgewiesen, daß oft gewiss« G e» röusche für Magenbeschwerden und Verdauungsstörungen verantwortlich sind. Gemeint ist besonders die moderne Tanzmusik, also der Jazz, bei dessen Phythmus sich die Speichel- und Magen- softdrüsen, bildlich ausgedrückt, die Ohren zuhalten. Aber vielleicht ist die„Teauermufik" unserer Zeit noch weniger bekömmlich für den Magen... Ueber den Sonnenbrand, dos schmerzhafte Andenken mancher Sonntagserholung, berichtet Dr. E l l i n g e r im„Nach- richtenblatt der Deutschen Wissenschaft und Technik".'Er beobachtet« NS4 Fäll« und kam zu dem Resultat, daß Kinder und aste Leute weniger der Gefahr ausgesetzt sind, von den kurzwelligen Strahlen der Sonne verbrannt zu werden. Jensests der fünfziger Jahr« ist die Möglichkeit um 65 Proz. geringer als zwischen 20 und 50 Blonde Personen sind um 40 Proz. empfindlicher als Dunkelhaarige. und Männer um 20 Proz. mehr dem Sonnenbrand ausgesetzt als Frauen. Also die geeignetsten Kandidaten für den Sonnenbrand sind blonde Männer mittleren Alters. Proseffor Baur von der staatlichen Forschungsstelle für langfristige Witterungsvorausfage prophezeit un» einen trockenen Hochsommer. Das mag«in erfreulicher Lichtblick für den Städter sein, aber weniger für das Land, denn aus einem trockenen Sommer kann leicht ein allzu trockener werden. Diese langfristigen Wettervoraussagen beruhen auf dem Sonnen- fleckenzyklus, dessen Bedeutung für unser Wetter jetzt nach langem Zögern von der Meteorologie erkannt wird. Die Klima- schwankungen verlaufen nach einer ungefähr elfjährigen Period«. die von der Erfahrung bestätigt w»rde, indem die Sommer der Jahre 4876, 1887, 4899, 4944 und 4921 ausnahmslos trocken waren. Aber so begünstigt diesmal Mitteleuropa vom Wetergott ist, werden die nordischen Länder und Südeuropa wenig Sonnenschein haben, denn bei ihnen überwog die Feuchtigkeit in den entsprechenden Jahren. In einigen Monaten werden wir schließlich wissen, ob dr« Sonnenslecken recht hatten. Go?. kultureller Umstellung, der an Großartigkett in der Ge- schichte der Völker kaum seinesgleichen hat. Die West-Qrientierung der japanischen Kulturpolitik, die ..Westernisation", um die Sache bei dem hier bräuchlichen Namen zu nennen, ist im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts unter der Regierung des Kaisers M e i j i inauguriert worden. Der Name deutet eher noch Amerika als nach Europa, doch aus der geistigen Distanz des fernen Ostens betrachtet, scheint das fast nur eine' geographische Unterscheidung. Wenn das moderne Tokio sich im Aeußeren und Aeußerlichen mehr und mehr amerikanisiert: die europäischen Großstädte, Berlin voran, zeigen in ihrer Entwicklung heute die selbe Tendenz. In Tokio, das im Geflimmer amerikani- scker Lichtreklame so japanisch bleibt wie Paris französisch, gibt es aber eine Goethe- Gesellschaft und gor auch«ine Hegel- Gesellschaft, japanische Studenten lesen Nietzsche, Thomas Mann, Remarque, deutscher Einfluß ist in fast allen Be- zirken der Wissenschaft sestzustellen, von der Philosophie bis in die Spezialgebiete der Baklerienforschung und des Steuerrechts... kulturelle Westorientierung eines östlichen Kaiserreichs, das hat es in der Geschichte schon einmal gegeben: der Vergleich mit den Re- formen des Zaren Peter des Ersten scheint nahe zu liegen, aber er träfe daneben. In Ruhland, damals, war es der Versuch, einem kulturell zurückgebliebenen Volk in Eile fremdländischen Fortschritt � beizubringen— typischer Versuch der Volksbeglückung, wie ein innerlich volksfremder Despot sie versteht, und der Effekt konnte yur oberflächliche Politur sein, ober-flächlich auch im gesellschaftlichen Sinn. Die Meinung des japanischen Programms ist nicht: mangelnde Kulwr zu ersetzen: ist nicht: Schaffung einer neuen. sondern Verjüngung einer alten Kultur— in Wahrheit einer älteren. Als es aufgestellt wurde, mögen machtpolitische Erwägungen mitgesprochen haben: denn Weltmacht, Weltgeltung ist wohl nicht mit der Unnahbarkeit kultureller Isoliertheit vereinbar. In seiner— unerhört konsequenten— Durchführung aber, in seiner Erfüllung ist es ein Programm der inneren Bereicherung und zu- gleich, nach außen, der geistigen Verständigung mit der westlichen Kulturwelt geworden, Politik des ideellen Anschlusies an diese, den nichts wirksamer zu fördern vermöchte als systematisch gepflegtes Verständnis für westliche Kulturwerte. Wie tief dieses Verständnis, nicht nur der Wille dazu, ins Land und ins Volt dringt, das wird durch persönliche Zufalls- «rlebnisse, in unscheinbaren Beobachtungen des Alltags anschaulicher als in statistischen Zahlen.(Denn was liche sich hier durch Statistik beweisen?! Selbswerständlich aber ist der gegenwärtige Zustand kein irgendwie endgültiger: er zeigt das typisch unfertige Gesicht eines U e b e r g a n g s st a d i u m s, die Züge fügen sich nicht zu einer organischen Einheit. Zlber so augenfällig sich auch im Zeichen der Westernisation die Fassade des öffentlichen und privaten Lebens verändert, so sicher ist dies'alles nicht nur Anstrich oder Aufputz: oder gor, für den einzelnen, nur gesellschaftlicher Schliff: den von uns zu erwerben, hätte das Volk der kultiviertesten Ilmgongs- formen, der märchenhaften Höflichkeit am allerwenigsten nötig. In der Kleidung, in iker Architektur, im Straßenbild zeitigt die Ver- mengung östlichen und westlichen Stils oft seltsam unharmonische - Eindrücke, man mag darüber lächeln: am wesentlichen lächelte man vorbei: an der geistigen Erschließung des Westens durch die Japaner. Denn für sie ist es in der Tat eine Erschließung gewesen, die ständige Beschäftigung und Auseinandersetzung mit westljchen Ideen, Verarbeitung westlichen Bildungsgutes, in einem Ilmfang, der der unbegrenzten Kapazität eines aufgeschlossenen Achtzigmillionen-Volkss entspricht, und als Fundament immer �und immer wieder die nerpslichtende Tradition der uralten Kulwr des Ostens: kein Wunder, wenn diese— nicht theoretische, sondern brennend lebendige.Konfrontierung zweier Wektkreise den Geist de? Landes, in dem si« Ereignis wird, in einen fieberhaften Zu- stand erhöhter?lktivitat und Produktivität versetzt. Werden in der Hitze diese?.Fiebers Kulturen, umgeschmolzen werden? �Ilnabn- bare? entsteht, wo solche Kräfte an solchem Werk sind. / Oer Wandel in der Musik. Wa? hier im Werden ist, läßt sich weiß Gott nicht— in der schnell fertigen Sprache journalistischer Schlagworte— als ein „Taumeln zwischen Buddhismus und Zlmerikanismus" abtun. Welche Ahnungsloligkeit törichten Europoerhochmuts ossenbort sich in solchen Formulierungen, mit denen deutsche Japanschilderer ihre Lgser zufriedenstellen. Aber freilich, mit der Einstellung des Ver- gnügirngsreisenden, der, enttäuscht und ein bißchen beleidigt, im heutigen Japan nur eine Art gestörte Lustbarkeit sieht, um- geworfene Kulissen, eine halb abgeräumte Tbeaterdekoratian oder «in in Unordnung geratene« Museum.— mit dieser wahrhast„ameri- kanistischen" Einstellung ist der weltgeschichtliche Vorgang, den die Verwirklichung des japanischen Westernisations-Plans bedeutet, mcht zu begreifen In diesen Plan also ist die abendländische Musik als wichtiges Teilgebiet einbezogen, w'tergrifsen von dem un- widerstehlichen Elan, mit dem er durchgeführt wird, mitgerissen in den Strom einer Entwicklung, deren Ende und Endergebnis noch keineswegs obzujehen sind. Doch angesichts, der verblüffenden Resultate, die schon heut« erzielt werden, erhebt sich nun die Frage, woher die Japaner, willens, unsere Musik in ihren Lebenskreis auf- zunebmsn,— woher sozusagen sie das Talent genommen haben, ohne Bai in aller Kunst Wille ohnmachtig bleibt: nicht nur das Talent. Musik auszuüben, Musik zu treiben(und zu schreiben, wie sie's auch schM tun), sondern da» Talent, Musik zu hören, auszusassen, zu o e r st e h« n. den empfänglichen Sinn, der, um entwickelt und ausgebildet zu werden, nun einmal als Zlnloge vorhanden sein muß, als Gabe, als musikalisches Talent eben, wir kommen um das Dort nicht herum. Die Frage erhebt sich— bedarf sie kurzer Erläuterung? Zugegeben, daß das Verlangen nach einer mehr als nur ge- suhlsmäßigen Definition uns einige Verlegenheit bereiten würde. wir wisien. was wir mir der Kennzeichnung„musikalisch" meinen. Ob wir von musikalischem Talent reden, von einem musikalischen Volt, ez ist ksar, was mir darunter verstehen. Wir nennen«in Volk in seiner Gesamtheit musikalisch, auch wenn gewiß nicht alle. die ihm angehören, musikalisch begabt sind'. Doch auch der ver- meintlich Unmusikalische wird, als Glied einer musikalischen Volks- gememschast, nur ausnahmsweise— wie ein Blinder unter Sehen- den— jedem Versuch unzugänglich bleiben, in ihm den Sinn zu wecken, der sich rings um ihn regt und entfaltet. Wir nennen ein Volk musikalisch und meinen seinen Drang, im Austausch von Geben und Empfangen Musik lebendig werden zu losten, meinen ins- gesamt die Kräfte, die in aktivem und pastivem Mulikerleben wirk- sam werden. Wir wissen, daß überragende Leistungen nur von einzelnen, überragend Begabten und überdurchschnittlich Ausgebildeten vollbracht werden, von Musikern, die es durch Geburt und von. Beruf sind: aber auch, daß große Musiker, schaffende und nochschaffende, nur ein musikalisches Volk hervorzubringen vermag. Und wir nennen ein Volk wohl auch musikalisch um der Musik und der Musiker willen, die es hervorgebracht hat. Wir sogen, die Deutschen sind ein musikalisches Volk: kann man dasselbe von den Japanern sagen? Erstaunlichere Feststellung: sie sind es geworden: oder sind auf dem Wege, es zu werden. Mit unserer Musik haben sie, so scheint es, zur rechten Zeit auch ihre „Musikalität" entdeckt. Obne Zweifel hat ja hier vor weniger als Hunderl Jahren beides noch gefehlt: nicht nur Musik als selbständige Kunst von der höher entwickelten Art der unfern, sondern, so müssen wir hinzufügen, auch das T ä l e n t, dys sich darin zu manifestieren hätte. Dies Talent als schon immer vorhanden zu unterstellen— nur sei es früher eben nicht zum Dorschein ge- kommen— das hieße doch, die Zwangsläufigkeit des Zusammen- Hanges übersehen, der zwischen künstlerischen Anlagen und künst- lerifchen Leistungen eine» Volkes bestebt: hieße doch verkennen, daß künstlerisches Talent allemal den Drang, sich zu äußern, in sich schließt— oder eigentlich, daß jedes Kunsttaleitt zugleich und vor allem Kunstbedürfnis ist, viel mebr Bedürfnis als Fähigkeit gar, willkürlich zu gebrauchende oder nicht auszunützende:. ein Bedürft nis, in dem die Fähigkeit,-«? zu befriedigen, als natürliche Voraus- setzung mit enthalten ist. Selbswerständlich auch die o st a s i a t i- s ch e Tonkunst, von den Japanern durch Jahrhundert« als einzige ihrem Bedürfnis gemäße Form von Musik gepflegt und tief ins Volk gedrungen, erfordert, und offenbart bedeutende musikalische Fähigkeiten: Gehör und rhythmisches Gefühl sind hier von je außerordentlich entwickelt. Dos ist viel wert: für Symphonie und Oratorium wäre es zu wenig. So wie das Vordringen zur„westlichen". Musik nur im Rahmen der„Westernisation" und wie diese nicht als Kultivierunq eines kulturormeren, sondern als kulturelle Umstellung eines hochkultivierten Volkes zu verstehen ist, so ist jene innere Wandlung— die Verwandlung eines relativ musikarmen in ein musikalisches Volk— nur aus der Grundlage seiner gesamtkün st lerifchen Kultur dank seinem starken Kunstempfinden und regen Kunst- trieb möglich geworden. In dem Boden, der die Moler. Dichter, Bildhauer, Baumeister he» alten Japan?, die Ewigkeitswerte seiner Tempel hervorgebracht hat, ist die Saat unserer Musik wurüierbor ausgegangen. Ein künstlerisch reich begabte», künstlerisch prodüktioes .Volk hat sich mit sewer produktiven Begabung aus ein ihm neues, fremdes Kimilgebiet geworfen. Etwas wie eine Umbildung oder Umschaltung seines Talems mag hier stattgefunden, eine zweck- mäßige Verschiebung von Kräften sich vollzogen haben: oder richtiger, sie hat sich herbeiführen lassen, ist durchgeführt worden, eine strategische Leistung gewissermaßen, doch in geistig- seelischem Bereich. Dos Erstaunlichste gelingt: es ist so weü, die Japaner dürfen sich heute berufen fühlen, in ihren musikalischen Leistungen die Höhe zu erreiche», zu der sich ihre alten, boden- ständigen Künste entwickelt haben. Noch ist gewiß kein japanischer Bach oder Beethoven erschienen: genug des Wunders, wenn unser« Back und Beethoven, unsere Meister der Musik, ganz die ihren werden. Walier Ticfor: General und die brauen Selbst wenn man es mit Schwefel ausräuchern wollte: dos Interesse am Privaten ist der Menschheit nicht auszutreiben. Aber man soll es gar nicht mit Schwefel ausrreihen wollen, und bei Per- sönlichkeiten mit großen ethischen Zielsetzungen ist es geradezu Pflicht, dos Werk mit dem Leben zu vergleichen, in dem einen die Spiege» lung des anderen zu suchen. Walter Victor zeichnet in einem bei der Büchergilde Gutenberg erschienenen und mit gewohnter Liebe hergerichteten Buche„General und die Frauen" das Leben van Friedrich Engels nach. Es ist geraten, an neu herauskommende Biographien über längst der Westgeschichte angehörende Geister mit einer gewiss«! Reserve heranzugehen. Der Verdacht liegt nahe, daß aus zwanzig schon vorhandenen Publikationen eine«inundzwanzigst« zusammengestoppelt worden ist. Nun: Victors Buch ist keine mühselige Klitterung: es ist in hohem Maße eine originale Schöpfung, und in sehr eigenartiger Weise wird hier Biographisches ins Dichterische erhoben. Manchmal ist Victor vielleicht etwas allzu feierlich und visionenreich: aber in der Hauptsache ist sein Versuch durchaus geglückt- General(das ist Friedrich Engels' Spitzname gewesen, wie Mohr der Spitzname Marxens war, wird, mit starken literarischen Mitteln, von Viator in seinen verschiedenen Lebenssunktionen gestaltet. Er war vieles in einem: der Fabrikontenfohn aus Barmen, treuester Freund, fördernder Mitarbeiter, freigebigster Helfer Möhrs, dem es ewig an Barem mangelte, Freund mancher Lebensgenüsse, liebender Mann: aber er war eines vor ollem: Kämpfer für eine neue Gesell- schast. Bei Victor durchschlingt sich dos eine mit dem anderen. Breiter Raum ist dem Verhältnis des General» zu den Schwestern Burn» gegönnt: zu Mary Burns. der Beschwingten, der Muftrestenn, der lextiiarbelterin aus Manchester, die durch zwanzig Jahre feine, von Möhrs Frau, der Jenny von Westfalen, übrigens über die Achsel angesehene, Geliebte war, zu Lizzi« Burns, der Frommen, ja Frömmelnden, die nach Marys Tod seine angetraute Frau wurde In einigen eingestreuten Zwischenkapiteln baut Victor mit flüch- ügen, aber ckaroklsristischsn Strichen die damalige Welt de? eng- lischen Arbeiters auf, jene elend«, lichtlose, erbärmliche Welt sürchter- lichster Ausbeutung und Lrbestsftlaoeret, die Engel» analysiert hat und deren endgültiger Uebsrwindung der Kampf des Sozialismus gilt, Lans Bau«, GROSSEINKAUFS■ GESELLSCHAFT DEUTSCHER CONSUM VEREINE MBH., HAMBURG 'JM Drei Pfeile drei Trailer Nr. 1 Der Wahre Jaioli Spott und Satire, scharfe Waffen, lernt sie gebrauchen. Wöchentlich ein Heft 15 Pfg. Reich illustriert. Nr. 2 Frauenwelt Wir müssen die Frauen gewinnen. Jeder lese, jeder empfehle die große und schöne sozialistische. Frauenzeilschrift. Alle 14 Täge' ein Heft für nur 50 Pfg. Nr. 3 Jllustr. Republ. Ztg. Aktuelle Bildberichterstattung, das Neueste vom Heldenkampf der Eisernen Front. Einzige republikanische„Illustrierte". Erscheint jede Woche. 20 Pfg. $ie Aktionäre der Schultheih-Patzenhofer Brauerei-Aktiengesellschaft werden hiermit zu der am Donnerstag, dem 21. Juli 1932, 1t Uhr vormittag», im Großen Sitzungssaal des Vereins Deutscher Ingenieure, Berlin NW 7, Friedrich-Ebert-Straße 27, stattfindenden «rgebenst eingeladen. ordentlichen Generalversammlung I. Beschlußfassung Uber Bilanzbereinigung und Sanierung 1. Mitteilung Uber die Verhandlungen wegen der aus Aktienkäufen oon den Banken geltend gsmachten An- spräche, wegen der Behandlung der Vorzugsaktien und wegen Bereinigung der Effektenkonsortium G. m. b. H. Beschlußfassung wegen der hierüber getroffenen Ver einbarungen, wonach •a) ein Bankcnkonsortium die nom. NM 15 000 000,— Vorzugsaktien von Schultheiß unter Abgeltung des Schultheiß zustehenden Zurückbehaltungsrechts mit NM 2 190 000,— erwirbt und die Vollzahlung mit 11 250 000,— leistet: b) Schultheiß, nachdem die Gläubigerbanken der Gfseltenkonsortium GmbH, die ihnen verpfändeten Schultheißaktien gegen ihre Forderungen über» Nammen haben, hlcrvo» insgesamt nom. NM 8 207 500,— dieser Aktien zum Kurse von 50 Proz. erwirbt: r) die aus Aktienkäufen herrührenden Verbindlich. kcitcn der Gesellschaft im Gegenwert von rund NM 41 400 000,— auf Grund vcralcichsweiser Berständi. gung in der Weise abgedeckt werden, daß die de. teiiigton Banken nom. NM 12 000 000,— Schult. Heiß-Etammaktien aus den gekauften Aktien ge mag Ziffer 3 erwerben und restliche nom. NM 2>07 800,— Aktien Schultheiß zur Einziehung frei. geben, daß die Banken weitere nom. NM 8 000 000,— Gcnußscheine unter Verrechnung eines gleich hohen Teils ihrer Forderung erhalten, Schultheiß weiter rund NM 5 000 000,— zurück- zahlt und restliche rund NM 10 400 000,— bzw. deren Gegenwert bis 1945 gestundet und ab 1935 allmählich getilgt werden, wobei Bedingung ist, daß etwaige in den Verein» barungeu näher bezeichnete Ersatzansprüche wegfallen. 2. Beschlußfassung über Herabsetzung des Grundkapitals in erleichterter Form, gemäß Not..D..O. vom 0. Ok. tober 1931 nebst Durchf..Best.. zwecks Deckung von Verlusten und Ausaleich von Wertminderungen mit Wirkung vom 31. August 1931, und zwar im ein. zelncn: a) Bericht des Vorstands gemäß ß 4 Not.-V.-O. vom 0. Oktober 1931; b) Vefchlußfossung Uber Auflösung von Reserven: o> Beschlußfassung über Serabsetzung des Grundkapi. tols von nom. RM 75 000 000,— auf nom. RM 41 400 000,— Stammaktien unter Aufrechterhaltung von nom. NM 15 000 000,— Vorzugsaktien: aa) durch Einziehung von insgesamt nom. RM 14 000 000,— Stammaktien, und zwar von nom. RM 3 104 700,— der Gesellschaft gehörenden Stammaktien, von weiteren nom. Reichsmark 2 507 800,— Stammaktien, welche die Banken aus den Akticnkäufcn zur Verfügung stellen, sowie endlich oon nom. RM 8 207 500,— Aktien, welche die Gesellschaft von den Banken der Effektenkonsortium GmbH, erwirbt. bd> Herabsetzung des Nennwerts und, soweit zu» lässig, Zusammenlegung der verbleibende» Etamniaktien mit Ausnahme von nom. RM 12 000 000,— Stammaktien, welche an die Banken gemäß Ziffer 3 veräußert werden, also von nom. RM 49 000 000,— Stammaktien im Ver. haltnis 5:3 auf nom. RM 29 400 000,— Stammaktien. «■) Ermächtigung des Vorstands zur Durchführung. 3. Genehmigung der Veräußerung der aus den Aktien. käufen herrührenden nom. RM l2 000 000,— Stamm, aktien der Gesellschaft an Gläubigerbanken gegen Einbringung von RM 12 000 000,— Forderungen ge- mäß der 2. D..V..O. vom 20. Februar 1932, Aus, schluß des in Abs. 2 dieser V.-O. vorgesehenen Be, zugsrechts der Aktionäre, Ermächtigung des Vor» stands zur Durchführung. 4. Beschlußfassung Uber die Ausgabe von nom. NM 8 000 000,— Genußscheinen mit einer Ausstattung ge» mäß tj 5a der Satzung fstche» zu IV, 31. Beschluß. sassnng über die Begebung der Genußscheine an die Banken zu 3 unter Verrechnung mit RM 8 000 000,— ihrer Forderungen per 31. August 1931. Zu I. 1—4 getrennte Abstimmung von Vorzugs» aktien und Stamn, aktien und gemeinsame Abstim» mung sämtlicher Aktien. II. 1. Vorlegung des Geschäftsberichts nebst Bericht des Anfsichtsrats sowie der Bilanz und Gewinn» und Ver» lustrechnung für das Geschäftsjahr 1930/31. 2. Genehmigung der Bilanz und Gewinn, und Verlust» rechnung für das Geschäftsjahr 1930/31 unter Berück» stchtigung der Beschlüsse zu I." IW. Entlastung von Barstand und Aufstchtsrat, unter Be» rttckfichtigung der Beschlüsse zu I. IV. Satzungsänderungen: 1. Ermächtigung des Aufsichtsrats zur Aenderung der Fassung des 8 5 Abs. 1 und 2 unter Anpassung an die Beschlüsse zu I. 2. Aenderung des§ 5 Abs. 3 sf., betr. Ausstattung der Berlin, den 30. Juni 1932. Tage sordnung: Vor: ttien(Umwandlung in Inhaberaktien, Neu- regclung des Nachbezugsrechts, Berücksichtigung der Gewinnansprüche der Genußscheine, Recht der Um» Wandlung von Vorzugsaktien in Stammaktien). 3. Einfügung eines§ 5a, betr. Ausstattung der Ge» nußscheine(Vorzugsdividende im gleichen Rang mit den Vorzugsaktien bis zu 6 Proz-. des Reingewinns unter Nachbezugsrecht bei Gewinnausfall, Tilgung aus Reingewinn in Höhe von Vio des nach Ausschüttung der Borzugsdividende auf Vorzugsaktien und Genußscheine verbleibenden Reingewinns, evtl. stärkere Tilgung aus Reingewinn, Regelung der Til- gung im Wege der Auslosung, Maßgeblichkeit der Beschlüsse der Generalversammlung für die Rechte der Genußscheininhaber). 4. Aenderung des§ 13 Abs. 2, betr. Geschäftsverteilung im Vorstand. 5. Aenderung des§ 14 Abs. 3 Saß 2, betr. besondere Vollmachten für Angestellte. 6. Streichung des§ 15 Unter-Abs. a und entsprechende Fassungsänderung. 7. Aenderung des§ 19 Ahs. 1. betr. Einberufung des Aussichtsrats unter Berücksichtigung von§ 244 a H.-G.-B. 8. Aenderung des§ 33 unter Berücksichtigung der Aende- rungen�es Z.5(Vorzugsaktien) und der Einfügung des 5a(»chte der Genußscheine): Neufestsetzung des in Abs. 2 � Ziff. 3 bestimmten 5!ennbetrages des im Brauereibetrieb arbeitenden Stammkovitals für die Gewinnbeteiligung der Beamten und Arbeiter. 9. Streichung der sämtlichen Bestimmungen betr. Inter- essengemeinschaftsverträge, und zwar in den 3, Satz 2, 22, 23 Abs. 2, 31 Abs. 3 und 4 nebst Fassungsänderung des bisherigen Abs..5(neuer Abs. 3) und des Abs. 2, ferner in � 33 Abs. 5. 19. Im Zusammenhang mit vorstehender Ziffer 9: a) Aenderung des§ 35 betr. Stimmenmehrheit für die Auflösung der Gesellschaft: d) Ilmwandlung der Bezeichnung der 8Z 22 ff. in �8 21 ff. und entsprechende Aenderung der Hin. weise auf diese umgewandelten Varagravhen. Ermächtigung des Auksichtsrats zu Fassungsänderungen. Getrennte Abstimmung der Vorzugsaktien und Stamm- aktien und gemeinsame Abstimmung. V. Aufsichtsratswahlen. VI. Wahl eines Bilanzprüfers. Die Vorlagen zu II, 1 der Tagesordnung liegen in un- ferem Zentralbüro, Berlin NZY. 40, Roonstr. 7(Hauptkasse), zur Einsicht unserer Aktionäre aus. Diejenigen Aktionäre, welche in der Generalverfamm- lung ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden mit Bezug auf� die§*} 25— 27 des Gesellfchaftsvertrages ersucht, ihre Aktien oder die über die Aktien lautenden Hinterlegungs- scheine der Bank des Berliner Kassenvereins unter Bei- fügung eines doppelten Nummernverzeichnisses bis spätesteis Sonnabend, den 16. Juli 1932, mittags 12 Ahr. in Berlin bei der Deutschen Bank und Disconto-Gesell- schaft, Behrenstr. 9—13. bei der Commerz, und Privat-Bank A.-G., Charlotten. straße 47. bei der Dresdner Bank, Behrenstr. 35— 39, sowie hei den Niederlassungen dieser Banken in Hamburg, München und Breslau, ferner bei den Niederlassungen der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft sowie der Com- merz- und Privat-Bank A.-G. in Dessau, ferner in Berlin bei der Berliner Handels-Gesellschaft,. Franzö- sische Str. 42-44, bei dem Bankhaus Iacquier u. Sccurius, An der Stech. bahn 3— 4, bei dem Bankhaus E. 3. Meyer. Boßftr. 16, bei der Bank des Berliner Kassenvereins(nur für die Mitalieder des Giroeffektendepots), Hinter der Ka- tholischen Kirche 2, bei der Schultheiß-Patzenhofer Brauerei-Aktiengesellschaft, Roonstr. 6—8, in Dellait bei d-r Schultheiß-Padenhoser Brauerei-Aktien- gesellschakt. Abteilung IN. Brackereiftr. 1—2, in Bre--Ian bei der Cchultheiß-Batzenbofer Brauerei-Aktien- gesellschaft. Abteilung v. Matthiasstr. 204—208, während der üblichen Geschäftsftunden zu binterlegcn. Die Aktien können auch bei einem deutschen Notar hinter- legt werden. In diesem Falle ist der Nachweis der Hinter- legung durch Einreichung des notariellen Hinterlegungs-! Icheins bei e'uer der anaefübrten Hinterlegunasstellen spätestens am Montag, dem 18. Juli 1932, mittags 12 Uhr, zu führen. Der Hinterlegungsschein eines Notars muß die Belcheini- gung enthalten, daß die darauf nach Nummern verzeichneten Aktien nur gegen Rückgabe des Hintcrlegungsscheins oder erst nach Schluß der Generalversammlung ausgeliefert werden dürfen. Gemäß§ 26 unseres Gesellschaftsvertraaes weilen wir darauf hin. daß die Vertretung stimmberechtigter Aktionär� unserer Gesellschaft nur durch andere mit sckiriftlicher Poll? macht versehene Aktionäre zulässig ist und daß Me Stimm- abgäbe für juristische Personen durch ihre geseälichen Per- treter zu erfolgen hat, auch wenn diese nicht Aktionäre sind. (aewSrlcscFiaktsksst im Lunapark am Sonntag, dem 10. Juli Wohltätigkeitsfest Riesenprogramm: Auftreten hervorragender Künstler, Riesen- Feuerwerke, Tombola! Eintrittspreis 50 Pf., Kinder und Jugendliche 20 Pf., Erwerbslose 50 Pf. (Ausweis; Stempelkarte und Mitgliedsbuch.) An jeder Erwerbslosenkarle befindet sich ein Bon, der mit 25 Pf. in jedem Restaurationsbetrieb in Zahlung genommen wird. Preise für Getränke, Erfrischungen und Speisen stark herabgesetzt. Die Preise der Attraktionen bewegen sich zwischen 10 und 50 Pf. Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund, Ortsausschuß Berlin; Ali- gemeiner freier Angestelltenbund, Ortskartell Berlin; Allgemeiner Deutscher Beamtenbund, Bezirksausschuß Berlin. KOdtxe Anzeigetx tmrkunQSvc&i und btlltg., übertchrimwor» 20 PI.. Te*twort 1 0 PI. Wlederholui»a»rob«m: Smol 5» mal 7 S S. 1 2 moM O«; 1 OOO Worte Ab» thhjB 1 0ssi. 2000 Wort« 15». 4000 Wort* — lOOOO Worte 25';. Annchm* öurch den Verlag, Lindenstr.3(s9-S Uhr),«äintl. Vorwdrtt-FiUolen u. 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