BERLIN Sonnabend s.M 1932 B 155 IS. Jahrgang Ntdattüm u.Exv«dmo»: StOm SB 68, Smbtnftt.» SA X 7 Dönhoff?SS—?Sf Erscheint täglich a«ß«r Sanntago Augl-ich Sbend»u«gsb- de«„Borwärt,".»e,ils»vr«i» farilidt«u,zibe»7iPf.?r«»och«, 3,» N. pr» ZiMrat(davon 87 Pf.»»»arlich für ZuftelunA in« Hau«) te sormu, ad Idar. P o st b e, u g 3,87 SR.«inschliaZIich M Pf. Postzeiwng«. und 73 Pf. P-stdestellgedühren. Zduzaigeuprait: »« lfplt. Mlllt. w«»r»eii««Pf. D" Rekiamazeil« fastet 3 Mark. Padatt« n. Tarif. WcrS Äibanwalt verteidigt Lahusen! Interesse der Nazis an den Wirtschastsverbrechern von der Nordwolle Llnterzeichnung in Lausanne Und dann Abrüstung- sagt Macdonald Genau vor einem Iachre wurde da» Wirtsahoftä- verbrechen Nordwolle aufgedeckt. Nach diesem Skandal War kein Halten mehr. Tie Großbanken wurde» in den Strudel gezogen, die Krise verschärft« sich bis zum äußersten. Tie Arbeitslosen, die hungernd aus der Ttrage liegen, sind die Lpfer der Wirtschaft. lichcnGrotzverbrechcr.» Einer der größten von ihnen, G. Karl Lahusen vom Nordwolletonzern, wird demnächst vor den Richtern stehen. V er te i di g u n g s v o l l ma cht für ihn ist gegeben an die Rechtsanwälte Lief schütz, Alsberg, Kulenkampf.Pauly, Luetgcbrune Frank II. Luetgebrune— der Verteidiger der Fememörder, einer der renommiertesten Anwälte der Nazi», F r a« k II — der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete und Leibanwalt Hitlers? Tie Nationalsozialisten haben während des ganzen Brach» wütend geleugnet, daß sie mit L ahufe» zu tu» hätte». Wie kommt es. daß ausgerechnet Hitler» Leibanwalt VerteidigungSvollmacht für Lahusen erhalte» hat? Welche» Interesse hat di« nationalsozia. listisch« Partei, den Wirtschastsverbrecher Lahusen zu decken, fenen Mann, der schwerste Schuld gegenüber der deutschen Wirtschaft auf sich geladen hat? Hitler trägt di« Verantwortung für die Hitler- Notverordnung, di« die Arbeitslosen zu« Hungern verdammt? Hitler» Leibanwalt verteidigt den Wirt- schaftsverbrecher Lahusen. der schuldig ist. der Ver- mehrung der Arbeitslosigkeit in Teutschland? Erkennt ihr die FndaSrolle der nationalsozia» listischen Partei? Gtraßers Sabotage. protefl beim Zieichstagopräsidenten. Der Geschäftsführer der sozialdemokratischen Reichstag»' fraktion, Abg. Dr. Hertz, hat heute folgendes Protest- schreiben an den Präsidenten des deutschen Reichstages L ö b e gerichtet: Die Sozialdemokratische Reich-tagssroktion erhielt heute ein Schreiben des Herrn Abgeordneter Straher, in dem dieser als Bor- sitzender des Ausschusses zur Wahrung der Rechte der Volksvertretung die von sozialdemokrotischen sowie anderen Mitgliedern beantragte Einberufung des Ausschusses ablehnt. xfr führt für seine Weigerung eine Anzahl von Fründen an, die ober durchweg jeder Stichholligkeit entbehren. Er fehl sich über die Tatsache hinweg, daß eine Mehrheil der Milglieder de» Au». schusses für die Einberufung eingeirelen ist. Im Nomen der sozialdemokratischen Mitglieder des A>i»schuss?» lege ich gegen dieses Borgehcn des Herrn Straher den e n t» schieden st en Protest ein. Es läuft nicht nur auf eine Der- g e w a l t i g u n g der Geschäftsordnung hinaus, sondern e» bedeutet geradezu eine Verletzung der versassung insofern, als Herr Slrotzer feine. Stellung als Au»Ichvtzvorsihender dazu mitzbraoch». den Aus- schuh an der lvahrnchmung seiner oersastungsmähig garantierten Rechte zu verhindern. Ich bitte Sie. geehrter Herr Reichstogspräsident. oll« Ihnen zur Äersügung stehenden Möglichkeiten zu benutzen, um einen Zu- lammentritt de» Ausschüsse» trotz der Sobotogenersuche seine» Bor- sitzenden herbeizuführen. Mit vorzüglicher Hochachtung gez.: Hertz. E» ist zu st-Mamn, daß der Reichstagspräsident Herrn Straher eindeutig auf die Grenzen seiner Pefugnisse hin- weisen wird. verbot natlonalsoziallstischer Heilungen. Der Oberprästdem dtr Brevin, Hesten-Naiiau hat da» nationolsozialistische..Frankfurter Bolkeblatt" sowie ko» in Wiesboden erlchemen�e..Noifniier Bolk»- blott" wegen Beschimpfung der Polizei auf die Dauer von ll) bzw. 6 Togen oerboten. Lausanne, it. Juli.(Eigenbericht.) Im großen Fest, aal des Hotels Veau Rivage tagt« heute vormittag die feierliche Schlußsitzung der Lausanner Konferenz. Um das riesige Quadrat der grünen Tische waren die Delegierten vollzählig versammelt, dahinter ungeheurer Andrang. Presse und Publikum. Im Innern des Quadrats lag das englisch und französisch aus- gefertigt« Qriginal des Lausanner Vertrages zur Unter'- schrift bereit. Sofort nach Eröffnung gaben nacheinander Sir John Simon- England. Gcrmain M a r t in» Frankreich und M o s c o n i- Italien die Erklärung ab, daß das Moratorium vom IS. Juni, welches Deutsch- lond für die Reparationen gewährt wurde, auch aus die Kri-gsschulden unter den europäischen Staaten ausgedehnt werde bis zur nnllkammenzn Rotifiziening und dem Inkrafttreten de» Lausanner Vertrage» oder bis zum Nachwei» der Unmöglichkeit einer Rqtistkatian E» solgt« dann die Unterzeichnung de» ganzen Ver» träges durch di« sechs einladenden Machte und die britischen Do- m-nien. durch Macdonold ol, Präsidenten der Aonserenz. Renkin. Sqmon» und Franklin tBelgiens, Sir John Simon-Englond. Sir Rprie-Austrylien, Ferquson-Kanada, H e r r i o t, Germain Morlin, Durant. Paganon und Bonnet lgrankreich), Mosconi und Vene- duc«(Italien). P o f h i d a(Japan), Z a l e s k i(Polen), Popen, non Neurath, von Krosigk„nd Warmbold(Deutschland). Aus Vor- schlag Macdonold» wurden zu Präsidenten für zwei Bor» bereitungsausschüsse der Weltwirtschaft»- konferenz Theuni»(Belgien) für di« Iinanzkommission und Bannet(Frankreich) für die WirtschastSkommission gewählt. Die Schlußrede TNacdonald». von stürmischem veisa» begleilet, hob eingangs hervor, doh es gelte, ein« neue Energie für den Frieden zu entwickeln. D!« Welt müsse sich von den alten Erinne- rungen endlich losreißen. AUe gehörten der gleichen Menschheit an. Der Berirag von Lausanne müsse ol»» r st e s Kapitel-ine» neuen Geschichtiabschnittes betrachtet werden. Seither seien Losten auf Lasten gehäuft worden. Die Reparationen seien eine Strase für alle Rationen geworden. Deutschland wolle stärker am Aufbau teilnehmen, ober e« helfe gar nichts, neue, zerstörende Zahlungen festzulegen. Zu Frieden und Sicherheit gehöre guter Wille und es sei zu hoffen, daß die Ab- rüstungskonfercnz ebenfalls ihr Ziel erreiche. Dafür müsse $tr Vörwa/fc für S Tage wbotenl Gelegenheit macht Verleumder! die Zusammenarbeit errichtet und zur materiellen die moralische Abrüstung der Völker kommen. Europa sei nicht isoliert, keiner könne leben hinter Barrikaden, die ihm von den anderen trennten. vi» zur Verwirklichung der vollkommenen Abrüstung sei der Friede nicht gesichert. Deutschland und Frankreich mühten weiter gemeinsam arbeiten an der Beseitigung jeder Kriegsdrohung. Nun müsse der Geist der gegenseitigen Hilfe verwirklicht werden. Der Weg zu Frieden, Sicherheit und Wohlergehen sei jetzt geöffnet. Herriot dankte daraus im Namen der Konferenz Macdonald für seine un- geheure Arbeitsleistung, seinen Mut und seine Autorität als Der- Handlungsleiter. Ebenso sprach er Sir Maurice H a n k c y den Dank au» für seine große Leistung al» Generalsekretär der Konserenz. 8- In der gestrigen Nachtsitzung hat nach den Annahmereden Herriot». Chomberlains und von Popens Finanzminister Mosconi- Italien ausgeführt, daß die Lausanner Konferenz der Eckstein de» neuen Gebäudes des Wiederaufbaues der Welt sei. Italien treibe seil zehn Iahren hartnäckig die Politik der allgemeinen Kompensationen, der endgültigen Liquidierung der aus dem Kriege stammenden finanziellen Bcrpslichtungcn. jener gegcnwcrtslosen Leistungen, die der Weltwirtschaft aufs schwerste geschadet haben. Mosconi sprach sein Bedauern darüber aus, daß es heute nach nicht möglich gewesen sei, di« allgemeine und endgültige Streichung zu erlangen. Er hoffe auf möglichst rasche Verwirklichung des Lausanner Vertrages. Als letzter hob Ministerpräsident R e n k i n- Belgien die tan- struktive Idee der in Lausanne geleisteten Arbeit hervor und dankte den Beteiligten für ihre Mitwirkung im Geiste der Zusammenarbeit. Die Sitzung schloß um 2dA5 UHn Frankreichs erster Eindruck. Pari», g. Juli.(Eigenbericht.) Fast alle Blätter loben die Haltung Herriot», weil er die völlige Streichung der Reparationen und die Annahme der deutschen politischen Bedingungen verhindert habe. Der offiziöse„Petit P a r i s j e n" schreibt:„Die Lösung, die nach drei Wochen harter Anstrengungen erreicht worden ist, ist die beste, die man wünschen konnte. Wenn sie in bemerkenswerter Weise die Lasten Deutschlands verringert, kann sie andererseits der Ausgangspunkt einer fruchtbaren Zusammenarbeit und einer Wiederherstellung des Vertrauens sein, die imstande ist, eine neue Ordnung der Dinge in die Wege zu leiten. Herriot hat das Recht, auf dos Ergebnis seiner Be- mühungen stölz zu sein. Alle direkten und indirekten Versuche, eine Debatte, die er aus das rein wirtschaftliche und finanzielle Gebiet beschränken wollte, auf da» politische Gebiet hinüberzuleiten, sind an seiner klarblickenden Festigkeit gescheitert." Das gemäßigte„Petit Journal" erklärt:„Ohne Siegesschreie ausstoßen zu wollen, die fremde Ohren oerletzen könnten, muß man das Ergebnis der Verhandlungen mit Genug- tuung begrüßen. Man kann sagen, daß Frankreich bis zur legten Minute der Linie treu geblieben ist. die es zu Beginn der VerHand- lungen sich vorgeschrieben hatte." In dem radikalen„O c u v r e" heißt es:„Man darf nicht bloß das unmittelbar« Resultat der Konferenz betrachten. Die europäische Atmosphäre wird für einige Zeil von Gewitter- wölken frei sein. Diese Frist kann zum Wiederaufbau auf einem freigelegten Terrain benutzt«erden. Erst in einigen Monaten wird man dem ohne Geschrei erreichten aber fruchtbaren Sieg von Lausanne in seiner vollen Bedeutung würdigen können." Die„R e p u b l i q u c". die stets für deuisch-sranzösische Freundschaft kämpft, sagt u. a.:„Herriot hat nach der erfolgten Einigung eine junge deutsche und eine junge französische Ivurnalistin umarmt. Die Welt wird aus dieser Geste schließen, daß die Z e i t d e r K e- hässigkeiten auf immer verschwunden ist und daß Deutschland und Frankreich brüderlich an dem Wiederaufbau Europas zusammenarbeiten müssen und können. Dadurch, daß di« önWrhoiiM« von Lausann« dies« Vrüderlichkeit bestätigt haben. haben sie sich um den Frieden wohl verdient gemacht." Der sozialistische„P o p u l a i r e" erklärt:„Ein große« chinder« ni« aus dem Wege de« wirtschaftlichen Wiederaufbaue» Europa« und der Welt ist beseitigt. Wir verhehlen nicht unsere Genugtuung über dieses Ergebnis, aber wir machen uns auch keinerlei Illusionen. Die Regelung de» Reparationsproblem» bringt uns um keinen Zoll der Lösung einer Wirtschaftskrise näher, die die Welt bis in ihre Grundsesten erschüttert. Di« Suche nach einer solchen Lösung muß Gegenstand einer Welt- konferenz mit offizieller Beteiligung Amerikas sein. Der glück- liche Ausgang der Lausanner Verhandlungen ist die Einberufung dieser Konferenz." Die Presse der Bechten spricht sich mit großer Zurückhaltung au«. Das„Journal" schreibt: Der Erfolg hänge von der Be- seitigung des politischen Mißverstehens ab. jzerriot und Germain Martin hatten olle gegen die französische Sicherheit und gegen den Versailler Vertrag gerichteten Angriffe abschlagen können. Die poli- tischen Bedingungen seien au» dem Abkommen entfernt, ober man habe zuviel von ihnen gesprochen, als daß man diese Frage schon als erledigt ansehen könnte. Das„Echo de Paris" behauptet, Frankreich hätte in Lausanne ein besseres Ergebnis er- zielen können. Es erhalt« als Gegenleistung für den Verzicht auf den Nettosoldo, um den amerikanischen Gläubiger zum Nachgeben zu veranlosien, weiter nicht« als die Möglichkeit, das ganz« in Lausonn« errichtete' Werk wieder umzustoßen und theoretisch die Fortsetzung de» bisherigen Zustandes zu ver- langen. Oas Verboi der„K. V." Scherz, Satire, Ironie und tiefere Vedevtvng. s. Die„Kölnische Volkszeitung" veröffentlicht ein Lauianner „Mgtin'-Jnteroiew, in dem Reichskanzler v. Papen die Bereit- wrlligkeit ausspricht, unter gewissen politischen Bedingungen für Deutschland eine Zahlung fiir den Wiederauibau Europas zu übernehmen. ss. Durch WTB. wenden aus Lausanne die französischen Presiemeldungen, die mit dem„Matin"-Jnteroiew übereimtimmen al« irreführend bezeichnet und eine Gegendarstellung gegeben� die eigentlich die Richtigkeit der französischen Meldungen zum guten Teil bestätigt. , III. Die...Kölnische Dolkszeitung" stellt dos fest und deutet an. daß man gewissenhaften Journalisten, selbst französischen, min- besten« ebensoviel glauben könne als dem unablässig tätigen amtlichen Dementieropparat. IV. Reichsinnenminister Frhr. v. G a y l verlangt dafür von Preußen fünftägiges Verbot der„Kölnischen Volkszeitung". Seve ring lehnt ab, wird aber vom Reichsgericht zu dreitägigem Verbot gezwungen. V. Do» Lausanner Ergebnis: D r e i-M i l l i a r d e n- Zo h> l u n g wird vom Reichskanzler v. Papen durch Rundfunk verkündet Dabei kann aber von einer Erfüllung der politischen Bs- dmgungen nicht? gesagt werde»! sie sind nach dem Kanzlerfunk neu angemeldet. VT. Die„Kölnische Dolkszeitung" kann das Lausanner Ergeb- ni« erst am KZ. d. M. mitteilen, dos Verbot hindert sie, da» früher zu tun. „Seht euch diesen Minister an!" Soebbels' Dantadreffe an Herrn von Sayl. H i t l e r n o t v e r o r d n u n g und Notverord- nungsjackcn öffnen dem Volke die Augen. Die Judas- rolle der Nationalsozialistifchen Partei ist entlarot. Mafsen- dsmonstrotion gegen die Hitlernowerordnung im Lustgarten — so dekretierte Großmaul Goebbels, weil er sich sagte: hier kann nurnochdiegrößteFrechheitimLügen belfen! Dann wurde ihm Angst vor der Parole gegen die chitlernotverordnung, und er fabrizierte eine neue— eine Parole gegen Herrn von Gayl. Die Hitlersche Bürgerkriegsarmee sollte über die Linden und durch das Brandenburger Tor marschieren, und an der Siegesallee sollte Hitler die Parade abnehmen— als ob es keine Bannmeile gäbe, so hatte der Goebbels es sich aus- gedacht. Diese Parade an der Siegesallee wurde verboten. und nun hatte Goebbels seine Parole: „Gayl provoziert die SA.! Rlvrge« Wassenprotest im Lust- gorten! Der Reichsinnenminister von Goyt. prominente» Mitglied de» Scibinett« der sogenannten nationalen Konzentration, hat diesen Marsch über die Linden und den Vorbeimarsch an der Sieg«»alle« verboten. Run seht euch diesen Reichsinnenminister an!" Wir beglüekwünschen Herrn von Gayl zu seinen Freun- den! Er hat schon so viel für sie getan— aber um das große Maul von Goebbels vollzustopfen, dazu gehört mehr, als selbst er leisten kann! Nun hat er sie die Jacken anziehen lassen, er hat ihnen die Straße freigemacht, er hat den„Vor- wam" verboten und nun?„Nun seht euch diesen Reichs- innenminister an!" Wenn aber der Goebbels glaubt, als R e g i e r u n g s- mann die Rolle der Opposition mimen zu können, dann hat er sich verrechnet! Denn wer die Rotver- ordnungsjacken sieht, der weiß, was los ist! Das große Maul. Großmaul Goebbels deklamiert auf der ersten Seite des „Angrist" in Sachen Hitlerparade und Gayl: „4 0 00 0 SA.- und SS.-Männ«r von Berlin und Brandenburg wollten dem Führer Treue schwören." Auf der zweiten Seite des„Angrist" oerlautbart Graf h e l l d o r f: „30 000 S A.- K a m e r a d e n aus Berlin und Brandenburg batten den Befehl, sich im Lustgarten zu einem Generolappell zu- sammenzistinden." Da sind es schon 10000 weniger! Am Schlusie aber heißt es bei helldorf: „Der Keneralappell der Berliner und Bran- denburger SA. fällt aus." Der Donner gegen Gayl sollte also den Rückzug vor einer sicheren Pleite decken! Rebellion in der Wirischastspariei. Die letzten Reste splittern ab. Chemnitz, 8, Juli.(Eigenbericht.) In der Donnersiagfltzung des Chemnitzer Siodwerordneten- kollegium» erklärt« die Fraktion der Wirtschaftsportei, dc« au» 8 Mann Kestcht. geschlossen ihren Austritt au» der Partei. vi« Fraktion will sich in Zukunft al» Chemnitzer Mittel. iM«h taptchRe«. Roch nicht— sagt Baron Gayl Die neuesten Bluttaten der Aotverordnungs-Banden Zchrniedeberg Hn Riesengeb., 9. Juli. tvigenbericht.) Gestern abend gegen 21 Uhr üersucchte« auswärtige Nationalsozialisten das freiwillige Arbeits- dienst lager der SAI.. das sich zur Zeit in Schmiede- berg befindet, zu überfallen. Die Nationalsozialiste» hatten die SA. in Stärke von ungefähr 2YO Mann aus Hirfchberg und den umliegenden Ortschaften nach Schmiedeberg zusammengezogen. Sie umzingelte» das Lager und eröffneten ein Tteinbombarde- wtent auf die Lagerinsasien, die sich zur Abwehr bereitgestellt hatten. Tie Ortspolizei war machtlos. Die Arbeiter- schaft von Schmiedeberg versammelte sich in der Nähe des Lagers und beobachtete zunächst voller Wut die Vor- gänge. Als die SA. plötzlich gegen die Arbeiter in Sperrkette vorging, kam es zu einer großen Schläge- rei, in deren Verlauf zahlreiche Nationalsozialisten schwer verletzt wurden. Auch einige Arbeiter erlitten Verletzungen. Tie SA. hatte sich aus einer nahen Schmiede mit Gif enteilen bewaffnet. Als zwei Schupo-lteberfallkommandos aus Görlitz und Liegnitz eintrafen, wurde von diesen die Straße geräumt. Inzwischen hatten die Arbeiter die SA.-Leute von dem Lager ferngehalten. Tie Nationalsozialisten wurden dann von der Polizei abgedrängt und nach Waffen durch- sucht, wobei Tutzende von Revolvern, Schlag» ringen, Totschlägern, Gummiknüppeln und Spaten gefunden wurden. Ter Ueberfall war planmäßig vorbereitet, denn schon gegen 19.30 Uhr sah man auf den Straßen in der Ilm- gebung zahlreiche SA.-Trupps, die sich in Richtung auf Schmiedeberg bewegten. Auch die Landeähuter SA. war in Stärke von überlOOMaunnachSchmiede- berg abgefahren, wurde aber von der Polizei an der Ausfallstraße in Empfang genommen und ebenfalls nach Waffen durchsucht. Tie Erregung unter der Arbeiterschaft ist ungeheuer groß. Ta man weitere Ausschreitungen befürchtet, wird die Polizei heute noch in Schmiedcbcrg bleiben. HitlersMordbanden inTätigkeit Nazi-Wegelagerer überfallen Iungrepoblikoner. Frankfurt a. d. O-, 9. Zuli.(Eigenbericht) Als Antwort auf nationalsozialistische Feuer- Überfälle gegen Arbeiterwohnunge» am Freitagabend fand ein Temonstrationsanfmarich der Eisernen Front statt. Vor dieser wuchtigen Kundgebung kam daä Bürgertum, das vor wenigen Tagen einem nationalsozialistischen Zug in Stärk« von 400 Mann zujubelte, au» dem Staune« nicht heraus. Ter in seinem Verlauf einzig dastehende Aufmarsch, an dem 4000 Menschen teilnahmen, verlies bei tadelloser Tisziplin von Anfang bis zu Ende ohne Störung. Tie Nationalsozialisten, die dem Marsch mit ohn> mächtiger Wut zusehen mußte«, übten in später Nacht- stunde blutige Rache. Heimkehrende Zungbanner- leute wurden in der Lindenstraße von den in de» Anlagen versteckt liegende« Nationälsozialiste« hinterrücks überfallen, niedergefchoffen und niedergeschlagen. Als Ergebnis dieses gemeinen Mord» Überfalls liegen drei Zungarbeiter schwerver- lebt im Krankenhans und ringen mit dem Tode. Bei einer sofortigen Turchsuchnng des beim Tatort liegenden nationalsozialistischen Verkehrslokal4 fand die Poli- zei« Revolver, große Knüppel mit Nägeln versehen, lange Fleischermesser, Gummiknüppel und Stahlruten. Tie Bevölkerung ist außer- ordentlich erregt, insbesondere auch darüber, daß die Kommunalpolizei unter einer mit den Nationalsozialiste» sympathisierenden Führung sich nicht genügend gegen die Hakenkrenzler durchsetzte. putsch gegen Reichstagswahl? Nazi-Feder hetzt zum Bürgerkrieg. Der Nationasiozialsit Gottfried Feder hat m einer nationalsozialistifchen Versammlung in Bremen nach einem Bericht der rechtsstehenden„Weser-Zeitung" das folgende erklärt: „Vielleicht kommt e» gar nicht mehr zur Wahl. Es fehlt nur noch ei« Tröpfchen, dann ist unsere Geduld zu Ende. Wir wünsche» zwar noch diesen Wahlgang, weil er uns nach außen hin legiti- mtert. Wenn aber das Morden unrer den SA.-Leuten so weitergeht, werden wir da» Notrecht unserer Partei proklamieren und dafür sorgen, daß in längsten» 14 Tage» die rote Bestie er. l e d i g t i st. Heute«och wird der SA.-Mann aus der Partei ausgefchloffen, der eine Waffe bei sich trägt? es kann dahin kommen, daß der ausgeschlossen wird, der mit der Waffe sich nicht seiner Haut züwehren weiß. Das Bremer Nazidlatt hat diese Ausforderung zum Bürgerkrieg unterschlagen! Die gewissenlosen Bürgerkriegshetzer mögen sich hüten, mit dem Feuer zu spielen, sie würden sich dann die Finger veibrenne»!"......«...... Glückwunsch an hen„Vorwärts" Heute, Sonnabendvormiltag. wurde u ns verspätet folgendes Telegramm zugestellt, da» laut Poststempel am Freitag. 8. Juli, 6.10 Uhr vormittag« bereit» beim Post- arnt68 in Berlin eingetrossen war: Redoktion de» vorwärts. Berlin. Wir bringen Ihnen unfern herzlichsten Glückwunsch zum Wieder- erscheinen noch dem brutalen versuch der Reaktion, da» freie Wori zu unterdrücken und bezeugen dem tapferen Vorkämpfer der beut- schen Arbeilerklasie unsere sozialistische Solidarität. kür„Sozialdemokraten" Arthur Engberg. Börfeuhauffe! Optimismus nach Laufann«.- Scharfe KursfieiHerung auf Sem Rentenmarkt. Der gestrige Abschluß der Reparationskonferenz von Lausavn« Hot an der heurigen Sonnabendbörse einen sehr starken Optimis- mus ausgelöst. Besonders auf dem Rentenmarkt, der schon in den letzten acht Tagen in Erwartung eines positiven.Konferenz- ergebnilscs größere Kurssteigerungen erfahren Hatte, herrichte heute vormittag eine ausgesprochene Hausse. Stadlanleihen und kommunale Schatzanwei- s u n g e n verbesserten ihren Kursstand um 1 Proz., Industrie- obligationen stiegen durchschnittlich sogar um 2 Proz. Buch der Pfondbriefmarkt, auf dem zuerst größere Zurückhaltung herrschte, geriet im weiteren Verlauf der Börse in Fluß, wobei Kurssteigerungen bis zu 2 Proz. erzielt wurden. Am stärksten wirkte sich die Haussebewegung bei der R e u b e s i tz a n l e i h e aus, die von 4.5 bis 6.2 Proz.. allo um über 30 Proz. stieg. Jrtzolge der starken Entlastung durch die neue Reparatiansläsung waren Reichsbahn-Vorzuasaktien gleichfalls sehr stark gefragt und erreichten 76lii gegen IhVi Proz. zum gestrigen Schlußkurs. Auch der Aktienmarkt zeigte, wenn auch nicht durchweg, eine ieste Tendenz. Reichsbank erhöhte sich auf 129 gegen 127?c, Farben erreichten 93'f gegen 92% und Berliner Licht und Kraft gewannen nahezu 3 Pryz. Die Börse schloß ausgesprochen fest. Die nächtlichen Schießereien. Polizei verhütet Blutvergießen Die nächtlichen Schießeteten zwischen Rolionalsozio. listen und Kommunisten wollen kein Ende nehmen. Fast in ollen StaMleilen ist e» in der letzten Rocht wieder zu schweren Auseinandersetzungen mit der Schnhwasfe gekommen. In der M i r b a ch st r a ß c erössneten gegen 23 Uhr drei' N a t i o n a l s o z i a l i st e n auf eine Gruppe Kommunisten Pistolen» s feuer. Die Täter flüchteten und liefen in»in Hau» in der Voigt-. straße hinein. Das Haus wurde vom Ueberfallkommando umstellt! und mehrere verdächtige Wohnungen abgesucht. Die Toter wurden: entdeckt und die Beamten fanden bei ihnen zwei geladene Pistolen und zahlreiche Munition Die Burschen wurden der Polstischen Polizei übergeben.— In Borsigwalde in der Lchutartftraße beschossen sich Kommunisten und Raüonalsoziolsiten! getrosten wurde niemand. Im Anschluß an die Schießerei durch- suchte die Polizei da» Naziverkehrslokal in der Schlieperftratze. Die Aktion verlief jedoch negativ, da die bewosfneten Burschen g»nügend Zeit hatten, das Lokal rechtzeitig zu verlassen.— An der Ecke Choriner und F.e h rb elliner Straße im Norden Berlin; kam es zu einem Feuergefecht zwischen Kommunisten und Haken- kreuzlern. Von der Polizei wurden zwei SA.-Leute in Uniform als Houpttöter gestellt. Bor dem Lokal„Wolssschlucht" in der Bouernheide in Nieder- schönhausen wurden mehrere Reichsbannerleute au» der Dunkelheit beschosien. Ein Polizeipatrouillenwagen grist sofort ein und nahm drei H a k c n k r e u z l er fest, die zu dem Mörderttupp gehörten. Die Banditen wurden der Abteilung I des Polizeipräsidiums eingeliefert. Schließlich spielte sich noch ein Re- volverkampf zwischen Hokenkreuzlern und Kommunisten in Karlzhorst ab. Ein Kommunist wurde festgenommen. In seinen Taschen wurde ein« Pistole gefunden. * In einigen Unruhezentren wurden zwischen 21 und 23 Ubr kommunistisch� Verkehrslakale und sogenannte„Schlupfwinkel" nach Waffen durchsucht. Die Durchsuchung verliei ergebnislos. Aeuer Tonfilm. „SPD.-Deputalion bei Teddy Thälmonn" In größter Aufmachüng berichtet die kommunistische Prelle, daß gestern„aus den wichtigsten Teile» des Reiches" etwa 20 Mitglieder der Sozialdsmokrotie und de? Reichsbanner? bei T H ä l m a n n erschienen seien, um sich mit ikm über Einheitsfront zu unterhalten. Bon den Namen der geheimnisvollen„Sozialdemokraten", die sich verabredungsgemäß bei Thalmann ein Stelldichein gegeben haben sollen, ist kein einziger genannt. Wenn diese„Sozialdemokraten" nicht den Mut aufbringen, mit ihrem Namen hervorzutreten, dann wollen wir sie gern Herrn Thalmann schenken. Biel davon hoben wird er freilich nicht. Es handelt sich ja doch nur um eine jener gestellten Szenen, die selbst auf ein naives Publikum nicht mehr wirken. Was da getrieben wird, ist nicht gute Politik, sondern nur schlechtes Theater. Lleberfall im D-Zug. Kaufmann beraubt.— Die Täter entkommen. Weimar, 9. Juki. Im O-Zug E g e r— We i m a r— Köln wurde der Fabrikant H u b r i ch aus Eisenberg in Thüringen überfallen und seiner Briestasche beraubt. Hubrich hatte sich in einem Abteil II. Klasse schlafen gelegt. Auf der Strecke zwischen Jena— Weimar merkte er plötzlich, daß sich jemand an seiner Brusttasche zu schaffen machte. Beim Aufwachen sah er, daß ein Mann aus seinem Abteil flüchtete und stellte fest, daß ihm sein« Sriestaschr mit etwa 150 Ifl. Vorgeld sowie Wertpapieren im Betrage von etwa 8000 M. fehlten. Er veriolgte den Täter. Der sprang aber zur Wagentür hinaus und Hubrich wurde van der zufallenden Tür verletzt. Er rief um Hilfe ynd zog die Notbrems«, der Täter konnte aber infolge der Dunkelheit entkommen. Hubrich wurde im Weimarer Krankenhau» verbunden. 3. tuu. tSrngex, Senntaj, Ii. 9uB, 10 Ufa, Snubitfecc» Sft JBeaie, ÄBlwuefa. 147. Oer neue Kurs Gespräch mii ihrem künstl« Es gibt zwei Arten ntm Dichtern, Malern, Musikern, von Künstlern überlioupt: die, denen hauptsächlich am Neuen liegt, am Aktuellen, noch nicht Dagewesenen, am Ningen um die zeitgemäße Form und um Entwicklung� und dann die anderen, denen der ewig gleiche Inhalt aller Kunst- da- Menschliche zu- kostbar dünkt, um nicht in jedem Werk Vollkommenes,.piisonimensassung und Vollendung zu erstreben, gleichviel in welcher Form, So müssen sich im Grunde auch olle Tbeatermenschen Nor darüber werden, von welchem der Pole sie ausgehen, an ihre Arbeit herangehen wollen. Ob ihnen das Werk(„des Menschen Krasl im Dichter offenbart"> legte Instanz bleiben kann, der fie sich willig unterordnen, oder aber, ob ihnen künstlerische wie oußerkünstlerische Zusammenhange wichtiger er- scheinen, in die sie das einzelne Werk einzuordnen suchen, dos so seine Selbständigkeit oft genug verliert und feinen Sinn Zwangs- läufig ändert: da es ein Glied wird in Gedankenketten, die in ihrer Gesamtheit erst wieder ein Ganzes fejn können. Beide Auffassungen sind völlig gleichberechtigt, sind Sache der Kunst- und Wellanschou- ung, primärer Einstellung zu allem Leben und Erleben: man begreift die Kunst an sich oder ordnet sie ein. man geht von einzelnem zum allgemeinen oder der umgekehrten Weg, Des neuen künstlerischen Voltsbühnenleiters 5heinz chilperts Glaubensbekenntnis— Bekenntnis eines unverwüstlichen Glaubens an die evidente Notwendigkeit des Tbeoterspielens— heißt Hingabe an dos Werk. Sichunterordnen: Nochgestoltcnwollen, ohne den Zauberkreis der Einzelschöpfung zu verlassen, unter Verzicht auf jede Einordnung welcher Art immer. Heißt: bewußte Abkehr vom Ge- sinnungs- und Tendenztheoter jeder Richtung und der aktuellen Ver- bindung mit dem Tag: Abkehr von jeder Theorie, von allem Fe- danklichen. Abstrakten, Erperimentellen, Rückkehr zu den unzerstör- baren Quellen großer Kunst in immer noch vertrauensvoller Hoff- nung auf ihre bindende Gewalt, Nach Hilperts Ansicht, Einsicht, Ueberzeugung hat da» Theater durchaus nicht die Aufgabe, Schichtungen und Zerklüftungen zwischen den Menschen zu vertiefen und Gegensätze zu betonen, es hat nicht zu moralisieren, zu agitieren, zu propagieren. Es hat den Alltag gar nicht fortzusetzen, es läuft dem Leben gar nicht parallel, es ist vielmehr sein vollkommenster Gegensatz: durch Lösung de» einzelnen au» allen Zusammenhängen. durch Erlösung des„Menschen" von sich selbst und zu sich selbst, durch Bildung einer Publikumsgemeinschaft und durch Wieder- erwecken des ursprünglichen Sinns ollen Theaters— des Außer- sichseins, des Dämonischen und der rauschhaft zauberischen Verwand- lung,.. Die» ist sein geisüges Programm: scharf formuliert, vom durch- gängigen Theaterideol der letzten Jahre scharf unterschieden, Zum Materiellen: der Etat ist(auf ein Drittel etwa) stark gekürzt. Wenn der Volksbühne in der Volksbühne auch für Pomp, für Umweltsbuntheit, für In- szenierungen als Selbstzweck von vornherein kein Raum ist—» die außerordentliche Reduktion der Mttel zwingt, zu, außerordentlicher Sparsamkeit, Vorläustg wird ein, recht, kleines, allseitig verwendbares Ensemble, genügen müssen, dem(vom bisherigen), Almas und Körchow, vielleicht auch Drews und Ginsberg angehören werden: ftrner lwcitn auch Nicht ständig) Siebel, Verhbfen. Wern«cke:ie Saison, Es folgenden Haupt- manns„Ratten"(die Dorsch zum erstenmal in einer reifen Frauenrolle),„F a n n y"(Fortsetzung von Pognol's„Goldenem Anker", wieder mit der Dorsch) sowie ,',D a s n e u e P a r ad i e s" von Julius Hey und- Raimunds„Alpenkönig- und Menschenfeind", Shakespeares„Maß fiir Maß", Mann-Ebermayrs„Professor Unrat h", Horwath und Frantisek Langer. Ioachimfohn„D a» Haus da z wische n", Elisabeth von Castonnier„D i e S» r- dinenfischer" und Zuckmayr„Schi»der Hann e>" bernall- ständigen den voraussichtlichen Spielplan, Die klassische Op e- rette wird gleichfalls gepftegt werden: wahrscheinlich wird Mil- löckers„Armer Jonathan" zur Ausführung kommen, Dr, Ibach, Ludwig Berg er, Hilpert selber führen Regie, Auch hier sosi(gerade hier) in Ilbbereinstimmung mit der geistigen Grundeinstellung zum Theater dax Werk alle» sein und die„Ausdeutung" nichts. De« Dichters Welt soll enfftehen. und nicht Reflex und Abglanz unsere.r Welt: sein Wille geschehe, nicht der eines, allmächtigen Regisseurs, der- die- Schauspieler- nach Möglichkeit zu spezialisieren und zu typisieren sucht, zu willenlosen Puppen werden läßt, Im Gegenteil: der autokratische Regisseur gehört der Vergangenheit an, und keiner glücklichen: was hier so heißen wird, soll ein Helfer des Dichters, pädagogischer Leiter und Befreier des Darsteller» sein und wöglichst anonymer Diener am Werk, Die Titel der Stücke, die Ramen der Mitwirkenden, Ruf und Wallen des Führers versprechen nicht wenig für das kommende Spicljahr der Volksbühne, Noch ist der Vorhang geschlossen: sein Aufgehen ober wird man mit Spannung erwarten dürfen. Nicht um zu experimentieren, um die Mgsien durch Masse zu zwingen, uw Stücke in Stücken zu geben, soll hier, Theyter gespielt«erden wie so oft in dieser Sladi, Nicht um die Menschen zu verwirrtn, neift: um sie zu befriedigen. Da» aber ist schwer, so steht es schön im Faust, W, Das Affentheater. -w' Oer Landtag als Tribüne des Irrsinns. Ein Landtagsabgeordneter schreibt uns: Wer es nicht mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört hol, der macht sich keinen Begriff von der Temperatur und Atmosphäre des Tobluchts- Hauses, zu dem jetzt der Preußische Landtag durch die lhZ Nazi» dsgradiert ist. Etwas Sachliches soll beroten werden, die Stillegung von Bergwerken und Betrieben, an der Taufende von Arbeitern interessiert sind. Aber nie— nie kommt es dazu, statt einer Be- ratung toben sich stunden- und stundenlang die Improvisationen eines an der Grenze der Geisteskrankheit stehenden Gehirns aus, Der Präsident will einem- Redner das Wort erteilen. Aber schon stürmt der Nozianwalt F r e i s l e r die Rednertribüne, keuchend, augenrollend, ein zuckendes, zappelndes Nervenbündel, Er kreischt, alle Glieder verrenkend, etwas in- den Saal hinein: eben fei in Frankfurt am Main der notionalsazialistisch« Abgeordnete Beckerle verhaftet worden, aus purer Gemeinheit, um ihn an der Ach/lmmung über die Amnestie zu verhindern. Der Polizeipräsident von Frankfurt am Main habe sich eines mit Zuchthaus be- drohten Verbrechens schuldig gemacht. Der Landtag möge ohne Beratung die sofortige Derh astung des Polizeipräsidenten von Frankfurt am Main beschließen.„Ich nehme an"— wilde Geste—,„daß niemand wagt, gegen diese Forderung elementarer Gerechtigkeit Einspruch zu erheben!" Dazu Begleitmusik: käst brüllende, johlende, mit Fäusten drohende Nazis, die zur Linken herüberrufen:„Ihr Hundesähn«, A>r Schweine".— Auf den besänftigenden Zwischenruf eines Zen- ttumsmannes ruft ein Führer der Naziftokkion:„Ihr stinkt vor Verkommenheit van oben bis unten," Neues Theater: Der Noziobgeordnete Haake verlangt„auf Grund der unverschämten Provokationen" Herbeizitierung des Ministers, Vertagung der Sitzung, bis er da ist,— Drei Minuten Gebrüll. Gejohle, Händeklaffchen, Tatbestand: Veckerle ist auf frilcher Tot nerhaftet worden,— verfassungsmäßig völlig zulässig— als er an der Spitze eines»er- botenen Demonsirononszugs marschierte Der Polizeipräsident, desien Einkerkerung ins Zuchthaus der Landtag beschließen soll, be- findet sich seit 14 Tagen— in Urlaub. Nun könnt« die sachliche Beratung weitergehen. O nein, der nächst« Spektakel ist fällig. Wieder stürmt Herr Freisler die Tribüne, überschlägt sich vor Gekreisch: der Polizechauptmann Maas hat den Nazis Material geliefert. Gestern wurde er erschossen auf- gefunden, kein Zweiiel: Grzesinski. Heimannsberg und Weiß haben den Mann ermorden lassen. Diesem Grzesinski fft fa«ine solch« Tot ohne weitere» zuzutrauen!„Ich nerlange die sofortige Anklage wegen Morde» gegen Grzesinski. Weiß und Heimannsberg."— Brüllende Drohruie der 160 Mann gegen die Linke:'Ihr Mördergesindel"— mit euch wird abgerechnet— dafür werdet ihr all« gehängt".— Der nationalsozialistische Präsident reagiert grund- sätzlich nicht mehr aus solche Ding«, Di« Tobsucht steigert sich, man glaubt, einen Haufen heulender Fakire vor sich zu haben. Gleich werden sie in Krampf« fallen, Tatbestand: Hauptmann Maas hat sich mit seinem eigenen Dienstrevolver getötet, wahrscheinlich durch Unglücksfall Dah er den Nazis Material zelieferr hat. haben fein« Dorgejegten erst durch Freisler» Red««rfahren, Jemand schlug vor. im Sitzungssaal eine Gu ill o t i n« aufzubauen. Aus Freisler, Anfrage könne dann gleich be- schloffen werden, ohne Debatte und Ausfchuhberotung die Hinrichtung von dem und dem zu beschließen und innerhalb fünf Minuten zu vollstrecken, Angesichts dieses Landtags wirkt« die Beinertung kaum noch als Witz, Soll auch der neue Beichslag ein Affenstall«erden? llnierstichungskomödie. Der Untersuchungsausschuß de« Preußischen Landtages über die Justiz hielt am Freitagabend eine Sitzung ob. Der Haupt- berichterstotter, der Nationolsozialis: Dr, Kreb», erstattete sein Re- ferot, das lediglich«ine Inhaltsübersicht über die berüchtigte Zar- nowsche Schrift„Gefesselte Justiz" gab. Vorher hatte Genosse Kuttner darauf hingewiesen, daß in dieser Schrift bereits 15 Behauptungen durch rechtskräftige Gerichts- urteile, a�I» unwahr erwiesen sind. Das zeug« für den Wert der schritt. In nichtöffentlicher Sitzung beschlaß der Aus- schuß zunächst die Fäll« Haas-Källing(Magdeburger Fall), Weismann, Kutisker-Werthauer und Fememord« zu behandeln. Zu jedem Fall soll«in Nationalsozialist als Berichterstatter und ein Mitglied einer anderen Partei als Gegenbericht- erstatter tätig sein. Da Deuffchnationale und Zenttum verzichteten, erhielt die Sozialdemokratie drei Gegenberichterstotter. die Karnmu- nisten stellen einen(zum Fall Fememorde). Die Berichterstatter sollen Ende August über die einzelnen Fälle referieren, Die Einzigen. Zn seinem Illutonsall über da» Scheitern der Amnestie wued« der Nationalsozialist Sub« offenherzig. Er plauderte au», daß die Nationalsozialisten mit allen Parteien verhandelt hätten, auch mit den Kommunisten.— nur mit den Sozialdemokraten nicht.— Woraus man fleht, wie recht die»Rote Fahne" hat. wenn sie die Sozialdemokraten al» Freunde der National- sozialislen bezeichnet._ Wetterbericht für Berlin: Ziemlich heiter mit weiterer Erwär- mung, meist scharfe Lustbewegung,■— Für Deutschland: Im Nord- asten leicht veränderlich und strichweise leichte Schauer, Im Alpen- Vorland Besserung, im übrigen Teile Deutschlands beständiges und warmes Wetter. Der Südamerika- Forscher Nordeustjotb gestorben, ver Süd- omerika-Forscher Professor Erland Nordenskjöld ist in Göteborg im Alter von 55 Jahren gestorben. Der Sohn des berühmten Polar- wrschers und Entdeckers der„närdtichen Durchfahrt" bereiste seit 1899 Patagnnien, Argentinien, Bolivien und Mittelomerika, Er war u, a, Mitglied der Anihropalogischen Keiellschast zu Berlin und de» Ver- «ins für Völkerkunde in Leipzig, Werbedorltellii«« der voltSböh»«, Tie VolkSbubne vcropftoltet iv ihrem Theater am Bülowpla? in her Zeit rom 10, bis 16. Juli WerKevvrsielliivaen her Komähic„Geld ohne Arbeit", die auf allen Plahen fiir öO Pf. einstbl, Zettel und Gorberob« zugongig ist, Tie Pläpe werden perlost, Jedermann erhalt VorzuaSkarten an den Theaterkaflen der Firma Tie?, Ac-xanderplatz, Leipziger 2 traf? und Frankfurter Allee, im Koulliaui de» Westens, Tauenpienstrahe, in de? Bolkebubn-nhuchhandlung. Köpenicker Ettafle KS, und in der Geicbäktsstelle der Polk«bühne, Linien str. ZS7. I» Ruse-Sarie» wird da» Rolenfest Sonntag, Montag und Dienstag «il Tanz im Freien, Feuerwert und Ueberrasckungen geleiert. Abend» Uhr geht die Operette„Drei arme kleine Madel»« Szene. Neuer Oirekior der Hochschule für Musik. Schreker geht- Schünemonn sein Tiachsolger. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, wurde Georg Schünemann. Professor an der Universität Berlin und bisher stell- verttetender Direktor der Hochschule für Musik, nun zum Direktor der Hochschitle ernannt. Wenn seine Ernennung noch dem Nückttitt Schre?srK..ouch ejye. Seibstperstänhlichkeit schien(er Hot die Funktto- nen eine« Direktors seit Jahren toffächlich und auf- verdienstlichste ousgeiiht). fft fie in dieser Zeit, in der da» eigentlich Selbstverständ- liche auf kulturpolitischem Gebiet immer seltener geschieht, sehr zu begrüßen. Dem Kultusministerium, das fich von keinerlei Quer- tteibereien beeinffufsen ließ, ist dies« Erneniwng hoch onzurechtien Franz Schreker— ein bedeukender Komponist, einer der wenigen ganz hervorragenden Kampofittonslehrer unserer Zeit, deffen B»> rufung seinerzeit mit vollem Recht erfolgte— lebte Jahre hindurch zweiiellos mehr seinem Schaffen als sxiner amtlichen Stellung, Es ist daher sehr zu bedauern, daß er die Konsequenzen daraus nicht früher, nicht selbständiger zog, daß er den dahingehenden Änregun- gen nicht freiwillig nochkam, vor allem daß er der unverschämten nationalen Prefossorenkamarilla unter Führung de» Patentgermanen Havemann keinen«nergischeren Widerstand entgegenzusetzen wußte, Ihr„Mihttauensootum" hätte ihn soviel kümmern muffen wie ein Schlag ins Waffer. Erfteulicherweise bleibt er der musika- lischen Jugend als Lehrer erhalten: er übernimmt die durch Georg Schumanns Ausscheiden sreiaewordene Kompositions-klaffe an der Akademie der Künste. Herrenklub der Oilettanien. Ein fliegender Herrenklub, der sich vor Berlin und München ol»„Schauspiel der Gegenwart" ausgcht, hat sich er- dreistet, in der„K o m ö d i e" am Kurfürstendamm zu gastieren, Di« Mitglieder dieses Herrenklub» sind, wie da» heute öfter bei solche» aristokratischen Vereinigungen auch in dem Gebiete der Politik und Wirtschaft geschieht, gut gelaunt« und sehr vollmäulige Progrommattker: doch sie wissen weder von Tuten noch von Blasen, sobald die Praxi» zu msiftern ist, Daher stellt der Soziologe des Theaters von l932 fest, daß neben unseren prachtvollen, auch durch die Krise nicht zu entmutt- genden Schauspielern, einige Wüstlinge de» Nlchtkönnen» beflissen sind, den an fich schon mageren Rahm von unserer Krisentheater- schüssel abzuschöpfen, Die ungebetenen Käst« spielen eine sogenannt«„Zeitfotire", betitelt„E l a r e n c e und die Nutznießer", zu deutsch die Geschichte des blinden Passagiers aus einem Stratosphärenflugzeug der Zukunft, Der Nassauer de» Luftverkehrs wird zum Helden, oder vielmehr er soll es werden. Die Presse blamiert sich bis auf das Herz des Füllsederhaltergemüts, oder vielmehr sie soll e» tun. Die Geschäftemacher entpuppen sich als Gesindel, D, h. sie würden sich entpuppen, wenn der Theotersotyt Wolfgang Petzet nicht Lange- weile, gewürzt durch Zalzlofigkeit, allein gefüttert und wieder von sich gegeben hätte. Aus allen solchen Erfahrungen begreift man, daß einige linken vom Tod de» Theater» faseln. Die Unken haben Unrecht, und sie sind nur nichl fähig, die ewigen Kulturkröft« de» lebendigen Theaters al» Kunstschöpfer und Kunstrichter zu entdecken, Künftig wird an wichtigeren Objekten zu beweisen sein, Iva» diese Behauptung sogen soll, H. �Flucht von der Teufelsinsel." Titonia-Palast und Marmorhaus, Sie macht sämtliche Hausarbeiten, die kleine, zarte Frau de» Kommandanten, der ein große» Sttäflingslager verwaltet. Er ober will nicht, daß sie derart schuftet, e» gibt ja Sträflinge übergenug, die scheuern und Gartenarbeiten machen können. Die junge Frau aber hat Angst vor einem-Sträfling, Der Mann jedoch bringt trotz- dem einen in» Hau», Und nun setzen die Konflikte ein, die für Ronald Colman die große Filmrolle ergeben, Jugend gehört zur Jugend, Sttäs- ling und Verwaltersfrau liehen sich. Den Mann— van Dudley D i g g«» al» selbstgesälliger. fteßfüchtiger Hausdrache auf die Bein« gestellt— macht die Eifersucht zur Bestie, Er schickt seine Frau— die von Ann H a r d i n g zart, doch zu amerikanisch gespielt wird— noch Frankreich zurück. Der Sttösling flieht und als der Verwalter ihn erwischt, wird dieser von einem anderen Sttäsling getötet. Nun ist der Weg für die Liebenden frei und da« beruhigte Filmpublikum weiß, noch Derbühung seiner Strafe wird der schöne Siräfting in den Armen seiner Geliebten landen Ganz groß wirkt der inzwischen an einer Entfettungskur He- storbene Louis Wolheim al« gewakttänger Mörder, der sich zur wahren Freundestat auffchwivgt, als ihm die Gelegenheit dazu ge- geben wird. Der Regiffeur Deslsy Ruggle» macht so viel Konzessionen, daß er sein eigene» Talent dabei vexgißt. Daß man aus- gerechnet diesen Film nach der Teufelsinsel verlegt, wirkt lächetlich: denn selten waren die Kuliffrn derart sichtbar wie diesmal, e, b, zpOer König der Gchuhpuher." LIT-Katfürfiendamm. Der ftanzösffche Volkskomiker Georges Milton hat fich mit seiner echt französischen Spatzmacherkunst al»„König der Naffauer" bei im« besten» eingeführt. Der Erfolg hat zur Nachahmung verlockt, Und so kommt er un» in einem neuen Film, der an den ersten keineswegs heranreicht. Der Fehler liegt nicht in den Ueberteibun- gen, überhaupt nicht im Genre, sondern in der Torheit de» Ma- nuskripts und der Regie, Die Herrschaften können fich nicht genug tun, jede Szene bis zur Langweil« auszuwalzen. Zum Schluß wächst ihnen der Kuddesmuddel, den fie angerichtet hoben, förmlich über den Kaps, und man ist froh, daß der Schuhputzer von ehemals endlich, rein aus Versehen, in Monte Carl» sein« Millionen im Spiel gewonnen hat und nun seinen eigenen Schuhcreme-Betrieb aufmachen, kann, Vorher muß Bouboul— sa heißt er— das Unglaubliche an Narre.vstreichen leisten: er kommt natürlich überall zu spat, richtet überall den größten Unfug an, wird mit Recht au» seiner Schuh- putzerei rausgeschmissen, und setzt man seine Possen als Chauffeur eines städtischen Omnibuffe» fort, bringt mit seiner Freikart« ein ganze» Theater durcheinander und muß schließlich noch als' falscher Prinz die gut« Gesellschaft amüsieren, Her zählt die Rollen und Kostümierungen, die er durchmachen muß? Immer ist er— flitzend und wendig— in der besten Laune, und manchmal steckt er un» selbst in diesem Film noch damit an. An rein Filmischem werden Bühnenrevuen und ein Fest der Protzen geböten. Ulkig ist Bouboul«» Gefährt«, der lange Kellner Anatole, Biel mehr schien ha» Publikum der Boxkamps S ch in e l i n g — S h a r ke y zu interessieren, der im Vorprogramm lies.(Nähere» im Sportteil.)* r. Wieder einmal:.Der sröhllch« Weinberg". Zuckmayers unver- wiistlich« Komödie, die schon über manch« Sommerstaute hinweg- geholten Hot, bewährt sich auch in diesem Sommer, Das„Zentral- Theater" hatte mit dem Stück einen ausgesprochenen Erfolg, Di« Darsteller konnten sich— vorneweg Christl S t o r in und Eduqrd Nico!— durchaus iehen lallen, Bühne und Publitiim waren in bester Fühlung. Die Akademiewahien bestätigt. Da» preußische Stootswiniste- rium bar die Wohl de» Pros, Max non Schilling» zum Präsidenten der preußischen Akademie der-Künste für dienest vom 1. Oktober 1932 bis zum 30. September 1935, bestätigt. Die Wahl de» Professor» Poelzig zu seinem Stellvertreter für den gleichen Zeitraum fft gleich- fall« bestätigt worden, Ein neuer Kapellmeistee der Stadtischen Oper. Pus Beschluß de» Aussichtsrots der Städtischen Oper wurde Werner Ludwig al» ständiger Dirigent der Srädnschen Oper verpflichtet, Ladwig mar bisher am Staat stheatfr in Schwerin tätig. .vi« Rache de» Tang", der amerikanisch« Film, den die Film- pnisungsstell« verboten hatte, ist von der Oberprüfftelle freigegeben worden.., ASSAP.„fegt Sozialversicherung weg" Gegen die Beamten- Für die Generaldirektoren Gestern abend stieg im Berliner Sportpalast eine„Massen- nersammlung der nationalsozialistischen Betriebszellen", deren chauptzmeck war, davon abzulenken, daß das Kabinett von Popen nicht nur von den Nazis toleriert wird, sondern„auch die auzdrück- liche Zustimmung des Führers" hat. Die starke Teilnahme von älteren Damen mit Lorgnetten, denen man die Betriedsarbeiterin ebenso wenig anmerkte wie den Dämchen, die in voller Kursürsten- dainmbe malung mit ihren geschniegelten Kavalieren erschienen waren, erregte bei manchem wirklichen Betriebsarbeiter sichtliches Erstaunen. Das Programm der Kundgebung war, wie üblich, nur eine einzige Hege gegen die Sozialdemokratie und zum Teil auch gegen das Zentrum. Die Pgs. Engel und Goebbels oersuchten der Versammlung in je eineinhalbstündigen Reden weiszumachen, dah an allem Elend in Deutschland nur die Sozialdemokratie schuld sei. Einige Äussührungen verdienen jedoch festgehalten zu werden, die auf den arbeiterfeindlichen Charakter der NSDAP. ein helles Licht werfen. Nazi-Engel wetterte gegen die Großbetriebe, Kon- zern« und Trusts, die dem Arbeiter den Persönlichkeitswert nähmen.(Wenn sie auch der NSDAP. Geld geben.) Er stellte die Rückkehr zum Kleinbetrieb als ein erstrebenswertes Ziel seiner Partei hin. Für die Kran- k e n k a s s e n, gegen die er dieselbe Hege entfaltete, wie man sie sonst aus den Unternehmerzeitungen und auf Unternehmertagungen vernimmt, forderte er ebenfalls die Rückkehr zur Zwerg» krankenkafse. Also«inen möglichst großen, somit teuren Per- waltungeapparat. Den Nachweis, daß die Nationalsozialisten nicht gegen die Sozialversicherung sind, führte er in der Weise, daß er erklärte, die ganze Sozialversicherung sei nur noch ein Scherben- Haufen. Die Nationalsozialisten hätten also gar nichts mehr zu zerschlagen, sondern nur noch den Scherbenhausen der Sozialversicherung wegzufegen. übrigen, so bemerkte er. hätten die Arbeiter und Angestellten in Deutschland überhaupt noch keine sozialen Er- rungenschasten gehobt! Diese„Beweisführung" leuchtet« den Dersammlungsbesuchern, die die Kronken-, Invaliden- oder Arbeits- loferwersicherung schon einmal in Anspruch genommen haben, nicht rechi ein, so daß der Scherbenfeger zur Erzielung der nötigen Heil- und Bravorufe gegen die„B o n z e n w i r t s cho f t" in der Sozial- Versicherung vom Leder zog, was denn auch die erwünschte Wir- kung hervorrief. Goebbels bemühte sich krampfhaft, den Nachweis zu führen, daß die Nationalsozialisten an den Notverordnungen der neuen Adelsregierung keinen Anteil hätten. Gegen die iwegsteuerung aller Einkommen über 12 000 Mark hätten die Nationalsozialisten im Landtag« deswegen gestimmt, weil sie nicht den genialen Erfindern, ärztlichen Forschern und, was er allerdings nicht sagte, den Generaldirektoren und sonstigen Schwer- Verdienern der Privatindustrie die Lust zum Schassen nehmen wollen. Die Nationalsozialisten seien aber dafür, daß man s ü r die Beamtcngehälter«ine Höch st grenze festsetzt. Was sich die Beamten besonders gut merken mögen. Das übrige Gegoebbel bestand dann mieder in Verleumdungen der Sozial- demokratie. Festgehalten zu werden verdient, dah von keinem Redner auch nur ein einziges Wort gegen die KPD. gesprochen wurde. Ein Nazi-Tarisvertrag. Arbeitszeit 17 bis IS Stunden, Lohn 37 bis 45 pf. Kiel, 9. Juli.(Eigenbericht.) Wohl zum erstenmal haben die Nazis als Partei einen Tarifvertrag unter Nlithilfe des Landbundes abgeschlossen. Er ist aber auch danach. Ter Tarifvertrag, der für Drefcharbeiten gelten fall, gilt für die Nazihochburg Tithmarschen im Westen Holsteins, wo sich die Nazibauern seit Jahren geweigert haben, mit dem Landarbeiterverband zu verhandeln. Tie jetzigen„Tarifvcrhandlungcn" fanden unter dem Vorsitz des Kreisleiters der Nazis statt.» Ter Vertrag besagt, das, die Löhne, die nach dem Winchi, •Garten• B Uhr 13. Flora 3434. Raamcnen. Henry Bender, Kurt Lilien Else Ward, William Berner 8 Blackstrcaks, Favorit-Trio 5 Pallos-Ladies«>,. sannabenflu.Sonntan i*3Vontelio. �4 q, a.15 Uhr. 4 mir hleino Pri-isit voiüsDUline Tnnlir am BfilowplaU »'/« Uhr GeSd ohne Arbelf Komödie von Alberto Colaotooni Bearbeitet von R. A. Stcmmle Repe: Günther Stark si«spenisen jeder Art liefert preiswert Paul Golletz vormals Robert Ueyer MarSannenskr. 3 FS, Oberbaum 1303 SlsilMüMe I finilüi Im lorwlrts I dttleSlMkW. lithe Stfcl«.»it. ,B-8U. Sigt.?.S.8,80. E 7 Weidit. 4031 imwaueriraum Täglich SV, Uhr Madonna wo bis! ßu? Luise Stösei Theodor Loos Josef Wedorn Rose■ Tdeater Frukhirtir Strali 137 Iii. Wtidnil E 7 3,27 8.30 Uhr Die eiserne Inn�fran Oartenbttlme 5.30 Uhr Ronzertu. Variete Drei ame kleine Mädels Rgsfe,, Berlins � riii nii letzte« Tarifvertrag etwa 50 Pf. und die Kost betrugen, auf 45 bzw. 3 7 Pf. für die Stunde abgebaut werden, dafür aber die Arbeitszeit von 10 auf 14 Stunden täglich erhöht wird. Es gibt eben noch nicht genügend Arbeitslose. Da die Hin- und Rück» fährt zur Arbeitsstätte sowie das Abbrechen und Auf- bauen der Dreschmaschine, wie auch die Esfenpausen unberücksichtigt bleiben, kommt eine tägliche A r» beitSzeit von 17 bis 18 Stunden in Frage. In diesem sogenannten Tarifvertrag heistt es außerdem, daß nur Mitglieder der Nazipartei beschäftigt werden dürfen. Das also ist die Arbeiterfreundlichkeit der Nazis! So sieht ein„Tarifvertrag" der Nazis auS! Oer belgische Bergarbeiiersireik. Weitere Zuspitzung. Brüssel, 9. Juli.(Eigenbericht.) Im Kohlenrevier des Borinages spitzt sich die Lag« in besorgniserregender Weise zu. Seit Mittwoch ist der Streik im Revier allgemein. Etwa 40 000 Bergleute befinden sich im Ausstand. Eine von einer paritätischen Kommission unter Leitung der Regierung vorgeschlagene Zwischenlösung, die den Arbeitern gewisse Zugeständnisse macht, wurde vom Bergarbeiter- oerband den Ortsorganisationen zur Abstimmung unterbreitet. Diese lehnten den Vorschlag durchweg mit überwältigenden Mehr- heilen ob. In verschiedenen Orten des Reviers kam es bereits zu Zwischenfällen. Teilweise wurden die Straßenbahnen von Streiken- den vorübergehend stillgelegt, um die Zureise von Streikbrechern zu oerhindern. In vielen Orten stellten sich Frauen an die Spitze der Demonstrationen, die manchmal einen gereizten Verlauf nahmen. Die Kommunisten machen sich die Stimmung zunutze, um unter den Arbeitern gegen den Verband zu wühlen. Srellenweist reizten unverantwortliche Elemente die Arbeiter zu unbedachten Handlungen auf. Der Verband hat die Bewegung dennoch fest in der Hand. Unter dem Porwand der vorgekommenen Zwischenfälle hat der Gouverneur der Provinz Hennegau die Bürgermeister des Streik- gebiete?, ausnahmslos Sozialisten, aufgefordert, Ansammlungen zu oerbieten. Das haben die Bürgermeister abgelehnt, da das Verbot nur noch aufreizerüder auf die Arbeiterbevölkerung wirken müßte. Inzwischen hat sich die Streikbewegung, offenbar unter dem Einfluß kommunistischer Elemente, auf das Industriegebiet von Lalouviere ausgedehnt. Hier betragt die Zahl der Streikenden etwa 18 000. -i- Die gereizte Stimmung der Arbeiterschaft erklärt sich aus den Vorgängen der letzten Jahre. Es besteht im Bergbau— und auch in einigen anderen Industrien— eine paritätisch« Kommission, die von Zeit zu Zeit die Löhne unter Berücksichtigung der Lebens- haltungsknsten vereinbart. Es ist daher wiederhalt zu Konflikten gekommen, weil die Unternehmer manchmal eine größere Lohn- fenkung vorschlugen, als die Senkung der Lebenshaltungskosten ausmochte, während die Arbeiter eine Lohnsenkung überhaupt nicht oder nur in geringerem Umfange zugestehen wollten. Die neueste Forderung ber Unternehmer übersteigt die Senkung der Lebens- Haltungskosten unter Berufung auf die ausländ, ich« Kon- kurrenz und die großen Haldsnvorräte. Darüber ist es schließlich zur Arbeitsniederlegung gekommen. Rundfunk am Abend Sonnabend, den 9. Juli Berlin: 16.05 Ordiesterkonzerl. 1T.50 Die Errählun� der Woeste(C. L. Heymann). 18.10„Frühling in Heidelberg. Singspiel. 18.30 Für den Siedler und Kleingärtner(Gartendirektor L, Lesser). 18.45 Die Funkstunde teilt mit. 18.50 Aus Lausanne: Hörbericht. 19.00 Cello und Klavier. 19.20 Bremen: Ausschnitt aus dem Abschiedssportfest der deutschen OlympiOrMann�chafi, 19.50 Aus Königsberg�..Ost- preuficn." 20,35„Ost-West". Funkpotpourri. 22.05 Vi etter-, Tages- und Sportnachrichten. Tanz-Musik. Königswusterhausen: 16.00 Eine Reise durch die Alpen vor 500 Jahren(Dr. H. Nachod). 16.30 Aus Harnburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Gesundheitsregeln für Schwimmer(Dr. H. Franzmeyerl. 17.50 Die deutsche Nord- seelandschaft(Dr. K. Fissepi. 18.05 Musikalische Wochenschau(Dr. K. Eondon). 18.30 Forschung und Heldentum (Prof. O. E. Mayer). 18.55 Wetterbericht. 19.00 Wahrscheinlichkeit und Kausalität(Prof. Dr. FE Reichenbach). 19.30 Stille Stunde: Liebesidvlle. 20.00 Aus Köln: Lustiger Abend. Anschließend: Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.35 Aus Stuttgart: Nachtkonzert. Sonst Berliner Programm. Vollständiges Fiuropa-Programm im.A olksfunk", monatl. 96 Pf. durch alle),Vorwärts"-Boten oder die Postanstalten. Sonntag, den 10. Juli Berlin: 6.00 Gymnastik. Aus Bremen: Frühkonzeri 8.00 Mitteilungen für den Landwirt. 8.20 Neueste Erfahrungen in der Futterkonservjerung(Reg.-Rat Dr. O. Liehr). 8.55 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. 11.00 Aon der I.angemarck-F'eier. 11.30 Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.10 Toni Hyrkan: Eigene Arbeiten. 12.20 Aus Zoppot: Mittagskonzert. 14.00 Landschulkinder— Landschuleltern(Lehrer C. Wieder). 14.30 Aus Frankfurt a. M.: 1. Fernprobe zu den Gesamtchören des deutschen Sängerbundesfestes. 15.15 Lisi Tetzner: Märchen. 15.35 Kanada— Land und Leute(L. Hamilton). 16.00 Aus Ztc eibrücken: Aon der A\ estmark-Kund- gebung. 16.35 Vorn Gcwerkschaflsfest des ADGB-, Af.A. und ADB. 17.00 Von dem Tennisspiel um den Davis-Pokal. 17.30 Hermann Essig(Anna Essig-Roseuow). 18.10 Violine und Klavier. 18.40 Bunle Stuncle. 19.30 Heitere Musik. 20.20 Sportnachrichten. 20.30 Aus Dresden;„Götterdämmerung' (Biihnenfestspiel von Richard AVagner). 21.30 Aus Frankfurt a. M.: Festkonzert. 22.30 Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.55 Vom Kreisfest des Arbeiler-Turn- und Sportbundes(Sdiallplatlen). Tanz-Musik. Königs Wusterhausen: 12.05 Liebeslyrik von Arno Holz(Edith Wollmar). 15.13 Aus dem„Armen Heinrich"(L. Traiitmann). 13.33 O. Rombadi; Aus eigenen Werken. 17.45 Qausewilz(H. Kyser). 18.55 Mnsikfer-Studien (Dr. N. Feinberg). Sonst Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..\ olksfunk". monatl. 96 Pf. durch alle„A:orwarts"-Boten oder die Postanstalten. Theater der Woche Vom 10. Juli bis 18. Juli Theaier mit festem Spielplan: Aurfürftcndamm-Theater: Ganovcn.Ehre.— Renaifiauee'Theater: Fräulei« Frau.— Theater in der Behrenstraße: Der Tiefstapler.— Rofe-Theater: Die eiserne Jungfrau. Kartenbühne: Drei arme kleine Mädels.— Theater de« Bestens: Die Blume von Hawai.— Wintergarten: Internationales ParietS.— Lessing'Theater: Madonna, wo bist du? Theater mit wechselndem Spielplan: Plaza: Bis 15. Ein Walzertraum.-2b Iß. Der fidele Bauer. Nachmittagsvorstellungen: »»sc-TDraf«: 17., 18 Uhr:«seine Sunzfryu. ♦pev-ri uni Sattete.-- Binteigorten: 10., 16., 17. 3nttcnoitonoses Sattete. Erstaufführungen der Dache: Zeettaq. The»ter des Weflcns; Dte TloHorrrmjefritt. SetanUpottl, für die tSe&aftton; Stich. Bernstein. Berlin: Anreizen: Ih. Blocke. Berlin. Verlag: Sarnrntt» Verlag C nt. b. H.. Setiin. Druck: Sormärtä Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenstr. 9L Kierz« 1 Beilage. Rätsel- Ecke des„Abend" uiuiminiHimiiniiMiiHiniiMiiiiitiiiiiiiiiiimiuniiniiiiiiiiiiiiiiiMiiinuiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiHniiiiinntiMiiititiMiiiiiiiiiiiniiiiifHiinHiiiHiiiiniiiimiiiniimiiNii Kreuzworträtsel Waogerecht: 3. nordische Göllin: 5. Richtschnur: 7, chem. Bezeichnung für Mangan: 8. rumäntllhe Münze: 1». italienischer Artikel- 12. Sonnengoit: 13. Bindewort: 14. sranzö: sischer Artikel: 16. Ton- ort: 18. und(lateinisch): >9. Knäuel: 21. Aggre- gatzustand des Wassers. — Senkrecht: l.rö- mische Kupfermünze: 2. italienischer Fluß: 3. Vorwort: 4 spani- ichcr Artikel: 5. chinesijche Meile: 6. chemische Bezeichnung für Thallium: 7. Zeichen: 9. oustraliicher Kasuar: 11. Windrichtung: 15. Nah- rungsmittcl: 16.„von" sranzösisch: 17. italienische Musiknote: 18. Fürwort: 20. italienische Musiknotc: 22. Vorwort.. hg. Silbenrätsel a oh ar ce che chiem e ei ek sun gas ge hard i in irr ka tat ke ki klei li licht mez mal mult ne nim na o pa rei ro ros sä se see tai te ter to tu tun zo.— Aus vorstehenden Silben sind 18 Wörter zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben. Die dritten Buchstoben, von oben nach unten gelesen, ergeben dasselbe Sprichwort(ch= 1 Buchstabe).— Bedeutung der einzelnen Wörter: 1. Roman von Scheffel: 2. Natur- erscheivung: 3. männl. Gestalt des Alten Testaments: 4. Zwischen- spiel: 5. Operette von Millöcker: 6. Baumwollstoff: 7. Laubbaum: 8. sagenhafter Flieger: 9. Unruhe, Aufruhr: 1l>. schädliches Insekt: 11. Frauenname: 12. See in Bayern: 13. asiatische Hauptstadt: Wenden, Zielsernrohr, -chätzung, Reaumur, Kapselräisel. Den Wörtern Lebewesen, Wahrsagerin. Lebedame, Indien, Hagenow, Taschentuch, Ausweis, Walchensee, Pension, Richter, Eddasage� Ballspiel, An- gesicht. Lachmuskel, Bücher, Infekten sind je drei auseinander- iolgende Buchstaben zu entnehmen, den letzten beiden Wörtern je zwei Buchstaben. Sie ergeben, richtig gesunden und aneinander- gereiht«in Zitat von Goethe. x. Magisches Quadrat Die Buchstaben dieses Quadrats sind so zu ordnen, daß die waagerechten und senkrechten Reihen die gleichen Wörter folgender Bedeu- tung ergeben:!. griechische Insel: 2. Seiten- zweig einer Galtung: 3. weiblicher Kurzname; 4. Musikinstrument: 5. Tierwohnung. kk. 14. den meisten «rkzeug: ästen M IS. Wirbelsturm: enschen Freude: 18. 16. romont. Biehfutter. Dichter: 17. bereitet kk. Auflösungen der letzten Rätselecke Königszug: Es gibt keinen Menschen, der nicht die Freiheit liebt, ober der Gerecht« fordert sie für olle, der Ungerechte nur für sich allein.(Borne.) Spiralenrätsel. Waagerecht: 2. Ire, 3. Rabe. Z. Regen. 6. Elster, 8. Ammonal, 9?lmmoniak, 11. Telegraph, 12. Einsiedler. 14. Neutralität, 15. Kaleidoskop.— Senkrecht: 1. Ei, 2. Inn, 4. Nofe, 5. Ruine, 7 Leiter, 8. Amerika, 19. Hochreck, 11. Tegernsee, 13. Trab- rennen, 14. Neuromontik. Silbenkreuworträtsel. Waagerecht: 1. Dame: 3. Notar: 5. Tapete; 8. Oder: 9. Nabe: 10. Asien: 11. Made: 12. Helga: 14. Eger: 15. Elle: 17. Adam; 18. Berlin.— Senkrecht: 2. Mein: 3. Note: 4. Leo: 6. Petersilie: 7. Rebe: 11. Magen: 13. Gabel; 14. Edam: 16. Leber. Verwandlung: Wesel— Wiesel. föeilage Somabend, 9. Juli 1932 LkvMzNZ Ja Ibfioatk Gerhart Herrmann Mostar/ Geschichte der Woche; Strom wird erschossen Ein Berliner Einbrecher wurde aus frischer Tat van einem Polizeihund gestellt. Er schoß aus das Tier und verletzte es tödlich. Tennoch konnte er ihm nicht entrinnen... Der Schein der Taschenlampe gespenstert durch den Ladenraum. Hier die Regale. Links die Tür zum Nebenzimmer. Rechts, matt blinkend, das Schaufenster. Die Rolljalousie schlieht dichti es duritc 'von draußen kein Lichtschimmer zu sehen sein... Vorn der Laden» tisch. Und da— die Kasse. Die Kasse. Der Einbrecher nimmt seine Instrumente aus der Tasche, stellt die Taschenlampe auf den Tisch, so daß sie die Schublade beleuchtet. Die Arbeit beginnt, sachlich, flink, doch ohne Host: fast geräuschlos. In fünf Minuten wird es geschafft sein. In drei Minuten. In zwei... Da— Schritte draußen. Der Einbrecher lauscht auf, hält inne. Er kennt sich aus: das sind nicht eilige oder trunkene Heimkehrer- schritte. Das sind ruhige, feste Wächterschritt«... Gleich wird die Tür aufgeschlossen werden. Verflucht: hat er sie überhaupt wieder zugeschlossen...? Schlüsselklirren. Der Einbrecher schaltet die Taschenlampe ab. schleicht sich im Dunkel zur Tür des Ladens, die zum Hausflur führt. Im Augenblick, als der Wächter der Wach- und Schließgesellschaft die Haustür öffnet, saust ein Schatten an ihm vorbei, flitzt über die schlecht erleuchtete Straße. Der Wächter reiht die Signalpfeife zum Mund... Der gellende Pfiff treibt den Einbrecher über den Zaun des Loubengeländes, das an der anderen Seite der Vorstadtftraße be- ginnt. Wenn jetzt nicht Pollente in der Nähe ist. dürste er fürs erste durch sein. Dennoch hetzt ör weiter. Baete, Lauben, Zäune und wieder Zäune... Er lauscht zurück. Die Signalpfeife schweigt. Also telephoniert der Wächter. Oder sollte doch schon Pollente...? Der Flüchtling läuft nicht mehr. Man könnte das Knacken der Drahtzäune hören, das Rauschen der Pflanzen auf den Beeten. Er schleicht. Den Revolver reißt er aus der Tasche. Für jeden Fall. Obwohl ihm kein Beamter die Sprünge über Zäune so rasch nach- machen wird. Aber doch— was raschelt da...? Was läuft da...? Etwa im dritten, vierten Garten von hier...? Nein, kein Mensch. Nur nicht nervös werden. Ein naher Igel vielleicht, im Drahtstall ein paar Kleingärtnerkaninchen. Nacht täuscht. Nicht nervös werden... Gottlob: kein Mond, kein Stern. Kann keiner also ihn sehen. lind doch— da— drahternes Klirren...? Setzt einer über eine Drahlwand...? Hechelt's da nicht, wie ein Tier hechelt in hastigem Lauf? Und dort, nur wahrnehmbar seinen nachtgewohnten Augen: ein schlanker Schatten, hinwegfegend über den Stacheldraht.-- Verflucht! Polizeihund! Polizeihund. Da hilft kein Leisesein. Die haben nicht nur Ohr. Da hilft keine Finsternis. Die haben nicht nur Auge. Die haben Nase... Pflanzen genug hat er niedergetreten. Kinderleicht nimmt seine Spur sich auf für das Vieh. Also wieder rennen. Dort,«in Bretterzaun, zwei Meter wohl hoch. Den nimmt das Vieh vielleicht nicht. Nimmt es bestimmt nicht. Er kommt noch rüber, ehe es ran ist. Er ist drüben. Blickt noch einmal hinauf. Do, wahrhaftig— ein leises, ganz leises Winseln drüben— ein Anschorren von Pfoten ans Holz der Breiter— und da hängt weiß Gott schon der Vorder- körper über der erklommenen Bretterwand, Hinterleib wird blitz- schnell nachgezogen, Sprung herab.-- Der Einbrecher steht. Laufen Hilst nicht mehr, er weiß: Wenn man überhaupt sich wehren kann gegen die Bestie, dann nur aus festem Stand. Er hebt die Hand mit dem Revolver bis neben sein Gesicht, als wolle er sich erschießen. Zwei, drei wütende Kläfflaute. Hart vor seinen Füßen der geschmeidige Schatten. Instinktiv springt der Einbrecher zurück. Da sind zwei schwere Pfoten auf seinen Schultern, heißer Hechclatem in seinem Gesicht, Kläfflaute an seinem Ohr. Der gehetzte Mensch handelt fast ohne Hirn, seine Hand richtet fast selbständig den Lauf des Revolvers, fein Finger drückt an den Hahn-- Peitschen- schlag des Schusses. Aufheulen, Aufschreien des Hundes, menschlich jast— die Pfoten lösen sich-- Der Mensch flieht. Nicht weit. Ein stechender Schmerz dicht oberhalb der Ferse— er ist gebissen. Also hat tr nicht getroffen? Er bleibt stehen, wendet sich. In diesem Augenblick ein zweiter Biß. tief in die rechte Hand, der Revolver haut dumpf auf den Gortenboden. Und schon sind wieder die beiden Pranken aus den Schultern, der heiße Atem im Gesicht... Verslucht, also wirtlich nicht getroffen. Und der Revoloer weg. Also warten, warten unter den Tatzen und vor dem Rachen des Viehs, wenn einem sein glattes Gesicht lieb ist— warten, bis man verhaftet wird.-. Aber was hat der Hund? Warum bellt er nicht, in kurzen, drohenden Kläffern? Warum heult er, wimmert er, schreit er auf— um nur dazwischen immer wieder zu bellen...? Der Mensch sieht dem Hund ins Gesicht. Sieht die Lichter, die spitzen, scharfen, bösen Schein haben. Sieht die weißen Pallisaden der Zähne. Sieht die Zunge hängen aus dem lechzenden Maul... Aber: ist das die Zunge..? Ist das nur die Zunge? Die ist so lang... die hängt bis auf die Brust des Menschen... verlängert sich, da, wo dos Hemd in den Gürtel hängt, wird es feucht, warm, rieselt, rieselt hinab... der Hund blutet, blutet aus dem Maul... ist doch getroffen, ist in den Hals getroffen, muß sterben, kann das Werk fein von Sekunden, muß ablassen, zusammensinken, fliehen kann man dann... fliehen!! Läßt aber nicht los, läßt noch nicht los. Bellt, wimmert, bellt. Vielleicht aber ist das Tier doch schon schwach...? Dielleicht kann man es erwürgen...? Wenn nur die verdammten Knie einem nicht schon zitterten, wenn man nicht wäre wie gelähmt... Wie manchmal Menschen in Sibirien gelähmt sein sollen, wenn der Wolf sie packt... Das ist ja auch schon kein Hund mehr, das ist ja ein Wols... das ist schlimmer als ein Wolf, schlauer, furchtbarer, ein von Menschen erzogener, dressierter, verdorbener Wolf, ein Wolf mit Pflicht, der aushält, bis andere Menschen heran sind, der fem Opfer nicht fressen will, der es abgibt, damit sie es verhaften... Aber es kommt niemand. Warum kommt nur niemand? Kamen sie doch nur schon... besser wäre das, besser als dies zitternde, schon knieoebeugte Stehen vor dem Rachen dieses Tieres. dem zähnebleckenden Rachen, aus dem das Blut schießt in einer dicken Bahn, immerzu schießt und fließt über Hemd und Hofe des Menschen zu Boden, und es schreit und bellt und hält aus.,, Herrgott, ist denn dos Gegenwart hier, Wirklichkeit, ist das Berlin, eine Großstadt mit Asphalt und Garten...? Ist das nicht Wild» nis,«ine von Menschen geschaffen« Wildnis... Warum ist er ein Einbrecher? Warum raubt er, stiehlt, flüchtet, schießt, tötet er, ein Wilder? Warum steht das Raubtier hier vor ihm, das mal ein tapsiger, verspielter kleiner Wauwau gewesen ist, wie er selbst mal einen hatte, gutmütig, handleckend— und hegt nun Menschen, ist wieder Wildnis wie feine Urahnen, andere, bösere, oermenschte Wildnis freilich, gebeugte Instinkte, aber die alte, dräuende Schärte der Zähne, dos alte, furchtbare Geheul... und Nacht, Raub, Kampf zwischen Mensch und Tier wie je, und er das Opfer, er. der doch schoß und traf-- Wildnis, Wildnis... Der Mensch bricht zusammen. Ueber ihm, spreizbeinig, zitternd in den Gelenken, verreckenld und doch oushaltend, steht, wimmert, bellt der dressierte Wolf... Weit, weit weg spitzt ein anderer Polizeihund die Ohren, reißt an der Leine. Weit, weil weg auch van dem Beamten, zu dem der getroffene Hund gehört: mühsam bahnt dieser Beamte sich den Weg in die Richtung, aus der das Bellen kommt: wohl tausend Meter war das Tier dem Menschen nachgesetzt, ehe es ihn stellte. Aber nun ist der andere Hund der Leine ledig. Rast durch Straßen, durch Gärten, über Wege, Zäune. Rast dem Kameraden zu Hilfe. Weite Sätze, Sprünge, federnde Beine, gestreckter Leib, stummes Maul, weiß schimmerndes Gebiß. Nur Minuten sausen hin: da steht er bei dem angstoerstörten Menschen und dem ver- blutenden Woli, ein Kamerod dem Mittier und ein zuverlässiger Scherge dem Menschen. Im Moment, der den Helfer heranbringt, sinkt der Körper des verwundeten Tieres schwer in sich zusammen. Letzter Strom Blut stürzt über das Gesicht des liegenden Menschen. Letztes Zucken des Leibes streckt ihn quer über den Leib des Opfers, im Sterben noch es fest pressend an den feuchten Boden. Der andere ist da, der aridere nimmt den Dienst auf, verbellt den Mann weiter. Der eine kann sterben. Er hat ausgehalten... Drei Beamte kommen heran, mühsam, vorsichtig. Leuchten dem liegenden Mann ins Gesicht.„Das ist der Heinrich S.', sagt einer.„Den haben wir lange gesucht." „Und das", sagt der zweite,„das war Strom, unser bester Hund. Hm. War uns treu feit zehn Iahren. Treu bis zuletzt..." Sie führen den Mann ab. Es wird grau im Osten. Aus der Wildnis der Nacht hebt das Licht die grauen Konturen der großen Stadt Berlin... Im Hmillszchlltten unterwegs Alfred Wegeners letzte Grönlandfahrt 33 eg enei, wenig bctannigeworden. Erst das jetzt im Verlag F.?I. Brockbaus, Leipzig, erscheinende Such über diese Forschungsreise Alsred Wegeners Icpte Grönlandfahrt" bringt Austlörung über die abenteuerlichen und harten Erlebnisse der Expedition. Wir entnehmen dem Buch mit Erlaubnis dc§ Berlages nachstehenden Abschnitt: Nach der Trennung von drei Grönländern bei Kilometer kbl gingen Wegener, Rasmus Villumsen und ich mit drei Gespannen weiter nach Osten. Langsam, langsam nur ging es vorwärts. Am 7. Oktober kamen wir bis Kilometer 160, am 8. Oktober bis Kilo- meter 165, am 9. Oktober bis Kilometer 170. Das Wetter war neblig und bis zum 9. Oktober milde. Die Bahn blieb schlecht. Be- wundernswert war, wie der vorausfahrende Rasmus die vom Schnee fast ganz bedeckten Fahnen, quadratzentimetergroße Reste in einer kleinen, vor den übrigen kaum auffallenden Schneewehe, zu finden wußte. Aber es war fast unmöglich vorwärts- zukommen. Die Hunde des ersten Schlittens schwammen, rüder- ten bis zum Bauch im losen Pulverschnee. Die folgenden Schlitten kamen erwas besser vorwärts, solange sie die Kufen auf der Spur des oorauffahrenden Schlittens halten konnten. Aber sie war manch- mal in dem diffusen Licht der jetzt schon dämmerigen Tagesstunden nicht genau zu verfolgen, und kaum rutschte der Schlitten seitlich von der festen Bahn herab, so versank er mit seinen 250 Kilogramm Last sofort bis an die Querhölzer im weichen Pulver. Wollte man ihn dann wieder in Gang setzen, so bedurfte es verzweifelter Arbeit, bei der man sich bis über die Knie in den Schnee einwühlte. End- lich war der Schlitten wieder in Bewegung, aber nach wenigen Augenblicken schon steckte er erneut im grundlosen Schnee fest. Bei Kilometer 170 lagen wir am 10. Ottober. Es war kälter, 30 bis 40 Grad. Wegener war vom letzten Tage her etwas überanstrengt und, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, für Warten, weil er Erfrierungen im Gesicht durch den lebhasten Gegen- wind fürchtete. An diesem Rasttage gab es wieder eine lange Er- örterung. Mit Lebensmitteln und Hundefutter stand es ungefähr wie folgt: Proviant war etwa für 14 Tage vorhanden, d. h., er reichte bei einer mittleren Marschleistung von 15 Kilometer täglich knapp bis„Eismitte". Hundefutter konnte bei allmählich verminderter Hundezahl auf die gleiche Zeit gestreckt werden. Der Entschluß zur Umkehr mußte bei gleicher Marschgeschwindigkeit spätestens bei Kilometer 230 gefaßt werden, denn wir durften den auf der Strecke liegenden Notprovianr nicht angreifen, da möglicher- weife Georgi und Sorge aus ihn angewiesen waren. Bei Kilo- meter 230 lag von früheren Reisen eine Kiste Hundepemmikan, den wir für den Rückmarsch hätten verwenden können. Sorge und Georgi noch vor ihrem Abmarsch am 20. Oktober in„Eismitte" zu erreichen, erschien uns beiden unmöglich. W e- g e n e r glaubte darüber hinaus, wir könnten„Eismitte" überhaupt nicht erreichen oder ups zum Zusammentreffen mit Sorge und Georgi durcharbeiten. Auch ich hielt ein Durchkommen in Anbetracht der Prooiantvorräte und der Jahreszeit für unwahrscheinlich, glaubte auch, daß die Gefährdung unserer Abteilung nicht geringer sei als die von Sorge und Georgi, denen man für ihren Rückmarsch ge> gebenenfalls eine neu aufgestellte Abteilung entgegenschicken konnte. ordnung) kamen wir verhältnismäßig leicht zehn Kilometer weiter. Nun schien es doch wieder möglich, bis zum Zusammentreffen mit Georgi und Sorge weiterzureisen. Leider erforderten es dann die Proviant- und Futterverhältnisie, nach dem Zusammentreffen zur Neuverproviantierung bis„Eismitte" zu gehen. So entschlossen wir uns wieder anders, holten am 12. Oktober das bei Kilometer 170 hinterlegte Hundefutter und den dort liegenden Proviant nach, außerdem einen Teil des Postsackinhalts für Georgi und Sorge, und kamen am selben Tage noch fünf Kilometer weiter. Am 13. Ok- tober trafen wir endlich bei Kilometer 200 ein. Weit verstreut stan- den hier drei große Depots, Petroleum, Benzin und das Haus der Zentralstation: daneben, hoch über die halb verwehten Depots aufragend, die meteorologische Hütte mit dem auf? gesetzten Signalturm Bisher hatten wir den Hunden immer die Schnaipzen ver- bundenz aber allmählich wurde die Obers eile davon wund. Die Hunde begannen zu beißen, und wir mußten darauf verzichten. Nun nahm das Geschirrs refsen überhand; da unsere Ersatzvorräte zu Ende gingen, konnten wir uns nur dadurch helfen, daß wir allen Hunden die Geschirre während der Ruhe abnahmen. Das ging ganz gut, bis die scharfe Kälte ihren Heißhunger weckte, sie an das Zelt trieb und zu Einbruchsversuchen veranlaßte. Die Arbeit hatten wir so verteilt, daß Wegener die Zeltarbeit (Reif abfegen, Einrichten, Kochen) zufiel, während ich und Rasmus die Hunde versorgten. Wegener richtete sich beim ersten Morgen- grauen aus: er brauchte von uns dreien am wenigsten Schlaf. Wenn er uns weckte, war das Frühstück schon fertig. Leider waren die Tage schon so kurz, dauerten die Morgenarbeiten trotz des besten Willens so lange, daß wir stets bis in die Dunkelheit hin» ein fahren muhten. Die ganze Zeltarbeit war daNn in Dunkel- heit und Schncefegen zu leisten, die Beschäftigung mit den ver- knoteten, vereisten Zugleinen war sehr schwierig und nicht unge- fährlich. Trotz günstiger Witterung kamen wir am 14. Oktober nicht von Kilometer 200 fort, weil einige kleinere Arbeiten. Registrierinstru- mente in Gang setzen. Neuordnen der Depots, Hunde schlachten, zuviel von der knappen Tageszeit wegnahmen. Am 15. Oktober kamen wir bei schönem Wetter 20 bis 25 Grad, schwacher Wind) gut voran. Am 16. Oktober passierten wir Kilometer 230. Wir beschlossen, da der Fortschritt von 15 Kilometer täglich unserm Plane entsprach. weiterzureisen. Der Rückweg schien jetzt abgeschnitten, denn der legte Proviant, abgesehen von dem unangreifbaren Notprooiant, lag bei Kilometer 62. Wir sprachen oft davon, ob Sorge und Georgi wohl„Eismitte" verlassen würden. Wegener hoffte, sie würden es nicht tun, während ich glaubte, daß sie der brieflichen Mitteilung entsprechend auch dann abmarschieren würden, wenn sich inzwischen die Möglichkeit de; Verbleibens herausgestellt hätte. Wegener wünschte, daß Georgi und Sorge sich, auch wenn wir sie beim Rückmarsch träfen, zur Umkehr entschließen möchten, damit er zu den Arbeiten an der West- station zurückkehren könne. Andernsalls wollte er selbst mit mir dort die Ueberwinterung versuchen. Jedenfalls ober meinte er, daß die Unsicherheit über das Schicksal der Besatzung von„Eismitte", die durch unsere Umkehr entstehen könnte, die Winterarbeiten an der Weststation in unerträglicher Weise stören würde. Wir sollten daher, wenn überhaupt die Möglichkeit dazu bestände, alles daransetzen, Verbindung mit Georgi und Sorge auf- zunehmen. Auch weiterhin verlief die Reise planmäßig. Am 20. Oktober, dem Abmarschtermin Sorges und Georgis von„Eismitte", er- reichten wir Kilometer 292. Wir rechneten damit, sie am 24. Oktober bei Kilometer 335 zu treffen. Das Wetter war angenehm, Tempe- raturen zwischen—20 und—30 Grad bei meist schwächerem Wind. Wir hatten als Nutzlast nur noch einen Dunk Petroleum(40 Liter), ein Zweimannzelt, einen Segeltucheimer, eine Schaufel und eine Laterne. Das Schicksal wollte es. daß von diesen nach langer Ueber- legung ausgewählten Sachen dann im Winter außer der Laterne nichts benutzt wurde. Die Schlittenbahn blieb brauchbar bis etwa Kilometer 280. Von da ab wurde sie noch besser, und ab Kilometer 360 war die windgepreßtc Harschkruste vielfach so hart, daß sie die Hunde und selbst einen Fußgänger gut trug. Die Vertiefungen zwischen den flachen Wehen waren allerdings mit weichem, mehligem Schnee gefüllt, der die Schlitten stark bremste. Diese Schnee- bcschaffcnhcit war eine große Ueberraschung: mußte man doch nach den Erfahrungen früherer Expeditionen im Innern des Inlandeises stets tiefen, lasen Schnee erwarten. Trotz hinreichender Fütterung und leichter Last begannen die Hunde infolge der langen Dauer der Schlittenreise zu ver- jagen. Rasmus fuhr immer voraus, trotzdem er jetzt am schwer- sten geladen hatte. Es ist eine merkwürdige Tatsache, daß die Grönländer, obwohl sie die Hunde bedeutend weniger schonten, z. B. fast nie vom Schlitten abstiegen, doch häufig weniger Hunde ver- loren als wir. Vielleicht erhielten wir gewöhnlich die weniger leistungsfähigen Hunde, wofür uns der Blick mangelte, vielleicht wissen sie die Anstrengung gleichmäßiger auf die Hunde ihres Ge- fpanns zu verteilen. So brachte Rasmus neun von seinen zehn Hunden nach„Eismitte", Wegener fünf, ich sechs. Unser Zeug wurde allmählich naß. Die fortwährende Arbeit an den Zugleinen führte bei mir zu leichten Erfrierungen an den Fingern, die zwar unbedenkliä) waren, aber stark schmerzten. Auch meine Füße waren ein wenig mitgenommen. Wegener, der größere Erfahrung und für Polarreisen geeignetere Konstitution befaß, hatte Erfrierungen bis jetzt vermieden. Was der Sport brachte Wir registrieren von den letzten 5 Tagen Va» fünftägige Verbot de» �Vorwärt»" hatte auch die ilrbeiterfportler ihre« Pudlitationsorgaa» beraubt. heule find wir wieder da: wir geben im folgenden eine ll e b r r f i ch t über die sportlichen Gefchehniffe der letzten Woche. Im Arbeitersport sind zu registriere«: Das Verbot des„V o r w ä r t s' hat uns gehindert, von der großen Bundesregatta des Arbeiter-Turn- und Sportbundes. die am Sonntag in Grünau stattfand, so zu berichten, wie e» der von uns gepflegte Arbeitersport gewohnt ist. Vuderer und Kanu- fohrer aus allen Teilen Deutschlands lieferten sich in 18 Rennen schwere, aber auch recht friedlich verlaufende Kämpf«. Die Der- onstaltung stand, was ihre Besucher betrifft, ganz im Zeichen der Eisernen Front: überall sah man auf den Röcken und Kleidern die drei silbernen Freiheitspfeile. Ven HaiiPtkampf der Veranstaltung, das Nennen im Achter-Nennboot über ZOOY Meter gewann die Rudergesellschaft Kassel in 7 Min. 9,8 Sek. Im Gig. achter lieferten sich Vorwärts-Leip�ig und die Rudervereinigung IlllZ-Verlin in 7 Min..h?> Eck. ein totes Rennen. Weitere Hauvtergebnisse der Ruderer: Riemen- merer Gigboot 2000 Meter: Wassersportvereinigung Groß.Dortmund 8 Min. 32,4 Sek. Doppelvierer 2000 Meter: Borwärts-Berlin 8 Min. 25 Sek. Doppel- vierer für Frauen 1000 Meter: Borwärts-Berlin 4 Min. 55,2 Sek. Da» Haupt- rennen der Kanufahrer war das im Kanufünfer, das die FTGB.. Berlin in 4 Min. 27.5 Sek. gewann. Die weiteren Ergebnisse im Kanufahren über 1000 Meter: Kanuvierer Stettin-Stolzenhagen 4 Min. 39.4 Sek. Einerkajak Dassersportverein Worms 5 Min. 36.5 Sek. Doppelkaja? Klasse 4: Freie Schwim- mer Eharlottenburg 5 Min. 49.5 Sek. Doppelkajak Klasse 5: Ammendorf bei Holle 5 Min. 25.4 Sek. Faltbooteiner: Ruderverein Hannover-Linden 5 Min. 9.5 Sek. Faltbootzweier: Linden 5 Min. 24,2 Sek. vi« Wa»»erb»ll»erie Di« Arbeiterwafferboller trugen ein« Anzahl Semnfpiel« aus. wobei Neukölln gegen Union Z: 4 verlor. Auf Gnmd eine» be- rechtigten Protestes wurde«in Uniontor gestrichen und die Punkt« geteilt. Einen Tag vorher verlor Reukölln gegen Hellas durch Nicht- antreten die Punkte�— Von den Wafferboll-Serienspielen der letzten Woche sind noch zu erwähnen: Hellas gegen Charlottenburg 4:6 <3:1): Möwe gegen Weißensee Z:7(0:5): Neukölln gegen Union 4: 3. Fußball Deutschland-Oesterreich Ein« österreichische Fußballmannschaft weilt« in den letzten Tagen in Deutschland, um in Kassel und in Hannover Freundschaftsspiele auszutragen. Im ersten Kampf, in Kassel, blieben die Oesterreichcr vor ll 000 Zuschauern mit 5:2 siegreich, um in Hannover gegen die gleiche Mannschaft vor 0000 Zuschauern mit 5: 4 zu unterliegen. In beiden Spielen waren die Leistungen der Marinschaften gleichwertig, nur war bei dem ersten Treffen die deutsche Mannschaft nicht geschlossen in ihren Angriffen. Daher auch der verhältnismäßig hohe Sieg der Gäste. Handball der Woche Aus den Zwischenrundenspielen um die o st d e u t s ch e Der- bandsmeisterschaft gingen Volkssport Berlin-Wedding und MSD.-Weißwasser als Sieger hervor. Beide«orteten mit unge- hcuren Wurfleistungen auf und deklassierten die Gegner. So kam Volkssport mit einem 13: 2-Sieg aus Danzig zurück. Weißwasier fertigte die Neustettiner auf eigenem Boden mit 15: 5 ab. Das Schlußspiel der ostdeutschen Verbandsmeisterschaft findet nunmehr am 24. Juli in Weißwasser statt. Für Volkssport Berlin-Wedding heißt es den Titel zu verteidigen und zu beweisen, ob er noch die Vormachtstellung wie ehedem einnimmt. Kreistest in Luckenwalde Am Sonnabend und Sonntag, g. und 10. Juli, findet in Luckenwalde dos Turn- und Sporffest des 1. Berlin-Branden- burger Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund statt. Mafien- Vorführungen, unterbrochen von leichtathletischen Wettkämpsen und Bollspielen aller Art füllen das Programm. Am Sonnabend ist ein Fackelzug in Luckenwalde vorgesehen: die Arbeitersänger werden dabei Freiheitslieder zu Gehör bringen, Reichstag-präsident Lobe und Staatsminister S e n e r i n g holten Ansprachen. Am Sonntag wird dann das umfangreiche sportliche Programm abgewickelt. Luckenwalde ist in freudiger Erwartung mit den Vorarbeiten zum großen Arbeikersportsest beschäftigt. Auch diese» Fest wird im Zeichen des Kampfes der Eisernen Front gegen den Faschismus stehen. Wer als Urlauber noch Luckenwalde fährt, kann sich den Wanderern anschließen, die für die folgenden Tage Exkursionen in die schöne Umgebung der märkischen Stadt vorgesehen haben. Dom Kreisfest wird ein Hörbericht auf Wachsplatten aufge- nommen und abends gegen 10.55 Uhr bei der Bekanntgabe der Sportnachrichten gesendet. Fin Auftrag an uns Das Vertrauen unserer Leser zu ihrer Zeitung ist riefengroß. hier der Beweis! Eine langjährige Abonnentin des„Vorwärts" bittet uns aus Klein-Küdde in Pommern, wo sie sich zu Besuch aufhält, aus ihren Neffen und dessen Freund zu achten, die mit einem selbstgebauten Ruderboot von Pommern nach Berlin losgepaddelt find. Das Boot sei blauweiß gestrichen und trage«ine ebensolche Flagge. Obwohl wir oll« Wassersportler unserer Redaktion mobilisierten, ist es uns nicht gelungen, die pommerfchen Weltreisendcn in Berlin zu- entdecken, wohl aber konnten wir fest- stellen, daß es auf den Gewässern in und um Berlin sehr viel« blauweiß angestrichene Boote gibt. Wir hoffen mit unserer treuen Leserin, daß die kühnen Bootsohrer sich inzwischen bei ihren An- gehörigen wohlbehalten wieder gemeldet haben. Schmeling in Berlin Der geschlagene Boxweltmeister Max Schmeling fit am Sonntgabend wieder in Berlin angekommen. Er wurde von den Vertretern der deutschen Boxsportverbände begrüßt und konnte sich nur mit vieler Mühe den Weg zum Auto durch die ihm bejubelnd« Menschenmenge bahnen. In vielen Kinos läuft jetzt auch der Film vom Meisterschaftsboxkamps. Er zeigt für jeden Unbe- songenen deutlich genug, daß die Vergebung der Meisterwürde an Charkey ein Fehlurteil war. Schmeling war stets der An- greiser: er trieb seinen Gegner stets im Ring umher und hätte nach deutscher Punktwertung glatt gewonnen. Wir sahen den Film im Tauentzienpolast, der zur Premiere eingeladen hotte. Fistuila wieder im Boxring Die Befürchtungen, daß der Berliner Halbschwergewichtler Ernst Pistulla nach seiner schweren Erkrankung gänzlich aus sein« weitere Betätigung als Boxer würde verzichten müssen, find nicht eingetroffen. Der«instige Europameister befindet sich seit einiger Zeit wieder im Training, und bei der Veranstaltung am D i e n s- tag, fS. Juli, im Saaldau Friedrichshain wird er sich in einem Dreirundenschaukampf mit Horst Riege erstmalig wieder vorstellen. Das Kampfprogramm de» Abends sieht folgende Begegnungen vor: Labootke gegen Trollmann. Eggert gegen Boja, Seißler gegen Fritz Reppel und Urban gegen Kühn.... Steuer Flug um die Welt Den Rekord für das Umfliegen der Welt zu brechen, haben sich in der Mitte, dieser Woche die beiden amerikanischen Flieger Grifsin und Mattern ausgemocht. Sie sind in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch um 12 Uhr nach unserer Zeit an der Küste Amerikas aufgestiegen und am Mittwoch um 18 Uhr glatt auf dem Tempelhofer Feld gelandet. Die Flieger haben also für den Flug Amerika— Berlin nur 18 Stunden gebraucht. Gegen- über den Rekordfliegern vom vorigen Jahr«, Post und Gotty, find Griffin und Mattern bis Berlin schon um 1,1 Stunden im Vorteil. Di« ganz« Tragfähigkeit des Flugzeug» ist, was für derartige Rekordslüge nicht weiter verwunderlich ist, zur Ausnahme von Benzin und Oel ausgenutzt 2000 Liter Brennstoff sollen sie in den Tragflächen und im Rumpf mitführen: während ihres dreistündigen Aufenthalts in Tempelhos wurde fast nur getankt. Am Mittwoch um 21 Uhr sind sie noch Moskau weitergeflogen. Dort sollten sie bestimmungsgemäß in der Nacht um 3 Uhr landen. Bis zum Frei- tagvormittag war man jedoch ohne Nachricht von ihnen. Inzwischen sind sie bei Borisow-Min�k in der Nacht zum Donnerstag gelandet. Der Apparat ging in Trümmern, die Piloten sind leicht verletzt, der Weltrekordflug ist beendet. nach Los Angeles Am Sonntag wird die deutsch« Sportlerexpedition zur bürgerlichen Rekordolympiade nach Los Angele« in Amerika von Bremen abdampfen. Nachdem die ganze Zeit über davon die Red« war, daß man höchsten» 55 aktive Sportler mit hinübernehmen wolle, weil weder die bürgerlichen deutschen Sportverbänd« noch ihre große Anhängerschaft die Kosten für die Expedition ausbringen könnten, fahren jetzt doch 8 5 Aktive über den großen Teil. Wie bürgerliche Sportblätter zu melden wifien, werden dies« 81 Aktiv« von nicht mehr und nicht weniger ol» 3 0„O f f i z i« l l e n" begleitet. Ein Berliner Mittagsblatt leistet sich den blutigen Scherz, in einer Karikatur die deutsche Olympiaexpedition so darzustellen: Man sieht mehrere Reihen mehr oder weniger wohlbeleibter Herren im schwarzen Rock, zwischen denen ganz versteckt, klein und häßlich einige Sportler zu sehen sind. Wo der Deutsch« Reichzausschuß für Leibesübungen, der für die Expedition verantwortlich ist, da» Geld herbekommen hat. erfährt niemand in der Oeffentlichkeit. Nur soviel weiß man, daß der Fonds fiir Sportzweck« im Reichsinnenminifte- rium ganze 750 000 Mark bettägt. Da der R. f. L. für jeden Teil- nehmer 3000 M.(Dreitausend Mark) an Unkosten errechnet hat, s°.- Nur mit Nurmi 1 Der bekannte finnisch« Sportführer Lauri Pihkala gibt ein« bemerkenswerte Erklärung in bezuz auf die finnisch« Beteilißung bei den olympischen Spielen in Los Angeles ab. Er sogt:„Wenn sich in Los Angeles irgendwelche Schwierigkeiten ergeben sollten, die den Start Nurmi» unmöglich machen(der bekanntlich ol» Pro- fessionalsportler suspendiert wurde!), so wird die gesamt« finnisch« Olympiamannschaft ihre Nennungen zurückziehen und den einzelnen Veranstaltungen nur als Zuschauer beiwohnen."(Hu, hu! Red.) Im Segelflugzeug abgestürzt Bei dem Luft- und Dasserrennen. hi« der Allgemeine Deutsch« Automobilklub auf dem Templiner See bei Potsdam ver- anftaltet«, ereignete sich bei den Seg el sl u ffvvrf'llh ru n g« n ein Unfall, der sehr leichl schwerst« Folgen hätte haben können. Der bekannt« Segelflieger Bebau hatte sich in Staaken mit semer Maschine„Luftikus" von einem Motorflugzeug hochschleppen lasten, um dann nach dem Ausklinken de» Schleppseile» längere Zeit über den Templiner See zu kreisen. Als er schließlich auf der angrenzen- den. nur mäßig großen Spielwiese landen wollt«, kam er in etwa 10 Meter Höhe in ein Lustloch, da« ihn so stark abfallen ließ, daß er die Kurve auf den Spielplatz hin nicht mehr vollenden konnte. Er riß mit den Tragflächen zwei Flaggenmasten um, zerbrach da- bei die«ine Tragfläche, beschädigte die ander« ebenfalls, ging schließ- lich 2 Merer über den an den Stegen liegenden Bordmotorbooten nieder und landet« im See. Er lag so dicht hinler den Booten, daß ihm sofort von den Booten au» Hilfe gebracht werden könnt«: Mir- glieder de» Segleroereins Stößensee, der dem Freien Seglerverband angeschlossen ist. bargen von einem Beiboot und von einem Motorboot au» da» Flugzeug, da» alsbald von Bebau, der zum Glück gänzlich unverletzt blieb, abmontiert wurde Der Clou der Veranstaltung war da» Wettsliegen zwischen vier Heinkel- Wasserflugzeugen gleicher Konstruktion. Amüsant war ein« Stafette zwischen diesen Flugzeugen, vier Motorschnellbooten und vier Außenbordmotorrinnboten, wobei als Stafette«in Ball au» dem Wasser gefischt werden mußte. Automobilistisdics 2Ius der Welt des Automobil» ist zu berichten: Das Benzin, das bisher als der Inbegriff leicht verflüchtender Flüssigkeiten galt, soll in den festen Zustand überführt worden sein, so meldet die Zeitung des Dereins deutscher Ingenieure. In Amerika ist Ansang dieses Jahres ein Patent erteilt worden, noch dem es dem Erfinder gelungen ist, Benzin und ähnliche Rohölprodukte in den festen Zustand zu überführen, ohne daß sie dadurch fiir den Anttieb van Explosionsmotoren nicht mehr verwendbar find. Dem Kraft- stoff werden während des Siedens allerlei Chemikalien zugesetzt, die ober wieder dem Benzin entzogen werden. Di« zurückbleibend« Flüssigkeit erstarrt beim Erkalten. Um da» so verfestigte Lenzin al» Treibstoff für Motoren zu verwenden, läßt man Lust durch einen Behälter, der den festen Kraftstoff enthält, streichen, wobei sich Luft und das wieder luftförmig gewordene Benzin vermischen. So hat man da» ffir den Motorbetrieb nötig« Benzinlustgemisch erzeugt und die Fahrt mit der„Stange Benzin im Tank" kann beginnen. Auf der anderen Seite find die versuche mit dem Seideschen Stufen- Vergaser zur Verwendung von Schweröl in gewöhnlichen Auto- mobilmotoren beendet. Man hat«in« Uebung»- und Konttollsahrt über 100 000 Kilometer obgeschloffen und ist dabei zu den allerbesten Ergebnifien gekommen. Ein 13 40-?5>Motor verbraucht« dabei für ein« gewifie Fahrstrecke 8.4 Liter Schweröl gegen 12 Liter Benzin. die er beim Benzinbetrieb nötig gehabt hätte. Wa» mit dem Seideschen Stusenvergaser erspart werden kann, ist leicht zu errechnen: Benzin kostet 32 Pf., Schweröl aber nur 8 Pf. « Am 17. Juli wird auf dem Nürburgring der Groß« Preis von Deutschland, gestiftet vom Automobilklub von Deuffchland, ausgefahren. Dos Ergebnis von 44 Nennungen der verschiedensten Auwmobilwerke wird al» ein europäischer Rekord bezeichnet. Unter den Fahrern mit bekonnten Namen befinden sich wieder Hans Stuck auf Mercedes, Levi. Chiron, Darzi. Divo und Dreyfu» auf Bugatti. der deutsche Meisterfahrer Caracciola auf Alfa Romeo, sernor Steinweg. Lwtlear, Lurggaller und Simon» aus Bugatti. Täuber aus Alfa Romeo und der Schwiegerohn de, König» von England. Earl Howe auf Delage. Die Letztgnannten fahren in der Gruppe der Wagen bis IZOO Kubikzcntimetr Hub- volumen In der Klasse bis 800 Kubikzentimeter fahre, u. a. Macher auf DKW., Bäumer auf Austin und Kohlrausch auf BMW. Ilms„Goldene Rad" Von 15 000 Zuschauern, einer in der. heutigen Zeit ungeh-uren Zahl, wurde am Sonntag das klassische Rennen um das Goldene Rad von Berlin auf der Olympiabahn ausgefahren. Zum 43. Mole gingen die Rennfahrer sür dieses Rennen an den Stnrt. Die. 100-Kilometer-Konkurrenz endete mit dem Siege des Honnooeraners Erich Möller. Zweiter wurde Laquehay, dritter Grassin. Erst an fünfler Stelle kam der Bahnmatador Sawall ein. „Giganten der Fandstrahe" Die„Tour d e France", das gewaltige Straßenradrennen Frankreichs, hat am Mittwoch in Paris begonnen. Fast vier Wachen lang werden die Fahrer die ungebeuren Strapazen der 4500 Kilo- Meter langen Tour ertragen müssen. An 21 Fahrtagen, zwischen denen nur 3 Ruhetage liegen, sind die gesürchtetcn Berge der Pyrenäen, die oft öden, in glühender Sonne liegenden Straßen Südsrankreichs, die Westalpen und die Vogcsen zu überwinden. Das. Feld der 80 Bewerber setzt sich aus 40„Assen", die 5 National- Mannschaften bilden, zusammen und den Einzelfahrern, die auf sich selbst angewiesen sind. In der deutschen Nationalmannschaft fahren der Wiener Bulla. Thierboch-Dresden. Sieronski und Stöpel- Berlin, serner Gcyer-Schweinfiirth, Umbenhauer-Nürnberg und Ri'esch und Kutschbach-Berlin. Als Einzelfahrer starten Müller- Bochum, Altenburger-Kasiel, Olböter-Stettin. Six days im Sommer In der südfranzösischen Hasenstadt Marseille leistete man sich ein S o m m e r s e ch s t o g e r e n n e n unter freiem Himmel. Fünf Minuten vor Schluß glückte es Wambft-Broccardo. gegen das an der Spitze liegende Favoritenpaar Biet van Kempen— Blan- chonnet eine Runde zu gewinnen, womit die Entscheidung gefallen zu sein schien. Im allerletzten Spurt holte aber der„fliegende Holländer" die soeben verlorene Runde wieder auf. und so siel der Sieg doch noch an Biet van Kempen— Blanchonnet mit 471 Punkten vor Wambst— Broccardo mit 185 Punkten. Neuer Hcbcrrckord „Lichlenberg-Friedrichsfelde" wieder Meister Bei den bundestreuen Arbeiter-Athleten gab es gestern eine wichtige Entscheidung, es galt den Meister für Berlin und Branden- bürg in der Serie 1932 33 zu ermitteln. Die mehrfache Meister- stafsel von„Lichtenberg-Friedrichsfeldc 0 4" konnte in der Turnhalle Bürgerheimstraßc zum achten Male— seit 1924 hintereinander— den Titel mit gutem Erfolg verteidigen. Mit 195,7 Punkten siegte die erste Mannschaft über ein kombi- niertes Team, das es nur auf 109,3 Punkte brachte. Der unter- legen«» Mannschaft fehlt es vorerst nur an Kampscrsahrung. um dieser Extraklasse gewachsen zu sein. Und doch war gerade unter der besiegten Mannschaft der Rekordmann zu finden. Der glänzend veranlagte Federgewichtler W i e s e- Sparta stellte im beidarmig Reißen mit 180 Pfund einen neuen Bundesrekord auf und erreichte damit gleichzeitig die jüngste internationale Bestleistung des Wiener Kraftsportlers Richter. Einarmig Reißen und Stoßen wurde mit 90 bis 155 Pfund bzw. 100 bis 170 Pfund durchgeführt, im beidarmig Reißen und Stoßen 110 bis 200 und 150 bis 250 Pfund bewältigt Ring- und Iiu-Iiffu-Kämpic vervollständigten das Programm. P»»n«izeb»rffe itt ateistnetfitt im Sieben; Neumann 20.9 P.. tect-rn »,5 P.. Roßbach 28,2»etil« 19.8 P..«chul» 31,9%. Wallone! 9' S-x.„nb Nebe 29,1 P. Die ffiegnet erreichten: cchilifc-S. Ifi.S P. Mallon 12.2 15., Hinze.Sr. 19,5 P„ Wiefe-Sp. 31 P.. Schole.Sp. 20 P. unh Krauvner.?. in P. (»ebtübej: Beseler und auch die Lichtenberger Lück und Thun rangen im Iiu- Sittu ebensri wie die Ninger Echartung gegen H. Binder und Krause gegen Hanse: ohne ein Resultat. Ae&eäec-fuß&aU Reiseprogramm zum Wochenende Den Tag des Kreisfestes benutzen Minerva 28 und A h l« r 08 dazu, um mit den Vereinen des Bundesgebietes Freund- schaftsspiele auszutragen. Minerva besucht Garlitz, während Adler nach Mitteldeutschland fährt. In Görlitz spielt Minerva heute gegen Wacker und morgen gegen eine Städtcaus- wahlmannschast. Adler 08 spielt heute gegen Corso-Glauchau und morgen gegen den thüringischen Meister Niedcrhoßlau. Gerade im letzten Tressen können die Adlerleute beweisen, daß sie wirklich zu den führenden Mannschaften Berlin, gehören. Die Niedcrhaßlauer unterlagen in den Meisterschaftsspielen in Mitteldeutschland nur knapp- gegen die Leipziger. Nur mit voller Mannschaft und mit Energie, die allerdings zu den Merkmalen der Pantawcr zahlen, wird Berlins Vertreter sich durchsetzen können. Minerva ist ougcn- blickljch in einer sehr guten Spicllaune, so daß auch von den Neu- köllnern gute Spiele zu erwarten sind. Heute, 16.30 Uhr, spielt Lichtenberg I in der Kynaststraße gegen Rot-Weiß. Rat-Weiß hat gegen führende Vereine des vierten Be- zirk? gut abgelchnirten: ein schöner Kampf ist desbalb zu erwarten. In Reinickendorf-West spielt am Sonntag, 17 Uhr, Eintracht gegen Eiche-Köpenick, erste Mannschaften. Ardeitersportler Neuköllns! Die„Eiserne Front" ruft zu einer Demonstration durch die Ströhen Neuköllns am TNonlag. 11. 3uli. Die Arbciiersportler treten geschlossen an. So weit möglich, wird in Svortkleiduvg marschiert. Treffpunkt IS Uhr Beutcrplatz: Fabnen u"d Transpa- rente der Vereine sind mitzubringen. Ueberkleidung wird zum End- punkt der Demonstration gefahren. Buudesiceue\/eceiue Uittu wi: lontitzenneeein..Die«otutffeunbe". ffinntno, 11. Juli, ffiibtcrfcftinn: SebiinmsftT. 15: Bariraa Paul Schulz:..Zuhrunqen und Wanderunz-n durch Plt.Serlin". VGe AlUejlung-n haben zu dieser Silzuna einen Bertreler zn ein, senden.— Phota.Srammgruppe: Johcnriaftr. 15:»efchäftliches, Ausstellung-. »arfchau.— Malgemeinschaft: Manteusfelftr. 7. Rabsaheee„S-lib-rit-tt. Touren für Sonntag. 10. Juli. Alle, die sich zur Plahlarbeit zur Berfügunz stellen, müssen am Sonntag so in Poetz nei(srog. besten sein, daß sie um 9 Uhr von dork losfahren rönnen. Nachtanartier ist ae. melbet.— Touren der Abteilungen: Tiergarten: Möllensee. Start 5 Uhr Bülaw. straße 55.— Äteujbetg: 9. julr Paen über.stönigsrousterhaulen. Start 17 Uhr' 10. Juli ebenso Start 8 Uhr Rhode. Diefsenbachstr. 15.-- Wedding: Paen. Start 9. Juli, 19'* Uhr, Schreiber. Triitstr. 83.— �riedrichzhain. Nadfohrcr: In« Blaue. Start Z Uhr: Jugend: g. Juli Poeßer Sonnenheide. Ztart 17 Uhr Peter-- burger Plaß.— Neukölln: 9. Juli Werbe- und Badesahrt nach Paest, Start 19 und A Uhr Sohenzollernnlaß.— Wilmersdorf: Poeß. Start 8 Uhr Vereins. lokal.— Weißensee: Paeß, Start 9. Juli. 18 Uhr, Pistoriusvlaß.— Fahrmartal Dienstag. 12. Juli. 29 Uhr, Fahrwartestßung bei Lohann. Brüderltr. I«. Zed» Abteilung muß»ertreten sein.— Seaftfochtci. Touren für Sonntag. 10. Juli. Wbt. Friedrichshain: Störißlee, Start 9 Uhr Landsberger Plön.- Abt. Dbar. lottenburg: Pätzer Porderlee. Start 7 Uhr Wilmersdorf-r Str. 2'..— Ahl Lichtenberg: Möllensee. Start 5 Uhr Sderstr 18. Abt. Temxelhof.Marienborf- Teupitzlee, Starr» Uhr Kurfürsten. Sic Schützenftraße. Frei« Sasserfah»-»ufwärt«. Monatenersammlürg nicht am S.»i-nstaa. ■feefcess dgxatt»*m 12. Smi, 20 Uhr. bei Äoußner, Setstt. 62