Morgenausgabe Nr. 321 A 158 49. Jahrgang Wöchentlich 78 Pf, monatlich 3,25 M. (iaoon 87 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 2,97 M. einschließlich 80 Pf. Postzeitungs- und 72 Pf. Posibeftellge» bsthren.Auslandsabonnement8,88 M. pro Monat; für Länder mit ermäßig- tem Druckfachenporto 4,88 M. » Bei Ausfall der Lieferung wegen höherer E-walt besteht lein Anspruch der Abonnenten auf Ersatz. Erscheinuugsweiseund Anzeigenpreise stehe am Schluß des redaltionellen Teils. Berliner volLSblatt Jentraloegan der Sozialdemokratischen Vavtei Deutsch Sonntag 10. �Zuli 1932 Groß-Äerlin 15 Z)f. Auswärts 20 pf, Redaktion und Verlag: Berlin SW K8, Lindenstr. 3 Rtmft)!.; Dönhoff(A 7) 292—297. Telegranmi-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postschecikonto: Berlin 97 ö2S.— BankkoMo: Bankder Arbeiter, Angestellten und Beamten, Lindenstr. 3, Dt.B.u.Di!c.-G«f, Dspositeni, Jerufalemer Str. SZ'Kü vis Lehre von Lausanne. Schlimmster Feind des Volkes ist der Nationalismus. Herr von P a p e n, der in Lausanne m einen Erfolg hineingestolpert ist, wird sich dafür schwer zu verantworten haben. Hätte er alles erreichbare Porzellan zerschlagen und die Konferenz für nichts und wieder nichts auffliegen lassen, so wäre er ein nationaler Held. Man hätte ihm Triumph- pforten errichtet und ihn mit Ehrenjungfrauen als Vater des Vaterlandes begrüßt. Nun, da er dank der wohlwollenden Führung Macdon alds und des Verständigungswillens H« r r i o t s mit einem positiven Ergebnis nach Hause kommt, beginnen alle besseren Kreise von ihm abzurücken. Wobei die Frage offen bleibt, ob sie das aus eigener Dumm- heit tun oder aus kalter Spekulation auf die Dummheit der anderen. Auf alle Fälle soll verhindert werden, daß sich noch vor den Wahlen die Wahrheit herumspricht: die Wahrheit nämlich, daß in Lausanne die Politik des nationa- listischen Phrasendrusches zu einer Blamage geführt hat und daß sich die von der Sozialdemokratie seit vierzehn Jahren vertretene sachliche Außenpolitik erfolgreich durchgesetzt hat. Jeder außenpolitisch Erfahrene konnte Herrn von Papen voraussagen, daß seine Deklamationen über die sogenannten „politischen Fragen" zu nichts anderem führen konnten als zu einem deutschen Rückzug. Erfreulich bleibt jedoch, daß bei diesem Rückzug die Kasse gerettet werben konnte, nämlich die Bereinigung der finanziellen Frage, die praktisch das Ende der Reparationen bedeutet. * Die nationalistische Demagogie muß sich dem erzielten Erfolg gegenüber blind stellen. Sie verleugnet den Reichs- kanzler, der nach Lausanne gegangen war. für sie auch zu siegen, aber sie verleugnet ihn vergeblich. Nach dem Zeugnis des eigentlichen Machers des Papen-Kabinetts, des Herrn v. Gleichen, wird dieses Kabinett nicht nur von den Nazis toleriert, sondern es hat die ausdrückliche Zustimmung Hitlers. Selbst Herr Goebbels, der jetzt die Reichs- minister böswillig verächtlich macht und wie ein Rohrspatz über sie schimpft, hat noch vor ein paar Wochen jede Dis- kussion über das Kabinett v. Papen verboten. Und F r i ck? Der berühmte Patriot von Pirmasens hat sich als Vorsitzen- der hartnäckig geweigert, den Auswärtigen Ausschuß des Reichstags einzuberufen. Er hat damit dem Kabinett der Barone für Lausanne freie Hand gegeben, und so hat er mit seiner Partei jetzt auch das Ergebnis von Lausanne mit zu verantworten. Inzwischen fährt Adolf Hitler im Lande herum und redet Tiefsinn. Abgewandt von Raum und Zeit predigt er über alle Dinge und noch einige andere— nur nicht über die Papen-Regierung, nur nicht über die nach ihm benannte Notverordnung— die Hitler-Notverordnung vom 14. Juni 1932— nur nicht über Außenpolitik und Lausanne. Herr v. Papen hatte zweifellos recht, wenn er in Lau- sänne stolz verkündete, die„nationalen Kreise" stän- den hinter ihm. Diese„nationalen Kreise" und„aufbau- willigen Elemente" sind für Lausanne verantwortlich— und wenn sie jetzt ihre Hände in Unschuld waschen und so tun, -als wüßten sie nichts, dann ist diese markierte Harmlosigkeit weiter nichts als ein ordinärer Wahlschwindel. -i° Aber Wahlschwindel her, Wahlschwindel hin, auf alle Fälle bietet das Kabinett der Barone heute das seltene Bild einer Regierung, die vollständig in der Luft hängt. Es gibt keine nennenswerte Gruppe im deutschen Volke, die sich offen zu ihr bekennt. Von den Kreisen, auf die sie sich stützt und deren Befehle in der Innenpolitik sie bisher gehorsam erfüllt hat, wird sie öffentlich— am Freitag von Goebbels— als eine Regierung„bürgerlicher Schwächlinge" beschimpft. Aus einem Irrtuin des Reichspräsidenten entstanden, kann sie sich sonst auf kein Mandat, keinen Auftrag, kein Vertrauensvotum irgendwie bemerkenswerter Volkskreise berufen. Man muß diese Re- gierung heute ernstlich vermahnen, daß sie sich nicht weiter von den sogenannten„nationalen Kreisen" mißbrauchen läßt. Die Länderregierungen, gegen die man sie zu hetzen versucht, sind ungleich st ä r k e r im Volke verankert als sie selber. Unaleich stärker als sie im Volke oerankert ist vor allem auch die Sozialdemokratische Partei, und sie ist sich dieser ihrer Stärke vollauf bewußt. Der Regierung Papen ist nach den Erfahrungen, die sie bisher gemacht hat, dringend m e h r Z u r ü ck h a l t u n g an- zuempfehlen. Im besonderen muß man ihr raten, in Zukunft jede Politik der Herausforderung gegen- über der Sozialdemokratie zu unterlassen. % Die Rechte spielt ein schamloses Spiel. Sie will alles, was ihr nützlich ist, aus dieser Regierung herauspressen— aber sie lehnt dabei vor den Wählern jede Verantwortung für sie ab. Unsere Aufgabe wird es sein, in den kommenden Wochen dieses Spiel vor dem ganzen deutschen Volke aufzu- decken und zu durchkreuzen. Der Nationalismus ist das Unglück des deutschen Volkes. Er hat Deutschland in den Krieg hineinschlittern lassen, er hat während des Krieges alle Mög- lichkeiten vernichtet, zu einem Frieden in Ehren zu ge- langen, er trägt die Verantwortung für Deutschlands Nieder- läge, für Deutschlands Zusammenbruch, für den Verlust der Provinzen, der Kolonien, für die Milliardenlast der Kriegs- entschädigungen. Die Sozialdemokratie hat sich diesem Wüten gegen das eigene Volk entgegengestellt, sie hat den Krieg zu verhindern versucht, sie hat während des Krieges für einen billigen Frieden gekämpft, sie hat nach dem Kriege alles getan, um dem deutschen Volke die Lasten zu erleichtern, die ihm durch die Verbrechen des Nationalismus aufgebürdet worden waren. Jetzt, wo die Reparationen gefallen find, sind die Ver- brecher schon wieder am Werk. Sie wollen keineBefrei- ung durch Verständigung, sie wollen die dauernde Vergiftung aller Beziehungen von Volk zu Volk, sie wollen Heute Gewerkschaftsfest Lunapark! jede Möglichkeit einer wirtschaftlichen Besserung vernichten, um ihre schändlichen Diktaturpläne gegen das eigene Volk zu verwirklichen. Ter Weg des Nationalismus führt zu immer neuer Vernichtung. Nur der Weg der Sozial- dcmokratic führt aus dem Clend der Nach- kriegszcit heraus. Das ist die Lehre von Lausanne? Mögen die Wähler sie von heute in drei Wochen de- herzigen? Der Maulkorb. „(Schlesische Bergwacht" und„Donaubote" verboten Leipzig, 9. Juli. Der Vierte Strafsenat des Neichsgerichts hat das Verbot der sozialdemotratischen„Schlesischen Vergwarht" für zulässig erklärt. Das Vlatt wird auf fünf Tage ver- boten. DaS Verbot des„Tonauboten", eines Zentrums- organs, ist auf die Dauer von drei Tagen bestätigt worden. GtmlVsstreichhetze. Sie schreien nach dem Neichskommiffar in Preußen. Die rechtsradikale Hetzpresse vom Schlage der„Ver- liner Börsen-Zeitung" und der„Deutschen Zeitung" macht auf Verabredung die Reichsregierung scharf zur Einsetzung eines Reichskommissars in Preußen. Sie sucht die Reichsregierung zum Staatsstreich zu treiben. Begründet wird die Hetze mit dem Affentheater im Preußischen Landtag. Weil die Nazifraktion verrückt spielt, soll das Reich auch verrückt spielen. Reizende Begründung. Weitere Begründung: der Glückwunsch Seve- rings an den„Vorwärts". Ja, der hat die rechtsradikalen Hetzer in Zorn versetzt! Schließlich wird die Behauptung aufgestellt, der preußische Staatssekretär A b e g g habe geplant, d i e Reichsregierung verhaften zu lassen. Das ist zwar schon'seit Tagen kategorisch dementiert— aber den rechtsradikalen Pressepiraten ist jeder Schwindel recht. Sie gebärden sich in der Presse genau so gemein wie die Nazi- sraktion im Preußischen Landtag. Die innere Verwandtschaft ist unverkennbar. Wfr wollen den womiahrtssieei! Wohlfahrt tor die mililonen, aber nicht für die Millionäre! Daö ttabinctt der Varonc hat die früheren istegierungen befchuldigt, aus dem Staat eine Wohlfahrts- anstatt gemacht und damit die moralischen Kräfte des Volkes zerstört zu haben. Wo war der Schrei gegen den Wohlfahrtsstaat, als die Jndustrieherzögc und Finanzmagnaten ge- mcinsam nach der Hilfe des Staates geschrien haben? Viele Milliarden sind in lÄcftalt von Subventionen, Krediten und Lsthilfc diesen Klassen zugeflossen- und diese Milliarden sind bezahlt worden durch gewaltigste Opfer eines schwer kämpfenden Volkes! Die tiefste Unmoral- das moralisch zersetzendste Clement unserer Zeit— das ist die Begehrlichkeit dieser Schichten- gepaart mit ihrer tiefen Verlogenheit und der krassen Undankbarkeit gegenüber dem eigenen Volke! Wir bekennen uns zum Wohlfahrts st aat! Wir bekennen uns zu dem Grundsatz, daß der Staat alles tun muß, um die Ansprüche des Arbeits- Volkes auf Lohn und Gehalt und die Unterstützung der unschuldigen Opfer der Krise nnbcdingt zu sichern? Wir bekennen uns zu dem Grundsatz, daß der Staat das Leben und des Lebens Notdurft für alle seine Bürger gewährleisten muß? Wir bekennen uns zu dem Grundsatz- daß der Reiche opfern muß für den Armen! Das Glück und die Wohlfahrt der arbeitenden Klassen eines Volkes sind die Voraussetzung seiner moralischen Kräfte und der Zweck des Staates! Wohlfahrtsstaat für die Millionen, aber nicht für die Millionäre— das ist unsere Parole! Kämpft mit uns! Wählt sozialdemokratisch! Oer Schwindel platzt? Das Oriiie Reich treibt Steuern ein/ Rebellion der oldenburgischen Nauern gegen die Razi-Regierung/ Oer �größte Keher" als Steuereintreiber Der Wahlkampf im Reich. Kampfbegeisterung der sozialdemokratischen Massen. S l u l l g a r t. 9. Zuli. tLigenberichl.) Eine Kundgebung von elnzigariiger Kraft war der Massen- aufmarsch, den die Eiserne Front heute nachmittag in Stuttgart veranstaltete. Ein nach Zehntausenden zählender Zug, darunter viele Reichs- vanuerformationen, vor allem aber auch zahlreiche Frauen und sehr viel Arbeiterjugend marschierte unter zahllosen Fahnen, Trans- parenlen und Wahrzeichen der Eisernen Front durch die Slratzen des dichtbevölkerten Zentrums der Stadt nach dem Marktplatz. Eine große Zahl von Sympathisierenden umsäumte die Strahen und er- widert« stürmisch den Freiheilsgruß der kampfbewußt marschierenden Arbeiter. Auf dem Marktplatz hielt Genosse Dr. Schumacher eine aufrüttelnde Rede, in der er mit dem Kabinett der Generale und dem braunen Terror rücksichtslos abrechnete und unker jubelnder Be- geifterung der Massen zum Freiheitskampf aufrief. Die Zahl der Besucher der Demonstration aus dem Marktplatz betrug ZS- bis .10 000 Personen. E» war eine Wahlkundgebung, wie sie Stuttgart seit Jahren nicht erlebt hatte. Gächsische Polizei gegen Republikaner. Ehemnitz, 9. Juli.(Eigenbericht.) In Ehemnitz kam es nach einer glänzenden Wahlkund« gebung der Sozialdemokratie, in der Reichstagspräsident L ö b« mit Eitler abrechnete, zu Zwischenfällen mit der Polizei. Ein offenbar nationalistischer Polizeileutnant gab wiederholt den Befehl, gegen die republikanischen Demonstrationen vorzugehen. Als beispielsweise einige Arbeiter ausriefen:„Nazi verrecke!", sagte dieser üeutnant:„E r st muß Severing verrecken!" und ließ rücksichtslos auf sozialdemokratische Arbeiter einschlagen.— Bon der sächsischen Regierung muß erwartet werden, daß sie gegen den betreffenden Polizeioffizier sofort ein Untersuchungsverfahren einleitet und. falls sich dieser ungeheuerliche Ausspruch bestätigt. diesen Schädling aus der sächsischen Lande-polizei rücksichtslos ausmerzt. Schluß in Lausanne. Heimreise der Teilnehmer. Lausanne, 9. Juli. Die deutsche Delegation ist heute nachmittag 18.40 Uhr nach Berlin abgereist, nachdem der Reichskanzler zu Mittag noch zahl- reiche ausländische Delegierte und Experten bei sich gesehen hatte. London, 9. Juli. Schatzkanzler Neoille Chamberlain ist aus Lausanne hierher zurückgekehrt. England bestattet die Reparation. London. 9. Juli. Dl««nglische Presse drückt mit wenigen Ausnahmen große Befriedigung über das Ergebnis von Lausann« au«. Ueber» all wird in großen Ueberschriften gemeldet, daß die Repara» Hon tot sei.„Time s" sagt: Der erste Teil des Kriegsschulden- Problem» ist gelöst. Em Gtft ist aus dem europäischen Wirt- ichastskörper entfernt worden. Di« Krankheit wird sich nicht veiter ausdehnen. Man kann hoffen, daß nunmehr alle Kräfte für den zukünftigen Wiederaufbau anstatt zur Beseitigung der Fehler der Vergangenheit aufgewandt werden können. Der große Erfolg von Lausanne liegt darin, daß die einseitigen Zahlungen von einem Land zum anderen Land bsseitigt sind..Daily Telegraph" lagt, das Kapitel des Weltkrieges sei nun abgeschlossen. Ueber die .Kriegsschuld werde die Geschichte ihr sicheres Urteil sprechen. „Daily Expreß" sagt, das Lausanner Abkommen setze durch die Reporalionsregelung auch die kriegsschuldklauset außer Kraft. „M 0 r n i n g p 0 st" meint, falls Amerika starr bleibe, dann sei der moralische und materielle Erfolg von Lausanne verloren. „Daily Mail" ist überzeugt, daß Frankreich das Lausanner Abkommen ratifizieren werde, während dies von Deutschland nicht mit Sicherheit gesagt werden könne. Der sozialistische ..Daily cherald" schreibt, das Ergebnis von Lausanne ent- täusche die hohen Erwartungen, die man bei Eröffnung der Kon- 'erenz gehabt habe. Das Abkomnien schwebe vollkommen in der Luft, und falls Amerika nicht nachgebe, werde es null und nichtig. Die polilische Präambel sei äußerst nichtssagend, wenn eine solche Oberflächlichkeil beide Zeilen befriedige, dann müsse man sich wundern, warum man so lange gestritten habe. Niemand könne mehr glauben, daß der vom Chauvinismus diktierte Bersailler Vertrag noch lange Iahte unreoidiert bleiben könne. Di« Geschichte werde das Urteil über die Kriegsschuld fällen. Es sei sicher, daß eine große Nation wie die«deutsche nicht für ewig unter dem Joch der militärischen Minderwertigkeit gehalten iverden könne. Geteilte Aufnahme in USA. New park. 9. Juli. Entsprechend der freundlichen Erklärung aus dem Washingtoner Weißen Hause begrüßen die New-Porker Morgen- Rätter einmütig das Abkommen von Lausanne.„New Park Herald Tribüne" überschreibt seinen Leitartikel„Die große L e i st u n g", In den Pressestimmen aus dem Landesinnern ertönt mehr oder minder oorsichtigerweise die Befürchtung, daß Onkel Sam die Zeche werde begleichen müssen. ..Herald Tribüne" erklärt, die Alliierten hätten neun Zehntel ihrer Forderungen gestrichen, weil sie gewußt hätten, daß sie diese Forderungen niemals einkassieren könnten. Sie hätten etwas weggeworfen, was bereits wertlos war. Ebenso sicher sei, daß die Wirtschaftskrise die amerikanischen Forderungen an die Alliierten zum größten Teil ebenso wertlos gemacht habe. Die Streichung eines großen Teils der alliierten Schulden sei also lediglich eine Anerkennung gegebener Tatsachen. Parlamentarier äußern sich über die Regelung von Laufanne stark verbittert. Der republikanische Senator Johnson er- In Oldenburg ist das Dritte Reich ausgebrochen. Di« Land- bevälkerung hat die Nazis in den Sattel gehoben. Sie erwartet« vom Dritten Reich: Niederschlagung der Sieuerrückstände von 1,5 Millionen Mark. Seine Steuern mehr für die landwirischaflliche Bevölkerung. keine Schuldzinsen mehr. Mit solchen Parolen und der schwarzen Fahne sind die Nazis durch Oldenburg gezogen und haben zum'S teuer streik auf» gefordert! Der jetzige nationalsozialistische Ministerpräsident vas Ist unser Grufi, hochgereckt die Faust gegen Terror und Reqktionl Das ist unser Symbol, die 3 Freiheit*- pfeilel Jede Genossin tragt unser Abzeichenl Jede Genossin grüßt mit unserem Freiheitsgrußl klärte, bezüglich der Schuldenstreichung sei der Kongreß nicht so leicht zu betören, wie bei der Annahme des Moratoriums. Der Führer der demokratischen Mehrheit des Repräsentantenhause» R a i n« y bezeichnete das Abkommen von Lausanne als nieder» schmetternd: Präsident Hoover habe durch die Bewilligung de» Moratorium» die Verfassung verletzt und 10 Milliarden Dollar aus der Hand gegeben, die die amerikanischen Steuerzahler jetzt be- zahlen müßten. Scharfe Kritik aus dem Zentrum. Gegen die Rettung Popens in Lausanne. Die„Germania" schreibt zum Lausanner Berttag und s>u den Methoden der nationalkonzentrierten Regierung der Baron«: „Drei Milliarden lasten weiter auf dem deutschen Balte: zwar unter dem Namen eines Wiederaufbaufonds für Europa, aber doch eben als deutsche Zukunftsbelastung, über deren Auswirkungen im Augenblick ein Urteil noch nicht erlaubt ist. Die endgültige und restlose Streichung der Reparationen, die Brüning anstrebte und vorbereitet hatte, ist nicht erreicht worden. Gegenüber den Bagatellisierungsversuchen, die wahrscheinlich sogleich einsetzen werden, möchten wir bereits jetzt feststellen, daß uns diese Lösung keinesfalls gefällt. Zweifellos wäre bei den schweren taktischen und polittschen Fehlern der deutschen Delegation der Lausanner Reparationskampf noch viel ungünstiger ausgefallen, hätte nicht die weitsichtige und ersprießliche Borbereitüngsarbeit Brünings vorgelegen, der die Kon- ferenz, lange ehe sie begann, bereits psychologisch gewonnen hatte. Das Lausanner Dokument liegt vor. und es wird Sache der zu- ständigen Instanzen sein, eine gewissenhafte und kritische Prüfung vorzunehmen. Sie wird sich noch unserer Ueberzeugung nicht davon beeinflussen lassen, wer diesen Vertrag für Deutschland uitterschreibt. sondern in welchem Punkt und in welchem Umfange es von den Prinzipien der wirtschaftlichen Vernunft abweicht, die Brüning vorgezeichnet hatte. Der deutschen Delegation aber darf in dieser Stunde nicht ver- schwiegen werden, daß es eine starke Zumutung war. nationale Disziplin während dieser Konferenz zu fordern, nachdem der deutsche Reichskanzler selbst„vor dem Felnd" einen wertvollen Bestandteil des deotscheu Volkes als für feine Uolerschrlfk belanglos bezeichnet halle, wenn es die R S v e r war dabei voran. Auf Berfammlungsplaketten lieh er sich ,ch«r größte Hetzer Oldenburgs" nennen. Jetzt regleren die Nazis in Oldenburg, und was tun sie? S i e treiben Steuern ein! Herr Rover hat eine Einladung an die Wirtschaft und die Gemeindevertteter zu einer Versammlung am 8. Aull in Oldenburg erlassen. In dieser öffentlichen Einladung heißt es: „Die Ueberzeugung muß allgemein werden, daß von jedem Opfer gebracht werdeu müssen und jeder eiozelne mit dafür verantwortlich ist, daß das Land und die mil ihm verbun- denen polittschen. wirlschofllichen und kulturellen Güter erhallen bleiben. Bereits in der im Landtage abgegebenen Regierung?- erklärung hat die Slaalsregierung in Aussicht gestellt, sich an da« Volk zu wenden, in großen Umrissen ihre Ziele und Pläne dar- zulegen. Anregungen allgemeiner Art entgegenzunehmen und die Bevölkerung aufznrusen zu einer pflichtgemäßen Opserbereilschasl zur Retwng ihres Landes und ihrer Gemeinden. Bei aller Anerkennung der großen Notlage von Landwirtschaft. Handel und Gewerbe muß doch gesagt werden, daß die Wirtschaft eet vielfach an der durch die Lage gebotenen LPferbereit- schaft hat fehle» lassen und zum Teil da- durch namentlich in viele« Gemeinden unerträgliche finanzielle Mißstände hervorgerufen sind. Um zunächst in dieser Richtung die Fühlung mit den führen- den Srelsen der Wirtschaft und den verttetern der Gemeinden herzustellen, hat das Siaatsminislerium es für richtig befunden. Sie hiermit zu einer Versammlung am Freilag. dem 8. Zuli d. Z„ 15.45 Uhr, in der Union zu Oldenburg einzuladen. Die Vorstände und Vorsitzenden werden gebeten, besonders interessierte Mitglieder ihrer Körperschaften oder Organisationen zur Versammlung mitzubringen. In der Versammlung werden die Slaatsminister das wort ergreifen. Eine Debatte ist nicht vorgesehen." Schon ln der Regierungserklärung im Landtag hat die Nazi- regierung angedeutet, daß sie die Steuerscheu der Land- Wirt« brechen werdel Aus den Steuerstreikhetzern sind rasch Steuereintreiber geworden! Di« betrogenen Landwirte sind in offener Rebellion gegen die Naziregierung. Der Landvolkabgeordnete Meyer erklärt in der „Weser-Zeitung". daß das Landvolk gegen die Naziregierung scharf« Opposttionestellung einnehmen wird. Er kommt zum Schluß: „daß die neue Regkerung bereits im alten Fahrwasser gelandet ist und gar nicht mehr an eine Aendernng des „Ttzstems" denkt. Die Siegiernngserklärnng stellt den Ttenerzahlern in keiner Weise ein« Erleichte- rung. im Gegenteil eine Belastung in Aussicht und deweist, daß die R»tionaljvzi»liften dollständ-a versage» werden.� Di« Oldenburger Nazis haben die Otdenburger Lauern r«g«l- r« ch t d e t r 0 g« n l Die Bauern sind auf den Leim ihr« gewissen- losen und unsinnigen Versprechungen gettochen, und setzt plagt der Schwindel! Was sich im Reich mit der Hitler-Notverordnung rat großen abspielt, wiederholt sich in Oldenburg im kleinen! Regierung für richtig hielt, die außenpolitisch« Verichlerstailung au» Lausanne durch Zeitung, verböte zu zeujieren. so dürfe» wir nach dem Kampf mit aller Schärfe betonen, daß es die R e g i t- rung gewesen ist. welche der einen Hälfte des deut- scheu Volkes in den Rücken fiel, als sie sich mil ihrer Unterschrift aus«lnzelne Parteien bezog, und diesen Parteien zuliebe den aussichtslosen Kampf um die polittschen Klauseln de» Versailler Vertrages begann." Ein Nazi ohne Maske. Gebt die Antwort am ST. Juli! Nürnberg. 9. Juli.(Eigenbericht.) In Auerbach in der Oberpfalz erklärt« ein wohlbestallter Gemeindebeamter, der Mitglied der Hitler-Partei ist. den Erwerb«- losen und Rentnern folgendes: ..Dl« Unterstützungen zahl ich aus, solang ich will. Wen» ich nimmer will, dann bekommt ihr einen Dreck! Was ihr bekommt, ist alles noch zu viel. Wartet nur bis zum 1. August, dann ziehen wir mit 80 Prozent in den Reichstag und machen Schluß mit euch!" Auf dieses Zynische Bekenntnis des Nazlfunktionärs kann es nur eine Antwort geben: Arbeitslose. Rentenempfänger und Unter- siützungsdezieher wählen am 11. Zuli: Liste 1 Sozialdemokrakea. Schüsse in Frankfurt. Ein Kommunist getötet. Frankfurt a. M„ 9. Juli. Im Dorort Nied kam es gestern abend zu schweren Unruhen, wobei auch die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machte. Kom- munisten hatten an der Niddo-Brücke eine Art Barrikade errichtet, durch die der ganze Verkehr ins Stocken geriet. Die Polizei mußte eingreifen, und da sie mit Steinen beworfen und auch beschosien wurde, schoß sie ebenfalls scharf. Eine ganz« Anzahl von Kam- munisten wurde durch Schüsse verletzt. Beim Eindringen in eine Wirtschaft fand die Polizei eine große Anzahl Hieb- und Stichwassen, und auch wurfserttg zurechtgelegre Steine. Em Kommunist, der«inen Schuß auf einen Polizeibeamten abgab, wurde von diesem niedergeschossen. BrtoÄ Jas ffrcüicKsopicrl Marhcn Iflr 0.15, 0.50, 1.-, 5.- unfl 10.- W. sind In den Abieilungen und im Bezirhsseüreiarlaf (Kasse), SW. 08, LlndenslraOe 3, 2. Hof, 2 Treppen zu Haben. Poslsdiedüioiiio 14157(Adoü HolzJ In der VerboiszeU. Gay! verantwortet sich. Aber Helldorf ist ungnädig. Ich habe schon so viel für dich getan, daß mir zu tun fast nichts mehr übrig bleibt. Der regienmgsoffiziöse„Angriff" hat in mafsiiven Tönen den Reichsinnenminister des nationalkonzentrierten Kabinetts der Barone, den Freiherrn von Gayl, angeeckt, weil er der SA. die Bannmeile nicht preisgegeben hat. Was tut �err von Gayl? Hat er dem„Angriff eine Auflagennach- richt über den wahren Sachoerhalt geschickt? Nichts der- gleichen! Herr von Gayl verantwortet sich in der„Deutschen Zeitung". Nachdem er die Rechtslage dargestellt hat, be- schwört er seine Schützlinge: „Im übrigen scheint es mir angebracht, der NSDAP, in» Gedächtnis zu rufen, daß gerade auf meine Anregung das Kabinett der Aufhebung des SA.- und des Uniform- Verbotes zugestimmt hat. Ich habe es daher erst ermöglicht, daß SA.-Abteilungen überhaupt wieder bestehen und überall im ganzen Reich in ihren Uniformen Demonstrationen abhalten können." Da wird das Großmaul Goebbels in klagendem Ton an den politischen Pakt zwischen Hitler und den Leuten vom Deutschen Herrenklub erinnert und gemahnt, daß es ohne Herrn von Gayl keine Notverordnungsjacken auf den Straßen gebe! Aber trotz aller Beschwörungen durch Herrn von Gayl werden die Goebbels und Konsorten getrieben von der blinden Furcht vor den Folgen der Verräterrolle der NSDAP. Sie markieren Opposition, um chre Verantwortung für das Ka- binett der Barone und die Hitler-Notverordnung .zu verdecken, und so deklamierte der SA.-Häuptling Hell» d o r f im Lustgarten als Antwort auf die Gayljchen Be- schwörungen: Gayl muß fort! Natürlich mit Augenzwinkern— denn gerade Gayl ist der Mann ihres Vertrauens! Lücke in der Giegesallee. Freiherr von Gayl. das war unfreundlich fast: Sle haben dem Hitler verboten— o weh— Den Parademarsch durch die Siegesallee. Und er hätte so schön dahin gepaßtl Ludwig der Dicke und Otto der Faul« Erwarteten schon als neuen Kollegen— Herr Gayl, es hat nur an Ihnen gelegen— Den Adolf mit dem großen Maule. Auch dieses haben Sie nicht bedacht: Es fehlt unter allen Marmor-Hohenzollern, Den minder geglückten und eindrucksvollem, Just ER, der die Puppenallee vollbracht! Es reihen in der Allee sich Tote. Für IHR, den Lebenden, war lein Platz. Da scheint mir: fehlt un« Wilhelm der Zwot«, Ist Hitler doch der gegebne Ersatz. _• Jonatkan. Adolfkneift. Er lehnt alle dichter als„befangen" ab! Gestern morgen stand vor dem 18. Zivilsenat de» Kammergerichts Berlin die Berufungsverhandlung in Sachen Hitler gegen die Berel, den Parteioorstand der Sozialdemokratie. die Lorwärtsdruckerei und den Genossen Hauschild als Leiter der Werbeabteilung an. Der Prozeß dreht sich um da» P l a l a t„Zwei Jahre R a z i m o r d«", das seinerzeit die Verantwortlichkeit Hitler« für die Bluttaten seiner Uiitergebenen kenn- zeichnete, aber durch eine von Hitler erwirkt« einstweilige Per- sügung zunächst nicht weiter verbreitet werden durfte. Die erste Instanz hatte dem Widerspruch der Berel und unserer Parteiinstanzen stattgegeben und in einer glänzenden Begründung die Berechtigung zum Anschlag des Plakate be- stätigt. Die Gegenseite hatte Berufung eingelegt. Heute morgen, kurz vor Beginn der Berufungsverhandlung, traf beim Kammergericht ein Ablehnungsantrag Hitlers gegen sämtliche Richterein. Hitler begründete den Antrag damit, daß fast sämtliche Richter der Staatspartei angehören oder chr zum mindesten nahestehen, und die Staatspartei fei nur als«in Anhängsel der Sozialdemokratie zu werten. Das Gericht hat daraufhin den Termin ausgehoben, um über den Ablehnungsantrag beschließen zu können. Es ist klar, daß es sich bei dem Vorgehen Hitlers um einen ganz üblen Per- schleppungsversuch und ein feiges Kneifen handelt. Zniernationale Solidarität. Die Sozialisten aller Länder gegen deutsche Reaktion. Aus der Fülle der Sympathieerklärungen, die dem „Vorwärts" aus Anlaß seines Verbots aus Deutschland und dem Auslande zugingen, sei das herzliche Schreiben der sozialistischen Arbeiterpartei Luxemburgs hier wiedergegeben: In dem Augenblick, wo durch die Presse bekannt wird, daß das Verbot des„Vorwärts" Wirklichkeit wurde, hüll die Arbeiterpartei Luxemburgs darauf, den Kameraden von Redaktion und Verlag chre brüderliche Sympathie auszudrücken. Wir verfolgen mit Besorgnis den Ansturmder Reaktion in Deutschland, der sich eben wieder in diesem Attentat auf das Recht der freien Meimmgsäußemng in flagranter Weise kundtut. Wenn das B e w u ß t s e i n,�dah das Weltproletariat solidarisch in einer Reche mit ihr stsht, die Sozialdemokratische Partei in diesem schweren Kampfe stärken kann, so möchte die Luxemburgische Ar- beiterpartei, welche der deutschen Sozialdemokratie von jeher briider» lich verbunden ist. nicht unterlassen, chre Solidarität zu be- tonen. Mit sozialistischem Gruß! Der 1. Vorsitzend«. Dr. Blum. Redaktion und Verlag der Frauksurker„Valksstimme" haben gegen das fünftägige Verbot der„Dolksstimm«" und der„Ober- hessischen Volkszeitung' durch den Reichsinnenminister von Gayl beim Reichsgericht Einspruch erhoben. Der deutsche Kopitänleuknanl a. D. hashagen sollte im eng- tischen Rundfunk über st'-Bcat-Erlebnisle sprechen. Der Bortrag ist ober abgesagt worden—«» heißt, megen der Abrüstungs- lonserevz. Kürzung, der"Renten cffftJapcrh ö........ 0 ..Rente kürzen, das kann die Regierung. And den vorwärts" verbietet sie.. Generaldirektoren vor Gericht. Ein nettes Sündenregister. vochum. g. Juli.(Eigenbericht.) Vor der ersten Strafkammer des Schöffengerichts Dortmund begann am Freitag der Prozeß gegen die beiden früheren Generaldirektoren der Vereinigten Elektrizi» tätswerke, Westfalen, Dr. Krone und Dr. Fischer. Die An» klage lautet gegen beide auf Untreue in fortgesetzten Handlungen. ferner auf Betrug und Vergehen gegen Z 314 des Strafgesetzbuches Die beiden Generaldirektoren hatten sich trotz riesiger Gehälter von Banken Darlehen zu einem Hausbau auf Kosten des Unternehmens geben lassen, die bei Krone auf 700 00t) M.(!) und bei Fischer auf 500 000 M,(!) anwuchsen, ohne daß Aufsichtsrat bzw. der Dorstand davon wußten. Sie wollen al» Grenze der Darlehen 300 000 bzw. 200 000 M. genannt haben. Krone steht weiter unter Anklage wegen einer Reihe von Aktien- und Effektengeschäften, die den Vereinigten Elektrizität«» werten einen Perlust von 80 000 M. brachten. Auch Fischer spekulierte sehr verlustreich mit Geldern der Elektrizitätswerke, die aus einer amerikanischen Anleihe stammten. Llm die Gchlachtsteuer. Im pr e u ß i s ch e n St a a t« r a t gab am Freitag der Be- richterstatter des in Frage kommenden Ausschusses, Dr. Kaiser, eine Erklärung zur S ch l a ch t st« u« r ad. die den Standpunkt der sozialdemokratischen und der Zentrumspartei im Preußischen Landtag enthält. Kaiser führte u. a. folgendes aus: „Der Staatsrat hält eine Schlachtsteuer auf die Dauer für untragbar, wenngleich er die Zwangslage der preußischen Staats» „kaufen Sie rasch noch Salz, es wird teurer." —„Zewiß, erst Salz verteuern und dann den „vorwärts" verbieten.. regierung, die zu ihrer Einführung geführt, nicht verkennt. Auch der Staatsrat hält den Ausgleich des Staatshaushalts für er- forderlich. Nach den Erklärungen der Staateregierung hat das Reich die Verpflichtung übernommen, den Betrag von 100 Millionen Mark für die Ueberlassung der Staatsänteile an den Sied- lungebanken und-gesellschaften zu zahlen. Die Staatsregierung wird ersucht, diese Forderung gegen das Reich mit allem Nachdruck geltend zu machen. Das Reich würde zur Zahlung auch in her Lage sein, wenn es seine Ausgaben annähernd so stark einschränken würde, wie es im Haushalt Preußens und der Gemeinden in den letzten Jahren geschehen ist. Daher verlangt der Staatsrat, daß die Schlachtsteuer wieder aufgehoben wird, sobald der vom Reich zugesagte Betrag zu fließen beginnt." Mit dieser Erklärung, hinter der vor allem Zentrum und Sozialdemokratie stehen, sind die Richtlinien in dem Streit um die Schlacht st euer gegeben. Die Front muß sich gegen das Reich richten, von dem ja auch die Verreichlichung der Schlacht- steuer droht. Schwere Zuchthausstrafen. Das Llrteil im Leipziger Sprengfioffprozeß. In dem Leipziger Sprenggruppen-Prvzeß wur- den sämtliche kommunistischen Angeklagten wegen Vorbereitung zum Hochoerrat und Derbrechens gegen das Sprengstoffgesetz z u Z u ch t- haus st rasen zwischen 8 Iahren und 1 Jahr 6 Monaten vor- urteilt. Einem Teil der Angeklagten wurden ferner wegen Verbrechens gegen dos Republikschutzgsfetz und wegen unbefugten Waffentragen? Strafen zudiktiert: einige erhielten Festungsstrafen. Insgesamt hatten sich 24 kommunistische Angeklagt« aus Berlin, Thüringen und Breslau zu verantworten, Vorwärts „Jehl soll ich noch Umsahsteuer zahlen von die paar Pfennig verdienst. Und den„vorwärts" ha'm fe oerboten!" „In den fünf Tagen haben wir gemerkt, was der„vorwärts" wert ist. Wir bestellen alle den„Vorwärts"!" Hitlers Angst vor der Wahrheit. Aber keine Paragraphen helfen. München, g. Juli.(Etgenberichl.) Zm Verlaus der gerichtlichen Verhandlung über den Einspruch gegen einstweilige Verfügungen, dle die Hlfler- Partei in den Tagen unmittelbar vor der Landlagswahl am Z4. April gegen die Münchener Sozialdemokratie erwirkt hatte, erlUl dle vürokrati« de» Braunen Hauses eine vollständige Niederlage. Der schamlose Ua- fug dieser einstweiligen Verfügungen im politischen Kampfe der hakenkrenzler. durch die sie mit erlogenen Behauptungen die Mundiolmachung des Gegners erreichen wollen, ist damit aufs neue gebrandmarkl. . Es handelt sich um vier solche«instwelligen Verfügungen, über die dos Landgericht München al» Berufungsinstanz zu entscheiden hatte. Die erste Verfügung untersagte unter Androhung einer hohen Geldstrafe dem Vorsitzenden der Münchener SPD. die Verbreitung eines Bildplakates, aus dem Hitlers Verrat an Südtirol sinnfällig dargestellt war. Die Entscheidung über diesen Einspruch wird erst am 22. Juli gefallt. Das Gericht wird aber nicht umhin können. dem sozialdemokratischen Beschwerdeführer recht zu geben, denn e» war dessen Verteidiger leicht, an Hand von Behauptungen aus dem „Völkischen Beobachter" Hitlers Südtiroler Verrat einwandfrei nach- zuweisen, Die drei anderen Verfügungen wandten sich gegen den Verlag der„Münchener Post". Zwei verboten dem Verlag die Weilerver- breitung des Wahlplakates mit einem Auszug aus dem berüchtigten Boxheimer Blutdokument. Die vierte einstweilige Versügung ver- bot die Wiederholung eines in der„Münchener Post" erschienenen Artikels über die Tscheka im Braunen Hause. Gerade der letztere Fall zeigt, wie leicht«s das Gericht den Nazis gemacht hat, mit Hilfe von einstweiligen Verfügungen den verhaßten Gegner mund- tot zu machen. Der Antragsteller Schwarz, Reichsichatzmeister der Nazis, erwirkt« das Verbot lediglich auf die eidesstattliche Versicherung hin, daß chm von einer Tscheka im Braunen Haus« nichts bekannt sei. In Wirklichkeit hat aber der vor wenigen Tagen ver- handelte Prozeh gegen Danzeisen einwandfrei bestätigt, daß es im Braunen Haus tatsächlich sehr gefährliche tschekaähnliche VorgSsigk gegeben hat. Der Rechtsbeistand der„Münchener Post" hat b«> allen diesen Versügungen dem Landgericht klarzumachen versuchst daß man auf Unterlassung einer angeblich beleidigenden Behaup- tung nur die Redakteur«, nicht aber den Verlag oder gar die Druckerei verurteilen könne. Denn eine unerlaubte Handlung setze doch eine Schuld voraus. Die Druckerei könne aber für den Inhalt der von ihr hergestellten Plakate oder Zeitungen weder preßgesetz- lich noch strafrechtlich verantwortlich gemacht werden. Wenn das Gericht dennoch zu der einstweiligen Verfügung gegen den Verlag kam, dann beweise es eben, daß es von den praktischen Begriffen «wer Zeitung keine Ahnung hat. Anders das Oberlandeegericht. An dieses hatte sich die„Münchener Post" in einem ähnlich ge- lagerten Fall beschwerdeführend gewandt und ein obsiegendes Urteil erlangt. Dort wurde glatt bestätigt, daß es dem Wesen einer Tage»- zeitung widerspreche, mit Unterdrückungsklagen oder einstweiligen Verfügungen gegen«inen Verlag varzugehen. Nach diesem Entscheid des Oberlandesgerichts hatten die Hitler- Bonzen kein« Lust mehr, auf dem erwirkten Recht der einstweiligen Verfügung zu beharren und ihr Vertreter ließ sich gern zu einem Vergleich herbei, der in Wahrheit eine vollkommene Niederlag« für die Klägerpartei darstellt. Nach diesem Vergleich verzichten Hitler und die anderen nationalsozialistischen Antragsteller auf alle Rechte aus den einstweiligen Verfügungen und übernehmen gesamtverbindlich die Prozeßkosten einschließlich der Kosten des Widerspruchverfahrens. Cinfenbungen für 6lt(e Rubrik flnb C(( 1 1 B SB 68, Liodenstrab« 3, parieinachrichien für Groß-Berlin stets an ba»«ezlrksfetretarta» i. Löf. 2 Trebbe» recht», zu richte» Senosse Gerharb Richter, Neutcmbclhof, Wintgensstrahe 5. hat fein Vartcimitalicbsbuch verwre». Beim Aufwuche» de» Buches ist biese- anzuhalten unb der»aflc be» Bczirisvcrbandcs zurückzureichen. Beginn«»ller Veranstaltungen 19� Uhr. sofern keine besondere Zeitangabe! heule. Sonnlag, 1l>. Juli: 8. Kreis. Vorm. 10 Uhr Kreiskonferenz bei Wende. Aoloniestrahe 117. 8. Kreis. Ab 15 Uhr Sbort- und Werbefest der Jugend des Reichsbanners auf dem Sportblah Friedrichshain. Konzert. Malfengninnaftik. Boren, Jiu-Jitsu, Kandballsbiel u. a. Redner: Bürgermeister Baul Mielih und Polizei- Präsident Albert Erzesinsli. Morgen, Monlag, 11. Juli: Kreis. KreisvorstandÄigung bei Schnorre. Berliner Strohe. Krei». 19 Uhr Kreisfunktionärsigung an belannter Stell«. Georg Wendt: „Reue Äampfmethoden im Freiheitslambf." Abt. Funltionärlonferenz bei Dobrohlaw. Swinemünder Straße. Abt. Unser lieber Genosse Mar F a b e r wird am Montag 75 Jahre alt. Im oorigen Monat konnte er auf eine lOjährige Mitgliedschaft zurückblicken. Die 9. Abteilung sendet ihm herzliche Glückwünsche. Abt. Mitgliedcrbersammlung in den..Arminiushallen", Bremer Str. 72/73. Mar Brinigcr:„Der Befreiungskauibf der Arbeiterklasse." Abt. 20 Uhr bei Besses, Bremer Str. 18. wichtige Funktionärkonserenz. Angefordertes Materias mitbringen! Abt. Funktionärsigung an bekannter Stelle. Abt. Funklionärsigung bei Obiglo. Stralsunder Straße 11. Abt. Funktioniiriigung bei Kinzel, Usedomstraße 22. Abt. Funklionärkonferen, bei Dose. Nordhafen 6. Abt. Funktionärstgung bei Schrepel, Grllnihaler Straße 18. Abt. 20 Uhr Funktionärsigung bei Pose, Koloniestraße 15. Abt. Sigung sämtlicher Partei, und Gewerkschaftsfunktionäre in der Geschäftssielle Kroll, Utrechtcr Straße 21. Abt. Funktionärkonferenz bei Grunewald, Kameruner Straße 19. Der Abteilungsoorstand trifft sich bereits um 18 Uhr. Abt. 20 Uhr Funktionärsigung bei Rechenberg. Abt. 20 Uhr Funktionärsigung bei Buchholz. Alt. Funktionärkonferenz bei Pohst, Lychener Straße 108. Die flertutigs- iommissionsmitglieder müssen dazu erscheinen. Abt. 20 Uhr Funktionärsigung bei Goldschmidt._ Abt. 19*> Uhr Vorstandsssguna bei Mahlmann. Fruchtstraße 37, 201', Uhr Funktionärkonferenz. Abt. Funktionärstgung bei Lemble. Schreinerstraß« M. Abt. Mitgliederversammlung mit Gästen im Schultheiß(„Tivoli"). Lichter- selber Straße 11. Siegfried Aufhäuser. M. d. R.:„Der Befrehingskambf der Arbeiterklasse." Abt. 20 Uhr Funktionärkonferenz bei Krebb. Planufer 75(76. Abt. Wichtig« Funktionärversammlung bei Ewald, Ekaliger Straße 126. Erscheinen aller Funktionär wegen der Wahlarbeiten dringend notwendrg. Abt. Funktionärstgung bei Thiclert. Liegniger Straße 10. Abt. Funktionärsigung an bekannter Stelle. Abt. 19 Uhr Borstandssigung bei Keller, Fürstenstr. 1, 20 Uhr Funktionär. stgung. Abt. 20 Uhr Funktionärstgung bei Zamin. Abt. Treffvunkt zur Demonstration des Kreises 17»s Uhr am Buschkrug. Abt. Die Parteimitglieder treffen sich am Montag vünktlich 18 Uhr im Lokal Fahrendholz, Wilhelm- Ecke Kirchstraße, zur gemeinsamen Bcrteilung der Landzettel zur äffentlichen Wahlkundgebung. Dienstag. 12. Juli: Kreis. Sigung des engeren Kreisvorstandes mit den Abteilungsleitern. Krei». Arbeiterwohlfahrt. 15 Uhr im Seim Tilstter Straß« 1(5. Zusammen- kunft erwerbsloser Parteimitglieder. Dr. Denicke:„Wirtschaftsvolitische In- formation." Unterhaltungsteil: Genossin Weilhammer. Abt. Funktionärstgung bei Richert. Abt. 19 Uhr Borstand, 20 Uhr Funktionäre bei Sübner. Seiner darf fehlen! Abt. Funktionärkonferenz. Abt. Mitgliederversammlung bei Ewest, Gr. Frankfurter Str. 30. Kurt Anker:„Der Befreiungskamvf der Arbeiterklasse." Abt. 20 Uhr Funktionärstgung bei Schult, Maricndorfer Straße 5. Abt. Mitgliederversammlung mit Gästen bei'Kulka. Lauenburger Straße 21. Mar Kendeinann, M. d. L.:„Was steht bei den kommenden Wahlen auf dem Spiel?" Abt. Mitgliederversammlung bei Rosenau, Laubacher Eck« Barziner Straße. Wilhelm Seivke:„Angriff auf Sozialversicherung und Krankenkassen." Abt. Zusammenkunft längerer Parteimitglieder bei Klabe. Landjernstr. 60(61. Sans Cohn:„Aufbau des Sozialismus." Abt. Mitgliederversammlung bei Pommerening, Berliner Str. 100. Henrn Drunsel:„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse." Abt. 20 Uhr Funktionärstgung bei Görlig. Chausseestraße 19. Abt. 79., 93., 96. Bez. Fahlabend bei Schröder. Steinmegstraße 52. Karl Weiner, M. d. L.:„Der Befreiungskampf der Arbeiterflasse." Abt. 15 Uhr Zusammenkunft erwerbsloser Parteimitglieder bei Tromvter. Luisenftraßc 1. Gottlieb Reese:„Unser Kamvf für die Freiheit." Wir bitten um pünktliches Erscheinen. und 108- Abt. 17 Uhr wichtige Besprechung der arbeitslosen Partei. Ge- werkschafts- und Sportgcnossen im Parteiheim in Kövenick, Schloßstraßc 27. Abt. 20 Uhr Fahlabend des 1. Bezirks im..Sängerheim". Florastraße 98. Abt. Borstandssigung mit den Bezirksführcrn bei Kiehne. Um bestimmtes und vünktliches Erscheinen wird ersucht. 19. 17. 9. 9. n. 13. 14. 15. 16. 17. 19. 29. 21. 23. 28. 29. 39. 31. 35. 40. 43. 44. 45. 47. 48. 51. 99a 109. 8. 9. 26. 32. 4t 71. 81. 85. 86. »4. 193. 198. 129. 136. Mittwoch. 13. Juli: Jüt die nachstehenden Mitgliederversammlungen lautet das Thema:„Der Entscheidungskampf der deutschen Arbeiterklasse". 1. Abt. Mitgliederversammlung im„Sackeschen Löf". Rosenthaler Str. 40(41. Referent Lugo Leimann, M. d. R. 8. Abt. Mitgliederversammlung bei Lohgn. Brllderstr. 16, Referent Dr. Franz Neumann. 3. Abt. Mitgliederversammlung im Saal 1 des Gewerkschaftshauses, Engelufer. Referent Robert Bredow. 4. Abt. Mitgliederversammlung im Lokal„Belvcdere", Aleranderstraße 21. 5. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im„Rosenthaler Los". Rosenthaler Straße 11(12. Referent Mar Fechner, M. d. L. 9. Abt. Mitglieversammlung im„Kegler-Eck", Quigowstr. 146. Fahnenweih«. Referent Otto Meier. M. d. L. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 19. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im„Pagcnhofer". Turmstraße 26. Referent Paul Robinson. 12. und 13. Abt. in den„Arminiushallen", Bremer Straße 72(73. Referent Otto Ortmann. 24». Abt. Gruppe Carl Legten im„Hermannsheim". Echte und falsch« Ein- heitzfront. Bannerweihe. 28. Abt. Mitgliederversammlung im Arbeiter-Samariter-Haus, Iostvstraße 4. Referent Dr. Julius Moses, M. d. R. 29. Abt. Mitgliederversammlung im Altersheim, Danziger Str. 62. Referent Bruno Neumann. 39. Abt 20 Uhr Mitgliederversammlung im Baugewerkshaus, Großbeerenstr. 96. Dr. Otto Friedländer:„Einheitsfront?" Vorher(18'/, Uhr) im gleichen Raum Funktionärstgung. 44. Abt. Mitgliederversammlung in der Schulaula Mariannenstr. 47. Referent Wilhelm Reimann. 52. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Kosfke, Kaiserin-Augusta-Allee 8t Referent Friß Schmidt. 58. Abt. Fablabende in den bekannten Lokalen. Die Bezirksführer laden ein. 54. Abt. Im Jugendheim, Rostnenstr. 4, Funktionärstgung. 58. Abt. 20 Uhr im Rankehaizs, Rankestr. 4, Mitgliederversammlung. Re. ferent: Stadtrat Heuer. 97. Abt. 20 Uhr im Bahnhossrestaurant Wurzbacher. Grunewald. Referent Kurt Anker. 68. Abt. 20 Uhr bei Sandmann, Westfälische Str. 42, Mitgliederversammlung. Referent August Ricmann. 72. Abt. 19 Uhr ffunktianärsttzung, 20 Uhr Mitgliederversammlung hei Ro. senau, Laubacher Ecke Barziner Straße. Refercntin Helene Schmitz, M. d. L.. Buchkontrolle. 73. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung und Zahlabend im„Deutschen Haus", Breite Str. 34, Wichtige Tagesordnung. 79. Abt. 20 Uhr im Eesellschaftshaus des Westens, Hauvtstr. 30/31, oberer Saal, Mitgliederversammlung. Referent Georg Madcrholz, M. d. L. 79». Abt. 20 Uhr im Ledigenheün, Eydthstr. 37. Referent St. Theodor Haubach. 89. Abt. 20 Uhr Abteilungsversammlung im Helmholtz-Gymnastum, Zeichen. saal. Referent Genosse Schweitzer. Die Zusammenkunft jüngerer Partei- Mitglieder fällt im Juli aus. 81. Abt. 20 Uhr im Gesellschaftszimmer des Ratskellers, Riedstr. 1/3. Re- ferent Otto Bach. 84. Abt. 20 Uhr bei Lehmann, Kaiser-Wilhelm-Str. 29/31, Mitgliederver- sammlung. Referent Max Heydemann, M. d. L. 87. Abt, 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Schuster, Kirchstr. 68.„Alte und neue Notverordnungen". Referent Dr. Broecker. 91. Abt Im Lokal Bcrgschloßhöhe, Karlsgartenstr. 6/11, Mitgliederversammlung. Referent Fritz Schröder. 95. Abt. 20 Uhr bei Friedersdorf, Jägerftr. 3, Mitgliederversammlung. Referent Karl Litke. M. d. R. 97. Abt. Die Mitgliederversammlung fällt aus. Dafür Zahlabcnde in den bekannten Lokalen. Besprechung der Wahlarbeit und anderes. 99. Abt. Bei Becker, Ehausseestr. 97, Mitgliederversammlung. Referent Gott- lieb Reese. 191. Abt. Im früheren Rennbahnlokal George, am Bahnhof Treptow. Refe- rent: Robert Breuer. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 194. Abt. In der Brllckenklause, Brückenstr. 15. Referent Felix Stössinger, 195. Abt. Bei Lehmgrübner, Bismarckstr. 2, Mitgliederversammlung mit Gästen. Referent Polizeiprästdent Grzessnski. 119. Abt. 20 Uhr bei Werner, K'öpenicker Str. 125, Mitgliederversammlung. Referent Georg Klausner, M. d. L. 111. Abt 20 Uhr bei Leimann, Waltersdorfer Str. 100, Mitgliederversomm. lung. Referent Dr. Kurt Löwenstei». M. d. R. 113. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung Schmöckwitz im Landhaus bei Müller. 114. Abt. Im Logenkasino, Knorrpromcnade 2, Mitgliederversammlung. Re- serent Dr. Korach. 145. Abt. Bei Seipke, Kronprinzenstr. 47 Ecke Scharnweberstraße, Mitglieder. Versammlung. Referent Henrv Drunsel. 118. Abt. Mitgliederversammlung bei Tempel, Gudninstr. 7. Referent Ernst Hildebrandt. 121. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung an bekannter Stelle. ,,Die Ford«- rungen der Arbeilerschaft". Referent Dr. Aron». 122. Abt 20 Uhr bei Porath, Marzahner Str. 31, Mitgliederversammlung. „Wie diskutiere ich mit meineen Gegner?" Referent Heinrich Iakubowicz. 122». Abt. 20 Uhr bei Kindscher, Köpenicker Str. 165 167.„Wie diskutier« ich mit meinem Gegner?" Referent Genosse Böhme. 123. Abt. In der Schützenklause, Höhnower Str. 5, Mitgliederversammlung. Referent Dr. Richard Mischlee. 124». Abt. 20 Uhr bei D raber, Uhlandstr, 18. Referent Robert Schmidt. 127. Abt. 20 Uhr im Berliner Hof bei Götze. Berliner Str. 93, Mitglieder. Versammlung. Referent Karl Weiner, M. d. L. 131. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Pfeifer, Blankenfelder Straße. „Die Wirkung der Papen-Rotverordnung aus das Volk." 132. Abt. 20 Uhr bei Klug, Dorfstr. 2, Mitgliederversammlung. Referent Genosse Oltersdors. 133. Abt. 19 Uhr Borstandssttzung, 19'/- Uhr Agitationskommisstonssitzung, Äst i Uhr Mitgliederversammlung bei Kaehne. Berliner Str. 39. 134. Abt. 20 Uhr bei Göpfert, am Bahnhof Buch. Mitgliederversammlung. Referentin Marie Kunert, M. d. R. 138. Abt. 20 Uhr Mitgliehcrversaminlung im Forsthaus, Auguste.Biktoria» Straße 34. Referent Simon Katzenstein. 139. Abt. Im Lokal„Zum Schwan". Scharfenberger Str. 30, Mitgliederver- sammlung. Referent Jockel Meier. 149. Abt. Mitgliederversammlung mit Gästen bei Woitschach, Ernststr. t Referent Stadtrot Karl Mermuth. Donnerstag. 14 Juli: Zusammenkunft jüngerer Partei- Partei." Referent Dr. 12. Abt. 20 Uhr bei Schmidt, Wiclefftr. 1 Mitglieder.„Irrwege der Kommunistischen G. Ebetlein. 117. Abt. In Kerns Festsälen, Türrschmidtstr. 45. Mitgliederversammlung. „Unser Kamps für die Freiheit." Referent August Pattloch. Sonnabend, 16. Juli: 112. Abt. 20 Uhr Zahlabend bei Heßler, Rahnsdorf. Fürstenwalder Straß». „Unser Kampf für die Freiheit" Referent Karl Weiner, M. d. L, Arauenveranstaltungen. 6. Krei». Freitag, den 15. Juli, 19 Uhr. bei Krüger, Grimmftr. 1. wichtige Funktionärinnensttzung.„Wie diskutier« ich mit meinem Gegner?" Re. ferentin Erna Kresse. 14. Kreis. Das für den 19. Juli in Rudow geplante Frauentreffen de» Kreise» muß wegen anderer Bcranstaltungen ausfallen. 18. Krei». Dienstag, den 12. Juli. Dampferfahrt mit dem Dampfer„Hoff. nung" nach Ziegenhals bei Zeuthen(Mark!, Lokal„Zum Sporthaus", Znh. Mörschel. Erwachsene 80 Pf., Kinder 25 Pf. Abfahrt 8'/» Uhr, Waisenbrückc. Genossinnen und Gäste anderer Kresse willkommen. An- spräche der Genossin Nora Henke. 12. Abt. Montag, 11. Juli, bei Oehlschläger. Berlichingenstr. 5.„Re- volution der Ehe". Rcferrntin Else Sleinkühler.» 19. Abt. Sonnabend, 16. Juli. Ausflug nach Buch, Lokal„Waldschänke". Treff- punkt 13 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen. Nachzügler treffen sich im Lokal direkt. 21. Abt 12. Juli Ausflug nach der Spielwiese Iungfernheide. 85. Abt. Dienstag, den 12. Juli, gemeinsamer Spaziergang. Treffpunkt 13'/» Uhr am Tivoli. Berliner Ecke Friedrich-Karl-Stroße. Für Straßen. bahnfahrer Linie 199 um 14'/» Uhr am Bahnübergang Marienfcld«. Nach kurzem Weg Kasfeetrinken im Eafe„Süd", Lankwitz, Brottenroder Str. 18. 92. Abt. Mittwoch, den 13. Juli, Badefahrt nach Rahnsdorf. Treffpunkt Kaiser-Friedrich- Ecke Erkstraße früh 8 Uhr. 96. Abt. Kaffeekochen erst im August. Termin wird noch bekanntgegeben. Montag Demonstration. 99. Abt Mittwoch, den 13. Juli, treffen sich die Funktionärinnen«ine halb« Stunde vor Beginn der Mitgliederrerfammlung zu einer kurzen Be. sprechung. 99». Abt. Da» Fraucntreffen in Rudow fällt aus. 124. Abt. Dienstag, den 12. Juli, Kaffcekachen und Baden in Rahnsdorf. Näheres bei den Funktionärinnen. 135. Abt. Mittwoch, den 13. Juli, 20 Uhr, an bekannter Stelle„Unser Kamvf für die Freiheit". Referent Heinz Löwi. 138. Abt. Freitag, 15. Juli, an bekannter Stell».„Unser Kamps für die Freiheit". Referent Hans Marx. Sozialistische Sludentenschask. Sonntag, den 10. Zult Alle Genossen beteiligen sich am Gewerkschaft»» fest im Lunapark. Montag, den 7. Juli, 20 Uhr. im Bund. Albrechtstr. II, Gartenhaus N, Rcdnerkurfe. Leitung Genosse Groß. Dienstag, den 8. Juli, 20 Uhr, wichtig« Funktionärkonferenz. Abonniert die Zeitung der Aand- und �ovfarbeiter! Ich abonniere die volle Ausgabe des»Vorwärts", zweimal täglich frei ins chaus zum Preise von 3.25 Mk. pro Monat(pro Woche 75 Pf.) Ich abonniere den„Sonntag-Vorwärts" zum Preise von 55 Pf. pro Monat. (N chlzutreffendes ist zu durchstreichen.) Name: Wohnung: „Strohe Nr.- vorn- Hof— Quergeb.— Seitenfl.— Tr. links— rechts bei Zlusfüllen und einsenden an den Verlag des„vorwarls" Berlin SW 68. Lindenstrajze 3. Arbeilsgemeinschafl der kindersreunde Groh-Berlin. Di« achttägige» Zcttlagerteilnehmee kommen heute um 20 Uhr im Auto Bahndoi Prenzlauer Allee an, die Teilnehmer aus Kreuz- berg 20t. Uhr Belle-Alliance-Platz und die Restsalken 2014 Uhr Kottbusser Tor..„„. ,. „ Kreisleitcr! Alle Falken, die am Sonnabend, dem 16. Iule. nam \ dem Uedersce fahren, müssen am Mittwoch, dem 13. Juli, gemeldet 9 werden. An diesem Tage wird abgerechnet. Bis zum 13. Iulr müssen bei den Kreisleitungen die Meldungen der Eltern für die Elternfahrt sein.— Montag. 18. Juli, 19'3 Uhr, Kreisleitersstzung. evtl. Vertretung cnts-nden. Kreis Tempclhos. Meldung der Eltern zur Elternfahrt am 24. Juli sofort beim Genossen«chlawe, T-mpelhof, Konradinstr. 2. Kreuzberg. Letzter Anmeldungstcrmin für die Fahrt der Eltern zum Ueder- seelager am 16. Juli an Frieda Schmidt, Oppelner Str. 4. Der Urdanplatz ist illr alle zu Haus gebliebenen Falken täglich von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr geöffnet. Prenzlauer Berg. Donnerstag, 14. Juli, 9 Uhr, Adftrichentnahme bei den Viktor Adler bis 14. Juli, 19 Uhr, Baracke 3, Danziger Str. 62. Die Mel düngen der Eltern zur llederseesahrt am 24. Juli müssen durch die Abtei. lungsleiter bis spätestens Donnerstag. 14. Juli, vorgenommen werden, täglich von 161-, bis 18 Uhr bei Lücke, Stolpifche Str. 19. Dasrlbst Entrichtung de» Teilnehmerbeitrage» von 2 M. Renköll». Heist lferkreis. Alle Genossen beteiligen fich an der Demonstration. Treffpunkt 18'Uhr. Reuterplatz. Nachdem Arbeitsstunde der Baracke. �Ah. rechnen der Zeltlagrrbeträge. Rote Falken der Gruppen Aufbau, Avant,, Bau. volk und Jungvolk Montag Untersuchung um 10 Uhr Rathaus, Zimmer 294. Zeltlagerappell: Die Gruppen und Felllagerteilnehmer sind am Dienstag um 17 Uhr Sonnenallee zum Zeltlagerappell mit gepacktem Tornister. Anschließend Besprechung der Zeltlagerhelser. Die Zeltlagergemeinschaften Lichtkämpser, Kurt Eisner, Britz und Bauvolk find Montag um 10 Uhr Sportplatz Sonnenallee. 12. Kreis Steglitz. Zeltlagerteilnehmer(2 Wochen). Abfahrt am 16. Juli. Geld sofort bei Ewald Wolter zahlen. Besichtigung des Zeltlagers für Eltern Dienstag, Donnerstag, 9—1114 Uhr, Platz am Park. Sterbetafel der Groß-Derliner Partei«Organisation 29. Abt. Am 6. Juli verstarb plötzlich unser alter Senosse Fritz Holiger, Danziger Str. 75. Ehre seinem Andenken. Beerdigung Dienstag, 12. Juli, 1514 Uhr, auf dem Städtischen Friedhof Friedrichsselde. Rege Beteiligung er- wartet der Abteilungsvorstand. 195. Abt. Am 7. Juli verstarb unser Genosse Gustav Schrepper, lang- jähriger Mitarbeiter im„Vorwärts", im 77. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken. Beerdigung Dienstag, 12. Juli, 14 Uhr, auf dem Friedhof in Adlers- Hof. Um rege Beteiligung wird gebeten. (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Der„Vorwärts" erscheint wochentäglich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgabe für Berlin und im Handel mit dem Titel»Der Abend", Illustrierte Sanntagsbeilage„Boll und Zeit". Anzeigenpreise: Di« einspalt Millimeterzeile 30 Pf., Reklamezeil« 2.— M» „Kleine Anzeigen" da, fettgedruckt- Dort 20 Pf,(zulässig zwei fettgedruckte Worte) jede, weitere Wort ,0 Pf. Rabatt laut Tarif. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Wort«. Arbeitsmarkt Millimeterzeile 25 Pf, Familienanzeigen Millwleter» zeile>6 Pf. Anzeigenannahme im Hauprgeschäft Lindenstraß- Z. wochentäglich von«V, bi» 17 Uhr. Der B-rlag behält sich das Recht der Ablehnung nicht ge- »ehmer Anzeigen vorl Verantwortlich für Politik: Pietvr Schiff! Wirtschaft:«. Klingelhöseri 3. Steiner; Feuilleton: Herbert Lepire; Lokale» Berla und Hierzu 4 Beilagen Sosiöns weiße Zähne schon nach einmalig. Putzen mit der herrl. erfrisch, fchmeckenden»Chlorodoni. Zahnpaste", fchreldt uns ein Raucher. Tube 50 Pf. und SO Pf. s" dem Mjmnw.ltep&utf 100 g Silberauflage Liegematratze_ Ä_ mocksrns», doppslssiUgs« Muster für Rasen und Strand, lsidit f U"Ä Esslöffel 0.85 Kaffeelöffel 0.45 �sbor. m» Kopfroi.........- Sß, Ess- oder Dessertbesteck,« nc RohrllogOStuh q jjb| Messer m» rostfreier Kling,......... 2.85 ha?'.: 3.9Ü Konservengläser XMaÄrd 0.25 ife 0.32 lü? 0.35 wei«...,>/lUr. 0.28 Li«. 0.32 Lfr*. 0.35 Fruchtpresse C CA verzinnt....................... OiUU E i s Ic i s t e wein lackiert, 55 cm lang, 4B f K 33 cm breit, 33 cm hoch......(Ob I W Plättbrett.__ gut.Bezug,ca.l60x25cm2.78, H CO. 140X22 cm................ lalV IM mm Piasende Matratze....... 5.90 .4ö Metallbettstelle JA 7c 33 mm Bügelrohr, weiss laddert Mmmrn M m 9�C Matratze m. 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In jeder Nacht pfeifen da oder dort Revolverkugeln durch die dunklen Gassen. Wären die Massen satt, würden sie um diese Zeit schlafen. Aber mit dem unbarmherzig rumorenden Hungergefühl im Leib schläft es sich schlecht. So gibt eins das andere. Keine Familie ist von der Not verschont geblieben. Wenn der Bruder noch sein warmes Mittagessen hat, haben es die Schwester und der Schwager nicht mehr. Da werden plötzlich Menschen, die bis auf den heutigen Tag versuchten, ihr beschauliches Kleinbürgerdasein zu führen, irre an dieser Zeit. Je schwankender das soziale Fundament wird, desto stärker häuft sichbeiihnen der Konfliktstoff. Ein loses Wort, ein Teller Suppe, der zu heiß, oder eine Gasrechnung, die zu hoch ist, können zur Explosion führen. Das Erwachen nachher ist furhtbar. Sexuelle Momente spielen oft genug mit. Auf jede Ehe kommt in Berlin noh eine einzige Geburt. Hält dieser Geburtenrückgang an, dann wird Deutshland in 70 Jahren nur noh 25 Millionen Einwohner zählen, das mar die Bevölkerungsziffer von 1816, zur Beendigung der N apoleonishen Kriege. Die Eltern fürhten sih davor, Kinder in die Welt zu setzen, die sie mit Wasser und Brot aufziehen müßten, sie wollen niht, daß der Sohn eines Tages den Vater anklagt: Warum bin ih nur auf der Welt? So gehen Eltern auf der nervenraubenden Fluht vor dem Kinde zugrunde. Die Mondscheinfahrt der„Diana". Aber was sind das für Tage? Am Dienstagmorgen treibt führerlos das Rennboot„Diana" auf der Havel. Als das Pa< trouillenboot der Wasserpolizei nach dem Rechten sehen will, ge- wahren die Beamten zwei Tole: den Juniorchef des Bank- und Viehagenturgeschäfts St., Berlin-Zentralviehhof, Werner St., 24 Jahre alt, und dessen Braut, das 21jährige Fräulein Käthe Z. Niemand weiß einen Grund für die Tat. Dem deutschen Fleisch- markt leuchtet immer noch der Stern einer eigenartigen Konjunktur! pro Kopf und Jahr beträgt der Fleischverbrauch nach wie vor rund 50 Kilo. 1931 war er sogar noch etwas höher als 1930. Sorgen hatten die jungen Leute nicht. Werner St. hatte sich für Dienstag früh noch mit einigen Kunden verabredet, hinterließ seiner Wirtin, ihn um 5A Uhr zu wecken, weil er zeitig aus dem Viehhof sein wollte, dann rief er seine Käthe an, und um 9 Uhr waren beide in Pichelsdorf.„W ir wollen noch eine kleine Mond- scheinfahrt machen", sagte er lachend zu dem Mann von der Bootswerft, und inmitten der Pracht des Sonnenuntergangs fuhr die„Diana" Schildhorn zu. Am nächsten Morgen werden beide mit tödlichen Kopfschüssen gefunden. Und das kam so: der Herr Werner St. ging nie ohne seinen Schießprügel. Jungen Leuten jucken aber solche Eisen in der Gesäßtasche, diese Dinger müssen auch einmal knallen, sonst haben sie keinen Sinn. Also holte St. die Kanone vor, und im nächsten Moment hatte Käthe Z. eine Kugel im Kops. Es blieb St. kein anderer Weg, als nun sich in die Schläfe zu schießen. Das ist die landläufigste Theorie von der Todesfahrt der„Diana": es gibt auch noch andere. Aber was sind das für Zeiten? Früher nahmen sich die Leute ein Glas Gurken- salat mit in den Wald oder eine Hängematte oder sonst etwas. heute fahren sie nur mit einem Parabellum bewaffnet Kahn. Ein Zusammenbruch am Großen Giern. Am Mittipoch wurde der Lehrer hilger dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dieser Mann war seit 192S verheiratet, verdiente 270 Mark im Monat, wohnte in Moabit, aber er kam mit dem Geld nicht aus Es gab viel Zank und viel Kummer. Vor einem halben Jahr zog h. nach Wittenau. Nimmt aber die Frau anfänglich nicht mit. sondern schreibt ihr erst später, doch auch nach Wittenau zu kommen. Die Frau erklärt aber, sie sei krank und bleibe in Moabit. Darauf läuft h. zum Kadi und klagt auf Wiederherstellung der ehelichen Gemeinschaft. Aus jeden Fall eine seltene Ehe. Ver-' gangenen Sonnabend nun steckt sich h. ein Rasiermesser ein. Er weiß, daß mittags seine Frau im Belleouepark spazieren geht. Er trifft sie auch, aber von nun an gibt es nur noch einen Talzeugen: den Mörder h. selbst. Die Frau soll ihn beschimpft haben, er wollte sie darauf packen, aber beide kamen zu Fall, da hat er schon das Rasiermesser aus der Tasche und zieht der Frau die haarscharfe Klinge durch die Kehle. Und Gräser und Blumen färben sich blutig- rot. Einige Zeit später bricht vor dem Schupo am Großen Slern ein Mann zusammen:„Zch habe meine Frau ermordet!" lallt er. So war es gekommen: kein Geld, keine Liebe, aber trotzdem: was sind das für armselige Männer, die mit einem Rasiermesser in den Park gehen, um eine kranke Frau zu bändigen?—„Warum steckten Sie sich das Messer ein?" fragte ihn der Untersuchungsrichter.„Ich bin Botaniker, ich brauche das Rasiermesser", antwortete der Lehrer. Dann siel er in Weinkrämpse. Kleiner Aufruhr in Bernau. Am Montag war dos liebe, stille Bernau in Aufruhr. Trotz Verstärkung war das Bernauer Polizeikommando machtlos gegenüber den Zernauer Bürgern, die das Haus hohcsteinslraße 30 stürmen und den Mörder Friß Doberan lynchen wollten. Schleu- nigst wurde D. ins Rathaus geschafft, und erst in der Nacht konnte ihn ein Auto ins Berliner Polizeipräsidium bringen. Am Mitt- woch wurde die 27 Jahre alte Ehefrau Charlotte D. mit einer Zuckerschnur erdrosselt in ihrer Wohnung aufgefunden. Es konnte ein Mord fein, ober auch ein Selbstmord. Denn die Tür war verschlossen, und der Schlüssel log in der Wohnung. Der Ehe- mann wird befragt:„Es werden die drei Hossänger gewesen sein", meint er. Aber die waren es nicht„Dann wird es der Gärtner gewesen sein, ihr srüherer Freund, der ihr immer nachstellte." Der war es auch nicht. So wird der verdächtige Ehemann in Haft gesetzt. Am Montag wird die erdrosselte Frau D. beerdigt. Die Polizei, immer noch schwankend, ob sie den Mörder oder einen Un< schuldigen festhält, gestattet D.. unter Poli,oibed?ckung an dem Be< qräbnis teilzunehmen. Als die Bernauer D. sehen, kommt es zu den schweren Tumulten. In der darauffolgenden Nacht zum Don- nerstog nehmen ihn die Berliner Kriminalisten ins Kreuzverhör. D. ist noch sehr aufgeregt über das Bernauer Erlebnis. Plötzlich faltet er die Hände, läßt den Kopf aus den Tisch sinken und stöhnt: „Ich will nun die Mohrheil sogen!" Seine Frau kam in der Dien«- tognocht seinen Wünschen nicht nach. Er schlug sie, Sie trotzte. Da packte er sie am hol» und würgte sie. Als er los ließ, war die l Frau Charlotte D, tot. Jetzt holte er eine Zu-e-rschnur und hängte � die Frau am Bettpsosten aus. Am nächsten Morgen, nachdem er neben der Leiche gewoibt hatte, kochte er Kofiee. deckte den Früh- stückstisch, verließ das Haus und warf den Schlüssel zum Ober- fenster in die Stube. Beinahe wäre ihm die Bortäuschung des Selbstmordes gelungen.„Woher hoben Sie die Krotzwunden?" fragte man D,„Ich habe eine Katze aus dem Hühnerstall gejagt, dabei lnrono sie mir ins Gesicht", aab er zur Antwort. Er hotte ober seine Rechnung ohne den Prof, hintz von der Tierärztlichen Hochschule und Dr. Müller-Heß vom Gerichtsmedizinischen Institut I gemacht. Diese beiden Männer pernuigan kooiüUtüuiän von Fingernägeln auf den ersten Blick zu unterscheiden. Ehe die Sonne des Donnerstagmorgen ausging, war D. des Gattenmordes überführt. Verhängnisvoller Mlttagsschoppen. Es gibt heute Gemeindevorsteher, die morgens am liebsten nicht mehr aufs Amt gehen würden.„Ich weiß nicht mehr, woher ich das Geld für die Unterstützungen nehmen soll, und Steuerquellen habe ich nicht mehr. Oder soll ich denn jedem Drehorgelspieler, der ins Dorf kommt, einen Taler Lustbarkeitssteuer abnehmen?" fragte neulich einer. Solch eine Gemeinde ist Hennigsdorf. Bon vier Essen raucht noch eine, fast in jedem Hause wohnt die Not. Da packt es am Dienstagmittag den 28 Jahre alten arbeits- losen Ernst K.„Rutscht mir alle den Buckel runter", denkt er, rein in die Kneipe, und nun säust er. Mollen, Korn, Koks: um'A3 Uhr ist er bereits satt. Er hätte aber nicht trinken sollen, denn er kann es nicht vertragen. So nimmt das Unglück seinen Lauf. Er lockt die fünfjährige Käthe Z. an sich, schleppt sie in seine Wohnung. vergeht sich an dem Kind, und dann nimmt der Trunkene ein Küchenmesser und... Als die Turmuhr 3 Uhr schlägt, läuft der Blutbesudelte die Dorfstraße entlang und schreit:„Ich habe einen Lustmord begangen!" Einige Minuten später wird Ernst K., der den Eindruck eines wahnsinnig Gewordenen macht, auf der Polizei- wache eingeliefert. Wild-West an der Alten Gpree. Um auch dies noch nachzutragen: am Montag wurde in Erkner Wildwest gespielt. Im Hause Friedrichstratze 16 ist ein Im Süden der Stadl, an der Ecke Adalbert- und Nau- n y n st r a ß e, ereignete sich in den gestrigen spülen Abendstunden ein schweres Berkehrsunglück. Ein polizeiaulo des Uebersall- kommandos, das auf einen Alarm ausgerückt war. prallte aus der Straßenkreuzung mit einem Straßenbahnwagen der Linie 3 zusammen. Die Straßenbahn wurde aus den Schienen gehoben und nur einem Zufall ist es zu danken, daß der wagen nicht umstürzte. Der Hintere Teil der Straßenbahn wurde völlig demo- lierl und das Drehgestell legte sich quer über die Straße. Sämtliche Fensterscheiben gingen krachend in Trümmer. Leider hat der Zu- sammensloh eine Reihe von Schwcrverlehlen gefordert. Sie LlttiallsteUe bot wenige Sekunden nach dem Zusammenstoß einen erschreckenden Anblick. Der Kühler und der Motor des Polizeiautos wurde herausgerisien und die Sitze und Polster völlig zerfetzt. Die Beamten wurden sämtlich aufs Straßenpflaster geschleudert, wo sie zum größten Teil mit schweren Verletzungen bewußtlos liegen blieben. Auch zahlreiche Fahrgäste der Straßenbahn, die im Hinteren Teil des Wagens saßen, wurden durch zersplitternde Glas- scheiben und holz- sowie Eisenteile, die im Augenblick durch die Luft wirbelten, verletzt. Laute Hilferufe ertönten, und in dem zuerst Heute Gewerksdraftsfest .« Lunapark Eintrittspreis 50 Pfennig, Kinder 20 Pfennig, Erwerbslose 30 Pfennig. Erwerbslose erholten einen Bon auf 25 Pfennig, der in den Restaurationsbetrieben in Zahlung genommen wird. Jungbannerfest auf dem Sportplatz Friedrichshain Eintritt 25 Pfennig. Reichsbannerkameraden in Bundeskleidung haben freien Eintritt. Abmarsch ab Küstnner Platz 14.30 Uhr.— Am Abend sprechen: Polizeipräsident dSTZC�SillSkl und Eürcgerme'ster 1 Ab 20 Uhr freier Eir.trilt für Jedermann. Buttergeschäft. Plötzlich fahren vier junge Burschen aus Fahrrädern vor. Der eine stürzt sich auf die Verkäuferin und hält sie fest, die drei anderen stopfen die mitgebrachten Rucksäcke voll Lebensmittel und dann beginnt die Flucht. Unterdessen stutzt eine Schupostreife:„Rief da nicht jemand um Hilfe?"—„Doch, das Butterfräulein von Dania!" Jetzt geht's los.„halt!" brüllt einer der Schupos einem Autofahrer zu. rauf auf den Wagen, und in rasender Fahrt geht's den Räubern nach. Deren Partie ist damit verspielt. An der Weggabelung trennen sich noch die vier: zwei trampeln ihre Karren in Richtung Neu-Zittau.„halt!" schreien sich die Schupos die Kehle aus dem Leib. Die Räuber trampeln um ihr Leben. Jetzt schießen die Polizisten: vorläufig nur Schreck- schllsse. Aber die Räuber jagen weiter. Nun wird es Ernst: der Schupo zielt, und in den Rücken getroffen stürzt einer vom Rade. Jetzt stoppt der andere und ergibt sich. Die beiden anderen sind entkommen. Von ihren Komplicen liegt der eine mit dem schweren Rllckenschuß im Kreist'rankenhaus Kalkberge und der andere fitzt im dortigen Amtsgefängnis. * Wegelagerei und Wild-West-Spielen kann nicht beschönigt werden. Plünderer und Räuber wurden auch von jeher scharf an- gefaßt. Dennoch bleibt es eigentümlich: die Räuber von 1932 gehen fast nur in Butter-, Kolonialwaren- und Fleischerläden. Juweliere dagegen meiden sie. Die Leute packen sich einen Rucksack voll Essen zusammen, dann gehen sie in den nächsten Wald und futtern. Ein mildernder Umstand. herrschenden Durcheinander griffen einige Pasianten und Droschken- chauffeure helfend ein und leisteten den Verunglückten erste Hilfe. In kurzer Zeit war auch die Feuerwehr und das Städtische Rettungsamt mit mehreren Rettungswagen und Unfallspezialwagen zur Stelle. In größter Eile wurden sechs Schupobeamte und acht Straßenbahnsahrgäste ins nahegelegene Bethanien- krankenhaus gebracht. Die Namen der Verletzten: Polizeiwachtmeister Peokowski, Wachtmeister S ch o s d, Hauptmann und Reoiervorsteher des 107. Polizeireviers Koch. Wachtmeister Lange, Wachtmeister Stresemann, Wacht- meister Riffel und Wachtmeister G r u n o w. Von den Verun- glückten, die in der Straßenbahn saßen, sind folgende Namen be- kannt: der 74 Jahre alte Kontrolleur Karl K a tz und der 60 Jahre alte Tapezierermeister Willi B e i ß e r aus der Baruther Straße. Bei einigen der Verunglückten haben sich die Verletzungen als nicht gefährlich herausgestellt. Außerdem sind noch einige Personen aus der Rettungsstelle behandelt worden, die sogleich nach Anlegung von Nowerbänden wieder entlassen werden konnten. Die Entgleisungs- und Aufräumearbeiten dauerten nahezu eine Stunde. Die Schuldfrags ist noch nicht geklärt. Direkior©eifferf verhastet. 3n Prag ereilte ihn nach 9 Monaten sein©chicksal. Prag. 9. Juli. Der Berliner Bankdireklor Willi Seifserk, der Direktor der Bank für Handel und Grundbesitz, der von der Berliner Polizei bereits längere Zeit wegen Betruges, und Zwar wegen Bilanz- fölschungen, verfolgt wurde, konnte hier v e r h a s t e t werden. Er leugnete bei seiner Verhaftung jede Schuld. Ein größerer Geldbetrag. der bei ihm vorgesunden wurde, wurde beim Gericht deponiert. Seifferts Name ist mit dem Zusammenbruch der Berliner Bank für Handel und Grundbesitz A.-G. Berlin eng verknüpft. Wie eine Bombe schlug am 19. November 1931 die Nachricht von dem Zusammenbruch der Bank in Berlin ein. Zehntausende von kleinen Einlegern wurden durch die Großpleite der Hausbesitzbank, in dessen Aufsichtsrat der wirtschaftsparteiliche Abgeordnete Herr Ladendorff faß, um ihre legten Pfennige gebracht. Als Haupt- schuldiger an dem völligen Zusammenbruch der„hagru" wurde Bank- direktor Seiffert genannt. Leider zögert« die Behörde mit seiner Festnahme und man ließ es vorerst mit der Beobachtung seiner Villa in der Auguststraße 23 in Lichterfelde bewenden. Das mochte sich Seiffert zunutze! In der Nacht zum 20. November gelang es ihm, zu entkommen. Schweigen im ll-Noot. Klopfsignale der Taucher bleiben ohne Antwort. Cherbourg, 9. Juli. Dem Taucher des Dampfers„Artiglio" ist es ge- lungen, trotz des bewegten Meeres unter das gesunkene U-Boot„Promethee" zu gelangen, auf seine Klops- signale ist er aber ohne Antwort geblieben. Polfcefauto gegen Straßenbahn Mehrere Schwerverletzte Der Wahlkampf im Gange Sozialdemokraten an jederWohnungstür— Das„Eiserne Haus u in Britz Llm Speck und Schmalz. Seit Dienstag neue Zölle- Sonnabend schon höhere preise. Obwohl erst fünf Tage seit der Zollerhöhung für Speck und Schmalz vorübergegangen sind, beginnen bereits die Preise für diese wichtigen Fettwaren merklich anzuziehen. Es ist geradezu erstaunlich, wie schnell sich derartige Maßnahmen im Handel auswirken. Als die Berliner Hausfrauen am Sonnabend ein» kaufen gingen, war das bisher sehr preiswerte Rohschmalz, das meist 33 bis 40 Pf. pro Pfund gekostet hatte, von den Verkaufs- ständen verschwunden. Dafür wurde Rohschmalz zum Preise von 45 Pf. verkauft: also im Handumdrehen ein Auf- schlag von 5 P f. Beim Speck läßt sich die Entwicklung ähnlich an. Fetter Speck war bisher in ganz Berlin für 70 Pf. pro Pfund zu haben, plötzlich kostet fetter Speck 80 Pf. Und ma- gerer Speck, der immer mit 30 Pf. feilgehalten wurde, ist jetzt auch um einen Groschen im Preise gestiegen, fast überall kostet ein Viertelpfund 25 Pf. Diese Preissteigerungen treffen die werktätige Bevölkerung um fo empfindlicher, als Speck und Schmalz in den letzten Iahren der Not beinahe die llniversalfettwaren der Minderbemittelten gewor- den sind. Insbesondere trifft dies beim Speck zu, der heute allge- meiner Fleifcherfatz ist. Auch mit dem billigen Schmalz mußten sich Taufende von armen Familien behslfen: mit Schmalz wurden die billigen grünen Heringe und die Kartoffelpuffer gebacken. Man muh zu diesen Preissteigerungen noch bedenken, daß sie gerade die- jenigen Bevölkerungsschichten treffen, denen man vor vierzehn Tagen erst die Armenrenten und die Unterstützungssätze gekürzt hat. Diese Aermsten bekommen also in erster Linie die Hungeroerord- nungen zu spüren. Dabei ist ein Ende der Preissteigerung für Fettwarsn noch gar nicht abzusehen. Vor einigen Tagen ist der Handelsvertrag zwischen Deutschland und Schweden gekündigt worden. Dieser Vertrag wird nunmehr am 15. Februar 1333 ablaufen. Dann sollen ganz unge- mein hohe Zollsätze in Ansatz gebracht werden, nämlich SO M. für den Doppelzentner Schmalz und 7S M. für den Doppelzentner Speck. Damit die Händler sich in der Zwischenzeit nicht große Vor- rate an billigem Speck und Schmalz hinlegen, verlangen die Inter- essenten schon jetzt eine Kontingentierung der Einfuhr. Für die politisch interessierte Hausfrau aber ist es notwendig, überall dort, wo Frauen über die Preise diskutieren, in die Gespräche einzu- greifen und ihnen zu sagen, wie die Regierung der Barone den Werktätigen und Unterstützungsempfängern den Brotkorb immer höher hängt. Fememörder von der SA. Gefängnisstrafen für die Tötung des Architekten Freeck. Das Schwurgericht II hatte sich gestern mit den Vorgängen zu beschäftigen, die zu dem Tode des früheren Architekten Hugo Freeck geführt haben. Unter der Anklage der gefährlichen Körper- Verletzung mit Todeserfolg nach einem hinterlistigen Ueberfall waren angeklagt die der Steglitzer SA. angehörenden Regier ungsbaumei st er Erwin Soldan,, der Sohn eines Ministerialrats im Londwirtschaftsministerium, serner der Schmied Hans C w i k l i n s k i und der Hotelangestellte Eugen Seibel. Bei dieser Anklage handelt es sich um eine F e m e, die an einem angeblichen Spitzel verübt worden war. Am Morgen des 24. April wurde Freeck von Ciftnbahnbeamten auf dem Bahn- gelände der Wannseebahn in Steglitz mit schweren Kopfverletzungen als Leiche vorgefunden. Die Ermittlungen ergaben, daß die drei Angeklagten zuletzt mit dem Toten zusammengcwcfen waren. Freeck war seit langem arbeitslos, feine Unterstlltzungsgelder legte er meist in Alkohol an. Seit Mitte April war er in dem national- sozialistischen Verkehrslokal„Erbfen-Paul" und in verschiedenen anderen Lokalen der Gegend, die vorwiegend von SA.-Leuten besucht wurden, ausgetaucht. Durch Redensarten geriet er in den Verdacht eines kommunistischen Spitzels, der sich auch noch dadurch verstärkte, daß man ihn auch in Lokalen gesehen hatte, die von Kommunisten besucht waren. In Wirklicheit war Freeck aber wahllos durch die Lokale der Gegend herumgezogen. Als F. um 3 Uhr das Lokal„Landhaus" in Steglitz stark angetrunken oerließ, wurde er von den drei Angeklagten draußen in Empfang genommen und trotz seines Sträubens fortgeschleppt. An dem Drahtgitter des Bahngeländes versetzte ihm Soldan F a u st- Der Aufmarsch der Parteien zum Kampf um den Deutschen Reichstag ist beendet. Die große, entscheidende Wahlschlacht, die die drei hinter uns liegenden weil in den Schalten stellen wird, hat inzwischen begonnen. Den Berliner Sozialdemo- k r a t e n fällt diesmal die Aufgabe zu, nicht nur die Reichshaupl- stadt unermüdlich zu beackern, sondern auch den Brandenburger Ge> nassen Pate in ihrem schweren Kamps um die Branden- burger Mark zu sein. So wurden gestern die ersten Vorstöße in die umstrittenen Teile der Provinz Brandenburg gemacht: in die P r i g n i h und in die Uckermark. Jedem Bauern ein Flugblatt von uns in die Hand, und auf jedem Marktplatz werden unsere Autos halten und sagen, was die Sozialdemokratie für nokwendig hält. Unermüdlich wird in den kommenden Wochen der Kampf um das Land sorkgesehl werden. Berlin stand gestern im Zeichen der Flugblattverbrei- tungen. Bemerkenswert war, daß sich auch das Zentrum mit einem Flugblatt an die Berliner Bevölkerung wandte. Diese Partei war bisher in den Wahlkämpfen um die Reichshauptstadt kaum hervorgetreten. Die erste Flugblattverbreitung der B e r- liner Sozialdemokratie für den jetzigen Reichstagswahl- kämpf war bereits Freitag. Vollzählig waren die Genosien in den Abteilungslokalen angetreten, nahmen ihren Packen Flugblätter in Empfang, und dann wurde Haus um Haus, Wohnung für Wohnung besucht. Verschiedene Abteilungen begnügten sich nicht damit, nur ein Flugblatt in den Briefkasten zu stecken, die Verteiler klopften gleich an die Türen und baten für die kommende Woche um den Besuch kleiner Häuserblockversammlungen. So wird am kommenden Mittwoch die Reichsbannerkameradschaft„Balkan" zusammen mit der 24a-Abteilung der Partei eine Sturmbannerweihe der Gruvpe Carl Legien veranstalten. Darüber hinaus wurde im „Balkan", das ist die Genend zwischen den Ringbahnstationen Weißensee und Prenzlauer Berg, heute schon an jeder Tür auf die Notwendigkeit des Flaggens hingewiesen. Die B r i tz e r Parteigenossen haben sich sogar ein„Eisernes Am Donnerstag, dem 14 Juü, 20 Uhr, in den lennis- hcücn, Wilmersdorf, Brandenburg sehe Straße: Oeiienti. Kundgebung Redner: Parfelvorsitzerder OttoWe!» und der Preußische Innerminister Karl Severing. Fahnen und Transparente sind mitzubringen.— Abmarsch und Treffpunkt zum Demonstrationsumzua, l9Uhr,hiohenzol(erndamm I ahnhoi). Marsch du' ch die Holsteinische Straße, lauenburger Straße, Brandenburgische S'raße, Wegners'roße, Pfalzburger Straße, Hoher zolerndamm, Fehrbelliner Platz, Tenrishallen. schlag« ins Gesicht. Auf den Ruf Scibels:„Rüber mit ihm" hoben ihn alle drei hoch und warfen ihn mit weitem Schwung über den ziemlich hohen Drahtzaun. Darauf liefen sie weg. Freeck blieb bewußtlos liegen. Kurz darauf ist er a n den schweren Verletzungen gestorben. Nach dem Leichenbefund sind die Gesichtsknochen zerbrochen und das Gehirn stark verletzt worden. Das Schwurgericht II verurteilte Soldan zu drei Jahren, Seibel zu e i ne m Jahr und EwiklmskI zu acht Monaten Gefängnis. Die SA. im Luttqarten. Dr. Josef Goebbels hat gestern seine Anhänger im Lust- garten versammelt. Aufrufe, Riesenplakate, Flugblätter, die An- kündigung Hitlers und der sogenannte Konflikt mit Herrn o. Gayl haben nicht vermocht, eine Kundgebung zu stände zu bringen, die auch nur im entfernte st en mit der Riesendemonstration der Eisernen Front vom Montag zu vergleichen wäre. Vor sechs Tagen waren die Straßen verstopft, ganz Berlin stand unter dem Eindruck des Haus" geschaffen. Vor einigen Tagen wurde es mit einer kleinen, aber wirkungsvollen Feier der Obhut der 93s-Abteilung übergeben. Von diesem„Eisernen Haus" in der Parchimer Allee wird in den kommenden Wochen die Werbearbeit geleitet werden. Am Ein- gang hängt gleich das Schwarze Brett, an dem jeder Helfer ersehen kann, was es für den Tag zu tun gibt. Schon frühmorgens kommen die erwerbslosen Parteigenosien und holen sich Material für die Agitation auf den Arbeitsnachweisen. Abends gehen besondere Trupps los, die ganz spezielle Flugschriften verteilen, damit Beamte nicht Siedlerflugblätter und Gewerbetreibende nicht Erwerbslosen- schriften erhalten. Die bis ins einzelne gehende Vorarbeit wird im„Eisernen Haus" geleistet. Mitte nächster Woche wird noch eine Sozial- und Rechtsberatungsstelle eingerichtet, wo sich die Rentner, Witwen, Waisen usw. jede Auskunft holen können. Von hier aus sollen auch die Trupps losziehen, die den Verkauf unserer Frei- heitsfahnen organisieren. Die Parole heißt: Jeder soll jetzt Farbe bekennen, und dann soll im kommenden Wahlkampf niemand anderem die Straße gehören als den Republikanern! Lm Zeichen der drei Pfeile. Die überfüllte Mitgliederversammlung des Kreises Tier- garten, die in diesen Tagen stattfand, war wiederum ein glänzen- der Beweis für die Entschlossenheit der Berliner Sozialdemokraten, im Zeichen der drei Pfeil« Einigkeit, Disziplin, Aktivität über den geistlosen Faschismus zu siegen. Genosse Kurt Löwen st ein hielt das Referat und prangerte vor allem die enge Verbundenheit an, die zwischen dem Hitlerschen Braunen Hause und der Reichsregie- rung von Papen besteht und ihre Auswirkungen in Matznahmen von ausgesprochen sozialreaktionärem Charakter hat. Die lebhafte Diskussion zeugte von unbeugsamem Kampfwillen, ja der Vor- sitzende Genosse Hennig mußte einige allzu Stürmische unter den jüngeren ermahnen, doch unter allen Umständen Besonnenheit und Ueberlegung zu wahren. Wir greifen an— das war Sinn und Im halt auch dieser Kreismitgliederoersammlung! Massenaufmarsches. Der Lustgarten reichte nicht annähernd aus, Parallelkundaebungen mußten veranstaltet werden. Am Denkmal des ersten Wilhelm, von dem am Montag Eri-pien zu Tausenden sprach, promenierten gestern die Schlachtenbummler. Der Begas- Brunnen, Kurt Hsinigs provisorisches Rednerpult zu flammendem Masienapvell, war gestern Rendezoousplatz für nazifeindlich ein- gestellte Diskusfionsgruyven. Die Eiserne Front kann mit dem SA.-Aufmarfch zufrieden sein. Wald- und Heidebrände! In den gestrigen Nachmittagsstunden entstanden in verschiedenen Waldgebieten an der Peripherie Berlins Brände, die in den meisten Fällen glücklicherweise schnell eingedämmt und erstickt werden konnten. Eine besonders bedrohliche Situation entwickelte sich am I ä g e r st e i g in Frohnau, wo Unterholz in einem Um- fang« von etwa 300 bis 350 Quadratmeter in Flammsn stand. Da sich in der Nähe der Brandstelle ein Hydrant befindet, gelang es durch starkes Waffergeben den gefährlichen Brandherd zu lokali- sieren. Die Brände sind offenbar durch Selbstentzündung entstanden. * Auf der Spandauer Eisenbahnbrücke an der Nauener Straße gerieten gestern nachmittag die Eisenbahnschwellen in Brand. Die alarmierte Feuerwehr war länger« Zeit an der Brandstelle tätig, um die Gefahr zu beseitigen. Ihren 65. Geburtstag begeht heute Genossin Marie Greifen- b e r g. Nachdem sie ihr Arbeitsfeld in Augsburg aufgegeben hatte und nach Iahren aus Amerika zurückkehrte, faßte Marie Greisenberg festen Fuß in der Berliner Parteiorganisation. In der 34. Abteilung im 5. Kreis Friedrichshoin leitet sie heute noch die Frauengruppe. Enge Freundschaft verband sie mit Margarete Wengels Sanitätsrat Dr. Spandow, Friedrich-Wilhelm-Straße 13, ein in der Stadtgegend bekannter Wohlfahrtsarzt, begeht heute seinen 70. Geburtstag. Osk&r.rfTtä 'omf 52/?�/2 „Ist er hineingekommen?" „Mach mich nicht lachen, Vogt! Der und hinein! Ich hab's ihm gegeben, daß er das Feuer im Schwarzwald ge- sehn hat, rauf bis zum Blauen und rab bis zur Lücke! Was, Hab ich gesagt, du willst der heilige römische König sein, du altes, verrostetes Gescheuch?! Da Haft du eins für den König! und nichts wie drauf mit dem Hellebardenend auf den Ranzen! Geh in deines Vaters Sack zurück, du siehst ja aus wie vergantet und nicht abgeholt! Da, nochmals eins für den König! und nichts wie drauf mit dem Stock auf den Ranzen! Hallo, ein König streift nicht nachts wie eine Zelt- hur auf der Gaß rum! und nochmals eins mit dem Stock auf den Ranzen! Ein König weiß, daß er sich genau so an die Gesetze zu halten hat, wie ich als Kriegsmann an meine Artikel! Drum, nochmals eins drauf mit dem Stock auf den Ranzen! Ich kann dir sagen, Vogt, König hin, König her. dieser Nachtkönig hat von mir soviel zwischen die Rippen bekommen, daß er die nächsten drei Stunden bestimmt nicht mehr weiß, ist er Männlein, ist er Weiblein!" „Ist er losgegangen, nachdem du ihn verprügelt hattest?" „O Vogt, zu wem sprichst du? Ich bin der Tröndle aus Allfchwil. Wenn der jemanden die Rippen verhaut, da heißt es liegengeblieben und nicht losgegangen!" „Hast du ihn niedergeschlagen?" „Freilich! freilich!" „Wo liegt er?" „Da, nebenan!" Der Vogt folgt der Richtung der deutenden Hellebarde. Zusammengekauert liegt ein Haufen Elend im stinkigen Winkel. „He, Tröndle, einen Kienspan!" „So siehst aus, Vogt! Meinst vielleicht, du könntest mich rankriegen wegen Wachtvergehens?! Eigenmächtiges Ver- lassen eines angewiesenen Postens! Nein, Vogt, ich kenn meine Artikel. Für mich gibt's auf Wache nur einen Herr« gott, das ist mein Wachtmeister. Hier steh ich. Mich bringen zehn Gäule nicht von meinem Platz weg. Wenn du Licht willst, geh in die Wachtstube, hier hinein, da den Gang runter!" Was bleibt dem Vogt übrig? Er muß selber in die Wachtstube und sich einen Kienspan holen. Als er damit zurückkommt und den Ohnmächtigen im Winkel ableuchtet, meint er, ihn träfe der Schlag. Die zu- sammengesunkene Gestalt, die mitten in der Lache liegt, ist tatsächlich der König. Eilig läßt der Vogt den brennenden Span fallen und tritt ihn aus. Die Verwirrung des Vogts dauert nur ein paar Augen- blicke. Er erweist sich als ein Diplomat hohen Formats, um keinen Ausweg verlegen. Er läßt sich nicht erst lange eine Tragbahre holen. Zwei Spieße und ein Schild tun es auch. Fünf Minuten später ist die kleine Trägergruppe auf dem Wege nach der Pfalz. Sigmund wird dort erwachen, ohne zu wissen, wie er hingekommen ist. Bevor der Vogt den andern nachgeht, tritt er ganz dicht an den Wachtmann Tröndle heran. Eigentlich wollte er ihm sagen:„Dreimal um das Münster gewickeltes Riesenroß und dann noch zwei Knoten dreingeschlagen!" Aber er besinnt sich und meint im letzten Augenblick:„Tröndle! Du kannst dir bei der nächsten Löhnung einen Dovpelsold holen!" Der Wachtsoldat Tröndle vergißt vor Ueberraschung, die vorgeschriebene Grätschstellung einzunehmen. Er schüttelt den bulligen Kopf mit der Eisenkappe und staunt dem Vogt und den andern nach, die im aufkommenden Dämmer ver- schwinden. „Das versteh, wer will, aber ich nicht. Da bummst du einem den Rippsnkorb ein und statt eines Anstauchers kriegst noch einen Doppelsold dafür! Nein, so was! Gut, wenn das so einträgt, will ich mir ein eifrigeres Handgelenk ange- wohnen!" Das war Tröndles Warnung an alle Nachtkönige. 22. Petr knallte der Leuchter aus der Hand, als er Zizkas blutiges Gesicht sah. Dabei ist er ein Mann, fünfundzwanzig- jährig, und hat schon manchen in Spänen und Händeln sterben und verenden sehen, darunter welche, denen rot- glitzrig Darm und Kuttel heraushing: er sollte also des Bluts und des Bluts Scheußlichkeit gewohnt sein. Luzia ist nur ein Mädchen, aber sie zuckt nicht zurück, I ! als sie in der Küche außer Petr noch einen zweiten Ohn- ! mächtigen findet. Ihr Licht fällt nicht zu Boden, trotzdem sie in diesem blutigen Stück Fleisch sofort Zizkas Antlitz erkennt. Einen Augenblick zwar zittert die Hand, stockt der Fuß, doch nur einen Augenblick, dann ist das Gefühl der Schwäche verschwunden. Umsichtig, wie ein geübter Arzt, geht sie zu Werke, gießt Wasser in die Schüssel, mischt scharfen Essig hinein, taucht ein Tuch ein und netzt damit Petrs Gesicht. Er wird bald wieder auf sein. Schon zieht sein Brustkasten von neuem Luft, und aus den Wangen weicht die Fähle des Tods. Dann kauert sich Luzia neben den Ritter hin, bettet sein Haupt in den Schoß und löst behutsam die Eisenkappe. Auch den schwarzen Panzer schnallt sie los. Keine Magdsarbeit, sie hat sie bisher auch noch nie getan. Aber ihre Hände gehen so leicht und so lind, so geschickt greifen ihre Finger an, als sei das ihre tägliche Hantierung. Die pressende Panzerung fällt. Luzia macht Zizka auch das gesteppte Wams frei, den Lendner. Ein Seufzer löst sich aus seiner mächtigen Brust. Der ausströmende Atem klingt wie eines kleinen Vogels Schrei: es ist das wiederkehrende Leben, das sich meldet. Nur eines Vogels kleiner, zer- flattener Schrei, aber in Luzias Ohren klingt er wie der Grundton einer Orgel so gewaltig. Inzwischen ist Petr aus der Ohnmacht erwacht: Zwar ist seine Seele noch etwas bemüdet von diesem Gewaltsturz tief in das Dunkle, so nahe am Tode vorbei. Doch langsam tastet sie sich zurecht. Erinnerung. Raum und Zeit kommen wieder-, Bild knüpft sich an Bild. Alles wird gut, Luzia ist da! Dankbar und glücklich schließt er die Augen. Als er sie wieder aufbringt, ist alles klarer. Die Gegen- stände brechen mit einer unerhörten Deutlichkeit auf ihn herein. Es kommt ihm vor, als ob die Dinge um ihn herum gleichsam hüllenlos seien. Mit Verwunderung nimmt er wahr, wie sich das blutige, unförmige Stück Fleisch unter Luzias Händen Zug um Zug wieder zu Zizkas Gesicht wandelt. Kinn, Mund, Schnurrbart, Nase, Wange, Auge sind jetzt vom Blute frei. Auch die leere Höhle ist ausgetupft. Nur länas der Stirn klafft ein tückischer Streifen, aus dem großtropfig, beinahe schwarz, immer noch Blut quillt. Diese Geburt des Bluts, unablässig sich erneuernd, oermag Petr nicht zu ertragen. Aufs neue wandelt ihn eine Schwäche an. (Fortsetzung folgt.) Das Schicksal der Siedlung. Im zweiten Dauabschnitt sollen noch 8000 Stellen folgen. Dle erste Etappe der noch vom Brüning-Kabinett eingeleiteten vorstädtischen Kleinsiedlung geht ihrer Vollendung ent- gegen. In Kürze werden in etwa ZW Gemeinden Deutschlands rund 18 000 Kleinsiedlungen errichtet sein, dazu kommen in 300 Gemeinden etwa 32 000 Kleingärten. Die Oefsentlichkeit war nun stark daran interessiert, zu erfahren, inwieweit die Papen-Regierung die � Kleinsiedlung fortzusetzen gedenkt. Der zuständige Reichskom- missar Dr. Sassen gab darüber gestern in einem Rundfunk- vortrug Auskunft. Der Bedarf an vorstädtischen Kleinsiedlungen, nach den vor- handenen Bewerbungen geschätzt, dürste ungefähr 60 000 Siedler- stellen betragen. Die Erwerbslosen hatten sich nämlich vor der ersten Bauetappe ganz überraschend mit Meldungen zurückgehalten. Als sie aber sahen, daß Ernst mit der Siedlung gemacht wird, wollten Tausende nachträglich eine Siedlerstelle. Um wenigstens einen Teil der Bewerber zufriedenzustellen, hat die Papen-Regie- rung 23 Millionen Mark ausgeworfen, mit denen noch 8 0 0 0 Kleinsiedlungen und 30 000 Kleingärten errichtet werden sollen. Allerdings wird am 1. August, also schon in drei Wochen, das Reichskommissariat für oorstädtische Kleinsiedlung aufgelöst; Dr. Sassen geht wieder nach Trier als Regierungspräsident und die Geschäfte des Reichskom- mifsariats gehen an den Reichsarbeitsminister über. Was über den zweiten Bauabschnitt mit seinen 8000 bzw. 30 000 Stellen hinaus geschehen wird, bleibt allerdings völlig offen. Im kommenden zweiten Bauabschnitt soll das ganze Siedlungs- werk stark dezentralisiert werden. Es hat sich herausgestellt, daß die einzelnen Gemeinden aus ihrer unmittelSaren Kenntnis der Dinge heraus spezielle Siedlungsoorhaben besser beurteilen können als eine zentrale Reichsstelle. In Zukunft sollen auch Einzelsiedler und rechtsfähige Siedlergemeinschaften soweit möglich in das Sied- lungswerk eingeschaltet werden. Preußen wird außerdem seinen Regierungspräsidenten Anweisung geben, den Siedlern in steuer- licher und baupolizeilicher Hinsicht Erleichterungen zu ver- schaffen. Für Familien mit 3 und mehr Kindern wird das Bau- geld auf 3300 Mark erhöht, wozu noch ein zusätzliches Reichs- darlehn von je 500 Mark kommt. Für kinderreiche Familien waren die Häuser nämlich zu klein. Schönes EonniagswetSer! Wieder starke Erwärmung- heiterer Himmel. Fast im ganzen Reich, mit Ausnahme des Alpenvorlandes, wo es zur Zeit heftig regnet, ist schönes Wetter zu verzeichnen. An der Nord- und Ostseekllste hat sich das Wetter gleichfalls aufgeklärt und die Temperaturen betragen durchschnittlich zwischen 22 bis 26 Grad. Das kräftige Hoch, das über der Biskaya liegt und bis zu den Azoren reicht, dürfte auch in den nächsten Tagen den Charakter unseres Wetters bestimmen. Zwar haben sich bei Island ein kräftiges Tief und kleinere Tiefdruckgebiete über dem Mittelmeer und über dem Balkan herangebildet, diese Depressionen dürften jedoch ohne Einfluß auf das Wetter in Nordwest- und Mitteleuropa bleiben. Denn es Ist«in starker Druckanstieg zu verzeichnen, so daß keine Befürchtungen für einen abermaligen Wetterwechsel bestehen. �aubübersall im Grunewald. Junges paar ausgeplündert und das Auto entwendet. Eine junge Dame aus Stahnsdorf und ein Herr aus der Cunostraße in Schmargendorf hatten eine kleine Auto- Spazierfahrt unternommen, die sie gegen Mitternacht in den Grunewald auf die Chaussee zwischen dem Großen und Kleinen Stern führte. Als sie in ihrem Auto anhielten, kamen plötzlich aus dem dunklen Walde drei junge Burschen hervor, die das Paar mit Pistolen bedrohten und es zwangen, sie mitzunehmen und nach dem Großen Stern zu fahren. Unterwegs nahmen sie dem jungen Manne die Geldbörse mit 40 M. ab. Sie wollten auch dem Mädchen Armbänder und Ringe fortnehmen, doch als sie weinte, spielten die Räuber Kavalier« und gaben ihr alles wieder zurück. Am Großen Stern mußte das Paar aussteigen, und«in Räuber setzte sich selber ans Steuer; sie erklärten, daß sie den Wagen selbst brauchten. Dann fuhren die Burschen in der Richtung nach dem Kleinen Stern zurück und verschwanden. Das Paar wanderte nun zu Fuß bis zur Avus, traf dort in einem Blockwärterhäuschen«inen Beamten und benachrichtigte die Polizei. Bisher ist der Wagen, der die Nummer IL 7033 trägt, noch nicht wkder aufgetaucht. Zugkatastrophe in der Türkei. 'Iv Reisende getötet Angara, S. ZnN. Del Crki-Schehir auf der Strecke Aonstankinopel— konla ist ein Personenzug entgleist. Dabei wurden 10 Personen getötet. Auch Trebbin unter Naziierror. Uns wird geschrieben: Seit kurzem ist in Trebbin(Kreis Teltow) eine auswärtige Sturmabteilung der Na- t i o n a l s o z i a l i st e n' einquartiert, die es für ihre Aufgabe hält, die republikanische Bevölkerung des Ortes bei jeder Gelegenheit zu provozieren. Die bürgerliche Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung lehnt« den sozialdemokratischen Dringlichkeitsantrag, die Kasernierung der SA. sofort aufzuheben, mit der Begründung ab, daß es sich um„friedliche Menschen" händig Wie„friedlich" die in Trebbin untergebrachten SA.-Leute sind, zeigte sich am deutlichsten bei der Protestdemonstration, die Freitagabend vom Gewerkschaftskartell unter Teilnahme der politischen Parteien veranstaltet wurde. Als der Zug am Markt- platz ankam, eilten auch die Nationalsozialisten geschlossen im Lauf- schritt dorthin, lösten ihre Koppelschläsier und nahmen in provo- zierender Haltung neben der demonstrierenden Arbeiterschaft Auf- stellung. Bei verschiedenen Nationalsozialisten wurden Schlag- ringe, Stahlruten und Gummiknüppel beobachtet. Erst auf mehrmalige Aufforderung der verantwortlichen Funktio- näre des Gswerkschaftskartells wurden die Nationalsozialisten von der Polizei zurückgedrängt. Die Anpöbeleien der Be- völkerung durch die Nationalsozialisten setzten sich bis in die späten Abendstunden fort. Verschiedentlich maßten sich die SA.-Horden Polizeigewalt an. Nur der besonnenen Haltung der Arbeiterschaft ist es zu danken, daß es nicht zu ernsten Zusammenstößen ge- kommen ist. In Trebbin herrschte vor Eintreffen des ortsstemden Sturm- trupps Ruhe. Erst jetzt sind politische Reibereien auf der Straße an der Tagesordnung. Es ist höchst« Zeit, daß die verantwortlichen Stellen dem Nazi-Rowdytum in Trebbin ein Ende b e- reiten, ehe es zu Blutvergießen kommt. Mißbrauch der Notleidenden Tagesarbeit für Brot und Bett— Maschinenschreiben für gute Luft Es haben sich in unserer Notzest allerlei Mittel und Wege ge- funden, dem bedrängten Nächsten unter die Arme zu greifen, ohne sich selbst dabei seiner knappen Mittel entblößen zu müssen. So ist beispielsweise das Tauschsystem„Kunst gegen Naturalien" manch schaffendem Künstler zustatten gekommen: auch vielen allein- stehenden Frauen und Mädchen ist gedient, wenn sie durch etwas Hilfe im Haushalt in den Besitz einer Art Schlafstelle gelangen. Dieses bargeldlose System nimmt jetzt bedenkliche Formen an. Studiert man den Stellenmarkt, dann wird man bemerken, daß auf regulärem Wege heute kaum noch eine Arbeitskraft gesucht wird. So ist beispielsweise die„gutbezahlte, angenehme Tätigkeit einer Sekretärin mit soundsoviel Mark Kaution" längst zur ständigen Rubrik geworden; man kann da doch wirklich nicht von einer end- lich gefundenen Position, sondern höchstens von einem„großen Risiko" sprechen! Das Kautionswesen blüht aus dem Stellenmarkt mehr denn je, heute verlangt beispielsweise schon der Zwischenmeister von der Heimarbeiterin für allerbilligste Stück- wäre 30 Mark und noch mehr als Sicherheit. Aus der anfänglichen Forderung der Wohnungsinhaberin, daß sie einem Mädchen gegen 2 Stunden täglicher Hausarbeit das Mädchenzimmer als Wohnraum überläßt, sind mit der wachsenden Praxis auf diesem Gebiete und der immer schlechter werdenden Konjunktur für die Arbeitnehmer mit der Zeit ganz andere Be- dingungen entstanden. Es gibt heute Haushaltungen, wo das Mädchen die gesamte Hausarbeit verrichtet und die Untermieter bedient, wofür es dann wohl das Essen und ein Bett, aber nicht einen Pfennig Lohn erhält. Da hat z. B. eine ganz Gerissene ihre gesamte Wohnung, einschließlich der Mädchenkammer, vermietet: das Mädchen muß in der Küche schlafen, die noch die besondere Annehmlich- keit besitzt, daß sie sich am Ende der Wohnung befindet, so daß das ""1' Mädchen gezwungen ist, über den ganzen Hof und wieder zum Flur ---I herein in die Wohnung zu gehen. Die„gnädige Frau" benützte die günstige Gelegenheit, die ihr dies bescheidene und sehr tüchtige Mäd- chen bescherte, eine Generalreini- gung ihrer Wohnung mit Fuß- bodenstreichen, Auflackieren der Möbel usw. vorzunehmen. Jetzt ist sie recht ungehalten darüber, daß ihr das Mädchen eröffnet, es müsse sich um eine Aufwartestelle bemühen, um etwas Bargeld in die Hand zu bekommen. Heute ist es aber mit den häuslichen Talenten nicht immer abgetan, vielfach soll die Hausangestellte auch gleich- zeitig Sekretärin spielen und.mit Stenogrammhest und Schreib- Maschine bestens Bescheid wissen. Diese Nebenbeschäftigung, die angeblich nur 1—2 Stunden täglich dauert, läuft mit der ebenfalls zu verrichtenden Hausarbeit zusammen! Dal'eiunterricht gecen Hausarbeit. Das ist einmal eine ganz neue Nuance! Man nimint eben als gebildete Psychologin auch auf die schlummernden Wünsche und """""''''"■»"»M'.......................■mimiti.iUiuii mm.......... Montag, 11. Ju't, 19 lA Uhr, Im Saal 1, de« GewerluchatUbaase«, Enge'aftr 24/25,: zasennif nlrenSkttr ParfcirekTeRfcB Vortrag des Reichstag�abgc ordneten Paul Hertz:„Der Enttthci- dungtkampf der deuhdien Arbelterklatje". Zutritt nur mit dem Einiadungsschreiben und dem Parfei- mitgiiedsbuch. Da» Bezirksiekrctariat. Talente seiner Mitmenschen Rücksicht. So bietet eine Tanz- m e i st e r i n als Entgelt für zu leistende Hausarbeit Unterweisung in der schönen Kunst Terpsichorens an. Der Vormittag gehört dem nüchternen Alltag, da muh die Tanzjüngerin mit Schrubber und Fensterleder, mit Wischlappen und Koch- topf hantieren— es sind bloß 3 Zimmer und die Tanzschule zu reinigen, die Untermieter zu bedienen, einholen zu gehen und zu kochen— dafür gibt es am Nachmittag 1—1% Stunden Tanzunterricht. Ob das körperliche Vortraining da nicht allzu derb sein dürfte, so daß der Tanzbeslisienen vor Müdigkeit die Lust vergeht? Das gehört wohl weniger zu den Sorgen der Dame des Hauses. Ihr Interesse galt bloß der Frage, ob denn das Mädchen auch groß und kräftig sei, anscheinend liegt ihr also lediglich der„Tanz mit dem Schrubber" am Herzen. „Lufthungrige als Sekretärin gesucht." „Die Mädchen an der Schreibmaschine jammern doch egal, daß sie viel zu wenig an die frische Luft kommen und sich, besonders in der warmen Jahreszeit, ewig matt und elend fühlen", meint der Besitzer eines Landhäuschens in der Umgebung Berlins.„Bei mir kann je frische Luft haben, mehr als sie braucht, von mir aus kann sie kommen und gehen, wann sie will, ich stell ihr sogar noch neu Liegestuhl in den Garten zum Ahlen!"„Das ist ja ein wahrer Menschenfreund" denkt man bei sich. Aber der Herr läßt sich seine gute Luft auch recht gut bezahlen. Die Lufthungrige soll täglich seine gesamte Korrespondenz erledigen.„Gott, wie lange dauert das schon", meint der großzügige Agrarier;„vielleicht, wenns hoch kommt, 2 Stunden, dann kann je sitzen und lesen, oder dösen, oder Handarbeit machen, wie sie lustig ist. Auch am Sonntag steht ihr mein Garten zur Verfügung und wenn ich da mal rasch ein kurzes Briefchen brauche, na, dann ist's doch auch nicht die ganze Welt, nich?" Das„luftige" Thema nimmt und nimmt kein Ende, es kommt zu keiner realen Basis.„Js doch n richtiger Sommeraufent- halt, den je da hat", meint der Redselige, und auf die Frage, was es außer der guten Luft denn sonst noch bei ihm gibt, sagt er,„sie kann ooch'n Butterbrot haben, oder sich'n paar Erdbeeren pflücken und, wenn se Durscht hat. Milch gibt« bei uns immer." Mehr war von dem guten Mann beim besten Willen nicht heraus- zuquetschen. Ob er solch Dumme findet? Bardame und Reinmachefrau. Was der Hausfrau recht ist, ist der Barbesitzerin billig. Auch sie hat längst Witterung vom Umschwung der Verhältnisse er- halten und eröffnet dem Mädchen, das sich aus ihr Inserat als Barhebe meldet:„Ja, Fräulein, aber Ihr Büffet müssen se allein« sauber halten, Flasäzen und Gläser spülen, die Theke und chie Messingstangen täglich putzen, darin bin ich nämlich sehr eigen. Ick) weiß sä nu nich, ob Ihnen det paßt", meinte sie zum Schluß etwas kleinlaut,„aber heute, wo die Not so groß ist, krieg ich schon eene„Dame", die damit einverstanden ist. Ich kann ma ooch nich helfen, de Zeiten sin ebent zu schlecht!" Die Zeiten sind schlecht: aber die Menschen, die es verstehen, die Konjunktur der Not auszunutzen, sind auch nicht besser. Nazi-Spthelwirtfchast. Seltsame Enthüllungen im Norkus« Prozeß. Die Kchwurgerichleverhandlung wegen des INoabiler lieber- falles aus eine nationalsozialistische Zugendgruppe, wobei der Hitler- Zunge Rorkus zu Tode kam. brachte in ihrem weiteren verlaus Einzelheiten über d'e Spihelwirtschast in radikalen Gruppen. die geradezu unglaublich anmuten. Ein Herr Ottomar Toifl— ein bezeichnender Name— wechselte als Spitzel in Ermittlungen zwischen der Hedemann- st r a ß e und der S t e n n« s- G r u p p e hin und her und bediente sich dabei auch kommuniskischer Mittelsmänner. Früher ist er Nationalsozialist gewesen und hatte den Auftrag, immer gerode dann Polizeischutz nachzusuchen, wenn Dr. Goebbels um seine kost- bare Gesundheit bangte und Prügel befürchtete. Toifl hatte später mit den Vertretern der verschiedenen radikalen Parteien und Gruppen Besprechungen, über die er genau Buch führte. Er teilte sie dann dieser oder jener Gruppe mit, aber als man ihm gestern vorwarf, daß er noch vor 14 Tagen vom Braunen Haus in der Hedemannstraße Geld bezogen habe, da stritt er erst ab und gab erst später zu, daß es sicher um„Spesen in einer ganz anderen Sache" Handel«. So kam er auch in die Angelegenheit des Moabiter Ucberfalles hinein urtd saß protokollierend im Reben- zimmcr, als zwischen Slennes-Leuten und Kommunisten der Heber- fall auf die Hitler-Zugend verabredet wurde. Diese Protokolle waren gestern Gegenstand der Verhandlung. Da war aber noch ein anderer Mann, der Adjutant des Haupt- manns Stennes, ein Herr Jantzon. Er hat auch geheimnisvolle Unterhaltungen geführt und Protokolle aufgesetzt, und u. a. hat er sich auch mit Herrn Toifl über seinen Chef Stennes unterhallen, den er als„Anhänger der Kommune" bezeichnete. Beide setzten— gemeinsam oder nicht gemeinsam— ein Protokoll auf, aber das Protokoll des Jantzon, der seinerseits seinen Chef Stennes be- spitzelte, kam plötzlich in die HänCe von Toifl. Toifl behauptet. Jantzons Frau Hab« es für ihn ihrem Manne gestohlen. Man sah in einen Abgrund. Detterauasichten für Berlin: Ziemlich heiter und sehr warm, schwach« Winde zwischen Nord bis West.— Für Deutschland: Int Alpenvorland Wetterbesserung: im ganzen übrigen Reiche vor- wiegend trockenes, vielsach heiteres und warmes Wetter. ZVvrt. Rennen zu Strausberg. Nadebrückei! verkausz-J-gdrenueu: 1. N-uplalin(Schäfer): 2. Liliput: 44:30. Platz: 14, 12, 13:10. Ferner liefen: Lortzing, Trianou. Mark- gräsm, Mauve. Stadt-Strausberg-Jagdrennen: 1. Dicdrich(Moritz): 2. Edelstein: S. Carlchcn. Toto: Platz: 19, 18, 26:10. Ferner liefen: Lorenz, Pommer, Landjäger, Aladin 2, Medina. Von-Reitzenstein-Iagdrennen: 1. Tambur(Wolfsi: 2. Hatto: 5. Schäscr- bürg. Toto: 60:10. Platz: 25, 15, 40:10. Ferner liefen: Esparsette, Fia- metta, Letzter Versuch, Jambus, Jsabcll, Törin. Hosinungs-Preis: 1. Sandboa Winzenz): 2. Erda: 3. Gauseier. Toto: 46:10. Platz: 15, 22, 15:10. Ferner liefen: Scävola, Jota, Flirtland, Maggi, Hagebutte, Milltta. Bandola-Jagdrcnnen: 1. Flugschüler(Bismarck): 2. Hebe: 3- Pomme- rcllen. Toto: 15:10. Platz: 11, 14:10. Ferner liefen: Gradisca, Lady, Blankenbcrghe. Drei- und Vierjährigen-Ausgleich: 1. Maicntag(Binzenz): 2. Puma: 3. Fra Diadolo. Toto: 78:10. Platz: 22, 47, 18:10. Ferner liefen: Honestus, Boreas, Fellow and Black, Mafia, Freilos, Edeltanne. Doppelwette: Tambur— Eandboa 456:10. G irüci i SCHLÄFZIMMER REKORD-PREISE Eiche m. Nußb. 1,80 395.- Eichem.Mai. Birk 1,80 495.- Birkem.M«.-Birk. 1,80 525.- Birnbaum 1,80 550.- Ahorn 1,80 595.- Mahagonl 2,00 640.- Birke od. 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Die„Er- spornisse", mit denen die Nazis in den von ihnen regierten Ländchen oder Städtchen aufwarten, sind, wenn sie sich bei näherer Prüfung überhaupt als tatsächlich herausstellen, zum ganz erheblichen Teil aus Soften der Arbeikerschast. gemocht worden. Es sei nur daran erinnert, daß beispielsweise der früher« braunschweigische Naziminister Franzen kurz nachdem er zu regieren begonnen hatte, den Abbau der übertariflichen Zu- schlage für das Personal des Landestheaters oerfügte, der in Höhe von 7 Proz. für außerordentliche Leistungen gezahlt wurde. Im Haushaltsplan für das Jahr 19-31 wurden für das kleine Land Vraunschweig 109 Arbeiter von insgesamt 799 Arbestern„ein- gespart", d. h. abgebaut. Für diese unpopulären Maßnahmen machen die Nazis gar zu gern das„System" verantwortlich. dessen Erbe sie angetreten haben. Es gibt aber ein flassische» Land des Faschismus, Italien, das von den Vraunhäuslern in seder Beziehung zu ko- pieren versucht wird und das ihnen auch als Vorbild gilt, was Hitler selbst am 2?. Mai 19-39 in einem Gespräch mit Otto Straßer zugegeben hat. Es ist darum äußerst lohnend, die deutschen Ar- beiter mst den Lebensbedingungen der Arbesterschaft in diesem ..Musterland" bekanntzumachen und sie dadurch einen Blick in die Zukunft tun zu lassen, die verschiedene Leute in Deutschland schon so nahe wähnen. In der Nummer 3 des„Berliner Lokalanzeigers", also einem Blatt des jetzt zwar oftmals arg mißhandelten deutschnationalen Bundesbruders der Nazis, berichtete der römische Berichterstatter Dr. Eberlein u. a. folgende interessante Einzelheiten: Die durchschnittliche Arbeitslosenunkerstützung beträgt in Stallen 40 Pf. pro Tag. Fabrikarbeiterinnen freuen sich wie Kinder, wenn sie es bei ständiger Beschäftigung monatlich auf einen Verdienst von 39 M. bringen. Als vornehme Dame gilt z. B.«ine Stenotypistin, die ein Monatsgehalt von 169 M. hat. Ein möbliertes Zimmer, dessen Ausstattung au» einem Eisenbett, einer Kommode und höch. slens noch einem Schrank besteht, das nur Steinfußboden hat und nicht heizbar ist, tostet nach Dr. Eberlein die Kleinigkeit von 7 0 M. monatlich. Der Berichterstatter des„Berliner Lokalanzeiger" schreibt über dies» Zustände in Italien wörtlich: „Man weiß oft nicht, was größer ist: die Bedürfnis» l o f i g t« i t de. Armen in Italien oder die S e l b st v e r st ä n d» l i ch k e i t. mit der er uns unbegreifliche Entbehrungen erträgt. Hat man gar nicht», so geht man hast aufs Feld und rupft sich ein bißchen Grün aus. Ungezählten dienen Schlupf» Winkel, die ich nicht beschreiben möchte, als Schlafstätte." In der Ausgabe der gleichen Zeitung vom 6. Dezember 1931 war die Unterstützung der Arbeitslosen in Italien zu Beginn des Jahres 1931 mst Wj bis 3K Lire, das find 33 bis 77 Pf. täglich, angegeben. Der Preis für ein Kilogramm Brot betrug ober zur gleichen Zeit 2,29 Lire oder rund 45� Pf. In einem Kr. gezeichneten Bericht des„Hamburger Fremden- Matts" vom 4. September 1931, in dem die tägliche Arbeitslosen- Unterstützung mit 27 bis 82 Pf. angegeben wurde, hieß es: „Wichtig ist. daß zur Zeit nur ein Viertel aller Ar» bettslosen Unter st ützung bezieht, da von der Arbeits- losenversicherung verschiedene Kaiegonen von Arbeitern ausgenommen sind, wie z. B. die landwirlschasilichen Arbeiter. Heim- arbeiter, sesiangestellte Arbeiter im Diensie des Staates, der Pro- vinz und Gemeinden. Hauspersonale usw." Güncher Stein gab im„Berliner Tageblatt" vom 12. Januar 1932 den Durchschnitts st undenlohn von mehr als einer Million. Industriearbeiter in Italien, die den faschistischen Gewerk- fchasten angehören müssen, mit 41 Pfennig an. was bei einer I78stündigen Beschäftigung im Monat einen prukto-ZNonaksverdienst von 73 PI. ausmacht. Dabei weist Günther Stein an amtlichen Zahlen nach, daß die Lebensweise in Italien keineswegs billiger ist als bei uns. Nicht uninteressant ist das Beispiel von der Vermeidung einer Fabrikpleite in Italien, das die rechtsbürgerliche„Weserzeitung" vom 3. März 1931 zum besten gab. Nach diesem Bericht befand sich die älteste Filzhutsabrik Italiens D. Berti A.-G. in Poghera- Paoia(Lombardei) schon seit Jahren in einer schweren Krise. Da kam plötzlich aus irgendeine geheimnisvoll« Art ein Beschluß der Eigentümer und Gläubiger sowie der Beamten und Arbeiter des Betriebes zustande, wonach die Aktionäre ein Jahr lang auf ihre Dividenden verzichteten, die Obligotionsgläubiger aus jeden Zins aus ihren Darlehen, die Arbeiter und Beamten oher verpflichteten sich, 20 Tage umsonst zu arbeiten. Den deutschen Aktionären, Generaldirektoren und anderen Schwerverdienern dürfte im Dritten Reich«in solcher Beschluß ebenso leicht fallen wie ihren italienisckten Kollegen, wenn die SA. für das Ruhigbleiben der Arbeiterschaft sorgt. Wie die L o h n s e st s e tz u n g in Italien überhaupt erfolgt, dafür nur ein Beispiel. Am 19. November 1939 beschloß der ita- lienische Ministerrat eine Gehaltstürzung van 12 Prozent für die Bediensteten der öffentlichen Verwaltung. Am 21. November 1939 schrieb das Regierungsblatt„Popolo d'Italia", es müßten auch die Arbeiterlöhne gesenkt werden. Am 28. November 1939 beschlossen die faschistischen Gewerkschaften, ohne thr« Mitglieder zu befragen, eine Kürzung der Angestelltengehälter je nach ihrer Höhe um 8 bis 19 Prozent, sowie der Löhne der Hasenarbeiter um 19 bis 12 Prozent. Ein Ankämpfen gegen diese Nokerordnungen Mussolinis gibt es selbstverständlich nicht, denn sowohl für Streiks alz auch für Streikversuche sind schwere Frei- heits st rasen sowie Zwangsarbeitslosigkeit vorgesehen. Heber die Verhältnisse in neuerer Zeit liegen ebenfalls authentische Berichts vor. So schrieb z. B. Capoferri, der Vorsitzende aller faschistischen Verbände von Industriearbeitern in der Provinz Mailand, im„II Lavoro Fascista" vom 12. Februar 1932: „Im Jahre 1926 betrug der durchschnittliche Stundenlohn des gelernten Arbeiters in der Industrie 4 Lire: nach den überein- gekommenen Lohnherabsetzungen in den Iahren 1927, 1928 und 1939 sollte er heute 3,6 Lire betragen. Der durchschnittliche Stundenlohn ist aber aus 2,76 Lire gesunken, wos eine Herab- setzung um 13 Proz. bedeutet, also Mehr als beschlossen wurde. Dasselbe kann auch von den Arbeitern in der Wall- und anderen Textilindustrien behauptet werden. Dort war der durch- schnittliche Tagelohn einer Arbeiterin ungefähr 17,19 Lire, er ist aber um 49 Proz. gefallen an Stelle der beschlossenen 39 Proz." Auf einer Konferenz der Gewerkschaftsvertreter der Provinz Rom, am 19. April 1932 in Rom, erklärte der Provinzsekretär B i f a m i, Mitglied des Parlaments, folgendes: „Unsere Arbeiter erkannten die Schwierigkeiten der Gegen- wart und forderten deswegen keine Verbesserung ihrer Arbeits- nerhältnisse, aber sie können es nicht verstehen, daß es unmöglich sein sollte, den Kollektivverträgen Geltung zu verschaffen. Viele Arbeiter müssen 15 Wochen lang auf Auszahlung ihrer Löhne warten." Dafür, daß dieses„Vorbild" in Deutschland nicht in die Tat umgesetzt wird, werden die vorwärtsstrebenden Arbeiter. Ange- stellten und Beamten nicht nur am 31. Juli durch ihre Stimm- abgab« sorgen, sondern auch nachdem durch ihr Eintreten für die Forderungen von Partei und Gewerkschaften an Staat und Wirtschaf». �__ Wie stehis mit der Sperrfrist? .36 Tage Sperrfrist bei 36 llnterstühungstagen. In dem Eifer des Abbaues der Leistungen der Arbeitslosen- Versicherung ist entweder an die Sperrfrist überhaupt nicht gedacht worden oder aber man wollte an Stelle der Sperrfrist den glatten Entzug der Arbeitslosenunterstützung setzen. Die Bezugszeit in der Arbeitslosenversicherung ist verkürzt, ohne daß gleichzeitig auch die Vorschriften über die Aus- sperrung von der Unter st ützung geändert worden sind. Der gesetzliche Anspruch aus Arbeitslosenunterstützung besteht nur noch für insgesamt 36 Tage. Jeder weitere Bezug ist nicht mehr, wie früher, zwingendes, einklagbares Recht, sondern nur noch eine Unterstützung nach Feststellung der Hilfsbedürstigkeit. Die Dauer der S p e r r s r i st beträgt nach wie vor in der Regel 36 T a g« ohne Rücksicht aus die Verkürzung der Bezugszeit. Wenn also ein Arbeitsloser Sperrfrist bekommt, was in der Praxi» oft ohne eigentliches Verschulden der Fall ist, so ist kroh peitrays- Zahlung sein Rechtsanspruch aus Arbeilslosenuntersiühung vollkommen erloschen. Bei Hilfsbedürftigkeit kann er wohl noch etwas be- kommen, aber ein Recht kann er nicht mehr geltend machen. Das ist ein unhaltbarer Zustand, zumal jetzt bei den niedrigen Sätzen die Leistungen überhaupt in keinem Verhältnis mehr zu den hohen Bei- tragszahlungen stehen. Die Beitragszahlungen überwiegen heute bei weitem jegliche Leistungen. Jedem Beitragszahler müßte mindestens eine Unterstützungssumme garantiert werden, die er auf alle Fälle bekommt, wenn er arbeitslos ist. Mit dem Wesen der Sozialversicherung ist es unvereinbar. einem Menschen, der jahrelang gesetzlich zur Beitrag?- Zahlung gezwungen war, selbst bei verschuldetem Verlust der Arbeitsstelle überhaupt keinen Rechtsanspruch mehr ein- zuräumen. Mchi sozial? eakiisnZr? Ein Rechtsertigungsverfuch der Llnternshmer. „Der Arbeitgeber", die Zeitschrift der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, gab in einer Betrachtung„Vom Tage" zu, „daß die Eingriffe, die die Notverordnung vom 14. Juni 1932 in die Höhe der Renten und Unterstützungen vornimmt, sicher von allen Teilen des Volke«, insbesondere von den Versicherten und Arbeits- \ lvssn, als schwerwiegend und überaus schmerzlich empfunden werden". Dos Blatt zählt die Ersparnissummen aus: S2l> Milltonen in der Arbeitslosenhilfe, 250 Millionen in der Jnvolidenverficherung. 25 Millionen in der Unfallversicherung, 10 Millionen in der Ange- stelltenversichenmg und etwa 24 Millionen Reichsmark in der Knapp- schoftsversichening, zusammen ungefähr 830 Millionen jährlich, die den Erwerbslosen und Erwerbsunfähigen abgeknappt werden. Es will nicht untersuchen, ob diese 830 Millionen„Ausgabeersparnisse" ausreichen, um die Fehlbeträge zu decken und die Sozialversicherung wieder auf eine ausreichende finanzielle Grundlage zu stellen. In einem besoirderen Artikel von Dr. Hans Braetsch wird iestgcstellt, daß die Arbeilgeberseite der mit der Notverordnung ver- ioigten Tendenz der Leistungskürzungen und der damit verbundenen Ausgabenherabsegung auf ein den wirtschaftlichen Verhältnissen einigermaßen entsprechendes Maß durchaus zustimmt und sogar darüber hinaus„feststellt", daß das Maß der Einschränkungen noch nicht ausreicht, um die in den einzelnen Bersicherungszweigen entstehenden Fehlbeträge zu decken. Von vornherein werde dabei in Kauf genomnien werden müssen, daß auch bei dieser Gelegenheit, wie in den letzten Monaten so oft geschehen, die Arbeitnehmer» seit« dem Unternehmertum ein sozialreoktionäres verhallen vorwerfen wird. Um diesen Vorwurf zu eMkräften, stellt der Verfasser fest, daß die Arbeitgeber feit jeher auf dem Baden der Anerkennung der «ozialversichening und der Erkenntnis ihrer Notwendigkeit ge- standen hätten und sich auch heute noch zu diesem Grundsatz be> kennen. Auf dem Papier ist leicht„festzustellen", doch die Geschichte der deutschen Sozialversicherung ergibt entgegengesetzte Feststellungen und auch die Haltung des Unternehmertums in neuerer Zeit bewegt sich in der gleichen Richtung. Das Unternehmertum habe immer wieder die Unerläßlichkeit einer durchgreifenden Reform der Sozial- Versicherung gefordert, doch ja nicht etwa um den Rentnern und allen, die Anspruch auf Leistungen aus der Sozialversicherung haben, böswillig und aus sozialreaktionären Gründen ihre Rechte zu schmälern. Man habe die Sozialversiche- rung wenigstens in ihrem Kern erhalten wollen. Schließlich will der Unternehmeranwalt festgehalten wissen, daß die Arbeitgeber immer wieder auf die nun bedauerlicherweife eingetretene Entwicklung in der Sozialversicherung hingewiesen und daß die Versicherten bei rechtzeitiger Reform wesentlich weniger empfindlich getroffen worden wären. Unter„Reform" verstanden und verstehen die Unternehmer den L e i st u n g s a b b a u, die Erleichterung ihrer„sozialen Lasten". Man braucht sich da nur an die„Reform" der Arbeitslofenoersiche- ning im Jahre 1930 zu erinnern, bei der das Verhalten des Unter- nehmertums zum Rücktritt des Kabinetts Müller am 28. März und zur Reichstagsauflösung am 18. Juli geführt hat. Die Ge.verk- schaflcn sorderten, daß der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung erhöht und die Leistungan nicht abgebaut werden sollen. Die Unternehmer forderten Leistungsabbau, die Versicherung sei überspannt, man müsse„sparen". Da? Unternehmertum war und ist bis heute nicht dazu zu be- wegen, die Meldepflicht für offene Stellen einzuführen. Sein«„Politik auf weite Sicht" ist treffend gekennzeichnet worden als eine Politik für die Taschen und die Machtstellung des Unternehmertums. Wie bei der Arbeitslosenversicherung hat es auch bei der Krankenoer ficherung dafür gesorgt, daß die Leistungen herabgedrückt wurden, um die Beiträge zu kürzen. Wie dos Unter- nehmertum zu den jüngsten Eingriffen in die Arbeitslosen-„Hilfe". der Angestellten- und der Invalidenversicherung steht, das geht schon aus der Beftirchtung hervor, die 830 Millionen Ausgabeersparnisse reichten noch nicht aus, um die Fehlbeträge zu decken und die Sozial- Versicherung wieder auf eine ausreichende finanzielle Grundlage zu stellen, aus der Auftassung also, daß die L e i st u ng e n n och mehr gekürzt werden müßten. Wenigstens soll der Kern erhalten werden. Sowohl der Forderung der Gewerkschaften auf Emführung der 40-Sftinden-Woche als einer Notmaßnahme wie auch dem Arbeitsbefchaffungsprogramm standen die Unternehmer feindlich gegenüber. Moralische Maßstäbe hier heranzuziehen, wäre verfehlt, denn die privatkapitalistische Unternehmermoral geht von anderen Bor- aussetzungen als die Sozial moral. Doch schon rein»ersiche- rungstechnisch ist es ein Skandal, den Kern, die Beitrags- Pflicht, aufrechtzuerhalten und die Rente der Versicherten auf das Niveau der Armenunterstützung herabzudrücken. 'Wenn die Anwälte des Unternehmertums wissen wallen, ob das deutsche Unternehmertum sozialreaktionär ist oder nicht, dann mögen sie einmal sehen, wie die Invaliden und Witwen nach den„Spar- maßnahmen" der neuen Notverordnung leben. Berechnen läßt sich da? nicht mehr. Es bleibt dabei: das Unternehmertum ist in seinem Kern sozialreaktionär. Es hat schließlich nichts einzuwenden gegen weiße toalbc, aber auch nur dann, wenn sie nichts kostet, wenn sie das Lohnkonto nicht belastet. Um den Kern der Sozial- Versicherung braucht sich das Unternehmertum wirklich nicht zu be- mühen. Doch den Arbeitslosen, den Arbeitsunfähigen, den In- validen- und Altersrentnern und den Witwen kann der abgenagte Sern wenig nützen: sie gebrauchen außer den Auswendungen für Woh- nungsmiete, Nahrung und Kleidung, die man ihnen über das äußerste hinaus verkümmert hat. Die Antwort auf das sozialreaktionär« Verhalten des Unternehmertums und die Notverordnung der Barons-Regierung muß heute über drei Wochen gegeben werden, am ZI. Juli. Eiserne Front gegen Unsere nächsten Partei- und Die„Eiserne Front" Neuköllns marschiert! Werktätige Neuköllns! Sozialdemokraten, Arbeiterjugend, Reichsbanner, Gewerkschaftler, Arbeitersportler! Heraus zur Massendemonstration am Montag, dem 11. luli 1 93 2, gegen Naziterror— für die Freiheit der Werktätigen. Sammelplötze: 6 Uhr Boddinplatz, Hertzbergplatz, Warthestraße. A b- marsch: 6.30 Uhr Reuterplatz. Schluß; Kranoldpiatz, Ansprache Gen. Dr. Kurt Löwenstein, MdR. * Bezirksamt Wilmersdorf. Montag, 11, Juli, 19 Uhr, im Lokal Kulka, Wilmersdorf, Lauenburger Str. 21, Fraktions- und Hammerschaftsversammlung der städtischen Arbeiter, Angestellten:„Welche Verschlechterung in der Lebenshaltung steht der Arbeiter- und Angestelltenschaft durch die Barons- und.Grafenregierung noch bevor?" Referent; Stadtrat Carl Schneider. Soziale Baubetriebe Berlins. Gemeinsame Betriebsversammlung der Belegschaften der sozialen Baubetriebe Berlins am Montag, 11. Juli, 16H Uhr, im Berliner Gewerkschaftshaus, Engelufer. Referent: Emil Barth. Lichtenrade. Montag, 11. 3uli, 20 Uhr, Organisation der „Eisernen Front" bei Rohrmann, Lichtenrade, Hiibertstr. 19: „Der Freiheitskampf der Arbeiterschaft". Referent: Max Brinifzer. Osram D. Dienstag, 12. Juli, 14?� Uhr und 16K Uhr, zwei „Eiserne-Front"-Versammlungen im Lokal Stock, Warschauer Platz:„Der Freiheitskampf der Arbeiterklasse". Referent: Karl Litke, MdR. 86. Abt, Mariendorf. Dienstag, 12. Juli, Frauentreffen im Lokal „Süd", Lankwitz, Brottenroder Str. 18. Mitwirkende- Margarete Walkotte. Treffpunkt für Mariendorf 14 Uhr Dorf- Ecke Rathausstraße. Ambl-Budd. Dienstag, 12. Juli, 17 Uhr, im Lokal„Einsiedler", Johannisthal, Sterndamm, allgemeine Betriebsversammlung: „Die Ursachen der Arbeitslosigkeit und die Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung". Referent: Kurt Heinig" MdR. Arbeitsamt Berlin-Nordost. Dienstag, 12. Juli, 16K Uhr, Kundgebung der„Eisernen Fron!" in der Brauerei Willner, Pankow, Berliner Str. 80 82;„Die Krise der Sozialpolitik— unsere Schicksalsfrage". Referent: Fritz Schröder. Borslg-Betriebe(BLW.) Tegel. Dienstag, 12. Juli, 1614 Uhr, im „Alten Krug", Tegel, Hauptstraße, Belegschaftsversammlung:„Der Schicksalskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent: Otto Meier, MdL. 68. Abt., Spandau. Dienstag, 12. Juli, 19!4 Uhr, Wählerversammlung im„Tivoli", Spandau, Seeburger Str. 26, Referent: Dr. Helmuth Klotz. 17. Kreis, Lichtenberg. Dienstag, 12. Juli, 19!4 Uhr, öffentliche Frauenkundgebung in der Schulaula Lichtenberg, Marktstraße;„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referentin: Gertrud Hanna, MdL. Mitwirkung des Ebert-Manz- Quartetts. Arbeitsamt Nord. Dienstag, 1 2. Juli, 17 Uhr, im gelben Saal der Hochschulbrauerei, See- Ecke Amrumer Straße, Kundgebung der„Eisernen Front":„Unser Kampf für die Freiheit". Referent: Dr. Haubach. Angestellte und Kandelshilfsarbeiler der Firma Karstadt A S., HermannpSatz. Dienstag, 12. Juli, 1914 Uhr, Kundgebung der „Eisernen Front" im Gartensaal von Kliem, Hasenheide: „Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent; Siegfried Aufhäuser, MdR. Zentralwerkstatt Gaswerke. Dienstag, 12. Juli, 1SH Uhr, Im Lokal Stralauer Platz 33.„Eiserne-Fronf'-Veranstaltung. Referent Georg Maderholz, MdL. 98. Abt., Neukölln. Mittwoch, 13. Juli, 19� Uhr, In der Schulaula Mariendorfer Weg öffentliche Kundgebung„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referentin: Luise Kahler, MdL. 85. Abt., Charlottenburg. Mittwoch, 13. Juli, 19Z4 Uhr, im Türkischen Zelt, Charlottenburg, Berliner Str. 53, Öffentliche Versammlung„Der Befreiungskampf der Arbeiterklasse". Referent: Stadtrat Carl Schneider. 93. Abt., Neukölln. Mittwoch, 13. Juli 1954 Uhr, im Lokal„Bärwinkel", Siedlung Dammweg, Steinbockstraße, öffentliche Versammlung:„Die kommenden Wahlen". Referent: Genosse Stieglitz. 109. Abt, Friedrichshagen. Mittwoch, 13. Juli, 1954 Uhr, im großen Saal des Gesellschaftshauses, Friedrichstraße 137, öffentliche Kundgebung:„Der Befreiungskampf der Arbeiter- klasse". Referent: Anton Reißner, MdR. Bergmann, Seottrafie. Mittwoch, 13. Juli, 16 Uhr, in den Pharus- sälen, Müllerstr. 142, Betriebsversammlung.„Der Freiheitskampf der deutschen Arbeiterklasse". Referent Max Bri- nitzer. Versammlung des Schlaf- und Speisewagen- Personals der Mitropa am Freitag, 15. Juli, abends 8(20) Uhr, im„Rosen- thaler Hof", Rosenthaler Str. 40-41. Tagesordnung;„Kampf der Arbeiterschaft um Recht und Freiheit". Referent Willy Schneider. Die Entscheidung drängt! Mitarbeit ist zwingende Pflicht für jeden Arbeitnehmer! Deshalb erscheint in Massen! Gesamtverband der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs. Richter.— Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Cafe- Angestellten, Zweigverein Berlin. A. Bürde. Sorgt für Massenbeteiligung! Lohnkürzung um 7proz. in derSeefischindustrie Bremen, 9. Juli. In der Seesischindustrie und im Seefischgroßhandel in Bremer- Häven, Wesermünde und Cuxhaven ist eine Regelung für die Löhne der Arbeiter unter Mitwirkung des Schlichters zustande gekommen. Die Löhne werden mit Wirkung ab 1. Juli 1932 erneut mit Rück- ficht auf die schlechte Lage der Industrie um etwa 7 Proz. herabgesetzt. Der Tarifvertrag läuft bis zum 30. November 1932. Vorsicht vor Wurst aus Greifenhagen. In der gräflichen Wurstfabrik E. B r e ch l e r A.-G. in Greifen- Hagen wird gestreikt. Die„Arbeitswilligen", darunter auch Nazis, machen der Firma und den Abnehmern der Wurstwaren- und Fleischkonserven jedoch, wie der Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter mitteilt, wenig Freude: denn zu einer ein- wandireien Fabrikation gehört vor allem zuverlässiges Personal, ein hygienisch einwandsreier Betrieb und nicht zuletzt auch die Beseiti- gung der Rattenplage. Herr Brechler senior hält die Katzen für tüchtiger als einen Kammerjäger. Die Praxis lehrt aber, daß die Katzen nicht mehr Rücksicht auf die Betriebseinrichtungen und Roh- stoffe nehmen als die Ratten. Der Gräfin Montgelas scheint ihre feindliche Haltung gegen sreigewerkschaftlich organisierte Fleischergesellen und tarifliche Löhne wichtiger zu sein als ein hygienisch einwandfreier Betrieb. Der Gireik in Belgien. Gendarmerie und Militär eingeseht. Der Vergorbeiterstreik breitet sich weiter aus. Im Steinkohlen- Zentrum von Borinage in der Provinz Hennegau und in Charlsroi ist er allgemein. Am Sonnabend früh begann der Streik in den Kohlengruben von Lüttich. Auch auf die Metallindustrie hat er übergegriffen. So haben die Hüttenwerke La Providence und Alliance Monceau und andere ihre Betriebe schließen müflen. In Eharleroi, wo Streikende in die Betriebe der großen Eisenwerke Providence eindrangen, kam es zu ernsten Zusammen- stößen mit der Polizei. Vier Polizisten und zwei Streikende wurden verletzt. In mehreren Industrieorten des Borinages und des Centre schlug die Gendarmerie mit blanker Waffe auf die demonstrierende Menge ein. In mehreren Orten des Borinages sowie in Monttgny sur Sambre mochte die Gendarmerie von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Personen wurden verletzt. Bisher hat die Regierung nichts unternommen, um die aufgeregten Gemüter der Arbeiter zu be- ruhigen. Dagegen hat sie auf Berlangen der Zechenbesitzer und Industriellen in aller Eile Truppen aus allen Teilen des Landes in die Streikgebiete entsandt. SPD.-Zratti»» der erwerd-l-se» graphische» Silfr-rbeiter. Fral- tionssitzung morgen. Montag, 1216 Uhr, tm Lokal Skaliher Str. 6. Unsere nächsten Aufgaben im Wahltampf. Aussprache. Frattionsangelegenheiten. Partei- und Lerbanbsbuch sind mitzubringen. Sydra-Werk. Dienstag, 12. Juli, 1« Uhr, bei Macholeit. Drontheimer Straße 4, Betriebsversammlung. Gewerkschaft und Reichstagswahl. Re- serent: Fritz Köcher._ Betrieb«elapp. Freitag, 15. Juli, 1516 Uhr. Lokal Wilbgrub«, Marienfelde, Betriebsversammlung. Einheitsfront und Faschismus. Re. serent:«tolleg« Fritz Löcher »�reie Gewerkschafts-Iugend Verlin Heute beteiligen wir uns alle am Gewerkschaftsfest im Lunaparl. Ein. trittsprei» 50 Pf., für Jugendliche 20 Pf.— Morgen, Montag: West- kreis: Zusammenkunft der Mädchen im Charlottenburger Jugendheim. Dir tagen ab 15f� Uhr.— Schillerpark: Jugendheim Turiner Ecke Seestratze. Gruppe Schillerpart tanzt. @Iuqendqnippe des Zentralverbandes der Angesteltten Morgen, Montag, finden folgende Veranstaltungen statt: Weddiag: Jugendheim Turiner Ecke Seestrahe. Ausspracheabend: Sinn und Zweck der Freikörperkultur.— Nordost II: Jugendheim Schönlanker Str. 11. Poli. tische» Kabarett.— Weibensee: Jugendheim Pistoriusstr. 24. Vortrag: Was bietet der ZdA. seinen Mitgliedern? Referent: Birr.— Urban: Jugendheim Hobrecht» Ecke Sanderstrahe. Ausspracheabend: Kirche und Kultur. (küaUiäietv, Vteisc »»»###»»»###»»»###»»»»»»»»»»#»» AutwaUl! sind dl« Fundament« zehnten bestehenden jjjMiiitffM-mrritttiizfz Firma. Hier nur wenige Beispiele: 3 Serien wanderbarer Charmeuse-, Sport- n. Frauenklefder in allen erdenklichen eleganten Aufmachungen und Farben, auch für Halbtraucr(schwarz-weiß) sowie für ganz starke Damen geeignet nur 22.- 13.- 11. Das Sonder- CLngeßoi der Woefte" zück. Sportkomplet aus Sellnak, bestehend aus Kleid mit Jacke. 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RM. 594 087.37 RM. 3 712 516.60 500 000.— 41 173 740.63 224 794 614.92 1 695 707.83 461 270.79 200 000__ 1.- 4 046 970.49 1 738.50 76 586 560.76 Passiva Aktienkapital................................................. Reserve..........................?.....................' Sor.derreserve....................................... Langfristige Darlehen.......................... Sonstige Gläubiger.........................................' Transitorische Posten........................... BiirgschaftsverpQichtungen................ RM. 594 087.37 Gewinnvortrag............................ BM. 854 705*89 Überschuß.................................. RM. 12 525 995 42 RM. 150 000 000__ 105 000 000— 3 000 000— 4 925 000— 214 283.08 66 576.37 13 380 701.31 Gewinn- and Verlastrecbnang zum 31. März 1932. 276 586 560.76 Aufwand Abschreibungen auf Mobilien und Immobilien Verwahungskosfen.............................. Überschuß.................''......... RM. 47 722.82 406 541.29 13 380 701.31 13 834 965.43 Gewinnrortrag Erfrag RM. 854 703.89 12 980 259.53 B*«™ 13 834 965.42 Berlin, den 31. März 1932 (zeteUAcknii für Sttevtlicke(Aktteug«eII»chatt) Dr Wilhelmi Wildermath Dr. Sarrazin Vorstehende Bilanz und Gewinn- und Verlnstrechnung haben wir geprüft und mit den Ausweisen der ordnungsmäßig geführten Geschäftsbücher Übereinstimmung gefunden. Berlin, den b. Juni 1932 Deutsche Revision»- und Treuhand AkttengeselUcfaaft V Unserem Altgesellen 8 llerivaiiii äresslll � ,U seinem 65.(Bebactalag � die herzlichsten GlüchwUnsch« Sl.cheZmzeteer im„Vor. S SGGSSSS-OOSH-OO«! iclstag U 'che � wÄrtl" M Am Donnerstag, abends 8>,- Uhr, starb nach langem schwerem Leiden mein lieher Mann, der Buchbinder Gustau seftrepper im 78. Lebensjahre Um stille Teilnahme bittet Ww. Luise Schrepper. Berlin-Adlershof, 8. Juli 1932. Beerdigung: Dienstag. 12. Zuli. 14 Uhr. auf dem(Semeindefrledhof Adlsrshof, HaSenbergftraße. Im hohen Alter von 77 Jahren»er. starb unier allseits verehrter iriiherer Mitarbeiter und Kollege, der Buch» biuder-Invalids Gustau Gchfappar Seit der Gründung unseres Be» triebes war der Verstorbene bis zu seiner Penstonierung in der Abteilung Buchbinderei deichästigt und erwarb sich während seiner 2öjährigen Mit» arbeil unsere Wertschätzung und Freundschaft. In vorbildlicher Pflicht- treue und Kollegialität war er uns stets ein zuverlässiger Seifer und Berater, so daß er sich ein dauernde« ehrendes Andenken gesichert hat. Berlin, den 9. Juli 1932. GkZlügftZleliiing und Personal der Vorwd.is-Budiflrutöerel. Bestattung: Dienstag. 12. Juli, 14 Uhr. aus dem Gemeindefriedhos Adlershof, Sackenbergstraße. Allen Verwandten, Freunden, den Kameraden vom Reichsbanner und den Bundesgenossen vom Arbeiter. Rad> und Kraftfahrerbund„Soli- darilät", die unserem lieben Sohne Ernst die letzte Ehre erwiesen haben und dem Redner vom Freidenker-Berband, insbesondere dem Genossen Amberger für seine wohltuenden Worte sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Lrmt Seeger und Frau. WM MüMWWM Verwalinngsaiclle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Schlosser Adolf Klein geb. 13. Mai 1885,, am 2. Juli 1932 gestorben ist. Die Einäscherung findet Montag, den II. Juli, 16>/i Uhr. im Krematorium Gerichisiratze statt. Rege Beteiligung wird erwartet. »fackruß Am 5. Juli starb unser Kollege, der Anichläger Emil Schneider geb. 19. Juli 187ä Ehre ihrem Andenke«. vir Ort»rrrir»lt>u>fl. Llnliellsmbimd d. Eisenbahner Deuisdilands, Orlsgruppe Berlin Den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß unser Kollege und Dienftftellenvertrouensmann Brnst Schallock nach längerem Leiden im Aller van 49 Jahren i.Kranlenhaus verstorben ist Ehre seinem Avdenteul Die Beerdigung findet am Wontag, dem II. Juli, IS'- Uhr, aus dem Elisabelh-Friedhoi. Prmzenallee, Ecke. Wollankstratze, statt. Rege Beteiligung mvariet Di« OrtsTcrwaltanfl. xer. 8 u« a t gee. ppa. Dr. Hittstiafc �remerGelü Ä � M** Gunsten f=,e,«vs p ottene ts.-ts. Ihm ZL.,„ vom» 2« 168 Sawlnna u. 1 MrAmi«» RM isooao üssebooo ss.30000 PrtBti Alle Gewinne toSHB- Oftne Abzug zahlbar ...... lOOOO Lose Ä RM löiochsbrlefeizRl PoMfebube a. Lbe. 30 Pt I"3 1 1 S i- O S e n J MJ I LUD. MÜLLER& Co. B.rlln S W IS, Jerusalemer Straße 10 Postscheckonto Berlin 19 420 |P«rn.pr. A 6 Merkur aag»| Oienstog. 12. Pult, ebrnOe 2 Ahr Brandien- VersammloiK aller in der Eisen konsiruklion, Signal» bau, Fahrstuhl' and Aatzagbaa beschäftigten Kollegen sowie aller Monteure and Helfer auf Bauten und erwerbslosen Brandbcnangehörlgcn im Sitzungssaal II des verdaadshause». Siagaag B. Elsdssee Strafe Tagesordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. Berlchiedenes. Ohne Mitgliedsbuch fein Zuttitt. Es ist Pflicht aller Kollegen, an dieser Versammlung teilzunehmen. Die Ortsverwaltung. Wir machen hierdurch bekannt, daß der Geschäftsanteil jedes neu hinzutretenden Genossen auf RM. 5.— festgesetzt wird. Die Haftsumme für jeden Geschäftsanteil wird gleichfalls auf RM. 5— herabgesetzt. Die besteben- den Geschäftsanteile von RM. 10— werden in 2 Geschäftsanteile von je RM. 3>— zerlegt. Rückzahlungen auf diese zerlegten Anteile unterließen den statuta-risch festgelegten Künaigungs- und Auszahlungsfristen. Die Haftsumme beträgt ebenfalls je RM. 5.— »ro RM. 5— Geschäftsanteil. Wir forern hiermit die Gläubiger auf.»ich bei der Genossenschaft zu melden. BRAFEGENA Brandenburger Fcrieubeim-Genossen- schaft ,, Naturfreunde" e. G. m. b. H., Sitz. Berlin D o r t e. W. E w e r+. Geschäftsstelle und Anschrift: SO 16, Köpcnicker Straße 106. matt, Flasche, Streu verschluss- alles praktisch/ Nie Verdruss/ Alles ist bei Ala auf Sparsamkeit abgestimmt! Die Aia-Feinheii mit ihrer großen Ergiebigkeit — die handliche Streuflasche, die sparsame und restlose Verwendung des Inhalts sichert— der nützliche Streuverschluß— und das Wich-» tigste, der niedrige Preis! Gegenüber teuren. aber nicht besseren Putz- oder Scheuermitteln sparen Sie beim Ata-Kauf Geld! Es ist nicht möglich, bei allen diesen Vorzügen etwas.Bes* seres und zugleich Billigeres als Ata zu finden. Sie sparen beim Scheuern und Putzen wie allet die Henkel' s Ata benutzen} Auch für Aluminium bestens bewähxtl Aluminium trocken putzen! 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Juli Wohltätigkeitsfest MAH Geh* Minuten vom BatoiHot BrUnau «ohnenWÄeneaudlTu sehen. Wollen �erwerben ihnen sedören. pam)iic Sie für sich u�inre� l�nnefmWzelle in de SlBÜlUflS tePtBRSiaüi FalKBBMW VorzugacheVetbmdun|mn der Stadt. G� �.DortiÄ, qm RW.177� Keine Ab" �auerlaubnls- ctral5enland. 'remns wv°ruuwacb5Steuer. SFe äS«« mm Mö ftjs* Stfa5ts.f>toni«9'RtaiW fÄr�onn- undÄ tngs f-b Uhr- linrt Berliner spar»„ Sugarem s cd-r>°>t«°dz.s.�°ukü°�"� m Zehlendorfer Strafte S Nalurgarlen lierparh Kinder belastlpanaen Täglich 3»« Uhr Nadonna wo bisi Oo? Luise Stöse' Theoaor Looo Josef Wedorn Rose- meater iroJe fnoSfartei itrsä» 13 >31. Wsidi» i I 342. 6 und 9 Uhr 91e eiserne iQß&rao GartenbObn« 5 Uhr Konzert u.Variete Drei anne kleine Mädels m Rlesenprogromm: Auftreten hervorragender KOnstler, Riesen- Feuerwerke, Tombola! Eintrittspreis 50 Pf., Kinder und Jugendliche 20 Pf., Erwerbslose 50 Pf. (Ausweis: Stempelkarte und Mitgliedsbuch.) 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Ost- und ZNitteleuropa: 5. einer Resolution über die weltwirtschasts- und Finanzkonferenz. Abkommen mii Deutschland. Die Regierungen von Belgien, Kanada, Australien, Neuseeland, der Südafrikanischen Union, Indien, Frankreich, Großbritannien, Griechenland, Italien, Japan, Polen, Portugal, Rumänien, der Tschechoslowakei,, Jugoslawien, nachstehend als die Gläubiger- regierungen bezeichnet, und die deutsche Reichsregierung erkennen an, daß die rechtliche Gültigkeit der Haager Ab- kommen vom 2 2. Januar 1330 nicht in Frage steht, daß aber im Hinblick auf die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die durch die gegenwärtige Krise hervorgerufen worden sind und in dem Bestreben, ihrerseits die nötigen Anstrengungen zu machen, um die zur Entwicklung der normalen wirtschaftlichen und sinan- ziellen Beziehungen zwischen den Völkern notwendigen Maßnahmen durchzuführen, die Unterzeichneten noch entsprechenden Vollmachten ihrer Regierungen das Folgende vereinbart haben: Erklärung: „Die Unterzeichner des gegenwärtigen Abkommens sind in Lausanne zusammengetreten, um eines der aus dem Kriege hervor- gegangenen Probleme mit dem aufrichtigsten Bestreben zu be- handeln, zur Herbeiführung einer neuen Ordnung beizutragen, die die Schaffung und Emwicklung des Vertrauenz zwischen den Völkern in einem Geiste gegenseitiger Ber- söhnung, Zusammenarbeit und Gerechtigkeit gestastet. Sie betrach- ten das in Lausanne verwirklichte Werk, das die Reparativ- nen vollständig beenden soll, nicht als genügend, um diesen Frieden zu erlang««, den alle Völker wünschen. Aber sie hoffen, daß dieses Ergebnis, das in sich selbst so bedeutend ist und von allen eine gewaltige Anstrengung gefordert hat, verstanden und gewürdigt wird von allen sriedenssreundlichen Elementen Europas und der Welt, und daß es von neuen Werken gefolgt sein wird. Diese Werke werden um so leichter zu verwirklichen sein, als die Völker diese neue Weihe eines wirklichen Friedens stärker unterstützen, ein«s Friedens, der, um vollständig zu sein, sich gleich- zeitig aus die wirtschaftliche und die politische Ordnung erstrecken muß und jede Zuhilfenahme von Waffen oder Gewalt zurück- weisen muß. Die Unterzeichner des gegenwärtigen Abkommens werden sich bemühen, die gegenwärtig aufgeworfenen Probleme oder die später auftauchenden in demselben Geiste zu lösen, der dieses Abkommen inspiriert fyat' Die Schlußzahwng von drei Milliarden. Artikel I. Die deutsche Regierung wird der VZZ. süns- prozentige Obligationen des Deutschen Reiche? überliefern in einem Betrage von drei Riilliarden Reichsmark Goldwert nach dem gegenwärtigen Münzfuß, die unter den folgenden Bedingungen begeben werden können: Ii Die BIZ. empfangt dies« Schuldverschreibungen als Treu- händer. 2. Die Schuldverschreibungen werden von der BIZ. nicht auf den Markt gebracht vor Ablauf einer Frist von drei Jahren vom Tage der Unterzeichnung des gegenwärtigen Ab- kommens an. IS Jahre nach der gleichen Unterzeichnung werden die Schuldverschreibungen, die von der BIZ. nicht untergebracht werden konnten, vernichtet. 3. Nach Zlblauf dieser Frist von drei Iahren wird die BIZ. die Schuldverschreibungen im Wege von öffentlichen Emissionen auf dem Markt nach Maßgabe der Möglichkeiten verwerten und in solchen Beträgen, die sie für zweckmäßig hält, unter dem Vorbehalt, daß keine Ausgabe zu einem Satz unter 90 Proz. erfolgen wird. Die Reichsregierung hat zu jedem Zeitpunkt dos Recht, zu pari alle oder einen Teil der Schuldverschreibungen, die noch nicht durch die BIZ. ausgegeben sind, zurückzukaufen. Bei Fest- setzung der Ausgabebedingungen der Schuldverschreibungen hat die BIZ. der Tatsache Rechnung zu trogen, daß es wünschenswert ist, der Reichsregierung das Recht zum Röckkauf der ausgegebenen Schuldverschreibungen innerhalb einer vernünftigen Frist zu ge- währen. 4. Die Schuldverschreibungen tragen einen Zins von fünf Prozent mit ein Prozent Amortisation vom Tage ihrer Emission an. Sie werden von allen gegenwärtigen und künftigen deutschen Steuern befreit. Z. Der Ertrag derjächuldverschreibungei, wird nach Maßgabe ihrer Emission aus ein Sonderkonto gelegt, dessen Verwertung durch ein späteres Abkommen zu gegebener Zeit zwischen den unterzeich- neten Regierungen mit Ausnahme Deutschlands geregelt werden wird. S. Im Falle irgendwelche Anleihen von der deutschen Regierung im Auelande oder mit ihrer Garantie ausgegeben würden, wird tre genannte Regierung den effeklioen Reinertrag der ausgegebenen Anleihe i m Au smaß eine? Drittels zum Rückkau f der von der BZ.F. in Händen gehaltenen Schuldverschreibungen verwenden. Der Rückkaufspreis wird so sein, daß der Reinertrag der zurückgekauften Schuldverschreibungen der gleiche sein soll wie der Reinertrag der ausgegebenen Anleihe. Durch diese Bestimmung werden nicht Vorschüsse für die Dauer bis zu einem Jahre betroffen. 7. Wenn zu irgendeiner Zeit nach Unterzeichnung des gegen- wärtig«n Abkommens die BIZ. der Ansicht ist, daß der Kredit der Reicheregierung wieder hergestellt ist. aher wenn die Kurse ihrer Anleihen dennoch unter dem Mindestpreis für Sie Emission, der durch§ 3 oben festgesetzt ist, verbleiben, so kann der Mindestpreis durch eine Entscheidung des Berwaltungsrats der BIZ. geändert werden, die mit einer Mehrheit von zwei Dritteln getroffen wird. Andererseits kann der Zinsfuß der Scbuldvcrschreibunoen auf Verlangen der Reichsregierung unter 5 Prozent herabgesetzt werden, wenn die Ausgaben zu einem neuen Zinsfuß zum Pariw�rt ge- schehen können. 8. Die BIZ. hat.die Vollmacht� in allen aus den Geldwert und den Nennwert der ausgegebenen Schuldverlchreibunoen bezüglichen Fragen und insbesondere der Fragen, die sich auf die Lasten und Ausgabevrovisionen beziehen, die sie das Recht hat von dem Ertrag der Emilsion obzuzieben. Für alle die Ausgabe von Schuldverschrei- bunaen bezüglichen Fragen wird der verwnllungsral der BZF. die Ansicht des PrSkidenlen der Relch-ban? einMen, aber die Entscheidungen werden durch Mehrheil-cheschluß gefällt. 9. Der Tert der Schuldverschreibunnen wird im Einvernehmen zwischen der Reichsregierung und der BIZ. festgesetzt. Das Ende des Lionna-plans. Artikel II. Von seinem Znkral'treten an wird das oeaen- wärkige Abkommen dem Reparatioasregime ein Ende sehen. Es wird an die Stelle der in den Abkommen mit Deutschland, gezeichnet im Haag am 20. Januar 1930. und den Abkommen. gezeichnet in London am lt. August 193l und in Berlin am ö. Juni 1932 vorgesehenen Regelung treten. Dabei werden die verpslich- tungen des gegenwärtigen Abkommens die früheren Verpflichtungen Deutschlands, die in den Annuitäten des Reuen Planes enthalten sind, vollständig ersehen. Artikel III. Infolgedessen sind die Art. 1, 2, 4, 5, 7, 8 und 9 sowie die Anhänge I. Iii. IV. V. Vb, VI. VIb. VII. X und Xa vollständig beseitigt. (Damit entfallen: die Annuitäten des Poung-Plans: die Re- parationssteuer der Reichsbahn: die Vorschriften für das Reichs- bankgeseh: die Vorschriften für das Rcichsbahngeseh: die Verpflichtung, die Einnahmen aus Zöllen. Tabaksteuer, Biersteuer und Branntweinmonopol als Rebensicherung bereitzustellen.) Artikel IV. Das in London am 11. August 1931 unterzeichnete Protokoll und das Ergänzungsprotokoll, das in Berlin am 6. Juni 1932 gezeichnet ist, sind ungültig geworden. Infolgedessen werden die vorläusig von der BIZ. abgegebenen Empfangsbescheinigungen, die von der Retchsbahngesellschast überliefert worden sind, ihr zu- rückgegeben. Artikel V. Das Schuldzertifikat des Deutschen Reiches und das Zertifikat der Reichsbahngesellschaft, beide entsprechend dem Art. VIII des haager Abkommens und der Anhänge III und IV, sowie die Coupons, die ihnen anhängen, werden der Reichsregierung, bzw. der Reichsbahngesellfchasl zurückgegeben. Artikel VI. Nichts in dem gegenwärtigen Abkommen ändert oder berührt den Artikel III(Liquidation der Vergangenheit), den Artikel IV, insoweit er die juristische Person der BIZ. angeht und den Artikel X(Immunität der BIZ.) des Haager Abkommens. Oawes-Anleihe und �oung-Anleihe. Artikel VII. Die unterzeichneten Regierungen erklären, daß nichts in dem gegenwärtigen Abkommen vermindert oder ändert an den Rechten der Obligationsinhaber der deutscheu aus- wärtigeu Anleihe von 1924 oder der internationalen ö�prozentigen Anleihe der Reichsregierung. Jede notwendige Anpassung der Prozedur, die zur Zeit besteht und von der die Verpflichtungen der Reichsregierung bezüglich der erwähnten Anleihen abhängen, wird den Gegenstand einer Vereinbarung zwischen der Reichsregierung ihrerseits und der BIZ. andererseits als Jinanzageutin der Treuhänder dieser Anleihen bilden. Artikel VIII. Alsbald nach seinem Inkrafttreten wird das gegenwärtige Abkommen von der französischen Regierung der BIZ. mitgeteist werden, um die Anwendung der Bestimmungen, die sie angehen, durch diese herbeizuführen: die genannte Regierung wird gleichermaßen der BJI. aus statutarischen Gründen mitteilen, daß der Neue Plan aufgehört hat, in Kraft zu sein. Artikel IX. Jede D i s f e r e n z, sei es zwischen den Unter- zeichnermächten des gegenwärtigen Abkommens, sei es zwischen einer oder mehreren von ihnen und der BIZ. in bezug auf die Aus- legung und Anwendung des gegenwärtigen Abkommens, wird dem Schiedsgericht unterbreitet werden, das im Artikel IV des Haager Abkommens errichtet ist. Jede in Betracht kommende Maßnahme dieses Artikels und des Anhanges XII des Abkommens wird zu diesem Zweck angewandt werden. Die Ratifizierung. Artikel X. Das gegenwärtige Abkommen, dessen französischer und deutscher Text gleichermaßen gültig sind, wird ratisiziert und die Hinterlegung der Ratifikationen wird in Paris durchgeführt. Die Regierungen, die außerhalb Europas ihren Sitz haben, können sich mst der Notifikation gegenüber der französischen Regierung durch ihre Pariser Vertreter begnügen: in solchem Falle werden sie baldigst ihre Ratifikationsurkunden über- Mitteln. Im Falle dieses Abkommen von den Regierungen Deutschlands, Belgiens, Frankreichs, Groß- britanniens, Italiens und Japans ratisiziert ist, tritt es zwischen den Regierungen, deren Ratifikationen bis zu diesem Tage hinterlegt oder notifiziert sind, in Kraft. Es tritt in Kraft für jede andere Unterzeichner-Regierung am Tage der Noti- fikation oder der Hinterlegung der Ratifikation. Die französische Regierung wird allen Unterzeichnern und der BIZ. eine beglaubigte Abschrift entsprechend den Hinterlegungsurkunden über die Ratifikationen oder Notifikationen überreichen. Artikel XI. Jederzeit vor dem Tage des beginnenden Inkroft- tretens.'so wie es im Artikel X vorgesehen ist, kann das gegenwärtige'Abkommen von jeder der Unterzeichner-Regierungen des Haager Abkommens mit Deutschland vom 20. Januar 1930 unter- zeichnet werden. Vor diesem Tage kann jede der genannte» Re- gierungen den gegenwärtigen Abkommen im Wege einer Notisi- kation beitreten, die gegenüber der französischen Regierung erfolgt, welche sie ihrerseits den übrigen vertragschließenden Regierungen und der BIZ. im Wege beglaubigter Abschriften mitteilt. In diesem Falle tritt das Abkommen für die beteiligten Regierungen mit dem Tage dieses Beitritts in Kraft. Es folgen noch Uebergangsmaßnahmen und eine Vorschrift zur Bildung eines Ausschusses zum Wiederaufbau von Mittel- und Ost- europa, der dem Studienkomitee für die europäische Union Bor- schlüge zu machen hat. Lausanne und der 3L.Zuli. Will das Volk leben, muffen die Varone stürzen.- Kür beide ist nicht plah. Am Freitag, dem 8. Juli 1932, ist in Lausanne der Poung-Plan zerrissen worden. Deutschland zahlt in Zukunft keine Reparationen mehr. Nur was im Joung-Plan an Zahlungen nicht ger«gelt war, ist weiter zu leisten. Aus der Vergangenheit zahlt Deutschland nur noch den im Hoover-Jahr gestundeten Jahresbetrag. Für Deutschland ist dieses Ergebnis von Lausanne ein großes Ereignis. Daß die wirtschaftliche Arbeit Deutschlands in Zukunft nicht mehr mit Milliarden einseitiger Zahlungen ans Ausland vorbelastet ist, daß dieser Alpdruck alles Wirtschaftens von Deutschland g«- nommen ist, daß der Poung-Plan nicht wie ein« eisern« Fessel die deutsche Kreditwürdigkeit in der Zukunft beengt— das alles ist eine günstig« Borbedeutung für die wirtschaftliche Wiederausrichtung Deutschlands und für den Wiederaufbau einer Wirtschaft, die für die Bolkswo-hlfahrt mit dem auch rechnen darf, was durch die Arbeit des Volkes geschaffen wird. Für die Wellwirffchaft bedeutet die Beseitigung des Unfugs der Reparationen, den zu allererst die internationale Sozialdemokratie gebrandmarkt hat, die Möglichkeit zur Rückkehr zur Vernunft. Die Notwendigkeit, eventuell die Reparationszahlungen erzwingen zu müssen, war Oberwasser für den Rüstungswahnsinn. Da Rüstungen und Kriege die teuerste Form der Politik sind, wird das Ende des Poung-Plans und das Ende der deutschen Reparationszahlungen auch die falschen politischen Kosten in der Welt verringern, den Willen zun, Frieden stärken und die Chancen zur Uebevwindung der Weltwirtschaststrise verbessern. Das ist geschehen, während in Deutschland eine ultra- reaktionäre Regierung feudaler Schlotbarone und Junker an der Herrschast ist. Das Dokument von Lausanne ist unterschrieben von Herrn von Pape», dem Statthalter Hitlers. Es wird nicht lange dauern, dann wird die Reaktion in Deutschland aus der„Befreiung Deutsch- lands von der Noung-Sklaverei" ein politisches Geschäft machen wollen: denn die gewiß sehr deutliche Meckerei der Hugenberg- und so weiter Organe wird eines Tages verstummen, weil sich die inner- politische Solidarität zwischen den einzelnen Gruppen der Feudal- reaktion notwendigerweise durchsetzen muß. Das wird geschehen, obwohl vom Standpunkt der sogenannten nationalen Opposition der Chef der getarnten Hitler-Hugenberg-Regierung alles weniger von Lausanne nach Hause gebracht hat, als wirkliche Lorbeeren. Herr von Pape» war ausgezogen— zwischenein mußte ihm in Berlin der Rücken aufgebügelt werden— mit dem Auftrag zum härtesten Nein gegen jede weitere Zahlung, mit der Forderung an die alten Kriegsgegner zum Widerruf der Kriegsschuldlüge, mit dem harten Verlangen nach Rüstungsausgleich. Den deutschen Imperia- listen, für die der Antibolschewismus noch ein ganz besonders löst- liches Gericht ist, sollten mit einem Militärbündnis zwischen Frank- reich, Deutschland und Polen rosigste Hoffnungen erfüllt werden. Wie es in einem Deutschland der erwachenden Reaktion selbstver- ständlich ist, gaukelte sich die Rüstungsindustrie schon die kühnsten zukünftigen Auftrags- und Profitträums vor. Aus alledem ist ver- flucht wenig geworden. Von alledem hat Herr von Papen verflucht wenig au» Lausanne nach Berlin zurückgebracht. Mit der Verpslichtung, die letzte Hoooer-Annuität zu zahlen und darüber hinaus noch rund ein« Milliarde für sogenannte Wieder- aufbauzwecke in Europa zu leisten, wird der finanzielle Mißerfolg von Papens notdürftig kaschiert. Es stand für Lausanne fest— das war die allgemeine Weltmeinung—, daß eine deutsche Regierung ihren Bankerott erklären müßte, die aus Lausanne nicht mit dem zerrissenen Poung-Plan zurückkäme. So groß die Bedeutung der Beseitigung der Reparationen für Deutschland und die Welt ist, so gering ist dos Verdienst der Papen-Regierung daran. Die Papen- Regierung war Liquidatorin eines Gedankens, der in der Welt- Meinung selbst sich schon totgelaufen hatte. Angesichts dessen ist das Zugeständnis von drei Milliarden Mark, das sich in'den 37 Iahren der.Tilgung durch die Zinszahlungen schließlich auf 6 Milliarden Mark erhöhen wird, ein sehr bedeut- sames Zugeständnis. Daß auch Kopflosigkeit und Panikstimmung in den letzten Tagen die Papen-Regierung beherrschte, zeigt die Tat- sache, daß die Papen-Regierung auf eine Einflußnahme bei der Verwendung des Erlöses der Drei-Milliarden-Anleihe verzichtet hat. Aber was die Oeffentlichkeit bisher noch viel zu wenig be- achtet hat— weil es nicht Gegenstand des Poung-Planes ist, aber gerade vom Standpunkt der nationalen Opposition den„Erfolg" von Papens noch viel geringer erscheinen läßt—, das ist die Totsache, daß Deutschland teilweise bis zum Jahre Igst noch große Beträge zu zahlen hat. die unmiilelbar mit den Reparationen zusammenhängen. Zu den jährlich 180 Millionen aus der Drei-Milliarden-Anleihe kommen aus der Dawes- und aus der Poung-Anleihe jährliche Zahlungsverpflichtungen von 170 Millionen und aus belgischen Markverpflichtungen sowie amerikanischen Sondersorderungen noch jährlich rund 90 Millionen Mark hinzu. Das sind mit dem Zinsen- und Tilgungsdienst der neuen Drei-Milliarden-Schuld jährlich 440 Millionen Mark. Vom Standpunkt der nationalen Opposition muß so gerechnet werden, denn nach ihrer Auf- fassung sind die 800 Millionen Dawes-Anleihe, obwohl sie in die deutsche Wirtschaft gingen, und die 1200 Millionen Poung-Anleihe, obwohl davon 400 Millionen aus Reichsbahn und Reichspast kamen, Verpflichtungen zur Erfüllung der Tributlasten. Aber die sage- nannte nationale Opposition steht ja auch auf dem Standpunkt, daß mindestens zehn Milliarden private deutsche Auslandsschulden eben- falls versteckte und in der Zukunft noch zu zahlende Tributlasten sind, wodurch sich die jährliche Tributlast Deutschlands, die auch nach Lausanne noch besteht, jährlich um weitere 600 Millionen auf über eine Milliarde Mark erhöhen würde. Nach der Ausfassung der nationalen Opposition, der Herr von Papen mit seiner Politik in Lausanne ja Genugtuung verschaffen sollte, hätte diese ganze Milliarde Mark jährlicher Zahlungen weg- fallen müssen und mindestens die neue Drei-Milliarden-Verpflichtung nicht entstehen dürfen. Das Zeugnis müßte also denkbar schlecht sein, das Herrn von Papen von den„nationalen Kräften Deutsch- lands" nach seiner Rückkehr aus Lausanne auszustellen wäre, und wir sagen sicher nicht zuviel, daß, wenn Brüning seine Unterschrift in Lausanne gegeben hätte, Brüning von der ganzen reaktionären Horde von Dingel. Hey bis Oldenburg- Januschau und Hitler al» Verräter Deutschlands und Tributsklave Frank- reich» gebrandmarkt worden wäre. Für das Werk von Lausaune haben wir also in Deutschland eine Regierung von Papen nicht gebraucht. Die Lage ist aber so. dah Deutschland nach Lausanne durch den Gebrauch seiner versassungsmäszigen Rechte die Papen-Regierung zum Teufel jagen mutz, denn jetzt mutz damit begonnen werden, Deutschland wieder hochzubringen. Weil die politische und finanzielle Lust in der Welt jetzt nicht mehr so dick ist, wie sie war, ist die Chance dafür gegeben. Diese Chance kann aber nicht ausgenutzt werden, wenn Deutschland in dem Sumpf stecken bleibt, in den es durch die Papen-Regietung gestürzt worden ist und in den es die Papen-Regierung zugunsten der Schlotbarone und Junker noch tiefer hineinsteuern würde. Es muß ein Ende haben mit der Deklassierung des hochindustriellen Deutsch- lond zum kulturlosen Kulistaat. Es muß ein Ende damit haben, daß die Reichen unvermeidliche Staatslasten auf die Armen allein abwälzen und daß die Bankerotteure, statt die Verluste ihrer Miß- Wirtschaft selbst zu tragen, sich aus der chaut der verelendeten Massen Riemen schneiden. Das..System" Brüning. da» wahrlich der Arbeiterklasse Sorgen und Lasten genug gebracht hat, hat ungeheuer viel politischen, wirtschaftlichen und sozialen Unfug angerichtet. Brüning war selbst ein konservativer Mann: so- weit er den Sinn für den Fortschritt noch hatte, hatte er es gewiß nicht leicht mit dem Reichspräsidenten, und er hat, um die aus- muckende feudale Kliqu« soweit als möglich noch im Zaume zu halten, der Subventionslüsternheit der Industrie, dem Zollhunger und der Besttzerhaltung der Junker Opfer gebracht, die sich am Volkswohlstand bitter rächten. Das System Brüning hat in einer unehrlichen Preissenkungspolitik das Volk verelendet und die Ar- beitslostgkeit durch sträflichen Kaufkraftmord auf eine sinnlose Höhe gesteigert. Aber die Politik de» wirtschaftlichen und sozialen Notbrücken- baue«, die die Brüning-Regierung trotz der von ihr begangenen furchtbaren Fehler doch grundsätzlich betrieb, hatte wenigstens noch etwas Sinn: und weil sie immerhin den Willen zur Erhaltung der Demokratie hatte und den Willen zur Aufrechterhaltung der sozialen Rechte des arbeitenden Volkes nicht verleugnete, mußte die organi- sierte Arbeiterschaft angesichts der drohenden Barbaristerung Deutsch- lands durch die Hitler-, Hugenberg- und Junkerreaktion sie politisch dulden. Da- wirtschaftlich« und politische Verbrechen, die Regierung Brüning kurz vor Lausanne, dessen Verhandlungsergebnis sicher war, zu stürzen, war deshalb so groß, weil die Voraussetzungen zum innerwirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands zerstört wur- den, und weil es den Feinden des„Systems" Brüning im Grunde gleichgültig war, was aus Deutschland wurde, wenn nur ihre eige- nen kurzsichtigen Interessen zum Zuge kamen. Das System papea hat die Voraussetzungen des Wiederaufbaues grundsätzlich sabotiert: Es hat die Arbsitsbeschaffungsanleihe verhindert, es hat das Sied- lungswerk im Osten zerschlagen, weil es die wirtschaftliche Bereinigung in der Großlandwirtschaft nicht wollte. Es hat die soziale Kultur in Deutschland abgebaut durch die Beseitigung des Ver- ficherungscharakters in der Erwerbslosenfürsorge und systematisch die Verelendung gefördert durch Unterstützungsraub und Renten» kürzung. Es hat nackte Subventionspolitik für die Privilegierten getrieben: den kartofselbrennenden Junkern neue Spritsubventionen gegeben, dem Großkapital neue Benzinsubventionen,-«ine Flut neue Agrarzölle sollte Volkseinkommen in Junkerhände leiten. Der Zer- störung der letzten Reste vernünftiger Handelspolitik wurde Vor- schub geleistet. Vieles steht uns noch bevor: Schmalz, Speck Und Margarine sollen verteuert werden. Durch Kündigung sämtlicher „produktionshemmenden lzandelsverträge", wie sie der Londbund fordert, droht für Hunderttausende neue Arbeitslosigkeit. Der innere Friede, zu dessen Aufrechterhaltung jede Regierung berufen ist, wurde zum Spott. Auf den Schultern Hitlers zur Macht gestiegen, ist der Bürgerkrieg die deutsche Lebensform geworden. Mit einer solchen Regierungspolstik wird Deutschland nicht zum Wiederausbau, nicht zur Ueberwindung der Wirtschaftskrise geführt, sondern zum Untergang. Einer solchen Politik gebührt die Feind- schaft jedes aufbauwilligen Staatsbürgers bis zur politischen Ver- nichtung derjenigen Gruppen und Gesellschastsschichten, die diese Politik wollen. Auf dem Arbeitswillen und der Intelligenz des deutschen Ar- beiters, auf dem gerechten und vernünftigen Schutz des arbeitsamen Bauern allein beruht die zukünftige Wohlfahrt Deutschlands. Deutschland braucht keinen Schutz bankerotter Wirtschaftsführer und bankerotter Junker. Auf Arbeitern und Bauern, denen für ihre Arbeit der gerechte Lohn wird, ist auch die Sicherheit Deutschland» fest genug gegründet. Wir brauchen deshalb auch keine mon- archistischen und feudalen Traditionen, weder in der Politik noch in der Wirtschast. Wir brauchen einen Volksslaat, in dem der Staat für das Volt, nicht das Volk für den Staat da ist. Wir brauchen keine Barone und brauchen keine zu Privatarmeen orga- visierte Kleinbürgerherden, die nicht wissen und nie begreifen, daß ein Staat nur die Würde haben kann, die freie und selbstbewußte Bürger ihm verleihen. Einem solchen Staate aber ist das System dieser Regierung der Barone entgegen. In einem Staate, wie Deutschland ihn dar-. stellen muß, wenn es leben will, haben ein freies Volk und die eine solche Regierung stützenden Schichten nebeneinander nicht Platz. Lausanne hat auch innerpolitisch Wege frei gemacht, damit Deutsch- land wieder ein freies Volk werde. Auf' diesem Wege muß am 31. Juli das deutsche Volk zum Siege schreiten! K— r. Späte Einsicht! Oer Einzelhandel gegen Lohnsenkungen. Die Ausschüsse für Sozialpolitik und Betriebsführung der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels nahmen in«iner Entschließung zu einigen Fragen der Wirtschafts- und Sozialpolitik Stellung. Mit Entschiedenheit werden weitere Lohnsenkungen ab- gelehnt. Di« Uniernehmerschaft im Einzelhandel dürfe nicht allein den Koftencharatter der Löhne, sie müsse vielmehr auch, ihren Kaufkraftcharakter stet» beachten. So erfreulich an sich diese Betonung des Kaufkraftcharakters der Löhn« ist, so muß man doch feststellen, daß der Hauptgemeinschaft diese Erkenntnis reich- l i ch spät gekommen ist. Wir wollen aber hoffen, daß die„Unter- nehmerschaft im Einzelhandel" in Zukunft bei Regelung von Lohn» und Gehaltsfragen nach dieser Einsicht handelt. Andere Stellen der Entschließung zeigen freilich, daß auch diese ein Produkt von Kompromissen ist. dah die Hauptgemeinschaft einer eindeutigen Stellungnahme nicht fähig ist. Der Tarifgedanke müsse erhalten, eine weitere Nivellierung der Löhn« vermieden werden— ober dazu müsse der Lohnschematismus auf- gegeben und die Individualisierung von Lohnniveau und Arbeits- zeit freigegeben werden! Dem Schlagwort„Lohnschematismus zu- liebe widerspricht sich also die Hauptgemeinschaft im selben Satze. Wa» soll eine„Individualisierung" des Lohnniveaus, wenn man die Löhn« nicht senken will? Was ein«„Individualisierung" der Arbestszeit, wenn mon sie nicht verlängern will? Gchuhabsatz im Zum. Di« Schrumpfung der Kaufkraft infolge weiterer Ge- Haltskürzungen und wenig verringerter Arbeitslosigkeit hat sich im Juni im Absatz des Schuheinzelhandels weiter bemerkbar gemacht. Die Juni-Umsätze sind wertmäßig gegenüber Mai um 24 Proz. zurückgegangen: freilich ist zu bemerken, daß in den Mai das P fingst fest mit seinen Sonderumsätzen fiel. Gegenüber Juni vorigen Jahres waren die Juni-Umsätze um 21 Proz. ge- ringer. Mengenmäßig ist der Umsatz infolge der Preisrückgänge freilich nicht so stark gesunken. Man muß aber bedenken, daß ein Teil der Unkosten„fix" ist, sich bei Umsatzrückgang nicht ändert. Da» für die Erfolgsrechnung ausschlaggebende Verhältnis von Kosten zu wertmäßigem Umsatz wird dadurch ungünstig beeinflußt. Bankenstützung als Geschäst. Die Akzeptbank verteilt 8 Prozent Dividende. Die jetzt Akzeptbank A.-G., Berlin, firmierende Bank der Banken(früher Akzept- und Garantiebank) legt Bericht und Bilanz für das erste Geschäftsjahr vom 28. Juli 1931 bis 30. Juni 1932 vor. Sie wurde unter Führung des Reichs von öffentlichen und privaten Großbankinstituten während der Bank- krife im Juli 1931 gegründet, um nach Ablauf der Bankfeiertage durch Wechsel- und Akzeptkredite den Banken flüssige Mittel zu verschaffen. Im Lauf« des ersten Jahres wurde ihr Aufgabenkreis er- w e i t e r t: sie gewährt jetzt nicht ausschließlich Banken Kredit, sondern beteiligt sich auch an der Finanzierung von Auf- trägen an die Industrie, wenn deren kurzfristige Abwicklung ge- sichert ist. Mit welchen Beträgen aber die Akzeptbank bisher Jndustrieaufträge finanziert hat, wird im Geschäftebericht allerdings nicht gesagt. Ueberbrückungskredite wurden auch an die Groß- s ch i s f a h r t gewährt. Wenn die Bank von Verlusten verschont blieb, so ist das unbedingt als Erfolg anzuerkennen Alle Kredite sind gedeckt: für zwei Drittel bestehen Bürgschaften de? Reichs und der Länder. In der Bilanz erscheint das Kapital mit 200 Mill. Mark, das aber nur zu 2Z Proz. eingezahlt ist. Da aber auch dieser Be- trag den einzahlenden Stellen zurückgeltehen wurde(daher Bankguthaben von 60,2 Mill. Mark), so hat die Akzeptbank tat- sächlich ohne eigenes Kapital gearbeitet. Die nötigen Mittel hat sie sich beschafft durch Begebung ihrer eigenen Ak- z e p t e(322,2 Mill. Mark, denen Forderungen in gleicher Höhe gegenüberstehen). In weit höherem Maße aber hat sie den Banken ihre Wechselunterschrift zur Verfügung gestellt— die For- derungen und Verbindlichkeiten„aus Giro" erscheinen vor dem Strich in der Bilanz mit 1,1 Milliarden Mark. Die gesamt« Kreditvermittlung belief sich also am BUanzstichtag auf mehr als 1.4 Milliarden Mark und dürft« damit erheblich niedriger als End« des Jahres 1931 gewesen sein. Der Hauptteil der Kredite entfällt auf die durch Abhebungen besonders bedrängten Spar- tasten und Girozentralen, ein sehr erheblicher Betrag auf die vom Reich sanierten Großbanken. Die Provistonseinnahmen für dt« geleisteten Wechselunter- schriften übersteigen mit 21,0 Mill. Mark die Zinseinnahmen von 3,3 Will. Mark erheblich. Da diesen Einnahmen nur etwa eine Million Mark Gesamtkosten gegenüberstehen, ergibt sich ein Ueberschuß von 2 3,3 Mill. Mark. Von diesem Ueber- schuß werden IS Mill. Mark zurückgestellt. Auf da» ein- gezahlte Kapital von 60 Mill. Mark wird«ine Dividende von 8 Prozent(4 Mill. Mark) gezahlt. Diese Gewinneinnahme ist für den Großaktionär Deutsches Reich der erste schwache Trost aus der ganzen Bankenstützung. Goldabgaben der Reichsbank. Oer Geldbedarf des Reiches im Reichsbankanöweis. Der Reichsbankausweis vom 7. Juli hat ein besondere» Geficht. Die Zunahm« der Handelswechsel um 51.6 auf 3152,0 Millionen in der»rsten Monatswoche' ist«ine ungewöhn- liche Erscheinung. Sie erklärt sich aus dem Geldbedarf der Banken, die bekanntlich dem Reich bis zum Eingang der neuen Steuern einen Kredit von 126 Millionen Mark gewährt haben. Die Lom- barddarlehen haben dagegen um 167,6 auf 103,8 Million«» normal abgenommen. Die Girogelder verringerten sich wohl auch im Zu- sammenhang mit dem dem Reich gewährten Kredit— um 71,0 aus 401,7 Millionen Mark. Der Notenumlauf ging um 107,6 auf 3876,6 Millionen zurück, der Umlauf an Rentenbankscheinen um 8,9 aus 402,7 Millionen. Diese relativ starke Abnahme des Notenumlaufs hängt offenbar auch mit dem Reichs- kredit zusammen: die Reichsbant hat die Zahlungen an die Banken anscheinend zum größeren Teile bargeldlos geleistet. In der Gold- und Devisenbilanz zeigt sich«in Rückgang der Goldbestände um 26,1 auf 806,1 Millionen und«ine Zu- nähme der Devisenbestände um 9.2 auf 138,9 Millionen Mark. Hier sollen Rückzahlungen für Ausländsanleihen die Veränderungen gebracht haben. Die Notendeckung hat sich auf 24,4 gegenüber 24,1 Prozent in der Vorwoche dennoch erhöht. Der Großhandelsindex Ist im Zuni gegenüber dem Mai von 97.2 auf 96,2 Proz. weiter gesunken. Die Slgrarstofse gingen insgesamt von 93,4 auf 92,1, Kolonialwaren von 86,9 auf 5.6.1, Roh- stoffe und Halbwaren von 87.9 auf 87,1 und industrielle Ferrig- waren von 118,8 auf 117,7 Prozent zurück. wegen der Einschränkung der englischen Sohleneinsuhr nach Deutschland hat die englische Regierung in Berlin vorg«schlagen, die ganze«treifrage einem Schiedsgericht, zu unterbreiten. vergleich S. Adam angenommen. Der Vergleichsvorschlag des Kaufhaujes S. Adam, Leipziger Ecke Friedrich st raße, wurde nach Mitteilung des„Konfektionär" vor Gericht bestätigt. Der Vergleichsvorfchlag sieht vor, daß die Forderungen bis zu 100 M. voll, die Forderungen der übrigen Warengiaubiger mit 30 Proz. gezahlt werden. Von 341 Gläubigern mit 2.7 Millionen Mark Forderungen haben 318 Gläubiger den Vergleich angenommen, so daß das gerichtliche Verfahren ausgehoben wurde. Taschenbuch der Finanzslatistik iu Preußen. Das Preußische Statistische Landesamt veröffentlicht soeben ein Taschenbuch mit den Ergebnissen der Finanzstatistik für Preußen für das Rech- nungsjahr 1930/31(Preis 1,80 M). Die Entwicklung der Haushaltsziffern in den Jahren 1926 bis 1930(auch für dgs Reich!) ist in überfichllichen Tabellen vorangestellt. Den Hauptraum des Taschenbuches nehmen die Einzelergebnisse der Finanzstatiftii für 1930 ein, wobei zum ersten Male in Angleichung an das Preußische Kommunalrechl die Landgemeinden den kreisangehörigen Städten gegenübergestellt wurden. Ferner wird eine Ilebersicht über den Personalstand in Preußen(für Lehrpersonen gesondert) gegeben. Es folgen die llebersichten über den Schuldenstand und die Real- steuern. Erläuterungen über die vorkommenden finanzwissenschost- lichen Begriffe sind beigefügt. Aus der Partei. Zum Znkernaiionalen Antikriegskongreh hat Genosse Von- d e r v e i d e- Brüssel als Vorsitzender der ivozialistischen Arbeiter- internationale eine Einladung erhalten, die er dem Sekretär Friedrich Adler- Zürich übersandt hat, damit das Büro der SAJ. darüber entscheide. Friedrich Adler hat nun an R o m a i n Rolland als einen der Cinberufer dieses Kongresses in einem längeren Schreiben aus gewisse Widerspruche in den Aufrufen zu diesem Kongreß hingewieicrt und Auskunft erbeten, ob die teil- nehmenden Organisationen bei den Absliinmunaen� ent- sprechend ihrer Mitgliederzahl gewertet werden sollen und ob Sicher- heit dafür gegeben werde, daß nicht Einzelpersonen diesen Kongreß majorisieren können. In diesem Schreiben äußert Friedrich Adler bei aller Hochschätzung Romain Rollands die Vermutung, daß der Kongreß, dessen weitere Einberuser die Kommunisten H e n r t B a r- b u s s e und Maxim G or ki sind, eines jener Einheitsfront- Manöver fein könnte, von denen sich die TAI. nach vielen traurigen Erfahrungen fernhalten müsse. Von der Antwort Rollands macht Friedrich Adler die Beteiligung an den Vorbereitungsarbeiten ab- hängig.. iWSozialistischeArbettm'ugendGroß'Verlin Einsendungen siir diel« Rubril nur UN da» Jugends-lret-ria« Beriin S® 88. Lindensiraße 2. vorn 1 Trevve recht,. Genossinnen und Genossen! Nehmt die Umschreihung bzw. Anmeldung klle die Voltsiiiihne recht umgehend bei un» vdr. heute. Sonniag. 10. Juli: «erbebe, iri Osten- Iugenddemonstration mit-nlchli-hender«undg-bung auk dem Friedrichshainsportplatz.- Antreten zur Demonstration 14� uhr Kustrrner �'"�crdcbe�r�Weddillg! Alle Funktionäre müssen UM 2t llbr im Heim See» strade sein. Besprechung der Autofahrt, da Benderuug notwendrg. «erbedezirl Lichtenberg: Antreten t< Uhr«llftriner Platz. Morgen. Monkag, 11. Suli, 20 Uhr: Sewerlschastshau«: Waisenstr. IS. Wilhelm.Pusch.Abend.— Hins»: Bunter Adend im Freien.— Moabi! I: Waldensersir. 20. Unsere Bibliothek.�— Moabit Straße Uner'u�nterwelt.�- Sonnendurger Str. 20. Schaliplatten-bcnd.— v n....... /».e t___ r«_ 11__ Tagespo�n-k.— Luisenstadt: Wassertorstr. t gack-LoNdon-Abcad.— Friedrich», scidc: IS Uhr Schloßpark Karlshorst. Spart.— Hermedors, Flugblattverbril. tung. Lrefspunkt tOsz Uhr„Fiel« Elte".— Pankow(Si.-F.): Älsimgenstr.« Fahrtenerlcbnisl«.... � Worbibe,irk Schilaebcrg: Treffpunkt zur Propaganda 18Z4 Uhr bei koschen». Apostel.Paulu».Str. 27. Arbestsgemeinschaft Abraham- Si-:Ä,ed°l°-rsa«mlup.z-b« Schul»,--rkbulchstr. 20. R-f»rent- Kamtrad Ludwig Dreöcrich.- NenlSlln.Briß. Montag, 11: ZUN. 3ßs.,ch:anlr«�i tjt alle Kameraden in Bundeskleiduna zum Umzug durch Neukölln. Di« Kamerad» lchaften treten um 18 Uhr auf den ielgenden Sammelplatz»» an: 1. Käme- radschaft: Neuterplatz, 2. gameradschaft: Hertzberaplatz, 8. Kameradschaft: «oddinplaß, 4. Kameradschaft: Warthesttatze. Nachzitgler: IS� Uhr Neuietplatz Vortrupp: Mittwoch, 18. Juli. lO'-: Uhr, Heimabend im.mgendheim Berg. ftraße 20.— Pankow sOrt«veiein). Montag, 11. Juli, Mittwoch. t8. Juli. Treff. Punkt in gewohnter Turnhalle in Uniform. Tamtourkorp» mit Instrumeuten. — Bernau: Montag, 11. Juli. 20 Uhr, außerordentliche Seneralverfammlung im Bereinslokal.__ Deutscher Arbeiter-Sängerbund. Gau Lerliu. GefchSslsstelle: V. Schneider, verlin 710. 55. hufelandstr. 31. RenkSllne« Sänaerchor. Donnerstag, 14. Juli, 20 Uhr, öffentliches - Platzkonzert aus dem Wildenbruchplatz in Neukölln. Donnerstag. Li. Juli, 20 Uhr, U-bungsstunde in der„Einigkeit-, Zieukölln, Kirchhof- Eck« Wtpperstraß«. Sonntag, 24. Juli, Sommerfest im Saalbau Friedrichshain. An. sang 18 Uhr. Eintritt 40 Pf. Montag. 2Z. Juli. 20 Uhr. Porst-nd-sitzung beim Sange» druber Bertsch. Wiener Str. 3S. Donneretag, 28. Juli, 20 Uhr, Halb- iahreegeneraloersommlung in der„Einigkeit", Neukölln, Kirchhof. Eck- Wmper- straße. Anträge sind bi» zum 25. Juli einzureichen.— Wäancrchor?ti«b. richahai». Achtung! Am Montag, dem ll. Juli, 20 Uhr, findet die viertel. sahreoersammlung im Petersburger Hof. Pet»r«burger Straß», statt. Erscheinen aller Sange»brlider ist Pflicht._ Briefkasten 0er?kSakiion. A. B. 180. Die Befugnis zur Straßenbenennung steht d«r Polizsn zu. Nein. Du hast aber gepileate Hände! Ach weißt du. ich iinbe, die kann heut« jede Frau haben, wenn sie klug ist. Ich zum Keispiel habe mich beim Putzen und Scheuern für Henkels Ata entschieden. Da» fegt den Schmu« wt« auf Som- mando fort und ist doch sa mild, daß die Hände geschont bleiben. Kirsel L bereiten Hezept , 3 Pfand dunkle, tüßeKir» aae�"' gewogen, gut zerschneiden od. durch Fleischmaschine drehen, ( einfaches Zerdrücken genügt meist nicht);-/« Liter Wasser hinzu, dann mit ll'/a Pfund Zucker unter Rühren zum Kochen bringen und 10 Minuten brausend durchkochen. Hierauf eine Normalflasche Opekta „flüssig" zu S6 Pfg. sowie den Saft einer Zitrone hin- einrühren u. sofort in Gläser f üllen.Genauesle K och- onweisung mit Rezepten liegt jeder Flasche bei. Vorsicht beim Opekta-Ein- kauft Nicht zu oetwcch- sein mit ähnlich lauten- WS St- h? 0- Minuten-To pf- Achtung! Bundlunkl Sia hören über öle Sender Berlin (eden Mlltwothvormiuaa von'1C.i5 bis 10.50 Uhr den »ehr Inlerestanten Lehrvortrag.,10 Minuten(Qt die (omchrlttllche Hau«1reu" au» der Opekta-KOcha,— Bazeptdurchgabas TeocIcon-OpaktalstOpeltlalnPulvarformvon glalch höhet Qualität wie Opekla tlOsrig- Beutel ru 23 OTg.(Cr etwa 2 Pia. Marmelade, und Kartone ru 45 Pfg. flir etwa< P(d Marmelade Genaue«ezepla liegen jeder Packung bei Mselüge« Keehtuch mjt übet 100 autflihrllchen Be- repten tbr Marmeladen. Gelee», Torlenlibergüt»» Ei» und SOBipelsen In den Geschäften erhältlich oder gegen Voreinsendung von 20 Pfg. In Brlcfmarlcen vor der OPEKTA-GESELLSCHAPT M.B.H., KÖLN- RIEHL 2a Opekta In-allen Drogerien und LebensmltlelgescUfies w r '• iiiiiiii - W MMMM WAWWWNz W BW W j ' WD I Z MKZMMM mmmm �WANZU Mi "Z WWW 'i"■•? N' ••.■ ••.• V :• En dieser Woche: T 1 Reisemappe Briefpapier 0,39 1 Einhand-Feuerzeug n verschiftdene Ausführungen......... üfOi T 1 Plaidriemen Är oSi mit Eiseneinlage, ca. 80 cm lang, für n nn Reisegepäck oder Bademäntel...... w,wv i KaSSerOlle Alnmininm od. 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Ich dreht« das Bild hin und her, ich kannte diese Kinder nicht. Und— doch— ich kannte sie. Sie erinnerten mich an irgendein Erlebnis, an etwas, worüber ich lächeln mußt«. Aber was? Und plötzlich wußte ich das: Es waren die Kinder der Gräfin H. Es stand alles ganz klar vor mir. Ich war jung, angehende Schriftstellerin. Ein paar meiner ersten Bücher erweckten Interesse und wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Da begann ich auch Briefe zu empfangen, Briefe aus dem Auslande. Der erste Brief war von der Gräfin H. Er betraf eine Wette, die sie mit ihrem Manne darüber abgeschlossen hatte, ob„Ulla Fangel' noch einem lebenden Modell geschrieben war oder nicht. In meiner jugendlichen Arroganz fand ich den Brief taktlos und antwortete, daß ich eine derartig« Frage ganz unpasiend und zudringlich fände. Die Antwort kam umgehend und mit der offenherzigen Entschuldigung: Ja, sie wüßt« das schon, ihr Mann hatte ihr auch oerboten, mir zu schreiben, aber sie hatte es doch nicht lassen können! Damit begann unsere Korrespondenz, die ohne Unterbrechung anderthalb bis zwei Jahre dauerte. Während des Sommers bekam ich einen Brief, daß sie in einem Badeort an der pommerfchen Küste wäre,— ob ich sie nicht mög- licherweise dort besuchen könnte?— Nein!— Daraus eine Depesche: Dann komme ich noch Kopenhagen!— Wieder eine Depesche: Ich komme morgen! Mein erster Eindruck von der Gräsin war, daß sie sehr, sehr wenig hübsch, eher außerordentlich häßlich sei. Aber als ich eine Viertelstunde mit ihr gesprochen hotte, fand ich sie ganz reizend. Im Lauf« der zwei Stunden, in denen wir uns zum ersten und zum legten Mal« sahen, vertraute sie mir ihren ganzen Lebenslaus an. Ihr Vater war ein Graf und die Familie hatte, wie damals in diesen Kreisen Sitte war, beschlossen, die Tochter mit der Nochbar- grafschast zu verhematen. Jeanette, wie sie hieß, widersetzte sich zwar, hatte ober keine Wahl. Oder besser gesagt, sie hatte die Wahl zwischen der Heirat— oder ins Kloster zu gehen. Ob es so ernst war, wie gesagt, weiß ich nicht. Sie aber glaubte daran und gab nach. War furchtbar unglücklich— Versuchte sogar Selbstmord zu behegen, wickelte sich im Winter in nasse Tücher, die sie auf dem Körper trocknen ließ. Ein Riescnschnupfen war alles, was sie dabei erreichte. Der Graf war ebenso schön wie sie das Gegenteil, aber sie haßte ihn,— Gott, wie sie ihn haßte! Vor der Hochzeit de- wafjnete sie sich mit einem kleinen Dolche, um ihn damit zu töten. Die Hochzeitsreise ging nach Paris. Drei Wochen später war sie die glücklichste Frau der Welt. Sieben Jahre waren sie nun verheiratet, sie hatte schon fünf Kinder und hoffte, noch jedes Jahr eins dazu zu bekommen, bis sie zwölf hätte. Denn ihre Kinder wären die schönsten der Welt: „Kein einziges sieht mir ähnlich. Ein Glück! Nicht wahr?' Mit einem Bleistift zeichnete sie mir das Schloß auf, dann siel es ihr ein, dajz sie ja die Handtasche voll Bilder hatte. Sie zeigte, erklärte, lachte. Ich müßte sie unbedingt besuchen kommen. Und wenn sie mich mit Gewalt holen sollte! Punkt vier Uhr wurde die Gräfin abgeholt. Sie sandte der Gesellschafterin bittende Blicke zu, aber diese erlaubte deutlich genug keine Verlängerung des Besuches: Di« Gräfin müsse daran denken, daß sie die ganze letzte Nacht durchgesohren sei und auch die kommende noch jähren sollte. Und die Stadt möchte sie doch auch ansehen... Ich saß allein mit dem Kinderbildnis, das sie mir gerade ge- geben hatte, als die Gesellschafterin klingelte. Sie erzählte mir von jedem Kinde und schilderte mir sowohl seine guten als seine schlechten Eigenschaften. Die zwei ältesten waren Mädchen. Beide gleich hübsch. Aber während das«ine das oftene, klare, übermütige Kinder- gesicht hatte, das unwillkürlich entzückt, saß das ander« mit leicht geneigtem Kopfe da, auffällig bescheiden, mit einem schämigen Aus- druck, der die Sechsjährige viel älter erscheinen ließ. Ich zeigte auf sie:„Sie gleicht einem trauernden Engel! Sie ist wohl sehr schüch- tern?"— Die Gräfin seufzte iznd lachte dann:„Dieses Kind! Schüchtern? Gott gäbe, daß sie es wäre. Nein, dos ist nur Theater. Sie schauspielert immer!' Ich erlaubte mir, dies zu bezweifeln, ober die Mutter wurde eifrig:„Sie ist boshaft. Direkt boshaft! Wenn ich angezogen bin, um mit meinem Manne in eine Gesellschaft zu gehen und mich von den Kindern verabschieden will, kann es passieren, daß Eva zu mir hinstürzt und sagt:„Meine einzig geliebte Mama!" Gleichzeftig schlägt sie die Arm« um mich und dabei Hot sie dann in jeder Hand ein Butterbrot, womit sie mir mein Seidenkleid beschmiert, um es zu ruinieren. So ist sie..." „Und was sagt denn Ihr Mann dazu?' „Mein Mann? Er ist genau wie olle anderen Männer. Eva verdreht ja jedem Mann, der in ihr« Nähe kommt, den Kops. Früher ließen wir immer, wenn wir Gäste bei uns hatten, noch dem Kaffee die Kinder hereinkommen, ober damit muhten wir aufhören, denn Eva benahm sich den Herren gegenüber derartig, daß ich ganz ver- legen wurde. Sie bezauberte sie vollkommen. Ich weih nicht, was mit diesem Kinde los ist, aber ich möchte fast wünschen, daß sie nie geboren wäre. Und manchmal denke ich, es kommt daher, weil ich im Ansang meinen Mann gehaßt habe. Glauben Sie, daß dos möglich sein kann?' Ich erinnerte mich auch, wie sie mir erzählte, daß sie ihren Mann auf der Hochzeitsreise in Paris in ein berüchtigtes Lokal hineingelockt hätte, von dem so viel gesprochen wurde. Dort sah sie zum erstenmal in ihrem Leben Dirnen.—„Und wenn Eva einen Mann ansieht, dann ist es genau dieselbe Art. wie dort die Weiber meinen Mann ansahen. Ich hotte ihnen die Augen auskratzen können...' Die kleine Graiin war fort. Aus meinen Dasein verschwunden. Sie schrieb mir ständig und ihre Briese waren immer in Dänisch geschrieben, ebenso fehlerhaft und drollig, wie es mein ungramman« kalisches Deutsch sicher auch geweien ist. Sie erwartete ihr sechstes Kind, es sollt««in Junge werden, hatte sie bestimmt. Ob ich nicht zur Taufe kommen wollt«? Das Kind kam zur Welt,«ine schwere Geburt. Im Bett schrieb sie mir, acht Seiten lang. Sie erzählte, nun hätte sie auch eine dänische Bonne genommen, um Gelegenheit zu haben, die Sprache zu sprechen. Der nächste Brief hatte Trauerrand und war von Graf H. ge- schrieben. Seine Frau war am neunten Tage nach der Geburt ge- starben. Ich vergaß sie. Ab und zu streifte mich wohl die Erinnerung, aber mein eigenes Leben hafte all« Segel eingesetzt und die Toten haben ja ihr Recht verloren. Ich vergoß sie vollkommen. Wie ich da zufällig das Kinderbild fand, hatte ich ihr jahrelang keinen Ge- danken mehr geschenkt. Sie starb Ansang des Jahrhunderts. Ich braucht« mir nichts vorzuwerfen, weil ich sie vergessen hatte. Der Wellkrieg war beendet. Es wurde mein Los, in den be- setzten Gebieten Deutschlands herumzufahren, wo ich mehr Rot und Elend sah, als ich je für möglich gehalten häfte. Man erzählte mir so viel von der in den besetzten Gebieten staftfindenden Zwangs- mäßigen Prostitution und von der furchtbaren Ausdehnung der damit verbundenen Krankheiten. Ich wollte mich persönlich von der Wahrheit der Erzählungen überzeugen. In einer der Städte, die dadurch so traurig bekannt wurden, daß farbige Truppen den Einwohnern das Leben zur Qual machten, besuchte ich ein Kranken- Haus. Man zeigte mir einig« kleine, dunkle Kinder— die Früchte der Verbindung von Schwarz und Weiß. Ich wurde nach der Ab- teilung geführt, wo die kranken Dirnen interniert waren. Um ihnen jede unnötige Beschämung zu ersparen, schlug ich jede Begleitung aus und erhielt auch die Erlaubnis, den Saal, wo die Armen lagen, allein zu betreten. Der Anblick war abschreckend. Die meisten der Kranken lagen in ihren bunten zerlumpten Blusen da und rauchten billige Ziga- retten, die sie sich selbst drehten. Ich ging von einem Bett zum anderen und sprach mit allen. Die meisten von ihnen waren arme Dienstmädchen, die auf die schiefe Bahn geraten waren und nun keinen Rat mehr wußten, um sich weiter zu helfen. Aber in einem Bett lag oder saß ein junges Weib. Eine junge Königin. Dos Haar wie Seide, in der Mitte gescheitelt, schön gebürstet und gekämmt. Ihre langen schlanken Finger rollten die Zigaretten mll der Ge- wandthell eines spanischen Fabrikmädchens. Die hellrote Bluse war often und ließ den schönsten, weißesten Hals zum Vorschein kommen. Sie begrüßte mich mit einer überlegenen Herablassung, die mich stutzig machte. Die Decke war mit Briefen und Postkarten übersät. Schachteln mit Pralines lagen ringsherum. Auf dem Stuhl neben dem Bett standen einige Glasscherben mit frischen Blumen. Sie strahlte und stimmte vor sich hin. Aber plötzlich lehnte sie sich zurück, als ob sie müde wäre. Der Kopf neigte sich leicht zur Seite. Sie ähnelte einer Madonna, die ich einmal in irgendeiner Galerie gesehen hatte. Ich war drüben aus der anderen Seite an der näch- slen Bettreihe, schaute aber unwillkürlich immer wieder zu ihr hinüber und sah ein kleines feines Lächeln über ihr Gesicht gleiten. Es trieb mich wieder etwas zu ihr hin, aber eine gewisse Befangen- heit hielt mich davon ab. Dann hörte ich durch den Raum hindurch eine kultivierte Stimme fragen:„Kennen Sie das?'— Und sie begann ein französisches Lied zu singen. Ich horchte. Das Lied war aber so unanständig, daß ich es vorzog, das Zimmer so schnell wie möglich zu verlassen. Draußen auf dem Gange fragte ich den Oberarzt, oh er etwas Näheres über sie wüßte. Er antwortete:„Gott, wissen Sie... Sie ist nicht Dirne aus Not, sondern aus eigenem freien Willen. Einmol nach dem andern kommen ihre Verwandten, um sie heimzuholen. Manchmal geht sie mit ihnen, aber noch einigen Wochen ist sie wieder hier. Sie ist vollkommen glücklich...' „Woher stammt sie denn?' fragte ich. Der Arzt sah sich um, als ob er sich vergewissern wollte, daß uns niemand zuhörte:„Sie ist aus guter Familie, aus sehr guter sogar. Ihr Vater ist der bekannte Graf H____ Als Sechzehnjährige heiratete sie, lief dann mit einem Stallknecht von zu Hause fort und war ein halbes Jahr später als Dirne eingetragen... In keiner Weise verriet ich, welchen Eindruck die Mitteilung des Oberarztes auf mich machte. Als ich aber mehrere Wochen später nach Hause kam, war es mein erstes, das Kinderbild hervorzu- kramen und es anzustarren, bis sich ein Schleier über meine Augen legte. 3)as Wind, das ttlcltl erwachen molUe 8rsählung aus ZPeru/ Von Ventura Gavcia Calderon Nein, selbst die Kondore können nicht starr in die Andensonne sehen, und niemand vergißt so bald den Rückprall ihrer Strahlen von dem Weiß des ewigen Schnees. Als ich die sengende Hochebene hinter mir hatte, als ich in die Hüte eintrat, deren kühler Schatten mich so wohlig aufnahm, mußte ich— noch geblendet— einen Moment stehenbleiben. Tastend setzte ich mich dann auf den Boden. Doch trotzdem ich in die Hände klatschte, damit man mir den Labetrunk der unübertrefflichen Chicho reiche, die alle llebel heilt, erschien nur ein rosiges Ferkel, das grunzend die riesigen Stacheln meiner Sporen beschnupperte. Und nichtsdestoweniger war es ein« dieser Wunderhütten mit rotem Fähnchen, von einer einheimischen Vorsehung— sicherlich dem Gott Huiracocha— neben die Wege meines Landes gestellt, um dem einsamen Reisenden in der verzehrenden Glut der Höhen unversehens das zu bescheren, was ihn wie ein Trugbild der Phantasie verfolgt: Schatten, eiskaltes Getränk und guten Schlaf. All dies kostet nur einige Kupfermünzen. Ihr werft sie der Indianerin zu, die ein Totenhemd für ihr eigenes Begräbnis webt, oder dem auf einem Alpokafell hockenden Alten, der unablässig Tora kaut, um die Träume herbeizuführen. Mein Maultier wurde in der Schwüle des Mittags ungeduldig, und plötzlich hatte es eine jener Ideen, die ihm einen Platz unter den Ersten der gezähmten Tierwelt anweisen. Fast auf den Knien rutschte es mit schlappen Ohren durch die niedrige Tür, kam ver- stöhlen näher und streckte sich neben mir zum Schlaf aus. Schon stand ich im Begriff, seinem stummen Rat ZU folgen, als meine all- mählich an das Dunkel gewöhnten Augen ein Kind gewahrten, das auf einem Haufen bunter Bonchos lag. Daß man der schweigsamsten Rosse der Welt angehört, ist— rarambu!— doch kein Hindernis, bei der unvermuteten Erscheinung eines weißen Mannes und seines Reittiers entsetzt zu schreien! Dach dieses Kind gab keinen Laut von sich. Ich nahm es hoch, trug es zur Tür ins Licht und sah... das Gesicht einer Mumie. Eine Kindermumie— wenn auch nicht ganz so braun wie die starren Körper der indianischen Totenstädte—, eingehüllt in einem bunt- scheckigen Poncho: ein lächerliches, entzückendes Poncholein, das ihr bis zur Hüfte reichte und unter dem sich die Tasche zum Auf- bewahren der Cocablätter hervorstahl, als wenn dieser Säugling schon dem Laster seiner Eltern gefrönt hätte! Höchst merkwürdig aber waren die Ovale aus Bergkristall an Stelle der Augen: denn die Einbalsamierer der Inkazeit pflegten ihren Toten keine Augen einzusetzen. Nun, um so mehr freute ich mich über meinen Fund! Behutsam legte ich die winzige Mumie wieder in den Winkel. Bis die Indioner kamen, konnte ich ruhig schlafen: nur hieß es, ihnen nachher keine Begeisterung zeigen. Wo mochten sie fein? Verlasen sie Maiskörner für die Ehica? Ließen sie die Chunos, von denen solch herber Geschmack auf den Lippen zurückbleibt, im Schnee gefrieren? Oder tanzten sie gar ihre monotonen Tänze bei einer der prächtigen Orgien, die sie— un- passenderweise— Begräbnis nennen? *.* Ein Frösteln überlief mich angesichts des Schauspiels, da? sich meinen Augen beim Erwachen bot, und ich erinnere mich, daß ich die Beine bewegte, um mir durch das Klirren der Sporen zu be- weisen, daß ich wirklich wach war. Nur wenig verstand ich von den Worten des sanften, traurigen Liedchens— ein Wiegenliedchen in der Sprache der Ouefchua- Indianer, Jahrhunderte alt... Aber alle Wiegenlieder ähneln sich, und ich erriet, daß die Frau, die m der Hütte auf und ab ging, wie eine Mutter fang:„Schlaf, mein Kindchen, schlaf!" Und wie die anderen, wi« alle Mütter der Welt, ahmte sie mft ihren Armen die Bewegung der Wiege- nach. Dann entblößte sie ihren herrlichen Busen, geschwellt von verborgenen Quellen, die bereit waren, aus den harten, bronzefarbenen Knospen hervorzusprudeln. So bricht in den Anden plötzlich eine weiße Kaskade aus dem braunen Fels. Völlig munter geworden, konnte ich feststellen, daß die Indianerin der kleinen Mumie die Brust gab... Obwohl ich mich viel mit dem Aberglauben der Indioner be» faßt habe, war ich verblüfft und blieb stumm. Vielleicht verriet mich eine ungewollte Bewegung, da die Frau mit erschrockener Miene in ihrem Treiben innehielt und die Leiche in dem Haufen bunter Ponchos verbarg. Geräuschlos huschte sie hinaus, und draußen er- tönten häßliche Worte und Verwünschungen gegen den weißen Manns der die seltsame Zeremonie gestört hatte. Minuten später trat ein junger Indianer, wahrscheinlich ihr Mann, ein und schob mich zur Tür. „Taitita! Geh... geh fort! Nicht können bleiben.' Ein Peruaner, vor allem, wenn er von spanischen Hidalgos ob- stammt, ist nicht daran gewöhnt, sich ohne weiteres aus irgendeiner Hütte seines Landes vertreiben zu lassen— hat er doch Jahrhunderte der Macht für sich, dazu das herrischste Blut der Erde, seine Reit- peitsche und jene Worte, vor denen seit dreihundert Iahren ein unterdrücktes Volk zittert: „lnckic» cke mierda! Auf die Knie... sofort!' Wir standen schon draußen vor der Tür: er mit gebeugtem Rücken, um seine Züchtigung zu empfangen— ich außer mir vor Wut. gefolgt von meinem Maultier, dos den Kopf mit offenbaren Zeichen der Zustimmung bewegte. Da, mitten in meinem ungerechten Zorn, überkam mich die Erinnerung an die Mumie. Ich befahl ihm, sie sorgfältig in einem Poncho zu verschnüren und an meinen Sattel anzubinden, warf jedoch gleichzeitig in einem Anfall von gering- schätziger Großmut zwanzig Silbersoles auf den Boden. Niemals in meinem Leben habe ich einen Blick so voller Angst, so voll herzzerreißenden Flehens gesehen. Auf der Erde kauernd. die Hände in'derselben Geste wie zu Zeiten der Conquistadoren er- hoben, erzählte mir der Indianer in seinem gebrochenen Spanisch. daß es unmöglich wäre. Er wies nach einem nahen Bergkegel, wo er andere Mumien ausgroben könnte: er bot mir nach meinem Be- lieben Himmel und Erde an— nur dieses nicht! Dieses eine durfte nicht fein! Seine Augen hingen an dem Hahn meines Revolvers... Und um mich zu beschwichtigen stammelte er. daß er mit seiner Frau sprechen wolle. Wirtlich kam nach einer Weile die Indianerin, ihr wunder- schönes Haar gelöst wie Magdalena, aus der Hütte, näherte sich mir mit sonderbar verzogenem Mund und griff nach meiner Hand. Wollte sie sie küssen? Blitzschnell biß sie hinein, mit solcher Kraft, daß das Blut in Güsten hervorschoß. Als ich wieder zu mir kam— denn wie eine zimperliche Jung- frau war ich ohnmächtig geworden— ümhüllte meine Hand ein grober Verband, an dessen Rändern hie und da die Heilkräuter her- vorsahen. Die Frau war verschwunden. Aber der Indioner, der mehr als eine Legua neben meinem Steigbügel herlief, wurde nicht müde, immer wieder seine Entschuldigungen hervorzubringen. Und noch tönt in meinem Ohr die weinerliche Stimme seiner Raste: „War unser Kind, Taita... einziges Kind. Die Pest holend alles. Seine Mutter es einbalsamierend wie früher, mit alten Frauen, die noch wissen... So Brust gebend, das Kind wieder lebt. Aber— Verzeihung, Taitita, wenn weißer Mann Brust sehend, ay. ay, oy!..." Kus ckean Lpanizahen von Otto Klkrocftt van öobbsr. 3)le kupferne Itlärchen von diurl SchmeUser Es waren ein Mann und eine Frau und hatten eine Tochter, die war schön von Angesicht, wie man sich wohl die Engel denkt. Schlank war sie und wohlgestaltet und hatte langes blondes Haar. das chr bis an die Knie reichte. Aber sie war wetterwendisch von Gemüt und böse, und ihr Vater machte sich oft Gedanken, wie es mit chr werden möchte, wenn sie einen Mann bekäme. Aber die Mutter sagte dann zu ihm:„Hab darum keine Sor- gen, ich werde es schon einrichten, daß es ihr gut geht." Annabella hieß das Mädchen. Als sie achtzchn Jahre alt war, kam ein Mann namens Fried- rich, der wollte sie heiraten. Sagte der Vater zu ihm:„Nehmt sie. Aber das müßt Jljr vorher wissen: sie hat ein wetterwendisches Gemüt und ist böse." Die Mutter stieß ihn mit dem Ellenbogen, er solle schweigen, aber das war unnötig: Friedrich war so vernarrt in Annabellas Schönheit, daß er sie auf jeden Fall zur Frau nchmen wollte. Als die Hochzeit gefeiert war, rief die Mutter Annabella zu sich in chre Stube, nahm aus einem Wandschrank eine kupferne Büchse/ gab sie ihr und sagte: „Diese Büchse mußt du immer sorgfältig aufbewahren, meine Tochter, wenn es dir gut gehen soll. Du mußt sie immer auf ihre Füße stellen, nie hinlegen und nie mit den Füßen nach oben drehen, denn es ist ein Geist darin, namens Schnurz, der verträgt das nicht. Wenn dir aber Unrecht geschieht, öffne sie, dann wird Schnurz dir helfen." Annabella nahm die Büchse, bedankte sich bei ihrer Mutter und zag mit ihrem Mann Friedrich in dessen Heimat. Friedrich hatte ein Bauerngut mit Pferden und Kühen. Er beackerte seine Felder und Annabella sollte der Milchwirtschaft vor- stehen. Er zeigte ihr alles, wie sie es zu machen hätte. Die Kühe mußten pünktlich gemolken werden, dann hatte sie den Rahm von der Milch abzuschöpfen und Butter zu machen, aus dem übrigen Quark und Käse. Das sollte alles verkauft werden, soweit sie nicht selbst davon aßen, und was sie erlöste, sollte ihr gehören. Eine Weile hatte sie Lust dazu und tat pünktlich, was ihr Fried- rich gesagt hatte. Aber dann wurde es chr langweilig und sie ließ alles oerderben. Und als die Kühe im Stalle brüllten, weil sie nicht gemolken waren und die Milch ihnen im Euter brannte, wurde Friedrich aufmerksam und er stellte Annabella zur Rede, warum sie nicht erfüllte, was chre Pflicht war. Annabella lachte.„Mach dir doch deine lächerliche Milchwirt- fchaft allein" sagte sie.„Ich habe keine Lust dazu!" Da wurde ihr Mann zornig und schalt mit ihr. Und als sie ihm freche Antwort darauf gab, ließ er sich hinreißen und schlug sie. Annabella weinte nicht und wehrte sich nicht, sondern ging in ihre Stube, holte die kupferne Büchse hervor, die die Mutter ihr mitgegeben hatte, und nahm den Deckel ab.' Da flog ein komisches Ding heraus und war im Handumdrehen verschwunden. Friedrich hatte die Milchwirtschaft inzwischen selbst besorgt, die Kühe gemolken, Butter gemacht und die Magermilch beiseite gestellt. Dann ging er auf den Scheunenboden, Korn zu sieben. Er war traurig im Herzen über seine Frau und auch darüber, daß er sie geschlagen hatte. Sie ist ja noch so jung, dachte er. Wahrscheinlich habe ich ihr zuviel zugemutet. Ich werde ihr eine Magd zu Hilfe geben, dann wird es besser gehen. Er nahm«inen Sack Korn auf feine starken Schultern und wollte ihn vom Samenboden hinabtragen. Aber als er die Leiter betrat, brach eine Sprosse und er stürzte mit seiner Last in die Tenne hinunter und brach den Hals. Das war Schnurzens Werk. Der kehrte darauf in feine Büchse zurück mnd machte den Deckel über sich zu. Als Annabella sah, was geschehen war, verkaufte sie alles, was ihrem Manne gehört hatte und zog mit dem Geld und der kupfernen Büchse zu ihren Eltern zurück. Der Vater schüttelt« den Kopf, aber die Mutter nahm sie mit Freuden auf und zählte das viele Geld, das sie mitbrachte. Der zweite, der um sie freite, war ein Kaufmann. Anfangs machte es ihr wieder Spaß, im Laden zu stehen und Zucker und Korinthen zu verkaufen, denn der Kaufmann hatte ihr nicht ver- boten zu naschen. Er wußte, daß sich das mit der Zeit von selbst gibt. Aber bei ihr gab es sich nicht, und als die Leute anfingen sich zu beschweren, weil sie schlecht abwog und falsche Waren ein- packte, stellte auch er sie zur Rede. Es ging wie beim ersten Male: sie gab freche Antwort und kriegte Schläge. Und wieder nahm sie den Deckel von der kupfernen Büchs«, die sie mitgebracht hatte, und Schnurz nahm den Augenblick wahr, als sich der Kaufmann über die Syruptonne beugte, lieh ihn ausrutschen und kopfüber hinein- fallen. Da muhte er elend ersticken. Annabella oerkaufte wieder ihres Mannes Besitz und kehrte heim. Der Vater schüttelte den Kopf, aber die Mutter nahm sie mit Freuden aus und zählte das Geld. Das war nun so viel, daß als dritter ein General um sie freite. Diesmal wollte ihr die Mutter die kupferne Büchse nicht mitgeben, aber Annabella nahm sie ihr, Als Generalsfrau hatte sie natürlich weder Butter zu machen, noch Rosinen zu verkaufen, sondern sie brauchte nur seine vielen Orden zu putzen, daß sie in der Sonne glänzten, wenn ihr Mann sie auf der Brust trug. Das schien ihr leichte Arbelt und sie tat sie gern. Aber ein- mal. als sie sich veruneinigt hatten, putzte sie sie nicht, und gerade, als er zu einer Audienz beim König gehen mußte. Der König runzelte die Stirn, als er die ungeputzten Orden auf der Brust des General» sah und entließ ihn Knall und Fall. Wutentbrannt kam der General nach Hause und schlug Anna- Kella die Orden und Ehrenzeichen um die Ohren, daß es nur so klirrte. Dann setzte er sich in seinen Lehnstuhl, zog den Degen aus der Scheide und weinte, daß die Tränen auf die blanke Klinge fielen. Aber Annabella hatte den Deckel der kupfernen Büchse ab- genommen, und als der General seinen Degen in den Schrank stellen wollte, weil er ihn sa nicht mehr brauchte, blieb er mit seinen Sporen an den Fransen des Lehnstuhl» hängen, fiel und stach sich den Degen gerade in» Herz. So war Annabella zum dritten Male Witwe und al» sie auch mit dem Gelde des Generals und der kupfernen Büchs« nach Hause kam, wollte ihr Vater sie nicht aufnehmen. Aber die MuLer ließ sie ein und zählte da» Geld. Es kam aber kein neuer Freier, der um sie werben wollt», denn nun hatte es sich im Lande herumgesprochen, daß es mit ihren Männern nicht gut endet«. So blieb sie zu Hause, und da konnte es ja nicht lange dauern, bis sie mit ihrer Mutter in Streit geriet. Ich weiß nicht, ob es um das Staubwischen war oder um eine ver- legt« Halskette. Jedenfalls kamen sie so in Zorn, daß sie beide zu der kupfernen Büchse liefen und den Deckel abnahmen. Aber die Büchse hatte nicht auf ihren Füßen gestanden, sondern war, da keiner mehr Acht aus sie hatte, umgelegt worden. Schnurz flog heraus und wußte nicht recht, was er tun sollte, zudem war er ärgerlich wegen der unbequemen Lage, die er gehabt hatte. Nun hatten die beiden bei ihrem Streit eine Obstschale um- geworfen, daß ihr Inhalt im Zimmer umhergekullert war. da rutschten sie auf den Früchten aus und schlugen mit den Köpfen so hart aneinander, daß es ihnen das Leben kostete. Da ließ sie der Vater in einem Grabe zusammen begraben und die kupferne Büchse tat er mitten zwischen sie beide, aber er stellte sie mit den Füßen nach oben, denn ihm brauchte ja nichts daran zu liegen, den Geist diestwillig und bei guter Laune zu erhalten. Chriffian Vlorgenftern: Jltl die IVolken Und immer wieder. wenn ich mich müde geseh'n an der Menschen Gesichter, so vielen Spiegeln unendlicher Torheit, hob ich das Aug' über die Häuser und Bäume empor zu euch, ihr ewigen Gedanken des Himmels. Und eure Größe und Freiheit erlöste mich immer wieder, und Ich dachte mit euch überm Abgrund Unendlichkeit und zerging zuletzt wie Dunst, wenn ich ohn' Maßen den Samen der Sterne fliegen sah über die Aecker der unergründlichen Tiefen. 3)eitlfche Sosialifien Qeorg äiüchner(1780-1837) Aus dem„Hessischen Landboten": Wie der Prophet schreibet, also stand es bisher in Deutschland: eure Gebeine sind verdorrt, denn die Ordnung, in der ihr lebt, ist eitel Schinderei. Sechs Millionen bezahlt chr im Großherzogtum einer Handvoll Leuten, deren Willkür euer Leben und Eigentum überlassen ist. und die anderen in dem zerrissenen Deutschland gleich also. Ihr seid nichts, ihr habt nichts! Ihr seid rechtlos. Ihr müsset geben, was eure unersättlichen Presser fordern, und tragen, was sie euch aufbürden. So weit ein Tyrann blicket"— und Deutschland hat deren wohl dreißig—, verdorrt Land und Volk. Aber wie der Prophet schreibet, so wird es bald stehen in Deutschland: der Tag der Auferstehung wird nicht säumen. In dem Leichenfelde wirds sich regen und wird rauschen, und der Neubelebten wird ein großes Heer sein. Hebt die Augen auf und zählt das Häuflein eurer Presser, die nur stark sind durch das Blut, das sie euch aussaugen, und durch eure Arme, die ihr ihnen willenlos leihet. Ihrer sind vielleicht 10 000 im Großherzogtum und eurer sind es 700 000, und also verhält sich die Zahl des Volkes zu seinen Pressern auch im übrigen Deutsch- land. Wohl drohen sie mit dem Rüstzeug und den Reisigen der Könige, aber ich sage euch: Wer das Schwert erhebt gegen das Volt, der wird durch das Schwert des Volkes umkommen. Deutsch- land ist jetzt ein Leichenfeld, bald wird es ein Paradies fein. Das deutsche Volt ist ein Leib, ihr seid ein Glied des Leibes. Es ist einerlei, wo die Scheinleiche zu zucken anfängt. Wenn der Herr euch seine Zeichen gibt durch die Männer, durch welche er die Völ- ker aus der Dienstbarkeit zur Freiheit führt, dann erhebet euch, und der ganze Leib wird mit euch ausstehen. Ihr bücktet euch lange Jahre in den Dornäckern der Knecht- schaft, dann schwitzt ihr einen Sommer im Weinberg der Freihest und werdet frei sein bis ins tausendste Glied. Ihr wühlet ein langes Leben die Erde auf. dann wühlet ihr euren Tyrannen ein Grab. Ihr bauet die Zwingburgen, dann stürzt ihr sie und bauet der Freiheit Haus. Dann könnt ihr eure Kinder frei taufen mit dem Wasser des Leben». Und bis der Herr euch ruft durch feine Boten und Zeichen, wachet und rüstet euch im Geiste und betet ihr selbst und lehrt eure Kinder beten:„Herr, zerbrich den Stecken unserer Treiber und laß dein Reich zu uns kommen-» das Reich der Gerechtigkeit. Amen."' Wodienprogramm des Berliner Rundfunks. Sonntag, 10. Juli S: Ovmnastik. Anschließend: Aus Bremen: Hefenkonzert. 8: Tür den Landwirt. 8.58: Moreenfeier. 10.05: Wettervorhersaee. 11: Langemarc1*- Feierstunde 11.50; Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.10: Junge Dichtung 12.20: Aus Zoppot: Mittatskonzerl. 14: Clternstunde. 14.30: Aus Frankfurt a. M.: Lieder. 18.18: Für die Kinder. 15.35: Canada— Land und Leute. 15: Unterhaltungsmusik. 18.20: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.35: Unterhaltungsmusik. 17.80: Hermann Essig: Aus seinen Werken. 18.10: Konzert. 18.40:„Lausbuben". Eine bunte Stunde. 10.30: Heitere Berliner Musik. 20.30: Aus der Staatsoper, Dresden:„QOtterdämmerung" von Richard Wagner. III. Akt. 21.48: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Montag, 11. Juli. 8: Gymnastik. Anschließend: Aus Oleiwitz: Frühkonzert 11.30: Aus Hannover: Schloßkonzert. 12.30: Wettermeldungen für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert 15.20: Die Studentin. 15.40: Vom neuen Geist unserer Kultur. 16.05: Kleine Fälle in Moabit. 16.30: Maz-Reger-Konzert 16.58; Balladen von Hugo Wolf. 17.10: Bach-Konzert. 17.30: Jugendstunde. 17.50: Wie die Jugend zur Kunst steht. 18.10: Wirtscbaftsrundschau. 18.30: Unterhaltungsmusik. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Zum Gedenken an die Abstimmung in Ost- und Westpreußen. 19.30: Unterhaltungsmusik. 20; Aus Breslau;„Das Waldenburger Bergland". Dichtung, Musik und Bericht. 21.10: Volkslieder und Spielmusik. 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten 22.30: Aus Leipzig: Unterhaltungskonzert. Dienstag, 12. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend: Aus Hamburg; Frühkonzert. 11.30; Aus Königsberg: Mittagskonzert. 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Zwei Dichter und ein Werk. 15.40: Reisebekanntschaften. 16.05; Unterhaltungsmusik. 16.40: Bücherstunde. 17.10; Aage von Kohl liest eigene Prosa. 17.40: Jugendstunde. 18: Aus Wittenberg: Gedächtnisfeier für den am 12. Juli 1931 verstorbenen Erzblschol D. Dr. Nathan Söderblom. 18.55: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 19.15; Tanzabend. 21.10:„Berne". Eine Reisephantasie. 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Mittwoch, 13. Juli. 6; Gymnastik. Anschließend: Frühkonzert. 11.30: Aus Leipzig: Mittagskonzert. 12.30; Wettermeldungen tür den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Eigenartige Frauenberuf«. 18.40: Gestaltwandel des Kitsches. 16.05: Programm der Aktuellen Abteilung. 16.30: Lieder von Paul Zscborrlich 16.50; Unterhaltungs- und Tanzmusik. 17.35: Jugendstunde. 17.55: Der Hürer und sein Apparat 18.10: Am Fuße des Ararat. 18.30; Rechtsfragen des tages. 18.88; Dia Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19�10: D'C fünf Songs singen. 19.55: Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20; Aus Frankfurt am Main:„Pelleas und Mellsande". Musikdrama von Debussy- 22: Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 2240: Zeltberichte. 23: Tanzmusik. Donnerstag, 14. Juli. 6: Gymnastik. Anschließend: Aus Leipzig: Frühkonzert 11.30; Aus Hamburg: Blaskonzert 12.40: Die Viertelstunde für den Landwirt. 14: Schallplattenkonzert. 15.20: Der Einsiedler von Rizdorf. 18.40: Reise als Erlebnis. 16.05; Taten der Dichter. 16.30: Alte Tänze in Suiten. 17.30; Jugendstunde. 17.50: Junge Prosa. 18.20: Eine Viertelstunde Technik- 18.35: Begegnungen und Erinnerungen. 18.88: Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag 19.10: Unterhaltungsmusik. 20: Grenzberichte. 20.20: Aus München; Ausschnitt aus dem ersten internationalen Studentenchor-Treffen. 2040: Tagesund Sportnachrichten. 21: Johannes Strauß, der Walzerkronprinz. HOrspiel. Anschließend; Musikalische Stunde. Danach: Tanzmusik. Freitag, 15. Juli. 6: Qs-mnastik. Anaehüeßend: Frühkonzert. 10.10: Wochenmarkt-AIIarlai 11.30: Aus Breslau. Mittagskonzert. 14: Schallplattenkonzert. 18.20; Sommer-| pflege und Pfropfen der Kakteen. 15.40: Der Schriftsteller in der Krise. 16.05:[ Die Aussichten der deutschen Schwimmannschaft in Los Angeles. 16.30: Virtuos« Violinmusik. 16.50: Mitteilungen dos Arbeitsamtes. 16.55; Aus Alt- Wiener KomSdien. 1745: lugendstunde. 1745: Das neue Buch. 18.08: Das Wochenende. 18.10; Di« Rüstung dar anderen. 18.58: Die Funkltund« teilt mit... 19: Dl« Stimm« zum Tag. 19,10; MandolinenorchesterkonzerL 20: Aus Breslau: Geschichte J«s Flugzeugs. Lehrstück. 21.10: Wegweiser ins Wochenende. 21.15: Orchesterkonzert. 22.15; Politische Zeltungsschau. An- schließend: Wetter», Tages- und Sportnachrichten. Danach; Aus Magdeburg- Abendkongert Sonnaixend, 16. Juli 6: Gymnastik. Anschließend: Aus Kßnigsberg: Frühkonzert 11.80: Aus Königsberg: Mittagskonzert 12.30: Wettermeldungen tür den Landwirt 14: Schallplattenkonzert. 18.20: Jugendstunde. 15.40; Medizinisch-hygienische Plauderei. 16.05: Populäres Orchesterkonzert. 18: Die Erzählung der Woche 18.30: Zehn Minuten Sport. 18.40; Heiteres. 1845; Die Funkstunde teilt mit... 19: Stimme zum Tag. 19.10: Robert-Schumann-Konzert. 1945; Leben und Starben des deutschen Volkes im Lichte der Statistik. 20: Aus Leipzig:„Das Dorf ohne Glocke". Singspiel von Künneke. 23; Wetter«, Tages- und Sportnachrichten. Danach: Tanzmusik. Königswusterhausen Sonntag, 10. Juli. 6: Uebertragung aus Berlin. AnschlieJendt'-Aus Bremen: Hafenkonzert. 8: Uebertragung aus Berlin 11.30: Aus Leipzig: Bach-Kantate. 12.05: Zehn Minuten Lyrik. 12.20; Aus Zoppot: Mittagskonzert. 14: Elternstunde. 14.30; Aus Frankfurt a. M.: Lieder. 15.15: Vorlesung aus dem„Armen Heinrich". 15.35: Dichterstunde. 16: Vortrag. 16.20: Uebertragung aus Berlin. 16.35: Aus Bad Reinerz: Unterhaltungskonzert. 17.45; Deutsche Charaktere; Clause- witz. 18.15: Aus KOIn: Eine Stunde Kurzweil. 18.55; Musikerstudien. 1940: Aus Berlin: Heitere Berliner Musik. 20.30: Aus der Staatsoper, Dresden! „GStterdämmerung" von Richard Wagner. III. Akt. Anschließend: Uebertragung ans Berlin. Montag, 11. Juli. 16: Pädagogischer Funk. 16.30: Aus Berlin; Nacbmlttagskonzert. 1748: Die großen Philosophen als Erzieher. 18; Die Ethik im Steuerrecht. 18.30: Handwerk im Kunstwerk- 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.20: Stunde des Landwirts. 19.35: Flucht aus Berlin. ncutschlandsendtr; 20; Aus Hamburg: Lieder aus Deutschland, Dänemark. Norwegen, Finnland, Schweden, Island und Großbritannien. 21: Aus Hamburg: Das Bodetal. Ein HSrbericbt 22.10: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Dienstag, 13. Juli. 16: Frauenstunde. 16.30: Aus Leipzig; Nachmittagskonzert. 17.36: Die Kulturgeschichte des Tanzes. IS: Der Laie und das Klavier. 18.25; Aus Frankfurt a. M.: Zeitgebundene oder blutgebundene Kunst. 18.55; Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.20: England und Aegypten. 19.45: Aus Königsberg; Ein Blick hinter die Kulissen der Zoppotcr Waldfestspiele. Deutsehlandsender: 30: Aus Hamburg: Militärkonzert. 21: Aus Leipzig;„Kamerad Pferd" Eine Funkstudie mt Musik. 22.30: Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. Anschließend: Aus Hamburg: Spätkonzert. Mittwoch, 13. Juli. 16: Neue Wege der französischen Psychologie. 16.30: Aus Hamborg: Nachmittagskonzert. 17.30: Streifzüge durch das Bürgerliche Gesetzbuch. 18: Das Otchesler und seine Instrumente. 18.30: Biologische Beobachtungen am Meeresstrande. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Volkswirtschaftsfunk. 1940: Stunde des Beamten. 19.40: Viertelstunde Funktechnik. Dautschlandsender: 20: Uebertragung aus Berlin. 22: Wetter-. Tages- und Sportnachrichten. 22.20: Aus Köln; Märsche und deutsche Tänze. Donnerstag, 14. Juli. 16; Pädagogischer Funk. 1640; Aus Berlin: Nachmittagskonzert. 17.30: Büchel deutscher Zukunft. 18: Musikalischer Zellspiegel. 18.30; Sozial- und Wirtschaftsethik des Alten Testaments. 18.55: Wetterbericht für die Landwirtschall 19: Aktuelle Stunde. 19.20; Stunde des Landwirts. 1945: Völker- baß als Msss«nwahn. Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Freitag, 15. Juli. 16: Frauentum der germanischen Frühzeit. 16.30; Aus Leipzig: Nachmittagskonzert. 1740: Kommunistische Expsrlmente In dar Weltgeschichte. 18: Serenadenmusik des 18. Jahrhunderts. 1840: Volks Wirtschaftsfunk. 1845: Wetterbericht für die Landwirtschaft. 19: Aktuelle Stunde. 19.15: Wissen- sebaftlicber Vortrag für Aerzte. 1948: Stunde der Arbeit. Dautschlandsender: 20: Ans Köln:„Die Durchgängerin" Lustspiel von L. Fulda. 2140: Aus Köln: Russische Musik- Anschließend: Uebertragung aus Berlin. Sonnabend, 14. Juli. 16: Geographisches Schauen Im Gebirge. 16.30; Aus Hamburg: Nachmittaga- konzert. 17.30: Viertelstunde für die Gesundheit. 17.50: Ostpreußens Inter- ossanw Seiten. 18.05: Musikalisch« Wochenschau. 18.30: Forschung und Heldentum 1945: Wetterbericht für die Landwirtschaft.|9: Wahrschem- hehkolt und Kausalität. 19.30: Kirche und Fortschritt. Deutschlandsender: 20: Aus Stuttgart: Volksmusik und Wanderlieder. 21; Aus Stuttgart: Ein bunter Abend um das Auto. 2240: Wetter-. Tage«, und Sportnachrichten Anschließend Uebertragung aus Berlin. Ii>V0l.I.pU)5C� BOUCLE T0URNAY-VEL0UR Perser-Muster mFronse reines Hoorqorn remc Wollt Ccrscr-HusiermFrons« II ix wmm mm mmt MM MMM