BERLIN Montag 11. M 1932 B 156 49. Jahrgang Kedaktion u. Expedition: Berlin SW 68, Lwdenstr.S Tel.>7 Dönhoff 232—297 Erscheint täglich außer Sonntags guzleich Abendausgab« des„Vorwärts". Bezugspreis für beide Ausgaben 75 Pf. pro Woche, S,Z5 W. pro Monat(davon S7 Pf. monatlich für Zustellung ins Haus) im voraus zahlbar. Postbezug 3,97 M. einschließlich 60 Pf. Postzeitungs, und 72 Pf. Postbestellgebühren. ßlnAeigenpreN t Di, Ifplt. Milli- meterzeil« 30 Pf. Die Retlamezeile tostet 2 Marl. Zwbatte u. Tarif. Straßenschlachten in Schlesien und Holstein- Braun jacken morden im ganzen Land- Zahlreiche Todesopfer Breslau, 11. Juli.(Eigenbericht.) Die brutalen Ankündigungen des Feme» mörders Heines, des Führers der schlesischcn Haken» kreuzler. sind Wirklichkeit geworden. In Schlesien herrscht Bürgerkrieg. Die furchtbaren Vorgänge, die sich am Sonntag in verschiedenen Lrten Schlesiens abgespielt haben und die mehrere Todesopfer bzw. Schwer- oder Leichtverletzte forderten, können kaum noch eine Steigerung erfahren. Am Sonntagnachmittag gegen 18 Uhr veranstaltete die Eiserne Front in dem Städtchen Hz a n t h, Kreis Neu- markt, zum Protest gegen den gemeinen Feuerüber- fall, den die Nazis am vorigen Sonntag bei Nackschütz auf Breslauer Jugendgenossen verübten, einen Umzug, an dem rund IVO» Reichsbannerleute und Parteigenossen. meistens auf Rädern, aus dem Landkreis Breslau teil- nahmen. Als der Temonstrationszug in die engen Gasten der Stadt einmarschierte, fielen plötzlich Schüsse. Die Nazis eröffneten mit Revolvern ein reget- rechtes Schnellfeuer aus Fenstern und Türen. Drei Reichsbannerleute aus Kleppendorf, Kreis Breslau, die an der Spitze des Zuges fuhren, sanken getroffen vom Rade, eine 2 0jährige Frau, die ahnungslos des Weges kam, brach mit einem Armschuß zusammen. Da die Nazis das Feuer nicht einstellten, setzte sich die Schufo zur Wehr und drang, da ein Ausweg vor- oder rückwärts nicht möglich war, in die Hänser ein. in denen sich die Nazis versteckt hatten. Es kam zu einer reget- rechten Strasienschlacht, in deren Verlauf es auf beiden Seiten erhebliche Verluste gab. Bei der Eisernen Front wurden insgesamt sieben Leute verletzt, darunter drei schwer. Alle drei mutzten sofort ins.Krankenhaus übergeführt und unter Hinzu- ziehung von Breslaucr Aerzten operiert werden. Bei den Nazis trugen vier IA.-Leute mehr oder minder ernsthafte Verletzungen davon. An der Säuberung der Häuser, aus denen geschossen worden war, beteiligten sich bemerkenswerterweise auch zahlreiche Bürger aus Kanth. Nach Auflösung der kämpfenden Trupps durch die Polizei setzte sich der Temonstrationszug nach dem be- nachbartcn Rackschütz in Bewegung. Tort stief« der Um- zug der Eisernen Front auf etwa 100 Nazis, die sich im Schloßpark die Zeit mit Schießübungen vertrieben. Da hinreichend Polizei zur Stelle war, erfolgten keine weiteren Tätlichkeiten. Eine scheußliche Bluttat verübte am Sonnabendabend auch ein Trupp Beuthe- n e r TA., der von einem Nazitreffen auf Lastkraftwagen nach Hause zurückkehrte, in Biskupitz, einem Stadtteil von Hindenburg. Das Nazigesindel schoß von den Autos herab blind ins Gelände. Mehrere Schüsse fielen in eine Gruppe spielender Kinder. Zwei 11jährige Jungen erhielten schwere Bauch- s ch L s s e. Beide schweben in Lebensgefahr. Die Polizei entwaffnete die Tchießhelden bald nach ihrer ver- brecherischen Tat. Zahlreiche Pistolen, Patronen, Gummi- knüppel und andere Tchlagwerkzeuge fielen den Beamten in die Hände. Das furchtbar st e Ereignis des Sonntag in Ichle- sien hat sick in der Kreisstadt Ohlau abgespielt. Wie die Lhlauer Polizeiverwaltung am Montagmorgen vorläufig mitteilt, sind bei diesen Zusammenstößen In dieser Woche liegen oberall im lande und in Berlin die Wählerlisten zur Reichs- iagswahl aus. Es ist Pflicht jedes einzelnen, sich durch eigene Prüfung davon zu überzeugen, dafe sein Name in der Liste steht. Auch wer schon längere Zeit dieselbe Wohnung innehat und bisher immer in der Wählerliste stand, läuft Gefahr, sein Wahlrecht zu verlieren, wenn infolge einer unkontrollierbaren Fahrlässigkeit bei der Neuaufstellung der Listen sein Name vergessen ist. Deshalb heißt es in dieser Woche bis inkl. Sonntag, dem 17. Juli: WahSerlislen einsehen! drei Personen getötet und insgesamt!30 Personen, darunter zwei Frauen, zum Teil erheblich verletzt worden. Ter Schauplatz der Unruhen war der Ring, der Schloßplatz, der Stcindamm und mehrere andere Straßen Lhlaus. Die Nazis, die sich auf dem Nachhausewege von einem SA.-Trcffen in Bricg nach Breslau befanden, fielen zu Hunderten über einige Reichsbanner- leute her» stürmten die Wohnungen bekannter Sozialdemokraten und ReichSbaunerführer und mißhandelten ihre Opfer aufS viehischste. Tie Hakenkreuzler drangen u. a. auch in das Sekre- t a r i a t des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ein und zerschlugen dort das gesamte Mo» biliar. Gewerkschaftssekretär Manche erhielt einen tiefen Messer st ich in de n Rücken und mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Tie Nazis terrorisierten die Stadt, schössen und stachen in den Straßen blindwütend um sich, durchsuchten Pastanten nach Waffen und schlugen Dutzende von Menschen ohne jeden Anlaß nieder. Tic Ortspolizei versagte völlig. Auch die Landjägerci des Kreises Ohlau und ein Bres- lauer Ueberfallkommando war gegenüber diesem Treiben der entfesselten Nazibestien vollkommen machtlos. Schließlich rückte die in Ohlau stehende erste ESkadron deS 11. Reiterregiments an und räumte unter rücksichtslosem Gebrauch ihreS Karabiners und Revolvers die Straßen. Um Mitternacht war die Ruhe wiederhergestellt. Weitere Einzelheiten über die Vorfälle in Ohlau stehen noch aus. Tie polizeilichen Ermittlungen sind noch nicht abge- schlössen. Tie Namen der Toten sind ebenfalls noch nicht bekannt. Mordterror im Nazi-Lande. Dessau, 11. Juli.(Eigenbericht.) Nationalsozialistischer Mordterror hat in der Nacht zum Sonntag in Dessau zu schwerenBlut- opfern geführt. Bei einem nationalsozialistischen Ueberfall auf Reichsbannerleute wurde der HundertschaftSführer Feuerherdt deS Dcfsauer Reichsbanners durch einen Kopfschuß so schwer verletzt, daß er am Sonntagmittag im Krankenhaus st a r b. Außerdem wurden sieben Per- sonen, davon 5 ReichSbannerleute, mit teils schweren Verletzungen in daS Krankenhaus eingeliefert. Bei zwei Personen konnte bisher keine Parteizugehörig- keit festgestellt werden. Zu dem Ueberfall kam es in der Mitternochlsstunde zum Sonn- lag. Eine Gruppe Reichsbannerleule. die an dem mitteldeutschen Tressen der republikanischen Studenten in Zerbst teilgenommen hatte, befand sich mit Fahrrädern aus dem Heimwege und passierte den Vorort Ziebigk. Zn diesem Vorort veranstalteten die Rational- sozialiflen in einem Lokal ein Konzert. Als die Reichsbannerleute an dem Lokal vorüberfuhren, sammelten sich die Rationalsozialisten im Garten und stürmten dann mit dem Ruf:„SA. raus!" aus die Schlußgruppe der Reichsbannerkolonne, die auf diese Weise ab- geriegelt wurde. Sofort sielen mehrere Schüsse. Ferner wurde mit Viergläsern, Totschlägern und Gummiknüppeln aus die Reichsbannerleute eingeschlagen. Der Reichsbannerführer Zeuerherdt lag als erster in seinem Vinte. Die Polizeibesahung des Ortes war zu schwach, um wirksam einzugreisen. Als das Uebersallkommando erschien, konnte es nur noch die verletzten bergen. kennzeichnend für das vorgehen der Hitler-Bestien ist die Tat- fache, daß sie sich einer Anzahl Fahrräder bemäch. tigte, die die Reichsbannerleute zurücklassen muhten. Die Fahr- räder wurden von der Menge in den Garten des Lokals geschleppt und dort völlig demoliert. Znsgesamt wurden Räder von 13 Reichsbannerleuten zerschlagen! Als in den Mittagsstunden des Sonntag die Nachricht von dem Tode des Reichsbannerführers Feuerherdt in der Stadt bekannt wurde, bemächtigte sich der Bevölkerung eine ungeheure Cr- regung. Es kam an mehreren Stellen der Stadt zu Zusammen- flößen. Ein Reichsbannermann wurde von einem Nationalsozialisten in den Arm geschossen. Der getötete 35jährige Reichsbannerführer Feuerherdt war als Ingenieur bei den Zunkers- Werken tätig. Er hinterläßt eine Frau und zwei schulpstichtige Kinder. GA.- Schlächter. Reichsbannermann mit Fleischerbeil niedergeschlagen. halle, 11. Zuli.(Eigenbericht.) Am Sonntag fand in Halle eine gewaltige Kund- gebung der Eisenbahner Mitteldeutschtands mit anschließendem Demonstrallonszug statt. Am 19 Ahr verübten Nazis in der Großen Wallstraße eine furchtbare Bluttat. Der Reichs- bannermann Zahn hatte sich in seiner Wohnung umgezogen, um wieher zum Volkspark zu gehen. Beim Verlassen des Hauses wurde Zahn von im Hause wohnenden SA.- Leuten in den Hausflur zurückgerissen und mit einem Schlächterbeil und einem Totschläger verletzt. Das halbe Gesicht wurde ihm gespalten. Arm- und Beinschnitte wurden ihm beigebracht. Die Täter, zwei SA.- Leute, wurden unmittelbar nach der Tat verhaftet. Der Verletzte liegt im Krankenhaus. Weitere Bluttaten. Kiel. 11. Zulu(Eigenbericht.) Am Sonntagnachmittag überfielen mehrere Trupps Natio- nalsoziatisten das Gewerkschastshaus in Eckernsörde, wo die Landarbeiter eine Kreiskonsereyz abhielten. Zwei junge Land- arbeiter wurden durch Messerstiche so schwer ver- letzt, daß einer sofort starb, der andere wurde mit schweren Lungenstichen in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Hitler- Horden demolierten die Einrichtung des Gewerk- schastshaufes vollständig. Weder das Klavier noch die zahl- reichen dort untergebrachten Räder der Landarbeiter oder die Fensterscheiben des Hauses blieben verschont. Die Nationalsozialisten hatten ebenfalls ein Opfer zu verzeichnen. Dieser Mann war jedoch von seinen eigenen Partei- freunden angeschossen worden. Die Politischen Zusammenstöße vor dem Gewerk- schafrshaus in Eckernförde haben ein zweites Todes- o P f e r gefordert. Ein bei der Schlägerei fchwerver- letzter Delegierter des Landarbeiterver- b a n d e s und Mitglied des Reichsbanners ist seinen Verwundungen erlegen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Vorgehen der SA. in den letzten Tagen systematische Vorbereitungen für den Ausbruch des Bürgerkrieges gewesen sind. Nicht nur in Eckernsörde mußten Arbeiter den Terror der braunen Mordpest mit ihrem Leben büßen, sondern auch in der engen Umgebung Kiels ereigneten sich Zwischenfälle, die auf eine plan. mäßige Organisation des Naziterrors schließen lassen. In Clausdorf überfielen 300 Nazis unter dem Ruf: „Soivjet'Rotfront greift an!" bas G e m e i n b e h a us und zertrümmerten die Fenster und bie Fassade vallstanbig. Sechs Arbeiter erlitten bei der Abwehr Verlehungen, einer durch einen Revolver. schnß. Auf der Chaussee nach Preetz überfielen einige hundert Nazis Republikaner: andere überfielen ein Zeltlager der Roten Falken. Neun Personen wurden dabei verletzt. In K i e l s e l b st kam es zu Zusammenstößen, in deren Verlau aus zwei Autos auf zu Hilfe eilende Reichsbannerleute geschossen wurde. Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Autos u. a. auch eine Handgranate! GA.-Vanden mit Antifa-Zeichen! Mörder und Schwindler zugleich. Hamburg, 11. Juli.(Eigenbericht.) Nach einer nationalsozialistischen De monstra- t i o n in Altona, die infolge der Ausschreitungen der SA. gegen die Bevölkerung polizeilich aufgelöst werden mußte, wurde spat in der Nacht von einem Streifenwagen der Polizei in dem Bahrenfelder Steindamm eine Gruppe von Personen angetroffen, die die Abzeichen des kommunistischen Antifaschisti- schen Kampfbundes trugen. Bier der Personen ergriffen die Flucht, während drei davon von der Polizei gestellt und nach Waffen durchsucht wurden. Man fand eine Armeepistole, eine Schreckschußpistole, einen 9- M i ll i m e t e r- T r o mm e l- revolver und einen Schlagring. Bei der Untersuchung eines in der Nahe befindlichen Gartens, in den die Geflüchteten ihre Waffen fortgeworfeck hatten, fand man noch zwei Pistolen und einen Trommelrevolver. Bei der polizeilichen Vernehmung der verhafteten stellte es sich heraus, daß es sich keineswegs um Kommunisten oder um Mitglieder des antisaschistischen Kampsbunde» handelte, sondern um Mitglieder der RSVAP., um SA.-ceute, die zur Irreführung die kommunistischen Abzeichen trugen. Die nationalsozialistische„Schleswig-holsteinisch« Tageszeitung" meldet über die Vorgänge in Altona bei dem SA.-Umzug unter der Ueberschrift:„Marxistischer Terror in Altona" zu den Waffen- funden bei den Nationalsozialisten folgendes:„Um 1,39 Uhr planten Mitglieder der SAJ. einen Feuerüberfall auf drei nach Hause gehende Marinesturmmänner. Die Polizei kam dazwischen und verhaftete vier SAJ.- Mitglieder. Man fand bei diesen und im Garten ein ganzes Waffenarsenal, ungefähr sieben Pistolen." Zu der Roheit und Verschlagenheit, unter falschen Abzeichen Ueberfälle zu verüben, gesellt sich hier noch die un- verschämteste Verlogenheit. Gtahlhelmer überfallen Arbeiterradler. Vier Republikaner verletzt.- Vierzig gegen acht! Einen hinterhältigen Ueberfall verübten am gestrigen Sonntag Stahlhelmer aus mehrere Berliner Mitglieder der„Eisernen Front", die aus Motorrädern hinausgesahren waren und in der Umgebung der StadtWriezen in 12 Ortschaften Flugblätter verteilten. Die Propagandafahrt verlies zunächst ohne Zwischenfälle. Als die Motorradkolonne, die neben den Mimpeln der„Eisernen Front" die Sundeszeichen des Arbeiter-Kraft, und Radfahrerbundes„Solidarität" an ihren Maschinen befestigt hatten, nach der erfolgreichen vlerbesahrt Wriezen passierten, wurden sie von Stahl- h e l m e r n, die zum Teil betrunken waren, übersatten. Der letzte Fahrer der kleinen Gruppe wurde von den Rechtsradikalen angespien. Dann stürzte sich die Bande aus den einzelnen und schlug ihn mit Totschlägern, Koppelschlössern und Gummiknüppeln zu Boden. Auf die Hilferufe des lleberfallenen machten die übrigen Fahrer der „Eisernen Front" sofort kehrt und kamen dem verletzten Genossen zu Hilfe. Trotz der zahlenmäßigen Ueberlegenheit der Stahlhelmer — 40 gegen 8— wehrten sich die Kameraden erfolgreich, bis Polizei zur Stelle war. Einige der Haupträdelsführer wurden festgenommen. Leider sind vier Genossen nicht unerheblich verletzt worden. Genosse 3 a h n k e aus Bertin mußte mit schweren Kopfverletzungen ins Mriezener Krankenhaus eingeliefert werden. Die anderen Verletzten konnten nach Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden. Die Bevölkerung war über den gemeinen Ueberfall aufs äußerste empört. Bezeichnend ist der Ausspruch eines Stahlhelmarztes, der den verletzten Genossen in anerkennenswerterweise zuerst hilse leistete. Der Arzt war über den Uebersall selbst so empört, daß er. nach seinen Worten, die Konsequenz aus dem Vorfall ziehen werde, falls die rohen Palrone seiner Gruppe angehörten, die er seil sieben Iahre leite. * 3n Berlin kam es an verschiedenen Stellen zu Schlägereien. 3n einigen Fällen wurden Polizeibeamte tätlich angegriffen, mit Steinen beworfen und beschossen. ueberfall in Trebbin. Die Besürchlungen, die über den Naziterror in Trebbin im Sonntag-..Vorwärts" ausgesprochen wurden, sind leider sehr schnell Wirklichkeit geworden. 3n Trebbin wütete Sonntag abend die nationalsozialistische Mordpest. Es wurde scharf geschossen, mehrere Personen wurden schwer verletzt. Ueber die Ursache dieses Zusammenstoßes wird folgendes be- kannt: Der auswärtige nationalsozialistische Sturmtrupp, der seit kurzem in Trebbin einquartiert ist. versuchte, die vom Kreisturnfest aus Luckenwalde heimkehrenden Lastautos der Arbeiterturner zu überfallen. Auf einige Autos wurden Anschläge verübt. In der Hauptdurchgangsstraße in Trebbin kam es infolge der Pöbeleien der uniformierten Nationalsozialisten zu einem Wortwechsel zwi- schen Nationalsozialisten und Straßenpassanten, in dessen Verlauf von den Nationalsozialisten scharf g c s ch o s s e n wurde. Ein Treb- biner Einwohner sank verletzt aufs Pflaster. Nun suchten die Nazis den Sachverhalt so darzustellen, als seien sie von Kommunisten beschossen worden. Schrille Signale der Nationalsozialisten ertönten, im Nu rückten die im Quartier ver- bliebenen SA.-Leute schwer bewaffnet zur Verstärkung her- an und stürmten unter Rufen„Straße frei!", Fenster zu!" in Trupps von 29 bis 39 Mann durch die Straßen, wobei sie blindlings vor sich her feuerten. Weitere Verletzte waren die Folge. Die überwiegende Mehrheit der Trebbiner Bevölkerung ist über da» ortsfremde Mordgesindel in helle Empörung versetzt. Oer Wahlkai Oas Volk stehi auf— Der Wahlkampf im Reich ist in vollstem Gange. Die vergangene Woche sah Massenkundgebungen der Sozial- demokratie und der Eisernen Front von überwältigender Größe. In Hamburg, Stuttgart, Chemnitz und Halle fanden in der vergangenen Woche Wahlversammlungen und Demonstrationen statt, deren glänzender Verlauf von dem harten und ungebrochenen Kampfeswillen der republikanischen Massen Zeugnitz ablegten. Datz Volk steht auf, der Sturm bricht lotz gegen Varontzregierung und Faschistenterror. Dortmund. 11. Juli.(Eigenbericht.) In der Dortmunder Westfalenhalle, der größten freitragenden halle Europas, marschierte am Sonntag die Eiserne Front auf. Die Kundgebung war so stark besucht, daß der große Saal d i e Massen nicht fassen konnte und mehrere Parallelversamm- lungen angesetzt werden mußten. Insgesamt dürften sich etwa 80 000 Menschen an dem Sturm- appell gegen die Regierung der Nazibarone und gegen die Faschisten beteiligt haben. Außer dem Parteivorsitzenden Hans Vogel nahmen noch mchrere sozialdemokratisch« Reichstags« bgeordnete an der Veranstaltung teil. Die Kundgebung wurde durch einen Demonslrationszug einge- leitet, an dem sich etwa 59 999 Kameraden der Eisernen Front be- tekligten. Unübersehbare begeisterte Massen hielten die Straßen besetzt. Ganze Stadtteile waren in ein schwarzrotgoldenes und Noch dringender ertönt jetzt der Ruf an die verantwortlichen In- stanzen: Die Nazitafernierung in Trebbin muß schnellstens auf- gehoben werden. Die Trebbiner Bevölkerung verlangt aber auch ausreichenden polizeilichen Schutz für die Zeit bis zur Aufhebung der Kasernierung. Die wenigen Ortspolizisten reichen nicht aus. Es vergeht auch zu lange Zeit, bis Polizei aus Teltow oder Potsdam herankommt. Bis zur Wiederherstellung der Ruhe müssen Polizei- Verstärkungen in Trebbin stationiert werden. Oer Abgeordnete mit dem Revolver. „Auf Ehrenwort" freigelassen. hagenow(Meckl.), 11. Iuli.(Eigenbericht.) Am Sonntagnachmittag haben hier die Nationalsozia- l i st e n unter Führung de« Reichstagsabgeordneten Hildebrandt furchtbar gehaust. Im Anschluß an einen Umzug der Eisernen Front, der vorschriftsmäßig durchgeführt wurde, veranstalteten die National- sozialisten ebenfalls einen Umzug. Sie kümmerten sich jedoch nicht um die ihnen gegebenen Anweisungen und marschierten auch durch Straßen, die sie nach polizeilicher Borschrift nicht postieren sollten, u. a. auch am Gewerkschastshau» vorbei, vor dem Gewerkschaft». Haus hielten sich noch Reichsbannerleute aus Bergedorf, Hamburg und Mecklenburg aus. Sofort eröffneten die Nationalsozialisten auf sie Feuer. Mehrere Reich-bannerleute wurden zum Teil schwer verletzt. Die Nationalsozialisten schlugen mit allen möglichen Gegenständen auf die Reichsbannerleute ein. Der Rcichstagsabgcordnetc Hildebrandt wurde mit der Pistole in der Hand von der Polizei an- betroffen. Altz ihn die Beamten verhaften wollten, gab er fein Ehrenwort, daß er sich abends freiwillig stellen werde. Deshalb wurde von feiner Verhaftung Abstand genommen. Die Nationalsozialisten drangen auch in das Gewerkschaft«- Haus ein und schlugen alles kurz und klein. Nicht ein- mal das Schlafzimmer der Wirtsleute blieb von den Banditen verschont. Die Nationalsozialisten behaupten, datz auch au» den Reihen der Reichsbannerleute geschossen worden sei. Von amtlicher Seite wird da» jedoch bestritten. E» sind auch nur Reichs- bannerleute verletzt worden, worauf amtlich besonders hingewiesen wird. Blutige Schlacht in Hannover. hildesheim, 11. Juli.(Eigenbericht.) Als am Sonntagnachmittag Mitglieder der Eisernen Front au» Eilfeld a. d. Leine von einer Kundgebung in Bockenem zurück- kehrten, wurden einzeln« Trupps von Nationalsozialisten planmäßig überfallen. Die Nationalsozialisten waren in vier Autos. Sie prangen von den Wagen herab und schlugen d'e Reichsbannerleute mit Gummiknüppeln und Eichenstöcken, die mit Nägeln beschlagen waren, nieder. Als in der Stadt Eilfeld der Ueberfall bekannt wuvde, bemächtigte sich der Arbeiterschaft eine große Erregung, die noch dadurch gesteigert wurde, als die Nationalsozialisten in Gruppenkolonnen einmarschierten. I>i« Arbeiter setzten s i ch z u r W e h r. Es kam auf dem Marktplatz zu einer schweren Schlägerei, der durch das von Hannover herbeigeeilte Ueber- allkommando«in Ende bereitet wurde. 39 bis 49 Personen sind verletzt, darunter vier schwer. Braun-Mord in Köln. Köln, 11. Juli.(Eigenbericht.) Bei einer Auseinandersetzung dreier junger Kommunisten mit zwei Nazis, die, provozierende Lieder singend, eine meist von Kommunisten bewohnte Straße in einem Kölner Borort durchzogen, fielen ohne jede Warnung heute morgen gegen 2 Uhr drei Schüsse, von denen einer einen 18jährigen Kom- m u n i st e n Fritz Wahl in den Bauch traf. In einem nahegelege- nen Krankenhaus ist der junge Mann dalö darauf gestorben. Der nationalsozialistische Mörder konnte noch im Laufe der Nacht in seiner Wohnung ver ha st et werden. Ein Kommunist erschossen. Plauen(Vogtland), 11. Juli. Ein Zug mit etwa 40h Nationalsozialisten begegnete in der vergangenen Nacht bei Meßbach einem Zug Kommunisten. Es kam zu Reibereien, bei denen die Nationalsozialisten mchrere Schüsse abgaben. Ein Kommunist wurde durch einen Schuß so schwer ver- letzt, daß er auf dem Wege zum Krankenhaus verstarb. npf im Reich der Sturm bricht los rote» Flaggenmeer gehüllt. Unter dem Jubel der Be- völkerung wurde dem Zug die Sturmsahne der Eisernen Front Hessens vorangetragcn, die die letzte Wahlfchlacht in Hessen so glänzend geschlagen hat. Bayerns Arbeiter marschieren. Kampfbegeisterung in Franken. Nürnberg. 11. Juli. Der Kampf der Eisernen Front gegen die Hitlerbarone hat begonnen. Am Freitag und Sonnabend fanden eine große Anzahl von Versammlungen und Kundgebungen statt, die den Wahlkampf der Eisernen Front in Franken eröffneten. Ueberall Kamps- entschlossenheit und lohende Begeisterung. Die Versammlungen und Kundgebungen waren Massenaufmärsche ver Werktätigen und Be- drückten, die nicht dulden wollen, daß diese Hitler-Papen-Regierung über den 31. Juli hinaus an der Spitze des Reiches steht. In Bayreuth war der Zeltbau von 2599 bis 3999 Menschen gefüllt, hunderte konnten nicht mehr zugelassen werden. Die Kampfesstimmung war glänzend. Den Spießern Bayreuthss wurve klar, daß die Arbeiterschaft bereit ist zum Kampf. Auf dem Marktplatz in Kulmbach fand die größte Kundgebung statt, die jemals in Kulmbach durchgeführt wurde. In Fürth, Aschaffenburg. Würzburg und besonders in Er- langen, wo die Faschisten ein sozialdemokratisches Parteilokal zer- stört hatten, fanven gleichfalls Kundgebungen statt, wie sie diese Städte seit Jahren nicht gesehen hatten. (Zrfüllungspolitiker Pape«. Senfastonelle SrNärungen vor der presse. Reichskanzler von Papen hat heute mittag vor den Pressevertretern über das Ergebnis von Lausanne gesprochen und dabei u. a. ausgeführt: Es ist nicht so. wie in der Oessentlichkeit behauptet worden ist. daß wir hundert Meter vor dem Ziel einer Lösung gestanden hätten. die einen Strich durch unsere feierlich übernommenen Verpflichtungen darstellte. Auch die von den Regierungen seit 191 8 für Deutschland übernommenen Verpflichtungen hatten g e- s e h l i ch e Kraft, und wir wären von ihnen nicht dadurch los- gekommen, daß wir etwa diese früheren Unterschriften als ungültig erklärt hätten: damit würde sich Deutschland nur außerhalb der völkerrechtlichen Normen stellen. Also bleiben nur VerHand- lungen auf Grund tatsächlich gegebener Möglichkeiten. Der Reichskanzler und Reichswirlschaslsminlster Warmbold erläuterten sodann noch eingehend die Einzelheiten des bekannten Ergebnisses der Lausanner Konserenz. Etraßer soll gehen! Hugo Heimann beruft den Ausschuß ein. Der Abgeordnete Dr. Pfleger von der Bayerischen Volkspartei hat an den Reichstagspräsidenten Lobe ein Schreiben gerichtet, in dem er ihn ersucht, schleunigst die Einberufung des Ueberwachungsausschusses zu veran- lasten und auf die Tagesordnung des Ausschusses zu setzen: Abberufung des bisherigen Ausschußvorsitzenden und Wahl eines neuen Vorsitzenden. Präsident Löbe hat jetzt an Herrn Straßer folgendes Schreiben gerichtet: „Da es ein völlig unhaltbarer Zustand ist, daß der wich- tig st«Ausschuß des Reichstages, der die Rechte der Volksvertretung in der parlamentslosen Zeit wahrnehmen soll, e i n- fach außer Kraft gesetzt wird, weil der Vorsitzende ihn nicht einberuft, habe ich, da ein Stellvertreter zurzeit nicht vorhanden ist, das an Jahren ölte st e Mitglied ersucht, die Einberufung zu veranlassen. Ich werde den Herrn bitten, auf die Tagesordnung der Sitzung auch den Antrag des Herrn Abg. Dr. Pfleger„Abberufung des Vor- sitzenden und Wahl eines neuen Vorsitzenden" zu setzen. Schließlich bedauere ich. daß Sie durch eine frühere Mitteilung an mich und an die Parteien, nach welcher Sie sich des Einverständ- nifses der Mehrheit der Mitglieder des Ausschusses versichern wall- ten, den Eindruck erweckt haben, als seien Sie zur Einberu- fung des Ausschusses bereit. Dadurch ist der Zusammen- tritt des Ausschusses, den Sie nach der ersten Mitteilung selbst ins Auge gefaßt haben, schon um Wochen verzögert worden." Das an Jahren älteste Mitglied des Ausschusses ist der sozialdemokratische Abgeordnete Hugo Heimann. Er hat nach Verständigung mit dem Neichstagspräsidenten die Sitzung des Ausschusses auf Freitag, den 22. Juli, nachmittags 3 Uhr, einberufen. Ein früherer Termin war nicht möglich, da der Reichstagspräsident durch Wahlverpflichtungen bis dahin verhindert ist, seine Teil- nähme an dieser Sitzung aber absolut notwendig erscheint. Sozialdemokratie zeigt den Weg. Wirtschastsprogramm für Oeutschösterreich. Wien, 11. Juki. Die Parteivertretung der deutschösterreichischen Sozialdemokratie, der Bundesvorstand der freien Gewerkschaften und der Vorstand des Verbandes der sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte haben den Massensteuerplänen der Bundesregierung ein Wirffchasts- Programm entgegengestellt. Darin wird u. a. verlangt, daß die Regierung allen Staaten, mit denen Oesterreich in stärkerem Handels- verkehr stehe, die gegenseitige allgemeine Aufhebung sämtlicher Einsuhroerbote sowie gegenseitigen Abbau der Zollmauern vorschlage, erforderlichensalls durch Bewilligung von Vorzugszöllen aus alle Waren. Weiter wird der Abschluß eines Handelsvertrages mit der Sawjetunian g«- fordert. Die Devffenbewirtschaitung soll in dem Augenblick voll- ständig abgebaut werden, in dem die Auslandsanleihe begeben wird. Di« Bereitschaft der Regierung, größere Mittel zur Sicherung der Arbeitslasenfiirsorge bereitzustellen, wird zwar begrüßt, aber alz un- genügeiü, erklärt. Schließlich werden Forderungen zur Ausge- staltung der Arbcitsloscnsürsorgc erheben.£)ic Massonsteuern werden abgelehnt und statt dessen verstärkt« B e st e u e r ung der hohen Einkommen und Vermögen ver- langt. Dsr AeitAkehrsr. Direktor Seissert, Der den Mittelstand so eingeseissert, Ist jetzt gefaßt Und wird in Hast, Obwohl er höllisch sich ereiserl Von Böhmen nach Berlin gejchlci c t. Kaum ist Herr Seissert eingetrofsen, Fragt er betroffen: „Potzblitz, Wo ist denn die Bank für Handel und Grundbesitz? Wo ist der Drewitz? — Bin ich total besoffen?— Auch mit Ladendorf ist es vorbei, Und überhaupt— wo ist die W i r t s ch a f t s p a r t e i?" Da niemand ihm dies kann sagen, Ist Herr Seissert äußerst niedergeschlagen. Jonathan. Ein kläglicher Angeklagter. Die Hetze des„Angriff" gegen Polizeivizepräsident Weiß. Nach vielen Verschleppungsversuchen der angeklagten Partei fandfand heute vormittag vor dem Schnellschöfsengericht B e r l i n- M i t te unter Vorsitz des Landgerichtsdienkwrs Rosemann der erste der Beleidigungsprozesse des Polizeipräsidenten Dr. Weiß gegen den„Angriff" statt. Auf der Anklagebank saß ein junger Mann in SA.-Jacke und übte sich in einem überheblichen Lächeln. Willi Krause hat im„Angriff" behauptet, daß der Polizeivize- Präsident in der Villa des Großschuhhändlers Konsul Krojanker ver- botenem Glücksspiel sich ergeben und es versäumt habe, hiervon An- zeige zu machen. Weiter habe er Krojanker eine Baukonzession aus Umwegen erwirkt. Außerdem habe er sich von Krojanker zu einer Reise an die Riviera einladen lassen. Gleich zu Beginn der Verhandlung versuchten die Anwälte des nationalsozialistischen Redakteurs, eine neue Verschleppung herbeizu- führen: Es müsse erst entschieden werden, ob das Schnell- schöffengericht zuständig sei, da eine sortgesetzte Hand- lnng vorliege. Hiergegen wandte sich die Partei des Polizeivizepräsi- denten auf das entschiedenste. Dr. Weiß betonte, daß er deni aller- größten Wert darauf lege, endlich zur Verhandlung zu kommen. Auch der preußische Minister des Innern Severing wünsche dringend, daß die Dinge endlich gerichtlich geklärt würden. Bei seiner Vernehmung erklärte der angeklagte Redakteur Willi Krause, daß er Ermittlungen angestellt und das Material geprüft habe. Die Artikel sind aber angefüllt mit den schmutzigsten und niederträchtigsten Andeutungen, unter Berufung auf angeblich vorhandene einwandfreie Zeugen. Herr krause erklärte, daß er sich hüten werde, schon jetzt diese Zeugen zu nennen. Der Vorsitzende fragte den Angeklagten, was denn ein verböte- nes Glücksspiel sei. Er sagte:„Eben ein Glücksspiel, das nicht gestattet ist." Der Vorsitzende machte den Angeklagten darauf aus- merksam, daß doch für ein verbotenes Glücksspiel ganz besondere Tatbestandsmerkmale erforderlich seien. Hier wußte der Angeklagte nicht weiter und konnte keine Antwort mehr geben. In der Frage der Bauerlaubnis an Konsul Krojanker, die Polizei- Vizepräsident Weiß unter Verquickung von Persönlichem und Dienst- lichem erwirkt haben soll, erklärte Krause, daß das gar nicht in dem Artikel stehe. Es sei nur gesagt, daß diese Angelegenheit in das Ge- biet der Konzessionsschiebungen hineinspiele. Als dann die Vertreter des als Nebenkläger zugelassenen Polizeivizepräsidenten zu der Elücksspielangelegenhekt die konkreten Fragen stellten:„Was ist ge- spielt, wo ist gespielt, wer sind die Zeugen?" gab es wiederum Schweigen und Ausflüchte. Schwarzer Ausflugsfonntag. Zahlreiche Badeunfälle.— Opfer des Verkehrs. Der gestrig schöne Sonntag, der Millionen in das Seengebiet der näheren Umgebung Verlins lockte, war leider ein schwarzer Tag In den Annalen der Berliner Unfallchronik. Schon am frühen Morgen durcheilte die Nachricht von der schweren Dampfer- katastrophe in Eharlottenburg die Stadt. An verschiedenen Vadestellcn ertranken fünf Personen, die Erholung in den kühlen Fluten suchen wollten. Auch im Verkehr auf den Ausfallstraßen Berlins verunglückten viele Motorradfahrer und Auto- mobiliflen. Schließlich waren die links- und rechtsradikalen Par- teien nicht müßig und allenthalben kam es zu blutigen Schlägereien. Der starke Ausslugsverkehr spiegelt sich am besten in den Ver- kchrszahlen wider, die von der Reichsbahn und der BVG. ver- öffentlicht werden. Die Reichsbahn beförderte annähernd IKOVOOl) Personen. Am stärksten war die Strecke Nito- lassee und Wannsee frequentiert, wo 8» llllll Fahrgäste an der Sperre ihre Karten abgaben. Grünau folgt mit 40 000, Friedrichs- Hagen mit 26 000, Grunewald mit 21 000, Potsdam mit 17 000 und Pichelsdorf mit 14 000 Reisenden. Die BVG. trug dem Andrang der Erholungshungrigen in jeder Beziehung Rechnung. Zahlreiche Einsatzwagen wurden in Betrieb gesetzt. Die meisten Bahnen fuhren doppelt behängt. Rund 2 01 3 000 Fahrgäste sind im Aus- flu'gsoerkehr von der Straßenbahn, U-Bahn und den Autobussen ins Freie befördert worden. Die Badeunfälle. Das Baden an den sogenannten„wilden" Badestellen hat leider wieder eine Reihe von Todesopfern gefordert, obgleich der Polizelwasserschutz und die Boote des Arbeiterfamariter-Bundes so- wie des Roten Kreuzes auf allen Gewässern in der Umgebung Berlins«inen erhöhten Alarmdienst und Patrouillendienst ein- gerichtet hatten. In rund 229 Fällen brachten die Arbeiter- s a m a r i t e r Hilfe— darunter befinden sich viele Krankentrans- parte von Ausflüglern, die Verletzungen, Hitzschläge und Wunden beim Baden erlitten hatten. In der Havel bei P i ch e l s w e r d e r ging der 23jährige Arbeiter Alfred Körte aus der Rosenstraße in Charlottenburg plötzlich unter. Sosort unternommene Rettungs- versuche blieben ohne Erfolg. Die Leiche tonnte bisher nicht gc- borgen werden. Im Müggelsee, unweit des Restaurants„Müggel- schlößchen" versank der 24 Jahre alte Arbeiter Artur Jesewitz plötzlich in den Fluten. An der D o v e b r ü ck e in der Spree er- trank der Ibjährige Klempnerlehrling 5)einrich Bergmann aus der Hallerstraße 26. Auch seine Leiche konnte noch nicht gesunden werden. Im Tegeler See ertrank der 32 Jahre alte Arbeiter Georg S ch. aus der Prinzenallee. Boote des Arbeitersamariter- Bundes suchten die Unfallstelle lange Zeit ergebnislos ab. Schwere Verkehrsunfälle. Bei dem sebr stzrken Ausflugsverkehr aus den Zlussollstroßen vor den Toren Berlins trugen sich eine Reihe von schweren Zujammenstößen und Unfällen zu. Eine Reihe von ver- iel für Ludwig Fulda Asnaissance-Theater:„Fräulein Frau" Der 70. Geburtstag Ludwig Fuldas darf nicht durch Gleich- gültigkeit getrübt werden. Der anmutige Versdramendichter, der von romanischen Meistern soviel lernte und angeborene Behendig- keit nach solchem Vorbild noch mehr beflügelte, paßt beinahe nicht mehr in eine ernst überladene Notzeit. Aber diese Trübsal, die uns plagt, kann kein Grund sein, unfern witzigsten Sentenzenreimer zu vernachlässigen. Cr übersetzte Mokiere und spanische Verse, er verdeutschte die Melodie Rostands, er freute sich an oll dieser Leichtigkeit Theater war für ihn stets ein lustiges Spiel mit Mas- keraden und Kostümen, auch ein ermunterndes Komödiantentum, an dem die gutsituierten und deshalb auch gutgelaunten Bürger teilhaben wollten. Wer ist aber heute noch gutsituiert? Fulda ge- hörte stets zum begüterten Mittelstand der Schriftsteller. Er sorgte sich als Organisator und Leiter literarischer Berufsvercine darum, daß die Leute von der Feder durch Gesetz und soziales Ansehen begünstigt wurden. Als die preußische Akademie den Dichtern er- öffnet wurde, wählte sie Fulda zum ersten Präsidenten, obwohl manche, die Würde und Anmut in gefälligem Gemisch nicht ver- tragen, die Wahl nicht repräsentativ und pathetisch genug fanden. Die Herren, die das meinten, irrten aber. Sie verneinten vor allem mit Unrecht eine Fähigkeit, die ihnen mangelt: die zierliche Schönfärbekunst. Mag diese Geschicklichkeit oft auch flach erscheinen. Fulda betrieb und betreibt sie bis heute als der nobelste Sach- walter solches Amüsiergeschäftes. Die gleiche Ball- und Bürgerressourcenfreude, eine gar nicht zu verachtende Frohsinnsstimmung wird auch durch das Geburts- tagsstück erzeugt, mit dem der liebenswürdige Siebziger jetzt auf- wartet. Der Zuhörer wird sofort durch die hübsch dekorierten und glasierten Dialogsäge umschmeichelt. Der Zuhörer gerät in karne- valistische Laune. Ein Paar auf der Hochzeitsreise wird vorgestellt, ein unwahr- scheinliches unserer Dalleskomödie von 1932 durchaus wider- sprechendes Paar. Denn der junge Gatte, der weder Schulz noch Kube, sondern Gilbert heißt, kann seiner Holden, die weder Mieze noch Käthe, sondern Nina heißt, im Luxushotel ein ganzes Apparte- mpnt mieten, bestehend aus Salon und der dazu passenden Staats- einrichtung für Liebe und Douche. Zankt und versöhnt sich das Paar in Berlin, so haben den für diese Auseinandersetzung passen- den Raum ein herrlicher Lakai und eine noch herrlichere Zofe vor- bereitet. Das Paar zankt sich auf der Hochzeitsreise, und Gegenstand des Geplänkels ist teils die Emanzipationslust der jungen Frau, die lieber ein Kameradschaftsehefräulein fein möchte, und teils ein Filmstar, saudämlich, doch angebetet. Kurz, es werden erörtert die Probleme, die in der Salonluft hängen, doch nicht die Probleme, die in der Luft hängen. Dieser Optimismus, durch oppetitreizendes Geschnäbel symbolisiert, versöhnt. Fulda ist einer der wenigen, die so gemütlich plätschern und fälschen dürfen, ohne daß sich die Galle regt. Denn die Pointen, die er ausstreut, das Zuckerzeug des Geistes, scheint erst schal, wenn der Theaterspuk vorbei ist. Im Moment der niedlichen Lllgnerei gefällt alles. Solche Jllusionistenkunst, der Fulda treu geblieben, und die gar nicht sehr häufig ist, behält auch heute noch ihren Verkehrswert. Diese munteren Stücke brauchen ein munteres Schauspieler- völkchen: Liebhaber, die zugleich zum Backfisch- und Großmutter- herzen reden. Z e s ch- B a l l o t versteht diese Künstelei. Not- wendig ist eine Liebhaberin, die Sympathie und Wünsche weckt, mag sie im Pyjama oder im Abendkleid auftreten. Fräulein Inge Meysel, aus dem Reich in Berlin zu Besuch, vielleicht mit Niederlassungsabsichten, besitzt die Pikanterie des herausfordernden Blicks, die Pfiffigkeit, auch in der großen, natürlich nicht fehlenden Abrechnungsszene die schluchzende Nachtigollenstimme und schließ- lich jenen erlösenden Aufschrei, der das Signal zum Zuziehen des Theatervorhangs und der Bettgardine gibt. Der Regisseur Wolf- gang Poppe, den Herrn v. S ch l e t t o w, Ernst P r o ck l und Frau Claus-Albers unterstützen, läßt Verliebtheit und Ver- logenheit fröhlich durcheinanderbrausen, ohne den Sirupstrom auf- zuhalten. Auch das ist für sommerliche Wirkungen durchaus nicht unterlagt. Fulda wurde vor die Rampe gefordert. Aber er erschien nicht. Hoffentlich hat er sich nur versteckt, um seinen Patriarchengeburts- tag angenehm zu feiern. dl. H. Achi-Gtunden-programm. Bose-Theatrr. Wenn das Rose-Theater in einer ausländischen Hafenstadt läge, dann wäre es das Stelldichein aller Globetrotter, um Volks- leben zu studieren. Aber die Roses brauchen gar nicht auf Neu- gierige zu spekulieren, sie haben ihr Stammpublikum. Beim jetzigen Rosensest wetteifern Papierrosen mit echten Rosen, man sieht überall Rosen. Auf jedem Tisch in jeder Blumen- vase duften echte und an jedem Baum und an jeder Hausfassade ranken sie als Papiergirlanden. Zudem bekommt noch jeder Be- sucher eine Rose geschenkt. Menschen über Menschen füllen den Garten, und fdas ist dos hocherfreuliche) Menschen über Menschen sind als Darsteller tätig. Zwei unermüdlich fleißige Kapellen spielen. Es wird Feuerwerk abgebrannt �das gerade nicht nach Rosen duftet), und beim Tanz im Freien kann sich alt und jung in Schweiß arbeiten. Carl de Vogt singt rheinische Lieder. Er, einst ein gefeierter Filmsensationsdarsteller, ist jetzt der erklärte Bühnenliebling der Rose-Thealer-Besucher. Man sieht die M a r b ö s- Truppe, die an schwingenden Seilen arbeitet. Sie be- nutzt wohl Apparate, schafft aber die Leistung aus sich heraus. Hugo Fifcher-Köppe sagt an, mit Witz und Laune, Traute Rose, tumultarisch gefeiert, singt und Carl G r o t h betätigt sich als Humorist, während Fiamette H i l d e ga r de temperament- geladen tanzt und nicht nur ihr gesamtes Ballett, sondern auch noch die Zuschauer ansteckt. Nicht zu vergessen ist der Musikclown D e i k e. Er steht im Atlaskostüm auf der Bühne, das mit Noten aus Flittern besetzt ist. Der Clown von heute ist ein sorgenvoller Arbeitnehmer, wie die Menschen es sind, vor denen er spielt. Wer aber ist als Künstler glücklicher zu preisen? Nun, nicht der, der vor einem sensationslüsternen Snob auftritt, sondern der, der dem Volk etwas gibt. Ferner werden im Theater„Die eiserne Jungfrau" und im Garten„Drei arme Mädel" gegeben. e. d. Vorstoß gegen Museumspolitik. Im Verfolg einer Eingabe des Reichsverbandes bildender Künstler hat der Reichsmini st er des Innern ein Rund- schreiben an die Kunstverwaltungen aller deutschen Länder er- lassen, in dem er anregt,„öffentliche Mittel nicht zum Ankauf aus- ländischer Kunstwerke zu verwenden, solange die furchtbare Not- läge der deutschen Künstler anhält", und serner„bis auf weiteres bei künstlerischen Ankäufen grundsätzlich die lebenden Künstler zu berücksichtigen", um jeder Not zu steuern. Das klingt sehr gut und ist zweifellos auch so gemeint. Leider steht aber hinter solchen Bemühungen, die sich schon wiederholt an sogenannte Kunstskandale gehängt haben(Ankäufe von van Gogh!), weniger die Sorge um die deutsche Kunst der Gegenwart, als ein wenig ergiebiger Kampf. um die staatliche Futterkrippe, dem der Reichsinnenminister aufgesessen zu sein scheint. Wenn man hinter die Kulissen der mannigfaltigen Betriebsamkeiten blickt, in deren Mittelpunkt meist die Hetze gegen Justiz Ankaufspolitik steht, so weiß man, daß die Sorge um den Bestand der deutschen Kunst eine Geltungsfrage von Kliquen ist und mit dem Gedeihen der wirklich maßgebenden Künstler und des Nachwuchses wenig zu tun hat. Auch hier geht die allgemeine Tendenz auf Heranziehung des Mittelmäßigen, auf Nivellierung nach unten. Das hervorstechendste Beispiel dieser nationalistisch verbrämten Umkehrung der Wertskala ist die Hetze gegen Schreker und gegen die des Judentums verdächtigen Schauspieler und Opernsänger. Man muß die Augen offen behalten, daß uns nicht auch noch auf dem Gebiet der bildenden Kunst eine Deklassierung der Wertbegriff« diktiert und den Museen die sachlichen Gesichtspunkte ihrer— schon sehr eingeschränkten— Ankaufsmöglichkeiten durch anbefohlene Pflege„heimatstreuer" Kirchturmskünstler genommen werden. __ P. F Sch. Die Bayreuiher Festspiele. Für die Festspiele 1933 haben im Festspielhaus unter Leitung von Generalintendant T i e t j e n die szenischen und technischen Vorproben begonnen. Sie gelten einer völligen Erneuerung des Nibelungenrinas und einer Neuinszenie- rung der Meistersinger. Die Spieifolqe der nächsten Festspiele um- faßt acht Meistersinger- und fünf Parsifal-Aufführungen, die Arturo T o s c a n i n i dirigieren wird, und zwei Ringzyklen unter der inusikalifchen Leitung von Carl Elmendorf ss. Als weitere Mitarbeiter am Bayreuther Werk wurden berufen: Prof. Emil Preetorius aus München, Kurt Palm aus Berlin, Paul Eberhardt aus Duisburg-Hamborn. Grazer Radiumforscher ein Opfer der Wissenschaft. Im Wiener Rudolph-Spital ist der Grazer Radiologe Dr. Friedrich Dautwitz gestorben. Er ist das Opfer seines Forscherberufes ge- worden. Er hatte sich schon sehr früh in Ioachimsthal, dem Fund- ort der radiumhaltigen Pechblende, mit der Erforschung dieses da- mals noch ziemlich unbekannten Elements beschäftigt und sich Ver- brennungen der rechten Hand zugezogen. In den letzten Iahren jedoch trat eine bösartige Entartung der Geschwüre ein. In Wien hat der Professor noch Hilfe gesucht, aber vergebens. Deutscher Forscher in Paris geehrt. Die französische Akademie für moralische und politische Wissenschaften hat Prof. Husserl von der Universität Frdburg im Breisgau zum korrespondierenden Ehrenmitglied ernannt. Es ist dies seit dem Kriege die erste der- artige Ernennung, die einem Deutschen zuteil wurde. Die Boltsbiihne legt für die kommende Spielzeit erstmalig ein Abonnement auf, das nicht mit der Mitgliedschaft verbunden ist. Di« Abonnenten erhalten feste Plätze nach eigener Wahl und können ihre Vor- sicllungcn nach Wunsch stets an den gleichen Tagen der Woche besuchen. Das Abonnement umfaßt lv Porstellungen, die sich auf die Zeit vom Sep- tember bis Juni verteilen. Die Preise liegen erheblich unter den Kassen- preisen. Die beiden letzten Vorstellungen sind im voraus zu bezahlen, im übrigen ist der Abonnementspreis stets erst unmittelbar vor der Bor- stellung fällig. Alles weitere durch das Büro des Theaters am Bülow- Platz, Berlin C. 25, Linienstr. 227. Fernsprecher: D 1 Norden 2944. Fulda-Ausführungen. Das neueste Werk von Ludwig Fulda„D i e verzauberte Prinzessin" wurde vom Schiller-Theater erwovbcn.— Das Rose-Theater bereitet eine Aufführung des Lustspiels „Der Bulla n" von Fulda sür den 20. Juli vor. „Die gute Stube., nennt sich ein neues Brettl-Kollettiv, das sich in der Berliner Straße(Charlottenburg) aufgetan hat. unglückten Automobilisten, Motorradfahrern und Radfahrern— worunter sich zwei Polizeibeamte befinden, die im Dienst schweren Schaden genommen haben— mußten durch die Feuerwehr und Wagen des Städtischen Rettungsamtes in die nächstgelegenen Krankenhäuser gebracht werden. Wetterkatastrophe in Bayern. Lleberall Erdrutsche durch Hochwasser. München. 11. Juli. Die heftigen Regengüsse der letzten Tage haben in verschiedenen Gegenden in Südbayern wieder schwere Schäden angerichtet. Bereits am Sonnabend waren auf dem bayerischen Allgäu in der Gegend von Kempten und Memmingen schwere lokale Ueberschwemmungen in- folge des mehr als 30stündigen Dauerregens gemeldet worden. In Bad Külz drangen im Stadtteil Gries die Wassermengen in die Häuser ein. Auch in der Gegend von Rosenheim hat sich wieder eine schwere Wetterkatastrophe ereignet. In einer Länge von mehr als fünf Kilometer setzten sich in den Abendstunden des Sonn- abend und um Mitternacht zum Sonntag nach gewaltigen Regen- gllssen die SO Meter hohen Dämme der Jnnleite bei Leonhards- pfunzen in Bewegung. Tausende von Kubikmetern Erdreich stürzten in die Tiefe, Bäume und Strauchwerk mit sich reißend. Besonders schlimm sind die Verheerungen, die der Erdrutsch in der Umgebung des Schlosses Jnnleite, das von den Geröllmassen und herabstürzen- den Bäumen schwer beschädigt wurde, angerichtet hat. Multimillionär Gilette gestorben. New Park. 10. Juli. Der Erfinder des bekannten Rasierapparates Gillette, der Multimillionär King G i l e t t e, ist aus seiner Farm Calbasas in Kalifornien im Alter von 77 Iahren gestorben. Wetter für Berlin und Umgebung: Weiterhin warm und meist heiter.. Gewitter nicht ausgeschlossen. Mäßige östliche Winde.— Für Deutschland: veberall warm, in der südwestlichen Hälfte ein- zelne Gewitterregen. Im übrigen Deutschland trocken und heiter. Z5. Abteilung. Achtung! Heute abend, 20 Uhr: Funktionär- sitzung an bekannter Stelle. 19 Uhr: Vorstandssitzung. Im Zeichen der Eisernen Front. Das Gewerkschastsfest im Lunopark. Die- fr eige werts chastlich organisierten Berliner Arbeiter-, Än- gestellten- und Beamtenschaft feierte am.Sonntag im Lunapark in Halensee ihr alljährlichem Gewerkschaftsfest, und zwar im Zeichen der Eisernen Front. Der Berliner Westen erfuhr gestern, daß es außer dem Hakenkreuz, dem Symbol des Bolksbetruges und des braunen Terrors, noch ein anderes Kampfzeichen gibt, das die Einigkeit. Aktivität und Disziplin der vorwärts- strebenden Arbeiterschaft symbolisiert. Aus dem Kurfiirstendamm war gestern wohl zum erstenmal der Gruß der Eisernen Front „Freiheit!" so nachdrücklich zu vernehmen. Im Lunapark selbst herrschte bald nach der Eröftnung um 3 Uhr nachmittag ein reges Treiben. Unablässig strömten die Gewerkschaftsmitglieder mit ihren Angehörigen herbei, um einmal in„unbeschränkter Bede- zeit" mit den Gesinnungsfreunden ihre Gedanken auszutauschen. Bon den Terrassen leuchteten viele rote Fähnchen sowie die Bonner einzelner Organisationen. Um 6 Uhr erfolgte der F o h n e n e i n m a r s ch. An der Spitze des mit donnernden Freiheitrusen empfangenen Zuges marschiert« eine Abteilung des Charlottenburger Reichsbanners, dahinter die Jugend der fteien Arbeiter- und Angestelltenorganisationen, Ab- ordnungen der Hammerschasten der verschiedenen Verbände, zum Teil in ihrer Berufskleidung, und eine Delegation der erst kürzlich gebildeten Junghammerschaften. Der Zug macht vor dem Musikpavillon Halt. In einer kurzen Ansprache kennzeichnete Landtagsabgeordneter Genosse. Otto Meier die gegenwärtige Situation.- Das Fest der Berliner Gewerkschaften steht im Zeichen des Willens zur Freiheit. Während sich bei der Eisernen Front eine zum äußersten entschlossene Disziplin zeigt, steigt aus der anderen Seite die Nervosität von Tag.zu Tag. Das geifernde Jntellektuellentum im Nazilager fühlt, daß der Tag immer näher kommt, an dem es von den aufgehetzten, irregeleiteten Sturmabteilungen selbst überrannt wird. Diese Nozisuhrer. sähen es deshalb nur zu gern, wenn sich die antifaschistische Arbeiterschaft zu Unbesonnenheiten hinreißen und sich am Ende noch vor die Maschinengewehre treiben ließe. Derartige Spekulationen der „Führer" im Hitlerlager unterschätzen jedoch die Intelligenz der organisierten Arbeiterklasse. Wir sind nicht dumm genug, uns provozieren zu lassen. Wir wissen, was wir wollen und was wir zu verteidigen hoben. Die Eiserne Front richtet an alle freiheitliebenden Volksgenossen den Ruf: sormiert die Einheitsfront gegen den Faschismus und schlagt ihn am 31. Juli. Genasse Meier vollzog dann die Taufe eines Segelflugzeuges, das fast ausschließlich von Erwerbslosen der Moabiter Ortsgruppe des Sturmvogels ge- baut worden ist. Das Flugzeug, das ein Beweis für den Friedens- willen der Arbeiterschaft sein soll, führt den Namen„V e r i t a s". (Ein reichhaltiges und gutes Barieteprogramm samt den Dar- bietungen des symphonischen Blasorchesters Groß-Berlin unter Leitung des Kapellmeisters Arthur Jan der füllte den übrigen Teil des Nachmittags aus. Besondere Anerkennung verdient die unentgeltliche Mitwirkung einer Anzahl stellungsloser Mitglieder der Internationalen Artistenlogc, nämlich der H.- Franklin- 1 r u p p e, der Artisten Carl und Camilla Schwarz des Zauberers Kio und des Eiskönigs Thom. Jack. Nach Eintritt der Dunkelheit flammte ein prächtiges Feuerwerk auf, das mit dem von den drei Pfeilen flankierten Flammenwort „Freiheit" abschloß. Oer schwerbeschädigte Nazimann. Er kann sich alles erlauben. Das Reichsarbeitsgericht beschäftigte sich am Z9. Juni inst dom Rechtsstreit des uationaksozialistischen F o rst a n g e st« l lt e n G o h d e a u s F a l k e n b e r g, der vom preußischen Staat im Marz disses Jahres entlassen wurde, weil er die preußischen Minister ln Morl und Schrift beschimpft hotte. Gohde ist Führer und Referent der Nazipartei. Wiederholt hat er m den Versammlungen die Republik beschimpft und die preußischm Minister auf das schwerste verleumdet. Im Naziorgan„Der Sturm" bat er einen Artikel gebracht, der schwere Beschimpfungen gegen die preußiichen Minister enthielt, so daß die Regierung die Zeitung am ?b. Oktober beschlagnahmte. Aus Grund der f o r t g e s e tz t e n B e- s ch' m p f u n g c n war es dem preußischen Staat unmöglich, diesen Verleumder weiter zu beschäftigen. Gohde klagt aus Wiedereinstellung oder Fortzahlung seines Ge- Halts. Er beruft sich auf den Schutz des Artikels 1l8 der von den Nazis verpönten R c i ch s v e r f a s s» n g. Auch sei er Schwerkriegsbeschädigter und könne ohne Zustimmung der Hauptkürsorgestelle nicht entlassen werden. Das Landesarbeits geeicht hat mit Recht entschieden. daß einer Regierung nicht zugemutet werden kann. Angestellte zu beschäftigen. die sortgeseß» die verfassungsmäßige Regierung und deren Riinister beschimpfen. Gegen da? Urteil legte der Kläger Revision ein. Das Reichs- arb-itsgericht kam zur Aufhebung des vorinstanzlichen Urteil?. Es fei zu prüfen ab der Kläger, der Schwerkriegsbefchä- d igt er fei, nach den Bestimmungen des Schwerbeschädigtengesetzcs entlassen werden durfte. Die Sache wurde zur nachmaligen Verhandlung an die Vor- instanz zurückgewiesen.(RAG. 120/32.) Rundfunk am Abend Montag, den II. Juli 1932. Berlin. 16.05 Kleine Falle in Moabit(Dr. G. Ohli- schlaeger). lb.30 Klaviermusik. 16.55 Lieder. 17.10 Cello. 17.30 Geheimnisse des Potsdamer Bahnhofs(H, H, Hellmut). 17.50 Wie die Jugend /ur Kunst steht(A. Mühr). 18.10 Wirtschaftsrundschau(Dr. G. Schacher). 18.30 Unterhaltungsmusik. 18.55 Die Funkstunde feilt mit. 19.00 Reidisminister des Innern Frh. v. Gayl: Zum Gedenken an die Abstimmung in Ost- und Westprenfien. 19.30 Unterhaltungsmusik. 20.00 Aus Breslau: Das Waldenburger Bergland(Diditung. Musik und Beriditt. 21.90 Pagesnach richten. 21.10 Volkslieder und Spiel- musik. 22.10"Wetter-, Tages- und Sportnachrichten. 22.30 AuS Leipzig. Unterhalf ungskonzerl. Königs Wusterhausen. 16.00 Pädagogischer Funk (Turn- und Sportlehrer F. Kesper). 17.30 Die großen Philosophen als Erzieher(Prof. Dr. A. Dietrich) 18.00 Die Ethik im Steuerrecht(fleg.-Rat Dr. J. Geis). 18.30 Handwerk im Kunstwerk(H. Kaiser). 18.55 Wetterbericht, 19.00 Aktuelle Stunde. 19.20 Stunde des Landwirts(Dipl.-Lahdw. Langen- heim). 19.35 Flucht aus Berlin(Dr. H. Ullmannt. 20.00 Aus Hamburg: Lieder aus den nordischen Landern. 21.00 Aus Hamburg; Das Bodetal(Ein Hörberichii. 22.10 Wetter-, Tagesund Sportnachrichten. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im..Volksfunk", monatl. 96 Pf. dural alle„Vorwärts-Boten oder die Postanstalten. Rundfunk der Woche Rundfunk frei für Hitler! Aus leerstehenden Wohnungen, die dank der anscheinend unoer- siegbaren unterirdischen Geldquellen der Nationalsozialisten den Propagandazwecken dieser Partei dienstbar gemacht werden, hängen Überlebensgroße Hakenkreizzfahnen und-transparente.„Rundfunk frei für Hitler!" schreit es so von einer Hmiswond in einer Berliner Hauptverkehrsstraße. Forderung oder Triumph? Man müßte ohne weiteres das zweite annehmen, wenn man nicht die Unersättlichkeit und den Größenwahn der Nationalsozialisten bereits hinreichend er- fahren hätte. In ihrer letzten Sportpalost-Derfammlung(das Litfaßsiiulen-Plakat kündigte an:.Capelle Fuhsel spielt"— man tat also auch hier zur Benebelung der Köpfe, was man irgend konnte) hat Dr. Goebbels gesagt, die Nationaksozialisten würden, wenn sie am Ruder wären, nicht zwei Zeitungen aus süns Tage, sondern zwanzig Zeitungen aus süns Monate verbieten. Sie würden, dar- über gibt es keinen Zweifel, auch den Rundfunk zu einer national- sozialistischen Parteiangelegenheit machen. Ganz so weil sind wir heute noch nicht. Aber: zum Spr«uHrohr für nalionalsoziulistische Wahl- Propaganda ist der Rundfunk seit Anbruch der Papen- Regierung bereits— mit Ausnahme der süddeutschen Sender— in ausgedehntem Maße geworden. Ter Ztraßer-Vortrag machte den Ansang. Von Nationalsozialisten war die Forderung „Rundfunk frei für Hitler" kaum ausgesprochen, als von der Deut- scheu Welle eine höfliche Einladung an Herrn Regierungsrat Hitler erging: der lehnte ab und berief den in diesem Falle gar nicht schwerhörigen Ueberwachungsausschußpräsideisten. Der sonst nicht gerade rasch bewegliche Mechanismus des Rundstinks lies wie geschmiert: schon nach wenigen Tagen erklangen über alle Sende- bezirke Gregor S t r a ß e r s Lobpreisungen nationabsozialistischer Tugenden und Gesinnung. Natürlich war dieser Bortrag nicht, wie viele überraschte Hörer annahmen, ein dem deutschen Rundfunk amt- lich aufgezwungener„Auslageoortrag". Aber„Paritat muß sein", hieß es, und die Nationaksozialisten seien doch so lange vom Rund- funk ausgeschlossen gewesen. Es muß sestgestellt werden, daß das gar nicht st i m mt. An- gehörige der Nationalsozialistischen Partei haben über die ner- fchiedenartigsten Themen vor dem Mikrophon gesprochen, und ihre auf Grund ihrer Führerporträts so beweiskräftige Rassen- t h e o r i e konnte sogar in einem Vortragszyklus im Pro- gramm der Deutschen Welle dargelegt werden. Daß den National- soziolisten als st a a t s f e i n d l i ch e r Partei das Mikrophon nicht zu Werbungszwecken zur Verfügung gestellt wurde, mußte sich von selbst verstehen, solang« es auch keiner anderen Partei dafür diente. Irgendwie bsweiskröstig fundierte Darlegungen über kultiir-, oder staatspolitische Fragen, mit denen die Angehörigen der vor- schiedensten Parteien vor das Mikrophon treten durften, gedeihen aber auf dem Boden des Nationalsozialismus nicht; dafür ist jetzt, nach der„Freigabe" des deutschen Rundfunks siir diese Partei, für alle Hörer hinreichend der Beweis erbracht worden. Wir hörten den kunstweisen Nationalsozialisten Schulze? Naumburg. Wir hörten Herrn Oberst Hierl, der von einer'Arbeits- dienstparade in schmucker brauner Uniform träumt, fiir die dem deutschen Volk keine Inflation zu schade sein darf. Wir hörten den Gauleiter Erich Koch, der unter dem geschickt getarnten Thema„Der nationale Wille zur selb st be- h a u p t u n g in O st p r e u ß e n" eine reichlich halbstündige Werbe- red« für den Nationalsozialismus halten durste. Irgendwelche fach- lich durchgearbeitete Substanz hatte auch dieser Vortrag nicht, der die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den Ostprovinzen aus- beutete, um nationalsozialistische Phrasen und Versprechimgen zu mobilisieren.„Dir Nationalsozialisten", begann beinahe jeder dritte Satz dieses„Vertreters von'Adolf Hitler", wie sich der Redner in seinem Vortrag ausdrücklich nannte. Damit wir nicht in den Verdacht geroten, aus Voreingenommen- heil die geistigen Lichiblitze dieser Darlegungen heimtückisch unter den Scheffel zu stellen, sei der Inhalt eines besonders erhellenden 'Absatzes wiedergegeben. Der Vertreter Adolf Hitlers stellte fest, daß der düngerhunarige Boden Deutschlands nicht inst den, juno- fraulichen Boden Kanadas konkurrieren könne. Aus dieser allgemein anerkannten Tatsache zog er aber nicht den Sckiluß, daß Deutich- land folgerichtig seine Landwirtschast, um diese gesund zu erhalten, stark auf die Erzeugung von Beredelungsprodukten einstellen müsse, und daß es infolgedessen nötig sei, die bäuerliche Viehhaltung durch billig importiertes Futtergetreide zu stützen, sondern er landete bei der von den Großgrundbesitzern herzlich ersehnten Autarkie.„Die Arbeiterschaft", erklärte der Redner,„wehrt sich iolanoe gegen Jnlandpreise, wie sie nur Weltmarktlöbn« erhalt." Also müsse man Deutschland durch Autarkie und Außenhandelsmonopol von der bösen Konkurrenz absperren und entsprechende „Jnlondlvhne" schaffen und eine Inslalion käme dadurch be- slimmt nicht. Unsinn in diesem Maße konnte allerdings bis vor wenigen Wochen nicht vor den Mikrophonen der deutschen Sender verzapft werden. Fetzt wurde er gleich über ganz Teutschland verbreitet, wie das für alle nationalsozialistischen Reden selbstverständlich zu sein scheint. Dieser Bortrog wurde vom Deutschlandsender vom Ostmarkensunk übernommen: gleichzeitig waren angeschlossen Mitteldeutschland, Schlesien, Danzig. Während man sonst bei den Sendern sehr ängstlich um die Einhaltung der vorgeschriebenen Redezeit ist, erweist man sich auch in diesem Punkt den National- sozialisten gegenüber höchst großzügig. Kleine Programmver- schiebungen von zehn bis fünfzehn Minuten machen dann plötzlich gor nichts aus. „Parität muß sein!" Wir srogen: Wo bleibt die Parität? Roch kein? andere Partei hat bisher auch nur einen Werbevortrag vor dem Mikrophon halten dürfen; noch nie durfte in werbendem Sinne ein Porteiname hier auch nur genannt werden. Da der Empfang der deutschen Sender nicht auf den Raum innerhalb der deutschen Grenzen beschränkt ist, hat diese fluchtartige Schwenkung der Sendegesellschasten ins nationalsozialistische Lager einen be- sonders peinlichen Beigeschmack, zumai sich an diese un mittel- baren Bekenntnisse noch eine Fülle von mittelbaren reihen, die bewerfen, daß man das Herz auf dem„rechten" Fleck hat. Herr S e l d t e bekam zu seinem fünfzigsten Geburtstag eine klirrende Stahlhelmrede, die ebenfalls, wie die nationalsozialistischen Reden, von zahlreichen Sendern gleichzeitig honoriert wurde. Frisch-fröh- liche Militärmärsche schmettern an allen Ecken los, und die Vokabel„K r i e g s s ch u l d l üg e" platzt mit heldischem Klang in den verschiedensten Darbietungen. Gewiß wäre es absurd, hinter diesen Dingen bereits den Versuch einer Gesinnungsbeeinflussung der Hörer zu sehen; aber sie geben doch schon eine kleine An- deutung davon, wie der Rundfunk im nationalsozialistischen Fahrwasser treiben würde. Daß es dazu nicht kommt, dafür muß die werktätige Bevölkerung Deutschlands am 31. Juli sorgen! Vorbereitet für diese„Uebernahme" des Rundfunks ist im nationalsozialistischen Lager zweifellos alles. In einem„Streng o e r t r a u l i ch" gekennzeichneten Rundschreiben, das vom 2. Oktober 1931 datiert ist, ordnet die„Ga u fu n kst e ll e Sachsen" bereits die„Erfassung technischer Mitarbeiter" an. Das lehrreiche Schreiben beginnt:„Die Organisation unserer Bast» ler und ausgebildeten Funker ist heute von so großer Bedeutung. daß jeder Funkwart hier seine Pflicht restlos erfüllen muß. Im entscheidenden Augenblick können wir das wichtige Nachrichtenmittel, den Rundfunk, nur dann beherrschen, wenn wir über ein großes, .zu diesem Zweck organisiertes und technisch gebildetes Korps ver- fügen. Fünf Millionen Flugblätter bedeuten nichts gegenüber der eindringlichen Wirkung einer viertelstündigen Rundfunkrede, die sich an 20 Millionen deutsä�r Volksgenossen wendet. Der unendlich vielseitige und feinverzweigte technische Apparat, der hierfür dient, ist aber mit wenigen plumpen Handgriffen zu zerstören. Hier sind also technische und organisatorische Vorbereitungsarbeiten zu leisten. die für die politische Entscheidung von allerhöchster Wichtigkeit sind. Wir müssen den Tausenden nationalsozialistischer und nationaler Bastler die Möglichkeit bieten, sich in n a t i o n a l s o z i a l i st i» schen Bostlergemeinschasten.zusammenzufinden. Hierfür brauchen wir Fachkräfte, also Funktechniker, Funkingenieure, Funker, erfahrene Bastler als Leiter. Turch die Organisation geschulter Fachkräfte müsse« alle Borpereitungsarbeiten geleistet, werden, um die Partei instand zu sehen, eines Tages den deutschen Nachrichtendienst. Telegraphie. Telephonie und Rund- funk fest in den Händen der legalen Statsmacht zn halten und vor Sabotageakten zu schützen. Es ist zweckmäßig, wenn die Bezirksfunkwarte sich mit den höheren Betriebswarten der Betriebszellen-Organisation in Verbindung setzen, um in den rundfunktechnisch oder fernmelde- technisch wichtigen Betrieben durch Betriebs- zelten non vornherein ein starkes Rückgratfür die Bewegun zu schaffen. Der Funkwart ist als Pionier de; technischen Dienstes in der Partei hierfür verantwortlich, und es ist notwendig, daß er sich dessen voll bewußt wird, weiß, was er zu tun hat, und strengstens vermeidet, Gespräche oder Reden zu führen oder gar Schriftstücke zu wechseln, die aus die beab» sichtigten Maßnahmen ein falsches Licht werfen oder die Partei gefährden könnten. Wir erwarten deshslb, daß eventuelle Anweisungen an die unteren Fiinkwarte in entspreche n�d er Form weitergegeben werden und dabei gesteigerter Wert aus die Erfassung unserer Bastler in Bastlergemeinschasten gelegt wird. Für die von ihnen ge» trosfenen Maßnahmen ist bei Berichten an uns, sofern sie schriftlich erfolgen, gleichfalls ent- sprechende Aufmerksamkeit zu verwenden." Wenn sich das nicht wie eine Instruktion zur Vorbereitung der „l i g a l e n" Machtübernahme liest! Leianlwortl. siir die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Borwärts Verlag E. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer ,& Co.. Berlin SW 68. Lindenstr. o. Kierzu t Beilage. ——..........■■■■■■Ii im. lim............. PtAZA IM- SälK. BM. Si.B'tStgi.Z.S.B13". c T Viridis. iüSI Einwaizerinum Rose. Theater Grolle Frankfurter Straße tZ- fei. Weidtsti 5? 342/ 6 und 9 Uhr Die eiserne Inngfrau i Oartenhühne 5 Uhr Ronzert u.Variete Drei arme kleine Mädels Letsiofl-Tim Täglich Uhr Madonna wo DSsi Do? Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn hajjsweriand mpugungf RestaiTfoit Berlins KohtanH£ Oo. Pumpen üelhstaafstellen' — Röhren— Filter, sämtlith« ErsatiteiieJjlust. Prehliste gratis! Pumpnfabrik. Berlin N 65; Reinidcendorfsr Straße 95. iParzelien verkauft billig Krlsohensky (Rudow. Bendastr eZ Zabngebisle. Plaiinabiälle Dueckrilder Zinn nieialle. Silber- kchniel« Goidsdimri. rerei. Tbriltional Novenickeritrane M Haltestelle Ädaldert fttafte Gebrauchte Zahrräder 15,—, !0,—, 25,—. Werner. Adaibertslr. 9. Aott. bulser Tor. Q&immMiMS, fäaitäafo AucHDiS 18 Monats Raren tS Berlin WS LeiDligerStr. ua 125 Schwerhörige neue randaMe! nftren tokor; w:edsr mildem arztlich empfohlenen OBSGUAL- AKUSTIK- SPP AB«. T mu neuestem Bleiutiörer — Noch Besseres gibt es nicht— Deulsdie Akustik Oesellsdiaft m. d. ß. 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Zn Luckenwalde, der Stadt mit der „roten" Ilehrheit hatten sich gegen 4000 Sportler und Sport- lcrinncn eingefunden, um troh Rot und Entbehrung sür die Ar- beitersp»rlbewegung zu werben. De' erste Kreis konnte sich bestimmt keinen besseren Ort suchen, als Luckenwalde mit der einzigartigen Sportplatzanlage des Ar- beiter-Turnoercins. Mehr als 10000 Zuschauer, zehntausende be- geisterte Passanten da. wo am Sonntag der Festzug durch die Straßen(vg. Ueberall rote und schwarzrotgoldene Fah- n e n, überall die drei Peile der Eisernen Front, überall Frei- heitrufe, wo die Sportler nur hinkamen. Die Luckenwalder Bevölkerung, die Arbeitersportler und-sportlerinnen, zeigten wieder einmal daß die Eiserne Front, der Kampf um die Freiheit, immer weitere Fortschritte macht. Bereits am Sonnabend herrschte auf dem Platz in der Heg Heide ein reges Leben. Die Leichtathleten wickelten ihre Psrkömpfe ob, die Fuß- und Handballer zeigten Werbespiele, an den Geräten brachten die Wetturner ihr Programm. Bei Eintritt der Dunkelheit bevölkerte sich dann die Freilichtbühne. Männer und Frauen zeigten in bunter Reihenfolge gymnastische Uebungen. Luckenwalder Radfahrer fuhren einen Vierer- und einen Achter- Kunstreigen, die beide brausenden Beifall fanden. Ein vorgesehener Fackelzug der Jugend war von der Polizei nicht genehmigt worden, so daß der Zug aus dem Platz selbst vor sich gehen mußte. Mehr als 1000 Äugendliche zogen als leuchtende Schlange in das Stadion ein. Die Arbeitersänger Luckenwaldes sangen„Empor zum Licht", Friede! Hall rezitierte den„Hans Jörg", die Ballade eines jungen Schmie- des. Mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" schloß die imposante Kundgebung. Der Sonntag zeigte bereits in den frühen Morgenstunden regen Betrieb auf den Straßen Luckenwaldes. Auto um Auto traf ein, auf Fahr- und Motorrädern kamen immer neue Scharen Sportler. Die Spielleute des ersten Kreise waren auf dem Marktplatz versammelt, wo sie mit ihrer Musik auch den letzten Langschläfer aus den Federn jagten. Pünktlich um 12 Uhr marschierten dann die beiden riesigen Festzüge von ihren Stellplätzen ab. Im Stadion begrüßte der Kreisvorsitzende Reichert die Erschienenen. „Die vielen Uebcrfälle der Nazis auf friedliche Arbeitersportler sordern", so führte er aus,„unsere Rüstung. Gestern abend wurde ein Autosportler in Trebbin von einer Horde Nazis mit Steinen be- warfen. Wenn die Eiserne Front ruft, dann werden auch die Ar- beilersportler zur Stelle sein." Kreuzburg überbrachte die Grüß« dos Bundesvorstandes und des Leipziger Bezirks, der am gleichen Tage sein Bezirksfest abhielt. Seine Worte klangen aus in der Aufforderung, am 01. Juli der Baronsregierung die wohlver- diente Antwort zu erteilen. Nachdem der erste Bürgermeister die Gruße der Luckenwalder Bevölkerung überbracht hatte, nahmen die Kämpfe ihren Fortgang. Die Krönung erreichte das Fest mit der Aufführung des Festspiels„Internationale". Unter den Klängen der Ouvertüre zu„Zampa" entwickelte sich der Kampf des Proletariats gegen seine Unterdrücker. Der gemeinsame Gelang der Internationale schloß das Festspiel und auch das Kreisfest. Resultate der Turner , Man»». Cbnftajc; 1. Nielie(RISS. Osten) 132,30 Punkte; 1 Cr.nL(%t,,,I0,a,!'e) FO Pun se- 3)ounlampf, SRänn«, Mittelstufe: Wedding) 11,. 80 Punlici Marquardt iSchöneberq. Friedenau) 145,27 Punkte.— Sechikampf, Männer, Oberstuse: l. Baron5:20>. BeTirlcsIcartell Friedrichshain Montag, den II. Juli, pünktlich 191- 1IHn Kartellsitzung, Boxhagener Straße 114. Bortrag des Genossen H. Marx. Thema: Der Kampf um die Freiheit. Die Sportlerhundertschaft muß ge- schlosien zu dieser Versammlung erscheinen. Deutscher Sieg im Daviscup Deutschland-England 3:2 Was selbst die Optimisten nicht zu hoffen gewagt haben,>' v.: Tatsache geworden: Deutschland hat auf der Berliner Rstweiß- anlage den Kampf um den Eintritt in die Schluhr inde der enro- päifchcn Davispokalzone gegen England mit 3:3 Punkten, 9:10 Sätzen und 88:84 Spielen gewonnen. Als die Engländer nach dem Gewinn des Dop eüpiels am Sonnabend mit 2:1 in Führung gegangen waren, belrachlele rno» ihren Sieg als eine feststehende Tatsache. Aber schon das erste Spiel des Schlußtages brachte eine Ileberraschung. G. v. Tramm serttßie den weit unter Form spielenden Austin mit 5:7, 0:2, 0:3. 0 2 ab und damit war der Punktausgleich von 2:2 hergestelli. In einem der packendsten Kämpfe, die man je aus einem deutschen Tcnms-. platz gesehen hat, rang dann Prenn im entscheidenden fünften Spiel Pcrry mit 0:2, 6:4,.3:6, 0:6, 7:5 nieder und damit war der Kamps mit 3:2 zugunsten Deutschlands entschieden. Am Schlußtnge des Davispvkalkampfes Deutschland— Engl- nd hatten sich trotz der drückenden Hitze weit über 5000 Zuschauer um den Meisterschaftsplatz der Berliner Rot-Weiß-Anlage am Hunde- kehlensee geschart. Einen ebenso unerwarteten Ausgang wie das Berliner Tre ben. nahm auch das zweite Borschlußrundefpiel in Mailand, las Italien gegen Japan mit 3:2 Punkten gewann. Die Schluß- rundengegner der Europazone sind also Deutschland und Italien. Schon in den allernächsten Tagen treten unsere Spieler D. Prenn, G. v. Cromm und Dr. Dessart die Reise nach dem Soden on, da der Davispokalkamps Deutschland— Italien vom 15. bis 17. Juli in Mailand zum Austrag gelangt. Boxslcandal in Marseille Nach derWcltmeisterschatt Al.Brown-Kid Frau-;' Im Freiluftring von Marseille kam es am Sonntag im schluh an den Kampf zwischen dem amerikanischen Neger A l. Brown und dem Franzosen Kid Francis um die Weltmeisicr- schaft im Bantamgewicht zu einem riesigen Skandal. Der Kampf ging über die volle Distanz der 15 Runden, ohne daß einer der beiden nennenswerte Vorteile hatte erzielen können. Als das Urteil verkündet werden sollte, erklärte der amerikanische Punktrichter, daß er seinen Punktzettel verloren habe. Alles Suchen half nichts, und so gab man bekannt, daß die Urteilsverkündung auf 2 4 Stunden ausgesetzt werde. Darob entstand ein wüster?)> mult, das Publikum fühlte sich betrogen, und die schnell herbei- gerufene Polizei hatte alle Hände voll zu tun, um die empörten Zu- schauer einigermaßen zu beruhigen. Das Schiedsgericht tat schließlich das klügste, was in dieser bedrohlichen Situation zu tun war, erklärte„no contest", d. h., der Kampf gilt als nicht gewesen und beide Boxer dürfen ihn auch nicht in ihrem Rekordbuch führen. Tödlicher Unglücksfall auf dem Sachsen?; � Bei dem Motorradrennen auf dem Sachsenring im Gullen. burger Wald, wo auch der dritte Lauf zur deutschen M o t o r r a( Meisterschaft ausgetragen wurde, ereignete sich bei dem Renne.' der Motorräder mit Seitenwagen ein tödlicher Unglücksfall. 2 er Beifahrer Siemens des Rennfahrers Elsmann wurde in n Kurve herausgeschleudert und zog sich so schwere Verletzunge;. zu, daß er an den Folgen starb. Tour de France-Fahrer in Bordeaux 56 Mann im Endspurt Nach einem Ruhetag in Nantes erfolgte bei sternenklarer Nacht am Sonnabend früh um 3 Uhr der Start zur dritten Etappe der Tour de France, die von Nantes über La Rochelle nach Bordeaux führte und mit ihren 387 Kilometern die längste der ganzen Frank- reich-Rundfahrt war. Die Strecke war nicht besonders schwierig. dafür gab es unendlich viele Reifendesekte, unter denen be- sonders die Deutschen zu leiden hatten. Hinter La Rochelle ver- suchten Moineau, Rebry und Antenen davonzukommen, aber Stapel und Kutschbach führten die Meute wieder heran. Fünf Kilometer vor dem Ziel hagelte es geradezu noch einmal Reisendefekte: Sie- ronski mußte zweimal hintereinander absteigen, auch der das gel de Trikot des Spitzenreiters tragende Stöpel und Leducq blieben von Defekten nicht verschont. Während Leducq schnell wieder beim Felde war, oerlor Stöpel 45 wertvolle Sekunden, die ihn den ersten Platz in der Gesamtwertung kosteten. Nicht weniger als 56 Mann, darunter auch die vier Deutschen Thierbach, Risch, Geyer und Hermann Müller, rüsteten auf der Radrennbahn von Bordeaux zum Endspurt, den Andre Leducq nach �cho.cm Kampf gegen Di Paco, Bonduel und Cornez gewann, w.ui, iß die anderen auf den sllnften Platz gesetzt wurden. Durch die 0" schrift von vier Minuten, die Leducq fllr den Etappensieg rückte der Franzose an die Spitze des Gesamtklassements vor und Bonduel, Auch im Länderklassement ist Deutschland v Spitze verdrängt worden, und zwar führt jetzt Belgein mit N künden Vorsprung.' �( Am Sonntag war Ruhetag. Heute früh geht es auf d-!95 Kilometer lange vierte Etappe Bordeaux— Pau, und damit ist man am Fuße der Pyrenäen angelangt, die am Dienstag mit der stmf» ten Etappe Pau— Luchon in Angrisf genommen webden..« Die deutschen Olympiakämpfer sind heute von Brem« der„E u r o p a" nach Los Angeles abgefahren. Gestern f Bremen ein Abschiedssportfest statt. Zu den angekündigten Ringkämpfen im Lunapark h „Internationale Ringerverband" keine Genehmigung erteilt Teilnahme ist deshalb den Mitgliedern des„JRB." nicht ge mi: Arbeiter. Samariter-Bunb e. V., Kolonne Berlin. Versammlung der Ab-, teilung Reulöll» heute fällt aus. Alle Genossen treffen sich zur DemonfttllSch.! als Begleitung zu ihren Zügen._____ Touristcnverein„Sic Naturfreunde". Dienstag, 12. Juli. Mitte: Ja. straße 13. Naturwissenschaftliche Plauderei.— Webding: Willdenowstr. 5- Geschäftliches. Liederbücher mitbringen.— Äumbslbthain: WilldenoW (S. 3). Eruopenfragrn.— Gesundbrunnen, Stammabteilnng und Kinder'' Lpiclwiese im Voltspark Rehberge.— Norden: Sonnenburger Sir. 20. 1 Darwin«Dr. Schutte).— Frieorichshaiu: Franlfurt» Allee 307«Eber Abendspazieraang(Badeanzug mitbrtngen). Treffpunkt 1« Uhr S-Bahn W«- schauer Strabr.— Osten: Ebrrtystr. 12. Tagespolitische Fragen.— Frish»»«»« Offenbacher Str. 5a.— Obcrschöneweidc: Laufener Etrs 2. Leseabend.— AMt-; woch, 13. Juli. Osten, Jugendgruppe: Frankfurter Allee 307.— DonaeMt««» 14. Juli. Photoarbeitsgemeinschast Nowak: Iohanulsstr. 15.— NaturlmebtbH« Abteilung: Iohannisstr. 15. Die Pflanzenwelt unserer Seen(Lampaslak).— Rosenihaler Vorstadt: Weinmeisterstr. 16—17.— Tiergarten: Lehrter Str. 18—19 (Zimmer 1). Brettspiele.— Sumboldthain: Bank. Ecke Wiesenstraße. Singeleeis. — P.e-n>Iail» Berg: Danziger Str. 02«Baracke 2). Dr. Deri: Weltanschanung. — V-nclei-la'i. Schö'ihars-e Vrrstadt: Lorhing. Ecke Oiraunstrabe. Frani üffäic Iuli.Revolutlen>330.— Südwest: Treptower Spielwiese 9. am Karpfenteich.— Lichtenberg: Sunterstr. 44. IprÄmö SfinlnnUjntte. Jet iicäAi *ßeila£e lontag, 11. Juli 1932 Explosion auf Gpreedampfer Künf Personen getötet, zehn schwerverletzt Die Kesselexplosion, die sich in den frühen Morgenstunden des Sonntag aus dem Vergnügungsdampfer „Sperber" kurz vor seiner Abfahrt in Charlotten- bürg zutrug, hat bis jetzt insgesamt fünf Todes- opfer gefordert. Cinige der Schwerverletzten schweben noch in Lebensgefahr. Der Dampfer„Sperber" gehört der Reederei R o l o f f und sollte gegen 9 Uhr nach Ferch abfahren. Aus bisher noch unge- klärter Ursache explodierte der Kessel im fheizraum. Der 27 Jahre alte fheizer Ernst Schulz wurde so schwer oerletzt, dah er im Krankenhaus verstarb. Er hatte fürchterliche Ver- brennungswunden erlitten, 2Z Personen wurden durch den aus- strömenden Dampf schwer verletzt und ins Weftendkrantenhaus in Charlottenburg gebracht. Dadurch, dah die Passagiere des Dampfers den Umfang des Unglücks nicht sofort erkannten und durch das Personal sowie einige beherzte Ptanner langsam vom Schiff ge- bracht wurden, konnte eine Panik verhindert werden.' Die Katastrophe an der Anlegeftelle. Der Dompstr log an der Anlegestelle, Der„Sperber" fotzt insgesamt 280 Personen und wurde 1899 erbaut. Er wird mit Kohle gefeuert und war erst im Winter auf einer Spandauer Werft masll'I vollkommen uberholt und ausgebessert worden. Eine neue Kessclanlage wurde eingebaut, Rohre ersetzt usw. Vor etwa vier Wochen fand dann von der Kesselüberwachungs- st e l l e eine Prüfung des Schiffes statt, bei der nichts bean- standet wurde. Am Sonntag früh sollte der Dampfer nach Ferch abgehen. An Bord befanden sich 84 erwachsene Personen und auherdem 2 7 Kinder. Die achtere Hälfte des Dampfers ist mit einem Plan überdeckt. Vorn befinden sich Bänke. Die Passa- giere hotten sich über das Schiff verteilt. Plötzlich gab es einen leichten Knall, der von vielen Personen infolg« der lauten Gespräche usw. gar nicht gehört worden war. Gleich daraus ertönte ein heftiges Zischen, Dampfwolken kamen aus dem Kesselraum und hüllten das Schiff in wenigen Sc- künden in eine einzige Wolke. Der Steg lag noch an der Anlegestelle. Das Personal hatte sofort die Situation erfaßt und versuchte verzweifelt, in den Kesselraum zu gelangen, um den Dampf abzustellen und den unglücklichen Heizer z» befreien. Jene Personen, die in der Nähe des Einganges zum Kesselraum saßen, erhielten die schwersten Verletzungen durch Verbrühen. Angstschreie wurden ausgestoßen. Beherzte Männer griffen sofort zu und sorgten für den Abtransport der Ver- letzten. Man führte die Bedauernswerten schnell über den Steg. während Unverletzte über das Geländer sprangen und festen Fuß fassen konnten. In der Reederei hatte man den Vorgang vom Fens er aus beobachtet und alarmierte sofort Rettungsamt, Feuerwehr und Polizei. In Taxen wurden einige Ver- letzte sofort ins Krankenhaus gebracht, bis alle Wagen vom Rettungsamt eintrafen. Die Feuerwehr drang dann in den Kessel- raun' ein und fand hier den Heizer mit fürchterlichen Wunden aus, der im Krankenhaus bald darauf verstarb. Der Dampfer wurde von der Kriminalpolizei gesperrt. Im Heizraum war die Kohle und Feuerung aus dem Rost herausgeschlagen. Wahrscheinlich war ein Siederohr explodiert, so daß der Dampf in die Feuerung kam und sich nun einen Weg nach oben suchte. Es war verhältnismäßig noch ein Glück, daß die Explosion noch an der Anlegestelle geschah. Die Katastrophe wäre gor nicht zu übersehen, die sich ereignet hätte, wenn der„Sperber" bereits aus der Fahrt gewesen wäre! Die Reederei konnte sich die Ent- stehung des fürchterlichen Unglücks nicht erklären und vermutet, paß ein Materialfehler vorliegt. Die Namen der Toien. Da? furchtbare Unglück hat bis jetzt fünf Todesopfer gefordert. Es sind: Der 26 Jahre alte Heizer Ernst Schulz: Siegfried und Else Löllbach, Angestellter bei der AEG, Boye- rische Straße 8: Erika Arndt, Beusselstratze 19: Erika Leu. Lutherstraße 9. Die Namen der Schwe-merletzten sind: Wilhelm R u n k o w, Walter Kühn, Anton Schmidt, Fritz Henning, Dtto Laue, Fräulein Margarethe Stein gieß, Frau Friedrich, Fräulein Hilde S ch m i d t ch e n, Frau Elise R u n k o w und Frau Erna Löwe. Weitere Personen im Westendkrankenhaus schweben noch i n höchster Lebensgefahr. Die Unlerfuchungskommifsion ist am Montag früh um 9 Uhr am Dampfer erschienen, um ipre Feststellungen zu treffen. Anwesend sind von der Staatsanwalt- fchaft Vertreter. Vom Polizeiamt Charlottenburg der Leiter und der Kommissar des 2. Bezirkes. Ingenieure und Techniker von dem Dompfkefsel-Ueberwochungs-Verein, Vertreter der Wasserpolizei und des Gewerbeaufsichtsamtes. Der Dampfer„Sperber" hat ein Alter von 3-Z Jahren. Für Spreedompfer ist dies kein hohes Alter. Es verkehren Dampfer, die 40 und 45 Jahre alt find, und deren Anlagen sich tadellos be- währt hoben. Bei dem Dampfer„Sperber" ist die Maschinenanlage holländischen Ursprungs und hat schon verschiedentlich Mängel gezeigt. Aus diesem Grunde ist der Dampfer auch ver- gongenen Winter vollkommen überholt worden. Die Prüfung der Kesselanlagen hatten keine Fehler ergeben Trotzdem hat es den Anschein, als ob Materialfehler mit unsachgemäßer Behandlung Hand in Hand gegangen sind. Es wird ver- mutet, daß der Kessel überheizt war. während der Wasserdruck zu gering war. Der Maschinist befand sich am Lande. Der Heizer Schulz hatte das zufällig bemerkt und kaltes Wasser hinzugelassen. Durch das Eintreten des kalten Wassers wurde die Spannung zu groß und so erfolgte die Explosion. Welches die erste Bruchstelle war, wird sich kaum genau feststellen lassen, da später durch die Hitze und die ausströmenden Dämpfe Nieten und Schrauben sich lösten. Ein Totenschiff? Der Reederverband der Märkischen Personenschiffahrt teilt folgendes mit: Der Dampfer„Sperber" ist ein altes, in Bres- lau beheimatetes Schiff, welches schon vielfach die Behörden be- schäftigt hat. Ausweislich der Schiffahrtsregister gehört es dem Breslau er Bankverein. Der Dampfer„Sperber" machte stets einen ungepflegten und wenig vertrauenerweckenden Eindruck und ist mit den Berliner Paffagierdampfern nicht zu vergleichen. Der Kessel des Dampfers ist 42 Jahre alt und in Holland, also nicht nach den hiesigen Vorschriften, erbaut. Er war auch mehr- fach geschweißt worden. Wahrscheinlich ist dieser Umstand im Zu- sammenhang mit einem Bedienungsfehlcr die Ursache des Un- glucks. Die Sicherungsvorschriften der hiesigen Behörden, besonders in bezug auf die Kesselanlagen der Berliner Passagierdampfer, sind so scharf, daß ein solches Unglück bisher niemals vorgekommen ist und nach menschlichem Ermessen auch nicht vorkommen kann. Bereits vor 14 Tagen spielte sich ein Zwischenfall am Restau- rant Prinzengarten im Müggelsee ab. Hier hatte der Dampfer „Sperber", der höchstens mit 284 Personen besetzt werden darf, 270 Schulkinder der 205. Gemeindeschule ausgenommen und die dazugehörigen 180 Erwachsenen, so daß der Dampfer stark über- lastet war. Auch hier stellte sich ein Defekt an der Maschine ein, der aber beseitigt werden konnte. Da der Inhaber der Reederei Roloff bei einer Breslauer Bank größere Verpflichtungen hatte, sollte schließlich der Dampfer zur Zwangsversteigerung gebracht werden. Als sich für den alten Kasten kein Liebhaber fand, blieb die Bank Be- sttzerin und übergab den Dampfer, da sich keine andere Berliner Reederei fand, wieder der Reederei Roloff, die ihn wiederum in ihren Betrieb einstellte. Mädchen bestialisch ermordet. Oer mutmaßliche Mörder auf einem Friedhof verhastet. Recklinghausen. 11. Zuli. Die 14 Zahre alte Franziska Thomasfen wurde gestern nachmittag in der Wohnung ihrer verheirateten Schwester, deren Sinder sie während der Abwesenheit der Mutter beaufsichtigen sollte. durch Stiche ermordet aufgefunden. Der verdacht der Täler- schuft lenkte sich aus den im gleichen Hause wohnenden K4jährigen Stephan porzelanzik, der in angetrunkenem Zustand aus einem Friedhof festgenommen wurde. Zn seiner Wohnung wur- den in einem Koffer ein blutbeflecktes Messer und ein blutiges Handtuch gesunden. Porzelanzik bestreitet die Tat. Fünf Krauen von einem Unhold erdrosselt. Belgrad. 11. Juli. Wie aus Bettau an der sudslawisch-öfterreichischen Grenze ge- meldet wird, wurden dort im Laufe von wenigen Tagen fünf Frauen erdrosselt. Die Frauen wurden in einem Wäldchen i der Nähe der Stadt überfallen, auf das grausamste mißhandelt und schließlich erwürg t. Ein weiteres Opfer wurde nur durch Zufal aus den Händen eine? Mannes, den man als den Täter ansieht, errttet. Ein starkes Gendormerieaufgebot durchstreift die Gegend, um ien etwa 3öjährigen Lustmörder zu fassen. Protest der Eisenbahner. Gegen Arbeiisdienstpflicht- für Liste 1 halle a. d. S.. 11. Juli. Zu der Kundgebung der im Einheitsoerband org«nisierten Eisenbahner am Sonntag reichte lder Volkspark nicht aus. Allein aus Leipzig waren die Eisenbahner in zwei Sonderzügen gekommen. In den großen Gartenanlagen mußte eine besondere Versammlung abgehalten werden. Es sprachen Scheffel und John, Berlin, und Möller, Halle. Die Redner brandmarkten die Volksverräterrolle der Nationalsozialisten und schloffen unter dem stürmischen Beifall oer Eisenbahner mit der Auffordeung, bis Ende Juli alles daran- zusetzen, um die Zlufklärung über die Notwendigkeit der Wahl der Liste 1 in die weitesten Volkskreise zu tragen. Der Führer der sächsischen Eisenbahner, Oelkers-Dresden, über- miitelte im Namen von 50 000 organisierten Eisenbahnern der Be- zirke Dresden, Erfurt und Schlesien Grüße der Kampf- Verbundenheit mit dem Bezirk Halle und der deutschen Arbeiter- bewegung. Der Vertreter der Beamtenschaft betonte, daß die Jnter- essen der Beamten unlösbar verbunden sind mit den Interessen der Arbeiterschaft. Der dann folgende Demonstrationszug wurde von der Spalier bildenden Bevölkerung, mit den drei Pfeilen versehen, be- geistert begrüßt. Vor dem Gebäude der Reichsbahndirektion nahmen Jahn und Möller noch einmal Gelegenheit, nachzuweisen, wie sich das„Arbeitsbeschaffungsprogramm" der Papen-Regierung aus- wirkt. Der Zug ging dann nach den Räumen des Volksparks zu- rück, wo einige hundert Funktionäre der Bezirke Halle, Dresden. Erfurt uns Schlesien zu einem Führerappell zusammengefaßt waren. Jahn-Berlin versah die Funktionäre mit Zlnweisungen der Organisation, durch die ein einheitliches Vorgehen in ollen wichtigen Fragen sichergestellt werden soll, um auch allen plötzlich eintretenden Ereignissen auf politischem Gebiet gegenüber vorbereitet zu sein. Einstimmig fand eine Entschließung Annahme, die sich gegen die Einführung der Arbeitsdienstpflicht wendet. Die Reichs- bahnhauptverwaltung werde bereits in oiefcr Richtung beeinflußt. „Nach der Entlassung von 10 000 Bediensteten der Reichsbahnaus- besferungswerke wurde Tausenden von Bahnunterhaltungsarbeitern plötzlich gekündigt. Weitere Tausende von Kündigungen sind beob- sichtigt. Die sreiwerdenden Arbeitsplätze sollen von Arbeitsdienst- pilichtigen eingenommen werden. Familienväter, jahrzehntelang im Arbeitsdienst tätige Arbeiter, will man aus Lohn und Brot bringen, um der SA. der nationalsozialistischen Bewegung Platz zu machen. Das ist das„großzügige Arbeitsbeschoffungsprogramm" des Kabinetts Papen." Die Eisenbahner wenden sich mit Empörung gegen derartige Pläne, deren Realisierung einen öffentlichen Skandal bedeuten würde. Sie werden mit allen verfügbaren Mitteln gegen. diese Absichten ankämpfen und am 31. Zuli ihren Gegnern eine deutliche Antwort erteilen. Weitere Kundgebungen der Eisenbahner am Sonntag sind in Stettin für den Osten und in Koblenz für den Westen vor sich gegangen. �_ Zungbanner marschiert. Oaö Fest im Friedrichshain.— Kampfschwur der Zugend körperlich ertüchtigte, geistig gerüstete Zugend war es, die sich gestern zum großen Sport- und werbefest des 3ung- banners im Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold auf dem von fröhlichen Menschen erfüllten Sportplatz Zriedrichshain traf. Das Fest war aber zugleich Symbol der republikanischen Zusammengehörigkeit von jung und alt, von Reichsbanncrjugend und Arbeiterjugend. Unsere Freunde vom Arbeiterradiobund hatten einen hervorragenden Lautsprecher zur Verfügung gestellt. Besonderen Beifall erregte der glänzende Ausmarsch des Zungbanners und die beiden Redner. Polizeipräsident Albert G r z e s i n s k i und Bürgermeister Paul M i e l i tz wurden stürmisch gefeiert. Das Berliner Arbeiterviertel des Ostens stand schon von den ersten Nachmittagstunden an unter dem Zeichen der großen Jugend- Veranstaltung. Ein 4000 Menschen zählender Zug von Reichsbanner- kameraden und Männern und Frauen aus der schaffenden Bevölke- rung zog vom KiistrinerPlatz aus durch die von Menschen um- säumten Straßen zum Festplatz. Immer wieder wurden Freiheit- Rufe ausgebracht, und immer wieder zeigte die Bevölkerung unserem Reichsbanner feine Sympathie. Die Feier selbst wurde durch die Weihe des Banners der Jugend- gruppe eingeleitet. Hier fand Bürgermeister M i e l i tz, nachdem Stadtrat Günther das Ehrenzeichen übergeben hatte, mitreißende Worte der Mahnung an die Jugend, für die Freiheit zu kämpfen. Bor allem aber wies er auch darauf hin, daß es Ausgabe der K o m- m u n e n sei, die Arbeit des Reichsbanners zu unterstützen. Denn die ganze Städteordnung sei aufgebaut auf demokratischen und sozialen Ideen. Polizeipräsident Albert Grzesinski. „Es ist Aufgabe der Jugend, mit hellen Augen die heimtückischen Methoden des Nationalsozialismus zu durchschauen. Sie mutz er- kennen, daß der Mensch nicht nur Brot braucht, um zu leben, sondern daß noch viel mehr der geistig und sittlich verantwortliche Mensch die Freiheit braucht, um geistig und sittlich leben zu können. Darum mutz die Jugend die bedrohte Freiheit und. wenn es fein muß, mit ihrem Leben schützen. Sie muß allen denen, die die Frei- heit mißbrauchen wollen, mit äußerster Kraft entgegentreten, und sie muß erkennen, daß der Mißbrauch der Freiheit den Tod der Frei- heit bedeutet." Als zweiter Redner sprach B ii r g e r m e i st e r M i e l i tz. Er ließ vor den Augen der Jugendlichen das Bild des Ehrenfriedhofs erstehen, auf den die Revolutionsopfer von 1848 den ewigen Schlummer schlafen und der allen Kämpfern der Freiheit heilig ist. Bon diesem Friedhof aus mutz gerade heute in unseren Tagen eine Kraft ausgehen auf die proletarische Jugend, die von einer sozial- reaktionären Regierung in der Entwicklung ihrer Kräfte bedroht ist. Wir müssen nach dem Worte des Dichters gerüstet und bereit fein, daß die Erde ganz eine freie werde. Künstlerische Vorträge umrahmten die Festreden. Genosse G r z e s i n s k c wurde, als er den Festplatz verließ, von vielen Hun- derten geleitet und durch begeisterte Freiheit-Grühe verabschiedet. ä)er ä)ampSer„Sperber" nach der txplofion