BERLIN Mittwoch 13. M 1932 Redaktion u. Expedition: verlin SW 68, Lmdenstr.Z Tel. AI Dönhoff 292—297 Erscheint täglich außer Sonntags Lugleich Abendausgabe de»„SonBätis*. Bezugspreis t2rbeid«Ausgaben7ZPf. pro Boche, 3,25 SR. pro SRonat(davon 87 Pf. monatlich für Zustellung ms Hau») im voraus zahlbar. Postbezug g,S7 SR. einschließlich 80 Pf. Postzeitungz- und 79 Pf. Poftbestellgebühren. 10 Pf. Nr. 326 B 155 IS. Jahrgang Anzeigenpreis: Die tfplt. MM» «eterzeile SO Pf. Di« Reklamezeil« kostet 2 Mark. Rabatte n. Tarif. F liegen nie lZemeinlikll...! 5svsring sn polireivlreprszlciont VsiK Severins gegen das Morden Ein Aufruf an die Bevölkerung gegen den Bürgerkrieg Der preußische Innenminister S e v e r i n g hat an den von der Nazimeute mit Verleumdungen schlimmster Art ver- folgten Berliner Polizeioizepräsidenten Weiß einen Brief geschrieben, der ein Kulturdokument darstellt und deshalb hier wörtlich wiedergegeben fei: � Der Preußische Minister des Innern. Berlin, den 12. Juli 1S32. Unter den Linden 72. Herrn Polizeivizeprasidenten Dr. Weiß, Berlin. Sehr geehrter Herr Polizeivizepräsident? Zu meinem größten Bedauern entnehme ich aus dem mir vorliegenden Urantrag Nr. 373 der Fraktion der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei des Preußischen Landtags vom K. Juli d. I., daß neben weiteren, offensichtlich haltlosen Borwürfen gegen Tie auch Behauptungen vorgebracht werden, die eine un» erhört« Beleidigung Ihrer Gattin darstellen. Da diese Behauptungen unter dem Schuhe der Im- munität aufgestellt worden sind und ihre Widerlegung von einem Disziplinarverfahren erwartet wird, zu dem jeder Anlaß fehlt, ist es für Sie sehr schwer, Ihrer Gattin für die Verunglimpfung sofort eine äußere Genugtuung zu verschaffen. Ich möchte Ihnen deshalb sagen, daß alle sachlich und rechtlich denkenden, alle anständigen Menschen selbst unter Ihren politischen Gegnern gleich mir von der wider- wärtigcn, rein demagogischen Verunglimpfung Ihrer Gattin nur mit dem Gefühl höchster Entrüstung Kenntnis nehmen und diese Kampfesweise auf das schärfste ver- urteilen werden. Eine an den politischen Kämpfen unbe- teiligte Frau mit derartigen Anwürfen zu beleidigen, läßt eine Gesinnung erkennen, die bisher in Teutschland im politischen Meinungsstreit glücklicherweise noch nie- mals hervorgetreten ist. Von Hermann Lingg ist mir ein tapferes Gedicht „Gegen die Gemeinheit" bekannt, das mit der«'"'"'he schließt: „Die Gemeinheit streckt dich nieder, denn sie zielt so gut versteckt; und sie siegt, siegt immer wieder, bis sie an sich selbst verreckt." Lessen Sie sich nicht niederstrecken! Tie Gemein- heit nähert sich dem Stadi um, in dem sie an sich selb st verreckt. Indem ich Sie bitte, auch Ihrer Gattin aus Anlaß des vorliegenden Falles mein Mit- empfinden zum Ausdruck zu bringen, verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung Ihr gez. S e v e r i n g. Der preußische Minister des Innern, Severing, hat folgenden Aufruf an die Bevölkerung erlassen, der eine Mah- nung zur Besonnenhiet darstellt: „Von Tag zu Tag werden die politischen Leiden- schaften wilder aufgehetzt. Immer stärker überwuchern Verhetzung und blinder Haß die Besonnenheit und Ver- Morgen Tennishallenl Wels und Severing sprechen Der Aufmarschplan erfährt folgende Aenderungen: Treffpunkt U-Bahn- Hof Hohenzollerndamm, dann Marsch durch die Holsteiner Straße, Gasteiner Straße, Lauenburger Straße, Pfalzburger Straße, Düsseldorfer Straße, Bran- denburgische Straße, Fehrbelliner Platz— Tennishallen. Me beteiligen sich! Wir haben den hundsgemeinen verleumderischen Antrag der nationalsozialistischen Landtagssraktion niedriger gehangt, der die Ehre der Frau des Polizeivizeprösidenten Dr. Weiß in der gemeinsten Weise besudelt. Dieser Antrag wird auf ewig ein Schandfleck der deutschen Parlamentsgeschichte bleiben. Hier ist sein Wortlaut: »Nr. S73, Urantrag Kube. Hinkler, Löhs«(Altona). Haake, Dr. Freister und die übrigen Mitglieder der Fraktion der National- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei: Der trotz mehrfacher, seine sofortige Absetzung fordernder Be- fchlüsse des Landtags immer noch von der derzeitigen geschafts- fuhrenden Preutzenregierung im Amt gehaltene Dr. Bernhard Weih hat sich an der Niviera von dem Schuhiuden Krojanker der Firnia Tack u. Co. aushalten lassen. Dieser bezahlt« auch des Dr. Weih erhebliche Spielverpflichtungen. Ist schon ein solches Verholten auch sür einen jüdischen Be- omten, dem infolge seiner Rassezugehörigkeit naturgemah deutsche Ehrbegrisse fremd sein müssen, eine Unmöglichkeit, so kommt hinzu. dah die Frau des Bernhard Weih, wie in Berlin ofsentliches(Be- heimnis ist, dos notorische Verhältnis des Krojanker ist. Selbst wenn B. Weih das nicht glauben sollte, ist ihm doch be- könnt, daß man in Berlin allgemein der Ansicht ist, dah intime nunst und lassen vergessen, daß auch der politische Gegner Volksgenosse und gleichberechtigter Staatsbürger ist. Tie gewaltsamen Zusammenstöße mehren sich in er- schütternder Zahl. An Stelle geistiger Auseinander- setzung tritt der Kampf mit Messer und Revolver. Tag für Tag färbt das Blut deutscher Bürger das Pflaster, rast der politische Mord durch die Straßen der Dörfer und Städte. Alle politischen Parteien überschütten die Behörden mit Klagen über mangelhaften Schutz und mit Be- schwerden über den Terror der— anderen. Wer die Tätigkeit unserer Polizei aufmerksam verfolgt und gerecht beurteilt, wird zugeben müssen, daß sie in diesen Unruhe- zeiten mehr als ihre Pflicht tut. Aber Wunder ver- richten kann auch die Polizei nicht. Sie kann Bluttaten verfolgen, die Täter verhaften und dem Richter zuführen — die politischen blutigen Kämpfe verhindern kann die Polizei nur dann, wenn Frauen und Männer aller Parteien diese entsetzliche Entartung politischer Meinungs- kämpfe einmütig ablehnen und verabscheuen. Man verlangt Sicherheit— mit Recht; die Polizei wird sie mit allen Kräften aufrechterhalten. Aber die größte Sicherheit der Staatsbürger beruht auf dem Ver- zicht, die Sicherheit der anderen zu bedrohen. Man spricht von Selbstschutz, aber der wirksamste Selbstschutz ist die Selbstzucht. Jeder andere vermeint- liche Selbstschutz muß schließlich zum brutalsten Faust- recht führen und neue Blutströme würden feine unaus- blcibliche Folge sein. Aber es darf kein Blut mehr fließen. Ich richte darum an alle, die guten Willens sind, die dringende Bitte, der ruhigen Besonnenheit wieder Ein- gang im politischen Ringen zu verschaffen. Wenn die Führer a l lc r politischen Parteien und Verbände mittun, jeden Versuch gewaltsamer Aus- cinandersctzung zu unterdrücken und zu brandmarken» dann wird dem Morden Einhalt geboten und Deutsch- lands Ansehen in der Welt wiederhergestellt werden können." Anweisung an die Regierungspräsidenten Angesichis der blutigen Zusammenstöße des letzten Sonntags hat der preußische Alinister des Znncrn die Regierungspräsidenten ersucht, die sür Rlohnahmen aus Grund der ver- ordnung des Reichsministers des Innern vom 28. Juni d. Z. zuständigen nachgeordneten Polizeibehörden mit folgender Anweisung zu versehen: Zn jedem Falle der Anmeldung einer veranstal- t u n g, insbesondere von Versammlungen und Aufzügen unter freiem Himmel, scharf zu prüfen, ob ausreichende Polizei- k r ä f t e zum Schuh der Veranstaltung und ihrer Teilnehmer auch aus hin- und Rückwegen, an den An- und Abmärschen und Lastwagensahrten gegen Uebcrsälle oder andere Gewalt- täligkeiten der Versammlungsteilnehmer selbst während oder auch vor oder auch nach der Versammlung zur Verfügung stehen. Im anderen Falle soll ein verbot der Veranstaltung erlassen werden. polizeihast bei Waffenbesitz. Der preußische Minister des Innern hat an olle Polizei- behörden folgenden Funkspruch erlassen: Die täglich sich mehrenden Gewalltätigkeiten, besonders auch unter Verwendung von Schußwaffen, machen schärfstes Vorgehen gegen unbefugten Waffenbesitz und unbefugtes wasfenführen er- forderlich. Alle Polizeibehörden haben sich der durch§ 17 der Rotverordnung vom H. Zun! 1932 gegebenen handhabe gegen das unbefugte Führen von Waffen in jedem Falle unnachsichtig zu bedienen und Beziehungen zwischen Krojanker und der Frau des B. Weiß be- stehen. Es ist deshalb um so unverständlicher, dah Weiß sich von diesem Krojanker aushalten ließ. Da dieses Verhalten jedes Gefühl für Würde vermissen läßt, beantragen wir: Der Landtag wolle beschliehen: Das Staatsministerium wird ersucht, auch wegen dieses Ver- Haltens des V. Weiß das Dienststrafverfahren gegen ihn mit dem Ziele der Dienstentlassung zu betreiben." Die volle V e r a n t w o r t u n g für diese unsagbare Gemeinheit ruht auf der Nationalsozialistischen Partei wie auf dem nationalsozialistischen Landtagspräsidenten, der diesen Antrag zugelassen hat. Die Stellungnahme zu diesem Abgrund der Gemeinheit wird zum Gradmesser werden! Wir werden aufmerksam verfolgen, welche Parteien und welche Zeitungen gegen diese Gemeinheit protestieren werden— aber auch, welche Zeitungen und welche Parteien durch Schweigen diese abgrundtiefe Gemeinheit begünstigen werden! Denn S ch w e i g e n ist in diesem Falle Bekenntnis zum mora- lischen Verbrechertum! Sie„Kinderstube" der Tlazi- Prinzen. Die„Germania" sagt zu dem Schandantrag: „Noch nie ist in einem deutschen Parlament ein Antrag mit einer solchen Begründung eingebracht worden. Roch nie ist in widerlicherer und unslätigercr weise die Ehre einer wehrlosen Frau, die mit pvlilik nicht das mindeste zu schassen hat. ossensichtlich be- sudelt worden. Was hier geschehen ist, ist so ungeheuerlich, daß es jedem Menschen, der noch einen Funken Anstand im Leibe hat, direkt den Atem oerschlägt. In der Nazi- sraktion des Landtags sitzen neben den schon seit langem bekann- ten Flegeln auch Prinzen, Grasen. Generäle—, Leute also, denen man schon eine gute Kinderstube zutrauen sollte. Aber es scheint, daß auch sie ihre Kinder st übe nun endgültig vergessen haben." Das Freiheitsheer marschiert! Millionen in Bewegung für die Gozialdemokratie. polizeiliche ksasl gegen mil Waffen Vclrosscnc aus die längst mögliche Dauer anzuordnen. E» mu� mit ollen Mitteln erstrebt werden. Schuft-, h i e b- und S t o ft w as s cn denjenigen au» den Händen zu nehmen, die Gemolttliligkeilen im politischen Kampf nicht ablehnen. Dabei erwarte ich von den Polizeiverwaltern, daft die strenge Durchführung dieser Moftnahmen gegen gewalttätige Elemente nicht zu einer Störung des politischen Leben» der friedfertigen Staatsburger führt. Hören Sie, Baron Gayl! Noch immer nicht--? Kiel. 13. Zuli. l(Eigenbericht.) Am TienStag überfielen in<5 l m f ch c n h n g c n bei Kiel etwa 40 bis 50 TA.-Purfchen 21) heimkehrende Aeichsbnnncrlcute. Die Nationalsozialisten gaben im Verlauf des Ueberfalls etwa 3 0 Schüsse auf daS N e l ch» b a n n e r ab. Zwei von den Urbersallenen wnr- den durch Kopfschüsse verletzt. Der eine erhielt aufterbem noch einen Beinschnft.("»'in dritter Neichs- bannrrmann wurde durch Schläge auf den Kopf und ins Gesicht schwer verwundet. Protest in Schlesien. Breslau, 13. Juli.(Eigenbericht.) Zwei überfüllte Protestkundgebungen gegen lden Terror der braunen Bürgerkriegsarmee wurden hier am Dienstag abgehalten. Beide Kundgebungen waren von ungeheurer Wucht. Die Abgeord» neten Buchwitz-Görlitz und Drügemüller-Berlin sprachen unter stürmischer Zustimmung der Massen. Am Schluft der Versammlungen fanden Entschlieftungen Annahme, in denen gegen die zunehmende nationalsozialistische Verseuchung der Schlesi» schen Funkstunde Stellung genommen und unnachsichtige Ahndung der S A.- B l u tt a t« n in Schlesien durch die Ge- richt»dehdrden gefordert wird, Nazis gegen Oeutschnaiionale. Huqenberqs Saat geht auf. Im sinstersten Ostelbien hielten die Deutschnationalen in Pollnow bei Kosanke eine Wahlversammlung ab, in der sie über„di e V o l k s- gemeinschast de» nationalen Deutschlands" sprechen lieften. Die Bolksgemeinsilzast, die hugenberg sich herangezogen hat, trat sogleich in die Erscheinung, Nach einem Bericht der„Pom- merschen Tagespost" drehten die Nationalsozialisten das Licht aus, beschimpften hugenberg und unter Führung des Kapitäns von Ziftewitz stürmten sie mit erhobenen Stöcken zür Bühne, um auf den Vcrsammlungsteiter einzuschlagen. Sie schrien dazu:„Hund, Lump, Verbrecher." Die Polizei griff ein, um die Mannen hugcnbcrgs vor ihre» natio- nalsozialistijchen liebenden Freunden zu schützen. Im Kreise N e u st e t t> n— so berichtet die„Pommerschc Tagespost" weiter fanden mehrere Bersammlungen der Deutsch- nationalen Volkspartei statt. Unter anderem sprach in Barken- brügge der Siedler Schulz über das Thema:„Wer allein hilft der Landwirtschaft?" Eine Abordnung der SA, war aus Batzebuhr erschienen und hatte in dem Vorraum zum Saal Aus- stellung genommen. Sie machten sich vor der Versammlung durch Singen ihrer Kampflieder bemerkbar. Ebenso hielten sie die Besucher, die in die Versammlung wollten, ab. In Bahrcnbusch sprach der Lehrer harmel, Neustettin, in einer deutschnationalen Versammlung, Auch hier war eine A b- or d n u n g der SA, aus Ratzebuhr unlcr Führung de, mil längeren Zrelheilsslrasen vorbesiraslen viegalke erschienen. Als der Redner in sachlicher Weise sich mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzte, versuchten die Nationalsozialisten durch Gejohle und Singen des Horst-Wefsel-Liedes die Versammlung zu stören. Die Bersammlung wurde durch Rufe:„Die Deutschnationole Volks- partei und der Stahlhelm ist o e r j u d c t und die Freimauerei habe führende Stellungen in ihnen" gestört. Als lautester Schreier gcbördetc sich der Landwirt Blank aus Wilhelmshöh, der seinerzeit wegen Nichtbefolgung der Disziplin aus dem Stahlhelm ausge- wiesen wurde. Weitere Verhaftungen in Ohlau. Znsgesamt 14 Personen verhaftet. vhlau. 13, Juli. Im Zusammenhang mit den blutigen politischen Zusammen- stöften am Sonntag in Ohlau sind siebe» weitere Personen s e st g e n a m m c n worden, so daft die Gesamtzahl der Verhasteten nun l 4 Personen beträgt, Die Ot'duktion der beiden Getöteten hat gestern stattgesunden, Das Gericht hat darauf die beiden Leichen zur Beerdigung frei- gegeben. Orakonifthe Zuchthausstrafen. Aber nur gegen Kommunisten. Blainz, 13. Juli, Das Schwurgericht der Provinz Rheinhessen fällte am Diens- tag abend das Urteil gegen die angeklagten Kommunisten, die den Itatioiialsozialisten Babelsberger aus Biblis überfallen und so schwer mifthandelt hatten, daft er nach einigen Tagen starb, Es wurden verurteilt: der Arbeiter Ludwig Rebholz zu zehn Jahren Zuchthaus, der Arbeiter Karl Liegt zu drei Jahren Zuchthau». der Arbeiter Jakob Kaiser zu zwei Jahren Zuchthaus und der Arbeiter Albert Ludwig Dehoss zu einem Jahr Gefängnis. Den zu Zuchthaus verurteilten wurden die Ehrenrcchle auf stins Zahre aberkannt. Im Verlaufe des Prozesses wurden drei Kommunisten unter dem Verdacht des Meineides verhastet, Bei Nazis heißt es Notwehr. Der SA.-Mann Helms, der im April ein Mitglied der Eisernen Front erschossen hat, wurde vom Oldenburger Schwurgericht frei- gesprochen, da er„in Notwehr" gehandelt habe, Nazi-Minister„amtieren". Kritik an SA-Mördern verboten' Dessau, 13. Juli.(Eigenbericht.) Der Verlag de» von der anhattischcn N a z i r e g i e r u n g auf zehn Tage verbotenen„V o l k« b l a t t»" hat gegen das Berbot Beschwerde eingelegt. Das unglaubliche Verbot wird begründet Wir marschieren. Der Masscntritt der(Eisernen Front geht durch ganz Teutschland. Unter wehenden Freiheitsfahnen und dem Symbol der drei Pfeile ist das Heer der Freiheit in Vewegung. Das Volk steht auf gegen die Neaktion und den Faschismus! Der Wahlkampf hat mit gewaltigen Massenkund- gedungen der(Eisernen Front in allen deutschen Großstädten wuchtig eingesetzt. Aber auch das flache Land bleibt nicht zurück! Voll Vegeistcrung und Kampfwillen erheben sich die sozialdemokratischen Arbeiter. Wir geben einen Ausschnitt, der den Marsch von Millionen für die Freiheit auf dem Lande zeigt: Ostpreußen. 4000 Angehörige der Eisernen Front demonstrierten in Braunsberg und Ilmgegend. Der Freiheitsrnf braust durch die Dörfer. Die Landbevölkerung begrüßt freudig die Soldaten der Freiheit. Pommern. Riesenaufmarsch in Stettin. Freudige Kampsstimmung in der Provinz. Besonders wuchtig« Massenausmärschc, an denen ins- gesamt viele Taufende teilnahmen, in Altdamm. Löcknitz, Greisenhagen! Massenonfmorsch auf dem Marktplatz in Bclgard, von vielen Tausenden sreudig begrüftt. Sachsen. Gewaltige Demonstrationen in den Großstädten. Zwickau: Die Flut des fcldgriinen Arbeiterheeres marschiert unter den drei Pfeilen, gewaltigste Kundgebung, bie Zwickau gesehen hat, lieber 20 000 Personen nehmen teil. Wuchtige Ausmärsche der Eisernen Front unter wehende» roten Föhne» in Meißen, Riesa, Äroftenhain, Rossen, Pirna, Heidenau, Mitieldeutschland. In Kottbus Aufmarsch der Sturinbataillonc jür die Freiheit unter wehenden Fahnen, begeisterte Deilnohme der werktätigen Bevölkerung, Käthen: Mehr als 1000 Personen marschierten im Zug der Eisernen Front. G a s lar: Einmarsch des Reichsbanners, Wergeßt nicht in diesen Tagen die wahieriilten einzufehenl mit einer Kritik an dem Urteil des Reichsgerichts, das ein Berbot des„Vorwärts" und der„Kölnischen Voltszeitung" sllr zulässig erklärte, mit einer Kritik an dem gemeinen Treiben der SA.-Horden und mit einer Darstellung de»„Volksblalts" über das Wüten der Dessaucr SA. in der Rocht vom Sonnabend zum Sonntag, dem bekanntlich ein R e i ch» b a n n e r f ü h r e r zum Opfer fiel, SA.« Kaserne ausgehoben. Nazischühen in Lichtenberg.- 2 Pistolen beschlagnahmt. In der Gunterstrafte 14 in Lichtend urg befindet sich ein tömmunistisches Verkehrslokal, dos gegen 2,30 Uhr nachts das Ziel einer nationalsozialistischen MördcrkoloNnc war. Die SA.-Banditen eröffneten auf das Lokal P i st o l e n f e u e r. Die anwesenden Kam- munisten konnten aber rechtzeitig Deckung nehmen, so daß niemand verletzt wurde, Wie sehr schnell festgestellt wurde, hatte sich die naiianalsazio- listische Bande nach dem Feuerübersall in ihre Kaserne nach der Auguste-Biktoria-Straftc 4t zurückgezogen. Di« Polizei nahm eine überraschende Durchsuchung der anwesenden 20 Nazibanditen vor. Bei 7 5iakenkreuzlcrn wurden scharfgeladene Mehrladepistolen und zahlreiche Munition gefunden. Außerdem fanden die Beamten Totschläger und Schraubenschlüssel, Die ganze 20 Mann starke SA,- Meute wurde ins Polizeipräsidium gebracht, In der Knesebeck-, Grolmann- und Goethestrafte in Charlotten- bürg kam e» in den gestrigen Nachtstunden mehrfach zu schweren Schiägereien zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten, bei der auch Schüsse abgefeuert wurden. Die Polizei mußte schließlich zu einer umfangreichen Säuberungsaktion der Straften schreiten. Da- bei wurden vier Hakenkreuzler und vier Kommunisten festgenommen, Bei den Festgenommenen wurden eine Drcysc-Pistole mit 8 Schuft Munition, eine Pistole 08 mit 7 Schuft Munition, eine Mehrladepistole mit 7 Schuft Munition, 1 Schreckschuftpistole, Schlaginstrumente und im Stiefelschaft eines Hakenkreuzlers sogar ein langes Schlächtermesser gefunden, pg. Gtudenttowski. Sohn des Handelsmannes Sieqmund(Isaak) Student- kowski aus Kiew. Einer der wüstesten Hetzer unter den Nazis ist der sächsische Landtagsabgeordnete Werner Studentkowski, der schon als 20jähriger Student zügellose antisemitische Brandreden in natio- nalsozialistischen Versammlungen hielt und mit knapp 28 Jahren in den Sächsischen Landtag gewählt wurde.» Doch da passierte Herrn Studentkowski ein Unglück, Ein ge< wisser Fritz Lehmann aus Leipzig wandte sich mit einer Eingabe an den Sächsischen Landtag, in der bestritten wurde, daß Werner Studentkowski die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, Der Prüfungsausschuß des Landtages mußte sich mit der Eingabe befassen und folgendes stellte sich heraus: Der Urgermane und Edelteutone Werner Studentkowski ist ge- boren am 20, September 1903 zu Kiew t n R u ft l a n d als Sohn des Handelsmannes Siegmund(Isaak) Studentkowski, Sieg- mund(Isaak) Studentkowski, den man im Nazijargon als einen „galizischen Händler" bezeichnen würde, wanderte nach der Geburt seines Sohnes aus Rufsisch-Polen in Deutschland ein. Im Jahre 1910 oersuchte Studentkowski sen in Stadtroda(Sachsen- Altenburg) die deutsche Staateangehörigkeit zu erwerben, wurde aber von dem herzoglichen Ministerium zurückgewiesen, weil er seine russische Staatsangehörigkeit nicht ausgegeben hatte. Hissung des Freiheitsbanners, Hillesheim: 2lusmarsch von vielen Tausenden, gewaltige Kundgebung im Dheot-rgarten, Osnabrück: Uebcr S000 unter den Fahnen der Eisernen Front, imposonte Kundgebung auf dem Schlofthos, Gießen: Gewaltiger Aufmarsch der Eisernen Front, der einem Triumphzug glich, Kassel: Viele Tuusende in der ländlichen Umgebung in Bewegung sllr die Freiheitsfront! Hessen. Begeisterte Kundgebung im Ried und im Odenwald. Jubelnde Teilnahme der Bevölkerung, Hessen fnw't, die Roz!» verkriechen sich in die Löcher! Bayern. Wuchtige Kundgebung in Würzburg, Bamberg. Bayreuth, K u l in b a ch, Erlangen, Pegnitz, In Weiden(Oberpfalz) Kundgebung, in der Genosse Wilhelm D i t t m a n n, Berlin, sprach. Die Braunhäusler hatten zu gleicher Zeit einen Aufmarsch und eine— Sonnenwendfeier. Während insgesamt 124 Teilnehmer am Naziaufmarsch teilnahmen, zählte die Demonstration dei� Eisernen Front nach Tausenden. Nienials noch hat diese«ladt eine solche gewaltige Kundgebung gesehen und nie war eine derartige Begeisterung vorhanden, Genosse Dittmonn wurde stürmisch ge- feiert, die Freihettsruse wollten nicht enden, Sonntag nachmittag sprach DIttmann in Wiesan, einem kleinen Dorf, in dem sich aus der ganzen Umgebung die Kampfgenossen zu einer graften Kund- gebung zusommenfonden, Begeisterung ohnegleichen. Die Braunhäusler verkriechen sich allmählich, ihr Auktrumpsen ist in Niedergeschlagenheit übergegangen, die drei Pfeile bchcrr- schen jetzt auch unsere entlegensten Dorfer. Freiheit! Würitemberg. Die Eiserne Front marschiert im ganzen Lande, Machtsolle Kundgebi'ng in Heildronn, gewaltiger Demonstrationszug, der Marktplatz bis auf den letzten Winkel besetzt, Aufmarsch aus dem Reutti ng er Maritplatz, Massendemonstration in Gäppin- gen. gewaltiger Eindruck, Taitsend« umsäumen die Straften, Die Fahnen der Freiheit wehen. Die Eiserne Front marschiert, wir kämpfen für dir Freiheit! Als russischer Staatsangehöriger ist Siegmund(Isaak) Studentkowski im Jahre 1913 gestorben. Auf Nachsuchen der Witwe ist dieser unicr dem 12, Juni 1914 durch das herzoglich sächsische Ministerium in Aitenburg in den deutschen Staatsangehörigen- oerbond ailfgenommen worden. Der Witwe wurde seinerzeit aus- erlegt, ihrer und ihrer Kinder Entlosj»»g aus dem riissischcu Staats- angchörigenvcrband nachzusuchen. Ob dies geschehen ist, konnte nicht sestgestellt«erden, Der Berichterstatter des Landtag? sprach die Vermutung aus, daft der vnker Siegmund Studentkowski Jude gewesen sei. Der anwesende Werner Studentkowski schwieg hierzu. Der Bor- name„Siegmund" ist unter Ostjuden sehr häufig und gilt (ebenso wie„Siegsried") als eine Berdeutschung vonJsaok, Werner Studentkowski berief sich lediglich dorous, daß leine Mutter keine Rufsiil gewesen sei. Danach würde also in der Familie Studentkowski jene Rassever Mischung vorliegen, die nach einem im Reichstag gestellten nationalsozialistischen Antrag „zum Schutz der deutschen Rasse" mit Zuchthaus bestraft werden soll! Die Fragt, ob die Familie Studentkowski ihre rufst- fche Staatsangehörigkeit ansgegeben hat und ob damit ihre Ein- bürgerung vollgültig vollzogen worden ist, konnte Nicht geklärt werden. Mord und Gelbstmord in Nerlin O. Mutter geht mit ihrer Tochter in den Tod. In den heuligen Morgenstunden wurde im Osten Berlin» im Hause lilsiker Strafte 48 die Tragödie einer geschiedenen Frau entdeckt. Die 31 Jahre alte Johanna werk geborene Riedel hatte— nachdem sie ihr 9 Jahre alte» Tächterchen Ursula mit Leuchtgas vergiftet hatte, selbst noch einmal die GosHäHne ausgedreht und sich auftcrdem die rechte Pulsader durchschnitten. Die alle Mutter entdeckte am Morgen das Drama ihrer Tochter. Aus hinlerlostenen Briefen gehl hervor, daft Frau werk die Tal aus Liebeskummer begangen hat. Frau Werk wurde vor einiger Zeit von ihrem Manne geschieden und lebte allein mit ihrer Tochter Ursula im zweiten Stock des Hauses Tilsiter Strafte 48. Nach der Scheidung harte sie bald einen anderen Mann keniicngclernt und war mit diesem ein Verlöbnis eingegangen. Das Verhältnis ging aber in die Brüche. Die kleine Tochter lebte gewöhnlich bei der Groftmutter, die in der Langeiibeckstrafte wohnt. Am Dienstag nachmittag hatte sich Frau W, ihre Tochter geholt und die alte Miitier gebeten, sie am Mitt- woch früh wieder aus der Tilsitcr Strafte abzuholen. Als die alte Frau heute morgen kam, wurde ihr nicht geösfnet, Sie bemerkte plötzlich durchdringenden Gasgeruch und ging zur Polizei, Als man die Wohnungstür gewaltsam öffnete, fand man die junge Frau in einer großen Blutlache auf einer Matratze liegend in der Küche tot auf. In ihren Armen hielt sie ihr totes Kind. �staubüberfall auf Theaierportier. Am hellen Tage der Kassette beraubt. Dresden, 13. Juli. Der Parlier eines Lichispiellhealer», der mit dem Transport der Tageskasse bcauslragl war. mnrde am Abend von zwei Unbekannten übersollen, niedergeschossen und einer Kassette mit etwa 300 Mark Inhalt beraubt. Roch der Tal sprangen die Räuber in ein fahrbereit gehaltenes Auto und rasten davon. Der schwerverlchle Portier wurde sofort in ein Krankenhaus gebracht. Wie dos Polizeipräsidium ergänzend mitteilt, geschah der Raub unweit des Theatereingangs auf offener Strafte. Hier waren in einem Auto drei Männer vorgefahren. Als nach Kassenschluft des Lichtspielhauses der Portier mit den Tageseinnahmen dos Theater verlieft, wurde der Motor des Wagens angestellt, während zwei der Insassen aus dem Auto sprangen. Der ein« packte den Angestellten mit der linken Hand an der Gurgel, während er ihm mit einem in der rechten Hand bereitgehaltenen Revalner eine schwere Kopfverletzung beibrachte. Unterdessen entriß der Komplice dem Ueberfallenen die Kassette mit den am Dien«tag ver« «innahmten 300 Mark. Daraus entkamen die Täter in Ihrem Auto» mobil, dessen Erkennungszeichen festgestellt werden kannte, SA. erstürmte... Was hat sie erstürmt? „Dieser letzte Sonntag war ein Tag des Ruhmes. Da hat unsere herrliche SA. nicht weniger als drei Gebäude im Sturm genommen." „Aha, begreise. Es geht jetzt los gegen das blutsaugerische Finanzkapital. Sicher drei B a n l p a l ä st e, die erobert worden sind! Bon welchen Banken waren sie?" „Hm— Bankpaläste waren es gerade nicht." „Aha, so— dann waren es sicher die B i l l e n dieses reichen Schiebergesindels, gegen das unsere Führer so herrliche Reden halten." „Villen sind es auch nicht gewesen." „Also alsdann: die Fabriken blutsaugerischcr Fabrikanten, die ihre Arbeiter ausplündern und ausbeuten." „Nicht ganz..." „Ja, zum Donnerwetter, irgend so etwas muh es doch gewesen sein. Als die Partei der Ausgebeuteten und Unterdrückten hat die Ächzipartei doch zweisellos die Zwingburgen und Paläste der Unterdrücker angegriffen. Was wurde denn nun eigent- lich gestürmt?" „Die Bemerk schaftshäus er in Eckernfördc, Ohlau und Hagenow." T— n. Llniverfität— SA.-Kaserne? Die Universität, die seil dem gestrigen Tage erneut geschlossen werden muhte, bildete während der letzten Rocht und auch heute vor- mittag den Tummelplatz von uniformierten SA.. Leuten und S t a h l h e l m e r n. Der rechte Scitcnslügel gleicht einer Rozikaserne, aus der alle Viertelstunde ein Razistudent in Begleitung eines Stahlhelinmonnes in vollem Dreh heraus. marschieren, um die Posten vor dem Gesollencndcntmal abzulösen. Vicht nur der Vorgarten wird vollständig von den hatenkreuzjüng- linqen beherrschk. sondern auch während der Rocht b e. wachten SA. und Stahlhelmer die Zugänge zur Universität. Sie hotten dir Schlüssel zu den Toren, von den Pedellen war nicht» zu sehen. Kein Student Hot mehr die Istöglich- keil, in das Gebäude hineinzukommen, ousgenammen, er weift sich mit dem hitlergrutz aus. Vnr der Universität trieben sich die ganze Rächt Razilcute herum und belästigten vorübergehende jüdische Studenten. Wetter sehr schwül! Ab morgen vermutlich leichte Abkühlung. Da» gestrige Adendgewitter, das keine Abkühlung gebrach» hat, kann nach einer ZNittetlung de» Amtlichen Wetterdienste» als der Varläuser zu einem leichten Temperolurrückgang. der vermutlich schon am Vonnerslog in Erscheinung treten dürste. angesehen werden. Gestern wurde als Togesmaximum 32 Grad Wärme ge> messen, cheute früh um 8 Uhr herrschten in Berlin bereits 26 Grad Wärme, und mittags hatte das Thermometer Ken gestrigen Stand schon wieder erreicht. Zur Zeit rückt ein Tiesdruckgebiet, das gestern über Westdeutschland lagerte, noch Nordostdeutschland vor. Gleichzeitig nähert sich vom westlichen Mittelmeer her eine Depression. Unser Gebiet dürfte vielleicht ob Freitag in den Bereich der Schlechtwctter.zone gelangen, ganz sicher ist die» aber nicht. Die Prognose für Donnerstag lautet: Teil» heiter— teil» bewölkt, kühler ol« bisher. GchwereLlnweiier überWestdeutschland Weinparadie« AßmannEhausen besonder« heimgesucht. Ein schweres Unwetter ist im Gebiete des Mittel- rheins niedergegangen. Besonders schwer betrossen wurde Atzmonnshausen. Durch den wolkenbruchorligen Begen und durch hogclschlag hoben die Weinberge schwer geliilen. Auch im h u n» r ü ck Hai da» Unwetter arg gehaust. In mehreren Dörfern im gülzial wurden die Strotzen unter Weiser gesehi und die Ernte aus den Feldern zum gratzen Teil vernichtet. Atzmannshausen. 13. Juli. Am Dienstag ging über Atzmannshausen und Umgebung ein schwere» Gewitter verbunden mit schwerem chagelschlag nieder. In den Weinbergen wurde durch den woltenbruchartigen Regen schwerer Schoden angerichtet. Die Äeller der an der Berg- leite gelegenen chäuser und chotels wurden überschwemmt. In der Dberstratze in Atzmannshausen drang das Wasser in ein Wohnhau» ein und stieg bis zum ersten Stock. Nur mit Mühe gelang es, den tZjährigen Sohn de» Besitzers vom Tode des Er- trinken» zu retten. Auch die berühmte Rheinufer st ratze zwischen Atzmannshausen und Rüdeshcim wurde überschwemmt, so daß der Berkehr vorübergehend gestört war. Eupcn, 13. Juli. Ueber der Stadt Eupen und dem Grenzkrcis ging am Dienstag- nachmittag ein Unwetter nieder, wie es seit Jahrzehnten nickit beobachtet worden ist. Vieb wurde auf der Weide vom Blitz er- 'schlagen Wiesen glichen Seen, in Feldern und Garten haben chageischauer schweren Schaden angerichtet. In der Stadt Eupen lag der Schlamm nach dem Abzug des Wassers einen halben Meter hoch. Gprengstoffdiebstahl bei Göttingen. Sieben Zentner und-tOOl) Sprengkapseln. Göttingen. 13. Juli. Im Steinbruch..Aus dem hohen ch a g e n" bei Dransfeld sind 17 Kisten mil insgesamt etwa sieben Zentnern Sprengstoff und etwa 1W0 Sprengkapseln gestohlen worden. Die Täter haben das Mauerwerk des Lagerschuppens, in dem die Türriegel eingelassen waren, ausgebrochen. Das gestoh'eno Gut dürste im Lastkraftwagen abtransportiert sein. Gegen 3 Uhr will man in Dransfeld ciiien solchen Lastwagen beobachtet haben. Es dürfte kein Zweifel dar- über besteben, daß politische Motive bei dieser Tot eine Rolle spielen. Die Untersuchung wird von der Hannoverschen und der Gotting« Kriminalpolizei betrieben. Eine Reihe von Sputen sind aufgenommen worden. ?4. Abt. Heute, pünktlich 18.30 Uhr. dringende Funk- t i v n ä r s i tz u n g bei Heibutzki. Wichtiges Material wird aus- gegeben. ??. Abt. Am Sonntag, dem 10. Juli, verschied nach längerein Leiden Gcnas'e Wilhelm K r i e s ch m a n n im 83. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken. Die Einäscherung findet am Donnerstag. dem 14. Juli, um 18 Uhr im Krematorium Boumschulenweg statt. Um rege Beterligung wird gebeten. Staatsstreich im Rundfunk? Die Sender als �stegierungsgrammophone Am Montag hat ReichSinnenminister Freiherr von Gahl in einer Rede, die den Abstimmungsgedent- tag in tstpreutzen zu feiern vorgab, nachdrückliche Hin- weise auf die..Reinigung von ftunst. Film und Rundfunk" untergebracht. Wie diese„Reinigung" de� Rundfunks aussehen soll, wird jetzt deutlich: Tic Ucbcrnatzmc des Nundfunk� durch das �nncn- Ministerium, die schon seit Wochen hinter den Kulissen vorbereitet wird, soll jetzt stattfinden. Bisher ging die Verwendung der Härergelder über das Reichs- Postministerium: nun will das Rcichsinnenministtrium sie für seine politischen Zwecke verwenden und den Hörern die von ihm ge- wünschte Anschauung im ganzen Programm auszwingen. Der Rundfunk soll ein Regierungs-Sonntagsblatt für gläubige Schafe werden. Infolgedessen ist auch die völlige Beseitigung der Neberwachungsausschüssc vorgesehen. Es sollen neue Rundfunkgesellschastön in Form von G. m. b. H. gegründet werden, in denen das Reich zu 31 Prozent, die Länder zu 49 Prozent vertreten sind. (js-in politisches Kommissariat soll neben das bereits bestehende Reichsrnndfunk- Kommissariat treten. Von diesem Kommissariat aus soll die gesamte Personal- und Sendepolitik entscheidend dirigiert werden. Den einzelnen Sendegcsellschastcn sind dabei als„geistige Leiter" politische Direktoren zugedacht, die die bisherigen Ileberwachung-au»- schlisse„ersetzen" sollen— das heißt, von sich au» gemäß den Re- gierungswünschen diktatorisch entscheiden. Ilm diesen Staotsstreich—- ander» kann man die beabsichtigte Bergewgltigung nicht nennen•— umgehend in Szene zu setzen, sollen den MsherigeN Niindfunkgesellschgften die non der Reichspost erteilten Konzessionen entzogen«»r- den. Die Regierung will sich dafür auf einen Absatz dieser Kon« Zessionen berufen, in dem e» heltzt, die Konzessionen könnten dann entzögen werden, wenn das öffentliche Interesse es er- fordert Dos öffentliche Interesse erfordert aber alles andere als einen Rundfunk mit Regierungsmaultorh! Bereits in den nächsten Tagen wird sich der Reichsrat mit dem Plan befassen. Daß die Länder ihm nicht gutwillig zustimmen werden, ist sehr wahr. Die Regierung scheint aber die feste Absicht zu hoben, auch gegen den Willen der Länder den ge- planten Streich auszuführen. Schmidt, Schulze& Co. Autarkische Alechfabrikation im großen. Sinnlose Phrasen, die sonst nur in Wintelzsitungen und unverantwortlichen Flugblättern ihr Leben fristen konnten, finden jetzt im Rundfunk eine allzeit bereite Heimstätte. Gestern stieg der Bsrtrog des Hauptmanns Schmidt» Hannover, des bekannten dcutschnotionolen Abgeordneten, der de- zeichnenderweise mit der Anrede begann:„Deutsche Frauen nnd Herren!" Cr wandte sich sozusagen an die Elite de« deutschen Volkes, wie er sie sieht. Zlber er ging am einfachen Mann aus dem Volke keineswegs blind oorüber: auch der soll sein Recht Hoden, nämlich das, von einer„starken" Regierung unter Kuratel gestellt zu werden.„Nur auf den Massen und auf Opfern ruht der Staat: nur mit Wehrmacht und mit Wehrpflicht kqnn dos Land bestehen." Fürs erste tuts im Notsall auch die Arbeits- d i e n st p s l i ch t, in die aber auch die„freie Wirtschaft".zwecks Kapitalbildung„eingeschaltet werden" müsse. Also nicht nur für das Offtzierkorps des Staates, sondern auch für den privaten Unternehmer darf dann der Arbeitsdienstkuli schuften. Siehe B u l- garien! Herrlichen Zeiten gehen wir entgegen! „Reichskanzler und Ministerpräsident sind vom Reichsprhsi- denken zu ernennen und zu entlassen." Die Verfassung des „Bismarck-Reiches" ist das Ideal des Herrn Hauptmann, und dann wird sich endlich„die K y s f h ä u s c r- S e h n s u ch t" erfüllen und das deutsche Volk wieder einen gottgewollten Kaiser und König haben. Selbst ein einfacher Landarbeiter wurde für würdig be- sunden, diese Notwendigkeit zu erhärten.„Ein alter nationaler Landarbeiter", sagte der Herr Hauptmann mit salbungsvoller Stimme,„faßte kürzlich das ganze Problem in die schlichten Worte zusammen: besser wird es wohl erst wieder werden, wenn wir einen gelernten König haben." Sendung Funkstunde Berlin und Deutsche Welle! Die Deutsche Welle hatte am gleichen Tag noch für eine weitere geistesverwandte Darbietung gesorgt. Es sprach der he> kannte Moler S ch u l z e- N a u m b u r g, der würdige Kollege des Rasscn-Günther. Nur wer zum Hakenkreuz schwört, dem ist die geheimnisvolle Weisheit dieser dunklen Gelehrten zugänglich, die nicht aus dem Wissen, sondern aus dem Glauben kommt. „Z e i t g e b u n d e n e oder b I» t g e b u n d e n e K» n st" hieß fein schönes Tböma. Sich mit den Ausführungen«isscnschaitlich auseinanderzusetzen, ist infolge ihrer Substanzlosigkeit nicht möglich. Es war der Aussatz eine« Hakenkreuztertianers. Die V a n d a l« n, „hernorragend säiöpsersicbe Menschen", sind nach Schulze-Naumburg dl« eigentlichen Renolsiancekünstier Italiens!„In ibrer Eigenart war es eben begründet, daß sie, als sie aus die Zlntlke trafen, mit ihr etwa« ansangen konnten." Das baben sie ollerding» bei ihren Plünderungen und Verwüstungen im 5. Jahrbundert in Rom und Karthago bemiesen. Aus germantsch-italiemscher Blutmischung ging allerdings, wie aus ollen Blutmischungen, künstlerischer Auf- trieb bervor, ebenso wie in Ostdeutschland aus slowisch-germantscher. in Sud- und Westdeutschland aus römisch-gallisch-germonischer. Schulze-Naumburg beschuldigte die„unselige Mitleid«- morol" am„Niedergang der Kunst", die keine„hohe, berzlich« Volkskunst" mehr hervorbringe. Früher Hobe die„Auslese" die Schwache» und Elenden rücksichtslos weggefegt: heute werden sie durch staatliche Mittel unterhalten: daher die minderwertigen Vor- bildcr. Also nieder mit dem„Wohlfahrtsstaat"! Rembrandts Zeichnungen scheint Schulze-Naumburg nicht zu kennen, nicht die Werke van den großen Künstlern aus allen Epochen, ollen Völkern, die sich mit dem Menschen, mit dem Aufsuchen des eigenen Ich im leidenden, gequälten Anderen beschäftigen. Diese Sendung wurde gleichzeitig oan den Sendern Westdeutschland, Süd- Westdeutschland, Schlesien, Mitteldeutschland, Norddeutschland und von K ö n i g» w u st e r h a u s e n ge- bracht. Damit auch den Hörern der Berliner F u n k st u n d« sie ja nicht entgeht, wurde sie auf Wachsplatten ausgenommen und wird hier heute nachmittag ablausen! Daß am Tag« varber Alfred Mühr, Rundsunkkritiker bei der„Deutschen Zeitung" und gleichzeitig häusiger Vortragsrednsr vor dem Mikrophon der Berliner Funkstnnde, in seinem Vortrag„Wie die Jugend zur Kunst steht" bereits ähnliche» Blech walzen konnte, scheint nicht genügt zu haben. „Die grausame Freundin." Atrium. Wellgunda. Siegfried, Sieglinde, Kriemhild, Totila und Tell heißen die Sprößlinge des Herrn Professor», der teutsche» Familien- leben vorlebt. Dos heißt, er tyrannisiert sein« Familie. Beruslich ist er einer der verschrobensten Wissenschastler, der nur seine Theorie kennt, sie tobsüchtig verteidigt und es fertig bringt, dem Laien die schönsten Ergebnisse der Wissenschaft auergründlichst zu verekeln. Do6> selbst sein Familienleben hat einen bunklen Fleck. Heiratete dach de» Professor» Bruder, bevor er noch Amerika auswanderte, eine Drohtseilkünstlerin. Die kehrt als märchenhast reiche Frau unerkannt nach Europa zurück, stiftet ein Museum, laßt den Herrn Professor die Einweihungsrede halten und rächt sich dann aus ihre Weise an ihm. Da ihr Sohn Wellgunda liebt, verlangt die an- gehende Schwiegermutter, daß Wellgunda im Zirkus austritt, um mehrere Millionen als Hochzcitsgut zu bekommen. Vor dem Geld liegen natürlich alle auf den Knien. Dem Papa wird die eigene Sternworte zugesichert und Wellgunda spielt, zwar unfreiwillig, eine Glanzrolle im Zirkus. Aber die spielt sie ganz entzückend: denn Anny lindra sieht fabelhaft aus und hat so viel persönliche Anmut, daß sie sogar über die Unebenheiten des Manuskripts zierlichst hinwegjongliert. Der Regisseur Carl L a m a c benutzt olle anderen Darsteller wie Werner Fütterer, Fritz Rasp und Olga Limburg als Dekoration für Anny Ondra. Sie zwitschert einmal ein Lied, auch das macht sie recht nett. Ueberhaupt ist der Film mit Schlagern und Songs nicht überlastet. Er wird daher zur netten Unterhaltung. �«• b. Film und Wissenschast. In aller Stille, ohne jede Reklome, ohne besonder« finanzielle Unterstützung hat sich allein ous der Notwendigkeit heraus und durch die unentwegte Pioniertätigkcit eines Mannes, unterstützt durch tatkräftige junge Mitarbeiter, eine neue wissenschastliche Instanz nebildet. Professor H i y d c r e r hat nicht durch offiziellen Akt, sondern aus seiner systematischen Forschungsarbeit auf dem Gebiete des Films heraus, ein Institut sür Filmf�orschung ge- gründet. Ein Borgang, dem van der gesamten Filmwelt außer- ordentliche Bedeutunn beigemessen wird. Auch sllr uns ist die wissenschaitliilze Bearbeitung des Films interessant. Deutschland hat hier iin Gegensatz zu seinem sonstigen wissenichoftlichen Niveau viel vernachlässigt. Amerika hat dem Film längst einen Piatz in der Wissenschast angewiesen. Die Universität Chikago besitzt bereits eine eigene Produktion. An der Berliner Universität dagegen ist das Auikführcn von' Filmen schon aus feuerpolizeilichen Porfchnsttn unmöglich. Was uns natürlich besonders dabei interessiert, sind die 'sozialwirtschaftlichen Untersuchungen über den Film. Dos Filmgewerbe wurde, nachdem es sich lange Zeit stabil gezeigt lzatte, zuletzt auch von der Krise erfaßt. Trotzdem war«» von jeher das Gewerbe der Spekulation und Wirtschaftsunruhe, der Projekte- fabriziersrei und der Gerückste. Dos ganze Gewerde ist durch eine große Zahl unwoaborer Boraiissetzungeu, vom„schönen Wetter" über Mode und össentliche Meinung bis zu außenhandelspolitischen Auseinandersetzungen der Staaten und Patentkriögen der Elektro- trusts, mimosenhaft cmpjindUch. Soziologie und Psychologie finden hier eine Menge Ausgabe», die der Lösung harren. Zehntausende arbeiten in der Filmindustrie, im Filmgewerbe. In den Kleinunternehmungen, den Kinos, verdienen sich viel« ihr Brot. Jetzt greift die Wirtjchastskrise unerbittlich auch nach ihrer Epistenz. Das Gespenst der Arbeitslosigkeit steht über Hollywood und über Neubabelsberg. Jeder Ansatz, und ein solcher ist mich die Pionierarbeit von Prof. Hinderer— in unser unübersehbare» und un« berechenbares kapitalistisches Wirtschaftssystem durch Erforschung des Ablaufes der Dinge etwas Ordnung zu bringen, kann nur begrüßt werden. Gerhari-Hauptmann-Ausfiellung. Das Schlesische Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau eröffnet am 3. September die Gerhart-Hauptmonn- Ausstellung bei Anwesenheit des Dichters. Oessentliche und private Sammlungen haben für die Schau, die bis Ende des Jahres dauern soll, ihren Besitz in Aussicht gestellt. Auch die Künstler, die mit Illustrationen und Gemälden das Lebenswerk Hauptmanns bc- gleitet hoben, wie Käthe Kollmitz, Ludwig non Hofmann, Orlik. Meid und Vogcler-Warpswede, werden vertreten fein. Von den Bildnissen des Dichters seien nur die von Max Liebermann und Lovis Corinth genannt. Auch der Florian Geyer von Lovis Co- rinth wird wohl die Ehrenhallc der Ausstellung zieren. Die Aus- gestaltung dieser Ehrenhallc hat Prof. Wildermann-Breslau über- nommen. Sie wird außer der Büste Hauptmanns von Gaul u. a. von Wildermanns Hand vier Fresken nach charakteristischen Ichle- fischen Landschaften zeigen. Auch dem Bildhauer Hauptmann, ocr 1880 die jetzt geschlossene Breslauer Kunstakademie besuchte, wird man begegnen. Sein plastisches Werk wird, soweit es heute»och vorhanden ist, umrahmt von den Werken seiner Lehrer an der Akademie, der Professoren Haertcl, Brauer und Marshal, die die Urbilder mehrerer Dramensiguren des Dichters sind. Seine Ber- wurzelung in der schlesische» Heimat wird eine große Ahnentafel dartun. In dem Raum der schlesischen Wirtschaft, soweit sie den sozialen Hintergrund seiner Dramen abgibt, wird die Welt der Weber, des Glashüttcnmärchens„Pippa", der Kohlenbauern des„Sonnenauf- gang?", des Landvolks der„Rase Bernd" lebendig werden. Das Herrnhutertum, das für den Ouint-Roman von besonderer Beden- tung ist, wird u. a. an einem Modell einer Herrnhuter Anlage verdeutlicht, die das Heimatmuseum Ncusolz für die Ausstellung hat anfertigen lasten. Die Hauptsäle der Ausstellung zeigen Literatur und Theater. Zu den Werbenoritellungen der Voltsbühne am 14., 13. und IS. Juli, die im Tdratcr am Bülewpla» stattfinden und die Komödie„Weid ohne Arbeit" zur Austührung bringen, stnd an der Abendtasse poch Karten zu 50 Pf. für jedermann erhältlich. Di« Plätze werden autgelöst. Hitler ist verantwortlich! Hiiiernotverordnung.lloiverordnungslaGHen und Relchsiagsauddsung Hitler zappelt wie der Zxurhs im Eisen. Er und seine Leute versuchen, die Schuld der NSDAP, am Hunizerdiktat hinwcgzulcugnen und zu bestreiten, daß Hitler das Kabinett der Barone ausdrücklich gc- billigt hat! Tic Ablcugnungsvcrsuche sind umsonst! Es ist ein neuer Zeuge gegen ihn ausgestanden. Der dcutschnationalc Spitzenkandidat für Qsthannovcr, Hauptmann a. T. Schmidt, ein besonderer Bcr- traucnsmann Hugenbcrgs, der gute Beziehungen zu dem Kreis um den Reichspräsidenten hat, hat eine Rede gehalten, über die der„Tag" Nr. 1K4 berichtet: „Öcr Redner(Hauptmann Schmidt-Hannover) beschäftigte sich dann ausführlich mit der NSDAP, und erklärte, sie stehe auf Grund besonderer Abmachungen der Regierung Papen erheblich näher als die ONVP., denn sie habe diefer�egierungTolerlerungzu- gesagt und dafür die Aufhebung des llniformverbotes und die Auflösung des Zteichstages erhalten. Schmidt sagte dabei wörtlich:»Ich fordere die Führung der NSDAP. hierdurch auf, den Gegenbeweis hierfür anzutreten." Schmidt behauptet also ebenso wie Heinrich von Gleichen vom Herrenklub, dasi besondere Ab- machungen zwischen der Rcichsregicrung und der NSDAP, bestehen? Da Hilst kein Leugnen mehr! Hitler ist verantwortlich für das Hungcrdiktat! M mit der Hitler-Notverordnung! Wählt sozialdemokratisch! Siedlungsreform tut not! Sozialdemokratischer Antrag im Landtag. Die sozialdemokratische Fraktion des Preuhischen Landtages hat jetzt einen Antrag eingebrocht, der die Bestimmungen des Reichs- siedlungsgesetzes, die unter völlig veränderten ökonomischen Verhält- nissen festgelegt wurden, der heutigen Notzeit anpaht. In der Ausführungsbestimmung IX' zu den Siedlungsgesetzen wird bestimmt:„Es muß dafür gesorgt werden, daß die An- liegersiedlung für jede Gemeinde einheitlich und abschließend geregelt wird: nach einmal erfolgter Regelung können neue oder wiederholte Anträge auf Landzuteilung nicht mehr be- rücksichtigt werden." Der Erlaß des Ministers für Landwirtfchatt, Domänen und Forsten vom 7. Mai 1928, betreffend Anlieger- siedlung, gesteht jedoch die Wiederaufnahme abgeschlossener Siedlungsversahren aus Billigkeitsgründen zu,„wenn das landabgabepflichtige Gut durch ein gemeinnütziges Siedlungsunternehmen zur Besiedlung ge- bracht wird, daß in dem abgeschlossenen Verfahren die b e r e ch- tigten Ansprüche der Anliegersiedlung nicht erfüllt sind". Diese an sich begrüßenswerte Erleichterung der Wiederaufnahme von Anliegerfiedlungsveriahren genügt aber unter den ocrän- derten Verhältnissen der heutigen Zeit nicht mehr. Selbst wenn bei Durchführung eines Anliegersiedlungsverfahrens dieses unter Berücksichtigung der damals übersehbaren wirtschaftlichen Entwick» lung als abgeschlossen angesehen werden konnte, hoben die aus der Produktions- und Arbeitsmorktkrise folgenden Strukturwandlungen unserer Wirtschaft alle seinerzeit gegebenen Voraussetzungen umgeworfen. Daher ist es besonders auch der Arbeits- m a r k t k r i s e wegen erforderlich, die im Ministerialerlaß vom 7. Mai 1928 immer noch gegebenen Einschränkungen für die Wiederausnahme von Anliegersiedlungsverfahren zu beseitigen und die Wiederaufnahme generell zuzulassen, wenn die Wirtschaft- lichen Verhältnisse, vor allem z. B. Dauerarbeitslosigkeit bisher nicht verselbständigter Arbeiter und Handwerker, in einzelnen Fällen eine solche Wiederaufnahme erfordern. Daneben sind heute Tausende von ländlichen Arbeitern und Handwerkern. die keinen Eigenbesitz haben, sondern als Häusler oder Mieter auf dem Lande wohnen, die landwirtschaftliche Arbeit jedoch von Grund auf verstehen. Dauererwerbslose und haben nicht die Aus- ficht der Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß ihrer alten Be- schäftigungsart. Dieser Schicht ländlicher Arbeitnehmer muß eben- falls die Möglichkeit eröffnet werden, ihren Verhältnissen entsprechend angesiedelt und so selbständig gemacht zu werden. Dem steht, soweit Anliegerlandbeschasfung in Frage kommt, die Bestimmung der Ausführungsanweisung IV zu den Siedlungsgesetzen entgegen, wo es heißt:„Personen ohne eigenen Grundbesitz können in der Regel nur berücksichtigt werden, wenn ohne die Zwangsmittel des Siedlungsgesetzes Land in genügender Menge zur Befriedigung ihrer Wünsche zur Verfügung steht." Derartige Maßnohmen zur Förderung der Anliegersiedlung und zur Ansiedlung dauererwerbsloser ländlicher Arbeiter und Hand- werker werden durch die Tatsache wesentlich unterstützt, daß überall im Osten Großbetriebe, auch wenn sie vor Zahren einmal Sicdlungs- oder Pachlland abgegeben haben, zur wei- leren Abgabe fähig sind, was daraus zu schließen ist, daß in weitem Umfange bisheriges Kulturland dieser Betriebe brach liegen bleibt oder aufgeforstet wird. In dem Antrag wird der Landtag aufgefordert, das Staats- Ministerium zu ersuchen, die Wiederaufnahme von Anliegersied- lungen in allen Fällen zu gestatten, wenn eine erhebliche V e r- änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse, ins- besondere die Notwendigkeit, dauererwerbslos gewordenen länd- lichen Arbeitern und Handwerkern zur selbständigen Ackernahrung zu oerhelfen, gegeben ist. Ferner fordert der sozialdemokratische Antrag eine Einwirkung auf die Reichsregierung, das Reichsfiedlungsgesctz in dem Sinne zu ergänzen, daß angesichts der tiefgreifenden Umwälzungen der Wirt- schaftslage erweiterte Zwangshandhaben gegeben werden. um Siedlungsland zu beschaffen. Im Interesse erleichterter Land- beschafsung sollen dem Siedlungsinteresse entgegenstehende Preis- abreden durch die Siedelungsbehörde abgeändert werden können. Zum Schluß wird gefordert, auf die Reichsregierung in dem Sinne einzuwirken, daß für.die Ansiedlung der bisher nicht im Besitz eines Eigenbetriebes befindlichen ländlichen Arbeiter und Handwerker ausreichende Mittel besonders bereitgestellt werden. Wetter für Berlin: Teils heller, teils bewölkt, kühler als bisher, etwas Gewitterneigung.— Für Deutschland: Im Nordosten noch sehr warm, Gewitter, im Süden des Reiches Regen, sonst in Deutsch- lond wolkig und mäßig warm, besonders im Westen Gewitter. Das ist die„Einheitsfront" der RGO. Mit Verleumdungen soll sie gekittet werden. Am 6. Juli brachte die„Rote Fahne" einen Artikel mit der Balkenüberschrift:„Kübler-Lelegschast verhindert Akkordabbau" und einer Reihe von kleineren Ueberschriften:„Belegschaft folgt der RGO.— Wie der SpD.-Betriebsrat den Kamps gegen Faschismus verhindert— er lehnt Belegschaftsversammlungen gegen Nazisturm aus das Vorwärts-Gebäude ab"— usw. In dem Artikel ist nur richtig, daß die Arbeiter der Firma Kübler u. Co. einen van der Firma beabsichtigten Akkord-Abzug zu- nächst abgewehrt haben, ober nicht„unter Führung der NGO.", sondern einzig und allein unter Führung des Betriebsratsvorsitzenden Sewekow, der sich den besonderen Haß der KPD.- und RGO.-Lcute zugezogen hat, weil er es verstand, durch eine vernünftige und fach- liche Gewerkschaftsarbeit die radikalen Maulhelden ins Hintertreffen zu bringen, so daß sie jetzt auf ein ganz kleines Häuflein von 19 bis 12 Mann zusammengeschrumpft sind. Die übergroße Mehrheit hält treu zum Fabrikarbeiter-Verband. Deshalb wird Sewekow von diesen seit Iahren mit den gemeinsten Verleumdungen und Be- schimpsungen bedacht. Da der hier erwähnte Artikel neue Beleidigungen enthält, stellte Genosse Sewekow die Urheber dieses Artikels in einer eigens zu diesem Zwecke einberufenen Betriebsversamm- lung, in der er mit diesen sonderbaren„Einheitsfront"-Aposteln scharf in- Gericht ging und sie aufforderte, den Wahrheitsbeweis für den Artikel anzutreten. Gleichzeitig brachte er folgende E n t- s ch l i e ß u n g ein: „Die am ll. Juli 1932 tagende Betriebsversammlung der Be- legschast von Kübler u. Ca. stellt fest, daß der Bericht in der„Roten Fahne" vom 6. Juli 1932 nicht den Tatsachen entspricht und billigt die Haltung ihres Betriebsratsvorsitzenden, des Kollegen Sewekow. Die Belegschaft von Kübler u. Co. lehnt es ab, sich von der RGO. führen zu lassen. Sie erblickt ihre Interessenvertretung in den freien Gewerkschaften, im Fabrikarbeiter-Verband." Der RGO.-Held Rudolf Schmidt, der wegen seines Verbands- schädigenden Treibens seinerzeit aus dem Fabrikarbeiter-Verband ausgeschlossen werden mußte, unternahm den oergeblichen Versuch, den Artikel zu rechtfertigen. Er versprach jedoch, daß er veranlassen werde, daß die„Rote Fahne" in Zukunft anständiger schreiben soll. Da er aber dann wiederum mit Verdächtigungen und Verleumdungen operierte, wurde ihm unter Zustimmung der Versammlung das Wort entzogen. Trotzdem redete er weiter und provozierte die Versammlung. Die Entschließung wurde gegen vier Stimmen angenommen. Das Verhalten der RGO.-Anhänger zeigt auch in diesem Falle, wie unehrlich das„Einheitzfront"-Manöver der KPD. ist. Die Arbeitslosigkeit in New Jork wird in der Stadt New Jork auf eine Million geschätzt. Arbeiisdienst und Siedlung. Was wird bei der Beratung herauskommen? Das Reichskabinett beschäftigte sich am Dicnstagnachmittaz in mehrstündiger Sitzung mit der Siedlung?- und Arbeitsdienstsroge. Eine amtliche Mitteilung über den Verlauf der Beratungen wurde nicht ausgegeben. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. Entspannung in Belgien. Brüssel, 13. Juli. Im Streikgebiet ist eine gewisse Entspannung eingetreten. Zu Unruhen ernsterer Natur kam es am Dienstag nicht. Zwischen Polizei und den Streikenden kam es nur zu kleineren Zusammen- stößen, die mir wenige Verletzte forderten. Dos Interesse konzentriert sich daher auf die Sitzung des Natioualkomitees der Bergarbeiter, in der insbesondere zwei Fragen aus ihre Lösung siuöglichkeit hin geprüft werden sollen: Einmal die Frage der Aufrechterhaltung der Löhne und dann die Frage der Verteilung der Arbeit. eBuch 3)er„IVahre Jacob" erscheint jetzt wöchentlich. Wenn es das Wesen eines politischen Witzblattes ist, durch die Karikatur eine politische Situation in der Uebersteigerung eindeutig sichtbar zu machen und sie auf eine letzte Formel zu bringen, dann ist seine Voraussetzung«ine Beweglichkeit, die es erlaubt, die aktuelle Tagespolitik in den Brennspiegel der Satire einzusaugen. War diese Wendigkeit schon in ruhigen Zeiten eine Notwendigkeit, so ist sie es doppelt in unserer Gegenwart, in der angesichts einer vom nationalen und ethischen Standpunkt gleich unverständlichen staatlichen Duldsamkeit eine Gewalt predigende und Gemalt ausübende Partei das Land nüt Blutterror überzieht. In solchen Zeitläuften erhält dos politische Witzblatt über seine gewöhn- lichen Funktionen hinaus eine Mission: es soll zu gleicher Zeit dos politische Gewissen seines Landes und seiner Notion sein, es soll geißeln und aufrütteln, es hat die Pflicht, nicht müde zu werden, das Volk gegen eine Partei zu führen, die den Bürgerkrieg provo- ziert und gegen eine Regierung, die dieses Treiben duldet. Es ist deshalb dem Dietz-Verlag hoch anzurechnen, daß er die satirische Zeitschrift der Sozialdemokratischen Partei, die jetzt im 53. Jahrgang steht, trotz der Not der Zeit zu einer Wochenschrist ausgestaltet hat, die bei einem Preis von 15 Pf. in einem Umfang von 12 Seiten erscheint: hoch anzurechnen ist es dem langjährigen Redakteur des„Wahren Jacob", Friedrich Wendel, daß er den Kanipf gegen das unverantwortliche Wohnfinnstreiben mit scharfer Feder an erster Stelle führt. Ausgabe jedes einzelnen ist es, diesen Kampf zu unterstützen, indem er den„Wahren Jacob" mit verbreiten hilft. Rundfunk am Abend Mittwoch, den 13. Juli 1932. Berlin. 16.03 Zeitgebimdene oder blutgebundene Kunst(Prof. Dr. Sdiult/.e- Naumburg, auf Schallplatten). 16.30 Lieder. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.35 Em Fluß wird zum Herzog ernannt(G. Eich). 17.33 Der Hörer und sein Apparat(Obering. O. Nairz, Dr. E. Nesper). 18.10 Am Fülle des Ararat(A. T. Wegner). 18.30 Rechtsfragen des Tages(Geh. Justizrat Prof. Dr. E. Heilfron). 18.33 Die bunk- shinde teilt mit. 19.00 Stimme zum Tag. 19.10 Songs. 19.53 Mitteilungen des Arbeitsamtes. 20.00 Aus Frankfurt a. M.: „Pelleas und Melisande"(Musikdrama). 22.00 W etter-, Tagesund Sportnachrichten. 22.20 Zeitbericht; Der Kampf um das Frauenstimmrecht in Frankreich. 23.00 Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 16.00 Neue Vi ege der französischen Psychologie(Lektor C. Grander), 16.30 Aus Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Streifzüge durch das Bürgerliche Gesetzbuch(Landger.-Dir. Dr. Lehmann) 18.00 Das Orchester und seine Instrumente(R. Hernried und Mitw.). 18.30 Biologische Beobachtungen am Meeresstrande(Prof. Dr. Moser). 18.53 W etterbericht. 19.00 Kann man mit W ährungs- maßnahmeu Krisen beheben?(Ob.-Reg.-Rat Dr. Nathan). 19.20 Die Begründung des Beamtenverhältnisses(Dr. G. v. Bremen). 19.40 Viertelstunde Funktechnik(Ob.-lng. Nairz). 22.20 Aus Köln; Märsche und Tänze. Sonst: Berliner Programm. Vollständiges Europa-Programm im„Volksfunk", monatl. 96 Pf. durdi alle„X orwärts"-Boten oder die Postanstalten. Üctanlmottl. für die Redaktion: Rich. Bernstein. Berlin; Anzeigen: TH. Sloile. Berlin. Verlag: Borwärts Derlag S. m. 6. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstolt Paul Singer& Co., Berlin SW 68. Lindenftr. 3. Kierz« 1 Beilage. TUea.lec, LicUlspiele usvo PLAZA |5«.l»,St55.2.S.l1»U. Nur noch 3 T a g•( | Elnwaizertrium| Kapelle Beres Tanz-Konzert lUehmltt. u. abend« Zimmer « Bett V. RM. 5.. an Z Batten v.RN.IO.-an Hotel- Frflhitack kompl. RM. 1.50 Beriin' Anh I Bahnh. Hotel EXCELSIOR. Im letzen Male: «>/. Uhr Madonna wo btsl Dn? Luise Stösel Theodor Loos Josef Wedorn Rose■ Theater irtSt Fruktirtir SlraBi 13/ ID. WliAui l I IKV 6 und 9 Uhr Die eiserne Inndiran Gartenbtthne 5 Uhr Konzert u.Varlete Drei ernte kleine Mädels auch gegen 12 Monats- ßaten düMofc Berlin W66, leipziger StraSo 122/123 r I 8 Uhr t s. riera 3434. GondieD en. I Wieder 12 neue 9 Attraklio nen Berlins; Radnaebiste, Dlatinabrälle Quecklilber 3inn. metalle. Silber. tchmelae. Doldschmel. »rei. CchriMonat Kovenickerstrake zg Kalteftelle ildalbert. strahe Bootsboudolter. abgepaßte Langen, Preis günstigst, auch Ausschnitt. Nönigs. beza, Britz, Werder» stratze S9— tzu Her. mannplatz 1932. Bootsplanrn 1.40, oernabt 2,40; Markisenston 1,17; Zeltbahnstosf 1,30; bunten Stupfen 0,50; alle» Quadratmeter Reichsmark. Polks u. Iakobowski. sto. venickerstraße 114. Iannowitz Nr. 3100. 370«. Gartenpumpen, Gartenschlauch erstaunlich billig. Reue Friedrichstratze 45(Nahe Börse).- « Willst du reisen?- Ja! Kannst du reisen?— Nein! Denn Reisen ist teuer, und dein Geldbeutel Ist leer. Aber eines kannst du gewiß tun; das neue Reisebuch des Bücherkreises lesen; Erich Grisar: Mit Kamera und Schreibmaschine durch Europa Bilder und Berichte. Mit vielen Fotos. Großformat. Halbleinen. Kein Buch tür romantische Träumer und Schönheitssucher, sondern für Gegen- warlsmenschen, die wissen wollen, wie die Völker jenseits unserer Grenzen arbeiten und leben. Preis nur 4.30 RM(für Mitglieder Sonderpreis) Verlag Der Bücherkreis GmbH, Berlin SW 61 Zu beziehen durch: Der Bücherkreis G. m. b. H. Berlin SW61, Belle-Alliance-Platz 7 SfrAümS SfiaioiUQcße jcL& l/otUKLfk föeilage Mittwoch, 13. Juli 1932 lUil# durch Berlin Sin Spaziergang des Jlrbeilslofen llgo Am Tage der gewaltigen Lustgartendemonstration trugen Zehn- tau-sende von Menschen mit Begeisterung die drei Pfeile der Eisernen Front an der Brust. Kampfentschlossen hallte immer wieder der Ruf: Freiheit! durch die Straßen. Es war ein gewaltiger, ein erhebender Tag für den fozialisti- schen Gedanken und Menschen. Doch dieser Montag des Massen- aufmarsches soll nur ein Teil des begonnenen Kampfes sein. Täglich sollst du die drei Pfeile tragen und täglich soll der Freiheitgruß die Straße beherrschen, den Feinden eine Warnung, den Freunden eine Aufmunterung und den Abseitsstehenden eine Mahnung. Also zog ich mit meinen drei Pfeilen am Rockaufschlag los, um Ihre Wirksamkeit im Alltag des Kleinkampfes zu erproben. 1. Begegnung: Angst. Drei Häuser von meinem Domizil entfernt traf ich meine Schlummermutter beim Klatsch mit einigen anderen Frauen. Auch sie hatte die Montagsdcmonstration mitgemacht und stolz die Pfeile getragen. Heute aber sucht sie mein Blick vergeblich. Sie schlummern bis zur nächsten Demonstration friedlich in der Kommode bei alten Photographien, beim Myrtenkranz und Schleier. Erinnerungsgegen- stand an den„scheenen Ausmarsch". Als Mutter Möckel mich erblickt, schreit sie auch schon:„Wat is denn heite los.det Se d e Pfeile anham? Schon wieder Demonstration?" „Nein, Mutter Möckel. Man muß doch aber so ein Abzeichen täglich tragen, denn es soll doch..." Weiter komme ich nicht.„Schön dämlich müßt man denn sein. Damit eenen die Nazis de Knochen zerschlagen. Wat hat man denn erreicht?" brüllt sie mich an.„Nee, nee, machen Se dct man ruhig ab und loosen Se nich als Selbstmordkandidat rum. Ick will erst noch meine zwee Monate Miete von Sie haben, denn können Se sich meinetwegen usf de Straße zerhacken lassen.. 2. Begegnung: Bequemlichkeit. Ich ging davon und hielt mir in Gedanken den Vortrag, den ich meiner Wirtin hatte halten wallen. Wie dumm und töricht diese Angst sei und nur die Frechheit der Nazis steigere und so weiter. Selbst dabei ließ ich jedoch meine Mitmenschen nicht aus den Augen und suchte an ihnen die Pfeile. Auch an Karl suchte ich sie, den ich als tüchtigen Funktionär kannte und dem ich keine Angst zutraute. Vergeblich. Er grüßte mich mit lautem„F r e i h e i t", doch dann wollte er sich rasch drücken. Aber ich hatte ihn schon.„Na, Karl, warum trägst du deine Pfeile nicht? Hältst du sie auch nur für ein Demonstratioirsabzeichen und hast Angst, wenn du sie außerhalb der Masse trägst, von den Nazis deswegen angerempelt zu werden?" „Angst vor den Nazikerlen? Pah", Karl spuckte verächtlich aus, „ich Hobe'n paar ganz gute Maurerkellxn, da saßt mich so leicht keiner an. Nee, deswegen Hab' ich die Nadel nicht zu Hause gelassen. Aber weeßte, das ewige Fau st hochhebenund Freiheit- rufen, det paßt mir nicht. Ick bin ja neulich nich eene Minute ruhig gegangen, wie ick mit meiner Olljchen spazieren ging. Alle Augenblick ging dct„Freiheit! Freiheit!" Da wirste ja irrsinnig bei." „Aber Karl", beoorwurse ich ihn, ,chu als Funktionär der Bewegung müßtest doch wirklich begriffen haben, welchen propa- gandistischen Wert es hat, wenn jetzt, wo die Papenkreuzler mit ihren Abzeichen und„Heil-Hitlcr"-Gebrüll in den Indifferenten die Mei- nung erzeugt haben, es gäbe nur noch Nazis, unsere Genossen mit den Pfeilen und dem Freiheit-Ruf die Oefsentlichkeit für uns alar- inieren wollen. Meiner Ansicht entsprechend müßte unser Zeichen und Ruf so stark zur Geltung kommen, daß er nicht nur das„H e il Hitler" übertönt, sondern zum Verstummen bringt." „Ansichtssache", meinte Karl,„ober ich muß jetzt gehen. Frei» h e i t!" Er hob die Faust und verschwand. 3. Begegnung: Nazi. Noch keine zwanzig Schritte hatte ich mich von der Stelle ent- fernt, als ich einen der Bräunlinge auf mich zuschlendern sah. Sein Notverordnungshemd war ihm zu weit und sein sowieso nicht über- mäßig intelligentes Gesicht wurde noch durch ein unverschämtes Grinsen entstellt. Seine Scheuklappen zeigten als Firmierung eine kleine römische Zwei und dann in der üblichen Zahlenform eine große Sechs. Er kam direkt auf mich zu, unke mit militärischem Ruck hielt er vor mir und schrie mir ins Gesicht:„Puh, puh, die Räuber..." Vergeblich suchte ich in meinem 5strn nach einer Erklärung für diese sinnvollen Worte. Ich sragtc:„Wollten Sie etwas von mir? Dann müssen Sie verständlich sprechen..." Mag es nun sein, daß meine Stimme etwas hart geklungen hatte oder daß der System-Armift meine Augen nicht ertragen konnte, jedenfalls lief er davon, und erst aus der Ferne rief er, gleich einem Kinde, nochmal denselben Blödsinn. Ich lachte und ging weiter. Kam in die innere Stadt und hatte viele Begegnungen. Begegnungen, wie ich sie mir wünschte. Alle Augenblicke hob ich dieFaust... A l l e A u g c n b l i ck e grüßte ich„Freiheit". Tauschte den Gruß mit mir unbekannten Menschen, und sie wurden meine Schwestern und Brüder im Zeichen der drei Pfeile. Viele Nazis blickten scheel auf unsere gehobenen Fäuste und unser blitzendes Zeichen. Aber sie hielten still, weil sie die Masse der Pfeilträger sahen und die Solidarität ahnten. Tragt sie täglich, die Pfeile der Cisernen Front, ihr Hunderttausende vom Montag. Grüßt täglich mit dem herrlichen Gruß: „Freiheit!" Tragt sie und grüßt als aktive, disziplinierte Kämpfer für die Freiheit. Ten Feinden eine Warnung. Ten Freunden eine Aufmunterung. Ten Abseitsstehenden eine Mahnung... „freikeit"! Deimlings lag und nicht nur am System, dafür hat der Schreiber einen Beweis aus seiner eigenen Militärzeit. Er diente zwei Jahre vor Zaber» in Straßburg bei der Fußartillerie und fühlte einstmals das unabweisliche Bedürfnis, einem Fahnen- j u n k e r, der ihn„W a ck e s" genannt hatte, einen gehörigen Tritt vor den Hintern zu geben. Da dieser Vorfall sich während einer Zielübung abspielte, gab's nachher, das heißt oierundzwanzig Stunden später, eine Fortsetzung beim„Alten". Aber wer glaubt. der Kanonier Wöhrle sei daraufhin die berühmten drei Tage ins Loch geflogen, der irrt sich. Dazu war der Hauptmann(auch ein Preuß', Sergeant Fröhlich!) ein viel zu verständiger Mann. Er erkannte den gegebenen Tritt als zu Recht bestehend an, hielt ihn aber zur Sühne als ungenügend, weshalb betretener Fahnenjunker an drei Tagen hintereinander auf unserer Rekrutenstube zehnmal die Ofentür ausmachen und zehnmal hineinrufen mutzte:„Einem Eljässer darf man nicht Wackes sagen!" Das wirkte besser als eine Stechprämie, und es hat nie jemand davon gehört, daß das Preußentum an diesem Fahnenjunker kaputt gegangen wäre. Ganz im Gegenteil! Unser elsäfsisches Volk und unser elsässisches Volkstum wird leben, so oder so. Es darf aber verlangen, daß ihm in seinem Kampf nicht unnötig Knüttel zwischen die Beine geschmissen werden. Und Fröhlichs Sergeantenbuch ist einer. Einer von den aller- unnötigsten. •Dr. Alfred Werner: ZPlantvirifchafi gegen Autarkie Autarkie, dieser von den Nationalsozialisten geforderte Zu- stand, bedeutet Selbstbestimmung, Selbstherrschaft, Selbstgenügsam- keit. Gemeint ist politische und vor ollem wirtschaftliche Selbst- beschränkung. Das deutsche Volk soll alle Güter, die es verbraucht, selbst erzeugen. Nun sind die Deutschen aber seit etwa sechs Jahr- zehnten ein Welthandel treibendes Volk. Seine Industrie- waren werden nicht nur im Inlande, sondern auch im Ausland ver- kauft. So erst kommt im wechselseitigen Geben und Nehmen Welt- Handel und Weltwirtschaft zustande. Was würde bei dem von den Nationalsozialisten erstrebten Autarkiezustande eintreten? Das deutsche Volk müßte freiwillig auf alle vom Ausland eingeführten Waren verzichten. Das bedeutete weiter« Einschränkungen der Be- dürfnisfe der breiten Massen. Aus den Genuß van Tabak, Kaffee, Tee, Reis, Südfrüchten, Gewürzen könnte man allenfalls unter Entbehrungen verzichten. Weit schlimmer wäre der weitere ge- waltig« Schrumpfungsprozeß unserer deutschen In- dustrie. welche den Auslandsmarkt verlöre. Wenn man sich als Nationalsozialist noch so deutsch gebävdet, der deutschen Wirtschaft, dem deutschen Arbeiter diente man mit Autarkiemaßnahmcn nicht. Hunderttausende von Arbeitern würden freigesetzt werden, würden Arbeit und Brot verlieren. Der Mehr- bedarf an Jntdustriemarcn, der bei der Landwirtschaft entstünde, würde jene gewaltigen Ausfall leider nicht wettmachen. Man hält dem die Umsiedlung der Industriearbeiterschast von der Stadt aufs Land entgegen. Das mag bei jüngeren Leuten richtig sein. Wie aber stellt man sich ernstlich die Umpjlanzung des Industrie- arbeiters mittlerer und älterer Jahre aus der Industriegeineinde und der Großstadt aufs Land vor? Spielt Gewohnheit, Seelen- läge, Fachkenntnis gar keine Rolle? Der Industriearbeiter soll aus seiner gewohnten Arbeit und Umgebung in ein ihm fremdes Milieu, noch dazu ohne Fachkenntnisse der Landarbeit? Hier türmen sich für den, der nicht von nationalsozialistischem Rausch benebelt ist, ungeheure sachliche Schwierigkeiten auf, die nicht so leicht gelöst werden, wie manch einer glaubt. Die Sozialdemokratie stellt der Autarkie die Soziali- sierung entgegen. Soziolisierung heißt zugleich P l a n w i r t- s ch a f t, öffentliche Regelung der Warenerzeugung und-Verteilung. Während die bisherige kapitalistische Wirtschaft nach dem Verdienst, dem Profit ausgerichtet ist, stellt sich die sozialistische Wirtschaft auf den Bedarf nach einheitlichem, umfassendem deutschen Volkswirt- schaftsplan ein. Die Sozialdemokraten versprechen den privaten Wirtschaftsführern allerdings keine bevorrechtigte Stellung. Ihr Endziel ist nicht die Teilsozialisierung der Banken wie bei den Nationalsozialisten, fondern schließlich, von der Landwirtschaft ab- gesehen, idie Vollsozialisierung. Die Nationalsozialisten haben sich willkürlich einen Teil aus dem marxistischen Kuchen heraus- geschnitten, wie ja überhaupt ihre Lehre mehr oder weniger nur auf eine kümmerliche Anleihe beim Sozialismus mit der Beigabe chauvinistischer Verengung hinausläuft. Wie es ja bei nüchternem Nachdenken gar nicht möglich ist, wie es die Nazis tun, dem In- dustriekapitön die Erhaltung seines Besitzstandes und gleichzeitig dem deutschen Arbeiter die Sozialisierung zu versprechen. Ein solches Programm ist widerspruchsvoll und läßt sich praktisch gar nicht durchsühren. Demgegenüber ist das oberste Gesetz sozialdemokratischer Wirt- schaft die Bedarfsdeckung aller Staatsbürger, des ganzen Volkes. Die Stillofigkeit der jetzigen Wirtschaftsordnung liegt darin, sich bald von indioiduell-profitwirtschastlichen, bald von ge- meinwirtschaftlichen Zwecken bestimmen zu lassen. Die Durch- führung des nationalsozialistischen Programms würde dies Durch- einander sich widersprechender Wirtschastsmaßnahmen noch ver- schlimmer». Demgegenüber haben die Freien Gewerk- s ch a f t e n soeben eine Reihe planwirtschaftlicher Maßnahmen empfohlen, die uns allmählich aus dem bösen Wirtschaftsburchein- ander mit seinen harten Notverordnungen herausführen könnten. Als notwendige Ergänzung dieser planvollen Wirtschaftsordnung im Innern wird ein Außenhandelsmonopol gefordert, das dem Staat die Möglichkeit gibt, auch die Ein- und Ausfuhr unter den Zweck der Bedarfsdeckung des ganzen Volkes zu stellen. Während die Nationalsozialisten, wie sie es bisweilen selbst zu- geben, ohne einheitliches Programm, wenn sie zur Regierung kommen sollten, gleichsam von der Hand in den Mund leben wollen, wenden die Sozialdemokraten ihre einheitliche Wirtschaftstheorie, die organisch die Versorgung des ganzen deutschen Volkes mit materiellen und ideellen Gütern erstrebt, durchzuführen versuchen. Während die Durchführung des nationalsozialistischen Programms uns wirtschaftlich um etwa hundert Jahre zurückwürfe, könnte die Verwirklichung sozialdemokratischer Ziele der deutschen Wirt- schast und damit der Weltwirtschaft zur Blüte verhelfen, wie sie die Welt bisher gar nicht kannte. Allerdings gilt es zu kämpfen, denn die Vertreter der Privatwirtschaft ebenso wie die wirklichkeits- fernen Nationalsozialisten hängen konservativ an alten, überlebten Vorurteilen. Oder sie glauben, die Wirtschast mit deutschtümelndem, mittelalterlichem Geist wiedererstehender Zunft- und Stöndeherr- schaft beleben zu �znnen. Das Rad der Geschichte ober rollt vor- wart?, es laßt sich auf die Dauer in seinem Lauf nicht aufhalten 3>er&all SEabern Betrachtungen eines Elfäffers/ Ton Oskar Itöhrle Seit in Zaber» ei» kleiner preußischer Leutnant eine große Klappe uttd einen ungeschliffenen Säbel schwang und damit nicht nur das Elsaß, sondern halb Europa in Aufregung versetzte, sind 18 Jahre vergangen, darunter vier vollgewichtig« Weltkriegsjahre, die eigentlich doppelt zählen müßten. Trotz diesem großen Zeitabstand ist der Fall Zabern noch heute unvergessen. Er wird es bei uns im Elsaß noch weiterhin bleiben: denn als die gröbst« und hörbarste Entgleisung des sogenannten Vorkricgs- kommiß ist er nach wie vor das Paradestück der Preuhenschreck- fabrizierer von jenseits der Vogesen. Als das Kernstück ihrer antideutschen Propaganda werden sie den Fall Zabern immer wieder in unser Blickfeld zu richten wissen. Deshalb sind sie auch unablässig darum bemüht, aus dem Fall Zabern die Legende von Zobern zu machen. Zwar haben sie mit ihren kräftig an der Wahrheit vorbeizielen- den Darstellungen nichl immer Glück gehabt: nachdrücklich ist ihnen von Zeit zu Zeit auf die allzu bemühten Finger geklopft worden. Es fei nur an die ausgezeichnete Arbeit von Erwin Schenk „Der Fall Zabern"'erinnert. Plötzlich ist den Gejchichtsklitterern auf deutscher Seite«in Helfershelfer erstanden, ein Sergeant Fröhlich, der ihnen in seinem Buch„Affäre Zabern"(Verlag für Kulturpolitik, Ber- lin) die Mühe des Geschichtenersindens abnimmt und dafür eigene liefert. Dieser Sergeant Fröhlich könnte für eine elsäfsische Betrachtung füglich außer Ansatz bleiben, wenn er nicht neben dem Leutnant von F o r st n e r als der eigentliche Urheber der Zaberner Affäre figurieren würde. Diese historische Rolle ist nun leider geeignet, seiner Darstellung und seinen Behauptungen ein besonderes Gewicht zu geben, und gerade darin liegt das Irreführende und Schädliche seines Buches Fröhlich bemüht sich zwar nach Kräften, objektiv zu sein. Doch seine Objektioitäl ist so beschaffen, daß aus jeder Naht der ehemalige Unteroffiziersschüler hervorplagt. Ucberall in seiner Darstellung bricht der alte Kommißknochen durch, und zwar der subalterne, ab- geschlossen von der übrigen Welt durch sein« militärischen Scheu- klappen. Dieser Fröhlichfche Geist wirkt am unangenehmsten da, wo er versucht, von seiner Unteroffiziersphäre aus feldherrnhafte Ausblicke.zu geben. Bei dieser Sachlage sind einseitige und schiefe Ergebnisse unver- weidlich. Dies um so mehr, als der schreibende Sergeant sich vom Elsaß und von den Elsässern zum Teil geradezu hinterwäldlerische Vorstellungen bewahrt hat. Nach ihm ist das Elsaß Feindesland gewesen, die Elsasser sind zwar nicht gerade Neger, aber immerhin„Eingeborene",„Fron- zosenköppe". Er spricht von einer elsässisch- französischen Wesensart, von einer allgemeinen Abneigung gegen das Deutsche und will das damit beweisen, daß man in elsässischen Häusern nur selten das Bild des Kaisers sah. Er hält den Kern der Bevölkerung für eine französisch-deutsche Mischung. Der Gedanke, die Elsässer könnten etwas für sich Eigenes sein, kommt ihm erst gar nicht. Sein« Unfähigkeit, sich in das so ganz andere Wesen des Landes und seiner Menschen einzufühlen, ist geradezu erschütternd. Grotesk dieses: er hat eine Elsässerin zur Bekannten und statt seine Besuche zur kritischen Zeit ruhen zu lassen, bringt er es fertig, sich von vier Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett begleiten zu lassen! Mit Vorliebe reitet er auf Nebensächlichkeiten. Um das Wort „Spinner" zu erklären, die Kommißvezeichnung für Unteroffi- ziere, führt er nahezu eine halbe Seite Erläuterungen irgendeines hcereswissenschaftlichen Plauderers an. Auf die eigentliche und für jeden Soldaten naheliegendste Erklärung„Spinner", das ist ein „Verrückter", komnit er nicht. Das hätte seinen Tressen und seinem Sergeantenknopf wahrscheinlich Abtrag getan! So ist das Buch im großen und ganzen keine Aufhellung der Affäre Zabern, sondern nur eine reichlich spät gekommene und im Grunde belanglose Durchröntgung des ehemaligen Unteroffizier- schülers und späteren Sergeanten Fröhlich. Ein Mensch mit fünf gesunden Sinnen hat ja das Zustandekom- men des Falles Zabern nie begriffen. Heute, nachdem der Sergeant Fröhlich sich so ausführlich abkonterfeit hat, wundert man sich, daß das Dcbacle damals nicht größer war. Wie das Buch zeigt, steckte damals nicht nur e i n Fröhlich in der Uniform des 99. Infanterie- regiments, sondern viele. Wenn von einer historischen Schuld gesprochen werden kann, so ist es die, daß solche Leute auf elsässi- sches Land und elsässisches Volk losgelassen werden konnten. Diese Fröhlichs haben in ihrer fröhlichen Ahnungslosigkeit mit ihren dum- men Schnauzen in 49 Tagen die Aufbauarbeit von 40 Jahren kaputt gemacht. Das Maß ihrer politischen Tolpatschigkeit wind aber nicht kleiner, daß sie jetzt, 18 Jahre nach dem Krach, noch einmal Porzellan zer- töppern diesmal mit der Feder, statt mit dem Munde! Auf das Interessanteste des damaligen Skandals ist Sergeaoi Fröhlich gar nicht eingegangen, aus den tragikomischen Umstand näm- lich, daß es einen Fall Zabern wahrscheinlich gar nie gegeben hätte wenn der Redakteur des„Zaberner Anzeigers" nicht zufällig Sachse gewesen wäre. Es war doch immer so, daß die elsässischen Belange am lärmendsten von solchen Zeitgenossen wahr- genommen worden sind, die da?u im Grunde gar keine Aktivlegiti- mation hatten. Hier kam noch dazu, daß der Skandal sruktisiziert werden konnte. Ein Gruttd mehr, daß er nicht einschlief. Daß es an den Fröhlichs, den Reuters und den Und das heiJ?t Rote Sportfront Die Demagogen wieder einmal bloßgestellt Die Reichsleitung des kommunistischen S p o r t v c r- b o n d e s lÄG.) dot in den letzten?unitogen durch die kommu- nistisch« TogeK- und Gportpresso an die Mitglieder der Aerband« der Zantrakkaminislian fiir Arbeitersport und Knrperpslege einen ossenen Bries gerichtet mit der Auf. sorderung zur Bildung einer Einheitsfront in der antifaschistischen Aktion. Der Brief beginnt so: „Genossinnen und Genossen! In der Situation des oerschärsten Älassenkqmpfes wenden wir uns an euch mit der Ausforderung: gemeinsam die antifaschistische rote Sportsront zu schließen." Nachdem die üblichen kommunistischen Agitotionzforderungen aufgezählt sind und Forderungen erhaben werden, die von der Sozialdemokratie soweit in ihren Kräften stand von jeher vertreten und praktisch durchgeführt wurden, heißt es am Schluß:„Schließt mit uns die rote Sportfront, bildet in ollen Orten rote Einheitskomitees für die Durchführung gemein- samer Solidaritätsaktionen. Stellt sportliche Veranstaltungen in den Dienst des Kampfes gegen den Faschismus, für die anti- faschistische rote Sporteinheit. Hinein in die Antifaschistische Aktion!" Diese antifaschistische Aktion und ihre„Einheitsfront" ist, wie jedes andere kommunistische Einheitssrontangebat, nur ein Manöver der KPD, zugunsten ihrer Parteisuppe. Wenn das kommunistische Einheitsfrontangebot eine ehrliche Sache wäre, warum dann nach- stehende Aufforderung im Bekanntmaäzungsteil der„Roten Fahne" Nr. vom 6. Juli, dem Zentralorgan der KPD.? Sic lautet: „An olle Jungkommunisten im Sport! Am Don-' nerstag, dem 14. Juli, findet eine Grnß-Berlincr Froktionssitzung aller Jungkommunisten, die rote Sportler sind, statt. 7,?st Uhr bei Späth. Georgenkirchstr. 6Z. Thema: Aufgaben der Frak- tionen in der Antisaschi st ischen Aktion! Alle Jung. kommunisten sind verpflichtet, bestimmt zu erscheinen." Wozu das in der angeblich geplanten Einhsitssront? Die Sache liegt klar auf der Hand. Die Fraktionen sind die Vollstrecker der kommunistischen Parteianweisungcn in der Antifoschistischen Aktion. Dos war schon immer sp. wo von kommunistischer Seite Aktionen unternommen wurden. Di« Spaltung der Arbeiter- b c w e g u n g, der Arbeitersport- und Kulturorganisalioncn und der Gewerkschaften wurde van den Kommunisten auf dieselbe Art betrieben. Gerade die Arbeiterspartler haben genug van dieser Fraktionswühlerei und lehnen sie entschieden ab. ganz gleich in was für angeblichen überparteilichen Einheitssrontmosken sie sich an- biedert. Ihre Einheitsfront ohne Fraktions- und Zcllenbouerei, die Einheitsfront der offenen und ehrlichen Kämpfer gegen den Faschismus, ist die Eiserne Front. Der Hieb hat gesessen Das vom Arbejtep-'Turn- und Sportbund E. V. in einer Brgschüre gesammelte Material über„Die Lüg« von der Eipheitssront", Dokumente über die„Einheitsfront" der Roten Sportinternationql« und des deutschen kommunistischen Sportoer? bandes(KG), hat auf die Leitungen dieser beiden Organisationen wie Peitschenhiebe gewirkt. Sie. die sich sonst nicht scheuten, in ihren Blättern die Beweise sür ihre spalterische Tätigkeit mit den dicksten Lügen zu vertuschen, sind durch das dokumentarische Ma- terial über ihre Schandtaten einfach schachmatt gesetzt worden: sie mußten alles durch Schweigen anerkennen. Die Broschüre wurde viel verlangt und ist jetzt vergriffen. Per ATSB.. Leipzig S. 3, Fichteftr. ZS, will sie neu drucken lassen und gibt sie»ach wie vor an die Interessenten kostenlos ab. Gerohe jetzt, da die Leute vom kommunistischen Spartverband versuchen, das Einheitssrnntmonöyer mit der„Antifaschistischen Aktion" durchzuführen, tut sie besonder» gute Dienste. Meitu-Majsee&aU Charloltenburg-lJnion 9; t(4:1) Der Titelverteidiger stand am Dienstag vor keiner allzu ich««- ren Ausgabe. II n i q n mußte mit drei Ersatzspielern antreten und konnte daher nicht den eigentlich erwarteten Widerstand leisten. Im Felde durch ihre Schnelligkeit überlegen, spielte Charlotten- bürg ständig in Union» Halste. Auch das Zurückziehen eines vierten«Spielers in die Verteidigung kannte Union hierbei nicht viel helfen. Bei Z.st-Führung Eharlottenburgs gelang Union ein schönes Tor, dock, sosort schießt Charlottcnburg das vierte Tor. Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild. Der in Verbindung mit dem nun ausziehenden Gewitter einsetzende starke Regen macht den Spielern stark zu schassen: Charlpttenburg drückt jetzt mächtig aufs Tempo, doch der Union-Torwart hat«inen guten Tag und hält so manchen Schuß, ohne»erhindern zu können, daß Eharlottenburg Mit 0:2 als überlegener Hieger das Wasser verläßt. kuhball-BHUtiirnier in Lichtenberg Arn kommenden Sonntag wird den Anhängern der Ar. beiter.gußbqltbewegung elmas Besonderes geboten werden. Der Freie gußbällverein Lichtenberg Ik veranstaltet auf dem Sportplatz in der Ky na st st ratz« am Bahnhos Stralau-Rummelsburg ein Futzball-Blitzturnier, zu dem er die Freie«ispartoereinigung Pankow, Lichtenberg l und den B a u m f ch u l« n m e g e r Sportverein eingeladen hat. Schon diese Zusammensetzung von vier sehr spielstarken Mannjchasten gibt eine Gewähr, daß«irklich guter Sport gezeigt werden wind. Dos Turnier beginnt um 15.30 Uhr mit dem Spiel Lichtenberg I gegen Pankow, dem Lichtenberg ll und Baum- Ichulenweg um lfi.05 Uhr folgen. Um lkUO Uhr treten Lichten- berg ll und Pankow auf den Plan. Bon 17.15 bis 17.45 Uhr spielen Lichtenberg I und Baumschulenmeg: von 17.50 bis 18.30 Uhr Baumschulenweg und Pankow. Di- beiden Ortsrivalen Lichten- berg 1»nd Lichtenberg II bilden dann den Schlich. Borher. um 13.50 Uhr, tressen sich die zweiten Mannschaste» van Lichtenberg I und Lichtenberg Is. Schlackt beim frißball Die unglaublichen Ausschreitungen, die erst vor einigen Tagen bei dem Spiel der bürgerlichen Fußballmannschasten zwischen I»- gentuaiTurin und S l a v! a- P r a g in Prag die Oessent- lichkeit erregten, sanden beim Rückkampf in Turin ihren Fortgang. Bekanntlich wurde der Schiedsrichter in Prag durch einen italienischen Spieler zu Boden geschlagen, so daß er ins Krankenhans eingellsfeot werden mußte. Was sich aber in Turin ereignete, steht in den Analen des Fußbnllsparts einzig da. Bor Beginn des Spiels erklärte der Wiener Schiedsrichter, daß er dem Kampf„verhältnismäßig ruhig" entgegensehen würde. Die Barbereitnngen, die von seiten der Leitung des Milropa-Pokals zu diesem Spiel gemacht wurden, sind hezgichnend sijr die entwrleten Ausschreitungen. Nicht weniger als 1 200 P o l i z e i b e a m t e waren zum Schutz der Präger ansgebote»: innerhalb der Zuschauer- mengen waren Kriminnlbeanite in Zivil verteilt. Das Spiel selbst rechtfertigt diese Barbereitunge». Stark erregt begannen beide Mannschaste» den Kampf, an dein die Zuschauer zugunsten ihrer Londsleute sofort leidenschastlichen Anteil nähme». Trotzdem kam es bis zur Pause beim Stande non 2:0 sür die Turiner zu keinen größeren Ausschreitungen. Kaum hatte der Schiedsrichter de» Kamps ober wieder angepsissen, als der Tumult losbrach. Bau einem Steinhagel getrofscn sank der Torwart derPrager »im T n r z u s n m m c n. Das war das Signal zum Losschlage». Im Nu waren auch alle Spieler mobilisiert. Der Schiedsrichter brach das Spiel ab und lange Bcrhandlungcn über die Weiterführung wurden getätigt, die aber zu keinem Ergebnis führten. Wie wir nachträglich erfahren, hat Slavia-Prag ans einen weitere» Kampf verzichtet. Dadurch haben die Turiner, dank ihrer explosiven Zuschauer, das Spiel gewannen. bleue Bestleistung im Heben Bei den Meisterschaften der österreichischen Ar Heitel!, krastsportler gab e» auch in diesem Jahre eine neu« inte«, nytiynole Höchstleistung. Der Federgewichtler Auer, Hyllriegel stieß rechts 90,7 Kilogramm. Bei den Meisterschaften seines V«r? eins überbot der Rekordheber H a l a seinen eigenen Rekord im beidarmig Reißen von 105 aus 107,5 Kilogramm. Nach einem neuen Wertungssystem wird der nächste Hebcrmettstreit der Wiener Gewichtheber durchgeführt. Di« Bezirke stellen sür die sieben Htberklqsse« j««inen Heber. Zwei Punkt« erhält her Wettkämpfer mit der besseren Leistung, unbeschadet ob er ein höheres Körper- gewicht hat oder nicht, die Geipichtsgrenz« der einzelnen Klassen darf nicht überschritten werden Di« Punkt« weiden bei gleichen Leistungen geteilt. D-e Gesowtsieg fallt dann a» die Mannschaft mit den meisten Punkten. Ausländer beim Rhön�Scgelflug Für den vom 17. bi» Zs. Juli stottsindeviden Rhpn-Segelflug- Wettbewerb gingen diesmal 9 5 Nennungen ein, eine Zahl, die hinter äen letzten Jahren zurücksteht. Es wird dies jedoch erklärlich aus der stark beschränkten Unterbringungssrage. Gegenüber d«>> letzten Jahren sind die Flugzeuge erheblich größer geworäcn und die zur Verfügung stehenden Baulichkeiten qus der Wasserkuppe reichen nicht einmal ans, um olle gemeldeten Maschine» unterzllbringen. Es wurde zwar ein Betrag zum Bau einer Halse zur Versügung gestellt, der sich jedoch ip viel zu bescheidenen Grenzen bewegt und daher lange nicht onsreicht. Das Ausland, das in den letzten Jahr«» nnvertreten war, hat diesmal wieder gemeldet. Neben einem D e u t s ch b ö h m e n ist Italien durch eine». Palen durch zwei Piloten und Maschinen im Leistiingswettbrwerb pertrelen. Ilm eine einwandfreie Feststellung der Matze bei.Höbe»- flügen zu gewährleisten, hat die Rhön-Rossitten-Gesellschaft für den aiesjährigen Wettbewerb nwsangreiche Sondcrbestim- m u n g e n«rlossen. Es werden nur Bgrogrsphen mit einer Metz- höhe bis zu 5000 Meter und einer Ilmlquszeit von höchstens sech? Stunden zugelassen, die vorher dem Meßtrupp vorgeführt und«ingehend auf ihr« Verwendbarkeit geprüft worden sind. „Allersriegensport!" Unter diesem Titel veranstalten die Freien Schwimmer Groß-Bcrlin am Sonnabend, dem 10. Juli. 10.30 Uhr, in ihrem Vereins-Sommerbad in Neukölln, an der Grcnzalleebrücke, einen interessanten Sportabend. Die„Alten" werden zeigen, daß für den Sport niemand zu alt ist. Fauslbqll- spiele der Schwimmer gegen Volkssport Neukölln und ASB. Ren- kölln, leichtathletische und Medizinballübunze», sowie Schwimm- Vorführungen sportlicher und humoristischer Art füllen das Pro- gramm bis Einbruch der Dunkelheit. Um allen die Teilnahm- zu ermöglichen, ist der Eintrittspreis auf nur 15 Pf. festgesetzt. Jahr- Verbindung U-Bahn und Straßenbahn 47 bis Grcnzallec. Tour de France Im Hagelsturm durch die Pyrenäen Hatten di« Teilnehmer an der Radrundfahrt durch Frankreich bisher stark unter der drückenden Hitze zu leiden, so stellte sich am Dienstag bei Beginn der gefürchteten Fahrt durch die Pyrenäen ein noch schlimmeres Uebel«in, nämlich ein anhaltender Hagelsturm, Man muß schon einmal dabei gewesen sein, um sich eine Vorstellung machen zu können, welche unglaublichen An- forderungcn an Mensch und Maschine, noch dazu bei schlechtem Wetter, aus diesem Teil der Tour de France gestellt werden, t't steilen Ausstiege bis zu d-n Höhen von mehr als 2100 DUler und die sich anschließenden schwindelnden Talsalirlen sind es nicht allein, die die Kräfte der Fahrer ausreibe», schlimmer ist noch der fürchterlich schlechte Zustand der Straßen und Wege, die teils aufgeweicht, teils geröllübersät und streckenweise für die Begleitautomobil« kaum passierbor sind. Die erste Pyrcnäenetappe von Pau nach Luchnn über 223 Kilo- met«r brachte zwar im großen und ganzen wesentliche Verändc- rungen im Klassement, wie ma» sie crmortet lustte, jedoch vermach' teil die beide» Spitzenreiter Andre Lcducq und Kurt Stapel ihre führende Position zu behaupten. Als Neuling vollbrachte Stapel auf dieser schwierigen Etappe ein« Leistung, die uneingeschränktes Lob vevdient. Stets war er mit im Bordertressen zu finden, kilo- ineterweit mußt« er ganz allein fahren, und trotzdem traf er als Achter mit einem Zeitverlust non nur vier Minuten ein. Gut hieb ten sich non den Deutschen mich der Schweinsyrter Mener und der Dresdener Thierbach, auch Max Bulla zeigte wesentlich bessere Leistungen als bisher. Die anderen Deutschen erlitten zum T«il große Zeitverlust«, so.Kutschbach. IImb«nhauer und Hermann Miivek 4S Minuten, Sieronski, der immer noch an d«n Folgen seines Sturzes bei Bordeaux— Pari» laboriert, und Olboter 57 Minuten, Risch uwb Altenburger sogar eineinhalb Stunden. Im Mannschosts- klassement ist Deutschland daher noch«inen weiteren Platz zurück- gefallen: e» liegt setz» an vierter Stell« hinter Frankreich. Belgien und Italien, das viel Zeit aufgeholt hat, dach beträgt die ,l»eit> disteren, zwischen der führenden sranzasischen und der deutschen Mannschaft nur l9 Minuten. Frauen, wassersportverein. Republik. Die Trainingsarbeit dem jungen Verein hat dank dxs regen Interesses aller Genossinnen gute Fortschritte erzielt, so daß schon jetzt einige Vierer mit aktiven Ruderinnen hefetzt sind. Es ist d«r erste Fraiien-Wajserfportverein, der ans dein Tegeler Gewässer den Arbeitcr-Turn- und Sportbund vertritt. Besonders erfreulich ist der Bercinsbeschlnß, an der am 28. Anglist auf dem Etößensee stnttsindenden Äreisregotta aktiv teilzunehmen. Es werden jetzt nach Mitglieder ausgenommen, die sich im Boolshause Mittwochs»»d Sonnabends, an den Trai- ningstagcn, melden können. tTelephnn C 8 1979.) Außer Rudern wird auch der Paddel- und Schwiinmspart gepflegt und die Bel° träge sind den jetzigen wirlschastliche» Beihältnissen angepaßt. AM 7. A u g ii st findet eine Vereins ausfahrt»ach Papenberge init spartlichen Spielen statt, zu der olle Bvotc erscheinen. Bundes- verein und Gäsie sind herzlich«illkvmmen. Suu��staeue Verüut iäieM- wJb*. Wi ftztzst r'i de«»atvrfttuiden? T\t rgAltc der se?t's>7, he*. Sfiunftpntiminj..Dir SRoturfrpunde" führt IT. ÄM, pf* ffvKdnchthogrn ,)hex di« ny» Sopenicker iklnturfrcvnt'ehovk' a« ber'hropon Srcmrr- TRugfahrt mit Slutoammfnif vom Müggelsee. Trelt' punkt T'} Uhr Bahnhof Friedrich-Hagen. Fahrgeld tzü Pf. BfA. Proles lOrtsgrunpe). Training der Männer Plah Las-kerstraße Mnt« «Ichs um 13 Uhr: der TtitterDinrner und-turnermnen Sportplatz Friedrichshain (Spiel und Sport). Freitaa wieder Uebnngsabend der Männer in der Turnhalle .8. nord. Hirschart; 49. Artikel(Dativ): 24- Signum f.EschrichtsZoo- log.); 22. Gerücht: 24- bibl. Vater; 26. Amts" kleid; 27. Fahrrinne in den Wotteii: 29. Abzug aus Rechnungen(Mehr- zahl): 30. Versehen: 32. Musikstück:.53. Klettern aus Schiff.— Senk- recht: l.u 4. zwei Ab' webrsäulen im politische Kamps: 2. Schmutz: 3. asiat. lialbinsel; 5. Abkürzung sür„kurzer- Hand": 6. wütend; 7. Schulsaal: 8. dafür und darum kämpfen l- lind 4.; 9. Nebenfluß des Reckars: 10. Boxmeister im Schwergewicht: 20. bibl. Speise. 21. Reichspräsident t; 25. Geilecht: 25. Frucht: 28. pcrs. Fürwort, gekürzt? 5l. cheni. Zeichen für Mangan.(Die Buch' stoße» der sentrechten 8 sind End- und Ansang-laute, Ich gilt als »in Buchstabe.)_—dt. Auflösungen ber letzten Rätselecke Kreuzworträtsel. Waagerecht: 3. Ase: 5. Lot: 7. Mn: 8. Lei: 10. La: 12. Rn: ,3.«a: 14. Le: 46. Dur; 48. St: 19. Jle; 21 Eis— Senkrecht: I. As: 2. Pa; 5. An; 4. El; 5. Li: 6. T L.: 7 Mal: 9. Emu: II. Ost: 15. Ei: 16. De: 17. R«: 18. Es; ZO La: 22. In. 8. Jloo})-. 8. Zkoros: Chiemsee: 45. Tokio: Reise; 18. Kleie.-=■ 11. Alice; 16. Arnim: 12. 17. Silbenrätsel: 1. Ekkehard; 2 Zrrlicht. 4. Znlermezzo: 5. Gasparone; 6. Kattun: 7. Ei